Morgenausgabe Nr. 581 A 292 4S. Jahrgang 1 8,80». WSchuitNch SS Pf. moi™ Cxioon 85 Pf. monatlich lui Q1I?„, luttü ins Hausj im voraus rahibau Posibszug 4L2 M. ewschlirßlich so Pf. P»"ö«>tung». und 72 Pf. PoftbesteLae» dührsn. Auslandsabonnement s.— M. pro Ronat; für Lander mit ermiitzia» lern Drucksachenporto 8.— M. f'-t„Bdnrätts* erscheint»ocheueSz- *4tv* r i ,t Li K i Ebend a SUjiftriertc SonntagÄbeilage .Boll uaö Zell". Verliner Voltsblatt Sonnabend 'IT. Dezember 193t Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die etnlpalt, Noiipaietllezelle SO Ps. RellamezeUe 5,— RM.„kleine An- Aeiqen" das fettgedruckte Wort 25 Pf. (zuläffigLwei fettgedruckte Wort«),»edes weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt. To>'s. Stellengesuche das erste Wort 15 Pü fedes weitere Won 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Wort«. Arbettsmortt Zeil« 60 Pf. Familien« anzeigen Zeile äO Pf. Anzeiosnannahrne mr Hauptgeschäft Lindenstraße L. wochen» täglich von 8»/, bis 17 Uhr. Der Verlag dehält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen oori Isntvatorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands Ä e t> a k t i o n und Verlag: Berlin EW L8. Lindenstr. 3 »urnspE.. T-önhoff(A T) 292— 297. Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Postschrcklonta: Berlin 3? S3K.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten. Lindenstr. 3 Dt B.u.Disc..Gei.. Deposttenk.. Ierusaleiner Str. KS-K. Kurzarbeit in Frankreich. Schon 2% Millionen.— 500000 Vollarbeitslose amtlich zugegeben. Paris, 11. Dezember.(Eigenbericht.) 3n der Sommer antwortete Arbeitsminister Landry am Freitag auf die Interpellationen über die Arbeits- l n s i g t e i t. Landry gab nur einen lieberblick über den gegen- märtigen Stand der Arbeitslosigkeit, aus dem hervorgelzt. daß die Zal)l staatlicher- und städtischerseits unterstützten Arbeitslosen in dieser Woche 104 280 beträgt, wozu noch, die erwerbslosen Seeleute und Dockarbeiter hinzuzurechnen seien, die aus besonderen lassen Unterstützungen beziehen. Die Gesamtzahl der Arbeitslosen in Frankreich müsse man auf üb« r 300 000 schätzen. Was die >1 u r z a r b e i t anbetrifft, so habe sie in letzter Zeit großen Umfang angenommen. Der Arbeitsminister stellt« weiter fest, daß im Navenibcr 1 037 000 Arbeiter und Angestellte in Betrieben mit über 100 Per- sanen nicht voll beschäftigt gewesen seien. Wenn man denselben Prozentsatz für die mittleren und kleinen Betriebe anwende, so komme man zu einer Gesamlzisser von etwa l'A TttiUlonen Kurzarbeitern. Die Lage sei also, so bemerkte der Mlmstor, sehr e r n st, wenn auch weniger katastrophal als in Deutschland, England und Amerika. Der Staat habe die Pflicht, für die Opfer dieser Krise z» sorgen. In Frankreich gebe es keine Arbeitslos enver- s i ch e r u n g, was er, der Minister, nicht bedauere, denn es handele sich nur um eine vorübergehend« Gesahr. Es wäre auch unmöglich, sofort eine derartige Versicherung zu schassen. Neben den Unter- stützungskasien der Gewerkschaften habe Frankreich die öffentlichen ArbeitslosensonLs, um deren Vermehrung sich die Berwoltui'.g ständig bemühe Zur Zeit seien 263 solcher Jopd? iy Tätigkeit. Die Beteiligung des Staates an den Fonds betrag« SO Prozent. Die Zu- lasiungsbedingungcn seien in der letzten Zeit verbessert und die Unterstützungssätze erhöht worden. Die Dauer der Unterstützung sei von vier aus sechs Mo'wte nerlangert worden. Außerdem sei eine K r i s e n u n t e r st ü tz u n g für die Arbeitslosen eingerichtet worden, die bereits sechs Monate lang Arbeitslosenunterstützung bezogen haben.. Für die Dockarbeiter und Seeleute sei ein besonderes Unterstützungssystem geschaffen worden. lieber die von der Regierung ergriffenen bzw. beabsichtigten Mahnahmen zur Verringerung der Arbeitsiosigkeit wird der Mi- nister sich in einer späteren Sitzung äußern. Nur 28 Stimmen Mehrheit für Laval. Paris. 11. Dezember.(Eigenbenchi.) Der„A b n u tz u n g s l a m p f", den die Opposition gegen die Regierung und ihre Mehrheit zu führen entschlossen ist, wurde am Freitag in der Kammer fortgesetzt. Die Kammer sollte am Nachmittag über dos Abkommen zwischen der Regierung und der Bank von Frankreich betreffend die Deckung des durch die Entwertung des englischen Pfundes hervorgerusenen Verlustes beraten, das am Mittwoch von der Finanzkommission mit 12 gegen 6 Stimmen gebilligt worden war. nachdem zwei so- zialistische Gegenanträge abgelehnt waren. Da jedoch der gedruckte Bericht der Kommission bis zum Beginn der Kammersitzung noch nicht vorlag, schlug Ministerpräsident Laval vor, die Beratimg auf Sonnabendvormitlag zu verschieben. Dieser Antrag gab wiederum Anlaß zu einer stürmischen Debatte, da die Soziolistc» mit Unter- stützung der Radikalen die Vcriogung bis zum Montag verlangten- Pie Folge war, daß eine namentlich« Abstimmung stattsand. in der die Regierung mit nür 28.StiwlNen M'chrheit siezt«. Kein Geld für Reparationen. Deutsche Grktämng im Prüfungsausschuß. Basel. 11. Dezember.(Eigenbericht.) •5« Sonderauöschnß der BIZ. legte der deutsche De- legierte Graf Schwerin dar. daß für Teutschland die Zahlung irgendeiner Reparationsleistung im nächsten Etatsjahr vollständig ausgeschlossen sei. Aus Schwerins Bericht über die Lag« der öffentlichen chaus- halt« ch hervorzuheben, daß nach seiner Ansicht mit der vierten Notnerordnung die letzten F in a nz q u« l l e n des Reiches beansprucht worden seien. Man erwart« für das Budget 1.932/33«inen Steilerausfall von 600 Millionen Mark, der jedoch, wie man hoff«, teilweise durch die Erhöhung der Umsatz- st euer ausgeglichen werde.» Die nächste Tagung des Vermaltun gsrots der BIZ. wunde auf Montag, den II. Januar, festgesetzt. Der Verwaltungsrat wird sich mit der Erneuerung der am IS. Januar fällig werdenden Kredite an Oesterreich und Ungarn befassen. Washington wartet ans Basel. Washington, 11. Dezember. Im Staatsdepartiment wurde heute erklärt, daß die ?kufuahln« der Tätigkeit der hiesigen Kriegs schuld« ntom- Mission von den Baseler Derhaudlungen abhängig sei; denn erst wenn festgestellt sei, auf welchen Betrag an Reparationen die alliierten Regierungen verzichten müsien. könne hier die Zahlung»- söhigkeit der Schuldner geprüft werden. Im Interesse iowohl Deutschlands wie einer sympathischen Einstellung der hiesigen öffentlichen Meinung gegenüber einer Reduktion der alliierten Schulden hoff« man daher, daß in Basel bald eine oer- nunstgemähe Regelung erzielt werde, welche dartue, daß alle Regierungen und alle Volker im Intersse einer Rückkehr zu besieren wirtschaftlichen Verhältnissen Opfer zu bringen bereit seien. Die Siillhaliungsverhandlungeu. Gestern in Berlin begonnen. Amtlich wird gemeldet: Die Vertreter ausländischer und deutscher Schuldner- Komitees kennen am Freitag zusammen und tauschten Ge- danken aus. Die Vertreter des deutschen Schuldnerausschusses legten detailliertes Zahlenmaterial über die gegenwärtige Lage vor. Um die nötig« Zeit zum Studium dieses Zahlenniaterials und zur Vervollständigung der Organisation für die weiter« Der- Handlungsführung zu gewinnen, vertagte sich die Versammlung. Verschieden« Unter au»{chü{(e werden das vorliegende Material studieren und Tagesordnung sowie Berichte über die Plenarversammlung vorbereiten, die, sobald erforderlich, wieder zusammentreten wird. Ltm die Einberufung des Reichstags. Wirtschastspartei dagegen, Voikspartei dafür. Die Wirtschaftspartei teilt mit:„Der Reiebsousschuß der Wirtschastspartei nahm am Freitag den Bericht des Fraktions- führers M o l l a t h über die politische Lage und die Stellungnahme der Fraktion zur Notverordnung entgegen. Der Reichsausschuß sieht mit der Reichstagssraktian in der Notverordnung ein letztes unerhörtes und in seinen Auswirkungen derzeit noch unübersehbares Opfer im Kampf um die politische und wirtschastliche Freiheit Deutschlands, das die Reichsregierung von dem deutschen Volke nur dann zu fordern berechtigt ist, wenn sie von dem unerschütterlichen Wllen erfüllt ist, den Kampf gegen den Versailler Ver- trag im ganzen mit allen Mitteln zu führen und im besonderen jede Tributzahlung für die Zukunst abzulehnen. Der Reichsausschuß nimmt von dem Beschluß, der Fraktion die Entscheidung über Einberufung des Reichstages aus Anfang Januar zu legen und gegen den kornrnu- n i st i s ch e n Antrag auf Einberufung des Reichstags noch vor Weihnachten zu stimmen, Kenntnis, häll jedoch nach Lage der Dinge in Uebereinstimmung mit der Reichstag-sraktion auch seinerseits den ZusammentrittdesReichstagsindererstenthälske des Januar für erforderlich, um dann zu der bis dnhin mit größerer Klarheit zu übersehenden auhenpolitischeii Lage sowie zu den Auswirkungen der Rotverordnung und zur Gesomtpolitik des Kabinetts Stellung nehmen zu können." Die Reichstagssraktian der Deutschen V o l k s p a r t e i beschloß am Freitag im Aeltestenrat für die Einberufung des Reichstags stimmen zu lassen. polnischer Anspruch abgewiesen. Haager Entscheidung zugunsten OanzigS. Der Haager internationale Gerichtshof hat urit 11 gegen S Stimmen entschieden, daß alle völkerrechtlichen Verträge und Abmachungen Polen keinerlei Rechte oder Befugnisse geben, die Zulassung polnischer Kriegsschiffe in den Gewässern oder dem Hafen Danzigs zu fordern. Dieses, Verlangen Polens ist nicht nur juristisch ungerecht- fertigt: Polen hat doch Edingen zu einem gewalligen Hafen aus- gebaut und kann dort sein« ganze Kriegsflotte so bequem unterbringen. daß es das deutsch« Danzig wahrhaftig nicht auch noch dazu braucht. Finanzen und Wirtschaft. Oie Aussichten des deutschen Reichsetats. Von Wilhelm Keil. Wenn das Wirtschaftsleben der Welt die größten Er- s6)ütterttngen erfährt, wenn das internationale Kreditsystem in ollen Fugen kracht, so müssen die öffentlichen Finanzen aufs stärkste in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Budgets aller Staaten sind aus dem Gleich- gewicht geworfen. Die Staatswirtfchaft auch der reichsten Länder bleibt von diesen Zluswirkungcn nicht verschont. Das Defizit des Budgets der Vereinigten Staaten von Amerika ist größer als das ganze Budget des deutschen Reichs. Die Mittel, die zur Balancierung der Budgets ange- wandt werden, haben mit den Grundsätzen einer geordnete» Staatsfinanzpolitik nichts mehr zu tun. Das gilt von fast allen in den Strudel der Finanz- und Wirtschaftskrise hinein- gezogenen Ländern, es gist im besonderen von Deutsch- l a n d, das in dieser schwierigsten Zeit auf die verfassungs- mäßige Mitwirkung der Volksvertretung zur Lösung der Finanzprobleme verzichten muß. Der Bericht, den Reichs- finanzminister Dietrich dem Haushaltsausschuß des Reichs- tags unmittelbar nach der Verkündung der neuesten Rotvcr- ordnung über die Finanzlage des Reiches erstattet hat. gibt ein Bild von den B e r h e e r u n g c n, die durch die wirt- schaftlichen Erlebnisse der letzten Monate in der Haushalts- Wirtschaft des Reichs angerichtet worden sind. Abgesehen von den großen Aenderungen des ursprünglichen Etatsentwurfs yor der Berakisthiedung durch den Reichstag hoben im Lause der verflossenen acht Monate des Rechnungsjahres i in m e r neue Bersuche der Etatau sglcichuirg unter- nommen werden müssen, weil die für den Augenblick schein- bar erreichte Balancierung sich jedesmal kurze-Zeit später als nichtig erwies. Dembfchiedet wurde der Etat für 1931 mit 10,7 Mil- ltarden Mark in Einnahme und Ausgabe. Aus Grund her ihr vom Reichstag erteilten Ermächtigung nahm die Reichs- regierung nachträglich noch Ausgabestreichungen in Höhe von 1,4 Milliarden Mark vor. Damit waren die Ausgaben um 2,6 Milliarden unter die des Jahres 1930 herabgedrückt. Die rapid sinkenden Einnahmen reichten trotzdem zur Deckung der Ausgaben nicht aus. Mit der Notverordnung vom 5. Juni wurden daher neben der Gehaltskürzung und weiteren Aus- gabesenkung Einnahmeerhöhungen im geschätzten Ertrag von 688 Millionen Mark bewirkt, wovon 623 Millionen Mark ans die Krisensteuer, 113 Millionen Mark auf die Abkürzung der Zahlungsfrist für die Umsatzsteuer, 110 Millionen Mark aus die Erhöhung der Zuckersteuer, 75 Millionen Mark auf die Erhöhung der Mineralölsteuer, 60 Millionen Mark auf den Wegfall der Lohnstcuererstattungen, der Rest auf kleine Mehreinnahmen entfallen. Iin Zusammenhang damit wur- den neue Steuerschätzungcn vorgenommen. Kaum war das geschehen, da machte die Julikrise einen dicken Strich durch die neue Rechnung. Die Steuereinnahmen blieben hinter den soeben erst erfolgten Schätzungen wieder erschreckend zurück, gleichzeitig aber mußten neue unabweisbare Ausgaben ge- deckt werden. Im ganzen mußte für eine Etatsverfchlechte- ning von 2478 Millionen Mark Deckung gesucht werden. Jetzt kam dem Reichshaushalt neben den Steuer- und Zoll- crhöhungen der Juni-Rotverordnung die Reparotionserleich-- terung zugute. Ein großes Loch, das noch verblieb, wurde mit der Zwesten Gehaltskürzung und neuen rücksichtslosen Ausgabestrichen ausgeglichen. Dieser Ausgleich war indessen bald wieder von der Eni- Wicklung übcrhost. Bereits jetzt rechnet der Reichssinanz- minister mit weiteren Steuerausfallen in Höhe von 200 Mil- lionen Mark, neue Ausgaben sind nötig geworden und auf den geplanten Verkauf von 150 Millicmen Mark Reichsbahnvorzugsaktien muß des tiefen Kurses wegen verzichtet werden. Durch Münzgewinne, nochmalige Ausgabestreichun- gen, die neueste Gehaltskürzung, die llmsatzsteuererhählmg und Vorrüikung des Einkommenfteuertermins soll die Deckung erfolgen. Es bedarf keiner Betonung, daß die Bor- rückung von Steuertenninen, Fristverkürzungen, Münz- gewinne keine Mistel zur soliden Deckung laufender Ausgaben sind. Solche Bedenken schlagen aber in diesen Notzeiten nicht mehr durch.' Mit dem Rückgang der Steuereinnahmen ist zugleich eine Verschiebung in der Belastung von Be- sitzenden und breiten Massen verbunden. Unter Einrechnung der Zuschläge bringen die Besitz- und Berkehrs- steuer nach den letzten Schätzungen im laufenden Jahr 1,2 Milliarden weniger, die Zölle und Verbrauchs- steuern 2G0 Millionen Mark mehr als im günstig- Hitler gegen Brüning. Er woltte im amerikauischeu Rundfunk auf Brünings Rundfunkrede aniwortev. sten Steuerjcchr 1929. Dabei ist die Umsatzsteuer zu den Ver� kqhrssteuern gezählt. Die Einkommensteuer bringt samt dem