Morgenausgabe Nr 601 A 302 4S.Iahrgang SSchelrillch BS Pf. monatM) s.BO 9t (baoon»5 Pf. monatlich Bit Suftel* luno in« Hau«) im voraus zahlbar. Postbezug 4,32 M. einschließlich 60 Pf. Poiizeihtngs- und 72Pf.Postb-sielIa-. bühren. Auslandsobonnemenl 6,- W. pro Monat! fiir Länder mit ermäßig» fem Druckfachenvorto v.— M. Der.Porwärt«� erfchetnt wocheutZg- lich zweiinal. Sonntags und Moinag« einmal, die Abendausgabe für Berlrn und im Sandel mit dem Titel„Der Abend". Illustrierte Sonntagsbeilage »Toll und Zeit" Aerline« VolSSblatt Oonnersiag 24. Oezember 193� Groß>Verlin 1V Z)f. Auswärts 15 Z)f. Die etnjpall. Nonpareillezetle 80 Reklamezeile 5.— RM.„Mein?-Än» zeigen" da» fettgedrurtte Wr,n 2b lzulassig Mei fettgedruckte Wone). ,ede» weitere Woxt 12 Pf. Aaban lt. Tarif. Stellengesuche das erste Wort iL Pl, jede» weitere Wort 10 Pf Wone über lü Buchstaden zählen fü: zwei War.'«. Arbeitsmarkt Zeil» 60 Pf Familien' anzeigen Zeile 40 Pf. Änzeigenant�ahm, tm Hauptgeschäft Lindenstraß« 5. wochen» täglich von 8»/, bi» 17 Uhr Der Verlag behält sich das Rech» der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor l Aentvawvgan der Gozialdemokeatifche« Vartei DeutschUmds Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lmdenstr. 3 liernlpr.. Tönbcff f A T)£92—257 Tolegramm-Adr � Sozialdkmokra, Bsrlin Vorwärts-Verlaa G. m. b. H. Postscheckkonto! Berlin 87 SZS.— Bankkonto: Bank der Ärbeucr. Ängellellien und Veantten.Lindenstr.S Dt B.n Di!r.-Gcf.. Deposiienk., Ieruialemrr irtr RrOZ. Oer �oung-plan ist überholt! Oer Bericht des Baseler Sonderausschusses. V a s e l, 23. Dezember. Die amtliche Verlautbarung über das Gutachten des DZZ.-Ausschusses ist in de» spöleu Abeudstuadea bekauatgcgebeu morde». Das Gutachtea des Sonderausschusses gibt in kiapilel I zu» nächst eiueu Ueberblük über die gegenwärtige Lage und de. saht sich in Kapitel II mit de» Ursachen, im Kapitel III mit den Mahnahmeu derdeutschen Regierung. Es kommt dann im Kapitel IV zu folgeudea Schlußfolgerungen: Es steht fest, dah Deutschland de» aufschieb baren Test der Jahresraten noch Ablauf des hoooer-Zahre, nicht zu transferieren vermag. Der Auzfchuh weist iadeffen auf die beispiellose Schwere der Krise hin. deren Ausmaß unzweifelhaft die„verhältaismäßig kurze Depression" übersteigt, die der Reu« Plan ius Auge faßt. Der Neue Plan ging von der ständigen Ausdehnung des Welthandels aus. imrerbalb deren die Reparationszahlungen ein Fallor von abnehmender Bedeutung werden würden. Taljächlich ist dag Gegenteil eingetreten. Nicht nur ist der Umfang des Welt» Handels zusammengeschrumpft, sondern das außerordentlich« Aalle» des Goldpreises hat die tatsächlich ev Lasten der deutschen Jahresraten, wie alle in Gold festgesetzten Zahlungen, um 40 Prozent erhöht: Das deutsche Problem, da» in weitem Maß die Ursache für die steigende finanzielle Lähmung der Well ist. erheischt daher ein gemeinsames .fj a n d e l n, dos nur oon den Regierungen ausgehen kann. Das Prohlem hat weltweit« Bedeutung, und es muß in viel weiterem Maßstab« als dem durch Deutschlands Loge allein gegebenen behandelt werden. Der Wiggin-Ausschuh hat bereits im August ein« außerordentlich ernste Warnung ausge- s zi rochen. Die Ereignisse wartete» nicht. Die Krise hat gewallig« Dimensioneu angenommen. Wenn nichts geschieht, werden die eingetretenen Schwierigkeiten Vorboten weilerer Katastrophen sein. Durch die Rückwirkungen des wirtschaftlichen Lebens aus die p o l i- tische Lage und umgekehrt wird die allgemeine Lage noch mehr verwirrt. Bei diesem verwickelten Problem müssen oon den Regie- rungcn die Tatsachen berücksichtigt werden, die der wirklichen Lage entsprechend nur nach wirtschaftlichen Gesetzen behandelt werden können. Gewisse Betrachtungen erschemen dem Ausschuß von größter Wichtigkeit. Transferierungen von einem Land in einem Umfang, der die Zahlungsbilanz erschüttert, müssen das augenblick- liche Chaos nach verschärfen. Di« Befreiung eines Schuldner- lande? oon einer unerträglichen Last würde möglicherweise die Last auf ein Gläubigerland abwälzen, das in seiner Eigenschaft als Schuldner seinerseits nicht in der Lage ist, die Last zu tragen. Der einzig« Schritt von Dauer, der das Vertrauen wieder herstellen kann, ist die Anpassung aller zwischenstaatlichen Schulden lReparallonea und andere Kriegsschulden) an die gegenwärtig zerrüllele Lage der Welt. Endlich sind Schritte notwendig, um den energischen Maßnahmen, n,it denen die deutsche Regierung die Stabilität ihrer Währung ver- teidigt, dauernde Wirkung zu sichern. Der Ausschuß richtet an die Regierungen den Appell, ohne Verzug zu Entscheidungen zu kommen und damit neue Hoffnung auf ein« Besserung der schweren Krise zu erwecken, die gleichermaßen auf allen lastet. * Der Bericht des Sonderausschusses der Bank für Inter- nationalen Zahlungsausgleich liegt zwar noch nicht im Wort- laut, aber in einem ausführlichen, aus den Kreisen der Dele- gationen stammenden amtlichen Auszug vor, der schon jetzt ein Gesamturteil über das Werk von Basel gestattet. Der Be- richt ist gestern abend von den Delegierten unterzeichnet worden, nachdem der deutsche Vertreter, Dr. Carl M e l» ch i o r. über seinen Inhalt die Reichsregierung telephonisch unterrichtet hatte und als Ergebnis einer Berliner Kabinetts- sstzung ermächtigt worden war: ihn zu unterschreiben. Wenn man den amtlichen Auszug sorgfältig geprüft hat, erscheint die Zustimmung der Reichsregierung zu diesem Be- richt als«ine Selbstverständlichkeit. Gewiß ent» hält das Dokument nicht alles, was man auf deutscher Seite mit Recht erstrebte. Die ursprüngliche Hoffnung, daß sich die Baseler Sachverständigen auf einen konkreten Vorschlag im Sinne der völligen und endgültigen A b s ch a f- fung der Reparationslasten würden einigen können, ist nicht in Erfüllung gegangen, wenigstens nicht mit der wünschenswerten Eindeutigkeit. Das war leider kaum zu erwarten, nachdem sich die französische Regierung mit aller Schärfe auf die zumindest formale Aufrechterhaltung des Noung-Planes festgelegt und ihren Vertreter in Basel, Pro- fessor R i st, dementsprechend instruiert hatte. Auch der wenig erfreuliche Verlauf der Washingtoner Kon- greßberatungen über das Hoover-Moratorium, die die Aussichten für eine Streichung der interallierten Schulden für die nächste Zukunft sehr verringert haben, haben die Ar- betten des Baseler Ausschusses zweifellos gehemmt. Denn da- durch mußte sich der französische Widerstand gegen eine etwaige Verzichtserklärung auf die Reparationen ohne gleich- zeitige Aussicht auf einen amerikanischen Schuldennachlaß versteifen. Noch im Laufe des gestrigen Tages konnte man auf Grund der aus Basel vorliegenden Meldungen befürchten, daß der Schlußbericht ein dürftiges, in den wichtigsten Punkten nichtssagendes Kompromiß fein würde, das die Re- gierungen auf der kommenden politischen Konferenz zu nichts verpflichten würde. Diese Befürchtungen sind durch das vor- liegende Schlußergebnis zum Elikk weitgehend widerlegt. Sprach man gestern nachmittag noch von einem Sieg der französischen These, so kann jetzt davon keine Rede mehr sein. Eher umgekehrt könnte man behaupten, daß der Bericht mit geradezu dramatischer Wucht alles das ausspricht, was uns Deutschen auf dem Herzen liegt. Und selbst dort, wo er es nicht eindeutig genug ausspricht, weil offenbar der französische Bertreter der allgemeinen Ueberzeugung nicht Ausdruck verleihen durfte, ist es so unmißverständlich an- gedeutet, daß die weiteren Schlußfolgerungen sich für jeden Gutgläubigen von selbst ergeben müssen. Vor allem erscheint uns in dem entscheidenden vierten Kapitel über die Schlußfolgerungen die Feststellung wichtig, daß sich die Lage Deutschlands und der Welt seit den I Haager Konferenzen grundlegend geändert hat. Der j Bericht zählt dabei alle Tatsachen auf. die von deutscher Seite schon vor mehr als Jahresfrist ins Feld geführt wurden und gegen deren Erkenntnis sich einzelne Gläubigerländer viel zu lange gesträubt haben: fortschreitende Schrumpfung des Welthandels, lOprozentige Steigerung des Goldpreises mit entsprechender Senkung der Waren- preise und automatischer Erhöhung der tatsäch- lichen Reparationslasten. Das Gutachten geht sogar weiter, indem es sogt, baß es sich bei der gegenwärtigen Krise nicht um eine jener vor- übergehenden Zahlungsschwierigkeiten Deutschlands handelt, für die der Doung-Plan den Sonderausschuß der BIZ. vorgesehen hatte. Damit hat der Ausschuß selbst an der Einengung seiner Aufgaben Kritik geübt, die infolge des Widerstandes Frankreichs bei seiner Einberufung vorgenom- men wurde. Die Sachverständigen haben damit selbst an- gedeutet, daß sie es vorgezogen hätten, wenn man ihnen das Recht zu konkreten Vorschlägen über das Gesamt- p r ob l e m der Reparationen und Schulden ohne Rücksicht aus den Poung-Plan eingeräumt hätte, den sie selbst für überholt erklären. Besonders wichtig ist auch die Stelle, in der anerkannt wird, daß das d e u t f''Problem„in weitem Maße die Ursache für die steigsnoe finanzielle Lähmung der Welt ist" und daß die Regierungen dementsprechend handeln müssen. Gegen diese indirekte Anerkennung des Zusam- menhanges zwischen den deutschen Reparationsverpslich- t u ng e n und der verheerenden Weltwirtschaftskrise hatte sich der französische Delegierte bis zuletzt gesträubt, aber nicht weniger hartnäckig bestand Dr. Melchior darauf, daß diese Feststellung in dem Bericht getroffen werde. Im ersten Satz dieses Schlußkapitels wurde nur auf den geschützten Teil der Annuitäten Bezug genommen, die Deutschland zu transferieren nicht in der Lage sei. Das war nur eine Selbstverständlichkeit. Nach dem Buchstaben des Poung-Planes sollte das eigentlich die einzige konkrete Schlußfolgerung sein, für die der Sonderausschuß zuständig war. Aber der Ausschuß hat sich darauf nicht beschränkt, son- dern er ist schließlich doch so weit gegangen, die„A n p a s» sung aller zwischen st aatlichen Schulden(Re- paration und andere Kriegsschulden) an die gegenwärtig Groener gegen Klagges. Oer �eichsinnenminisier für Znnehaltung des ttniformverboies. Die Derstöße der Nazi-Fraktionen des Braunschweigischen und Sächsischen Landtags gegen das Uniformverbot der Reichsregierung haben den Reichsinnenminister zu schristlichen Vorstellungen bei der braunschweigischen und sächsischen Regierung veranlaßt Der entscheidende Passus in dem Schreiben an die braunschweigische Regierung hat den fol- genden Wortlaut: „Das Austreten der Landlagsmitglieder in Uniform mag, so weit es als Meinungsäußerung im Sinne des Artikels 36 der Per- fassung anzusehen ist, der strafrechtlichen Ahndung entzogen sein. Es bleibt ober, und ist selbstoerständlich auch als solche gewollt, «ine Demonstration gegen die Autorität des Reichsoberhauptes, von dem In der letzten Notverordnung des Reiches das Tragen solcher Uniformen außerhalb der eigenen Wohnung verboten wurde. Demonstrationen solcher Art verstoßen gegen die parlamentarische Ordnung, zu deren Wahrung zwar nicht die Regierung, aber der Präsident des Landtags verpflichtet ist. Ich bitte Sie daher, sich mll dem Präsidenten des Landtages In Verbindung zu setzen und ihm nahezulegen, daß er in Ausübung seiner Ordnungsgewalt weitere solcher Demonstrationen gegen den Reichspräsidenten unterbindet." Die Vorstellungen des Relchsinnenminlsters bei der brann- schweigischen und sächsischen Regierung sind im Einvernehmen mit dem Reichspräsidenten erfolgt. Man darf aus ihnen schlußfolgern, daß die Reichsregierung in Uebereinstimmung mit dem Reichspräsidenten weiter« Maßnahme» plant, falls die Herren Naziabgeordneten in Braunschweig ober Sachsen kvnstig wiederum gegen das Uniformserbot verstoßen sollten. * Der braunschweigische Naziminister hatte im November den sozialdemokratischen„Voltsfreund" in Braunschweig auf 7 Taae verboten. Der Reichsminister des Innern hob dieses Verbot sofort nach Eingang der Beschwerde des braunschweigischen Verlages auf. Daraufhin wandte sich der Naziminister Klagges beschwerdeführend an das Reichsgericht. Diese Beschwerde ist inzwischen vom Reichsgericht verworfen worden. Damit ist die angs- kündigt« Schadenersatzklage des Braunschwelger Verlages gegen Nazi-Klagges fällig geworden. Roxheim- Wagner avancieri. Der putschfreond von Hitlers Gnaden. Tie Leitung der nationalsozialistischen Kreis- geschSfts stelle in Gießen hat neuerdings der verkrachte Pächter des Boxheimer Hofes, Dr. Wag- »er. übernommen. Wagner wurde mit dem Amt von Hitler betraut, trotzdem gegen ihn als Mitverfasser der Boxheimer Dokumente zur Zeit bei der Oberreichsanwalt» schaft in Leipzig ei» Verfahren wegen Hochverrats schwebt. Damit hat sich Hitler mit de« Bankerotteurr« von Boxheim solidarisch erklärt und damit erfährt dir Annahme weitere Nahrung, daß die Boxheimer Blut- dokumente mit Wissen der Nazi-Führung in Miinesic'-i fabriziert worden sind. zerrüttet« Lage der Welt* als den„einzigen Schritt von Daner" zu bezeichnen,„der das Vertrauen wieder herstellen kann". Damit hätte der Ausschuß seine Ausgabe in einer Weise erfüllt, die, wenn man die ihm auferlegten formalen Ein- schrmrkungen berücksichtigt, durchaus Anerkennung verdient. Insbesondere kann man den deutschen Vertreter Dr. M e l- chior zu diesem Ergebnis beglückwünschen, das ohne thea- tralische Auftritte und sinnlose Uebertreibungen, wie sie Dt. Schacht im Jahre 1929 beliebte, sondern durch stille, be- scheidene und sachliche Arbeit errungen worden ist. Allerdings gewinnt man den Eindruck, daß der franzö- stsche Vertreter erreicht hat, daß die Tür für eine spätere Wiederaufnahme der Reparationszahlungen nicht völlig zu- geschlagen worden ist. Die Betonung, daß auf die jetzige �rise eine Zeit der neuen Konjunktur folgen muß. inie das bisher immer der Fall gewesen ist, ist durchaus er- fraulich und nützlich schon aus psychologischen Gründen. Auch «ir zweifeln nicht an ihrer Richtigkeit. Aber es scheint, daß diese Ueberzeugung n i ch t n u r in der Absicht zum Ausdruck gebracht wurde, dem katastrophalen Pessimismus, der Mit- lionen von Menschen erfaßt hat und der die Lage nur noch verschlimmert» entgegenzutreten. Vielmehr scheint damit auch die Absicht verbunden zu sein, den Regierungen, die sich noch immer gegen die völlige Abschaffung der Reparationen und gegen die völlige Strei- chung der interalliierten Schulden stemmen, die Möglichkeit zu geben, eine Wiederaufnahme dieses verderblichen Zahlungssystems in späteren Iahren zu fordern. Anschei- nend verfolgte man mit der Betonung, daß die Reichsbahn ein gesundes linternehmen sei, das später wieder große Ueber- schüsse ergeben würde, die gleiche Absicht. Nichtsdestoweniger bedeutet das Baseler Dokument einen wichtigen Schritt vorwärts, dessen Bedeutung gerade für Deutschland nur böswillige Berneiner jeden Fort» schrittes leugnen können. Das Reichskabinett hat recht daran getan, dem deutschen Delegierten die Ermächtigung zur Unter- Zeichnung zu erteilen. Jetzt hat die Konferenz der Regierun- gen das Wort! Hermann Reims' Bestattung. Gewaltiges Leichenbegängnis in Magdeburg. Magdeburg, 23. Dezember.(Eigenbericht.) Am Mittwochabend wurde Hermann Beim? von vielen Tausenden Magdeburger Proletariern zur letzten Ruh« ge» leitet. In der gewaltigen Stadthalle, wo Belms vor wenigen Jahren den Magdeburger Parteitag der Soziatdemolrati« im Namen der Stadt Magdeburg begrüßte, war die Leiche aufgebahrt. Tausend- zogen am Mittwoch an dem von Blumen und Kränzen bedeckten Sarg vorbei. Reichsbannerleute hielten die Totenwacht. Hunderte von Kranzschleifen in den schwar-rot-goldenen Farben der Republik. die roten Farben des Sozialtsmus und die Stadtfarben von Magdeburg leuchteten aus frischem Grün. Der Trauerfeierlichkeit wohnten Vertreter der Stadt- und Pro- vtnzbehörden ohne Unterschied der Partetrichhmg bei. Dom Partei- vorstand der Sozialdemokratie und für die sozialdemokratische Reiche- tagsfraltion waren der Parteworsitzende Otto Wels und Reichs- tagspräsident Paul Lobe erschienen. Als die Witwe von Hermann Belms mit ihren Kindern, von Oberbürgermeister Reuter begleitet, den Saal betraten, erhob sich die Trauerversammlung. Dann leitete das städtische Orchester die Feier mit dem Trauermarsch aus Beethovens„Eroika" ein. Anschließend schilderte Oberbürgermeister Reuter das Wirken des Mannes, der in vorbildlicher Weise nicht nur für die seiner Obhut anvertraute Stadt mü aller Kraft gearbeitet hat, sondern auch als Kämpfer für die Ideale seiner Ueberzeugung eingetreten ist. Ein Volk, das solche Männer besitze, werde leben und sein Schicksal meistern. Der Oberpräsidcnt der Provinz Sachsen Dr. F a l ck gedachte der hervorragenden Verdienste des Verstorbenen um Magdeburg und den preußischen Staat zugleich im Namen der preußischen Staatsregie- rung. Der Präsident des deutschen Städtetages Dr. M u l e r t feierte Beims als großen Kommunalpolitiker, dessen Rot im Städtetag un- entbehrlich gewesen sei und dessen Andenken stets in Ehren ge- hallen werde. Im Namen der Sozialdenwkratischen Partei nahm damr deren Vorsitzender Ollo Wels das Wort zu einer eindrucksvollen Gedächtnisred« für den Kämpfer Genossen Hermann Beims. Die Nachricht von seinem Tode habe in die Reihen der Arbeiterschaft eingeschlagen wie ein Welterschlag. Schwer sei es. jetzt Abschied zu nehmen von einem, dem die Arbeiterbewegung so viel verdanke. Sein ganzes Wirken habe denen gegollen, die im Schallen leben und denen er ein Stück Sonne erkämpfen wollte. Wenn Hermann Beims lein Wort für etwas eingesetzt habe, so sei es wahr geworden. Er fei der Treucsten einer gewesen, den die Sozialdemokratie besessen habe. Wels schloß:„Ich hall' einen Kameraden, einen bessern findst du nicht.. Unter den Klängen feierlichen Orgesspiels wurde der Sarg dann hinausgetragen. Draußen hallen unterdessen Fahnenträger des Reichsbanners Aufstellung genommen. 100 schwarz-rot-goldene Föhnen mit Flor behangen senkten sich vor dem Sarg. Nochmals wenige Minuten feierlichen Gedenkens und dann formierte sich ein endloser Zuz. um den Sarg durch die Stadt hindurch zum Westfriedhof zu begleiten. In der Kapell« des Westfriedhofes stallete der Reichstagsahgeordnet« Ferl, der Vorsitzende des Bezirksvcr- bandes der Sozialdemokratischen Partei Magdeburg-Anhalt, namens der Magdeburger Arbeiterschaft dem Toten den letzten Dank ab. Das Leichenbegängnis war eine gewallige Demonstration für einen der besten Kämpfer der deutschen Arbeiterbewegung! Goebbels feiert Hochzeit. Oer feierlichste Augenblick im Leben eines Untertanen. Wenn Herr Goebbels heiratet, so ist das, sollte man meinen, eine Angelegenheit, die außer den Nächstbeteiligten keinen Menschen etwas angeht. Das Blatt des Herrn Goebbels hat jedoch den guten Geschmack, das Ereignis im Leben feines Herausaebers in spaltenlangen Schilderungen zu feiern. Da erzähu ein SS.