BERLIN Mittag 2. Nezember 1931 10 Pf. Ar. 522 B2S6 48, Jahrgang frfdietnttägltrf) außerEvnntags. Zugleich Abendansgabe des„Vorwärts'. Bezugspreis für beide Ausgaben 8ö'vf. pro Woche. 3,60 M. pro Monat ttaron 9o Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus »adlvar. Postbezug 4,32 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitungs. und 72 Pf. Postbestellgebühren. „bbwarfa Mnielgenvrefi; Sit tlitfealUge KtnecreiarieUt SD Pf.. XeBamticUe 5 ÜB. Ermäßigungen nach Tarif. Voiischcckianto Drrniärts-Pcrlag m. b. H., Berlin Rr. Z7 536.- Der Setlag behält sich bat Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor 1 Redaktion und Ervedition! Berlin TW68, Lindenilr. 3 SernfpredieteDönhofFiAT) 292—297 Warnung in lchier Stunde! Gewerkschastsprotesi gegen Lohnsenkung und Eingriff ins Tarifrecht Die Wahlen in Wütiemberg Sozialdemokratie stärkste Partei in Stuttgart/ Razis 2i. Prozent der Stimmen Der Vorfitzend« ints ADGB..(Genosse L e i P a r t. h«rt an de« Netrhskanzler Dr. Brüning den folgenden Brief gerichtet: Zehr verehrter Herr Reichskanzler. Aus der Unterredung, die auf Ihren Borschlag meine Kollegen am Tonuabend mit dem Herrn Reichsarbeits- nimifter hatten, ist uns zur Kenntnis gekommen, dah die bevorstehende Notverordnung eine weitere Lohn- und tSehaltssenkung bringen soll, dergestalt, daß an einem bestimmten Zeitpunkt die Tariflöhne ohne Rücksicht auf die lKcltungsdaucr der Verträge und unter Ausschaltung des ordentlichen Schlichtungsverfahrens durch geschlichen �swang auf den Stand vom 10. Januar 1927 herabgeseht werden. Gegen solche Absichten erheben wir in lehter Stunde nochmals e n t s ch i e d c n st e n Protest. Wir warnen die Rcichsregierung. den Weg der Lohnsenkung noch weiter zu gehen und wir Protestieren insbesondere gegen den geplanten Gingriss in das Tarifrecht. Tic voraus- sehbaren ssolgen, die sich hieraus ergeben mühten, wird auch die Regierung nicht tragen können; wir erklären schon heute, dah wir iegliche Verantwortung ablehnen. Die neue Aoiverordnung. Brüning will sie im Aundfunt ankündigen. Das Reichskabinett tritt heute vormittag um 10 Uhr zur letzten Beratung der neuen Notverordnung zu- sammen. Die Veröffentlichung der Verordnung wird spätestens am Mittwoch erfolgen. Am Dienstagabend wird der Reichs- k a n z l e r sich zu den neuen Maßnahmen im Rundfunk äußern. Vorher beabsichtigt er einen Empfang der Presie. Die Verordnung will das Problem der Lohn- und Preissenkung zugleich regeln. Alle Vorstellungen gegen diese Absicht scheinen' nur insofern Ersolg gehabt zu haben, als man entgegen den anfänglichen Plänen die Schlichter in das Lohnsenkungsoerfahren eingeschaltet und Lohnsenkungen nach dem Wortlaut der Verordnung nur unter der Voraussetzung gewisser Preissenk un-- gen ersolgen sollen. Die Gehälter der Beamten werden um g Proz. gekürzt werden, und zwar wird die Kürzung erstmalig am 1. Februar in Kraft treten. Die Gütertarife derEisenbahn erfahren eine Kürzung von 25 Proz. ab 16. Dezember. Die Invalidenrenten werden nicht weiter gekürzt. Auch von der Herabsetzung des steuerfreien Existenzminimums ist Abstand genommen worden. Dagegen wird die Umsatzsteuer von 0,75 Proz. auf 2 Proz. erhöht. Die neue Verordnung wird zugleich Maßnahmen gegen den Wasfenmißbrauch und den Terror enthalten. In ihr wird zugleich bis über Neujahr ein sogenannter Burgfrieden versügt werden. Werbesonntag für die Partei. Die gestrige Flugblattverbreitung. Am gestrigen Sonntag fand in allen Bezirken Groß-Berlins eine Flugblattverbreitung der Partei statt, in der eine Sonderausgabe des„V o r w ä r t s" mit einer Darstellung über das hessische Schanddokument der Nationalsozialisten verteilt wurde. Die Funtlionäre der Partei zogen unermüdlich treppauf und treppab. Oft genug kam es mit Hausbewohnern und Passanten zu lebhafte.: Ausspracyen, und immer und immer wieder konnten die sozialdemo- kratischen Werber feststellen, wie notwendig und wichtig es ist, gerade über diese Vorgänge und ihre politische Bedeutung Aufklärungen in breiteste Massen des Volles zu tragen. Ueberall hat dos Bekanntwerden der Hochverratspläne und Blutdokumentc der Notionolsoziolistcn wie eine Bombe gewirkt und manchen, der bisher den Nationalsozialisten nachgelaufen ist, davon überzeugt, daß mit solchen politischen und wirtschastspolitische.n Kindereien die Gesundung unseres Volkes nicht möglich ist. Di« Rationalsozialisten selbst waren recht kleinlaut, und uns«« Flug- blactverbmter sind ausnahmsweise kaum von ihnen belästigt worden. Stuttgart, 7. Dezember.(Eigenbericht.) Der Ausgang der würtlembergischen Gemeindewahlen läßt sich im Augenblick noch nicht übersehen, weil die Abstimmungsergebnisse aus den Städten, insbesondere aber aus dem Lande nach dem württembergischen Gememdegcseh erst im Cause des heutigen Tages in Stuttgart bei der amtlichen Wahllcitung eintreffen, vorläufig liegt nur das Gesamtergebnis von S t u t l ga r t. Stadt vor. Es zeigt das gleiche Bild wie alle Wahlen der kehlen Zeit. Der Radikolismus aus der Rechten und Linken hat auch in der württembergischen Hauptstadt seinen Aufstieg aus Kosten der bürgerlichen Mittel fortgesetzt. Die Sozialdemokratie hat gegenüber ihrer bisherigen Stärke einen vertust von etwa 15 Proz. zu verzeichnen. Die Wahlbeteiligung war in Stuttgart äußerst rege. Sie betrug S0 Proz. gegenüber 5Z,Z Proz. bei den letzten Gemeindewahlen im Zohre 1928. Ein vergleich der Wahlergebnisse mit den Stimm- zifser« der Reichstagswahl des Jahres 19Z0 ist insofern erschwert, als die Zahl der wahlberechtigten durch die Vorschrift der ein- jährigen Ort-ansässigkcil bei der Gemeinderotswahl erheblich geringer ist. Andererseits werden auch die vergleichszissern von der letzten Gemeinderalswahl vom Jahre 1928 wegen verschiedener Eingemeindungen den veränderten Verhältnissen nicht ganz gerecht. Abgesehen davon betrug die Wahlbeteiligung damals in Stuttgart nur 5Z Proz. Das Ergebnis von Stuttgari. In Ttuttgart blieb die Wahlbeteiligung gegenüber der Reiehstagswahl von 1930 um rund sächlich das �Repertoire der Berliner Bühnen bilden, hat Kurt Stall es Drama„Menschen" trotz oller Mängel wenigstens den großen Vorzug, das tragische Thema der Arbeitslosigkeit zu behandeln. Schon diese Tatsach« allein hebt es aus dem Meer pseudoaktueller und unterhaltender Stücke heraus. Allerdings wird der Kern hin und wieder von romantischen, rührenden und sogar kitschigen Episoden überwuchert. Stolle vermag nicht die letzten Konsequenzen zu ziehen, er sieht noch nicht das Ueberindividuelle und erhebt auch nicht das Einzelschicksal zum Symbol. Ein Arbeitsloser bricht ein. Er braucht Geld, um seine lungen- kranke Frau nach dem Süden schicken zu können. Der Einbruch geschieht bei dem früheren Chef, einem Generaldirektor, der helfen sollte und nicht half. Am Schluß renkt ein Menschenfreund alles zum glücklichen Ende ein. Abgesehen von Leitartikeln, die die Leute manchmäl sprechen, und von einer schematisierten Zeichnung der Personen, von dem nicht immer glücklichen Aufbau der Szene erscheint die Problem- stellung oerengt. Sie reicht nicht zum Kern hinan. Stolle propa- giert die private Wohltätigkeit, er predigt Menschlichkeit innerhalb einer entarteten Welt. Ein anerkennenswertes Bemühen, aber es kommt noch auf etwas anderes an. Warum leiden Menschen, wenn sich die Führer in der Konjunktur verrechnen, so ähnlich lautet eine Schicksalsfrage in dem Drama. Und hier liegt das entscheidende Moment. Millionen hungern in allen Industrieländern, weil ein poli- tisches und wirtschaftliches System zusammenbricht, well sich die Götter plötzlich als hilflose Wesen demaskierten und niemand den Mut zu einer Aenderung findet. Millionen leiden unter der Gehirn- lofigkeit einer kleinen Schicht. Es geht um mehr als um uncigen- nütziges Wohltun, es geht um Aenderung des Systems. Hier müßte der Ausgangspunkt einer Tragödie der Arbeitslosigkeit liegen. Immerhin ein Verdienst, daß dieses Motiv endlich auf dem Theater angeschlagen worden ist. Unter den Darstellern fällt Silvia R o m b e r g durch ihr gebän- digtes und ausdruckvolles Spiel auf. F. Sch. Solotänze in der Volksbühne. Werte Tanzmatinee im Theater am Bülowplah. Drei tänzerisch völlig verschiedene Typen standen in dieser Matinee auf der Bühne: Rosalie Chladek, Erika Lindner, Jo Bischer. Rosall« Chladek ist die bühnentechnisch Gewandteste. Der größte Teil oes Programms war ihr eingeräumt. So hatte sie die