BERLIN Mittag 21. Sezember 1931 10 Pf. Nr. 596 B29S 48. Jahrgang Trscheinttiglich außer Sonntags. Zusleia, Hdcndausgade des.Borwärt«' Bciossvret« für beide Zlutgaden«»Vf.»ro WoSe. Z.fW M. rro Mboai ldaoon Bö Pf. monatlich für Zustellung ins Hant> im voran« ladltar Postdezuz«,32 M. einschließlich SO Vf. Vostjeilunzs- und 72 Pf. Postdcftellzedühreu. SftaictuLgaße Job„ij(yfWtU4& A»»ei«ei»r»i« Die-insvaltig- Nowareilleteile M Vf.. Reklamezeile SM Ermäßigungen nach Tarif. Vostfcheckionto Borwärt«- Bcrlag G.m.b.H.. Berlin Rr. 37-3«.- Der Lcrlag behält(ich da« Neckt der Bidlehnung nicht grnedmer Anzeigen oor Redaktion und Erpedition Berlin SW«3. Lindenstr S Sernfprecher� Döndoii 7) 292—237 Maffenkündigung bei Borsig Angeblich wegen„Inventur"- Stillegung nicht beabsichtigt! Ab heul« Ist der gesamten Belegschaft des Borsig-lverles In Stärke von 2800 Mann wegen— Znoenturausnahme— voraussichtlich vorübergehend— gekündigt worden. Die Arbeiterschaft hat sofort eine Betriebsversamm- tun g nach dem Borsig-Kasino einberufen, wo zu der Kündigung Stellung genommen werden soll. � � Ms die Vorfig-Arbeiter heut« früh zur Arbeit anrückten, waren an den Werkstoren große Plakate angeschlagen, die die Entlassung der gesamten Betriebsbelegschast verkündeten. Der Arbeiterschaft bemächtigte sich eine begreifliche Erregung. Der Betriebsrat versammelte die Belegschaft darauf sofort im Werkskasino und legte oor der Versammlung die Loge dar. Danach hat die Verwaltung beschlossen, eine Inventur der Borräte und der Auftrag« vorzunehmen und ferner festzustellen, welches ausstehende Material noch geliefert wird und welche Aus- träge zunächst aufzuarbeiten sind, bei denen in erster Linie Geld- eingangs erwartet werden können. Diese Untersuchungen haben es unmöglich gemacht, einen geregelten Fabrikalionsbetrieb aus- rechlzuerhallcn. Auch ist es vor der Feststellung des finanziellen Status, der frühestens zwischen Weihnachten und Neujahr abgeschlossen werden wird, unmöglich, neue Kredit« zu erhalten, so daß auch hierdurch ein« Beschränkung der Fabrikation auf die kurzfristigen Aufträge geboten ist. Die Verwaltung erklärte in einer Presiebesprechung hierzu, daß sie die Belegschaft hätte beurlauben können. Da die Frist der Arbeitsunterbrechung noch nicht genau abzuschätzen ist und die Möglichkeit besteht, daß sie länger dauert als die lltägige Karenzzeit, die oor der Leistung der Arbeitslosenversicherung not- wendig ist, so hat die Verwaltung die vorsorgliche Entlassung beschlossen. um die Belegschaft eventuell in den Genuß der Arbeitslosenunter- stützung kommen zu lasten. Nach der Entlassung der Gesamt- ' belegschaft sind heute bereits 200 Mann wieder eingestellt worden, die zunächst die dringlichsten Aufträge erledigen sollen. Weitere Neueinstellungen sind in den nach st en Tagen geplant. Die Angestellten, die einen Kündigungsschutz genießen, sind von der heutigen Kündigung nicht betroffen worden, jedoch besteht die Möglichkeit, daß zum 31. Dezember 1931 einem großen Teil der Angestellten doch noch gekündigt wird. Entscheidend für den Bestand des Werkes ist und bleibt nach wie vor der Beschluß der Gläubigerversammlung, die sofort nach der Veröffentlichung des finanziellen Status' zu- fammentreten wird. Es liegen Pläne zur Aufrechterhaltung des Betriebes vor, die von der Verwaltung gemeinsam mit den Per- tretern der Arbeiterschaft und der Angestellten aufgestellt sind. Zur Untersuchung über die Möglichkeiten der Rentabilität der einzelnen Betriebsabteilungen sind Werkskommissionen ge- bildet worden, die sich aus Vertretern der Verwaltung, der Arbeiterschaft und Angestellten zusammensetzen. Sammelkarte 90 Pfennig. Neuer Beschluß der BVG.- Monatskarten werden auch billiger. Der Aufsichtsrat der Berliner Berkehr-Gesellschaft, der heute mittag zu einer neuen Sitzung zusammengetreten war, um die kürzlich beschlossene Preissenkung zum 1. Januar noch einmal nachzuprüfen, faßte folgenden Beschluß: Ab 1. Januar soll der Preis der T a m m e l- karte, die zu fünf Fahrten auf der U-Bahn und der Straßenbahn berechtigt, SV Pfennig betragen. Jeder Einzelfahrschein auf der Straßenbahn und der Unter- grnudbahn berechtigt auch zum Umsteigen und kostet 25 Pfennig. Die Mouatskartenpreise der BVG. sollen an die Zettkartenpreise der Reichsbahn angeglichen werden, was einer ungefähren Preissenkung um LV Proz. gleichkommt; der Eiazelftchrschein auf dem Autobus kostet wie bisher 25 Pfennig, für den Umsteigefahrschein auf den Autobus mutz«tau 3V Pfennig wie bisher bezahlen. An den Folgen eines Unfalls, den er vor kurzem erlitten, ist der frühere Oberbürgermeister von Magdeburg, Genosse Hermann B e i m s. am Sonntag g e st o r b e n. Mit ihm verliert die deutsche. Arbeiterbewegung«inen ihrer tatkräftigsten und ideenreichsten Mit- tämpfer, der auf zahlreichen Gebieten sich bewährt hat und, bis zu seinem Unfall, die Hoffnung als berechtigt erscheinen ließ, daß er trotz seiner fast 69 Jahre noch lange anregend und vorwärtsdrängend in der Partei tätig sein würde. Hermarm Belms war im besten Sinne des Wortes ein Typus des Arbeiters, den die organisatorische Schule der Sozialdemokratie entwickelte, und zu immer neuen LeHunaen bejähigie. Am 26. April 1863 in dem kleinen Harzdorfe Haverlah bei Goslar als Sohn eines Hauswebers geboren, mußte er das Tischlerhandwerk erlernen, da sein Wunsch, Lehrer zu werden, nach des Vaters frühem Tode nicht durchführbar war. Noch während des Sozialistengesetzes wurde er Sozialdemohat und selbstverständlich Mitglied seiner Fachorgani- sation Wegen seiner lebhaften agitatorischen Tätigkeit oft gemäß- regelt, mußte er sich sür kurze Zeit selbständig machen und als Kleinmeistsr im Tischlergewerde sich durchzuschlagen suchen. Von 1897 bis 1899 war Belms dann als Hilfsarbeiter im Hauptoerband des Holzarbeiter-Berbandes in Stuttgart tätig. Im Jahr« 1992 wurde er als Arbeiters« kretär zunächst nach Braunschweig, später nach Magdeburg berufen: 1996 übernahm er das neugegründete Amt eines Bezirkssekretärs der Sozialdemokratischen Partei in Magdeburg. In allen diesen Stellen entwickelte er ein hervorragendes organisatorisches Talent, das sich mit umfang- reichen juristischen und wirtschaftlichen Kenntnissen glücklich paart«. Sein besonderes Verdienst aber liegt aus dem Gebiete der K o m- munalpolitik. Hier erblickte er mit Recht die Möglichkeit, für die Arbeiterklasse als Sozialist zu wirken. In. der Gemeinde und von ihr aus in der Provinz und im Staate Einfluß auszuüben, erschien ihm von je eine der wichtigsten Aufgaben der in der Sozial- demokratie organisierten Arbeiterklasse. Nachdem er schon früher im Harz als Gemeindevertreter tätig gewesen, wurde er 199S ins Magdeburger Rathaus entsandt. Die Tätigkeit der Sozialdemokraten war damals durch das Dreiklasienwahlrecht aufs engste eingeschnürt. In Magdeburg kamen noch raffinierte Sonderbestimnmngen hinzu, die die Arbeitervorstädte wahltechnisch von der wohlhabenden Alt- stadt absonderten. So blieb die Zahl der sozialdemokratischen Stadt- verordneten dauernd beschränkt. Um so mehr kam es auf die Qualitüt der einzelnen an, wenn trotzdem der Einfluß der sozictisti- scheu Ideen sich geltend machen sollte. Hermann Dcims war der Mann dazu, gegen das vorherrschende nationalliberale Element d>.r Eisen- und Zuckerbarone sich durchzusetzen, sowohl im vfscnen Kampfe wie in den sachlichen Verhandlungen der Ausschüsse. Von der eigentlichen Verwaltung der Städte blieben Sozialdemokraten unter dem wilhelminischen System ausgeschlossen. Erst im Jahre 1917, während des Wellkrieges, gestand man ihr auch in Magdeburg einen„unbesoldeten Stadtrot" zu. Als solcher wurde Hermann Belms gewählt. Nach der Revolution wurde er dann 1919 zum Oberbürgermeister der Stadt bestimmt. Dieses Amt hat er bis zur Erreichung der äußersten Altersgrenze— 68 Jahre— ausgeübt. Erst im Mai dieses Jahres trat er zurück. Sein Noch- folger wurde bekanntlich der Berlin« Stadträt, Genosse EAkst'MsMer. Als Oberbürgermeister tonnte Belms erst seine ganze Kroit entfallen auf dem Gebiete, das ihm besonders am Herzen lag. Weim die Stadt Magdeburg, früher eine durch Festungsüberlieferung ei» geschnürte Beamtenstadt, mit engstirniger, rechtsnationalliberaler Fabrikonteillendenz, im letzten Jahrzehnt aufblühte und neues Leben auf fast allen Gebieten entwickelte, so war das nicht zuletzt der starten vorausschauenden Initiative und dem energischen Vorwärts- drängen ihres Oberbürgermeisters aus proletarischem Geschlecht zu danken. So stark umkämpft er auch als politische Persönlichkeit war, seine unbeirrbare und erfolgreiche Arbeit für die Stadt wird auch von den verbissensten Gegnern anerkannt. Seit 1919 gehörte Belms, init kurzer Unterbrechung, auch dem Reichstag als Vertreter des Wahlkreises Magdeburg an. Seine Haupttätigkeit aber widmete er der kommunalen Arbeit, nicht nur in der Stadt selbst, sondern auch in der Provinzial- Vertretung und in den Städtetagen, deren Vorständen er bis zu seinem Ausscheiden aus dem Anite angehörte. Magdeburg hat noch zu seinen Lebzeiten sein Andenken für die Nachwelt gesichert, indem es eine große geschlossene Wohnsiedlung im Westen der Stadt nach ihm„Hermann-Beims-Siedlung" benannte. Im Gedächtnis der deutschen Sozialdemokratie wird Hermann Belms fortleben nicht als' ein Wortmacher, dessen Spur verweht, sondern als ein kenntnisreicher, energischer und konsequenter Arbeiter am sozialistischen Aufbau, als einer, der aus der Enge proletarischer Kindheit sich ernst und ausdauernd emporarbeitete, innerhalb seiner Klasse und für sie den harten Weg zu sozialistischer Gestaltung fand. e- Der Parteivorstand sandte an die Witwe des Genossen folgendes Beileidstelegramm: „Erschüttert von der Nachricht des Todes Ihres lieben Gatten, unseres treuen Kanrpfgefährten, Hermann Beim?, sprechen wir Ihnen und den Familienmitgliedern unser herzlichstes Beileid aus. Ihr Gatte wird uns auch nach seinem Tode das Vorbild eines verdienstvollen, uneigennützigen und unermüdlichen Streiters für den praktischen Soziallsmus sein." Als Nachfolger für den Verstorbenen wird die Genossin Frieda Fiedler aus Aichalt in den Reichstag eintreten. Explosion in Möbelfabrik. Ein Arbeiter verleht.