10 Pf. Jh. ssa B 294 48. Jahrgang BERLIN Mittwoch 16. Dezember 1931 ErscheiattSalichaußerGvsutagS. ö�sltith Adtnd�usgadk tu JStxroä'tl' Beiiig»»re<< fär bilde 2tn»8»b(K«ö Bf. eto Wölbe. 3,6fl M. reo Momll Ctoron 95 monatlich für Znikllung in« Hau«) im ooraa« «adibar Poilbe,»,<,Z2 M. einschließlich K Pf. Postjeitanzt- und 72 Pf. Poilbeitellgebühre«. SfuUcuttyaße x/e& v\£iWusd6 it*|(i{eseret«; Sit elnsdailige StoneatriBejeflt 80 W« ReklameieileSM Ermäßigungen nach Taris Postscheckkonto: Lormärli.ä'erlag G- m. i. Sp., Beilin Sir. 37556.- Der Verla, bedäll stch da« Siecht der Stblednung nicht gcnebmer Zlnzcizen not' Siedaktion»nd Srnedilion Beolln SW6». Liudenste» Fetusvrechet- Töndoft 7) 292—997 Hitler will Staatsstreich Er will die Weimarer Verfassung stürzen/ Antwort an Brüning Keine Einberufung des Reichstags Der Reichskanzler hat vor einer Woche eine Kampfansage gegen den Faschismus gerichtet. Er hat mit aller Schärfe die famose Legalitätscheorie der Nationalsozialisten abgewiesen, die darauf hinausläuft, daß sie nach der Er- oderung der Macht auf legalem Wege mit der Verfassung ansangen könnten, was sie wollen. Brüning führte aus: „Wenn der Parciführer der Nationalsozialisten die legalen Wege und Ziele seiner politischen Absichten betont hat, so stehen in grellem Kontrast dazu die heftigen Beteuerungen sich nicht weniger oerantroortlich dünkender Führer, die zum sinnlosen Bruder- Gegen Reparationen! Starke Stimmung im Prüfungsausschuß. Basel, IS. TezeurSer.(Eigenbericht.) Ter Sonberausschust der BIZ. steht vor dem Ab- schluß seiner Arbeiten. Ei« Teil seiner Delegierten dürfte die völlige Abschaffung aller �Reparationen fordern, besonders die Delegierten Englands, Hollands, Schwedens und der Schweiz. kämpf und zu außenpolitischen Torheiten auffordern. Wenn man erklärt, baß man— auf legalem Wege zur Macht gelonunen— die legalen Schranken durchbrechen werde, so ist das keine Legalität. Und sie ist es noch weniger, wenn zu gleicher Zeit im engeren Kreise Rachepläne verfaßt und vorgetragen werden. Dagegen wende ich mich als verantwortlicher Staatsmann auf das schärfste.' Auf diese Rede antwortet heute H i t l e r it» einer Sonder- nummer des„Bölkifcheu Beobachter'. Er solidarisiert sich mit der Goebbels-Bariante der nationalsozialistischen Le- galitätscheorie, also mit jener Theorie, die der Reichskanzler ausdrücklich als illegal beze'chnet hat. In einem Auszuge der Hitlerfchen Antwort, den die Pressestelle der NSDAP, ver- breitet, heißt es: „Zur Frage der Legalität erklärt Hitler, er befind« sich in dieser Frage mit allen seinen Führern und Partei- genossen in voller Uebereinstimmung, ausgenommen jene Elemente, die als bewußte Spitzel und Provokateure in die Partei H mein geschickt würden, für die aber nicht er, sondern„die hohen Austraggeber' verantwortlich zu machen seien. Gewiß habe es in seiner Partei einzelne Führer gegeben, deren Auffaflun- gen er übereinstimmend angeschen habe. Gerade diese Führer Hallen enger« Beziehungen zu amtlichen deutschen Stellen gehabt, als er der offizielle Parteiführer. Solche Männer seien bisher ohne weiteres aus der Partei entfernt worden. Cr habe in Venolg selner �legalen Versicherungen schweren Herzens seinen treuen Anhängern Wafienlostgkeü besolden, aber den Befehl, sich wehrlos adschlachken zu lassen, könne der Reichskanzler nicht oerlangen, und er werde ihn nicht geben. Hitler nimmt dann Bezug auf die Stelle der Rede des Reichs- kanzlers, in der es heißt, der Kanzler lehne es als Staatsmann ab. daß die Nationalsozialisten, legal zur Macht gekommen, die Legalität durchbrechen konnten. Wenn die deutsch? Nation die nalionalsozialistische Bewegung legitimiere, eine andere Verfassung als die heutige niederzulegen und GeseH unseres Lebens werden zu lassen, dann könne es der Reichskanzler nicht verhindern. Die nationalsozialistisch« Bewegung habe den Geist der heutigen Verfassung richtiger erfaßt als das derzeitig herrschende System." Das ist in der Tat alles andere als Legalität! Das „Mandat vom deutschen Volke' ist eine Redensart, aber kein fester staatsrechtlicher Begriff, wie Hitler ihn auffaßt, hat er im November 1823 bewiesen. Was heißt denn: legal zur Macht kommen? Bon der Eroberung der Mehrheit der deutschen Reichstagswähler ist die Partei des Herrn Hitler noch sehr weit entfernt, und sie wird niemals öl Prozent der abgegebenen Wählorftimmen «rreichen. Sie könnte, wenn sie KoalUionsgenossen findet, als Aoalitionspartei in eine Rerchsregierung eintreten. Sollt» Keine Mehrheit im Aeltestenrat.— Die Kommunisten in der Zange Der Aeltestenrat des Reichstags trat heute früh 11 Ilhr zu einer Sitzung zusammen, in der die Anträge der Kommunisten und der Deutsch nationalen aus E'mberufiukg des Reichstags behandelt wurden. Von den Deutschnationalcn wor niemand' erschienen, ein Beweis daiür, wie wenig es den Herren mit ihrem Antrag ernst war. Der Kominunist T orzler begründete den kommunistilchen Antrag. Genosse Dittmann erinnerte Torgfcr daran, daß am 18. Juki l9Zl> aus Antrag der Sozialdemokraten und der Koinmu- nisten die erste Notverordnung von der Regierung Brüning zwar auigcchoben wurde, daß sie damit aber praktisch nicht beseitigt war, weil die Regierung den Reichstag auflöste und sofort eine neue kaum veränderte Zlotverordnung erließ, zu der der nepgewöhlle Reichstag etst nach drei Monaten Stellung nehmen konnte, nachdem sie sich im sozialen und wirtschaftlichen Leben so ausgewirkt hotte, daß man sie nicht mehr einfach aufheben tonnt«, sondern mit Aende- rungen sich begnügen muhte.' Genosie Dittmann betonte, daß dieser Vorgang sich jetzt wiederholen würde, wenn sich nicht eine Mehrheit im Reichstag fände, die bereit s«i, mit der Sozialdemokratie auf dem Boden der Weimarer Verfassung eine Regierung zu bilden, um die Notverordnung im Sinne des Beschlusses der sozialdemokratischen Relchstagssroktion zu gestalten: nur dann tonne die Rotoerordnung durch den Reichstag praktisch beseitigt werden. Auf Dittmanns Frage an Torgler, ob die Kommunisten zu solch einer Regierungsbildung bereit seien, antwortete T o r g l e r, die Frage sei absurd, worauf ihm Ditt- mann erwiderte, mit dieser Antwort habe Torgler anerkannt. daß die Notverordnung durch einen Rei6>stags< beschluß praktisch nicht beseitigt werden könne. und deshalb die Einberufung des Reichstages keinen Zweck Hab«. Die Vertreter des Landvolks, der E h r i st l i ch s o z i a l c n, der Bayerischen Dolkspartei, der S t a a t s p a r t e i. der Wirtschosts Partei und des Zentrums sprachen sick kurz gegen die Einberufung des Reichstages aus. Außer den Konununiften und den Deutschnattanalen waren wir noch die Nationalsozialisten— aber offensichtlich nur mit halbem Herzen— und die Aolksparteiler dafür. Präsident Lobe stellte fest, daß das keine Mehrheit sei und die Einberufung des Reichstages daher nicht in Frage komme. Für die Zell um den 12. Januar winde eine Sitzung des Altestenrats in Zlussicht genommen, weil man bis dahin wohl die Auswirkungen der neuen Notverordnung werde übersehen können. Die Metsenkung Durchführungsbestimmungen— Hausbesitzer müssen die Mieie mitteilen Gestern ist von der Reichsreglerung eine Verordnung zur Durchführung de» Kapitel«,„vl i e l s e n k u n g" der Vierken Rok- Verordnung des Reichspräsidenten vollzogen worden. Es kam der Reichsregierung daraus an, mii größter Beschleunigung eine recht- liche Grundlage, für eine möglichst reibungslose Durchführung der INIctsenkuag zu schassen und die aus diesem Geltet zunächst be- stehende Rechtsunsicherhcit tunlichst zu beseiligen. Sollte diese» Ziel ohne Zeitverlust erreicht werden, so mußte die Durchführungs- Verordnung sich daraus beschränken, diejenigen Fälle zu regein, die in der Praxis die überwiegende Rolle spielen und deren e i n h e i t. liche Regelung für das ganze Reich unbedingt erforderlich erschien. 2 in übrigen ist den Länderregierur.zea in weitem Umfange da. Recht eingeräumt worden, von sich aug die weiterhin erforderlichen Durchführungs- und Ergänzungebest'mmungen zu erlassen und für bestimmte Fälle Auenahmen von der allgemeinen INiet- scnkung zuzulassen. Die Durchführungsverordnung legt allen Vermietern die Pflicht auf, den Mietern unverzüglich den Mietzins mit» zuteilen, der für die mll dem 1. Januar 1332 beginnende Miet- zeit zu zahlen ist. Das gilt für alle Mietocrhältniss« über Wohnungen und Geschäftsräume in Alt- und Neubauten. 3n Altbauten beträgt die Wietsenkong bekanntlich bei Geschäftsräumen und Wohnungen ohne Rücksicht darauf, ob gesetzliche oder vereiubarte Miete gezahlt wird, 10 Proz. der Ariedensmiele. Mictennäßigungen, die der Dermieter im Laufe des Jahres 1931 zugestanden hat, dürfen auf die gesetzlich vorgeschriebene Mietsenkung. angerechnet werden. Nur in den Fällen, in denen die Miete sich deswegen ermäßigt hm, weil die Friedensmiete auf Grund des § 2 des Reichsmietengesetzes neu festgesetzt worden ist, oder in denen der Mieter sich aus die gesetzliche Miete berufen hat, ist die Anrech- mmg ausgeschlossen. Die Neuberechnung der Miete aus dieser Grund- läge wird bei Altbauten im allgemeinen kaum Schwierigkeiten machen. Soweit das doch der Fall sein sollte, entscheidet das Miet- einigungsamt ober eine andere von den Ländern hierfür be- stimmte Stelle. Bei Neubauten, d. h. solchen Bauten, die nach dem 1. Juli 1918 bezugsfertig geworden sind, ist nach den Borschristen der Notverordnung die Miet- senkung individuell vorzunehmen, indem der Betrag, um den der Dermieter durch die Zinsherabsetzung entlastet wird, bei der Miete in Abzug gebracht wird. Be! mehreren Wohnungen des- scZben Grundstücks ist der ersparte Betrag auf die einzelnen Mieter anteilig nach der Höhe des Mietzinses zu verteilen. Bei einem Teil der Neubauten kann die Feststellung der neuen .Miete mll Schwierigkeiten verbunden sein und eine gewisse Zeit erfordern, da beispielsweise eine völlig« Klarheit über die Aus- Wirkung der Zinssenkung erst nach Erscheinen der hierzu ersorder- lichen Durchsühruirgsbestimmungen möglich ist. Das gilt vor allem sie den Versuch untsrnehi�eu, dann gegen die Verfassung zu putschen, so wäre sie des Hochverrats, des Bruchs der Ver- fasiung schuldig, und das Recht auf der Seite der Berleidiger der Derfasiung! Selbst für den unmöglichen Fall, daß die Nationalsozia- listische Partei eine Mehrhell im Reichstag erlangen würde, hülle sie nicht die Möglichkell der Verfassungsänderung ohne Staatsstreich. Der Aenderung von Verfassungsbestimmungen stehen die Vorschriften über die qualifizierte Mehrhell entgegen. Unter diesen Umständen ist die Ankündigung der Absicht. dl« Reich sverfajsung zu stürzen, so illegal wie nur möglich. Sie ist genau so illegal, wie die programmatischen Ankündigungen einer verfassungswidrigen Rcgiemng in Deutschland durch die Kommunisten. Der Reichskanzler wird auf dies Bekenntnis zum Staats- streich gegen die Berfasiung antworten müssen. Es gibt auch- sonst noch Punkte in der Antwort