Mög- lichkeit, den Umfang ihres Könnens zu zeigen. Er ist, künstlerisch gesehen, nicht so groß wie Rosalie Chladek zu glauben scheint. Ihre tänzerische Erlebnisfähigleit ist begrenzt. Aber statt in der Ver- tiesung ihre künstlerische Bollendung zu suchen, läßt sich diese Tän- zerin zu einer Breite verlocken, die immer in geschmackvollen, wohl- durchdackten Formen weitergeführt wird, die immer das Publikum zur bedingungslosen Bewunticrung der meisterhaften Technik zwingt, die aber der künstlerischen Persönlichkeit Rosalie Chladeks nicht ge> recht wird. Sie besitzt stärker« Eigenart, als viele ihrer Tänze glauben machen. Künstlerisch auf der Höhe war das„Finale" zur Musik von Dvorak. Hier war jede Figur, jede Bewegung durch- lebt; beseelt« Leichtigkeit der Gesten zusammengefaßt zu großen Schwüngen, in oeren HeUerteit eine schmerzlich süße Melancholie laise mitklang. Auch Strawinskis„Petruschka"-Motio war in diese beiden Komponenten aufgelöst, ganz anders freilich als das„Fi- nale": betontes Nebeneinander d«i' Motive, groteske Perzerrung. Aber auch in diesem Tanz gab Rosali« Chlad«r ein reifes Kunst- werk In den formell bezaubernden„Drehenden Rhythm«n" blieb sie erstaunlicherweij« chrem Tanz fremd; ihr von Bewegung be- rouschter Körper schien der Bewußtheit eines kühlen Kopses unter- warfen. Jo Bischer begnügte sich mit wenigen Tanzformen. Er ringt in ihnen um Ausdruck, nicht um Bühnenwirkung. Sehr gut ge- lingen ihm Tänze mit leicht groteskem Anklang; in dem Zyklus „Fernes Land" waren die„Südliche Melodie" und der„Raufbold" auf diese. Note gestimmt. Die„Kriegsvisionen" litten unter ihrem falsch gewählten Titel, ber leider noch ungeschickt durch zwei vor Beginn des Tanzes aufleuchtend« Stahlhelme und durch das Kostüm des Tänzers unterstrichen wurde. Es ist«in Totentanz von visto- närer Wucht, die um so stärker fühbar wird, je weniger sie durch Aeußerlichteiten belastet ist. Dieser Tanz, in den Anfangemotiven etwas gekürzt, in gewichtlos wirkendem Kostüm, müßte zum er- schütternden Erlebnis werden. Eröffnet wurde die Matinee von einet ganz jungen Tänzerin, deren Namen bisher unbekannt blieb: Erika Lindner. Die Volksbühne hat hier wieder einmal eine künstlerische Entdeckung gemacht, auf die sie stolz sein und hoffentlich auch stolz bleiben kann. Daß in Erika Lindner das Zeug zu einer ganz großen Tänzerin steckt, daran kan es nach diesem Auftreten keinen Zweisei geben. Sie zeigte fünf kleine Tänze, jeder vom anderen grundverschieden, jeder in sich vollendet. Erika Lindner tanzt, wie von einer Vision bezaubert, in die Musik hinein, tanzt zu ihr, mit ihr, gegen sie; chr Tanz wächst heraus,«ntsaltet sich, oerklingt wie eine herrliche Melodie, scheinbar einfach und mühelos. Man sieht nicht die tech- nifche Reife dieser Künstlerin, man denkt nicht an die geschlosienea Formen ihrer Kompositionen; man erlebt ihren Tanz. Nur eine Künstlerin, die voll tiefster Bescheidenheit vor dem eigenen künst- lerischen Erlebnis steht, vermag es so zu gestalten. Erika Lindner, wenn sie diese Bescheidenheit behält, wird uns noch viel zu geben haben. Twicke E. Schulz. „Heilende Hände." Eine Adolf-Koch-Matinee. Eine von der Körperkulturschule Adolf Koch am Sonntag veranstalte.« Tonfilm- und Gymnastik-Matinee im Atrium-Palast in der Kaiserollee, die den Riesenraum bis auf den letzten Platz füllte, galt in erster Linie der Uraufführung des von Adolf Koch mit seinen medizinischen Mitarbeitern herausgebrachten medizinischen Volkstonfilm„Heilende Hände". Dieser Film reiht sich würdig«in in die schon vorhandenen Belehrung-!- und AufklärungsfUme ähnlicher Art. Er zeigt, wenn auch in dem jetzigen Umfang viel zu lang, manche interessante medizinische Einzelheiten, so vor allen Dingen die Aufnahme der Bakterien, weiterhin Bilder aus der medizinischen Diagnostik(Krankheitserkennung), der Chirur- gie, der Orthopädie, der kosmetischen Chirurgie, der Massage und der Gymnastik. Adolf Koch selber sprach über Freikörperkultur als Pflicht und Freude. Er betonte wieder sehr energisch und mit Recht, daß er in seinen Freikörperkulturgruppen die Menschen so zeigen wolle, wie sie in Wirklichkeit sind. Sie bieten also keine Kunst und auch keine ästhetische Gymnastik. An Stelle einer falschen Scham trete Körpererziehung, Körperfreude und Körperstolz. Der Körper soll regeneriert werden, mit dem Ziel, daß der Mensch sich selbst erkenne. Wenn Adolf Koch schließlich in Hinsicht darauf, daß die Stadt Berlin in der Nähe des Dorfes Selchow ihm ein hundert Morgen großes Gelände zur Ausübung der Freikörperkultur zugewiesen hat, meinte, daß das endlich einmal ein Lichtpunkt in der Kommunalpolitik Berlins sei, so geht er mit dem„endlich"«nt- schieden fehl. Die kommunale Politik Berlins, von den Sozial-� demokraten stark beeinflußt, weist in den letzten zehn Iahren sehr viele Lichtpunkte auf, die nicht unterschätzt werden dürfen. Den Schluß der Veranstaltung bildeten einige Nacktoorsührungen von Jungen» und Mädchengruppen, die in ähnlicher Art von frühe- rcn Matineen bekannt sind und durch ihren freundlichen und offenen Ernst überall Zustimmung und Freude erweckten. tr. Rundfunk Kampf �egen Rundfunkstörungen „Weite Kreise des deutschen Bolkes können sich bei der heutigen wirtschaftlichen Notlage als einziges Mittel für geistige Erholung und Entspannung, für Belehrung und Unterhaltung nur noch des Rundfunks beKienen. Der kommende Winter wird mehr denn je zeigen, daß die Teilnahme am Rundfunk— stärker als in jedem anderen Land— eine Lebensnotwendig- k s i t f ü r Millionen von uns geworden ist. Die durch elektrische Anlagen, wie Haushaltsgeräte, Motoren, Hochfrequenz� geräte und dergleichen verursachten Störungen bedeuten eine erhebliche Gefährdung des Rundfunkempfanges. Die Bestrebungen der Funkhilsen und der am Rundfunk interessierten Kreise, die sich unter Vermeidung unbilliger Forderungen auf die Beseitigung dieser verbreitetsten Störquellcn richten, werden durch die gegnerische Einstellung der Vereinigung der Elektrizitätswerke gehemmt und in bedrohlicher Weise gefährdet. Zuin Zwecke rechtzeitiger Abwehr derjenigen Maßnahmen der Vereinigung der Elektrizitätswerke, die den Kampf gegen die Rimdfunkstörungcn beeinträchtigen, haben die drei unter- zeichneten, dem Ausschuß für Rundfunkstörungen angehörenden Hörerorganisationen, die mehr als IVOO Landesverbände und Vereine umfassen, beschlossen, geeignete Abwehrmaß- nahmen zu treffen. Die Vereine dieser drei Organisationen sind bereit, allen Rundfunkhörern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Sie bitten die gesamte Hörerschaft um tatkräftige Mitwirkung und erbitten insbesondere Mitteilung über alle Pressenotizen und Vorgänge in der Oesfentlichkeit, die den Bestrebungen, störungsfreien Rundfunkempfang zu schaffen, ab- träglich sind, um rechtzeitig Gegenmaßnahmen treffen zu können. gez.:.Arbsiter-ksa�io-Bund Deutschlands, Berlin SW. 61, Gitschiner Straße 33; Bastlerbund Sendung, Berlin SW. 68, Hedemannstraße 24; Deuts di er Funktechnischer Verband, Berlin W. 57, Blumenthalstraße 19." Zahllose Klagen aus dem Hörertreis beweisen, wie notwendig der Kampf gegen die Rundfunkstörungen ist. Die Störungen scheinen trotz aller Aufklärungen und trotz der Gerichtsurteile gegen un- bclehrbore Störenfriede eher zu- als abzunehmen. Leider dürfen noch immer elektrische Geräte ohne Störschutz her- gestellt und verkauft werden, selbst Hochfreqnenzgeräte, die sich besonders unliebsam für die Rundsunkhörer bemerkbar machen und unter Umständen den Empfang völlig unterbinden. Aber auch Haartrockenapparaten, Staubsaugern, elekrisch betriebenen Näh- Maschinen usw. ohne Störschutz geben so starke Motorgeräusche an die Radioapparate in der Nachbarschaft weiter, daß jede Sendung dadurch ungenießbar gemacht wird. Nicht nur Privatpersonen, sondern auch Geschäftsleute beeinträchtigen durch solche Apparate oerhällnismäßig oft das Recht des Rundfunkteilnehmers. Besonders hört man immer wieder Klagen darüber, daß von Friseuren elektrische Geräte aller Art benutzt werden, die keinen oder einen unzulänglichen Störschutz besitzen: häufig scheint es sich dabei um veraltete Geräte zu handeln, die nur noch aushilfsweise in besonders belebten Geschästsstunden in Gebrauch genommen werden. In solchen Fällen ist es natürlich schwer, den Störenfried zu erfassen, da er den Funkhelfern jederzeit mit Störschutz versehene Apparate vorzeigen kann. Aber viel besser ist es ja überhaupt, wenn diese„Funkpolizei" gar nicht erst in Aktion zu treten braucht und eine, wenn es not tut, etwas eindringlich aus di« Gesetz-- Widrigkeit solchen Handelns hinweisende Aussprache der im Rund- funkempfang Behinderten mit dem Störer zur Abhilfe führt. Doch wenn Verständnislosigkeit oder böser Wille diese verweigern, so wird sie sich mit Unterstützung der Reichs-Rundfunkgesellsebaft oder des Arbeiter-Radio-Bundes vielfach trotzdem erreichen lassen, im Notfall mit Hilfe einer gerichtlichen Entscheidung. Nun sollte man eigentlich annehmen dürfen, daß wenigstens jeder Rundfunkhörer auf seine Mithörer Rücksicht nimmt. Aber viele, die empört sind, wenn ihnen der Empfang gestört wird, benutzen selber Geräte ohne Störschutz während wichtiger Sendestunden! Und wieviele, die aus jeder ihrer Monatsquittungen über die Rundfunkgebühren die Ermahnung lesen können:„Ueben Sie Vorsicht beim Gebrauch der Rückkoppelung imd nehmen Sie Rücksicht aus andere Personen beim Betrieb Ihres Laut- sprechers, namentlich bei geöffnetem Fenster. Bedienung?