M°rge«ausgab« Sonntag W 13. Ocjember 1931 ZWDWK J B ffftf iBf BlHr � P->!>z°�ngz? u!?d 7- iWK I H■ J■■■■ I W W) M'' mMsmastik W fl III III II I I MIX. määv; teosrudf�ortoa.-®?18 M»ilM JR�ML M D M)W » HB �J/ HB Stellengesuch- da� frfte Sort 15 P'V ■HL � �WS HH\ HB tfdes weitere Wltrt Iii Pf. Worte üder De?»VorwLrd� erschetnt wocherttäH- � // �B» 13 Buchstoken zählen füi zipei SBorif. it1 MkWT A. Sm\mk zF � A A«mHäuotgcschäftLtndenstroß-A. wochen. Abends Zlln�ierte Sonntagsbeilage Är�By■fB■■« HP � ÄBfHH JSäBäB® H�HHW täglich ron SV, bis 17 Uhr. �Boll und Zeit".»eBpJgB�B�HB�BBaK�a�A. J|�BBjEzjBS|BhHi(HH�LA� Der Verlag behält sich das Recht t"'k � Ablehnung nicht genehmer Anzeige» vor» Jentvalorgan der SozialdemoSratischen Vs-rteß Devttwlands � e d a k t i o n und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstd. 3<ö � P-s«scheckk-nto:B-rlmS75LS.-BanNoitt-!BankderÄrb«lter.Ängcstelltenund .'crn�onbott 7> M-R7 T°I°gr°nm..Sdr. e�lbcmofrct Berlin. �OnPOrtg�ertOQ v). M. v.■£>. B-°m.-n.L-nd°nstr.Z Dl B,n.DiS-..G°,.. D-P°s.Mk..S°rn.a.°merSn.KZ«. Was tun?— Kämpfen! Gegen alle Keinde der Arbeiterbewegung: Vorwärts und durch! Was soll im neuen Jahr werden? Löhne und Ge- d älter werden gesenlt, wieweit die Preise folgen werden. ist ungewiß. Da ist kein Mann, der nicht mit der Faust auf den Tisch schlägt, da ist keine Frau, die nichf' sorgenvoll fragt, woher sie das Nötigste für die Kinder nehmen soll. Alle sind beunruhigt, tief unzufrieden, mit Unmut geladen bis oben. Ja. wenn sie den kennten und hätten, der an ast diesem Elend schuld trägt, wahrhaftig, dem sollte es übel ergehen! Na— aber wer anders soll denn schuld haben als die SPD.! Seit 1918 mindestens ist nirgends auf der Welt etwas Uebles passiert, an dem nicht nach der Ueberzeugung sämtlicher Spießbürger und hoffnungslosen Trottel d i e S o- zialdemokratie die Schuld hätte! Gäbe es keine SPD., so wäre erstens der Krieg nicht verloren gegangen, zweitens brauchten wir keine Tribute zu zahlen, sondern be- iämen noch etwas dazu, drittens hätten wir noch unser Herr- liches Heer mit SM. an der Spitze, viertens hätten wir keine Weltkrise des kapitalistischen Systems, fünftens, fechstens und siebentens wäre alles in Blüte und in allerschönster Ordnung. Schuldsger an allem Uebel und Hauptteind ist und bleibt die SPD.,•.-•■,.•' Dies bestätigt auch die Kommunistische Partes. wenn auch mit einer etwas anderen Begründung. Danach bat die SPD. die Revolution verraten und ist die stärkste Stütze des kapitalistischen Systems. Wäre sie nicht, so wären wir längst schon im Sowjetparadies angelangt und hätten so angenehme Zustände wie in Rußland. Beide Parteien werden sich leicht darauf einigen, daß an der vierten Notverordnung des Reichspräsidenten niemand anders Schuld trägt als die Gewerkschaftsbonzen und die ver- ruchte SPD. * Zwar fft der Reichspräsident, der diese Verord- nung unterschrieben hat, nicht von den Sozialdemokraten, sondern— mit Unterstützung der KPD.— von den Nationa- listen gewählt worden. Zwar ist die Regierung, die für diese Verordnung verantwortlich zeichnet, eine R e ch t s- Z e n- trumsregierung mit drei ehemaligen Dcutfchnatio- nalen, ohne einen einzigen Sozialdemokraten, mit 5)errn G r o e n e r als linken Flügelmann. Zwar sind die Beftim- mungen über die Lohnsenkung gegen den schärfsten Protest d:r Sozialdemokratie erlassen worden— was tut's? Gehen die Löhne, die Sozialleistnngen herunter, dann haben die SPD. und die Gewerkschaftsbonzen schuld. Wie aber, bitte, wenn sie h i n a u f g e h e n? In den Iahren von 1921 bis 1929 war im Reichsdurch. schnitt. der Lohn für männliche Vollarbeiter von 69,3 Pf. auf 107,3 Pf. pro Stunde gestiegen. Das Gesamteinkommen aus Löhnen und Gehältern stieg im gleichen Zeitraum van 35.5 auf 47,4 Milliarden Mark. Für Zwecke der Sozialver- sicherung wurden im Jahre 1930 rund 6,5 Milliarden Mark ausgegeben gegen rund 1 Milliarde Mark 1913, für Arbeits- losenuerstcherung allein über 2 Milliarden Mark gegen Null im Jahre 1913. Die Zuschüsse von Reich, Ländern und Ge- mcinden stiegen von 58,5 Millionen Mark auf 3300 Millionen Mark. Das waren Erfolge. Sie sind nicht erzielt durch das Schlachtgeheul der Nazis und der Kommunisten, sondern durch die zähe Arbeit der Gewerkschafts- Konzen und der verruchten SPD. Merkwürdig nur. daß damals niemand davon sprach! Jetzt, wo unter dem Druck einer Weltwirtschastskatostrophe und verrückter politi- scher Zustände Löhne und Sozialleistung wieder sinken wer hat schuld daran? Natürlich die Gewerkschastsbonzen und die verruchte SPD.! ♦ Was ist dagegen zu dm? Standhalten und drein- schlagen? Das Geheul der Verleumder verachten und gegen Vorniertheft und Vorurteil den Kampf aufnehmen. Bedrohte Positionen verteidigen, den Angriff vorbereiten. um verlorene zurückzuerobern, schließlich aufs Ganze gehen gegen den Wahnsinn des kapftalistischen Systems für sozialistische Wirtschastsvernunft! Unser Ziel bleibt irnverrückt, unser Kampf geht weiter. Die Taktik werden wir uns nicht von Kommunisten und Nationalsozialisten vorschreiben lassen. Ihr Herrschaften vom Sowjetstern und Hakenkreuz, ihr wünscht, daß wir mit euch zusammen für Aushebung der Wer- ordnung, für den Sturz der Regierung stimmen sollen, Seid ihx dann auch bereit, mit uns eine neue Mehrheit zu bilden, die die Bestimmungen der Notverordnung durch bessere ersetzt? Wenn ja. dann gestattet uns zu überlegen, ob von einer solchen Mehrheit wirklich etwas Vernünftigeres zu erwarten ist! Wenn nein, dann müßt ihr euch sagen lassen, daß all euer Geheul gegen uns ein ordinärer Volks- betrug ist. -i- Wir Sozialdemokraten kämpfen für ein menschenwürdiges Leben des arbeitenden Volkes, aber wir wissen, daß wir diesen Kampf nicht führen können gemeinsam mit den Haken- kreuzlern, den Söldlingen, des Großkapitals, und auch nicht geMinsam mit den Kommunisten, die uns als ihren„Haupt- feind" betrachten und uns stets in den Rücken fallen. Wir stehen allein gegen eine Welt von Feinden. So wollen wir auch die Methoden unseres Kampfes allein bestimmen nach sorgfältigen Erwägungen. Es kommt nicht darauf an, eine bloße Geste gegen die Notoerordnung zu machen, die zu ihrer praktischen Auf- Hebung gar nicht führt. Es gilt, gegen die Zustände an- zukämpfen, aus denen die Notverordnung entspringt und die sie fixiert! Es gllt dafür einzutreten, daß ihre schlimmsten Härten— wir denken vor allem an die Gemeinde- a r b e i t e r und die Bergarbeiter— schleunigst beseitigt werden! Im H o l z g e w e r b e, in der Metall- industrie, im Baugewerbe herrschen vielfach tariflose Zustände. Hier müssen die Tarife wieder aufgebaut werden. Gehen die Löhne nicht wieder herauf, so müssen die Preise herunter! Die Reichs- regierung versichert, daß sie den Reallohn nicht senken will zwingt sie, damit Ernst zu machen! Partei und Gewerk- Genosse Paul tob« veröffevtlichl in einer parteigenössischen Sor- responden; einen Artikel über die Notverordnung und die taktische Stellung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion, dem wir das Folgende entnehmen: Der amerikanische Bundespräsident Haover machte dem Kon- groß der Vereinigten Staaten folgende einfache Eröffnung: „Beim Herannahen des neuen Jahres wird es klar, daß eine Anzahl von Regierungen nicht in der Lage sein wird, weitere Iahlungen für unsere Schuld zu leisten. Es ist nutzlos, dieser osscustchtlichen Tatsache nicht klar ins Gesicht zu sehen." Es gibt eine Reihe von anderen harten Tatsachen in Europa, vor denen die Arbeiterschaft die Augen nicht verschließen kann: Die Krise, unter der wir leiden, ist nur international zu überwinden! Dos sind harte ökonomische Tatsachen, an denen wir im gegen- wärtigen Stadium der kapitalistischen Entwicklung nicht vorbei- kommen. Weiter: Die Krise, unter der wir leiden, ist nur durch ganz radikale Maßnahmen überwindbar! Wir Sozialdemokraten erblicken solche in der Ersetzung der planlosen Wirtschaft durch die planmäßige, in der Ersetzung der Profstwirtschaft durch die Bedarfswirtschaft. Für diese radikalen Maßnahmen sind in keine mdercuro- päischey Länder Mehrheiten vorhanden, wenn auch die Erkenntnis pon der llichallbarkeit der heutigen Zustände immer westere Kreise erfaßt. Raditale Maßnahmen sind wegen ihrer Umstellung auch nicht ohne schwere Opfer möglich! Stillegungen, Abwanderungen. westg�ende Kürzungen der Einnahmen bei verkürzter Arbeitszeit. Opfer aller Art werden dann erst recht unumgänglich sein. Ein Blick auf Rußland, wo splche Umstellungen nach der anderen Seite schaften mögen erwägen, ob nicht durch zu bildende Orts« a u s f ch ü f f e die Preisbildung der wichtigsten Waren zweck- mäßig überwacht werden kann. Wo die Löhne an die Grenze des Existenzminimums sinken, besonders bei Familien mit unversorgten Kindern, müssen— ähnlich wie das jetzt bei den Arbeitslosen geschieht— besondere Beihilfen gewährt werden. Wenn der Staat will, daß Kinder in die Welt gesetzt we.rden, so sorge er gefälligst dafür, daß sie nicht verhungern! Ja, wenn eine solche Arbeit getan und ein solcher Kampf geführt, werden soll, dann sind die Gewerkschaftsbonzen und die verruchte SPD. vielleicht doch noch zu etwas gut! Biel- leicht sind das doch nicht die richtigen Arbeiterfreunde, die den Augenblick ersehnen, in dem sie i�ie politischen, die gewerkschaftlichen, die g e n o s s e n s ch a f t- lichen Organisationen der Arbeit�rbcme- g u n g. das stolze Werk zweier Generationen, in Trüm- mer schlagen können! Dieses Werk ist heute von zwei Seiten her bedrdhf, aber noch gilt unser altes Kampflied:.„N i ch t zähle n w i.r den Fe ich d?" Schwere Zeiten liegen hinter uns, schwerere stehen uns bevor. Spätestens im.kommenden Frühjahr wird der E n t- scheidungskampf gegen den Fajchis rn u s geschlagen werden! Bei dieser großen politischen Entscheidung geht es um Freiheit öder Knechtschaft, Ausstieg oder Unter- gang. Leben oder Tod! Partei und Gewerkschaften. Reichsbanner, Arbeiterfpvri- Organisationen, alle republikanisch und sozial Gesinnten müssen sich formieren zu einer unzerbrechlichen Einym-, einer eisernen Front. Geschlossenheit, Disziplin, politische Schulung der sozio- listischen Arbeiterbewegung sind auf eine harte Probe gestellt. Sie wird bestanden werden! Es gilt jetzt, in aller Kaltblütig- keit den Weg zu wählen. Ist er aber gewählt, dann heißl es: Vorwärts und durch! hin mit großen Anstrengungen betrieben werden, zeigt, welche Opfer ein Lcmd dabei seinen Bewohnern zumuten muß. Wie schwer der Weg der internationalen Maßnahmen ist. lehrt jeder Tag und jeder Bück auf die wirtschaftliche Absperrung der einzelnen Länder. Für radikale Maßnahmen fehlen Mehrheiten und Machtmittel, deshalb wird jede deutsche Regierung den scheinbar näheren Weg der Ueberbrückung und Milderung der Krise im eigenen Lande zu beschreiten suchen. Welches ist hier der Tatbestand, vor dem wir die Augen nicht verschließen dürfen? Der noch arbeitende Teil des Volkes in Stadt und Land muß. die Existenzmittel für fünf Millionen Arbeitsloser mit ihren Fa- milien herbeischaffe». Außer den Renten für 2 27614b Kriegsocr- letzte, Kriegswitwcn. Kriegswaisen, Kriegscltern, außer den Be- zügen für 2 298 999 Alters- und Jnvalidsnrentner, wenn wir alle anderen Bersichcrunge» außer Betrocht lassen! Es find für die Ar- beitslosen allein in der Versicherung, im Reich und in den Ge- meinden etwa drei Milliarden Mark Ausgaben, die das Borkriegsdeutschland nicht kannte. Je mehr arbeitsunfähige oder arbeitslose Volksgenossen über Wasser gehalten werden müssen, desto knapper wird der Anteil des Einkommens für die noch Arbeitenden. Um die Mittel für die Be- dürftigen weiter aufzubringen, hat die Regierung Brüning den Weg einiger Steuererhöhungcn und den her Gehaltskürzungen einge- schlagen. Dagegen wenden wik ein, daß solche schematischen Kürzungen ungerecht sind und die hohen Einkommen nicht iry gleichen Verhältnis betroffen werden wie die unteren. Dabei dürfe» wir aber nicht aus Hein Apge lassen, daß die Zahl dieser höheren' Einkommen und' dex Umfang dgrselbeu selbstverständlich auch uister der Krise staxk zurückgegangen ist. Denen, die Opfer brkngen müsse«, will die Regterpn? die Avs- Den Tatsachen ins Gesicht sehen! Paul Lobe über die Notverordnung. Staatsmoral von rechts. Llrieil gegen die Birekioren und Angestellten der pommerschen Hauptgensssenschafi gültig enthüllt. Die Angeklagten hatten falsche Bücher ge- führt, um vom Reiche Exportprämien zu erschwindeln, vis ihrem Betrieb nicht zustanden. Sie haben das Reich betrogen. Es ist für das Verhältnis dieser deutschnationalen Größen aus dem Landbund und ihrer Gesinnungsfreunde gegenüber der Gesetzgebung und der Moral charakteristisch. daß sie im'Betrug am Reich mitten in der Notzeit keinen Makel sehen, daß die Schuldigen nach wie vor ihre Rollen in Wirtschaft und Politik weiterspielen dürfen— als Bekämpfer „marxistischer Korruption" versteht sich— und daß in diesen Kreisen niemand das Bedürfnis fühlt, von offenkundigen und gerichtsnotorischen Betrügern abzurücken. Der Prozeßverlauf wie die Berichterstattung der deutsch- national-nationalsozialistischen„Pommerschen Tagespost" sind dafür bezeichnend. Da standen die Herren Direktoren, sie beziehen 60 000 M. Gehalt jährlich— weil es die Bauern so dick haben— sie s'ird lebenslänglich angestellt und haben die Pensionsberechtigung wie Staatsbeamte. Der Unfall vor Gericht schadet ihnen nichts. Ihre Verteidigung kämpfte mit allen Mitteln gegen die Finanzbehörde, die zugegriffen hatte, und die deutschnationale Presse steigerte das bis zur bösartigsten Beamtenhetze. Die Betrüger werden gedeckt— die pflichttreuen Beamten, die die Interessen des Reichs wahrnehmen, werden beschimpft. Staatsmoral von rechts! Das wäre ein sauberer Zustand, wenn in allen künftigen Prozessen über Schädlinge gegen das Reich und die Wirt- schaft die Schuldigen sich verteidigen würden mit der These: wir sind gut, aber die Gesetze sind schlecht! Stettin, 12. Dezember. 3n dem Prozeß gegen die Direktoren und Angestellten der Pom- merschen Landwirtschaftlichen hauptgenossen- schaft wegen unberechtigten Bezuges von Getreidceinfuhrscheineu wurde am Soanabendnachmiktng das Urteil verkündet. Es erhielten Direktor hagemaun wegen Vergehens gegen§ Zö? des Zollgeselzes 60 0d0 Mark Geldstrafe, im Iklchtbeilrcidnagssalle für 1000 Mark einen Tag Gefängnis. Der Prokurist Arlh Schneider 1 0 000 Mark Geldstrafe bzw. für je 250 M. einen Tag GesSagni». der Saufmaon Gründling 3000 Mark Geldstrafe, der Obermullcr Rodert und der Buchhalter Bohnenstengel je 100 Mark Geldstrafe. Die Angeklagten Direktor haß. Handlungsgehilse Zulczenka und Kaufmann Mallies Schneider wurden freigesprochen. Der Staalsanwatl Halle folgende Strafen beanlragi: gegen die Direktoren haß und hagemann sowie die Angcslelllen Gründ- ling, Bohnenstengel, Rudert nud Fritz Schneider Geldstrafen in höhe des vierfachen der hintirzogenen Beträge, das heißt jeden je 635 934 Mark Geldstrafe, gegen den Angeklagten Zulczenka wegen Beihilfe ciye Geldstrafe von 17l lSI Mark. Außerdem hatte der Staatsanwalt gegen Direktor haß eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten Gefängnis beantragt. * Der deutschnationale Skandal um die Pommersche Hauptgenossenschast ist durch die Gerichtsverhandlung end- Justiz in der Notzeit. Gemeinsame Konserenz der Oberlandesgerichispräsidenien und General- staatsanwälte Preußens. Am 12. Dezember 1931 fand im Preußischen Justizministerium unter dem Vorsitz des preußischen Justizministers Dr. Schmidt die bereits angekündigte gemeinsame Besprechung der Oberlandesgerichtspräsidenten- und General- staatsanwälte statt. Der Justizminister wies in seiner Eröffnungsansprache darauf hin, daß die politische und Wirtschaft- liche Entwicklung der letzten Zeit das dringende Bedürfnis nach einer Aussprache gezeitigt hätte über die Ausgaben, die in der jetzigen Notzeit der Justiz im republikanischen Volksstaat in besonders dringender Weise zufielen. Mehr als sonst sei es bei der sitzigen Notlage Aufgabe der Rechtspflege und namentlich der Straf- rechtspflege, unter Einsetzung aller Kräfte zu einer Besrie- dung des polt tischen Lebens und zü' einer Gesundung der Wirtschaft beizutragen. Die Aussprache befaßte sich zunächst mit Angelegenheiten der Strafrechtspslege. Es wurde namentlich erörtert, wie die dringend erwünschte schleunige Durchführung der sogenannten Wirtschafts st rafsachen zu fördern sei unter Ausnutzung der dazu durch§ 154 StPO. und durch die 3. Notverordnung des Reichspräsidenten vom 6. Oktober d. I. gegebenen Moglichtellen. durch Konzentration des Untersuchungsstoffs, durch Auswahl ge- eigneter Staatsanwälte und Untersuchungsrichter, durch Umsicht und Tatkraft beim ersten Zugriff, durch rachtzellige Gewinnung von Sachverständigen und zweckmäßige Zusammenarbell mll ihnen, durch möglichste Beschleunigung in allen Phasen des Verfahrens. Es wurde ferner behandelt die nachdrückliche Verfolgung p o l t i- scher Straftaten, namentlich politischer Beleidigungen unter Berücksichtigung der nach dieser Richtung durch die 4. Rot- vcrordmmg vom 8. Dezember 1931 gegebenen Möglichtellen. Es wurde auch erörtert, in welcher Weise die Gesetzgebung durch die verschiedensten Bestimmungen die Möglichkellen geschaffen habe, den aus politischem. Terror entstehenden Gewalttätigkeiten nachdrücklich und streng entgegenzutreten und wie von den dadurch ge- gebenen Strafbestiinmungen energisch Gebrauch zu machen sei. Sodann wandte sich die Aussprache den durch§ 153 StPO. und durch die Notverordnung des Reichspräsidenten vom 6. Oktober 1931 gegebenen Möglichketten zu, in wellerem Umfange als bisher die Strafverfolgung geringfügiger Delikte zu vermeiden. Es ergab sich Einigkell darüber, daß trotz der in zahlreichen Einzelfällen von allen möglichen Stellen gegen die Ein- stellung des Vorfahrens erhobenen Schwierigkellen doch von diesen Möglick kellen schon im Interesse der Finanzlage des Staates in möglichst wellcm Umfange Gebrauch zu machen sei. Eonderrecht für Nazis? Im Preußischen Landtag hat der Abg. Kuttner(Soz.) folgende Kleine Anfrage eingebracht: Im Prozeß des Grafen Helldorf und Genossen wegen der Kurfürstendammtrawalle hatte die Der- teidigung der Angeklagten verabsäumt, gegen das erstinstanzliche Urteil fristgemäß Berufung einzulegen. Diese Versäumnis bernhle aus einer Fahrlässigkeit im Bürobstrieb der beteiligten Rechtsanwälte. Gleichwohl hat die Strafkammer den Angeklagten Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gewährt. Nach der Straf- Prozeßordnung ist diese nur zulässig, wenn der Antragsteller„durch Naturereignisse oder andere unabwendbare Zufälle an der Ein- Haltung der Frist verhindert worden ist". Niemals ist bisher in der Rechtsprechung die Fahrlässigkeit eines Rechtsanwalts bzw. seines Büros als„Naturereignis" oder„unabwendbarer Zufälle" ange- sehen worden. Im Gegenteil: bisher haben die Gerichte sich stets auf den Standpunkt gestellt, daß Irrtümer der Anwälte und dergl. durchaus abwendbare Ereignisse sind. Es ist auffällig, daß die eigentümliche neue Rechtsausfaffung in einem Augenblick Platz greift, in dem es sich um Nationalsoziali st en in führender Stellung und aristokratischer Abkunft handelt. Ich frage das Staatsministerium: 1. Wie ist diese Entscheidung zustande ge- kommen? 