Morgenausgabe Nr. 604 A 304 4S.IahrgtMg Wi>ch?nllich 85 Ps., monotlid) 3.60 (davon 95 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus> im voraus zahlbar. Postbezug 4.M M. einschließlich so Pf. Pouzeitungs- und 72Pf.Poftbestellge. buhren. Auslandsabonnemeni s.— M. pro Monat; Mr Länder mit ermäßig. tem Druckfachenpvrto B.— M. Set„Vorwärts' erscheint Wochentag- lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Sandel mit dem Titel„Der Abend", Illustrierte Sonntagsbeilage „Volk und Zeit" Berliner VoKSbla« Sonntag 27. Dezember 1.931. Groß-Äerlin IL pf. Auswärts-15 pf. Die ctnlpolt. Nonpareillezeile 80 P!. Retlamezeile 5.—„Kleine An- zeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pf. (zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt. Tarif. Stellengesuche das erste Won 15 Pf, jedes weitere Won 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte, Arbeitsmartt Zeile 60 Pf Familien- anzeigen Zeile 40 Pf. Anzeigenannahm« im Hauptgeschäft Lindenstraße 3. wachen- täglich von 8�/2 bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Aenteawrsan der SozialdemoSrattfOen Oavtei DenNttMands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Fernspr.. Tönbollnord vor. Huth war ein bewährter Angestellter, der viele Jahre bei der Jirnra Loeser u. Wolsf tätig war, er sollte zum Jahresende pen- sioniert werden. Nach den bisherigen Ermittelungen und Zeugen- aussagen ist der Filialleiter wahrscheinlich schon am Heilig- abend kurz nach Teschäftsschluh, vermutlich in dem Augenblick, als er mit der Kassenabrechnung beschäftigt war, überfallen und niedergeschossen worden. Am Donnerstagabend, als die Familie des Ermordeten bereits unter dem Tannenbaum vsr- sammelt war, wartete man vergeblich aus die Heimkehr des Mannes. Als Stunde um Stuirde verrann und Huth noch immer nicht in seiner Wohnung erschien, suchten seine Angehörigen nach ihm. Man glaubte zunächst, daß ihm ein Unfall zugestoßen sei; die Nach- sorschungcn nach dieser Richtung verliefen jedoch ergebnislos. Schließlich suchten die Angehörigen am Vormittag des ersten Feier- tages das Geschäft in der Mohrenstra�e aus. Die Tür war nur ein- geklingt, die Jaloüste heruntergelassen. Jetzt schöxste man einen Ver- dacht und rief die Polizei. Die Beamten fanden den Vermißten in einem kleinen Raum hinter dem Laden t o t auf. Durch zwei Brustschüsse war Hut nieder- gestreckt worden. Der Tod ist offenbar auf der Stelle eingetreten. Die Mordkommssion des Polizeipräsidiums nahm sofort die Er- Mittelungen auf. Es ist versucht worden, den Hergang der Tat zu rekonstruieren. Zwei Möglichleiten ergeben sich für den gewaltsamen Tod des Filialleiters. Entweder handelt es sich um einen Ueberfall durch jüngere Burschen, die mit vorgehaltener Pistole von Huth die Herausgabe der Kasse verlangten, dabei aber auf den Widerstand des Mannes stießen und ihn dann niederknallten. Den lebloien Körper schleppten sie dann in den hinteren Raum, plünderten die Kasse und flüchteten. Die andere Version läßt die wahrscheinliche Vermutung zu, daß Huth nach Geschäftsschluß noch einen ihm viel- leicht bekannten Kunden hereingelassen hat, der den Ahnungslosen vielleicht im Verlaufe eines Gesprächs hinterrücks erschoß. Etwa 300 M. sind dem oder den Tätern in die Hände gefallen. Flugblätter der Kriminalpolizei. Bereits am ersten Feiertag wurde die Nachricht von dem Raub- mord durch Rundfunk bekanntgegeben Da die