Morgenausgabe Nr. 587 A 295 4S. Jahrgang MSchenMch SS Pf.,«nnatlich»,S0 M. tdavon SS Pf. monatlich für Zustrl- lung ins Haus) im noraus zohlbor. Postbezug 4,32 M. einschließlich 60 Pf. Pottzeftungs- unÄ 72 Pf. Postbestella � bahren. Auslanbsabonnement 8,— M. pro Monat; für Länder mit ermäßig- tem Druckfachenporto 55.— M. �Pnrroatis* erscheint wochentSg- lich zweimal, Sonntags und Montago einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel Abend", Illustrierte Sonntagsbeilage .?o,k und Zeit". '■* Berliner VoltSblatt Mittwoch 16. Oezember 1931 Groß-Äerlin 10 pf. Auswärts 1 5 ZH 5Me etnspat». Nonpare»Lezeüe 60 PI« Reklamezeil- r>.— RM. ,.Kleine Anzeigen� das fettgedrucktc Wori 2b P(. tzuläfstg zwei fcttgrdrurftc Worte), icör? weitere Wort 12 Pf. Nabatt lt. Tm'i. Stellengesuche das erste Worl\b P{, jedes weitere Wort lO Ps. Worte über 1o Buchstaben zählen für zwei Woru. Arbeitsmarkt Zeile 00 Pf. ZamiNen- anzeigen Zeile 40 Pf. Anzetgenannahin« im Hauptgeschäft LindenstraheS. wachen. täglich von 8V? bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht ver Ablehnung nicht genehme, Anzeigen vor l Äentraloegan der«Sozialdemokratischen Oaetei Deutschlands '>t c d a t t i o n und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 .'ciuipi.: Tönhotf(A 7) 29J— 207. Tclegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlins? 5?K.— Banrkonlo:BanIderArbeilci,ÄngeIlcUien und Beamten, Lindenstr. 3. Dt.B.».DiSc.-GcI.,Dcpositcnk.,LcriiiaIemcrSti.tiö VS. Alle Kräfte für Preisabbau! Gegen Faschismus.— Kampsbereitschafi der Gewerkschaften. Per Vuudesausschuh des AvGL. nahm gestern aus seiner Taeung, über die wir an anderer Stelle berichten, folgende E n t- schlicssung a»: Oer vunbeeousschuß stellt fest, bah die Regierung in der Rat- l'erordttuog die wiederholten ernsten Warnungen der� Geweckschasteu unberücksichtigt gelassen und statt dessen den >mn den Arbeitgebern crbobeuen Forderungen nachgegeben hat. Die schwerwiegenden Bedenken gegen einen allgemeinen Lohnabbau bestehen unvermindert fort, um so mehr, als in den RZahnohrnen zum Abbau der preise keinerlei Bürgschast für einen auch nur annähernden Ausgleich der fraufkrastminderung zu erblicken ist. insbesondere müssen die Ausnahmebestimmungen gegen die Arbeiter de? kohlen- und Kalibergbaues und der in össentlichen Betrieben und Körperschaften beschäftigten Arbeitnehmer entschieden bekämpft werden. Daß zu der allgemeinen Lohnsenkung auch noch eine starke Einschränkung der Leistungen der Sozialversichc- rung hinzutritt, zeigt, daß die schwersten Opfer wiederum der Aifccilctfchatl ausgcbürdct werden. Riemand kann ein größeres Interesse am wirtschaftlichen lBiedcraufstieg Deutschlands, an politischer Beruhigung und an der Erhaltung eines geordneten Slaatslebens haben als die Arbeiterschast. E» und aber ftä-'fe Z weisel berechtigt, ob die Rotvcrocduang das deutsche Volk diesem Ziele näher sühren wird. Rachdcm troh aller Warnungen vor den sozialen und wirl- sch.rftlichen Gefahren der in der Rotverordnung gezeichnete weg gegangen wird, lehnen die Gewerkschaften sebe V e r- a n t w o r t u n g für die aus der Lohn- und Gehaltssenkung ohne Vorleistung einer durchgreifenden Preissenkung sich ergebenden Folgen nachdrücklich a b. Jedoch fordert der Bundesausschuß von der Regierung, daß nunmehr alle dem Preisabbau dienenden wah- »ahmcn nicht weniger rücksichtslos durchgeführt werden als die außerordentlichen Eingriffe in den Lohnftond und in da» tollektive Arbeitsrecht. Die Gewerkschaften werden von sich aus alle Anstrengungen machen, auf einen fühlbaren Preisabbau hinzuwirken. weiter verlangt der Vundesausschuß, daß schnellstens ein großzügige» Arbeitsbeschaffungsprogramm durchgeführt wird zur endlichen Entlastung des Arbeitsmarktes und zur Behebung der Arbeitslosennot. An die Arbeiterschaft in den Betrieben richtet der Bundesausschuh— unter kslnwei, auf die nach dem ZO. April ,P32 zu erwartende Einschränkung der Verbmdlicherklärungen— die Aufforderung zu erhöhter Kampsbereitschas». Die in Aussicht genommene Lockerung de» Schlichtungswesens muß zwangsläufig zu einer Steigerung der Arbeikskämpse führen. Deshalb gitt es. für diese kämpfe schon jetzt zu rüsten durch Festigung und Ausbau der Gewerkschaften. Die Gewerkschasten beim Reichskanzler. lieber die Besprechung der Eewerks6>aftcn mii der Reichsrcgie- rung am Montagabend wird uns mitgeteilt: Die Besprechung der gcwerkschafllichen Spiizcnvcrbändc und Beamtenbündc, die am Montag beim Reichskanzler stattfand, galt den verhängnisvollen Auswirkungen d c r N o t v c r- o r d n U n g auf die Lage der Arbeitnehmerschaft und der Beamten. An der Besprechung nahmen auch der Arbeits-, Finanz- und Wirt» fchoftsininister teil. Die Gewerkschaftsvertreter führten iirsbesondere aus, daß die ?!otvcrordnung die Arbeiter. Angestellten und Beamten vor allem deshalb schwer belaste, weil die Preissenkung der Lohn- und Gchaltssenkung nicht vorangehe. Sie verwahrten sich ferner gegen die durch oic Notverordnung festgelegte Sonder- b c h a ii d l ii n g der Bergarbeiter und der Gemeinde- und Staats- arbeitcr, durch die der Lohn dieser Arbeitcrgruppen zum Teil er- lieblich unter den Stand vom i0. Januar ,927 hcrabsiiikc. Nach- dem die Reichsregienmg den Weg der D c s l a t i o n s p o l i t i k beschritten und Löhne und Gehälter auf den Stand vor der Nationalisierung zuriickgedrückt habe, müsse die Regierung nunmehr die tzt r« i s j e n l u n g aus der ganzenLinie schnell und durchgreifend in die Wege leiten und alle Tarifverträge für allgemeinverbindlich zu erklären. Der Reichskanzler erklärte', die'Notverordnung fei ein einheitliches Ganzes. Ihr Erfolg sei gewiß, wenn alle Äräste der Wirt- schaft auf die. Preissenkung fon zentriert würden. Die. anwesenden Ressortminister gingen auf die besonderen Fragen ihres Arbeits- gebietes ein. Der Arbeitsminister erklärte sich zur Hilfeleistung beim Ausbau der Tarifverträge bereit. Oer Preiskommissar arbeitet. Verhandlungen mit Bäckern, Fleischern, Friseuren und Straßenbahnen. Der Reichskommissar für Preisüberwachung wird nach Abschluß der in diesen Tagen durchgeführten Verhandlungen mit Vertretern der Bäcker-, Fleischer- und Friseuroer bände in Kürze eine Verordnung über Preisschilder erlassen. Die Per- Handlungen, die mit dem Fleischer- und Friseurgewerbe pber die Preisgestaltung stattgefunden haben, stehen ebenfalls vor dem Abschluß. Gestern hat der Reichskommissar nüt den deutschen Straßen- und Klein bahn Verwaltungen verhandelt und das Verfahren festgestellt, noch den, auf Grund der Boftim- mungen der Notverordnimg Tarifermäßigungen niit wäg- lichster Beschleunigung in Kraft gesetzt werden können. Krelsmllgllederversammlungei) Heute, Mittwoch, den-16. Oezember, 19'» Uhr: 1. ftrcii Mitte. Hackescher Hof. Rosenthaler Str. Zll/z,.— Referent: Borsitzender des Landarbesterverbandes G-arg Schmidt, M. d. R. 4. ftxeid Prenzlauer Berg. Großer Saal des Saalbau Frirdrichshain, Am Friedrichshain ,16— ,23.— Referent: Parteioorfitzends? Arthur Erispien, M- d R. 5. Kreiö Friedrichshain. Andreassestsäle. Andreasstraße 2,. — Referentin: Frau Clara Bohm-Schuch. ii. Kreis Kreuz berg. Rabes Festsäle. Fichtcstr. 29.— Referent: Carl Litke, M. d. R. 7. Kreis Charlotteubnrg. Türkisches Zelt, Berliner Str. S3. — Referent: Dr. Völter. M. d. R. Morgen, Donnerstag, den �7. Oezember, il 91» Llhr: ,5. KreiS Treptow. Lokal„Zum Kyffhäuser'. Niederschöneweide, Berliner Str. 91— Referentin: Mathilde Wurm, M. d. R. ,7. Kreis Lichtenberg. ,9 Uhr im Cäcilien-Lyzeum, Rathaus- stvaßex— Referent: Dr. Kurt Löwenftcin, M. d. R.— Tiir- kontrolle: 119. Abteilung. Freitag, den �8. Oezember, 19£ llhr. 3. Kreis Wedding. Pharusfäl«, Rtüllerstr. ,42.— Referent: Dr. Julius Moses, M. d. R.' 8. Kreis Spandau. Scitz' Festfalc, Schützenstr. 2— 4.— Referent: Gcrhart Seger, M. d. R. 9. Kreis SLilmcrsdorf. Viktoriaqartcn, Wilhelms«« 114/115. — Referent: Friedrich Stampfer, M. d. R. 12. Kreis Steglitz. Licht« rfelder Festsäle, Zehlendorfer Str. 5. — Referent: Franz Künstler, M. d. R. 13. Kreis Tempelhof. Birkenwäkdchen, Tsnipslhof, Manteuffel- straße.— Re ferent in: Mathilde Wurm, M. d. R. 14. Lireis Neukölln. Bergschloßhöhc, Karlsgartcnstr. 6—11.— Ref.: Kurt Lzeinig, M. d. R. Achtung, krelsfunllionärkonferenz. 16. KreiS Köpenick. Stodttheater, Köpenick, Fviedrichstr. 6.— Referent: Dr. Kurt Löwenstein, M. d. R. Thema in allen Versammlungen: «• Die politische Lage und die neue Notverordnung" Das Parteimitgliedsbuch ist m allen Versammlungen zur Kontrolle vorzuzeigen. Tschiangkaifchek. ÄölkerbundS-ZiückVirkungen auf Nanking. Von Betör Crarwy. Ronking. 15. Dezember.(Eigenbericht.) Das Zenlralexekulivkomilee der Kuomintang bestimmte am Dienstag den Präsidenten des gesetzgebenden Rate» Liu S e n zum Räch folger Tschiangkaischrks als präsi. dcnlen der chinesischen Republik. Der Präsident der chinesischen Republikl g gegen die Arbeiter auszunutzen. Es ist bezeichnend, daß der Preissenkungskommissirr erklärt, daß er mcht- für die-S c u k u n g der Preise, sondern nur für ihre Neb er wachung eingesetzt sei. Gewiß sind manche Preise heruntergegangen, aber wesentlich ist, wie stark die Kaufkraft der arbeitenden Massen sich darstellt. Auf diesem sehr wichtigen Gebiet scheint nichts getan zu sein, Lohn- scnkung und Senkung in den Kosten der Lebenshaltung werden sich nicht die Waage halten.(Lebhafte zustimmende Zurufe.) Wir stehen in der schwersten Stunde der deutschen Sozialpolitik, aber wir können sagen, daß wir schon jetzt vcr- schiedenc Bedrohungen abgewehrt haben. Das steuerfreie Existenzminimum sollte auf eine niedrigere Stufe gesetzt werden. Das ist nicht gelungen, und die Ausschaltung der Gewerkschaften und des Staates auf der ganzen Linie, wie sie von den Gegnern erstrebt wurde, ist gleichfalls nicht erreicht worden. Ich glaube nicht daran, daß die Notverordnung Brünings zu einer G e- s u n d u n g der deutschen Finanzen führen wird, ich glaube viel- mehr, daß sie von salschcn Voraussetzungen ausgeht. Nach schweren Gewisjenskämpsen lzabe ich mich aber, vor ollem, nachdem ich im Rheinland zahlreichen Rlilgliederoersommlnngcn der Partei beiwohnte, dazu durchgerungen, für die Tolerierungspolikik gegenüber Brüning zu stimmen. Ich sage mir, daß in diese m Reichstag nur eine Mehrheit für ein Nein vorhanden ist, und ich frage mich, ob Hilgenberg,.Hitler und ihre Freunde überhaupt wählen lassen werden. Unser Kampf muß augenblicklich dahin gehen, Brüning zu bestimmen, die Preissenkung mit der Lohnentwicklung auf den gleichen Standard zu bringen. Für uns heißt es, drei Eigenschasten zu zeigen: Disziplin, Geschlossenheit und Treue' (Lebhafter Beifall!) Das Gebot der Stunde: Einigkeit. . In Schöneberg sprach Hans Vogel. Nach einer längeren j Darstellung des Kampfes der Sozialdeniokratie um Demokratie und I Republik feit Ausgang des Weltkrieges sagte er: Auch heute ist es eine dringende Notwendigkeit für die Partei, den Kampf um die Demokratie in den Mittelpunkt zu stellen. Und wenn wir noch so sehr über die Notverordnnngspolitik Brünings und die dadurch hervorgerufene verschlechterte Lebenshalttmg verbittert sind, so müssen wir uns doch darüber klar sein, daß eine Nazi- d i k t a t u r eine viel größere Verschlechterung gebracht hätte. In dieser Erkenntnis haben wir Brüning toleriert, nicht weil wir besonderes Vertrauen zu Brüning haben, sondern weil wir mit dem größten Mißtrauen gegen die nach einem Sturz Brünings kam- wende Regierung erfüllt sind. Dieser Gesichtspunkt hat die Fraktion veranlaßt, den Beschluß gegen die Einberufung des Reichstages zu fassen. In den Verhandlungen, die von uns vor Bekanntgabe der Notverordnung mit Brüning geführt wurden, hatte uns Brüning weitgehende Z u g e st ä n d n i s s e für die Sicherstellung der Lebens- Haltung des Arbeiters gemacht. Nach der Bekanntgab« erklärte er auf unsere Lorhaltniigen, daß ein Festhalten an diesen Zu- geständnissen sein Kabinett auscinandcrgerissen hätte. Die Absicht dieser Notverordnung ist vor allem die Lohnsenkung. Die Regierung glaubt damit, dem Auslandswährungsdumping begegnen zu können. Nach der Auffassung unserer Fraktion ist das Verkehrsverbilligung ab I.Januar BVG.-Auf sichtsrat tagt heute— Berufsverkehr muß billiger werden! heule tritt der Aussichlsrat der Berliner verkehrsgesellschafl zusammen, um über die Einzelheiten und die Durchführung der vorgesehenen Berbilligung des Bcrkehrskarifes zu beraten. Bei den Besprechungen, die zwischen dem Preiskommissar Dr. G o e r d e- > c r und Bürgermeister Dr. Elsas stallgesunden haben, spielte der Erlaß der von Berlin bisher aufgcbrachken Beförderungssteuer, die rund 7 Blillionen Rlark ausmacht, eine ausschlaggebende Rolle. Es ist jetzt als sicher anzunehiven, daß der R e i ch s f i n a n z m i n i st e r der Stadl dies: Steuer in voller höhe erlassen wird. Der Aussichls- rat der BVG. wird heule kaum zu einem cndgülligen Beschluß kommen, weil die vorliegenden Enlwürse über die Umgestaltung des Tarifes noch eingehendster Nachprüfung bedürfen. Ucber die zweck- mäßigste Art der Berbilligung bestehen noch verschiedene Auffassungen. Außerdem darf man die finanziellen Aus- Wirkungen einer Tarifverbilligung auf den Etat der BVG. nicht zu gering einschätzen. Für da» lanfendc Zalxr geben die EinnaHme- schälzupgen die Summe von 18b Millionen Mark an. Man rechnet damit.. daß..die Eiunahmr.u im Jahre 19)2 noch weiter zurückgehen werden und schätzt. sie auf>b0 Millionen Mark- Eine zchnprvzenligc Herabsetzung der Fohrpreise würde also für die VVG. einen Ein- nahmeausfall von lb Millionen Mark l>rdeulen. Vci der Vcrbilligungsaktivn muß in erster Linie der Berufsverkehr bcrürtsirtitigt werden. Der Plan, d'e schon jetzt sehr stark benuhke Sammclkarte wciler im Preise Herabzusetzen, oder eine karte auszugeben, die bei einem Preise von einer Mark zu scchs Fahrten bercchligl, dürste deshalb die meisten Befürworter finden. Zur Zeit entfallen auf die Sammelkarle bei der Straßenbahn uiigefähr ZS Proz. aller Fahrten, bei der U-Bahn koniinen 42 Proz. der Fahrten auf die Sammeikarle. Aridere Vorschläge gehen aus eine Herabsetzung des Fahrpreises für die Einzelfahrt aus und möchten den Preis für die vlonalskarlen um 10 Proz. reduziert sehen. Als sicher gilt, daß der vrrbilligte Tarif der verkehrsgescilschast ab I. Januar in Kraft treten wird. Oberbüfgermeistepbrief an die Krakiionen. Zwischen der Stadtnerordnetenversammlunz. und dem Ober- bllrgermeister Dr. Sah m bestanden Meinungsverschiedercheite» über die Zuständigkeit eines von der Stadt oerordneteiwerst.nmcknng eingesetzten A u o s ch u s s e s, der die Unterbringung, Bchandkung und Verpflegung Berliner F ü r s o r ge z Sgl i ng e in stödtrschen und nichtstädtischen Anstalten kontrollieren sollte. Der Ausschuß hat seine Arbeit noch nicht aufgenommen, sondern in seiner letzten Sitzung beschlossen, das vorliegcirde Material der Wohlfohrts- d e p u t a t i o u zur Prüfung zu überweisen. Darauf Hot jetzi der Oberbürgermeister an alle Stadtverordnetenfraktionen ein Schreiben gerichtet, in dem cr erklärt, daß dieser Beschluß des Ausschusses ihn einer, weiteren � Beanstandung enthebe. Dr. Sahni weist darauf hin.' daß die Wohlfahrtsdeputation gemeinsam mit dem Verwaltiingsaiisschuß des Landesjugendamtes sich bereits eingehend mit den Fragen der Jugendfürsorge beschäftigt und weiter be- schästigeu wird. Für Miets«nk»ing beim Ledigenheim. Ilm den vielfach in Bedrängnis lebenden Bewohnern des Ledigenheims am Brunnenplatz eine kleine smanzielle Ent lastnng zu verschaffen, wird heute die sozialdemokratische Bezirks verordnete ii fraktion in der Wedding.er V c z i r k s v e i' s a m m l u n g eine Anfrage einbringen, in der Auskun't darüber verlangt wird, ob das Bezirksamt bereit ist, auch im Ledigenheim eine Senkung der Mieten um 19 Proz. vorzunehmen und zu welchen Zeitpunkt die Mietsenkung in Kraft treten soll. „Es ist kein Wahnsinn, Mutter, aber es ist die Grenze. Die Grenze zwischen dem Eingezäunten und dem Ehaos, zwischen Mensch und Tier, zwischen der Welt der Vernunft und den dämonischen Mächten. Aber wundert dich das? Kann dich das erschrecken? Hast du vergessen, daß auch der Krieg auf dieser Grenze liegt, daß cr alle Grenzpfähle aus- gerissen und zertrümmert hat? Er hat vier Jahre lang die Menschheit den Dämonen ausgeliefert, er hat denjenigen mit Ehrenzeichen geschmückt, der das Tier in sich ain hemmungs- losesten wüten ließ, der die meisten Menschen tötete und die meisten Werte zerbrach und vernichtete. Ick) will damit die nicht schmähen, die gezwungen oder in gutem Glauben auf allen Fronten da draußen Aug in Auge mit dem Tod ge- standen haben, denn auch Waller gehört ja zu ihnen. Aber niemand darf sich wundern, wenn ein Mensch, der so wenig Tierhaftes in sich hat wie Walter, diesen Einbruch ins Chaotische nicht einfach in sich auslöschen kann." Frau Lariot preßte die Arme fest an ihren Körper. „Mich friert, obwohl die Sonne scheint", sagte sie,„ich kann hier nicht mehr sitzen. Wir wollen hinein gehen.