Hitlers, die eine solche Antwort herausfordern, nicht nur die Großmäuligkeit, mit der dieser Mann sich als einzigen Aktivposten Deutschlands be- zeichnet. Aber wir glauben nicht, daß der Reichskanzler sich schweigend nachsagen lassen wird, er habe durch die Notver- ordnungen zur innere« Befriedung den blutigen Terror und .Die rote Mordbestie" befördert! tn den Fällen, in denen die Hypothtf aus ausländisch em Kapital gegeben wurde. Die Verordnung zur Durchführung der Mietsenkung sieht daher vor, daß in solchen Fällen der Vermieter den Mietern eine vor- l ä u s i g e Mitteilung über die im Januar 1932 zu zahlende Miete zukommen lassen muß. Den in der vorläufigen Mitteilung an- gegebenen Betrag müssen die Mieter vorbehaltlich endgültiger Miet- fcstsetzung zahlen. Spätestens bis zum 26. Januar 1932 muh auch bel vteubauten der Vermieter den endgültigen Mietbeschdd erteilen. Die Länder haben Stellen zu bestimmen, die im Streitsalle über die Mietermähigungen bei Neubauten zu entscheiden haben. Eine besondere Vorschrift ist für die gemeinnützige» Bsohnungsunternehmungen getroffen worden. Diesen Unternehmen, die vielsoch einen sehr großen Wohnungsbesitz aus verschiedenen Bauperioden oerwalten, ist die Verpflichtung auferlegt worden, un- beschadet des Grundsatzes einer möglichst allgemeinen Mietsenkmig eine weitgehende Angleichung der Mieten vergleichbarer Wohnungen vorzunehmen. Die Begründung hierfür liegt in dem genossenschaft- lichen Gedanken, mit dem eine Bevorzugung einzelner Wohn- gruppen, z. B. derjenigen, die in Jnslationswohnungen wohnen, auf die Dauer unvereinbar ist. Der Wortlaut der Durchführungsbestimmungen wird im Reichs- geletzblatt ocrösjcntlicht werden. Die Länderregierungen werden von sich aus weitere Bestimmungen erlassen. Nie Stimme der Mieter. Oer Reichsbund deutscher Mieter zur Notverordnung. Der Vorstand des Reichsbundes deutscher Mieter e. V.(Sitz Berlin) hat jetzt zu der Regelung der Wohnungswirtschaft durch die 4. Notverordnung Stellung genommen und in einer Ent- schließung zum Ausdruck gebracht, daß die vorgenommene Miets- senkung als Beginn einer Zurückführung der überhöhten Mieten auf den Stand der Vorkriegsmieten zu begrüßen sei. Es müßten aber ungesäumt weitere Maßnahmen durchgeführt werden, um das angegebene Endziel der Mietssenkung zu erreichen' vordringlich sei eine weitere Senkung der Neubau- mieten, die besonders stark überhöht seien. Mit lebhaftem Befremden werde aber festgestellt, daß die Reichsregierung dem Streben des Hausbefitzes nach beschleunigtem Abbau der gesamten Mieterschutzgesetzgebung in weitgehendem Maße stattgegeben habe, indem sie den Endtermin für die Geltung des Reichsmieten- und des Mieterschutzgesetzes uni volle drei Jahre, nämlich auf den 1. April 1933, vordatiert habe. Auch die Beseitigung des Schutzes für die Neubaumieter und die Untermieter greife in das Recht der Mieter in erheblichem Maße ein. Der Vorstand des Reichsbundes erhebe gegen die entsprechen- den Bestimmungen stärksten Protest, insbesondere auch gegen die Außerkraftsetzung des Wohnungsmangelgesetzes zum 1. April des Jahres 1933. Ein Sturm der Entrüstung aber gehe durch die Rechen der Mieterschaft infolge der Bestimmungen über den völligen Ab- bau der Hauszins st euer zum alleinigen Nutzen des Haus- besitze». Praktisch werde dem Hausbesitz mit dieser Regelung e i n Kapitalgewinn in Höhe von 40 bi» 60 Milliarden Mark zugeführt, der aus der Enteignung der Hypotheken- gläubiger stamme. Dieses Milliardengeschenk an den durch die Hauszinssteuer schon reichlich genug bedachten Hausbesitz könne und dürfe nicht zur Tatsache werden. An die Reichsregierung und die politischen Parteien werde das dringende Ersuchen gerichtet, die Be- stimmungen alsbald einer entsprechenden Aenderung zu unterziehen. In den Aussührungsbe stimmungen zur 4. Notoer-. ordnung müsse in erster Linie das außerordentliche Kündigungsrecht des Mieters gesichert werden, ebenso das Kontrollrecht der Neubaumieter hinsichtlich der Durch- führung der verordneten Mietssenkung. Giurmszenen in Washington Wer rüstet, soll auch Schulden zahlen Wie sie auf das Reichsrecht pfeifen. Die Durchbrechung des tlniformverbots in Braunschwelg. Der Reichsminister des Innern hat dem braunschweigifchen Ministerpräsidenten am Dienstag telegraphisch um«inen Bericht über die Vorgänge in der Montagssigung des Braunschweigifchen Landtags ersucht. Zu dieser Sitzung erschienen die National- sozialisten in voller Uniform, während der Naziminister Ktagges auf der Regierungsbank saß, ohne der jüngsten Notverordnung des Reichspräsidenten, die ein allgemeines Uniformverbot verfügt, auch nur irgendwie zu entsprechen. Der Vorgang an sich ist durch das Braunschweiger Ministerium bestätigt worden, doch redet man sich darauf hinaus, daß die Uniformen außerhalb des Landtages nicht, oder doch verdeckt ge- tragen wprden seien. Dazu wird uns aus Braunschweig berichtet: Die Behauptung der braunschweigischen Regierung in ihrer Antwort an den Reichsinnenminister Groener, daß die Nazi- abgeordneten außerhalb des Parlaments nicht in Uniform gesehen worden seien, kann durch Zeugenaussagen widerlegt werden. Diese haben gesehen, wie die Abgeordneten über Ihrer Uniform lediglich einen Mantel trugen, jedoch in vollem Hitlerwichs in den Landtag kamen. Der Skandal besteht außerdem noch darin, daß der zur Durchführung der Notverordnung berufene Minister Klagges sich ausfällig mit�seinen uniformierten Partei- sreunden unterhielt und damit noch die Demonstration gegen die Reichsregierung unterstrich. Der Nazi-Landtagsprästdent Zörner verhinderte die Abgabe einer sozialdemokratischen Erklärung, die sich gegen die Durchbrechung des Uniformverbotes im Landtag wandte.. Selbstmord eines Arbeitslosen. Sin Todesopfer des Zusammenbruchs der Hausbesiherbank Der durch die Manipulationen des Direktors Seifferl verursachte Zusammenbruch der verllner Dank für Handel und Grundbesitz, der Bank der rechtspolilisch eingestellten Berliner Hausbesitzer, ha! jetzt «io bedauerliches Opfer gefordert. Zn der vergaugmen Nacht hat sich der 67 Zahre alte Zuschneider Zrauz M i c e k in seiner Vehnung in der Srcisrwalder Straße S mit Gas vergiftet. Als man ihn bewußtlos aujfand, war bereits jede ärztliche Hilfe zu spät. Micük hakte sein v elriebskaptlal als Guthaben bel d e r B a n k liegen und konnte durch die Schalkerschlkßuug nicht an feine Ersparnisse heran, die er dringend wegen seiner Arbeitslosigkeit brauchte. Sprechchor für proletarische Feierstunden. Morgen. Donnorstag. 17. Dezember, 19.30 Uhr, im Gesangssaal der Sophienschule, Wein- meisterstr. 16— 17, Uebungsstund«. Washington. 16. Dezember. Die gestern fälligen Raten der alliierten Schulben an Amerika im Gesamtbetrage von 31 Millionen Dollar als Abzahlung auf die Schuldbeträge und NÄ Millionen Dollar Zinse» sind nicht gezahlt worden. Die Negiernng der Vereinigten Staaten betrachtet indessen die Schuldner deswegen als nicht in Verzug befindlich. Dafür tobte eine um so heftigere Redeschlacht darüber im Bundes- kongreß, besonders im Repräsentantenhaus, wo Abg. MaeFadden. der gegen die Ratifizierung des Hoover- Moratoriums agitierte, sich in maßloser Weise gegen Präsident Hoover und die„prodeutschen Bankiers in New Uork" ausließ. MaeFadden, der seit Zusammentritt des neuen Kongresses als Republikaner und Mitglied der Minderheit nicht mehr Vorsitzender des Bankausschusses ist, diesem aber noch angehört, erklärte leiden- schaftlich, Hoover habe seinen A m t s e i d verletzt, als er mit fremden Regierungen ein Moratorium vereinbarte. Die Schulden- abkommen mit den Alliierten säen nicht internationale Verträge, sowest Amerika in Frage komme, sondern Finanzgesetze Amerikas, und die könne Hoover nicht antasten. Wenn nicht die dentschen internastonalen Bankiers In New park, näml'ch Kuhn, Ooeb u. Eo., Sesigman und Paul Warburg. schon lange die Streichung der alliierten Schulden im drut'chen tznlercsse geplant hätten, so wäre Hoover nie zum Präsidenten gewählt worden. MacFaddens Fraktionskollege Chieperfield wies diese un- erhörten Beschuldizunpen zurück und ließ die Bemerkung fallen MaeFadden sollte der Nachwelt als abschreckendes Beispiel vorgehalten werden, wie tief ein Abgeordneter sinken könne. Im Finanzaurschuß, der zur Zeit den Moratoriumsgesetz. entwurs berät, erklärte Unterschatzamtssekretär Mills, es wäre ein«..ewig« Schande" für Amerika, wenn der Kongreß das Moratorium ablehnte, da im Juni 270 Parlamentarier, darunter mehr als zweit Drittel Senatoren, Hoooer ihre Zustimmung zu seinen Alanen erklärt hätten. Heute wird Staatssekretär St im- son im Ausschuß gehört werden und morgen wird die Vorlag« an das Plenum gehen. Nach Ansicht der Fraktioneführer ist das Moratorium deswegen in eine so feindliche Atmosphäre geraten, weil es in der Sonderboischafl de--, Präsidenten m'l der Frage einer weiteren Reduzierung oder Berwgerung der alli- ierlen Zahlungen verknüpft ist. Die Mehrheit des Kongresses und der öffentlichen Meinung habe volle Sympathie mit Deutschland, deshalb sehe man nicht«in, warum man auf Kosten der amerikanischen Steuerzahl-r den Alliierten helfen solle, die so gewaltige Summen für Rüstungen ausgäben.„Walhington Post" veröffentlicht hier- über eine Zusammenstellung des Kriegsamts. Danach hätten 1030 für Rüstungen ausgegeben: Großbritannien 608, Frank- reich 647. 