- Schwerer Schaben. Im ZNaschinenhaus der Möbelfabrik w i n k c r h e l s in der Warschauer Straße 70 ereignete sich heute vormittag eine folgenschwere Explosion. Das Dach de» Gebäudes wurde teilweise abgedeckt und über 50 Fensterscheiben zertrümmert. Der 21 Zahre alle Heizer Walter S. erlitt erhebliche Berlehungen. Durch den starken Luftdruck wurden in einer Werkstätte aus einem Tlachbargrundstück in der Romintener Straße schwere Verwüstungen angerichtet. Die Explosion, die weithin hörbar war. hatte unter den Bewohnern große Unruhe verursacht. Offenbar handelt es sich um eine Gasexplosion, die Untersuchung darüber ist jedoch noch nicht abgeschlossen. Eine lex Schäfer. Ein Lahr Probezeit vor Aufnahme in die NSDAP. In einer parteiamtlichen Bekanntmachung verfugt Adolf Hitler im Hinblick auf die Vorgänge in Hessen: Dem Ersuchen von Personen, welche bisher in der Oesfcntlichkeit hervortraten, ins- besondere wenn diese bereits als politische Führer anderer Parteien eine Rolle spielten, in die NSDAP, aufgenommen zu werden, ist nicht vor Ablauf einer Prüfungszsit von einem Jahr, gerechnet vom Tage der Einreichung des Aufnahmegcsuchcs, stattzugeben. Kriegsopfer gegen Notverordnung. Milderung der Härten— Energischer Preisabbau? Bundesvorstand und Bundesausschuh des Reichsbundcs der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegcrhinterbliebenen traten am M. Dezember 1931 in Berlin zu einer gemeinschaftlichen Sitzung zusammen. Beide Körperschaften stellten übereinstimmend fest, daß die Re- gierung trotz gegenteiliger Zusicherung die Bezüge der Kriegsopfer abermals aufs schwerste und unerträglichste durch Aenderung der So.zialversicherungs- und Fürsorgegesetze eingeschränkt und die wiederholten und eindringlichen Mahnungen des Reichs- bundes der Kriegsbeschädigten, Kriegsteil- n eh in er und Kriegerhinterbliebenen unberücksichtigt gelassen hat. Die voni Reichsbund stets erhobenen schwerwiegenden Bedenken gegen Lohn- und Rentenabbau bestehen auch für die Zu- tunft fort. In den Mohnahmen zum Abbau der Preise kann keine ausreichende Bürgschaft für einen Ausgleich der Kaufkraftminderung erblickt werden. Die gegen die Bedürftigsten der Kriegsopfer durchgeführten Maßnahmen— der Entzug der Renten aus der Sozialoersicherung, die Herabsetzungen der Fürsorgeleistungen— sind Ausnahmebestimmungen, die den verfichcrungsrechtlichen Grundsatz von Leistung und Gegenleistung aufheben und für die Kriegsopfer erneut eine Be- fchränkung der mit Blut erworbenen Rechte bedeuten. Niemand hat ein größeres Interesse am wirtschaftlichen Wieder- aufstieg Deutschland?, an politischer Beruhigung und an der Er- Haltung eines geordneten Staatswesens als die Kriegsopfer. Sie hegen jedoch stärkste Zweifel, daß durch die in der Notverordnung beschrittcnen Wege das deutsche Volk dieses Ziel erreichen wird. Der Reichsbund der 51riegsbeschädigten lehnt jede Verantwortung für die sich aus Lohn- und Gehaltssenkung sowie dem Abbau von Leistungen und Renten aus der Reichsverjorgung und Reichsoer- sicherung ohne vorherige durchgreifende Preissenkung ergebenden Folgen nachdrücklichst ab. Er fordert jedoch, daß nunmehr alle dem Preisabbau dienenden Maßnahmen nicht weniger rücksichtslos durchgeführt werden, wie die Zugrisfe auf Lohn und Rente, und daß die unerträglichen.Härten in der Verordnung wieder be- feitigt werden. Bluttat im Nachtlokal. Ein Gast getötet, Kellner lebensgefährlich verletzt. Frankfurt a. Ak.. 21. Dezember.(Eigenbericht.) Irr der Nacht zum Sonntag war das Nachtlokal„Cafe Daube" in der Vilbelsr Straße der Schauplatz einer blutigen Auseinander- fetzung. Ein Gast des Lokals wurde g stiftet, ein Keller lebensgefährlich verletzt. Morgens gegen 5% Uhr erschienen in dem Lokal drei junge Burschen/ die für sich je ein"Glas Bier'bestellten. Mit zwei am Nedentisch sitzenden Mädckstn fingen die jungen Leute Hänseleien an. Eins der Mädchen verließ daraufhin das Lokal. Zwei der Burschen folgten ihm, ohne jedoch ihre Zeche zu zahlen. Als schließ- lich auch der dritte das Lokal verlassen wollte, wurde er von einem Kellner angehalten und aufgefordert, zu zahlen. Statt Dessen schlug der Mann blindlings auf den Kellner ein. Unterdessen kehrte einer der anderen Zechpreller in das Lokal zurück und beteiligte sich an der Auseinandersetzung. Dem Wirt gelang es schließlich, die Streitenden zu beruhigen. Plötzlich erschien dann der dritte Bursche und trat den Kellner Krug in den Leib, so daß dieser zu Boden siel. Im gleichen Augenblick zog er seinen Revolver und brachte dem Kellner einen lebensgefährlichen Lungenschuh bei. Ehe ein- gegriffen werden konnte, gab der Täter vier weitere Schüsse ab. Ein unbeteiligter Kaufmann wurde ins Herz getroffen, er war sofort t o t. Die Täter sind entkommen. Während der Flucht wehrte der Hauptbeteiligte die Verfolger mit der Waffe in der Hand ab. In der Laube erhängt. Liebespaar tot aufgefunden. In der Laubenkolonie am Königsweg in Schöneberg wurde an, gestrigen Sonnlag eine furchtbare Tragödie entdeckt. In der Laube Nr. S wurde ein junger Mann und ein junges Mädchen erhängt aufgefunden. Es scheint, daß die Lebensmüden bereits vor acht Tagen zu der Verzweiflungstat schritten. Als am Sonntagvormittag der Besitzer der Laube, ein Schöne- berger Kaufmann auf seinem Grundstück erschien, um nach dem Rechten zu sehen, sah er, daß ein Fenster zertrümmert und von innen aufgeriegelt war. Der Mann glaubte zunächst, daß Ein- brechcr der Laube einen Besuch abgestattet hätten. Als er aber das Innere des Häuschens betrat, bot sich ihm ein surchtbarcr Anblick. An einem Querbalken hatte sich ein junger Mann und ein Mädchen erhängt. Bisher konnte noch nicht ermittelt werden, wie die Lebensmüden heißen und woher sie stammen. In einem seidenen Tuch, das in den Taschen des Mannes gefunden wurde, waren die Namen„Lene— Hans" eingestickt. Man glaubt, daß das Paar aus Hamburg stammt, da der Hut des Mannes das Firinenschild eines Hamburger Geschäftes trug. * Die 31 Jahre alte Hausangestellte Agnes B. wurde gestern in der Wohnung ihres Arbeitgebers, eines Berlagsbuchhändlers in der Arndtstrahe in Steglitz, tot aufgefunden. Wie die ärztliche Unter- suchuiig ergab, hatte sich das Mädchen durch Blausäure ver- giftet. Da in dem Zimmer der Hausangestellten eine Menge Pflaumenkerne gefunden wurden, nimmt man an, daß sich das Mädchen die Blausäure selber gekocht hat. Das Motiv zur Tat ist nicht bekannt. Kingierier Raubüberfall. Zwei Lehrlinge brauchten Geld zu Weihnachten. Der Raubüberfall auf da» 15 Jahre alte Lehrmädchen Margot D. in der G r o ß e n Frankfurter Straße hat sich als fingiert herausgestellt. Das junge Mädchen hat mit einem gleichaltrigen Lehrling gemeinsame Sache gemacht. Beide sind in dem Seifengeschäft in der Großen Frankfurter Straße angestellt. Da sie zu Weihnachten wenig Geld hallen, kamen Letzte Ausflüchte der Mörder Reue Beweisanträge der Verteidigung im Hufelandstraße-prozeß— Schon zusammengebrochen In dem Prozeß gegen die Schuldigen aus der Hufelandstraße sollten heute morgen nur kurze Repliken der Parteien und das letzte Wort der Angeklagten folgen. In Wirklichkeit wurde von neuem in die Beweisaufnahme eingetreten. Der Verteidiger des Angeklagten Haufchke, R.-A. K o f k a, stellte den Antrag, den Kriminalassistenten K r e i t l o f und den Kaufmann Nemeth zum Beweise dafür zu laden, daß beim getöteten Willi Schneider eine Pistole gefunden worden, daß diese Tat- fache aber auf höhere Weisung verschwiegen worden sei. Der Staatsanwalt beantragte, den Beweisantrag abzulehnen, da während der ganzen Verhandlung kein Wort darüber gefallen fei, daß auch Willi Schneider eine Waffe gehabt habe. R.-A. Dr. Kofka bestand auf seinen Beweisantrag: diese Tatsache, die ihm erst gestern bekanntgeworden sei, betätige nur seine Behauptung, daß auch die Reichsbannerleute im Besitz von Waffen geweseit seien und daß der erschossene Graf von der Hand der Reichsbannerleute gefallen fei. Das Gericht beschließt die Ladung der beiden Zeugen, die Ver- Handlung wird auf eine Stunde ausgesetzt. Kurz nach>sl2 Uhr sind beide Zeugen zur Stelle. Der Zeuge K r e i t l o s erklärt, daß er nichts darüber sagen könne, ob Willi Schneider eine Schußwaffe gehabt habe. Die Leute hätten sich in der Huselandstraße über die Vorgänge der Siloesternacht unterhalten: es sei dabei geäußert worden, daß auch Willi Schneider eine Pistole gehabt haben müsse: er selbst hätte aber darauf gesagt, daß, wenn das der Fall gewesen wäre, die Waffe bei ihm im Krankenhaus gefunden worden wäre. Er habe später mit dem Kaufmann Nemeth darüber gesprochen, mit dem er in einem Hause wohne. Er habe nur gesagt, Schneider sollte ja auch eine Pistole gehabt haben. Er glaube das aber nicht, und man könne deshalb auch nicht weiter darüber sprechen. Daß er von einer höheren Stelle die Anweisung erhalten haben sollte, nichts über den Waffenfund zu erzählen, fei einfach aus der Luft gegriffen. Solch eine Anweisung komwe für die Behörde überhaupt nicht in Frage: außerdem habe er dienstlich mit der ganzen Sache über- Haupt nichts zu tun gehabt. Auf die Frage des Nebenklägers R.-A. Dr. Joachim erklärte der Zeuge, daß die Angeklagten Bressel und Weber gestern bei ihm in der Wohnung gewesen wären und ihn wegen der Pistole befragt hätten: er habe ihnen dasselbe gesagt wie heute vor Gericht. Der Kaufmann Nemeth erzählt, daß er mit seinem Sohn, der die beiden Getöteten gekannt hat, in das Schauhaus gegangen fei, um sich die Leichen anzusehen. Sie seien aber nicht zugelassen worden. Es sei richtig, daß der Krtminalassistent Kreitlof ihm er- zählt habe, daß bei Schneider eine Pistole gefunden worden sei. Genau könne er sich des Inhalts jenes Gesprächs nicht mehr ent- sinnen: auch könne er nicht sagen, wie sich Kreitlof ausgedrückt habe, ob man darüber nicht sprechen könne, solle oder dürfe. Er habe vorgestern Bressel in einem Lokal getroffen und ihm bei dieser Ge- lcgenheit erzählt, man habe doch gemunkelt, daß auch Schneider einen Revolver gchabk habe.» Verteidiger R.-A. Dr. Kofka stellt durch Befragen des Zeugen fest, daß auch der Sohn des Zeugen bei seiner Unterhaltung mit Kreitlof zugegen war. Er beantragt den jungen Nemeth zu laden. Das Gericht beschließt demgemäß. Der Vater Schneider gibt folgende Erklärung ab: „Sämtliche Sachen, die mein Sohn bei sich hakte, sind ihm im Krankenhaus abgenommen worden. Es ist nicht wahr, daß er eine Pistole bei sich gehabt hat." Die Verhandlung wird ausgesetzt. Liegt Mecklenburg in Oeuffchland? Verhöhnung des Llniformverbots. In Goldenbow(Mecklenburg) hat Herr Josef Goebbels am Sonntag Hochzeit gefeiert. Es liegt uns völlig fern, in der Art, wie es der„Angriff" bei Sozialdenwkraten Kit, uns mit den Privat- angelegenheiten nationalsozialistischer Führer zu beschäftigen. Bei dieser Hochzeit l)at sich jedoch etwas ereignet, was als Privat- angelegenheit nicht anzusehen ist. An die Presse versandte Photo- graphien zeigen die Neuvermählten, wie sie im Freien durch ein Doppelspalier von uniformierten SA.- Leuten schreiten. Diese SA.-Leute tragen absolute Einheitskleidung. Sie sehen in Mütze, Kniehosen, Ledergamaschen, Hemd und langem «chlips einer genau aus wie der andere. Zur Vermehrung des Eindrucks trottet hinter dem Brautpaar noch ein Junge in voll- ständiger Hitler-Unisorm. Herr Goebbels selber hat das Braun- h emd angezogen, er ist aber so vorsichtig, darüber ein zuge- knöpftcs Jackett zu tragen. Jedenfalls ist es möglich gewesen, in Mecklenburg ein ösfent- lichcs Spalier von uniformierten SA.-Leutcn bilden zu lassen. Herr Minister G r o e n e r braucht sich nur die Berliner Montagspresse zu kaufen, um sich auf verschiedenen Abbildungen davon zu Wer- Zeugen. In Braunschweig ist Herrn Groeners Einspruch gegen die Ucbertretung des Uniformverbots daran gescheitert, daß Herrn Klagges Machtbereich an den Pforten des Parlaments ende. Wird die mecklenburgische Regierung Herrn Groencr erklären, daß sie in Goldenbow nichts zu sagen habe?! Deutschland die Weltsorge Vertrauliche Besprechungen in Basel Basel, 21. Dezember.(Eigenbericht.) lieber die vertraulichen Sonntagsbesprechungen in der BIZ. unter dein Lorsitz des Präsidenten Beneduce verlautet, daß inan nunmehr auf dem Wege zu einer Klärung sei. Es dürste der Bericht der Sachverständigen über die Wirtschastslage Deutsch- lands zu dem Befund kommen, daß ein wirtschaftlich zusammen- brechendes Deutschland auch die übrigen Länder mit sich ziehen und deshalb zu einer allgemeinen Gefahr werden könne.' Welche Schlußfolgerungen die Sachverständigen daraus ziehen werden, ist noch sehr umstritten. �oung-p!an und Abrüstung'— eine Rede LavalS. Paris, 21. Dezember.