Morgenausgabe Nr 603 A 303 45. Jahrgang ««chaalt«««. mmmltUb»jaa«L (bapon 8S Bl msnallich für Zuktel- tung in» Jaus) im Daran» jahlban Possixzug 4,32 3Jt einschließlich«oPI. ®0".jeftung«. anb 7ZPf.�astbeftelIge. bijhren. Builandaadonnemeni S.- M. pro Manai: für Länder mit ermäßig« Um Diucksachenvorlo 6.— M. Der.Buimäri»* erschein, euchtuMg. sich zweinial. Sonntag» und Montag» einmal die Abendausgade für Berlin und im Sandel mit dem Titel.Der Ädend*. Illustrierte Sonntagsbeilage »Boll und Zeit* Berliner volKSblatt greiiag 25. Dezember 1931 Groß-Äerlin 15 Pf- Auswarts 20 pf. Tt« etntpalt Nonpareillezei'e 80 Pt, Jtetlame&eile 5,— RM.„Kleine An- jclgen" das fettgedruckre Won 25 PI (zulässig zwei fellgeOruckie Worte),-edt-s weitere Wort 12 Pf Raball lt. Tarif. Stellengeluche das erste Wort\b Pf, jedes weitere Won!O Pf Worle über 15 Buchstaden zählen für zwei Wort?« Arbeitsmarkt Zeile 60 Pf Familien- anzeigen Zeile 40 Pf Anzeigenannahm» im Hauptgeschäft Lindenslrahe3. wachen. täglich von 8-/z bis 17 Uhr Der Verlag behält sich das Recht d"» Ablebnunz nicht gsneizmer Anzeigen vor' Jentvaiovgan der Sozialdemokratischen Partei Densschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 6S. Llndenstr 3 i�ernspr.. �önboss(AI) 292— 297 5elegramm-Adi.. Sozialdemokrat Berlin Vorwärts-Verlaa G. m. b. H. l!Dftfd)f(fronio:)PerItn37536.—Canffonto: �anfbct arbeitet, angeltelltcn uns Beamten. Ltndenstt. 3 Dt B.u Dtbc.-Gei.. Depositenk..Zerulalemei Sir KS-lü. Am bis Jungen! Statt naee Weihnachtsbetrachtuag. Voll Otlll Otderg. Die Jugend mit der alten Kraft zu erfassen und zu halten, das ist die große Aufgabe unserer Partei. Nicht der Sozialismus als Idee versagt: niemals ist die Wahrheit und Berechtigung seiner Gefell- schaftskritik in so erschütternder Weise an einem Material von Millionen dargetan worden wie heute. Hätte der So- zialismus als solcher seine ideelle Stoßkraft eingebüßt, würde man den Namen nicht stehlen, um gegnerischen Bewegungen Stoßkraft zu verschaffen. Der revolutionäre Drang und die ordnende Vernunft der Menschheit hat kein soziales Ideal aufgestellt, neben oder über dem Sozialismus. Wenn also eine Krise da ist— und sie i st da— innerhalb derer, die den Umsturz der heutigen Ordnung wollen(bei den andern kann man ja von verminderter Werbekraft der Sozialdemokratischen Partei nicht sprechen), so bedeutet sie. daß viele, namentlich aus dem Nachwuchs, unsere Partei nicht mehr für das geeignete Werkzeug halten, den Sozialismus zu oerwirklichen. Daß sich.Konkurrenzunternehmen" anbieten, ist für uns in diesem Zusammenhang von nebensächlicher Bedeutung, weil wir überzeugt sind, daß die Partei an sie nur abgibt, was sie ohnehin nicht wahrhaft erfaßt und sich zu eigen gemacht hatte. Unser Problem ist aber gerade die verminderte Fähigkeit, wahrhaft zu erfasien und sich zu eigen zu machen. Es sei hier nur in Paranthese auf den grund- legenden Unterschied zwischen der„Konkurrenz" des National- fozialismus und des Kommunismus hingewiesen. Wie es Raupen gibt, die in Farbe und Zeichnung, die Blätter..nach- äffen, von denen Vernichtung' sie leben, fo'äfft der National- fozialismus in Namen und Redeweise die Arbeiterpartei nach, die zu vernichten er ausgezogen ist. Er will nicht den Sozialismus mit anderen Mitteln, sondern er will Um nicht. Der Kommunismus dagegen— soweit er nicht ver- tappte Reaktion ist. alz welche er uns hier nichts angeht— will sozialistische Ideale auf anderem Wege verwirklichen, nicht als Willen der Mehrheit, in den Formen der Demokratie, sondern als Zwang einer Minderheit. Gegen ihn zeugt die ungeheure Katastrophe, die in dem schwachbevölkerten Agrar- lande Rußland sich auf Jahre an die Revolution anschloß, deren Zeitpunkt nicht gewählt werden konnte. In einem dichtbevölkerten Jndustnelande würde die Katastrophe noch viel fürchterNcher sein, so daß es Wahnsinn wäre, diesen Weg zu wählen: wahlloses Müssen steht ja nicht zur Diskussion. Gegen den Kommunismus zeugt auch die Freiheitsbeschrän- kung. in der sich die sozialistische Wirtschaft verwirklicht, so daß das Mittel den Zweck verschlingt, der Sozialismus die Freiheit. Aber die Frage, wohin sich die wenden, denen die Sozial- demokratie nicht genug tut, ist für uns hier nicht wesentlich. Wesentlich ist, daß es heute— und vielleicht in steigendem Maße— junge, vorwärtsstrebende, denkende und wollende Menschen gibt, denen sie nicht genug tun. Wie erklärt sich das, und wen trifft die Schuld? » Da sind zunächst die.K o n j u n k t u r v e r l u st e" der Krise, das Zurückbleiben oder Abschwenken derer, die meinen. die Sozialdemokratie hätte ihnen nicht Wort gehalten. Man versteht ihn nur zu gut, jenen vorwurfsvollen, erstaunten Blick, mit dem die Opfer der Krise auf ihre Partei sehen, auf ihre starke, stolze Partei, mit den vielen Millionen Wählern, mit der stärksten Fraktion im Parlament, deren Lehre sich rühmt, nicht nur den Unverstand unserer Wirtschaftsordnung kritisch aufgedeckt, sondern auch die theoretischen Richtlinien einer neuen Ordnung ausgearbeitet zu haben: Warum helft ihr uns nicht! Die Massen hungern, und man gibt ihnen kein Brot; die herrschende Klasse läßt die Zügel der Wirtschaft am Boden schleifen, und die Partei der Arbeiter nimmt sie nicht auf. Man begreift die Enttäuschung der Massen, das AussinarüZerklaffen von Erwartung und Wirklichkeit. Nicht nur die Massen sind enttäuscht, nicht nur die Opfer der Krise. Viele hatten die Straße kürzer eingeschätzt, die Schwierig- keiten geringer, die eigene Kraft höher. Darauf, daß das kapitalistische Regime am Tage seines völligen Versagens noch soviel Abwehrkraft besitzen und gleichzeitig durch sein Versagen seine Gegner teilweise lähmen könnte, waren die wenigsten gefaßt. Aber die Verluste der Krise, so schmerzlich sie sind, be- rühren die Frage unserer Werbekraft als Partei nur ober- flächlich, denn erstens wird die Krise vorbeigehen, dann tut es einer Aufgabe, wie sie die Sozialdemokratie verwirklichen Eiserne Weihnachten. Gaben spenden und Weihnachten feiern ist keine ausschließliche Angelegenheit der Frommen und des Bürgertums. wer je der proletarischen Weihnachtsfeier einer sozialistischen Grganisation beigewohnt hat, der findet die alte Wahrheit bestätigt, daß der Arme den Armen immer noch am besten versteht, daß er ihm am meisten hilft, am ehesten sein wenige? mit dem Bruder teilt, proletarische Solidarität leistet weit mehr als bürgerliche Wohltätigkeit. Doch nicht in der Begrenztheit des Spendens verlaufen sich die weihnachtsgedanken der Arbeiterschaft. Sie sieht die Welt nicht mit den Augen der bürgerlichen Wohltätigkeit. Eutmeinende vamen mögen glauben, es gelte nur. in der großen Blasse der wirtschaftlich Gesicherten einige durch Bot und Unglücksfälle verarmte Existenzen aufzuspüren, an denen sich das gute herz üben kann, ver Proletarier weiß, daß das Glend eine Maffenerfcheinung ist, gegen die mit Wohltätigkeit anzukämpfen ebenso ausstchtslos ist, als wollte einer den Brand des Stuttgarter Schlosses mit etlichen handspritzen löschen.' proletarisckze Solidarität HUft, wo sie vermag. Aber sie bleibt dabei nicht stehen, sie oergißt nie, daß die endgültige, wahre Hilfe nur durch grundlegende wirtschaftliche Veränderungen gebracht werden kann, vie beste Weihnachtsgabe der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften an die Millionen Armen ist, daß sie mit unermüdlicher Zähigkeit auf diese Veränderungen hinarbeiten. Zu ändern sucht auch die gegenwärtige Regierung Brüning. Es ist freillch eine Torheit, zu behaupten, daß die Not erst durch ihre Notverordnungen geschaffen werde, vie Not der Weltwirtschaftskrise ist das primäre. Mit oder ohne Not- Verordnungen— sie ist da und müßte sich so oder so fühlbar machen, vie Frage ist, ob diese Notoerordnunzen, in der Absicht der Beseitigung der Not gegeben, diesem Siel irgendwie näherkommen. hier versagt die Regierung Brüning, muß versagen, well sie die Not mit den Augen des Faktors sieht, der sie herbeigeführt hat. des Kapitalismus, während die Not nur dann anfangen würde zu verschwinden, wenn die Preissenkung die Senkung der Einkommen weit überwiegen würde, vermag die Regierung nicht einmal, beide auch nur in Balance miteinander zu bringen: immer eilt die Lohnsenkung der Preissenkung voran. Aber— so fragt mancher— warum geht die Sozialdemokratie nicht hin und macht es besser??a, gibt man ihr dazu Macht und Möglichkeit?! vis Fehler der Regierung Brüning können nicht korrigiert werden, solange sie die enttäuschten Massen nur den Scharlatanen in die Arme treiben, die Patt vernünftigerer Maßregeln himmlische Wunder versprechen.?st nicht folgendes typisch: Herr hiller erklärt der chefseutlichkeit, er wolle die von ihn-, geplanten Maßnahmen nicht verraten, um der jetzigen Regierung keine„Tips" zu geben, vas entspricht ungefähr den Kniffen, mit denen die Jahrmarktsgaukler und betrügerischen spiritistischen Medien arbeiten. Trotzdem findet dieser Mann Mil- Uor.cn gläubige Nachläufer. Aber auch die, die heute nationalistisch oder kommunistisch wählens verlangen ganz naiv von der Sozialdemokratie, daß sie allein es besser machen soll. Unzählige denken folgendermaßen:. s,vaß ich dem Hakenkreuz oder dem Sowjetstern meine Stimme gebe, ist mein Privatvergnügen, vafür, daß meine Interessen gewahrt werden, sind ja Sozialdemokratie und Freie Gewerkschaften da". Aber Sozialdemokratie und Gewerkschaften sind auch nur insoweit da, als die Massen da sind und hinter ihnen stehen. wir möchten jeden Eid darauf leisten, daß Herr hiller. zur Macht gelangt, auch nicht eine der Lrüningschen Notverordnungen aufheben wurde. Er würde froh sein, sie„fertig geliefert" zu bekommen, ohne mit ihrer Unpopularität belastet zu sein, und würde noch ein vutzend weitere Notverordnungen hinzufugen, vas einzig„oridigale" an seiner Regierung würde lediglich die Anwendung des blutigsten Terrors gegen jede selbständige Regung der Arbeiterklasse sein, verkündet doch das offizielle Programm der Nazis die volle Harmonie zwischen Kapital und Arbeit, verwirst es doch jeden Klassenkampf der Arbeiter als antinational und verbrecherisch, ver„veutsche Sozialismus" hillers läuft fast haargenau auf die werksgemeinschaft der Gelben hinaus. Nur daß der Nationalsozialismus das Gllbentum zur Staatsreligion erhebt. hiergegen wehren wir uns. Gegen die Herrschaftsgelüste dieser entfesselten Gelbenpartei errichten Partei, Gewerk- schaften, Sport-, Heer- und Kulturorganisallonen ihre Eiserne Front. Eisern ist diese Zeit. Eisern sind diese Weihnachten im Zeichen der Arbeitslosigkeit. Ader eisern schließt sich auch die Front der Werktätigen gegen Faschismus und Reakllon zusammen. will, keinen Abbruch wenn sie auf größere Hiickernisse stößt, als vorausgesehen waren, ja, nicht einmal, wenn nicht immer das richtige Mittel zur Ueberwindung der 5?indernisse ge- wählt würde. Hat doch keine andere Bewegung unserer Zell, auch die nicht, die sich im Besitz der Staatsgewalt be- finden, die Wirtschaftskrise zu meistern vermocht. In der seelischen Krisenkonjunktur liegt es nicht, wenn jene junge revolutionäre Unrast, die sich früher ganz instinktmäßig der Sozialdemokratischen Partei zuwendete, heute an ihr vorbeisucht. Es liegt an etwas anderem, nicht äußerlichem und nicht vorübergehendem. An etwas, wofür die Partei keine Schuld trifft und das sie nicht abwenden kann: an ihrer Reife. Sie ist keine Knospe mehr, die Wunder verspricht. Sie ist schon Wirklichkell und Alltag geworden, ein menschliches, allzu menschliches Ge- bilde, crdgebundsn, staubbeschwert, der Zell unterworfen, der nur trotzen kann,„was sich nun und nimmer hat be- geben". Sie hat kernte unentdeckten Inseln mehr, auf die sich Traum und Sehnsucht flüchten könnten. Deshalb ist die Sozialdemokratie der Jugend heute nicht das, was sie ihr sein konnte, als sie selbst noch jung war. Und dadurch, daß sie sich mit Wirklichkeit und Zelllichkell tränkte, wurde sie wie ein mächtiger Baum, fell an das Erd- reich geklammert und im breiten, dichten Astwerk vielen Schutz gewährend. Alle, die heute grollen, weil die praktische Tat der Sozialdemokratie nicht das ungeheure gegenwärtige Unrecht abzuwenden oermag, sollen vor Augen halten, welche Riesenverantwortung für Menschenglück und Menschenleben, ja, für das Schicksal des ganzen Landes die Partei trägt: die geforderte Tat kann nicht kühn von oben einschlagen, wie der Blitz aus den Wolken, sie ist tausendfältig verknüpft mit anderen schon getanen Taten, an denen ungezählle Existenzen hängen. Die Partei ist am Kartentisch der Weltgeschichte kein Kiebitz mehr, sondern ein Spieler, der auf Heller und Pfennig bezahlen muß. Der theoretische Elan des Cafchauses schreitet freudig über Leichen. Eine Bewegung, die seit einem halben Jahrhundert für bessere Lebensbedingungen und bessere Menschen wirbt, muß es hundertmal überdenken, ehe sie das Erreichte aufs Spiel setzt, das als atmendes, fühlendes Menschenschicksol ihrer Obhut anvertraut ist. Alles, was sie erarbeitet und er- kämpft hat, dafür ist sie verantwortlich. Sic muß es wohl erwägen, ob es nicht zu schade ist, als Munition für eine mögliche Bresche in die Mauer der Klassenherrschaft ge- wagt zu worden. Und dieselbe Partei, die im Vollbrachten ein Gewicht der Verantwortung trägt, das ihre Beweglichkeit hemmt, ist selbst auch schon lange nicht mehr ein bloßer Spielball für den Gegner, der sich hierin und dorthin stoßen ließe. Sic hat Ansehen und Macht, und verschafft sich Geltung. Die Zeiten sind längst vorbei, wo die Zugehörigkeit zur Partei Gefahr und Beeinträchtigung bedeutete. Die Partei hat einen eigenen Beamtenstand. Man kann bei ihr sein Fort- kommen finden, ja es gibt Leute, die bei ihr unterschlüpfen. Sie kann etwas bieten und hat Zulauf. » Diese unvermeidliche Folge des Lebens und Reifens in der Wirklichkeit, diese Fleischwerdung der Idee, die sie allen Fehlern und Gebxschen des Fleisches preisgibt, ohne die sie aber nie sich durchsetzen und wirken könnte, die beeinträchtigt heute die Werbekraft der Sozialdemokratie unter der Jugend. Jugend will gegen den Strom.schwur- men. Es ist eine tragische Wahrheit, aber es ist Wahrheit und gehört zu den irrationalen Unwägbarkeiten des Lebens, daß den Menschen die Gefahr lockt, daß sie ihm den Wert des Daseins erhöht, daß ihm ein kleines Gut, um das er gefährdet ringt, höher gilt als ein großer Wert, der ihm als Geschenk zufällt. Zu wenig Gefahr, zu wenig Verfolgung bringt es heute, sich zur Sozialdemokratischen Partei zu be- kennen. In manchen Städten ist sie die Mehrheit, hier und da sogar Regierungspartei. Das ist den jungen Leuten zu flau. Und außerdem schüttelt es sie bei dem Gedanken, daß sie etwa Schulter an Schulter mit solchen stehen könnten, die nur deshalb zur Partei gekommen sind, weil man. auch dort Karriere machen kann. Diese Einstellung ehrt die Jugend. Wenn sie aber daraus ableitet, daß sich heute Ausgabe und Ideal nicht mehr in der Sozialdemokratischen Partei finden lassen und tatenlos beiseite steht oder es bei anderen Parteien versucht, so ist sie darauf hinzuweisen, daß Politik kein Tummelplatz ist und nicht nach den Sensationen, die bei ihr abfallen, be- wertet werden darf. Auch damit kann man zum„Profitie- rer" an einer Sache werden, daß man, anstatt sich ihr um ihrer selbst willen zu widmen, ihr dient, um den Ertrag an Erlebnissen und Nervenkitzel. Eine Partei ist eine ernste und verantwortungsvolle Sache, und es stünde wahrhaftig schlimm um eine Bewegung, wenn man sie darauf zuschnitte, dem Abenteurerdrang der Lugend genug zu tun. Dazu hat man Sport, Entdeckungsreisen, Rekordwesen, all das, wo der Abenteurer mit sich selber spielt. Rücksichtnahme auf der- artige jugendliche Spielgelllste wäre ruchlos. Der Jugend sei gesagt, daß ihr Drang nach O p p o- sition um der Opposition willen, oft weniger Zeichen des Erwachsenselns ist als eine noch nicht ganz ab- gestreifte Eierschale. Wer immer und auf alle Fälle gegen den Strom schwimmen wilü, wem in einer sozialistischen llmwelt der Sozialismus, in einer faschistischen der Faschis- mus zu fad wird, der hat im Grunde ebensowenig eine Eigenbewegung wie der Mitläufer, weil er sich, wie dieser, durch äußere Verhältnisie den Weg weisen läßt. Auf diese Jugend, die nur jung ist und mit der Reife das Oppositionelle abstößt, wie die Kinderzähne, kommt es wenig an. Sie macht zwar viel Lärm, aber an ihr gewinnt und verliert man nicht viel. Wo ein Kampf um die Jugend geführt wird, da gilt er denen, die mit Jugendfeuer Ideen vertreten, in deren Dienst'sie durchs Leben gehen: den ernsten Menschen, die sich für eine Idee einsetzen, nicht an ihr austun wollen. Es ist nicht Sache einer politischen Partei, Anziehungskraft für den Spieltrieb der Jugend zu haben. * Aber man denke nicht, daß es in der Sozialdemokratischen Partei keinen Raum für Mut. Opfer und Wagnis gäbe. bloß. weil es mit der Verfolgung durch Polizei und Gericht heute vorbei ist. Ganz abgesehen davon, daß sie wiederkommen könnte— nach der widerwärtigen Reklame mit Leichen, wie sie der Nationalsozialismus treibt, gelüstet die Partei nicht, aber für den Kampf ist sie gerüstet— bedarf jede revolutionäre Bewegung einer beständigen inneren Kampfstellung. Sie lebt in einer Welt, die sie überwinden will, der sie sich al/a nicht anpassen darf. Ganz automatisch drängt die Umwelt auf Anpassung. Systematisch und wachsam, stets auf der chut vgr.chem eigenen Ich, das stumpf und matt werden könnte. umh der Parteigenosse seine Arbeit tun. Nicht stumpf und matt werden, sich nicht in die Dinge schicken, nie vergesien, daß wir für eine bessere Ordnung kämpfen, die heute schon in unserem sittlichen Empfinden lebendig sein 'miß: zu seiner Roheit und Feigheit schweigen, das lebendige Gefühl bewahren für das ungeheure Unrecht und den un- geheuren Widersinn der Zustände, die uns umgeben. Ist das der Jugend zu unromantisch? Nun, wir können sie nicht in gotische Dome führen, um sie Schauer der Ehr- furcht empfinden zu lassen, können sie nicht mit Lanze und Harnisch in Nittertourniere stellen. Aber wir können ihr, in dieser prosaischen Zeit, auf diesem Straßenpflaster, unter dem Rasseln der Maschinen, beim Surren der Autos und der Flugzeuge, Aufgaben weisen, gewaltiger als gotische Dome, an denen sich mehr Mut betätigen läßt als im Waffengeklirr. Heute gilt es, den unermeßlichen technischen Machtbereich menfchlich-sinnhaft zu bestellen, auf daß die Menschen darin nicht nur warm und satt, sondern auch glücklich, st olz und frei werden können. Nicht der Natur haben wir das abzuringen, sondern der menschlichen Unvernunft, Selbstsucht und Hartherzigkeit, die sich in viel- fältiger Rüstung uns entgegenstellt: mit Pfeudowisienschaft und Weihwedel, aber auch mit Dolch und Revolver. Unsere Bewegung wirst nicht Sensationen ab wie eine KInovorstel- lung, aber sie fordert ernste und tapfere Menschen, für die das Parteiabzeichen ein Gelöbnis bedeutet, nicht müde zu werden im kleinen Kampf gegen Dummheit und Bosheit und bereit zu fein für den großen? Lavals Flucht in die Ferien. Lleberstürzter parlamentsfchluß aus Angst vor der Linken Pari». 24 Dezember.. MinIsterprSsideat Laoal hat vorzeitig, noch ehe sämtliche Vorlagen Geseheskrafl erlangt haben, Kammer und Senat In die Serien geschickt. Das Schlleßungsdekret der Kammer ist von ihm bereits verlesen worden. Zm Senat wird die Verlesung noch heute abend erfolgen. Zu seinem allgemein überraschenden vorgehen scheint der Ministerpräsident durch das Verhalten der Opposition ver- anlaßt worden zu sein, die mit allen Mitteln die Wiederausnahme der Debatte über das Abkommen zwischen der Baak von Frankreich und der Regierung zweck» Abdeckung der Sterlingverluste herbeiführen wollte, obwohl die Regierung diese Frage al» end- gültig geregelt ansah. Sin entsprechender sozialistischer Antrag, gegen den Ministerpräsidenten Laoal die Vertrauen»- frag« stellt, wurde mit Z2g gegen 26? Stimmen abgelehnt Oer Ginn des Gutachtens. Die Beurteilung des Ergebnisses von Basel. Der Baseler Bericht hat da« nacht�sgeschäft der Rechts- und Vergungsarbe'ten an der.cusitania". Die amerikanische Sake- Ralley-Expedition.Tu. au» New Port hat von den britischen Be. Hörden die Erlaubnis erlzalten, Bergungearbeiten am Wrack dos am 7. Mai 191S in der Nahe der irischen Küste untergegangenen Dampfers„Lusiiama' vorzunehmen. Die Arbeiten sollen im Janckar beginnen, politische Weih- Linksradikalen verdor- den. Dieses Geschäft besteht ja grundsätzlich nur in der Auf- veitschung der nationalistischen Leidenschaften und in dem Nachweis, daß Deutschland außenpolitisch von einer Nieder- läge zur anderen eilt, und daß keinerlei Aussicht bestehe, jemals das System der Reparationslasten mit friedlichen Mitteln der Verhandlungen zu überwinden. Eine halbwegs loyale und objektive Kritik des Baseler Gutachtens müßte selbst die schärfsten Bekämpfer der bis- herigen Verständigungspolitik zu der Schlußfolgerung veran- An unsere Abonnenten? Ab ll. Januar 1982 wird der AbonnementSpreis des „Vorwärts" pro Monat von 3.99 M. auf 3,25 M. und pro Woche von 82 Pf. auf 7 Z P f. gesenkt! Diese Herabsetzung des Preises ist uns nur möglich unter Anspannung äußerster Reserven, da im allgemei- nen die Generalunkosten für die Herstellung der Zeitung bisher eine Senkung in gleichem Umfange nicht erfahren haben und nicht erfahren können, und da selbstverständ- lich auch das Jnseratengeschäft allgemein unter der schweren Wirtschaftskrise leidet. Wir haben jedoch das Vertrauen zu unseren Lesern, daß sie durch die Abonnementspreissentung in der Treue zum„Vorwärts" nicht nur bestärkt werden, sondern daß ihnen die Preissenkung auch eine willkommene weitere Gelegenheit bietet, werbend für das Vlatt der schaffenden Bevölkerung tätig zu sein! Für die Postabonnenten kann die Ermäßigung ans Posttechnischen Gründen erst ab l. Februar 1932 er- folgen. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. lassen, daß eine neue Grundlage geschaffen worden ist, auf der das deutsche Volk mit weit besseren Erfolgsaus chten als je zuvor den Kampf um die Beseitigung dieser drückenden Lasten aufnehmen kann. Eine solche Erkenntnis wäre aber zugleich das Geständnis, daß die Methode der Verhandlungen gar nicht so übel ist, und daß sie viel sicherer und ungefähr- sicher zum Ziele führt als jede Desperadopolitit, Vor diesem Eingeständnis schrecken natürlich die Apostel des„Dritten Reichs" ebenso wie die Verkünder „Sowjet-Deutschlands" zurück. Sie leugnen einfach den erzielten Fortschritt und stellen das Gutachten des Sonder- ausschusses als eine neue deutsche Niederlage dar. „Tribut-Verewigung in Basel.— Frank- r e i ch s Sieg." Das ist die chauvinistischste aller Heber- schriften In der Berliner Presse. Und wo steht sie? In der kommunistischen„Welt am Slbend"! Daneben find ja die Uebcrschriften„Eine Not- geburt.— Klagen, aber kein Entschluß" geradezu zahm: Sie stehen im n a t i o n a l s o z i a l i st i- fchen„Angriff". Womit wohl abermals die kommunistische These bewiesen wird, daß es Hitler und Goebbels mit der Be- seitigung der Tribute gar nicht Ernst sei und daß nur die Linientreuen unter Thälmanns und Münzenbergs Führung für die nationale Befreiung Deutschlands eintreten. Schon erheblich schärfer als in den Spalten des Nazi-! blatte? ist die Tonart des Großagrarierorgans. Die„Deutsche Tageszeitung" bezeichnet das Gutachten als„Faulest Kompromiß" und als„B l e n d w e r k". Bei Hugen- � berg gibt es zwei Lesarten: Der„Lokal-Anzslger" spöttelt � über das„magere Ergebnis" und ist nur über eine Stelle des Berichts höchst befriedigt: jene nämlich, die Kritik am � deutschen System des Finanzausgleichs übt. Die„Nacht- Ausgabe hingegen oerkündet:„Weihnachten 1931 hat die Welt endlich erkannt: Poung-Plan schuld an d e r W e l t- N o t". D a s ist es, was dieses Hugenberg-Blatt aus dem Gutachten herausliest. Aber das andere Hugenberg-Blatt findet dieses Ergebnis mager. Die Wahrheit ist, daß das Baseler Dokument für die Reichsregierung eine sehr starte Waffe im Kampfe gegen die Reparationslasten bedeutet. Mag der Pariser „Temps"— auf den sich natürlich unsere Nationalisten mit Freuden berufen werden— versicher«, daß sich die sranzö- lisch« These in Basel durchgesetzt habe, und daß der Poung- Plan als solcher durch das Gutachten nicht angetastet worden fei, der Sinn des Baseler Dokuments ist ein ganz anderer: Die Sachverständigen haben den Regierungen zugerufen, daß der Poung-Plan schon heute, nach zweijährigem Bestehen, überholt ist. Das ist ist das Fazit, das der„Vorwärts" sofort aus dem Gutachten gezogen hat, und das gleiche Wort hat dann der Reichskanzler vor den Pressevertretern am Donnerstag vormittag gebraucht. Das Pariser Linksblatt „S e S o i r" geht sogar weiter und spricht es offen aus: „Der P o u n g- P l a n ist tot!" W derspruchövolle pariser Kommentare. Der„Temps" schreibt zu dem Bericht de» Baseler Sachoer- ständigenaueschusses:„Der Bericht entspricht im yroßen und ganzen den wesentlichen Punkten der französischen These. Er hebt hervor, daß die deutsche Industrie, die sich stark entwickelt hat, Ihre volle Leistungssähigteit wiederfinden wird, wenn die Periode der wirtschaftlichen Depression zu End« ist, was den vorüber- gehenden Charakter der Krise zum Ausdruck bringt. Der Be- richt hält sich strikt an die Frage der Zahlung der bedingten An- nultäten und' läßt den Regierungen die volle Verankwortung für zu fassende Beschlüsi«. Er oermeidet jede Dermifchung der Pri- oatschulden mit den Reparatlansfchukden. Alle Lsmühunxen de» englischen Delegierten. Indirekt eine Priorität zugunsten der Prioai- schulden festzusetzen unter dem Vorwand, daß die Wiederherstellung des Handelekredil« Deutschlands tte erst« Bedingung für die Sanierung seiner Finanzen ist, sind dank der Energie de» sranzö- sijchen Delegierten gescheitert, der den Standpunkt Frankreich», welcher dem Recht und der Vernunft entspricht, mit der größten Autorität verteidigt hat. Es ist also, kurz zusammengefaßt, ge- lungen, die Tür für alle Uebcrraschungen zu schließen, die man in Basel befürchten mußte." Der von radikalen und sozialistischen Parlomentarien redigierte „S o i r" zieht dagegen aus der Arbeit der Sachverständigen den Schluß, daß der Founz-Plan und da, Washingtoner Schuldeaabkommen erledigt sind.