3 lallen 322, polen 123, Rumänien 67, Zvzoslaw'en 47, Tschechoslowakei 41, Belgien 23 Millionen Dollar. Dieser Summe von 1779 Millionen Dollar ständen die diesjährigen Schuldbeträge dieser Staaten an Amerika mit insgesamt nur 24Z Millionen Dollar gegenüber. Man gäbe 1779 Millio- nen Dollar für Kriegsrüstung aus und wolle 243 Millionen Dollar Schulden nicht bezahlen. Frankreich, das 22 Prozent seines Gesftmtbudgets für Kriegsrüstung ausgebe, bring« sich mit sich'elbst in Widerspruch, wenn es seinen Premierminister nach Washington sende in der Absicht, die Kosten des europäischen Kriege; den ame- rikanischen Steuerzahlern aufzuhalsen. Im Senat wartet man die Erledigung des Moratoriums durch das Repräsentantenhaus ab. bevor man die Ausfchuß'.erotung beginnt. Trotzdem wurde auch im Senat heute von Reed und anderen eine Streichung der alliierten Schulden schroff abgelehnt. ilTVV Banken seit Lahresbeg'nn geschlossen. London, lg. Dezember. Am Dienstag haben zehn weitere amerikanisclzs Banken ihre Schalter geschlossen. Durch die Zahlungseinstellung der Federal National Bank in Boston, die a:rf außergewöhnlich starke Ab- hebunren in den letzten Tagen zurückzuführen ist, sind neun weitere dem Verband angrschlossene Bankinstitute im Staate Massachusetts betroffen worden. Seit Anfang des Jahres haben 1200 Banken in Amerika ihre Schlüter schließen müssen. philade phia zab»t n'chi. New Jork, 16. Dezember. Die Stadt Philadelphia ist zahlungsunfähig und außerstande. ihre 25 000 Beamten und Angestellten zu entlohnen;«wen Kredit von 1,7 Millionen Dollar für Löhne haben die Banken a b- gelehnt. Deutschland: Iammelvott und be�oronismegend. New IJotf, 16. Dezember. Der bekannte Bankier James Speyer ist von seiner Reise nach Deutschland zurückgekehrt und gab ein trübes Bild der Ber- Hältnisse in Europa, besonders in Deutschland, dessen Lag« er jammervoll und besorgniser regend nannte. Rettung sei nur möglich, wenn alle Nationen einsähen, daß die Welt weniger unter den Folgen des Krieges als der kurzsichtigen und grausamen Friedensverträge leide. Vor der preußischen Rotverordnung. Veröffentlichung in der nächsten Woche. Die preußische Staatsregierung hat sich m der Nacht vom Montag zu Dienstag bis 4 Uhr morgens mst Spar- mahnahmen befaßt, die frühestens w der nächsten Woche auf dem Wege der Notoerordnung verwirklicht werden sollen. Die Beratungen des Kabinetts über den Inhalt der Verordnung sind abgeschlossen. Die Ausarbeitung der einzelnen Maßnahmen wurde den Ressorts übertragen. Die neue preußische Notverordnung sieht vor allem entsprechend der letzten Notoerordnung der Reichsregierung eine Kürzung der Gehälter usw. vor. Außerdem sind zohlreiche Maß- nahmen zur Herabsetzung der Verwaltungsausgaben in Aussicht genommen. Unter anderem werden 40 Oberförster ab- gebaut. Geschlossen werden sämtliche Staats- t h e a t e r bis auf das Opernhaus und das Schauspielhaus in Berlin, sämtliche pädagogischen Akademien bis auf sechs. Außerdem werden 30 bis 40 kleine Amtsgerichte zusammengelegt. Die an- sanglich geplante Herabsetzung der Astersgrenze der Beamten von 65 auf 62 Jahre ist fallen gelassen worden. Auch die gemeldete Austeilung zahlreicher Landkreise hat das Kabinett nicht beschlossen. Zunächst soll der preußische Innenminister prüfen, welche Kreise ohne wirtschaftliche Gefahren aufgelöst und mst anderen Land- kreisen verschmolzen werden können. Die Schlachtsteuer hat bis jetzt ebenfalls noch nicht die Zustimmung des Kabwetts gefunden. Vielmehr wurde der Finanzminister beaustragt, darüber zunächst noch bestimmte Erwägungen anzustellen. I Wie schrieb unlängst die„Rote Fahne"?„Unser Haupt- f e i n d ist die Sozialdemokratie. Gegen sie gist es, den entscheidenden Schlag zu führen." Arm in Arm mst Hitler und Hugenberg. „Unser Hauptseind ist die Sozialdemokratie.. Stimmt! Knacker bei der Bewag. 400 Mark erbeutet und über die Dächer geflüchtet. Zu der vergangenen Nacht stalteten Einbrecher dem Vüuro der Bewag in der Franksurler Allee 264 einen Besuch ab. Die Täter drangen in die Kassenräume ein und knabberten einen Geldschrank an. Es sielen ihnen jedoch nur 400 Mark in die Hände. Ein starkes Ueberfallkommando rückte an und besetzte die Ein- und Ausgänge, die übrigen drangen in das Gebäude ein. Im Kassenraum war ein Geldschrank angeknabbert, durch ein Hand- großes Loch hatten die Täter ein Bündel Geldscheine, etwa 400 Mark, entwendet. Nach dem Befund sind sie mitten in ihrer „Arbeit" gestört worden und haben die Flucht ergriffen. pfrimer, der Bismarck. Auch er hat feine Emfer Depesche. „Ich gebe ohne weiteres zu, daß ich die Sache mit den Unruhen im Ennstal, die Sache von dem angeblichen Mitgehen des Landes- Hauptmanns und anderer Regierungsmitglieder sowie der Exekutive frei erfunden habe. Ich wäre ein Stümper, wenn ich tn einem für die Rettung des ganzen Volkes eingeleiteten Unternehmen vor einer derartigen Kriegslist zurückscheuen würde. A e h n l i ch hat es auch Bismarck mit der Emser Depesche gemacht." So sprach laut Bericht der heimwehrfreundlichen Grazer „Tagepost" der Heimwehrführer Dr. P f r i m e r vor dem Gericht in Graz. Schwindeln können sie alle! Lauter kleine Bismarcks! Die �Klassensront". Harzburg mit Kommunist'nvertängerung. Meldung der„Deutschen Zeitung": Das von den Kam- mu nisten eingeleitete und von den Deutschnatlonalen und den Nationalsozialisten unterstützte Volksbegehren cmf Auflösung des Sächsischen Landtages ist abgcsch'ossen worden. Es haben sich etwa 20 Proz. der Wähler eingetragen. Meldung des.Lokal-Anzeigers": Beim Volkebeaehren der Deutsch nationalen Volkspartei, der National» s o z i a l i st e n und der Kommunisten zur Auflösung des Sächsischen Landtages zeichneten sich im Wahlkreis Chemnitz- Zwickau 368 758 Personen ein. Der Ruhm der preußischen Kommunisten hat die Sachsen nicht schlafen lassen. Die„Einheitsfront" vom preußischen Bolksbegehren wiederholt sich. Kolgen der Arbeitslosigkeit. Die Auswirkungen auf das Familienleben. lieber„Erwerbslosigkeit und Familienleben" sprach im Pro- gramm der Funtstunde die Reichstagsabgeordnete Marie I u ch a c z. Sie betonte, daß es heute kaum noch Familien gibt, die von den Auswirkungen der Arbeitslosigkeit völlig oerschont geblieben sind. Die Proletarisierung der Massen hat allerdings schon längst vielfach dahin geführt, daß die Familie nur eine Art Konsum- g e m e i n s ch a f t darstellt. Aber die gegenwärtige Rot trägt die Auflockerung in immer weitere Kreise. Die kulturell hochstehend« Arbeiterfamilie, die vielleicht durch Mitarbeit der Frau die Mittel für ihre geistigen Bedürfnisse oder für die Ausbildung der Kinder erwarb, wird durch die Erwerbslosigkeit des Mannes zu primitiver Dürftigkeit verdammt. Das bedeutet bei längerer Dauer der Arbeitslosigkeit Zerrüttung der Familie und chrer Kultur; der Mann fühlt sich nutzlos, die Frau verliert mit der Zeit die geistige und körperliche Spannkraft, um die Familie zusammenzuhalten. Auch die Familie der Kleingewerbetreibenden wird Iii diesen Zerfall hineingezogen: Handwerk oder Geschäft des Daters bietet keinen Platz mehr für Söhne und Töchter, die sich nach anderem Erwerb umsehen müssen und die dabei früher oder später mit dem Gespenst der Arbeitslosigkeit Bekanntschaft machen. Die heranwachsende Jugend leidet besonders schwer unter diesen Verhältnissen. Sie ist im wettesten Maße von der Arbeitslosigkeit betroffen. Solange Eltern oder Großeltern noch ein dürftiges Einkommen haben, liegen ihnen die erwerbslosen Kinder und Enkel auf der Tasche, da diese bis zum 21. Jahr nur dann Arbeitslosenunterstützung erhalten, wenn ihr notwendiger Unterhast nicht durch rechtliche Verpflichtungen gesichert ist. Die bittere Stellung dieser Jugendlichen, die in der Familie oft mst scheelen Augen angesehen worden, ist aus vielen Notschreien jugend- licher Arbestsloser bekannt. Daß solche Verhältnisse nicht zur Festigung des Familienlebens beitragen tönusn, ist selbstverständ- lich. Alle Maßnahmen für Jugendpflege und Jugend- s Ü r s o r g e bleiben daher unzureichend, solange die wirtschaftliche Lage so tiefgreifend das Familienleben zerrüttet. Die heutigen Hilfsaktionen für Arbeitslose können nur geringe Besserung bringt», wenn sie auch natürlich dringend notwendig sind. Di« Vortragende hob hervor, daß die A r b e i t e r w o h l f a h r t sich nicht nur bemüht, Arbeitslose zu unterstützen, sondern daß sie auch bestrebt ist, ihre brachliegende Arbeitskraft wieder zu aktivieren. Kollaß in die Enge geirieben Wie er bei der ersten Vernehmung das Verbrechen schilderte Auf den Angeklagleu. und Aerleid'.gerbänken herrscht heule l morgen eine recht kleiulaule Stimmung. Die Lrimiaalbeamten sollen vernommen werden und über die Auesagen der Angeklagten von Kollati, Becker und hauschke vor der Polizei bekunden. Damals haben sie aber unter dem ersten Eindruck ihrer Festnahme wenigstens relativ die Wahrheit gesagt. Sie hallen sich die Dinge noch nicht genügend sür den Gerichtegebrauch zurechtgelegt. Als erster tritt vor den Zeugentisch der Kriminal- kommissar Herz. Als im Berliner Polizeipräsidium von der Münchener Polizeidirektion die Mitteilung über Kollatz Lerhaitung eintraf, wurde der Zeug« gemeinsam mit dem Kriminalassist>-nten Weichert von dem Untersuchungsrichter Beckmann nach München be- ordert. Kollatz war froh, von preußischen Beamten vernommen zu werden: der bayerische Dialekt war sür ihn schwer verständlich. Es folgt nun die ausführliche Aussage des Kriminalkommissars über die erste Vernehm ung des Angeklagten Kollatz, deren Inhalt bereits aus der Verhandlung bekannt ist und die sich in wesentlichen Teilen mit dem deckt, was Kollatz jetzt ausgesagt hat. Auch in der ersten Vernehmung hat er die Dinge im großen und ganzen so geschildert, daß der Uebersall von den Schneiderschen Gästen und von Reich: banerleuten ausgegangen sei. Es gab aber auch in der ersten Aussage gewisse Einzelheiten, die besonders her- vorgehoben werden müssen. So hat er z. B. gesagt, daß kurz vor dem Schueiderschen Lokal Decker, hauschke und er untereinander die Rollen verteilt haben. Becker sollte sich in den Schneiderschen Laden hineinbegeben, Decker, erzählte Sollah. hat dann aus unmittelbarer Röhe ans Schneider den Schuß gegen seineu Bauch abgefeuert. Als draußen Gras den Stock ergriss. den der Vater Schneider fallen gelassen hat, und mit diesem aus Schmidt einschlug, schoß hauschke ans Graf: er habe das selbst gesehen, außerdem habe ihm hauschke das später er- zählt, auch die Handbewegung vorgemacht und hiazugesügt, es fei ein komplizierter Kopfschuß gewesen. Vorsitzender: hat der Angeklagte Kollatz seine Aussagen ganz freiwillig gemacht? Zeuge: Ja. vors, zu kollah: was haben Sie uns denn hier erzählt? K o l l a tz: Was ich gesagt habe, halte ich aufrecht. Erst als der Kriminalkommissar mir vorgehalten hat, daß ich sowieso in Kufstein gesagt habe, ich hätte auf Schneider geschossen, während es ja in Wirklichkeit bereits feststehe, daß es Becker gewesen war, da habe ich beschlossen, die Schuld auf Becker zu schieben, da ich diesen ja in Sicherheit wähnte. Kriminalkommissar herz: Das stimmt nicht, erst nach der ver- nehmung habe ich Sollatz diesen Vorhalt gemacht. Vors.: hat Kollatz Ihnen erzählt, daß ihm der Schuß beim Stolpern an der Stufe des Ladens losgegangen sei? Zeuge: Nein. Er hat den ganzen Weg von München bis Berlin immerzu erklärt, überhaupt keine Waffe bei sich gehabt zu Haben- Rechtsanwalt Dr. Triebe!: Herr Zeuge, Sie hatten aber das Protokoll der Vernehmung in Zkufstein bereits gekannt. Zeuge: Es war ja gar kein Vernehmungsprotokoll, bloß ein Bericht,-z Als ich Kollah nach der Vernehmung vorhielt, wieso er in ünfsleiu gesagt habe, er hätte in Notwehr geschossen, da war er erstaunt darüber, daß so was überhaupt drin stand. Ich meinte ihm gegenüber, das wird wohl auf den Tiroler Dialekt zurückzuführen sein, den er nicht verstanden haben mag. Rechts- anwalt Dr. Triebe!: Hat Kollatz die Sache so dargeftettt, daß der Schuh aus Gras unmittelbar dem Schuß auf Schneider gefolgt ist? Zeuge: Ja. Das Jnteryall sollte nicht mehr als einige Sekunden ausgemacht haben. Rechtsanwalt Dr. Triebet: Ich lege auf diese Bekundung ganz besonderen Wert und bitte, es zu Protokoll zu bringen. Beisitzer: Sie sprachen von Rollen- verteilen. Sprach Kollatz von einer Verabredung, das Lokal zu überfallen? Zeuge: Nein. Rechtsanwalt Dr. Joachim als Nebenkläger: Hat Kollatz etwa gesagt, Becker sei in den Laden hineingeschickt worden, um nachzusehen, ob da nicht Kameraden versteckt worden sind? Zeuge: Nein, das hat er nicht gesagt. Rechtsanwalt Dr. Joachim: Haben Sie Kollatz bei der Per- nehmung unter Druck genommen? Zeuge: Durchaus nicht, lasse» Sie das Kollatz selbst bestätigen. K o l l a tz: Ja, ich bin richtig höflich behandelt worden. Erst in Berlin auf dem Polizeipräsidium ist mir gedroht worden. Rechtsanwalt Dr. Joachim bittet, den Zeugen auch über die Flucht zu befragen. Kriminalkommissar Herz schiidert die bereits bekannten Vorgänge, wie Kollatz seine beiden Befehle erhalten hat, Hauschke nach Feldberg zu begleiten, wie er den Brief aus Inns- brück mit der Unterschrift„Gruß und Kuß Dein Julius" bekam und eine Angabe einer genauen Fluchtroute usw. usw. Diese er- neute detaillierte Darstellung der Mörderjluchtzentrale der NSDAP. ruft Kollatz auf den Plan. Er erklärt, ich habe den Krtmlnalkommissar sosork daraus aufmerksam gemachi. daß weder die Partei noch die SA.