2. Was gedenkt es angesichts dieser Entscheidung zu tun? gäbe erleichtern, indem sie die Zinsen, Meten, Preise zn senken versucht. Gegen Z i n s s e n k u n g e n haben beachtenswerte volkswirtschaftliche Fachleute tausend Bedenken angeführt. Bielleicht haben sie recht. Ich aber verstehe jedenfalls nicht, daß man Zinssätze hätte unangefochten lassen können, wenn alles andere, Gehälter, Löhne, Unterstützungen gekürzt werden. Ich halle diesen Schritt für u n e r- läßlich, ja für stark verspätet, so hart seine Wirkungen für man- che» einzelnen sein mögen und so groß die Schwierigkeiten sein können, die sich in der gesamten Wirtschaft daraus ergeben. Haben etwa Lohnsenkungen und Kürzungen der Arbeitslosenunterstützung beides nicht auch zur Folge? Mieten. Preise sollen ebenfalls gesenkt werden. Dagegen wird in unseren Kreisen kein Einwand erhoben werden. Im Gegen- teil, hier können größere Lorteile für die 5 und 4 Millionen liegen, deren Unterstützungen und Renten früher ohne Ausgleich gekürzt wurden. Der große unüberwindliche Einwand, den wir erheben, ist gegen die Loh'n- und Gehaltssenkungen gerichtet, well wir die weitere Schrumpfung der Kauf- kraft bei der großen Masse befürchten. Hier liegt die schwerste Enttäuschung, daß das Kabinett Brüning sich unseren Warnungen versagte. Indessen: Kann ein taktischer Zug der Sozial- demokratie diese Maßregel ungeschehen inachen? Nein! Werden die Ersparnisse der Kürzungen und die Einnahmen der Steuererhöhungen nicht gemacht, dann ist es klar, daß weder dos Reich noch die Länder noch die Städte ihre Verpflichtungen gegenüber Beamten, Arbeitern. Rcntonbeziehern und Arbeitslosen erfüllen können. Aus diesem Grunde wird im Falle einer Reichs- tagseinberufung nicht die Notoerordnung fallen, sondern die Regie- rung oder der Reichstag fällt. Die Notverordnung bleibt oder wird erneuert, darüber ist bei der heutigen Kräfteverteilung kein Zweifel. Die Regierung kann fallen und durch eine andere ersitzt werden. Die Genossen im Lande müssen ebenso wie die Reichs- tagssraktion prüfen, ob die neue Regierung angesichts der oben ge- schilderten Tatsachen bessere Notverordnungen erlassen, geringere Kürzungen vornehmen wird. Der Reichstag kann fallen, die Genossen im Lande wie die Fraktion werden sich überlegen müssen, ob ein neugewählter Reichs- tag angesichts der oben angeführten Tatsachen günstigere Mehrheits- Verhältnisse für die proletarischen Forderungen aufweisen wird. Beides aber wird verbunden fein mit neuer Erschütte- rung der internationalen Berständigungsmög- l i ch k e i t e n für die Aufhebung der Reparationen, deren Zettpunkt jetzt in die Nähe gerückt ist, für die Wirtschaft, den internationalen Kredit, sei es auch nur den noch bei uns befindlichen, nicht ent- kehren kann. Diese Umstände werden jede kommende Regierung, ob es eine Rechts- oder Linksregierung ist, in den Zwang versitzen, Sparmoß- nahmen und Kürzungen einzuführen, die nach den Inzwischen ein- getretenen Ereignissen drakonischer sein würden als die heutigen. Ein Schritt beim Reichskanzler. Die gewer?schafilichen Gpihenverbände werden gemeinsam # vorstellig. Die gewerkschaftliche« Spitzenverbände einschließlich der Beamtenbünde, haben nach einer Be- sprechnag der Sage, wie sie sich für die Gewerksichaften a»S der vierten Notverordnung ergibt, beschlossen, ge- melnsam nochmals beim Reichskanzler nnd Ar- beitsmiaister vorstellig z» werden, nm ihre Auf- fastnng über die Auswirkungen der Notverordnung dar- zulegen. Die Besprechung mit dem ArbcitSminifter hat Sonnabend früh bereits stattgefunden. Der Empfang beim Reichskanzler steht«och bevor. Mitarbeit au der Preissenkung. Eine Aufgabe der Oeffentlichkeit. Der Reichskommissar für Preisüberwachung teilt mtt: Beim Reichekommissar für Preisüberwachung gehen zahllose Anregungen aus dem Publikum«in. Besonders erfreulich ist, daß sich hervor- ragende Persönlichkeiten der Wirtschaft und Wissenschaft in unab- hängiger Stellung zur ehrenamtlichen Mitarbeit zur Verfügung stellen. Man ersieht hieraus das große Interesse, das die ganze Frage einer gerechten Preisgestaltung sowohl in der brettesten Oefsentlichkeit, wie bei unabhängigen wirtschaftlich unterrichteten Persönlichkeiten erweckt. Gegen Waffenmißbrauch. 1 7*. � l L � � S.. 1 f...»»»7>. 7.* Cid. a v* f. T � cirahe 62, ab 19 Uhr, statt. Jeder Teilnehmer muh ein Notenblatt Pf. entnehmen.— Ncorgcn, Montag, finden folgende Beranftaltungen statt: Gelundbranncn: Jugendheim Pank. Ecke WiefenstraKe kwcltluhe Schulel. liurzreferale.— Wedding: Jugendheim Turiner E>te EccstraKe. Vortrag: Als Arbeiter in USA. Referent: Grübelt.— Britz: Städtisches Jugendheim(Rat. Haus). Kurzreferate.— Urban: Jugendheim Hobrccht. Ecke Sanderftraßc. Vor. trag: Kartell, Konzerne, Trusts. Referent: Dr. Lcwinfki.— Nordost II: In. aendheim Rastenburaer Str. 16. Vortroß: Die Polizei im Volksstaat.— Wcißeafec: Jugendheim Pistorwsftr. 24. Wir lernen neue Lieder. hlaab llulrem. scbueiem Ueicken verschied beule nachminag T/t i hr p ö zlich und unerwartet mein innigstgeliebter Mann, unset herzensguter vater. Schw egervater, Großvater, Bruder, Scnwager und Onkel, der Kaufmann Gustav Pinner im 75. Lebensjahre In tie'er Trauer Klaia Pinner, geb Blumenreich and Kinder Berlin NO 55, Tresckowstr. 36, den 11. Dez. 1931 Einäsche una Mittwoch, den 16 Dez. vorm. 11',. Uhr im Krematorium Gerichtstr-Be 37 &ei JÜERGEN3 Aloxandorplatz Neue Königstr.43 Qeotsdier iAetailarlieitei-serliani! VcTwalionöss�cüc Berlin Todesanzeige Den Milg! ledern zur Ziachrichi dah unter Kollege der Schioster Paul Mitzlafi gcd 12. November 1871 am 9. Dezember gestorben tfL D e Etnätcheiung findet am Montag. dem r 4. Dezember. 10 Vi Uhr, tut Kremaiorium Gerichisirahe ftott. Rege'Beteiligung wird erwariel. Nachruf Am 27. November starb unser Kol- lege, der Rohrleger R chard Baatz geb. 2. Sunt'870. Die Beeidigung Hai bereits staii- gefunden. Ehre ihrem Andenke»! Die OrtsTerwailnnr ■osa Nach fiin jährigei glücklicher Ehe starb an den Foir'en einer schweren Operation mein über alles gcitebier Vianu, der Werizeugdrehcr Max Paetzoldt im A ler van 61 Jahrein Um stilles Bei cid dtliei W w. ki an Vorolhca Paetzoldt, geb Russow Trauerfeier: Mittwoch, 16. Dezember. mittag» 12 Uhr.Kiema! fficnduiitafec. Peglaabigie Abtchrift Gefchäfisuummer: 148. B. 470. 31 13. Privatklagefache des Schriftstellers Raphael Rein Abra- mowitsch in Berlin-Sdi'dneberg, Bozener Straße Nr. 9, Privatklägers, gegen den Redalteur Karl Preißnar in Berlin N.. Linienftr. 31, geboren am 1. August 1894 zu Barmen, Kreis Barmen, An- geklagter, wlg-u übler Nachrede. Das Amtsgericht Berlin-Mitte, Ab- tcilung 148 in Berlin NW. 40, Alt- Moabit ll, Hai am 23. November 1931 für Recht erkannt: Der Angeklagte wird wegen Udler Nachrede zu 150.—(oinhundertund. fünfzig) Reichsmark Geldstrafe, im Un- vermögcnsfalle zu 13 l fünfzehn) Tagen Gefängnis. loNenpflichtig verurteilt. Der Privatkläger ist berechtigl, den erkennenden Teil der Urlcilsformel binnen vier Wochen nach Rechtskraft je einmal auf Kosten des Angeklagten in folgenden Zeitungen zu veröffentlichen: 1. In der„Roten Fahne", 2. In dem„Vorwärts". Die vorstehende Abschrift der Urteils- forme! wird beglaubigt. Das Urteil ist vollstreckbar. Berlin RW. 40, den 8. Dezember 1931, Alt-Woadit 11. L. S. gez. Unterschrift, Iustizinspektor alz Urkundsbeamter der Geschäftsstelle des Amtsgerichts. Für die Richtigkeit der Abschrift: Landsberg, Rechtsanwalt. Besonders in der Gesamt« Aafla�e des Vorwärts und trotzdem s Am Fmldsi. ll. Dez möer. ver. starb plötzlich und uneiwarlel un!e ieber Kollege, der Maschinensetzer Heinried von Snckow im 63 Lebensjahre Wir verlieren in dem Dahin- ae'chiedenen etnen stets h'ih bereiten Kollegen und broorn Ment en.[ dessen Anden en wir stets in Ehren| halten werden Berlin t2. De ember>931. Die bla-cd nensetze cker ka. Ut.tzte.n A-G.| Die Einäscherung finde- am Dren»- lag. IS. Dezember votm UV, Uhr im Ktematorürm Wüiner-dort bat Am 9. Dezember vendiicb piö. iid und ttverwatiei, im 57. Leben-'abr j mr ine liebe Frau, un ere gute Mattet dokanna Preide' geb. Berg In tiefer Trauer Georg Prelck«! Die Bestattung findet am lä De- zember. abends 7 Uhr, tm Krema- tortum Getichtfttaße»ait. vanhsaAung Für die herzliche Tcüimhme bei I der Einüicherung jowie bei der Bei- fetzung meines lieben Mannes. Balcrs Schwiegervaters und Großvaicrs Hermann Wexer agen wir allen Bekannten und• Freunden un eren herzlichsten Dank. Berlin O 112. Rigaer Etr. 53 kran�ooa �e�er.�ed. Hilckedrsnckl Lllsadetl» Gabbe, geb. Weger Friiz Gabbe Richard Gabbe ? Grofler �S��rreisaimaii! Sittiz wie noch nis! InteMef Ober bell.. Mk. 9.60, 10.-, 12- Kissen....„ 2.55, 2.85, 3.50 rot, lürkisefa, Mako. Steppdecken..... Mk. 19.50 Da nnec decken....» 5�,— Wandcr-, Wochenend- Decken in allen Preisiagcn BeMfieaBern and Daanen zu den bekann en billigen Preisen. Bei Elnkaol Gratlsrcfnlgapg■ Benin. 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Bleichröder Commerz- und Privat-Bank Aktiengesellschaft Darmstadter und Nationalbank K. a. A. Delbrück Schickler& Co. Deutsche Bank und Disconto-Geseiischatt Dresdner Bank J. Oreyfus& Co, Hardy& Co. 6. m, b. H. Mendelssohn& Co. Lazard Speyer-Ellissen K.a.A. DIE LEBENSMITTELKUHLUNG ist ausschloggttbend für die Lagerungsmöglichkeit großer Vorräte, wie sie zur Versorgung großer Bevölkerungskreise erforderlich sind. Die KONSUMVEREINE/ die hierbei eine führende Rolle spielen, legen aus naheliegenden Gründen Wert auf eine dauerhaft konstruierte und wirtschaftlich arbeitende Kühlanlage und verwenden deshalb als Kälteschutz impr. EXPANSIT- KORKSTEIN/ den geruchsunschädlichen und fäulnisfesten Isolierstoff. Grunzweig& Hartmann G.m.b.H. KORKSTEIN- UND ISO LI ERMITTEL FABRIK LUDWIGSHAFEN AM RHEIN NI60E«IASSUNGEN; BERLIN/ DRESDEN/ DOSSElDORf/ FRANKFURT A. M. 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Preissenkung der Wi-Wo Die Wi-Wo, das eigene Kaufhaus der Gewerkschaften, hat sich entschlossen, ihre sämtttchen,bereits stark verbilligten Preise mit sofortiger Wirkung nochmals um l0°!o herabzusetzen (Für Markenartikel gelten die Preisherabsetzungen der Fabrikanten) Herren- und Damen-Bekleidung, Herren-Artikel, Trikotagen, Wäsche, Schuhe, Hüte, Lederwaren, Möbel, Teppiche, Gardinen, Beleuchtungs- körper, elektrische Artikel, Photo, Radio, Optik, Sprechmaschinen, Schall- platten, Fahrräder, Nähmaschinen, Wirtschastsartikel, Bestecke und Ähren 6 Monatsraten- ohne Anzahlung 1e C Gilt!♦ 1932(bei größeren Objekten besondere Vereinbarung) Kreditberechtigt sind alle Beamte.— Angestellte und Arbeiter müssen beim Einkauf einen Kreditscheck unseres Vertrauensmannes in ihrem Betriebe oder das Mitgliedsbuch einer Berufsorganisation beibringen. Berlin SWl9, Lindenstraße 42— Telefon: A7 Dönhoff 8360-8361 Die WiWöfWirfSfhaftd-u.Wohlfohrfscinrichfungen des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes) r10z Rund um das Weihnachtsgeschäft Bitteres aus der Süßwarenbranche** Traarige Zeiten für den Weihnachtsmann Von Jahr zu Jahr wird die„Wcihnachtsscusfm" trauriger, der Arbeitsmarkt der Bäcker und Konditoren erfährt eine immer schwächere Belebung; abgesehen von der unausgesetzt fallenden Be- schästigungsziffer des ständigen Personals ist auch das Aushilfsge- schäst sehr trüb« und man kann in diesem Jahre sagen, daß noch nicht% der im Vorjahre beschäftigten Menschen Arbeit finden konnten. Dabei kann man beobachten, daß die Beschäftigungszahl weiblicher Arbeitskräfte auf Kosten ihrer männlichen Kollsgen steigt'. gesucht ist heute vorwiegend das junge Mädchen unter 18 Iahren, warum— das kann man sich wohl leicht an den fünf Fingern abzählen. Billig, billig ist die Devise unserer Tage! Das gilt allerdings auch für die Produktionsartikel selbst, denn nur billigste Ware hat eigentlich noch Wsatzmöglichkeit. populäre Verkaufspraxis. Da gibt es Betriebe, die sich ein«„populäre Berkaufspraxis" zu eigen gemacht haben: sie liefern beispielsweise eine Tafel Schoko- lade uneingepackt zu 14. eingepackt zu ganzen 16 Pfennig. Stech- automaten auf Straßen. Plätzen und in Kneipen werden mit Ware gefüllt,' wobei in den Kneipen-Automaten verhältnismäßig teuere Ware verkauft wird in der Annahme, sie hier an den alkohol- umwitterten und darum großzügiger veranlagten Mann zu bringen. Betriebe, die Klein- und Kleinsthändler beliefern, haben gut zu tun, da wird in drei Schichten gearbeitet und Sonntags auch noch. Bis in den November hinein— eine Zeit, wo sonst schon Höchstbetrieb herrschte— gab es lediglich Kurzarbeit, S- auch 4-Tage-Be- trieb und kaum Ueberstunden. Dazu kommt nach, daß infolge der ständig schwächer werdenden Kaufkraft aus der einen Seite und der Fata Morgan« von der„großen Preisreduktion" auf der anderen Seite, kein Mensch Bestellungen macht, dafür aber seine bereits«r- folgten Aufträge noch zurückzieht. Auch das Exportgeschäft steht schlecht, alles hält mit Aufträgen zurück und es schneien tele- graphische und telcphonische Abbestellungen ins Haus. Eine der größten und ältesten Berliner Schokoladenfabriken weiß von all dem ein trauriges Lied zu singen. Die Fabrikation mußte stark eingeschränkt, Kurzarbeit und Personalabbau vorge- nommen werden, während man im Vorjahr noch KM ständige, und etwa 356 Aushilfskräfte hatte, sind es in diesem Jahre mindestens um 150 Arbeiter weniger. Traurige Zeiten für den Weihnachtsmann mit seinen„süßen Gaben", die so stark nach Bitternis schmecken! In Lichtenberg riechis nach Pfefferkuchen... Das traditionell« Berliner Weihnachtsgebäck, der knusprige, wohl- riechende Pfefferkuchen, beherrscht unumstritten das Feld und in einer der größten Berliner Bäckereien, derBerlinerKonsum- genossenichaft in Lichtenberg, stapeln sich etagemveise wahre Riesenmengen. 50 Menschen— im Borjahre waren es noch ihrer 76— produzieren in verlängerter Arbeitsschicht pro Tag Über 166 666 solcher süßer Herrlichkeiten. Am 1. September geht's los mit der Pfefferkuchenfabrikation, da wird der Teig, der am 1. Ja- nuar angemacht wurde, in Brechmaschinen zerkleinert, Über Walzen gezogen, mit Ausstechmaschinen in die gewünschte Form gebracht und nach dem Backprozeß entweder mit Schokolade überzogen oder mit Zuckerguß, Marzipanmasse usw. zurecht gemacht. Im Kaufhaus der Kleinhändler. In der Neuen Friedrichstraße, im Kaufhaus der Klein- und Kleinschäudler, ist relativ noch der gesündeste Weihnachtsbetrteb und im Lager der aktuellen Neuheiten, die auf dem Großstadtpflaster wackelnd, guietchend, surrend, die Passanten auf ihr« Existenz auf- merksam machen sollen, wird große Musterung gehalten. Nimmt man in diesem Jahr nun die Alpenbahn mit Uhrwerk und Abstcll- Vorrichtung, den reitenden Jockey, den wackelnden und brunmielnden Truchahn, die Stufenbahn, den Ballspieler oder den Jungen auf dem Roller, der in Ellipsen fährt und dabei auch noch ein Läute- werk in Funllion setzt? Wer die Wahl hat, hat die Qual. Das mechanische Spielzeug aus einfachstem Material auf die einfachste Formel gebracht, wird sich in diesem Jahr auch die Straße erobern, beispielsweise der T r i x- B a u k a st e n für ganze 56 Pfennig: das Hauptgeschäft bleibt aber»ach wie vor in der Groschen- und Sechserabteilung oft kostet auch das ganze Dutzend im Einkauf bloß eine halbe Mark— wo der hölzerne Klettermaxe, der Reckturner, die trommelnde Mickymaus, die Quietschgans, Marabu und Laufmaus eifrigst zur Diskusfürn stehen. Hier wächst die Kundschaft— zum Unterschied von allen anderen Betrieben— allerdings ist dabei ein starkes Wermutströpflein, denn es ist ja nicht ein Anstieg der Konjunktur, sondern ein trauriger Ansturm der rapide anwachsenden Erwerbslosigkeit auf diese aller- letzte Verdien st chance, den Straßenhandel. Bon den Spiel- warenartikeln, die die Geschäfte beziehen, verläuft sich die moderne, gestopfte, unzerbrechlich« Puppe mit dem neckischen Gesicht bei billiger Preislage recht gut, Beschäftigungsspiele aller Art, Eisen- bahnen und ihre beliebten Ergänzungsstück« wie Tankstellen, elck- trisch erleuchtete Bahnsteige, Eisenbahnbrücken und Güterwage». In diesen Tagen kann man schon kaum zur Türe hinein, das steigert sich mn Silbernen und erst recht am Goldenen Sonntag zur wilden Käuferschlacht, denn die Straßenhändlcrkundschaft ist ja an- ders konstruiert: sie kaust wenig, ganz wenig und wenn das weg ist, holt sie sich für den Erlös neue Ware, und das muh alles fir gehen, denn jeder unnütze Moment kostet Geld, sind es auch inkr Markstücke, Groschen oder Sechser. Mit Rucksäcken und Koffern, mit Aktentaschen und Poppkartons kommen die Einkäufer, das sind aber noch die„Großkapitalisten", denn je näher es an Weihnachten geht, desto größer wird die Kundschaft derer, die mit ihrem winzigen Betriebskapital von«in paar Groschen etwas einhandeln: ein Ob- jekt aus Holz oder Blech, das sich bewegt, lauft oder wenigstens quietscht. Fix, fix geht's dann an den Verkaufsplatz in irgendeiner belebten Straße, da stehen si«, da frieren sie. da schreien sie, den anderen eine kleine Freude und sich selbst ein Stück Brot zu ver- schaffen... Eingeschränkter Lustverkehr. Im Kähmen der winterlichen Pressesprcchabende der Deutschen Lufthansa erstatteten die Vorstandsmitglieder, die Direktoren IV ro u s k y und Milch, Bericht über die technischen, wirtschaftlichen und verkehrspolilischen Fragen des Unternehmens. Den Ausführungen Direktor Wronskys ist u. a. ,zu entnehmen, daß der Verkehr der Deutschen Lufthansa im Jahre 1631 rm Zeichen weiterer Subventionsbeschränkungen stand, die infolge Ausfalls kommunaler Geldgeber und Ersparnissen von Reichs- und Länder- n-itteln zu einer Einschränkung des Streckenpro- gromms führten. Weiter wurde 1931«ine wesentliche Ver- ändcrung des Tarifsystems für den Personenverkehr vor- genommen. Der Po st verkehr zeigte nur deswegen einen Rück- gang, weil die Zeitungsverleger aus Ersparnisgründen die Beförbe- rung ihrer Blätter mittels Flugzeugen während der sommerlichen Reisezeit stark eingeschränkt haben. Im außereuropäischen Verkehr wurde der direkte Anschluß an die großen Ueberfeedampfer des Norddeutschen Lloyd ab Bremerhaven weiter ausgebaut. Im Ost- a f i e n d i e n st ist ab 31. Mai der Verkehr der deutsch-chi nesisch cn Lustoerkehrsgefellschaft Eurasia von Schanghai über Nanking, Pei- ping nach Mandschuria, eine Strecke von 2466 Kilometern, ausgenommen worden. Für das Jahr 1932 kann damit gerechnet werden, daß der volle Durchgangsverkehr von Berlin nach Schang- Hai im planmäßigen Verkehr durchgeführt werden kann, da der Dienst Berlin— Moskau durch die Deruluft und von Moskau bis zur rufsifch-chinssischen Grenze durch die russische Geiellschaft Woga vertraglich gesichert ist. Anschließend machte Direktor Milch Ausführungen über den Flugbetrieb und den technischen Dienst der Lufthansa. Bei gegenüber dem Vorjahr unnMsentlich verändertem Streckennetz wurde die Regelmäßigkeit ans Grund erfolgreicher Wetterbetämpfung durch Vervollkommnung der Instrumente und des Blindfluges ver- bessert. Die Liquidität der Deutschen Lufthansa befindet sich seit 1929 in ständig aufsteigender Linie. Die bis jetzt seit 1926 über- schnebenen Aufträge betragen 72,8 Millionen Mark. Mit Rücksicht auf die Gesancklage läßt sich die wirtschaftliche Gestaltung im Jahre 1932 heute noch nicht übersehen. In technischer Hinficht wird be- sonders aus die Beschaffung schneller Flugzeuge, deren Höchstgeschwindigkeit über 300 Stundenkilometer fiege» soll, sowie aus den Einsatz großer Flugzeuge Wert gelegt. Oer Weg nach unien. Zuchthaus für einen früheren Polizeioffizier. Der ehemalige Pokizeihauptmann Louis H i n r i ch s, der 1922 von der Schutzpolizei entlassen wurde, ist tief gesunken. Noch seiner Entlassung kam er mit dem Strafgesetz in Konflikt, und bis zum Jahre 1931 ist er nicht weniger als 36mal gerichtlich bestraft worden. Jetzt wurde er dem Amtsgericht in Potsdam wieder aus der S t r a f h a f t vorgeführt. Hinrichs hatte am Weihnachtsabend 1986 in einem Familienhaushalt mehrere Mäntel und sonstige Kleidungsstücke g e st o h l e n. Bai einem Gastwirt hatte er eine Zeche von 14 Mark gemocht, die er nicht bezahlen konnte. Das Amtsgericht oerhängte über ihn wegen feiner vielen Vorstrafen ein« Strafe von ein Jahr zwei Monaten Zuchthaus und Ab- crkenmmg der bürgerlichen Ehrenrechte aus die Dauer von 3 Jahren. WeWrcik der prämnerien Ganger. In der Großen Allgemeinen Kanarien-Aus» stellung im Böhmischen Brauhaus, Landsberger Alle« 11/13, halien sich fetzt die prämiierten Kanarienvögel eingefunden, um untereinander abermals in einen Wettstreit zu treten. 113 Kollek- turnen a 4 Sänger müssen hören lasion. was sie können. Gilt es doch zwei Wanderehrenpreif«, nämlich die Meisterschaftskette und «inen Pokal für dieses Jahr zu ersingen. Außerdem werden an die erfolgreichen Züchter viel- Medaillen verliehen, unter ihnen auch eine Anstaufchmedaille ans Wien. Di« beste Kollettion, 3 Grüne und 1 t>checke, junge Vögel aus diesem Jahr, ersangen drei Preise. Ein solcber Erfolg lohnt dann alle ausgewendete Mühe reichlich. Dabei soll erwähnt werden, daß der singende Zimmergenosse gerade in der Kleinwohnung heimisch ist. Waren doch auch in Deutschland die Harzer Bergleute die ersten Kanarienvogclzüchter. Aus diesen l einen Anfängen erwuchs ein Wirtschaftszweig von Bedeutung. Die grünen Kanarienvögel, die in ihrem Farbkieidc dem wildlebcn- den Kanarienvogel am ähnlichsten sind, erweisen sich durchweg als die besten Sänger. Haben sie als solche auf den Ausstellungen Er- folge, find sie gegebenenfalls gut zu verkaufen, wenn auch im all- gemeinen der'Laie den unscheinbaren Bogel ablehnt und feine Neigung den hellen oder gescheckten Tieren entgegenbringt. Die 68 Berkaussvögcl dieser Ausstellung sind auch prä- nüierl. Man berechnete ihren Preis nach der Zahl der Punkte, die si- erhielten. Es ist alfo nur Klassemateriol vorhanden. Kauflust ist gleichfalls da, aber das Geld ist sehr knapp, der deutsche Ka- narienvogelzüchter verspürt das recht deutlich. Außer an den Gesangskanonen kann man sich noch an Waldvögeln, die aus Böhmen kommen,'und an Exoten erfreuen. Die Tiere sind allesamt vorzüglich gehalten und sie machen nicht den Eindruck des gefangenen Bogels, sondern den des Tieres in aeficherter Lebensstellung. Sie zwitschern und sind lustig und ein Starmatz wollte sich, schon halb im Schlaf, noch mit seinen Kennt- nisien brüsten und sagte, trotz geschlossener Augen:„Jakob." Zn dieser Woche wieder Sladlverordnetenversammlnng. Die nächste Sitzung der Stadtverordneten findet am Donnerstag, dem 17. Dezember 1931, statt. Beginn der Beratungen um 16% Uhr. Auf der Tagesordnung steht auch die Beratung der Vorlage über den Verkauf des Britzer Geländes, auf dem die G e- Hag einen neuen Wohnhausblock mit Wohnungen für Minderbemittelte errichten will. Die 2. Beratung der Vorlage Über die siädti- fchen Gesellschaften wird fortgesetzt werden. Di« SetrieMIronhitlaffw der Stadt Berlln erlassen im Inseratenteil der vorliegenden Ausgabe eine Einladung zur Ordentlichen Ausschutzsitzung am Montag, dem 21. Dezember, nm 14 Uhr, im Berliner Ralbaus. Borträg» über„Jllternationalc N-chrichteaaermittlaag"«» der Universität. Am Dienstag, dem tä. Dezember, spricht 5xrr Wilhelm Schwedler, Che!