„Da» Haooer-Moratorium", schreibt die Zeitung,„hatte die Tür für dl« notwendige Revision— oder, wie man später jagen wird— Annullierung dieser Verträge geöffnet. Zweifellos wird man es erleben, daß die USA. mit allen Mitteln für die Verlan- gerung der Rechtsgültigkeit des Poung-Planes und der Washingtoner Abkommen kämpsen: aler die Bemühungen sind im voraus zum Scheitern verurteilt. Die Werke, die die Regierungen bisher ver- teldigt haben, haben der Krise nicht wiederstehen können, deren Nr- fachen verschiedenartig sind, für die aber die Zahlung ungeheurer Reparotionsschulden mitverantwortlich ist. Die Toten können nicht wieder lebendig gemacht werden." Macdonaid für unverzügliche Konferenz. eossiemouth, 24 Dezember. Einem Vertreter der«Preß Association", der Macdonald nach seiner Ansicht über den Bericht des Beratenden Sonderausschusses befragte, erklärte der Ministerpräsident, der die neuesten Meldungen vor sich zu liegen hatte:„Der Bericht zeigt klar und deutlich, daß die Regierungen, ohne auch nur einen Tag un- genützt verstreichen zu lassen, zu einer Konserenz zusammen- treten sollten. Die britishe Regiernog Ist bereit, onverzüglich daran teilzunehmen. Lasset uns um Gotteswillen ungesäumt zur Beratung zusammentreten!" Hoover läßt seine Handlungsfreiheit betonen. Washington. 24 Dezember. Auf Anfragen hin wurde im Staatsdepartement darauf hingewiesen, daß die Entschließung, die dem Moratorium vom Kongreß angefügt worden ist, den Präsidenten rein grundsätzlich and staatsrechtlich nicht daran hindern könne, weitere Schritte aus dem Gebiet der Internationalen Schuldenfrage zu unternehmen. sobald er es sür notwendig und richtig erachte. Di« Entschließung bedeute lediglich die gegenwärtig« Etellungnahm« de» Parla- ments und allenfalls«ine Warnung, daß der Kongreß einem weiteren Entgegenkommen der amerikanijchen Regierung höchstroahrjcheinüch die Billigung v«rsagen iverd«, die erforderlich sei. um derartig« Schritt« des Präsidenten praktisch wirksam zu machen. Der Widerstand Im Kongreß richtete sich nach amtlicher Aukfassung hauptsächlich dagegen, daß Amerika die I n i t i a- tive ergreif« und finanzielle Opfer anbiete. In der Debatte sei mehrfach betont worden, daß die alliierten Regierungen jeder- zeit da» Recht hätten, die ihnen auf Grund ihrer Abkommen mit Amerika zustehenden Schritte zu unternehmen und von sich aus das Moratorium zu erklären. Der Bericht des Baseler Sonderausschusses ist bisher Regierungstreijen noch nicht kommentiert worden. in Nammenwerfer?— Dreckschleuder! Kampfmethoden des NazitomS. Der„Alarm", die rührige antifaschistische Wochenschrift veröffentlicht ein Schreiben der nationalsozialistischen Reichs- leiwng an die Gaupropagandaleiter, in dem zur Material- lieferung für eine monatlich in Millionenauflage erscheinende Druckschrift„Der Flammenwerfer" aufgefordert wird. Es geht daraus hervor, daß die Partei, die sich zweifellos rühmen kann, die meisten wegen gemeiner Delikte Vorbestraften in ihren Reihen zu haben, wie bisher auch weiter ihren Kampf mit den Mitteln persönlicher Verunglimpfungen zu führen gewillt ist. In diesem Schreiben liest man: Um den„Flammenwerfer" zu einer schlagkräftigen Angrifss- waffe zu gestalten, ist die Mitarbeit sämtlicher Gaupropaganda- leiwngen notwendig. Di» Reichspropagandaleitung ersucht deshalb alle Gaupropagandaleiter um Zusendung von beweiskrästigem An- grisfsmaterial gegen KPD., SPD. und Zentrum. Großer Wert wird auf die Uebermittlung von aktuellen Unterlagen über: Korruptionsfälle, Betrugs- und Destechungsafsären, Unterschlagun- gen, Mißwirtschast in den Betrieben und Verwaltungen, Aeuße» rungen bekannter Bonzen usw. gelegt. Gleichfall» ist die RPL. für Einsendung von Lichtbildern, die propagandistisch ausgewertet werden können, dankbar. Da in den verschiedenen Gau-Archioen ein unsere Gegner schwer belastendes Material vorhanden ist, das jedoch aus finanziellen und zweckmäßigen Gründen nicht im entsprechen- den Maße ausgewertet werden kann, ersuchen wir die Gaupropa- gandaleiter durch leihweise» Ueberlassen dieser Unterlagen zu unterstützen. „Flammenwerfer" heißt er. Dreckschleuder ist er! Ein„nationaler" Lugenderzieher. Vi- Aufsichtsbehörde deckt ihn. Der Oberstudlendirektor Dr. B o h n e n st ä d t hatte am 27. Ro- vember 1931 im„Nationalen Studcntenklub" in Leipzig eine Rede gehalten, in welcher er u. a. folgendes sagte: „Es ist heute kein« Ehre, dem deutschen Volke anzugehören. Gewalt regiert Im Bölkerleben mit Fug uno Recht. Die Gewinnung der deutschen Arbeiterjchast für die national« Sache ist wünschenswert, aber nicht notwendig, da man auf ihre Zustimmung nicht angewiestn ist. Durch den sozialen Gedanken können wir keinen Wiederousstieg«rlebcn. Es ist möglich, daß schon morgen unsere Reichsmark keinen Pfennig mehr wert ist. Professor Meinecke hat kürzliä, bei einer Kund- gebung in Berlin vor den republlkomsch«» Studenten erklärt, die Weimarer Republik habe dem deutschen Tolke die Freiheit ie- schert. Dieser Herr hat offenbar seinen Beruf verfehlt. Zille ge- schickt'ich orientierten Menschen verbitten sich diese unverfroren« Derfälschung unserer deutschen Gefchichte." Wegen dieser Rede wurde die Republikanische Beschwerocstelle Berlin bei dem Schulamt des Rates der Stadt Leipzig vorstellig und bekam unter dem 18. Dezember einen Descheid, in welchem e« u. a. folgendermaßen heißt:„Infolgedessen hat da» Schu'aml pflichtgemäß zu prüfen gehabt, ob der Jnl>alt dieser Rede etwa Anlaß zu disziplinellem Einschreiten gegen Herrn Oberstudiendirektor Dr. Bohnenstädt geben könnte. E» hat diese Frag« verneint. da in den von Oberstudiendirektor Dr. Bohnenstädt gemachten Aus» führungen ein Aerstoß gegen die Bestimmungen des sächsischen Ge- setzes vom 26. Juli 1923(Pflichtengefctz) nicht erblickt werden kann." Är. 603• 48. Jahrgang ± Beilage des Vorwärts Freitag, 25. Dezember 4934 ¥(uM ms khiAnachtsl&nd pj t,- jjr•/ t, j j rx c----------- v.,...... v,/. fjiv/iv, iucii utc �xisi�vitr uuil uei kji ußsoiau-L unu tludit ins eihnaaitsland. Den äußeren Anlaß zu fi/escr minterlichen Reise-Hausse hat zweifellos der Beschluß der Reidisbalm-Gesellsdiaft gegeben, o er billigte üonntagsrur.kf ahr karten nadi zahllosen, auch den weitest entfernten Orten auszugeben. An Zehnlausenden von lebendigen Beispielen ist hier die alte Weisheit aufs neue erhärtet worden: nämlidi die Sache vom großen llmsatz mit dem kleinen Eutzen. Da sind noch vor vierzehn Tagen Züge durdi Deutschlands Gaue gelaufen, in denen vielleidit dreißig, adiy nicht einmal, sondern nur 20 Fahrgäste saßen. Plötzlich war mit einem Sddag dieser dironisdic Schwund an Reisenden überwunden; eine "rze Bekanntgabe über die wcihnaditlidie Verkehrsverbilligung hatte bewirkt, daß der alte Fahrplan gar nicht mehr für die Beförderung all der Massen ausreidite. Gestern und vorgestern lief fast zu. jfdem Berlin verlassenden l ernzug nodi ein Vorzug und beide— der Vor- wie der Uauptzug— waren voll besetzt. Da müssen noch andere Dinge mitspielen als die einfädle b ahr Preisermäßigung. Denn diesmal sind Leute verreist, die schon jahrelang in keinem Zuge mehr gesessen haben, die immer in lierlm geblieben waren und höchstens einmal nadi Erkner oder Werder fuhren. Es bot sich diesmal Gelegenheit, auf zehn lange Tage der Großstadt ade zu sagen und zehn/ age lang dem zermürbenden Tempo dieses Asphalt-Labyrinths zu entfliehen. Bums, fiel die Tür ins Schloß und rums drehte sidi der Schlüssel. Dann ging es mit Sa de und Pack zum Bahnhof. Fahrkarten ausverkauft. stiwpp zehn Meter von der Lokomotive entfernt staird auf jedem Berliner Ferndahnhof diesmal ein riefengroßcrWeih. n a ch t s b a n m, von Dutzenden von Kerzen erhellt. Die Reichs- bahn wünschte ihren Kunden ein frohes Fest. Dabei mußte man annehmen, irgendein hoher Herr wäre im Anrollen, so zahlreich marcn die Doppelpatrouillcn der Bahnpolizei, die den Verkehr Abschied aus Berlin. regelten. Es war aber auch ein seltener Andrang: zwei Stunden vor Abgang jedes Zuges wurden die Bahnsteigsperren belagert, um einen guten Platz zu ergattern. Seit Tagen war das letzte Bett in den Schlafwagen verkauft, die Platzkarten für die Schnell- züge waren im Handumdrehen vergriffen. An Vorbestellungen waren allein aus dem Anhaller Bahnhof eingelaufen: 3800 Fahrkarten nach Frankfurt o. M., 3000 nach München, 3000 nach Leipzig, 2500 nach Halle und 2000 nach Dresden. Die Bestellannahme für die— denn es gab jeweils mehrere— Ostpreußen- oder für die Ricsengebirgs-Sonderzüg« waren kaum geöffnet, da mußte sie schon wieder geschlossen werden. Man hatte aber auch die Fahrpreise radikal heruntergesetzt: hin und zurück(Rückfahrt bis 4. Januar 1932) nach Marienburg 22,50 Mark, nach Elbing 23,70, Königsberg 29,30 und bis nach Jnsterburg 33,50 Mark. Soviel kostet sonst beinahe die einfache Fahrt. Mit den Jser- und Riesen- gebirgszügen tonnte man hin und zurück für 14 Mark nach Hirsch- berg, für 15,40 Mark noch Schreiberhau und für 16,20 Mark nach Krummhübel fahren. Und mit den Harzzügen nach Wernigerode für 10,80 Mark, nach Blankenburg für 11,30 und nach Goslar für 12,40 Mark hin und zurück. Dabei war einbegriffen die Gebühr für die Beförderung von Schneeschuhen und Rodelschlitten. Also. olles was recht ist. Das Ende war, daß die Abfahrtshallen der Berliner Bahnhöfe gestern und vorgestern aussahen wie Startplätze zu Ski-Wettkämpsen, so kam jung und alt mit Skiern und Schlitten angerannt. Dazu Koffer, Kisten, Kiepen, kleine Kinder, Rucksäcke, Tornister, es war, als befände sich halb Berlin aus der Flucht. Die Fahrpläne waren einfach auf den Kopf gestellt, überall hingen große Plakate, ja Obacht zu geben, denn„wegen der veränderten Betriebslage fahren die Züge von anderen Gleisen ab" als sonst auf den Zugtafeln steht. Man stand da und staunte: für den Schnellzug nach Wien— Budapest— Belgrad mußte ein Vorzug ge- fahren werden, ganze Kompagnien von Dienstmännern waren an- getreten, eisbekrustet, wie die Züge von der Fahrt kamen, hatten manche Wagen gerade eine Stunde Wendezeit, dann ging es aber- l mals hinaus in den schweigenden Winter. Wir anderen durften ' nur den roten Schlußlichtern nachsehen. Der einfache Tag. Wenn die 5)underttausende von Männern und Frauen, die über die Festtage in die Heimat gefahren sind, den unwirtlich- naßkalten, nur spärlich beleuchteten Bahnhof ihrer Heimatsstadt verlassen, ich er das holprige Kopfpflastcr des Vorplatzes stampfen und dann in � die Gaffe einbiegen, durch die es zu Großmutters Wohnung geht, dann soll damit nicht gesagt sein, daß dies alles nun dem Einzug ins Paradies gleichkäme. Es gibt wohl heut« keinen Landstrich mehr, der nicht auch seine Sorgen hätte und wenn die Angekommenen fragen, was denn der Erich von Tante Anna macht, der hat ja gar nichts mehr von sich hören lassen, dann wird die Großmutter antworten:„Der Erich, der muß jetzt auch feiern, seitdem die Ziegelei stillgelegt worden ist. Gestern war er bei uns und hat den Wechnachtsbaum gebracht. Er hat ein paar Tage geholfen beim Förster, da hat er sich ein Paar Stiefel ver- dient. In der Schneidemühle arbeiten sie auch nur noch verkürzt. Di« Männer sagen, es wird ja nicht gebaut, da braucht man keine Ziegel und keine Bretter. Ich verstehe das nicht, wo es doch bei euch keine Wohnungen gibt." Dann haben die Emailletöpfe wieder ihren Ruhetag, vor jedem Gast baut sich in der guten Stube eine Tasse aus Porzellan auf, ein halbes Brot wird aufgeschnitten, „Onia, schneide doch nicht so viel ab, das schaffen wir ja gar nicht", aber Großmütter schneiden immer halbe Brote auf und dann muß gegessen werden, als hätte mau seit dem ersten Adventssonntag nichts mehr im Leibe. Und wenn die Menschen noch vor knappen zwölf Stunden unschlüssig vor den vielen Wurstsortcn der Fleischer- meister gestanden haben und überlegten: gestern hatten wir Land- leberwurst, vorgestern Fleischwurst, ob man mal Brannschweiger nimmt, dann denkt kein Mensch an Großmutters gedeckten Tisch mit dem dampfenden Malzkafsec, dem Schweineschmalz und dem Der Mühlbach unter Schnee und Eis. duftenden Leinöl, an die. Wurst, sondern alle hauen ein, daß die Kinnladen krachen. Die Menschen dort leben einfacher. Das, um nur ein Beispiel zu nennen, kann man sich gar nicht vorstellen. eine biedere Ackerbürgersfrau, die eine Apfelsine abpellt oder eine Banane ißt. Die Kleinstadt mildert die Krise. Die dreitausend Männer von Borsig, die sitzen jetzt mit der barbarischen vierwöchigen Karenzzeit da, ehe sie bezugsberechtigt für die Unterstützung wer- den. Wir möchten in dieser Stunde keinem in den Kochtopf sehen. Wenn dagegen morgen endgültig der Mansfelder Kupferbergbau zum Erliegen käme, dann ständen in den Grunddörfern des lieb- Weihnachtsreiseverkehr„sehr lebhaft 44 Das Urteil der Reichsbahn Am Vorweihnachtstage, dem 23. Dezember, wurde in den Nach- Mittagsstunden der Reiseverkehr von Berlin aus auf einzelnen Strecken so lebhaft, daß neben den vorgesehenen Bor- und Nach- zügen weitere Borzüge eingelegt werde» mußten. Aus dem Görlitzer Bahnhof mußte ein weiterer Zug nach Hirschberg gefahren werden. Vom Anhalter Bahnhof fuhren z. B. anstatt der 3 nach Frankfurt und 4 nach München vorgesehenen Vor- bzw. Rachzüge 4 nach Frankfurt und 3 nach München, da der Verkehr nach Frankfurt lebhafter war. Insgesamt kam die Reichsbahn am 23. Dezember mit 4 6 Bor- und Nachzügen und einem Sonderzug aus, um all« Reise- lustigen zu befördern. Die Züge, auch die Hauptzüge, waren durch- schnittlich zu 80 bis 90 Prozent besetzt. Für den 24. Dezember rechnete die Reichsbahn mit einem leb- hafterem Verkehr als am Vortage, der allerdings am Nachmittag, gegen 5 Uhr, abflaute. Insgesamt standen für den Helligabend 56 Vor- und Nachzüg« bereit, die nach allen Himmelsrich- tungen oerkehrten. In den Vormittagsstunden bereits waren d i e Züge zu 100 Prozent besetzt. Soweit jetzt schon ein Ucberblick möglich ist, kann trotz aUedem der diesjährige Weihnachtsreiseverkehr zwar als sehr l e b h a s t. aber nicht gerade besonders stark bezeichnet werden. Schneeschuhe auch in Schnellzügen. Nachdem die Reichebahndirektion Karlsruhe und Breslau kürzlich versuchsweise die Mitnahme von Schneeschuhen in die neuen 3. Klassewagen der Eilzüge gestattet haben, ist jetzt diese Erlaubnis noch erweitert worden: Die Reichsbahndirektionen München, Augs- bürg, Nürnberg, Regensburg. Stuttgart und Karlsruhe haben nun- mehr versuchsweise auch die Mitnahme von Schneeschuhen in die Personenwagen 3. Klasse der Schnellzüge ge- stattet. lichen Mansfelder Landes immer noch die Schweine in den Ställen, es würden die Kartoffeln in den Mieten liegen und im Keller ein paar Kohlköpfe. Spatzen baden im Schnee. Am Morgen hat sich der Wind gelegt; die Erde atmet auf. Der Teich vor dem Stadttor ist gefroren, grau und voller Blasen ist die dümie Eisdecke. Die Weiden halten ihren Winterschlaf. „Weißt du, als ich heute morgen beim Kaufmann Gatschke vorbei- ging, da hat der mich wohl erkannt, aber er hat immer Albert zu mir gesagt, dabei heiße ich doch Paul. Aber ich habe ihn bei dem Glauben gelasien, daß ich Albert heiße. Er hat sich ganz gut ge- halten, der Alte. Als ich ihn fragte, was dos Geschäft macht, meint er. das hätte er vergrößert, er hat sich jetzt noch eine Sod- brennerei zugelegt. Wir lachten, da ging draußen der Brauer Klose vorbei. Das muß doch immer noch gehen mit dem Braunbier- verkauf. Er hatte feine große Klingel, bimmelte und rief: ,Dcr Brauer ist hier!' Acht Fässer hat er wohl auf dem Wogen gchabt und als keiner kam, zog er fünf Häuser weiter." Wenn der ehren- werte Herr Klose nicht die Straße entlang klinget» würde, dann wäre die Ruhe himmlisch. Keine Straßenbahn, keine Autobusse, keine ö-Tonncr-Lastwagen, keine... ja, was denn?... gar nichts! Gerade, daß ein Hund bellt, alle halbe Stunde ein Baucrnwagen durch die Stadt rumpelt und da drüben die Spatzen schilpen. Sie haben ihre liebe Not, bei jedem Schritt versinken sie bis zum Bauch im Schnee. Aber„Schritt" kann man nicht gut sagen, bei jedem 5) ups müßte es heißen. Jeder Hupf ist für die Spatzen ein Bad im Schnee. Jetzt haben sie sich unter einen Strauch gesetzt und sitzen da wie müde Greise, die mit den Augen Klinkern. Es ist nichts zu fressen da, alles hat der Schnee verdeckt. Der Mann überlegt: gibt es bei uns in Berlin am Alexanderplatz eigentlich noch Spatzen? Dann hallt es zwölfmal über die Stadt, die Uhr am Kirchturm zeigt die Mittagsstunde an. Man braucht nicht die eigene Uhr aus der Weste zu ziehen, die alte Glocke sagt immer noch die Zeit an. Etwas dünn scheint der Klang geworden. Die Frau meint: heute essen wir bei Bernhard. Da kriegst du den Schmorkohl, wie du ihn gerne hast, Auguste macht iinmer viel Nelken an den Kohl. Bernhard berichtet über seinen Aeltesten:„Was der Bengcl olles anstellt. Er ist ganz wild auf radfahren. Neulich borgt er sich ein Rad von einem Freund, zieht sich so einen ge- streiften Sweater an, wie ihn die Rennfahrer haben und fegt wie der Deibel durchs Stcttiner Tor. Auf dem Markt macht er holt und fragt den Apocheker: Herr Witte, sind die Rennfahrer schon durch? Der Witte weiß von gar nichts und sagt: nein, er hätte keinen Rennfahrer gesehen. Da meint der Bengel: Na, dann bin ich ja der erste, die anderen habe ich aber abgehangen, da werde ich erst mal zu meiner Tante Kaffee trinken gehen. Vielleicht kommen inzwischen die anderen. In Wirklichkeit war alles Kohl, da war gar kein Rennen.—„Was macht denn Else?"—„Die ist über die Feiertage nach Hamburg gefahren. Die hat jetzt einen Schatz, der ist bei der Schupo. Erst haben sie sich nur immer ge- schrieben, aber jetzt ist sie rüber gemacht. Er konnte nicht weg, sie hätten dauernd Alarm, schrieb er." Tfr Vor der Abfahrt wurde es vorn noch ein wenig lebhaft.„Das ist doch kein Zustand, Herr Schaffner, da machen Sie so einen langen Zug und dann nur drei Wagen für Raucher? Machen Sie Fern vorn Treiben der Riesenstadt. doch ein paar Wagen für Raucher!"— Herrjeses, denkt der Schaffner, sollen die Leute doch rauchen, klappt das kleine Emaille- schild um. jetzt ist es rot, vorher war es weiß. Dann ruft er: „Platz nehmen, bitte", das Signal wird gegeben, langsam ruckt der Zug an und die Reisenden packen ihre Stullen aus und kauen auf beiden Backen. Seltsam, daß sich in Bewegung fetzende Züge für neunzig Prozent der Menschheit so ungemein appetitanregend wirken. �Für 60 j jn Apotheken und Drogerien. ovman Weihnachtsfeier hinter Gittern Fem von den Nächsten In der Fürsorgeanstalt Weihnachten feiern auch die Menschen hinter den Sittern. Auch die Iungens in den fZrziehunAsanstalten, die sie vor den Sittern bewahren sollen. Von Menschen, die noch Sinn und Verständnis für die Seelennöte ihrer Mitmenschen hinter Gittern haben, ist trotz der Not der Zeit doch s»o viel gespendet worden, daß für einen jeden eine kleine Gabe aus dem Tisch liegt. Für die Jungen und die Mädchen in den Erziehungsanstalten hat die Stadt Berlin trotz der leeren Kassen noch so viel herausgeholt, daß es auch für sie eine kleine Freude gab. In den Fürsot geanstalten. In Struweshof fand die g eter bereits am Sonntag statt. Da waren noch alle 230 Jungen beisammen. 100 von diesen 230 haben jetzt ihren Weihnachtsurla'ub und feiern zum zweiten Male im Kreise chrer Angehörigen. Vn der Kirche herrschte feier» liche und fröhliche Stimmung, die Orgel spielte, die Jungen trugen Gedichte vor. führten Melodramen auf. Pfarrer Rapsch aus Eütergotz sprach über die gegenseitige chilse in der Ge- m e i n s ch a f t: man sang ein gemeinsames Lied und setzte dann die Feiern in den festlich geschmückten Räumen der einzelnen Fa- Milien fort. Hier fand auch die Bescherung der Jungen statt. Di« 200 Jungen der Erziehungsanstalt Lindenhof ver- sammelten sich bereits am Mittwoch zur gsmeinsamen Feier: Ge- meinschaftlicher Gesang, Gesang des Anstaltschors, eine Gedicht- rezitation durch einen Jungen und dann erneut Chorgesang und ein feines Quintett. Direktor Krebs machte zum Leitgedanken seiner Ansprache ein Gedicht von Otto Ernst:.. wär't ihr be- glückt, wenn man euch Arbeit fchenkte?" Und doch: Schwand auch die letzte Rinde Brot aus eurem Schrank, hockt ihr am kalten Herd, mit dünnen Lumpen eure Blöße deckend, so sollt ihr doch das Fest der Hoffnung feiern.. Dann erhielten 121 Jungen ihre Pakete und konnten auf vier Tage auf Urlaub gehen. Am Donners- tag um sechs Uhr fanden für die Zurückgebliebenen die Feiern in den Iungensfamilien statt. Natürlich gab's auch hier Pakete. An beiden Anstoltsfeiern nahm Stadtrat W u tz k y teil. Hinter Gittern. In, Tagesraum des Jugendheims beim Polizeipräsidium saßen an festlich geschmückten Tischen 31 Jungen beisammen, die Aben- teurerlust, Not und jugendlicher Leichtsinn kurz vor Weihnachten aus der Heimat getrieben. Die schlichte Weihnachtsfeier sollte sie über die Sehnsucht nach Hause hinweghelfen. Ein junger Geiger spielte einige hübsche Sachen vor. die Jungen selbst sprachen Gedichte. Der Leiter des Jugendheims. Rasch, knüpfte in seiner Ansprache an das Lied„Süßer die Glocken nie klingen als zu der Weihnachts- zeit", leitete zu dem allen Jungen bekannten Volkslied„Don der Ferne hör' ich heimatliche Glocken klingen" und führt« den Gedanken aus: Dort, wo Menschen liebevoll sich ihrer Mitmenschen annehmen, dort ist die Heimat im Herzen zu finden. Bis 10 Uhr tat man sich gut an Kaffee, Kuchen und bunten Tellern. '.i Im. Frauengefängni». versammelten sich die Mädchen und Frauen um 3 Uhr zur Weihnachtsfeier. Da» Doppelquartett dsq, Arbeitersängervereins„M orgengrauen" fang di«>„Hymne an die Nacht",..Weihnachtsglocken" und„Die Nacht" von Schubert. Die Gefangenen rezitierten Gedichte, die Leiterin des Frouengefängnisses. Frau Hel fers, sprach über das Weihnachtsfest als da» Fest der Liebe, der Versöhnung, des Friedens. Den Ab- fchluß bildete«in gemeinsames Lied. Es folgt» die Bescherung in den festlich geschmückten Einzel- und Gemeinschaftszellen. Ministerial- rat Dr. Gentz wohnte der Feier bei. Im Zellengefängnis Lehrter Straße fand die Feier im Zellengebäude selbst statt. In dem hohen Raum, von dem die Galerien zu den einzelnen Korridoren strahlenförmig ausein» Sie durchschritten das Gesellschafts- und Musikzimmer, die Bibliothek und die kleinen Einzelzimmer der Arbeiter- studenten. Alles war geschmackvoll, aber sehr einfach ein» gerichtet.„Sehen Sie. das ist eben der Unterschied zwischen da drüben und uns, zwischen der Crosby Hall und dem Nusrin College. Sie gehen aus der Sonnenseite des Lebens, sind immer dort gegangen. So ist das Schöne, das Festliche, Aesthetik, Kunst der Architektur und der Wohnungseinrich- tung, Musik zu einem Teil Ihres Wesens geworden, und das brauchen Sie auch alles in Ihrer Umgebung. Hier aber finden Sie mir wenig, vielleicht überhaupt nichts davon. Hier herrscht nur schlichte Zweckmäßigkeit." „Ja. Herr Reiner", erwiderte Germaine, hier gibt es keinen Luxus! Nennen Sie ruhig dieses Wort, obwohl es doch nicht ganz zutrifft, denn eine Sonate von Beethoven werden auch Sie nicht unter die Rubrik„Luxusartikel" ein- ordnen, nicht wahr! Sic sind ja selbst musikalisch und Sie lieben die griechische Kunst, Sie bewundern den Parthenon — sehen Sie, auch Sie haben teil an dieser anderen Welt, die über das nur Zweckmäßige hinausragt. Aber Sie sind viel weiter als ich, denn Sie umspannen als Hauptteil Ihres Wesens eine andere, unermeßliche Welt, die ich nur ahnen kann. Auf diesen Gebieten hoffe ich noch viel von Ihnen zu lernen." Sie verließen das Ruskin College und wanderten lang- fam die breite Straße entlang. Ein schattiger Park hatte seine hohen Eisentore weit geöffnet. Hinter den breiten Stämmen der alten Bäume strömte halb versteckt die Themse. Lebhaft ging Germaine«ms eines der hübschen, bequem gebauten Boote zu. „Diese Punts haben es mir angetan.!" sagte sie.„Ich finde sie viel schöner als unsere steifen Ruderboote." Leise glitten sie unter niederhängenden Zweigen und Aesten hindurch. Leuchtend grüne Rasenflächen. Blumen- beete, kiesbcstreute Wege, Sport- und Spielplätze zogen am User vorüber." „Hallo! Hallo!" Reiner winkte einigen jungen Leuten zu, die Fußball spielten. andergehen, erglänzte der Weihnachtsbaum in vielen Lichtern, llm ihn herum, die Galerien entlang, die einzelnen Gefangenengruppen: die Jugendlichen, die Kurzfristigen, die aus der Nervenabteilung ufw. Vor ihnen die Tische mit den Gaben. Der Dläferchor der Kirchengemetnde Lichtenberg, der Anstaltschor und die Kammer- fängerin Frieda Langendorff erfreuten die Gefangenen mit ihren Vorträgen. Die Festrede des Strafanstaltspfarrers klang in einem Appell an das Gute im Menschen aus, und der Strafanstalts- direktor spendete Dank all denen, die durch ihre Gaben etwa» zur Freud« der Gefangenen beigetragen hotten. Auch der Präsident de» Brandenburger Strafvollzugs, Wutzdorf, war anwesend. Feler im Kinderhort der Arbeiierwohlfahrt. Wer die schönen renovierten Räume des Kinderhorts der Ber- liner Arbeiterwohlfahrt in der vanzcger Straße betrat, spürte etwas von der Freude, die all« erfüllte. Gemeinsam hallen Eltern, Kinder und Hortleitung an der Ausgeftalning dieser Sonnen- wendfeter mitgewirkt. Bei der Zusammenstellung des Programms hatte man nach neuen künftterifchen Möglichkeiten gesucht. Beim Kerzenschein las einer der Hortjungen einen Gefängnisbries Rosa Luxemburgs vor. Gemeinschastsgesänge der 50 Hortkinder wechsellen mit Borlesungen aus dem.Linderland 1932", das alle nachher ge- schenkt erhielten, ab. Die Eltern, die sehr zahlreich erschienen waren, kamen aus dem Staunen gar nicht heraus. Ihre Freude nahm noch zu, als sie die sauber gebastelten Geschenke ihrer Kinder erhielten: aber auch an jedes einzelne Kind hatte man gedacht. Mit großer Freude wurden die Gemeinschaftsgefchenke begrüßt, voran eine richtige Wippe! Sie wurde mit Feuerwerk eingeweiht, und fand ihren Platz im Hof neben der Rutschbahn. Schaukel und Hand- ball konnten leider nicht so schnell eingeweiht werden. Der Gong hingegen wurde sofort seiner Bestimmung übergeben. Dies alles trug aber nicht den Charakter einer Bescherung eines Wohltätig- keltsoereins, sondern ohne jegliche Ambitionen gab die Arbeiter- Wohlfahrt auch in diesem Notjahr, soviel als sie nur konnte, an den Hort, in dem sozialistische Erziehungsarbeit mit den beftmög. lichen Mitteln geleistet werden soll. Sa baute man den Kindern keinen Gabentisch auf, sondern gab ihnen einfach die Kleidungs- stücke, derer sie am meisten bedurften, mit schlichter Selbstverständ- llchkeit beim Fortgehen unter dem Arm. Man hatte an alles ge- dacht, auch an die anschließende Ferienzeit, wo die Eltern, die Kinder allein verpflegen müssen, sie erhielten für diese Zeil Proviant zum Mitnehmen. Den Abschluß der Feier bildete das .Lameradschaftslied" aus dem„Bimmeljungen". Lang« hallte noch der Ruf„Freundschaft, Freundschaft" durch die Räum« des Hortes. Hundert Gläiteunfälle! Mehr Rücksichtnahme auf das Wohl der Mitmenschen! Der gestern abend plötzlich einsetzende Regen oerwandelte Bürgersteige und Fcchrdämme in gefährliche„Eisbahnen", auf denen sich wahre Massen stürze ereigneten. Bis um 20 Uhr wurden etwa 100 Unglücksfälle bekannt, die durch das Glatteis ver- ursacht worden waren. Zahlreiche Passanten zogen sich schwere Knochenbrüche zu. Vom Städtischen Rettungsamt mußten ollein zwölf Verunglückte in die Krankenhäuser übergeführt werden. Es wird nichts übrig bleiben, als daß Polizei und Schnellgericht« mit aller Rücksichtslosigkeit gegen Hausbesitzer und deren Verwalter vorgehen, die die einfachst« Rücksichttiahme auf Leben und Gesund- heit ihrer Mitbürger vermissen lassen und nicht rechtzeitig und genügend streuen. Mit den fast immer mageren Entschädigungen einer Haftpflichtversicherung wird ein schwerer Leibesschaden nicht repariert. „Das find englische Genossen", sagte er.