Morgenausgabe 7tr. 597 A 300 4S.I>ch jtoeimal. Sonntags und Montag« euimal. die Äbendausgad« für Peru« und im Kandel mit dem Titel.Der Abend*, Zllustrierte Sonntag sdrüaa« .Voll und Zeit". Berliner Volksblatt Oiensiag 22. Dezember 1931 Groß-Äerlin IN pf. Auswärts-15 pf. Di« tlttlpölt NonDaretllezeite 9} Pf. Rellamezeile 5.— RM.„Xieiae Au» zeigen" das fettgedruckte Worc 2i> Pf. lzulässig zwei fettgedruckte Äorte)� ledrs weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt. Tarif. Stellengesuche das erste Won IS Pf» jedes weitere Won 10 Pf. Wone über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. ArcheitsmarLt Zeile 60 Pf. Familien- anzeigen Zeile 40 Pf. Anzeigenannahm« im Hauptgeschäft Llndeuslraße 3. wochen- täglich von 8Hj bis 17 Übt. Der Verlag behält sich das Recht der Lblehnung nicht genehmer Anzeigen vor« Jenivalovgan der Sozialdemokratischen Vavtei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 ksernspr.. Tönhoss IA 7) 292—297. Telegramin.Sdr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlins? dZS.— Bankkonto: Bankder Arbeiter. klngellellten und Beamten, Lmdenftr.Z Dt B.«.Diic.»Ges.. Deposttcnk.,JernIalemerStr.K5�6. Arbeitsraum für»i-Jungen? Die neue Lösung der Lehrerfrage in Preußen. Aus dem Preußischen Landtag wird uns geschrieben: Die Herabsetzung des Pensionierungsalters für samt- liche Lehrer auf 62 Jahre stellt eine politisch und kulturpolitisch bedeutsame Maßnahme dar, die bestimmt ist, der Rot der jungen Lehrer ju steuern. Sie erstreckt sich auf alle Sparten der Lehrerschaft und umfaßt somit nicht nur die Volksschullehrer, sondern auch die Berufsschullehrer, Mittelschullehrer. Studienräte und die verschiedenen Fach- schullehrer. Auf die Absicht, die Pensionierungsgrenze all- gemein für alle Beamten auf 62 Jahre herabzusetzen, ist man nicht wieder zurückgekommen, da bei der Gleichartigkeit einer großen Anzahl von Beamtengruppen im Reich und Preußen sich durch eine verschiedenartige Behandlung von Reichs- und preußischen Beamten Schwierigkeiten ergeben würden. Für Beamtengruppen dagegen, die das Reich nicht kennt, ist bereits früher durch Landesrecht zum Beispiel für die Polizeibeamten eine Sonderregelung getroffen morden, die die Altersgrenze für die Exekutiv- Polizei auf 66 Jahre festlegt. Soweit wollte man bei den Lehrern nicht herabgehen. Aber auch an sie stellt die gegenwärtige Zeit mit volleren Klaffen und einer Fülle erhöhter Schwierigkeiten besondere Ansprüche. Das Alter von 62 Jahren schien geeignet zu sein, die Grenze zu bilden. an der die Pensionierung der älteren Jahrgänge in der gegenwärtigen Notzeit als eine Notmaßnahme erfolgen sollte. Die sozialen und pädagogischen Gründe für diese Maß- nähme liege» auf der Hand. Seit Erlaß der vorigen Not- bestimmungen Preußens hat mit Recht die Sorge um das Schicksal der Junglehrerschaft im Vordergrund oller politischen und kulturpolitisch interessierten Kreise ge- standen. Diese Sorge bezog sich nicht nur auf das Geschick der noch nicht festangestellten Lehrer, die durch den Abbau von 7006 Stellen in der unmittelbaren Gefahr sich beflnden, aus ihrem Berufe herausgerissen zu werden und für alle Zell hinaus in ihm keine Beschäftigung zu finden. Die Sorge bezog sich vielmehr auch auf das Schicksal der Schule und der Schüler, denen die jungen Lehrkräfte fast durchweg entzogen zu werden drohten. Gerade die jüngere Lehrergeneration würde aus einer großen Anzahl von Anstalten ausfallen, und ein gewaltiger Schaden würde durch die Gegenüberstellung einer überalterten und nicht von jugendlichen Kräften durchsetzten Lehrer- generation und der jetzigen Schülerschaft entstehen, zu- mal in dieser Zeit, in der der Generationswechsel viel tiefere Bedeutung hat als in früheren Epochen. Eine rein fiskalisch angesehene Sparmaßnahme, die diejenigen Lehrkräfte aus dem Schuldienst entfernt, die noch nicht fest angestellt und daher mit dem größten Ersparniseffekt zu be- seitigen sind, muß pädagogisch die unheilvollsten Folgen zei- tigen und eine tiefe soziale und politische Erbitterung bei zahlreichen von ihr betroffenen Persönlichkeiten erzeugen. Die Herabsetzung des Pensionierungsalters ändert an der Notwendigkeit der Einsparungen der rund 7 0 00 Schul st eilen im Interesse der Aufrecht- erhaltung des Gleichgewichts von Einnahmen und Ausgaben im preußischen Haushalt nichts. Bei der Bedeutung der Kulturverwaltung im preußischen Haushalt, die mit mehr als zwei Fünfteln an ihm beteiligt ist, kann man an ihr nicht vorbeigehen. Aber die neue Methode wird die p ä d a g o- gifchen Gesichtspunkte berücksichtigen, die gegen die allzu starke Ueberalterung der Lehrkräfte sprechen, und wird sozial vernünftiger sein, indem sie es vermeidet, eine Fülle wertvoller Lehrerpersönlichkeiten dem Elend preis- zugeben. Durch die Herabsetzung auf 62 Jahre wird die Einsparung der Schul st ellen zu mehr als der Hälfte durch die Pensionierung der Lehrer von 62 bis 65 Jahren erfolgen. Die Junglehrerschast wird nur zu einem Teil des befürchteten Ausmaßes an den Ersparnissen beteiligt sein. Nund 4000 Junglehrern, die vom unmittelbaren Abbau bis zum April 193? bedroht waren, wird die Möglichkeit er- halten bleiben, i n d e r S ch u l e z u w i r k c n. Sie werden mit einem zwar geringen, aber im Vergleich zu dem lärg- lichen Zuschuß für arbeitslose Lehrer immerhin der unmittel- bar Not steuernden Gehalt bedacht werden können. Den Borteil werden vor allem die älteren Junglehrer haben, unter denen bekanntlich eine große Anzahl Verheirateter und Familienväter sind. Auf der wideren Seite werden die älteren Lehrer, die. srübor als sie erwartet batten. in den Ruhestand treten, einer Not nicht ausgesetzt sein, denn sie hnben sich durchweg schon Höchstgehalt erdient, und werden Sühne für Schneider und Graf. Necker und Hauschke je sieben Lahre Zuchthaus, Kollah sieben Monate Gefängnis. Das Laadgericht I verkündete gestern nach drei- stüadiger Beratung folgendes Urteil gegen die Ange» klagten ans der Hufelandstraße: Die Angeklagten Becker und Hauschke werden wegen Totschlages zu je sieben Jahren Zuchthaus und Verlust der bürger- lichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren vernrtellt; der Angeklagte Hollah unter Freisprechung im übrigen fd. h. von der Anklage des Totschlages) Wege« Begünstigung zu sieben Monate Gefängnis; Weber wegen desselben Delikts zu vier Mo- «aten Gefängnis; B r e s s e l wird wegen Vergehens gegen das Waffen- gesetz zu ein Jahr Gefängnis verurteilt, der An- geklagte P o r a t h wird freigesprochen. & „Dieser junge und haltlose und unreife Mensch hat durch eine Flegelei etwas ins Rollen gebracht, das zwei Menschen das Leben gekostet hat." So begann, gegen den An- geklagten Kollatz gewandt, der Vorsitzende bei der Urteils- begründung die Schilderung des Verbrechens, das von den Nationalsozialisten in der letzten Silvesternacht in der Hufe- landstraße begangen wurde. Wer hat aber diesen unreifen Menschen, dem der Bor- sitzende wenerhin starken verbrecherischen Millen bescheinigte, m die SA. Hitlers und in die Hufelandstraße gebracht? Die Partei de s Herrn Hitler ist für die Becker Hauschke und Kollatz voll verantwortlich. Sie sucht solche Elemente, um sie in ihre Vürgerkriegsarmee cinzu- rechen. Sie braucht die Unreife und die Haltlosigkeit: denn das sind die Eigenschaften, aus denen die Brutalität der S2l. herauswächst. Das Gericht hat geglaubt, das eine Fluchtorganisation in der NSDAP, nicht festzustellen sei. Die Einzelheiten der Flucht der Täter sprechen indessen deutlich genug. Die Täter haben gewußt, an wen sie sich zu wenden hatten, sie waren sicher, daß ihnen geholfen werden würde, und es ist ihnen weitergeholfen worden. Das ist trotz der Feststellung des Gerichts Belastung ge- nug für die Partei des Herrn Hitler! Dieser Prozeß ist ein Glied in einer langen Kette von Prozesien, in denen die Brutalität und der Terror der Hit- lerschcn SA. vor Gericht gestellt ist. Die Prozesse gegen die Mörder des Bürgerschaftsmitglted«» Henning, gegen den Attentäter auf den Regierungsral Lasialy in Hamburg, ge- gen die Schießhelden vo»» Hagen sind dickst voraufgegange.«. In Berlin läuft gleichzeitig der Prozeß gegen die Terroristen vom Kurfürstendamm Täglich stehen Leute aus Hitlers SA. vor deutschen Gerichten wegen Waffentragens, Waffenan- wendung und blutigen Terror gegen Andersdenkende, täglich wird die Roheit der Gesinnung dieses Schlägerwms vor Gericht aufs neue enthüllt. Das ist das wahre Gesicht der Hitlerschen Bürgerkriegs- banden! Die Llrteilsbegründung. In der Urteilsbegrünbunz führte Landgerichtsdircktor Rücker u. a. aus: Auf Grund der Beweisaufnahme ist zwischen den Bor- fälle» vor dem Lokal Krischke und zwischen dem Augenblick als tue Angeklagten Kollatz, Hauschke und Becker vor dem Schneiderfchen Laden erschienen sind, ein Trennungsstrich zu machen. Die ersteren Vorfälle sind zwar nicht Gegenstand der Anklage, ihre Er- örtcrung war jedoch für die Urterlssindung notwendig. Durch die Haupioerhandlung wurde festgestellt, daß die ganzen vorfalle durch eine Flegelei des Angeklagten üollah verursacht worden sind; sie ist der Anlaß dazu gewesen, daß zwei Menschen ihr Leben haben lasten müssen. Der viel allere Zeug« Bruno Schneider hat sich mit Recht gegen die Anrempelei des jungen, unreifen und in jeder Beziehung halllosen Kollatz, der aus ihn mit dem Schlüssel eingeschlagen hat, zur Wehr gesetzt. Die Auseinandersetzung, die unmittelbar danach zwischen der Partei aus dem Lokal Krischke und den Schneiderschen Gästen statt- gefunden hat, führte zu keinerlei Tätlichkeiten. Als dann, wie es vor einem unbeteiligten Zeugen festgestellt worden ist, besten Frau und eine andere Zeugin durch Klopsen gegen die heruntergelassene Jalousie Einlaß in das Lokal von Krischle verlangten, hat sich bei den Nationalsozialisten die Idee gebildet, das Reichsbanner greife an. Die Wirtin verlangte, daß Kollatz und Hauschke das Lakol ver- ließen; auch ihre übrigen Gäste begaben sich auf die Straße. Zur selben Zeit hatten die Gäste von Schneider den Entschluß gesaßt. nach Hause zu gehen. Pascwald erhicll draußen den ersten Schlag. Deck Zeuge Schneider war trotzdem vollkommen berechtigt, seine Gäste durch den Borderauszang hinauszulassen. Der Schlag auf Pasewaid wurde aber Anlaß zur neuen Schlägerei. Nachdem die Nationalsozialisten die Flucht ergriffen hatten, war das Vorspiel erledigt. Inzwischen kamen vom„Angriffs"- Laden Hauschke, Becker und Kollatz. Auf der Straße herrschte vollkommene Ruhe. Die Ladentür des Schneidcrschen Lokals stand offen. Decker kain auf den Gedanken, daß möglicher- weis« irgendein Gesinnungsgenosse im Loben festgenommen sei; die beiden Hände in den Taschen der ledernen Joppe, ging er hinein, in der rechten Tasche hatte er die entsicherte Pistole. Es folgt die Schilderung der bckanMen Vorgänge im Schneider- scheu Laden, die zur Erschießung Willi Schneiders führten. Das Gericht, hieß es in der llricilsbegründung weiter, habe aus Grund der Beweisaufnahme die volle Aeberzeugung erlangt, daß Becker derjenige gewesen ist. der geschossen hol. Kollatz' ursprüngliche Selbstbezichtigung und seine späteren wider- sprechenden Aussagen sind unglaubwürdig: die Behauptung, daß zwei Schüsse zur gleichten Zeit gefallen seien, ist van einer Reihe von Zeugen widerlegt. Edenso widerlegt ist die Behauptung Beckers, er habe in Notwehr gehandelt. Die Zeugen haben bekundet, daß Schneider auf ihn nicht mit einein Stuhlbein losgegangen ist. Das Gericht hat auch nicht den Eindnick, daß Becker nn Gebrauch von Pistolen ungeübt sei. Wen» er das wäre, so hätte er nicht eine entsicherte Pistole in die Tasche gesteckt. Auch der innere Tatbestand des Totschlages ist bei Becker gegeben Er hat die T ö t u n g s o b s i ch t unmittelbar r or Abgabe des Schusses gefaßt. Seine Behauptung, er fei von Willi Schneider bedroht worden, fein« Einwendung, er habe i» P l u- tativ Notwehr gehandell, ist nicht stichhaltig. Milli Schneider war für ihn kein Gegner. Er war vollkomiiien im Recht, als er ihn. den Eindringling, aufforderle, den Laden zu verlassen. Becker hatte die Tötungsabsicht, zumindest mußte er sich sagen, daß er bei einem Sckuß aus d i« s e r Cntsermmg, die Pistole angewinkelt an der Hüft«, den Gegner löten würde. Was den Angeklagten Hauschke anlangt, so ist das Gericht bei Abwägung alles für und wider zur Ueberzeugung gekommen, daher sozial nicht allzu hart betroffen. Das gleiche gilt für die jungen Studienräte und älteren Studienassessoren, deren unmittelbare Verbindung mit der Schule nunmehr wieder- hergestellt wird. Auch hier wird eine Auffrischung und Verjugendlichung des Lehrkörpers er- folgen. Auch für die Berufsschulen, die ja freilich bitter unter der Verknappung der Mittel zu leiden hoben, wird die Lerjüngung der Lehrkräfte nur von Borteil sein. Dabei wird im ganzen diese Maßnahme eine Ersparnis für die Staatsfinonzen bringen. Es gibt in der gegenwärtigen Zeit keine Maßnahme, die ungetrübte Freude schafft. Jede Verbesserung bringt zu- gleich gewisse Härten für andere mit sich. Angesichts der großen Erregung aber, die gerade die Junglehrerfrage und ihre Behandlung durch den Schulstellenabbau mit Recht her- vorgerufen hat, wird man in dieser Tat des preußischen Staatsmiiiisteriums einen wertvollen Fortschritt, begrüßen. Er ist den unermüdlichen Anstrengungen unseres G e- Nossen Grimme zu verdanken, der die Junglehrernot besonders schwer empfunden hat. Man wird aber auch den neuen Zug im preußischen Finanzministerium begrüßen, der durch den Wechsel in dieser Behörde eingetreten ist. Hassent- lich werden in Zukunft neben den finanziellen stets auch soziale und kulturelle Gesichtspunkte berücksichtigt. Die nächste Aufgabe wird die Her- stellung einer Uebereinstimmung mit dem Reich über die Uebertragung dieser Gedankengänge auf sämtliche Verwal- tungen sein, um den Anteil am Arbeitsraum für die jüngere Generation in Reich, Staat und Ge- meinden weiter ausdehnen zu können und der besonderen Beanspruchung der älteren Jahrgänge durch frühere Pensiö- nierung Rechnung zu tragen. 46 Millionen Mark verloren! Die Bilanz der Ladendorff-Bant. fwfe er an bet Tötung des Graf schuldig ist. Mlertwtgz gab «s keine Tatzeugen. Hauschke war aber allein übriggeblieben, nach- dem Kollatz und Becker bereits von dem Schnerderschen Lokal geflüchtet waren. Er hat auch diesen beiden gegenüber sich selbst der Tat bezickitigt. Er hat ihnen Einzecheitcn erzählt, z. B. wie er seinen rechten Ann auf seinen linken Unterarm gelegt hat, um besser zu zielen; er hat von einem komplizierten Kopfschuß gesprochen. Hinzu kommt seine Flucht. War er schuldlos, weshalb flüchtete er noch Italien? Und weshalb hat er in dem Kassiber aus dem Insbruckcr Gefängnis geschrieben, er brauche zwei Zeugen, die gesehen haben, daß er nicht geschossen hat. Das Gericht ist überzeugt, daß er die Tötung Grafs ver- schuldet hat. An diese Tötungshandlung hat sich die Fluchthandlung c-ngeschlosien. Kollatz hat sich der Begünstigung schuldig gunwcht, er hat Becker und Hauschke nach Mecklenburg geleitet. Seine Angaben über den F l u ch t p l a n sind nicht glaubwürdig. Die Flucht entsprang seiner Initiative. Er hat sie mit Hilfe seiner Freunde bewerkstelligt. Die Beweisaufnahme hat nicht ergeben. daß maßgebende Stellen der NSDAP, die Flucht in die Wege geleitet oder von ihr gewußt haben. Die Beweise, die in der Verhandlung in dieser Hinsicht vorgetragen wurden, haben ein negatives Ergebnis gezeitigt. Unglaubwürdig ist es, weuu hier behauptei wurde, das Zusammentreffen des Soliatz und hauschke mit Decker in Oranien- bürg sei ein rein zufälliges gewesen. Becker Halle wohl von dem Fluchtplan der beiden gehört und ist ihnen nachgekommen, weil es ihm gefährlich schien, mit ihnen zu fahren. Kollatz beabsichtigte anfangs nicht, selbst zu flüchten. Erst später kam ihn» der Gedanke, gleichfalls nach Oesterreich zu gehen. Beim Angeklagten Porath liegen objektiv die Tatbestände der Begünstigung vor. Die Verhandlung hat gegen ihn erhebliche Verdachtsmomente ergeben. Er hat Kollatz untergebracht, hat die Fahrkarten nach München besorgt und die Adresse des Hauptmanns von Maltitz in das Buch geschrieben. Er erscheint erheblich belastet. Das Gericht konnte bei ihm aber nicht den inneren Willen zur vegünsliguug feststellen. Die von ihm für sein Tun angeführten Gründe konnten nicht wider- legt werden. Ein Widerspruch lag allerdings in seiner Behauptung, weshalb er keine Fahrkarte nach Oberaudorf genommen halle. Nicht erwiesen werden konnte, daß er gewußt hat, Kollatz werde gesucht. Wohl halle er aber den Verdacht, Kollatz sei in eine Schlägerei ver- wickell gewesen. Bei Abwägung der beiden Aussagen, derjenigen von Porath und derjenigen von Kollatz, entschloß sich das Gericht für Porath. Er hat einen glaubwürdigen Eindruck gemacht. Weber hat sich der Begünstigung schuldig gemacht, indem er Hauschke seinen Paß gegeben hat. B r e s s e l mußte als Förster wissen, daß sein Berechtigungsschein zur Nichtablieferung der Waffe vom Jahre 1923 kein gültiger Waffenschein sei. Was die Strafzumessung anlangt, so hat das Gericht Becker und Hauschke mildernde Umstände nicht zu- erkannt, und zwar aus folgenden Gründen: Die Gegensätze zwischen verschiedenen Teilen der Bevölkerung haben sich derart ver- schärst, daß die öffentliche Ruhe und der innere Friede in erheblicher Weise gestört sind. Der Gesetzgeber erläßt in der Absicht der Wieder- Herstellung der öffentlichen Ruhe iimner schärfere Gesetze. Die Strafen der Gerichte, die zunächst milde waren, werden immer schärfer. Das genügt nicht. Wen» junge Deute, die wisse», daß es zu Zusammeusiäßen kommen kann, sich wL Waffen versehe» und rücksichtslos aus hm Gegner schieße«, so beweist das. daß die Strafen, die bis jetzt verhängt wurden, auf sie keiueu Eindruck machten. Die Gerichte sind unter solchen Umständen dazu berufen, de» Gesetzgeber und seine ausführenden Organe bei der Durch. führnng ihrer Aufgaben durch erhebliche Strafen unter die Arme zu greifen. Der Wille des Staates, sich gegen die Rechtsverletzer aufzubönmeu, muß stärker werden. Das Gericht hat den Angeklagten Becker und Hauschke zugute ge- hallen, daß sie den Willen Hütten, ihren Freunden zu Hilf« zu eilen. Was hatte aber der Angeklagte Becker in einem fremden Haufe zu suchen, was gab ihm das Recht, es zu durchsuchen? Er hat sich aus eigener Machtbefugnis das Recht ge- nommen, in das offene Haus hineinzugehen. Auch bei Kollatz hat das Gericht berücksichtigt, daß er anfangs seinen bedrängten Ge- nassen Hilfe bringen wollte. Bei der Festsetzung der Strafe mußte aber in Betracht gezogen werden, daß er bei seinem jugendlichen Aller eine recht verschlagene Persönlichkeit ist und einen starken verbrecherischen Willen hat. Bei der Strafzumessung in bezug auf Brcssel ging das Gericht davon aus, daß durch kurze Strafen bei Waffenvergehen der Zweck nicht er- reicht werden kann. * Soweit die Begründung. Das Urteil gegen Becker und Hauschke entspricht dem Rechtsgefühl der weitesten Kreise der Bevölkerung. Das Urteil gegen Kollatz kam einigermaßen überraschend. Die Urteilsbegründung ist mit keinem Wort auf die rechtlichen Aus- Führungen des Staatsanwalls eingegangen, der bei Kollatz Mit- räterfchaft für gegeben erachtet hat. Wenig bestiedigend war der Teil der Begründung, der sich mit Poraths Unschuld befaßte. Die Feststellung des Gerichts, daß die NSDAP.-Fahrung mit dem Flucht- plan nichts zu tun gehabt habe, ist schwerlich das letzte Wort in bezug auf die Mörderbeförderungszentrale der NSDAP. Zu be- grüßen ist das harte Urteil gegen Bressel wegen Waffenvergehens. Zu gleicher Zell jedoch, als das Landgericht I diese, Urteil fällte, wurden vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte zwei Nationalsozia- listen wegen des gleichen Delikts des Waffenvergehens nur zu sechs Monaten Gefängnis verurteill. Was nützen Gesetze, wenn sie von den Gerichten sinnwidrig milde angewandt werden? Gs gibi(Schuldige! Zur Haossuchung auf Schloß Rotenberg. Im Badischen Landtag haben die Nationalsozialisten wegen der Haussuchung bei dem ehemaligen Gesandten von Reichenau eine Kleine Anfrage an die Regierung eingebracht. Darin fragt der Führer der Nazis, der Abgeordnete Wagner: „Ist die Regierung bereit, das etwa gefundene Material mir mllzutsllen, damit ich gegen die Schuldigen vor- gehen kann?