— Ja. Germaine, du magst recht haben in allem, was du jagst. Ich habe das noch nie so durchgedacht, aber wenn ich dich höre, dann verstehe ich Walter und kann mich in alles hineindenken. Aber trotzdem wollen wir mit dem Arzt darüber sprechen, denn dos ängstigt mich mehr als alles andere.. Walter saß aufrecht im Vett. als Mutter und Schwester bei ihm eintraten. Er sah entschlossen, verbissen aus.„Vufe Dr. Heim an, Germaine", sagte cr.„ich habe dos satt. Diese Quälerei halte ich nicht mehr aus. Ick) werde einfach verrückt. Sag ihm, er solle herüber kommen, ich hätte mich entschlossen, so bald wie niöglich in ein Äronkentzaus oder eine Klinik zu gehen und eine rasche Entziehungskur zu machen. Ich will nicht mehr hier liegen— ich will gesund sein, und zwar so schnell wie möglich." Ecrmainc hatte schon den Hörer in der Hand. Ihr Geficht bekam einen glücklichen verklärten Ausdruck. . Was sagt er dann?" fragte Walter ungeduldig. Endlich legte Germaine den Hörer ab. Mit raschen Schritten ging sie auf den Bruder zu und küßte ihn. „Walter", sagte sie,„cr wollte es erst gor nicht glauben. Er sagt, dos sei das beste Zeichen für deine Widerftondskrast, für alle gesunden Kräfte in dir. Er meinte erst, wir hätten dich vielleicht dazu überredet, und als ich das natürlich vcr- neinte, da sagte er wörtlich: Wenn dieser Entschluß, freiwillig jetzt schon in eine Klinik zu gehen, wirklich ans ihm allein komnit, dann ist er schon über den Berg, dann tonn man ihm nur von Herzen gratulieren. Er kommt gleich selbst!" Auch Frau Loriot sah neu belebt aus den Sohn.„Ach, Walter, eine größere Freude könntest du mir nicht machen! Dann ginge mein innigster Wunsch in Erfüllung!" Walter lächelte.„Wird schon werden, Mama! Aber wird es denn nicht zu teuer für uns werden? Jetzt, wo Köchlins ausgezogen sind und wir die Zimmer frei haben— seit wann sind sie eigentlich weg? Ich habe sie hier überhaupt noch nicht gesehen!"— „Sie waren ja immer im Ausland und kamen mir Zwischen zwei Reisen einmal Hierher— ich muß sagen, ich habe mich gewundert, daß sie nicht schon längst gekündigt haben", erwiderte die Mutter. „Ja. Krieg und Inflation sind vorüber— die fetten Jahre sind zu Ende", fügte Germuine spöttisch hinzu.„Ich bin übrigens sehr froh, daß sie weg sind. Und wir hoben schon wieder Mieter, Walter. Eine sehr nette, ollere Kollegin mit ihrer Schwester wird den zweiten Stock nehmen. Du kannst also ganz beruhigt sein, die Mittel werden mir schon ans- bringen. Aber es läutet, das ist Doktor Heim. Ich werde össnen." 29. Im Schulhof der Höheren Mädchenschule lag eine dicke Schneedecke. Nur ringsum im Kreise führte ein breiter, trockener Saum. Der Schutdieuer boltc ibn sebmitzend und keuchend sauber gefegt und den Schnee nach der Mitte hin aufgeschichtet. Es war der Weg, auf dem die Schülerinnen während der großen Pause zu promenieren Hotten. Säuberlich und ordnungsgemäß je vier und vier— so wollte es die Schulordnung, und allwöchentlich übernahm ein anderes Mitglied des Lehrerkollegiums die Aufsicht darüber, daß die Vorschrift auch pünktlich eingehalten wurde. Denn hier mondeltcn die Schülerinnen unter den Augen der Qejfcntlichkcit, und»ich durste mit Fug und Recht van heran- wachsenden höheren Töchtern ein sittsames Betragen erwarten, dafür bezahlte man sein teures Schulgeld und ließ seinen Kindern eine wirkliche Bildung angedeihen. Und wie sollte sich diese Bildung nach außen hin anders dokumentieren, als in einem einwandfreien, einer festgefügten Ordnung ent- sprechenden Benehmen? Gab es eine eindringlichere Er- gänzung zur Staatsbürgerkunde, eine bessere und einfachere Belehrung darüber, was ein junger, heranwachsender Mensch unter Einordnung in die Gemeinschaft des Staatslebens zu verstehen hatte?— Aber es war der erste Schnee heute! Der allererste Schnee dieses Jahres! Und er war so unenvartet gekommen! Morgens, als man zur Schule ging, lag ein grauer, regne- rischer Himmel über der Stadt, in der Feme waren Wälder und Gebirge in dicken Nebel eingehüllt. Aber zwei Stunden später wirbelte vor den Schulfenstern zllötzlich etwas Weißes durch die Luft. Man traute seinen Augen nicht. Die kleinen Mädchen in 9». und b reckten die Hälse. Das war doch— aber natürlich, kein Zweifel, das waren Schneeflocken, die da am Schulfenster herumtanzten, und„Fräulein, es schneit!" rief mitten in die Rechenstunde ein fröhliches Stimmchen, um dann erschreckt zu verstummen und die Augen wieder den roten und schwarzen Kugeln der Rechenmaschine zuzuwenden. Weiter oben, in 3 und 2 oder gar in 1, der Abschlußklasse, sagte man so etwas zwar nicht mehr laut. Man mar ja kein kleines Mädchen mehr. Aber man knuffte sich verstohlen und nickte sich zu, und Ilse Wendler, das eufunt terrible in lb, die in der letzten Bank sitzen mußte, weil sie schon wieder mos verübt hatte, verspeiste in der Geogrophiestunde ihr ganzes Vesperbrot, indem sie, gedeckt durch die vorderen, heimlich unter die Bank kroch und dort große Brocken würgte. Denn sie sagte sich in weiser Voraussicht, daß in der Pause ein paar Mutige mit ihr aus dem Schulhof entwischen und in einer Nebenstraße eine rechtschaffene Schneeballschlacht liefern würden. War es also verwunderlich, daß heute die Schulordnung schnöde mißbraucht wurde? Daß eine Herde schreiender. quietschender, jubelnder Mädchen sich im Schnee wälzte, daß Schneemänner gebaut und ganze Ladungen weißer Flocken zu Schneeballschlachten verfeuert wurden? Bald war der schön gefegte Saum, dos mühsame Werk des Schuldicners, wie das schwarz und weiß gesprenkelte Fell eines Koters an- zusehen. Die Mädel aber waren wie außer Rand und Land. Sie Hatten alles, was Schule und Elternhans iknen einge- I'flanzt, mos Sihnlordming, ErmaHnungen und Strafen an- gedroht halten, einfach vergessen. ........______________(Forti-tzung folgt.) Revolte der Hitler-Burschen SA.-Leute prügeln sich blutig— Interessantes aus dem Sturm 24 ein Fehlschluß. Der zweite Teil ordnet eine Preissenkung an, die zu einer Senkung der Lebenshaltungskosten um etwa 7% Proz. führen kann, weiter ist durch eine Ainssenkung auch eine Belebung der Wirtschaft möglich. Die Notverordnung legt die Lohnhöhe unabänderlich bis April 1932 fest. Unsere Stellung zu der letzten Notoerordnung ist eine wescnt- lich andere als zu den bisherigen. Sie bringt manche Vergünfti- gungen. Durch ihre Ablehnung hätten wir unseren Gegnern billiges Llgitationsmatcrial in die Hand gegeben. Für den Fall einer Reichstagsmehrheit gegen die Notverordnung hatte Brüning bereits die Zustimmung des Reichspräsidenten zur Auslösung de- Reichstages erhalten. Aber eine Neuwahl würde heute keines- wcgs eine Besserung bringen, eher eine nationalsozialistische Regie- rung. zu der wir zwar in schärfster Opposition stehen könnten, unter der wir aber unsere Bewegungsfreiheit überhaupt verlieren würden. Die Folgen für die Preußenwahlen und die im März statt- findenden Reichspräsidenten wählen würden nicht aus- bleiben, ja, man darf bezweifeln, ob es dann überhaupt noch zu Wahlen kommen würde. Und wenn die Partei durch die Tolc- . rierungspoliiik geschwächt wird, so ist eine geschwächte Sozialdemo- trnlie immer noch besser als eine von einer nationalsozialistischen Regierung verbotene Sozialdemokratische Partei. Weiter ober hätte eine L'�iflösung des Reichstags Devifcnflucht, Zurückziehung der Kredite und letzten Endes Inflation bedeutet, die ungleich schwerer von der Arbeiterschaft zu ertragen wäre als die jetzige Notverordnung. Wenn die Fraktion auf Einberufung des Reichs- tags verzichtet, so tut sie das, indein sie gleichzeitig dringend auf die Durchführung der Preissenkung besteht und die Partei wird dabei um so erfolgreicher sein, je mehr die einzelnen Parteigenosien geschlossen hinter der Partei stehen. Einigkeit i st das dringende Gebot der Stunde.(Starker Beifall.) Hitler, der Popanz der Schwerindustrie. In Reinickendorf sprach Franz K ü n st l c r. Er ging im ersten Teil seines anderthalbstündigen Referats auf die Ursachen der heutigen wirtschaftlichen Not ein. Die Aufgabe, die der deutschen Arbeiterschaft aus den augenblicklichen Verhältnissen erwächst, ist keine spezifisch deutsche, sondern eine internationale von allergrößtem Ausmaße. Es kommt alles darauf an, die Faschisten zu schlagen, denn ein Sieg der hitlcrleutc würde Deutschland in den Bürgerkrieg stoßen und Europa in eine Seite von Krisen verwickeln. Der Zustrom zu Hitler ist nur aus der V e r z w e l s l u n g zu er- klären, die die Wirtschoftsnot erzeugt hat. Die europäischen Völker haben infolge des Krieges einen großen Teil ihrer ausländischen Absatzgebiete verloren und doch sind sie auf den Außenmarkt onge- wiesen. Die Forderung nach nationaler Selbsthilse, noch Autar- k i e, die die Hugenbcrg und manche„Wirtschaftssührcr" erheben, ist unter Berücksichtigung der weltwirtschaftlichen Bcrslochtenheit geradezu unsinnig. Im Zusammenhang damit wird von den Reaktionären die Forderung der A r b c i t s d i e n st p f l i ch t erhoben. Ihre Ein- führung würde manchem die Augen öffnen, der heute den Rcattio- nären. nachläuft. Das Volk muß begreifen, daß Hiller nichts weiter ist als der Popanz der Schwerindustrie. Die kaiserlichen Prinzen werden dem ehemaligen Anstreicher Hitler nur so lange die Hand drücken, als er für die Pläne der Reaktion zu gebrauchen ist. lZustimmung.) Das Ziel der Nazis ist die Zerschlagung der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften. Aber die Sozialdemo. kraten und die freigewerkschaftlichen Arbeiter werden in der Stunde der Rot ihre Fäuste zu gebrauchen wissen. Sie werden mit den Exzellenzen und Heimkricgern gehörig abrechnen, wenn man sie dazu'z w i n.g t. Dann wird vielleicht der Zeitpunkt gekommen sem, wo wir vieles korrigieren können, was wir 1916 versäumt haben. kStürmischcr Peifall.) Kommt es ober zu einer solchen Ausem- ondersctzung, so muß die deutsche Arbeiterklasse politisch und moralisch einwandfrei dastehen. Aus dieser moralischen Veramwortlichkeii heraus ist auch die Haltung der Reichstogssroktion zu der neuen Notverordnung zu verstehen. Künstler erinnerte daran, daß die erste Notverordnung Brünings von der Sozialdemokratie abgelehnt wurde, und daß die Mehrheit des deutschen Volkes in der darauffolgenden Reichstags- mahl gegen die Sozialdemokratie entschieden hat. Die bisherige Taklik der Fraklion hat sich im Hinblick auf Harzburg und Braun- schweig als richtig erwiesen. Man darf auch die Erfahrungen der italienischen Parteigenossen nicht vernachlässigen. Der Berliner Bezirksvorstand einschließlich der Kreisle iter hat er- klärt, daß die Notoerordnung hinsichtlich ihrer Eingriffe in das Tarifrecht und in die Sozialversicherung untragbar sei. Und auch der Genosse Wels hat sich diese Auffassung zu eigen gemacht und sich mit Brüning in dieser Frage ins Benehmen gesetzt. Möge kommen, was da ivolle, über alles geht die Einheit und G c- f ch l o f s e n h e i t der Partei. Wir alle sind«ine Schicksals- g e m e i n s ch a f t, die auf Gedeih und Verderb miteinander vcr- Kunden ist. Die Ausführungen Künstlers wurden mit stürmischem Beifall aufgenommen. Die ungerechte Bürgersteuer. Aus Leserkreisen wird uns geschrieben: Bei der Zustellung der S t e u e r k a r t e n, die dieser Tage er- folgte, wird es wohl überall lange Gesichter gegeben haben, als man sich nämlich die vierte Seite der Karte ansah und die hohe Summe der zu zahlenden Bürger st euer entdeckte. Diese Steuer wird nämlich nach dem Einkommen von 1930 erhoben. Im Jahre 1930 arbeiteten noch sehr viele Frauen von kleinen Beamten, Angestellten und von Arbeitern mit, auch steckte der Lohn- und Gehaltsabban noch in den Slnsängcn. Weil diese Frauen aber verheiratet sind, wurden die meisten von ihnen abgebaut: abgebaut wurden auch Lohn und Gehalt. Nicht einmal, nein zwei- und dreimal. Nach dem Aussall des Verdienstes der Ehefrau und des Lohn- und Ge- holtsabbaues wird die Bürgersteuer van vielen als unerträglich und ungerecht empfunden. Schweres Einsturzungli.ck in Thorn. Beim Einsturz einer neu erbauten Mauer des städtischen Schlachrhauses wurden sechs Ar- b e, t.e r verschüttet. Obwohl es gelang, sämtliche Verschütteton noch lebend ans den Trümmern zu bergen, erlogen zwei von ihnen später ihren Verletzungen. Der Berdand deutscher Geschichtslehrer, Ortsgruppe Berlin, v:ranstaltel heute, 29 Uhr, in der Aula des Gymnasiums zum Grauen Kloster in der Klosterstraße einen Ausspracheabend über den Geschichtsunterricht im neuen Staat. Lartragcnder ist der Reichstagsabgeordnetc Genosse Otto Landsberg. Zkeber den landwirtschaftlichen Dollslceckuugsschntz in der neuen Notnarordnung spricht ZNinisteriolrat Dr. Ouasiowskr heute, Mitt- wach, den 16. Dezember, abends 7 Uhr, für alle deutschen Sender. .. D»e„Stimme zum Tag" fällt aus. Seinen 05. Gcburtxlog begeht heute, am 16. Dezember. Genosse Her m o n n M ü l I c r non der 31. Abteilung. Seit 1896 ist Ge- noisz Müller Parteimitglied, non 1996 bis 1917 i»ar er Kaitierer und Setretür in' 6. Berliner Rcichstagswahlkreis und von 1919 bis 1923 Berliner Stadtverordneter. Dein treuen, bewährten Genossen gelten unsere besten Wünsche. In der Berliner 8999 Mann starken SA., der Privatarmce des Herrn jjiiler, schwelt es bedenklich. Die SA.