Zuschlag von 5 Proz. für die Einkommen von mehr als 8000 M., samt Ledigenzuschlag und Auffichtsratssteuer tn diesem Jahr noch ruiu) 2 Milliarden Mark gegenüber 3fi9 Milliarden Mark im vorletzten Jahr. Für das nächste Zahr rechnet Dr. Dietrich kaum noch mit 1,8 Milliarden Mark. Borausgesetzt, daß die Wirtschaft nicht noch mehr zu- sainmenbricht, IM Minister Dietrich nunmehr den Reichsetat für 1931 für gesichert. Ein großes Fragezeichen ftchtabervordemJahr 1932. Hier hängt alles davon ah, wie das Wirtschaftsleben sich weiter gestaltet. Die Reichs- regierung setzt alle ihre Hoffnungen auf die Wirkungen ihrer neuesten Notverordnung im In- und Ausland. Andere Wirtschastsbeobachter glauben prophezeien zu können, daß die Welt, nicht nur Deutschland, bis zum Frühjahr das Gröbste überwunden habe. Wir, die wir die Schrumpfungs- maßnahmen der Notoerordnung mit erhöhter Sorge be- gleiten, wollen uns gern dem Wunderglauben ergeben, wenn jene Hoffnungen sich erfüllen sollten. In diesem Falle wür- den auch die befürchteten Nachwirkungen der Steuerausfällc bei den veranlagten Steuern bald ausgeglichen durch das Wiederanwachsen der sofort fließenden Einnahmen wie der Lohn-, der Umsatz- und der Verbrauchssteuern. Wie sehr die Verbrauchssteuern von der Krise beeinflußt werden, zeigt die Biersteuer, die trotz starker Erhöhung der Steuersätze im Jahr 1931 nicht einmal den Ertrag von 1929 bringen und um rund 130 Millionen Mark hinter der ersten Schätzung von 330 Millionen Mark zurückbleiben wird. Die Wirtschaftsentwicklung und die mit ihr aufs engste verknüpfte Finanzgestaltung wird schließlich aber entscheidend beeinflußt werden durch die internationalen Ver- Handlungen über Deutschlands Zahlungsverpflichtungen. Würde sich bei den Großmächten der Well die Einsicht vom Wahnwitz der deutschen R ep a ra t i o n so e r- p f li ch t u n ge n, der erst kürzlich von den deutschen Gewerk- schaften so eindrucksvoll betont worden ist, durchsetzen, so wäre für die ganze Welt und damit auch für Deutschland viel gewonnen. Handelskonflikt mii der Schweiz. Bor der Kündigung des Handelsvertrages? Nach der Unterbrechung der deutsch-schweizerischen Wirtschaft,- Verhandlungen Ende November haben in den letzten Tagen in Verlin neue Besprechungen über die künftige Gestaltung des deutsch-schweizerischeu Handelsvertrages stattgefunden. Wie von - zuständiger Stelle hierzu mitgeleilt wird, ist es nicht gelungen, zu einem positiven Ergebnis zu kommen, obwohl bei den verhaud- langen von beiden Seiten der aufrichtige Wille gezeigt wurde, die bestehenden Schwierigkeiten zu überwinden. Der Führer der Schweizer Delegation hat Berlin bereits wieder verlassen, um seiner Regierung Bericht zu erstatten. Im Zusammenhang mit dem Abbruch der Berliner VerHand- lungen steht der grundsätzliche Beschluß des Schweizer Bundes- rates, dem Parlament unverzüglich eine Vorlage zu unterbreiten, die dem Bundesrat zur Durchführung von Einfuhr- beschränk u ng-en(Äontingentic rungen) ermächtigt. Diese Vor- ?ag« beweist, daß die Schweiz entschlossen ist, ungeachtet der nach- JuaiiZlichim Proteste Deutschlands sein« Einfuhr durch Kontingen- tierungen stark zu drosseln. Bei dieser Zuspitzung der Lage ' muß damit gerechnet werden, daß die Schweiz den Handels- vertrag mit Deutschland zum letztmöglichen Termin am 18. Dezember kündigt. General Lchmann moralisch verurteili. Er hatte nach Fememördern gegen Hindenburg gerufen. Dresden, 11. Dezember. Ein politischer Beleidigungsprozeß gelangte heute vor dem hiesigen Amtsgericht zur Verhandlung. Es handelle sich um die Beleidigungsklage, die der General a. D. Lltzmann gegen den Reichstagsabgeordneten Dr. Rudolf Schneider angestrengt hatte. Das Gericht kam zu einem Freispruch Dr. Schneiders. Die Vorgeschichte dieses Prozesses führt auf den sächsischen Land- tagswahlkampf im Mai und Juni 1930 zurück. In einer national- sozialistischen Wahloersammlung hatte General Litzmann die ver- antwortlichen Unterzeichner des Friedensvertrages und anderer internationaler Verträge angegriffen. Litzmann hatte ausgerufen: .Leider fehlen uns die Feinerichter, um diese Unterschreiber unschädlich zu machen!" Wegen dieser Aeußerung hatte der volksparteiliche Aboegrdnete Dr. Rudolf Schneider gegen General Litzmann öffentlich heftige An- grisso gerichtet und ihm vorgeworfen, daß er damit auch gegen Hindenburg„Femcrichter", also Fememörder verlangt habe. Durch diesen Vorwurf fühlte sich General Litzmann beleidigt und stellte gegen Dr. Schneider Privatklage. Litzmann, der vor Gericht nicht erschienen war, hat sich bei seiner protokollarischen Vernehmung damit zu entschuldigen gesucht, daß er die Unterzeichner des Waffen- stillstandes und des Versailler Vertrages gemeint habe, also„nur" Crzbergcr und Hermann Müller. In der Verhandlung wies der Beklagte Dr. Schneider nach, daß Litzmann außer Erzbsrgcr und Hennann Müller auch Hindenburg imbedingt geineint haben müsie, von dein er als General doch wußte, daß Hindenburg für den Waffenstillstand verantwortlich gewesen sei. Das Gericht begründete den Freispruch vor allem damit, daß die Aeußerungen des Generals Litzmann„von seltener Vermessenheit" gewesen seien. Ohne auf die Frage einzugehen, welche politischen Persönlichkeiten von dem General angegrifsen worden seien, noch aus eine politische Differenzierung der einzelnen Persönlichkeiten sich einzulassen, habe das Gericht Dr. Ru- dolf Schneider denSchutzdesSjlgZ zugebilligt, da Dr. Schneider. der mit Streseinann befreundet gewesen sei, sich als Politiker und Mensch in einer besonderen Situation befunden habe.— Das Gericht verneinte auch das Vorliegen einer formalen Beleidigung. Oienstverbrechen von Razipostbeamteu. Verletzung des Briefgeheimnisses durch Nationalsozialisten. Slaßfurl. 11. Dezember. Nationalsozialisten � der Stenues-Gruppe haben, wie die hiesig« Polizei mitteilt, eine Anzeige erstattet, daß zwei P o sl- d« a m t e die an den Landtagsabgeordneten und Bürgermeister Kasten aus dem Preußischen Landtag und von der Parteileitung der SPD. gerichtete Post einem der NSDAP, angehörigen Herr Hitler war am Freitagmorgen wieder nach Berlin ge-! kommen und hatte seine.Flesidenz" wieder im Kaiserhos aufgeschlagen. 1 Er hatte die Absicht, vor der ausländischen Presse dem Reichskanzler Brüning zu antworten. Im Laufe des Vormittags muß ihm vor diesem Schritte angst geworden sein, er hat den bereits geplanten Empfang der auswärtigen Press« wieder absagen lassen. Seme Rückkehr nach Berlin hatte noch einen anderen inter- essanten Zweck. Cr hat etnen Vertrag mit Hearst. Aus Grund dieses Vertrages sollte er am Freitagabend zwischen 23 und 24 Uhr deutscher Zeit über den amerikanischen Columbia Broadcast, also im amerikanischen Rundfunk sprechen. Diese Rundfunkrede vor der Oeffentlichkeit des Auslandes sollte seine Antwort aus die Rundfunkrede des Reichskanzlers werden. Es war geplant, daß Hitler über das besondere Verstärker- kabel nach London sprechen sollt«, von dort sollte seine Rede durch Friseur ausgeliefert haben sollen. Der Friseur soll die Briefe vorsichtig geöffnet und Abschriften davon ge- macht haben. Erst dann wurden die Postsachen dem Empfänger abgeliefert. Die Untersuchung der Angelegenheit ist im Gange. Hiilers gefälschte Toieuliste. Schändlicher Mißbrauch mit dem Namen eines Toten. In Hagen feuerten die Nationalsozialisten am 28. Mai 1931 nach einer Versammlung auf der Straße 30 bis 30 Schüsse ab und töteten dadurch den Friseur Emil Wagner, den Bau- arbeite? Josef Ernst und den Arbeiter Julius Lücke. In dem vor kurzem durchgeführten Prozeß gegen acht National- sozialisten stellte der Vertreter der Staatsanwaltschast ausdrücklich fest, daß er es für erwiesen halte, daß durch die Schüsse der Nationalsozialisten drei Personen getötet worden sind. Einen der von den Nazis Getöteten, den Friseur Emil Wagner, reklamierten die Nationalsozialisten für sich und sichren ihn auch aus chren Totenlisten! Dabei steht fest, daß W. weder Mitglied der NSDAP, war noch sonstwie der NSDAP, nahe- stand. In seinem elterlichen Haushall wurde eine kommunistische Zeitung gehalten. Also nicht nur genug, daß W. von National- sozialisten getötet wurde, wird jetzt noch diese Tat dazu benutzt, ihn zum nationalsozialistischen Märtyrer zu machen. So sehen die notio- nalsozialistischen Totenlisten aus! Das ist der Razi! Versumpfter Pennäler und anonymer Feigling. Unmittelbar nach den hessischen Landtag-wahlen erhielt ein als Demokrat bekannter Oberstudiendirektor an der Gisßener Oberreal- schule, Professor Michel, einen mit Hakenkreuzen ein- gerahmten anonymen Drohbrief. Dieser Brief kündete dem Professor an, daß nunmehr sein« l« tz t e Stunde geschlagen habe, und erging sich dann weller in sadistischen Mord- und T o d e s d r o h u n g« n. die in der gemeinsten und ekelerregendsten Weise ausgeschmückt waren. Der Kriminalpolizei gelang«s, als Schreiber dieses Briefes den zwanzigjährigen Oberprimaner voii Rodenhahn zu ermitteln. Nach williger Naziart leugnete dieser natürlich zuerst alles, mußte aber, in die Enge getrieben, schließlich zugestehen, der Schreiber des Brieses zu sein. Die Lohrerkonserenz der Oberreal- ! den Kurzwellerrs cuder nach Amerika übertragen werden. Die be, 1 sondere Verstärkerleitung untersteht dem Reichspostministerimn. Das Reichspostmlnksterium hat seine Genehmigung zu diesem Gespräch nicht erteilt mit der Begründung, baß es mit dar Zurverfügungstellung des Kabels den Monopolvertrag zwischen der Reichsrundsunkgesellschaft und der am°ri?anrschen National Broadcast durchbrechen würde. Abgesagt? New Jork. 11. Dezember.(Eigenbericht.) 3m Laufe des Nachmittags teilte der Ansager der Columbia- Rllndsnnk-Gcsellschast mit, daß die llebertragung der geplanten Antwortrcde Hitlers an Dr. Brüning, die zwischen 5 und 6 Ahr nachmittags vorgesehen war u Die ersten Preissenkungsmaßnahmen sind schon bekannt. In- dustrien, die das Weihnachtsgeschäft ausnützen wollen, gehen voran. Produzenten und Händler von Photoapparaten haben den l. Januar nicht abgewartet, sondern mit sofortiger Wirkung die Preise um kl) Proz. herabgesetzt. Das gleiche wird für die Schall- Plattenindustrie gemeldet. Die Versorgung mit Hausbrand ist vielfach, weil die Gelder fehlten, nur von der Hand in den Mund erfolgt. Die Kohlenindustrie hatte darunter zu leiden. So ist es verständlich, daß vom Mitteldeutschen Braunkohlensyndikat ebenfalls beschlossen ist, mit Wirkung ab 11. Dezember die Braunkohlenpreise. d. h. für die Berliner Verbraucher die B r i k e t t p r e i s e zu senken. Hier muß die Preissenkung über 10 Proz. erheblich hin- ausgehen, weil neben der Lohn- auch die Frachten- und Zins- fenknng zu berücksichtigen ist, weil die Preise überhöht waren, weil auch die Zwischenverdienste der Großhändler gekürzt werden können. Der Preisabschlag für den Brikett einzelhandel und ebenso di« Preiskontrolle wird noch durch eine besondere Verordnung ge- regelt, die wahrscheinlich der Reichskommissar Görbeler erlassen wird. Wir haben gestern schon geschrieben, daß für Briketts beim letzten Verbraucher eine Preissenkung bis zu 20 Proz. erreicht werden müßte, ohne daß der kleine Händler ungerecht behandelt wird. Die Steinkohlenkartelle lzatten es bisher mit ihren Preisbeschlüsscn noch nicht so eilig, obwohl für sie dieselben Ge- sichtspunkte gelten. Wie man es aber bei der Schmerindustrie gewöhnt ist, macht man dort Winkelzüge, um die für die Bergwerke ohnehin sehr günstige Notoerordnung— die Entlastungen dürften die Preiseinbußen nicht unerheblich übersteigen— zur Erlangung von Sondcrgewinnen auszunutzen. So spricht man schon von der Schaffung eines Kohlenzolles, der offenbar die Preissenkung wieder aufheben würde. Die Oeffentlichkeit muß hier den Reichswirtschaftsminister bei der Bekämpfung solcher Ver- suche mit ihrer. �Aufmerksamkeit und Kritik vorwärtstreiben. Auch bei allen Markenwaren ist ein« lOprozentig« Preissenkung zum 1. Januar angeordnet. Wieder läge es im Interesse der Produzenten und Händler, nicht erst die Käufer zum Abwarten der Preissenkungen zu ermuntern, sondern sofort zu handeln. Hier geht ein Streit darum, in welchem Ausmatz sich Produzent, Großhändler und Einzelhändler an der Preissenkung beteiligen sollen. Die Zigaretten- i n d u st r i e, die großenteils ebenfalls Marken produziert, will von der Preissenkung nicht betroffen werden. Sie beruft sich darauf, daß der Uebergang von der Neuner- zur Zehnerpackung den Preis- abbau bereits vorweggenommen habe. Hier wird man näher zu- sehen und auf die Entscheidung der Behörden achten müssen. Jeden- falls handelt niemand klug, der bei allgemeiner Einkommensver- ringerung der Massen nicht selbst zur stärksten Preissenkung beitragen möchte. Sonst verkauft er einfach nichts. Gerade für das Weihnachtsgeschäft ist das wichtig. Im übrigen sieht es so aus, als ob die Durchführung der Kartellpreissenkung noch große Schwierigkeiten bietet und als ob sich mehrere Industrien darauf berufen wollen, daß die Notverordnung dem Reichswirtschaftsminister die Möglichkeit von Ausnahmeregelungen zugesteht. Diese Schwierigkeiten scheinm zunächst von der Eisen-, Zement- und Düngemittelindustrie gemacht Zu werden. Die Preisregelung in der Notverordnung mag so schlecht sein wie sie will— Winkelzügen wird man hier begegnen müssen. Sic Kapitalbildung in der Form, daß auf der amen Seit« individuelle Ersparnisse aus dem Einkommen gebildet werden und auf der anderen Seite die Anlegung dieser Ersparnisse in der öffent- lichen oder privaten Wirtschast dadurch ermöglicht wird, daß sie auf dem Krediüvege den össentlichen Körperschaften oder Unter- nehmungen zur Verfügung gestellt werden. Die Kapitalbildung funktioniert nicht, wenn entweder nirgends Ersparnisse gemacht werden oder wenn der Prozeß der Ueberleiiung von den individuellen Ersparnissen zur Anlage gestört wird. Seit Jahren hat man von allen offiziellen Stellen immer wieder die mangelhafte Kapitalbildung und Kapital- Versorgung in Deutschland als eine wesentliche Quelle der Kirisenver schärfung bezeichnet. Man hat darin oft über- triebe», aber auf manchen Gebieten, wie zum Beispiel in der Be- sieuerung, hat man Gesichtspunkte der Gerechtigkeit dem höheren Ziel der Kapitalverforgung geopfert. Und jetzt macht man einen Eingriff auf dem Gebiete der Jinsrcgeiung, der unseres Erachtens viel mehr als die Besteuerung hoher Einkommen oder die Besteuerung von Kapitalerträgen geeignet ist, die Kapital- bildung, nämlich den Weg von der individuellen Ersparnis zur An- iagcmöglichkeit, für die Zukunft zu erschweren. Wie lange wird die Freude über die Entlastung bei den allen Schulden anhatten, wenn man sieht, daß die Finanzierung von Neubauten oder Unternehmungen durch die Neuaufnahme lang- fristiger Schulden nicht verbilligt, sondern erschwert, möglicher- weise verteuert werden wird? Statt durch eine planmäßige Bewirtschaftung des Kapitalmarktes, das heißt durch«ine Leu- kung des Kapital st romes von den großen Sammelbecken der Kreditinstitute aus in die volkswirtschastlich wichtigsten Anlage- zweige swie sie das Ziel der B a n k e n k o n t r ol l« sein sollte), eine Besserung des Verhältnisses zwischen Kapitalangebot und Anlagebedvf planmäßig anzubahnen, die dann ihrerseits die Zinssenkung auch für langfristige Anlagen zur Folge haben würde, macht man das Experiment eines recht rohen Eingriffes in die be- stehenden Darlehensverträge, ohne sich viel um die Rückwirkungen auf den künftigen Kapitalverkehr zu kümmern. Wir sind gewiß keine Gegner von regelnden Eingriffen in die ireie Wirtschaft, aber gerade weil wir diese Eingrsfe für notwendig halten, glauben wir, daß sie nur mit kluger und weitsichtiger Ueberlegung gemacht werden dürfen und nicht in einer Weise, die im Augenblicke viele Freunde finden mag, die aber den Weg zur Gesundung mehr erschwert als sie die augenblickliche Lage erleichtert. Notverordnung und Löhne. Kommentar des Staatssekretärs Dr. Geib. Geht's den Hypothekenbanken schlecht? Mußten die Grund- und Hausbesitzer entlastet werden? In der Aufsichtsratssitzung der Deutschen Zentral- Boden-Kredit A.