BERLIN Sienstag s. Dezember I9ZI 10 Pf. flr. 524 B 282 4». Jahrgang Slnz eigenpreis: Die einspaltige Nonpareillejetle M 1>f.. Reflamezeile öM. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto Borwärts-Verlag G.m.b.H.. Berlin Rr. 37 536.- Der Berti g behält sich das Reckt der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor' Redaktion und Erpedition: Berlin SV 68, Lindcnstr 3 Fernsprecher: Dönhoff(A') 2Ö2—297 ErscheinttSglich außer Sonntag«. Zugleich Abeildulltzube bei.®Brmärt« BejUgsprel« für beide Ausgaben 85 W. pro Woche. 3,60 M. pro Mona! ldaoon 95 Pf. monatlich für ZufleUung in« Haus) im porous »adldar.'v o li b e j u z 4,32 W, einschließlich 60 Pf. PoOiritung«. und 72 Pf. Postbestellgebühre». SftaJaatyaße x/e6 v\JotHVxxs46 Hitlers Blutwahn von �923 Erschießen oder Hängen binnen drei Stunden zu vollstrecken Vor der neuen Notverordnung Beratung der Sozialdemokratischen Reichstagsfraktion am T4. Dezember Siaalsaamolf Dr. Wilhelm högner, München, M. i». R., schreibt über den Vlutgeisl der hitierschen Reichsleitung: Bor einigen Iahren Hobe ich als Mitbcrichterstatter des Aus- schusjes des Bayerischen Landtags zur Untersuchung der Vorgänge des Jahres 1923 den nationalsozialistischen V e r- sassungsentwurs vom 9. November 1923 aus den Ge- richtsakten ans Tageslicht gebracht. Die darin vorgesehenen Maßnahmen entsprechen in vieler Hinsicht den Anordnungen, die im hessischen Dokument fiir den Ernstfall in Aussicht genommen sind. Beide Staatsdokumente des Dritten Reichs sind von einem Geist, oder bester gesagt, von einem Ungeist des blutigen Terrors und der nackten Gewalt. Im Berfastungsentwurf vom 9. November 1923 sind die Grundlagen der Demokratie, wie Bolkssouveränität, Rechtsstaat, Mcnschenrecht, restlos beseitigt. Die Berfossung von Weimar und die nach dem 9. November 1918 erlassenen Ber- fassungen der Länder werden aufgehoben. Die Staatsgewalt, die Gesetzgebung, der Bollzug der Gesetze, die gesamte Berwallung und die militärische Besehlsgewalt im Reich und in den Ländern werden auf„Verweser" übertragen. Alle Volksvertretungen in Reich, Ländern/ Gemeinden und Gemeindeverbänden sind für a u f g c l ö st erklärt. Die Teilnahme und die Ausforderung zur Teil- nähme an solchen Körperschaften wird mit dem Tode bestraft. Reichs- oder Landesverweser können alle Akte der Gesetzgebung, Verwaltung und Rechtsprechung, die seit 1918 ergangen sind, nach- prüfen und ändern. Sie sind durch die Rechtskraft von Entscheidungen nicht gebunden. Alle Handlungen und Unternehmungen, die geeignet sind, den Bestand der Staatsordnung z» erschüttern oder zu gefährden(!), oder die Durchführung der Grundsätze des Verfassungsentwurfs zu erschweren(!), werden ebenso, wie bewußte Schädigung der Sicherheit(!) oder Wohlfahrt des Reiches und der Länder mit dem Tode bestraft. Zur Ab- urteilung derjenigen Verbrechen, die den Bestand des Volkes und des Staates zu gefährden geeignet sind, wird ein Notionaltribunal als oberster Gerichtshof eingesetzt. Er kann nur aus Freisprechung oder Todesstrafe erkennen. Rechtsmittel sind nichl zulässig, Urteile werden binnen drei Stunden seil ihrer Verkündung vollstreckt. Die Einsetzung eines solchen Blutgerichts war von dem früheren Münchener Polizeipräsidenten P ö h n e r und seinem Gehilfen Dr. F r i ck beraten und beschlossen worden. Außerdem war noch die Einrichtung von Standgerichten vorgesehen. Vorsitzender und Staatsanwalt mußten Offiziere oder zum Richteramt befähigte Personen sein. Der Staatsanwalt konnte Haftbefehle erlassen. Urteilsgründe brauchten nicht schriftlich niedergelegt zu werden. Rechtsmittel fanden nicht statt. Die Todesstrafe sollte durch Erschießen oder Henken vollzogen werden. Mißliebige Staatsbürger konnten vom Reichsverweser oder Landesverweser in die Acht erklärt werden. Die Nationalregierung (Ludendorsf-Hitler) selbst erklärte Ebert, Scheidemann usw. und ihre Gehilfen und Helsershelfer fül: vogel frei und ocr- pflichtete jeden Deutschen, sie tot oder lebendig in die Hände der völkischen Nationalregierung zu liefern. Der in die Acht Erklärte sollte im Deutschen Reich keinen Rechtsschuh genießen, wer einem in die Acht Erklärten Hilse leistet, wird mit dem Tode bestraft.(!) Alle Militärpersonen und polizeilichen Vollzugsbeamten sind verpflichtet, jedem Widerstand gegenüber von der Waste den schärfften Gebrauch zu machen. Beamte, die es an der erforderlichen Eni- schlostenheit fehlen lassen, werden sofort abgesetzt. Entlassen werden auch alle nach steiem Ermessen des Reichs- oder Landesverwesers „unzuverlässigen und unfähigen Beamten". Für sie wird jeder Rechtsanspruch ausgehoben. Entlassene Beamte dürfen bei T o d c s st r a s e Amtshandlungen nicht mehr vornehmen. Dieselbe Strafe trifft jeden Staatsbürger, der bewußt Anordnungen entlassener Beamter ausführt oder befolgt.(!) Ueber das gesamte Reichsgebiet wird der Belagerungs- zustand verhängt. Beschränkungen der persönlichen Freiheit, des Vereins- und Versammlungsrechts, des Recht? der freien Meinungs- äußerung, Eingriffe in dos Brief-, Post-, Telegraphen- und Fern- sprechgeheimnis, Haussuchungen und Beschlagnahmen sowie Be- schränkungen des Eigentums sind unbegrenzt zulässig. Waffenbesitz ohne Waffenschein wird mit dem Tode bestraft. (Fortsetzung auf der 2. Seite.) Die neue Notverordnung wird am Mittwoelzmorgcn durch die Tagespresse der Leffcntlichkcit bekanntgegeben werden. Ter Vor st and der sozialdemokratischen Rcichstagsfraktion tritt an« Tonnerstagnachmit- tag zu einer Sitzung zusammen, um zu dem Inhalt der Notverordnung Stellung zu nehmen. Tie Gesamtfraktion der Sozialdemokratischen Partei tritt am Montag, dem 14. Tezcmbcr, nachmittags 3 Uhr, im Neichstag zusammen. Oeutschnationale Betrüger. Da« Xeich um Ziiesensummen betrogen. Vor der Großen Strafkammer in Stettin stehen neben anderen Angestellten der Pommcrschen Hauptzenofsenschast die Direktoren Bruno Haß und Fritz H a g e m a n n. Sie sind beschuldigt, durch Schiebungen mit Einfuhrschcinen das Reich um Riesensunrmcn betrogen zu haben. Die Pommersche Hauptgenossenschaft setzt sich aus den Führern der„nationalen O p p o s i t i o n" zusammen, die Preußen und das Reich von der„marxistischen Korruption" befreien wallen. Zum Aufsichtsrat der Pommerschcn Hauptgenossenjchast gehört Herr von Rohr, der Führer des Pommerfchen Landbunds. Reben ihm stehen die Herrschaften von Hakenkreuz und Stahlhelm. „Aus Not, aus Korruption, aus Ehrlosigkeit suchen die erwachenden Preußen Beteiligung bei uns"— so sprach Herr von Rohr beim Zn Hitlers großem Hauptquartier „Halts Maul, du geschaßter Offizier!"-„Was, du wiltstdich rühmen, duInflationsschieber!"-„Was heißt hier Inflationsschieber, wo hier einer mit einem Straf- verfahren wegen Sittlichkeitsvergehen sitzt!"—„Das fagst du, wo hier Leute sind, die 30 000 Mark unterschlagen haben!" Hitler:„Zinhe, meine Herren! Hier ist kein Mädchenpensionat, wir sind eben rauhe Kämpfer!" Brüning im Runösunk. Eine Rede zur neuen Notverordnung. Reichskanzler Dr. Brüning spricht heule abend von 9 bis 9.25 Uhr im Rundfunk über die kommende Rolverordnung. Um 20 Uhr empfängt der Reichskanzler die deutsch« Presse, wobei er die Roloerordnung der Presse übergeben wird. Es ist übrigens das erstemal, daß Dr. Brüning die deutsche Presse zu sich gebeten hat. Volksentscheid. Die Staatsanwaitschast hat inzwischen dafür gesorgt, daß man sieht, wo Korruption und Ehrlosigkeit sitzen! Nach dem Fall R a i f f c i s e n der Fall Pommersche Haupt- »genossenschaft! Es stinkt im Lager Hugenbergs! SA. als Versammlungssprenger. Lleberfall auf eine sozialdemokratische Versammlung. Görlitz, 8. Dezember.(Eigenbericht.) Die Sozialdemokralische Partei halte für Montagabend eine Versammlung nach Königshai n-Oberlausih einberufen, in der Reichstagsabgeordneler Genosse Buchwih aus Görlitz referierte. Zu dieser Versammlung waren die SA.- Leute der ganzen Umgebung mobil gemacht worden. Sie versuchten svstematisch die Versammlung zu stören, so daß schließlich die Versammlung geschlossen werden mußte. Vach Schluß der Versammlung fielen die nationalsozialistischen Banden über die Versammlungsteilnehmer her. Das Reichsbonner, das den Saalschuh halte, stellte sich den Rationalsozialisten entgegen und drängte sie zum Saal hinaus. Die SA.-Leute feuerten in dem Tumult mehrere Schüsse ob. Es gab eine größere Anzahl von Verlehlen. Fünf Reichsbannerkameraden wurden schwer verletzt. Es Handell sich um einen systematischen, gewaltsamen U e b e r s a l l nationalsozialistischer Banden, die zu diesem Zwecke zusammengezogen worden sind, aus eine sozialdemokratische Versammlung. Zusammenlegung der Bezirke? Besprechungen der Bezirksbürgermeister über VerwaltungS- Vereinfachung. Morgen treten die Berliner Bezirksbürger in ei st er zu einer gemeinsamen Sitzung mit den 2Nilgl>cdern des Magistrats unter Vorsitz de? Oberbürgermeisters zusammen. Der Besprechung kommt eine besondere Bedeutung zu, weil neben anderen Verwol- lungsangelegenheiten besonders über die Moglichkeil einer Vereinfachung der Verwaltung durch eine eventuelle' Z u s a m m e n- legung der Bezirke und Einschränkung der Be- zirksamlsverwaltungen gesprochen werden soll, heule sind im Rathaus die Bürgermeister der 20 Berliner Bezirke beisammen, um ihre Meinungen über das Für und Wider einer Verringerung der Bezirke auszutauschen. Die Ansichten, ob durch eine Zusammenlegung der Bezirke lalsächtlich die von allen Seiten angestrebte Verwaltupgsvereinsachung erreicht wird, gehen noch sehr auseinander. -!- Vorläufig steht das neue Berlin-Gesetz den Bestrebungen, die eine Verringerung der Bezirke erreichen wollen, noch hindernd im Wege. Der 8 14 des Gesetzes, in dem die Kompeteiizen der Be- zirksversammlungen geregelt sind, müßte aus dem Gesetz erst herausgenommen werden. Das wäre nur möglich durch einen Be- schluß des Preußischen Landtages oder durch Erlaß einer preußi- scheu Notoerordnung. Solange der Paragraph noch besieht, würde eine Zusammenlegung der Bezirke gegen das Berlin-Gesetz vor- stoßen. Hitlers Blutwahn. (Fortsetzung von der I.Seite.) Alle Deutschen vom lö. bis zum SO. Lebensjahr sind zum össent- lichen Arbeitsdienst verpflichtet. Die Pressefreiheit ruht„vorerst" Alle Zeitungsunter- nehmungen und Druckereien können geschlossen und„zum Wohle der Allgemeinheit" beschlagnahmt werden. Jede der Staatsgewalt und ihren Maßnahmen abträgliche Aeußerung in Zeitungen und Druck- schristen wird mit Strafe und Enteignung des Verlages geahndet. Alle politischen Parteien und politischen Vereine, auch solche, „die hinter anderen Zwecken politische verbergen", sind aufgelöst. Alle Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände sind aufgelöst, ihre vermögen sind beschlagnahmt. Aussperrung und Streik werden mit dem Tode bestraft. Die gleiche Strafe trifft seden, der dazu auffordert, anreizt oder zu verleilen such». Das gesamte bewegliche und unbewegliche Vermögen der An- gehörigen des jüdischen Voltes kann beschlagnahmt werden. Wer beschlagnahmtes Vermögen der Verstrickung zu entziehen ver- sucht oder wer dazu chilse leistet, wird mit dem Tode bestraft. Die Landes- und Amtsverweser können den gesamten ösfent- lichen Bedart insbesondere Geld, Nahrungsmittel, Betriebsstoffe, Verkehrsmittel nach freiem Ermessen zwangsweise b e i t r e i b e n. Allgemeine Bankensperre wird angeordnet. Der Verkehr der Banken untereinander und mit den Kunden wird eingestellt. Zuwiderhändlungen werden mit dem Tode bestraft. Grund st ücke dürfen