Morgenausgabe Nr. 593 A 298 4S.Iahrgang wöchentlich 85151, mencrtlich s.80». föanon 95 Pf. monatlich für Ruft«!- luna ins©aus) im Boraus laMban Posiiezug 4,32 M. einschließlich 60 Pf. Po'iSCitungs. und 72 Pf. Poslies'ellge- iilhren. Auslandsabonnement 6.— M. pro Monat; für Länder mit ermäßig» lem Drucksache nvorto 5.— R. Der..UortBärts* erscheint mochentig- lich zweimal. Sonntags und Montag« einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Sandel mit dem Titel„Der Abends Zllufirierte Sonntaasdeilag» »Boll und Zeit". Berliner VoUSbloit Sonnabend 19. Dezember 1951 Groß-Äerlin IN pf. Auswärts i5 pf. Dir einspolt. Nonpareilluet!? Ä) 1 kratie die bürgerlichen Parteien erkennen lassen, daß die Sozial- demokratie an der Demokratie unbedingt fest- hält und nur durch Gewinnung der Volks- und Parlamcntsmebr- heit ihre Ziele durchzusetzen strebt. Aber wir sehen es ja auch in anderen Ländern: Gerade die Austragung der widerstreitenden Interessen auf dem Roden des demokratischen Parlaments mit ihrer natürlichen Schließung von Kompromissen ist den rücksichtslosen Schars- wacher» auf den Tod verhaßt, da es ihnen nicht um Ausgleich. sondern um schrankenlose Sapitalsherrschasl geht. Den werktätigen Klassen soll um jeden Preis geraubt werden, was ihr Aufstieg zur politischen und wirtschaftlichen Macht, zur Bildung und Kultur und was der Zusammenbruch der Monarchien nach dem Weltkrieg« als viel zu geringen Ausgleich für die ungeheuren Opfer dem Volk gebracht hat. Ilm aber auch noch demokratisch empfindende Bürgerschichten dafür zu gewinnen, muß man die Arbeiterbewegung als räuberisch, als Zer st Sterin aller Kultur hinstellen. Kann man das nicht durch Anführung von Taten und Programmen der Arbeiterbewegung bvveisen, so er» findet man irgendeinen Schwindel von Schutzbund Überfällen auf harmlose heimwehr. züge, um die Faschislentruppen schwer bewaffuel in Marsch zu scheu, pfrimer Hai offen zugegeben, eiueu solchen Schwindel verübt zu haben, um die Rlobillsieruag seiner Truppen zu rechtfertigen. Die unter Heimwehrleitung stehende steirische Gendarmerie hat dem Putsch mit liebenoller Duldung zugesehen, der christlichsoziale Landeshauptmann hat die Putschisten beraten und gefördert. Nicht aus ihn, sondern aus die Regierung in Wien war das Aufgebot des Bundesheercs zurückzuführen, das durch Grazer Sabotage auch noch stundenlang verzögert wurde. Der Grazer Staatsanwalt war gegen die Heimwehrfreundlich- keit der Geschworenen machtlos. Dieses Urteil muß als eluc Billigung des putsche» zu seiner Wiederholung, womöglich in größerem Maßstab, ermuntern. Gegen ein Schwurgerichtsurteil steht der Anklagebehörde nur da? Rechtsmittel der Nichtigkeitsbeschwerde an den Obersten Gerichtshof zur Verfügung, die ober nur auf Formfehler des Gerichts oder auf unrichtige Gesetzesonwendung gestützt werden kann. Unten diesen Umständen. ist es kaum wahrscheinlich, daß dieses Urteil wieder außer Kraft gesetzt werden wird. Die Zweifel an der Zweckmäßigkeit reiner Schwurgerichte in politischen Prozessen erhalten neu« Nahrung. vicheuigen, die Deulschösterreich als demokratische Republik auf- recht erhalten wollen, die nicht da« Land dem Bürgerkrieg und vielleicht auch ausländischer Einmischung.aussehen wollen. werden nun, wohl olzoe Ausschub mli sich zu Rate gehen müssen, ob ulchl eine Sondergesctzgebung gegen pulschisteu am Platze ist. Das Grazer Urteil wird zu einer Probe darauf werden, ab die am 9. November 1,930 zur Aufrechterhaltung der Demokratie ge- wählte Parlamentsmehrheit den Willen ihrer Wähler erfüllen will, Staatsmacht versagt— Selbstschuh! Wien, 18. Dezember(Eigenbericht.) Im Naiionalrat stand eine sozialdemokratische dringliche An- frage wegen der Schießerei in Voitsburg zur Debatte. Es kam zu stürmischen Szenen. Innenminister Winkler verlas«inen Bericht des Grazer Landeshauptmanns, der die Gendarmerie für unschuldig er- klärt. Als dann Dr. Deutsch(Soz.) sprach, die Heimwehr vor einem neuen Putsch warnte und das Berschulden der Gendarmerie an den Vorkommnissen in Voitsberg darlegte, tobten die Heimwehr- abgeordneten, von denen einer in die Tasche griff unk einen Gegen- stand hervorzog, der für einen Revolver gehalten wurde. Sozialdemokraten stürzten auf die Heimwehrabgeordneten, worauf Präsident Dr. Renner die Sitzung unterbrach und sich zwischen die streitenden Gruppen begab. Bürgerliche Abgeordnete erklären, daß der Gegenstand, den der Heimwehrabgeordnete hervorzog. wahrscheinlich ein Schlagring gewesen sei. Heimwehrprovokation im Nationalrat. Wien. 18. Dezember.(Eigenbericht.) Der sozialdemokratische Parteivorstand hat«inen Aufruf er- lassen, in dem er feststellt, daß et» Klassengericht die angeklagten Putschisten freigesprochen hat. Nicht ein einziger Arbeiter habe aus der Geschworenenbank gesessen. Dann heißt es weiter:„Diese Republik ist verraten und verkauft von denjenigen, denen ihre Sicherung anvertraut ist. Wir ver- stehen eure Gefühle und deshalb mahnen wir euch, auch angesichts dieser aufreizenden Tatsache eure kaltblütige Besonnen- heit zu wahren. Der Verrat vom 13. September ist unbestraft geblieben. Deshalb rüsten die Aristokraten und Kapitalisten zu einem neuen Putsch. Darauf, daß der Staatsanwalt die Republik verteidigen wird, können wir uns nicht mehr ver- lassen. Wir werden unsere Freiheit das nächste Mal s e l b st verteidigen müssen. Die Vorbereitungen unserer Abwehr schleunigst zu vollenden, das muß unser« Antwort aus das Urteil von Praz und mlf die Schüsse von Voitsberg sein!" Noch Wiederaufnahme der Sitzung erteilte Präsident Renner «ine Menge Ordnungsrufe. Abg. Deutsch(Soz.) begann dann weiterzusprechen. Es kam jedoch zu neuen Lärmszeuen. Die Glocke des Präsidenten blieb unbeachtet. In einer kurzen Lärmpause schloß Dr. Deutsch seine mit lautester Stimme in den Saal gerufene Rede unter stürmischem Beifall seiner Parteifreunde mit den Worten: Die Sozialdemokraten müssen sich gegen die Pläne der Helmwehr und der Habsburger Freunde wehren; denn es geht um die Freiheit. Dann ist Gewalt gegen Gswast nicht nur morä'ischss Recht, sandern sittliche Pflicht Dia Antwort des Heimatblocks war«in Konzert mit Triller- pMfen. Borfig und Deutschland. Zum finanziellen Zusammenbruch der Dorsigwerke. Vor acht Tagen istErnstvonBorsig, neben seinem wenig hervortretenden Bruder Konrad der Leiter und Besitzer des Borsigkonzerns, von der P r ä s i d e n t e n s ch a f t in der Bereinigung der Deutschen Arbeitgeber- verbände zurückgetreten. Gestern haben die Vcrsigwene ihre Zahlungsunfähigkeit erklärt. In diesen beiden Tatsachen ist ein Kreis umschlossen, der nicht nur die de- tciligten Arbeiter und Gläubiger, nicht nur die deutsche Wirt» schaft, sondern Deutschland im ganzen angeht. Die Welt wird aufhorchen bei der Nachricht, daß die Borsigwerke ihre Zahlungen einstellen mußten. Wer von der heute lebenden Generation der internarionalcn Finanziers und Wirtschaftsführer das Deutschland der Vorkriegszeit ge» kannt hat. für den war der Name Borsig ein Repräsentant der wirtschaftlichen und finanziellen Großmacht, die Deutsch- land einst war und auch des wirtjchafllicheu Imperialismus. den Deutschland wie alle anderen Großmächte der Welt auf der Grundlage seiner finanziellen Macht in der Vorkriegszeit betreiben konnte. Neben dem Kanonenkönig Krupp war der Lokamotivenkönig Borsig im Auslande der bekannteste Vertreter der deutschen Wirtschaftsmacht. Wo die deutschen Großbanken Anleihen im Auslande begaben und deutsch« Techniker Eisenbahnen zu bauen begannen, da folgte den Anleihen und den technischen Projekten sehr bald die Vorstg- Lokomotive. So wird die Zahlungseinstellung der Borsig- werke im Auslande wie ein neues Fanal für den schweren Fall wirken, der Deutschland durch den Verlust des Welt- kriegcs und durch den Unfug seiner Beendigung durch er- drückende Reparationen erlitten hat. Das Ausland wird darau. erinnert werden, daß es bei den jetzigen Stillhalte- Verhandlungen in Berlin und Bafel und bei den kommenden Reparationsoerhandlungen ini Januar nicht nur um Ge- fchäfte und Profite, sondern um das Schicksal eines großen Staates geht, auch wenn dieser Staat nicht mehr wie früher ein großer Gläubiger der Welt ist, wie einst, sondern nur ein großer Schuldner. Nun war in Deutschland der Glanz des Namens Borsig freilick) schon lange verblaßt. Nicht nur, weil neue Technik und neue Wirtschaftsmächte Borsig in den Schatten treten ließen. Die beiden konservativen und schlaff gewordenen Erben des Wirtschaftspioniers August Borsig, der nur ein Zimmergefelle war, hatten sich zur Umstellung und Leitung des früher 15 000 Menschen beschäftigenden Borsigkonzerns nicht als fähig erwiesen. Aber der Name Ernst von Borsig war im Nachkriegsdcutschland ein Programm geblieben. Ernst von Borsig repräsentierte jenes deutsche Unternehmer- tum, das aus dem politischen uud wirtschaftlichen Wandel seit dem verlorenen Weltkriege nichts gelernt hat. Ernst von Borsig war bis vor wenigen Tagen der erste Präsident der Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. Der gute persönliche Wille und die persönliche Anständigkeit der Borsigs brauchten nie bezweifelt zu werden. Aber in der Republik, die durch die Verfassung die Gleichberechtigung der Arbeiter mit den Unternehmern grundsätzlich auch in"wirt- schastlichen Dingen garantiert, versuchte Ernst von Borsig dos deutsche Unternehmertum in dem völligen Ungeist eines welt- fremden Patn'archentums zu erhalten und zu lenken, das den Arbeitern, Angestellten und Beamten die gleichberechtigte kämpferische Wahrnehmung chrer Interessen verübelte und als persönliche Beleidigung des Unternehmers empfand. Ernst von Borsig w« so in DeutManv ver Repräsentant eines Regierens(feqen die Arbeiterschaft: er hat noch im Jahre 1931, als ob es keine siebzigjährige Eni- Wicklung zur Demokratie in Deutschland gegeben hätte, die patriarchalische Werksgemeinschaft an die Stelle des Arbeits- rechtes setzen wollen. Der Ungeist der schwerindustriellen Scharsmacher von der Ruhr und der Ungeist Ernst von Borsigs waren dasselbe und waren zur politischen und sozialen Niederhaltung der deutschen Arbeiterschaft aus Wahl- Verwandtschaft verbunden. Ernst von Borsig hat nie verstanden, daß mit dem Wandel vom individualistischen zum organisatorischen Kapi- talismus auch ein Wandel in den Machtverhältnissen der Klassen zueinander beschlossen war, der in Gesetz und Ver- fassung Ausdruck finden mußte und gegen den eine reaktio- näre Führung der Unternehmerschaft nur zum Rächtest der Wirtschaft und zum Rächtest des ganzen Volkes sich aus- wirken mußte. Mit großer �ymbolkraft muh deshalb die Tatsache wirken, daß es beim Aufstieg der Borsigwerke im Jahre 1848 Borsigs Maschinenbauer waren, die Barrikade» baute» und verteidigt«« uvd daß de* Laval im Kreuzfeuer. Ltngeheure Lärmszenen in der Kammer bei der Arbeitslosendebatte. Glanz de» Siamens Borjig in demselben Augenblick endgültig nerblaßt, in dem Ernst von Borsig von der Führung der deutschen Arbeitgeberverbände zurückgetreten und neben seinem eigenen Wirtschaftsbankrott auch den Bankrott seines sozialpolitischen Führertums im neuen Staate eingestehen muß. Dieser Widerspruch zwischen der von Borsig gepflegten Tradition und den Erfordernissen einer neuen Zeit ist es denn auch eigentlich, an dem die Borsigwerke selbst zu- sammengebrochen sind. Die erforderliche wirtschaftliche, tech- Nische, finanzielle und kaufmännische Umstellung im Borsig- Konzern konnte nicht gelingen, weil die„geistigen Prin- zipien" der Borsigs schon zu lange in fast tragikomischer Weise mit allen Notwendigkeiten von heute kollidierten. Der Äakteen und Orchideen mit ebenso großer Liebe wie den Ge- danken der Werksgemeinschaft züchtende und pflegende Ernst von Borsig fand sich in dieser Welt, die schwachen Erben keine Vorschüsse auf Lorbeern oerteilt, nicht mehr zurecht. In der Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und im Rcichsverband der deutschen Industrie hatte Borsig gegen den Staat für die freie Wirtschaft und gegen Subventionen mit aller Leidenschaft gekämpft und hat wahrscheinlich den komödienhaften Zwiespalt gar nicht empfunden, daß er sich als prinzipieller Gegner des neuen Staates bekannte und diesen Staat zugleich im Juli d. I. um eine Subvention für seinen Konzern anging. Ernst von Borsig war im Jahre 1927 allen Ernstes per- fönlich tief gekränkt, als ihm die breiteste Oeffentlichkeit wegen seiner Behauptung die soziale Gesinnung absprach, daß ohne Sozialpolitik ruhig 59 999 Menschen gefährdet werden dürften, weil ja 4999 bis 5999 tüchtige Menschen, die man durch Einsparung des sozialen Aufwandes mehr züchten konnte, diese 59 999 durch ihre Wohltätigkeit durchzu- schleppen in der Lage wären. Ein solcher Mann und ein solcher Geist, die aus der Wirtschaftsführung eine Posse machen mußten, konnten auch zur Leitung des Borsig- Konzerns nicht mehr fähig fein. Daß der Borsig-Konzern bis heute ein Familienunternehmen geblieben ist, ist kein Zufall; zu Besserem und Bernünftigerem hat es bei den Borsigs eben nicht gereicht. Für die Borsig-Werke werden jetzt Berglsichsver- h a n d l u ng e n mit den Gläubigern geführt. Es besteht die Absicht, die Borsig-Werke in Tegel und auch in Oberschlesien, von denen das Schicksal von Zehntausenden abhängt, nach Möglichkeit zu erhalten. Nicht um der Familie Borsig willen, sondern aus wirtschaftlichen und sozialen Gründen besteht auch die Notwendigkeit, daß die Werke erhalten werden und ihre Lebensfähigkeit durch eine nachdrückliche Umstellung und Sanierung erhöht wird. Der Geist der Borsigs kann und darf sterben, der Name der Borsigs darf zu einem Petrefakt der Geschichte werden. Die Menschen und die Arbeits- Möglichkeiten aber, die an das so schlecht bewirtschaftete Kapital der Borsigs gebunden worden find, müssen« r» halten bleiben. Weder Borsig noch die Banken haben dazu genügend Geld. Der Staat darf den Gläubigern allein die Auseinandersetzung und die Sanierung nickst überlassen. Der Staat wird seine ganze Kraft bereithallen müssen, die Borsig-Werke unter feine Kontrolle zu nehmen, so weft öffentliche Mittel oder öffentlichte Garantien für die Sanierung notwendig werden. Der Staat wird auch darauf zu achten haben, daß das Prioatvermögsn der Borsigs. deren Ungeist und Unfähigkeit die heutige Lage entscheidend oerschuldet haben, zur Deckung der Verluste und zur Sanis- rung herangezogen wird. Der arbeitende Mensch muß in Deutschland mehr gelten als das Kapital. Gerade weil das Wirtschaftsführertum der Borsigs so schlecht und unzeitgemäß war, hat der Staat kein Recht, den Opfern dieses Wirtfchaftsführertums feine Hilfe zu verweigern. Epidemischer Schwindel. Kommunistisch-nationalsozialistischer Lügenbetrieb. Bor einigen Tagen hat ein kommumstlsches Skandalblatt, die „Welt am Abend", einen angeblichen Bericht über eine Rede des Genossen Graßmann in der sozialdemotratbschen Reichstags- fraktion veröffentlicht und dazu einig« Erfindungen über einen angeblichen Wechsel in der Chefredaktion des„Vorwärts" erzählt. Wir sind auf diesen Schwindel nicht eingegangen, da es sich um ein Blatt handelt, dessen Art, fein« Leser mit frei erfundenen Geschichten zu unterhalten, hinlänglich bekannt ist. Der Schwindel ist aber inzwischen in den„Dortmunder Generalanzeiger" über- gegangen, und von dort in den„Völkischen Beobachter" in München, wo er solche Begeisterung hervorgerufen hat. daß er das Blatt zu dem fetten Sensationsbalken„Die SPD. zerfällt" bogesstert hat. Um weitere gleichgestimmte Seelen vor Enttäufchungen zu bewahren, stellen wir fest, daßkeineSilbeoondemganzen Schwindel stimmt. Der Informator der„Welt am Abend" bat sich die angebliche Rede Graßmanns, die nie gehalten worden ist, und alles weiter«, was die Welt erzählt hat, glatt aus den Fingern gesogen. Brüning undGroenersahren nach Gens. Als Delegationssührer zur Abrüstungskonferenz. Deutschland wird aus der bevorstehenden Abrüstungskonferenz durch den Reichskanzler Dr. Brüning und den Rcichswehrminiftcr Dr. Äroeuer vertreten fein. Den Reichskauzler wird der Staats- fekrckär des Auswärtigen Amtes Dr. von V ü l o w begleiten. Bei Abwesenheit der SabineNsmItglieder wird der Botschafter Ar. N a- dolnn die Delegation führen. Zu seinem ständigen Vertreter ist der Botschafter in Bladrid. Graf Welczeck, bestimmt. Schnelljustiz im Helldorf-prozeß. Langsam voran! Im Prozeß Schuster und Gen. alias Graf jzelldorf und Gen. wurden gestern ganze siebeneinhalb Angeklagte vernommen,„halb", weil die Vernehmung des achten heute fortgesetzt werden soll. Von eimmdvierzig Angeklagten siebeneinhalb vernommen— das will schon etwas besagen! Immer langsam voran! Barls, IS. Dezember.