-G., die zum HypoÄiekeirbankentrust der Ge» nreinschaftzgvuppe gehört, amrÄe mitgeteilt, daß die Gewinne der abgelaufenen elf Monate des Jahres 1921 annähernd denen des Vorjahres entsprechen. Ferner wurde mitgeteilt, daß sich die Rückstände aus Darlehnszinscn bis zum 8. Dezember auf 9,9 Millionen gegen 3,3 Millionen Mark am Ends des Lahres 1939 erhöh: haben. Auf die Zinsenrückstände von Ende 1929 sind in- zwischen 69 Proz. eingegangen. Bon den 9,9 Millionen entfallen 1,49'Millionen aief ländliche. 4,69 Millionen aus städtische Be> lekhungen und mir 9,37 Millionen aus kommunale Darlehen. Es wird weiter mitgeteilt, daß die Zahl der Zwangsversteige- r u n g e rfin den ersten neun Monaten 366 betrug(9,94 Proz. sämtlicher BcfMhuiigscäjettc) gegen 492 für das ganze vorige Jahr. Diese Zcchicn sind außerordentlich lehrreich. Die schwer verdienenden chlipothekenbanken waren die Haupttreiber zur 'Abschaffung der H a u s z i n s st- u c r mit der Begründung, daß die städtische und ländliche Grimdstiicfswirtschcist und damit mich die Hypothekenbank«» ernstlich gefährdet seien Die Ziffern der Zentral- Boden-Kredst A.-G. beweisen, daß die Zahl der Zwangsvollstreckung e n und der Z w a n g s o e r wa l t u n g e n gegenüber dsm Vorjahr, wenn man die furchtbare Verschlechterung der Wirt- ichastslage berücksichtigt, überhaupt keine Verschlechte- rung zeigt(!) und daß die Summe der Zinsrückstände trotz ihrer Steigerung auch nicht entfernt jener Schwarzmalerei Rechnung trägt. Außerdem bestätigt die Zeutral-Boden-Kredit A.-G. selbst, daß sie dieselben Gewinne erzielt habe wie im vergangenen Jahr. Damit fällt neues Licht auf die F a l s ch h e i t d e r Voraus- fetzungen, von denen die Reichsrsgierung bei der Abfasfimg ihrer Notverordnung ausgegangen ist. Die Sanierung bei Minimax. Die Generalversamm- lung der M i n i m a x A.-G. in Berlin und Reuruppin nahm ohne Diskussion den Borschlag der Verwaltung auf cherobsctzung des Kapitals von 4 auf 9,8 Mill., also im Verhältnis 5: 1, an. Zwei Kleinattionärc stimmten gegen den Beschluß, ohne daß jedoch auch diese geringe Opposition die sensationellen Vorschläge der Verwal- kling zur Debatte stellten.?iach dem Sanierungsplan werden ins- gesamt 799999 Mark Abschreibungen und für 3,26 Millionen„Wert- berichtigungcn' vorgenommen. Da auch auf die für den Ausbau des neuen Schaumlöschuerfahrens gepachteten Gebäude und Grundstück« in Reuruppin größers Sonderabschrcibungen vorgenommen worden sind, scheinen sich die Erwartungen, die Minimax vor einigen Jahren bei der Einführung dieses neuen Verfahrens auf Ausdehnung des Exportes gesetzt hat, nicht in Erfüllung gegangen zu sein. Baumwollspinnerelen unker Pfunddruck. Die ollgemein« Lage in der deutschen Baumwollspinnerei war im November stark un- gleich. Verschärst hat sich die Situation bei den F e i n s p i n n e- r e i c n. da die neuen scharfen Kursverluste des Pfundes die eng- iischen Spinnereien in die Lage versetzen, jedes deutsche Angebot zu unterbieten. Schon im Oktober war d.ie Einfuhr englischer Feingarne gegen den September um 23 Proz. gestiegen. In anderen Betriebszweigen, so bei den Zkoeizylinder-Spinnereien, bat sich die Lage etwas besser gehalten.— Ueberraschend wirkt die Forderung des Verbandes der Baumwollspinnerelen, die Einfuhr englischer Fabrikate durch Devisenkonti ugentierung zu drosseln, denn bisber haben Industrie und Jndustrieverbänd« diese Art der Devisenkontü�cntierung geschlossen als gefährlich abgelehnt. Staatssekretär Dr. Geib vom Reichsarbeitsministerium sprach gestern im Rundfunk über„Die Löhne und Gehälter der Arbeiter und Angestellten noch der neuen Notverordnung". Er gab einen Ueberblick über die rechtlichen Auswirkungen, die sich aus dem ersten Kapitel des 6. Teiles der neuen Notverordnung ergeben. Es sollen demzufolge mit Wirkung vom 1. Januar 1932 die in den Tarifverträgen sestgesetztcn Löhne und Gehälter auf den Stand vom 19. Januar 1927 gesenkt werden. Damit ist, wie Dr. Geib ausführte, nur der Grundgedanke ausgesprochen, Die Lohnsenkungen sollen bis zu 19, aber nicht mehr als der aber in verschiedener Beziehung Abwandlungen zuläßt. 19 Proz., oder, falls seit dem 1. Juli 1931 keine Kürzung vor- genommen wurde, bis zu 16, aber nicht mehr als 16 Proz., betragen, auch wenn dt« Löhne am 19. Januar um mehr als 19 oder 16 Proz. niedriger waren. Für die im Kohlen- und Kalibergbau Beschäftigten ist, ohne Rücksicht auf die Löhne vom 19. Januar 1927, ein« Lohnsenkung von 19 bzw. 16 Proz. vorgesehen, ebenso für alle Arbeiter und Angestellten, für die es am 19. Januar 1927 eine tarifliche Regelung nicht gab. Mo Unklarheiten über die neuen Lohnsätze entstehen, sollen die Tarisvertragsparteien untereinander zur Einigung zu kommen versuchen. Ist dies bis zum 19. Dezember 1931 nicht ge- lungen, so tritt der Schlichter in Funktion, auch wenn die Par- teien chn nicht angerufen haben. Er entscheidet als sachverständige Verwaltungsbehörde endgültig und für beide Parteien bin- d e n d. Seine Entscheidung, auch wenn sie erst nach dem 1. Januar 1932 ausgesprochen wird, hat für diesen Termin rückwirkend Gültigkeit. Die Festsetzung der neuen Lohnhöhe wird dort oft S ch w i e r i g- k e i t e n machen, wo die Tarifverträge von 1927 unter der Vor- aussetzung von Sozialzulagen abgeschlossen wurden, die heute nicht mehr gezahlt werden. Auch werden infolge eines veränderten Arbeitsprozesses die Aktordfestfetzungen von 1927 nicht j immer zu den heute bestehenden Akkordlöhnen parallel gesetzt werden können. Die Laufzeit der Tarife, sofern nicht eine längere Dauer vereinbart ist, wird allgemein bis zum 39. April 1923 verlängert. Sie kann, wenn dies für die ruhige Fortentwicklung der Wirtschaft notwendig erscheint, sogar bis zum September 1932 ausgedehnt werden. Der Staatssekretär Dr. Geib hat es in seinem Kommentar vermieden, aus die praktischen Auswirkungen der Rotver- ordnung einzugehen. Wir haben schon a» einzelnen Beispielen auf- gezeigt, daß die Notoerordnung mit ihrer schcmatischen Lohnsenkung vielfach zu ganz unhaltbaren Zuständen führt. Bei der R e i ch s b a hn z. B. würde die vorgesehene Lohn- senkung von 19 Proz. bedeuten, daß ein volljähriger unge- lcrnter Arbeiter im Wirtschaftsgebiet!— das ist der ganze Osten— einen Stundenlohn von 46 Pf. bekommen würde! Nur in wenigen größeren Städten erhalten diese Arbeiter «ine gerwgsügige Ortslohnznlage. Dazu kommt, daß diese Arbeiter in den Monaten Januar bis März 1932 je drei Feierschichten haben. Wie soll ein ehrlicher Arbeiter sich und seine Familie mit einem solchen Lohn durchbringen? Wenn dem Schlichter für die Privatindustrie gewisse Möglich- kelten gegeben sind, die größten Unstimmigkeiten auszugleichen. wovon die Schlichter hoffentlich auch Gebrauch machen werden, bei den Arbeitern der öffentlichen Betriebe gibt es mm eine Zwangs- Vorschrift. Genau so verhält es sich mit den Beamten. Der Staatssekretär Dr. Geib wies in seinem Vortrag darauf hin, daß es unumgänglich notwendig sei, zwischen den Parteien selbst zu einer Einigung zu kommen, weil sonst die Schlichter eine kaum zu bewältigend« Arbeit bekommen würden. Hat man etwa im Reichs- arbeitsministerium angenommen, daß die Unternehmer, weil sie doch angeblich gegen einen Zwangseingriff des Staates in die Wirtschaft sind, von der Notverordnung«inen Gebrauch machen werden, der nicht bis zum Mißbrauch geht? Dos wäre wirklich eine sehr naive Annahme. Die Stellungnahme der Berliner Mctallindu- st r i c l l c n zeigt, was in dieser Beziehung zu erwarten ist. Wir haben vergeblich gewarnt und wir lehnen aus- drücklich die Verantwortung für die Folgen dieser Notoerordnung ob. Gleiches Recht für Frau und Mann Krau darf wegen Verheiraiung nichi enilaffen werden Zu dem Problem der Doppelverdiener fällte das Arbeits- gericht verlia am Donnerstag eine Entschließung von grund- sählichcr Bedeutung. Eine weiblich« Angestellte erhielt ihr« Kündigung. Grund der Kündigung war lediglich die Eheschließung der Angestellten. Der Unternehmer wollte dadurch den Grundsatz, keine Doppel- Verdiener zu beschäftigen, durchführen. Der Angestellten- rat hat den Einspruch gegen die Kündigung gebilligt und Klag« beim Arbeitsgericht erhoben. Der Vertreter der Klage, Dr. O l l« n d o r f vom ZdA., bczcich- nete die Kündigung als unwirksam, well sie lediglich wegen der Eheschließung erfolgt sei und deshalb gegen die R e i 6z s n e r f a ff u n g v e r st o ß e, die die Che unter beson- deren Schutz stelle. Aber wenn man unterstelle, die Kündigung sei wirksam, so stelle sie ein« unbillige Härte im Sinne des fj 84 Absatz 1 und 4 3391®. dar, denn die Angestellte sei gekündigt wogen ihrer Zugehörigkeitz um weiblichen Geschleckzt. Man könne sie übrigens auch nicht als Dvppelverdienerin ansehen, denn ihr Mann, ein Postangestellter, befinde sick) in y e k ü n d i g- ter Stellung. Die Angestellte habe auch einen alten Vater zu unterstützen. Dos Gericht unter Vorsitz des Amtsgerichtsrats Dr. A j ckz n e r erklärte den Einspruch gegen die Kündigung für gerechtfertigt und verurteilte den Arbeitgeber zur Weiterbeschästigung der Ge- kündigten oder zur Zahlung einer Entschädigung von 1299 Mark. Die Urteilsgründe besage», die Kündigung sei an sich wirksam, denn der in der Reichsverfassung ausgesprochene Schutz der Ehe sei nur ein Program mpunit, aus dem arbeitsoertragliche 9icchtc nicht hergeleitet werden könnten. Die Kündigung fei ober eme u n« billige 5) ä r t e, sie sei zweifellos wegen der Zugehörigkeit der Angestellten zum weiblichen Geschlecht erfolgt, denn wenn sie nicht geheiratet hätte, würde sie sich heut noch in ihrer Stellung befinden. Die Zliigestsllte fei also benachteiligt worden, weil sie weiblichen Geschleckzts fei. Die Kündigung sei auch nicht durch die Verhältnisse des Betriebes oder durch das Verhallen der Angestellten bedingt. Es liege demnackz eine unbillige Härte im Sinne des Z 84 Absatz 1 und 4 BRG. vor. * Dieses Urteil ist an sich von grundsätzlicher Bedeutung. Es stellt fest, daß die Frau im Wirtsckzastsleben das gleiche Recht hat wie der Mann. Wenn Entlnssungen notwendig werden, ist also, soweit auf die sozialen Verhältnisse Rücksicht genommen wird, nicht schcmatisch festzustellen, wer von den weiblichen Angestellten oder Arbeitern verheiratet ist und also als„Doppelverdiener" zuerst auszuscheiden habe. Die Frau hat das gleiche Recht auf Ehe wie der Mann. Nur wenn sich bei notwendigen Eni- lassungcn— dieser Fall lag hier gar nicht vor— herausstellt, daß eine Verheiratete die sozial Stärkere ist, was keineswegs immer der Fall ist, nur dann wäre ihr« Entlassung vor der einer Ledigen gerechtfertigt. Der schematische Unterschied, der zwischen berufstätigen verheirateten Männern und Frauen im allgemeinen gemacht wird. ist also nackz dem Urteil des Arbeitsgerichts unzulässig. AOB. zur Notverordnung. Existenzmöglichkeit vieler Beamten bedroht. Aus dein ADV. wird uns mitgeteilt: Die Bundesinstanzen des Allgemeinen Deutschen Beamten- bwides haben sich im Laufe der Woche mit der neuen Notverordnung der Reickisrcgierung und mit der durch sie gcsckzafsencii Loge be- schäftigt. Die neue schematischc Gehaltskürzung, die dos gegen- wärtige Einkommen der Beamten um mehr als 19 Proz. ver- ringert und die trotz aller Protest« und Warnungen gegen wei- ter« Lohn- und Gehaltssenkungen und entgegen dem bisherigen negativen Erfolge einer solchen Politik von der Regierung verfügt worden ist, muß selbstverständlich auf das schärfst« verurteilt und zurückgewiesen werden. Wenn der Reichsfinanzininister im Haus- Hallsausschuß mitteilte, daß Z. B. dos Gehalt der unteren Beamten noch über dem Friedenseinkommen stehe, so ist demgegenüber ses� zustellen, daß das Anfangsgehalt des Schaffners im günstigsten Falle heute schon unter den Bezügen vom Dezember 1924 steht und, gemessen an der K a u s k r a s t, weit unter das Bor- kriegsniveo» gesunken ist. Die neuen Kürzungen nehmen vielen Beamten in den untere» und mittleren Grpppcn die E r i st e n z- Möglichkeit. Besonders stark ist die republiktreue Beamtenschaft darüber empört, daß, während bei der Reichswehr die Unmöglichkeit weiterer Kürzungen anerkannt wird, man gegen sie z u m v i s r t e y- mal in noch nicht anderthalb Jahren mit rücksichtslosen Eingriffen in ihre Lebenshaltung vorgeht. Wenn den Deanüen nicht inehr die Möglichkeit gegeben wird, den Lebensunterhalt ihrer Familien zu bestreiten, so braucht man sich über die fortschreitende Radikalisierung großer Teile