Morgenausgabe Nr. 525 A 289 4S.Iahrgang Wöckmttlich SS Pf, monatlich 3jB0 Pt (davon 95 Pf. monatlich für gultel- lnng Ins Hans) im voran« zahlbar. Postbezug 4£2 M. einschließlich 90 Pf. Ponzeitungs- und 72Pf.Postb«ftelläe. bühren. Duslandsabonnement 9.— Tl. pro Monat; für Länder mit ermäßig« tem Drucksachenport» 5.— M. Der„Dorwärts" erscheint Wochentag» lich zweimal. Sonntag« und Montaao einmal, die Abendausgabe fiir Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend", Illustrierte Sonntagsbeilage ,Voll und Zeit". W'V« Berliner Vottsblatt Mittwoch 9. Dezember 1951 Groß-Äerlin 10 pf. Auswärts 15 pf. Die elnipoir. Nonporetllezeile 8U Pt. Rellamezeile 5,— RM.„ttleine Ansteigen" das fettgedruckte Wort 25 Pf. (zulassig zwei fettgedruckte Worte), jede« weitere Wort 12 Ps. Rabatt lt. Toiij. Stellengesuche das erste Wort tä Pi„ jedes weitere Wort lO Pj. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Llrbeitsmortt Zeile 60 Pf. Familien- anzeigen Zeile 40 Pf. 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Ihre wirtschaftlichen Diktate greifen in jeden Betrieb und in jeden Einzelhaushalt tief hinein. Ihre politischen Maßnahmen packen jeden einzelnen Menschen auch in seinen Empfindungen— beide, die wirtschaftlichen und die politischen'Bestimmungen werden einen Sturm des Widerspruchs hervorrufen. Aber es ist nicht nur so, daß diese Verordnung selbst in unser oller Leben eingreift, auch was weiter aus ihr wird, ist für uns alle eine Schicksalsfrage. Ob sich eine Reichstags- Mehrheit findet, die sie hinnimmt, weil sie sich einer gegebenen Zwangslage beugen zu müssen glaubt, oder ob sich eine Reichstagsmehrheit bildet, die sich gegen sie auflehnt, auf olle Fälle werden die politischen Wirkungen von allertiefster Be- dcutung sein. Wir wollen auf keinen Fall die geschichtliche Tatsache in Vergesienheit geraten lassen, daß die wichtigsten Bestimmun- gen dieser Verordnung gegen den entschiedensten Wider- s p r u ch der Sozialdemokratischen Partei und der Gewert- schaften erlassen worden sind. Wir erinnern an die War- nungen der letzten Stunde, die Genosie Leipart wegen der geplanten Lohnsenkungen an den Reichskanzler gerichtet hat. Diese Warnungen sind überhört worden. Die Reichsregierung glaubt, ihr Vorgehen dadurch recht- fertigen zu können, daß sie diesmal wirklich ernst gemeinte Versuche gemacht hat, die Preise zu senken. Sie ver- sichert, daß sie der ehrlichen Absicht sei, Preise und Löhne in ein solches Verhältnis zueinander zu bringen, daß die Ar- beiter von einem verminderten Barlohn ebensoviel kaufen können wie zuvor. Sie wird sich nicht wundern, wenn solche Versicherungen— nach den Erfahrungen, die man bisher ge- macht hat— auf tiefes Mißtrauen stoßen. Würden die Lohnsenkungen durch Preissenkungen hundertprozentig aus- geglichen, so bliebe für den Lohnempfänger tatsächlich olles beim allen. Die Preissenkungen, unter denen die Senkung der Mieten besonders in die Augen sticht, werden aber nur einen Teil des Lohnabzugs wieder ausgleichen— lange nickst den ganzen Lohnabzug. Die von der Reichsregie- rung erstrebte Erhallung der Kaufkraft wird also nicht ein- treten, sondern der Schrumpfungsprozeß wird weiter gehen. Was für die Arbeiter gill, gilt auch für die Beamten, die Angestellten, auch ihnen wird mehr genommen als gegeben wird. Für die Sozialdemokratie ist es selbstverständlich, daß sie nach geeigneten Mitteln und Wegen suchen muß, um die Wirkungen der Notoerordnung auf das Einkommen der arbeitenden Massen abzumildern und so bald wie möglich ganz aufzuheben. In dieser Hinsicht könnte der 3l). April nächsten Jahres, an dem das T a r i f r e ch t wieder in Kraft treten soll, ein Hoffnungstag sein. Ob es aber möglich fein wird, zum nächsten ersten Mai wesentliche Verbesserungen.zu erzielen, das wird von der Gesamtentwicklung der Wirtschaft- lichen und der politischen Verhältnisse abhängen, die heute niemand voraussehen kann. Würden die Reparativ ns- frage, die Frage der privaten Auslandsschulden in günstigem Sinne gelöst, käme eine bessere Wirtschastskon- junktur und könnte eine Krise im Innern vermieden werden, dann könnte man wirklich hoffen, mit diesen neuesten Zwangsmaßnahmen sei die Sohle des Abgrundes erreicht und nun würde es wieder aufwärts gehen. Auf alle Fälle bleibt diese Notverordnung der stärkste und umfassendste Eingriff, der innerhalb der kapitalistischen Welt jemals vom Staat in die Wirtschaft unternommen wor- den ist. Von der soaononnten freien Wirtschaft ist nichts mehr übrig geblieben. Wie immer dieses Experiment ausgehen mag. auf keinen Fall bedarf von jetzt ab der Anspruch des Sozialismus, die Wirtschaft von Staats wegen im Interesse der arbellenden Massen zu regeln und zu kellen, einer weiteren Rechtfertigung. Dieser Anspruch kann durch ein Gelingen des gegen- markigen Experiments nicht gemindert, er kann durch sein Schellcrn nur gestärkt werden. Denn der staatliche Eingriff, wie er jetzt unternommen wird, ist aufs stärkste beeinflußt durch Rüiksichtnahme auf die in Deutschland wirtschaftlich herrschenden Klassen und Schichten. Die Sozial demo- kratie stellt sich einen solchen Eingriff ganz andersvor! Die politischen Bestimmungen der Notverordnung sind ein Stück Belagerungszustand! Das Verbot des Tragens von Uniformen und politischen Abzeichen schert alles über einen Kamm. Daß es bis auf weiteres den Verteidigern derRepublik in gleicher Weise wie ihren Feinden verboten sein soll, ihre Gesinnung in Kleid und Abzeichen erkennen zu lassen, muß Erbitterung hervorrufen. Wir glauben nicht, daß die Reichsregierung lange bei einer rein mechanischen Gleichstellung aller söge- nannten„Wehrverbände" bleiben kann, und wir werden nicht aufhören, diese mechanische Gleichstellung zu bekämpfen. Der Reichskanzler Brüning hat gestern endlich im Rundfunk Worte gegen die Nationalsozialisten gesprochen, die einer offenen Kampfansage gleichkommen. Die Reichsregierung macht sich stark dafür, daß Deutschland nicht faschistisch wird. Aber in dem Augenblick, in dem sie das tut, bringt sie durch ihre wirtschaftlichen Maßnahmen und ihre politischen Diktate alle gegen sich auf! Die deutsche Arbeiterbewegung, nicht die Sozialdemokratische Partei allein, steht vor allerschwersten Entscheidungen. Es geht nicht um die Frage, ob wir diese Notverordnung wollen oder nicht wollen, daß wir sie nicht wollen, darüber gibt es unter uns gar keinen Streit. Eine taktische Haltung, die dieses unser Nichtwollen verdunkelt und das einer verlogenen Demagogie Gelegenheit zn der Be- Häuptling gibt, an allem Unheil sei wie stets die Sozial- demokratie schuld, birgt zweifellos sehr große Ge� fahren in sich. Auf der anderen Seite kann ebensowenig ein Zweifel daran sein, daß der jetzt angesagte Kampf der Regierung Brüning gegen die Nationalsozialisten sehr schnell zu Ende sein wird, wenn eine Mehrheit des Reichstags die Aufhebung der Verordnung verlangt und damit entweder den Sturz der Regierung oder die Auflösung des Reichs- tags oder beides zugleich herbeigeführt. Der Kampf gegen den Nationalsozialismus würde dann unter gänzlich geänderten Umständen geführt werden müssen. Ein erträgliches Er- gebnis der Verhandlungen mit dem Ausland und eine Be- lebung der Wirtschaft würden dann Dinge sein, die in die allerweiteste Ferne gerückt wären. Alles in allem: es geht nicht nur darum, was in den nächsten Monaten an Löhnen, Gehältern und Sozialrenten ausgezahlt wird. Es geht nicht nur darum, ob in den nächsten Monaten Reichsbanneruniformen und Partei- abzeichen getragen werden, es geht— so oder so— um eine Entscheidung, die auf Jahrzehnte hinaus von gewaltiger Bedeutung sein wird. Es handelt sich um Leben und Kraft der sozialistischen Arbeiterbewegung in Deutsch- l a u d und damit um eine Schicksalsfrage für die Arbeitet bewegung der ganzen Welt! Oer Inhalt der Verordnung. Die neue Notverordnung der Reichsregierung bringt in acht Abschnitten Vorschriften auf dem Gebiet der Wirtschaftspolitik, der Sozialpolitik, der Löhne, der öffent- lichen Finanzen und der Innenpolitik. Die wirtschaftspolitischen Vorschriften cnlhallen in erster Linie Maßnahmen zur Senkung der Preise und Zinsen. Danach sollen die gebundenen Kartellpreise ebenso wie die Preise sür Martenartikel bis zum l. Januar 1932 um 1t) Proz. gegenüber dem Stand vom 1. Juli 1931 gesenkt werden. Eine Senkung um 19 Proz. erfahren auch die Kohlen- und Kaliprcise. Diese gesenkten Preise dürfen bis zum 1. Juli 1932 nicht erhöht werden. Neben dieser Preissenkung soll ein Schutz gegen Uebertcuerung dadurch erreicht werden, dast ein Reichs- k o m m i s s a r für Preisüberwachung bestellt wird, der die Preise für lebenswichtige Gegenstände des täglichen Bedarfs, die Tarife der öffentlichen Unternehmungen usw. laufend zu überwachen hat. Eine große lleberraschung sielley die Vorschriften über die Zinssenkung dar. Sie sehen vor, daß alle Zinsen von Anleihen, Pfandbriefen, Obli- gationen usw. gesenkt werdeu. Soweit die Zinssätze bisher 8 Proz. betragen haben, sollen sie auf 6 Proz. ermäßigt werden, bei Zins- sätzen von bisher über 8 Proz. tritt eine Ermäßigung im Verhält- nis von 8: 0 ein, und bei Zinssätzen über 12 Proz. wird der über 12 Proz. hinausgehende Teil nach dem Verhältnis von 8:1 das heißt um 59 Proz. gesenkt. Diese Ziussenkungsvorschristen gelten auch für alle übrigen Schulden, insbesondere für Hypotheken. Der Aufwertungszinszuschlag, der ursprünglich vom 1. Januar 1932 ob 2?� betrage» sollte, wird auf 1 Proz. gekürzt, so daß die Aus- wenungszinsen sich nur von 5 auf 6 Proz erhöhe». Für alle Schulden, die von der Zinssenkung erfaßt werden, wird ein Kündigungsschutz bis zum 31. Dezember 1933 verfügt, der spätestens am 31. Dezember 1935 abläuft. Neben der Zinssenkung am Kapitalmarkt soll unter Führimg des Reichskommissars für das Bankgomerbe. am Geldmarkt eine Zinsfenkung durchgeführt werden. Dabei sollen auch die Provisionen der Banken eine Ermäßigung erfahren. Die Vorschriften über die Zinssenkung werden schließlich ergänzt durch Bestimmungen über die Senkung der Steuerzinsen und die Aushebung der Steuerzuschlöge auf Grund der Verordnung vom 29. Juli 1931. Der zweite Teil der Notverordnung umfaßt die Bestimmungen über die Wohnungswirtschaft. Die Hauszinssteuer wird jeweils am 1. April 1935 und 1937 um je ein Viertel gesenkt, sie soll vom 1. April 1949 ab überhaupt nicht mehr erhoben werden. Die Hausbesitzer erhalten das Recht, die Hauszinssteuer durch Zahlung eines einmaligen Betrages abzulösen. Der Ablösungsbetrog soll bei Entrichtung bis zum 31. März 1932 das Dreifache und bei Ablösung bis zum 31. März 19.34 das Drei- einhalbfache der jährlichen Hauszinssteuer betragen. Das laufend« Aufkommen aus der Gebäudcentschuldungssteuer soll grundsätzlich zur Deckung des allgemeinen Finanzbedarfs der Länder und Ge- meinden verwendet' werden, jedoch können die Länder bestimmen, daß bis zu einem Fünftel Mittel für den Wohnungsbau, die Ilm- schuldung und für Zins- und Mictszuschüssc für Neubauwohnungen bereitzustellen sind. Das Aufkommen aus der Ablösung ist' gesondert zu verwalten. Der Abschnitt über die Zllictsentung bringt eine Herabsetzung der Allmieten vom 1. Januar 1932 uin 19 Proz. der Fricdensmiete.' Die Mieten der Neubauwohnungen sollen dagegen um den Betrag gesenkt werden, um den sich die Be- lastung des Grundstückes infolge der Zinsjenlung ermäßigt. Da eine besondere Mietsenkung zum Ausgleich für die Ermäßigung der Aufipertungszinsen nicht vorgesehen ist, wird man onnehinen müssen, daß mindestens für einen Teil der Grundstücke sich aus dieser Regelung eine weitere Subvention zugunsten der Hausbesitzer ergibt. Laufende Mietverträge, die vor dem 15. Juli 1931 abge- schlössen sind, können vom Mieter zun, 31. März 1932 gekündigt werden. Die Kündigung ist ausgeschlossen, wenn der Vermieter eine Mietsenkung um mindestens 29 Proz. vornimmt. Schließlich eni- hall die Nowcrordnung eine ganze Reche von Bestimmungen, die einen beschleunigten Abbau der Wohnunghzwangemirtschast vorsehe». Der dritte Teil der Notoerordnung bringt Maßnahmen auf dem Gebiet der Zwangsvollstreckung. Er enthält Vorschriften iihtr dss Mndestgebüt, über die einstwsülge Emsteilung ven Zwongsv-rstcigerungen und kmsaudercn Vorschriften zugunsten der Landwirtschaft. Bon den sonstigen wirtschaftlichen Maßnahmen des vierten Teils ist zu erwähnen 1. die Gewährung steuerlicher Er- leichterung für die Austeilung von Gesellschaften(Betriehstrennung und Auflösung), 2. Anpassung der steuerlichen Vermögensbewertung an die derzeitigen Wcrtocrhältnisse, Z. Außerhebungssetzung der Mineralwassersteuer vom 1. Januor 1332 bis zum Sl. Dezeinber 1338, 4- Bildung eines Fonds von 20 Millionen für die Rationali- sterung gewerblicher Genossenschaften, ö. Bilanz- und Handelsrecht- lich« Borschriften, 6. die Ausprägung oon Visrpfennigftücken. Der fünft« Teil enthält unter der Ueberfchrift Sozialverficheniru} und Fürsorge Vorschriften über die Arankenverficherung. die Unfalloersicherung und die Knappschaflsoersicherung. Auf dem Gebiet der Knapp- schaftsoersicherung werden die Vertoig« zwischen den Krankenkassen und den Aerzten einer Neuregelung unterworfen, außerdem werden die Leistungen der Krankenversicherung auf die sogenannten Regel- leistungen beschränkt und damit freiwillige Mehrllcistungen der ein- zclnen Kassen in Zukunft unterbunden. Bei der Unfalloersicherung wird eine Rente nicht gewährt, wenn die Erwerbsbeschränkung in» folge des Unfalls weniger als 20 Proz. beträgt. Außerdem fallen alle 20prozentigcn Renten nach dem Ablauf von zwei Jahren weg. Des weiteren bringt die Notverordnung eine ganze Reihe von Aar- schriftcn über die Wartezeit, die Anrechnung von Renten, die Kinderzuschüsse usw. Besonders einschneidend sind die acbeiksrechllicheu Vorschriften des sechsten Teils. Danach werden alle Löhne und Gehälter ohne Rücksicht darauf, ob Tarifverträge laufen oder nicht, auf den Stand vom 10. Januar 1327 zurückgeführt. Würde das eine mehr als lOprozentige Senkung bedeuten, so soll die Senkung auf li) Proz. beschränkt sein. Bei Löhnen und Gehältern, die seit dem l. Juli 1331 nicht gekürzt worden sind, soll aber in diesem Fall eine Sen- kung um IS Proz. eintreten. Bei Meinungsverschiedenheiten über die Auslegung dieser Vorschriften entscheidet der Schlichter. Das Kernstück der Maßnahmen zur Sicherung der Haushalte ist die Erhöhung der llmfahsteuer von 0Vä auf 2 Proz. mit Wirkung vom 1. Februar 1932. Von dieser allgemeinen Erhöhung sind ausgenommen die Erzeugnisse aus Getreide. Mehl und Backwaren. Die Sandersteuer für Warenhäuser, und Konsumvereine bleibt im bisherigen Ausmaß bestehen. Ihre Steuer beträgt also im allgemeinen 2,5 Proz. und bei den be- günstigten Lebensmitteln wie bisher 1,36 Proz. Neben der all- gemeinen Erhöhung wird eine Ausgleichssteuer auf die Einfuhr eingeführt, von der gewisse Waren, vor allem Nohstofse, aus- genommen werden sollen. Der Reichsfinanzminister erhält die Er- inächtigung, die Umsatzsteuer nach dem Vorbild der österreichischen Umsatzsteuer auf der Grundlage der sogenannten Phasenpauschalie- rung umzugestalten. . Zur Erleichterung der Kassen läge im laufenden Rechnungsjahr werden die Varauszalzlungen auf Einkommen- und Körperschaftssteuer nom 10. April auf den 10. März 1932 vorverlegt. Besondere Maßnahmen werden gegen die Kapital- und Steuerflüchtlinge durchgeführt. Vou Personen, die seit dem 31. März 1931 ihren Wohnsitz ins Ausland oerlegt haben, soll ein« besondere Reichsfluchtsteuer erhoben werden, die ein Viertel des gesamten steuerpflichtigen Vermögens beträgt. Befreit oon dieser Steuer sind Persaneir. deren Vermögen 200000 Mark und deren Einkommen 20 OÖO Mark nicht überstiegen Hot- Wird die Reichsfluchtsteuer nicht innerhalb zweier Monat« gezahlt, so treten streng« Strafbestim- wungen in Kraft, die auf Gefängnis und Geldstrafe, Vermögens- Mchlagnahmung. öffentlich« Bekanntgabe und Erlaß eines so- genannten Steucrfteckbriefes lauten. Außerdem werden die gelten- den Vorschriften gegen d>e Kapital- und Steuerflucht in mehreren Punkten verschärft. Wichtig für die finanzielle Sanierung der Gemeinden ist die Vorschrift, daß alle die Gemeinden noch für das laufende Rechnungsjahr ihre Realsteuern erhöhen können, die unter den Landssdurchfchnittssätzen liegen. Die neue Gehallekürzung beträgt 9 Proz. des Gundgehalts der Reichsbeamten— also ohne Rücksicht auf die bisherigen Kürzungen und tritt vom 1. Januar 1932 ab in Kraft. Derselben Kürzung wie die Beamten werden die Ruhegehalts- e m p f ä n g c r unterworfen, dagegen soll für die Soldaten der Wehrmacht noch«ine besondere Regelung erfolgen. Die Löhne der Reichsarbeiter werden um 10 Proz. gekürzt. Alle Gehalts- und Lohnkiirzungsvorschriften finden auf Länder, Gemeinden und son- stige öffentliche Körperschaften entsprechende Anwendung. Der achte Teil der Notverordnung umfaßt ausschließlich Maß- nahmen, die dem sogenannten „Schutz des inneren Friedens" dienen sollen. Das sind Maßnahmen gegen W a f f e n m i ß- brauch, sin ollgemeines Uniformverbot, Bestimmungen ober die Verstärkung des Ehrenschuges und die„Sicherung des Wcihnachtsfriedens". Nach dem Uniformoerbot ist das Tragen oon Partsikleidung außerhalb der eigenen Wohnung perboten. Die Verstärkung des Ehronschutzes bringt Strafverschärfung bei übler Nachred« und Verleumdung. Der Weihnachtsfriede soll sich auf die Zeit von heute bis zum 3. Januar 1932 erstrecken und in dieser Zeit sind alle öfkenllichen politischen Ver- s a m m l u n g o n und die Versammlungen und Auszüge unter freiem Himmel verboten. In der gleichen Zeit ist die Verbreitung von Plakaten, Flugblättern und Flugschriften politischen In- Halts untersagt. Die angekündigte amtliche Mitteilung über die Not- nerordnung wird e r st am M i t t w o ch v o r m i t t a g aus- gegeben. Die Veröffentlichung des Wortlautes der neuen Notverordnung, die ein D r u ck w e r k von rund ö 0 S e i t e n ist, ist gleichfalls auf Mittwochvormittag ver- schoben worden. Heute Diskontsenkung. Ein oder zwei Prozent KreditverbiMgung. Der Zeatralausschuß der Udchsbank Ist für heut« nachmittag ciuberufea morden. Ein« Sredttverbilllgmig der Kelchsbank ist zu erwarten. Offen ist, ob nur der Lombardsah oder zugleich auch der DiAkovt um I proz. ermäßigt wird, so daß eine zweiprozenttgc Kreditverbilligung ewträle. Gegen Gehaltskürzung protestierten in der Londoner Albert- ball« 1 1 000 Polizisten au» allen Teilen Englands und aus Wal«». Da der Polizeipräsident allen höheren Beamten den Besuch verboten hatte, führte ein. Polizeisergeowt den Vorsitz. Brüning-Rede im Rundfunk. Scharfe Kampfansage gegen die Hiilerei. Reichskanzler Dr. Brüning hielt gestern abend im Rimd- funk eine Rede über die neuesten Notverordnungen, wobei er unter anderem ausführte: Am Vorabend der Veröffentlichung einer schicksalsschweren Notverordnung, die soeben der Herr Reichspräsident unterzeichnet hat, halle ich es für meine Pflicht, dem deutschen Volk in großen Zügen Ausschluß über die Ziele und Entscheidungen der Reichsregierung zu geben. Die zu treffenden Maßnahmen sind bedingt durch die Lage der Wellwirtschaft und des Kapitalmarktes der Welt. Sie sind bedingt durch die unerträglichen Lasten, die dem deutschen Volk im vergangenen Jahrzehnt auferlegt wurden. Aber sie gehen andererseits auch zurück auf Fehler, die wir selbst in den vergangenen Iahren gemacht haben. Tag für Tag schreitet die Zerrüttung der Weltwirtschaft fort. Mit der englischen Währung sinkt der Wert zahl- reicher anderer Wöhningen. Ein Wirtschaftskrieg von ungeheurem Ausmaß ist entbrannt, der die