- griff der Rückkoppelung nie so stellen, daß ein Pfeiston entsteht, da sonst alle Nachbarempfönger durch Pfeifen gestört werden!"— wieviele befolgen nicht diese Ermahnung? Die Klagen über Störungen durch rücksichtslose Handhabung der Rückkoppelung pflegen besonders zum Winter zahlreich zu werden. Die günstigeren Empjangsbedingungen in den Wintcrmonaten verlocken immer wieder Besitzer kleiner Apparate, nach fernen Stationen zu„fischen". der Woche Was sie einfangen, sind im besten Fall« ungleichmäßige Klangfetzen, die für niemand künstlerische oder sachliche Bedeutung haben können. Aber auf der Suche nach ihnen heull und pfeift die scharf angezogene Rückkoppelung und stört alle umwohnenden Hörer. Nun könnte man wohl zur Verteidigung dieser Störer einwenden, daß sie zu ihrer rücksichtslosen Betätigung verlockt werden, weil ihnen der Orts- oder Bezirkssender zu wenig Auswahl oder Abwechselung im Pro- gramm bringt. Selten wird aber diese Entschuldigung stichhaltig sein. Wer wirklich Darbietungen hören will, wird, sobald er über die Leistungsfähigkeit seines Apparates Kescheid weiß, keine sinnlosen Versuche mit ihm anstellen. Diese bösartigen Rückkoppeler sind gewöhnlich gar nicht darauf aus, irgendeine besondere Dar- bietung zu empfangen; sie suchen nur Stationen. Das scheint bei manchen Besitzern eines Radioapparates eine Art Krank- heit zu sein, die unheilbar ist. Denn man hört die Klage immer wieder— und ich muß mich ihr leider auf Grund eigener Er- fahrung anschließen— daß diese Rückkoppeler unermüdlich sind und an jedem Abend, an jedem Sonn- und Feiertag ihr Pfcifkonzert auf die umwohnenden Hörer loslassen. Haben sie dann eine Fern- station erwischt, so merken das die Mithörer an der konstant bleibenden Höhe des Pfeiftones, der beim Stationsuchen auf- und abschwankt. Selbstverständlich ist auch solche Störung durch Rück- koppelung unzulässig; es kann auch auf dem Klagcwege dagegen eingeschritten werden. Während des Sommers ist an dieser Stelle mehrfach aus Be- schwerden der Hörer über rücksichtslos brüllende Lautsprecher ein- gegangen worden. Doch auch jetzt reißen diese Klagen nicht ab. Das ist besonders bedauerlich, da in diesen Fällen häusig nur durch gütliche Uebereinkunst Abhilfe zu schassen ist. Nur bei r u h e- störendem Lärm in den Nacht st unden und. falls es im Mietskontrakt vorgesehen ist, während einiger Nachmittags- stunden läßt sich gegen solchen unangenehmen Nachbarn gesetzlich vorgehen. Aber— auch das ist hier im Sommer schon gesagt worden— die Rundsunkgosellschaften könnten hier durch immer wiederkehrende, in die Programmansagen eingeschmolzene Hinweise Hörererziehung treiben, die sicher die besten Erfolge hätte; ist der überlaute Rundfunkempfang ja nur eine Folge von Gedankenlosigkeit und Gehörstumpfheit, nicht von bösem Willen. Der Rundsunkhörer hat ein Recht auf ungestörten Empfang der Sendungen. Die Gerichtsurteile stellen heute immer wieder fest, daß Störung des Rundfunkempfangs Besitz- st ö r u n g ist, daß daher für jeden Störer die Verpflichtung besteht, die Störungsursachen auf seine Kosten beseitigen zu lasten. Es war selbstverständlich, daß die Erkenntnis von der Bedeutung des Rundfunks für die Allgemeinheit zu solcher Rechtssprechung führen mußte. Doch ebenso wie der Rundsunkhörer Anspruch erheben kann, vor Empfangsbeeinträchtigungen geschützt zu werden, muß eine Sicherung gegen dos unfreiwillige Mit- hören geschaffen werden. Die Entwicklung des Rundfunks hat hier nach zwei Seiten rechtlich vollkommen neue Situationen ge- öffnet. In wirtschaftlich günstigeren Zeiten würde der Schutz vor lärmenden Lautsprechern allerdings wohl auf dem Wege über den Wohnungsnermieter am leichtesten zu finden sein. Unter den gegen- wärtigen Verhältnissen aber müßte die sichere Möglichkeit geschaffen werden, auf Grund von Polizeiverordnungen oder Rechtsauslegung im Notfall dagegen vorgehen zu können. Tes. Heute Rundfunkhörstunde Irrtümlicherweise ist im gestrigen Orqanisations-Anzeiger die Rundsunkhörstunde„Achtung, Achtung! Hier Welle ABC.!" von R. Stemmle für Dienstag angekündigt. Sie findet jedoch bereits heute, Montag, um 1914 Uhr, Lindenstr. 3, statt. In dieser Woche Skadigemeindeausschuß. Am kommenden Donnerstag tritt im Rathaus der Stadtgemeinde- ausfchuß zu einer ordentlichen Sitzung zusammen. Ein« Stadt- vecordnctenvcrsammlung findet in dieser Woche nicht statt. Die sozialdemokratische Fraktion tagt am Donnerstag um 16 Uhr. 3. Abt.: Borstand und Funktionärsitzung findet nicht heute, sondern am Dienstag im bekannten Lokal statt. 22. Abt. Heute. Montag, 7. Dezember. 1914 Uhr, Funktianär- sitziing an bekannter Stylle. Der Vorstand trifft sich eine Stunde früher. Wetter für Berlin. Temperaturen etwas niedriger, zeitweise heiter, keine wesentlichen Niederschläge, schwache Winde aus meist westlicher Richtung.— Für Deutschland: Fm Süden und Südosten meist trübe,?Uedcrschläge namentlich im Alpenvorland, im übrigen Reiche etwas kühleres,' zeitweise heiteres Wetter, ohne erhebliche Niederschläge. JfalienifcheJCandftraße und ruffifche Steppe Es liegen zwei neue Bücher von Max Barthel vor:„Das Gesicht der Medusa"(Hesse und Becker Verlag, Leipzig) und „Der große F i s ch z u g"(Strecker und Schröder Verlag, Stutt- gort). Der eine Roman spielt auf der Landstraße und in Herbergen unter Tippelbrüdern, der andere in Sowjetrußland auf einer aus- ländischen Fischkonzession; aber bei aller Barsch iedenartigkeit des Milieus und der Lokalität liegt doch der gleiche Schimmer melancholischer Weltbctrachtung über ihnen, geht der gleiche Grundzug van Erlöserhoffnung durch sie, und beidemal werden am Ende die Liebe und das Küsten als eine Neine Zwischenstation aus dem langen Wege zur besseren Weltgestaltung gepriesen, auf der es sich wohl verlohnt, ein wenig Aufenthalt zu nehmen. Max Barthel ist zunächst einmal Lyriker. Er versteht sich dar- auf, Stimmung zu zaubern, die Stimmung der heimatlosen Land- strahenflöhe in italienischen Tabernen, die Stimmung eines harten Arbeitstages in einsamer Stcppengegend an der unteren Wolga... manchmal ist er freilich wohl auch einen Schuß zuviel Lyriker und die Handlung rückt nicht flott genug weiter. Im„G e s i ch t d e r M« d u s a" steht Paul Hirschmüller, Fabrik- arbeiter und Reisereportcr für kleine Blätter, im Mittelpunkt. Er wandert nach dem Süden hinunter, kommt mit Vagabunden mancherlei Schlages, lieben Kerlen und elendem Gelichter, zusammen. Rom, Florenz, Venedig, Neapel tauchen auf. Stille Aussprachen werden gehalten wilde Gelage gehen vonstatten. Paul Hirschmüller findet wieder heim, zum Leben der Veratnwortung und der Arbeit. Andere wandern weiter, das Fahnentuch der Vagabundenromontik vor sich hertragend, auf dem der Trotzspruch geschrieben steht: Helf er sich! Der„Große F i s ch z u g" ist wörtlich und symbolisch zu ver- stehen. Unten bei Astrachan ist eine gewallige Fischerei, deren Lei- tung dem Georg Lorenz, Beauftragten eines deutschen Konzrssions- inhabers, obliegt. Der Kampf an der bolschewistischen Wirtschafts- front wird geschildert. Saboteure treten auf und ehrliche Bekenner des neuen Systems. Sowjetiftifchen Alltag lernen wir kennen, und er weicht von dem Alllag in anderen Ländern so sehr nicht ab, von dem Alltag, der allerorten Mühe und Arbeit ist. Georg Lorenz fährt schließlich nach Deutschland zurück.