Kriminalpolizei auf die Mitarbeit der Zeitungen an den Feiertagen nicht rechnen konnte, wurden in aller Eile Flugblätter gedruckt mit der Auf- schrist: Raubmord! Z000,— RM. Belohnung! In diesen Flugblättern wurde kurz die Tatsache von dem Verbrechen mitgeteilt und das Publikum zur Mitarbeit unter Hinweis auf die Belohnung zur Aufklärung der Tat aufgefordert. Die Polizei ging hierbei zweifelsohne von dem sehr begrüßenswerten Standpunkt aus, keine Zeit zu verlieren, zumal seit der Tat ohnehin schon 16 Stunden verstrichen waren. 1000,— Mk. Belohnung sind vom Berliner Polizeipräsidenten, die weiteren 1000 Mk von der Loeser u. Wolff ausgesetzt worden. Mitteilungen, die auf Wunsch streng vertraulich behandelt wer- den, erbittet die Mordkommission, Kriminalkommissare Fähnrich- Lehmann, im Polizeipräsidium, Zimmer 30, Anruf E 1, Berokina 0023, Hansanschluß 433 oder 385 Oer letzte Kunde der Mörder. In dem Laden stehen auf dem Tisch zwei Kisten mit Zigarren. die das Stück 20 Pfennig kosten. Aus einer Kiste fehlen 12 Stück. Der letzte Bon an der Kasse zeigt 12 Zigarren a 20 Pf.= 2,40 M. Dieser Kunde ist also von Huth noch abgefertigt worden. Ob er der Mörder war, ob er nur auskundschaften wollte, ob der alte Mann allein sei, oder ob er wirklich nur ein harmloser Käufer war, müssen erst die Ermittelungen der Polizei ergeben. Wenn er wirklich nur ein harmloser Käufer war, so kann er der Polizei vielleicht wichtige Fingerzeige geben. Der Geschäftsführer ist hinter dem Laden- tisch stehend in der Rahe der Kasse von den tödlichen Kugeln ge<� troffen worden. Der Mörder nahm ihm dann die Briestasche ab, schleifte sein Opfer in den kleinen Raum und plünderte dann die Registrierkasse. Huch hatte die Gewohnheit, das Geld, das im Laufe des Tages einkam, zwischen den Kisten zu verstecken und nicht In der Kasse zu lassen. Seinen Kollegen hatte er von dieser Vorstchts- Maßregel oft gesprochen. Dabei erwähnte er, daß an seiner Straßen- kreuzung in den Abendstunden der Betrieb auf der Straße sehr nach- lasse. Er befürchtete, daß man ihn überfallen würde, und die Räuber sollten dann nicht mehr das ganze Geld in der Kasse vor- finden. Dieses versteckte Geld ist auch tatsächlich noch gefunden worden. Zwischen dem Mörder und seinem Opfer hat wahrscheinlich kein Kampf stattgefunden. Der Ueberfall erfolgte so plötzlich, daß Huth gar keine Zeit fand, Widerstand zu leisten. Der Mörder bc- nutzte zur Tat eine K,3Z-Pistole. Das Geschäft hat er dann nach der Mauerstrahe zu verlasien. Die Ladentür warf er nur ins Schloß. Bis in alle Einzelheiten vorbereitet. Die weiteren Ermittelungen der Mordkommission lassen setzt ziemlich klar erkennen, daß der Raubmord bis in alle Einzelheiten genau vorbereitet wyrden ist. Der Tö�r muß mit den Ge- pflogenheiten des Geschäftsführers genau oertraut gewesen sein. Offenbar hat er am Abend der Tat das Geschäft stundenlang beobachtet, und erst als Huth den Lehrling gegen 18 Uhr nach fmuse geschickt hatte, schritt er zur Ausführung der Bluttat. Leider fehlt bisher von dem Mörder jede Spur. Zug entgleist. Sechs Verletzte bei einem Zugunfall. Loksmotive umgestürzt Weimar, 26. Dezember. Slm 2. Weihnachlsfeierlag. früh 6.40 Uhr, Hot sich auf der Schmal- spnrsirecke Unlerneubrunn— Eichsfcld ein Zugunfall ereignet, von dem Personenzug 742 entgleisten die Lokomotive und zwei Personenwagen. Die Lokomotive stürzte die Böschung hinunter, vier Personenwagen