-Mann, wie in Severin in Mecklenburg, wo die Hockzeit gefeiert wurde, Adolf Hitler als Trauzeuge erschien. Aber das muß man von ihm selber hören: Nachdem um Uhr der Gau-SS.-Führer Montag das Korn- mando übernommen halle, marschierten wir vor Hitler auf. Jedem von uns gab der Führer die Hand, und dies war der feierlichste Augenblick meines Lebens. Nie werde ich vergessen, wie ich Adolf Hitler Auge in Aug« gegen- überstand, wie er mir die Hand drückte, wie er mich ansah, und wie feine Augen leuchteten. Er sprach zu uns, brauchte nur wenige Worte, die für uns aber alles bedeuteten: „Kameraben! Im nächsten Jahre, in den ersten Mo- naten, wird das Schicksal Deutschlands entschieden werden, so oder so.. Wir zogen zurück auf unsere Wache und sangen:„Dem Adolf Hitler haben wir's geschworen!" Wir sangen es mit heller De- geisterung, donn wir wußten, daß wir ein wahres Lied sangen. Es gibt eine Geschichte von einem Mann, den ein laiser- licher Prinz im Gespräch beim Rockknopf faßte, der Mann hebt den Knopf noch bis zum heutigen Tage auf. Der biedere SS.-Mann in Mecklenburg wird sich, fürchten wir, fein Leben lang nicht mehr die Hände waschen, die durch die Berührung mit den Pfoten des großen Adolf geweiht sind. Die Monarchie kann man an einem Tage stürzen, aber den Untertanengeist kriegt man aus vielen Köpfen in Jahrzehnten nicht heraus. Und hier steht man auch, einiger- maßen erschüttert, an den tiefsten Quellen des teillfchen Razitums._ Ginkommensteuerzuschlag geht weiter. Ebenso die Ledigensteuer.- SrgänMng zur Aotverordnvng Die am 8. Dezember d. I. erlassen« viert« Notverordnung zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen und zum Schutze de» inneren Friedens hat tief in die wirtschaftlichen und rechtlichen Der- hältniss« eingegriffen. Bon Bestimmungenmehr gesetzes- technischer Art und minderer Bedeutung wurde sie daher«ntlästet. um sie einheitlich und übersichtlich zu gestallen. Eine neu« Verordnung de« Reichspräsidenten zur Anpassung einiger Ge- setz« und Verordnungen an die verändert« Loge von Wirtschaft und Finanzen(Anpassungsperordnung) enthüll Bestimmungen dieser Art. Es Handell sich in erster Linie um steuerrechtliche Borschriften. Von allgemeiner Bedeutung sind die folgenden Bestimmungen: Di« Zuschläge zur Einkommensteuer, und zwar der Sprozentig« Zuschlag zur Einkommensteuer von mehr als 8000 Mark, der Zuschlag zur Einkommen st euerder Ledigen und die Zuschläge der Aufsichtsratsmit- g l i e d e r(10 Proz. von den Tantiemen) gellen bisher nur für das Rechnungsjahr 1931. Die Finanzlage des Reich» zwingt dazu, die Zuschläge auch im Rechnungsjahr 1932 zu erhebe». Die Linie« Basel, 23. Dezember. Oer Bericht des Beratenden Sonderausschusses der V3Z. wurde heute abend gegen 10 Uhr in einer nicht öffentlichen Bollsihung des Aucfchusses unler Vorsitz von Prof. Vcneduce-Zkalien von sämtlichen Mkgliedern des Ausschusses unterzeichnet. Bevor die Mitglieder ihre Unterschrift unier das umfangreiche Dokument fehien, wurde der Bericht, der bis jetzt nur In englischer Sprache vorliegt, von dem Ehefdolmclschcr des Ausschusses. Ober- rcgierungsrat Dr. Michaelis, verlin, Abschnitt für Abschnitt vor- gelesen. Die Verabschiedung des verichles erfolgte debattenlos. Der Bericht trägt nunmehr die llnterfchristen folgender Persönlich- keiten: Beaeduce(Italien), Melchior(Deutschland), L a y- t o n(Großbrilaumen), H I st(Frankreich). Francqul(Belgien). ilolij(Holland), Rqdbeck(Schweden), Bindschedler (Schweiz), vju ritsch(Zogoslawlcn). Uogara(Zapan). Die Mitglieder des Aueschusses haben größtenteils sofort nach Beendigung der heutigen Sitzung Basel wieder verlassen. Auch Hoover« Moratorium ratifiziert. Washington. 23. Dezember. PrSfident hoover hat da» Moratorium unterzeichnet. Die einzelnen Kapitel des Gutachtens. Basel. 23. Dezember. Kapitel 1 gibt einen Ueberblick üb« die gegenwärtige Lage Deutschlands und chre Entwicklung. Der Bericht hebt die besondere Empfindlichkeit der deutschen Wirtschaft gegenüber der Kreditkrise hervor. Die Ausfuhrüberschüsse der letzten Zeit haben ein gewisses Gegengewicht gegen die jüngsten Kreditabzüge geschaffen. Es scheint aber zweiselhast, ob die wirtschaftlichen Bedingungen Ausfuhrüberschüsse in der bisherigen Höhe weiter gestallen. Besonders wirken Zoll mauern. De» visenvorfchrlften des Auslandes. Einfuhrbeschränkungen und Kon- ringen te zusammen mit dem verschärften Wettbewerb infolge der Entwertung des Pfundes und anderer Währungen in«nt- gegengesetzt« Richtung. Auf der Einsuhrselle ergibt sich die Rot- wendigkell, die Rohstofflag« wied« zu füllen. Eine Schätzung der deutschen Zahlungsbilanz für das Jahr 1931 zeigt den hohen Anteil, der von den Ausfuhrüberschüssen für den Zinsen- und TU» gungsdienst der Auslandsschulden und die Repa- rationszahlungen vor dem Hoover-Plan verwendet werden mußte. Di« Kapllalabzüge zwangen Deutschland, nicht nur seme auswärtigen Reserven einzusetzen, sondern auch Kredite, wie die der Reichsbank und der Golddiskontbank. in Anspruch zu nehmen. Di« Reichsbank hat zu immer schärferen Maßnahmen greisen müssen, um den Abzug der Devisen so well wie möglich einzuschränken. Deutschland hat eine überlegte Preis- und Lohnsenkungspolltik verfolgt, um seine wirtschaftliche Lage gegenüber dem Ausland so well als möglich zu schützen. Preise und Löhne wurden durch die letzte Notverordnung weiter gesenkt. Em Drittel de» wirischafMche» Lebens Deutschland» hat auf- gehört. Die Arbeitslosigkeit ist am 1. Dezember auf fünf Millionen gestiegen. Die Landwirtschaft mit ihrer hoch verzinslichen Verschuldung hat die Zinsen kaum erarbellen können, so daß moratoriumsähnliche Maßnahmen ergrifseii werden mußten, um chren Zusammenbruch zu verhüten. Die Krise hat auch für die öffentlichen Finan- z e n eine kritische Lage geschaffen. Einschneidende Ausgabe- senkungcn sind«folgt, beträchtliche Ersparnisse wurden in der Arbeitslosenunterstützung erzielt. Die Regierung mußte für die Rückzahlung d« kurzfristigen Schulden und zur Deckung des Fehl- hetrages früherer Jahre beträchtliche Smnmen emstellsn. Die Steuerlast ist nach Auffassung des Ansschusse» so hoch gestiegen, daß für eine weitere Erhöhung kein Raum mehr ist. Di« Wirtschaftsschrumpfung zeigt sich auch in den Einuohmeruckgängen der Reichsbahn. -ecutz energischer Sparmaßnahmen sank der Betriebsüberschuß von 800 auf 480 Millionen Mark im Jahre 1930. Im Jahre 1931 blieben di« Einnahmen um 28 Proz. hinter denen von ISA zurück- Der Betriebsüberschuß wird auf nicht mehr als 178 Millionen geschätzt. Daher war selbst nach Inanspruchnahme der Reserven die Reichs- Hahn im Jahr« 1931 außerstande, aus chren Einnahmen Zahlungen rilr Reparationen und Schuldverpflichtungen zu leisten. Für 1932 konnten keine Schätzungen vorgenommen werden. Der zur Bericht- «stattung über die Lag« der Reichsbahn eingesetzte Unterausschuß ist indessen zur Schlußfolgerung gelangt, daß die Reichs- bahn im Grunde emgesundesUnternehmenistund künftig bei Beachtung kaufmännischer Grundsätze einen Belliebsüberschuß zu erzielen in d« Lage ist. wie chn di« übrigen großen. Auslandsbahnen «zielen, wenn in spät«« Zell einmal Deutschland und di« Welt das Gleichgewicht wiedergewonnen haben und normale Wirtschaft- liche Verhältnisse eingetreten sind. Kapitel 2 hehandell die Umstände und Verhältnisse, die zu d« gegenwärtigen Lag« geführt haben. Wie alle anderen Land« hat auch Deutsch. » � V lcmd unter den Folgen des außerordentlichen Preis» sturzes gelitten, der für das Wirtschaftsleben der Well seit 1929 choraktersstisch ist. Der Rückgang in der Konsumkraft breit« Massen Hot eine Verminderung oder eher ein vollständiges Verschwinden der RentabUität, schwere Arbeitslosigkeit und einen Niederbruch in den Börsenwerten herbeigeführt. Zahl- reiche Banken gerieten in Gefahr. Diese Bankenkrifls wiederum führte zum Abzug von Auslandskapital aus den Ländern Zentraleurvpas. Dieses und die Aufgabe des Gold« standards in einer Reihe von Ländern hat neu« Beunruhigung geschaffen und die allgemeine Tendenz zur Ansammlung von Gold gefördert. Die Erhöhung der Zollmauern vermehrte sich bereits um die von dein Wiggin-Ausschuß gcschllderten Schwierig- keiten in den Beziehungen zwischen Gläubig«, und Schuldner- ländern, da Zahlungen von einem Lande an da« ander« schließlich nur in Form von Waren gemacht werden können. Der Umschwung von ein« Periode der kredllgewährung zu emer Periode der Kreditabzüge, denen die Goldreserven d« Schuldnerländer nicht gewachsen waren, hat teils zu scharfer Devisenkontrolle, teils zur Aufhebung des Goldstandards geführt. Deutschland hat einen starken Kapitalbedarf, um die durch den Krieg, seine Nachwirkungen und«durch die Inflation geschaffenen Lücken auszufüllen. Vau 18 Milliarden Mark feil 1924 etngeströmkew Auslands- kapital wurden IVB Milliarden durch Reparationen aufgezehrt. Insgesamt hat Deutschland von 1924 bis 1929 rund 3S Mit» liarden Kopital inv« stiert, davon 22 Millrarden in öffentlichen Anlagen, Wohnungsbau. Gas, Wasser, Elektrizität, Straßen, und Kanalbau usw. Dies« Summen stamm» ten zum Teil aus eigenem Kapital, zum Teil aus dem Ausland«. Der hohe Anteil des kurzfristigen Auslandskapitals hat Deutschland besonders zerrüttbar gemacht. In den Itchren 1923 bis 1930 sind, ebenso wie die Steuereinnahmen, auch die Ausgaben im Reich, Ländern und Gemeinden stark geftregen, und zwar von 17L aus 20.8 Milliarden. Die Ausgaben für Wohnungsbau. Bildungewssen und Wohlfchrt machten hi«von 43 Proz.«ms. Stark gestiegen find die öffentlichen Schulden, die 1931 insgesamt 24 Milliarden betrugen. Als di« Krise die Steuereinnahmen oer- minderte, ergab sich bei dem hohen Ausgabennioeau ein entsprechend großer Fehlbetrag. Di« steigende Ausgabenpolitik ist oft kritisiert worden, ebenso wie das System des Finanzausgleichs zwischen Reich und Ländern und Gemeinden, das die Kontrolle über die Ausgaben von der Verantwortung für di« Erhebung mindestens eines beträchtlichen Teiles der Einnahmen trennt. Am Schluß dieses zweiten Kapitels wird ein« allgemeine Be- trachtung angestellt. So außergewöhnlich jetzt auch die Krise sei, es sei doch noch im in««ach jeder Krise ein Aufschwung erfolgt. Ebensowenig wie von der Grundlag« einer Hochkonjunktur, könne man die künftige Entwicklung eines Landes von der Grund- läge einer schweren Krise aus beurteilen. Man würde an der Zu- tunft verzweifeln müssen, wenn man annehmen wollte, daß dieses Mal das Gleichgewicht der in allen Ländern und in allen Banken in Unordnung geratenen Haushalt« nicht wieder erreicht würde. Was von anderen Ländern gill, gill auch für Deutschland. Di« starke wirtschaftliche Ausrüstung Deutschlands kann jetzt zwar nicht voll ausgenützt lverden, aber wenn man auch den Zeitpunkt der wirtschaftlichen Stabilität nicht voraussehen kann, so ist es doch nicht weniger sicher, daß diese Stabilität erst mit Hilfe der in Kapttel 4 gemachten Vorschläge«reicht werden kann. Kapitel 3 schildert die deutschen Sondermaßnahmen zur Be- tämpfung d« Krise. Der Ausschuß hat sich einen Ueberblick über die Sondermaßnahmen verschasst, die die Reichsregiernng zu diesem Zweck seit dem Juli 1931 ergriffen hat. Der Bericht erwähnt, daß die vornehmste Sorge die Sicherung der Währung und das Funk- tioniersn der deutschen Wirtschaft im Rahmen der Weltwirtschaft war, und zähll di« wichtigsten Maßnahmen zur Sicherung de» Haushaltes, zur BekämpsungderArbeitslosigkeit. die Preis», Lohn» und Zinssenkung, di« Kredit- und währungspolllischen Maßnahmen sowie die besonderen Vorkehrungen zum Schutz der Landwirtschaft auf. D« Ausschuß ist der Ansicht, daß diese zur Verteidigung und Aufrechterhalwng der Stabilität der Währung und des Haushalle« getroffenen Maß- nahmen den entschlossenen Willen der Retchsregie- r u n g zu erkennen geben, der Lage gerecht zu werden. Kapitel 4 enthält die bereits vorausgemeldeten Schlußfolgerungen. Unglücksfall de» Polizeipräsidenten von Altona. Der Polizei- uäftdent von Altona, Genosse Otto Eggerstedt, ist auf v« Fahrt in Schleswia-Holstein bei Dad Bramstedt mit seinem Kraftwagen verunglückt. Er«litt erhebliche Kopfverletzungen, ebenso die beiden chn bqglellenden Polizsiosfizier«. Brian d empfing den japanischen Botschafter in Pari« Poshizowo und den Stellvertreter des chinesischen Volkerbund Ä>sl« gierten Sz«, Hu. Die Unterredung halle sich auf di« Zusammensetzung der nach China zu«ntsendendeu Untersuchung, kam- Mission bezogen. Ä. 801• 4S. Iahrga»» Ocnticrdfos, 14. vezemb» 19M Beim Tanncr llnfm(SrünfwHnfMu hat sich« Anbetracht ihr« immer schlechte? ffchenben GeinAegeschcht» z»«nom klemen Rebenbenif entschlossen— sie handelt mit Weihnacht sbäiirnen! Ans alle? fireuird- ichatt zu ihr med anch«eil ich neugierig bin, mie de?.Handel mit ifficihiMchtsböumen sich wohl so aus der Nähe macht, stelle ich mich am Goldenen Sanntag an ihren Stent» dort oben im Norden irgend- wo und sehe zunächst einmal zu. Sa halb und halb fungier« icholsMitverklinf«?, indem ich Borbeischlendernden. die sich für unsere Däumchen zu interessieren scheinen, d« verlockendsten Angebot« rroich«, ivobei ich den Keinen. auf Straßendord und Bürgersie ig so herrlich aufgebauten Wald über den grünen Klee lobe. Ohne Erfolg allerdings, denn in der ersten Viertelstunde nach 3 Uhr habe ich mit meiner privaten, ganz aus dem Stegreif gehemdhabten Anreiherei, von der ich noch nicht emmol weiß, ob sie meiner Grünkram» rau als ernsthast und ge- schäftsmähig paßt, noch keinen Hund hinter dem Osen hervorgelockt bzw. keine Kunden an unser« Bäum« heranbringen können. Vorerst enthalte ich nnch daher besser vielleicht aller unangebrachten geschöst- liehen Mahnohmen und stell« mich still und bescheiden Hinte? den mächtigen Rücken der Handelsfrau, die gerade in, Begriff ist, mit unserem ersten Kunden handelseins zu werden. Es ist eine junge Frau— junge Frauen bringen Glück, nicht schlecht als Anfang! Sie ist, scheint es, Handwerker sirau, ihr Mann hat wohl noch Arbeit — denn sie sieht gar nicht, wie sonst doch all« hier, aus den Pfennig. Ohne an dem Däumchen zu mäkeln, dessen Wuchs aber auch wirklich untadelig schön und ebeimtehig ist, zahlt sie die 1,50 Mark, die dafür verlangt werden, und zieht mit dem schönen Tannenbaum ob. Die Gemüsefrau spuckt dreimal auf das Geld— es ist das erste heute, i>,s muh man tun, wenn man sich nicht selbst das Geschäft ver- derben will. Indessen schreiten schon andere Interesienten mit kritisch prüfen- den Blicken die klein« Parade unserer Däumchen ab, betasten hier ein paar Aefte, dort einige Zweig«, heben die Däumchen an und schütteln si« aus Leibeskräften, damit sich mich ja alle ihre Vorzüge oder Mängel entpuppen. Es geht auf 4 Uhr und das Geschäft seht kräftiger ein Auch Kinder stehen in Menge um unseren Stand herum, Kinder ohne die Begleitung Großer. Sie klauben sich alle die kleinen Tannenzweige aus, wie sie beim Zuhauen der Stamme auf das Pflaster gesollen sind. Die sammeln sie und machen ein Bündel draus, einen ganz dicken Tannenstrauß— und ziehen los damit. Sicherlich noch Hanse— vielleicht fft es das einzige Tannengrün, das sie Weih- nachten über nn Hanfe haben— woher sollen ihre Eltern denn die . Bäume nehmen?.., .Allmählich lichten sich die Reihen unserer Däinne, und es gcht ja auch sachte am sieben. Das Geschrei der Straßenhündler rundum wird innner wilder— schließlich wollen sie doch alle noch ihre mim ,z»g«n Sächclchen, die sie für die letzten Pfennig« gekauft haben, an den Mann bringen. Viel« von ihnen, die wÄd handeln, stehlen sich Tagesheim in der Frankfurter Allee. RötLeiftelnfchafi Pes Vezirks Mednchshäin. Wiederum hat die N ot gemein scha st Berlin zur Errichtung opn Heimen.und Küchen für Erroerbslose ein Stück Arbeit geleistet; wiederum wurde aus dem Nichts, das heißt in diesem Falle ohne die geringste kamnrunate Belastung, etwas für die groß« Gdvir; der Erwerbslosen getan. Da l>ot die DBG.. ein früheres Omnibusdepot im Hofe des Hauses Frankfurter Allee 3<)t> zur Verfügung gestellt, da laben Arbeitslose 14' Tage von morgens bis spät abends ohne jedes Entgelt geschafft, der Farbenhändler hat den Anstrich, der Ösen- sabrikant die Öcfen, der Kohlenhändler den Koks geliefert. So ent- Er deutete hinaus aus dem Fenster. „Da hinten, wo Sie die Schornsteine rauchen sehen, wo Fabrik an Fabrik steht, wo Millionen kämpfen und ringen, um nur das Notwendigste zum Leben zu erarbeiten— das ist die Welt, der ich angehöre, freudig und aus innerster Ueberzeugung. Von dieser Welt werde ich mich niemals lösen, solange ich lebe, denn sie ist tief in mir." Germaine ging langsani aus dem Zimmer. Sie er- widerte nichts. Erst an der Treppe blieb sie stehen. „Sie haben recht", sagte sie.