- vcdafmit der Transozean®. m. b. H., Uber:„Technik und Ziele des Welt- Nachrichtendienstes". Oie GchiMatasiwphe Sei Maalöy. 10 Todesopfer beim Ltntergang des deutschen Fischdampfers. Kopenhagen, 12. Dezember. Heber die schwere Schisfskawflrophe an der norwegischen Küste liegen jetzt nähere Meldungen vor. Danach handelt es sich um den deutschen Fischdampfer„Venns", der unter der Flagge Panamas fährt. Der Dampfer geriet am Freitagabend vor der norwegischen Westküste auf offenem Meer in einen furchtbaren Südwestarkan. Er wurde schnell gegen Land getrieben und strandete bei Maalöy, zwischen Bergen und Aale- s u n d. Das Schiff kam noch einmal wieder los, war aber berelis leck und begann sofort zu sinken. Die 13 Mann starke Besatzung ging trotz des furchtbaren Seegangs in die beiden Kettlings- boote. Ein Boot, in dem sich sieben Mann befanden, wurde von einer turmhohen Sturzsee erfaßt, geriet in den Strudel des sinkenden Dampfers und verschwand mit allen 3n- sasfen in die Tiefe. Den anderen sechs Mann in dem zweiten Kettnngsboat war es nicht möglich, wegen der Dunkelheit und des hohen Seegangs, ihren Kameraden zu helfen. Sie gingen gegen 3 Uhr uachls bei Tarskauerpollcn an Land. Rur drei Manu waren noch am Leben, die anderen drei waren erfroren. Einer der Gerellelen starb wenige Stunden nach der Landung. Vau den beiden noch am Leben Befindlichen ist einer ein Deutscher namens Trhaull. Er war erster Maschinist ans dem gescheiterten Dampfer. Der andere Gerettete, der erster Steuer- manu war, ist ein Engländer namens Savage. Beide find stark erschöpft, befinden sich aber den Umständen nach wohl. Der Dampfer„Venns" hatte vor Island gefischt und war mit einer Fischladung auf dem Heimweg begriffen. Uebcr die Anzahl der Besatzung bestehen noch Widersprüche, die damit zu erklären sind, daß nach Maalöy keine Telephonverbindung besteht. Das erste Rettungsboot wurde bei dem Hindernaes-Feuer an Land ge- trieben. Inzwischen sind verschiedene Fahrzeuge nach der Unglücks- stelle Faldenes hinausgefahren, um nach Ueberlebcnden zu suchen. Man hält es jedoch für so gut wie ausgeschlossen, noch jemand der übrigen Besatzung am Leben zu finden. Der Kapitän des Dampfers und der Maschinist waren Deutsche, die übrige Besatzung setzte sich nur aus Engländern zusammen. Die gesunkene, Venus* ein Gckmugglerschiff, Oslo. 12. Dezember, i Nach Meldungen der Polizeibehörden von Maalöy haben die 1 beiden geretteten Offiziere Savage und Erhault von dem gesunkenen I Fischdampser„Venus" be! ihrem Verhör eingestanden, daß I dos untergegangene Schiff mit einem von einem Zollkreuzer kürz- Uch befchosfeneu Schmugglerschiff gleichen R am efts identisch ist.---------------------------- Bei Festgefchenken an Bücher denken. Die Parteibuchhandlung Dietz, Lindcnstraßc 3, hat zur Verstärkung ihres Werbefcldzuges für das gute Buch folgende Vorwärts-Spedttionen mit guten Büchern beliefert: Treptow (Meckelburg), Grätzstraße 56: C ha r l o 1 1 c n b u r g. Kaiser- dämm 95: Lichtenberg, Boxhagencr Straße 62: Adlers- h o f(Petzold), Gemeinschaftsstraße 16; O b c r s ch ö n c w e i d e, Wilhelminenhofstraße 44a; Pankow, Mühlenstraße?: Rei- nicken dorf-We st, Sckiarnweberstrahe 1 14: Jmmanueltirch- straße 24. Ferner ist die Buchhandlung auf dem Weihnachtsmarkt vor dem Haufe Petersburger Straße 84 vertreten. Den Kindern werden vor ollem unsere beiden neuen Bücher„Was tut Marianne" und„Was wird aus Waldemar" gefallen,(Siehe Inserat in der heutigen Ausgabe,) Ladcnkaffeuraub am Weddiug. In die Vutterfiliale der Firma Landau in der Schwarz- k o p f f st r a ß e am Wedding drang gestern abend kurz vor Laden- schluß ein Mann ein und erzwang von der Filiaitettcrin m i t vorgehaltener Pistole die Herausgabe der Kasse. Der Täter erbeutete 210 Mark. Mit seinem Raub flüchtete er und entkam trotz der sofort aufgenommenen Verfolgung. In Spandau in der Seegefelder Straße 135 wurden im Buttergefchäft von Heinz von mehreren Burschen größere Mengen Lebensmittel entwendet. Auch hier gelang es den Tätern, im Dunkel der Straßen zu entkommen. Walfisch an der Ostseeküste erlegt. Im A a r ö s u n d wurde gestern ein großer Walfisch gefickstet. Fischern gelang es, das Tier von ihren Booten aus in die Hader s- lebener Förde zu treiben, wo es getötet werden konnte. Der Walfisch, der um Skagen herum in die Ostsee gelangt fem muß, hat eine Länge von 2 5 Meter und ein Gewicht von schätzungsweise 10000 Pfund. Rundsunkobhörstunde. Dienstag, den 15. Dezember, im Bor- tragssaal des Parteivorstandes. Lindcnftrahe 3. 2. Hof, 2 Treppen. „vir Stellung des Protestautismus zum Eigentumsbegriff." Lei- tung der Aussprach«: Dr. Ernst Fraeuket. Sonntag kein Rundsunkvortrag Groeners. Die Ansprache an die Jugend des Reichsfinisters Groener am Sonntag, dem 13. De- zember, 19 Uhr, fällt aus. Dafür liest Gerd Fricke über die Eni- deckung des Südpols mn 14 Dezember 1911. WttltlwoclBe Ab Sonntag, 13. Dezember, 3 Uhr� ü WMWMW WlM W M M M W im Konlcur siiMisseift- Aus verkauf ü7r.%n;tr.B.e. � Die l»llllslsten Weilmflicivisgesciienlce rn Damen- und Herrenstrumpfen, Handschuhen, Seiden- und Samtbändern, Tüchern, Cachenez, Tüllen, Spitzen, Maskanstoffen- und Maskenartikeln, Einsätzen, Motiven usw. usw. Ferner die bekannt billigen Stoffserien in Seide, Samt, Wolle und Baumv/olie y»» l�fiimodcr»« G«8cb»IU«lB»lel»t«na, oder!■ sreien, wird yorkruh. Scbriftilchc IC«a>«nscbotc«o den Konkursverwalter Ssudeek Weihnachtsmarkt Vei Karstadt. Pnpulorität ist eine nicht zu unterschähüiids Reklome, und die Leute von Brettl und Buhne haben nun einmal ihren Zaubcrstab für einen großen Teil des Publikums; so hat sich das Waren- Haus Karstadt, H c r m a n n p l a tz, für einen gesteigerten weihnachtlichen Umsatz, der zum Teil einem neugegründeten Schau- s;üelcrhcim zufließen soll, einige Prominente verschrieben, die mit erprobtem Lächeln und liebenswürdiger Autogrammverteilung das Ztngcnehmc mit dem Nützlichen verbinden. Auf einem improvi- sierten Weihnachtsmarkt verkaufen 2l1 erwerbslose Künstler Spiel- sachcn. Wohlgerüche. Bücher, Musikalien und sonst noch allerlei Geschcnkartikel, an einein Tischchen verfertigt chcdwig Mangel, die allzeit Rührige, Autagrainme cn gros, in einer Ecke hat ein Mädchen Hermann T h i m i g entdeckt und will sich van ihm was verkaufen lassen, in einer anderen Verkaufsbude hinter Puppen wA SdbqMmi steht feit«elgekiebk LMa» Ha?»»?_«» ist zwar bloß ihr Doublt Johanna Ewald— aber hier wird st« endlich einmal in Wirklichkeit als das Original bestaunt und bc- wundert. Acht Tage lang werden sich hier Künstler in den Dienst der guten Sache stellen, ein Stepke freut sich auf den angekündigten Maxe Adalbert, alles studiert eifrig die angeschlagene Prömi- nentenliste. Das neue Schauspielerheiin in der Iägerstraße will erwerbslosen Künstlern einen angenehmen Aufenthalt nebst billiger, guter Verpflegung bieten. lveihnaclstsausstellung bei Rosenhain. Die Firma Rosenhain, Leipziger Straße, wartet ihren Kunden mit einer reichbeschicktcn, für olle Geschmäcker und Geldbeutel vorsorgenden Weihnachts- ausstellung aus; vor allem ist es eine bunt zusammengestellte Schau van Neuheiten auf allen möglichen Gebieten, die dem Geschmack auch noch einen praktischen Wert geben. Vom Kafseetisch soll der «tBt«fiss>wiiBIffs iwwdiwb» ftasttemSmer otfschaänfeat. w seine Stelle ist die Parzellanhaub« mit«ingebautem Wachsinlicht getreten. Wer tiefer in den Geldsack greifen kann, für den hat die Elektrizität«in« Menge praktischer Neuheiten auf Loger, da ist die mit Steckkontakt betriebene„Ewigkeitsuhr", der elektrische Krawattenbügler, die Schreibtisch-Wetterwarte usw.; das Rauch- tischchen als niefallendes„Stehaufmännchen", die rollierende Speisen- platte und noch vieles andere Schöne und Praktische. Auch die ungeschlachte Aktenmappe hat eine bieg- und schmiegsame Nach- solgerin erhalten, eine Tasche aus ganz weichem Leder mit Reiß- Verschluß, die sich beliebig groß bzw. klein zusammenfalten läßt, SeraniwarNich für Tolitik: Stria« Schill! Wirtschaft:». tlliiii,rll,zs«r; tScwerksckxntsbrwegunq: 3. Steinet; STeaiHeton: Dr. Zabn Schilawat'i Lokales und Sonstige,: Arij, ftatftöM; Änzeigrn: Tlv«lo«: siimtlich in Berlin. Verlan: Torwiirts-Dcrlan D. m b. H., Berlin. Druck: Borniärt�Buchdruckcrei und Verlansonitalt Paul Einger u. Co., Per! in 638 68, Cinbcnitraftc 3. Hierzu 8 Beilagen. WERTHEIM Leipziger Sfr,(Versand-Abt] Königstr. Rosenthaler Str. 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Eine Organisation zur Weiterbeförderung von Mördern und gleichzeitige Legalitätsschwüre— das verträgt sich nicht miteinander! Der gestrige Prozeßtag lehrte ein weiteres. Der An- geklagte o l l a tz ist seinerzeit aus der Haft entlassen worden. Unmittelbar danach erschien er in dem SA.-Lokal seines Wohnbezirks. Er hat Zeit gehabt, sich mit seinen Freunden zu verständigen. Er ist auf die Lügen, die er jetzt vorträgt, gründlich präpariert worden. Damals hieß es, Kollatz habe nur eine kleine Strafe zu erwarten, Verdunkelungsgefahr bestehe nicht. Der Fehler der Haftentlassung ist später korrigiert worden. Kollatz und seine Partei haben seine Ferien von der Untersuchungshaft genutzt. (Bericht siehe 4. Beilage.) Zuchihäusler als Razisührer. Wer ihm nicht gehorcht, wird erschossen! Im schlesischen Kreise Strehlen ist 5?auptagitawr für die Nationalsozialisten der Melker Bernhard Manger. In Versammlungen führt er eine wüste Sprache, schimpft in den gröbsten Ausdrücken auf die Führer der Republik und ist wegen seiner klotzigen Beleidigungen schon mehrfach, darunter zu sechs Monaten Gefängnis wegen Beschimpfung des verstorbenen Reichs- Präsidenten E b e r t, bestraft worden. Diese politlschen Strafen sind jedoch nicht das Wesentliche im Leben dieses„rauhen Kämpfers" Hitlerscher Observanz. Der ehren- werte Manger dürste sie kaum tragisch nehmen, da er das Sitzen in Gefängnissen und Zuchthäusern von Jugend auf gewöhnt ist. Manger ist vor dem Kriege von sächsischen Gerichten, namentlich in Chemnitz und Umgegend, wegen Diebstahls, Unterschlagung, Rückfalldiebstahls, Betruges. Hehlerei, Einbruchs- diebstahls im Rückfall, wieder Rückfalldiebstahls usw. usw. neunmal mit vielen Jahren Gefängnis vorbestraft worden. Nach dem Kriege erhielt er noch folgende Strafen: Im Jahre 1919 wegen schweren Rückfalldiebstahls, Betrug usw. Z Iahre Zuchlhaus, 10 Zahre Ehrverlust: im Jahre 1920 wegen Rückfalldiebstahls, Betrug. Unterschlagung Z Iahre Z Atonale Zuchlhaus. 10 Iahre Ehrverlust: im Jahre 1924 wegen Rückfalldiebstahls 2 Iahre Zuchlhaus. S Iahre Ehrverlust. Erst vor relativ kurzer Zeit hat er diese letzten Strafen verbüßt, sein Ehroerlust läuft immer noch. Insgesamt hat Manger im Der- lauf von IS Jahren durch zwölf verschiedene gerichtliche Urteile an Strafen zudiktiert erhalten: 15 Iahre 11 Atonale Zkreiheilsstrafe, daruulcr 8 Iahre Z Atonale Zuchlhaus und Z2 Iahre Ehrverlust. Als Soldat wurde er in die zweite Klaffe des Soldaten- standes vorsetzt. Nach der Brestschen Regierungsverordnung der Nazis wird dieser Mann im Dritte:» Reich zum unbeschränkten Herrn über Leben und Tod seiner Mitbürger bestellt. Wer ihm rächt aufs Wort pariert, der wird erschossen. Das kann gut werden! Verfolgung der Arbeiterpresse. Gefängnisstrafen in Oanzlg. Ein Danziger Gericht verurteilte den Redakteur der sozial- denwtratischen„Danziger Volksslimme" Erich Brost und den Werbe- leiter Bruno Elvert zu je vier Monaten und den Geschästs- sührer Anton Fooken zu sechs Monaten Gefängnis. Alle drei rvaren angeklagt, in den Tagen des Berbots der „Danziger Volksstimmc* E rs a tz b l ä l te r, und zwar die„Allge- meine Rundschau" und die„Elbinger Freie Presse" herausgegeben zu haben. Tatsächlich existierte die„Allgemeine Rundschau" schon lange vor dein Verbot der„Volksstimmc". Als dann auch die„All- gemeine Rundschau" verboten wurde, kam die sozialdemokratische „Elbinger Freie Presse" in Danzig in den Zeitungshandel. Das Gericht stellt sich auf den Standpunkt, daß in diesen beiden Zeitun- gen strafbare Ersatzblätter zu erblicken seien. Das haarsträubende Urteil beleuchtet wieder einmal die skan- dalösen Zustände, wie sie in Danzig unter der von den Nazis gestützten Ziehm-Regierung eingerissen sind. Zamora ziehi m den Königspalast. Oer Präsident Spaniens vereidigt. Madrid. 12. Dezember.(Eigenbericht.) Der am Donnerstag gewähllc erste Präsident der spanischen Republik, Alcala Z a m o r a, wurde am Freitag im Sitzungssaal des spanischen Parlameiüz in Gegenwart aller Abgeordneten, der Regierung, der Generalität und des Diplomatischen Korps feierlich vereidigt. Auf dem Wege zum Parlament wurde er von der Beoölkerirng stürmisch gefeiert. Im Parlament verlas Zamora folgende Eidesformel:„Boeder verfassunggebenden Nationalversammlung, dem Organ der Son- veränität der Nation, verspreche ich bei meiirer Ehre, der Republik getreu zu dienen, die Verfasiung zu halten und dahin Z" wirken. daß sie erfüllt werde, das Gesetz zu hallen und meine Tätigkeit als Staatschef dem Dienst der Gerechtigkeit und dem Dienst Spaniens zu weihen." Im Anschluß daran führte der Kammerpräsident aus:„Im Namen der verfassunggebenden Nationalversammlung, die Eucb ge- wählt hat und Euch jetzt mit dem Amt bekleidet, sage ich Euch: Wenn Ihr so tun werdet, soll die Nation Euch danken, und wenn nicht, soll sie Rechenschaft von Euch fordern." Als Zamora nach beendigter Bereidigunz Millen durch die Stadt seinen Einzug in das einst köngliche Schloß hielt, folgten ihm Tausends und aber Tau sende von Menschen. Auf dem großen Platz vor dem Schloß hatten annähernd 200 090 Menschen Auf- stellung genommen. Rund um den Weihnachiöfrieden. Brüning an Amerika. Kanzlerrede vor der Amerikanischen Handelskammer in Berlin. Auf einem Bankett, das die Amerikanische Handelskammer gestern veranstaltete, sollte auch der deutsche Reichskanzler Dr. Brüning sprechen. Da er je- doch wegen Unpäßlichkeit nicht erscheinen konnte, verla? an seiner Statt Reichswirtschaftsminister Prof. W a r m b o l d t die Ansprache. Die Mde war vor allenr dem Zwecke gewidmet, gewisse V o r u* t e H«■ zu beseitigen, die»m Auslande über die deutsche Finanzwirtschast entstanden sind. So ließ Brüning sagen: „In der amerikanischen Oeffentlichkeit ist der Vorwurf gegen uns erhoben worden, daß wir eine leichtfertige Anleihe- Politik betrieben und die uns aus dem Ausland zur Verfügung gestellten Allleihen unsachgemäß und verschwenderisch verwendet hätten. Hierbei wird vor allem auf die Städte verwiesen, die mit dem Erlös der Auslandsanleihen Luxusbauten errichtet hätten: die Planetarien, die Bäder und die Stadien werbcn in diesem Zusammenhang immer wieder genannt. Es drohl nachgerade ein Schlagwort zu werden, als feien die nach Deulfchland geflossenen amerikanischen Anleihen in der Hauptsache zu stüdlischen Luxusbaulen verwendet worden. Ich will ohne weiteres zugeben, daß es wünschenswert gc- wefen wäre, wenn wir überhaupt in der Vergangenheil weniger im Auslande geborgt hätten, und wenn besonders solche Anleihen unterblieben wären, deren Dorwendungszweck einer Prä- fung nach rein wirtschaftlichen Grundsätzen nicht völlig standhielt. Was hier ciwa gcfehll worden ist, soll nicht beschönigt werden. Ganz falsch wäre«s aber, wenn man dies verallgemeinern wollte. Die Länder und Gemeinden, gegen die sich dieser Vorwurf in erster Linie richtet, sind an dem Gesamtbetrag der Ausländsanleihen, die seit 1924 im Ausland aufgenommen worden sind, nur mit etwa 12 Proz. beteiligt. Insgesamt sind von der deutschen öffeill- lichcn Hand während der Jahre 1924 bis 1930 18)4 Milliarden Mark Anleihen(Inlands- und Auslandsanleihen zusammen) aufgenommen worden. Aus diesen Anleihen sind in den sieben Jahren von 1924 bis 1930 nur insgclaml 2155,2 Atillione,, Mark für Zwecke ausgegeben. die man bei weiter Auslegung vielleicht als Luxilsausgaben ansprechen könnte, nämlich für Kunst und Missenschafl, Bade. anslallen, Leibesübungen und Sport, Zugendwohlfahrl. Garten- und Parkanlagen und für die Pf lege von Kurorten. Dieser Betrog von 205)2 Millionen Mark erstreckt sich, wie gesagt, über einen Zeitraum von sieben Jahren und zwar von sieben Jahren,. in denen das deutsch« Votk nach langer Unter- brechung jeder Kulturtätigkeit durch Krieg und In- flation glaubte, wieder an den Au i bau herangehen zu können. �..... In der Summe von 205,2 Millionen Mark sind allerdings Aus-' gaben für Vohnungsbauten nicht mit eingerechnet, denn es würde Zweifel loz über das Ziel hinausgehen, wenn man auch die Ausgaben für Wohnungsbauten zu den Luxusauswendungen hinzu- zählen wollte. Naturgemäß hatte sich in den Nachkriegsjalzren ein starkes Bedürfnis ergeben, den Bau von Wohnungen, der wührend der Kriegs zeit fast völlig stillgelegen hatte. � wieder aufzunehmen und die dirrch den Krieg verlorene Zeit durch doppelle Anstrengungen wieder einzubringen. Dies ist nicht nur in Deutschland geschehen, sondern an allen Ländern, die am Kriege beteiligt waren, und hieraus kann Deutschland kein Vorwurf gemacht werden. . Ebenso ist der gelegentlich erhobene Vorwurf, daß deutsche Stellen leichtfertig Anleihen ausgenommen haben, ohne sich klar darüber zu sein, wie die Rückzahlung erfolgen soll, unberechtigt. Die beutschei, Äuleihcnehmer sind ihren Berpflichtungen in jeder Weise nachgeiommell, selbst als im Frühjahr dieses Jahres die un- •erwarteieil Kündigungen der kurzfristigen Kredite einsetzten. Die Kreditkrise dieses Sommers hätte nicht die bekannten gewalligen Ausmaße annehmen können, wenn man auch auf der Gläubigerseite die Nerven behalte» hätte. Der Zinsendieust ist auch unter dem Stillhalteabkommen regel- mäßig weitergeleistet worden. Darüber hinaus ist noch nach Abschluß des Stillhalt eabkommens bis Mitte November diescs Jahres mehr als eine Milliarde Mark ans die kurzfristigen Kredite zurückgezahlt worden. Die deutschen Schuldner haben in dieser Zeit der Kreditkrise vor dem Stillhalteabkommen und nach dem Stillhalte- .abkomipen den Beweis erbracht, daß sie willens sind, alles zu tun, was in'ihren Kräften ficht, mm ihre Gläubiger zu befriodizen... Der Reichskanzler äußerte sich dann noch kurz über die Frage der kurzfristigen Kredite und das Repa- rationsproblem, über die zur Zeit in Berlin, bzw. Basel verhandelt werde. Er müsse sich deshalb äußerste Zurückhaltung auferlegen. Insofern begnügte sich der Reichskanzler mit einem historischen Rückblick auf das Pro- blem der kurzfristigen Kredite und das der Reparationen. Auf dem Bankett sprach auch der amerikanische Bot- schafter S a ck e t t, dessen Rede wir an anderer Stelle des Blattes behandeln. �_____ Schwierigkeiten in Washington. Kongreß-Opposiiion gegen daö Hoover-Moratorium, Die Opposition im amerikanischen Kongreß gegen die Notifizierung des H o o v e r- M o r a t o r i u m s erweist sich als viel st ä r k e r als man annehmen durste. Hoover hatte sich seinerzeit vor Erlaß seiner Botschast gedeckt, indem er die Zu- stimmung der führenden Politiker beider Parteien aus beiden Parlamentskörperschaftcn erwirkt und össentlich bekanntgegeben hatte. Aber diese Sicherung scheint sich als ungenügend zu er- weisen. Es ist zum Teil die Enttäuschung darüber, daß die vom Schuldenfeicrjahr erhoffte Besserung der Weltwirtschaftslagc aus- geblieben ist, zun» Teil ist es der Vormarsch der oppositionellen Demokratenpartei, die diesen Widerstand vieler Senatoren und Abgeordneten erklären. Dennoch hofft die Regierung noch immer stark, die notwendige Mehrheit für die Ratifiziernng zu erlangen, zumal die Tatsache der Einstellung der Zahlungen durch die intcr- alliierten Gläubiger und durch Deutschland nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Nim sind am 15. Dezember Schuldenzahlungen verschiedener europäischer Mächte an die Vereinigten Staaten fällig. Da bis dahin die Ratifizierung des Moratoriums durch das Parlament aus Gründen der Geschäftsordnung nicht mehr möglich ist, beabsichtigt die Regierung, ihren ausländischen Gläubigern durch eine Note mitzuteilen, daß sie an diesem Tage die fälligen Beträge nicht zu bezahlen brauchen. Aber selbst gegen diesen Zwischenbescheid macht sich eine sehr starte Opposition bemerkbar, die behauptet, daß die Regierung zu der Abscndung einer solchen Note gar nicht bc- parieitag m Ltngant. Abfell einer Regierungspartei. Die Ungarische Sozialdemokratie hat soeben ihren Parteitag ab- gehalten. Hildenbrand- Berlin und Deutsch- Wien vertraten die Bruderparteien. Wie schon wuner, tagte auch dieser Kongreß unter Polizeiaufsicht: n e u war die polizeiliche Weg- nähme aller Exemplare der Resolution schon in der Druckerei. Alle Polizeiwirtschast kam aber nicht hindern, daß die Regierung in immer größere Schwierigkeiten gelangt. Der Austritt der Opposition aus dem Finanzausschuß fand Widerstand der Christ- lichen Wirtfchaftspartei, die bisher die Regierung unterstützte, gegen den Regie rungsplan, die Pensionen der Staatsbeamten zu kürzen. Das' Pensionskürznngsgefetz wird trotzdem durch Per- ordnung in Kraft gefetzt werden. Die Vertreter der Ehristlichnl Wirtschaftspartei verlassen deshalb gleichfalls den Ausichuß und der Volkswohlfahrtsminister Ernst(Christliche Wirtschaslspartei) will zurücktreten. mit Franse Siö CO. 250 M Vortaqe 5159- 1147- MM-MM fW Bröcken�fl Bettumrondungen�Ar l/| ca.Q0«180�/ 1Louferca<)0)'360a llj� mm l."