der Beamtenschast nicht zu wundern. Daß der ganze„Plan", nach dem die Notverordnung die daniederliegende Wirtschaft zu beeinflussen und zu bessern sucht, nichts zu tun hat mit den vom ADB. im Verein mit den freien Gewerkschaften schon seit langem erhobenen Forderungen der plan- mäßigen Stärkung des inneren iMarttes, her Lankenaufsicht, der Kartellkontrolle, der gerechten Verteilung der Krisenlasten u. a. m. Die neue Notverordnung stellt trotz der immer gefährlicher werden- den Zuspitzung der Lage keine Umkehr auf dem bisher beschrtttenen Wege sozialer Ungerechtigkeit und wirtschaftlicher Unzulänglich- keit dar. Wenn es gelingen soll, auch nur über hie bevorstehenden schweren Monate hinwegzukommen, muß zum mindesten verlangt werden, daß die Lohn- und Gehaltssenkuiigen so lange zurückgestellt werden, bis sich gezeigt hat, ob die Preisabbaumaßnahmen zu einer wirklichen Entlastung der Lebenehaltungskoften der breiten Massen geführt haben. Es ist nicht möglich, den Kampf um die Erhaltung der so schwer bedrohten demokratischen Republik, der ja allein auf den Schultern der werktätigen Massen ruht, mit Erfolg durchzuführen, wernt man die seelische und physische Widerstands- kraft dieser Massen durck) weitere Berelendung vernichtet. -i- Der preußische Finauzminister Dr. Klepper empfing am Donnerstag, dem 19. Dezember 1931, Vertreter des Landessekreta- riats Preußen des Allgemeinen Deutschen Beamtenbunde» zu einer Aussprache über die preußischen Ausführungsbestimmungen zu der Süßigkeiten, präg' Dir's ein, sollten stets von VariiMf bot iB ei|eBea FUUle» Groger Weiiinachls-Verkauil Billigt Qualität I Billigt Die guten« weichen Spitzkuchen » S das schmackhafte Pfcfferkuchcnhcrz SClit« �Jiimh�rdfr Pfetffarktirhrn Eicken« F«fcrtk«ilOB Nürnberger Pfefferkuchen Billigt Qualität! Billigt neuen, durch die Notverordnung vom 8. Dezember angeordneten Eeholtskürznng. Di« Vertreter des ADV. wiesen dabei u. o. auf die Sonderbelastung der preußischen Beamten durch die preußische Sparverorönung hin. Sie ersuchten um Be- seitigung der Sonderbelastungen. Schlichter entscheidet beim VBML. Netallindustrielle fordern 15 Prozent Kürzung. Gestern nachmllkag wurde zw'schcn dem Verband Berliner Vletallladustriester svLINZ.) uud dem im ZNeiallkarlell '.usammeugeschlosseneo Gewerkschaften über die Neufestsetzung der Berliner Metallarbeiterlöhuc verhandelt. Die verhand- lungen Verliesen ergebnislos, so daß nunmehr der Schlechter über die ab l. IZanuar zu zahlenden Tariflöhne in der Berliner Blelallindustrie endgültig entscheiden muh. Die Berliner Metallindustrie llen hatten sich die Neufestsetzung der Metallarbeiterlöhne auf Grund der Zcotoerordnung höchst einfach vorgestellt. Da ihre Tarifkündigung zum 13. De- zember durch die Notverordnung, die alle bestehenden Tarif» vertrage automatisch bis zum 3». April 1932 ver- l a n g c r t, hinfällig geworden waren, legten sie zu Beginn der Verhandlungen den Gewerkschaftsvertretern ein« Tabelle auf den Tisch, in der, fein säuberlich auf Bruchtelle eines Pfennigs aus- gerechnet, für all« Gruppen die genau um 15 Prozent gekürzten augenblicklichen Tariflöhne verzeichnet waren. Da- nach hätte d«r Facharbeiter ob 1. Januar anstatt 1,93 M. Tariflohn nur noch 87lv Pf. und der Hilfsarbeiter anstatt 77 Ü Pf. nur noch 6t> Pf. zu bekommen. Es bliebe den Gewerkschaftsvertretern, so meinte der Syndikus der Metallindustriellen, Rechtsanwalt Oppen- heimer. auf Grund der Notverordnung nichts weiter übrig, als diese Tarifsätze anzuerkennen und sie in einem Nachtrag zum Tarif- vertrag schriftlich festzulegen. Alle sachlichen Ausführungen zur Lohnfrage seien nach Meinung der Unternehmer überflüssig, weil die Notverordnung diesen Abbau zwingend vorschreibe. Diese Auffassung teilten die Gewerkschaftsvertreter allerdings keineswegs. Sie wiesen darauf hin, daß für die Facharbeiter in der Berliner Metallindustrie am 19. Januar 1927 ein Tarif- vertrag nicht bestand, und daß außerdem die schematische Kürzung der jetzigen Tariflöhne um 15 Prozent weit über da« Ziel der Rotverordnung hinausschießen würde. Wäre es im Jahre 1927 zu einem Tarifabschluß für die Facharbeiter gekommen, hätte auf Grund der tatsächlichen Verdien st« bestimmt ein weit höherer Tariflohn als STA Pf. für sie vereinbart werden müssen. Hinsichtlich der H i l f s a r b e i t e r sei zu beachten, daß zu den äußerst geringen Tariflöhnen von 64 und 66 Ps. damals noch Lei st ungszu lagen bis zu 19 Pf. pro Stund« gezahlt wurden, heute dagegen nnr noch in wenigen Betrieben bis zu 2 Pf. Als sich diese Auseinandersetzungen als zwecklos herausstellten. kamen die Parteien überein, entsprechend de» Vorschriften der Not- Verordnung dem Schlichter von dem Scheitern der Verhandlungen Kenntnis zu geben, damit er endgültig über den Lohnstrcit entscheide. Nazizelle bei der Lusthansa. Wie schon wiederholt, haben die Nazis jüngst wieder versucht, an die Belegschaft der Deutschen Lufthansa heranzukommen und sie zu ihrer Zellenversammlung einzuladen. Eine ganze Schar von SA.-Leuten sollte der Werbung aushelfen und für die nötige Rücken- deckung sargen. Wenn es nicht zu Tätlichkeiten kam, so lag es nicht an dem Verhalten der Nazis und der SA.-Lsute, sondern an der Besonnenheit der„Lusthanscatcn". Die Leitung der Firma scheint nicht zu wissen oder nicht wissen zu wollen, was auf diesem Ge- biete in ihrem Betriebe vorgeht, so daß. die Nazizelle sich ziemlich sicher darin fühlt. Dabei zeigt sich die Betriebsleitung Staaken über all« sonstigen Vorkommnisse innerhalb des Betriebes recht gut unterrichtet. Die Luft-Hanfa ist ein von den Geldern der Republik sub- ventioniertes Unternehmen, dessen Ausgabe es kaum sein kann, Nazi- jünglinge in den Betrieb zu bringen, die hier schon im Dritten Reich zu sein glauben. Wir werden die weitere Entwicklung der Nazizello genau verfolgen und wenn notwendig mit Einzelheiten aufwarten. Was ist Wahrheit? Zfuhrherrninnmig gegen ReichsarbeitSministerium. Der„Vorwärts" griff feinerzeft dos Reichsarbcitsministerium scharf an, weil dieses, wie die Vertreter der Bcrlrner Fuhr- Herrninnung am 23. April vor dem Schlichtungsausschuß be- kündeten,— und vorher in den Parteivcrhandlungcn am 39. März — erklärt hätte, die Löhne im Berliner Fuhrgewerbe seien zu hoch. Genannt wurde vor dem Schlichtungsausschuß Obcrregierungsrat Dr. K a l k b r« n n c r. der sich in diesem.Sinne geäußert hätte. Der„Vorwärts" erhielt daraus vom Reichsorbeitsministcrium, gezeichnet Dr. Kaltbrenner, eine eingehend« Darstellung des Sach- verhalts. In dieser Darstellung wurde auf das bestimmteste b e- stritten, daß in den fraglichen Verhandlungen, an denen noch zwei andere Beamte des Reichsarbeitsministcrlums teilnahmen, eins derartige Aeußerung von den Beamten des Reichsarbeitsministsriuws gemacht worden sei. Wir schlössen daraus, daß die Vertreter der Fuhrhcrrninnung, der Obermeister Tilgner und der Syndikus Janetzke vor dem Schlichtungsausschuß nicht die Wahrheit gesagt hatten. Darauf schickte uns Tilgner eine Berichtigung. Wir hätten ihm Worte in den Mund gelegt, die er nicht gebraucht habe. Da wir unsere Behauptung aus Grund der Bekundungen der Beisitzer im Schlichtungsausschuß Böhmer und O l t e r s d o r f f und des Ver- treters des Gesamtverbandes John aufrechterhielten, verklagte Tilgner den verantwortlichen Redakteur Genossen Steiner wegen Beleidigung. Als Zeuge Tilgners fungierte der andere Vertreter der Fuhr- Herrninnung, der Syndikus Janetzke. Rechtsanwalt Dr. Holpert vertrat den Beklagten. Angesichts der bestimmten Aussage Johns bestritten Janetzke und Tilgner nun nicht mehr ihre Aeußerung vor dem Schlichtungsousschuß. Janetzke meinte jedoch, nicht Dr. Äatk- brenner, sondern Regierungsrat Heitmann habe erklärt, die Et» guicc Rat für de» Weih»achtSei»ka»f! Ein RunidZanz durch die Gsschäftsräume der Firma Jonaß u. C o. A.- G. gibt Ausschluß darüber, wie man trotz der ungünstigen Virtschoftlichen Lage zu Weihnachten sein« Angehörigen durch Ge- schenke erfreuen kann Im Büro dieser Firma kann man einen Kaulfchein bekommen oder ihn auch per Postkarte anfordern. Mit diesem Kaufschein kann wie jeder Barkäufer seine Weihnachtvein- käme machen und den Gegenwert in Raten zahlen. Die Läger sind reich sortiert, besonders in Damen- und Herrenkonfektion! Die Firma Jonaß u, Co. versichert, daß sie die Konkurrenz mit sämt- lieben Berliner Waren- und Kau'Häusern ausnimmt! Jedem Kunden steht frei, die Ware innerhalb 8 Tagen zurückzugeben, salb er mit seinem Einkauf nicht zufriedengestellt ist. Also Wechnachtssrtud:» durch einen ÄauMhem vom Jonaß u. Co. Löhne seien zu hoch. Im übrigen erklärte sich Ttfguer bereit, seine Klage zurückzunehmen, wenn Genosse Steiner erklären würde, er könne die Behauptung, Tilgner habe vor dem Schlichtungsausschuß das Gegenteil der Wahrheft gesagt, nicht aufrechterhalten. Das hätte bedeutet, Tilgner und Janetzke haben die Wahrheft gesagt, die Beamten des Reichsarbeftsministerrums aber haben ge- logen. Eine derartige Jlloyalftät lehnte Steiner ab, zumal die Be- amten noch gar nicht gehört worden waren. Nachdem der Rickster das Ergebnis der bisherigen Beweisauf- nähme festgestellt hafte, zog Tilgner seine Klage unter Uebernahme der Tragung der Gerichtskosten zurück. Und er tat wohl daran. Denn die Vernehmung der Beamten des Reichsarbeftsministeriums würde das Bild der Beweisaufnahm« sehr stark verschoben haben. Be- zeichnend für Janetzke war es übrigens, daß er vor dem Amtsgericht nicht nur einen anderen Beamten als Urheber jener Aeußerungen bezeichnete als vor dem Schlichtungsausschuß, sondern auch u. a. er- zählte, der Reichsarbeitsmtmster Dr. Stegerwald habe zu ihm gesagt, er, Stegerwald. würde„von Borsig eins auf den Deckel bekomme n", wenn er den Tarifvertrag für allgemein- verbindlich erklärte. Oie Arbeiisvermitilung für Musiker. Der Vorstand des Deutschen Musikeroerbandes hat in gemein- samer Tagung mit dem Verbandsbeirat und den Bezirtsleitern«ine Entschließung gesaßt, die sich gegen die Arbeitsvermittlung der Künstlerkapellen durch den paritätischen Arbeitsnachweis für Artisten („Parenna") wendet. „Berbandsvarstand, Beirat und Bezirksleiter des Deutschen Musikerverbandes haben in ihrer gemeinsamen Tagung am 3. und 4. Dezember 1931 erneut festgestellt, daß der Parenna i« seiner jetzigen Gestalt, solange er auch Musikervermittlung be- treibt, eine schwere Gefahr für den ganzen Musiker- beruf bedeutet, indem die vom Parenna geübte Praxis die Musiker sozialrechtlich und wirtschaftlich um Jahrzehnte zurückwirft. Eine wirklich gerechte Verteilung der vorhandenen musitberuf- lichcn Arbeitsgelegenheften ist nur möglich, wenn die Musikervermittlung der ausschließlichen Zuständigkeit der Fach nachweise unterstellt und eine zentrale Reichsausgleichs- stelle geschaffen wird, sowie die im AVAVG. vorgesehene Melde- und Anzeigepflicht für die Musikervermittlung zur Einführung gelangt." # Freie Gewerkfchafts-Iugend Verlin Seilte, 18 Uhr, tagen die tSrunpen: gluahafe»! Iuaendheitn Flughafen» ftrafte 68{U.SBoIinfjof Boddlnstraß-). Eewerttchaftsiiolitil.— AeUcle». lutfug: 19 Uhr im Schulraum der Berliner Eewerischaftsscknile, Engel- ufer 21— 25.— Morgen, Sonntag, 13. Dezember: Südoftlreis: Jugendheim Engel- nfer 21— 25. Rnnd um Wcihnachtev. fFricdel HaA spricht: Ernstes und Heiteres.) Ju- — Rordostkrcis: Jugendheim Danzigcr Str. 62, Baracke 7. Lachende Inaend.— Südlrcis: Pormittags Besichtigung des Berliner Rathauses. Ab 17 Uhr Iu> gendheim Böhmische Straße. Wir stellen wat hin.— OftkreiS! Iuaendhittu Sunterstr. 11. Die Frau im Nampf des Alltags.— Iuaendgruppe be» Ver- dandcs der Nahrungsmittel, und Eeträalearbeiter: Bestchtizung des Arbeits. schutzmuseums. Treffen lO'/j Uhr U-Bahnhof Knie. Iugendsiruppe des Zentralverbandes der Angestellten S Der Einaekrei« übt heute ab IS-j Uhr im Jugendheim der Schul« Litauer Straße 18.__ Vorträge, Vereine und Versammlungen # Reichsbanner„Schwarz- Rot Gold". Eeschitt-N-ll»: Berlin S 14. Sebastianftr 87-38 Sick 2. Tr Aebbing(Ortsverein). Sonntag. 13. Dezember, Bobltätialeitslouzert zugunsten unserer erwerbslosen Sameraden in der Hochschulbrauerei, Amrumer Sir. 31. Beginn 19Vi Uhr. Eintritt 30 Pf.- N-nlölln.Bei,(Ott». verein). Persammlung der 3.-ilamcradschast Montag. 11. Dezember, bei Srllger, "i. Dezember. .._ geselliges Beisammensein.—«reis vm. Site für den 13. Dezember angefeßte Sitzung der Bezirke Bernau und Ostbahn(Erlner) fällt aus._ Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, 11 Uhr. Pappclallce 13, Dortrag des Herrn Dr. st. Sturm: Gesellschaftskritik in der modernen amerikanischen Literatur. Harmonium: Au»„Don Juan"(Mozart). Gäste willkommen. Allgemeine Wetterlage. .W Zwischen der Westküste Europas und den A, stiren liegt jetzt ein umfangreiches und kräftiges Hochdruckgebiet. Es steht mit einem Kern hohen Drucke« über Nordrußland durch«ine Brück« relativ hohen Barometerstandes in Verbindung, deren Achse am Freitag abend über Dänemark und Südschwedstn lag. Deutschland wurde von kalter Luft überflutet. Im größten Test de» Reiches stieg da» Thermometer nicht über 2 Grad. In den Gebieten össtich dar Oder hat es etwas geschnoft und sich ein« leichte Schneedes« gebildet. Der Hochdruckausläuser wird sich nach Süden verlagern. Wir werden in den nächsten Tagen in den Bereich der milden ozeanischen Lustströmung gelangen, die auf seiner Nordseite besteht. -i« Weltecaussichlen für Verlin: Wolkig bis heiter ohne nermens- werte Niederschläge, zunehmende Milderung.— Für Deutschland i Im Süden und Osten einzelne Schneefälle, im übrigen Reiche wolkig bis heiter, ohne wesentliche Niederschläge: nachts überall Frost, tagsüber vielfach Temperaturen über Null, besonders im Nord- westen milder. _ QOir laden cm unserer QÜednadits- ionierschau In ca. 250 Schaufenstern geben wir Ihnen einen Überblick über die Fülle unserer Auswahl in Weihnacbts- gesebenkkisteben.- Schon von� 50 Ff. aufwärts stehen Geschenkpackungen für Sie bereit. 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Der Pedell seinersells strich dann mit der flachen thand einige Male über sein Haupt, auf welchem Haarbündel wuchsen, die in ihrer geringelten Form einzeln an Ferkelschwänze und in chrer Gesamihell an Eisen- seilspäne erinnerten, öffnete den Mund und sprach:„Tja." Nach diesem Dialog öffnete sich die Tür und eine Stimme, die in ihrer öligen Gaumigkeit einen Gcsangvereinsienor vermuten ließ, wandte sich mlld an Gustav:„Bille." Im Klange dieses Tones schwang Gustavs Schicksal. Man ging hinein. Gustav war ganz Ohr.