-Leute sitzen ebenso u n- tätig wie tatendurstig in ihren Unterkünften: ausgepeitscht durch die hemmungslose Sprache ihrer Führer— aber die große Aktion will nicht kommen. Andere Dinge spielen hinein: der „B o n z e n a p p a r a t" der NSDAP, bläht sich immer mehr o»s. während die SA.-Leute viermal in der Woche mit knurrendem Magen zu ihren militärischen Uebungen antreten müssen. Laut und vernehmlich wird über diese Unterschiede gemurrt. Unter den Rebellen im S turnt 21, der in der Gegend der Gnciscnaustraßc zu Hause ist, gab H a r z b u r g den Ausschlag. Verschiedene SA.-Leute vom Sturm 21 waren mit noch Harzburg gefahren und sahen, wie olle Phrasen von der Verbundenheit zwischen Mann und Führer eitel Lug und Trug sind. Während sich die Führung wie Feudalherren gebürdete, behandelte inan die Leute wie Muschkoten. Die Wirkung blieb nicht aus. Als der Truppführer Fritz Günther aus Harzburg zurück- kehrte, ließ er dem ideologischen Bruch den organisatorischen folgen: mit 61 Gleichgesinnten verließ er den Sturm 21. Ansänglich wußten die 61 Zlbtrünnigen nicht recht wohin. Ein Teil wollte zur ver- haßten„K o m in u n c", wie einige Tage vorher zwei Unterführer der Hitler-Jugend.'Andere verhandelten mit S t e n n e s, dein man den Lorwurf inachte, seinerzeit ein halbes Jahr zu früh losgeschlagen zu haben. Er hätte bis zum Januar 1932 warten sollen und der erdrückende Teil der Berliner SA. wäre Stcnncs gefolgt, da man dos„Bonzenregime" sott habe. An der Person Otto Straßers. den man sür einen verkappten Bolschewisten erklärte, scheiterten die Rerhandlungcn. Der Führer Günther gründete deshalb die Bcr- einigung„Kameradschaftliche Soziale Hilfe". Man mietete sich einen Laden, richtete ihn al? Heim ein und schuf so eine neue Kon- kurrcnz zur offiziellen S2l. Izitlerschcr Richtung. Nun beginnt ein ganzer Roma» zu spielen. Der Hauptakteur dabei ist ein gewisser Wer:, er Richter aus der Gneisenausiraße 27. das ist derselbe Richter, der am 7. September 1939 auf Reichs- banncrleutc schoß, als diese von einer Sportpalastkundgcbung heim- Bank von England brennt. Großfeuer in London. London, 1,5. Tezewbcr. Aus dem Umbau der Bant von England ent- stand kurz vor Schluß der Arbeitözett ein Großseuer. Tas Feuer brach in dem Maschinenhause eines Kraus aus und ergriff sofort das ganze Gerüst, da6 für den Umbau des Bankgcbäirdcs aufgestellt ist. Tas Gerüst stand kurz darauf lichterloh in Flammen. Taufende von Menschen stauten sich vor dem Bankgcbäudc. Bald waren sie in schwere Nauchschwaden gehüllt, die vom Winde in die benachbarten Straßen hcrübergetricben wurden. Brennende Balten und Gcrüstteile stürzten hernnter, so daß zeitweilig große Gefahr für ein ttebergreifen des Brandes auf das Bankgebäude, in dem die Bankgeschäfte gegenwärtig abgewickelt werden, bestand. Nachdem die Feuerlvchr ungeheure Wassermcngen in die Flammen geschüttet hatte, gelang es ihr- endlich, den Brand ein- zudämmen. Der Tragödie letzter Akt. Zreitod nach dem Selbstmord der Ehefrau. Am Sounkag Halle sich in A d l e e s h o f die 30 Zahre olle Ehefrau Gertrud Gerlach mit ihrem siebenjährigen Töchtcrchen durch Erschießen gelötet. Der Ehemann, Haas G e r l a ch, wurde, da er einen schweren Nervenzusammenbruch erlitt, ins Krankenhaus gebracht, aus dem er am Dienstoqmittag heimlich entwich. Er suchte dann seine Wohnung auf und erschaß sich. s Im Hause Abtstraße 8 in Adlershof bewohnt der 39 Jahre alte Kaufmann Hans Gerlach zusammen mit seiner gleichaltrigen Ehefrau Gertrud und dem 7 Jahre alten Töchterchen eine Wohnung im hohen Erdgeschoß. Gegen 3 Uhr hörten Nachbari, und die darüber wohnenden Leute aus her Gerlachschen Wohnung laute Schreie. Plötzlich fielen mehrere Schüsse. Erschrocken riefen sie durch den Fernsprecher sofort die Polizei des 23S. Reviers an. Beamte eillcn in die Wohnung und verschafften sich gewaltsam Zutritt. Sie fanden den Ehemann völlig v e r st ö r t mit einer Waffe in der Hand umhcrlaujen. Sie entwafsneten ihn. Bei der Durchsuchung der Räume entdeckten sie eine furchtbare Tragödie. Frau Gerlach und ihr Tixlsterche» lagen mit durchschossenen Schläfen im Wohnzimmer. Die Tat mußte erst vor wenigen Augenblicken geschehen sein. Gerlach wurde einem kurzen Verhör unterzogen. Er behouptete, daß er mit seiner Frau einen geringfügigen Streit gehabt habe. In einem hysterischen Zlnsall hätte sie die Waffe, die in einem Nachtlisch verwahrt war, geholt. Zunächst erschoß sie ihr Töchterchen und tötete sich dann selbst durch einen Schuß. Als er die Folgen des Streites sah, wollte er sich selbst das Leben nehmen. Durch das Hinzukommen der Beamten aber ist er daran gehindert worden. Die polizeilichen Nachforschungen ergaben, daß Gerlachs Angaben richtig waren. An, Dienstag verließ er. wie gesagt, das Krankenhaus, nahm eine Taxe und fuhr nach seiner Wohnung in Adlershos.'Als er dort eintraf, war eine Nachbarin gerade damit beschäftigt, die Wohnung zu säubern, da Trauerbesuch von außerhalb erwartet wurde. Die Frau hatte die Schlüssel. Gerlach ließ sich von ihr seinen Schreibtischschlüssel geben, öffnete ein Fach und zog Briese seiner Frau heraus, setzte sich an den Schreibtisch und las sie durch. Als jeizt die Nachbarin das Zimmer verlassen hotte, griff Gcrlach zu seinem in einer Ecke stehenden Jagdgewehr. setzte den Lauf unterm Kinn an und schoß sich eine Kugel durch den Kaps. Aus der Chaussee tödlich verunglückt. Auf der Chaussee zwischen Mahlsdorf und Dahlwitz-Hoppe- garten wurde gestern der 39 Jahre alte Postaushelfer Willi Schreiber aus der Lzirfchgartenstroßc 1 13 in Mahlsdorf mit seinem Fahrrad von einem nach Berlin fahrenden Lastauto über- fahren. Sch. erlitt so schwere Verletzungen, daß er wenige Minuten später st a r b. Die Leiche wurde narh der Dahlwitzer Halle ge« kehrten. Dann spielt ein B a n k d i e b st a h l bei der ganzen Sache eine Rolle. Unter der Bank ist kein(Geldinstitut zu verstehen, sondern daß war eine Bank, die man von einem Treppenabsatz des Hauses Gneisenaustraße 27 entwendet halle. Da Günther die Diebe kannte und auch noch von anderen kriminellen Dingen wußte, die man „drehen" wollte, beschloß man, Günther in seinem für die Renegaten geschaffenen Heim zu übarfallcn. Der Uebersall erfolgte und in einem Flugblatt, das die„Kameradschaftliche Soziale Hilfe" darüber für die Bewohner der Gneiscnaustraßc-Gegcnd heraus- gegeben hat, heißt es: „Von Züchter wird nun ein ganz gemeiner Terror gegen uns ausgeübt. Am 29. November IWI. um 18 Uhr. stürzte Werner Richter mit einer Horde in uziserem Bezirk verrufenen Menschen mit Koppeln und Eichenstöcken in unsere ehrenamtliche Geschäftsstelle und schlugen aaj unsere anwesenden Kameradinnen und Kameraden ein, wobei eine Dame und drei Herren verletzt wurden. Während der Zeit, wo wir im Krankenhaus waren, stürmte dieses Gesindel noch civmal unsere Geschäftsstelle. brach die Schränke auf und stahl unsere Fahnen und die mit vieler Mühe aus eigenen Mitteln angeschafften Einnchtungsgegenstände. Welch schmutzigen Charakter sie haben, ist daraus zu ersehen, daß sie sich an wehrlosen Frauen vergreisen und sogar die Uniformen gestohlen haben..." Der Krach ist also in vollem Gange. Bei dem ersten Uebersall wurde Günther lrankcnh aussähig geschlagen, noch heute ist sein Hinterkopf mit großen Pflastern beklebt. Günther spielte eine gewisse Rolle in der nationalsozialistischen Bewegung, er war ehe- maliger Roßbacher und wurde von seiner Partei auch als Propagandaredncr verwandt. Es ist nicht ausgeschlossen, daß er einen größeren Kreis rebellierender SA.-Leute um sich sammelt, obwohl seine Vereinigung hierfür ein nur wenig geeignetes Becken ist. In der Perspektive gesehen, dürste die Hillcr-Partei alle Keime einer„Oktoberniederlag c", wie sie die Kommu- nisten 1923 erlitten, schon mit sich herumschleppen. Die Rebellion im Sturm 24 ist ein Symptom hierfür. bracht. Wie aus Dohlwitz mitgeteilt wird, soll das Unglück durch die Schuld des Chauffeurs verursacht worden sein, der nach ärzt- lichem Befund angetrunken war. Die weiteren polizeilichen Ermittelungen sind eingeleitet. Brand in der Hauptfiadt von Siaw. Bangkok. IS. Dezember. Die Stadt ist heute von einem Brand heimgesucht worden, der der folgenschwerste ihrer ganzen bisherigen Geschichte ist. In dem chinesischen Geschästsviertel sind S99 feste Häuser, darunter das Gebäude der Bant von Kanton, zerstört worden. 2999 Personen sind obdachlos. Der Materialschaden wird auf 19 Millionen Mark geschätzt. Wohltätigkeitskonzert der Schupo. Das Sinfonieorchester der Schupo spielle im Wintergarten unter seinem neuen Dirigenten, Gcncralmusik- dircktor Böhlke von der Slaatsoper Wiesbaden, vor einem Auditorium von Kleinrentnern und Unterftützungsberechtigten. Es gab ein ausgezeichnetes, für die Hörer vielleicht etwas zu schwer gewühltes Programm. Zunächst die Sinfonie E-ZRvtt„Aus der neuen Well" von Dvorak, die musikalisch so phantastische Sülle aus „Die Rose der Jnfanlln" von Schrecker und die„Euryanthe"- Ouvertüre von Weber.'Alles mit geschickter Einfühlung prächlig gespielt. Die Streicher so zart und sein, wie man es nicht immer zu hören bekommt. Dazu das schöne Alt Sigrid Onegins in zwei Liedern von Richard Strauß und in einer Mozart-Ane. Soviel gutes in ein paar Mittagsstunden gebannt, bot Anlaß genug zu Beifallsstürmen des dankbaren und von Freude und Glück nicht gerade verwöhnten Publikums. Müllerstraße wird in Ordnung gebracht. Die M ü l l e r st r a ß e zwischen der Asrikanischen Straße und der Kongostraße ist wegen des Weiterbaues der Nordsüdbahn (Verlängerung nach Tegel) zum Teil gar nicht, zum Teil nur pro- visorisch gepflastert worden. Da der Weiterbau jedoch infolge si- nanzieller Schwierigkeiten in absehbarer Zeit nicht fortgeführt werden kann, soll jetzt endlich aus Drängen des Bezirksamts die Wiederherstellung der Müllerstrahe erfolgen. Die Kosten hierfür muß die Nordsüdbahn A.-G. ausbringen. Der Fahrdamm soll eine Hartgirßasphalideckc erhalten. Besondere Schwierigkeiten bereiten bei den'Arbeiten die im Straßentörpcr liegenden ungeheuer großen toten Wasserrohre, die zur Umleitung des Hauptstranges um den geplanten Untcrgrundbahnkörper erforderlich waren. Bauunteruehmer Dübner zahlt? Bor der Zivilkammer in Potsdam fand eine vorläufige Vcr- gleichsverhandlnng zwischen dein Magistrat Potsdam und dem Bauunternehmer Dübner aus Michendorf statt. Bc- kanntlich hatte der Magistrat, nachdem die Bestechungsangelegenheit beim Tieibauamt bekannt wurde, einen Arrest von 89 999 M. bei Dübner eingebracht. Dübner lzatte nun zu erwarten, daß der Magistrat Pfändungen bei ihm vornehmen würde. In der Ber- Handlung ain Dienstag kam es zum Vergleich, in dem Dübner dem Magistrat Potsdam ö9 999 M. von seinen Forderungen, die Dübner an den Kreis Zauch-Belzig für ausgeführte Arbeiten l)at, über- schreiben ließ. Die Vergleichsvcrhandlungen ruhen nun 2 Monate, und der Magistrat wird von einer Psändimg bei Dübner absehen. Irgendein Schuldbewcis soll bei dieser Vergleichsverhandlung nicht erklärt wenden. Wetteraiissichten sür verlin: Allmähliche Beruhigung des Wetters, anfangs»och leichte Schauerneigung, sinkende Tempo- roturen.— Für Deutschland: Im ganzen Reiche'Abflauen der nordwestlichen Winde, in der nordöstlichen Reichshälst« noch strich» weiss Schauer, überall kühler. A/rbeiter-'SteiugKUiheil-Vtteüiigwig Eroß-Bertl». Äukimgerkurse in Retchekurzschrist begiiuien roleiex in d« Woche vom U. lis 13. Isiluar. Die Sciln-ihinargrtüictn liotrozea einschließlich Lebrmateriol 1» R., Hlr Srwerbolose 5 M. Weiter« Zluekuukt. auch üher Jortschrittskurse, erteilt Artue Theisen, Berlin-Tegel, Btiruomslr.(7 I. wirkt wie gurgeln(2 b«iigt trkäüuag*»«aci Nr. 567* 49. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 16. Dezember 1931 Unmögliche Oanatbankprojekte. Opfer des Meiches.— Schuh der Aktionäre.- Privatkapitalistische Führung. Seitdem am 13. Juli das Reich mit der U übernähme seiner Bürgschaft die vorlaufige Fortführung der D a r in st ä d t e r und Natlonalbant gesichert hatte, steht die Rcichsregierung vor der Ausgabe, aus dieser provisorischen Hilfe eine definitive neue Regelung zu machen. Diese Aufgabe ist noch vergrößert worden durch die unmittelbar darauf folgende Stützung der Dresdner Bank durch eine große Kapitalbeteiligung des Reiches. Auf Grund dieser starken Hilssstellungen, die das Reich dem privaten Bankgewerbe gegeben hat, wäre es jetzt möglich, einen großen Teil des deutschen Äreditbankwesens»eu zu gestalten unter maß- geblichem öffentlichen Einfluß, und auf diese Weise die Opfer, die das Reich für die Aufrcchtcrhaltung des Kredit- system gebracht hat, auf lange Sicht nutzbar zu machen zu einer Stärkung des öffentlichen Einflusses auf die künftige Gestaltung und Führung eines wichtigen Teiles der deutschen Bankenwirtschast. Gegenüber dieser klaren Zielsetzung, deren praktische Verwirklichung natürlich in ihren technischen Einzelheiten keine ganz einfache Auf- gäbe ist, hoben sich leider innerhalb und außerhalb der Reichsregic- rung von Anfang an die Anschauungen in den Vordergrund ge- drängt, die entgegen dieser Stärkung des Reichseinflusses das Hauptziel, im besonderen bei der mit großen industriellen Engage- ments stark bolasteten Danatbank in der Wiederherstellung einer rein privatkapitalistischen Basis erblickt haben. Vom alten zum neuen Projekt. Aus diesem Geiste war zunächst das Projekt hervorgegangen, die von den Großaktionären der Danatbank und ihren Geschäfts- inhabern zur Verfügung gestellten und die im Portefeuille der Bank befindlichen eigenen Aktien an ein industrielles Konsortium zu begeben, wobei die industriellen Käufer zwar einen bestimmten Kurs für die Zukunft garantieren, das Reich aber seinerseits die Mittel fü>r die Uebernahme auf Jahre durch einen zinslosen Kredit zur Verfügung stellen sollten. Roch einer scharfen Kritik, die dieses Projekt der Ucbcrgabc der Danatbankmehrhcit auf Rcichskosten an die Großindustrie bc- sonders von unserer Seite gesunden hat. ist es allmählich' davon ruhig geworden, ohne daß die Oeffenllichkeit allerdings jemals mit hinreichender Klarheit erfahren hat, ob die bezüglichen Vorverträge endgültig erledigt oder mir suspendiert worden sind. In dem gleichen Halbdunkel der Verhandlungen zwischen privaten Bankintercssenten und der Bürokratie des Reichs- nnanzministeriums ist nun offenbar ein neuer Plau für die Zukunft der Danatbank ausgeheckt worden. Nach verschiedenen Veröfsentlichungen in der Fachpresse scheint der Plan dahin zu gehen, daß die Danatbank mit der Commerz? und Privat- bank fusioniert wird. An Stelle einer vielleicht zweckmäßigen Verbindung des lebensfähigen Depositengeschäftes der Danatbank mit der künftig unter wesentlichem Reichscinsluß stehenden Dresdner Bank wird also der Anschluß an die rein prtoal.wirtschafrlich er- haltenc Commerz- und Privatbank betrieben. Man sollte an- nehmen, daß dieser Weg vom Standpunkt des Reiches nur dann einen Reiz bieten könnte, wenn es auf diese Weise aus der über- iiommencn Haftung für die Schulden der Danatbank herauskommen könnt«,. ohne Verluste zu erleiden. Das jetzt erörterte Projekt sieht aber ganz anders aus. Nach dem. was man bis jetzt über die schwebenden Pläne gehört hat, wird zwar angestrebt, die A u s