Wohlfahrt aller Völler der Welt zu untergraben droht. Weder über das Maß der die ganze Welt bedrängenden Schwierigkeiten noch über die wesentlichen Ursachen des gefahrvollen Zustandes der Gegenwart sind sich die Menschen im unklaren. Sie kennen auch die besondere Rolle, die Deutschlands Lage hierbei spielt. Sollen die Gefahren gebannt werden, dann dürfen die Entschließungen der Regierungen der Well nicht hinter den Erkenntnissen zurückbleiben, dann müssen die vielfachen Hem- mungcn überwunden werden, die sich aus überkommenen und stark gewordenen politischen Austastungen ergeben. Durch Festhalten an formellen Rechtsauffassungen kann die Lage der Well noch nicht gemeistert werden. Großzügige Lösungen müssen gefunden werden, deren Wirksamkeit nicht mehr durch überholte Konstruktionen und Gedankengänge der Vergangenheit belastet ist. Wollte man abermals bei Teillösungen stehen bleiben, die an der zwangsläufigen Gesamtlagc vorbeigehen, so würde sich schnell er- weisen, daß sie nicht nur für die einzelnen Beteiligten unzureichend, sondern auch für die Well unheilvoll sind. Mit den auf deutschen Antrag eingeleiteten Verhandlungen in Lasel über die Reparokioosfragen haben die internationalen Verhandlungen begonnen. Ich will im Augenblick deshalb darauf verzichten, auf die Einzelheiten der Reparotionsfroge einzugehen. Aber ich richte noch einmal den dringend st«n Appell an alle beteiligten Regierungen, dafür zu sorgen, daß die ost und von allen Seiten verkündeten Grund-fätz« verständnisvollen und solidarischen Zusammen- wirkens sich jetzt endlich in letzter Stunde in die Tat umsetzen. Die nächsten Wochen werden von entscheidender Bedeutung fein, Deutschland ist zum Zentrum des wirtschaftlichen Sturmes, der durch die Well fegt, geworden. Mag in einzelnen Zweigen der Wirtschast anderer Länder die Krise größer sein als in Deutschland, eines steht fest, von der Gefundung Deutschlands, oon den Maßnahmen, die die deutsche Regierung hierfür ergreift, und oon der Verständnis- vollen Mitarbeit der übrigen Völker hängt es ab, ob dies« Krii« ohnegleichen beschworen und die Well noch rechtzeitig vor der Zer- rüttunz ihres Wohlstandes gercllet werden kann. Heute ist die Wirtschaft enger ineinander norknüpst denn je. Jede Evschüllerung in einem Lande hat tiefer« Rückwirkungen auf di« übrigen Länder. Wenn jedes Land di« Tendenz hat, sich abzugrenzen, wähvungs- polllisch und zollpdlltisch für sich zu sorgen, so wächst unweigerlich da» Gesamkmaß der wirtschafkszerstörung aller Länder. Mes dieses weist auf die intsrnational« Berftandi- gung hin. Aber bis zu einer solidarischen Lösung der Krise der Welt muß jede verantwortliche Regierung der Well de» AZeg gehen, der au» den Lebensbedingungen des eigenen Volkes und der eignen Wirtschaft sich ergibt. Vollkommen« Lösungen kann sie allein nicht geben. Für Deutschland, das eine schwere Inflation erlebt hat, steht im Vordergrund die Sicherung der Währung. Der Preisdiktator. Der Rcichepräsideni empfivg gestern abend den Ober. bürgermeister Dr. Gocrdeler- Leipzig und bat ihn. im ünlerefse der Allgemeinheit und der schnellen Durchführung der preisseukong das in der neuen Notverordnung geschaffene Amt eines Reichskommissars für die Preisüberwachung zu übernehmen. Dr. G o e r d e l e r hat sich dem Reichspräsidenten zur Verfügung gestellt. 6r muß von Hugenberg Abschied nehmen. Der ncuernannte Reichskommissar Dr. Goerdeler hat sich nach einer Unterredung mll dem Führer der Deutschnationalen Volks- part-i Dr. Hugenberg entschlossen, da seine Stellung ihn in«inen Gegensatz zur politischen Haltung der Deutsch- nationalen Volkspartei und ihrer Oppositionsstollung gegen das Kabinett Brüning bringt, aus der Partei auszu- treten. In der Erklärung darüber gibt er bekannt, daß er nach wie vor mll den politischen und weltanschaulichen Grundsätzen der Partei sich verbunden fühlt. Die deutschuationale Pressestell« erklärt zu dem Austritt Gaerdelers, daß die grundsätzlich ablehnende Haltung der Partei zur Regierung Brüning den Austritt des Reichs- konrmissars, dar der Regierung fein« Mitarbeit zur Verfügung stellt, zu einem Akt selbstverständlicher Loyalität mache. Das Llniformverbot. Einschneideude Bestimmung gegen politische Verbände. Die neueste Notverordnung enthält auch diese Be- stimmung über das Verbot von Uniformen: Das Tragen von Abzeichen oder von einheitlicher Kleidung, die die Zugehörigkeit zu einer politischen Vereinigung teimzeichnen, ist außerhalb der eigenen Wohnung ver- boten. Dos Verbat gilt für j e d e r m a n n. Di« Reichsregierung bestimmt, welche Bereinigungen al» politisch im Sinne der Borschrift anzusehen sind. Wer dem Verbot zu widerhandell, wird mit Gefängnis nicht unter einem Monat, wenn mildernd« Umstände vor- liegen, mll Gefängnis oder mll Geldstrafe bestraft, soweit nicht dt« Tat nach anderen Vorschriften mll einer höheren Straf« bedroht ist. Durch diese Bestimmung wird K 8 der Verordnung zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen vom 28. Mörz 1981 außer Ärast gesetzt. Dieser gab die Möglichkeit, solch« Uniform- und Abzeichenverbote zu erlassen. Jetzt ist die Kann Vorschrift in eine Muß Vorschrift umgewandelt. Heute wird diese Auffasssmg der ReichsMgismng kaum mehr Krück finden. Dieses Ziel zwingt die Reichsregierung nach außen zur Er- fassunz und planvollen Bewirtschaftung der anfallenden Devisen, es zwingt im Innern zur unbedingten Sicherung de» Etats auch mit harten Mitteln. war es möglich, bis zur Auswirkung der euglischen pfundkrife wohlüberlegt mlleiaander in Zusammenhang stehende Maß- nahmen schrittweise zu treffen, so ist jetzt der Augenblick ge- kommen, entscheidende Maßnahmen auf zusammenhängenden Gebieten der Wirtschaft und Finanzen gleichzeitig zu treffen. Sie sollen den Zweck haben, für längere Zeit den Ruhezustand zu schassen, der Arbeitswillen und wirtschaftlicher Entschlußfähigkeit Raum gibt. Unmöglich ist es, die eigene Wirtschast, Lohnhöhe und Preishöhe auf die Währungsfchwankungen anderer Länder dauernd einzustellen. Das hieße, eigenes Schicksal der Ungewißheit fremder Entschlüsse auszuliefern. Daraus würde sich kein Ausweg ergeben, denn jeder strebt danach, an seinem Teil sich vorweg zu entlasten. Aber auch mit selbständigen Mahnahmen von Lohn- sentungen. Schutzzöllen und Preissenkungen allein gibt es keine durchgreifende Erleichterung, nicht ein- mal für den einzelnen. Darum sind Umfang und Tragweite des vorliegenden Gesetzes so viel größer als früher. Deswegen müsseu Preissenkung, Ziusseukung, Lohn- und Gchaltsseukuug sowie die Senkung der Frachten, also Maßnahmen aus der ganzen Linie, gleichzeitig ersolgeu. Nur so kann es gelingen, zu verhindern, daß die Realkaufkraft sinkt. die Produktion weller zusammenschrumpft und die Arbeitslosigkeit ins Ungemessene steigt. Abbau und Tilgungsmöglichkellen der Hauszins st euer, verbunden mit der Zinssenkung, werden «ine mindestens zehnprozentige Verringerung der Mieten ermöglichen. Abbau der Zinsen, gerecht« Berechnung der Handelsspanne müssen eine weitere Berbilligung des täglichen Be- darfs hsrbessühren. Störende Preisbindungm werden ausgelockert. Ki gleicher Zell, wie die Lohnsenkungen erfolgen, werden die Preise de? gebundenen Produktion, Kohle, Eisen, Düngemittel herunter- gesetzt. Frachtensenkung in großem Ausmaße unterstützt die Preis- ssnkung. Die Z i n s en der langfristigen Verpflichtungen mll Aus- nähme der ausländischen werden ebenfalls heruntergesetzt. Die Pro- duktionskosten, besonders auch der Landwirtschast, werden auf diese Weise gemindert. So soll überall, was auf der einen Seite allen Schichten der Bevölkerung genommen werden muh, auf der anderen Seite ihr durch Steigerung der Kaufkrast des Geldes wiedergegeben werden. Leitsätze bleiben: Belebung des Binnenmarktes, Ausrechterholwng der weltwirtschaftlichen Wettbswerbsfähigkell! Alles dies soll zusammenwirken, um die Verkrampfung am deutschen Geldmarkt und in der deutschen Küterwirt- schaft zu lösen, soweit dos durch staatliche Machtmittel überhaupt geschehen kann. Schich gegen Zwangsversteigerungen für unver- schuldet durch di« Wirtschaftskrise in Not geratene, aber an und für sich gesunde ländlich« und städtische Grundbesitzer sind durch Er- eigniss« der letzten Zell ebenfalls notwendig geworden. Schmerzlich sind die Opfer, die von Beamten, Arbei- tern und Angestellten, ja darüber hinaus in beschränktem Umfang auch von den durch Sozialversicherungen Betreuten nun abermals oerlangt werden. Wir haben lange oersucht und alles daran gesetzt, sie zu vermeiden, ober die Wirtschastsnot zwingt wegen der inneren gesetzmäßigen Zusammenhänge dieser Dinge auch hier zuzugreifan. Schmerzlich ist für viel« die Ztnssenkung der festverzinslichen Wertpapiere. Wenn sie manchen Sparer trifft, so möge er bedenken, daß die Erleichterung des Kapllaldienstes ihm selbst in seiner Lebenshaltung zugute kommt, und daß di« erschreckende Höhe des deutschen Zinsniveaus eine Gefahr für die Sicherhell der Kapitalsanlage selbst bedeutet. Dieser Gefahr wird durch die Zinssenkung begegnet. Alle dies« Opfer müssen zur Senlnng der Preise, zur Er- leichterung der Lebenshaltung führen. Das ist ihr unabänderlicher Sinn. Damll er sich erfülle, werden sie alle zugleich gebracht. Hinter allen diesen Maßnahmen steht als ein weiteres entscheidendes Moment die Sicherung des Etats. Durch Cr- höhung der Umsatzsteuer— bei Schonung des Brotes, Mehles und Getreides als Volksnahrungsmilleln— und durch die Senkung der Ausgaben ist die Kassen- und Etatslage gesichert, find die Voraus- fetzungen geschaffen, di« für jeden einzelnen das Wichtigste sind: daß nämlich die Zichlungen des Staates in den kommenden Monaten pünktlich geleistet werden können. Wenn die deutsche Polllit der Versuchung nachgeben würde, die Leiden der Gegenwart durch Steigerung unklarer Ge- fühle und durch Herausstellung unerreichbarer Ziel« zu heilen, so würde es mll Deutschland zu Ende gehen. Für jeden, der in der Verzweiflung solchen Zielen nachjagt, muß ein schreck- liches Erwachen kommen. Eine Regierung, die sich ihrer Verant- wortung für Volk und Vaterland bewußt ist, darf Strömungen dieser Art. sowell sie mich im Volke um sich greifen, nicht nachgeben. Sie darf und wird nicht davor zurückschrecken, einem drohenden Zerfall der Volkskräste mit eiserner Energie entgegenzutreten. Legalität, die keine ist. Sie duldet kerne aabene Macht als die verfast'ungs- mäßige. Reichspräsident und Reichsregierung verfüge« allein über die Machtmittel des Staates. Sie werden mit unerbittlicher Strenge— notfalls auch unter BerhäuguugdeSAuSuahmezwstandeS— gegen alle eingesetzt werden, die sich unterfangen würde«, in den Stunden stärkster Nervenprobe den verfasiungs- mäßige» Gewalten in den Arm zu falle». Wen« der Parteiführer der Nationalsozialisten die legale« Wege und Ziele seiner politischen Absichten betont hat, se stehen in grellem Kontrast dazu die hesti- ge» Beteuerunge» sich nicht weniger verantwortlich dünkender Führer, die zum siuuloseu Bruder- kämpf und zu außeupolitischen Torheiten auffordern. Wen» mau erklärt, daß man— auf legalem Wege zur Macht gekommen— die legalen Schraukeu durch- breche» werde, so ist daS keine Legalität. Und sie ist eS»och weniger, wen» zu gleicher Zeit im engeren kreise Rachepläne verfaßt und vorgetragen werde». Dagegen wende ich mich als verantwae�ss�tz-p Staatsmann auf daS schärfste. Erfüllt von dem Ernst der Verpslichtiing unserer Tage, erfüllt von der leidenschaftlichen Sehnsucht. Fehler der Vergangenhell auszumerzen, nicht zaudernd, aber nach durchdachte« Pia» trnstr Volk Nr. 525* 48. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 9. Dezember 4954 Rund um die Einheitsfront. Von Kalkbcrgc-Rüdersdorf zum Wedding. In der Nacht nach der Rcichsiagswahl venu 14. September IVZll zag ein Trupp Nationaliozialisten aus Kalkbergc- Ruders- darf vor das Haus des dortigen sozialdemokratischen Amts- Vorstehers und sang unter anderem:„Mit dem Pfeil, dem Vogen, kommt ein Stein gesloHen.� Das bezog sich auf die Fensterscheiben des Amtsvorstchers. Darauf holte sich der Amtsvorsteher seinen Drilling und eine Handvoll Patronen und die Nazis ließen das Eteinbambardement sein. Bei diesem Rückzug der Nazis blieb es aber nicht. Eines Tages nbersielen sie die U e b u n g s a b t e i I u n g eines Arbeitcr-Turnvereins. Deshalb erwog die Arbeiterschaft von Kolkberge Maßnahmen, um dem Terror der SA.-Leute einen Damm entgegenzusetzen. Vor einigen Wochen nun traten kommunistisch orientierte Gewerkschaftsmitglieder an den Vorsitzenden des ADGB.-Orts- ousschusics, einen Sozialdemokraten, heran und ersuchten um die Bildung einer Einheitsfront aller örtlichen proletarische» Oroani- sationen. Die kommunistischen Arbeiter hatten dabei etwas krause Vorstellungen von einer Abwehrfront gegen den Faschismus. Aber als die Sozialdemokraten erklärten, daß für sie am Beginn einer Aktion nicht die Parole stehen könne:„Pfeift auf die bestehenden Gesetze" und als sie dann vorschlugen, eine große Kundgebung im Gesellschaftshaus„Glückauf" zu veranstalten, stimmten die Kom- munisten dem zu. Diese Kundgebuno, auf der Polizeimajor Heinrich sprach und di« der Vorsitzende des Kalkbcrgcr Gcwerk- fchaftskartells leitete, nahm einen imposanten Verlauf. Die Nazis merkten sofort, daß ein schärferer Wind weht und ihr IvO-Mann- Trupp, der noch in die Versammlung gekommen war, um über den Marxismus zu triumphieren, mußte geschlagen abziehen, und zwar sehr plötzlich, soirst hätte man ihnen Beine gemacht. Nun begonnen schon in dieser Versanrmlung die Kommunisten zu„manövrieren". In der Diskussion sprach ein Berliner Kommunist, der nichts Besseres zu tun hatte, als über die Sozialdemokratie herzufallen. Nachher schworen die Kolkbergcr Kommunisten Stein und Bein, den Mann aus Berlin nicht gcholt zu haben— dann ist er also wohl vom Himmel gefallen!— Und sie blieben auch dabei, im Hinblick auf die starrköpfige Haltung ihrer Zentrale zu erklären: Wir machen hibr, was mir wollen! Die„Rote Fahne" dachte aber darüber anders. In der Nr. 213 vom 25. November 1931 bekamen die Kalkberger Kommunisten schwer eins auf den Kopf. Es heißt da:„Ein Beispiel, wie man die Einheitsfront nicht herstellen kann, bietet das Verhalten unserer Genossen in Kalkberge... Die Folge dieses vollkommen opportu- nistilchen Verhaltens zeigte sich in der gestrigen Versammlung. Die SPD. beherrschte völlig die Versammlungsleitung..." Man kennt die Walze. Aber abgesehen davon, soll das„opportunistische Per- brechen" der Kalkberger Kommunisten darin bestanden haben, die Einheitsfront von oben gebildet und.„mit einer- Gewerkschaftsspitze verhandelt"' zu haben." Und dttse„'Gcwerkschckftsspttze"� ist der Werkschlosscr Preuße von einen, der Kalkbergwcrkc, Vorsitzender des Gewerkschaftskartells, ein einfacher Arbeiter. Bei dem sollen die Kalkberger Kommunisten die Linie verbogen l>aben. Im übrigen marschiert die Einheitsfront in Kalkberge auch ohne die Strategen aus dem Karl-Licbknccht-Haus. Keilerei oder Einheitsfront? Auch im Werk S e e st r a ß e der B e r g m a n n- E l e k t r i. zitätswerke bemühten sich die Kommunisten um die Herstellung einer Einheitssront. Denn seitdem die Nazis auf dem W e d d i n g ihre Stützpunkte haben, bepflastern sie nicht nur die Brotfabrik von Wittler mit ihren Flugblättern, sondern auch die Berg- manN'Clekirizitäts-Werke. So rückten sie am Mittwoch, dem 2. Dezember, in Stärke von zirka 25 Mann vor das Werk See- straße und verteilten Flugblätter. Die Kommunisten machten das- selbe und es dauerte nicht lange, da Hatte man sich in den Haaren. Die Nazis waren gleich dabei, Kabelenden aus der Tasche zu ziehen— einige Zeugen wollen auch Revolver beobachtet haben— und nur weil gerade eine Polizeistreise vorbeikam, unterblieb eine Schlägerei. In einem anderen Falle sollten Flugblattverteilcr der freien Gewerkschaften von den Nazis provoziert werden. Die Gewerkschastskollegen ließen sich aber nicht provozieren. Die Folge von oll dem war, daß die Kommunisten sofort forderten,„endlich über die Köpfe der Führer hinweg die rote Einheitsfront zu ver- wirklichen". Der nächste Morgen sollte allerdings eine Illustration dazu bringen, wie sich die Kommunisten die„Einheitsfront" vor- stellen. Um diese Stunde standen Gewerkschaftskollegen vor dem Eingang und verteilten ihrerseits Flugblätter, die zu politischen Tagesfragen Stellung nahmen. Ohne jeden Grund fielen plötzlich Kommunisten über die Flugblattver- breiter her und raubten ihnen einen Teil der Blätter. Das war der Beginn der Einheitsfront. Einmütig verurteilt die Belegschaft den kommunistischen Uebersall. Selbst kommunistische Betriebsratsmitglieder sprachen sich in einer Sitzung gegen dieses schandbare Treiben aus. Aber auch andernorts lassen sich die Arbeiter durch noch so vieles„Manövrieren" nicht über den Löffel barbieren. Ziaubübersall am Arkonaplah. Handtasche mit 200 Mark erbeutet. Am Arkonoplah. im Norden Verlins, wurde gestern abend auf offener Straße ein frecher Raubüberfall verübt. Als gegen 1914 Uhr die 31jährige Portierfrau Charlotte Schwierblatt, die am Engelufcr 22 wohnt, den Arkonaplatz passierte, wurde sie von einem jungen Burschen angefallen. Der Mann warf der Frau eine Handvoll Pfeffer ins Gesicht, entriß ihr die Handtasche und slüchtete. Auf die Hilferufe der lieberfallenen nahmen Passanten die Verfolgung des Straßen- räubers auf. Leider konnte der Täter, dem 209 Mark in die Hände gefallen sind, in einer Seitenstraße entkommen. Fron Sä), hatte im Hause Engelufer 22 die restlichen Mieten kassiert und gestern abend wollte sie das Geld zu dem am Arkonaplatz wohnen- den Hausverwalter bringen. Der Uebersall hatte sich so schnell ab- gespielt, daß nicht einmal eine Beschreibung des Täters gegeben werden kann. Landfriedensbruch und Aufruhr. ' Än''der"Mdcht ziim 9. August war es in"dem Städtchen Alt- L a n d s b e r g in der Mark, unweit Berlin, zu schweren Aus- schreitungen gekommen, die den Gegenstand einer Verhandlung vor dem erweiterten Schöffengericht Lichtenberg bildeten. Die Arbeiter Sonncck, Friedrich, Tesch, Freudenhammcr, Boldt, Flügge, Branig und Michaile und der Schrankenwärter Wesselkowski waren des schweren Landfriedensbruchs und des Aufruhrs angeklagt. In der betreffenden Nacht hatte in dem Hotel„Deutsches Haus" ein S o m m e r n a ch t s b a l l stattgefunden, an dem die Angeklagten teilgenommen halten. Dabei war besprochen worden, den Landjäger Grimm diese Nacht s, fertigzumachen". Davon hatte die Polizei rechtzeitig Nachricht erhalten, so daß vier Beamte vor dem Eingang des Hotels darüber wachten, daß es zu keinen An- sammlungen kam. Kurz nach Beendigung des Festes strömten die Menschenmasscn ins Freie, machten aber keine Miene, weiter zu „Ja, er hat mir wohl ein paar Höfliche Zeilen geschrieben und bedauert, eine so begabte Schülerin verloren zu haben durch den Krieg, er schrieb mir auch von zwei deutschen Studenten, die in Genf geblieben sind.— Aber Mama— jetzt versteh ich dich erst, du denkst wohl, da stecke eine un- glückliche Liebe dahinter, und ich heiratete deshalb nicht, weil ich den Herrlichsten von allen nicht kriegen konnte." Germaine lochte hell und fröhlich.„Nein, zur unglücklich Liebenden habe ich wohl noch weniger Talent als zur Ehe- frau!" Die Telcphonklingcl läutete. Germaine hob den Hörer ab.„Hier Loriot. Ja.'ich selbst. Guten Tag. Herr Direktor!" Aber natürlich, mit Vergnügen. Ja, in zehn Minuten bin ich zur Stelle! Auf Wiederselzen!" „Fräulein Bergmann ist erkrankt, nun soll ich die französische Stunde in la geben— paßt mir sehr gut, ich habe doch heute zu nichts Lust. Dieses Ekel, dieser Herbert hat mir doch den Tag richtig verdorben." Sie warf einen Blick auf die Uhr.