Morgenausgabe Mittwoch «tft �«f ,ÄÄ?ä.srÄs W LH Mm mTm HE am MM?»! �• Auswms 15 pf. I-ing ins H-n-» im voraus zahlbnn ÄAI s-�ZLA W W � W � W> HM H // M P«aVM/ �HHÜ IPJ/B H H DD � H H DD■■■ H HBf"3/ Sie-iulpall. Nonparrill«'». SU 1!L WWT2S#■ ra I I I IBi Hl 1�1 sss�fc�-te« �arftSSÄTW» M H II. M> MHM� MM M. 1 MM&izTS~Z£r:,-s: « BW I HH � �DH\ BK // W» Sl-ll«ig-suche da»-rfi« Won IS DI, MW I> WAV My� WM? MHV>/ Hl I.d-S weiter- Won lVBi Won? Li"! Der.BocwSrls� erschetut wochentSg»' �Fs wH>X>7 MM 15 Buchstab-a zihle» tüt jtoti War,,. Uch zweimal. Sonnlags und Montag« �SSBEt�1�� W8�\ Ärtritsmoirtl fltil« 00 PI Familirn. «inma!. die Wsndausaabe für Berlm»--** �_. V-* onzeige« Zeile 40Ps.»nz«iz-nann-hu>, und im Sandel mit dem Titel»Der � Ach» � aL�y a. M— Jt � � t« SauptoeschSst Llndenstratze z. woch-a. -Send- ZllufNier�SonuMgsb-iia-. �H�MDIGGO«« SSlSlEÖilEfiö D« 0 baulich'da'.' �ch. d« «tl-dnung nildt zenebmer Zliljeizen»»rl Jentvawegm, der GozialdemoLratifch«, Partei DeutschlaudS ..... I HIB■WH—■■! I IMIWIMIWII— I— II................. MI M HM■Hill II Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lmdenstr. 3 fternspr.. Ziönbofl(& 7) 292—297 Telegramm-Adr i Soiialdemokral Berlin. Die preußische Staatsregierung veröffentlicht jetzt die zweite Sparverordnung, die zum Ausgleich des preußischen Haushalts notwendig geworden ist. Der neue preußische Finanzminister Dr. Klepper gab vor der Presse zu den Einzelheiten dieser neuen Notverordnung noch nähere Erklärungen ab. Er betonte hierbei nachdrücklich, daß Preußen seinen Etat unter allen Ulnstän- den ausgleichen müsse. Da dies auf keinen Fall mit Hilfe kurzfristiger Kredite über die Reichsbank geschehen dürfe, bliebe nur der Weg der Ausgabensenkung und Ein- nahmesteigerung. Der preußische Etat hat in den Jahren 1924/25 beträcht- liche Ueberschüsse aufgewiesen, die bis 1929 dann aufge- braucht wurden. Schon 1930 war ein Etatausgleich nicht mehr durchführbar. Der Voranschlag für 1932 schließt ab mit einem Fehlbetrag von 394 Millionen Mark, wozu noch weitere 45 Millionen Mark Fehlbetrag aus dem Rückgang der Lohnsteuern kommen. Durch die letzte Notverordnung der Reichsregierung vom 8. Dezember wer- den durch Gehaltssenkung und Erhöhung der Umsatzsteuern 172 Millionen Mark weniger ausgegeben bzw. Steuerein- zänge erhöht, so daß, einschließlich der beabsichtigten Ab- striche von weiteren 100 Millionen bei den Sachausgaben, Borwärts-Verlaa G. m. b. H. dem Fehlbetrag von 439 Millionen Mark Aktivposten in Höhe von 272 Millionen Mark entgegenstehen. Es bleibt somit ein ungedecktes Defizit von 167 Mil- l i o n e n Mark übrig. Die Sachausgaben sind innerhalb eines Jahres um 180 Millionen Mark abgebaut worden, so daß hier die Grenze des Möglichen erreicht ist. Auch bei den Per- fonalausgaben sind weitere Einsparungen kaum denkbar. Da die preußische Staatsregierung grundsätzlich daran festhält, daß dieses restliche Defizit von 167 Millionen Mark nur durch echte Einnahmen ausgeglichen werden kann, so können hierfür nur neue Steuern in Frage kommen, wenn nicht das Reich durch eine Aenderung des Finanzausgleichs das Steueraufkommen in Preußen erhöht. Zu der Frage neuer Steuern erklärte Dr. Klepper nachträg- lich, daß die Gerüchte, die von der Einführung einer Margarine- oder Schokoladen st euer wissen wollten, in das Reich der Fabel gehören. Dagegen hat die S ch l a ch t st e u e r im Kabinett zur Diskussion ge- standen, jedoch ist eine Entscheidung über sie nicht gefällt worden. (siehe auch 2. Seite.) Postscheckkomo: Berlin 37 336.— Bankkonto: Bankder Arbeiter,«ngrttellren Ulli Beamten. Lind enstr.3 Dt B. u.DiZc.»0«t.. Deposttenk.. Jernlalemer Str. e5«ö. Amerika-195-1. Arbeitslosigkeit!— Kinderelend!— Lohnabbau! Washington, Mitte Dezember. Die Gespenster Hunger, Not, Elend und Krankheit suchen jetzt auch Amerika immer mehr heim. Im Hintergrunde droht neues Kriegsverderben. Der Fanner wehrt sich mit den letzten Kräften gegen den kommenden Ruin. Der Ar- beiter ist durch den Maschinenfortschritt aus dem Existenz- gleichmaß geworfen, verelendet und den verstärkten Angriffen der Klassengegner ausgeliefert. Der kleine Geschäftsmann gehört der Vergangenheit an, ist längst in das Stehkragen- Proletariat abgesunken, von dem der in veralteten Denkbe- griffen lebende Durchschnittsamerikaner auch heute noch nichts wissen will. Hinter den Massen und der Regierungsmaschinerie steht eine kleine Multimillionärsclique, herrscht die Handvoll jener 149, deren steuerbare Gesamteinkommen im Kriscnjahr 1930 die ungeheure Summe von über 356 Mil- lionen Dollar erreichten. 149 Einzelmenschen aus einer Nation von 120 Millionen. Aber sprechen wir von konkreten Dingen, die besser als alles andere zeigen, wie wenig von Freiheit und Gleichberechtigung aller im glorreichen Jahre 1931 übrig geblieben ist. Hier sind, mis dem Topf des All- tages gegriffen, einige Beispiele: In den Jahren 1920 bis 1927 sind über drei Mil- lionen Menschen durch die Entwicklung der Maschinen- technik ihrerlandwirtschaftlichenExistcnzvcr- lustig gegangen und als Jndustrieproletarier in die Groß- städte getrieben worden, wo sie heute zum größten Teil der täglich wachsenden Armee der amerikanischen Arbeitslosen angehören. Nichtsdestoweniger geht dieser landwirtschaftliche Mechanisierungsprozeß im Angesichte einer Agrarkrise, wie sie Amerika noch nie erlebt hat, ruhig weiter und zwingt den amerikanischen Farmer zur Aufnahme von Leihgeldern für maschinelle Verbesserungen, will er sich gegen die zunehmende Konkurrenz und Preisunterbietung überhaupt über Wasser halten. Ohne wirtschaftliche Notwendigkeit werden der ameri- kanischen Landwirtschaft jährlich Maschinenwerte von Hun- derten von Millionen Dollar von den allmächtigen Industrien aufgezwungen: so allein im Jahre 1930 Traktoren für 145 Millionen und andere Farinmaschinerie für 146 Millionen Dollar. Diese Mechanisierung bedeutet die Brotlosinachung weiterer Hunderttaufende und Millionen Landorbeiter. Gleichzeitig aber gibt sie den amerikanischen Maschinen- industrien die Möglichkeit, eine künstliche Prosperität vorzutäuschen und den Dividendenhunger zu befriedigen. In den Schulen der Autometropole Detroit werden tag- lich über 20 000 Kinder mit einer Mahlzeit verpflegt, deren Kosten 5 Cents pro Kind durch öffentliche Sammlungen eines städtischen Wohlfahrtskomitees aufgebracht werden. Wie die städtischen Behörden festgestellt haben, ist diese Mahlzeit die einzige Verpflegung, die ein großer Teil der Kinder über- Haupt erhält. So kommen nach den gewiß unverdächtigen Aussagen der Lehrkräfte Tausende von Kindern, ohne über- fyailpt einen Frühstücksbissen zu Hause erhalten zu haben, in die Schulen und stürzen sich heißhungrig auf die Mahlzeit. die wegen der Schwierigkeiten der Geldaufbringung sehr häufig unzureichend ist. Das städtische Komitee ist am Ende seiner Finanzkräfte und fleht die besitzenden Elemente von Detroit um Hergabe von wenigstens einigen hunderttaufend Dollar an. um die Verpflegung der Kinder, deren Eltern „Fords Schützlinge", größtenteils arbeitslos find, über den Winter sicherzustellen. Was im übrigen aus einem Kinde werden soll, das an einer Elendsmahlzeit pro Tag aufwächst, ist ein anderes Problem, an das sich die Detroiier Stadwöter wohlweislich nicht herantrauen. Die eiserne Faust Fords hängt sichtbar über der Sradt und vermag den aufsässigen Stadtweisen leicht zu ihrem Schaden zu beweisen, daß das Großkapital Gott und Ford sein ollwissender Prophet ilt... Dagegen schreit die„Notlage" der amerikanischen Stahl- industrie, deren finanzielle„Schwierigkeiten" erst vor wenigen Wochen durch die zehnprozentige Kürzung aller Arbeite r- und Angestclltenlöhne so eindringlich vor Augen geführt worden ist, wirklich zum Himmel. Öder wagt jemand daran zu zweifeln, wenn die Geschäfts ausweise nach Abschreibung reichlicher Reserven klipp und klar beweisen, daß die United States Steel für die ersten neun Monate des laufenden Jahres in dieser Krise einen Nettogewinn von 21,7 Millionen Dollar auszuweisen vermochte, die Bethlehem Steel 7,4 Millionen und die Doungstown 1,17 Millionen Dollar?! Jedenfalls bleibt den amerikanischen Stahlmagnaten der Trost, daß die Dividenden gerettet worden sind und die Aktionäre nach dem im Oktober erfolgreich durchgeführten Lohnabbau nicht mehr in Aengsten zu schweben brauche«. daß ihren«legitimen Gewinnen"' in Zukunft Abbruch getan Hitler in Propaganda ge< „New Vor? Times" veröffentlichen einen Artikel Adolf Hitlers, der ein einziger Fußfall vor dem amerikanischen Finanzkapital ist. Von der Enteignung der Bank- und Börsenfürsten, von der Brechung der Zinsknechtschaft ist mit keinem Wort die Rede. Unmißverständlich wird versichert, daß von den Nationalsozialisten, wenn sie zur Macht kämen, „kein Feuerwerk" zu erwarten sei. Ueber sein künf- tiges Regierungsprogramm weigert sich Hitler auch nur An- deutungen zu machen mit der originellen Begründung, er sei nicht dazu da, dem„sterbenden System" gute Ratschläge zu geben. Also: dieses Regicrungsprogramm bleibt Amts- geheimnis. bis eine Majorität von Eseln der Partei zur Macht geholfen hat, deren Programm sie gar nicht kennt? Einstweilen scheut sich Adolf Hitler nicht, das gegen- wärtige Deutschland vor den amerikanischen Gläubigern so schlecht wie möglich zu machen und es— was ihm für die schwebenden Stillhalleverhandlunaen offenbar besonders zweckmäßig erscheint— als Verschwender und leichtfertiger Schuldenmacher hinzustellen. So schreibt er in der„New Park Times': Man soll nicht glauben, daß Deutschland und ich(!) für etwas anderes kämpfen als für die vergessenen Tugenden unserer Vorfahren: für Sparsamkeit, Selbstdisziplin, Ehren- h a f t i g k e i t, die Grundsteine jedes Staats und jeder Gemein- schaft. Es muß gespart werden auf der ganzen Linie. Ich meine. es mnh Schluß gemacht werden mit den extravaganten Methoden. die Staat und Gemeinden angewendet haben, um Anleihen zu er- halten. Adolf Hitler erzählt den Amerikanern, daß in Deutsch- land die Ehrenhaftigkeit vergessen worden ist, und er spricht in diesem Zusammenhang von„extravaganten Methoden" bei der Erzielung von Anleihen. Er bestätigt damit die Be- Häuptlingen ausländischer, besonders französischer Ankläger, die die deutsche Reichsregierung mit guten Gründen zu ent- kräften bemüht ist. Alles nur, um den Finanzgewaltigen Amerikas den Glauben beizubringen, ihr Geld würde bei ihm besser aufgehoben sein als bei einer Regiening Brüning. Zweifellos hat Hitler durch diese Propaganda für sich selber die deutschen Interessen im Ausland aufs schwerste geschädigt. Fiele es einem Sozialdemokraten ein. Aehnliches zu tun, welches Geschrei über Landesverrat würde sich in der ganzen nationalem" Presse erheben! Gibt es ein Nebenkabinett? Oft ist in der Presse der Linken gesagt worden, daß sich die Nationalsozialisten schon gewissermaßen als Neben- regier ung etabliert haben und daß damit ein unmöglicher Zustand geschaffen ist, dem mit Tatkraft zu begeguen Pflicht der Regiemug ist. Ueberraschenderweise wird das jetzt von der nationalsozialistischen Presse selbst bestätigt. In seinem «Angriff" schreibt Dr. Goebbels: Amerika. en Oeuisthland. Darf man sich auch unter dorn Druck der Verordnungen eine bescheiden« Frage an das Kabinett ertauben? Kennt die Negierung die Slinnnung im Lande? Wenn ja, was geduckt sie dagegen zu tun? Sie vesiht keine Handlungsfreiheit mehr dem Auslände gegenüber. An ihrer Seist hat sich sozusagen ein oppositionelles Itebenkabinett etabliert, und es muß beim Unvoreingenommenen der Eindruck entstehen, als fei der WeU gegenüber die Opposition mehr legitimiert, als die ordentliche Regierung. Herr Goebbels findet diesen Zustand sehr vergnüglich, und das ist von seinem Standpunkt aus ohne weiteres zu verstehen. Was aber gedenkt die Reichsregierung z>l tun, um ihre.Handlungsfreiheit dem Auslande gegenüber zurückzugewinnen und die Welt davon zu überzeugen, daß nur sie und kein„Nebcnkabinett" die gültige Legitimation besitzt? NeueGefahrenamArbeitsmarki Die Opfer privaikapitalistifther pieiten. Ueber dem Arbeitsmarkt ballt sich neues Gewölk zusammen. Di« Lage hat sich in der ersten Dezemberhälste verschlechtert. Wir haben nicht nur eine saisonale Zunahme der Arbeitslosigkeit, sondern auch aus kons unkt urellen Gründen einen neuen Auf- trieb der Arbeitslose nzisfcr zu verzeichneii Die Zu- sammenbrllche von B o r s i g und H a n o m a g sind Symptome einer weiteren konjunkturellen Verschlechterung der Lage. Sie sind Vorboten neuer Gefahren. Die Zunahme der Zahl der Arbeitslosen belief sich nach dem verlcht der Reich-anstol» in der ersten Dezemberhälste aus rund 2 9 0 0 0 0. womit eine Belastung von rund 5 349 000 erreicht wurde. 3it der gleichen Zeil des Vor- j a h r e s war die Zunahme mit rund 278 000 neu ge- meldeten Arbeitslosen nur um weniges geringer. Der Anteil der überwiegend von der Konjunktur ab- hängigen Berufe ist in der ersten Dezemberhälste rascher(um 4,2 Proz.) als in der zweite,, Novemberhäjste(um 1,6 Proz.) ge- stiegen. Neben der Beendigung des Weihnachtsgeschäftes in vielen Industrien haben befovdeis die internationalen Wäh- rungsjchwierigkeiten und die Schntzzollmaß- nahmen wichtiger Abnehmerstaoten ungünstig auf den deutschen Arbeilsmarkt eingewirkt. Die Belastung von Arbeitslosenversicherung und Krisenfllrsorge hat zusammen um etwa ISS 000 haupwnterstügungs. empfänger zugenommen. Nach den Meldungen der Arbeitsämter wurden in der Arbeitslojenvsrsicherung am!S. Dezember 1S31 rund 1484 000 Haupiunterstügungsempsänger(Zunahme rund 118 000) gezählt, während in der Krisenfürforge nach einer Zunahme um rund 40 000 etwa 1446000 Hauptunterstützungsempfänger betreut Wurde». Preußens Aoiverordnung. Notwendigkeiten des Etatsausgleichs. wird. Daß aber die Abbeitnehmerschaft durch den Lahn- abbau gegen acht Millionen Dollar ein- gebüßt hat. ist für die weisen Wirtschaftsgehirne derer um Mellon und Schwab nebensächlich und zielt im übrigen ab, die legitimen Ansprüche des Kapitals zu vertuschen und den Arbeiter kopfscheu zu machen". Geht es nach dem Willen der Pittsburger Industriegewaltigen, so muß der Arbester sich lwch dankbar erweisen, daß seine Lohnabzüge dazu bei- tragen, das schwere Finanzlos der Gesellschaften zu erleich- tern und die Dividende aufrecht zu erhalten. Und noch ein anderes Kapitalistenstück, das zeigt, daß die Welt für die herrschende Klosse doch nicht ganz so übel und hoffmingslos ausschaut, wie das professionelle Klage- geschrei der Wallstreet-Leute erwarten läßt. Während sich im Oktober die Zahl der Bankenzusammenbrüche auf S12 mit einem Gesamt-Depositenkapital von 5(56 Millionen Dollar balief. ist diese Rekordziffer im November auf 25 Bank- Ichließungen pro Woche gesunken und wird in den kommen- den Wochen wahrscheinlich noch wester zurückgehen. Wie die leitenden Finanzkreise beruhigend feststellen, hat die Banken- krise damit wieder das normale Niveau des Jahres ISZO erreicht. Die Gesamtsumme der in diesem Jahre durch Bank- bankerotte und-schließungen festgelegten Beträge beläuft sich auf über t5lX> Millionen Dollar. Sicherlich ein schöner Geld- Haufen, wenn bedacht wird, daß er hauptsächlich aus den Taschen der kleinen Leute stammt. Die Großen mit der feinen Spürnase haben sich rechtzeitig aus den meistens sehr anrüchigen Bantaffären zu ziehen gewußt. So schaut das wirkliche Amerika an einem Wintertage l9Z! aus. Aus Jammer und Leiden löst sich auch hier der Schrei d er Massen nach Freiheit und Glück, taucht auch hier die Frage auf, wie sich die Welt vor der alles zer- malmenden kapitalistischen Krisenwalze retten kann. Amerika ist trotz dreijähriger Krise auch heute noch von einer Trug- atmosphäre von Prosperität umgeben, von der Millionen Farmer und Arbeiter glauben, daß sie echt ist und sie wirk- sam vor Not und Elend zu schützen vermag. Die Wirtlichkeit aber ist und bleibt, daß das Schicksal einer Nation von 12V Millionen Menschen und darüber hinaus einer ganzen Welt in den Händen einer Handvoll von Finanzpotentaten liegt, d'e aus der gegenwärtigen Krise nicht mehr herauswissen. Der Hügenberg-partei wird nach Spirituslitern bezahlt. Im Parteilager des Geheimen Finanzrats H u g e n- b e r g herrscht übelste Pleite. Wer daran zweifest, den mag der Bettelbrief überzeugen, der von dem Landesvor- sitzenden v. Zitzewitz in Pommern verschickt wird und den wir im„Berliner Tageblatt" abgedruckt finden. Er hat folgen- den Wortlaut: Stettin, 15. 