„es sind zwei Welten. Aber Sie sagen das in einer Art, als ob ich mich fast entschuldigen müßte, daß ich nicht da drüben im Bezirk der Fabriken und Mietkasernen aufgewachsen bin, sondern weil abseits davon. Ich kann ja nichts dafür, daß ich in sogenannten bürgerlichen Verhältnissen gelebt habe, daß es bei uns daheim sehr wenige Arbeiter' gibt, denn unsere kleine Stadt besitzt keine Industrie. Ich batte noch niemals Gelegenheit, eine Fabrik von innen zu sehen. Ich weiß deshalb auch nicht, wie dort gearbeitet wird. Das ist eben der Teil Ihrer Welt, der mir vollkommen unbekannt ist. Wollen Sie mir das zum Vorwurf machen?" „Nein, Fräulein Loriot, selbstverständlich ist das kein Borwurf. Sie können ja wirklich nichts dafür, daß Ihr Lebensweg Sic in einen akademischen Beruf und nicht in die Fabrik geführt hat. Das wollte ich auch damit nicht sagen. Aber ich möchte doch ganz wahr gegen Sie sein, wenn Sie mich fragen. Und da muß ich eben diesen Gegensatz, diese beiden Welten ganz kalt und hart betonen, obwohl es mir selbst fast weh tut... Sic werden mich jetzt nicht miß- verstehen, obwohl Sie mich kaum kennen. Es ist ja eigentlich ganz sellsam, daß wir gestern um diese Zeit überhaupt noch nichts voneinander wußten. Und doch stehen Sie mir so nahe, sind mir so vertraut, als ob wir Jahre lang zusomnten gewesen seien.. Wieder sah er sie voll an. „Können wir nicht gute Freunde sein, trotz dieser beiden Welte«? Ich will Ihnen ja nichts nehmen, im Gegenteil. Ich schnell fort, wenn Schupahetme in der Fern« aufblinken. Ach, wenn die Schupos all« die armen Teufel fassen wollten, im hier schwarzen Handel treiben.. sie könnten nicht geraten. Zu guter Letzt noch, kurz vor Toresschluß, di« Händler in der Rachbarschaft packen schon ihre Sachen ein. gellen noch zwei Der Baum für alle. ■>■-•>•>»«*"••*.rv..te»v Riesentanne auf dem Wittenbergplatz, die am Abend im Lichterglanz erstrahlt, Bäumchen fort— und es scheint, als hätte die junge Frau, die das erst« Däumchen kaufte, unseren Leuten wirklich Glück gebracht— denn sie sind nicht unzufrieden mit den» Geschäft von heute, dös sich besser anließ, als sie anfangs glaubten. ftoniKjjpjb rei groß«, frz» u n.d l ich<..Ap f e.n.th altsrävme. di�.vW.' morgen», bis opepilS.geisttvet sind. Es gibt darin: Nach- mittagskoffee.' SpieE und Lesegelegciiheit und bietet, den innerlich und äußerlich Frierenden einen Ruhepunkt nn zcrniürbeirdcn täglichen Leerlauf des Daseins. Der Arbeitsausschuß der Notgcmeinschast Hot im Verein mit den ausübenden getreuen Helfern und Helferinnen für ungefähr 300 Arbeitslose eine Unterkunstsstättc geschaffen. wobei man im besonderen an die Jugendlichen denkt, deren De- treuung die vornehmste Pflicht eines jeden sein soll. In weiß und grün gehalten, präsentieren sich die neuen Räum« in vorteilhaftester Wesse. Im Rohmen einer kleinen Weihnachtsjeier eröffnete Genosse Stadtrot Lempert dos Heim, es gab Musik- und Gesangsvorträg«. in Riesentöpsen brodelt« der Kaffee und die Küchenpyromiden achte und erkenne diese Welt an. und ich verstehe auch voll- kommen, daß Sie nicht hier, sondern nur dort sich heimisch fühlen können. Ich bin dieser Welt ja nicht feindlich ge- sonnen, sondern ich kenne sie nur nicht!" Wieder glitt das helle Lächeln über sein Gesicht, wie gestern, als sie auf dem Schiff vor ihm stand. Herzlich streckte er ihr die Hand entgegen. „Ja, Fräulein Loriot, wenn Sie meine Welt nicht an- greifen, dann können wir sicherlich gute Freunde sein. Und ich hoffe, wir werden es immer bleiben." 32. Was war Oxford für eine entzückende kleine Stadl! Ger- maine stand, sie wußte selbst nicht zum wievielten Male, vor einem der alten Tore, die zu den Colleges führte. Vieles er- innerte sie an daheim— der gleiche Geist wehte in diesen Mauern, der Geist der Vergangenheit. Die Kirchen, die Colleges, efeu- und weinlaubumsponnen, die altertümlichen Straßen und Häuser— das war teilweise noch frühes Mittel- alter. Aber heute sollte sie in dieser mittelalterlichen Stadt unmittelbarste Gegenwart kennenlernen.-- Auch das waren zwei Welten, tief verschieden von ein- ander und scharf getrennt. Aber nach außen wirkte der Gegensatz keineswegs auffallend oder gar unversöhnlich. Das Ruskin College stand inmitten dieser Welt der Vergangenheit, als sei es ganz selbstverständlich aus ihr herausgewachsen.— Reiner stand am� Haupteingang. Er schritt ihr entgegen. „Das ist schön, daß Sie Wort halten!" sagte er.„Wie lange habe ich Sie nicht gesehen! Ueber eine Woche— es schien mir endlos zu sein!" „Mir ging es nicht besser!" Sie lächelte.„Und ich muß Ihnen viel erzählen! Das Schlimmste zuerst, denn Sic wer- den mich auslachen! Ich bin drei Tage lang ins Britische Museum gelausen und bin stundenlang dort geblieben. Aus der Uni haben wir manchmal über die alten Pergamente und Handschriften geschallen, wenn es uns zu viel wurde, ober als ich jetzt die Grenville-Bibliothck sah mit ihren zarten Miniaturmalereien und erst den großen Saal der Manuskripte— meine Philolo genbegeisterung kannte keine Grenzen!" Sie lachte. „Ich war auch im Britischen Museum letzte Woche". sagte Reiner,„es ist schade, daß ich Sie nicht getroffen habe. Ich war allerdings nicht im Handschristensaal, sondern bei den Elgin Marbles, die ich jedesmal besuche, wenn ich in die Nähe des Britischen Museums komme. Sie sind meine wurden zufeheud, kleiner. Für die Alten gibt t» einen gemütlich« Tssch mit einem Sofa und ein paar Polstersessel, die dem Heim gestiftet wurden. Billigere Strompreise. Senkung veo Fesipreieltarifes von 50 auf 40 Pf. ün Ueber eiustinimung mit den Destrebunge« de? Aeichsregle rung, eine allgemeine Senkung des Preisniveaus herbei zuführe«. hat die Bewag Anfangs dieses Monats folgende« Tarif- ermäßiguugeu beschlossen, die sich zu Beginn des nächsten Zorhres auswirken werden: Beim Kleingewerbekrafttarif, der bereits Anfang dieses Jahres den Abnehmern eine Ermäßigung um im Mittel IS Praz. brachte, wurde die Grundgebühr in chrer Wirkung um 20 Proz. gesenkt: die Arbeilspreisstaffeln wurden um zwei weitere Stufen bis herab zu 10 Pf. pro Kilaivaitstunde erweitert. Der Geltungsbereich des Nacht st rvmtarifes wurde auf weitere Gebiete ausgedehnt und zugleich der Strompreis, der Anfang dieses Jahres von 8 auf 6 Pf. pro Kilowattstunde ge- senkt war, auf 5 Pf. und bei größerem Verbrauch m»f 4 Pf. pro Kilowattstunde ermäßigt. Reklameanlagen, die bisher einen Strompreis von 20 Pf. pro Kilowattstunde zuzüglich der Grundgebühr zahlten, werden in Zukunft mit 12 Pf. pro Kilowattstunde abgerechnet. wenn die Anlage während der Spitzenzeiten des Werkes nicht in Betrieb genommen wird. Für die Belieferung von Elektroküchen in Hans Haltungen wurde die Einführung eines besonderen Tarifes mit einem Strompreis von 10 Pf. pro Kilowattstunde beschlossen: eine Grundgebühr wird hierbei nicht erhoben. Die Ausschüsse des Aufsichtsrates haben nunmehr beschlossen. den Festpeeistarif von 50 auf 40 P f. pro Kilowatt. stunde herabzusetzen und gleichzeitig die Aawendungsmög- lichkeit dieses Tarifes auch aus Haushaltungen auszudehnen. wenn ein Antrag gestellt wird. Der Abnehmer erhält hierdurch die Möglichkeit, zu diesem Tarif schon für den verbrauch nach der nächsten Ablesung überzugehen, falls sich für ihn bei geringem verbrauch nach dem Grundgebührentarif ein höherer Strompreis ergibt. Zur Behebung der in Einzelfällen immer wieder auftretenden Klagen über Härten des Grundgebührentarises für Haushaltungen soll ein konsumfördernder Haushaltungstarff beschleunigt emgefühn werden. Wieder Kassenräuber. Am Kurfurfiendamm rint» im Norden 050 Mark erbeutet. Einen überaus verwegenen Uebersall unternahm gestern abend ein etwa 20 Jahre alter Mann auf die Filiale der vultcr- firma Thürmann am kursürslendomm 12S. Der Unbekaunte drang mit vorgehaltener Pistole in den Verkaufsloden ein. Die Filialleiterin mußte mit erhabenen Händen zusehen, wie d«r Räuber die Kasse plündert« und mit se'nem Raub unter Drohungen ftüchtetr. Der vaudit konnte im Stcaßengewuhl entkommen. Cs wird vermutet, daß er noch einen Komplicen ge- lMbl hat. der an der nächsten Straßenecke vermutlich in einem gestohlenen Auto aus seinen Helte? shelfer wartete. Dem Täter sind 450 M. in die Hände gesollen. Der zweiie Kasscnraub spielte sich in der v u t t c r f i l i a l e von Reichelt in der Schioelbeine? Str. 20 im Norden Berlins ob. Dort erschienen süns jüngere Burschen, die sämtlich Pistolen in den Hände» hielten niid die drei Verkäuferinnen und mehrere anwesende Kunden so einschüchterten, daß niemand an Widerstand denken konnte. Einer der Täter raubte dann aus der Ladenkasse 250 M. Auch in diesem Falle gelang es den Räubern, zu enl- kommen. stille, unglückliche Liebe— unglücklich, weil ich bisher nie- mals nach Griechenland reisen und diese Skulpturen im Zu- sammenhang sehen konnte. Aber nun will ich Ihnen die Arbeiterhochsckiule zeigen." Sie schritten durch die Hörsäle, in denen sich nicht, wie an den deutschen Universitäten, Länke, sondern Einzelstühle, die mit aufklappbaren Schreibpulten versehen waren, bc- fanden. „Es ist bequemer, hier zu sitzen, als auf den deutschen Schulbänken", sagte Reiner.„Und unsere Arbeiterstudenten kommen aus Fabriken und Betrieben— es sind keine Studenten in unserem Sinn» sondern reife, selbständige Menschen." „Und was wird hier unterrichtet?" fragte Germaine. „Geschichte, Nationalökonomie, Wirtschaftsgeographie, Literatur. Vorlesungen über Parteigeschichte, Gewerkschasts- wesen, Fremdsprachen— das sind die Houptgebietc", er- widerte er. „Und ist die Methodik hier die gleiche wie bei uns?" fragte Germaine.„Doziert hier auch der Professor, und die Studenten hören zu und schreiben mit?" „Das können unsere Genossen selbst entscheiden. Sic hoben die Freiheit, sich ihre Lehrer, den Stoff und die Unterrichtsmethode, Dozentenoortrag oder freie Arbeits- gemeinschast, zu wählen. In jedem Fall aber schließt sich an die einzelnen Stunden eine freie Aussprache an, in der Fragen beantwortet und Irrtümer geklärt werden können" „Das geht ja weit über den Rahmen der Universitäten hinaus! So etwas Aehnliches, oder wenigstens einen frei- heitlichen. zeitgemäßen Hauch haben wir alle als Studenten herbeigesehnt! Aber zu uns wehte er nicht herüber!" sagte Germatnc etwas bedrückt. „Auch hier gibt cs verschiedene Richtungen der Arbeitet- bildungsbestrebungen", erwiderte Reiner.„Hier in Oxford vertritt die„Arbeiterbildungsvereinigung" ihren Standpunkt. daß es sich nicht um eine Vorschule für politische Agitatoren handeln könne, sondern daß man den jungen Arbeitern ein fach helfen wolle, ihren Horizont zu erweitern. Wie sie diese Bildung dann später verarbeiten, im Sinne marxistischer Weltanschauung oder aber im Rahmen anderer geistiger Strömungen— das überläßt man dem einzelnen. Daneben gibt es natürlich andere englische Bildungsvereinigungen der Arbeiter, die nur in parteipolitischem Sinne wirken. Aber ich mächte Ihnen auch die anderen Räume zeigen." (Fortjetzung folgt.) j / Die StadtbaukgeschSste. „AaxSttarek brauchte nurmit dem tteinenFingerzu winken" Zm weiteren Verlaus der gestrigen Verhandlung wurde erörtert, aus welche Weise im Jahre 1S24 die Geschäflsdeziehungen zwischen der Sladtbant und den Sklerets angeknüpft wurden. Dabei wurde festgestellt, dah der verstorbene Geschästssührcr der VAG.. Sie- bürg. Sladlbankdirektor h o s f m a n u eine Lifte von Firmen gab, unter denen sich auch die S k l a r e k s befanden. Die Gcschäftsbeziehungen erfolgten auf Beranlasiung der Stadt- bank, die großen Wert darauf legte, die Sklarets als Kunden zu be- kommen. Wie der Vorsitzend« mitteilte, wurden die Sklarekschen Forderungen an die VAG. sofort an der Stadtbant bevorschußt, wo- bei man nicht einmal wartete, bis die eingeholten Auskünfte eintrafen. Der Kreditausschub bewilligte dann einen Kreditan die Sklareks von lS0000 Mark. Die Stadtbank zahlte aber 200 000 Mark aus. Der angeklagte Stadtbankdirektor Schmidt stellte sich auf den Standpunkt, er habe die Befugnis gehabt, SO 000 Mark mehr zu zahlen, die Bewilligung von nur ISO 000 Mark sei ein Versehen der Kreditabteilung gewesen Vors.: Also fing die ganze Sache schon mit einem Versehen an?— Weiter wurde fest- gestellt, daß die Berliner Anschaffungsgesellschaft durchaus in der Lage war. die bei den Sklareks bezogenen Waren aus eigenen Mitteln zu bezahlen.— Stadtbankdirektor H o f f m a n n erklärte dann, er habe sich immer bemüht, den Sklareks sehr scharf« Be- dingungen bezüglich der Kreditgewährung zu stellen.— Vors.: Das ist ja gerade das Auffällige. Sie haben sich durchaus auf dem rechten Wege befunden und scharfe Bedingungen gestellt, dann aber sind Sie immer wieder umgefallen und zurückgeschreckt. Da muß man sich doch fragen, warum? Sie fielen doch auf die faulsten Ver- sprechungen der Sklareks herein, und Max Sklarek brauchtenur mit dem kleinen Finger zu winken, dann bekam er den Kredit trotz alledem.— H o f f m a n n: Ich Hab« doch an die Bonität der Firma geglaubt. Einem Kaufmann gegenüber kann man doch nur durch Verhandlungen zum Ziele kommen.— Vors.: Das ist ja gerade der Zwiespalt. Entweder glaubten Sie an die Bonität. dann brauchten Sie die scharfen Bedingungen nicht, oder Sie waren von der Bonität nicht überzeugt, und dann hätten Sie das Geschäft nicht machen dürfen.— Hoffmann: Die Stadtbant hat doch gut dabei oerdient.— Vors.: Aber das wäre doch ein Glück für die Stadt gewesen, wenn sie die Sklareks nicht als Kunden bekommen hätte. Nach einigen Auseinandersetzungen erörterte man dann die einzelnen Kredite, die zum Teil auf Grund von Forderungen der Sklareks an die BAG., teil» auf chren Grundbesitz gewährt wurden. Die Anklage legt den angeklagten Stadtbankdircktoren hierbei zur Last, daß die Deckung nicht in Ordnung gewesen sei und sie pflichtwidrig gehandelt hätten, was sie jedoch im einzelnen bestritten. Besonders der Angeklagte Hoffmann versichert«, stet» angenommen zu haben, daß die Sklareks die Vorschüsse aus wirklich gelieferte Waren erhielten, was aber nicht der Fall war. Di« Ver- Handlung wurde dann schließlich auf Donnerstagvormittag OZtt Uhr oertagt, und zwar wird man mit Rücksicht auf den Heiligen Abend nur etwa eine Stunde verhandeln. NazHiäopfliiige werden ansgeladri. Momeniblider aus Märkischen Landstädten. Die Drohungen einer Eifersüchtigen. „ ein Schoß für ihn, die lehte Kogel für mich." Der glühende Haß, in den sich ihre etnzize. nicht minder glühende Lieb« im Laufe der Zeit verwandelt hatte, war die Ursache. daß die LSjährige Aeichnerin Marie K. jetzt unter der lchweren An- Nage der räuberischen Erp res f u chg vor Gericht stand." Die Angeklagte, eine kleine, zlerktche Person, war vier Jahre lang innig verbunden mit einem erheblich älteren Photographen, in dessen Geschäft sie auch tätig war. Nach dieser Zeit kreuzte ein anderes junges Mädchen, eine Bildhauerin, den Weg des Freundes, und es dauerte nicht lange, so hatte er der Bildhouerin sein ganzes Herz zugewandt. Marie nahm das aber nicht nchjg hin. Es kam zu Eifersuchtsszenen, zu heftigen Auftritten, bis schließlich am letzten Siloester der endgültig« Bruch erfolgte. Bei der Tren- nung versprach er ihr Unterstützung und gab ihr darüber auch«ine Bescheinigung. Statt aber mit den ZOO Mk., die er ihr gegeben hatte, damit sie zu ihren Eltern zurückkehre, ruhig abzureisen und ihren Groll verdampfen zu lassen, trat sie nach ihrer Rückkehr mit drohenden Lerfolgungen an ihn heran. Auf der Stroh« und am Telephon machte sie ihm die heftigsten Dorwürfe und b«- schimpfte ihn. Einmal gab sie ihm sogar auf der Straße eine Ohrleige. Auch bei der Kundschaft machte sie ihn schlecht und erzählte, daß er«In Zuhälter und Verbrecher sei, so haß«r dadurch geschäftlich sehr geschädigt wurde. Bei einer Tante ihrer Reben- duhlerin erschien sie eines Tages mit einem Revolver in der Hand und sagte, darin seien sechs Kugeln,«ine für ihn.«in« für die Nebenbuhlerin, drei für ander« Widersacher und dieletztefürsie. Nun sah der Photogvaph keinen anderen Ausweg, als Strafantrag zu stellen, da er sich bedroht fühlt«. Der Revolver erwies sich allerdings später als ein« Schreckschuß» Pistole, und«s war auch nur bei einer leeren Drohung ge- blieben. Vor Gericht gab die Angeklagte zu ihrer Entschuldigung ihre große Liebe an, sie habe geglaubt, ohne den Mann nicht leben zu können. Die Angeklagt« wurde lediglich wegen öffentlicher und tätlicher Beleidigung des Photographen, der einen Straf amrug gestellt hatte, zu drei Wochen Gefängnis verurteilt, und diese Strafe wurde als durch die Untersuchungshaft verbüßt erklärt. Schupoweihnacht in der Polizeinnterknnft. Polizeipräsident G r z e s i n s k i hat 200 besonders v« r d i e n st- vollen Beamten der Berliner Schutzpolizei«in Geld» gefchenk zuerkannt. Die Spende wurde den Beamten bei einer Weihnachtsfeier, die gestern in der Turnhalle der Polizei- Unterkunft in der Karlstraße stattfand, überreicht. Zwei strahlende Wechnachtsbäume sowie schöne Darbietungen einer Musikabteilung der Schupo gaben der Feier die weihnachtliche Stimmung. Weihnachtswoche im Zoo. Die günstigen Erfahrungen, die der Zoologische Garten mtt der Einrichtung einer billigen Woche Mitte September d. I. gemacht hat> haben ihn veranlaßt, etwas Aehnliches auch für die Festtage zwischen Weihnachten und Neujahr zu schaffen. Der Zoo wird aiso vom ersten Weibnachtsfeiertag ab bis zum Neujahrstag einschließlich ein« billige Woche veranstalten, in der durchweg der Eintrittspreis für Erwachsene auf 73 Pf., für Kinder auf LS Pf., im Aquarium für Erwachsene auf SO Pf. und für Kinder auf LS Pf. ermäßigt wird. Am Mittag des 1. Weih- nachtsfeiertages von 12 bis 1 Uhr wird oow Aussichtsturm de« Zoo der Bläferchnr des Deutschen Sinsonie-Orchefter» unter Leitung seines Dirigenten Hugo Eduard Riemann Weihnacht»- lieber blasen. An allen drei Weihnochtsfeiertagen finden von 4 Uhr nachmittags ab im weihnachtlich geschmückten Kaifersaal des des> Neuen Tonkünstter-Orchefters. o Konzerte dcSl Neuen Tonkünstler-Orchefters. des Deutschen nfonie-Orchesters und der Kapelle Otto Kermbach statt. Manche Leute, die bei den Nalionalsoziolistea„häupfling" splelea dürfen, würde» in der Lozial demokratischen Partei nicht einmal zur Flugblallverbrcilung herangezogen werdeu. Man wühle nämlich nicht, ob diese Leute auch ein Flugblatt richtig in d«n Vries- kosten stecken können. Aber sich wichkig machen, das Volk bc. schwatzen. Srawall« inszenieren, das können sie. Dabei vergessen die Trabanlea des Dritten Reichs ganz, daß sie in den kleiaeu Land- städlchen der Brandenburger Mark ganz anders unter die Lupe zu nehmen sind, als in der Riesenstadt Berlin. 3n den kleinen Orlschafien kennt jeder die Schandtaten jedes eiuzelnen und es gibt mehr als eine Stadt, in der kein anständiger Mensch— gleich, ob Arbeiter oder Bürger— so einem Landsknecht auch nur die Hand gibt, woanders wieder lachen die politisch Erfahrenen über die harleNaaden der Hitler-Leute. Da ist nun Müncheberg, mit seinen 5000 Einwohnern idyllisch gelegen in der Märkischen Schweiz. Gewiß stich mich Nazis da, vielleicht 50 Mann. Aber die Leute müssen' sehr ruhig sein, das Mincheberger Reichsbonner paßt auf. Biswollen machen die Nazis Abendmärfch« außerhalb der Stadt. Dann stellen ! sie sich in den Wald und singen die Bäume an:„Siegreich wollen wir Frankreich schlagen/ Halb Müncheberg lacht über diese Bardenklänge. Rehmen wir Oranienburg. Da sind eine ganze Menge Nazis und neulich haben ja erst 54„Pg/ auf der Anklagebank gesessen, um sich wegen schweren Landfriedensbruches zu ver- antworten. Eininal hatte man mit Waffengewatt das kommu- nistisch« Derkehrslokal überfallen und zum anderen sich Polizeigewall angemaßt, indem man einfach Straßenpassanten kontrollierte. Aber das schönste ist ja ganz etwas anderes: da ließ noch dem 44. September 1930«in nationalsozialistischer Stadtverordneter Ftugblätter drucken, in denen er eine große Teuerung an- kündigt« und jeden aufforderte, sich mit Kartoffeln einzudecken. Und diese Kartoffeln, die bot zu teuren Preisen ein anderer Nazi der unruhig gemachten Bevölkerung an! Der Flugblatt- schreib«? wurde deshalb wegen groben Unfugs bestraft. In der Doden?ammer große Aemterverteiwng. Dann kennen all« Berliner Sirausberg in der Mark. Diese Stadt hat 10000 Einwohner, am 14. September 1930 be» kamen die Nazis von 6323 abgegebenen Stimmen 458. Aus dem bekannten„Einbruch in die marxistisch« Front" ist bis heute nichts geworden, 90 Proz. der Nazis rekrutierten sich aus dem Mittelstand. Aber im umgekehrten Verhällnis zu der Jugendlichkett der ganzen Nazibewegung in Strausberg steht die Großmäuligkeit ihrer Anhänger. Die Posten für das Dritte Reich sind schon ver- geben, für die„Septenckerlinge" bleibt nicht mehr viel übrig. Den Stadtkommandanten inacht Herr Westphal, für den er sich sa schon ausgegeben hat. Borläufig aber sitzen die Nazis nach in jener Bodenkammer, die sie sich von einem Bäckermeister gemietet haben. Und da werden sie wohl auch sitzen bleiben.