nur mit Genehmigung der Staatsgewalt veräußert werden. „Unnütze Esser" in Städten, Bädern, Iremdorten werden in Sammellager gebracht, wer sich der Uebersührung dahin entzieht. wird mit dem Tode bestraft. Das Schriftstück wurde in den Taschen des nationalsozialistischen Obcrlondesgerichtsrats von der Pfordten gefunden, der am S. November 1923 an der Feldherrnhalle in München unter den Kugeln der Landespolizei fiel. Der nationalsozialistische Verfassungsentwurf vom 9. November 1923 ist in den Gerichtsverhandlungen gegen Hitler und Genossen wegen Hochoerrats überhaupt nicht erörtert wanden. Kein Angeklagter wunde für den Inhalt dieses Schriftstücks verantwortlich gemacht. Das unterblieb, obwohl das Verhalten der nationalsozialistischen Führer am 8. und 9. Nooembe r 1923 in München bewies, daß sie mit dem Inhalt und Geist vollständig ein- verstanden waren. Der übergroße Teil des Deutschen Voltes, der ein nationalsozialistisches Blut- und Schreckensregiment ablehnt, muß verlangen, daß im Falle der hessischen Verschwörer anders gehandelt wird. Die intellektuellen Urheber des Blutbefehls müssen f e st g e st e l l t werden. Auf sie, nicht erst auf ihre gehorsamen Werkzeuge, muß das Gesetz mit seiner ganzen Schwere fallen! Auch Geldte! In den kritischen Tagen des Nove-inber 1923 hat auch der erste Bundesoorsitzende des Stahlhelms, Seldte, an alle Gautührer seinen Entwurf einer nationalen Dil- t a t u r geschickt. Dieser Entwurf sah vor: Seldte Reichsverweser mit diktatorischer Gewalt, Bildung eines Direktoriums, Auflösung des Reichstags, die Schutzpolizei wird oerstärkt und tritt unter den Befehl des Reichsverwesers, Streiks sind bis auf weiteres verboten. Punkt H dieses Programms lautet: „Es werden mit sofortiger Wirkung Standgerichte ein- gesetzt mit Befugnis der Todesstrafe für Auflehnung und Sabotage gegen den Reichsverweser, Streikhetzer, Plünderer, Wucherer, Zurückhaltung von Nahrungsmitteln, Ausfuhr von Nahrungsmitteln." Zu diesem Punkte gab Seldte die folgende Erläuterung: ..Ztrettö muß eventuell durch Erschießung jedes Zehnten entgegengetreten tverden, insbesondere dem der Banknotendrucker. Im augenblicklichen Stadium, d. h. solange die Maßnahmen des Ernährungsdirektors und des Wirtschaftsdirektors, die nicht zaubern können, sich ausgewirkt haben, muß Terror an die Stelle von Besserung der Lage treten. Daher ist sede Auflehnung gegen den Reichsoerweser mit dem Tode zu bestrasen. Das Aufhängen von vier Wucherern auf dem Potsdamer Platz und von Streikhetzern am Neuen Tor, die Erschießung von drei Landwirten, die ihr Gc- treide zurückhalten, ist der Schreckschuß, der notwendig ist. Der Reichsoerweser ist der Aufpeitscher, Vorwärtstreiber, ist das stahl- harte Rückgrat, ist der, der erschießen läßt, wozu die anderen nicht den Mut aufbringen." Herr Best hat sich getreulich an die Vorlagen gehalten, die von der Pfordten und Seldte vorgearbeitet haben. Man weiß nun, daß die Parteileitung der Nationalsozialisten nicht vom Inhalt der Bluldokumente abrücken kann, weil sie ihr oberstes Programm darstellen! Oie Wahlen in Würitemberg. Weitere Ergebnisse aus dem Lande. Stuttgart, 8. Dezember.(Eigenbericht.) Weitere Ergebnisse der württembergischen Gemeinderatswahlen: In Ludwigs bürg erhiellen: Sozialdemokratie 2 Mandate, Kommunisten 2. Nationalsozialisten 5, Demokraten 1, Zentrum 1, Christlicher Volksdienst 1, Bürgerliche Vereinigung 3 Mandate. In Eßlingen erhielten: Sozialdemokratie 3. Kommunisten 4, Demokraten l. Nationalsozialiften 3, Zentrum 1, Deutschnationale 1, Deutsche Volkspartei 1, Landwirte 1 Mandat. In Feuerbach setzt sich der Gemeinderat nach dem Ausfall der Wahl jetzt wie folgt zusammen: Sozialdemokraten insgesamt 8 (9), Kommunisten 2(1), Komm. Opposition 3(3), Demokraten 7(8), Nationalsozialisten 2(<)), Deutschnationalc 1(9), Freie Wähler- Vereinigung ö(7) Mandate. In Balingen erhielten: Sozialdemokraten 2, Nationalsozia- listen 3, katholischer Wahlvorschlag 1, Bürgerschaft 2 Mandate In Freuden st adt erhielten: Sozialdemokratie 3, Kommu- nisten 1, Nationalsozialisten 3, Wirtschaftliche Bürgervereinigung 3 Mandate. In Heidenheim erhiellen: Sozialdemokraten 3, National- sozialisten 3, Demokraten 1, Kommunisten 2, Zentrum 1, Deutsch- nationalen und Volkspartei 1 Mandat. In Geislingen setzte� sich der Gemeinderot nach den Wahlen wie folgt zusammen: Sozialdemokraten 6, Kommunisten 1, Nationalsozialisten 4, Demokraten 3, Zentrum 2, Christlicher Volts- dienst 1, Freie Wählervereinigung ö. Parteilos 1 Mandat. Ein Held von Hitlers Verlustliste Wie die Verwundetenlifle der Nazis zustande kommi/ Die Nazilüge von Osnabrück zerplatzt Osnabrück. 8. Dezember.(Eigenbericht.) Der angeblich„kommunistische Mordanschlag" auf den St.-Führer Brinkmann ist nun restlos aufgeklärt worden. Die Ortspolizeibehörde teilt mit: Die weiteren Ermittelungen haben einwandfrei ergeben, daß Brinkmann nicht von fremder Hand angeschossen ist, sondern e i n Unglücksfall vorliegt. Es steht setzt weiter fest, daß die An- gelegenheit keine politische Bedeutung hat. Der Vorfall hat sich nach den einwandfreien, teils eidlichen Zeugenaussagen, wie folgt zugetragen: V. ist in Begleitung einer weiblichen Person vom Gast Hans Bavarla ans zum Arndtplah gegangen, wo- selbst beide noch in die bereits geschlossene Schankwirl- schaft Larberg einkehren wollten. Da ihnen ans Klopsen mit der Hand an das Fenster kein Einlaß gewährt wurde, hat B. mit seiner Pistole, die er bei sich führte, heftig an das Fenster geklopft, wobei sich die Waffe entlud und ihm das Geschoß in den Bauch drang. Er hat dann bezeichnenderweise die weibliche Person ersucht, sich schleunigst zu entfernen. Unmittelbar hinterher kam ein Polizei- beamlcr, der B. dem Krankenhaus zugeführt hol. B. ist am 5. Dezember 1931, vormittags, von dem zuständigen Amtsrichter zu dem Vorfall im Krankenhaus eidlich vernom- men worden und hat seine ursprünglichen Angaben, wonach er von fremder Hand angeschossen sein wollte, aufrecht- erhalten, obwohl ihm kurz vorher von dem Kriminalkommissar Oldigs Vorhaltungen darüber gemacht worden waren) daß dies in Anbetracht der gegenteiligen Zeugenaussagen als ausgeschlossen angesehen werden müsse und diese Zeugenaussagen von B. selbst gelesen worden sind. Die au der Unfallstelle in einem Sellerschachl der Wirtschaft Larberg zurückgebliebene Wallher-Pistole hat ein intimer Freund und Parteigenosse des B. mit Hilfe einer willelsperson am 4. Dezember 1931 gegen 1b Uhr an sich gebracht. Bemerkenswert ist hierzu, daß von der erwähnten Ulittelsperson hierüber Stillschweigen verlangt worden ist. Die Pistole Ist am 5. Dezember 1931 in der Wohnung des Parteigenossen des B. polizeilich beschlagnahmt worden. Festgestellt ist, daß der im Krankenhaus befindliche B. bereits am 4. Dezember l931 von diesem Parteigenossen darüber unterrichtet war- den ist. daß die Pistole in dessen Besitz sei. L. hat sich aus diesem Grunde wohl in Sicherheit gewiegt und deswegen offenbar mit der Wahrheit zurückgehalten. Erst nach der richterlichen, eidlichen Vernehmung im Sladtkranken- Haus hat B. am b. Dezember 1931, nachmittags, bei der nochmaligen Vernehmung durch den Kriminalkommissar Oldigs in Gegenwart seines Parteigenossen und nach Vorzeigung der beschlagnahmten Pistole zugegeben, daß er nicht von fremder Hand angeschossen worden ist. sondern sich selbst verletzt hat. B. behauptet jedoch nach wie vor, von zwei politischen Gegnern verfolgt worden zu sein, obwohl seine Begleiterin unter Eid bekundet hat, daß weit und breit kein Mensch zu sehen gewesen ist. Die erforderlichen Skrafversahren sind eingeleitet worden. * Der SA.-Fllhrer Brinkmann zog mit der Pistole in der Tasche in der Nacht von Kneipe zu Kneipe in weiblicher Begleitung. Er randalierte vor einem geschlossenen Wirtshaus, renommierte vor dem Weibchen mit der Pistole und schoß sich dabei in den Bauch. „Neuer roter Terror, von Rotmord gehetzt"— so lief die Geschichte durch die„nationale" Presie. Die Lüge ist_ zerplatzt! Dieser Brinkmann, der nach seinem Selbstschuß die politischen Gegner biskreditieren und für sich noch eine SW-Rente herausschlagen wollte, wird sich nun wegen verbotenen Waffen- tragen und Falscheid zu verantworten haben. Großfeuer am Lehrier Bahnhof 3n der vergangenen Nacht wurde die Feuerwehr nach dem Hamburg. Lehrter Güterbahnhof alarmiert, wo in einem großen Lagerschuppen Feuer ausgebrochen war. Der von dem Feuer betroffene Schuppen liegt in der Heide- straße 35/3 7. Kurz nach Mitternacht loderten plötzlich helle Flammen empor. Das Feuer griff mit großer Schnelligkeit um sich und als die Wehren auf Großfeueralarm mit fünf Löschzügen anrückten, hatte der Brand bereits auf einen angrenzenden Güter- schuppen übergegriffen. Sieben Schlauchleitungen größter Kaliber mußten in Tätigkeit gesetzt werden, um die Flammen durch starkes Wassergeben einzudämmen. Die Ablöschungs- und Auf- räumungsarbellen waren erst gegen 7 Uhr früh beendet. Die Entstehungsursache konnte bisher noch nicht geklärt werden. Dr. Ltßner Opfer eines Verbrechens? Llnterfuchung durch die Kriminalpolizei. Da für den Selbstmord des Berliner Rechtsanwalts Dr. Walter L i ß n e r, den Verteidiger im Ealmetle-Prozeß. jedes woliy fehlt und über der augebUchen Tat ein mysteriöses Dunkel schwebt, hat jetzt der Sozius des Verstorbenen, R.-A. Prof. Dr. Alsberg. sich an die Mordkommission gewandt, um eine AufNSrung dieser geheimnisvollen Angelegenheit zu erreichen. Kriminalkommissar Dr. Werneburg ist daraufhin mit den Er- mittlungen beauftragt worden. Die Veranlassung für das Ein- greisen der Mordkommission ist vor allem die Tatsache, daß ein Selbstmord Lißners von allen seinen Freunden und Bekannten für völlig ausgeschlossen gehalten wird. Der 27jährige Anwalt, der im Calmette-Prozeß Prof. Dr. Alsberg vertrat, war noch am Sonntagnachmittag von 3 bis 6 Uhr mit Dr. Alsberg zusammen, ohne daß diesem irgend etwas von Selbstmordabsichten anzumerken war. Dr. Lißner suchte dann noch einen anderen Bs- kannten auf und auch dort war er vergnügt und guter Dinge. Sieben dem Fehlen jeglichen Motivs für einen Selbstmord spricht noch«in anderer Umstand dafür, daß Dr. Lißner möglicherweise einem verbrechen znm Opfer gefallen ist. Er soll nämlich im Besitz eines ziemlich großen Geldbe- trag« gewesen sein, und die Summe, die noch bei ihm gefunden wurde, entspricht durchaus nicht den sonst bei ihm üblichen Geld- Verhältnissen. Hinzu kommt noch, daß R.-A. Dr. Lißner, wie jetzt erst bekannt wird, vor einiger Zeit seine Haus- und Wohnungs- jchlüssel verloren hat. Man nimmt an, daß vielleicht ein Fremder den Schlüssel irgendwo in der Nähe der in Spandau in der Ruh- lebeuer Straße 129 befindlichen Wohnung gefunden und sich an, Sonntagabend in die Wohnung Einlaß verschafft hat. Dr. Lißner wohnt« übrigens dort ganz allein, und die Aufwartefrau, die die. Wirtschaft besorgte, kam nur frühmorgens zum Saubermachen. Alle diese Verdachtsmomente werden jetzt von der Kriminalpolizei nach- geprüft._ Wieder Gelbstmord eines Anwalis. Dr. pagelttemper hat sich erschossen. Rechlsanwalk Dr. Pagenkemper, gegen den gestern vor dem Schöffengericht Berlin- Mitte wegen Unterschlagung von Mandanlengeldern ln Höhe von 10000 M. verhandelt werden sollte, der zum Termin aber nicht erschien, hat sich heute früh in feiner Villa in der Feldstraße 23 in Lichterfelde e r- schössen. Dr. Pagenkemper hielt sich bereits mehrere Tage verborgen und die Kriminalpolizei bemühte sich auf Grund des vorliegenden Haft- befehle, den Verschwundenen ausfindig zu machen. Die Vemühun- gen waren aber vergeblich. Da oermutet wurde, daß Dr. Pagen- kemper vielleicht in der Nacht seine Villa in Lichterfelde aufsuchen würde, wurde das Haus unter ständiger Beobachtung gehalten. Heute früh um 5 Uhr sahen die Beamten einen Mann die Villa betreten, auf den die Beschreibung Dr. Pageakempers paßte. Das Ueberfallkommondo wurde alarmiert und die Villa umstellt. Als die Beamten in das Haus eindrangen, fiel plötzlich ein Schuß. In seinem Schlafzimmer im ersten Stockwerk fand man den Rechtsanwalt tot auf. Er hatte sich eine Kugel in die Schläfe gejagt. Frankreich gegen Repamtionsstreichnng Eine Note an die Negierungen/ Konferenz soll nur Krisenmaßnahmen beschließen Paris, 8. Dezember.