- Führung sich mit Flucht nnd solchen Sachen überhaupt einläßt. Das Ganze war rein privat. Von den Befehlen habe ich ihm nur erzählt, um einen Grund auf- weifen zu können, weshalb ich überhaupt getürmt bin, obgleich ich nicht geschossen habe. Der Zeuge: Auch das stimmt nicht. In den Akten ist ja die Stell« niedergelegt, er hat alles haarklein erzählt. Er hat auch das Protokoll genehmigt und unterschrieben. Aller- dings hat er nicht mit Bestimmtheit behauptet, sondern nur gesagt, daß nach seiner Ansicht, die SA.-Führung ihn und seinen Käme- laden zur Flucht oerholfen habe. Da Kollatz dies nach wie vor bestreitet, wird dem Zeugen das polizeiliche Protokoll zur Ver- fügung gestellt, damit er die betreffende Stelle heraussuche. Es steht darin wie folgt zu stsen: Hauschke und ich haben 90 Mark erhallen, von wem das Geld stammk, kann ich nichk sagen. Denn das ist Sache der Führer. Wir haben genügend wohlhabende persönlichkeiten in der SA. und in der Partei» die nicht mit Einsah ihrer Person kämpfen können, jedoch ihre Gelder zur Verfügung stellen. Bei solch einer Gelegenheit ist es eine Kleinigkeit, durch eine Sammlung 100 Mark zusammenzubekommen. Das geschieht durch eine Vertrauensperson. Ich möchte hier noch etwas erklären, sagt der Kriminalkom- missar. Ich hatte den Eindruck, daß Kollatz uns die Wahrheit ge- sagt hat. Ich habe in der Zeitung gelesen, daß er hier vor Gericht erklärt hat, auch selbst geschossen zu haben Meiner Ansicht hat er diese Aussage nur gemacht, um eine gewisse Verwirrung in die Sache hineinzubringen. Vors.: Das brauchen Sie uns gar nicht zu sagen, das haben wir schon sehr lange gemerkt. Natürlich gilt das nur für meine Person Ich will dem Urteil in keiner Weise vorgreifen, es wird auch jelbstverständ- lich auf Grund der gesamten Verhandlung gefällt werden. Ich bin ein viel zu erfahrener Richter, um hier etwas zu sagen, was ich nicht verantworten kann. Rechtsanwalt Dr. Joachim will noch wissen, ob ein SA.- Taschenbuch existiere, ob jemand die Adresse des Hauptmanns von Maltitz in Innsbruck herauslesen könne. Rechtsanwalt Dr. Trie- b e l erklärt, es gebe kein SA.-Taschenbuch, sondern ein Jahrbuch der NSDAP., im übrigen sei die Adresse des Jnnsbrucker CA.- Führers in nicht weniger als 20 verschiedenen Nummern des„Völ- kijchen Beobachters" abgedruckt gewesen. «Oos! tan t litte." Siaatsoper. Gleich zu Anfang, wenn nach der wunderbar getönten Ouver- Lire der Vorhang auffliegt und das Terzett der verliebten und ver- lobten Jünglinge mit Alfonso, dem misanthropischen und zweifelsüchtigen Hagestolz, in seltener Prägnanz herrlicher Beschwingthert und Geschlossenheit der musikalischen Diktion einsetzt, wird man von dem großen Atem dieser Aufführung gepackt. Man wird in all den Erwartungen, die sich an den glücklichen Beginn knüpfen, bis zum Ende nicht getäuscht, man hört nicht aus, sich zu freuen, so lange Otto Klemperer die Hand über das Orchester hält: denn der ist ein Mozari-Kapellmeister von Gottes Gnaden. Unzählige funkelnde, feinziselierte Einzelheiten verschmelzen zu einem Gesamt- eindruck musikalischer Vollkommenheit, das unnachahmlich diskrete Orchester steht in schönem Verhältnis zu den klingenden Stimmen, die Ensemblesätze sind mit einer Meisterschaft der Differenzierung und Charakterisierung behandelt, die ihresgleichen sucht, die musikalischen Formen endlich sind aufs deutlichste ausgearbeitet und doch wieder musikantisch überspielt. Aus all der Heiterkeit, Helligkeit und tänzerischen Grazie der Musik entsteht jener feinste geistige Rausch, den nur Mozart und nur dann vermittelt, wenn er, wie gestern, mozartisch erklingt. Die Sänger waren alle vorzüglich. Käte Heidersbach und Elfriede Marherr als wankelmütige Schwestern, R o s- w a e n g e und Domgraf-Faßbender als liebe- und räche- Heimwehr vor Gericht dichter:„Tton erzählen Sie uns mal, wie das damals mit dem putsch war." Angeklagter:.putsch?— putsch?- hat denn bier jemand'putscht?- glühende Kavaliere, Lotte Schön« als kupplerssches Kammer» kätzchen nnd Eugen Fuchs als„Philosoph" Alfonso— sie boten mehr als das übliche Nebeneinander durchschnittlicher und guter Einzelleistungen. Das war ein wunderschönes Zusammensingen im Musikalischen, ein erstaunliches Zusammenspielen im Szenischen, das war im ganzen sine prachtvolle Einheit von Musik und De- wegung. Sie ist G u st cuz Gründgens zu danken, der— mit Theo Otto, der für me Gesamtausstattung verantwortlich war — die Neuinszenierung besorgte. Stilsicher entworfene Bilder waren ein prächtiger Hintergrund für das Spiel, das so individuell und so typisch, so charakteristisch und so maskenhaft ist, als Da Ponte, als die Opera dulka es erlaubt und verlangt. Da ist ein Auseinandergehen und sich Wiederfinden, ein Gruppenbilden in immer anderen Formen, immer neuen Kombinationen und Da- riationen. ein Ausspielen des Bühnenranms, eine Freude an dra- malischer Bewegung wi: an farbig und plastisch köstlich abgestimmten stehenden Szenen, das ist eine Opernregie, die ihren Meister lobt. Für Sängerinnen und Sänger, für Klemperer und Gründgens ist es eigenllich das höchste Lob, daß man sie in der Vereinzelung gar nicht bemerkt: so sehr wird das Wert lebendig. Ein Werk, über das viel Dummes und Moralisches gesagt und geschrieben wurde: unwahrscheinliches Maskenspiel, unwirklich aber weise, un- psychologisch und doch wahr, ein« zuckersüße Komödie nicht ohne bitteren Kern, oberflächlich und voll tiefen Sinns zugleich, echtestes Rokoko und zeitlos wie alles Allzumenschliche: jedenfalls aber durch eine Musik geadelt, die wie alles Göttliche auf leichten Füßen geht und in überreicher Fülle hat, wonach sich alle Menschen sehnen: Schönheit Noch einmal: hier wird, wie selten ist dies, Mozart ganz leben- dig: allen, die ihn lieben— und wer liebte ihn nicht— wird diese Ausführung viel Freude bringen. A.W. Karlheinz vtarkln, der Leiter der Volksbühne, wurde gestern am Bahnhof Alexanderplotz von einem Auto angefahren. Er mußte in seine Wohnung gebracht werden. Außer Schürfwunixm am Kopfe wurde«ine Gehirnerschütterung festgestellt. Er wird vor der Hand das Bett hüten müssen. Der Kampf um den Glaspalast. Entgegen den nachdrücklichen Einwendungen der Künsllerschaft soll bei dem Wiederaufbau des Glaspalastes nunmehr endgültig von der Ausschreibung eines Weit- bewerbs abgesehen werden. Die Künstlerschaft hatte deshalb für Donnerstag eine Protestversammlnng einbetufen, die aber von der Pplizeidirektion unter Hinweis auf die Notperordnung verboten wurde. In einer von 21 Künstleroereinigungen unterschriebenen Entschließung legt die K ü n st l e r s ch a f t Münchens und ganz Bayern schärfste erwahrung ein gegen die vom bayerischen Kultusministerium angewandte Methode. Di« Künstlerschaft verlangt. daß die Pläne zu dem neuen Gebäude von dem Ergebnis eines Wettbewerbes unter den bayerischen Künstlern abhängig ge- macht werde. GorNs»Htulkec* als Drama. Der bekannte Roman Maxim Gorkis„Die Mutter", der zuerst im„Borwärt-- erschien nnd später auch verfilmt wurde, ist jetzt von Günter Weisenborn und Bert Brecht dramatisiert worden. Das Stück, das von dem Leipziger Komödienhaus zur llraufführunz angenommen war, wird wahr» scheinlich tm Wallner-Therater herauskommen. Im Grohn« SchauspielhavS kwden am 25., W vvd 57. Dezember Rach- «nttaasao sführuuaen boit»Hosfmanns Erzählungen" in der Sietnharbt.Jnszentertmg statt. Beginn S Uhr. Bollstümliche Preise. Di« Tiug-Akademi« bringt unter Leitung von Brefessor Georg Tchu- man« Sonntag, 20. Dezember, und Dienstag. 22. Dezember, Bachs K eihnachtSaratortum m der Philharmonie zur Ausführung. „Vikioria und ihr Husar." primus-palast. Sogar Michael Bohnen wird bemüht. Cr spielt und singt| mit pathosloser Würde den amerikanischen Konsul, der großmütig seine Frau aufgibt, als der im Kriege totgesagte Rittmeister Kollay wieder auf der Bildfläche erscheint. Aber auch Bohnen kann nicht über die angekitscht« Romantik des Librettos hinwegtäuschen, und auch die kultivierte und einsallsreiche Musik Paul Abrahams, die bei der Bühnenoperette den Erfolg errang, wird im Film gegenüber der Handlung zurückgestellt. Was aus der Bühne durch die Gedrängtheit der Szenenführung noch erträglich ist, zeigt hier im Film seine Fadenscheinigkeit. Einen Teil der Schuld trägt der Regisseur Richard Oswald, der die Filmszene wie ein Bühnenbild behandelt. Die Buffoduette wirken meistens zapplig und zerfahren, da sie unter einem Uebec- maß an Bewegung leiden. Andererseits benimmt sich das seriöse Liebespaar zu steif. Friede! Schuster, deren Stimme übrigens sehr gut herauskommt, kann noch nicht tragende Rollen spielen. Es fehlt den Bewegungen an Gelösthett und dem Gesicht an Aus- druck. Und auch Petrovich begnügt sich mit beherrschter Haltung. Grell Thetmer, Else Elster, Berebes und Stettner können singen. Die oft überladene Dekoration wirkt zu bühnenmäßig und ist als Hintergrund des Geschehens zu zerrissen. F. Seh. Empirische Pädagogik. Die Erziehungswissenschaft beschäftigt sich fast nur mit der Frage, wie erzogen werden soll. Di« Untersuchung der Frage, wie tatsächlich erzogen wird, bleibt vernachlässtgt. In der..Ge» sellschaft sür empirische Philosophie" begründete Ministerialrat Paul Ziertmann in einem Porttag über empirische Pädagogik demgegenüber die Forderung nach einer schlichten Tatsachenforschung auf dem Gebiete der Erziehung. Die empitisch« Pädagogik will das pädagogische Verhalten in sein» Tatjächlichkest erforschen. Welche Motive veranlassen das pädagogische Verhatten? Ziert- mann entwickelte einig« aufschlußreiche Gesichtspunkte zur Lösung dieser Frage. Ein nachweisbares Mölln der Erziehung ist die Sorge der Erwachsenen um ihr« Altersversicherung. Der durch sein Alter nicht mehr voll arbettsfähtge Mensche bedeutet sür das Nomaden- und Jägervolk eine Belastung. In primitiven Per- Hältnissen ent'edigt sich die Gruppe der allen Leute. Die Erwachse- neu haben also ein ursprüngliches Interesse daran, sich für die Zeit des Alterns zu sichern. Ein wesentliches Mittel dazu ist die Beein- flussung der Jugend, also die