„Aus. laßt uns Menschen fangen," sagt er im Einfenbahnzug impulsiv zu einem dämlichen Viehhändler; aber das ist wohl wieder mehr ein lyrisches denn ein politisches Be- kenntnis. Mens Lauer. hlontaz, 7. Dezember. Berlin. 16.05 Prof. Dr. Spitta: Hygiene und Aesthetik. 16.30 Chopin(Helene Zimmermann. Flügel.) 16.50 Ocsterrcichischc Lieder.(Anton Maria Topitz. Tenor. Am Flügel: J. Burger.) 17.10 Violinvorträge.(Alfred Wittenberg, Violine. Am Flügel: Erna Klein.) 17.30 BOcberstundc für die Jugend.(Sprecher: Dr� Wolf Zucker.) 17.50 Literatur um 1510.(Sprecher; Dr. Kurt Kcrstcn.) 18.20 Bücherstunde. Biographische Romane.(Am Mikrophon: F. W. Kaieer.) 18.30 Dr. Karl Börner: Die außenpolitische Mission der deutschen Presse. 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Mitteilungen des Arbeitsamts. 19.15 Unterhaltungsmusik. 20.00..Achtung! Achtung! Hier Welle ABC." Ein musikalisches Spiel von R. A. Stemmle. Musik von Allan Gray. Regie: R. A. Stemmle. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Breslau: Auf der Brcslaucr Dominsel.(StaffelhörbcrichO 22.10 Räuscher: Zeitungsschau. 22.30 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Unterhaltungsmusik. Königs Wusterhausen. 16.00 Emst Friese: 6 Monate Gesamtunterricht. 17.30 Dr. Herbert Just: Musizieren mit unsichtbaren Partnern. 18.00 Lohmeyer: Mystik in den Religionen. 18.30 Spanisch für Anfänger. 18.50 Oberförster Dr. Binder; Anshaltung und Sortierung des Holzes. 19.15 Wetter für die Landwirtschaft. 19.30 Aktuelle Stunde. 20.00 Unterhaltungsmusik. 20.30—22.10 Uebcrtragung von Breslau. Prrantwortl. für die Redaktion: Rich. Bernstein, Berlin: Anzeigen: Th. Glocke. Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW 68, Lindenstr. 3. Hierzu i Beilage. SlaaU Thcaler Montag, den 7. Dezember Staatsoper unter den Linden 20 Uhr Diü WWW m dem Seraii Beschränkter Kartenverkauf SlaatLSdiauspielbaus Gendarmenmarkt. 20 Uhr Liebelei Schiller-Theater CharloHenbarj, 20 Uhr Der Richter von Zalamea «-vühr CASINO-THEATERsRUh. Lothringer Straihc 37. iiiimMiiiHMiiuiMMiiiMiiniiiiiiiMiiiniiinniiiiiiiiiiiinuiiiiiHiiii Wieder ein neuer Schlager! Wenn Kinder heiraten * Dazu das giofte Feri-Programm I Bach. Die Rundfunknachiipall. V ariän* n. Kerty. Gesang u. Tanz. «hunu-Tee-Sec, Ch inest n-Truppe Liuischein 1-4 Personen: Parkett 50 Pf., rameuil I.— Mark, Sessel IJSDMark. 8.15 Utv Flora 3434 Randies erlaub) Das beliebte Clown-Trio Barraceta Gsovsky-Ballett, Luisita Leers „Paolo" der jüngste Ball-Jongleur Berlins Reichshallen-Theater Abends 8 Uhr, Sniiutag nadunittag SV. Ohr Stettiner � Sänger Oer r-l kranke Filegenpilz Hadmttags lalbt Pretsa. volles Prograaml lim Oper Charloltenborg ßismarckstraBe 34 Montag, 7. Dez. Geschlossene Volksvorstellung Kein Kartenverkauf Anfang 20 Uhr Coppeüa Josephslegende Ende 22.30 Uhr TolKsbtthne Thuter am Bülovplatz 8 Uhr D«r grüne Kanada Der KammersänDer Staatl. Schiller-Ihcater 8 Uhr Der Ri diler von Zalamea Staalsoper Unter den Unden 8 Uhr Die Entlflbnmo ans dem serall ffletropoi-Ttieaier Täglich SV. Uhr Die Blume von Hawal Preise veo 50 PI an Oeotsdies Tfieaier 8 Uhr Ge�diliDien aus dem Wiener Wald von Oedön Horvath Regie: Heinz Hilgert Die Komödie 8Vi Uhr Jemand von Franz Molnar Regie; Gustaf Gründgens mit Albert Bassermann Theater Im Admiralsoaias) Täglich 8>/, Uhr Die Dubarrjr mit Gitta Aipar Preise v. 0,50 M. an Theater am Nollendorfplata Rrji«: Uiini Stlfmburj Täglich SV. Uhr Sonntag 4V« Uhr Gasparone Mittwoch e Uhr Kredit Roppredrts Fahrt ins Märrheelaad MMg.SM-WlllOkllllW DerKongreOtöiizi Lilian Harvey, Willy Frifech Conrad Veidi. Lil Daijover Bühne: Lidia Walterstcin Hobe Schule im Wandel der Zelten ArcarlsNeapoUfaner italienisches National-Orchester Rose■ Iheater GnSi Ftankfirlir SM« IZ! Til. Wtiduei E 7 3422 8,15 Uhr Die Keusche Susanne Planetarinm — am Zoo 9 Uhr Ptol. Wilhelm DoeseR Stimmen der Völher Neuartige Ton- und uildüarüietan: en Theater desWestens Täglich 8'U Uhr Der Vooelhändler Ahlers, Jflken, Morpan, Carola, Pulse(LPlitEI Y.SO Pf. III Es ist neu erschienen: Kinderland 1932 Ein Jahrbuch für Arbeiterkinder in Stadt und Land. Reich illustriert. Farbige Bilder beleben das Buch. Sprudelnde Lebensfreude vom ersten bis zum letzten Blatt. Die Kinder haben selbst daran mitgearbeitet Das Kinderland kostet 1.50 UM. Zu haben in allen Vorwärts-Filialen und bei allen Zeitungsausträgern GROSSES SCHAUSPIELHAUS TÄGLICH 8 CUR Woffmanns Erzählungen MAX REINHARDT INSZENIERUNG Vorverkauf ununlerbrorhen I uerkame| | mimsi «inbeafttaj« 21—72. Echroib» tisch« 30.—. SrUhi« 3,—, Ziegel« 10,— an. im Soffoetdict. Ortsinai- Bsfema Paientmairatzsn/ Rutiebettci mit Befema- Federung Paienl-Drehbrfi(D.R.P.) ein Griff-- ein Beff, sowie das neue Holzbett tfiit Befema-Federnng sind vollkommen geräuschlos I— Kein Einllegen. röi schwerste Belastnng. 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Sein Temperament, durch Leidenschaft und reichlichen Pombegenuß zur Siedehitze ge- bracht, hatte ihn hingerissen, ein iibelbeleumundetes L a m u w e i b zu erstechen. Schon in aller chergottsfrühe des nächsten Tages hatte mir ein Policeman die Kunde gebracht, mit der Bitte, mich baldmöglichst auf der Polizeistation einzufinden, um der VerHand- lung beizuwohnen. Jiroki, ein bildhübscher Wadschaggajunge, war vor zwei Jahren von mir am Kilimandscharo angeworben worden, hatte sich stets einwandfrei geführt und war mir auch vor wenigen Wochen nach Nairobi gefolgt. Seine Vernehmung war schwierig, da er weder englisch noch Kikuyu sprechen tonnte, sondern sich nur in einem schwer verständlichen Kauderwelsch von Kisuaheli und Dschagga ausdrückte. Wohl oder übel mußte ich also auch später die aufgezwungene .Dolmetscherrolle übernehmen. Bis zur Verkündung des Urteils- fpruches hatte ich gehofft, daß eine längere Kettenhaft als Sühne für ausreichend befunden werden würde und Jiroki, der mich aus feinen großen braunen Augen wie ein geprügelter Hund anstarrte, Trost zugesprochen. Und nun das Todesurteil! es wurde mir schwer, meinen Boy, der mich in mancher Gefahr nicht im Stich gelassen, der Hitze und Frost, Durst und alle Strapazen eines afrikanischen Safari- leben? redlich mit mir geteilt hatte, mit djtzn Spruche des Gerichtshofes bekanntzumachen... Seine Antwort bestand nur in einem kurzen:„I n f h a l l a h, B w a n a!"—, während der graue Ton, der fein Jungengesicht überzog, davon zeugte, daß er die Trag- weite des Urteils wohl begriffen hatte... Damals hatte ich gebeten, einen Tag vor der Vollstreckung meinen Boy nochmals sprechen zu dürfen, um seine letzten Wünsche entgegenzunehmen. War ich doch einst Zeuge gewesen seines Ab- schicds von seiner alten Mutter, die den Vierzehnjährigen nur ungern scheiden ließ. Wie gut erinnerte ich mich noch der o>ten Bibi, die so oft mein Zeltlager unter den grünen Bananen am Fuße des Kilimandscharo aufgesucht hatte und dann nur wider- strebend mit ihrer Last auf dem Rücken davongehumpelt war, wenn ich mit einem kräftigen Donnerwetter dazwischenplatzte, um den noch ungeübten Boy an seine Pflichten zu erinnern... Und in acht Tagen würde ihr der District eommissioner in M o s h i den unrühmlichen Tod ihres Sohnes mitteilen, mit einem Blick nach der geliebten Whiskyflasche! Nein, ich wollte doch lieber an einen befreundeten Farmer schreiben und ihm gleichzeitig den rückständigen Lohn des Boys zwecks Aushändigung an die Mutter einsenden! Jetzt war es so weit! Ein Polizeiosfizier hatte mir, während wir in der Stanley-Bar verschiedene Drinks ausknobelten, diskret mitgeteilt, daß die Hinrichtung des Boys am nächsten Morgen stattfinden werde. Unauffällig zagen wir uns zurück und glitten bald darauf im Auto auf der breiten und gut ge- pflegten Straße dem Gefängnis zu. Jiroki war nicht allein. ein schwarzbärtiger blasser Missionar der nahen französische» Mission leistete ihm Gesell- schafi. Die Rücksprache mit meinem ehemaligen Boy war nur kurz. Gin Sallam an seine Mutter und verschiedene seiner Freunde! Zum letzten Abschied reichte ich ihm die Hand... An der Gerichts st ätte. Am anderen Morgen trete ich eine Stunde vor Sonnenausgang auf die breite Veranda meines 5yäuschcns. Der Mond ist schon untergegangen, die Stadt mit ihren so amerikanisch anmutenden Steinpalästen in der City und den schimmernden Wellblcchdächern der villenartigen Wohnhäuser liegt in mattem Sternenglanz vor mir. Noch immer lachen und heulen die Hyänen... Kurz noch fünf Uhr sitze