12. 1931. Herrn Rsttergutsbesitzer..... Durch die neue Notverordnung sind die Finanzverhältmsi« des Üandesverhandes Pommern der DNVP. von Grund auf umgestellt. Beitragsanweisungen, vor allen Dingen aus den Rechen der Mst- glieder des Großgrundbesitzes, wurden bereits teilweis« seit Sep- temJw* d. I. nicht mehr durchgeführt. Ml dem 1. Seymhcr ffonbcu alle Zahlungen still. per!■ Januar ficht uns vor ungeheuren Schwierigkeiten ftnan- ztellev und damit moralischer Art. Die llmstellwrg unseres Veitrag»- wesen« auf Varzahlungan, auf Grund der Äuegebixng von Beitragswarten und dergleichen, wie es andere Parteien haben, läßt sich von heut« auf morgen nicht bewältigen. Herr Landrat von Bismarck hat mst den leileudeu Per- sSnllchkeilea der Spirikusoerwerlnugs-Gesellschasl Rücksprache ge- nqmmcn. Diese ist bereit, selbst unter großen Schwierigkesten «in« einmalig« itcherweisung für da» Jahr 1932 an den Lande?- verhand der Partei zu Ihren Lasten vorzunehmen. Gin« genau« Kalkulation hat ergeben, daß es notwendig ist. daß !•}« je 100 zu liefernde Liker Zpirilu» 10 Pf. Souderbeitrag bezahU wenden mußic. Bon uns aus können wir selbstverständlich die Ve» rcchmmg für Zhre Spiritusmenge und damit die Verechanug der />eilrag»fuwwe nicht vornehmen. Diese» will liebenswürdigerweise das Büro der Spiritusverwertung übernehmen. Es fällt uns schwer, diesen Brief zu schreiben. Wir hoffen auch, daß er eine Ausnahme in unserem bisherigen parteipolitischen Leben darstellt. Di« Verantwortung diktiert ihn uns. Auch nur wenige Absagen würden uns vor die u n g«- ahnte st enSchwierigleiten stellen. Wir hoffen deshalb ikstinunt, daß Sie, um so mehr, als es sich nur um ein« Derrech- nimgzzahlung handelt, unserem Wunsche entsprechen werden. VerschwIndotdieArbeitderDNBP. inder national stärksten Provinz Pommern, so Ist damit nicht eine Organisation— sondern ein Stück preußische monarchistische Vater- lendsarbeit zu Ende. Mit deutschem Gruß! (gez.) v. Zitzewitz, Landesvorsitzender. H.». B o n i n, Schatzmeister. Holzhaufen, Landesgeschäftsführer. größere Ebbe in der deutschnationalen Salle, desto a.-ntzspur'g-r treten die Deutschnationalen sonst aus. Eben laben sie erst m der Harzburger Front die Auflösung des �/«stagz durch Volksentscheid gefordert. Wenn sie Erfolg gehabt hatten, könnten sie nicht einmal die Wahlkosten de- 4«ü)Ion, um»o weniger, als es ihnen nach eigenem Gestand- >. Den Erschienenen wurde Kaffee und Kuchen gereicht und der emsige Genosse Krüger, dem für die schöne Feier zu danken war, hatte es fertig gebracht, soviel Kuchen zusammenzubringen, daß ein jeder einen schönen Weihnachtsstollen noch mit nach Hause nehmen tonnte. Zum Abschluß der Feierstunde marschierte die„Rote Rotte" auf, neun frische, junge Menschen, die mit ihren Bor- trägen zeigten, daß sie mit wachen Augen durch die Welt gehen und mit heißem Herzen an der Seite der Arbeiterschaft kämpfen. Ihre ungekünstelt« Darstellung führt zu starkem Erleben, wenn sie. wie in der Arbeitslosenszene, dem Leben abgelauscht« Tragödien unpathetisch und echt wiedergeben. Alte Augen leuchten auf. Im Saalbau Fr i e d r i ch s H a i n hat das Wohlfahrtsamt Prenzlauer Berg auch in diesem Jahr wieder seine Klein- und Sozialrentner zu einer Weihnachtsfeier eingeladen. Ueber 900 Gäste sind erschienen sie sitzen mit frohen Gesichtern an den langen, festlich gedeckten Tischen und sind unendlich dankbar, daß man sie an diesem einen Tag im Jahr ihren trüben Gedanken, ihrer trostlosen Einsamkeit. entreißt. Ungemein, herzlich ist hier das Verhältnis zwischen Bezirksamt und seinen Schützlingen.„Ich habe Nachricht von meinem Sohn, Gott sei Dank", flüstert eben ein altes Mütterchen mit freudestrahlenden Augen dem Obmann der Wohlsahrtskommission zu, und an einer anderen Tischecke spricht ein Beamter einem traurig den Kopf schüttelnden, vergrämt aussehen- den Mann beruhigende Trostesworte zu: das ist viel für die Alten, mehr noch als die gute, reichliche Abendtafel und das nette, nahr» Haft« Päckchen, das ein jeder mit auf den Heimweg bekommt. Mit schönen, tief empfundenen Worten begrüßt Stadtrat Genosse Rose- mann die Anwesenden, er spricht von der Schwere der Zeit, die Welche Lust, Student zu sein. Werkstudent und Monokelstudent.— Korporationskitsch lebt noch. Ein Werkstudent schreibt uns: Ein Momentbild vom Kassenschalter eines H o ch s ch u l- sekretariats: Das Semester hat begonnen und das Studiengeld muß bezahlt werden. Ein Student zum anderen: .Na. Hans, da hast du ja wieder mal Schwein gehabt mit deiner Arbeitsstelle während der Ferien!".Ja", lacht Hans,.sonst wäre es wohl auch Essig gewesen mit dem Weiterstudleren, mein Lieber!" Dann bezahlten sie beide. Jeder zahlt dl« Hälfte seines Studien- geldes und außer ihnen viele andere auch, die dankbar diese Möglichkeit der Ratenzahlung ausnutzen. Den Rest nach zwei Monaten. Bis dahin hat man es sich vielleicht schon verdient. V» e l l e l ch t I Arbeit suchen ist nicht schwer, Arbeit finden aber sehr! Und da ist es dann schon ganz gleich, was für Arbeit man findet, wenn nran überhaupt welche findet... Nachhilfestunde geben ist das Mindeste, das tu» auch die meisten. Viele verdienen sich als Jazzmustker ein paar Mark, doch auch nur gelegentlich, denn der Musiker-Verband geht im Interesse seiner Mitglieder mit großer Schärfe gegen alle„Amatcurmusiker" vor. Daß unter den Taxi- chaufseuren viele Studenten zu finden sind, weiß man ja. Oder machen Sie einmal einen kleinen Bummel durch die Berliner Nacht- lokale(es loll ja imMer noch Leute geben, die sich gelegentlich amüsieren können) und sehen Sie sich die Zigarettenverkäufer, Aus- Hilfskellner, Garderobenboys und Eintänzer etwas näher an. Auch unter ihnen findet sich so mancher Studierende. Mancher Werkstudent hat das große Glück, daß ihm die Arbeit, die er bezahlt bekommt, noch außerdem als Praktikum auf die Studienzeit angerechnet wird. Was allerdings höchst selten vor- kommt. Die meisten zukünftigen Diplom-Jngenieure. Diplom-.Kaus- keute, Architekten und Chemiker müssen ihre Praxis als Volon- tär abarbeiten, und selbst da ist es schwer, anzukommen. O, welche Lust. Student zu sein. Bom Vegräbnissänger zum Privatchauffeur. Zusammen mit der Entwicklung und Ausbreitung des Werk- fwdententums ist eine Organisation gewachsen, der sich später alle ehemaligen Werkstudenten mit Dankbarkeit erinnern. In Berlin ist es das Berliner Studentenwerk, das kurz nach dem Krieg entstand und es sich zur Ausgabe gemacht hat. alle notleiden- den Studenten und Studentinnen so wen wie möglich zu unter- stützen. Da gibt es billige MiUagstischc, sogar Freitische für besonders Bedürftige: man kann sich für ganz wenig Geld feine Schuhe besohlen,.seine Kleidung anfertigen lassen, neuerdings ist eine Arbeitsvermittlung geschaffen worden, die Stellen aller Art vergibt: leider ist die Nachfrage hier so groß und das Stellen- ongebot so gering, daß bei der Verteilung das Los entscheiden muß. Hier kann der Student alles werden, wenn er Glück hat und einmal da,.groß« Los" zieht: Bom Begräbnissänger bi» zum Privat- chausfeur, vom Fremdenführer bis zum Elektromonteur. Das Studentenwerk gibt auch denen, die gerade besonders in der Klemme sitzen, einmal«in langfristiges D a r l« h n und kann das mit ruhigem Gewissen tun, denn die Statistik sagt, daß bisher von allen ausgegebenen Darlehen 98 Prozent zurückgezahlt wurden. Hoffentlich behält in Zukunft diese Quote Ihre erfreuliche Höhe. Man hätte wirklich allen Grund, bei den wenig erfreulichen Aus- sichten, nach dem Schlußexamen auch Arbeit zu finden, skeptisch zu werden. Hier nur ein Beispiel von vielen: Schon jetzt warten in Deutschland zirka 3000 Jungärzte und-ärztinnen auf ihre Zulassung zur Kassenpraxis. Die Privatpraxis allein kann heute keinem Arzt mehr sein« Existenz sichern. Bei den Juristen sieht es nicht viel anders aus und die Studierenden der übrigen Fakul- täten gehen einer ebenso ungewissen Zukunft entgegen. Mit Aue- nähme der T h e o l o g e n. Ja, ja, die Welt wird frommer mit jedem Tag! Und trotzdem nimmt die Zahl der Studierenden jedes Jahr zu. Worauf ist dos wohl zurückzuführen? Auf den Optimismus der Jugend, daß es ja doch nicht immer so weitergehen kann, daß diese Krise der Wirtschaft einirnl ein Ende haben muß? Zum Teil sicherlich, aber zum guten Teil wohl auch noch aus der Furcht heraus, nun gleich nach Verlassen der Schule arbeitslos zu werden. Wenn man nicht Handwerker werden oder zum Kaufmann in die Lehre gehen will, dann geht man eben an die Universität. Komisch mutet dem ernsthaft an seinem Studium Arbestenden der Betrieb an, der sich trotz Revolution, trotz politischer Um» wälzung, trotz äußeister Not in Deutschland immer noch bei den konservativen Teilen der Studentenschaft erhalten hat: dieser ganze mittelalterliche K or p o r a t i o n s z a u b e r, dieses Alt-Heidel- berger Kitschmilieu mst Säbelrasseln und Vierseidelschwingen der Monokelstudenten! Wie anders das Studentenleben der Jungen, die neben dem Arbeiter an der Maschine gestanden haben und ge- lenst haben, in ihm den gleichberechiigten Mitmenschen zu achten und zu schätzen. in die Weihnachtsstimmung so viel Bitternis bringt, und er fordert auf, zusammenzuhalten und zusammen zu kämpfen gegen alle, die mit hohlen Phrasen und verantwortungsloser Hetze verzweifette, rar- lose Menschen in noch größeres Elend stürzen wollen. Dann rollt ein hübsches, reichhaltiges F e st p r o g r a m m auf der Bühne ob, Musik- und Tanzvorführungen werden geboten, der Ercksche Jugendchor bxingt stimmungsvolle Volks- und Weihnachtslieder und der Fi n ke sch e Mandolinenchor spielt mit Schmiß und straffem Rhythmus Musikstücke von Vincke und Holzmann. Mit bewegten Worten und zitternder Stimme überreicht eine olle Dome im Namen aller dem Festredner einen Blumenstrauß, und ein Ackt- undsiebzigjähriger wünscht all denen ein schönes Fest, die mitgeholfen haben, ihnen diese frohen Stunden zu berellen... Oer Schupoweihnachtsmann ist da. In der P o l i z e i u n t e r k u n f t West, wo in diesem Winter 40 Kinder Erwerbsloser von ersparten Rationen der Berellschasts- beamten täglich Mittagessen erhalten, herrschte frohes Treiben. Der Schupoweihnachtsmann hatt die Kleinen nicht vergessen. Mit ihren Angehörigen füllten sie den großen Raum des früheren Offiziers- tasinos, wo allen Kaffee und Kuchen gereicht wurde. Die Kapells der Musikvcreinigung West der Schupo spielte dazu auf. Jedes Kind erhlell«in praktisches Geschenk an Wintersachen, die zum großen Teil auch vom Lctteverein gesammell worden waren. Oberst G e i b e l dankte allen Kameraden, vor allem dem. Gau Groß-Berlin des Verbandes preußischer Schutzpolizeibeamten und den Helfern aus dem Publikum. Die Schutzpolizei hatte sich, wie Oberwachtmeister M i e l k e mit Fug und Recht feststellen tonnte, auch zur Weihnachtszeit als Helfer der Kinder erwiesen. Ein menschlich schöner Zug unserer Schupo, diese Bescherung von Proletarierkindern! Oer-.Sturmvogel" als Weihnachtsmann. Einen bemerkenswerten Beweis proletarischer Solidarität lieferte die Ortsgruppe Prenzlauer Berg des„Sturmvogel" in einer von der Gruppe veranstalteten Weihnachtsbescherung armer Kinder. Trotzdem die große Mehrheit der Mitglieder selbst arbeitslos ist, hat die Gruppe am Sonntag eine Anzahl vom Jugendamt Brenz- lauer Berg benannte arme Kinder zu Weihnachten beschert. All die schönen Wollsachen. Kleidungsstücke, Spielsachen und die reichen bunten Teller ließen die Augen der Kinder in heller Freude erglänzen. Bravo„Sturmvogel"! Der Bund für Kunsterziehung. Gruppe verlin, E. v„ vcr- anstaltete gemeinsam mit dem Bezirksamt Wedding eine Kunstausstellung sür Schule und Volk(Thema: Mensch und Arbeit) im Rathause Wedding. Das lebhafte Interesse der Lehrer und Ettern zeigte sich in dem sehr starken Besuch. In 14 Tagen wunden in der Ausstellung stundenplangemäß 56 Klassen mit 1995 Kindern unterrichtet. Außerdem besuchten 14 716 Einzr!- Personen die Ausstellung, 142 Mitglieder von Körperschaften wurden in Gruppen geführt. Die Gesamtzahl der Besucher betrug 16 853. Der Bund und dos Volksbildunosamt sorgten dafür, daß wahrend der ganzen Ausstellungsdauer Mnsttcr und Pädagogen zur Ein- fiihrNng der Besiichen antvesend waNStt. Die Kunffwqnitation der- Stadt Berlin käuste drei Werfe' Äis der'Ausstclltm'z. Allgemeine Wetterlage. S�olicenIo�S belree.Gkelbdeöecki »i«Isiiz.»>!eöpilii>»lkegefi�lZfsiip«!n SdirpftsSeM�GewittetlSiWiiidstiiie Fast in ganz Deutschland bestand am Dienstag trübes Wetter mit schwacher Luftbewegung und Temperaturen nahe dem Gesrier- punkt. Nur im Nordosten und Südwesten des Reiches war der Himmel stellenweije heiter. Nennenswerte Niederschläge kamen nirgends vor.— Das europäische Hoch, das zur Zell unser Wetter bestimmt, hat sich gestern noch etwas gekräftigt: in seinem Kern- gebiet zeigt jetzt das Barometer 780 Millimeter Quecksilber. Ueber Skandinavien geht zur Zeit anhallender mäßiger Druckfall vor sich. Em« wesentliche Äenderung der Luftdruckoerteilung dürfte damit jedoch zunächst nicht verbunden sein. Für Mittwoch müssen wir daher mtt Fortdauer des herrschenden Witterungxchavatters rechnen. Für Donnerstag ist dann mtt der Südwärtsverlagerung des Hoch» älllnähliche Milderung«vahrscheinlich. *• ZVetteraussichien für Berlin: Weiterhin bedeckter Himmel, Tempe- raturen nahe Null, schwache Lustbewegung, keine nennenswerten Niederschläge.— Für Deutschland: U eberall Fortdauer des Herr- schenden Witterungschorakters. CjeG3*y* ScÄwfjfL** Vfüt 60 j in Apofliehw, and Dragerien.