Erziehung. Dasselbe gilt für die bäuerlichen Verhältnisse, wo die Erziehung nicht nur aus Fleiß und Geschicklichkeit auegeht, sondern auch Gewöhnung der jungen Gene- ratton an Ehrfurcht und Hilfsbereitschaft erstreit. Das Motiv der > Altersversicherung bestimmt also auch den Jnhall der Pädagogik. Auf der anderen Seite gibt es Völker, bei denen das Motiv der Alterssicherung übersteigert ist. So bestehen bei manchen Austral- uegern strenge Speiscverbote für jüngere Menschen, und die alteit Männer hatten auch die jungen Frauen. Bei diesen Australnegern beobachtete man ein höchst entwickelles Erziehungssystem. Ein welleves Motiv der Erziehung sieht Ziertmann in der Neigung des Erwachsenen, durch die Jugend das zu verwirklichen, was er selbst für wertvoll hält. Wie der Einzeln«, verhält sich auch die Gruppe. Die Werte, die in der Gruppe herrschen, werden zum Anlaß sür pädagogische Bemichungen. Die Erziehung ist ein Mittel im Machtkamps der Gruppe, die üblichen pädagogischen Theorien sind keine wissenschafllichcn Aussagen, sondern Kampf- mittel und Missionsinsttumente. W. Das AO.Geburtsiagsfest desVundsunks Marconi, der Schöpfer des Rundfunks, feierte dieser Tage den 30. Geburtstag dieser Erfindung, indem er von London aus den Buchstaben„S" nach Amerika sandte. Ueber die Geburtsstunde erzählte Marconi:„Natürlich gehen meine Gedanken jetzt zu dem Apgenblick vor 30 Jahren zurück, als ich in einem bitterkallsn Raum auf dem Gipfel eines Hügels in Neufundland stand und gespannt lauschte, ob ich den einfachen Buchstaben„S" hören könnte, der aus England übermittelt werden sollte. Seit meinen frühesten Versuchen war ich davon überzeugt, daß Radioflgnale eines Tages über große Entfernungen aus der Erde gesandt werden würden, und mein erstes Problem war, zu beweisen, daß eine elekttische Welle über den Atlantischen Ozean geschickt und auf der anderen Selle gehört werden könnte. Am 20. November 1Ü01 segelte ich. von meinen beiden technischen Assistenten begleitet, von Liverpool ab, um herauszu- bekommen, ob meine Radiosignals, die in einer Folge des Buch- stabens ,.S" bestehen sollten und von einer zu Poldhu in England errichteten Nation gesandt werden sollten, in Neufundland oernehnt- bar seien. Wir«reichten St. Johns auf Neufundland am S. De- zembor und«richteten ein« Empfangsstation auf dem Stgnalhügol. Am 12. Dezember hörte ich, ttotz der furchtbaren Stürme, die rasten, ein dreimaliges schwaches Knacken, dem ausgemachten Signal ent- sprechend, deutlich in dem Hörer, den ich an mein Ohr hielt. Das tounle nur bedeuten, daß die von Poldhu cmsgesandtsn elektrischen Wellen, ungehemmt von der Erdkrümmung, die 2700 Kilometer über den Atlantischen Ozean zurückgelegt hatten, genau wie ich stets geglaubt hatte." Rundfunk am Abend. Mittwoch, 16. Dercmbcr. Berlin. 16.1.5 AitueTIe Äbteiluns. 16.50 Trio-V�relnleuosr: Melnhardt-Petschnfkuif-Uebeniunn. Techaikoxrsky; Trio A-Moll. op. 51. 17.13 UnicrhaKijnesinusik. 15.55 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 15.00 Stimme mm Tag. 19.10 Moderne Weihnachtscltöre. 15.20 Bücbei stunde. Zeitromane. Am Mikrophon; Georg Schscarr. 19.30 Alt-Berliner Tanz-Abend. 21.00 Tages» und Sportnachrichten. 21.10 Moriz Rosenthal spielt 1. Renlcck: Ouvertüre zu..Donna Diana". 2. Llszl: Klavierkonzert Nr. 1. Es-Dur. 3. Liszt; Mazeppa. sinfonische Dichtung 4. Moriz Rosenfbal: a) Terzenstudie: b) CarnevaU 22.30 Das Ende des britischen Freihandels, Unterbausdebatte. Bearbeitet von Actualis, Frankfurt a. M. 23.10 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Abendnnterhaltung. KSnlgsvnsterhansen. IF.OO Gespräch über einen deutsch-englischen Versuch zwischen Stui-Rat Rudolf Salewsky und Dr. Arnold Littmann. 11.30 Hamburg; Konzert. 17.30 Advents- und Weihnachtslieder(Eva Jekelias-Ußmann. Qerhart JekeMus). 1500 Prof. Dr. Augnst Müllert Die sozial theoretische Wirkung der Wirtschaftskrise. 15.30 Prof. Dr. Q Bierwann: Die äffen Meister und wir. Wir erweitern unsere Warenversorgung durch Errichtung einer Lebensmlttel-Abgabe- stelle und einer Fleisch• Abgabestelle in Kaulsdorf- Süd Köpenicker Str. 13, Eckedlmenstrafie Eröifnungt Donners. a ,, 17. Dezember 1931 Die Abgaba der Waren er.olgt nur an Mitglieder; Aufnahmegebühr: 50 Pfennig— Aufnahmen werden in sämtlichen Abgabestellen vorzogen. Konsum- Genossenschaf« BerZin und Umgegend e. Q. m. b. H. IS.53 Wetter für die Landwlrfschafi 19J)0 Mln.-Rat Dr. feßler. Wirtschaft und Beamte. 21.00 Tages- und Sportnachrichten, 31.15 Prof. Dr. Dcssoir: Goethe der Psychologe. 22.00 Rluscher: Zeftungsschau Wetter für Berlin. Trocken und zeitweise abslauende nördliche Winde. Nachls Frost, Taaestemperaturen nahe bei Null.— Für Deulschlond. 3 in gröhten Teil des Reiches beständiges und vielfai heiteres Wetter, auch im Nordosten Beruhigung. Allgemein na etwas sinkende Temperaturen. 11. Srels. Die Zusammenkunst alter erwerbslosen Genosfinne» Und Genossen findet nicht, wie irrtümlich angegeben, um 14 Uhr, sondern erst um 16 Uhr statt. 54. Abt. Der für heute angesetzte Frauenabend fällt zugunsten der Kreismttgliederverjammlung aus. Bezaitttopzil. für M« fRchclfinn: ziuh. Secnficin. Berlin.: injeigtu; Th. tSIod«. Berlin. Bertig: Bortnarts Verlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Borwäris Buih. drttckerei und Äerlagsanstall Paul Singer& Ca.. Verltn EW 05, Linhenstr. 3. Hier»» 1 Beilage. ikasls rnesker MlUwoch, den 16. Dezember staatsoper unter tan Lindsn 20 Uhr Die Hscht des Schicksals StiitLSdniniileta OeadamitBnirii. 10 Uhr Woilenslelns Lager> Die Pictoioniinl Slam. Oper Ctiirlotienburg flismarckstraße 34 Mittwoch, d.20. Dez. Turnus I Anfang i0 Uhr Boheme Ende 2? uht VoiKsutthne Tlintir am Bälafplati S Uhr Die GroBherzogin von Geroisiein »utl Sdiillü-ibcater « Uhr Daiterich Schiller-Theater CiurltMgr:. 20 Uhr Daiterich ni6iropo;-Ttteater Täglich 8". Uhr Sir codi di> 20. OmnlKt Die Blume von Hawai Pniu von SO Pf. an Stg 5 u. Wi Uhr Ii Am 23. Dezember a�remlere mit Rieb. Tauber Theater desWestens Täglich 8>. Uhr lliul an dan drei WiihDiiits- t igVi oadiraittaa! und abeods Karljö. en In Der Vogelbändler Preisol Flitze v, 50 PJ. an mfiWiiii AM HALLESCHEN TOR Ab morgen Aucclnll U-s vor. der groQe IfywdlUII zUglichen LBwen- Bochttiep Diu große molle Buch 30 Pfennig Die Sestsiatte oup Buten Küclie TÄGLICH: Fidele Bodcbf erslimmung bei(cstiidier Bekoralionllf Adolf Boese Uhrmachep und Juwelier NV40. Att-moabit III, Tel. Moabit 9272 Reldthaliiges Lager In Uhren. Juwelen, Gold-, Silberwaren und bestecke. Preiswerte Gesdtenkartlkel für(ede Gell legenheit. 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Dezember 1931 Bpr-fiapnÖ SpMaiUjjaße Ja, IburärA ean Jaures Sine@OrirätfkiSl£e/ Don Mermann Wendel Im Crnst.Aowohlt-Bcrlag ist soeben unter dem Titel„Fron- zösische Menschen" eine Sammlung Portrötskizzeu sranzo- sischcr Männer und Frauen von Hermann Wendel erschienen. Wir entnehmen der 32 Gestalten umsassenden Galerie, die, wie der Autor e? ausdrückt,„einzig der Freude an künstlerischer Gestaltung und an der Buntheit und Bewegtheit dieser Schicksale" entsprang, eine Studie über Jean Jaurvs. Nichts fügt sich so zwanglos unserer Vorstellungswelt ein wie die Annahme, daß Jean Iaures noch, ein rüstiger Siebziger, unter uns wandelte. Haar und Bart wären weiß, aber sein Auge leben- diger, sein Lächeln menschlicher denn je. Vielleicht säße er. der aktiven Politik abgekehrt, in A l b> und schriebe an den Werken, die er für seinen Lebensabend aufgespart hatte, über den Aufbau der sozialistischen Gesellschaft, über Jeanne d Arc, über Dante und anderes. Denn dieser reichste Geist trug ein Arbeitsprogramm nicht für Tage und Wochen, sondern für Jahre und Lahrzehnte in sich, als stumpfsinnige Gewalt ihn jäh auslöschte Wahrhaftig, nie war ein Politiker, der sich im parlamen- tarischen Betrieb behauptete wie nur einer, so sehr das Gegenteil eines platten Routiniers, dem die Wände des Fraktionszimmers die Welt begrenzen. In einem Brief schildert der einundzwanzigjährige Innres einmal die Fruchtbarkeit seiner Heimat: Die Scheuern berstend von Getreide, das Land von Kartoffeln über- flutet, Pfirsich- und Pflaumenbäume brechend unter der Last der Früchte, die Rebenhügel—„Wein und Heiterkeit wird man in vollen Zügen in unserem schönen Süden trinken!" So verschwende- risch hatte die Natur auch den treuen Sohn dieser Landschaft aus- gestattet. Schon darin erwies sich der überzeugte Internationale ganz als Franzose, daß ihm die klassische Bildung lebendiger Teil seines Wesens war. In den Wandelgängen der Kammer ragte aus der Tasche seines zerknitterten Jacketts ein Bändchen L u k r e z, und wie der Sproß unverbrauchter Bauern- und Kleinbürger- geschlechter mit jener Naimtät, die nur großen Künstlern und kleinen Kindern eignet, das Leben, die Natur, die Literatur Tag für Tag neu erlebte, so entdeckte er an Homer immer wieder neue Sd)ön» Helten. Wer die Neigung zur Antike hinderte ihn nicht. Deutsch zu oerstehen und sich in Goethe zu verttefen oder Englisch zu lernen und an Shakespeare heranzugehen, und als der längst Berühmte nach Südamerika fuhr, machte er sich mit Spanisch und Portugiesisch so vertraut, daß er auf dem Schiff C e r» v a n t e s und Eamoens in der Ursprache las. Der sich in jungen Jahren einmal„egoistische Faulheit" vorwarf und allezeit «in bsgnadeter Schläfer war, gewann es über sich, wenn er nach anstrengender. Kammersitzung seinen täglichen Leitartikel zu Papier gebracht hatte, spät abends noch anderchalb bis zwei Stunden zu lesen, und zwar alles, wovon er irgend innere Bereicherung er- wartete: Philosophie, Geschichte. Biographien, Briefwechsel, Cr» innerungen, Romane. Dramen. Gedichte, pädagogische Werke— i» selitem HirN war Raum für'die LohNstatistik der Bergarbeiter wie {ü| den Glanz eines ReMbrandtschen Gemäldes, und Sozialismus hieß ihm Brot für alle, aber im gleichen Dlemzug Schönheit für alle. Wie Jaures zum Sozialismus kam und wie er den Sozialts- nnts auffaßte, verriet nicht minder den Franzosen. Er verkannte nicht etwa die Linie, die von Hegel zu Marx führte, und lehnt« es nicht ob. feine sozialistische Aktivität philosophisch zu untermauern. Ganz im Gegenteil! Seine lateinische Doktorarbeit behandelte, Kant. Fichte, Schelling. Hegel zergliedernd, die U r- spränge des deutschen Sozialismus, und philo- sophisch setzte er sich mit den ewigen Dingen au-einander, ehe er politisch die zeitlichen anpackte. Aber zum Sozialismus gelangte er über den Republikanismus. Ms der ZCfühnge Privatdozent an der Unwersüät Toulouse, zum erstenmal in die Kanuner gewählt, sich zum linken Zentrum hielt, nährte er die Vorstellung, daß jeder Republikaner, der den republika- nischen Gedanken zu Ende denke, S o z i a l i st werden müsse. Aber auch � als er diesen Irrtum eingesehen hatte und der marxistischen Weihen teilhaftig geworden war. grifs er gern auf die französische Ueberlieferung, vor allem auf die Große Revolution zurück, um die Forderungen des