„Gleich drei— ich werde mich rasch aufs Rad schwingen, dann komme ich noch zurecht." Der Direktor begleitete Germaine hinauf in den dritten Stock wo die jungen Mädchen bei der Ankündigung, daß Gefahr im Anzug sei, schleunigst auf ihre Plätze sturinten und eine geradezu musterhafte Haltung einnahmen. Aber der Direktor sah mißtrauisch von einer zur anderen. „Fräulein Bergmann ist erkrankt— kein Wunder bei dem vielen Aeraer, den sie mit Ihnen hatte. Frmtlem Dr. Loriot wird sie vertreten. Ich hoffe sehr, daß Sie nicht wieder Anlaß zu Klagen geben— ich müßte sonst ganz energisch eingreifen und auch vor Betragensnoten im Abgangszeugnis nicht zurückscheuen!" Er verließ das Klassenzimmer. Erwartungsvolle Stille herrschte. 24 Auaenpaare verfolgten jede Bewegung der„Neuen". Aber Gerinaine flieg nicht auf das Katheder, sie öffnete auch nicht das Klassenbuch, JX& map erwartet Hatten fcmder« sie lehntr sich die: vorderste Bank, auf der ein Platz frei war und betrachtete aufmerksam die jungen Gesichter. „Ja, die la ist jetzt geradezu berüchtigt geworden. Aber wenn ich Sie mir so ansehe, habe ich eigentlich gar keinen schlechten Eindruck. Mir kommt es vor, als sähe ich mich selbst, als ich in Ihrem Alter war. Und ich kann mir nicht denken, daß ich mich mit Ihnen nicht vertragen kann." Niemand antwortete. Erstaunte, erwartungsvolle, ver- legene, mißtrauische Augen sahen Germaine an. „Nun, wir werden ja sehen. Herr Direktor sagte mir, daß Sie die Lektüre der„Zaire" von Voltaire begonnen haben— ich möchte allerdings jetzt nunächft nicht mit Ihnen weiterlesen, sondern wir wollen uns einmal über Voltaire selbst unterhalten." Einige Finger flogen in die Luft.„Voltaire war der Freund Friedrichs des Großen."„Er war ein französischer Philosoph."„Er hat auch Romane geschrieben." Germaine wollte gerade antworten, da sprang ein junges Mädchen in die Höhe.„Wir wollen kein Französisch mehr haben", sagte sie heftig,„damit Sie es nur gleich wissen. Und deshalb ist auch der ganze Streit zwischen uns und Fräulein Bergmann. Wir wollen Deutsch und Englisch dafür." Einige stimmten zu.'Andere verneinten.„So sei doch still, Erika!"„Sie fängt schon wieder an, und wir müssen alle dafür büßen."„Doch, sie hat recht, laßt sie doch, ihr Feiglinge!" „Na, nun muß ich mich wohl auf den Richterstuhl setzen", sagte Germaine und stieg auf das Trittbrett, auf dem sich das Katheder befand.„Denn ich soll doch wohl Schieds- richter sein.. Und ich muß sogen, die Frage, um die es hier geht, interessiert mich." Sic wandte sich zu dem blonden Mädchen, das immer noch erregt inmitten ihrer Freundinnen stand. „Begründen Sie mir doch bitte kurz, weshalb Sie kein Französisch haben wollen—- ober die anderen bitte ich, in- zwischen ruhig zu sein. Sie sind ja keine Kinder, sondern erwachsene Mädchen, und ich behandle Sie auch nicht als Schulkinder." Tiefe Stille trat ein. „Die Franzosen sind unsere Feinde— sie sind seit Jahr- Hunderten unsere Feinde gewesen. Sie sind schuld an diesem ftirchlbaren Frieden, den wir jetzt schließen mußten", sagte das jung« Mädchen erregt. Genua m« lächelte.«Wer Englisch wollen Sie haben.' gehen. Es bildeten sich Gruppen, die nach und nach die Beamten einzukreisen versuchten. Die Landjäger sahen sich darauf genötigt, die Passanten mit dem Gummiknüppel auseinander zu treiben. Die Menge, ungefähr 159 Personen, nahm eine drohende Haltung ein. Die Beamten wurden mit Steinen bombardiert und mit Rufen wie„Schlagt die Zörgicbelhunde tot!",„Arbeiter Alt-Lands- bcrgs, geht nicht auseinander!" und„Der Tag der roten Rache kommt!" bedacht. Branig hatte von der Umzäunung eines Platzes einen Pfahl entfernt und diesen in die Menge geworfen, wodurch ein Arbeiter und eine Frau getroffen und erheblich ver- letzt wurden. Die bedrängten Beamten hatten einen schweren Stand. Nachdem einer der Landjäger zwei Schüsse abgegeben hatte, konnten sie sich endlich Luft verschaffen. Das Gericht verurreiltc Branig und Tesch zu je einem Jahr, Friedrich, Wesjeltowski und Flügge zu je zehn Monaten, Sonneck und Freudenhammer zu je neun Monaten und Boldt und Micholke zu je sechs Monaten Gefängnis. Sämtliche'Angeklagte gehören der Kommunistischen Partei an. Sachverständiger im Calmette-Prozeß. Die erste Fütterung war ausschlaggebend. Lübeck, 8. Dezember. Als erster Sachverständiger wurde Professor Dr. Ludwig Lange vom Rcichsoesundhcilsamt vernommen. Die Warnung des Reichsgiefundheitsamtes bezeichnete der Sachverständige eher als eine Stellungnahme. Man könne darin keine Fahrlässigkeit er- blicken, daß die Herren die Richtlinien des Reichsgesundheitsamtes nicht beachtet hätten. Es wäre aber besser gewesen, wenn sie sich noch einmal an das Reichsgcsundheilsamt oder an das Robert-Koch Institut gewandt hätten. Bei der Frage, ob der Sachverständige Tierversuche in Lübeck für notwendig hielt, ging Professor Lange von dem Gedanken aus, daß Professor Dr. Deycke der Anschauung war, der BCG. sei unschädlich. Unter diesen Um- ständen könne man Dr. Deycke vielleicht zustimmen, daß er einen Tierversuch nicht für notwendig hielt. Allerdings hätte es doch nahegelegen, vielleicht aus privatwisseiifchaftlichen Gründen einen Tierversuch zu mache». Das Unterlassen dieser Versuche könne von ihm, dem Sachverständigen, nicht als Fahrlässigkeit bezeichnet werden, wenn man aus dem Standpunkt Dr. Deyckes und Dr. Altstaedts stehe. Zur dritten Frage, ob vom Beginn der Fütterung an eine genaue Beobachtung der Säuglinge hätte erfolgen müssen, erklärte der Sachverständige, es sei ja in Lübeck eine Untersuchung inner- halb der ersten sechs Monate geplant gewesen, aber es wäre richtiger gewesen, wenn man zu Anfang eine genaue Beobachtung angestellt hätte. Die Frage, ob die gesundheitliche Schädigung der Kinder durch die erste oder auch durch die zweite und dritte Fütterung erfolgt ist, beantwortet der Sach- verständige dahin, daß die er sie Fütterung ausschlag- gebend gewesen fei, daß aber auch die zweite und dritte olleinschädigende Wirkungen hätte hervorrufen können, wenn man von der Annahme ausgehe, der Impfstoff fei löchdlich gewesen. �.Die Frage', ob-eine Möglichkeit bestand.die bereits erkranktm Kinirem"tyerapentiW zu behandelnd bzw. Sie Erkrankungsgefahr für die gcfüttcrlen aber noch nicht erkrankten Kinder herabzumindern, verneinte der Sachverständige. Die Vernehmung wurde dann unterbrochen und die Sitzimg auf Mittwoch vertagt. Todessturz auf Zeppslin-Werst. FriedrichsHasen, 8. Dezember. Dienstagoormittag ereignete sich in der Reuen LnstschiffhaUe der Zeppclin-Werft ein tödlicher Unglücksfall. Der 32 Jahre alte Schlosser Markus Bisinger arbeitet: in einer Höhe von 5 9 Meter an der Entlüstungsanlagc des Hallendaches. Aus bis jetzt noch nicht bekannter Ursache stürzte Bisinger plötzlich in die Tiefe und blieb mit zerschmetterten Gliedern tot liegen. Bisinger war erst 14 Tage verheiratet. „Ja, die Engländer haben zwar auch gegen uns gc- kämpf, aber wir find rassemäßig init ihnen verwandt. Aber die Franzosen sind auch ihrer Rasse nach unsere Todfeinde." „Ja, Fräulein Bergmann hat uns das während des Krieges so oft gesagt, und da haben wir so oft Französisch ausfallen lassen, obwohl wir noch gar nicht viel konnten, und jetzt, wo wir so weit sind uiid wo wir erwachsene Mädchen sind, da sagt sie, es steht auf dem Stundenplan und wir hätten überhaupt nichts zu sagen." „Ja, und einmal hat sie es sogar abstreiten wollen, sie hätte nicht gesagt, daß die Franzosen unsere Todfeind« feien, sondern bloß Feinde! Und dabei weiß ich es noch ganz genau." „Ja, ja, ich auch, ich auch..." Germaine sah ernst in die erregten Miene».„Nun hören Sie mich einmal ruhig an. Ich glaube, ich weiß jetzt, was hier los ist, und ich kann mir auch denken, wie Ihnen zumute ist. Alier ich will Ihnen zunächst etwas aus meiner eigenen Jugend erzählen. Als mein Vater noch lebte, da fuhren wir jedesmal in den Ferien weit weg von hier, nicht nur irgendwohin in Deutschland, sondern auch ins Ausland. Wir sind in Italien gewesen, mir sahen, wie die Bewohner in glühender Sonne auf den Feldern arbeiteten, während die Tiere die primitiven Schöpsräder zogen, die zur Bc- Wässerung dienen. Wir lernten sie in den Städten kennen, besuchten sie in ihren einfachen Wohnungen— sie sind so anspruchslos, so heiter, so kindlich—, was haben wir mit ihnen gelacht und gescherzt! Wir waren auf Capri und sprachen mit den Fischern, die ihr schweres Brot durch den Korallenfonq verdienen, wir sahen die jungen Mädchen, die ungezählte Male am Tag die Treppe von Anakapri hinab zum Strand schwere Steine schleppten. Und dabei sangen sie... Sehen Sic, diese Menschen sind durch den Weltkrieg unsere sogenannten Feinde geworden. Ihr Charakter hat sich nicht verändert, ober wir nennen sie seitdem treulos, ver- räterisck), falsch. Und doch haben sie den Krieg so wenig gewünscht und so wenig veranlaßt als Sie oder ich! Und genau das gleiche Bild treffen Sie in Frankreich, überall in der Welt! Uebcrall wird gearbeitet, werden Werte ge- schaffen, überall mühen sich die Menschen, der eine auf diese, der andere auf jene Art. Ueberall treffen Sie Gute und Böse, Ehrliche und Unehrliche. Leichtsinnige und Gewisien- hafte bunt durcheinander." sn____ sK-Ktichuistt> Probleme d«r Fürsorgeerziehung Eine Kundgebung der Liga für Menschenrechte. Die Liga siir Merrschinrechte hatte im Herrenhaus zu einer 5?un�g«bung„Probleme der Fiirsorgeerziehimg" eingeladen. Anlaß dazu boten die bekannten Vorgänge in den Anstalten Rickling. Scheuen und Waldhos bei Templin. Es hatten sich Erzieher und Fürsorgezöglinge in stattlicher Anzahl eingesuirden; die einen ivie die anderen schütteten auch vor der Tribüne ihr Herz aus. Den Vorsitz sührte Frau Adele Schreiber. Der städtische Fürsorger Justas Ehrhardt wollte angesichts der großen Mängel der Fürsorgeerziehung eine entscheidende Be- Innung aus die vorbeugenden Maßnahmen gelegt wissen. Dr. W i l k e r, ehemals Direktor des Linde uhofes, sprach sich sehr energisch gegen die Vcrquickung von'Arbeitshaus mit Fürsorgeerziehung aus, redete dem großzügigen Ausbau der Jugendhilse das Wort und wandte sich mit Schärfe gegen d i e Art Fürsorgeerziehung, die den jungen Leuten dauernd den Weg ins Leben oerbaut. Der Leiter des Grünen Hauses in Tegel C f f l i n g e r sah die Dinge weniger grau. Es gebe schon, erklärte er, ein Häuflein Erzieher, die voll und ganz in ihrer Tätigkeit aufgehen, die mit Liebe und Idealismus ihre Arbeit an der Jugend vollbringen, es gibt auch jetzt für die Fürsorge- zöglinge Wege ins Leben und auch Straßen, die ein End« nehmen. RA. Dr. Beck setzte sich siir Jugcndberawngsstellen ein, RA. Dr. Löwenthal vcriocht, aus seine Erfahrungen aus dem Scheuen-Prozeß fußend, ein Beschwerderecht für die Fürsorgezöglinge, Ehlers, selbst früherer Fürsorgezögling in Rickling, geißelte die Praktiken der Inneren Mission, die es fertig gebracht hatte, die Ricklinger Erzieher trotz des gegen sie ergangenen Urteils immer uock in Schutz zu nehme». Zum Schluß gab es eine scharfe Aus- einanderfetzung zwischen einigen Fürsorgezöglingen aus dein Wach- Hof. die sich mit großer Wärme siir ihre Anstatt einsetzten und ver- schiedenen Anwesenden aus dein Publikum, die diese Lobgcsänze auf Waldhos nicht gelten lassen wollten. 2llles in allem: Man erhielt manche Anregung, es fiel so manches scharfe und allzu berechtigte Wort der Kritik, es gab aber auch so manche Uebertreibung und Verallgemeinerung. Irgendein Ausländer, der zu- fällig in diese Kundgebung geraten wäre, hätte tatsächlich die lieber- zcugung nach Hause mitnehmen müssen, daß in den deutschen Füriorgeanstaltcn die Zöglinge nur wie Knechte oder wie Tiere be- handelt werden, daß sie statt Essen nur Prügel erhicllen und daß die Direktoren und Erzieher nichts anderes verdienten, als mit Schimm und Schande davongejagt z» werden. Man sollte sich endlich an- gewöhnen, auch in der berechtigten Krnik Maß zu halten. Es gibt auch in Deutschland 2l n st a l t e n, die sich sehen lassen können, es gibt Direktoren und Erzieher, die voll Liebe in ihrer Tätigkeit an der Jugend aufgehen, und Fürsorgezögünge, die ihren Weg im Leben gerade dank der Ansialt machen und mit Dank an ihre?lirstältszeit zurückdenken. Die Auswüchse und Mängel sollen nicht vertuscht und nicht verkleinert werden.... „Philipp Lach mann ieilt Ihnen mit." Erpresfungsanklagen gegen einen Bücherrevisor. Gegen den bOjähngen bekannten Bülherrevisor Philipp V a ch m a n n, der auch in vielen Strasprozessen von den Gerichten als Sachverständiger in Anspruch genommen worden ist. Hot die Ctoatsanwattichaft III ein« Anklage wegen sortgesetzter versuchter Erpresiung gegenüber.dem Rechtsanwalt und Rotor Jüstizi'ät Dr. Johannes Werthouer erhoben. Am 27. August dieses Jahres ging der Ehefrau des Justiz- rats Werthauer in einem Briesnmschlag durch die Post«ine Karte zu. aus der stand:„Menetekel! Philipp Lachmann teilt Ihnen mit, daß einem Mitglied Ihrer Familie Unheil droht. Ich warne, um andere damit im Zusammenhang stehende junge Menschenleben zu rette». Hiermit habe ich meine Pflicht als Mensch und Jude erfüllt. Das weitere liegt an Ihnen.* Die Anklage geht davon aus, daß die Slngaben Lachmanns über seinen Gewährsmann, der etwas gegen Dr. Werthaucr plane, erfunden sei, und daß Lachmann nur sich dabei iin Auge gehabt habe. Dr. Werthauer hatte gegen Lachmami wegen Verbreitung unrichiiger Behauptungen vier Prozesse aus Umcrlassung angestrengt, von denen zwei inzwischen zu- Ungunsten Lachmanns rechtskräftig entschieden sind. Aus diesen Prozessen schuldet Lachmann Justizrat Werthauer etwa 4 0 00 Mark Koste n. Da Lachmann seine Behauptungen fortsetzte, war Dr. Werthauer sehr scharf gegen Lachmann vorgegangen und«es drahte Lachmami Zwangsvollstreckung und Vorlegung zum Osfcnbanmgseid. Die Anklage nimmt dalzer an, daß Lachmann durch die Drohbriese Justizrat Werthauer bestimmen wollte, von Zwangsnmßnahmcn Abstand zu nehmen. Kriminalaffistent als Angeber? Vor einiger Zeit hatten wir berichtet, daß in einer Gcrichis- Verhandlung eine Frau angeklagt war, weil sie sich össeitt- lich in belästigender Weise, wie der Fachausdruck lautet,„zur Un- zucht angeboten" hätte. Als Zeuge war ein Kriminalbeamter vernommen worden, der die Angeklagt« in seinen Aussagen belastete. Das Urteil lautete auf eine Woche Gefängnis mit Bewährungsfrist. Wir hatten damals das Verhalten des Kriminalbeamten kritisiert. Wir äußerten die Ansicht, daß er keine Veranlassung hatte, einzu- greifen. Von unterrichteter Seite erhalten wir zu unserer Stellungnahme eine Mitteilung, nach der der Kriminalbeamte keineswegs aus feiner eigenen Einstellung zum Begriff der„ösfentlichen Sittlichkeit* ein- geschritten sei. Er sei hierzu vielmehr verpflichtet gewesen. Der Anzeige des Kriminalbeamten habe ein Verstoß der Angeklagten gegen K 16 III des Reichsgesctzes zur Bekämpfung der Geschlechts- I rankheiten vom 18. Februar 1927 zugrunde gelegen. Dieses Reichs- gcsetz habe zwar die Strafbarkeit gewerbsmäßiger Unzucht an sich in Fortfall kommen lassen, wende sich aber in der angeführten Be- stimmung eindeutig gegen jede Verletzung von Sitte und Anstand und gegen jede B c l ä st i g u n g, die sich öffentlich aus dem Anbieten zur Unzucht ergeben können. Die Ausführungsbestim- mungen verpflichten die Polizei, die Straße daraufhin zu überwachen, daß leüic derartigen Verstöße begangen werden. Für hie Durchführung dieser Aufgabe bestehe beim Polizeipräsidium Berlin unter der Bezeichnung„Ordnungsstreifc" eine besondere Kriminaldienststellc. Dieser gehöre der van uns ongsgrisfene Be- amte an. Di« Streiscnbcamicu seien zwar angewiesen, sich jeder engharzigen Anwendung der Ordmuigsbcsttmmung zu emh alten und bei Germgsügigkciten belehrend und verwarnend einzuwirken. Außerdem würden nach den Ausführungsbestimmungen Personen, die zum erstenmal bei einem Verstoß der genannten Art betroffen werden, grundsätzlich überhaupt nicht zur Anzeige gebracht. Im geschilderten Falle aber hätten diese Voraussetzungen nicht vor- gelegen. Der Kriminalbeamte habe als Angehöriger der Ordnung?- streife durchaus seine Pflicht getan und ein Gesetz zur Auf- rcchterhaltung der öffentlichen Ordnung einwandfrei in Anwendung fr au und Mulier als Zeugen. Sachverständige halten Kabelitz für voll verantwortlich. Potsdam. 8. Dezember. Unker großer Spannung wird in der Zkachmikkagssihung die Ehefrau des Angeklagken Sabelih ver- nommen, die mii ihrem Mann in Scheidung liegk, und später auch die Mulker des Angeklagten. Am heutigen Mittwoch ist das Urteil zu erwarten. Die Ehefrau lernte ihren Mann 1928 in Ferch kennen. Er war damals noch nicht 21 Jahre, aber er erklärte der Zeugin, daß er mit 21 Jahren eine größere Abfindung von seinem Bater zu er- warten hätte. Im März 1929 heirateten beide. Jeden Tag fuhr nun der Angeklagt« nach Berlin. Er erzahlte seiner Frau, daß er in Verlin als Kassierer tätig sei. Das war aber nicht der Fall. Richtige Arbeit sand ihr Mann eigentlich nie. Wiederholt hat er Ehebruch getrieben. Am Nachmittag vor der Mordnacht mußte die Zeugin ihren Wintermantel für 7 Mark versetzen, während der An- geklagte in der Kneipe Karten spielt«. Dann kam er angeheitert zum Abendbrot, um gegen Mitternacht wieder fortzugehen. Gegen VA Uhr früh kam ihr Mann wieder. Da war die Mordtat voll- bracht. Er war sehr laut beim Zubettgehen, so daß die Nachbarn an die Wand klopften. Am nächsten Morgen saß er schon wieder bei Skatspicl in der Kneipe. Am Tage nach der Mordnacht ließ er in seiner Wohnung vergnügt das Grammophon spielen. Immer hat er eine geladene Waffe bei sich geführt. Einmal richtete er sie gegen seinen Kopf, ein anderes Mal fiel ein Schuß im Badezimmer. Gleich am Tage nach dem Mord las der Angeklagte die Mord- berichte seiner Frau aus der Zeitung vor. Frau Kabelitz mußte nach der Tat ihren Mann verleugnen, als Kriminalbeamte ihn suchten.„Mein Mann ist ein Mensch, der gern andere Leute rein- legt", ruft Frau Kabclitz. Als Kabelitz zu Wort kommt, versucht er seine Frau, die einen vorzüglichen Eindruck macht, als lügen- Haft hinzustellen. Als letzte Zeugin wird die Mutter des Angeklagten Kabelitz. Frau Lucie Kabelitz, vernommen. Kaum betritt die Z7jährige Frau den Gerichtsjaal, als sie hysterisch ausruft:„Ich gebe mein Herz dem Heiland frei und will hier die volle Wahrheil sagen." Nun erzählt die Zeugin allerhand Nebensächlichkeiten aus der Lugend ihres angeklagten Sohnes, den sie als sehr fleißig be- zeichnet.„Mein Junge kann kochen, stopsen und nähen wie ein Mädchen", schreit die Frau.