ich im Sattel und lasse meinen kleinen arabischen Fuchshengst, der den frischen Morgen mit hellem Ge- wieher begrüßt, tüchtig ausgreisen. Unterwegs begegnet mir ein Trupp Askaris(eingeborene Soldaten, meist Sudanesen), der zur Stätte der exekution vorausmarschiert. Wenige Minuten später halte ich vor dem Gefängnis, wo um den für den Missionar und den Delinquenten bestimmten Wagen etwa 20 berittene Europäer— Beamte und Offiziere— versammelt sind. Jetzt erfahre ich auch, daß zuerst die Hinrichtung eine« in- dischen Feldwebels, der hinterlistig einen Engländer er- schössen hatte, vor sich gehen soll. Um halb sechs Uhr öffnet sich die Pforte und der Inder, von zwei Askaris eskortiert, wird in den Wagen geschoben. In flottem Trabe reiten wir dann durch die einsamen Straßen der Stadtgrenz« zu. Sobald wir die letzte Fenz passiert haben, umsängt uns über- rafchcnd der gewaltige Zauber der einsamen Steppe. Rudel von Wild, meist Zebras und Hartebeester, untermischt mit ein- zclnen massigen Gnubullen, galoppieren auf wenige hundert Meter Abstand mit unserer Kavalkade mit, um bald neugierig verhoffend zurückzubleiben. Prächtig gehörnte Oryx- und Jmpallahantilopen zeigen wenig Scheu und beweisen uns, wie sicher sich alles Wild hier in dem ungeheuren Schonrevier längs der Ugandabahn fühlt. Langsam verblassen die Sterne und gespenstisch hebt sich vom rötlichen Morgenhimmel ein eigenartiges Gerüst ab— der Galgen! Mit aufgepflanztem Bajonett steht eine Kompagnie Askaris um das Schafott. Dieses besteht aus einem quadratischen, etwa drei Meter hohen Gerüst, dessen vier Seiten mit dunklem Segeltuch überzogen sind. Darüber erhebt sich der eigentliche Galgen, das erstbeschriebene Gerüst um etwa drei Meter überragend. Auf der Plattform des Gerüstes wartet schon der Henker— in schwarzen Beinkleidern, niedrigen Lackschuhen und schwarz- seidenem Hemd. Das Amt des Henkers wurde von einem Weihen bekleidet, der in seinem eigentlichen Berufe Maschinenführer einer Dampfwalze war und seine Finanzen durch das gelegentliche Hängen eines armen Sünders aufbesserte! Jetzt steht er schwarz und feierlich auf dem Schafott, in der Rechten den herabbaumelnden Strick, die Linke schützend über den Augen, um den heranrollenden Wagen zu erspähen. Schaukelnd und ächzend poltert dos Gefährt über die rissige Steppe auf uns zu. Wir lasten unsere Pferde zurücktreten, um den Platz vor der Platt- form freizmnachen. Kaum hält der Wagen, so springen die beiden, den Delinquenten eskortierenden Askaris heraus und zerren ihn - Von Franz Gerhard Schmidt zur Treppe. Wie ich jetzt sehe, trägt der ehemalige Feldwebel keine Uniform, sondern seine indische Nationaltracht. Ueber den Kopf ist ihm eine schwarze, unter dem Kinn zusammengebundene Kapuze gezogen. Seine Hände sind mit eisernen Handschellen auf dem Rücken gefesselt. Halb getragen und geschoben erreicht der arme Sünder, der auf der Treppe mehrmals zusammenzubrechen droht, die Plattform, wo er sofort von dem Henker in empfang genommen wird. Blitz- schnell schnallt ihm dieser einen breiten Gurt in Höhe der Ellbogen um den Leib, einen zweiten um die Fußgelenke und legt ihm dann die Schlinge um den Hals. Im nächsten Augenblick tritt der Henker zurück, bewegt einen Hebel und klappt dadurch das Brett, auf dem der Delinquent steht, herum. Mit jähem Ruck schießt dieser in die Tiefe und verschwindet in der durch die vier Segeltuchwände gebildeten Versenkung. Nur das plötzliche Anspannen des Seiles,— ein eigentümlich knarrender markerschütternder Ton verrät uns, daß der Gerechtigkeit Genüge geschehen ist. Bluttot taucht der Sonnenball am östlichen Horizont auf. Ein wunderschöner Morgen bricht an. Vor uns liegt die Stadt inmitten fruchtbarer Felder und parkarttger Urwaldparzellen— ein Bild des Friedens... In weiter Ferne schaukelt in einer Staubwolke der Wagen über die Steppe dem Gefängnis zu. Man holt Jiroki! Tiefe Sttlle lagert über dem Exekutionsplatze. Einige schlecht angebrachte Witze finden keinen Anklang und steigern nur das seltsam bedrückende Gefühl, das sich auf ollen Gesichtern wider- spiegelt. Verhältnismäßig wenig Farbige sind zu sehen. Etwas abseits steht eine Gruppe reichgekleideter Inder, Verwandte und Freunde des soeben Hingerichteten, die die Leiche abholen wollen. Sie müssen noch eine volle Stunde warten, denn so lange muß nach englischem Gesetz der Delinquent hängen. Langsam schleichen die Minuten. Der anwesende Arzt ist mit dem Henker hinter den Segeltuchwänden verschwunden und winkt bald darauf die wartenden Inder heran. Zögernd treten sie näher und schleppen bald darauf auf ihren Schultern die in Decken gehüllte Leiche ihres Freundes davon. Jirokis Ende. Inzwischen hat der Henker einen neuen Sttick am Galgen befestigt und steht wieder wartend auf der Plattform. In der Ferne zeigt sich der Wagen, schwankt klappernd und ächzend über die holprige ausgedörrte Steppe,— näher und näher. Als Jiroki aus dem Gefährt gezerrt wird, höre ich noch sein halbersticktes—„Bwana"—. Dann zwinge ich mich krampfhaft� zur Seite zu blicken. Von den Vorgängen auf dem Schafott will ich nichts mehr sehen... Im Schatten einer einsamen Schirmakazie verträume ich die kommende Stunde. Weit tm Süden, nur dem geübten Auge er- kennbar schimmert dort im blauen Dunst der Steppe das Schnee- Haupt des Kilimandscharo... Als ich zum Galgen zurückkehre, sind nur noch wenige Europäer versammelt. Mit dem Arzt zusammen trete ich hinter die Segel- tuchwände zu der Leiche meines Boys. Dämmerndes Halbdunkel umgibt uns. Langausgestreckt, mit den Fußspitzen den Boden de» rührend, hängt Jiroki vor uns. Dicker Angstschweiß bedeckt sein Gesicht mit den furchtbar verzerrten Zügen. Die Untersuchung durch den Arzt ist kurz. Der Tod muß sehr schnell eingetteten sein, wie die gebrochenen und weitauseinander gerissenen Nackenwirbel beweisen. Als ich das Segeltuch zurückschlage, um ins Freie zu gelangen, höre ich hinter mir einen dumpfen Fall. Der Henker hat den Sttick durchschnitten, die Leiche Jirokis liegt steif am Boden—»er Kopf rutscht haltlos zur Seite,— die verglasten Augen stieren in die Ferne, weit— noch Süden! Eine Stunde später sitze ich auf der Veranda meines Hauses, um den Bericht an Jirokis Mutter abzufassen. Auf der breiten Barabara(Straße) vor mir flutet lachendes Leben. Arabische und indische Händler ziehen mit ungefügen zweirädrigen Karren zum Markt. Uralte überladene Fordwagcn mahlen durch den Staub und eingeborene Weiber schleppen ihre Lasten an breitem Bande, das mit der Stirn gehalten wird, zur Stadt. Als eine Gruppe dunkelgelber Lamuweiber in bunten Kanzus sich kokett in den Hüsten wiegend vorbcitänzell, beuge ich mich auf- seufzend über die weißen Blätter vor mir. Mein Bericht soll Jirokis Mutter ja vor der amtlichen Benachrichtigung erreichen! Wie lebt man in Bulgarien? Kleine bulgarische Soziologie*** Von Kurt H. Kauffmann Bulgarien ist ein Land, in dem Milch und Honig fließt,— es ist ein Agrarland, von dessen Bevölkerung nur 20 Proz. in den Städten wohnen, die meisten der Einwohner sind also Bauern und Gärtner und haben schließlich ihr Brot. Das jemand wie bei uns hungert, gibt es nicht. Allerdings stellt der bulgarische Pauer, wie der Bulgare überhaupt, auch so gut wie gar keine Ansprüche an das Leben, mit unseren west- europäischen Erfordernissen verglichen wenigstens nicht. Ihm genügt es zur Not, wenn er seinen Bissen Brot und seine Weintrauben hat. — Lebensmittel, die ihm niemals fehlen, weil von dem einen so reichlich vorhanden ist wie von dem andern und eines auch so billig ist wie das andere. Ein Kilogramm Weißbrot— und nur dieses kennt das Volk, das seltenere Schwarzbrot ist teurer und findet sich nur in den besseren Kolonialwarenläden und in den Brotkörben der größten Hotels— kostet 4 Lewa, das sind etwa l2 Pfennige. Den Wein, dessen kultiviertere Reben stark nach Westeuropa ausgeführt werden, bekommt man schon zu 5 Lewa, die teuersten Sorten zu zehn Lewa das Kilo. Wenn man die Menschen, die abends von der Arbeit heim- kommen, nichts tragen sieht,— eines haben sie sicher im Arm: Die graue Kilotüte mit Wein und das helle lange Brot, zwei Dinge, die so typisch und charakteristisch für Bulgarien sind, daß man sie eigent- lich zum Landessymbol erheben müßte. Und von Wein und Brot allein lebt ein gut Teil der bulgarischen Bevölkerung, die ärmeren Städter schon gewiß, weil sie das Geld für teurer« Lebensmittel infolg« ihrer schlechten