(Eigenbericht.) Die.französische Regierung hat anläßlich des Zusammentritts des Baseler Sachoerständigenausschusses den wichtigsten Gläubiger- staaten Deutschlands ihre Ansicht über die Reporationssrage aus- einandergesetzt. In der Rote wird erklärt, daß einerseits die Weltkrise zum größten Teil für die schlechte Finanzlag« Deutschlands ver- antworllich sei, andererseits die hohen Ausgaben und die hohen Anleihen der Reichsregierung. Die französische Regierung erkenne die Notwendigkeit von Maßnahmen an, die Deutschland über seine vorübergehenden Schwierigkeiten hinweg- Helsen. Sie werde sich dabei von dem Wortlaut des in Washington nach den Unterredungen Hoovers mit Laoal veröffentlichten Kommuniques leiten lassen. Bei diesen Unterredungen sei die Not- wendigkeit einer Verlängerung des gegenwärtigen Zahlungsmoratoriums geprüft worden. Obgleich die französische Regierung bereit sei, Deutschland große Zugeständnisse zu machen, bestehe sie aus dem Prinzip der Reparations- Zahlungen aus zwei Gründen: weil keine Beweise dafür vorhanden sind, daß Deutschland immer zahlungsunfähig bleibt und weil es die gebieterische Pflicht sei, den geheiligten Charakter der internationalen Abkoinvien zu schützen. Es heißt dann weiter, daß die gegenwärtige deutsche Finanzkrise einem Abkommen von end- gültigem Charakter über die Zahlungsfähigkeit Deutschlands nicht g ü n st i g sei. Die Untersuchung der Sachverständigen müsse sich aus einen Uebergangszustand beschränken, für den nur vorübergehende Maßnahmen empfohlen werden können. Auf der Regierungskonferenz könne das ganze Problem der deutschen Zahlungsfähigkeit geprüft werden. Auf jeden Fall müsse sich die Untersuchung des Ausschusses auch auf die wichtig« Frage des von Deutschland in: Ausland investierten Kapitals und die Maßnahmen zur Zurückschaffung dieser Kapitalien beziehen. In bezug auf die Frage der kurzfristigen Kredite weigere sich die französische Regierung, den praktischen Wert einer P r i o r i t ä t s- forderung abzuerkennen. Diese Frage bestehe in der Praxis gar nicht, weil das Reparations- und das Kreditproblem nur die Elemente des Gründproblems der Zahlungsfähigkeit Deutschlands und der Achtung der vertraglichen Verpflichtungen seien. Zum Schluß erklärt die Regierung, daß eine grundsätzliche Aenderung des Aoung-Plans nur im Zusammenhang mit einer Verringerung der interalliierten Schulden möglich sei. Arbeiterankwort auf Trotadöro. Die c r st e Antwort auf die nationalistischen Kundgebungen während der Abrüstungskonferenz im Trocadero ist den franzö- fischen Chauvinisten in Bordeaux ertellt worden. Die patriotischen Iugendverbände hatten nach einem Saale der Stadt eine Kundgebung einberufen, in der der Abg. Taittinger und der Propagandachef der Nationalisten, de K y r i l l i s, sprechen sollten. Schon eine Stunde vor Beginn der Kundgebung war der Saal mit Sozialisten und Kommunisten gefüllt, die die Tribüne mit den Rufen:„Trocadero", Repressalien",„Es lebe der Friede" und mit dem Gesang der Internationale stürmten. Die Polizei sah sich daher genötigt, den Saal räumen zu lassen und die Abhaltung der Versammlung zu verbieten. Im Laufe der Zusammenstöße wurden sieben Personen verletzt, darunter eine schwer. Reichsrateinspruch abgelehnt. Lim die Zuschläge zur Einkommensteuer der Aufsichtsräte. Der j)aushaltsausschuß des Reichstags verhandelte heute den Einspruch des Reichsrats gegen den sozialdemokratischen Gesetzentwurf über Zuschläge zur Einkommen- st euer der Aufsichtsratsmitglieder. Dieser Gesetz- entwurf wurde am 2Z. März 1931 vom Plenum des Reichstags mit erheblicher Mehrheit angenommen. Der R e i ch s r a t erhob Ein- s p r u ch, die preußischen Vertreter im Reichsrat wurden dabei überstimmt. Der Reichsrat begründet seinen Einspruch damit, daß die Bildung von Privatkapital gerade jetzt sehr not- wendig sei und deswegen die Einkommenssteuer nicht erneut an- gespannt werden dürfe. Durch den sozialdemokratischen Gesetzentwurf sollten etwa 43 Millionen Mark aufkommen, die in erster Linie zur Linderung der Notlage in den Gemeinden zu verwenden waren. Weitere S Millionen sollten zur Sanierung der Knappschafts- Line imilion Jlrbeitslofe in Frankreich Pariser Arbeitslose warten vor einer Volksküche auf warmes Essen. Versicherung und 3 Millionen für Kinderspeisung ver» ausgabt werden. Der Vertreter der Regierung versuchte auch heute noch den Einspruch des Reichsrats zu rechlscrtigen. Der Haushaltsausschuß lehnte den Einspruch des Reichsrates gegen den sozialdemokratischen Gesehentwurs mit den Stimmen der Sozialdemokraten. Kommunisten, der Bayerischen volksparlci und des Christlich- Sozialen volksdiensles ab. Genosse Blumiriii gestorben. Der Redakteur unseres Hofer Parteiblattes. München, 8. Dezember.(Eigenbericht.) Nach langem schweren Leiden ist in der Nacht zum Dienstag der leitende Redakteur unseres hoser Parteiblattes Max Blumtritt im Alter von 54 Iahren gestorben. Blumtritt, geboren in Burg bei Magdeburg, ist von Berus Holzbildhauer, und seit 1999 Redakteur der„Oberfrönkischen Volkszeitung", deren Aufftieg im wesentlichen sein Verdienst ist. Seit 1919 war er Mitglied des Bayerischen Land- tage? und geHorte dem Vorstand der sozialdemokratischen Landtags- fralition an. Der Leumund des Chauffeurmörders. Ein widerspruchsvoller Eharakter. Die Verhandlung gegen den Mörder des Chauffeurs p o n i g k. dem Z4jähngea ehemaligen Aursorgezögling Aabclitz, oerlies heute morgen im Gegensatz zu der dramatischen Sitzung von gestern sehr ruhig. Der Angeklagte, schlank, seinglicdrig, mit gutgeformtem Kopf und langem, zurückgekämmten haar, macht im ersten Augenblick einen guten und geordneten Eindruck. Bei näherem Zusehen sällt aber ein harter, böser Zug um den Mund und der finstere Blick der tiefliegenden Augen aus. In direktem Widerspruch dazu steht seine höfliche Sprechweise. Ebenso widerspruchsvoll ist auch der Leumund der verschiedenen Zeugen. Der Oberinspektor aus der Fürsorgeanstalt Strausberg charakterisiert seinen früheren Für- sorgezögling als leicht erziehbaren, willigen und fleißigen Jungen. Erst später begann er Schwierigkeiten zu machen. Er entwich aus der Anstalt und begann seine Löffelschluckerei. Nicht besonders schlecht ist auch das Zeugnis, das ihm seine Arbeit- geber ausstellen. Als fleißig, willig, gefällig, zuvorkommend be- zeichnet ihn eine Frau, nur fehlte aus der Kasse Geld. Die Mutter Kabelitz hat 199 Mark ersetzt. Auch auf der Arbeitsstelle, die er von der Fürsorgeanstalt aus erhalten hat, war er sleißig- Kabelitz bleibt auch heute trotz eindringlichen Verhaltens des Vorsitzenden bei seiner Behauptung, daß ein gewisser Werner mit ihm zusammen die Fahrt nach Ferch unternommen habe. Er beschreibt in allen Einzelhcinten das Aussehen dieses Werner mit der blauen Weste, wie man ihn genannt haben soll. Der Unter- suchungsrichter schildert, wie Kabelitz' Aussagen zustande gekommen sind. Anfangs habe er von seinem Dämmerzustande aus der Fahrt noch Ferch erzählt. Er habe von Anfang an einen unglaubwürdigen Eindruck gemacht. Man habe ihm auch angemerkt, wie schwer er mit sich gekämpft habe. Immer wieder habe er seelische Zusammen- brüche gehabt. Nach seiner ersten Operation— es mußten ihm die verschluckten Löffelteile aus dem Leibe genommen werden— habe er an den Zeugen geschrieben, er wolle nun die Wahrheit sagen. Diese habe aber aus dem Märchen von dem mysteriösen Werner bestanden. Professor Brüning und der Kreisarzt chufe schildern den gegebenen Bericht über den Obduktionsbefund und über die aufgefundenen Patronenhülsen. Ponigk wies vier Schußlöcher auf, sämtliche Kugeln haben ihn in den Rücken getroffen. Ob er bereits in Berlin erschossen worden sei, lasse sich mit Bestimmtheit nicht sagen. Der Wagen brauchte nicht besonders mit Blut besudelt zu sein: der Getötete hatte an und für sich wenig Blut verloren Die Mutter des Angeklagten wird wohl erst in den Nachmittagsstunden vernommen werden. Das Urteil ist nicht vor morgen zu erwarten. welliugton-koo und der chinesische chauptdelegierte beim Völker- bund, Dr. Sze, die am Sonnabend aus Protest gegen die chaltung des Völkerbundsrates in dem mandschurischen Konflikt demissioniert hatten, haben ihre Demission zurückgezogen. Brand des Ringtheaters in Wien Cine Theaterkatastrophe vor fünfzig Zähren In der Theatergeschichte des letzten Jahrhunderts spielen Brand- katastrophen glücklicherweise keine große Rolle mehr. Mit der Ein- führung der elektrischen Beleuchtung und der genau festgelegten Sicherungsvorschriften verschwand auch dieser gefürchtete Feind des Theaters mehr und mehr. Der größte Theaterbrand der Welt- geschichte ist wohl der am 25. Mai 1845 in Kanton, bei dem fast 1999 Menschen den gräßlichen Flammentod starben. Im Jahre 1871 fanden in Schanghai über 999 Menschen den Tod in einem brennen- den Theater, ein Jahr später 799 Menschen in Tientsin. Im gleichen Jahre brannte Mrs. Conways Theater in New Port ab und forderte über 499 Menschenopfer. Die letzte in dieser Kette furchtbarer Brand- katastrophen ereignete sich am 8. Dezember 1881 im Ringtheater zu Wien und vernichtete 896 blühende Menschenleben. Das Ringcheater war im Jahre 1874 unter dem Namen „Komische Oper" eröffnet worden. Nach verschiedenen Zusammen- brächen und wiederholtem Direktionswechsel hatte es im Jahre 1881 Direktor Franz Iauner übernommen, der mit„choffmanns Er- Zählungen" am 7. Dezember begann. Am nächsten Tag war eine Wiederholung des Stückes angesetzt, zu der das ganze Theater bereits ausverkauft war. Schon füllten sich Ränge und Parkett mit einem festlichen Publikum, schon standen die Darsteller geschminkt auf der Bühne und warteten auf das Zeichen des Beginns, da flammte plötzlich eine Kullsse hell auf, die sich an der offenen Gas- beleuchtung entzündet hatte. Was sich nun in blitzschnellem Tempo abspielte, ist eine tragische Kette von zufälligem Zusammentreffen, Kopflosigkeit und Fahrlässigkeit. Statt den eisernen Vorhang sofort herunterzulassen, verlies der Maschinenmeister seinen Platz und floh ohne Ueberlegung. Das Publikum, das sich in Erwartung des Spiels ahnungslos auf feine Plätze begeben hatte, sah sich plötzlich einer Riesenflamme gegenüber, die bereits die ganze Bühne ergriffen hatte. Ein panischer Schrecken ergriff es, und ein fürchterlicher Kamps um die Ausgangstüren begann. Unglaublicherweise waren die diensttuenden Feuerwehrleute als erste vor dem Feuer geflohen, so daß niemand an eine Bekämpfung des Brandherdes dachte. Nach wenigen Minuten schon erlosch im ganzen chaus die Gasbeleuchtung, denn die Flammen hatten die Leitung zerstört,— die Oellämpchen waren nicht in Ordnung. Der elektrische Feuermelder versagte, so daß die Feuerwehr mündlich benachrichtigt