(Der schäbige Sprachgebrauch gewinnt hier Sinn: olles an Gustav war Ohr.) Jede Stelle seines Leibes horchte Selbst die soeben auf der Scheitelmündung geborene Schweißperle, die sieh bereits zu rollen angeschickt Halle, stoppte er- wartungsooll ihren Lauf. Der Professor sprach:„Sie haben, Herr Kandidat, das Examen nicht bestanden." In Gustavs Kehle zirpte ein Naturlaut. Es schien so, als ginge fein rechter Arm mit einem Kinnhaken schwanger. Aber es schien nur so. Während der Urteilsbegründung, die der Tenor fang, nickten zwei andere Herren dauernd mll dem Kopf. Die Dissertation„Pietsch als Lyriker" fei ganz nett gewefey, wenn sie auch auf langen Strecken eine korrekte wissenschaftliche Methode habe vermissen lassen. Die Hoffnung aber, die man betreffs Kenntnis des Spezialgebietes in der mündlichen Prüfung auf Gustav gesetzt habe, sei nicht erfüllt worden. Wo solle es denn hin, wenn der Herr Kandidat nicht einmal einen Einfluß, und wäre er noch so klein, der Barocklyrik herausgesunden habe. Freilich sei Pietsch ein lebender Dichter. Aber müsse nicht gerode deshalb die Kenntnis der Lebcnsdaten die geradezu eiserne Ration für das Examen fein, müsse nicht, besonders des Metrums wegen, eine Parallele zu und Abhängigkeit van der Struktur einer Wilden- bruch-Strophe ohne weiteres aus dem Handgelenk geschüllelt werden tonnen und, im Hinblick auf Gottfried von Straßburg, der Wechsel der Silbenzahl für die Wissenschaft ausgebeutet werden? Nein, das ginge nicht. Im übrigen sei schon im Geruch der Trochäen- bchandlung zu merken, daß Pietsch zweifellos ein Nachkomme des llalienischen Dante-Epigonen Pitchino fei. So leid es ihnen täte, nein, das ginge nicht. Die Arie verklang in Gustavs Seelen-Saite. Er verbeugte sich, machte sich auf und wandelte. Gustav dachte: sicher ist sicher und fuhr zu Pietsch. Er wollte, für das nächftsmal, an der Quelle schöpfen. Pietsch saß im Gemach. Ein 5ianarienvogel sprach piep und schaute melancholisch auf das, was er soeben gemacht. Dann kam Gustav. „Meister, wo waren Sie 1913?" Pietsch wähnte erschrocken, daß Gustav von der Polizei sei. „Herr Pietsch, lesen Sie die Verse Ihres Ahnen Pitchino im Urtext?" Pietsch rückte ängstlich den Stuhl zurück, weil er glaubte der Gast sei wahnsinnig. „Ich beschwöre Sie. Meister, sagen Sie wir: wann lasen Sie zuerst Wildenbruch?" Pietsch's Seelenvulkan enllud eine hohnvoll lachende Tonlaoa:„Nie, das walte Gott." Da es Gustav im letzten Augenblick gelang, Pietsch über die Voraussetzungen seiner merkwürdigen Fragen aufzuklären, entging er dem Schicksal und wurde nicht die Treppe heruntergcworsen. Im Gegenteil: Pietsch und Gustav betranken sich gemeinsam. Am nächsten Morgen war Pietsch verkatert und neugierig. * Gegen das Fenster des Dozentenzimmers pochte Hagel. Es klang so, als ob der Himmel böse wäre. Der Tenor saß beglückt einem Manne gegenüber, der sich für Pietsch interessierte.„Ich freue mich," sprach er.„Pietsch ist Erd- geruch, Pietsch ist Medizin, Pietsch bestätigt meine Reiiispaltungs- Theorie. Jeden Tag nach dem Mittagessen zerlege ich einen Vers. Das ist Genuß, das lohnt, das ist meine Nachspeise" Der Herr wurde blaß. Kaum gewahrte der Psalmist den Färb- Wechsel in des Besuchers Antlitz, holte er aus zu mächtiger Tiradc. seinem Munde zur Lust und seinen Ohren zur Speise und begann also:„Sie sind krank, werter Freund. Lesen Sie Pietsch und Sie sind gesund. Aber nicht die Lektüre macht des Kenners Vergnügen: nein, die ist Nebensache. Zählen Sie die Silben, beobachten Sie den großartigen Wechsel ihrer Anzahl, ergötzen Sic sich an der herrlich sich offenbarenden Cäsur, skandaliercn Sie, immer wieder. Das ist etwas, dos gibt Nerven, auf diesem Acker wird Ihnen Pietsch..." Der inzwischen völlig verblaßte Herr sprang plötzlicki auf, ging langsam und rücklings zur Tür, sicherte sich die Klinke und stammelte schluchzend:„Ich bin Pietsch." Dann floh er furchtsam ins Grüne. J£einrich Stemmet': ZßlttßV&S(ßdUcilißt* Oer mandschurische Nikolaus. Die beiden grimmigen Faktoren Krieg und Kälte beherrschten wie heute, damals, als ich durchfuhr, das weite mandschurische Land, begann mein Freund, ein junger Kaukasier, seine Erzählung. Wenn es ein bagatcller Krieg war, so war die Kälte dafür um so mörderischer— und zu essen gab's auf keiner Station etwas. Das Älbtcll, in dem ich saß, war pfropfenvoll(würde man hier sagen, wo man sich keine Vorstellung davon macht, wieviel Chinesen in ein Abteil gehen), als aber ein gelber Unteroffizier aus einer von Militär überschwemmten Station mit der Peitsche knallte, gingen glatt nochnial ebensoviel Soldaten rein. Dieses lebensfähigste Volk, die Chinesen, kann aus dem kleinsten Raum existieren— sowie auf dem größten: nämlich in allen Zonen der Erde(in den Tropen sowohl wie in der Arktis ist mongolisches Blut siegreich). Die Gelleidesäcke im offenen Vorderwagen«nt- puppten sich bei näherem Zusehen als vermummte Soldaten: ich dachte, sie wären nur mehr mit dem Eispickcl von den Sitzen los zu kriegen..., als es aber dann, in einer ebenfalls Proviant- losen Station„raus" hieß für uns alle, lösten sich diese Mumien voneinander und setzten heftig stampfend und fuchtelnd über das verschneite Gleis hinweg. „Was hast du in dem Sack auf deinem Rücken?" fragte ich einen Bauern, der mir auf dem Weg nach dem Dorf, dem ich nahrungsuchend zuschritt, begegnete. Er sah, eingebuddelt, und mit einein gesrorenen Bart und dem Sack wie der leibhaftige Nikolaus aus: ein mandschurischer Weihnachtsmann stand vor mir... wird er mir was schenken? „Borscht", antwortete der Bauer. Bnrscht ist eine beliebte, eine b e r ü h in t e russische Kohlsuppe. Nimmt man in dieser Winterwildnis sein Süppchen mit ins Abteil? Der Sack, den der Bauer absetzte war wie von einer runden Masscrolle gebläht. Ob er mir wohl ein paar Lössel abgeben würde? Ich klimpere verführerisch mit Kopeken in meiner Schaspelztasche. „Zwei Pfund kannst du haben", sagte der Bauer. Will der Narr die Suppe wiegen, dachte ich!— Da entnahm er dem Sack einen Eisklumpcii, das war sein Inhalt, sowie ein Beil. Borscht, Borscht ist hier gefroren wie alles andere. Eine Suppe im festen Zustand... eine Kegelkugel von Kohlsuppe. Der Bauer schwingt das' Beil und haut mir eine Scheibe Suppe ab. Dieses gefrorene Sandwich nahm ich mit in den Zug und lieh es auftauen... dabei mußte ich grimmig auflachen, noch grimmiger aber lachte ich dann später in Sibirien: als ich dort bemerkte, daß es A l t o h o l war, das da im Thermometer sank und sank: von zwei auf drei Dutzend Minusgradc und drüber. Das Queck- filber würde wie die Suppe zu cinein Klumpen gefrieren in diesen lieblichen Zonen(welch grimnüge Spaße sind dos), nur Allol>ol hält in dieser Bärenkälte stand.— Brrr---- Herr Ober, legen Sic nach, und bringen Sie mir einen Wodka... Die Schuld des Tramps. Auch mir ist es passiert, daß ich auf einer Ueberlandsahrt ein paarmal in ein bitteres Gelächter ausgebrochen bin. nahm ich dann das Wort: es war in der Zeit, wo ich meine erste Schulung als Tramp bekam... Das will natürlich auch gelernt ei», als blinder Passagier zu reisen: und ich bin das erstemal, als ich blind gefahren bin, selber geblendet worden, so daß ich nichts sehen konnte von der Rocky-Mountains-Lserrlichkelt. Ich hatte in der Präriestadt Moosejaw einen netten Aushilfs- poliz�i-Posten eingebüßt und fuhr mit dem Erlös msiner obrigkeit- liehen Aufsicht westwärts, dem Stillen Ozean zu... das glaubte ich meiner Bildung schuldig zu sein sowie meiner Frau, die schon geraume Zeit in Vancouner auf mich wartete. Das Geld reichte für etwa die halbe Strecke aus: angesichts der Rocky-Mountams faßte ich mir dann ein Herz und sprang nach den fachmännischen Weisungen eines ausgclernten Tramps, mit dem ich mein letztes Mittoesmahl geteilt hatte, einen Güterzug an— das ist noch das relativ begueniste und sicherste. Ich holte natürlich bei meinem ersten Reiscdalles nicht gleich Lust, das Risiko auf mich zu nehmen, bei einer Dachfahrt mir den Sck>ädel an einem Tunnelgewölbe zu zertrümmern oder bei einer Unterwagenfahrt mir den Bauch durch Geleiseschuttsteine aufschlitzen zu lassen— daher beschloß ich zwischen den Wagen zu fahren(da kann nicht viel passieren, dachte ich). Ich hatte mich also im Dustern auf der falschen Bahnhofseit« an den dem Kohlentender angekuppelten Wagen herangepürscht— und beim ersten Ruck, den er machte, stand ich vorn« auf dem kleinen Eisenvorsprung, der eine so große Bedeutung für angehende Tramps besitzt. So schmal aber ist dieses Sims, daß ich, um Balance zu halten, den Zweiten meuier Globctrollerlatschen auf da- Pusfcr-Ende des Kohlentenders stellte, und anhalten mußte ich mich dann hüben und drüben fest an den Eisenleitern, die an den Wagen in die Hohe laufen— gut. Aber nun wird es kalt und kälter in dieser Bergnacht, ohne daß man sich die Brust schützen kann. Und gar erst die ungleichen Bewegungen der Wagen eine ganze Nacht hindurch in seinem Körper aufzunehmen und auszugleichen! Ich hatte das Gefühl, als hätte ich die ganze positive und negative Elektrizität der Erde in meinen Eingcweiden zu neutralisieren. Der Reiscenthusiasmus obsiegte trotz allem: als es rosenrot um die bleierne Bergeinsamkeit sllahltc, die wir wie ein lungenkrankes Nilpferd hinaufgeprustct kamen. Ein Tramp ist kein Natur- schwärmer im allgemeinen, aber ich Grünhorn lugte nach rechts und nach links ans, geriet in jubelnde Begeisterung über diese Bergwelt... und, um sie besser zu sehe», reckte ich meinen Hals über den Kohlentender hinaus. Da verfinstert sich plötzlich der Horizont. Als ob ein Vulkan mich anspie, kam ein Aschenregen, nein, eine Schaufel voll Kohlenstaub mir ms Gesicht geflogen: ein Morgengruß vom Heizer. Der Bosnickel lachte aus vollem Halse und ich würgte die Bitternis meines Herzens hinab, als ich, wie ein Mohr geschwärzt, wie ein Verbrecher geblendet, mich mit gcschlosseucn brennenden Augen in die Wagenschlucht zurückduckts, um auf die erste mögliche Absprungsgelegenheit zu warten--- Aber verzagt ein hossnungsvoller angehender Tramp so rasch? Frisch gewaschen und mit dein Mut des Hungers beseell, versuchte ich jetzt in einem spießerischen Gcbirgsdors mein Glück mit einem Uelerlandexpreß. Noch che es dunkel war, sprang ich(oer Fahr- plan versprach nichts Gutes mehr für diesen Tag) kühn in eine Wagenschlucht, als der Zug abrasseltc. Mccrwärts zogen die eisernen Wände mit mir(dachte ich), o Thalqssa Thalassa! Da: ein Stoß, ein Ruck... ehe ich begriff, was vorging, waren wir zurück- gesaust. Wir fuhren— ich hing wie eine Fledermaus zwischen den Wagen— direkt vor das gelangwcilte Hinterlandbahnhofspublikum hin: ins erste Gleis. Ein lautes Johlen, ein Geschrei empfing mich, wie es nur Menschen ausstoßen können, die jahrelang vergebens auf eine spaßhafte Gelegenheit gewartet hatten und endlich aus ihre Rechnung kommen. Tramps erwischt man alle Tage, aber einen ungeschickten Lehrling in dieser Position— es ist zum Todlachcn. M i r erschien der Pazifik das bitterste aller Meer« und die(Sc- jängniszelle das nächste Obdach. Ist es möglich! Die Menschen brüllten dermaßen vor Lachen, daß niemand daran dachte, mich fest- zunehmen. Ick) schoß wie ein 5)ase das Gleis entlang. Dort über- holte mich der Zug, aus dem mir Fahrgäste und Personal höhnisch lachend und Hurra schreiend zuwinkten. Ich wanderte Trapp Trapp, die ganz« finstere Nacht wandert« ich über Balznschwellen. Einmal schreckten mich die Augen einer Bergkatze und ein andermal, als ich gerade über eine geläirderloje Brücke stapfte, die einer Lokomotive. Kam diese auf dem rechten Gleis, auf dem ich fürbaß ging, oder auf dam linken angefahren? Ich hatte nicht Zeit, länger hinzuschauen, kaum Zeit, einen Gedanken zu falseu: instinktiv lieh ich die Beine über den Rand herab, mich| mit den Händen am Brückenrand haltend, da kam. noch ehe meine! Extremsiäten über dem Abgrund baumelten, der Zug links vor- beigedonnert. Gottsetdank. Ich lachte lautlos in mich hinein, wie einer, den man vom Galgen losbindet, es tun mag. Mein Entschluß war gefaßt, als ich am nächsten Bahnhos an- langte. Ich stieg— hol der Teufel die Tramperei— regulär ins Coupe. Es war am frühen Morgen— ein Auswandererzug. Ein Schläfer erhob sich von der SmigrantenlazerstWe: ein» Art drittes Gepäckregal, das über dem Fenster entlang lief... und ich schwänz mich hinauf. Nach einer Weile kam eine blaue Mütze den Mittel- gang entlang gewandert: der Schaffner. Diese Mütze machte mir eben- soviel Angst wie die Lokomotive(es ist doch ein schwerer Beruf, den sich der Tramp wählt). Die Mütze schaukelle eine Weile herum, einmal kam sie schrecklich nahe: ich drückte mich an die Wand, hielt den Atem an und versuchte, einen anderen Aggregatzustand anzu- nehmen. Umsonst: ich wurde geschnappt. Daß man mich aber gleich zum«tckllischen Stuhl hinführt wegen nichts weiter als ein bißchen Trampen: das halle ich nicht erwartet. Wie wild schlug ich auf den Polizisten los. der mich hin- aufhob. Da hob er mich eben herunter und sagte:„Raus, raus, my Boy. wir sind schon längst in Vaneouner." Ich umarmt« den Mann, der mich aus dem Erschöpsungsschkas geweckt hatte, in den ich auf dem Gepäcknetz verfallen war.. und präsentierte mich meiner Frau als ein Nr.-Iu-Tramp. Itcure Stolbrook(ilrtr(lJork): tnUäufchle Smarlung Als wir Frau Middox bei uns aufnahmen, hallen wir keine Ahnung davon, daß mll ihr eine berühmte Persönlichkeit in unseren Haushall einzog. Bald jedoch vertraute uns unsere neue Haus- gehilfin an. daß sie früher bei Killingers im Dienst gewesen war. „Killinger?" rief meine Frau aus.„Sie meinen doch nicht etwa jene Frau Killinger, die unlängst ihren Mann mit einem Hammer umgebracht hat?" „Mit einer Hacke", verbesserte Frau Middox sie milde, aber nachdrücklich.„Frau Killinger bewahrte sie stets in einem Korbe zugleich mit einem Eispickel und einer Spagatrolle auf.