(Eigenbericht.) Ministerpräsident Laval hat die Jubiläumsfeier des Luft- fahrtministers zu einer Rede benutzt, die offenbar zur Beruhigung der Extrem-Nationalisten im Regierungslager bestimmt ist. Laval führte u. a. aus:„Auf der bevorstehenden Regierungskonferenz werden wir zunächst zu sagen haben, daß die Situation Deutsch- lands nur für die Periode der wirtschaftlichen Depression in Betracht gezogen werden kann. Ueber die ungeschützten Zahlungen werden wir nur im Rahnien des Noung-Plans ver- handeln, wie wir es im Juli getan haben, und wir werden uns nicht damit einverstanden erklären, daß die Reparationen den Prioatschulden geopfert werden. In gewissen Ländern ist man zu voreilig dafür eingetreten, daß Schulden und Reparationen annulliert werden müßten. Angesichts der Haltung der Ver- einigten Staaten werden diejenigen, die diese kühne Initiative ins Auge gefaßt haben, es jetzt wohl weniger eilig haben, sie zu verteidigen. Auf alle Fälle würden die französischen Delegierten in einer solchen Debatte keinen Vergleich annehmen können." Auf einen Zwischenruf:„Bleiben Sie auch fest, Herr Minister?" fügte Laval hinzu:„Das ist meine Gewohnheit. Wir werden den Aoung-Plan nicht zerreißen lassen." Ueber die Reparationsfrage erklärte Laval:„Man hat Frank- reich zuweilen angeklagt, daß es immer neue Hindernisse aufrichte und sogar die Vertagung der Konferenz wünsche. Die Vertreter\ Frankreichs werden zu dem festgesetzten Datum in Genf sein, und sie werden das wahre, friedliche Frankreich, das den Krieg haßt, in Erscheinung treten lassen. Wir hegen keine Hegemonie- pläne. Unsere Militärkredite werden ausschließlich für die Ver- teidigung und nicht für den Angriff verwandt. Nicht bei uns findet man, wie das in verschiedenen anderen Ländern der Fall ist. eine Jugend, die in militärischem und aggressivem Geiste erzogen wird. Als Chef der Regierung weise ich die gegen mein Land gerichtete Anklage des Militarismus zurück. Aber die VergangenheU empfiehlt uns eine gewisse Vorsicht. Wir dürfen uns nicht mit Improvi- sationen begnügen, die, statt unsere Sicherheit zu garantieren, sie zugleich mit dem Frieden der Welt kompromittieren würden. Unsere Delegierten werden sich nicht weigern, jede Methode gegenseitigen Beistandes zu prüfen und sie im Notfälle selbst vor- zuschlagen, vorausgesetzt, daß sie wirksam und schnell ist. Wir werden niemals die Unklugheit begehen, Formeln der Hoffnung anzunehmen, um so die Sicherheit unseres Landes zu gefährden." sie aus den Gedanken, sich durch einen fingierten Raubübe r- fall Mittel zu beschaffen. Die Gelegenheit schien den beiden günstig, als Margot D. am Freitag von ihrem Chef mit mehreren hundert Maik Kleingeld in die Nachbarschaft geschickt wurde, um es gegen Papiergeld einzuwechseln. Ihr Komplize stand schon bereit, nahm das Geld in Empfang und versteckte den Kasten unter einem Müllhaufcn. Das Lehrmädchen schrie dann um Hilfe und bestreute sich von selbst das Gesicht mit Pfeffer. Der Kriminalpolizei kam die Sache gleich verdächtig vor und als man das junge Mädchen ins Gebet nahm, kam der ganze Schwindel heraus. Das Geld konnte wieder herbeigeschafft werden. Geldschrankknacker im Konsum. Zwei Einbrüche in drei Tagen. Die Konsumfiliale in der Müllerstraße 96 im Norden Berlins war in den letzten drei Tagen zweimal das Ziel einer Einbrecher- kolonne. In der vergangenen Nacht wurde der Geldschrank aufgebrochen. Die Verbrecher erbeuteten 439 Mark. In der Nacht zum Donnerstag erfolgte der erste Einbruch. Dabei begnügten sich die Eindringlinge mit Lebensmitteln und Konserven. Dieselbe Kolonne erschien in der vergangenen Nacht abermals. Durch den Keller des Hauses oerschafjtov sich die Ein- brecher Eingang in die Geschäftsräume. Ein Geldschrank, der in einem hinter dem Laden gelegenen Zimmer steht, wurde kunstgerecht aufgeknabbert. 439 Mark sielen den Tätern in die Hände. Außer- dem packten die Verbrecher wieder größere Mengen Konserven und Lebensmittel zusammen und entkamen mit ihrer Beute unerkannt. Großfeuer im Postamt. Llntcrbrechung des Fernsprechverkehrs in Stendal. Rlagdeburg, 21. Dezember. Im Slendaler Postamt brach am Sonnlagabend ein Groß- fever aus, durch das der Dachstuhl gänzlich vernichtet wurde. Da die technischen Einrichtungen durch Fcüer und Wasser zerstört worden sind, sind sämtliche Fernsprechle>tu»gen unterbrochen. Di« Störimg des Fernsprechverkehrs entstand dadurch, daß Lösch wa s ser durch die Decke des Dachgeschosses in die darunter liegenden Räume drang und die Kabel durchnäßte. Der Umfang des Schadens läßt sich noch nicht übersehen. Aufräumungsarbeiten sind zur Zeit unmöglich, da die elektrische Beleuchtung verjagt. Gegen Ehrenfest, den in Lissabon verhafteten Wiener Bank- direktor, hat die österreichische Regierung Verwahrungshast bean» tragt. Das Ausiieferungsverfahren wird angekündigt. / Die Millionen Haben die Direktoren Sklareks begi Im Sklarek-Prozcß begann man heute mit dem S t a d t b a n k- Kample r. Den Direttoren H o f f m a n n und Schmidt wird von der Anllage norgcwarfe», sie hätten sich durch Geschenke und Aufmerksamkeiten dazu bewegen lassen, der Firma Sklarek, ohne deren Kreditfähigkeit genügend geprüft zu haben, und ohne die Genehmigung des Kreditausschnsses eingeholt zu haben, in einer Weiss Kredite gewährt, die schließlich zu dem Verlust von 10 Mil- lioncn Mark führten. Den Angeklagten Sklarek wird vorgc- warfen, daß sie, um Vorschüsse zu erhalten, der Stadtbank g c- fälschte Forderungen an die verschiedenen Bezirke vor- gelegt haben. Bei der Erörterung des organisatorischen Aufbaus der Stadt- bank kommt es zu scharfen Zusammen st ößen zwischen dem Vorsitzenden und der Verteidigung einerseits und dem Vorsitzenden und den Sachverständige» andererseits. Es dreht sich um die Frage, in welchen Fällen die Direktoren verpflichtet waren, bei dem Kredit- ausschuß der Bank die zu gewährenden Kredite zwecks Genehmigung vorzulegen. Laut Satzungen mußte das geschehen, wenn die Kredite SM MO Mark überschritten. Der S a ch o e r st ä n d i g c hat sich in der Voruntersuchung dahin geäußert, daß mit dieser Summe der Gesamtkredit einer bestimmten Bankkundin gemeint war. chcute äußert er sich dahin, daß die Satzungen mit dieser Forderung jeden einzelnen zu gewährenden Kredit im Auge gehabt habe. Allerdings sei es dem Fingerspitzengefühl der Direktoren anheimgestcllt gewesen, in welchen Fällen sie die Einwilligung des Kreditausschusses einholen sollten. Im Falle Sklarek seien die Ope- rationen mit der Zeit derartig kompliziert geworden, die Einlösung der Zessionen habe sich in einer Weise hinausgezögert, daß bei neuen Kreditbewilligungen der Kreditausschuß wohl zu befragen gewesen wäre. Auf die Einzelheiten wird man noch im Laufe der Verhandlungen zurückkommen. Die angeklagten Bankdirektoren Schmidt und choffmann werden vom Vorsitzenden ausführlich über ihren Werdegang vernommen. Direktor Schmidt ist im Jahre 1872 geboren, war in der Kommunal- Verwaltung tätig, später Vorsteher der Schönebergcr Sporkasse und Finanzdirektor in Jena, von wo aus er den Ruf nach Berlin er- der Stadibank nstigt?- Das„Fingerspitzengefühl" hielt mit dem Auftrag, die städtische Sparkasie zu modernisieren. Er ging zur Girozentrale über und wurde im Jahre IllZZ Mitbegründer der Berliner Stadtbank. Als solcher wurde er lebenläng- lich angestellt und erhielt ein Gehalt von 111 000 M., zu dem ein Tantieme von 15 OOO M. jährlich hinzukam. Ich war bemüht, erklärte er, das Bankinstitut groß werden zu lasse». Wenn mir jetzt Pflicht Widrigkeiten vorgeworfen werden, so kann ich nur auf meine 42jährige Tätigkeit hinweisen. Auch die Staatsanwaltschaft mußte zugeben, daß mir während der ganzen Zeit meiner Tätigkeit mil Ausnahme des Falles Sklarek keine Pflichtwidrigkeit vorgeworjen werden kann. Ich bestreite aber auch, in diesem Falle auch nur das geringste verschuldet zu haben. Ter Suspensionsbeschluß des Oberpräsidsntcn geht von falschen Boraussetzungen aus. Die Staats- anwaltschaft hat aber die Gründe jenes Beschlusses zum Ausgangs- Punkt ihrer Anklage gemacht. Ich bin ein Opfer falscher Maß- nahmen des Magistrats. Ich habe mich nie durch Geschenke und Aufmerksamkeiten, wie sie im gesellschaftlichen Verlehr mit Kunden üblich waren, zu irgendwelchen Pslichtwidrigkeiten hinreißen lassen.. Ich bin Vorstandsmitglied des Deutschen Sparkassenverbandes, Mitglied fast sämtlicher Ausschüsse dieses Verbandes, Leiter der Ver- einigung der Direktoren der größten Sparkassen Deutschlands. Glauben Sie wirklich, meine Herren, daß ich all diese Ehrenämter in dieser Weise preisgegeben hätte? Der angeklagte Direktor H o f f m a n n ist im Jahre 1874 gc- boren und Schulkamerad des Angeklagten Schmidt. Seine erste Tätigkeit hatte er in der Preußischen Zentralgenossenschastskasso und kam später zur Städtischen Sparkasse. Mit der Gründung der Stadtbank wurde er deren Abteilungsdirektar. Auch er ist lebens- länglich angestellter Beamter, hatte 15 000 Mark Jahresgeholt und etwa 10 OOO Mark jährlich Tantieme. Zu seinen Obliegenhellen gehörte u. a. die Schulung des Personals. Direktor Schmidt erklärt dazu, daß unter dem Personal etwa 80 verschiedene Berufe vertreten waren, daß man bei Neueinstellungen einfach automatisch nach der Liste vorging, die beim Magistrat geführt wurde, ohne sich darum zu kümmern, ob die Betreffenden sick) für den Bank- betricb überhaupt eigneten. Goldener Notsonntag. Oer Pfennig beherrscht die Stunde. Die Straßen und Kaufläden zeigten am gestrigen Sonntag eine beängstigende Menschensüllcf Schicht für Schicht schob sich die Masse vorwärts, eine Riesenpolonaise in des Wortes tiefstem Sinn, denn die meisten sahen sich begehrlichen Blickes bloß die ausgestellten, ober für sie unerreichbaren Herrlichkeiten an. Trotzdem wurde ober auch gekaust, nicht allzuviel bei den teueren Gegenständen, gut bei der Mittelware und sehr gut bei den Artikeln niedrig st er Preisgestaltung. Ein Kaufhaus der 50- und 25-Pfennig-Ware mußte zeitweise wegen Uebcrfüllung geschlossen halten, am Tisch der bunten Geschmeide, am Tisch der preiswerten Spielwaren, bei den Handtaschen gab es eine wahre Käuferschlacht. In den Sport- obteilungen der Kaufhäuser wurde manches erstanden, ebenso gab es bei Wollwarcn gut zu tun, Handschuhe, Krawatten und Strick- fachen. Die günstige S ch n e e l a g e in der nächsten Umgebung der Reichshauptstadt lockte viele Berliner, besonders die sportfreudigc Jugend ins Freie. Die Rodelbahnen im Grunewald, in den Müggelbergen und an anderen Stellen waren sehr besucht. Die Zahl der Schneeschuhläufer, die sich in der Umgebung Berlins tummelten, ging in die Taufende. Leider forderte der rege Sport- betrieb auch Opfer. Drei Personen mußten mit Knochen- b r ü ch e n, die sie sich beim Rodeln zugezogen hatten, in Kranken- Häuser eingeliefert werden. Einen goldenen Sonntag im richtigen Sinne halten 5M Kinder aus Neukölln, Wedding, Prenzlauer Berg und Mitte, die zu einer sehr hübschen und wohlschmecken- den Weihnachtsfeier ins Moka Efti geladen waren. Bei dampfender Schokolade und Pfannkuchenpnramidcn, Musik, Märchenerzählungen und Gesangsvorträgcn der sympathischen Wcndla Großmann ver- guügte sich die zahlreiche kleine Gesellschaft. Zum Schluß gab's Spielzeug und eine ansehnliche Stolle mit auf den Heimweg. Auf Einladung des Kreisvorstandcs und des Biidungsaus- schusses des 11. Kreises Schöneberg-Friedenau fanden sich erwa 120 Erwerbslose im Gesellschafts haus des W e st e n s ein, um bei Kaffee und Kuchen den weihnachtlichen Ab- schlug der in diesem Jahre veranstalteten„Erwcrbslosennachmittage" gesellig zu begehen. Nach einleitenden Rezitationen der Genossin W o l l m a n n brachte die Schönebergcr Ortsgruppe des Deutschen Llrbciter-Mandolinisten-Bundes Volks- und Kampflieder zu Gehör. Unter Leitung des Genossen Etz t o r n trug die„Rote Spielschar" kleine politische Szenen von zündender Wirksamkeit vor. Zum Ab- schluß richtete der Kreisleiter, Genosse Mendt, einen Appell an die erwerbslosen Genossen, auch in diesen schweren Zeiten treu imsere Arbeit zu unterstützen, und unter den Klängen des Sozialistenmarsches