Sozialismus sinnfällig zu machen. Be- rufen, sich als Geschichtsschreiber der Jahre 1789 bis 1795 zu be- währen, erstrebt er von Anfang an eine Versöhnung des historischen Materialismus und des historischen Idealismus: die materialistische Aussassung der Geschichte hinderte ihn nicht an ihrer idealistischen Ausdeutung. Ebenso ver- schwisterten sich bei chm Individualismus und S o- zialismus. Wie er in der zukünftigen Gesellschaft eine „Synthese vom Individualismus eines Proudhon und Kommunis- mus eines Marx" sah, so war ihm das Individuum dos Maß aller Dinge, der Sozialismus die höchste Bestätigung des individuellen Rechts und der höchste Ausdruck des revolutionären Individualismus. War Jaurbs also Resormist? Er wandte sich gegen Bernstein, als dessen„Revisionirmus" chm die Basis der marxistischen Lehre zu erschüttern schien. War Jaurcs also R a- d i k a l e r? Er verfocht den Eintritt von Sozialisten in die Re- gicrung, als er nur darin die Rettung der bedrohten Republik erblickte Mögen Etiketten wie Reformist und Radikaler für die Kleinen zutreffen, so spotten die Großen solcher Schablonen. Für Iattres jedenfalls war jenseits der Schlagworte mit einem der Kirchensprache entlehnten Ausdruck das Wesentliche, immer„im Zustand der sozialistischen Gnade" zu leben, das hieß: jeden Augen- blick am Ausstieg des Sozialismus zu arbeiten und den ganzen Auswand, die ganze Tätigkeit, die ganze Kraft des Denkens und Lebens darauf zu erstrecken. In diesem Rahmen hatte der geborene Führer großer Bewegungen ein ganz unstarres System, das cho über die Losung fanatischer Doktrinäre: Alles oder nichts! nachsichtig lächeln ließ. Jaures war nicht gegen die Revolution: er meinte wohl, daß sich die Machtergreifung des Proletariats unter ähnlichen revolutionären Zuckungen vollziehen werde wie ehedem die der Bourgeoisie. Noch weniger war er gegen die Reformen. Züe ihm nicht nur Linderung des Gegenwartselends bedeuteten, sondern auch Stufen zum Zukunstsbau aus dem Fels brachen. Bor allem aber hieß sein Mittel Demokratie. Ob Revolution, ob Reform— die Mehrheit, die Mehrheit mußte hinter sich haben. wer die Fahne de« Sozialismus auf eroberter Zinne auspflanzen izx-ckste. So war dieser manchmal verzückt« Schwärmer doch nie ein Utopist, der mit der Stange im Nebel herumfuhr, sondern ein Realist, der sich nicht scheute, dem Kabinett Com des die Stich- warte zn geben, kein Wundergläubiger, der sich und anderen eins siaia Morgnna vorzouberte, sondern em Baumeister, der besonnen Stein an Stein fügte. Immer aber trug er, dem die Teilnahm« an der Politik ein sittliches Gebot war, die Stirn hoch erhoben, und die beste Taktik dünkt« ihm jene, die sich nach den ewigen Sternen ihm zu Häupten richtete. Weil die Gerechtigkeitsliebe als helle Flamme in ihm brannte, nahm er sich schon des unschuldig verurteillen D r e y f u s tatkräftig an. als auch auf der Linken die meisten noch zaghaft zauderten. Den Begriff der Menschheit mit Blutwärme und Blut- frische zu erfüllen und dadurch dem Individuum die höchste Steige- rung seiner Fähigkeiten zu verbürgen, war das Ziel seines un- versiegbaren, well ans einer mächtigen Lebenskraft hervorschießenden Optimtsmus. Aber zwischen Menschheit und Jndioiduun, stand die Nation, und für Jaures war Nation kein nebensächlicher Be- griff. Da ihm das Dalerland eine Vorbedingung für den Sozialismus zu sein schien, mußte dem Proletariat wie nur einer Klasse die nationale Unabhängigkeit am Herzen liegen. Darum befaßte er sich in seinem Werk„D i e n e u e A r m e e" mit der zweckdienlichsten Form der nationalen Verteidigung und brandmarkte zugleich den Wahnwitz, daß sich die Völker für die Profitinteresien der Groß- v-rdiener die Hälse abschneiden sollten. Ein Redner ohnegleichen, der jede Versammlung im Sturm nahm, hämmerte er immer wieder mit der dichterischen Kraft seiner Sprache und der leidenschaftlichen Wucht seiner Ueberzeugung den Massen in die Köpfe, daß sie alles. schlechthin alles tun müßten, um den Friede en zu erhalten, und rief den Regierenden warnend zu, daß hinter dem Weltkrieg die Weltrevolution stehe Als Vorausfetzmtg für den wahren Frieden Europas aber erkannte er den„gesicherten Frieden, den dauerhaften Frieden, den vertrauensvollen Frieden zwischen Deutschland und Frankreich" Ihn herbeizuführen, war sein Höchstes und Letztes. Im Dienst dieser erhabenen Idee be> kämpfte er unermüdlich die dunklen Umtriebe eines D e l c a s s ö die Gefahren des Bündnisses mit Ruhland und das Unheil der dreijährigen Dien st zeit, unbekümmert darum, daß die chauvinistische Hetzpresse chn„eine von der deutschen Regierung aus- gehaltene Dirne" schmähte, und gegen ihn Stöcke sich hoben und Steine flogen. Schlimme Ahnungen bedrängten ihn. aber als 1914 einhundertundein Sozialisten in die Pariser Kammer einzogen und einhundertundzwöls Sozialdemokraten im Berliner Reichstag saßen, erblickte er darin doch ein Unterpfand siir die Erhaltung des Friedens. Dasselbe Jahr entfesselte die Katastrophe. An ihrer Schwelle streckte, am 31. Juli, ein verkommener Trottel Jaures nieder. Daß eine Reooloerkugel, abgefeuert von der schmutzigsten Hand, das klarste Gehirn auszulöschen vermochte, war wie ein Sinn- blld für die Zeit des Grauens und der Greuel, die jetzt anbrach. Grauen und Greuel dieser Zelt lasten die Frage zu, ob nicht Nietzsches Wort: Stirb zur rechten Zeit! auch für diesen frühen und sinnlosen Tod gilt, denn hätten die vier Jahre, da schrankenlos die Bestie triumphierte, Jaures' Glauben an die Menschheit nicht auf allzu schwere Probe gestellt? Schloß ihm nicht doch ein barmherziges Geschick die Augen, ehe sie statt der von ihm inbrünstig ersehnten„Harmonie der Vaterländer" die entkettet« Barbarei zu schauen bekamen? Wie dem auch sei, uns, die wir noch die Magie seines Wesens persönlich erfahren haben und um ihn trauern wie am ersten Tage/steht so kühle Klügelei nicht zu. Wir wissen nur eins: Eine Lücke klafft, wo dieser Kämpfer und Kllnder stand. Die Welt ist ärmer und kälter geworden, seit dieses große Herz nicht mehr schlägt. Ü)as ffietch und Sine hiftorifche Studie asur Steichsreform Die Frage der Reichsreform, die heute so aktuell ist, wird in einem neuerschienenen Geschichtswert behandelt. Es ist dos Buch von Hans G a l d s ch m i d t:„Das Reich und Preußen im Kampf um die Führung. Bon Bismarck bis 1918."(Carl Heymanns Verlag, Berlin 1931.) Der Haupttell des Buches ist der Zeit Bis- m a r ck s gewidmet. Es gibt ja eine überreiche Bismarck-Literatur, die sich darin gefällt, die altbekannten Tatsachen immer wieder durcheinander zu schütteln. Goldschmidt dagegen hat unsere Kennt- nis des Deutschen Kaiserreichs außerordentlich bereichert. Er hat aus den Archiven eine Fülle neuer Urkunden heraus- geholt und druckt sie in seinem Buche ab. Darunter sind Stücke von außerordentlicher Bedeutung. GoldschwM Zerstört endgültig die Legende, als ob Bismarck ein Föderalist gewesen sei. Bismarck hat es zwar für gut gefunden, in der Oeffenllichbeit Immer wieder für die Eigenart der deutschen Clnzelstaaten und die Wahrung ihrer Sonderrechte einzutreten. Aber der kritische Betrachter des Bismarckschen Reiches wußte schon längst, daß der Kanzler mit solchen Aeuherungen Komödie spielte: Der ganze föderalistische Apparat nebst dem Bundes- rat war nur die Kulisse, hinter der Bismarck seine persönliche Diktatur versteckte. Nun bringt ober Goldschmidt die internen, für die Oeffentlichkeit nicht bestimmten Schriftstücke Bismarcks, in denen er den schärfsten Zentralismus vertritt. Ja, er schreckt nicht davor zurück, das Aufgehen Preußens im Reich als sein politisches Ziel zu bezeichnen. Goldfchmidt verfolgt die«inzelnen Abschnitte der Bismarckschen Reichspoiitik, von der Gründung des Norddeutschen Bundes zur Schaffung des Deutschen Reiches, und dann die weiteren Etappen bis zu Bismarcks Eni- laflung. In dieser ganzen Zeit von 1867— 1890 hat die Taktik Bismarcks vielfach gewechselt, ober sein Ziel war stets dasselbe, die starke zentraliftische Reichsregierung, neben der vor allem auch preußische Sonderinteresten nicht auskommen sollten. Bismarck war stets bestrebt, eine Sonderpolitik der preußischen Regierung neben dem Reich und gegen das Reich zu verhindern. Er bedient« sich dabei gern der Personalunion zwischen den Spitzen der preußischen und der Reichsregierung. Er setzte die Staatssekretäre des Reichs in das preußische Ministerium und die preußischen Mi- nister in den Bundesrat, und sorgte mit rücksichtsloser Energie dafür, daß der Kurs im Reich und in Preußen derselbe blieb. Ist das alles nicht sehr seltsam? Bismarck war der Mann der Hohenzollern und des preußischen Militär st aates. Wie konnte er sich mit dem Gedanken tragen, Preußen bei guter Gelegenheit aufzulösen, vom Reich aufsaugen zu lassen? Außerdem scheinen einige der neuen Dokumente, die Goldschmidt veröffentlicht, seiner These z» widersprechen, so vor allem der Brief Bismarcks an den preußischen Gesandten in Oldenburg vom 9. Mai 1889. Es bestand damals ein Streit zwischen Bismarck und einem TeU des Bundesrats über die Frage des Hamburger Frei- Hafens. Eine gewisse Strömung im Bundesrat ging dahin, den preußischen Antrag in der Freihasenangclegenhcit als verfastungs- widrig anzusehen und dazu lieber gar keine Stellung zu nehmen. Da hielt es Bismarck für gut, der Oldenburger Regierung folgende Staats st reichdrohung zu übermitteln:„Die Forderung, die wir an unsere Bundesgenossen stellen, ist die Ausübung eines verfassungsmäßigen Rechts und einer verfassungsmäßigen Pflicht des Bundesrats. Verweigert er dieselbe oder macht er den Versuch, sie auf andere zu übertragen, so versagt er sich der Verfassung und den ihr zugrundeliegenden Verträgen, und Preußen wird in die Lage gesetzt, seine Zollhoheit wieder selbst und ohne Konkurrenz seiner Nachbarn zu handhaben." Das heißt mit dürren Worten: wenn der Bundesrat es wagen sollte, in dieser doch wirklich nicht lebenswichtigen Frage gegen Preußen zu entscheiden, dann wird Preußen aus dem Deutschen Reich austreten. Dann wird an Stelle der deutschen Reichszölle wieder der königlich-preuhische Landeszoll treten. Hat der Staats- mann, der diesen Brief diktierte, wirklich sein Preußen, die Wurzel seiner Macht auflösen wollen? Goldschmidt hat diesen Widerspruch nicht befriedigend klären können, denn er beschränkt sich im allge- meinen auf die staatsrechtlichen Formeln und berücksichtigt nicht genug die gesellschaftlichen und sozialen Kräfte, die hinter diesen Formeln verborgen sind. Das„Preußen" Bis- morcks ist nicht die Summe der Berliner und Königsberger Bürger nebst den pommerschen Bauern usw„ sondern eo ist der Herr» schaftsbereich einer militärischen Aristokratie. Das Wesentliche an Preußen war bis 1918 nicht das Staatsmini- sterium, sondern das Offizierkorps. Bismarck hat niemals auch nur an Traum daran gedacht, das militärische Preußen im Reich auf- gehen zu lassen. Das hätte in der Praxis bedeutet, z. B. die adeligen Gardeoffiziere aus Ostelbien durch bürgerliche Offiziers aus Süd- deutfchland zu ersetzen. Aber dieses entscheidende und unvaränderliche militärische Preußentum hätte sich vielleicht mit einer mehr bürgerlichen Behördenorganisation vertrogen. Bismarck konnte ein« Reichsbürokratie unter stärkerer Verwendung bürgerlicher Elemente aufbauen und drn alten.preußischen Verwaltnngskörper zum Teil mit Zhr verschmelzen.