(Eigenbericht.) Die Regierung hat in der Kammer am Areltaguochmlkkag bei der Beratung Über die Resolution, mit der die Znterpellakiou über die Arbeitslosigkeit abgeschlossen werden soll, zunächst eine neue Niederlage erlllken, später allerdings lhre Mehrheit nach eluer stürmischen Debatte wieder um sich zu schare» vermocht. Vier Resolutionen waren eingebracht worden, darunter eine. von Leon Blum und A u r i o l, die die Regierung aufforderle, eine Arbeitslosenversicherung zu schaffen, einen Gesetz- entwurs über die Herabsetzung der Arbeitszeit und einen weiteren über die Verlängerung der Schulzeit vorzu- legen. Außerdem verlangte die Resolution eine merkliche Er- höhung der Arbeitslosenunterstützung und die obligatorische Schaf- fung von Arbeitslosenfonds in den Gemeinden mit über 2999 Ein- wohnern. Die Entschließung enthielt natürlich nicht den Ausdruck des Vertrauens für die Regierung. Im Namen der Regie- rungsparteien hatte der Abg. de Fels(radikale Linke) eine Resolution eingebracht, die der Regierung das Vertrauen aus- spricht und als wichtigste Forderung nur die Erhöhung der staat- lichen Beiträge zur Arbeitslosenversicherung aus 99 bis 99 Proz. enthält. Die Radikalen und Linksrepublikaner ließen durch ihre Redner erklären, daß sie für die sozialistische Entschließung stimmen würden, für die das Vorrecht verlangt worden war. Arbeitsministcr Landry lehnte im Namen der Regierung das Vorrecht für diese Resolution ab, ohne aller- dingz die Vertrauensfrage zu stellen. Mit 292 gegen 281 Stimmen sprach sich jedoch die Kammer für bas B o r r e ch t zugunsten der sozialistischen Resolu- t i o n a u s. Die Regierung bat darauf um eine Unterbrechung der Sitzung, um über die durch das Votum geschaffene Lage zu beraten. Nach der Wiederausnahme der Sitzung erklärte Landry, daß die Abstimmung die Ansicht der Regierung über die sozialistische Eni- schließung nicht geändert habe. Er suchte die in der Entschließung enthaltene Kritik an der bisherigen Politik der Regierung zu wider- legen und fügte hinzu, daß die Regierung ohne Gefährdung der Staatsfinanzen keine höheren Ausgaben für die Arbeitslosenunter- stützung machen könne. Ministerpräsident Laval äußerte sich in demselben Sinne und wies vor allem auf die„katastrophalen Folgen hin, die die Arbeitslosenversicherung in England und Deutschland aus die Staatsfinanzen gehabt habe". Im Namen der Regierung stellt er die Vertrauensfrage für die Ablehnung der Eni- � schließung. An die Red« Lavals schloß sich eine dreistündige Debatte, in deren Verlaüf der Radikale M i st l e r und der Sozialist L 6 o n Blum unter tosendem Beifall der Linken und furchtbarem Lärm der Rechten die Arbeitslosenversicherung verteidig- t e n und dem Minister vorwarfen, er habe durch die Stellung der Vertrauensfrage die Debatte auf das polltische Gebiet getragen. Leon Blum rief dem ZNinisterpräsideulea Laval unter Au- spieluug auf seiue frühere Zugehörigkeil zur Soziallstischen Partei zu. daß die Arbeiterklasse ihn geliebt habe, uud daß er dieser Liebe seiue politische Lausbaha uud die Ehre, an der Spitze der Regierung zu stehen, verdauke. Wenn die Ausgaben für die Arbeit-losenoersicherung auch groß seien, so seien sie doch immer noch geringer als die Militärausgaben.' Laval hielt darauf eine neue Rede, die durch heftigen Lärm der Linken unterbrochen wurde. Er erklärte u. a., nicht er habe die Debatte auf das politische Gebiet getragen, sondern die Sozialisten, die in ihrer Resolution alle Forderungen der Internationale verteidigten. Wetter richtete der Minister- Präsident scharfe Angriffe gegen die Radikalen, weil sie die sozioli- stischen Forderungen unterstützten. Dieser Vorwurf veranlaßte den Führer der Radikalen. Herriot. in einer glänzenden Rede die Politik der Regierung auf sozialem Gebiete zu kritisieren. Wie Keulenschläge prasselten die Anklagen auf den Ministerpräsidenten nieder, dem er u. o. eine Bestimmung des Bersailler Friedensvertrages über die Organisation der Arbeit vorhielt, die Schutzmaßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit verlangt. Daraufhin brach im Hause ein geradezu iufemalischer Lärm aus. Die Radikalen und die Sozialisten klatschten ununterbrochen Beifall, die Rechte brüllte und klapperte mit den Pultdeckeln und wollte damit Herriot am Weitersprechen hindern. Trotz des Lärms beendete Herriot seine Rede. Als darauf der nationalistische Abg. Dumat für die Regierung sprechen wollte, revanchierte sich die Linke und vollführte einen derartigen Lärm, daß der Präsident sich genötigt sah, die Sitzung zu unterbrechen. Nach Wiederausnahme der Sitzung konnte Dumat seine gegen die Sozialisten gerichtete Rede bei verhältnismäßiger Ruhe halten. Dann folgte die Abstimmung. Die Mitte, die vorher für die Priorität zugunsten der sozialistischen Entschließung war, vergaß jetzt ihre Sorge um die Erleichterung des Schicksals der Arbeits- losen und stimmte aus rein politischen Gründen für die Regie- rung. Die sozialistische Entschließung wurde da- her mit 319 gegen 257 Stimmen abgelehnt. Marinebauprogramm debattelos angenommen. In der F r e i t a g- V o r m i t t a g s s i tz u n g der Kammer wurde der Gesetzentwurs über das Marinebauprogramm für das Jahr 1932/33 ohne Debatte angenommen. Das war dank der Tatsache möglich, daß nur wenig Abgeordnete bei der Eröffnung der Sitzung anwesend waren. Das Bauprogramm umfaßt 4 leichte Kreuzer, einen Torpedobootszerstörer, ein Torpedoboot sowie«in Wasservermessungsschiff und ein Flußkanonenboot. Nach den An- gaben des Berichterstatters der Marinekommission handelt es sich bei den Schiffen nur um Ersatzbauten. Landtag Nach unwesentlicher weiterer Debatte, an der sich nur die Kom- munisten und die Regierungsvertreter beteiligten, war die Inter» pellation üb« das Grubenunglück auf MotU Eonis erledigt. Hierauf wurde die Aussprache über die sozialdemokratischen Anträge fortgesetzt, die die Regierung zu scharfem Singreifen gegen den Terror auf dem Lande und die Gewaltplane der Landwirtschaftsverbände auffordern, linier einer Reche von Rednern der Rechten, die die Wirtschaft- ltche Not und die Berzweiflungsstimmung auf dem Lande schilderten, kam auch der Abg. I o h a n n s e n(D. Bp.) zu Wort, der in de- merkenswertem Gegensatz zu der Rede seines Parteifreundes Graf Könitz mit Nachdruck betonte, daß die Volkspartei bei allem Per- ständnis für die wirtschaftlichen Notzustände auf dem Lande und bei aller Hilfsbereitschaft natürlich Gesetzwidrigkeiten und Gewalt- tätigkciten nicht rechtfertigen wolle. Das Schlußwort erhält Ag. Zürgensen(Goz): Ich will noch einmal ganz klar sagen, was unsere Anträge wollen. Wir wollen die Regierung nicht scharfmachen, gewaltsam die Steuern bei den Landwirten einzutreiben, die nicht zahlen können. Aber wir oerlaugeu, daß die Regierung nicht duldet, daß deu zahlongefähigen Bauern durch Beschluß der Landw'rlschast»- verbände verboten wird, Stenern und Sozialversicherungs- beitrüge zu eulrichten.(Sehr gut! bei den Soz.) Wenn gegen solche Bauern mit dem Gerichtsvollzieher vorgegangen wird und die Landwirtschaftsverbände jeden bedrohen und ächten, der bei Bersteigerungcn zu bieten wagt, muß die Regierung diesen Terror mit allen Mitteln der StaatsgswaU brechen. Gemeindevorsteher und Amtsvorsteher, die an solchen Beschluß- fassungen teilnehmen, können nicht länger im Amte bleiben. Und wenn im Kreise Schleswig der L a n d r a t bei solchen Beschlüssen ruhig dabei sitzt, ohne den Mund auszumachen, muß er kurzer- Hand aus dem Amte gejagt werden.(Lebhafte Zu- stimmung bei den Soz.) käme einmal eine Rechtsregierung in Preußen, ließe sie sich die organisierte Steuerverweigerung bestimmt nicht gefallen! Die Redner und Rednerinnen der Rechten haben uns hier stundenlang in den„Gemütszustand" der Bauern hineinzuversetzen gesucht. Das war überflüssig: wir verstehen ohnedies die Loge jedes Menschen, der Not leidet. Aber alle Redner und Rednerinnen der Rechten zusammengenommen, haben nicht ein Wort gesagt von der Berzwelflung des Arbeitslosen, der in seinen kahlen vier Wänden sitzt und den der Exekutor exmittieren kommt. Wo bleibt da ihr deutsches Gemüt?(Lebhaste Zustimmung bei den Soz.) Aber freilich, da ist nicht der exmittierte Arbeitslose deutschnational. sondern der Hausbesitzer, der ihn exmittiert, und ■Sa schlägt Ihr Herz für den Hausbesitzer. Sagen Sic es doch kurz heraus, daß nach Ihrer Auffassuuq nur noch Arbeiter. Angestellte und Beamte Steueru zahlen sollen. (Sehr gut! bei den SozA? Die Rot der Landwirtschaft ist groß: aber ich kenne genug reiche Marschbauern, die für die NSDAP. an fremoilligen Beiträgen meh r zahlen als die ganz« Steuersumme beträgt, die sie dem Äaat ver- weigern.(Sehr gut! beb den Soz.) Während der Rede des Grafen Könitz Hab« ich die Augen ae- schlossen und mich in die- Vorkriegszeit zurückgeträumt, wo auf dicsec Tribüne ein Graf Könitz das Dreiklassenwahlrecht pries. (Abg. Graf von Könitz: Das war ja mein Onkel!) vertagt. Gewiß, obet mehr Zuuker als H>ie ist auch Gras Könitz- podaugen nicht gewesen! (Sehrt gut! und Heiterkeit bei den So*.) Die Gewerkschaften hat Herr Graf von Könitz für„problematisch" erklärt. Zugleich hat er als Dorsitzender eines Berufsoerbandes der Arbeitgeber gesprochen. Das könnte den Herren so passen, daß sie organisiert wären, und der Arbeiter oereinzell, wie in der Vorkriegszeit, bei ihnen bitten und betteln müßte. Wir Sozialdemokraten bleiben trotz aller Not Optimisten. Unsere GEG. hat den Umsah deutscher Buller in den letzten drei Zahlen um 300 proz., den Umsah deutscher Eier um 400 proz. gesteigert, und sie würde mit chren Sammelstellen für die deutsche Landwirt- schoft noch unendlich viel mehr leisten können, wenn nur bei dieser etwas mehr guter Wille zur Zusammenarbeit wäre. Aber schließüch werden die oeutichen Bauern schon merken, wer ihnen praktisch hilft! Ob bei der nächsten Wahl die Deutschnational« Polkspartei in Trümmer geht, ob von der Deutschen Volkspartei wenig übrig bleibt— Sozialdemokratie und freie Gewerk- s ch a f t e n bleiben bestehen. Und wenn in der politischen Brandung der Gegenwart die ganze bisherige politische Organisation des Bürgertums zerschellt, die eiserne Front der Arbeiterklasse wird niemand erschülteru. Die Organisation der Arbetterllasse bleibt der Leuchtturm des werk- täligen Volkes und der Grundpfeiler des kommenden politischen und wirlschaftlichen Wiederausbaues.(Stürmischer Beifall bei den Soz.) Es folgen sozialdemokratische Uranträge über die Finanznot der Gemeinden und Gemeindeverbände, die in der Fassung des Hauptausschusses angenommen werden; danach soll der Ge- meindeanteil an der Umsatzsteuer erhöht, die Arbeitslosenhilfe zugunsten der Gemeinden reorganisiert und die Pflicht des Reiches zur Hjise für die notleidenden Gemeinden gesetzlich festgelegt werden. Ebenso nimmt das Hans Anträge des Hauptaus- schusses an, die auf Uranträge des Zentrums und der Volkspartei zurückgehen und Schonung der Gemeinden und Gemeinde- oerbände sowie der Bürger der Rheinprooinz und Westfalens bei den Sonderumlagcn zur Flüssigmachung der Landesbanken wünschen. Endlich luetben auf sozialdemokratischen Antrag gemäß den Borschlägen des Hauptausschusses in sieben Punkten genau de- taillierte Vorschläge zur weiteren Entlastung der Neu- b a u m i e t e r beschlossen. Hierauf vertagt sich der Landtag auf den 19. Januar 193 2. preußische Aowerordnung verabschiedet Bekanntgabe nicht vor Montag. Wie das Nachrichtenbüro des Vereins Deutscher Zeitungs- oerleger meldet, hat das preußische Staatsministerium in einer mehrstündigen Sitzung am Freitagnachmittag die neue preußische Sparnowerordnung endgültig verabschiedet, lieber den Inhalt der Notoerordnung wird amtlich bisher nichts bekanntgegeben. Es wird erklärt, daß die Verordnung nicht vor An- fang nächster Woche veröffentlicht werde. Der Bresi-Lilowsk-Prozeß mußte vor Beginn der Verteidi- gungsreden wegen eines Brandes im Gerich tsgebäud« vertagt werden. Nr. 593* 48. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonnabend» 49. Dezember 4934 Kohle und Gas billiger! Preiskommissar greift bei den Kleinhandelspreisen durch Set Neichskvtnmissar für Preisüberwachung, Dr. Gürbeler, hat nunmehr auch die Senkung der Kleinhandelspreise für Kohle, die durch Händlerkartellc festgesetzt werden, in Angriff genommen. t?ine entsprechende Bekanntmachung über den Abbau der Kartellpreise des Kohlen-Eiuzelhandels vom lk. De�em- der ist erlassen. In der Bekanntmachung wird bestimmt, daß die Ber- bände deS Kohlenein�elhandelS bis zum 1. Januar ueuc Preisbeschlüsse zu fassen haben. Die neuen Preise müssen einmal der lyprozentige« Senkung der Shudikatspreise, ferner dem �rachtenabbau voll Rechnung tragen und dürfen nur Handelsspannen enthalten, die um IS Proz. unter den bisherigen Gewinnspannen liegen. Wenn die Kartelle des Handels sich den Bestimmungen deS Preis- kommissars entziehen, und die KleinvcrkaufSpreise nicht dieser Anordnung entsprechend senken sollten, so werden die Kartelle aufgelöst und der einzelne Kohlenhändler ist in seiner Preispolitik frei. Versuche, diese Preisbestim- muugen zu umgehen, find verböte,» und werden mit hohen Geld st rasen geahndet. Gaspreissenkung-10 Prozent. Der Anfsichtsrat der Berliner Städtischen Gas» werke A.-G. beschloß in seiner gestrigen Sitzung, eine zehnprozentig« Preisermäßigung für den Gas» verbrauch im Haushalt, der Industrie und des Gewerbes mit der Januar- Abrechnung eintreten zu lassen. Der Beschluß des Aufsichtsrotes bedeutet, daß mit der Januar- Zählung der Gasprcis pro K u b i k m e t e r von 18 Pf, auf 16,2 Pf. herabgesetzt wird. Das ist eine immerhin fühlbare Preisfenrung, die von der werktätigen Bevölkerung sehr begrüßt werden wird. An den Beratungen des Aufsichtsrates nahm auch der Stadt- kämmerer teil, der dem Beschluß des Aufsichtsrates kaum leichten Herzens zugestimmt haben dürste, weil die Mindereinnahmen der Gaswerke ein neues Defizit in der K ä m m e r e i v e r w a l- t u n g hervorrufen werden. Der Aufsichtsrat hofft allerdings, durch die Preissenkung nicht nur die bei der Brikettverbilligung drohende Gefahr der Abwanderung weiter Berbraucherkrcisc vom Gasofen zu Kachmaschine abgewendet, sondern darüber hinaus einen Anreiz zu stärkerem Gasverbrauch gegeben zu haben. Bei gleichbleibendem Gasverbrauch würde die Preissenkung eine Mindereinnahme von rund sechs Millionen Mark verursachen. Redeschlachten auf dem Weihnachtsmarkt Der Mann, der am B e ll«- A ll ia n c e-P l o tz mit Mäusen bandelt, ist eine„Kanone"' in seinem Fach. Sein Feld ist die Welt. Bon Leipzig bis Paris sind die Reporter zu thn, gekommen und boden aufgsjchriebeii, was er der Menge über feine Mäuse verkündet; in Trier haben von ihm sogar die Xomitmmämicr ein paar Meter gedreht. Man erkundigt sich, wie das Geschäft geht und er meint: „Ach, ich verkauf« schon ganz gut", und im selben AtigetÄlick«st es auch schon soweit und er beginnt: „Meine liebe Gemeinde, da wir heut« so friedlich, äh, so gemüt- lich versemmelt, äh, versammelt sind, wollen wir mit unserer Haupt- galoabendvorstcllung ansalzen. Wenn ich fertig bin, dann fahre ich nach Amerika. Zum Haareschneiden. Da bezahlt es die kranken- kasi«. Kinder, sprecht nicht mnner dazwischen, Karl geh' nach Hause, laß' dir den Bmich waschen. Meine Herrschaften, ich werde Ihnen fetzt die Radio maus vorführen, bitte, meine Dame, ziehen Skr eine Maus heraus, haben Sie kerne Singst, sie beißt nicht. So, da haben wir«ine. Eine mit raten Augen, das siird die Weibchen, die mit den blaue» Augen, däs sind die Männchen. Jede Dome erhält bei mir ein Männchen, jeder Herr ein Weibchen. Wer zweie kaust, erhält ein Paar. Jetzt geben Sie gut Obacht, meine Herrschaften, was das Mäuslein alles macht. Wegen Sie dem Tierchen zuerst die Zlntenne nach oben, so, jetzt kommen die Radiowellen an die Antenne»nd mm kommandieren Sie einfach: Rechts um! und die Maus hat rechts um gemacht. Kinder, seid doch ruhig, hier ist doch keilte Judenschule. Ja, da staunen Sie, meine Herrschasten, was das Mäuslein alles kann, ganze Bölkerstämme haben sich darüber schon den Kopf zer- brachen; zweiunddreißig Professoren sind darüber blödsinnig ge- worden, ich bin auch schon bald blödsinnig, Sie brauchen mir zu sagen: Mäuschen, komm, und schon kommt das Mäuschen. Kinder, schmeißt mir nicht den Laden um, Heilwich, wisch dir mal die Nase, wie siehst du denn aus! Soll die Maus nicht weiter laufen, dann nrien Sie einfach: Mäuschen, halt, dann hält das Bieh, das kommt daher, weil sie nicht weiter läuft. Kinder, legt euch nicht zu sehr Vater und Sohn als Weihnachts-Sfraßenhändler auf meinen Laden, sonjt schlaft ihr hier noch ein und ich habe keinen Wecker bei mir. Diese Maus läuft überall, sie läuft, über meinen Aylmderhut, den setze ich immer Sonniags nachmittags auf. sie kommt aus einein Wasierglas hervorgekrochen und Sie können das Mäuschen auch Ihrer bösen Schwiegermutter in den Nachttops setzen, aber der Nachttops darf nicht voll sein, sonst ertrinkt die Maus. 'An dieser Maus haben Sie einen Spaß für das ganze Leben, was sie ihr sagen, das macht die Maus ohne Mechanik, ohne Uhr- werk und ohne Feder. Jedem kleinen Kind gehorcht die Radiomaus komm' mal her, du Kleine, mach' den Herrschaften einmal etwas vor. Wie heißt du denn?