schloß die Veranstaltung. Eine recht gut gelungene Weihnachlsscier für die Erwerbs- losen mn Orle veranstaltete gestern die Arbeiterwohlfahrt zu- sammen mit unseren Genossen zu Bohnsdorf. Der größte Saal des Ortes war überfüllt. An langen schön gedeckten Tischen hatten die Erwerbslosen mit ihren Familien Platz genommen. Da gab es Kaffee und Kuchen in reichlichem Maße und jeder hatte noch einen Teller voll d«r üblichen kleinen Weihnachtsgaben vor sich. Für die musikalische Unterhaltung sorgte der Bohnsdorfer Musik- >. verein„Lyria". Auf der Bühne gab es allerlei zu hören und zu sehen. Da vertcille der Weihnachtsmann an die guten Kinder, die ihr Sprüchlein vom Christkindchen aussagten, Flinten und Säbel. Aber bald wurde der ganze Plunder mit all seinen verderblichen Hintergründen entlarvt durch die Darbietungen der Kinderfreund«, Sozialistischen Arbeiterjugend und Iimgbanncr. Äa wollte eine alte Tante den kleinen Roten Falken von den Englein im Himmel erzählen, aber die Kleinen trieben sie durch ihre Fragen so in die Enge, daß si« bald verzweifelt cavonlief. Auch sonst bekamen die politischen Maulaufreißer eins drauf. Am Schluß der Feier dankte die Genossin Thomas allen, die zur Verschönerung des Festes beigetragen hallen, insbesondere den Spendern. Das künftige Kunstausstellungsgebäude Ein plan von Sandkuhl und Büning. Daß ein wirklich und allseitig brauchbares Kunstgebäude für Berlin schon längst eine Notwendigkeit sei, ist eine Binsenwahrheit. Die letzten Jahre brachten verschiedene Projekte, die sich zerschlugen. Jetzt hat endlich die Künstlerschaft selber ihre Sache in die Hand genommen, und so geht der neue Plan eines Kunstausstellungs- gebäudes mit Riesenschritten seiner Erfüllung entgegen. Auf einer Versammlung, zu der B a l l u s ch e k als Vorsitzender des Kartells Presse und Künstlerschaft geladen hatte, berichteten die Väter des Entwurfs über ihr Werk. Der ideenreiche und energische Leiter der Juryfreien, Hermann S a n d k u h l, ist auch hier die treibende Kraft gewesen: mit ihm hat der ausgezeichnete Architekt W. Büning einen Bau entworsen, der alle» Zwecken eines solchen Kunsthauses gerecht wird. Er soll crstaunlicherweise, nicht mehr als 155 000 bis 170000 Mark kosten. Der Bauplatz befindet sich im Besitz des Staates: es ist ein schmaler Streifen neben der Hochschule für bildende Kunst in der Hardenbergstraßc, der zu deren«oen- tueller Erweiterung bestimmt war. Diese Vergrößerung ist vorläufig gänzlich ausgeschlossen, und im übrigen ist das Kunsthaus nur als »in auf etwa zehn Jahre berechnetes Provisorium gedacht. Das Einstwestige dieses Planes ist seine Stärke: es ermöglicht die rasche Herstellung im kommenden Frühjahr und die Billigkeit der Bau- kosten. Dabei ist für alles gesorgt: der Entwurf sieht jede Art und Größe von Ausstellungen bis zu 12M Kunstwerken durch Ab- stufung der Deckenhöhe und Einschaltung verschiebbarer Wände, durch einen hohen Sonderraum für wandgebundene Techniken (Fresco, Giasgemälde usw.s, Lager- und Packräum« und dergleichen vor. Dazu komint ein Cafe an der Straßenseite, dessen Bewirtschaftung die laufenden Kosren deckt und die Abhaltung von Künstler- festen, Kongressen und dergleichen gewährleistet. Das Aeußere ist in moderner Art gehalten, sehr einsach, mit horizontalen Fensterreihen und flacher Bedeckung, als sichtbarer Ausdruck seines Zweckes. Der Staat hat zwar seinerzeit 700 OM Mark für einen solchen Kunstbau bereitgestellt, aber diese Summe kann und soll jetzt nicht in Anspruch genommen werden. Die Berliner Kunstlerschaft wird aus eigener Kraft die Mittel für den Bau aufzubringen wissen. Sie will gerade in dieser Krisenzeit beweisen, daß Kunst ein lebens- notwendiges Gut sei und, da Staat und Gemeinden versagen, ein großes Beispiel opferfreudig aufstellen, wie der geistige Wiederaufbau des Kunst lebens möglich gemacht werden könne. p. k. zech. Auf Befehl von Nazistudenten. Das Polizeipräsidium in Braunlchweig hat den Bulgaren Stojanoff als lästigen ?lusländer ans dem Freistaat Brannschweig ausgewiesen. Stojanoff soll über ein« Studentin geäußert haben, sie benehme sich wie ein Dienstmädchen. Die Nazis forderten daraufhin feine AllKtveisung. Kriedr.Wolf:„DieZungens von Möns" Äolksbühnelt-Tournee. In der Volksbühne wird Opcretie gesungen. Daher haben die für einen Monat ohne Entgelt beurlaubten Schauspielerkräfte aus- wandern müssen. Sie probieren in:„Berliner Theater" ihr neues Stück aus, das sie teilcndcrweise durch eine Städte tragen werden. Das Stück greift an, doch es greift nicht in die Fori- cntwicklung der Kunst ein. Es wurde aus der Zeit herausgeholt, doch es fand keinen ordentlichen Gedankenraum. Die Dinge, die sich in England begeben, sollen symbolisch sein für Deutschland. Der Dramatiker meinte ein scharfer Kritiker zu sein, doch er sticht nicht sehr schmerzhost in unsere Arbeitelosennot, in unsere Gewisicnsnot, in den ganzen Jammer, der uns erstickt. Sein großgedachtes soziales Stück ist mehr eine Maskerade als ein Schauspiel. In England wurde vor Jahee-frist.cwe. Frau entdeckt, die sich im Münncrrock und Männerberuf durchs Leben gebrächt Halle. Sie lebte sogar in staatlich registrierter Ehegemeinschaft. Weder Standes- amt noch Steueramt bemühten sich gegen sie, bis der Totenbefckiauer ihr den Brustlatz lüftete und damit das absonderliche Geheimnis. Dr. Wolf, dessen Gewissenskampf gegen den unsinnigen§ 218 stünnt, sieht in der Geschichte nur teilweise einen Possenstofs. Seinem Temperament nach faßt er das meiste tragisch aus. Als eine Jungfrau von Orleans unserer Tage erscheint ihm die englische Frau, eine brave Kriegerwitwe, eine Arbeitslose, die nicht einmal als Auswärterin Miete und Brot für ihren Sohn und für die bejahrte Mutter aufbringt. Lang genug hat die Frau sich ehrlich gehalten. Nun verzweifelt sie und hochstapelt, damit die zu Hause nicht hungern. Sie kleidet sich in Hauptmannskhaki. Als wunden- bedeckter Held von der Alliertenfront tritt sie aus. Der britische Generaldirektor findet an dem forschen Hauptmann Gefallen. Denn gerade grassiert der Bergarbeitersteik. Eine Faschistentruppe wird für den Kapitalismus rekrutiert. Kommandant ist kein anderer als unser Hauptmann, unsere Frau. Einen Moment scheint es, als wenn der neue Mann die Radauclite aus dem Boden stampfen und herrlich zum Siege führen wird. Dann kippt die Masken- komödie aber um. Aus dem Kapitalistenkämpfer mit hitlcrscher Schnauze wird ein kleiner Lenin. So weit das Zsitproblem. Das Theaterprobleni wird dadurch gelöst, daß die hübsche Tochter des, Generaldirektors dem vermeintlichen Hauptmann brunst- und j inbrunstooll an die Brust sinkt. Alles das wirkt in dieser trüben Zeit ziemlich komisch, wenn auch nicht nach dem Willen des Dichters. Auch Nazikommißszenen und Rollkommandos werden auf der Vühne gezeigt, und es wird lustig. Schließlich entpuppt sich aber der Weiberhauptmann oder auch das Hauptmannsweib als der einzige und tapferste Mann des Stückes. Die Dunkelmänner von der Reaktion und von der allzu schlauen Gewerkschaft müssen sich vor der zielbewußten Bolschcwistentüchtigkeit verkriechen. Diese ebenso verzwickten wie verrenkten Begebenheiten, die der Regisseur Richard Weiche rt durch eine Art Schaubudcnmusit begleiten läßt, gehen eher in der Phantasie des ehrenwerten Dra- matikers als in der Bernunst seiner Zuschauer auf. Frau Agnes Straub in der halb tragischen, halb komischen Hosenrolle ist ein erfreulicher Anblick. Sie untersckzeidct sich so sehr von dem ihrem Dichter vorschwebenden Umformungcheuer, daß sie ihre vertrackte Rolle beinahe adelt. Die ganze Bolksbühnentruppe ist sonst nach vertreten. Sie erspielt sich einen Erfolg, der ihren alten Kredit zum mindesten nicht erschüttert. dl. II. „Die Bimmeljungen." Kindermorgen in der Volksbühne. Freudig erregte, sich lebhaft unterhaltende Kinder füllte» am Sonntagmorgen die Volksbühne. 5)atte doch die Arbeits- ge meinschaft der Kiudersreundc Groh-Berlin zur Wintersonnenwendfeier eingeladen. Bereitwillig hatten sich viele in den Dienst der guten Sache gestellt. Das Orchester der Sozialistischen Arbeiterjugend unter Leitung von Rudolf B a r t h e l musizierte, ein Chor sang das Lied„Nach grüner Färb' mein Herz verlangt" und„Das Theater für Kinder" spielte als Uraufführung„Die B i m m e l j u n g e n", ein zeitgemäßes Kindertheaterstück von Lola Landau. Vorher aber halle Fritz H o f s m a n n als kindfroher Lehrer ein« kleine offene Singstunde mit der ganzen Schar der Theatarbesucher ab- gehalten, so daß alle„Das Kameradschaftslied", das von dem Wollen der Kmdersreuude zeugt und JDas Potsdam«- Platz-Lied", in dem der Rhythmus unserer Zeit schwingt, kräftig und begeistert mit- singen konnten. Ein großer roter Zeiger gab auf einem keß gezeichneten Plan von Berlin vor jedem Bühnenbild den Ort an, um die Handlung möglichst verständlich zu machen. Glühend vor Eifer machten die 5zinder, sowohl auf der Bühne wie im Zuschauerraum die Fahrt mit dem Bimmeljungen durch ganz Berlin. Als er aber das Pech hatte, Milchflaschen zu zerbrechen und sich schnell nach einem andern Beruf umsah, um den Schaden ersetzen zu können, lernten sie, daß jeder Beruf seine Plagen hat. Doch endet alles gut: denn Ilse, ein kleines, aufgewecktes Schulmädel, hilft dem Jungen. Und den Kindern, die mit anfeuernden Zwischenrufen und guten Ratschlägen nicht sparten, wird der Wert der Kameradschaft deutlich klar ge- worden sein. Gespielt wurde unter der Regie von Dr. E. B r a s ch sehr nett. Namentlich die Träger der Hauptrollen Rolf Wcnthaus und Christel Grau topf gewannen im Fluge all« Herzen. W. Bö 41-. cher schuf prächtige Bühnenbilder unter geschickter Verwendung des Films„Symphonie der Großstadt".— g. „Pünktchen und Anton." Eine Kindervorstellung im Deutschen Theater. Am Schluß wird die arme, anständige Frau in Gnaden von den reichen Leuten aufgenommen. Es sieht beinahe so, aus, als ob die Kurfürstendommziege von ihrem kostspieligen Klciderfetischismus geheilt ist. Erich K ä st n e r schließt den Kompromiß des guten Ausgangs, doch was sonst in dem Kindermärchcu, oder besser in dieser Historie für Kinder vorgeht, ist alles andere eher als ver- sühnend für die Leute, die die Vorgänge applaudieren. Selten ist in einer Komödie für erwachsene Kinder der wcst- lichen Regionen so energisch gegen die Dummheit des Bankkontos Front gemacht worden wie hier. Erich Kästner streift beinahe die groteske Karikatur. Das Spiel enthält eine Szene, in de? das kleine reiche Mädchen träumt, und diese Szene sollten sich alle Erzieher und bekoweten Eltern als warnendes Beispiel dienen lasten. Sie bedeutet eine vernichtende Kritik der Kinder on den Eltern, die nur in Geschäften und gesellschaftlichen Verpflichtungen ausgehen. j Das westliche Berlin erhält einen Spiegel vorgesetzt, der die wahre Fratze entgegengrinsen läßt. Es ist eine Gesellschaft reif zum Fall. Aber das Ganze bleibt aus der Perspektive des Kindes gesehen. Ein entzückendes, geistreiches Spiel, das das kleinste Kind verstehen kann, und in einer wundervollen plastischen Sprache gehalten. Und di« Moral? Kinder kritisiert eure Eltern, die nur die Drohnen in der Gesellschaft spielen. Folgt ihnen nicht, denn ihr Tun ist Lüge und Heuchelei. Diese Tendenz tritt nicht aufdringlich hervor, sie ist in den Ausbau der Szene verwebt. Unter Gottfried Reinhardts Regie wird prächtig gespielt. Die Großen zeichnen festumrissene Figuren, und Honncle M a i e r- zack und Hans Joachim S ch a u s u ß erleben sich selbst in ihrem wundervollen Spiel. F. Seh. Karl pannier. Landgerichtspräsioent a. D. und Schriftsteller. im 77. Lebensjahre in Dessau gestorben. Etwa 280 Bände der Reclamschen Bücherei entstammen seiner Feder. Besonders durch die Uebersetzungen mittelhochdeutscher Dichter, darunter die Lieder Walchers von der Vogelweide, ist Pannier in weiten Kreisen bc- kannt geworden. Sven Hedlns neue Expedition. Der fast siebzigjährige schwc- dische Forscher Even Hedin bereitet zur Zeit eine neue Expedition »ach Asien vor. Die geplante Forschungsreise soll eine Erweiterung und Ausgestaltung seiner letzten Äsien-Expedition sein, auf der ee ihm gelang, mehrere nieteorologische Stationen in der Wüste Gobi einzurichten. Am 27. Dezember wird der Forscher von Stockholm aus seine Abschiedsansprache an Deutschland halten, die auf alle > deutschen Sender übertragen wird. Im.UT.