*#3mm 2 Vofioqen co 70* 160 I Marken-Teppiche in ollen Webart-en cai30x200 12; 16:�.33; ca230*330 3959-68:85: „350x460124: 165* 235 1921:27:35; 250x350 ca 350x500 13SJ- 200x300 24:33 ttS* „300x400 i&am&sbmm „400x500 1 TB:1 drucken Bettumrandungen Bettvorlagen I O flO Jacquard-Boucle, reines Haargarn 4/ 90 hO�?0 bCrr?S ; Ca. 90 x 200 1 Laufer ca.70*340 u.'2Voriogen.co.70'1 130 caiÄÖ| cal20 j I„.ooxiso�?0 1950 Fen-reppiche«.Brücken I ca. QO'iSO 75 towiour, s.nfa'bi�i�ferj�.rO-y.o 29_ auSeraewöhnlich preiswert! La'" Jacauard- Boucle, reines Tournoy-Velour, schwerste QuaL Hoarqarn, schwere Qua Ht-at aus bestem HaargoramoO Hust. ca.bScm/brt-. MLr.2jB5 ca. 68cm.br L. 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Dieser Z 8jährige Manrerlehrling hat es faustdick hinler den Ohren: er ist nie aus eine Antwort verlegen, mag sie noch so dumm-srech sein. Seine Aussage vor Gericht ist vou Anfang bis Ende erlogen, sie steht in direktem Widerspruch zu dem, was er in der Voruntersuchung ausgesagt hat. Anscheinend halte er während der kurzen Zeit seiner Haftentlassung ausreichend Gelegen- heil, sich von seinen Genossen einflüstern zu lassen, in welcher Weise cr vor Gericht ein X für ein U machen sollte. Man merkt es aber den Richtern wohl an. dah sie ihm kein Wori glauben, und der Staatsanwalt nagelt unbarmherzig eine Lüge nach der anderen fest. * Wie bereits berichtet, wül Kollatz, der anfänglich Becker be- lastsf hatte, selbst den tödlichen Schuß ans Schneider o b g c f e u e r t h a b e n. Er ist eben erst 18 Jahre alt. er hofft leichter davonzukommen, und außerdem muß er sich ja in den Augen seiner Genossen von dem Vorwurf, einen Kameraden bezichtigt zu haben, reinwaschen. Cr behauptet gesehen zu haben, wie Willi Schneider gegen Becker ein Stuhlbein geschwungen habe, wie dieser zusammengesunken sei, man habe auf ihn und hauschke ein- geschlagen, und da habe er zur Pistole gegriffen. Er habe Schneider taumeln sehen und sei getürmt. Hinterher habe er noch einen Schuß fallen hören und auch später noch mehrere Schüsse. V-o-r-f.: Haben denn- die Leute,- die- vor-dem-Schneiderschsn Laden standen, Sie nicht daran gehindert, davonznlaufen? An- geklagter:' Rein. Ich halte fa meinen Revolver bei mir: wäre ich an- gegriffen worden, ich hätte noch einmal geschosten. Nicht minder erlogen als die Darstellung von der Tat ist die von den Ereignissen nach der Tat. In der Nacht vom 1. zum 2. Januar hat Kollatz beim Angeklagten H a�u s ch k e ge- schlafen. Am Morgen des 2. Januar begab er sich ziun Alexanderplatz. um sich beim Polizeipräsidium zu stellen. Er kam aber von dieser Idee ob und fuhr mit Hauschkö nach Oranienburg. „Was wollten Sie da?� fragt der Vorsitzende.—„Ich wollte von da nach Mecklenburg-Strelitz, dort sind die meisten nationalsozia- liftischen Wähler, ich hofft«, dort unterzukommen."—„In Oranienburg trafen Sie Becker. Wie kam der dort hin", wundert sich der Vorsitzend«.—„Das weiß ich nicht", erwidert K o l l a tz." In Feldberg erwartete ihn ein Herr aus dem Bahnhof- Er fragte den Angeklagten:„Bist du Kollatz?" und führte alle drei in das Hotel Pfitzner. Wer der Mann war, weiß Kollatz nicht. Der„.Herr" wollte noch in Berlin Erkundigungen einziehen. Bier Tage später gab er allen dreien je einen Zettel, die bereits im Vorbericht er- wähnte Bescheinigung über die Arbeitslosigkeit mit dem Ersuchen, ihnen als. SA.-Leuten zu helfen. Ferner erhielten sie die Reise- route nach Oberaudorf. Alle drei fuhren nach"Ncnbrandcnburg, wurden hier vom SA.-Mann Porath in Empsgug genommen, Wuscht« und Becker fuhren weiter, Kollatz blieb da, arbeitete eine Zeitlang in Nühlow und erhielt am 30. Januar den Brief, in dem mitgeteilt wurde, daß die beiden anderen bereits„im Trockenen" feien und«r aufgefordert wurde, gleichfalls nach dem Süden zu fahren. Porach besorgte die Fahrkarte. An der österreichischen Grenze erfolgte Kollotz' Verhaftung. Kollatz ist krampshast bemüht, die Mörderbesärde- rungszentrale der RSDAP.. die er in der vorunler- fuchung so arg bloßgestellt hat. jetzt als Produkt seiner Phanlasle hinzustellen. Auch der Mittelsmann Porath soll in jeder Weise entlastet werden. „Was für«inen Stempel trug die Bescheinigung über die Arbeitslosigkeit?" fragt der Vorsitzende.„Ach. es war so ein einfacher Ladenstempel", sagt Kollatz.„Nanu", meint der Vor- sitzende, ein Ladenstempel? Und auf Grund solch eines Stempels sollten Ihne» die SA.-Kameraden weiterhelfen?? Sie haben in der Voruntersuchung übrigens gesägt, Sie hätten Porath den Inhalt des Briefes, in dem Sie aufgefordert wurden, nach Innsbruck zu fahren, bekanntgegeben. Jetzt wollen Sie es nicht mehr wahr haben. Sie haben auch in der Voruntersuchung gesagt, Sie hätten Porach mitgeteilt, daß Sie in eine Schlägerei verwickelt worden seien und von der Polizei gesucht würden. Jetzt behaupten Sie, Sie hätten nur erzählt, Sie seien mit Reichsbannerleuten in eine Schlägerei verwickelt worden." Kollatz bleibt natürlich bei der für Porath günstigeren Dar- stellung, er bestreitel auch, daß dieser für ihn eine Fahrkarte direkt bis Oberaudorf genommen habe. Seine Darstellung, daß er auf Befehl des Sturmführers Hauschkc mit Becker»ock, Fcldbcrg ge- gcfahren sei, erklärt er für erstunken und erlogen. Wenn er das m der Boruntersuchung gesagt habe, so nur, well er sich das nicht genügend überlegt habe. Also wenn er sich nichts überlegt, so sagt cr dre Wahrheit! Es folgen die Fragen des S t a a t s a n w a l t s, die auf den Angeklagten gleich 5)a>ninerschlägen niedcrsausen. Weshalb hat Kollatz im Lolal von Krischke den Angeklagten Bresiel um dessen Revolver gebeten? Antwort: Weil er im Fall«, daß er an- gegriffen werden sollte, sich zur Wehr setzen wollte. Frage: Weshalb hat Kollatz in der Voruntersuchung gesagt, daß die Hufe- landstraßc kurz vor der Tat vollkommen ruhig gewesen sei? Weshalb hat cr damals kein Wart von der„erwürgenden Uebermacht" der Reichsbannerlcüte vor dem Schneiderschsn Loden erzählt?'.........................................................- Weshalb hat cr früher behauptet, Decker habe auf Schneider geschossen? Und zwar hat er dos nicht nur zu einem Zeitpunkt getan, als er diesen in Sacherheit glaubte, sondern auch als er bereits wußte, daß dieser verhaftet ist, ja selbst bei der Gegenüber- stellung mit Becker., Weshalb hat er früher nichts davon gesagt, daß er in die Lust habe schießen wallen, daß er und.Hauschke bedrängt und geschlagen worden sei? Das letztere habe er wohl behauptet, erklärt K o l l a tz, es sei nur nicht zu Protokoll genommen worden. Weshalb, fragt der Staatsanwalt weiter, hat Kollatz nichts davon verlauten lassen, daß er etwa aus der Richtung Friedrichshain noch mehrere Schüsse habe fallen hören, und wieso kam er darauf, zu sagen, er habe von Hauschke unterwegs auf dem Wege zum Bahnhof SO Mark erhalten, und daß der erstere auch 90 Mark für Spesen gehabt habe? Was hat er sich gedacht, als in Oranienburg Becker plötzlich aiiftauchte und ihn und seine Käme- raden in Feldberg ein fremder Mann erwartete, der über alles orientiert schien? Kollatz weiß aus die Fragen nichts zu antworten, er dreht und windet sich, gibt Antworten eine dümmer als die andere: er merkt wohl selbst, daß er sich in seinem eigenen Lügengewebe ver- fangen, hat.___—----- Tl.—":.~......:.; Am Montag sind H au j ch k x und B eck e r daran, lieber Sonntag können sie sich noch eiiiMok Zurechtlegen, was sie für ein Märchen dem Gericht auftischen sollen. Je dümmer se besser. Nämlich für die Wahrheit! Die kommt doch an den Tag! Voriräge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rol-Gold". föe{d)3: Zicrliv S 14 6cbaftionftr 87— LZ 2. Tr tzriedricheh-i«. Jungks. Sinntag, 14. Scjemb«, JO UI)t, Pflicht- ncimobeitK im bekannten gugendbeim..Kameradschaft Stralau. Dirnstag, lä. Dcjembet, 20 Uhr, Sitzung Hohen lohrstr. z. Blockstihrcr laden ein. Ziortrupp. Mittwoch, 10. Dezember, IS»! Uhr, Suqendhcim. Eb-rtrltr. 12 l Kauft. — Prenzlauer Berg(Orlsnereiul. Dienstag, lä. Dezember,»ameradschalts- Versammlungen in den bekannten Lokalen. Kameradschaft Wdrther Platz Diens» tal,, lä. Dezember. 20 Uhr, im bekannten Lokal. Kamerad Falk von der Repm Mitalicdcrverlai felde, Zehlendorfer Sir. 5.— Kameradschaft Trevtaw lSungba). Montag, H. Dezember. 20 Uhr. Zeitungsdiekussion.— Schäneberg-Friebcaa«(Otis- vereint. Kameradschaft Rathaus. Montag, 14. Dezember. 20',;. Uhr, Kamerad- lchaftsvcrsaimnluug in der.„Finanzklouse", Mlthlenstr. 8. Referent: Kamerad Stadtrat Wcndt. Thema: Die neue Notverordnung. Arbeiter-Ziabiv-Bund Deutschlands e. D., Pezirkzarugpe Scrlin. Anschrift: Ingenieur B. Voigt, O. 17,� Hohenlol,cstr.>8. Sprechstunden in allen Fragen: Montags und Freitags ab 18 Uhr Aeichcnbcrger Str. 30, Hof ir t. Freilug, nachten. Referentin: Genossin Weyl.— Lichtenberg: Gruppe nloial Vialiothek, Wcichlclstr. 28. Vom Detektor zum Retzenipfänger.- Kreuzberg: Lokal Sggers, Kaifer-Friebrich.Ztr. 8, Präktiicher Gruz'penabcnd.— Dienstag, lä. Dezember, 20 Uhr. Prenzlauer Berg: Lokal Klug, Danziger Str. kl. Miizliedernersamni- lang und technische Plauderei. Republikanische Rednervereinigung. Montag,?0 Uhr, Vortragsabend mit Diskussion im Alten Askanier, Anhalter Slr, 11. Ss spricht L>err Gram» über: „Wsihiunqsfragen". Icher Hof, Zimmer Z. Allgemeine Wetterlage. wltaitecG beiker.G Mbbeijsdct •badedt�RegeoadGraupelo •Schw�sM�liGa�wsgWnil«)*! Der Rücken hohen Druckes, der am Freitag über der Nordsee, Skandinavien und Finnland lag, ist über unser Gebiet h'iuou'g- lewandert und liegt jetzt über Süddeiitschlond und dem Balkan Di« milden ozcailischen Lustmaflen, die aus seiner Nordseite stießen, haben die deutsche Küste erreicht und 6 bis 9 Grad Wörme gebrocht. Im BiNnenlande berrschten selbst in den Mittagsstunden nur 0 bis 2 Grad. Die Lnstdruckänderungen über Müteteuropä lassen erwarten, daß die maritime Luft am Sountawden größten Teil von Nord-, und OstHeutschland überfluten wird. Auch im Süden dürste sich ihre Annnheriing durch Eintrübung bemerkbar machen. �* Welteraursichten für Berlin: Temperaturen einige Grade über Null: wechselnd, meist stark bewölkt: mäßige Winde aus West bis lllordwest.— Für Deutschland: In tztord. und Mittelde.utschk.and veränderlich mit einzelnen Niederschlägen, Tenipercktnren einige Grade über Rull. Auch in Ostpreußen und Schlesien milder. 7i'n »üben noch vorwiegend trocken und vielfach leichter Frost. Briefkasten 0er!ReSakuon. F. Heutze. 1. Zinsen können nur gfiordert werden, wenn der Testament.;. Vollstrecker sidj im Verzuge befand. Das aber ist nur anzunebmer. wenn ihm bereits du; Geldmittel zur sofortigen AnszahlnNa zur Verfügung ftanden. 2. Es muß Älagc erhoben werden.— E. F. 12. Von Ihnen wird nur die Zchlnng der gesetzlichen Miete verlangt. Diese(41,39 M.) müssen Sie zahl?». — C. E. 63. Der Mann muß sich an das Vormundschaftsgericht wenden. Es kann gestatten, daß die Auseinandersetzung erst nach der El?eschlie|}iiius erfolgt. Das Kind erhält%, der Bater Vi des zu verteilenden?!achtaiscs.— P. L. 1(Kl. Tie ReichsdahN'Anleihe befreit nur hinsichtlich der Zinsen von der Zahlung Wirt kann jedoch den geschiedenen Ehemann aus der Haftung entlassen. ducckgtfuUd! TEIEFUNKEN hat die Preise über die Vorschriften der Notverordnung hinaus gesenkt! Für die Geräte, die schon am 1. Juli auf dem Markt waren, bis heute Ober 15 Prozent. Für die übrigen Geräte- einschließlich der neuesten, erst im Dezember erschienenen Apparate- hat IE IE FUN KEN die Preise ermäßigt, obgleich nicht von der gesetzlich angeordneten Preissenkung gefordert. So trägt TELEFUN KEN seinen Teil dazu bei, den Freunden des Rundfunks den Kauf eines Gerätes auch jetzt zu ermöglichen. Kaufen Sie Ihre Weihnachtsgeschenke von TELEFUNKEN: Sie kaufen jetzt schon zu den herabgesetzten Preisen. TELEFUNKEN Dil OIUTICHI WIlTMAtKI m '>1bSh '<.■•: 4•••-■-. «MMMW quemes I» 30 0 Rabatt ;i Barxanio"« Jiei hächöter Keldung der bitlifföle Jipparat zeiner JClatse/ \ SAIZ TEIEFUNKENRDMREN RM.«SL0 DES VIEITAUSENOFACM BEWAHRTE DRE 1 B OHRE N-SCH IRMG1TTE R-N ETZ EM F E ANCE& MWe. öMmren Bettbezug Linon, ijo/joo Laken Linon ifojioo Taghemd mix Stickerei und Motiv Bettgamitur 3 uiligi lÄnoTt) 1 Kissen garniert.. Nachthemd farbig....... **'%ZS*%ehv' ist U*0**-------- w-«• z««�- XPdhnunS�.....'xr,■_______-------"", Sm� AUS,****** Frottierhand tlinh y*t>sffen»«r5»Us dsis nicht ftsNsinden. Karten nur bei den Kerirtifädrern. 14. krei, Tewpelhas. Genoilen, seht euch den Fiim..Kameradschaft" an, der die DergVerkskaiastropde van Courriere behandelt; er läuft heute und Montag i» den Tiaoli-Lichtspielen in Tempelbok. 25. Abt. 18 Uhr in den„Schwedier Festsälen", Schwedter Str. 23. Mitplirder- aerssmatlanq. aerbandev mit einer Zubilarseier. Redner: Eduard fächert, M. d. 8.«aschlieheud gesellige» Beisammensein. Wir bitten um recht rege Beteiligung. SS. Abt. Darmittags von lg bis 12 Uhr bei Liersch, Kantftr. 62, Ausgahlung der Wiuterhils« an die arbeitslosen Partcigcnosseu. Parteibuch und Arbeits- losenlarte lind mitzubringen. Morgen, Montag, 14. Dezember: i. Cut»,»er Knrsn» Z. P. Mayer!.»am kommunistischen Manisesi bia ,nm Keidalbeeger Progeamm" beginnt Montag, it. Dezember, 30 Uhr, im Kölln,, schen Saarn« sinm, Insel- Sie Wallstrahe. Ermcebslasc frei. 3. krei». 18 Uhr Srei�oasereaz bei Renhncr. S erste. 62. 6. Krei». Keeimiorstanbsfitznng mit den Abtritnugslcitee» bei kriiaee, Sri»»- ftrsh« l. U. krei». Fraltian-sihuna im Nathan», Zimmer 137. Der Feattianrnorpand um 18 Uhr.— kusammenlnast der erwcib»losen Sensssinnen»nd Sensssen im B»etrag»s»»l de» Heims Kanner Strohe. Ziele rat:„Diktatur»der Dem»- kratie?" 15. Krei». Sichtig« Kreisaorstandssihung in Kspeuick. Schlahstrahe 27. 5. Abt. Bon l? bis 20 Uhr bei Mathia, Linicnitr. 2J, Auszahlung der Weih- nachtshilse ftjr die erwerbslosen Parteimitglieder. 24. Abt. Achtung! Auszahlung des Notoviers an arbeitslose Mitglieder am Montag, 14. Dezember, von 18 bis 22 Uhr, bei H. Buchholz, Prenzlauer Alle« 182. Mitgliedsbuch und Etempellarte sind vorzulegen. 3l, Abt. Um IS Ubr mitsscu alle Bczirtsfiikrer bei Soldfchmidt sei». 45. Abt. Zg Ubr bei Forster, Dreibunbstr. 11, Abteilungsversammlung: Genossin Mathilde Wurm, M. d. N.:„Die gegenwärtige uolitisSir Lage." 97. Abt. Heute Fnnktianärnersamwluua an betonnter Stelle. tSSa Abt. Heut« von lä'.h bis 17 Uhr Auszahlung der Weihnachtshilse an die erwerbslosen Parteigenossen Echlohstrahe 27. 1 Tr. Dienstag, 15. Dezember: ». Krei». Arbeiterwahlsahrt. Erwerislosen.Zusannnenkunft im Seim Tilsiter Strohe 4/6 von 15 bis 18 Uhr. Klavier, Geige und Lieder zur Laute.— Arb«tterbild»»g»sch»le. Radioahhörstunde im Lesezimmer der Schule Diestel- meyerstr. 56. Thema:.Die Stellung des Protestantismus zum Eigentums- degriss. Leitung: Genosse Lehrer Bauer. 5. Krei». Heut« v,n l5>4 bi» 18 Uhr Zusammenkunft erwerbsloser Partei- gen-ffen im Hei« llrbairftrahe l57. 7. Krei».«ibnng de, eeweitrrte» Kreisnarstande» n» l8'-z Uhr im„TSrlischen Zelt", B-rliner«trahe 53. 1l. krei». 2» Uhr im Lokal.Pieeabilly", Eberastrahe. KrewwitgUederverfamur . Parte,»oesthendee Aon« Bogel, M. d. R., spricht über:.Die politische Lage»nd die Vierte«ataerordnang." Ohne ParieimitgUedibach kein Zutritt. Tnrenkantrolle. Die Kreiireoisore». U!. Krei». 18 Uhr Krei«»»rst«nb»sid»ng an bekannter Stelle. 25. Krei». arei»m»alieder»«rlammlan» i»„Schietzenho»»", ReiniEenbars-Ost, «esidenzstrahe l. 38. Abt. Zaristische Sprechstunde, Lindenftr. 2, Engerer Barstand: Weihnachts» unlerMhuna wird ausgezahlt.— Alte Beitragsmarken und Rotopsermarlen spätestens bi»»um 21.Dezember abrechnen. «. Abt. 20 Uhr hei Rohrig, Schlohstr. 45, Zahlabend der 10. Gruppe. Adolf Wuschich, M.d. L.: ,Aur politischen Lage." 75. Adt. 20 Uhr Zahlabend hei Sulla. Lauenburger Str. 21, Eck« Uhlandstrahe. Mar Heydemann:„Die Einheitsfront der Gewerkschaften." 13t. Abt. 20 Uhr Arbeitskrei» junger Barteiaenossen Zusammenkunft hei Eon» nrt. Referat u. Aussprach« tider die politisch- Lage. Ref.: Ernst Neumann. Mittwoch, IS. Dezember: t. Krei«. Ki»i»»itgN«der»ers«»»lnng i».Aacheschen Hos",»asenthaler «trahe 45/41. t. Krei». Kreunnitaliederoersawarlnag im.Saalben Friedrichshein". 181? Uhr. Barieinarsihe-de. Arth»- Erispir». M.d.».. spricht über:.Di««azial. dewatlati. i« Kamps."- Parteiwitgliebabn» legitimiert. Z. Krei». Bilbnngaanrschnhflhnng bei Zeisch, Eadlner«tr. 15.— krei». «italieHeraersamwuag in d«, ,«ndr»«�Feftsälr»", An5r»a»ftiah- 21. 5. Ire,». ki»i»mitqlj«d«r»-rsa»ml»ng in.Rabe» Festsäle»". Fichtestr. 28. »es.- Earl Li»«.».».». lt. krei,»enköl». Für die Erwerbslosen fuidet um lg Uhr im Städtischen S aolbau, Berastrah», die Auffsthrung der Revue:„Rummelplatz" statt. Eintritt frei. Mitgliedsbuch und Stempelkarte legitimiert. 15. Krei» Pankow. 19'/, Uhr Kreisvorswndssitzung mit Abteilungsleitern im bekannten Lokal. 47. Abt. Siskusfionsadend fällt heut« wegen her Kreiswitgliedrrversammlung aus. Donnerstag. 17. Dezember: 3. Krei»«ebbing. Arbeitennohlsahrt.«rweed, lasen. Zniawmenkonst Will- denowstr. 5. 15 Uhr Vortrag de» Genossen Dreisel:.Siebl»»g»sr«aen fnr Erwerb» lose." Mitgliedtkarte nebst»arte Mitbringen: Eintritt»nrntgeltlich. 5. Krei». Arbritmchilb-ngaschnle.«»»spracheabenb über n-s--««interarbeit. Genosse Anerbach gibt eine» Hebe, blick ieber seinen Knrin».Die englisch« »nb irenzä stich« Arbeitrrbewegnng". Z» diesem Anssprocheabend lobet gleichzeitig die«AZ..«erbebe, ir« Osten,«in. 7. krei».>5 Ubr im Zngendhei« Rostnrnstr. 4 Erwerb-losen.Zusammentnnft. Paul Bernstein:.«je bi»k»ticr« ich mit«einem politischen Gegner?" 17. Krei». 18 Uhr Krei»mitglieder»crsam«lnng im Eärilien-Lyzeu«, Rothau«. strotze,»enost« Dr. Knrt Löwenftei».». d. R.:.Die neuest««otoerord. nung." 118. Abt. TSrkontrolle. 18. Krei». 25 Uhr w der«elllichrn Schul«, Eingang Amolienftrohc, erste Zulannoenknnst de» jüngeren Parteigenosten. Dr. Schleftngrr spricht über: »Die Arbeit der jüngeren Parteigenosten in der Partei. 12.»dt. 20 llhr bei Schmidt, Wictefstr. 17, Zusammenkunft der jitngeren Parteigenossen. Herbert Kriedemann:„Was slir«in Programm haben wir dem Programm der Nationalsozialisten enigegenzustellen?" 42. Abt. Abteilungsversammlung fällt aus. dafür findet am Donnerstag>>n Kulturabend in„kleins Fcstsölen", Bilicherstr. 61, statt. Genasse Rektor Sieseler:„Sozialismus und Dichtung." Rezitationen und Mustk. Säsir will» roount».• Freilag. 18. Dezember: 3. Krei». Keei»mitgl>ed«r»ersamml-»g in den.Pharno-Säl«»". Rülleeftr. 142. 8. Krei».»reiomitglied-roersommlnng im»Piktorio-Gorten", Wilhelm». an« 114/115. 18. Krei». Voranzeige! Krei-mitgliederoersammlung. Dr. Liwenstein:„Die politische Lage." 42. Abt. Arbeitsgemeinschaft der Jüngeren im Jugendheim Porckstr. 11. Paul Bernstein:„Di- grohen Parteien." «lindcnsektio». Z« Lokal P-lmowski.«roh» Hamburger«tr. 38, Eck- Sophien- strah«, NM 2« Uh« Res. Gen. Rahbe:„G-sahrenmoment- der Sazioloeefiche- rang and Zürsorg«." Frouenveranstaliungen. 4. Kreis. Montag, 14. Dezember. Srelsfraucnabend in der Aula der ivelt- lichen Schule, Danzigcr Str. 23. Mczikanifä)« Mustk mit erläuterndem „Sozialhggi-niiche Forderungen für die Proletarierfrau". Referent Dr. Norbert Marx. Morgen. Montag, 14, Dezember: 6. Abt. IS'/- llhr bei Dobrohlaw. Sminemstnder Str. 11,„Unsere Bor- kämpfer— unsere Borkämpscrinnen". Res. August Rlemann. � 7. Abt. 20 Uhr hei Arendt, Schröderstr. 2(nicht wie sonst her Petra«), „Rosa Luxemburg". Ref. Dr. Mar Schiltte._ ». Ab«. IN- Ubr im Kcglerhcim, Ouitzow., Eck- Perleberger Stroh-, ge- sclliger Frauenabend unter Mitwirkung der Zugend. 15. Abt. Wir beteiligen uns am Frauenabend der 13. Abteilung im Kegler. heim, Ouitzow-, Ecke Perleberger Strohe. Näheres stehe Notiz der 9. Abt. 38. Abt. 20 llhr i» der Juristischen Sprechstunde, Lindcnstr. 3. 1. Hof, l. Seiicnsl., Erdgeschoh,„Heiterer Abend". Boriragendc Elfriede Woll. mann. Trinkgefähc und Kuchen mitbringen. 4.5. Abt. lg:: Uhr an bekannter Stelle Weihnachtsfeier mit unterhaltendem Prag nimm. TS. Ab«. 20 Uhr bri Hochacschstrz, Mttblenstr. 3, geselliger Frauenabend. 95. Abt. lg'- Uhr i» der Lesehalle, Nugat., Ecke Ilsestrahr, Fvoucnseicr. stunde. Vortragende Margarete Fichtner. 38. Abt. lg:» Uhr im Jugendheim. Britz. Eha»sse-str. 43, Rathaus,„Ernstes und Heiteres von Müttern und Kindern". Bortraoendr Niartha John. 101. Abt. lg:/- Uhr im s ruberen Rennbahnlokal George,„Frohe Stunden zu Weihnachten". Mitwirkung der Kinderfreundc. Lieder zur Laute von Klara Brat. 163. Abt. Ig'/- Uhr bei Tromt-r Frischen-Ecke, Luisenstraße, Weihnachtsabend. Boetvagende Leoni« Brvckmann. 117. Abt. 19'/- Ubr bei Brunn, Türrschmidtstr. 40,„Heiterer Abend". Bor» tragende Friede! Holl. 135. Abt. Besichtigung des Reichstages. Treffpunkt UV'. Uhr Portal 3.-- Donnerstag. 17. Dezember, 20 Uhr, in der Baracke Lindouer Straße, Helferinnensttznng. 145. Abt. 20 Uhr bei Woitschoch, Ernstftr. 1,„Die Stellung der Frauen in anderen Parieien". Ref. Paul Bernstein. Dienslag. 