— Was man übrigens in Strausberg im kleinen macht, nämlich die Postenoerteilung, das macht man in Potsdam im großen. Dom Regierungspräsidenten bis zum Stadtrat wird hier eingeteilt, und zwar erfolgte das schon anläßlich der diesjährigen Oktobertagung des Reichstags. Die Großmäuligkcit der Bernauer Nationalsozialisten— Bernau hat immerhin 11900 Einwohner— kennt bald keine Grenzen mehr. Jedem, der es hören will, erzählen die Nazis: „Na, bis Weihnachten dauert es ja nicht mehr, dann haben wir die Macht! Dann werden die Marxisten flüchten müssen aus Bernauf" Die Bernauer Marxisten werden sonst etwas machen, aber nicht flüchten. Was da in dem Sturmlokal„W einbergs- h ö h in der Weinbergstraße sitzt, das frißt niemanden.— Ebenso wetzen ja die Nazis aus Erkner(7000 Einwohner) schon lett langem die Messer für die Bartholomäusnacht. Aber trotzdem sich eine ganze Anzahl nationalsozialistischer Koryphäen in Erkner ang«- siedelt hat, kommt der Laden nicht recht vorwärts und wird immer erst aktionssähig. wenn Berliner SA. zur Verstärkung nach Erkner kommt. Aber wenn man selbst dann Versammlungen macht, ist man zu feige, Diskussionsredner gegnerischer Parteien das Wort zu geben. Dafür allerdings beschmiert ein der Arbetterschaft be- kannter SA.-Mann alle freien Zäune und Wände in Erlner mit blutrünstigen Inschriften. Neulich fand im„Kyffhäuserheim" eine Tagung der Nazis für den Gau Brandenburg statt. In dem StädH-e» Biesenthal(3550 Einwohner) hocken die Nazis bei dem Baumschulenbefitzer L o r b e r g. Seitdem dieser Herr jüngst in die Landwirtschaftskammer gewählt worden ist. hat er seinen Stadtverordnetensig an den Konditor Schüller abgetreten. Bis zum Herbst 1930 krochen die Nazis bei chren Hebungen in der Gegend von Lank« herum, jetzt haben sie es besser, jetzt gehen sie auf eine Baumschul«, wo sie Schießübungen abhalten. Uns liegen dann noch Nachrichten aus Zossen, Alt- Landsberg, Woltersdorf bei Erkner und Werneuchen vor. aber da ist nicht ein einziger Ort. in der die NSDAP, aullz nur im entferntesten die organisatorisch« Stärke der Sozial- demokrati« erreicht. Es ist nur bedauerlich, wie Menschen, die im ötonomiscben Sinn« durchaus Proletarier sind, in einer Bewegung mitlaufen, in deren wenig verhüllten Hintergrunde nur allzu deutlich die Schlotbarone und Krautjunker stehen. Raubübersätte aufgeklärt. bestellter Einbruch einer Kaufmannsfrau. Vach wochenlangen Ermilttungen ist e» dem Roubdezernat der Berliner Kriminalpolizei gelungen, in den letzten Tagen mehrere Ranbüberfälle. bei denen den Tätern viele lausend Mark in die Hände gesollen waren, aufzuklären. Am Z. November drangen d r« 1. b e w a f f n« te Männer IN da» Büro des Hausverwalters"Feitz R. iri der Stelnb o ck- straße in Neukölln ein und erbeuteten etwa 3000 Mark Miet- gelber. Di« Banditen flüchteten und gaben auf ihre Lerfolger 20 bis 30 Schüsse ab. Es gelang ihnen damals, über einen Bahndamm zu«n t k o m m e n. Gestern wurde zur Festnahme einiger Berdäch- digen geschritten, die von der Kriminalpolizei lange Zeit unauffällig beobachtet worden waren. Man hatte die Richtigen erwischt. Zwei der Täter,«in 25 Jahre alter Walter Schulz und ein gleichaltriger Hermann Hartmann, sind geständig. Nach zwei Komplicen, dem Objährigen Paul Zimmermann und einem 23 Jahre alten Alfted W o y d a. wird noch gefahndet. Auch die drei Burschen, die vor zwei Tagen den Wäscherei- besitze? G. im Hausflur Greifcnhagener Straße, wie berichtet, überfielen. konnten gestern ermittell und festgenommen werden.— Ein« weitere überraschend« Aufklärung fand ein großer Einbruch, der vor einiger Zeit in der L e i b n i z st r a ß e verübt wurde. Es hat sich nämlich herausgestellt, daß der Einbruch auf Bestellung erfolgt ist und die Wohnungsinhaberin, die Fran eine» kavf- mann» v, sich in den Besitz der sehr hohen Versicherungssumme setzen wollte, um durch da, Geld ihren Manu vor dem drohenden finanziellen Zusammenbruch feine» Geschäft» zu retten. Als Helfers- Helfer der Frau wurde u. a. der frühere Kriminalbeamte Ruwel ermittelt, der seiner Zell in Leipzig, da er mtt Taschendieb- kolonnen gemeinsam« Sache gemacht hott«, aus dem Polizeidienst fofort entlassen wurde und zu einer größeren Freiheitsstrafe ver- urteilt worden war. „Enttäuschungen für Mieter." Zu unserem Bericht„Enttäuschungen für Mieter", der sich mit dem Mietsnachlaß auf Grund der Notoerordnung befaßt, schreibt uns ein Leser:„Lei dem Mietsnachlaß für Neubauwohnungen hat der Mieter überhaupt keine Möglichkeit, zu erfahren, was der Vermieter für Hypotheken und zu welchen Zinssätzen er diese er- halten hat. Der Mieter ist auch hier dem Vermieter aus Treu und Glauben ausgeliefert. Oder soll jeder Mieter Einspruch gegen den Mielsnachlaß erheben, wenn er nicht einen Satz von 20 Proz.— welcher ja für den Fall der Neufestlegung eines Mietsvertrages vorgesehen ist— entspricht? Es wäre meines Erachtens das richtigste gewesen, wenn gleich in der Notverordnung vor- gesehen wäre, daß der Mieter oder sein Vertreter zur Einsichtnahme in die Hausatten zwecks Kontrolle de» Mietsnachlosses berechtigt Ist." Wie wir von zuständiger Stelle erfahren, ist von dieser im letzten Satz der Zuschrift geforderten Berechtigung aller Mieter zur Einsichtnahm« tn die Hausakten Abstand genommen worden, well ein« so allgemein« Auflegung der Akten«inen Beamten st ob zur Uebcrwachung und Beratung erfordern würde. Der Mieter, den, der Mietsnachlaß zu gering erscheint, hat«in Einspruch»- recht dagegen an«ine durch die Aussührungsb«stimmung«n der Länder noch festzusetzend« Stelle, der dann der Vermieter die not- wendigen Unterlagen einreichen muß. Man wird also diese Aus- führungsbestimmungen abwarten müssen,«he man zu dieser Rege- lung endgültig Stellung nimmt. Einspruch aber grundsätzlich gegen jeden Mietsnachlaß von weniger als 20 Proz. zu erheben, ist völlig sinnlos: der Mietsnachloß wird in den meisten Fällen weniger be- tragen uiü) etwa zwischen 10 und 13 Proz. liegen, für die mit öffentlichen Mitteln gebauten Häuser sogar noch niedriger. Immer- hin ist, wie wir erfahren, auch bei den von Genossenschaften er- richteten Kleinwohnungen ein Mistsnachlaß zu trwarten. der sich für die Zweizimmerwohnung auf durchschnittlich fünf bis acht Mark errechnen soll. �Oskar�Ewali� Völlig unerwartet ist am Mittwochnachmittag Genosse Oskar Ewald, Bezirksstadtrat in Tempelhos, im Krankenhaus« ver» storben, wo er an einer LnngenentziindMi'gMb Behandlung war. ihm verttert die sozialdemokratisch« Kommunalpotttik einen hin« gebenden und tatenfrohen Mttkämpfer, die Partei selbst einen viel- fach bewährten Vertreter ihrer Bestrebungen. Der Verstorbene, der das 33. Lebensjahr noch nicht voll- endet hatte, war der Sohn des in der Berliner Parteigejchicht« weit bekannten früheren Reichstagsabgeordneten und Stadtverordneten Ferdinand Ewald, der ihm erst 1928— an seinem 82. Geburtstage— in den Tod vorangegangen ist. Oskar Ewald wähtte den Buchdruckerberuf. In der Partei war er immer auf» regste tätig. In der alten Gemeinde Tempelhof war er seit 1908 ansässig und lange Jahre Leiter der örtlichen Partetorganisatwn. Di« Ge- nassen wählten ihn dort auch In das Gemeindeparlament, doch wurde die Wahl auf Grund der Hausbesitzervorschriften des Dreiklassen- Wahlrechts angefochten. Nach der Revolution wurde er jedoch bald zum Gemeinbeschösfen gewählt, und als im Jahre 1920 Tempslhof zu Groß-Derlin geschlagen wurde, wurde er in dem neugebildeten Verwaltungsbezirk besoldeter Stadttat. In diesem Amte hat er zunächst sich mit besonderer Wärme des Dezernat» für die Erwerbs- losenfürsorge angenommen. Im Laufe der Zett hat er dann«ine Reihe anderer Dezernate betreut. Bis zuletzt gatt sein« besondere Liebe dem Jugendamt, das ihm anoerttaut war. Di« sozialdemokratischen Stadttät« Berlin«, die«in« los« Arbeits- gemeinschaft bilden, hatten Ewald zu ihrem Obmann bestimmt. Auch dadurch drückte sich das Bertrauen au», das ihm allsettig entgegen- gebracht wurde und da» ihm«in ehrendes Gedenken sichern wird. Gchlußguiachien in Lübeck. Todesfälle als Folgen unabsichtlichen Versehens. Lübeck, 23. Dezember. Di« Dienstag-Verhandlung im Ealmette-Prozeß brachte da» Schlußgutachtea von Professor Hahn zu dem ersten und zweiten Teil der Sachverstäudigensrageu. Professor Hahn führt« au», daß man die Möglichkeit einer Birulenzsteigerung beim BEG- al» erwiesen ansehen müsse. Eine solche Möglichkett komm« aber für die Er- Närung des Lübecker Unglücks nicht in Bettacht. Hier müsse man es als sehr wahrscheinlich bezeichnen, daß«in spontaner Rückschlag des BEG. eingetreten sei. Es müsse als sehr wahr- scheinlich bezeichnet werden, daß virulente Tuberkelbazillen in den Impfstoff hineingelangt seien. Es werde ihm schwer, das Schluß- «rgebnis seine» Gutachtens vorzutragen. Seine Ueberzeugung fei. daß die Todesfälle und Erkrankungen in Lübeck mtt hoher Wahrscheinlichkeit durch ein unabsichtliches Versehen bei der Herstellung des Impfstoffes, in welchen virulente Bazillen hweingelangt fein müssen, hervorgerufen worden fei. Noch diesem Gutachten ruft der Vorsitzende noch einmal die an- geklagte Laborantin Anna Schütze vor den Rednertisch Er spricht mahnend aus sie ein und weist darauf hin, daß Professor Bruno Long« gesagt Hab«, nach seiner Meinung hätte von End« Ok- wber bis Ende November«ine Kieler Kultur auf festem Nährboden vorhanden sein müssen Er richtet dann die Frage an sie: ,J)aben Sie die Kieler Kultur nach Ihrem Eintreffen nur auf flüssigem Nähr- baden oder vielleicht nicht doch auch auf festem Nährboden abge« impft?" Schwester Anna verneint die Frage und betont, daß die Kultur nur auf flussigem Nährboden abgeimpft worden sei. Tit. 60i» 49 Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 24 Dezember 1931 Weltchaos der Handelspolitik. Eine Denkschrift des Reichswirtschastsministeriums. Dl« in diesem Jahre vom Rsichswirtschaftsministerimn wieder herausgegebene.11 eber ficht über den Stand der wirt- schastspolttischen Bezi ehungen Deutschlands im Jahre 1931* und für die handelspolitischen Abkommen speziell zum 15. Dezember 1931(Kontinent- und Uebersee-Verlagsgesell- schaft, Berlin W. 9) enthüllt ein erschütterndes Bild. von der dramatischen Entwicklung, die die wirtschafte- und handelspolitischen Beziehungen der Böller im Lauie des Jahres 1931 erfahren hat. Alle Versuche, die seit dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise auf handelspolitischem Gebiet zu deren Bekämpfung mit �bestem Willen unter der Leitung des Völkerbundes und zwischen einzelnen Staatengruppen unternom- me» worden sind, sind gescheitert. Di« regulären Handels- vertraglichen Beziehungen zwischen den einzelnen Völkern sind auf großen Gebieten der europäischen und der Weltwirtschast g« st ö r t oder eingeschränkt. In katastrophaler Weise hat sich die Erschütterung der Währuichssystem« auf handelspolitischem Gebiet ausgewirkt.> Me neuen versuche gescheitert. Aus dem Jahre 1930 waren die Versuche einzelner Wirtschaft- lich einigermaßen auseinander abgestimmter Staatengruppen in das Jahr 1931 hinübergerettet worden, durch eine g e b i e t l i ch e Verständigung untereinander die gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen zu verstärken und nach außen wirkungsvoller zur Gel- tung zu bringen. Hier wurden 1931 keine Fortschritts mehr gemacht. Die nordwestlich« Ländergruppe(Holland, Däne- mark, Norwegen, Schweden und Belgien! hat die wirtschaftliche Annäherung zwar vollzogen, praktisch kam sie aber nicht zur Aus- Wirkung. Die nordöstliche Gruppe(Finnland und die drei Rand- staäten) hat die begonnenen Verhandlungen nicht kortgesetzt. Bei der südöstlichen Gruppe(Bulgarien, Jugoslawien, Rumänien und Ungarn) beschränkt« sich die Zusammenschlußarbeit auf Kon- ferenzen: das praktische Ergebnis aber war gleich Null. Viel hat die Welt von dem Genfer Handelsabkommen vom März 1939 erwartet, das den allgemeinen Zollfried en, d. h. die Abschaffung von Einfuhroerboten und die Nichterhöhung bestehender Zölle bringen sollte. Im März 1931 scheiterte der letzte Versuch zur Verwirklichung des Zollfriedens, der Plan mußte endgültig aufgegeben werden. Es wurde dann noch unter der geistigen Leitung der Labour- Regierung in England der Zollfried c wenig st ens teil- weise durchzuführen versucht. Großbritannien und Holland und eine Anzahl Festlandstaaten, darunter auch Deutsch- land, sollten in zweiseitigen Verhandlungen zur Senkung der Zoll- tarife und sonstigen Erleichterungen in den gegenseitigen Wirt- schastsbeziehungen kommen. Von England wurden der deutschen, französischen, belgischen, schweizerischen, italienischen, österreichischen und polnischen Regierung Anregungen zur Herabsetzung von Zoll- siitzen überreicht: die Verhandlungen kamen aber ins Stocken, aus dein Plan wurde zrichts. Die in der deutschen Handelspolitik scharf umkämpfte, ebenfalls aus der Völkerbundskonferenz 1939 angeregte Gewährung von Vorzugszöllen für die Getreide ausführenden Länder Südosteuropas führte zwar mit Rumänien und mit Ungarn im Juni und Juli' 1931 zu fertigen Verträgen. Der Völkerbund hat diese Verträge auch anerkannt, ober mehrere Mcistbegünstigungsstaaten, die diesen Sonderverträgen zustimmen mußten, haben ihre Genehmigung versagt, so daß die Inkraftsetzung der Verträge unterbleiben mußte. Der diplomatisch mit großem Ungeschick inszenierte Plan der deutsch-öster- reichischen Zollunion ist ebenfalls zusammen- gebrochen. Das brauchbare Alle weilgehend zerstört. Wunde so nichts Neues geschaffen, um mit handelspolitischen Mitteln der Weltwirtschaftskrise zu begegnen, so stürzte etwa seit Mitte 1931 auch das noch brauchbare Alle auf sehr weiten Gebieten zusammen. Die Denkschrift des Reichswirtschaftsministcriums sagt: „Konnte so nicht eivj einziger der verschiedenen Pläne zur Durchführung gelangen, die aus eine enger« wirtschaftliche Zusammen- arbeit zwischen den Staaten abzielten, so zeigte sich im Gegenteil seit der Mitte des Jahres 1931 ein geradezu erschrecken- des Anwachsen der protektioni st i scheu Maß- nahmen in den verschiedenen Ländern. Die weiter« Verschärfung der Weltwirtschaftskrise und die dadurch herbeigeführte Eni- blöhung der meisten Notenbanken der Welt von den ihnen zur Verfügung stehenden Devisen und Goldreserven hatten zur Folge, daß eine große Anzahl von Staaten sich veranlaßt sah, einschneidende Vorkehrungen zum Schutze ihrer eigenen Wirtschaft, zur Verrinaerung der ausländischen Einfuhr und zur Erhaltung des Devisenbestandes zu treffen. In fast allen diesen Ländern hat «ine starke Propaganda für die Bevorzugung inländischer Erzeugnisse und zur Abwehr ausländischer Waren eingesetzt.* Alle diese Dinge sind so frisch in Erinnerung, daß ihr« Aufzählung genügt. Die Aufzählung aber zeigt, wie furcht- bar die Zerstörungen sind, die in dem wirtschaftlichen Verkehr zwischen den Völkern in dieser entsetzlichsten aller Wirtschaftskrisen eingetreten sind. England gab den Freihandel auf. Jetzt werden Wertzölle von 59 und 199 Prozent von England erhoben. Holland, Frankreich, Belgien, Dänemark, Italien, Oesterreich, Bulgarien, Polen. Litauen, Estland und Finnland haben viele Zölle erheblich erhöht oder allgemeine Finanzzu- schlage bei sämtlichen Tarifen erhoben. Neben der Politik der Zolh-rhöhung und der Finanzzölle hat die Methode der Cinfuhrkontingentierung un!? der Einfuhrverbote in Frankreich, Spanien, der Schweiz, Oester- reich, Tschechoslowakei, Jugoslawien, Polen, Dänemark und ande- ren europäischen Staaten weitgehend Anwendung gefunden. In den überseeischen Ländern und in den Kolonien des briti- sehen Imperiums ist es nicht anders. In nicht weniger als 17 europäischen und 9 überseeischen Ländern besteht eine Zwangsbewirtschaftung der De- visen. Sie beschränkt sich aber nicht nur auf Erfassung und rationell« Zuteilung von Devisen für Einfuhr- und gegen schädliche Kapitaloerkehrszwecke, wie das noch in Teutschland der Fall ist, sondern ein großer Teil dieser Länder benutzt die Devisenbewirt- schaftung zu einer Drosselung der Einfuhr, was durch eine unterschiedliche Zuteilung bei den einzelnen Einfuhrwaren sehr leicht möglich ist. Die deutsche Handelsbilanz gefährdet? Das Reichswirtschaftsministerium kommt angesichts dieser Ent- Wicklung für die deutsche Handelsbilanz zu einer pesfimisti« scheu Voraussage. Im Jahre 1931 war die deutsche Handels- bilanz noch sehr günstig. Durch starke Senkung der Einfuhr uno einem sehr viel geringeren Rückgang der Ausfuhr stieg der Aus- fuhrüberjchuß des Jahres 1939 von 1,6 Milliarden im Jahre 1931 auf schätzungsweise 3 Milliarden Mark. In Zukunft aber ist nach der Auffassung des Reichswirtschaftsininisleriums mit Sicherheit eine Verbesserung dieses �Ausfuhrüberschusses nicht mehr zu er- warten, sondern«her das Gegenteil. Die Preissenkung bei Roh- stosten und Lebensmitteln des Weltmarktes habe sich sicher ihrem Tiefpunkt stark genähert. In der deutschen Ausfuhr ober werde die Preisstellung durch die massenhaften protektionistischen Maß- nahmen ebenso sicher ungünstig becinslußt werden, wobei wahr- scheinlich«in bestimmter Teil der deutschen Ausfuhr überhaupt wegfallen werde. Auf der anderen Seite könne Deutschland die Einfuhr vgn Rohstoffen untd Lebensnrilleln nichl unbeschränkt ver- ringern, so daß unausweichlich ein« Verschlechterung der Handelsbilanz eintreten müsse. Der sächsische Auiotrust. Gründungsverhandlungen im LandtagSausschuß. Vor dem Ausschuß des Sächsischen Landtages, der sich mit der Frage der Zusommenfassülig der sächsischen Automobil- s a b r» k e n befaßt, stand die Gründung eines neuen einheitlichen Unternehmens mit all den Einzelheiten der Finanzierungs- und