# Wftytti Nr 599• 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 23 Dezember 1931 ll2 Jahrhundert soziale Selbsthilfe Zum 150 jährigen Bestehen der Berliner Buchdrucker-Krankenkasse Am 23. Dezember 1931 sind 150 Jahre seit der Gründung der Berliner Buchdrucker- Krankenkasse vergongen. Wenn heute vielfach über einen Abbau und hier und da sogar über eine gänzliche Beseitigung der Sozialoersicherung gesprochen wird, so ist demgegenüber die Erinnerung an die Tatsache am Platze, daß bereits vor 160 Iahren eine Anzahl Berliner Buchdrucker die Notwendigkeit erkannten, die erkrankten Kollegen im Krankheitsfalle zu unterstützen. Das Verdienst der Gründung der Kasse gebührt einem Buch- drucker Moritz, der im Jahre 1731 bei seinen Kollegen anregte, zugunsten der erkrankten Kollegen eine Kasse zu gründen, aus der ihnen im Krankheitssalle eine wöchentliche Geldunter- st ü tz u n g gezahlt werden sollte. Eine Anzahl Kollegen entschieden sich für die Ausführung des Antrages und am 23. Dezember 1781 erfolgte die Gründung der„Allgemeinen Kranken- und Viatikumskasse der Mitglieder der Buchdrucker- kunst*. Am 1. Januar 1782 begann die Krankenkasse mit 20 Mit- gliedern ihre Wirksamkeit. Aus der ersten gedruckt vorliegenden Satzung, damals„Artikel" genannt, aus dem Jahre 1797 geht folgendes hervor: Als Krankengeld wurden 2 T a l e r wöchentlich gezahlt. Wer aber nur einige Tage trank war, bekam nichts. Man führte also damals bereits den Gedanken der Wartetage durch. Der Rendant hott« die Beiträge, die in der Regel 1 Groschen wöchenllich betrugen. je nach dem Krankenstande aber auch in höherem Betrags erhoben wurden, einzusammeln. Er durfte höchstens einen Kasienbestond von 5 Talern haben. Das Krankengeld mußte er den Patienten wöchentlich selbst überbringen und sich dabei nach ihrem Zustande genau erkundigen. Für seine Mühe war er von ollen Beiträgen frei und erhielt alle halbe Jahre außerdem 1 Taler. Die erste Satzung Hot auch bereits an Beitragsschnldner und Simulanten ge- dacht. Artikel 14 lautete: „Derjenige, welcher seinen Groschen nicht beiträgt, wenn ein Zettel kommt: desgleichen, wer nicht krank ist, sondern sich nur so stellet, um die Kasse zu betrügen, wird auf immer aus dem Kassenbuche gestrichen." Jntereflant ist auch der Artikel 25: „Wenn ein Kranker in öffentlichen Tabagien sich solcher Haichlungen ergiebt, die geradezu einer Krankheit nicht angemessen sind, und eine Offizin zeigt solches auf den wöchentliche» Umlauf an, so soll der Rendant schuldig und verbunden seyn, ohne eine nochmalige Anfrage dieserhalb bei der Gesellschaft zu thun, den Kronken sür Eine Woche das Krankengeld zurückzubehalten. — Glaubt aber der Kranke, daß ihm zu nahe geschehe, so hat er das Recht, dieserhalb bei der nächsten Zusammenkunft der Ge- sellschaft Vorstellung zu thun, welche alsdann hierüber kurz ent- scheiden wird." Die Mitgliederzahl betrug im Jahre 1797: 130, stieg bis 1800 aus 176. um dann bis 1815 auf 113 wieder zu sinken. Bis zu diesem Jahre bestand neben der Allgemeinen Krankenkasse noch eine Kasse der Ungerschen Buchdruckerei, gewissermaßen also ein« Betriebskrankenkasse, deren Mitgliederzahl zuletzt 61 betrug. Nach Auslösung der Ungerschen Kass« stieg die Mitgliederzahl der Allgemeinen Kasse ständig und betrug 1849: 650. Im August 1849 schieden, vevanlaßt durch die sogenannten„Mainzer Beschlüsse" der Natwnal-Buchdruckerversammlung vom Jahre 1848. etwa 225 Mit- glieder aus der feit 1815 alleinigen Kass« aus und gründeten die „Dereinigte Kranken-, Sterbe- und Piatitums- k a s s e" sowie eine Inoalidenkasse der assoziierten Buch- drucker Berlin. Dieser Kasse traten bald weitere 250 Mitglieder der Allgemeinen Kasse bei. Die Berliner Buchdruckereibesitzer erklärten sich nun bereit, die Fortführung der Allgemeinen Kasse oder Gründung einer neuen Kasse dadurch zu fördern, daß sie sich verpflichteten. außer ihrem eigenen Beitrage als ordentliche Mstglieder der Kasse für jeden in ihren Offizinen beschäftigten Gehilfen und Lehrling noch einen wöchentlichen Beitrag von 1 Silbergroschcn zu leisten. Noch Beratung durch eine Kommission von Prinzipalen und Gehilfen wurde das neue Statut der Kasse aufgestellt, die jetzt den Namen „Vereinigte Kranken., Invaliden.. Ressenalerstühungs- und Slerbekasse der Buchdrucker BerNns" erhielt. Hier begann also die Beteiligung der Arbeitgeber an der Aufbringung der Kassenmittel. In den 50cr Jahren verlangt« das Polizeipräsidium eine Verschmelzung der beiden fest 1849 bestehenden Kassen und löste sie, als dem Ersuchen nicht schnell genug entsprochen wurde, auf. Dadurch wurde die Vereinigung beschleunigt. Die Einigungsgeneraloer- sammlung entschloß sich, das neue Statut dem Berliner Ortsstatut zu unterstellen. Hierdurch erhielt die Kasse das Recht, die An- Meldung der beschäftigten Gehilfen sowie die Einziehung der Bei- träge und die Zahlung eines Zuschusses von den Arbeitgebern zu verlangen. Dieser Zuschuß betrug 10 Pf. wöchentlich sür jeden beschäftigten Gehilsen und Lehrling und 40 Pf. für jeden Druck- cylinder. Durch eine Statutenänderung im Jahre 1863 wurde der Prinzipalsbeitrag auf 25 Proz. des Mitglieder- beitrages festgesetzt. Die Invaliden- und Reiseunterstützungs- kosse mußte später von der Kranken-' und Sterbekasse getrennt werden. Trotzdem nahm die Kasse eine fast ununterbrochene Auswärtsentwicklung. Im üahre 1881, nach lOOjähtigcm Bestehen, betrug die durch. fchnillliche Rlilgliederzahl 2385. An Unterstützungen wurden monatlich berests rund 5000 Mark ausgezahlt. Zur Zeit des Erscheinens der kaiser- lichen Botschaft vom 17. November 1881, durch die die reichs- gesetzliche Ordnung der Sozialversicherung im Deutschen Reiche eingeleitet wurde, konnten die Berliner Buchdrucker bereits' auf eine 100jährige segensreiche Tätigkeit im Dienste der kranken Berufeangehörigen zurückblicken. In den seitdem vergangenen weiteren 50 Jahren wurde die Kasse den jeweiligen Gesetzen und Zeitverhältnissen angepaßt. Beim Inkrafttreten der staatlichen Zwangsversicherung im Jahre 1884 unterstellte sie sich diesem Gesetz. Die Novelle zum Krankenver- sicherungsgesetz von 1893 brachte die Möglichkest zum Eintritt des Buchdruckereihilfspcrsonals in die Kasse. Beim In- krafttreten der Reichsversicherungsordnung Anfang 1914 wurde die Zulassung der Kasse als besondere Ortskrankenkasse beantragt und auch erreicht. Die Entwicklung des Berliner Bnchdruckgewerbes in den letzten Jahrzehnten hatte naturgemäß auch eine Aufwärts- bewegung der Mitgliederzahl im Gefolge. Der Höchststand von fast 43 000 Mitgliedern ist infolge der derzeitigen Wirtschaftslage inzwischen allerdings auf rund 37 000 zurückgegangen. Aber auch diese Zahl zeigt eine Entwicklung der Kasse, die ihre Gründer vor 150 Jahren wohl kaum geahnt haben. Die jetzige Ortskrankcnkasse für das Buchdruckgewerbe zu Berlin hat ihre Leistungen weitgehend ausgebaut. Sie besitzt«ine Lungenheil st ätte, ein Kurheim für Herzkranke und je ein Genesungsheim für männliche und weibliche Mit- glieder, ferner eigene Institute für physikalische Behandlung. Röntgen- und diagnostische Unter- suchungen, sowie Zahnbehandlung. Von den gesetzlich zugelassenen Mehrleistungen hat die Kasse die wichtigsten eingeführt. Leider werden diese Mehrleistungen auf Grund der letzten Not- Verordnung mit dem Beginn des Jahres 1932 aufgehoben und die Kasse muß sich zunächst auf die Gewährung der Regelleistungen beschränken. Borstand und Ausschuß der Kasse arbeiten jedoch zum Wohle der Versicherten einmütig zusammen. Diese Tatsache be- rechtigt zu der Erwartung, daß die Kasse auch die jetzige Notzeit ebenso überwinden wird, wie es bei Schwierigkeiten im Laufe ihres 150jährigen Bestehens wiederholt geschehen ist. Sozialdemokratie und Nokverordnung. Wir berichteten über eine Versammlung im Bezirk Treptow, in der Genossin Wurm referierte. Es hieß da:„Trotz alledem mußte die Sozialdemokratie unter Berücksichtigung der allgemeinen Lage der Notverordnung zustimmen." Es handelt sich hier selbstverständlich um einen Uebertragungsfehler. Genossin Wurm sagte:„Die Froktions- Mehrheit glaubte, die Einberufung des Reichstages ablehnen und so praktisch die Regierung Brüning tolerieren zu müssen. Die Minderheit war anderer Meinung. Sie sah die � Grenze der Tolerierung sür gekommen an, eine Auffassung, die auch die des Berliner Bezirksvorstandes ist, zu dem auch ich gehöre." Für die Notverordnung Hot niemand gestimmt. Die Fraktion hat sür einige Teile der Notoerordnung ihre ablehnende Haltung ausdrücklich in einer Entschließung niedergelegt, was unseren Lesern bekannt ist. Die juristische Sprechstunde fällk am Donnerslog, dem 24. De- zember, aus. Genossin Agnes Longe. Urbanstr. 23, feierte am 17. Dezember ihren 70. Geburtstag. Genossin Lange ist feit Jahrzehnten Mitglied unserer Partei. Wir wünschen ihr einen frohen LeleNsabend. Sialendungen für dtefe Rubrik stnd Berlin SW 68, Ltudenstrasse i Groß-Derliv stet» an da» Bezirt»i«tr«tartat 2. Hos. 2 Treppen recht».>u oichtr» heule, ZNiktrvoch, 23. Dezember: «se Rubrik nur an das Iugendiekretariaf Berlin 6® 68, Lindenflraße 8 Das Iugcndfclreiariat bleibi wezc» Umzugs»cm Montag, de« 28. De. zember, bis einschließlich Z. Zanuar geschloffen. Notizen für den„Vorwärts" bis fpäicstciis 2Z. Dezember hinreichen. Ab i. Januar befindet sich das Jugend. lclreiariai Lindensir. 2, vorn 1 Treppe Heute, Mllwoch, 23. Dezember, 19K- Uhr: Gesundbrunnen II: Christianiastr. 38. Weihnachtsfeier.— Frankfurter Viertel: Frankfurter Allee 307. Iulklapp.— Warschauer Viertel: Litauer Str. 70. Weihnachtsfeier.— Adlershof: Bismarctstr. l. Bolkstanzabend.— Bahnadarf: Wochtelstr. 1. Bolkstanzabend.— Friedrichshagen: Friedriässtr. 87("Rathaus). Weihnachtsfeier.— Lichtevberdg-Mitte: Dossestr. 22. Religion und Sozialismus. — Reu» Lichtenberg: Reichstagssitzung.— Mahlsdorf: Melanchthonstr. 63. Weihnachtsfeier.— Wittenau: Hauptstr. 18. Bub und Mädel.— Pankow(R.-F.): Kissingenstr. 48. Das Mädel in der Arbeiterjugend. Werbebezirk Mitte: Funkti�ärsitzung gemeinsam mit den Helfern der Kindcrfrevndc bei Brandls, Stralauer Str. 10. Werbebezirk Neukölln: Um 18 Uhr Sprechstunde in der Ganghoferstraße. 19 Vi Uhr Sitzung des EWBB. im Parteibüro, Fuldastraße. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Tefchäftstiell»! Berlin S M. Sebaüianftr 87—38 6#l S. St Wcißcnf««(OtlsDctcin). Mittwoch, 23. Dezember, 18 Uhr, Weih. nachisfeier im Berliner Hol. Belcheruna der erwerbslosen Käme- ----'.....-' Do(i" __________ W____________ Bei(______.____.. straßc,»in. Freitag, 25. Dezember, große Weihnachtsfeier bei Gchoncri, Runi» ''>. Beginn 16 Uhr.- fflofl''-------------- « roden.— Lichtenberg. Kameradschaft Boxhagen. Donnerstag, 24. Dezember, 17 Uhr, finden sich alle erwerbslosen Kameraden bei Stöber, Jung- Ecke Oder- straßc, ein. Freitag, 25. Dezember, große Weihnachtsfeier bei Schonert, Rum- Melsbürg, Kynaststraße. Beginn 16 Uhr.— Wasserfportabteiluug. Zug Tegel. Sonntag, 27. Dezember, Weihnachtsfeier mit Angehörigen im Bootshaus.—- Prenzlauer Berg. Kameradschaft Nordkap. Die Einäscherung des Kameraden Höppner findet Donnerstag, 10'X.. Uhr, Krematorium Gerichtstraße statt. Rege Beteiligung wird erbeten._ Freie Arbeiter Stenographen-Vereinigung Groß-Berli». Anfängerkurse in Reichskurzschrift CEinheitskurzschrift) beginnen wieder in der Woche vom 11. bis 16. Januar 1932 in folgenden Bezirken: Norden. Nordosten, 5>sten, Lichtenberg. Neukölln, Südosten. Südwesten. Die Teilnehmergebühren betragen einschließlich Lehrmaterial 10 M., für Erwerbslose 5 M. Weitere Auskunft, auch über Fort- schrittckurse, erteilt Artur Theisen, Berlin-Tegel, Brunowstr. 47, I. Verein der Thüringer, Berlin. Sonntag, 27. Dezember, 17 Uhr, im Vereins- lokol, Würzburger Hofbräu, Lindenstraß«, Weihnachtsfest. Gäste willkommen. Ardeiter.Absti»e»te»«Bund, Dezirksgruppe Schillerpark. Sonnabend. 26. De- zember(2. Feiertag), 16 Uhr, in der Gaststätte Malplaquetstr. 28 proletarische Weihnachtsfeier. l.vnkiel aw English Debating CInb» Bfllowstr. 104- Heute abend U9 Uhr, spricht Mr Will'arn W. Mann Ober das Thema:„Philosopher's Holidays in Holland". Gäste willkommen. Ein Weihnachtsspaziergaua zu Wilhelm Schnorre wird niemanden gereue«. Unser langjähriger Genosse schnorre, früher in Köpenick, später in der Pots- damer Straße in Zehlendorf(Reichsbanner- und Parteilokal), hat vor kurzem an der Berliner Chaussee in Zehlendorf, zwischen Lichterfelde und Zehlepbvrf, unweit der historischen Mühle, Ecke Winfriedstraße, ein neues, sehr eingeriditetes Lokal mit warmer Küche eröffnet. In der Nähe die große Fischtolsiedlung. Schöner Spaziergang vom und zum U�Bahnhos Llnkel Toms Hütte. r 9i. K. Weuherl: S)er unbekannte£efer Der Arbeitslose holt sich ein Buch aus der Leihbibliochek. Andere gehen in die Eckkneipe, ins Kino, auf den Rummel, er geht in die Leihbibliothek und sucht sich ein neues Buch aus. Lange sucht er. Sittengeschichten, Reisebücher, Liebesromane gehen durch seine Hände. Wie in großen Warenhäusern Bürgerfrauen in Stoffen und Tuchen wählen, suchen, um für den Preis etwas Brauchbares einzuhandeln, wählt er, noch unschlüssig, für zwei Groschen Leih- gebühr in Schicksalen. Alle sind ihm hier erreichbar, alle kann er mit- und nacherleben. Aufstieg, Untergang, Sünde, Erfolg, Glück. Ein Titel schreit ihn an.