— Erika!— Das ist aber schön. Erika, ich heiße August. Kinder, lacht nicht, jeder anständige Mensch stellt sich erst vor, ntan muß doch wissen, mit wem man es zu tun hat. Nun zeige mal deine Hände, Erika, so, da ist die Maus, jetzt rufe ich: Mäuslein komm! lind schon ist die Maus wieder bei mir. Gott, hat sich das arme Tier aufgeregt, das Herz schlägt ihr wie ein Pferde fuß an meiner linken Wade, das kommt von den Trauerrändern, die Erika hat. Konrad, du kaiinst dir auch mal die Pfoten waschen! Für dieses Mäuslcin zahlen Sie nun nicht eine Mark, wie nach im Herbst in Paris. Parlez-vous francaase?— Dou you speak english?— Gawaritje Iii wü pa-ruflkl? Ja» das kommt Ihnen spanisch vor, meine Herrschaften! Aber Sie zahlen häute auch nicht eine Hallie Mark, nicht zwanzig Pfennige, wir haben unsere Preise schon laut vierier Notverordnung entgegenkommenderweise gesenkt: einen einzigen Groschen zahlen Sie bei mir für das niedliche Maus- chen und wer eine Maus kauft, kaim zu mir auch Du sagen. Jeder erhall eine genaue Gebrauchsamverfung dazu, jeder kann sich fein Tierchen selbst aussuchen, damit keiner nachher kommt und sagt: Ja, ihre Maus geht und meine nicht. Bitte, meine Damen, hier noch ein Mämrchen, aber quetschen Tie das arme Tier nicht beim Nach hansetragen, bitte, mein Herr, auch ein Mäuschen, aber stecken Sie die'Antenne weg, innner zugefaßt, so lange der Vorrat reicht...* Am Bclle-Älliance-Platz herrscht eine ausgesprochene Konjwnkttw für Mäuse.__ Autobanditen verhastet! Lleberfall auf Luweliergeschäst aofgeNärt. Ueberraschend schnell ist de» Beamten des Raubdezernats du Berliner Polizeipräsidium gelungen, den Bandiienüberfall aus das Zuweliergeschäfi von Grudowski in der Drei- bondstraße 45 restlos aufzuklären. 2m Lause des gestrigen Tages find die drei Täler, die den Raubüberfall auf den Juwelier ausführken und eine Anzahl goldene Uhren erbeuieten, festgenommen worden. Eia vierter Komplice, der ine Sache offenbar gausbaldowerl" Hai, konnle gleichfalls ermittelt und in Gewahrsam genommen«verden. Die Bande war bekanntlich in einem gestohlenen Auto vor dem Juweliergeschäft erschienen. Unter der Maske harmloser Käufer ließen sie sich Uhren vorlegen, zogen plötzlich Pistolen und riefen dem Geschäftsinhaber zu:„Hände hoch!" Dann raubten sie eine größere Anzahl goldene Uhren, flüchteten mit dem Sluto und feuerten mehrere Schüsse ab, um sich die Verfolger vom Leibe zu holten. Durch einen Fingerzeig kam die Polizei ans die Spur der Bande. Es Handelt sich um den 26jährigen CHausseur Otto: W, den 20 Jahre allen Arbeiter Karl R., den 22 Jahre alten Maschinisten Watter W, mü> einen 20jährigen Slrbeller Willi E. Die vier hielten sich in einer Wohnung in der Nähe des Bahnhofs Börse verborgen. Sie konnten auch so überraschend in ihrem Unterschlupf gestellt werden, daß sie nicht dazu kamen, von ihren Wasien Gebrauch zu machen.'Außer zwei Pistolen wurde in der SLohnung ein ganzes Bund Auioschlüssel aller gangbaren Automarken gefunden. In einem Bersteck entdeckte man außerdem einen Index, mit dessen Hilfe es möglich ist, fast jedes Sluto in Gang zli bringen. Billiger Sonnabend im Zoo. Heute, Sonnabend, de» 16. Dezember, kostet der Eintritt in den Zoologischen Garten bereits. von 12 Uhr mittag ab nur 50 Pf. für Erwachsene und 25 Pf. für Kinder: dieselbe Ermäßigung gilt für das Aquarium. Hier, in diesem winzigen, bedeutungslosen 5lreis dreier Menschen schuf das Leben den großen Änsgleich, vollbrachte mitten im 20. Jahrhundert das geheimnisvolle Werk der Schöpfung, indem sie dem Menschen gab, was des Menschen ist... Es waren Monate voll Glanz und Licht. Wo hinaus Ger- maine auch blickte— überall war der Hori.zont hell und klar. Noch einmal wurde der Traum ihrer Kindheit neu geträuint, noch einmal war ihr das Zukünftige das Verheißungsvolle, die Erfüllung, zu der auch die schönste Gegenwart nur Vorbereitung war. Noch einmal saß sie mit dem Bruder über Landkarten gebeugt, wie einst vor Jahren, und wieder wurden Träume gesponnen, Pläne geschmiedet, wieder ver- suchten sie, hineinzuleuchten in das Kommende, dos Verbor- gene, es noch heller, noch reicher zu gestalten, als es schon sein mußte.-- * „Bücher habe ich überhaupt keine mit! Nicht mal den Bädeker oder ein englisches Wörterbuch— das kann ja lieb- lich werden! Das izennt man dann Studienreise!" Lachend lehnte Gernioine am Fenster des I)»Zuges, der noch NottelHam fuhr. .„Hast genug geschmökert in deinem Lebe»! Nun tummle dich einmal da draußen!" Fröblich schwenlkte Walter den Hut. Ja, das mar ein anderer Slbfchied als damals in Berlin. Wie eine plötzliche Last fühlte Germaine die Erinnerung daran. Aber das war vorüber— und jetzt war sie auf dem Wege hinaus, hinüber in ein noch nie gesehenes, unbekanntes Land. Vor vielen Jahren, vor dem Kriege, hatte sie einmal eine Reise nach Belgien gemacht— Vater war damals zu einem Musiksest nach Brüssel gefahren, und sie batte ibn begleitet. Es war die gleiche Erinnerung gewesen— vielleicht war es der gleiche Zug, in dein sie jetzt sag... Ueber ein Jahrzehnt aber war der schon tot. uebe» dem sie damals am Fenster ge- lehnt und hinausgesehen hatte in die wechselnde Landschaft. Er wäre ein alter Mann, wenn er jetzt noch lebte.— Bater und alt? Nein, diese beiden Begriffe vertrugen sich einfach nicht miteinander, es waren zwei Pole, die ein- ander vollkommen entgegengesetzt waren, und die sich ob- stoßen mußten aus innerster Notwendigkeit. Jung, lebendig, voll Unruhe und Sehnsucht nach irgend etwas Unerfüllbarem, voll Unersättlichkeit, voll Hunger nach Schönheit— so war er in ihr geblieben. Das Schicksal hatte ihm ein langsames Altern, ein Schwächerwerden und Absterben erspart, indem es ihn jäh und unoermittelt abrief, wie aus einem jener plötzlichen, im- pulsiven Entschlüsse heraus, durch die er selbst seine Umgebung so oft erschreckt oder überwacht hatte. Zum erstenmal empfand sie den Tod des Vaters als sinnvoll, als Ausdruck innerer Notwendigkeit. Germaine stand am Fenster und blickte hinaus, wie da- mals. Manches war ihr noch bekannt, da und dort erinnerte sie sich einer Bemerkung oder einer Erzähwng des Baters, der unerschöpflich an Einfällen, sprudelnd an Witz gewesen war. gerade auf dieser Fahrt. Aber da war unendlich viel Neues geworden in diesem Jahrzehnt, obwohl der Krieg dazwischen lag. Da waren moderne Fabriken aus dem Boden gewachsen, wo früher weites Feld sich ausgedehnt hatte, da schwangen sich eiserne Brücken über Fluß und Strom und führten zu neuen Sied- lungen. Aber auch sonst war manches anderes aitders geworden. Wo damals fröhliche Äiitder, lachende und singende Schul- fugend gespielt und getollt hatten, da marschierten heute die Soldaten der Besatzimgsarmee, da wurde scharf geschossen, | da wors man Handgranaten und bildete Rekruten aus. Hier fühlte Gcrmalne, was sie in der kleinen Stadt niemals erfahren konnte, daß der Krieg an jenem Tag, als man mit.roten Fahnen durch die Straßen zog und glücklich war, nicht beendet worden war, sondern daß auckz im Frieden weiter gekämpft wurde. Nur die Kampfmittel hatten sich geändert— sie waren noch unheimlicher, noch unsichtbarer ge- worden.— ♦ Leise schwankend, von seinem Sprühregen Übergossen, lag der kleine bescheidene Dampfer nach England im nächt- I liehen Hasen van Rotterdam. Germaine verstaute ihren Koffer in der winzigen Kabine, die sie mit drei anderen i Reisegefährtiwien teilte. Je zwei Betten lagen übereimwder. Sie hatte ein Oberbett erwischt, gerade an der kleinen Fenster- luke, durch die es tüchtig hereinzog, wie ihr die drei anderen erzählten und sich dabei fröstelnd in ihre Mäntel hüllten. Germaine kletterte hinauf und steckte den Kopf hinaus— bester hätte sie es gar nicht treffen können. Um vier Uhr wurde es hell in der Frühe— vor acht Uhr würde man nicht in Gravesend ankommen, da konnte sie behaglich vom Bett aus das Meer und die Küste beobachten, zeichnen, Photos machen. Vergnügt sprang sie mit einem Satz unter die erschreckt aufschreienden Damen. Der kleine Speisesaal, in dem zum Abendesien gedeckt worden war, schien völlig besetzt zu sein. Suchend sah sich Germaine um. Nur an der Tafel war noch ein leerer Platz— die kleinen Tische waren nicht mehr frei. „Darf ich hier Platz nehmen?" „Bitte sehr!" Zwei ruhige Augen schauten Germaine einer? Augenblick an, dann wandte sich ihr Nachbar wieder seinem Gegenüber 4ZU, einem älteren Herrn, mit dem er leb- hast über irgend etwas diskutierte. „Was wir jetzt erleben, das ist das Schicksal aller großen Bewegungen", hörte ihn Germaine sagen.„Denken Sie an das Christentum." Aber der alte Herr aus der anderen Seite der Tafel schien nur halb überzeugt. Schweigend löffelte er seine Suppe. „Er hat unter dem Sozialistengesetz gelitten, man hat ihn jahrelang aus Deutschland verbannt", wandte sich ihr Nachbar jetzt zu Germaine,„inzwischen ist die Partei groß und mächtig geworden, aber er meint, der alte Idealismus sei verloren gegangen. Und doch stehen wir auch jetzt erst am Anfang— denn es ist ja noch so uneitdlich viel zu arbeiten, zu schaffen, um nur die einfachsten Grundbegriffe des Sozia- Iis mus zu verwirklichen! Meinen Sie nicht auch, Genossin?" Wieder traf sie ein ruhiger Blick. Germaine wußte nicht, was sie antworten sollte. Wo war sie denn da hingeraten? Dos war wohl irgendeine kommunistische oder sozialdemo- kratischc Gesellschaft, die da beisammen saß.„Genosiin" nannte er sie ganz einfach— das hätten Mutter und Onkel Stetten hören sollen! Und plötzlich kam der unbeMingliche Drang über sie, den Irrtum einfach bestehen zu lasten. Warum sollte man nicht auch mal während eines Abendessens mit fremden Menschen „Genossin" spielen können? Sie verbiß ein Lächeln. „Ja", sagte sie sebr ernst,„auch ich bin der Ansicht, daß wir iwch sehr viel Kraft aufwenden müssen, und daß wir noch gewaltige Ausgaben zu löset» haben."(Forts, folgt). Drei suchen den Tod. Eine Jamilientragödie im Forden Berlins. In der S< o l p t s ch e Strafte 27 im Jtordcn Berlins fand mim gestern abend den 47 Zahre allen Böttcher h., seine 42 Jahre alle Iran Hedwig und den ISjährigen Sohn durch Gas uergiflel iof auf. Die wirlfchaflliche Bot bürdete den Unglück- lichen immer neue Entbehrungen aus, so daß sie als lehten Ausweg nur noch den gemeinsamen Freitod jähen. h. hatte eine kleine Wttcherwsrkstati Dm Hause Stolpische Straße 27 bewohnte er in der zweiten Etage mit seiner Frau und seinem erwachsenen Sohn eine bescheidene Wohnung. Obgleich sich, der Meister redlich alnnühte, das Notwendigste für seine Familie heranzuschaffen, langte es nie. Nur aus dieser Verzweisluirgs- stimm ung heraus können sich auch die nächsten Bekannten der Unglücklichen die Tragödie erklären. Zlm Donnerstag erschien vor der Wohnung ein Steuerbeamter. Cr fand keinen Einlaß und mußte auch gestern wieder unoerrichteter Dinge fortgehen. Dadurch waren aber Nachbarn austnerkscmr geworden, und alz auf Klopfen niemand öffnete, rief man die Polizei. Als dle Beamten gewaltsam m die SB oh nun 3 eindrangen, schlug ihnen schon auf dem Flur starker Gas- geruch entgegen. Das Schlafzimmer und die Wohnstube waren leer, die Küche von Innen verriegelt. Die Tür war schnell erbrochen. Den Eintretenden bot sich ein erschütterndes Bild. Ans dem Fuß- bobe» der völlig vergasten Küche lagen aus den aus- gebreiteten Betten die Leichen der drei Familienmitglieder. Für die Samariter der alarmierten Feuerwehr war keine Arbeit mehr, bei ollen drei war die Setchenstarre bereits eingetretem Wie der hinzu- gerufene Arzt feststellte, muß der Tod schon in der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag eingetreten sein. Da auch die Zeitungen und einige Briefe vom Mittwochabend noch hinter der Wohimngstiir lagen, ist anzunehmen, daß h. mit seiner Frau und seinem Sohn schon vor zwei Tagen Selbstmord verübt hat. Türen und Fenster waren mit Papierstreifen ver- klebt, die Lebensmüden hatten dafür gesorgt, daß niemand var- zeitig ihre Berzweislungstat entdecken konnte. 3« Potsdam soll vertuscht werden. Der rVc-trupiimutskandal vor den Stadtverordneten. Fauscher schweigt weiter. Die Potsdamer S t a d t v e r o r d n e t e n s i ß u n g, in der die lang erwartet« Erörterung über die B e st e ch u n g s f ä l l« im hoch- und Tiefbauamt stattfinden sollte, endete überraschenderweise sehr schnell. Die Deutschnationalen und Nationalsozialisten hatten folgen- den Antrag eingebracht:„In Erwägung, daß die Erörterung der «rgeblichcn Bestechungssalle im Bauamt, solange das Ermittlungs- verfahre» noch schwebt, untunlich und mangels genauer Kenntnis zwecklos ist, und die Unterftützuiigsanträge bereits erledigt sind, be- antragen wir, die Sitzung aufzuheben und auf einen späteren Termin zu oertagen." Da die Antragsteller die Mehrheit haben, wurde der Antrag an- genommen. Die sozialdemokratische Fraktion erklärte durch den Stadtverordneten Krüger, daß der Antrag eine Bergewalti- gung der Minderheit bedeute. Die Bürgerschaft will endlich aus dem Munde des Stadtoberhauptes die Wahrheit über die Be- stechungsastärs hören. Oberbürgermeister Rauscher erklärt« mit kurzen Worten, daß der Magistrat sich mit der Vertagung vorher gar »cht besaß: habe. Darauf wurde die Sitzung aufgehoben. KriegsSefchädigte gegen Notverordnung. Eine Versammlung von Funklionären des Rsichsbuudes der SriegsbefchSdiglen. Gou Berlin, hat zu der Rückwirkung de? Vierten Roloerordnnng auf dle Versorgung der tiriegsopser Stellung genommen. „Durch die vorordnete Anrechnung von Renten aus anderen Dersichernngszweigen auf die Renten aus der Reichsversorgung können in ungezählten Fällen eingegangen« Derpslichwngen nicht eingehalten werden. Die Ausbildung der Kinder der Versargungs- berechtigten ist in den meisten Fällen unmöglich gemacht. Wenn zur Begründung der Berechtigung der Notverordnung und deren Beibehaltung betont wird, daß die Machtergreifung der Feinde der Republik verhindert werden müsse, so betonen die Funktionäre jedoch, daß gerade die Auswirkungen der Vierten Notverordnung dazu beitragen werden, das Vertrauen zu Treue und Glaube zu erschüttern. Diese Befürchtung wird besonders durch die Tatsachs genährt, daß die ans eigener Beitragslcistung beruhende Anspruchs- bcrcchtignng gegenüber bestimmten Lersicherungszweigen durch einen Federsirich beseitigt bzw. eingeengt wurde. Die Funktionäre der Kriegsopfer richten daher besonders an die Presse und den Reichstag die dringende Forderung, sich dafür einzusetzen, daß das on Den Kriegsopfern begangene große Unrecht schnellstens wieder gutgemacht wird. An alle Kriegsopfer ergeht darüberhinaus der Appell, durch Zusammenschluß iin Reichsbuud der Kriegsbeschädigten die Front des eisernen.Abwehr- und Kampfeswillens gegen soziales und materielles Unrecht zu stärken." E:n Stlm von öef Schufo. Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Ga'd ha« einen außerordentlich wirkungsvollen Werbefilm herstellen lassen, der im Rahmen eines Lnfoinnationsabend» vor Vertretern der presse und Behörden in den Räumen des Demokratischen Clubs vorgeführt wurde. Der Filmstreisen, der ein anschauliches Bild von der er- folgten dteuorganisierung der Reichsbannersormationen gibt, ver- mittel« besonders in seinem zweiten Teil stärkste Eindrücke, chier wird der mustergültige Aufmarsch der Berliner Schufoorgant- sation im Lustgarten nach den Verzweiflungswahlen vom 14. September gezeigt. Der Schluß, der den Aufmarsch der zahl- losen Fahnenträger und die trotz strömenden Regens in muster- gültiger Haltung auf dem weiten Platz ausharrenden Marschkolonnen der republikanischen Frontkämpfer zeigt, sowie die auf der Leine- «and immer wieder erscheinenden Kampsparolen werden überall, wo der Film gezeigt wird. Beifallsstürme hervorrufen. Der tech- nische Gauleiter des Reichsbanners Neid Hardt gab die notwendigen Erläuterungen und teilte Mteressante Emzelheiteu über die Neuorganisierung des Reichsbanners mit. Unter den Er- schienen«» fiel angenehm die groß« Zahl höherer und höchster Braunschweig kennt Faschismus Auch gestern überfüllte Kreismitgliederversammlungen 3n einer sehr gut besuchten Kreismiigliederoersammlung der s Wilmersdorser Sozialdemokraten sprach Genosse Friedrich Stampfer:„Am Montag Hai die sozialdemokratische Reichstags- fraktion beschlossen, den Antrag der Kommunisten auf Einberufung des Reichstags noch vor Weihnachten abzulehnen. Dieser Beschluß kommt einer Willensbekundung gleich, einer Verwerfung der neuen Nowerordnung. wie sie von Nationalsozialisten, Kommunisten und Deutschnationalen angestrebt wird, nicht zuzustimmen. In einer großen Versammlung in Braunschweig haben Züvü Parteigenosten in einmütiger Resolution anerkannt, daß die Reichstagsfraktion der Sozialdemokratie durch ihren Beschluß den Kamps gegen den Faschismus in den Vordergrund oller Beirachiungen gestellt hat. Es wird gesagt, daß diese Einigkeit gegen die im Faschismus vereinten bürgerlichen Kreise die Forderung der Stunde sei. Wenn die Landsknechte des Dritten Reiches zur Regierung kämen, so würde dies die sofortige Auflösung oller gesetzlichen Zustände in Deutschland bedeuten. Die braunschweigischen Parteigenossen sind für die Beurteilung des Kampfes gegen den Faschismus sachverständig. Sie sind die zu- ständigsten in ganz Deutschland. Zwar haben sie trotz Franzen und Klagges die Schrecken des Faschismus noch nicht ganz kennengelernt, aber sie haben einen Vorgeschmack davon, und dieser Vorgeschmack genügt, daß es sie nach weiterem nicht mehr gelüstet. Sie sind zufrieden, daß ihnen von Verlin aus durch die Sozialdemo- kratie sine starke Unter st ützung in ihrem harten Kampfe zuteil wird. Wenn im Reich und in Preußen der Faschismus zur Macht kommen sollte, dann wird es tiefe Finsternis fein. Deshalb haben die Braunschweiger Genossen unsere Entschei- dung gebilligt. Wir haben in den letzten Tagen, bevor die Not- Verordnung erschien, einen erbitterten Kampf um ihren Inhalt gc- führt. Punkt für Punkt haben wir mit der Regierung gerungen, um die schwersten Bedrohungen der Arbeiterschaft abzuwenden oder zu mildern. Wer nur die kurzen Notizen im„Vorwärts" Nest, vermag die Schwere dieses Kampfes nicht zu erkennen. Di« Der- Handlungen waren vertraulich und Vertraulichkeit beruht eben auf j Gegenseitigkeit und muß gewahrt werden. 