15. Dezember: 73. Abi. 30 Uhr im Lindenhof,„Politisch-satirischer Abend". Vortragender Haus Fuhrmann. >25. Abt. 20 Uhr bei Tempel, Prinzenalle: 45,„Der Dtensch ist was er ißt". Vortrag des Genossen Dr. Hans Graaz. 123» Abt. 20 llhr im Iägerheim, Zäg-rstrahe.„Unsere Borkänrpferinnen". Rcfcrentin Nora Lenke. 137. Abt. 20 Uhr im Bolkshaus, Scharnweberstr. 114, 3. Abend der Arbeits. gemeinschaft der Genossin Helene Michaelis:„Sozialiftisäie Gestnnunas. pflege in der Familie". Auch die Genossen sind zu diesem Abend ein- geladen. Miktwoch, 1ö. Dezember: 1. Abt. 20 Uhr im Hackeschcn Rosenthslrr Str. 40/41, 2. Abrnd:„Ne. volution der Ehe". Nefcrentin Else Cteinkühler. 38. Abt. BeNchtiquvq der �Konsumgenossenschaft in Lichtenberg. Rittergut- srrape. Treffpunkt pitnktlich 10 Uhr vor dem VerivaltungsgebSude des Konsums. Riltergntstrafte. 38. Abt. 20 Uhr im Rankehaus. Rankestr. 4,„Ernste und heitere Rezitatio- nen". Bortragende Margarete Fichtner. 77. Abt. 20 Uhr bei Jürgens, Darbarossastr. 3s,..Feste und Feiern im Sinns proletarischer Kultur". Rcfcrentin Susanne Rödcr.Großmonn. 81. Abt. 20 Uhr bei Klabe, Friedenau, Handierpstr. 00/61,»Politisch- satirischer 9«bend". Vortragender Vaul Hosfmann. 183. Abt. 20 llhr bei Schmidt baner, Biamarckstr. 74, Weibnachtsfeier, verbunden mit heiteren Rezitationen. Vortragende Elfriede Wollmann. 7S. Abt. 20 Uhr bei Reimann. Sedanstr. IT,„Proletarische Feftkultur". Ref. Hanns H. Kamm. Neuwahl. Donnerstag. 17. Dezember: 115. Abt. 20 Uhr hei Werner, Ropenicker Str. 123,» Gesunde Mütter— gesunde Kinder". Nesorentin wird noch bekanntgegeben. Areitag. 18. Dezember: 138. Abt. Weihnachtsseier an bekannter Stelle. Boginn ausnahmsweise 18 Uhr. Rezitationen und musikalische Darbietungen der Genossinnen und der CAI. Vezirksausschuf; für Zlrbciterwcchlsahrt. Sewinae für Wohisahrirpslege. Dienstag, 15. Dezember, 20 Uhr. sss ss" Kurlusabend des Genossen Dr. Hönisch Uber„Bermalmnassragen der W M Wohlfahrtspflege" in der Schul« des Hauptausschusses für Arbsiierwohl. fabrt, Belle.ALiance.PIatz 7, vor» 4 Tr. M 5. krei»»reu, Heeg. Montag, 14. Dezember, lg Uhr, Kreisausschußsitzung bei Krüger. Grimmstraße l. Um 17 Ubr Aktenbesprrchung. P IS f Kr«i,l«iter3, statt»nd beginnt pünktlich 2g llhr. Sozialistische Studentenschaft Deutschlands und Oeslerreichs Ortsgruppe Berlin. Montag, 14.: Arbeitsgemeinschaft über„Grundlagen des Arbeitsrechts". Leiter Genosse Dr. H. Ollendorf. 20 Uhr im..Bund".— Vereinigung sozial- demokratischer Juristen. Ministerialrat Dr. Georg Flatow spricht über:„Die Krise des Arbeitsrechts und die Arbeitsverfassung". 20 Uhr im Saal 3 des Pschorr.Houses, Tanentzienstr. 13.— Dienstag, 13.: Arbeitsgemeinschaft über ..Staat und Wirtschaft". Leiter Genosse Fritz Raphtali, 20 Uhr im.Bund".— Mittwoch, 16.: Historische Arbeitsgemeinfchoft über„Sozialdemokratie und Erfüllungspolitik". Leiter Genosse Poul Bernstein, 18 bis lOls Uhr im„Bund". — Donnerstag, 17.! Marxistische Arbeitsgemeinschaft. Leiter Genosse Dr. Denicke, 20 Uhr im„Bund".— Freitag, 1«.: Rednerkursus nur für angemeldete Teil- nehmer. 20 Uhr im„Bund".— Montag, 14.: Mitgliederversammlung der Sport- gruppe, 12 Uhr im„Bund". Sterbetafel der Grsß- Berliner Partei-Organisation 19. Abt. Am S. Dezember ist unsere Genossin Ioliunna P r e i d e l, geb. Berg, an den Folgen einer schweren Krankheit im 57. Lebensjahr verstorben. Ehre ihrem Andenken. Die Einäscherung findet am Dienstag, 15. Dezember, 10 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. 124s. Abt. Unser altbewährter Genosse Georg Wenzel ist plötzlich vör- storben. Ehre seinem Andenken. Einäscherung Dienstag. 15. Dezember, 16 Uhr, Krematorium Baumschulenweg. Um rege Beteiligung wird gebeten. l\ WGozialisiische Arbeiterjugend Groß-Verlm Einsendungen für dies« Rubelt nur an da» Iugrndsckrelarial Brrlin SW 68. Linden straß« 3 Popsttze»denl»nlerc»z am Montag, dem 14. Dezember, lg',!, llbr. im Sitzung«- saal de» Bezirksamtes Kreuzbcrg, Porckstr. 11. Ohne Mitgliedsbuch und Ans- weis kein Zutritt. Praletarilchss Orchester der SAI. Sraß-Berlin. Gcsamtprabc Montag, 14. Dezember. 20 llhr, Karl-Marx-Schulc, Neukölln. Kaiscr.griedrich.Str. 208.210. Erscheinen Pflicht. heute, Sonntag. 13. Dezember: Falkplatz I: Weihuachtsausschuß um 16 Uhr beim Genossen Fischer.— Helmhaltzplatz: Bunter Abend beim Genossen Mindt. Dircksenstr. 39. Tresf. punkt IG Uhr am Platz. 50 Pf.— Nordosten I: Eonnenwendfeie.r 18 Ubr Barocke 3.— Weißcnsee: Parkst?. 30. Sonnenwendfeier.— Andreasplatz 1: Gotzlerstr. 61. Kreisabend.— Kaflesches Tor: Konsumbesichtigung 9 Uhr Rote Ecke. 20 Uhr literarischer Abend.- Südwest: Aunter Abend im Wohnheim dcr.Arbett.erwlchlfahrt. Rcnkalln l> und IX: Wir beteiligen uns«un Heim- abend der Gruppe III. Treffpunkt, 19 Uhr Sck?ie.rkestrage.— Rciitölln X: Alle Teilnehmer an der Weih nachts fahrt 19 Uhr Gaughoferstraße. 20 Uhr Heim- abend.— Schoveweidc I: Eltern- und Fordereraben d in Obersch'äneweide. Loufener Str. 2. Lichtbilder, Musik, Sprechchor u. a. rn. Eintritt frei.— Katt- bufler Tor: Konsumbesichtigung. Treffpunkt 8�4. Uhr Kottbusscr Tor.— Britz: 1. Elternabend:„Wir nehmen Stellung!" 19�. Uhr Ideall)alle. Hannemann. straße. Alle Eltern und Parteigenossen sind herzlichst eingeladen. 9 Uhr General- probe in der Idealballe. Berbebezirke Mitte, Prenzlauer Berg und Pankow: Funktionärkursus der BildNngsschule Nordost um 9 Uhr im Altersheim'Danzigcr Str. 02. Dr. Arkadj Gurland:..Die Einheit der Arbeiterklasse". Werbebeziri Tiergarten: Jugendheim Lehrter Str. 18— 19. Funkreportage: „Bunte Sendung". 19'.? Uhr. Werbedezirk Schöneberg: Jugendheim Hauptstr. 15. Werbebezirkshcimabcnd. Aktueller Vortrag und Diskussion. Werbebezirk Oberspree: Wir beteiligen uns an dem Lichtbildervortrag des Werbebezirks Müggelsee im Gemeinschaftshai s Falkenberg um 17 Uhr. Werbedezirk Müggelsee: 2m Gcmeinschaftshaus Falkenberg„Biging"-Vor- trag. Beginn 17 Uhr. Werbedezirk Osten: Iuaendheim Goßlerstr. 01. Heimabend. Rektor Gensch: „Eine Reise durch Frankreich". Beginn 20 Uhr. Heimöffnung 18 Uhr. Werbedezirk Lichtenberg: Heim Gunterstr. 41. Film- und Kabarettabend. Beginn 19'� Uhr. Werbedezirk Reinickendorf: Jugendheim Wittenau(Neue Sckulc). Bildungc- kursus um 10 Uhr. Thema:„Der Fünfjahresplan in Sowjetrußland". Morgen, Montag, 14. Dezember. 13� Uhr: Hansa: Bochumer Str. 85. Die Frau im Klassenkampf.— Moabit llt: Gcntbiner Str. 17. Die Iniernotionale. l. Teil.— Sportpalast: Gentbiner Straße 17. Faschismus.— Faltplatz>: Sonnenburger Str. 20(Gdiulcl, Z. 2. Arbclterdichtunq.— Fallplatz II: Sonnenburger Str. 2V, Mittelzimmrr. Was lehrt uns Karl' Marx.— Humannplatz: Gleimstr. 33—35. lv.Minuten.Refcrate. — Rorbaftcn II: Danziger Str. 62. Baracke 3. Tagespolitik.— Schönhauser Porstadt: Sonnenburger Str. 20. Kinderfreunde-Abend.— Andrrasplatz II: Brommgstr. 1. Funktionärsstzung.— Havesches Tor: Porckstr. 11. Aufgaben Im Sozialismus.— Schöneweibe II: Berliner Str. 31. Arbeitsrecht.— Friedrichs» seid«: Gunterstr. 44. Elternabend. Werbebezirk Bedding. Tambourkapelle. Alle Spiellente üben pünktlich ab 20 Uhr im Heim Seestr. 84(Barackenschule). Noten mitbringen. Neue Flöter können sich noch melden.,' KMiäm.MiiuüL UHW/dkmfw- gM's tu£sdßrs*Djfckhoi& MUZm- Das Ist schon seit 30 Jahren se. Und wir sehen diese Entwicklung mit Freude. Sie zeigt uns, daß unsere gute Herren— Kleidung die haltbarste Reklame für uns ist. Das ist ein Vorteil für unsere Kunden— und fGr unsl 48:158: 38 148 158 178>88 Gertraudensfr.8-9 (Unveröffenttichie flilabunds herausgegeben von ä)r.£lfe IHöbus Zarte, slüchiig daHureUende, seine Schrifl�zeiäzcn bedecken das schlichte, weiße � Papier der Briefbogen. Wie sollende Herbstblätter, die ein Sturm über den Waldbnden fegt, sind sie hingeweht, diese schnellfüßigen Worte eines Menschen, den sein Schicksal heiß und rasch durch ein kurzes Leben peitschte: Briese Klabunds an eine Freundin, an Ellern und Bruder. Crossen a. d. Oder, Ostern 1312. ,,... an der Oderbrücke stand eine Veilchciwertäuferiiu Ich habe ihr olle Blumen abgekauft. Meine Hände konnten sie kaum hallen. Ich wußte nicht, wohin mit den Blumen und meiner Sehnsucht. Eimnai habe ich Blumen geliebt, einen blühenden Strauch, in Gauting, in einer Regennacht. Ich bin sehr unruhig. Den ganzen Tag notiere ich mir Ideen, Bilder, Zitate, ich Hab schon bald hundert Seiten vollgeschmiert. Klaus störtebeckcr beginnt sich zu entwickeln. Und was ich gern tun mächte, ihn laß ich's tun. Heut nacht war ich bis fünf wach. Ick) las in alten Büchern, einem Koiwerfaticmslsxikon für Kinder, einer Schrift, die sich mit den christlichen Ideen bei den griechischen Philosophen beschäftigt. Da kam ich an eine Stelle, die mich als halbes Kind schon nachdenklich gestimmt hatte: eine Stelle bei 5)cratlit. die sich nüt dem Iolurnmsevangelium fast wörtlich deckt, imd da holte ich mir die Bibel und las darin, Psalmen ijird Lucas. Der Mond schien durch den Strohoorhang. Die ersten Fliegen summten. Weil sie mich störten, fing ich eine und warf sie aus dem Fenster in den hellen Morgen * 21 rosa, Graubünden. Ba u Rivage, 18. Dezember 1!)l3. Liebe Ellern, liebe Taille Käte, lieber Hans! Zum Feste sende ich Euch ollen die herzlichsten Wünsche und Griiße! Ihr werdet es auch ohne mich vergnügt und sinnig verleben. Meine Stimmung ist gar nicht weihnachtlich, und mir ist es auch recht so. Die'An- strongung der Menschen, sich plötzlich massenweise und auf höheren Befehl über den Alltag festlich zu erheben, ist mir sehr verständlich, hinterläßt bei mir aber immer Kopf- und Herzbeschwerden. Ich feiere meine Feste lieber allein.— Trotzdem habe ich es mir nicht nehmen lassen, mit eigener Hand zur Bereicherung Eures Gilben- tisches beizutragen: ich habe, wie das jetzt hier Sitte ist aus den Liegehallen, zwei Korbe geflochten, die ich Mutti und Tante Käte hiermit ergebenst überreiche, mit der Bitte, sie freundlich aufzunehmen. Möge Euch das neue Jahr eine wenig Entlastung— von mir bringen. Niemond wünscht das sehnlicher als ich. Immer Euer treuer Fr edi. * München, Herzogstraße 42/3, L. 21. Mai 1915. Liobe EUekn, ich habe Baters Brief erhalten. Sei nicht böse, Mutti, daß ich Deinen Geburtstag vergessen Hab«. Ich kann nun einmal solche Dinge nicht behallen. Uebrigens darfst Du Dich mit Pater solidarisch suhlen: ich habe seinen Geburtstag ja auch ver- g essen: lind wenn n«n mich nicht daran erinnerte, würde ich sogar meinen Geburtstag vergessen. Es genügt, zu wissen, daß man auf der Well ist. Man soll jeden Tag Geburtstag feiern, das ist die richtige Art, seinen Geburtstag'nicht zu vergessen.—' Dan os- Dorf, Stolzenfels. 28. September 1916. Liebe Ellern, das Wetter ist jetzt wieder schön, nachdem es tage- lang g« schnell hatte und der Schnee meterhoch lag. Das„Crosscner Tageblatt" freut mich immer, denn ist Hobe oft ein« große Sehnsucht nach Euch und der Keinen Stadt da oben. Oft erinnere ich mich eines Ganges nach Güntersberg, und die Kirchenglocke von St. Marien schlägt in meine Stimmung. Das sind beinahe die Senttments eines Greises, der sich nach seiner Kindheit schill. Wer: keine Furcht: ich bin noch kein Greis, sondern im Gegenteil sehr lebendig. Wären nur erträgliche Zustände in der Welt, müßte man nickll immer Bdll weinen! Wie gern käme ich auf einige Herbst- wochen zu Euch... * Zürich. Pension Delphin, Mülstebachstr. 69. Ich bin heute(23. August) von meiner etwa zehntägigen Reise in die hohen Berge zurückgekehrt. Sie hat mir seelisch und leiblich gut getan. Ich bin jeden Tag durchschnittlich drei bis vier Stunden gewandert, das übrige per Post und Eisenbahn und Schiff. Es war besonders, schön, weil die üblichen Touristen fehlten.— Es ist jetzt keine so einfache Sache mehr mit den Pässen wie noch voriges Jahr. Und der Uebergang wird erschwert werden, je länger der unselige Krieg dauert.— Daß meine der Regierung wohlbekannte politische Meinung, die ihr nicht genehm sein mag— aber was tuts?, ich halte mich für so deutsch wie irgendeinen— den Paß erschwert, scheint mir jetzt festzustehen. Ich versuche alles, was in meiner Kraft steht, um bald in Deutschland zu sein. * Locarno- Muralto, Villa Berta, 11. Oktober 1917. Lieber Vater, perfide Denunziationen, deren Quelle ich noch nicht weiß, hatten mir ein schlinimes Schicksal zugedacht. Man hatte mich beim Armeekommando verdächtigt, der 2lutor der an der Front von der Schweiz aus' verbreiteten revolutionären Flugblätter zu fein, die die Soldaten aufforöem, bis an den Rhein zu gehen und was dergleichen läppisches Zeug ist, was mir nie auch nur in den Sinn konrmen könnte. Eine halbe Stunde, nachdem ich in Lindau die Grenze passiert hatte, traf dort der Befehl«in, mir die Alis reise zu verweigern und mich unter militärischer Bedeckung in die Festung Äüstrin zu verbringen.... Ich habe die ersten Schritte getan, um gegen die Denunziationen(die Denunzianten kenne ich leider noch nicht) vorzugehen, die geeignet sind, mir auch in meinem literarischen Wirken schwer zu schaden. Ans abseilbare Zeit, ehe die Derhältnisse geklärt sind, ist mir also die Rückkehr nach Deutsch- land unterbunden Wie gern sähe ich Euch einmal wieder! Ich bitte Euch, bei der nächst passenden Gelegenhell mich hier zu be- suchen! Entschließt Euch bald! Sog» umarmt! Euer Zredi. •k Längst halte sich Ktafmnd durch s«ma offene, kühne Sprache bei den Militärbehörden verdächtig gemacht. Seine Frechelt?- und Unabhängigkeitslieb«, seine tiefe Abneigung gegen jede Form der Unterdrückung, der geistigen Knebelung schienen deutliche Anzeichen „verräterischer" Gesinnung. Und der damalige Pressechef des 1. bayerischen Armeekorps in München sprach in einer Konferenz allen Ernstes den Verdacht aus. der joder Begründung entbehrte, daß dieser..landesverräterisch« Schmiersink, der es gewagt hat,«inen „Offenen Brief" an den Kaiser zu schreiben", von der Entenre bezahlt sei. * 20- März 1919. Liebe Eltern, ich warte und warte aus ein Bisum: es ist so furchtbar umständlich jetzt, von der Schweiz aus die Erlaubnis zur Reise zu bekommen.(Den deutschen Paß Hab ich schon.) Sie haben hier geradezu eine himmlische Bolschewikiangst: jeder Literat er- scheint ihnen alz zweiter Lenin oder Radck. Und jede Reise ins revolutionäre Deutschland verdächtig.-- * P o s i t a n o(Provinocia tu Solcrno), Albcroo Roma, 17. April 1921. Ick; bin seit einigen Tagen hier und fühle mich zum ersten Mal auf meiner Reise wirklich wohl: trotzdem das Wetter gar nicht angenehm ist. Es weht ein kalter Wind und das Meer geht hoch. Bon meinem Balkon aus sehe ich die weiße Gischt aus den grünen Wogen. Unendlich dehnt sich die Flut. Unter dem Horizont liegt Afrika. Pofitano ist ein altes Sarazenenncst. Es klebt wie ein Vogel- »est an den Felsen. Häuser und Felsen gehen ineinander über. Es führt keine Eisenbahn nach hier, und kein Schiff legt hier an Zwei ganz« Straßen gibt es da nur. Orangen und Zitronen und Oel- bäume wachsen vereinzelt an den Hängen. Es gibt kein elektrisches Licht, kein Gas, keine Straßenbeleuchtung. Der Bürgermeister ist nur zweimal die Woche zu sprechen.(Ein angenehmer Posten!) Das Gasthaus, in dem ich wohne, ist ganz altväterlich, so wie zu Goethes Zellen die italienischen Gasthäuscr waren. 2lls ich in meinem Wagen, vom Gebirge kommend, vorfuhr, trat der Wirt an mich heran, zeigte mir persönlich das Zimmer, stellte mir seine Frau vor. Das Zimmer ist groß wie ein Saal, geht nach Süden, hat Balkon. Ich bleib«, sy lange es mir hier so gut gefällt oder so lange ich mir hier so gut gefalle. Die Landschaft hat gar nichts Bezauberndes wie etwa Capri: st« ist eher wild und ungestüm. Aber so ist's mir gerade recht—— * 21. Mai 1927. Mein liebstes Mutterherz, Du hattest Deinen sechzigsten Ge- burtstag— und ich wußte es nicht und habe ihn wiederum ver- gesseu wie all die Jahre immer. Es ist ober auch Unrecht von Bater und Hans gewesen, mich nickst zu erinnern, wo sie meine absolute Gedächtnisschwäche für Geburts-, Namens-, Hochzeitstage aller Art doch kennen. Sei tausendmal umarmt! Möge der Himmel Dir all die Liebe und Güte vergellen, die Du Zeit Deines lieben Lebens an mir bewiesen hast. Immer Dein Dich liebender, treuer Sohn Fredi. Tief und glühend, wie zu den Zellen höchsten Lebensgefühls, ist Klabund in diesen letzten Monaten, in denen die Krankheit immer größere Fortschritte macht, mit seinen Werken verbunden. ?luch in den Briefen tritt der Mensch Zllfred Henschke hinter Schaffensplänen und Zukunstshofsnungen des Dichters Klabund zurück. Wahrend das Licht seines Lebens langsam erlischt, tlam- mert sich der Todkranke mit letzter Kraft an sein Werk. 21. Juli 1928. Davos Dorf. Stolzenfels. Liebste Mutti, vielleicht können wir uns End« August in Ober» bayern treffen. Eher kann ich hier nicht fort— Carla(seine Gatiin, die Schauspielerin Carola Reher) ist in Berlin. Ihre Proben beginnen in, August.— Die Usa wird einen Film von mir drehen.(„Rübezahl")— Im September erscheint ein neuer Roman von mir— Ihr erhallet ihn sofort. In Gießen erscheint demnächst„Ktrschblütenfest." Biel- leicht interessiert es Franz Wagner, herüberzufahren. Alles Liebe, Gute Euch ollen. Euer Fredi. ■* Und endlich die letzte Karte aus Davos. Liebste EUern, herzlichsten Gruß aus Davos! Ist es Euch nicht möglich, jetzt, sagen wir innerhalb acht bis zehn Tagen, noch Davos zu kommen! Ihr sitzt von Berlin bis Landquart(1 Stunde von Davos) im selben Wagen.(Schlafwagen.) Ich lade Euch herzlichst ein.. Euer Fredi. * Sie trägt kein Dalum, diese letzte Karte. Zeit und Raum, alle irdischen Grenzen lösten sich bereits auf in der Unendlichkeit. Sie kam zu spät, die Bitte um ein Wiedersehen. Fern vo« alten, die er liebte, schlief Klabund ein, einsam, teise, unmerklich, eine heiße, inbrünstig brennende Flamme, die der Atem des Todes erbarmungslos und doch barmherzig sterben ließ. Alexander ron SHcherlUnjoch: Abenleuer des Sekundaners „Der Sekundaner Gerhard S. meldete sich aus dem zuständigen Polizeirevier und gab. an, daß er das Opfer eures Raubübersalls gewesen sei.. Das hohe Regal links, dessen Holz schon etwas verblichen ist. ist das Regat der Trimme. Als er noch kaum gehen konnte, und so klein war. daß sein Kopf nicht über das Ladenpult hinausragte, nahm ihn der Bater zum ersten Male in sein Papiergeschäft in die Grenzsttaße mit. In diesem Regal waren bunte Bilderbogen, Soldaten aller Länder, die man ausschneiden konnte, Abziehbildchen, phantastisch geformte, bunte Radiergummis und Bleistiftspitzer neuesten amerikanischen Patents. In dies ein Regal waren die farbigen Seidenpapiere, um die in den Weihnachtstagen von den Kunden«in horter Kamps gejührt wurde, die goldenen Sternchen und die Silberlawettas. Hoch oben auf dem Regal thronte ein von der Zell verblichener Winnetou aus Papiermache. Die Züge des letzten Apachenhäupüings waren ernst und zerfurcht, sein eines Aug« war abg«schabt und mit d«m anderen blickte«r starr geradeaus, als sähe er in große Fernen. Aus seinem Stirnband war zu lesen: „Indianertinte ist die beste." Gerhard wollte so ein Häuptling werden, oder wenigstens Straßenräuber. Daheim an den 2lbenden setzte der Bater die Brille aus und las aus den Zellungen von tollkühnen Raub übers allen und sein gedeichselten Einbrüchen. Der kleine Gerhard kannte sie alle. vom Massenmörder P. angefangen' bis zu den Gebrüdern Saß, denen nie etwas nachzuweisen war. Er wuchs aus und neben den Ereignissen des Tages, die, aus solcher Nähe erlebt, viel an Wert und Geheimnis einbüßten, zogen Old Shatterhand, Tom Sawyer und Lederstrumpf in sein Herz ein. In den Herzen der kleinen Männer lebt ein Stück Vergangen- hell. In ihren Träumen klirren Schwerter, schwirren vergiftete Pfeil« und still, in' einer Ecke der Stube sitzend, mit dem Machematik- buch vor Augen, vollbringen sie ihre Heldentaten.„Bist du bald fertig, Gerhard?" fragt der ZZater. lind eine Stimme von des Knaben Mund bejaht gewohnheitsmäßig, aber der kleine Held in ihm weilt an den Ufern des Mississippi. Wie aus unversiegbarem Brunnen schöpft der kleine Mann das Abenteuer. Aus den Büchern, aus der Unuveli, aus seinen Träumen, doch sein Durst vergeht nicht, denn niemals tritt er als Held in Erscheinung. Roch ist er Gerhard S. im grauen, kleinen Rock, mit Wgen, deren Glanz von innen kommt, die nur die Formen des'Alltags erkennen und nicht hinter dl« Dinge sehen. Eines Tages— im Zenith der Kindheit— als ISjöhriger Sekundaner, erlebt«r. daß der Herr Professor, der viele Zeitungen liest, und ein praktischer Mann der Geqenwart ist, als Thema des Schulaufsatzes dies ausgibt: Ein Raubübersall. „Schildern Sie«inen Ueberfoll, wie er in unseren Tagen leider fast täglich vorkommt. Schildern Sie ihn, als wären Sie dabeigewesen." Damll erhob sich der Herr Professor am End« der Stund«. Für ihn war diese Angelegenhell erledigl und ans dem Heimweg begann er beretts über den nächsten Schulaufsatz nachzudenken. . als wären Sie dabeigewesen." Der Bater las ans der Zeitung von einem Ladendiebstahl in der Seestraße. Die frechen Diebe waren am hellen Tage in das Geschäft eingedrungen und hatten ihren Raub fast vor den Slugei, der Passanten ausgeführt. Der Vater sah besorgt auf: „Man müßte den Laden besser sichern. Ich werde mir ein« Pistole anschaffe»" Komisch. Daran hatte Gerhard noch nie gedacht, daß im Ge schäst der EUern so etwas vorkommen könnte. Es war ja auch wenig zu holen. Denn wer stahl Bleistift«? , Mo ran denkst du?" sragte der Bater plötzlich.