„Dieses hier!" sagt er dann plötzlich. Er hat schon viele Bücher gelesen, gut« und schlechte. Seine Augen haben einen, seltsamen Glanz davon, eine unruhige Mefe. Früher, als er sich noch über die Hobelbank beugte, waren seine Augen heller, sein Lächeln fröhlicher, unbekümmerter. Aber damals hat er auch keine Bücher gelesen. Wenn er aus der Fabrik heimkam, war er müde. Und nach dem Abendessen ging es noch wohin. Dielleicht nahm er sich Sonntag mal, wenn es draußen regnete, irgendein Buch vor, aber dann kamen andere Freunde und man spielte einen Skat. Sein Verhältnis zum Buch war wie das eines Reisenden, der immer unterwegs ist, zu irgendeinem Mädchen in einer fremden Stadt. Wenn er gerade mal durchkam, besuchte er sie. Eine feste Liebe war es nicht. Dazu gab es zuviel Ver- ein«, Billardtische, Skatbrüder, Mädchen und— Arbeit. Aber wie aus einem ursprünglich losen Verhältnis allmählich eine feste, unverbrüchlich« Bindung erwächst, erschloß sich ihm das Buch immer mehr als eine besondere Welt. Er durchstreifte sie, nicht mehr flüchtig wie ein gehetzter Reisender von Ort zu Ort, er machte lange Stationen und lernte ihre Gebirge und Täler, ihre ' Himmel und Meere kennen. Seine Hobelbank war verwaist. Viele Hobelbänke waren verwaist. Die Fabriksirenen weckten ihn nicht mehr morgens früh. Aber es gab auch keinen Zahltag mehr. Dann ging man stempeln, wie Hunderte in der Fabrik, wie Tausende in der Straße, wie Millionen in der Welt. Dann saß man in den Warteräumen der Arbeitsämter und Wohlfahrtsstellen. Und auf diesem Wege, an Kneipen. Versammlungen, verschlossenen Fabrik- toren vorbei, machte er die Bekanntschaft mit dem Buch. X Der Mann in der Leihbibliothek kennt ihn genau. Als er das erstemal zu chm kam, war er verlegen, wußte nicht recht, für welches Buch er sich entscheiden sollte. Jetzt hat er schon viele Bücher gelesen, gute und schlechte. Die literarische Vorbildung fehlt chm, gewiß, der Vater war ja nur ein armer, schlechtbezahlter Arbeiter, der ihn nur in die Volksschule hatte schicken können— aber er besitzt einen guten Instinkt, und allmählich weiß er zu Unterschechen zwischen guten und schlechten Büchern. Er weiß es mit dem ge- sunden Instinkt des unverbildeten Menschen. Von guten Büchern läßt er sich impulsiver hinreißen als klugsprechende, Form und Inhalt des Buches analysierende Intellektuelle. Kitsch und Schund aber verurteilt er schärfer als zünftige Kritiker. Er fiebert, hungert nach elementaren Begegnungen mit Menschen, die zwar hier nur im Buch leben, aber reden, handeln, leiden, fühlen wie er. Men- schen, menschlicher als die Umwelt, näher, vertrauter, aufgeschlossener durch die Kunst des Dichters. Er ist dankbar, wenn aus dem Buch der Atem des großen, drängenden Lebens ihn anweht, wenn es ihn, der abseits steht, hineinreißt in dieses Leben. Er will nichts„Leichtes". Wobei er für„leicht" oft„werllos" fetzt. Es kann nicht schwer genug sein für ihn. Er kann mit einem Satz ringen wie- Former mit glühenden Kesseln. Ein Wort bleibt für. ihn stehen, steht wie ein Stern, ein Komet am Firmament, glüht, strahlt, leuchtet und bricht plötzlich funkenstäubend ausein- ander. Er kann mit den Zähnen knirschen, mit der Faust auf den Tisch schlagen, vom Stuhl aufspringen und die Stirn am Fenster- glas kühlen. Er kann auch laut auflachen und. ein paar Seiten später— auf seine Art weinen. Seihe Art: zwei zage Tränen. Ein Griff zum Kragen, als säße der Binder schief. Eine inner- liche Ansprache: Mensch, du bist doch ein Mann! Und das ist doch bloß ein Buch! Zwei zage Tränen werden verschluckt... * Wenn man diesen Leser fragt, kann er gewiß keine literarischen Definitionen geben, aber es genügt, es würde manchem anspruchs- vollen Autor genügen, wenn er vom Buch aufsteht und die Augen in eine gezauberte Landschaft richtet oder ganz einfach konstatiert: „So ist es wirklich. So ist es!" Oder, leiser:„So mühte es sein!" 'k Manchmal möchte er antworten. Er, der unbekannte Leser, dem großen Dichter. Er hat versucht, Briefe zu schreiben, wirre. klare, dumme, kluge Briefe, wenn er erfüllt war von einem Buch. Aber er hat solche Briefe-nie abgeschickt. Entweder wußte er die Adresie nicht oder der Dichter, dessen Buch ihn fesselte, erschütterte, anregte, war längst tot. Wenn er es noch nicht wußte, sagte es chm der Buchhändler. Andere Dichter lebten im Auslande oder waren Unbekannte, fast wie er, Verschollene. Ja, manchmal möchte er antworten. Manchmal möchte er mit anderen Menschen sprechen als mit mürrischen Zimmeroermieterinnen, unzufriedenen, arbeitslosen Kol- legen, kontrollierenden Wohlfahrtsbeamten, Mädchen auf der Straße. Und von anderen Dingen möchte er sprechen als von Miete, Schuh- sohlen. Schneeschippen und dem Essen in der Volksküche. Aber er ist und bleibt der unbekannte Leser. Kein Dichter weiß von ihm. Niemals tritt er heraus aus der stummen Reihe der Dankbaren und Ergriffenen, deren Dankbarster und Ergriffenster er ist. Irgendwo ist er einer der letzten in dieser Reche. Klein, verlegen, oersorgt, vergrübelt. Vielleicht würde ihn der erfolgreiche Dichter gar nicht anhören, gar nicht seinen Brief lesen, denn es kommen ja so viele zu ihm, schreiben ihm Briefe, telephonieren. Film- und Vllhnendirektoren. Verleger, Literaturpreisträger, Banklersgattinnen, Schauspiele- rinnen... Vielleicht aber wartet irgendwo in der Welt«in junger, zweifelnder Dichter auf diese Stimme. Vielleicht hätte sie einen Dichter geweckt, einen Menschen gerettet oder— immerhin— eine einzige frohe Stunde bereitet. Kuli um Qurdus: 8heicheidimgsproseeS!e in der Sowjetunion Im westeuropäischen Sinne gibt es eigentlich gar keine Ehe- fcheidungsprozesse m der Sowjetunion. Das Scheiden geht noch leichter als das Heiraten und wird von jedem Polizeirevier, in kleineren Städten sogar vom Postamt, innerhalb fünf Minuten er- ledigt. Ein kurzer Federstrich des Beamten im Paß und schon ist ein Sowjetbürger verheiratet oder geschieden. Früher konnte man sich monatlich viermal verheiraten und wieder scheiden lassen. Das wurde aber den Sowjetbehörden zuviel. So erließ man neue Be- stimmungen, nach denen zwischen Scheidung und neuer Heirat ein halbes Jahr verstreichen muß. Die neuen Verfügungen bestimmen aber auch, daß bei der Scheidungsprozedur wenigstens ein kleiner Scheidungsgrund genannt wird. Das ist aber reine Formsache und noch nie ist eine Scheidung wegen Grundlosigkeit abgelehnt worden. Vor dem Tisch des Polizeibeamten treten die Eheleute, oft auch die Frau allein mit einer Einverständniserklärung des Mannes(inter- esiant ist es, daß die Frauen meistens auf Scheidung drängen) und bitten um den Paßvermsrk:„geschieden". Der Beamte fragt kurz: Gruird? Meistens hörte man dann dieselbe Antwort: Der Mann säuft. Das ist ein sehr großer Scheidungsgrund. Oft aber gibt die Frau oder der Mann zu. daß ihr ein anderer oder ihm eine andere gefällt Der Beamte nickt und sagt nur-„Nach den neuen Be- stimmungen müssen Sie aber ein halbes Jahr bis zur Wiedervcr- heiratung warten." Viele Frauen wollen aber auch die Scheidung, weil sie ihren Mann verdächtigen, nicht 100 Prozent Kommunist zu sein. Politische Gründe bei Scheidungen sind besonders aus schlaggebend. Da kommt eine Frau und verlangt Scheidung, weil ihr Mann zu Hause scharfe Kritik an den Sowjets übt. Hier wird die Scheidung nicht nur innerhalb einer halben Minute aus- gesprochen, sondern eine kleine Notiz über den Fall auch der po litischen Polizei übergeben. Eine andere Frau beschwebt sich über die Abstammung ihres Mannes. Sie hatte geglaubt, einen Bolsche wiken zu heiraten und hat erst jetzt erfahren, daß ihr Mann aus einer Kaufmannsfamllie stammt. Scheidung,— Scheidung sofort. Männer kommen und verlangen geschieden zu werden, weil 3>eter Wlaggi: 3)te»/f 1*111111 kauft ein „Darf«es etwas fein?" fragt die Verkäuferin hinter dem Ladentisch. Erst dreht sie mit dem Schlüssel das Uhrwerk, das dem Elefanten als Eingeweide dient, auf, bis dessen Herz zu schlagen beginnt, die paar Schläge, die nötig sind, um die Beine in Be- wegung zu setzen, zwanzig Schritt lang, einen halben Meter. Sie setzt das kleine graue Tier, das noch in dieser Winzigkeit etwas von der oormenfchlichen Plumpheit an sich hat, auf die Tischplatte, und nun bewegen sich die kleinen Beine, richtig eins nach dem anderen, die dazu dienen, zwischen den lärmenden Militärparaden der tönenden Wochenschauen, für Wwechslungen zu sorgen... uffah! Wie eine Kinderwärterin, die— den Gästen zuliebe— gezwungen ist, den ihr anvertrauten Zögling zu quälen,—„na, willst du denn-der Tante nicht das hübsche Gedicht aufsagen?"— beachtet sie den faulen Gang des Tieres, das hastig seine Pflicht erfüllt. Sie schämt sich für das Kind, das vor allen Passanten seine Not verrichten muß. Ohne den Blick zu heben, leiert sie ihre armselige, einfältige Frage vor sich hin:„Darf es etwas sein?" So rufen die schattenhaften Zeitungsausruser, die nichts mehr sind als Stimmen:„Bee-Zett-am-Mittack",„Das Achtuhr-Aamtblatt",„Die Welt am Aamo"... Aber noch etwas anderes klingt hier mit, eine leise schwingende Bellelmelodie: Sie bettelt! Ja, sie bettelt! Als wäre es chr Eigenstes, das sie gezwungen sind feilzubieten in diesem Warenhaus, betteln all diese müden Verkäuferinnen:„Darf es etwas sein?" Nein, liebes Fräulein, es dars nichts sein. Geben Sie es auf, zu rufen, legen Sie ihren Elefanten zurück m die Schachtel, ruhen Sie.sich aup! Es hat keinen Zweck, es darf nichts sein! Gucken Sie doch mal aus, mein armes Fräulein, haben Sie doch keine Angst, Sie müssen sich nicht schämen mit ihrem grauen Zwerg, wir sind ja nicht feindliche Käufer rings um ihren Tisch,— wir sind wie Sie! Haben Sie sich denn einen Elefanten gekauft, richtig für sich, um ihn nach Hause zu tragen, auf die Kommode zu stellen, für Sonntagnachnüttag, wenn der Freund kommt oder die Kleine von der Wirtin daheim ist? Und wir— was können wir? Wir sind arbeitslos. Wir haben... ja, wir haben Zeit, nichts als Zeit. Und hier ist's warm, Fräulein, hier ist's wie im Kino, zu dem es schon nicht mehr reicht bei uns. Hier leuchten Hunderte von Birnen, hier wimmelt es von Menschen, hier ist Betrieb, Betrieb. Da kommen wir her, seit unserer still liegt. Da sehen wir die Pracht. das Leben, den Reichtum, es ist alles so sehr sorglos hier, bei Ihrem Elefanten, mein.Fräulein. Aber kaufen? Ausgeschlossen! Wir sind es, Ausgeschlossene, wo wir auch sind. Aber seien Sie uns deshalb nicht böse. Es ist ja für die Kinder, sehen Sie, hier meine Göre, die kann doch nichts dafür... Sie alle können nichts dafür. Sie drängen sich in den engen Gängen zwischen den Tischen, auf denen der Reichtum aufgebaut liegt, ein Reichtum zu ermäßigten Preisen. Ja, unter den Selbst- tosten— wegen der Konkurrenz, ein Reichtum, an dem man besten- falls zugrunde geht.— Was sind da» für Menschen? Die Männer sind durchweg mager, schwächlich, mst tiefen, eingefallenen Augen und Händen, die aus lauten dicken Knoten geknüpft sind. Wie balbwüchsiae Knaben sind sie. trotz der feuchten, blonden Schnurr- bärte, an denen sich die Kälte in glitzernden Tropfen festklammert. Es ist der jämmerliche Anblick wilder Tiere, die gelähmt und tod- müde an der offenen Käfigstür hocken. Dieses Stillsein ist be- drückend. Aber sie haben ja Zeit, Zeit... Und die Frauen: farblos und unterernährt,— aber die Form ist ihren Körpern geblieben, wie einem verdorrten Eichenstamme, der noch im Tode mächtig aus der Erde ragt. Groß sind sie, um einen Kopf größer als diese Männer, die aus den Fabriken und Büros zurückgekehrt sind wie Kinder aus der Schule, mit schlechten Noten und einem schlechten Gewissen, das einer Mutter Schutz bedarf. Breit sind sie, diese Frauenkörper ohne Nahrung, die den letzten Damm vor dem Untergang bilden für Männer, die keine Männer mehr sind, trotz der Cnergiefalle, die sie sich aus Autoritätsgründen zu bewahren suchen; für diese Kinder, mit denen sie gesegnet gingen, neun schwere Monat« lang, um sie mit dem Fluch dieses Lebens zu beladen, noch ehe sie die ersten Worte stammeln konnten. Hart sind die Gesichter, hart die Stimmen, streng und hart ist die Haltung dieser Frauen-Mütter, hart wie Eis ist die Kruste, mit der sie sich umgeben, um die leidende Wärme zu schützen, deren so viele be- dürfen. Und Kinder sind da. Die kleinsten, bei denen die neun Monate Mutterwärme noch vorhalten wie ein Wunder, mit roten Bäckchen trotten sie umher, mit großen Augen, die noch glänzen können. Die der größeren sind schon stumpf, lange ruhen die Blicke aus jedem Gegenstand, aber sie erfassen ihn nicht. Draußen ist die Kälte, hier ist es warm. Daheim ist die Armut, hier der Glanz. Was ist das für ein Glanz'? Verlegen versucht der Vater, dem Kinde die�und jenes zu erklären,—„da, guck mal, Irmgard, guck mal den Elefanten an. Das ist ein Elefant, ist das. Guck mal, er läuft..." Die Mutter weiß nur eines: Nicht berühren!„Nicht anfassen, hörst du, Ernst, hörst du, was ich sage, du sollst das nicht anfassen!" Sie dürfen es nicht anfassen, es ist nicht für sie. Sie dürfen sich hier durchzwängeü, das kann ihnen keiner verwehren, Kunden sind Kunden, auch wenn sie keine sind. Das Warenhaus ist groß, natürlich, und es gibt viel zu sehen, aber in der Konfektions- abteilung kommt man sich wie ein Dieb vor und zu den Eßwaren geht man besser nicht hin, es ist nicht gesund so auf nüchternen Magen... Man mutz ans Nachhaufegehen denken.„Maxe, komm, pah du auf Irmgard auf, Irmgard, gib dem Bater die Hand— wo gehts hinaus, wo ist der— siehst du. wo der Ausgang ist, Max?" Man muß gehen. Man kann nicht ewig hier herumstehen. Morgen kann man wiederkommen, übermorgen, die ganz« Weih- nachtszeit über. Da haben die Kinder wenigstens etwas von Weih- nachten. Aber jetzt— myn füllt nur Gänge, andere Leute wollen auch ran, man ist im Wege, den anderen, dem Fräulein, den Kindern, sich, der ganzen Stadt, der ganzen Welt.. „Darf es etwas fein?" jammert das Fräulein, und diese heulende Grimasse in dem müden Gesicht soll ein Kundendienst- lächeln sein.„Es darf nichts fein, Fräulein! Nicht heute. Noch nicht heut«. Morgen, viellei-ht morgen... ihre Frau schlecht koche und das ganze Essen verderbe. Da fragt der Polizeibeamte: „Ja. Genosse, können Sie nicht in der Werkskantine essen, sonst haben Sie doch nichts gegen ihre Frau?" „Nein, meine Frau ist sonst sehr verträglich, aber essen mutz ich zu Hause und bis sie kochen lernt, habe ich einen kranken Magen!" Scheidung. Es tut nicht zur Sache, daß wegen der Wohnungs- not die Geschiedenen doch weiter zusammenleben müssen! Vertagung oder Aufschub von Scheidungen gibt es nicht Es muh auf alle Fälle geschieden werden, und zwar in drei Minuten. Schuldsrage kennt man auch nicht: wie kommt es also, daß trotzdem die bürgerlichen Sowjetgerichte nichts anderes zu tun haben als Urteile in Scheidungsprozessen zu sprechen? Wie kommt es. daß trotz des schnellen reibungslosen Scheidens jeder dritte Fall doch noch vor das Sowjetgericht kommt? Diese Prozesse in der Sowjetunion sind keine Scheidungspro- zesse, sondern Prozesse um Alimente! Der Staat macht zwar große Propaganda für Geburtenregelung, aber die wenigsten Sowjetehen bleiben kinderlos. Und wenn geschieden wird, nimmt sich zwar der Staat der Kinder an, aber Alimente müssen bezahlt werden. Daher kommen die vielen Prozesse, in denen immer der Mann Alimente aufgebrummt bekommt. Es ist festgestellt worden, daß ZS Prozent der Moskauer Jungarbeiter Alimente bezahlen müssen, in vielen Städten ist der Prozentsatz noch höher! Bezeichnend ist es, daß auf den Lohntüten der Sowjetarbeiter gleich vorgedruckt neben so- zialen Abgaben und Steuer steht:„Abzüge für Alimente"— und bei den wenigsten ist dieser Platz am Lohntag leer! Ost beweist der Mann, daß das Kind gar nicht von chm sein kann, wenn aber der richtige Vater nicht aufzutreiben ist, wird er doch zur Zahlung der Alimente verurteilt, denn der Staat braucht Geld. Ein Sowjet- jurist sagte kürzlich:„Unsere Gerichte sind bei Scheidungssachen den USA.