„Ich habe für mein Kind gehungert und nun steht mein Junge da als Angeklagter. Mein Gott, wäre ich doch lieber gestorben. Der Junge ist unschuldig, ich bitte um Gnade." Der Vorsitzende hält der Zeugin vor, daß die Mordwaffe in ihrer Wohnung gesunden ist. Frau K a b e l i tz:„Ja, die brachte mir mein Junge eines Tages. Ich wußte ja gar nicht, daß er mit dem Mord in Ferch in Verbindung stand. Erst als die Polizeibeamten kamen, erfuhr ich, daß mein Junge der Mörder sein sollte. Ich bitte um Ihre Barmherzigkeit, meine Herren!" Die Sachverständigen bezeichnen den Angeklagten als einen ausgesprochenen Psychopathen, die Intelligenz ist bei ihm durchaus normal. Es liegt bei dem Angeklagten eine Störung des Willens und Gefühlslebens vor. Er ist von seiner Mutter her erblich belastet. Die Lösfelschluckerei ist nichts weiter als eine Zwcckhandlung, um in ein Krankenhaus zu kommen. Von einem Rauschzustand bei Begehung der Tat kann gar keine Rede sein. Ebenso ist Epilepsie nie bei dem Angeklagten bemerkt worden. Irgendwie Wahnvorstellungen oder Sinnes- täuschungen lagen bei ihm auch nicht vor. Wenn«in Mensch mit einem fremden Kraftwagen von Ferch nach Berlin fahren kann. so kann von irgendeinem Dämmerzustand oder Bewußtlosigkeit gar nicht gesprochen werden. Die Sachverständigen hielten den Ange- klagte» für seine Tat voll verantwortlich. Di- Beweisaufnahme wurde geschlossen. Das Urteil wird am heutigen Mittwoch gefällt. ssämallzscftijk für Ar&eüerwohifahrt 17. Kreis Lichtenberg. Frellatf. II. Dezember, 19 und 21 Uhr: , Filmvorführung„Der Kampf am die Erde' verbunden mit Vortrag in der Lichlenberger IngendbChne, MoileistraBe 7— 8 Losabschnitte der Arbeitcrwohifahrtslottcrie berechtigen zum freien Eintritt sonst Eintritt ilO Pf. Rege Beteiligung erwünscht. gebracht. Im übrigen müsse noch erwähnt werden, daß die Be- schwerden aus der Bevölkerung über Belästigungen auf der Straße gerade in letzter Zeit im Zunehmen begriffen seien. Wir haben dieser Aufklärung gern Raum gegeben. Wir stehen auch nicht an, die Vorwürfe gegen den Beamten zurückzunehmen. Wir glauben aber, daß derartige gesetzliche Bestimmungen nicht geeignet sind, die Prostitution mit Erfolg zu bekämpfen. Man wird die Straße nur säubern können, indem man den Menschen, die sich als„Prostituierte" auf ihnen bewegen, Arbeit beschafft. Dabei soll das Bestehen einer berufsmäßigen, auch durch Arbeitsbeschaffung allein nicht auszurottenden Prostitution nicht bestritten werden. „Kameraüfchafi"- Mm m Arbeiierkindern. Das Bezirksamt Prenzlauer Berg hat über tausend Schul- lindern seines Bezirkes den Film„Kameradschaft", jenes erschütternde Dokument der Leidensgeschichte des ständig von qualvollem Tode bedrohten Kumpels, gezeigt. Es liegt aber der Schilde- rung dieser tieftraurigen Begebenheit noch ein anderer, ganz großer Gedanke zugrunde, die Verbrüderung von Freund und Feind im Augenblick der Gefahr und das Erkennen: wir sind Arbeitstiere, du wie ich,, wir schuften beide für elenden Lohn und keiner von uns weiß, ob er das Tageslicht wieder sieht: auf jeden aber warten tag- lich voll banger Sorge Frau und Kinder, die Brot wollen! Gemein- sam ist unser Laos, gemeinsam wollen wir es in all seiner Härte tragen.— Im„Elysium", Danziger Straße, saß und stand dicht bei dicht mit erwartungsvoll gespannten Zügen das Schülerpublitum, höhere Schulen und ein Teil der Volksschulen. In schlichter, ein- drucksstarker Weise sprach Bürgermeister Genosse Dr. Ostrowsky die einführenden Worte, dann rollte der Film, der mit scharfer Sonde menschliches Elend und bitterste Qual bloßlegt, ausklingend in dem Schlußgedanken: Kumpel bleibt Kumpel, wes Landes Sahn er auch sei! Totenstille herrschte in dem großen Raum, nur einmal von star- kem Beifall der jungen Menschen unterbrochen, als die„Grenze" fällt. Zum Schluß dankte einer im Namen aller. Was man hier den Schülern bot, ist so wertvoll, daß man nur hoffen und wünschen kann, diese praktische Aufklärungsarbeit nachgeahmt zu sehen. Sammelschwindel zur Weihnachtszeit. Um die Weihnachtszeit, wenn die Menschen gebefreudiger wer- den, oersuchen Wohlfahrtseinrichtungen durch Sammlungen ihre Fonds aufzufrischen. Gauner machen sich das natürlich zunutze, veranstalten auf eigene Jaust Sammlungen und lassen den Erlös natürlich in die eigene Tasche fliehen. Zwei Sammelschwindlcr konnten jetzt wieder gefaßt werden. Der eine, Karl Fiebig, hatte sich Briefbogen mit dem Aufdruck„Katholische Gefangenenhilse" beschafft: seine Listen zeigen reiche Spenden. Der zweite Verhaftete ist der 50 Jahre alte Kaufmann Günther H., der vor einiger Zeit bei der„Hilssgemei nschaft notleidender Geistes- a r b e i t e r" angestellt war. Als er abgebaut wurde, entwendete er einige Briefbogen und Stempel, fertigte sich selbst Listen an und sammelte nun für die eigene Tasche. Wintergarten. Der Wintergarten, der den Ruhm für sich in Anspruch nehmen darf, so manchem jungen Künstler die Pforten zur großen Variete- well gcäsfnet zu hoben, bleibt seiner Tradition auch weiter treu. Der kleine Balljongleur Paolo richtet sich noch sehr nach seinem bekannten großen Vorbild Rostelli, aber das schadet nichts, er wird seinen Weg schon machen. Richtiger, er inacht ihn schon. Man ist sehr erfreut, ihn dann zum zweitenmal mit der italienischen Bedini-Tafini-Truppe auftreten zu sehen, wo er sich mtt seinen zwei kleinen Brüdern von dem Papa Untermann durch die Lust wiebeln läßt. Aber auch die schöne Wama ist eine treffliche Künstlerin. Bemerkenswerter Aarietenachwuchs. Eine großartige Trapezkünstlerin ist Luisita Leer S. 30. 40, 50 Rückemvelleu am Trapez, das macht sie mtt Leicht igkctt in einer Zeit, in der einer eine Schrippe ißt. Die B o 1 g a r o f f» T r u p p e entwickelt ein herrliches Tempo. Der männliche Partner ist ein menschlicher Kreisel, droht sich an die vierzig- bis fünfzigmal wie im Wirbelwind. Wally Marelli und de Costa verfügen über erstaunlich bieg- same Körper und vollführen Wunder der Elastik. In Sam Barton und den�Barraö'etas begrüßen wir alte Bekannte, deren grotesker Humor eine außerordentliche Wirkung hat und dos Haus in die fröhlichste Laune versetzt. Sarti und Russ-o, zwei italienische Sänger von Format, könnten ruhig wie viele andere Künstler internationalen Ranges, ihrem deutschen Publikum das Kompliment eines deutsch gesungenen Liedes machen. Ueber das Ballett Gsoosky wird an anderer Stelle berichtet werden. Es bringt eine Gruppe entzückender Mädels in ebenso entzückend neuartigen Kostümen. Solotänzerinnen sind Anna Exton- Am- merpen, Elisabeth Dorenberg- Moskau und Vera M a h l k c- Berlin._ Gingstunde der Arbeiterjugend. In der Schulaula Pasteurstraße 44 Hot sich die zahlreiche, frohe Sangesgcmeinschaft der SAJ. zusammengefunden.„Wir wollen euch da gar nichts vormachen," meint der Spielleiter Genosse Hoffmann in seiner launigen Ansprache„und uns nicht etwa als wohldressierte Künstlerschar großtun! Was wir wollen, das wollt auch ihr: Festkultur, aber nicht im Sinne imponierender Regiekunststückchen. sondern aus dem tiefen, ehrlichen Bedürfnis gemein-� famen Wollens, gemeinsamen Handelns!" Gerade die offene Singe- stund«, die alle zum gemeinsamen Gesang vereint, ist ein Mitreißen der Massen im ethischen Sinne, denn was sie singen und was sich ihnen in Wort und Musik doppelt einprägt, das ist der ewige Wehrllf der geknechteten Kreatur, der im sieghaften Weckruf zum Weg der Freiheit ausklingt. Wie schön und eindrucksvoll klang Knorrs„Bei Sonne in Nächten" mit dem Schlußwort„Wir wollen nicht mehr Amboß, wir wollen Hammer sein!" oder„Viele sind stark" von Manschinger, die Hand, die sich dem Bruder bietet im gerechten Kampf um die Freiheit. Unter Leitung seines Dirigenten Walter Rhode sang der Proletarische Singckreis Berlin noch eine Reihe von Kampfliedern, darunter„Wir aus Erde" von Knorr und Knabs„Arbeitcrmarsch", der in seltsam verhaltener Melodik oll die stumme Bedrängnis besonders stark zum Ausdruck brachte. Das SAI.-O r ch e st e r spielte unter Rudolf Barthel sehr hübsch Bach, Haydn und Mozart. Gemeinsames Losreißen aus der Dumpf- heit des Alltagsttottes, befreiter Ausdruck eines starken Willens. Die neue Vorstadtsiedlung. Das Siedlungsvorhaben der Reichsregierung stand auch bei einer Tagung der Deutschen Garten st adt-Gesellschast im„Mcisterfaal", Köthener Straße, im Mittelpunkt der Erörterun- gen. Stadtbaurat a. D. F i g g e aus Hagen führte in seinem Rese- rat über„Der Garten st adtgedanke und die Innen- siedlung" aus, daß die Siedlung niemals nach provinziellen Ge- sichtspunkten, sondern nur nach nationalwirtschaftlichen Ueber- legungen erfolgen darf. Eine Umleitung der Bautättgkett muß dahin erfolgen, daß keine neue Wohnung mehr in einem arbeitslosen Wirt- schaftsraum hineingebaut wird. Der Vortragende strebt die Errich- tung von neuen Siedlungsbauerndörsern an, die ihre Beziehungen zu den nahen Städten haben. Er denkt sich eine Ausstiegssiedlung. die sich vorläufig mit den primittvsten Unterkünsten für Mensch und Tier begnügt und sich erst im Verlauf der Zeit nach den Bedllrf- nisten und Umständen verbessert. Auch unterstreicht er die Forde- rung des genossenschaftlichen Zusammenschlusses der Siedler. Für das alles sei notwendig eine st r a s s e Wirtschaftsdisziplin, die alle Verbände und Interessenten durchdringt und von einer Wcrksgemeinschast geleitet wird. In dem Vortrag sehlle leider der Hinweis, wie sich der Vortragende den Absatz der Produkte bei den heutigen katastrophalen Marktverhält- nisten denkt. Anwalt tißner hat Selbstmord verübt. Die Geruchte, die gestern um den Tod des Rechtsanwatts Dr. L i ß n e r verbreitet waren, wo- mtch L. nicht Selbstmord verübt habe, sondern erschaffen worden sei, haben sich als völlig unbegründet erwiesen. Krimanalkonmiissar Werncburg und der Gerichtsarzt Dr. Dyrenfurth haben Selbstmord eiwvcmdsrci festgestellt. Die endlose Trauer. Aus den ehemaligen nordfranzösi- säien Schlachtfeldern an der Lorettohöhe sind seit dem legten Sommer die Leichen von 108 französischen und 162 deut- schen Soldaten gefunden worden. Don den französischen Soldaten wurden bisher 31, von den deutschen 17 identifiziert. Sprechchor für Proletarische Feierstunden. Donnerstag, den 10. Dezeinber, 10 A Uhr, im Gesangssaal der Sophienschule, Weinmeisterstr. 16/17: Uebungsstunde. ttisr wirst» «s mach) una m p f In dlicbcr aegdn Erköltaog! tfr. 515» 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mitiwoch, 9. Oezember 4934 Ist Deutschland konkurrenzfähig? Die Löhne zu hoch?— Die Maschinenindustrie Hai die Welikonkurrenz geschlagen. In Heft?2 des„Maschinenbau", dem wirtschaftlichen Organ de? Vereins Deutscher Maschinenbau an st alten, finden wir äußerst interessante Angaben über die Entwicklung der Ma- schinenausfuhr Deutschla nds, Großbritanniens und der Vereinigten Staaten. Die folgende Auswertung, nicht wesentlich abweichend von der des„Maschinenbau", gründet sich aus das gleiche Material. Unser Bild 1 zeigt die Maschincnausfrchr der drei genannten Länder in Vierteljahrszissern. Die Maschinenaussuhr der V e r- einigten Staaten betrug im ersten Vierteljahr 1927 etwa 337 Millionen Mark. Sie erfuhr dann, im ganzen gesehen, eine andauernde Steigerung, um im ersten Vierteljahr 1930 mit 363 Mil- lionen Mark ihren hächston Wert zu erreichen! sie ist seitdem scharf gesunken und hat— nach einer vorübergehenden Aufschwungsperiodc Zlnfang dieses Jahres, die allein hohen Ruffenliescrungen im Fe- bruar zuzurechnen ist— im dritten Vierteljahr dieses Jahres mit Iii« mo -M31 200 Millionen Mark ihren bisher niedrigsten Stand auszuweisen. Die Maschinenausftihr Großbritanniens ist von 203 Mil- lionen Mark im ersten Vierteljahr 1927 auf 270 Millionen Mark im vierten Vierteljahr 1929 gestiegen: seitdem ist sie gesunken und machte im dritten Vierteljahr 1931 nur noch 123 Millionen Mark mis. Deutschlands Maschinenausfuhr hatte im ersten Vierteljahr 1927 mit 193 Millionen Mark den niedrigsten Wert unter den drei Ländern aufzuweisen. Aber schon im zweiten Vierteljahr 1927 liegt sie dauernd über der Maschinenausfuhr Großbritanme.rs. Im ersten Vierteljahr 1930 erreichte sie mit 397 Millionen Mark ihren höchsten Punkt, um seither— gleich der Aussuhr der anderen Länder, aber in wesentlich schwachcrem Ausmaß— abzusinken. Ihren bisher niedrigsten Wert zeigte die deutsche Maschinenausfuhr im.zweiten Bierteljahr 1931 mit 263 Millionen Mark; im dritten Vierteljahr ist sie wieder auf 297 Millionen Mark gestiegen, ober nur wegen ein- maliger Russenlieferungen im Juli. Besonders wichtig ist die Tat- fache, daß seit mehr als einem Jahre die deutsche Aussuhr nicht un- bedeutend höher als die amerikanische ist(mit Ausnahme der er- wähnten Spitze Ansang dieses Jahres), so daß Deutschland nunmehr in der Maschincnansstchr führend ist. Im Bild 2 sind die Werte für das erste Vierteljahr 192? gleich 100 gesetzt; es zeigt die Entwicklung seit diesem Zeitpunkt mit he- HUl.H (.to Soo <«so Sex ioc— i> 111.1 111* 1913 1930 1931 MlUtV IfCO 5oo ioo Joe loo 100 sonderer Klarheit. Das Auf und Ab im großen, die Richtung der drei Kurven zeigt eine große Gleichmäßigkeit! den Anstieg bis zur Jahreswende 1929/30 und den Abstieg danach. Darm zeigt sich die Abhängigkeit der drei Länder von der weltwirtschaftlichen Ge- samtentwicklung. Aber das Ausmaß des Steigens und Fallens der Kurven ist ganz verschieden. vom Ausschwung hat am meisten die deutsche Aussuhr profiliert. und in der Krise hat sie sich weil besser als die der vereinigten Staaten und Großbritanniens gehalten: der niedrigste Vierteljahres. wert der deutschen Ausfuhr lag immer noch 27 Prozent über dem vom Ansang 1927, de? niedrigste der beiden anderen Länder aber 40 Prozent darunter! Die Anteilszissern haben sich sehr zugunsten Deutschlands ver. schoben. An der gesamten Maschinenausfuhr der drei Länder war im ersten Vierteljahr 1927 Deutschtand nur m>t 26 Prozent. England mit 28 Proz„ vereinigte Staaten aber mit 46 Prozent beteiligt. Im September dieses Jahres aber war der Anteil Englands auf 19 Pro- zent, der der vereinigten Staaten auf 37 Prozent gesunken, der Anteil Deutschlands jedoch hatte sich aus 44 Prozent erhöht. Deutschlands Majchiaeniudustrie hat sich also in den letzten fünf Zahren auf dem Weltmarkt als weil überlegen erwiesen. Die deut- scheu Löhne waren kein Hinderungsgrund, daß Deutschland zum ersten Maschinenaussuhrlond der welk wurde. Die Vehauplnng, die Löhne seien mit Rücksicht aus den Export zu hoch, ist in Nassischer Weis« für die wichtigste deutsche Ausfuhrindustrie widerlegt. Die Durchführung der Osthilfe. Die Ausführungsbestimmungen mildern nur die gröbsten(Schäden. Der Proteststurm aller einsichtigen Kreise gegen die OsthUfe- Notverordnung vom 7. November hat die Reichsregierung veranlaßt, durch Ausführungsbestimnmngen die zukünftigen und teilweis« schon eingetretenen Gefahren dieses völlig- ungenügend durchdachten Gesetzes abzusch wachen. In den Ausführungsbestimmungen ist man an verschiedenen Stellen den Gläubigerinteresscn entgegengekommen, aber die Anpassung der überhöhten Kapitalbelastung an den wirklichen Substanzwert der ostdeutschen landwirtschaftlichen Betriebe soll nach wie vor auf Kosten der Gläubiger allein erfolgen. Die wichtigsten dieser Ergänzungen zur Notverordnung sind folgende: Grundsätzlich wird seftgesetzt, daß ein E n t s ch u l d u n g s o c r- fahren nur in solchen Fällen anzuwenden ist, in denen die Durchführung des Versahrens die Vorbereitung und Einbrin- gung der nächsten Ernte ermöglicht. Hierbei ist Vorsorge zu treffen, daß ein gerechter Ausgleich zwischen den Interessen der landwirtschaftlichen Schuldner und ihrer Gläubiger gefunden wird. Durch diese Vorschrift wird die Zahl der in das Enffchnldungs- verfahren eirizubezieheriden Betriebe bedeutend verkleinert, wenn bei der Entscheidung der staatlichen Stellen nicht, wie es im Osten üblich ist, der Einfluß der Großgrundbesitzer die gesetzgeberische Absicht durchkreuzt. Ein Entschuldungsverfahren wird serner als den allgemeinen wirtschaftlichen Interessen zuwiderlaufend bezeichnet und nicht eingeleitet, wenn die damit verbundenen Eingriffe in die Rechte der Gläubiger infolge bestehender genossenschaftlicher Haftungsver- pflichtungen oder infolg« der Auswirkung auf Banken und Spar- kästen zum Zusammenbruch einer größeren Anzahl g e- sunder Betriebe oder Kreditinstitute führen würde. Durch diese Bestimmung sind die Wünsche der landwirtschaftlichen Genostenschaften und der Banken erfüllt worden. Zu Treuhändern für unter das Entschuldungsverfahren gestellte Betriebe dürfen ferner keine Personen bestimmt wer- den. die an der Durchführung des Verfahrens ein unmittelbares Interesse haben. Diese Bestimmung ist nicht scharf genug, denn wer will bei der Eüquenwirffchaft in Ostdeutschland dem als Treuhänder bestellten outen Nachbarn eines bankerotten Landwirts nachweisen, daß er ein unmittelbares Intereste an der Durchführung des Entschuldungsoersahrens habe. Bester wäre es, wenn man als Treuhänder nur absolut unabhängige Treuhandgesellschaften zu- gelassen hätte. Wichtig ist weiterhin, daß Lieserungsverträge über landwirtschaftliche Waren nicht unter den Schutz des Sicherungs- Verfahrens fallen, sondern erfüllt werden müssen, gleichviel, ob sie vor Eröffnung oder nachher und mit Zustimmung des Treuhänders abgeschlossen sind. Auch dürfen private Vermögenswert«, die nicht zur Weiterführung des Betriebes gebraucht werden, den Zugriffen der Gläubiger nicht entzogen werden. Schließlich ist die Durchführung des Entschulduugsverfahrens selbst wichtig. Zunächst soll eine gütliche Einigung zwischen dem Schuldner und seinen Gläubigern angestrebt werden. Äst dies nuht möglich, so ist ein E n t s ch u l d un g s p l a n aufzustellen. In erster Linie soll die Stundung e i n e s T e i l s der Gläubigerforderungen angestrebt werden, wenn das nicht genügt, sollen Zinsrückstände er- lassen und die Zinssätze vermindert werden. Reicht das alles noch nicht aus,(o können die Kapitaglforderungen herabgesetzt werden. Hierbei ist zu prüfen, ob die voraussichtliche Entwicklung des Betriebes die Ausstellung von sogenannten Besserung�- scheinen zugunsten der mit einem Teil ihrer Forderungen ausgefallenen Gläubiger gestattet. Bei der Kürzung von Kapitals orde- rungen sollen in erster Linie Erbauseinandersetzungsforderungen sowie betriebsfremde Forderungen leiden. Unter betriebsfremd«!' Forderungen versteht man solche, die durch Aufwendungen des Land- wirts entstanden sind, welche über das gewöhnlich- Maß hinaus- gehen, sowie Kapitalforderungen, die durch Anhäufung von Zinsen aufgelaiufen sind. Unser« grundsätzliche Gegnerschaft gegen derartige Gesetze, die einen Zweig der Wirtschaft unberechtigt vor anderen I Wirtschaftszweigen bevorzugen, ist durch diese Aussührungsbestim- ntimgen nicht behoben. Jedoch kann durch die Bestimmungen der gröbste Schaden vermieden werden, besonders wenn die staat- lichen Stellen, die über die Entschuldungsanträge zu entscheiden haben, sich nicht von dem Gedanken der Besitzerhnltung, sondern ernstlich von dem der Produttionserhaltung leiten lassen. Frankreichs Mstungskonzern. Schneider-Creufot. der eurvpäischc Nüstungsriese, hat un- verändert hohe Gewinne.