� Der Naziabgeordnete Wagner kann es nicht abwarten, daß die Schuldigen durch die Justiz der Bestrafung zugeführt werden! Dies starke Bedürfnis nach Abrücken und das inhaltlich« Zugeständnis, daß Schuldige vorhanden sind, lassen tief blicken! Die Wahlen zum australischen Bundesparlomenl hallen folgen- des Ergebnis: Labour-Parch 13(9S), Nationalisten und Farmer 52(35), Unat. hängige Labour-Partq 10(5). Di« L a b ou r- Regierung ist auf Grund des Wahlergebnisses zurück- g«treten. Die Verwaltung der Berliner Bank für Handel und Grundbesitz gibt jetzt die Zwischenbilanz vom IS. Nove«- ber 1S31 bekannt. Die beiden großen Gruppe« der Gläubiger, die sich auf den Straßen Berlins gegenseitig nur die Frage befehden, wer von ihnen beiden die Jnter- esieu der Gläubiger arn wirkungsvollste« wahrnehmen wird, werden gleicherweise über diese Bilanz enttäuscht und empört sein. Es ergibt sich nämlich, daß die unter der Verantwortung des Wkrtschastsführers Ladendorff «nd des geflohene» Direktors Seiffert geführte Bank den ungeheuerlichen Verl» st von 46 Millionen Mark, das ist die runde Hälfte der Bilanzsumme des letzten Jahres, ausweisen muß. Di« Abschreibungen, die vorgenommen werden müssen, sind geradezu grotesk. Bei den Effekten bleibt sin Wert von 9,07 Millionen übrig, nach Abschreibungen von 3,26 Willionen. Die Beteiligungen können nunmehr mll 4,62 Millionen bewertet werden, nach Abschreibungen von 9,58 Mllionen. Der Wert der Forderungen muß auf 12,63 Millionen herab» gesetzt werden, weil 18,79 Millionen als faul anzusehen sind. Bei den Grundstücken ver!. leibt em Wert von 3,87 Millionen, nachdem 4,13 Millionen Mark abzuschreiben waren. Unter Einvechming einiger kleinerer Posten ergeben sich so Gesamtaktrven von nur 34,22 Millionen Mark. Davon sind aber verpfändet 23,45 Millionen, so daß sich nur 10,77 Millionen freie Aktiven er- geben. Dabei hat man bei der Bewertung die Voraussetzung ge- macht, daß eine ruhige Abwicklung möglich ist, d. h. man hat höhere Wert««ingesetzt, als sie beim Verkauf gegenwärtig zu erzielen wären. Bei den Effekten und Beteiligungen hat man ebenfalls höhere als die gegenwärtigen Kurse eingesetzt. Auf der Passivseite steht dagegen eine Gesamtsumme von 80,35 Millionen Mark. Davon sind wieder 16,73 Millio- nen gesicherte Schulden, aus denen sich die Gläubiger wahrscheinlich ohne Verlust bezahlt machen können. ZNchk weniger als 60,46 Millionen sind ungesicherte Gläubiger. d. h. die Forderungen jener 36 000 Einleger, die jetzt um die Quote bangen, die Ihnen ausgezahlt wird. Zwischen Passiven und Aktiven bleibt der Verlust von 46,13 Millionen Mark, der im wesenllichen von den ungesicherten Gläubigern getragen werden muß. In den gestrigen Gläubiger- Versammlungen, über die wir an anderer Stelle berichten, mußte bekanntgegeben werden. daß die Quäle für die ungesicherten Gläubiger noch nicht 24 Prozent beträgt. Dennoch soll die vom Reich garantierte Quote von 30 Prozent, wenn auch nicht sofort, zur Auszahlung gelangen, was natürlich nicht anders möglich ist, als durch Opfer, die der Steuerzahler auch hier wieder für schlechte Bankführung tragen muß. Verschärfte handelspolitische Spannung Auch Südafrika macht Schwierigkeiten. Aach englischen Vlällermeldungeu beabsichllgl die Regierung der Südafrikanischen Union den deulsch-afrikanischen Handelsvertrag abzuändern. Die Aendernng des Vertrages soll den wichtigsten Punll des ganzen Abkommens, nämlich die Klausel be- treffen, nach der eine automatische liebertragung sämtlicher künftig an England zu gewährenden Vorzugszölle auch auf Deutschland erfolgt. Die südafrikanische Regierung soll. den englischen Meldungen zufolge, daraus ausgehen, daß diese Klausel von Deulschland fallen gelassen wird. Der am 1. September 1928 abgeschlossen« Handelsvertrag zwischen Deutschland und der Südafrikanischen Union stellte wegen dieser Meistbegünstigungsklauscl einen der am heißesten umkämpften Handelsverträge dar, die in den letzten Jahren abgeschlossen wurden. Besonders in England rief dieses Abkommen in den Kreisen der Wirtschast großes Aussehen und scharfen Widerstand hervor, da die englisch« Unternehmerschaft in dieser Klausel einen Ein- bruch in das System der Vorzugszölle erblickte, die innerhalb des brllischen Empire seit Jahrzehnten Geltung hatten. Da Südafrika im steigenden Maße zum Käufer deutscher Waren geworden ist, und zwar in erster Linie deutscher Fertigfabri- kate, mußte eine derartige Revisionsforderung naturgemäß auf scharfen Widerstand in Deutschland stoßen. Die Gründe, die die Regierung der Südafrikanischen Union zu einem derartigen Vor- gehen anregen könnten, sind zweifellos w ä h r u n g s p o li ti- scher Art. Südafrika hat als einziges der englischen Dominien am Goldstandard festgehalten und will offenbar sich durch eine der- artige Lertragsrevisw» freie Hand über die bevorstehende Reichs- konferenz des brllischen Empire in Ottawa haben. Gegenangriff französischer Handelskammern. Di« Handelskammer des nordfranzösischen Industriezentrums Lille hat am Sonnabend zu der künftigen Handelspolllik Frank- reichs schwerwiegende Beschlüsse gefaßt. Die Handelskammer fordert von der Regierung Austechterhallung der französischen Zusatzzölle auf ausländische Waren, ferner Anpassung dieser Zusatzzölle an die Entwertung ausländischer Währungen, d. h. die Schaffung neuer Valutazölle und die Kündigung sämtlicher bestehenden Handelsverträge. Der folgenschwerste Punkt dieser Beschlüsse aber ist die Forde- rung, daß neue Handelsverträge ohne die Klausel der Meistbegünstigung abgeschlossen werden. Damll reiht sich die Honielskammer des wichtigsten französischen Industriegebiets in die Front der Kreise in Frankreich ein, die von dem System der Handelsverträge mll Meistbegünstigung fort wollen und an seine Stelle wieder de» Doppeltarif mll einem Maximal- und Minimalzoll setze» will. privaischulden oder Reparaiiouen. Vor einem Kompromiß in Basel. vasel, 21. Dezember.(Eigenbericht.) Der Sonderausschuß bei der BIZ. beabsichtigt seine Arbeiten am Dienstag abzuschließen. Es bestehen noch erhebliche Meinungsverschiedenheiten. In der Frage der Priorität von Privat- schulden oder Reparationen steht eine Verständigung bevor. Falls die Zahlungsbilanz Deutschlands sich günstig gestaltet, soll der zur Verfügung stehende Ueberschuß nicht ausschließlich für die Rückzahlung der unbedingten Reparationsleistung, sondern teilweis« auch für die Rückzahlung der Privatschulden verwandt werden. Der englische Delegierte Sir Walter L a y t o n verteidigte mll großer Hartnäckigkeit den bekannten englischen Standpunkt der Priorität der Privaischulden. Kompromiß durch Lleberspnngen aller Kernfragen. Lasel, 21. Dezember. In den vertraulichen Besprechungen der elf Mitglieder des Be- ratenden Sonderausschusses scheint heute nachmittag eine Wen- dung eingetreten zu sein, die zu der Auffassung berechtigt, daß es möglich sein wird, die Arbeiten des Ausschusses noch vor Weih- nachten abzuschließen. Nach Schluß der Sitzung wurde von einem Hauptbeteiligten mitgeteilt, daß man Fortschritte gemacht habe und nunmehr größer« Hoffnung hegen dürfe, bereits vor Wech- nachten zu einem Berichtstext zu kommen. Es besteht jetzt offenbar Uebereinstimmung tm Ausschuß, daß der Bericht keine kontreten Vorschläge enthalten soll. Alle darüber bisher in einem Teil der Presse angestellten Ver- mutungen sind allem Anschein nach falsch gewesen. Nach dem fetzigen Stand der Dinge dürfte der Bericht weder auf die Frage der geschützten noch auf die der ungeschützten Annuitäten eingehen. Er dürste auch keine Anregungen über die Sachlieferungen und andere Einzelfrogen enthalten. An der Fassung des Lerichtstextes und an den einzelnen Formulierungen, in denen die Ergebnisse der Ausschußuntersuchung über die Zahlungsfähigkeit Deutsch- lands ihren Niederschlag finden sollen, wird noch gearbeitet. Zeiiweilige Zahlungspaufe. Paris, 21. Dezember.(Eigenbericht.) Der Haoas-Korrespondent in Basel berichtet, daß Mitglieder des Sonderausschusses nach langen Verhandlungen eine K o m p r o- mißformel gefunden haben, die heute diskutiert werden soll. Sie soll geeignet sein, die Bedenken derjenigen zu zerstreuen, die irgendeine Verbindung zwischen den Reparationen und den Interessen der Privatgläubiger Deutschlands befürchten. Abgesehen von dieser noch nicht vollständig gelösten Schwierigkeit seien sich die Sachverständigen über die gesamte Entwicklung der Schluß- folgerungen ihres Berichts virtuell einig. Englische Einwirkung in Paris. Sir Frederick Leith Roß, der Präsident des brllischen Schatz« amtes, soll, nach Londoner Blättermeldungen, bei seinen Pariser Verhandlungen festgestellt haben, daß die Beamten, Minister und Sachverständigen Frankreichs die Gefahr der jetzigen Lage durchaus erkennen und bereit sind, ihr gegenüber beträchtlich weiter- gehende Maßnahmen anzuwenden, als sie vorher ankün- digen können. Wenn aber nicht ein völlig neuer Faktor in die Frage der Reparationen und Kriegsschulden gebracht werde, dann werde in der sranzöstschen Antwort aus die britischen Vorstellungen bestenfalls auf vorübergehenden Maßnahmen an Stelle der von der britischen Regierung gewünschten dauernden Regelung beharrt werden. Die französische Regierung wird bereit sein und den dringenden Wunsch haben, jegliche zeitweilige Vereinbarung so ausgedehnt und so wirksam zu machen wie nur möglich, aber sie wird unter den fetzigen Umständen nicht auf die Grund- sätze des Foung-Plans verzichten. Künf Abrüstungskommissionen. Die Konferenz wird sich mit den programmatischen Aus- sprachen vertagen. Genf. 21. Dezember.(Eigenbericht.) Die Ausammenkuust des Direktors der Abrüstungsableiluug des Völkerbundes mit heuderson, dem Vorsitzenden der Abrüstungs- konferenz. hat zur Aufstellung der Tagesordnung für die koufereuz geführt. Sie wird seht den Regierungen zu- geschickt. Das Datum des 2. Februar 1932 bleibt aufrechterhalten. Vier technische Kommissionen für die Rüstungen zu Lande, zur See und in der Luft sowie die Legrenzung der Rüstungsbudgels werden von der Konferenz gebildet werden. Die größte Bedeutung dürfte indessen der allgemeinen polillschenkom Mission zu- fallen, die alle der Abrüstung hinderlichen politischen Fragen, wie Sicherheit, Sriegsverhülung und Vertragsrevifloneu, behandeln soll. Räch der Geueralaussprachc. in der die Delegationsführer pro- grammatisch zu allen Problemen Stellung nehmen sollen, wird die Vollversammlung der Konferenz sich nur noch mll den erzielten Er- gebnissen der Ausschüsse befassen. Die amtliche Mitteilung über die Zusammenkunst von Cannes stellt ausdrücklich fest, daß der Direktor der Abrüstungsabteilung nicht den Auftrag gehabt habe, Heuderson zum Rücktritt vom Vorsitz der Abrüstungskonferenz zu bewegen. Kranco-rusflscher Nichiangriffspakt. Oer Entwurf unterzeichnet. Pari», 21. Dezember.(Eigenbericht.) Das„Echo de Paris'" veröffentlicht den Entwurf zum stan» zöstsch-russischen Nichtangriffspakt, der am 24. August von dem Generalsekretär des Außenministeriums Berthelot und dem russi- fchen Botschafter Dowgalewski unterzeichnet wurde. Die längere Einleitung beruft sich auf den Kellogg-Pakt: es folgen sechs Artikel und zwei Anhänge. Im ersten Artikel versprechen beide Länder. keine Angriffshandlungen gegeneinander zu begehen. Artikel 2 erklärt, daß. wenn eine dritte Macht sich eines Angriffs gegen Frankreich oder Rußland schuldig macht, der andere Signatar rer- spricht, diese Macht nicht zu unterstützen, sondern neutral zu bleiben. Artikel 3 lehnt jede Entente mit anderen Ländern ab, die in der Absicht abgeschlossen ist, den Kauf oder Verkauf von Waren des anderen Signatars zu oerweigern. Im Artikel 4 versprechen beide Parteien, sich jeder Einmischung in die inneren Angelegenheiten zum Umsturz der bestehenden Einrichtungen mit Waffengewoll zu enthalten und keine Organisation, die souveräne Rechte über das Gebiet und Gebietsteile der Sig- nntare beansprucht, zu dulden. Im Artikel 5 ist ein Schlichtungsverfahren vorgesehen und Ar- tikel 6 bestimmt, daß der Vertrag aus zwei Jahre abgeschlossen wird und dann mll einjähriger Frist gekündigt werden kann. Nr. S97» 4S. Jahrgang ��6'�3Ol#tö(l|f(0 Dienstag, 22. Dezember �93� ww den Borslg-leren Was die Arbeiter sagen-Tegei in Aufregung Der Betriebsratsvorsitzende des Tegeler Borsig-Wertes, unser Genosse Robert G ö r z, hatte am Sonntagoormittag gerade den Saalbau Friedrichshain betreten, um diesmal als Arbeiter- sänger seine Stimme erschallen zu lassen, als ein Privatauto vor- fuhr und Garz Hals über Kopf aus dem Saal geholt und in das Auto gestopft wurde. Dann gings nach dem Norden, um zwei weitere Mitglieder des engeren Betriebsausschusses zu holen und um die Mittagsstunde waren Direktion und Ausschuß im Tegeler Werk beisammen. Es gab nicht mehr viel zu reden, über das Wochenende scheinen die Gläubiger die Nerven verloren zu haben— sie verlangten die sofortige Feststellung des finanziellen Status— i nun gut, aber dabei mußte der Fabrikationsbetrieb zum Erliegen kommen und so setzten sich Direktoren wie-Betriebsräte hin und schrieben jeder ein Plakat: Borläufig Schluß bei B o r s i g. Als die Borsig-Arbeiter dann am Montagfrüh durch die noch dunklen Straßen Tegels gingen, sprang ihnen die chiobspost von ihrer aller Entlassung als ein schlimmer Adventsgruß in die Augen. Statt daß sich die Werktore öffneten, lud man sie früh um 7.30 Uhr in das Kasino. Es war ein saurer Apfel, der den 280» Borsig-Arbeitern gestern früh überreicht wurde und so grellrot die Anschläge der Werksgärtnerei in den dämmernden Morgen leuchteten,„daß sie Weihnachtsbäume, schön gewachsen," zum Ber- kauf feilhalte, so wenig kümmerten sich noch die Arbeiter darum. „Kinder, drei Tage vor Weihnachten. Jetzt sind wir erschossen", meinten sie.... Verödete Hallen. So etwas hat der Portier noch nicht erlebt.„Ausgeschlossen, niemand darf in den Betrieb. Ich habe strenge Anweisung. Nein, auch nicht zum Sachenholen." Ein Lastwagen bahnt sich den Weg durch die vor dem Wert stehenden Arbeitergruppen, die leiden- schaftlich die vorläufige Schließung der großen Fabrik diskutierten. Der Chauffeur kommt zum Portier:„Ich habe hier zu liefern. Brauche aber einen Kran, das Stück wiegt SO Zentner."—.Lieber Mann, tut mir leid, bei uns geht kein Kran mehr.",— Zwischendurch kommen an die ISO alte Männer mit Eimern und Töpfen, die schon, bevor die Krise akut wurde, entlassen worden sind: die haben jeder eine grüne Karte, aus der steht oben„Winterhilfe" und unten„A. Borsig G. m. b. H.", und wer diese Karte besitzt, für den steht jeden Mittag im Kasino ein Freitisch bereit. Vorher muß der Portier aber noch die Karten stempeln. Man stiefelt dann über den oerschneiten Fabrikhof, verlassen und verödet liegen die großen challen zur Rechten wie zur Linken, und wenn die Schilder mahnen, beim Ueberschreiten der Gleise Obacht zu geben, dann besagt das Heuer nicht viel, weil die Lokomotiven sich schlafen gelegt haben. Im Betriebsratsbüro sitzt der alte Genosse Krause und meint:„Das geht hier heute zu wie bei aufgescheuchten Vögeln, dauernd bimmelt das Telephon und jedem muß man dasselbe erzählen: eine De- sprechung jagt die andere, mit der Betriebsdirektion. mit dem Ge- werberat, mit den Gewerkschaften: dabei warten wir auf das Reichsarbeitsmini st eriuw." Keste feiern wird zur(Strafe. So wie sich die Betriebsschließungen zu Weihnachten und Neujahr in der Berliner Industrie eingebürgert haben, ist das Feste- feiern für den im Stundenlohn arbeitenden Proletarier beinahe zu einer schweren Strafe geworden: man hat nur erhöhte Ausgaben bei geringerem Verdienst. Aber gegen die jetzige Kalamität ver- kündet der alte, noch im Betriebsratszimmer hängende Anschlag einen idyllischen Zustand: am Donnerstag sollte bei nur viertel- stündiger Pause um 14.15 Uhr Feierabend gemacht werden und am SUoestertage sollte um 15.30 Uhr Schluß sein, um am 4. Ja- nuar 1932, 7 Uhr früh, wieder mit der Arbeit zu beginnen. Dieser Aufforderung werden vorderhand nur ganze 200 Mann folgen können, das sind die Notstandsarbeiter. Unterdessen warten die übrigen 2580 Mann mit Schmerzen darauf, daß chnen vor den Feiertagen wenigstens noch ein Pfundstück als Abschlagslohn aus- gezahlt wird und auch die Angestellten sehen mit gemischten Ge- fühlen dem diesjährigen Siloestertage entgegen, an dem über chnen das Damoklesschwert der Kündigung schweben wird..Linder, wie ist das bloß gekommen", sagen die Arbeiter und können sich noch immer nicht darein finden, daß Borsig, ausgerechnet Borsig, die Tore geschlossen hat. Wie es wirklich ist. „Denn", erzählen die Arbeiter,„du mußt das nicht alles für bare Münze nehmen, was auf den Nachweisen über Borsig zu- sammengetratscht wird Wir haben bei uns einen alten Arbeiter- stamm, von dem mehr als einer heute seine 35 Jahre im Werk ist. Natürlich hat sich da jeder seine eigene Arbeitsmethode ausgeknobelt und wenn nun ein Fremder kommt, der mutz erst eine Metze Salz ausessen. Aber ein Facharbeiter hat bei Borsig immer noch sein Gcldjjerdient. Wir haben immer unter den ersten 20 Prozent in der Spitzengruppe der Berliner Mctallarbeiterlöhne gestanden, da- bei geben wir natürlich zu, daß es Einzelerscheinungen sind, wenn hier und da einer noch 1,92 oder 1,82 Mark in der Stunde schreibt. Aber unsere 350 Schlosser, die haben bis zuletzt einen Stunden- durchschnittsverdienst von 1,27 Mark gehabt, die 350 Dreher durch- schnittlich 1,26 Mark, die Schmiede 1,28 bis 1,30, die Gießereifach- arbeiter 1,26 und die Maschinenarbeiter, Bohrer, Hobler, Stößer, Fräser 1,16 Mark. Und qualifizierte Lohnfacharbeiter haben auch eine Leistungszulage gehabt. Die Leute erzählen immer viel, dabei müssen wir doch wissen, was los ist." „Wo unsere Situation nun schon so zugespitzt war", sagen die Genossen vom Betriebsrat,„wird niemand den Beschluß der Gläu- biger verstehen. Es ist doch ein Unsinn, uns so die Hände zu binden, wir dürfen hier kein Stück Zinn, kein Stück Kupfer, keinen Niet und keinen Nagel mehr bewegen. Dabei brauchen wir doch erst einmal Arbeit, wenn das Werk seine Schulden bezahlen soll. Bei uns waren erste Wirtschaftskapazitäten, die haben festgestellt, das Tegeler Werk ist gar nicht veraltet, es ist gesund. Wir stehen auch in Verhandlungen mit Amerika wegen großer Aufträge, aber wenn man uns hier den Laden vor der Nase zumacht, wer gibt uns denn dann einen Auftrog. Wir werden beim Reichsarbeits- minister kein Blatt vor den Mund nehmen, es kommt jetzt alles darauf an, nach Neujahr den Betrieb wieder aufzumachen, die Ar- beit, die Geld einbringt, beschleunigt herauszuschaffen und dann müssen wir einmal sehen, wie wir weiterkommen, vielleicht vorläufig mit vier Fabriken. Maschinenbau, Kesselbau, Gießerei und Schmiede." „Ja, ja", meint noch emer etwas still für sich, als die Kollegen. zur nächsten Konferenz eilen,„wir haben hier Leute, die hingen an Borfig fester als an der Bibel, die dachten nie daran, daß ihnen einmal so etwas passieren könnte." ver Botanische Garten an den Weihnachlstagen. Der Botanische Garten ist geöffnet am 2. und 3. Weihnachtsfeiertag(Sonnabend, 26. Dezember, und Sonntag, 27. Dezember) von 10—4 Uhr. die Gewächshäuser von 10— 4 Uhr. Am 2. Januar 1932(Sonnabend) ist der Botanische Garten e r st von 10 Uhr ab geöffnet. Er wird geschlossen um 4 Uhr. Die Gewächshäuser sind geöffnet von 10—4 Uhr. Am 1. Weihnächtsfeiertag und am Ncujahrstag bleibt der Botanische Garten geschlossen. Märchenfilme im Planetarium. Die Märchennachmittage finden ab heute täglich um 15 Uhr statt. Gertrud N u b e begleitet die Filme mit ihrem Vortrag. Endlich sah Germaine auf ihre Armbanduhr.„Es ist fast ein Uhr. Fast vier Stunden habe ich Sie nun beschlagnahmt! Aber ich werde diese Stunden nicht vergessen! Gute Nacht!" Sie reichte ihm die Hand „Ich könnte die ganze Nacht so neben Ihnen gehen und mit Ihnen sprechen. Und doch wissen Sie nicht einmal ineinen Namen. Ich heiße Ernst Reiner.„Immer noch hielt > er ihre Hand. „Ich heiße Germaine Loriot." Noch einmal sahen sie sich in die Augen. Dann ging Germaine hinab in ihre Kabine. Leise kletterte sie hinauf in das schmale, harte Feldbett. Dann öffnete sie das kleine, runde Fenster. Der Sturm wurde immer stärker, und am Himmel glitten dickes Gewölk zerfetzte, zerrissene Gebilde vorüber. Germaine war von einer seltsamen, inneren Ruhe erfüllt. Nun wird alles gut, dachte sie immer wieder, ohne sich klar darüber zu sein, was eigentlich gut werden sollte. Dann schlief sie ein. Sie schlief fest und tief und traümlos. Sie horte weder den Sturm, noch das Stampfen des Schiffes, noch das Heulen des Nebelhorns Sie erwachte erst, als draußen schon ein breiter, grüner Landstreifen, die Küste Englands, greifbar nahe lag. 81. Seite an Seite verließen sie� das Schiff, als wenn das gar nicht anders fein könnte. Seite an Seite saßen sie im Abteil des Zuges, der von Gravesend nach London fuhr. „Ich fahre nächste Woche nach Oxford und besichtige dort das Rufkin College, die englische Arbeiterhochschule. Dorf ich Sie einladen, mitzukommen? Sie erhalten dann einen ersten Einblick in die' Bildungsbeftrebungen der englischen Arbeiterschaft. Oder haben Sie vielleicht ein bestimmtes Programm, das Sie nicht umstoßen möchten?" Germaine verneinte.„Ich muß einige Besuche machen— mein Direktor hat mir einige Empfehlungen mitgegeben. Ich habe auch eine Woche für Oxford vorgesehen— ich folge der Einladung eines englischen Kollegen, der jetzt Hochschullehrer geworden ist. Wir könnten uns dann am Russin College treffen. Ich werde es sehr gern mit Ihnen besichtigen— in Ihrer Gesellschaft lerne ich vieles, wovon ich bisher nicksts wußte. Aber ich möchte Ihnen auch etwas zeigen, nämlich die Crosby Hall, das neue Heim für Akademikerinnen der ganzen Welt— ich kenne es zwar zunächst selbst nur aus Briefen. Aber Sie sind ein so warmer Fürsprecher der Frauenbildung, daß Sie vielleicht auch dafür Interesse haben." „Crosby Hall? Ist das etwa die alte Hall des Sir Crosby im merry old England, die Shakespeare einmal er- wähnt?", Germaine warf ihm einen erstaunten Blick zu.