-Richtern sehr ähnlich— immer hat die Frau und der Staat recht!" Ein interessanter sowjetischer Fall ist wert, erzählt zu werden. Ein Arbeiterehepaar lebte in Moskau in bester Ehe. Nur be- trübte die Leute ihre Kinderlosigkeit Als der Mann, der sehr kinderliebend war, erfuhr, daß er daran schuld war, bat er seine Frau, von irgend jemanden ein Kind zu bekommen. Nie würde er sie stagen, von wem das Kind wäre; im übrigen wäre alles nur ein Vorurtell und er würde das fremde Kind wie fein eigenes lieben Die Frau ließ sich überreden und das Kind von einem fremden Mann kam Zunächst hielt auch der Mann sein Wort, dann aber wurde er eifersüchtig und quälte die Frau, ihm zu sagen, von wem das Kind wäre. Sofort ließ sich die Frau scheiden und klagte auf Alimente. Vor Gericht weigerte sich der Mann Alimente anzuerkennen, da das Kind ja nicht von ihm wäre, gab ober zu, daß es auf seinen Willen gezeugt worden ist Der Richter fragte die Frau nach dem Namen des richtigen Vaters. Die Arbeiterfrau aber weigerte sich den Namen zu nennen. da der Vater ihres Kindes in glücklicher Ehe lebe, die sie nicht zer- stören wolle. Das Gericht erkannte diese Gründe an und sagte, daß es auf alle Fälle den Ehemann zur Zahlung der Alimente verur- teilt hätte, weil er seine Frau zu ihrem Schritt bewogen hat; es spiele dabei keine Rolle, ob das Kind von chm sei. So wurde der Mann zur Zahlung der Alimente für das Kind eines anderen ver- urteilt. Dieses eigentlich doch gerechte Urtell hat in der Sowjet- öffentlichkeit(am meisten unter den Männern) große Aufregung verursacht. Das Urteil wird zwar anerkannt, aber man befürchtet. daß da ein rechtlicher Grundsatz durchbrochen wurde. Ein Mann wurde verurteilt, Alimente für ein fremdes Kind zu zahlen Nur diese Tätsache sehen die von allen Gerichten gehetzten Männer der Sowjetunion und erwarten weitere Fortentwicklung der Gerichte in dieser Richtung, denn'der Staat braucht Geld! Die Befürchtungen der Sowjetbürger scheinen wirklich nicht ganz unbegründet, denn gleich nach diesem gerechten Moskauer Ur- teil traf die Nachricht von einem weniger gerechten Urteilsspruch aus Kiew ein. Dort wurde ein Mann zur Zahlung der Alimente für das Kind seiner Frau verurteilt, trotzdem sie zugab, das Kind sei von einem anderen, ihr Mann hätte sie immer allein gelassen und da habe sie andere Gesellschaft gesucht! Schon hatte der Mann für das häufige Ausgehen den Alimenteabzug auf der Lohntüte! Schnecken prüfen verfeuchtes Wasser. Ebenso wie Kanarien- vogel sehr empfindlich gegen die in den Bergwerken entstehendcn Giftgase sind, und daher manchmal als..Luftprüfer" verwendet werden, reagieren Wasserschnecken sehr schnell auf Verunreinigungen eines Gewässers. Nun sind viele der amerikanischen Mineralgräber während ihrer Arbeit und auf ihren weiten einsamen Wanderungen auf das Wasser, das in Wasserlöchern oder Tümpeln auftritt, an- gewiesen, doch enthält dieses Wasser krankheitserregende Bakterien oder giftige Mineralbeimischungen. Um sich also zu vergewissern. ob ein Wasser trinkbar ist oder nicht, nehmen die Leute auf ihren Zügen immer auch Wasserschnecken mst und setzen, wenn sie auf zweifelhaftes Wasser treffen, eine Schnecke in ein mst diesem Wasser gefülltes Glas. Bleibt die Schnecke länger als ein« halbe Stunde am Leben, so ist dies ein sicherer Beweis, daß das Wasser trinkbar ist. Das Taschentuch kam zuerst in Venedig auf. Im IS. Jahr- hundert. In der Mitte des 17. Jahrhunderts wurde es in Deutsch- land eingeführt. Damals diente es als Luxusartikel. Mit der Verfeinerung der Sitten wurde es Gebrauchsgegenstand. Sohlköpfigkeil kommt in den Städten häufiger vor als auf dem Land« und unter Kopfarbeitern mehr als bei Handarbeitern. Gegen unmenschliche Härten. Gewerkschaftliche Kordemngen zur Aoiverordnung. D«r christliche Deutsche Gewerkschaftsbund hat an sie Reichsregierung ein« Eingab« gerichtet, m der er die Forde- rungen zusammenfaßt, die auf Abänderung der Notnerordnung vom 8. Dezember hinzielen. An erster Stelle wird die Beseitigung der Ausnahmebestimmung gefordert, die die Arbeiter im Kohlen- und Kalibergbau trifft, für die bekanntlich die Löhn« um 10 oder 15 Prozent gesenkt werden, ganz gleich, wie tief dadurch dos Lohnniveau herabge'oriickt wird. In einer Konferenz, die gestern in Dortmund stattfand, hat auch Genosse L u s e m a n n, der Vorsitzend« des Vergbati- Jndustriearbeiter-Verbandes, gegenüber dem Reichsarbeitsminister Stegerwald diese Forderung erhoben und dabei darauf hm- gewiesen, daß durch die Notverordnung die Löhne der Bergarbeiter bis auf die Sätze der Wohlfahrtsunterstützung, teilweise sogar noch darunter gedrückt worden sind. Der Reichs- arbeitsminister hat jedoch erklärt, daß diese Bestimmung der Not- Verordnung nicht rückgängig gemacht werden könne, weil sonst die .Kohlenpreise nicht um 10 Prozent gesenkt werden würden. Das ist ein ganz unhaltbarer Standpunkt. Die Reichsrcgie- rung wird, früher oder später, gezwungen sein, diese unmenschliche Mahuahme rückgängig zu wachen. Weiter fordert de? christliche Deutsch« Gewerkschaftsbund, daß auch für die Arbeiter der öffentlichen Betriebe der W. Januar 1927 als unterste Grenze der Lohnsenkung festgesetzt werden soll. Der DGB. weist auf die besonderen Härten hin, die infolge des schematischen Lohnabbaues bei Kurzarbeit ent- stehen, und fordert schließlich die Einsetzung einer paritätischen In- stanz zur Prüfung der Selbstkosten und Rentabilität des Berg. b a u e s. Der DGB erhebt weiter Einspruch gegen die Eingriffe in die Sozialvkrsich«rung. Es müsle vor allen Dingen eine Uebergangszelt festgesetzt werden. Wetter weist der DGB in seiner Eingabe darauf hin, daß die Beseitigung der Verletzten- remen bis zu 29 Prozent in der U n f a l l o e r f i ch e r u n g un- gerechtfertigt ist. und daß die Gefahr besteht, auch bei größeren Körperschäden eine Schädigung van 20 Prozent festzustellen. Die Eingabe nimmt dann Stellung gegen den L s i st u n g s- ab bau in der Invaliden- und Angestelltenocrsichcrung und kriti- siert die Senkung der Reubaumieten, die«ine nur sehr geringfügige Entlastung bringt, die m keinem angemessenen Verhältnis zu der Senkung von Löhnen und Gehältern steht. In allen von uns hier angeführten Forderungen des DGB. sind sich all« Gewerkschaften einig. Es handelt sich hier in erster Linie darum, Unmenschlichkeiten und unerträg- lich« Härten, du sich aus der Notverordnung ergeben, zu be- jeitigen. Di« Regierung wird diese allzu großen Härten beseitigen müssen, wenn sie nicht ihr ganzes Werk in Frage stellen will. Die Meiallarbeiter proiestieren. Die Funktionär« der Arbeiter aus den Betrieben des VBMI. beschäftigten sich am Montagabend in den Kammersälen mit der zwangsweisen Festsetzung der Berliner Metallarbeiter- löhn« auf Grund der Notverordnung. Im Austrage des Metallkartells schilderte Genosse U r i ch den Verlauf der Verhandlungen mit den Unternehmern und vor dem Schlichter, bei denen die Gewerkschaftsvertreter alles aufwandten, um die verhängnisvollen Folgen der Lohnabbaubestimmungen der Notverordnung für die Berliner Metallarbeiter zu mildern. Hinsicht- lich der am schlechtesten bezahlten Arbeiter in der Berliner Metall- industrie, der Hilfsarbeiter, gelang ihnen das leider nicht, weil dazu die Notverordnung keine Handhabe bot. Bei der Neufestsetzung der F a ch a r b« i t e r l ö h n e hat der Schlichter, well ihm die Notverordnung dazu die Möglichkeit gab, eine Entscheidung getroffen, die die tatsächlichen Verdienste der Fach- arbeitet zu Anfang des Jahres 1927 berücksichtigt. Mit dieser Ent- schetdung, die von den Facharbeitern wenigstens einen Teil des Un- Heils der Notverordnung abwendet, hat der Schlichter auf der einen Seite den Zorn der Kommunisten und auf der anderen den der Mctallindustriellen erregt. Wie verlautet, will der VBMI. gegen den Schlichter ein Feststellungsverfahren einleiten, weil er nach seiner Auffassung angeblich die Befugnisse überschritten habe, die ihm nach der Notverordnung zustehen. Die RGO. dagegen schreit nach„Kampfbeschlüsscn' der Belegschaften, beschränkt sich selbst aber auf papierene Protest« und richtet an die Funktionäre der gewerkschaftlich organisierten Metallarbeiter die Aufforderung, daß sie die Kampfbeschlüsse fassen sollen. Die Gewerkschaften lassen sich weder von den Manövern der Metallindustriellen, noch von denen der RGO. beirren. Die Rot- Verordnung ist den Gewerkschaften aufgezwungen worden. Eine parlamentarische Möglichkeit, an ihre Stelle etwas Besseres zu setzen, besteht infolge der politischen Zerklüftung der deutschen Arbeiterschaft leider nicht. llngeachkei der Zweifel, die die Gewerkschaften an dem Erfolg der Preissenkungsokiion der Regierung haben, werden sie mit allem Rachdruck verlangen, dah von der Regierung olles getan wird, um diesen plan zu verwirklichen. Am 30. April läuft die Mehrzahl aller Tarifverträge auf Grund der Notverordnung in Deutschland ab. Es gilt jetzt, dafür zu sargen, daß die Gewerkschaften an diesem Tage unerschüttert dastehen. In der Diskussion kam eine ungeheure Empörung über den unerträglichen Lohnabbau in der Berliner Metallindustrie auf Grund der Notoerordnung zum Ausdruck. Wenn auch die harten Wort«, die in der oftmals leidenschaftlich geführten Debatte gegen die verantwortlichen Gewerkschafts- und Parteiinstanzen fielen, unange- bracht und vor allem ungerecht waren, so kann man sie durchaus verstehen. Einem Hilfsarbeiter mit Frau und Kindern, der nach dem 1. Januar bei 32stündiger Arbeitszeit mit 16 Mark Netto- wachen verdienst nach Hause kommt, kann man ebensowenig wie der Arbeiterin, die bei der gleichen Arbeitszeit elf Mark am Zahltage erhält, zumuten, noch logische Ueberlegungen anzustellen. So erregt die Debatte auch teilweise war, darf mit Genugtuung fest- gestellt werden, daß die Funktionäre sich fast einmütig den un- sinnigen Streikparolen der RGO. gegenüber ablehnend verhielten. Was verdient derLandarbeiier? Eine Erhebung des Landarbeiterverbandes. Der Deutsche Landarbeiterverband hat für die Zeit vom 1. Juli 1929 bis zum 30. Juni 1930 eine Erhebung über die Lebenshaltung und die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der deutschen Landarbeiter vorgenommen, deren Ergebnis jetzt, in einer Broschüre zusammen- gefaßt, vorliegt.*) Schon an sich ist die Tatsache erfreulich, daß es gelungen ist, 145 Landarbeiterfamilien zu veranlassen, ein ggnzes Jahr hindurch ihr« Einnahmen und Ausgaben aufzuzeichnen und so «in vollständig einwandsteies Material zur Beurteilung ihrer Loge beizubringen. Weniger erfreulich sind leider die Ergebnisse der Um- frag«, obwohl es sich dabei um solche Landarbeiter handelt, die nach der Auffassung der landwirtschaftlichen Unternehmer uuker den günstigsten Bedingungen arbeiten. 131 Haushalte haben eine Werkswohnung und betreiben neben ihrer Arbeit auf dem Gutshof noch eine Eigen- Wirtschaft. 13 Haushaltsvorständc befanden sich als Auf- seher, Gutshandwerker, Maschinisten oder M o t o r- pflugführer in gehobener Stellung: ihr Tortswhn liegt im Durchschnitt etwa 15 Proz. höher als der Lohn der gewöhnlichen Deputanten. Diese höheren Lohnsätze, wie auch die Pauschalentschädi- gung der 38 an der Erhebung beteiligten Geschirrführer für Füttern und Pflege der Pferde wirken sich natürlich auf das Gesamtresultat der Erhebung günstig aus. Zu den 145 Haushaltungen gehören insgesamt 74l Personen, darunter 328 Kinde? unter 14 Jahren, von denen wiederum 29 in der Landwirtschaft tätig sind, Bon den 145 Ehefrauen waren III erwerbstätig, davon 73,8 Proz. in der Landwirtschaft. Aus jcden Haushalt kommen im Durchschnitt 5,11 Personen. 2,26 Kinder sind die Durchschnittszahl für jeden Haushalt. Diese Kindcrzahl ist verhältnismäßig hoch, wenn man berücksichtigt, daß das Durchschnittsalter der Haushaltsvorständ« zur Zeit der Erhebung 42,2 Jahre beträgt. Die durchschnittliche Zahreslohnsumme der Haushaltungsoorstände schwankt in den einzelnen Landesteilen zwischen 267,85 in Pommern und 1465,81 in Württemberg, wobei allerdings zu berücksichtigen ist, daß in Württemberg neben dem Barlohn keine Naturalentlohnung besteht, so daß die Höchstgrenze des Barlohnes eigenttich in Bayern mit 1189,76 Mark liegt. Dieser Barlohn setzt sich zusammen au- der Bezahlung der Lohn- und Akkordstunden, Ueberstundcn, Sonn- tagsarbeit. Entschädigung für Handwerkszeug, Pferdepfleg«, Prä- mienlahn und Erntezulags. Der Anteil des Raturallohnes der Haushallungsvarsldnde an Ihrem Gesamtlohn ist am höchsten in Pommern mit SZ,7 Proz. und am niedrigsten in Bayern mit 22,3 Proz. Rechnet *) Di« Lebenshaltuno, Lohn- und Arbeitsverhältnisse von 145 deutschen Landarbeitersamilien. Verlag Cnckehaus G. m. b. H., Berlin SW. 48. Enckestraße 6. Preis 4 M. man die Naturalentlohnung der Haushastungsvorständc zu ihrem Barlohn hinzu, so ergibt sich im Durchschnitt für die Haushaltungs» vorstände ein Jahresverdlenst zwischen 1080 Mark(Pommern) und 1482 Mark(Bayern). Don diesen kargen Löhnen der Haushaltungs- vorstände allein könnten die Landarbeitersamilien nicht existieren. Der verheiratet« Landarbeiter ist aus die Milarbcll der(Ehefrau und der übrigen Mitglieder des Haushaltes an- gewiesen, sowie auf den Erlös ihrer Nebenarbeit in der Eigcnwirt- schaft und auf sonstig« Nebenverdienste. Erst unter Berücksichtigung dieser Umstände insgesamt ergibt sich in der Erhebung des Landarbcitervcrbandes im gehobenen Durchschnitt ein Zahreseinkommen von 2417 Mark pro Haushalt. Dafür sind durchschnittlich 2,6 Personen pro Haushalt für einen Gutehof berufstätig und fast alle Familienmitglieder in der Eigen- Wirtschaft. Bei solch geringem Einkommen ist es nicht verwunder- lich, wenn in einem Landarbeiterhaushalt durchschnittlich von den Gesamtjahresausgaben nur 1,4 Prozent auf B i l d u n g s- zwecke, Schulgeld, Schulbücher und Zeitungen entfallen. Die Schrift des Deutschen Londarbeiierverbandes enthält noch andere interessante Angaben über die A r b e i t s z e i t in der Land- Wirtschaft, die Wohnverhältnisse usw., auf die hier nicht näher eingegangen werden kann. Jedenfalls zeigt das Ergebnis neben dem Clendsleben der deutschen Landarbeiter zugleich auch die Ursachen der Landfluchl, über die sich die Landwirtschaft so bitter betlagt. Wenn man schließ- lich noch in Rechnung stellt, daß seit dem Abschluß dieser Erhebung am 1. Juli 1930 die Lohndruckleuche auch die Landarbeiterschast nicht verschont hat, die Einkommensvcrhältnisse also heute noch weit schlechter sind, kann man sich nach der Lektüre dieser Broschüre ein Bild davon machen, wie es um das Wohl der deutschen Land- arbeiter zur Zeit bestellt sein mag. Was soll in Mansfeld werden? Die Löhne sind seit 1930 um 25 Prozent gekürzt. Im Mansselder Bezirk sind die Lohnoerhandlungen gescheitert. Die Gewerkschaften machten darauf aufmerksam, daß hier nach den Lohnkürzungen um 25 Proz. der Notverordnung vollauf Genüge geschehen sei. Der Schlichter lzot jetzt zu entscheiden, Hochkonjunktur beim Schlichter. Vämtlich« Verhandlungen über die Neufestsetzung der Löhne, dde in den Reichstarifverträgen des Buchbinder- gewerbes oerembart sind und auf Grund der Natvervrdnung neu festgesetzt werden müssen, sind gescheitert. Die Unter- nehmer bestanden hartnäckig auf den schematischen Lohnabbau, den die Notverordnung vorsieht und lehnten oll« Einwände der Gewerkschaftsvertreter hinsichtlich der Unmöglichkeit dieser schemoti- ichen Regelung als nicht stichhaltig ab. Die endgültige Entscheidung über die Neufestsetzung der Löhne fällt also auch im Buchbindcrgcwerbe einem Schlichter zu. Bereits heute, Mittwoch, finden im Rcichsarbeitsmimsterimn die ersten Berhandlungen statt, und zwar für die Kartonnagenindustrie und für die Arbeiter, die unter den sogenannten Api-Taris fallen, also in Betrieben des Arbeitgebcroerbandez der papierverarbcitcnden Industrie beschäftigt sind. Aicht einmal Aushilfsarbeit! Weil Arbeitsziitverlängerung im Schlachthof. Man schreibt uns: Die Direktion des Städtischen Schlacht- Hofes hat für den 18., 19. und 22. Dezember eine Berlänge- rung der Schlachtzeiten um je eine bis zwei Stun- den angeordnet. Das bedeutet eine dcmentsprechendc Arbeits- Zeitverlängerung für die in den Engrosschlächtereien Be- schäftigten und Ausschaltung von Berdienstmöglichkeiten für Arbeits- lose. Die Engrosschlächtermeistcr ersparen die A u s h i l f s- beschäftigung arbeitsloser Gesellen mit 5iilfe städtischer Behörden. Daß man am 23. und 24, Dezember eine Kürzung der Schlachtzeiten eintreten läßt, bedeutet gar nichts, da an diesen Tagen sowieso nicht viel geschlachtet wird und von den Beschästigten noch viele Uebcrarbcits stunden abzu- gelten fmd. Wann endlich wird die Direktion des Schlachthofes bei ihren Maßnahmen auch einmal soziale Gesichtspunkte berücksichtigen? „Arbesterrat und RGO.