Morgenausgabe Ar. 585„, A 294 �b.Iahrgovon SS Pf. monatlich für lung w« Hau») im voraus i Postbezug 4�2 M. einschlicßlir, Postzeitungs. und 72 Pf.Postb-strllge- bühren. Auslondsabonnrment s.— M. pro Monat; für Länder mit ermäßig- tem Drucksachenporto 6,— M. « Der �Vorwärts' erscheint mochentäg- l-.dj zweimal. Sonntags und Montag» einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Sandel mit dem Titel„Der Abend". Illustrierte Eonntagsbeilag» „Volk und Zeit". P> Aertiner Vsttsvlatt Dienstag 15. Dezember 1951 Groß-Äerlin 10 Z)f. Auswäris 15 pf. Die«Inf polt NonvareMeAeUe 80 Pf. SkeNavezeile 5,— RM.„Kleine Ün* W dos fettgedruckte PSort 2S Pf. (zulässig Mei fettgedruckte Worte). sedcZ weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt. Tarif. Stellengesuche das erste Wort 15 Pf, jede« weitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Wor:e. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pf. Familien- anzeigen Zeile 40 Pf. 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Lokal„Zum Kyfshäuser", Niederschöne- weide, Berliner Str. 91.— Referent: Frau Mathilde Wurm. 17..Kreis Lichtenberg. 19 Uhr im Cäcilien-Liizeum, Rothaus- ftraße.— Referent: Dr. Kurt Löwenstein, M. d. R.— Türkontrolle: 119. Abteilung. Freitag, den 15. Dezember, 1916 Llhr: 3. Kreis Wedding. Pharussälc, Müllersir. 142.— Referent: Dr. Julius Moses. ll. Kreis Wilmersdorf.' Vittoriagartcn, Wilhelmsenz 114/115. — Referent: Friedrich Stampfer, M. d. R. 14. Kreis Neukölln. Bergjchloßhöhe. Karlsgartcnstr. 6— 11.— Referent: Kurt Heinig. Achtung, kreissunktionarkonferenz. 16. Kreis Köpenick. Staditheater, Köpenick, Friedrichstr. 6.—• Thema in allen Versammlungen: M Die Mlseiie Lage und die neue Dotverordnm Das Parteimitgliedsbuch ist in allen Versammlungen zur Kontrolle vorzuzeigen. «a heule noA'i nlchk übersehbare llmskände cinkreken, die diese Wechsel- bejichuaKm zwischen Löhnen und preisen wesentlich verändern, so wäre Qine neue Lage entstanden. Gerade um eine un- erträgliche Schrumpfung der Kauskroft des deutschen Volkes zu i-ermeide». urixb die Reichsregierung es als ihre vornehmste Pflicht aafohen. darauf zu achten, doh der jetzige Stand von Löhnen und Gcchältcrn nur bei einem entsprechend tiefgehaltenen Stande alVt Preise aufrechterhalten bleiben kann." Tic fo�inÄdemokratifchc Rcichstagsfraktion erklärt ausdrücklich� daß auch für sie eine neue Lage entstanden sein wird. Nzenn sich herausstellt, daß die Senkung der Preise mit feprer der Löhne nicht Schritt hält. Sie behält sich für diese» Fall ihre weiteren Entschlüsse vor. Die Notverordnung stellt einen starken Eingrijf in alle Privat- vertrüge dar und? bedeutet grundsätzlich die Anerkennung, daß Prioatrecht hinter das Gemeinwohl zurücktreten mutz. Sie bietet selbst den besten Peweis dafür, daß die Krise des kapitalistischen Systems mit Mitteln des Kapitalismus nicht mehr beseitigt werden kann. Aber ihre Eingrissc entsprechen nicht den Forderungen einer planmäßiger zu gegältenden Produktion. Eine durchgreifende und dauernde Besserung ist nur durch eine völlige lleberwindung der kapitalistischen Gesellschaft durch den Sozialismus möglich. Die sozialdemokratische Reichstogsfrakiion fordert deshalb eine Wirt- ichaftspolitik. die die gcmcinwirtjchaftlichcn Tendenzen fordert und gegen die kapitalistischen Monopole das Jntercffc der Allgemeinheit rücksichtslos durchsetzt. Eine der Ursachen für die ungeheure Verwirrung der Weltwirtschaft besteht in der Kriegsverschuldung der Staa- ten untereinander und ganz besonders in dcmSystem der deutschen Reparationszahlungen. Tie sozialdemokratisthe Reichstagsfraktion fordert im Sinne der Beschlüsse der Sozialistischen Arbeiterinter- nationale die Befreiung des deutschen BolkeS von unerträgliche» Lasten. Das Streben nach einer entscheidenden Erleichterung der deut- ichen Auslandsverpflichtungcn wird durch das Treiben des Nationalsozialismus, dieses schlimmsten Feindes der denk- schen Nation, aufs empfindlichste geschädigt. Die Reichsregierung verliert nach innen und außen jegliche Autorität, wenn es ihr nicht gelingt, diesem Treiben einen festen Damm entgegenzusetzen. Die Arbeiterklasse aber muß alle ihre Kräfte einsetzen, um ihre Lrganisationcn durch die gegenwärtige Wirt- schaftliche und Politische.Krise hindurchzuführcn und den Ansturm des Faschismus zurückzuschlagen. Einigkeit und Tisziplin, LLachfamkeit und unablässige Arbeit für die Stärkung der Sozialdemokratie und der Gewerkschaf- ten ist daä Gebot der Stunde! Gewerkschasten bei Brüning. !lm die Tlowerorönung. Der„Sozialdemokratische Pressedienst" meldet: Die Spiheuorgauisalionen der Gewerkschaften oller. Richtungen wurden am Nlonlagnachmillog von dem Reichskanzler zu ckner Besprechung über den Inhalt der neuen Kokverordnung empfangen. Dir Gewerkschaften äußerten im Verlauf der Besprechung gegen zahlreiche Bestimmungen der Ber- nrdnung starke Bedenken und ersuchten den Reichskanzler um BT atz. nahmen zur Abhilfe. Der Reichskanzler sagte entsprechende Erwägungen zu. Man wird kaum fehlgehen mit der Annahme, daß sich die Aussprache um die Erklärung derReichsregic- r u n g gedreht hat. die in der Entschließung der sozialdemo- kratischen Reichstagsfraktion wiedergegeben ist. Diese Er- Iläning enthält das Versprechen, daß der durch die Notverordnung fixierte Stand der Löhne und Gehälter nur bei einem entsprechend tiefgehaltcncn Stand der Preise aufrechterhalten werden soll. Das Bestreben der Gewerk- fchaften wie auch der Sozialdemokratischen Partei geht dahin, die Reichsrcgierung bei diesem Versprechen festzuhalten. Man darf wohl annehmen, daß der Reichskanzler die c n t s p r e ch e n d c n Z u s i ch e r u n g e n gegeben hat. .f) eute tritt der Bundesausschuß des ADGB. zusammen. Der Bundesausschuß des AfA-Bundcs tagt morgen. Krach bei Hiiler. Die Schwerindustrie kommandiert— Hitler gehorcht. Im Führerkreis der Hitlerpartei hat es einen schweren tstrach gegeben. Hitler fürchtet, den Rückhalt der Schwer- Industrie zu verlieren, wenn er weiter die Gregor S t r a ß e r und Goebbels und F r i ck den offenen Kurs gegen die Legalität vertreten läßt. Am Donnerstag erhielt Hitler den Besuch der Herren T h s e n und K l ö ck n e r. Auf Grund dieser Konferenz hat Hitler seine Antwort an den Reichskanzler nochmals überprüft. Dagegen haben Goebbels und S t r a ß e r leidenschaftlich Einspruch erhoben. Am Sonntagabend fand im Hotel Äaiserhof eine Besprechung Hitlers mit den wilden Männern statt, bei dem cs zu einem schweren Kroch ge- kommen sein soll. Hitler ist unmittelbar darauf nach München zurück- gefahren. Er hat dem Vernehmen nach seinem politischen Vertreter Görin g Vollmachten für die Erledigung des Krachs mit Gregor Straßer und Goebbels gegeben. Das. sind die Leute, die Deutschland regieren wollen! Sie pfeifen auf die Notverordnung. Durchbrechung des Llnstormverbotes in Braunschweig. Braunschweiz. 14. Dezember.(Eigenbericht.) In der Montagsitzung des Braun schweizer 'Landtags marschierte die gesamte Fraktion der Nationalsozia- listen in Naziuniform(mit gelbem Hemd, Armbinde, Abzeichen, Koppel und Schulterriemen) in den Sitzungssaal. Die Rotverordnung vom 8. Dezember bedroht jeden, der außer- halb der eigenen Wohnung mit einem politischen Abzeichen und in einheitlicher Kleidung betroffen wird, mit Gefängnis nicht unter einem Monat. Der Polizeiminister Klagges veranlatzte nichts zur .Durchführung der Verordnung. Der Nazipräsident des Landtags war in Iivil erschienen, trug aber sein Partei- . abdeichen. Reichsgelder für Ladendorff-Bank. Oer Zusammenbruch der Bank für Handel und Grundbesitz. Der Hauptausschuß des Preußischen Landtages beschäftigte sich am Montag mit dem Zusammenbruch der Berliner Bank für Handel und Grundbesitz. Es lag der kommunistische Antrag vor, daß Preußen die Bürg- s ch a f t c n für die Einlagen und Guthaben von Kleingewerbe- treibenden, Handwerkern, Kleinsicdlern und sonstigen Mindcrbemit- telten(Angestellten, Beamten, Angehörigen freier Berufe) bei der Berliner Bank für Handel und Grundbesitz übernehmen und ferner die Mittel zur Verfügung stellen solle, die ersorderlich sind, um die Beträge auszahlen zu können, die von den genannten Personen zur Aufrechterhaltung ihrer Existenz benötigt«erden. Ein Vertreter des �Handelsministeriums teilte mit, daß der Zusammenbruch in der Hauptsache zurückzuführen sei auf die unsolide und ungesetzliche Handhabung der Geschäfte. Der geflohene Direktor Seiffert sei der ausschlaggebende Aktionär und zur alleinigen Vertretung der Gesellschaft berechtigt gewesen. Er sei unumschränkter Herr gewesen, die Revision wurde auch durch ihn ausgeübt. Niemand habe sonst etwas zu sagen o d e r z u p r ü f c n g ej> a b t. Die jetzige Revision nach dem Zu- sammenbruch sei durch die Revisions- und Treuhandgesellschaft er- folgt, nicht durch die Dresdner Bank. Die Debitorendes Herrn Seiffert feien zum größten Teil Schwin- de l. Wirkliche Mittelstandskredite feien nur etwa 5'A Millionen Mark gegeben worden. Für uneinbringliche Forderungen feien keine Abschreibungen vorgenommen worden. Zinsen, die nicht eingingen, wurden dem Kapital zugeschrieben und so aktiviert. Es habe eine Wirtschaft geherrscht, die notwendig und unausbleib- lich zum Zusammenbruch hätte führen müsse. Im Zusammenhang mit der Krisis sei eine starke Entwertung der Werte eingetreten. Trotzdem seien noch 10 Proz. Dividende verteilt worden. Seiffert habe sich überhaupt nicht als illiquide bezeichnet. Das Reich habe im September, um die Illiquidität zu ver- hindern, drei Blillivnen Mark gegeben. In dem ersten Bericht vom 23. November feien die Dinge noch zu günstig geschätzt worden: dieser Bericht rechnet etwa intt einem Ber- must von 27 Millionen. Die späteren Berichte würden erheblich darüber hinausgehen. Der Vergleichsvorfchlag befagc, daß alle Gläubiger bis zn 100 Mark voll ausgezahlt erhallen fallen und daß die anderen Gläubiger zunächst mit 30 proz. abgefunden werden sollen. Das würde etwa 20 Millionen betragen. Diese Beträge sollen auch sofort ausgezalill werden. Doch sollten die 30 Proz. nicht endgültig sein, sondern bei Besserung der Berhättnisse würden die Gläubiger mehr erhallen. Bei den Immobilien würde allerdings die Ab- Wicklung Jahre dauern können. Das Reich wolle sich mit zehn Millionen neben den bereits gezahlten drei Millionen beteiligen. Preußen habe, ebenso wie bei der Danal-Bank und bei der Dresdner Lank, kein Interesse und würde sich nicht beteiligen. Es liege unsolide, markt- schrelerische Geschäftsführung vor. Der Staat könne nicht dafür eintreten. Mtt der Dänat-Bank und der Dresdner Bank feien die Dinge nicht zu vergleichen. Man habe die Absicht gehabt, die Bank zu halten. das sei ober jetzt zweifelhaft geworden. Die Barmer Bank soll gerettet werden. Bei der Trierer Bank stehe die Sache un- günstiger. Der Rcichskommissor wolle ober alles zur Erhaltung dieser Bank tun. Oie Führung des Reichsbanners. Gerüchte über Hörsing. Wie wir von der Bundeslcitung des Reichsbanners Schwarz- Rot-Gold erfahren, hat Genosse H ö r s i n g aus gesundheitlichen Gründen einen Erholungs Urlaub an ge treten. Während seines Urlaubs führt der zweite Bundesvorsitzende Hölter mann die Geschäfte der Bundesleitung. Zu den Gerüchten über einen Rücktritt Hörsings von der Bundes- lcitung ist mitzuteilen, daß man sich seit längerer Zeit sowohl im Bundesvorstand des Reichsbanners als auch in wetten Reichsbanner- kreisen mit der Frage beschäftigt, wie die Führung des Reichs- bannars durch Hinzuziehung jüngerer aktiver Kräfte verstärkt und aktiviert werden könne. Diese Verstärkung ist um so notwendiger, als Ltto Hörjing in der letzten Zeit, in der es auf besondere Aktivität des Reichsbanners stärker denn je zuvor ankommt, leider von wieder- Hollen Krankheitsanfällen heimgesucht worden ist. Die Bundesvorstandssitzung des Reichsbanners, die am Mittwoch stattfindet, und danach wahrscheinlich auch eine Bundesrotssitzung, werden sich mtt diesen Fragen beschäftigen. Brüning gleich Hiiler? Oer obgeschivorene gesunde Menschenverstand Am Freitag stieß das Münzenberg-Blatt„Berlin am Morgen" einen Alarmschrei aus: Hitler wieder in Berlin. Er schrieb dazu: „Man wird ja jetzt Gelegenheit haben, zu sehen, wie Reichskanzler Brüning diese neue Störung setner außen- politischen Aktion auffassen wird. Seine Forderung, daß alle Parteien sich hinter ihn stellen müssen, in dem Augenblick, da er mit dem Ausland schicksalsschwere Fragen oerhandell, hat Hitler offenbar als Aufforderung zu einem neuen Dolchstoß aufgefaßt. Wie sagen doch die Sozialdemokraten so schön:„Brüning wehr dich!" Die„N a ch r i ch t e n"— dos ist das Blatt der KPD.- Zentrale, die nicht die Leser der„Roten Fahne" an die Münzen- berg-Blätter verlieren will sind gegen diese Sätze zu Felde ge- zogen. Sie sehen darin eine„Irreführung der Arbeiterlcser" und stellen fest, daß hier„ganz im bürgerlichen Stile bes „Vorwärts" Brüning zum Kämpfer gegen Hitler ernannt wird". „Berlin am Morgen" hatte der Stimme' des gesunden Menschen- Verstandes Raum gegeben, der ohne weiteres erkennt, daß Brüning eben nicht gleich Hitler ist. Unter dem Bannstrahl der KPD.-Zentrale aber verleugnete es gestern prompt den lichten Augenblick, und schwor in alter Tonart, daß es linien- treu fei, und deshalb Hitler gleich Brüning ansehen wolle. Schweiz kündigt Handelsvertrag. Oie Lleberbrückung des vertraglosen Zustandet. Der Schweizer Bundesrat hat am Montag beschlossen, am Iß. Dezember dcu Handelsvertrag mit Deutschland zn kündigen, der damit am 4. Februar 1332 abläufl. Zugleich hak der Bundesrat einen Entwurf serliggeslellk, der außerordentliche Boll- machleu für Zollkonfingenle und Einfuhrbeschränkungen vorsieht. Dieser Entwurf wird in wenigen Tagen dem Parlament vorgelegt werden. Die Annahme dieses Zollgcsehes durch dos Parlament ist so gut wie sicher. Nach sechsjähriger Dauer wird also die vertraglich gesicherte Handelspolitik zwischen Deutschland und der Schweiz aufgehoben. Diese Entwicklung ist um so mehr zu bedauern, als die Wirtschaft- lichsn und politischen Beziehungen zwischen den beiden Nachbar- ländern von jeher freundschaftlich gewesen sind. Es hat bei den Berliner Verhandlungen auch auf beiden Seiten nicht an dem guten Willen gefehll, die bestehenden wirtschaftspoltttschen Differenzen zu überbrücken, jedoch konnten sich beide Parteien ungeachtet des vollen Verständnisses für die Lage des Verhandlungspartners über entscheidende grundsätzliche Fragen nicht einigen. Die Schweizer Unterhändler, die eine Lösung zahlreicher zollgebundener Positionen forderten, haben sich zweisellos zu stark von dem deutschen Exportüberschuß blonden lassen, ohne die entscheidenden Gegenposten in der schweizerischen Zahlungsbilanz, die enormen Zinsen Deutschlands für Schweizer Stillhallekredite in Höhe von 9 Proz. — die Schweizer Banken zahlen höchstens 2 Proz.— und den deutschen Fremdenverkehr, der 40 Proz. des gesamten Fremden- besuch? in der Schweiz ausmacht, zu berücksichtigen. Andererseits muß man anerkennen, daß die Schweizer Unterhändler Zugeständ- nisse gemacht haben, die allerdings nicht ausreichten, um von Deutschland angenommen zu werden. Bis Anfang Februar läuft der bestehende Vertrag noch. Unseres Erachtcns sollte von beiden Seiten nichts nnoerfucht gelassen werden, um bis zum Ablauf des Handelsvertrages zu neuen Verein- barungen zu kommen. Unter allen Umständen aber muß eine Verschärfung der Beziehungen durch unkluge und herausfordernde Anwendung der Zollermächtigungen— auch die deutsche Regierung besitzt generelle Ermächtigung zu Zollände- runge»— vermieden werden. Eine derartige Politik würde den traditionell sreundschasttichen und engen Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Ländern widersprechen und dem Lebens! n leres s e der beiden Völker den schwersten Schaden zufügen. Notverordnungsgewinnief. Eine Hausbesiher-Llnverschcimtheis. Der Ausdruck„Notverordnungsgew'mnler" ist nicht von uns geprägt worden, sondern von den Hausbesitzern. Er bezieht sich auf Personen, die von dem Kündigunzsrecht nach Teil 2 Kapftel Hl der Notverordnung Gebrauch machen. Dieser Ausdruck zeigt, mit welcher Gesinnung die Hau?- besitzer sedeb Mietfenkttrlg und ied?m Mieterschutz gegen- überstehen. Die Hausbesitzer lassen durch die Telsgraphen-stnion mit- teilen: „Vor allen Dingen erscheint es nach Auffassung der Hausbesitzer dringend notwendig, die Kündigungsmoglichketten an genaue Bedingungen zu binden. Beispielsweise soll e i n e große Firma ihre gesamten 00 Filialgeschäfte in Berlin ge- kündigt haben. Andere Ladenbesitzer kündigen ihre lang- fristigen Verträge zum April, well sie einen günstiger gelegene» Laden mieten wollen, abgleich der Mietpreis höher ist. Inhaber großer Wohnungen benutzen das außerordentliche Kündi- gungsrecht, um billig käufliche Eigen Häuser zu bezichen. Die Hausbesitzer verlangen, daß dos Kündigungsrecht solchen„Rot- verordnungsgewinnlern" nicht zugesprochen wird." Es ist der Sinn der Notverordnung, durch das Kün- dicmngsrecht eine Möglichkeit zur Kostensenkung und Preissenkung zu schaffen. Es entspricht durchaus dem Sinn der Notverordnung, wenn ein großes Vcrsorgungsgeschäft den Versuch macht, von den hohen Ladenmieten herunter- zukommen, die die Hausbesitzer nach der Freigabe der Be- wirtschaftung von Läden diktiert hatten, ebenso entspricht es durchaus dem Sinne der Verordnung, wenn Leute aus teuren in billigere Wohnungen ziehen, und wenn damit ein Druck auf die Mieten verbunden ist. Notvcrordnungsgewinnler! Für die angekündigte Miet- scnkung sind die Hausbesitzer, soweit sie Altwohnungen ver- mieten, allein durch die Senkung der Hzauszinssteuer voll entschädigt, dazu aber haben sie noch den Vorteil von der Zins- senkung! Sie sollten nicht von Notverordnungsgewinnlern reden! t Die Dreistigkeit dieses Ausdrucks muß ein Anlaß sein, den Hausbesitzern bei der Durchführung d e r� M i e t- senkung sehr genau auf die Finger zu sehen. Schließlich werden sie in allen Mietern„Rowerordnungsgewinnler" sehen und sich danack, verhalten.'Achtet auf die Hausbesitzer, achtet mif die Durchführung der Mictsenkung! TschSangkaischsk zurückgetreten. Rückwirkung der Enttäuschung über den Völkerbund. S ch a u g h a i. 14. Dezember. Der Präsident der chinesischen Republik, Tschiangkoischck. ist zurückgetreten. Der Rücktritt wurde angenommen. Blon erwartet auch den Rücktritt des Finanzmlnistcrs und zahlreiche weitere perfonalveränderungen In der Regierung. Ungeheures Aufsehen in China. Schanghai. 14. Dezember. Die Nachricht vom Rücktritt Tschianglaischeks hat ungeheues Aufsehen erregt. Der Rücktritt scheint von der.Kantoner Gruppe, an deren Spitze Sunso und der Parteiveteran Wangtschingwei stehen, erzwungen worden zu sein. Diese Gruppe nutzte die Enttäuschung infolge der Entschließung des Völkerbundes dazu aus, die Mißstimmung gegen Tschiangkaischcr zu schüren. Sie wurde unterstützt von chauvinistischen Studenten und Mitgliedern des lütten Flügels der Kuomintang, die von jeher die Poiüik Tschlangkaischeks bekiun pst haben. Nr. 585• 48. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Dienstag, 15. Dezember 1931 Wieder Krach im Sklarek- Prozeß Belastende Zeugenaussagen— Neue erregte Zusammenstöße Der Vorsitzende eröffnete die gestrige Verhandlung im Sklarek-Prozeß mit der Mitteilung, daß einer der Ver- tcidigcr im Sklarek-Prozeß, der Rechtsanwalt Dr. Georg Cohn, der dem Angeklagten Stadtrat D e g n e r zur Seite stand, gestern plötzlich gestorben ist. Man setzt dann die Zeugenvernehmung fort, und zwar wurde der unbesoldete Stadtrat Hermann vom Bezirksamt Mitte vernommen, der Bürgermeister Schneider und Stadtrat Gabel schwer belastete. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob ihm bekaniU sei, daß der Angeklagte Gabel die Sklarcks bezüglich der Auftrags- crteilung unterstützt habe, erklärte Stadtrat Hermann, daß Gabel in Verfügungen darauf hingewiesen habe, es müsse bei den Sklarcks gekauft werden. Er, Hermann, habe billigere Angebote von anderen Firmen gehabt, und Stadtrat Gabel habe ihm, dem Zeugen, einmal im Amtszimmer von Stadtrat Schneider Vor- Haltungen gemacht, daß Schwierigkeiten wegen der Aufträge an die Sklarcks von seiner Seite gemacht würden.„Ich habe das Gefühl gehabt, daß es nicht mit rechten Dingen zuging, und ich habe zu Bürgermeister Schneider und Stadtrat Gäbel gesagt: . Die Sache mit den Sklarcks stinkt zum Himmel. das gibt noch einmal einen großen Krach." Stadtrat Hermann bekundete dann weiter, daß Bürgermeister Schneider immer Frei- karten von Theatern erhalten bobe, und daß einmal eine Steuer- schuld des Deutschen Theaters in Höh« von 72 000 Mark auf Veranlassung von Schneider niedergeschlagen worden fei, und daß als Gegenleistung Freikarten für Erwerbslose und städtische Angestellte gefordert wurden. Diese Vorgänge feien ihm, dem Zeugen, von Direktor Wallburger erzählt worden. Auch für den „Wintergarten" habe Schneider immer Freikarten gehabt. Vors.: Wissen Sie auch, ab die Steuerrückstände bei solchen Theatern nieder- geschlagen wurden, zu denen Bürgermeister Schneider keine Frei- karten bekam? Zeuge: Das weiß ich nicht. Mir hat Direktor Wallburger aber einmal eine andere Sache erzählt, die ich zuerst für unglaubhaft hielt. Direktor Saltenburg hat Bürgermeister Schneider einmal Prcmierenkarten geschickt, und zwar für die zweite Parkettreihe. Bürgermeister Schneider soll sehr wütend gewesen fein, daß er trotz eines telephonischen Anrufes von Wallburger nicht Karten für die erste Reihe bekam und soll dem Dezernenten dann die Anweisung gegeben haben, abends die Kaffe zu pfänden.(Bs- wegung.f Vors.: Wie standen Sie denn persönlich zu Bürgermeister Schneider? Zeuge: Da wir der gleichen Partei angehörten (Schneider i�t bekanntlich seit langem aus der Sozialdemokratie ausgeschlossen— Red. d.„Vorwärts"), habe ich ihn zuerst nach Kräften unterstützt und ihm geholfen, sich in sein Amt einzu- arbeiten. Als ich dann aber später bei einer Angelegenheit merkte, daß er sich von unsachlichen Motiven leiten ließ, ist-es zu gewissen Spannungen zwischen uns gekommen. Der Angeklagte Gäbel vermochte sich an das angeführte Gespräch nicht zu erinnern, meinte aber, daß Stadtrat'. Hermann ibm nie konkretes Material über die günstigeren Offerten anderer Firmen gegeben habe. Der Zeu e Hermann erklärte aber, daß gerade das Gegenteil der Fall gewesen sei, daß aber von Gäbel nichts veranlaßt wurde. R.-Zl. Dr. Kurtzig hielt dem Zeugen einen Bericht an den Oberprä sidcnten vor, in dem zum Ausdruck gebracht wird, daß andere Firmen nicht besser und billiger als die Sklarets liefern könnten, und zwar sei dieser Bericht, der aus dem Jahre 1S29 datiert, von B ö ß, S ch o l tz und Lange und noch zwei anderen Magistratsbeamtcn unterzeichnet. Der Oberstaats- anwast erklärte hierzu, es komme lediglich darauf an, von wem dieser Bericht entworfen sei, was aber nicht festgestellt werden konnte. x Im weiteren Verlauf der gestrigen Verhandlung bestritt Bürger- Meister Schneider die Aussagen des Zeugen Stadtrat Hermann sehr entschieden. Die Feindschaft zwischen ihm und dem Zeugen basiere auf der Vergnllgungssteuerangelegenheit. In diesem Zu- sammenhange erklärte Schneider, daß Stadtrat Hermann nur dadurch zum unbesoldeten Stadtrat gewählt worden sei, daß der deutsch- nationale Bezirksverordnete Börner sich der Stimme enthalten hätte. Börner habe dann später durch Hermann ein städtisches Darlehen von einigen 1000 Mark erhalten, das restlos verloren sei. Stadtrat Hermann erklärte hierzu, daß das Darlehen an den Bezirksoerordneten Börner, mit dem er weitläufig verwandt sei, nicht auf seine Veranlassung, sondern eines anderen Stadtrates gewährt worden sei. Während die Vernehmung mehrerer anderer Bezirksamtsmit- glicder nichts wesentlich Belastendes für Bürgermeister Schneider ergab, und die Verhandlung sich in ruhigen Bahnen bewegte, kam es bei der Zeugenvernehmung des Stadtrats Neuendorff zu neuen heftigen Szenen. Stadtrat Ncucndorff bekundete, daß Bürger- meister Schneider bis zur Bekanntschaft mit den Sklareks nichts dagegen einzuwenden hatte, daß Zahlungsbefehle wegen der schleppenden Mietzahlung in dem städtischen Grundstück in der Kommondantenstrahe ergingen und derartige Zahlungsbefehle auch selbst unterzeichnet habe. Später habe dann Bürgermeister Schneider einem anderen Beamten gegenüber gesagt, daß man doch auf die Firma mehr Rücksicht nehmen müsse. Stadtrat Ncucndorff hat dann auch mit den Sklareks wegen des Grundstückskaufs verhandelt, und die beiden Angeklagten hatten vor einiger Zeit in der Haupt- Verhandlung behauptet, daß Stadtrat Neuendorff verlangt hätte, sie sollten sich mit SO 000 Mark an einer Patentfinanzierung beteiligen. Stadtrat Ncuendorff erklärte, daß zwar ganz zwanglos über das Patent gesprochen worden sei, daß aber eine Beteiligung der Sklarcks gar nicht in Frage gekommen und ihnen auch nicht nahegelegt worden sei. Er hätte gerade vorher eine Beteiligung in Höhe von 100 000 Mark abgelehnt, also die Sklarckschen SO 000 Mark überhaupt nicht gebraucht. Leo Sklarek: Das ist unwahr, was Stadtrat Ncuendorff sagt, er hat doch van der Patentfinan- zierung gesprochen, und Max hat noch hinterher gesagt, wie schwer das immer ist, immer wird von uns eine Gegenleistung verlangt. Willy Sklarek: Sie müssen doch hier die Wahrheit sagen, Herr Stadtrat. Stadtrat Neuendorff: Nehinen Sie es mir nicht übel, meine Herren, aber was die Sklareks hier sagen, sind alles Märchen. Es war vielmehr so, daß die Sklareks mich immer wegen des Grundstückgeschäfts einmal an einem dritten Ort sprechen wollten, und da habe ich sie leider zu mir in meine Wohnung gebeten. Eine Beteiligung der Sklareks kam gar nicht in Frage. Leo und Willy Sklarek blieben aber ziemlich erregt dabei, daß Stadt- rat Neuendorsf ihnen eine Beteiligung nahegelegt hätte, während Stadtrat Neuendorfs seine Aussage aufrecht hält, daß die Sklareksche Darstellung eine Unwahrheit und ein glattes Märchen fei, und daß ihre Beteiligung außerhalb des Bereichs der Möglichkeit lag. Zum Schluß wurde hierauf. der. frühere Berliner Magistratsrat Dr. H i l l e r als Zeuge gehört, der jetzt Stadtrat in Halle ist. Er bekundete, daß er gegen den Verkauf der Grundstücke in der Kommaudantenftraße in der Nähe des Spittelmarktes an die Sklareks gewesen sei, weil der gebotene Preis von 8000 Mark pro Quadratrute zu niedrig war. Aus diesem Grunde habe er die Tendenz gehabt, das Geschäft kaputt zu machen und juristische Bs- denken wegen der Bebaubarkeit geäußert. Anhaltspunkte dafür, daß sich Bürgermeister Schneider in unzulässiger Weise für den Berkauf an die Sklarcks eingesetzt hätte, konnte der Zeuge nicht angeben. Die Verhandlung wurdc auf Mittwoch 10 Uhr vertagt. Selbstmord— nicht Mord. In einer Remise des Hauses Berg- stroße 62 wurde gestern der 75 Jahre alte Rentner Franz Klinke tot aufgefunden. Der Verdacht, daß der alte Mann einem Ver- brechen zum Opfer gefallen ist, hat sich nicht bestätigt. Aus welchen Gründen K. Selbstmord verübt hat, weiß man allerdings nicht. 300 Personen verbrannt oder ertrunken. Schanghai, 14. Dezember. Im Jangtsedelta ereignete sich aus dem Dampfer„Taleh", der mehrere hundert chmejische Passagiere an Bord hatte, eine E r• p l o s i o n. die einen Brand zstr Folge hatte. Z00 Personen sollen ertrunken oder in den Flammen umgekommen sein. Die Uebcrlebcnden der Katastrophe berichten über Schrcckensszenen, die sich aus dem brennenden Schiff abspielten. Zahlreiche chiuejischc und japanische Schisse eckten dem brennenden Dampfer zu Hilfe, so daß von 600 Passagieren etwa die Hälfte gerettet werden konnten. 13 Matrosen ertrunken. Küstenwachtschiff im Sturm untergegangen. Paris, 14. Dezember. Ein französisches Wachschiff für die Ueberwachung der Küsten- schiffalirt ist am Sonnabend zwischen B i z c r t e und B 6 n e an der nordfranzösischen Küste mit 13 Mann Besatzung unter- gegangen. Das Schiff wurde am Freitag von einem kleinen Morineschlepper von Bizerte nach Böne geschleppt, als auf halbem Wege infolge der stürmischen See die Schleppleine riß und das Schiff den Wellen preisgegeben wurdc. Der Schlepper versuchte vergeblickz, sich dem losgerissenen Schüf zu nähern, was ihm aber wegen der hohen See und wegen des Tiefganges in der Nahe der Küste nicht gelang. Nach stundenlangen Bemühungen verlor der Schlepper das hilflos treibende Schiff außer Sicht und kehrte sofort nach Bizerte zurück, um die dortigen Hafenbehörden zu alar- mieren. Hilfsschifse wurden ausgesandt, doch- rechnet man schon jetzt mit dem Verlust des Wachschiffes und seiner dreizehnköpfigen Bs- satzung. Eisenbahnunglück bei Ztendsburg. Arbeitszug fährt in Personenzug.— Sechs Derlehte. Rendsburg, 14. Dezember. Ein Eisenbahnunglück ereignete sich heute nachmittag wenjge Minuten nach 5 Uhr hinter der Station Büdelsdorf bei Rendsburg. Der van Flensburg nach Hamburg fahrende Personenzug hatte gerade die Station verlassen, als ihm ein rangierender 21 r- beitszug in die Flanke fuhr. Bei dem Zusammenstoß stürzten zwei Wagen des Personenzuges um und gingen in Trümmer. Von de» Insassen wurden sechs Pexsonen verletzt. Aerzte und Sanitätspersonal bemühten sich sofort um die Verunglückten. Ein in Rendsburg zusammengestellter Zug beförderte die Fahrgäste weiter. Konzentratio» in den Schöffengerichten. Kürzlich wurde in der Presse angekündigt, daß sämtliche HäliosfeMexichtssachen.im Bezirk des Landgerichts II Berlin dem Amtsgericht Berlin-Schöneberg übertragen würden.. Diese.. lieb er- tragung ist jetzt durch einen Erlaß des preußischen Justizministers mit Wirkung vom 1. Januar 1932 erfolgt. Von diesem Zeitpunkt ab werden also alle Schöffengerichtssachen aus dem Bezirk der Amtsgerichte Lichterfelde, Trebbin, Zossen, Berlin-Tcmpelhof, Köpenick, Neukölln, Königswusterhausen und Mittcnwalde vom Amtsgericht Berlin-Schön cberg bearbeitet und im Kriminal- gericht abgeurteilt werden. Zlusgenommen sind allein die Jugend- fachen, für die auch weiterhin die einzelnen Amtsgerichte zuständig bleiben.— Die Zusammenfassung sämtlicher Schöffengerichtssachcn des Landgerichts II in Moabit im Interesse der Einheitlichkeit der Berliner Rechtspflege ist außerordentlich zu begrüßen. heute spricht Maria Iuchacz im Rundjunk. Um 19.20 Uhr spricht heute Genossin Marie I u ch a c z über„Erwerbslosigkeit und Familienleben" im Berliner Rundfunk. „Ja, das empfinde ich auch selbst", sagte Germaine.„Auch ich habe meinen Bruder für krank gehalten, als ich ihn damals zum ersten Male in Berlin wiedersah— nur steht uns Normalmenschen eben diese Art von Krankheit ungemein fern, weil man sie nicht selbst durchgemacht oder an anderen ge- sehen hat..." „Ja, Fräulein Germaine, das. haben Sie sehr richtig ausgesprochen. Uns Normalmenschen, uns hier in unseren kleinen, ruhigen, geordneten Verhältnissen... Aber Ihr Bruder hat Erlebnisse gehabt, von denen s ch die meisten nichts träumen lassen. Er hatte die Enttäuschung mit seinem besten Freund, dann das Äriegserlebnis, in das er von der Schul- dank hineinstürzte— das muß ihn seelisch vollkommen zer- rüttet haben, er deutete es mir einmal an— dann fein erstes sexuelles Erlebnis, das auch vollkommen verpfuscht war. Ent- schuldigen Sie, bitte, auch das gehört ja bei uns zum guten Ton, über so etwas nicht zu sprechen— lieber lassen wir die Jugend ins Unglück rennen! Das alles in Verbindung mit der ganzen Zeit heute— es wackelt eben doch alles, eine Gesellschaftsordnung stürzt zusammen, denn die Revolution geht doch weiter, vie hat ja erst angefangen, und sie wird noch Jahre andauern— und nun steht mitten drin ein Mensch zwischen 18 und 21, fein gegliedert, außergewöhnlich begabt, aus hochgezüchteter Familie— sehen Sie. das alles sind ficht- bare Dispositionen für den Griff zum Morphium, ganz ab- gesehen von dem Unsichtbaren, das niemand wissen mag und das vielleicht noch ausschlaggebender gewesen ist." „Daß ein junger Mensch von seinen Fähigkeiten, von seinem Charakter so dahinsiechen muß", sagte Germaine ver- zweifelt,„und andere sind so gut durch alles hindurch- gekommen..." Der junge Arzt stand auf und machte sich an seinem Schreibtisch zu schaffen.„Andere... ja____ Fräulein Germaine, auch ich gehöre zu diesen anderen. Aber eines möchte ich Ihnen unter vier Augen doch �andeuten. Ich bin gerade noch durchgekommen, durchgeschlüpft durch eine winzige Lich- tung, durch ein Wunder, eine Gnade, oder� wie man es nennen will. Ihr Bruder aber ist meinen Schicksalsweg zu �Ende gegangen..." Er blätterte in den Büchern, die auf dem Schreibtisch lagen. Dann setzte er sich wieder seiner Besucherin gegenüber. „Aber es ist noch nicht zu Ende mit ihm, und es wird, es darf auch nicht mit ihm zu Ende gehen. Sehen Sie, er steckte ja tief darin, er nahm täglich ein Gramm, das ist ungeheuerlich— und jetzt ist die Dosis im Verhältnis dazu winzig, sporadisch— ich versuche immer mehr, sie durch Schlasmittel, durch Wein und anderes zu ersetzen. Ich denke, in ein paar Wochen sind wir soweit. Dann noch vierzehn Tage in eine Privatklinik mit Bädern und Packungen und Suggestion und was es alles gibt— und dann ist er dem Leben wieder geschenkt!" Germaine stand auf und wandte sich zuin Gehen.„Sie haben also wirklich Hofsnung! Dann dürfen auch wir nicht verzweifeln." Frau Loriot stand an der Gartentür, als Germaine herüber kam. Sie sah übernächtigt und verhärmt aus. „Er hat mir große Hoffnung gemacht", sagte Germaine, „und er glaubt, daß Walter bestimmt wieder gesund werden wird. Wir müssen nur Geduld haben..." Frau Loriot zog die Tochter in den Obstgarten, der hinter dem Haus lag.„Es ist so warm und sonnig heute, wir wollen uns hier ein wenig setzen— das ist besser als im Haus. Walter schläft jetzt— er hat mir wenigstens auf mein Klopfen nicht geantwortet. Wenn er nur nachts schliefe..." Germaine legte den Arm um die Mutter.„Es wird alles gut werden, Mama, du mußt nur den Mut und die Hoffnung nicht verlieren!" Frau Loriot erwiderte nichts. Sie stützte beide Arme auf den weißen Gartentisch und legte den Kopf in die Hände. „Germaine", sagte sie endlich,„ich muß dkr erzählen, was ich heute nacht gesehen habe, denn ich kann das nicht mit mir allein herumtragen. Ich wachte auf durch irgendein Geräusch, ich horchte, und da hörte ich sprechen Es war Walters Stimme. Sie war nicht laut, aber doch dem Ton nach vernehmbar in dieser lautlosen Stille Er ging vor meinem Zimmer im Korridor auf und ab, immer auf und ab, und'es hörte sich an, als ob er mit jemand spräche. Ich stand auf und öffnete die Tür. Er sah mich nicht, vielleicht erkannte er mich auch nicht. Er ging auf und ab und hatte seinen Arin um irgend jemand gelegt— es sah grauenhaft aus... Germaine, dieser Mensch, mit dem er sprach, um den er den Arm gelegt hatte, war einfach nicht da. Neben ihm war nur der'leere Raum, nichts weiter. Ich war wie ge- lähmt an allen Gliedern, ich konnte mich nicht bewegen, keinen Laut von mir geben. Ich weiß nicht, wie ich wieder in mein Zimmer kam. Ich weiß nur, daß mich plötzlich ein entsetzliches Grauen packte, daß ich nach langer Zeit aufstand und meine Tür verschloß, was ich noch nie getan habe. Aber es war wohl nur ein Ausdruck für etwas Unerhörtes, etwas noch nie Dagewesenes, das ich erlebt hatte. Ihn aber hörte ich noch lange hin- und hergehen und sprechen. Ich horchte an der verschlossenen Tür, er sprach vonr Krieg... Aber ich konnte nur einzelne Worte verstehen." Germaine saß ganz still.„Mutter", sagte sie endlich gepreßt,„das ist nicht das erste Mal. Auch ich habe Walter einmal so gesehen— gleich in der ersten Nacht, als wir aus Berlin hier ankamen. Aber mich hat es nicht so erschreckt— denn davon wußte ich schon." „Er denkt also immer noch an jenes Mädchen--?" fragte Frau Loriot müde. „Nein, Mutter, das ist etwas anderes. Auch dieses Mädchen wird noch irgendwie in ihm sein, als Abneigung, als Bitterkeit— als irgend etwas, denn das säht sich nicht abschütteln. Aber was tm heute Nacht gesehen hast, das ist etwas anderes, was noch viel tiefer in ihm sitzt. Dos ist vielleicht der tiefste Kern, der Schlüssel zu allem----. Da ist irgend eine Bresche in ihm geschlagen worden. Mutter, die erste entscheidende Bresche. Er ist in zwei Hälften ge- spalten worden— und nun sucht er immer wieder nach dem Einklang. Der erste Mensch, den er im Krieg getötet hat, bewußt und von Angesicht zu Angesicht, ist ein junger Franzose gewesen. Er glaubt, ihn vor sich zu sehen, er spricht mit ihm, schildert ihm alles und glaubt, tiefstes Verständnis zu finden. Mich ängstigt das heute nicht mehr, es erschreckt mich auch nicht, denn das muß so sein." „Und das sagst du so ruhig, als sei das die natürlichste Sache von der Welt? Germaine, siehst du denn nicht, daß das Wahnsinn ist, in den er da versinkt, grauenhafter Wahn- sinn? Weiß denn der Arzt davon?" Zu Tode erschrocken, mit entsetzten Augen sah sie die Tochter an.(Forts, folgt.) Die sieben Zwischenhändler Warum das Fleisch immer noch so teuer ist Sic Prcisgestallung für Fleisch und Fleischerzeugnisse gehört zu den eigenartigsten Erscheinungen, die der freie Handel aufzu- weisen hat. Man kann bei diesen Waren des täglichen Bedarfs schwerlich von einem Preisabbau sprechen, denn wenn auch zeit- weise Preisherobielzungen beim Fleisch stattfinden, kann man gewih sein, daß die Preise bei Wurst oder anderen Dingen wieder eingeholt werden. Mittlerweile hat �ch aber hqriungesprochen, daß der Erzeuger auf dem Lande den vierten bis fünften Teil dessen für Schlachtvieh bekommt, was der Konsument iin Laden zahlen muß. Im dänischen Nordschleswig müssen die Bauern das von der Sommerweide kommende Vieh notschlachten, weil niemand da ist, der es ihnen abnimmt; sie schneiden die besten Fleischteile heraus und vergraben den Rest. Wenn man diesen Ileberfluß an Schlacht- vieh bei einem ermäßigten Zoll über die Grenze lassen, in Wismar im Grenzschlachthaus schlachtet und nach Berlin verfrachten würde, könnte man dänisches Fleisch im Laden sür 40 bis 50 Pf. an Arbeitslose und Wohlfahrtsempfänger abgeben. Diese und ähnliche Vorschläge zur Berbilligung der Fleischpreise stoßen aus den härtesten Widerstand der deutschen Landwirtschaft. Warum halten sich aber, wenn der Landwirt sür sein Schlachtvieh so wenig bekommt, die Fleischpreise im Kleinhandel weiter auf einer so enormen Höhe? Untersucht man diese Frage, so ergibt sich eine sonderbare Rechnung, in der alles glatt ausgeht. Ueberall ist eine scheinbar glaubhafte Begründung bei der Hand, so daß der städtische Käufer beinahe noch froh darüber sein muh, wenn er ein Pfund Schweinefleisch durchschnittlich für 80 Pf. kaufen kann, für dos der Bauer im Lebendgewicht imr 32 Pf. erhalten hat. Der Borgong des V i e h e i n k a u f s auf dem Lande ist noch verhältnismäßig leicht zu überblicken. Zun« Bauer kommt der Makler, der die Verkaufsgelegenheiten dem Aufkäufer übermittelt. Der Aufkäufer arbeitet mit einem kleinen Aufschlag auf den Preis für den Viehhändler, dem er das gekaufte Vieh zuführt. Der Biehhändler in den Kleinstädten liefert das Bieh an den G r o ß v i e h h ä n d l e r, der es per Bahn nach den Großstädten verfrachtet. Letzterer will entsprechend seiner Unkosten für Transporte, Futter, Risikolajten usw. entsprechend verdienen. Auch die Steuerbehörde schaltet sich ein und erhebt von dem einen Gegenstand mehrfach Gewerbesteuer und Umsatzsteuer. Der Großviehhändler übergibt den Verkauf des Viehs den Vieh- k o m m i s s i o n s f i r m e n, die es auf den Schlachtoiehmärkten auf feine Rechnung und Gefahr an die Engrosschlächter weiter verkaufen. Sie erheben sür diese Bermittlertätigkest eine Provision von 1?