„Du siehst so merkwürdig aus." „O, es ist nichts", antwortete der Knabe und beugte den Kopf über den Teller. Uebermorgen sollt« der Aussatz geschrieben werden. Heber- morgen... Am nächsten Nachmlltag ereignete sich dies: Ein fünfzehnjähriger Jung« stürzte aus dem Papiergeschäft Grenzsttaße 5 mll wirrem Haar, verschobener Krawatte und zer- rissenem Rockärmel— — Ein Polizeibeamter des nahen Reviers hob erstaunt den Kopf hinter dem Schreibtisch und sagte: „Nanu, Junge, wo brennt es?!" Denn die Türe war offen geblieben. — Di« Abendblätter meldeten von einem Rand Überfall in der Grenzsttaße. Banditen drangen in das Papiergeschäft des Herrn S.. bedrohten den dort anwesenden Gerhard S- mit der Waffe, fesselten ihn an die Leiter und raubten— eine Mark und fünfzig. Die Polizei stellte Nachforschungen an und Gerhard S. wurde vorgeladen. Da wußte die Polizei bereits, daß der Herr Professor einen Schulaussatz schreiben ließ: Raubübersall. Und ein wenig später wußte die Polizei, daß Gerhard, es selbst getan hatte. — Ein kleiner Mann mußte beschämt vor großen Männern stehen. Und wenige seines Alters lernten so deutlich wie er erkennen, daß der Träum aufhört, wo das Leben beginnt, und daß Helden schlecht gelohnt wurden zu allen Zeiten. Denn es war schwer für einen tleinen Mann, dies zu tun. Er spielte im selbst erdachten Stück den Räuber und den Beraubten zugleich. Er sesselle sich selbst an die Leiter, befreite sich mühselig und dann, dann irrte sein Blick vielleicht zum Häuptling der Apachen hinauf, der auf dem Regal der Träume stand, aus Papiermache. Denn jetzt, als er mll einem großen, inneren Ruck losging, um mit seiner Lüge vor die Menschen zu treten, um zu bekennen, was er nicht getan hatte, war er kein Kind mehr, und um mehr als eine Mark und fünfzig beraubt. Denn man lachte über ihn und lief; ihn sehr fühlen, daß er erst ein kleiiter Mann war. Und der Aater sragte vielleicht: -„Was fiel dir«in, Gerhard, wie kamst du darerus?" Und Gerhard antwortete vielleicht, was später auch die Zei- tungen als Grund angaben: ..Ich wallte einen Aufsatz darüber schreiben." Aber war weiß, was er wirklich wallte? D«m ach, die Walt dar flewen Männer liegt swseits der Grenze de? Traumes, den dte großen Männer verloren haben. LlLikAk Bleislift f»Cii?5chgemittlti5. c*. Uan tenj. n Mmn SUber. feinkjuillocKicrt oofptixmo m.uo iHSSlMllW ttr A-n-.ijnJ, jv in 1» tll« BrOt««.«aM. j ■a Co Berlin tlOS tcht Zlfe«. lo> NjsreB»» M MCküCiiÜf camasssEaaiESB ensssazsEaa Chaclottenstr.27 Köniqstf.30 ►n Sie nicht gnleai ■ Utätswarenzu, mwouervesioi' lufhanc I i— ■LPMMpMatonB »»5P.B3IU. BGKtnSfClllilMzr Johr ufeia«cmehira Ct.ijpuji. 1 kacMtna Sckmiar N.IMlWtt.-I'ZlttM Cchl QoW. Qliefcrjrmbtm} 18(j»(ina ÜtloTi llttr. Stil HCTBR'iJICftfiliUCf mit Sprungcecxel.>,I» jo. da(ji- Mum. Schotfe. PrtowoafrAnkrrwek MZ.'UWL. MW fZWLNg ci�a ailfr.cn«on Bffflar.ioÜJe-s«on TS__ an Nr. 5SZ-» 4S. Jahrgang Gonniag, 13. Dezember 1931 Schau hier hinein... Kinderbücher für die Kleinsten. Schau hier hinein, alles ist Dein. Bilder von Else Wenz- Victor. Verlag Stalling, Oldenburg. Für die kleinsten, die noch herumkriechen, die mit ihrem neuen Bilderbuch Eisenbahn spielen oder eine Brücke bauen, ist dieses Büchlein gedacht. Es kann einen Pusf vertragen. Die Bilder sind schön und zum Greifen anschaulich und deutlich. Bei Tanke Gruh von Petersen, Preis 2,8z M., und: Der lreue Teddy von Beatrice Braun-Fock, Preis 3,00 M. Beide Verlag Jos. Scholz, Mainz. Zwei hübsche Ticrbiichcr für Kinder von vier Jahren an. Beide sind mit zahlreichen guten Bildern vec- sehen. Besonders bei Kindern, die einen Kindergarten besuchen, wird„Tante Gruh", ein lustiges Buch vom Kindergarten der Tiere, helle Freude auslösen.«■• Kind und Welt. Von Irmgard v. Faber du Faur. Preis 2 M. Verlag Müller und Kiepenheuer, Potsdam. Das ist ein ausgezeichnetes und dabei billiges Kinderbuch. Sprachlich und pädagogisch gleich herooragend. Es enthält kleine Gedichtchen und Erzählungen, die mit erstaunlicher Einfiihlung in die geistige und sprachliche Welt des Kindes geschrieben sind. Vom vierten bis mindestens zum achten Lebensjahr wird das Buch dem Kind zum Begleiter, und seine Eltern können zugleich daraus die schwierige Kunst erlernen, wie man Kinder erzieherisch aufs Nachhaltigste beeinflussen kann, ohne ihnen die gute Laune zu verderben. Bücher aus dem Bcrlag Stalling, Oldenburg, haben den Vor- zug, daß sie zum großen Teil von Else Wenz-Vietor wunderschön und humorvoll illustriert sind. Im übrigen ist ihr Wort ungleichmäßig. Die Schule im Walde schildert in lustigen flotten Versen von Adolf Holst einen Schultag der Tiere tm Walde. Im lustigen Sasperle-Vuch von Sixtus berichten hübsche Verse von den Irrfahrten eines Kosperle. Theodor Storms Märchcnerzählung Der kleine häwelmaun ist ebenfalls gut aus- gestattet. Sie berichtet von der zweiten Ncise eines Babys, das immer gern gefahren werden wollte. Im gleichen Verlag und auch mit schonen Bildern erschien: Das Schmeiochcu und andere Tiergeschichten von Felix Timmermanns. In der ersten Geschichte wird erzählt, wie Gott allen Tieren ein buntes Kleid gab, in der legten Geschichte werden Tierkönige gewählt. Damit wird zwar weder die �Republik gestürzt, nock) das Kind zum Glauben an Gott gezwungen, aber schließlich gibt es ja viele andere schöne Bilderbücher, die sich von solchen Dingen frei halten. Zwiesellhen im Zoo und Zwieselcheu im Warenhaus. Van Werner Bergengruen. Preis jedes Bündchens 8Z Pf. K. Thienemanns Verlag, Stuttgart. Das find zwei Bücher zum Vorlesen für Kinder, etwa von, fünften Jahre ob. Sie sind ganz * nett geschrieben und stellen Alltagserlebnisse eines Berliner Kindes dar. Eltern, die ihren Kindern gor keine oder nicht so viel Märchen erzählen wollen, finden hier einen Ersatz oder eine Ab- wcchjlung......... a e i o u. Spielsiebel Nr.?. von Tom Seid mann- Freud." Preis 2,90 M. Herbert-Stusfer-Verlag, Berlin. In diesem Jahr liegt wieder eine jener wunderschönen Spielsibeln von Tom Seidmann-Freud vor. Sie ist die Fortsetzung der ersten Spielfibel: Hurra, wir lesen! Hurra, wir schreiben! Wie die erste, so ist auch diese zweite Fibel auf dem Grundgedanken aufgebaut, daß zwischen Spielen und Lernen für das Kind kein Bruch klaffen, daß es sich vielmehr das Schulwissen der ersten Zeit spielend an- eignen soll. Ueber diese Theorie bestehen heule kaum noch Meinungsverschiedenheiten. Aber, wie so oft in der Erziehung, so ist auch hier die Theorie einfacher als die Praxis. Tom Seid- m a n n- F r e u d hat das große Verdienst, daß ihre Fibeln dem Spiellrieb und der Phantasie des Kindes von ungefähr sechs Iahren viel mehr entsprechen als alle anderen Fibeln zuvor. Es sind Bücher, in die das Kind malen und schreiben darf wie es ihm behagt. Schreiben, Lesen und Rechnen ist nach diesen Büchern, die eine hoch begabte Mutter ursprünglich für ihr Kind schuf, nicht mehr ein schweres Muß, sondern ein Vergnügen. Leider ist es das letzte Buch dieser Reihe. Seine Verfasserin ist gestorben. Petra Possierlich. Von G. Rae. Verlag Williams u. Co., Berlin. Den vielen Kindern, die an Bätengeschichten ihre Freude haben, wird man mit diesem Buch ein ganz besonderes Vergnügen bereiten. Es ist sehr humorvoll und lebendig geschrieben. Aus der Sommerwiese. Von O ß w a l d. Preis 3,80 M. Thienemanns Verlag, Stuttgart. Das Buch ist für Kinder gedacht, die Ostern in die Schule kamen. Es ist sehr leicht lesbar. Verse und Geschichten mit vielen Bildern sind zusammengestellt. Schlecht ist es nicht. Schwupps und Peter im Baumhaus. Von Adolf Vogel. Verlag Schneider, Leipzig. Buben, die von ihren romantischen Sehnsüchten von einem Indianerschmökcr zum anderen gejagt werden, bereitet die Lektüre dieses Buches sicher eine große Freude. Es gibt darin zwar keine Rothäute und es baumelt kein Skalp. Verwandelt sich aber der junge Leser in seiner Phantasie in den Helden des Buches, so wird er sich bei der Lektüre gerade so Helden- hast und so losgelöst von der Wirtlichkeit vorkommen, wie es seiner Seele gut tut. hefte sür Bastclkunst. Von Prsula Scherz und William Wauer. Preis des Heftes 60 Pf..Safari-Vcrlag, Berlin. Eine ganze Reihe billiger Bastelheftc legen die beiden, durch ihre Radio- bastelstunde bekannten Verfasser vor. Die Arbeiten sind für Knaben und Mädchen gleich gut geeignet. Technische Zeichnungen erläutern die Arbeitsanleitungen. Wollen Kinder für sich und ihre Geschwister nach soschen Vastelanmeisungen Spielzeug anfertigen, so ist das ein hübsches Spiel. Es erhöht die Geschicklichkeit und verschafft Matcrialkenntnis. Wird dabei cininal die Puppe oder der Elefant etwas schief, so erhöht das vielleicht den Reiz des Spiel- zcugs für seinen Besitzer. Aber ein ganzes Bastelheft mit Anweisungen, wie man aus Garnrollen und Einmachgläsern ein Rauchservice machen kann, das überschreitet doch bedenklich die Grenzen des guten Geschmacks. 1. lleberhaupt ein Rauchservice! 2. Wer steckt erst eine Kerze und daran seine Zigarette an? 3. Wer trocknet die Kindertrünen, wenn Mutter das Rauchservicc, an dem ihr Aeltester wochenlang ge- bastelt hat, in irgend einer Schublade verschwinden läßt. Gewiß! Kinder niachen gern selbst angefertigte Geschenke und Künstler sind sie nun einmal nicht alle. Da ist ein Bastelheft gescheiter, das sie zur Herstellung van Dingen anregt, die ihrer Ratur nach � in Schränken oder Schubladen aufbewahrt werden. Kinderland lS3Z. Preis 1,50 M. Vorwärts-Verlag, Berlin. Das Jahrbuch der Kindersreunde ist in diesem Jahr wieder außer- ordentlich lebendig zusammengestellt. Die Mitarbeit vieler Kinder und die vielen Zeichnungen der Kinder stellen einen innigen Kontakt zwischen Buch und Leser her. Dos Jahrbuch spiegelt die große Bedeutung der Kinderfreundebeweguug, und es ist zugleich für die heranwachsende Generation die beste Einführung in die Grundhaltung des sozialistischen Menschen zu vielen Problemen des Tages. .'Xnna Geyer. Von allerhand Dingen... Dichter und andere Leute sprechen zur Zugend. Im Verlag van Williams u. Co., Berlin-Grunewald, sind drei ausgezeichnete Kinderbücher erschienen. An erster Stelle ist E r ich Kästners Kmderroman„Pünktchen und Au loa" zu Neimen. „Pünktchen" ist das Tochterchcn des Direktors Pogge, der mit seiner dreiköpfigen Familie ein« Zehnzimmerwohnung beoohnt, und Anton, ein Zlrmeleuiekind, ist der Freund des kleinen Mädchens. Aus solchem Thema wurden früher moralische Geschichten für Kinder aus gutem Haufe oder solche, die danach aussehen sollten. Kästner macht eine moralische Geschichte daraus. Zwischen die einzelnen Kapitel schiebt er kleine„Nachdenkereien", die sehr moralische Ueberschriften haben:„Von der Pflicht":„Vom Stolz":„Von der Sclbstbe- herrschung":„Vom Familienglück". Aber bisse moralischen Betrachtungen sind meilenweit von dem Mocalgctue vieler alter, innrer wieder neu gedruckter sogenannter„Iugcndschriften" entfernt. Natürlich passiert auch allerlei in dem Buch, cigeutlich sogar sehr viel« und sehr ab-mteuerlichc Dinge. Die„Nachdcnkereien" stehen ja nur zwischen den Kapiteln, und wer, wie Kästner in der Einleitung sagt, Angst hat, daß sein kleines, niedliches Gehirn davon Falte» kriegt, der braucht sie nicht zu losen. Aber ich denke, keiner wird sie überschlagen, und ein Kind, das sie in diesem Jahre noch nicht versteht, wird sich im nächsten oder im übernächsten an ihnen freuen. Denn„Pünktchen und Antoit" ist kein Buch, das man liest uiri» dann für immer beiseite legt. Schon ausgeweckteu Sieben- jährigen wird es Spaß machen, und Zwölf- bis Vierzehnjährig«, Jungen und Mädel, werden es mit Genuß lesen. Auch die Er- wachsen«», wenn die Sorge» mal nicht zu groß und breit sind. Das ist ja überhaupt das Kennzeichen guter Jugendbücher, daß sie nicht für bestimmte Altersstufen da sind. Auch für B e l a Baläzs Geschichtensammlung„Das richtige himmelblau"(William u. Co.) gibt«s solche Begrenzung nicht. Wie Baläzs da- macht, märchenhafte Geschehnisse so zu erzählen, daß jeder aus'ihren Ausgang gespannt wird, und zwar immer wieder, wenn er die Geschichte auch schon keimt, ist leicht verraten: alles entwickelt sich bei ihm nach den Gesetzen strenger Logik, die in dieser niärchenhasten Wirklichkeit nur eben nicht, wie so oft in unserem Alltag, von dummen oder böswilligen Zwischen- fällen gestört wird. Seine Geschichten sind also«ine Art Denksport- ausgäbe für phartasiebaschwingte kleiner« und größere Leute. Das dritte Buch aus dem Williams u. Co. Verlag, das hier genannt werden soll, ist ein neuer Band von Hugh Losting:. „Dr. Doolillleg größte Reise", der allen Freunden der Doolittle- Serie willkommen sein dürfte. Besser noch als der Text werben wieder vielen die Illustrationen des Autors ge'allcn. Uebrigcns muß nachgetrogeu werden, daß auch die Bücher von Kästner und Baläzs den ihrer würdigen Bilderschiniick gefunden haben: für Kästner setzt sich Walter Trier ein. für Balazs M e l y H o f e r. Im Herbert S tuffer Verlag, Berlin, erschien die deutsche Uebcr- setzuug eines neuen„Bibi"-Bandes von Karin Michaelis. Er ist der vierte in dieser Serie und steht den voraufgegangenen an Um- fang nicht»ach— erfreulicherweise auch nicht an geistigem Um- saug. Gewiß, diese Bibi steht in einem leichteren Leben, als die deutschen Kinder, sosern sie die Augen offen halten, heut« zu sehen bekommen, und sie vermag den Röten und Bitterkeiten, in die sie hineinblickt, nicht immer auf den Grund zu schauen, weil sie gar nicht immer weiß, in welcher Richtung sie ihn suchen muh. Aber sie hat den ehrlichen Willen, das Leben und die Well zu durch- forschen, um zu verstehen und nach Kräften verbessern heksen zu können. Geographie und Kulturgeschichte werden dem Leser dieser schönen Dichtung nebenher, ohne daß er sich dessen überhaupt be- wüßt wird, in ziemlich großen und sicher nachhaltig wirkenden Quantitäten eingegeben. Lisa Tetzners„Hans Urion. Die Geschichte einer Weltreise"(D. Gundert Verlag, Stuttgart) betont schon in dem Titel die geographische Mission. Es will belehrend unterhalten. Lisa Tetzncr macht das sehr nett, und ihr„Hans Urian" ist nicht>mr immer eine zweckmäßige und amüsante Lektüre für Kinder zwischen acht und zwölf Jahren, sondern in einzelnen Kapiteln auch ein« nützliche „Nachdeukerei" für Halb- und Ganzerwochsene. Eine Dichtung freilich ist es nicht, und deshalb soll, ehe der Ueberblick über die„brauchbaren" Jugendbücher sortgesetzt wird, noch erst aus eine Märchensammlung„Alle guten Geister" von Will Vesper(Gerhard Stalling Verlag, Oldenburg) hingewiesen »verden. Man kann das Buch Siebenjährigen schenken, und man verantwortwigsb�weillt ausgesuchte Bücher für die Leser unserer Zeitung! Bei Büchern kommt es in erster Linie auf ihren I n h a 1 1 an. Ein Buch, das man nicht zwei oder mehrere Male lesen möchte, lohnt nicht, daß man es überhaupt gelesen hat. Es wäre auch uns ein leichtes, auch nur die üblichen Allerweltsbücher in bestechender Aufmachung anzubieten. Wir lehnen das ab. Wir haben von den Büchern die in den letzten Jahren auf dem Markt erschienen sind, eine kleine, aber verantwortungsbewußte Auswohl getroffen, deren Titel wir hiermit zur gefälligen Kenntnis unte-breiten Wir bitten alle unsere Leser um recht baldigen zwanglosen Besuch unserer Buchhandlung. Im Behinderungsfalle diene diese Anzeige als Bestellschein.(Versand 32 nach auswärts per Nachnahme.) Mi» Hilfe des Buches zur Klarheit über Politik� Geschichte, Wirtschaft und Arbeiterbewegung Grundbegrikle der Politik Von Fr. SJompfer. Ganzleinen...._____ .... M. 4,50 von dor Die Entwicklung dos Seiialismos Utopie zur Wissenschaft Von Friedrldi Engels. Broschiert............ M. 0,80 Ethik und materialistische Geschichtsauffasung Von Karl Kautsky. Gansleinen........... M.3,— Der Aufstieg Von Franz KlüHs, Führer durch die Gesdiichte der deutschen Arbeiterbewegung. Gebunden.... M. 2,50 Lassalle, Auswahl seiner Boden und Schriften Nebst kurzer Biographie und geschichtlicher Einführung von Dr. K. Renner. Ganzleinen........ M. 6,— Bebel, Aus meinem Leben Ein großes Stüde Geschichte der sozialistischen Arbeiterbewegung, B Teile in einem Bande. Ganzleinen M. 8,50 bzw. M. 475 Die Frau und dor Sozialismus.. August Babels weitberühmt gewordenes Buch. 198. bis 210. Tausend. Ganzleinen............ M. 7,50 Dio proletarische Frau und ihre Erziehungsaufgabe Von Henny Schomochar. Kartoniert........ M.(MJu Ein steiniger Weg Lebenierinnerungen von Ottilie Laader. Neoauflagc. Kartoniert.................................... M.1,50 Ich bekenne Von Klara MuHer-Jahnke.................. M. 2,— Die Revolutionen Europas Von Otto Rühle. Drei reich iifusfr. Ganzleinenbände im Lexikonformat. Jeder Band nur noch.... M. 6r~ Der FUnfjahresplan Von A. Jugow. Eine sodilich-kritisdte Untersuchung. Kartoniert....................... M. 1,75 Der Bolschewismus in der Sackgasse Von Karl Kautsky. Kartoniert.............. M. 2,40 Reise nach Tuwa Von Dr. Mänchcn-Helfen. Dieses ausgezeichnete Rcisewerk zeigt die Methoden bolschewistischer Außenpolitik. Halbleinen, Großformat, illustriert. M.4,80 bzw. M.3,- Der Todeskampf der Freiheit in Italien. Von Pietro Nenni. Der Leidenswea der italienischen Arbeiterschcrft unter der Herrschaft des Faschismus. Dautsehland und die Weltwirtschaft Von Gregor Bienttodt. Ganz). M. 3,80, kort. M. 2,80 Romane soiiolen und proletarischen Charakters Theo lad Trlll Der große Lügner. Eine didilerisch ausgezeichnet ___ fli gelungene und soziologisch gezeidtnete Entwidc fungsgeschichle eines Nazilührers von Erich Herrmann. Ganzl.................."..._____ nurM.2,85 Andersen-NexB, Bornhalmer Novellen Ganzleinen.............................. nur M. I,— Bauer, Kameraden, zu euch spreche Ich Gedichte. Ganzleinen........................ M. 3,— Dabftt, Hotel du Nord— Paris Geschichte eines kleinen Parisar Hotels, illustriert, Ganzleinen.................................. M.4,— Das lebon der Marie Szameltat Von J. M. Frank. Thema§ 218. Ganzl. M. 4,80 0. M. 3,- Der Dollar steigt Bilder aus der Inflationszeit von Felix Scharrel. Ganzleinen................. M. 4,80 bzw, M. 5,— Wöhrle, Das Rattennost Gef&ngnisgesdiichte. Ganzleinen M. 5,- Von unten auf Das Buch der Freiheit. Von Franz Diederich. Neu bearbeite! und bis zur Gegenwart ergänzt von Prof. Anna Biemsen. Ganzleinen.......... M. 10,— Einige ausgesuchte Bucher für Kinder und Jugendliche Dia Rutschbahn Ein fröhliches Sportbuch für Vier- bis Achtjährige. Bunt, lustig und kindgemäß. Großformat mit Leinen- rücken...................................... M. 1/90 Flick, Flock, Flaum, dio Zworgo Gebunden.................................... M. 240 Was wird aus Waldemar Was tut Marianne lustige Kindererlebnisse. Halb). Jedes Buch M. 170 Muz, der Riese Ein heileres Abenteurermärdten für Zehn- und Mehrjährige. Halbleinen.......................... M. 2,50 Peter Stell, Ein Kindorlobon und seine Fortsetzung i Peter Stell, Der Lehrling Kartoniert je.................................. M. 2,25 Menschen und Menschenkinder aus aller Welt Von Prof. Dr. A. Siemsen. Halbleinen........ M. 3,— Das Buch der Mädel Von Prof. Dr. A. Biemsen. Gebunden........ M. 2,50 Kinderland Das bekannte jahrbudi für die arbeitende Jugend. Jahrgang 1932. Gebunden.............. M. 1,50 PARTEI RUCH HANDLUNG I H W DIETZ Nachf|9" Berlin sw 68' Lindenstraße 2 Bm, I Sbr| 0■■ I I I wSW■■ ww B w• W w•■ BB I mJB Taglich geöffnet von 8'yV— 13 Unr— Sonntoo, den 13. und 20. Dezember von 15— 19 Uhr ik Ausstellungen: Siedlung Britz, Fritz-Reuter-Alle-e 43; Siedlung Carl Legten, Jäckelstraße 10; Siedlung Afa-Hof, Köpenicker Landstraße 149 •. Geöffnet Sonnabends und Sonntags von 15—19 Uhr fottn, sofern man das GeS» Wrig hat, es sich selber ftmfe« urf» de» Bänden Srimin und Andersen im Bücherschrank einen würdig«» Nachbarn geben. Eine wunderschön« unverwässerte Ausgab« von »Münchhausens wunderbaren Reisen und Abenteuern- des gleich«» Berlages verdient ebenfalls Anerkennung. Bis jetzt war hauptsächlich die Rede von Jugendbüchern, die Anspruch daraus erheben können, als Dichtungen gewertet zu wer- den. Der Maßstab dafür? Daß der Autor immer genau so alt ist wie sein Leser, und daß er mit ihm wächst von Jahr zu Jahr. Denn er ist ja als Person gar nicht ovrhandcn, er steckt ganz und gar in seinen Geschichten. Anders ist es bei den„brauchbaren" Jugendschriften. Die sind nicht von Dichtern erlebt, sondern von Erwachsenen geschrieben, die es gut mit der Jugend meinen und die manchmal wrch recht tüchtige Pädagogen sind. Sie unterhalten und belehren, aber man spürt immer ein kleines bißchen mindestens, daß da ein Erwachsener steht, der bereit ist, warnend den Zeigesinger zu heben und zu sagen: das weiß ich besser, und dem man meist sehr rasch hinter sein gekünsteltes naives Lächeln kommt. Zwei solcher gut- gemeinten, aber völlig belanglosen Bücher sind der Jungmädchcn- roman van Glfried e Brandt»Vier finden ihren Weg"(Uni- versitas Deutsche Bsriags-A.