-Mehrheii" Wahr ist vielmehr... Der kommunistische Arbeiterratsvorsitzsnde und seine kom» immiftischcn Arbeiteratskollegen der Firma Ullstein schicken uns folgende Berichtigung zu dem in Nr. 573 erschienenen Artikel „Arbeiterrat mit RGO,-Mehrheit':. „1. Es ist unwahr, daß die NGO, im Arbeiterrat Ullstein die Mehrheit hat. Wahr ist vielmehr� daß Stimmengleichheit besteht, 2, Es ist unwahr, daß das cntlais-nc REO.-Mitglied W. versucht hat, die Arbeiterräte der RGO. zv entlarven Wahr ist vielmehr, daß das entlassene RGO.-Mitgliev W. die Arbeiterrätc der frei- gewerkschastlichen List« verklagt HS?, weil sie nach seiner Meinung seinen Einspruch nicht sachlich behandelt haben. 3. Es ist unwahr, dah der Kläger W. behauptet hat, der Vorsitzende des Arbcrterratcs habe seine Entlassung gefordert. Wahr ist vielmehr, daß der Vor- sitzende des Arbeiterrates der RGO. angehört und gemeinsam mit den übrigen Mitgliedern der RGO. im Arbeiterrat oem Einspruch zugestimmt hat. Wahr ist weiter, daß diese Behauptung des Klägers gegen ein Mitglied des Arbeiterrates erhoben wurde, das der SPD. angehört," Wahr ist vielmehr, daß diese Behauptung des kommunistischen Klägers sich als Schwindel erwiesen hat und daß der Kläger und mit ihm die„große Aktion" der RGO. bei Ullstein kläglich eingebrochen ist. Die kommunistischen Arbciterratsmitglicder haben mit dieser einen Blamage nicht genug gehabt, weshalb sie sie nochmals angeprangert sehen möchten. Diesen Gefallen haben wir ihnen hiermit geleistet. Die unwesentlichen Unrichtigkeiten der Notiz hatten wir übrigens selbst berichtgt. Llm die Eisenbahnerlöhne in LtGA. Aussperrungsdrohung, um Lohnsenkung zu erzwingen. Rem park. 22. Dezember.' Nach einer Meldung aus Chikago wurde den Mitgliedern der amerikanischen Eisenbahngewerkschasten eine förmliche Kündi- gung mit 30 Tagen Frist zugestellt, falls sie sich nicht mit einem Lohnabbau von 15 Prozent einverstanden erklären. Bon dieser Herabsetzung werden Hunderttausende von Eisenbahnern be- troffen. i 5 proz. Gehaliskürzung im VersicherungSgewerbe In Ausführung der Notverordnung vom 8. Dezember ist durch einen vom Reichsarbeitsministerium bestellten Sonderschlichter sol- gender Schiedsspruch im Versicherungsgewerbe gefällt worden: Die Gehälter der Versicherungsangestellten werden um 15 Pro-- zent gekürzt: ungekürzt bleiben hierbei die sozialen Zu- lagen und die Spesensätze. Der Textilarbeiierstreik in Twente. Der Streik im Industriegebiet von Twente hat jetzt ein« weitere Ausdehnung erfahren. In Ensch« de, in den Fabriten der Firma Imuimk, einer der größten holländischen Textilunter- nehnumgen, hat die gesamte etwa 1000 Köpfe umfassende Belegschaft die Arbeit niedergelegt. In den Fabriken des Twente? Industriebezirks, in denen noch gearbeitet wird, sind insgesamt noch 3000 Arbeiter beschäftigt. tftreie Gewerkschasts-Zugend Berlin Hcittt, 19'� Uiir, tagen die Gruppen: Baumlchulenweg! Jugendheim Kaumschulenwcg, Ernstltr. 1». Warum Berufsberatung?— Weihexfee: Gruppenheim Weißense«, Parkstr, 36. Wir feiern Weihnachten.— Hum- baldthain:?ugendhcl»> Graun- Ecke Lortzingstrahr, Weihnachtsfeier nach unserer Art,— tHardring: Schule Eonucnburgcr Etr. 20. Proletarisch« Weihnacht.— Tegel: Jugendheim Tegel, Schilnebcrger Str. 4. Erst um 20 Uhr. Wir feiern Wcihnachle».— Sitduicslea: Jugendheim Borckstr. 11 tFabrifgebitude). Wir tcicrn Weihnachten.— Zlughafe»! Gruppcnheim Mughafensir. 08. Wir seiern.— Spandau, Neustadt: Jugend. beim Lindeirufer l. Der Lohnkampf der Gewerkschaften.— SchSarberg: Haupt» straßo 15 lSarleiihaus). Proletarische Weihnachten.— Arnswalder Plag: Gruppcnheim Rastenburgrr Etr. 14. Proletarier und Weihnachten. Laaendqruppe des Zentralverdandes Ser Angestellten fSvf' Heule. Mittwoch, finden folgende Berunftaltungen statt: Rordaft I: Jugcirdhctm Tanziger Str. 62 lBaraele 2). Gruppcnweihvachtsfeier.— SlciaiSendoef: Jugendheim Lindaner Str. 5(Baracke). Gruppenwcihnachtsfeter. — Schönhauser Vorstadt: Jugendheim der Schule SaftanienaHee SL Unsere Äeidnachlen,— Stralau: Jugendhevn der SMule Gohlrrstr. 61. Liederabend. — Jdrrfpree,: Schule in Niederfchoneweidc, Berliner Sn. ZI. Eingang Hassel. roev-der S trage, Lichtbildervortraz: Unser Brich, jugendtaa in LlUieck. uleferent: Herlbruna.— ilöpeaut: Jugendheim Dahin, ig er Str. stö(iSasanstalt, am Bahn. dak ttöpenick). Brettfpielabend.— Renkalla: Jugendheim Böhmische Str. 1—3, Ecke Kann» Straß». Portrag: Der Aufbau der xommune.— Südost- Jugend. heun Wrangelsir. 128. Leieabend.— Schöaebergi Jugendheim Hauptsir. 15(Hps. aedSude, Sächseraimwer). Bunter Abend,— Thaclattendurg: Jugendheim Spjolhagenstr. 4. Aussprach«: Die Jugend fragt— die Aergtin antwortet. Ae. serent: Dr. Alerauder.— Spandau: Jugend', mm Ltndeuuser L Sruppenwejh. nacht-keier.— Potsdam-Rawaw»,: Jugendherberge in Nowawes, Priesterstraß.. Arbeitsabend unserer Uebunasstrma.— Sportabicilung: Zusammenkunft ob 20 Uhr zu leichtathletischen Uedunge» in der städtischen Turnhall« Prinzen. straße.— Heute tagt die Berstcherungsgesellschaft Sorgenfres A..S, von 16 dt, 18 Uhr im Berbandshau», Zimmer 27. � A � T A_ LU C I � e Weiii zur Stärkung Wir mahnen die Verantwortlichen Nie preissenkungsmöglichkeiien müssen voll ausgeschöpst werden. Die Urbeiierschast Hai ein Recht zu fordern, daß mit aller Energie alle Möglichkeiten der Preissenkung ausgeschöpft werden. Dos. was bis heute feststeht— die Senkung der Mieten, die Ankündigung niedriger Kohlenhandelspreise, die lOprozentige Senkung der Markenarttkelpreise und die De- schlüfse verschiedener Kommunen, die Tarife zu senken—, kann, gemessen an den großen Lohnkürzungen, nur einen Bruchteil des Saufkraftverlustes ausgleichen. Es kommt darauf an, überall dort, wo Kostensenkungen ahne cntsprcchcnde Preissenkung eingetreten sind oder jetzt eintreten werde» und wa ungerechtfertigte, nicht mehr tragbare lieber- höhungcn vorliegen, den Preisabbau vorwärts zu treiben. Die deutschen Getreidepreise liegen»och immer um mehr als 100 Proz. über den Weltmarkt- preisen, und es muß endlich durch Senkung der Getreidezölle — die für die Bauern wenig, für die Großagrarier aber vielfach eine Faulgrämie bedeuten— eine Anpassung der Getrcidepreise an die geschwächten Kaufkraftverhältnissc herbeigeführt werden. Des- gleichen ist die f)erobsetzung des Zuckerpreise» unaufschiebbar. Die jetzigen deutschen Inlandspreise für Aucker liegen fast 80 Proz. über dem Vorkriegsstand bei einem durchschnitt- lich chlprazcntigen Tcuerungsfaktor der Großhandelspreise. Wir möchten chcrrn Stegerwald fragen, wie er sein Ziel, Deutschland zun« billigsten Land zu machen, erreichen will, solange die Regierung Lebensmittelpreise sanktioniert, die wie die Getreide- preise doppelt, wie die Zuckerpreisc sogar dreieinhalbmol so hoch wie die Auslandspreise sind. Dir vrotpreissrnkung sollte von der Vcrbilligung der Getreidepreise ihren Ausgang nehmen und kann durch Anpassung der Verarbritungszuschlägc so- wohl der Mühlen wie der Bäckereien an die Kostensenkung beträcht- lich erweitert werden. Die Befreiung von der Umsatzsteuer- crhöhung, die Frachtcnscnkung, der Lohn- und Zinsabbau machen die Bahn für die' längst fällige Korrektur der Mühlen- und Bäcker- spannen frei. Wenn z. B. die Mühleniponne um 10 Proz. und die Bäckersponne für Berlin um durchschnittlich IS Proz. gesenkt würde, so würde dies eine Brotpreissenkung um 6 Pf. je Kilogramm Brot ermöglichen. Dazu käme noch die Auswirkung niedrigerer Getreidepreise. Eine herabdrückung der Preisspannen ist ferner für Fleisch und Fleischwaren dringend geboten. De» starken Rückgängen der Schlachtviehpreise stehen viel geringere Herabsetznngen der Spanne zwischen Großhandels- und Kleinver- koufsprcis'für Fleisch gegenüber, lhier hoben der Preiskommissar und die van ihm eingesetzten lokalen Stellen Arbeit. Die Plorgorine. Wir müssen ferner die Aufmerksamkeit auf die Preiserhöhungen s!) der neuen Margarinekonvention lenken, die vor vierzehn Tagen knapp vor Notvcrordnung-toresschlnß für die billigen Morgarinesoricn vorgenommen wurde und trotz des einmütigen Protestes, der Oessentlichkeit bisher nicht rückgängig gemacht vinrden.' Die Markenartikel-Notverordnung trifft nur die teure Morkcnmargarinei dagegen entfällt der lhauptteil des Verbrauchs auf die billigen Sorten. Berücksichtigt man, daß die Rohstoff- kosten der Margarine sich seit 1928 aus die Hälfte gesenkt haben bei einem Rohstofsonteil van zwei Drittel der Herstellungs- kosten, daß ferner die Produktionskosten durch Frachten-, Zins- und Lohnsenkung sich ermäßigen, so muß der Margarinetruft angewiesen werden, auch die Preise für die lose verkaufte Margarine der Kosten- senkung voll anzupassen. Lei den Kohlenpreise» Hot man bisher nur von der 5)erabsetzung der Kleinhandelspreise, aber nichts von dem Abbau der Großhandelsrabatte der K o n z e r n g e s e ll f ch a s t e n gehört, deren Uebermäßigkeit feit Jahren in Sachverständigengutachten aufs schärfste kritisiert wurde. Der R e i ch s w i r t s ch a s t s m i n i st e r hat ausdrücklich das Recht zur Neufestsetzung der Handelsrabatte erhalten. Von den kleinen Kohlenhändlern, deren Los vielfach nicht zu beneiden ist, »-erlangt man den Spannenabbau, soll der Wcrkshandel, der vielfach überflüsfigerweise zwischengeschaltet ist, weiter seine ungerechtfertigt hohe Gewinnabschöpfung behalten?? Wenn hier Gerechtigkeit geübt wird, dann ist es möglich, insgesamt ein« Verbilligung der Brenn- stoffklcinhandelspreise um 2S bis 30 Pf. pro Zentner herbeizu- führen. Bei Bekleidungswaren, hausral und sonstigen Anfchasfung»- gütern wird gleichsalls auf einigen Gebieten, auf denen sich un- gesund hohe Handelszuschläge erhalten haben, einzugreifen sein. Unverzeihlich und unverständlich ist der Stand- punkt der Kunftseidenkonzerne, die die Preissenkung unter nicht stichhaltigen Vorwänden verweigern wollen. Hier und in anderen ähnlichen Fällen muß das Machtwort der Regierung entscheiden, wenn der gute Wille fehlt.— Ungenügend sind die bisher bekannt gewordenen Senkungen der Tarife für den Berufsverkehr. Wir erkennen wie schon immer am daß für die finanziell so schwer bedrängten Kommunen es heute ein schweres Opfer bedeutet, all- gemeine uinfaffende Tarifsenkungen vorzunehmen. Trotzdem sind diese unumgänglich, angesichts der Notlage der werktätigen Be- vvlkcrnng durch den unentwegten Lohnobbau. Aus diesem Grunde ist zum Beispiel die Revision der Berliner Tarifbcschlüssc, durch die nunmehr auch der Berufs verkehr eine allgemeine Verbilligung erfährt, notwendig gewesen und anzuerkennen. Bällig unzulänglich sind dagegen die bisherigen Maß- nahmen der Reichsbahn für den Berufsverkehr. Wie soll ein Arbeiter, der fünfzehn oder zwanzig Kilometer von der Arbeits- statte entferiit wohnt wie viel« Hunderttausend«, 2,80 oder Z M. von einem Rettomochenlobn von 28 oder 30 M. für die Arbeiterwochenkarte bezahlen? Die Reichsbahn hat bisher nur«ine fünf- prozentige Herabsetzung der Zeitkartenpreise, übrigens vor Berkün- dung der Notverordnung, zugesagt; für. den Berliner und Ham- burger Stadt- und Vorortverkehr überhaupt keine Ermäßigung, Immer weihe Zähne hat man bei stündigem Gebraiich von Thlorodont- Zohnpqste(Tube 50 Pf.) unter gleichzeitiger Benutzung der praktischen ühlvrodont- Zahnbürste tSpezialschuitt). Versuch überzeugt. Hüten Sie sich vor ulindermerügcil, billigen Nachahmungen. nachdem noch vor Jaliresfrist die Berussverkehrstarife um 10 Proz. erhöht wurden! Ein« fühlbar« Herabsetzung der Wochen- und Monatskarten der Reichsbahn unverzüglich zu veranlassen, ist Re- gierungspflicht. Die Verweigerung der sofortigen Postgebührrnseakung ist ein« arg» Enttäuschung. Jetzt ist sie bis 1. April wahrscheinlich aufgeschoben. Ein« Senkungsmaßnahme kann ohne starke sisko- lisch« Beeinträchtigung und muß aus Gerechtigkeits- gründen unverzüglich vorgenommen werden: die Senkung der Rundfunkgebühren. Deutschland hat den zweifelhaften Ruhm, doppelt und dreifach so hohe Rundfunkgebühren zu erheben wie alle anderen Länder, und diese Uebcrhöhung sollte baldmöglichst korrigiert werden. Wenn auch der Spielraum, der heute den Massen für Genuß- mittel bleibt, außerordentlich eingeengt ist, so muh doch verlangt werden, daß gewisie krasse Ueberteuerungen für Genußmittel, die einmal im Massenhausholt eine gewisse, wenn auch bescheidene Rolle spielen, beseitigt werden. Dos A l k o h o l k a p i t a l hat bis- her trotz seiner gewaltigen Vcrbilligung der Braurohstosfe(Gerste und Hopfen) keinerlei Senkung der B i e r p r e i s e vorgenommen und alle Steuererhöhungen sind auf die Konsumentenschaft ab- gewälzt worden. Man kann überschlägig schätzen, daß die Roh- stofsverbilligung seit 1927 den Brauereien eine Ersparnis non mehr als 8 Mark pro Hektoliter gebracht hat, also allein den Spielraum für«in« Senkung der Bierpreise für Schankbucr wie für Flaschenbier um 8 Pf. per Liter böte. Wenn große Brauereien durch ein« leichtsinnige Pumpwirt- schaft und eine unvernünftige Expansion Verlust« erlitten haben, so ist das ihre Sache. Sie haben genügend Gewinn« und Reserven. um diese unnötigen selbstverschuldeten Lerlust« auszugleichen. Die Selbstkostensenkung muß im Preise abgegolten werden, übrigens nicht allein aus Konsinnentenrücksichten, sondern auch ans fiskalischei» Erwägungen, um eine sonst wohl kaum venneidlichc weitere Schrumpfung des Steueraufkommens zu verhindern. Klei- nerer Nutzen, größerer Umsatz— hat hier Parole zu sein. Bei den Tabakwaren liegen die Dinge gleichfalls nicht so einfach, wie es die Interessenten darzustellen belieben. Die Preisermäßigung für die Zigaretten vom 1. Juli ist zu einem erheblichen Teil durch eine faktische Steuer- senkung ermöglicht worden, und es wäre Aufgabe, zu prüfen, ob hier nicht angesichts der hohen Trust gewinne sowie der ein- getretenen Kostensenkungen eine Verbilligung eintrete» kann, die nicht zu Lasten der Händler geht. Wir haben aus dem großen Gebiet der notwendigen Preisan- passung hier nur«inen Ausschnitt und einige Anhallspirnltc für notwendige Anpassungsmaßnahmen auf einzelnen Gebieten geben können. Zlber schon diese Zusammenstellung über Preissenkung�- Möglichkeiten, die kein Wunschzettel bleiben dürfen, sondern ans deren Verwirklichung die Arbeitnchmerschast ein van der Regierung „verbrieftes� Anrecht hat, zeigt, daß ein weites Feld zum upvcr- züglichen Handeln gegeben ist. Die staatliche Elekiropolitik führt. Eine preußisch-sachsische Lnieressengemeinschast für Miiteldeutschlaud. Seit Jahren gibt es in Deutschland zwar so etwas wie ein Pro- gramm der einheitlichen Durchorgonisationdergesamten Elektrowirtschaftdes Reiches. Es sind besondere Gesell- schoften dafür gegründet worden, und Oskar von Miller hat auch einen Reichselektraplan ausgearbeitet— aber praktisch geschehen ist auf diesen« Gebiete verhältnismäßig noch sehr wenig. Eine erfreu- liche und auch opferreiche Aktivität hat bisher nur Preußen entfaltet. Jetzt ist zwischen der Preußischen Elektrizitäts A.