5)andelten wir nach unserem Gefühl, so würden wir das Porzellan zerschlagen, die Notoerordnung verwerfen und Hindenburg das weitere Handeln überlassen. Wir dürfen aber nicht nach unserem Gefühl handeln. Es gilt die Ueberwindung der aufgeschwemmten Bewegung des radikalisiertcn Kleinbürgertums. Ich bin der Ueberzeugung, daß die Sozialdenwkrotie noch marschieren und siegen wird, wenn kaum noch die ältesten Leute sich an Hitler erinnern.' Es gilt ober, die Nerven zu bewahren und feste Entschlossenheit zu zeigen. Ich weiß genau, Lohn verloren, viel verloren: aber ich sage: Freiheit verloren, alles verloren!"(Lebhafter anhaltender Beifall.) Die Eiserne Front gegen die Naz's. In der Funktionärkonferenz des Bezirkes Neukölln sprach Genosse Kurt Heinig. Er untersuchte zunächst die Lage des M i t t e l st a n d e s, der einst der politische Unteroffizier des wilhelminischen Regimes war. Durch die Revolution 1918 erwachten viele dieser Leute zum politischen Bewußtsein, aber bei weitem nicht zur politischen Klarheit. Sie können nicht vergessen, daß sie in der alten Zeit bevorrechtet waren. Aus diesen Schichten re- trutieren sich die Nazis. Dieser sozialen Entwicklung des Mittelstandes verdanken wir auch den Wahlausgang vom 14. September 1930. Weil der dadamls gewählte Reichstag keine Mehrheit für eine klar« Gesetzgebung bietet, regiert das Kabinett Brüning mit Notverordnungen. Genosse Heinig ging auf die Geschichte der Notverordnungen im allgemeinen und das Wesen der Vierten Not- Verordnung im besonderen ein. Nach der augenblicklichen Lage besteht keine Möglichkeit, die Vierte Notverordnung zu beseitigen. Wir müssen sie als eine Tatsache nehmen, und versuchen, die reale Kaufkraft des Volkes auf der Preisfront zu steigern, da wir bei fünf Millionen Arbeitslosen aus der Lohnfrant nicht kämpfen können. Der weitere Verlauf der deutschen Innenpolitik hängt in> wesentlichen ab von der Gestaltung der Außenpolitik. Sie steht im Zusammenhang mit der Regelung der Reparation?- frage und der Frage des internationalen Schuldcnproblems. I>n Zusammenhang mit diesen Problemen gewinnt auch die Ab- rüstungskonferen; des nächsten Jahres eins unerhörte Bedeutung. Unter Berückstck)tigung dieser außenpolitischen Lage werden wir nicht eher an das Volk appellieren, bis wir es für richtig holten. Wir sind nicht dazu da, den Nazis und den Kommunisten zu helfen. Aber diese Politik trägt ihre psychologischen Schwierigkeiten in sich, denn bei Millionen von Menschen ist das Denlsn viel primitiver als ihr Glauben. Und darum kommt alles darauf an, daß wir die eiserne Front bilden. Das wird zu neuen Wegen und zu neuen Zielen sichren.(Lebhafter Beifall.) In der Diskussion kamen d«e Gegner der Tolcrierung Politik ausgiebig zu Wort. Genosse Heinig konnte in seinem Schlußwort noch feststellen, daß von keinem Kritiker positive Vor- schlage für dle politische Haltung der Rcichstagsfraktion und de-- Partei gemacht worden sind. Ein Antrag, der Reichstagsfraktion das Vertrauen zu entziehen, fand keine ncnneiizwerte Unterstützung. Die Versammlung schloß mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die Sozialdemokratie. Gegen Kataflrophenpolitik. Im überfüllten großen Pharussaal sprach vor den Mitgliedern des Kreises We d d i n g der Genosse Dr. Moses: Die Fraktion hat sich dem Antrag der vereinigten nationalsozialistischen-kommu- nistischen Opposition aus Auflösung des Reichstags nicht angeschlossen Zweifellos hatten wir unter geordneten Verhältnissen anders ge- handelt, aber heute wäre eine Zluslösung des Reichstages ein Schlag ins Wasser. Denn einmal hätte Brüning die Notoerordnung keines- wcgs zurückgezogen, und zum anderen ist die Situation so, daß eine Neuwahl des Reichstages den jetzigen latenten Bürgerkriegszustond zu einem offenen gemacht hätte. Kommunisten und Nazis hätten eine Neuwohl begrüßt, denn sie treiben bewußt K o t a- strophenpoliti k. Das aber können wir uns nicht leisten, denn wir haben eine große Verantwortung gegenüber der Zukunft dm Arbeiterklasse, derentwegen wir heute manches auf uns nehmen müssen. Was haben wir in den letzten fünfviertel Iahren getan' Wir haben in dieser Zeit weniger Brüning gehalten als Hitler und Hugenberg ferngehalten. Die Nazis sind in dieser Zeit immer nervöser und gereizter geworden, wir aber müssen unsere Nerven behalten. Die Kommunisten sind uns in unserem Kampfe gegen Hitler schmählich in den Rücken gefallen: die Einhettssront. noch der sie täglich brüllen, haben sie längst mit den Nationalsozialisten verwirklicht. Wir wollten keinen Einheitsmifchmasch, aber wir wollten heute das Trennende zurückstellen im gemeinsamen Komps« gegen den gemeinsamen Feind. Doch die Kommunisten haben nichts besseres zu tun. als uns aufs schärfste zu bekämpfen. Die neue Notverordnung geht bis an die Grenze des Aeußersten, aber wir»er- zichten auf die Einberufung des Reichstages, um das Allerfchlimmstc. um das Chaos abzuwenden. Wir lehnen die Gewalt afs Kampf-' mittel ab, doch wenn uns unsere Gegner dazu zwingen, dann werden wir die Gewalt auch zu gebrauchen wissen. Die Arbetterschast hat schon schwere Kämpfe hinter sich, und sie wird auch diesen Kamp' im Glauben an den Sozialismus überwinden? Polizeioffiziere«uf, auch der Kommandeur der Berliner Schutzpolizei, Heimannsberg, und Polizeivizepräsident Dr. W e i ß waren erschienen. Bekannte Behördenvertreter, so u. a. Staatssekretär Dr. A b e g g, Ministerialdirektor Dr. L a u f e r, Ministerialrat W e i ch m a n n sowie die Landräte S ch l e m- m i n g e r und Dr. von N a t h u s i u s, wohnten gleichfalls der Filmvorführung bei. Dom Bundesvorstand war Hölter- mann anwesend. Drei Raubübersälle. Mit Pfefferbüchse, Schlagring und Fevolver. In den gestrigen Abendstunden wurden an drei Stellen fast zur gleichen Zell verwegene Raubübersälle ausgosührl. Gegen 18.4S Uhr schickte der Inhaber des Seifengelchästs König seine 15 Iadre alte Verkäuferin Margot D. mit 200 M. Kleingeld zu beuachbarien Geschäftsleuten, um dafür Papiergeld einzuwechseln Vor dem Haus« Große Frankfurter Straße 69 siel plötz- lich ein Mann über das junge Mädchen her. Er streute der Ueberroschten PsefserindieAugcn und entriß ihr den Kasten, in dem sich das Geld befand. Mit seiner Beute ergriff er die Flucht und entkam. Der 35 Jahr» alte Kasimir P. hatte es auf das Juweliergeschäft von Berger in der Kleinen Frankfurter Straß« 21 algeseli«n. P. bedrohte den Inhaber mit eineni Schlagring und raubte ein Tableau mit Brillaniringen. Auf die Hilferufe des Juweliers nahmen Passanten die Verfolgung des Täters auf und konnten ihn nach aufregender Jagd stellen. Die Ringe hatte er auf der Flucht forlgeworfen. In eine Bolle- f t l i a l e drangen gestern abend 10 junge Burschen ein und raubten mit vorgehaltenem Revolver die Landenkasse. Mit dem Geld und verschiedenen Lebensmitteln suchten die Täter das Weit«. Jack Diamond erschossen. Der bekannte Ehikagoer Berbrecherkonig Jack Diamond ist am Freilagmorgen in seinem Holelzimmer in Albany erschossen ousgesundcn worden. Er ist onscheiuend von Mitgliedern seiner eigene« Rande medergeknollk worden. Der Tod muß augenblicklich eingetreten sein. Arbeiierrückfahrkarien der Reichsbahn. Arbeilerrückfahrkarken gelten für die Zeil vom IS. Dezember 1931 bis 4. Januar 1932 auf jede Entfernung. Es wird asso die Beschränkung aus 230 Kilometer für diese Zeit aufgehoben. Dadurch wird es bei den schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen Arbestern, Angestellten und Beamten möglich, diese um 30 Proz. verbilligten Fahrtarten auch auf größere Entfernungen während der Weihnachtszeit zu benutzen, zumal neuerd-ngs auch die Schnell- und Ellzüge den Inhabern von Arbeiterrückfahrkarten für Reisen aus größere Entfernungen freigegeben sind. Die Ar- betterruckfahrkarten gelten für solche Arbeiter, Angestellte und Beamte, die außerhalb ihres Wohnortes beschäftigt sind. Für die Lösung einer Arbeiterrückfahrkarte ist die Bescheinigung des Arbeit- gebers über die Arbeitsstelle und der Polizeibehörde über den ständigen Wohnort erforderlich. Nutzlos /;um Dieb sieworden. Ein arbeitsloser Angestellter stahl kürzlich aus einem Juwelen- gcschäft in BerlimTharloitcnburg für 33 000 M. Schmucksachen, aber er wußte nicht, was er mit seiner Beut« ansangen sollte und so hüllte er 50 goldene Damen- und 50 goldene HerreNUhr«», 200 Damendrillantring«, 45 Herrensiegeiringr und 300 Kettcnarm- bänder in ein Paket und übergab«s einem ihm bekannten Portier zur Aufbewahrung. Diesem kam das Paket verdächtig vor und er brachte es zur Polizei, die«s öffnete und nun dem Juwelier sein Eigentum wieder zustelle» konnte. Bor der Zrenzel-Iievision. Die beim Reichsgericht beantragte Reoisiousoerhandlung gegen das Potsdamer Landgenchtsurteil, das den Amtsvorsteher Frenze! aus Bornim wegen Blutschande zu anderthalb Iahren Zuchthaus verurteilte, ist aus den 2S. Januar 1932 festgesetzt. K 18! Mitglied. Prodieren geht über CtuMecen. Mehr als 6 Millionen M-isschei, gebrauchen täglich die herrlich etsrischendt Chlorodont-Zahnpafte zur Erlangung schöner«eizer Zähn«. Tube 50 Pf. Versuch überzeugt. Hüten El« sich vor minherwertigen, billigen Nachahmungen. S um GISCHINK KAFFEE HAC-WEIHNACHTSDOSEN sind stets ein wDIkoininenes Geschenk. Kaffee Hag Ist coffelnfrei und fOr jeden jederzeit unschadlk)). Selbst Kinder und Kranke dürfen ihn trinken. Die schöne Festtagsdose In AStsiibcrart kostet RM 2.25, die Vakuumdose im Woihnachtsschmuck RM 1.71. Soll Kaffee Hag längere Zeit aufbewahrt werden, so wähle man die Vakuumdoss. Sie ist luftleer und hält ihren Inhalt frisch wie am Tage der Böstung. / Nr. 593• 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 49. Dezember 4934 Oer Kampf um die Gtillhaltung. Ziele, Möglichkeiten und Gefahren der Berliner Konferenz. Seit Ende der vorigen Woche wird im Gebäude der Reichsbank hinter verschlossenen Türen über eine Neuregelung oder Verlängerung des zwischen Deutschland und den ausländischen Bantengläubigern abgeschlossenen Stillhalteabkommens verhandelt. In dem sogenannten Stillhalteausschuß sind auf beiden Seiten nur die Banken vertreten mit Auslandsforderungen von schätzungsweise 6'A Milliarden Mark; es ist aber damit zu rechnen, daß sich die übrigen privaten Auslandgläubiger mit Restforderungen von 4 bis 5 Milliarden Mark an dem neuen Abkommen ebenfalls wieder anschließen werden. Die vorgefchichle dieser Berliner Verhandlungen führt zurück in die Jahre, als unter der Beratungsstelle Schacht» die Aufnahme langfristiger Auslandsanleihen so er- schwert war. daß an ihrer Stelle in zunehmendem Umfange kurz- fristige Gelder aufgenommen wurden. Das Ergebnis war. daß im Sommer llllll die deutsche Wirtschaft mit 11,5 Milliarden langfristig und mit 12 Milliarden kurzfristig an das Ausland verschuldet war- Bis zum Mai 1931 waren diese Kredite von Fälligkeit zu Fälligkeit immer wieder verlängert worden. Dann aber setzten jene umfangreichen Kreditkündigungen ein, die uns in Verbindung mit der zunehmenden Kapitalslucht einheimischer Kreise im Juli die unvergessen« Banken-, Kredit- und Währungskrise beschert haben. Bei der Unmöglichkeit für Deutschland, die zurückgeforderten Milliardenbeträge innerhalb der kurzen Kündigungsfristen zurück- zuzahlen, schlössen dann die ausländischen Bankengläubiger nach langwierigen Verhandlungen in Basel mit den deutschen Schuldnerbanken das sogenannte Stillhalleabkommen ab, das den chauptteil der bereits fälligen Kurztredlle bis zum 29. Februar 1922 verlängerte. Inzwischen sind durch die Lücken dieses Still- halteabkommens schätzungsweise noch 1H Milliarden weitere Kredite zurückgezogen worden. Der Rest ist aber noch so groß, daß nach Zlblauf des Abkommens am 29. Februar natürlich an ein« fristgemäße Rückzahlung gar nicht zu denken ist. Die gegenwärtigen Verhandlungen in der Reichsbank haben daher das Ziel, ein abermaliges Abkommen zu schließen, um die planmäßige Rückzahlung der Äurzkredlle von neuem zu regeln. Der unabänderlichen Tatsache, daß der größte Teil ihrer nach Deutschland gegebenen Kredite eingefroren ist, müssen die Auslands- gläubiger wohl oder übel Rechnung tragen. Auf der anderen Seite aber möchten sie ihre Zustimmung zu einer völligen Neuregelung oder zu einer Verlängerung dieser Kredite durch ein neues Still- Halteabkommen möglichst teuer verkaufen. um so«ehr. als«ine große Zahl der in Frage kommenden Aus- landsbanken durch die Zahlungsunfähigkeit des deutschen � Schuldners selbst in Schwierigkeiten geraten ist und nun- mehr das Risiko wellerer Geldanlage in Deutschland außerordentlich scheut. lieber den Gang der Berliner Verhandlungen wird die deutsche Oessenllichkeit nur unvollständig und zum Teil nur über lückenhafte Indiskretionen der ausländischen Presse miterrichtet. Im großen und ganzen scheinen danach die ausländischen Banken eine Neuregelung auf Jahre hinaus zunächst abgeneigt zu sein, während sie einer mehrmonatigen Ber- längerung des bisherigen Stillhalteabkommens zum großen Teil zuzustimmen scheinen. Diese challung ist wohl dadurch bedingt, daß vor der gleich- zeitig in Angriff genommenen Neuregelung der deutschen Reparationszahlungen ein fester TUgungsplan für die Rückzahlung der privaten Schulden kaum aufgestellt werden könnte. Zür die deutsche Iahlungssähigkelt gegenüber dem Auslände bedeuten aber die privaten Schuldenrückzahlungea und die Reparationen ein einheitliches Ganzes. Wird die hauptsächllch von der Außenhandelsentwicklung abhängige und daher begrenzte deutsche Zahlungskraft mehr für die Rück- zahlung der privaten Kredlle in Anspruch genommen, so bleibt weniger oder nichts für Reparationszwecke übrig oder umgekehrt. chisraus ergibt sich der enge sachlich« und zellliche Zusammenhang zwischen den Verhandlungen des Stillhalleausschusses in Berlin und den Reparationsverhandlungen in Basel, und dar- aus ergibt sich weiter, daß vor dem Abschluß der politischen Kon- serenz. die etwa Mitte Januar zu erwarten ist, für keine der beiden Schuldengruppen eine endgültige Regelung gefunden werden kann, so sehr diese auch im Interesse der deutschen— wie der Wellwirtschaft wünschenswert ist. Bei aller Einigkeit zwischen Gläubigern und Schuldnern über die Notwendigkell einer schleunigen Losung gehen die Ausfastungen über die Bedingungen für die weiiere Stillhallung noch sehr auseinander. Schon die Vertreter der einzelnen Gläubigerländer sind untersin-� ander uneinig, und die deutschen Bankenoertreter hoben es dadurch, nicht leichter gegen die zum Tell übermäßigen Zins» und Garantieforderungen der einzelnen Gläubigernationen anzukämpfen Andere Streitfragen bestehen darin, daß Deutsch- land zur Sicherung seines unter dem Stillhalleabkommen stark zusammengeschmolzenen Devisen- und Goldbestandes auf eine Schließung dieser Lücken drängen muß. In dieser Richtung bewegt sich auch die deutsche Forderung, daß die im bis- herigen Abkommen zugesagte Krediterneuerung für fällige Wechsel (die sogenannte Kreditlinie) in vollem Umfange aufrechterhalten werden soll. Bisher wurden von dieser garantierten Kreditlinie rund 600 Millionen Mark von den deutschen Schuldnern nicht aus- genützt, well entweder die verlangten Zinsen übermäßig hoch waren oder durch die verschärften Anforderungen an die Güte de» Wechsel- Materials die notwendigen Unterlagen nicht beigebracht werden konnten. Diese wenigen Beispiele auf der Fülle von Streitfragen lassen die Schwierigkeiten der gegenwärtigen Verhandlungen erkennen, die deshalb auch nur langsam vorankommen. Trotzdem ist mll größter Wahrscheinlichkeit mll einem positiven