-- Proz. Die Ware, auf den Auftriebsmärkten mit allerlei Sporteln und Abgaben belastet, hat sich im Preise nunmehr schon wesentlich verändert. Nach einem neueren Berliner Marktbericht wurden in der gangbarsten Klasse für Lebendgewicht gezahlt bei Ochsen 31 bis 34 M., Kälber 29 bis 46 M., Schafe 25 bis 27 M., Schweine 41 bis 44 M. Ehe aljo das Tier das Schlachtmesser spürt, lzat fem Preis schon �rnen Aufschlag bis 50 Proz. erfahren Bei der Verarbeitung der Ware entstehen weitere sehr bedeutende Zuschläge. Erheben doch einzelne Länder oder Geinetndcn-neben den sonstigen Abgaben Benutzungsgebühren— des Schlachthofes, Versicherung,— Untersuchung usw., außerdem noch wie anno Tobak eine Extraschlachtsteuer. Es'kommt zu den kuriosesten„Vcrschiebe"möglichkeitcn, denn ein jeder möchte sich von dieser Extrabcsteuerung drücken. Das in Bayern von, Oberland zur Schlachtung getriebene Vieh wurde zum Beispiel wegen der Besteuerung in,.Anlande" über die„Grenze" nach Ulm im werden diese Bruttojpannen amtlich bekanntgegeben, vor einem Jahr geschah es sogar öffentlich an den Anschlagsäulen. Diese Preisspannen betrugen nach einem der letzten Marktberichte durchschnittlich 19,3 Proz. und betragen bei Schweinefleisch 16,9, bei Rindfleisch 21,2, bei Kalbfleisch 30,4 und bei Hammelfleisch 32,4 Proz. Aach den Reinoerdienst des Ladenschlächters hat man aus das Gründlichste erforscht. Er wird in den Rahmensätzen der Steuerbehörde für Alleinbetriebe mit 10 Proz., für Mittelbetriebe init 9 Proz. und für Großbetriebe mit 8 Proz. beziffert. Zwischen Erzeuger und Verbraucher schieben sich also sieben Mittelspersonen wie Makler, Auftäufer, Viehhändler, Großviehhändler, Biehkommissionär, Engros» schlächter und Ladenschlächter, die alle verdienen und nicht zu knapp. Das Ganze ist ein höchst ungesunder Zustand. Kein Wunder, daß der Landwirt so wenig bekomntt, daß er dabei zu- gründe geht. Kein Wunder, daß das Fleisch für den Konsumenten so teuer ist. Die deutschen Konsumgenossenschaften möchten nun zum Beispiel sehr gerne unter AusschaUung der Zwischenhändler unmittelbar vom Produzenten kaufen, wobei sich Landwirt und Konsument besser stehen würden. Aber die verantwortlichen Vev- trcter der Landwirtschaft, Deutfchnationale, Nazi und Mittelständler als Todfeinde der Konsumgenossenschaften und im Grunde ihres Herzens mit feinen sieben verschiedenen Mittelspersonen ein Herz und eine Seele, lehne» es immer noch ab, mit den Genossenschaften mehr zusamnienzuarbetten. Erst wenn die vieherzeugende Landwirtschaft eingesehen haben wird, daß Deutschnmttonale, Nazi und Mittelstand ihre schlimmsten Feinde sind, wird es anders werden. ver Mmdcn am HodAalmviadum. Ermüdungserscheinungen in der Eisenkonsiruktion. Württembergischen gebracht, um es dort frei zu schlachten und dos Fleisch nach den norddeutschen Wurstsabriken zu oersenden Auch Sachsen und Baden schützt seine Grenzen mit dieser Sondersteuer. die indirekt eine mehrfache Auflage erfährt, wenn sie der Viehändler dem Produzenten, der Engrosschlächter dem Großvieh- Händler usw. aufzuhalsen versucht. Biel zu viel Engrosschlächter. Der E n o r o s s ch l ä ch t e r hat die Aufgabe, das von ihm ausgewählte Vieh in den Schlachthöfen zu schlachten>md kaufgerecht zu verarbeiten. Diese Art Arbeitsteilung ist durchaus sinngemäß, denn für den Ladenschlächter ist es zu umständlich, das Vieh zu schlachten. Nur liegt in der ungeheuren Aufblähung dieses Berufes ein Grund mit der zu übermäßigen Verteuerung des Fleisches. Losten sich doch Vcrdicnstspannen bis zu 50 Proz. in diesem Gcwerbezweige errechnen. Die Zahl der Engrosscklächter, die heute in Berlin ungefähr 1000 beträgt, war im Jahre 1913 etwa 400. Alles drängt sich zu diesem einträglichen Erwerb, bei weniger Risik,'lastest und Betriebskopital erfordert wie das Laden- schlächtergewerbe. Der gewaltige Slufschlag, den das ausgeschlachtete Fleisch in diesem Stadium der Verarbeitung erfährt, wird motiviert mit den Schlachtverlusten, auch Tara genannt, die den ganzen Abgang wie Häikte, Därme, Blut, Knochen usw. umfaßt. Er wird bei Schweinen mit 20, bei Kühen mit 50 bis 60, bei Schafen mit 50 Prozent vom Lebendgewicht errechnet,'doch ist er bei besten Fleisch- sortcn wesentlich geringer. In normalen Zeilen wuitcn aus der Verwertung der Abfälle, zum Beispiel des Felles, der Därme, Borsten usw. sämtliche Kosten des Schlachtens gedeckt, einschließlich der Versicherung, Futterkosten, Untersuchung usw. Heute ist aus diesen Sachen nicht viel zu erzielen, weil die Preise sehr niedrig liegen. Die verschiede» gestaltete Beanspruchung der Engrosware, auch ihre Güte in den verschiedenste» Qualitäten, läßt keinen einheitlichen Fleischpreiz zu. Während der Ladenschlächter früher meist ganze Schweine und Rinder kaufte, werden diese jetzt schon gevierteilt oder nur in Spezialstücken oerlangt. Zur Spargelzeit werden Kotelett st ücke und Schinken begehrt, zu anderen Jahreszeiten anderes Fleisch. Zur Zeit liegen Schinken absolut fest und' und werden bereits in i t 5 6 bis 6 0 Pf. pro Pfund angeboten. Der Engrozschlächter kalkuliert natürlich die minder bezehrte Ware wie Talg, Fett und anderes in die bevorzugtere mit ein. so daß für diese»in ganz aicherer Preis erscheint al? der, den das kaufende Publikum gern hören möchte. Preisspanne. Die Ware beim Ladenschlächter erhält durch ixt verschieden« handwerksmäßige Aearbettung wiederum ein neues Gasistst, das sich in den dtfserenziertestsn Preisen der Wurstwaren und der einzelnen Fleischteile erkennbar macht. Das St a t i st i s ch e Amt der Stadl Berlin hat es sich feit langem angelegen fein lasten, diese Preisspannen vom Engrosschlächter zum Laden- schlächter zu niesten und zu registrieren, schon um bei der Kaistrolle de? Umsatzstcueibeiträgc nicht zu turz zu kommen. Allwöchentlich Der am Sonnabend entdeckte Schaden am alten Hochbahn- viadukl in der Gilschiner Straße hat vielfach Beunruhigung hervorgerufen, und es ist die Auffassung laut geworden, als ob solche Beschädigungen jetzt öfter austreten und damit den ganzen, über 39 Zahre alten Viadukt bedrohen könnten. Wie wir hierzu erfahren, ist zunächst die Unterstellung un- gerechtfertigt, daß dieser Schaden überhaupt nur durch mangelnde Kontrolle oder infolge non Sparsamkeitsmaßnahmcn möglich ge- wesen sei. Von zuständiger Stelle wird darauf bingewiesen, daß an ollen Eisenkonstruktioncn, an Brücken, Glek—irpern, Wagen- gestcllen usw. Schäden auftreten können, deren Entdeckung eben durch die regelmäßige Kontrolle erfolgen muß. So läßt auch die BVG. die Konstruktion des allen Hochbahnviadukts der Oststrecke immer wieder in genauen Zeitabständen mit Präzisionslnstrumenten überprüfen, und so wurde am Sonnabend der Riß in der einen Meter langen Diagonale entdeckt. Dieser Kon- struktionsteil, der übrigens in dieser Form heute nicht mehr an- gewendet wird, ist doppelt gesichert, so daß der Riß keineswegs be- deuteie. daß nun der ganze Viadukt an dieser Stelle zusammen- brechen müßte. Man hat den Verkehr noch Auffindung des Schadens nur deshalb unterbrochen, weil man vermeiden wollte, daß durch die notwendige Ueberbelastung der anderen Konstrnk- tionsteile in der Umgebung der schadhaften Stelle eine Lockerung der Bcrbände und damit eine Ausbreitung des Schadens eintrat. Immerhin wird man auf alle Fälle jetzt nicht nur die gebrochene Diagonale, sondern auch weitere Eisentelle in ihrer Umgebung aus- wechseln, um ganz sicher zu gehen. Man nimmt an, daß der Riß in der Diagonale auf Ermüdungserscheinungen im Eisen zurückzuführen ist. Um sich darüber zu vergewissern, ob solche Erscheinungen auch an anderer Stelle des Viadukts auftreten, wird man jetzt neben der genauen Kontrolle mll Meßinstrumenten auch einzelne Eisenstäbe aus verschiedenen Stellen der Konstruktion entnehmen, um sie metallurgisch im Materialprüfungsamt unter- suchen zu lassen. Es ist anzunehmen, daß sich auch die Auffichts- behörden mit diesen Fragen noch näher befasten werden. Von zuständiger Seite wird oersichert, daß zu irgendwelchen Bcfürch- tungenhinfichtlich der Sichcrbeit des alten Hochbahnviadukts kein Anlaß besteht. Berlins Erwsrbslosensiediuna. Beratung im Ausschuß.— Donnerstag Verabschiedung. 3m Rathaus wird jetzt mit Hochdruck an der verabschie- dung der Vorlage über die Erwerbslosensiedlung gc- arbeitet. Gestern vormittag wurde das Programm des vlagislrals im A u ss ch u h gutgeheißen und der Bereitstellung des städtischen Geländes für die vorgesehenen t800 Siedlerstellen und die 509 klein- gärten zugestimmt. Es wurde zum Ausdruck gebracht, daß die Maßnahme eine» ersten versuch darstelle und daß sofort nach Fertigstellung der ersten Siedlerstellen die vorarbeiten sür eine Ausdehnung des Programms vorgenommen werden müssen. Die Stadtverordnete nvcrsamnilung wird das Programm am Donnerstag beraten. Der Ausschuß schlägt dem Sladtparlamenl vor, den Erbbauzius für das Kleinsiedluagsgelände gegenüber dem Magistratsplan um 2 Pf. zu ermäßigen und auf 4 Pf. festzusetzc». Das Gelände für die Kleinsiedlung wird auf etwa 30 Jahre in Erbbaurecht zu einem Zins von 4 oder 6 Pfennig je Quadrat- meter und Jahr, und das Gelände für die Kleingärten auf di Dauer von 10 Jahren zu einem Pachtzins von durchschnittlich 2 Pfennig je Quadratmeter und Jahr gegeben. Für die Durch- führung des Programms stehen der Stadt Berlin'vom Reich: 5 Millionen Mark zur Verfügung. Die Arbeitslosen müssen ihre Anträge an die Arbeitsämter richten, bei denen in den nächsten Tagen besondere Fragebogen ausliegen werden. Zuchthaus für Heiratsschwindler. Immer wieder lassen sich die Mädchen betören. Als ein Fall von so großer Gemein heil, wie man sie fetten in Moabit erlebt hat, stellte sich nach Ansicht des Gerichts die Hand- lungsweife des vorbestraften, 29jährigen Wirtschaftsinspektors Georg Änbatta dar, dessen Straftaten vor dem Schöffengericht Berlin-Mitt« zur Aburteilung gelangten. Im August 1929 hatte sich Kubatta mit einer Hausangestellten Toni M. verlobt und von thr größere Beträge geliehen. Als sie das Geld zurückverlanzte, da es sich um ihre gesamten Ersparnisse hcmdelle, spiette er den Beleidigten und oerließ sie. Vorher ober hatte er bereits Verbindung mit einer Gärtnerin, die er schon von früher kannte, angeknüpft und sich auch mit ihr verlobt. Er erzähtte ihr, daß er ein Gut kaufen wolle. Da sie selbst kein Geld hatte, borgte sie sich von einer Verwandten, einer Geheimrätin, 50 0 0 M., die sie ihm zur Zlnzahlung gab. Dann verschwand er imd ließ nichts mehr von sich hören. Nach einiger Zeit schrieb er ihr reumütige Briefe aus Holland. Das Mädchen verzieh ihm auch und er kehrte zurück, um imn nochmals die Geheimrätin zu überreden, ihm weitere 2000 M. zur Verfügung zu stellen. 2llS er daz Geld in Händen hatte, verschwand er von neuem, mn sich mm seiner' ersten Braut wieder zu nähern. Unbegreiflicherweise verzieh auch sie ihm, und er gewann auf sie einen derartigen Einfluß, daß er es fertig brachte, das junge Mädchen zu einem Scheckdiebstahl zu über- reden. Er gab dann mehrere Schecks mit falscher Unterschrist aus. Zwischen diesen beiden Verlöbnissen hatte der Gauner auch noch ein drittes Mädchen schmählich betrogen. Kubotta wurde wegen Betruges i» vier Fällen, teilweise mit Urkundenfälschung verbunden, wegen Anstiftung zum Diebstahl und wegen Hehlerei zu zwei Jahren drei Monaten Zuchthaus verurtetlt. Die verführte und betrogene Hausangestellte wurde noch obendrein wogen Betruges und«veqen Diebstahls zu 100 M. Geldstrafe verurteilt. Der Tod am Hochzeitsiag. Unglücksfall oder Selbstmord. An der Bahnstrecke Kaulsdorf— Friedrichsfelde-Ost wurde heute früh der 35 Jahre alte Landwirt Otto E o n p e r t aus Jäckeksbruch, Kreis Oberbarnim, etwa 300 Meter von der Station Friedrichsfelde- Ost entfernt auf den Schienen t o t aufgefunden. Der Schädel war völlig zertrümmert, der Tod muß auf der Stelle eingetreten sein. Bisher tonnte noch nicht einwandfrei geklärt werden ob Unglücks- fall oder Selbstmord vorliegt. Neuer Zoodirekior. Der langjährige wissenschaftliche Letter des Berliner Zoo- logischen Gartens, Geheimrot Professor Dr. Ludwig Heck, hat sich mit Rücksicht auf sein vorgerücktes Lebensaller entschlossen, mtt Ab, lauf des Jahres sich von seinem Amt zurückzuziehen und in den Ruhestand z'u treten. Der Aufsichtsrat des Zoologischen Gartens hat in seiner legten Sitzung da» Rücktrittsgesuch des Geheimrats Dr. Heck genehmigt und zugleich beschlossen, zum 1. Januar 1032 den bisherigen stellvertretenden DireUor Dr. Lutz Heck, den Sohn Geheimrats Heck, zu seinem Nachfolger zu ernennen. Dem neuen Direktyr sind im wesentlichen die in den letzten Jahren entstandenen Neuanlagen und Freigehege zu danken, wodurch das ganze Schau- bild des Zoos wesentlich gewonnen hat. Ii« Groß-Berlin besonders hat sich Dr. Lutz Heck auch um die Besetzung des Grunewalds und städtischer Parkanlagen mit einheimischen Tieren ver- dient gemacht. Darüber hinaus ist er mit Erfolg für die Erhaltung aussterbender Tierarten, wie der Wisente und der Biber ein getreten. Der zurücktretende Direktor Geheimrat Heck, der sich im 71. Lebensjahr befindet, ist am Berliner Zoo seit 1888, olsn 43 Jahre, tätig._ Kameradschaft zwischen den Völkern! Genosse Erispien spricht im 4. Kreis. Das Elysium-Theater in der Prenzlauer Alle, Ecke Danzigcr Straße, war am Sonntag schon lange vor 11 Uhr dicht gefüllt. Der 4. Kreis der Berliner Sozialdemokratischen Partei veranstaltete eine Kundgebung, bei der zur Einführung für den Film „Kameradschaft" das Mitglied des Parteivorstandes Genosse Erispien sprach: Einundzwanzig Jahre sind verflossen, sett die Meldung über das Unglück im Bergwert von Eourrleres, bei dem mehr als tausend französische Bergarbeiter den Tod fanden, die Welt durcheilte. Damals machten sich die deutschen Bergarbeiter auf, um den französischen Kumpels zu helfen. Es zeigte sich jene- Höchstmaß proletarischer Solidarität, aus dem heraus gerade im Augenblick der größten Gefahr dem bedrohten Bruder geholfen wird- Der Film knüpft an dieses historische Er- eignis an. Er verlegt das Unglück in die Nachkriegszeit, aber er läßt auch da offenbar werden, daß über die Grenzen hinweg das Proletariat sich die Hände reicht. In seinem Referat unterstrich Genosse Erispien mit besonderer Stärke dieses Moment. Er sagte: „Der Film zeigt, wie nachher nach dem ungeheuren Unglück, bei dem die Grenze» gefallen waren, die Grenze selbst unter der Erde wieder aufgerichtet wird. Beamte tauschen Protokolle aus, es ist wieder, wie es vorher war. Das kann uns nicht genügen. Wir Proletarier gehören zusammen über die Grenzen hinweg! Uns kann keine Grenze trennen, well wir das- selbe Leid und die gleichen Lasten tragen. Wir wollen und er- streben gemeinsam, daß die gegenwärtige Welt des Kapitalismus � mit ihren unsinnigen- Grenzen abgelöst, wird durch den voller- befreienden Sozialismus! Erispien betonte in seiner Ansprache vor allen, auch, daß die Verständigung zwischen Deutsch- land und Frankreich eine Lebensnotwendigkeit für beide Völker sei. Erispiens Ansprache fand begeisterten Beifall. Die Ver- anstaltung wurde von Musik und Vorträge umrahntt, die wohl- geeignet waren, den Parteigenossen zu zeigen, warum uns Sozial- demokraten das heiße Streben nach Frieden zwischen den Nationen und der Wille, die Wohlfahrt aller zu verwirklichen, beseelen. Die kämpferischen Verse, die der junge Genosse Etzkorn vortrug, waren von besonderer Wirkung. Unsere Genossen vom 4. Kreis haben auch durch diese Veranstallung bewiesen, daß die Sozialdemokratie fest gewilll ist, durch positive Leistungen den nationalistischen Httlcr- Spuk zu bannen. Werbeabend der Freien Schulgesellschaft Tempelhof. Die Frei« Schulgesellschaft Tempelhos veranstaltet am 19. Dezember. 19.30 Uhr. einen Werbeabend im Sportrestaurant Karlshöhe. Attilastraße. Eintritt 25 Pf.. Erwerbslose und Kinder 10 Pf. �Fur 60 io Apo«Uekeii uulj Dfogcnen. � &mmn. Schaffen� mchi feiern. Lugendamt Vrenzlauer Berg zeigt Erwerbslosenarbeiten. Im Jugendheim Immanuelkirchstraße 24 hat das Bezirksamt Prenzlauer Berg eine Ausstellung von Arbeiten 'einer jugendlichen Erwerbslosen veranstaltet, die täglich von 15 bis 21 Uhr, Sonntags von II bis 18 Uhr geöffnet ist: was hier gezeigt wird, das sind nicht bloß Geschicklichkeitsprodukte und Beschästigungs- 'nöglichkeiten, sondern tiefernste Kapitel aus dem Leben junger Menschen. Da sind Lehrlinge, die nicht einmal ihr Gesellenstück beim Meister machen konnten, weil sie kurz zuvor die Stellen verlassen . mißten, Maurer, die, Jahr und Tag ohne Arbeit, ihre arbeits- 'chweren Hönde an seine Buchbinderarbeiten gewöhnt haben. Schlosser bauen feinste Tischlerarbeiten, beispielsweise ein ganz eigen- artig konstruiertes Schachspiel und noch vieles andere ist erstanden, aus den Händen ungelernter, aber außerordentlich begabter Ar- beitsr; Bucheinbände, Alben, Kästelten. Schränk«, Stühle, Radio. kästen von den Jungens. Wäschearbeiten, Kleider und kunstgewerbliche Handarbesten von den Mädchen. Eine Abteilung aber spricht eine besonders eindringliche Sprache: die Schusterei: Schuhe bauen wurde zur Pflicht, weil die Füße in abgerissenen Lederjetzen stocken: und gerade diese Abteilung mußte ihre Arbeit einstellen und darf nur mehr Lederarbesten ausführen. Außer dieser handwerklichen Be- tätigung wird aber auch auf geistige Beschäftigung und Fortbildung gesehen, es bestehen Kurse in Deutsch, Stenographie, Arbestsrecht, Volkswirtschaft usw.: dem Spiel und Sport ist Raum gegeben, in der Waschküche und Plästswbe können sich die Mädchen ihre Wäsche in Ordnung hallen. So wird alles getan, um dem Tätigkeitsdrang dieser jungen Menschen wenigstens etwas zu lindern. Es sind etwa 250 Jugendliche, die auf diese Weise in vier Jugendheimen des Bezirkes betreut werden. Milllärkonzerk km Zirkus Busch. Im Zirkus Busch fand am Sonntagoormistag das zweite Winter-Militärkonzert des Wehrkreiskommandos III statt. Unter Leitung de? Musikinspizienten Schmidt spielten acht Musikkorps des Standortes Groß-Berlin Werke von Händel, Schubert und Karl Maria von Weber. Der zweite Teil des Konzerts war der Marschmusik vorbehallen. Zum Abschluß wurde der Große Zapfenstreich gespielt. Rundfunkvorkrag über den InHall der Rolverordnung. Ueber die finanzpolitischen Maßnahmen der neuen Notoerordnung spricht Ministerialdirektor Dr. Zarden heute abend, 19 Uhr, über olle Die„Stimme zum Tag' deutschen Sender. fällt aus. Eisleadungea f&r diese Rubrik sind Berlin SB SS» Lindenftratze S. pariemachrichten ornür Groß-Berlin bete an das Bezirtssekretariat 2. Hos, 2 Treppen recht», zu richten Beginn aller Veranstaltungen 1914 Uhr. sofern keine besondere Zeitangaleek heule, vlenslag, 15. Dezember. *■ Rrei». Zuteressiertr Parteigeuoffe» haben gegc» Su»u>ei,(Mitgliedsbuchs Zutritt zur Mitzliebcrucrsäiumluag der SRI. Preuzlauer Bern i» der Pafteurku. 44— 46, 2D Uhr. Ss spricht diese Senasfi» Toui Sender, sR. d. Zt., „Ätc wieder VAlkermord�» 7. Zirei,. Schinna, Erwerb-lpse! Meldet eure b— Ujibrigeu Sinter zweck, Teilnahme an der Mntersanneawendseier der Ärnberfrennde in der Volk». sühne am Tonntag, 20. Dezember, �bi» Donnerstag. 17. Dezember, bei der Senosfia Warmnthi Um Bahnhos Westend 3, l. Porral; bei der Senass kel. Snerickestr. 4t. link.""'•---• osinenstr. 4, Seitensliigel. Snerickestr. 41, linker Seitenflügel, und bei der Senossiu Bei Henkel Rosine �..„ 12. ftrcis.»reionorstandssiznng an bekannter Stelle. i. Abt. Der Arbeltskreis junger Sozialdemokraten tagt wegen der jkrers. M'' 18. Dezember, bei Burg, Sebapign- ?4. mit�lu�rversommlung. erst Freitag,:| Äbt? Die heut«, Dienstag, angesetzte Aunktionärfitzuna fäl mrstanbssttzung mit Bezirkskossiercrn bei Pomme. fällt au». i« h< �. 8S. Abt. 30 Uhr erweiterte rening. Berliner Str. 100. i03. Abt. Zusommeolunit der erwerbslosen Genossinnen und Eenossen IM Lokol Trompter, Luifenstr. l, von I»— lS Uhr. Porteibuch mitdringen. 140«. Abt. � �.....* WM" der hou«, Restdenzs teilung aufgefordert. 143. Abt. Heute Areismitgltederuersommlung. Tief, Punkt 10'» Uhr Dorvrt. bohnhos Waidmonnslust. Morgen. Mittwoch. 