f a l l h a f t u n g des Reiches für die Gesmntoerbindlichteiten der Danatbank zu beseitigen, dafür aber soll das Reich eine Garantie für den Wert der Vermögensbestände der Danatbank, die auf die Kommerzbank übergehen sollen, übernehmen. Man spricht von der Schaffung eines Treuhandfonds durch das Reich, dem«in Betrag von 2ül1 bis Zl><1 Millionen Mark in Schatz- anweisungen zur Deckung von etwaigen Ausfällen bei der Abwicklung der von der Danatbank auf die Commerzbank zu über- führenden Aktiven dienen soll. Auf der anderen Seite heißt es, daß die Aktien der alten Danatbank-Aktionäre wie der neuen Uebernehmer(ob das das Reich oder die Jnduftriegescll- schaften wären, ist unklar) im Verhältnis von 1:1 in Commerzbank-Aktien umgetauscht werden sollen. Wir wissen nicht, wie weit dies« Pläne, die im„Deutschen Volkswirt" und in der„Frankfurter Zeitung" wiedergegeben sind, bereits einen offiziellen Charakter tragen. Der Rcichsfinanz- minister hat im Hauptausschuß des Reichstages erklärt, daß noch nichts entschieden sei. Um so notwendiger erscheint es uns, mit aller Deutlichkeit und aller Klarheit in der Oeffentlichkeit zum Ausdruck zu bringen, daß uns dieser weg vollkommen ungangbar erscheint. Selbst wenn wir einmal von der grundsätzlichen Frage der ge- planten Rückführung des vom Reich geretteten Instituts in ein« vollkommen privatkapitalistische Organisation absehen, bleibt die Vorstellung vollkommen unerträglich, daß das Reich für einige h u n d e r-t Millionen V e r l u st e, die sich bei der Abwicklung der Aktiven der Danatbank offenbar nach der Schätzung des Treuhänders ergeben können, einspringen soll, während die Aktionäre der Bank, bei der doch zum mindesten Aktienkapital und Reserven verloren zu sein scheinen, von dem Verlust durch den Umtausch in Commerzbant- Aktien befreit werden sollen. Das Reich ist im Juli, wie immer betont worden ist, nicht zu- gunsten der Bankaktionäre eingesprungen, sondern im Interesse der Aufrechterhaltung der Kreditbeziehungen für die Kunden der Bank. Wenn jetzt dieser oder ein ähnlicher Plan verwirklicht würde, so würde man aus diesem Einspringen im Interesse der Gesamtwirt- schaft eine durch nichts gerechtfertigte Hilfe für Bankaktio- n ä r e und womöglich darüber hinaus noch eine Entlastung der Geschäftsinhaber der Bank von ihren Haftungsver- pflichtungen machen. Wir glauben nicht, daß es unter irgendeinem Gesichtspunkte gerechtfertigt sein kam«, für diese Privatinteressen das Reich mit einigen hundert Millionen Schatzanweisungsschulden zu belasten. Sicherlich ist es erstrebenswert, das Reich von der allgemeinen Ausfallhaftung allmählich wieder loszulösen. Aber die V e r l u st e haben zunächst einmal die Aktionäre und die Geschäftsinhaber mit ihrem Gesamtvcrmögen zu tragen. und dann erst können möglicherweise Zuschüsse des Reiches auf Grund der übernommenen Haftung unvermeidlich werden. Ein Schutz der Aktionäre und Geschoflsinhaber einer verwirtschafteten Bank auf Soften des Reiches, das ist wirklich mehr, als man in dieser Zeit der allgemeinen Senkungsoktionen den Steuerzahlern zumuten darf! Auf keinen Fall ist es angängig, daß überhaupt derartige höchst bedenkliche Geschäftspläne au s d e m reinen V e r w a l- tungswege im Zusammenwirken von kapitalistischen Privat- intercssenten und Ministerialbürokratie zur Erledigung kommen. Es genügt auch nicht, daß die Oeffentlichkeit von diesen Plänen überhaupt nur durch gelegentliche Veröfsentlichungen er- fährt, von denen man nie weiß, inwieweit sie nur den Charakter von Versuchsballons tragen. Wir halten es für unerläßlich, daß diese Dinge, bei denen es sich um grundsätzlich wichtige Fragen der Neugestaltung des Bankwesens handelt und bei denen Hunderte von Millionen von öffentlichen Mitteln unter Umständen engagiert werden, endlich aus der Sphäre der Gehetmverhandlungen, bei der die Interessenten keineschegs gemeinwirtschaftliche Ziele verfolgen, herausgelöst wird. Wahr- scheinlich wäre es das Richtigste, zunächst einmal die Gesamtheit dieser Pläne schnellstens von einem für diesen Zweck eingesetzten Ausschuß des Reichswirtschaftsbeirates begut- achten zu lassen. Wenn man dann auf Grund eines solchen Gut- achtens von einem Gremium, das die Interessenten hört, aber nicht selbst aus Beteiligten zusammengesetzt ist, zu bestimmten Vorschlägen kommt, dann müßten diese Lorschläge, bevor das Reich neue finan- zielle Verpflichtungen übernimmt, immer noch zum mindesten dem Hauptansschuß des Reichstag.« s vorgelegt werden. wenn schon der normale Weg der Gesetzgebung versperrt zu sein scheint. Auf jeden Fall geht es nicht an, daß im geheimen, ohne parlamentarische Instanzen und ohne die Möglichkeiten der öffent- lichcn Kritik Dinge erledigt werden, bei denen man über Hundert« von Millionen von Reichsgcldern verfügt und dabei privaten Aktionären Verluste abnehmen will, die sie mit Fug und Recht zu tragen haben. Außenhandel unter Druck. Der deutsche Export in der Gefahrenzone.- Konjunkturelle Einfuhrsteigerung? Die deutsche Warenausfuhr ist im Rovember gegenüber dem Oktober von 878,7 auf 748,7 Millionen, also um rund 15 Proz. gesunken. Auf Exporte über Reparationskoato eol- fallen von diesen Ztnsfnhrziffern 11 gegen 13 Millionen im vorhergehenden Monat. Daß die Ausfuhr im November rückläufig ist, ist an sich nicht überraschend. Der Exportrhythmus bringt regelmäßig vom Juli bis Oktober eine Steigerung mit sich, der dann bis Februar ein saisonmäßiges Abgleiten folgt. Diesmal aber ist der übliche saison» mäßige Rückgang von der tatsächlichen Ausfuhrsenkung um das Dreifache übertroffen, so daß zwei Drittel der Ausfuhr- abnahm«, das sind etwa 75 Millionen, durch andere Einflüsse her- vorgerufen sind. In welchem Umfange neben den handelspolitischen Erschwernissen die Valutaentwertimg hier mitspricht, zeigt sich darin, daß im Rovember die Ausfuhr nach Dänemark um 25 Proz.. nach Schweden um 21 Proz.. nach B r i ti sch-I nd i e n um 37 Proz. und nach Argentinien um 22 Proz. gesunken ist, während �sich der Exportrückgcmg im Verkehr mit Goldwohnings- ländern auf 10 bis 16 Proz. stellt. Besonders unerfreulick) ist, daß auch der Fertigwarenexport in vollem Umfange von. dem lSprvz«tt,g»n Anssichrrüchgmig betroffen ist.' Die Ausfuhr von Fertigfabrikaten verminderte sich im Berichtsmonat von 690,6 auf 588,7 Millionen mid fiel damit fast auf den Stand vom Juni dieses Jahres zurück Am schärfsten sind hierbei Textilf>.brikate mit einem Ausfuhrverlust von 25 Millionen betroffen, was im wesentlichen mit der Eiüwertnng des englischen Pfundes zusammenhängen dürfte: außerdem ist der Export von Eisenfabrikaten, Maschinen- und Wasserfahrzeugen gleichfalls beträchtliä) gesunken. Außenhandel im Zlovembcr(in Millionen Mark) Waecograp?«» tolia« Reparation'.-» Einsnhr Eachlieerungen) 1. Lebende Tiere.......... 3,2 4,6 2. Lebensmittel und Getränke.... 32,7. 140,5 3 Rohstoffe und halbfertige Waren.. 123,0 248,4 4 Fertige Waren......... 579,3 88,9 Zusammen 1—4 738,2 482,4 Bemerkenswert bleibt auch im November die Entwicklung der Einfuhr. Seit dem April war die Einfuhr Deutschlands fast ununterbrochen bis zum August von über 679 bis auf 454 Millionen gesunken. Wenn auch in diesem Zeitraum Preisrückgänge auf dem Weltmarkt den Wert der deutschen Einfuhr entsprechend be- einsluhten, so stellte diese anhaltende Senkung doch ein effektives mengenmäßiges Abfallen der Einfuhr infolge der fort- gesetzten Schrumpfung der deutschen Produktion dar. Wenn es auch zur Zeit noch zu früh ist, endgültige Schlußfolgerungen aus der Elüwicklung der letzten Monate zu ziehen, so scheint doch bereits im August der Tiefpunkt der deutschen Einfuhr erreicht worden zu sein. Obwohl der Wert der Septembereinfuhr infolge weiterer Preissenkungen noch um 6 Millionen unter den Augustziffern lag, zeigt die folgende Tabelle bereits ein leichtes Ansteigen der Einfuhrmenge. Die Einfuhr entwickelte sich feit August wie folgt: Einfuhrwert Einfuhr- r in Mill. M. menge Auguii...... 4M— Proz. September.... 448+ 2,3. Oktober..... 483+ 8,5, November.... 482+4„ Auffallend ist die bejondcrs starke Zunahme der Rohstoff- einfuhr um rund 18 Proz., die auch durch Saisoneinflüss« nur zum geringeren Teil erklärt werden kann. Dagegen ist die Einfuhr von Lebensmitteln und Fertigfabrikaten gesunken, ein Beweis, daß der Währungsverfall in England und den skandinavischen Länden« sich bisher in einer verschärften Konkurrenz gegen die deutsche In- landsproduktion noch nicht ausgewirkt hat. Sei einer Ausfuhr von 738 Millionen ohne Reparationsliefe- rungen und eine Einfuhr von 482 Millionen, ergibt sich ein Aus- fuhrüberfchuß von 256 gegen 383' Millionen Mark im vonnonal. Damit belauft sich der reine Ausfuhrüberschuß in den abgetaufenen elf Monaten diese» Jahres auf 2,42 Milliarden Mark. Sprechbörse in der Burgstraße. Konferenzen, aber kein Börfenhandel. Die Berliner Industrie- und Handelskammer, die Hausherr in der Berliner Börse in der Burgstraßc, hat ab Doimerstag dieser Wache eine einstündige„Sprechbörse" zugelassen, die dreinial wöchentlich stattfindet. Di« Börseniriteressenten sollen sich wenigstens gegenseitig informieren können, womit die Hoffnung verknüpft wird, daß man die Kursbildung der Wertpapiere, die jetzt nur von Bank zu Dank erfolgt, normaler gestalten kann. Der Abschluß von Börsenhandelsgeschäften bleibt nach wie vor verboten. Auch Frankfurt a. Main hat die Sprechbörse eingeführt. Preisermäßigung für Nähmaschinen. Die Mitglieder des Ber- eins deutscher Nähmaschinenfabrikanten haben eine Ermäßigung der Preise für Nähmaschinen um*10 Proz. auf alle ab l 5. De, zember erfolgenden Lieferungen in Stähmaschinen vorgenommen. DURCH SIEMENS-RUNDFUNK- JSERftE Einige Beispiele: Empfanger mit Röhren Siemsn» 22W80« RM �" Siemens 31 W... RM 14 Siemens 35 W... RM 2 Lautsprecher Siemens 03T.... RM 3� Siemens 050.... RM 5 Siemens 080.... RM 8j Vorführung in FochgesASfhtn Verlangen Sie unseren rekhhalkiaen Weftmochlsprespekf SIEMENS&HALSKEAC Wernerwerk. Berlln-Siemensstadt Der bekannte Partelverlag Diel* hat bereits vor der Notverordnung einen großen Teil seiner Buchpreise Katalog mäßig bis zu 400/o gesenkt! Versäumen Sie deshalb nicht, einen Besuch zu machen in unseren Verkaufsräumen Lindenstraße 2 und 3 und in den Ausstellungsräumen: Siedlung Britz, Fritz-Reuter-Allee 43; Siedlung Karl Legien, iäckel- straße 10; Siedlung AfA-Hof, Köpenicker Landstraße 149; in fast allen Vorwärts-Speditionen Geöffnet: Täglich auch Sonnabends bis 19 Uhr, Sonntags 15 bis 19 Uhr! Wenige Groschen genügen bereits, um den Kindern, der Gattin, dem Mann, den Freunden ein gutes und zweckentsprechendes Buchgeschenk zu machen I ®Bfetiinntgrn fflt dies« Rubrik find V r t l t n SW 68. Lindcnstratzc 3, ! 11. 6. 11. 17. 18. Scholz, �evetzowstr. 21. II. Zlrc'is. Ächtunq! WWI WWW und Genossen findet diesmal nicht dei Will, sondern um 11 Uhr püvki' Die Zusommentunft aller erwerbslose» Genossinnen IS. 20. 24. .12. 42. 86. 98. 124. Abt. lich im oberen Saal des GefeNschaftehauses des Westens, Sauptstr. 10—31, statt. Kreis. Erwerbslose Parteigenossen IS Uhr im Lyzevm, Pistoriusstraße, Ein- oang Parkstraße). Genosie Rudolf Karsten spricht über„Arbeitslosen- fursorge". Anschließend buntes Konzert des Mozart-Zugendchors. Leitung: Lehrer Steffen. Abt. 20 Uhr bei Stenzel, Sckwedenftr. 13, Ausspracheabend der jüngeren ~»sse Parteigenossen über Innenpolitik. Abt. Arbeitskreis junger Parteigenossen: Ausspracheabend über die Vierte Notverordnung. Referent Genosse Zimmermann. Lokal: Wentzke, Carmen- Snlva- Ecke Hosemannstraße. Beginn 2» Udr. Abt. 17—19 Uhr bei Kromphardt, Paul-Singer-Str. 49. Auszahlung der Winterhilfe an die erwerbslosen Parteigenossen. MitgliedsbucJ) und Stempelkarte sind vorzulegen. Abt. Kulturabend um 20 Uhr in Klems Festsälen, Blücherstr. 61. Genosse Dr. Gieseler spricht über„Sozialismus und Dichtung". Rezitationen und Musik. Gäste willkommen. Mit der Veranstaltung ist eine Buchausstellung des Dietz-Berlages verbunden. Abt. 20 Uhr Sitzung des engeren Borstand-'s bei Görlitz, Chausseestr. 19. Abt. 19 Uhr autzerordentliche Abteilungsmitgliederversammlung im Zeichen- saal der Schule Mariendorfer Weg. Abt. Achtung! 15 Uhr Rachmittagsveraustaltuug für erwerbslose Partei- Mitglieder nnd Angehörige an bekannter Stelle. Im unterhaltenden Teil Franz Sosemann. Zepermck-RSntgental. 20 Uhr Zahlabend bei Reiscl, Bahnhofstraße. Re- sercnt Genosie Kuttuer. 1s. D.'zzniScr. 5. fttci». Stoisfcilbuagsaasiaiii« rtf; tn...?.'>«�ber. dri Rrisch. Tabiaer Ztr. 10, nicht am Mittmach.— Arb-tterwahlfaiirt: fift« an das Bczirtsiekratariat Hos, 3 Treppen recht», zu richten Beginn aller Veranjtaltungcn>9!- Uhr. sofern keine besondere'»eitangabe� Heule. Mittwoch, lö. Dezember. Kreis. Bildungsausschuß: Um 20 Uhr Volkshaus, Rosinenstraße. Srecis. IßVl- Uhr Frottionssitzung mit den Bürgerdeputierten im Reuen Rathaus. Rudolt-Wilde-Platz. Zimmer 144. Abt. Arbeitskreis Urnger Parteigenossen: Wir treffen uns nicht bei Dobroh- law. sondern zur Kreismitgliederversanmilung im Hackescheu Hof, Rosen- tbaler Str. 40— 41. Abt. Arbeitskreis junaec Parteimitglieder: Im Lehrliugsheim, Bremer Straße 69— 7lh Politisch-satirischcr Abend. Erscheinen aller jungen Genossen ist Pflicht. Gäste ans anderen Abteilungen willkommen. Abt. Zusammenkunft junger Parteimitglieder bei Klinge, Scllcrstr. 14. Abt. Arbeitsgemeinschaft jüngerer Parteigenossen an bekannter Stelle. Abt. Der Arbeitskreis junger Parteigenossen fällt wegen der Kreismit- istiederversammlung aus. 44. Abt. Erste Zusammenkunft der jungen Parteimitglieder bei Ewald, Skalitzer Str. 126. Bortrag des Genossen Dr. Schlesinger. K2g. Abt. Haselhorst. 20 Uhr im Lokal„Zum alten Exer", Gartenfeldcr Straße Ecke Berliner Chaussee. Hans Plettner:„Zur politischen Lage". 08. Abt. Achtung! Die Mitgliederversammlung fällt wegen der Kreismit- glkderversammlung am Freitag aus. 93. Abt. Die Zusammenkunft des Arbeitskreises junger Genossinnen und Genossen fällt aus. »92. Abt. Die für Freitag vorgesehene Funktionärzusammenkunft fällt wegen der Kreissunktionärkonserenz aus. 134. Abt. Junge Parteigenossen: 20 Uhr im Jugendheim Niederschönhausen. Lindenstr. 47, Bortrog des Genossen Zimmermann über„Die Stellung der Gewerkschaften und Partei zur Notverordnung". Morgen. Donnerstag. 17. Dezember. 2. Kreis. Arbeiter Bildungeschule: Kursus Bienstack bereits 19 Uhr bei trag für Erwerbslose. Referent Genosse Knaufs. Heim Tilsiter Straße 115. siuuktlich 15?� Uhr im 12. Kreis. Zu der am Freitag statttindencn Kreismitgliederversammlunß in den Zehlendorfer Festsälen ist das Parteibuch als Legitimation vorzuzeigen. So altontrolle: 83. Abt. 106. Abt. Die Fusanimentunft der jüngeren Parteigciwssen am Donnerstag fällt aus.— Freitag, 18. Dezember, Weihnachtsfeier der Kinderfreunde. Alle Parteigenossen und-gcnossinuen beteiligen sich. Bezirksausschuß für Arbciterwohlfahrl. Kreisleiterfinnen) nnd Funktionäre der Ardeiterwohlfahrt! Lotterie-Lose werden nicht mehr zurückgenommen und gelten als verkauft. Letzter Rückgabe- termin war der lo. Dezember. Abrechnungen für nerkauf'.e Lose müssen 'etzt erfolgen. Dos Sekretariat, Lindenstr. 