Ergebnis zum mindesten insoweit zu rechnen, daß die Fälligkeits- fristen für die gestundeten Auslandskredlle um mehrere Monate hinausgeschoben werden, weil schließlich die Sicherheit der Aus- landskredite nur bei einer verständnisvollen Schonung des Schuldners gewährleistet bleibt. Immerhin darf man sich einmal Gedanken darüber machen, wie sich die deutsche Lage im schlimmste« Aalle eines Scheiterns der Verhandlungen gestallen würde. Wemi«ine freiwillige Vereinbarung mll dem Auslande über einen vorläufigen Verzicht auf wellere Kreditent- Ziehungen nicht möglich ist, so bleibt für Deutschland in der Tat kein anderer Ausweg als die Erklärung eines Auslands- Moratoriums, d- h. die deutsche Regierung müßt« unter Hin- weis auf die llmnoglichkell die zur Rückzahlung notwendigen Riesenbeträg« von ausländischen Zahlungsmitteln zu beschaffen, ein Verbot für alle Auslandszahlungen erlassen. Die nächste Folge wäre natürlich«ine jahrzehntelange Schädigung de» beut- schen Auslandskredits. Darüber hinaus wäre noch früheren Beispielen mll einem mehr oder woniger aktiven Wider- stand einzelner Gläubigernationen zu rechnen. Wiewell sich Deutschland hierauf vorzubereiten hätte, ist eine Frage der Politik und kann deshalb an dieser Stell« uner- örtert bleiben. Da die außerordentlich geschwächte Zahlungssähigkell Deutschlands nicht geleugnet werden kann, wird sich ein„böser Wille" schwerlich konstruieren lassen. Wie immer aber sich das Ausland auch mll der Erklärung eines deutschen Auslands- Moratoriums abfinden würde, die Folgen für den deutschen Außen- Handel wie für die gesamte Weltwirtschaft wären unberechenbar. Deutschland ist so eng in die Waren- und Kredllverflechtuna der Well einbezogen, daß eine Zahlungseinstellung Deutschlands auch für die belrofsen-"� Gläubigerländer uud hauptsächlich für deren Banken«beasall? eine teilweise Zahlungsuafähigkeit nach sich ziehen würde. Schon die jetzt in Südamerika und Australien bestehenden Auslandsmoratorien sind zu einem großen Teile an der Ver- schärfung ber Weltwirtschaftskrise schuld, andere besonder» be- drängte Staaten Europas, wie z. B. Ungarn, spielen ebenfalls mll dem Gedanken, zu diesem letzten AushilfsmiUel zu greifen, und wären bei einem solchen Entschluß Deutschlands kaum mehr zurück- zuhalten. Der Sklllhalleausschuß mag sich ausmalen, was danu an» seinen Sredlte», die ja außer Deutschland über die ganze well verstreut sind, werden würde. Aber auch die deul- scheu Partner dürfe« sich über die schweren Folgen eines Ans- laudsmoratorlnm» keiner Täuschung hingeben, wir hätten dann die nallonale Autarkie, die völlige Abkapselung Deutsch- laods. die in den radikalen köpfen seit Bestehen der deutschen Schwierigkeilen eine zunehmende Rolle spielt; abei wir hätten da- mit auch die Abschn-eidnug Deutschlands von dem weltwirt- schafMchea Waren- und Sreditverkehr— keine angenehme Aussicht für ein Land, das unter ollen Umständen auf Exportstelgerung an- gewiesen ist. wir hätten endlich damit antomatisch die von den- selben Kreisen angrstreble Binnenwährung, aber eine wäh- ruag, deren Werl sich nur unter noch viel größeren Opfern als die heutige hallen lassen würde. Glücklicherweise aber be- steht die Aussicht auf eine bessere, für alle Teile günstigere frei- willige Lösung, die einstweilen noch die Gefahr eines erzwungenen Allvlaudsmoralorillm» in den Hintergrund treten läßt. ' Krisenabschluß ber Reichswerte Deutsche Zndustriewerte AG. seht das Kapital herab. Der Jahresabschluß derDeutscheIudustriewerk« A.-G- in Spandau, die zu dem Jndustriekonzern des Reiches, der Viag, gehört, zeigt, daß auch die veichseigenen Industriebetrieb« van der Krise schwer betroffen worden sind. Bei dem Spandauer Unternehmen kamen die Krisenwirkungen um so schärfer zum-Ausdruck, als der Ausbau des Stahlwerks zu einer Zeit vollendet war, als der scharfe Konjunkturabstieg begann. Für diese in den beiden letzten Jahren sehr schlecht ausge» nutzt« Neuanlage waren schon im vorhergehenden Jahr hohe S ondera d schre i b un g e n«rsorderlich, so daß bereits für 1929/30 ein Verlust von rund 2 Millionen Mark ausgewiesen werden mußte. Der jetzt vorliegende Jahresabschluß für das am 20. September beendete Betriebsjahr 1930/31 bringt einen Ver- lustausweis von 3,64 Millionen, der nach Heranziehung der letzten offenen Reserven von 3,16 Millionen Mark vorgetragen wird. Zur Deckung dieses Verlustes und zur Dornahme von durch. greifenden Wertberichtigungen bei den Werkanlagen ist eine Sanierung derart beschlossen worden, daß die Viag als Dach« gefellschaft des Reichskonzerns zur Abdeckung der 7B Mtllwnen Bankschulden einen Barzuschuß von 2 Millionen leistet und ein Aktienpaket in Höhe von 6 Millionen zur Berfügung st«M Ferner wird das Spandau« Unternehmen an die Grundstücksge- sellschaft des Viag-Äonzerns unausgewltzte Grundstücke und Ge- bände abstoßen, für die es weitere 3 Millionen Aktien erhält. Da- mit ist die Deutsche öndustriewerke A..G. in der Lage, S Mill'vue» Mark Atlien einzuziehen und das Snpikal von 24 aus 15 Millionen herabzusehen. Durch diese Maßaahmeu erhält die Gesellschaft sehr starke Bewegungssreihcik. mit h'lse der rund 9 bis 10 Milliouen Mark belrageudeu Buchgewiaue werkberechtiguagea bei den Werks- anlagen, die mik insgesamt 20.4 Millionen zu Buche stehen, vorzo- uehmeu. An diesem Beispiel eines schnellen und durchgreifenden Sanierungsentschlusses sollte die Privatindustrie sich ein Beispiel nehmen. Nach dem Geschäftsbericht ist der Umsatz auf 16.4 gegen 22V Millionen Mark im Vorjahr zurückgegange», während 1927/28 der Umsatz noch über 28 Millionen Mark lag. Die B e l e g s ch a f t ist von 5227 Mann im Mai 1928 bis auf rund 1300 Mann zu. sammengeschrumpft. Leichte Besserung für Schwerindustrie. Die Produktion der Stahlwerke stellte sich im November auf 547 788 gegen 603 153 Tonnen im Oktober. Arbeitstäglich ist dagegen die Produttion an 24 Werktagen im November gegen 27 Werktage im Oktober mit 22 825 Tonnen um 472 Tonnen oder 2,1 Proz. gestiegen. Auch im Kohlenbergbau haben sich die Förderergebnisse etwas gebessert. Die arbeitstägliche Förderung im Ruhrbergbau stieg von 377 718 auf 395 483 Tonnen. Die Haldenbestände sanken von 10,14 auf 10,08 Millionen Tonnen. Die Zahl der Feierschichten ging von 3,14 im Ottober auf 2,15 je Kopf der Ge- samtbelegschaft zurück. Bank für Deutsche Beamte. Der Treuhänder der Bank füx Deutsche Beamte teilt mit, daß die vot Weihnachten in Aussicht geteilte bprozentig« Quote zum 17. Dezember an die Gläubiger zur Auszahlung gelangt. Bisher sind zusammen 20 Proz. der Gläubigerforderungen verteitt worden. Veuzinzoll und venzinsleuer in Holland. Di« holländische Erste Kammer hat die Erhöhung des Be n z i n z o l l s von 8 auf 10 Proz. und die Einführung einer Benzin st euer von 4� Cents(gut 71/» Pf.) gutgeheißen. keine Verstaatlichung de« Rundfunks. Zu verschiedenen in der letzten Zeit verbreiteten Pressenachrichten, daß Pläne einer Berstaat- lichung des deutschen Rundfunks bestünden, teilt das Reichspostministerium mit. daß nicht beabsichtigt sei, die Rundfunkgesellschaften ihres privaten Charakters zu entkleiden willkommene Fesfcigarette 0/m 6 stück 20$ 0 Arbeitslosigkeit steigt weiter. Aowerordnung wird sie noch verschärfen. Die Statistik der Gewerkschaften des ADGB. über die Arbeitslosigkeit bei ihren Mitgliedern Ende November unterstreicht und beleuchtet die Statistik der Reichsanftall. Auch im November ist die Arbeitslosigkeit weiter angestiegen und zwar im Durchschnitt ins- gesamt von 37,2 Pro;. Ende Oktober aus ZS,S Proz. Ende November tgZl gegenüber Z6.Z Proz. Ende November lSZO. Am härtesten ist— das ist auch schon saisonmäßig bedingt— wieder die sogenannte Saisongruppe betroffen, chier stieg die Arbeitslosigkeit von 71,1 auf 78,2 Proz. gegen S1,1 Proz. Ende November 1930. Die gesamte Saisongruppe gibt ein trostloses Bild. Die Gruppe G r o b k e r a m i k mit 66,1 Proz. Arbeitslosen und 9,7 Proz. Llurzarbcltern steht noch am »günstigsten" da! In der Konjunkturgruppe stieg die Arbeits- l o s i g k e i t von 29,7 auf 31,1 Proz. gegenüber 20,6 Proz. Ende November 1930, während die Kurzarbeit mit 2Sch Proz. nahezu unverändert blieb. Die Industrien, wo eine Verschärfung der Ar- beitslosigkeit nicht eintrat oder wo sogar eine leichte Besserung sich bemerkbar machte, gehören durchweg den K o n s u m g ü t e r i n d u st r i e n an. In der P o r z e l l a n i n d u st r i e ist die Arbeitslosigkeit zwar von 33,7 Proz. Ende Oktober auf 31,1 Proz. Ende November leicht gestiegen, nachdem sie Ende September 36,2 Proz. betrug, dagegen ging die Kurzarbeit weiter von 26,4 auf 24,2 Proz. zurück. In der T e x t i l i n d u st r i e stieg insgesamt die Arbeitslosigkeit von 25,5 auf 26,9 Pro;., während die Kurzarbeit von 37,6 auf 36,2 Proz. zurückging. Diese im allgemeinen ungünstige Lage ist hauptsächlich verursacht durch die Industrien für Seide. K u n st- seide und Wolle. In der B a u m w o ll i n du st r i e wird die leichte Verschärfung der Arbeitslosigkeit ausgeglichen durch das Sinken der Kurzarbeit, während in der Leinen- und Jute- i n d u st r i e die Arbeitslosigkeit leicht, die Kurzarbeit stark zurückging. In der Schuhindustrie stieg zwar die Arbeitslosigkeit weiter von 32,5 auf 34,5 Proz., die Kurzarbeit jedoch sank von 44,5 auf 34,9 Proz. Im graphischen Gewerbe ist, mit Ausnahme der Lithographen, sowohl die Arbeitslosigkeit wie auch die Kurzarbeit, wenn auch nur leicht, gesunken. Hier dürfte es sich um eine saisonmätzige Erscheinung im Hinblick auf den Weihnachtsmarkt handeln. Das gleiche gilt wohl auch von der Gruppe Bäcker, Konditoren-, Süß-, Back- und Teigwaren, wo die. Arbeitslosigkeit unwesentlich von 21,5 aus 22 Proz. stieg, dagegen die Kurzarbeit erheblich von 18,4 aus 15,8 Proz. Zurückging. Aehnlich verlief die Bewegung in der Tabakindustric. Bemerkenswert ist, daß in der Gruppe der Getränke- o r b e i t e r der Prozentsatz der Arbeitslosen mit 17,6 mit am niedrigsten von allen Industrien liegt, dagegen die Kurz- arbeit mit 69 Proz. weitaus am höchsten ist. Dort ist im Braugewerbe für 25 000 Beschäftigte die 40-Stunden-Woche tarifvertralich eingeführt worden. Dieser Fall beweist, daß durch die 40-Stunden-Woche die Arbeitslosigkeit erheblich eingedämmt werden könnte. In allen anderen, hier nicht ausgeführten Industrien und Be- rufen ist die Arbeitslosigkeit weiter gestiegen. Da die leichten Besserungstendenzen, die sich schon im Vormonat geltend machten, soweit sie nicht sansonmäßig bedingt sind, von den Konsum- güterindustrien ausgehen, muß man damit rechnen, daß diese Besserungstendenzen durch die Notverordnung wieder im Keime erstickt werden. Die Nower- ordnung bringt für alle Beamten, Arbeiter und Angestellten«inen Abbau der Kaufkraft von mehr als 12 Proz. Es ist unwahr- scheinlich, daß dieser Abbau auch nur annähernd durch die Piseis- senkung ausgeglichen werden wird. Die Notverordnung wird also unmittelbar eine Verschärfung der Arbeits- l o s i g k e i t zur Folge haben. Differenzen im Einzelhnndes. Die Unternehmer legen Notoerorvuung aus. Auch im Einzelhandel, wo es doch schon wiederholt Gehalts« abbau gab, die Löhne und Gehälter sehr niedrig sind, dagegen offiziell der Grundsatz der hohen Löhne— anderen gepredigt wirb, auch hier wollen die Unternehmer auf Grund der Notverord- nung die Löhne nochmals um 10 Proz. kürzen. Die Ber- Handlungen darüber scheiterten. Die Vertreter des ZdA. führten an, daß seit Januar 1927 ver- schiedene Aendcrungen im Lohnsystem zuungunsten der Angestellten, besonders in den höheren Gehaltsstufen, eingetreten sind, die laut Notverordnung berücksichtigt werden müssen. Da die Unternehmer dies nicht anerkennen wollten und weitere VerHand- lungen ablehnten, wird auch hier der Schlichter entscheiden müssen. Wenn man bedenkt, daß das Höchstgehalt, Gruppe I, nach vollendetem 26. Lebensjahr, 189 M. beträgt, das Mindestgehalt mit dem 16. Lebensjahr 63 M., wovon die Unternehmer noch 10 Proz. abziehen möchte», so kann man wohl sagen, daß im Arbeitgeber- verband die Scham ein unbekannter Begriff sein muß. Krisenauswirkungen bei den Buchdruckern. Urabstimmung über Beitragserhöhung. Die Verschärfung der Wirtschaftskrise hatte auch im Buchdruck- gewerbe im Jahre 1931 eine ragide Steigerung der Zahl der Arbeitslosen zur Folge. Während m Berlin am Anfang des Jahres 3861 Arbeitslose gezählt wurden, beträgt die Zahl der Arbeitslosen jetzt 5547. Zum erstenmal seit dem Weltkriege trat ein geringer Rückgang an Mitgliedern ein. Von 16 677 Mit- gliedern?n Beginn des Jahres sank die Mitgliederzahl auf 15 993, also um 184. Die große Arbeitslosigkeit hatte natürlich auch eine starke finan- zicllc Belastung des Berliner Gaues zur Folge. Innerhalb est Monaten wurden weit über 51 Millionen Mark für Unter- st ü tz u ii g« n ausgegeben, so daß ein Defizit entstand. Die W e i h- n a ch t s f a m m l u n g für die Arbeitslosen hat etwa 44 090 M. ergeben:«in recht erfreuliches Zeichen gewerkfchofllicher Solidarität. Lohnabbau, Stillegungen und Abbau der sozialen Leistungen waren die Kennzeichen des abgelaufenen Jahres. Dos war das Bild, das der Gauvorsitzende der Berliner Buchdrucker Genosse Braun am Donnerstag in der Generalversammlung entwickelte. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte die Versammlung den 2. Gauvorsitzenden A l b r e ch t, der an diesem Tage 25 Jahre als Gauvorsitzender amtiert. Anschließend berichtete der 2. Vorband»- Vorsitzende Genosse Barth über die Verhandlungen, die im Reichsarbeitsministerium mit den Unternehmern über die Auswirkungen der Notverordnung auf den Lohntarif der Buchdrucker ge- führt wurden. Leider müßten sich die Buchdrucker der Notverord. nung fügen. Nach längeren Verhandlungen kam die von uns bs- reits mitgeteille Vereinbarung zustande, die wenigstens einen Eingriff in den Manteltarif ausschließt. Der in allen Bezirksoersammlungen abgelehnte Antrag am Aenderung der Satzungen wurde von Engelmeier zurückgezogen. Der Kassierer S ch l e f f l e r begründet« den Antrag des Gauvor- standes auf Erhöhung des Verbandsbeitrags zur Auf- rechterhallung der Sonderunterstützung der Ausgesteuerten. Er forderte, in den Betrieben dahin zu wirken, daß die Urabstim- mung zur Annahme der Vorschläge führt, damit sich die Arbeits- losen um so fester mit der Organisation verbunden fühlen. Die Versammlung stimmte gegen 3 Stimmen dem Antrag zu. Gegen etwa 12 von 657 Stimmen wurde der bisherige Gau- v o r st a n d mit Braun als 1. Vorsitzenden wiedergewählt, ebenso die einzelnen Kommifsionen. Vor einer neuen Konzeniraiion? Dsteichel- und Staatsbeamte wollen die Einheitsfront. Der Bundestag des Bundes der Beamten und Anwärter der Reichs- und Staatsverwaltungen, über dessen ersten Verhandlungs- tag wir bereits berichteten, ist aller Voraussicht nach ein bedeut- samer Wendepunkt in der Geschichte dieser Organisation gewesen. Nach den Geschäfts- und Kassenberichten der Vorstandsmitglieder Genossen Rüge und Buda tagten mn Sonntagvormittag die verschiedenen vom Bundestag eingesetzten Ausschüsse. Ihrer Be- richterstattung folgte eine ausgiebige Debatte, in der neben der zu- künftigen Gestaltung der Bundesfinanzen Besoldungs- und Bcamtenrechtsfragen die Hauptrolle spielten. Einstimmig wurde eine Entschließung angenommen, die sich scharf gegen die fortgesetzten Gehaltskürzungen und Verschlechte- rungen der Beamtenrechte wendet und ein Gelöbnis zur unver- brüchlichen Treue zur Republik enchält. In seinem Bericht über organisationspolitische Fragen betonte Genosse R e b s vom Bundesvorstand vor allem die Notwendigkeit einer engeren organisatorischen Verbindung mit den freigewerk- schaftlichen Arbeitern, Angestellten und Beamten im Gesamtverband der Arbeitnehmer der öffentlichen Betriebe und des Personen- und Warenverkehrs. Dieser Hinweis fand bei den Delegierten große Beachtung, in der zwar die Schwierigkeiten einer solchen geweck- schaftlichen Konzentration der Kräfte aufgezeigt wurden, aber keine grundsätzliche Ablehnung gegen den Vorschlag zum Ausdruck kam. Das bewies auch die Annahme eines Antrages der Orts- gruppe Hannover gegen nur vier Stimmen, in dem ver- langt wird, daß der geschäftsführende Vorstand des Bundes um- gehend Verhandlungen mit dem Ziel einer solchen organisa- torischen Verbindung aufnehmen soll. dfitiftreiet tjiult ab 19% Uhr im IugelUcheim der Schul« Litauer ---- Straße IS. Für neue Wirtfchastsformen. Beirai des OMV. gegen Aoiverordnung und Faschismus. Der erweiterte Beirat des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes nahm dieser Tage Stellung zu der 4. Notverordnung. Der Borsitzende, Genosse Brandes, berichtete über die Stellung des Vorstandes. Eine Belebung der Wirtschaft sei durch die Notverordnung nicht zu erwarten: vielmehr bedeute sie eine erhebliche Schrumpfung des Verbrauchs, wenn nicht in noch stärkerem Maße als die Lohn- und Gehaltssenkung auch die Preis- senkung durchgeführt