Entlohnung nur schwer aufbringen. Ein Arbeiter, und ein qualifizierter dazu, verdient in der Regel nur 50 Lewa— 1,50 Mark also, nur wenige bringen es auf 3 Mark pro Tag. Da die Wohnungen verhältnismäßig teuer sind, wie auch die Kleidung, bleibt für Essen wenig übrig. In ähnlicher Höhe bewegen sich auch die Gehälter der kauf- männischen und gewerblichen Angestellten kleinerer Geschäfte, die übrigens gezwungen sind, von früh um sieben oder 8 Uhr bis spät in die Nacht hinein hinter dem Verkaufstisch zu stehen, weil es einen allgemeinen Ladenschluß einfach nicht gibt. Abeuds um 9 Uhr kann die Hausfrau sich noch in jedem Kurz- warenladen Taschentücher oder Nähnadeln kaufen, um 10 Uhr abends sitzen die Männer noch beim Friseur und um 11 Uhr halten noch die Schlächtereien auf— und man hielte gewiß noch länger die Geschäfte auf, wenn es sich verlohnte und die Leute dann nicht schon längst schliefen. Auch am Sonntag kann man von früh bis spät in fast allen einschlägigen Läden Lebensmittel kaufen. Die Sonntagsruhe in unserem Sinne gibt es nicht, wie es ja auch keinen Arbeiterschutz gibt. Wohl soll vieles von dem, was unsere soziale Gesetzgebung so auszeichnet, auch dort gesetzlich ge- regelt sein— aber es steht nur auf dem Papier, prakttsch merkt man nichts davon. Möglich, daß die allgemeine Krise, unter der gerade Bulgarien als wirtschaftliches schwaches und armes Land ungemein schwer zu leiden hat, schuld an diesen für unsere Begriffe unmöglichen Zu- ständen hat und einfach eine derartige Anspannung und Ausbeutung aller Arbeitskräfte diktiert, Tatsache aber ist, daß die Mehrheit des Volkes dies an sich ganz in der Ordnung findet und wenig Anlaß sieht, gegen diese Dinge einzuschreiten, die uns wohl als schreiende Mißstände, ihnen aber nur als Normalzustand erscheinen. Vielleicht deshalb nicht, weil der Lebens st andard der niederen Volksklasscn von fyaufe aus so maßlos gering ist. Man lebt unendlich primitiv, so primitiv, daß vergleichsweise selbst die Lsbeiishaltung eines unserer fchlechtestenttohnten Arbeiter dagegen noch als gehoben und kultiviert bezeichnet werden muß. Den einfachen Haushalten fehlt es einfach an allem: Man kennt weder Gas noch elektrisches Licht, man braucht Petroleum und die Kerze, obwohl selbst die kleineren Städte eigene Elektrizität s- und Gaswerke besitzen. Aber Einrichtung und Anschlüsse sind eben zu teuer für den ganz Armen, der ja nicht einmal so viel Geld hat, daß er sich, unseren Ansprüchen gemäß, ordentlich kleiden kann. Festes Leberschuhwerk ist selten. O p i n tz e n werden getragen, die einfache Bauern- und Türken-Beschuhung. das find fchweins- lederne, sandalenartige Schuhe, die mit Bindfaden um den Fuß geschnürt werden, der in dem dicken T s ch o r e p i, einem dicken Wollstrumpf, steckt. Der K a l p a k, eine hohe Lammfellmütze, gibt die Kopfbedeckung ab, der Habitus ist ein rein bäuerlicher. Der Türke, der frühere Herr des Landes— erst feit dem russischen Kriege von 1878-79 ist Bulgarien von der fünfhundert Jahre währenden Türkcnherrschaft freigekommen—, trägt sich noch primitiver. Aber immerhin wirkt er in seiner türkischen Hose, bei der sich der Hosenboden etwa in Kniehöhe befindet, in der blauen, roten oder gelben Jacke und mit dem dicken, um den Leib geschlun- gcnen Schal, der zugleich als Tasche und Behältnis für die un- möglichsten Dinge dient recht malerisch. Trotz allem aber findet sich der Bulgare der unteren Volks- schichten— Mittelstand und Reiche leben aus einem ungleich höheren Niveau!— mit den gegebenen Verhältnissen durchaus ob. Freilich muß man hierbei bedenken, daß es ihm das Klima, vor allem jenes von Südbulgarien und das der Küstenstriche des Schwarzen Meeres, leicht macht. Die Sonne scheint heiß und som- merlich bis in den November hinein, unwirtlicher ist es nur nördlich vom Balkan. Schön wetter-Länder verharren stets in an- fpruchswser Lebensführung, erst ein rauhes Klima erfordert und bewirkt Erhöhung der Bedürfnisse. Trotz aller Beschränkungen läßt es sich für den Armen dort unter dem milden Klima leichter leben als bei uns im kalten Norden. Man findet sich besser mit der Not ab: Niemand zum Beispiel macht ein Aufhebens davon, daß am Abend jüngere arme G y m- n a f i a ft e n barfuß und in dürftiger Kleidung auf den Sttoßen Zeitungen verkaufen oder in die Lokale mit Blumen kommen. Gymnasiasten gibt es schließlich dort wie Sand am Meer. Warna, eine Stadt von 70 000 Einwohnern etwa, hat allein einig« höhere Schulen mit großer Schülerzahl. Mit Schulen aller Art ist das ganze Land direkt übersät. Lesen und schreiben können fast alle. Di« Zahl der Analphabeten beträgt darum auch nur 2 Prozent! Der Bulgare, fleißig und sparsam wie er ist, kratzt den letzten Pfennig zusammen, um seine Kinder in die höhere Schule zu schicken. Und so sieht man denn Hunderte von Knaben und Mädchen in den charakteristischen, nach altrussischem Muster gefertigten Schüler-Uni- formen herumlaufen. Und jeder muß es bis zum Abitur bringen! Das hierdurch ein geistiges Proletariats ungeheuersten Ausmaßes herangezüchtet wird, das in dem kleinen, b Millionen zählenden Agrarland« nie und nimmermehr eine seinen Fähigkeiten und Kennt- nissen enssprechende Beschäftigung finden kann, scheint man ernstlich noch nicht überlegt zu haben. Schon jetzt machen sich in dieser Be- Ziehung peinliche Mißstände bemerkbar. Nur werden diese Verhältnisse infolge der gänzlich anders ge- arteten Mentalität des Voltscharakters auch ganz anders empfunden und nicht sonderlich ttagisch genommen. Man lebt dort unten doch immer noch schr stark nach orientalischer Fasson und läßt den Dingen ihren Lauf. Möglich, daß da später einmal die jünger«, jetzt in Deutschland und im übrigen Westeuropa studierende Generation Wandel schafft. Jedenfalls weiß sie, wo Bulgarien der Schuh drückt und sie brennt wohl auch darauf, das an den Folgen der langen Türkenherrfchoft immer noch leidende, arg vernachlässigte Land im Sinne westlicher Kultur neu auszubauen. v Fußball/ Handball/ Hockey SiRBEiTER. TUSSBALL Einlracht-Rcinickendorf gewinnt 7: 1 Zu einem sehr hohen Sieg gestaltete Eintracht- Reinicken- dors das Treffen gegen Luckenwalde HI. Selbst der Vorteil des eigenen Platzes nutzte den Luckenwaldern nichts. Bereits nach 111 Minuten Spielzeit war ihr Schicksal mit dem Stand von 3:0 besiegelt. Dann spielten nur noch die Reinickendorfer. Alle An- strengungen der Luckenwalder, das Resultat vor der Pause noch günstiger zu gestalten, scheiterten an der vorzüglich arbeitenden Hintermannschaft der Reinickendorfer. Erst in der zweiten Spiel- hälft«, beim Stande von k:<1, gelang der Ehrentreffer, der dafür aber auch unhaltbar war. Einen 2:1-Sieg konnte Butab über Lichtenberg II buchen; während des ganzen Spiels waren aber die Lichtenberger die Tonangebenden. Alls noch so gut gemeinten Schüsse des Lichten- berger Sturms prallten an den Pfosten oder an der Querlatte ab. Erst ein Elfmeter brachte den ersten und auch letzten Treffer. Die Techniker waren dagegen glücklicher. Zwei schnelle Vorstöße des eigenen Sturms führte sogleich zu zwei Toren. Wohl lag der Aus- gleich für Lichtenberg des öfteren in der Luft, aber es reichte nicht mehr.— Ein großes Spiel lieferte Minerva 28 seinem Gegner Luckenwalde II. Denn gegen diese Elf ein unentschiedenes Er- gsbnis mit 3:3 herauszuholen, bedeutet für die Neuköllner immer- hin einen Erfolg.— Mit den Teltowern scheint es immermehr abwärt» zu gehen. Auf eigenem Platz mußten sie sich von Hertha- Luckenwalde mit 4:0 schlagen lassen. In den B e z i r k s k l a s s e n konnte Hansa 31 seine führende Stellung durch«inen 2:0- Sieg über Zehdenick festigen,»axonia gelang is, gegen Weißensee-Bezirk mit 5: 0 überlegener Sieger zu bleiben. Lichtenberg II gewann gegen Normannia 3 mit 4: 2. Luckenwalde I schlug Ruhlsdorf hoch mit 11: 1.— Lichtenberg I 2 gegen Butab 11: 1. Hansa 2 gegen Zehdenick 5; 1. Eintracht- Reinickendorf Bezirk gegen Freie Scholle 3:3.— Im Klub kämpf Wilmersdorf gegen Adler 08 blieben die Pankower mit 6: 0 Punk» ten Sieger. Das Spiel der ersten Mannschaften endete überraschend mit dem knappen Resultat von 2: 0. Das Ergebnis stand schon bei der Pause fest. Nach dem Seitenwechsel vermochte Adler die Wilmeredorfer Hintermannschaft nicht mehr zu bezwingen.