werden mußte. Als sie am Brandplatz erschien, mußte sie feststellen, daß sie die Leitern ver- gessen hatte. Das Unglaublichste leistete ein Polizeibeamter, der die Zugänge zu den Galerien absperren ließ, um zu verhindern, daß Angehörige auf der Suche nach ihren Verwandten in das Gebäude eindrangen. Dieser tragische Eulenspicgelstreich hat chun- derten das Leben gekostet. Großes Unheil richtete auch der Aus- spruch des Polizeirats Landstemer an, der an die Unglücksstelle geeilt war und zur Beruhigung des Publikums die Parole aus- gegeben hatte:„Alle sind gerettet!" Fürchterliche Szenen müssen sich in den dunklen Gängen, aus den finsteren Treppenhäusern abgespielt haben. Der Selbsterhal- tungstrieb, dieser stärkste aller menschlichen Triebe, machte die Menschen in diesen Augenblicken fürchterlichster Todesgefahr zu Tieren. Ein Kampf Mensch gegen Mensch begann, und viele fielen den grausamen Fusttritten chrer Mitmenschen bereits zum Opfer, ehe sie die verzehrenden Flammen ergriffen. Bald waren die Treppen so mit niedergetretenen oder durch den Rauch ohnmächtig gewordenen Menschen verstopft, daß dieser Rettungsweg abgefchmt- ten war. Trotz der größten Anstrengungen mußte das Innere des Hauses preisgegeben werden, und mit ihm alle Menschen, die sich noch aus der dritten und vierten Galerie befanden. Nur die wenigsten von ihnen fanden den Mut, in das Sprungtuch der Feuerwehr hinabzuspringen. Die übrigen kamen durch die Flammen oder das niederbrechende Gemäuer um. Die Trauer in Wien war unbeschreiblich. Die schärfsten An- griffe wurden gegen die Leute, die an dem Unglück mitschuldig waren, gerichtet. Der Staatsanwalt erhob öffentliche Anklage gegen den Bürgermeister von Newald, den Theaterdirektor Iauner, den Polizeirat Landsteiner und sechs andere Personen. Bezeichnend ist, daß in dem darauffolgenden Prozeß der Theaterdirektor Iauner, der Hauptinspektor und der Beleuchtungsinspektor des Ringcheaters zu— übrigens nicht erheblichen— Arreststrafen oerurteilt wurden. Die Mitangeklagten hohen Beamten wurden freigesprochen. Iauner beging kurze Zeit nach der Verbüßung seiner Haststrafe Selbstmord. Die Brandkatastrophe hatte ihn nicht nur finanziell, sondern auch geistig zugrunde gerichtet. Xurt �lüno. Kurtwängler und Huberman. Viertes philharmonisches Konzert.. Ein langes, allzu langes Programm voll seltsamer Kontraste. Es beginnt mit Haydns Ls-Dur-Sinfonie Nr. 99— aus der der Dirigent nur herauszuholen braucht, was an schlichter, kraftvoller Melodik wie an kunstvollen Köstlichkeiten drin ist, kein Zweifel, Furtwängler gelingt es wunderbar— und schließt mit Tschaikowskys Franccsca da Rimini, einer Orchesterphantaste nach Dante, einem pathetischen, äußerlichen, hohlen, an sich heute nicht mehr recht verträglichen Werk des großen Russen, das mit seinen Sinfonien gar nicht zu ver- gleichen ist. Ein Werk, in das der Dirigent viel, sehr viel hinein- legen kann(und muß), das nicht viel anderes ist als ein pompöser Rahmen für eine große selbständige Interpretenleistung, für höchst- persönliches Sichausleben eines Meisters des Taktstockes. Wer ver- möchte das nun wieder besser zu machen als Furtwängler? Dient er bei Haydn dem schöpferischen Genius und dem Gesetz der Sinfonie, so herrscht er hier fast unbeschränkt im Reich des Klangs und ist ein herrlicher Herrscher in Prunk und Pracht, der da? Orchester von Gipfelungen zu Uebergipfelungen jagt, der auspeitscht, sänftigt, zisc- licrt, steigert, emporrcißt und dahinbraust, wie kein anderer es vermag. Vor dem Tschaikowsky ein Iugendwerk Strawinskys, ein Sdierzo fantastique op. 3, dem eine Art Programm vorangestellt ist: das Leben der Bienen, ihr siimooll-finnlos geschäftiges Treiben wird Ab- bild sinnooll-finnlosen menschlichen Lebens; Hochzeitsflug und Drohnentod(ein langsamer Mittelteil) unterbrechen den unaufhörlich gleichförmigen Rhythmus des Grundcharakters. Nicht sehr bedeutend, mißt man es an Strawinskys Gesamtwert: ein Anfang, ein« Skizze, eine Jugendarbeit, von vielen beeinflußt(Debussy vor allem)— und doch enthält es schon viel vom späteren Strowinsky, insbesondere in der für ein so frühes Opus verblüffenden Instrumentation. Im Mittelpunkt des Programms das Brahms'fche Violinkonzert, diese Sinfonie mit obligater Geige, vielleicht das schwerste aller Werke für und gegen die Geige, von Bronislaw H u b e r m a n n mit ungeheurer Intensität und letzter Meisterschaft und einer Süßigkeit des Tons gespielt, die aus der Erde nicht ihresgleichen hat. A. W. „Die Liebesfiliale." Titania-Palast. „In Java und Sumatra, da lassen sich die Menschen in der Liebe nicht stören"— um diese„goldenen" Wort« immer wieder zu ver- nehmen, muß das Publikum eisten Film über sich ergehen lassen, der von einer ernsthaften Kritik nicht gewürdigt werden kann. Obwohl der Herr Rittmeister a. D., um seine Frau zu täuschen, in Hamburg in der Iaoa-Bor eine Filiale errichtet, kann von Hand- lung keine Rede sein. Von Carl Heinz Wolffs Regietätigkeit verspürt man auch nichts. In jeder Szene wird getrunken, und es mag sein, daß sämt- liche Spirituosenhändler den Film als eine Art Kollektivreklame be- trachten. Wenn gerade nicht alle Personen trinken, schiebt sich irgend- ein Darsteller in den Vordergrund, spielt mit wichtiger Betonung irgendeine Szene und singt womöglich noch einen Schlager dazu. Das alles spielt sich vor Kulissen ab. Alles sieht nach Pappe aus und klingt nach Blech. An neuen Einfällen ist nicht einer zu buchen. Für gewöhnlich wird nach solchen Filmen über den Mißbrauch der Schauspieler gejammert. Ost ist aber die ganze FUmpropaganda auf den Namen eines beliebten Schauspielers aufgebaut, der es wirt- schaftlich wirtlich nicht nötig hat. im Fllm allen Schund zu spielen. KönMen nicht endlich einmal unsere Stars ihre künstlerische Verant- wortung der Industrie gegenüber etwas betonen? So haben sie alle ihr gerüttelt Maß Schuld mit an dem Niedergang des Films, der gerade in den heutigen Notzeiten für das Volk ein gutes Unter- Haltungsmittel sein könnte.___ e"�" Da» größte Denkmal der Welt. In Leningrad soll am Hafen eine Lenin-Statue errichtet werden, die mit einer Höhe von 119 Meter das grüßte Denkmal der Welt wird. Man hat dabei das. amerikanische Beispiel der Freiheitsstatue im Hafen von New Park im Auge gehabt. Die Arbeiter und Angestellten sind ange- wiesen, einen Teil ihres Einkommens in einen besonderen Förchs einzuzahlen, der für dieses Lenkmal geschaffen wurde. Tanzchronik der Woche. Als der moderne Tanzstil noch neu war und vom großen Publikum als extravagant empfunden wurde, konnten belehrende Vorträge über sein Wesen und seine Ziele nützlich sein. Ob sie es heute noch find, ist fraglich. Dem größten Teil des Publikums ist die Eigenart des neuen Stils geläufig. Man will bei Tanzvor- führungen erleben und genießen, aber nicht belehrt werden Daß es auf dem Gebiete des modernen Tanzes— theoretisch und praktisch— noch Probleme zu lösen gibt, ist sicher. Aber die Erörterung dieser Probleme sollte den Spezialsachvcrständigen vor- behalten bleiben. Schon aus diesem Grunde war die Veranstaltung verfehlt, die im Robert-Schumann-Saal stattfand, durch einen sehr langen Vortrag des Prof. Fritz G i e s e eingeleitet wurde mch dann Einzel- und Gruppentänze der Hamburgerin Berta Hartwig brachte. Der Vortrag erörterte das Thema „Absoluter Tanz", und die Vorführungen sollten dann absolute Tänze zeigen. Hatten schon die cheoretischen Ausführungen dos Publikum ungeduldig gemacht, so wirkten die dürftigen und long- weiligen Tanzereien der Frau Hartwig und ihrer Hamburger Damen direkt peinigend. An derselben Stelle produzierte sich ein Fräulein M a r e e l l a Hildebrandt. Sie soll aus Estland kommen und nannte ihre Vorstellung ein„Recitol"(sprich Riszeit'l). Worunter man— laut Drockhaus— einen Abend versteht, der von einem einzigen Künstler veranstaltet wird. Das Dutzend Tänze, das sie vorführte, wurde durch die ungewöhnliche Bezeichnung nicht interessanter. Es waren Streckungen der Arme, Verkrampfungen der Hände, Schwingungen des Oberkörpers und einige wenige Schritte und Sprünge. Freund- licher, bescheidener Dilettantismus. Das Ballett der Staatsopcr gab einen Abend im Schiller-Theatcr. Eine karnevalistische Tanzsuite aus „Ritter Pasmann" von Johann Strauß, Frauentänze, Pkänner- tänze, Humoresken und Spanische Tänze aus Bizets„Arlesienne- Suite" wurden gezeigt. Als der Leiter des Staatsballetts vor Jahr und Tag seine besten Solisten entließ, fragte man: Was nun? Dieser Abend hat Antwort auf die Frage gegeben Eine traurige Antwort. Unser Staatsballett ist ruiniert, wie es scheint, rettungs- los. Was von Tänzern und Tänzerinnen übrig geblieben ist, zählt nicht mit. Ueble Provinz—„unter choreographischer Leitung von Rudolf von Laban", dem Schöpfer des modernen Tanzes! Und man fragt aufs neue: Was nun? Denn daß es so nicht weitergehen darf, ist klar. Dürfte selbst Herrn von Laban klar sein..1..8. Cin Ariedensgarten. In der Mitte zwischen dem Atlantischen und dem Stillen Ozean und fast genau im Mittelpunkt von Nord- amerita ist ein Gebiet für einen internationalen Garten ausgewählt worden, der die Erinnerung an den ununterbrochenen Frieden zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten, der schon mehr als ein Jahrhundert dauert, erhalten soll. Dieser Garten, der mit einem Kostenaufwand von 1 Million Dollars gestaltet werden soll, befindet sich in einer schönen, an Wäldern, Seen und Pflanzenleben reichen Gegend des Turtle- Gebirges, zur Hälfte im Staat Nord-Dakota, zur Hälfte in der Provinz Manitoba gelegen. Es sollen noch weitere Summen zu- sammengebracht werden, um die Erhaltung dieses Fricdensgartens sicher zu stellen. Iu der LollSbiihne geht Donnerstag die 25. Aufsubrung von SchnitzlerZ „Der grüne Kakadu" und Wedelmds„Der K a m m« r i ä n g e r" mit Rudolf Forster in den Hauptrollen in Szene. Freitag bleibt das Theater geschlossen. Sonnabend:„DicGroßherzoginvonGerol- st c i n". Tie Staatstheater veranstalten in dieser Spielzeit K Sinfonie- Konzerte. Drei davon werden unter Kleibers Leitung in der Staats- opcr Unter den Linden gegeben, die anderen drei ini Kroll-Theater unter Leitung von Klempercr. Humperdwils.Länsel und Aretel" kommt in der Städtischen Opcr zum erstenmal wieder Mittwochnachmittag um 3 Uhr zur Aufsührung. Im Museum für Naturkunde spricht Mittwoch 6 Uhr Prof. Kmchen: „Tom heiligen Pillendreher": 8 Uhr Dr. Hering:„S ch m a- rotzcr des Menschen". Vorträge. Mittwoch 7.39 Uhr siudet der dritte öiientliche Bortrag in der Akademie der Wissenschaften statt. Prof. Sethe spricht über„Die Hieroglyphen". Eintrittskarten beim Pförtner der Afademic. Die 40-Gtunden-Woche. Vor dem Internationalen Arbeitsamt. Genf, 8. Dezember. Die Kommission des Jntcrnotionolen Arbeitsamts sür die itrogc der Arbeitslosigkeit trat gestern hier zusammen. Der Direktor des internationalen Arbeitsamts, Albert Thomas, legte einen Bericht vor, der den Beratungen der Kommission als Grundlage dienen soll. in dem Bericht wird ein Uebcrblick über die in den verschiedenen Landern seit einem Jahre unternommenen Arbeits- zeilbeschrönknngen zum Zwecke der Bekämpfung der Arbcitslosigkeil gegeben. Von den Arbeitnchmerdele gierten wurde die An- siebt vertreten, daß die herabfehung der wöchentlichen Arbeitszeit auf 40 Stunden ein dringendes Gebot fei. Der dcutsckie Rcgierungsdclcgicrte, Ministerialdirektor Dr. S i tz l e r, legte die in Deutschland ergriffenen gesetzgeberischen und vcrwaltungstechnischen Maßnahmen zur Herabsetzung der Ar- bcitszeit dar. Er sprach die Ansicht aus. daß eine Herabsetzung der Arbeitszeit international geregelt werden könne. Deutschland sei bereit, aus diesem Gebiete mit dem Internationalen Arbeitsamt zusammenzuarbeiten., Niedriger hängen! „iUiparts frecher Betrug" Wer die Politik der KPD. kennt, wie sie die„Rote Fahne" be- treibt, der wundert sich nicht darüber, daß sür die neue Notverordnung genau so wie für alle früheren der Sozialdemokratie und den Gewerkschaften die Schuld in die Schuhe geschoben wird. Das ist bei diesem Blatt sozusagen selbstverständlich. Die Lüge als Kampf- mittel genügt ihm dabei noch nicht, erst in Verbindung mit einer reichlichen Zutat von Gemeinheit scheint ihm die geistige Kost, die es seinen Lesern verabreicht, gehörig„revolutionär" gepfeffert. „Durchkreuzt die Betrugsmanöver der Gewerkschaftsführer!"