„Das wissen Sie? Haben Sie am Ende auch Philologie studiert? Ich dachte zwar, nach allem, was Sie mir erzählt haben. Sie kämen aus der Volkswirtschaft." Reiner lächelle.„Ich habe Jngenieurwissenschass studiert, allerdings besitze ich nicht den abgeschlossenen Bildungsgrad wie Sie. denn mein Weg lief dauernd im Zickzack und nicht in gerader Linie. Ich mußte mein Studium oft unterbrechen, um mir die Mittel dazu wieder zu verdienen, und so habe ich in den Pausen neben der Erwerbsarbeit auch sehr viel anderes getrieben. Geschichte, Fremdsprachen, Philosophie und anderes." „Erwerbsarbeit? Dann sind Sie also Werkstudent ge- wesen. Alle Achtung!" „Vielleicht sogar noch etwas mehr als das. Ich habe fast ein Jahr als Mechaniker gearbeitet, ich war im Bergwerk, ich habe im Büro gesessen, ich gab Kurse in Schreibmaschine und Stenographie, Nachhilfestunden in Mathematik und Sprachen — was eben gerade verlangt wurde. Es war ein schwerer, aber auch ein schöner Weg. den ich gegangen bin. denn es ist das Beglückendste, was es gibt, sich aus eigener Kraft dem Schicksal entgegenzustemmen und es nach seinem eigenen Willen zu formen." „Mein Bruder studiert auch an der Technischen Hoch- schule. Allerdings dürfen wir uns nicht mit Ihnen ver- gleichen. Wir haben uns zwar sehr eingeteill. seitdem Vater tot ist, aber wirkliche Proletarier sind wir erst seit der In- flation geworden." � Ihr Gefährte schüttelte etwas spöttisch den Kops.„Sic sind Proletarier und sind es auch wieder nicht, obwohl Sie Sechs lebende Feuersäulen. Fürchterliches Ends einer Weihnachtsfeier. Lohne(kreis Osterburg. Allmark), 21. Dezember. Bei einer Weihnachtsfeier in Lohne, die de? Stahlhelm in einer Gastwirtschaft veranstaltete, ereignet sich ein entsetzliches Un- glück, von dem sechs Knaben betroffen wurden. Die Knaben stellten auf der Bühne Schneemänner dar und waren zu diesem Zweck ganz mit Watte umhüllt, di« offenbar nicht feuersicher imprägniert war. Einer der Knaben muß in der Pause einem brennenden Baum zu nahe gekonimen sein und sing Feuer. Im Nu st a n d e n alle sechs Knaben in hellen Flammen, sie drängte» zur Bühnentür, vermochten sie aber nicht zu öffnen. Erst als die Tür von außen durch Per« sonen aus dem Saal geöffnet wurde, konnten die Knaben aus ihrer schrecklichen Lage befreit werden. Sie hatten aber bereits schwerg Brandwunden erlitten. Einer der Knaben, der Sohn des Land» wirts Giefe, ist inzwischen im Krankenhaus Osterburg gestorben. Giuttgarier Schloß niedergebrannt. 35 Nauchvergistete.— Kunstsammlungen gerettet. Am frühen Rachinillag des Montag kam in dem Alten Schloß, dem srü Heren Resideuzschloß, das jetzt dem Staat gehört, ein Jener ans. da, unerwartet schnell so großen Umfang annahm, daß die Jeuerwehr zunächst trotz größter Anstrengungen voll- kommen machtlos war. Es cutstand der Eindruck, als ob das ganze Schloß dem Jener zum Opfer sollen würde. Arn 15 Uhr griff da» Jeuer vom östlichen Iliigel. wo es entstanden war, aus den nördlichen über und kam erst an einer Brandmauer zum Stehen. Boa den Wohnungen in den oberen Stockwerken des Ostsiügels. unker denen sich auch die der Witwe des früheren S taatspräsidenkea Blas befindet, konnte nichts gerettet werden. Die starke kälte erschwerte die Zufuhr de» Wassers. Zahlreiche Jeuerwehr» lenle. die aus den Treppen an den Brandherd vordringe« wollten, erlitten Ran chvxrg ist nngcn. Die Zahl der Bauch- vcrgislelcu und körperlich Verletzten belauft sich auf 35. Als die Feuerwehr anrückt«, stand der Dachstock des östlichen Flügels schon in einem einzigen Flammenmeer. Die Be- kämpfung des Feuers gestaltete sich sehr schwierig, da im Innern des Baues nur noch mit Rauchmasten vorgegangen werden konnte, weil der gesamte Ostflügel vollständig verqualmt war Etwa um 13.30 Uhr stürzte im Mittelbau des östlichen Flügel» unter ungeheurem Getöse das Dachgeschoß zu» s a m m e n, nach etwa zwei Stunden auch die Decke des dritten Stockwerks im Ostflügel. Gewallige Rauchmassen zogen über die Stadt. Die Feuerwehr arbeitete mit Sauerstoff- und Gasmasken. Man vermutet, daß das Feuer in einem der doppellen Böden zum Ausbruch gekommen ist. Unter den vom Brand betroffenen Woh- nungen �befindet sich auch di« der Witwe des früheren Staatspräsidenten Bios. An den Rettimgsarbellen de- teiligte sich auch Reichswehr, die ausrückte, um die im Schloß bs- findlichen Wohnungen und- Kanzleien zu räumen. Das Alt« Schloß, das durch den Brand zum großen Teil vernichtet worden ist, war der größte Monumentalbau Stuttgart». Seit der Beseitigung des allen Stammsitzes auf dem Rothenberg im Jahr« 1819 war es die eigentliche Burg des württembergischen Herrscherhauses, ein halbes Jahrtausend hindurch der Aufenthalt der regierenden Fürsten. Es bewahrt bis heute die Form einer mittelalterlichen tUrmfestcn Burg und war mit seinem malerischen Schloßhof mit den dreifachen Säulengängen und der Reittreppe bis in den zweiten Stock des östlichen Turms eines der schönsten Renaissanceschlösser Deutschlands. Der älteste Teil des Schlosses war die dem Waisenhaus gegenüberliegende südöstliche Fassade, die jetzt dem Brand tzanz zum Opfer siel. Die übrigen Teile des Schlosses wurden in den Jahren 1553 bis 1570 erbaut. Di« letzte'Meldung besagt, daß im Rordflügel des Allen arm geworden sind. Abet dessen bedarf es auch nicht. Auch Karl Marx, Engels, Lassallc stammen nicht aus proletarischen Berhältnissen. Und doch verdankt Ihnen die Arbeiterschaft der ganzen Welt Unersetzliches. Umgekebrt gibt es leider Proletarier von Geburt, die schlimmere Bourgeois werden als unserer Gegner, wenn ihnen einmal der Strom der Tausendmarkscheine durch die Hände gelaufen ist-.. So entscheidet nicht immer die Umwelt, in der ein Mensch groß geworden ist, sondern der innere Wert, die seelische und geistige Haltung. Das große Ziel aber unserer Partei, so wie ich sie kenne, ist es, jeden einzelnen Parteigenossen nicht nur dem Mitgliedsbuch, sondern auch seiner Gesinnung und Lebensführung nach zu einein Sozialisten zu machen." Er wandte sich einem jungen Menschen zu, der aus dem Nachbarabteil herüberkam „Genosse Reimer, hilf uns doch beim Uebcrsetzen! Wir haben kein Wörterbuch mit!" „Ja, da muß ich wohl dran glauben und mich in ein lebendiges Lexikon verwandeln." Er stand auf und reichte Germaine die Hand.„Och sehe Sie nachher noch." Germaine trat ans Fenster. Grüne Plätze. Rasenflächen. Gärten, dazwischen kleine Häuser, Tennisplätze und dann die ersten Anzeichen der Großstadt— das alles glitt vorüber, ohne daß sie es bewußt in sich aufnahm. Sie wußte auch nicht, wie lange sie so gestanden hoben inochte. „Wir haben bereits Greenwich passiert, gleich werden wir in Victoria Station fein", Reiner mar eben wieder in das Abteil eingetreten.„Ich habe auch schon einen Plan für heute. Wenn es Ihnen recht ist, bin ich Ihnen etwas behilf- lich und bringe Sie nach Crosby Hall. Es liegt doch wohl in der Nähe der Chelsea-Arücke. Ich kenne die Gegend noch von meiner ersten Englandreise vor dem Krieg her." Im Autobus fuhren sie die Victoria Street entlang. Dann wanderten sie zu Fuß längs der Themse. „Hier drüben liegt die Westminster-Abtei und neben der Westminsterbrücke sehen Sie das Parlament. Reiner deutete mit der Hand hinüber. Germaine blieb stehen-„Das ist ein herrlicher Blick von hier aus", sagte sie.„Ich hott« mir London lange nicht so schön gedacht. Ein dunkler, tiefer Glockenton schwang tfcrüber. „Das ist Big Ben", sagte Reiner,„die große Glocke im Uhrturm." (Fortsetzung folgt.) % Schlosses das Feuer an der Brandmauer zum Stillstand gekommen ist. Man hofft eine weitere Ausdehnung verhindern zu können. Da- gegen ist der Südflügel ernstlich bedroht. Aber auch dort ist in der Nähe des großen runden Turms eine Brandmauer vorhanden. von der man wirksame Hilfe erwartet. Die ganzen Ausmaße der Brandtatastrophe, der größten seit lö Jahren in Stuttgart, sind noch gar nicht abzusehen. Mißglückter Raubüberfall. Gummiknüppel als Reltungsmittel. Auf den SO Jahre alten Wäschercihesitzer Eduard Donath aus der Greisenhagener Straße 6 wurde in den gestrigen späten Abendstunden ein verwegener Raubübersall verübt. Als D. gegen 22 Uhr heimkehrte und bereits das Treppen- Haus betreten hatte, sah er sich plötzlich drei jüngeren Burschen gegenüber. Einer der Banditen hielt dem Wäschcreibesitzer eine Pistole vor die B r u st und forderte die Herausgabe seiner Barschaft. D. trug in einer Aktentasche einen größeren Betrag hei sich, den er gestern abend kassiert hatte. Außerdem hatte er einen Gummiknüppel bei sich und geistesgegenwärtig schlug er damit aus die Banditen ein. Die Täter, die fürchten mußten, festgenommen zu werden, zertrümmer- ten die Scheibe der Haustür und versuchten zu flüchten. Zweien von ihnen gelang es auch, durch die zertrümmerte Scheibe zu klettern und in einer Autodrofchke, die dort hielt, zu flüchten. Der dritte Komplize wurde von Donath festgehalten und später der Polizei übergeben. Zwischenfall im Calmeiie-prozeß. Temperamentvolle Angriffe des Professors Much. Lübeck. 21. Dezember. In der Montagverhandlung des Colmette-Prozesses erstattet Professor Dr. Bruno Lange ein ausführliches Gutachten, in dem er zu den Schlußsolgerungen kommt, die er bereits in der Sonnabendoerhandlung bekanntgegeben hatte. Theoretisch müsse man mit der Möglichkeit einer Umwand- lung des BCG. rechnen. Die Möglichkeit eines Rückschlages praktisch und im Lübecker Fall« sei es aber gleich null. Der Sach- verständige führte weiter aus, er sei sich vollkommen im klaren darüber, daß die Virulenz beim BCG. nicht etwas Fixes sei: es könnten gewisse Schwankungen in der LZirulenz vorkommen, ober niemals so große, daß man fortschreitende Tuberkulose bei Meer- jchweinchcn erzielen könne. Professor Hans Much ruft da- zwischen:„Das ist erwiesen!'", worauf Professor Schürmann lacht. Der Sachverständige Bruno Lange sährt fort: Es kommt darauf an, nachzuprüfen, daß eine bakteriologisch-anatomisch fixierte Tuberkulose bei Tieren erzielt wird. Dieser Nachweis ist, wie Pro- fessor Schürmann durch Versuche festgestellt hat, nicht geführt worden. Jetzt macht Professor Schürmann eine Bemerkung, die man jedoch nicht am Pressetische oersteht. Professor Hans Much :ruft sosort:„Wenn Sie noch weiter lachen und mich weiter be- .leidigen, kriegen Sie'n Paar an die Ohren." Professor Schürmann lacht weiter und Professor Much macht eine neue Bemerkung, die wieder nicht verstanden wird. Etwa fünf Minuten später läßt .Professor Much durch seinen Assistenten dem Sachverständigen .Professor Schürmann einen Zettel mit einer Entschuldigung über- reiche». �.Professor Dr. Lang« kommt z» dem Ergebnis, daß nach seiner Meinimg e i n e V e r w e ch s l u n g der auf Eiernährboden gezüchteten Kultur Werner mit der auf demselben Nährboden ge- züchteten BCG.-Kultur stattgefunden habe. Professor Dr. D e y ck e erklärt dazu, daß, wenn er die geringste Erinnerung hätte, daß ein Versehen passiert sei, er es sofort sagen würde. Nach der Mittagspaus« nimmt der Sachverständige Professor Dr. Hans Much(Hamburg) dos Wort zu seinem Schlußgutachten. ' Er richtet scharfe Angriffe gegen die Schulmedizin. Das Berufen auf die Wissenschaft sei ein Jonglieren mit dem � Dogma. Professor Dr. Much beschäftigte sich dann mit der Viru- lenzsteigerung des BCG. und sagt, nach stmer Meinung sei das Unglück durch eine Verunreinigung erfolgt. Die belrogcnen ladendorfl- Sparer. Vier grof�e Gläubiger- Versammlungen.— Das Reich soll helfen. Die Gläubiger der Berliner Bank für Handel und Grundbesitz(hausbefitzerbank) hielten gestern abend in Berlin vier Massen- Proteskoersammlungen ab. Im Sporkpalast versammelten sich die Mitglieder der vereinigten Glänbigerschuhver- bände, in Lokalen der Hasenheide die der Arbeitsgemeinschaft der Schotzoerbände der Gläubiger. Der Zweck der Versammlung war die Erörterung der Frage, ob der von der Berliner Bank für Handel und Grundbesitz bekanntgegebene Vergleichsvorschlag die Interessen der Gläubiger in ausreichendem Maße wahre. Bor Beginn der Kundgebung im Sportpalast kam es schon im Vorgarten des Sportpalastes zu erregten Szenen, da viele Gläu- biger, die weder eine Einladung noch irgendwelche sonstigen Aus- weife bei sich führten, nicht durch die Sperre gelassen wurden. Im Sportpalast selbst hatten sich einige hundert Gläubiger zusammen- gefunden, aus deren Mitte heraus bei den Ausführungen der Redner wiederholt erregte Zwischenrufe wie„W ir wollen unser Geld wiederhaben" usw. erfolgten und die besonders heftig pro- testierten, als bekannt wurde, daß der als Redner des Abends an- gesetzte Rechtsanwalt Dr. Frey nicht erscheinen könne. Zunächst sprach dann der Reichstagsabgeordnete Kaufhold, der ein- leitend der Versammlung die Angaben des Börsenkommissars Dr. Neufeld wiedergab. Der Redner, der sich zuerst besonders mit der Person des geflohenen Direktors S e i f f e r t beschäftigte, er- klärte, daß Seifsert von den Z Millionen Aktienkapital allein 1% Millionen besessen habe, während seiner Frau 200 000 Mark Borzogs- aklien gehörten. Weiter wies er auf die absurde Tatsache hin, daß Seifsert einen Reoisionsverband der. Haus- und Grundbesitzer gegründet habe, dem er vorstand und so also seinen eigenen Betrieb kontra l- lierte. Seifsert sei ausschlaggebender Aktionär und ausschlag- gebendes Borstandsmitglied gewesen. Der Redner wandte sich ener- gisch dagegen, daß das Unternehmen von einer Großbank geschluckt werde und trat für Erhaltung der Bank ein. Die Gläubiger in ihrer überwiegenden Mehrheit seien sicher bereit, stillzuhalten. Man müsse dann aber auch verlangen, daß Reich, Staat und Stadt mit Rücksicht auf die entstandene Notlage mit den Steuern stillhalte und von den rigorosen Verzugszinsen absehe. Er wandte sich mit aller Bestimmtheit gegen eine Verschleuderung der Werte und einen Verkauf der Grundstücke über den Kopf und zum Schaden der Gläu- biger. Man müsse von der preußischen Regierung verlangeu. daß sie «och vor Neujahr 20 Millionen zur Ansschültong bringe. Weiter müsse verlangt werden die Einsetzung eines unabhängigen Konkursverwalters. In Vertretung von Rechtsanwalt Dr. Frey sprach dann Rechts- anwalt Dr. Lohse, der besonders die Notwendigkeit unterstrich, daß im Interesse besonders der Kleineinleger eine Organisation auf- gezogen werden müsse, die die Geschäfte abwickle. Nach einer leb- haften Aussprache und nachdem Syndikus Cohn im Austrage der Stadtkommission mitteilte, daß die Berliner Stadlbank bereit sei. 50 proz. der zustande kommenden Lvote sofort zu bevorschussen, nahm die VertammlUpg. eine'«tiuschueßung an,"m der vom Reich verlangt wurde, daß es sich schützend' vor die�Spärer steile. Die Arbeitsgemeinschaft der Schutzverbände der Gläubiger der Berliner Bank sür Handel und Grundbesitz, der rund 16 000 Mit- glieder angehören, hielt in der Neuen Welt in der Hasenheide und in Kliems Festsälen drei stark besucht« Massenver- s a m m l u n g e n ab. die schließlich wegen Ueberfiillung polizeilich geschlossen werden mußten. Landtagsabgeordneter Dr. M« n tz wandte sich dagegen, daß von anderer Seite die Not der Gläubiger benutzt würde, um einem Reklamebedürfnis zu genügen. Die acht Verbände, die der Arbeitsgemeinschaft angeschlossen seien, dächten nicht daran, die von der Bank vorgeschlagene 30prozentige Quote als bindend anzusehen, und sie forderten für die Gläubiger der Haus- und Grundbesitzerbant das gleiche Recht, wie es das Reich den Gläubigern der Dresdner,.Danat- und Schröder-Bank zugebilligt hätte, nämlich die 100prozentige Entschädigung. Der Redner appellierte an die Gläubiger, dem Vergleichsver- fahren zuzustimmen, denn im Konkurse würde man über- Haupt nichts erhalten. Rechtsanwalt Dr. vom Berg machte der Regierung den Vorwurf, daß sie bisher nichts getan habe. Aufgabe der Arbeitsgemeinschaft der Gläubigerschutzverbände sei es, die Bilanz zu erfassen und auszuwerten, die jetzt endlich vorliege. Haupt- mann gab dann einen Ueberblick über den Status, über den wir an anderer Stelle berichten. Abgeordneter Mentz teilte noch mit, daß bei den 36 000 Gläubigern mindestens 18 001 ihre Zustimmung geben müßten, andernfalls das Konkursverfahren kommen werde, bei. dem man viel ungünstiger abschneiden würde. Das Reich hätte auch durch- blicken lassen, daß es nur den Gläubigern im Falle des Bergleichs- Verfahrens helfen würde. Die Bersammlung nahm dann eine Eni- schließung an, in der erneut an die Reichsregierung die dringende Bitte gerichtet wird, alles zu tun, um eine Schädigung der durch den Schalterschluß gefährdeten Mittelständler zu oerhindern. Außer- dem wurde ein Telegramm an den Reichskanzler Brüning gerichtet. Zum Schluß der Debatte in der Kundgebung der Bereinigten Gläubigerschutzoerbände kam es zu tumultartigen Szenen, als ein Debatteredner schwerste Vorwürfe gegen den ersten Vorsitzenden Richard Lebeck und den Generalsekretär Paul Lebeck erhob. Es ent- stand ein großer Tumult, die beiden Beschuldigten, die Brüder Lebeck, wurden tätlich angegriffen, so daß nichts weiter übrig blieb, als die Polizei in das Haus zu holen. Die beiden Brüder Lebeck wurden von den Beamten vor den wütenden Gläubigern in Sicherheit ge- bracht. Oer neue Verkehrstarif. Verbilligte Sammelkarten.— Omnibusgäste unzufrieden. Nach dem Beschluß, den der Aufsichtsrat der Berliner Der- kehrs-Gesellschaft gestern fahle, werden die Sammelkarteu im neuen Hahr nur noch 9 0 Pfennig kosten. Das bedeutet für einen großen Teil der VBG.-Fahrgäste eine erfreuliche P r e i s v e r- b i l l i g u n g. wenn man berücksichtigt, daß schon jetzt mehr als ein Drittel oller Fahrgäste die Sammelkarte benutzen. Immerhin werde« bei der Straßenbahn und der Untergrundbahn zur Zeit in einem Monat noch rund 350 000 Einzelsahrscheine ver- kaust. Die Benutzer de» Einzelsahrscheins, der nach dem neuen Be- schtuß nicht verbilligt wird, haben nur den vorieil, daß sie zu- künftig auch mit dem einfachen Fahrschein umsteigen können. Es ist anzunehmen, daß nach dem 1. Januar die„Schwell er- l i u g» j a g d" in Berlin wieder losgehen wird, weil ja Zeder Einzel- fahrschein als Umsteiger benutzt werden kann. Sehr erfreulich an der Neuregelung ist auch die Senkung der Monatskarten- preise, die an die Preissähe der Reichsbahn angeglichen werden sollen. Für sie tritt im allgemeine« eine 9-prozentige verbillignng ein. Unzufrieden sind die Benutzer der Omnibnslinieu, well sie von der Berbillignng ausgeschlossen sind. Für die Preissenkung stehen der Berkehrs-Gesellschast durch d?n' auf. VrmG der Notverordnung am 1. Januar erfolgenden Lohnabbau und unter der Voraussetzung der Niederschlagung der Besörderungssteuer insgesamt 13,1 Millionen Mark zur Verfügung. Die Leitung der BBG. ist der Meinung, daß weitere Mittel für die Tarifsenkung nicht freigemacht werden konnten. Aus diesem Grunde sei es nicht möglich, die ursprünglich in Aussicht genommene Ermäßigung des Einzelfahrscheins auf 20 Pfennig beizubehalten. Der Wegfall des verbilligten Einzelsahrscherns wird von vielen Arbeitslosen, die die 00 Pfennig nicht immer vorausbezahlen können, schmerzlich empfunden werden. Biete Arbeitslos« werden es allerdings verstehen sich zu helfen, indem sie die Fahrten zur Stempelstelle auf einer Sanunslkarte vereint zurücklegen. KARSTADT WurstwarenH Räucherwaren Molkereibutter....... Pfd. 1,08 Tafelbutter.......„...Pfd. 1.24 Markenbutter..Pfd. 1,32 Kochfreude..'/jPfd.-Pak-i 0.30 Rohschmalz........... Pfd. 0.50 Bratenschmalz....... Pfd. O.SO Griebenschmalz...... Pfd. 0.58 Speisefett Camembert volif„S/,D«. 1.90 Brechspargel mittel..'KD«. 1,45 Brechspargel dünn..POt. l.lg Gem. Gemüse fein...«/.»». 1.25 Gem. GemusemHMf.,«), d«. 0.90 Gem. Gemüse....... Ds. 0,62 Kaiserschoten....... Pv». 1.Z0 Junge Erbsen fein....'�Ds. 0.98 Junge Erbsen. 0.58 Steinpilze......... 1,15 Erdbeeren...........'Ii D«. 1.10 Ananas........... 900g-D«. 1.10 Pfirsiche gr. Frudit D«. 0.75 Birnen gz. Frudit....... Vi De- 0.88 Stollen,Il;r 3 Pfd. schwer, Pfd. 1.28 Dresd.Stoll. l-3Pf.s«hw., Pfd.1.00 Weihnachtsherz. Stdt.1,10, 0.75 Div. Königskuchen«n StA. 0,40 Kuchenbrot.......... Stck. i.qq Königskuchen mit Gu6,St*.o.60 Napfkuchen mitGuQ..StA. 0,60 Weißer Mohn....... Pfd. 0.52 Bratheringe.......> U.-Ds. 0.50 Makrelen.. in Tomaten, Ds.0,50 Olsardinen ohneGräten, Ds.0.55 Gabelbissen........... Ds.0.65 Rollmops in Remoulade..Ds.0.65 Fischmarinaden.. Dt.0. 71,0,43 Würstchen 5Poor....... Ds 0.75 Den|(.-Gurken.... ZU. Ds. 1.5g Mayonnaise........... Pfd. 0.70 Remoulade............ Pfd. 0.70 Heringssalat........... Pfd 0.78 Ifal. Salat.............. Pfd 8.78 Olsardinen..... V Uhr, im Parteibüro, Zdealpagaac, Fulbastraße. Auswcisl find UN- bedingt mitzubringe», jeder mutz persönlich erscheinen. Morgen. Mittwoch. 2Z. Dezember. 8. Abt. Arbeitskreis junger Parteigenossen: Unsere Stellung zur SAP. im Lokal Rickert, Steinmetzstr. 363. Freitag, 25. Dezember. 21. Abt. Zrcitag, t7 Uhr, große Weihnachtsseier im Laalbau der Sochschul, brauerci, Amrumcr Eile Seestraße. Mitwiilende: Laie»Ipieler-Berba»d. Pcitnng: Seoofic Bafiner. statten im B»r»erkauf TS Ps., an bei Abend. tafle I M. starten find in der Gcschästsstelte, lltrcchtcr Str. 21, erhältlich. »afienerässnuvg 16 Uhr. Arbeitsgemeinschaft der Hinderfreunde Groß-Berlin. Varstanbsstßung heute, pünktlich N Uhr, in der Geschäftsstelle, Lindenstr. 