— Göll— wie oft habe ich die Hacke in der Hand gehabt!" fetzte sie träume- risch hinzu. „Waren Sie dabei, als... es geschah?" fragte meine Frau ein wenig ungläubig. „Und ob ich dabei war!" antwortete Frau Middox mit würde- voller Ruhe„Ich war doch die Kronzeugin!" Woraus sie ein abgegriffenes Zellungsblall hervorzog, auf dem unter der Auf- schrifi„Tigerin in Weibsgestalt.— Die Zeugin Middox" ihre Photographie prangte. „Tigerin hat man sie in der Zeitung genannt", erklärte sie. „Aber ich sage Ihnen, sie war ebensowenig eine Tigerin wie ich oder Sie, gnädige Frau. Und dann hat man ihn auf der Treppe in einer Blullache gefunden und..." „Ja, ja", unterbrach meine Frau sie.„Ich Hab' alles gelesen. Vielleicht reden wir von etwas anderem, wenn es Ihnen nichts ausmacht! Es muß doch sicher Ihr Wunsch sein, die Erinnerung an dieses grauenvolle Ereignis loszuwerden." „Ach, wenn ich das nur könnte!" seufzte Frau Middox.„Wer ich lläume jede Nacht davon. Schwere Träume. Wenn Sie einmal in der Nacht jemanden laut schreien oder recht erbärmlich jammern hören, dann brauchen Sie sich nicht im mindesten zu beunruhige». Das bin dann ich." Tagsüber verhielt sich Frau Middox zumeist schweigend. Wer wir wünschten, sie wäre noch schweigsamer gewesen. Als melne Frau eines Abends den Braten tranchierte, trat Frau Middox un- vermutet /in, stieß einen gellenden Schrei aus und entfloh.„O, Sie haben mich so erschreckt!" entschuldigte sie sich nachher.„Räm- lich Frau Killinger hat auch immer den Braten tranchiert, und wie ich Sie mit dem Messer in der Hand gesehen habe, gnädige Frau, da habe ich mich mit einem Male wieder an alles erinnert..." Ein anderes Mol überraschte uns Frau Middox mit einer ausgezeichneten Haselnußtorte.'„Ja, Frau Killinger hat mich ge- lehrt, wie man eine richtige Haselnußtorte zubereitet. Und Herr Killinger hat sie immer so gern gegessen. Es war auch die letzte Speise, die er in seinem Leben zu sich genommen hat. Sie haben nämlich auch seinen Magen untersucht, müssen Sie wissen, und der Doktor sagte..." Seit jenem Vorfall essen wir keine Haselnußtorie mehr. Aber es war klar, daß mit Frau Middox etwas geschehen müßte. Stets fühlten wir ihre wachsamen Blicke auf uns gerichtet. Mit der Zeit bemächtigte sich unser ein gewisse» Schuldbewußtsein: wir fühlten uns irgendwie verpflichtet, nach dem Beispiel des Ehepaares Killinger zu leben. Wenn ich mich mit metner Frau besonders gut vertrug, dann seufzte Frau Middox:„Wie die Tauben haben die zwei zusammen gelebt. Wenn mir jemand gesagt hätte, daß sie jemals die Hacke in die Hand nehmen werde und.."— Doch wenn sie irgendeine Meinungsverschiedenheit zwischen mir und meiner Frau, entdeckte, dann wachte sie mit Falkenblicken über uns, und mörderische Hoffnung glühte in ihren Augen... Eines Tages halle ich mit meiner Frau eine Meinungsver- schiedenhcit über die Vorhänge im Schlafzimmer Meine Frau be- stand darauf, sie glatt herunterfallen zu lassen, damit ihre Länge besser zur Geltung käme. Ich dagegen schlug vor, sie an den Sellen zu raffen, damit da- Tageslicht besser zur Geltung käme. Bei dem Versuch, meine Frau zu überzeugen, riß ich die Vorhang- stange herunter, die polternd zu Boden stürzte. Meine Frau war wütend. Sie lief in die Küche.„Frau Middox", rief sie.„Wo ist der Hammer? Schnell!" Frau Middox schnappte nach Luft. überreichte ihr dann den Hammer und folgte ihr aus dem Fuße ins Schlafzimmer. Mit offenem Munde stand sie wie gebannt da und starrte crwartnngvoll zuerst auf meine Frau und dann auf mich. Als meine Frau auf einen Sessel stieg, um den angerichteten Schade» zu beheben, entspannten sich ihre Züge. Grausame Er- nüchterung malte sich nun in ihnen. Sie glich einem Kinde, dos man zur Weihnachisbescherung gerufen hat, und dos nun vor einem leeren Ehristbaum steht. Tags darauf kündigt« sie. Offenbar Hollen wir es doch nicht verstanden, ihren Erwartungen entsprechend zu leben— oder zu sterben. Die Enttäuschung des Vortages war allzu groß für ihre hoffende Seele gewesen. cAutonsierte u�bcrsetzuiiz aus dem Anieiikanischen von Leo Aor!«n.) Bäume, dir sich Überfressen. Haustiere Überfressen sich bekannt- lich dann und wann. Aon den Pflanzen dagegen ist im allgemeinen bekannt, daß sie von den Vorräten an Mineralsalzen, die der Boden ihnen liefert, nur eine begrenzte Menge aufnehme». In neuerer Zell hat allerdings die Forstwisseiischasi an Buchen und Eichen Be- obachtungen gemacht, die als Folge einer Ueberernährung erkannt wurden: die Bäume waren tatsächlich geplatzt. Dieses Platzen tritt auf, wenn durch eure plötzliche Steigerung der Nährstoffzufuhr die inneren Teile schnell wachsen und wenn die Rinde mit dieser Ver- aräßsrnng nicht Schrill halten kann. Dann wird die Rinde gc- sprengt. Besonders in ehsm-.Is dichten Beständen, die plötzlich stark gelichtet wurden, ist bei den stehengebliebenen Bäumen dieses Ueberernährungs-Platzen nicht selten. Obwohl die Risse im Laute der Zeit vernarben, bedeuten solche Rindensvrengungen doch eine Gefahr für die Bäume»md für die Forstwirtschaft, da die Wunden Ein- trittspsorten für halzzertjörcnde Pilze und Insekten sind. Die Schifschennähmasch'nc wurde 1845 von ein-m Amerikaner erfunden. sich in den leiten ZO Jahren bedeutend gehoben haben. Interessant ist, daß auch der bekannte chygieniker Prof. Schloßmann-Diisseldors, wie Dr. Winsch mitteilte, vor einiger Zeit in Dresden erklärt«, er rühre lein« Jmpflan�ette mehr an und jetzt auch für die sogenannte »ngltsche Gcwissensklausel sei. Es handelt sich also bei dem heute nock) bestehenden Jmpfgcsetz trotz der Milderung, daß eine Polizei- liche Vorführung des zu impfenden Kindes nicht mehr vorge- nommen werden soll, um einen alten Zopf polizeisanitärer Maßnahmen, die uns jährlich 50 Millionen kostet, durch die Gefahren der Jmpsschäden aber viele Kinder bedroht und gegen eine nicht mehr drohende Krankheit gerichtet ist. Wie die Schutzimpfungen im allgemeinen zu beurteilen sind, und wie die Meinungen aus diesem Gebiet sich ändern, zeigt die Tatsache, daß man von der vor einigen Iahren so sehr propagierten Diphtherie-Schutzimpfung der Kinder heute auch wieder abgekommen ist. Der Berechtigungsfimmel. Schulfragen stehen auch heute im Mittelpunkt der Erziehung. Die wirtschaftliche iltot hat in Verbindung mit pädagogischen Ueberlegungen in Berlin den Gedanken wach werden lassen, die Mittelschulbildung im Anschluß an den erfolgreichen Besuch der Volksschule durch einen vierjährigen Aufbauunterricht zu erreichen. Der Prooinzialverband der Elternbeiräte Groß- Berliner Mittelschulen veranstaltete einen von etwa l?00 Teilnehmern besuchten Elternabend, an dem zu diesen Problemen Stellung genommen wurde. Oberschulrat Schwarz- ljaupt aus Frankfurt a. M. beschäftigte sich in seinem Vortrage eingehend mit der Frage der Notwendigkeit der Mittelschulen. Er betonte, daß bei dem heutigen Berechtigungsfimmel die Eltern ihre Kinder in die höheren Schulen schicken würden, wenn ihnen die selbständige Mittelschule genommen würde. Die Mittelschule erziehe für das praktische Leben, die höhere Schule bereite sür die wissenschaftliche Laufbahn vor. Aber 1934 werde es rund 120 000 stellungslose Akademiker geben. Schon heute seien viele 'Kinder in den höheren Bildungsanstalten, die ihrer ganzen Bcr- anlagung noch glicht hineingehörten. Wenn Minister Grimme einmal gesagt habe, schon heute seien die Hochschulen und Universitäten Iugendbewahranstallen geworden, so sei das eine bittere Wahrheit. Durch Ausschaltung der selbständigen Mittel- schulen werde das noch in verstärktem Motze eintreten. Das be- deute aber eine weitere größere Fehlleitung von Geld und wert- vollen Menschen und eine politische Gefahr, die nicht hoch genug eingeschätzt werden könne. Der Redner beschäftigte sich dann ein- gehend mit den Bildungszielen der Mittelschule. Insbesondere wandte er sich gegen die Behauptung, daß die Mittelschule eine Standesschule sei. Im Jahre 1927 habe man festgestellt, datz von den Eltern der.Mittelschule 32 000 selbständige Handwerker, Land- wirte usw. 16 500 mittlere und 14 300 untere Beamte, 25 000 Angestellte und 24500 Arbeiter waren. 56 Proz. der Eltern gehörten zu den wirtschasllich schwächeren Schichten. Zum Schluß forderte der Redner, daß die Mittelschul«, die chrer Leistung noch die billigste Schulgattung sei, in ihrer heutigen Form erhallen bleibe. Eine in diesem Sinne gehaltene Entschließung fand einstimmige An- nähme. Die Frage, um die es sich hier handell, ist von erfahrenen Fachleuten der Sozialdemokratie eingehenden Prüfungen unterzogen morden. Die Sozialdemokratie ist zu allen Zeiten für eine Bcr- besierung der Bildungsmöglichkeiten eingetreten. In den Aufbau- schicken ist begabten Volksschülern die Möglichkeit einer besseren Ausbildung gegeben. An sich ist nicht einzusehen, warum ein vier- jährig« Aufbauuntericht im Anschluß an den erfolgreichen Besuch de? Volksschule nicht das gleich« Ergebnis haben sollte wie der Besuch der Mittelschule. Plaza. Das Variete am Ostbahnhof bringt in der ersten De- zencherhälfte wieder ein Gastspiel der Rotterbühncn mit Lehürs „Graf von Luxemburg" in der Originalinszenierung. Die Regie führt Rudolf Ieß, die musikalische Leitung Franz Richard Haas. Die Operette wurde mit großem Beifall ausgenommen. Darsteller und die gut zusammengestellte» Ehöre ließe» nichts zu wünschen übrig. Ein Beweis, daß die Operettenoorstellungen in der Plaza sich gut eingeführt haben. Das Konzert von Richard Tauber in der Philharmonie, das für «onnabcnd angesetzt war, muß wegen Indisposition des Künstlers ausfallen. Zum ersten Mal im Obdach Erlebnisse eines Erwerbslosen in der Fröbelstraße Wir erholten von einem Erwerbslosen eine Darstellung von Erlebaissen, dl? er im Städtischen Obdach in der Fröbelstraße 15 gehabt hat. Wir geben sie im Auszug wieder, ohne sie im einzelnen kontrollieren und auch ohne ihnen in ollen Teilen zustimmen zu können. .Letzt bin ich so weit, daß ich das Städtische Obdach in der Fröbelstraße 15 aufsuchen mußte. Ich habe es gefunden, und nun geht es los: Stillgestanden! Augen rechts! Wie heißen Sie? Wo wohnen Sie? Wo haben Sie die letzte Nacht geschlafen?(Ach, die Antwort ist klar: Im Wartesaal 3. und 4. Klasse im Bahnhof Friedrichstraße oder im Stettiner oder im Bahnhos Alexanderlotz!) Es geht weiter: Stempelkarte! Gehen Sie geradeaus in das Zimmer hinein! Wieder die Fragen: Wo haben Sie die letzte Nacht gc- schlafen? usw. Und dann: Wieviel Geld haben Sie bei sich? Gehen Sie wieder zu dem Herrn, wo Sie vorhin waren! Frage: Was wollen Sie? Eine dumme Frage, denke ich und antworte: Ich bitte um Obdach! Man hat nämlich erst zu bitten, wenn man das Städtische Obdach in Anspruch nehmen muß.„Hier haben Sie einen Bon! Damit melden Sie sich rechts bei dein Herrn!" Ich bekomme eine Kette mit einer Marke, auf der eine Nummer eingestanzt ist. Geradeaus, dann rechts in den Aujenthaltsraum! Man sitzt da auf eisernen Bettstellen, etwas anderes gibt es nicht. Dann geht es weiter, den Flur entlang in einen anderen Raum. Kleiderbügel aus Eisen hängen da. Es heißt im fchrofssten Feldwcbelton: Ausziehen, Sachen umdrehen.(Das ist wegen des Ungeziefers gewiß notwendig, aber es ist der Ton, der die Musik macht!) Di« Sachen werden nachgesehen.„Sie haben Läuse?" Gehen Sie gleich mtt Ihren Sachen geradeaus durch die Tür noch Zimmer 11." Da hängen an Kleiderständern fürchterliche Galgentleiderbügel. Ich hänge meine Sachen so aus, wie es richtig ist. Da wird gesagt: Nach der Vorschrift müssen Sie Ihre Kleider s o aufhängen!" Und nun werden meine Sachen in einer Weise auf diesem Gerüst an- gebracht, daß die paar Kleidungsstücke, die ich auf dem Leib« trage und die ich mir früher einmal mühsam erarbeitet habe, jeden Augenblick in den Dreck fallen können. Ich werde nun einbalsa- miert, und einer gießt mir mit einer allen Oelkonne eine Flüssigkeit über den Kops, daß mir die Augen tränen. Dem Herrn freilich macht es scheinbar Spaß. Ich brause mich ob, wasche mich, kriege ein kleines Handtuch, trockne mich mühsam ab, bekomme ein Lein- wandhemd, ein Paar Lederpantoffeln, einen Eßnops und einen Lössel. Der Eßnaps: fürchterliche Erinnerung! Er stammt— noch heute!— aus alten Kriegsbeständen! Aus einem Gefäß, das, ich muß es anerkennen, wirklich sauber ist, gibt es einen abscheulichen Fraß, der an die letzten Kriegsjahre erinnert, dazu die sogenannte„Kuhle", ein Stück trockenes Schwarzbrot, das schön durchgebacken ist und einen sehr guten Geschmack hat. Wenn manch einer diese Kuhle nicht bekäme, müßte er elend verhungern! Denn trotz allen Kohl- dampfs,— den anderen Fraß kann nicht jeder herunterkriegen. Ich fresse, mag auch noch soviel Soda drin sein! Jetzt in die Schlafräume! Eiserne Pritschen, eine bezogene Filzunterlagc! Wer, wird man auch halb gerädert, wenn man müde ist, schlaft man. Die Heizungsanlage frellich ist fürchterlich: Soll einem der Brägen gebraten werden? Morgens um 6 Uhr: Ausstehen! Suppe holen! Handtücher, Löffel und Lederpantossel mitnehmen! Wir be- kommen«ine Kuhle und einen Napf voll Suppe. Der Fußboden ist eisig kalt. Ich gebe die Sachen ab und bekomme nun meine Brocken zurück. Damit muß ich barfuß über den kalten Steinfuß- boden durch den Flur nach dem Ankleideraum gehen. Man zieht sich die Bracken an, man ist wieder draußen.. Es ist gewiß für alle Behörden, die mit der Frag« städtischer Obdächer zu tun haben, von Wichtigkeit, auch die Stimme der Od- dachlosen zu hören. Auf der anderen Seite müssen mir ober auch darauf hinweisen, daß die wirtschaftlichen Verhällnisse eine Aus- gestallung, wie gerade wir sie wünschen, unmöglich machen und daß eine gewisse strenge Hausordnung unvermeidlich ist. Gleichwohl mögen die Beamten, die in einem wahrlich nicht leichten Dienst die Obdachlosen zu betreuen haben, sich sagen, daß sehr oft ein ver- ständiges freundliches Wort mehr wirkt als ein Kommandoton, der die Gefühle dieser vom Schicksal schwer betroffenen Menschen emp- sindlich verletzen muß. Wie enistehi ein guies Buch. Aufstellung graphischer Arbeiten der Kunstgewerbeschule Bielefeld. Jedes Buch hat fein Gesicht, das schon aus den ersten Blick dem Käufer sagen soll, was Geistes Kind es ist. Wer sich heute ein Such kaust, empfindet es als selbstverständlich, daß es sickz schon durch gute Anordnung des Satzes, des Buchdeckels ufw. empfiehlt. Und doch hat es langer, mühevoller Erziehungsarbeit bedurft, um diese Höhe der„Buchkultur" zu erreichen: denn auch im Buchgewerbe hatte die Maschine, das technische Zeitalter, mit seinen vielen neuen Möglich- ketten eine Berwilderung des Geschmacks zur Folge. Diese Er- ziehungsaibeit wurde wesentlich unterstützt durch den Bildungs- verband der Deutsche n Buchdrucker, der bis Mitte Januar eine. Ausstellung von Arbeiten der Kunstgewerbcschul« Biel«- selb veranstaltet, die im Sinne dieser Bestrebungen zu werten ist. Die Ausstellung, die täglich von 9 Uhr bis zum Eintritt der Dunkel- heit geöffnet ist, findet im Buchdruckerhaus. Dreibundstr. 