- Aber es. ist überaus bemerkenswert, daß Bismarck bei diesen seinen Projekten manche Mißerfolge erlitten hat. Darauf weißt Goldschmidt mit Recht hin: Bismarck hätte, um den Einheitsstaat zu fördern, mit dem Reichstag zusammen» arbeiten müssen. Das habe er nicht gewollt, und das sei die Hauptschwäche seiner Einheitsbestrcbungen ge- wesen. In der Tat, die Veremheillichung der preußischen und der Reichsverwaltung, wie Bismarck sie plante, hätte selbst unter der eisernen Diktatur dieses Kanzlers eine Machtverschiebung vom oft- elbischen Wel zum deutschen Bürgertum gebracht. Eine solche Kräfteverschiebung hätte das System des Hohenzollernkaisertums gefährdet und war deshalb nicht bis zum Ende durchführbar. Aus Goldschmidts Buch geht wiederum hervor, wie mit Bis- marcks Rücktritt jede ernst hafte Reichsregierung a u f h.ö r t e. Bon 1890 bis 1914 herrschte unter Wilhelm II. ver- fassungspolitisch das reine Chaos. Der Partikularismüs der preu- ßischen Adelsregierung legte das Reich lahm. Es ist eine Grundfrage der Reichsreform unserer Tage, wie künftig die Reichsregicrung sich zur preußischen Regierung ver- halten soll. Aus dem vorzüglichen Buch von Goldschmidt mag man vor allen: die eine Lehre ziehen:. das Verhältnis von Preußen zum Reich ist uichl nur eine Frage der Verfassungsparagraphen und der Vürovereinfachung, sondern es ist vor allem die Frage der ver- schiedenen Slasscnkräfte, die hier und dort vorhanden find. Was unter Bismarck die ungelöste Gleichung Adel:Bürgertum war, das ist heute— in eigenartiger Umkehrung der Positionen— die Gleichung Bürgertum:Proletariat. ■Arthur Rosenberg. Jiaus Mauer: Weiterer Jlntifafchismus Vielleicht läßt sich gegen den aus dem Französischen über- tragenen Roman Maurice Bebels„Herr Grenadier findet Italien begeisternd"(Paul Reff Verlag) ein- wenden, daß weniger mehr gewesen wäre und daß der Autor der demokratischen Sache einen noch größeren Dienst geleistet hätte, wenn er, um des Glaubens an seine Vorurteilslosigkeit willen, in die Ueberfülle des Schattens, den er am italienischen Faschismus zu entdecken weiß, wenigstens hin und wieder einmal das Ge- rechtigkeitsalibi der Andeutung eines bescheidenen Lichtsünkchens gestreut hätte: aber trotz gelegentlicher offensichtlicher Ueber- treibungcn bleibt das kleine, elegant geschriebene, auf amüsante Ironie abgestimmte und in seiner Grundtendenz freundliche Zustim- mung verdienende Buch durchaus billigenswert. Herr Grenadier, französischer Rechtsradikaler und Warenhaus- besitzer und Zeitschriftenherausgeber dazu, fährt mit seiner Tochter Philippine in das gelobte Land der Autorität hinunter- Indessen: wiewohl er seine prosaschistische Wohlgesinntheit ausdringlich zur Schau zu tragen bemüht ist und von Hochachtung und Bezeiste- rung für das Regime überfließt, wird er von der Gespenster sehen- den Spitzel- und Gendarmengarde des Faschismus dauernd miß- verstanden und verdächtigt und schließlich sogar zwangsweise nach Frankreich zurückbefördert. Herrn Grenadier sechten alle Ungelegen- heilen nicht an: er bleibt ein hingerissener Bewunderer Italiens. Daneben haben auch seine Tochter und seine ihm nachgereiste Frau ihre besonderen Erlebnisse, die dem Faschismus nicht gerade zur Empfehlung dienen. Ein antifaschistisches Buch durch und durch und eines, das, au> leichte französische Art, nicht durch frontalen Angriff, sondern dnrck, Lächerlichmachen töten will. Der gefährliche Boxsport Invalide geschlagene Kämpfer Das berufsmäßige Boxen ist absolut nicht so harmlos, als es weist den Anschein hat: die Folgen harter, schwerer Kämpfe kommen sehr oft in mehr oder minder starker Form früher oder später zum Ausdruck. Dem einen winkt die„weiche Birne", dem anderen starker oder gänzlicher Verlust der Sehkraft, und doch sind diese Schäden bei Vorsicht und richtiger Behandlung zu vermeiden. Als bei uns 4-Unzen-chandschuhe, also fast ungepolsterte, für die Auseinandersetzungen ün Kampfring üblich waren, sind die Sympti me der Geistes- und Nervenkrankheiten häu- figer zu beobachten gewesen als jetzt. Es ist auch schon vorgekom- men, daß ein einziger schwerer Knockout die Karriere eines Boxers beendete, und viele der ehemaligen Gegner Dempseys waren nach dem Ka». pf mit dem„Männertöter" kaum wiederzuerkennen-, auch Carpentier ließ nach dem Treffen mit Dempsey auffallend nach. Daß P i st u l l a s Leiden eine Folge der schweren und dicht aus» einander folgenden Kämpfe ist, steht wohl außer Zweifel, vielleicht war es weniger der Schlag als der schwere Fall beim Niederschlag. Am stärksten betroffen von der Gehirnfchwäche werden die so- genannten„Fresser", Boxer, die alles nehmen, was kommt, wie zum Beispiel Kröger, den Persson und Cook fertiggemacht haben. Hellmuth S i e v e r t war ein weiteres Opfer in der neueren Zell! H e e I e r hat auch genug, und bei Holzel wird es auch nicht mehr lange dauern, wenn er weiter von Kampf zu Kampf ge- hetzt wird. Eine merkwürdige Tatsache ist es aber, daß die Gehirnkrank- hellen bei den alten Fightern eine sehr seltene Erscheinung waren, es sind wenigstens nur einzelne Fälle aus dieser Zeit bekannt- geworden Auch die Augen sind eine ständige Gefahrenquelle für die Boxer, man sah das zuletzt an Hellmuth Schultz, der nahezu erblindet ist und den eine Sammlung beim letzten Westfalen- Hallenabend vor der ärgsten Not schützte. Franz Diener hätte bei seinen letzten Kämpfen besser abgeschnitten, wenn er noch im vollen Besitz seiner Sehkraft gewesen wäre, man ist überhaupt er- staunt, wenn man sieht, wieviel Boxer Brillen tragen müssen, wenn sie abgetreten sind. Auch mit Dempseys Sehkraft soll es nach den Kämpfen mll Tunney nicht mehr gut bestellt sein, die eine Wunde über dem Auge erforderte damals allein sieben Stiche. In der Hauptsache ist es die Aufgabe der Chef-Sekun- danken, ihren Mann vor schädigenden Verletzungen zu bewahren. Lieber einen aussichtslosen Kampf ausgeben, als die Gesundheit aufs Spiel setzen. Wenn man sieht, wie manchmal Wunden über oder unter den Augen behandelt werden, wundert man sich nicht, wenn ernste Folgen eintreten. Schmutziges Wasser und ein schmutziges Handtuch sind gewöhnlich die Mittel, mit denen alles gemacht wird. Allerdings sitzt bei jeder Veranstaltung ein Arzt am Ring, der aber nur in schwersten Fällen eingreift, vielleicht wenn das Unglück schon geschehen ist. Der Fall Schultz sollte Anlaß sein, den Augenverletzungen im Ring stärkere Aufmerksamkeit zuzuwenden, als es bisher der Fall war. Arbeitersport und Winterhilfe Ein wildgewordencr Bcrichiersfaiicr beschimpft die Arbeitei sporticr Aus einer Anregung des Vorsitzenden des bürgerlichen Ver» bandes mitteldeutscher Ballspielpereine, die dahin ging, die Ar» beiterspartler und die bürgerlichen Fußballer sollten gemeinsam Spiele zugunsten der Winter» Hilfe austragen, hatte gestern das„Berliner 12-Uhr-Blatt" sine große Sensation unter einer riesigen Ueberschrist gemacht. Irgendein Mann auf der Redaktion dieses Blattes, der die Welt aus der Perspektive eines Fußballs sieht und infolgedesien von der Ideologie des Arbeitersports keinen blassen Schimmer hat, nimmt nun in der heutigen Ausgabe desselben Blattes die Ge- legenheit wahr, um nach kommunistischer Art auf die„schwer ver- kalkten engstirnigen Bonzen im Arbeitersport" zu schimpfen, die, wie wir gestern im Sportteil des„Vorwärts" mitteilten, das Zusammen- spielen mit bürgerlichen Vereinen abgelehnt haben. Wir können nichts dafür, wenn der Artikelschreiber Grundsätze, die man auch im Sport haben kann, nicht versteht. Für die Ab» lehnung des Angebots des Verbandes mitteldeutscher Ballspieloereine waren grundsätzliche Beschlüsse des Arbeiter-Turn- und -Sportbundes— die im übrigen Gemeingut der gesamten Arbeiter- sportbewegung sind— maßgebend. Daß man nicht Beschlüsse faßt, um sie einen nach Sensationen haschenden Sportoerichterstatter zu- liebe wieder umzustoßen, ist für jeden klar, dem der Begrisf Grund- satz nicht Schall und Rauch ist. Daß im übrigen die Arbeitersportler gewillt sind, gerade ihren notleidenden Klassengenosien zu helfen, haben sie erst dieser Tage bewiesen, als sie bei einem bunten Abend mitwirkten, den das Be- zirkswchlfahrtsamt Neukölln für die Alters- und Sozialrentner veranstaltete. Selbstverständlich stehen die Arbeitersportler auch für die Winterhilfe zur Verfügung, wenn sie gerufen werden und wenn man sie nicht abhält, die Be- schlösse des Arbeiter-Turn- und-Sportbundes innezuhalten. Dar- über hinaus finden in last allen Arbeitersportoereinen Weihnachts- und Sonnwendfeiern statt, bei denen die Erwerbslosen und ihre Familien in der liebevollsten Weise bedacht werden. Dabei kommt meist mehr heraus, als wenn, wie geschehen, Berliner bürgerliche Fußballvereine, die einen Namen haben, ohne ihre, promi- nenten Spieler ein Fußballspiel zugunsten der Winterhilfe austragen und dabei ein so klägliches finanzielles Ergebnis erzielen, daß für die WinterhUfe fast nichts herauskommt. Es bleibt also dabei, daß Arbeitersportler n i e mit bürgerlichen Vereinen gemeinsam spielen, selbst wenn es einem wildgewordenen Sportbe.ichterslatter, dem eine fette, einträgliche Sensation verloren ging, nicht gefällt. Naturfreunde-Wintersport Wo kann man ihn ausüben? Die Naturfreund« sind eifrig an der Arbest, dem Winter- s p p r t trotz der trüben wirtschustlichen Lage eine breite Grundlage zu geben. Wir konnten hier kürzlich bereits auf die Kurse des Gaues Baden im Schwarzwälder Feldberggebiet hinweisen. Der Reichsausschuß für Wintersport hat sich als wichtigste Skisport- gebiete die bayerischen Voralpen und das Allgäu aus- gssuckt. Bereits in der Zell vom 25. Dezember bis zum 10. Januar laufen dort drei Kurse von je lg Tagen, und zwar im Gebiet das südbayerischen Gauferienheims„RoHrauerHans" bei Haushahn, am Breitenberghaus bei Brannenburg in den Inntaler Bergen und auf dem Marienberghaus in den Mieminger Bergen in Tirol. Im Januar, Februar und März 1832 finden sodann noch weitere fünf Kurse statt, und zwar in den Lenggrieser Bergen, an der Skihütte „Dafsner Waldalm" in den Inntalbergen, am Kemptener Natur- freundehaus auf dem Gefchwendter Horn im Allgäu, an der schon genannten Marienberghütte und in den westlichen Kitzbüheler Bergen, Station Hopfgarten mit dem Stützpunkt in der Skihütte Erla-Alm. Zu allen Kursen werden jetzt die Teilnehmermeldungen aus den Kreisen der Naturfreunde, des Arbeiter-Turn- und Sport- bundes und der anderen Arbeitersportorganisationen in der Ge- schästsstelle des Touristenoereins„Die Naturfreunde", Gau Süd- bayern, München, Pestalozzistraße 42, entgegengenommen. Alle Anfragen sind dorthin zu richten. Eine Reihe weiterer wichtiger Skikurse veranstalten die sächsischen Wintersportsektionen der Naturfreunde in den nächsten Wochen und Monaten vor allem an den Berghängen des Erzgebirges. Wichtigste Stützpunkte sind hierbei das Natur- freundehaus am Vollenberg bei Oberneukirch in der Lausitz, das Naturfreundehaus bei Dönschten im östlichen Erzgebirge, bei Rauschenbachmühle bei Arnsfeld, serner das Naturfreundehaus „Rote Grube" bei Sofa, Naturfreundehaus Posieck im Vogtland an der Drelländerecke und schließlich noch das Leipziger Natur- freundehaus Groß-Steinberg bei Grethen und das Naturfreunde- Haus am Fuße des LUienstein in der Sächsischen Schweiz. Anfragen hierzu sind zu richten an TV.