„Arbeiter- studenten. Sie brauchen diese Entspannung, denn meist sind sie durch die Fabrikarbeit und den harten Lebenskampf ge- gangen, bevor sie hier studieren konnten. Ich wünschte, wir hätten in Deutschland diesen Studententyp an Stelle der- jenigen, für die der Alkoholkonsum immer noch den Haupt- inhalt des Studentenlebens ausmacht." Germaine zog das kleine Paddel ein und lehnte sich zurück. „Das ist eine Ohrfeige für die Bourgeois", sagte sie lächelnd. Aber heute gibt es doch auch an den Universitäten eine neue Jugend— ich muß sagen, ich habe sehr wenige von der alten Sorte kennen gelernt. Allerdings steht diese Jugend vielfach der sozialistischen Sbeenwelt skeptisch gegenüber.— Aber diese jungen Menschen sind doch noch nicht am Ziel. Sie suchen nur verzweifelt nach einem Weg.— Die Bourgeois, wenigstens was ich darunter verstehe— ach, lieber Herr Reiner, die finden Sie heute im allgemeinen nicht in den Hörsälen, sondern ganz wo anders. Das sind die Leute, für die der Krieg ein glänzendes Geschäft war, für die das ganze Leben nur ein Geschäft ist. Aber diese Art Menschen stammt nicht nur aus dem Bürgertum. Ihr Glaubensbekenntnis besteht darin, daß nicht nur vor Gott, sondern auch vor dem Geschäft all� gleich sind, ob sie rechts oder links stehen."--- Sie ivaren an einer kleinen Biegung der Themse an- gekommen. Eine alte Weide lag quer über dys Wasser, an den Ufern standen breitästige Bäume, und dahinter dehnte sich grrünes Land. Reiner legte das Boot an der Weide fest. Dann lehnte er sich weit zurück und sah in den blauen Himmel.„Was ist das schön, daß ich hier mit Ihnen auf dem Wasser gleiten kann!" Aber Germaine wiegte zweifelnd den Kopf.„Die beiden Welten prallen aber manchmal etwas aufeinander", ant- wartete sie lächelnd. „Ja", sagte er,„aber es schwingt keine persönliche Ge- hässigkeit mit. sondern nur starkes fachliches Interesie. Und jeder von uns beiden läßt auch den anderen zu Wort kommen." Germaine tauchte ihre beiden Hände in das Wasier. „Für mich bedeutet es sehr viel, daß ich mir alles so von Herzen herunterreden kann", sagte sie dann.„mehr, als es vielleicht äußerlich den Anschein hat. Es ist schade, daß Sie nicht in unserer Nähe wohn-n— aber so liegen Hunderte von Kilometern zwischen uns." „Kann ich Sie nicht noch einmal sehen, solange Sie noch Vriesmarkenschwindler endlich gefaßi. Händler durch plumpen Trick um Hunderttausende betrogen. Seil mehr als zwei Jahren treibt in Berlin ein lniernationaier Briefmarkenfchwlndler sein Unwesen. Nach langwieriger Verfolgung konnte der Betrüger jetzt als ein 28 Jahre alter Kaufmann Theodor Weber ermittelt und am Rollen dorsplah ln Berlin oerhaftet werden. Wobcr hat Berkmer Markenhändler um Beträge von je- weils 30 000 bis 50 00V Mark geschädigt. Der Schwindler hiell sich zunächst in feudalen Pensionen auf und nannte sich dort zum Beispiet„Friedrich Windisch, Gerichtsasiessor", oder auch „Georg Abel, Amtsgerichtsrat aus Halle" und oerübte unter diesen Namen die größten Betrügereien, indem er sich von Brief- markenhändlern ganze Kollektionen schicken ließ, und zwar nach Halle und von dort zurück nach Schöncberg. Da er immer seine Adresse postlagernd angab, und auch falsche, jedoch hochklingende Namen als Referenzen angab, war es ihm ein leichtes, dadurch über sich selbst die beste Auskunst zu erteilen. Die Händler pflegten natürlich, bevor sie ihre Kollektionen abschickten, Auskünste über den Empfänger einzuholen. Diese waren großariig. Im Mai d. I. hatte er so eine Kollektion im Wert« von mehr als 30 000 M. zu erwarten. Er schickte jetzt seine Braut zum Postamt. Da man aber schon lange hinter ihm her war und auch von der Existenz des Mädchens wußte, wurde es bei der Abholung'fest- genommen. Dos Mädchen wollte jedoch von nichts wissen. Weber flüchtete zuerst nach Paris, von dort nach Athen und schließlich wieder zurück nach Berlin. Hiert rat er als Rechtsanwalt Dr. Simon auf und wohnte in der Nollendorfstraße. Als er sich wieder neue Sendungen kommen lasien wollte, wurde er nach Beobachtung ver- lüftet. Auf dem Postamt lag eine Sendung im Werte von 90 000 Mark zur Abholung für ihn bereit... Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß bei derartigen Riesenbeträgen die Händler ziemlich sorglos ihr kostbares Eigentum aus der Hand gegeben haben und in die Falle getappt sind. Drei tödliche Ltnfälle am Heiligabend. Kohlensäureexptosion in Moabit. Im Betrieb der Kohlensäurewerke Rommhöller in der Q u i tz o w st r a ß« 5 0 in Moabit ereignete sich gestern ein folgenschweres Explosionsunglück. Ein Kohlensäurebehätter explo- dierte plötzlich aus noch ungeklärter Ursache. Durch den starken Luftdruck wurde der 38 Jahre alle Dreher Heinrich Held aus der Ouigowstraße 2 so heftig gegen eine Mauer geschleudert, daß er mit einem doppelten Schädelbruch bewußtlos liegen blieb. H. wurde ins Moabiter Krankenhaus gebracht, wo er wenige Stunden nach seiner Einlieserung starb. Ein zweites Todesopfer forderte der Bahnbetrieb. Zwischen den Stationen Stettiner Bahnhof und Gesund- b r u n n e n war der-tOjährige Bahnarbeiter Richard N o z k e aus der Schönwalder Straße 21 mit dem Schmieren der Weichen be- fchäftigt. Unter der„Wiesenbrücke" wurde Noskc von dem Strom- leiter eines vorüberfahrenden Vorortzuges erfaßt und auf der Stelle getötet. Die Leiche ist von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt worden. Schließlich wurde noch vor dem Hause Boxhagener Straße 123 der 12 Jahre alte Schüler Gerhard I s e n d a h l aus der Memeler Straße 1 von einem Lastauto überfahren und lebene-. gefährlich verletzt. Der Junge wurde ins Lichtenberger Krankenhaus gebracht, wo bei seiner Einlieserung nur noch der Tod festgestellt werden konnte. Ole Ladenkasse geplündert. In der Charlottenburger Straße in Weißenseo drangen gestern abend fünf sunge Burschen in die B u t t er f i l i a I c der Firma„Hansa" ein und zwangen das Verkaufspersonal mit vorgehaltenen Pistolen zur Herausgab« der Ladentasse. Die Täter erbeuteten etwa 300 M. Auf Fahrrädern gelang es den Räubern. Im nahegelegenen Laubengelände zu entkommen. hier find", fragte er.„Ich fahre morgen früh nach Dir- mingham und Manchester, dann nach Leeds. aber in zehn Tagen bin ich wieder in London." „Dann sehen wir uns heute zum letztenmal, Herr Reiner", sagte sie leise. Am 21. fahre ich nach Hause— das ist wohl gerade der Tag, an dem Sie hierher zurückfahren." Er wandte sich ab und verbarg sein Gesicht in den Zweigen, die dicht über seinem Kopf hingen. Dann löste er das Boot. „Wir wollen noch ein wenig weiterfahren, wenn es Ihnen recht ist. Und niit meiner Rückfahrt— ich muß sehen, wie ich das ändern kann. Am 20. ist abends eine Ver- sammlung, in der ich sprechen muß. Aber ich werde den Nachtzug nehmen, dann komme ich noch zurecht. Ich möchte Sie doch noch einmal sehen, Fräulein Loriot! Ach, wissen Sie, das ist ja die schönste Zeit meines Lebens, die ich jetzt hier mit Ihnen verbringe! So ganz losgelöst zu sein von allem, von Arbeit und Kampf und Sorge— dazu bin ich eigentlich niemals in meinem Leben gekommen. Aber jetzt, heute, in diesem Augenblick— da ist es so.. Germaine antwortete nicht. Sie sah hinüber zu den blühenden Wiesen, den weiten, grünen Rasenflächen.„Ich würde auch noch einige Tage länger bleiben", sagte sie dann,„ich möchte jedoch zum Geburtstag meines Bruders zu Hause sein. Aber ich danke Ihnen, daß Sie die Nacht durchfahren wollen— ich werde dann auch erst den Mittags- zug nehmen und-nachts über den Kanal fahren..., denn auch ich möchte Sie noch einmal sehen..." 33. Die Familie des Universitätsprofessors Mactavish faß um den runden Mahagonitisch des Eßzimmers, in dessen polierter Platte sich der silberne Brotkorb und die Platten, in denen der Lunch gereicht wurde, spiegelten. Im Weltkrieg hatte man aus Sparsamkeit kein Tisch- tuch mehr aufgelegt. Dann aber befreundete man sich in den meisten englischen Familien immer mehr mit der neuen Sitte, die das alte Silber und das moderne Kristall durch die Spiegelung in dem dunkelgetönten Holz zu neuartiger Geltung kommen ließ und stets wechselnde, eigenartig schöne Wirkungen hervorzauberte. Unter jeder Platte, jedem Teller lag eine kleine Matte oder ein feine, zierliche Handarbeft. und das nahm wiederum jeden Hauch von Käste, der von dieser Zusammenstellung von poliertem Holz, von Silber und Kristall ausgehen konnte, und brestete einen warmen Schimmer von Gemütlichkeit über die. Mahlzeit. (Fortsetzung folgt.) 22000 PS und 4 Mann Das Märkische Elettrizl- t ä t s V e r t(MEW das«m Besitz von Staat», und Kommunaibehärden ist, hat vor kurzem m semem größten Kraftwerk, in Finkeicheerd wieder eine neue Maschine, ein« Turbine mit einer Leistung von 46 000 Kilowatt, in Betrieb genommen. Dadurch wurde die Leistung dieses Werkes aus insgesamt 176 000 Kilowatt gebracht. Das MEW. betreibt auch das größte Dieseltraftwerk Europas. Diese Spitze nleistuitg unserer Technik ist in Hennigsdorf, dicht an der Grenze Berlins zu finden. Schon äußerlich macht das Wert einen an- sprechenden, zweckvollen Eindruck. Die Gebäude haben eine klar« Linien- fiihrung. Im Innern überrascht die Leer«. Man entdeckt kaum irgendeinen Menschen. Tatsächlich wird dieses große Kraftwerk, in dem zwei Diesel« motoren von zuscmnnen 22000 Pferdestärken arbeiten, die mit je zwei Schwungradgeneratoren von je 11 000 Kilowatt Leistung gekuppelt sind, von nur vier Leuten bedient. Nirgends in der Technik ist die Mechanisierung so weit gediehen, wie gerade in der Elek- trizitätswirtschaft. Der Anteil der Löhne am erzeugten Produkt ist hier außerordentlich niedrig. Sicherlich wird aus dem Mißverhältnis zwischen den zur Erzeugung von Gütern usw. nötigen Menschen und der in Anbetracht der großen Mengen der erzeugten Güter not- wendigen Verbraucherschaft die Umwandlung des heutigen Wirt- schaftssystems hervorgehen. Man kann die für die Produktion über- flüssig Werdenden nicht einfach oernlchten, wie man brasilianischen Kaffee vernichtet, insbesondere dann nicht, wenn alles zu ihrem Unterhalt Notwendig« im größten Ausmaß erzeugt werden kann. Das ist die eindringliche Lehre, die man beim Durchschreiten eines solchen auf das höchste mechanisierten Betriebes empfängt. Das Dieselkraftwerk selbst mußte gebaut werden, um eine zu- sätzliche Reserve zur Erzeugung der Spitzenlast zu schassen, um bei Störungen den Betrieb im Versorgungsgebiet des MEW., das ein Zehntels der deutschen Republik umfaßt, nicht stocken zu lassen. Endlich soll das Werk sogenannten Blindstrom liesern, zusätz- Das größte Dieselkraftwerk in Hennigsdorf lichen Strom, der die durch die langen Ueberlandleitungen unausbleiblichen Sponnungsverluste ausgleicht. Alle dies« Ausgaben werden hier in Hennigsdorf einwandfrei gelöst. Die hier auf- gestellten Dieselmaschrnen sind hinsichtlich ihres Raumbedarfes und Gewichtes technische Glanzleistungen. Während der in Hamburg arbeitende Großdieselmotor von 15 000 PS noch mit nur 94 Um- drehungen in der Mimite läuft, konnte hier die Drehzahl aus 215 in der Minute heraufgesetzt werden. Es leuchtet auch dern Richttechniker ein, daß die Vergrößerung der Umdrehungszahlen auch eine Vergrößerung der geleisteten Arbeit darstellt. So konnte man diese Moschine viel leichter und damit mich wesentlich billiger herstellen. Daher betrugen die Anlagetosten dieses Dieselwerkes auch nur 225 M. je Kilowatt. Die Lebensdauer der Maschinen ist trotz der hohen Beanspruchung ihrer Teile infolge der auftretenden Kräfte sehr groß, da das Werk nicht ständig im Betrieb ist. Einer der größten Vorzüge des Dieselkraftwerkes ist feine schnelle Bereit- schaftsfähigkeit zu jeder Tages- und Jahreszeit. Zwischen den, Anfahren der Maschine und der Erreichung ihrer größten Leistung vergeht mir ein Zeitraum von drei Minuten. Das ist ein« so kurze Zeitspanne, wie sie kerne andere Reservekrastanlage erreicht. Friede auf Erden! Der wunderbar« Kriegsfllm Niemandland. der kürzlich im Mozartsaal vorgeführt wurde, spiell bekanntlich in einem zwischen den Fronten liegenden, verlassenen Unterstand, in den sich «in Deutscher, ein Franzose,«in Engländer, ein Russe und ein Reger zusammengefunden haben, die in guter Kameradschaft beieinander bleiben. Der Neger, ein internationaler Artist, ist der Dolmetsch: er versteht deursch, französisch und eng- lisch. Aber der deutsch« und der französische Soldat oersuchen die Verständigung auf eigene Faust und sie erzählen sich gegenseitig etwas, was der andere natürlich nicht versteht, und nur aus dem Tonfall, in dem der ein« erzählt, entnimmt der andere, daß er ihm etwa» Freundliches. Sympathisches erzählen möchte. Bis dann irgendein Wort fällt, das allgemeine Geltung hat. und plötzlich ist der Pfeiler da, über den die Brücke der Verständigung geschlagen werden kann. Der Franzose spricht z. B. nach einigem hin und her fragend das Wort:»Cigarettes?* und der Deutsche nickt zustimmend:.Ja, Zigaretten.' Man sitzt und raucht und schweigt. Nun möchte der Deutsche vem Franzosen etwas von seinen, Beruf erzählen: er ist nämlich Möbeltischler und sagt dem Franzosen das Wort„Möbel' oor. da« ja ein französisches Wort ist und von dem Franzosen auch verstanden wird, der es nachdenklich wledecholt:„Hm, mcuble!' Nach einiger Zeit spricht der Franzose. Er ist Mechaniker und braucht das Wart.mecamcisv', das aber von dem Deutschen nicht verstanden wird. Auf den Fragenden Blick wiederholt der Franzose:„rnecanicien... mecenigu«.' Jetzt hat der Deutsche die Lösung: mäcanique, das ist mechanisch. Sein neuer Freund ist also Mechaniker. Der Deutsche will nun dem Franzosen seinen Bornanien nennen:.Emil', und der Franzose wiederholt oerstehend, nur mit der Betonung der zweiten Silbe: .Emile.' Dann nennt er sich:.Charles.' Soviel weiß der Deursche auch schon, daß das„Karl" heißt. Und wenn es gar nicht weitergeht, dann muß der gutmütige und kluge Neger aushelfen. Das alles wirkt rein äußerlich beinahe ein wenig lustig und ist doch eine sehr ernste, fast ergreifende Sache: Daran, daß die Nationen verschiedene Sprachen sprechen, scheitert gerade die Der- ständigung zwischen den Angehörigen der arbeitenden Klassen, die die fremden Sprachen in der Schule nicht lernen und die sich doch. wie es auch dieser Fitm überzeugend darstellt, gern verständigen möchten und auch können. Diese Szene im Film Niemandland ist deshalb von einer großen, weithin erkennbaren Symbolik: Deutschland und Frankreich müssen und werden sich verstehen lernen, und erst, wenn dies« Derständlgung. aus die die ganze Welt wartet, da ist, wird die sehnsüchtige Ver- heißung der biblischen Legende erfüllt sein: Friede auf Erden! Juwelier Wiese aus Ser Hast entlassen. Der unter dem Namen.Trauring-Wiese' bekannte Juwelier Wies« aus Charlottcnburg, gegen den vom Amtsgericht Leipzig Haftlesehl wegen des Verdachts der gewerbsmäßigen Hehlerei er- lassen war, ist mrnmehr nach einem' eingehenden Haftpillfungs- tennin entlassen worden. Wiese stand in dem Verdacht, der Hehler zahlreicher großer Einbrecher zu sein. Der Haftbefehl wurde aus Antrag der Verteidiger, Rechtsanwälte Dr. Balin und Dr. Ewald, aufgehoben, nachdem die bisherigen Feststellunge» er- geben haben, daß Wiese wahrscheinlich nur zwei strafbare Geschäft« mft Silberwaren im Werte von 2S0 M. zur Last gelegt werden können. Wiese wurde ohne Kautionsstellung enthaftet. Acht Laut Beschluß des Bezirksvorstandes erfolgt die Referentenvermittlung für Zahlabende, Abteilungs-Versammlungen, Kreis- Mitgliederve'- Sammlungen, Frauenabende, Betriebsversammlungen, sowie für Veranstaltungen der erwerbslosen Parteigenossen und JUngerengruppen ab 1. Januar 1932 einheitlich durch die Zentrale für ReferenteRvermitllung Fernrufj Dönhoff 5067 Ein Telegramm Professor Ealmeiies. Die gegen ihn erhobenen Befchvldigvngen sind unwahr. Lübeck, 24. Dezember. Die heutige Verhandlung im Tuberkuloseprozeß war von kurzer Dauer. Es handelte sich nur darum, den Vorschriften der Straf- Prozeßordnung Genüge zu tun, wonach ein laufender Strafprozeß nicht länger als drei Tage unterbrochen werden darf. Der Vorsitzende verlas ein Telgramm van Prof. Dr. Calmette. Das Telegramm bezieht sich aus die Veröffentlichung, in der der Verdacht ausgesprochen wurde. Prof. Dr. Deycke hätte dem Impfstoff humane Bazillen beigemengt. Die Sach- verständigen im Lübecker Prozeß haben daraus am IL. Dezember eine Ehrenerklärung für Prof. Deycke abgegeben. Prof. Calmette telegraphiert: Erkläre mich ausdrücklich gegen Autorisation und Veröffentlichung cinor Hypothese, deren Autor ich nicht bin. Anschließe mich Erklärung der Sachverständigen vom 18 Dezember. Bedauere eventuelle Fehlerursachen der Unglücksfälle, bin aber von der persönlichen Ehrenhaftigkeit und Wahrheitsliebe Prof. Deyckes überzeugt. Die Kriminalpolizei Hat Ermittlungen angestellt nach de» Original-Krankheitsgeschichtcn der Kinder L e m b k e und Seckel. Diese Krankheitsgeschichten konnte» auch jetzt nicht Herbeigeschafft werden. Es entwickelt sich eine längere Aussprache, in der Prof. Dr. Klotz darauf hinweist, daß auch in anderen Fällen die Krankheitsgeschichten verschwunden sind. Der Vorsitzende vertagte die Verhandlung auf Montag. Ein dreister Versicherungsbeirug. Als die Zigarettenfabrik„papyraufch" abbrannte. Unter der Anklage der Brandstiftung und des versuchten Versicherungsbetruges hatte sich der aus Polen stammende Zigarcttenfabrikant Josef I t s ch k o w i t s ch vor dem Schöffen- gcricht Berlin-Mitte zu vorantworten. Der Angeklagte war Geschäftsführer der Zigarettenfabrik „Papyrausch G. in. b. H.". Er hatte das Lager bei einer Versicherungsgesellschaft gegen Feuer und Einbruch versichert. Einen Tag, nachdem er die Police erhalten hatte, brach in den Geschäfts- räumen in der Alexandcrstraße Feuer aus und die Fabrik brannte mit allen Vorräten voll st än big nieder. Die sofort angestellte Untersuchung lenkte den Verdacht aus eine Brandstiftung und führte zur Erhebung der Anklage. In der Ver- Handlung wurde von den als Zeugen und Sachverständigen ver- nommenen Braichmeistern und Feuerwehrleuten bekundet, daß noch den NhgNchen Afchenresten. dt« an de? Brandstelle gesunden worden seien, angenommen werden müsi«. daß lediglich mehrere Papp- kartons verbrannt seien. Von den angeblich oerbrannten zwei Millionen Zigaretten sei auch nicht ein« Zigarette übrig geblieben Die Sachverständigen wiesen darauf Hin. daß gepackte Zigaretten überhaupt nicht brennen und nur schwelen: auch bieten sie dem Feuer keine Nahrung. Der Angeklagte hatte bei der Vir- sicherungsgesellschast aber einen Schaden von 70 000 Marl für verbrannte Zigaretten angemeldet. Der Staatsanwalt beantragte mit Rücksicht darauf, daß der Angeklagte das Gaitrecht mißbraucht und daß seine Straftat eine außerordentliche Gefährdung der Allgemeinheit und des Wirtschaftslebens bedeute, ein Jahr Zuchchaus als Strafe für den Angeklagten. Das Schöffengericht verurteilte Jtschkowitsch zu einem Jahr Gefängnis und 5000 Mark Geldstrafe. Zialiener überfallen Geldbriefirager 15jäl?Hger tapferer Tischlerlehrling stellt einen Verbrecher. Saarbrücken. 24. Dezember. Am Heuligen Donnerslagmorgea wurde von zwei Zialieuero ein verwegener Raubüberfall auf einen Geldbriefträger auageführl. Der Geldbriofträger Otto Draht befand sich auf seinem täglichen Bestellgang im Stadtteil Bürbach. Auf einem Feldweg bemerkte er unmittelbar hinter sich zwei Männer, die ihm folgten. Plötzlich wurde er von den beiden zu Boden gerissen und trotz heftiger Gegenwehr seiner Geldtasche beraubt. Nachdem ihm einer der Täter mit einem stumpfen Gegenstand einen Schlag ins Gesicht versetzt hatte, flüchteten die beiden. Laut rufend lief Draht hinter den Verbrechern her. Während der eine mit der Beute entkommen konnte, blieb Draht dem anderen auf den Fersen, trotzdem der Räuber zweimal auf seinen Verfolger schoß, ohne aber zu treffen. Durch das andauernde Rufen des Beamten wurden zwei junge Leute und auch ein fünfzehnjähriger Tischlerlehrling auf ihn aufmerksam. Trotzdem ihn der Räuber mit der Waffe bedrohte, fuhr der Junge mft seinem Rade mutig aus den Flüchtling zu und brachte ihn so zu Fall. Sofort ergriffen die anderen Ber- folger den am Boden liegenden Verbrecher und übergaben ihn der Polizei. Es handelt sich um den vierzigjährigen Italiener Grossi, der als italienischer Fliegerosfizier den Krieg mit» gemacht haben will und jetzt als politischer Flüchtling angeblich in Lothringen wohnhaft ist. Den Namen seines Mittäters, der mit der 2300 Franken und zwei Wertbriese enthaltenden Tasche ent- kommen ist, will Grossi nicht preisgeben. Es ist anzunehmen, daß sich der flüchtig« Verbrecher mit seiner Tasche nach Lothringen begeben hat. Gefängnisstrafe für Bankier. Auslandsdeutsche geschädigt. Das Schöffengericht Berlin-Mitte verurteilte den Bankier AlbertLöwenstetn wegen Betruges an Ausland?. deutschen und Entschädigungsberechtigten zu einem Jahr neun Monaten Gefängnis, 3000 M. Geldstraf« und dr«i Jahren Ehrverlust. Der wegen Beihilfe mftangeklagte Letter der Münchoner Filiale Üöwensteins. Kaufmann Josef Grünwald. wurde freigesprochen Lömenstein, der ursprünglich Holzhändler war. hatte im Jahr« 1929 die Firma„Bankkonunisston Löwenstein" in der Friedrtch-Wilhelm-Straße in Berlin eröffnet und Filialen an verschiedenen Orten errichtet. Das Geschäft befaßte sich mtt dem Aufkauf und der Beleihung von Reichsschuldbuch» forderungen und Entschädigungsansprüchen. Löwenstein hat aber die ihm zur Sicherhett übergeben«» Reichsschuldbuchforderungen weiter veräußert und den Erlöß für sich oerbraucht, so daß viele Auslandsdeutsche um erhebliche Beträge geschädigt worden sind. Auf dem Heimaiflug in den Tod. Todessturz zweier amerikanischer Armeestieger. Rem Zork. 24. Dezember. Als zwei amerikanische Armeeflieger, ein Leutnant und sein Begleiter, mit einem Flugzeug in ihr« Heimat flogen, wo sie ihren Weihnachtsurlaub zu verbringen gedachten, stürzte der Apparat über den Wäldern bei Billingslcy im Staate Alabama ob, wobei die beiden Flieger den Tod fanden. Llmversitäisbrand in Johannesburg. Bibliothek mit 35 000 Bände vernichtet. Johanuesburg(Südafrika), 24. Dezember. In der hiesigen Universität brach heute ein Feuer aus, durch das der Hauptteil des Gebäudes mit der Vibliothek zerstört wurde. Der größte Teil der 35000 Bände umfassenden Bücher» s a m m l u n g. darunter unersetzbare historische Doku- mente, wurde ein Raub der Flammen. Der Gasamtschaden wird auf 100 000 Psund Sterling geschätzt. Anklage gegen Bankvorsteher Brüggemann. Wegen fortgesetzter Untreue. Gegen den früheren Banloorstehcr Hans Brüggemann von der Commerz- und Privatbank, der erst vor kurzem unter dem dringenden Verdacht der Unterschlagung verhaftet wor- den ist, hat jetzt bereits nach wenigen Tagen die Staatsanwalt- schaft l Anklage erhoben, und zwar hat sie die Rechtslage anders beurteilt und Brüggemann nicht der Unterschlagung, sondern der fortgesetzten Untreue angeklagt. Es wird ihm vorgeworfen, Vermögenswerte über 100 000 Mark permitreut zu haben. Die Vibliolhek der Ardeilerbildungaschulc ist in der nächsten Woche mir am Dienstag, dem 29. Dezember, geösfnet. Sll durch Slo��derdi.g-"" Welt Vertrauen hat. Das wachsende Haus Industrialisierung des Wohnungsbaues Jüt die grofec Sommerschau Bettln 1932, die unter der Samps» devise„Sonne, Lust und Haus für alle!" vom 14. Mai bis zum 7. August 1932 in ollen Hallen und auf dem gesamten Freigelände des Ausstellungsmesseamks durchgesührt wird, hat das Messeamt einen besonderen Wettbewerb zur Erlangung von Eni- würfen für das„wachsende Haus" veranstoilet. Das Ergebnis dieses Wettbewerbs, an dem sich die Architektenschast aus allen Teilen des Reiches beteiligt hat, liegt jetzt vor und wurde den Berlretern der presse bekanntgegeben. Bei der Besprechung hielt die Begrüßungsansprache Direktor Wischet vom Messe- und Fremdenverkehrsamt der Stadt Berlin. Die Ausstellung„Sonne, Lust und Haus für alle" soll in den beiden wichtigsten Abteilungen das wachsende Haus und der Kleingarten als Fortsetzung des Bauausstellungsgedankens aufzufassen sei». Der Redner ging dann aus das Gcsamtprograinm der Bcraustaltungcn des Jahres 19Z2«in, von denen heut« schon festliegen: Ii» Januar die zum 7. Male stattfindend«„Grüne Woche Berlin 1932", März die„2. Möbel- und Einrichtungsschau", April die„Itz. Jubiläums- Reichsgastwirtsmesse", Mai-August die Berliner Sommerschau 19.32 .Sonne, Lust und Haus für alle!", Ende August die 9. Große Deutsche Funkausstcllung" und Oktober die„Deutsche Lustsportaus- stelluug". Stadtbaurat Wagner sprach über die Notwendigkeit der I n- du st r i a I i s i« ru n g des Wohnungsbaues. Man müsse dazu kommen, daß auf dem Bauplatz nur ein M i» i m u m von Arbeit zu iwrichtcn war«, die Hauptarbeit aber auf die Werkstätten ver- legt sei. Eine konseguent durchgeführte Jndustriealisierung. für die sich das Klcinhaus besonders gut eigne, sei der«inzig mögliche Weg zum Ziele einer durchgreifende» Preissenkung. Professor P o e l z i g führte Lichtbilder von eingegangene» Entwürfen vor und erklärte, daß die allgemein bestehende Geldnot dazu zwinge, einen Weg zu finden, das Haus allmählich aufzubauen, ohne daß die Endform darunter leidet. Die Anpassung an den Geld- schwund zwinge die Arbeiterschaft,«ine Teilung des Bauvorhabens vorzusehen. Unter den gezeigten Entwürfen sielen besonders die Arbeiten der Architekten Professor Bruno Taut und Max Taut aus, deren Plan ein Haus vorsieht, das fix und fertig auf die Bau- stelle gefahren wird. Zum Schluß sprach Ministerialdirektor Dr.