5. statt. Die Schule zeigt Arbellen, die in der Typographie wie auch in anderen graphischen Techniken die verschiedensten Möglichkeiten graphischer Gestallung ausweisen. Naturstudien, sachlich, dann ab- strahiert zu Flächenaufteilungen, werden zur Grundlage typographi- schen Ausdrucks. Illustrationen werden versucht. Verbindungen von Photographien und Schrift werden zu Plakaten oder Buch- deckeln. Farben, gut abgestimmt, lassen durch Uebereinanderdruckcn neue entstehen. Alles Versuche, die das Empfinden für Buchgestaltung schulen und dem Ausstellungsbcsucher zeigen, auf welcher Grundlage das gute Buch steht. Alles spricht für vorbildliche Durcharbeitung und ist von peinlicher Feinheit und Sauberkeit. Es ist eine Freude, die Fülle von Ideen in den Arbeiten feststellen zu können. Arbeiishaus stall Fürsorgeerziehung. Genosse Stadtrat Fried- länder protestiert in einem Aulsatz„Arbeitshaus statt Fürsorge- erziehung" in der neuesten Nummer der„A r b e i te r w o h l- fahrt" gegen den Plan gewisser Anstaltsinteresseitten, aus dem Wege der Rotoerordnung orziehungsbedürftige Jugendliche dem Arbeitshaus zu überweisen, das nicht geeignet ist. Oirziehungsaufgaben zu übernehmen. Als Leitartikel bringt" das Heft einen Aussatz des Genossen Dr. Goldmann„Abbau der Gefundheitssür- sorget d-x die Gefahren eines Abbaus, besonders in der vor- beugenden Fiirlorge, kennzeichnet und daraus hinweist, datz Ein- schrantimgen jeglicher Art, die unter dem Deckmantel der Sparmaß- nahmen und«pornotwendigkeit beabsichtigt sind, die Grundlage des gesamten Gesundheitswesens gefährden. Genosse Dr. Wienpld be- richtet w seinem Aufsatz.Linder e l c n d", wie sich die Wirtschaft- liche Verelendung und die Not der Erwerbslosen im schlimmsten Maße gegen die Kinder auswirkt uitt» die verheerendsten Folgest nach sich zieht gleich denen, die der Krieg mit sich brachte. Genossin Lemke berichtet über die.Konferenz der Internationalen Arbeiter- Wohlfahrt", die im Juli d. I. in Wien stattgefunden hat. An- schließend berichtet Genossin Iuchocz über die zweite schweizerische Konferenz sür sozialistische Wohlfahrtspflege. Genossin Wachenheim richtet einen Aufruf an die Fürsorger und Fürsorgerinnen unter dem Titel„Fürsorger und Fürsorgerinnen!" Wo steht ihr im po- litischen Kamps? Das Siadlbad Sreuzberg. Baerwoldstr. 64/67, bleibt wegen In- standsetzungsatbeiten der technischen Anlage vom 28. bis 3l. De- zember 1931 geschlossen. cs 157 ETWAS BESONDERES UM SALAMANDER: SALAMANDER SETZT IMMER NUR DIE PREISE, NIE DIE QUALITÄT HERAB MK �,•% V.-''... ■m -><■ WWW •< i ' jj.■-\ .... I250 1550 ■ v1/ SALAMANDER FUSSARZT■ 1550 IS50 DE R Der Krieg auf Korsika Kein Ende abzusehen Der Kampf mit den„Königen der Maquis r.KXI Geil hcm'0. November lägt der frongö fische Innenminister eine um- iossende Razzia auf der Insel Sorstla nach Banditen durchführen. Hundert Perionen sind die seht von dem eixpeditsonokorn», das von dem französischen Festland hmliderueschiekt wurde, verhastet worden, weil st« „•chr oder minder»erde.chtia sind, mit den berüchtigten Banditen Spada, Bartoli. Cafteüi. Michaeli und llaniglioli gemeinsame Goch« gemacht zu hoben. Dir Operationen, die viel schwieriger sind al« man annahm, werden sich wohl noch auf längere Zeit erstrechen, da die französisch« Negierung entschlossen ist, die Banditen, die in den letzten Jahren sogar einen Fremden ermordet haben, di» auf den letzten Rann unschädlich zu machen. M»t Tanks und Maschinengewehren. Schon in, vorigen Jahrhundert versuchte Napoleon die roman- tische Insel im Mittelmeer von ihren Peinigern zu befreien. Das gelang nur unvollkommen. Man beschränkte sich darauf, die„Könige der M o q u i s" aufs Festland entkommen zu lassen. Nach dem Weltkrieg hörte man von der Vlutrache sehr wenig. Es schien fast, als sei diese korsische Uebung, di« oft persönlicher chabgier entsprang imd durchaus nichts mit einer leidenschastlichen Rache zu tun hat— die Mord« wurden mit ruhiger Uederlcgung und mit allen mög- lichen Sichcrhsitsmahnahmcn norbcrciist— auher Gebrauch gekommen. Seit einigen Jahre» aber macht sich ein ausgesprochen kriminelles Banditentum auf Korsika breit, das nichts mehr mit den überlieferten Begriffen„Banditen der Ehre" geniein hat. Fünf Banditen, die unter sidi die Insel aufgeteilt haben, sucht man nun mit ihren meist sehr jugendlich:» Getreuen, die auf mehr als ZOO geschätzt werden, in den Maquis. Die ausgesuchtesten Bolizeitruppen unter Führung eines Generals mit den modernsten Waffen— Panzerautos, Tanks und Flammenwerfern— find aufgeboten. Die Anzahl der Maniischast«!, wird auf 1500 geschätzt. Alle sranzösischcn Zeitungen haben Sonderberichterstatter auf den„Kriegsschauplatz" entsandt und laflen sich täglich seitenlange Artikel über dos Meer kabeln. Dichter Buschmald und Gestrüpp erschweren die Operationen, nicht zuletzt die mit allen Wassern gewaschenen Banditen selbst. B o r» c a, der gefährlichste von allen, mar früher Polizist. Heber die Insel ist der Belagerungszustand verhängt. palneca— das Dorf des Schweigen«. Eine der schwierigsten Etappen war die Besetzung des Dorfes Palneca, des 5)ouptquartier2 Bartolis. Ueber Nacht wird di« Ort- schast umzingelt. Am Morgen erfolgt die Besetzung. Vor den Häusern flehen die Einwohner und empfangen die Truppen mit unheimlicher Ruhe. Unter Borantritt der Gemeinderät« durchsuchen di« Gen- dornen die Häuser und fördern ganze Arsenale von Was- f e n zutage. Das schönste 5)ous in Palneca, ein weißes Gebäude mit grünen Fensterläden, gehört dem Banditen B a r t o l i. Die Angehörigen seiner Familie unterhalten darin«in Cafe. Die Tür ist fest verschlossen. Di« alte 70jährigc Mutter des Banditen wird herbeigeholt, einstmals die schönste Frau von Korsika. Kein Muskel bewegt sich in ihrem Gesicht, obwohl erst vor wenigen Tagen ihr Sohn erschossen wurde. Sie öffnet die Tür. Man steht di« Gaststube mit vielen Likörflaschen und das mechanische Klavier, zu dessen sklängen der Bandit und seine Freunde zwischen ihren Expeditionen tanzten, große Mengen Alkohol vertilgten und allen korsischen Gen- dormen den Tod schwuren. Am 20. April wurden die beiden Polizisten Faleonetti und C a t h e l i» c a u aus der Darfstroße erschossen. Man hat nicht «jähren können, wertes war. Der Bürgermeister, der jetzt per- nymmen wird, weiß von nichts. Dos ist typisch bei allen nter- suchungen.„Och habe Nichts gehört und nichts gesehen." Der ver- nehmende Beamte platzt heraus:„Sacrebleu! Die Gendarmen find om hellen Tag ermordet worden. Jeder hat die Toten gesehen, selbst die Kinder, die gerade aus der Schule kamen. Zahlreiche Einwohner haben der Tat beigewohnt und niemand weiß, wer geschossen hat." „Nun ja. m«in Herr, man kann von diesen Dingen hier nichts sagen." Aus der Bürgermeisterei häufen sich inzwischen die K a r a- biner, die Revolver, di« Dolch« und di« Seiten- g« wehre aus den Häusern der Dorfbewohner, die entweder Bartoli»der Santo«! heißen. 17 Verhaftete werden in Polizeiautos nach der Hauptstadt Ajaccia ins Gefängnis gebracht. Kein Schrei der Rache. Stumm und verbissen sind all«. 30 Mann Besatzung bleibt in dem schönen weißen Haus« Bartolis... Oer Wese und die �äuberbrSute. Der Justizpalast in Ajoccio ist der Brennpunkt der Ereignisse. Hier werden die Gefangenen aus den verschiedenen Gefechtsah- schnitten— Palneca, Saridorcino, Guagno und Guiiera— eingeliefert. Die Untersuchungsrichter sind Tag und Nacht an der Arbeit, ebenso wie draußen das Expeditionskorps. Man sucht die„Könige der Maquis" von ihren Getreuen zu trennen und ihnen so di« Lebensmittel- und Nalirungszufuhr abzuschneiden. Unter schwerer Bedeckung wird der Schäfer Mathieu Frosutti eingeliefert. Di« Bevölkerung atmet auf. Frosutti. ein wahrhafter Riese, mißt 2,20 Meter und wiegt 3 Zentner. Im Paß von Air« hatte man ihn zu einer Derabredunz seiner Freunde bestimmt. 00 Gendarme nahmen ihn ohne jeden Widerstand fest. Während im Militärlazarett der schwer verwundete Leutnant Neuveglis«, der den tödlichen Kugeln der Torres und Eaviglioli gerade noch entgangen ist. sich in Fiebern windet, kämpfen die beiden Maiiressen des Banditen Spada, di« in Gemeinschaftshast sitzen, erbittert mit ihren Fäusten und Zähnen gegeneinander. Marie Eaviglioli wirft ihrer Konkurrentin Antoinette Leca vor, sie habe ihr den Geliebten abspenstig gemacht und ihn zu neuen Verbrechen er- muntert. Die Gefängnisbeomten mußten jeder eine Einzelzelle geben. Die Räuberbräute hallen sich festgebisscn. Zahlreiche Inselbewohner, die unter Bedrohung des Lebens ihren stäirdigen Tribut an die Banditen zahlten, wagen jetzt unter dem Schutz der Polizei Aus- sagen zu machen. Der Sägewerkbesitzer Simonctti, der sich mit Erfolg gegen den Banditen Bartoli wehrte und ihn erschoß, regt die Bevölkerung an, die Polizei mit allen Mitteln zu unterstützen. Weihnachtsmärchen aus Rügen. Was sich der„Lokal-Anzeiger" aus putbvs melden laßt. Der.Lokal'Anzeiger" schwimmt im Glück, weil er, wie er meint,«in paar„Rote" aus unrechten Wegen erwischt hat. Aus Putbus auf Rügen läßt er sich ein„geradezu unglaubliches Ergebnis" über einen„SPD.-Gemeindevorsteher" mitteilen. Bei der Prüfung der Gcmeindekasse Hot nach dem Hugenberg-Blatt der Revisor festgestellt, daß„eine Quittung des roten Gemeindevorstehers für mehrere Monatsgehälter im voraus, ferner eine Quittung und ein Wechsel des roten Kassierers den Inhalt der Kasse bildeten. Es fehlten einige tausend Mark(man spricht von 20000 Mark), die für einen Schulneubau bestimmt waren. Soweit der.Lokal-Anzeiger". Zunächst haben wir festgestellt, daß weder der Gemeindevorsteher Bremer noch der Kassierer Stieb«, die hierbei in Frage kommen, rot, also Sozialdemokraten sind. Hier hat der„Lokal-Anzeiger" seinen Lesern also etwas Falsches vorgesetzt. Tatsache ist, daß der Gemeindevorsteher für Reise», die cr im Jiiterefle der Gemeinde unternahm, im Einverständnis mit dem Kassierer Vorschüsse entnommen hat. die er ober nicht abgerechnet hat. Die bereits im Gange befindlich« Revision der Kaste wird zweifellos bald Klärung bringen. Daß der„Lokal-Zlnzeigcr" dies« Klärung gar nicht erst abwartet, kennzeichnet ihn wieder einmal zur Genüge. j» i S teurer Alu gute Z Masehmen- Teppiche ka uten Sie A jett t bei ms D 5; X! 3* *! «i-Iendungen Nie dies«»»brik sind »« r l t» S« w. Lindenstrosie S. parieinachrichten�Mfür Groß-Berlin stet» an d»e Veziekisekretoriot I. Kos,: Treppen recht», zu richten | erfe. Kesten für Nestsalken 20, eitle onberen 40 Pf. Trinkbecher mitbringen, Isinde ge.ien 18 Uhr, Achtung, Note Folken! Tressen zur Fohrt bereit« Sonn- nbend, IfiVj Uhr, Falkenecke. Teeke, löchlofsack und 6> Pf. mitbringen. Wir togen! Mentaei NestsoUen r und Jnngfalken. Dienstag Nestsalken II und Note Falken. Mittwoch Restfalken I und II. Donnerstag all« Falken. Frei» Zum Notopfer für die Erwerbslosen wurden von der Ttadtverordnetenfrnktion in Berlin weitere 300 Mark, von der Belogschait des� Phönix-Verlnges 25 Mark und von der Vor- wärtS-Vuclibinderei 22 Mar? an die Bezirkskasie abgeiührt.— Allen Spendern hierdurch herzlichen Dank. 3. 3t.: Alex Pegels. Beginn aller Veranstaltungen 19% lllir. sosern keine besondere Zeitangabe: heute. Sonnabend, 12. Dezember: I.»reit Uedding. Seweeb»lose»»«e»»fl-l«u»g. Heute Führung durch die«»-. stellung:„M«»sch u»d Arbeit" i» Berwaltungogebönbe, RüUerste. 148. v>»tritt frei,«och»«dft»orte gelte»»U 7.»«» 8. Anis. Ziirifttsch« Sprechstunde»»» 17—18 Uhr im Zugendhei«»«. fi»«»str. 4.»elege»helt zum Ai>ch«»«»stritt! 14. Anis. Achtung, Abteilungsleiter. Heute abend, 18 Uhr: wichtige kurze Besprechung im Parteibüro. 54. Abt. 20 Uhr Jugendheim Rosinenstrasie Vorstandssisinna. 181. Abt. 19 Uhr Besprechung und Abrechnung der BezirkosUhrer über das Rot- opfer für die Erwerbslosen bei Nlindt, Am Friedensplatz. Morgen, Sonntag, 13. Dezember: i. Anis. S»»»tag, 18., s»»»be»», lt., II. s»»»t»g, 2«. Dezember, siebet i» bei Tilsit«, Str. 4 s?ug«»bhei»), eine«»chaesftel»»» statt.»ee»»staltet «om Deutsche» Fnidenkeroerdanb. Bezirk Friebrichsho!». Besichtigoog Ws Pergamonmn'eam« nntce iofte»l,see s»chk»»big»r Sicht*«». Tnfsp»»kt t Ilh,»»rm R»s«uwsei»g»»g. -4. Abt. Die nom Arbeitskreis junger Parteigenossen am Sonntag beabsichiigie Agitationsfahrt füllt wegen der RotoerorbNiing an«. jA. Abt. 10 Uhr Jugendheim Rosinenstratze Auszahlung der Weihnachtsbeihilfe. 99. Abt. 80. und 81. Bezirk. 9>z Uhr Besichtiguna des Asyls mit Zentralküche ,,. � Teupitzrr Stratze unter Führung nan Genossen Schneider. Mit. „ 2.'i'i),' pet Abteilung sind eingeladen. Treffpunkt am Eingang de» Asyl». 18». Abt. Führung Rathaus Wedding(Ausstellung). Treffpunkt Tegel, End- Haltestelle, 8 Uhr. Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen Deuisäilands. Bezirksgruppe Berlin. äsichgrnppe höhere Schulen. Sitzung Dannerstaq. 17. Dezember. 20 Uhr, im .Nollnischen Gnmnanuin, Iuselstr. 2—8. am U.Pabnbof Jnselbrllche. Taaesord- t onq: 1, Gen. Wegsche.der: Da» politische Bild der häheeen Schule und unsere A,be«t. 2. Genosse Nöalee.Zarlshorsi: Sita» dar? die Partei in dieser Zeit«on uns erwarten? 8. Aussprache. 4. Berschiedene«. Arbeitsgemeinschaft der hinderfreunde Grofz-Berlio. -j Z>te Anise können noch in beschränktem Matze Bolk-chühnrnkarien - haben.... At»d«rl»»bkale»der sind sieder erngotrossen. i» ör'-d'tchshai». Die für Freitag. Ib. Dezember, 18 Uhr. angesetzte ; Aasperlevorstellung mutz der Raumsrage wegen ausfallen und kann < V-',0nuat, stattfinden. Mittwoch, 18. Dezember, 18 Uhr. , Pclkstanzabend für Zungfalien und Rote Falken>n der Schulaula —..............