3. streu, berg. Morgen. Mittwoch, 30 llhr, wichtig« Gruppenleiter. I| U turne in der Aorckstroße.. W Schoneberg. Die bestellten Sinberland find bei der Genosfin 1 Peterion. Zcurigktr. 66, abzuholen. Friedenau hat Beiträge und • Vollsbühne noch nicht abgerechnet. strei» Friedrichshain. Die zu heute«Dienstaas angesetzte streishelserver. sommlung fällt aus. Mittwoch, pünktlich 10 Uhr, finden fich unsere Heiser im Jugendheim Diestelmeiierstr. 0—6 zum Iulklapp ein.— Gruppe Landsberger Platz. Heute, 18 Uhr, Roter-Falkeu-Abend. Sterbetafel der Groß«Berliner Partei-Organisation 2. Abt. Unser Genosse Georg Donnie» ist verstorben. Ehr« feinem An. denken. Einäscherung Mittwoch. 23. Dezember, lös«, Uhr, strematorium Gericht- straße. Um rege Beteiligung wild gebeten. 46. Abt. Am 18. Dezember verstarb unser lieber Genosse Paul Bahr. Ehre seinem Andenken. Einäscherung 23. Dezember, 18 Uhr, Baumschulenweg. Um rege Beteiligung wird gebeten. W. Abt. Am 19. Dezember starb unser lieber Genosse August Brandt, Britz, Pintscholleo 14. Wir verlieren in August Brandt eine» langjährigen, stets rührigen und aktiven Genostcn, dem die Berwirklichung des Sozialismus Per- standes. und Herzenssache war. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken dewahren und i» seinem Sinne weiter sür die große Zdee kämpfen. Ein. äscherung Mittwoch, 23. Dezember, I8V3 Uhr, im strematorium Baumschulenweg. N Sozialistische Arbeiterjugend Groß-V erlin Eintendungen für dies« Rubrik nur an ba» Zugendsekretarial Berlin SW«i». Lindenstraße 3 Das Iugcadsekrctariat bleibt weg«» Umzng»»am Montag, dem 28. De- zember, bi» einschließlich 3. Zanna« geschlossen. Notizen für den„Vorwärts" bis spätestens 23. Dezember einreichen. gendsekretariat Lindenstr. 2, vorn 1 Treppe. Januar bejindet sich das Zu» Heule. Dienstag. 22. Dezember: Arkouaplatz: Elisabe�hkirchstr. 19. Sonnenwendfeier.— Aollntföer Park. ""'-'——_ Rose-thaler Borstadt: Wiesen. Ecke Pankstraße. urger Str. 2. Weihnachts- >aiu: Pntbusser Str. 3. Sonnenwende.— Leopoldplatz: ' Lorkinastraße. fcier.— Willdoypwstr. 5/ I. Proletarische Weihnachtsfeier.- Rordeu: LorK�ngslraße. Weihnachtsfeier.— Schillerpark: Schöninastr. 17. Weihnachtsfeier.— Wedding. Rord: Turiner Ecke Seektraße. Weihnachtsfeier.— Wedding: Rote Falken. Villdenowstr. 5. Wintersonnenwende.— Araimplatz: Sonneburger Straße (Schule). Raum i. Was wollen die religiösen Sozialisten?— Aruswalder Platz I: Rastenburger Str. 16. Der Faschismus in Deutschland und in Italien. — Balkan: Mandelstr. 2(Schule). Wintersonnenwende.— Falkplatz i: Sonnen. burgcr Str. 26(Schule�. Funktionärsitzung bei Genossen.HUdebrand.— Selm. holzplatz: Danziger Str. 62, Baracke U. Weihnachten in der Gruppe.— Rord« osteu I: Danziger Str. 62, Baracke III. Dtskussionsabend.— Weißeafee: Park. straße 36. Kitsch um uns.— Haseuheide: Wafsertorstr. 9. Weihnachtsfeier.— Äopcnicker Viertel: Manteuffelstr. 7(Schule).— Sndea: Porckstr. 11. Zimmer 4. Unser Kampf gegen die Religion.— Südwest: Lindenstr. 4. Politische Satire. — Friedenau: Offenbacher Str. bs. Lustiges Jahresende.— Schoneberg I: Hauptstr. lö. Iulklapp.— Schoneberg MI: Hauptstr. 15. Spießer feiern Weihnachten.— Schöneberg FVj Hauptstr. 15..... und vor uns die Zukunft.— Schoneberg V: Hauptstr. 15. Iulklapp.~ Charlotteaburg-Rord: Kaiserin- Augusta.Alle« 972. Unsere Wcihnochtsfahrt.— Eharlottenburg'Süd: Wallftr. 76. Ob und wie feiern wir Weihnachten?— Steglitz I: Albrechtstr. 47». Leseabend. - Steglitz ll: Flemmingstr. 14b. Weihnachtsfeier.— Rep. Tempelhof: Wintgens. straße(«Ähulbaracke). Lassalle.— Britz: Chausseestr. 48. Wir feiern.— Neukölln I: Sander- Ecke Hobrechtstraße. Sonnenwende. � Neukölln III} Ziethen- straße 58. Sonnenwendfeier.— Reukölla IV: flanncr Straße. Arbeit sgemein. lolltt X: Bergstr. 29. Weihnachtsfeier mit der Gruppe �ichtkämpfcr.— Reu« kölln Xl: Ftuahafenstr. 68. Sonnenwendfeier.— Lichtenberg-Nordwest: Weichsel- straße 28(Bibliothek). Weihnachtsfeier.— Tegel: Bahnhoiltr. 15. Bub und Mädels— Karow: Frundsb-rgstr. 9.' Weihnachtsseier.— Rirderschönhouseu: Linds-ftr. 49. Unser Kampf im neuen Jahr.— Pankow r nnb TT: Arbeiter- juflrnd und Gemerksckmstcn(Görschstraße).— Pankow(R.-F.): Arbeitsgemeii:.. tzchast ntit Pankow Tl. Vorträge, Vereine und Versammlungen Typographia. Uetungsstunden am 22. und 29. Dezember fallen aus. Nächste Uebungsstunde am o. Januar 1932. Daselbst Verteilung der Essenmarken für unsere Herrenpartie. Am 28. Dezember, 18 Uhr. Mitwirkung bei den Arbeits- invaliden in Baumschulenweg, Baumschulenstr. 72. Deutscher Arbeiter-Abstine-teu-Bund. Bezirtsgruppe Schillerp«?. Sonn- abend. 26. Dezember, 16 Uhr, proletarische Weihnachtsfeier in der Gaststätte Malplaquetstr. 28 unter Mitwirkung der Kinderfreunde. Bescherung unserer Kinder. Donnerstag, 31. Dezember, 21 Uhr, proletarische Iahreswendfeier im Jugendheim Willdenowstr. 5. Freunde willkommen. Eintritt frei. Polizeisportverein Berli- e. B., Abteilung Ei-Heitskurzschrift. Regel- mäßlge Uebungsabende Montags, Dienstags, Donnerstags und Freitags im Polizeischulgebäude, Hannoversche Str. 28-80, 2. Stock, Zimmer 10. Beginn 19� Uhr. Anfänger-, Fortbildungs- und Redeschriftkurse, auch für Zivile. Allgemeine Wetterlage. woltailctd heitir.O Ubtateckt «wolkig,•badeckt-KagMuGnupth Während am Montotz in Nord- und Mitteldeutschland vor- wiegend trübes Wetter mit Temperaturen nahe bei Null bestand, mar es im Süden des Reiches heiter und kalt.(Frost bis— 8 Grad Celsius). Zu wesentlichen Niederschägen kam es nirgends im Reiche. An der Nordscite des europäischen Hochdruckgebietes wandern jetzt zwei kräftige Depressionen ostwärts, die an ihrer Südseite sehr milde ozeanischen Lustmassen mit sich führen. Diese dürsten jedoch auf unser morgiges Wetter noch keinen wesentlichen Einsluß ausüben. vielmehr wird es weiterhin durch das europäische i)och bestimmt bleiben. » Dellcraussichien sür Berlin: Meist bedeckt, keine nennenswerten Niederschläge, lemperolurcn wenig verändert, schwache, vorwiegend nördliche Winde.— Für Deutschland: Im Süden ziemlich heiter und sehr kalt: im übrigen Dsutschlond Temperaturen in der Nähe des Gesrierpnnktes und meist bedeckter Himmel, nur im Nordosten stellenweise heller. Nirgends Niederschläge von Bedeutung. Ein NZcihnachlsgeschenk der Firma 3 oeser& wolff sür die Winterhilfe. Frau Regicrungsrat Lucia o. Loeser, Inhaberin der bekannten Zigarrensabriken Loeser& Wolsf stiftete zum Weihnachts- fest der Berliner Winterhilfe eine halbe Million Stück Zigarillos. Di« lonzentriertc Tonne des Südens lebt in jeder Flasche Santa- Wein. Aus de» Weihnachtstisch gehört er als startendes Getränk, da Feststimmung erhöht beim Gesang des Sauta-Lucia. Liedes:„Hell glänzt Mondlicht am Htinmeisbogen und leichte Lüste träuseln die Wogen, steigt in mein Schifflein ein. labt euch am roten Wein. Santa Lucia, vanta Lucia! Aus eigenster st rast! Was hilft die teuerste Reklame, wenn die Ware nichts lUi! X,\f. n dwn v- r n. n rv.* rf t**9 f\ 1 1 e.. H„ r»„-D.: Lucia- dos die das taugt?! Gildehaf hat sich darum gewissenhaft vorbereitet, bevor sie zur Zei. tung ging.'Rur die Ehrfurcht vor der öffentlichen Meinung hat GildeHof den Ruhm einer Osorttrof+e»«" I<.«»»» e marken trä Mazebonen____________,______.____ w_______________ hof raucht und schenkt, der kann gar nicht besser beweisen, daß er in ollem Geschmack hat und seine Zeit versteht. Eine feine Aufmerksamkeit, die helle Begeisterung hervorruft, ist es. wenn Sie als Festgeschenk Kaffee Hag wählen. Ersten? xpeil er so gul bekommt. denn er ist ja kofieinfrei und nollkommen unschädlich, zweitens, weil die schonen Weihnachtsdosen, in denen Kaffee Hag seM überoll zu haben ist. das Entzücken jeder Hausfrau sind. Es gibt eine Aitsil'bordose für 2,25 M. und ekne Vakunm-Dose zu 1,71 M. In dieser luftleeren Dose bleibt Kaffee Hag frisch wie an: Tage der Rösiung. _ QCn- laden ein C�Bcsiclil�ung imserer QÜeilnaclils- Sonderschau In ca. 250 Schaufenstern geben wir Ihnen einen Uberblick über die Fülle unserer Auswahl in Weihnacbts- gesebenkkisteben.- Schon von 50 Pf. aufwärts stehen Geschenkpackungen für Sie bereit. Ganz besonders empfehlen wir: leicht/ ein wun derhübsches 10-Stück-Geschenkkistcben M. 1.50 Weitere Originalmarken in Gescbenk- kisten zu 25 Stck. zu Originalpreisen: Donna Lucia klein; 15 Pf. Ich schlage alles:lS Pf. Donna Lucia; 20 Pf Senola klein; 25 Pf. Unisono mit Ring; 30 Pf. Bernhard Loeser; 30 Pf.- In zirka 120 Filialen wird Sie fachmännische Bedienung bei der Auswahl Ihrer Geschenke jederzeit gern beraten. LOESER & WOLFF WeiknacMen in QoethesJßeben „Weihnachten,'Weihnachten, du warst der Ainder Freud«, die noch im Traume lächelten:" Diese schönen Worte Goethes, die uns Wilhelm Grimm aufbewahrt hat, zeigen, wie von früher Kindheit an in dem Dichter das Weihnachtserlebnis Wurzeln geschlagen hatte. Wenn wir uns am Eingang des Goethe-Iahres, das uns di« Gestalt des Olympiers besonders nahe bringen wird, an die Bedeutung erinnern, die das Christfest in seinem Leben gehabt hat, so muß zu- nächst betont werden, daß der 2 5. Dezember in seinem Dasein eine wichtige Rolle gespielt hat. Am 25. Dezember war der Ge- burtstag der Frau von Stein, und so war in dem ersten Weimarer Jahrzehnt das Weihnachtsfest für ihn eine Doppelfeier. Die schönste Weihnachtszabe wurde ihm 1789 beschert, denn am 25. Dezember erblickte sein Sohn August das Licht der Welt, das einzige seiner Kinder, das am Leben blieb. So war also die Weihnacht wieder zum Dappelsest für ihn geworden. Aber bereits vor dieser sozusagen persönlichen Beziehung zlim Ehristfest hatte er die Wunder dieser deutschen Feier kennengelernt und tief in sich aufgenommen. Im chaus am Hirschgraben prangte zwar noch kein Lichterbmuti, denn diese Sitte war in Frankfurt am Main in Goethes Jugend noch un- bekannt, aber dafiir leuchteten viele„Wachsstöckchen" die Frau Aja, Goethes Mutter, als Lichtnatur zahlreich anzuzünden liebte, miid der Gabentisch war reich gedeckt. Am Wechnachtsabend erhielt Goeth« jenes berühmt« Puppentheater, das zuerst seinen Sinn für die dramatische Dichtung entzündete und das er in„Wilhelm Meisters lheatralischer Sendung" und später in„Dichtung und Wahrheit" so anschaulich schilderte. Ob Goethe als Leipziger Student Weihnachten bereits mit dem Ehristbaum seierte, ist fraglich. Die oft erzählte Schilderung von dem Weihnachtssest beim Kupferstecher Stock ist ganz unverbürgt. Zweifellos aber Hot er den Lichterbaum und die eigentliche deutsche Weihnacht m Straßburg lcnuengelernt, denn das Elsaß ist ja bekanntlich die Heimat des Ehristbaumes, und als der junge Dichter 1779 im Pfarrhaus zu Sefenheim mst seiner Friederike Weihnachten feierte, da wird des Lebens goldener Baum nicht ge- fehlt haben. Die frohe Erwartung des künftigen Glanzes spricht aus dem Gedicht, in dem Goethe sich bei Friederike für die Weih- nachtstage ankündigte. Seitdem lebt die Poesie der Weihnacht in semer Phantasie, so daß er sogar im„Werther" eine stimrnungsvolle Weihnachtsfeier schildert, obwohl er im.Deutschen Hause" des Amt- mannes Busf zu Wetzlar niemals mit seiner Lotte ein Christfest be- gangen hat, da er sich dort nur wahrend eines Sommers aufhielt. Dafür spricht denn die schönste Weihnachtsstimmung aus den Briefen, die er in den nächsten Iahren ans Frankfurt an Lotte und ihren Gatten Keftner richtete. Da schildert er den Weihnachtsmarkt mit den„vielen Lichtern und Spielsachen, erzählt vom Türmer, der sein Festlied bläst, und schreibt:„Ich habe diese Zeit des Jahres gar i lieb, die Lieder, die man fingt." In Weimar fand Goeche den Christbaum bereits vor. Wird doch gerade im Jahr vor feiner Ankunft von der Weimarischen Forstverwaltung die Benutzung der Tannen „zu den auf Weihnachten gewöhnlichen sogenannten Christbäumchen" verboten, ein Beweis dafür, daß die Wälder dafür bereits damals stark geplündert wurden. Aber es fcheint, als ob zwar der Tannen- bäum, doch nicht der Lichterbaum üblich war, und ihm hat Goethe, der ihn im Elsaß lieben gelernt hotte, die Bahn bereitet. Er selbst entfloh zur Weihnachtszeit gern den geräuschvollen Festen bei Hose und suchte häufig die schneeerfüllte Einsamkeit des nahe gelegenen Gebirges auf. Als er nach der italienischen Reise mit Christiane sein eigenes Heim begründete, da übernahm diese die Ausgestaltung des Festes, und sie wurde darin eifrig von Frau Rat unters lügt, die sich alljährlich mit ihren„Weihnachtskisten" einstellte. Da schickte sie gute Stoffe zu Kleidern, Konfekt und Pomeranzenschalen, alles mögliche, das sie einmal in einen: ihrer lustigen Weihnachtsgedichte ausführt:„Torten, Rosinen, Gärten mit Lichtern/ Herren und Damen mit hölzern Gesichtern/ Aepfel und Birnen, Geigen und Flöten,/ Zuckerwerk, Ruten, Mandeln, Pasteten/ Reiter mit Pferden, gut ausstassiert,/ nachdem ein jedes sich ausgeführt." Als es dann galt, dem Enkelchen allerlei zu bescheren, da schickt sie Spielzeug in Menge für den„lieben August": nur gegen ein�„Mordwerkzeug", wie eine Kanone oder gar eine Guillotine, legte sie entrüsteten Protest ein. Goethe mußte die Kiste stets selbst auspacken,„damit der Spaß am Christtag nicht entzogen wird.„Später hat Goethe sich mehr und mehr von den Weihnachtsfesten zurückgezogen. Er oerbrachte sie manchmal in Jena, so hei dein Buchhändler Fromniann, dessen Pflegetochter Mnchen Herzlieb sein Herz gewannen hatte: ihr hat er als„Christgeschenk" ein Weihnachtssonett gewidmet und einige Jahre danach für den Prinzen Karl'Alexander ein Gedicht aus den Christbaum geschaffen, das dieser dem Großherzog aussagen mußte. Immer leiser klingt das Weihnachsglück in das Leben und Denken des Greises hinein, aber bis zuletzt haben ihm die Glocken der Christ- nacht geläutet. Das geht aus den Tagebuchaufzeichmmgen der letzten Jahre hervor. So schlecht er 1828 am 24. Dezember:„Die Christboicherung angesehen." Und am 25.:„Die Enkel brachten einige Geschenke." 1829:„Den Kindern ward beschert. Sie kamen, um zu danken, sehr fröhlich." 1839 heißt es:„Alles war beschäftigt mit Herligen-Christ-Arbeiten, Hoffen und Empfangen. Ich blieb für mich und rekapituliert«, was nächstens zu expedieren fei" Von der letzten Weihnacht Goethes heißt es im Tagebuch:„Ottilie wegen der Christgeschenke... Die Familie war zu Frau von Pag- wisch, wo der heilig« Christ aufgestellt war." Das Fest wurde- also bei der Mutter der Schwiegertochter begangen, und am 25. Dezember 1831 heißt es:„Früh di« Kinder: zufrieden mit ihren Weihnachts- gefchenken.. Jliii äüubrowfki: Jim 22. 3>esEember 18*19 morgens... Ein« sternenklar«, frostige Dezembernacht lag über der Stadt. St. Petersburg schlief, eingehüllt in eine dicke, weiße Schneedecke Von einer nahen Turmuhr klangen langsam und getragen fünf zitternd« Glockenschläge, und gleich darauf erwiderten fünfmal In verschiedenen Teilen der Stadt andere Uhren. Und dazwischen, in den langsamen, gleichmäßigen, tiefen kupfernen Klang, fiel ein Helles, fein abgetöntes Glockenspiel. Dann wurde es wieder still: nur ab und zu klopften die Nachtwächter in ihre hölzernen Bretter. und hier und da bellte«in gestörter Hofhund. Weit am Newastrom, gegenüber den am Ufer schlafenden Pa» lasten, lag stumm, wie ein großes, graues Ungeheuer, die Peter- Pauls-Festung, mit ihrer gegen den Himmel herausfordernd ge- richteten nadelartigen Spitze. Heute begann in der Festung das Anzeichen des Lebens aus- nahmsweise etwas früher als gewöhnlich. In dem auf einem der vielen Höfe liegenden Wachthäuschen brannte bereits das Licht. Bald verließ eine Gruppe verschlafener Soldaten mit lautem Eisen- gepolter der schweren Gewehre das Haus, ging über den schmalen Weg des verschneiten Hofes und verschwand, nachdem sich die Leute ihre Stiefel an der Türschwelle vom Schnee abgeklopft haben, im Eingang des Hauptgebäudes. Die dunklen, schmalen Kasematten der Festung, in denen politische Gefangene oft Jahrzehnte schmachteten, glichen alten ver- nachlässigten Grüften. In einer der Kasematten schlummerte am Fußende der Schlafbant, angelehnt an die feuchte Wand, ein junger Mann Er war schlank und hager, sein knochiges, blasses Gesicht umrahmte ein dunkler Bart, und die hohe, breite, muskulöse Stirn verlieh ihm den Ausdruck der Erhabenheit und Intelligenz. Er war m>t Mühe erst um zwei Uhr eingeschlafen: inzwischen wachte er jede Stunde auf. Die stickige Luft der Kasematte störte ihn, und scule ichmale Hand zuckte nervös an der Deck« oder griff immer an die gleiche Stelle seiner Brust, die ihm scheinbar schmerzte. Schräg gegenüber der Schlafstelle stand ein großer Tisch. Dar- auf lag ein ganzer Berg von teilweise beschriebenem Papier, eine dicke Bibel in französischer Sprache, ein paar andere Bücher, einige Hefte der Zeitschrift„Vaterländische Aufzeichnungen" und eine selbst- gemachte Kalendertafel, worauf alle Tage, von April bis 22. De- zember, durchstrichen waren: daneben stand ein Wasserkrug und eine halb abgebrannte Kerze, die dem Gefangenen als besondere Be- günstigung gewährt wurde. Der junge Mann schlief sehr unruhig und atmete laut und un- gleichmäßig: ab und zu murmelte er auch etwas im Traume vor sich hin. An der Tür wurde leife gerüttelt, und im selben Augenblick machte der Gefangene die Augen auf. Durch die aufgemachte Tür- klappe fiel ein schmaler Lichtstreifen in die Kasematte, und das be- kannte Gesicht des alten Korporals schaute hinein. „Dostojewski!" Der Gefangene rührte sich nicht: dann sagte er letse:„Ja!" „Aufstehen... Fertigmachen!" Und wieder wurde es dunkel. Nach eine Weile blieb der junge Mann unbeweglich sitzen— er überlegte: hat er denn wirklich so lange geschlafen?, Aber es'st noch so dunkel.. Das Fsnsterchen da oben ist noch kaum zu er- kennen. Wie spät mag es jetzt sein?— Er stand auf, zündete die Kerze an und begann sich langsam in Ordnung zu bringen. In einer halben Stunde knarrte das Schloß und die schwere, eiserne Tür ging auf. Der alte Korporal brachte heißes Wasser zum Tee und ging wortlos hinaus. Wie sonderbar schweigsam ist er heute— dachte der Gefangene: und instinktiv überkam chn selbst das Gefühl einer seltsamen Unruhe. Oben, durch das Quadrat des Fenstergitters, kroch ein grauer Schimmer des aufkommenden Tages in die Kammer hinein... Etwas später kam der Korporal in Begleitung eines Offiziers wieder. Der Gefangene— Fjodor Michailowitsch Dostojewski— mußte sich anziehen und mitkommen. Im langen, hohen Korridor war es bereits hell. Am Ende dos Ganges standen die anderen Kameraden. Man zählte: 21 Mann!— Keiner von ihnen redete, doch jeder einzeln« fühlte, daß heute irgendwas geschehen, irgend- eine wichtige Entscheidung kommen würde. Vielleicht führte man sie noch einmal zum Verhör!— In Begleitung bewaffneter Soldaten gingen sie die Treppe hinunter� dann, durchquerten olle einen breiten Hof. Doftojewski blickte sich um: hier durfte er im Sommer manchmal eine Stunde spazierengehen: siebzehn Bäume zählte er darin, das war für ihn damals ein großer, wunderschöner Park.. Die schwere Tür des Hofes ging auf und die Gefangenen traten in einen zweiten, etwas größeren Hof. Aber was sollte das be- deuten...? Wozu standen hier diese großen, ungemütlichen Mili- tärwagen? Und das berittene Militär?— Bis jetzt verhielten sich alle ruhig, aber beim Anblick dieser Wagen begannen die Gefan- genen nervös und laut zu sprechen.— Man stieg ein, die Wagen- türen wurden zugeklappt, die Kavallerie flankierte di« Seiten, und der ganze Zug verließ im schnellen Trab die Festung Dostojewski faß zum Glück am Wagenfester. Er schaute aus den klaren, bläulichen Himmel, aus die ersten Strahlen der aus- gehenden Sonne, auf den die Augen blendenden weißen Schnee, auf die Straßen— alles ihm bekonnte Straßen— und die Menschen. di« sich frei und friedlich bewegen, Menschen, die er seit acht Monaten so nicht gesehen hat— und er dachte:„Wie schön ist dos Leben— das freie Leben!" Der Gedanke wurde wieder wach in ihm: weshalb fährt er jetzt eigentlich mit? Worin bestand sein Werbr«ch«n?— Daß er, wie auch viele andere Intellektuelle, sich von Charles Fouriers sozial- politischen Utopien hinreißen ließ? Aber es war doch nur eine rein theoretische Auseinandersetzung mit jenen Problemen, die ge- rade Rußland so furchtbar quälten. Wie konnte man da auch stillschweigend vorbeigehen, wenn man nur einen einzigen Funken des Mitgefühls und der Verantwortung befaß. Zweifellos fürch- tcte der Kaiser einen gewaltigen Umsturz... O, wie töricht! Der Zug bog in eine schmale Straße hinein. Ein bärtiger Pförtner schippte ruhig Schnee vom Bürgersteig. Und Dostojewski schien, als ob sich chre Augen trafen. Wie beneidete er jetzt diesen Pförtner!... Ein kleiner Hund warf sich mit schrecklichem Gebell dem Wagen entgegen. Zwei in schwere Pelze eingehüllte Studenten blieben neugierig stehen.„Was macht wohl jetzt der Bruder?". dachte Dostojewski weiter.„Gott fei Dank, daß er wenigstens frei- kam... Und die Eltern in Moskau werden wohl von all dem noch gar nichts gehört haben--" Auf einmal fuhr der Zug auf ein freies Gelände und hielt. Dostojewski und die anderen stiegen aus. Ach.