— schreit die„Rote Fahne" und lügt, die ADGB. Führer hätten im Wirtschostsbeirot bei„dem neuen großen Angriff auf die Löhne und Gehälter" gehalsen. „Es ist einer der unerhörtesten Betrugsvcrsuche, die je a» der gewerkschaftlich organisierten und an der gesamten Arbeiterschaft begangen worden sind, wenn Leipart im gestrigen„Vorwärts" lGenauer: im„Abend". Die Red.) eine„letzte Warnung" an Brüning veröffentlicht." Die Leser der„Roten Fahne" erfahren zwar nicht den Inhalt des Briefes, den Genosse Leipart an den Reichskanzler gerichtet Hot. doch dosür wird ihnen noch einmal„Leiparts frecher Betrug an der Arbeiterschaft" aufgetischt— eben wegen dieses Brieses. Schließlich spielt das Moskoublatt den Trumpf aus:„Von den Popicrwischen des Herrn Leipart wird kein Erwerbslaser satt." Werden die Erwerbslosen etwa satt von den„Papierwische»" der Firma Tholmann, von den Parolen der KPD., der täglichen Streik- parole der RGO? Niedriger hängen! Welter für Berlin: Wechselnd wolkig, ohne wesentliche Nieder- schlage, wenig Tcmperaturänderung, mäßige westliche Winde.— Für Deutschland: Im Süden trocken und ziemlich heiter, mit mäßigen Nachtfrösten, im übrigen Reiche wechselnd wolkig, vereinzelt leichte Schauer und wenig Wärmcänderung. JlugiiH 7or('l:'Die fexuale 7rnge August F o r e l s berühmtes Buch„Die sexuelle Frage" ist in der ersten Auflage im Jahre 1905 erschienen. Das Buch hat einen großen und wohlverdienten Erfolg gehabt. Es ist bereits in mehr als 200 000 Exemplaren verbreitet. Diese breite Wirkung ist in erster Linie darauf zurückzuführen, daß aus jeder Zeile die große und bewundernswerte Persönlichkeit Forcls spricht! Der Schweizer August Forcl war nicht nur ein Naturforscher und Nerven- orzt von höchsten Graden, sondern zugleich ein praktischer Sozial- cthiker, der bestrebt war. für das Wohl der Gesamtheit zu kämpfen. Forel Hot sehr frühzeitig auf seine Professur in Zürich verzichtet, um sich ganz sozialen Aufgaben zu widmen. Er trat für eine moderne Staatsrechtsreform ein, er warb für die sriedliche Verständigung unter den Völkern, er fetzte seine Kraft für die Bekämpfung des Alkaholismus und der Prostitution ein. Als Sozialist kannte er die Schäden der heutigen Gesellschaftsordnung, er. empfand es als eine verpflichtende Aufgabe, an einer Neuordnung mitzuarbeiten. Von diesem Geiste der sozialen Verantwortung ist auch sein Buch über die sexuelle Frage erfüllt. Mit Ernst und Gediegenheit werden die wichtigen Problem« besprochen, und Forcl spricht niemals in der toen Sprache des Gelehrten, er wendet sich in lebendigem Ge- dankcngang an den Leser: seine Ausführungen hoben eine, über- zeugende Kraft, der sich weder der Gelehrte noch der Ungelchrte entziehen kann Das klassische Werk von Forel gehört ober keineswegs der Ver- gangenheit an: die Fragen, die es behandelt, find noch nicht gelöst. Die sexuelle Frage mit oll ihren Auswirkungen auf sozialem, recht- lichem und ethischem Gebiet gehört zu den brennenden Problemen der Gegenwart und stellt große Aufgaben für die Zukunft. Daher ist es sehr erfreulich, daß das Buch von Forcl soeben in neuer Auf- läge der Oessentlichkeit wieder zugänglich gemacht wird.(Ernst Reinhardts Verlag. München, 10. Auflage, 592 Seiten, gebunden 15 Mark.) Die bewährte Grundhaltung des Buches ist gewahrt worden, dagegen war es notwendig, das Werk auf den neuesten Stand der Forschung und der Problemlage zu bringen: in den letzten Jahren sind neue Einsichten in die körperlichen und seelischen Grundlagen des Seelenlebens gewonnen worden, man denke nur an die Ergebnisse der Psychoanalyse. Wichtige Veränderungen auf sozialem und rechtlichem Gebiet hat der Weltkrieg mit sich gebracht, dl« in einem umfassenden Werke übe? die sexuelle Frage nich! uns berücksichtigt bleiben konnten. Der Dresdener Sozialhygientker Rainer F e t s ch e r hat die Umarbeitung übernommen. Fetscher, der Leiter der Ehebcratungsstelle in Dresden, hat diese schwierige Aufgabe mit großem Geschick gelöst. Der Wescnskern des Buches ist erhalten, aber alle Abschnitte sind auf den neuesten Stand gebracht. Das Buch wird auch in seiner neuen Gestall vielen ein guter Führer sein können. Abseits von allem gelehrten Spezialisten- tum wird das ganze Gebiet noch in umfassender Weise behandelt: Ueber medizinische und hygienische Fragen erhält der Leser ebenso Auskunft wie über soziale, rechtliche oder pädagogische Probleme. Das Buch, das wegen seines Umsangs und wegen seines dadurch bedingten hohen Preises nicht jedem erschwinglich ist. gehört in alle öffentlichen Bibliotheken. Es fei daraus hingewiesen, daß es von dem wichtigen Werke auch eine gekürzte Volksausgabe gibt, die gebunden 4 Mark kostet. Dr. S. Weinberg. 16.05 16.30 16.50 17.00 17.10 17.55 is.2n 10.45 10.10 10.30 21 30 21.40 22.15 16.30 17.30 10. 00 10.30 18.55 10.00 10.30 20.15 21.00 21.15 Dienstag, 8. Dezember. Berlin. 1. Scarlatti: Zwei Sonaten. 2. Schumann: Sonate G-Moll, op. 22. (Gertraud Dirrigl, Flügel.); Gertrud van Eyseren: Kioderlesestunde. Bücherstunde: Kunst.(Am Mikrophon: Prof. Dr. W. Wactzoldt.) Max Osborn: Von der bildenden Kunst. Unterhaltungsmusik. Dr. Viktor Engelhardt: Was ist Weltkultur? Pohl: Sozialpolitische Umschau. Alfred Wolrenstein liest eigene Dichtungen. Stimme zum Tag. Tanzabend. Tages- und Sportnachrichten. W. A. Mozart: Klavierkonzert C-Dur(K.-V. 467).(Alexander Borowsky, Flügel. Berliner Funk-Orchester. Dir.: Bruno Seidler-Winkler.) Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Königs Wusterhausen. Leipzig: Konzert. Mersmann; Musik In der Einheit der Kunst. Dr. Franz Dülberg: Neue Bücher über Frankreich. Landgerichtsdirektor Dr. Lebmann: Rcchtswandlungen der Gegenwart. Wetter für die Landwirtschaft. Englisch für Fortgeschrittene. Leipzig: Volksmusik. Gemeinschaftsempfang. Die humanistische Idee und die geistige Lage der Gegenwart.(Prof. Dr. Freyer, Dürckheim.) Tages- und Sportnachrichten. Leipzig: Aus berühmten Operetten. Prof. Dr. Frankcnberger, Prof. Graf Vorantwortl. für die Redaktion: Rich. Bernstein, Berlin: Anzeigen: Th. Glocke, Berlin. Verlan: Vorwärts Verlag G.m.b.H., Berlin. Druck: Vorwärts Buch. drnckerei und Berlagsanstalt Paul Singer 6: To., Berlin SW 68, Lindenstr. 3. Hierzu 1 Beiloge. PROGRAMM für die Zeil vom s. bis 10. Dezember K I N O-T A F E L PROGRAMM für die Zeit vom 8. bis 10. Dezember m OIQ Potsdamer Straße 38 Verlängert! Oer Kongreß tnnzt mit Lilian IlarTey, Willy Frituch Für Jugendliche freigegeben! W. 5, 7,? Uhr Rheinstraße 14 Verlängert! Orr Hprr Bürovorsteher mit Felix Bressart Für Jugendliche freigegeben! W. 5, 7, 9 Uhr Odeon, Potsdamer Str. 75 Weekend im Parodie» mit Trude Berliner. Otto Wall burjg:. Julius Falkenfttein W. 5, 7. 9 Uhr Turmstraße 12 Hochiitapler im Mitternachtsexpreß mit Haus Adalbert von ScIilettoM, Daniele Parola W. 5, 7. 9 Uhr Alexanderstraße 39-40 ( Passago) Gloria mit Brigitte Helm, Gast. Fröhlich Für Jugendliebe freigegeben Den ganzen Tag geöffnet ■ wt.n m Primus-Palast Potsdamer Str. 19 Ecke Margarftenstr. Der Schlemihl mit Furt Bois. I a Jana kl. A. v. Schlettow. Xax Ehrlich. Für Jugendliche freigegeben W. 5.15, 7.13, 9.15 Uhr > Friodrichstadt W Unter den Linden 11 Täglich 3. 5, 7. 9 Uhr Degeto-Gastspiel: LTraufführung. Groll- tonfilm: Das Kind und die Welt W. 6.45 u. 9.05 U. neil-JilnO Sonntags ab 1.45 Alt-Moabit 99 Tonfümschwank: Der brave Sünder mit Hav Pallenber�, Hein/; Rühmann.— Tonbeiproicr. Kant-Lichtspiele Kantstr. 54(an der Wilmersdorf er Str.) Der Kongreß tanzt mit Lilian Harvey, Willy Fritsrh Für Jugendliebe frei gegeben W. 5, 7. 9 Uhr German ia-Palast Charl Ottenburg, Wilmersdorf er Str 53/54 Der Honfirrcß tanzt mit Kilian Harvey, Willy Fritsch Für Jugendliebe freigegeben W. 5, 7. 9 Uhr. Schlüter-Theater ItTu Schlütcrstr. 17. Stg. 3 Uhr Jgdvorst. Tänzerinnen für Südamerika ffeMurht mit Dita Parlo, U. Frank.— Tonbeiprogramm Atrium Beba-Palast Ivaiserallce, Ecke Bcrlriner Straße W. 7. 9%. Sbd. u. Stg. 5. 7. 914 Uraufführung: Gnlse. Königrin von Preußen mit H. Porten. Gusf. Gründgena. Uel, Fehd- mer, W. Gaidarow.— Regie: Carl ~""" eil Froehldch. Tonflimbciprogr. Schönoborg Die Kamera Franziskaner Georgenstraße(Ecke Friedrichstraße) 9. 12. 3. 6. 9 Uhr Der brave Münder mit.�lax Pallenberg: 10.30, 1.30, 4.30 7.30. 10.30 Uhr Harys Start in die Ehe (Ich bleib bei dir) lustiges Fiknspiel mit Jenny Jugo, Hermann Thimis: Wochen- und Kulturschau > Moabit■ Artushof W ab 6 30 U. Sopnt. ab 5 U. Perlcberger Str. 29 Großtonfiim; Berlin• AI exander- pia4z jmit Heinrich Gcnrgre, Die Geschichte von.Franz Biberkopf.— Tonbaipro�ranun— Tonwoche Titania Schöneberg Hauptstr. 49 Sonntags 3. 5. 7. 9 Uhr Reserve hat Ruh mit Lucie Kn�ÜMch. Fritz Kampers.— Tonbeiprogrrumm Alhambra sThr Hauptstr. 30 Jugend!. Zutritt Variete— Tonfilm Wegen Riesenerfolg verlängert; Kameradschaft (Das Lied der Arbeit).— Beiprogr. Tonwoche.— Auf der Bühne: Humorist, �lunicalakt, zwei Gcch-Kantarus ■ a Titania-Palast StegUtz, SclJoDslr. 5, EckeGutsmuttasslr. Uratiffulirung; Die l Südosten"fc U'. L Am Görlitzcr Bahnhof * llfltCCK W. ab 6�2, Stgs. ab 3 Eiebe»kommando mit Dolly Haas, G. Fröhlich. Auf der Bühne: Variete-Mchau Jugendliche haben Zutritt Flora-Lichtspiele Wocbent. ab 5 Uhr» Sonnt, ab 3 ühr Der Kongreß tanzt mit Lilian Harvey, Willy Pritsch Jugendliche haben Zutritt Osten Luisen-Theater Rcichcnberger Str. 34. Tonfilm: Der Finanzdirektor mit Wav Adalbert Dazu: 40 Minuten Tonfilm-Kabarett Stella-Palast Zlu u". Köpenicker Straße 12—14 Der Herr Bürovorsteher mit Felix Bressart. Hermann Thi- mig, Hargot Walter Auf der Bühne: 30 Hinuten Variete Jugendliche haben Zutritt Deutsch-Amerik. Theater Köpenicker Str. 68 Beg. 5, Stg. ab 3 U. Der Kongreß tanzt mit I ilian Harvey, Fritsch. Dagover,— Beiprogramm Jugendliche haben Zutritt Neue Philharmonie Köpenicker Str. 96 Bühnenschau Der Schrecken der Garnison mit Felix Bressart. I ucie Eng liü»ch.— Beiprogramm Lichtspielhaus w 6 30' 9 v- Baumschfulenweg 78. Stgs. 2: Jgdvorst. Wegen d. großen Urfolges verlängert: Der ftougreß tanzt mit Lilian Harvey, Fritsch, Eil Dagover Jugendflcbe haben Zutritt Treptow-Sternwarte Donnereta«,* ühr: Octcrreiehi •ebo Blupoodie(Filmi Nordosten " Prenzlauer fClySlUm Alice 36 W. 5.15, 7. 9.15. So. 3.1o, s. 7.15, 91 5 Ein ausgekochter Junge mit S»iegfr. Arno.— Foxton v* ochc, gute Bühnenschau German ia-Palast Frankfurter Allee 314 Wochtgs. 6.30, Sbd. 5. Stg. ab 3 Uhr Das große Wilh.-Thiele-Toniustspiel Der Ball bei Raffkes (Ein Souper bei Neureich) mit Reinhold Schünzcl, Dolly Haas Beiprogramm Große Bühnenschau Lütld-PctloSt Scnnt* ab 3 Uhr Gr. Frankfurter Str. 121. Ton woche 20-Personen-Film; Wer nimmt die Eiebc ernst? mit 31ax Hansen, Jenny Jugo.