Kapitalfragen zur Debatte. Es handelt sich bei diesem Projekt,' über das wir bereits be- richtet haben, um die Zusammenfassung der vier bekannten Auto- mobilunternehmungen Horch, D K W., Audi und Wanderer. Nach der übereinstimmenden Meinung aller Sachverständigen ist kaum eines von diesen vier Werken bei der Verschärfung, die die Krise angenommen hat, für sich allein lebensfähig. Um. die Be- triebe mit ihren rund 8999 qualifizierten Arbeitern zu erhalten, kommt nur ein Zusammenschluß in einem Einheit?» unternehmen in Betracht. Die Sächsische Staatsbank, die bei der Durchführung dieses Projektes die Leitung übernommen hat, hat ober keinen Zwei'cl daran gelassen, daß Vorbedingung einer künftigen wirtschasllichen Betriebsarbeit eine scharfe Sanie- rung von der Kapitalsseite her ist. Dieser Standpunkt kommt auch in dem Bericht der Revisions- und Treuhandgesellschaft zum Ausdruck, die für das neue Unternehmen eine Kapitalhöhe von 12 Millionen ohne Wanderer und von 13,15 Millionen einschließlich Wanderer vor- sieht. Hiervon sollen nur 6,6 Millioney den bisherigen vier Stamm- gesellschasten als Gegenwert zugeteilt werden, während der Rest von einem Bankenkonsortium unter Führung der Sächsischen Staats- dank aufgebracht wird. Es müßten also nach diesem Projekt sehr scharfe Kapitolszusammenschneidungen erfolgen, denn zur Zeit be- steht das Kapital von DKW. aus 19 Millionen, von Audi aus 2,69 Millionen und von Wanderer aus 15,7 Millionen, während Horch bereits anfangs dieses Jahres sein 5-Millionen-KapUal auf ein Zehntel zusammengestrichen hat. Di« Ersparnisse durch den Zusammenschluß werden aus rund 1,25 Millionen, das ist auf den Unkostenetat übertragen, auf 5 Pro- zent geschätzt. Der Umsatz der vier Werk« stellte sich im Jahre 1931 auf rund 62 Millionen, und man erwartet für das nächste Jahr sogar eine leichte Steigerung. Di« Frag« einer sorgfältigen Rentobilitätsprüfung ist bei diesem veueu Proiekl. ui» so uotweudtger, als auch in diesem Fall d i e öffentliche Hand— der sächsische Staat— durch Uebernahme der selbstschuldnerischen Bürgschaft für die 6 Millionen Banken- tredite sich mit einem außerordentlich starken Risiko für die fest- gefahrene Privatwirtschaft belastet. Lim die gesunden Nordwolle-Werke. Gläubigerausschuß beabsichtigt zwei Neugründungen. Wie wir bereits mehrfach berichtet haben, stieß im Gläubiger- ausschiiß des zusainmengcbrochenen Nordwolle-Konzerns der Vorschlag der deutschen Gläubiger, eine Anzahl gesunder Betriebe i n einem neuen Unternehmen zusammenzufassen. auf den scharfen Widerstand der von dem Zusammenbruch betrofse- neu englischen und holländischen Bankiers. Diese vertraten den Standpunkt, daß ein Herausnehmen der wertvollsten Objekte aus der Konkursmasse gegen Hergabe von Aktien des neu gegründeten Unternehmens bei der gegenwärtigen Lage ein zu unsicheres Geschäft sei. Jetzt hat man sich nach monatclangem Hin und Her darauf geeinigt daß das große Leipziger Wert Tittel u. Krüger und dos Werk Bahrenfeld in einer neuen- selbständigen Gesellschaft zusammengefaßt werden. Auch die Weiterführung des Werkes Mühlhausen unter Einbeziehung der E i s e n a ch e r Fabrik ist gesichert. Das ehemals so blühende Unternehmen in D e l m e n- h o r st soll stillgelegt werden, doch dürfte hierüber das letzte Wort noch nicht gesprochen sein.— Man kann noch alledem annehmen, daß es sich hier zunächst um eine vorläufige Entscheidung handelt, und daß zum mindesten Delmenhorst früher oder später einer dieser neuen Gesellschaften angegliedert wird. Damit ist zu- nächst wenigstens eine Teilentscheidung über das Weiterbestehen dieser an sich durchaus gesunden Betriebe gefallen, was im Interesse der annähernd 4999 Mann starken Belegschasften zu begrüßen ist. Der Kampf um die Goldkiaufel. Eine Krage an den Iieichsverband der deutschen Industrie Der Verband deutscher Waren- und Kaufhäuser und sein Geschäftsführer Georg Bernhard hoben sich mit der Herbeiführung des Kariellgerichtsurteils gegen die Fakturierung mit Goldklausel ein Verdienst erworben. Der Reichsoerband der deutschen Industrie kämpft für die GoldNausel: er kämpft in einer schlechten Positioii. Es sei sofort gesagt, daß seine Töuschungs- manöver in der Oeffentlichkeit nicht verfangen werden. Aus„Fabrikantenkreisen"— lies Reichsvcrband— wird dem W T B.-Handelsdienst eine höchst demagogische Note zur Verbreitung an die Hand gegeben Erst kürzlich, heißt es darin, habe eine bedeutende Maschinenfabrik vor den Toren Berlins(ge- »leint ist Borsig) wegen Währungsverlusten die Zahlungen ein- stellen und Masseirkündigungen vornehmen müssen. Erste Dem- agogie: Kein Mensch verwehrt deutschen Unternehmungen bei Auslands lieferungen die Fakturierung in Gold oder Devisen; bei dem Streit um die Goldklausel geht es um Inlands faktu- rierungen Der Einzelhandel glaube, so heißt es weiter, mit der Ablehnung der Goldklaussl sich des Rückgriffs auf die Vermögens- substanz der Fabrikanten sichern zu können: wen» die Industrie nicht das in den Fabrikaten steckende Betriebskapital vollwertig zu- rückbekomme, seien Massenentlassungen-unvermeidlich, wodurch der Einzelhandel schließlich sein eigenes Geschäft verderbe. Zweite Demagogie: Die Ablehnung der Goldklausel schützt selbst- verständlich in einem gewissen Sinne auch die Substanz des Einzel- Handels: wo ober bedeutet diese Ablehnung einen Rückgriff des Einzelhandels auf die Substanz der Fabrikanten? Es wird ja nur die Gleichheit der Risiken hergestellt. Außerdem sind Entlassungen im Handel, wenn dieser allein Währungsverluste tragen würde, weniger gefährlich als Entlassungen in der Industrie? Aber entscheidend: Der Reich sverband der deut- schen Industrie soll einmal ehrlich antworten, db er sich nur einen Augenblick für die Goldklausel einsetzen würde, wenn nicht nur gelieferte Waren und Forderungen, sondern durch Gesetz auch alle Lohn- und Gehaltszahlungen, alle Steuern, Tarif«, Frachten, Sozialbeiträge, Schulden, mit einem Wort, sämtliche Posten einer Unternehmungsrechnung mit einer Goldklausel oder einer Sicherung mit gleicher Wirkung verschen würden? Wir fordern den Rcichsoerband der deutschen Industrie auf, diese Frage eindeutig zu beantworten. Was er v o r der eindeutigen Beant- wortung dieser klaren Frage an Argumenten verzapft, erklären wir schon jetzt als neue Demagogie. Vorstädtisch? Kleinsiedlung. In einem Ründerlaß hat der preußische Wohlfahrtsmini st er auf Grund der Reichs- richtlinien für die vorftädtijchc Klcinsic-dlunq angeordnet, daß nur solche Pächter bei der Vergebung der Kleingärten beriicksichtigt werden sollen, die einem dem Reichsvcrband der Klein» gartenvcrcinc Teutschlands angeschlossenen Verein angehören. Giabile Görliher Waggon A.-G. Günstiger Abschluß im Krisenjahr. Die Waggon- und M a s ch i n e n b a u-A.- G. in Gör- l i tz(Wumag), eine der solidesten und widerstandsfähigsten Unter- nehmungen der deutschen Waggonindustrie, kann auch für dos am 39. Juni beendete Geschäftsjahr 1939/31 einen trotz der zugespitzten Lage günstigen Abschluß vorlegen. Der Betriebsgewinn ist überraschend wenig von 7,9 auf rund 6.9 Millionen zurückgegangen, während die Umsätze sich immer- hin von 22,8 auf 18.2 Millionen Mark verringert haben. Dieser geringe Rückgang des Betriebsübcrschusses ist auf die kräftige Senkung der Generalunkosten zurückzuführen, die ins- gesamt auf 5,4 gegen 6.2 Millionen im Vorjahr gefallen sind. Trotz des verhältnismäßig niedrigen Anlagewertes find die Abschrei» Hungen lUti die Werksanlagen im Hinblick auf die ungeklärten Verhältnisse um 9,96 auf 1,94 Millionen Mark herausgesetzt worden, womit die gesamte Beteiligung dei� Görlitzer Waggon an der stillgelegten Schiffswerft U e b i g a u abgeschrieben ist. Auch die Finonzlagc der Gesellschaft ist durchaus günstig. Die Außenstände einschließlich 799 999 Mark Bankguthaben sind mit rund 3,6 Millio- nen Mark doppelt s o hoch wie die kurzfristigen Schulden, so daß auch hier für das Unternehmen bei einem Anhalten der schlechten Beschäftigungslagc keine UebdrraschUNgen Zu befürchten sind. Der Ausblick auf die Zukunft, den die Verwaltung in ihrem Geschäftsbericht gibt, ist sehr pessimistisch gehalten. Man rech- nct damit, daß Mitte nächsten Jahre's spätestens die gesamte deutsch« Waggonindustrie ihre Betriebe schließen muh, wenn die Reichsbahn sich entgegen ihrem bisherigen Siondvuiikt nicht ent» schließt, dem Waggonbau für 1932 noch neue Austräge zu erteilen. — Da die Waggonbetriebc schon im Spätsommer dieses Ickhrcs van Aufträgen gänzlich lcergcfegt waren und dieser Industriezweig bei dem großen Beschaffungsprogramm der Reichsbahn nur web ig berücksichtigt worden ist, ist die Ansicht der Verwaltung keineswegs zu schwarzschcrisch, vielmehr muß man schon nach Ab- lauf des Winters mit einer ganzen Reihe Betriebsstillegungen in der Woggonindustrie rechnen. Verluftabschluß bei Carl Flohr. Die Carl F l o h r A.-G., Berlin, die in der Fabrikation von Aufzügen und im Fahrtreppenbau führend ist, hat in dem am 30. September beendeten Geschäftsjahr 1939/31«inen Verlust von rund 225 499 Mark erlitten, während im vorhergehenden Jahr noch ein Reingewinn von rund 33 299 Mark erzielt wurde. Der Ilmsatz litt sehr stark unter dem Mangel an Neubauten und dem gänzlichen Fehlen von Worcnhausneubauten und llntergrund-Bohn- Hofsbauten. Der Kranbau ivurdc im wesentlichen nur durch russische Aufträge aufrechterhalten Der gesamte Austragseingong hat nur 69 Proz. des Standes vom vorhergehen- den Jahre erreicht. Das bisher noch gut gehaltene Auslands- gefchäst ist jetzt auch infolge der allgeineinen Währung»- Unsicherheit stark ins Stocken geraten. Trotz dieser schlechten Beschästigung ist die Untcrbilanz nicht aus Betriebsverluste zurück- zuführen, sondern auf die Wertvvrminderung der Vorräte und die notwendigen Ruckstellungen für zweifelhafte und ausgefallene Forderungen.. Starker Schuhexporl im Zlooember. Der Außenhandel der deutschen Schuhilidiistrie weist im Monat November wiederum eine sehr starke Aktivität auf. Die Einfuhr von Schuhen liegt mit rund 23 629 Paar gegen 79 533 Paar um 66,5 Proz. unter dem Slovember vorigen Jahres und um 33,5 Proz. unter dem Oktober mit einer Einfuhr von 35 751 Paar. Demgegenüber ist die Aus- fuhr mit 419 725 Paar gegen den November 1939 um 38 Proz. und gegen den Vormonat um 9,5 Proz. gestiegen. Der Ausfuhr- Überschuß stellt sich bei einer Einfubr von.399 999 Mark und einem Export von 2,6 Millionen Mark oui 2,3 Millionen im No» vember und in der Zeit vom Januar bis November aus insgesamt 24,7 Millioneit.» Ulagda Jlcharya: Sine Oiersse ist verbrannt Jemand kommt in ein dunkles Zimmer und zündet eine Kerze an. Dann geht er fort und vergißt es. Das leere Zimmer ist hell er- leuchtet. D e Dinge treten aus dem Dunkel, Scharten gleiten über die Wand, Metall erglänzt. Eine zweite Welt aus Schatten und Licht erstrahlt in der Tiefe des Spiegels. Durch die weihe Spitze der Gardinen schimmert das Schwarz nächtlicher Fenster. Di« Kerze brennt. Di« Flamm« wird sp yer, weißer. Die Schatten liegen still in Ecken und Winkeln. Allmählich wird der Docht länger, die Flamme größer, gelber, unruhiger, die Kerze kleiner. Wieder gleiten Schatten über die Wand, steigen höher, das Dunkel kriecht über den Fußboden. Dt« Kerze brennt herunter, fängt an rot zu flackern. Auch das Dunkel flackert durch den Raum, flammt schwarz aus der Tiefe der Spiegel, fliegt oielgeftaltig über die Decke, während die zusammensinkende Flamme aus blauem Verdämmern noch einmal hinaufsteigt, ganz groß, ganz hell— und plötzlich in Schwärze umschlagt.— Ja, wo ist er, der Vergeßliche? In welchen Weltenfernen weilt er und weiß nicht mehr, daß er die Kerze angezündet hat, auf daß sie leuchte? Denn die Kerze ist wohl verbrannt, aber geleuchtet hat sie nicht. Sie brannte ja im leeren Raum, ganz unnütz. Von Anfang bis zu End« war um sie nur Dunkel, denn es hat ja keiner ihr Leuchten gesehen. E» war in Rußland, im Winter 1919/20 während der Reoolu- tion.— Es dämmerte im großen Zuschauerraum des ländlichen Theaters. Das kalte Schneelicht draußen nahm eine violette Färbung an. Der unzufriedene Regisseur oben auf der Bühne ging hin und her mit einer brennenden Kerze in der Hand, die im Zugwind flackerte, während der Tyrann von Padua gehorsam vor seinem Mörder zurückwich. Der Arbeiter, der die langen Bänke im Zu. schauerraum mit brauner Farbe angestrichen hatte, legte seine Pinsel hin und schaute interessiert aus die Bühne. Ich war erst vor ein paar Togen angekommen und kannte daher noch niemandeir als den Regisseur, der mich in dies ländliche Theater berufen hatte, um ihn als Theatermaler und Dekorateur bei seiner schwierigen Arbeit mitzu. helfen: galt es doch, ein Theater aufzubauen, in dem nicht Beruf». schauspieler spielen sollten, sondern Arbeiter und Bauern, Mitglieder eines Konsumvereins, der das gemeinnützige Unternehmen finanzierte. Die Probe zog sich in die Länge, es wurde immer dunkler. Der Arbester im Zuschauerraum schien dies nicht zu merken. Er stand noch immer neben der halbangestrichenen Holzbank, schaut« wie ge- bannt auf die Bühne und hörte den Erklärungen des Regisseurs zu Die» Interesse fiel mir aus und ich sah ihn zum ersten Male aufmerk- samcr an. Er hatte ein gewöhnliches und doch besonderes Gesicht: schmal, etwas pockennarbig, mit hochgewölbten Augenbrauen über den blanken schwarzen Vogelougen Diese Augen, die spitze Pierrot- nase und die versteckte Heiterkeit in den Mundwinkeln, gaben dem Gesicht eine besondere Rote. Es war in ihm ein« Heiterkest jenseits des Schicksals, wie gleitendes Licht über dunklem Wasser. Ich wußte nicht— war diese Seele noch leichte Flamme oder nur noch leichte weißliche Asche, die der Wind durch die Well trägt. Ich trat aus den Arbeiter zu. Und während der Regisseur auf der Bühne den armen Tyrannen mit endlosen Wiederholungen quält«, kamen wir in ein Gespräch. Der Arbeitsr gestand mir mit leuchtenden Augen seine Theaterleidenschast«in, von der er seit seiner frühen Jugend besessen war. Freilich in seiner Kindheit hatte er nicht gewußt, daß es Theater gibt. In die zeitlose Welt des armen Ackerbauern, seines Daters, drang kaum eine Kunde von der großen Welt. Er ging hinter dem Holzpslug her, wie fest Jahrhunderten sein« Ahnen. An Winter- abend«» brannte der Kienspan und die Bäuerin saß am Webstuhl oder strickt« Strümpfe aus selbstgesponnenem Wollgarn. In dieser Umgebung wuchs das Kind heran. Früh schon hatte es ein« unruhige ÄhltüNg von einer anderen Welt. Der heranwachsend« Knabe träumt« vom städtischeu Leben, von den großen Häusern, von bunten Lichtern, von den schönen Geschäften, in denen man herrlich« Dinge taufen konnte. Eine» Tages konnte er die Still« und Einsamkeit nicht mehr ertragen und zög nach Peter». bürg, der großen Stadt, um dort sein Glück zu suchen, wie viele, viel« tausend Vauernlnaben e» vor ihm und nach ihm getan haben; und ebensowenig wie sie fand er dort sein Glück. Er wurde Fabrik- arbeiler. oerbrachte sein« Tage an der Maschine und seine Abende in einer oerräucherten Mietkaserne. Die Arbeit war schwer, di« Abend« am blinden Fenster eines vernachlässigten Zimmers— einsam. Dann kam ein Tag. an dem Onissim, der Bauernsohn, zum erstenmal von einer Theatergalerie herunter auf die Bühne schaute, hinein in ein großes Schicksal. Bon diesem Abend an war er dem Theater ver- fallen. Er sparte an allem, hungerte, um nur ins Theater gehen zu können. Allmählich wuchs- er über sein erstes primitives Erlebnis des Theaters hinaus, sah, daß es eine große Kunst gibt auf der Welt, die Schauspielkunst. Er wohnte verschiedenen Aufführungen derselben Stücke b«i, lernte groß« Schauspieler bewundern, mertt«, daß man eine Rolle auf verschiedene Art auffassen kann. Merkwürdigerweise wurde Hamlet sein Lieblingsstück, und er sah sich jede neue Inszenierung des Hamlet an. Er schafft« sich die Hauptwerke der dramatischen Literatur an und bewahrte sie, m Seidenpapier ge> wickelt, in einer hölzernen, eisenbeschlagenen Kiste auf. In eins der größeren Theater wurden mir«Herren" im Hut vom Portier hinein- qelafsen. Da ging Onissim auf den Trödelmarkt und erstand sich dort für ein paar Kopeken ein« altersgrün« Melone aus den. achtziger Jahren.(Später, als ich Chaplin auf der Leinwand sah, mußte ich an diese Melone vom Petersburger Trödelmortt denken). Aber während dies Leben Onifstms, das Leben auf der Theater- galeri«, das Leben im Traum, voll war von großen Erlebnissen, Freuden und Erschüterungen, ging sein anderes Leben in Fabrik und Mictkaserne seinen grauen unerbittlichen Weg. Manchmal kreuzten sich die beiden Lebenswege, wenn Onissim in Verwirrung geriet,— nichts Gutes kam dabei heraus. In so einem Augenblick der Der. wirrung heiratete er ein blasses, blondes Mädchen, das sich sofort Tüllvorhänge und Geranien anschasst« und noch einigen Jahren still oerblühte. Onissim versucht« mit ihr vom Theater zu sprechen, aber si«. gähnte und meint«, sie gehe lieber zum Tanz. Da schwieg er und ging weiter allein Ins Theater. Di« Revolution kam, der Bürgerkrieg, die Blockade. Die Fabrik, an deren sausenden Maschinen Onissim so viel« Jahre verbracht hatte, stand still und verlassen mit durchschossenen schwarzen Fenstern. In der Straße mit den erloschenen Laternen ging dos Gespenst des Hungers um. Aus den kalten Wohichöhlen flohen die Menschen ins Theater, das damals ein« seltsame Blüte erlebte. Onissim. in seinem alten Mantel, saß jetzt stolz und glücklich im Parterre, im Lehnstuhl, und hörte Schaljapin singen. Er träumte von neuen Möglichkeiten und sah sich selbst auf der Bühne. Aber in der ungeheizten Wohnung war tti eisig kalt, es war schwer, Milch für die beiden Kinder zu besoffen, und seine Frau oersuchte, ihn zu einer Rückkehr in die Heimat zu überreden. Sein Vater war vor zwei Jahren gestorben und seine Mutter schrieb chm ein poormol«m Jahr bekümmert«, unleserliche Brief«. ging nicht mit der Wirtschast. Onissim wollte nickst sort aus der Stadt, er dachte an einen Besuch der Schauspielschule, aber da» ältere Kind erkrankte yn Fleckentyphus, es gab ein« heftige Aus- etnarrderfetzung mit der Frau, und als das fi nd schließlich genas, orbnetr Onissim seufzend sein« Bücher in der Holzkiste, tat die Kinder fachen und di« alte Melone hinein und klappte den Deckel zu. So kehrt« Onissim in die Heimat zurück. Seine Frau lernte Kühe melken und er selbst ging hinter dem Holzpslug her wie einst sein Bater. Wie seit Jahrzehnten saß seine Mutter am Webstuhl. Di« Holzkiste mit den Büchern stand verschlossen unterm Bett. Die Probe war zu End«. Der Regisseur kam, die Kerze in der Hand, in den Zuschauerraum, in dem es allmählich ganz dunkel ge- worden war. Ich machte ihn mit Onissim bekannt und zwei Wochen später spielte er schon den Advokaten Pathelin im altsranzösijchen Schwank,— er spielte ihn ausgezeichnet. Das Publikum jubelte ihm zu und er strahlte vor Glück. Er spielte den ganzen Winter über, wuchs mit jeder neuen Rolle, es war das Aufblühen einer großen Begabung. Schon schmiedeten wir Zukunftspläne. Onissim sollte später nach Moskau fahren und dort unter der Leitung eines hervor- ragenden Regisseurs arbeiten. Groß lag die Landschaft der Zukunft vor ihm. Wir sahen ihn öfters und nur ganz selten seine Frau. Sie saß steif auf einem Stuhl, mst zusammengekniffenen Lippen, hörte zu. Die Zeit verging, wir mußten nach Moskau zurück. Onissim sollte mit uns fahren. Da fiel uns allmählich e'ne Veränderung in seinem Wesen auf: er sprach weniger von der Zukunft, schien bedrückt und llnfr«. Ich versuchte ihn auszufragen, ad« er gab rms ausweichende Antworten. Da kam eines Tages seine Frau zu mir: sie wolle mit un» sprechen, wir sollten aber Onissim nichts von ihrem Besuch erzählen. Wir ahnten wohl, was kommen würde. Sie zerrt*- an ihrem Tuch und fing plötzlich an zu schluchzen.