— das war ja der Semfonowsche Platz! Wie oft exerzierte er hier, noch während seiner Studienzeit... Ein Hustenanfall befiel ihn. Mitten auf dem verschneiten, von der aufgegangenen Sonne wie mit glitzerndem Goldpulver überstreuten Platz war eine Kom- pagnie Soldaten aufgestellt. Daneben stand eine Gruppe von Offi- zieren und Justizbeamten. Dorthin wurden die Gefangenen diri- giert, und je näher sie kamen, desto stärker wurde ihr Angstgefühl vor dem Ungewissen. Jetzt sahen sie plötzlich gegenüber der Kom- pagnie drei eingebaute, dicke Holzpfeiler stehen. Hier machten sie balt. Man zählte sie wieder.— Verständnislos schauten sich die Ge- fangenen gegenseitig an und scheu, wie eine schutzlose Herde vor herannahendem Gewitter, rückten sie näher aneinander. Eine schreck- liche Vermutung stieg in jedem einzelnen von ihnen auf,, doch traute sich keiner, diese Vermutung laut auszusprechen. So standen sie alle da. blaß, übernächtig� mit fiebrigen Augen und warteten auf das weitere Geschehen. Nach einer Weile hörte man Kommandoruf«, und die Kom- pagnie nahm da, Gewehr über. Ein junger Hauptmann trat her- vor und mit heller Stimme begann er laut das Urteil zu lesen. Wenn er in hen kleinen Atempausen, die er nach jedem Satz machte, aufblicken könnt«, sah er hie graue Gruppe lauschender Menschen sich gegenüber, deren Augen unbeweglich ans ihn gerichtet waren. Er fühlte, wie diese entfetzten Blicke ihn festzunageln schienen, und dieser Umstand störte ihn sehr beim Vorlese». Eine leichte Blässe trat auf sein Gesicht, und je weiter er las. desto unsicherer llang seine Stimme, als weim er sein eigenes Urteil spräche. Als er endete, herrschte ein paar Sekunden fast absolute Stille. Nur in den Ohren der Gefangenen tlangen noch ganz deutlich die letzten Worte des Hauptmanns:...... Todesstrafe durch Erschießen."— Es war schwer im Moment, die furchtbare Bedeutung dieser Worte zu erfassen. Dostojewski schien, als ständen sie, wie rote Buchstaben, vor ihm in der Lust erstarrt. Die grausame Vermutung wurde zur Gewißheit. Und gleichzeitig, wie ein eiliges Fliehen vor der gräßlichen Gegenwart, zog sein früheres Leben blitzschnell in seinem Gedächtnis vorüber: die Kindheit, in der Dienstwohnung eines Mo-kauer Krankenhauses, der nervöse, ständig gereizt« Vater in seinem weihen Arztkittel, die geliebten Brüder, St. Petersburg und die militärische Ingenieurschule mit ihren Strapazen und Entbeh- rungen, die ihm jetzt nur als etwas Angenehmes vorkam:'die halb- konspirativen Zusammenkünfte bei Petraschewski, und schließlich jene Nacht seiner Verhaftung, wo er als„Hochverräter" in die Festung übergeführt wurde. Das alles zog jetzt schnell und wehmutsvoll vorüber und erlosch, als wenn unter seiner Lebensbilanz ein Strich gezogen wurde... Plötzlich sah er ein anderes, unbekanntes Gesicht, und das kalte Metall de- Kruzifixes berührte seine Lippen. Der Geistliche segnete ihn und ging zu dem Nächsten Zwei Leutnants kamen heran und zerbrachen über dem Kopf eines jeden Verurteilten einen Säbel. Fassungslos ließ sich Dosto- jcwski wie die übrigen ein lange«, weißes Totenhemd anziehen. Man verteilte sie in Gruppen zu je drei Mann. Dostojewski war als sechster in der zweiten Gruppe. Bertzweifelt starrte er auf zwei starke Grenadiere, welche etwas hastig die drei leichenblassen Menschen vorne an die Pfeiler banden.„Ist das möglich", dachte er,„man wird einfach auf die friedlichen, wehrlosen Menschen schießen?... Aus widerspruchslosen Befehl? Weshalb?!—" Seine Gedanken irrten.„Leben.... leben.... leben...", hämmerte es ihm im Kopfe. Es begann ein tolles, hilfloses Klammern an ein ephemeres Etwas:— was wäre, wenn man nicht sterben sollte? Wenn man das Leben zurückrufen könnte— welch eine Unendlichkeit! Dann hätte er jede Minute in ein Jahrhundert verwandelt, jede Minute gezählt, um auch nichts unnütz zu verlieren? Er sah sich um: neben ihm standen seine Kameraden Plescht- schejew und Durow: wortlos sielen die drei zum Abschied einander in die Arme. Ein schriller, dreifacher Trommelwirbel zerriß in diesem Augen- blick die Spannung. Alles schaute verwundert nach vorne, wo ein großer, streng aussehender Oberst ein Papier in der Hand hielt, bereit, etwas vorzulesen. Und siehe— man band die drei Käme- raden von den Pfeilern wieder los. Was war geschehen?— In Ungewisser, freudiger Erwartung schlug das Blut heftig in den Adern: der goldglitzernde Schnee blendete die Augen, die Kirchen- tuppeln schienen im Feuer auszugehen, und die ganze Lust war wie ausgelöst im Sonnenlicht.-- Der Oberst sprach, und wie ein be» freiendes Aufatmen ging ein tiefer, erleichterter Seufzer durch die Gruppen der Gefangenen. Einige bekreuzigten sich.„Eine grau- stge Komödie...", flüsterte jemand; aber niemand hörte auf ihn. Auch die finsteren Gesichter der Soldaten schienen heller, und ein weicherer Ausdruck umspielte ihre Züge. Die Welle der Cntspan- nung rollte von den Leuten in weißen Totengewändern auch über die strammen Reihen der Soldaten hinweg... Zwei Tage später, in der Nacht vom 24. zum 25, Dezember, während die Glocken Rußlands zur Weihnachtsfeier schlugen, ver- ließ ein einsamer Schlitten St Petersburg in östlicher Richtung. In der Tiefe des niedrigen, gedeckten Schlittens, schlummerte ein an Händen und Füßen geketteter Mann. Vorne, neben dem Kut- scher, faß ein älter Landjäger: hinter deni»linken Aermelausschlag seines dicken MUUärmantels hatte er Papiere des im Schlitten- innern liegenden Mannes. Es stand daraus: Dostosewski, Fjodor Michailowitsch, begnadigt zu vier Jahren Zuchchaus in Sibirien und drei Jahren Militärdienst an der Front. Zturück aiini ßalleU Die Entwicklung des neuen Tanzstlls vollzog sich im ausgs- sprochenen Gegensatz zu dem bis dahin herrschenden Ballettstll. Der neue Tanz hat sich durchgesetzt. Es ist nicht leicht, ihn über die bereits erreichte Höhe hinauszuführen. Leichter ist es. zum Rückzug zu blasen. Zum Rückzug aus das Ballett, das lange tot ist und nur noch zu grob-materiellen Zwecken, etwa zur Kräftigung der Bein- technik, zu äußerlich dekorativen oder akrobatischen Wirkungen von Nutzen ist, das aber an den Geist des modernen Tanzes nicht rühren darf. Das Ballett Gfoosky, das im Wintergarten gastiert, scheint diesen Tatbestand richtig erfaßt zu haben..,3 rn Modesalon durch die Jahrhunderte" nennt es die neun kleinen Bilder, die in geschickter und geschmackvoller Aufmachung vom Mittelalter über Rokoko. Walzer und Eake-Walk zu Tango, Cbar- leston und Rumba führen. Die Kostüme sind fast die Hauptsache, der Tanz ist unoeimeidlich, aber nicht wesentlich lind das ist gut so, denn die Technik, namentlich die Spitzentänze, die hier gezeigt wer- den, sind längst überholt und werden von den Resten des alten rufst- scheu Balletts sehr viel virtuoser und wirtsamer produziert Trotz der Mitwirkung einer Pri-maballerina von der Königlich Vlämischen Oper in Antwerpen und eines Mitglieds der Moskauer Großen Oper trug das Ganze den Stempel der Schüleraufführung. Ballellgeist atmeten auch die Tänze, die ein— laut Programm — aus Paris kommendes Fräulein Bella Reine im Bachsaal zeigte. Auch hier waren die Kostüm« das Wichtigste. Das Tänze- rtsche kam nicht in Betracht. Solche pantomimischen, mit unsicherem rhythmischen Gefühl gestalteten und in nicht immer einwandfreier Technik gebrachten Szenen duldet man in Berlin kaum noch auf mittleren Varietes. Kunsttanz ist nach unseren Begriffen etwas anderes. In Paris scheint man anspruchsloser oder toleranter zu sein. _ j. S. Me viele die Großstadt verschlingt. Nach einem soeben veröfsent» lichten Bericht sind in P a r i s im letzten Jahr 27 999 Personen ver- schwunden, hauptsächlich wegen Schulden, Liebesgeschichten oder aus Abenteurerlust. Nach einer Zusammenstellung in New Park wurden dort im vergangenen Jahr 25 999 Personen vermißt, dar- unter 3599 Knaben und 2459 Mädchen. Die Londoner„Ver- luslliste" belauft sich auf durchschnittlich 12 Personen am Tage, wäh- rend in ganz England jährlich etwa 15 999 Frauen allein als ver- mißt gemeldet werden. Auch in London ist die Zahl derer, die die Großstadt verschlingt, zum größeren Teil weiblichen Geschlechtes. Als Gründe für das Verschwinden von Männern werden angegeben: Häusliche Zwistigkeiten, geschäftliche Sorgen: als Gründe der Frauen hauptfächlich: Liebesgeschichten und klein« Diebstähle, bei Mädchen Abenteuerlust oder Lebensmüdigkeit. In zunehmendem Maße ist auch Gedächtnisschwund Ursache des Verschwindens. Die Eintagsfliege lebt zwei bis drei Jahre lang«in Räuber- leben auf dem Grunde der Flüsse, als Infekt aber nur einige. Stunden, y* Serantwortlicki'Ut Politik: Btctor SchiN: Wirtschaft:®. BlinaelbM«; ©coctlfd-aftsberneaunn: Z. eUintt; ScjiDeton:®r. gabn S�ik-w-Ii: Üofales und ffouft'ae»; Ütib Karstädt: Anzeigen: Tb.©lock-! sämtlich in Berlin. Lerlaa: Varwärts-Verlaa® rn b. S., Berlin. Druck: Borwiirts.Buckdruckcret und Berlagsanstalt Paul Tinaer u. Co.. Berlin EW. öS, Lindensliabe i>. Hierzu 2 Beilagen, Milde für Bombenwerfer« Die Sprengung der Echücking-ZZerfammlong vor Gericht. Siel. 21. Dezember. Dor dem Kieler ermeiterten Schöffsngericht hatte sich der 19jährige nationalsozialistische Student der Chemie Hans Joachim Elchhoff wegen Versammlungsfprengung und Körperverletzung zu verantworten. Eichho-ff hatte am 30. Juni d. I. bekanntlich im Kieler Studentenheim Seeburg«ine Veriammlung des republikanischen Studentenbundes, in der der weltbekannte deutsch« Gelehrt« und Mitglied des Hanger Weltschiedsgerichtes Professor Schücking, Kiel, sprach, gesprengt. Der nationalsozialistische Student hatte aus einer Tränengas» a m p u l l e und verschiedenen Feuerwerkskörpern eine Art Bombe verfertigt, die er in die überfüllte Versammlung warf. Die Vombe explodierte mit lautem Knall. Durch Splitter und Tropfen des stark ätzenden Tränengases wurden drei Studen» ten mehr oder weniger oerletzt. Der Z�eichsanwalt Dr. Böhnert, Barmen, Asststem Professor Schückings, erlitt außerdem ein« Trommelfellerschütterung, die zu einer vor- übergehenden Störung des Gehörs führte. Das aus- strömend« Tränengas Zwang die Versäminlungsbesucher zu einer längeren Räumung des Saales. Student Tantzen, ein Sohn des oldenburgischen M inifterpsäsidenten, nahm die Verfolgung des Bombenwerfers auf und stellte ihn auch mit Hilf« von Passanten. In der Verhandlung versuchte der Angeklagte die Sache als Duimnensungenstreich hinzustellen. Er sagte, daß er sich über die Pazifisten geärgert hätte. Der Staatsanwalt verlangte ein« scharfe Bestrafung des Angeklagten, der ganz unverantwortlich gehandelt hätte. Er beantragte 6 Monate Gefängnis. Da» Gericht aber verurteilte den Angeklagte» nur zu einem ZNonut Gefängnis mit Bewährungsfrist. Dies« weitgehendste Riilde dürste nicht gerade zur Befriedung des politischen Lebens führen. Bruderzwist im Haufe Harzburg. Hugenberg im Anhängewagen. Breslau. 21. Dezember.(Eigenbericht.) Der Bruderzwist im Hause Harzburg nimmt m Schlesien immer lieblichere Formen an. In bewegten Klagen äußern sich die Deutschnationalen über die Kraftausdrücke und Schnoddrigkeiten. die ihnen in nationalsozialistischen Versammlungen an den Kopf geworfen werden. Hugenbergs Breslauer Organ stellt darüber folgende Kostproben zusammen: 1. Pg. K o t h e- Breslau äußerte sich im November 1331 in Militsch:..Die Deutschnationalen werden von der Bildsläche ver» ichwuäden sein, wenn der letzte arterienoertaltt« General endlich gestorben sein wird. Die Deutschnationalen tonnen kein« Arbeiter behandeln, sie beuten sie nur aus. Geben sie einem Arbeiter die Hand, waschen sie sich gleich danach die Hände. Der Richtspruch der Deutschnationalen ist: Hochmut und Stolz wachsen auf einem Holz. 2. Pg. Gauleiter Brückner am 3. November 1331 in Striegau:„... Parteien von zwerghaftem Format haben in diesem Kampfe nichts zu sagen,... denn sie haben ja keine Macht. Daran werden sich alle dies« Herrschaften gewöhnen müssen, auch wenn sie noch so gebildet sind und immer sagen: Hitler als ehemaliger Arbeiter versteht vom Regieren nichts. Nennen wir diese Leute mal Rotz von Rotzenstein. Das sind die Leute, die immer schreien: ohne uns kann nicht regiert werden. Ztun, wir Nazis wer- den es den Herren zeigen, daß wir die Grafen Rotz von Rotzenstem nicht brauchen. Sie können bei uns einsteigen, aber nur im Anhänge- wagen Nr. 7 oder 8, kutschieren werden wir. Dem Zentrum werden wir nicht den Gefallen tun, die Deutschnationalen fortzustoßen, sie können bei uns bleiben und weiter mitmachen, aber zu sagen haben sie selbstverständlich nichts/' 8. Pg. Gauleiter Brückner am 11. November 1331 in Herms- darf, Kreis Waldenburg:„Harzburg war notwendig, wir brauchen die Reste der Reaktion auf unserem Nebenkriegsschauplatz im Paria- ment. Die Deutschnationalen und den Stahlhelm habe er früher „in die Fresse gehauen", und er werde sie wieder in die Fresse hauen, wenn es nötig werden sollt«. Aber Seldte, der früher Stresemanns Freund gewesen sei. sei jetzt hübsch artig und füge sich Hstler, warum sollte er da nicht im Anhängewagen Platz nehmen, den Motorwagen haben ja wir Nationalsozialisten. Ebenso die Demschnationalen(!), unter Westarp schwankende Gestalten, ober solange Hugenberg ein anständiger Bundesgenosse sei, können die auch im Anhängewagen jähren." Man kann es den Deutschnationalen„von zwerghastem Format" nachfühlen, daß ihnen diese Art der Polemik nicht sonderlich ange- nehm ist._ Ltnbehagen rechts. Sie können nicht genug Lohndnuk erhalten. Wir haben die Reichsregierung zur Beseitigung der Unmensch- ilchkeiten in der Durchführung der Notverordnung ausgefordert, die sich bei der chematischen Lohnsenkung ergeben haben. Wir haben ge- fordert. daßdieReallöhnenichtgesenkt werden dürfen. Daraufhin widmet uns die.Lreuzzeitung" einen langen pole- mischen Artikel, in dem sie ihr Mißbehagen darüber zum Ausdruck bringt, da« wir„eifrig am Werke sind, die Reichsregierung unter Trommelfeuer zu halten". Es scheint also, daß der„Äreuzzeitung" die Unmenschlichkeiten, die wir festgestellt haben, willkommen stndl Die Preissenkung. Gewerkschaften und Beamte wieder beim Preiskommissar. Am Montag wurden gemeinsam von Reichswirtschaftsminister Dr. W a> m b o l d, Reichsminister für Ernährung und Landwirt- schaft Dr. Schiele und Reichstommissar für Preisüberwachung, Oberbürgermeister Dr. Goerdeler, die Spitzenorgani- sationen der Gewerkschaften und Beamten emp- fangen. Die Besprechung gast den Fragen der Preissenkung und führte nach der grundsätzlichen Seite sowie auch bezüglich des Vorgehens auf einzelnen Gebieten im wesentlichen zu übereinstim- mender Auffassung. Von einzelnen Vertretern der Verbände der Beamten und Arbeitnehmer wurde eine Reihe wertvoller Anregungen gegeben, deren Beachtung zugesagt worden ist. Es bestand allseitig der Wunsch, daß die Aussprache über Fragen der Preissenkung zu gegebener Zeit fortgesetzt werde. Die Reichsminister Dr. Warmbold und Dr. Schiele und Reichskommissar Dr. Goerdeler sagten dies zu. Gandhi, der Prophet der Sewaltlssigkeit, hat auf der Rückreise nach Indien in Rom Mussolini besucht, der die blutige Gewalt zum Regierungsprinzip erhoben hat. Oauerprozeß Graf Helldorf u. Gen. ,Mn denken Sie einmal scharf nach, Angeklagter: Sind Sie damals, als Sie von Oberschöneweide nach dem Kurfürstendamm spazieren gingen, wie sie jetzt angeben, über Viesenthal, oder wie Sie in der Voruntersuchung ausgesagt haben, über Lichtenrade gelaufen? Das ist nömlich sehr wichtig..." Nazi«Löge» totgeschlagen! Hörfing als Jranzofenknechi.— Aazi-Anwalt Kreisler als Enthüller. In einem Prozeß, der vor dem Amtsgericht in Weida(THü- ringen) stattfand, haben die„Franzosengelder" des Reichsbanners wieder einmal eine Rolle gespielt. Der Nationalsozialist Heine- vetter hatte dem Bundesvorsitzenden des Reichsbanners Hörsing vorgeworfen, er habe das Vaterland verraten und an die Franzosen verkauft. Dafür hatte sich Heinevetter nunmehr vor Gericht zu verantworten. Sein Verteidiger, Rechtsanwalt Körner aus Gera, berief sich zur Rechtfertigung dieses Lorwurfs aus den bekannten Pazifistenkongreß und auf die 30 000 Franken französischer Gelder, die in die Kasse des Reichsbanners geflossen seien. Rechts- anwalt Dr. Brcmn-Magdeburg erklärt« demgegenüber, baß niemals ein Pazifist behauptet habe, dem Reichsbanner französisches Geld unter Hinweis auf die Herkunft gegeben zu haben. Als der Richter darauf den Angeklagten fragte, ob er im Ernst versuchen wollte. nachzuweisen, daß Hörsing firanzöflsches Geld genommen hätte, und ob er im Ernst behaupten wolle, Hörsing hätte etwas davon gewußt, wagten weder Heineoetter noch sein Anwalt die Frage zu besahen. Heinevetter gab vielmehr folgende Erklärung ab: „3ch nehme die beleidlgeudea vehaupluvgen mit dem An»- druck des Bedauerns zurück. Zch erkläre, daß ich die Behauptung nicht aufrechterhalte» kann, und trage die gesamten Losten des Berfahreas" Rechtsamvolt Dr. Braun wies darauf hin. daß ihm und Hörsing nichts daran gelegen sei, einen kleinen Funktionär der National- sozialisten für Behauptungen, die von Führern der Nationalsozia- listen in verleumderischer Weise verbreitet würden, zur Derant- wortung zu ziehen. Unter diesem Gesichtspunkt sei er mit dem Ver- gleich einverstanden, erkläre aber gleichzeitig, daß die Führer nicht so leichten Kaufes davonkommen würden, wenn sie es in Zukunft noch einmal wagen sollten, derartige Be- Häuptlingen auszustellen. ?!azi-Anwatt Freister wird angeklagt. Bekanntlich hat in dem ersten Kurfürstendamm-Prozeß der Verteidiger der nationalsozialistischen Angeklagten, Rechtsanwalt Dr. Freister aus Kassel, behauptet, daß durch einen Palizei- r u n d f u n k der Absicht Ausdruck gegeben worden fei, die SA. der NSDAP, durch mit Staatsmitteln bezahlte Agenten aus Reichsbannerkreisen zu Unruhen zu veranlassen. Daraufhin wurde von dem preußischen Minister des Innern diese Behauptung als unwahr und fr�ei erfunden erklärt und u. q. d« „Völkische Beobachter" zur Aufnahm« einer entsprechenden Mit- tellung oeranlaßt. Dieser Vorfall ist van einem nationalsozialistischen Landtagsabgeordneten zum Gegenstand einer Kleinen Anfrage gemacht worden, w der das Staatsministerium gefragt wurde, ob es bereit sei. gegen Rechtsanwalt Dr. Freister Strafantra g zu stellen und allen von Dr. Freister zu benennenden Zeugen Aus- fageerlaubnis zu geben. Wie der Anitliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der Preußische Minister des Innern jetzt folgende Ant- wort auf die Kleine Anfrage erteilt: „Wenn der Rechtsanwalt Freister die Behauptung, daß durch einen Polizeirundfunk der Absicht Ausdruck gegeben worden sei, die SA. der NSDAP, durch mit Staatsmitteln bezahlte Geheimagenten aus Reichsbannerkreifen zu Unruhen zu veranlassen unter Umständen wiederholt, die eine etwaige Berufung auf§ 183 StGB, ausschließen, wird ihm Gelegenheit gegeben werden, sich von der Unwahrheit seiner Behauptung durch ein Strafurteil überzeugen zu lassen. Die zur Klärung dieses Beweisthemas erforderliche Erlaub- nis zur Zeugenaussage wird erteist werden." Bombenanschlag auf einen Redakteur. Avf den Genossen Seidel in Heidelberg. Heidelberg, 21. Dezember. Zn da» Schlafzimmer de» in Ziegelhausen wohnende» Be- dokteurs Seidel der sozialdemokratischen„Heidelberger Bolkszeilung" wurde letzte Nacht ein Brandbombe ge- schlendert. Die vombe durchschlug das Fenster de» Schlafzimmers und sehte einige Lleidungestücke sowie die vorhänge iu Brand. verletzt wurde niemand. Die Täler sind uubekauol. Arnaldo Mussolini gestorben. plötzlich am Herzschlag. Mailand, 21. Dezember. Arnaldo Mussolini, der Bruder de» italienischen Regle- rnogsches, und Direktor de»„popolo d'Zlalia". ist einem Herzschlag erlegen. Bei einer Autofahrt wurde ihm plötzlich übel, worauf er sich zur nächsten Sanitätsstation fahren ließ. Dort wurde Arnaldo Mussolini von einem Herzschlag getroffen, der seinen sofortigen Tod zur Folge hatte. Der Verstorbene hatte am Sonntag noch an der großen faschistischen Parteiversammlung teilgenommen, die in Mailand stattfand, und beim Empfang des neuen Parteisekretärs Staraco in der Redaktion feiner Zeitung eine Ansprache gehalten. Arnaldo Mussolini ist 46 Jahre all geworden und war somit um zwei Jahre jünger al« sein Bruder Benito. Kursürfienbamm-Theater. „Mahagonny." Die Geschichte„Aufstieg und Fall der Stadt Maha- gonny" von Brecht und Weill, die sich eine Oper nennt und ein Songfpiel ist. erwies sich auch in der Berliner Ausführung als ein zwisspälliges Stuck von hohen Qualitäten und zweifelhaftem Charakter. Im Gegensatz zur Uraufführung in Leipzig fand es großen and ungeteilten Veifoll. A. W. Eine parieigründung Macdonalds? Zur Abwehr allzu hoher Schutzzölle. Dondon. 21. Dezember.(Eigenbericht.) Ein Sonntagsblatt meldet, daß Macdonald die Absicht hat, eine neue„Nationale Partei" zu bilden. B a l d w i u. der Führer der Konservattoen. und die Liberalen Herbert Samuel und John Simon sollen dieser neuen Partei beitreten wollen. Der Zweck der neuen Gruppe soll ausschließlich sein, eine aus den bis« herigen drei Parteien sich rekrutierende geschlossene Abwehrfront gegen die nicht sehr große, aber einflußreiche Gruppe der k o n s e r- vativen Hochschutzzöllner zu bilden. Bomben auf Tschintschau. Vi« Völkerbundskommission noch nicht ba. London. 21. Dezember.