-G. und der A.-G. für Sächsische Werke ein Vertrag gc- schlössen worden, der auch das Land Sachsen in dieser für Deutsch- lond ans lange Sicht so wichtigen Frage in erfreulicher Weise aktiv werden läßt. Darüber wird gemeldet: „Die Preußische Elektrizitäts A.-G. in Berlin und die Aktien- gescllschost Sächsische Werke Dresden haben einen Interessen- gemeinschaftsvertrag abgeschlossen. Der Vertrag bezweckt die Vertiefung der Gemeinschaftsarbeit zwischen den Unternehmungen, insbesondere bei der weiteren elektrvwirtschaft- lichen Betätigung in Mitteldeutschlan d." Bon unterrichteter Seite wird uns dazu geschrieben: Der zwischen der Preußischen Elektrizitäts A.-G. und der A.-G. Sächsische Werke abgeschlossene Vertrag bedeutet ein Fortschreiten aus dem Wege zu cincx rationelleren Gestaltung der deutschen_ Energiewirischnst Durch"fcjw AbköMmed gehen Ünternebmungem. Taksperrc-19H.zu geBailTwirS»tto deren ffraftrverk Ende-sBZZ miteinander eine Interessengemeinschaft ein, die in ihrer Struktur gleichartig sind. Beide stellen den Trip von Landesunter- nehmungen dar, die— gestützt auf eigene Energiequellen— in einer lange zurückreichenden Entwicklung die Versorgung großer Gebietsteile durch Großkraftwerke und ijochspannungsscrnleitungcn entwickelt haben. Beide Gesellschaften haben die Notwendigkeit erkannt, eine enge Gen« eins chaftsarbeit mit den kominn- nalen Körperschaften ihres Versorgungsgebiets herzustellen und die Kommunen an ihrem Aktienkapital zu beteiligen. Darüber hinaus sind die Gesellschaften mit dem Lande Thü- ringen seit den letzten Jahren erheblich an der Elektrizitätswirt- schaft in Thüringen interessiert. Sowohl die Preußische Elektrizitäts A.-G. als auch die A.-G. Sächsische Werke beliefern aus Grund der Verträge, die mit der Thüringischen Landes-Elcktrizitätsversorgung A.-G.„T h ü r i n g e n w e r k'- W e i m a r abgeschlossen find, thüringisches Gebiet. Ferner bestehen Aktienbeteiligungen an einer Reihe von thüringischen Verteilungsgcsellschaften. die sie unmittelbar bzw. mittelbar über die Thüringer Gasgesellschaft in Leipzig, deren Aktienmehrheit in ihren Händen ist, besitzen. Die Interessengeinein- schaft hat daher nicht nur für die beteiligten Gesellschaften, sondern auch für dos thüringische Wirtschaftsgebiet Bedeutung. Sie dient der Ausgestaltung einer rationelleren Gemeinschaftsarbeit »nd damit der weiteren Zusammenfassung der elcktrowirtschaftlichen Organisation in Deutschland. ♦ Im thüringischen Wirtschaftsgebiit sind dve Efektrnimterefjen außerordentlich vielfältig. Em« Haijptsönvirerschien« des Landes, von der aber rmr die Großverteitong ausgeht, liegt bei der A.-G. Thüringenwerk in Weimar. Von ollen unigreirz enden Län- dern greifen aber öffentliche uiü) auch private Elektrchysteme her«», so im O st e n das sächsische, i,n Westen das preußische, in« Norden die Dessauer Gasgesellschaft und die El. Sachsen-Anhalt A.-G.: im Land sechst sind es vor allem vier Privatgesell.- schaffen, die sich in die Elektroversovgung des Landes teilen: die Thuriirger Gasgesellschaft, die Licht-«md Kraft A.-G. in Berkin, Schuck« rt-Nürnbcrg und die Elektrizitötslieferirngsgesellschast Berlin, die heute nach der AEG. nachsteht. Preußen uich Sachsen trafen sich bisher mit gemeinsamen Beteiligungen an der Thüringer Gas A.-G. und. auch der neuerrichteten A.-G. Obere Saale, deren- in Betrieb genoinmen«verSen soll.' Hier snid' 40 Million?» Mar? investiert, lind Taufende von Arbeitsfasei« haben in den letztes« � Iahren dort Arbeit gefmchen. An der G.-G. Obere Saal« ist neben dem Reich auch s ch o n T h«'« r i n g e n beteikizt. Der lzergestellte enger« Arbeite-kontokt zwischen Preußen«nid Sachsen ist wichtiger und vollkommener als das Syst?«» der sogenannten Demarkationsverträge, wo mir Maliern mit strenger Gebietsabgreiizung aufgerichtet werden, cchnc daß an ein« einheitliche Verformung«ind an«in« wirklich« Verbilligung ge- eng'zusammen arbeiten. Aber es ist zu hoffen, daß dies« enge An- sanvnenarbeit, die Mitteideutschllmd sicher den größten Nutzen bringen kann, nichts organisatorisch Neues gcfchaffen und die beiderseitigen Vorstände sollen nur in ollen mitteldeutschen Fragen e«>g Zlcsammenarbeiteii. Wer es ist zu hoffen, daß diese enge Zu- sammenarbeit für die drei Länder Preußen, Sachsen und Thüriirgen große genreinsamc Vorteile bringen und so den Weg der wirtschost- lichen Vereinheittzchung Deutschlands vorbereiten wird. Borsig— pumpenvereimgung. Die Herkunst der Lorsig-Verluste. Zu unserem Artikel„Die Borsig-Verluste" in Nr. 393 des„Vor- wärts* teilt uns die Firma C. Kienrp Hall G. n«. b. H. mit. daß die Aiiteile dieser Gesellschaft nach wie vor im alleinigen Besitz des von uns genannten Generaldirektors Behrendt sind und daß die Firma Borsig das Werk Hall in Fürstenwalde niemals erworben habe. Die Hinzufügung wäre««. E. willkommen gewesen, daß die Firma Hall gemeinsam mit Borsig in der Puinpenoereinigung war, später aber ausgeschieden ist, was unserer Behauptung einigermaßen entsprochen hätte. Ferner wird gesagt, daß das Bürohaus Linksir. 19 von der Vereinigung deutscher Pumpenfabriken nicht erworben worden sei, sondern Eigentum der Firma Holl war.' Der Erwerb dieses Gnind- stücks hätte keine Belastung für die Vereinigung der Pumpenfabriken bedeutet. Für den Erwerb mag das stimmen. Aber es wird wohl auch Herr Direktor Behrendt nicht bestreiten, daß die Pumpen- vereinigui,g für dieses Haus an die Firma Hall eine gut zu Buch schlagende Miete gezahlt hat. auch zu der Zeit, wo Behrendt zugleich Geschäftsführer der Vereinigung war. Die weitere Feststellung der Firma Hall, daß sämtliche Maßnahmen des Geschäftsführers Behrendt stets in vollem Einverständnis mit der Firma Borsig gc- troffen worden seien, ist überflüssig, denn das Gegenteil hatten wir nicht behauptet. Im übrigen erläßt die Firma E. Henri, Hall ein« Erklärung, aus der hervorgeht, daß die Firma Borsig noch am 30. Mai d. I. die Vereinigung deutscher Pumpenfabriken wertinäßig so hoch«ingeschätzt hat, daß die Anteile der Firma Holl an der Der- einigung zu diesem Zeitpuiikt von der Firma Borsig noch über pari angekauft worden sind und daß Borsig fest Ende Mai allein die o«r- antwortliche Leitung der Pumpenvereinigung innehat. Noch im Jahre 1931 habe die Firma Borsig Aufträge im Werte von über 3 Millionen von der Pumpenvereinigung erhalten. Unsere Auffassung, daß die Borsig-Verluste keineswegs m erster Linie bei der Pumpenvereinigung entstanden sein können, wird hier bestätigt. Sollten überhaupt Verluste bei der Vereinigung in größcrem Maße vorliegen, so können sie erst nach der Uebernahme der Leitung durch Borsig ab Mai d. I. entstanden sein. Die Auf- NSrung über die Herkunft der Borsig-Verluste wird also noch dring- licher als bisher. Die Deutsch« Golddiskonkbank hat durch Beschluß einer außer- ordentlichen Gencroll'ersammlung ihr lO-Millionen-Pfund-Sterling- Kapital entsprechend einer Notverordnung vom 1. Dezember 1930 in Mark umge wandelt. Be«nerkei»sivertcru�isc«vurde dabei der Parikurs von20Marrfür«inPfund zugrunde gelegt. Der transatlantisch« Pasjagieroerkehr hat««ntcr der Krise enorm gelitten. In den ersten II Monaten 1931 ging die Gesamtzahl de«' Passagiere im internationale» Verkehr von Europa nach den« Westen von 340 000 ans rund 300 000 zurück. Pcrantwortlilb tüc Politik: Schis«! Wirtschaft: 9. Xlingclliild: SrwrrkschaUsdcweiiuni«: Z. eteirnet: ffcuiriclcm:®t. Zoim Schikow,Ii: Vcfalr- und Sonstige-: fttil« iZorftödt:•anjciflrn: Th. ffilode; sämtlich in Berlin. Beelan: Porwärtz-Verlan S m b. H.. Berlin. Druck: Borwärtz.Bnchdruckcrei und Bcrlagsanstalt Paul Sinqer u. So.. Berlin SW S», Lindcnstrake 3. Kier,» 2 Bc flogen. Zum Weihmaxth auf alle Uhren 10o/o Rabatt Annband- Taschen-Uhren <§»» bcuto Qeschonk SaSgold. Damen-Armbanduhr iosu Reisewecker, Taschenuhren große Auswahl Hermann Wiese Artilleriestraße 30 Kottbussor Damm 2 Passauer Straße 12 Sonntag: geöffnet von 3—7 Uhr Was wird mii den Zuckerpreisen? 'Oos Zmkerzollgesetz ohne NreiSsenwag verlängert.- Ein merkwürdiger Kommentar. Wie amtlich mitgeteilt wird, ist durch eine Verordnung der Reichsregierimg die am 31. Dezember 1931 ablaufende Zuckerzollregelung um ein weiteres Jahr nerlängert worden. Die Notwendigkeit dafür ergebe sich daraus, daß der Zuckerpreis auf dem Weltmarkt feit Einführung des jetzigen Zolles dauernd gesunken ist. Eine Verminderung des Zollschutzes fei unter diesen Umständen für die rübenbauende Landwirtschast nicht zu verantworten gewesen, weil die Folge eine weitgehende Ueberschwemmung Deutschlands mit Auslandszucker hätte fein müssen. Diese Regierungsmitteilung geht um einen sehr wichtigen Punkt geschickt, aber in verdächtiger Weise herum. Im Zuckerzollgesetz ist nämlich auch die Regelung der Zuckerpreise entHallen. Die Sozialdemokratie hat im Interesse der Konsumenten eine Senkung des Zucker» Preises um mindestens 3 Mark verlangt, was auch für die Zuckerinteressenten sich günstig hätte auswirken müssen, weil die Lage der Zuckerwirtschaft gerade wegen der unhallbar hohen Preise und durch den Rückgang des deutschen Zucker» Verbrauches sich so ungünstig gestaltet hat. Eine Senkung der Zuckerzälle war hier also zunächst gar nicht notwendig, weil das Gesetz ohnehin die Möglichkeit zur Senkung der Zuckerpreise offen läßt. Die Regierung muß darauf auf» merksam gemacht werden, daß mit der von ihr für die Ver» längerung des Zollgesetzes gegebenen Begründung nicht das geringste gegen die Möglichkeit und die Notwendigkeit der Zuckerpreissenkung bewiesen ist. Ois Nausbolde vom Kursürstendamm. HofientlassvngSanträge im Helldorf-Prozeß. 2m Prozeß der Raufbolde vom Kurfür st-nda mm Mte gestern Haftprüfungstermin stattfinden. Man erwartete aus- führliche Erklärungen der Verteidiger zur Haftentlassung: auch der „Lautsprecher* Freihler aus Kassel war zum erstenmal im Ge- richtssaal anwesend. Die Erklärungen blieben aber aus. ebenso der Beschluß des Gerichts über die Haftentlassung der zwei Dutzend noch inhaftierten Kurfürstendamm-Nazis. Die Verteidiger über reichten zum Schluß der Verhandlung ihre schriftlichen Erklärungen, das Gericht wird ohne Beteiligung der Schöffen im Rahmen eines Hauptprüfungstermin» über die Anträge entscheiden und heute früh seinen Beschluß verkünden. Der Stimmung der Angeklagten nach zu urteilen, betrachten sie sich schon so gut wie entlassen. Nach der Beendigung der Ver» Handlung war es ein freudvolles Hinüber und Herüber: die sich in Freihell befindenden Angeklagten tauschten Händedrücke mit den 'Verhafteten aus, es gab ein derartiges lebhaftes Hin und Her, daß der Dorsttzende schließlich mtt Donnerstimm« eingreifen mußt«: „Wann werden die Angeklagten endlich mal abgeführt?* Die heutige Verhandlung dürfte mll«inigen Hindernissen vor sich gehen. Der.Leiter der Stabswache* in der Hedemannstraße, der Angeklagte Gewehr, hat sich gegen 12 Uhr vor dem Schöffen gepicht Berlin-Mitte wegen einer Schlägerei mll Passanten am Anhalter Bahnhof zu verantworten: mit ihm auch mehrere seiner „Untergebenen*. Di« Vernehmung des Angeklagten Gewehr und de? Hetldarfer Chauffeurs Kuhns— beide wurden, wie«innerlich, vom Schnellschöffengerfcht verurteilt— soll nicht mll der Gruppe ihrer Mtverurtetllen stattfinden, sondern gemeinsam mll derjenigen des„Führers* Hslldorf und des..Stabsleiter,* Ernst. Di« Vernehmung dar Angeklagten ist bis Nr. 26 gediehen— die Prophezeiung, daß sie erst nach Weihnachten zu Ende geführt werden wird, hat sich also bewahrhellet. Am Donnerstag soll nur eine Stunde lang verhandell werden. Die Sitzung darf nicht aus- »allen, da die nächste Verhandlung erst am Montag stallfinden kann, man aber nicht länger als drei Tage aussetzen darf: sonst inuß der ganze Prozeß von neuem beginnen. Die Vernehmung des Grafen Helldorf und Genossen wird also erst nach den Feiertagen vonstalleu gehen können. Die Verteidigung der Angeklagten vollzieht sich noch der üb- lichen Methode. Sie waren alle„rein zufällig* auf dem Kurfürsten» dämm, kein einziger war richtig dabei, bloß die Neugier hatte sie dorthin getrieben. Es gibt nach wie vor viel lustig« Momente, die Angeklagten überbieten sich in ihren Aussagen in humorvollen Pointen und ernten bei ihren Mitangeklagten reichen Beifall. Die Ausflüchte sind mitunter derart dumm, daß sogar die .Kurfürstendamm-Genossen sich über diese Dummhell unverhohlen amüsieren und selbst das Gericht nur mll Mühe ernst bleiben kaum Werden die Angeklagten zu lustig, so ruft der Dorsttzende da- zwischen: Ruhe! Allmählich lernt man auch die verschiedenen Freundinnen der Angeklagten kennen. Auf die„Lotte* von Sonnabend folgte gestern die„Frieda*. Ein Angeklagter«klärte nämlich, er sei nach Halensee gegangen, well er für da» jüdische Neujahrsfest eine Verabredung mit einem Mädchen getroffen halle, mll der er erst am Abend zuvor auf dem Tanzboden bekannt ge» worden war.„Wer war denn diese Dame?* fragt der Vorsitzende. „Hie hat sich mir nur als Frieda vorgestellt*. Der Angeklagte hat in der Hast geheiratet. Natürlich nicht die„Frieda*. Die Angeklagten sind diesmal vorsichtiger als vor dem Schnellschösfengericht. Sie wissen, worauf es ankommt und ver- meiden Ausflüchte, die in jener Verhandlung ihr« Aussagen be- sonders unglaubwürdig erscheinen ließen. Da war z.B. einer, der unter allgemeiner Heiterkeit dem Schnellschöffengericht weismachen wollte, er habe geglaubt, daß auch zum jüdischen„Silvest«* Feuerwerk abgebrannt werden würde: Um sich diesen Klamauk anzusehen, sei« auf den Kurfürstendamm gegangen. Diesmal will er vom Jeuerwerk nichts mehr wissen. Der Staats» a nw alt häll ihm aber auf Grund seiner Notizen die Aussage von der letzten Gerichtsverhandlung vor und beruft sich auf die all- gemsiue Hellerkell, die dieses„Feuerwerk* selbst bei den Ange- klagten ausgelöst habe. Der brave SA.-Mann bleibt ober bei seinem Leugnen. Seine Mllangeklagten sind ganz still geworden, sie wissen allesamt, daß chr Genosse lügt. Auch Fr e iß l er sorgt für Unterhaltung. Ein Angeklagter behauptete z. B., er habe auf dem Kurfürstendamm sehr viel .chefsere» Publikum* angetroffen. Dazu Freißler:„Damit hier kein Mißverständnis entsteht: D« Angeklagt« meint« damll nicht bessere», sondern besser gekleidete», also schlech- tere« Publikum. Da« bessere Publlkum ist doch zweifellos die Ä2l.