16. Dezember. ». Abt. Arbeit» krei, junger Parteigenossen bei Dobrohlaw, Swinemündcr Etratze lt. ». Abt. 30 Uhr im Rotionalbos. Biilowstr. Sl. Referent Wolszang Schwarz: „Die innen, und außcnooiirrsche Lage". � � 14. Abt. 30 Uhr Fusommenlunst der jungen Portelgenossen bei Röwer. Swine. Münder Str.«. Referent Erich Dendicke. Thema:„Aulturprogromm des Soriolismus.— Die Schule". . Gruppe junger Portelgenossen bei Äopprosch, Binetoplotz 8. , Zunge Genossen: 20 Uhr gusommenknnst,„Borworts".Speduton ttstr. 9. Paul Bernstein: ,.Do» Erfurter Programm". ul. Ecke Christianiastratze. IZ. IS. Ahl BatMW>W»»W»>»> 30. Abt. 30 Uhr Fahl abend bei Dontle, A."--- 22..... W_________________ Darteig-noss-n. Referent Genosse Wiedeck. 23. Abt. Diskusssonsabend der illnaeren Parteimitglieder. Thema:„Politik und Wirtschaft". Referent Genosse Dr. Gregor Bienstock. 33. Abt. Die Aonserenz der Selker der Gruppe jüngerer Parteimitglieder am Mittwoch findet mit Rücksicht aus d>» Kreismitgliederversommlung nicht statt.— Voranzesg«! Sonntag. 30. Dezember, Wanderung in den Grüne. wald. Treffpunkt 0 Uhr Warschauer Brücke. 48. Abt. Die Abteilungsoersammlung sällt wegen der Kreismltgliederver- sammlung am 16. Dezember au». Alle Genossen beteiligen sich an der llreismitgliederoersamminng. 57. Abt. Alle Parteigenossentinnen) besuchen die Zlreismitgliederoersammlung im Türkischen gelt. 63«. Abt. 20 Uhr Mitaliederxertammlusg, Lolal„Zum allen Srer". Garte». selber Strohe Ecke Berliner Chaussee.„Die neue Rotnerordnung." 68. Abt. Sandmann, Westfälische Str. 43, Mitglieberverfanunlung. Hans Plellner:„Die neue Notnsrardnung". 82. Abt. 30 Uhr Mitgliederversammlung bei Schellhase, Ahsrnftr. 13«. Rescrent Genosse Victor Schiss:„Die neue Lage". 83. Abt. 30 Uhr Zahlabend de» 13. und 13. Bezirks rm Birkenwäldchen, Ma» teuffelstrahc. Referent Genosse Rektor Fritz Schmidt:„Weltliche Erziehung und weltliche Schule". 90. Abt. Züngerengruvpe: 20 Uhr im Lokal von Schreiber, Flughafenstr. 5. Referat des Eenossen Schlimme Uber„Die gegenwärtige Wirtfchaftslage und ihre Auswirlungen". 93. Abt. 20 Uhr junge Parteigenossen, Jugendheim Treptower Str. 96.„Wir antworten unseren Gegnern." 93. Ab.t gahlabend bei Damm, Hertzbergslr. 22, Bortraz des Genossen Ernst Reumann. 94. Abt. zahlabend. 70., 03.. 96. Bezirk: Lokal»well-, Olersir. 15. 99«. Abt. Die Gruppe lungcr Sozialdemokraten veranstaltet in der Schule Parchimer Allee am Mittwoch einen satirischen Abend mit Rezitationen und volllisch-satirischen Revuen. Anlchliehend gesellige» Beifammensein. Genossinnen und Genossen sind als Gäste herzlich eingeladen. ll8. Abt. Erste Zusammenkunft der jüngeren Parteigenossen bei Tempel, Gudrunstr. 7. Ernst Markwitz spricht über„Die Grundbegriffe des Sozia. lismus". 138. und 129. Abt. Arbeitskreis junger Parteigenossen: 20 Uhr Türkische» gelt, Prelle Strohe. Genosse Decker spricht über„Dos Wirtschaftsprogramm der Nationalsozialisten'''. Aussprache über unsere Werbezeituna. 138. Abt. Mitgliederversammlung im Lokal„Zum Forsthans", Auguste.Biktorio. Strohe 34. Dr. Richard Mischler:„Unsere Partei und die Notverordnung". Donnerstag. 17. Dezember. 13. Treis. Achtunal Erwerbsloscnznsannnenknnft 14 Uhr. Musilnochmittag mit Genossen Dr. Herbert. 8. Abt. Arbeitskreis:„Unsere Stellung zur SAP." im Jugendheim Genthiner Strohe 17. 38. Abt. Mitgliederversammlung findet nicht statt. Die Genossen beteMgen sich an der Rreismitgficderverfammlnng. 80. Abt. 20 Uhr Sitzung des engeren Vorstandes bei Göritz. 103. Abt. Äreismitglicderversammlung, Lokal Tpffbäuser, Niederschöneweide, Berliner Str. 9l. Alle Genossinnen und Genossen müssen sich daran be. teiligen. 108. Abt. Restaurant„Stadttheater", Friedrichshagen, Marktplatz. Mitglieder. Versammlung. Thema:„Die Polizei im heutigen Staat". Referent Polizeipräsident Genosse Grzesinski. �lbt. zep«n!ck»Rosentbal. 30 Uhr Zahlabend bei Meisel, Bahnbofsiiahe. Refe. rent Genosse Äutlner. Freitag. 18. Dezember. 93. Abt. Die fllr Freilag vorgesehene F'lnktionärpersammlnnz findet wegen der Treisfunktionärversammlung nicht stall. Selti«» blinder Parteigenossen. Nächste Versammlung am 18. Dezember, 20 Uhr, bei Palmowski, Grohe Hamburger Str. 38, Ecke Eophienstrahc. Genosse Rohde spricht über„Gefahrenmomente der Sozialversicherung und Für. sorge". Frauenveranstaltung. 34. Abt. Mittwoch, 16. Dezember, 19 lz Uhr. tm Jugendheim Rosinenstr. 4. Referent Dr. Norbert Marr:„Sozialhvgienlsche Forderungen für die Pro» letariersrau". Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. 19. Treis. Dienstag. 15. Dezember, 20 Uhr, bei Schnorre, gehlenborff Pvts. damer Str. 3, letzter Turfusabend. 20.»reis. Dienstag, 15. Dezember, tm Jugendheim Hermsdorf, Roonstr. 10, Sitzung des erwcllerten Trcisausschusses. Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen. Kreisgruppe Kreuzberg. Bersammlung Dienstag, 15. Dezember, 30 Uhr, 83. Schul«. Dieffenbach. ftrahe 01. Scnnfle Trüger:„Sin Jahr Anstanschlehree in Pari,". Vortrag mit Lichtbilder«. « Arbeitsgemeiuschasl der Kiuderfreuude Groß-Berliu. Borftanbsfitznnq Dienstag, 22. Dezember, Beginn pünktlich 20 Uhr. , Rllte, Fritz Wille: Heute um 18 Uhr lomml die gesamte Gruppe f. in der Turnhalle Töpenicker Str. 125 zur Eprechchorübnng zusammen. 5 Alle Falken, auch Nestfalken, müssen erscheinen. Friedrichshain: Morgen, Mittwoch, 18 Uhr, erscheinen alle Jung. und Roten Fallen Litauer Str. 18. 10 Pf. mitbringen. Dienstag, 22. Dezember, t9?l Uhr, Trsishelfersitzung, Dtestelmeperstr. 5—6. Zur Sonnenwendfeter in der Volksbühne treffen sich die Gruppen Sonntag, tgrtz Uhr an ihren Treffplätzen. Die Sänger treffen sich 13 Uhr Landsberger Platz. sich 1 Stunde später an der Volksbühne. Eingang Linienstraße. Sterbetafel der Groß-Berliner partei-Oraanifation j 18. Dezember, Ehre ihren , 19)4 Uhr. im Trematorinm Gerichtstraße statt. 28. Abt.'Am 11. Dezember verstarb nach kurzem Trankenlager unser Ge» noss' G u st a v P i n n e r, Tresckowstr. 36 Ebre seinem Andenken! Mehr ol» 40 Jahre hat der Verblichene der Partei angehört und treu gedient. Die Ein» äscherung findet am Mittwoch, 16. Dezember, 11)4 Uhr, im Aeewatorium Gericht. straßc statt. 93. Abt. Am Freitag, 11. Dezember, verstarb im Trankenhaus tm 43. Lebensjahr unser seit über 3 Jahrzehnten zur Partei stehender treuer Freund und Mitlämpfer Genosse Otto Jessel, Richardstr. 63. Ehre seinem Andenlenl Einäscherung Mittwoch, 16. Dezember, 19'.) Uhr, Trematorrum Baumschulenweg. Um rege Beteiligung bittet der Abteilungsporstand. 115. Abt. Unser altbewährter Genosse Erich Fenninger, Finow» straßc 8, im am Freitag, 11. Dezember, verstorben. Ehre seinem Andenken! Einäscherung Donnerstag, 19. Dezember, 18 Uhr, Trematorium Baumschulenweg. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rol-Gold'. GelchöMssteM«: Berlin S 14 Sebaliianstr 87—88 Ao> 2. Tr Friedrichshain: Mittwach, 16. Dezember, 26 Uhr, Tameradschast llndrea», MitgUeberversammInng in Schmidt» Gesellschaftshau», Fruaitstr. 36«. Referent Tom Stadtrat Günther.— Renköllu-Britz: Mlltwoch, 16. Dezember, 19)4 Uhr, Dorttag, Heimabend, Jugendheim Bergstr. 29. Arbeiter-Samariter-Bund e. V.. Kolonne Berlin. SeschSsttstell«: N. 24. Gr. Hamburger Str. 39. Tel.: v I Norden 3346. '( Mittwoch. 16. Dezember, Technikersitzung. Bortrag des Direktors Trebs ' ton der Erziehungsanstalt Lindenhos über„Erziehungsfragcn. Verein der Driesener zu Berlin. Mittwoch, 16. Dezember, 20)4 Monatssitzung in Landree» Wetßbierstnben, Gruner. Eck« Rene Frledrtchstras. Sonntag, 27. Dezember, 17 Uhr, gemütliches Weihnachtsbelsammensetn in Tliems Festsälen, Hasenhetde 13—15, Neuer Saal, L 4 Uhr. h straßc. „Sturnrvogel", Flnsoervand der Werktittinen, e. B., Vitsgruppe BerNn. Treuzberg. Sitzung am Mlltwoch, 16. Dezember, um 2V Uhr, Restaurant Pil- sator am Tattbusser Tor. Religiöse Gesellschast der Freunde(Quäler), Prinz.Lauis.Ferdtnandstt. 5. Donnerstag, 17. Dezember, 1994 Uhr, Vortrag und Aussprache:„Unser Tampf' sür den Frieden". Ferner scdcn Sonntag, 10 Uhr,„Schweigende Andacht", 18 Uhr ebenfalls und Ansprache. SozialistischeArbetterjugendGroß-Verlln Ewlendungen wr diese Rubrik nur an da» Zugendsekrerartat Berlin SW 68. Lindenstraß« 3 heule. Donnerstag, 19J4 Ahr: Arkon aplatz. LIrsabethtirchstr. 19:„Sitte— Scham unl) ÄorPergefithl".— ÄbUnifchct Piut: Watsevstr. 18:„Arbeiterdichtung".— Zentrum: Lanbsberaer Straße Ä):„Rechte und Pflichten im Staat". Brunnen platz: Wiesen. Ecke 7.... 7-..���,. ,334.« ri 73* Pankstraße:„§ 218".— Gesundbrunnen I: Gotenburger Stt. 2(Schule): „Tagesvollltsche Fragen".— Leopoldplatz: Willbenowstr. 51:.Pehn. Minuten. Referate".— Schillcrparl: Schöningstr. 13:„Tagespolllik".— Wedding, Rate Fallen: Willdeuawstr. 5:„Proletarische Jugendbewegung im Ausland".— Wcddiug-Nard: Turiner Ecke Seesttaße:„Moderne Ehe.— Hasenheide: Wassertorstraße 9:„Was brachte der Wirtschastsbetrot?"— Reichcuberger Viertel: Retchenberger Stt. 66:„Weihnachtsfeier— Sonnenwende— Sozialismus".— Südwest: Lindenstr. 4:„Zehn. Minuten. Reterate".— Schöneberg III; Haupt. straßc 15:„Bürgerliche und proletarische Kultur"— Friedenau: Offenbacher «traß« 5«:„Äinderfreunbe und Rote Falken".— Schöncberg st': Hauptstr. 13: .Wie kam der Faschismus zur Macht 7"— Eharloitenburg-Rard: Kaiserin. Augusta. Allee 97«:„Tagespolitik".— Eharlotteubura-Süd: Wallstr. 76: Be. sprechung für die Weihnachtsfahrt.— Steglitz l: Albrechtstr. 47«:„Tages. pollltk".— Rcn-Tempclhof: Wintgenfttaße:„Karl Marx".— Britz: Arbeit». gemeinschaft bei Eberletn, T-lbergstt. l2o.- Neukölln lll: Ziethenstr. 58: Ar. bettsgemetnschaft.— Reukölln lV: Kanner Straße, Raum II: Arbellzgemein. schaff.— Neukölln VI: Treptower Str. 95— 96: Arbeitsgemeinschaft.— Ren. toll» VIN: Rittlischule, Zimmer 28:„Freidenkerorganisation".— N-uIölln IX: Schterkestr. 44: Arbeitsgemeinschaft.- Rcnkölln X: Bergstr. 29:„Wirtschafts. Imperium USA."— Reukölln II: Fluqhaksnstr. 68:„Sozialversicherung und Tarifrecht".—-------r....."---- Reiuickendors.t Bahnhofstr. 15.____________________________________.W WD__ und KPD."— Pankow I und II: Görschstraße:..Spott, Ironie und Satire".— Töpenicker Viertel: Ueben um 20 Uhr im Gewerkschaftshaus. Werbedeztrl Prenzlauer Berg: Mitgliederversammlung 19)4 Uhr Aula Pasteurstr. 44— 46. Toni Sender spricht:„Nie wieder Völkermorden". Jnter» essicrte Parteigenossen haben gegen Mitgliedsbuch Zutritt. Allgemeine Wetterlage. QHaW sS> QwBll8ft=Nebei,'KGtwiitBt@Wiiditiile In Nord» und Miiieldeutschland herrschten am Montag westliche Winde, die zum Abend immer mehr auffrischten. Es wurde an der westlichen Ostsee bereits Windstärke 6 bis 7 festgestellt. Das durch die Westwinde bedingte milde Weiter griff allmählich auch aus Ostpreußen über. Im Süden des Reiches blieb die Witterung unter Hochdruckeinfluß ruhig und ziemlich kühl. Abends wurde von hier vielfach leichter Frost gemeldet. lieber Skandinavien, dem Oftfeegebiet und Mitteleuropa jetzt sich der kräftige Druckfall fori. Infolgedessen wird sich die skandinavische Depression, in deren Bereich auch vroße Temperaturgegenfätze anzutreffen sind, weiter vertiefen. Auf ihrer Rückseite strömt in breitem Strome kalte Polarlust nach Süden. Die Kaltluft, die am Moniagabend erst auf dem Nordmeere und Mittelskandinavien angekommen ist, wird uns vermutlich aber in der Nacht zu MUwoch erreichen. * Beftetaussichfen für Berlin: Noch weiterhin mild und vielfach trübe mit Regenfällen, auffrischende westliche Winde.— Für Deutschland: Allgemein bewölkt und mit Ausnahme des Südwestens wiederholte Niederschläge: im Nordosten später wieder etwas kühler, sonst allgemein noch ziemlich mild. Ab sofort, nicht erst ab Januar, 10 Proz laut Notverordnung gewährt allen Goldfink.Kunden die Firma Goldfink(Füllbleie und Füllhalter), Friedrich- straßc 74. In sämtlichen Goldfinl-Filialen 10 Proz. KON UNO* JCaudUOrster: Jßandung in Alexandrien i Der uralte persische Rabbi Tibur knirschte mit den Zähnen. Es war nicht zu sehen, aber man hörte es. Er stand vor mir wie«in dunkler Klolz und nicht einmal die gelben Streifen auf seinem Burnus waren in der Dunkelheit zu erkennen.* „Sand". Murmelte er,„Wüstensand. Versuch es einmal selbst, mein Sohn. Er weht über das Meer und dringt in deinen Mund. Morgen früh sind wir in Afrika. Noch zwei Tage später und ich bin im heiligen Jerusalem, in das ich fahre, um dort zu sterben." Ein Heister Wind kam van dort her, wohin unser Schiff ruhig und gleichmästig fuhr. Ich sperrte den Rachen auf und klappte ihn nach einer Weile wieder zu. Er knirschte ganz fein zwischen den Zähnen. Sand, Wüstensand, afrikanischer Sand— in der Nacht auf dem weiten Mittelländischen Meer. Ich geriet in einen Taumel. „Tibur, ist es wirklich schon afrikanischer Sand, sind es wirklich winzige Teilchen des schwarzen Afrika, die wir im Munde haben?" Tibur nickte.„Morgen wirst du aussteigen, und auf afrika- nischem Boden spazieren gehen. Morgen trennen wir uns. Gott se� mit dir, junger Wirrkopf." Es war lange nach Mitternacht, aber niemand dachte ans Schlafengehen. In Gruppen sahen Zionisten aller Nationalitäten beisammen, rauchten, sprachen dumpf oder sangen. Leise zer- flatterten die unsäglich trourigschönen Lieder der jüdischen Aus� «anderer in der märchenhaften Nacht. Wir standen an der Spitze des Schiffes. Är?! Schritte von uns kauerte eine Gruppe zerlumpter Araber, die aus Marseille zurückkehrten, weil sie, wenn schon, lieber in ihrer Heimat verhungern wallten. Ihre Frauen und die Anzahl der Äiyder schliefen seit langem im muffigen Zwischendeck. Tibur war ein alter Mann und vielleicht deshalb auch noch nicht müde. Es war die letzte Nacht auf dem Meer. Die vorherigen elf Abende ist er punktlich um 9 Uhr schlafen gegangen. Weil er ein heiliger Mann war, verbrachte er die Tage mit dem Lesen seines ungeheuren heiligen Buches. Er hat dem Koch ein paar Franken gefchenlt und dafür brühte ihm dieser täglich dreimal eine Kanne Kaffee von phantastischen Dimensionen auf, die Tibur beim Lesen jo nach und nach austrank. Er fast dabei an einer windgeschützten Stelle fest in seinen Burnus gehüllt und war unnahbar. Aber Tibur war schon sehr klapprig und weil ich die Freundlichkeit besäst, für ihn die Kanne dreimal am Tage von der Kombüse an seinen Platz zu schleppen, wurde ich sein Freund. Wir glitten durch die Nacht. Tibur, der fromme persische Jude, der vor dem Sterben noch eine heilige Mission erfüllen will, und ich, der junge Laichstreicher, den die Bücher mch Bilder verrückt gemacht hatten. In der Ferne glitt ein Lichtchen vorüber.' Unwirklich weit. Die Glocke auf unserem Schiff schlug 6 Glasen. Wir fuhren in ein ungewisses Dämmern hinein. Aber es wurde nicht kühler. Tibur hockte auf einem Seilhaufcn. Die Araber lagen lang auf den Planken. Und dann strömten sie nach und nach zu uns, an die Spitze, denn dort, wohin wir steuerten, wurde der Himmel rosa. Einer rannte ins Zwischendeck hinunter und weckte die Schlafenden. Fäuste stießen gegen die Türen der Kabinen. Sie kamen aus den Löchern gekrochen und das Morgenrot beflammte ihre fehnfuchsvollen Gesichter. Wie eine fromme Gemeinde standen wir zusammengedrängt an der Spitze des Schiffes und starrten beglückt nach Südosten. Es war fast hell geworden. Ganz in der Ferne vor uns lag ein gelber Streifen, Auf dem Streifen winzige Bäumchen, van der Form, als hätte man Pufcheln in den Sand gesteckt. Es waren afrikanische Palmen...,...... .,,.Ganz plötzlich lagen wir vor dem Kai.'Eine Unmenge- von SchssieN, die auf der Reede lagen, hatten wir passiert. Keine JOO Meter vor uns stand auf dem Kai eine riesige Wcnschenmauer in schreiender Buntheit. Plötzlich lösten sich einige Boote von der Kaimauer, um in schneller Fahrt auf uns loszufchiehen. Das erste war an der Bordwand. Mit katzenartiger Geschicklichkeit ergriff ein Araber ein Seil, das an der Seite des Schiffes lzerunterhing und kletterte an Deck. Ein paar andere machten es chm gleich. Und das war nur der Anfang. In ein paar Minuten war das Schiff von in schmierigen Lumpen gehüllten Männern überflutet. Man konnte glauben, von Seeräubern überfallen zu sein. Kreischend und wild gestikulierend stürzten sie sich auf das Gepäck der wenigen Aussteigenden. Kampf um die Koffer schon auf dem Schiff. Eine ältere französische Dame hielt mit beiden Armen ihren Koffer umklammert, den ihr zwei braune Gesellen entreißen wollten. Dort wurde eine arme Reisetasche von drei der an Bord Ge- kommenen, beinah zerrissen. Sie schreien Hotelnamen, heulten, klapperten mit Wechselgeld und niemand wußte, wie er sich ihrem Ansturm erwehren sollte. � Ein paar Seile wurden an Bord geworfen. Zehn Männer- arme zogen unseren Koloß an die Mauer. Klnirschend rieb sich die Bordwand an der Kaimauer. Und nun... Wie eine ungeheure Woge wälzte sich der Strom der Leute, die am Kai standen, icher Bord. Alles überflutend, sprangen sie mit nackten Füßen über Kisten, Lagebäume und Gepäck., Ihr brausendes Geschrei ließ die Lust erzittern. Wie ein Bienenschwarm klebten zehn Männer an einem Koffer. Affen wollten sie verkaufen, Papageien und falsche Ketten. Die. Aussteigenden blickten halb verrückt gemacht auf ihre Koffer und glaubten, sie nie wieder zu bekommen. Die Luft dröhnte vom Gebrüll der Araber, die Augen tränten vom Glitzern und Gleißen der schreienden Farben. . Auf dem Oberdeck sah Tibur an seinem alten Platz und blickte lächelnd auf das Gewimmel. Neben ihm stand die soeben frisch gefüllte riesige Kaffeekanne. Ich war mit ein paar Sätzen bei ihm oben..Lebe wohl, Tibur, zum letzten Male. Laß es dir gut gehen." Er war ernst geworden.„Lebe wohl, Wirrkopf", sagte er. Dann murmelte er ein hebräisches Gebet. Wir gaben uns die Hand. Mit ein paar Sätzen war ich wieder unten. Ich drängelte mich durch die brüllenden Menschenhaufen. Der Paß war schon vorher erledigt. Dann runter das Fallreep. Der Traum, tausendmal im dumpfen, armseligen Zimmer ge- träumt, hatte Wirklichkeit angenommen. Ich stand auf afrikanischem Boden. Die Sehnsüchte, tausendmal in der verfluchten Fabrik ge- fühlt, sollten Wirklichkeit werden. Ich stand mitten unter den lauten Menschen am Kai, aber keiner, wollte meinen Koffer tragen, denn ich hatte keinen. Und keiner bot mir einen Affen an, denn mein« Hosen ivarcn zerbeult. Ueber das Fallreep strömten Haufen von Arabern, die meisten mit leeren Händen. Immer noch zankten sich drei um einen Koffer. Acngstlich trippelten die Besitzer der Koffer hinterher. Plötzlich ein Gewühl. Kreisend stieben sie dann auseinander. Drei Männer liegen am Boden und schlagen aufeinander ein. Drei Meter vor ihnen steht das Streitobjekt. Ein großer lederner Reife- koffer. Und während sie sich gegenseitig die Fäuste in die Gesichter stoßen, geht seelenruhig einer mit zerrissenem Burnus an den Koffer, wirft ihn sich auf das breite Kreuz, schreit„Hotel d'Afrique—?" und trottet drei Meter vor dem Reisenden in das Innere der glühend heißen Stadt. Polizisten in weißen Gewändern stürmen rücksichtslos durch die Menge und schlagen mit ihren Knüppeln auf die Blutenden am Boden. Die springen auf und rennen jeder in einer anderen Richtung davon. Vom Oberdeck blickt immer noch mit lächelnder Ruhe mein Freund Tibur herunter. Uebermorgen ist er in Jerusalem. Ich stehe neben einem Schuppen und suche ein wenig Schatten. Aber hier ist kein Schatten, die Sonne steht bereits senkrecht am Himmel. Alfy, auf denn,.in di? Stadt. Tibur wird mich nicht mehr er- ' kennen/ wennfTch ÄNtt.' � greife in die Tasche und ziehe mein Taschentuch yerallS. Ein Stück Papier fällt mit auf den heißen afrikanischen Boden. Es ist ein 100-Frankcn-Schein. Kein anderer als er, der persische Jude, kann ihn mir heimlich hineingesteckt haben. „Tibur" brülle ich. Aber meine Stimme geht im Geschrei der braunen Menschen unter. Mein Taschentuch weht hin und her. Aber Tibur hat alte Augen und kann mich nicht mehr sehen. Sterbe sanft in deinem Jerusalem, aller ehrwürdiger Kaffee- trinker, denke ich, und blicke andächtig dankbar auf den IVV-Franken- Schein. Dann schlendere ich in die erste beste Gasse. Ulichail SoicMfchenko: 3)ie ffiadeamiaU Man sagt, Bürger, in Amerika soll es vorbildliche Badeanstalten geben. Du kommst hin. ziehst dich aus, tust deine Sachen in einen besonderen Kasten und gehst dich waschen. Kein Mensch macht sich d'a die geringste Sorge wegen Diebstahls oder so; man braucht nicht mal eine Nummer. Höchstens, daß mal ein ganz besonders Bor- sichtiger zum Bademeister sagt:..CJoocl bye, gib mal schön acht!" Unser Amerikaner wäscht sich, kommt zurück und erhäll seine Wäsche schön sauber gewaschen und geplättet. Das Hemd schneeweiß, die Unterhosen gestopft und gestickt. Das ist ein Leben! Ueber unsere Badeanstalten kann man sich ja auch nicht beklagen. Waschen kann man sich bei uns auch. Aber mit den Nummern hapert es bei uns. Vorigen Sonnabend ging ich in die Badeanstalt.