-KursLrstendamm findet am 27. Dezember cinc Matinee statt. Waldemar B o n s e l s liest aus seinem neuesten Buch„Taac der K i n d b e i t". Anschließend wird in neuer Bcarbeituiifl der Film„Biene M a j a" gezeigt. Di« Truppe 1331, die ihre erste llraiiffübrung„Die Mausefalle" TienSlog 8 Ichr im Kleinen Theater herausbringt, bcnußt hier die Form der»lustkalifchcu Revue, um in einer ncuanigen TzemmmoiUage das Thema „Der Angestellte" aufzurollen. Die KammermusUvereiuigimfl per Berliner Staatsoper hat sich unter der Leitung des Amizertmeister; Georg Knieftädt neu gebildet. Di« Neu- gründuna will neben der Pfleg» der llassischen Nteisterweri« skr Atreichcr und Bläser sich auch der»itgeuösfischen Tonsetze» annehmen. Rundfunk der Woche Opern und Operetten. >st recht aufschlußreich, in verschiedenen Hörerkreisen zu be- i)ten, wie die unterschiedlichen Arten der musikalischen Bühnen- ertragungen, Sendespiele und Hörspiele aufgenommen werden. In er Mehrzahl der Fälle wird man diese Feststellung machen: be- andere Vorliebe genießen die Aufführungen und Uebertragungen neuerer oder von den Bühnen neu herausgestellter Operetten: dann folgen in der Gunst des Publikums Opernbearbeitun- gen für die Sendebühne, wobei„bekannte" Opern sehr viel erfreuter aufgenommen werden als„unbekannte", danach, in ziemlich weitem Abstand, Opernübertragungen, für die wieder die gleiche Gruppie- rung gilt, und musikalische Hörspiele. Hier ist vom Ber- liner Hörerkreis die Rede: aber die Einstellung dürfte, vielleicht ab- gesehen von den Hörspielen— was ich nicht entscheiden kann— über- all die gleiche sein. Anders ist es natürlich, sobald es sich um be- sonders musikalische Hörer oder aber um solche mit einiger musikalischer Borbildung handelt. Von ausschlaggebendem Urteil dürfte jedoch diese Hörergruppe vorläufig noch in keinem Sende- bezirk sein. Es ist nicht schwer zu verstehen, wodurch diese Urteile zustande- kommen. Die Mehrzahl der Menschen ist für größere Musikwerke nur wirNich aufnahmefähig, wenn sie diese schon kennt, das heißt, mindestens charakteristische Bruchstücke davon. Denn diese geben dem Ohr die Möglichkeit, sich Berbindungslinien durch das Werk zu ziehen,„neues" einzuordnen oder auch im Notfall zu überspringen, ohne daß der klangliche Zusammenhang dabei völlig abgeschnitten wird. Operettenmelodien nun sind am„bekanntesten"— sogar wenn man sie nicht kennt. In den meisten Fällen ist ihre Formulierung so banal, daß die Parallele dazu sich in hundert Schlagern finden läßt und dem Ohr, das für musikalische Klänge überhaupt ausnähme- fähig ist, das Gefühl einer Fremdheit gar nicht kommt. Immerhin finden die gerade von den Bühnen gespielten Operetten die günstigste Aufnahme, weil ihre Schlager sich aus dem Musiklärm des Tages fest in das Gedächtnis eingeprägt haben, wenn auch bei manchem Hörer nur unbewußt. Die Vorliebe für Operettenübertragungen von Bühnen ist eigentlich nur auf das Ersolgkonto der Reklame zu ver- buchen. Das Interesse für die Originalbesetzung ist im allgemeinen gering: aber die Träger der Hauptrolle sind so oft in Fettdruck und schön retuschierten Bildern dem Publikum vor Augen geführt und damit die Vorstellung von ihrer künstlerischen Bedeutung in vielen Menschen geweckt worden. Viel weniger der Gehörsinn als die Phantasie sind beim„Genuß" solcher Sendungen in Tätigkeit. In- solgedesscn wird von Kreisen, di« dieser Reklame nicht zugänglich sind, die Operettenübertragung mit ihren vielen für das Auge berechneten Stellen, die für das Ohr tot bleiben, abgelehnt. Die„klassisch e" Operette gehört, von ihrer Wirkung auf den Rundfunkhörer betrachtet, in die Gruppe der Opernsendungen. Die Schlageroperette macht dem Hörer es kaum fühlbar, wenn ihm der textliche Zusammenhang fehlt. Die ewig gleichen Schlagertexte er- setzen ihn. Strauß oder gar O f f e n b a ch stellen andere An- forderungen. Ihre Operetten bilden geschlossene musikalische Linien. für die der Text mindestens der charakteristische Ausgangspunkt ist. Mag das Textbuch bei Strauß auch manchmal recht primitiv sein, es ist in diesem Sinn für die Musik bestimmend, die für den Hörer durch das Verstehen der Texthandlüng erklärt werden kann. Das ist natürlich auch bei musikalisch gewichtigeren Operetten anderer Kom- ponisten der Fall. Daß solche Operetten sich ebenso wie viele Opern durch ver- .ständnisvolle Bearbeitungen für die Hörbühne brauchbar machen lassen, steht außer Zweifel. Je bekannter ihre Melodien sind, desto breitere Hörerkreise werden sich zu diesen Aufführungen bekennen. Denn: der Text bleibt auch bei den allermeisten Bearbeitungen für die Sendebühne unverständlich: er muß unverständlich bleiben — wie zum großen Teil auch bei den Bühnenaussührungen dieser Werke, die ja vom Zuschauer eben erschaut, also mit den Augen, nicht mit den Ohren verstanden werden. In Wirklichkeit ist ja die Musik bei den meisten Opern und Operetten zu den Vorgängen auf der Bühne komponiert und die Texte bilden nur ein Hilfsgerüst. Bei einer Bearbeitung musikalischer Bühnenwerke für die Sende- bühne gibt es zwei Möglichkeiten. Man kann versuchen, den Schwung der musikalischen Linie so herauszuarbeiten, daß dem Hörer dadurch ein dramatisches Klangerlebnis vermittelt wird: Hin- führung zur Spannung, Spannung, Entspannung. Das setzt selbst- verständlich musikalische Erlebnisfähigkeit beim Hörer voraus, zu der aber auch der nicht musikalisch Vorgebildete durchaus imstande ist. Allerdings gelingt eine solche Bearbeitung nur selten be- friedigend,. weil die Bearbeiter das Werk zu genau kennen und darum selten wirklich in der Lage sind, sich das Klangerlebnis des naiven Hörers zu vergegenwärtigen. Darum aber bleiben auch verhältnismäßig gute Bearbeitungen dieser Art in ihrer Wirksamkeit begrenzt: sie sind zu selten, um die Hörermasse zu diesem drama- tischen Musikerleben zu erziehen. Bei den musikalischen Sendebühnenaufsührungen ist es heute üblich, vor jedem Akt seinen Inhalt kurz zu erzählen und den Schauplatz zu charakterisieren Die Bearbeitung bemüht sich, die Handlung herauszuarbeiten: unter diesem Gesichtspunkt wird das Wert für die Aufführung gekürzt. Nicht selten mindestens kommt dabei etwas sehr unzulängliches zustande. Von der im Musiktext entwickelten Handlung versteht der Hörer nämlich doch nichts— glücklicherweise: denn sie wird durch die Hörspielbearbeitung selten schöner Aber breite Rezitative und meist recht primitive Dialoge langweilen ihn und zerreißen den musikalischen Zusammen- hang, statt ihn zu bauen. An die Stelle dieser Bearbeitungen könnte eine Art Querschnitt treten, der die musikalischen Kernpunkte der Werke herausstellt und den Zusammenhang erzählen läßt, vielleicht melodramatisch zur Orchesterbegleitung— selbstverständlich in stilistisch einwandfreier Sprache. Damit wäre die Möglichkeit gegeben dem Hörer unbewußt den Gefühlsgehalt einzelner musi- kalischer Wendungen deutlich zu machen. Die hier so oft betonte Notwendigkeit volkstümlicher Musikerläuterungen würde natürlich auch bei solchen Sendeausführungcn bestehen bleiben. Am dringlichsten selbstverständlich ist sie zu weniger bekannten Werken und bei allen Opernübertragungen, da deren Breite sonst den Hörer verwirrt. Nun scheint es ja, als müßten die Hörer auf alle diese Ent- Wicklungen vorläufig vergebens warten. Deshalb ist es vielleicht nicht ganz unangebracht, an dieser Stelle einige Ratschläge für das Abhören musikalischer Bühnenwerke zu geben. Wer ein Textbuch hat oder sich noch eins kaufen kann, soll es vor der Sendung lesen und versuchen, sich dabei über den Stimmungsgehalt der einzelnen Szenen klar zu werden. Da bei Sendeaufführungen Arien, höchstens noch Duette und Terzette das musikalische Schwer- gewicht für den Hörer haben sollte man die Aufmerksamkeit bei der Lektüre des Textbuches besonders auf diese richten, damit man ihre Grundstimmung oder ihre Grundstimmungen— denn gerade das Gegeneinander verschiedener Stimmungen im Duett oder Terzett ist oft wesentlich— in der Musik wiederfindet. Wer dann bei der Sendung sich ganz auf die Musik konzentriert und das Textbuch höchstens einmal für einen Augenblick in die Hand nimmt, um sich bei einer Streichung oder Umstellung der Szenen zu orientieren, kann das für ihn mögliche an Genuß aus der Darbietung herausholen. Die Mehrzahl der Hörer wird allerdings auf Textbücher ver- zichten müssen. Das braucht auch für den Durchschnittshörer keinen Verzicht auf künstlerischen Gewinn zu bedeuten. Er muß sich nur von der irrigen Vorstellung frei machen, daß zum Verständnis von Ovcrnmusik Verstehen der zugrunde gelegten Handlung notwendig ist. Der Hörer ohne Textbuch hat es allerdings insofern schwerer, als ihm der Kontakt mit dem Werk nicht immer mühelos gelingt. Er muß sich oft über ihm ausdruckslos scheinende Musik zuerst hinweghörön, ehe er durch einen Klangeindruck in Stimmung kommt. Für ihn beruht dieses„in Stimmung kommen" aus- schließlich auf dem Klängerlebnis, und nur diesem soll er sich hin- geben. Was in der Oper dabei geschieht, ist ganz unwichtig. Wer es gelernt hat, den Gefühlgehalt von Musik zu erleben, braucht in einer Oper das Hilfsgerüst der Handlung nicht, wenn es sich um ein für ihn wertvolles Werk handelt. Tos. e Buch Jiaus Sochiiczeirer:„Nie Tinist> Ein Literat träumt den Traum vom einfachen Menschen. Man träumt ja oft(oder meist) von Dingen, die man nicht kennt. Dann aber macht der Literat aus dem Traum ein Buch. Und sollte man auch Romane machen aus Dingen, die man nicht kennt...? Hans Sochaczewers einfacher Mensch also heißt Josef Zöllner und lebt natürlich auf dem Lande— oder versucht dort zu leben, was ihm darum so schwer fällt, weil seine Einfachheit eigentlich mehr eine Einfältigkeit ist. Er geht seinen Weg durch die Nachkriegszeit, dieser Einfältige: einen Weg, der jedem andern als Zickzackerei und ihm selbst ganz gerade scheint: er findet Geizige und Gute unter- wegs, Bauern und Grafen, ihn lieben ein Wanderzirkusmädchen und eine Landarbeiterin, er rettet eine Grafentochter vom Tode und erschlägt eine Geliebte— alles aus Einfalt. Und alles ge- schieht ebenso, wie ein Literat träumt. Die Dörfer, Städte und Güter, in denen das Buch spielt, gibt es nirgends, die Menschen verschwimmen wie hinter Nebeln, die geliebten Mädchen sind see- lisch fast unverständlich vor lauter Einfachheit, der Totschlag erfolgt aus keinem anderen Grunde, weil der Autor ihn will oder braucht. Wenn nun der Autor in diesem Buche(wie in früheren) ein Dichter wäre: dann könnte das trotz allem Reiz und Glut haben: den Reiz des Traumhaften eben, die Glut des Dichterischen. Dann wäre das Land eben Sochaczewerland, die Menschen wären So- chaczewermenschen So aber'st es ein Nirgendsland, dessen Erde nach Papier riecht, dessen Bewohner(trotz aller gespreizten Einfach» heit) Papier reden— während ihr Autor Thomas Mann redet: so trägt etwa der Held einen„alten Filz, der Josef Zöllner dem Soldatentum unzugehörig erwies". Schwieriger ging es wohl nicht---- Nein: wenn man einfache Menschen schildern will, so muh man wohl damit beginnen, selbst einfach zu werden: und wenn man die Welt schon nicht so geben will, wie sie ist, sondern wie man sie sich ausmalt, so muß man schon Farben verwenden und nicht Tinte. Fähigkeit zum Ausschöpfen lyrischer Stimmungen und Liebe zu originellen Charakteren sind zweifellos vorhanden und werden anderen Vorwürfen gerecht werden— hier aber ist zu wiederholen: ein Literat träumt den einfachen Menschen— und kann ihn nicht darstellen. G. H. Mostar. •) Gustav Kiepenheuers Verlag. Wetter für Verlin: Noch vorwiegend trübe, Temperaturen nahe bei Null Grad, schwache Luftbewegung.