wurden schwer beschädigt. Die Ursache des Unfalls ist noch nicht geklärt, vier Fahrgäste, sowie der Lokomotivführer und der hilssheizer erlitten größtenteils leichlere Verletzungen und wurden dem krankenhause in Eichrseld zugeführt. Die Verletzten sind Alfred D r e s s e l aus Schwarzbach, dessen Ehefrau, Frau Schmidt aus Poppenwind. Heinz Schmidt, Obertokomotiv- sichrer Rothenberger und hilssheizer Schmidt. Der Verkehr wird durch Postautos ausrechterhalten. SchweresEinsturzunglückamTagevor Weihnachten Port Elizabeth piewjersey), 26. Dezember. Die Wände eines Gebäudes, das allmählich abgetragen wird, stürzten gestern plötzlich ein und sielen in einen Geschäftsraum. Etwa zwölf Personen scheinen dabei ums Leben gekommen zu sein. Wieder Revolver gegen Taxichausseur. Den Wagen geraubt. Am Freitagabend wurde der Taxichauffeur der Krastag, der 26 Jahre alt« Rino Sanders aus der Karlsruher Straße von zwei unbekannten Männern zu einer Fahrt angenommen. Sie ließen sich nach der Laskerstraße, in der Nähe der Hohenlohestraße, fahren. Hier zwangen chn die Fahrgäste mit vorgehaltenem R e» volver. auszusteigen. Einer der Räuber setzte sich selbst ans Steuer und fuhr mit dem Wagen davon. Der Chauffeur benach» richtigte das nächste Polizeirevier. Der geraubte Wagen wurde am Sonnabendvormittag am Petersburger Platz wieder aufgefunden. Es ist dies der zweite Fall. Am vergangenen Sonntag hatten zwei Räuber einen Chauffeur gezwungen, nach der Schneeglöckchenstraße zu fahren. Hier hatten sie ihm auf die gleiche Art den Wagen ge- raubt. Wahrscheinlich kommen für beide Ilcberfälle die gleichen Täter in Frage. Ob sie den Wagen zu Einbrüchen gebraucht haben, hat sich noch nicht feststollen lassen. 1932! Tns neue Jahr, das in wenigen Tagen beginnt, wird politische Entscheidungskämpfe von größter Tragweite bringen. Ta gilt es für jeden Sozialdemokraten und jeden Gewerkschafter, die Reihen fester zn schließen, um jeden Ansturm siegreich abwehren zu können. Vor allem ist es nötig, die sozialdemokratische Presse in immer weiteren Kreisen zu verbreiten. Der..Vor- wärts" hat, wie schon mitgeteilt, seinen VezugSpreis wesentlich ermäßigt. Er kostet im neuen Jahre monatlich nur 3.23 M-, wöchentlich nur 73 Pf. bei zweimal täglichem Erscheinen. Wir bitten alle unsere Genossen, nicht nur selbst dem„Vorwärts" treue Leser zu bleibe«, sondern auch, jeder in seinem Kreise, neue Leser und damit neue Mitkämpfer zu gewinnen. Borwiirts mit de«„Vorwärts" zu Kampf und Sieg im neuen Jahr! Sammelbecken des Bösen Die faschistische Schlammflut. Von LtaatsaovaU Dr. Wilhelm Hoegner. Jede politische Partei lebt von der Möglichkeit, ihre Auf- fassungen, Bestrebungen und Ziele an die Wähler heranzu- bringen und sie dadurch als Anhänger und Mitkämpfer zu gewinnen. Sie muß sich zu diesem Zweck nicht nur an den Verstand, sondern auch an die G e f ü h l e und S t i m m u n- gen der Staatsbürger wenden. Nun sind aber die Empfin- düngen der meisten unklar, man kann die Menschen häufig ebenso zum Guten wie zum Bösen begeistern, je nach der Seite, die man bei ihnen berührt. In Zeiten des Massen- wahns find auch vernünftige Leute gleichermaßen zur heldischen Selbstaufopferung in einem Kreuzzug, wie zum ab- scheulichen Verbrechen einer Bartholomäusnacht bereit. Die Gefühle und Leidenschaften, die zu politischen Zwecken er- regt werden, sind unter sich unendlich verschieden. Aber in der Art und Weise, wie