3, 2. Hof. 2 Tr. 3. Kreis. Alle Sammellisten sind sofort abzurechnen(letzter Termin 18. De- zcmder). Lose werden nicht mebr zurückgenommen. Die Abrechnung für die Lose ist zu beschleunigen.— Retzlaff. Pankstr. 78. 20. Kreis, 136. Abt. Donnerstag, 17. Dezember, pünktlich 21 Uhr, Baracke Lindauer Straße, wichtige Sitzung einschließlich der, in der Wohlfahrts- pflege tätigen Genossen(anschließend an die Helserinnensitzung der Frauen- abteilung). 'Arbeitsgemeinschasl der kinderfreunde Groß-Berlin. '(yy/m Kreuzberg. Falkenrat: H'Hte. Mittwoch. 18 Uhr, Wafsertorstr. 9. Ii; Alle Bertreler müssen bestimmt erscheinen.- Morgen, Donnerstag. Sprechebor 18'. Uhr Borckstr. 11. Bewegungschor 18stj Uhr Belle- Allianee-Platz l. Vorwärts: Achtung!' Alle Jung- und Roten Falken. Treffen 16% Uhr Hochbahnhaltcstelle Rollendorfplaü. Morgen treffen sich alle Jung- und Roten Falken zur Sprechckivrprobe ].7V. Ubr an der Roten' Ecke. Nestfdlken: Wir sind alle um IL Uhr 18 Uhr im Heim Bellc-Alliance-Platz 1 zur Gymnastik. Schoneberg: Es sind noch einige Bolksbühnenkarten für Sonnabendnach- mittag da. Bitte holt euch schnell noch euren Bedarf ab bei. Grete Peterson, Feurigste..66. Friedenau und Lindenhof muß sofort abrechnen. Neukölln: Alle Jung- und Roten Falken, die an der Iahreswendfahrt teil- nehmen, kommen heute zur Vollversammlung in die Karl.Marr.-Schule. Wir proben gleichzeitig zur Sonnenwendfeier. Falkenlicderbücher mitbringen.— Kurt Eisner: Heute 20 Uhr Elternversammlung in der Schule am H�rtzbergplatz. Reivickendörf: Alle Gruppen rechnen heilte zwischen 17 und' 19 Uhr die Theaterkarten bei Erna Findeisen. Herbststr. 20, ab. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 21. Abt. Unser Genosse Karl B u s l e v ist verstorben. Ehre seinem An- denken! Einäscherung Freitag, 18. Dezember, 17 Uhr, Krematorium Gericht- ftragc. Um rege Beteiligung wird gebeten. Vortrage, Vereine und Versammlungen # Reichsbanner..Scl)war;-Rot-Gold". G e t ck ä t t s st.e l l?- Berlin S 14 Lebasstianstr 37—38 Hol 2. Tr Kameradschaft Friedrichshain und Warschau: Mittwoch. 16. Dezember, 20 Ubr, Mitgliederversammlung bei Kaschube, Revaler Str. 10.— Wliu.crsdorf: Donnerstag, 17. Dezember, 20 Uhr, Zug Eichkamp: Mitgliederversammlung bei Wurzbachcr> Bahnhof Grunewald.— Reukölln-Britz: Donners» tag, 17. Dezember, 20 Uhr, PfUchtantreten der Schufo in Zivil, Turnhalle Mariendorfer Weg. Interesienvcrband der durch Bertehrsuufälle Geschädigten,„Unfavhilfe". Ge- schäftsstelle: Berlin NW 40, Rathenower Str. 6(am Kriminalgericht). Sprech» stunden und kostenlose Auskunftserteilung täglich von 11—12 Uhr und 17 bis 19 Uhr. l on> lel ov knpNsb Ue'-stin? Club. BQIowstr. 104 Heute abend 8U t'hr, spricht Mr J. Bulman Smith M. A. über;„Are we H.vpocrites?14 Gäste willkommen. lilSozjallstischeArbetterjugendGrsß-Verlin Ew'andungan für di-I--lubril nur an das Iugendslkretarial Berlin LB- 6S, Lindenfiraßc 2 Billig« Büchc« find im Sekretariat, Lindenstr. Z, von 5 Pf. on zu haben. heute, Mittwoch, 19'� Uhr. Gesundbrunnen 1J: Ehristioniastr. 32:„Tagespolitik".— Helwholtzplatz: Danziger Str. 62. Baracke 11: Fnnktionärverfammlung au bekannter(stelle.— Gesuudbruunen, R. F.: Gotenburger Str. 2:..Die sexuelle Frage".— Weihe»- fcc: Parfstr. 36: Fun"! ionärversammlung.— Andreaspwtz I: Litauer Str. 18: ..Einführung tu den Marxismus".— Andreasplatz 11: Brcmnnsstr. 1:„Sozia- liftisches Wandern".— Frautfurter Viertel: Frankfurter Allee 207:„'Fr-'ie, gelse und NGO.-Gewerkschaften".— Lichtenrade: Roonstraße(Schule'): Diskussion. iLehrvertrage mitbringen.)— Temvelhof: Götzstr. 15:„Wie schadet uns die SAP."— Adlershof: Bismarckstt. l:..Technik".— Bohusdorf: Wachtelstr. 1: Lichtbildervortrag.— Friedrichshagen: Friedrichftr. 87(Rathaus):„Spieß- bürgers Weihnachten".— Lichtenberg-Mitte: Dossestr. 22:„Das Kommunistische N'onifest".— Lichtenberg-Neu: Gunterstr. 44: Kcihnachtsfohrtbesprechung.— Mohlsdors-Siedlung: Mclanchlhorftr. 63:„Tagespolitischc Fragen".— Pankow, R. F.: Ktsüngenstr. 48:„Sexuelle Fragen". SSG. Prenzlauer Berg: Danziger Str. 62, Baracke 3:„Schulpolitische Fragen". SSG. Teltowkanal: Steglitz. Flcmmingstr. 14, Zimmer 25:„Warum Tole- rierung?" SSG. Reukölln: Aelterengruppe fällt aus. Werbebezirk Krevzberg: Urbanstr. 167, BO.-Sitzung.— Wir gehen zur Mit- gliedernersammlung der Partfi in Rades Festsälen. Mitgliedsbuch mitbringen. Werbebezir? Neukölln: 18 Uhr Sprechstunde in der Gängho'erstraße.— Um 20 Uhr Funktionärsitzung eben dort. Di? Schuhwaronfabrik Leiser teilt uns unter Sinwcis darauf, dah durck, Schiedsspruch die Gel,ältcr iin Berliner Einzelhandel für die Angestellten mit Kirkunq vom 1. Dezember 1931 um 3 Prozent, mit Wirlunfi vom 1. Januar 19,32 um weitere 3 Prozent ge- kürzt und die Löhne für die handelsliiltsarbeltcr im Einzelhandel mit Wirkunz vom l-b Dezember 1931 um 4'4 Prozent ermäßigt werden, mit, dah sie sich aus freien Stücken cntfchlosten hat, von der ihr durcki den Schiedsspruch zegebenc» Möglichkeit vom Gehalts- und Lohnabbau keinen Gebrauch zu machen. Der Geschäftsinhaber,' Herr Liillüs Klausner, bat sich entschlossen, die bisherigen Löhne und Gehälter vorläufig bis zum 31. Januar 19 32 in voller Höhe weiter zu zahlen. Mnlerlulse der Belegschosl des Hauses Gadiel. Die kauf- inänntsche und gewerbliche Slngestelltenschaft des Hauses Leopold Gadiel, Königstr. 22/26, veranstaltet eine grahzügige Winterhilfe für notleidende Kinder aus allen Schichten' der Bevölkerung. Die .Kinder werden in einer Gaststätte im Zentrum der Stadt mit neuen und getragenen warmen Kleidungsstücken sowie mit Lebensmitteln und Leckereien unter einem Weihnachtsbaum beschenkt werden. Die «penden find durch freiwillige Sammlungen ausgebracht worden. Die Belegschaft sieht ihre Belohnung in der Freude, die sie bei den Beschenkten auslösen wird. Entfernung des HLHIichen Zahnbelags? Ganz einfach: Man putzt die Zähne eist mit der bekannten Chlorodont-Zahnpaste nnd spült dann mit Cblorodont-Mundloaster unter Gurgeln tüchtig nach. Tube 39 Pf. Versuch überzeugt. Hüten Sie sich vor minderwertigen, billigen Ziachabmungen. .....' KWI »»'fenstie,, � P O I S O h I:■ OSO Mtngantbgibi rorbehalton Verkauf iowelt Vorrat Weif " Paar P�©rschuho °,ea*lben aus----- � �"�'.'Paa! 4*0 Herren°r f äti MKsmu.---3.4« 2.S» "*.90 �a»»aufos* 0 0.85 __'eckiert.'' f*rt>lg am Oder Hunwf0'9- IL'""*™*......... Sfö Strumpfe für Damen reineWolle.guteKaschmir-. qualiiät, oder Wolle mit Kunstseide plattiert, mod. dunkl. Farbsortimont Paar ADGB. zur Notverordnung. Die Siellungnahme des Bundesausschusses. Mch dem Bericht L e i p a r t s über Sie Besprechung am Man- iagabend mit der Reichsregicrung rcscrierte S p l i e d t über die tarislichen und lohnpoliti scheu Bestimmungen der Ztutvcrordnung. Die Absicht der Reich?regicrung bezüglich der Lob»- und Ge- baltssrage ist eindeutig. Gemessen an ihrem Höchststand(Durchschnitt 1930), sollen die Löhne und Gehälter um ein viertel gesenkt werden. Dabei wird nach Durchführung der Notverordnung die Absturz der tatsächlichen Löhne nach grnfccr sein. Unsere laufende Tarif- statistik zeigt, dah im ersten Halbjahr 1931 die Tariflöhne im ge- wogenen Durchschnitt nur bch Proz. gesenkt wurden. Mit Beginn des 3. Quartals setzte die zweite A b b a u w e l l e ein. Bis Mitte Nonembcr registrierten wir den weiteren Abbau der Tariflöhne für rund 2B Millionen Arbeiter nm durchschnittlich Z,3 Broz.. so daß der Gejamtabzug im gewogenen Durchschnitt ll.S Proz. beträgt. Die Ztotnerordnung sügt einen weiteren Abbau inn 10 P r a z. hinzu. Ist der Tariflahn im 3. Quartal 1931 nicht tarisvertraglich gesenkt, so läßt ihn die Notverordnung um 13 Proz. sinken. Die. Senkung des tatsächlichen Lohnes ist jedoch erheblich höher, da seit Mitte 1930 zunächst ein Absinken der ü be r t a r i f l i ch e n Zulagen, der Akkordberechnungen tisw.«intrat, das sich auch 1931 bei bereits gesenkten Tarislöhnen weit«r fortsetzte. Das Ausmaß ist nicht exakt feststellbar. Soweit Erhebungen vorliegen, wird man diesen Abbau auf weitere 3 bis 7 Proz. schätzen müssen. Abgesehen vou der Verdienstminderung durch Kurzarbeit senkt also die Nolverordaung im Vergleich zum Jahre 1930 den tatsächlichen Lohn um 27 bis 29 Proz. Das gewaltsam« Absinken der Tariflöhne aus den Stand vom Januar 1927 wird praktisch die tatsächlichen Löhne unter den damaligen Stand sinken lassen. Ausgong 1926 zeigte sich bereits eine Entlastung des Arbcitsmarktes: ohne daß die Tariflöhne über- oll entsprechend erhöht wurden, fand zunächst viclsach nur ein Aus- gleich durch ilbertarisliche Zusagen, besserer Atkordbcmcssung und dergleichen statt. Di« Derändcrung der Tariflöhne erfolgt erst späier, also noch dem in der Notvcrordmmg gewählten Stichtag. Di« Entlohnung im Bergbau soll unter die ain 10. Ja- j nuar 1927 geltenden Sätze sinken. Darum ihre Sonderregelung. Die Schwierigkeiten des deutschen Bergbaus verhinderten von 1927 auf 1930 ein« Lohnentwickluvg wie in anderen Berufen, anderer- seits sind bereits erhebliche Herabsetzungen der Tariflöhne erfolgt. so daß ein Zurückgehen auf die Tariflöhne von, 10. Januar 1927 ein Absenken der heut« geltenden Sätze um nur 2lj Proz. bedingen würde. Die Neichsregierung will sedoch den Lohn im Berg- bau noch tiefer senken. Die Arbeiter öffentlicher Betriebe werden gleichfalls einer Sonderregelung unterstellt. Die Regelung der Arbeiterlöhne erfolgt hier im engen Zusammenhang mit der Gehaltsregelung der Beamten und Angestellten unter grundsätzlicher Ausscheidung der Mitwirkung des Schlichters. Die Notverordnung bringt nicht nur die Reduzierung der Löhne um durchschnittlich ein Diertel. vielfach fast um«in Drittel, sie stellt zugleich einen gewalksamen Eingriss in das Tarisrechl dar,'. An die'WWnßfrei�i�or''Unternehmer und Arbeiter tritt der gesetzliche Zwang. Der Schlichter ist nicht mehr Schlichter, sondern ausführende Behörde. Cr ist eng gebunden an die Bestimmung der Notverordnung, die die am lO. Januar 1927 geltenden Tariflöhne wieder hergestellt irnsicn will. Seine Entschlußfreiheit beschränkt sich lediglich auf gewisse Ausgleiche, wo Verschiedenartigkeiten des Lohnsystems in, zur Zeit geltenden Taruvertrag gegenüber Anfang 1927 bestehen oder wo zu diesem Zeitpunkt ein Tarifvertrag überhaupt nicht bestand, so daß Entscheidungen nach Billigkeit getrosfen werden müssen. Bezüglich der Lohnrcqelung in öffentlichen Betrieben ist die Verletzung des bis- her geltenden Torisrechts noch viel offensichtlicher. Es ist den Tarifparteien unbenommen, höhere Löhne zu ver- einborsn als sie die Notverordnung vorsieht. Eine Allgemeinver- bindiicherklärung derartiger Vereinbarungen dürfte allerdings kaum erfolgen. Eggert erörterte hieronf eingehend die wirtschaftlichen und finanzpolitischen Maßnahmen. Sie betreffen die Preis- und Zinssenkung, die Neuordnung der Wohnungswiriichaft, Steuererleichterungen, besonders bei Betriebsabtrennungen und Auflösungen von Gesellschaften, Maßnahmen gegen Kapital- und Steuerflucht, Aussuhrvergütung, Neuregelung der Einheitsbewer- tung und Erhöhung der Umsatzsteuer. Die Natnerordnung ist«ine drakonische, in das wirtschaftliche und soziale Leben tief eingreifende Maßnahme. Sie mache dm gewaltsamen Versuch, die deutsch: Wirtschaft an die ver- änderten Weltwirtsclzastsoerhältnisse anzupassen. Die Preissenkung hätte der Lohn- und Eehaltsscnkung vorausgehen müssen, um den Reallohn unversehrt zu erhalten. Es häng« jetzt alles da- von ab, die Preissenkung umfassend und lies auf der ganzen Linie zu erzwingen. Die Gewerkschaften müßten sich dieser Ausgabe mit allen Kräften zuwenden. Welker berichtete abschließend über die Bestinunungcn der Natoerordiiung zu den Berschlechterungeu der Leistungen der So- zial Versicherung. In der Krankenversicherung wie in allen Zweigen der Rentenversicherung bringt die Notverordnung orcjan:- satorische Acnderungm nur in geringem Umfang. In der Knapp- s ch a f t s v c r s i ch e r u n g ist der Versichertenkreis erweitert war- den. In der Unfallversicherung ist der Einfluß der Ver- sicherten verstärkt worden. Die Gsmemlast ist eingeführt dnrch Verteilung eines Anteils der Rentenlast auf die gesamte Versicherung. Außer diesen Aendeningen im System sind nur Leistung sab- striche zu verzeichnen: Renten van 20 Proz. werden in der Un- fallversicherung nur noch auf die Dauer von zwei Jahren bewilligt, niedrigere Renten fallen weg. Renten an versicherte Unternehmer werden nicht mehr anerkannt, wenn die Beschädigung roernger als 33'.«! Proz. beträgt. Die Notverordnung bewirkt, daß die Hälfte aller Renten der Arbeitnehmer g e st r i ch c n werden. Die Regierung will unter allen Umständen eine Beitragserhöhung ver- meiden. Daher auch die Beseitigung aller M e h r l e i st n n- gen in der Krankenversicherung. Ein Teil der Leistungen der Rentenversicherung waren reine F ll r s o r ge l e i st u n g e n. Sie sind gestrichen worden. Auch der gleichzeitige Bezug von verschiedenen Renten in einer Person ist durch Ruhmsbestirmnungen beseitigt unter Belastung einer Frei- grenze von 25 M., die bei der. Ausrechnung unberücksichiigt bleibt. Ferner lallen die Gesamtbczüge der Lzinterbliebenen nicht höher als die Rente der verstorbenen Versicherten sein. In der gesamten Rentenversicherung konnten bisher die Renten rückwirkend gewährt werden. Diese Bestinnmmg Ist wegge- fallen. Die Wartezeit in der Invalidenvcrsichcrunz und zum Teil auch in der Angestelltenversichernng ist verlängert worden. Jetzt nnlsscn in der Invalidenversicherung 250 Pflichtbeiträge geleistet worden sein. Per Bezug der Altersrente hat 730 Beilräge in der Invaliden. Versicherung zur Voraussehung. in der Angestelltenversicherung 150 Monate. Ein« Sanierung, d. h.