- Auch gute Citroen-Bilanz. Die bekannte französische Konzerngcsellschast Schneider-Creusot. des größten Rüstungskonzerns des europäischen Kontinents,«r- zielte im Jahre 1930/31 einen Reingewinn von über 26 Millionen Franken, fast soviel wie 1929/30, so daß die Gesellschaft an ihre Aktionäre ohne Mühe 20 Proz. Dividende wie im ver- gangenen Jahre ausschütten kann. Alle Angaben sind wieder sehr spärlich. Die Firma Schneider et Eie. ist zwar eine Akticngesell- schast, doch liegt der Hauptteil der Aktien bei der Familie Schneider und das Aktienkapital, das 100 Millionen Franken, also noch nicht einmal 17 Millionen Mark beträgt, entspricht in keiner Weise den vorhandenen Werten. Di« gesamten Anlagen werden inii nur 95 Millionen Frauken, b. h. mit rund 16 Millionen Mark ausgewiesen. Die der Ge- sellschaft gehörenden großen Kohlen- und Erzbergwerke, Hochöfen, Stahl- und Walzwerke, Maschinen- und Lokomotivsabriken erscheincn also in der Bilanz stark unter ihrem wirklichen Wert. Das gleiche gilt von den Beteiligungen, obwohl sich dieser Posten dies- mal in der Bilanz von 149 auf 179 Millionen Franken(noch nicht 30 Millionen Mark) vergrößert hat. Die Gesellschaft ist an einer ganzen Reihe französischer Industrieunternehmungen und Bonken maßgeblich beteiligt, außerdem an wichtigen Auslandsunterneb� mungen, teils direkt, in der Hauptsache aber durch ihren Anteil an der Union Europecnne, in der die meisten ausländischen Interessen des Schneider-Konzerns zusammengefaßt sind. Eine Bei�ertung all dieser Beteiligungen mit noch nicht 30 Millionen Mark entspricht in keiner Weise ihrem wirklichen Wert. Außerordentlich hoch sind die Reserven: sie sind diesmal noch mit fast 4 Millionen Fron- ken größer als im April 1930 und betragen über 231 Millionen Franken, sind also um 151 Millionen Franken größer als das Aktien- kapital. Gut hat auch der große Zluto mobilkonzern Andre Citroen abgeschlossen, der seit«inigen Jahren auch in Deutsch- land«ine Tochtergesellschost unterhält. Zwar sind bei dieser Ge- sellschaft die Wogenoerkäufe von üler 84 000 auf 70 000 zurückgc- gangen, doch betrug der Reingewinn fast 34 Millionen Franken. Die Reserven betragen setzt 680 Millionen Franken, das Aktien- kapital dagegen nur 400 Millionen. Wenn auch in Frankreich die Wirtschaftskrise setzt auf allen Gebieten Fortschritte macht, so sind die größeren sranzösischen Konzerne von der Krise bisher nur wenig berührt. Don den 21 g r ö ß e- ren französischen Gesellschaften, die Mitte des Jahres 1931 ihre Geschäftsabschlüsse mitteilten, konnten 10 Gesellschaften die vorjährige Dividende aufrechterhalten und zwei Gesellschaften waren sogar in der Lage, ihre Dividenden über die des Jahres 1929/30 zu erhöhen. Schuliheiß-Pahenhofer. Wie der Delegierte des Auffichtsratss der Schultheiß-Patzenhoser Brauerei-Aktiengesellschaft mitteilt, ist ihin der Bericht des vom Auffichtsrat eingesetzten Prüfungsausschusses übergeben worden. Der umfangreiche Prllfpnzslericht unterliegt zunächst einer sorgfältigen Durcharbeitung. Es ist beabsichtigt, den Aus- sichterat in der zweiten Hälft« des Dezember«in- zuberufen und ihm den Prüfungsbericht vorzulegen. Nach dieser Auffichtsratssitzung wird die Oeffentlichkeit näher unterrichtet. werden. Besseres Rundfunkgefchäst in LtGA. Die Ida d i o Corp. o f America, die von den beiden größten amerikanischen Elektrokonzernen kontrollierte Radio-, Grammophon- und Filmfirma, die im vergangenen Jahr teilweise mit erheblichen Verlusten gearbeitet hat, hat in den ersten neun Monaten des Jahres 1931 einen Reingewinn von fast 4 Mil- lionen Dollar, d. h. über 16 Millionen Mark, erzielt, in der gleichen Zeit des vergangenen Jahres dagegen nur 0,87 Millionen Dollar, also knapp 4 Millionen Mark. Dabei waren im Jahre 1931 die Abschreibungen größer als im Jahre 1930. Vielleicht darf man auch hierin schon eine Belebung der amerikanischen Konsumgüterindustrie erblicken, die dem Weichen einer Wirtschaftskrise vorangeht. Europäisches Glasstmdikal in Vorbereitung. Am 11. Dezember kommen in Paris die führenden Industriellen der deutschen, sran- zöfischen und tschechoslowakischen Glas- und besonder? Flaschen- Industrie zusammen, um nach dem Borbild des deutsch. französisch- tschechischen Porzellanabkommens über eine internationale Zu« sammenarbeit zu beraten. Die Anregung zu diesen Besprechungen ging in der Hauptsache von Frankreich aus. In den letzten Jahren ging die französische Glaswarcnausfuhr um etwa die Hälfte zurück. während sich die Einsuhr ans Belgien, Deutschland und der Tschechv- slowakei vervielfacht hat. Die sranzösische Industrie klagt besonders auch über die ihr unangcnebme Konkurrenz auf den nordasrika- nischcn Märkten. Die Franzosen suchen daber setzt ein Abkommen. das sich sowohl aus die Preise als auch auf die Produktionsmengen der Verhandlungspartner erstreckt. Gewünscht wird vor allem ein Preisabkommen für den französischen und den nordafrikanischen Markt. Sollt« eine Vereinbarung nicht zustandckominen, so drohen die sranzösischen Industriellen damit, daß sie sich an das Handels- Ministerium wenden wollen, das sie, wie sie sagen, entiocder durch Schutzzölle oder durib Einfuhrbeschränkung und Festlegung von Einsuhrquoten schützen weroe. Die internationale Rohslablgemeinschast ist bis zum 31. März 1932 verlängert worden. Die deutschen, belgischen, französischen und luxemburgischen Delegierten haben sich mit der Schaffung eines zen- trälen Vertaufskontors einverstanden erklärt. Die Bedeutung dieses Kartells steht heute auf dem Papier. UCW. - Hat es Amerika besser? Oer Lohnabbau m USA.- Ol« Haltung der Regierung. Da? Cifenbahnkonflikt in den Versiniata» et dat tu hat sich gefährlich zugespitzt. Di« etwa ISO privat,» Sisenbahngesellschaften sind von dar Wirtschaft?- schrvmpfung schwer betroff«,,. Ihr« Reinerträge sanken im tetzten Bi,rt«llahr auf etwa ein ZZiertel bi,«in Fanftel de? Ueber- lchiiss«. di» in der gleichen Zeit de? Jahre? 1939, also im Ausgangspunkt der Krise, erzielt wurden- Echan im Sommer diese? Jahre, haben die Unternehmer einen allgemeinen Lohnabbau bis zu 10 Prozent gefordert. Hie mußten aber ihre Adbaupläne angesicht» der schars ablehnenden Haltung de? sehr gut organisierten amerikanischen Eisenbahner zunächst wieder zurückstellen. Der an, der« Sant«rung,plan des Eisenbahnkapitals sah«ine Herauf- setzung d«r Frachttarife um etwa IS Proz. vor. Dieser Plan stieß begreiflicherweise aus den heftigsten Widerstand de? ge- samten Industrie sowie der Regierung. Die Unternehmer haben daher setzt von neuem einen Angriff gegen den Lohn der Eisenbahner unternommen. Di« amerikanischen Eisenbahner haben jeden Lohnabbau mit dem Hinweis auf da, lohnpolitische Programm der Hovver-Regierung abgelehnt, die im Gegensatz zum Brü- ning-Kabwett an dem Standpunkt festhält, daß „jede Senkung de» Lebensstandards unweigerlich zu einer Dauerarbeilslosigkeil führen und einen großen Zeil der Bevölkerung in die Kloake der Armut bringen muß". Di« Frage ist jedoch, wie weit die Haltung der Regierung heute noch di« Sohnpolltik der führenden Unternehmergruppen beeinflußt. Prüft man die amiriramschen Lohnverhältnisse genauer, dann zeigt sich. daß im Laus« der letzten anderthalb-Jahre auch die Unternehmer in den Ber«tnigten Staaten sich immer mehr von der verhängnisoollen Aorst«llung einer Sanierung durch Lfhnabbau hypnoti, si«r«n ließe. In einer sehr sorgfältigen Untersuchung de» amerika- Nischen Handelsministeriums wurde bereits im Frühjahr festgestellt. daß die Lohnsummen(nicht die Individualköhn«) im März 1931(1939 ivi?) im Steinkohlenbergbau auf 79 Proz., int Braunkohlenbergbau auf 65,2 Proz- und im Erzbergbau sogar auf S3.S Proz. zusammengeschrumpft waren- Auch in der Industrie der Stein« und Erden stellten sich die Lahnsummen nur noch auf etwas über S3 Proz. und in der sehr ausgedehnten Kap, serventndustrie auf rund 50 Proz. Welche Rolls b«i diesem Absinken der Lohnsummen der Lohnabbau spielt, wird daraus ersichtlich, daß der Rückgang des Beschäftigungsgrades Rückgang der Ltnsälle im Bergbau. Unfallstatistik des preußischen Vergbau«. Räch der vorläufigen Unfallstatlstik de? preußischen Bergbaus für da« 3. Biertsljahr 1931 ergibt sich im 33«rgl«ich mit den vorhergehenden Vierteljahre» folgendes Bild: davon tödlich üb-�Woch- Jm Steinkghlenbergda» entsielen auf 1000 Zllonn der Belegschaft- Unfälle insgesamt 53,6 0,5 19.-5 ->6.? 0,5 19.0 53.3 0-p ,9.9 50.« 1,2' 19,9 55,7 0,9 17,4 54.8 0,5 16,9 55,6 0,5 17,5 54,1 0,7 18,2 58,7 0,5 17,2 3. Viertel 3. Viertel 1. Viertel 4. Viertel 3. viert«! Z. Viertel 1. Viertel ahr 1931... ahr 1931,.. ahr 1931,.. ahr 1930,.. obr 1930.». ayr 1930... ahr 1930..- Vierteljahresdurchschnitt 10AO Vierteljahresdurchschnitt 1929 Es sind also im Jahre 1931 bei linsollen lnsgesamt und bei den Unfällen mil einer Arbeitsunjähigkeit von mehr als vier Wochen die Unfallziffern für das 3. Vierteljahr gegen diejenigen für das 2- Vierteljahr etwas tzostiege». wie es auch i« d«n Vor- jähren 1930, 1939 und 1938 der Fall war. Bei den Unfällen ins- gesamt ist die Unfallzisfcr im 3. Vierteljahr 1931 trotzdem niedriger alz die Unfallzijsorn für die 3. Vierteljahr« 1930 und 1929 und auch niedriger als die Äierteljnhresdurchschnittezisfern für die Jahre 1930, 1939 und 1928. Bei den tödlichen Unfällen ist die Unfallzifjer für das S. Vierteljahr 1931 gegen das Vorvierteljahr und d«n Viertel- sahresdurchschnllt 1929 unverändert geblieben: im Vergleiche mst dem Vierteljahrcsdurchschnitt sür 1930 ist sie gesunken. (Soziale Geheimakten. Aus der Arbeitslosenunterstützung. Nach den neuen Bestimmungen müssen die Gemeinden und Temelndeverbände bei der Prüfung der Be- dürftigkeit durch die Arbeitsämter sowohl in der ftrijenuirtex- stützung allgemein wie in der oersicherungsmähigen Arbeitslosen- Unterstützung für oerheiratete Frauen mitwirken. Ergibt die Borprüfung des Arbeitsamte?, baß die Bedürftigkeit nicht ge- g«b«n ist, dann wird der Antrag auf Unterstützung ohne weiteres abgelehnt. In allen übrigen Fällen muß der Gemeinde vor der Bewilligung der Unterstützung Gelegenheit zur Aeußerung über die Bedürftigkeit gegeben werden. In den Fällen, in denen di« Gemeinde oder der Gemeindeoerband die Bedürstizkeit o« r- neint, darf der Vorsitzende des Arbeitsamts eine Unterstützunq nur gewahren oder weitergewähren, wenn er nach eingch-nder Prüfung der Verhältnisse unter Würdigung der Stellung der Ge- utch damit der Rückgang der Belegschaften in den genannten Industrien durchweg» um IS di? 20 Proz. weniger stark war als der Rückgang der Lohnsumme. Hier haben also«fsektivo Lohnsenkungen stattgefunden. Sie sind vielfach„hinten herum-" vorgenommen worden, d. h. di« Unternehmer ließen zunächst die StundenlShn« unverändert und beschränkten sich darauf, die Sonderzulagen sowie die Akkord- und Leistungszuschläge abzu- bauen, unbezahlt» Urlaubswochen für Test« der Belegschsst einzu- legen. Kündigungen auszusprechen, Neueinstellungen zu geringexen Lohnsätzen vorzunehmen usw. «eit vier Monaten sind die mächtigsten Unternehmergruppen in den vereinigten Staaten zum offenen Lohnabbau über- gegangen. Hierfür nur einig» trasse Beispiel«: die drei führenden Konzerne in der amerikanischen Schwerindustrie, darunter auch der bekannte amerikanische S t a h l t r u st. haben eine durchgängige Lohnsenkung um 10 Proz. norgenommcn- Die beiden Automobilriesen, General Motors und Ford, haben die Angestellten- gehältsr u m 10 bis 20 Proz. gekürzt Auch in der übrige» ver- arbeitenden Großindustrie schwillt die Bewegung des Lohnabbaus an. So hat der Summikonzern(United States Rubber Company). ein Weltunternehmen Mit annähernd 120 000 Beschäftigten, die Löhne um 9 Proz. gesenkt und zugleich die Fünftagewoche eingeführt. In der Petroleumindustrie und in den Kupferminen- betrieben sind gleichfalls derartige Bewegungen im Gange. Die Zahl der vollarbeilslosen beträgt nach vorsichtigen SchShyn- gen bereits? Millionen. Dazu kommt der scharfe Druck auf die Lebenshaltung infolge Kurz- arbeit. Amerika hat es also nicht oder nicht viel besser als Europa. Wenn aber auch dort die Unternehmer bemüht sind, bei der Senkung der Gestehungskosten besonders das Lohnkonto zu senken, sy gibt es doch drüben nicht dl« perrückte Theorie, daß man die übersteigerte Produltipnskspazität(übersteigert im Verhältnis zu lang- samerer Steigerung der Kaufkraft), wieder in Gang bringen kann, indem man die Kauskrast noch weit-r senkt. Vor allen Dingen aber gibt es nicht ein« Regierung, die so verrannt ist. gewaltsam gegen das Volkseinkommen oorzugehen, es zurückzuschrauben auf ein« überholte wirtschaftliche Periode und damit den teuren Pro- duktionsnpparat zum alten Eisen zu werfen. Ist die Wirtschafts- kris« in den Bereinigten Staaten also gleichfalls sehr schwer, so wird dort ihre Ueberwindung zum mindesten nicht gehemmt durch falsche Regierungsmoßnahmen. meinde oder t>«? Gemeinäeveodonbes die Uebsrzeugimg gewinnt, daß Bedürft krfeit besteht. Einer ebenso eingehenden Prüfung der Perhältnisse bodarf es, wenn di, Hemeind« in ihrer Aeußerum die Bodürfiiskeit für ge- geben hält, das Ardeitsamt aber trotzdem zu einer Ablehnung der Unttkstutzung kommt- Das Arbsilsamt hat in diesen Fällen der Gemeinde von de? Bewilligung bzw. Bersagung der Unterstützung Kenntnis zu geben. Weicht«s nur in der Bemessung der Unter- stützung von K«r Ausfassunz der Gemeinde ah. so bedarf es einer solchen Benachrichtigung nicht. Das Arhoitsaent hat dafür zu sorgen,»atz die Aeußerung der Gemeinde, fall, st« abgegeben wird, in einer Form erfolgt. daß der ArbmtM» in sie keinen Einblick nehme? kann. Da? ArbeUsanu muß e* auch grundsätzlich oermeiden, sich bei «in,? Ablehnung der Unterstützung dem Arbeitslosen gegenüber mündlich oder schriftlich auf die Aeußerung der Gemeinde zu de- rufen. Wie soll unter diesen Umständen der«rbeitslose gegen das ihm nach seiner Auffassung angetane Unrecht ankämpfen und vorgehen können? Er kann das nur, wenn er weiß, warum man sein Unterstützungsgesuch abschlägig bsjchisden hat. Geheim« und alUrgehemsste Nedürstigleitsprufung— das ist «ine psychologisch« u n m ö y lf ch k» it. Sie macht dös«- Blut. Man weiß ja,«i« es in manchen Gemeinden zugeht. Hqß, Feindschaft, Zank und Schlimmeres muß die Folge der Ber- tuschung i» der Bedürftigkeitsprüsung sei?. Das umgekehrt« Bersahren ist richtig. De� Arbeitslose soll erfahren, warum der Antrag abgelehnt wurde. Er weiß dann wenigstens, woran er ist. Das ist besser, als wenn er im Dunkeln tappt. Geheimdiplomatie in der Arbeitslofenunterstützunq— das hat uns wirklich noch gefehlt! � Geplahie Seifenblase. Kems Sachleistungen in her Arheitslosenversichervng. In her Natoerprbnung vom 6. Oktober bat es die Regierung für notwendig gehaften. mit Rücksicht auf irgenbeinen Interessenten- Hausen»n da? Ardeft, las»ny»rsicherungsg«setz«tne Bestimmung hin-inzuverordnen, wonach hie Unterstützung in hesond«»,n Fällen ganz oder t,ilw«is« in Sachliistungen gewährt werden kann- Kenner der Materie hohen von sorftheretn aus di« Unmöglich- keit der Durchführung einer solchen gesetzlichen Bestimmung Hinge- wiesen. Monatelang haben nun all« möglichen und unmöglichen Dienststellen versucht, den Gesktz-st-xt in d'e Praxis umzuwandeln. ober ohne jeden Erfolg. Angeblich« ethisch« und moralische Beweggründe galten als Deckmäntelchen dafür, daß man aus dem Umweg« über die Arbeits- losenvarficheruirg den Agrariern wieder einmal Subventionen zu- schanzen wollte. Genau so verhielt es sich im übrigen mit der Be- stimmung der Luli-Rotverordnung über die direkte M i e t- zahlung für d'e ArbeitÄosen durch da? Arbeitsamt Rur sollten chier die Nutznießer einer völlig unsinnigen Gesetzesbestimmung die Hausbesitzer sein. Das F'asko und di« Ernüchterimg der vo» ihren eigenen Leistungen seiner Heft berauschten Notverordnung ist da. Nur wird leider die Feststellung, daß di« Gesetzesbestimmung völlig un- sinnig ist. nicht laut verkündet. Nicht einmal die obersten Stellen der Nejchsanstalt finden den Mut. offen zu erklären, haß der Gcsetzestext i» der jetzigen Fassung unbrauchbar ist. Ln langatmigen Erklärungen wird dagegen den Arbeitsämtern aufgegeben, jede Der- billigungsaktio» der Kommunen, Gemeinden und Kreise für die not leidenden Ardeftslosen tatkräftig zu unterstützen. Jede eigene Jnftiatws oder insbesondere jegliche Uebernahme von Unkosten sür die R.eichsanstall wird sonst sMjagen hei Androhung der Tode- strafe verboten. f/Otv Hauptfeind ist die SPD.. «S f ist an allem schuld.� Jedw�o? Bakkommnis im Betriche, sei ez was e» will, wird den„reformistischen* und„sozialsaschistischeu" Betriebsrats- Mitgliedern oder Vorsitzenden und damit gleichzeitig her„G e werkschaftsbürokratie" von der Moskauer Bürokratie m die Schuhe geschoben. SeKst vor Leichenschänd'mgen schrecken diese „Revolutionäre" nicht zurück. „Der sozialdemokratische Betriebsrat Jiechner" im Betriebe von Kantorowiez-Kqhlbqum wurde vor kurzem beschuldigt. nichts zur Beseitigung angeblicher Mißstände getan zu haben und so indirekt mehrere Ünsälle verschuldet zu haben. Der Arheiterrat stellte fest, daß die angeblich sehlenden Schutzvorrichtungen vor- Hanben sind und die Unfälle in zwei Fällen dadurch entstanden sind, daß trotz setner wiederholten Ermahnungen die Flaschen beim Korken am Hals anstatt am Fuß festgehalten wurden. In einem dritten Fall wollte ein« Arbeiterin an der Etikeftiermaschin« Etikette aucheben, hatte dabei ober die Maschine nicht ausgeschaltet. Der Arbeiterrat Flechner ist Vertrauensmann der zuständigen Bevufsgenossenschaft und hat es an Aufklärung über Unfall- Verhütungen nicht schien lassen. Eine ledige Arheiierin. die in de? Schllltheiß-P atzen- Hofer-Brauerei, Abt. II, als Reinemachefrau beschäftigt war, hat sich mit ihrem achtjährigen Kinde wegen persönlicher Angelegen- Helten pergistet. Außer der Direktion soll nach der„Roten Fahne" der SPD.-Betrichsrat an dem Tode der Frau und ihres Kindes schuld sein. Bereits am folgenden Tage befaßte sich der Arbeiterrot in einer Sitzung mit dieser Beschuldigung. In einer Entschließung wurde dem Petriehsratsvorsitzenden, Genossen Traut mann, das Vertrauen ausgesprochen. Zwei RGO.-Leut« stimmten gegen dies« Entschließung, nicht weil sie die Verleumdung der„Roten Fahne" decken wollten, sondern deshalb, weil sie einem Soziatdemo- krqten nicht ihr Vertrauen aussprechen können, ohne bei der APD. in Ungnade zu fallen. D«?„Kämpfer" wird sich mit dem Vorfall eingehend bSfqssen. Niederlage der KpO. bei den Vuchdruckern. Alle Kandidaten der RGO. durchgefallen. Bei den November-Bezirksversammlungen der Berliner Buch- druckcr wurde» bereits in neun von«lf Bezirken die Kandidaten der Amsterdam«? Gewerkschqftsnchtung als Generqlversammlungsdele- gierte mit große? Mehrheit gewählt. Di« Bezirksversammlungen am Montag brachten nun auch im vierten und fünften Bezirk, wo hie Kommunisten für ihre Liste? die notwendige Unterstützung gefunden Hatten, einen vollen Erfolg für die G« w«? ksch a f t s l i st e. Auch in diesen beiden umstrittenen Bezirken erhielten unsere Kam didaien die überwiegend« M e h r h e i t der Stimmen. Ebenso wurden in allen Bezirken die bisherigen Bezirksleitungen wieder- gewählt, zum Dell sogar einstimmig. Damit ist die Gewähr syr ein« ersprießliche Arbeit d« Generalyersammlung guch für da» kern* mende Hahr gesehen. Ein„qpvvfliionellek" Antrag auf Änderung de? Satzungen sordert, daß die Delegierten, die bisher in den Bezirken, d. h in den Mitgliederversammlungen, gewählt wurden, künftig m de« Betrieben SiWählt werden isllen. Ueber diese» Antrag ginge» zwei Bezirke zur Tagesordnung über, desgleichen wurde der Antraß >» allen übrigen Bezirken nach«ine? Aussprache abgelehnt, 5 PV.' Nekleidungsarbei ter i Z-eit-g, l?>.: Uh». i*«Ogtli »-■«fiel« ist Pflicht. M-fummlii M« hl, in t kstlale», Pröckcnftr. i. Fiakti«»- a»q schwo-j spricht Sb»! Sirvamtian.. apiteliftisch«» Brltkrise. Erschanc» eilet W Der Zeeftio»iMeistepd. M H MWWWWWWW UHU OuaenDheim Tegel,«chönebereec i$tt.«.(Erst um Ä» Uhr t?>«»onjunkiur lrhre. Ms sind die Kirischastskrisen?- Skde-cstee: Zugeudheim �er>ld,s. Engend und Ärheit-dienftpflichl. Flugheieu: Mgreendeim ztughefenftr. er sU.Bah« Koddiustiaß»). lb»M«>!lschaft«n und Retterown»»«.— Neulöllni Jugendheim Peukiilln, Kergstr?!>(Hofs. Licht fiitheiBoitiag: Aps«tat Lehe» eines Kumpel*.»peeheg-Reuftebt! Jugend- heim L-ndenuser 1. gdunen ung Äntverordiiungen helfen? � SchKneheig! fnijptffr."15 Iffinrtenliaue). Entstehung und Enlwicklung de* Menschen.-- ilrnswaldkr Pietz: ibruppenheim Rastenburger Str. It Die Eeinerkfchesteu ...X ,0» �:..» A* 4 C«ni-f iXi-enh«! Kreie Gewerkschafts-Iugend Verlin tevte, IS'h Udr, tggen die Kruppe»! Ztaupschulennieg: Zuzenhhejm euipschutenmeg, Ernstsir. vt. Mustlabend.— Sritzenfei: Srupvenheini dLeißensee, Parlstr. st». Lehnkampie einst pnd jetzt.