sie die einzelne Partei aufgreift und sich nutzbar macht, spiegelt sich ihr ganzes Wesen selbst. Dem Nationalsozialismus ist es gelungen, die verschiedenartigsten Volksgruppen mit ganz entgegengesetzten Klasseninteressen zusammenzuschweißen im gemein- s a m e n Haß gegen das heutige Staatssystem, vor allem gegen die Sozialdemokratie. Während sie sich anfangs noch auf berechtigte Gefühle der Empörung über die ständigen nationalen Demütigungen, der Auflehnung gegen die Prole- tarisierung des Mittelstandes zu stützen schien, hat sie sich in zunehmendem Maße die In einer Notzeit überall auf- wallenden Empfindungen der Rachsucht und des Hasses, der Herrschsucht und Machtgier zunutze gemacht. Wie Hitler selbst sich im Jahre 1923 gegenüber Reichswehroffizieren mit Gambetta, Mussolini und Napoleon verglich, so bestärkte er seine auserwählte Führerschar in dem Wahne, sie seien zu Uebermenschen geboren. Seine Führer sollten rücksichtslos die Masse beherrschen, die nach Hitler(„Mein Kampf") träg und feig, nicht denk- fähig und nicht tüchtig, auf keinen Fall aber„begnadet" ist. Angeblich„bessere Rasse" berechtigt nach ihm zur Führer- schaft. So fachte er durch verbissene Judenhetze den im deut- schen Volke selten gewordenen Rassenhaß zu lodernden Flam- men an. Die Richtangehörigen der„Herrenrasse" werden von ihm als„Mißgeburten zwischen Mensch und Affe" be- schimpft. Der völkische Staat soll keinem höheren Zwecke dienen, als Rassenmenschen rein zu halten, heranzuzüchten» zu bevorzugen, denn,„was nicht Rasse ist auf dieser Welt, ist Spreu". Man kann sich unschwer vorstellen, wie sich in einer allzujugendlichen Führerschicht durch solche Lehren Ueberheblichkeit, Uebermut und Größen- mahn einfressen muß. Zum zweiten rechnet der Nationalsozialismus mit der Furcht der meisten Menschen vor kommenden Din- gen. Er übertreibt seine Fortschritte und stellt seinen End- sieg als unausbleiblich hin. Den eigenen Anhängern werden Vorteile nach der Machtergreifung, denen, die den Anschluß versäumen, schlimmste Nachteile, Verlust von Stellung und Einkommen im Dritten Reich angekündigt. Be- amten, die ihre Pflicht gegenüber nationalsozialistischen Aus- schreitungen erfüllen, werden Nachteile angedroht. Das eigentliche Lebenselement der Nationalsozialisten ist aber d e r H a ß. In seinem Buche„Mein Kampf" fordert Hitler zu einer aktiven Auseinandersetzung, zu einem letzten Entscheidungskampf mit deutscherseits größten Schlußzielen, zur Vernichtung Frankreichs auf. Seitdem sich aber der Nationalsozialismus auf außenpolitischem Gebiet aus durchsichtigen Gründen eine gewisse Zurückhaltung auf- erlegt, hat er die ganze Woge seines Hasses auf seine inner- politischen Widersacher abgelenkt. Diesen Haß zu erwecken und ständig zu schüren, schreckt er vor keinem noch so verwerf- lichen Mittel zurück. Trotz aller Widerlegungen werden die Sozialdemokraten immer wieder als geborene Vaterlands- Verräter, als verlumpte Söldlinge Frankreichs hingestellt. „So wenig eine Hyäne vom Aase läßt, so wenig ein Marxist vom Landesverrat," schreibt Hitler in seinem Buche„Mein Kampf".