-Jng. Kießling. Das wachsende Haus soll ein vorstädtischcs Garten- Haus auf einem Grundstock von 400 bis 1000 Quadratmeter Größe sein. Der Wettbewerb habe Anregungen von hohem Wert gegeben. Fast die ganze Halle 4 ist in viele Kojen ausgeteilt, nüt den zahlreichen Entwürfen ausgefüllt. Die Ausstellung ist der Oeffcnt- lichkeit zugänglich und wird in de» Tagen vom 24. bis 29. Dezem- der von 10 bis 16 Uhr geöffnet fcin. Der Eintritt ist frei. praktische Winterhilfe. Wie man praktisch zur Winterhilfe beiträgt, dos zeigte der aus- schließlich aus Mitgliedern der Sozialdeinokratifchen Partei bc> stehende Sparverein„Einigkeit". In dem Vereinslokal von Kempin, Weidenweg Ecke Tilsiter Straße, bescherte der Verein ain Sonntag seine erwerbslosen Mitglieder. Reben einem Huhn, das seit langer Zeit das erste Fleisch war, lagen ein Pfund Butter, eine Zervelatwurst, ein halbes Pfund Käse und ein Bon für ein Brot. Außerdem gab es für jeden einen bunten Teller mit Pfefferkuchen, Schokolade und Zigarren oder Zigaretten. In seiner Ansprache führt« der Vcreinsvorsitzende Genosse Rekasch aus, daß Einigkeit zu diesem Werke geführt hat. Einigkeit auch mit den Erwerbslosen soll über die traurige Wirtschaftslage hinweghelfen. Fröhlich verbrachten die Erwerbslosen einige gemütliche Stunden im Kreise der Partei- und Gesinnungsgenossen. Eine Winterhilfe, wj« sie besser nicht gezeigt werden kann. Markthallenleute bescheren. Die Standinhaber der Markthalle 8 in der Andreasstraße»er- onstalteten am Sonntag eine Weihnachtsbescherung kür nolleidende kinderreiche Familien, die von den Wohlsahrtsvorstehern der Umgegend namhaft gemacht worden waren. In der Mitte der Markthalle waren lange Tische aufgebaut, an denen SO Männer und Frauen Platz genommen hatten. Die Gaben, die von den Stand- tnhabcrn gestiftet worden waren, wurden von den Erwerbslosen mit' großer Freude entgegengenommen. Berge von Lebensmitteln, Rotkohl, Fleisch, Wurst, Obst, Käse und vieles andere mehr dursten die Beschenkte» für ihre Familien mit nach.Hause nehmen. Mit rührender Sorgfalt hatte der Verein der Ständinhaber den un- freundlichen Raum der Markthalle verschönt. Ein großer Tannenbaum wir in der Mitte aufgestellt. Auf den Tischen brannten Wcihnachtslichtcr und ein Bläscrchor sorgte mit Volkstum- lichen Weihnachtsliedern für eine fröhliche Feststimmung. Der Vor- sitzende des Vereins der Standinhaber wies in seiner Ansprache darauf hin, daß ein Teil der Gaben von Spendern komme, denen es selbst so schlecht gehe, daß sie im nächsten Jahre ihr Gewerbe aufzugeben gezwungen wären. Pfarrer Sasse von der Lazarus- Gemeinde und der Bürgermeister des Bezirks Friedrichshain. Ge- nasse M i c l i tz, dankten den Standinhavern iür ihre Opferwillig- keit. Im gemeinsamen Gesang eines Weihnachtsliedes fand die schöne Feier ihren Abschluß. Hubertussteg zur Robittsoninscl. Als man den äußerst kruinmen, aber auch äußerst roman- tischen Lauf des Löcknitz-Flüßchens bei Erkner vor vielen Jahren durch einen schnurgerade verlausenden Kanal„begradigt" hatte, da wurde durch Kanal und Fluß eine Insel abgetrennt, die man bisher nur über eine Brücke von Norden her, von der Landstraße Erkne r— G r ü n h e i d e, erreichen konnte. Von Süden, von der Erkner-Seite aus, blieb die Insel verschlossen und konnte nur betreten werden, wenn man einen Kahn hatte und übersetzte. Dieser Mangel ist vor kurzem behoben worden. Die Gemeinde Erkner und der Verschönerungsverein in Erkner haben in gemeinsamer Arbeit eine Brücke errichtet, die den-Zugang zu der„R o b i n s o n i n s e l", wie die Bevölkerung die schöne Waldinsel schnell genannt hat, auch von Erkner aus vermittelt. Wen es in den Weihnachtstagen aus der Stadt hinaus in die Natur zieht, der kann diese neu- östliche Verkehrserrungen- schast schon feststellen. Im Sommer aber werden Tausende die neue Brücke, die den Namen„H u b e r t u s st e g" bekommen hat, benutzen. Ein paar hundert ernste Naturfreunde werden es viel- leicht bedauern, daß die bisher ziemlich stille Insel nunmehr von Tausenden wird bevölkert werden. Aber das ist nun mal leider das Schicksal aller in der Nähe der Weltstadt befindlichen Natur- schiilcheiten. falsche Sparkassenrevisoren. Seit geraumer Zeit sind in den verschiedensten Stadtvierteln Berlins zwei gut gekleidete Männer bei den Hausfrauen erschienen, die sich als S p a r k a s f e n b e a m t e ausgaben und er- Nörten, daß Fehler in den Eintragungen der Sparbücher vor- gekommen seien, weshalb sie jetzt die Bücher revidieren müßten. Die Männer wußten mit aller Genauigkeit die Nummer des jeweiligen Buchs und oft sogar die Höhe des Guthabens anzugeben und waren auch noch über andere Einzelheiten orientiert. Man weiß nur nicht, was sie bezweckten, ob sie einen Betrug ausführen oder etwa über- Haupt in die Wohnungen eindringen wollten. Ein Ueberfall erscheint unwahrscheinlich. Auf der anderen Seite ist es unerklärlich, woher die Leute beispielsweise die Nummern der Sparkassenbücher wußten. Es besteht die Möglichkeit, daß den Männern vielleicht schon einmal ein Coup geglückt ist. Sachdienliche Mitteilungen nimmt die Dienst- stelle IV 2 im Polizeipräsidium entgegen. Ein Opfer der Schundliteratur. Am 9. Dezember war in der Nähe von Werder die Händlerin Frieda Schulze von einem jungen Menschen überfallen und ihrer Handtasche beraubt worden. Aus Grund der genauen Be- schreibung des Räubers ist es jetzt gelungen, den Dieb dingfest zu machen. Es handelt sich um einen IKjährigen Lehrling aus Werder, der durch ganz eigenartige Beweggründe zu dem Raub gekommen ist. Der Junge las alle erreichbaren Detektiv- und Schundromane. Da er von begüterten Eltern stammt, konnte er sich eine ganze Menge derartiger Lektüre leisten. Schließlich überstiegen die Käufe aber sein Taschengeld und er geriet bei seinem Buchhändler in Schulden. Um sich das Geld zur Abzahlung der Bücherschuldcn zu verschaffen, verübte er dann nach dem Vorbild seiner Schundromane den Handtaschenraub. Rundfunk-Jahrbuch 1933. Das von der Reichs-Rundfunk-Gesells 6)a f t heraus- gegebene, bei der Union-Deutschc-Verlags-Gescllschaft, Zweiostelle Berlin, erschienene Rundfunk-Jahrbuch 1932 bringt bei einem Umfang von ISO Seiten In 25 Beiträgen und mehreren hundert Bildern einen Ueberblick. über die Ercignisje des letzten Jahres auf dem Gebiete des Rundfunkwesens. Es- enthält- unter anderem ein Geleitwort des Rcichsprüsidcnteu von 5)indcnburg, veröffentlicht die neuen Rundfuiikbestimmungcn, gibt Ausschluß über die Rechtsprechung in Rnndfunkangclegcnheite» und über die Be- käinpfung von Störungen beim Empfang. Im Bilde ziehen noch einmal die wichtigsten Vorgänge des Jahres am Auge des Lesers vorbei. Siedlerhaus in ftaulsdors ausgebrannt. Auf dem Grundstück Sadowastr. 54 in Kaulsdorf-Süd geriet gestern abend während der Abwesenheit der Bewohner ein langgestrecktes Siedlerhaus in Brand. Drei Zimmer und auch ein Teil des Dachbodens find ausgebrannt. Die Berliner und die Ortsfeucrwehr waren zur Stelle. Rundflüge an den Weihnachtsfeiertagen. An de» Weihnachtz- feiertagen, vom 25. bis 27. Dezember, werden auf dem Zentnu- flughafen Tempelhof verbilligte Rundflüge zum Preise von 5 M. ausgeführt. Blahkonzerl der Reichswehr. Am Sonntag, dem 27. Dezember, findet von 12 bis 13 Uhr ein Platzkonzert auf dem Platz west- lich der Staatsoper statt, das vom Trompeterkorps der 3.(Pr.) Fahr- abteilung ausgeführt wird. Eisbahn aus dem Flughafen Tempelhof. Bei anhaltenden, Frostwetter wird bereits während der Weihnachtsfeiertage die Kunsteisbahn auf dem Gelände des Berliner Zentralslughafens Tempelhof(vor dem Flugsteige) geöffnet. Es ergibt sich die glück- liehe Kombination, während der Ausübung des Eislaussports gleichzeitig den Flugbetrieb cms nächster Nähe zu beobachten. Die Eintrittspreise betragen für Erwachsene 20 Pf., für Kinder 10 Pf. Aug den Trümmern der Vatikanischen Bibliothek wurde das 5. Todesopfer des Deckeneinsturzes, der Arbeiter Petrignani, geborgen, die römische Feuerwehr, die drei Tage lang mit den Auf- räumungsarbeiten und der Bergung der Opfer beschäftigt war, hat die Stadt des Vatikans nunmehr verlassen. Enxtisch, Französisch, richtiges Deutsch. Im Januar beginnen neue Sprachenkursc snr Ansänger und Fortgeschrittene bei Genossin Hetz, W. 50, Spichernstr. 10, Gartenhaus, 3 Treppen rechts(Untergrundbahnhos Nürn- beiger Platzt. Anmeldungen bis zum Montag, 4. Januar, täglich von 17 bis 20 Uhr. Anmeldung kann auch schriftlich erfolgen. Kinlendungen siir diese Rubrik sind Berlin SW 68, Lindenstrahe 3. parieina chrichten für Groß-Berlin stet, au das Bezirkslekretariat 2. Hot, 2 Trevveu rechts, zu richten Die Bestattung des verstorbenen Genossen Oskar Ewald findet am Mittwoch, dem 30. Dezember, 14 Uhr. im Krematorium Gerichtstrohe statt. Beginn aller Veranstaltungen lÄ'/a Uhr, sofern keine besondere Zeitangabc! Heute, Freitag. 25. Dezember(1. Feiertag): Z. ftreik. Große Weihnochtsscicr in der Hochschulbraucrci, Amrumer Str. ZI. gassencrösflluog 1« Uhr. Beginn 17 Uhr. 39. Abt. Trotz schriftlicher Aufforderung haben mehrere Bezirlsfilhrer noch nicht abgerechnet, deren Namen nur am Dienstag evtl. veröffentlichen werden. tt. Vdt, Udrechnung der Winfei, auch Xotnofec, Mo M. ttassterrr. Sonnabend. 26. Dezember(2. Feiertag): 13.»reis. Am 2. Feiertag, U Uhr, treffen sich die«eaossinne» n»»»nafle« znr Morgenfeier der Arbeitersinge« des Bezirks im ParkreKanraot Südeirde. sz. Abt. g-z Uhr bei Keil. Priuz.Haudjeiv.Etr. 38. gusammenkunst a»« 6o- zialdemokraten und Republikaner. Sonntag, 27. Dezember: 41.. Abt. 3. Weihnachtsfciert-q treffen sich die«enosse» der 9nvvt Hoch M Winczier, Reichenberger Sit. 104, znm gemütlichen Beisammensein. lOI. Adt. 18 Uhr Weihnachtsfeier bei Pictsch. Am Treptower Park lRah, Partstraße). Eintritt ZO Ps._...„ 103. Abt. Weihnachtsfeier im Blumengarten, Ostendstraßc. Mitwirkend«: Ar. beitertnrncr, itinderfrennde und Sozialistische Arbeiterjngend. Saaläsf. »ung 17 Uhr. Eintritt 50 Ps. Erwerbslose mit Angehörigen freien Sin. tritt. Rege Betcilignng erwünscht. 10S. Abt. Weihaachtsseier im großen Saal des Restaurants Bellenue am Müggelsee. Mitwirkende: Gesangverein„Eintracht"(Gesang), Martha Cohn tRczitationen). Genossin Anna Nemitz sAasprache). Mitglieder de- Artift-Nloge(artistische Darbietungen),»indersreuadc(Wcihnachtsspiel). Nach Abschluß des Programms: Bescherung der Äinder und Tan,. Beginn 18 Uhr. Eintrittskarte 50 Ps. Erwcrbslase Parteimitglieder frei. Montag, 2S. Dezember: 3. Abt. 19 Uhr Abrechnung mit den Be�rksführern im Lokal Burlick, Ee» bastianstr. 38.. 14. Abt. Musitalischer Abend mit Rezitationen gm Swiuemunder Sesellschafts- Haus, Swinemünder Str. 42.,.„..t. 91. Abt. Versammlung der jungen Parteigenossen bei Schröder, Steinmetz. stroße 52. 1l7. Adt. 18 Uhr Abrechnung vom 4. Ouorlal bei Klose, auch der Notopfer. marken. Mitgliederlisten mitbringen. Dienstag. 29. Dezember: 5. Kreis. Arbeitcrwohlsahrt. Erwcrbslosenznsammenlunft im Heim Tilsit»» Straße 4—5 von 15 bis 18 Uhr. Politische Satire. 14.»reis. Nächste Erwcrbslosenzusammentnnlt um 15 Uhr im Heim Ztaane» Straße 42. Pünktliches Erscheinen erwünscht. l08. und 108,1. Abt. 19 Uhr Bunter Abend der Kindcrfreunde im Stadttheater, Ileiner Saal. Friedrichstr. 6. Die Genossinnen und tScnosscn werden gc- beten, sich redst zahlreich daran zu beteiligen.' Rttktwoch, 30. Dezember: »..»reis»reuzbcrg. 39. nnb 40. Abt. Kinderfest der Kinderfrcundcgrnpp. Südwest non 17 bis 20 Uhr im Iugendhrin, Aor-tstr, u. Ave iScnossca sind mit ihren Kindern eingeladen. •k 13. Kreis. Tsranzcige. Jugendweihe am Sonntag, dem 20. Mörz. Vor» bereitnnflsuntcrricht am Donnerstag, dem 14. Januar, in der 7. Volts- schule, Maricudorf, KSnigstraße. Frauenveronstaltungen. Sonnlag. 27. Dezember(3. Feiertag): 20.«bt. 1» Uhr bei Wende, Kolonicstr. 147, Weihnachtsabend. Vorträge de, Genossen Hanns H.«amm, Musikkapelle der„Raten Iazzer"(Rote Falken von den.Binder freunden), anschließend gemütliches VeLfarnnrensrin. Abt. IG Uhr Weihnachtsabend bei Heese, Berliner Str. 73. Musik. Liedee zur Laute, Rezitationen der Schauspielerin Genossin Martha John. Un- kostcndcitrag Ä) Pf. Montag, 28. Dezember: Abt. 20 Uhr bei Brandis, Stralauer Str. 10...Unsere Dorkampfernuien.» Referentin Nora Henke. Neuwahl der Frauenleitung. Adt. 19'/- Uhr bei Schölt;. Levessvwstr. 21, Bunter Abend. Abt. 19 Uhr bei Klinge. Seflerstr. 14, Bunter Abend. Abt. An bekannter Stelle Weihnachtsabend. Abt. 19'/- Uhr in den Schönhauser Festsälen. Schönhauser Allee LZS, 137 11. 17. 1«. 27. 33. 34. 30. 37. 46. 53. ::.55. 79a 89. 91. 93. 106. 114. 131. 139. Bunter Abend. Portrogende Schauspielerin Genossin Martha John. Abt. 19'/, Uhr bei Wcrtalla, Hohenwhestr. 3� Bunter Abend, ausgessaltrt von jüngeren Parteigeüossen.' Gebäck �ist mitzubringen.� Adt. 19 Übr im Jugendheim, Litauer Str. 18, Heiterer Abend. Vortragende Genossin Klara Brat. � Abt. 19'/- Uhr bei Busch, Tilsiter Str. 27, gemütliches Bei sauunen sein. Vortragender Genosse.Hanns H.&amm. Gebäck ist bitte mitzubringen. Abt. 19V» Uhr im oberen Saal der Patzenhofer Brauerei. Landsberger Allee 24— 25, Weihnachtsfeier. Mitwirküng der„Äinderfreunde"�!)ruppe Martha Demmning. Abt. 19V, Uhr in der Schalle, Görlitzer Str. 51, Heiterer Abend. Vor- tragende Genossin Slfrie.de Wollmann.. Abt. 19'/: Uhr bei Hampcl, Ilfenau-, Ecke Sickingenftratze, Heiterer Ab�nd. Mitwirkende der S-AI'.„" Abt. 19", Ubr bei Reimer Wilmersdorfer, Scke Kanalstraße, gemiltlnhe» Beisammensein..., . Abt. 19V, Uhr im Ledigenheim„Winterweltenwende". Ansprache der-W Genossin Lisa Albrecht:„Stampf der Sozialdemokratie für den Frieden der Welt".. � Abt. 19V, Uhr bei Gronuncck, Sauderstr. 10, Heiterer Abend. Vortragende Genossin Friedel Hall. Abt. 19V, Uhr bei Grimm. Boddiustr. 10/11, Heiterer Abend. Vortragende Genossin Margarete Walket te. «bt. 19'.', Uhr bei Friedersdorf, Iägerftr. S, Bunter Abends Vortragend«? Genosse Hans Fuhrmann. Musikalische Darbietungen. Abt. 19V, Uhr im„Waldkater", Stubenrauch., Ecke Slaiser-Wilhelm-Straße, Frohes Jahresende. Abt. 19V« Uhr bei Hötzel, Wilhlrsch.. Ecke Gabriel.Itax�vtraße,„Streif- züge durch den Orient*. Referentin Erna Busing. Abt. 19V, Uhr im Lokal..Wolfsschlucht", Treskowstr. 12, Ecke BMchersirotze. geselliges Beisammensein. Ferner Neuwahlen. Das Mitgliedsbuch ist mitzubringen. Abt. 19 Uhr im Jugendheim, Schöneberger Str. 3, Bunter Abend. Vop» tragender Genosse Franz Hosemann. Dienstag. 29. Dezember: 123. Adt. 29 Uhr tzci HUPner, Wildelm., Ecke Bahnhofstraß«, Fr>uienfeierstun!i«. 141. Adt. 20 Uhr bei Hoffmann, Edclwcißstr. 5,„Sezialioinuz in der Aamrlie". Rcscrcntin Helene Michaelis. ZNiktwoch, 30. Dezember: 143. Abt. 20 Uhr bei Zarius, fZllrst. Bismarck. Straße, heitere Borträae des Genossen Iul. Klee. Ab 22 Uhr sind die Genosse» freundlichst willkommen, Bezirksausschuß für Arbeikerwohlfahrt. Die Eeschästsstelle der Arbeiterwohlfahrt wird an den linken Flügel, 2. Hof, 2. Etage, verlegt in die Räume, die setzt die Arbeiterjugend inne hat. Vom Dienstag, dem 29. Dezember, bis Montag, dem 4. Januar, bleiben die Räume der Geschäftsstelle umzugshalber geschlossen. Arbeitsgemeinschaft der kinderfrcunde Grosz-Berlin. . /M Kreutberg. Unsere geplant« Feierstunde fällt besonderer Um» '■ stände wegen aus. Die Neigungsgeuppen tagen im neuen Jahr ie wie folgt: Instrumentalkreis am vi. Januar. Bastelkreis, Singe» I und Tanzkreis, Nestfalkenbewegungsspicle am 20. Januar. Der ".Ii Falkenrat tagt am 13. Januar.— Bergmanastraße. Rote Falken. mJsm Ml' M ?» W»WW>W»WW?■............? WWW »IN 17 Uhr im Heim. Mittwoch Kinderfest pon 17 bis 20 Uhr im Jugendheim Porckstraße l>. Köpenick. Dienstag, 20. Dezember, 19 Uhr, Stadltheater, klciner Saal, Bunter Abend. Eintritt frei. Gäste herzlich willkommen. „:otcyniuiin|icut)v*-»vw*.«:«tui».«:»!. Montag, 28.'Dezember, 18 Uhr, Borckstr. 11.— Gruppe Südwest. "allen, die Schilder zum Kindertest basteln wollen, sind Montag Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 33. Abt. Unser Genosse Paul Schnack, Markgrafcndamm 11, ist kürzlich ver- starben. Ehre scinciu Andenken. Bestattung hat in aller Stille bereits statt- gefunden. 10». Abt. Johannisthal. Unsere Genossin Frieda Kicselack ist am 20. De» zember verstorben. Ehre ihrem Andenken. Einäscherung Montag, 28. Dezember, UtZH Uhr, Krematorium Baumschuleuweg. Der Saalbau Friedrichohaia hat si-d für die diesjährige Silvesterseier die berühmte Stimmungskanon« Scppl Vollmann aus München mit seiner Ober. ländlerkapelle verpflichtet. Eine ausgezeichnete große Bühnenschau und ein gemütlicher Festball in den Riesensälen beschließt den Abend. Blhawbra, Schüneberg. 2. Wcihnachtsfcicrtag. Große Nachtwohltätigkeits. Veranstaltung deutscher Artisten. Auf der Bühne 15 internationale Varietd- ottratlionen, über 50 Mitwirkende. Der Reinertrag dient zur Arbeitsbcschasfung deutscher Artisten. Mit dem Essen soll man aushörea, wenn es am besten mundet, doch Weih- nachten wird diele bewährte Regel wohl am häufigsten übertrete». Die Folgen sind Verdauungsstärungen, Magenbefchwerlten. und das sehr unangenehme Sod. brennen. Ein Teelösscl Bullrich-Salz oder 1 bis 2 Tablette» bringen sofortige Erleichterung und eine reibungslose, angenehme Verdauung. Aber warten Sir nicht, bis die Beschwerde sich einstellen: nehmen Sie dieses in seiner Wirkung seit über 100 Jahren unübertroffene Mittel als Vorbeugung gegen die lästigen Beschwerden sofort nach jeder Mahlzeit. Sod brennen Magenbeschwerden Er U mm Mmtn Eine Weihnachisboischast Brünings. Für internationale Zusammenarbeit und Verständigung. Reichskonzier Dr. Brüning hat den, Chefrsdatteur des Trans» ozean-Rachrichtenbüros die folgend« Weihnachtsbatschaft über» geben: FrisS>e den Menschen auf Erden, die guten Willens sind! Kaum jemals hat die Menschheit dringender als jetzt auf die Er- füllung dieser frohen Botschaft gehofft. Di« Sturmflut der Krise hat die Völker der ganzen Weit erfaßt. Di« Verwirrung, in die Krieg und Nachkriegszeit sie gestürzt haben, hatten im zu End« gehenden Jahr die wirtschaftlich«, finanzielle und sozial« Not überall sehr bedrohlich airwachfen lassen. Allzu hoch ist schließlich der Preis geworden, den die Völker für den Irrglauben zahlen müssen, daß ied«r für sich allein die Krise lösen könnt». Aber iniwer stärker scszt sich setzt die Erkenntnis durch, daß kein Land durch den Nieder. gang des andern gewinnen kann, und daß keine Rettimg au, dem drohenden Zusammenbruch eller in der Aufrichtung einer Interessengemeinschaft zu erblicken ist. An Stelle isolierter Betrachtung muh der Blick gerichtet werden aus das ge- meinfam» Wellproblem. Dazu gehört der Will« zu internationaler Zusammenarbeit, die Bereitschaft zu weitschauender Friedens» und Verständigung»- Politik. Groß ist die Verantwortung der Staatsführung, wenn historische Augenblick« nicht benutzt werden. Augenblicke, in denen Möglichkeiten gegeben sind, dem wellerrennenden Unheil halt zu gebieten und Europa und die Welt wieder der Gesundung und dem Frieden entgegenzufiihren. Dl« Ueberwindung und Ans« rottung des internationalen Mißverstehens und Mißtrauens. Gerechtigkeit und Gleichberechti- gung für all« sind Voraussetzung iür dl« Erreichung dieses Ziels. Deutschland ist fest Jahren diesen Weg gegangen. Es Hot im Interesse dieses Ziels die schmerzlichsten Opfer aus sich genommen. Glaube, Liebe und ünffnung, die Inbegriffe des weihnachtlichen Festes, müssen erst in die ch-rzen der Völker zurückfinden, wenn uns die Erfüllung seiner Verheißung zuteil werden soll. Weihnachtsstimmung in Moabit. Sämtliche Angeklagte im Helldorf-Prozeß bis auf zwei entlassen. Die Strafkammer des Landgericht« III verkündet» gestern nach mehr als Zuständiger Beratung folgenden Beschluß: die Haftbefehl» de» Schöffengerichts Charlottenburg vom IS. September gegen die Angeklagten...— es folgen achtzehn Namen— werden aufgehoben. DI« Haftbefehle gegen die Angeklagten Schuster und Meede bleiben bestehen. In der ausführlichen Begründung dieses Beschlusses führt« Landgenchtsdirektor Ohnesorg« aus: Di« Angeklagten sind der ihnen zur Last gelegten Tat dringendverdächttg. Dies ergibt ihr« Verurteilung durch das Schöffengericht. Fluchtverdacht kann jedoch im gegenwärtigen Stande de» Verfahrens nicht mehr bejaht werden. Allerdings besteht die Möglichkeit, daß gegen die An- geklagten hohe Strafen ausgesprochen werden. E» wird des- halb für die Prüfung des Fluchtverdacht» unterstellt, daß die Strafen des schösfengerichtlichen Urteils aufrechtgehalten werden würden. Die Strafkammer ist jedoch der Ueberzeugung, daß keiner der An- geklagten, abgesehen von Meede und Schuster, sich der Hauptoer- Handlung entziehen wird. Im allgemeinen gründet sich diese Ueberzeugung auf den persönlichen Eindruck, den das Gericht im Laufe der Verhandlungen von den Angeklagten gewonnen Hot. Außerdem ist nunmehr in der verfahrensrechtlichen Lage«ine entscheidende Aenderung eingetreten. Bot bisher möglicherweise das Bevorstehen der Haupt- Verhandlung einen Anreiz, das Bersahren durch Flucht zu verhin- dern, so kann jetzt, nachdem die Angeklagten zur Sache vcrnonnnen sind, da« Verfahren notfalls auch dann gegen sie durchgeführt werden, wenn sich einer von ihnen eigenmächtig entfernen sollt«. Damit entfällt ein möglicher Anreiz, durch die Flucht sich der Straf- Verfolgung zu entziehen. Zu berücksichtigen war auch, daß die Angeklagten Graf Hell- darf, Ernst und Kuhns sich trotz der hol)»n Strafen, die ihnen möglicherweis« drohen, sich der Hauptverhandlung nicht ent- zogen haben. Bei keinem der Angeklagten besteht nach der Ver- büßunz einer dreimonatigen Untersuchungshast im Augenblick auf Grund des ersten Urteils eine gdötzer« Strafe als ein Jahr Ge- fängnis. Die Angeklagten hörten sich die Berkundung des Beschlusses stehend und in voller Ruhe an. Hoffentlich hat da» Gericht unter Vorsitz ves Londgerichtsdivektors Ohnesorge keine Ursache, seinen weitherzigen Beschluß zu bedauern! Hassent. lich verstehen es die Angeklagten, die Mi'de des republikanischen Gerichts, das trotz der ständigen Schmähungen, deren es von ihren Gesinnungsgenossen ausgesetzt ist. zu würdigen, daß man ihnen die Weihnachtsfeier nicht vevderben wollte. «- Wir stellen fest, daß einige der Angeklagten vom Kursürstendamm-Prozeß aus eigenem Antrieb unserem Bericht- erstatter gegenüber gestern zum Ausdruck gebracht haben, daß sie die Belästigungen, denen er von ihren Mitangeklagten aus- gesetzt war, mißbilligen. Auch der Angeklagt« P., der sich als erster die Belästigungen hat zuschulden kommen lassen, ent- schuldigte sich auf Veranlassung eines seiner Kameraden bei unserem Berichterstatter wegen seines Verhaltens. Kein Rechisfchuh gegen Verleumder! Tendenzjustiz in Schlesien. Glah. 24. Dezember.(Eigenbericht.) Da» hiesig« Schöffengericht verurteilt« einen gemeinen Verleum- her. den Postlchafsner Paul Francke aus Bad Landcck. wegen unerhörter Beleidigungen des Polizeipräsidenten Ossowsky(Oppeln) zu ZOMarkGeldstrafe. Den Vorsitz des Gerichts führt« der aus Nazi-Proz»ssen unrühmlich bekannte Üandgerichtsrat Lehmann. Im Sommer diese, Jahre, befand sich der Oppelner Polizei- Präsident Osiowski in Band Landeck zur Kur. Als in dem Logierhause. in dem Ossowski wohnt«. Feuer ausbrach, äußerte Franke zu den Löschmannschaften:.hättet ihr doch da» Luder ver» brennen lassen, hättet ihr ihn doch ersaufen lassen, er hat schon Gott und dt« Welt betrogen!" Einer der von den Augeklagten geladenen Entlastungszeugen, der nationalsozialistisch« Stadtverordnet« und Oderpostsekretör Spreu hielt eine Verteidigungsrede für den Angeklagten. Noch merkwürdiger benahm sich der Verteidiger, der auf die Bemerkungen PjQi jl) W Reizender Christbaumschmuck! Republikaner zum Aufhängen an Stöhrschen Hanfstricken. Ein sinniger Ausdruck der nationolea Weihuachtsfreude. Streng legales Weihnachten in einer SA.-Saseme. Sinnige Geschenke erfreuen das Herz eines fedeu SA.-NlaulleL. So wächst eine wahrhaft christlich gesinnte Jugend heran. des Staatsanwalts, daß heute die politischen Beleidigungen über- Hand nehmen, erklärte, daß es sich die Personen, die im öffentlichen Leben stehen, gefallen lassen müßten, wenn zwischen dem Schein und Sein, zwischen den Worten und Taten des Sozialisten gewertet würde. Das Urteil bedeutet einen Hohn auf die letzte Notverordnung des Reichspräsidenten, nach der politische Beleidigungen slbärfer ge- ahndet werden sollen. Amerika warni Japan. Einspruch grgen weiteren Vormarsch. Vashlngtou. 24. Dezember. Das Staatsdepartement Hai folgend« Erklärung ausgegeben: „Der amerikanische Botschafter in Tokio ist am 22. Dezember angewiesen worden, dem japanischen Außenmimsterium von der Be- sorgnis Kenntnis zu geben, die die amerikanische Regierung infolge der neuen, offenbar wohlbegründeten Berichte empfindet, das die japanische Armee in der Mandschurei Bewegungen in der Richtung auf Tschintschau plane und die zu einem Wiederbeginn der bewaffneten Feindsellgkellea mit regulären chiocsijchcn Truppen Innerhalb und südlich von Tschintschau führen können. Der Botschafter wurde ferner angewiesen, die Auf- marksamkest her japanischen Regierung daraus zu lenken, daß die Berichte der militärischen Beobachter verschiedener Nationen in der Tschintschauzone einschließlich de» amerikanischen Militärattaches ubereinstimmend besagen, sie hätten keinerlei Anzeichen od«r Beweis dafür gefunden, daß die chinesischen Truppen irgendeine mllUärifch« Offensive unternehmen oder vorbereiten." Japan sagt: Räuberbanden. Tokio. 