- Litauer Str. 18. Wir üben für die Volksbühne,«arten für di« Sonnenwenducranstaltung i» der Volksbühne sind In allen Gruppen zu haben. Freitag, 1». Dezember, 18 Uhr, Arels-Rater-Falkenabend Litauer Etr. 18. Au». gestaltung Gruppe Paul r-inger. Landsberger Platz. Sonntag, 18. Dezember Gruppenrahrt nach Rahnsborf-Erkner fJugendherberge). Treffen 8 Uhr Falken. Nicht» ist hänlicher al» rot« Hänt»« und unschöne Hautsarb«. Man sovie schitunigsl Adhilse Wsiiffen durch Ponoeiidung der herrlichen Creme Leodör. Lornehn, parfümiert. Tub« 00 Pf. Lilfoch libeizeuzi. tag Jungialken und Rate Falken. Renkiii». Zur Mitwirkung bei der ZdA..Veranstaltung treffen sich die Gruppen Ananii. Lichtkämpfer. Ausbau beute, IZV, Uhr, in dem Saal Einig. krit,«irchhasstratze. Instrumente mitdringen. Aipeniik. Sonntag Besuch bes Museums für Bölkerkund«. Treffen 8>,s, Uhr Bahnhof«övenick. Reinickenbors. Rontag, 14. Dezember, lOttz Uhr, Bastelkurfus in der Neuen Schule, Wittenau. Pappen zum Unterlegen mitbringen. Alle sehlenden Gruppen schielen sofort das �ezemberprograinm an N. Findeisen ein. isikgrnp !> WWW. ichen WMW»WWWWW �WW um 1707 Uhr an der Falkenecke. Wir gehen dann zur Prob« für unsere Weddixg. Die Mu bestimmt zur Probe ins pve und die„Roten Iazzer" komme» am Mittwoch ....WM. H«nn Willdenowstratze. Aeenzbeeg. Gruppe Reichenberger Viertel. Heute treffen sich alle Falken Feierstunde. Sierbeiafel der Groß»Berliner Partei»Organisation 17. Atl. Der Genosse Friedrich Eggcttna, Triftsti'. 7. ist verstorben. Ehre seinem Andenken. Einäscherung Sonnabend, 12. Dezember, 19� Uhr, im lircmatorium(Serichtstrohe. Sozialistische Arbeiterjugend Groß.Verlm Einsendungen für diese Rudrti nur an das Jugend sekretariai Berlin SSS 63. Lindenstcatze 3 Politisches«»bantt der Sozialiftische» Stubexte» unter Mitwirkung der „Roten Spatzen". Leipzig, heute. 20 Uhr, in den Spichcrnsälen, Am Nürn» berger Platz. Mitglieder der Ardeiterjugend zahlen an der«aste 80 Pf. Eintritt. heute, Sonnabend, 12. Dezember 19''» Uhr: r>ikI!i'Qopfohrt. Treffpunkt 17 Ufte Bahnhof Wrdbing.— Weitzensee: Frlmabcnd in t'er neuen weltlichen Schule. Parkftr. 5l— 82. Beginn Uht. Eintritt 2? Pf.— Aottb«sser Tse: Ilrdanftr. 167 Utisere Führt beiuchei >.»»»»„. J1U8I9.U, IUIIIUISUSIM V�VCIltUBE. Werbebezirk Prevzlanee Berg: Danziger Str. 62(Baracke 3). Jüngeren. kursus um 20 Uhr. Morgen, Sonntag. 13. Dezember: Arximplxtz: Treffpunkt zum Bildunaskurfns 8'L Uhr Sozialiftex.Eckr. Hxlesches Tor-«onsumdefichtignng. Treffpunkt 0 Uhr Rote Ecke. Um 20 Uhr �iorckftr. ll literarischer Abend. Verbebezieke Prenzlauer Berg, Mitte»xb Poxko»! Funkiionärknrfns der Bildungsschule Nordost pünktlich 0 Uhr im Altersheim Danziger Str. 82. Dr. Arkadt Gurlond: Einheit der Arbeiterklaffe. rb« bezirk Rex««»! Mädelfahrt. Treffpunk� 7 Uhr Bahnhof NenMl». im Jugendheim Gunter.. Verb« bezirk Rexktzll»! Mädelfabrt. Treffpunkt 7 I Sungenfahrt. Tr-ffpnnkt bht Uhr Bahnhof Reukälln. »erbebezirk Lichtenberg! Film- und Anbareltabend r strotze 44. Beginn IStf, lllir. Nrber 2 Millioxe» zufriedener stunden sind tre»« Anhänger des feit Scher 30 Jahren bekannten grüßten Fahrrad, und Versandhauses Deutschland«, Ernst Machnow, Berlin, Weinmeisterltr. 14. Der neu erschienene Weihnachtskatalog, noch auswärts—«.« Liiuii.1|lvL|U.s X**.•VCV, IlCii ce( vi_( ir. imic JX)l.llJl!uQ)[Biaiul.Uq, ........—-----..... gratis zugesandt wird, enthält eine Riesenauswahl«on Geschenkarlikeln, und zwar Radio, Eprechmaschinen, Musikinstrumente, Näh. Maschinen, Haushalts- und Wirtschaftsartikel, Uhren-, Gold, und Silberwaren, Spielwaren usw., die zu bedeutend herabgesetzten Preisen abgegeben werden. Vi« Weihnachten erhalten alle Käufer noch einen Sonderrabatt von 10 Proz. Verantwortlich für Politik: Vtetsr Schilf! Wirtschaft: 6. stlixgelhäsrr: Gewerkschaftsbewegung: J. Steine»! Feuilleton: Dr. Zoh» Schikowski: Lokales und Sonstiges: Fritz starftäbt! Anzeigen: Ih. GIscke: sämtlich in Berlin. Verlag: Porwärjs.Berlaq G u> b. Berlin. Druck: Bvrwär:s.Buchdrllckerei und B«l«ss»nstglt Pauk Singer u. Ed.. Berlin SW. 68, Lindenstratze 3. Hirrzr 2 Brilstzrn. \ \ Sonntag Z—7 Uhr goöfFnot U-BAHNHOF HERMANNPLATZ DER KARSTADT-BAHNHOF M In Hessen. In den 12 punkien der Rezw wird uc anderen beiden wohnen in Wiesbaden bzw7- Frankfurt' i. M. "i'ie drei hatten als fingierten Wohnsitz das sogenannt«„TrnUne Haus" in Darmstadt angegeben, das aber Wohnräume nicht enthält. „Natürlich!" Gelbst den Oentschaatiovalen zuviel! Der Hugenbergsche„Lokalanzeiger" gibt die Antwort des Zen- Irums an die hessischen Nationalsozialisten mft den Worten bekannt, daß das Mindestprogramm der Rationalsozullisten vom Zentrum „natürlich" nuht angenommen worden sei. Damll tut auch das deutfchnationale Blatt kund, daß eine derartige Selbsterniedrigung und Selbstausgab«, wie sie die Nazis dem Zentrum angesonnen haben, einer ernschaften Partei denn doch nicht zuzumuten ist. Leute mit Sorgen. Womit sich die Neichsbahnjmisten besafsen. In der Zell der polllischen Hochspannung ist es erquickend, von Zell zu Zeit zu sehen, daß es auch noch Leute gibt, die andere Sorgen haben, und sie außerordentlich wichtig nehmen. Zu diesen Leuten gehört die Deutsche Reichsbahn. Sie besitzt an der Ruhr eure Reihe von Häusern, in denen Eisend al>iierfainllien wohnen. In den ländlichen Gegenden haben die Häuser keine Kanalisation, die Eisenbahnerfanrilien ober Gärten und kleine Felder. Die stillen O e r t e r der Reichsbahnhöuser haben dort für die Gartenwirtschaft der Bahnarbeiter ihre große Bedeutung und werden dementsprechend zweckmäßig ausgenutzt. Die Reichsbahn aber hat eine juristische Entdeckung gemacht, ich er die man jahrelang Dissertationsjchristen veräfjeilllichen lörulle. Sie hat nämlich entdeckt, daß das, was in die stillen Oerter hinein» kommt und ureigenstes Eigentum der Bewohner ist, aufhört ihr Eigentum zu sein, wenn sie es nicht mehr bei sich haben. Bon dieser tiefsinnigen Deduktion ausgeheich hat die Reichsbahn sich dos Ver- sügungsrecht über den sechstfabrizierten Naturdünger der Eisenbahn- arbeller angemaßt und hat dieses Produkt an einen. Landwirt gegen Zins oerpachtet. Die Eisenbahner aber haben einen Ukas erhallen, daß sie ihr, natürliche« Produkt nicht mehr als ihr Eigentum betrachten dürfen und daß hinfort die Verwendung des Inhaltes ihrer Aborte zur Düngung ihrer Gärten und Felder oerboten sei! Darüber ist nun ein heftiger Strell im Gange und man kaim gespannt sein, wie die Juristen der Reichsbahn und der General- � direktor Dorpmüller sich mll der Rechtsfrage abfinden werden. Die Eisenbahner aber haben es in der Hand, der Spekulation der Reichs- bahn auf ihr natürliches Produkt einen Strich durch die Rechnung zu machen. Sie brauchen nur die stillen Oerter zuzunageln und direkt auf ihre Felder oder Gärten zu gehen. Sollte die Reichsbahn aus dem Standpunkt stehen, daß sie mll der Bezahlung des karg- lichen Lohnes nicht nur die Arbeitskraft gekauft habe, sondern zu- gleich auch da«, was ihre Arbeiter und Beamten nach kärglicher Ernährung wieder von sich geben? Smelona ist zum litauischen Staatspräsidenten auf sieben Jahre wiedergewähll worden. Die Opposition hatte nur wenige Wahl- Männer— Ursache Wahlfälschung. Hakenkreuzler im Kaschistenschutz. Gie pöbe'n/ das Lokal wird geschloffen. Tie Vozrner Behörden hahen das Kaffeehans Kusseth für 14 Tage gesperrt. Vor einigen Tagen waren Nazis in Uniforu» in diesem Kaffcehans in eine erregte Auch» spräche nrit deutschen Sndtirolern geraten. Tic Nazis beschwerten sich bei den italienischen Behörden, worauf die strafweise Schliessung des Kaffees erfolgte. Völkisches Hochziel:(Zntdculfchung Südtirols. Der neuesten Ausgabe des rein bürgerlichen, durchaus über- parteilichen Nachrichtendienstes über die Verfolgung des Südtiroler Deutschtums entnehmen wir das Folgende: ' Gefahr für f dieses Zurückgedränglwerden(infolge wichtigerer . Gegenwartsprobleme) besteht heute mehr als je. Die natimralsozia- listische Beweguirg, die bekanntlich ihr Desinteresse- ment'.än S nd t i r ol erklärt, hät auch in Tirol ihre Tätigkell ausgenommen. Hierbei wurden Ortsgruppen in Meran und Sana gegründet. Ein« Totengedenkseier in Meran und ein Sprechabend, welchen Dr. N i e l a n d- Hamburg, M. d. R.. im Meraner Parteihcim veranstaltete.. waren, die. Auftakte der Tätigkeit der neuen Partei. Der Sitz der L a nd c s l« i tu n g Italien, der gegenwärtig in Meran ist. soll bald nach Rom verlegt werden. In Eüdtirol macht es einen äußerst deprimierenden Eindruck, wenn man mmmmammm. Shakespeare im Oeuischen Theater. „Antonius undKleopalra". Shakespeares Römerdrama in einer stark gestrafften Ueber- setzung des Dramaturgen Hans Rothe unter der etwas schleppenden. Regie des Heinz Hilpert. Alexander Moissi und Gerda 58 ü Her spielen innen sehr zarten Antonius uich eine sehr harte Kleopatra. Das gibt näht immer einen guten Zusammenklang, aber dos Publikum jubelt Moissi zu. nun auf den Straßen Schwarz- und D rann Hemden brüderlich vereint zu sehen bekommt, die sich mit dem bei den Deutschen verhaßten gleichen Gruße grüßen. .„ Der Faschismus hat in SLdtirol alle dentschenOrgani- sationen zerschlagen, die deutsche Kultur wird in jeder Weise unterdrückt, der Deutsche hat keinen Schutz, er ist in seinem Lande bloß geduldet. Der neuen Porlei aber g e- stattet man eine Tätiakeit. die man nicht einmal den Italienern. welche nicht der faschistischen Partei angehören, zubilligt. Es' ist klar, daß Mussolini«ine solche Tätigkell ohne Gegenleistung nicht gestatten würde. Di« Frage ist: Welche Gegenleistmrg erhält TNussolini von der neuen Partei in Südtirol? Befiehl diese Gegenleistung in der bekannten Er- klorung der Seichsleitmtg vom Desinteressement an Südtirol oder erwartet Mussolini auch nvch andere Coistunge« von der neuen Partei? Die Ortsgruppengrürrdungen haben offenbor den Zweck, den Deutschen in Südtirol mit oller Deuttichkeit und Eindringlichkeit vor Anigen zu führen, daß ihre Hoffnung aus eine Amderung der Lage aussichtslos ist und daß sie sich daher endlich in ihr Los fügen sollten. Wenn eine der größten Parteien Deutschlands, welche, wie man in Italien überzeugt ist, die künftige Regierung tibernehmen wird, sich in so offensichtlicher Weise mit dem heutigen Regime in Italien verbrüdert und dies den Südtirolern sin Land« stetig vor Augen führt, dann muß wohl auch der zähest« Kämpfer den Kampf für aussichtslos Halle» und den Widerstand, den der Faschis- mus allein nicht zu brechen vermochte, endlich aufgeben! Die deutsche Cinhell dort zu vernichten, wo sie lebensnotwendig ist, dem schlimmsten Verfolger eines wehrlosen deutschen Stammes Zutreiberdieuste leisten, sich mit den Helden von Knüppel. Dolch und Rhlzlnus auf offener Äraße verbrüdern— das ist wohl der- jenigen würdig, die-das eigene Volk mit Köpferollen, Erschießen und Aufhängen bedrohen!'. Der sozialdemokratische Miß tranensanlrag gegen die Rechts- regierung von Mecklenburg-Strelitz wurde im Landtag abgelehnt. ver ungarische Sozialdemolrakisöln? Parteitag bot soeben in Budapest unter Polizeiaufsicht getagt. Die westlichen Bruderxarteien waren durch Genossen Julius Deutsch- Wien ver- treten. Me Exemplare der Parteitagsentschließung hatte die Polizei in der Druckerei weggeholt. iMna*"' A*** Tüealcr Sonn abend, des IX Oesember Staatsoper unter Pen Linden 20 Uhr Eine Nadil In Venedig Sutlidunüiilliais üendamninartt «Ä Uhr WalieosteiDS Tod SchiOer-Theater CftailuttBnbiiTfi. 20 Uhr Oattericb Wintej. ■ Garten• LI 5 Ol» Flug 3434 Mio ergibt Das beliebte Clown-Trio Barraceta GsovsKy-Ballett, Luisita Leers „Paolo"! USW. ScnoabEDd ond Sonntag js 2 Torsteltnogsn 4 Uhr u. S.lä Uhr. 4 Uhr Weine Pr T»al. S u.«W NONI UND HORACE LOÜTAKNnENTE 3 PICRROTYS La BLAN oucharmearaV UälT. Hsliin.Mcar lecnltrlert Hjllcii S, 81-> ü!if Slfls. 2, S. ölrr Nur noch 4 Tage ,0er Grai vnni.ouenhurg' »d Klttwodi, 15.». PAGANINI »ob Franz Laliär fciirtzea Sie aen Ververkiirt firifie Felertiga! Oeoüdiei meaier $ Uhr Antonios und Cleopatra von ShaBespeire figjie: Biinz filjirt Die Komödie &b Uhr Düte cio SL Nile Jemand von Pranz Molnar legie: Custa! ürünilflus mit Albert Bmnniian Planetariam ■ am Zoo ii S, 7, 9 Uhr Film umKflnlQsee und Watnnaoo 3 Uhr Hardienlltm Slüdi.Oper Charlotienburg öismarcksttaBc 34 Sonnabend, 12. Dez. Turnus IV Anfang 20 Uhr Nacbetti Ende 23 Uhr Nachm. IS Uhr Binse». Grete! Ende 16 30 Uhr Preise Ton 0. 50 bis 3 M. Theater am Hallendorlplab Ririia; SelBz Si.tnhar; Täglich SV. Uhr Sonnlag 4V4 Uhr Gasparone Heute nachm. 4 Uhr Sonn'ag 2 Uhr KnedO Roppredits Fahrt las Mlnheolagd LiditbDrgJeriifl-GesQiiEliifunDen Der groBe Tonfilmsctawank: Baiph L Boberts. Frlti Sibniz, Locie Bnoüsih. Fisther-Rüppe: Dlensi ist Dienst Abi der BOhne: Lotte Werttiaeisler nad«sdere AtbakHoaeo VontsbUhne Theater am BOlovglatz 8 Uhr Zum I Maie Käthe Dorsch in Die Grobherzogin von eeroisieln feitlicha BearhciluDg; Walter Mehring Staatl Sdiillir- Theater >> Uhr Datterich Rose- ineater OnEr Imtfirtsr Stritt 131 Iii. Veidiui E 1 3<2Z 6 und 9 Uhr Ole Keusche Susanne Reichsbanner Schwarbe- Rot-Gold OrtsverelH Weddlng Sonntag, den 13. Dezember 1931, im Konzertsaal der Hochschulbrauerei, Amrumer Straße 31 Wohltätigkeitt-Konzeit zugunsten unserer erwerbslos. Kameraden ausgeführt vom Musikkorps Wedding unter persönl. Leitung seines Dirigenten Musikm.' Adolf Habedank Kasseneröffnung 19 Uhr Beginn 19K Uhr Eintritt SO Pfennig Nach dem Konzert TANZ(Nachzahlung) Am Sonntag, dem 20. Dezember 1931, 17 Uhr, Saalbau der Hochschulbrauerei, Amrumer Str. 31 Weihnachts- Feier für die erwerbslosen Kameraden Musikalische und Gesangs- Vorträge> Für die Kinder Lichtoilder: Max und Moritz und Huckebein Eintritt frei! Jtdea Dien., Ml.tw.. Bonn. u. S nnah. 3 Das grobe Zaubarmbrclien PIlmPlamPBlnl •Veisö dar Piaire von 75 Pfannia as »v.uhr CASINO-THEAIER»'). ninimiiitnii Lolhriiuter Strafte 37, Nmiutiiiirimimiiuiinniniuuuminin'M Venn Kinder heiraten oad dasgreke Fcrt- Programra I Guischein 1-4 Fersonen: Rat Kell SO Pf., Fauteuil 1— Mark. Sessel 1-S!J Mark. An allen Feiertagen nachm. 3Uhr für Erwachsene und Kinder Vaiterns Wunderkur aad da» Fcst-Prograaun. Preise: 30 Pf.. 0,V). 0,13, 1,— Mark. , Reichshailen-Theater Ahmis 8 Ohr, Suultg ndmllbj Vl2 Diu Stettiner Sänger Der Kranke Fliegenpilz Dadpifagi lalbe Frei», vifiis Pra�raora! ffletropoMheaier Täglich 8<;. Uhr Die Blume von Hawal Frei» m 50 PL n $ig'»3.3 u.«V.Uhr SiBltDOieniiflaWS'! Tbeaisr im Admtralspolasi Täglich«>/. 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