— Für Deutschland: All- gemein Fortdauer des beständigen Wetters, im Süden weiter sehr kalt, im Novden Temperaturen nahe bei Null. Mondschein über Alt-Berlin. Die nächste Wanderung zu den vcrgesicncn Winkeln Alt-Berlin§ findet aus Veranlassung des Bezirksamts Schöneberg am Mittwoch, dem 23. Dezember, statt Georg Bambergcr bat wiederum die stührung. Treffpunkt 20 Ubr im Ephraim-Haus, Poststr. lg. Ecke Mühlenvamm. Teilnehmergebühr l M. Rundfunk am Abend. Montag, 21. Dezember. Berlin. 16.05 Luwig Spitzer: Kinder ohne Heimat. 16.30 Karl Nielsen(t 2. 10. 1931): 1. Aus der Suite op. 45. 2. Thema nnd Variationen op. 40(Rudolph Schmidt, Flügel). 17.00 Chorkantaten. Berliner Practorius-Kreis. Ltg.: Adolf Strube. 17.30 Der Rundfunkempfänger(Prof. Dr. Reichenbach). 17.50 Bücherstundfe• Liebesromane.(Am Mikrophon: Dr. Willy Blumenfhal.) 18.00 Tänzerische Unterhaltungsmusik. 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Dichtungen von Adolf Köster(Sprecher: Käthe Köster-Mahr). 19.35 Reichsminister Trcviranus: Reisen im Winter. 20.00 Breslau-„Der Spielzeugladen.4 21.10 Wiener Komponisten. Dir.: Selmar Meyrowitr. 1. Antonio Sallcri; Ouvertüre„Der Rauchfaugkehrer.*4 2. Paul Wranitzky: Arien- 3. Adalbert Gyrowetz: Ouvertüre„Der Augenarzt.44 4 Karl von Dittersdorf: Arie 5. Wenzel Müller: Zwei Szenen aus.»Alpenkönig and Menschenfeind". 6 Dittersdorf: Oavcrtöro„Das roto Käppchen". 7. Anton Eberlr Sinfonie D-Dui. 22.35 Wetter-, TSges- und Sportnachrichten. Tanzmusik. KöoirswusterhauaciL 16.00 Konzert. 17.30 Dr. H. Just; Musizieren mit unsichtbaren Partnern. 13.00 Prof. Dr. William Stern: Die Seele des Kindes und Jugendlicher(II). 18.30 Spanisch für Anfänger. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 Reichsminister Dr. Schiele; Die Landwirtschaft an der Jahreswende. 19.30 Gespräch mit einem Arbeitslosen. 20 00 Unterhaltungsmusik. 21.17 Leipzig: Aus Richard Wagners Bühnenwerken. Verantwortl. für die Redaktion: Rich. Bernstein, Berlin; Anzeigen: TH. Glocke, Berltn. � Verl ig: Vorwärts Verlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts Buch. druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer � Co.. Berlin SW 66, Lindenstr. 3. Hierzu 1 Beilage. � Theater, Lichtspiele usw. <) Staats fe Theater Montag, den 21. Dezember Staatsoper unter den Lindan :o uhi Boheme Slaall.Stapielliaus üsndarmenmarkl. 20 Uhr Wallenstelns Lager/ Die Piccolonilnl Schiller-Theater Charlottenbori. 20 Uhr Doktor Klaus MM •Garten- 8.15 Ohr Flora 3434 Raadien erlaubt Das beliebte Clown-Trio Barraceta Ssovsky-Ballett, Luisita Leers „Paolo" der jönnste Ball-Jongleur «v.uhr CASINO-THEATERfü m«. Lothringer Strafe 37.' •iiMiiiiiiiiiiiiiliililiiiiiMMiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiniiiniiiMiiiitiiii Wenn Kinder heiraten and das gro�e Fest- Programm I Outschein 1-4 Personen: Parkett 60 Pf.. Pauteutl I.— Mark. Sessel löu Mark. An allen Feiertagen naohm. sutu für Erwachsene und Kinder Vatepns Wundepkup and das Fest-Programm. Preise: 30 Pf.. 0,50. 0,75. 1.— Mark. MUMM Mnugung� Rgsfauraul Berlins Siadl.Oper Charlottenburg ßistnarckstraße 34 Montag, N. Der. Geschlossene Volksvorstellung Kein Kartenverkauf Anfang 20 Uhr Zar und Zimmermann Ende gegen 23 üht VolKsbUlme Theater an BQIoarpIatz 8 Uhr Die SroBlierzooin von Gerolstein Staatl. Sdiiller- Theater - Uhr Dohtor Klaus Neueröffnung. Neuer Öffnung. Auf vielseitigen Wunsch habe Ich mich enfschlossen, eine Niederlassung meines Heil- instüuies in Charlottenburg, Kurfürstendamm 47, zu eröffnen 4* Gesundheit+ durch meine kombinierte Doppelbestrahlung Rühmiidist bekannt durch grobe Heilerfolge bei Behandlung von Leberleiden, Kehlkopf- und Lungenleiden, Asthma, Magenleiden. Ischias, Neuralgie. Schuppenflechfe, Hautkrankheiten, Betfnfissen und Appetitlosigkeit bei Kindern, Gallensteinen, Herzleiden, Lupus, Lfihmungen. Nervenleiden. Haarausfall, Entfettungskuren, Kropf, Schwerhörigkeit, epileptische AnfSIIeusw Umfihtige Dankschreiben geheilter Paiienlen stehen zur Verfügung Zeitdauer(eder Bestrahlung etwa 1 Stunde zu zeitgemfihen Preisen von 3,50 M. Bestrahlungs-Institut JUSKA Charlottenburg, Kurfürstendamm 47 Bismarck 3475 Meine Institute stehen unter ärztlicher Leitung Niederlassungen In Breslau, Liegnifz, Waldenburg, Schweidnitz. Oppeln O.-S., Beuthen O-S, Gleiwltz O.-S,, Hlndenburg O-S, Ratibor OS, Neisse O.-S.' Theater am Nollendorfplab Ktgli: Ulis! Ssttntnr] Pallas 7031 berliner Sflk-TriO„Tig'ichiv' Uhr M k 0 1 1 B." Uahiutr. 7i/76J I fiflSPSCOllB Rose- i Dealer jr»3« f ruktntir Sinti t J? IH. Wiidinl E I 342. 8,15 Uhr Ole keusche Susanne imetropoi-Theaier Am 23. Dezember Prem lere mit Rich. Tanber Erfinder- Vorwärtsstrebende 10000 tili. Belohnung Näheres kostenlos durch e. Erdmann» Co.,»erlin SW II MMMin-LMwlIWil Tonfilm Die�ropeFahrl m Arnold Korlf, Maria Leuin,, Theo Shall, Ulrich Haupt o. a. Bühne; Fcrdy Kauflmann der RundlonkmeUter mitseinen 14 Soliiien Von d.Gavolte tu. Rumba Jugendliche Zutritt rheater im Admiralsoalasi Täglich 8'/. Uhi lä an den dni Wtihnadils- tajaa nadunitlags and abnds Die Dubarry mit Gitta Alpar Preise v. 0,50 M an ——9—— Lettino-TliBaiti Am 25 Dezember Premiere norgen öenis uns gut! Cttli Maslwn, Kn Hantln Ordaest.Dajoe Bcla Theater desWestens Täglich 8'/« Uhr ml an du drei Waihnaditi- lajm nadiniltag] und abaad; Karl Jö�en in Der Vogeihändler Pr8is8il.Plätze».5i)Pl.aii Radiuinliatl Landeclt (Schlesien) „fieorgenquelle" Kurheim der AOK. Berlin und des Verbandes Berliner Krankenkassen Zentralheizung, fließend. Warm- u. Kaltwasser, saubere u gut einge- tichtetc Zimmer, gute Verpflegung Ceweiksdiafter u. Parteifrainils M tutnalmie Pensionspreis 5,- bis 6,-M. pro Tag Wintersport! Ogfltsdiet Itieaiei 8 Uhr Antonius und Cleopatra von Shakespeare atgie; Heinz Hilpert Liciitpaus-Anstalt llektra Plandrackerel F RDillDlin 5'n- C2, Mo"»»» c« du nuiinn aitmni, DCSUIIllClS iiderPauniMallan hillinl da.Varrirh" and mtzdn ulmidutlid ü 11110< Die Komödie Heute geschlossen. Am 23. Dez. Vh Uhr Zum I. Male: Die nemo-Bank von Loms Verneuil mit MaxPallenberg KurlDrsienaanim- ineater | I 448 Gslsp. Unfrldit-Pioitalt. Heute zum I.Male 7'/» ünr- ffahatfonny von Brecht u Weill lau.: Hidtr. Nisik. Uitsaj von Zsmlinsky c uerHüuie inaDai Bot ftnben Sie eine AustvabI von zirka 300 Zunmrrn. Zlur bei SDIorig Sirfdw. witz.SkalitzrrStr.A, Hochbahn Sloltbuifcc Tor. ffltSfttco Mb- beihaus des Slld. Ostens, Andreasstrahe 30. gegenüber Seifet• musiir insirumantB Siafpianos, Mletviano» überaus preiswert. Pianokabrit Link. Brunnenftrake 33' zadvge bitte. Pfalinabfälle Queiffifict stinn- melalle. Sifber» fchnuize Doldfchmef. zerei. Christionat. ftifventckerkrabe 88. Saffestelle Adafbert. strafte. föelloge Montag, ZI. Dezember 1931 SfinJaiiiyn&e Jjg l/orufäsk N» Vorbild Wilhelm IL vmd Jldolf L/ Ton Hermann Wendel Mindestens so abstoßend wie die Blutrünstig ke it in dem Geschwätz der Nazisührer wirkt auf jedes gesunde Empfinden ihre Großmäuligkeit. Kraststoffelei aller Ecken und Enden, um den geistig Minderbemittelten zu imponieren. Au, soll das Echo lauten, sind das aber Kerle! Die gehn aufs Ganze! Die marschieren sreiweg aufs Ziel los! Die schmeißen den Laden! Aber sind es wirklich Löwen, die Getreuen Hitlers, die die Luft durch den Donner ihres Bierbasses erschüttern? Ach, vom Löwen haben sie sich nur ein mottenzerfressenes Fell in irgendeiner historischen Maskcnverleihanstalt ausgeborgt, und nicht einmal ihr Gebrüll ist echt und ursprünglich, ist vielmehr platteste Nachahmung wie alles und jedes an der Partei von.�Deutschlands Erneuerung". Denn noch das Originalste, was die großen Hakenkreuzkanonen verzapfen, ist bis zum Ueberdruß an den Stammtischen der raunzenden„patriotischen" Rauschebärte vorgekaut worden. Das gehört ja gerade zum Geheimnis des Erfolgs der Nationalsozialisten, daß sie gewagt haben, was keine Partei vor ihnen gewagt hat: das kenntnislose, verständnislose, verantwortungs- lose, hemmungslose Gestammel der politisch Unmündigen zum politischen Programm zu erheben. In den Phrasen der Nazi- Versammlungsredner erkennt auch der trübste Kannengießer bt-- glückt das-wieder, was„er immer gesagt hat", und heftet sich stolz das Hakenkreuz an die Männerbrust. Da aber Wilhelm II. von seinem Kanzler B ü l o w, der ihm durch die bunten Lappen ins Herz schaute, die unüberwindliche Neigung zum Kannegießern bescheinigt erhielt, nimmt es nicht wunder, daß die Nazis IHM auch noch die dümmsten Redensarten papageienhaft nachplappern: kaum ein Schlagwort in ihrer Agitationskiste, das nicht schon der Hohenzoller durch mehr oder minder häufigen Gebrauch„geadelt" hätte. Schon den blöden Rassenwahn, der die Menschheit in höhere und niedere Völker einteilt und als höchstes die nordische Edelingsrasse ä!a Goebbels austrompetet, ließ sich Wilhelm willig von Houston Stewart Chamberlain eintrichtern: diesen eingedeutschten Engländer erkor sich der Kaiser zum„Streitkumpan und Bundesgenossen im kämpf für Germanen gegen Rom, Jerusalem v'w.": im gleichen Brief, In dem er sich zu diesem„Ideal" bekannte, lieferte er mit der Feststellung:„Der deutsche Michel wird wach' die Schablone für den Ruf: Deutschland, erwache! Was Wilhelm II. sein« auswärtige Politik nannte, war ebenso sehr ein Hin- und Hertaumeln zwischen Irrealitäten und Illusionen wie das, was die Nazis ihre auswärtige Politik nennen. Wenn sie die Franzosen eine minderwertige Bastardrasie schmähen, die es auf die„Bernegerung" Europas anlegten, so schimpfte auch er sie„ein sinkendes Volk mit entschiedener Niedergangstendenz". Bei anderen Nationen wiederum wie bei den Engländern ein steter Wechsel: einmal sind sie ver- fluchte Krämer, die Gott strafen soll, das andere Mal, Angehörige der langschädiigen und blauäugigen Herrenrasse, die man zu Bundes- genossen gewinnen muß: Wilhelm und Herr Rosenberg in London— es ist dasselbe würdelose Schauspiel. Immer aber wiederholt sich die unsagbar kindliche und kitschige Leierkastenwalze, daß die Deutschen als Erbpächter aller irdischen und himmlischen Tugenden gegen die anderen Völker als ausgesprochene Sachwalter des Teufels grimmen Strauß bestehen müßten: Wilhelm faßte allen Ernstes den Weltkrieg als„Kamps zwischen zwei Weltanschauungen auf: der germanisch-deutschen für Sitte, Recht, Treu und Glauben, wahre Humanität, Wahrheit und echte Freiheit, gegen Mammonsdienst, Geldmacht, Genuß, Landgier, Lüge, Verrat, Trug und nicht zuletzt Meuchelmord": ungefähr wörtlich so sagt's der„V ö l k i f ch e B e o b a ch t e r" auch. Begrüßte Wilhelm das Kabinettssystem des 18. Jahr- Hunderts mit seinen stumm kuschenden und gehorchenden Unter- tanen als Ideal einer Regierungsform, so machen auch die National- sozialisten kein Hehl daraus, daß der Staat des mit dem Krückstock die Bürger verprügelnden Friedrich Wilhelm I. ihr Vorbild ist. Desgleichen huldigte der Kaiser in schroffster Form dem „Fllhrergedanken", der in der Hakenkreuzlerischen Ideologie eine so große Rolle spielt:„ICH allein bin der Herr