24. Dezember. Die Botschafter Großbritanniens, Frankreich, unb der Vereinig- ten Staaten haben dem Ministerpräsidenten gegenüber ihr« Besorg- Die Voxheimer Spielzeugschachkel, das Gnizücken aller tz'-tterknaben. Mit Bleifiguren lassen sich die relzendsteu Crschiehungsszenen stellen. Hochimposante, pompöse, luxuriöse vierdimensionale Weihnachtsfeier im Braunen hause. Hitler bringt aus sich als dcu Heiland des Drillen Reiches ein dreifaches«Heil Heiland!" aus! nis geäußert, daß es bei Tschintscktau zu einem Zusammenstoß zwischen chinesischen und japanischen Truppen kommen könnte. Der Ministerpräsident soll darauf dem amerikanischen Botschafter mit- geteilt haben, daß die japanischen Operationen nur gegen die Räu- b e r b a n d e n in der Mandschurei gerichtet seien Er habe aber hin- zugefügt, es bestehe so wenig Unterschied den chinesi- schen Truppen und den Räuberbanden, daß die chine- fischen Truppen gut tun würden, sich freiwillig zurückzuziehen um einen Zusammenstoß zu vermeiden. * Im Gegensatz zu den eigentlichen Chinesen sind die Mandschurei- stamme, die vor 3V0 Jahren China unterworfen haben, heute noch ein kriegerisches Msngolenvolk. Es Ist kein Heldenstück der modern ausgerüsteten, ausgebildeten und geführten Japanertruppen, chine- Tisches Militär zu besiegen und in ausgelöste Flucht zu treiben. Wenn sich dann die mandschurischen Soldaten zur Verteidigung ihrer Hel- mat wieder sammeln und dem sie Bedrohenden in den Weg treten, bezeichnet der sie als„Räuberbanden* deren Land man, um es zu besitzen, besetzen oder„selbständig* machen müsse, im Interesse der Ordnung und Sicherheit. Zu Perpiguan ist ebenso, wie kürzlich in Toulouse, eine von der Internationalen Frauenllga für Frieden uich Freiheit veranstaltete Friedens- und Avrüstungskundgebung von Roys- l> st e n g« st ö r t worden. Di« Polizei verhaftete vier Anführer der Rovalisten. Da die Etörungeosrsuche trotzdem sortgesetzt wurden, erklärte der diensthabende Polizelkommlssar die Versammlung flkr aufgelöst und ordnete die Räumung des Saal«, an. Die Veran- staltsr der Kundgebung und em Teil des Publikums versammelten sich später in einem Privatsaal. Geldstrafen für Cypcrn. Die Städte und Gemeinden aus Cypern, die sich an den Unruhen beteiligt haben, werden mit Geldstrafen von insgesamt 24 000 Pfund Sterling belegt. Diese Strafen werden in Form von Steuern von allen orthodoxen Christen mit Ausnahme der Beamten und der Regierungsmitalieder eingezogen werden. Die Stadt Nikosia, als Hauptherd der Unruhen, hat 14 000 Pfund Sterling zu zahlen. Wann kann gekündigt werden? Die außerordentliche Kündigung von Mietverträgen. Zu den Vorschriften der Notverordnung über die M i e t s k ü n- d i g u n g sind vom Reichsjustizminister Durchführungsbe- st i m m u n g e n erlassen worden, die im Reichsanzelger verösfent- licht werden. Die wichtigsten Borschristeo sind folgende: Nach der Notverordnung ist die Kündigung ausge- schlössen, wenn der Vermieter auf Wunsch des Mieter« in den Mieträumen besondere ko st spielig« bauliche Arbet- ten vorgenommen hat. Hat der kündigende Mieter in dem Gebäude oder in den Räumen bauliche Veränderungen vorgenommen, so kann er zwar kündigen, er muß aber auf Verlangen des Vermieters den früheren Zustand wiederherstellen. Für solche Fäll« ist ein Wide r- rufsrccht für den Mieter vorgesehen: der Widerruf muß schrist- lich erfolgen und dem Vermieter bis zum 5. Januar 1932 zugehen. Besondere Vorschriften werden für Mietverträge ge- crossen, bei denen der Mierer Laukoskenznschiisis, Laudarlehcn. ZNielvorauszahlungen und dergleichen gegeben hat. Hier ist zu unterscheiden, ob dies« Leistungen nach dem Vertrag„ah gewohnt* oder ganz oder teilweise zurückgezahlt u..rden sollen. So- weit sie„abgewohnt" werden sollten, findet eine Rückgewähr nicht statt. Soweit sie zurückgezahlt werden sollten, sind sie, soweit nicht vertraglich feste Rückzahlungstermine vorgesehen waren, erst in dem Zeitpunkt zurückzuzahlen, zu dem das M i« t v e r- hältnis nach dem Vertrag« gekündigt werden könnte oder anderwett beendet werden würde. Kautionen, die zu hinterlegen waren, sind dem Mieter schon am 1. April 1932 zurück- zugeben. Auch hier werden manch« Mieter bei der Kündigung da- von ausgegangen sein, daß sie diese Beträge alsbald nach dem Ver- lassen der Mieträume zurückerhalten. Sowett die» nach dem Gc- sagten nicht der Fall ist, sollen sie befugt se>n, bis zum 5. Januar 1932 ihre Kündigung schriftlich zu widerrufen. Bekanntlich ist die Kündigung ausgeschlossen, wenn Bennieter und Mieter sich im Laufe des Jahres 1931 auf mindestens 20 Pro- zent Ermäßigung geeinigt habep oder noch einigen. Es genügt also nicht, haß der Vermieter jetzt«inseitig diese E r m ä ß i- gung von sich au» anbietet. Die Kiindigungsvorschriften gelten auch für Untermieter, Pächter und Unterpöchter, si« werden jedoch ausgeschlossen, wenn ein ganzes wirlschaftliches Unternehmen verpachtet und dabei auch der Gebrauch von Gebäuden oder Räumen überlassen ist, lind wenn sich hierbei die Ueberlassung des Unternehmens alz die Hauptleistung des Verpächters darstellt. Zur Behebung von Zweifeln sei daraus hingewiesen, daß das Kündigungsrecht dem Mieter nicht zusteht, wenn«r seit dem IS. Juli 1931 ohnedies die Möglichkeit gehabt hätte, zu kundigen. wie z. B., wenn der Vertrag vorsieht, daß am 1 Oktober zum 1. Dezember gekündigt werden kann, und er von diesem Kündi- gungsrecht keine» Gebrauch gemacht hat. Streng nationale Weihnachten. Wer Hilst den Arbeitslosen? Sind es die Gewerkschaften oder die Scharfmacher? Den Scharfmachern ist zur Hetze gegen die Eewerkschasten jedes Mittel recht. Auch vor der schmutzigsten Verleumdung schrecken sie nicht zyriick. Sie bemühen sich jetzt, die Arbeitslüsen gegen die Gewerkschaften aufzuputschen. Go schrieb vor kurzem die ..Deutsche Bergwerkszeitung", das Organ der Gruben- baron«. die Gewerkschaften hielten sich bei der Winterhilfe scheu im Hintergrund. Dabei seien doch gerade die Gewerkschaften am meisten berufen, zu helfen, und durch ihre großen finanziellen Mittel, die doch in erster Linie mit aus den Beiträgen der bedürf» tigsten Kreise des Volkes stammen, auch dazu gut in der Lage. An Mitteln könne es den Gewerkschaften nicht fehlen; denn überall, wo man hinschaue, hätten sie in den letzten Iahren große Vor- waltungsgebäude, Kassen- und ähnliche kostspielige Bauten aufge- fuhrt, die alle mit einem gut bezahlten Beamtenstab besetzt seien. Dieser Demagogie des Echarfmacherblattes könnte man die be- rschtigte Frage entgegenstellen: was hal das Unternehmertum für die Arbeitslosen getan? Viele Arbeiter sind doch nur arbeitslos geworden infolge der Un- fähigkeit und der skrupellosen Spekulation der„Wirtschaftsführer" vom Schlage der Lahusen und vieler anderer. Was tut der Zechen- verband, was tun die Vereinigten Stahlwerke für die Massen der von ihnen abgebauten Arbeiter? Ein Blick in das Jahrbuch des Allgemeinen Deut- fchen Gewerkschaftsbundes zeigt jedem, der sich über die unmittelbare Hilfe der Gewerkschaften für die Arbeitslosen unterrichten will, daß im Jahre l92g die dem ADGB. angeschlosse- nen Verbände 46.2 Millionen Mark als Arbeitslosenunter- stutzung gezahlt haben; im Jahre 1360 waren-- 77,4 Millionen Mark, und auch in diesem Jahre wird die Unterstützungssumme ebenfalls ein gewalliges Opfer der Solidarität der Gewerkschaften mit den Arbells- lasen darstellen. Dazu kommt die indirekte Hilfe der Gewerk- schaften für die Arbeitslosen. Wo wäre die Arbeitslosenunterstützung im weitesten Sinne des Wortes, d. h. die Urllerstützung der Versiche- rung, in der Krisenfürsorge und in der Wohlfahrt in diesen fürchter- lichen Zeiten hingekommen, wenn die Gewerkschaften nicht gewesen wären? Die Gewerkschaften waren es, die die Einführung der Arbeitslosenversicherung längst vor dem Kriege unermüdlich propagiert und die nötigen Vorarbeiten dazu geleistet haben. Sie sind mll der Einführung der gewerkschaftlichen Arbeitslosenunterstützung vorangegangen. Wie sah es vorher aus, als die Arbeitslosen von keiner Seite unterstützt wurden und schließlich die Armenunlerslühung in Anspruch nehmen mußten, wofür sie ihr Wahlrecht ver» loren. Wie stände es heute ohne die Arbellslosenunterftützung in Deutschland und wie stände es trotz der staatlichen Unterstützung ohne die Zuschußunterstützungen der Gewerkschaften. Wie steht es noch in den Ländern ohne jegliche Arbeitslosenunterstützung, wie in den Vereinigten Staaten? Die organisierten Arbeitslosen wissen die Leistungen ihrer Gewerkschaften sehr wohl zu schätzen. Die Unorganisierten srellich, die das Scharsmacherblatt gegen die Gewerkschaften auf- putschen will, haben von den Gewerkschaften nichts zu verlangen. Aber auch den Un organisierten hat das sozialreaktionäre Scharfmachertum, das hinter der„Deutschen Bergwerkszeitung" steht, durch seine ununterbrochene Hetze gegen die Sozialversicherung, im besonderen gegen die Arbeitslosenunterstützung, den Brotkorb höher gehängt. Und in diesen Kreisen hat man jetzt sein gutes Herz für die Arbellslofen entdeckt? Was dabei herauskommt, ist weller nichts M eben die Hetze gegen die Gewerkschaften, die den Herrschaften sehr unbequem sind. Die Scharfmacher haben für die Arbeitslosen keinen Pfennig übrig. Aber sie haben Geld in Hülle und Fülle übrig für die Nazis, für die Errichtung und Unterhallung von Nazikafernen und was sonst zu dem Betrieb gehört. Will die„Deutsch« Bergwerkszeitung" nicht einn»al berichten, was ihre Hintermänner zur Winterhilfe belgelragen haben. Dieses Blatt samt dem„Intercssentenhaufen", den es ver- tritt, ist am allerletzten befugt, den Gewerkschasten Vorhaltungen über mangelnde Unterstützung zu machen. Die G e w e r k s ch a f te n waren es, die den Gedanken der Solidarität in die Reihen der deutschen Arbeiterschaft eingebürgert und stets praktische Solidarität geübt haben. Sie können sich mll ihren Leistungen sehen lassen. Zur Noiverordnung. Entschließung der Christlichen. Eine Führertagung der christlichen Gewerkschaften befaßte sich unter anderem auch mll der vierten Notoerordnung und kam zu einer Entschließung, in der die„Beseitigung der ungerechten und unttagbaren Tributlasten, gute Regelung der internationalen Verschuldung, Abkehr vom überspannten Imperialismus und von der Unterbindung des notwendigen Güteraustausches" als Voraussetzung. für die Gesundung. Deutschlands gefordert wttd. Der Gefamtverbaud der Christlichen Gewerkschasten erhebt erneut seine Forderung auf beschleunigte Durchführung einer groß- zügigen Reichs- und Verwaltungsrejorm, insbesondere auch zur wellgehenden Senkung der llberspanntea Steuerlast, der Beseitigung des Doppsloerdienertuws und Abbau der hohen Pensionen.' Weiter fordert er entschiedene Maßnahmen zur Stärkung der ttaufkrasl durch schnelle Senkung aller überhöhten Preise, inpbeson- dere auch für Verkehrsmittel, Gas, Wasser, Elektrizllät, parlkälische Zusammensetzung der ösfenllichrechklichen Wirkschaslskammern unp Schaffung paritätischer Stellen zur Prüfung der Selbstkosten und Wirtschaftlichkeit der Unternehmen. Der Hauptoorstand stellt fest, daß die vierte Notverordnung der gesamten ArbcUcrschaft außerordentlich schwere Opfer auserlegt und keine gerechte Lastenverteilung gebracht hat, die besonders in dem Ausnahmerecht der Lohnsestsetzung für Berg- arbeite r und Arbeiter öffentlicher Betriebe aus- wirkt. Die neuerlichen unbilligen Härten sowie auch die weiteren VcrschlechterungenfcerSozialoersicherung müssen baldigst wieder beseitigt werben..." Die deutliche Entschließung stimmt tm wesentlichen mit der Auf- fassung der freien Gewerkschasten überein. Arbeitsgenossenschast Hamburg pleiie. Kommuninische Mißwirtschaft. ..Gesamlverband verliert 600 000 Mark"— so lautet die Uebcr- schiiist der Meldung in der gesttigen Ausgabe der„Roten Fahne", daß die Autobetriebsgenossenschaft Hamburg ihre Zahlungen ein- gestellt hat. Der Kommentar aber bebt geradezu von„ehrlich" ge- machter Enttüstung: „Der Gesanlloerband ist an diesem kapllaliftischen(!) Unter- nehmen mit 3M> 000 Mark• beteiligt, die so gut wie verloren sind. Die Mitglieder des Gefamiverbandes müssen gegen dir verbrecherische Spekulation(!) der Gewerkschaftsführer(!!), die die Arbeiter- groschen in kapitalistischen Unternehmen anlegen, schärfsten Protest erheben." Nachdem in der Meldung ausdrücklich von einer Genossen- s ch a f t die Rede ist, wird im Begleittext der„Roten Fahne" ein kapitalistisches Unternehmen daraus. Die Behauptung, der Gesawtverband habe sich an diesem kapitalistischen Unternehmen betelligt und durch die Spekulation der Gewerkschäst-führer (Worauf?), durch die verbrecherische Spekulation 300 000 M. »erloren, ist auch nicht richtig. Um es vorweg zu nehmen: Di«.Freude des Moskau-Blatts über diesen Berlnst ist vollkommen unbegründet. Der Gesamtoerband ist weder an diesem„kapitalistischen" Unternehmen beteiligt, noch hat er auch nur einen Pfennig bei seinem Zuscumnenbruch verloren. Der Gesamtverband hat der Autobettiebsgenossenschaft ein Dar- lehen gegeben, gegen hypothekarische Sicherheit. Das genossenschaft- liche Unternehmen ist daran gescheitert, daß es mehr und mehr unter kommunistischen Einfluß geriet und von Kommunisten geleltel wurde. Alle Versuche, die Autobetriebsgenossenschaft in eine Kl. m. b. H umzüwandein, scheiterten an dem Widerspruch der Kommunisten Die Kommunisten warfen den Geschäftsführer der «ienossenschaft hinaus und setzten eine komwuulslische Geschäsis- lck.lung ein. Ob diese Geschäftsleitung„verbrecherische Spe- k u l a t I o n e n" betrieben hat, wollen wir ohne genauere Kenntnis der Verhältnisse nicht behaupten. Die Tatsache genügt jedenfalls, daß das gettossellschaskllche Avteruehme» unter der„siegreicheu Führung" der APD. so weit kam. daß es jetzt sein- Zahlungen eiu- '-llen mußte. Während des Kankursoerfahreris werden chie Gewert« Miliing§PD.-Beiri€5i§verlraii€ii§3eule! MStlwod», 6, Tencar. 1?Vj Uhr, in den Sophiensälen Sophienstr. 17/18 Funktionär-Konferenz aller SPD- Betriebt-- und Ge werkt chaftsfanküonare 1. Oenos e Bndolf Hlirer'IIjsg: spricht O' er-..Die wirtsci'af'Irche, und politische Lade" 2 Oitkusion 3. Wali' der drei Vertie'er zum erweiterten Vorstand. Zutilu nur mit Parteibuch und Funktionilrkar e Dat Beiriebssekre'ariat schaftsführer" versuchen müssen, ob und was aus dem kom- munistischen Trümmerhausen noch etwa für die Arbellerschaft zu retten ist._" Weihnachisbeschemng bei„Hanomag". i.200 Arbeiter entlassen. Hannover. 24. Dezember.(Eigenbericht.) Am Mittwoch wurde bei der hiesigen Regierung über die Schließung dep Hanomag verhandelt. Das Ergebnis war, daß die gesamte Belegschaft entlassen wird. Die setzige Schließung sei, so erklärt die Direktion, notwendig, damit die Revisionszesellschast den Kettieb von Grund auf revidieren köiwo. Auch die Knapphält an flüssigen Mitteln mache die Schließung notwendig. Im ganzen ivexden 1200 Arbeiter durch diese Maßnahme bettossen. Den An- gestellten war bereits vorsorglich zum 1. Januar gekündigt worden. Die Direktion oerspricht, alles daran zu setzen, um das Werk am 18. Jäimar wieder in Gang zu bringen. Mll dem Schließen der Hanmnag wäre naliezu die ganze Clnbeoet Metallindustrie zun. Erliegen gebrculzt. Dort, um früher Zehntausende fleißiger Hände Arbeit und Brot fanden, schassen heute nur noch wenige Menschen. Noch im letzten Jahre beschästigt' die Lindener Metallindustrie ungefähr 8000 Personen, während es heute nur noch 1500 bss 1600 sind. Nie Werkssparkasse bei Borsig. Ein Sparerausschuß gebildet. Eike vom Bettiebsausschuß einberufene Versammlung der Gläubiger der Werkssparkasse der Firma A. Vorsig G. m. b. H. in Tegel befaßte sich nach einer cingchenden Schilderung der Verhüll- msse mll der Frage, was zu geschehen hat. Für die Finnenfellung gab Direktor K r a n e y Erklärungen über die Entwicklung der Sparkasse, die Höhe der Einlagen, über die von der Firma zur Sicherung der Sparer ergrissenen Maßnahmen und über die weiter beabsichtigten Schritte ab. In der darauf folgenden lebhaften und vielselligcn Aussprache kam übcreinstimmaitd der Wunsch der Sparer zum Ausdruck, sich in dem mchängig gemachten Vergleichsverfahren durch emen von den Sparern selbst gewählten engeren Sparerausschuß vertreten zu lassen. Dieser Sparerausschuß wurde alsbald auf Grund der auf der Versammlung gemachten Vorschläge gebildet und wird nun. zunächst provisorisch, die Interessen der Sparer der Firma und gegenüber den übrigen Gläubigern einheitlich wahrnehmen. Die Betriebs? rankenkasie der Firma wird durch das Vergleichs- verfahren überhaupt nicht berührt, da sie über ihr eigenes, von dem Firmeiwermägen völlig gettenntcs Vermögen verfügt und die vor- handenen Reserven die Höhe der gesetzlich vorgeschriebenen Rücklage woit übersteigen. Nie Arbeiisamtsangesiellien. Was sie über die We hnachtsboischasten denken. Man schreibt uns- Wenn das Fest„des Friedens und der Liebe" naht dann hört man Votschaften von Prominenten, die von besserer Zukiinst, vom Durchhalten bis in eine- glücklichere Zeit und dergleichen tünden.„Schwer ist du Zeit und groß die Not", so hört man'? sagen Wir Staunenden wissen jedoch, daß d-.e Not durchaus nicht das Schicksal aller deutschen Volksgenossen ist, auch nicht der- jenigen, die sich als Tröster berpsen fühlen. vi» Angestellt«« der Arbeitsämter gary MonBsr» spüren mit vielen Schicksalsgenossen die umnlltevaren Wirkungen solcher Weihnachtsbotschaften am eigenen Leibe,«ie sind es, diu als Prellbock dienen müssen, wenn die Verzweiflung der Er- werbslosen die Grenzen der Selbstbeherrschung nicht mehr achtet und sich in ganzer Wucht über die Angestellten der Arbeitsämter ergießt. Sie sind es auch, die als die Ausführenden der Votschaften einem armen Familienvater eröffnen müssen, daß seine Kriseirunterstätzung um drei bis vier Mark wöchenttich- geringer ist. Sie sind es auch, | die dann die oft ratlos verzweifelten Blicke und Anklagen er« tragen müssen, ohne auch nur ein Wort des Bedauerns äußern zu dürfen, denn„Begrüßen und Verabschieden der Erwerbslosen ist zeittaubend" und nach der Ansicht des Herrn Sparkommissars daher zu unterlassen. Dabei sind die Angestellten gezwungen, ihr« Arbeit i n einem Tempo zu erledigen, das ihnen nicht einmal di« Zell zur Bs- sorgung der elementarsten Leibesnotdürfte bleibt. Sie sind ge- zwungen, in Räumen unter Arbeitsverhältnisien tätig zu sein, d:e in keinem Vergleich zu den Arbeitsrämnen derjenigen stehen, die käs Erlasse und Dotschasten verfassen, zu deren Ausführung die Angc- stellttn dann berufen sind. Würden sich diejenigen Personen, die für die Gestaltung des ganzen sozialen Rechts sowohl der Erwerbslosen als auch der An- gestellten verantwortlich sind, einmal die Mühe machen, die Arbeits- Verhältnisse in ihrer ganzen Unzulänglichkeit an Ort und Stelle kennenzulernen, d � 1'!' 1931 noch um 1,65 Milliarden zugenommen, so daß um dies« Zeit der Gesamtbetrag der langfristigen Kredite, also Schuldverschreibungen, Hypotheken, Kommunaldarlehen usw., sich auf rund 60,3 Milliarden beliefen. Demgegenüber steht aber ein« scharfe Sen« kungs kurve bei den kurzfristigen Krediten gegen- über. Bei den Banken sind diese kreditc vom Januar bis Juni 1931 um rund 1 Milliarde und in der übrigen Wirtschaft um 900 Hüllionen zurückgegangen. Den scharfen Schrumpfungsprozeß zeigen diese Ziffern aber weder bei den Banken noch in der übri- gen Wirtschaft in seinem vollen Umfange an. da der größte Test der kurzfristiger, Auslandsgelder, wie bereits erwähnt, in den vom Koujunkluriustltui angegebenen Zahlen nicht enthalten ist. In der zweiten Hülste dieses Jahres hat sich die Schrumpkung des Kreditvolymens außerordentlich verschärst. Die zurückgezoge- nen Aus'ändsgelder sind nicht in ihrem vollen Umfange durch Kredite der Notenbank ersetzt worden. Zugleich wurden die Kapi- talmärkt« durch das Abschmelzen der Sparguthaben immer weniger aufnahmesähig. Hinzu kam der ständig« Druck. den die Illiquidität der Banken auf die Kreditoersorgung der Wirt- schast aussibte. Von der scharfen Kredstschrumpsung, die in der deuschen Wirtschaft Platz gegriffen hat, gibt vi« Feststellung des Instituts einen ungefähren Eindruck, daß im zweiten Halbjahr 1931 der Rückgang der Kreditverschuldung auf mehr als 1,25 Milliarden zu schätzen ist, ohne daß hierbrt die unmittelbaren Auolandskvevrte, die vor und während der Stillhaltung zurückgezahlt wurden, mit eingerechnet werden. O Berichtigung. In unserem Artikel„Viel Lärm um Staßfurter Chemische.— Was will das Bankhaus Arons?" vom 8 Oktober haben wir geschrieben:.cherr Landeshauptmann Dr. Caspari hat von einem „Raubzug gegen die öffentlich« Hand" anläßlich der Sanierung von Hugenbergs Landbank gesprochen; an diesem„Raubzug" war das Bankhaus Arons hervorragend beteiligt. Die Obligationen, ans Grund deren das Bankhaus die Ansprüche stellte, hat es erst er- warben, nachdem die Sanierung durch die öffentliche Hand bekannt gegeben war." Unseren Ausführungen lag eine Zeugenaussage Dr. Easparis im Preußischen Landbank-Untersuchuugsausschuß zu- gründe, deren Inhalt wir keineswegs als Tatsache unterstellen wollten. Es wird nun Wert auf die Feststellung im..Vorwärts" gelegt, daß das Bankhaus Gebrüder Arons erst nach der Bekannt- gäbe der Landbanksanierung sich um di« Landbanksragen gekümmert hat, zu dem Zweck die Rechte der Obligationäre zu vertreten und zu schützen, wobei von den Obligationären weder Kosten noch Beiträge erhoben wurden. Wir stellen gern fest, daß in diesem Zusammenhang von einem„Raubzug auf die öffentliche Hand" nicht gesprochen werden ka»n. Kieler Reichswerft vermindert ihre Verluste. Die Deutsch« Werke-Kiel A.-G., die zu dem reichseigenen Biag-Äonzern gehört. ist bei Abschluß des Geschäftes 193»— 1931 In der Lage, ihre schon im Vorjahr von»,48 auf 0,35 Millionen verminderten Verluste his auf 0,28 Millionen zu senken, Durch stärkere Aufträg« an Winter- reparaturen für die Reichsmärine gelang es, die von 4500 bis airf 3200 Mann abgebaute Belegschaft zum Ende des Geschäftsjahres wieder bis auf 4000 Köpfe zu erhöhen. Die Beschäftigung wurde überwiegend durch Aufträg« der Reichsmarine bestritten, während Neubauten für Handelsschiff« so gut wie gar nicht zu erhalten waren, und auch die Reparaturculströge weit hinter dem Stand des Vor- jrchres zuruckblizben. Eine Umsatzsteigerung hatte dagegen die Ab- teilung für Schiffshilfsmaschinen aufzuweisen und auch der Betrieb für Verbrennungsmotor« und Leichtmetalle verfügte über befriedigende Arbeitsmöglichkeit. Wochenprogramm des Berliner Rundfunks. Sonntag. 27. DcEcrabcr: 6.45: Funkgymaastik, 7; Aus Hamburc: Hafenkonzerl 8: Tür den Landwirt 8.55: Morgenfeier Anschließend: Glockengeläut des Berliner Doms. 10.05: Wettervorhersage Ii; Kinderstunde 11.30: Aus Leipzig: Bacb-Koazert. 12: Aus Königsberg: Mittagskonzert 14: Märchenstunde für Erwachsene. 11.30: Geno Ohüschlaeger liest eigene Kurzgeschichten. IS: Orgel vorträte, 15.30; Alice Steln-LandesmanQ liest eigene Skizzen. 16: Unterhaltungskonzert 18: Tagesglössen. 18.30: Klaviervorträge. 19; Sven Hedln spricht. 19.30; Arien und Lieder. 19.50« Sportnachrichten. 20: Bin bunter Abend. 22: Wetter-» Tages- und Sportnachrichten. Danach: Tanzmusik. Montag, 28. Dezember: 6.30: Funkgymnastik. Anschließend: Frflhkouzert 11.15: Mittagskonzert 12 30: Wettermeldungen für den Landwirt, 14: Schallplattenkonzert 15.20: liochkulfuren Alt-Amerikas. 15.40; Von der Filmidee bis zur Filmpromicrc. 16.05: Wilhelm Beuth. Zum ISO. Geburtstage. 16.30: Wiener Klavlcrnlusik, 16.30: Lieder 17.30; Jugendstunde. 17.50: Der Zlvfllsatlonsllterat, 18.15; Elisabeth Langgisser liest eigene Prosa. 18.35: Lhorgesäuge. 19: Stimme»um Tag. 19.10: Seelische Nothilfe, 19.35: Mitteilungen des Arbeitsamtes. 19.40: Uuterhaltungsmusik. 20; Aus Washington: Worüber man in Amerika spricht 20.45: Schicksalsgenossen*4. Hörspiel von Iwan Hoilbut 22: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach: Tanzmusik. Dienstag, 29. Dezember: 6.30; FunkgyrtiOasÜk. Anschließend: Frühkonzert. U.1.5: Mittagskoorert 12.30: Die Viertelstunde für den Landwirt 14: Aus Köln: Untcrhaltuagsmaslk.; 15.20; Klavier vorträte. 15.40:„Gute Vorsätze, aber... T* 16.05: Vagabunden in der Literatur 16.30: Bücherstunde. 17: ÜnferhaltungstHasfk- 17.40, Jugend- j stunde. 18: Staats- und Domchor. 18.40: technischer Rückblick auf das Jahr j I93L 19; Stimme zum Tag. 19.10: Unterhaltungsmusik. 20.35: fflferrview der, Woche. 21; Tages- und Sportnachrichten. 21.10; Konzert. 23.30: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Mlttwöch, SO. Dezember: 6.30: Funkgymnaslik. Anschließend: Frühkonzert 11.15: Mittagskonzert. 12.30: Wettermeldungen für den Landwirt 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Besuch einer Blaufuchsfarm. 15.40, Rundschau für Blumenfreunde. 16.05: Programm der Aktuellen Abteilung. 16.30t Jugendstunde. 16.50: Schrullen und Schnörkel 1931. 17.18: flinter den Kulissen der Dekorationen. 17.40: Populäres Orcbesterkönzert. 19; Stimme zum Tag. 19.30: Von der französischen Revolution bis Zum Wiener Kongreß. 20, Aus Köln; Konzert. 20.30; Tages- und Sportnachrichten. 20.40: Rainer Maria Rilke zum 5. TodeZtagd am 29. Dezember 1981. Danacn: Tanzmusik. Donnefstag, 31. Dezember: 6.30: Funkgymnastik. Anschließend: Frühkouzert 11.15; Mittagskonzert 14t Schallplattenkonzert 18.20« Frauenhilfe ist Frauenberuf. 15.40? Die Kunst des Vergessens. 16.08: Aus der Werdezeit eines Malers. 16.30; Unterhaltungsmusik. 18.30; Zeit und Ewigkeit 19: Berliner Silvester vor 50 Jahren. Funk- Reportage 20: Orcbesterkönzert. 20.55.« Klavierkonzert. 21.30: Ansprache dea Herrn Reichspräsidenten von Htndenburg. 22: Schöne Melodien des Jahres. Furtk-Potpourri 23.48: Ins neue Jahr. 23.59: Konzert 0.38: Tanz- und Unter- balfungsmusik. Freitag, 1. Januar: 8.55: Morgenfeier. Anschließend; Glockengeläut des Berliner DornS. 10.05: Wettervorhersage. II? Kinderstunde. 11.38: Aus Leipzig; Bafch-Konzert 12.10: Mittagskonzert 14:..Rideamus*'. 14.30, Mandolinenorchcster-Konzcrt 15�0; Georg Engel 16: Blasorchesier-Kontefi 18: Hoffnung and Geduld. 18.30; Bach-Könzert 18.58; Eduäfd Saenger liest eigene Gedichte. 19: Unterhaltungsmusik. 19.58: Sportnachrichten. 28: Sendespiel:„Tannhäuser" von Richard Wagner. Anschließend: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach; Tanzmusik. Sonnabend, 2. Janaar: 6.30; Funkgymnastik. Anschließend: Frühkonzert. 11.15: Mittagskonzert 12.30: Wettermeldungen für den Landwirt 14: Heitere Stunde. 15.20: Jugendstunde 15.40: Kaifuan. Afrikas Mekka. 16.85: Medizlnlsch-hygieniscbe Plauderei. 16.38; Ünterhalfungskonzert Als Einlage; Zehn Minuten Film. 18: Das deutsche Süldentenlied. 18.25, Mitteilungen des Arbeitsamtes. 18.30;, Populfire Lledftr. 19; Stimme zum Tag. 19.10: Peter Supf liest eigene Erzählungen. 19.40: Wovon mau sprich«. 