„Nicht nieder mit den Franzosen, sondern mit den Novemberverbrechern!" war sein Losungswort beim Ein- marsch der Franzosen ins Ruhrgebiet. Die Vernichtung der Marxisten wird von ihm„auf allen Wegen und mit allen Mitteln" betrieben. Sogar den Ruhr- abwehrkampf sozialistischer Arbeiter hat Hitler als„marxisti- schen Schwindel", als„bezahlten Patriotismus" verächtlich gemacht. Nach seinem Ausspruch ist die„Rettung des Vater- landes begründet erst in der Stunde, da der letzte Marxist entweder bekehrt oder vernichtet ist". Die verschiedenen Mög- Oer Richter von Rotenburg. Auf der Suche nach Zudenspuren. Wir berichteten vor kurzem über ein aufsehenerregendes Urteil, das der Eingelrichter beim Amtsgericht Rotenburg an der Fulda, Amtsgerichtsrot Sunkel. in einer Beleidigungsklage ge- fällt hat, die von dem Geschäftsführer der„Vorwärts"-Verlag- G. m. b. H., Genossen Theodor Glocke, und dem Chefredak- teur des„Vorwärts", Genossen Stampfer, gegen einen bäuer- lichen chltlerwcmn, den Landwirt Claus aus Asmushausen, ange- strengt war. Besagter Claus hatte in einer sozialdemokratischen Versammlung als Diskussionsredner gesprochen und dabei die alt« Lüge wieder ausgewärmt, der„Vorwärts" fei oon der Danatbank und ihrem Direktor Jakob Goldschmidt mit Geld„unterstützt" worden und habe sich dafür verpflichtet, nichts gegen die Juden zu schreiben. In einer Reihe von Prozessen sind nationalsozialistische Re- dakteure und Versammlungsredner, die den gleichen Unsinn verzapft hatten, bereits mit mehr oder weniger hohen Geld st rasen be- legt worden. Ueberall wurde, zum Teil nach eingehender Beweis- aufnähme, festgestellt, daß an der Mär von dieser angeblichen Geld- gewährung— sei es in Form eines Darlehens oder einer, wie wohl auch behauptet wird.„Unterstützung"— keine Silbe wahr ist. Ueberall wurde auch festgestellt, daß die Behauptung, der„Vor- wärts" habe sich für diese angebliche Geldunterstützung zu einer bestimmten politischen Haltung verpflichtet, eine schwere Ehren- k r ä n k u n g sowohl der Redaktion wie der Seschäftsleitung unseres Blattes darstelle. Anders in Rotenburg an der Fulda. Dort hat der Einzelrichter Sunkel den Naziredner glatt freigesprochen mit der Begründung, es könne für den Geschäftsführer des„Vor- wärts" keine Beleidigung sein, wenn man ihm nachweise, daß er für sein Blatt oon irgendeiner Seit« ein« Unterstützung an- Die Zuspätgekommenen „Dummer Kerl, geh doch nicht schon entzwei! Wir wollten das doch erst nach unserer Machtergreifung besorgen." nehme. Aber auch die Redaktion und besonder, der klagende Chefredakteur könnten nicht beleidigt sein, denn die Redak- teure befänden sich gegenüber dem Verlagsleiter in der Rolle des Angestellten, der auf Befehl die von dem Verlags- leite r bestimmte Linie innezuhalten hätten, selbst wenn das wider ihre Ueberzeugung ginge! Schon diese Art der Urteilsbegründung hat in den interessierten Pressekreisen lebhaftestes Befremden ausgelöst, um so mehr, als selbst der zwischen dem Arbeitgeberverband für das deutsche Zei- tungsgewerbe und dem Reichsoerband der Press« vereinbarte und verbindlich erklärte Tarifvertrag ausdrücklich feststellt: Dem Redakteur wird im Rahmen der mit dem Verleger ver- cinbarten politischen oder wirtschaitlichen oder kulturellen Richt- linien für die Rcdoktionsführung die geistige BewegungsfreiheU auch bei der Gestaltung des Textteils im einzelnen gewährleistet. Ferner wird in dem erwähnten Vortrag ausdrücklich versichert, daß„die Zusammenarbest oon Verleger und Redakteur bedingt ist durch die Pflicht zur Wahrnehmung öffentlicher Interessen durch die Zeltung. Es darf daher vom Verleger auf den Redakteur kein Gewissenszwang ausgeübt werden." Das ist, wie gesagt, geltendes Recht