und Meister der deutschen Politik, und mein Land muß MIR folgen, wohin JC5) gehe", und mit seiner Zynischen Verachtung der„S ch w a tz b u d e" des Parlaments, seiner hochmütigen Abneigung gegen die „Hunde" von Reichstagsabgeordneten gab der Hohenzoller nicht minder den Nazis die Stichworte. Aber selbst die Gewaltmittel, die die legalitätsbegeisterten Jünger Hitlers für ihre politischen Gegner bereit halten, stammen von IHM. Aushängen? Die Laternsnpsähle vollhängen? An seinen„lieben Niki" von Ruhland schrieb Wilhelm von den Reichstagsparteien,„die möglichst bald verdienten, gehängt zu werden". Köpfe werden rollen? Als die konservativen Agrarier gegen seinen Stachel lecken, drohte Wilhelm:„Wenn die Hunde es wagen sollten, aus irgendeinem Anlaß sich gegen mich zu wenden in offenkundiger, systematischer. gefährlicher Weise, so fliegen mehrere Köpfe, so wahr ich hier stehe" � Nicht einmal das Hetzwort von der„P e st d e s M a r x i s m u s" ist auf dem Mist der Nazis gewachsen, denn vor dem Branden- burgischen Provinziallandtag wütete Wilhelm am 26. Februar 1897 gegen die„Pest der Sozialdemokratie". Und Aus- rottung der Marxisten? In derselben Rede erklärte der gekrönte Kannegießer frisch und forsch:„Die Sozialdemokratie muß aus- gerottet werden bis auf den letzten Stumpf." In einem Brief an A ü l o w lieh er seiner Sehnsucht Worte,„die Sozialisten a b- zuschießen, zu köpfen und unschädlich zu machen", und wieder bei anderer Gelegenheit schwadronierte er:„Ehe nicht die sozialdemokratischen Führer durch Soldaten aus dem Reichstag herausgeholt und füsiliert sind, ist keine Besserung zu er- hoffen. Wir brauchen ein Gesetz, wonach es genügt, Sozialdemokrat zu fein, um nach den Karolinen verbannt zu werden." Hat Wilhelm II. es so gut gekonnt wie Adolf 1.? Und sind es nicht armselige Nachplapperer, die Fr ick und Gö rin g und S t r a ß« r und K i l l i n g e r, wenn sie vom Verbannen und Ausrotten und Hängen und Köpfen der Marxisten reden? Aber selbst in der Aufreizung zur individuellen Gewalttat gegen politisch Mißliebige wirkte Wilhelm als Muster der Nazis. Eine Kritik des„Vorwärts" an Wilhelm 1. brachte ihn so in Harnisch, daß er gegen die allen Begleiter und Adjutanten seines Großvaters tobte, die„für die beleidigte Ehre des allen Kaisers persönlich hätten eintreten müssen:„Würden sie Herrn Bebel und Konsorten in dem Redaktionslokal des„Vorwärts" über den Kopf geschlagen haben, so hätten sie die Stimmung von ganz Berlin für sich gehabt, und würde das patriotisch erregte Volk durch Zertrümmerung der Druckerei zum ersten Male der Sozialdemokratie einen Schrecken beigebracht haben." Hier ist alles beisammen, was echten und rechten EA.-Leuten das Herz höher hüpfen läßt: das„Ueber den Kopf schlagen",„das patriotisch erregte Volk" uno die„Zer- trümmerung" eines marxistischen Geschäfts! Wird jetzt der Andrang der Generale, Obersten und Hauptleute Wilhelms II. zu Hitler begreiflich? Beim Schmettern der„völkischen" Phrasen haben sie Lustgefühle wie der ausgediente Trompeterschimmel, der altvertraute Signale oernimmt, und auch Prinz A u w i, der in der„Nationalsozialistischen Arbeiterpartei" vermutlich das Ar- beiterelement vertritt, wird lebhaft an Papa erinnert, wenn die Naziführer den Mund ausreißen. Doch das Dritte Reich, das keine ungelösten Probleme kennt und Arbeit und Brot in Fülle für alle Deutschen hat? Wilhelm II. hat es auch am 21. Februar 1892 pomphaft angekündigt: „Herrlichen Tagen führe ich euch entgegen!" Diese„herrlichen Tage" durchleben wir heute, denn all unser Elend ist ja nichts anderes als das Auslöffeln der Suppe, die ER uns eingebrockt hat. Welch„herrliche Tage" würden dem deutschen Volk erst in dein verheißenen Dritten Reich erblühen?! Tom Sterben der Kieinstadt Sin Querschnitt/ Ton Jochen Klepper Srilher Wie sehr der Begriff Kleinstadt sich verflüchtigt, beweist am besten die Tatsache, daß z. B. der Berliner unter Abwanderung in die Kleinstadt den Bevölkerungszuwachs der Städte von etwa 39 069 Einwohnern versteht. Die Städte von unter S999 Einwohnern— bis zur Nachkriegszeit volkswirtschaftlich und kul- turell durchaus wichtig— sind aber die eigentliche Kleinstadt. Jetzt, wo sie in einen Prozeß des Absterbens geraten, lohnt es noch ein- mal, ihren Wert und ihr Wesen zu verdeutlichen. Der Großstädter hat fast nie ein richtiges Bild von ihnen besessen. Durch eine lite- rarische und malerische Fehldarstellung von flacher Bürgerlichkeit verleitet, sah er an der Kleinstadt immer nur das Idyllische und das Komische. Namentlich die Stille und die enge Ver- bundenheit zwischen Kleinstadt und Landschaft wurde gar zu leicht und gar zu gern mit dem sogenannten Idyll verwechselt. Das Aufgehen in der Landschaft war aber gerade das einzig Monumentale der klemen Stadt. Der Wechsel der Jahreszetten ging als ein Ereignis von ursprünglicher Wucht über die Inseln der kleinen Städte hin, deren Gärten sich in die freie Landschaft selbst auflösten. Die Landschaft sah von den Enden der armen kleinen Gassen und Straßen her bis in das Herz der Stadt. Sie bedrängte es von allen Seiten als fast einzige Einwirkung von außen her. Wie die Naturereignisse wuchsen die Erlebnisse der wenigen Mitbürger ins Riesengroße. Sie gehörten nicht mehr dem Träger des besonderen Schicksals. Die nahe Umwelt stürzte sich auf sie, weil sie sonst nichts erfuhr. Das war ungleich mehr als der Klatsche durch den man sonst die kleinstädtische Lebens- weise zu kennzeichnen sucht. Fast nirgends berührte einen Tragik stärker als in den weiten, einsamen Häusern der kleinen Städte. Die Weite, in der ein Kleinstadtmensch zu leben gewohnt war, ferner die Absperrungen von allen Einwirkungen der Außenwelt, hatten ihn seine Individualität in einem dem Großstädter ungewohnten Maße entwickeln lassen. Und wenn das Komische im Kleinstadtleben einen Raum hatte, dann war es, wenn die Eigen- art zu einer Absonderlichkeit sich steigerte, die von aller angleichenden Großstadtzioilisation nie geduldet worden wäre. Viel eher als dem„Kauz" begegnete man aber in der Kleinstadt dem Menschen von betonter Gepflegtheit und gewählter Bildung. Soll man die große Reihe der berühmten Namen anführen, deren Träger aus der Kleinstadt stammen? Unter ganz eigenen Bedingungen stand die G e s e l l i g k e i t. Es gab in der Kleinstadt keine söge- nannte„Gesellschaft", sondern nur je einen Vertreter der verschie- denen„höheren Berufe". Mit dem Begriff der Honoratioren» schaft kam man etwas weiter. Die Grenzen zwischen den Klassen waren aber noch viel dehnbarer bis zu einer ausgesprochen sozial vorurteilslosen Gemeinschaftsbildung hin. Diese ermöglichte auch ungleich mehr als in der Großstadt einen finanziellen Aus- gleich. Denn man kannte den einzelnen Bedürftigen und seine besondere Notlage: und der hartherzige Reiche wäre zu persönlichen Angriffen ausgesetzt gewesen, er hätte sich vor allzu Bekannten schämen müssen. Wir verherrlichen die Kleinstadt nicht, im Gegenteil, wir ent- zaubern ja nock) soviel an ihr— in der Stunde ihres Sterbens. Aber gerade diese gesellschaftliche Ordnung wird immer wieder so falsch dargestellt, wo vom kleinstädtischen Kastengeist geredet wird. Ging es z. B. darum, ein kleines Hausorchester zu begründen, um sich ein wenig Kunst vorzutäuschen, konnte man nur den kleinsten Teil der Stimmen mit Angehörigen der Gesellschaft besetzen und mußte hinzuziehen, wer nur musizieren konnte. In der Art dieses Verkehrs lag also allenfalls etwas Idyllisches. Aber durch die Um- st e l l u n g e n, von denen wir im folgenden zu reden haben werden, geht auch das Jetzt zu Ende wie alles wesenhaft Kleinstädtische: die Bedeutung der Landschaft, das Ausmaß des privaten Schicksals und seine Auslieferung an die nahe Umwelt, die Individualkultur srcicr, unbeeindruckter Menschen. Meule Sieben Umstände haben die Umprägung des Kleinftadtcharakters bewirkt: die Siedlungsbauten, die Konfektion, die Zusammen- ziehung der Arbeitskräfte in der Großstadt, das Auto, das Kino, der Rundfunk und der Sport. Die Wohnungsnot in der Kleinstadt kam ganz unver- mitteit. Sie erschien geradezu paradox. Hervorgerufen war sie in erster Reihe durch die Niederlassung der aus den abgetretenen Gebieten übergesiedelten Menschen. Als sich dann die Sied- lungsgesellschaften und die Bausparoereine auf- taten, appellierten sie sehr bald auch an die Kleinstadt. Denn hier waren die Siedlungspläne am leichtesten zu verwirklichen, weil sich die Grundstücke so billig erwerben ließen. Die Folge war, daß die Grundziige des kleinstädtischen Bauplanes und der Uebergang von Gärten zu Landschaft zerstört wurden. Die kleinen Städte erhielten samt und sonders einen Ring genormter Siedlung?- bauten. Nicht mehr ein Wald, ein Hügel, ein Fluß und ein Weinberg bilden den Abschluß der Straßen, sondern an iedem Stadtende steht nun der nämliche Komplex neuer Häuser, die in einem großstädtischen Architektenbüro entworfen und ohne Be- ziehung sind zum Charakter einer Kleinstadt von bestimmtem iand- schaftlichen Gepräge. Die Großstadt wird im Gegensatz dazu durch die Siedlungsanlagen gerade wieder in die Landschaft aufgelockert, die Kleinstadt aus ihr herausgeschnitten. Die Wohnbedingun- gen des Kleinstädters sind jetzt genormter. Das Freiheitliche und Besondere hat sich verloren. Hochantennen, Telephonleitungen, Schilder für Kraftwagen. Reklameplakate, Tankstationen machen zudem das Stadtbild fremd und zerrissen. Neben den alten Türmen, die nur in dieser einen Stadt in dieser einen Art dastehen können, finden sich Fabrlkschornsteine und Mästen'dek�lleberlandzentraten. wie sie überall sein müssen. Gleichzeitig mit der Wandlung des Wohnwesens und des Stadt- bildes ging die Veränderung des Geschäftsbetriebes vor sich. Das großstädtische Zwischenhändlertum schaltete sich ein. Obst und Gemüse, das die Agrarstädte so billig„stellen" konnten, war nicht mehr unter großstädtischem Marktpreis aufzutreiben, während der allgemeine Verdienst in der Kleinstadt noch weit unter großstädtischem Tarif lag. Der Einbruch von Vertretern groß- städtischer Unternehmungen, die Absatzgebiete in der Provinz suchen mußten, begann. In der Konfektion wirkte er sich am aus- fallendsten aus. Durch das sofortige Eindringen der Stapel- wäre wurde der Abstand zwischen Großstadt- und Kleinstadtmode ausgehoben.(Es darf nicht übersehen werden, daß— wohl nach der Regel vom künstlerischen Abstand— sehr bedeutende Mode- schöpfer aus der Kleinstadt hervorgegangen sind.) Die Angleichung erfolgt aber noch auf weit wichtigeren Gebieten. Die nächstliegenden Großstädte hatten eine Weile die Arbeitskräfte der kleinen Orte aufgesogen, um sie nur zu bald als erwerbsloses Groß- stadtproletariat, von Grund auf verändert, zurückzuwerfen. Die reicheren arbeitgebenden oder freiberuflichen Persönlich- leiten— von„Kreisen" kann man nach wie vor nicht sprechen— aber können sich jetzt, wo sie Tarifen angepaßt arbeiten, meist ein Auto leisten und müssen es auch, weil ein Teil ihrer Erwerbs- arbeit sich auf dem Lande abspielt. Die Folge dieser Slutoanschaffung ist das„Wochenende verkehrt", die gelegentliche sonnabendliche Auto- fahrt in die Großstadt. Man verkehrt auch seitdem außerhalb seines Arbeits- und Wohnortes mit der dem eigenen Stand entsprechenden Gesellschafteschicht, meist am dritten Ort. So hörte die oben gekenn- zeichnete asoziale Geselligkeit auf wie die Anteilnahme am einzelnen Geschick. Die Ebene und der Gegenstand der groß- und klein- städtischen Interessen wurde angeglichen, ohne daß die gleichen Mög- lichkeiten der Befriedigung dieser Interessen geboten gewesen wären. Die Kleinstadt hatte— bis der für sie unerschwingliche Tonfilm kam— dieselben Filme wie die Großstadt, wenn auch in einigem zeitlichen Abstand, sie hat durch den Rundfunk dieselben Schlager— die sofort—, die gleiche Tanzmusik aus dem eleganten Großstadtbctrieb, die gleichen Meldungen über die Tagesereignisse. Die Anregungen und Ablenkungen der kleinen Stadt erwachsen nicht mehr aus heimischem Boden, sie ähneln denen der Großstädter, nur daß sie von Tantalusqualen begleitet sind. Der Kleinstädter lebt von den Brosamen, die von den Tischen der Großstädter fallen. Er kennt nur noch die Kopie, wo er sonst Eigenes besaß. Er hat nicht mehr das Geschlossene, sondern begnügt sich mit Bruchstücken. Das Radio und die Belieferung der Klein- stadtprcsse mit großstädtischen Zeitungskorrespondenzen brachten es auch mit sich, daß die mitunter sogar rein ländlichen Bewegung?