20: Größer Tanzabend- 22: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Anschließend: Populäre Abendunterhaltung. Königswusterhausen So:inla2, 27. Dezember; Ab 6.45; Uebertbtgun? aus Berlia. U: Dlchterstonde. 14: Die Welt hintet Qitfern. 14.21; Modenies Lledschaflen. Iii ZK: Der Kampf ums«»liehe Brot. 19-30: Die ethische Bedeutung der deutschen Arbeilslosenvhrsicherun». An» schließend: Uebirtrstung aus Berlin. Monta?, 28. Dezembers 16: Pädagogischer Funk. I6.38; Aus Berlin: Nach mittagskonzert 17.38; Vom Wesen dfer Fugö. 18: Diö alten Meister und wir. 18.30; Spanisch für Anfänger. 18.58: Stande des Landwirts. 19.30: Luftschutz tut not. Deutschland- seoder: 20: Aus Washington: Worüber man fit Amerika spricht 20.15: Aus Leipzig: Orchesterkonzert 22.18: Weiter-, Tages- und Sportnech richte«. Anschließend: Ueberlragung aus Berlin. Dienstag, 29. Dezember: 16.30; Aus Lelpcig: NachmittasSkonzen- 17.30: QesprScha über Mnsflt. 18: Qewerbcrecht und Ohwarbefrtiheit. IS.3!); Dt» alten Meister und wir. 18.58: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19: Englisch für Poftgescbritlent 26. IS; Kaihollalsmus und Eigenlumsbegrlff. Oeutschlandsander: 19.36: Unterhaltungsmusik. 21 1 Tages- und Sportnachricbten. 21.16; Ans Düsseldorf: Lästiger Abend. Danach. Ans Hamburg: Konsert. Mittwoch. 30. Dezember: 16: Pidagoglscber Funk. 16.26: Aus Hamburg: Nachmjttagskoazcri. 17.36: Fraaenlerz6tt». Iß: Die Eroberung und Erschließung Sibiriens und die Mandschurei. 18.30: Der Staatsgedanke in der deutschen aeschlchte. 19: Der Oe- wcrbeaufsichtsbeamte. 19.36: Weltpolitische Stunde. Dratscblandsender: 19.30; Aus der Steatsoper Unter den Linden:..Dl« Geisha". Operette. Heuer Text von Marcellus Schiffer. 22.13: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Anecblie- 0end Üebertragung ans Berlin. Donnerstag, 31. Dezember: 16: Eilt Mann backt Bertlner Pfannkuchen. 16.36: Ans Hamburg; Silvester- gottesdienst ans der Nikolaikirche m Kiel. 18.30: Die Zelt 19: Deutschland« Sender: Üebertragung aus Berlin. 22: Ans der VolksbOhne: Kongert. 8.26: Üebertragung aus Berlin. Freitag, 1. Januar: Ab 8 85: Uebertraxung ans Berlin. wart. 15.30: Stunde des Landes. 18: längere im Kaukasus. Anschließend Üebertragung aus Berlin. Sonnabend, 2. Janaar: 16.36: An« Hamburg: NachmittagSkoneert. 17.36: Viertelstunde(ßr die Gesundheit. IS; Deutsch für Deutsche. 18.86t Alte deutsche Straßennamen. 18.68: Wetterbericht ISr die Landwirtschaft 19; Engl lach für Anfänger. 19.30: Stille Stunde. Anschließend Üebertragung ans Berlin.. 11: ReliglBse Bekenntniase der Gegen- Dichtersiucde. 18.80: Bei den Gottes- Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlin iStnfenhungen für diese Rnbrtf nur 6« das Iugandiekrelariat Leriin zember. bis einschließlich z. Zannax geschloffen. Ab 4. Januar befindet sich das Zugendsekretariat Lindeustr. 2, ootn 1 Treppe. yeuke, Freitag, 25. Dezember: Setßeafec Parlstr. 86. Rückblick Ausblick.— Britz: Bei Wwterfportmetter (Schnee oder Eis) Treffpnnlt zur Fahrt 8 Uhr Jahn, Ecke Rudower Straß:. Wenn es regnet 18 Uhr Heim.(®m für alle drei Feiertage.) Sonnabend, 26. Dezember: Weißense«: Helm P-rlsiraße. Sonnenweudfeier um 17 Uhr. Sonntag. 27. Dezember: Sportpalast: Genthiner Str. 17. Weihnachtsfeier. Beginn 18 Uhr.~ Ren» tölln Vit Treptower Gtr. 90—96. ZuMapp.— Pankow I und IU SSrsch. straße. Sonnenwende.— Sieglitz>: Sauptsir. IS. Weihnachtsfeier. Beginn 18 Uhr.— sttipenicker Viertel: Fahrt. Treffpunkt 7 Uhr Schlesifcher Bahnhof. Montag, 28. Dezember. 19>» Uhr: Moabit II: Sehrter Str. 18—19. 1991 in einer Stunde.— Moabit ille Bremer Str. 69—70. Bericht Don der Weihnachtsfahri.— Spartpaiast; Gen. thiner Sir. 17. Ein Jahr Weltwirtschaft.— Arnswalder Platz U: Rasten« burger Str. IS. stampffahr 1959.— F-Ilplatz I: Sonnenduroer Str. SO. Bunter Abend.— Aalkpiag U: Lonnenburüer Str. 20. Hoppla, wie wir leben!(mit Lichtbildern).— Humannplatz: Sptlsehallt Gleimstr. 33—85. Fahrienerlebnisfe. — Schönhauser Barswdt! Scnnenbutocr Sir. 20. Bunter Abend.— Andreas- platz Ut Brommpstr. 1. August Bibel(IT).— Hallisches ist: Horckfir. 11. Lusttaes Monatsende.— Lniienstadt: Waffertcrstr. 9. Ins neue Johr.— Ja. dannisihal: Rathaus. Rückblick und Ausblick.— Schöneweide II: Berliner Straße 31. Unsere WeihnachlsfahrL Vorträge, Vereine und Versammlungen G Reichsbanner„Saiwarz-Rol-Gold'. SefchllltSsteli»' Berlin S 14 Stbasttanftt 87- 38 Bot 2. Sa Farnen) einzuführen. Wir bitien alle Kameraden, etwaige Beitrags, bis Ende Dezember 1631 zu begleichen, da die jetzt im Umlauf befindlichen Marken eingezogen werden und nach dem 1. Januar 1932 nicht mehr gültig stnd. Anspruch an die Berstcherungseinrichtungen des Bundes Hai nur, wer sein« Beiträge p!i>(ich und laufend entrichtet.— Mit!,. Sonntag, 27. Dr. iember. Jungba. Weihnachtsfeier im Metallarbeiterverbandshaue, Elfässsr -traße 86 lgroßer Saal).— Eharlotteuburg. stamerade», die beresl stnd. dem iachrühtenzua beizutreten, Melden ihre Adresse umgehend ihrem Kameradschafts. aliinen und paistnen Kameraden nebst Familien—_______.....— W eingeladen— Wafferiportabteilung. gug stöpenick. Sonnabend. 26. Dezember. 16 llhr, Weihnachtsfeier im Bonishaus.— Lichtenberg(Ortsverein). Alikamerad Loeblein ist gestorben. Einäscherung Montag. 28, Dezember, 16 Uhr, strema, torium Gerichtstraße. Alle dienstfreien Kameraden nehmen in Zivil daran teil. Fahnen und Tambaurtorps zur Stelle. n Deutscher Arbeiter- Sängerbund, Gau Berlin. GeschSfisslelle: p. Schneider, Berlin Nv. SS. hufelandstr. 3t. Männerchag Friedrichshal». Am 3. Feiertag Mitwirkung bei der ____ Morgenspreche des Deutschen Arbeitersängerbundea, Gau Berlin, im Saalbau Friedrichshain. Nächste Uebungsstunde 80. Dezember. Der Deutsch« Freideakernerbanb Hill uns mit, daß kill die Meldung Sterdesälleu das Büro am Sonnabend, dem 28. Dezember, in dar gell S bin 1» Uhr g-Zffnet ist verein; zembir landstr. »ou sen PROGRAMM 'ör die Zeit vom 2s. bis 28. Dezember 1« O-T A P B K, PROGRAMM für die Zeit vom 25. bis 28. Dezember mmm P�t damer Straße 38 tl.f flan» DraafffAiiflrnr tnit AL>er» IlßrCna Esrgcreb, Gerda !?9aurusi W 5. 7 9 Uhr S. 3. 5. 7. S Uhr An beiden Feiertagen ab 3 Uhr Rheinstraße 14'M der Heb Kais-Eiche) mit Pttnl Reaerve hn< ilärbiecr, Cr. Kampera. Seufa MOneland. Ibuele Bn�llaeh W 5. 7. 9 Uhr S 3. S. 7. 9 Uhr An beiden Feiertagen ab 3 Uhr Odeon, Potsdamer Str. 75 BcaerTe hat Ruh mit Panl HArblgor. Fr. Kampers, Genta Müncland, Lude Ensliach W 6. 7 S Uhr S. 3. S. 7. 9 Uhr An beiden Feieriagcn ab 3 Uhr Turmstraße 12 Rcaervo bat Kuh mit Faul liurblger. Fr. Kamprra, Heina Hlinolund. Lucio EnaHuch W. 5. 7 9 Uhr.V 3. i. 7. 9 Uhr An beiden Feieriagcn ab 3 Uhr Alexanderstraße 39-40 (l'uasago) Lustspiel: Uebeskommando mit Dolly Hau«*, Gustav Fröhlich Für Jugendliche freigegeben! Den ganzen Tag gcöffnetl S. nb 3 Uhr An beiden FeicMagert ab 3 Uhr Welt-Kino Alt-Moabit 69 W. 6.45 u 6.05 ü, Sonntags ad 4.45 Beginn Feiertage 5.48 ühr a v. le eine Klrchenmaua m. 4!refe nosbelm. Fr. Griln- bonm— Tdn. Woelie Ikciprogramm Tön. U cnarlottgridmrg p Kant- Lichtspiele Kantstr 54(aj der WUmersdorfer Str.) Roserve hat Buh* mit P. Hflr- biercr, F. Kampcrs. S. Söuo- land, Lr. Englisch, II. Flacher- Köppe, A. Faulig W. 5. 7, 9 Uhr S. 3, 5. 7,« Ubr An beiden Feierlagen ab 3 Ubr Germania-Palast Charlotlenburg, Wilmersdorfer Str 53154 Robb}- geh« loa m. Harry Fiel W. 5, 7, 9 Ubr Slg. 3, 5,?, 9 Ubr Aö beiden Feierlagen ab 3 Uhr CHZ e st• n Primas-Palast Potedamer Str. 19 Ecke Mnrgareienstr. Viktoria und Ihr lluaar mit Friedet Schuster, Qretl Thei- raer, Klee Fiater. 91 Höhnen, Ivan Fetrovich, Brnat Verebce , W 5.15, 7.15, 9 15 Uhr Sonntag 3.15, 6.15, 7.15, 9.15 Uhr An beiden Feierlagen ab 3 Uhr g__frledrlthttBat, p Die Kamera Ä»" rägllch 3. 5. 7. s Uhr U unter ruteeht Ins Pllmland nm Rüster Ueaton— Aben- 4cucr mit C.( hapliu— Fox tonende Wochenschau Sek lüter- Tk eater ofeil? 9 Schlülerslr. 17. Feiertags 3 Uhr Jugendvorstellung Der 8chlcniibl mit Ciirt Rcl«. jr Susanne macht Ordnun? mit Syühe Szakall, T. t. Aalten. Ehrlich.— Jugendl. hüben Zutrilt Wilmersdorf 3 Atrium Beba-Palast Kaiscrallec. Feke Berliner Straße Wochcnt. 7. 914 U. Feierl. 5, 7. 9»4 ü. Uraufführung! Mein Leopold mit 39. Adalbert. O. Fröhlich. Kl. Tliimi?. Eucie Ensrlifiche Ida nösi, P. Henkel«— Tonbciprogr. Jgdl. Zutritt c Seitöneberg Titan ia Schöneberg sjjl'fi; Hauplstr. 49. Slg, d. Feiert, ah 3 Uhr Der Draurffünger mit Raas Albers Herda Tlaarus.— Ton- helprogramm Franziskaner Tt%rk,n»0orm. Georgenstraße(Ecke Fricdrichätrafle) Eine Jugftndlreie Welhnachts fest woche 9, IS* 3 ß und 9 Uhr beginnend: A Ihambra st." 1' V, l«ukr Hauptstr 30 Afrika-Tonfilm: Tradcr Horn — Beiprogramm.— Tonnoche. Bühne: Frilz Lachmunn, Humorist, 3 Poleis, Liliputgirls 2. Feierlag, 23.30 Uhr: Große hfaclit-äVohltätij�keits- vorstellung deutscher Artisten auf der Bühne. 16 Attraktionen. 50 Mitwirkende ■«tegllta S 9, 12, 3 6 und 9 Uhr beginnend: I Tonfilm Erltflnlg m» O. Gebühr T-,• Dt. W a an ort 10.30. 1 30, 4 80, 713 und 10.30 Uhr: I itama-ralast st« 4 6 30 91 Lieheskemmsade. m'l Roflr''.v* Haas, Gast. Fröhlich____ Poinlner. Tlbor v. ilnlmav fJeuestc Knien- End VToohon- achan n.iiw 1-------- w.«u,6u. /tlJe J J' Sl««lltk. Schloflstf 5. Ecke Gut�muthsktr tlrauttOhnlii«: Kadetten(Hinter den roten Hauern ron Llcbterfelde) mit Albert Bassermann Moattit W ah 6 30 U. Sonnt, ab 5 Ü. Artushof Fcrirtiergcr Str. 29. Das grroOe Weihnachts- prosramm Friedenau Kronen Lichtspiele Rheinitr. 85. Sitz- U. Feie«. 3 Uhr Trader Horn, ein deutscher Ton- u. Sprechlilm— Bclprocranun g tehlendorf-Mltte Q To/; Beginn«gl. 5, 7, 9 Uhr Zieil stg, 3 Uhr ingendTorstell Potsdamer Stf. 50 Beg. Sonnt, n. Feiert. 4.30 ühr Der Herr R Uro Torsteher iKonto K) mit Pell* Brossatr« �__MSÜ22SSlL— P /• ßtarlcndoffer W. 8H.9U. Ifia-Ll Tonllchtsplele So. ab 5 U. Chanssees ir JU5 Feierl. ob 5 Uhr 3 ühr; Jugendrorst 55. bis 27.; Bobby«eh* los rall Barry Fiel Kurfürst W. 7. 9 Uhr Stg.«.Feiert 5, 7. 9 ü. 3U.Jgdvorsl. DorfstraÜc 22. Ecke Bertlier Straßä 25. bis 27. Dezember: Reserve hat Rull mit Lncie Englisch, liarapcm, A. Paulig. — Tonbelprofrramm Tivoli Slg. U. Feierl. 5, 7, 9 Uhr Stgs i Uhr; Jugendrorslell Berliner Siralle 87 Der DranfgSnmer mit Ilaas Albers— Tonfilmbef progr. fl Haukttiln Q Mercedes-Palast Hermannstr. 212. Woch. 6Vs, 9, Slg.»b3 Beginn FcierUgs J Uhr! Unser Weihnacbtsprogramm: Bobby «ehe los mit Harry Fiel.— Reiprogramm.— Gr. BQhnen- sehau.— I. Feierlag 2 Uhr millags: F Godsrln Konzort- Batinee Primus-Palast An» Hermannplatz, üi+onstr 72/74 Der Schlcmihl mit Cnrt floifl. Böhne: Kapelle Otto Kermbach Jugdl Zutritt-- Feierlaga Ab 3 Uhr Knhith Wochcnt. 8.45. 9 ühr iittRUR stg. 3. 5. 7. 9 Uhr Kottbusser Damin 92 Beginn Sonn- u. Feiertags ab 3 Uhr Reserve hol Roh* mit Prlt« Kampers, Paul Hörblcor Excelsior fgTW» ÜK Kalser-Friedrlch-SlraBe 191 Beginn Sonn- tt. Pelerlags ab 3 Ühr Bmtl und die Detektive Jugendliche haben Zutritt Film-Palast Kammersäle TellowerStr.l W. ab5H,So.ab3%ü. lOOproz- Tonfilm! Luise(Königin von Preußen) mit Benny Porten. — Gates Belprosramia SUden Theater am Moritzplatz Wo. 5 Uhr Stg. u. Feiert, ab 4.30 O. Der Konfreß tauet mit Llllan Rarrey, Willy Fritseh, LH Darover, Conrad Veldt. Jugendliche haben Zutritt Nordosten " Premlauer „Llysium Alle« 56 W 5 15. i. 9.15. Srt. S.la. 4. 7.15, 9.15 Fovtonwoche Der Draufgänger mit Raus Albers.— Bühne; Prof. Pollos singing flve.—» 2. Feierlag, ff bis Z Uhr vormittags, gr. Film-BOhnen Matinee: Kapelle Otto Kermbach.— Der Drantgünger mit Bau» Albers Südosten Filmeck Am Girliteer Bahnhof W ab 6Mi.. Stgs. ab 8 Der heiter« Tonfilm Bmll und die Detektive 15 niuuten Variete Jugendliche haben Zutritt! Luisen-Theater RefchenbCrgef Str. 34. W. ab 8 80 Stgs. ah 2 Felix Dressari in seinem Tonfilm Der Borr BQrovorsteher Ferner Ufa Tonfilm Da» verlorene Paradies Jugendl ich« haben Zutritt Stella-Palast ZW; 7.'? S: Köpenicker Straße 12—14 Lustiger Tonfilm: Reserve hat Buh' mit Fr Kompers, P. BSrblger Bfihnengaslspiel: Jansen Jakob» Ballett Revue I. Feiertag, nachmillag« 2 Uhr: Dolo» Btla Kourerf Deatsch-Amerik. Theater KÖpcnickcr Str. 68.' W. fi Uhr. Sonnt, o. Fcicrl. 3 Uhr Der Schlemihl mit Cnrt Bois Der Herr BUroversteher mit Felix Bress�rt Jugendliche htben Zutritt Stern, Hermannstraße 49 Sonnt. 3. 5. 7, 9 U. Weehtg. 6 44. 9 U. Begiön Sonn- n. Feiertags ab 3 Uhr Emil und die Detektive Jugendliche haben Zutritt Lichtspiele Südwest*1£1 Blüchers tr 12. An all 2 Fsleriatz.: 8 Uhr jgck vorsi. Dienst l*f Dienst»fiil Ralnh A. Roderts, Frlfat Sehuix, Lncie Bngllkeh— Tenweebe<- Bei- Programm Neue Philharmonie Köpenicker Str. 98 Der tflnende WalEcrtranm (Oer lächelnde Leutnant) Beiprogramm Lichtspielhaus gm6.T;I.L4 Baumjehulenslr. 78. Sonntage u. Feiertags ah 4 Uhr Reserve bat Ruh mit Frltg Kamper», Faul Bdrbiger— Tonbelpr.— Tonwoehenschan Flora-Lichtspiele FciCrtapz ab 3 Uhr Der Dranfgansrer mit Han® Alber»— Tonfilrakabarett mit Siegfried Arne u a. ■ O«««"■ Germania-Palast Frsnkfurter Alice 314 Jugendliche haben Zutritt Wochentags 6.30, Feiertags ab 3 Uhr Das große Weihnachtsprogramm: Der Herr Bürovomteher (nach dem Bühnenwerk Konto X) mit Felix BrcsSort Auf der Böhne: laflitriiktlon*Htiind6 mit Leo Tlorffcnstcra Lana-Palast i auL- Cr. Frankfurter Str. 121. An beiden Feiertagen ab 3 Uhr Der Herr BN res erste her (Konlo X) mil Felln Bressart.— Bttbnensehan Bühne; Daramhofer Tiroler Alpen- spiele. Schwarzer Adler Frenkf. Allee 99 W 5. 7. 9 Uhr. S. 3. 5. 7. 9 Uhr An beiden Feiertagen Beginn 3 Uhr Der Kongreß tanzt m'l Llllan Barvcy. 3VII11 Fritseh— Gr. Bühneuschan: Daulicrs Humorist. Tierschau Jugendl. haben Zutritt 3. Feiertag, vorm. 11 Uhr: Amerika Kosmos-Lichtspiele WK Lückstr. 70 1.» 2. u. 8. Feiertag. 3. 5, 7, 8 Uhr &. bis 30. Der.: Der Kongreß tanzf mit Llllan Barver»Villi Fritseh— Belpr.— BOhnen- schau— Jugendliche haben Zutritt 1 weioema«> Harmonie S.tr l u.0* LanghansStr. 28 25. bis 80. Der.: Lyo Nora in ihrem ersten Toniilm: Jeder fragt nach Erika mil R. A. Roberts, B.Ve- rebes, Greil Tbeimer— Beiprogramm Kino Bäsch S&'KiÄ*" All-Friedrichsfelde 3 25. bis 27. Der., Beginn 5 Uhr; Der kleine Heltensprung mit Hermann Thimlg. Renate BßNer — l'fa Tonkabarett Jfp. S w Hordan» Alhambra g&'SSSU38- W 5. 7. 6 Uhr. S, S. 5. 7. 9 Uhr Bobby geht los mit Barry Fiel. An beiden Feiertagen ab 3 Uhr Viktoria- Theater Frankfurier Alice 48 Wocheitt ab 5 Uhr. Sonnt, ab 8 Uhr Reserve hat Ruh', Lustiger Tonfilm mil Frlt» Kampers, Paul HSrbiger Treptow-Sternwarte i. U. 2. Feiertag 4, Wunderland V 1, u. 3. Feiertag 4, 8, 8 Uhr: Ran ' FjS'eri i»q.■ mit- Film und norwegischar Musik S-�eria»'4. 6, 8 clErt erwogen VV Vortrag von Dr. Adrian Mohr Frankenbarg uähno Cr. Frankfurter Str 74 W. 6, 7, 9 Uhr, Sonnt, ab 3 ühr Ich geh' aus and du bleibst da mit Cam. Bern B. Brause Wetter. Theodor Loos n. a. Bühne: Gr. Preis der Franken borg. Es starten: TiaU, Bauer, Huschkc, Gebr. Wolke, Grönlng, Lehmenn, Wittel, Krüger u. Carpus füglich 6 Fahrer am Start. g»wntrwm B Babylon, am Bülowplatz W. 5 ühr, SlgL u. Feiertags S Uhr Der Draufg&nger mit Hans Albers Bahnensebau 7. Feierlag, 3 ühr: Gastspiel der Kapelle Dajo» BOIA 8. Falerla*. 2 30 Uhr: Kinder vorstellnng Pharas-Lichtspiele Müllerslf 142 Tigllcb 5. 7 9 O. An allen drei Fsierlagen Beg. 3 Uhr Hchön ist die flanaverrelt mit F. Beidemal,». Greil Thelmcr — Tön. Belpr.— Woehenschaa W Pankow|| Palast-Theater lVX l lt. Breite Sir 21a Der Draufgänger mit Hans Albers, Hartha Rggcrl Gerda Haurus, Genta Höneland u. a. Wochenl. 7, 9 0. Sonnt. 5. 7. 9 U. Berliner S trolle 27. Jugendliche haben Zutritt Herzen In Flammen mil Har- lene Dietrich— I Feieriaa: Bühne: Härchcnjugcndvorstcll. ■ Tegal» Filmpalast Tegel awSST Wochenl. 8. Sonnt. 4.15 U. Sonnt, und Fe'erlag* Beginn 4.15 Uhr Der Draufgänger mil Bona Albers— Tonwaehe Tivoli Film Wo 6. 8.30 Uhr liosmos Bühne So 4.15 8.50. 8 45 HanpUtr 6 23. bis 37. 06».: 4.15. 8.30. 8.45 ühr F.mll und die Detektive— Tonnoehe— EOhn«; Trompeter- karpa Hubertus > HennlggdoiT- Filmpalast s�Uh.&'T Bcrdner Sir. so. Sonntags u. Feiertag, Beg 4.1? Uhr Reserve hat Rah; mit Frita Kampers, Paol Uörbigcr 3tr.«OS• 4S. MrgM« � 0 Sreitos, 25. OejonNr 1931 «ma! SSüfing:'UnfeT 3ti einem kleinen Gebirgsüorf blieben sie liegen. Sie konnten einfach nicht weiter. Die Wagen steckten im Dreck und die paar langen Bretter, die eine primitive Sitzeinrichtung vorstellten, waren derart oft verregnet, daß sie bereits faulig rochen. So nahm ihre Saison ein Ende. Sie waren nämlich Artisten. Aber keine von denen, die im Flugzeug von Engagement zu Engagement reisen, die mit vielen Koffern die Garderobenräume und mit blendend schönen Requisiten die Bühne füllen. Sie waren noch die fahreichen Leute von ehedem, die letzten Romantiker ihres Standes. Doch die blaue Blume der Romantik gedieh nicht in ihren mitgeschleppten Blumentöpfen. In denen gedieh Suppenkraut, da- mit die Hausfrau mal eine allzu magere Brühe würzen konnte. Kein Zeitungsreporter guckte früh morgens oder spät abends in ihre Wohnwagenfenster ängstlich besorgt um eine Unterredung und eilfertig, damit ihm die Konkurrenz nicht zuvorkomm«. In ihre Fenster lugte die Sorge. Aber Frau Sorge nistet sich wohl sest «in, jedoch macht sie nie viel Aufhebens von ihren Gastgebern. Im Verein mit ihr zogen sie durch die Lande, der Vater als Turmseilläufer, die Kinder machten eine kleine Luftnummer, arbeiteten als Paterreakrobaten und spielten auch noch die Spaß- machen Die Mutter war früh verbraucht, man konnte sie als Artistin nicht mehr herausstellen. Sie saß an der Kasse, sie ging mit dem Sammelteller, sie stellte die Requisiten. Zwei Pferde hatten sie, elende, abgeklepperte Gäule, die den Wohnwagen und den daranhängenden Gerätewagen mühsam von Ort zu Ort schleiften. Kein buntes Plakat verkündete das Kommen der Zirkusgefellsochft. Die kleine Karawane schleppte sich über die Landstraße, sah in der Ferne eine Kirchturmspitz«, dann das erste Haus des Dorfes und war hernach auf einmal da und lief von Instanz zu Instanz und bat um Spielerlaubnis. Wurde sie erteilt und hatte man das Geld für die Platzmiete beisammen, ergaben die langen Bretter den Sperrsitz, ein paar aneinander geknotete Wäscheleinen uinzäumten Bühne und Arena und hoch am Turm- seil brachte man zwei blakende Laternen an, als Nachahmung aller- modernster Lichtreklame. Punkt 8 Uhr begann die Borstellung. Die Leute krochen aus den kleinen Häusern der kleinen Dörfer. Mit der rührenden Dankbarkest einfacher Menschen freuten sie sich über die Abwechselung. Weit gereiste Leute kamen zu ihnen, das war ein Erlebnis. Menschen der Landstraße lebten plötzlich unter ihnen, den Erdgebundenen, das war absonderlich. Und auf dem Seil ging jemand, den sie nicht einmal dem Namen nach kannten, über ihren Köpfen hinweg, das war ein Wunder. Der in die Einsamkeit Eingesperrte aber staunt gern. Die Bauern und die Bauernfrauen warfen den Kopf in den Nacken. Wenn sie auch aus Sparsamkeitsgründen und„weil man den Seilläufer doch überall sah' keinen Sperrsitz genommen hatten, so griffen sie trotzdem in die Tasche, wenn der Sammelleller die Runde machte. Die fahrenden Leute stellten keinerlei Ansprüche ans Leben. Es erschien ihnen lebenswert und inhaltsreich, falls sie arbeiten und essen durften und in kleinen Orten das passende Stopfgarn für die zerrissenen Trikots bekamen. Dennoch hatten sie es diesen Sommer schwer gehabt, sehr schwer. Die Arbeitslosigkeit hatte sich schon ins Land hineingefressen. Nicht nur die Städte waren Riesenbehälter der Verzweiflung, auch auf dem Lande gab es Fäuste, die arbeiten wollten und für die man nichts zum Zupacken fand. Holzfäller lungerten dem Sonnner den Tag ab. Maschinen liefen über die Riesenanbauslächen der Güter und Arbeiter sahen ihre unbarmherzigen Konkurrenten mit erstaunten Augen an und ballten die Hand zur Faust— in der Tasche. Biete junge Leute, die einst abgewandert waren in die Industriestädte, kehrten heim ins Dorf, verärgert, müde, aufgerieben. Die Artisten hatten zahlreiche Zuschauer, sie konnten über mangelndes Interesse der Zaungäste wirtlich nicht klagen. Doch wenn der Eammelteller sich ihnen nahte, flohen sie erschreckt und beschämt. Sie hätten gerne gegeben, sie wollten sich nicht drücken. doch hätte man sie auf den Kopf gestellt, es wäre kein Pfennig aus ihrer Tasche gefallen. So schloß die Vorstellung mtt einer Demütigung für die Armen. Nun lagen die fahrenden Leute in diesem kleinen Gebirgsdors, sie hatten kern Geld und keine Arbett. Eigenllich hätten sie selbst ui�ter Dach und Fach gemußt und ein bescheidenes Zimmer mieten müssen, denn der Wohnwagen ist viel zu kall für den Aufenthalt im Winter. Källe und Nässe haben unweigerlich Rheumattsmus im Gefolge und der ist der Todfeind des Artisten. Aber es reichte nicht für ein Zimmer und sie blieben im Wohn- wagen und trugen an besonders kalten Tagen noch ihre abgeschabten Schlafdecken in den erbärmlich zugigen Stall, und deckten ihre Pferde zu, damit die Tiere nicht gar zu sehr unter der Kälte litten. Die Pferde waren ihr einziges Vermögen. Sie machten klein« Fuhren. Zogen für einen Satllermeister aufgearbeitet« Matratzen über Land und nach einem alleinliegenden Bauernhof mußten sie einmal nicht nur eine Chaiselongue, sondern auch noch einen Kasten mit Christbaumschmuck und ein Schaukelpferd bringen. Es war Adventszeit. Der Bauer erwartete zum Fest seine verheiratete Tochter und sein Enkelkind sollte er zum erstenmal sehen. Daher war er weich gestimmt. Die erbärmlichen Pferde kamen in den Stall und bekamen richtigen Hafer zu fressen. Sie waren schon fest langem nur noch an Kartofselschalen und Häcksel gewöhnt, sie konnten gar nicht so schnell kauen, wie sie gerne wollten und sie feierten daher nicht nur mit richttgem Hafer, sondern auch mit Kinnbackenweh und Bauchschmerzen ihr Weihnachten. Di« so unliebsam seßhaft gewordenen fahrenden Leute schlugen im kleinen Gebirgsdors sich durch. Der mitleidige Krämer überließ ihnen die Lake der Salzheringe und sie stippten ihre Pellkartoffeln hinein. Die Landstraßen waren noch Lehm, als die fahrenden Leute bereits wieder auf die Wanderschaft gingen. Sie mußten fort, es ging nicht anders. Die Pferde schlangen eine erbettelte Portton 5)eu hinein und dann gings los. Man kam nur mühsam vorwärts. Es graupelle, als man im Walde Halt machte. Hier mußte man die Nacht verbringen. Die Pferde schnappten nach dem Grün der Tannen. Die Tiere waren so hungrig und derart der pferdebekömmlichen Nahrung entwöhnt, daß sie das stachelnde Grün nicht fürchteten. Gegen Morgen kam Unruhe in den Wald und Menschen und Tieren wurde unheimlich ums Herz, ohne daß sie wußten, was war. Es kamen Wölfe. Ein mächttges Rudel. Irgendwoher ver- sprengt, hungrig, gierig, angriffbereit auf Beute. Die Pferde wurden angespannt, sie liefen ums Leben. Sie jagten durch dunkle Wege, überschattet vom Wald, und die Wölfe folgten. Der Mann schlug mtt der Peitsche, legte seine ganz« Kraft in diesen Schlag. Ein Wolf kam unter den Wagen, das Rad holperte über ihn weg, ein Wutschrei, ein paar schnappende Rachen, ein Abgleiten gieriger Zähne an Haaren, ein zermalmendes Zupacken. Die Wölfe fraßen ihren Iagdkameraden und balgten sich um den Zerrissenen. Weiter, weiter flohen Menschen und Tiere. Im fahlen Zwielicht tauchten die Umrisse eines Dorfes auf. Schließlich polterte der Wagen ins Dorf, doch ein Pferd brach zusammen, sterbend. Verletzt von Wolfszähnen, verlassen von seinen, letzten Restchen Kraft. Am Abend war Vorstellung. Federnd schritt der Vater über das hohe Turmseil. Das darunter gespannte Netz war morsch. wenn er fiel, würde er fs durchschlagen, das wußte«r. Doch kümmerte er sich nicht darum, das Netz wurde nur gespannt, um den polizeilichen Vorschriften Genüge zu tun. Die Jungens turnten. Beifall erscholl. Frischer Mut straffte ihre Glieder. Die Bauern wußten von dem Unglück, sie gaben reichlich. Etliche zahlten in Naturalien und hatten Lebensmittel mitgebracht. Die Mutter konnte ein richtiges Essen kochen. Als man sich nach der Vorstellung spät in der Nacht zu Tisch setzte und die warmen Essensdüfte die Hungrigen umwoben, stützte der Bater den Kopf in die gefalleten Hände und sagte:„Unser Pferd.' Das war der Nachruf und Dank ans verendete Tier und Wehmutsfchrei. Und die anderen sagten:„Unser Pferd' und Tränen liefen in die Ehnäpfe und obwohl die Körper gebieterisch ihr Recht verlangten und die Hungrigen dos Essen hineinschlangen, hatten sie doch das Gefühl, als bliebe es ihnen in der Kehle stecken. O.&. Stelnrich: 9ch ichreihe keine WeihnadhisgeSchichie Man hat mich ausgefordert, eine Weihnachtsgeschichte zu schreiben. Beneidet mich nicht, geistvollere Kollegen, es ist ein Zufall, kann nur ein Zufall sein; denn der Verleger hat vielleicht bei der Durchsicht des Autorenverzeichnisses versehentlich ein.. zwei Namen hinter Heine gepunktet, und da kam ich. Denken Sie, wenn er nun an Hein« geschrieben hätte! Spaß?! So nur erkläre ich es. Und sehen Sie, ich habe gar kein« Lust, eine Geschichte zu schreiben. So leid es mir tut, ich mag nicht nachdenken. Alle Leute denken um die Weihnachtszeit nach, zum Teufel, da muh es doch unsereinem erlaubt sein, eben einmal nicht nachzudenken, Pause zu machen, die Bein« übereinanderzuschlagen, zu gähnen, ja, herrlich: zu gähnen. Ohne daß es jemand sieht. Wollüstiger Gedanke. Wer nicht schreibt, bekommt natürlich kein Honorar. Geschrieben nmß werden: Was— ist eine andere Sache. Zu Weihnachten baden die Leute in einer warmen Zufriedenheitslauge, da sind sie nicht so kritisch wie an anderen Tagen des Jahres.... Nur so kann ich«s mir erklären, daß in den Anzeigern für Stadt und Sani) immer noch Ella dem Ernst in die Arm« fällt, während draußen die Glocken läuten. Solche Schriftsteller hoben es viel einfacher. Sie dichteten vor Iahren eine Originalnovelle mit Verlobungsszene und Glocken- geläut. Jedes Jahr ändern sie das Manuskript der Zeit ent- sprechend um. Im Kriege kam Ernst natürlich als Feldgrauer auf Urlaub und Ella, als Krankenschwester, begleitete ihn dann an die Front. Später, in der Inflationszeit, schickte ein soeben ver- storbener Verwandter aus Amerika ein letztes angenehmes Bot- schaftchen, das am Weihnachtsabend 10,55 Uhr eintraf und die sechs Wochen später stattfindende Hochzeit Ellas mit Ernst rechtfertigte. So geht das jedes Jahr. Mal läuten die Glocken während, mal läuten sie nach der Verlobung. Manchmal ist Ernst reich und Ella arm, dann wohnt wieder Ella im Stammschlosse ihrer Väter und Ernst hat sich heraufgearbettet. Ich frag« Sie in aller Oeffeittlichkeit, Herr Verleger, muten Sie mir tatjächiuh zu. so etwas zu schreiben! Oder gar: Anders- jtxmt... So«tt die plötzlich am«fchimch». abend aufhört oder wenigstens Aussicht aus ein rasches Ende be- kommt. Courths-Mahler in der Gosse! Warum— so frage ich alle guten Geister, sofern sie in den mageren Körpern meiner Kollegen wohnen— warum ereignet sich das alles am Weihnachts- tag? Hä? Weshalb nicht am St. Jacobi, am 8. Sonntag nach Pfingsten, drei Tage vor Peter und Paul oder am Martinstage! Also es bleibt dabei, ich schreibe sowas nicht. Nein! Punkt! Und jetzt zur Honororfrag«. Eine wunde Stelle, gewiß, aber Sie, verehrter Herr Verleger, werden doch gewiß nicht zögern. einem Skribenten, der das ganze Jahr hindurch treu und brav linde Lüfte in Verse bannte, des Sommers Sonnenschein in Lokal- spitzen pries, goldenes Herbstlaub unter Dach und Fach brachte und dicke Novembernebel beschrieb, der jetzt erst, ein einziges Mal im Jahre, sich weigert zu schreiben... Sie werden doch diesem Menschen nicht das wohlverdiente Weihnachtshonorar sperren! Das wäre unsozial, denn meine wertvoll« Arbeit besteht diesmal darin, daß ich nicht schreibe. Teilen Sie es Ihren Lesern mit: sie möchten im Lexikon nach- schlagen: Weihnachten ist das Fest der Liebe, da beleidigt man nicht literarisch empfindsame Menschen. Und das sind doch Ihre Leser samt und sonders! Oder etwa nicht?