(Schließlich kann man doch nicht nach Amerika fahren.) Man gab mir also zwei Nummern Eine für die Wäsäze. die andere für Mantel und Mütze. Wo soll aber ein nackter Mensch die Nummern lassen? An den Bart kann man sie sich doch nicht binden. Ich band also an jeden Fuß eine Nummer und ging hinein. Die Nummern klatschten beim Gehen an die Füße. Das war nicht sehr angenehm. Aber gehen muß man dach. Ich mußte sogar sehr viel gehen. Ich mußte mir nämlich eine Schüssel suchen. Ohne Schüssel kann man sich dort nicht waschen Ich mache mich aljo aus die Suche nach einer Schüssel. Was sehe ich da? Ein Bürger wäscht sich in drei Schüsseln: In der einen steht er. in der zweiten wäscht er sich den Kops, und die dritte hält er krampfhaft mit der linken Hand fest, damit sie ihm keiner wegnimmt. Ich lange nach.seiner dritten Schüssel, will sie ihm wegnehmen. Aber er läßt sie nicht los.„Was fällt dir ein," sagt er,„fremde Sachen zu stehlen! Gib nur acht, daß ich dir nicht mit der Schüssel eins auswische! Dann hast du nichts zu lachen". Ich erwidere:„Wir sind nicht mehr unterm Zarenregime. Jetzt wird nicht mehr mit Schüsseln gehauen. So cm Egoismus! Anders wollen sich doch auch waschen. Wrr sind doch hier nicht im Theater." Aber er dreht mir den Rücken zu und wäscht sich unbekümmert weiter. „Ich kann doch slMießltch hier kein« Prügelei mit ihm an- fangen," denke ich.„Und jetzt wird er sich absichtlich drei Tage lang waschen." - Ich gehe also weiter. Nach einer Stunde sehe ich, wie irgend so ein Onkel ganz in Ge- danken— oder ob er sich nach der Seife gebückt, die ihm weg- gerutscht ist?— seine Schüssel kosgelassen hat. Jedenfalls habe ich mir diese Schüssel zu Gemüt« gezogen. Jetzt habe ich also eine Schüssel, aber keinen Platz zum Sitzen. Und wie foll man sich tiu Stehen waschen? !- Gut! Ich stehe qlso, halte die Schüssel in der Hand und wasche mich. Aber um mich herum— Herr, du mein Gott!— wird große Wäsche gewaschen. Der eine reinigt seine Hosen, der andere schrubbt seine Unterhosen, der dritte wäscht wer weiß was noch alles. Kaum hat man sich gewaschen, so ist man schon wieder schmutzig. Dabei spritzen sie, die Teufel, und einen Krach machen sie; man verliert wahrhaftig die Lust, sich zu waschen. J)ol sie dir Teufel," denke ich. „werde mich zu Hause fertig, waschen." Ich gehe in den Borraum. Man handigt mir meine Wäsche aus. Alles gehört wirklich mir. nur die Hosen nicht.„Bürger," sage ich, „bei meinen war hier ein Loch, und bei diesen ist es da." Aber der Bademeister sagt:„Wir haben hier nicht die Löcher zu bewachen. Wir sind hier nicht im Theater." Gut! Ich ziehe also diese Hose an und gehe, um meinen Mantel zu holen. Man händigt mir aber den Mantel nicht aus. Man ver- langt die Nummer. Die Nummer habe ich aber am Fuß vergessen. Ich muß mich also wieder ausziehen. Ich ziehe die Hosen aus, suche meine Nummer; die Nummer ist nicht da. Die Schnur hängt doch am Bein, aber die Nummer ist fort. Ich reiche dem Bademeister die Schnur, aber er nimmt sie nicht.„Auf die Schnur kann ich keinen Mantel herausgeben," sagt er.„Da könnte jeder kommen und eine Schnur bringen. So viele Mäntel haben wir gar nicht. Warte, bis alle fort sind; dann geb' ich dir den. der übrig bleibt." „Brüderchen," sage ich,„wenn nun aber der allerschlechteste übrig bleibt. Ich werde dir die Merkmale sagen: Die eine Tasche ist kaput, und die andere ist nicht vorhanden. Und was die Knöpfe be- trifft," sage ich,„so ist der oberste da, die unteren aber sind gänzlich abwesend." ' Er hat ihn mir dann doch ausgehändigt. Und die Schnur hat er nicht genommen. Ich ziehe mich aljo an und gehe auf die Strgße hinaus. Plötzlich fällt mir ein. daß ich meine Seife vergessen habe. Ich gehe wieder zurück. Aber was meinen Sie? Im Mantel läßt man mich nicht hinein. „Ziehen Sie sich aus!" sagt man mir.' „Ich kann mich doch wahrhaftig nicht zum dritten Male aus- ziehen." sage ich.„Ich bin doch hier nicht im Theater. Ersetzen Sie mir wenigstens den Wert der Seife!" Das tun sie nicht. Dann nicht! Wie sie wollen. Ich gehe also ohne Seife. Der Leser ist sicher neugierig, zu erfahren: Was ist das für eine Badeanstalt? Wo befindet sie sich? Wie ist die Adresse? Was für eine Badeanstalt? Nun. eine ganz gewöhnliche. Eine für'n Groschen.(äus dem Russischen itbectragen von Alma Lepdre.) kör. Muri Sloericke: CTf'iO.dl Als ich um die Jahrhundertwende zur Vorbereitung für das Eindringen in das innere Marokko. kleine Spähausstüge unternahm, führte mich der Weg auch nach der halbwegs zwischen Tanger und Fez gelegenen Stadt Alkazar-Elkebri, die damals etwa 1(3 009 Einwohner zählen konnte. Wir kamen erst ziemlich spät in der Nacht an, und ich zog es deshalb vor, nicht mehr in die Stadt selbst einzutreten, sondern im Zelte außerhalb zu übernachten. Aber am nächsten Morgen erschien ein vornehmer Araber und bot mir sein Landhaus für die Zeit meines Aufenthaltes als Quartier an, wovon ich natürlich gern Gebrauch machte. Aber welch ein Anblick bot sich mir, als ich den Weg zu meinem neuen Heim zurücklegte! Es sah wahrhastig aus, als befände ich mich in einer ungeheuren Vogclkolonie! Massenhaft waren meine gefiederten Lieblinge ver- treten, namentlich die Störche in schier unglaublicher Zahl vor- handen. Aus den Häuschen standen allenthalben Storchennester, oft drei und vier auf einem einzigen Dache, und die Langbeiner tummelten sich recht ungescheut unmittelbar vor den Augen des Menschen. Heute werden sich durch die französische„Eioilisation" diese Verhällnisse ja wohl gründlich geändert haben, aber damals gab es in der ziemlich weitläufig gebauten Stadt entschieden mehr Störche als Menschen. Man wäre am liebsten immer mit dem Regenschirm spazieren gegangen, denn alle Augenblicke kam aus der blauen Luft ein tüchtiger Kotballen auf uns nieder. Wer die Ein- wohner waren daran gewöhnt und kümmerten sich nicht viel darum. Da auch bei ihnen der Storch als heiliger Vogel gilt und noch die allgemeine Tierliebe des Mohammedaners hinzukommt, so siel es niemandem ein, den Störchen wegen ihrer duftigen Willkommens- grüße etwa gram zu sein. Auch sonst gab es in der Stadt unglaublich viel Vogelleben, und nächst den Störchen spietteu wohl die reizenden kleinen Falken- arten die Hauptrolle. Daneben fehlle es natürlich auch nicht an den gewöhnlichen kleinen Vogelarten, und als eine besonders gute Be- obachtungsquclle erwies sich der bei meinem Hause angebrachte Garten. Hier kicherten Turmfalken, jauchzte der Feigenfresser seine wohltönende Strophen, kamen Reiher über das Stadtbild gezogen, ergötzten uns possierliche Wiedehöpfe, die bei uns so scheu sind und dort selbst das dichteste Marktgewühl belebten. Die Storchennester standen teilweise so niedrig, daß man vom Fußboden aus mit der Hand hincinfassen konnte. Sie waren größtenteils auch von einer Unmenge Spatzen bevölkert. Kurz, das Städtchen Alkazar-Elkebri bot uns auf Schritt und Tritt Gelegenhett zur Beobachtung eigen- artigsten Vogellebens. Die Vögel haben bald herausbekommen, daß ihnen der Mensch nichts tut und haben deshalb nahezu alle Menschenscheu abgelegt.— Wie mag es heute wohl dort aussehen? Halter JJ. Perfich: 3)er Vag beginnt viel fpliler... Ist es eigenttich schon hell? Es kommt auf die Jahreszeit an— jedenfalls kann man um vier Uhr früh in. den richtigen Stadtgegenden mehr als ein paar Brot- oder Milchleute an der Arbett sehen, für die der Tag um diese Zeit beginnt, bevor er begonnen hat! Straßenre inigung und Straßenbau hält bestimmt tausend schaffende Hände am Werk, im Sommer fahren in der Frühe die Sprengwagen, denen die Kolonnen der Straßenkehrer folgen, in der Uebergangszeit schurren und rattern die Wagen mit den riesigen Schmutzrollen über das Pflaster und inl Winter geht es mit„Hü" und„Hott" zur Schneeabsuhr, damtt die Straßen für die Kolonnen der Hunderttausende in den eigentlichen Tagesstunden passierbar sind. Ailsbesscrungen an Schienen der Straßenbahnen werhen gleichfalls in notwendigen Fällen nachts vorgenommen— weithin zuckt das blaue, herrlich-romantische Licht der elektrischen Gebläse, mit denen man schweißt, vor dem fahlen Himmel auf— ein paar hundert Schritte weiter im Straßcnbahndepot werden die Wagen für den Tagesbetrieb hergerichtet, das heißt gewaschen, gescheuert, Frauen reiben Messing und Scheiben blank, Männer hantieren mit Wasser- spritzen und überschütten die fahrbaren Gehäuse mit reinigendem Naß. Schließlich und endlich im Morgengrauen erscheinen Schaffner und Führer, um ihre Wagen in Betrieb zu nehmen und schütternd und klingelnd saust der erste Wagen durch die Straßen, hie und da an einer Haltestelle die noch verschlafenen Früharbeiter gemeinsam mit verschollenen Nachtbummlern auszunehmen. Vorher arbeiten vor den heißen Oefen die Bäcker, überstäubt von Mehl und Hitze, im Telephonamt gähnt die Nachtbesetzung der Ablösung entgegen, in den Elektrizitätsstationen sind ununterbrochen die Maschinen und Schalterbretter, die Zeiger der Strommesser zu überwachen, die Portiers von Amts-, Geschäfts- und Prwatgebäuden mtt Zentralheizung haben neu zu feuern, damtt der Morgen gut durchgeheizte Zimmer findet, im Umkreis der Städte sind Hundertc von Wagen, Pferdegespanne, Autos, Güterzüge in Bewegung, die alle den täglichen Bedarf frischer Lebensmittel herbeirollen, auf den Schlachthöfen wird dos Vieh angeliefert, auf den Gemüsemärkten schichten sich die Waren, einstweils ungeordnet, an den Verkaufs- ständen. Die Nachtpatrouille der Polizei märschiert ihre letzte Runde ab, im Kriminalgewahrsam werden die Papiere Eingelieferter für die erste Vernehmung gesichtet oder Photos herausgesucht,. die Haus- diener der Hotels sind mtt Stiefelputzen, Anzugdürsten, Vorbereitung der Abfahrt der Reisenden, die Frühzüge benutzen wollen, beschäftigt., Der Nachtporticr riskiert einen kleinen Halbstundenschlaf und die Taxichauffeure duseln vor sich hin, bis ein versprengter Fahrgast doch noch einen Wagen nimmt. Jetzt marschieren die Laternenanzünder durch die Straßen, um das überflüssig werdende Licht abzudrehen, die Bahnhöfe öffnen, Schaltcrbeamte, Gepäckträger. Zugbegletter, Streckenbeamte und -arbeiter beziehen ihre Posten, Zugschilder werden gehißt, der Bahn- telegraph arbeitet fieberhaft— Zeitungshändler warten nervös vor den Portalen der Druckereien, um die Morgenausgaben in Empfang zu nehmen— denn auch die Rotationspresse und alle die Bedienenden, vom Chef des Dienstes bis zum Setzerlehrling, haben Nachtschicht. Nachtschicht hat auch die�Post für Telegramm- und Eilbrief- dienst, für Fertigstellung der Sendungen, die mit den ersten Zügen hinaus müssen, Nachtarbeit hat der Künstler, dem die späten Stunden manche Inspiration bringen, und Früharbeiter ist ein anderer Künstler, der seine Werke im Licht der ersten Morgenstunden zu schaffen gewohnt ist. In den großen Kontorhäusern haben bis jetzt die Fenster grell geleuchtet, dort und in den Vergnügungsstätten haben die Reinmache- frauen ein paar Stunden souverän geherrscht— und in den In- dustrien, die, vielleicht infolge glücklicher Augenblicks- oder Saison- konjunktur mtt Austrägen gesegnet sind, surrten weiter die Maschinen, wurde Rohstoff verarbeitet, kannte die Nacht und der frühe Morgen keine Ruhe... Die stille Fassade der Straßen ist ein Täuschungsmanöver von fast mtttelalterlicher Herkunst: die Stadt kennt keine Minute Ruhe! Der Tag beginnt viel später— aber die Arbeit ist... ein„laufendes Band"! Oer verhinderte Gchmussolim. Zwischen Lipp' und Mikrophon Schwebt der Mächte Hand, mein Sohn! Die Beseitigung der Lustwaffe. Groener über Oeuischland aus der Abrüstungskonferenz. Hitler mit der Klugwaffe. Oer Befehl wird nicht bestritten.— Schon Landesverrats- geschrei! Die Tatsache, daß Hitler dazu aufgefordert hat. ein nationalsozialistisches Fliegerkorps zu bilden, und daß er zu diesem Zwecke Leute sucht, die„mit der F l i e g e r w a f f e ausgebildet sind", wird von der Reichsleitung der NSDAP, nicht bestritten. Sie versucht vielmehr, die Dinge auf ein Nebengleis abzuschieben. Sie redet viel davon, daß sie keine Albatrosflugzeuge gekaust habe, sie polemisiert gegen den„S t u r m v o g e l",'den sie den„k o m m u n i st i s ch e n Flugverband der Erwerbslosen" nennt.(Für sie ist jeder Sozialdemokrat ein Kommunist und jeder Werktätige ein Erwerbsloser.) Aber von der Hauptsache redet sie nicht. daß Hitler Leute sucht, die mit der Flugwaffe aus- gebildet sind. Es redet aber der„L o k a l a n z e i g e r", und zwar in folgenden Tönen: „Man brauchte nicht davon Notiz zu nehmen. Aber die Sadhe hat ihre ernstere Seite. Ist zwisäsen der„Weltbühne" und ihrer„E t a t s k r i t i k" und diesen Links- Schlagzeilen noch ein großer Unterschied? Dort wie hier werden keine„Geheimnisse" vor- raten, aber das l)erausposaunen einer nicht vorhandenen Nazi-„L N f t f l o t t c", eines in Bildung begriffenen„Flieger- k o r p s" ist in unserer heutigen Lage dicht am Landes- verrat. Di- Form ist maßgebend— und daß wir alle den Schwindel in Gens bei den Abrüstungsverhandlungen vorgesetzt be- ommen werden." Das ist eine dreiste Beschimpfung aller 5hri- l'.ker. die sich mit dem gefährlichen Unfug der Mllitärspielerei in Hitlers Iungkriegs'truppe beschäftigen! Hitler hat nicht Flieger gesucht, sondern Personen, die mit der Flug- maffe ausgebildet sind! Ebensogut könnte er ausgebildete MG.-Schützen oder Minenwerfer suchen! Es Handelt sich um keine Erfindung der Kritiker, um keine Aufbauschung, es handelt sich darum, daß ein ö f f e n t- l icher Befehl Hitlers in seinem militärischen Ver- ordnungsblatt öffentliche Kritik erfahren hat. Die Dreistigkeit des Lokalanzeiger aber zeigt, wie man m diesen Kreisen die Rechtsprechung des Reichsgerichts im •alle Äreifer-Ossietzky bewertet. Man erblickt auf �r Rechten in dieser Rechtsprechung ein Mittel, um jede . ritik an verbrecherischen Bürgerkriegsrüstungen als Spionage nd Landesverrat diffamieren und unterbinden zu können! Es gibt ein sicheres Mittel, um jede ungünstige Ein- Wirkung auf die Abrüstungskonferenz zu unterbinden. Es besteht darin, daß die Reichsregierung energisch gegen die Hitlerschc Militärspielerei einschreitet! Hitlers neueste Gründung. Genosie Walter Binder schreibt uns: Seit Wochen hat es sich die deutsche Rcchtspresie angelegen sein lassen, den republikanischen Flugverband Sturmvogel durch«ine Flut von Lügen aller mögliche» politischen Umtriebe zu verdächtigen. ? ie neuesten Nachrichten aus dem faschistischen Hauptquartier Hitlers -eigen mit Deutlichkeit, daß es sich hier offenbar um eine Eni- lastungskampogne handelt, um die Aufmerksamkeit von denjenigen Stellen abzulenken, die van Woche zu Woche eine zunehmende Aktivität entfalten, eine Aktivität, welche sich zielbewußt gegen Staat und seine Ordnung richtet.� Herr Hiler befiehlt„allen mit der Flu gw äffe aus- gebildeten Mitgliedern der NSDAP., die in der Lage imd gewillt sind, sich für die Bildung der nationalsozialistischen Fliegerkorps zur Verfügung zu stellen", sich zur Stammrolle anzu- melden! Herrn Hitlers Adjutant ist der Pour-le-Merite-Flisger S o c r i n g. der schon vor Jahren versucht hat. ein«„nationale", lies nationalsozialistische,„Flugsport"-Bewegung ins Leben zu rufen. Während damals die Sache nicht klappte, hat sich jetzt der ehemalige Geschästsführer der Deutschen Verkehrsflicgerschule Braunschweig, Herr Dr. Ziegler, der Sache angenommen und vor einigen Monaten einen„Nationalen Deutschen Luftfahrtoer- band" gegründet. Dieser„nationale" Luftsahrtverband, dem also der bereits vorhandene Deutsche Luftfahrtverband nicht national genug erscheint, veröffentlicht seine Nachrichten bezeichnenderweise in der Hakenkreuzpresse und befindet sich offenbar in der glücklichen Lage, über reichliche Geldmittel zu verfügen. Denn während andere Luftfahrtvereine meist erst nach Jahren eifrigsten Werbens»und Arbeitens in der Lage sind, eigene Motorslugzeuge anzuschaffen, konnte dieser Berband bei seinen Neugründungcn in München, Darmstadt usw. gleich mit eigenen Flugzeugen beginnen. Die von einem Montagsblatt gebrachte Meldung vom Ankauf von 25 modernen Flugzeugen aus den Kreisen der SA. mag in dieser Form unrichtig sein. Jedenfalls unterliegt es keinem Zweifel, daß die Nazis feit längerer Zeit auf dem Gebiete des Flugwesens eine in höchstem Maße beunruhigende Aktivität entfalten. Bei den letzten politischen Aufgeboten der NSDAP, in Braun- schweig und Hessen traten Hakenkreuz-Flugzeuge in Funktion, deren Eigentumsverhältnisse und Finanzierungzqucllen einer näheren Untersuchung wert sind. Wenn es sich hier nur um eine propagandistische oder sporklich« Angelegenheit handelte, so könnte man leicht darüber hinweggehen. Wer jedoch die durch das Boxheimer Dokument entlarvte Bürger- kriegsgesinnung der Hitlergarden kennt, der wird der hier am Himmel auftauchenden Bedrohung der öffentlichen Ordnung ernst- hafte Beachtung widmen! Schon der von Hitler benutzte Ausdruck ,.F l u g w a f f e" besagt genug, was gemeint ist. Eine Prioatluft- flotte in den Händen einer finanziell starken Gruppe von unver- hüllten Staatsfeinden, die heute bereits unbehelligt die Frechheit wagen dürfen, von ihrer„Flugwaffc" zu reden und sie zu organisieren, das stellt«ine unerträgliche Provokation der republ!» konischen Bcvölkerungskreis« dar. Nazis mii Gasbomben. Gegen den Kilm„Zni Westen nichts Neues". Itzehoe, 14. Dezember.(Eigenbericht.) In Brunsbüttelkoog demonstrierten vor einigen Tagen National- sozialisten mit Gasbomben gegen die Aufführung des R« ma r qu e- F i l m s„Im Westen nichts Neues". Die Bomben, die Zinnober, Harz und chlorsaures Kali enthielten, sind von TA- Führern, die im Auto von Meldorf und Eddelak nach Brunsbüttel- koog gekommen waren, geworfen worden. Eh« sie ihren Auftrag ausführten, hatte» die Nazis im Hotel eine Zusammenkunft, in i�eren Verlauf sie auch Wurfvcrsuche veranstalteten. Verbot der„Voten Kahne" aufgehoben. Das vom Polizeipräsidenten bis zum 17. d. M. ausgesprochen« "te-rbot des Erscheinens der.Roten Fahne" fft verkürzt worden lych ste darf«m heute ab wieder«rfchemo� Reichswchnninister Dr. Groener gewährte dem Vertreter eines amerikanischen Korrespondenzbllros ein Interview, in dem er sagte: Die immer wieder vorgebrachte Behauptung von dem m i l i- tärischen Wert der deutschen Wehrverbände ist eine Legende. Der militärische Wert könnte nur auf der sorgfältigen militärischen Schulung und auf der Uebung im Waffengcbrauch beruhen. Beide Voraus- fetzungen fehlen bei den deutschen Wehrocrbänden. während sie bei den gleichwertigen Organisationen fremder Länder, z. B. bei den polnischen Wehroerbänden, vorhanden sind. Es gibt in Deutsch- land keine militärische Jugondausbildung wie bei den Nachbarstaaten Deutschlands, bei denen sie zum Teil obliga- torisch ist. Es fehlt den deutschen Wehrverbänden an Waffen jeder Art. Die aus dem Krieg stammenden Bestände sind unter Aufsicht der Interalliierten Mllitär-Kontrollkommission ver- nichtet worden. Die. Neuanfertigung von Kriegswaffen darf nur in wenigen von den früheren Gegnern genau vorgeschriebenen Fabriken erfolgen und nur für die Zwecke der Reichswehr. Die gesamte übrige Rüstungsindustrie Deutschlands mußte zerstört oder auf friedliche Verwendungszwecke umgestellt werden. Waffenbesitz in der Zivilbevölkerung ist schon aus rein innerpolitischen Gründen gesetzlich verboten und mit drakonischen Strafen bedroht. Die Reichswehr selbst verfügt nach den Bestimmungen von Versailles nur über eine Garnitur an Waffen und Ausrüstung. Es wäre also unmöglich, im Kriegsfälle die Wehrvcrbände aus Be- ständen der Reichswehr zu bewaffnen; und ebenso unmöglich ist es, diese privaten Organisationen zu i n n e r p o l i t! s ch e n Zwecken zu mobilisieren und sie etwa als Reserve der Polizei und der Wehrmacht einzusetzen. Jede Vermischung mit den parteipolitisch und weltanschau- lich untereinander in scharfem Gegensatz stehenden Wehrverbänden würde die staatlichen Machtmittel innerlich schwächen und sie zer- setzen. Gerade daraus ergibt sich mein rücksichtsloser Kampf gegen jede parteipolitische Beeinflussung der Reichswehr; und gerade des- halbunterhältdieRsichswehrkeineBeziehungen zu irgendeinem Wchrocrband. Der Verwendungszweck von Zivil- und Kriegsflug- zeugen ist grundverschieden und demgemäß weichen auch die technischen Eigenschaften beider Flugzeugarten weit voneinander ab. ..Der Kampf eines nmgebauken handclsflngzeuges mit einem ftricgsslugzeug fände unter denselben Bedingungen statt wie ein Kampf zwischen einem bewaffneten fiandelsdampfer und einem modernen Kreuzer. Wer aus diesem Kampf als Sieger hervorgehen würde, bedarf keiner Begründung. Aber selbst, wenn d!