«ine An g l e i ch n n g der Ausgaben an die niedrigeren Einnahmen, wie sie die Unternehmer fordern, ist mit der Notverordnung nicht vorgenomn'en worden. Die Flüssigmachung der Vermögensbestände in der Invaliöenversiche- rung in Reichs- und Länderanleihen ist nach wie vor dringend er- forderlich, um nicht auch noch das Heilverfahren der Versicherung ernstlich zu gefährden. Die Aussprache. In der Aussprache wurde scharfe Kritik daran geübt, daß die Regelung der Arbeitsbedingungen für die Arbester, in den Le- trieben des Reiches, der Ländei�uyö Gemeinden Immer mehr dem Bereich des Zlrbeitswiniftcriums entzogen und-in die Hand des Reichsfinanzministers gelegt wurde. Die Notverordnung bringt diese Entwicklung zum Abschluß. Sie bedeute die Ausschaltung des Arbeitnehmers der össentlichen Betriebe aus dem allgemeinen Arbeitsrecht. Die Löhne werden in einer erheblichen Zahl der Gemeinden durch die Notverordnung unter den Stand vom Januar 1927 herab- gedrückt. Die Gcwerksckiafien würden sich energisch um die Durchführung der Bestimmungen der Notverordnung bemühen müssen, die auf die Senkung der Preise abzielen. Es ist anzunehmen, daß die Hausbesitzer von der MögUchkeit, die Hauszinssteuer durch Vorauszahlung abzulösen, reich- lichen Gebrauch machen werden. Aus dem Aufkommen der Haus- zinssteuer wird nicht mehr viel für den Wohnungsbau übrig bleiben. Trotzdxm ist es Pflicht, den Kleinwohnungsbau energisch zu fördern. Von einer Kiapitalfehlleitung im Wohnungsbau könne keine Rede sein. Was mit Hilfe der Gewerkschaften an Wohnkultur geleistet worden ist, verdiene hohe Anerkennung. Die Zinssenkung ist im Interesse der Belebung der Bauwirlschast zu begrüßen. Von der M i e t s« n k u n g gilt.das gleiche wie für die Preissenkung. Der größte Mangel der Notverordnung ist darin zu erblicken, daß sie keine Möglichkeit zur Arbeilsbeschoffung vorsieht. Die Hoffnungslosigkeit der Zlrbeitslasen ist der Herd der tiefgreifenden soziale» Unruhe. Hier Abhllfe zu schassen durch Arbeitsbeschaffung ist dringendes Gebot. Dies und der cnt- schlössen« Kampf gegen die Feinde der Republik ist die unbedingte Pflicht der Reichsregienrng. Es ist zu befürchten, daß die Notoerordnung eine weitere Zerrüttung der Wirtschaft zur Folge haben wird. Miß» lingt, was immerhin naheliegend sei, die Durchführung des Preis- abbaues, so bleibt nichts übrig als ein Fortschreiten des Kauf- krastschwundes. Eine Lücke enthält die Notverordnung auch inso- fern, als sie keinen Schritt zur Verkürzung der Arbeitszeit tut. Aber das alles würde von der organisierten Arbcitersäiast leichter ertragen werden, wenn sie bei der Regierung den Willen zu entschlossenem Vorgehen gegen den Straßcntcrror der Fein de der Republik führen würde. Scharf verurteilt wurde die A u s n a h m e b e h a n d l u n g, die den Bergarbeitern in der Notverordnung zuteil wird. Im Ruhrbergbou sind die Lohnkastcn je Tonne seit>930 um 2 M. gesunken. Gleichzeitig sind ober Lohnkürzungen eingetreten. Ei!:- Senkung der Kohlenpreise wäre längst möglich gewesen, dazu vc- durste es nicht erst einer Notoerordnung, zumal der Reichswirt- schastsmimster ohnehin das Recht hat, auf die Senkung der Kohlen- preise hinzuwirken. Es gibt im Bergbau Arbeiter, die bereits jetzt um mehrere Mark weniger in der Woche verdienen, als die Wohlfahclsunierstühung beträgt. Andererseits gibt es im Bergbau Beispiele, die erkennen lassen, daß manche Unternehmer bei der Lohnvcrcinbarung ein höheres Maß von sozialer und wirtschaftlicher Einsicht zeigen als die Urheber der Notverordnung. Es ist aber auch möglich, dem 5) a n d c l größere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Die Handelsspannen sind zu groß. Andererseits wird geltend gemacht, daß es der Standpunkt d-r Regierung sei, daß auch für sie eine neue Lage entstehen würde, die zu einer Aendcrung ihrer 5)altung in der Lohn- frag« führen müsse, falls sich herausstellen sollte, daß der Erfolg der Preissenkung ausbleibt. Dies ist ein Moment, dos neben anderen schwerwiegenden Gründen die Fraktion der Sozialdema- kratischen Partei veranlaßt habe, von einer Einberufung des Reichs- tagcs abzusehen. Der Bundesausschutz gab am Schloß seiner Beratungen seiner Stellung zur Notverordnung durch die einmütige Annahme einer Entschließung Ausdruck, die mir im Hauptblatt wiedergeben. Die Wittlcr-Nazizelle. Zu unserer Notiz mit dieser lleberschriit wird uns berichtigend mitgeteilt, daß d«r alleinige Leiter der Brotfabrik Gebrüder Wsttlcr Herr August Mittler in Dahlem ist. Der in Bollersdors am Schermützelsee wohnende Heinrich Wittler ist aus der Firma längst ausgeschieden. WEgT-O.üik t, rl-'r-T''-'' i-T/TTy-u. GPD.-Z«alti,>> beim Bezirksamt Wilmc-»>>oi7.?o«ncrst-y, 1!!': Nkr. Rcilourant..Zur Drmcrkschaitsrlausc" iKraifti. ZSilmrrakon. Äaltzxinische Ectc(Saslrincr Llroßr. Zratlionsucriammiung. Gcnossc Äarl Sjcffcl über„SJotntvartu-.migcn". n ■y SPD.-iiraktia» bei Srzirisawt Lichtenberg. Donnerstag. IN!, li!>r, Lokal Teinpel. Eudrunstr.?, Orattionznersammlung. Äenaffe Reißner.» J z M. h. 91., über.,Not und Elend der Arbeiterschaft, ibrc Ursachen und Wirkungen'' Freie Gewerkschafts-Zugend Berlin ru'.e um i9ij Ul,r tagen die Äruvuev! Banmschulcnweg: Lugcndliein! 'aumTchulrnweg. Ernsislr. Nj. Unterballungsabcnd.— Beibcnsec: Eruppenheim Weigensec, Parkstr- 3C...?!c gegenwiirtige Lage der Arbeitcrscbast in England."— Kumbaldti 0ugrndbkiu> Graun- Ecke Larszinn- st rage.„Bas Erwarten wir vom Wirlschaitsbeirat?"— Rarbring! crfmlc Srnnenburger Str. 20.„Weibnochten und Gebräuche."— Tegel: dugendbeim Tegel. Gchoneberaer Str. 4 i erst um 20 llbrl...Mit Luch und Erfiallvlatie durch die Well."— Stidwesteni Sugendbeim Sjorrfstr. II iFabrikgebäudei. Bunter Abend.— Ziughascn: Grugvenheim Fluahafcnstr. Ob su.BaiinHoi Boddinstrastc). ..Lustiges Berlinern und eärfiseln."— 9!c»tölln: Jugendheim ReuILlln, Berg,. srrage 20(öof)...Gcwcrtschastlichc Tagespolitik."— Spandau Renstadt: Jugendheim Lindenuser 1. Guthat kommt.— Schöncberg: Sauptstr. 15 sGarten- hans).„So bleiben die Mitgliedobeilräge in den Berbänben."— Arnswaidcr Platz! Grupvenhcim Rastcnburgcr Str. 14.„Die Literatur iiir das vrolctarische Wahnachtcn."— Schillerpart: Schule Sckänrngstr. 17...stieirfistagssitzung."— Jugendgruppe des Gcsawtnerdanbes, Zachgrupp» stommiinalbetriebc: Jugend- heim Engeluier 2t— 25. Film- und Lirfstblldervarrrog:„Die Srfiänheitcn des Winters tu Wort und Bild". @Luu!e»astanien- agec 81. Arheitsgemeinichaft:„.rfultursragcn des Tagcs". Leiter: Polemann.— Stralau: Jugendheim der Schule Gohlerstr. 61. Lcseabcnd.— Obersprec: Srfiule in Ricdcrschöneweide, Berliner Str..LI, Eingang Haisclwerdcrstrahe. Lescaben5. — Äöpenirf: Jugendheim Dahlwihcr Str. 15 sGasnnstalt am Bahnhof Äopenirfl. Kurzreferate.— Zieutolln: Jngcnohcim Bähmischr Str. 1—4, Ecke Konner Sirahe. Spielabend.— Siidast: Jugendheim Wranqclstr. 128. Brettspielabeud.— Schoucberg: Jugendheim Hauptsir. 15 sHosgcbaude— Sachsenzimmer). Arbeitsgemeinschaft:„Das Rüstzeug des jungen Gewertschoftlers". Rescrent: Ellert,— Ehaelattenburg: Jugendheim Spiclhagcnstr. 4. Arbeitsgemeinschaft:„Ein. fiihruna in die sozialistische Gcdankenwclt". Leiter: Huhn.— Spandau,: Jugend. heim Ändcnufcr I. Aussprache: ,:TagespoIitische Rundschau". Referent Löwi. — Potsdam. Rowawes: Jugendherberge in Rawawes. Priesterstragc. Aussprache: „Die ärau im Berufsleben".— Sportabteilung: Zusammenkunft ab 20 Uhr zu leichtatblctjkchen Hebungen in der städiisrfien Turnhalle Prinzenftraär.— Heute tagt die„Vcrsirfzerungsgcscllsrfiaft Sorgenfrei A.-E." von 10—18 Uhr im Ver- Handshaus, Zimmer 27. TelwM klegoni«,' loclczcbvtz, mockecn zomivtt. 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Cr hatte eine Liebste gehobt und sie im größten lliaulch seines Lebens einmal auf die Brust geküßt. Sie hatten sich Treue geschworen und Mattheus Krautz hatte angefangeii zu sparen, weil er sie heiraten wollt«. Damals gönnte er sich nur Sonntags eine Fünf-Pfennig-Zigarre und in die Kneipe ging er überhaupt nicht. Dann kam der Krieg und Mattheus kam an die Westfront. Mir Eichenlaub geschmückt und mit Puls» wärmern von der Liebsten zog er hinaus und mit einer leichten Gasvergiftung kam er wieder.„Wir hätten gesiegt, ober sie haben uns ja von hinten den Dolch mitten ins �)erz gestoßen," erklärt« er pathetisch, und bei dieser Einstellung blieb er. Er konnte ein paar Armeemärsche auf seiner kleinen Mundharmonika spielen, und nach Feierab.'nd setzte er sich ans Fenster und spielte sie oll« durch. In der Inflation gingen seine geringen Ersparnisse zum Teusel und das machte ihn mißtrauisch gegen das Leben. Er fing an, auf die Juden za schimpfen und redete wie ei» Sechzigjähriger von den früheren besseren Zeiten. Als chindenburg illeichspräsident wurde, trank er sich einen Rausch an und glaubte, dos goldene Zeitalter werde nun ab morgen sechs Uhr anbrechen. In dieser Zeit brannte ihm seine Liebste mit einem Wäschercisenden durch und die Stützen seines Daseins fingen an zu wanken. Er ärgerte sich sehr, ober vorläufig hatte er noch Arbeit und noch Feierabend spielt« er noch immer die alten Armeemärsche. Als das Mädchen nach einem Jahre mit einem Kinde wieder in dem Ort auftauchte, ging ihr Mattheus aus dem Wege und verachtete sie wie ein deutscher Mann. Sein Vertrauen zu den Weibern war erschüttert, und er sing an, seine Wirtin herablassend zu behandeln. Er schimpfte auf die neue• Zeit und hatte an allein eiwas auszusetzen. Seine Gutmütigkeit i war groß, aber seine Dummheit war noch größer. Als die Arbeiter\ seiner Fabrik streikten, tanzte er aus der Reihe und leistete Streik- brecherdienste. Diese selbständige Machthandlung von Menschen, wie er selber einer war, verstand er nicht. Seine Moral und sein Anstand empörten sich dagegen. Alle Obrigkeit war ihm gleich Gottheit. Aber der Unternehmer, für dcsien Profit er sich eingesetzt hatte, eiwies sich als undankbar und entließ ihn, genau wie viele andere, als die Zeiten noch schlechter wurden. Er mußte stempeln gehen und kam sich ganz von Gott verlassen vor. Es war fast wie eine Schande für ihn. Da fing der Mattheus a». über die Ucbel dieser Welt nachzudenken. Er hatte sein Geld verloren, die Liebste war ihm durchgebrannt und mit einem vaterlosen Kinde wieder- gekommen und er lag auf der Straße trotz seines Willens zur Arbeit und seinen gesunden Körperkrästen. Sein Leben geriet in Unord- nung. Er fand sich nicht mehr zurecht, und er wurde unsicher. Aus dem Mattheus Krautz wurde ein politischer Mensch. Er glaubte jetzt an Parteien und ihr« Sendung. Cr las die Zeitung und ver- schlang die Leitartikel. Di« Versprechungen der Druckerschwärze waren ihm Offenbarungen. Er hielt sich an die Leute, die ihm ver- sprachen, die Verhältnisie möglichst ohne sein Zutun zu ändern, und die seinen kleinbürgerlichen Idealismus mit Glaube, Liebe und choffnung nährten. Er saß zu 5iaus« herum und half der Wirtin beim Kartofselschälen aus Langeweile, ab und zu spielte er noch «inen Marsch und ging zweimal in der Woche stempeln. Er be- suchte sämtliche Versammlungen und wurde so verwirrt davon, daß er nachts nicht mehr schlafen konnte. Er hatte Gesichte und prophe- zcite einen baldigen Weltuntergang. Er glaubte nicht mehr an die Gerechtigkeit, und es geschah das Schlimme mit ihm, daß er ein Zweifler wurde. Auch an den alten Armeemärfchcn fand er keinen Gefallen mehr. Cr lief ziellos durch die Straßen und war hilflos im Gedränge der Sonnobcndnachmittage, wenn die Frauen vom Markte kamen. Die Leute mochten sich schon über ihn lustig, und die Kinder riefen ihm die Worte auf der Strohe nach, die sie von den Erwachsenen gehört halten. Mattheus Krautz stand im besten Mannesalter und wußte mit dem Leben und mit der Welt nichts mehr anzufangen. Und die Welt ließ ihn seine abseitigen Wege gehen und kein Mensch kümmerte sich um ihn. Er las keine Zeitung mehr und seine Mundharmonika lag verstaubt im Kasten. Er lebte von dem bißchen Wohlfahrtsunterstützung, und ihm war es gleich. ob die Sonne schien oder ob es regnete. Dann flammte seine Lcbensenergie noch einmal auf und er kaufte sich einen Block Schreibpapier und«ine neue Feder. Cr tot geheimnisvoll, schloß sich ein und vernachlässigte die Mahlzeiten. Seiner Wirtin oerriet er. daß er einen Brief schreibe, um die Regierung aufzuklären� denn an allem Unglück, sagte er, sei die Dummheit der Leute schuld. Matthcus Krautz glaubt« noch einmal an sich. Er würde die Welt besser inochen und den Menschen Arbeit verschaffen. Den Brief schickte er ob und an dem Tage pfiff er und suchte seine Mund- Harmonika hervor. Er träumte vom Glück und der Traum dauerte drei Wochen. Dann kam das Antwortschreiben, das sehr höflich gehalten war.„Zu unserem größten Bedauern.. Er vergaß, sich das Geld von der Wohlfahrt zu holen. Am Nachmittag nahm er seinen Hut und lies über die Felder. Seine Wirtin blickte ihm mißtrauisch nack?. Er legte sich auf die Schienen und wurde vom Schnellzug Breslau— Dresden übertohrcn. Er kriegte ein Armen- begräbnis, und seine Mundharmonika warf die Wirtin auf den Müllhousen. 'IKario illohr: Oller, ehrlicher Ultädchenhändler Obzmar dieses Eofe des Berliner Westens an allerhand Er- scheinungen gewöhnt ist— treffen sich doch hier so ziemlich olle Schichten und Kreise u>id Kasten, olle Berufe und Weltanschau- ungen—, und obzwnr mau einen Smoking hier als ebenso selbstverständlich empfindet wie Schillerkragen und Pullover und das klein« Mädchen durchaus Nelen der großen Dame. Hestern kann. wenn es nur eine schöne Rundung des Knies nnrnvise» kann, fiel dieser Mann, der da longsam heveinstolperte, ooch beträchtlich auf. Der Geschäftsführer stellte sich mit griffbereite» Armen in kurzer Entfernung auf und der Kellner hielt ganz gegen die Gepflogenheit dieses Ortes dos bestellte Bier solange fest, bis es bezahlt mar. Das regte den Mann ober keineswegs auf. Er warf ein paar Groschen hin, daß sie über den Tisch sprangen und einig« zur Erde fielen, kranite aus der Tasche seines vernssenen und verschmutzten Rockes eine halbzcrquetsch.e Zigarette und kommandierte:„Feuer!" Es war eine iovderbare Erscheinung. Als er den verwitterten und regenverwaschenen Hut vor sich aus den Tisch leg:?, sah man um ein« beginnende Glatze zusammengeklebte, lange nicht gebürstete un» noch länger nicht gewaschene Haare in die zerfurchte Stirn bangen. Er hotte ein gebräuntes, saltiges Gesicht, stechend.', etwas schalkhafte Augen, und aus der Brust, die das kragenlose, etwas cuf- geschlagene.Hemd zum Teil sehen ließ, den Ansatz einer Tätowierung. Wäre es nicht mitten in Berlin gewesen, man hätte ihn für einen Seemann gehalten, und dos schien er wohl auch einmal gewesen zu seln. Er kramte aus seinem Rock eine zweite, gleichfalls schon recht Kebogen« Zigarette und reichte sie mit seiner breiten, haarigen, ebemolls tätowierten Hand seinem fremden Gegenüber zu:„Da, rauch!" Doch der zog sich hinter seine Zeitung zurück und ant- ivortet« nicht.„Ist wohl taub?" sagte der Mann zu uns vom Neben- tische herüber, steckte sich die Zigarette scloit in den Mund, da er seine erste verloren zu haben schien, bot uns um Feuer, stand dabei auf, setzte sich an unseren Tisch, holte sein Bier herüber und sagte im unverfälschten Dialekt des finstersten Wien:„Mein Name ist August." lind so nahmen wir ihn, weil in unserer bunt zusammengewürfelten Gesellschaft auch ein paar Wiener saßen, bei uns auf. Er gab sich als Seifensieder aus. Seifensieder sei das ehrlichst« und feinste Handwerk der Welt. Sein Bater sei einer gewesen und er sei es auch. Heute— nein, heute sei er etwas anderes, aber ums. das sogt« er nicht: da lächelte er bloß. lind als er merkte, daß eine Französin bei uns am Tische saß, begann er frai-zösisch zu rede». Die kleine Frau wurde rot, sperrte Atuiio i»,d Nase auf, und mur» ineite:„Mein Gott, das ist ja der gemeinste Jargon, den es i:i Paris gibt." Dann sprach August unauigefordcrt und zu-öllig englisch. c!» Englisch, das nur die von uns kannlen, die in Whitechape! au-sführlichst« Studie» gemacht halten. Wir spendierten August einen Schnaps und ein Bier. Der Äe- schäftsfübrer bat uns inständigst, zu bremsen, aber August war im Zuge. Er erzählte und erzählte in einem Mischmasch von Sprachen, daß mir uns vor Lachen bogen. Bis der kleine Noll» mit der Schw.din kam, in die er sterblich verliebt war. Da begann August schwedisch zu fluchen. So. daß die kleine Schwedin noch ihrer ersten Sprachlosigk.'it Stein und Bein schwor, August müsie ein Schwede sein, denn wer so unanständig schwedisch fluchen könne, der müsse dort geboren sei». Der Geschostssührer hatte sein« vorhin noch so griisbereiben?trme nachlässig aus Hein Rücken gekreust, mor»och nokergekommen und sagte, weil er aus Homburg war:„Der kann ja olles, außer Platt." August sah>bn erbost an. lächelte dann mit zusammengekniffenen Augen, und begann Hamburger Lieder zu singen, gegen die die Sausiieder der Hamburger Zimmerleut««n Choral fronnner Betschwestern sind. Jetzt hörte schon dos ganze Lokal August zu. Er war»er un» bestrittene Mittelpunkt. Wir aber drangen in August, uns zu ver. rat:», wer und was er denn wirklich sei. Ein Wiener Seifensieder sei doch wirklich kein Universalgenie in ordinären Sprachen. Gegen einen Kümmel versprach er uns, sein Geheimnis zu enthüllen und gestand:„Ich bin Leinmond." Alles, was ihm gefiel mar Lein- wind, war tulti. Wenn man ihm ein« Zigarette schenkte, wenn man ihn zu einem Schnaps einlud, war das Leinwand. Das Mädchen, das ihm gefiel, der Witz, den er erzählt«, war Leinwand lind zwischendurch mußten wir ihm versichern, daß er natürlich auch Leinmand war. Dabei hielt er den Arm ver sich, die Halt» vor der Brust zur Faust geballt. Der ganze Abend war Leinwand. Aber außer Lcinwond, tulli und Seisensieder mar August cbe- inaiiger Seemonn. der sich an allen verbotenen Orten und in allen Lasterhöhlen der West herumgetrieben hatie und jetzt, so behauptete er, vom Handel lebt. Mit was? Er sah reihenweise die Flaue» an unserem Tische o» und sagte:„Damit." Er gestand.