-- Na also! Sollten Sie mir wider Erwarten kein Honorar schicken, weil Sie meinen, Ich sei faul oder produktionsunfähig, und solche Leute dürfe man nicht obendrein noch unterstützen, so vernichten Sie einen letzten Rest Glaubens an die Menschen, die bekanntlich guten Willens sein sollen. Die Folge davon wäre, daß mein treuer„Grimm', ein nicht ganz echter deutscher Schäferhund, auf seine Weihnachtswurst ver- zichten muß. So, jetzt sagen Sie wieder— ich höre Ihre liebens- würdig« Stimme—, man gibt Hunden keine Weihnachtsgeschenke, da sind noch treue Freunde und Bekannte, denen man... Gewiß, tat ich auch... aber an Wechnachten schenke ich nur noch meinem Hunde etwas. Wenn Sie mir höhere Honorare zahlen würden, bekämen arm« Teufel ein paar Groschen. So erhält„Grimm' eine Wurst: er steht mir am nächsten. Früher habe ich mein« Wirttn beschenkt, aber sie knapste mir das ganze Jahr jede» rot« Heller ab, brummt all« Tage, daß eigentlich die mtt einer Salami oder einem Dutzend Apfelsinen um den Hals fallen? 1 Meine Verwandten besuchen mich höchst fetten und dann mäkeln sie nur über meine verwahrloste Garderobe. Soll ich denen etwas schenken? Oder dem Freunde Karl, der einen Roman verlegte, Geld bekam und bei dem meine kleine Vera jetzt wohnt? Sehen Sie, Herr Verleger, das sind auch so— Weihnachts- gedanken. Sie paffen Ihnen natürlich nicht in Ihren Kram. Sie wollen schöne Geschichten haben:>n Moll oder Dur wäre vielleicht nach zu beraten. Ich schreibe Ihnen keine. Und wenn Sie mir kein Honorar schicken, so lassen Sie's bleiben!„Grimm" bekommt dann eben feine Wurst nicht. Und wird weiter bei mir bleiben!... Uebrigens, da haben Sie ein Motiv, machen Sie eine Geschichte davaus. Ich habe keine Luft dazu. SrichSachlenröder: Slfl ÜblßV�VVCk � Oer Arbeitslose Willi SchrarwN saß in einem kleinen Cafe der Friedruhstvaße und zog Bilanz. Eigentlich war die Bilang schon gc- zogen, ehe er das Cafe bcttat, ja, das Betreten des Cafes bedeutete gewissermaßen schon den abschließenden Strich. Der Entschluß war keineswegs heroisch, wenn er auch sonst so genannt werden könnte, er entsprang lediglich der nüchternen Ueberlegung und Erkenntnis» duss der gesamte Barbetrag seiner Hosentasche, denn sein Porte- monnaie war schon längst den Weg auch aller anderen verkäuflichen Dinge gegangen—, daß sein gesamtes Besitzrui» noch vierzig Pfennige betrug. Außerdem befaß er, wie er mit einem Versuch von Ironie feststellte: keinen Mantel, keine Weste. Was er sonst noch besaß, war geflickt genug, die„Winterhilfe" hätte es bestimmt nicht ge- nonunen. In seinem äußeren wie inneren Zustande stellte er das Ergebnis einer zweijährigen Arbeitslosigkeit dar mtt all den Etappen: Arbeitslosenunterstützung, Kriscmmtcrsmtzung, Wohlfahrt: und all den Stationen von schwacher Hoffnung, Resignatton und Berzweis- lung. Es ging ihm schlecht genug, und nicht schlechter als Hundert- taufenden seiner Brüder, aber das war ihm keineswegs ein Trost, denn auch wenn das Leid von Hunderttausenden geteilt wird, ist es nicht leichter zu ertragen. Der Entschluß, die letzten vierzig Pfennig in ungekaimter Verschwendung in eine Tasse Kaffee unizusetzen, bc- deutete: es ist Schluß. Steter Tropfen Regen zerschleißt auch den besten Kmnmgarnanzng, und unüberwindlicher, täglicher steter Hunger höhll auch den Stein härtesten Widerstandes. Willi Schramm, arbettslos seit zwei Jahren, achtundzwanzig Jahre all, war zu der .Erkenntnis gekommen, daß er im Leben einen schlechten Platz er- halten hatte, einen Stehplatz, nein weniger noch, er stand überhaupt außerhalb des bewegten Hippodroms und hörte mir gelegentlich und ganz von fern Peitschenknall und zustimnieirden Tusch festlicher Musik. Er stand außerhalb des schönen, gut geheizten Kuppelbaues und fror entsetzlich. Gemig, es mußte etwas geschehen, irgendwie mußte ein Ende gemacht werden, eine Wendung— sie konnte mir noch zum Guten führen. Den Weg, den er deute zurückgelegt hatte, durchlief er noch einmal im Geiste: Seeslraße, Chausseestraße, Friedrichstraße, nmncr geradeaus, an allen Kmizimgen vorüber, rot oder grün, das war ganz egal, vielleicht wurde man dabei von einem Auto umgerissen, dann geht alles jshr schnell,»tan knallt mit dem Kops auss Pflaster, stöhnt noch ein bißchen— er stöhnte jetzt wirklich, und das kleine Serviersräulein nickt zustimmend mit dem Kopfe, weiß Gott, man hatte ja auch alle Veranlassung zum Seufzen und Stöhnen. „Zahlen, bitte." Das kleine hübsche Serviersräulein, das in dieser Gcfchicht« leider nur eine kleine Episode darstellt, trippelte heran und sagt« mit- fühlend:„Sechsunddreißig Pfennig, bitte." Willi Schronim legte feine vier Groschen auf den Tisch, nickte „schon gut' und ging. Hinaus die Fricdrichstraße. am Kanal ent- lang, Tiergarten, Gedächtniskirche, wie im Traum. Chauffeure schimpften hinter ihm her, und eininal hiett ihn ein Verkehrspolizist am Arm fest, kurz bevor er in einen Omnibus hineinrannte. Aber. wie fallt« es auch anders kommen, auf einmal fühlte er einen Stoß ün Rücken, über dessen Stärke er sich nicht mehr klar werden konnte, da er bereits nicht mchr bei klarem Denkvermögen war.. Er flog im hohen Bogen„direkt in den Himmel", konnte er noch denken und empfand es angenehm und wenig verwunderlich, daß sich feine früheren Kindhettsvorftellungen vom Sterben so seltsmn bewahrheiteten, und er wurde auch durch seinen schweren Fall nicht aus dieser Illusion gerissen, well er inzwischen, zu seinem Glück, voll- kommen das Bewußtsein verloren hatte. Er lag langgestreckt, fast konnte man annehmen, er habe sich hingelegt, so bequem schien sein« Pose. Menschen standen bald in kleinem Kreise um ihn herum, unschlüssig, was hier zu tun sei. End- lich ermannte sich einer und fragte, was gewiß sehr naheliegend war: .Leben Sie noch?", trat heran, da er keine Antwort erhielt, unter- suchte den am Boden Liegenden flüchtig, fand das Herz zwar schwach, aber in Tätigkeit und sagte zu den Umstehenden:„Ich glaube, der Mann ist aus Hunger zusammengebrochen", und steckte ein Geldstück in die Tasche des arbeitslosen Willi Schramm. Darauf blickte er sich im Kreis« um, wartend, daß man seinem Beispiel folge. Und tat- fachlich, andere taten dasselbe, dann richtete man den Willi Schramm in eine sitzende Stellung und lehnte ihn an einen Baumstamm. Weiter jedoch wußte man nichts zu tun, und indem man noch un- schlüssig war, ob die Polizei oder die Rettungswache alarmiert wer- den sollte, schlug Willi Schramm die Augen auf und blickte sehr er- staunt. Man lMs ihm uns und er stand, unsicher zwar, aber er stand wieder auf seinen Füßen, schaukelte wie ein Betrunkener hin und her, und durch eine Gasse, die ihm die Umstehenden schnell freigaben, denn er sah nicht sehr sauber aus, ging er endlich schwankenden Fußes davon. Seine Tasche fühlte er erstaunt als einen schweren Klumpen, mit zweifelnder Hand langte er Geldstücke heraus und be- trachtete sie ungläubig und lange. Dann, da er den Zusammenhang nicht begriff, lächelte er und lacht« schließlich schallend aus, denn er glaubt« sich von einem Traum gefoppt. Ein sehr gut angezogener Herr, der einen warmen. Pehnrnntel anhatte und eine schöne Frau am Arm, ging vorüber, und da er ebenfalls angesichts des gefallenen Mannes fei» soziales Gewissen durch ein incht allzu hohes Geldstück entlastet hatte, sprach er, das Lachen des Arbeitslosen Willi Schramm offentsichtlüh mißverstehend, zu seiner Begleiterin:„Da haben wir es ja, ein übler Trick, nicht mehr.' Willi Schramm hörte diese Worte in dem Moment, als der Gedankenkreis über den Ursprung des Geldes in seiner Hand ge- schloffen war. Und so stark ist der Lebenswille in einem Menschen, selbst wenn er seit zwei Jahren arbeitslos ist und vertvout mtt allen Stationen des Elends, daß ein verständnisvolles Lächeln über sein Gesicht zuckte, und den stillen Beobachter dieser Szene zu der Hoff- nung berechtigte, daß Willi Schramm, arbeitslos, achtuiidzwanzig Jahre wtt. den Kampf noch einmal aufnimmt— irgendwie, aber auf «ne Wetze muh Schluß gemacht werben. 3}.<£raven: 3)W Jlbfctllßd Aus dem neuen Bücke �Regierung" vo» B. Traden, ji bei der BücherAildeGutenberq. Berlin� erscheint, Minzen wir diese Erzählung vom Abschied eines Indianers, der in Gefangenschaft geführt wird. Das neue Traven-Buch wird nur an Mitglieder der Büchergilde Gutenberg abgegeben. Gregorw, der Indianer, nahm seinen schweren Pocken auf und machte sich auf den Marsch voraus. Seine Frau war mit den Kindern weit auf dem Wege voran- gegangen, um dort, wo der Pfad in den Busch einbog, von ihm Abschied zu nehmen. chier hockte die Frau, mit ihrem Säugling an der Brust, ihren Mann erwartend. Di« übrigen Kinder, drei waren es, herumtollend in ihrer Näh«. Die Frau, noch Jndionerart auf den Boden gehockt, weinte still vor sich hin. dabei den Oberkörper hin und her wiegend in einem Nhythmus, der gewiß im Einklang stand mit der schmerzlichen Bewegung in ihrem Gemüt. Sie preßte und herzte ihren Säugling an sich und ließ ihn wieder ein wenig frei im gleichen Rhythmus. Es war, als ob all ihr Schmerz sich nur auf das Kleine bezog. An dem Kinde äußerte sie ihre körperliche Empfindung, die sie ihrem Manne gegenüber nicht zeigen wollte, vielleicht nicht zeigen konnte. Da kam Gregorio seines Weges, in einem wiegenden Schritt, reichlich gebückt unter der Last seines Packens. Weil er nicht aufsah, sondern infolge des Traggurtes, der über feiner Stirn lag, nur einige Schritte weit vor sich sehen tonnte. ohne weit nach rechts oder links blicken zu können, halte er seine Frau nicht bemerkt. Als er. nur gerade noch drei Schritte von ihr entfernt war und aufruckte, um die Last bester verteilen zu können, sah er seine Frau am Pfade hocken. „chuj" rief er kurz aus. Er war erstaunt, sie hier zu sehen. Er hieU seinen Schritt an, tat jedoch nur eine halbe Wendung zu ihr hin, als ob er andeuten wolle, daß er nicht die Absicht habe, stehenzubleiben oder gar zu rasten. Die Frau hielt ihren Säugling hoch, als wolle sie ihn ihrem Manne zureichen, damit er ihn noch einmal sehen möchte. Ihre Brust war bloß. Sie bemerkte es und nestelte ihr Jäckchen zu. ohne es aber zu schließen, weil sie es zu hastig tat in ihrer Bewegung. Sie richtete sich nun ein wenig auf und kniete, immer noch ihr Kind ihrem Manne hinhaltend. Dann begann sie zu schreien wie«in Tier. Ihr Gesicht, nicht gewaschen und dick aufgedunsen von nächtelangem Weinen, verzog sich zu einer Unbestimmtheit, die nur noch die Form eines weit geöffneten, bläulichroten Mundes mit kräftigen Zähnen hatte. Ihre schwarzen Augen waren nur zwei dünne Striche, aus denen sich dicke Tränen drängten. Ihr dickes schwarzes Haar war zerzaust und zerrauft und stand in ver- filzten Strähnen nach allen Richtungen hin auseinander wie die dünnen Aestchen eines unentwirrbaren Strauches im Dschungel.' Ihre kleine kurze Nase zog sich breit auseinander, und die an sich schon sehr weiten gesunden Oeffnungen erschienen wie Höhlengänge zu den Mysterien einer unbekannten Welt, die hinter der brau» roten wetterharten Haut ihres Gesichts begann. In langen gezogenen Strömen schrie sie den Klagsschrei der indianischen Frau hinaus in die Unerbitttichkest einer Umwelt, in die der Mensch gefetzt wird, zu seiner ewigen Not, behaftet mit körperlichen und seelischen Gefühlen, beklagenswerter als ein stumpfes Tier, das beneidenswert ist, keine Gefühle gegenüber der Zukunft zu haben. Es brauchte ihr niemand zu sagen: Ihr Mann wurde ihr genommen, um nie wieder zu ihr zurückzukehren. Wie ein Schaf, das vom Viehhändler aus dem Orte geführt wird, nie mehr zurückkommt. Ein Tier, das sprechen und lachen konnte, aber keine Seele hatte nach der Meinung derer, die über ihm zu Gericht saßen und es regierten. Dreckig, verlaust, katholisch getauft, aber dennoch Heide, ungebildeter als ein Hund, gierig nach Branntwein, arbeitsgewohnte Hände hart wie Ebenholz, das Haar auf dem Kopfe durchgescheuert von den rohen Tragriemen schwerer Lasten, durchgescheuert und kahl wie die Druckstellen auf dem Rücken eines Laftmules. Eine Ziffer im Schlachthaus der Launen derer, die Land und Rast« beherrschten. Die Frau kannte die Zusammenhäng«, die ihr Schicksal bc- stimmten, so wenig, wie ihr Mann sie kannte. Und so wenig wie eine Kuh, die von dem Händler über Land getrieben wird, um im Fleischladen zu landen, daran denkt, an geeigneter Stelle fort- zulaufen, so wenig denkt die Frau daran, daß ihr Mann zurück- kommen könnte. Sie sieht, wie Vieh fortgebracht wird, und weil fie aus hundert Erfahrungen weiß, daß die großen Patroncitos, die Herrchen mit dem Revolver im Gürtel, keinen Unterschied kennen oder machen zwischen Vieh und Indianer, darum weiß sie, daß sie ihren Mann zum letzten Male hier sieht. In ihrem gellenden Jammer ist kein Gedanke verborgen, der sich egoistisch auf st« selbst bezieht, was aus ihr und aus den Kindern werden soll. Das berührt sie nicht. Die Kinder wurden ihr geboren, und die Kinder werden essen und leben. Das Morgen ist weit, und wenn es kommt, wird sich der Tisch decken. Ihr Jammer Ist jetzt in seiner vulkanischen Kraft nur auf das «Schicksal ihres Mannes gerichtet. Ihr Mann ist chr in ihrem Herze» leid weder Bettgenoste noch der Versorger ihrer Kinder. Das ist wenig. Dorum würde sie keinen Schrei ausstoßen, vielleicht kaum die Mundwinkel oerziehen. Aber chr Mann ist der Vater ihrer Kinder, die ihr Herzblut sind. Ihren Kindern wird die Gottheit genommen in ihm. Den Kindern wird der Altar zerstört, an dem sie beten. Und für sie selbst, die Frau, wird der Mittelpunkt des Lebens zerstört. Ibr Mann mag ein Trunkenbold sein, er mag sie schlagen, er mag sie arbeiten lasten bis an das End« ihrer Kräfte; aber trotz alledem, er ist der Kernpunkt ihres Seins. All ihr Denken, Handeln und Sorgen sammelt sich auf ihn, er ist ihre Religion, ihr Herr, ihr einziger Freund und ihr treuester Kamerad. Er stt ihre wahr« Heimat. Er ist das einzige Baterland, das sie kennt. Mit ihm und durch ihn Ist die Welt um sie herum belebt. Ohne ihn bricht die Welt in Stücke. Nicht ihre wirtschaftlichen Probleme sind mit ihm verknüpft. Diese Probleme vermag sie mit Hilse der Sippe zu lösen, schwer vielleicht, aber doch mit gewisser Sicherheit. Es sind ihre seelischen Probleme, die ohne ihn leer und verschwommen werden. So wie unpersönliche Menschen in ihrer Seele leer werden, wenn ihnen ihr Gott oder ihr Götze oder ihr« Heiligen genommen werden. Sie jammert nicht um sich, sie bemitleidet sich nicht. Ihr er- schulternder Jammer ist der Ausdruck ihres Schmerzes ihres körper- lichen Schmerze» beinahe, well sie ausetnandergeristen wird, und ein Stück ihes Seins, das größere Stück ihres Seins und Wesens. oon ihr geschnitten wird. Ihr Schreien brachte ihre herumtollenden Kinder herbei, die sich nah« an sie drängten und zu weinen begannen, als st« ihr« Mutter in Trauer sahen. Gregorio, der stehengeblieben war und sich ihr lzalb zugewandt hotte, sie anblickend, als ob st« schon nicht mehr zu ihm gehör», hatte weitergehen wollen, Als er aber feine Frau in dieser wilden Verzweiflung sah, und mehr noch vielleicht durch den zappelnden Säugling, den ihm seine Frau wie eine Opfergabe entgegenstreckte, kam er dicht zu ihr heran, ließ sich auf ein Knie nieder und zog seinen Kopf aus dem Troggurt hervor. „Täte, Täte*, riefen die Kinder und krabbelte» an ihm herum. Ihr Weinen oersiegte sofort, als sie sahen, daß ihre Müller sich beruhigte im Augenblick, als sie ihren Mann an ihrer Seite hatte. Es waren nur wenige Minuten, die er hier verweilen konnte. Aber mit allen Sinnen und Gefühlen iin Augenblick lebend, waren diese eilenden Minuten für die Frau gleich Jahrhunderten im Er- lebnis. Auch nicht einer dieser wenigen Minuten wurde eine Sekunde geraubt, um sie an einen einzigen Gedanken an die Zukunft zu vergeuden. Keine dieser Minuten kam je wieder; und was in ihr nicht empfunden und erlebt wurde, konnten Ewigkeiten nicht erzeugen. Gregorio zeigte keine Bewegung in feinem Gesicht oon dem, was in ihm vorging. Er bewegte die Lippen, als wären sie am Vertrocknen. Er nahm den Säugling aus den vorgestreckten Armen seiner Frau, schaukelte ihn, hielt ihn ein wenig auf seinen Knien, berührt« sein Gesicht zart und kosend mit den runden braunen Bocken des Kindes. Aber er sagte nicht ein Wort. Die Frau schluchzte leise in sich hinein und rückt« ganz nahe, um ihren Mann zu fühlen. Einige Male sagte sie:„Gregorio, Gregorio.* Es waren die einzigen Worte, in denen sie alle ihre gegenwärtigen Gefühle aus- zudrücken vermochte. Er gab ihr keine Ratschläge, was sie tun sollte, wenn er fort sei. Sie fragte ihn auch nicht darum. Das waren Dinge, die zu behandeln genug Zeit war, wenn sie drängten. Die Kinder hatten wieder begonnen herumzutollen. Der Mann und die Frau saßen still beieinander, ohne sich anzusehen. Beide sahen vor sich aus den schmalen Pfad, als ob sie die verwischten Hufspurcn der Pferde und Mules, die da gegangen waren, auf ihr Aller prüfen wollten. Es ist gewiß, daß die beiden nichts dachten, daß die Umwelt vor ihnen oerschwand, und daß sie sich ausgelöscht fühlten aus ihrem bewußten Dasein wie in einem tiefen Schlafe. Aber plötzlich wurden.sie aus diesem Schlafe aufgerissen, hart und unerbittlich. „Ollah, Gregorio, voran, voran!* Don Gabriel kam angerillen mft seiner Frau. Die Frau ritt voran, das Tragmule folgte, und hinten rill Don Gabriel. „Orito, Patroncito, mein Herrchen*, antwortete Gregorio, „ya me voy, ich komme schon.* 9r richtet» sich auf bot Mefn Worte» mä 9a Säugling zurück. Don Gabriel, ohne auch nur ein« Sekunde zu halle«, ritt unbekümmert weller. Er wußte, Gregorw kommt nach. Die Frau preßte das Kleine sofort wild und verzweifell an sich mit llberhasligen und wirren Bewegungen ihrer Arme und Hände. Da sie ihren Mann nicht umarmen und an sich pressen kannte, weil das gegen ihre Sille verstieß, sie sich aber gedrängt fühlte, körperlich auszudrücken, was sie in diesem Äugenblick empfand, um sich zu befreien, darum überlud sie ihr Meines mll den Umarmungen, die in ihrem Herzen ihrem Manne galten. Sie blieb hocken auf ihrem Platze. Sie preßte ihre Lippen fest zusammen und sah mit großen Augen aus zu ihrem Manne, alle sein« Bewegungen des Aufbruchs verfolgend, so, als wolle si« jene Bewegungen lernen. Mehrere Male schüttelte sie heftig den Kopf, als wolle fie etwas verneinen, well es nicht möglich fein könne. Während sie ihrem Manne zusah, wie er aufpackte, ergriff fie hin und wieder ein Händchen des Kleinen, preßte es wie im Krampf zwischen ihre Finger und schob e» In ihren Mund, leicht, aber doch völlig unbewußt ihrer Handlung, daran kauend und saugend. Gregorio halle seinen Packen geordnet Er setzte sich nieder, legte den Gurt über den Kops, warf den Oberkörper mit einem kurzen sprungartigen Ruck nach vorn und stand dabei auf. Mit der Last auf dem Rücken wandte er sich nun seiner Frau zu. Er reichte chr die Hand und sie berührten, nach der Weise ihrer Rasse, die ersten Glieder ihrer Finger, ohne die Hand zu drücken. Aber ehe sie die Hände voneinander trennten, grifs die Frau fest zu. nahm die Hand ihres Mannes und küßte sie. Sein Gesicht wurde trübe, als zöge ein dünner Schleier dar» über hin. Er preßte die Augen halb zu, schluckte einmal gurgelnd in der Kehle und grifs mit der linken Hand zu dem Gurt über der Stirn, als müsse er ihn bequemer rücken. Für den Hauch einer Sekunde preßte er sein« Hand gegen die Lippen seiner Frau. Dann zog er die Hand heftig zurück. Die Frau hielt chm den Säugling zu. er legt« seine Finger» spitzen auf das Haar des Kindes. Ihre Stimme in Gewalt nehmend, rief die Frau:„Muchachos, Täte geht* Die Kinder kamen herbei. Jedes, auch das Allerkleinst«, ergrifl die Hand des Vaters und küßte sie. Er berührte da» Haar jedes Kindes als Gegengruß. Die Kinder schlängelten sich wieder von dannen. Er stand eine Weile vor seiner Frau, sah sie an in der un- gewaschenen und verdrcckten Kümmerlichkell chres stillen Jammers, den Säugling an der nackten Brust hängeich, chr« Augen ver- quollen und mit großen kugeligen Tropfen durchschwemmt auf ihn gerichtet, chre nackten Beine mit den krustigen bloßen Füßen vor- gestreckt aus dem schwarzen zerlöcherten Wollkillel, den Inbegrisf seiner Heimat und seiner Well. Dann drehte er sich rasch halb um uich ging seines Weges, ohne noch etwas zu sagen, ohne sich umzublicken, ohne anzuhalten. Nach zehn Schritten hatte ihn der Busch verschlungen. 3>uck: SMrm unter 3sland Di« Backbordseite des Dampfers verschwindet unter einem Brecher— das ist nun einmal so- bei � einem Fischdampfer. Der Koch legt zwischen die Schlingerleisten um den Tisch Querleisten, die jeden Teller, jeden Naps in ein besonderes Fach zwängen— auch nichts Neues. Die Schlafenden in den Kojen rollen mit dumpsem Stoß gegen die Laden, die die Kojen vom Eßraum abschließen— den bleiernen Schlaf der Uebermüdung sprengt der Stoß nicht. Erst als die Schraube in atemlosem Heulen durch die Lust wirbelt, fahren die Schläfer auf. Und schon brüllt es den Treppenschacht hinunter:„Hieven! Alle Mann und der Koch!* In die steifen Filzhosen kann man mit dem Schwung des über- holenden Schiffes hineinfahren. Die schenkellangen Gummistiefel zerrt ein Ruck bis zu den Hüsten hinauf. Das Oelzeug knittert und knarrt beim Umnehmen. Mal steht die Trepp« senkrecht, mal liegt si- so flach, daß ihre Stufen überflüssig sind, mal Holl sie so über, daß man nur noch an den Haltetauen hängt. Der Maschinen- telegraph schlägt an. Der zweite Steuermann brüllt zum Maschi- nisten hinunter:.Lienen, Damp an de Winsäft* Sturm ist aufgekommen. Der Fischdampfer muß das Schlepp- netz einholen, um nicht durch fein Gewicht unter die immer größer werdenden Brecher, in die Tiefe, gezogen zu werden. Mensch und Maschine, Armkraft und Dampskraft gegen Wellen und Netzgewicht. Wird die rechte Zeit oerpaßt, sind Welle und Strömung schon zu stark, dann muß gekappt werden. Lieber das Netz für eineinhall» tausend Mark zum Teufel als das Schiff und seine dreizehn Mann. Sturm unter Island, Sturm gegen Island. Aus Südost führt der Wind die Riesenwasser des Atlantik heran gegen die Südküste mll ihren Klippen und Sümpsen. Er jagt die zerschrundenen weißen Totenarme der Gletscher hinaus bis zu den erstarrten Kratern des Batna Iökull. Er peitscht haushohe Brandung über den Strich, an dem sich Wasser und Land berühren. Wehe dem Segler, der in der Nähe der Küste ist! Die Dampfwinde pufft und rattert. Liegt der Dampfer gut, so fliegen die armdicken Stahltrossen, an denen das Netz hängt, geradezu auf die Trommeln. Die Rollen, durch die sie laufen, werden im Nu so glühend heiß, daß das Seewasser zischend aus ihnen verdampst. Dann aber legt sich eine neu« Welle zwischen Schiff und Netz. Die Leinen stehen, zum Zerreißen gespannt. Die 30 Pferdekräfte der Winde drücken sie um keinen Zoll weiter. Sprungbereit lauert in den Nischen uicd Ecken des Ausbaues der Reeling die Mannschaft. Wenn die Scherbreller am Vordcrende des Netzes hochkommen, setzen ihre Arme ein. Doppelte, dreifache Zeit braucht es diesmal, eh« die 200 Meter Stahltrossen emkommen. Minutenlang scheint es, als wenn alle Mühe vergebens fei, als wäre das Netz von eisernen Händen aus dem Meeresboden fest- gehalten. Aber hartnäckig stößt und rasselt die Winde: ihr heißer Wasserdampfatem zischt aus den Kolbenzylindern, Ruck und Hall. Zug und Stoß— es glückt. Die Zähiakeit der Winde siegt Polternd prallen di« Scherbretter aus dem Wasser hoch an die beiden hohen eisernen Galgen über die Reeling. an Ihnen dos schwarze, auf den Wellen tanzende Netz. Mann an Mann hockt die Bemannung an der Reeling: das Netz muß eingsschökelt. eingeholt werden. Weit beugt sich der Leichtmatrose über Bord: eine Welle jchlSg, Ihn an, will ihn, abzurgelnd. über Bord reißen— im letzten Augenblick packt ihn der Netzmacher, reißt ihn zurück. Ein» neue Wells: die Leute dncken sich, aber die obere Netzseite haben sie gepackt und lassen sie nicht mehr lo». ,Li«o op— zu— gleich— ruck. zuck—*. Als nach zwei Stunden die Männer in die Kojen hinunter- torkeln, mffchen sich Schweiß und Seewasser auf den Körpern und die Hände sind rot und rissig, vom kalten Meer und scharfen Netz Sechzig Zentner Fische waren im Netze; sechzig Zentner Fische hat man wieder üb« Lord geworfen. Wer sollt« s» schlachten und wegpacken auf dem Verdeck, über das ein Brecher nach dem andern geht? Es prasselt, hämmert, klatscht gegen die Bordwände, als koche die See. Luken und Türen sind dicht.