(Eigenbericht.) Di« Umgebung von Tschintschau wurde in den letzten Tagen wiederholt von japanischen Flugzeuggeschwadern b o m b a r- diert. Inzwischen hat Marschall Honjo von China ultimativ die Räumung der Stadt gefordert. Da mit einer freiwilligen Räumung nicht zu rechnen ist. dürfte der von Honjo angekündigte Generalangriff aus Tschintschau am ersten Weihnächte- seiertag erfolgen. Die Japaner haben vor Tagesanbruch einen allgemeinen Vormarsch im bergigen Gebiet von Schantung, Fakumen und Hsinminfu(östlich von Mukden) begonnen, wo sich Räuber» banden aufhalten sollen. Neuer Ungeharsamkeitsseldzug Gandhi»? Nach einer Zu- sammenkunst mit dem Kongreß am 23. Dezember beabsichtigt Mahatma Gandhi sich noch Kalkutta zu begeben, um dort den Vizekönig zu sehen und die Lage, die sich nach der Round- Table-Konserenz ergibt, zu besprechen. Gandhi will sich für die Aufhebung der zur Unterdrückung von Gewalttätigkeiten geschasfe. nen Notverordnung tn Bengal einsetzen. Es sind Vorbereitungen im Gange, um diese Notverordnung in Bengal mit einer neuen Uugehorsamskampagu« zu beantworten. WERTHEIM Zusendung von 5 M an. Obst, CemOse u, IcJchi verderfalidie Aifikei werden nicht zugesandt vom Mm (Pfefferßuehen, cM&rmp&n an Frisch. Fleisch Odisen-Suppentlolsdi«. m 0.40 Ochsen-Cutasch.. Pfand 0.74 Ochsen-Schmorfleisch v. an 0.74 Kalbsbrust u. Rücken pw. 0.58 Kalbskotelett---- Pfand 0.74 Kalbsroulade bratfart, Pfd. 0.78 KaSbsschn'.izel.... Pfand 0.98 Schweinebauch... Pfand 0.58 Schweineschinken ohn. Bein 0.68 Schweineschulferblatt Pfd. 0.68 Schweinekamm u. SdiuttPid, 0.70 Schweinekotelett Pfand an 0.74 Kahlerkamm u. Schuft Pfd. 0.70 ia Berliner Bratwurst Pfd. 0.68 Frische Rinderzunge Pfd. 0.90 Obst Goldparmänen.. 2 Pfand 0.35 Tafeiäpfel...Pfund P.18 0.22 Amerik. Äpfel Pfand 0.24 0.36 Südfrüchte Apfelsinen... Mandarinen.. Jaffa-Orangen. Frische Ananas Datteln Karion Feigen PSdcchen Krachmandeln Walnüsse 0.25 Haselnüsse... >.. 3 Pfund 0.42 .. 3 Pfand 0.58 ..3 Pfand 0.68 Pfd. vpn an 0.58 0.45 Pfund 0.46 0.22 Pfand 0.32 ....Pfand 0.58 Paranüsse 0.44 ....Pfund 0.45 Mastgänse pu.74, 84, 94 pi. Cetiagel. Wild Gänse go'roron, Pfund v. an 0.65 Enten v.an 0.75 Hühnerv.an0.68 Wolgahühner Pfand«. an 0.70 Hasen gesfr. u. ausgew, Pfd. v. a. 0.76 Kaninchen gslr.u.ausgaw,Pf.v,0.75 Wlidragout..Pfand von an 0.28 Fische ScheUfisch 0.12 Kabeljau 0.18 Kabel Jaufilet Pfund von an 0.24 Zander gafr.. gr. F.«dia, Pfd. V. 0.35 Ladis gafr..ganiaFI(dia,Pfd,v, 0.35 Nur Leipziger Sfraiza Holld. Austern«osidc. v. an 1.75 Leb. Hummern Pfd. von an 3.20 Leb. Forellen Pfand von an 1.65 Wurstwaren Dampf- u. Fleischwurst Pfd. 0.75 Landleberwurst Pfand f.» 0.84 Mettwurst Braunschwelg. Art 0.95 Wiener Würstchen. Pfand 0.95 Feine Leberwurst Pfd. f.s» 1.08 Zervelatu. Salami Holst Pfd. 1.08 Teewurst falna u. grobe, Pfd. 1.28 Fileiwurst...... Pfund 1.32 Zervelatwurst i. Paffdarm Pfd. 1.32 ichinkenspedc i-Pid.-sidc. 1.22 Nufjschlnken ca. z Pitt. Pfd. 1.38 Gänsebrust u.Lachsschlnk._.. (Pariser Art), Piund*»40 ., gasdinlltan, 9®�" Schinken o. sch,>/. Pfd. 0.35 0.43 KSse Fett Camembert vofifeit. stock 0.20 6 Portionen- SchachteJ 0.68 Harzerkäse ca. i-Pfd.-Paicai 0.30 Limburg.Käse voiif.0.73hibf.0.48 Tilslterkäse voiifatt.. Pfand 0.68 Holländer a. Edamer vofit 0.70 Briekäse voiifeit... Pfand 0.72 Stelnbuscher Ia OuaL, Pfund 0.84 Schweizer« 00 Margarine, Kokosfett p'd. 0.75 Molkereibuffer Pfd. 1.08 1.24 Merkenbutter....Pfand 1.32 Dänische Butter.. Pfand 1.34 Hirschfleisch Rehfleisch.. Blatt SOcken Kaule Pfd. von an 56 Pf. 68 PL 88 PI. Pfd. von an 85 PI, 1,19 latO Wein 1930 Oberhaardfer.... 0.73 1930 Liebfraumi ch Coidk.. 0.90 1929 Siefersheimer Natur. 1.20 1930 Wehlener Juffer..1.20 1929 Maskammerer Natur. 1.25 1923 Keslener Herrenberg 1.50 1928 Kreuznadier Forst..1.65 1921 Graacher Himmelreich 1.95 1928 Rüdesh. Berg(Rosanado 2.25 Praha för V, Ratdia an na Glas 1921 Medoe....... 1.30 1921 Chat. La Lagune.. 1-40 Special Couv6e Traubansekl mit Stauer u, Flascha 3,75 1930 Maikammerer.. D er 0.80 Dürkheimer Roiwein Liier 0.80 Spanischer Roi wein.Liter 1.10 Tarragona...... Liiar.fto Muskateller..... Liier 1.20 Konserven ig. Erbsen lein 0.98 mittel fein 0.58 Katser-Sdiofen.......1.30 Gem. Gemüse....... 0.60 Gem. Gemüse fein..... 1.25 Prinzeftbohnen fein.... 1.45 Brudupargel ohne KSpfa 1.10 Stangenspargel sa.so Stg. 1.50 Slangenspargel mittet... 1.75 Stangenspargel stark.... 1.90 Sellerie In Scheiben..... 0.63 Apfelmus 0.46 Pflaumen 0.58 Erdbeeren. Reineclauden 1.00 Mirabellen......... 1.10 Plirsiche kein, halba Frucht 1.15 Kolonlalwareas dBpid.-deu.el 1.55 1.45 Olympia-Mehl Rauhreif-Mehl s-ptd.-Beutei Auszug-Mehl Pfund eas t.v Kariotfeimehl....Pfund Sultaninen.. Pfund e.n ojs Korinthen 0.56 Zitronat Mandeln sü� Pfand im f.« Hartgrieft..... Pfund ojo Talolreis... Pfund 0.U B.Z5 Pudding-Pulver Mandel- u. Vanille- Geschmack Sdiokoiade-Pudding f.f» Backobst gemischt. 0.7! 0.0 Aprikosen Kalif- Pfd. o.« ojo Frisch gebrannter Kaffee 1.80 2.20 2.60 3.00 3.40 1.35 1.55 0.24 0.18 0.38 0.90 1.30 0.28 0.20 0.44 0.64 0.38 0.60 rfund 3.80 Lüba ICSfjpfüBl Pfund von an jf 0 Pf> Räucherwaren Delikatessen rettbüddinge Pfand von an 0.32 Schellfische.. Pfand von an 0,30 Seelachs.... Pfand von an 0.36 Sprellen Pfd.v.0.32 Kistchen 0.26 Spickaale.». Pfand von an 1.60 Ladis in SlQdcen. Pfd. von an 1.25 Meiossol-Kaviar. vi Pfand 8.50 Kaviar Chlpp Auslese Vi Pfd. 12.50 Fleischsalat...... 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Berlin, den 18. Dezember 193t. Dar Obrrstoofnanevalk beim candgrriihl III. Die Komödie Heute geschlossen. Morgen 7Vi Uht Zum 1. Male: Die liemo-BanK von Louis Verneuil mit HaxPoUesberz Knriarstendalnin- Tbealer | 1 448- 8 V, Uht Gshp. d-Scfiidit-PiwInkt. Hauaponny von Brecht u. Weil! Im.: Redet. Mnik. Uitcng: von Ztmlinsky Rose- Theater ünt« Fmkfortir SltrHe 131 ItL Wildnil E 7 3421 8.15 Uhr Öle keusche Susanne s'/.uhr CASINO-THEATER"u m» Lothringer Sfrage 57. iiimiiimummuimiiniiimniiiniutmiiiiuiiiiiiininmniiiiii An allen Z Feiertagen 2 Vorstellg abends 81/« L hr die neue Posse Vas man ans Liebe tot Dazu die einaknge Operette Das Seh eidniigs-Souper and das beule Feu-Programm. Nachmittag 3 Uhr: Preise 30 Pf. bis 1 M VaSerns Wunderkur and da* banie Programm. mmm Rtöfauä Berlins Bekanntmachung. DeitsdieillctallaHn-leM Adatmet Dem mifgUcdcrn jnc bafoabnena vrachkangi Den waihnochlsfeirrkng« ttttb bes 7Ien|abtat«gea tarnen bleiben bic BBrotdnme am 25. und 2B. De. jembcc 1931 nah am 1. 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Da sei denn zur Richtigstellung eines nicht zutreffenden Bildes, das der aus dem Papier errechnete Fleischverbrauch geben könnte, gleich darauf hingewiesen, daß in diesen Zahlen auch der Massen- verbrauch in den Berliner Gaststätten eingerechnet ist, der nament- lich durch den starken Fremdenverkehr bedingt ist. Wir wissen leider viel zu genau, daß gerade in Berlin mit semer großen Arbeitslosigkeit in unendlich vielen Familien von einem jährlichen Fleischverbrauch von auch nur annähernd 72 Kilo Fleisch pro Person nicht die Rede sein kann. Die Zahlen, die aus den Schlachtungen und dem Biehauftrieb errechnet werden, stehen nur allzu oft mit der rauhen und trüben Wirklichkeit im Widerspruch. Es läßt sich eben nicht feststellen, wohin im einzelnen die Fleischmcngen in Berlin abwandern! Ziffern, die ungeheuerlich wirken. Lon dem Riesenverbrauch Berlins an Fleisch gewinnt man einen annähernden Begriff, wenn man das Gesawtschlachlgewichk der 2% Millionen zählenden Schlachltiere— Schweine, Rinder, Kälber, Ziegen, Schafe und Pferde— feststellt. 120 Millionen Kilo wogen allein die Schweine, 32,3 Millionen Kilo die Rinder, 14,2 Millionen Kilo die Kälber, 11,3 Millionen die Schafe und Ziegen und 1,8 Millionen Kilo die Pferde. Hinzu kommen die Zufuhren von Fleisch und Wurstwaren von auswärts, die jährlich rund 82 Millionen Kilo betragen. Ein Kapitel für sich bildet das Ge- srierfleisch, besten Einstihr gesperrt ist, wodurch allein an dem ver- Willigten zollfreien Gefrierfleisch ein Ausfall von jährlich 19 Millio- Ben Kilo auf den Berliner Märkten entsteht. Dieses billige Fleisch war für die minderbemittelte Bevölkerung ein ganz wesentlicher Faktor in ihrer Ernährung, und keine Stadt Deutschlands ist durch die Sperre des Gefrierfleisches so stark betroffen worden wie Berlin. Die Preisausgleichsversuche zwischen Frisch- und Gefrierfleisch haben für die Mäste der Bevölkerung— wie die Fachleute der städtischen Verwaltung schon vorher sagten— keine Verbilligung gebracht.» Billiges Fleisch wird verlangt! Für die Bersiner Verhältnisse ist bezeichnend, daß von den Kunden in der Hauptsache aus der schweren Wirtschaftslage heraus das Billigste vom Billigen verlangt wird. Ein Sinken der F l e i s ch p r e i s e im Großhandel ebenso wie im Kleinhandel kann nicht bestritten werden. Einige wenige Beispiele mögen dies be- legen: Nach Reichspfennigcn je Pfund sank das Schweinetotelett in Berlin vom Januar bis zum Oktober 1S31 von 120 auf 107, Bauch von 92 auf 80, Dickbein von 89 auf 74. Die gleichen Ziffern lauten bei Rindfleisch: Brust 112 zu 87, Gehacktes 97 auf 82, Kalbs- keule 133 zu 130, Hammelfleisch, gewogener Durchschnitt, 130 zu 103. Gleichwohl muß aber leider immer wieder gesagt werden, daß die Kaufkraft der Massen in sehr viel höherem Maße zurück- gegangen ist. Das spüren auch die Fleischermeister, und ihre Klage geht hauptsächlich dahin, daß der Verbrauch von Qualitätswaren eine außerordentliche Einbuße erlitten hat. Fleisch ist keine Dauer- und Lagerware, und so geht selbstverständlich auch das Angebot von Qualitätsware stark zurück, wenn wir von Stadtvierteln ab- sehen, in denen die verhältnismäßig geringe Zahl von heute noch Begüterten wohnt. In den Kreisen der Fleischermeister wird zudem auch über die Qualität des aufgetriebenen Viehs geklagt. Man will dies auf die hohen Futermittelzölle und die dadurch hervor- gerufene Unmöglichkeit zurückführen, erstklassiges Bieh großzuziehen. Wie weit das richtig ist, das festzustellen ist selbstverständlich an Hand rein Berliner Ermittlungen schwer. Ein Geschäftsrückgang im Berliner Aleischkleinhandel ist unbestreitbar. Die Zahlen vom Januar 1931 und vom Oktober 1931 weisen einen Umsatz im Werte von 40,1 Millionen Mark aus der einen und von 33,8 Millionen Mark auf der anderen Seite auf. Die Folge: Wachsen der Arbeitslosigkeit. Eine der schlimmsten Auswirkungen dieses Zustandes ist die erschreckende Zunahme der Arbeitslosigkeit bei den Angestellten männlichen und weiblichen Geschlechts im Berliner Fleischergewerbe. Wer vor drei Jahren und wer jetzt die Räume der Ortsverwaltmig des Verbandes der Lebensmittel- und Getränkearbeiter in Berlin betrat, merkt diesen Unterschied. Vor etlichen Jahren noch spürte man die Pein der Arbeitslosigkeit gerade in diesem Berufszweig verhältnismäßig wenig. Heute ist das ganz anders geworden, heute werden durch Sorge und Not, durch Verlangen nach Hilfe und Unterstützung unendlich viele gezwungen, hier Rat und Schutz zu fordern. Lasten wir Zahlen sprechen: An der Jahreswende 1928 waren 1044 Fleischergesellen und 39 Verkäuferinnen arbeitslos. Ende 1929 zählte man in Berlin 1753 arbeitslose Gesellen und 172 arbeitslose Verkäuferinnen. Die letzten Stichzahlen vom 1. Oktober 1931 berichten von 3245 arbeitslosen Gesellen und 479 arbeitslosen Verkäuferinnen. Das bedeutet Steigerungen um rund das Dreifache oder— bei den Verkäuferinnen— um rund das Zwölffache. Zahlen sprechen, und diese Zahlen reden eine harte Sprache. Der Einblick in die Verhältnisse in ein einzelnes Berliner Gewerbe gestattet einen Rückschluß auf die allgemeine Not. Möge dieser Rückschluß gezogen werden!' Das Glücksrad im Gewerkschastshaus. Ziehung der Arbeiter-Wohffahrtsktterie. Millionen Gedanken und Hoffnungswünsche begleiten Frau Fortuna, die da in einem Saal des Gewerkschaftshaufes an der Los- trommel steht und unermüdlich Zahlen verkündet, Zahlen, die vielen eine kleine, manchen sogar eine ganz große Festesfreude bereiten werden: Gewinne der diesjährigen Arbeiterwohlfahrtslotterie. Mauschenstill ist's im großen Raum, in dem neun Menschen am Tisch der freudigen Ueberraschungen hantieren. Nummer 1 entnimmt die Röllchen der Riesentrommel, Nummer 2 entfaltet sie und nennt ihre Ziffer, Nummer 3 entnimmt dem Rad mit den Gewinnen ein Röllchen und reicht es dem Nebenmann Nummer 4, der es entfaltet, entweder schweigt oder beglückende Zahlen von 10, 50, 100 und noch mehr Mark nennt. Gleich am ersten Ziehungstage verkündete er zwei Gewinnes 1000 Mark. Die anderen kleben, sortieren, ein Beamter schreibt die Zahlen mit, der anwesende Notar kontrolliert den ganzen Vorgang und vergleicht sodann die geklebten Listen mit den Notierungen. Ein paar arbeitslose junge Burschen sitzen auf den Stühlen, und chre Augen hängen Hoffnung?- froh an den Lippen der Ansagerin: ein alter Mann hat vor sich eine ganze Liste von Losnummern, deren Eintreffen in Verbindung mit einer Gewinnzahl er ängstlich kontrolliert. Allen denen, die da sitzen und hassen, wäre ein kleines Glückslos zu wünschen. Jetzt gibt's eine kleine Pause im Dialog der Los- und Glücksverkünder, rasck) werden die beiden Trommeln tüchtig durcheinandergeschüttelt, und es geht weiter. Am ersten Tage wurde von 8 Uhr morgens bis 4 Uhr nachmittags, am zweiten und letzten Tag von 8 Uhr morgens bis SVi Uhr nachmittags gezogen. Unerbittlich und unberechenbar ist das Schicksal, wenn sich das Glücksrad dreht. Die Hauptgewinne fielen wie folgt: 20 000 Mark(Hauptgewinn— auf A und B der Loskategorie) auf Nr. 403 128, der Gewinn, vom 15000 Mark(auf A und B der Loskategorie) auf Nr.�i02 321, der Gewinn von 10000 Mark(auf A und B der Loskategorie) auf Nr. 1 533311. Die An- gäbe der Gewinnummern erfolgt ohne Gewähr. Ein Zensor bei der Op'O. Im September dieses Jahres hatte Staatssekretär Dr. Saut- t e r aus einer Verbandstagung der Postbeamten einen beachtens- werten Vortrag über die Bedeutung der Reichspost im öffentlichen Leben gehallen, wobei er lobende und anerkennende Worte über die hingebende Arbeit der Beamten fand. Die Oeffentlichkeit kann über diese vielgestaltige und weitverzweigte Arbeit Kenntnis nur durch die Presse erhalten. Es wird nun Herrn Sautter, aber auch die Postbeamtenverbände, zweifellos interessieren, zu hören, wie wenig ein verantwortlicher Postbeamter für die Aufgaben der Presse Sinn und Verständnis hat, so daß er es fertig bringt, einem Jour- nalisten, der über die Arbeit der Post zur Weihnachtszeit schreiben möchte, sein Vorhaben zu erschweren und letzthin ganz zu verleiden. Es handelt sich dabei um die Nachrichtenstelle bei der Oberpostdlrektion Berlin. Einer unserer Mitarbeiter teilt uns über seine Erfahrungen bei dieser Stelle folgendes mit: Ich hatte die Absicht, über den Weihnachtsverkehr auf dem Paketpostamt in der Luckenwalder Straße zu schreiben. Der dort amtierende Direktor erklärte seine Bereitwillig- keit, mir den Betrieb zu zeigen, nur sollte ich mir von Herrn Ober- postrat Pappberg in der OPD. die Genehmigung einholen. Da mein Auftrag au eine kurze Ablieferungsfrist gebunden war, ver- suchte ich, mich mit. diesem Beamten telephonisch zu verständigen. Herr Pappberg erklärte aber, daß das gleiche Thema bereits vom „Berliner Lokalanzeiger" behandelt worden sei und daß es„doch nicht angehe, wenn eine andere Zeitung die Sache nochmals be- handele'". Längeres Verhandeln war notwendig, und schließlich nahm ich den Vorschlag an, über ein anderes Postamt zu schreiben. Ich sollte aber erst an die Oberpostdirektion ein Gesuch um die Er- laubnis richten, den Betrieb besichtigen zu dürfen. Auch müßte ich mich verpflichten, die Reportage vor ihrem Druck der beamteten Stelle vorzulegen. Auf meinen Einwand, daß sich dadurch die Sache unnötig verzögere und der Austrag hinfällig würde, meinte Herr Papberg, er könne für den Vertreter des„Vor- wärts" keine Ausnahme machen. Die Post würde„über- schwemmt von den Wünschen vieler Schriftsteller, die alle über postalische Einrichtungen etwas schreiben wollten, um etwas zu verdienen". Ich verzichtete schließlich bei soviel Kompliziertheit auf das Entgegenkommen der Nachrichtenstelle."> lieber die merkwürdige Ausfassung eines in fester Stellung bc- findlichen Beamten, der sich darüber ausläßt, daß Schriftsteller über postalische Eumchtungen schreiben wollen, um etwas zu verdienen, könnte sich vielleicht der Schutzverband deutscher Schriftsteller mit dem Direktor der OPD. Berlin unterhalten. Im übrigen gewinnt es den Anschein, als ob sich Herr P. eine Art Zensur darüber an- maßt, welche Zeitung und was sie über die Post schreibt. Mit einer solchen Auffassung wird den Bestrebungen des Reichspostministe- riums, in der Oeffenllichkeit Verständnis für die Arbeit der Post und ihrer Beamten zu gewinnen, bestimmt mcht gedient. Kinder erwerbsloser Genossen werden beschert. Die Mitglieder der 17. Abteilung der Berliner Sozialdemokratie waren schon seit September an der Arbeit, um den Kindern ihrer erwerbslosen Genossen eine kleine Bescherung bereiten zu können, Auf Gröschenlistcn hatten sie 440 Mark gesammelt, und da sie spar- sam einkauften, konnten sie 50 Kindern zwischen 5 bis 14 Jahren je ein großes Paket schenken. Für jedes Mädchen hatten die Frauen zwei Hemden genäht und noch andere Kleidungsstücke zurechtgemacht, die Jungens bekamen selbstgeschneiderte Hemdblusen. Eordshosen und dazu noch jedes Kind eine Stolle. Für die über Zehnjährigen waren auch noch Bücher da. Das war es, was sie alle gleich be- kamen, sonst war noch Spielzeug gespendet worden, bei dessen Ver- teilung am liebsten auch noch jedes Kind einmal bedacht werden wollte. Nach der unendlich vielen Kleinarbelt, die in vorbildlichem Gemeinschaftsgeist geleistet worden war, gestaltete sich die eigentliche Wintersonnenwendfeicr auch besonders eindrucksvoll. Es war eine Tafel für über 100 Kinder gedeckt, an der ein jedes Kind neben seiner Kaffeetasse einen gehäuften Teller mit Weihnackstsnaschereien vorfand. So herrschte unter den Kindern, die von früh ort bitterste Not kennen, helle Freude. Für die Unterhaltung sorgten die Großen und die Kleinen zu gleichen Testen. Weihnachtsfeier der Dreitausend. Der Reich s-Scefischausschuß hotte ein eigenartiges Mittel gewählt, um für seine Idee, den Seefischgenuß zu fördern, Propaganda zu machen. Der Riosenraum des Clou in der Mauer- straße füllt« sich am Sonntag vormittag mit Tausenden von jungen und alten Mänern und Frauen, die der Einladung des Ausschusses zu einer Weihnachtsfeier, einer geselligen Veranstaltung mit einem nahrhaften Imbiß und kleiner Bescherung für Arbeitslose, Wobl- sahrtsrentner und Minderbemittelte gern gefolgt waren. Dte Oekonomen des Clou, die Herren Hosfmami und Retschlag, hatten nicht allein den schönen, hellen und warmen Saal, sondern auch ihre Hauskapelle zur Verfügung gestellt, deren fröhliche Weisen alsbald Stimmung in die erwartungsvoll Harrenden brachten. Regierungs- rat Finzel, der Leiter des Ausschusses, sprach einige Worte der Begrüßung und Begründung und dann marschierten die Kellner und viele jimge Mädels mit großen Tabletten in den Saal, aus denen sich mächtige Portionen herrlich goldbraun gebackencr See- fische türmten. Dazu ausgezeichneten Kartoffelsalat und für jeden ein Glas Bier. Außerdem«ine Schale Slepfel und eine deutsche Fischkonserve. Die Konzertsängeri» Alexandria Alexondronm er- freute alle mit schönen Liedern und in einen: Film wurde die mühe- volle und gefahrliche, aber auch ertragreiche Arbeit d'r deutschen Fischfänger auf hoher See gezeigt. Wir dürien allerdings nicht verschweigen, daß die deutschen Seefische dem Preis nach zur Zeit noch weit entfernt find, ein Volksnahrungsmittel, besonders in Rot- zelten, zu fein. „Tabu" im Planetarium. Das Weihnachtsprograinm des Planetariums bringt den bekannten Siidfee-Fllm„T a b u" ab Dienstag, dem 22. Dezember. In bezaubernden Aufnahmen wird die exotische Well der polynesischen Inseln geschildert. Meisterhoit sind auch die Unterwasseraufnahmen, die die Eingeborenen beim Perlcnsischen zeigen.— Der Film läuft um 17, 19 und 21 Uhr.— Die Märchennachmittagc finden ab Dienstag, dem 22. Deezmbcr, täglich nm 15 Uhr, statt. Gertrud Nube begleitet die Filme Mit ihrem Vortrag.— Am Heiligabend ist das Planetarium geschlossen. Staatsbibliothek und llnivcrsilüksbibUolhek bleiben in der Zeit vom Donnerstag, dem 24. Dezember bis Sonntag, dem 3. Januar für den öffentlichen Verkehr geschlossen. Tatsachen über Die Kauskrast und Seitdem das Moskauer Statistische Zentralamt aufgelöst ist und die„Statistische Rundschau� mit ihren wertvollen Monats- Übersichten nicht mehr erscheint, ist es sehr schwierig geworden, die Bewegung des Reallohns der russischen Arbeiter zu verfolgen. Man ist aus gelegentlich und zufällige Veröffentlichungen angewiesen, wie es jener Aufsatz S. Weinbergs ist, den das Zentralorgan der Gewerkschaften, der Moskauer„Inii*. am 1. November veröffent- lichte. Aus ihm erfährt man, daß der Durchschnittslohn des russi- sehen Industriearbeiters im August dieses Jahres 97 Rubel 60 Kopeken betrug. Die Löhne der Bergarbeiter und der Arbeiter in der Nahrungsmittelindustrie stellen sich auf 89,63 bzw. 83,29 Rubel. Ueber dem Durchschnitt liegen die Löhne der Hüttenarbeiter mit 103, der Arbeiter in der Lederindustrie mit 99,23 und in der graphischen Industrie mit 109,43 Rubel. Vom 1. November an sollen die Löhne ' erhöht werden, in der Kohlenindustrie um 12 Proz., der chemischen Industrie um 20, der Hüttenindustrie um 23,5 und im Erzbergbau sogar um 29 Proz.