— Bühne: O. Kerm- bach Kapelle Schwarzer Adler aTÄ W 5. 7. 9 Uhr. S. 3. 5. 7. 9 Uhr Keine Feier ohne Meyer mit Siegfr. Arno.— Bühne: 50 Mk. Monatsgehalt. Viktoria- Theater Frankfurter Allee 48. Wochen t. ab 5 Uhr, Sonnt, ab 3 Uhr Wegen Riesenerfolg verlängert: Hurra, ein Junge mit Robert«, Fritz Schulz.— Kabarettonfilm. b Babylon, am Bälowplatz Wochentags 5, 7. 9. Sonnt, ab 3 Lhr E. A. Douponl»: Saltomorlalc Anna Stcn, Curt e.crron Otto Wallburj; � Neu-Ucht«nbcra fc Kosmos-Lichtspiele Lückstr. 70. Buhnensrhau Die Abenteuerin von Tunis mit Ellen Richter.— Tonbel- progranun Tonwoche WeiOensee J-Jjy Ym ttio Wochen t. 7 u. 9-t narmonie �onnt. 5. 7. 9 u. Langhansstr. 23 Großtorrfilra: Arm wie eine Kirchenmaus mit G. Rosheim, A Edthofer, P. Hörbiger. S. Sö- neland.— Tonbeiprogramm. Fried rlchsfelde Kino Busch L�'ts"�6ab5 AI t Friedrichsfelde 3 lOOproz. Tonfilm: In Wien hob4 ich einmal ein �lädcl geliebt mit Greil Theimer, Werner Fütterer.— Enst. Beiprogr.— Woche s ■ HorO-n 1 A Ihnmhrn MüDerstraße 136. /iinamora Ecke SeeslraBe W. 5. 7, 9 Uhr, S. 3. 5. 7, 9 Uhr 3 lustigu Tace: Hurra, ein Junjce mit R. A. Roberts. 31. Adalbert Pharus-Lichtspiele Müller str. 142 Täglich 5. 7. 9 U. Großes Tonlustspiel: Raffkes wider Willen m. O. Sabo, P, Henkels. — Er und«ein Diener.— Has- kierte Banditen mit Fred Thompson M Pankow M Palast-Theater ZTtll*. Breite Str. 21a. �fein Herz sehnt sich nach Liebe(Der Hellseher) mit Jlav Adalbert, Scnta 8öneland, loh, Riemann Titln Ii Wochent. 7. 9 U. 1 IVO II Sonnt. 5. 7, 9 U. Berliner Str. 27 Gr. Bühnenschau Der Kongreß tanz.t mit Eilian Harvey, Willy Fritsch Jugendliche haben Zutritt j Tegel""1 Filmpalast Tegel Bahnhof- Straße 2 Wochent. 6, Sonnt. 4.1ö U. lOOproz. Tonfilm: Die Marquise v. Pompadour mit A. Ahler», W. Jankuhn.— Gr. Tonbeipr. fr___ Film- Wo. 6. 8.30 Uhr IxOSmOS Bühne So. 4.15. 6.30, 8.15 Hauptstr. 6 Nur beute Bühuenaufführung: Kampf um Bosenburg, nach dem großen Roman.— 5Iitt- woch u. Donnerstag: Lya de Potti f, Emil Jannings: Variete.— Ferner: Ufa-Tonfilm: Zäiir Ingen, Das geheimnisvolle Schiff Henwi gsdorf Filmnnlasf Bc« w«. 8-30 Uhr riitnpaiasi stgs. 4�. 6�. u. Berliner Str. 59. lOOproz. Tonfilm; Douaumont Hölle v. Verdun), — Gutes Tonheiprogranun (Beilage Diensiag, 8. Dezember 1931 frrJHmid SfuUauiga�e Jex iLfväfik Dr. L. Sieinbcrg: Die ersten Runzeln der Erde Die Spektralanalyse hat uns gelehrt, daß alle Himmelskörper vermutlich aus den gleichen Elementen zusammengesetzt sind, die Urstoffe des Wassers, Wasserstoff und Sauerstoff, müssen also in Gasform schon in dem Gasnebel vorhanden sein, aus dem der Erd- ball entstanden ist. Erst mit fortschreitender Abkühlung konnte sich dann durch Vereinigung dieser beiden Elemente zunächst Wasser- dampf und dann Wasser bilden. Die Gashülle drückte damals nicht wie heute mit einer, sondern mit IlKZ Atmosphären auf die Oberfläche unseres Planeten, so daß Wasserdampf schon bei 374 Grad zu Wasser ver- dichtet wurde. Das erste Wasser auf der Erde war also nach unseren Begriffen ziemlich heiß. Die zweite Hauptfrage ist natür- lich die, ob die Ozeanbecken zuerst entstanden, so daß das Wasser nur in die fertigen Betten einzuströmen brauchte oder ob das Wasser früher da war und sich vielleicht fein Bett mitgegraben hat. Wir wissen aus zahlreichen Anzeichen, daß die Erdkruste sich noch in historischer Zeit an manchen Stellen gehoben und gesenkt hat. Sogenannte Strandlinien lassen sich noch heute erkennen, wo einmal die Brandung des Meeres gewühlt hat. Solche Strandlinien finden sich z. B. am Nordkap in 1öl> Meter Höhe; um soviel hat sich also das Niveau des Festlandes und des Meeres gegeneinander verschoben. Noch niemals ist aber wirklicher Ticsseeboden Festland geworden oder umgekehrt. Die Ozeanbecken sind also älter als das fertige Wasser. Wenn wir nun auf unseren Trabanten, den 0! o n d, Hinblicken, der weder eine Atmosphäre noch einen Tropfen Wasser auszuweisen scheint, so werden wir auf die dritte Frage gestoßen, wie sich denn wohl in später Zukunft der Wasserhaushalt unserer Erde gestalten wird, ob er stabll bleibt oder ob er einem mond- ähnlichen Zustand zustrebt. Augenblicklich nimmt jedenfalls der Wasserreichtum der Erdoberfläche noch zu. Ständig quellen Wasser- dämpse aus dem Magma, der flüssigen Unterschicht der festen Erd- kruste. Wasser wird serner bei Vulkanausbrüchen frei und auch bei der Verwitterung gewisser Gesteine, in denen es bei dessen Bildung aus flüssigem Magma gewissermaßen eingefroren wurde. Es wird zum Beispiel manchen Leser erstaunen zu erfahren, daß TK u b i k- meter Granit etwa 8 Liter Wasser enthält. Die andere Seite des Wasserhaushalts ist der Wasserverbrauch. Kcinessalls wandern, wie man früher annahm, schon jetzt große Mengen Wasserdampf in den leeren Weltraum ab. Wohl aber ent- ziehen die Rieseneismcngen am Nord- und am Südpol der Erde große Mengen Wasser. Ein anderer Teil des Wassers geht all- mählich bei dem ständigen Kreislauf: Verdunstung, Regen, Vcrsicke- rung verloren. Wasser wird serner versetzt bei gewissen Verwitte- rungsvorgängcn. Der große und eichgültige Verlust kommt aber erst dann, wenn die Erde ihre schützende Gashülle ausgebraucht haben wird. Dann, nach Jahr Millionen, wird auch die Erd« dem Mond gleichen und kalt und tot sein wie er. Die Ozeane werden dann leer sein, bleiben wird nur ihr Bett, bleiben werden auch die Berge, die Runzeln der Erde. In ihrer Jugend war das Antlitz der Erde glatt und faltenlos. Die Gebirgsbildung läßt sich nun schwerlich durch vulkanische Vorgänge oder durch das Wandern der Kontinente allein erklären. Die Faltungen der Erdkruste, durch welche die Berge entstanden sind, erfordern noch andere Ursachen. Der Ver- liner Geologe Professor Haarmann erklärt sie mit Hilfe seiner Oszillationstheorie. Dieselbe beruht auf der Beobachtung des wechselnden Aus und Ab einzelner Krustcnteile. Wölbungen, die eine Höhe bis 10 Kilometer erreichen, und Senkungen find noch ihm ein Ausdruck von unterirdischen Wanderungen des Magma, das zur Wiederherstellung des durch irgendwelche inneren oder kosmischen Ursachen gestorten Gleichgewichts der Erde sich verlagert. Solche Magma-Ge- schwülste sind also die letzte Ursache der Gebirgs- b i l d u n g. Sie bilden die Vertikalbewegung der Erdkruste im Gegensatz zu der horizontalen Bewegung der Kontinente. Hebt sich unter dem Einfluß eines solchen Magiiwgeschwulsts eine Stelle der Erdkruste, so können Verschicbungen des Gesteins nach abwärts und aufwärts vorkommen. Die verschiedenen Schichten rutschen zu Falten zusammen. Alle Hochgebirge bestehen danach aus gefal- teten Sedimenten, die bei einer Hebung durch Magma schollenweise zusammengestaucht worden sind. Solche Gebirgsbildung ist aber keineswegs ein einfacher Vor- gang. Das steht man an der Tatsache, daß in manchen Gebirgen sogar die untersten Schichten zu oberst gekehrt vorkommen, so daß ganze Riesenschollcn umgedreht zu sein scheinen. In den Alpen z. B. kann man an mehreren Stellen diese Erscheinung ausgezeichnet studieren, dort lagert an der„Glarner Ucberschicbung" dos älteste Gestein, der braunrote Verroeano, aus dem jüngeren graublauen Hochgebirgskalk Der Druck des Magmas und der Kamps der Schollen ollein hätten natürlich nicht ausgereicht, um den Gebirgen ihre heutige Gc- stakt zu verleihen. Den Schlifs und die Politur sozusagen gaben ihnen erst die Arbeit der Flüsse, die unaufhörlich an ihnen nagen, tiefe Schluchten hineinfressen. Täler hineingraben und ungeheure Gesteinsmassen ollmählich abtragen. Das ursprüngliche Antlitz der Erde war glatt, Falten, Runzeln gab ihr die Gebirgsbildung. Dos Wasser der Flüsse aber trägt dazu bei die Runzeln wieder zu glätten. Im hohen Alter wird die Erde nicht mehr die markanten Züge unserer Tage tragen, ihr Altersgcsicht wird wieder aus- geglichen fein. Dr. A. Gunsleben: Ein Tropfen der Erdkruste? Die Astronomen nahmen bisher fast ausnahmslos an, daß der Mond, ähnlich wie die Erde selbst, die Sanne und die übrigen Planeten aus einem Gasball sich selbständig entwickelt habe, daß er durch Kondensation bzw. Abkühlung zähflüssig und schließlich fest geworden und dann sozusagen in fertigem Zustand in den Anziehungsboreich der Erde gelangt sei. Die moderne Geophysik will es ein wonig anders. Schon Ende des vorigen Jahrhunderts stellte der englische Astronom G. H. Darwin die Theorie aus, daß d-r Mond ursprünglich ein Stück der Erde gewesen sei ui«d sich vor Jahr Millionen einmal von ihr losgelöst habe. Die moderne Geophysik hat diesen Gedanken wieder aufgegriffen, und zwar im Zusammenhang mit den Problemen, die uns die Erd« selbst ausgibt. Das Antlitz unseres Planeten ist zerfurcht und zerrissen, drei Viertel seiner Oberfläche werden von den Weltmeeren eingenommen, und aus den festen Landschollen türmen sich Gebirge bis zu 10 000 Meter Höhe. Gewaltige Kräfte müssen wirksam gewesen sein, die ersten Runzeln in das Antlitz der Erde einzugraben Die völltg unregelmäßig« Verteilung der Landmasscn bildet ein erstes Problem: dem Ricfenkontinent Afien-Europa-Afrika stehen die Einzelscholle Australien und die Nord-Südomerikanische Landmassc gegenüber. Ebenso übertrifft der stille Ozean die anderen Weltmeere ganz erheblich, sowohl an Ausdehnung wie an Tiefe. Irgendeine Gesetzmäßigkeit für diese merkwürdige Verteilung*läht sich zunächst ssjäst'tindcn. Ein anderes Rätsel ist die Verteilung der Pflanzen- und Tierwelt, die z. B. daraus himveist, daß Amerika und Afrika in grauen Borzeiten einmal eine Ver- bindung gehabt haben müssen. Lange Zeit mußte die Atlantiksage Dr. B. kernte: Pflanzen werden geimpft Im letzten Jahrhundert wurde uns die Verwandtschast alles Lebenden bewußt, zuerst vom Menschen in die Berührungen mit den vielgestaltigen Formen des Tierreiches hinabsteigend, um all- mählich in ein tieferes Verstehen vom Leben der Pflanzen zu nründen. Wir wissen heute, wie viele Lebcnsvorgängc bei den Pflanzen eine außerordentliche Aehnlichkeit mit bei Tier und Mensch vorhandenen Erscheinungen besitzen. Am überraschendsten scheint diese Aehnlichkeit bei dem Ver- halten gegen an st eckende Krankheiten zu sein, die durch winzige Kleinlebewesen übertragen werden. Auch die Pflanzen leiden unter Seuchen, wie man es so ost z. B. am Getreide sehen kann, das vom Rost oder Brand befallen wurde. Der Schutz gegen ansteckende Krankheiten, die Immunität, kann angeboren oder erworben sein. Bei der erworbenen Immunität unterscheidet man diejenige, die durch Impfung entstand, von der, die sich als Folge einer glücklich überstandenen Infektionskrankheit herleitet. Neuere Forschungen und Versuche, über die Fr. T o b l e r zu- sammcnfassend berichtet, haben erwiesen, daß die Erscheinungen der Immunität auch in der Pflanzenwelt bestehen. Wichtig für diese Versuche war die Frage, ob man bei den »Pflanzen auch von einer erworbenen Immunität reden kann. Daß eine angeborene bestehen könne, also eine von Natur gegebene llnempsindlichkeit einzelner Pflanzengattungen oder-arten gegen Krankheitserreger, wußte man schon früher. Die Pslanzenzüchtung legte auf die dann weiter festgestellte Tatsache, daß bei dieser Widerstandsfähigkeit zuweilen bedeutende Unterschiede zwischen ein- zclneü Pflanzen der gleichen Art sich zeigten, großen Wert. Der Gedanke lag nahe, einzelne besonders widerstandsfähige Exemplare herauszusuchen und aus ihnen durch Zuchtwahl eine Vererbung jener Eigenschaften zu erreichen, die diese Widerstandskraft