— Wilmersdorf 2 gegen Adler 2 0:6. Wilmersdorf 3 gegen Adler 30:4. Hodtdetriet» trotz autgeweichter Plätze Die Spiele in der K r e i s k l a s s e endeten nicht immer er- wartungsgemäß. Verdient und sicher schlug der Kreismeister W e d- ding I die H e n n i g s d o r f e r mit 17:2. Obwohl Wedding erst mit 9, später mit 10 Mann spielte, zog sich die Uebcrlegenheit durch das ganze Spiel. Genau so überlegen gewann Wedding 2 über Oberspree mit 3: 1. Dan besseren Zuspielens schickte Mahlsdorf die Luckenwalder Sportler mit 7:3(3:1) vom Platz. Wie erwartet, mußte Schöneberg von Nordring eine 4: 2-Niedcrlage(1: 0) hin- nehmen. Völlig überraschend wurde Nowawes von Osten 5:4 ge- schlagen. Mit viel Glück ereichte Wedding 3 gegen Nordost ein 5: S-Unentschieden. 1. Bezirk: Osten 2—216(5:. 1 12: 1(0:1). FC. Ob-rfprec 1— Wahlsdorf 2 0:1. Kaulsdorf 2— Oberspree 22:1 M:»). Fichte— Schweisstcrne 2: 1. Kanu 2— RB. Borroärts 4: 0. Freie Faltbootfahrer— Kanu 1 ä: 1(2:0). Collegia— Schrocifsterne 10:1.— Frauen: Osten— Kaulsdorf 2:0(1:0).— Jugend: Kaulsdorf— SC. 30 7: Z<3: 1). Mahlsdorf— Nowawes 8: 2(2: 1).— (2: 0). EchSncderg.Fraucn-Flchte 2:1(2:0). Hockey Mit dem gestrigen Siege der Arbeiter-Hockeyspielcr von Volkssport Neukölln-Britz 1 über den Verein für Leibesübungen Ost ring 1 mit 3:0 führen nun die Neuköllner ungeschlagen in der Gruppe. Trotz überlegener Spielführung der Ostringer gelang es ihnen nicht,..eine der allzu vielen Torchancen auszunutzen. Der letztjährige Kreismeister hat damit den Anschluß an die Spitzengruppe verloren und kann ihn nicht inehr einholen. In der anderen Gruppe mußte der Tabellenerste, Arbeiter-Sport- verein Rot- Weiß 1, ebenfalls einen wertvollen Punkt an Tennis-Rot 1 abgeben.— Der Athletik-Sport-Club gewann im Rückspiel gegen den Arbeiter-Sportoerein Rot-Weiß II entschieden und klar mit 6: 2 Toren und bewies damit erneut seine verbesserte Spielform.— Der Verein für Leibesübungen Ostring II gewann gegen die Freie Sportvereinigung Pankow 1 jederzeit sicher 3:1.— Der Arbeiter-Sportverein Schöneberg-Friedcnau 07 sicherte sich durch einen 2: 0-Sieg über den Athletik-Sport-Club 2 weiter die Führung in der v-Klasse. Weiter« Resultate: Sportverein Moabit 3 gegen Arbeiter- Sportverein Rot-Weist 3 1:0. Berein für Leibesstbungen Ostring 3 gegen Bolfsfport Neutölln 2 0:1. Die Iug-ndman-fchaft des AGB. Rot.Weiß zeigte gutes Spiel gegen Tennis-Rot 4 und gewann 3:2. In den Frauensplelen stegte die bisner ungeschlagene Mannschaft von Tennis-Rot erneut, diesmal gegen ihre größten Widersacher, den Arbeiter-Sportverein Rot.Weiß mit 3:1. Die Frauen de- Bereins für Leibesübungen Ostring siegten überlegen gegen Tennis-Rot 2 mit 0: 0. Bolksfport Reutälln-Briß stegte gegen die Frauen von der Freien Sportvereinigung Pankow durch größere Schlagkraft 4: 0. �.rbeiter-�V ssserball- Serie Union siegt über Neptun 9: 5 Stark ersatzgeschwächt blieb Neptun am Sonntag in diesem Spiel hinter seinen sonstigen Leistungen zurück und Union hatte wenig Mühe, den Gegner in Abstand zu halten. Das Spiel war langsam, stand aber im Zeichen überlegener Kombinationen der Unionsieben. Völlig einseitig verlief die erste Spielhälfte, in der Neptun völlig in seine Spielhälfte zurückgedrängt, harte Abwehrarbeit leistete und 5 unvermeidliche Tore hinnehmen muhte. Ueberraschend begann es nach der Spielpause, energische Durchbrüche der Stürmer brachte Neptun aus 3:3 heran, woran der ungewohnt unsichere Torwart Unions nicht ganz schuldlos war. Besseres Zuspiel und ausgepräg- tere Balltechnik Unions entschied jedoch den Kampf, der nicht das von uns erwartete knappe Ergebnis brachte. Neptun wird sich gewaltig anstrengen müssen, um auch künftig seinen Platz in der ersten Hälfte der Tabelle behalten zu können. Die niiAgksmptserie Tegel bezwingt auch Sparta Die bisher ungeschlagene erste Kampfftaffel der Arbeiter-Sport- Vereinigung„Tegel 189 9" traf gestern in Neukölln auf die 1. Ringermannschaft des Kraft-Turnoereins„Sparta 189 6" und konnte mit 18: 6 Punkten einen neuen Erfolg erkämpfen. Wenn die Spartaner, die leider noch im letzten Augenblick einige Um- stellungen vornehmen muhten, nur mit etwas mehr Selbstvertrauen gegen die kampfstarken Tegeler angetreten wären, dann hätten sie dies« Punktniederlage bestimmt verändern können. Der Bantamgewichtler Höffner-Eparta strich beide Mal« die Punkte ein. Im folgenden Treffen überraschte der Tegeler Mil- bredt seinen prächtigen Gegner Schulz-Sparta nach einem Wechsel- vollen Bodenkampf in der 6. Minute und in der Wiederholung siegte dann Schutz noch in der letzten Minute. Reichelt-Tegel zwang Schramm-Sparta erstmalig in der 8. Minute durch einen Armhebel- griff auf die Schultern und in der Rückrunde nochmals in etwas kürzerer Kampfzeit. Der starke Tegeler Höhne setzte den Sieges- zug seiner Mannschaft fort; Dierberg-Sparta mußte erstmalig in der 4. Minute durch einen Ueberstürzer eine Schulterniederlage hin- nehmen und konnte in der 2. Runde nach recht tapferer Gegenwehr erst in der 6. Minute bezwungen werden. Rosentreter-Tegel be- siegte Stellge-Sparta in 1 bzw. 3,03 Minuten. Hildebrandt-Tegel heimste im Schwergewicht dann noch die letzten vier Punkte ein. Dem Serienkompf ging ein Schülertreffen Sparta— Tegel voraus, das von den routinierten Tegelern schließlich mit 6:4 Punkten gewonnen wurde; hier waren die kommenden Be- Herrscher der Kampfmatte so recht in ihrem Element. Henning-Tegel siegte über Präfke-Sparta in 0,25 Sekunden und Sobotta-Sparta über Kolbe-Tegel in etwas längerer Zeit. Fritz-Tegel bezwang Knuth-Sparta und Zoschke-Tegel besiegte Schulz-Sparta. Und der Jugendliche Langer-Sparta warf Wiese-Te�el in der 3. Minute. Man soll diesen begeisterten Ringsport„lehrlingen" nur mehr Kampf- Möglichkeiten geben; sie sind sehr kampffreudig, finden stets ihre Anhänger und kämpfen und unterhalten gut. Massensport statt Massenmord Das wollen die Arbeitersportlcr Zu einer großangelegten Werbeveranstaltung hatte der Bezirk Karlshorst der Freien Turnerschaft Groß- Berlin in die Turnhall« des Gymnasiums in der Treskowallee eingeladen. Die sehr zahlreichen Zuschauer bekamen einen guten Ueberblick über die verschiedenartigsten Möglichkeiten, ihren Körper für den täglichen Kampf zu stärken. Der Vereinsvorsitzende Kasel wies in seiner Ansprache darauf hin, daß unbedingt erforderlich sei, die Reihen der Arbeitersportbewegung auszufüllen. Der Klassen- feind, die Nationalsozialisten, die gerade in Karlshorst so sehr stark vertreten sind, haben«in Massenmordprogramm aufgestellt, dem wir das Massensportprogramm der Arbettersportler entgegenstellen! Wenn der Bezirksvorsitzende Bernert sagte, daß die Arbeiter- sportler keine Spitzenleistungen, sondern volkstümliches Turnen zeigen wollen, so hat er damit das richtige getroffen. Gymnastische Vorführungen der Frauen, Singspiele der Kinder und Geräteturnen der Männer wechselten in bunter Reihenfolge ab- Besönderen Bei- fall holten sich noch die Lichtenberger Frauen, die zur Unterstützung der Veranstaltung erschienen waren, mit den Wiener Tänzen. Große Heiterkeit erfWte die Hall«, als die Frauen zu einem Tauziehen gegen die Männer antraten. Vorgesehen waren zwei Gänge. Es muhte aber zur Entscheidung noch ein drittesmal angetreten werden. Es zeigte sich, daß die Frauen doch die Ueberlegenen waren: konnten sie doch zweimal siegreich bleiben, während die Männer sich mit einem Erfolg begnügen mußten. Mit einem Frei Heil schloß die Veranstaltung, die gewiß ihren Zweck nicht verfehlt hat. .Arbeiter-LreichtattKleten tagten Der Bundes-Sportausscfaui» Der Bundes-Sportausschuß des Arbeiter-Turn- und Sportbundes e. V. tagte am 3. und 6. Dezember in Dresden und beschäftigte sich mit wichtigen Angelegenheiten zur Förderung der Leichtathletitbewegung. Die leichtathletischen Bundes m ei st erschaften finden am 13. und 14. August 1932 auf der Jlgen-Kampsbahn zu Dresden statt. Ihre reibungslos« Durchführung ist durch den guten Dresdner Funktionärstab gesichert. Der Kreisturnrat von Sachsen und die Dresdner Spieler stellen sich ebenfalls zur Mitarbeit zur Verfügung. Als Bundesaufgabe wird am 8. Mai von allen Sparten (Turner. Leichtathleten, Fußball- und Handballspieler, Wasser- sportler)� in allen Bezirken ein Bundeswerbelauf zur Durch- sührung kommen. Der 29. Mai ist für die besondere Schulung der leichtathletischen Funktionäre im Bundesgebiet vorgesehen. Bundes- offene Sportfeste dürfen 4 Wochen vor den leichtathletischen Bundes- Meisterschaften nicht mehr stattfinden. Ein leichtathletischer L ä n d e r w e t t k a m p s mit der Schweiz ist bereits abgeschlossen. Wegen eines weiteren Länderwettkampfes, und zwar mit Norwegen, sind die Verhandlungen noch im Gange. Die Einführung der Ver- einsmehrkämpfe wurde gutgeheißen. Sie sollen am 11. September in allen Gruppen und Bezirken des Bundes durchgeführt werden. Die ab 1932 erscheinende neue Bundeszeitung„W ur f und Ziel" ist die Bundeszeitung der Leichtathleten des Arbeiter-Turn- und Sportbundes. Dresdner Arbeiter-Schwimmer für die Winterhilfe der Arbeiter- Wohlfahrt. Die Dresdner Arbeiter-Cchwimmer führten am Sonntag vor 2000 Zuschauern zwei sehr gut gelungene Werbeoeranstaltungen durch, deren finanzieller Reinertrag der Arbeiter-Wohlfahrt zu- geflossen ist.