« theoretisch« Möglichkeit bestände, Zivilflugzeuge in Kricgsflugzeuge umzubauen, was be- deutet« dann die geringe A n z a b I derartig umgebauter deutscher Flugzeuge gegen die französische Militärlufislott«, die nach den Worten des französischen Luftfahrtministers über 2800 Flugzeuge ohne Reservebestände umsaßt? Deutschland hat in Genf den Weg gezeigt, um alle Gesaliren, die aus der Luftwaffe kommen können, zu bannen. Die von ihm beantragte gänzliche Abschaffung der Militärluftfahrt und das Verbat des Bombenabwurfs aus Flug- z e u g e n a l l e r Art für alle Mächte wären die wirksamsten Mittel, um die Offensivkraft der neuzeitlichsten Kriegswaff« zu brechen, die Bevölkerung vor den Gefahren des Luftkrieges zu schützen und die befürchtete Verwendung der Zioitslugzeug« als Bombenträger zu verhindern. Leider ist dieser Antrag von der Vor- bereitenden Abrüstungstommission nicht angenommen worden. Undenkbar ist eine Böllerbundsstreitmocht, dl« lediglich das Vollzugsorgan der militärisch stärksten Staaten darstellt. Seine Realisierung würde die kleinen Staaten und di» Völker, die wie Deutschland schon abgerüstet haben, wehrlos d«r Machtpolitik der kockige rüsteten Staaten ausliefern. Das Gebot der Stunde heißt Abrüstung und nicht Sabotage der Abrüstung durch Auf- werfen von Problemen, deren Lösung entweder mldurchsührbar oder erst in ferner Zukiufft möglich ist. Jenseits der deutschen Grenzen find die Heere auf dem Prinzip der ollgemeinen Wehrpflicht aufgebaut Hinter den aktiven Friedeiisheeren der Nachbarn Deutschlands, die fast elne Mil- I i o n M a n n st a r k find, stehen nahezu 10 Millionen ausgebildeter Reserven, für die Vewaff- n>lng und Ausrüstung in den Arsenalen bereilllegt. Die Deutschland aufgezwungen« Wehrarganffatio» der tleine» Be- rufswehrmacht erlaubt weder das Ansammeln militärischer Re- servcn noch die Bereitstellung von Reservematerial. Bei den Nach- barstaaten Deutschlands werden die Grenzen durch neuzeitliche Befestigungen mit ungeheurem Geldzufwand gesperrt. Deutsch- land aber mußte an seiner Westgrenze eine entmilitarisierte Jone beiderseits des Rheins einrichten und darf in weilen Gebieten an der Ost- und Südgrcnze keine Befestigungen anlegen. AU« dem- schen Landfestungen mit Ausnahme von Königsberg sind entwaffnet oder geschleift. Dasselbe Mißverhältnis der militärischen Stärke besteht auch in der Seerüstung. Während das Deplacement für die jetzt vie>- genannten Erfatzbauten veralteten Linienfäsiffe auf 10000 Tonnen beschränkt wurde, gelten für die cepital ships der anderen Seemächte 35 000 Tonnen als Höchstdeplacement. Gegenüber den Wa- shington-Kreuzern mit 10 000 Tonnen Wasserverdrängung und 21-Zsntimeter-GeIchützen, dürfen die leichten deutschen Kreuzer nur 6000 Tonnen Größe und IS-Zentimeler-Seichutze haben. lDBoote. Flugzeugträger und jede MonneslugrüftUng sind Deutschland ver. boten. Die Gesawttonnage der Kriegsflotte Englands übersteigt 1 Million Tonnen. Japan hat eine Flotjg von 800000. Frankreich eine solche van etwa 650 000 Tonnen. Die deutsche Gesamttonnoge aber beziffert sich auf nur 125 000 Tonnen. Frankreich baut in jedem Jahre 50 000 Tonnen neue Kriegsschiffe, in drei Jahren also mehr, als das Gesamtdeplacement der deutschen Flotte beträgt. Aus diesem Unterschied an Recht und Macht und aus den feierlichen Verpflichtungen der Siegermächtc. dem deutschen Beispiel in der Abrüstung zu folgen, ergeben sich die Grundsätze der deutschen Abrüstungspolilit. Sic lassen sich in die kurzen Worte zusammenfassen: Gleichberechtigung, Gleichheit In den Methoden der Abrüstung und gleiche Sicherhcii für alle Völkerbunds- Mitglieder. Es gibt keiiie Gleichdercchtigirng. solang« in der internationalen Ab. rüstuug zwischen Sicgermächten und besiegten Staaten unterschieden wird. Es gibt keine Lösung der Sicherheitsfrage. solange Deutsch- land den Gefahren der Offensivrüftung seiner Nachbarn ausgesetzt ist. .Sicherheit durch Abrüstung" und nicht..Erst Sicherheit, da, in Abrüstung" heißt d'e Parole für die Abrüstungskonferenz von 19ZZ und für die Gesundung der Welt in wirtschaftlicher, politischer und moralischer Hinsicht. pleiie bis zum Nordkap. 'Zwei norwegische Banken stellen Zahlungen ein. Oslo» 14. Dezember. Die Norfle Creditbank, Oslo, und die B e r g« n s Privatbank, Bergen und Oslo, stellen mit. dem morgigen Tag« ihre Zahlu ngen ein. Auf Antrag beider Banken hat das Kabinett entsprechend der einschlägigen Bestimmung des Baut- gefetzes beschlossen, die sich aus den Zahlungseinstellungen er- gebenden üblichen Folgen für drei Monate zu verschieben, um so den Danken Zeit zur Beendigung der Verhandlungen zu gewähren, die zur Reorganisation beider Banken eingeleitet worden sind. Spaniens Kurs unverändert. Azana bleibt Ministerpräsident. Madrid, 14. Dezember. Die Regierung Aza na ist nach dem Amtsantritt des Staats- präsidenten Z a in o r a zurückgetreten. Die Verhandlungen mit den Fraktionsführern zur Neubildung des Kabinetts ergaben, daß die Mehrzahl der Parteien für F o r t s e n g d e r republikani- schen Koalitionsregierung ist. Damit ergab sich die Fortdauer der Ministerpräsidenffchaft Azanas von selbst. Er wurde mit der Neubildung der Regierung beauftragt. Weihnachtssriedeu für Devisenkurse. Wie die Reichsbank mit- teilt, findet am Donnerstag, dem 24. d. M.(Weihnachtsabend), eine?1ot!erung van Devisenkursen nicht statt. Ioschisawa. der Pariser Botschafter Japans, wird als A u ß« m minister heimberufe». Wie Hauschke Graf erschoß. „Was ich getan habe, würde ich jede Stunde wieder tun." Im Prozeß gegen die Schuldigen aus der �)ufelandstraßc wurde gestern die Vernehmung der Angeklagten abgeschlossen. Der Dritte im Bunde, der Angeklagte ch a u s ch k c, ncroollständigte das Tütertno. Er versuchte sogar, die beiden Spießgesellen im Märchen- erzählen zu übcrtrefscn. Da er weiß, daß es keinen direkten Zeugen seiner Täterschast gibt, glaubt er, alles glatt abstreiten zu können. Ohne Erfolg: sowohl die Bezichtigung durch seinen Mitangeklagten Kollatz, als auch seine indirekte Sclbstbozichtigung ist nicht un- geschehen zu machen. Von seinem Leben erzählte 5>auschke nur soviel, daß er in: fchlesischcn Grenzschutz tätig war, später seine Mutter verließ, weil er mit den politischen Ansichten seines Stiefvaters und dessen beiden Söhnen, die Rcichsbannerleute waren, nicht einverstanden sein konnte. Er geriet in schlechte Gesellschaft und beging vcr- s ch i c d c n e D i e b st ä h l e. Ii, Berlin will er als SÄ.-Mann miederholt von politischen Gegnern, auch von Rcichsbannerlcutcn, uberfallen und verletzt worden sein,„chättc ich eine Pistale gehabt, ich hätte mich gewehrt." Seine Darstellung über den Wachtdicnst in der„Angrisf"-Filiale und den Gang zum Vcrkehrslokal in der Hufelandstraßc, den Zusammenstoß mit Bruno Schneider schildert er ungefähr wie Kollatz. Er ist aber der Ansicht, daß die Gäste im Säzneidersckzcn Laden nur auf den Augenblick gelauert haben, über das Berkehrslokal herzufallen, und daß der Bruno Schneider nicht Gäste begleitet, sondern vorgeschickt worden sei, um„Anstoß zu erregen". Auch.Vjauschke schildert die Dinge so, als sei der Ange- klagte Becker auf- seine Veranlassung in den Schnciderscheu Laden gegangen, weil er und seine Kameraden geglaubt hätten, irgend- einer der SA.-Leute sei da hincinverschleppt worden. Kaum war Becker drin, als unter Führung des alten Schneider eine„Meute" von 25 bis 30 Mann herbeigeeilt sei. Es wurde gerufen:„Erschlagt die chundc", man begann auf ihn und Kollatz einzuschlagen, es fiel ein Schuß, gleich darauf ein zweiter, er sah auch eine Pistole in der Hand eines Gegners und erhielt einen Schlag mit einem harten Gegenstand über den Kopf von so großer Wucht, daß er bcsinnungs- Ins zusammenbrach. Erst als er die Sirene des Ueberfallkominandos hörte, raffte er sich auf und lief im Sturmschritt davon. Ein Mann lag lang hingestreckt auf dem Boden: es konnte ja auch ein SA.- Mann sein, sagt Hauschke. Es war aber der von ihm erschossene Graf. Seine Flucht aus Berlin schildert Hauschke gleichfalls ganz harmlos. Bon irgendeinem Befehl könne keine Rede sein. Er traf Kollatz: dieser sagte, er wolle türmen: er war auch gleich bereit mit- zutun, holte sjch 70 Mark aus seiner Wohnung, und man fuhr»ach Oranienburg. Ganz zufällig kam Becker in Oranienburg hinzu. Aus Neubrandenburg fuhr auch er zuerst nach Berlin, und später iiber Münehei, nach Italien, wurde aber ausgewiesen, weil er hier Arbeit angenommen hatte. In Kufstcin lernte er den Angeklagten Weber kennen. Bon diesem ließ er sich den Paß geben.„Was haben Sie Weber erzählt?" fragt der Vorsitzende. „Ich habe ihm erzählk, daß ich in verlin zwei Reichsbanner. leule erschossen habe. Irl? habe es nur getan, weil ich wollte, daß er mir seinen Paß gibt: und den Paß wollte ich nur haben, weil ich ihm nicht traute und ihn in die Sache verwickeln wollte." Und solch einen Unsiim wagt der Bursche dem Gericht vorzusetzen. Ob er eine Pistole be- fessen ixibe, fragt der Vorsitzende. Nein, sagt Hauschke. Früher habe ich einmal eil« Alarmpistole gehabt. Daß Becker geschossen hat. weiß er nicht. Er hat sogar trotz des Geständnisses des Becker, ge- schössen zu haben, erklärt, wenn der das behaupte, so sei er von Sinnen. Der Vorsitzende hält Hauschke vor, daß er in Feldberg seinen Kameraden in allen Einzelheiten erzählt habe, in welcher Weise er Graf den Kopfschuß beigebracht hatte. Ja, sogt Hauschke jetzt, ich habe das erzählt, weil Kollatz mich gefragt hat, weshalb> ich gejtohen sei. Es war nur reine Prahlerei. Ich wollte' auch mit der Sache zu tun haben. Vorsitzender: Sic habe» aber auch schon in Berlin Kollatz die Handbewegung vor- gemacht, wie sie auf Graf geschossen haben. Der Angeklagte be- streitet das. Nicht bestreiten kann er aber den Inhalt eines Kassibers und eines Briefes: beide waren von ihm geschrieben. In dem Kassiber, den er aus dem Jnnsbrucker Gefängnis herausgeschmuggelt hat, hieß es u. a.:„An meiner Zlussage ändere ich kein Wort. Eine Waffe habe ich nicht.gehabt. Nur Alarmpistole.(Jetzt bestreitet er auch das. Der Berichterstatter.) Becker ist unschuldig. Was sonst nach ist, ist nicht schlimm. Unter keinen Umständen gebe ich zu, daß ich geschossen habe." Und in einem Brief an einen SA.-Mann heißt es: «Es tut mir nicht leid: was ich getan habe, würde ich jede Stunde wieder tun: dabei spreche ich diesem System das Recht ab. mich dafür ein- zusperren." Weiter schreibt er. daß er und seine Kameraden das Recht gehabt hätten, sich zu wehre». Cr lobt Becker wegen dessen Schweigen und spielt auf Kollatz Verräterei an. Was tut also dem Angeklagten Hauschke nicht leid? Er kann damit nur den von ihm verursachten Tod des Reichsbannermannes Graf gemeint haben. Der Angeklagte Weber, früherer Mitarbeiter des„Glauchauer Tageblattes", später am„Völkischen Beobachter" in München be- schäftigt, erklärt, Hauschke habe ihm erzählt, daß er Sllvestcr in eine lschlägcrei verwickelt worden sei und in Notwehr geschossen habe. Der Angeklagte Porath, der Kollatz, Becker und 5,auschk- in Neubrandenburg zur Seite gestanden hat, will nichts Strafbares begangen haben, gibt aber zu. gemußt zu haben, daß Kollatz in irgendeine Sachs in Berlin verwickelt war. Aeußerst ausschlußreich sind die Protokolle der Kollatzschen Vernehmungen in der Voruntersuchung. Er läßt darin gar keinen Zweifel dar- über, daß er und seine Genossen von einer bestimmten Berliner Stelle die Reiseroute, die Bescheinigungen und Reise- wie Zehrgeld erhalten haben. Es sei eben die Stelle, die schon viele solche Geschichten vorher gemacht Hot. Er war über- zeugt davon, daß die g l e i ch c Stell-, die ihn und seine Kameraden über die Grenze gebracht hat, auch, für das weitere Fortkommen sorgen und mit falschen Papieren versorgen würde. Eindeutig sind auch Kollatz Aussagen darüber, wer den ersten Schutz abgefeuert hat. Es war Becker. Das hat er in unzähligen Protokollen immer aufs neue wiederholt und noch bei seiner letzten Vernehmung ausgesagt mit der Beteuerung, daß er die reine Wahrheit sage. In einem Protokoll heißt es u. o.: Ich habe die Aussagen ganz freiwillig gemacht und bin von keiner Seite gc- zwungen worden. Alles ist die W a h r h e i t. Also muß auch Wahrheit gewesen sein, daß er in Hauschke? 5)and einen kurzen rcvolverähnlichcn Gegenstand gesehen hat, daß Hauschke van dem Zlngeklagten Bressel drei Patronen bekommen hat. und daß Hauschke ihm erzählt hat. wiä er auf Graf geschossen hat. 5lofft Hauschke trotz alledem sich hcrauszuwinden? Die Verhandlung beginnt heute um lO Uhr. Justiz. Schwere Strafen gegen Zieichsbannerkameradcn. Hannover. 14. Dezember.(Eigenbericht.) Am Montag wurden hier zwei Rcichsbannerleute wegen schwerer Körperverletzung zu je fünf Mo-- naten Gefängnis verurteilt. Ein dritter erhielt drei Monate Gefängnis mit Bewährungsfrist, während die beiden anderen Angeklagten in Haft bleiben. Zwei angeklagte Reichs- bannerlcute wurden freigesprochen. Ein Hastcntlassungsantrag der Verteidigung für die in Haft befindlichen Reichsbannerlcute wurde 'mit der Begründung der Verdunkelungsgefähr und der' geradezu unerhörten Annahme abgelehnt, daß die Angeschuldigten versuchen würden, die Zeugen, die zu ihren Ungunsten ausgesagt haben, durch Gewalt oder durch Androhung mit Gewalt einzuschüchtern und sie dadurch zu einer günstigen Aussage zu bestimmen. Das Verfahren hat in der hannoverschen Arbeiterschaft einen ungeheuren Entrüstungsstnrm hervorgerufen, zumal der Urheber der Schlägerei, einer der berüchtigften nationalsozialistifchen Provoka- teure, als Zeuge auftrat und das einzige Opfer der Schlägerei«in freigcmerkschafttich organisierter Arbeiter ist, der jetzt nach im Kran- kcnhaus an einer schweren Schädclvcrletzung daniederliegt. Churchill verunglückt. Winston Churchill, der sich auf einer Vor- tragsreise durch die Vereinigten Staaten befindet, ist beim Ueber- guercn einer Straße von einem Auto umgestoßen worden. Er erlitt Bertetzungen an der Schulter und im Gesicht und mußt« in ein Krankenhaus gebracht werden. I Oer streng legale pfrimer. Vorläufig verschweigt er seine amtlichen Helfer. Graz, 14. Dezember.(Eigenbericht.) Unter den 36 Geschworenen, aus denen die 13 Richter ausgelost wurden, waren nickst weniger als 14 organi- sicrte Hcimatbnndler! Psvitner erklärte, er fühle sich nickst schuldig, da die Bcrsassung nicht legal sei! Der Kaiser habe Ist 18 dem Volk die Entscheidung übertragen, daä Boll sei damals nicht befragt worden. Er habe keinen Putsch begehen wollen, sondern empfohlen, jeden Zusammenstoß mit der Exekutive zu vermeiden. Die Heimwehr sei schon dreimal vorher, 1922, 1927 uird auch im August dieses Jahres, von Behörden als bewasfncie HUfstruppe in A n- spruch genommen worden! Das Ziel einer Septeinber-Aktion sei gewesen, daß ein Teil der bewassneten Heimwel>rcn aus Wien las marschiere, der andere die Provinzorte besetze. Cr. habe damit gerechnet, daß sowohl in Kärnten wie in Nieder- und Ober- östcrreich die Heimwchr«bsnfalls unter die Waffen gcruien werde. Allerdings habe er sich darin geirrt. Er habe sicher gehofft, daß die Regierung nachgeben würde. Die erste Maßnahme der Putschisten hätte die Streichung der rückständigen Stenern sein sollen, dann hätte das Bolk entscheiden sollen, ab Republik oder Man- a r ch i e. Dann habe man eine Verfassung rnrs st ä n d i s ch e r Grundlage schaffen wollen, die unter dein Druck der Heim mehr viel- leicht sogar das Parlament geschloffen hätte! Die Aktion sei zum Teil durch Gerüchte ausgelöst worden, noch denen die Sozialdemokralen und Kommunisten einen Streich planten. Im übrigen habe er b e st i m m t e Anhaltspunkte dafür gehabt, daß die Exekutive und Regierung der Aktion nicht feindlich gegenüberstehen würden. Mehr könne er vorläufig nicht sagen. Die Proklamation sei bereits 1929 verfaßt worden und zwar von maßgebenden Persönlichkeiten, die er vorläufig nicht nennen wolle. Diese Persönlichkeiten hätten Hochverrat begangen, nicht er. Er habe die Proklamationen erst herausgeben wollen, sobald er die Gewalt im Staate hatte. Einer der Verteidiger Pirimcrs, der Grazcr Reästsonmalt K l e ß hat schon vor Beginn des Prozesses die Verteidigung niedergelegt, weil er einen Monn nicht vertreten kö:me, der die Verfassung für illegal erkläre. Während der'Mittags- pause durfte der größte Teil der Zuhörorfchart die Angeklagten auf Faschistcnart begrüßen. Nachmittags wiederholte Pfrimer, daß er auf riti Einvernehmen mit der Regierung gebosst Hobe, und zwar hätte danir Sandeshauptmann Rintclen sorgen tollen. Drei weitere Angeklagte, die sich in der Vornntcrsuchnng, solange Pfrüner nicht verhaftet war. auf diesen ausgeredet und alle Schuld auf ihn geschoben hatten, stellten ihre früheren Aussagen als u n- richtig hin und erklärten, sie hätten sich bei der Aktion überhaupt nichts gedacht, sondern mir einen Befehl Zinn Ausrücken Folg« geleistet. Oeffentlichc Degradation. In Gegenwart einer großen Menschen- menge und in Anwesenheit der gesamten Garnison wurden in Bu- tärest Major Barcaru und vier Unteroffiziere und Soldaten, die wegen Spionage zugunsten Rußlands zu 5 bis 20 Jahren Zwangs- arbeit vernrteilt worden find, öffentlich degradiert. Insolge mangeln- der Absperrung kam es zu Tumultszenen, ja daß die Degradation erst mit zweistündiger'Verspätung vorgenommen werden konnte. sGcwcrkschaftlickics siehe 2. Beilage.) PcrautwoNlick, für Volitik: Sirto» Schill: Wirtschaft: lli. RlinqcIHf«; tbcwlrtschafv-bcwrquna: I. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schttowili: Lokales irnd Eonftiqeo: Stift Naeftädt:'Zlnzeiqeii: Th. cslocke: famtliSi in Berit». Berlaq: Vorwärt-. Terloq®. m b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerci und Vcrlagsanstalt Paul. Linne- u. Co.. Berlin SW. 68, Linden itrafte 3. Hierzu! Beilagen. Erkaltungen, ...Ich brühe den Kwief» UniTennl-Tee frühmorgens auf und trinke ihn abends kalt als Abendgetränk und bekommt mir derselbe gegen Reiften«ehr gut. Wenn ich merke, daä ich Reißen bekomme, trinke ich denselften 2— 3mal am Tage, etwa In J Tagen Ist mein Reiften(ort, sonst schleppe ich mich wochenlang hin. Ich möchte den Tee nicht missen. Sind die Kinder krank oder ist der Magen an«ehr beladen, eine halbe Tasse Tee, sofort arbeitet der Magen. ErkgUnngen der Kinder, sonst lange anhaltend, sind in 2-3 Tagen vorüber. Ich trinke den Tee ieden Abend. Dieses ist alles keine Einbildung: der Tee hilft tatsächlich Hochachtungsvoll H., Marmorlnduitrle, 1 ürsirn-waldc, 13. 