-- SUMtzeltit: Zu- m«Sraun» acke ßorhingstiatze. Mit Buch und Schfiffnratte buerfi die Keehiing: Schule«onnenbueger Str. ifl. Elternabend.-> Tegel: und geugen einzutreten. Zugendgrupph des Zentralverhandes der Angestellten iii'Fliefcheft i: lithtiBttiamm' niPunUt tlbeno- 6 Aqstanltz,». ule Gostler tung.--»einufenbetf: Sugenöficirp Listdauer Etr-? l? Letter: Heilbrunn. Hchenhanser«ersteht: Zugendhetm der Schule nchee ri Srupnenbesprechung.— Stralau; Jugendheim der tchi ftratze 61."'Bort top: gnlernetianale sozialistische Jugendgrdeis. tzieserent: Ztiebeitch. Obeelprre: Schule i» Riederschonewelde, B-niner Str. i>t, Sin» gano Häiftlwerderstratze.— NßpeHi«: ktugendheim Bahswitzer Str. l« stkae austglt, am Bahnhos»opeuich).(Btunpe; stugendh: lhelnrech »»«.'-«eWeSu: Jugindhe,»' Böhmische Str. t.-t, Eck, Nanner stießt,«ertrag: Kartelle, Konzerne, Trust? stlrferent: Dr. Lewinski.— Llldoften: Jugindheim Mranaelstr. tÄ. Bortrop: Neue Zeit-- neue Menschen. Neserent: Rgchow W tftMWWMWMWWIWMWWWIW���I» Hauptstr. tö«Hofgebaude, SaSsenzimmert. Arbeltsgeme'ni im Aranoelstr. d -- Schöne birg: ltsgeme'nschast: T Jugendheim WWWWWWWWWWWWMl. M,.... Da» SilstMus des jungen Sewerlschafters. Beferent: Ellert.— Eharlettenburq: Juaendherm Spielhagenstr. 4.«ur»rese|gte. gpenhon; Jugendheim Lindenuser t. Heim- odind. Petedom.Rgnietpcst Jugendherberge in«owawes, Prieftrcstraße. Sngespolitische Nundsche».— Sperredteiliiag: zusammentitnste ad M Uhe zu Iijchtathletifchen u, düngen in»er städtischen Turnhalle Prineenstratze. Heute tag! die Lerstcherungegesellschast Sprgensrrz P..A.»on 16 bts dtz Uhr im«er- handehau*, Zimmer??- V«k schlechtem Mundgeruch tgchüg gurgeln mit dem guten Ehloro- bont-Munbwasser. Flasch« I Mk. Versuch überzeugt. Hilten Sie sich v«r minderwertigen, billigen Nachahmungen. Wund&ßiCfai, Klnr�Mriehatr. 74. 149, 163, 169, Twntehmtr. 4 a. Wittenbtrspf. IvUl, Laioziger Str.l 13. Eckt U9iientr.,Soittelin»rkt1i, Sgldflnkeck» V/«/ Tinte I Sri: 20 Jahren gleich guter Kanaenaiensi«eiVJ"---'—--- g" Orgetes Leger eller Systeme F QU heiter. Schwere, Fertig, Bpld und Silier, aoMfM-Lletl'nfrWefte-Qiie'iltleheUer venj Mb. en. Kein Abschrauben mehr! finmaf drehen, d er Heiter i finmai drehen, dafi &Z'Jffeo 6fatte 25 Jahre Garantie! S A N T A- L U C I A, Wein zur Stärkung Winterhilfe der Marlthallenleute. Fast alle Standinhaber-Organisationen in den städtischen Marll- hallen haben beschlossen, sich an der„Berliner Winterhilfe" zu be- teiligen, obgleich sie selbst unter der schlechten Wirtschaftslage sehr zu leiden haben. Es gelangen Gutscheine im Einzclwerte von 0,25 M. zur Ausgabe, die zum Bezüge von beliebigen Waren in den städtischen Markthallen berechtigen. Die Gesamtausgabe der- artiger scheine wird voraussichtlich monatlich rund Ml» Stück be- tragen. Die Verteilung der Gutscheine an die bedürftigen Ein- wohner erfolgt durch die Wintcrhilfsstellen der Bezirksämter 1 bis 6. Auf den Gutscheinen ist angegeben, in welchen Markthallen sie an Zahlungsstatt angenommen werden. Die in Betracht kommenden Berkaufsstände werden außerdem durch einen besonderen Aushang kenntlich gemacht. Neben dieser Hilfsaktion werden noch Lebensmittel, vor allem Gemüse, unentgeltlich der Winter- Hilfe zur Verfügung gestellt werden. Allgemeine Wetterlage. 3.Ds?.�3I�,sdcis. Qwalkenlo&O heiter. 9 halb bedeckt wolkig,®bedeckr,*Regen,AGraüpeh =>tebel,?GewTrtK®WimM« Im größten Teile Deutschlands herrschte heute bewölktes Wetter bei westlichen Winden. Dabei war es mild. Die Temperaturen er- reichten vielfach mittags 6 bis 7 Grad Celsius. Die- Niederschläge, die fast ausschließlich in den Küstengebieten fielen, waren nur ge- ring. Ein langgestreckies Hochdruckgebiet zieht sich vom Ozean nach den Balkanländern. Unter seinem Einfluß war es am Dienstag in Süddeutschland heiter; am Abend stellten sich hier leichte Fröste ein. Da jetzt die Isobaren mehr von Nordwest»ach Südost lausen, dürsten die Winde etwas nördlicher sein. Dadurch werden Lust- massen aus mehr höheren Breiten nach Mitteleuropa strömen. Da aber frische Polarlust zunächst noch nicht bis zu uns vordringen kann, dürste es bei uns noch ziemlich mild blnben. -i- Wetleraussichten für Verlin. Wechselnd bewölkt und noch weiterhin mild, keine oder nur unerhebliche Niederschläge.— Für Dculschland. Im Süden meist bewöltt, vielfach Regen: im übrigen Reiche wechselnd bewölkt, im Küstengebiet auch einzelne Schauer, Temperaturen im ganzen wenig verändert. aivseoduegen(Uc diese Rubrik sind «» r l i n SS K8, tinbenftroB» 3, Groß-Berlin stets an da» Bezirkssekretariat L.Hof, S Treppen recht«, Jtt richten Achtung? Freitag» II. Dezember. 18 Uhr, Sitzung des engeren Bezirtsvorftandes mit den.Kreisleitern und den in Berlin und Teltow-Beeskow gewählten Reichstags- abgeordneten im Sitzungssaal des Bezirksverbandes. * Beginn aller Veranstaltungen IS'!- Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe? Heule. Millwoch, 9. Dezember. «. Abt. Di« h«ut!gen Zahlabrn.de fallrn au«. Dasllr MitgNrdervrrsammluvz am Mittwoch, dem 16. Dejembrr. 16. Abi. ZUtglirdriurrsammliing im Paheohoser, Tnrmslr. 2Z. Attrelle Wirt- schaftsfioftco. Rrfrrcnt: Nrnoss« Vrtnorrit. 11. Abi. Bci Scholz, Iagow. Trtc /Lrorbowslraßr. Rcfrrot brs Genvssrn R. öiticbtrr Übtr: Die Rtifo cinro Sozialisten durch Frankreich. 11. Abt. Zahlabend in den dclanntcn Lokalen. 16. Abt. Miigllederversammlunq Im Lbwenbrbu, Sochstr. 6. 20. Abt. Z ah labende: Dezirk 614 bei Schuchard» Christraniostr. 115z. Bezirk 815 im Lokal Wiener, Soldincr Str. 8. 24. Abt. 4. Gruppenvortrag des Genossen Erich Schulz Uber: Ursachen und Wirkungen de« Faschismus im„Hcrmannsheim". 20. Abt. Mittwoch Iahlabende in den delamüen Lokalen. 31. Abt. Zahlabcnde in den bekannten Lokale». 32. Abt. Heute Zahlabende: Gruppe Hartmanu bei Schmidt, Fruchlstr. 35z. Gruppe Wiktau bei Kromphardt, Paul-SiNger-Str. 43. Gruppe Buchmaun bei Drescher, Stralouer Plast 5. Gruppe Meyer Krauistr. 54z. Abt. gahlabende: Cadiner Str. 10. Romintencr Str. 7. Gubener Str. 45. Vertrag de» Genossen Dr. Tichauer Uber: Aktuelle Tagesiragen. Abt. Die gahlabende fallen im Dezember aus. Heute, Mittwoch, Funk» .....--- Y_ � zugunsten der strclsmitglicdcr» 34. 35. 74b Tiiic öiujiaocmjc sauen im i-'c�euiuec uu tionärverfammlung bei Lemke. Schremerftr. 38. . Abt. Die Mitgliederversammlung fällt zug Versammlung am Donnerstag aus. z«uaium«lie Sftidenfeiisdiail Berlin Sonnabend, den 12 Dezember, 20 Uhr: in denSpichernsSIen, Spichemstrahe 3 Rotes StiMfenten- Kabarett Leitung: Otto Zimmermann- Einlaßkarten im Sekrelariat Albredil- straße 11 und in der Dieiz-Budihandlung. Telefon: Norden 0944 81. Abt. Mittwoch Zahlabend«: 1. bis 3. Bezirk bei Klabe, Sandjerystr. 00—51. Referent: Genosse Sommer. 4. bis 5. Bezirk bei Baginfki, Stubenrauch. Ecke Taunusftraßc. Referent: Genosse Helwig. 5. Bezirk bci Lehmann. Bornstr. 5. Referent: Genosse Buchholz. In allen drei Zahlabenden Thema: „Notverordnung". 33. Abt. Das Lokal von Rohde fZahlabend fllr West) befindet stch nicht Moltlestraste, sondern Roonstrassc Ecke Kinbenburgdawm. 168». Abt. Achtung! Zahlabend« finden in diesem Monat nicht statt, dafür Mittwoch, 0. Dczmber, Mitgliederversammlung im Gesangssaal der 5. Volksschule. Borgmannstraßc. Genosse Viktor Schiff: Vollerverständi- «ung und Völkrrfriedcn. 126. Abt. Heute, 18 Uhr. Sitzung des Vorstandes und der Ilntcrkassterer im Gesellschaftshaus, Wilhelmstr. 38. ZNorgen, Donnerstag. 10. Dezember. 16. ztreis. 20 llhr Kreismitgliederversammluna im Lindenpark, Berliner Ecke Gartcnstratze. Genosse Gratzmaun. ADGB.: Arbeiterschaft in der Krise. 13. Kiei». 9'.o llbr. zugendhemi Gcrmaniastraste lEingong Götzstrastc) Zu- iammenkunkt sämtlicher Gcnpssinnen und Genossen. Die Abteilungsleiter und Bczirksflibrer mächten in den Zahlabcndon auf die Zusammenkunft der Erwerbslosen, welche jeden Donnerstag stotlsindcn. hiuwcisen. 6. Abt. Die Auszahlung des Notopfcrs findcl von IS), bis 21 Uhr bei Do. brohlow. Swinemirnder Str. 11, stalt. st. Abt. Arbeitskreis sunger Parteigenossen. Jugendheim Genthiner Str. 17. Zimmer 3, Bortrag Genosse Emil Groß Uber:„Frankreich". Ist. Abt. Arbeitsgemeinschaft jüngerer Parteigenossen bei Schabe, KösNner Straße 3. 166. Abt. Kreis jüngerer Pari-igeuossen Zusammenkunst an bekannter Stell«. 106. Abt. Die Dezember-. Miigliedeiversammlung findet nicht, wie an- gegeben, heute, sondern am Donnerstag, dem 17. Dezember, statt. 117. Abt. Sämtliche Lose der Arbeiterwohlfahrt müssen von 18 bis 19 Uhr bei Selchow. Karlshorster Str. 3, abgerechnet«erden. Nicht abgerechnete Los« gelten als verkauft. * S. Krri, Friebrichsbai«. Arbeiterwohlfahrt. Freitag. U. Dezeniber. 20 Uhr, Schulaula Petersburger Str. 4 Dortrag für Erwerbslose. Studienrat Dr. Sorqe spricht über:„Mit Wegeners Sxpeditw» zwei Jahre auf dem gränländischen Inlandeise". Lichtbilder eigener Aufnahmen. Air erwarten Massenbesuch. Arbeiterwohlfahrt, Bildungsausschuß. Arauenveransialtungen. 4. Kr«!«. Freitag, II. Dezember, 20 Uhr. bei Klug, Danziger Sit. 71, Funk. tionärrnnensttzung. Abrechnung der verlausten Karten für die Kreisver- anstaltunq. Außerdem wichtige Taqesordnung. 83. Abt. Sonnabend. 12. Dezember, 18>4 Ubr. in den Lichterfelden Festsälen, Zehlendorfer Str. 5, Bunter Abend. Ansprache der Genossin Dr. Hildegard Wegschcidcr, M. d. L. Dezirksausschuft für Arbeilcrwohlfahrk. Die Funttwiäre werde« gebeten, die noch nicht»erkanste» Lose sofort bei ihren Krcislcitnugcn abzurechnen und unvcrtauit gebliebene Lose- unverzüglich zurückzugebe». Nicht rechtzeitig zurückgegebeue Los« gelle» al«»erkauft. Das Sekretariat der Arbeiteewohlsahrt. Liubcustr. 3, n. Hos, Z Treppen. 4. Krei» Peeuzlaucr Berg: Die nicht verkauften Lose müssen am Freitag, dem U. Dezember, in der Helsersttzung zurückgegeben werden. 14. Krei» Renköllu. Donnerstag. 15. Dezember, 18 Uhr, Sitzung der Ar- beilcrwohlfahrt im Parteibüro, Fuldastraßc. 17. Kreis Lichteubeeg. Die. Rückgabe der nicht verlauften� Lose findet am 11. �Lc�mbcr in� der ZMeudbühnc swtt„ nicht zUzrückgegebenp Lose gelten als 26. Kreis Rcinickeudarf. Freitag. 11. Dezember, 20 Uhr, i» der neuen Schule, Wittenau, letzter Kursusabend. Aktenbesprechung. Die Helfer der 136. Abteilung werden gebeten, sich daran zu beteiligen. Arbeiksgemeinschaft der Hinderfreunde Grotz-Derlin. ,, Dir Karten für uusere S-uueuwrudscier käuneu abgeholt werde». Neukölln. Morgen, Donnerstag, Basteln in der Baracke Ganghofer- Ii; straße um 17 Uhr. Werkzeug mitbringen. Unlere Lcscstund»■ ist i wieder morgen, 17)4 Uhr. in der Stadtbücherei, Schönstcdtstr. 1.— ' Hente. 17 Uhr, Probe für den Ehor in der Schule Donaustraße. Gruppe Bicodors. Am Donnerstag, dem 10. Dezember, Uebungs- '•i. stunde zur Eonncuwendseier von 16)4 bi» 19 Uhr rm Lokal Poraih, Marzahner Etr. 31. llnbcdiugtes Erscheinen ist Pslicht. An- «nd 2? Uhr Helsersttzung. Die Eintrittskarten zur Sonnenwendfeier in olksbühne sind beim Kassierer abzuholen. fchlic der Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation n. Abt. Unser langjähriger Genosse Paul Bittscher ist am Sonntag, dem k. Dezember, verstorben. Ehre seinem Andenken. Einäscherung Donnerstag, 10. Dezember, 17 � Uhr, Krematorium Gerichtstrotze. Um rege Beteiligung wird gebeten. A Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlm Etnlendungen für diese Rudri! nur an das Iugendlekretarial Berlin SB 58. Lwdenstraße 3 Heule, ZNiliwoä), 19'- Uhr. Noseuthaler Vorstadt: Zahlabend der 5. Abteilung Roscnthaler Hos.— Gefundbrnuaen II: Beteiligung an der Mitgliederversammlung der Partei.— Ges»»rdkruuuea(R.'F.): Gotenburger Str. 2. Einführung in die sozialistis6)c Gedankenwelt.— Aruiwplatz: Zahlabend der Partei.— Audreasplatz I: Litauer Str. 18. 1l)-Minuten«Referate.— Frankfurter Viertel: Frankfurter AUee 307. Ist Deutschland noch ein sozialistischer Staat?— Warschauer Viertel: Litauer Str. 18. Besuch der Partei.— Steglitz I: Besuch der Zahlobende der Partei-— Wanusee: Restaurant Lindenhof. Mitgliederversammlung.— Tcmpelhos: Götzftr. 15. Mitgliederversammlung.— Adlershof: Bismarckstr. I. Entwicklung der Menschheit.— Bohnsdorf: Wachtelstr. 1. Brasilien.— Fried- richshageu: Friedrichstr. 87. Kunst und Kitsch.— Friedrichsfelde: Iahlabend der Partei.— Lichtenberg-Mitt?: Zahlabend der Partei.— Nen-Lichtenderg: Desuch des Zahlabend der Partei.— Lichtenbcrg'Rord: Zahlabend der Parin. — Karow: Zahlabend der Partei.— Britz: Ideal-Keller, 19To Uhr, wichtige Probe. CSS. Reuköllu: Bergstr. 20. Entwicklung der Arbeiterbewegung. Werbebezirk RenlöNn: 18 Uhr Vorstandssitzung Ganghoferstratze. Jeder Gruppenleiter muß anwesend sein. Vortrage, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rol-Gold'. G e I ck, L f t s st e l 1»: Berlin S 14 Sebastianstr 37-38 So' 2. Tc Prenzlnurr Berg(Orfsticrcin). Mittwoch. 9. Dezember, 16 Uhr. Sitzung des engeren, 20 llhr des erweilcrtcn Ortsvrreinsvorstandes bei Klug. Sonnabend. 12. Drzrmbcr, 20 Illn, Wintrrvrrgnügcn im Saolbau Frirdrichshain. Erstklassiges Parirl«. Eintritt 50 Ps„ Abrndkass« 75 Pf.— Frirdrichshain tDortrupp). Mittwoch, 3. Dezember. 19)4 lll>r. IugrudheiN! Ebrrtpstr. 12(Saal).— Lichjrnbero sOrtsverrin). Donnerstag, 10, Dezember, 20 Uhr, große Funttionärvrrsammlung auf dem Schießplatz KKS., Friedrichs- seid«.— Pankow(Oristiercin). Donnerstag. 10. Dezember. 20 Uhr, Mitglieder- rrrsammlungen: Kameradschaft Pankow-Rord im Titrlischen Zell. Kamerad. sckmft Pantow�öud in der Binzklause, Berliner Ecke Binzstraße. Kameradschaft Blankenburg und Umgegend nn gewohnter Stelle, Pungba, Freitag, 11. De- zember, 20 Uhr, Jugendheim Görschslraße,— Wedding(Sportler). Donnerstag, 10. Dezember. 13)4 Uhr, Sitzung bei Reußner, Kottbusfahrer haben zu er- scheinen. Turnen fällt aus. Ganvorstaob. Zur Kundgebung in der„Neuen Welt", Hasenheide 108— 114, um Donnerstag, dem 10. Dezember, treten die»reise Osten»nb Süden(mit Ausnahme der Ortsverine Treptow und Köpenick) um 16 Uhr an, die Stuf» be« Kreise, Lüben eine halbe Stunde früher. Die Ortsvereine Treptow und Köpenick haben zu gleicher Zeit Ordnerdienst in Treptow, Restaurant Spree. garten. Deutsche Laabsmannschast der Provinz Posen, Groß-Berlin, e. S5. Monats. sitzung am Donnerstag, dem 10. Dezember, 20)4 llhr, in der SUndl. Brauerei, Berlin-Neulölln, Hermannstr. 214—219. Beratung über die Weihnachtsfeier. l-onpsellov Engilsh Dehating Club, BQIowstraBe 104. heute abend 20 Uhr spricht Ernmy Hcilbrun:»Things that get on one's Nerves" Puppentheater bei Stiller. Wenn nicht rund herum Verkaufstische und Vitrinen mit Schuhen ständen, dann könnte man die Kinderobteilung im Haupt- geschäft Stiller, Jerusalem er Straße, eher für einen Rummelplatz halten: da fährt mit viel Musik und lautem Hallo seiner Fahrgäste das Karussell, von Schwänen. Eselein, Elesanten und Pferden gezogen, an allen Ecken und Enden spukt der Weih- nachtsmann mit Silberkugeln, Tannengrün und seinen sonstigen Attributen, und jetzt hat die Szenerie noch ihren Höhepunkt er- halten: das Kasperletheater. Täglich gibt es um 4 und 6 Uhr nachmittags Gratisvorstellung für jeden, der kommen mag— er braucht sich nicht als Käufer auszuweisen. Daß die Vorstellung täglich ausverkauft ist und das kleine Publikum mit erwartungsvoll gespannten Zügen den Vorgängen auf der Liliputbühne folgt, braucht eigentlich nicht besonders erwähnt zu werden. Es ist alles so nett und stimmungsvoll zurechtgemacht, da spielt eine verträumte Flöte, wenn das Prinzeßlein durch den SNärchenwald spaziert, da tuten die Autos und keifen die Hexen, und die glanzvolle, stets wirkungsvolle Apotheose, wenn Kasperle siegreich die ganze Bande verdrischt, wird drunten im Parkett kräftig stimmlich untermalt. Jeder Theatergast kriegt ein kleines Geschenk mit auf den Nachhauseweg. Trinkt ffachinger. Infolge seiner Bekömmlichkeit wird das aUberühmie Fochinger Mineralwasser seit Generationen von Jung und Alt täglich gern als Gesundheitswasser getrunken.„Fachingen verlängert das Leben!" Schölleberg: Unsere Lesee finden von jetzt ad wieder da« Programm der Alhambra-Lichtspiele, Hauptstr. 30, in unserer Kinotasel Dienstage und Freitags. Auf da, jetzige Programm„Kameradschaft", ein Berg, arbeiterfilm, den jeder Kopf, und Handarbeiter gesehen haben muß. wird besonder« hingewiesen. Erwerbslose und Parteimitglieder gegen Ausweis Preisermäßigung. Heut« ab 2 Uhr: Lindcar-Ausstellung im Saal 3, Gewerkschaftshaus, Berlin, Engeluler 24/25 Mangelhaft gespülte Wäsche wird grau und unansehnlich— Sorgfältiges Spülen gehört zum richtigen Waschen, aber man kann sich das Spülen leicht machen! In klarem Wasser allein lösen sich die Rückstände der W aschlauge nicht so gut als in warmem Wasser, dem etwas Sil beigegeben ist Und dadurch wird das Spülen nicht nur erleichtert— die Wäsche bekommt auch einen besonders klaren Ton und. duftet frisch und angenehm! 5 b illnrceUa d'Arle: Als id) etwa 15 Jahre alt mer, besuchte ich ein privates Gym- nasium, das in irgendeinem Winkel des alten Rvm lag, in der Nähe der Via Giulia, zwischen einem Gewirr enger und trauriger Gossen. Die Schule war in einem dunklen Gebäude, das in früheren Jahrhunderten ein Klafter gewesen, dann ern vornehmes Wohnhaus und schließlich ein Prjesterseminar. In dem kleinen, von einem Säuleugang umgebenen 5iose war eine plätschernde Fontäne mit Moos und Schlingpflanzen, nebeii der«ine kleine rachitische Palme stand. Die Schulräume waren geräumig und kalt und zeigten an den Wänden noch halb verwischte Spuren alter Fresken. In unserer Klasse waren wir fünf Mädchen und einige zwanzig Knaben. Ich war die Jüngste von allen. Die anderen waren zum größten Teil Absall aus anderen Schulen, Schüler, die grundsätzlich wenigstens zwei Jahre in jeder Klasse verweilten. Einige waren schon beinahe 20 Jahre alt, kleideten sich mit Eleganz und kainen nur gelegentlich zum Unterricht, wobei sie ihre Abwesenheit durch offenkundig gefälschte Entschuldigungsschreiben rechtfertigten. Es gab auch ein paar Ihiglückswünucr, die vom Morgen bis zum Abend ochsten,� ohne je etwas zu lernen, und die doch hartnäckig und tapser in der Schule blieben aus irgendeiner perversen Manie, von der sie selbst oder ihre Eltern besessen waren. Wenn die Eltern sich nach den Fortschritten erkundigten, gab der Direktor immer die günstigste Auskunft. Er war ein hübscher Mann, sehr elegant, der uns Mädchen sehr eingehend zu betrachten pflegte, wenn wir im chofe auf und ab gingen. Die Zensuren waren immer gut. Natürlich hotte die Schule schlechten Ruf und war deshalb bei den Schülern sehr beliebt. Jeder wußte, daß man dort tun und lassen konnte, was mau wollte. Auch die Lehrer taugten wenig und bekamen noch weniger Gehalt. Sie hatten eingefallene Ge- sichter, als ob sie geradezu Hunger litten. Der blasseste und jämmerlichste war unser Klassenlehrer, ein Abruzzese, etwa 24 Jahre alt, groß, etwas gebückt, sehr schüchtern und absolut außerstande, die Klasse in Ordnung zu halten. Es ist nicht zu beschreiben, wie es bei seinen Stunden zuging. Die Schüler lasen, schwatzten, oder bereiteten sich aus die nächste Stunde vor. Von Zeit zu Zeit drohte der Lehrer, mit der verzweifelten und maßlosen Heftigkeit der Schüchterne!,, unmögliche Strafen an, setzte den einen vor die Tür, drohte dem andern, ihn von der Schule auszuschließen usw. Wir erschraken einen Augenblick, wurden aber dann gleich wieder spöttisch und frech und lauerten auf eine Entgleisung in abruzze- nischcr Mundart, um sie mit Husten und Kichern zu begrüßen. Nur ich, die ich bei den anderen Lehrern unerträglich war, pflegte mich bei den Stunden des Klassenlehrers tadellos zu be- nehmen. Darum wendete er sich bei feinen Erklärungen fast ihtmer an mich, die als einzige geneigt war, ihm zuzuhören. Während der großen Pause zog mich eines Tages ZAara Macola geheimnisvoll beiseite. Sie war ein großes, braunes, sehr hübsches Mädchen, war beinahe 17 Jahre alt und trug Strümpfe aus wirklicher Seide. Fast alle Schulkameraden waren in sie ver- liebt, aber sie nannte sie„Säuglinge" und kümmerte sich gar nicht um sie. „Ich habe mir etwas ausgedacht," sagte sie,„und du sollst mir dabei Helsen. Du mußt nämlich wissen, daß unser Klassenlehrer in dich verliebt ist." Ich wurde über und über rot.