(„Prawda" vom 17. Oktober.) Das Räksel bei diesen nominell günstigen Löhnen ist. was der russische Arbeiter dafür kaufen kann. Di« neuen Lohnerhöhungen sollen Hand in Hand gehen mit der r« st losen Durchführung des Akkordsystems in seiner neuesten Form, dem sogenannten progressiven Akkord. Unter diesem Namen verbirgt sich das altbekannt« System der Prämien. Zu- gleich aber werden die Löhne noch mehr g e st a f f« l t, als es bis jetzt der Fall war. Es gibt kaum wo anders in der Welt solche Unterschiede in der Entlohnung des gelernten, angelernten und ungelernten Arbeiters wie in der Sowjetunion. Die unterste Lohn- stufe in der Hüttenindustrie zur höchsten oerhielt sich bis vor kurzem wie 1 zu 2,8, jetzt wie 1 zu 3,73: ähnlich ist es in allen anderen Zweigen der Industrie. Man erwartet von der Einführung des progressiven Akkords und vergrößerter Staffelung eine Leistungs- steigerung, der die Lohnsteigerung wenigstens zum Teil entsprechen soll. Denn daß sie ihr nicht ganz entsprechen wird, ist klar, wenn man die Entwicklung der Preise in den letzten Monaten betrachtet, eine Entwicklung, die die bisherigen Lohnerhöhungen mehr als wettgemacht hat und sicher in der gleichen Richtung weiter- gehen wird. Der Reallohn des russischen Arbeiters sinkt seil 1925 ununterbrochen. Am 30. Oktober rügte das Zentralkomitee der Partei zum hundertstenmal die Genossenschaften wegen ihrer Preis- Politik. Es wird ihnen vorgeworfen, daß sie die Preise in die Höhe treiben, hohen Profiten nachjagen und jede wirkliche Sorge um die Perbraucher vermissen lassen. Derartig« Rügen sind alle zwei Monate fällig. Sie änderten bisher nichts, die Preise stiegen weiter. Kaum waren die Löhne der Bergarbeiter um ein geringes erhöht worden, setzten schon die Konsumgenossenschaften im Donezbecken di« Preise um 10, 20 und mehr Prozent hinauf(„Prawda" vom 17. Oktober). Jeder Lohnerhöhung folgte in den letzten drei Iahren sofort eine Preiserhöhung in einem Ausmaß, das den Reallohn senkte. Der Staat selbst macht es genau so wie die Genossen» schaften. Auch er erhöht in immer kürzeren Abständen fein« Preise. Im Laufe eines Jahres setzte er die Bahntarife dreimal neu, jedes- mal höher, fest, so daß heute die Tarife doppelt so hoch sind wie in der gleichen Zeit des Vorjahres. Das Briefporto wurde so lange erhöht, bis«in Brief innerhalb einer russischen Stadt be- rvits so hoch frankiert werden muß, wie wenn er von Moskau nach Australien ginge. In den letzten Wochen wurde die Kinosteuer um 30 Proz. erhöht. Noch bi» End« 1323 konnte der Arbeiter und Angestellte über die Anleihe, die er alljährlich zeichnen mußte— die kleinste Zeichnung ist das Einkommen von vier Wochen— frei verfügen. Jetzt muß er zeichnen und zahlen, die Anleihe wird aber für ihn„auf- bewahrt*, er kann sie weder verkaufen noch beleihen lassen. Das gleiche gilt für die Anleihen, die Lokalbehörden, zum Beispiel der Moskauer Sowjet, auflegen. Sie müssen gezeichnet werden. Im Sommer dieses Jahres wurde eine einmalige Wohnabgabe ein- gehoben, 8 bis 10 Proz. eines monallichen Einkommens. Dazu kommt, daß die Mieten fortgesetzt st eigen, well sich an- geblich herausgestellt hat, daß mll den bisherigen Mietsätzen nicht einmal die notwendigen Instandhaltungs- und Reparaturkosten gedeckt werden können. Weiter ist die Versorgung mit Lebens- Mitteln und Verbrauchsgegenständen durch die Genossenschaften und den Staat so schlecht geworden, daß 1931 ein viel größerer Tell des Lohns auf den Kauf beim Privathändler oder in den„kom- merziellen Läden* des Staates verwendet werden muß als früher, wo mehrfach höhere Preise zu zahlen sind. Wle minimal die auf Lebensmittelkarkea(also billiger) abgegebenen Mengen sind. tonn man ersehen, wenn man liest(.Leningradskaja Prawda' vom 21. Oktober), was den Arbeitern und Angestellten gelegentlich der politischen Feierlichkeiten am 7. und 8. November über die Norm bewilligt wurde. Arbeiter dürfen kaufen 2 Kilogramm Mehl, 400 Gramm Butter, 300 Gramm Heringe und 3 Eier, Angestellt« 1 Kilogramm Mehl und 500 Gramm Nudeln. In der gleichen Nummer wird bekanntgegeben, daß Angestellte bis Ende des Mo- nats noch einmal Fleisch kaufen können, zum viertenmal im Monat, wieder 300 Gramm. Das gibt im ganzen Monat noch nicht zweieinhalb Pfund Fleisch. Es ist unter diesen Umständen für den Arbeiter unbedingt notwendig, beim Privat- Händler oder im.Lommerzladen* zuzukaufen. Diese.Lommerz- lüden* sind staatliche Geschäfte, in denen alles zu haben ist, wo man kein« Karten abzugebenh at, wo aber die Preise das Vielfache der Preise in den Genossenschaften betragen. Aus einer Preisliste. abgedruckt in der„Leningradskasa Prawda* am 1. und 2. No» veinber, sei angeführt(die Preise verstehen sich pro Kllogramm): Fleisch erster Sorte 6 Rubel, zweiter Sorte 4,90 Rubel, Heringe 2,50 bis 3 Rubel, gefrorenes Huhn 3,10 Rubel. Aepfel 150 bis 2,50 Rubel. Birnen 1,23 bis 2.30 Rubel. Damit ist der Monats» durchschnittslohn des Arbeiters von 97,60 Rubel zu vergleichen. Wie sehr der Arbeiter auf diesen steien Markt angewiesen ist. geht au« einer Untersuchung hervor, die kürzlich in der großen Fabrik Elektrosawod in Moskau angestellt wurde. Die 20000 Ar» beiter dieses Betriebes gehören zu den bestoersorgten, ihre ,.ge- schlossenen Derteilungsstellen* werden bevorzugt beliefert. 63L de« Lohn» bilden den„Kauffonds*. der Rest geht auf Miete, Ver» kehr, Steuern, Anleihen, Beiträge, kulturelle Ausgaben usw. auf. Bon diesem Kauffonds gehen im 3. Quartal dieses Jahres 27,4 Proz. auf den freien Markt. russische Löhne. das Lebensniveau. Die Schwankungen in der Versorgung durch die Genossen- schaften, der bald steigende, bald fallende Antell des freien Marktes am Kauffonds, die starken lokalen Verschiedenheiten in den Löhnen und Preisen, das alles macht einen exakten Vergleich des Reallohns des russischen mit dem des deutschen Arbeiters fast u n- möglich. Es ist auch sinnlos, schematisch die Ausgaben für Miste zu vergleichen. Es gibt Hunderllausende von russischen Arbeitern, die überhaupt keine Miete zu zahlen brauchen. Etwa die 32 000 Arbeller, die im Kusbaß in Sibirien in Erdhöhlen wohnen. Am 1. August waren ihrer erst 8000, bis Mllte September stieg ihre Zahl auf das Vierfach« („Sa Industrialisaziju* vom 22. Oktober). Allerdings wechselten auch im August dort 33,6 Proz. der Arbeiter. ,Lnck>en Arbeiter- wohnkasernen bei den Kertscher Hüllenwerken fehll der mini- malst« Komfort. Es gibt keine Tische, keine Stühle, keine Kleider- ftänder. Wände und Fußboden sind zollhoch mit Schmutz bedeckt. Die Betriebsleitung hat nur 13 Proz. der Mittel, die im Vor- onschlag für die Möblierung der Wohnkasernen bestimmt waren, Die Rausparkassenkontrolle. Oer Bausparkassenbeirat beim ZieichsaossichtSamt für Privatversicherung. Die staatliche Aufsicht über die privaten Bausparkassen, die mit dem 1. Oktober in Kraft getreten ist, hat bisher noch keine wesentlichen Erfolge gezeitigt. Noch ist die Aufsichts- behörde, das Reichsaufsichtsamt für Prioowerstcherung, mit der Registrierung der Bausparunternehmungen und der Prüfung ihrer Anträge auf Zulassung des Geschäftsbetriebs beschäftigt. Rund 300 Kassen haben ihre Satzungen, Geschäftspläne und Darlehns- bedingungen eingereicht. 13 Bausparkassen müssen ihren Betrieb schließen, da sie die Anmeldefrist, die mit dem 31. Oktober ablief, oersäumt haben. Unter ihnen befindet sich die von der Inneren Mission als Auffangeorganisation für die Sparer des zusammengebrochenen Devaheim-Konzerns gegründete„Allge- meine Bau- und Zweckspar-A.-G.*, so daß hoffentlich endgültig die Bausparkassentätigteit der evangelischen Kirche und damit eines der übelsten Kapitel aus der Skandalgeschichte der letzten Jahre be» endet ist. Da» Rcichsaufsichlsaml hat leider bisher keine besondere Akfi- viläl in der Bekämpfung der Mißstände im privaten Bauspar» wcscn entfaltet. Seit längcrem duldet es. daß zweifelhafte Kassen sich in der Sparer- Werbung als„staallich konzessioniert* bezeichnen. Seine Aufforde- rung an die zu beaufsichtigenden Bausparkassen, selbst die Prüfer und Treuhänder zu benennen, die nach dem Versicherungsaufsichts- gesetz bei jeder Kasse«ingesetzt werden müssen, ist ebenfalls nicht geeignet, Vertrauen zu schaffen. Der Arbell des Aufsichtsamts Richtung und Ziel zu weisen, wird dw Aufgabe des soeben ernannten Bauspar- kassenbeirats beim Reichsaufsichtsamt für Prioatvsrsicherung fein, der freilich in seiner jetzigen Zusammensetzimg noch keineswegs den Anforderungen entspricht, die im Interesse einer schnellen und durchgreifenden Bekämpfung de« privaten Bausparkassenwesens gestellt werden müssen. Von den vorläufig 20 Mttgliedern des Bei- rats sind 6 Direktoren oder Aufsichtsräte von Bausparkassen.� Wei- tere 4 Mitglieder stehen in engen Beziehungen zu den zu beauf- sichllgenden Unternehmungen. Im einzelnen setzt sich der Beirat wie folgt zusammen: Znleressenverlreler der Bausparkassen: Dr. Schuon(Bauspar- kassc Gemeinschaft der Freunde), Dr. Helmes(Bausparkasse des Chrisllichen Notbundes). Iustizrat Kleinen(Zwecksparverband für Eigenheime), Feuerbaum(Bausparkasse„Deutscher Bau- sparer*), L u b a h n(Beamtenbausparkasse), Dr. Wagelaar (Reichsverband Deutscher Bausparkassen). verflcherungsfachleule: P a r t h i e r(Allianz Lebensoersiche- rungsbant A.-G.), Koburger(Allas-Versicherungsbanken), Direktor Schönwies«- Leipzig, Professor K i s ch- München. Hypolhekenbankleiler: Dr. K a r d i n g(Gemeinschaftsgruppe Deutscher Hypothekenbanken), Geheimrat Steyrer(Bayerisch« Handelsbank), Astor(Hannoversche Bodenkreditbank). Gewerkschaftvverlreter: Brillke(Zentralverband der Ange- stellten), Baltrusch, M. d. R.(Ehrislliche Gewerkschaften). Ferner der Baugenossenschaftler Prof. Busching- München: der Leller des Reichsverbandes der Wohnungsfürsorgegesellschaften v. Gruner, Handelsredakteur Hafferberg(Münchener Neueste Nachrichten): Dr. Mahler. Syndikus des Bundes Deut- scher Architekten, und der BUanzsachverständige der Bausparkasse Gemeinschaft der Freunde, Prof. M a h l b e r g- Freiburg. Die großen gewerkschaftlichen Organisationen. die Haupttnteressenten an einem wirksamen SchutzderSparer- schichten gegen die unsoliden oder dilettantischen Elemente in der Bausparbewegung und gegen unsolide Sparsysteme, sind bei der Zusammensetzung des Beirats mehr als ungenügend berücksich- tigt worden. Bei der Erweiterung des Bausparkassenbeirats auf 23 Mitglieder, zu der der Reichswirtschastsmimster ermächtigt ist, muß Ihren berechtigten Wünschen entsprochen werden. Die Industrie der Hauipflege. Jährlicher prodaktionswert 520 Millionen Mark. Der Deutsche Enquete-Aueschuß legt jetzt mit einer Unter- suchung über die deutsche Seifen- undParfümerie- Industrie seinen letzten Bericht über die deutschen Verfeinerungsindustrien vor. sVerlog E. S. Mitller u. Sohn, Berlin.) Von den vielfachen Unter- suchungcn des Ausschusses gibt die vorliegende zum erstenmal Ein- blick in die Verhältnisse einer typischen Markenartikel- Industrie. Die Gesamtzahl der beschäftigten Arbeitnehmer ist wegen der Eigenart der Seifen- und Parsümerie-Jndustri« als chemische Fertig- industri« verhältnismäßig gering. Sie stellt sich auf nur 23 000 Per- sonen. Dagegen beläust sich der jährlicheProduktionswert auf rund 570 Millionen Mark, wovon etwa 400 Millionen auf Seifen und 160 bis 170 Millionen auf kosmetische Artikel entfallen. Der jährliche Fabrikationswert der Riechstoff-Industrie beläuft sich auf etwa 13 Millionen Mark. Die Untersuchung der Unkostenfaktoren ergibt bei 18 be- fragten Firmen einen Antell der Materialkosten von 43L bis bereitgestellt, aber auch diese Mittel find nicht ihrem Zweck ent- sprechend oerwendet worden.*(„Sa Industrialisaziju* vom 18. August.) Oder aus Stalingrad:„Geht man nacht» durch die Siedlung, in der 32 000 Menschen wohnen, so bekommt man ein höchst unerfreuliches Bild zu sehen: obdachlose Arbeiter vor un» fertigen Häusern, in den Wartehallen der Bahn, in den Anlagen. Des Schmutzes und der Wanzen wegen haben jene, denen es ge- glückt ist, in Barocken unterzukommen, ihre Sachen auf die Straße gestellt und nächtigen unter freiem Himmel*(„Sa Industrialisaziju* vom 7. September.) Die Reche der Zllate ließe sich beliebig fort- setzen. Mictefrci oder billig wohnen kann der Ausdruck sehr großen Elends sein. Ueber die Verhältnisse, unter denen die teuren Lebensmittel nun gekauft werden, wieder nur einige aus einer Unmenge gleich- lautender Nachrichten herausgegriffene Beispiele. Aus Stalingrad: „Die Einwohner leiden Qualen beim Schlangestehen. Es wird angestanden um Brot, Kohl, Gurken, Milch, alle mögliche Lebens- mittel. Für 32 000 Einwohner gibt es einen einzigen MUchladen. Die Menschen müssen Stunden und mllunter den ganzen Tag warten, bis die Milch angefahren wird.*(„Sa Ind.* vom 17. Sep- tember.) Aus Stalino:„An den Gemüse-, Milch- und Fleischläden bilden sich Tag für Tag Schlangen, die über Nacht anstehen. Um einen Liter Milch für sein Kind zu bekommen, muß der Arbeiter fünf bis sechs Stunden anstehen.*(„Prawda* vom 10. August.) Aus Lugansk:„In den Vororten und Arbeitersiedlungen fehlt es an Gemüse. Di« Leute müssen sich schon um 3 oder 4 Uhr stich anstellen.*(„Trud* vom 17. August.) 71,7 Proz., der Betriebskosten von 3,3 bis 255 Proz. und der Hand- lungsunkosten von 15 bis 38,3 Proz. In der kosmetischen Industri« schwanken die Materialkosten zwischen 20,6 bis 645 Proz., die Be- triebskosten von 6 bis über 32 Proz. und die Handlungsunkosten von 17,7 bis über 63 Proz. Es herrschen also bei den einzelnen Unkosten- saktoren in dieser Industrie außerordentlich große Spannungen.— Di« Gewinnspannen des Einzelhandels liegen bei Haushallseifen irnd Waschmitteln zwischen 20 und 3351 Proz. vom Ladenpreis, in der kosmetischen Industrie zwischen 3351 bis 40 Proz. Die deutsche Seifenausfuhr ist von 9,92 Millionen Mark im Jahre 1913 auf 17,56 Millionen Mark 1925 und 25,98 Millionen Mark 1930 g e st i e g e n. Die kosmetische Industrie konnte zwar die durch den Krieg verlorenen Märkte teilweise wiedergewinnen— die Ausfuhr betrug 1930 rund 12,34 Millionen Mark—, doch geht der Wiederaufstieg wegen des Aufschwunges der französischen und amerikanischenKonkurrenzindustrien und wegen des Protektionismus der Abnehmerländer nur langsam vor sich. Nutzfahrzeuge in Paris. Die internationale Aoioaosstellung. Paris, im Dezember.(Eigenbericht.) Od! ls crise! la crise! Das hört man immer wieder, wenn man sich jetzt in Paris mll Franzosen unterhält. Und doch ist das nur halb so schlimm hier wie anderwärts. Vor allem haben noch viel mehr Arbeller Brot und Beschäftigung. Die Fabriken sind noch relativ gut beschäftigt, aber die Wellkrise macht sich doch überall bemerkbar. Wenn man die gegenwärtig im Grand Palais stattfindende Jnter- nationale Nutzkraftwagen-Ausstellung einer näheren Untersuchung unterzieht, so wird mau vor allem gewahr, in welch hohem Maße hier das Bestreben besteht, sich im Bezug von Brenn st off vom Ausland unabhängig zu machen. Desheüd haben auch schon seit Iahren die sogenannten Sauggasgenexawrcn in Frankreich Verwendung gefunden, die es gestallen, Braunkohle und Holz als Treibstoff für die Motoren zu verwenden. Run hat man vor allem dem Rohölmotor sein besonderes Augenmerk gewidmet und die Ausstellung zeigt, daß der Rohölmotor hier eine starke Berbrellung gefunden hat. Gewiß sind auch militärische Gründe im Spiel. Renaull, Berliet und die Pariser Fabrik der Schweizer Firma Saurer haben Rohölmotoren entwickelt. Aber nicht diese beherrschen die Ausstellung, sondern der deutsch« Rohöl- motor. Langwierige und gründliche Versuche haben zu besten Ergebnissen geführt. Die Daurechte für den Mercedes-Benz- und den Iunkers-Diefekmotor wurden von französischen Firmen erwarben, und man findet sie in zahlreichen Fahrgestellen oerweichet. Ein weiteres Merkmal der Ausstellung ist die starke Zunahm« von Anhängern, besonders von ganz kleinen, die an Per- sonenwagen angehängt werde» können und die zur Besörde- rung kleiner Lasten durchaus genügen. Daneben aber auch groß« und größte Anhänger für den Schlepperbetrieb, teilweis« Konstruk- tionen, von deren Brauchbarkeit und Dollkmnmenhell man nicht immer überzeugt ist. Bemerkenswert ist wellerhin die Tatsache, daß Citroen, die größte europäische Automobilfabrik, jetzt auch ihre Nutzwagenpro- duktion u m g« st e l l t hat und hier Karosserien herstellt, wie sie bis- her nur im Personenwagenbau bekannt waren. Die Herstellung von Aufbauten wurde ganz erheblich vereinfacht. Lastwagen, und Omnrbusaufbauten bestehen aus vielen gleichen Teilen, was ein« Preissenkung ermöglichen soll. Viele Verbesserungen zeigt der Omnibusbau im allgemeinen, besonders bei den Ueberlandreisewagen.. Bemerkt sei, daß jetzt endlich der gesamte Pariser Omnibusverkehr auf Luftreffen umgestellt worden ist und mll einemmal fahren auch di« Pariser Omnibusse ohne den bisherigen mörderischen Krach. Gegen den Eintritt eme» devlfch-schwenerischen Zollkrieges. der nach der zum 18. Dezember erfolgten Kündigung ab 4. Fe, bruar nächsten Jahres erfolgen könnte, sollen durch Vertreter der beiden Länder vorbeugende Verhandlungen geführt werden. Preissenkungen. Wandplatten sind ab IS. Dezember um 10 Proz. verbilligt worden. Der Verband Berliner Spediteure hat den jetzt gellenden Tarif ab 1. Januar um 10 Proz. gesenkt. Das Brot ist bis jetzt nach amtlichen Mittellungen verbilligt worden in Hall«, München, Solingen. Beuchen, Wuppertal, Stutt- gart, Nürnberg, Wiesbaden, Mannheim, Stettin. In Leipzig ist der Milchpreis um 3 f. Pj« Liter gesenkt worden. Die Hamburger Werft Vlohm v. Boß hat das am 30. Juni abgeschlossen« Geschäftsjahr verhältnismäßig günstig beendet. Gegenüber dem Vorjahr wird ein von 354 auf 3,12 Millionen Mark nur wenig gesunkener Vetriebsüberschuß ausgewiesen. Es wurde ein Reingewinn von 307 000 gegen 576 000 Mark im Vorjahr erzielt, woraus aus das Kapllal von 7 Millionen Mark sine Stamm dioidende von 4 Proz.(gegen 3 Proz. im Bor- jähr) verteill wird. Der Dlskovtsaß der tschechoslowakischen Rational- b a n k wurde um 5b auf 6 Prozeill ermäßigt. Die Ford-Aabrik in Detroit will im Januar«inen neuen Acht- zylinderwagen zu bauen beginnen, der das bisherig« Modell A ersetzen soll. Dunkle Verhältnisse bei der LAH. Mit dem Revolver gegen die Reinigungsfrau. In der Zentralgeschöftsstelle der kommunistischen„Inter- nationalen Arbeiterhilfe" in der Wilhelmstraße zu Berlin war neun Jahre eine Reinigungsfrau beschäftig! Innerhalb der IAH. selbst Witt sie ehrenamtlich als F u n k t i a- n ä r i n tätig. Die jahrelang« enge Fühlungnahme mit dem.Apparat" brachte es zwangsläufig mit sich, daß die Frau tiefe Einblicke hinter die Kulissen des Münzenbergschen IAH.'Konzerns bekam. Bis vor kurzer Zeit hat die Frau alle ihr übertragenen Aufgaben zur Zu- friedenhcit ihrer Auftraggeber erfüllt. Plötzlich trat ein U m- s ch w u n g ein. Die IAH. als Unternehmer interessierte sich auch für das Privatleben der Frau und versuchte einen Druck auszuüben auf die Auswahl ihres persönsicheu Verkehrs« Besonderes Aergernis erregte der Umgang der Frau mit Leuten, die nicht als absolut„linientreu" galten. Man scheute sich nicht, die Frau vor die Wahl zu stellen, entweder diesen Verkehr aufzugeben, oder den Verlust ihrer Stel- l u n g in Kauf zu nehmen. Als sich die Frau gegen derartige Zumutungen verwahrt«, zog man andere Register. Da sie Mitglied der KPD. war, brachte man sie innerhalb der kommunistischen Parteikreise und der IAH. in Verruf, indem man sie als„Spitzel" und„Partei. fchädling" bezeichnete. Der„Nachrichtendienst der K P D." sah sich veranlaßt, die Frau vor sein Forum zu laden. Es begann ein hochnotpeinliches Verfahren nach der Art eines Tscheka-Tribunals. Ein Revolver wurde vor der Fron auf den Tisch gelegt und mit unmißverständlichen hinweisen auf die Waffe wurde ihr das„Parleischädigendc" ihres vmganges vor Augen geführt. Man legte ihr nahe, mit diesem Umgang zu brechen, andernfalls sie nicht nur ihrer Parteifunktion, sondern auch ihrer Stellung verlustig gehen würde und das Odium des„V e r r a t s v o n P a t t e i- i n t e r e s f e n" und der schädigend»»„Zersetzungsarbeit" auf sich nehmen müsse. U. a. stellte man ihr die Frage, weshalb es ihr bisher noch nicht möglich gewesen sei, den ihr persönlich so nahestehenden Bekannten zum Eintritt in die KPD. zu bewegen. Die Frau vermochte nicht einzusehen, warum ihre Tätigkeit als Remigungssrau bei der IAH. von der politischen Einstellung ihres intimsten Bekannten abhängig gemacht werden müsse, zumal dieser durchaus nicht etwa nationalsozialistischen oder Stahlhelm- kreisen nahesteht. Die Tscheka-Methoden des„Nachrichtendienstes", all« Drohungen, selbst die Nötigungen mit dem Revolver verfehlten ihre Wirkung. Die Frau beantragte ein Parteischieds- gericht, damit dieses die vom„Nachrichtendienst" gegen sie ge- richteten und völlig ungerechtfertigten Vorwürfe und Verrufs- erklärungen untersuche. Das Parteischiedsgericht mußte mangels jeglicher Unterlagen die Frau rehabilitieren. Der„Jtachrlchtendicnst" aber ließ uicht locker und fehle es durch, daß der Frau die Stellung gekündigi wurde. Leider kann sie von dem Einspruchsrecht gegen die Kündigung keinen Gebrauch machen, weil, wie in allen Betrieben des Münzenberg- Konzerns und der KPD., Betriebsräte nicht bestehen oder sich völlig„linientreu" im Sinne ihres Unternehmens be- tätigen. Die Frau hätte auf Grund ihrer neunjährigen ununter- brochenen Beschäftigung für sechs Monate Lohnanspruch gellend machen können. Statt dessen gewährte man ihr gnädigst„ohne die Anerkenntnis einer besonderen Verpflichtung durch ihr Verhallen". wie es in dem Schreiben des Zentralkomitees der IAH. heißt, nur den Lohn bis zum 31. Januar. Durch eine derartige Behandlung gibt die kommunistische IAH. den Privatunternehmern ein sonder- bares Beispiel. Freilich nicht zum erstenmal. Im übrigen sind die Verhältnisse der IAH. in niehr als einer Beziehung dunkel und schreien geradezu nach mehr Licht. Engroswünsche der Einzelhändler. 