wird. Deshalb haben die Gewerkschaften immer wieder m erster Linie eine Senkung der Preise verlangt, um durch stärkeren Verbrauch einen größeren Inlandsmarkt zu schaffen und dadurch auch auf dem Weltmarkt vorwärts zu kommen. Die Regierung hat auf keine Mahnung und Warnung der Arbeiter ge- hörti sie hat allein die Derantwortun g.. Die Gewerkschaften sowohl als auch die SPD. haben nichts mit der Notverordnung zu tun. Dieser stärkste Eingriff der Regierung in die private Wirtschast geschieht letzten Endes zur Erhaltung des bankrotten Privatkapitolis- mus. Die Notoerordnung enthält keine Maßnahmen zur. Arbeits- beschaffung, keine Bestimmung über die notwendige Arbeitszeitrege- lung, keine Bemerkung über den Kampf gegen die National- sozialiften. Die Verdienste in der Metallindustrie sind erheblich stärker ge- funken, als der Lebenshaltungsindex. Bei der Ausdehnung der Kurzarbeit ist jede Verringerung der Stundenlöhne ein Angriff auf die primitiv st e Lebensmöglichketten des Arbeiters. Der Preisabbau kann diese Eingriffe nicht ausgleichen,* weil durch die Erhöhung der Umsatzsteuer selbst der mögliche Preis- abbau nicht erzielt wird Leider haben die Gewerkschaften und die SPD. in ihrem Kampf gegen die Notverordnung, auch ehe sie er- lassen war, nicht die erforderliche Unterstützung bei der verant- wortungslosen Opposition der Kommuni st en, Deutsch- nationalen und Nationalsoziali st en gefunden. Nicht gegen die Regierung ging der Kampf dieser Parteien, sondern nur gegen die SPD. und die Gewerkschaften. Deutlich zeigt sich, wo die Feinde der Arbeiterkreise sitzen. Eine Lösung der Krise mit den bisher üblichen Mitteln ist nicht mehr möglich. Nur eine vollkommene weuduug zur planmäßigen Gemeinwirl- schaft kann eine Erlösung aus der Krise bringen. Die aus ganz Deutschland herbeigeeilten Mitglieder des er- wetterten Beirats nahmen in heftiger und leidenschaftlicher Weise gegen■ die Regierung und chre Notverordnung Stellung, die mit einem Federstrich langjährige, mühsame Arbeit der Gewerkschaften beseitigt, dadurch die Wirtschaft, und selbst die kapitalistische Wirt- schaft weiter ruiniert, aber nichts unternimmt gegen die Leute, die die sogenannte Autorität dieser Regierung untergraben und offenen Hochverrat begehen. Die große Auseinandersetzung zwischen der sozialistischen Arbeiterschaft und den Faschisten ist die Voraussetzung für eine Gesundung der deutschen Verhältnisse. Der erweiterte Beirat machte sich den Protest des Bundesqusschusses vom 15. Dezember 1931 zu eigen. Die Erhaltung der Gewerkschaften über die furchtbare Notzeit hinaus als Sicherung für die Zukunft. Ueberwindung des Faschis- mus, Ueberwindung der gescheiterten privatkapitalistischen Pro- duktwnsweise ist die vordringlichste Aufgabe. Im Rahmen dieser geschichtlichen Aufgabe sind alle Mittel anzuwenden, um die durch die Notoerordnung den Arbeitern zugefügten Schäden mit allen Kräften zu mildern. Wenn aber die Regierung Brüning den an- gekündigten Kampf gegen die Hitler-Banditen nicht aufnimmt, so ist die Arbeiterschaft sehr bald vor die Frage gestellt, ob sie die Regierung Brüning noch am Leben lassen soll. paeth„notverordnet" Kamps. Oer Deutsche Holzarbeiterverband nimmt ihn auf. Das Berliner Holzgewerbe ist«ine der Industrien, die hin- sichtlich des Lohnabbaues von der 4. Notoerordnung nicht betroffen werden, weil weder zur Zeit«in Lohntarif besteht noch am 10 Januar 1927 einer bestanden hat. Ungeachtet dieser Tat- sache versuchen die Unternehmer aber, von der Notverordnung auch zu profitieren. Herr Paeth, Obermeister a. D. der Berliner Tischler. innung und Vorsitzender der Bereinigten Verlande der Berliner Holzindustrie(VBBH.), will sich nach langer Zeit wieder einmal in der Rolle des Scharsmacherführers sehen. Mitte November ersuchte er die Berliner Ortsverwaltung des Holzarbeiteroerbandcs um Verhandlungen mit dem Ziel eines Lohn- tarifvertrags. Als Tariflohn für den qualifizierten Facharbeiter bot er 1,14 M. pro Stunde. Der Holzarbeiterverbond unterbreitete Herrn Paeth einen Gegenvorschlag, der einen Tarifstundenlohn von 1,23 M. vorsah. Diese beiden Vorschläge sollten nun Gegenstand einer zum 8. Dezember anberaumten Verhandlung sein, wurden es jedoch nicht. Herr Paeth erklärte zu Beginn dieser Verhandlungen, daß er seinen Vorschlag von 1,14 M. Stundenlohn nicht mehr aufrecht- erhalten könne. Er stellte die unbeweisbare Behauptung auf. daß es zur Zeit Holzarbeiter genug gäbe, die zu einem Stundenlohn von 1 M. Arbeit gern annehmen würden: deshalb müsse er sein Angebot auf 1 M. reduzieren. Dieser Umschwung wird verständlich, wenn man bedenkt,, daß am Tage der Verhandlungen der Inhalt der 4. Notverordnung bekannt wurde. Auf dieser Grundlage lehnte der Hohzarbeiterver-, band Tarifverhandlungen selbstverständlich ab. Herr Paeth teilte darauf dem Holzarbeitcrverband mit, daß er nuninehr..aus Grund der Notverordnung" den Antrag an die„zuständige Stelle" gerichtet habe, eine tarifliche Regelung der Berliner Holzarbeiterlöhne her- beizuführen. Weiter tellte dieser Mussolini in Taschenformat der Organisation mit, daß er„seine" Verbandsmitglieder angewiesen habe, ab 1. Januar den Facharbeitern nur noch einen Stundenlohn von 1 M. zu zahlen. Mit diesem Lohndiktat will Herr Paeth den tarifvertraglich zwar nicht mehr vereinbarten, aber bisher noch nicht veränderten früheren Tarifftundenlohn in der Berliner Holzindustrie von 1,31 auf 1 M. herabsehen. Damit hat er den Kampf eröffnet. Die Berliner Holzarbeiter, deren Organisation trotz der schweren Krise völlig intakt ist, werden diesen Kampf aufnehmen. Der Hoizarbeiterverband richtet an seine Mitglieder die Aufforderung, zu den von Herrn Paeth diktierten Lohnsätzen nicht zu arbei- t e n und zu diesen Bedingungen Arbeit nicht anzunehmen. Differenzen, die durch dos Vorgehen der in den„Vereinigten Ver- bänden" organisierten Holzindustriellen entstehen, müssen sofort dem Büro der Ortsverwaltung des Holzarbeiterbandes geineldet werden. Süßigkeiten, präg' Dir's ein, sollten stets von Vcrkaal aar In el�eaca Filialen Eigene Fabrikation Großer WcikRactits-Vcrkanf! Billig! Qualität/ Billig/ Die guten, weichen Spitzkuchen -• das schmackhafte Pfeffcrkudienherz SClil* Nürnberger Pfefferkuchen Billig i Qualität/ Billig/ SiaaisanwaK und Msihnachissriebe« �6 Angeklagte vom Echnellschöffengencht freigesprochen. Die RGO. hatte zum Dienstag, dem 15. Dezember, in«in Lokal, in dem sie regelnmtzig zweimal im Monat die Mit« gliederoersommlung der Textilgruppe der RGO. abhielt, zu einem Schulungsabend eingeladen. Cr hatte noch nicht begannen, als der Hauptmann vom zuständigen Polizeirevier erschien und die Zusammenkunft auf Grund der Bestimmungen der letzten Notverordnung über den Weihnachtssrieden als v e r- boten« öffentliche Versammlung auflöste. Der Wirt des Lokals, der Versammlungsleiter und die Teilnehmer wurden im Polizeipräsidium eingeliesert. Jetzt standen sie alle/ 16 an der Zahl, vor dem Schnellschösfen- gericht unter der?lnllagc des Äcrstoßes gegen die Rotverordnung. Es ergab flch folgendes: Die einzelnen Mitglieder der RGO. waren schriftlich zu dem Abend geladen. Sowohl der Leiter der Zu- sammenkunft, als auch deren Teilnehmer, wie der Wirt selbst, glaubten nicht, es mit einer öfsentlichen Versammlung zu tun zu haben. Der Wirt hotte am Tage zuvor eine öffentliche Häuser- blockversammlung der KPD., die gleichfalls für den 15. Dezember bestimmt war, in Anbetracht der Notverordnung abgesagt. Das Polizeipräsidium mag geglaubt haben, daß dies« RGO.-Mit- gliedorversammlung jene öffentliche Häuserblockoersammlung der KPD. sei. Daher der Auftrag an das Polizeirevier, sie auszulösen. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Versammlungsleiter 3 Monate � Gefängnis, gegen die Teilnehmer der Zusammenkunft je 1 Monat Gefängnis. Das Gericht sprach die Angeklagten nach sehr kurzer Bcrawng frei. In der Urteilsbegründung hob der Vorsitzende hervor, daß die Teilnehmer der Versammlung namentlich geladen waren, und daß diese regelmäßig stattfindende Zusammenkunft der RGL.-Gruppc nicht als öffentliche Versammlung im Sinne der Notverordnung zu betrachten sei. Die Staatsanwaltschaft hätte in diesem Falle vielleicht besser getan, die Anklage überhaupt nicht zu erheben. Das Iinnnzomk ZNiitc verlegt seine Dien st räume von Friedrichstraße 129 nach Berlin NW. 7, Arn Weidendamm 1 a. Fernsprecher: A 6(Merkur) 2830, Postscheckkonto Berlin 106 700. Wegen des Umzuges ist das Finanzamt vom 21. bis zum 23. Dezember 1931 für den Vorkehr mit dein Publikum gefchlosten. Ihren 80. Geburkslag feiert am. 20. Dezember in voller körperlicher und geistiger Frische die Witwe Friederike Anders geb. Soclow, Berlin, Blankenfeldsstraße 4. Seit über 25 Jahren ist die Jubilarin„Vorwärts"-Leserin. Si»Irildu»zeo für diese Stabrit sind Q€« 1 1 n SB 68, Lmdcuslroße 3. abgehalten. II. Zlrcis. SPD.-IZrcidciitcr-Fraltio» labet alle Senasic» zur Ausstellung ~ «a< WWWWI M. Abt. 26 Uhr Wechuachisscier für erwerbslos« SrnoZeu bei Dabbcrt, Schul. nicht galt. 92. uub 93. Abt. 27. Freidenkerzruppet Alle Genossinnen und Genossen de. leilsaen sich au der Weihnnchtsbüchcrausstellung am Gonnabend von 18 bis 21 Uhr irnd countii� von li— 20 lthr im Sugendheim Bcrgilr. 20. i. Abt. Deihuachtsfeier NU Gewerischakishane. Saal f. Ausaug li Ahr. K!»- tritt frei, Abt. Arbeitszemeinschast junger Varte>m!tg!!cdcr: Wanderung Ftnienlrnz nach Velten durch den Ärümer. Trefspunlt Oth llhr Bahnhof Putlitzstraße, Vorortbahnsteig. ZZ. Abt. Wanderung in den Grunewald. Treffpunkt 0 llhr Hochbahnhof Dar- schauer Brücke. * tlugarische Sozialbemakraie». Sonntag, 20. Dezember, 17 llhr, Gase 2uda- pest, Äommondanienstr. 17. Alexander.gig. Bezirksausschuß für Arbeiierwohlfahrl. statt. z fest ttrelaleiterfinuerl uud Fuiektiauäre her Arbeiierwohlfahrt. Die Zose müssen unbedingt abgerechnet werden, da am 10. und 30. Dezember dt».Eichung'' findet, stose liinncn nicht mehr zurückgenommen werden und müssen al verkauft abgercchnrt und bezahlt werden. 'Arbeiksgemeinschaft der Sinderfrcunde Groß-Berlin. Z 8» unseren Soituenwenbuiraostalluaoe» in der Volksbühne er. / lcheinen die Falken in Falkentracht. Der. Werklursus in ReukSlln .u sallt vorlauiig ans. Nächster Kursuotag Montag, U. dammr. Mitte, Fritz Wille: Treffpunkt zur VoNsbühuc l0 Uhr Falkenecke. Ticegarrs»! Wir treffen nus zum Besuch der Volksbühne am »4 Sanntaa, 20. Dezember, 13'. z Uhr, im Kleinen Tiergarten lDenkmal). km Fahrgeld mitbringen. Kreozberg: Achtung. Spreche!, or! Dir proben nicht heute, sondern Margen, Sonntag, wie verabredet. Äaiibussci To«: Wir treffen uns Sonntag zum Besuch der Bollsbühn« Kottbusser Tor, Falkenecke. Karte nauegabt am Treff. punst. Neukölln: All« Fallen. der Gruppe 2 M. als Am Die Gruppen find lovh AI... tvifst sich bereits um Oli Uhr. Treptow, Laura de Dosis! Treffpunkt zur Sonnenwendfeier Sonntag lll llhr Plesser» Ecke Glfenstrasie. Köpenick: Heut« Besuch der Volksbühne. Treffpunkt Babnhof Köpenick pünk. lich 14H Uhr. Sonntag 10 Uhr Probe für die Glternveranstaltung im Jugend. heim Dahlwitzer Strasse. Mittwoch, 23. Dezember, Sonnenwendfeier im Jugend. hcim Dahlwitzer Strasse von lZZs— 18 Uhr. Hohenschdtlhauseu: Leute Sonnenwendfeier gemeinsam mit der TAL. Jugendheim Parkstrasse. Trcflpunkt 18 llhr Haup!. Tcke Suermondstraß«. Sonn« tag Gross. Berliner Sonnenwendfeier in der Volksbühne. Treffpunkt IZ'B Uhr Wcrncuchcner Ecke Berliner Straße. Fahrgeld mitbringen. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei-Organisation 72. Abt. Unser langjähriger treuer Genosse Eduard Bahr, Hanauer Straße 30. ist im 68. Lebensjahr nach schwerer Krankheit verstvrbrn. Ehr« seinem Andenken! Dje Cinäftfotuno findet Sonnabend, 19. Dezember, 18 Uhr, im Wilmersdarfcr Zkrematorlnm statt. Um rege Deteiligung bettet di« Abteilung». lsitung n?. 102. Abt. > ö t t ch e r. stets au da» Beztrkslekretariat � Hof, 2 Treppen rech«,, zu richte» Achtung, Vezirksführer! Die neuen Männer- und Iranen- marke« für das Zahr 1952 find den Abieilungskafsierern bereits zugestellt worden. Die alkeo Marken müffea bei der nächsten Ab- rechvung unbedingt zurückgegeben werden. Alle Beitrogsreste müssen nnler allen Umständen noch big zur Abrechnung kassiert werden, weil nach den umgesetzten Marken die Anzahl der Delegierten errechnet wird. Z. A.: Alex Paget,. * Beginn aller Beranstaltungen 19's Uhr, sofern keine besondere Zeitangal-c! Heule, Sonnabend. 19. Dezember. 6. Kreis. Di« Geuosseu werden auf die vom Frelbrnker-eebaud am Loa». abend und Tönning»eraapaitei« Buchausfteunag im Zugcabhei« Porck» straße 11 aufinerlsam gemacht. 7. und 8. Kreis. Letzt« luristifche Sprechstunde im alten Jahren findet heute »au 17—18 llhr im Jugendheim Rosiueustr. 1 statt. Gelegenheit zum Airchenaustritt. Die nächste juristische gprechflunde wird erst am!>. Januar — Buch uub Pild— am Sonaobenb von 18—21 14—20 toe im Juqendheim Bergstr. 23 hiermit zum recht regen Besuch ein. und Sonntag voü straße 66. 41. Abt. Die geplante Weihnachtsfeier der SAB. findet umständehalber 112. Abt. 20 llhr Mitgltedcrvcrsammlung bei Sturm, Wilhelvishagen.» 123. Abt. 17 Uhr Sitzung der Funktionär« im Türtischen gelt. Verteilung der Weihnachtsgelder. Jeder muß erscheinen. Morgen, Sonniag, 20. Dezember. 3. Abt. Im großen Saal des Gewerisschastshause,, Engelufer 21, Winter. fanacnn-enbsricr unter Mitwirkung der Kapelle Lrißring, de« Volkslieder- Quartetts, eine» Ssrechchors und einer Tanzgruppe. Lochknustlcrisches Pro. geamm. Beginn 18 Uhr. Eintritt 60 Pf., Erwerbslose frei. Am 16. Dezember verstört unser Genosse Karl Vaumschulenstr. 60. im 80. Lebensjahr. Die Truu«rfel,r findet am heutigen Sonnabend. 10 Uhr. im Sremalorium Baumjchnlenwog statt. Alle Genossinnen und Eenpssen treffen sich l8si: Uhr vor Vorgmanv. 106. Abt. Am Dienstag, lä. Dezember, versmrt unser Genosse und Funk- tionär Wilhelm Heurcke. Kaiier-WUHelm-Str 33,»ach kurzem Kranken. lager tm<8. Lebensjahre, llhrc feinem Andenken! Einäscherung Montag, 21. Dezember. 18 llhr. tm Krematorium Baumschulenweg. Recht reg« Bertiii. gung aller Genossen wird erwartet. SozialistlscheArbstterjugendGroß-Verlin Elniendungen istr diese Rubri! nur an da» Iugeudl-kretariat Berlw SA 88. Lindenftraße i) Das Jugendseleriariat ist zwischen Weihnachien und Neujahr wegen Umzugs geschlossen. Notizen silr den„Vorwärts" bis spätestens??. Dezember einreichen. Ab 1. Januar befindet sich das Jugendfekretariat Lindenstr. 2, vorn l Tr. Proletarisches Orchester Sross-Berlia: Sonnabend, 19. Dezember, lZv» Uhr, Gesamtorchester zur Borstellung in der Vollsbühnr. Heule, Sonnabend. 19X Uhr. Wannsee: Oirbelisgemeinschaft„Das Kommunistisch« Manifest".— Mahl«. nochtsfeler" in der Bibliothek. SZeichselsiroße. Werbebezirk Weddinq: Ilm 18 Uhr Sprechstunde im Ledigenheim. Berbcbczirt Prenzlauer Berg: Unsere Sonnenwende in Erknev findet nicht statt.— Leute Borstandssissung um 19 Uhr an delonnter Stelle. Werbebezirk Pankow: Werbrpezirksvorstandssitzung um 19 Uhr im Heim Görschstraße. Morgen, Sonntag. —Nealelln Vlllr Fah-ci. Treffpunkt 7 Uhe Ecke Kaisu-Friedrich. Stra�'. r.--'r rji 7:.v.„ r Werbebezirk Weddwg. Heimabend in der ZViudenowstraye. Äussproche llber die politische Lage. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rok-Goid'. Gelchäkttstelle: Srrlin S 14. Sebastianstr 37—33 Lok 2. Tr Kreis Süden: Die Einäscherung unseres verstorbenen Kreisvorstands. Mitgliedes, Kam. Henicke, findet am Montag, Zl. Dezember, 18 Uhr, im Kremaiorium Baumschulenweg statt. Der Kreisvorstand erwartet von allen dienstfreien Kamerade», daß stc in Zivil daran teilnehmen.— Wedding(Otis- »crem): Sonntag, 20. Dezember, 17 Uhr, Weihnachtsfeier für unsere erwerb». losen Kameraden im Saalbau der Hochschull'rauerei, Amrumer Str. LI. Eintritt frei. Jungda: Sonntag. 20. Dezember, l9>4 Uhr, Spieltrupp und Sprechchor mit Matertal Lochschulbrauerri.— Trrptuw(Ortsverein), Jungba: Sonnabend, 19 Dezember. 20 Uhr. Weihnachtsfeier in Ren-Tivoli, Reu« Krugallee 33. Eintritt 23 Pf.—«ol'm'-'-■----- Probe bei Kam. i mit Kostümen bei Schulz, Dorfplatz. 16 llhr Antreten Wirkung an der Weihnachtsfeier der Arbeiterwohlfahrt. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag. 11 Uhr, Pappelallee 1.1, Vortrag des tcrrn H. Alflen:„Brundfaktoren der politfichen Oelonomie". Flügel: Ländliche ochzeit(Godard). Gäste willkommen. Ailgemeine Wetterlage. 48.Dez.4934, pwcikBülafc® lioitttr.O htlb bedeckt wolkig,•ti«deckt»Regen/>Grai)i)aln iSd«efti5iteb9lR(«*rtttes©Wiodstii!e Das westliche Hoch hak sich seit Donnersiag noch erheblich nach Osten ausgedehnt. Unter seinem Einfluß stauten die Winde in Deutschland weiter ab. Das Frostwetter hielt sich im ganzen Reiche. Im Süden und Südosten Deutschlands kam es auch noch zu Schnee� fällen. Auf der Nordseits des Hochs �sind mit westliche» Winden wärmer« ozeanische Luftmassen nach Skandinavien und Finnland vorgedrungen und haben dort vielfach Milderung bis zu Tauwetter gebracht. Da sich jetzt die Warmlust nach Südosten wendet, dürfte allmählich Nordostdeutschland in ihren Bereich kommen. Im übrigen dürfte das Hoch, das jetzt langsam seinen Schwerpunkt wieder nach Westen verlegt, zunächst noch unser Wetter bestimmen. » Welkercmssichlen für Berlin. Noch zeitweise Hefter bei wenig veränderten Temperaturen, keine we'sntlicha Niederschläge, schwache Lustbewegung.