6. 27. 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Dezember 49Z1 Bankpolitik in der Notverordnung. Keine wirtschastspolitischen �einigungsmaßnahmen vorgesehen. Di« Notverordnung dringt neben den einschneidenden Bc- stimnmngen über Lohn- und Preisabbau, über Zins- und Mieten- senkung sowie den steuerlichen Vorschriften noch weitere wirtschofts- politisch bedeutsame Vorschriften. Wir greifen die wichtigsten zur lritischcn Veleuchtiing heraus. Die bonkpolitischen Vorschriften der Notverordnung sollen die Bestimmungen über die Zins- senkung bei langfristigen Schulden ergänzen. Da- b-i ging die Negierung offenbar davon aus, daß Zwangseingriffe in die Zinsbildung bei kurzfristigen Krediten noch viel gefährlicher werden können als bei langfristigen Schulden. Wäre man bei den kurzfristigen Krediten so weit gegangen wie bei den lang- triftigen, so wäre nicht nur der Kapitalmarkt gestört worden, sondern es wären auch tiefgehende Störungen im Kreditverkchr und eine neue Welle der Beunruhigung bei den Sparkasseneinlegcrn die Folge gewesen. Andererseits haben die Banken die Kredittrife dazu benutzt, die Zinsfpannuugen zu erhöhen und auf diesem Wege leilweise die Verluste, die sie bei ihren schlechten Schuldnern erleiden, auf ihre guten Schuldner abzuwälzen. Der hohe Ncicksbankdiskont wirkte so für die Wirtschaft besonders ver- tcuernd; die Belastung der Unternehmungen mit Bankzinsen be- trug 13 bis 14 Proz. im Normalfall, Bankzinscn von solcher 5)öhe müssen aber den Krisend ruck verschärfen. Di« Notverordnung beauftragt den Bankkommissar, mit den Spitzenorganisationen des Bankgewerbes auf dem Verhandlung?- weg« Vereinbarungen über die Soll- und chaben- Zinsen bis zum Jahresende herbeizuführen. Die Freiwilligkeit dieser Vereinbarungen wird allerdings dadurch eingeschränkt, daß sie der Zustimmung des Bankkommifsars bedürfen und daß darüber binau» der Kommissar verpflichtet ist, wenn keine freiwilligen Ver- cinbarungen zustande kommen, von sich aus im Einvernehmen mit der Reichsbank die erforderlichen Bestimmungen zu erlassen. Zur Verschärfung des Drucks kann auf Antrag des Bankkommissars vom Reichswirtschaftsministerium einzelnen Banken der Betrieb van Depotgeschäften untersagt werden. Damit er- balten die Spitzenorganisationen des Bankgewerbes allerdings den Charakter von Zwangskartelleit. Werden diese Bestimmungen der Notverordnung nach den Grundsätzen volkswirtschaftlicher Vernunft durchgeführt, so muß man sie als einen Fortschritt in der Richtung zur staatlichen Organisierung der Kreditwirtschaft anerkennen. Denn sie geben dem Staat die Möglichkeit an die Hand, Ueberhöhungen von Zinsspannen durch Bankkartelle ebenso zu verhindern wie die Anlockung von Einlegern durch übermäßige Zinsangebot, wie sie von unsoliden und zweifelhaften Banken zum Schaden der Gesamtwirtschaft immer wieder auftauchen. Die unmittelbare Wirkung dieser Bestimmungen der Notver- ordnung war die Herabsetzung des Ausgangspunkts der Sollzinscn der Banken von 2 auf 1 Proz. über Reichsbankdiskont. Da 'eichzeitig auch der Diskont.M>lt..un: 1. Proz. herabgesetzt wurde, ist damit eine Ermäßigung der Sollzinsen um 2 Proz. eingetreten. Weitere Maßnahmen auf diesem Gebiet müssen noch abgewartet werden, ilMenrechkliche und Bilanzvorschrisken. Im Aktienrecht wurde eine kleine Lücke aus- gefüllt, die die Notoerordnung über die Aktienreform gelassen hatte. Die Borschriften über die Kommanditgesellschaften auf Aktien werden dahin erweitert, daß die persönlich haftenden Gesellschafter auch darin dein Vorstand der Aktiengesellschaft gleich- gestellt werden, daß sie die gleichen Pflichten gegenüber dem Aufsichtsrat haben und Kredite bei der eigenen Gesellschaft nur unter den gleichen Bedingungen erhalten kömien, wie bei der Aktien- gcscllichaft. Die Ausfüllung dieser Lücke ist gewiß zu begrüßen. Das viel größere Loch ist aber geblieben, daß die entscheidenden Be- stimmungen der Aktienrechtsrcform noch immer nicht in Kraft getreten sind und auch davon abgesehen noch viel größere Lücken in der A kt i e n r e ch t s r« f o r m bestehen geblieben ssnd. Wichtig ist ferner eine Bestiimmmg über die Ausstellung der Bilanz, Die Nntoerordmmg ermächtigt die Reichsregierung, ..Mit Rücksicht auf die Wirtschaftskrise" generell, also für sämtliche Kouilcute, die zur Führung von Handelsbüchern verpflichtet sind, Bestimmungen, über die Darstellung des Vennögensstmdes in den Bilanzen zu erlassen. Das bedeutet wohl, daß die von vielen Seiten an die Regierung herangetragene Anregung, die Aufstellung der Bilanzen zu verschieben, fallen, gelassen wird. Was aber die Bestimmung praktisch bedeuten wird, läßt sich noch nicht übersehen. Offenbar denkt man in erster Linie daran, angesichts des Verfalls der Börsenkurse und des Mangels an Börsen- kursen Erleichterungen für die Bilanzierung von Wertpapieren zu schaffen. Es müßte ober im Interesse der licberwindung der Wirtschaftskrise entschieden dagegen Einspruch erhöbe,, werden, wenn etwa beabsichiigt sein sollte, entgegen den klaren Vorschriften der Notverordnung über die Aktienrcchtsreform die Fabrizierung gesälschker Bilanzbilder zu gestatten und den Unternehmungen über die volkswirtschaftlich und konjunkturpolitisch notwendigen Berlustabschreibungen und Sanierungen hinwegzuhelfen. Ulan kann die Wirtschaftskrise nicht dadurch überwinden. daß man den Kopf in den Sand steckt, sondern nur dadurch, daß man die Wirtschaft vom Sande, der in das Wirtschafksgclriebe ge- raten ist. befreit. Davon ober ist in den Bilanzbestimmungcn der Nowcrordnung leider noch kein Ansatzpunkt zu entdecken. Bestimmungen über Zwangsvollstreckungen. Die Notverordnung dehnt den bisher auf den landwirtschaftlichen Osten beschränkten Boll st reck ungsschutz auf sämtlich«. also auch auf städtische Grundstücke im ganzen Reich aus, allerdings ohne Verbindung mit llmschuldungsver- fahren und besonderer Zinssenkuug bzw. Herabsetzung der Kapital- forderungen. Der Vollstrcckungsschutz ist an bestimmte Bedingungen geknüpft und auf höchstens sechs Monate beschränkt, bei landwirt- schaftlichen Grundstücken äußerstenfalls bis zum 30. September 1932. Es handelt sich ober auch bei diesen Maßnahmen um einen Ein- griff in die Gläubigcrrechte, der zwar wesentlich milder ist als bei der Ostnotverordnung, aber imnrcrhin, im Zusammenhang mit der allgemeinen Zwangszinssenkung dazu beitragen kann, die Versorgung der Wirtschaft mit Realkrediten zu erschweren. Eine andere wichtige Bestimmung besagt, daß Gläubiger, die bei Zwangsversteigerungen von Grundstücken zu kurz kommen, die Versagung des Zuschlags beantragen können, wenn das Meist gebot unter 7l> Proz. des Grund st ückswerts bleibt. In diesem Falle ist ein neuer Termin innerhalb von drei bis sechs Monaten anzusetzen, bei dem der Zuschlag aus diesem Grund nicht mehr verhindert werden kann. Durch diese Bestimmung sollen nachstellige Gläubiger vor einer Verschleuderung des Grundstücks, die nur den erststelligen Gläubiger befriedigt, geschützt werden. Damit wird die Gewährung von nachstelligen Hypotheken und von Pcrsonalkrcditen an Grundstücksbesstzer etwas erleichtert. Finanzielle Erleichterung bei Konzernauflösungen. Bisher hatte sich die Gesetzgebung darum bemüht, den Zu- sammcnschluß von Unternehmungen durch Steuererleichterungen zu begünstigen. Es ist ein Zeichen der Zeit, daß jetzt umgekehrt durch die Notverordnung ähnliche Steuererleichterungen für die Auflösung von Unternehmungskomplexen und für den Fall der Liquidation geschaffen werden. Auf diese Weise wird es Konzernen, die durch die Krise in Schwierigkeiten geraten, erleichtert, diese Schwierigkeiten Lurch die Auslösung des Konzernznsammenhangcs oder durch die Veräußerung«inzolner Betrieb« zu überwinden. Mit einer solchen Erleichterung von Sanierungen wird man sich in einer Zeit, die Sanierungen zur dringlichen volks- wirtschaftlichen Notwendigkeit gemacht hat, einverstanden erklären können, auch wenn dadurch geringfügige Einbußen im Steuerertraz in Kauf genommen werden müssen. Um so ernster ist es aber, daß die Notoerordnung selbst die Herbeiführung von notwendig gewordenen Sanierungen nicht erzwingt. Erschwerung von Kompensationsgeschäften. Mit dem Fortschreiten der Bankcnkonzentration wurden viele Bermittlungsgeschäfte der Banken im Efsekienverkehr, die bis dahin über die Börse gelaufen waren, innerhalb der gtoßcn Banken durch Ausrechnung abgewickelt(Kompensatiansgeschäfte). Die Geschäfte der Börse wurden dadurch eingeschränkt und damit auch die Geschäfte der Börsenmakler. Die Banken liehen sich Provisionen zahlen, ohne daß sie dafür Kosten hatten. Die Notverordmmg legt nun auf Kompensationsgeschäste eine Ausgleichstcuer, die den Banken die bisher bezogene Prämie beschneidet, Im ganzen ist zu diesen Bestimmungen zu sagen, daß sie wirtschaftspolitisch zu rechtfertigen sind, daß ihnen ober die jetzt so unentbehrliche wirtschastsreinigcnde Zielsetzung nollständig fehlt. Auch hier Entlastungen und Erleichterungen nach allen Seiten, aber keine Bemühung, die innerwirtschaftlichen, von der Weltkrise unabhängigen deutschen Krisen- Ursachen zu teilen. Das Fortbestehenlassen der alten Krankheit häuft aber die Wirkung der alten Krankbeitshcrde, womit alle Er- leichterungen' und Entlastungen in kurzer Zeit wieder unwirksam werden müssen. Fapan gibt Goldwährung auf. Arbeitet der Dollar gegen den ffen? Zn Japans Wirtschaft ist ein Wechsel eingetrclen. der für Ost- asicn von ähnlicher vedeukung sein kann wie die Preisgode des Goldstandards Englands für den Westen. In den letzten Monaten sind die Goldreserven der Tokioer Zcnlralbank stark zusammengeschrumpft: der Zwang zu Goldversendungen hat sie auf bSo Millionen Zcn sl gen— 2,09 M. oder etwa Dollar) sinken lassen gegen noch 819 Millionen gen im November vorigen Jahres und noch t,(jZ Milliarden zur gleichen Zeil 1929. Zn London wurde der japanische gen zuletzt nur noch mit 40 Eents gegen 30 Cents Parität notiert, gemessen am amerikanischen Dollar. Es ist also ein Kursverlust von 20 Proz. eingetreten, ein deut- ticher Ausdruck des internationalen Mihlraudis. Die japanische Regierung hat jetzt offiziell, wie es die englische Regierung gc- lau hat, die Bindung an den Goldstandard preisgegeben: das heißt die japanische Notenbank wird lein Gold zur Stützung des gen mehr vecsenden. Die Börse von Tokio ist geschlossen worden. Am letzten vörjcnlag hat sich brre'ts eine stürmische Aktien- Hausse entwickelt, was damit zusammenhängt, daß man der neuen japanischen Regierung Jnslationsobjichten zutraut. Der Gedanke ist nicht abwegig, daß auch politische Br. fachen das Schicksal der japanischen Währung beeinflussen. Es wäre denkbar, daß man der japanischen Ziv'lregicrung durch Opera- lioncn gegen den gen begreiflich macht, daß die Operationen ihrer Generäle in den Mandschurei für den wirtjchajtlichcn und politischen Frieden der Welt zu kostjp'clig sind. Die japanische Regierung bc- tont natürlich, daß ausschließlich wirtschaftliche Gründe für ihre Maßnahmen entscheidend gewesen seien. Klöckner ist optimistisch. Tiefpunkt der Krise erreicht.— Demagogische Erklärungen zur Preissenkung. Auf der Generalversammlung des Klöckner-Kovzcrn machte der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Peter Klöckner, längere Aus- fiihrungcn über die wirtschaftliche Lage. Zu der Frage der Preisentwicklung auf dem Weltmarkt und in Deutschland erklärte er, daß die Kohlenpreise im Dezember vorigen Lohres um 1,50 M. und die Eisenprcise um 9 M. je Tonne herab- gesetzt wurden, wahrend die Auslandspreise nach und nach um mehr als 40 M. abgebaut wurden, klöckner gibt also zu. daß die deutsche Schwerindustrie ihre Produkte zu Schleuderpreise» im Auslände absehte und sich diese Berlustexporle von den deutschen Abnehmern mit hilsc des inländischen Monopols wieder bezahlen ließ. Daß die Schwerindustrie nach wie vor entschlossen war. ohne Druck von oben an dieser verhängnisvollen Politik festzuhalion, bc- zeugen die Kommentare Klöckners zur letzten Notvcrord- n u n g, mit denen cr� beweisen will, daß dl- verordnete Preis- senkung durch die neuen Lohnopscr, die den Arbeitern zugemutet werden, nicht ausgeglichen werde. Diese Behauptung ist glatte Demagogie, denn die fortgesetzte Steigerung der Fördcr- leistungcu je Kopf der Belegschaft hat die Lohnkostcn je Tonne Kohle seit Anfang 1930 um 2 bis 3 M. gesenkt, während der Preisabbau nur eine Erlösminderung um etwa 1,82 M,!& Durchschnitt aller Sorten vorsieht, Zum Schluß erklärte Klöckner, daß die Exportaussichtcn wegen des Währungszcrfalls in der Welt zunächst sehr schlecht seien, doch glaube er, däß der Tiefpunkt der Krise erreicht sei und schon im Sommer nächsten Jahres eine Besserung spürbar werden würde. Der angestaute Bedarf in der Welt könne dann schneller, als man es heute annehme, zu einer Belebung der Erportmärktc beitragen, Neue Bankstützungen. Dessauer �andesbank und Chemnitzer Handelsbank. Die Tätigkeit des Bankenkommissars äußert sich immer wieder in Hilfeleistungen des Reiches zugunsten von bedrohten Banken. Mittelbar oder unmittelbar gibt das Reich Kredite oder übernimmt in Zusammenarbeit mit der Reichsbank Garantien. Di- immer noch fortbestehende Unsicherheit im deutschen Kreditwesen kanmit darin deullich zum Ausdruck, ober auch die Tatsache, ein wie bedeutsamer Sicherheitsfaktor der Staat in der gegenwärtigen Krise ist. Bedauerlich nur, daß man trotz der zahlreichen Stützungen noch immer nicht die einzig mögliche Kaufe- quenz zieht,«ii« ausreichend« Banken- und Kredit» kantrolle einzuführen, die allein den Steuerzah- l«r und die Bankenkundschaft vor Schädigungen bewahren kann. Die Anhalt-Dessauisch« Landesbank, die größte Bank dieses kleinen Landes, mußte jetzt von der Reichskrcdit A-G. gestützt werden, deren Aktien bekanntlich voll im Besitz des SCHUHE nicht nur seit 1. füll mehr als lO Prozent billiger, sondern so billig wie vor dem Kriege! Und ebenso gut! VBML. entdeckt Mußvorschristen. Er legt die Rotverordnung aus. Wie im„Abend" bereits kurz mitgeteilt, hatte der Schlichter von Bcrlin-Brandenburg das Metallkartell und den A c r- band Berliner Metallindustrieller für gestern zu Der- Handlungen über die Neufestsetzung der Berliner Mctallarbeitcrlöhne geladen. Der Schlichter machte von dem Recht, das ihm die Notverord- nung gibt, bindend zu entscheiden, über die Regelung der Löhne ab 1. Januar keinen sofortigen Gebrauch. Er oersuchte vielmehr, die Parteien zum Abschluß einer Vereinbarung zu bewegen. Dieser Versuch scheiterte jedoch infolge der Hartnäckigkeit der Unter- nehmer, die sich genau wie bei den Parteiverhandlungcn am Freitag poriger Woche, aus den Standpunkt stellten, entsprechend der Not- Verordnung müßten die jetzigen Tariflöhne allgemein u m 13 Proz. gesenkt werden, eine andere Lohnfestsetzung vcr- stoße gegen die Vorschriften der Notverordnung und wäre daher nichtig. Die Vertreter des Metallkartclls führten hinsichtlich der Löhne der Hilfsarbeiter wiederum an, daß im Jahre 1927 zu den geringen Löhnen von 64 bzw. 66 Pf. eine Leistungszulage bis zu lv Pf. pro Stunde gezahlt worden fei, heute dagegen nur noch in wenigen Betrieben bis zu 2 Pf. Leistungszulage gewährt werde. Diese Aenderung der Entlohnung müsse ihrer Auffassung nach bei der Neufestsetzung der Löhne der Hilfsarbeiter angemessen berück- sichtigt werden. Bezüglich der Facharbeiterlöhne wurde von den Ge- wcrkschaftsvertretern eingewendet, daß ein Lohn von 87,5 Pf., wie er sich nach der Kürzung der jetzigen Tariflöhne um 15 Proz. ergibt, in einem schreienden Mißverhältnis stände zu den Löhnen, die im Januar 1927 von den Facharbeitern tatsächlich erzielt worden sind. In der Frage der Facharbeiterlöhne verwiesen die Gewerk- schaftsoertreter den Schlichter auf die Bestimmung im§ 4 der Not- Verordnung, die in solchen Fällen, wo am 16. Januar 1927 ein Tarifvertrag nicht bestand, dein Schlichter das Recht gibt, von der Kürzung der Löhne um 16 bzw. 15 Proz. abzuweichen,„wenn ihm das mit Rücksicht auf den allgemeinen Stand der Löhne und Gehälter am 16. Januar 1927 wirtschaftlich und sozial unumgänglich erscheint". Der Schlichter teilte den Parteien schließlich mit, daß er sich vorbehalte, vor seiner endgültigen Entscheidung die Parteien eventuell nochmals zu Verhandlungen zu laden. Die Notoerordnung sieht über die Neufestsetzung der Löhne und Gehälter in den Privatbetrieben die Senkung der Löhne und Gehälter nicht— wie der VBMJ. unterlegt— um 10 oder 15 Proz. vor, sondern auf den Stand vom 16. Januar 19 2 7. Wo die Löhne am 16. Januar 1927 um w e n i g e r als 16 oder 15 Proz. unter den jetzt gültigen Tariflohnsätzen lagen, tritt auch eine ent- sprechend geringere Lohnsenkung ein. Davon macht die Notverord- nung nur eine ausdrückliche Ausnahme: für den Kohlen- und Kali- bcrgbau. Im übrigen gestattet sie dem Schlichter ausdrücklich eine Abweichung, wenn im Entlohnungsstistem eine Aenderung ein- getreten ist. Eine Umfrage wird klarstellen, ob es im Januar l927 allgemein üblich war, über den Tariflohn der Hilfsarbeiter hinaus Leistungszulagen bis zu 15 Proz. zu zahlen und ob heute mit diesem Lohnsystcm so gut wie gänzlich aufgeräumt worden ist Was die Facharbeiterlöhne betrifft, für die am 16. Januar 1927 ein Lohntarif nicht bestand, so gilt hier wie für alle anderen Arbeiter und Angestellten die Z u r ü ck f ü h r u n g a u f d c n tatsächlichen Lohn st and vom 16. Januar 1927. 5iätie die Notverordnung hier eine Ausnahme schaffen wollen, dann würde sie nicht ausdrücklich die Bestimmung des§ 4 eingefügt haben, die dem Schlichter das Recht einräumt, von der generellen Lohnsenkung um 16 oder 15 Proz. abzuweichen, und zwar abzuweichen nicht mit Rücksicht auf irgendwelche Umstände der Gegenwart, sondern mit Rücksicht auf den Stand der Löhne vom 16. Januar 1927. Ob diese Zurückführung richtig oder falsch, gerecht oder ungerecht ist. darum dreht es sich hier nicht, sondern um die Feststellung, daß die Not- Verordnung— mit Ausnahme des Kohlen- und Kalibergbaus— die Lohnsenkung um 16 oder 15 Proz. als Höchstmaß und den tat- sächlichen Lohnstand vom 16. Januar 1927 als Grundlage vorsieht. Es ist im übrigen bezeichnend für den VMBI., der doch sonst gegen jeden Zwangseingriff des Staates zu sein vorgibt, sich hier, wo er die Möglichkeit hat, ohne Zwangseingrifs des Schlichters eine freie Vereinbarung zu schließen— denn die Notverordnung zwingt die Unternehmer keineswegs, die Löhne um 16 oder 15 Proz. zu senken, ja, sie berechtigt sie nicht einmal, das von sich aus zu tun—. daß der VBMJ. vo» dieser Möglichkeit keinen Gebrauch macht, sondern es zum Zwangsschiedsspruch des Schlichters kommen läßt. „Und der König absolut, wenn er unfern Willen tut. Lobt die Jesuiten." Reiches sind. Die Reichskredit A.-G. stellt der Dessauer Landes- bank Beträge bis zu 5 Millionen Mark zur Verfügung, nachdem sich ergeben hat, daß der Status der Bank diese Stützung rechtfertigt. Di« anhaltijchc Staatsrcgierung überninnnt für einen Teil dieses Betrages eine Staatsgarantie. Di« Stützung durch die Reichskredit A.-G erfolgt derart, daß die ReichskredU den Wechseln der Dessaucr Landesbank ihre Unterschrift zur Verfügung stellt, wo- durch die Wechsel über die Akzept- und Garantiebank bei der Reichs- bant diskontiert werden können. Die Reichskredit A.