„Dies Theatsr. dies schreckliche Theater!" rief sie verzweifelt aus,»was soll aus uns werden? Er will in Moskau Theater spielen, er will ein großer Herr werden, und wir werden hier inzwischen Hungers sterben. Er hat bloß Grillen im Kopf und will nicht arbeiten. Sein ganzes Leben lang hat er nur ans Theater gedacht, und jetzt hat ihm die neue Freiheit vollends den Kopf verdreht!" Es war ihr nicht beizu- kommen. Sie hatte keine Phantasie, keinen Glauben an die Zukunft. Die schwarze Mietkaserne in der Stadt hatte den letzten Rest chrer Jugend vernichtet. Wir oersprachen ihr schließlich, Onissim in keiner Weise zu beeinflussen. Als er das nächstemal zu uns kam und nur von gleichgültigen Dingen sprach, errieten wir sofort, daß er fac» schloffen hatte, zu bleiben Vielleicht hätten wir ihn doch noch dazu überreden können, seinen Plan nicht fallen zu lasien, aber er fing wie absichtlich an, von seinen Kindern zu reden. Da schwiegen wir. Nach einigen Wochen nahmen wir Abschied voneinander. Er reichte uns lächelnd die Hand. ?tie hat er uns eine Zeile geschrieben. Nach einigen Jahren hörten wir. daß er beim Fischfang ertrunken war. Die Kerze war im leeren Raum verbrannt. Mellen: �OVIl Zum Symbol des Wechnachtsfeftes ist der Weihnachtsbaum oder Ehristbaum geworben, eine Fichte oder Tanne, die mit Lichtern und glänzendem Flitter geschmückt wird und an deren Fuß die Weih- nachtsgefchenke ausgebrettet werden. Man hat diese Sitte aus einer allindischen Gewohnheit, an festtichen Zeiten einen Baum mit Lichtern zu bestecken, herleiten wollen, doch läßt sich eine solche Herkunst nicht nachweisen. Vielmehr ist unser jetziger Weihnachtsbaum Verhältnis- mäßig jungen Dawms. Literarisch bezeugt ist er zuerst vom Anfang des 17. Jahrhundert». In weiten Kreisen hat er sich erst im 18. und 19. Jahrhundert verbreitet. Di« einzelnen Element« aber, aus denen er besteht: das Baumgrün. die brennenden Lichter und die an dem Bauns hangenden Früchte, sind urött und finden sich schon bei der römischen Kalenderfeier. Der Straßburger Pfarrer Geiler von Kaisersberg sagt 1508 in seiner Predigt, es fei«in heidnischer Brauch.»Dannenreiser in die Stube zu legen". Das Volk hiell aber an der Sitte fest, und bald kam man auf den Gedanken, statt die Stube mit Tannenzweigen zu schmücken, ein ganzes Tannenbäumchen darin aufzustellen. Die Becksche Chronik berichtet vom Jahre 1600, daß am Weihnachtsabend m der Herrenstub« zu Schlettftadt im Elsaß„Mayen" aufgerichtet und mit Aepfeln und Oblaten geschmückt wurden. Unter„Mayen" sind wohl Tannenbäumchen zu verstehen, denn fünf Jahre später werden wohl die Bäume ausdrücklich als Tannenbäumchen bezeichnet. In dem 1605 erschienenen Werke:..�lsmarabilis guaeftsm Argen- torati obsftrvat«"(„Einige in Straßburg beobachtet« Denkwürdigkeiten") heißt es nämlich:„Auff Weihenachten richtet man Daunen- bäume zu Straßburg in den Stuben auff, daran hencket man Rosen aus vielfarbigem Papier geschnitten, Aepfel. Oblaten, Zischgold, Zucker usw. Man pfleget darum einen vierckent Ramen zu machen."— Da Lichter nicht erwähnt werden, war es damals sicher noch nicht üblich, solch« am Weihnachtsdaum anzubringen. Schiller nennt den Weihnachtsbaum 1789 den„grünen Baum", Iung-Stilling.Lebens- bäum". Die Ausbreitung des auch mit Kerzen geschmückten Weihnacht»- bäum es können wir ziemlich genau oerfolgen. Das älteste Zeugnis von einem Lichterschmuck de» deutschen Weihnachtsbaumes datiert aus dem Jahre 1737. Der Wtttenberger Professor Kißling erzähll nämlich, wie ein« Gutsfrau in Zittau chr� Kinder und ihr Gesinde beschenkt hat:„Am helligen Abend stellte st« in ihren Geinächern so viel Bäumchen auf, wie sie Personen beschenken wollte. Aus deren Höh«, Schmuck und Rechenfolge in der Aufstellung konnte jedes er- kennen, welcher Baum für es bestimmt war. Sobald die Geschenk« verteilt und darunter ausgelegt und die Leuchter auf den Bäumen und neben chnen angezündet waren, traten die Jahre der Reche nach in das Zimmer, bettachteten die Bescherung und ergriffen jedes von dem für es bestimmten Baume und den darunter bescherten Sachen Besitz. Zuletzt kamen auch die Knechte und Mägde in bester Ordnung herein, bekamen jedes seine Geschenke und nahmen dieselben an sich". In Berlin tauchte der Christbaum 1780 auf. in Hamburg 1736. Christbäume auf dem Weihnachtsmarkt gab es zuerst in Dresden 1807, und zwar neben dem künstlichen Christbaum, der aus Stäben hergestellten„Pyramide", die mtt Ketten aus buntem Papier oer- ziert wurde und die sich noch heute zuweilen in Mitteldeutschland vorfindet. Nach Wien wurde der Weihnachtsdcuun noch später eingeführt. Der aus Deutschland nach Wien gereist« Musiker I. F. Reichardt berichtet 1808:„Nicht in einer einzigen der mir bekannten Famllien habe ich hier das luft-ge Ausputzen des Baumes und Kinderleben gesehen, das bei uns am Christabend in jeder Familie zu finden ist". Eine aus Berlin stammende Familie Arnstein scheint die Sitte zuerst in den Bürgerkreisen dort eingeführt zu haben, denn der Wiener Polizeibericht erwähnt 1814, daß in dem Hause jener Famllie ein „zahlreiches Weihbaum- und Christbaumfest" war. Im folgenden Jahre wird auch am Wiener Hos« ein Ehristbaum erwähnt, und zwar beim Erzherzog Karl. Im übrigen aber breitet« der Brauch sich in Wien und im übrigen Oesterreich nur langsam aus. und in manchen Orten Steiermarks, Kärntens und Tirols hat er sich überhaupt nicht eingebürgert. A'-ch nach Bayern und Württemberg drang er nur langsam vor. so daß er z. B. in den 18S0er Jahren in altbayerischen Städten noch unbekannt war. Auf dem flachen Lande aber haben die Bauern überhaupt nur wenig Sinn dafür gehabt. Erst mst anderen städtischen Sitten wurde der Weihnachtsbaum allmählich bei chnen üKlich Di« Bezeichnungen Weihnachtsbaum. Ehristbaum. Lichter. bäum, Zuckerbaum tauchen erst zu Ansang des 19. Jahrhunderts auf.' Ein« stark« Verbrettung fand der Christbaum im ersten Drittel des 19. Jahrhundert. Lange Zeit blieb er auf Deutschland und die nor dischen Länder beschränkt. In Westeuropa ist er erst m jüngster Zell eingedrungen. Mll Vorliebe schmückte man den Ehristbaum mll Aepfeln und Nüsien. Der Apfel war ja sell aller Zell das Sinnbild der Liebe�und die erste Kultursrucht der Germanen. Die Nuß aber war das Sinn- b'ld des Lebens, der Fruchtbarkeit. Den Früchten, die aus dem Weihnachtsbaum gehangen hatten, schrieb man übernatürlich« Eigen- schaften zu. n.'Euboiiakott: Minderfürforge Sotvielruffifche Groteske (Aus dem Russischen von Hans Ruoff.) Ein stupsnafiger kleiner Jung« bettat schüchtern den Konsum- laden. In seinem schweißseuchten Fäustchen hiell er krampfhast da» Einkaufsgeld. Er blickt« sich im Laden um und schritt«nt- schlössen auf die Wurstwarcnabtellung zu. Ein Verkäufer, der gerade für irgend jemanden Roulade abwog, wandte sich an den Knaben und fragte: „Was wünschst du denn, mein Junge?" Und zu den andern wartenden Käufern gewandt, erläutert« er:„Ich bttte um Ent- schuldigung, Bürger, klein« Kinder werden bei uns außer der Reihenfolge bedient! Sie sind ja doch sozusagen die Blüte des Leben». Wie sollten si« auch auf ihren schwachen Beinchen herum- stehen, bis sie an der Reihe sind!" „Schon gut. meinetwegen," stimmt« ihm ein« weichherzig« Frau zu, di« ganz hinten stand..„Hier könnte sich ja«in Erwachsener di« Bein« in den Leib stehen, geschweige denn so«in Knirps..." „Was willst du denn. Kleiner?" „Ich bekomme ein halbes Kilo Teewurst, vierhundert Gramm Käse, zwei Heringe und«in Kllo Sulzfleisch." „Also Teewurst, Käs«, Heringe. Sulzsleisch... Macht zu- sammen einen Rubel fünfundzwanzig. Geh an die Kasse und zahle dort... Ja, ja... So«in kleiner Floh, sozusagen, und doch auch ein freier Staatsbürger!" „Das kann man schon sagen!" stimmte ihm die weichherzig« Frau zu. die ganz hinten stand„Gewiß, gewiß!" „In früheren Zeiten," fuhr der Verkäufer fort, während er di« Wurst sorgfältig abschnitt,„behandelte man bei uns die Kinder nicht mll soviel 2lchtung Heutzutage aber könnten sie selbst einen Säugling zu un« in den Sowjet-Konsumladen schicken, und wtt würden ihn beim Abwiegen nicht benachtelligen. Sie sehen ja, was selbst dieser Junge hier für eine Zuwage bekommt." Und in der Tat überwog die Wagschale mll der Wurst bei weitem die Schale mll den Gewichten. „Ein braver Mann!" sagte einer der wartenden Käufer.„Es kann nie schaden, wenn man sich etwas um di« Kinder bekümmert!" „Sie müssen wissen." ergoß sich der Verkäufer weiter, während er den Käse für den Jungen aussuchte,„ich bin selbst ein großer Kindernarr Ich bin sogar Abonnent des.Linderfreundes". Also Käs«... Ich muß ihm doch einen besieren Käse aussuchen. Wir sind ja kein Privatladen, wo man nur Ladenhüter und schlechtes Zeug erhall. Ja, natürlich, dort.. Wir aber haben hier einen Arbeiter-Kansumlohen Und auch den Käs« wog er sehr reichlich ab. „Ich werde mich verjüngen lassen," bemerkte kokett eine Bürgerin mll geschminkten Lippen.„Ich möchte auch«in Kind sein. Sie geben chm ja so reichliche Zuwage!" „Das wäre ganz falsch gedacht. Bürgerin. Die Kindhell dauert nur fünf bis sechs Jahre, dann werden alle zu Erwachsenen. Jeder Erwachsene aber ist. Sie müssen schon entschuldigen, ein Halunke. Jetzt muß ich für chn noch die Heringe aussuchen..."- Und er begann die Heringe zu beschnuppern, um die besten heraus- zufinden. „So ein netter Mensch!" bemerkte eine der Käuferllmen.„Ich müßte meinen kleinen Petja auch mdl herschicken." „Ja. bei uns geht es nicht so zu wie anderswo!" brüstete sich der Verkäufer.„Sehen Sie, muh das Sulzfleisch, da» ich für chn abgewogen habe, ist erstklassig!" Der Verkäufer verpackt« all« Einkäufe, überreichte sie dem Jungen, strich chm mll der Hand über das Haar und sagte: „So. nun kannst du gehn! Ein tüchtiger Bursche! Und was er für eine Stupsnase hat!" Der klein« Junge ging zur Tür, kehrte aber, da er noch etwas vergessen hatte, nochmals zu dem Verkäufer zurück: „Und bann, Vater, läßt Mutter dir sagen, du sollst nach der Arbeit nicht in die Bierhalle gehen, si« will noch dein« Leibwäsche waschen..." „Geh doch, geh!" winkte der Verkäufer hastig mll beiden Händen ob.„Störe mich nicht bei der Arbell! Wer ist der nächste, bitte?" Die Wartenden stutzten, einig« kicherten, ander« warfen dem ..Kinderfreund" giftig« Blicke zu. wie alt ist der Schlittschuh? Der Schlittschuhsport ist ein« der ältesten Sportarten, die wir kennen. Im Märkischen Museum zu Berlin befinden sich Knochenschllltschuhe aus uralter Zell, die man «inst bei Spandau gefunden hat. Di« Gelehrten behaupten, daß dies« Schlittschuh« über 3000 Jahr« all seien, sie sollen öen Pfahl- lauern gedient haben, um im Winter die vom Wasser überflutete» und vom Eis bedeckten Gebiete überaueren zu können. Aehnlichc Schlittschuh« aus den Knochen von Pferden und Hirschen hat man auch in Norwegen und Eng'and tief in alten Mooren oersteckt ge- funven. Es find etwa 3 Zentimeter breite und 28 Zentimeter lanae Knochen, di« unten und an den Sellen ongesckliffen wäre« und mll Ledernemen am Fuß befestigt wurden. Mll dies-n primitiven Schlittschuhen ist man in der Urzell mll großer Geschwindigkett über dos Eis geglitten. Mtt oiejen Funden reißt aber auch die alleste Geschickte d>s«cklittschuhs zunackst ab. Zwar findet man in den fkandinavlscken Saoen den Schlittschuh immer wieder er- mahnt, aber genaue historische Kunde gibt e-z in Deutschland eigent» lich«rlt seit Klopktock in seinen Oden„De? Eislauf" und„Die Kunst Tiolf-." di« Freuden des Schlittschuhloufs besungen Hot. GcnosseiisdaaHssiedluiig im Norden. Siaaishilfe und Selbsthilfe Hand in Hand. Z«»ffchen Bernau und Werneuchen ist da« zu dem Gut Vlunkderg gehörende Vorwerk Elisenau durch die Siedlungs- tr euhandgesell scherst an ei««« Berliner Erwerbslosengmossenschaft ab- gegeben worden, nrib die ersten 2 5 Siedler sind in der glücklichen Laye, ihre eigenen fertiggestellten Häuser, an deren Ausbau sie mit- gearbeitet haben, demnächst zu beziehen. Das dürft« selbst in dieser kargen Zeit Anlaß zu einer bescheidenen Feier sein, an der sich cmch Landtagsabgeoich neter Genosse Adolf W u s ch i ck, Mitglied des SuÄungsausschusses des Landtages, beteiligte. Bon allen Seiten kan««n Auge nnt wallenden schwarzrotgoldenen Reichsfahnen: es oxiren Reichsbanner- kameraden aus Bernau, Aepermck, Bluinderg, Lade bürg und anderen benachbarten Orten, vorschriftsmäßig in Aivil. lind dann faß man dichtgedrängt in einem mit Tannengrün und den Fahnen des deutschen Doltsstaates geschmückten Rauin. Der künftige Siedler- vorstand begrüßte die Gäste und aus den verschiedenen Ansprachen gewann man die Ueberzeuzung, daß diesom ersten erfreulichen An- fang eine gedeihlich« Weiterentwicklung beschieden sein wird. 5.0 S i- d l e r st« l l e n sind bisher errichtet worden. Di« Siedlungs- treuhandgesellschaft macht daraus aufmerksam, daß die Bauhand- werierfirmen, die unsere erwerbslosen Siedlergenosien bei voller Tarife ntlvhuung beschästigen, niemals Klag« über das Ber- sagen dies«? ungelernten Kräfte geäußert hätten. Die Besichtigung der Siedlung selbst bestärkt« nur den günstigen Eindruck. Sie legt sieh im Zeilenbau in zwei Abschnitteu an«veit in die Flur sich er» streckende Ackerweg«. Jedes Haus ist von zweiMorgengutem Acker umgeben. Dt« küirftig« Schul««vird in emem Arbeiter- haus des Vorwerks untergebracht werden, während die dort wohnen- den Landarbeiter alz frei« Bauern aus eigenen Grund und Boden übersiedeln. Jedes Siedlungshaus enthält drei Wohnräume. deren größter die Grundilöch« von SXS.Z0 Meter besitzt. EI» vierter größerer Raum fall als S t o l l u n g dienen, er kann aber ebenfalls noch zu einem vierten Wohnraum umgestaltet werden. Di« Häuser sind mafsw gebaut, man verwendet« einen Hohlsteinziegel, der eil« gut« Wärmefestigkeit besitzt. Der obere Teil des Hause» ist als Bodenraum in Bretterverschalung ausgeführt. Jeder Siedler hat für die Au wirft Entwicklungs Möglichkeiten. Er kann bis zu 8 Morgen zu feinem Land hinzupachten oder-kaufen. Ein großer Teil der künftig noch zu besiedelnden Gesamtflächen wird von den Siedlern kollektiv bewirtschaftet. Borläusig und hoffentlich auf Jahre hinaus haben die Siedler Arbeit an den Neu- bauten, die sie für die Nachkommenden errichten. Umzäunung der Gehöft« und andere Arbeiten führen die Siedler in eigeirer Regie aus. Es ist erstaunlich, daß diese Häuser in gediegener Ausführung mit 67,50 Quadratmeter Grundfläche für 2500 M. errichtet werden können. Die Belastung, die der Siedler übernimmt, scheint erträglich: Es find jährlich 200 M.. bei den größeren Bauernstellen 300 M., auf- zubringen. In 50 Jahren«st der Besitz vollständiges Eigentum des Siedlers. Da die Häkfte der neuen Siedler aus arbeitslosen Erwerbsgärtnern besteht,«st die Gewähr gegeben, daß Fach- leute die anderen Genossen in Umdwirtfchaitlicher Arbeit anleiten. Der Einzug der Siedler wird voraussichtlich gleich nach Neujahr ersolgen. Auswüchse der Rot. Ziaub um nichts.— Jugendliche gehen zugrunde. Zwei arbeitslos« Burschen sitzen in der Kneipe. Es ist hier hell und warm und bei einem Glase Bier kann man stundenlang in Gesellschaft von seinesgleichen allerlei dumme Gedanken bannen, die im Hirn herumspuken. Dies« Gedanken sind gefährlich: sie drehen sich innner wieder um Geld. Denn was soll rnan mit den paar Mark Unterstützung«vöchenttich anfangen? Am Nebentisch sitzt ein Mann, bezahlt seine paar Mollen, erhebt sich und geht hinaus. Auch die beiden arbeitslosen Burschen verlassen das Lokal. überholen den Mann. Jetzt stehen sie hinter der Litfaßsäule: sie märten, daß er herankommt, dann springen sie auf ihn zu. Der eine hält ihm einen Revolver vor, der andere ruft:„Geld herl� Der Mann, vor Angst zitternd:„Bin arbeitslos, habe nur 20 Pf." —„Her mit den 20 Pf.'