* Derarttge Blödhellen muß sich das G«icht anhören... Die Angeklagten waren gestern in Zivil erschienen. Auch hatte sich niemand verspätet. Der Borsitzend« schloß die Verhandlung mll d« Ermahnung, pünktlich zur Stelle zu sein, da er widrigenfalls die Säumigen vorführen lassen und in Hast nehmen würde. Die Verhandlung geht heut« um 9 Uhr weiter. Die gefährliche Reinmachefrau der IAH. verwischt sie schon beim Scheuern die Stalinfche Linie— sie ist sicher eine Verräterin!" Ungarns Bankrotterklärung. Auslandsmoraiorium verkündet. Budapest, 22. Dezember. Die ungarische Regierung hat heute ein Transfer. Mora- torium erklärt und augeküudigt, sie werde in deu kommenden zwölf Monaten, von gewissen Ausnahmen abgesehen, die in diesem Zeitraum fälligen Zahlungen aus den Auslandsverpflichtungen Ungarns nicht in fremden Zahlungsmitteln, sondern in Pengö, die in einem besonderen lrinstlweilen ge- sperrten) Fonds der Rallonalbank gesammelt werden, tilgen. Von den Verhandlungen mll den ausländischen Gläubigern wird es dann abhängen, wann diese Pengä-Guthaben in Auslands- Valuten umgewandelt werden, d. h. wann der Transfer tatsäch- lich vollzogen worden wird. Die Verordnung ist von dem Ministerrat bereits fertiggestellt worden und gelangt am heutigen Dienstagabend vor den ZZer-Aus° fchuß. Der neue Finanzminister Baron Friedrich Koranyi wird dabei besonders begründen, welcher Teil der etwa 300 Millionen Pengö betragenden jährlichen Gesamtschuld wellerhin in der fest- gesetzten Weise bezahll wird und für welchen das Transfer-Mora- torium in Anspruch genommen wird. Man glaubt, daß der Transfer von etwa 100 Millionen aufrechterhalten bleibt und etwa 200 Mll- lionen dem Transfer-Moratorium unterliegen müden. Gerüchts, die ungarische Regierung wurde ein allgemeine» Zahlungemora- torium erkläven, werden als vollständig unbegründet bezeichnet. » Der Entschluß der ungarischen Regierung, ein Mora- torium für Auslandsschulden zu verkündeu, kommt keines- wegs überraschend. Seit Tagen wurde ein solcher Schritt an» gekündigt, der praktisch einer Bankrotterklärung des Staates gleichkommt. Am stärksten betroffen dürfte dadurch Frankreich sein, das erst kürzlich Ungarn einen großen Kredit gewährt hatte. Wegen dieses Kredits wurde die französische Regie- rung nock vor wenigen Tagen im Parlament angegriffen. Vermutlich wird sich dieser Angriff nunmehr in verstärkter Form im Parlament wiederholen und es wäre kein Wunder, weim die Regierung Laval bei diesem neuen Vorstoß unter- liegen würde. Denn bisher war es fast ausschließlich die L i n k e. die ihr jene großzügige Anleihepolstik gerade gegen- über reaktionären Regierungen wie der ungarischen und der jugoslawischen vorwarf, während bei der angekündigten Jnterpellationsdebatte auch die Nationalisten unter Führung von Franklin-Vouillon gegen das Kabinett vor- gehen werden. Im übrigen ist der ungarische Entschluß ein ernstes Warnungszeichen für die ganze Welt. Das Beispiel aus Budapest könnte sehr wohl Nachahmung finden, wenn man nicht bald zu einer vernünftigen Regelung der gegenwärtig schwebenden Schuldenprobleme gelangt. Der Bericht des Baseler Sonderausschusses wird offenbar sehr d ü r s t ig ausfallen. Die Berliner Stillhalteverhandlungen sind einstweilen« r- gebnislos abgebrochen worden und«erden erft nach Weihnachten wieder aufgenommen werden. Sowohl die Reparations- wie die Privatgläubiger Deutschlands sollten bedenken, daß ein Mangel an Entgegenkommen Deutschland gegenüber auch für sie mit einem nicht geringen Risiko verbunden ist. Endkamps in Basel. SchluHsihong Mittwoch nachmittag? Basel. 22. Dezember. Auf Grund privater Befprcchuageu am Diene kagabend wurde\ der Souderauefchuß für Mittwoch 10 Uhr zu einer Vollsitzung eiubonlfen. iu d« nunmehr versucht werden wird, die in deu Be- raiungeu des Redakllonsaugschusses aufgetretenen Schwierig- keilen zu überwinden. Räch Mitteilungen von englischer Seite soll, fall» tu der vormltlagssttzung eine Einigung über da» Kapilel 2 Theater: Die Tribüne. „Stichwort: Felveva!� Wieder einmal«in Stück mtt einer Doppelrolle. Ein« Unbe- kannte nützt ihr« Aehnlichkeit mll einem Filmstar zu sehr unlauteren Zwecken aus. Der nette Einfall wird umständlich und zuletzt mit reichlicher Sentimentalllät zu drei Akten anegewalzt. Verfasserin und Hauptdarstellerm ist Else Eckersberg. Freundlicher Beifall. Dgr. zustande kommt, um 15 Uhr die Schlußsitzung stattfinden. Die Veröffentlichung des Berichts könnte also Mittwochabend er- folgen. Zürich. 22. Dezember. �Eigenbericht.) Die„Reue Züricher Zeitung* meldet: „Statt der Vollsitzung des S ander aus fchuss es bei der B Z Z. fand am Dienstag eine private Sitzung statt, die um 11,30 Uhr begann. Die Stimmung ist optimistisch, den» man ist der Meinung, daß ein von Coliju eingebrachter Vorschlag über die Aufhebung der Reparationszahlungen— der Vorschlag ist im Grunde identisch mit demjenigen Sir Walter Laylone. doch ist er in eine andere Form gekleidet— ausgeschaltet wird, deu» sonst könnte dag Komitee seine Arbeiten nicht zum Abschluß bringen. Die Delegierten Frankreichs, Belgiens und Jugoslawien» würden, wenn Coliju feinen Vorschlag aufrechterhalten würde, an den Verhandlungen in Basel nicht mehr teilnehmen.* „Die Delegierten prüften— so fährt die„Neue Züricher Zeitung* fort— am Dienstag den ersten Absatz des B«>chtes. der Zich mll dem Budget Deutschlands, der Lage der Reichsbant, der Zahlungsbllanz und dem Betrog der Schulden und der Guthaben Deutschlands im Ausland befaßt. Dieser erste Teil des Berichtes. der erst am Dienstagrrwrgsn um Uhr fertiggestellt werden konnte, wurde angenommen. Der zweite Abschnitt des Bericht«» bezieht sich auf die Ursachen d« Krise, der dritte auf die Not- Verordnungen und ihre Rückwirkungen auf da» Budget und der vierte Abschnitt enthäll die Schlußfolgerungen. Dieser vierte Ab« schnitt ist gegenwärtig der Hauptgegenstand der Differenzen. Auf Dienstagabend 0 Uhr ist wieder eine„Pnvatsitzung* anberaumt. Bayerische Justiz. Immer langsam voran.- Sozialdemokraten interpellieren. München, 22. Dezember.(Eigenbericht.) Die sozialdemokrattsche Fraktion hat im Bayerischen Landtag eine Interpellation eingebracht, in der die Regierung gefragt wird, welche Mahnahnren sie ergreifen wolle, um die Durchführung von schwebenden Prozessen ohne Rücksicht auf die Person und polllische Einstellung des Angeklagten zu ermöglichen. In der jetzt zu Ende gegangenen München« Schwurgerichtsperiodo wurde eine Reihe kommunistischer Presse- vergehen abgeurteilt, die teilweise mehrere Jahre zurück lagen. Dagegen schweben zur Zeit noch über 4 0 A»- klagen gegen Nationalsozialisten, deren Durchführung immer wieder verschoben wird, weil die Angeklagten zu den Ter» minen nicht erscheinen. Einzelne Vorführungsbefehle mußten die Hakenkreuzler dadurch zu umgehen, daß sie sich knapp vor dem Termin von ihrem Arzt Verhandlungsunfähigkell bescheinigen ließen. Diese zum System gewordene Methode läßt den Verdacht berechtigt erscheinen, daß die Nazis ihre Sabotage einer gerichtlichen Verhandlung nicht ohne stille Duldung gewisser Iustizorgani- saiiomm üben können. Das wird auch niemand weller wunder nehmen, der die politische Vergangenheit der bayerischen Recht«- pflege kennt. Polizeiaktion gegen Münzenberg-Liga. Fünf Auslander noch in Hast. Die Politisch« Polizei nahm am Montag in dem Büro der Antiimperialistischen Liga ein« Haussuchung vor. bei der umfangreiches Material beschlagnahmt und 16 Personen zunächst festgenommen wurden. Bei dem beschlagnahmten Materiol handelt es sich, wie von der Polizei mitgeteilt wird, um Zersetzung»- schristen gegen Polizei und Reichswehr. Die Sichtung des Materials wird mindestens noch drei bis vier Tage in Anspruch nehmen. Während die meisten der Festgenommenen nach Nachprüfung der Personalien wieder auf steten Fuß gesetzt wurden, blieben fünf Personen in Polizeihaft. Es sind dies Ausländer, und zwar Bulgaren, Polen und Tschechen, die keine Pässe besaßen. Einig« gaben den Beamten d« Politischen Polizei falsche Nomen an. Als einer der Beamten einen Festgenommenen, der sich Stahl nannte. bei der Vernehmung darauf aufmerksam machte, daß er sich der Urkundenfälschung schuldig mache, wenn er das Protokoll mtt dem falschen Namen unterzeichne, verweigerte der Betreffende schließlich die Unterschrift unter da« Bernehmungsprotokoll Überhaupt. Bisher hat die Polizei nicht feststellen können, wer der Betreffend- in Wirklichkeit ist._ Gold fliegt tonnenweise nach pari». Fünf Tomaen Gold sind in dey letzten zwei Tagen im Flugzeug aus Amsterdam in Paris eingetroffen. TIETZ�SestUivf MorgonrSck eO QO gntö tlaaschqaalit., fwclio Form.. Jr �0* B I u s e n s c h o n e r O � C rein« Vi olle, viele Farben......... 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Uhr Die Dnbarry in fco beidn Wei>thadjjttagn nadioitfsgs 4 ü. abends Wi Gitta Olpar in Die Itabarry Preise v. 0.50 M an Beottdies Ues!« R Uhr Antonins and aeopalra von Shakespeare Regit; Rita Hilgert Die Komödie Heute zum 1. Male 7V- Uhr naxPallenbers in Die nemo-Bank von Louis Verneuil Devtsdi« hart.: OfradMji: lAnnUIhr;[miajitt. Kurlörstenflaram- Theater I I 448- SV« Uhr ästig. IMidit-PtgiHikt ffaiiaoonny von Brecht u Weill Imi.: Bitoi. IhjiV. liümj: von Zemlinsky Theater desWestens Täglich 8«« Uhr Welhnscbtcn udmittsgi mi tbnh Karl JAitca In Der Vogelbändler I eulna-Tueaiei Am 25. Dezember Prem lere Horden fients uns Onl! Erat! MzUim. 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Der Danvorstauid. voHuiumne Ihtster an Kllovgbtz 8 Uhr Die CroBherzooio tdo BeroisiEln StaatL Sdiillsr-Ikalsi - Uhr Datterich Planetarium — am Zoo— Tägi. außer Montags 5. 7. 9 Uhr Tabu 3 Uhr Hürdienflime »•.ubrCASiNO-THEAlER�uh, Lothringer Strafe 37, iiiwu»»iniMUM»»iiiiiuimuni»niiumiinwimiMMiMii«BiWBiiii»i An allen Z Feiertagen 2 Vorstellg. abends 8V« Lhr die neue Posse Was man ans Liebe tu! Dazu die einak ige Operette Dan MclicidungK- Süonper oad das brn c fcsl-Piogremc,. N'achmiPag 3 Uhr Preise 39 Pf. bis 1 M Vaterns WunderKur und das hoste Progr OeDiidieiitallaHti-lleH AdUnnff, Ao�enmonteore! Sonntag. Ben IT. Ocjctnbec, ooctnillage 9 Ahr. Im Aerb Soflno, Berlin NW 87,«ll-IBaahil SS Tcrfsrnmianä aller Im Deatsdien Flelall- arbeller-Terband ordanlslerien Honteorc aasadblic�iicfa Heiz nngsmoni eure Die Tagesordnung wird in dei Versawm'ung bekanntgegeben Mitgliedsbuch legitimiert! Zahlreicher Besuch wird erwartet. Die OrliTcxwaliung. Ortskrankcnkass« fOr das Maurergewerbe zu derlin Me 4 Kbünberung ber Sog uns ist Dom Oder-Bcrsicheningsduu genehmigt m erben, Der§ 48, Absatz L erhält felgende Zaffung: Die KeflenbcltrZgc werden«mf 7»am Hu deck des Im 8 17 seftgesetzten SrunSlohne» demesten. Die vorstehenbe Arnberuna tritt mit bem 23 Dezember 1931 in Straft. Dtuckftiicke ber Aenberung fbnnen vcm 38. Dezember Ivil an im StasscnicFa: in empfang genommen werben. Der Barftanb: Hermann Rrstoer. JorNtzenber. 91 ich a r b Freund, Echrlsiführer. Allgemeine VNziiranIieniiazze klis gen Stadtbezirk Köpeniik Hiermit laben wir bie MilgNeber bes Ausschusses zu der am Mitlrnoch. bem 30. Dezember 1931. abend» Z>. Ahr. im„Snijerhoi-. ftöpenid, ffitrfln- slrohe 10(Hemer Saal),(taitfmbenbcn ordentlichen Ausschuß-Sihung ein- Sageescbnung: I. Bericht über den®tanb ber Rasse, 2. Beratung unb Beich uhiassung Itter ben Boranichiag Hit 193.', 3. Dahl b»» Prüsnnasausschusse« zur Abnahm« der Zahresredmuna'iir 1931 4 Deichästliches BarlineSBpenii, ben 22. Dezember IS3L Vet Borffaub. Otto Nickel, Sorjlgetthet. Oentidier Metallartieitef-YemaDii Verwalhra�Mielle Berlin Todesanzeigen Den Miig liebem zur Nachricht dag unser Rcstege. ber Riempner Lmi! llsrtmsim ged 13 Januar 1871, am ig. Dezember gestorben ist Die EinZschening fiubrf am Milt- wach, bem 23 Dezember, I4>,', Uhr. im Rremaiotlum Serichiftratze stau. Am Ist Dezember starb unser Rovege, der Walzwerfarbciier l.oiii8 Engeibgrät ged. 22. Februar 1373. Die üinäschemni findet am Miil- wach, dem 23. Dezember. I41 1 Uhr. im Rremalorimn Baumschulenweg. R es- heiz siratze, statt Am 20 Dezember starb unser Rollege, der Derlzeugmacher Nstiimik 8Iäviilcki geb 1« Vllober 1873. Die Emiiicherung findet am Miii- wach, dem 23. Deirmdrr. 17>v Uhr. im Rremaiotmm Wilmersbcrs statt Am 20 Dezember stat b unser Rollege, der Mechaniker Albert Nerckel geb. 9. Juli 1873. Sie Beerdigung finde! am Donnee«. lag. dem 24. Dezember,>3 Uhr.»o» der Leichenhalle bes Ierusalemer Kirch- hoses in Neuiölln. Hetmannstratze, aus statt__ Am 18, Dezember starb unser Rolleoe, der Schlosser iiodsm!e8 llemsim ged. 1. Januar 1877. Die Beerdigung findet am Donner»- lag. dem 2« Dezember, I2>, llbr. oon der Leichenballc des Stablüchen Friedhofe» in Marzahn au« statt Am 20. Dezember starb unser Rollege, der Schlosser Alfred Böhm ged st September 1882. Die ckiufhcherung findet am Donnerstag. dem 24. Detemder. i2te Uhr, im Rtemalarlnm Baumschuleuweg Ri« holzftratze. statt Rege Beteiligung wirb erwartet. Nackruk Am st Dezember starb linier Rollege, der Schlosser Willi lanrlscb geb. 20. 3uni Igt«. Am 17. Dezember staed unser Rolleg e, der Riempner Kevrg Jander geb. 29. August 1878. Am 18 Dezember starb unser Rollege, der Riempner Willi Mb geb. 4. September 1908. Die Beisetzungen haben bereit» statt- geiunden. ehre ihrem Andenleul Die Ortsverwelhin#. Es ist erschienen; Der sozialdemokratische AbreiBkalender 1932 In Kupfertiefdruck hergestellt. Er bringt historische Daten aus der Arbeiterbewegung, astronomische Angaben(Sonnenauf- und-Untergänge. Mondphasen, Planefenbe- wegung usw). Gute Bilder beleben den Kalender, so daß er In jedem Haushalt in jedem Büro eine Zierde darstellt Der Kalender kostet 2.— RM. Zu haben In allen Vorwärts-Filialen und bei allen Zeitungsausträgern KLEINE ANZEIGEN uiiiiiiiiiiiinmiiimiiuiMiiinniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiniuii Ueb«r«chhfUaort25PfH Tutwort 12 Pf. WiedoiholungsrabatttlOmalS Proz, 20 mal oder 1000 Worte Abschluß 10 Proz. 2000 Worte 16 Proz. 4000 Worte 20 Proz-/ Stellenflesuohe: U oberschriftewort 15 Pf.. Textwori 10 Pf/ Anzeigen, welche lür die nächste Nummer Destimmt sind, müssen bis 41/} Uhr nachmittags im Verlag, Undcnstr. 3, oder auch in sämtlichen Vorwärts-Filialen und •Ausgabeatel en abgegeben sein I uername| Oelcu, eiserne, stbet Sri Tellzahlnng, trän». portable Rachel- ölen, Badewannen Rcsstldsen. Roch- herbe. Reparo, turcn. Die aüe Firma Semmler o. Blepbeeg. Dresbe- r.erstratze W-' Tapeleu Lzillal. Rolonie- Krake 9._____ 2Lcih»acht»faite», Pappteller, Feen. haar. Rufiknacker, Thriftbaumschmuck, Clljopsen, grötzere Posten sehr preis. wert abzugeben. t aberfett, Aach- tf- Mllnzstratze. KielQungstiBctt. UJSscha us'jj. Wenig getragene, wirklich aut erhal» ieile Serrenanzstge oon 39,— an: Win° ierpaietot». Ulster, 2ä,— an; Serren- pelze. Damen. pelze. 59.— an. Reine Lombard- wäre. Leihhau» Lowick!. Prinzen» strotze US.«ine Treppe. Don Ranaliere» wenig getragene unb neue Jackettan. ziige Smolinaan. zllge. Frackanzllge. Uisier. Paleioi», jede Fiaur»aisenb. 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