„Die Naturfreunde", Gau Sachsen, Dresden-.�, Ritzenbergstr. 4. Von den anderen Gauen sei noch kurz folgendes zusammen- gefaßt: die nordbayerischen Naturfreunde treffen sich in erster Linie im Fichtelberghaus am Fuße des Ochsenkopf bei Wannensteinach: die aus Mittelrhein-Main am Rimdidim ün Odenwald und im Taunus(Wiesbadener Haus und Frankfurter Haus): die Rhein- länder und Westfalen im Sauerland im Naturfreundehaus bei Hohenlimburg und in der Eifel im„Laacherfeehaus" bei Nieder- Mendig. Für die weiteren Fahrten der Berliner und Brandenburger Arbeiter-Wintersportler im besonderen noch wichtig als Stützpunkte das neue schlesi�e Gauheim bei Forstlangwasser im Riesengebirge. Ausgangspunkt Schmiedeberg und das Iserhaus, von den Görlitzern betreut; ferner die beiden großen niedersächsischen Ferienheime im Harz, und zwar das Gau- heim bei Oderbrück im herrlichsten Wintersportgelände des Ober- Harzes und das Braunsckweiger Heim bei Bad Harzburg. Bei Fahrten in diese Gebiete wird immer vorzügliche Unter- kunft gewährleistet sein, da fast alle Heime ganzjährig bewirt- schaftet sind. Das Wesentlichste aber ist auch hier, daß man dem Wintersport unbeschwert im Kreise von Gesinnungsgenossen nach- gehen kann. Der weiije Sport im Film Der Touristenverein„Die Naturfreunde" und die Berliner Ar- beitersportler veranstalteten gemeinsam in der Aula der Heinrich- Schiemann-Schule einen Wcrbeabend, an dem Wintersport- filme gezeigt werden. Der überaus starke Besuch war der schla- gendste Beweis für das dauernd zunehmende Interesse der werk- tätigen Bevölkerung am Wintersport und besonders am Skilaufen. So fanden auch diejenigen Aufnahme, die vom Schneeschuhlaufen gedreht waren, den stärksten Beifall. Und besonderes Verständnis bei allen Zuschauern fanden die Schneeschuhläuser auf der Lein- wand, die beim Reißen eines schneidigen Ehristianias mit einem Kopfsprung im Schnee endeten. Dann hörte man sachverständige Rufe wie:„Genau so wie bei der Cchußabfahrt damals", oder„mit Stemmbogen wäre er zum Stehen gekommen"! Der angekündigte Film von der Arbester- Wintersport- Olympiade in Mürzzuschlag kann erst im Januar vorgeführt werden So folgten einigen kleinen Kultur- und Werbefilmen aus den österreichischen Skigebieten ein Spielfilm„Der große Sprung". Die kitschige Nebenhandlung dieses Films wurde von diesem Publikum in gesunder Ablehnung einfach >mr verlacht. Auch das Abfahrterennen, das diesen Film beschloß, fand Interesse und regte die Phantasie derjenigen Sportkameraden, die in naher Zukunft die Bretter anschnallen werden, von neuem an. S«maeimeB«lteier in Bernau Auch in diesem Jahre veranstaltet der Touristenverein„Die Naturfreunde" wieder eine Wintersonnenwendfeier. Sie findet Sonntag, 28. Dezember, 17 Uhr, in Bernau im Volkshaus (Restaurant Bellevue), Wandlitzer Straße 1, stall. Es wirken die I Bernauer Arbellerfänger sowie Friedet Hall und Theo Moret mit.' Unkostenbellrag 30 Pf., Jugendliche und Erwerbslose 15 Pf. Die' Berliner und Bernauer Arbeiterschaft ist herzlich eingeladen. I Ein Verkehrsunfall Acht beugen sagen aus Einen interessanten Filmabend mll Vortrag über das Thema „Verkehrsunfall und Zeugenpsychologie" veranstal- teten dieser Tage der Deutsche Touring-Club, die Millldeutsche Motorwagen-Vereinigung und die Kraftsahroereinigung deutscher Aerzte. Man sah im Film: Kurz vor einer Straßenkreuzung hält auf der rechten Celle einer Hauptstraße mit Straßenbahngleisen ein ziemlich großer Lieserwagen. Aus der entgegengesetzten Richtung, also auf der linken Straßenseite, kommt ein Straßenbahnwagen. Kurz hinter dem Straßenbahnwagen kreuzt in sehr schneller Fahrt ein Personenwagen die Straße. Um mit diesem Wagen nicht zusammenzustoßen, bremst ein anderer Kraftwagen so stark, daß er infolge des schlüpfrigen Asphalts auf die linke Straßenseite ge- warfen wird, zum Stehen kam, ober dabei noch gegen einen Hand- wagen geworfen wurde, dessen Führer dabei zu Fall kam. Durch das plötzliche Bremsen des Autos wurde obendrein noch ein Motor- radfahrer ins Schleudern gebracht, der wiederum einen Fußgänger umriß. So der konstruierte Tatbestand. Der Kraftwagenführer sagte bei der folgenden, improvisierten Vernehmung aus: Er sei nur mit 20 Kilometer Geschwindigkell gefahren und durch das schnelle Bremsen auf die andere Straßenseite geschleudert worden. Ihn träte keine Schuld. Und nun die Zeugen. Fuhr das Auto sehr schnell? wurde eine Zeugin gefragt. NeinI Na, wieviel Kilometer denn? Na, etwa 60 Kilometer.(Gelächter.) Also das ist nickt schnell? Ein anderer Zeuge bezeichnete das Unglücksauto, einen offenen Per- sonenwagen, als Lieferauto, während ein anderer das hallende Last- auto überhaupt nicht gesehen hatte. Wieder ein anderer Zeuge konnte sich absolut auf nichts mehr besinnen, nicht einmal seinen Standort tonnte er auf seiner Karte angeben. Das Auto wäre im gewöhnlichen Stadttempo gefahren. sagte ein anderer Zeuge. Und auf die Frage, wie hoch denn das sei, meinte er 50 Kilometer. Ein anderer Zeuge wollte sogar ge- sehen haben, daß sich der Unfall aus der anderen Straßenseite abgespiell habe. Wieder ein anderer konnte sich nicht erklären, wie das Auto auf die andere Straßenseste gekommen sei und sagte, es sei mit dem Straßenbahnwogen zusammengestoßen. Nur daß es sich um eine Asphaltstraße gehandelt hälle und am Tage des Unfalls regnerisches Wetter war, behaupteten einige ganz bestimmt, andere wieder zögernd. Acht Zeugen machten also acht verschiedene Aussagen, ein richtiges Bild konnte kein einziger Zeuge geben. Wie soll sich da ein Richter zurechtfinden? Eigenartig war es ferner, daß zwei verschiedene und fast zu gleicher Zeit eingetretene Unfälle in der Regel nicht gleichzeitig beobachtet werden können. Denn in Wirk- lichkeit waren es doch zwei Unfälle. Zahlreiche Richter und Staats- anwälte, die zu diesem Filmoortrag geladen waren, konnten sich sicherlich nicht dem Eindruck verschließen, wie wenig eine Zeugen- aussage bei einem Verkehrsunfall zu bewerten ist. Man denk« nur, die Zeugen würden alle vereidigt sein. An jedem Auto- und Motorradfahrer, so führt« der Vor- tragende, Ingenieur Hamann, aus, liege es daher, bei Ver- kehrsunfällen zu allererst für einwandfreie Zeugen zu sorgen. Auch solle man sich über den ganzen Hergang Notizen machen und auch die Zeugen dazu oeranlasien. Eine Beschreibung der Fahrstraße, ob sie Holz-, Steinpflaster oder Asphalt hat, ob sie naß, schlüpfrig oder trocken war, ist von großer Wichtigkeit. Die Zeit. Witterung, Beleuchtung und die Sichtoerhältnisse spielen ebenfalls eine große Rolle. Die zahlreich erschienenen Autofahrer dankten dem Vortragende» für seine interessaiüev Ausführungen. Freie?allio»tfahrrr Berti» s. V. Heut«, Mittwoch, GelSndMuteWefitzer, „Zur Linde-, Ufctftr. 13. Dounerstog, 17. Dezember, 20 Uhr.©nippe Rrrbeu: Öugtnifjelm WiHdenowstr. 5. Wilhelm-Busch. Hb« nb(Cjjt).—©rupp« Nordosten: Jugendheim Christburger Etr. 14. Kunterbunter Äbenb.—©nippe Süb. osten: Jugendheim E roste Frankfurter Str. IS. Weihnachtsfeier, Mufikinstru. mente mitbringen. Sonntag, 20. Dezember, 9 Uhr, Handballer Bahnhof Span- dau-West, Aue gang. ATuSV. Friedrichsfelde. Heute, Mittwoch, 20 Uhr, Mitgliederversammlung bei Tempel. Studerverein Collegia. 1. Feiertag Weihnachtsfeier bei Kraus», 15 Uhr. ffätsel�Ecke des„Abend" liiiiiiiiiiiiiuiiiiiiimiiiiiiiiuü!iiiiciiiinmiiimmiuuiuuiiUDiiuiiuiiiiiiiuiaiaiUiiuuiiiuuiunuuuuimiuuuujiumiiiimiamuuiuminiuimiiiiimnu!iuiiuiniiiuiuiuiiiim Schrägworiratsel. Silbenrätsel Aus folgenden 58 Silben sind 24 Wörter zu bilden, deren Anfangs- und Endbuchstaben, beide von oben nach unten gelesen, einen Ausspruch des verstorbenen österreichischen Sozialisten Per- nerstorfer erzeben- a al bei de de de« do dom dus e e ei erz feu fu Hund> i in ing is ka kau lam land lo ma mi mo mos mum mus ne ni nis no pe pel rock ros ru sa sa se se se see sen si skro sto ta te tol trom turn u wer wer.— Die Wörter bedeuten: 1. Brettspiel: 2. Mineral für Metallgewinnung: 3- italienischer Kam- ponist: 4. weiblicher Vorname: 5. stalienische Stadt: 0. russischer Schriftsteller: 7. Fluß in Indien: 8. orientalischer Gruß: 9. Äetter- pflanze: 10. Weltanschauung: 11. nordische Insel: 12. Musikinstru- ment: 13. Gewürz: 14. Wassertier: 15. europäische Hauvtstadt; 16. Ostsee-Insel: 17. Wind: 18. Zweckqedanke: 18. Planet: 20. Karten- spiel: 21. Zeitabschnitt: 22. Wasserfahrzeug: 23. Münzeinheit; 24. Krankheit. rg. D.R.O.M. P&s* aaaanaceesgkllorrsstu— DI« Felder sind mit je einem der vorstehenden Buchstaben auszufüllen, so daß Wörter entstehen, die schräg abgelesen, folgende Bedeutung haben: 1—2 Koch- und Heizmittel: 2— 3 Kielwasser: 4—5 Glänzender Ueberzug: 5— 0 Häuslerwohnung: 7—8 Stadt in der Schweiz: 8— 0 Mädchenname.— Sind diese Wörter richtig gesunden, so nennen die Buchstaben in den numerierten Feldern von 1—7, 2—6 und 3— 9, von oben nach unten gelesen und aneinandergereiht, einen Baumschmuck. Wortspiel Nenne mir ein biblisch' Wort, Streiche dann den Schwanz ihm fort. Steht vor dir gleich ein ganzer Mann: Dagegen nimmst du ihm den Kopf, ein Frauenname ist's alsdann. ät, Füllrätsel Die Buchstaben a aaaeeegilll o n r s t u v v sind so in die freien Felder nebenstehender F!gur einzusetzen, daß die waagerechten Reihen Wörter folgender Be- deutung ergeben: l.Tier:2 ilalienische Provinz: 3. lateinisch:„Er lebe"; 4 Maske; 5. seuer- speiender Berg. als. Auslösungen in der nächsten Rätselecke. Auflösungen der letzten Rätselecke Kreuzworträtsel: Waagerecht: 1. Aboag:«. Faust: 10 Nomen: 11. Fellin: 12. Oban; 13. Some; 15. Melasse; 18. Go: 19. Romeo: 20. das; 21. Ena: 24 legal; 27. Iduna: 30. Diadem: 32. Gaitan: 33. du: 34 Ahn: 35. lau: 37. ah: 40. schoen: 41. Nantes: 42. Toast: 43 Store.— Senkrecht: 1 an; 2. Boot; 3. Orb: 4. Anam: 5. General«: 6. Fesionia: 7. Aloe: 8. Ulm: 9. Sieg: 14. Isolde: 16. Los: 17. See: 20. Daduchos; 22. Ina: 23. Obmann: 25. Lei: 26. Gab: 28. Adjutant: 29. Ute: 31. Mai; 32. Gau: 30. Ast: 37. aha: 38. Ito: 39. Ase. Wandelratsel: Taube— Laube— Laute— Leute— Beute. Figureurätsel. Senkrecht: 1. Not; 2. Emden; Z. England: 4. Adele: 5. See.— Waagerecht: Kordilleren. Geheimnisvolle Inschrift:„Wo ein Wille, da auch ein Weg!"