— Der Mann ist gerade dabei, sie aus der Tasche zu holen, da kamen«in paar Leute daher. Der Ueber- «ollen« saßt Mut und ruft um Hilfe. Seine 20 Pf. sind gerettet. sein Leben dazu. Die Burschen flüchten, roerden gefaßt. Bor dem Schöffengericht verantworten sich die beiden unvorbestraften arbeits- losen Burschen nicht ganz geschickt- Woher sollten sie auch wissen, wie«««an sich vor Gericht zu verteidigen hat! Einen vertei» diger haben sie nicht. Sie tischen ein Märchen auf, mit dem Erfolg, daß es das Gericht gegen sie ungünstig stimmt. Der Mann Hab« stark hin und her g«iau»n«lt, er fei an sie herangetreten, Hab« urw Feuer gebeten, M«d da sein« Zigarette wegen seines Hin? und .HttMunufos nicht sofort Fever sing, habe er den«inen angeschrien: der habe sich das verbeten. So sei es zu einer heftigen Ausew. anderfetzung gekommen. Bon einer Bedrohung oder Raubabsicht könne keine Red« feim... Jeder der Burschen erhält ein Jahr drei Monat« Gefängnis wegen schweren Raubes. Alle» um 20 Pf. » Ein arbeitsloser Monteur lebt von Unterstützung, vor Kummer oder Lebensüberdruß hat«r etwas zuviel getrunken. Auf dem Mer spricht er«in Straßenmädchen an. Die Geschäft« sind schlecht, sie hat noch keinen„Freier' gehabt, sie geht mit. Der Weg führt zum Friedrichshain. Man sucht und findet«in dunkles Plätzchen. Es kommt aber anders, als das Straßen- mädchen erwartet hat. Sie erhält plötzlich einen Schlag gegen den Kopf, merkt, wie die Handtasche ihr entrissen wird und sieht den „Freier' davonlaufen. Nette Bescherung, denkt sie und schreit, fo laut sie kann. Zwei Grüne kommen zufällig des Weges: sie eilen dem Manne nach und holen ihn«in. Die Handtasche hält er immer noch krampfhast an die Brust gedrückt: Es befanden sich darin«in Schlüssel und ein Personalausweis, weiter nichts. Kein Pfennig. Der Staatsanwalt beantragt die Mindeststraf«: Ein Jahr Ge- fängnis wegen Raubes— für den unbestraften Menschen. Das Gericht hat Einsicht: es bewertet die Tat bloß als D i» b st a h l und verurteilt den Monteur zu drei Monaten Gefängnis. Hoffentlich hat auch der Staatsanwalt Einsicht, klammert sich nicht an den Paragraphen und legt kein« Berufung ein.... Raub Überfälle um nicht». Auswüchse der Not.... Das Wunder des Kernstromes. Millionen von Menschen verbrauchen heute elektrischen Strom. Sie olle rvissen, daß es irgendwo Eletttizttötswerke gibt, sie haben auch wohl die Fernleitungen auf hohen eisernen Masten gesehen. Aber über das Wesen der Fernstromversorgung herrscht in weitesten Kreisen Unklarheit. Daher ist auch ein Film zu begrüßen, den die „Elektrowerke', die im Besig ber össentlichen Hand sind, vor kurzem zum erslen Male der Oessentlichkeit im Hause der Technik vor- führten. Da« Ganz» ist«in« kurzweilige technisch-wirtschastlich« Belehrung. All« Achtung vor der 400 Meter langen, 4000 Tonnen schweren Abraumbrücke, die in Golpa fast ohne Menschenhllf« die für den Betrieb der Kessel nötigen Brauntohlenmengen gräbt. Die Automatisierung ist hier bereits soweit gediehen, daß bis zum Augen- blicke des Verfeuern? der Kohl« kaum ein Mensch«Inzugreifen braucht. In den drei Kraftwerken der„Elektrowerke A.-G.'(Golpa, Leuta. Trattendorf) stehen 13 Kesselhäuser mit 176 Kesseln, die zu- sammen«ine Heizfläche von 1700 Quadratmeter haben. In diesen Kesseln wird die zum Betrieb der Turbinen nötig« Kraft erzeugt. Ueberhitzter Dampf von 420 Grad läßt die gelvaltigen Turbinen laufen. Der Film zeigt dos Innere der Kessel. Der Weg de« Speisewassers, feine Jorwärnurng. die Ueberhitzung mit ihrer ungeheuren Leiswngssteigeruirg und Berbilliguna der Lamvferzeugurw. die Notwendigkeit der Kühltürme, alles wird dem Laie» so leicht verständlich gemacht, daß man recht viele Vorführungen des Filmes wünschen muß. Unter einer 85 000 KUornall-Turbine kann man sich meistens nicht viel vorstellen. Wenn man aber erfährt, daß dieses Ungeheuer aus Elfen imstande ist, ständig 3 Millionen Glühlampen leuchten und sechzig vollbesetzt« Stadtbahnzüge laufen zu lassen, dann hat man ein« bessere Vorstellung von diesen mystischen 85000 .Kilowatt. Wunderbar eindrucksvoll ist der Betrieb eines Elcktri- zitätswerkes dargestellt. Die Wirksamkeit de«..Hirnes' der ganzen Aniao«. die Scholirvarre, ist überzeugend gezeigt. Sie überwacht das Inbetriebsetzen, den Gleichlauf der Maschine, die Magnettsie- rung der Generatoren, die Belastung des Werkes. d>« Lieferung des Stromverbrauchs. Sie veranlaßt das Einsetzen der Reserve- leistungen bei Spitzenbelastung und Störungen. Innerhalb von 2 Minuten geht die Leistung der Kessel bei Störungen im Ver- sorgungsbereich der Elektrowerke auf Bollast. Nur kurze Minuten stockt dann die Stromlieferung.„Fernstrom', das ist ein technisches Wunder, das um so größer ist, als die Sicherhett»ich Einfachheit der Stromentnahme so groß ist, daß jedes Kind den Strom zum Arbeiten bringen kann. Der Film der„Elektroroerke' ist Kultur- und Werbefilm zugleich.__ von einem Aula umgefahren und nicht unerheblich verletzt wurde am Mitttvochmittag der Landtagsabgeordnete Genosse Adolf W u f ch i k. An der Ecke Hedemann- und Friedrichstraß« riß ihn den Kraftwagen zu Boden. Der Verletzte wurde ins Urban- Krankenhaus gebracht und verbunden. Aich feinen Wunsch wurde er jedoch noch am gleichen Tage in fem« Wohnung übergeführt. Die Weihnachlsscler des Orlsvereia» Schöncberg.Friodenau des Aetchsbanuer» Schwarz-Rok-Gold lag in den Händen des Jung- banners. das seiner Aufgab« in vorbildlicher Weis« gerecht wurde. Kamerad R a t h m o n n, der Ortsvereinsvorsitzende, stellt« in den Vordergrund feiner Ansprache de» Gedanken der Nach st«n- liebe, dem auch das Reichsbanner als kameradschaftliche Bereinigung dienen wolle. Mehr als 50 erwerbslose Kameraden er- hielten Geldspenden, viele von ibnen noch Kleidungsstücke, andere Lebensmittel. So gab es unter oem strahlenden Tannenbaum nur strahlend« Gesichter. Der Doppelseibstmord in de? Wohnlaube. Am Sonntag- nachmittag wurden— wie berichtet— in einer Wohnlaube am König? weg in Schänsbera«in>unaer Mann und«in lunaes Mädchen erhänat aufgefunden. Die beiden Tolftt sind fetzt als ver IS Jahre alt« Hans W. und die iSjährige Helene R. aus Q e hl o- n i tz rekognosziert worden. Nach Angaben der Eltern hatten die beiden jungen Leute ein Liebesverhällnis und halten ihren Heimats- ort oerlassen, um sich in Berlin iwch Arbeit umzusehen. Ai» sie sahen, daß sie damit keine Aussicht hatten, begingen sie Selbstmord. Unser? langjZhrige Parteigenossin Marie Rischmüller, Eartenplatz 7. stiert heut- in voller geistiger Frische ihren 7 0. Geburtstag. Genossin Rischmüller ist seit langen Jabren Mitglied des Zentralverbandc« der Albeitzinvaliden und Witwen Teurschlandt. Allgemeine Wetterlage. 23. l)«.�SIe 3. ftrts es da» Bezireslekretariat J. 6ot, i Trcpsc« recht», ia rtchee» Arbeitsgemeinschaft der ttinderfreuade Grofl-Bcrlin. ist Mische» Weihnächte« Seujahr«eschl»?«». i« der Linkesiiran« und der Wermirfu» ü» Sien- wieder am Ü. Januar 10Z2. Sit«eschisksiell- ist Set Bestell«, Iii» f köDn beginnen erst MW Die Atfui! SBcsftfiiiiu* ist einaetxxiffcit. «reitzbere. Sceftsunft für unser« Weihnachizsabcr Freitag, 35. De- iemdec, 7% UI)t, vibrliger Babnbof. Der Zug fährt 8.0« Uhr. Mit. 7>«d Striiinpie. warme Schuhe, Echlatsaii uub �cir- Zreflpuult zur Fahrt heute, lSZ! Uhr, Bahnhos !>.„ e, Instrumcnl« und Schlafsack mubrsngcn. Tr-Ntnw. Laura de Bosts. Sonnabend, 36. Dezember(3. Feiertag), Wende. ruug nach den Pstttbergen. Tresfnunli 8 Uhr Bahnhof Treptow. Fahrgeld 6ft Pf. Der nächste Gruppenabend findet Dienstag, N. Dezember, im ölugend. heim Slfenstr. S statt. zubringen «enUll». Helierkreb Neukillln. Kinterfportgeräte. sind !>». Sterbetafel der Groß«Berliner Partei- Organisation UZ. Abt. Unser treuer Äämpfer Johann Läbletn, Eürtrlstr. u>, der in Treu» der Partei!>5 Jahre sedlsnt hat, ist am Montag im 75. Ledenmahr« nach schwerem Leiden vrrftorben. Ehre seinun Andenken. Einäscherung Mon- tag,!8. Dezember, 10 Uhr, int Nrematortum Serichtslraßr. Um reg« Betetli- zung bitter der Abtotlungsnorstand. 'ck i W 6ozialisilsKe Arbeiterjugend Sroß'Verlin � Stutenlniiigen Kr diel» Rubrik nur an das Zngendlelretartat I Berlin SW«8. Lindenstrahe 8( Das Ziigendstlrotariat bleibt wegen Uinrng, vom Montag, dem A, De- »««ber, bis eintchliehlich Z. Jänner geschloste».«d t. Januar befindet sich dos Sugendfekretartat Llndenstr. 2, vorn 1 Treppe. heute. Donnerstag. 24. Dezember. «eufälB X: Tieffpunlt zur Weihnachtstahri um lOst* Uhr Bahnhof Ren- I30n�(Rest� muj �bezahlt werden.) Sochziigler Frertog. 7 Uhr, Stettiner Morgen, Freitag. 25. Dezember. Kölnischer Park! Trefpuntt jyr Soihuachtsfahrt nach Depenbrock um ■V.: Uhr dm Sa)i»ftichcn-Bahnhof, Sauptrinaang.— SaUaas Treffpunlt uuc. Wotblimhwwhtr nach Edartn»-Übe Bohuhof W-isiensee.—«ordoftc» U Sxtll- Punkt zur Wcihnachtsfahrt nach Altonhof dich Uhr Elysium.—«eukSstn IV: uob ix i Treffpunkt zur Wcihnachtsfahrt 6U Uhr Äuhnhof NeuIMn.— Weißeosc«! Pailstr. 86. Rllckblick»nd Ausblick.— Boihi Bei Wintersport« wetter(Schnee ober El») Trcifpunll zur Fahrt 8 Uhr Zahn, Ecke Rudower Straß». Wenn es regnet 18 Uhr Heim.(Gilt für aste drei Feiertage.) Werbebcztrk Mitte: Siidgruppen. Treffpunkt zur Weihnochtsfährt 71; Uhr Schlestfcher Bahnhof. Werbebeziel Tempelhof: Treffpunkt zur Weibnocht-fahrt«A Uhr U-Bahnhof Tempelhof. Unkosten 3,50 M. Nachzügler 7 Uhr Stcttiner Ferndahnhof. Sonnabend. 2S. Dezember. Bethens»,: Heim Parkstrahe. Sonnsnwendfeter um 17 Uhr, Sonntag. 27. Dezember. Sportpalast: Senthiner Str. l7. W-ihuechtsfeier. Beginn 18 Uhr.— Ren- Ml» VI: Treptower Str. 05—06. Zulklapp.— Ponkow I»»b U: Gärsch« (tiahe. Sonnenwende.— Stegli» I: Loupistr. 15. Wcthnachtateicr. Beginn 18 Uhr.— Nöpenicke« Vlrrtel: Fahrt. Treffpunkt 7 Uhr Lchlesischer Bahnhof. Montag. 2S. Dezember. IS'/e Uhr. Moabit II: Lehrt« Str. 18—18. 1881 in einer Stunde.— Moabit III: Bremer Str. 60— 70. Bericht von der Wcthnachisfahri.—«poetpolest: Ken- ihtnrr Str. 17. Et» Jahr WeUwirtfchott.—«rnowelder Plast U: Rasten- burger Str. 15. Nampffahr 1880.— Falkplost I: Sonnenburger Str. 28. Bunter Abend.— Fallplast ll: Sonneuburger Str. 20. Hoppln, wi» wir leben!(mit Lichtbild«»).— Humannplast: LpeUchaste Sleinrstr. 33—85. Fahrtenerlebniffc. — Cchsahaufcr. Borftabt: Svnnenburgcr Str. 30, Junter Aliend.— Aohreao- »last II: Brommpstr. 1.«uanft V-b-.l(il).— Kastescher Tor: Porckstr. 11. Lustiae» Monatsende.— L'clse»stnkt: Dasfertorftr. 8. hn., neu« Lahr.— So- haomtothal: Rathaus. Rückblick und Ausblick,— Schönewetde U: Berliner Strohe 31. Unsere Beihnnchtofahrt. Vorträge, Vereine und Versammlunge« G Reichsbanner„Schwarz-Rot�vold'. woschäktssteli»! Berlin S 14, Sebastianstr!7— 38 Hof Z. Tr. Prenzlauer Belg. Namerad Richard Höppner ist persterben. Ein- Sicherung Donnerstag, 24. Dezember, I0>� Uhr, Zkremaiorium che- ... Briciligang in givil Pflicht.— Winierlporiodieilung. Freitag, 25, Dezemb«, 18� Uhr, Weihnachlofeler und Adfchiedofeier für die Tatra- ' im Aasina de, Slodioiif an der Avus, richtltrahe. 25. D fahr« chrmeiube. 1. Fcieriag, 11 Uhr, Pappelallee 15. Vortrag des Dr. A. Rotenberg: Fried« auf Erden. Eonniaa, 27. Dezember: : Sonntsgsgedanie» eine» Acsteis.«Säst» wMkommen. FreirellgiSie«emeinbe. 1. Herrn Proieilor"--- Herr B. Richter Der«und reiigiifer Sozialisten in NeulLlln hat fein, ZSelhnachtsfcr« am Sonntag, d»« 27. Dezemb«, 16 Uhr, im groben Saal de, Demeindohaufes Neukölln, Hertha st:'. 8. Senossen alt SSV« willkomme». Eintritt frei. Da» SSelhnachtoprogramm de, Planrtarioo,« bringt den beionirten Slld- Icefllm.Äckbu" ob Dienstag, 22. Dezember. Vorstellungen 3, 5, 7 und 8 Uhr. UN einem Einfllhrungsvortrag wird d« Sternenhimmel gezeigt. Am 31. Dezember ist das Planetarwm geschlosien. Die Märchennachmittaae finden ab Dienstag, dem 22. Dezember, taglich 3 Uhr statt, liitiirud Hube begleitet die Filme mit ihrem Vortrag. Briefkasten derNedakiion. v.>. 7. Erstattung flnbet nicht statt. Die SelchSfte waren»an 15 bis I, Bärgerstaiiar. Räch der gesetzlichen Regelung ouor i\t da, Etnkamruen aus dorn Jahre 1838 ;« der 1» Uhr geöffnet.- gilt iolgenü-s: Fstr maßgebend. Do, Eil fra». Danach ist Ihr« Bmanlaguua richtig crfolgl Vhrem Elniprtich ziirsickgewiefen Worte» sind, so mit Ptauues«höht sich um dasientg« ' Igt Dil Sie bereits mit Krankheitserreger, di« durch Mund, und Rachenhöhl« in den Körper cindringim. werden durch Panflavin-Pa stillen in ihrem Wachstum gchcnrmt und unschädlich gemocht. Die Ponflauin-Pastillm sind daher ein Pirkson«» Schii«millel gegen Erkältung und Ansteckung, S!« sind angenehm von Geschmack und greifen den Magen nicht an. Von ersten Fachgelehrten warin «npsohlen. Erhältlich in allen Apotheken und Drogerien. ( Thcaler d«n 24. I>r-ren»hr.r geschlossen. StatLSdussjitDHiis G m d? hmü n irfci. eesihlosscn. Sthlller-Theater CbsriBttwbprg. Gesitlossen. */.ubrCASlNO-THEATERsv.uh. Loihringrr Strafe 37. ■ iiHMtiiiiiiiiininiiiiiiiiiiiiintiitiiHiiniii........ An allen Z Feierlagen 2 Vorsfcllg. abends Slk Uhr die neue Posse Was man ans Hebe tut Dazu die einaktige Operette l>a» SücheidnnsM- Souper und das bonie Fest-Programm. 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Ritterstraße 1»; Berlin-Maricndorf, kathausstraße 93, pt; Berlin-Köpenick. Bahnhofstraße 34; Berlin-Lichtenberg, Frankfurter Allee 122; Berlin-Reinickendorf-Ost, Schönholzer Weg 39; Berlin-Pankow, Gaillardstraße 26; Berlin-Spandau. GötelstraGe 5, pt., oder der Vorstand der Volksfflrsorge in Hamburg 5. An der Alster 37—61 k'B a''A>-'»''' tharcli BeseWuß des VerbandsroTstandes igt der Beitrag um 30 Pf. pro Woche orro&ßigti worden, so daß der Gmndbeitreg vom 27. Dezember 19S1 ab 3,30 M. statt bisher 3jG0 M. beträgt. Die Extrabeiträge des Verbandes(40 Pf. bis 2,40 M.) bleiben wie biahorl Der Antrag des Ganvorstandes auf Erhebung eines Eitrabeitrages rugunston der Ausgesteuerten wurde in der ITrabstimmuiig angenommen. Vom 27. Dezember 1931 an werden folgende Kitrabeiträge für den Gau Berlin erhoben: Bei einem Wochenvordienat von 5,— bis 10 M. 10,01 bis 20 M. 20.01 bis 30 M. 30,01 bis 40 M. über 40 M. Aber du Handsetzerminimum der DohnVlMse 0 » 0,50 M, -- 1- M. = 1,50 M. --- 2,— M. = 2,50 M Dia Druekeraikaasiarar werden gebeten, diese Oanextrabeiträga in Spalte 8 der nanen Listen ein- zutragen. Nor Gaa vorstand. VELTEN Sonnige Neubau- Wohnungen mit schönem freien Ausblick s o f o r t zu vermieten. s Klmwier mit Zubehör. Jede Wehnnaz erhKIt einen Hsnsb altungagarten. monatliche miete nur um. 40- Termietnns bei Fenselan, Vcltem, Lindensiedinns 10. Telephon! sehe Auskunft: F7 Jannowitr IStM. Km 28. Tcponäet cathbUrf»och schwerem Beide» Met» Leder Mnnn. Ismo V»I»etz»«schl»ß. gerät Narkenfabrikot, einschließlich In». ligem Lautsprecher nnd neuen Rohre». Modell?t in Luzusaussuhrung IZ M. Dorothren. straß» 88, Ii r.(g«. genilber Winicr- garten). LstilffUZlllc»!- »öffUSUlS Srundstnck 115« Quadratmeter, mtt moffioem Hans, 1 Stube, Zistche, Beranda, Schuppen, elektrischem Licht, Obstgarten. Wald und Waffer unweit. Anzahlung 8000®. Bläsina. 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Virfeawerder: Frau Z o o r. Rathoudstr. 6. Pohnsdors: Karl Kuöfe, Eichbuschstr. 0. Vorffowoidc: a r Gehrmann. BorsigMaldc, Neitschnr. 51. roru 1 Tr Buchliolt-Blankeudurg: Wagner. Blanfenburg. Burg- mallstraßc 7l. •Shorlolienburg I: Sescnhetmer Sir. 1. C 1 Eteinpl. 4156. •hharloltenburg D: eiäfelb, Tanrnggener Str. 11, C 4 Wilhelm 779? •Charlottenburg in: Joachim!, Kailerda mm 95, Ein- gang Roguttzstraße. O 3 Westend 8154 Charlotteudurg IV: Pusentat, Auglburger Str. 47, Portier. Charlotteudurg V: Schultz, Droysenstr. 12, I. Garten- hau; 2 Tr Charlottenburg VI: Kantstr. 128, Laden. Geöffnet 2 bis 6 Uhr Dabendorf: Walter Hohl», Tabendorf, Provinzial. Chaussee. Cichwalde: H a n» D ü ll. Waldstr. 24/27, Siedl. DBB. tkrlner: Poike, A Hornallee 31. Fichtenau,«rätzwalde: Frau M ü h l b a ch. Fichtenau, Mittolstr. 14. Falle nberg: Saltzuian«, Fallenberg, Gartenstadt straß« JO. Fredertzdors.Pelertzhageu: Otto WtltnSf t, FrederZ darf, Arndtstraße Friedenau: Gebr. Peter mann, Rönnebergstt. 3 Rbeingau VIZ!74 u. 3027. Wilmersdorf, Lauenourgcr < traue 23, Laden. Rhcingau 9054 Friedrichähase« Mtttenzwet, Lindenallee 14. Frohnau: A d o I, ZurlieZ, Hermidors, Schloßstr. 8. Grünau: Frau Pfitzner, Babnhosstr Sa III. Halensee, Grunewald, Eichkamp: Frau Sioack, KioZk Henriettenplatz. Pridatwohnuna: Katharinenstr. 4. Heineradors: Schultz. Hildestr. 28. Heuuigedorf: Frau R u d a t. Alteadorfstr. 18. Hermtborf: Gustav Schied. Molttestr. 11. Hahene'ievborf: Frau Werner. Berliner Str. 58. f»heuschSuhaole»: Frau S a d r. Orankeftr. 19. Hof Part. oppegarteu: Rausch. H-ppegarte-.Btrkenstein. Par- teile Nr 119 Johauuiithal: Lehmaun, Kaiser-Wilhelm�tr. 13. «arlihorft: Perficke. Hentigstr. 35. und Kiotk am Bahnhofplatz. Kaulidors: Bogt, Bredereckstr. IS. KSnigtwusterhauseu:(£. Melle r Potsdamer Str. 9. Köpenick, Hirschgarte». Mahltdors-Siid: Schlag, Kö- venick. Kictzcr Str. 6 lLadeni. "Lichtenberg Ii Lichtenberg. Warlenbergstr. 1. FL Lichten. berg 1536 •Lichteuberg O. Rummelsburg. Etralan: Borhagener Straß« 62, E 8»ndreaz 733, Lichienberg III, Ariebricha selbe: Max. Boche, Frank» surtcr Allee 178. E 5 Lichtenberg 9754. •Lichterselde-Ost. L-utwitz:«. Wenzel. Lankwitz Zietenstr. l5. Tel.: Lichterselde G. III 2798 Lichterselde-West: Höhn, Zehlendors. Teltow« Str. 8. Telephon: Zehlendors 1S53. Lichtenrade: Frau Lenz, Bahn des str SO. MahUbors: Ulrich H ae s e, Am Rosenhag 28. Amt KaulZdors 9922. Meriendors: Frau Lelp. Chausscestr. 2g. Marieuselb«: Alfred Pöschk. Mariengarte« Rr. 34. Marzahn: Siedlung der Kinderreichen. G t m p« r> lein. Landsberger Chausiee 39c. Block I, Wohnung 4 Reueuhagen: W« n z k e. Aicgelstr l •Neukölln l: Sieckarstr 2. F 2 Neukölln 5707. •Reuföllu ll: Siegsriedstr 28/29 F 2 Neukölln 5796. Nenfölln ID: Winkler, Hobrechtstr 49, v 1 Tr. •Neukölln-Britz: Mittag, Britz. Chausiccstr. 82. F 2 Neukölln 2550. Neuschul, endors, Zeuiheu: Franz Suhl, N-uschttlzen� darf, Ernststr. 54. Niaderlehme: Herman» Schultz«. Zernidarf Ziegelei. NiedcrschSueweide: Hermann«iudig, Sedan. straße 62. Ni-berichönbanicn.T'st: Frau Goldbach. Schloß- alle« 45, v. 3 Ir. Nowalrefi: Eisenbob, isn-. 10 Oranienburg: Heinr. Leouhardt. Stralsunder Straße 6. Oberschöueweid«: Robert Paul, Wilhelminenhof- straße 44, F 8 Oberspre« 9621 Pamlow: R i ß m a n n. Mühlenstr 79. D 8 Pankow 2453. Potadam: Sebr Schubert. Junkerstr. 26. »ahugdarf, Urianiak, Straße 7. Hau; 4. Neiuickeudarf-Oft: Dahle. Pr-vm, straße 56. Sc- öfsnet 2— 6. Reinickendors« Best: B e n d l, Schorn webcrstr. N4, BollshauZ. D3 Reinickendors 3621. Rosenthal: Fritz Koffert, Kronprinzenstr. 4. Rudow: Otto Kaiser, Walterödorfer Chaussee 23. Sadowa, KanGdorf�fid: H e« s ch t e. KausHdois-SStz. Waldstraß« 66. •Schmargeubors l: N« H a b, Breit« Str. 3. H 1 Psalz. bürg 3541. Schönblick: Neuendorf, Schönblick. •Schöneberg: Belziaer Str. 27. G 1 Stefan 7499. Senzig, Gussow, Äräbendors: Friedcwald, Senzig. Chausscestr. 54. Siemensstodt: Stenzel. Brunnenstr. 6, d. 1 Tr. Steglitz: F r r st Schadenrute 2. Strausberg: Alfred Banutck«. Straukberz. Dirschauer Straße. Tegel, Tegelort. Heiligensce, Schulzeudors: Spieß. Tegel, Schlieperstr 52. Teltow: Hösel. Ritterstr. 29. Tempelhos: Harsdorf, Werdcrftr. 31 n. Port. Reutempelhof: Rindfleisch. Fidicmstr. 35. r. pu. Trebbin: G ö r t n g, Parkstr 22 •Treptow: Meckelburg, Gractzstr. 59. F8 Ober. bäum 8048. WaidmanuSlust: R o h d e, Orautendamm 19. Wanujce: Wolter Glientcker Str 29. Weißensec: Anton Wiese, Lehderstr. 2. F 6 Weißen» ,ce 3772. Wildau, Hoherlehme: R u d. L e t t o w, Hoherlehme. Friedrich-Ebert-Str 69 WUmergdors Ir Louenburger Str. 23, Laden Rhem- gau 0954. Wilmersdorf TU Friedrich Bauer. Paul Z borner Straße 22. l Stfl lV Wilhelmshaven, Hefieuwinktl: Schulz-, Wilhelms- Hagen Wilhelmstr. 31. Wittenau: Zibell. Hauptftr. 65. »olterSdorf: Frl. Mathias. Werderstr. 