„In mich? Wieso denn? Red' nicht solchen Unsinn."„----------------------- »Da»- ist kein Unsinn. Wir wcrhch, anse-re- Hetz' dabei haben. Ich werde es so einrichten, daß er sich immer mehr verliebt, bis er dir schließlich einen Liebesbrief schreibt und dann lesen wir den ollen vor, auch den Jungen. Das wird ein Riesenspaß werden... „Einen Liebesbrief, der Klassenlehrer?" sagte ich ganz verwirrt, denn ich las noch die Bücher von Terne und Salgari und gähnte vor Langeweile, wenn mir eine Liebcsgcschichte in die 5)ände kam. „Aber ja, einen Liebesbrief und noch dazu ganz schnell, in den nächsten Wochen, noch vor den Osterscrien, da nehme ich jede Wette an. Aber du mußt natürlich alles tun, was ich dir sage. Zunächst wirst du morgen nicht die schwarze Schürze anziehen, sondern mit deinem Strickkleid in die Klasse kommen." „Wäre dann das blauscidcne nicht besser?" bemerkte ich schüchtern. „Wenn du schon gor nicksts verstehst, solltest du lieber den Mund halten," lautete die klare und endgültig« Antwort,„du hast zu tun, was ich dir sage. Wenn er dich morgen ruft, um den Gesang von Paolo und Francesca zu lesen.. „Vielleicht ruft er mich gar nicht." „Aber hast du denn noch nicht bemerkt, daß er dich immer ruft, um etwas zu lesen, was von Liebe handelt? Also, du mußt morgen mit Leidenschaft lesen und ihm dann in die Augen sehen und rot werden." „Aber ich, ich schäme mich." „Aber, es ist doch nur Spaß... Ich würde es selbst auch tun. Du darfst aber niemand ein Sterbenswörtchen sagen." Am nächsten Morgen hatte Klara selbst schon eine andere Schülerin ins Vertrauen gezogen und so machten sie mich beide zurecht, ehe sie mich in die Klasse liehen, ordneten die Falten des Kleides, zogen den Gürtel enger, kämmten mich, und ich ließ alles mit mir machen. Im Korridor trafen wir den Direktor, der mich anredete, während die anderen weitergingen. „Wärum haben Sie nicht ihre schwarze Schürze?" „Ich habe sie zum Waschen gegeben," antwortet« ich, wie mir Klara vorgeschrieben hatte. „Ah, gut," und als ich im Weggehen war, fragte er mich un- vermittelt:„Wie alt sind Sie? Sechzehn, siebzehn?" „Ach nein, noch nicht, ober bald werde ich fünfzehn, im Mai." „Fünfzehn?" sagte er und sah mich an.„Gut, gut, gehen Sie nur, mein Kind." Ich lief in die Klasse. Als der Lehrer mich aufrief, um die Episode von Paolo und Francesca zu lesen, kehrte ich mich nicht an die Vorschriften Klaras, sondern las eilig, ohne die Blicke zu erheben. Kaum war die Stunde aus. so fielen Klara und die andere mit Vorwürfen über mich her. und so merkten natürlich auch die zwei übrigen Mädchen das Geheimnis. Seit diesem Tage sah ich den italienischen Stunden mit wahrem Entsetzen entgegen. In jeder Pause schleppten sie mich ins Ankleidezimmer, die ein« band mir ihre Krawatte um, die andere ihren Gürtel, die dritte kämmt« mich. „Man muß ihr dos Haar lofc fleehten, daß es beinah« aufgeht und die Zöpsc unten lockern." sagte Klara. Und ich, eingeschüchtert, wie ich war, ließ mich frisieren, pudern und zurechtmachen, aber brachte trotz allen guten Willen» weder die„leidenschaftlichen Blicke", noch das„vielsagende Lächeln" zu- stände. „Du kannst nichts anderes, als rot werden," sagt« Klara,„für so dumm habe ich dich nicht gehalten. Uebrigens ist es vielleicht besser. So wird er denken, daß du auch in ihn verliebt bist. Wo cr schon so schüchtern ist, ist das ganz gut. Morgen ziehst du das weiße Strickkleid an." tßackfifche Ich tot immer, was sie mir sagte. In diesem Spiel halb- wüchsiger Mädchen war eine halb kindliche, halb weiblich« Hinterlist und Grausamkeit, die mich anlockte und reizte. Ich las schon nicht mehr die Romane von Salgari und Berne. Aber die Osterferien rückten näher und Klara wurde immer ungeduldiger. Zum Ueberfluß hatte sie noch mit Laura Vinci gewettet, daß die Liebeserklärung vor den Osterferien erfolgen würde. Und ein« hohe Wette: eine wörtliche Uebersetzung von Homer, eine Eselsbrücke, der Traum jedes Schülers. 5Zlara quälte und sekkierte mich. Seitdem sie einmal den Klasienlehrer in einem Toreingang in der Nähe der Schule gesehen hatte, fürchtete sie, daß er mit mir spräche, anstatt zu schreiben und zwang mich deshalb, sie jeden Tag ein gut Stück Weges nach Hause zu begleiten. Einmal mußte Ich sogar zu ihr kommen und alle ihre Kleider anprobieren. „Dieses steht dir ausgezeichnet," sagte sie endlich.„Das ziehe ich morgen an und im Anklcidezimmer tauschen wir." Am nächsten Tage, als die italienische Stunde eben zu Ende war und der Lehrer noch in der Klasse, sagte 5llara laut zu mir: ,Ilch bin froh, daß du auch noch Ostern nicht mehr in die Schule kommen willst und zu Hause lernen, vor dem Examen." Und ehe ich etwas antworten konnte, nahm sie mich beim Arm und ging auf den Korridor. „Jetzt bin ich sicher," flüsterte sie triumphierend,„daß er dir vor den Ferien schreibt." Und das lang erwartete, M!t so raffinierter Hinterlist vor- bereitete Ereignis trat wirtlich ein. Am letzten Schultag vor den Ferien sah mich der Klassenlehrer merkwürdig a», als cr mir mein Heft zurückgab. Immer, wenn die Stunde zu Ende war, hatten die Mädchen sorgfältig jedes Heft, jedes Buch, jedes Blatt Papier durchgesehen, dos aus den Händen des Lehrers in die meinen gelangt war. Und diesmal fiel aus dem Aufsatzheft ein kleines blaues Briefchen heraus und wurde mit Triumphgefchroi begrüßt. Alle stürzien sich in das Ankleidczimmer und ich ging ihnen langsam nach und bei jedem Schritt wurde mir schiverer ums Herz. Als ich zu den anderen koni. saßen sie schon auf Stühlen und Bänken ganz vom Lachen erschöpft, während Klara stehend, in deklama- torischem Tone, vorlas. In der allgemeinen Lustigkeit war mir zum Weinen traurig, und ich wußte nicht, warum. „Nun, nun, meine jungen Damen, hier geht es ja luftig zu. Haben Sie die Glocke nicht gehört?" Der Direktor war eingetreten, ohne daß Mir ihn bemerkt hätten. Es folgte eine Minute völligen Schweigens, dann siihr er mit feiner öligen Stimm« fort: „Geben Sie mir doch den Brief, über den Sie so lachen. Der mutz sehr unterhaltend sein." Javier de'Diana: Groß, dick und bärtig, auf einer mageren, zottigen Ponystute, kam Lucio Diaz an einem hellen Winternachmittag noch der Estan- cia von Don Filisbcrto Pintos, im wilden Süden des Staates Rio Grande. Vor der Arbeiterbarocke sah unte.r einein. riesigen wilden Feigen- haum in einem, ß-llbezogeüe.n. Lehnstuhf der' Herr, des Hauses, ein schwächliches/ altes Männchen mit langem Bart, und schien zu schlummern. Als der Gautscho das Pferd anhielt und den breiten Hut zum Gruße abnahm, sah er ihn eine Weile forschend an und brummte dann zwischen den Zähnen:„Steig ab!" Di« lange, dicke. in«in Maisblatt gewickelte Zigarre aus Rio-Roro-Tabak behielt cr dabei im Munde. Lucio stieg ab, erbat und erhielt die Erlaubnis, über Nacht zu bleiben, und sattelte ab. Der Alte txobachtete ihn immer noch. Als der Gautscho sein Pferd anpflockte, sagte Don Filisberta sicher und bestimmt:..Du bist„der..Gesalzene!" Mit diesem Worte bezeichnet man in Südamerika«inen schlauen, mit allen Hunden gehetzte» Menschen. „Jawohl, Sensor, kein schöner Name das!" antwortete Diaz. Der Alte ließ nicht ab, in seinem Gesicht zu lesen, und fragt« ih»,- wohcr er käme. „Aus Uruguay." „Ist die Revolution zu Ende?" „Nach nicht, Sensor, aber sie haben kein« Pf«rde mehr." Der?tlt« lächelte, forderte Lucio auf, es sich in oer Baracke «bequem zu machen", erhob sich und ging langsam und in Gedanken nach dein Wohnhause hinüber. Seine Holzschuhe schurrten leise über den Boden. Er aß ohne Appetit, rollte sich danach«in« ge- waltige Zigarre von Maiskolbcnlänge und blieb in dem weiten, kohlen Speisezimmer nachdenklich ollein. Die Anwesenheit des„Gc- salzencn", eer ihm als durchtriebener Gautscho bekannt war, hatte in seinem Geiste einen Einfall auftauchen lassen, der ihn jetzt ganz beherrschte. Er wollte sich an seinem verhaßten Nachbarn, Don Hildebrando Sofa Iunqueiro(mit dem populären Kürznamen „Librandito"— Librandos Sohn) blutig rächen. Der alte Librando war sein Todfeind gewesen. Solange er noch lebte, stand die Partie gleich zu gleich: aber sein Sohn und Erbe, ein kräftiger, tapferer und schlauer junger Mann, hatte zuletzt in der Nachbarfehd« gesiegt. Im Laus« der Jahre hatten die Kräfte Don Filisbertos abgenommen: die Glut seines unbändigen Mulattenhasses aber war gleich- geblieben. Am Morgen des nächsten Tages rief er Lucio beiseite und fragte ihn:„Kennst du Sofa Iunqueiro?" „Jawohl", erwiderte der Gautscho. „Er ist ein Schwein!" „Vielleicht." „Aber... tapfer." „So sagt man." „Getraust du dich, ihn zu töten?" „Je nachdem." Der Gautscho vermied es vorsichtig, sich bloßzustellen. Don Filisb«rto erklärte ihm seinen Plan. Er wolle ihm dreihundert Milreis und«in befanders gutes Pferd geben, wenn er Hildebrando tötete, und zwar das Pferd und hundert Milreis sosort, den Rest nach vollbrachter Tot. Lucio kratzt« sich den Kopf. Er war sehr ann. Raufen? Gerauft hatte er oit, und«in paarmal hatte er dabei„Pech gehabt": dann war sein Gegner liegengeblieben. Wer: Mörder? Das mar er nie gewesen.... Er war ein vernünftiger Gautscho. Nach kurzer Ueberlegung erwiderte er:„Ich nehm« den Vorschlag an." Der Vertrag wurde geschlossen. D«r Estanci«ro gab ihm die hundert Milreis und einen Blauschimmel, ein ausgesucht schnelles, williges Ti«r. Den Rest versprach er zu zahlen, wenn ihm der Gautscho die Leiche Sofa Iunqueiros zeigte. In der Dämmerung des gleichen Abends ritt Lucio ab und erhielt vyn den, Mulatten den letzten Rat:„Stich ihn ab! Genier dich nicht! Er Ist ein Schwein!" .Jytcc Direktor," stottert« Klara,„das ist ein Brief metzter Mutter.... ich kann nicht..." „Sofort den Brief her." donnerte der Direktor. Zu uns Mädchen war er immer sehr liebenswürdig, zu sehr, aber gelegent- lich zog er strenge Saiten aus, auch gegen uns. Klara sah ver- zweifelt um sich. Dann kam der Brief aus ihrer zitternden Hand in die des Direktors. „Eine Liebeserklärung! Und die liest man hier! In diesem der Arbeit und dem Studium geweihten Hause?" deklamiert» er, indem cr die Seiten umwendete, um die Unterschrift zu suchen. Einen Augenblick verstummte er vor Erstaunen, dann stotterte er: „Wie. ein Lehrer?..." Aber er faßte sich schnell:„Gehen Sie in die Klosie," sagte er befehlend. Und als ich mich eilig den anderen anschloß:„Sie nicht, bleiben Sie hier. Kommen Sie, mein Kind, hoben Sie keine Angst, und weinen Sie nicht. Sie sind ja kein Kind mehr, sind beinahe 15 Jahre alt..." Und mit seinen heißen Händen versuchte er mein tränenüber- strämtes Gesicht aufzuheben, gab es dann als vergeblich auf. „Gehen Sic auch in die Klaffe," sagte er ernst und verließ das Zimmer. Ich zog aber schnell meinen Mantel an, setzte den Hur auf und lief die Treppe hinunter. Auf der Straße trocknete ich mir die Augen und wanderte ziellos bis zur Zeit, wo ich gewöhnlich noch Haufe kam. Den Meinen sagte ich nichts. Gegen drei Uhr kam Klara zu mir. „Weißt du," sagte sie mit giftiger Stimme,„olle sagen, daß der Direktor ihn entlassen wird. Und daran bist du schuld. Du ganz allein..., weil du kokett bist und hinterlistig. Alles ist deine Schuld. Nur deine." Sie stand auf und betrachtete mich beinahe mit Haß. Wütend und unlogisch eiferte sie weiter: „Du brauchst nicht zu denken, daß du dadurch interesiant ge- worden bist. Der Direktor konnte ihn ohnehin nicht leiden und suchte nach einem Vorwand, um ihn loszuwerden. Und recht hatte er. das ist ja ein Idiot. Alle sagen es, daß er ein Idiot sein muß, wenn er sich in dich verliebt hat... Und ich bin zufrieden..„ recht geschieht ihm..." Sie rieb sich wütend die Augen, lief schnell und aufgeregt auf und ab und blieb plötzlich vor mir stehen: „Gleich gibst du mir den Uebcrsetzer von Cicero zurück und die seidenen Strümpfe und den lateinischen Diktionär und wenn du glaubst, daß ich dir noch einmal beim griechischen Extemporale helfe, dann schneidest du dich. Und gib mir auch die Puderschachtel wieder, die ich dir geschenkt habe." Und sobald sie alles genommen hatte, ging sie hinaus ohne zu grüßen und warf die Tür hinter sich zu. Als ich nach den Osterferien wieder in die Schul« kam, war unser Klassenlehrer nicht mehr da. Ich habe nie mehr etwas von ihm gehört. Nur einmal glaubte ich, ihn an der Piazza del Popolo zu sehen. Er war sehr ärmlich angezogen und ging dicht an den Maüern, als ob cr sich dessen schämte. So ein Schwein Lucio Diaz kannte Hildebrando Sosa Iunqueiro genau. Er wußte, daß er gutmütig und anständig war, und daß man nicht leicht mit ihm sertig würde. Aber er Ijatt« sich einen Plan zurechtgelegt. Als er am nächsten Morgen auf der Estancia Dou Hilde, braudos abstieg, wurde«r freundlich aufgenommen und nach seinem Begehr gefragt. Er-zögerte michk mit dir Antwort:„Ich komme, Sie zu töten!" Sosa sah ihn scharf an, griff verstohlen nach dem Gürtel»nd versichert« sich, daß Dolch und Revolver an ihrem Platz saßen. Dann erwidert« er lächelnd:„Tun Sie noch Belieben!" Nun war es der Gautscho, der lächeln mußte. Er erzählte seinem Wirte von dem Vertrag, den er mit Don Filisberto geschlossen habe, und vergaß nicht hinzuzufügen, daß dieser ihm geroten habe: Abstechen, immer abstechen! Es ist ein Schwein! Dann berichtete er weiter, was er sich ausgedacht habe, um den Mulatten,„die Kröte", hinters Licht zu führen. „Glänzende Idee! Zähl auf mich!" antwortete Sofa laut lachend. Er freute sich über den Spaß. Drei Tage später erzählte man in der Gegend, Sosa Iunqueiro sei auf geheimnisvoll« Weife verschwunden. Am vierten Tage kam Lucio zurück und verlangte den R«st seines Geldes. Loreira Pintos erklärt«, er zahle erst, wenn er die Leiche seines Feindes mit«ige- nen Augen gesehen hob«. Der Gautscho konnte nicht anders,� als dem Wunsch« des Alten nachkommen. Noch am gleichen Abend, nach dem Essen, ritten sie in der Richtung noch dem Gebirge fort. Fünf Peone(Knechte) und vierzehn Hunde begleiteten den rachsüchtigen alten Estanciero. Es mar gegen Mitternacht, als sie auf der Höhe des Kammes vor einer Waldschlucht halt machten. Darsichtig weiter- reitend, kamen sie an eine Stelle, wo die Erde frisch aufgegraben schien. Der Mulatte ließ einen Ausruf grimmiger Befriedigung hören, war aber nach nicht ganz überzeugt»nd befahl, die Leiche mit Dolchen auszugraben. Im halben Licht des Mondes kam etwas Weißes zum Vorschein. „Ein Schwein!" schrie Filisberto wlllend. „Allerdings", oersetzte Lucio ernst.„Er war ein Schwein, wie Sie selber sagten, in Menschengestalt. Nun er tot ist und die Seele verschwunden, ist nur dos Schwein übriggeblieben." Filisberto stieß einen zweiten Wutschre! aus. Lucio lachte laut auf, gab seinem Goul die Sporen), ließ die Zügel hängen und jagte bergab davon. Das Pferd war gut; weder die Hund« noch die Kugeln der Peone holten es ein._ Ausarobongen in Palästina. Von dem Palästina-Jnstitut der kolifarnischcn ivtaotsuniversitot sind umfangreiche Ausgrabungs- orbeiten in Palästina im Gonge, über die jetzt auch ein erster ein- gehender Bericht vorliegt. Die evstcn Entdeckungen stammen von Fliegcroufnahmen deutscher Ofsiziere im Weltkriege. Man Hot die Stadtmauern der Stadt Mizbch freigelegt: es handelt sich um eine starke Bcrgfestnng. Man fand im Innern private und ösfentlich« Gebäude, insbesondere auch Heiligtümer und Tempel aus der israc- litischen und früheren heidnischen Zeit. Nach der Färbung und Ber- zierung der gesundenen Keramiken kann man schließen, daß die Gründung der Stadt auf die srühc: Eiszeit zurückgeht. Die vor- gefundenen Felsgräber stammen aus dem dritten Jahrhundert vor Christi. Ein bisher unbekannlc« Urzeilitier. Professor B. A. Stilko vom Leningrader geologischen Museum hat am Uleam-Fluß in der tar- tarischen Reimbltk die Ueberreste«'»es bisher unbekannten Urzeit- tieres aufgefunden, das nach seinen Fundstätte den Namen Ulemo- souru» erhalten hat. Das Tier yatt«� die Größe einer Kuh und linste Eier. Aus dem ausgetunderien Skelett scheint hervorzugehen, daß da« Tier zu den Amphibien gehörte. Z»er«nlv->rttiil> dir VlNitik: Blrttt-Mist; Wirstcho-t: 0>. ftilnatlftBl«': ©taitrJfttwftsficnitfliiiKj; Z. Sittncr: stestill-ton: 3>i. Zoh» Schikowaki i LokaNs »I-.S i-onlti-iks.- SliZ ftarftäbt;-Znzeick-n: St.«locke:'amtlich lit»erlin. Berta«: Zorwärt-.Berlaa s. n> b. L>.. Druck: Vorwar!»Hnchdr»cktrcI »n»»erlaxsanfialt Beul Sinqer u. H»-.»ecliit cid, M, Lindenüraße 3. Hier,, I»eilase». durch die Krise, die die ganze Welt erschüttert, zum Frieden m Freiheit hindurchzudringen, Hobe ich am letzten Märztage ISN de» Auftrag des Herrn Reichspräsidenten entgegengenommen Ich habe bis zum heutigen Tage noch dieser Richtschnur gehandelt. Dabei mar ich gelungen. Parteiwünsch« abzulehnen, Änter� cssentenforderungen Erfüllung zu versagen und alle Kraft daranzu» iA fetzen, die Freiheit unseres Voltes in diesem Ringen um die Zukunft drinnen und draußen zum Einsatz zu bringen. Äh merd« mich weiterhin mit ollen versasiungsmäßigen Mitteln solchen Partei- versuchen entgegensetzen, dos deutsch« Volt in dieser ungeheuren materiellen und seelischen Rot in zwei feindliche Lager zu zerreißen. Ein uralter Instinkt gesunder Völker ermahnt, den inner- politischen Meinungsstreit zurücktreten- ja völlig schweigen zu lassen, wenn das Vaterland in entscheidenden Stunden politischen Handelns steht. Deshalb ist es ein dem Laude abträgliches Unterfange», wenn mit dem Hinweis auf innenpolitische Verschiebungen in den Tagesmeinungen der Wähler verfocht wird, im Auslände de« Eindruck zu erwecken, als ob es in Teutschland in Wirklichkeit geteilte Fronte», ja eine Regierung von morgen gebe, die sich anmaße» durfte, für das deutsche Volk zu sprechen- Auch künftighin wird die politische Führung des Deutschen Reiches und die Vertretung der Juteresfen des Deutschen RcicheS im Auslände ausschließlich in den Händen des Herrn Reichspräsidenten und der verfasinngs- mäßigen Regierung liege». Um den inneren Frieden gegen Gewaltmaßnahmen und Terrorakte von jeder Seite zu schützen, ist eine Verschärfung der Bestimmungen über den Wafsengebrauch not» wendig geworden. Die zunehmende Vergiftung des öffentlichen Lebens durch Verunglimpfungen politischer Gegner und leichtfertige Ehrabschneidungen mußten zu einer Verschärfung der allgemeinen Beleidigungüparagraphcn führen. Dafür wird nunmehr auch für die im Wege der öffentlichen Klag» durchgeführten Strafprozesse wegen Beleidigung der Umfang der Beweisaufnahme lediglich in das Ermessen des Gerichts gestellt, und für diese das Schnellgerichts- Verfahren unbeschränkt zugelassen. Das Tragen von Uniformen und Abzeichen politischer Verbände hat sich als immer größerer Mißstand er- wiesen. Reichspräsident und Reichsregicrung haben sich daher«nt- schlössen, das Tragen von Uniformen und Abzeichen politischer Verbände allgemein und ausnahmslos für das ganze Reichsgebiet zu verbieten. Der Herr Reichspräsident hat sich ferner entschlossen, zur S i ch e- rung des Weihnachtssriedens von Mittwoch ab bis zum 3. Januar nächsten Jahres all« vsfenllichen politischen Versammlungen und Aufzüge zu verbieten, damit unser Voll Gelegenheit bekommt. Abstand von dem aufgeregten, lauten Tagesstreit zu ge- Winnen. Zum Schluß wandte sich Brüning gegen den Vorwurf, daß er zu viel schweig«. Die Pflicht des gewissenhaften Arbeitens scheine ihm trotz . ollem größer zu sein als die des Redens, und er hah« die Zuversicht. daß das deutsche Boll sich auf die Seite das sachlichen Ernstes stelle Der Mut, eine schlimme Wirklichkeit in ihrer ganzen Härte anzuschauen und danach sich einzurichten, habe in der Vergangenheit aLein die Böller zum Wioderausstieg gebracht. Neuer Antrag auf Reichstagsemberufung. Die k o m m u n i st i s ch e n Mitglieder be$ Aeltestenrats babon am Dienstag einen neuen Antrag auf Einbe- rufung des Aeltestenrats beim Reichstagspräsi- dsnten Lobe gestellt, und zwar für Freitag, den 11. Dezember. Dia Einberufung des Reichstagsplenums wird für Dienstag, den IS. Dezember, oerlangt. Als Tagesordnung werden kommunistische Anträge auf Aufhebung der neuen Rotoerordnung vorgeschlagen, in Verbindung damit ein« sinanz- und wirtschaftspoliftsche Aussprache sowie erneut eine außenpolitische Aussprache und eine Erklärung des Reichs- innenministers zu den hessischen Dokumenten. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion ist für Montag, den 14. Dezember, zu einer Sitzung einberufen worden. Die Baseler Beratung. Eindrucksvolle Darlegung Dr. Melchiors. Sasel, 8. Dezember.(Eigenbericht.) Der Sonderausschutz der BIZ. hielt am Dienstagvormittag ein« Sitzung ab, der zwei der neucn Mitglieder, Dr. Bindschedler- Schweiz und C o l i j n- Holland beiwohnten. In dieser zwetstündi- gen Sitzung beschäftigte man sich mit dem sehr eingehenden Expose über die Finanzlage Deutschlands. Das Expose, das einen ausge- zeichneten Eindruck gemacht haben soll, ist die Einleitung zu einem Bericht, der noch vorgelegt werden wird. Di« Diskusston wird sich zunächst mit dem vorliegenden rem technischen Teil des Berichtes Dr. Melchiors beschäftigen. In der Rachmittagssitzung führt« Dr. Melchior sein« Dar- legung der deutschen Finanzen zu End« und betont« die Entfchloflenheik Denftchlavds. trotz dieser SiluaNo« die Goldwährung unbedingt anfrechtzoerhotten und zwar aus folgenden Gründen: Deutschland hat die Verpflichtung zu? AufrechtarhaUung der Goldwährung in den Haager Verhandlungen über- nommen. Die ausländischen und inländischen Anleihen, namentlich die Hypothekenailleihen, tauten auf Gold mark, schließlich steht die deutsche Bevölkerung nach unter dem Eindruck der verheerenden Inflation. Ein Verzicht auf den Goldstandard würde sofort eine ollgemeine Preissteigerung herbeiführen. Der Sande, aueschuß hat einen technischen Unterausschuß aus den Sachverständigen der einzelnen Delegationen«ingesetzt, der das deutsche Material prüfen wird. Ministertawirettor Graf Schwerin nyn Krosigk wird am Donnerstag in Basel eintreffen, um dem Ausschuß alle notwendigen Erklärungen über. den llleichshaushalt zu geben. Staatssekretär Schaff«? vom Reichsfinanzmimftermm ist in Bafel eingetroffen, um Dr. Melchior über die Einzelheiten der neuen Rotverordnung zu Unterricht«» Obcrbürgcrweister Veims vsrv»glück l. Wie aus Magdeburg ge- meldet wird, ist der frühere Oberbürgermeister der Stadt. Genosse , Beim», durch einen Starz schwer verunglückt. Er mußte ins Krankenhaus gebrocht und operiert werden. Dingeldeys Weg zur NSDAP. •..r „Schöner Weg! Schade nur, daß ich unterwegs soviel abschwitze!" Die 5. Million überschritten. Ende November 5057000 Erwerbslose. 3a der zweiten Rooewberhälsl« hat noch dem jetzt vorliegenden Bericht der Reichsav stall die Erwerbslosigkeit ia Deutschland die Fünf- Millionen. Grenze überschritten. Die Zahl der Arbeitslosen nahm um rund 214 000 Personen za, so daß die Gesamtzahl 5 05? 000 Erwerbslose erreichte. Der Zustrom der neuen Erwerbslosen kam überwiegend aus den Saisonberufen, bei denen die Erwerbslosigkeit nm 7.7 Proz. zunahm, während sie in den übrige» Bernfsgruppen gegenüber dem lS. Zlovember nm 2.4 Pro;. anstieg. Daß alle Maßnahmen der Regierung, die Arbeitslosigkeit ein- z»dämmen, restlos sehlgeschlagen sind, wird durch nicht» dcnlllcher gekeunzeichnel als durch die Talsache, daß die lleberlagerung gegenüber dem Vorjahr Ende Rovember mit 1,3 Millionen genau s o hoch geblieben ist wie im Sommer 1331. obwohl im 0(- tob er und November vergangenen Zahres eine sprunghaste Sletzerung der Arbeitslosigkeit eingesetzt hatte. Mit diesem sprunghaften Anwachsen hat ober da» Tempo der Annahm« im setzten Vierteljahr völlig Schrift gehalten, denn seit dem sotnmer- thhen Tiefstand hat sich dt« Erwerbsloseuzaht i» Deutschland um rund 1.1 Millionen vermehr k. Im Ruhrkohlenbergbau scheint nunmehr der Tiefstand der Beschäftigung überwunden zu sein. Der Belegschaftsabbau ist zum Stillstand gekommen und die Zahl der Feierschichten Hot sich verringert. In der Großelsenindustrie hielt dagegen der Rückgang der Beschäftigung an, wenn sich auch das Tempo verlangsamt hat. Trotz der überaus starten Schrumpfung in der Metallindustrie wurden hier auch in der Berichtszeit neue Eni- lassungen vorgenommen. Umfangreiche Entlassungen in der Strumpffabrikatüm. der Tuchindustri« und anderen Zweigen des Textilgewerbes werden überwiegend aus die englischen Zollerhöhungen, verbunden mit dem Pfundsturz, zurück* geführt. Das nur nach sehr schwach beschäftigt« Baugewerbe setzt« nach Fertigstellung einer größeren Anzahl Bauten und unter dem Einfluß des Froftwettsrs noch zahlreiche Arbellsträste frei. Daß die Arbeitslosenversicherung ihren Bersicherungs- charatter nahezu völlig eingebüßt hat, beweist die Tatsach«, daß von der Arbeitslosenversicherung nur noch 1,36 Millionen Erwerbslose, also gerade noch 30 Proz., unterstützt wurden, daß w der Krisenfürsorg« 1,40 Millionen Erwerbslos« sich befanden, während 7Z Millionen als Ausgesteuert« der kommunalen Wohlfahrt»- fürsorge überlasten sind Hoovers Zahresboffchast. Das Feierjahr/ Plädoyer für den Kapitalismus. Mofhington, 8. Dezember. In gemeinsamer Sitzung beider Häuser des Kongrestes wurde die Jahresbotschaft des Präsidenten Hoover verlesen. Di« Außen- Politik ist nur in wenigen Sätzen behandelt, da sie Gegenstand einer Sonderbotschaft zur Ratifizierung der Moratoriumsoorlage sein wird. Weiter« Abrüstung, so meint Hoover, sei notwendig, wenn die Welt den früheren Lebensstandard zurückgewinnen wolle. Di« bestehenden Abmachungen zwischen den See mächten böten die Möglichkell weiterer Herabsetzung der Flolleastärken. besonders wenn die sranzösisch-italienischen Verhandlungen erfolgreich verlaufen sollten. Auf Deutschland und die deutsche Frag« über- gehend, erklärt Hoover: Die Wirtschaftskrise in Deutschland und in Mitteleuropa ncchn: im letzten Juni Ausmaße allgemeiner Panik an. die erkennen ließen, daß diese Völker ohne fremde Hlls« zusantmeirbrechen mußten. Die Furcht vor solchem Zusammenbruch hat unsere Produkten- und Wertpapier- Märkte in Verwirrung gebracht und auch andere Völker bedroht, was wiederum neue Gesahren für un» herausbeschwar. Bon größter Be- deutung war daher die Rotwenbigkell unserer Mitarbeit, um das deutsche Volk vor der unmlltelbar bevorstehenden Katastrophe zu schützen und seinen wichtigen Anteil am Fortschritt und an der Stabllllät der Well zu bewahren. Aus diesem Grunde Hot Amerika das Schuldenfeierjahr und das Stillhalteabkommen in die Weg« geleitet. Ausführlich behandelt Hoover die innere Wirtschafts- d e p r e s s i o n. deren Gründe er in Spekulation, Inflation auf den Wertpapier- und Grundstücksmärkten, in{ ch l« ch t e r G e- schäftsführung zahlreicher Fwonzinstiiute und vor ollem in ständigen Erschütterungen und Störungen im Ausland erblickt. In- dessen glaubt Hoover, daß Amerika sein« Erholung in weitem Maße unabhängig von derübrigen Welt bewerkstelligen könne, wenn es ihm geling«, durch Wiederherstellung des Vertrauens den abgestauten Kreditstrom wieder ins Fließen zu bringen und die Lag« der amerikanischen Eisenbahnen zu verbessern. Zur Frag« der Arbeitslosigkeit erklärt Hoooer, daß di« Regierung bestrebt gewssen sei, durch Schaffung neuer Arbeits mög- llchkeiten, durch Einrichtung von Arbettsnachweisen und durch die Abdrosselung der Einwanderung dem heimischen Ar» bellsmarkt Erleichterung zu verschaffen. Hoover betont, daß er sich jeder unmittelbar«» oder mittelbaren Erwerb slosenfürsorge widersetze, denn Jter Zusammenbruch und die vermehrte Arbeitslosigkeit in Europa ist teilweis« durch solche Maß- nahmen verschuldet worden'. Ein« allgemeine Abänderung des Zolltarif«» lehnt Hoover ab: das würde die Industrie, den Handel und die Land- Wirtschaft stören und die Depmfstm, verlängern. Durch die Zolltaristommistion sei die Möglichkeit geboten, Zollsätze auf industrielle und tandwirtschaftlich« Erzeugnisse, die durch die nitt niedrigen Löhnen und Gestehungskosten arbellend« ausländische Konkurrenz bedroht sei, zu erhöhen und übermäßige Tarife herabzusetzen. An praktischen Maßnahmen zur Wiederbelebung der Wirtschast schlägt Hoover vor: eine drastische Verminderung der Regie- rungsausgoben und eine vorübergehend«, höchstens auf zwei Jahr« berechnete Steuererhöhung: weitere Kapitalbeteiligung der Regierung an den Bundes l a n d danken zur Beschaffung billiger Kredite für die Landwirtschaft: Gründung von Baukredllbankeu zur Förderung der Heimbautätigkeit: Schaffung einer„Wieder- a u s b a u g e s« l l s ch a f t'. die den notleidenden, aber innerlich ge- sunden Industrien, Eisenbahnern, Finanzinstituten und tandwirfschaft- lichen Kreditanstalten gegen taugliäi« Sicherheiten varübergeftand Vorschüsse leisten soll. Hoover gibt nicht an. auf eine wie hohe Kapitalgrundlagedie Wiederaufbaugefellschaft gestellt werden soll: man nennt aber eine Milliarde Dollar. Wetter schlägt Hoovcr vor: Erweiterung der bei den Federalreservebanken diskantsShigen Papier«:«in« Bankgefetzreforw. die den Banken dt« Einrichtung vvn Zweigstellen und den Bettritt zum Federalreservesystem erleichtern soll:«in« Hilfsaktion für di« Eisenbahnen, denen die Möglichkeit ge- geben werden soll, durch geeignete Zusammenschließungen ihr« Be- tmbskosten herabzusetzen, und ein« Lockerung der Lntitrust- gesetzgebung, besonders zugunsten der Kohlen-, Petroleum- und Holzindustrien. Ferner empfiehlt Hoover ein« gewisse Vereinfachung der Bundesverwaltung und eine gesetzlich« Verankerung der Tin- Wanderungsbeschränkung. Hoover schließt mit den zuversichtlichen Worten, daß dos aift persönliche Initiative gegründete Wirtschaftssystem auch den Sturm der gegenwärtigen Krise überstehen werde. Landfriedensbruch. Otts LlrteU im Neumünfiercr Kommmifieapriwfe. Reumünsi«. 8. Dezember. Nachdem im Kommuniltenprozeß die Beweisaufnahme zu End« geführt worden war, begannen am Montaguachmtttag die Plädoyers. Am Spätabend fällt« das Gericht folgende« Urteil: Wegen Land- friedensbuch» bzw. qualifizierten Laudfriedensbruch» werden verurteilt: der Hauptangettagte Timm zu 2K Jahren Gefängnis. die Angcktagten Winkl«? zu 1 Jahr. Rahlfs zu sieben Monaten. Köbbert zu sieben Monaten Gefängnis, die übrigen 17 Angeklagten zu Gefängnisstrafe» von vier bis sechs Monaten. Zwei Angeklagte wurden freigesprochen. 5) ( c> ( Theater, Lichtspiele usw. tt�Wv�/SÄ'> Staats Theater Mittwoch, den 9. Dcxembcr staatsoper unter öen Linden 20 Uhr Die schaihhafle Witwe Staitüdiauspielbsos PicilaroEamarkl. 20 Ubr Waliensteins Lager/ Die Piccolomlni Schiller-Theater ChariclJr.byij. 20 Uhr Doktor Klaus VAinTQr Garten- 8.15 Ohr- Flora 3434 üaochtg crlaobt Das beliebte Clown-Trio Barraceta Gsovsky-Ballett, Luisita Leers „Paolo""..... usw Tafll. s u. 8� Uhr NONI UND HORACB LOIITA BENAVEHTE 9 PIEBROTV« La BLAN DU CHARME 4RAY StllnJCrügerlniiiferlert Dietropoi-ThBater Täglich 8Vi Uhr Die Blume von Hawai Preiso no 50 PL u Stg. V»3, 5 n. s/. Uhr Dlanctag md Mitti.SlIlu Kindermärchen Orr silbome Taoimapfeo Rose-Theater 6 ruh fmMrtif Slrett 133 Tit. Viiduri E 7 3422 6 und 9 Uhr Die Keusclie Susanne Theater des Westens Täglich SV« Uhr Der Togelblodler Ablers, Jökcn, Morgan, Carola, PreisotPlätreT.SOPf.an Theater im AdinlralSDOiasi Täglich 8';« Uhr Die Dubarry mit Qltta Aipar Preise v. 0,50 M an Siädl.Oper Charlottenburg Öismarckstraße 34. Mittwoch, 9. Dez. Turnus IV Anfang 20 Uhr Boheme Ende 22 Uhr Nachm. IS Uhr BSnsei«. Bretel Ende 16 30 Uhr Pioiseroo 0.58 bis 3 IL VolKsMline Theater am Bäiowplatz 8 Uhr Der örüne Kakadu Der Kanunersaeger Staat!. SAillar-lbeater » Uhr Doktor Klaus »■.uhr CASINO-THEAlERs1;. uh. Lothringer Strafe 37. n iiiiiiiii in iw um ii ii in iiiiiiiiriiiiiiiiiiiianuuaiHiiin in nitnit Wieder ein neuer Schlager! Wenn Kinder lieiraten Dazo das gro$c Fcsl-Programm! Edith Bach. Die Rundtnnknachiigall. Barlingr n. Berty. Gesang u. Tanz, ChanK-Tce-See. Chinesen-Truppe Outschein I-4 Personen: Parkett 50 Pf.. Pameuii'— Mark Sessel i-su Mark illiNE ANZEIGEN Am Sonntag, dem 6. Dezember, starb gana plötzlich und unerwartet, in ganz kurzer Zeit seinem Vorgänger folgend, der Bezirksleiter im 14. Bezirk, unser Kollege, der Dreher Paul Blttcher im 46. Lebensjahr infolge einer Lungenentzündung. Wir haben den Verstorbenen als einen aufrichtigen, fleißigen Mitarbeiter unserer Organisation kenneu gelernt, der immer zur Stelle war, wenn es galt, die Interessen seiner Kollegen zu vertreten und werden wir ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. Die Einäscherung findet am Donnerstag, dem 10. Dezember. 17'/- Uhr, im Krematorium Gcrichtstraße statt. Kege Beteiligung erwartet Deutscher MetaUarbeiierverband Orlsverwaltung Berlin v. 1... f■»*'-rwdr.-.vi JeiesWoitlZPt. Wort 25 Pf. l fettgeiJnjdrte Worte).- S:ellengcsud-.e 1. Wort(fettgedruckt) 15 pf� jedes weitere Wort 10 Pt. Worte mit mehr als 15 Bucfctabei zählen für zwei Worte. Anzeigen, weldre für die nadiste Rümmer bestimmt simLmSssen bis spätestens AVa Uhr nadimitlags in der Hacpi-Expedition des Vorwärts, UnienstraBe 3, abgegeben werden.Dieselbe iit wochentags von morgens g'. 2 Uhr bis nachm. 5 Uhr unenterbrodjen geöffnet. uerbäuie 2. WOCHE I MNMIO Rgiauant Berlins BETRIEB /jA KEMPIHSKl�J Hanry Pieß »tuTfCHf.-.-O'i/iVtKSAt-9) im AKTit voXfriUtir***- LiditbDrg.Berlio-&esQiiiliiiQnnen Der große Tonfilmscbwark: Ralpb 4. Roberts, Fritz Sdmlz, Lnde Engiisdi, Flsmer-ROppß: Dienst ist Diensl Auf der Böhne: Lotte Werhmeisfer «and andere Atirakiioncn Reichshalien-Theater AbenJs 8 Ohr. Soimtig nidunittig 3'/, Dbr Stettiner Sänger Der kranke Fliegenpilz Hatbinittags bill» Preise.«lies Prograoinl jeder Art lle Nacb«Inam Entwurf v. Leonhard Frank•- VlctorTHvas Ita dautscher Tonflim— Regio Victor Trives Busch, Strobaw«••••••••••• Deutschland Fielet, Mai..••••••»••.•«Frankreich OugSaß. Frank.••••••••••••• England Louis Douglas............... Afrika Sokoloff. Lennartz••••• Irgendwo In der Weit System: Toblt-MelofilmwG. m. b. H. UraufTOhrung: Heute. Festvorstellung 8,30 Uhr MOZARTSAAL Vorverk. tägl. von 1 2-2 U. u. ab i U. Tel. B 7, Pallas 0679 Ab Morg.tägl. 5. 7. 9»(Wocht.5U.Einheitspr.1H) Theater am Nsllendorfplab Stgit; Beim Siitcnliirj Täglich 8". Uhr Sonnlag 4 Vi Uhr Gasparone Heute 4 Uhr Röetbt Roppredifs Fahrt ins Märte land Deotiüies Tlieaier 8 Uhr Heute letzte Äufführung fic dilihten aus Rem Wiener Wald von Oedön Horvath Regie: Belm Bilpert Die Komödie 8lA Uhr Jemand von Franz Molnar igie: Cusfai MiBgms mit Albert Bassinninn Planetarium m am Zoo v 5, 7, 9 Uhr Filra DmRSnlgsee and Watzmann 3 Uhr Märdienillm llbhliahrd liefert preiswert Paul Golletz rormalt Robert Meyer Marlannonstr. 3 F8. Oberbaum 1903 Am Sonntag, dem 6. Derember 1931, nachm. 3 Uhr, verschied nach kurzer schwerer Krankheit unser Kollege und Obmann des Betriebes Paul Biltcher In jahrelanger treuer Pflichterfüllung war er stets ein leuchtendes Vorbild seiner Kollegen. Wir werden sein Andenken in Ehren halten Kollegfan en und Kollegen der AEG., Turbinenfabrik. Am 7. Dezember 1931 verstarb nach langem schwerem Krankenlager unsere innigst geliebte Mutter, Schwiegermutter und Großmutter Frau Klara Lessing geb. Severing im Alter von 61 Jahren. Tief betrübt und um stilles Beileid bittend Bruno Fischer, Marth. FUther geb. Pagek, Käthe Fischer, Emma Kautz rieh. Pageis, Alex Pagelt, Wally Pagek, Else Hohl geb. Pagek. Berlin, den 8. Dezember 1931. Einäscherung am Freitag, dem 11. Dezember, 14Vs Uhr, im Krematorium Berlin-Baumschulenweg Ocfcn. I eiserne, jeher Art, | leilMhlunu, Irans. | portable Aachcl. öfen, ZZabewannen. Scifetüfcn. Siech» I Herde. Repara. j tuten. Sic alle i Inzma Sammler u. "Slenbers, Dresde» nerstraße 98.• Tapeten SMat. Kolonie» Jjürem 9. gwcicz- 8 j Paddelboot, 110,—, I j»eriaut't Fraulab, || Neulölln. Sieg. IriedstraHe 52. G Puppenstube, Ij Möbel, neu, per. � lauft DrotH, Neu. , kolln, SerHberg. ■| fltogc 11. G NcichHaltiges Lager gebrauchler Markenllapiere, 130,—, 225,—, 300,—. 450,—. 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SO OOO HSchstgowirm auf ein Einrel* loa im Werte von RM. SO OOO 2 Hauptgewinne im Werte von Je RM. 20 OOO 2 Hauptgewinne Im Werte von Je RM. 15 OOO u. s. w. u. s.w. '§iaek�cefe mit 10 Losen 5 RM. mit 20 Lossn 10 RM. samcilehe ttewlnne werden evf Wunsch mitOO Prozent euegczehlt. Lose zu haben bei den Kreislciferinnen der Arbeiterwohlfahrt, Verkaufsstellen der Konsumgenossenschaft, Vorwärts- Filialen, Wenheim, Singer u. Herrn. Tietz duie Kapitän Haulabah�r» C. Röcker. Berlin Lldiunlierger Sltals 22, Kflaiosi. 3861 IDer Kca 110118 1 J Bergteich. „Ich habe gegen die Phöbus.Bau» A..E. und deren Geschäftsführer Müller in einem Artikel nom>3. Januar 1931 den Vorwurf des Mietwucher» erhoben und von dessen schäbigem Wucherhand- werk gesprochen. Nachdem der Prloat. kläger Richard Müller in dem gegen ihn wegen-Betruges und Mletwuchees aar dem Amtsgericht Pankow anhängig gewesenen Verfahren rechtskräftig ftct- gesprochen worden ist, kann und will die obigen Vorwürfe gegen Herrn Müller nicht mehr aufrechterhalten und nehme sie hiermit zurück. Ich nehme auch die in der„Roten Fahne vom 23. 4. 1931 unter der Ueber. schrift„Letchenmiiller des Mietwuchers verdächtig" enthaltene Behauptung, der PiivaÜläger fei wegen Steuerhinter- Ziehung bestraft, zurück, nachdem der Rechtsanwalt Dr. Georg Löwenthal versichert hat, daß die Behauptung un, richtig fet* Otto Wilde. Bekanntmachung. Die in der Zeit vom 1. Juli bis 30. September 1330 versetzten Pfänder sind oersteigert worden. Ueber- schösse sind bis zum 3. Juni 1932 abzuheben. Staatliches Leihomt. Mm\ MetaiMter-VeM Verwaltongasielle Berlin Todesanzeigen Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Schleifer Paul Baumann geb. 22. Dezember 1862, am 6. Dezember gestorben ist, Die Einäscherung findet Donnets- tag. den 10. Dezember. 14V- Uhr. im Krematorium Baumfchuienwez statt. - AM 8. Dezember starb unser Kollege, der Dreher Paul Bitteher geb. 28. Olloder 1885. Die Gtnäjcheeung findet Donners- tag, den ig. Dezember, 17V, Uhr, un Krematorium Gerichistraße statt. Am 7. Dezember starb unser Kollege, der Schleifer Bichard Spick geb 12. Mol>884. � Die Ginäschernng findet am Sonn» abend, dem>2. Dezember, 16 Uhr, im Krematoeium Daamschuienweg statt. Ehre ihrem Andenke»! Rege Beteiligung wird erwartet. Die Ortsvcrwalhmg Patentmatrapen ..Primisfima". Me. tallbetten Aukleae. matrapen. Cliaile- lonaues Walter Stargarderstraße achtzehn. KeinLadev Speisezimmer, 2 Meter, mit gro» ßer runder Ecke. passende Vitrine. ovaler Tisch, sechs Stühle, Nußbaum poliert, 799 Marl Größtes Möbelhaus des Südostens, Marist Hieschowiß. Skälißerftraßc 23 Hochdahl: Koitbusser Tor: Andreasstroße 36. gegenüber Leiter Herrenzimmer 299,—, Klubtische 16.59. 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