für alle Redaktio- nen, wie viel mehr erst für die sozialdemokratischen, deren Redakteur« Vertrauenspersonen der Partei und dieser für ihre Haltung ver- antworllich sind! Für den Richter von Rotenburg aber sind diese Dinge voll- kommen neu und unerfindlich. Nach seiner Ueberzeugung leben die heutigen Redakteure noch in der gleichen Geistesverfassung, wie jener„Schmock". den Gustav Freytag im Jahre 1854 auf die Bühne stellte. Daß das freisprechende Urteil aber nicht nur in der Unkenntnis de» Herrn Sunkel begründet liegt, erhellt aus einem Nebensatz des Urteil», in dem es nämlich heißt: So aber war der Angeklagte wegen der angeblichen Be» hauptung dem Kläger Stampfer gegenüber ohne weiteres frei- zusprechen, wobei noch dahingestellt bleiben kann, ob Stampfer gegenüber nicht auch schon deshalch auf Freisprechung zu erkennen gewesen wäre, weil Stampfer jüdischer Abstammung ist. und es vielleicht für ihn schon deshalb etwas Selbstverstönd- liches bedeutet, in seinen Zeitungsartikeln nicht in einem gegen seine Volksgenossen gegnerischen Sinn zu schreiben, zumal noch hinzukommt, daß seine Zeitung das Leitorgan gerade der Partei ist, in deren Reihen die Juden von ihrem geistigen Begründer Marx an eine besonders hervorragende Rolle gespielt haben. Diese Weishest hat Herr Sunkel in das Urteil geschrieben, ohne auch nur im geringsten über den Inhalt dieser Behauptungen B e- weis erhoben zu haben. Er hat also sein Pseudowissen ein- fach als„gerichtsnotorisch" hingestellt und daraus Schlußfolgerungen gezogen. Aber auch das ist nicht nur eine gelegentliche Entgleisung, son- dern Herr Sunkel hat sich Mühe gegeben, vorher einiges von der Abstammung der klagenden Genossen Glocke und Stampfer so- lichkeiten dieser„Vernichtung" werden von den nationalsozialistischen Rednern in den Volksversammlungen mit breitem Behagen ausgemalt. Nie fehlt die Versicherung, daß Köpfe rollen werden. Man will unzählige Galgen errichten oder Zehntausende von marxistischen Funktionären in der Nacht „der deutschen Revolution", den langen Messern der S A.- L e u t e überliefern. Durch diese Art der Agitation wird in leicht empfäng- lichen Menschen ein förmlicher Blutrausch erzeugt, der in erregten Zeiten ungemein ansteckend wirkt. Wir haben das in Bayern erlebt. Am 1. Mai 1923 konnten Hitler und seine Verbündeten nur durch das Eingreifen der be- waffneten Macht daran gehindert werden, die Arbeiter M ü n ch e n s, die in einem behördlich genehmigten Zug ihre Maifeier begingen, nach einem genau vorbereiteten militäri- schen Plane durch seine bewaffneten Scharen in den Straßen Münchens einzukreisen und, wie es im amtlichen Bericht des Münchener Polizeipräsidenten heißt,„w i e t o l l e Hunde niederzuschießen". Die Nationalsozialisten schreckten also vor einem Blutbad unter der friedlichen Be- völkerung keineswegs zurück. Hitlers jetziger diplomatischer Vertreter, Hauptmann Döring, verlangte damals,„daß am 1. Mai unter allen Umständen geschossen werde". Der gleiche Mann forderte nach dem Polizei- bcricht in einer Führersitzung der Nationalsozialisten vom 23. Oktober 1923, daß nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten überall„m i n d e st e n s einer zur Ab- schreckung sofort erschossen werden müsse". Am 9. November 1923 drohte er gegenüber Offizieren der Landespolizei,„daß beim ersten Schuß von ihrer Seite alle Geiseln erschossen würden, die sich in den Händen der