59 III. •Zehlendors, Schlachtensee. Nikolassee: Höhn Zehleu» dors. Teltower Str 3 G 4 Zehlendori 1853 Zerutzdors, Cablow, Tablo« Mühl«, Neue Mühle: Otto L i e s e g a n o, Zernsdorf, Breite Str. 195. Zosti«: Witt. Barulher Str. 12. Sämllichc Lileiatur I-wie alle wiffenschastltchen'Werke werden gcltesert. SonniagS sind die Geschäslsftellcn geschloffen. Die«tt«wem• versehenen Ausgabestellen find nachmittags von 2—6 Uhr unter der angegebenen Nu?»» wer telephornsch p» erreichen. Gemeinde und Notverordnung. Am die Reichshilfe für die Wohlfahrtserwerbslosen. Von Bruno Asob. Die vierte Notverordnung des Reichspräsidenten soll neben ihrer wirtschaftlichen und politischen Zielsetzung dazu beitragen, dem dringend gebotenen Ausgleich der öffentlichen Haushaltsführung zu dienen. Während anzu- nehmen ist, daß durch Gehalts- und Lohnkürzung sowie Er» höhmrg der Umsatzsteuer das Gleichgewicht des Reichs» b u d g e t s für 1931 hergestellt ist. bestehen bi den Ländern und Gemeinden die Schwierigkeiten für eine geordnete Haushaltswirtschaft— wenn auch in gemindertem Ausmaße— fort. Das Defizit der Gemeinden konnte nach den im Laufe des Jahres 1931 durchgeführten Einschränkungen und Steuerfestsetzungen und unter Berücksichtigung der Reichshilfe für die Wohlfahrtserwerbslofen mit etwa 4 9 9 bis 439 Millionen Mark angenommen werden. Dieser Fehlbetrag ist nicht nur an sich und angesichts der Aus chten des kommenden Haushaltsjahres außerordentlich groß, sondern er wird besonders bedrohlich durch die ständigen Kassenschwierigkeiten, die sich infolge der Zerrüttung des Geld- und Kapitalmarktes allenthalben zeigen und die Auftechterhaltung der Zahlungsfähigkeit zahlreicher Gemeinden und Gemeindeverbänd« fortgesetzt gefährden. Die bewundernswerten Anstrengungen, mit denen überall versucht wird, der akuten Schwierigkeiten Herr zu werden, können über die tatsächliche Lage nicht hinwegtäuschen. Die lassen- und etatsmäßige Entlastung, die sich aus der neuen Notverordnung ergibt, beträgt nur einen Bruchteil des diesjährigen Defizits. An erster Stelle steht die Ersparnis aus Lohn- und Gehaltskürzung, deren Härte— insbesondere bei den untersten Gruppen— offensichtlich ist. Die Auswirkung ist natürlich örtlich sehr verschieden und wird zu einem nicht unerheblichen Teil in vielen Gemeinden durch Senkung der Tarife bei Bersorgungsunternehmnngen und Verkehrsbetrieben ausgeglichen werden, immerhin darf man sie auf etwa 47,5 Millionen Mark für den Rest des Haus- Haltsjahres schätzen. Von der Zinssenkung— deren wirtschafts- und kreditpolitische Folgen nur mit größten Bedenken betrachtet werden können— haben die Gemeinden keine beachtens- werte Entlastung zu erwarten. Soweit die Verpflichtungen im Ausland eingegangen sind, oder niedrig verzinsliche Typen für die Anleihen— mit hohem Disagio— gewählt werden, tritt eine Minderung der Belastung nicht ein, bei den Schuldscheindarlehen und hochverzinslichen Anleihen er- geben sich natürlich beachtliche Emsparungen. Diese werden jedoch voraussichtlich zum größten Teil aufgehoben werden durch die Verluste, welche die Gemeindesparkasien durch die scharfe Senkung des Durchschnittserlöses ihrer lang- fristigen Ausleihungen erfahren werden, ohne daß bei der rückgängigen Tendenz der Einlagen eine entsprechende Sen- iung der eigenen Aufwendungen zu erzielen ist. Dazu kommt, daß die Beschaffung neuer Mittel durch diese Zwangskonver- l-erung nicht gerade erleichtert und zweifellos auch nicht für die nächste Zukunft verbilligt sein dürste. Wenn man auch in manchen kommunalen Kreisen geneigt ist, angesichts der augenblicklichen Lage und der Schwierigkeit, neue Kredite zu erhalten, die Probleme der künstigen Kredstfähigkeit als minder wichtige Zukunftsfragen anzusehen, so darf doch nicht stliersehen werden, welche gefährlichen Konseguen- z e n von der jetzigen Zwangslösung ausgehen können. Soweit die Zinsherabsetzung für die Hypotheken der Neubauwohnungen erfolgt und sie ihnen die Festsetzung eiver tragbaren Miete erleichtert, wird wahrscheinlich den großen wirtschaftlichen Gefahren, die bei Wohnungsgesell- schaften und städtischen Häusern gedroht haben, in gewisiem ilmfange entgegenwirkt. Dies ist nicht unwichtig, da die Gemeinden nicht nur als Eigner zahlreicher Baublocks, sondern vor allem als Bürgschaftsverpflichtete erhebliche Intercsien auf diesem Gebiete haben. Allerdings dürfte auf der anderen Seite für Gemeinden, die größeren Besitz an Alt- und Neubauten in Geschäftsgegenden haben, die Kündigungsberechtigung der Mieter— vor allem in Läden und Büroräumen— einen empfindlichen Einnahmeausfall bringen, der nicht oft durch die erzielbaren eigenen Erspar- nisie in gemieteten Räumen ausgeglichen fein wird. Auf dem Gebiete der Fürsorge hat die Notver- ordnung die von den Gemeinden seit Jahr und Tag erstrebte Beseitigung der Mußvorschrift für die sogenannte gehobene Fürsorge und der Nichtanrechnungsfähigkeit bestimmter Ein- kommensteile Hilfsbedürftiger gebracht. Damit ist nicht nur vom fürsorgerischen Standpunkt ein beachtenswerter Fort- schritt erzielt, sondern auch die Möglichkeit gewisser finan- zieller Auswirkungen erzielt, ganz abgesehen davon, daß eine durchgreifend« Senkung der Lebenshaltungskosten natürlich auch das Gemeindewohlfahrtsbudget nach den verschiedensten Richtungen entlasten würde. Auf der Einnahmeseite bringt die Notverordnung für die Gemeinden aus der Umsatzsteuererhöhung des Reiches eine Mehrzuweifung von insgesamt etwa 3 5 Millionen Mark. Leider ist es nicht gelungen, das Reich zu einem günstigeren Verteilungsschlüsiel zu veranlassen, so daß die Auswirkung dieser großen steuerlichen Maßnahme für die Gemeinden überaus gering ist. besonders wenn man berücksichtigt, daß sie in ihren Betrieben usw. nicht unerhebliche Umsatzsteuerverpflichtungen haben, die sich nunmehr empfindlich erhöhen. Die Lockerung der Realsteuersperre, die den Gemeinden» die mit ihren Gewerbe- und Grundsteuer» zuschlügen den Landesdurchschnitt nicht erreichen, die An» gleichung an diese Durchschnittssätze erlaubt, hat natürlich nur für eine verhältnismäßig geringe Zahl von Kommunen finanzielle Bedeutung, immerhin dürste sie bei voller Aus- Nutzung mancherorts eine nicht unerhebliche Einnahmesteigerung ermöglichen. Eine große tassenmäßig« Hitlers Geheimnisse. Hitler schreibt w der Jim stork imttt', sei» Regie, ungsprogramm iSmie«r nicht verraten, um dem»sterbenden System* keine Dp« zn gebe«! Hitler:»Hereinspaziert, Herrschafien! Große Gensation! Das Programm wird erst verraten, wenn alle Mann den Eintritt bezahlt habend Erregung im Helldorf-Prozeß. Reue Hastenilassungsanträge der Verteidigung. Im Helldorf-Prozeß konnten gestern sämtliche Angeklagten, die vom Schnellschöffengericht verurteilt worden sind, mit Ausnahme von Gewehr und Kuhns, die gemeinsam mit Graf Helldors gehört werden sollen, vernommen werden. Auch der letztere gab bereits in der gestrigen Sitzung«ine zusammenhängende Darstellung von seiner Fahrt zum und auf dem Kurfürstendamm. Im Verlaus der sich im allgemeinen ruhig abwickelnden Ver- Handlung kam es zu erregten Erklärungen und heftigen Auseinander- setzungeu wegen der Ablehnung der Haftentlassung für die etwa zwanzig noch in Untersuchungshaft sich befindenden Angeklagten. Noch der Mittagspause gab Helldorf folgende Erklärung ab: Er habe gehofft, mit seinen Kameraden Weihnachten zu verbringen; da er als ungerecht empfinde, daß die Mehrzahl der Kameraden noch in der Hast behalten werden, bitte er auch um seine Verhaftung. Als Helldorf später vernommen werden sollte, verweigerte er zunächst die Aussage unter Berufung auf seine Erklärung, gab aber auf Zureden schließlich doch seine Aussage ab. et---;-■ Vor Schluß der Verhandlung beantragte Rechtsanwalt Sack, die noch inhaftierten Angeklagten angesichts der teils Verhältnis- mäßig geringen Strafen, zu denen sie verurteilt find, teils wegen der ungenügenden Begründung des ersten Urteils ans der Hast zu entlasien. Der vor wenigen Stunden verkündete Beschluß des Ge- richts sei im Rahmen des Haftprüfungsversahrens bloß von den drei Berufsrichtern gefaßt worden. Er stelle seine Anträge im Rahmen der Hauptverhandlung, damit auch die Schössen über die Haftenllasiung schlüssig werden können. Die Staatsanwaltschastsräte Dr. Steenig und Herf werden ihre Erklärungen zu den Hastenllasiungsanträgen erst heut« morge» ab- geben. Beginn der Verhandlung um S Uhr. Eine Episode aus der gestrigen Gerichtsverhandlung verdient ganz besonders hervorgehoben zu werden. Sie ist bezeichnend für die innere Haltung eines Telles der Angeklagten. Zu Beginn einer der Verhandlungspausen wurde der Berichterstatter, de» „Vorwärts", während er noch auf seinem Platz fast von zwei inhaftierten Angeklagten belästigt. Der«ine macht« «ine abfällige Bemerkung über Vorwärtsarttkel.«in anderer sprach eine unverhohlene Drohung aus, in der da«„Dritte Reich" eine Rolle spielte. Der Berichterstatter ging den Vorsitzenden um Schutz gegen derartige Belästigungen an; die Namen der beiden jungen Leute zu nennen, hielt er jedoch für überflüssig, um sie nicht einer Ordnungsstrafe auszusetzen. Der Vorsitzende richtete nach Wiedereintritt in die Verhandlung an sämtliche Angeklagte ln sehr energischem Tone eine Vermahnung. Der Angeklagt« P. hielt es darauf für angebracht, sich in sehr scharfer Weise über„die Hetz- presse" aufzuhalten und dabei auch einen Dorwärtsbericht zu«> wähoen. Zu dsesemZwsichÄW ist grundsätzlich folgendes zu sagen: Belästigungen von Gerichtsberichtarstattern auf den Korridoren der Gerichte sind in der letzten Zeit anläßlich poli» tischer Prozesse einfach an der Tagesordnung. Auch sind schon Belästigungen im Gerichtssaal selbst vorgekommen, wenn wich nicht in der üblen Form wie gestern. Wir fragen: Was beabsichtigt der stellvertretende Landgerichtspräsident Landgerichtöbirektor Fried- mann, der im Gerichtsgebäude die Polizeigewalt inna hat, zu unter« nehmen, um die Presieberichterstatter bei Ausübung ihrer Tätigkeit vor unqualifizierbaren Anrempeleien zu schütze» und die ruhig« Abwicklung ihrer verantwortungsvollen Arbeit zu gewährleisten? Bedeutung dürfte auch der Reichsvorfchrist über die Entrichtung der Einkommensteuervorauszahlung im März zu- kommen, es ist dabei allerdings angenommen, daß der Reichsfinanzminifter diese Beträge im gleichen Monat noch den Gemeinden und Ländern— soweit sie diesen zustehen— zur Ausschüttung bringt. Uebersieht man die Gesamtheit dieser Maßnahmen, dann darf man annehmen, daß sie für den Rest des Haus- Haltsjahres eine E n t l a st ung von etwa 1S9Mil- lionen Mark bringen werden, so daß das berechnete Defizit sich auf etwa 219 bis 269 Millionen Mark ermäßigen würde. Für diese große Summe fehlt bisher jeder Ausgleichsverfuch, und es muß daher auf das Nachdrücklichste vom Reich gefordert werden, daß mit äußerster Beschleunigung der Betrag der Reichshilfe für die Wohlfahrtserwerbslofen auf eine angemessene Höhe gebracht wird. Eine Herauffetzung des zur schlüsselmäßigen Ver- tellung dienenden Betrages von fetzt 159 Millionen Mark auf 259 Millionen Mark ist die Mindesthilfeleiftung, die die Gemeinden vom Reich erwarten und zu der— wie man wohl den Worten des Reichsfinanzminlsters bei"der Ver- öffentlichung der vierten Notverordnung entnehmen darf— das Reich auch grundsätzlich bereit ist. Darüber hinaus be- darf«s der raschesten Feststellung der künstigen finanziellen Beteiligung de? Reiches an den Kosten der kommunalen Erwerbslofenfürforge und der Klarstellung der steuerlichen Berhältnisse für das nächste Haushaltsjahr, damit die Ge- meinden ihren Etat für 1932 auf der eingeschränkten Grund- lag«, die fetzt überall erzwungen ist. zum Ausgleich bringen und eine geordnete Haushaltsführung gewährleisten können. Komödie. Verneull:»Die Nemo-Vonk*. Der große Erwerbs- und Bühnenkünstler Pallenberg, den die Amstslbank um einige Hunderttausende erleichtert«, ist entzückt. einen Mvldsschieber spielen zu dürfen. Di« Zuschauer der Premiere zeigen sich sachverständig und ebenso entzückt und dank- bar. dl.». Telephon und paketverkehr billiger. Tanfseukung bereits ob 1. Januar. Das Reichskobinett stimmt« in seiner gestrigen Sitzung der Senkung von Postgebühren mit Wirkung vom 1. Januar 1932 zu. Die Senkung soll sich, um bei der Höhe des zur Verfügung stehen- den Betrages von 129 Millionen Mark wirksam zu sein, auf zwei wichtig« Verkehrszweig«, den Paket, und den Fernsprech- verkehr erstrecken. Bereits am 28. Dezember wird der Arbeitsausschuh des Reichs- poswerwaltungsrates und am 29. Dezember das Plenum des Ver- waltungsrates zusammentreten, um die endgültige Entscheidung zu treffen, insbesondere um die Einzelheiten der Gebührensenkung festzusetzen. Hausbesitzer schreien. Ein Telegramm an den Reichspräfideutea. Der Zentraloerband Deutscher Haus- und Grundlefitzeroerew« hat an den Reichspräsidenten folgendes Telegramm gerichtet: „Sehr geehrter Herr Reichepräsident! Außerordent- liches Kündigungsrecht der vierten Notverordnung vom 8. Dezember 1931 erweist sich als Katastrophe für die gesamt« Wohnwirtschast und gefästirdet den heute so notwendigen inneren Frieden auf das schwerste. Täglich« Kündigungen. die wirtschaftlich nicht gerechtfertigt, erfordern dringend sofortige Wiederherstellung der für joden Rechtsstaat unantastbaren Der- tragstreu«. Wir appellieren an das stet» bewiesen« hohe Recht»- empfinden de» Herrn Reichspräsidenten und bitten in letzter Stunde. unseren, der Reichsregierung unterbreiteten Forderungen ent- sprechen zu wollen." Den Hausbesitzern steht es nicht gut an, von einer Katastrophe zu sprechen! Die„Gefährdung des inneren Friedens" durch das außerordentliche Kündigungsrecht ist eine lächerliche Redensart. Wollen die Hausbesitzer putschen, well Mieter kundigen dürfen? Haben die Hausbesitzer iemals behauptet, Massen- entlassungen von Arbeitern und Lohndruck seien„Gefährdimg de« inneren Friedens"? Evangelischer Verlust. Bei der Wiesbadener Geschäftsstelle der evangelischen Versicherunaezentrale find Unter- schlagunaen von S1 009 Mark aufgedeckt worden. Der Geschäfts- führer Adolf Bender ist seit einigen Tagen flüchtig. Die Kehrseite der Festtage. Lohnausfall zwischen Weihnachten und Reujahr. Für die Gehaltsempfänger sind Feiertage eitle angeneljme Aü- wechfelung. Zwar sind die Auegaben zu Weihnachten weit größer als sonst, doch wird nicht obendrein noch das Einkommen geringer. Das war,La«. N,!!«. iS'örfi AtH?!:?!.- lohn lohn ötreoni wochmlohu UnterNiizz Maurer..... 1,25 52,50 7,75 44,75 16.�8 Bauhilfsarbeiter.. 1,04 43,68 6.55 37,13 14,85 Tiefbauarbeiter.. 0,78 32,76 4,28 28.48 12,15 Emil Girbig iriit in dsn Ruhestand. Emil Girbig, dcr frühere langjährig« erste Vorsitzend« dee Zentralverbandes der Glasarbeiter, tritt am Jahresschluß in den Ruhestand. Sein Name hat sowohl in der deutschen wie in der internationalen Gewerkschaftsbewegung einen guten Klang. Girbig, geboren am 11. Juni 1866, mußte schon als Kind in der Glashütte mitarbeiten. Er wurde dann Glasmacher und trat früh in der Arbeiterbewegung hervor. 1897 würde er zum Bei- bandsvorsitzenden der damals noch sehr kleinen Glasarbeiterorgani- sation gewählt. Girbig hatte Erfolg. Seine Organisation wuchs trotz der schwersten Hemmnisse und Widerstände. Er verdankte diesen Erfolg seiner starken rednerischen Begabung,, seiner scharfen Feder und vor allem seinem menschlichen Mitgefühl. Uiüer seiner Leitung wurden die Glasarbeiter Deutschlands zu einer großen Familie, die 1926 völlig einig und geschlossen zum Keramischen Bund und damit zum Veriand der Fabrikarbeiter überging. Girbig wurve Zentrolbranchenleiter der Gruppe Glas im Bund. Auch für den internationalen Zusammenschluß der Glasarbeiter j setzte sich Girbig energisch«in. 1908 wurde er zum internationalen Sekretär gewählt. Als dann infolge dcr Kriegswirren das Sckre- tariat nach Paris verlegt wurde, trug man Girbig die Präsident- schast an, die er bis jetzt noch rnne hat. Auch politisch betätigt'' sich Girbig. Er war Mitglied der Nationalversammlung und i später Mitglied des Reichstages. Diesem gehörte er bis 1924 und dann vom Frühjahr 1328 bis September 1330 an. Girbig hat feine ganze große Arbeitslraft der Arbeiterschaft gewidmet Er hat für all« Bedrückten und Leidenden zu sorgen versucht. Der Dank dafür sei ausgedrückt in dem Wunsch, iwß ihm noch recht viele Jahr« in bester Gesundheit beschieden sein mögen._ Die Gemeindearbeiierlöhne. Sie geraten meist unter den Stand von 1927. Der Gesamtverband hat ein« Erhebung darüber angestellt, wie sich die Notverordnung auf die Gemeindearbciter auswirken würde. Dieser Erhebung wurden die augenblicklichen Tariflöhne der Gemeindearbeiter in neunzehn Groß- st ä d t e n des Reichs zugrunde gelegt. Dabei ergab sich, daß i n fünf Städten durch den zehnprozentigen Abbau die Löhne vom Jahresanfang 1927 nicht unterschritten werden. In vierzehn Städten dagegen kämen die Löhne unter den Stand vom 10. Januar 1927 zu liegen und zwar um 1 bis 12 Pf. je Sinnde. Hinzu kommt noch, daß in der neuesten Notverordnung die Bestimmungen aus den früheren Notverordnungen über die An- gleichung der Löhne der Gemeinde- und Staatsarbeiter an die der Reichsarbeiter nicht beseitigt worden sind. Der Lohnabbau. In der Seeschiffahrt und der Kaliindustrie. Der norddeutsche Schlichter Dr. S t e n z e l hat für die deutsche Seeschisfahrt einschließlich des Fracht- und Passagierverkehrs einen Schiedsspruch gefällt, nach dem die Heuern ab 1. Januar 1932 um 10 Proz. herabgesetzt werden. Nur auf der Irlandfahrt tritt eine Ermäßigung um 7,5 Proz. ein. Das Abkommen gilt zunächst bis zum 30. April 1332. Der Sonderschlichter Ministerialrat Dr. C l a s s e n hat sür die deutsche Kaliindustrie folgende Entscheidung gefällt: Die in der Lohntafel vom 1. Februar 1929 festgesetzten Lohnsätze werden ab 1. Januar 1332 um 15 Proz. gekürzt. Die Kürzung um 15 Proz. erstreckt sich nicht auf die Leistungsprämien und Zulagen, ferner nicht auf die in dem Arbcitsabkoinmen vorgesehenen festen Sonderzuschläge. .�reie Gewerkfchafts-Iuaend Berlin acut«, 19Z4 Uhr, logen die©tunren;©esundbrunnen! Jugendheim « i Nienburger Str. 2. Wir fahren nach dem Werbellinsee.— Ren-Uichtendeeg: Jugendheim©unterstr. 44. Wir gehen aui Weih. nacht-fahrt.— Ostende: Wir gehen auf Fuhrt. LeraniwortN.t,'iir P-likür Cteto» Schi,,! Wirts»« ,t:©.„lingelhefee: ©ewert,»astsden'e«una: Z. Steiner: Feuilleton: Sie. Zoda S-itow-?!: eotaicä und(rp.ill ge»; Rrin ii-rftädt: Anieiarn: rh. kiloile: sämtlich in Berlin Betlag: Lorioarto.«erIaa© rn h. K. Berlin. Bruck: ZZarmärto.Kuchdrückeret und Berlagsanstalt Vau! Singer u.©o Berlin S®, SS, Wndeultrake Z. Hierin 3 Beilagen.