-s flüsternd mit einem Augenzwinkern, das freiließ, ob es als Ernst oder als Scherz genommen werden sollte. Und jetzt suche er wieder ein paar Handelsobjekte.„Willst du mitkommen?" fragte er die lleine Schwedin.„Für dich zahl' ich fünfhundert Dollar." Wohin?„Tür- kci. Keine Arbeit. Nur'n bißchen tanzen. Und so. Weißt schon." Die Schwedin wollte nicht, aber die Französin bot sich lächelnd au.„Na.„a", lehnt« August ab.„Für dich zahl' ich koan Kreuzer." Alles lachte. Die Französin wurde verlegen, fragte, warum.„Da narne nix", sagte August, und unterstrich seine Darlegungen mit Handbewegungen,„und da hinten nix. Fette Frauen brauch' ich. So. lind so." Und seine Handbewegungen wuchsen ins Gigantisch«. „Bin ich vielleicht geeignet?" fragte eine Doive, die von einem entfernteren Tische ausgestanden war. „Dreh dich omol nun, daß ich dich von hinten sich!" Aber er schien linzmrieden:„Na, dös G'stell is koan Kreuzer wert. Aber die da hinten, für die zahl' ich tausend Kronen. Kann man die haben?" Und er verblüffte uns mit imponierender Ortskenntnis auf dem ganzen Balkan, in Griechenland und Teilen des Orients. Was wir am Tische alte miiciiiandcr jemals gesehen und erlebt, was wir gelesen und gehört hatten, das wußte dieser merkwürdige Bursche auch. Sehr inusikalijch war er ebenfalls. Er sang uns den Gebetsruf des Muezzins vor und dazu gleich die Gassenlieder, die in der gleichen Stadt„tief unten" oang und gäbe waren. Er war ein prachioolles. Lexikon follloristischcr Ordinärheiten. Er sang Regerlieder, die er ans einem Schisse gelernt lmtte. daß die Reihe des Erstaunens jetzt an dem Musiker war, der bislang nur zu- hörend und lächelnd an unsere!» Tische gesessen hatte. Dann begann er wieder gegen Schnaps und Zigaretten Erzählungen aus dem Orient anzukündigen, daß wir, die wir das Kommende ahnten, die Damen baten, vorsichtshalber ein bißchen durchs Lokal zu spazieren, Sie protestierten natürlich und blieben nun erst recht. Doch als August dami zu erzählen begann, schlichen sie alle noch und nach heimlich und leise davon. Es wurde ein Uhr, zwei Uhr, drei Uhr, halb vier. Wenn er sich gerade vom Lochen erholt hotte, mahnte der Geschäftsführer zum Ausbruch. Aber August, einmal angedreht, hotte immer noch Neues zu erzählen. „Prost, oller ehrlicher Mädchenhändler!" „Servus", sagte August,„ihr seid's olle Leinwand." Aus einmal fragte Auguft, wie spät es sei, und ob man drüben im Bahnhof schlafen könne. Nein, er wolle im Bahnhof schlafen: vielleicht fände er da auch was zum Handeln. Man müsse auch mal on? Geschäft denken. Rein, für seinen Handel: nian wisse so schon Bescheid, und dafür seien Bahnhö'e die best« Fundgrube. Nein, zum Schlafen nehm« er kein Geld, aber man könne es ihm doch ruhig geben, wenn man durchaus wall«: er würde es ver- saufen.„Und ich darf wiederkommen? Ja? Dein Ernst? Ich komm'! Du, ich komm'! Auch am Tag? Mußt mich auch am Tag kennen! Nicht vergessen: August, der olle, ehrlich« Seifensieder. Abgemacht Ja! Ihr seid's Leinwand." lind er stand auf, wankte, griff nach einer dargebotenen Hand, griff daneben, hielt sich am Tische fest und sagte:„Mein Gatt, gehen kann i oh scho nimmer. Führt's mi a bisset! Servus! Das war tulli. Leinwand." 3)as?el!eimeHinderirU!te Tlctic Ausgrabungen bei 3>clra im Oftiordautaude Dort, wo im Ostjordanlonde die Berge Nordarotbiens dem wogenden Sondmeer der Wüste halt gebieten, unweit der öden und wüsten Arabahsenke, die das Tote und Rote Meer miteinander verbindet, liegt eine der seltsamsten menschlichen Siedlimgen der Welt: Petra, die Stadt der Felsen. Wie in geballter Faust schließt ein wildzerklüftetes Felsmassio die uralt« Metropole des Nabotäer- reiches ein: und so grotesk ist das Bild, daß der Wanderer, der sich etwa von der Wüste her dem in allen Farben des Regenbogens schimmernden Felsengewirr nähert, glauben mag, von einer Bisiem genarrt zu werden. Wie eine vielgestaltige, mitten �im Aufschäumen versteinerte Woge brandet es aus weißglitzerndcm Sand empar, ein phantastischer Wettstreit von rosenfarbenen und scharlachroten, gelb- lichen und orangenen, ockerfarbenen und violetten Riffes' und Klippen, Hügeln und Bergen. Zinnen und Graten, lind mitten zwischen diesen Felsen, angelehnt an das natürliche Gestein, hin«»- gearbeitet in die Spalten, Scharten und Bcrghöhlen, eine ganze, einst mächtige Stadt mit Tempeln und Palästen, Wohnhäusern und Gräbern. Daß viele ihrer Bauten die Jahrtausende übeädauer» konnten, ist sicher nicht zum geringsten auch der großartigen Schutz- maucr zu danke», mit der die Natur selbst Räuber und Plünderer von dem schwer zugänglichen Ort fernhielt. Denn ein klammartiger Schluchtenpsad so schmal, daß man mit den ausgestreckten Armen die beiden senkrecht emporsteigenden Felscnwände berühren kann, bildete in alten Zeiten den einzigen Zugang zum Inneren des rings von nnübersteigbaren Bergen umschlossenen Kessels. Uralt ist die Geschichte Petras, das schon in frühester Zeit als 5ireuzungspunkt wichtiger Karawanenstraßen für den gesinnten arabischen Handel Bedeutung gewann: Eisen, Bronze und Purpur- färbe der Mittelmeerländer wurden hier gegen Myrrhen, Gold, Silber, Perlen und die übrigen Schätze des Morgeirlondcs aus- getauscht. Als dann Alexandrien zur griechischen Hauptstadt Aegyptens wurde, sorgten die engen Beziehungen Petras zum Nil- lande dafür, daß der griechische Einfluß auch in der Fclfenstadt rasch Eingang fand: und als später der Stern von Hellas verblaßte, und die Sonne Roms immer höher am Himmel der Antike emporstieg. da konnte auch Petra sich ihrem strahlenden Glänze nicht entziehen: ja, unter Trojan wurde es gar ein Jahrhundert nach Christi Provinziatstadt der römischen Provincia Arabica. Pracht- volle Tempel- und Gräberbauten wuchsen in jener Zeit aus den steilen Buntsandsteinwänden des Peträischen Felsenkellers hervor, ein griechisch-römisches Theater half die neue Bildung und Gesittung auch hier, fern vom Mittelpunkte des Reiches, zu festigen. Dann aber begann Petra, rings durch den starren Felsenring und die Wüste abgewürgt, eine Insel im Sandmecr, an der Unmöglichkeit irgendwelcher Ausdehnung zu kranken. Der Handel suchte sich neue Wege, Darnröschcnschtummer senkte sich über die Stadt der Felsen, die nun räuberischen Beduinen der Wüste als Schlupfwinkel diente, Verschollen war Petra, nicht einmal den Namen mehr kannte das Mittelalter, bis dann der deutsch-schweizerische Orientreisendc Johann Ludwig Burckhardt 18t2 die Ruincnstodt neu entdeckte. Die Mehrzahl der Bauten, die sich i» Petra bis auf unsere Tage erholten haben, stammen ans jener Zeit, als der griechisch- römische Einfluß sich Arabien unterwarf, und auch die prachwollen, duukclglasicrtcn Töpferwaren, die Lampen, Krüge und Gefäße, dos kunstoalle Geschirr von hauchfeiner Dünne und zierlichstem Schmuck, die Terrakotten und Figuren, die keilförmigen Schreib- stifte, die eine englische Ausgrabnngsexpcdition jüngst aus dem Schutt von Petra ans Licht beförderte, verraten deutlich genug die Beeinflussung durch die hellenisch-römische Kultur.. Die neuesten Ausgrabungen, die jüngst von Gelehrten der Cambridge-Umvcrsitöt und von dem dänischen Orientforscher Ditlef Nielsen in Petra vor- genommen wurden, haben zweifelsfrei das Vorhandensein von drei wohlgesonderten Kulturschichten erwiesen, von denen die älteste noch zahlreiche Uebcrblcibsel aus dem nabotäischen Reich enthält. Der Fremde, der heute durch das Felsengewirr von Petra wandert, wird seltsam berührt von dem eigenartigen Zauber, der über dem alten, von der Natur so einzigartig ausgestatteten Ort webt, und von der schweigenden Majestät, in der die mächtigen Felsen aus dem Sand der Wüste emporragen, unberührt und un- entweiht, großartiges Grabdenkmol derer, die einst zu ihren Füßen lebten, wirkten und starben. Auf wechselnde Geschicke haben die steinernen Riesen herabgcblickt, sahen Völker kommen und gehen, Kulturen erstehen und in Staub zerfallen. Unbewegt stehen sie da: und nur, wenn um die Stunde der Dämmerung die Felsen zu glühen beginnen, dann ist's, als huschte ein Lächeln über ihre starren, von den Jahrtausenden gefurchten Züge. Dann kommt eine seltsame, beinahe geisterhafte Stimmung über den Besucher, und er weiß nicht, was er mehr bewundern soll: die buntroten Felsen, um deren Guß Ginster und Taramisken, Efeu imd Oleander ihr Geäst schlingen, oder die mächtigen geborstenen Quader der Bauten, die als stumme Zeugen einer längst enl- schwundencn Zeit sich zerbröckelnd an die Felsen lehnen. Schneeschuhbrillen der Eskimos. Eskimos mit besonders empfindlichen Äugen tragen besondere Schutzbrillen, die in ihrer Einfachheit originell sind. Das einfachste Modell besteht nur aus einem der Gesichtsform angepaßten Stück Holz, das in Augenhöhe einen Schlitz aufweist. Eine bessere Ausführung ist die Knochcnbrille mit avci länglichen Löchern: die beste Art kommt schon unseren Schutz- brillen näher: sie besteht aus zwei durch Schnüre miteinander ver- bundenen Einzelteilen, und zwar ist für jedes Auge eine Holzscheibe mit einem Schlitz bestimmt, Ilm die Schutzwirkung zu verstärken, wird die Innenseite der Brillen manchmal auch geschwärzt. Die Mumien werden beigeseht. Auf Anordnung der ägyptischen Regierung sollen die Mumien der ägyptischen Pharaonen. Königinnen und Prinzessinnen, die sich in dem Glosschrein des Museums in Kairo befinden, in der Grabstätte des ägyptischen Nationalisten- führers Zaglul Pascha beigesetzt werden. Die englische Presse bc- grüßt diese Maßnahme, denn die königlichen Mumien hoben, wie die„Daily Mail" schreibt, zu den scheußlichsten Schenswürdigkest-� gehört, die die Welt besitzt, Also doch Seeschlongc? Direktor Gould vom Londoner Aqua- rium Hot alle vorhondenen Berichte über Seeschlangeu genau durch- forscht, neun Zehntel davon ausgeschieden und dreißig Berichte aus den letzten zwanzig Jahren als glaubwürdig übriggelassen. Nach genauem Vergleich aller ihnen gemeinsaineil Angaben kommt Gould zu dem Ergebnis, daß die vermeintlick? Seeschlange nichts anderes fein könne als ein Plesiosaurus oder fein Nachkomme, der sich mit nach zwei anderen unbekannten Tieren in den Meere» herumtreibe, Der Bär liegt halbmachend während der Wintermonate im Layer, ohne etwas zu fressen. Die Bärin wirst sogar während dieser Zert und was das Wunderbarste ist, säugt ohne Nahrung z» nehmen ihre Jungen. Der Höcker des Kamel«, gilt den Arabern als besonderer Lecker- bissen. Der Geschmack des hellen Fleisches erinnert on Ochsenfleisch, «Slas. Bereits um 18tX> v. Chr. kannten die Aegypter Glas. Verantwortlich wr P-litik!»Irtor Schis!: Wirtschaft:®.»«»aclbösrr: Scwrrklchattsbcweguna: I. Strincr: ssruill-ton: Lr. Zolin Tchikow»«,: Lolairo Iii'.ii cOiiftmrs: Sri« Rnrsttht; Snjcisni: Tt>.«lodf;'ämttich in Sulin. Vrrlaq: V»rwSrts.BrrIaq eö in K. ü., Acrlin."»nirfr Po7n.ri im» Verlagsanstali Paul Sinncc u. ci»... Veciin, cW. SüniciuiroB! Hlrrj» i Srilozrn. Die Nazi-Kluchiorganifation. An diesem laufenden Band Kamen sie durchs ganze Land! So beginnt das Dritte Reich. Hakenkreuzierror unter Duldung der Polizei in Chemnitz. Werkspiouageprozeß in Westdeutschland Berliner RGO.-Leiter als Haoptaageklagter. cudwigshafen. 15. Vejmbcc. Vc>r dem Erwcitcrken SchSsfeagericht Ludwigshafea begann der Tverkspionagcprozeß gegen den Leiter der Ehemieabtel- (ung der kommunistischen RGO.. den 36 3 echte allen Erich > Stessen aus Verlin. Reinickendorf, serner gegen den Volsterer und Tapezierer Paul Zlcker. den Schlosser Friedrich Oehlenschläger. die Ehesrau kalharine Oehlen- s ch l ä g e r. den kaufmännischen Angestellten Hans S ch m i d. den Sanfmaun Eugen herbst, sämtlich aus Ludwigshafen, und den Funktionär Sarl D i c n st b a ch aus Frankfurt o. M.. die sich v. o. auch wegen Beihilfe zur Werkspionage zu verantworten haben. Steffen und der Mitangeklagte Dienstbach sollen in Ludwigs- Hafen und Mannheim den Angeklagten Schmid, einen Angestellten der IG.»Farben, veranlaßt haben, Berichte über chemische Gcheimverfahrcn auszuliefern. Die Berichte sollten nach Rußland weitcrgcloitet werden, um dort bei der Durch- führung des Fünfjahrcsplans Verwendung zu finden. Di« Ange- klagten Oehlenschläger und Frau sollen Berichts über geheim zu hallende Verfahren der inneren Bstriebsvorgänge der JlI.