__ Die DT. im Sportpalast Die„Deutsche Turnerschaft" hatte gestern im Sportpalast ihr großes Hallensportfest, das ein volles Haus brachte und viele Ehrengäste, unter ihnen den Stadtschulrat Nydahl, sah. Im 1000-Meter-Lauf zeigte sich Dr. P e l tz e r in großer Form. Er lag zunächst an sechster Stelle im Felde, holte dann nach und nach die Gegner, um im Endspurt überlegen von Wichmann wegzuziehen und dann leicht in 2:37,4 zu gewinnen. Er hatte auch reichen An- teil an dem imponierenden Siege von Preußen-Stettin in der 3x1000-Meter-Staffe1 Eine große Ueberraschung zettigte der 60-Meler-Hürdenlauf, in dem der deutsche Rekordmann Beschetznik von dem Schöneherger Turner W e g e n e r ganz knapp geschlagen wurde. Im 60-Meter-Laus behauptete sich überraschend der Turner- sprinter V e n t von Ionath und Körnig. Es war die Sensation des Tages. Im Hochsprung siegte Martens-Kiel mit 1,81 Meter. Im 300(t-M«ter-Lauf bewies der deutsche Rekordmann S y r i n g- Wittenberg, daß er auch tn der Hall« keinen Gegner zu fürchten hat. Klemer Sport von überall Eishockcykampf Berlin— Warschan 4:0. Auf Der Äottomitzer Kunsteisbahn traf der Berliner Schlittschuhklub am Sonntag vor nicht weniger als 8000 Zuschauern mit dem polnischen Eishockey- meifter A. Z. S. Warschau zusammen, den er mit 4:0(0:0, 2:0, 2; 0), schlagen konnte. Die Berliner waren fast jederzeit ton- angebend und konnten ihre Ueberlegenheit auch durch Tore von R. Ball(3) und Brück zahlenmäßig ausdrücken. In den Pausen zeigte Weltmeisterin Sonja H e n i e noch einmal ihre große Kunst. Die Kanadier enttäuschten. Das erste Europawettjpiel der kanadischen Eishockeymannschaft von Ottawa hatte am Sonnabend- abend mehr als 13 000 Zuschauer nach dem Pariser Sportpalast gc- lockt, die allerdings etwas enttäuscht würden, denn die Gäste aus Hebers«« konnten gegen Frankreichs Auswahlmannschaft nur ein Unentschieden von 2: 2(1: 0, 1: 0, 0: 2) herausholen. Di« Ottawa- Mannschaft spielt am Sonnabend und Sonntag im Berliner Sport- palast. war-endorser weihnachksrennen. Der Trobrennverein Marien- darf verösfeittlicht jetzt die Ausschreibungen für seine Weihnachts- Veranstaltung, die die Renntage am 13., 20., 26. und 27. Dezember umfaßt. An jedem Renntage gelangen wie üblich neun Rennen zur Abwicklung, von denen das Hauptereignis jeweils mit 1700 M. ausgestattet und Pferden aller Länder offen ist. Turngeräte aus Reisen. Im Museum für Leibesübungen haben jetzt einige Turngeräte Aufstellung gesunden, die eine lange Reise hinter sich haben. Während der Revolutionstage im Jahre 19)8 brachte ein Lloyddampfer, der in Bvemerhaven landete, einen Sprungkosten und ein Turnpferd mit. Beide Turngeräte kamen au» Japan, wo deutsche Kriegsgefangene in ihrem Gefangenenlager «inen Turnverein gegründet hatten. Di« Geräte wurden selbst er-. baut. Bis vor kurzem hatte ein Geestemünder Turnverein diese Geräte im Besitz. Das Mustum für Leibesübungen möchte nun etwas Näheres über den deutschen Turnverein im japanischen Ec- fongenenlager wissen. Vielleicht ist einer unserer Leser in der Lag«, diesem Wunsche nachzukommen. Vorn Berufsboxsport Hinzmann boxt nicht in Berlin Das für die Boxkampfveranstaltung am 11. Dezember in der Berliner Tennishalle in der Brandenburgischen Straße a>» Hauptkampf vorgesehene Schwergewichtstreffen zwischen Horst H i n z m a n n und dem argentinischen Neger Epifanio I s l a s kommt nicht zustande, da der Ostpreuße an' einer Nierenentzündung erkrankt ist. Als Ersatz dafür ist eine Begegnung zwischen dem früheren deutschen Weltergewichtsmeister Hans S e i f r i e d und seinem Bezwinger Forabullini- Italien vorgesehen. Als Geg- ner für den deutschen Leichtgewichtsmeister Franz D ü b b e r s ist der Italiener R e d a e l l i verpflichtet worden. Auch hier handelt es sich um einen Revonchekampf. Der Hannoveraner Schiller boxt mit dem Italiener A b b r u c i a t i, weiterhin ist noch ein Halbschwergewichtstteffen zwischen Paul Bogel- Berlin und Helmut Hartkopp- Berlin in Aussicht genommen. SchmeliDßs Sdiaukampftournec verlegt In New Dork hat eine längere Aussprache zwischen Schmelings Interesienoertreter Joe Jacobs und Präsident C a r.e y von d?r Madifon Square Garden Gesellschaft stattgefunden- Da der Welt- meister zur Zeit noch immer in Berlin weist, Ist die große Schau» kampftournee, die schon Mitte Dezember beginnen und durch 23 Städte führen sollte, um einen Monat hinausgeschoben worden. Schmelings nächster Gegner dürste mit größter Wahrscheinlichkeit der frühere Mittelgewichtsweltmeister Mickey Walker sein. Die Rem- Dorker Boxkommission macht zwar, wie erwartet, Schwierigkeiten und verlangt, daß sich Schmeling erst„ihrem" Meister Jack Sharkey zum Kampfe stellt, bevor er einen anderen Gegner annimmt, doch hat dies wenig zu sagen, denn der für Ende Februar geplante Kampf des Weltmeisters mit Mickey Walker soll ja nicht im Ge- biete der New-Porker Kommission stattfinden. Von Los Angeles als Austragungsort des Schmeling— Walter-Kampfe» ist man anscheinend wieder abgekommen, die Stimmung ist jetzt wieder mehr für Miami, wo die Garden-Gesellschaft schon in den letzten Jahren allwinterlich große Boxkämpfe veranstaltet hat, so die Begegnungen Scott— Sharkey und Sharkey— Stribling, * P'erre Charles gegen Hein Müller? Aus Brüssel wird ge- meldet, baß erneut Verhandlungen wegen eines Revanchekampfes zwischen dem früheren Schwergewichts-Europameister Pierre Charles und seinem illachfolger Hein Müller«ingeleitet worden sind. Oo- wohl von den Belgiern als Kampftermin bereits der 3. Februar genannt wird, ist kaum mit einem Zustandekommen der Begegnung zu rechnen, da der Kölner bekanntlich schon in Kürze die Reise nach Amerika antreten wird. Müller konnte den Belgier bekanntlich am 30? August im Berliner Poststadion im Kamps um die Europa- Meisterschaft schlagen. 458 Stdkm— Fluggeschwindigkeit Bei einem Rekordversuch über eine 3 Kilometer lange Strecke ist es dem amerikanischen Flieger Lowel B a y l e s gelungen, eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 458,20 2 Stundcnkilo- meter zu erzielen. Dies« Leistung ist um rund 10 Stundenkilo- meter besser als der im Jahre 1924 aufgestellte und noch heute gültige Weltrekord für Landflugzeuge des Franzosen Bonnet, der aus 448,170 Stundenkilometer kam. Allerdings scheinen von Lowel Baylee die besonderen Bestimmungen für Rekordversuche nicht ge- nau genug beobachtet worden zu sein, denn der amerikanisch« Lust- fahrtverband hat bereite erklärt, daß er die Leistung nicht als Re- kord anerkennen könne, so daß also auch eine Anmeldung als West- rekord nicht in Frage kommt. Fr.'ie lurnerlchast«ro�-Berlin. Abrechnung aller»assterer heute, Mo». tag IStj llhr, Grschäftgstelle.— Bezirk Lichtenberg! Montag, 7. Dezember, 23 Ubr, Funktionärsttzung, Pereinslokal. Die Sitzung Donnerstag, 10. Dezem- der, fällt aus. Freie Schwimmer Charlottenburg. Dienstag.»■ Dezember. 20 Uhr, Monatgvcrsammlung bei Eermor, Äailer.Fricdrich.Str, 13, Eck- vrünltratzc.— Mittwoch, fl. Dezember, 20 Uhr, Lichlbitdervoetrag de, Genossen Neumann: ,gSS. in Wien unb in den Bergen", Jugendheim Pestalozzistr 4», Schute, «ltersricgen Turner und Sportler, t. Krei». A.-T.«. Sp.-B. Faustball. ssIrtTt,-».*.»-.rt tt f A rt 1'-t iT) o 5 o im a Crhf.�4* 4)-. h a* am* Gl �.1... r.. e.,«■ adenb Dienstag, Ifl. Januar, 20 Uhr, Stadibad Mitte,»artenstrahe verein für«örperkuitue Proies. Sonntag, 13. Dezember. Platz Laskcr. strafte(Nähe Bahnhof Stralan-Rnmmelsbura). 0 Uhr Handballspiel: Männer Proies— Bötzow. 10 Uhr Faustballspiele. Als Gäste sind die Mitglieder»rm I. Krci» gnwelenb. Arcikärveetnltur-Protrftncr'ommlung Dienstag, 3. Dezember, 20 Uhr. Zicu- kblln. Riitlutrafte IRntlisckmleV..Verbot der Nackttultur in schule und 100 Lichtbildern