-®., Berlin) und die Kindergeschichte von Else M o r st a t t„Dick und Rick in Afrika" s.yugo Wille, Berlin). Zlußerhalb aller Gegenwart steht auch die Geschichte von ch e d w i g Lohß„Momba, die Schildkröle"(Friedrich Andreas Perthos, Stuttgart). Beachtenswerter sind zwei Bücher, die der Orell Füßli Verlag herausbringt: Eugen Scheute?„Trndi und Böosel" und Joseph Wiß-Stäheli �Mil Sack vud Pack zum Zapfeuberg". das eine für Mädchen, das andere für Jungen von etwa acht bis zwölf Jahren. Beide Bücher geben den Eindruck, daß heitere, brnreradschastliche Lehrer aus ihren praktischen Schule rsahrungen Geschichten geformt haben, um, wie sie es täglich tun, Verständnis- voll zu erziehen. Da die Bücher sich wirklich nett lesen, werden nicht nur Eltern, sondern auch Kinder dafür dankbar sein.* Mit drei neuerschienenen Märcherchüchern ist wenig anzufangen. Richard Zoozmann braut in„Der klingende Garten" und „Der Märchcnbaum" aus alten Rtärchenzutaten seine Geschichten, die er als guter, frommer, weltfremder Großvater mit etwas dünner Stimme erzählt(Franz Borg-meyer Verlag, Hildesheim). Roch unbedeutender ist die Märchenjanuntung von Margarete See- mann„Turmpcler"(Schulbrüdcr Verlag, Kimach-Billingen). Ein Mäuscmärchen in Versen.Llips und Flitsch, die beiden Auswanderer." von Aenne Mey, das ebenfalls bei Franz Borg- meyer verlegt wurde, kann Fünf- bis Achtjährigen einige Freude machen. Wem» auch Kinder im vorschulpflichtigeu Alter noch keinen rechten Sinn für das ganze Märchen haben werden, so dürsten sie doch Vergnügen an einzelnen Abschnitt«» und an den lustigen Bildern finden. Künstlerischen Ansprüchen genügen allerdings die Bilder ebensowenig wie die simplen Verse. T. E. Schuir. Bücher von Tieren. Eine Bücherserie„Das Tier und sein Schicksal" wird vom Orell Füßb Verlag angekündigt. Di« ersten beiden Bände sind bereits erschienen! von H. Mortimcr Batten„Tiere begegnen uns". von F. St. Mars„Xier unter Tieren". Die Bücher sind nicht nist für jugendliche Tierfreunde bestimmt, aber sie haben für jugend- liche Leser ganz besonderen Wert. Denn in allen diesen Tier- geschichten wird das Tier als Tier gezeigt. Die Verfasser belauschen es in der Natur, der es angehört: es gibt in ihren Schilderungen keine Vermenschlichung der Tiere, keine moralischen Wertungen. keine sentimentalen Vorurteile. Man lernt viel aus diesen Büchern, nicht nur über das Leben der Tiere, die darin geschildert sind, son- Hern auch über ihre Umwelt, die mst ihnen lebt und atmet, wächst, vergeht und in ewigem Kreislauf sich neu gebärt. Wer für Bücher solcher Art Sinn hat, der wird auck) freudig begrüßen, daß von der Franckhschen Vcrlagshandlung Stuttgart für Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde, Erncst Thompson S e t o n s klastische Tiergeschichtensammlung„Dingo" neu aufgelegt wurde. Setons Erzählungen stellen geringere Ansprüche an die Konzentrationsfähigkeit des Lesers als die von Mars und Batten; für Jugendliche von elf bis vierzehn Jahren ist daher Setons Buch besonders geeignet. Erwachsenere oder mindestens naturkniidlich besonders interessierte Leser fordert das im gleichen Verlag er- schienene chestchen„heimliches Volk" von Dr. Heinrich Schütz, das in klarer, anschaulicher Sprache von Tieren in Wald und Feld erzählt.— A. T h. Sonnleitners„Höhlenkinder im heimlichen Grund" wurde ebenfalls für die Kosrnos-Gesellschasi neu aufgelegt. Die Geschichte der beiden Kinder aus dem 17. Jahrhundert, die vor dem Hexenwahn, der sie verfolgt, in die Gebirgseinsamkest flüchten und hier, von der Not gezwungen, die Entwicklungsstadien der Menschheit noch einmal durchlaufen, ist spannend und lehrreich. Allerdings wäre es zu wünschen gewesep, daß ein Anhang die Er- Zählung durch kurze sachliche Aufklärungen ergänzt hätte. Solche Erläuterungen zum Text finden sich reichlich in dem Buch„Abenkeuer aus der Ralur" von Dr. Gg. Victor Mendel (Verlag von Richard Bong, Berlin-Leipzig). Aber hier ist des Guten ein wenig zuviel getan. In Märchenform wird von Tieren, Pflanzen und Dingen berichtet. Der Verfasser gibt ihnen zu ihrer menschlichen Sprache auch eine sehr vermenschlichte Gedankenwelt und ein den Leser häufig ermüdendes Interesse an allen natur- wissenschaftlichen Einzelhesten ihres Daseins. Der naiv kindliche Märchenstll des Buches paßt zudem nicht zu seinem Inhalt. Zwei heftch»», erschienen im Verlag des Reichsverbandes für Deutsche Jugendherbergen, wenden sich an alle Iugendwanderer, „Ränzlein 1932" an die kleineren.„Freudenborn 1932" an die größeren. In den nett ausgestatteten, wohlfeilen 5)eftchen sind — neben manchem Belanglosen— manche lockenden Wanderberichte und manche guten und nützlichen Anregungen zu finden. T. E. S. WO erhalt man dia hlar angazeiglen BÜChOrT Inder Buchhandlung Dietz Berlin SW 68, LiitdenslraBe 3 Die weite, wilde Welt..L Erzähler, die fich an die Zungens wenden. Seit zwei, drei Iahren steht in der Jugenkllsteratur der rote Rtann Nordamerikas, der Indianer, wieder hoch im Kurs, wiewohl ihn die Jugend fest Jahrzehnten lieft imb nicht vergessen hat. Fritz Steuden rückt ihn in seiner Jndianererzählung„Der rote Slurm"(Franck'sche Verlagshandlung, Stuttgart) mit dem Werkzeug des Geschichtsforschers und des Volkerkundigen zuleibe, und da er ein gewandter und spannender Erzähler ist, gewinnt auch diese Erzählung ans den ersten Jndianerkriegcn um den Ono aus dem Jahre 1771 Gestalt und Leben. Stenden macht niemals aus seiner unbedingten Sympathie chehl, und er zeichnet sie mit aller Liebe und Hingabe. Ein gutes und empfehlenswertes Buch für die reifere Jugend. Don ganz aitderer Art ist das Buch von Torry Gredstedt: Paw. der Indiauerjunge, ans dem Dänischen übersetzt von Georg Bachmann(Hermann Schasfstein-Köln). Paw ist der Sohn eines dänischen Matrosen und einer indianischen Mutter(aus dem Jndianergebiet Guayanas in Südamerika), der nach Europa kommt, wie ein Windling aufwächst und allen europäischen Erzichungs- künsten spottet. Mit Meisterschaft schildert Gredstedt, wie sich in dem Jungen das wilde hidianische Blut durchsetzt, und wie er, von allen Seiten gejagt, ein vollkommen Einsamer, der Stimme seines Blutes gehorchend, dennoch sein ihm eigenes Leben lebt und nicht untergeht. Mit feinstem Verständnis für die Psyche unserer mo. dornen europäischen Jugend ist«z gezeichnet, wenn Gredstedt seinen jungen Helden in die Hand eines dänischen Pfadfniders kommen läßt, der als einziger van allen Jungen und Wen Verständnis für den Jndianersprößling hat und in kainerudschaftlicher, menschlicher Verbundenheit dafür sorgt, daß er zurückkommt in seine Heimat, in die absolute Freiheit des Urwaldes. Eine Serie eigenartiger und bemerkenswerter Jugendbücher gibt der Verlag Orell ä Fuhli in Zürich und Leipzig in seiner Sammlung:„W as Jungen erzähle n" heraus. Da ist zuerst zu nennen das Buch des Ibjährigen sächsischen Gymnasiasten Hans Huf f z k y. Wir durchstreifen Bulgarien. Es sind keine großen Abenteuer, die huffzky mit seinen neuen Pfadsinderkameraden mis dem Balkan und besonders in Bulgarien erlebt, unbeschwert von für eine solche Reise notwendigen geschichtlichen, wirtschaftspolitischen. kulturellen und volkskundlichen Vorkenntnissen. Wie aber diese zehn Jungens zusammenhallen und zu einem starken, einzigartigen Iugenderlebnis kommen, wie sie sich in dem fremden Lande zurecht- finden und wie sie mst den Fremden auskommen, das ist lesenswert. auch für Ellern und Aellere. Sehr schön, wie der junge Verfasser aus einem gesunden, reinen und anständigen Mannestum heraus zu einem Friedensfreund wird. Rolf Jialiander schildert in einem Buch desselben Berlages, wie er das Segelfliegen erlernte. Er kommt berests äls Fünfzehnjähriger in die Flieger- schule in Rossitten(Ostpreußen). Was er dort erlebte, versteht er seinen jungen Kameraden nahezubringen. Im Vergleich dazu ist die im Vorwort verzapfte Wersweishest des Staatsministers a. D. Dmnmicus, der erklärt, daß der Sogelflug ein stolzes Zeugnis für die Leistung deutschen Geistes trotz schwerster äußerer Vfr- drückung sei, nebcnsächiuh und überflüssig. Ebenso peinlich wirkt es, wenn sich in dem drlltcn Jungenbuch David Martin„M-t Gros Luckner auf hoher See" Herr Luckner auf dem Titelbild im Schmuck von 35 Orden vorstellt. Das Buch schildert die Erlebnisse von Iii deutschen Pfadfindern auf den Bermudainseln Trinidad, Martinique, Havanna, und ist besser als dieser Anfang. Die Universitas Deutsche Vorlag A.-G. bringt zwei hübsch« Bücher von Jacques London heraus: Die Teufel von Fvatina (aus dem Hauptwerk„Sohn der Sonne") und„Die Goldgräber von Zukon"(aus dem Hauptwerk„Sohn des Volkes"). Uncntdeckte Geheimnisse der heimatlichen Natur enthüllt Erich .Kloß in seinem Buch„Das Gchelmuis der Schilfbuchl"(Fritz Schncider-Verlag, Berlin). Geschult an den glänzenden Vorbildern von Hermann �ions und Svend Fleuron lernen wir das wilde, abenteuerliche, im Grunde genommen der Lebenserhaltung gewidmete Leben der Fischwclt kennen. Wer selber die Angelrute zu handhaben versteht und wünscht, daß sein Sport auch anderen verstand- lich werd«, der kann nichts Besseres tim, als dieses onsgezeichnete Buch in die Hände seiner Kinder zu legen. Ulster den wertvollen Neuerscheinungen der Jugendliteratur ragt ein für die junge deutsche Generation geschriebener Kriegsroman von Rudolf Frank und Georg Lichsy„Der Schädel des Regerhäupilings Makaua" hervor(Verlag Müller& Kiepeicheuer, Potsdam). Deutsche Truppen kommen beim Vorgehen im Osten im herbst 1914 in ein verlassenes rufsisch-polnisches Dorf, in dem sie einen elternlosen Knaben mst seinem Hund auftreiben, der sich der Truppe anschließen darf. Jan Kubitzki wird der Liebling der Kam- pagnie; er geht mit den Soldaten durch Dick und Dünn, kommt schließlich mit ihnen nach dem Westen und hält sich so ausgezeichnet, daß er die deutsche Einbürgerung bekommen und in die Armee eingereiht werden soll. Da aber ist er plötzlich verschwunden und einem nachdenklichen Offizier wird es klar, daß dieser Jung« als Soldat seine Natürlichkeit und seine ehrliche reine Menschlichkest verloren hätte. Das Buch zeichnet sich durch eine schlichte, leiden- schastslos männliche Sprache aus. Nichts wird beschönigt, nichts verheimlicht. Es ist aber auch weit entfernt, nur cm« Darstellung blutiger Greuel zu sein. Drei gute und brauchbare Bücher bringen der männlichen Jugend die Probleme der zeitgemäßen Technick nah«.„Das Buch vom Fliegen"(Franckscher Verlag, Stuttgart) ist«in« leicht les bare Monographie über das gesamte Flugwesen;„Der Platz des Führers"'(im gleichen Verlag) gilt dem Besuch auf Führerständen neuzeitlicher Beförderungsmittel. Das immer interessant« Auto, Eialaduu g zur ordenil. Au$schu£«ttzung dir MWdziiiMZLS der Stadt Berl'o am Montag, bum 21. ve»-md«r 1931. Uta 1» Uhr. tat ÄalHanfe jn Berlin gönigstr.li 18, Cing, gühenfir.(Süntncr 109; Tagesordaung: t. Scritfrt ÜB« Bit fflnaaslflfte.' 2. ffertfcjung de» Boianlchlag» für das Rechntingsjahr 19S2. st Wahl dt, Rtckmuit a-au-schugt» zur Prüfung der Rechnung 1981. 4. Sagungeändtrimg. 8. Perichltdtnts. Anfrage»»der Befchwerde», z» deren Erlediauug Llteneiusicht oder-uderwette Festütuungcn erforderlich sind, müsse» mindestens drei Ta« vorher beim Bar. sitzenden desBorstande» eingereicht werden Bor der Sitzung findet uv» 11 Ahr tu dcnfelbea 3 immer de» Aalhaufe» die übliche Vordefvrechung unter de» Ans- fchußmiigliedern fiatt. Pünklliche, Erscheinen ifi dringend nod wendig, da die Benutzungszest de, Zimmers beichränlt ist. Berlin, den Id. Dezember 1931. Oer Vorfltzeudr de,«orsiande» der Beirievslrauke-ckass- der Stadt Berlin. im �'„Betten Kid erb., Polster, ChaUeU dn jeden, Teil«, üüoe IreL Kiaenmöbelfabrtk Sohl(Tbfiaj «W» HodiaHtueiieBacnar! Wie wuröe ein neuer Krieg aussehen? Untersuchungen, eingeleitet von der Interparlamentarischen Union, Qenf. Kartoniert RM 9,60. Dieses Buch, von kompetentesten Persönlichkeiten aller Länder zusammengestellt, will nicht erschrecken, aber auch nicht mildem. Es will nur sachlich darstellen, wie ein neuer Krieg aussehen wUrdo, Sie Sucher über Riebe unö Ehe von Br. Marie C. Slopes, „Dr. Stopes, der wir die freimötlgen EhebQcher verdanken, spricht Ober das heikle Thema— heikel im Sinn, derer, die so geistig arm s nd, daB sie Natur nicht mehr von Unnatur unterscheiden können— mit dem ganzen wissenschaftlichen Rüstzeug und der praktischen Erfahrung des Mediziners, mit dem leinen Takt und dem Respekt vor seeliscnen Imponderabilien, wie er einer Lady angemessen ist, und mit dem Einfühlungsvermögen des geborenen Seelenforachers."(Morgenzeit ang für Magdeburg) Eine tapfere, Kluge Frau spricht offen zu Eheleuten« »i..: Das Riebesleben in öer Ehe Ein Beitrag zur Lösung der sexuellen Präge. Uebersetzt von Franza Fellbogen 184 Seiten. Geheftet RM 3,20, gebunden RM. 4,40. b«.!: Weisheit in öer Forlpflanzung Ein Buch für Ehepaare. Uebersetzt von Franza Feilbogen. 73 Selten. Geheftet RM. 2.~. gebunden RM, 2,80. Bd. 3: Glückhaste Mutterschaft Ein Buch für alle, die an der Zukunft scharfen. Uebersetzt von Franza Fellbogen. 280 Seiton, Geheftet RM. 3,60, gebunden RM. 4,80. Bd. 4: Äollenöetes Eheglück Weitere Beiträge zur Lösum sexueller Schwierigkeiten. Uebersetzt von einem Arzt 169 Seiten. Geheftet RM 3,20, gebunden RM. 4.40. In jeder Buchhandlung erhältlich. Verlangen Sla kostenlos unsere Sonder-Prospekte. ORELL PUSSLI VERLAR ZÜRICH/LEIPZIG /Vanwev? W5S. WIlHElMSTRASSl AN DER LEIPZIGER 9n?AS Wie biuiq zu Weih wachten SEI KAUF JETZT SCHON 1 O 0/o OER NOTVERORDNUNG HERRN Für das KIND Für den Für die DAME EQzinMSf'Tepp�«»x»» m. 127.- Staubsauger---- m. HerrenzimmeMeppidi aMx mÜ Brücke Fellvoriage i«x«. m. 15.. M. 9,. Sfragula-Teppich looxiso w. Q.Bilder-Teppich 130 x 70,.M.14.- Schnitz-Linoleum gratis Quantmeve1 AN DER LEiPZIGBi&RA!,: Für die KOCHE Linoleum- Läufer accTE-A Cocos-Läufer SV /0 das noch interessantere Fkagzeng und dt» Sotomottve««de» ht ihrer zum Teil außerordentlich komplizierten Apparatur geschildert. In dem„Buch vom Iilm"(Ä. Thieneinanns Verlag, Stuttgart). delsen zahlreiche Bilder leider nicht besonders gut geraten sind, cnt» rätselt Werner Gräff die geheimnisvolle Welt des Films. Ein„Neues Baffelbud)", ein Wegweiser für Handfertigkeit, Spiel und Arbeit, ist auch in diesem Jahr wieder im Franck'schen Verlag erschienen. Es setzt die wertvolle Tradition der bisher er- schienenrn fort und zeichnet sich durch einen auf das Notwendigste beschränkten Text und übersichtliche Bilder aus. Anregungen mannig- facher Art werden geboten: Selbstherstellung von Schlafzimmer- möbeln, die wichtigsten Holzverbindungen, Buchbinderei, Oelsarben- anstrich, Vernickelung, Aamcrageheimnissc, das Aetzen von Metallen, Herstellung eines Tischtennis und andere schöne Dinge werden an» schaulich geschildert. Die„Reisen mit Dr. Ueberall'(Verlag Williams& Co, Berlin- Grunewald) führen den jugendlichen Leser über den ganzen Erdball und darüber hinaus auf den Mond. Wie das Buch des Dr. Ueberall führt auch das neue Jahrbuch für Kultur, Sport und Technik, getreu seinem Titel, den jugendlichen Menschen„Durch die weite Welt". ?iur ist hier alles viel umfangreicher und ausführsicher. Das Buch beginnt mit einer spannenden Erzählung der Abenteuer und Cr- lebnisse eines deutschen Frcmdenlegionärs. Die Schilderung eines Besuches in dem unterirdischen Glauchau in Sachse» zeigt z. B., daß man selbst in Deutschland noch phantastische Erlebnisse habe» kann. Die technisch- phantastische Erzählung eines rätsslhasten Fluges eines mit Bewohnern des Mars besetzten Weltrauniflug- Zeuges schlldert sehr hübsch Hans Rosen st cngel(Verlag Karl Thienemann). alter Trojan. Jean(xiono:„ßirnfc*. Der Roman eines neuen frairzosischen Dichters, Jean Giono, „Ernte"(S. Fischer Verlag Berlin), führt uns in ein Dorf, das hoch oben im südlichen Alpenvorland gelegen ist. Ein Dorf?— Gewiß, einmal war es ein Dorf mit Arbeit und Fleiß und Men- schen die Vieh züchteten und fruchttragende Aeckcr bestellten. Aber wenn der Dichter seinen Roman beginnt, ist das Dorf menschen- und tierocrlassene Wüstenei— tiefe, schmerzliche Einsamkeit. Die drei einzigen Menschen, die auf Scholle und Haus verblieben: Ein alter Schmied, der nichts wehr zu schmieden hat, aber trotzdem noch immer fröhlich auf den Amboß hämmert— bloß uin den Klang zu hören. Mamcschc, die alte Italienerin, deren Mann und Kind am Grunde des Brunnens, den einst ihr Mann gegraben hat, liegen, und Panllirl, ein wilder, struppiger Geselle, der wie ein Rückstandsgebilde aus Urmenschenzeit haust und nach Tieren jagt, dabei einfältig und gut, ein erwachsenes Kind, ungebärdig wie die Natpr, voll gärenden Saftes. Pantürl, noch mitten im Chaos der Schöpfung, drängt nach höherem Inhalt seines Lebens, ganz in- jtinktiv: sein Blut rauscht, seine Energien verlangen ihren zweckvollen Gebrauch, er muß sein Schicksal erfüllen, das Schicksal der Menschheit, deren Lebenszweck und-erhaltung nicht in der Ver- nichtung, sondern in der Zeugung besteht. Die Wandlung Pantürls vom Jäger zum Bauer ist der Inhalt des Buches Ein Minimum von äußerer Handlung und doch von so viel Bewegung und Aktion. Herrlich, wi» Pantürl sich ein Weib raubt und wie sich aus dieser Zweiheit ein Leben aufbaut. ganz mählich, aus den primitivsten Uranfängen: wie diese beiden Menschen in ein eneues Leben von Arbeit und Kampf um die Erde hinein- wachsen. Und dann die Ernte, der immer wiederkehrende, lebenbezwin- gciHe Sieg des Menschen! Pantürl hat Ocdnis und Brachland be- zwungcn. er steht, am Gipfelpunkt und zugleich am Anfang seines Lebenswerkes. Der Dichter dieses unvergleichlich schönen Buches gehört der jüngsten französischen Epikergencration an. Es ist aber sehr schwer, ihn in irgendeine Literaturrichtungskaste einzureihen. Er ist ein Abseitiger, der keine hypertrophisch psychologischen Probleme wälzt, sondern einfach und doch mit einer leidenschaftlichen Inbrunst von den ewigen Dingen der Natur erzählt. Die Natur— sie ist der eigentliche Held seines Romans. Sie ist nicht Hintergrund, vor dem er Menschen und Schicksale agieren läßt, sondern sie ist der Grund- stoff, aus dem sich die Menschen formen,— das Schicksal selbst. Bücher wie diese bringen uns wieder in ein näheres Verhältnis zur Natur: das ist in unserem überzioilistertcn Moschinenzeitaltcr der einzige Weg zur Gesundung. Die Uebersetzung des Romans stammt von Ferdinand Hardekopf. Vorbildlich sauber und von stärkster Einfühlung in das Original. Friedrich Lichtnekcr. Peter Freuchcn: Hoch droben, in den eisigen Breitengraden, auf geradem Wege zum Nordpol hin, wohnen einfache, erdnahe Menschen und fechten ihren Existenzkamps aus, eine» Kampf, der nicht mittelbar ist und von Mensch gegen Mensch, von Institution gegen Institution geht, sondern unmittelbar gegen die Natur: gegen den Himmel und das ewige Eis. Diese immer vom Hunger- und Kältetod um- klammerten Menschenkreaturen mit dem gelblichen Teint und den breithervorragenden Backenknochen schrapen Speck von Robben- fellen, legen Bogelruten aus, stellen Fuchsfallen auf, trocknen Rar- Walfleisch, schießen Schneehühner ab, stechen Löcher ms Eis und awrftt ÄBber Hinein, bauen sich Schneehütten, tischlern sich müh- selig, denn es herrscht meistens Mangel an Holz, Schlitten und Kajaks, ihre kleinen Ruderboote, zusammen. Da» ist ihr Alltag. Peter Freuchen, längst anerkannt als Experte auf dem Gebiete der Polarliteratur, erzählt in einem neuen, in der üblichen geschmack- und liebevollen Ausstattung von der Büchergild« Guten- berg herausgebrachten Buch, betitelt ,,I v a l u", wiederum von diesen wetterharten Gestalten im Polareis, ihren?iöten und Lebens- sorgen, ihren Gepflogenheiten und auf die„Weisheit der Bor- fahren" zurückgehenden Anschauungen. Joalli, um die das Buch herum geschrieben ist, ist«in junges Cskimomädchen, der das Glückhaftestc geschieht, was ihresgleichen geschehen kann: ein Mann aus den südlichen Erdeuregionen, jenen für sie durchaus sagenhaften Gegenden, einer aus der hochgeachteten Rasse der„weißen Männer", lommt und nimmt sie, die Parsisal- reine, Parsifal-einsältige kleine Jvalu zur Frau. Uebrigens ist der „weihe Mann" Peter Freuchen selbst, und die Geschichte, die er erzählt, der Roman seiner Ehe. Eines fällt, wie bei den anderen, so auch bei diesem Buche Freuchen« auf: Der düstere, schwere Ernst, der es überlagert, das Fehlen aller Heiterkeit, aller Leichtigkeit. Seme Menschen reden eine wohlabgewogen«, umständliche, an da» Pathos homerischer Helden anklingende Sprache, die für die echten Eskimos schwerlich charakteristisch sein dürfte. Man ist geneigt, Freuchen mehr für eine Forscher- denn eine Reporternatur zu halten. IIsnz Lauer. «urt Hiclscher: Dänemark, Schweden, Norwegen*) Der Entdecker des unbekannten Spanien hat seine Kamerajagd züge fortgesetzt. Auf Deutschland und Italien sind setzt die nordi- schen Länder gefolgt. Drei Jahre ist, von den Regierungen geför- dert, der längst anerkannte Länderphotograph herumgezogen. Seine Beute aus Landschaft, Baukunst, Volksleben waren 4100 Aufnahmen: die besten davon werden auf ZStz Seiten in vollendetem Kupferties- druck großen Formats geboten. Karin Michaelis, Selma Lagerlöf und Sigrid Undset haben einleitende Worte beigesteuert zur Charakte- ristik ihrer Heimatländer. Sonst kein Text. Erfreulicherweise nicht nur Prunkstücke von Schlössern, Kirchen und kunstgeschichtlicher Trödel. Auch die kleine Landstadt, vor allem die Landschaft(bis nach Spitzbergen hinauf), das Bauerntum, die Volkstrachten, die Lappen werden eingefangen. Die Stimmung jeder Jahreszeit ist malerisch erfaßt. Herrliche Bilder aus Architektur, Landschaft und Volkskunst(Holzbauten Norwegens) entzücken das Auge. Aber ein letzter Schritt ist noch zu tun: moderne Architektur, Großstadtleben, das Volk bei der Arbeit(Fisd)fang bei den Lofoten, Bergbau im Nordlande, Häusler in Jütlond z. B.) sind mindestens so wichtig und interessant wie Wasserfälle, Stabkirchen oder Hünengräber, und sicher würde Kurt Hielscher auf diesem Gebiete Neues und Sehenswertes genug entdecken. R. Ii. O. *) F. A: Brockhaus, Leipzig. Ganzleinen 24 M Roulette und so... Die Franckhsche Verlagshandlung, Stuttgart, bringt zwn Preise von 1 Mark ein P f ä nd e r r o ul e tte heraus, in dem das aus den Spielsälen vom Hörensagen her bekannt» Rad die Roll» de» Richters übernimmt, der die Strafe bei der Pfänderauslösung diktiert. Für Lernbegierige und Freunde der Technik zwar nicht unent- behrlich, aber recht interessant und aufschlußreich sind die von der Franckhschen Derlagshandlung herausgebrachten Drehmodelle, von denen uns ein„Zweitaktmotor" vorliegt. Allerding» wäre wünschenswert, daß der Preis von 1,20 Mark den absteigenden Kurven unserer Zeit folgt. I-— e. Kalender und Almanache. Berliner Kalender 1932. Rembrandt-Derlag, Berlin. 