— Für Deutschland. Im Nordosten Eintrübung und Milderung bis zu Tauwetter, zunehmende Niederschlagsneigung: im übrigen Reiche keine wesentliche Acuderung. »er glrlv» Buch, der sich mit Recht die volkstümlichst« Dergnügungsstätt« der Rcichshaupistadt nennen darf, will seinen Berliner Freunden eine Weih- Nachtsüberraschung bereiten. Die groß« komische Wasserschau, die von jeher da» Entzücken der Berliner bildete und seit Jahren im Dornröschenschlaf ruhte, soll in neuer technisch vollkommener Form erstehen. Den Rahmen für den Wasscrakt gibt ein« lustige Alt-Berliner Posse, die Paula Dusch und Adolf Steinmann nach einem älteren Erfolgsstücke für die Manege gearbeitet haben. Für die Kinder wird zugleich eine neue Märckienrevue reist Ins Märchenland" vorbereitet, dl« fünf der schönsten deutschen March einem Rachmitlag« vereinigt. 2. Spanbaner Str. 32, ist gleichzeitig ,__ Qualitätsware in einem Artikel, der schwer oder gar nicht taxiert werden kann, von diesem bekannten SpezialHaus Midi icn an Die Firma Teppich-Burfch, Berlin E. ein Begriff für Qualitätsware. Wenn Gelegenheit. Weihnachtogeschenke zu erstehen, die gleichzeitig der ganzen Familie zugute kommen und die das Leim angenehm«n» wohnlich macheu. Teppich- ' Burfch, da» größte Svezialhauo, dessen Verkaufsräume auch am Sonntag, dem 20. Dezember, von 15—1» Uhr geöffnet ssnd. unkerhält kerne Filialen. Jitle achten Sie genau in der Spandauer Straße auf die Hausnummer 32. Aschingers Weihuachtsangcbot« sind die Freude aller Berliner Hausfrauen. Die kluge Hausfrau kauft eben alles fürs Fest bei Afchinger, feien es nun die vorzüglichen Afchinger-Wurstwaren, fei es das ebenso delikate wie billig« Bichinger-Brot, sei es der Kaffee für die Festtage, feien es die Christstollen oder Marzipan. Konfitüren und Echakolade. Alle» gibt es in den Afchinger-Restau. rants oder in den Afchinger-Konditorrien. Ganz besonderer Beliebtheit erfreuen sich die Aschinger.PräsenUörbe. die es schon zum Preis« von 6,41 M. gibt und di« Afchinaer-Neinkörbe, die in den Preislagen von S bis 25 M, zu haben find, All« Aschingsr-Konditoreien nehmen Resiellüngen für Lieferungen frei Haus an: Afchinger. Kuchen,-Torten,-Christstollen,-Konfitüren und-Marzipan jederzeit entgegen. Warten Sie nicht bis Ihre Erkältung in vistler Entfaltung ist, sondern nehmen Sie bei den ersten Anzeichen ein«? Rachen- fatarchs(Gefühl der Trockenheit) die bewährten Panfiavin» Pastillen, um die Ansteckung im Keime zu ersticken. P a n» flaoin- Pastillen setzen den eingednlngenen Krankhests- erregern einen umibersteigbaren Wall entgegen, sind angenehm von Geschmack und grerscn den Aiagen nicht an. Von ersten Fachgelehrten bestens empfohlen. Erhältlich in Apotheken und Drogerien. sch®*1 , der NSve'Or Heimen Untergrund des Daseins d!« Verrichtungen des Inner» leiten. Beteiligtstin? Wir gehören in denselben Kreis d« Schöpfung wie diese Geisteskranken. Sind tätige Glieder von ihr, ein unlös- barer Bestandteil, ein Rad in chrem Räd«werk. Wir haben einen Zlnteil daran, daß die Schöpfung in diesen Mitmenschen abgeirrt ist, daß an ihnen die Natur in ihrer Mechanik versagt und den höchsten menschlichen Apparat, den st« ihnen gab, nicht mehr be- herrscht. Wir als Zuschauer, an unseren Platz zwischen Tür und außer- l>alb der kranken Frauen gebannt» sind die Beute eines eigenen inneren Aufruhrs. In unserem Gemüt ist die Vorstellung geweckt, wir seien an den Raiid eines Chaos geraten. Ein leises Grauen fällt«inen an, da man sieht, daß in dem Kreis der Frauen unsere Gegenwort immer bemerkbarer wird. Daß sie wie ein Stock in einen Wespenbau in den trüben Spiegel dies« erkrankten Augen sticht. Auf dem Tisch sitzt noch immer bewegungslos die schöne weiche Fron und ihre Lippen gießen mit störrischer Beharrlichkeit die geflüsterten Klagen nach Freiheit hervor. Aber um sie rubelt es sich aus. Es erfolgen eckig«, anfgrei sende und ouflehnerische Bewegungen erregter Arme. Di« Lippen verwildern in Anklagen und V«wünschungen oder in den- Enthemmlsein geweckter Gier. Wir müssen gehen. Jl. Wuprin: An einem strahlenden Frühlingsnachmittag kehrt« ich einmal aus purer Faulenzerei in einem kleinen, dunklen Kaffeehaus ein. In dicht« Rauchwolken gehüllt, saßen an einigen gelb gewordenen Marmortischen schweigsame, merkwürdige Gestalten, die grübelnd ihre langen Nasen über die Tische henmterhängeu ließen. Di« gekrümmten Schultern, die merkwürdigen kurzen Radmäntel mit fast ebenso großen aufgestellten Kragen, di« riesigen Holskrauseu glichen. die wichtigen, düsteren Mienen— dos olles erinnerte mich ver- Müssend an eine Reihe ebensolcher Vögel mit längen Nasen, mit Krausen um den langen nackten Hals, die mit genau so blöd-weh- mutiger Miene dahockten— an die Vögel Marabu. „Marabu!" schrie ich lachend in dos düstere Zimmer hinein. Die Gestalten rührten sich nicht, ober vom Kleiderständer löste sich ein dunkler Diener los, der gleichfalls einem abgenutzten Ma- rabu ziemlich ähnlich sah, und antwortete mit heiserer Stimme: „Die sind nicht da!" Alle Marabus, außer dem Garderobier, saßen hinter Schach- bretiern. Einige spielten nicht, beugten sich ober auch über die Tische, nickten mit ihren langen Nasen und starrten, ohne mit der Wimp« zu zucken, aus die Figuren aus schwarzem und gelbem Holz, die in sonderbaren, für mich unverständlichen Kombinationen ausgestellt waren. Vom Hörensagen war mir bekannt, daß es Bauern. Springer und Läufer gibt, und noch meiner sonderbare» Gewohnheit, aus lauter Langeweile allerlei Unsinn zu lesen, hotte ich oft auf den letzten Seiten der Zeitung die für mich rätselbaste Rubrik durchgesehen, und es war mir im Gedächtnis geblieben, daß fast jede'Partie mit dem geheimnisvollen Zug«„Bauer e2— ei" beginnt. Einer der Spieler hob inmitten des allgemeinen Schweigens lautlos die Hand und rückte eine Figur schräg um zwei Felder vor. Alle Zuschauer machten«ine angespannte Bewegung. Ich aber griis mir an dep Kopf und rief entsetzt aus:„Gott! Das soll ein Zug sein? Sie sollien den Springer doch hierher stellen." „Das kann ich doch nicht!" wandle sich der Mummelgreis ärgerlich nach mir um.„Er wird doch hier von dein Bau«» ge- schlagen!" „Und wenn schon. Dafür werden Sie aber nach zehn Zügen einen riesigen Situationsvorteil haben. Dieses Gambit existierte In einer Borlanie bereits bei Professor Lobatschcwsky." Einer der Zuschauer sah mich neugierig an und sagt«:„Dort ist ein Tischchen freigeworden... Wollen wir eine Partie zu- sammen spielen?" „Wenn Sie ebenso spielen, lehne ich ab", sagte ich würdevoll. „Warum?" „Weil meine Beziehungen zu Menschen, die Stiesel nähen. sehr klar definiert find: ich bestelle bei ihnen nur Stiefel und lasse mich in keine anderen Spiel« mit ihnen«in! Um mich übrigens ein wenig zu zerstreuen, würde ich nichts dagegen hoben, gegen zehn Ihrer besten Spieler zugleich zu spielen. Es wird mir«in: Leichtigkeit sein, Sieger zu bleiben... „Aber wissen Sie denn, daß einig« von uns bei den letzten internationalen Wettkämpfen preisgekrönt worden sind?" „Oh. das ist mir ganz gleich", znekte ich verächtlich die Achseln. Ich hatte so laut gesprochen, daß alle Marabus auf uns auf- merksam geworden waren. Zuerst starrten sie mich in wild« Ver- blüffung an. sprangen dann aber auf, notterten ihre Partien, und. nachdem sie sich flüsternd b«aten hatten, erklärte» sie sich zum Turnier bereit. Während ich gleichmütig«ine Zigarette rauchte, waren einige Marabus damit beschäftigt, zwölf Schachbretter aus zusammengerückten Tischchen aufzustellen. Zwölf ausgewählte Ma- rabus setzten sich, wie dressiert« Vögel, stramm in«ine Reih« und steckten sofort mit einer professionellen Gebärde die Nasen über die Breuer. »Sie haben den ersten Zug. verehrter Herr!" wandt« sich der Schiedsrichter, ein Greis mit trüben Augen, an mich. Ich-glaubte, meinen Scherz imn weit genug getrieben zu haben. Aber es wollt« mir nicht einfallen, wie ich jetzt von hier weg- lammen sollte, gm Borrat hatte ich de» ersten Zog, der mir aus den räiselhaften Sehachrubriken in Erinnerung geblieben war, und ich rief gebieterisch aus:„Meine Herren! e2— e4! Ich«suche Sie, kür mich zu ziehen!" Zwölf gelbe Hände streckten sich noch den Figuren aus. und zwölf. Figuren auf zwölf Breit«» rückten um zwei Felder vor- märis. Die rauhe, dünne Stimme des ersten Spielers von rechts knarrte:<-7—«5. Ich beirochictc van fern aufmerksam die Bretter. begriff gar nichts und versank in Nachdenken. Es war wohi Zeit für mich, zu verduften. Aber ich zückte ironisch'die Achseln und verkündete in entschlossenem Tone:„M— b3.. Sämtliche Marabus blickten verblufft zu mir auf.„Sie wollten wahrscheinlich sagen: M— c3?" „Ich will das sagen, was ich für notwendig halle", meinte ich trocken. „Aber einen solchen Zug gibt es doch nicht! Der Springer kann doch nicht in gerader Linie vorwärts gerückt werden!" „Sie meinen, nicht? Habe» Sie denn noch nie von dein Garn- bit des Marabu gebort?" sagte ich mit giftigem Lächeln. „Ein solches Gambit existiert nicht!" schwirrten Dutzende Stimmen um mich herum. »„Wi— irrtli— ich? Ihr hockt in diesem üblen, rauchgeschwängcr- ien Loch, habt alles auf der Welt vergessen und habt in stumpfer Trägheit auf olle Errungenschaften verziehtet, die in letzter Zell i» diesem großen, schlauen, edlen und wahrhaft königlichen Spiel, das Schach heißt, gemacht wurden...." „Er ist verrückt", sagt« jemand aus einer Eck«. „Verrückt?" schrie ich mit gut gespielt« Wut.„Ja! lieberall und immer hat man alle Neuerer, Erfinder, Propheten, alle Mär> tyrer der Wissenschosi. alle Philosophen für verrückt erklärt. Aber hat sich deshalb etwas verändert? Steht der Fortschritt still" Wie früher ragt der Eiffelturm unerreichbar hoch empor, und die unterirdischen Eisenbahnen umspannen die Erdrinde immer mehr und mehr mit ihrem Stahlnetz. Ick) behaupte, daß das Gambit Marabu existiert! Es gestattet mit dem Springer in gerader Linie zu ziehen, und wenn Ihr euch weigert, es anzuerkennen, werde ich euch eine laute Anklage ins Gesicht schleudern: grimmige Maul- würfe, versteckte Feiglinge, Eulen, die Angst bckammen haben vor dem frischen Luststrom und vor den Sonnenstrahlen, die in meiner Gestalt in die tote, erstarrte Atmosphäre der Verwesung und de? Moders eingedrungen sind! Nein! Genug.... Hinaus in die frisch« Luft!" Während Dutzende empörter Stimmen um mich herum schrien und heulten, ging ich ruhig zum Kleiderständer und zog mich an. Einige Menschen sprangen um mich herum, schwenkten die Arme wie Flügel hin und her und knarrten mit den eingerosteten Stimmen. Aber, ohne sie zu beachten? setzte ich den Hut aus, richtete mich streng und ruhig empor und schritt würdevoll aus dem inussi- gen, düsteren Zimmer lfinaus. Die frische Luft der Straße empfing mich liebevoll, und voll Wonne die Augen zukneifend, lachte ich der hohen Sonne entgegen. lDeutsch von S. Borissoff und I. Lkidrloky.) Pflanzen mit blauen und lila Blättern. Auf Eelcbes entdeckten dl« Forscher Sarasin ein Farntraut(lüncksava euurea), dessen Blati- oberseiten in herrlichem lUtramarinblau gefärbt sind. Auch die ü> Indien einheimischen Eukalnptusaewächje besitzen, solange sie nod) Sträucher bilden, d. h. noch nicht zum Baum ausgewachsen sind, blaue Blatter. Eine auf Java vorkammende Composite(Qz-nur.-. -urantiaea) sieht dagegen aus, als ob sie lila Blätter und Stengel hätte. Bei genauer Betrachtung stellt sich dann freilich heraus, daß die Blätter und Stengel am Grunde grün, ab« dicht mit rotlila Härchen besetzt sind, daß ihre Oberfläche, selbst in der Nähe besehen, ein kräftiges und gleichmaßiges Lila aufweist. Lerantworikich kür Vdlüik: BIctor Schiff: Wirilchott:». NlinqrldZsrr! eZe-oerkfchaitdbcwi-guna: I. Sirlucr: gouiUrton: Dr. Zolin«diUorosli; i'Malcä uni) eonftiacs; ssritz»alftobt; einleiten; Td.(Motte; sämtlich in Berlin. Berloo: Borwarts-Berlaa(S nt b. 8., Berlin. Druck; Berwärts-Buchdruckcrei und Luiaasansialt Paul Sinarr u.(!».. Berg» SB.«8, Sutbutßtsie S» Britischer Hochschutzzoll. Eine neue englische Zolliste. Die englische Regierung legl den Weg vom Areihaudel zum radikalen Hochschuhzoll im Eilmarschtempo zurück. Rachdem am 25. November da, erste Zollgeseh mik den neuen 50prozeutigen Wertzöllen veröffenllichl worden war. ist am Freilag bereits das dritte Zollgesetz mit einer neuen Oiste prokekklonistlscher Vesiim- mungen bekonukgegeben worden. Wie bei den ersten beiden Zollgesetzen wird der deutsche Export auch von dieser dritten Aolliste schwer in Mitleidenschast gezogen. Die wichtigsten Fabrikate, die hier gleichfalls mit fünfzig» prozentigen Wertzöllen belegt werden, sind photographische Apparate. Radioröhren, elektrische Lampen. Baumwollfabrikate jeder Art, ver> schiedene chemische Produkte und andere Fabrikate, die in Deutsch. länds Außenhandel eine wichtige Rolle spielen. Die Wirkungen dieser neuen Zollbestimmungen kommen einem gänzlichen Einfuhr- verbot ziemlich nahe. So liegen z. B. auf Photoapparaten und photograpischen Einzelteilen bereits Zollsätze von SO Prozent des Fabrikatwertes, so daß infolge der neuen Bestimmungen Photo- apparate mit 100 Prozent ihres Wertes belastet werden, also mit Zollsätzen, die einfach nicht übersprungen werden können. Aehnlich oerhält es sich bei anderen Fabrikaten, auf denen berells die bekannten Mac-Kenna-Zölle mit 33� Prozent des Wertes ruhen, so daß hier die tatsächliche Zollbelastung weit über SO Prozent hinausgeht. Wie bei dem Erlaß der beiden vorherigen Zollgesetze beruft sich die englisch« Regierung auch diesmal auf die anormal hohe Einfuhr, die mit den neuen Zollerhöhungen bekämpft werden soll. Aber wie in den vergangenen Wochen ist auch die jetzt wieder- holte Begründung der englischen Regierung keineswegs stich- h a l t i g. Auch von englischer Celle kann nicht bestritten werden, daß die Mehreinsuhr in den ersten drei Novemberwochcn überwiegend durch die Zollpropaganda der englischen Konservativen be- dingt ist, die ganz zwangsläufig Angstkäufe und Boreindeckungen der englischen Importeure zur Folge haben mußt«. Die englische Regierung wird sich darüber klar sein müssen, daß diese rigorose Zollpolitik einen Gegendruck im Aus- lande hervorrufen muß. Die französischen Gegenmaß- nahmen hätten ihr bereits zeigen müssen, welchen Verhängnis- vollen Weg England mit einer Verschärfung seiner chochschutz- Zollpolitik betritt. Die Folgen werden nicht nur für den Welthandel. sowie für den Außenhandel von Englands Hauptlieferanten, sondern auch für Englands Export selbst verhängnisvoll sein, denn, abgesehen davon, daß verschiedene, besonders schwer betroffene Länder zu Gegenmaßnahmen greifen werden, wird der Konkurrenz- kämpf auf dem Weltmarkt nur um so heftiger entbrennen, und Eng- lands Export das Leben schwerer denn je machen. Englische Arbeitslosigkeit steigt. Die Ardellslosigtell in England, die schon in der letzten Ro- ixmberwoche um rund 7000 Personen gestiegen war, hat sich auch in der ersten Dezemberwoche um wellere S300 Erwerbslose oermehrt. womit die gesamte Arbeitslosigkeit tn Großbritannien 2 627 324 Personen erreicht hat. Die sell der Entwertung des Pfundes um etwa 130 000 Personen zurückgegangene Arbeitslosigkeit bot insofern ein falsches Bild, als es sich hier nicht um ein tat- sächliches Absinken der Arbeitslosigkeit handelte, sondern nur um eine Folge der Aussonderung der verheirateten Frauen aus der Arbeitslosenversicherung auf Grund der neuen Sozialgesetzgebung. Es ist also eine Illusion, wenn man annehmen wollte, daß die Entwertung des Pfundes den englischen Arbeits- markt bisher wesentlich entlastet hat, sondern die Entlastung liegt höchstens tn einer o s-r l ang s a mten Zunahm« der Erwerbs- losigkeib Groener über Zeiiungsverboie. Richtlinien für die Berbotsproxis. Der ReichsministerdesInnernhatden obersten Reichs- und Landesbehörden für die Handhabung der Verordnungen des Herrn Reichspräsidenten zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen vom 2S. März 1931 und 10. August 1931 Richtlinien mitgeteill, in denen folgendes bestimmt wird: Vor dem Erlaß jedes Verbots einer periodischen Druckschrift ist nicht nur zu prüfen, ob das Verbot auf Grund der Bestimmungen der Notverordnungen r e ch t l i ch z u l ä s s i g ist, sondern es ist in jedem Einzelfalle auch zu erwägen, ob das Verbot im Interesse der öffentlichen Sicherheit und Ordnung und damit im Staatsinteresse unbedingt notwendig ist. Die allgemeine Tendenz einer periodischen Druckschrift kann zwar für die Auslegung des Inhalts einer Veröifentlichung in der Druckschrist von Bedeutung sein. Dagegen hat die allgemeine Tendenz einer periodischen Druckschrist bei Prüfung der Frage außer Betracht zu bleiben, ob das Verbot notwendig ist. Insbesondere sind Verbote nicht deshalb zu erlassen oder aus be- sonders lange Dauer zu erstrecken, weil eine periodische Druckschrift die Forderungen einer Oppositionspartei vertrllt. Bei Prüfung der Frage, wann die Schreibweise die öffentliche Sicherhell und Ordnung gefährdet, ist insbesondere folgendes zu beachten: FalfcheNachrtchten.di« geeignet sind, die Bevölkerung in Erregung zu oersetzen, gefährden die öffentliche Sicherhell und Ord- nung. Dasselbe gilt für alarmierende Sensationsnach- richten oder Schlagzeilen, die die von der Reichsregierung getroffenen Maßnahmen zur Gesundung der wirtschaftlichen, finan- ziellen und polllischen Berhältnisie empfindlich durchkreuzen. Di« Zeitungsverbote sind dazu da, um die labil« Stimmung der Bevölkerung nicht durch verantwortungslose Aufreizung, vor allem nicht durch alarmierende, einsellig gefärbte und zur Aufhetzung geeignete Zeitungsberichte und Nachrichten aufpeitschen zu lassen. Schärfer als die deni Nachrichtendienst und der polllischen Belehrung dienenden, hauptsächlich im Wege des Abonnentenbezugs vertriebenen periodischen Druckschriften sind diejenigen Zellschristen auf die Notwendigkeit von Verboten zu prüfen, die im wesent- lichen nur dem S en s a t i o ns b e d ü rf n i s zu dienen b est i m m t sind und ausschließlich oder hauptsächlich i m S t r a ß e n- Handel oertrieben werden. Italien— tabu! Der was sagt, fliegt raus. Jeuusale«. 