(Durch den drei Meter hohen Ventilator ist ein Brecher ins Schiffslogis geklatscht und hat die Notlampe in Stücke geschlagen.) Auf der Brücke hängen zwei Mann am Ruderrade. Die Maschine dampft vorsichtig, mit halber Kraft, gegen die Wellen auf. Der Sturm hat zugenommen. Schräg von vorn toben die Brecher heran, steilen sich an der Bordwand. stürzen aufs Deck hinunter. Ein Zittern geht dann durch den Schiffsrumpf, ein Stocken, wie ein banges Atemoerhallen. Dann heben sich Back- und Stcuerbordseite langsam ans dem grünlich- weißen Glast der gestrandeten Welle; die Reelingsklappen kommen hoch: gurgelnd, widerwillig fließt das Wasser ab. Draußen stellt sich die neue Welle. Ein hartes, gefährliches Muß. das Aufdampsen. Die Schraube, so langsam sie geht, dreht den Rumpf ins Wasser, unterstützt die hinabdrückende Wucht der Wellen. Aber es muß sein, denn hinten droht di« Küste. Aus der englischen Seelart« im Kartenhaus ist Wrack neben Wrack an dieser Küste verzeichnet. Fünf Schutzhüllen, mit Teerfässern, Petrolemnöfen, Decken und Proviant für zwanzig Mann hat Island vorsorglich an die gefähr- lichsten Kaps gestellt. Der Käpten läßt die 5)and nicht vom Maschinentelegraphon. Holl ein besonders furchtbarer Brecher zum Prankenschlag aus. dann reißt er den Hebe! auf ,LaIt*. Wehe, wenn das Manöver versagt, das Deck nicht hoch ist, ehe der zweite Brecher sich zum Ueberstürzen neigt! Und immer noch steigert sich das Rasen des Wassere. Es scheint, als träfen erst jetzt die Reserven aus dem weiten Atlantik auf dem Kampfplatz ein. Das Meer ist ein brodelndes, tobendes Gebirge tiefgrüncr Klüfte und schaumrveißer Kämme, einer hinter dem anderen, soweit das Auge reicht. Dichter und dichter scharen sich die Schaumkämme, tiefer und steiler werden die Wellenschluchten. Immer höher hinaus lecken die Brecher. Schon fliegen Schaum- flocken und Spritzer über dir Brücke hinweg: schon langt der erste Brecher über den Dom, die erhöhte Maschinenkuppel über dem Mitteldeck. Backbord taumelt ein losgerissenes Netzende ins Wasser. Eine Sekunde später fließen zehn Meter Netz über Bord. Als die Matrosen zupacken, sind's zwanzig Meter. Der zweite Steuermann geht fast über Bord; das Netz will nicht zurückkommen, im Zerren und Stürze-, der Brecher. Eine Kanne Oel heran; Oel aufs Wasser, Zerren, Balancieren Festkleniiiier. Anhievcn... Das Einholen und Festzurren hat zwei Kannen Oel, eine zer- schundene Hand und eine blaugeschlagene Schuller gekostet. Das nennt man gut abgelaufen! Eine halbe Stunde danach splittert das Steuerbordfenster des Kartenhauses in tausend Trümmer unter dem Schlag eines be- sonders hohen Brechers. Das Wasser sprüht durch Tür. und Feifftersugen über die Brücke, als regne es. Nichts ist vom Bordeck zu sehen. Es geht nicht weiter mll dem Abdampfen. Stoppen! Und Treiben! Korkenspielen, solange der Spielraum zur Küste reicht. Wenn's gut gehl, flaut der Sturm bald ab: wenn's schlecht geht, muß unter der Küste wieder aufgedampft werden. Treiben und Ausdampfen, Begrabenlein unter den Brechern und Hochgeschleudertwßrden oon drunterweg lausenden Wellen, vier Stunden, sechs Stunden, acht Stunden. Dann weben dunkle, graue Schleier um die weißen Krater der Berge. Nebel und Regen kommen auf. Nebel und Regen schlagen den Sturm nieder. Und dann-- -- tsa, dann muß weitergesischt werden. Die zehn Stunden Sturm, die 00 Zentner über Bord geworfener Fische sind wieder einzuholen. Hochseefischerei ist Industrie, und ein Fischdompser ljt mm mal zum Fijcheu da. I M» Iwrit ti�odtn geWeftent Hol We Müschs rein, die Schauspieler kommen! Und dieses Wort kennzeichnet ohne Ucbertreibung die Einstellung, die die Allgemeinheit den Schauspielern gegenüber Hatto. In China steht der Schauspielerstand noch heute nicht besonders hoch, und zwar liegt dos an dem Bildungsniveau des Durchschnitts- schauspielers: die meisten von ihnen sind Analphabeten und meist geradezu lächerlich abergläubisch. Neuerdings sind in China Bestrebungen ich Gange, die die Errichtung eines modernen Theaters in unserem europäischen Sinne bezwecken. Es wird ein moderner Typ van Schauspielern aus- gebildet, die nicht nur die Darstellungskunst beherrschen, sondern auch über Allgemeinbildung verfügen. Besonders wird den Schülern dieser Schauspielerschulen auch die Kenntnis ausländischer Dramatik vermittelt. Neben der rein theoretischen Arbeit ist schon jegt ein Theater eingerichtet worden, auf dem die Werke moderner Schrift- steller aufgeführt werden, und zwar befindet sich diese erste moderne Bühne in Peking, von wo man Gastspielreisen durch das ganze Land zu machen beabsichtigt. Einer der bevorzugten modernen Bühiienschriftfteller ist Henrik Ibsen, besten sämtliche Stücke man mit Begeisterung spielt und anhört, vielleicht weil ihre Probleme an Dinge rühren, die gerade heute den Chinesen wichtig sind. IT\V. 3to«S: �iere als WeUerpropheleai Tiere, namentlich Vögel, gelten bei der ländlichen Bevölkerung überall als Wetterpropheten. Der vertrauteste und beliebteste unter ihnen ist die Schwalbe. Wenn die Schwalben hoch in den Lüsten ihre Kreise ziehen, dann soll weiter die Sonne strahlen, doch wenn sie in jähem Schwung herabschießen und unruhig dicht über der Erde dahinfahren, dann gibt es Regen. Seit alter Zeit wird auch der P f a u e n s ch r e i als Ankünder schlechten Wetters genannt, und wenn dieser häßliche Ruf häufig schallt, dann eilt man, die Ernte in die Scheuern zu bringen. Die Sturmschwalbe hat ihren Namen als Bote des Ungewitters erhalten, und wen» sie über die brandenden Meereswogen eilt, dann glaubt der Seemann, daß der unheilvolle Bote auf seinen Schwingen den Sturm hertrage, der die Wellen über sein Schiff sich stürzen läßt. Mancher Landmann schwört aus die Unfehlbarkeit der Saatkrähe. Wenn diese Vögel, anstatt am frühen Morgen direkt aus die Felder zu fliegen, unruhig und ängstlich auf die höchsten Zweige der Bäume flottern, ein rauhes Gekrächze erheben und mit den Flügeln schlagen, dann weiß der Bauer, daß bald ein starker Regen niedergehen wird. Fliegen die Krähen im Winter schon vor Sonnenaufgang zur Nahrungssuche aus und kehren sie erst nach Sonnenuntergang wieder heim, ohne dabei das gewohnte Gekrächz hören zu lassen, so wird scharfer Frost eintreten. Nur selten entschließt sich'die Hausgans dazu, ihren watschelnden Gang aufzugeben und mit schwerfälligen Flügelschlagen in die Luft sich zu erheben. Tut sie das aber, und noch dazu ohne ersichtlichen Grund, dann ist ein tüchtiger Sturzregen nahe. Wenn die Enten, statt bei Tage im Wasser umherzuschwimmen, lieber im Grase herumspazieren und auf die Schneckenjagd ausgehen, dann ist ebenfalls dem heiteren Himmel und der Sonne nicht recht zu trauen. Auch die Waldhühner tragen ein sonderbares Be- nehmen zur Schau, wenn sie den kommenden Regen in der Lust spüren. Sie laufen dann schnell dahin, in einer fast nervösen Hast, den Kopf weit vorgestreckt. Wenn solche Wasservögel, die sonst unmittelbar am Meeresufer nisten, ihre Brutplätze weiter binnen- wärts verlegen und auf festem Boden ihr Heim aufschlagen, dann steht langes und schweres Unwetter auf See bevor. Die größte Feinstihligkeit und die feinste Borausahnung für das Wetter hoben aber doch wohl die Fische. Sie sind gewisser- maßen die Barometer der Natur. Wer diese Bewohner der Tiefe in ihren Lebensgewohnhesten genau beobachtet, der wird aus ihrem schnellen Hin- und Herschießen, an der unter ihnen herrschenden Aufregung, an der Art der Futterausnahme allerlei nützliche Winke zu schließen vermögen und an ihnen ein hochnützliches Barometer erkennen. Auch der Imker kann aus dem Benehmen der Bienen Hinweise auf das Wetter folgern. Wenn viele von ihnen in den Stock zurückkehren und nur wenige ausfliegen, dann weih er, daß die klugen Arbeiterinnen bei schlechtem Wetter zu Hause bleiben und sich nicht den Gefahren des. Regens und Sturmes aussetzen. Die Schafe ahnen das Unwetter voraus und drängen sich lange vor seinem Ausbruch im Schutze eines Felsens oder dergl. zusammen, um nicht auf freier, ungeschützter Ebene den Unbilden der Natur preisgegeben zu sein. Maulwurffänger behaupten, daß man mit Sicherheit auf die Gestaltung des Winter schließen kann, wenn man die Zahl der aufgeworfenen Maulwurfs Hügel beachtet, insbesondere aber die Füllung der Maulwurfegänge mit Nahrungs- mittel». Wenn die Höhlen nicht zahlreich und nicht sehr mit Vor- räten angefüllt sind, so gibt es einen milden Winter. Wenn die Feldmäuse besonders eilig und geschäftig ihren Schlupfwinkeln zueilen, ist das ein Zeichen dafür, daß der Winter nahe ist und die Kälte nicht lange auf sich warten lasten wird. Vor Ausbruch eines Gewitters sind alle Tiere unruhig. Das kann man besonders gut n den Zoologischen Gärten beobachten, wo sich noch vor dem ersten Donnerschlage eine besondere Aufregung, Unstetigleit und Nervosität der Tiere bemächtigt. Besonders dem Katzengeschlechte liegt der Aufruhr der Natur gewissermaßen im Blut. Der Tiger schleicht doppelt hastig auf und ab und peitscht dazu seine Flanken schier unablässig mit dem Schweife. Der Luchs schießt absatzweise von einem Winkel des Käfigs in den andern, ja selbst bei der ge- wöhnlichen Hauskatze kann man eine besondere Beweglichkeit. ein zielloses Hin- und Herrennen, mancherlei Zeichen von Unruhe und Unbehaglichkeit wahrnehmen Anna ffilos: Cosimn Wagners Als Cosima, die spätere Gattin erst Hans von Bülows, dann Richard Wagners, geboren wurde, standen gute und böse Geister an der Wiege dieses Kindes, dessen Name später Weltruf bekommen sollte. Ein gnädiges Geschick hatte zwei Menschen zusammengesührt, die Costmas Eltern werden sollten, doch ein schlimmes hatte die Verbindung beider Menschen von vornherein mit Fluch belastet. Eine große Leidenschaft hatte den ungarischen Musiker Franz L i s z t zu der um einige Jahre älteren Gräfin d' A g o u l t geführt. Die Gräfin war verheiratet und Mutter mehrerer Kinder. Sie ver- ließ Haus und Hof, Familie und Stellung, um dem Geliebten zu folgen. Zwei außerordentliche Menschen kamen zusammen. Beechoven hatte den Knaben Liszt auf die Stirn geküßt. Goethe hatte Marie d'Agoult, die er als Kind in der Familie Bethmann in Franksur« getroffen hatte, segnend die Hand aufs Haupt gelegt. Als zweite Tochter dieses Liebesbundes wurde Coflma am 2ö. De- zember 1837 in Bellagio am Eomer See geboren. Zur Erinnerung daran wurde sie Cosima getauft. Ihr Name erinnert aber auch an die Heldin eines Werkes von Georges Sand, der Freundin der Liebenden. Nie hat Cosima das Glück des Elternhauses kennengelernt. Sie kam mit ihren Geschwistern zu Franz Liszts Mutter nach Paris und wuchs auf ohne Mutterliebe und Mutterpslege. Noch trauriger gestaltete sich ihr Schicksal, als ihre Eltern sich trennten. Lola Montez hatte sich zwischen Liszt und Marie dÄgoult gedrängt. Marie kehrte nach Paris zurück, und es spricht wohl für die Be- beutung dieser Frau, daß sie trotz ihrem Verhältnis zu Liszt, trotz ihrer Neigung zur radikalen Demokratie, trotz ihres Kampfes für die Gleichberechtigung der Frau sofort wieder eine führende Stellung in der Pariser Aristokratie einnahm, daß ihre eigene Familie, selbst ihr Gatte ihr wieder die Tore öffneten, die Marie einst freiwillig hinter sich geschlossen hatte. Liszt aber behielt die Verfügung über die Erziehung feiner Kinder. Die Leidenschast für ihre Mutter war in Haß umge- schlagen. Immerhin war er ein fürsorglicher und zärtlicher Dater. Die Kinder schlössen sich im Hause ihrer Großmutter eng anein- ander und waren verhältnismäßig glücklich. Schlimmer gestaltete sich chr Schicksal, als die Fürstin Wittgenstein einen Unheil- vollen Einfluß auf Lifzt auszuüben begann. Die Fürstin war von wütender Eifersucht aus Marie dÄgoult erfüllt. Hatte schon Liszt versucht, die Mutter den Kindern fernzuhalten, so tat die Fürstin Wittgenstein alles, um diese Entfernung noch unheilvcller zu gestalten. Sie bewog Liszt, ihre eigene frühere Erzieherin, die siebzig- jährige Russin Patersi, nach Paris zu schicken. Es wurde ein eigener Haushakt eingerichtet für sie und ihre noch ältere Schwester. Die Kinder wurden der liebevollen Großmutter genommen und wuchsen nun unter der Aufsicht der beiden alten Gouvernanten auf. Deren Hauptaufgabe bestand darin, die Kinder ihrer Mutter fernzuhalten. Das ist ihnen erfreulicherweise nicht gelungen. Mutter und Kinder trafen sich, und die Kinder ließen es sich nicht länger vorschreiben, der Mutter fernzubleiben. Was der Verkehr mit ihrer Mutter für Cosima bedeutete, hat Cosima einmal ihrem Schwiegersohn ge- schrieben;„Diese mit ihr verbrachten Stunden hatte sie die Güte, dazu zu benützen, uns aus Büchern, welche chr wert waren, manches mitzuteilen. Von Goethe vornehmlich, dann selbst aus Platon, was sie für mich faßbar hielt Die Antigone lernte ich durch sie kennen. Und wenn sie genug gelesen hatte, führte sie uns in den Louvre, dann auch, wenn unsere zwei alten Gardedamen es gestatteten, in dos Theater. Maebech, von einer englischen Truppe vorzüglich gegeben, dann Mme. Riswri als Maria Stuart und Myrrha, end- iich Roche in Polyenete und Misanthrope... Ich kann den Eindruck nicht schildern, welchen diese Sonntage immer auf mich hervor- brachten, ich sehe mich noch die wundervolle Bibliothek meiner Mutter mit Augen verschlingen, und wenn wir in die Engigkeit unseres gedämpften strengen Lebens mit zwei siebzigjährigen Gou- oernanten zurückkehrten, da lebten die Eindrücke in uns, wie wenn wir aus dem Reiche der Seligkeit gekommen wären." Diese Seligkeit wurde bald zerstört durch die Fürstin Wittgen- stein. Sie setzte alle Hebel in Bewegung, um Liszt zu bewegen) die Kinder aus Paris fortzunehmen. Die alte Muller Liszts warnte vergeblich, die Kinder wieder in eine andere Hand zu geben, in ein fremdes Land, wo keine Liebe sie erwartete.„Die Kinder sind gut und müssen mit Liebe geleitet werden, denn sse haben hochfühlende Herzen." Es half alles nichts, die Kinder wurden nach Deutschland gebracht, zuerst nach Weimar, wo ihr Vater sich aushielt. Der Aufenthalt bei ihm war aber nur von kurzer Dauer. Als die Fürstin Wittgenstein merkte, daß der Vater wärmere Gefühle für die so gut entwickelten Kinder zeigte, führte sie eine neue Trennung herbei. Cosima und ihre ältere Schwester Blondine kamen nach Berlin zu der Mutter Hans von Bülows, des tteuesten und begabtesten Schülers Liszts. Der Vater gab Bülow den Aufttag, feine Töchter zu„Propagandistinnen der Zukunftsmusik" zu machen. Wie gut Bülow diese Aufgabe erfüllt hat, beweist die führende Rolle, die Cosima später bei der Leitung der Bayreuther Festspiele, namentlich nach Wagners Tode, gespielt hat. Die gemeinsame Schwärmerei für Richard Wagner führte dann Cosima mit Bülow näher zusammen Als die.Tannhäus«r"-Ouvertüre in Berlin aus- gepfiffen wurde und Bülow aus Verzweiflung von einer tiefen Ohn- macht befallen wurde, suchte Cosima ihn zu trösten. Aus dem ge- meinfamen Schmerz, aus dem Wunsche Cosimas, ihren jungen Lehrer und Freund aufzurichten, ihm den Glauben an seine Sendung zu stärken, wurde Liebe. So schien ihr Lebensschiff nun in den sicheren Hafen zu gleiten nach einer so traurigen, zerrissenen Jugend. Das Schicksal hatte es jedoch anders bestimmt. Es hatte Cosima zu einer noch größeren Mission ausersehen. So trotzte sie aller Schmach, trug alle Verachtung, und wie einst ihre Mutter Haus und Hof verlassen hatte, um dem Gebot der Liebe zu folgen, so ging auch Cosima von Bülow fort zu Richard Wagner. Daß Wagner sein großes Werk vollenden konnte, dankte er der Hilfe dieser Frau, die allerdings ein schöneres Schicksal hatte als ihre Mutter. Denn so schwer auch die Stürme waren, die sie in ihrer zweiten Ehe durchzumachen hatte, die Liebe Wagners ist ihr treu ge- blieben, und als er sie verlassen mußte, hat sie als Witwe zur Boll- endung gebracht, was er zu feinen Lebzeiten nicht mehr erfüllen konnte. Die Empfindung der Mutter kam zum Ausdruck in den Worten, mit denen die Gräfin dÄgoult ihr schönstes Werk, die Dialoge„Dante und Goethe" ihrer Tochter Cosima widmete: „Deine Geburt und Dein Name sind italienisch. Deine Sehnsucht und und Deine Bestimmung hat Dich zur Deutschen gemacht Ich bin auf deutscher Erde geboren: mein Stern strahlt an dem Himmel Italiens. Darum wollte ich Dir diese Erinnerungen widmen, in denen Dante und Goethe sich verbinden: ein zwiefaches Glaubens- bekenntnis, in welchem unsere Seelen sich begegnen, eine ideale Heimat, in der unverbrüchliche Liebe uns vereinigt, möge geschehen, was wolle, und sollte uns hienieden alles trennen." atamsiauer: Sim$enhahnlclmfiner Denn der Schaffner Pillnitz die Schiebetür aufrollte und ins Wageninnere ging, dann war es, als beträte ein Lehrer fein Klassen- zimmer. Nicht, daß der Schaffner Pillnitz ein Tyrann gewesen wäre, der in ein« harmlose, verkehrstechnisä)e Abwicklung ein Subordina- tionsverhältnis hineingeschmuggelt hätte. Cr fühlte sich durchaus als Diener feiner Fahrgäste und hotte nichts anderes im Sinn, als sie zu- frieden zu stellen und ihnen die Fahrt angenehm zu machen. Aber er fühlte sich als einen sachverständigen Diener, dem es wohl anstehe, zu belehren. Sein Aufenthalt im Wagen verbreitete jenen Hauch eines intensiven Anwesenheitsgefühls, dem sich niemand verschließen konnte. Er hielt sich nicht nur aus, sondern er war auch da. Er hatte eine volle tiefe Stimme und immer, wenn sie er- klang, ging das Bewußtsein durch die Passagiere, daß hier nicht der beliebige Angestellte einer Gesellschaft seine notwendige Pflicht er- fülle, für die er bezahlt werde, sondern daß ein zum Schaffneramt Berufener am Faden feines Lebenswerks spinne. Schaffner Pillnitz empfand seinen Wagen als. ein kleines Reich, in dem er herrschte. Aber er spielte sich nicht als Souverän auf, sondern empfand sich als den stillschweigend anerkannten Vertrauensmann seiner Gemeinde Häufig vermittelt« er aus dem reichen Schatz feiner Erfahrungen Kenntnisse an das Publikum. Das waren dann keine barschen Au Forderungen und keine hartkantigen Verwarnungen, sondern spezielle Nutzanwendungen allgemeiner Lebensweisheiten auf Pro- bleme der Beförderung durch die Straßenbahn. Schaffner Pillnitz war ein Charakter. Es galt ihm gleich, wen er vor sich hatte. Er tonnte gegenüber den Herren in feingebügelter Hose keine Scheu und gegenüber zerschlissenen Mütterchen keine Ueberhebung. Unterschied« der Menschenbewertung gab es für ihn nicht. Hier war er. kraft seiner sachlichen Qualifikation dazu, der Regent, und alle anderen waren seine Pflegebefohlenen, denen- er Ratschläge über Platzausnutzung erteilte und Begründungen für das Verbot des Ab- fieigens während der Fahrt gab. Wenn er die Straßen und Plätze ausrief, so tat er das nicht lakonisch und unwillig, sondern mit innerlicher Freude darüber, aus dem Schatz seines umfänglichen geographi- fchen Wissens anderen etwas zugute kommen lassen zu können. Ge- legentlich wurden Fragen an ihn gerichtet, wie man zu dieser oder jener Straße zu gehen habe. Schaffner Pillnitz gab dann detaillierten Bescheid, flocht zuweilen einen kleinen, harmlosen Spaß In seine Be- lehrung. half dem Fahrgast beim Aussteigen und verabschiedete ihn fast wie ein Pastor seinen Konfirmanden, der aus dem liafen der Besorgtheit und Bemuttewng ins Leben hinausfährt. Plauchmal provozierte der Schaffner Pillnitz ein Gespräch. Aber es kam ihm nie in den Sinn, über die Wirtschaftskrise, die politische Lage oder das Wetter zu sprechen. Er vermied jedes Thema, bei dem er möglicherweise den Kürzeren gezogen hätte oder bei dem auch nur seine Meinung gegen eine andere stand. Er unterhielt sich aus- schließlich über Strahenbahndings und bezog alle Autorität aus seinem Amt und der Art, wie er es verwaltete. Er sah alles unter dem Gesichtswinkel der Straßenbahnfahrt. Er lebte in ihr. Er be- herrschte die Menschen im Wagen: nicht mit jenen verstaubten Para- graphen, die den Passagieren die Pflicht auferlegten, seinen An- Weisungen Folge zu leisten: sondern mit seiner schönen ttefen Stimme, seinem lustigen Wort, seiner überlegenen Art der Menschenbehand- lung. Er machte jede Fahrt zu einem kleinen Erlebnis für seine Gäste, zu einer in sich abgeschlossenen Miniaturepisode. Er war Schaffner mit Liebe, Schaffner aus innerem Drang, er war eine Schaffnerpcrsönlichkeit. Eines Tages bekam Schaffner Pillnitz gekündigt. Ein« Linie war eingezogen worden und der Angestelltenapparat hatte verringert werden müssen. Pillnitz hatte Glück und fand in einer Eisengießerei neue Arbeit. Er dirigierte dort tagaus, tagein einen Hebekran und es läßt sich nicht sagen, daß diese Arbeit beschwerlicher gewesen wäre als seine frühere. Auch die Entlohnung war nicht schiechter ge- worden. Aber der Schaffner Pillnitz verkümmerte an seinem Hebe- kran. Er wurde menschenscheu und ruhig. Die Heiterkeit seines Wesens schwand dahin, und er erfreute sich bei seinen Kollegen keiner allzu großen Beliebtheit. Er war wie ein verlöschendes Licht. Zu- weilen begegnete er Menschen, die ihn noch als Schaffner gekannt hatten. Dann blühte er für Minuten auf. wurde gesprächig und erging sich lächelnd in Erinnerungen. Z>a« Hhealer in China Das chinesische Theater ist in erster Linie das Theater des Volles. Ein« groß« Rolle spielen dabei die Clowns, die die Herr- kichsten Kunststücke ausführen. Die Bühnenausstattung ist ähnlich dem, was wir unter einer„Shakespeare-Btthne" verstehe», es ist nämlich nur»in Hintergrundvorhang gespannt, vor dem sich dann die Phantast« der Zuschauer alle möglichen schönen Bühnenbild« denken kann Die beliebtesten und vollstümkichsten Schauspiele stammen aus der Zeit d« Mongolenherrschaft(1260—1368) und sind eigentlich Opern, die in dem eigentümlichen Fistelton der Chinesen gesungen werden. Die Zuschauer kennen diese Stücke in- und auswendig, bis auf die kleinste Bewegung des Schauspielers, die stets irgendeine besondere Bedeutung hat. Die Requisiten sind denkbar primitiv, aber uralt. So stellt mon zum Beispiel einen Schneesturm dar. indem man au» einem Regenschirm Papierstückchen schüttet. Trägt «In« ein schwarzes Tuch vor dem Gesicht, so ist er entweder ein flUtnufl ntJr tm XotCC. Die Frauenrollen werden in der Hauptsache von Männern gespiett: der chinesische Kaiser Eh'i-Lung hat nämlich Ende des acht- zehnte» Jahrhunderts den Frauen oerboten, auf der Bühne auf- zutreten, und dieses Verbot ist allmählich zu einer Tradition ge« worden, obwohl es als Verbot ja nicht mehr besteht. In Tientsin gibt es aber heute einige Theater, in denen Schauspielerinnen auf- treten. Diese Schauspielerinnen müssen sedoch ängstlich darauf be- dacht sein, die Darstellung ihr« männlichen Kollegen genau nach- zuahmen. Man würde ihnen eigene Darstellungsgesten nicht ver- zeihen. So wie die Männer die Frauenrolle kreiert und jahrzehnte-. wenn nicht jahrhundertelang gespielt haben, so müssen auch die Frauen sse geben. Ein ganz eigenartiger Fall: Frauenwesen, dar- gestellt wie männliches Empfinden es auffaßt, und dann auch von den weiblichen Darstellern ebenso übernommen. Wenn man von einer Schauspielerin in China sagt: Sie spielt fast so gut wie ein Mann, so ist das das höchste Lob, das ihr«teilt werden kann. Die große Masse der chinesischen Schauspieler ist jahrhundertelang mit Verachtung betrachtet worden. Es war ja früher auch bei uns nicht and«», denn ein geflügeltes Wort au» jene» Tagen P an» Aast alle großen Goldeuldecknngeu sind dem reinen Zufall zu oerdanken. Im Jahre 1857 suchte ein armer Eingeborener seine Esel und fand da» Goldland von Guinea, nach dem Sir Walter Raleigh vergeblich gesucht hatte. Das Goldfeld von Neu-Schott- land wurde 1861 von einem Manne entdeckt, der an einem Bach Rast gemacht hatte, um seinen quälenden Durst zu löschen. Er bemerkte unter den Kieselsteinen ein Stückchen Gold. Er forschte weiter nach und saul Ulensel Köpenick, Scfato�straRc 17. fienossenl Uniersiflizl Bore eigenen Betriebe! Deckt Euren Bedarf a.Urnen u.Grabdenkinälarn nur in d VtDinmnhhnttO O.m.InnKiig. 0. m. b. H, Baumichulenweg, 'IclUlUclLllUllc, Kl.fnolzjtr, gegenüber den, Kfimatonum, Tel.; F3, Oberspree 1685. Lieferung nach allen Friedhöfen in GroS-Berlin. SiH« nf dia Fima ablas, foonlaqs geöffset. Inf tf anHl* Gerichlstr. 46, gegenüber Kremat. Jclll düUI. Seestr. S9, gegenüb. Urnenfriedhof SSS2L"? Talousie- Fabrik Gebäude Reinigungsl Gesellschaft m.b.H. Berlin SOSß.SchlesischeStr�Q Fernruf: F8, Oberbaum 3553-54 Billigste und zuverlässigste Ausführung aller Reinigungsarboiten ✓ Bohner- uno Oelmaschinen/ Staubsauger/ Vertreterbesuch jederzeit unverbindlich Seil 1010 Ernst Garff, lob. E.& J. Gar! SO. 36. Britzer Str. 7. Tel. F 1 Moiitzpi. 3070 Leihwäsche billig, sauber Wäsche- Fliess pünktlich nw. 87 Klopstockstr. 4 nosd. 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Die Einäscherung findet am Mittwoch, dem 30, Desember, 14 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Von Kondolenzbesuchen bitte abzusebaa. 18 Monatsraten I MÄK let!iiigefStr.12M23 Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme anläßlich der Emäsche- rung meiner unvergeßlichen Frau und unierer guten Mutter, sagen wir allen Berwandien, Freunden und Befannlen. insbesondere dem Sjeirn Redner für feine trostreichen Worie am Sarge der Entschlafenen, den Kolleginnen und K.llegen der Hauvtfaste des Gesamlverdanoes und den Genossen der 124 Abteilung unseren tieigeiühlten Dank. Albert Bergmann nnd Kinder. Berlin-Mahlsdors, 24. Dezember 1911. Am 21. Dezember 1931 entschlies sanit nach langem, schweren Lethen mein Heber Mann, unier lieber Bater. Schwiegervater und Großvcier Johann lOblein im Alter von 71 Jahren. Dies zeigen tief(rauernb und um stilles Beileid bittend an Frau Barbara LOblein nnd Kinder. Berlbt-Ltchtenberg, Gältet str. 1A Tranerfeier am Montag, dem 28. De- zember 1931, IS Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. Gagen Hüsten u.Helsarkeit nur V QueUsaJ zbrmhoVy/fy/, >�■73.■■st.icB Ullrich AGoMweiBensee Pistoriosstr. 102 a Telephon: Welßonsee 1238 Ueberau©rhÄltllch SfempeliabriK Werner ft Schade Berlin N, Kastanienallee 43 Fernsprechanschluß Humbold<1011-101. liefen Kaotsdiak- Doi Hetaüsteinpsl prompl *"'s e�igueb 1 UiST»—" 1 sWK-sssKr Weißen«®® �""e" Hteihe Anzetgen, IAuf alle tarifmäßigen Anzeigenpreise 2. Zt. 50> Sonder-Rabatt tmrkun4fSV0l£ und billig Uberschriftswort 25 Pf., Textwort 12 Pf./ Wiederholungsrabatt: 10 mal 5%, 20 mal oder TOOO Worte Abschluß 10%, 2000 Worte 15%, 4000 Worte 20 5< Stellengesuche: Überschriftswort 15 Pf., Textwort TO Pf. Annohme durch den Verlag, Lindenstr. 3(Ji9 bis 5 Uhr), und sämtliche Vorwärts Filialen u. Ausgabestellen Silvesierartifel, Feuerwerks färper, Lustschlangen, Gieß. dlei. Papiermsttzen. Neuiahrskarten, Scherzartikel, Mo- nokel, sehr preis. wert. Große Aus. wal>l. Lagerbesuch lohnend. 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