- und Reiterspiele der kleinen Stadt nach dem Muster großstädtischen Sports aufgezogen wurden. Die Rekord- einstellung ist heut hier wie dort dieselbe. Auf sämtlichen Gebieten sind alle Maßstäbe von der Großstadt übernommen, ohne den Gegenständen und der Lage entsprechen zu können. Die Situation der Kleinstadt ist bestimmt durch die nächste größere Stadt zur Rechten und zur Linken. Welche Werte der Kleinstadt durch diese Wandlungen fraglos vermittelt werden, liegt klar zutage. Aber es ist hier nicht zu entscheiden. Denn uns geht es nur um die Art, nicht um die Wertoeränderung. Die Umstellung kleinstädtischen Denkens und Handelns, Wesens und Lebens aber ist grundlegend und unwiderruflich. Arbciicr-Sericnspielc Pankow sdilä�t Adler 08 2: 1 2Im gestrigen Sonntag boten sich den Zuschauern und Spielern die Fußballplätze in vollster Winterpracht dar. Der fast 10 Zentimeter hohe Schnee brachte es mit sich, daß auch einige sensationelle Resultate erzielt wurden. So gelang es der Frei e n Sportvereinigung Pankow ihrem Ortsrivalcn, Ä d l e r 08, ein? 2: 1-Niederlage zu bereiten. Mehr als es das Resultat besagt, hatten die freien Sportler gerade in der ersten Halbzeit die Ober- Hand. Der außerordentlich glmtc Boden verhinderte aber weitere Torerfolge. Die Adler-Mannschaft, mit einigem Ersatz spielend, konnte sich zunächst gar nicht finden. Körperlich zu schwer, fehlte ihr die schnelle Wendemöglichkeit. Zu allem Pech versuchte auch der Sturm mit dem Ball direkt ins Tor zu rennen. Die zahlenmäßig starke Verteidigung der Sportler hatte dadurch verhältnismäßig leichtes Arbeiten. Vom Beginn an zeigte es sich, daß die Sportler sich vorge- nommen hatten, ihren große» Ortsrivalen zu schlagen. In schnellem Tempo zog der Sturm dem gegnerischen Tor zu, aus 13 bis 20 Meter Entfernung wurde schon geschossen. Adlers Torwart bekam harte Arbeit, der er sich aber mit Geschick entledigte. Erst in der 21. Minute mußte er einen vom Rechtsaußen scharf getretenen Ball passieren lassen. Wohl rissen sich die Adler-Stürmer jetzt zusammen, der kleine Torwart der Pankower hielt aber einfach alles. Bald übcrnahnicn die Sportler wieder das Kommando. Mit dem Re- sulta� l: ii ging es in die Pause. Wieder waren die Sportler die Tonangebenden. Nach sechs Minuten Spielzeit war es der Halbrechte, der einen Bombenschuß unhaltbar einsandte. Damit schienen sie sich zufrieden zu geben. Die Adler-Leute versuchten nun mit allen Mitteln, das Resullat günstiger zu gestallcii, lvas ihnen suchen der letzten Minute gelang. Gleich nach dsin Anstoß ertönte der Schlußpfisi. Die freien Sportler atmeten auf, Adler war gc- drückt. Ob die Sportler noch zehn Minuten lang standgehallen hätten? Hervorzuheben wäre noch das sichere und durchgreifende Arbeiten des Schiedsrichters, der das Spiel stets in der Hand hatte. Einen Klubkampf lieferten sich Eiche-Köpenick und Volts. spart Neukölln. Die zahlreichen Zuschauer bekamen einen Kampf zu sehen, wie er gerade in Köpenick in der letzten Zeit nicht mehr geboten wurde. Ruhig und karr vom Ansang bis zum Schluß, zeigten beide Vereine wahren Arbeitersport. Während Eiche in den drei Spielen 22 Tore buchen konnte, gingen die Neu- köllner leer aus. Die Resultate sind: Eiche I gegen Neukölln l 3:katnrtreuncle in Bernau zur Wintersonnenwendfeier Der herrliche Schneesonntag hatte auch bie Arbciterwintersport- ler zahlreich herausgelockt in die weiß« Welt. Abends gaben sich die Naturfreunde ein Stelldichein im Volkshaus zu Bernau zur Feier der Wintersonnenwende. Theo Maret konferierte. Er hatte einen seiner besten Tage, war kurz, prägnant und witzig. Friedet Hall knüpfte in ihren Borträgen an Wintersonnenwende und Weihnachtsfeier an. Die erstere steht im Vordergrund— für Proletarier naturgemäß, denn der Sinn der Menschenliebe wird heute durch den Widersinn des Lebens in der heutigen bürgerlichen Gesellschaft in sein Gegenteil veizerrt. Friede! Hall brachte vor allem in der Parodie Neues und Ein- prägfames zu Gehör. Naturfreunde ans dem kleinen Streichorchester brachten einige Kompositionen von Beethoven, Mozart, Haydn zu guter Geltung. Ergänzung fanden diese Darbietungen in Vorträgen einiger Nawrfreundemitglieder und trefflichen Rezitationen Marets. Besonders interessant war das Auftreten der„Roten Rotte", einer Spieltruppe der Sozialistischen Arbeiterjugend in ihrer kleidsamen Tracht. Im Mittelpunkt standen Satiren auf den Nationalsozialis- mus und auf die Klassenjustiz. Ein Sonderlob aber muß dem Ar- beitergesangvercin„Freihcit"-Bernau zuerkannt werden. Zweimal Eishockey Wechselndes Glück der englischen Gäste Am Sonnabend und Sonntag bekamen die Berliner im Sport- palast wieder interessante Eishockeykämpfe zu sehen. Dies- mal waren die Studenten der O r f o r d- U n i v e r s i t ä t die Gegner des Berliner S ch l i t t f ch u h- E l u b s, der mit seinen Internationalen gegen die englischen Gäste antrat. Vielleicht ist es übertrieben, von den„Internationalen" des BSC. zu reden, denn nur der Wiener Brück und der Amerikaner Bigelow wirkten in den deutschon Spielerrechen mit. Am Sonnabend wäre aus dein 5wmpf beinahe nichts geworden, denn die Oxforder Studenten kamen erst mit mehrstündiger Ler» spätung m Berlin an. Um 22 Uhr rollte der Zug mit den eng- tischen Eishockeyspielern auf dem Bahnhof Zoo ein und schon knapp 45 Minuten später erschienen sie unter dem Beifall des Publikums, dessen Geduld auf eine harte Probe gestellt wurde, auf der Eis- fläche. Trotz der strapaziösen Reise konnten die Engländer das Spiel überraschend mit 2: 1 Toren siegreich beenden. Mit diesem Resultat kommt leider das richtige Kräfteverhältnis nicht klar zum Ausdruck, denn die BSCer waren meist überlegen, spielten jedoch mit viel Pech und verpaßten mehrere gute Torchancen. Durch einen Torerfolg von R. Ball gingen die Internationalen in Führung. Im zweiten Spielabschnitt gelang den Orfordern der Ausgleich und das Schlußdrittel brachte den Engländern das Siegeswr. In dem vor- angegangenen Kampf gewann der VfB. Königsberg gegen die Rc- serven des Schlittschuh-Clubs mit 3: 1. Am gestrigen Sonntag nahmen die Internationalen des BSC. Revanche. Der Sportpalast war trotz der Anwesenheit der Eng- länder und der jugendlichen Weltmeisterin Sonja Henie recht schwach besucht. Schon im ersten Spielobschnitt zeigte sich die Ueberlegeuheit der BSC.-Leute. Little im englischen Tor wehrte sehr gut absind ihm hat es seine Mannschaft in der Hauptsache zu verdanken, daß die Niederlage noch so glimpflich ablief. 2: 0 hieß beim Abläuten das Resultat für den BSC.— Brandenburg schlug im zweiten Spiel Königsberg mit 5: 1 Toren. Eisschnelläufen in Berlin. Am Goldenen Sonntag fanden die Berliner Ässchnelläufer zum ersten Male in diesem Winter Gelegen- helt zur Betätigung auf der Busch-Eisbahn in der Katserallee. Wieder erwies sich der deutsche Meister Barwa(Berlmsr Eislaus- Klub) als der Beste. Er gewann das 3000-Meter-Semorlaufen in 7:07,2 vor dem jungen Seelocke(BEK.) und Müller(BSC.) Im 1500-Meter-Vorgabelaufen kam Barwa, als er im Endspurt neben Müller an der Spitze lag, zu Fall und dadurch um den sicheren zweiten Sieg. Der behinderte Müller mußt« Seelocke(30 Meter Borgabe) in 3:00,2 den ersten Plag überlassey, Barwa wurde Drruer. Nur um Briytbreite gewann Kalisch(Berein deutscher Eisschnelläufer) das 1ö00-Mctcr-Junwreiilaufen, m«d im 1000-Meter-NeulingSlaufen belegte Gottschalk(BEK.) den ersten Platz. Oer„Sportosat" Von Dominicus zu Hitler Ansang Oktober ist der langjährige Geschäftsführer der.Deut- s ch e n T u r n e r s ch a f t", der Major a. D. Franz Breithaupt, aus seinem Amte geschieden, angeblich, weil er es bei dem heutigen Vorsitzenden der DT., dem früheren Oberbürgermeister von Schöne- berg, Demokraten und preußffchen Innenminister im Kabinett Steger- wald, Dominicus, nicht mehr aushalten konnte. Herr Dominicus soll über die Gründe des Ausscheidens ganz anderer Meinung und bei der Trennung auch nicht der passive Tell gewesen sein. Politische Meinungsverschiedenheiten, so versichert wenigstens die „Bof fische Zciwng", sollen nicht vorhanden gewesen sein. Herr Breithaupt hat sich in Oberschreiberhau angesiedelt und sich dort eine Pension eingerichtet. Ob nun dieses Unternehmen nicht den erwarteten Erfolg gehabt hat, oder die erwähnte politische Meinung den Wandel herbeigeführt hat, mag dahmgestellt bleiben, jedenfalls ist Herr Breithaupt jetzt Insasse des Braunen Hauses in München und Ofaf der braunen Sport- st a f f e l. Vor Tagen noch hielten die Freunde Bretthcmpts diesen Wandel für unmöglich, heute ist aber kein Zweifel mehr daran. Hitler hat offenbar bei dieser Berufung auf großen Zulauf aus der Deutschen Turncrschait spekuliert. Breithaupt hat vielleicht gc- glaubt, feinen Gegner Dominicus, der auch Vorsitzender des bürgcr- lichen Flugsportocrbandes ist, einen empfindlichen Schlag versetzen zu können, üeberdies wird der Posten gut bezahlt sein. Wer Franz Breithaupt kennt, wird der Meinung sein, daß Hitler nicht viel Freude an ihm erleben wird, weil es mit seinem Können nicht weil her ist. Aber für die DT. ist dieser Wechsel ein böses Zeichen der Zeit. Er zieht noch so manchen chrcr Führer ins braune Lager, die meisten wissen nur noch nicht, ob sie den Sprung riskieren können. Bretthaupt wird aus seiner geschäftlichen Kenntnis der Meinung sein, daß der Lauf der DT. ins Hitler-Lager doch kurz vor dem Endspurt steht. Ob er Recht behält, das hängt lediglich davon ab, wie die politischen Verhältnisse sich im Reiche gestallen werden. Ge- sinnungsgemäß steht die DT. schon mit beiden Beinen im Lager Hitlers: wo sollte sie sonst auch stehen! Die Führerschaft ist freilich solang- verflucht.legal", als sie nicht genau weiß, wohin Aepfelchen rollt. Darum kann der große Wolf sich in Legalitätsbeteuerungen auch nicht genug tun. Aber die DT. ist selbstverständlich„unpolitisch", versteht sich, dreimal unpolitisch, man srage mir bei— na, ihr wißt schon wem— an! Sfuieracteiii Tolc-iia. Sandboll 1. Mannschaft Sonntag, 57.»ezomb-r, acatn Vorwärts I in Lichtenberg, Normann-nNrax-, 10 Uhr. Sonntag, 3. Januar, gegen Kanubezirt II auf dem Plag in Spandau, Wilhelmftrahe, 10—11 Uhr. Freitag. 8. Januar, lein- Mitgliederversammlung. Vorstand an diesem Tage 20 Uhr bei Thunal. Siudcruercin Sutab. Jahreshauptversammlung 10. Januar, 14 Uhr. im Bundeshaus, Werftstr. 7. Weihnachtsfeier 20. Dezember, 10 Uhr, im Boots. Haus. Sporlbetri-b: Gvmnastil jeden Sonntag IS Uhr im Bootsbau» bzw. bei Mna. Sckiwunmcn Etadtbad G-rtrnstraße Montag« 1» Uhr, Freitags 20 Ubr. Skilauf: Bei genügend Schnee jeden Abend, Sonnabend ab 14 Uhr l» Bichels. berg-, an der Bahnstrecke linlz in Richtung Spandau. Sonntags Treffen am Bahnhof Wilhelmshazen 0 Uhr. Wunsch der Skiläufer Noch 10 Zentimeter Schnee mehr und auch in der Umgebung Berlins können solche Sprünge gemacht werden