2.2S M. Deutscher Garten- und Blumenkalcnder. Rembrandt-Berlag. 3, SO M. Elli Petersens Hunde- und Katzenkalcnder. Aerlag Knorr u. L)irth, G. m. b. H.. München. 1,95 M. Deutscher Bierkalender. Verlag Knorr u. Hirth, G. m. b. H., München. 2,75 M. Deutscher Schulkalender. Verlag Knorr u. Hirth, G. m. b. H., München. 1,95 M. Bards Kunstkalender. Verlag für Literatur und Kunst, Berlin. 2,80 M. Kunst und Leben 1932. Berlag Fritz Heyder, Berlin-Zehlen- dorf. 3,50 M. Kartenkalender für das Goethe-Jahr 1932 von Dr. E. W. Schmidt. Verlag Georg Schauer, Berlin Schöneberg. 1,50 M. Deutscher Kalender 1932. Buchdruckerei und Verlogsanstalt Carl Gerber, München. 2,50 M. Die Frau unserer Zeit 1932. Herausgeberin Frieda Rädel, Safari- Verlag, Berlin. Gesellschaft und Wirtschaft 1932. H. C. B. Sommer— Ad. Wilh. Bauche. E. Laubsche Verlagsbuchhandlung G. in. b. H., Berlin 2,— M. Deutscher Wirtschaftslalender 1932. Herausgegeben von der Deut- schen Weltwirtschaftlichen Gesellschaft E. V. Kurt Vowinckel Verlag G. m. b. H., Berlin-Grunewald. 3 M. Deutscher Reichsbahnkalender 1932. Deutsche Reichsbahngesellschast, Hauptverwaltung, Berlin. Deutscher Reichspostkalender 1932. Konkordia-Verlag, Leipzig. 4,— M. Deutscher Luftsahrtkalender 1932. Herausgegeben vom Deutscheu Luftfahrtoerband E. 33., Berlin. Deutsches Wandern 1932 Reichsverband für deutsche Jugend- Herbergen, Hilchenbach i. Wests. 2,— M. Kosmostalendcr 1932. Franckhsche Verlagshandlung, Stuttgart. 2,40 M. Kalender des Auslanddeutschtums 1932. Herausgegebcu vom Deutschen Auslandinstltut, Stuttgart. 2,— M. Neues Deutschland, Kalender 1932 Verlag P. Riechert.Heide in Hannoncr. 3,— M. Neuer-Welt-Kalender 1932. 0,50 M. Der Ticrfreundkalender. Verlag: Das Tier G. m. b. S)., Berlin. Kalender für Geflügelzüchter 1932. Verlag Fritz Pfenningstorff, Berlin. Preis 1,— M. Sozialdemokratischer Abreißkalender 1932. ü- Almanach. S. Fischer Verlag. 0,50 M. Almanach. Orell Fühli Verlag, Zürich. 0,Z0 M. Amalthca-Almanach 1932. 1,— M. Phönix-Kalender für die deutsche Jugend. Phönir-Berlag Carl Siwinna, Berlin SW. 1,00 M. Kosmos-Taschenkalender 1932/33. Franckhsche Verlogshandlung, Stuttgart. 1,50 M. Technik voran! Jahrbuch mit Kalender für die Jugend. Verlag Deutscher Ausschuß für technisches Schulwesen. 1,— M. Hausfrauen-Taschcnkalender. 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Aus einem runden, gutmütigen Gesicht sahen zwei klare blaue Augen. Offene und freie Augen, die um Verständnis baten für eine Sache, die doch ganz einfach und natürlich war in ihrem Blick, und die so unheimlich drohend zu werden schien, wenn man die Rede des Anklägers gehört hatte. Mit stockender Stimme, jedes seiner Worte schien der Mann erst suchen zu müssen, begann der Mann. Scheinbar standen seine vätze in gar keinem Zusammenhang. Der Mann muhte das wohl selber spüren: denn jeder kleine Einwurf des Vorsitzenden ließ ihn verzagt abbrechen. Dann zeigte sich iinmer ein Zug gänzlicher Rat- losigkeit in dem einfachen, schon«in wenig verwitterten Gesicht. „Sehen Sie doch", so begann er fast feden der Sätze,„sehen Sic doch, Herr Richter, damals, als ich die Elisabeth geheiratet habe, da war ich doch schon über vierzig. Und die Elisabeth war achtzehn.— Vielleicht hätte ich es nicht tun sollen. Aber wer will immer an das Schlechteste denken?— Und sehen Sie. wenn man so nach Hause kommt, nach vier Iahren Krieg und Lazarett, und die Wohnung ist dreckig und verkommen, weil die Frau gestorben ist. Und wenn dann Nacht für Nacht das Bett neben einem leer bleibt... Ja, mehr ist doch gar nicht zu sagen.— Sehen Sie. Herr Richter, die Elisabeth hat mir die Zimmer ausgeräumt und für mich gekocht. Und wie ihr Vater gestorben ist, da haben wir ge- heiratet. Damals war ich noch Werkmeister bei Hamel und Winter. Und die Rente für den abgeschossenen Fuß haben wir ja auch noch gehabt. Mit einem Bein ist man kein feiner Kerl mehr. Aber es war doch ein sicheres und ruhiges Leben. Und ich habe die Elisabeth gern gehabt. Genau so wie heute. Und die Elisabeth hat mich gern gehabt. Ich bin ja fast älter gewesen als ihr Vater. Und Hab immer wie ein Vater für sie gesorgt. Wir hatten die ordentliche Wohnung. Kleider hat sie immer bekommen. An Geld hat's uns nie gefehlt. Jeden Sonntag sind wir in den Wald gefahren. Immer hat die Elisabeth es nett gehabt. Auch die Brosche von meiner ersten Frau und zwei Ringe habe ich ihr geschenkt." Der Mann machte eine Pause. Im Saal lastete die Mittags- Hitze. Der Schöffe hatte aufgehört seine Fingernägel zu reinigen und schaute jetzt interessiert dem Spiel der vielen Stäubchen im Sonnenlicht zu. Der Richter zog plötzlich eine Taschenuhr, hielt sie prüfend ans Ohr und verglich schließlich ihren Gang mit dem des großen Regulators an der Wand. Der Mann hinter dem Gitter auf der Anklagebank sah das alles. Seine hellen blauen Augen wanderten von einem zum anderen. Jetzt strich er ein Büschel Haare aus der Stirn zurück; man sah eine Hand, deren zarte Blässe nur schwer übereinstimmte mit der kräftigen, gesunden Statur des ganzen Körpers. „Die Elisabeth hat auch immer alles getan, was sie tun tonnte. Sie war eine gute Hausfrau. Sie ist auch eine gute Ehefrau ge- Wesen, die mich nie merken ließ, daß ich bloß ein Bein habe",.. Und zögernd, nach abermaliger Pause, in. der er wieder von weit her Gedanken und Warte zu holen schien.„Ja. sehen Sie,. Herr Richter, jetzt ist eigentlich alles gesagt. Sehen Sie. dann ist die Rente gekürzt worden, weil ich doch noch arbeitsfähig war. Und dann ist sie gesperrt worden, weil ich doch auch mein« Arbeit gehabt habe.— Aber das hat der Elisabeth nichts ausgemacht. Und mir auch nicht.— Und dann ist im vorigen Jahr eben unser Betrieb hier geschlossen worden, well sie rationalisiert haben. Sehen Sie, Herr Richter, die schließen heute alle Betriebe. Das kommt, weil keiner den anderen mehr kennt.— Was macht das dem Generaldirektor in Berlin oder in Amsterdam aus, wenn bei uns in Braunstadt der Betrieb geschlossen wird, weil er nur 17 Proz. statt<18 Proz. wie die anderen einwirtschaftet? Was wissen die Herren da oben von uns? Was wissen die, wie groß das Unglück wird wenn..." Die Stimme des Mannes war«indringlicher geworden, so daß einige Zuhörer aus ihrem Brüten aufzuwecken begangen. Die Bei- fitzer schienen mit größerer Teilnahme zuzuhören. Doch der Vor» sitzende machte eine kleine müde Geste der Abwehr. „Ich weiß, Herr Richter, das soll hier nicht her gehören. Ja. schön! Da haben sie eben rationalisiert und den Betrieb geschlossen! Unterstützung bekam ich nicht.— Sie haben ja Anspruch auf die Rente, hieß es. und die ist auch viel höher!— Nach ein paar Wochen ist die Rente dann gezahlt worden. 78 Mark im Monat. Die Miete hat 42 Mark gemacht. Dann haben sie uns die Rente gekürzt, well ja Not ist..." Wieder machte der Richter eine ablehnende Geste. So unbe- deutend sie war, schien sie dem Angeklagten hinter der Barriere �jede Energie zu entziehen. Die Augen wurden ganz dunkel vor meinem Gelde für mich gesorgt. Sie hat immer für mich gekocht und das Zimmer aufgeräumt. Sie selber hat es doch wieder besser gehabt! konnte sich mal ein Kleid kaufen, mal einen Rock oder einen Hut. Auch ins Kino haben sie sie mitgenommen. Das härte alles so bleiben können. Sogar als sie mehr Freunde gehabt hat und manchmal auch Fremde mit auf ihr Zimmer ge- nommcn hat— Ich bin ihr ja nie böse gewesen. Ich habe ja gar kein Recht mehr gehabt an sie. Drum ist das ja ganz falsch, was der Herr Staatsanwalt sagt mit der Kuppelei und meiner Frau. Ich habe nie etwas von ihr genommen. Sie hat mir auch nie was geben wollen. Ich habe ja gar nichts mehr von ihr verlangt, als daß sie bleiben soll, und mich nicht ganz allein lassen. Das ist alles falsch, was der Herr Staatsanwalt meint. Ich bin auch gar nicht gewalttätig. Ich habe immer recht gelebt. Ich habe drei Jahre tadellos gedient. Ich war im Krieg. Ich Hab nie mehr geschossen als notwendig gewesen ist. Ich bin gewiß kein gewalttätiger Mensch, Herr Richter! Aber das kam, weil ich allen Kummer in mich hineinfressen mußte. Weil ich doch zu keinem reden tonnte. Weil ich doch die Elisabeth nicht unglücklich machen wollte. Und so Hab ich geschluckt und geschluckt. Die Elisabeth ist halt doch eine andere geworden. Nicht daß sie nicht mehr für mich gesorgt hätte. Aber sie trug jetzt Kleider, die ich nicht kannte Sie hat jetzt Sachen geredet, die sie nicht von mir gehabt hat. Keine bösen Sachen; aber solche, die wir zusammen nicht geredet haben früher. Sie ist hall«ine Fremde ge- worden. Ich habe alles geschluckt. Und hätte es auch weller getan. Aber an dem letzten Abend, da hat die Elisabech wieder Besuch gehabt. Der hat Schnaps mllgebracht, und die Elisabeth kommt in mein Zimmer, wo das rote Likörservice gestanden hat, das meine erste Frau mir zur Hochzell geschenkt hat, und aus dem die Elisabeth und ich auch bei unserer getrunken haben. Ich habe es nicht gern gesehen, daß sie das Service geHoll hat; aber ich Hab nichts gesagt. Es war ja schon alles gleich. Ich Hab' mich in den Lehnstuhl gesetzt und gewartet. Auf was? Das weiß ich nicht. Nebenan sind sie bald vergnügt geworden. Ich habe sie lachen und kreischen gehört. Auf einmal höre ich, daß was hinfällt und kaputt geht. Elwas aus Glas. Gleich denke ich mir: das war dein Service! Da stehe ich auf und gehe in ihr Zimmer! Das erstemal ging ich in ihr Zimmer, wenn Besuch bei ihr war. Da sitzen sie auf dem Sofa, wo sonst wir gesessen haben, und schneiden Gesichter und lachen. Aber nur einen Augenblick lang. Denn gleich haben sie gemerkt, daß mit mir was los ist. Der Mann ist ganz blaß geworden; die Elisabeth ist aufgesprungen und hat meinen Arm feschalten wollen. Aber das hat nichts genützt; ich Hab schon zugeschlagen gehobt mit meiner Faust, daß der Mann vom Sofa gefallen ist auf den Teppich in die fetttge Lache von dem Schnaps. Ich Hab' den Mann nicht tot machen wollen, Herr Richter. Ich bin gleich wieder in meine Stube gegangen, und habe gedacht, daß der Kerl gleich davongehen wird, wem: er aufgewacht ist. Darauf habe ich gewartet. Und auf die Elisabeth, die ganz verstört davon gestürzt ist und um Hilfe geschrien hat. Nicht weil sie Angst gehabt hat, daß ich sie schlage. Ich bin ja nie böse auf sie gewesen. Dos hat sie gewußt." Der Mann hielt inne. Ueber sein Gesicht lief der Schweiß in dicken Bächen. Seine Augen wanderten den Tisch der Richter ent- lang. In ihnen lag der wunde Glanz eines angeschossenen Tieres. das hilflos zwischen der Kette seiner Jäger umher irrt. „Sehen Sie, Herr Richter", begann er nochmals, ,chas war alles. So ist es gewesen. Die Elisabeth hat nichts Schlechtes gewollt. Und ich Hab nichts Böses gewollt. Schuld ist..." Er brach mitten im Satz ab. Das Gericht zog sich zurück. Das Publikum sprach halblaut. Justizbeamte frühstückten; einer gab dem Angeklagten ein Glas Wasser. Die Fenster wurden geöffnet, so daß die warme frische Luft durch den Saal streichen konnte. Dos Urteil lautete auf zwei Jahre Gefängnis und vier Jahre Ehrverlust. Nach§ so und so und so. Das letzte, was ich sah, war der Blick zweier Heller blauer Augen, die erloschen schienen. Max-Dorlu: Jlltl QBTtlSljCC Südtirol. Riva am Gardasee. Steil steigen die Berg«— alle Schlösser obendrauf. Riva, die bunte Stadt am azurblauen See. Linker Hand der alte Vulkan, der Monte Baldo, in aller Longo- bardenzeit dem germanischen Gatte Baldur gewecht— der Monte Baldo, ein gewaltiger Gebirgsbuckel, tief verschneit— glitzerweiß in der Sonne. Winter. Am Gardasee. Die bunte Stadt Riva— das Volk schwätzt italienisch. Zur österreichischen Zeit war Riva«ine deutschsprechende, Beamtenstadt— die Faschisten haben alles Deutsch- tum ausgewetzt. Schwarzhemden schreiten mit giftigen Blicke» durch AU-Rioas winkelig« Gassen. Am See aber weht frei und frisch der Nordwind— die Bora. Günstiger Segelwind nach Süden. Unser scharfgeschnittener Segelkutter— der Bug ist scharf wie ein Messer— wir sind Bordgäste, von Freunden eingeladen. Jssa! Großsegel hoch, fier die Landleine— und schon sausen wir los, ein kühner Sprung vor, ins Blau des Sees hinein— rauschend und.lchäumend bncht vorn dse Bugwell« weg, wie Porzellan— so weiß, so-zart- Poltermorge»-s- tausend Testassen in-Scherbert.» A rivoderci, Riva am See— wir segeln hinein ins bunt« Land Italia, der Locus Benacus der Römer— violett wie Veilchen! Kobaltblau. Azurblaü. Wo Flüsse einmünden— smaragdgrün. Hei, glänzende Fahrt, die Bora schwellt uns Segel und Herz. Die Freunde erklären uns die Landschast, Uferschaft und Bergschafi. Rechts, der Wassersturz, silberner Llaskadenfprung, die Ponalefälle — Klein-Niagara. Und die kühne, hohe Kunststraße, tief in den Fels eingesprengt— die Via Pönale, die schwere Kanonenstraße im Weltkrieg—'n paar tausend Tote, zur freundlichen Erinnerung an den Wahnsinn der„großen Zeit". Immer rauschen wir südhin— mitten durch den Flaschenhals des langgezogenen Logo die Garda, der See hat die Form einer Ehiantiweinflaschc, unten breit, bauchig— oben eng, schmal. Dort, am Westuser— hallo, sind das da Tempel? Diese langen Reihen von weißen Säulen und Pllastern, terrassenartig überein- ander, sind das alt-etvuskifch« Heiligtümer? Nein, das weihe Gesäule dort— das sind Zitronengärten, Stützgemäuer. Das klein« graue Dorf heißt nach seiner Obstkultur: Limone! Im Winter sind die Zllronenplantagen mit Brettern und Glas eingedeckt— des kalten Nordwindes wegen, der Bora; die uns aber, gleich einem Pfeile, südwärts schnellt— die Spieren knarren, wie ein Trommelfell steht rund das Segel— ja, probiere nur mit den Fingern— Resonanz, wir trommeln als freie Segler nach Italien hinein. Unsere Borddame friert— unser lieb Mädel Lucia— Tochter, Kind: hülle dich besser ein, in deinen rotseidenen Brautschal, der kalte Wind.—„Fa niente", lacht Lucia, und sie zeigt ihr« weißen Qual. Sein Körper zog sich ganz in sich zusammen und wirkte nun I~"c � j.~ noch breiter und gedrungener als vorhin., Ein Schopf grauer Haare'' �" fiel in sein Gesicht, als er fortfuhr: „Sehen Sie, Herr Vorsitzender, damals hat die Elisabeth mich geheiratet, weil ich Arbeit hatte und ihr was sein konnte. Damals machten zweiundzwanzig Jahre Unterschied und ein Krüppel nicht so viel aus, wie wenn man sechzig alt ist und arbeitslos. Mir war das, als ob ich einen Vertrag gebrochen hätte. Ich habe mich ein- jchränken können. Aber die Elisabeth ist doch noch jung. Ich hob's verstehen können, daß sie sich einen Freund zugelegt hat. Das war doch jetzt alles anders geworden. Jetzt war ich doch ein Arbcttslofer. Ein Krüppel. Ein Kerl, der ihr das nicht g ichallen hat. was er ihr versprochen hat. Aber die Elisabeth ist Immer gleich nett zu mir gewesen. Ihr Bett ist ins andere Zimmer gestellt worden. Da hat ihr Freund sie besuchen können. Da ist er oft am Abend geblieben. Aber immer, Herr Richter, hat die Elisabech gut für mich gesorgt. Und von wir sind jung und gesund, der Wind gibt uns Flügel. Jaha, gleichen wir nicht jenen Wandermöwen, die da mit uns südhin segeln? Die Wandermöwen— aus Fahrt von der Nordsee zur Adria. Winter. Logo die Garda. Jetzt luven wir backbords auf— an die kahle Felswand hin— über 2000 Meter hoch steigt der Monte Baldo. Ein Dorf am kahlen Strande, armselige Fischer(unsere Freunde erzählen)— und das alle Kastell da: malerisch, noch aus der germanischen Zeit der kaiserlichen Ottonen(anuo S62 bis l002)— Malcesine: Dorf und mittelalterliches Kastell. Hoi, wer is denn das da— der mit dem Apollotopf? Das ist Goethe—- der Dichter und Zeichner— auf seiner ersten ttalienischen Reise hat er das Kastell von Malcesine abgezeichnet— und nun wird er verhaftet, arrestiert. der Fremdling Goeche, die Sb irren von San Marco wittern in Goethe einen österreichischen Spion— bis zur Zell Napoleons war der Gardasee venezianisch. Goethe— arrestiert im Castello Malcesine— il Sindaco, der Lürgerwerster. der Procuratore von San Marco— scusi rnille volle. Eccellenza Poeta Goethe: e un sbaglio— es war ein Irrtum, Sie sind wieder frei, der Löwe San Marco heißt Sie herzlich willkommen! Und lachend geht Goethe seines Weges— da, so seht ihn, am Ufer des Sees, im Fischerdorf Malcesine. In der Osteria al Pesce läßt sich Goethe eine Trotta kochen, eine Seeforelle— brava, brava, la Ostcssa— das duftende rosige Forellenfleisch. Und Birichina, der Wirtin schwarzgoldenes Töchterlein, sie läßt mit Goethe das blutsrot« Weinglas klingen: Viva Las Marco! Viva la poesia. Unter solchen Erzählungen ward es Mittag— der goldene Sonnenpendel pulst auf der hohen perlmutternen Himmelsuhr. Der Wind hat gewechselt— er weht nun von Süd, die„Ora" heißt hier am See der Gegenwind der Bora. Punkt 2 Uhr nachmittags springt der, Wind um, Tag für Tag— ausgenommen an den 'Tagech wo die� schwere» Wolken tief auf den See herabhängen, wo sie zerfetzt über den See dahinjagen— gepfeffert und gewürzt vom Schirokko, dem donnernden heißen Südost. Der See ist breit geworden, wir sind durch den engen Flaschen- hals hindurch— auch die Farbe wechselte— er ward sonst oergißmeinnichchlau. Aorne kommt ein großer weißer Passagierdampser hock,— ein Raddampfer, der den See zu Perlen und Schaum schlägt— „Mussolini" heißt der Dampfer, am Topp des Vordermastes zeigt er die grünwcißroten Farben, mit dem Königsrvappen drin: drüber die Ruten und Peile. Wißt ihr was, dem Dampfer„Mussolini" spielen wir einen Streich. Mädel Lucia— schnell— presto— zwei Knoten— issa— hoch an unserem stolzen Mast knattert die rote Wellen- flagge, Symbol eines freien geeinten Europas— Lucias Brust- und Herztuch— Freiheit im Winde, rote Seide! Und siehe da, am Dampfe», haben sie uns bemerkt— sie stecken die Köpfe zusammen, die Passagiere— und unten am weißen Schifssleib, unterm qualmenden Schornstein— da kommt aus einem Bullmig heraus der sozialistische Gegengruß— die Heizet des Dampfers„Mussolini" winken mtt ihrem roten Schnupftuch. Lucia, du wirfst«in« Kußhand— wem galt die Liebe? Alls libertä! Die Schönhell küßt die Freihell. Am blauen Gardasee. Abend. Wir haben Anker geworfen. Am Südende des Sees, Vor der schmalen Halbinsel Sirmione. Da— 100 Meter von uns— da dampft es heiß aus dem See heraus— Sprudelguellen. Vulkangewässer, die Nachbarschast des Monte Baldo. Millen aus dem See heraus sprudeln die heißen Quellen. Schon seit Tausenden von Jahren. In jenen heißen Seequellen haben schon die reichen Römer gebadet. Der Dichter Catull hatte sein Lustschloß aus der Halbinsel Sirmione. Im südlichen Gardasee. Abend. Wir gehen Catull besuchen. Sirmione— Le Grotte di Catullo—»Catulls Ruinen. Mosaikböden. Säulenkapitelle. Marmorquader. Alles gestürzt und durcheinander— und dennoch: schön, romantisch. Durch den dichten Olivenhain geht die Nachllust, die Ora, der Wind— es rauscht silbern. Goldene Sterne blitzen durch Olivengezweig. Eine heilig« Stimmung, orakelhaft— und dort geht der Denker und Dichter Cotullus, laut spricht er seine Bers«— ein Hohnlied auf die eitle Macht eines Casars in Ront. Lest dieses Lied nach— in Catulls Werken— Catulls Hohn patzt auch auf Mussolini. Freie Segler am Gardasee! Das Wahre bleibt ewig. A4 Schall platten«moo boetbewährle Stoffe 5.75 3.90 Dimitl-Garnituren 1 Bezug und 2 Kiasen, neue,«ehr sohSne Slreifenmaster.. 11.50 DsHlas-Bettlaken «ehr haltbare Qualität 150x2S5 5.75 2.90,•.140x220 Fertige Deckbett- oder Unterbett-Inlette f�derdicbl, glalbrot oder gestreift »ur........ 19.50, 12.50 Halbleinen-Tisch tücher 9 EA moderne Muster, 130x160,.. in guter keinl inenqualität...... 3.90 WeiBe Stubenhandtilch. A QC I» Reinleiner-Drell 48x100... 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