sichern. Scharfsinnige Untersuchungen, vor allem im Serothera- peutischen Institut in Mailand vorgenommen, zeigen, daß Pflanzen auch durch Ueberstehen von Krankheiten oder durch Zuführung von Abwehrmitteln Immunität erwerben können. An reifen Trauben kann man manchmal die sogenannte Edelfäule feststellen, die der Winzer nicht ungern sieht. Diese Edel- säule rührt von einem Spaltpilz her. dem Grauschimmel, der an anderen Pflanzen recht erhebliche Schäden anrichten kann. So be- fällt er z. B. die Begonien. Nun hat man gefunden, daß es vom Grauschimmel auch eine nicht krankheitserregende Form gibt. Läßt man diese Form den Begonien durch den Boden, auf dem sie gedechen, zukommen, dann sind die Pflanzen auch un- empfindlich gegen jene Form des Grauschimmels, der sonst als Krankheitserreger wirkt. Es gibt eine ganze Reche ähnlicher Er- scheimmgen, und«eitere Versuche in dieser Richtung zur Krank- hstSverhütung bei Pflanzen können mit guten Aussichten rechnen. Denn diese Schädlinge hoben ja gewöhnlich auch Verwandte, die m geringerem Maße krankheitserregend wirken, aber die Abwehrkräfte der Pflanzen gegen den besonders gefährlichen hervorrufen. In allen diesen Fällen erwerben die Pflanzen Immunität durch das glückliche Ueberstehen der durch den ansteckenden Keim verursachten Krankheit. Und wenn es in unsere Hand gegeben ist, diese Krankheit so zu lenken, daß den Pflanzen kein ernstlicher Schoden zugefügt wird, dann bestände zugleich die Möglichkeit, auf diesem Wege einer großen Reihe von gefährlichen Krankheiten vor- zubeugen. Weit darüber hinaus führen die Versuche, die erproben sollten, ob es auch Schutz durch Impfung gegen die Seuchen in der Pstanzenwelr gäbe, denn der oben angeführte Weg, die Pflanze vor der gefährlichen Krankheit durch eine weniger gefährliche zu schützen, hat nur dann Sinn, wenn die gefährliche Krankheit noch nicht ein- getreten ist. Gegen diese könnte man der Pflanze nur mit der Impfung helfen, wen» man es nicht darauf ankommen lassen will, daß sie sie selbst übersteht. Auch der Schutz vor dem Eintreten der Krankheit geschieht natürlich einfacher und gefahrloser durch Impfung. Schließlich wäre auch für die Wissenschaft dieser Nach- weis von größter Bedeutung. Denn die Heilwirkung eines Serums entsteht nach der heutigen Meinung durch die dadurch erzeugten Schutzstofse. Wenn diese Schutzstoffe auch durch den Organismus der Pflanze geleitet werden können, wie es bei Mensch und Tier durch die Blutlausbahn geschieht, dann wäre die Verwandtschast der Lebensvorgänge zwischen pflanzlichem und menschlich-tierischem Organismus in große Nähe gerückt. Das Experiment. Pslanzen, die bereits von krankheitserregenden Bakterien befallen waren, durch Linpfung mit einem Serum zu heilen, ist einwandfrei gelungen. Dieser außerordentlich wichtige Fortschritt ist A r n a u d i im Sero- therapeutischen Institut in Mailand gelungen. Er tonnte Steck- linge von Geranien im Laufe eines Monats heilen, indem er in das Wasser, in dem die Stecklinge standen, ein tierisches Serum gab. Die erfolgte Heilung weist darauf hin, daß die Geranienstecklinge die Schutzstofse aus dem Wasser durch ihren Organismus geleitet haben. Man darf also annehmen, daß auch bei den Pflanzen eine Leitung der Schutzstoff« erfolgt, wodurch nach der herrschenden Lehre die Hellkraft einer Impfung und die Immunität nach einer glücklich überstandenen Infektionskrankheit erst möglich ist. Allerdings ist es bis jetzt nicht gelungen, diese in der Pflanze wirkenden Abwehrkörper darzustellen und von anderen in der Pflanzenzelle gebildeten Erzeugnissen zu unterscheiden. Aber daraus kann kein Einwand dagegen gemacht werden, einen Weg fortzusetzen und auszubauen, der die großartigen Fortschritte, die die Anwendung der Impfung in der Seuchenbekämpfung beim Menschen gefunden hat, auf die Pflanzenwelt überträgt. für diese sogenannte„Brückeirtheorie" herhaben, noch der die Land- brücke zwischen den Kontinenten vor Millionen van Jahre» im Ozean versunken ist. Die ozeanographisehen Expeditionen der letzten Jahrzehnte, besonders die große deutsche Meteorexpedstion, haben mit dieser Annahme ein für allemal aufgeräumt. Es zeigte sich nämlich, daß in der Mitte des Atlantischen Ozeans, und zwar von der Antarktis bis zum Rordme. er ein riesiger Gebirgsrücken sich cntlangzieht, die Atlantische Schwelle. Zwischen der Atlantischen Schwelle und Afrika einerseits sowie Amerika andererseits befindet sich ein Tiefseegraben, der bis zu 9000 Meter Tiefe aufweist. Von der angeblich versunkenen Brücke jedoch war keine Spur zu finden. Die berühmte Kontincntalverschiebungstheorie des in Grönland so trogisch umgekommenen Alfred W e g e n e r löst das Problem dann auf eine ganz neuartige Weise. Schon der englische Astro- physiker A i r y hatte die Vermutung ausgesprochen, daß die feste K rüste der Erdoberfläche auf einer zähflüssigen Unterlage, dem Siak, wie«in Stück Holz auf dem Wasser schwimmt. W egener stellte nun in genialer Intuition die Hypothese auf, daß die Kontinentschollen alle ursprünglich ein zusomimen- hängendes Festland gebildet hoben und daß sie dann durch die Ein- Wirkung der Fliehkraft oder andere Kräfte zerrissen und— allerdings unendlich langsam— zu ihrer heutigen Verteilung ausein- andergefchwommen sind. Für die Richtigkeit dieser Annahme lasftn sich-zohkreiche Argumente anftchrrn, allerdings gibt es auch noch- einige Tatsachen, die gegen sie sprechen. Jedenfalls ist sie die wahr- scheinlichste und sicher die großartigste der geophysikalischen Hype- thesen. Ungelöst bleibt dabei allerdings zunächst noch die Frage, wie sich denn nun dieser Urkontinent gebildet Hobe. Da greift nun die schon crwcchnte Hypothese von H. G. Darwin über die Entstehung des Mondes ein. Als die Erde von dem Zustand der Zähflüssigkeit in den festen überging, bildete sich infolge der Schwere und gewisser chemischer Vorgänge ein fester Kern, um den sich eine Zwischenschicht legte, über der sich dann die feste Oberflächenkruste allmählich er- härtete. Diese seste Kruste bedeckte die ganze Erde gleichmäßig. Infolge der Massenanziehung durch die Sonne entstand nun eine regelmäßige Flutwelle, welche die Oberflächen- kruste mitsamt der flüssigen Zwischenschicht hob und senkte, wie jetzt der Mond das Wasser der Meere. Neben diesen Gezeitenwellen der Kruste hotte der Erdball auch ftcie Schwingungen. Durch Resonanz, d. h. durch Zusammentreffen einer solchen Gezeitenwclle mit einer Eigenschwingung der Erde könnte dann die Flutwelle schließlich ein- mal so hoch gewesen sein, daß die Erde Birnensorm an- nahm und den Mond von sich abtropfte. Dieser führte fortan ein Eigendasein,«in riesenhaftes Loch in die feste Kruste der Erde reißend. Der vom Mond nicht mstgenommene Rest der Erd- kruste, das ist nun das Ursestland, aus dem entsprechend der Wegencr- scheu Theorie die heutigen Kontinente auseinandergeslosscn sind. Di« Stelle aber, aus der der Mond entstanden ist, bildet heute den tiefiten und größten Ozean, den Pazifik. Diese Hypothese wird heute gestützt von einem Geologen der Universität Cambridge H. I. I e f f r i e s sowie von dem Frankfurter Professor Gutenberg. Natürlich hat auch diese Hypothese den Nachteil aller ihrer Schwestern, sie ist eine Hypothese, d. h. sie läßt sich vielleicht nie in Gewißheit umwandeln. Die Bniwiddun(> des Menschen In der Thüringer Verlagsanstalt und Drlickerei in Jena sind von der Sammlung des bekannten Paläontologen (Erforschers der vorgeschichtlichen Lebewesen und ihrer Entwicklung) Dr. O. Hauser einige Heftchen erschienen:„Die Urentwicklung der Menschheit", 10. bis 15. Tausend� 24 Seiten, 60 Pf.„Der Auf- stieg der ältesten Kultur", 10. bis 14. Tausend, 23 Seiten, 50 Pf. „Gebräuche der Urzeit", 10. bis 14. Tausend, 24 Seiten, 50 Pf. und das die ganze Sammlung abschließende Hestchen„Urzeit und Völkerkunde", 1. bis 5. Tausend, 22 Seiten, 35 Pf. In diesen Heftchen behandelt Hauser die aufgefundenen mensch- lichen Reste aus vorgeschichtlicher Zeit und die Entwicklung des Menschengeschlechts in klarer verständlicher Weise. Er wendet sich in erster Reihe an die Jugend, der er„einen knappen Ausschnitt aus all den vielen Resultaten geben will, die wir über die wirkliche Menschenwerdung schon gewonnen haben". Aber auch Erwachsene werden die Heftchen mit Nutzen lesen, denn die Ergebnisse der vor- geschichllichen Forschung sind keineswegs so allgemein bekannt, wie sie es verdienten. In Einzelheiten werden nicht alle Fachgenossen mit Häuser übereinstimmen, z. B. scheint seine Erklärung der Entstehung reli» giöser Empfindungen anfechtbar, doch zeichnen sich seine Dar- stellungen durch Einfachheit und Klarheit aus und geben trotz der Kürze einen recht reichen Ueberblick über die Entwicklung der vor- geschichtlichen Urmenschen.£>r. Bruno Borchardt. Auch im Winter Wassersport! Von der Tätigkeit des Wassersport-Beirats Der Wassersport-Beirat bei der Verwaltung der märkischen Wasserstraßen hat mit der Vertretung der märkischen Berufsschisfahrt eine zwanglose Vereinbarung geiroffen, wonach geeignete Fragen des Wasserverkehrs auf den märkischen und mitteldeutschen Wasserstraßen vor offiziellen Schritten im beiderseitigen Einvernehmen behandelt werden sollen. Es besteht der aufrichtige Wunsch, die beiderseitigen Interessen möglichst aus- zugleichen. In diesem Sinne hat der Wassersport-Beirat den Verbänden der Berufsschiffahrt u. a. eine Aufstellung derjenigen Strecken in der näheren Umgebung Berlins überreicht, auf denen zu den Zeiten des chauptsportverkehrs Rücksichtnahme der Personen- dampfer auf die Sportschiffahrt erwünscht ist. An- derersetts sieht sich der Beirat veranlaßt, seine Verbände und Ver- eine auf Unzuträglichkeiten hinzuweisen, die sich durch das Verhalten eines Teils der Wassersporttreibenden in letzter Zeit bemerkbar gemacht haben. Darunter fällt das unberechtigt« Anhängen zahlreicher kleinerer Boote an Schleppziige. Wenn von den Schiffern häufig genug darüber hinweggesehen wird, falls sich einige wenige Boote anhängen, so stellt ein Anhang von zehn und mehr Sportbooten zweifellos einen Mißbrauch dieses Eni- gegenkommens dar. Außerdem gefährdet ein solcher Anhang die Verkehrssicherheit. Verkehrshindernisse stellen weiter jene langen Schleppzüge von kleinen Sportfahrzeugen dar, die von manchmal nur mit Seitenbordmotor ausgerüsteten Sportbooten geschleppt werden. Bei diesen sogenannten„Paketfahrten" besteht so gut wie keine Manöverierfähigkeit. So beeinträchtigt, besonders auf engen Gewässern, die naturgemäß geringe Fahrtgeschwindigkeit solcher Gebinde von Booten, die Bewegungsfreiheit der übrigen Wasser- straßenbenutzer. In der Frage der Geräuschbekämpfung der Motor- boote haben Vertreter des Beirotes an den Geräuschmessungen teilgenommen, die die Wasscrstraßenoerwaltung mit verschiedenen Typen von Motorbooten und Schalldämpfvorrichwngcn vor- genommen hat. Es ergab sich einwandfrei, daß es nach dem gegen- wärtigen Stand der Technik möglich ist, die Auspuffgeräusche der Bootsmotoren auf ein erträgliches Maß abzudämpfen, und zwar ohne Verminderung der Leistung. Nach diesen Feststellungen ist die Absicht der Behörde zu begrüßen, in Zukunft nur Triebwerke von amtlich geprüftem Muster für den Verkehr auf den Wasser- strahen zuzulassen. Sehr eingehend hat der Beirat ferner die Frage der Ver- kehrsgeschwindigkeit der Motorboote behandelt. Es darf als feststehend gelten, daß nicht die Geschwindigkeit der Motorboote zu Beanstandungen Anlaß gibt, sondern ausschließlich