-Farben von Schmid erhallen haben. Als Steffen versuchte, von einem bei der Firma Dr. Raschig als Schlosser beschäftigten Kraft Pläne über Spezialverfahren zu erhallen, crstallete dieser bei seiner Firma An» zeige. Alle Angeklagten leugnen, sich einer strafbaren Handlung schuldig gemacht zu haben: besonders wollen sie keine Entlohnungen von einer russischen Stelle erhalten haben. Im weiteren Verlauf der Verhandlung erklärte jedoch der Angeklagte Schmid, für die Berichte etwa 400 bis S00 Ml�r k erhalten zu haben. Das neue Dienststrasrecht in Preußen. In zweiter Lesung im Landtag angenommen. Im Preußischen Landtag, der am Dienstag zu seiner letzten Tagung in diesem Jahre zusammentrat, widmete zunächst Präsi- dent W i t t m a a ck dem bei einem Sturz aus einem fahrenden Zuge rodlich verunglückten Abg. Leonhardt(Staatsp.) einen Nach- ruf. Abg. Leonhardt war erst vor einigen Wochen von der Wirt- schaftspartei zur Staatspartei übergetreten. Der Hauptpunkt der Tagesordnung war die zweite Lesung des Gesetzentwurfs zur Umgestaltung des völlig veralteten(aus dem Jahre 1852 stammenden!) Dienststrafrcchts der nichtrichterlichen Beamten. Diese Vorlage führt die in der Reichsvcrfassung den Beamten versprochenen Rechte z. T. jetzt durch. Sie lehnt sich nicht nur an bereits vorliegende Beschlüsse des Reichsrats zur Rcichsdienststraf- ordnung an, sondern geht sogar in einigen Punkten darüber hin- aus. �.So wird künftig an die Stelle von Strafversetzungen eine Gehaltskürzung um höchstens ein Fünftel des Gehaltes und auf längstens 5 Jahre treten. Ferner ist für den Angeschuldigten nicht nur in der Hauptverhandlung, die öffenllich sein wird, sondern auch in der Voruntersuchung die Stellung eines Verteidigers zu- lässig. Ueberaus wichtig ist auch die Bestimmung, daß in Zukunft neben den Rechtsanwälten auch Beamte und vor allem Vertreter der Beamtenorganisationcn als Verteidiger bestellt werden dürfen. Daneben muß auf Verlangen Akteneinsicht gewährt werden. Entscheidend aber sind zwei wichtige Acnde- rangen, die diese Novelle zum Preußischen Disziplinargericht bringt: Einmol die Einführung einer Verjährungssrist von 5 Jahren und dann die völlig neue Gestaltung der D Ten st st rafge richte. Bis jetzt waren die Derwollungs- behörden zugleich Disziplinargerichte in erster Instanz, also gleich- zeitig Ankläger und Richter. In Zukunft werden für die erste Inttanz Dienststrastammern bei den Regierungen und als Aerusimgsinstonz der Dienststrafhof in Berlin gebildet. In diesen Körperschaften werden neben den richterlichen Beisitzern auch Beisitzer aus der Beamtenschaft sitzen. Das so modernisierte Dienst- sirafrecht sieht daneben noch vor, daß die vorlaufige Dienstenthebung auch ohne Cinkommensminderung erfolgen kann. Ebenso sind Wiederaufnahmeverfahren mit rückwirkender Kraft vorgesehen. An dieser Vorlage war eigentlich eine Kritik um so weniger zu üben, als fast alle Parteien, mit Ausnahme der Kommunisten, sich an den Ausschußbcratungen rege beteiligten und bereits zugestimmt hatten. Rur der deutschnationale Abg. von Kries tonnte es sich nicht verkneifen, trotz seiner Zustimmung wegen der plötzlichen Verabschiedung den Verdacht zu äußern, die jetzigen Linksbeamten wollten unter einer etwa kommenden Rechtsregie- rung sich ausreichenden Schutz sichern. Dieser gehässigen Unterstellung trat der sozialdemokratische Abg. SimoN'Ncusalz sofort mit dem Hinweis entgegen, daß Herr von Kries, der schon dem alten preußischen Dreiklasscnhausc lange Zeit angehörte, es damals nicht für nötig gehalten hat, für eine Reform der aus der Zeit der schwärzesten preußischen Reaktion nach 1848 stammenden Disziplinargesetze einzutreten. Der sozial- demokratische Redner wies zum Schluß seiner Ausführungen auch darauf hin. daß die Vorlage im engsten Einvernehmen und unter tatlräftiger Mitarbeit des Preußischen Innenministeriums zustande gekommen sei. Ein neuer Beweis für den ernsten Aufbauwillen der so viel verlästerten Regierung Braun-Seoering! Die Vorloge wurde in zweiter Lesung in der Ausschußfonnu- lierung ohne wesentliche Aenderungen angenommen. Noch in der laufenden Woche soll die drille Lesung erfolgen. Sonst wurden noch einige kleinere Vorlagen erledigt. Am Mittwoch steht auf der Tagesordnung das dcutschnationale Mißtrauensvotum gegen den neuen Finanz- mini ft er Dr. Klepper, ferner sozialdemokratische Anträge über Willkürmaßnahmen des ostpreußischen Landwirtschastsver- bandes und über ungenügenden Polizeischutz bei Durchführung von Zwangsvollstreckungen in Schleswig-Holstein. Sireng legal und ahnungslos. Keiner Hot den Heimwehrputsch gemacht. Graz. IS. Dezember.(Eigenbericht.) Im heimwchrputschprozeß wurde das Verhör der Angeklagten zu Ende geführt. Die Zivilisten unter den Angeklagten gaben antt- marxistische Phrasen vor sich, die Offiziere o. D. erklärten, daß sie sich um Polllik nie gekümmert, sondern nur einem Befehl g e- horcht Höllen. Dann wurden Akten verlesen. Dabei kam heraus, daß als Vorwand zum Putsch eine falsche Meldung aus- gegeben war, nach der es im I n n t a l zu blilligen Zusammenstößen gekommen sein sollte. Es war bisher jedoch nicht festzustellen, ob die Meldung von Pfrimer oder von Lamberg diktiert wurde. Die Proklamation der Putschisten an die Bevölkerung will Pstüncr gar nicht gelesen hoben, sie sei schon 1020 vorbereitet worden. Der Versassungsentwurf sei genau nach dem Rezept des damaligen Bundeskanzlers ausgearbeitet worden. Damit ist Schober gemeint: Starhemberg ist"letzthin wegen dieser Behauptung ver- tttteitt worden, ohne den Wahrheitsbeweis versucht zu haben. Chemnitz, 15. Dezember.(Eigenbericht.) Der Sächsische Landtag wird sich am Mittwoch mit einer Anzahl sozialdemokratischer Anträge beschäftigen, die fast aus- nahmslos die unhaltbaren Zu st än de in der Chemnitzer Polizei behandeln.'-.•• Ein Antrag der sozialdemokratischen Fraktion behandelt folgenden bezeichnenden Vorgang: Ein junger Arbeiter wurde von Nationalsozialisten im Zentrum der Stadt überfallen und, blutig geschlagen. Der Ueberfollcn« flüchtet« in den Echankraum des Ratswcmkellers. Die Nazis verfolgten den Ar- bcitcr dorthin und mißhandelten ihn zum Zwesten Male. Dos Personal versuchte vergeblich den Geschlagenen zu schützen. kjakenkreuzgeschmücktc Gäste schrien:„Schlagt den t)und tot!" Erst die herbeigerufene Polizei befreite das Opfer aus den Händen der. Nazis. Das Chenmitzex Polizeipräsidium hat es nicht für nötig bejundcu, über diescu Borgang her Presse einen Bericht., zu übermitteln�*..••• An einem der letzten Sonntage hielten 120 S A.- L« u t e feldmarschmäßig ausgerüstet im sogenannten Zeisig- wold bei Chemnitz Hebungen, ob. Dies geschah unter dem Schutz der Chemnitzer Polizei, die in Stärke von einem Offizier und acht Mann für„Ordnung" sorgten. Spaziergänger durften nicht einmal öffentliche Wege benutzen, weil diese von den Nazis zu Uobungszweckcn benötigt wurden. Wie in Braunschweig, so maßen sich auch in Chemnitz SS.-Leutc Polizeigewalt an. Aufschluß darüber gibt ein Prozeß, der dieser Tage vor dem Chemnitzer Schöffengericht verhandelt wurde. Ein P o st s ch a f f n c r, der morgens gegen 4 Uhr zum Dienst ging, wurde in der Dunkelheit von unisormiertcn SS.- Leute» übcrsallcn, niedergeschlagen und so schwer verletzt, daß er zehn Wochen dienstunfähig war. Vor Gericht gaben die angeklagten SS.-Leutc an, es fei Aufgabe der Schutzstaffel, auf verdächtige Personen Obacht zu geben und sie in besonderen Fällen nach Waffen zu unter- suchen. Der Ueberfallene wurde in der Nähe eines Nazi-Verkehrs- lokals mißhandelt. Die Wirtin des Lokals, die sich an der Miß- Handlung beteiligte, sagte als Angeklagt« aus, daß mit Wissen der Polizei in ihrem Lokal die ganze Nacht über Betrieb sei. Die SS. halte sich darum bei ihr aus, um ihr Lokal gegen Andersdenkende zu schützen. Trotz der Notverordnung vom Oktober hat das Chemnitzer Polizeipräsidium bisher nichts getan, um diesem Nazinest die Ueberschrcitung der Polizeistunde zu verbieten! Alle diese Dinge werden Mittwoch und Donncrsiag im Sächsischen Landtag zur Sprache gebracht werden, um die Be- hauptung der Soziatdemokrotie zu erhörten, daß die republikanische Bevölkerung' in Chemnitz infolge der Passivität des Polizei- Präsidiums nahezu schutzlos den Hakenkrcuzhorden ausgeliefert ist. Wüste Sitzung in Braunschweig. Linksmehrheit gegen Razis und Rechtsparteien. v raunschweig. 16. Dezember.(Eigenbericht.) Nach einer siebenstündigen. wild bewegten Sitzung wurde heute abend vom Braunschweigischen Landtag ein sozialdemokra» tischer Antrag auf Gcwährung einer staatlichen Etaatsoper. „Cd»! tau tatte/'. Der(bis(jetzt)- schönste Abend der Staatsvper tn dieser : Saison. Gründgens Regie und. Klemperers musikalische Direktion ergäben eine bezaubernde Wischung: in Spiel und Gesang, in herrlieber Cnsemblekunst und sein getöntem Orchesterkolorit wurde Mozart in einer'Weise lebendig, wie mir es nicht oft erleben. 'Das Publikum dankte, durch stürmischen Applaus und viele Hervor- mfc. A. W. Winterb eihilfe für Erwerbslose und Sozialrentner mit den Stimmen der A irt r a g st e l l e r. der KPD. und des Jung- deutschen gegen die Nationalsozialisten und Rechtsparteien an- genommen. Die Nationalsozialisten hatten einen Agitä'tionsantrag gestellt, der den Erwerbslosen Lebensmittelböns gewähren sollte. Diese Bons sollten jedoch nicht von Warenhäusern und Konsum- vereinen eingelöst werden. Der Antrag verfiel der Ablehnung mit derselben Mehrheit. Außerdem beschloß der Landtag die Untersuchung der Vorgänge bei der Staatsbank, deren Finonzpräsideist. Dr. Stubben, einem nationalistischen Skandalblott in Helmstedt in Form eines„Inscratenauftrags" den Mund zu stopfxn versucht hotte. Es handelt sich um de» Verkauf der Atlien der Helmstedt«: Glashütte an den böhmischen Konzern Mühljg-Ilnion. Der. deutsch- nationale Minister Dr. Küche nfhal bestritt, daß sich hierbei hohe bräunschweigische Finanzbeomtc bereichert hätten. Dos Nähcrc irküsie die Untersuchung ergebe» Die Sitzung verlief äußerst stürmisch. Wiederholt, griff die Tribüne ein: Die Na�is' die ihre Äeitven vollkommen verloren l, allen, versuchten zu provozieren." izhr Präsident' Zörner. der als Abgeordneter sprach, zog sich ollein zwei Ordnung?- rufe zu. Eine Prügelei wurde durch die Besonnenheit der SPD- Abgeordneten vermieden. OieHaussuchung aufSchloßRoienberg Ein amilicher badischer Verichi. Karlsruhe, 15. Dezencher. Von der Pressestelle des Staatsministeriums wird miigeteilt: Ter Polizei war zur Kenntnis gekommen, daß für Sonntag, den 13. Dezember, nachmittags,'von dem ehemaligen kaiserlichen Ee- sandten, Dr. jur. h. c. v. SR eichen a u auf Burg Rotenberg bei Wiesloch, zu einer„Gefelltgeu Zusammenkunft" eingeladen worden war, die nach dem Wortlaut der Einladung dem Zweck dienen sollte, eine aufklärende Aussprache über die Politik' de- Nationalsozialismus herbeizuführen. Gleichzeitig mit der Einladung wurde ein vervielfältigtes politisches Schreiben des Fürsten Eulenburg-Hertefeld in Liebenau(Mark) versandt, das eine Anwerbung für den Nationalsozialismus in den Kreisen des mitt- leren und Großgrundbesitzes darstellt und welchem eine Niederschrift einer Besprechung des Fürsten Eulenbnrg-5iertefeld mit Adolf Hitler m München bcilog. Den nach Rotenberg Eingeladenen war nahe- gelegt morden, auch Angehörige mitzubringen. Nach weitere» der Polizei gemochten Mitteilungen war anzunehmen, daß die Ziele des Nationalsozialismus auch unter dem Gesichtspunkt ihrer praktischen Durchführung eine Erörterung finden sollten, ganz abgesehen davon. daß der„politische Tee", wie er in einzelnen Zeitungen genannt wird, möglicherweise als unerlaubte politische Per- sammlung angesehen werden mußte. Die politische Polizei schritt deshalb pflichtgemäß zur näheren Feststellung und zur Durchsuchung. Ueber das Ergebnis derselben kann eine Auskunst erst noch Durch- ficht dös vorgefundenen umfangreichen politischen Materials gegeben werden. Das Materiol wurde von den Beamten im Einverständnis mit dem Besitzer zur'Dürchsicht übernommen. Die Haltung der polizeiosfiziere. Zu dem Rundschreiben des„Oillenburger Verbandes". Die Bereinigung der Polizeioffiziere Preußens versendet an ihre Mitglieder Rundschreiben, in denen Verhandlungen und Besprechungen mit leitenden Beamten des preußischen Ministeriums des Innern teils falsch, teils entstellt wiedergegeben werden. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, stellt das preußische Ministerium des Innern fest, daß alle an diese unrichtigen Behäup- ttmgen und Darstellungen geknüpften Folgerungen und Kommentor« der Grundlage entbehren.' Es ist selbstverständlich, daß diese internen Angelegenheiten' des „Dillenburger Verbandes" die Haltung der preußischen-Polizei- offizierc, wie-den Drenstl,«trieb der- gesamten preußischen Polizei in keiner Weise-berühren." Neujahrsrede des Reichspräsidenten. Der Reichspräsident wird einem Wunsche der,.Reichs- regicrung folgend, am Neujahrstage durch Rundfunk eine An- �spräche an das Deutsche Volk holten. Die Ansprache soll vom Palais des Reichspräsidenten übermittelt und auf alle deutschen Sender übertragen wvrdcu.- StsriLStepielliaus MainnuiiirU. ZO Uhr Wallenstetns Lager/ Die Piccolomini plAza HEUTE B und S'» Uhr PREMIERE .PAGANINI' OPERETTE IN 3 AKTEN von FRANZ LEHÄR Achtung! Der Vorverkauf für die Feiertage hat bereits begonnen l J jrien Dien., Miitw., Denn. u. S.nnab. 3- Das großa �ataberraarchen Plim Plant Plinl fraise der Plärre von 75 Pfennig an Deatsdies meaier 8 Uhr Antonios und Cleopatra von Shakespeare Regie; Heim; Hilpert Die Komödie SVi Uhr Jemand von Franz Molnar Regie: Gustaf GrCndgens Nil Albert teeraiaiin Rose-Theater QnSe FmKirtn StnB« lZ! Irl. Viiduel E 7 3422 ö und 9 Uhr Die Keusche Susanne Planetarium —— am Zoo— 5, 7, 9 Uhr Film umROntgsee und Watzmann 3 Uhr nardienfitm metropoi-itieater Täglich»Vi Uhr Hör mh bli 20. Dtumbtr Die Blume von Hawai Preise von 50 PI m Stg. 5 u. S'/t Uhr DieBlDmevooHawai Am 23. Dezember Premiere mit Bich. Tauber Theator desWestene Täglich S Schiedniaper- piono 300,—, andere gebrauchte 150,—. 200.—. Pionohaus Prinzenftrofte neun. zia. Sonntogo ge- öffnet. Äivderouto verkauft Dewart, Wilhelm» Stolze- Straße 39. G Gelegenheit. Bollneftanschluft- ?erät. Marken sabri- at. fabrrtnen, ein-" schließlich 4voligenr Lautsprecher und Röhren statt 1�0.— Mark 65.— Mark. Doroiheenstroße 68, tl rechts. aeaen. über Wintergärten. HeMstMZWrttal! ädttunö! Arbeitslose Eisen- und Revo�verdrchcr Donnerstag, bei» 17. Cezembec mittags 12 Ahr. im Oetbanbshaus Sitzungssaal 2 Aröettslosen'Versarainliniö der Etseo-iLRevolverdrelter. Drehcrlnnea a. RandsdUelfer Tage aordnUng: 1. Dir Auswirkung der Notorrordming. 2. Aussvrachr und Pcrschiedrncs. Shna Mitgärdsbuch k r> n Juintt. Dir Oiiiverwaltong. Es ist neu erschienen: Kinderiand 1932 Ein Jahrbuch für Arbeiterkinder in Stadt und Land. Reich illustriert Farbige Bilder beleben das Buch. Sprudelnde Lebensfreude vom ersten bis zum letzten Blatt Die Kinder haben selbst daran mitgearbeitet Das Kinderland kostet 1.50 RM. Zu haben in allen Vorwärts-Filialen und bei allen Zeitungsausträgern 19 UND 21. DEZEMBER 1931 rifer- WsMßslisi Doppeltos* Ivb RM. wart» mm U»«s SO mg. mm» VoiüsDUiuie Tbeater am Sülowplalz 8 Uhr Die BroDberaogin von 6erolslein Staad Sdiillet- Theater 8 Uhr Dattarich lMMkM-SmMllIlW Tonfilm; Dle�robeFahri m Arnold Kortf, Maria Leuint, Theo Sball, Ulrich Hanoi N Ä. Bühne: Fcrfly üanifmann der Randiaokmeisier mit sola en 14 SoUsiep Von d.Gavotteb.z. Rumba JugerHlliehe Zutritt v/.uhr CASINO-THEATERs»/. m» Lothringer Strahe 37, iifliiiiiiiiniiiifiiiuiieuiiiiiietiiiiHiiiuiiaulinniiainiittiMini Wenn Kinder beiraten and da* grotze Fest• Programm 1 üutschein I-4 Personen: Parkett 50 Pf, Fauieuil f.— Mark. Sessel 1.50 Mark. An allen Feiertagen nachm. ayhr für Erwachsene und Kinder Vaterns Wunder ku r ■ud da* Fe»! Pragramm. Preise: 30 PK. 0�0. 0,78, 1,— Mark. _____ Restaiinmt Berlind §td(U.0per Charlottenburg BismarcksttaBe 34 Mittwoch, d. 30. Dez. Turnus I Anfang 20 Uhr Boheme Ende 22 Uhr Lettin!!-Ttiealei Am 25. Dezember Premiere Morgen Rems uns Rull Orrt! ffeskclm, ist» Hmis Orchcti.Oafo* Ret« 143 686 Gewinn» und 9 Prämien Im Gesamtwerte von RM. SOO OOO HSehstgewinn auf ein Doppel- los Im Werte von RM. so OOO HBchstQewinn auf ein Einzel- los im Warte von RM. SO OOO 2 Hauptgewinne im Werte von Je RM. 20 000 2 Hauptgewinne im Werte von je RM. 15 OOO U.S. w. u. s. w. Theater am Nollendorfplat} Sqic Biuu SilMirg Täglich 8»ii Uhr Sonntag 41/i Uhr Haite zun 25. Male Gasparone H e u t e 4 U h r Kne-lt Rnpinefkts fadrt ins MSütotoj mit 10 Uesen 5 RM. mit 20 Lesen 10 RM. Samtilehe Oewlnne werden eurf Wunectr rnitOO Proaont ausgezahlt. Lose zu haben bei den Kreislaiterinncn