18. Dezember. Eine offizielle Negierung serklärnng bedauert die auf dem mohammedanischen Weltkongreß von einem cigvp- tischen Abgeordneten gegen Italien gerichteten Angrifsc und verkündet die Ausweisung dieses Abgeordneten ans Palästina. Oer Zug der pleite. „Junge, Zunge- aber jetzt! Erst der Schultheißwagen, und nu schleppen se'n Hanomag ab!" Oie„Märtyrer"derHufelandstraße Die Verteidigung beantragt: Kreispruch für Kollatz, Necker und Hauschke. Nicht der Mörder ist schuld, sondern der Ermordete. Ungefähr so konnte man im Gerichtsbericht des„Angriff" über den Prozeß der Hufelandstraße-Mörder lesen: Der Angeklagte Becker, der seinen von dem Reichsbanner Überfallenen Kameraden zu Hilfe geeilt war, halle sich in der Hitze des Gefechts in den Schneiderschen Laden verirrt und hat in Notwehr, um sich gegen die Uebernmcht des Reichsbanners frei« Bahn zu schaffen, geschossen. Nicht der Mörder ist schuld, sondern der Ermordete. Ungefähr so plädierten die Verteidiger in dem Prozeh der Mörder von der Hufelandstraße. Becker wollte nur schießen, weil Schneider mll nicht mißzuversteliender Bewegung drohend das Stuhlbein über sein Haupt geschwungen hatte. Der Revolver hat wohl geknallt, der Schuß ist aber im Laus stecken geblieben; den Willi Schneider hat eine Kugel von der Straße her getroffen. Becker ist frei» zusprechen. K o l l a tz behauptet zwar, er habe geschaffen. Das Gericht wird aber zu entscheiden haben, ob diese Selbstbezichtigung der Wahrhell entspricht. Der Staatsanwall ist ja der Ansicht, er habe nicht ge- schössen. So müsse er- freigesp'roch'en cherden. Unter allen Umständen habe er in Notwehr gehandelt. Söllls er geschossen und die Kugel Schneider getvoffen haben, so karfn ihm höchstens Fahrlässigkeit nachgewiesen werden. Hauschke hat überhaupt nicht geschossen. Er«st nur dabei- gewesen und muß freigesprochen werden. Bressel befand sich im Besitz eine, Waffenscheines und muß freigesprochen werden. P o r a t h und Weber haben sich nicht der Begünstigung der Flüchtlinge aus Berlin schuldig gemacht und sind gleichfalls frei» zusprechen. Di« Verteidiger beschworen die Richter, sich jeder politischen Gefühlswallung zu entHallen, nur ja den Angeklagten kein Unrecht zuzufügen. Es fehlle mir noch, daß die Angeklagten Kollatz, Becker und Hauschke schon im Gerichtssaal von den nationalsozialistischen Verteidigern zw„M är t yre r-n von der Huf el and st ratze" erhoben worden wären. Ganz so, wie der„Angriff" vom 17. die Mörder von Röntge nthal zu„Märtyrern" stempelt. Es heißt da: „Unseren Märtyrern zum Gruß. Au? den Kerkern entlassen. Cm Teil der Gefangenen von Röntgenthal wieder frei. Gestern nachmittag wurde ein Teil der wegen des Reichsbannerüberfolls in Röntgenthal gefangenen SA. wieder- entlassen. Wir grüßen i die tapferen Kameraden und Märtyrer unserer Bewegung in der Freiheit, nachdem sie fast zwei Jahre in den Kerkern geschmachtet haben." Beim Ueberfall auf das Reichsbanner am 3. März wurde der Arbeiter Kuboro getötet. Die vom Gericht oerurteillen Schuldigen sind. aber. für den„Angriff"„Märtyrer" Kollotz, Becker und Hauschke h«bem zw e-i Menschenleben aas dem Gewissen. Ihr „Martyrium" muß also für den„Angriff" in doppelter Glorie er strahlen. Das Gericht wird zu entscheiden haben, ob die Angeklagten wegen Totschlags zu verurteilen sind, oder ob sie, wie der„Angriff" schreibt,»vielleicht nicht einmal wegen Totschlags verurteiü" werden können. Montag um �s10 Uhr folgen kurz« Repliken des Staatsänwalls und der Verteidiger, sodann das letzte Wort der Angeklagten. In den Rachmlltagsswnden ist mll dem Urteil zu rechnen. Der Abbau der Eflenprefle. Senkung um 10 Prozent, vielfach mit Rückwirkung ab 1. Dezember. Die Eisensyndikale haben jetzl die Preissenkung aus Grund der letzten Notverordnung aus der Basis von 10 Prozent beschloffen. Abgesehen vom Roheisenverbaud, dessen ermäßigte preise erst vom 16. Dezember ab gelten, haben die übrigen Lyn- dikalc die Preissenkung mit Rückwirkung vom 1. De» zember ab sestgesetzt. Neben dieser allgemeinen Preissenkung werden auch die QualitSts-Ueberpretse, die schon längst hätten be- seiltgt werden müssen, um 10 Prozent gekürzt. Das Gesamlausmaß her Eisenpreissenkung kann nicht be' friedigen, denn es ist sogar in schwerindusirielleu Kreisen selbst der Standpunkt vertreten worden, wenn eine Preissenkung überhaupt durchgeführt wird, dann nicht unter 20 Mark, also rund 16)4 Proz.. für Slabeifen. Es bleibt beim Mietkündigungsrechi. Hausbesitzenvünsche von der Regierung nicht erfüllt. Nach der neuen Notoerordnung haben die Mieter von Wohn- und Geschäftsräumen das Recht, einen über den 31. März 1932 hin- aus laufenden Mietvertrag vorzeitig zu d i« f-e m Termin zu kündigen. Der Mieter kann aber nicht kündigen, wenn«r sich mll dem Vermieter im Jahre 1931 aufeineErmäßtgung des Mietzinses um mindestens 20 Proz. geeinigt hat oder noch einigt. Don verschiedenen Seiten ist gewünscht worden, dem Hauseigentümer zu ermöglichen, die Kündigung schon durch das bloße Angebot einer 20prozentigen Ermäßigung abzuwenden. Das Reichskabinell hat die Angelegenhell erneut erörtert, jedoch von der angeregten Maßnahme abgesehen. Die hiervon unabhängigen Durchführungsbestimmungen zu den Kündigungsvorschriften werden beschleunigt vorbereitet. Hochverratsverdacht. StrafanzeigegegendenehemaligeuGefandtenvoaReichenau Karlsruhe. 18. Dezember. Wie die Pressestelle des Staatsministerrums mitteill, hat das gegen den früheren Gesandten von Reichenau auf Schloß Rotenberg durchgeführte Verfahre» den Anlaß zur Erstattung einer Strafanzeige gegen von Reichenau wegen V e r- dacht der Vorbereitung zum Hochoerrat gegeben. Der Lberrachsanwalt tu Leipzig ist für die weitere Ermittlung zuständig. Nach dem jetzigen Stand des Verfahrens kann eine Auskunft über das Ergebnis der bisherigen Erhebungen noch nicht veröffentlicht werden. Llrteil im Netriebsspionage-prozeß. Je zehn Monate Gefängnis für die HauptangeNagten. Oudwigshafen. 18. Dezember.(Eigenbericht.) Im Ludwigshafener Spionageprozeh wurde am Freitag das Urteil gefällt. Die Angeklagten Steffen, D i e n st b a ch und Schmidt erhielten wegen Vergehens gegen das Gesetz zur Vetämpfurng des unlauteren Wettbewerbs je zehn Monate Gefängnis. Der kommunistische Parteisekretär Herbst wurde wegen Beihilfe zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Angeklagten Acker, Oehlenfchläger und Frau Oehlen- fchläger wurden freigesprochen. Die Untersuchungshaft wird den Angeklagten mit je 8 Monaten angerechnet. Herbst hat feine Strafe durch die Untersuchungshaft verbüßt. Er wurde sofort auf freien Fuß gesetzt. Die Haftbefehle gegen sämtliche Angeklagten wurden aufgehabe i, da Flucht- oder Verdunkelungsgefahr nicht mehr vorliegt. Leo Schützendorf gestorben. Am gestrigen Freitag ist der bekannte Berliner Opernsänger Leo Schützendorf im Alter von 45 Jahren gestorben. Vor einer Woche erkrankte er an einem Nierenleiden, das den Aerzteu sofort zu schwersten Bedenken Anlaß gab. Man brachte ihn in ein Krankenhaus, dock) verschlimmerte sich der Zustand von Stund« zu Stunde und man erkannte bald, daß Rettung nicht mehr möglich mar. Schützenldors, der in Köln geboren wurde, trat zunächst in Düffeldorf und anderen deutschen Städten, sowie an der Wiener Staatsoper auf. 1920 wurde er an die Berliner groß« Bolksoper im Theater des Westens berufen. Vor zwei Iahren ging er zu Max Reinhardt, wo er zuletzt in„Hoff'manns Erzählungen" die Rolle des Rates Erefpel spielle. Was den verstorbenen Künstler auszetchnete. war neben seinen herrlichen Stimmitteln ein« echte und vieffeittg« schauspielerisch« Begabung, die ihn befähigt«, sowohl in der ernsten Oper wie in der Operette stärkste Wirkungen zu erzielen. Aug Sowjelrußland peslüchlcl, und zwar nach Polen, sind laut Angaben der polnischen Grenzbehörden im letzten Vierteljahr 476 Personen, darunter 92 Frauen. Es sind in der Mehrzahl Weißrussen, doch auch SS Polen, 15 Juden und sieben Deutsche. {!(} jutdlM* »x?S?.'�.Ä2.SS »�-»3,90 '"�enröcHO«« g�-w*" SZssS*.*» SSSsst»» 'Ä med Form�Stü Tasehentuen («l» �ltCJp«tereM»� A Q5 Y'�er s Karton--.• t chentücner M. ret�V» K�ton»' •s«»se*�Ä�29«50 )85| 16,25 rta«dstt*�®u>>« 8,�5 »«»lÄ«9,75 ..........—""-n !:H:":il;;i »eSÄs»'90 IÄ»»54,50■ kbb.)«eU4...,&t*ek";s RÄ V "��0,95 I liAndÄ����b??11 tein" �•4,3� Wvp�S-«5 aeinKleldef yp'1� �»05 KaH«d«KeJ, 5 .-s 3 95 rs:-£;...:'VS3<� »Ms»-—'?.?'?>"•""e " Ihhl W00-. � reich a �8£ /w�si Fest alle« von ASCHINQER Aschingers Wurstwaren Aschinger-Brot Aachlngera Ooaan-Würatchan Aachlngara Tlaoh fertige Speisen In Deeen PRÄSENTKÖRBE von RM 6.45 in WEIN KÖRBE RM 6,— bis 25.— Im Aschinger* Konditoreien: WEIHNACHTS. TORTEN, HONIGKUCHEN CHRISTSTOLLEN, I» reiche Dresdner Qualität rÄ ASCHINGER-KAFFEE' 1 MARZIPAN. SCHOKOLADEN ALLE KONFITÜREN ASCHINGER— billig u. gut!. Sfddl.Oper Charloitenbure Bismarckstraße 34 Sonnabend, 19. Oer. Turnus t Anfang 1930 Uhr DleHochzeU des Figaro Ende gegen 3i45 U. Sonntag 14 Uhr Hansel u.6retel scrra Tigl. 5 u. SVi Uhr NONI leilTtBEISVENTE und da» groß» Walhnauhts-Progr. Achtung I lentt;« Sit I«, Vir- vvlnit tlr dl» Felan tig» tiglM Ii 11 Ii tr nutebratli« Tigl. 6 u. SU Uhr Sonnlag» 2. S, SU �PAGANINi" OPERETTE in 3 Akten FRANZLEÜÄfl Achtuns S Der Vorvtrkauf für die Feiertag« hat bereits begönnet:.' Theaicr Sov Bebend, den 19. Deren, her Staatsoper unter den Linden I9>* L'lir Cosl fan tutte StutUdmoiitllBin Ogsdamnatitt. 20 Uhr Schlller-Tlieatei Quihttnlug. 20 Uhr Datterich Volks iHUinc Täutff in BJlowplat! 8 Uhr Dte BroBüerzooln von Gerolstein Staad Sdiüto-Tlealtr ■> Uhr Datterich Theater desWestens Täglich Uhr »il a da» dnl Weihnadiis- lajn udielltigi und tbands Karl Jönen In De» Vogelbändler PniiitPlälztr.StlPf.ii) Sonni.agi'/.u iUht Der VooelöSnUler Iroimi-I»M s» n neosrl.■ ontRUp. N Am 23 Derember Premlere Morgen Sekts ans galt Er>t» Kuhnn. Hn Hann OrdseaLDafos Bela 8 nur IS. Hots 3434. Raurhen JonnaDeaB a. Saantag|e 2 VonteUp. 4(.8.13 Uhr. 4 Ohr Ueina Preise Einen bumen Teller voll seltener Ledterbissen hat der Wmtergarten für seine Besudier Im Weihnaditsmonat bereitgestellt... D.W. 4. 12. «•»» Ferner : Rasteiiis einziger Film Vorvcikout für die Feiertage fFreltic. 23.!2n Sonnab., 26. 12. Sonnt.. 27. 11 je 2 Vorstellungen) an der Theaterkasse ununterbrochen. WM meaiei 8 Uhr Antonios and Cleopatra von Shakespcore Rtjie: Htlnz Hllmrt Die Komödie 8-h Uhr Jemand von Franz Molnar legi«: Gntif Criodgec! mit Ubirt Ssssenrann Ruriarstendaniin- Theater J 1 448 üshp. dJufridit-ProduH. Montag, 21. Dez. 7% Hahagonny von Brecht u Weill Im.: Hahtr. Mas t lirtaag von Ztmllnsky IBeaiur im AdmlralSDalasi Täglich 8>/, Uhr int n 4n dral Vtlhiadits- lijn udnlltigs nä ibnü Die Dabarry mit Gitta Aipar Preise v. 0.50 M an Rose- Itieater nl» FrMktirtr Stnl» 137 M. Wrdud 1 7 3422 3 Uhr Sdinee witdben 6 und 9 Uhr Die Keusche Susanne Theater am Nollemlorfplab fajit; Hfiar S« tukirj Pallas 7051 Täglich Vit Uhr Gasparone Sonnab. und Sonnt 4 Uhr Letzte VortfellaBg Xiajit RjpjirBJits Fahrt in Minhenlami nietropoMtieaier Täglich gi*. Uhr Dir«ut du 20. Dtonhc Die Blume von Hawai Pn'iu ni SO PL n Sig 5 u. Vit Uhr Am 23. Dezember ■Premtcre mit Bich. Tauber Planetarinm mmmm am ZOO■" 1 5, 7, 9 Uhr Film omKOniosee and Vaumano 3 Uhr fiardienlllme MiW.SeM-üMMiiW!i Tonfilm DiedroDcfaliri m Arnold Korlf, Maria Leasing. Theo Stull, Ulrich Hanoi n a. Bühne: Ferdy KauiSntann der RondianlaneUicr m 11 seinen 14 Solisien Vond.Gavßlteb.z.Rnniba lugendliche Zu'ritt sv. uhr CASINO-IHEAlEß«1/. Uh. Lothringer Strafie 37, Wenn Kinder beiraten und da» groge Fest• Progranim I Duisehein 1-4 Personen: Parken»0 PI Faureuii I*— Mark. Sessel 1.00 Mark. An allen Feiertagen nachm. 3 un, für Erwachsene und Kinder Vaterns Wundcrkur and de» Fest-Programm« Preise: 30 Pf- 0�0. 0.75, 1,— Mark. fmm reipugung� Restaurant Berlins BETRIEB AK KEMPIHSIflVj Es Ist neu erschienen: Kinderland 1932 Ein Jahrbuch für Arbeiterkinder in Stadt und Land. Reich illustriert. Farbige Bilder beleben das Buch. Sprudelnde Lebensfreude vom ersten bis zum letzten Blatt. Die Kinder haben selbst daran mitgearbeitet Das Kinderland kostet 1.30 RM. Zu haben in allen Vorwärts-Filialen und bei allen Zeltungsausträgern , Rum 70.(beburtstafle muufdjnt � mir uniettu« Urbea Bai» » Wilhelm Kluge � aiel«Slöck. Rinder nnb Enkel *, Familie Hertel, Baumichuieuwtg Familie Plage, fläpenut Familie Loth, Steirudcaborf Oeffeatliche Sitzung bei 10. RIeiner» Siraflaninier bes Landgerichts I. >0 P. 813/30. Berlin, den 30. Nouember 1031. In der Prinatklagesach« 1. de, Reichsiagsabgeordneien August Karsten, 2. bes Berbanbsporsitzcitbe» Max M a t- 1 h« s beide m Berlin. Reichslogsufer 5, Privatkläger, Lertreter: Rechtsanwalt Dr. Ratz, Berlin W. 13. Ioachunsthaler Slrahe 30, ub Böhm. Berlin. £S' : Itru 1. den Redakteur Britz. Iahnlirag, !. die Redaktenriu Marie Blum,»ur Feit unbekannten Aulcnthalt». SUlgellaat», Verteidiger: Rechtsanwalt Dr. Camter, Berlin EW. Ii. Möck-rnstr. 131, wegen übler Aachrebe. Nachdem in einer anderen Priuatklage- che der bort angeklagte Leonib Schwalb» wegen Berleumdung der Brinatlläger zu einem Monat Cbcfäng. itts oerurteilt und seine Berufung ner» warfen ist, schließen die Prru-tiläger mit den Ängeklaglcn Böhm und Frau Blum in der aorliegenden Privatkiag«, lerner in ihren Priaatklagen gegen den Redakteur Kurt Rosenbaum in Königs. dera— 10. P. 825. 30.— unb den Re- dakieur Erich Hossmann in Hamburg— 10. P. 288. 80— mit ben sämtlichen An- geklagten in ben 3 Privatklagen folgen, den B e r g l e i ch: Di« Angeklagten in den oorhezetchn«. ten Prioatklagen erklären folgende»: Wir halten den in folgenden Zeit »)..Neue Zeitung� in München 29. Januar 1929, d)„Ostthllringer Ardeiterzeitung- in Sotlia oo»> S. Februar 1930, «1„Echo de, Ostens- in Königsberg«mi 8. Februar 1930. -1)„Nordbeutsche Zeitung- I» Hamburg vom 80. Januar 1930 gegen die Privatkläger erhobenen Bor. wurf der Unterschlagung nicht ausrecht und nehmen ihn hiermit zurück. Di« Angenagten übernehmen semeils die in den vorstehenden PrivalNage» entstandenen gesetzlichen Kosten. Die Privatkläger sind berechtigt, ben Wortlaut dieses Vergleichs auf Koste» der Angeklagten In folgenden Blättern In der Üblichen Weis« veröffentlichen zu lasten: 1.„Borwstrts-, 2.„Rote Fahne-, 8.„Deutsche Involldenzesknng-, 4.„Intzrnotionaler Bund-, sämtlich in Berlin. Me Privatkläger nehmen barans die vorbezeichneten 8 PrivatNagea zurück. sl,. 8.) beglaubigt gez.: Riemer, Justiz. angestellter als ilrkundsbeamter der Seschäftsstelle. KLEINE ANZEIGEN iiiniiiiimiiiiimmiiHmiiiiiiiiiiimiiiiinimiiminiiiiiniuitiiiiiiiiiiiiimnuiiiiiiiiiui Preiset überschrlfttwor« 25 Pf., Textwort 12 Pf. Wiederholungsrabott i 10 mal 5 Proz., 20 mal ade« 1000 Worte Abschluß 10 Proz., 2000 Worte 15 Proz., 4000 Worte 20 Proz. Stellengesuche: uberschrifts- wort 15 Pf., Textwort 10 Pf./ Anreigi entweiche für die nächste Nummer bestimmt sind, müssen bis 4'> Uhr nachm. im Verlag, Undenstr. 3, oder auch in samtlichen Vorwärts-Filialen und-Ausgabestellen abgegeben sein uername Velen. eiserne, jeder Art. Teilzahluna. lrans- vortable Kachel. öfen. Badewannen Kestelöfea. Koch- Herde. Repara. turen. Die alte irma Temmler u. ileyderg, Dresd«. ncrstraße IS.- Linolen» Szwat, Kolonie. straße I. K.ISüZunZZZlüGiiS. uiascna usw. venia aetraaeae Kaoaliergarderode oon Millionären. Aerzte». 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