-G. läßt den übrigen die Geschäftsführung der Dessouer Lairdesbank durch die Delegierung eines Zlufsichtsratsmitgliedcs kontrollieren. Ein zweiter Fall ist die Chemnitzer Ha n d e l s b a n k, die zu dem Kreis der gewerblichen Kreditgenossenschaften gehört. Hier sind teilweise durch statutenwidrigc Geschäfte Verluste von 1,4 Millionen Mark eingetreten: das Bekanntwerden der Verluste hat starke Abzüge der Kundschaft zur Folge gclzabt. Durch das Eingreifen des Reichs erhält die Chemnitzer Handelsbank einen Bereit jchaftskredit von 1 Million Mark, der über die Reichsbank geht. Dieser Kredit ist an die Bedingung geknüpft, daß das Kapital der Gesellschaft durch Erhöhung des Genossen- schaflsanteils von 506 auf 800 M. vermehrt wird. Das Reich über- nimmt ferner eine Zlusfallsbürgschaft im Betrage von 756 666 M. Hier handelt es sich offenbar um Maßnahmen zugunsten des Mittel- standcs ähnlich wie bei der Berliner Bank für Handel und Grund- besitz, Maßnahmen, die hier freilich«ine Gefährdung der Bank ver- hüten sollen. Was geht bei der Emelka vor? Arbeitsniederlegung der Belegschaft. Innerhalb der Verwaltung der E m e l k a- F i l m g e s e l l- s ch a s t ist es in den letzten Tagen zu schwerwiegenden Ausein- anderfetzungen gekommen. Im Mittelpunkt dieser VcrwaUungs- differenzc» steht das französische Aussichtsratsmitglied K o h a n, der im Gegensatz zur Direktion spekulative Slktientransaktionen vornehmen wollte. Die in diesem Zusammenhang verbreitete Nach- richt einer Verlegung des Produktionsgefchäftcs von München nach Berlin hat innerhalb der Belegschaft selbstverständlich größte Erregung hervorgerufen' Der Betriebsrat hatte zur Klärung der Lage an den in Berlin tagenden' Aufsichtsrat die Frage gerichtet, warum die Ver- trcter des Betriebsrates zur Sitzung nicht hinzugezogen feien, und waruni der Direktor Schach und der Regisseur Grüne zurückgetreten seien. Bei Nichtbcantwortung dieser beiden Fragen hatte der Betriebsrat die Niederlegung der Arbeit für Sonnabend nachmittag angedroht Da der Aufsichtsrat auf die An- frage des Betriebsrates nicht reagierte, wurde die Arbeits- niedertcgung durchgeführt. Der Betriebsrat dementiert ausdrücklich die Gerüchte, daß die Emelka, wie es verschiedentlich hieß, in Zahlungsschwierigkeiten geraten sei und dementsprechend auch die Löhne nicht hätte auszahlen können. Br-ot- u.Futter�etr eido-\ erbraueli �b"7 iri Den t selnland 1259.5 Jln"k-g, je Kopf dei' Bevölkerunf, S3••••••»•• iSBt'O fc�etreide iFu tter�e beeide z 1913 25 26 27 28 22 30 1931 Krieöenshutte beaniragi Gefchastsauffichi. Verschärfte Krise in der ostoberschlesischen Eisenindustrie. Der Aufstckstsra« und der vorstaud der Aricdcnshüttc in Kattowltz haben beschlossen, die gerichtliche Geschäslsaussicht zu beantragen. Dieser aufsehenerregende Schritt der Verwaltung ist im wesentlichen durch die außerordentliche Verschärfung der Krise in der Eisenindustrie Osloberschiesicns bedingt. Im Zusammen- hang mit der Einstellung der Lieferuugcu nach Sowjetrußlond ging die Produktion bei der Ariedenshülte, der Lismarckhüttc sowie der Königs- und Laurahülle sprunghaft zurück. Sic dürfte gegenüber dem Hochsommer um mehr als 46 proz. gesunken sein. Außerdem sind diese Unternehmungen durch die Pfund- k. r t s e schwer in Milleidenschaft gezogen worden, da der englische Bergbau den polnischen Äohlenexport nicht nur vom skandinavischen Markt verdrängt Hot, sondern bereits nach Donzig und in dos Korridorgebiet eingedrungen ist. Bei der Fricdenshüttc kommt hin- zu, daß die Schwierigkeiten des Werkes noch dadurch besonders oerschärst wurden, daß die Steuerbehörden rücksichtslos mit �Pfändungen gegen das Unternehmen vorgegangen sind, obwohl rereits Entscheidungen des Obersten Verwaltungsgerichts zugunsten des Werkes aorliegen. Durch diese Maßnahmen sind Kreditner- Handlungen der Friedenshütte— u. a. auch mit deutschen Bankeir—•, kiie dicht vor dem Abschluß standen, unterbrochen worden. Vorsichtige Bilanz im AEG.-Koazern. Die Verwaltungsgesell- schaft(Holdings des AEG.-Konzerns, die Bank Elektrischer Wert«, hat für 1336/31 ihre Dividendenzahlung eingestellt, nach- dem in den vorhergehenden sechs Jahren die Dividende a u f 16 Proz. stabilisiert war. Diese Dividendeneinstellung ist nur zum Teil auf den Ertragsrückgang zurückzuführen, obwohl sich bei den Beteiligungen und Wertpapieren der Dioidcndenausfall .bei Bergmann und Grube Leopold bereits bemerkbar macht. Vielmehr ist der Ausfall der Dividende als eine V o r s i ch t s- Maßnahme anzusehen, die auch in der hohen Sonderobschreibung von 1,8 Millionen auf die Beteiligungen zum Ausdruck kommt. 'Außerdem werden im Februar die Aufwertungszahlun- gen für Teilschuldverschreibungen aus der Vorkriegszeit fällig, für die die Gefellschoit flüssige Mittel bereithält, da sie aus einen«tun- dungsanlrag verzichtet hat. Gehälterabbau in den Oftstaaten. Wie aus Reoal und Helsmg- fors gemeldet wird, hat die estnische Regierung eine Kürzung der Gehälter um 2 bis 26 Proz. und der Finnländifche Reichstag eine Gehaltskürzung um 5 bzw. 16 Proz. beschlossen. Lohn und Arbeiiszeit bei Rordwest. Unter dem Zwang der Notverordnung. Essen, 14. Dezember.(Eigenbericht.) Im Lohnstreit der Gruppe Nordwest wurde am Montag nach achtstündigen Verhandlungen ein Schiedsspruch gefällt. Er verlängert■ zunächst den bisherigen Lohntarif bis 31. Dezember. Ab 1. Januar gilt der Lohntari�f vom 18. Februar 1927 mit folgenden Abänderungen: Der Stunden- lohn des 21jährigen Facharbeiters beträgt 76 Pf., bisher 75 Pf., der des Zljälzrigen Hilfsarbeiters 55 Pf., bisher 60 Pf.: die Akkordsicherung wird von 15 Proz. auf 16 Proz. herabgejetzt. Der Lohn- tarif läuft bis zum 30. April 1932 und ist mit monatigor Frist kündbor. Die Urtternehmer haben den'Schiedsspruch angcrwnnnen, die Arbeiter abgelehnt. Der durchschnittlich« Abbau betrögt noch den Angaben des Schlichters etwa 8 bis 9 Proz. In der Arbeitszeit wurde folgende Vereinbarung getroffen: Die bestehende Arbeitszeit wird vom 1. bis 31. Dezember verlängert. Ab 1. Januar 1932 wird der Beginn der Sonn- tagsarbcit in den Stahlwerken von 19 Uhr auf 22 Uhr fest- gesetzt. In der erzeugenden Industrie beträgt die Arbeitszeit für diejenigen Betriebe, die bisher 57 Stunden an sechs Tagen gc- arbeitet haben. 54 Stunden. Das trifft in der Hüttenindustrie den Houpttell der Arbeiter. In der weiteroerarbeitenden Industrie be- trägt die Arbeitszeit 48 Stunden gegen bisher 52 Stunden. Die Unternehmer sind berechtigt, nach Anhörung des Betriebsrates weitere Mehrarbeit anzuordnen, wenn es betriebsnotwendig er- scheint oder vorliegende Aufträge nur so terminmäßig erledigt werden können. Diese Bestimmung ist außerordentlich weitgehend. Die Laufdauer der Vereinbarung endet am 36. September 1932 bei einnwnotigcr Kündigungsfrist. Die christlichen Gewerkschaften haben der Vereinbarung be- reits zugestimmt. Die freien und Hirfch-Dunckerfchen Gewerkschaften behielten sich die Erklärung bis Mittwoch 12 Uhr vor. Borsig nimmt Abschied. Sein Nachfolger noch unbekannt. Wie die Bereinigung der Deutjchen Arbeitgeberverbände mit- teilt, wird ihr Vorsitzender, Geheimer Kommerzienrot Dr.-Jng. ehren- halber Ernst von Borsig, sein Amt, das er feit dem 18. März 1925 innehat, nach Ablauf dieses Winters niederlegen. Maßgebend für diesen Entschluß seien Gründe gesundheitlicher Art und die Unmög- lichkeit, sich neben seiner starken Inanspruchnahme für seine eigenen Unternehmungen auf die Dauer den mit der Führung des Vorsitzes in der Vereinigung verbuiidenen verantwortungsvollen Arbeiten mit der gleichen Intensität wie bisher zu widmen. Darüber, wer Nach- folger Borfigs werden wird, liegt noch keine Entscheidung vor. >i- Man kann Herrn von Borsig dos Zeugnis nicht verjagen, daß er die Interessen der Unternehmer mit Zähigkeit und Hartnäckigkeit vcr- treten hat. Daß unter seiner Leitung die Vereinigung der Arbeit- gcber-Berbände in dem Bestreben, die Arbeiterschaft unter allen Um. ständen zu bekämpfen, immer mehr zu einer politischen Ber- einigung wurde, ist auch nicht zum wenigsten das Verdienst Borsigs. Diese Tendenzen schlugen in ihrer Wirkung schließlich in ihr Gegen- teil um. Der Trümmerhaufen unserer Wirtschaft legt Zeugnis dafür ab, daß die Unternehmer, wenn sie die Massenkaufkraft zerstören. damit zugleich ihre eigene Wirtschaft schädigen. Vas Rechi auf Weihnachisgratifikation. Die Rechtsprechung. Die Frage, ob und unter welchen Boraussetzungen die Ange- stellten Anspruch auf Weihnachtsgratifikationen haben, ist in diesem Jahre besonders aktuell. Es war daher zu begrüßen, daß sie von der Deutschen Welle in einem Bortrog von Professor Dr. E. M o l i t o r- Greisewold vom arbeitsrechllichen Standpunkt erörtert wurde. Professor Molitor legte dar. daß es sich nach der heutigen allgemeinen Auffassung bei der Weihnachtsgratifikation nicht um ein Geschenk, sondern um einen Teil der Entlohnung handele. Diese Auffassung finde auch ihren Ausdruck im Ein- tommensteuergesetz und in den Entscheidungen des Reichsversiche- rungsamtes, djnen zufolge die Weihnachtsgratifikation anteilmäßig bei der Angestelltenversichcrung zu berücksichtigen ist, auch wenn sie freiwillig, ohne Rcchtsverpflichtung gegeben wird. Wird allerdings der Angestellte vor Weihnachten ent- lassen, so hat er kein Anrecht auf Gratifikation, auch nicht aus eine» Teilbetrag. Ein solcher Slnspruch kann nur dann geltend ge- macht werden, wenn sich der eindeutige Beweis erbringen läßt, daß die Enllassung erfolgte, um die Gratifikation zu sparen. Andererseits aber besteht ein Anspruch auf die Gratifikation, auch wenn der Angestellte erst im Laufe des Jahres seinen Posten an- getreten hat-, falls die Gewährung einer GrÄifikation als atjf ü b k l ch»nzusprechKU' ist— da? gilt für Hausangestellte•*. oder ober bei der Firma gebräuchlich ist. Will die Firma diesen Rechtsanspruch oerhindern, so kann sie es nur. indem sie allen Angestellten von vornherein. also bereits bei Zahlung der ersten Gratifikation, diese unter dem Vorbehalt aushändigt, daß sich daraus keinerlei Rechtsansprüche ergeben. Später ist dieser Vorbehalt nicht mehr möglich. Ein Verzicht auf die Gratifikation oder ihre Herab- setzung kann nur durch gütliche Vereinbarung mit den 'Angestellten erreicht werden oder— auf Grund einer eben ver- öffentlichten Entscheidung des Reichsarbeitsgerichtes— durch eine „Einebnung" der Gratifikation in den Tarifvertrag. Sonst jedoch ist, nach der Rechtsprechung des Reichsarbeitsgerichtes, der Arbeit- geber verpflichtet, die Gratifikation in der bisher üblichen Höhe zu zahlen. Auf Grund der Bestimmungen über die Herabsetzung der Höchstgehälter in der dritten Notverordnung ist allerdings auch eine Herabsetzung der Gratifikationen gegen den Willen der Angestellten möglich, allerdings nur, wenn es sich um Einkommen über 15 666 M. jährlich handelt. Tlcuer Schlichtungsversuch für Maßschneiderei. Verhandlungen am 17. und 1Ä. Oezember. In der Herren, und Damenmaßschneiderei bestand seit Septem- ber 1919 bis 15. November 1931 ein Reichstarifvertrog. Von den Unternehmern wurde er am 1. Mqi zum 31. Juki 1931 gekündigt. Zweck der Kündigung war, neben einer V« r s ch l e ch- terung der Akkordbasis um etwa 18 bis 26 Prog. einen Doppeltarif zur Einsilhmng zu bringen. Noch Scheitern der Parteinerhandlungen wurde unter Vorsitz des Schlichters, Professor Dr. Brahn, am 6. August ein Schiedsspruch gefällt, noch dem bis zum 15. November ein Provisorium gsschaftcn wurde. In der Zwischenzeit haben sich die Vertragsparteien in mehr» tägiger Verhandlung über ein« große Zahl von Tarifpafitionen geeinigt. lieber die offen gebliebenen Streitfragen hatte m einer zentralen Verhandlung als zugezogener Unparteiischer Professor Dr. Brahn einen Einigungsvorsäilag unterbreitet, der aber von beiden Pa�eien abgelehnt wurde. So entstand ein tarifloser Zustand, in dem die Unter- nehmer versuchten, ihr« ursprünglichen überspitzten Forderunzen einseitig durchzusetzen, während die Filialen des Deutschen Be- kleidiingsarbeiter-Berbandcs Forderungen zur örtlichen Tarifregelunz einreichten.'Auf Anweisung der Unternehmerzenlrale wurden jedwede Verhandlungen, auch vor den Schlichtungsausschüssen, o b- gelehnt. Trotzdem ist eine Anzahl Schiedssprüche zustande gekommen, während die meisten Schlichtunzsausschiisse die Termine wohl in Rücksicht auf die kurz bevorstehende Notverordnung v e r t a g te n. Nachdem nun die Rotnerordnung vom 3. Dezember m das Lohn- und Tarifrecht eingreift, haben die Tarifparteien sich Zwangs- läufig wieder gefunden, und vereinbart, unter Vorsitz eines aus den Herren Professor Dr. Brahn, Regierungsrot Dobberftein und Dr. Rofcher-Dresden besteheirden unparteiischen Kollegiums einen letzten Versuch zur Crhallunz einer reichstarisnertraglichen Ordnung der Lohn- und Arbeitsbedingungen in der Herren, und Dnmenschneiserei zu unternehmen. Die Verhandlungen finden am 17. und 18. Dezember in Berlin statt. Vor einer neuen Konzeniration? IleichS- und Staatsbeamte wollen die Einheitsfront. Der Bundestag des Bundes der Beamten und Anwärter der Reichs- und Staatsverwaltungen, über dessen ersten VerhandlungS' tag wir bereits berichteten, ist aller Voraussicht nad) ein bedeutsamer Wendepunkt in der Geschichte dieser Organisation gewesen. Nach den Geschäfts- und Kasseichsrichten der Vorstandsmitglieder, Genossen Rüge und B u d a, tagten am Sonntagvormittag die ver- schiedenen vom Burrdestag eingesetzten Ausschüsse. Ji)rer Be- richterstattung folgte eine ausgiebige Debatte, in der neben der zukünsttgen Gestaltung der Bundessinanzen, die Besoldungs- und Bcamtenrechtsfragen die Hauptrolle spielten. E! n st i ni m i g wurde eine Entschließung angenommen, die sich scharf gegen die sortgesetzten Gehaltskürzungen und Verschlechterungen der Beamten- rechte wendet und ein Gelübde der unverbrüchlichen Treu« zur Republik enthält. ?n seinem Bericht über organisationspolitische Fragen betonte das Vorstandsmitglied, Genosse R e b s, die Not- wcndigkeit einer engeren organisatorischen Verbin- d u n g mit den freigcwerkschastlichen Arbeitern, Angestellten und Beamten im Gesamtoerband der Arbeitnehmer der öffentlichen Betriebe und des Personen- und Warenverkehrs. Dieser Hinweis fand bei den Delegierten große Deachtimg. Er führte zu einer längeren Aussprache, in der zwar die Schwierigkeiten einer solchen gewcrkschastlichen Konzentration der Kräfte ausgezeigt wurden, aber keine grundsätzliche Ablehnung zu diesem Vorschlag zum Ausdruck kam. Das bewies auch die Annahme eines Antrages der Ortsgruppe Hannover gegen nur vier Stimmen, in dem verlangt wird, daß der geschäftsführend« Vorstand des Bundes umgehend Verhandlungen mit dem Ziel einer solchen orgoni- satorischen Verbindung ausnehmen soll. Di« Neuwahl der Mitglieder des Bundesvorstandes ergab die c i n st i m m i g e Wiederwahl der bisherigen Vorstandsmitglieder. Bauanschläger vor dem vollen Erfolg. Die lehten Widerstände. Seit zwei Monaten führen die im Deutschen Metallarbeiter- verband organisierten Berliner Bauanschläger einen 51leinkrieg gegen die Schlossermeister um den Abschluß eines Tarifvertrages. Die Bauanschläger sind eine von den Arbeitergruppen, die in- folge ihres guten Organisationsverhältnisscs in der Lage waren, sich einigermaßen annehmbare Verdienste zu erkämpfen. Als vor einiger Zeit die RGO. die Spaltung dieser Branche versuchte, hielten die Unternehmer den Zeitpunkt für gekommen, die Löhne und Akkordpreise der Bauanschläger aus den Vorkriegs- st a n d zurückwerfen zu können. Ihre Spekulation schlug aber fehl. Durch den ungebrochenen Kampsgeist der freigewerkschastlich organisierten Bauanschläger sahen sich die meisten und vor allem die ausschlaggebenden Unternehmer gezwungen, schriftlich anzuer- kennen, daß sie die bisherigen Löhne und Akkordprcise zunächst bis zum 31. März 1932 weiterzahlen wollen. Nur in einigen Betrieben ist es zu Arbeitseinstellungen gekommen. Die RGO.. die sehr vorsichtig die Äampfmatznohmen der frei- gewerkschaftlich organisierten Bauanschläger abwartete und dann plötzlich mü viel„revolutionäreren" Forderungen aus den Plan trat, war schließlich heilfroh, zu den„schändlichen" Bedingungen, unter denen die Mitglieder des Metallarbeiter Verbandes weiter- arbeiteten, auch Arbeit armehmen zu können. Die wenigen Unter- nehm«-, die sich den Forderungen der Bauanschläger widersetzten, und demzufolge bestreikt werden, dürften bald zu der Einsicht kommen, daß dieser Widerstand nutzlos ist. Die noch streikenden Bauanschläger erwarten von hen übrigen Bauarbeitern, daß sie ihren Kampf gegen die wenigen hartge- sotienen Unternehmer weiterhin solidarisch unterstützen und dar- über wachen, daß ans keinen Bau Bauanschlägcrarbeiten van Leuten ausgeführt werden, die nicht im Besitz der grauen Arbeitsberechtigungskarte des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes find. Nicht wegwerfen! Am Sonnabend, dem?. De-.ember, in der Zeit von � bis Uhr vormittags, ist aus dem Büro des(Besamtverbandes, Berlin N. 24, Johannisstr. 14/13, III, eine Aktentasche, gezeichnet mit tzein Namen Carl Wolter, Mahlsdors, gestohlen worden. U. a. Maleriol sind das Mitgliedsbuch des Gesamtoerbandes Nr. 63 729, dos Mitgliedsbuch der Rantka. Parteibuch der SPD. und Mit- gliedskartc de? Reichsbanners in der Tasche enthalten. Der.ehr- lich.- Fmder* wird gebeten, wenigstens die Mitgliedsausweise und die anderen für ihn wertlosen Akten dem Büro des Gesamtverbandes zuzustellen. Die Arbeitslosigkeit in LlE>A. Vauarbeiter mit 53 proz. am stärksten betroffen. Der amerikanische Gewerkschostsbund berechnet die Zahl der Arbeitslosen bi? zum Januar auf ungefähr 7 Millionen, nachdem in der Landwirtschast 480009 Arbeiter und in der Industrie noä) 118 000 Arbeiter bis dahin freigesetzt werden. In 13 der größten Städte war im Oktober eine Zunahme und in acht Städten«ine Abnahme zu verzeichnen.. lieber 23 Proz. Arbeitslose weist Detroit auf, das am stärtsten betroffen ist. dann solgen Baltimore, Chikaga, Clevcland, Philadelphia, Jersey, Busfolo, New Part und Los Angeles. »Freie Gewertschafts-Iugend Berlin ! Heute um l#1? Ubr tagen die Gruppen: Landsberger Platz: Jugendheim �andsbttger Str. öfl...Gewerkschaften und Wirtschaftsbeirat— Adlers- Huf: Srupvenheim Adlerahof, Bismarckftr. 1.„Die Gewerlschaft»- geschichte— Gchoneweidc: Jugendheim Niederschonewmde. Hassel. tueroerstrohe{Mädchenschule im Aeller).„Sine Gerichtssitzung."— Pankow: Sugendheim Aiffingensir. 4«. Zimmer 5.„Ein Tag im Arbeitsgericht.'— Ge- wertfchaftsdaus" Engelufer 24—25, Saal 9. ,.Die Gewerkschaften im Krisen- jähr."— Wedding: Zugendheim Willdenowstr. 5. 2 Treppen. Zimmer 11.„Mit Buch und Schallplatte durch die Welt."- Reu- Lichtenderg: Zugenddeim Gunter- sir.�he 44. Aufbau und Aufgaben des Jugendamtes."— Frankfurter Allcc: Stäotislbes Jugendheim Litauer Str. l8.„Vom Lächeln zum Lochen."— Lichten- derg: Jugendheim Dosseftr. 22...Bunter Abend."— Oftende: Zugendheim .ftarlshorft. Treslowallee 44(Aantsdjule), schon ab 19 Ufir.„Die Models gestalten den Abend aus."— Treptow: Zugendheim Elsenstr. 3 lam Bahnhof Treptow)...Bunter Abend."— Steglitz: Zugendheim Flemmingstr. l�d.„Der Lehrling einst und jetzt."— Moabit: Jugendheim Bremer Str. 69—79.„Bürgerliche und proletarische Zugendbewegung."— Spandau-Wilhelmstodt: Zugend- hom Sportplatz Seeburger Slraße.„Vom Sinn und Unsinn der Mode." Ingendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten tßjii Heute. Dienstag, finden folgende Veranstaltungen statt: Lichtenberg: Zugrndheim Gunterstr. 44. Musikabend.— Nordwest: Zugendheim Lehrter Str. 18— 19. Singeabend.— Der Sprech, und Bewegungschor übt ab 29 Uhr in der Turnhalle Baruther Str. 29. KLEINE ANZEIGEN (iiiiuiiiiiuiDniiiiuiiiiuiiiiiuiiuiuiiiiuiiiinnHiiniiiiui Uabersehrifttwort25Pf.f TaxtwortUPT. Wledörholungsrabatt: 10 mal 5 Pror, 20 mal oder 1000 Worte Abschluß 10 Pror., 2000 Wort© 15 Proz. 4000 Worte 20 Proz./ Stellengesuche; Ueberschriftswort 15 Pf., Textwort 10 Pf. � Anzeigen, welche tür dl© nächste Nummer bestimmt sind, müssen bis 4l/3 Uhr nachmittags im Verlag, Llndenstr. 3, oder auch in sämtlichen Vorwärts-Filialen und •Ausgabestel en abgegeben sein Hattos Culassct iücUfv'. In jeden Eimer Persiloder Seifenlauge, den Sie.zum Reinigen und Scheuern nehmen, vorher eine Handvoll Henko- Bleichsoda und in jeden Waschkessel; Z| vor Bereitung der Waschlauge 2-3 Handvoll Henko! *&> Dadurch wird das harte Wasser weich und für Waschzwecke geeignet. 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