4«+ 15 Prozent und Kinderzulage. Die Verhandlungen über die Neufestsetzung der Löhne der Handelsarbeiter im Berliner Einzelhandel auf Grund der Notoerordnung sind gescheitert, so daß dem Schlichter die endgültige Entscheidung obliegt. Während die Gewertschastsoertreter nur einem zehnprozentigen Abbau zustimmen wollen, oerlangt der Arbeitgeberverband des Einzelhandels einen Abbau der Löhne um IS Prozent. Die Unternehmer stützten sich darauf, daß am 10. November d. I. ein Schiedsspruch zustande gekommen ist, den beide Parteien annahmen, wonach ab 12. Dezember ein Abbau der Löhne um 414 Prozent erfolgen sollte. Die Unternehmer hoben bereits in der vorigen Woche diese 4X Prozent einbehalten und wollen die um 4% Prozent gekürzten Löhne auch bis zum 3! Dezember voller zahlen. Sie erklären, daß am Tage des Inkrafttretens der Nutverordlmng. im Einzslhandel Löhne gezahlt wurden, die nach dem 1. Juli d. I. nicht gesenkt worden sind, so daß sie ein Recht auf einen lAprozerttigen Abbau der Löhne hätten. Die Gewerkschaftsvertreter dagegen betonen, daß nur«in Abzug von 1l> Prozent in Frage kommen könne, weil am 1l>. November, also nach dem 1. Juli ein neuer Lohnabbau bereits vereinbart wurde, der auch noch vor dem 1. Januar 1932 wirksam geworden ist. Ein weiterer Streitpunkt ist, daß die Unternehmer die km Januar 1927 noch gewährte Kinderzulage von 1,50 Mark pro Woche, die jetzt nicht mehr besteht, bei der Neufestsetzung der Löhne nicht voll berücksichtigen wollen. Der Schlichter will in diesem Streit, wie auch in dem über die Neufestsetzung der Gchäller der Angestellten des Einzelhandels am 31. Dezember seine Eni- scheikmng treffen. Zwangsabbau bei den Maßschneidern. Sieben und zehn Prozent. Für das Maßschneidergewerbe wurde von einem, vom Schlichter für Westfalen, Professor Brahn, gebildeten, unparteiischen Kollegium in neuen zentralen Verhandlungen ein Schiedsspruch gefällt, der neben Kürzungen am Positionsschema des Tarifs eine Lohnkürzung von 7 Proz. für die Herrenschneiderlöhne und von 10 Proz. für die Damenschneidcrlöhne fesUcgt. Der Spruch ist ver- kindlich. Der neue Reichstarifoertrog läuft zunächst unkündbar bis zum 3! Dezember 1932; das Lohnabkommen bis zum 31. August 1932. Veruunst wird Llnsinn, Wohliat plage. Aurokratisierte Wohlfahrt. Bon einem Arbeitsamtsangestellten wird uns geschrieben: Lobenswerterweise entschließen sich immer mehr Nahrung s- mittelverbände im Groß- und Kleinhandel dazu, an A r- beitslose und andere Hilfsbedürftige verbilligte Waren abzugeben. Wie sieht es aber mit der Verbilligungs- aktion in der Praxis aus? Arbeitslose und Renlenempfänger werden bei fast allen Maß- nahmen in besonder«„Bedürftigteitsstufen"«ingeteilt. Der eine erhält mehr, der ander« weniger, der dritte überhaupt nichts. Es muh Mo eine in vielen Stufen unterteille Bedürftigkeitsprüfung und nach derem Ergebnis die Kartenverteilung vorgenommen werden. Die Verbände haben sich wohl noch nie Gedanken darüber gemacht, welche ungeheure Arbeit ihre nach Bedürstigkeitsstufen eingeteille„Winterhilfe" verursacht und von wem sie geleistet wird. Bei den Wohlfahrtsämtern macht die Verteilung der Verbllligmigskarten noch verhältnismäßig wenig Arbeit, weil hier jeder Unterstützte bereits aus seine BedürstigkeU geprüft ist. Trotz- dem ist auch hier die Mehrarbeit der Angestellten nicht gering. Noch schlimmer liegt es aber bei der Ausgabe der Karten auf den Ar- beitsämtern. Die Kassierer, die Hunderte von Zahlungen w wenigen Stunden leisten müssen, haben nun schon auf fünf ver- schieden- Berbilligungskarten und ihre kam- plizierten Berteilungsbedingungen zu achten. Selbstverständlich ergeben sich oft auch Streitigkeiten aus dem Verteilungsvsrfahren. Fehler in der Auszahlung sind die Folge und neben der ungeheuren Mehrarbeit zahlt dann schließlich Mancher Arbeitsamtsongestelller noch von seinem Lohn trotz Manko» j gelder zu, weil er neben seiner Arbeit noch die Arbeit jener Ver» bände erledigen muß. Daß das Arbeitsamtpersonal sowieso schon überlastet ist, scheint in der Reichsanstalt noch immer nicht bekannt zu sein. Wohl deshalb erfindet man dort immer neue„Verfeinerungen". In der Bedürftigkeitsprüfung sollen bekanntlich die Arbeits- ämter nach der vorletzten Notoerordnung mit den Gemeinde- behörden zusammenarbeiten. Die Vorschrift sollte nach dem Willen des Gesetzgebers eine Arbeitserleichterung bringen. Was aber macht die Reichsanstall daraus? Sie fabriziert einige neue Formulare, die von den Angestellten der Ar- beitsämter genau ausgefüllt werden müssen. Die Formulare wan- dern dann zur Prüfung zum Wohlfahrtsamt und von dort wieder zurück. Statt schnellerer und leichterer Arbeit schallet man einen bürokrattschcn Schriftverkehr zwischen Behörden mit gegenselliger Unkostenoerrechnung ein, dessen Auswirkung die Arbeitslosen in einigen Tagen zu spüren bekommen werden. Tausende Ar- beitslose werden wochenlang auf die erste Uuterstützungszahlung warten msissea, bis der „Borgang" endlich wieder da landet, wo er hingehört, und nun endlich gezahlt werden kann. Bürokrattfierte Wohlfahrt. Gegen Gozialreakiwu. Geschlossene Krönt der Angestellten. In ollen Versammlungen, die in diesen Tagen abgehallen werden, bildet die neueste Notverordnung das Hauptthema. So traten auch in der AfA-Mitgliederoerfammlung der Berliner Metallindustrie die Perhandlungen mit dem VBMJ. wegen der Neufestsetzung der Gehälter in den Hintergrund gegenüber der Behandlung der Notverordnung. Der Vorsitzende des AfA-Bundes Genosse A u f h ä u s e r legte den Versammelten die Zusammenhänge zwischen der Krise des jetzigen Wirtschaftssystems und der politischen Krise so unmiß- verstäMich dar, daß nur bei einigen Unbelehrbaren Zweifel darüber bestehen bleiben konnten, daß mitdem Kamps gegen den Faschismus zugleich das Ringen um die Umformung des privatkapitalistischen Wirtschfatssystems begonnen hat. Wenn selbst die bürgerliche Regierung Brüning bei ihrer Notverordnung vor Eingriff in die Privatwirtschaft nicht zurück- schrecken konnte, so zeigt dies, obwohl diese Eingriffe keineswegs den Forderungen der Gewerkschaften und der Sozialdemokratie ent- sprechen, daß es mit der Selbstherrlichkell der Privatwirtschaft zu Ende geht. Die Regierung ist der Auffassung, mll solchen Eingriffen in die Privatwirtschaft und in Verbindung mit dem ungeheuren neuen Abbau der Löhne und Gehäller die Wirt- schaftskrise überwinden zu können. Die Enttäuschung über das Ausbleiben dieser Wirkung der Notverordnung dürste aber auch bald bei ihren Verfassern austreten. Die entscheidenden Kämpfe, die der deutschen Arbeiter- und Angestelllenschast in der nächsten Zeit mll dem Faschismus bevor- stehen, sind in Wirtlichkeit nichts anderes als Kämpfe um die zukünftige Form der deutschen Wirtschaft. Der Kampf gegen den Faschismus ist ein Kampf für die Umwandlung der Wirtschaft und gegen die Sozialreaktion. Die Versammlung bekundete noch einer längeren Aussprache ihre Zustimmung zu den Ausführunzen des Genossen Aufhäuser durch die einstimmige Billigung der im„Vorwärts" veröffentlichten Entschließung, die der AfA-Bundesausschuß in seiner Sitzung am Freitag gefaßt hat. Das Ergebnis der Gehallsverhandlungen mll dem DBMJ., über das Genosse Günther vom Butab be- richtete, wurde am Frellag im„Vorwärts" bereits mitgeteilt. Die Maßschuhmacher zum Lohnabbau. Llnd der Wolf im„revolutionären� Schafspelz. Vom Zentrawerband der Schuhmacher wird uns geschrieben: Die Berliner Maßschuhmacher nahmen am 17. De- zember den Bericht der Verhandlungskommisston mll den Unter- nehmern entgegen. Hörtz berichtet«, daß die Unternehmer ver- langen, den Stundenlohn herabzusetzen von 1,12 M. auf den Satz vom Januar 1927 in Höh« von 99 Pf. Berweigert die Gewerkschaft die Unterschrift, werden die Unettnehmer den Schlichter anrufen. Der Kamps gegen Lohnabbau sei nur auf brellester Grundlage möglich. Der RGO.-Vonz« Wolf empfahl den Maßschuhmachern, in den Kampf einzutreten, denn die Geschichte beweise, daß sich aus kleinen Kämpfen Generalstreiks entwickeln. Ueber diese Weishell brach die Versammlung in ein schallendes Gelächter aus. Die wenigen RGO.-Anhänger meldeten sich der Reihe nach zum Wort und erklärten, daß ein Kampf der Maßschuh- macher zur Zell ein Unsinn wäre. Für diese Niederlage rächte sich der Wolf durch einen schamlosen Lügenbericht in der Sonnabend- ausgäbe der„Roten Fahne" vom 19. Dezember, indem er behauptete, Hörtz habe den Maßschuhmachern empfohlen, dem Lohnabbau zu- zustimmen. Die Maßschuhmacher haben beschlossen, die Ortsverwaltung soll die Unterschrift zu einem Lohnabbau ablehnen. Dieser Beschluß wäre zweifellos auch ohne den RGO.-Wolf gefaßt worden. Der Beschluß hätte ober ebenso zweifellos eine größere Bedeutung, wenn die früher straff organisierte Kollsgenfchaft nicht durch die arbeller- feindliche Tätigkeit der NGO. ihre Geschlossenheit eingebüßt hätte. Anmerkung der Redaktion: Wie kommt Wolf, ehemals Buch- drucker, jetzt kommunistischer Geschäftsführer, in eine Versammlung der Maßschuhmacher. So weit wie der Lohnabbau in den kommu- nistischen Zeitungsbetrleben geht übrigens nicht einmal der staat- liche Lohnadbau. Angesielltenverireter in der Metallindustrie. Die AfA-Derbände an der Spitze. Das Gesamtergebnis der vor einigen Monaten abgeschlossenen Betriebsrätewahlen in der Metallindustrie wurde kürzlich veröffentlicht. Der Uebersicht logen die Angaben aus 19 190 Betrieben mit 1 430 962 Beschäftigten zugrunde, worunter 268 773 männliche und weibliche Angestellte. Im Vergleich zum Vorjahr sind es nur 6941 oder 2,5 Proz. An- gestellte weniger, während die Zahl der beschäftigten Arbeiter um 293 738 oder um 19, S Proz. abgenommen hat. Gewählt wurden von den Angestellten 393S Betriebsratsmit- g l i e d e r, die sich auf die einzelnen Richtungen wie folgt verteilen: im Vorjahr AfA-verbände..... 2168= 55,10 proz. 62.1 pro;. Gegnerische Gewerkschaften 12S0— 31,77„ 26,4„ Kommunisten(RGO.).. 2= 0,05„ 1 Nationalsozialisten... 95— 2,41„ I Stahlhelmer...... 14— 0,35„ 11,5, Gelbe........ 39— 0,99., Sonstige Unorganisierte.. 367— 9,33„ J Bei den AfA-Verbänden sank zwar die A n t e i l z i f s e r von 62,1 auf 55,1. Doch angesichts der großen Zersplitterung unter der Angestelltenschaft und der Anwendung der übelsten Agitations- Methoden der politischen Gegner während des Bctriebsrätewahl- kampfes muß das Ergebnis als günstig bezeichnet werden. Ver- fügen doch die A s A-V e r b ä n d e immer noch überdie 5)älfte aller Mandate. Wie kläglich haben dagegen die Kommunisten, die Nazis, der Stahlhelm, die Gelben und die Unorganisierten abgeschnitten. Diese Splittergruppen zogen gemeinsam in den Wahlkampf, um die Front der frei organisierten Anges!« Ilten zu durch- brechen. Mit dem Erfolg, daß sie zusammen nur 13,1 Proz, der Angestelltenbetriebsrätc bekamen, gegen 11,5 Proz. im Vor ja!):. Damit dürfte der Beweis erbracht sein, daß die Angestellten von den radikalen Splillergruppen nichts wissen wollen, sondern die Ver- tretung ihrer Interessen nur erfahrenen Gewerks ch n fts- k o l l e g e n anvertrauen. Roch unier W2S! Auch mll dem Arbellgeberverband der Verb and mittel- Hersteller sind die Verhandlungen geschellert. Hier� besteht ein Streit über die Festsetzung der Löhn« der Arbeiterinnen. Für diese bestand 1925 ein verbindlich erklärter Tarifvertrag mit einem Mindestwochenlohn von 25 Mark. Am 10. Januar 1927 waren die Löhne aber tarifvertraglich nicht geregelt. Zur Zeit ist der Tariswochenlohn dieser Arbellerinnen 26,50 Mark. Die Unternehmer verlangen, da die Löhne nach dem 1. Juli d. I. nicht ab- gebaut worden sind, die Senkung der Löhne um 15 Pro- zent, also aus 22,50 Mark. Sie behaupten, daß sie im Jahre 1927 während der tarislosen Zell den Wochenlohn der Arbeiterinnen von sich aus auf 22 Mark festgesetzt hätten! Die Unternehmer wollen also den Lohn der Arbeiterinnen noch unter den Stand vom Jahre 1925 drücken. Der Gcsamtverband kann jedoch nachweisen, daß im Jahre 1927 mit der übergroßen Mehrzahl der Firmen dieser Branche Vereinbarungen bestanden, die für die Arbeiterinnen einen Wochenlohn von mehr als 25 Mark vorsahen. Der AsA-Bund hat die auf seinem Kongreß in Leipzig gehaltenen Referate von Hilferding über„G« s e ll s cha s ts m a cht oder Privatmacht über die Wirtschaft" und vpn Aufhäuser über.Ideologie und Taktik der An- gestelltenbewegung" in Broschürenform heraus- gegeben. Die Broschüren pnd zu beziehen durch den Freien Bolls- verlag, Berlin NW. 40, Werftstr.. 7. Zn Dien stieg die Zahl der unterstützten Arbeitslosen in der ersten Dezemberhälfte um 9500 aus 106 4 0 6, das sind 11000 mehr als im Vorjahr, wo«ine Steigerung von 6967 zu verzeichnen war. t Freie Gewertfchafts-Iugend Berlin Honte, 18<4 Uhr, tagen die Srnppen: Laudsdcrg« Platz: Jugendheim Landsberger Str. so. Berlin, wie e» weint und lacht.—«tlmtzos: «bruppenheim Adlerskwf, Bismarckstr. 1. Weihnachtsieier.— Schone- weide: Ppgendheiw Riederschiineweide, Hasselwrrdorstratzo lMädchenschulo, im pellor). Weidnachtofoier.— Pankow: Ingendheim Kissingenstr. 48, Zimmer b. Weihnachtoseier.— Soworkschastohan»: Engelufer 24—25, Saal 9. Weihnachtsfeier.— Wedding: Jugendheim Willdenowstr. 5, 2 Treppen, gimmor Ii. Llte» rarifcher Abend.— Reu-Lichtenberg: Jugendheim Gunterstr. 44. Weih nachts- feier.— Feanlfurtor Allee: Stöbt. Jugendheim Litauer Str. 18. Weihnacht«. frier.— Lickteuberg: Zugendheim Soffestr. 22. Einführung in die Banawirt- schaft.— Ostende: Jugendheim Karlshorst, Treslowallee 44(Kant-Schule). Schon ob l» Uhr. Ein Jahr Ostende.— Treptow: Jugendheim Elsenstr. S (am Bahnhof Treptowl. Weihnachtsfeier.— Steglitz: Jugendheim Flemming. strahe 14k. Wir feiern Winterwende.— Moabit: Jugendheim Bremer Str. 6Df70. Weihnachtsfeier.— Spandan-Wilheimstadt: Jugendheim Sportplatz Sesburger Straße. Die Handwecker spinnen.— Jugeudgrnppe de« Zeurraloerbande« ho» Schuhmacher: Iuaendhoim Sroße Frankfurter Str. 18, Zimmer 8. Julklapp. Ernste» und Lustiges zum Iahrosende.— Die nöchste Sprechstunde findet am Dienstag, dem 29. Dezember, in der Zeit von 18 bis 19 Uhr,- statt.— Ehae- loitonburg: Bon 2 bis 8 Uhr im Jugendheim Eharlottenburg, Pestalozziftr. 49 kTaae-heim, vorn.9 Treppen), Arheitsgemeinfchaft der freien Eewertfchaften. EAI., Sportler und Iungdanner der Gruppen Eharlottenburg. Lichtbilder- Vortrag. §3ttsend<,fuppe des Zentralverbandes der Angestellten «ichteaberg: Jugendheim Gnnterstr. 44. Bortrag: Die Entstehung und Entwicklung der Gewerkschaftsbewegung. Referent: Lamm.— Aar»- «est: Jugendheim Lehrter Str. 18— id. Eruppenweihnachtsfrier.— Der Sprech. und Bewegungschor übt ab 20 Uhr in der Turnhalle Baruther Str. 29. 6ursI«agch6ufcl«rStra&«l TI ETZ&UäuwM »ftVElHNAtHTSFEST Wurstwaren Zervelat od. Salami,.pti 1,08 Zervelat im PettiUnB... Pfd. 1,38 Teewurst fem............ m 1,28 Lachsschinken Lgusen, Pfd. 2,20 Gtinsebrust Im genxeB..Pfd. 3,20 Nußschinken ez.aJiib�Pfd. 1,38 Schinkenspeck........ Pfd. 1,22 Gekocht. Schinken>/« Pfd. 0,32 Mettwurst n. Breetiw.Art.Pfd. 0,0s Wiener Würstchen.. pid. 0,03 Filetwurst................ Pfd. 1,38 Fleischwurst............ Pfd. 0,70 Sülzwurst............... Pfd. 0,38 ff. Leberwurst.......... Pfd. 1,03 Kase und Fette Markenbutterii,ii«aeb(,P(d.T. 1,32 Molkereibutter..... prd.T.1,08 Holländer od.Edun,r,«o>ik Pfd. 0,70 Dän. Schweizer 30»i.... Pfd. 0,64 Ailg�tangenkäsem.PU.i 0,48 Emmenth. Art.«vSchichtei 0,48 Camembert....... sobeebtei 0,20 Romadour:»•(,........ stsct 0,20 Harzer.................... Pfd. 0,32 Kolonialwaren Auszugmehl........... Pfd. 0,24 Stad.Auszugmehl3PM.-BMiii 1,33 Sultaninen.......... pid. von 0,38 Mandeln............ pm. tob 1,30 Korinthen.............. pinnd 0,56 Weisser Mohn......... pid. 0,52 Blauer Mohn........... pid. 0,34 Kaffee............... pid. tob 1,80 Weihnachtsgeback Christstollen iPfd0,7S2Pfd.1,50 tgoaU Dresd. Art.) Pid. 1,23 2 Pfd. 2,30 Altdeutsche Napfkuchen Stuck 0,75, 1,20 ib. Schokol. ü I rr/c:, Stack 0,83,1 ,35 Königskuchen mit oder ohne Rosinen..... Stttoli Oy 50 Garnierte Torten i. vcrsandkarton Stack 0,93, 1,75 Fein« Gewürzprinten-,,pfd. 0,30 Feine Dominosteine- ,,pfd.0,33 Echte Liegnitzer Bomben Stack 0,30 0,43, 0,75 Echte Nürnb. Schokoladen- Lebkuchenherzen 5 Stack 0,36 Russisches Brot.>1, picnd 0,68 3 Tafeln gute Schokolade * 100 e, sortiert.......... 0,73 0,95 ITafel feine Milchschokolade I Pfand schwer 1,23 Preis« nur Dianstag and Mittwoch. Manganabgab« varbahaltan. Verkauf soweit Vorrat. Fleisch a. leicht- «erderbl. Waren sind v. Versand ausgeschlossen. Zusendung van Lebensmitteln bei Bestallung von SM. an AMSs WILD. GEFLÜGEL. FRISCHES FLEISCH Enten................ Pfd. von 0,75 Wolgahühner gefr� Pfd. von 0,70 Suppenhühner.... Pfd. van 0,68 Kaninchengestr.B.aBsgew�Pid.0,80 Rehblätter............. Pfd. 0,83 Hirschrücken...... Pfd. von 0,68 Puten................. Pfd. von 0,83 Kalbskeule bis» Pfd. schwer. g&nz oder geteilt..es... Pfd. von V|74 Schweinebauch G. BigM Pfd. 0,64 Eisbein M.3z>itzde!n. gepvk� Pfd. 0,50 Rückenfett bratfertig... Pid. 0,38 Suppenfleisch..... pfd. tob 0.48 Hammelvorderfl. ptd. von 0,64 Schwelneköpfe n. Eula. Pfd. 0,36 Rinderleber........... p« 0,78 Rinderbocke.......... Pid. 0,30 Rinderlunge.......... Pfd. 0,28 Schweinenieren...... ptd. 0,64 Mandarinen......... 3 Pfd. 0,58 Apfelsinen............ 3 Pfd. t ,42 Jaffa-Apfelsinen... 3 ptd. 0,68_ Kalif. Tafeläpfel...Pfd. von 0,24 Feigen........ Traubenrosinen....... Pfd. 0,65 Weintrauben FrischesObst Datteln .. im Karten 0,45 Walnüsse. Haselnüsse.............. pid. 0,45 Paranüsse............... pid. 0,44 Krachmandeln......... m. 0,38 .In Ptckchen 0,22 Ananas................... Pid. 0,38 ........... Pid. 0,42 Bananen................. pid. 0,28 .......... Pid. 0,23 Erdnüsse................. Pfd. 0,23 Nachthemcien»rDaman. guter Wischestoff mit. teicher Stickerei, Stack 1/V5 Schlupf er Kunstseide, mit angerauhtem Futter,-._ feinmaschige Decke, Steck 1,05 Damen- Strümpfe bdnstL Seide, pl&ttiert, vorzag-■. e lieber ßtrapazicrslrompf, Paar 1�40 Herren-Selbstbinder grosse Auswahl, reine- ort O nn Seide........... Stück 1,90,2,90 te Morgenröcke_ gute Qual. Karomnst, St. 9,/ 5 Taschentücher fJIerren, rein Mako, gewaschen, mit apart, eingewebter Bordüre. n p ca. 43 cm gross, 6 Stück im Kart Dimiti-Garnituren,__ 1 Deckbett, 2 Kissen, äarnitnrO,90 Ueberschuhe f. Damen, Glänzen mmi. schwar» n. brann, mit verdecktem Reiss- a"TC verschluss tu hohem Schaft. Paar 7/# d Strickhandschuhe_ für Damen, reine Wolle. 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Tllen Den osten, Fr»u> ben und Be» fannien ihr hie Herzliche Teilnahme bei der Einäscherung meine» Ueden Mannes und guten Baiers, dem Tischler kränz Klelnschmldt sagen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Danf. Frav Anna Klelnichmldl md Kinder. Am 20 Dezember enlschlies fonfl nach kurzem Leiden meine innigst» Cebi« Fräst, unsere herzensgute tier, Echwiegermuiier. und Oma Alma Bergmann geb. Thomas im Alter von 57 Jahren. Dies zeigen an im liessten Schmerz und um stille» Beileid biiienb A bert Bergmann n. Kinder Berlin-Mahicborf. 21. Dezember 1931 Helleroborser Strohe 7 Die Trauerseier findet am 23. De» zember, abend» 7>/, Uhr, im 5>re- malorium Baumschulenweg, stiesholz- ftrahe siatt. Danksagung. Fstr dl« herzliche UnieUnohme beim Hinscheiden weine» lieben Manne» Qeopokd Grießler saae ich allen hierdurch meinen herzlichsten Danf_,_. ,, Marie Grirfiler. Deottüier Metallariieiter-YeriiaDil Verwaiiangutcllr Berlin Todesanzeigen Den Miigiiebern zur Nachricht, bah unser Kollege, der Eiiberarbeiier Will! Starke geh 21. Juni 1834, am IS. Dezember gestorben ist Die Einäscherung findet am Miii- woch. dem 23 Dezember, I3>/, Uhr. im stremaiorium Baumschuienweg, Kies- holzftrafie, ftatL Am 18. Dezember 1931 starb unser Kollege, der Schlosser August Jäger geb. 24. Dezember 1885 Die Beerdigung findet am Miti- woch. dem 23. Dezember, 15 Uhr. von der Leichenhalle de» HeUaubfirchhofe» in PiStzensee statt. Am 18 Dezember 1931 starb unser stollege, der©lirlicr Paul Bahr geb. am 25. Zu>! 1868. Di« Einäscherung findet am Mist- woch, dem 23. Dezember. 18 Uhr. im stremaiorium Baumschuienweg statt. Rege BileUigung wirb erwart ei. Nachruf Am 17. Dezember 19?l starb unser Kollege, der Werkzeugmacher Emil Heinig Di« Beilegung Hat dereit» statt- gesunden. Ehre ihrem Andenfen! Die O, ts.ci»»Ifang. Wenig getraaene stavaliergarderobe von Millionären. Aerzfen. 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