die in der Hauptsache von Booten älterer Bauart hervorgerufene übermäßige Wellenbildung. Da die Wcllenbildung keineswegs ein- fach mit der Geschwindigkeit zunimmt, sondern auch von anderen Faktoren abhängig ist. so stößt die Beseitigung des Uebelstandes durch eindeutige Bestimmungen auf Schwierigkeiten. Eine einfache Herabsetzung der Verkehrsschwindigkeiten würde jedenfalls den Be- dürfnissen des Sportverkehrs zweifellos nicht gerecht werden. Selbsterziehung und Selb st Verantwortung der Vereine und Verbände dürften auch in dieser Frage die Interessen der Allgemeinheit am besten wahren. Angesichts der allen Wassersporttreibenden bekannten Schwierig- leiten, die sich allgemein aus der großen Verkehrsdichte in der Nähe Berlins ergeben, befremden immer wieder Maßnahmen, die eine Verkleinerung des Verkehrsraumes. d. h. der zur Verfügung stehenden Wasserfläche, im Gefolge haben. So hat der Wassersport-Beirat gegen die inzwischen erfolgte Schließung eines alten Löcknitzarmes Einspruch erheben müsien. Ganz allgemein wird demnächst gegen die Schließungen von Gewässern vorgegangen werden, soweit die Verkehrsinteressen des Sportes dabei geschädigt werden. Das gleiche gilt von den Anlagen der Fischer, sofern diese, wie im Falle Wublitz, als ernstes Verkehrshindernis wirken. Die Anlage der Z e l t? a g e r p l ä tz e an den Wasserstraßen hat im Laufe des letzten Sommers zu Klagen Veranlassung gegeben. Die Schwierigkeit, geeignete Plätze zu finden, beruht zu einem Tcll nicht so sehr auf Platzmangel schlechthin, sondern in dem unvcr- ständigen Verhalten der Bewohner von Dauer-Zeltlagern längs des Ufers, die dem Wassersport gänzlich fernstehen. Nach Ansicht des Beirates sind Dauer-Zeltanlagen auf eine gewisse Entfernung land- einwärts zu verweisen, so daß der Uferstreifen wieder der Allge- meinheit und damit auch den Wassersporttreibenden zur Verfügung steht._____ Skikurse der Naturfreunde Der Schwarzwald ladet ein Der Wintersport hat bei den Naturfreunden seit Iahren eine treue Pflegestätte gefunden, so daß heute Tausende und aber Tausende diesem schönen Sport huldigen. Da jedoch nur eine völlige Beherrschung des Skis reine Freude vermittelt, veranstaltet der Ver- ein regelmäßige Kurse, die für Anfänger und Fortgeschrittene be- stimmt sind. Aber auch die Heranziehung eines tüchtigen Stammes Skilehrer wird eifrig gehegt und gepflegt. Auch in diesem Winter werden in allen Wintersportgebieten von den Naturfreunden Kurse veranstaltet. Der Gau Baden der Naturfreunde hat m dem für Wintersportler sehr bekannten Feldberggebiet im südlichen Schwarzwald, Höhenlage 1300 Meter über dem Meere, folgende Skikurse vorgesehen: l. Kursus 23. Dezember bis 31. Dezember, Anmeld, bis 13. Dezember. 2. Kursus 1. Januar bis 7. Januar, Anmeld, bis 20. Dezember. Z. Kursus 24. Januar bis 31. Januar, Anmeld bis 10. Januar. 4. Kursus 14. Februar bis 21. Februar, Anmeld, bis 1. Februar. Die Mindesttellnehmerzahl bei einem Kursus ist 15 Personen. Für alle Kurse dient das ideal gelegene Feldberghaus am Bälden- wegerbuck des Feldbergmassivs als Standquartier. Der Unterricht und die Ausbildung erfolgt durch geübte Skllehrer, so daß für fach- gemäße Erlernung des Skilaufs Gewähr geboten ist. Die Kosten des Kursus betragen für Mitglieder für Kurfusgeld, Uebernachten und volle ausreichende und bekömmliche Verpflegung, die mit dem Frühstück des ersten Kursustages beginnt und mit dem Abendessen des letzten Kursustages endet, pro Tag 3,50 M. Die Verpflegung besteht aus Frühstück, Mittagessen, Nachmittagskaffee und Abend- essen. NichtMitglieder zahlen für Uebernachten und Verpflegung wie oben pro Tag 3,30 M. und ein Kursusgeld von 4 M. Auch Selbstverpfleger können an den Kursen teilnehmen. Mitglieder zahlen hier nur die üblichen Uebernachtungsgebllhren und ein Kursusgeld von 2 M-: NichtMitglieder(Selbstoerpfleger) zahlen ebenfalls die üblichen Gebühren und ein Kursusgeld von 4 M. Das Kursusgeld muß in allen Fällen bei Beginn des Kurses entrichtet werden. Zugelassen zu den Kursen ist jedermann, der sich verpflichtet, den Weisungen der Kursusleiter Rechnung zu tragen. Anmeldungen sind an den Hausoerwaller des Feldberg- Hauses: Josef Spinner, Naturfreundehaus Feldberg, Post Feldberg i. südlich. Schwarzwald(Telephon Nr. 80 Amt Hinterzarten), zu richten Zur Eisenbahnfahrt können gegebenenfalls auch Gesellschafts- fahrkartsn Verwendung finden. Eine neue Sprungschanze wurde bei Königsberg gebaut. Diese „Ostpreußenschanze" hat«na Gesamtlänge von 127 Metern, wovon auf den Anlauf 71 und auf den Lufsprung 55 Meter entfallen. Die relative Sprungweite beträgt etwa 48 Meter. Für den ostdeutschen Skisport ist der Bau der Schanze von größter Bedeutung. Be�irlcs-Ittegen-Kegeln im Arbeiter»KegIcrbund Das zweite Treffen zum Ausscheidungskegeln zur Bezirksriegs des Bezirks B e r l i n des Deutschen Arbeiterkeglerbundcs findet Sonnabend, 12. Dezember, und Sonntag, 13. Dezember, im Kegler- heim„Beelitzhof"(3 Minuten vom Bahnhof Nikolassee) stall. Der Kampf geht über 100 Kugeln in die Vollen. Startzeiten: Sonnabend, 18 Uhr,„Vorwärts" und„Rührige Mannschaft"; Sonntag, 10 Uhr,„Frei Holz" Spandau und„Knorke": 11 Uhr: „Frei weg 1925"; 11.45 Uhr:„Zu spitz"; 12.30 Uhr:„Hohe Kante" Eichwalte; 13.10 Uhr:„Freie Schwimmer" Spandau; 13.40 Uhr: „Kampfhähne": 14.23 Uhr:„Frei weg" Brandenburg a. d. H. An beiden Tagen steht während der Sportstunden eine Bahn den Gästen zur Verfügung, außerdem am Sonntag ab 14 Uhr eine Bahn für Frauen. Anschließend an das Kegein Beisammensein.— Am 26. November d. I. hat sich als Gauverein der Frauenkegelklub„Freiheit" gegründet, der jeden Donnerstag ab 17 Uhr im Keglerheim„Licht- bürg" am Bahnhof Gesundbrunnen kegell. Keglerinnen und Ge- nossinnen, di« Interesse am Kegeln haben, herzlich willkommen. Carnera fürs Militär D.u. Der italienisch« Boxriese„Primo" Carnera hat sich bekannt- lich im Jahre 1929 in Frankreich naturalisieren lassen, und sesther beschäftigen sich die französischen Militärbehörden mit der Frage, ob das„Elesantenbaby" zum Militärdienst herangezogen werden soll oder nicht. Jetzt endlich, nach fast drei Jahren, hat man sich entschlossen, Carnera wegen seiner ungewöhnlichen Körperausmaße vom Militärdien st zu befreien. Der Boxriese, der in einigen Tagen die Reise nach Europa antrill, kann nunmehr in Cherbourg an Land gehen ohne befürchten zu müssen, daß ihn dort einige Handseste Gendarmen in Empfang nehmen, um ihn in die Kaserne des 158. Infanterieregiments, wo seine Stammroll« geführt wird, zu schleppen. Vorläufig hat Jeff Dickson für Carnera zwei Kämpfe in Europa vorbereitet, und zwar Mitte Januar gegen Larry Gains in Paris und etwas später einen Revanchekampf mit Paolino in Barcelona. Volkssport Z!c»kölln.Briti. Lrhrswnd« für Borturner und Leiter aller Männer- und Iugendadteiluugen Donnerstag, 10. Dezember, 20 Uhr, Turnhalle Britz, Ehausseestr. 187. Lehrstoff: Gymnastik, Turnsprache, Barren, Medizinball. Anschliessend Männer, und Jugendtnrnauoschutzfitzung nicht bei Becker», sondern bei Schmidt, Britz, Chausseestr. 27. Tennis. Rot Grotz.Berlin, e. B., Abt. Renkölln. Mitgliederoerfammlung Donnerstag, lv. Dezember, lllsb Uhr, Friefenschlästchen, Friefenstr. 14. An. schliejscnd Iulklapp und Beisammensein. Gäste willkommen. 12. Bezsrlskartcll(Steglitz, Lichterselde, Lankwitz). Ztartcllgeneralversammlung heute, Dirnstag,!!)>■, Uhr, bei Schcllhase, Steglitz, Aharnstr. IS». Alle Arbeiter- sportler des 12. Verwaltungsbezirks nehmen daran teil. Sportverein Moabit, Tcnnisabteilung. Ab l. Dezember sviclen wir in der Halle Wiclesstr. 22—24 jeden Dienstag von 17—28 Uhr. Auskunft, Anmeldung und Spielstundeneinteilung durch Erich Frey, Hutteustr. 70. Der Bereinsbade- abend ist icdcn Donnerstag, Stadtdad Turmstratze, von ZOH— 22 Uhr(nicht, wie gemeldet, 18� Uhr!) für alle Abteilungen. Touriftcnperei»„Di- Naturfreunde". Dienstag, 8. Dezember. 21 Uhr. Friedrichshain: Frankfurter Allee 807:„Geologie am Uedersee"(Lichtbilder, Lau).— Friedenau: Osfenbacher Str. Sa.— Humboldthain: Willdenawstr. 5: „Das erwachende Indien".— Mitte: Iohannisstr. IS:„Wetterkunde"(Licht- bildcr).— Norden: Sonnenburger Str. 20:„Wetterkunde".— Wedding: Willdenawstr. 5: Geschäftliches.— Osten: Ebertystr. 12;,»Entstehung der Religion". — Obcrschäncweid«: Laufener Str. 2.— Mittwoch,». Dezember, 20 Uhr. Juaendaruppe Osten: Franksnrter Allee 807:„Alloholismus".— Photo Mitte: Sohanntsstr. IS.— Donnerstag, 10. Dezember. 20 Uhr. Lichtenberg: Gunter- strahe 44:„Vom Norden zum Sroßglockner"(Lichtbilder, 2. Teil).— Neukölln: Bergsir. 29: Musikabcnd.— Prenzlauer Berg: Danziger Str. 02, Baracke II: „§ 218".— Eircichorchester: 19 Uhr bei Weißenberg er, Freiliarathstr. 9.— SUd- west: Borckstr. U: Literarischer Abend.— Tiergarten: Lehrter Str. 18— l!»: „Sozialistische Staatsausfassuna".— Lichtenrade: Bei Lentz, Raiser-Wilhelm- Straße 73.— Roscnthaler Borstadtr Weinmeisterstr. 18—17:„Nene Literatur".—» Naturkundliche Abteilung: Sobannisstr. IS:„Allgemeine Geologie".. Li.:. Arbeiter PH-to.GUd« Berus. Donnerstag, 10. Dezember, 20 Uhr, Dunkel- kammer, Wassertorstr. 9: Entwicktin von Stacht- und BlZtzlichtaufnahmen. Platten mttbriilgen. Frei« Photopereinigung. Donnerstag, 10. Dezember, 20 Uhr, Phystkzimmer der walilichen Schule Pank- Ecke Bieserntratze. Dr. Raphael:„Die Richtung in der Photographie. Ab z. Dezember Photoausstellung im Städtischen Film, und Bildamt. Levetzomsir. 1—2(nahe Gotzkowskybritcke). Berktags»vn 14— M Uhr. Sonntags von 10—20 Uhr geiissnet. Eintritt frei. Dienstag, den 8. Dezember staatsoper linier den Linden 20 Uhr Das Herz StaiU.Sdninpiitas Gendarmenmirit. 20 Uhr Liebelei Schiller-Theater Chiriotinbarr. 20 Uhr Zum 1. Male Oatferich v/t uhr CASINO-THEArER*/- VI» Lothringer Strohe 37. MiiiiiiinimimiMiiiMiiitiiinmMMi Wieder ein neuer Schlagerl Wenn Kinder heiraten Dazu das große Fest-Programm I Kdlth Bach, Die Rundfunknachtigall. Burltujrn. Berty. Gesang u. Tanz, C'-hang-Tee-Sec, Chinesen-Truppe Gutschein 1-4 Personen: Parkett SO PI., Pauieuil f.— Mark. Sessel 1.50 Mark. Die Komödie 8V« Uhr Jemand von Franz Molnar ütgii: Gustaf Crüntgens mit llbirt Banirmann Rose- Theater Grote FraUIorter Strite IZZ Id. Wildisil E 7 3422 8 13 Uhr Die Keusche Susanne siam. Oper Charlotlcnburg SismarcksttaBe 34. Dienstag, 8. Dez- Turnus IV Anfang 19 30 Uhr Die verKaolle Braut Ende gegen 22.15 U. VolKsbtthne Theater am Etlowplati 8 Uhr Der örttne Kaüadn Der Rammersanoer Staatl. Sdiiller- Theater H Uhr Oatterich metropoi-meaier Taglich»k Uhr Di« Blume von Hawai Preise von 50 Ft. an Stg ti»z, 8 u. 81ji Uhr Dianstag uml Mlttw.SOhr Klndermirehen Dar silhinii Tannanzipfin Der große TonfHmichwank; Raian A. Roberts, Fritz Sdiulz, Lucle Enoilsfli, FIsdier-ROppe: Dienst isl Dienst Auf der Bühne: Lotte WerKmeisier und andere Attraktionen fetiuuKhhVDlfeauf HM m WM ff, '$90 •» M#•»•• 590 Ave TBnxhemd veiB. PopeUDa-Eiueta Hemd.OA Popelin» bunt, modern« Streifen. tfoMKarta aVU Btnsl. mit Kraben•......... Herren-Schlafanzug Flanell,«chöne Streifen•••«« Diwandecke Gobelinemnb� nod.m gwnottert» KunataaMan« Steppdecke 4 r 00 % WoIlfüUuoß.••aaaaa««* � Wasch-Saml. 95 {lorfeat. neue Muster••«••«■*tr.• Crfipe Marocafn Kunstseid«, ee. 95«n breit, modern« Farben...........•« mir. 1" Crfipe Marocaln Ktmflt«eido. modern« Muster« 095 ca 100 cm breit......•■• Mi».• Cr6pe Satin... Reine Seide, ftute Klekfer-QualitSU viele«f« Farben, ca. 100 cm breit mir. w Afghalaine A.. 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