Nationalsozialisten befänden". In der Tat sind damals die verhafteten Münchener Stadträt«, die gefangenen bayerischen Minister nur durch Zu- fall vor diesem Schicksal bewahrt geblieben. Den Ernst der nationalsozialistischen Absichten beweist das hessische Berschwärerdokument ebenso, wie der national- sozialistische Verfassungsentwurf vom 9. November 1923, in dem in Dutzenden von Fällen als einzige Strafe die Todes- strafe vorgesehen ist. So darf man sich über die möglichen Auswirkungen der nationalsozialistischen Haßpropaganda keiner Täuschung hin- geben. Die Versammlungssprache der Nationalsozialisten hat breite Volksschichten, namentlich die Jugend, un° s ä g l i ch o e r r o h t. Die politischen Leidenschaften sind bis zur Siedehitze aufgepeitscht. Einem vielfach ganz unpoli- tischen und unwissenden Bürgertum ist unaufhörlich ein- gehämmert worden, an allem Elend der Gegenwart sei einzig und allein der Marxismus schuld. Die im Kaiserreich privilegierten Schichten sehen mit Neid und Ingrimm ein- fache Männer aus dem Volke an Stellen des Staates, die seit Jahrhunderten den Angehörigen ihrer Herrenkaste vor- behalten waren. Kleinbürger und Bauern glauben den ge- hobenen Arbeiter wegen seines Einkommens und seiner sozialen Rechte immer noch beneiden zu müssen. Durch Not und Elend sind weiteste Volkskreise nicht nur irre an der Weltordnung, sondern im Herzen böse geworden. In ihrer Verzweiflung klammern sich die Menschen, die nicht mehr aus noch ein wissen, gierig an die Worte national- sozialistischer Redner, die jedes bedauerliche Vorkommnis in Staat und Wirtschaft mit Inbrunst breittreten und als Cr- gebnis des heutigen Systems hinstellen, die das ganze Leben der Nation mit persönlicher Hetze vergiften und das Deutschland von heute als einen Tummelplatz von Lumpen und Verbrechern zeichnen. Der Nationalsozialismus hat alle verderblichen Triebe und Leidenschaften der Menschen aus den Tiefen hervor- geholt und zu Mitteln des politischen Kampfes gemacht. Wir Sozialdemokraten wissen aber, daß die deutsch« Republik, wie jede menschliche Gemeinschaft, auf dem sitt« lichen Bewußtsein, dem Rechtsgefühl der meisten ihrer Mitglieder begründet fein muß, weil anders mensch- liche Gemeinschaft überhaupt nicht bestehen kann. Wir glauben, daß auch heute noch die große Mehrheit des deut- schen Volkes sich nicht aus«Untermenschen" zusammensetzt. Nur Diktatoren können die Menschen für so dumm oder schlecht halten, wie sie selber sind. Unsere Ueberzeugung von der naturhaften Güte des Menschen verpflichtet uns aber, das Sammelbecken des Bösen, das der National- sozialismus heute darstellt, mit allen Mitteln zum Ablauf zu bringen. Wir dürfen nicht warten, bis Land und Volk von den Ausdünstungen dieses schmutzigen Tümpels verpestet sind, bis das ganze deutsche Volk in der kochenden faschistischen Schlammflut erstickt! „Und in dieser letzten Stunde, in der wir das Ver- gnügen haben, mit unserem Gast zusammen zu sein, werden wir auch deutsch sprechen", sagte Herr Mactavish und wandte sich Germaine zu.„Allerdings dürfen Sie es nicht machen wie wir. und unsere Aussprache so streng kritisieren wie wir Ihr Englisci), denn sonst können wir überhaupt nichts mehr sagen."— „Ich habe auch keinen Grund dazu", erwiderte Ger- maine.„Sie haben eine ausgezeichnete Aussprache! Sie könnten Ihre Vorlesungen über deutsche Literatur, die Sie hier englisch geben, sehr gut auch an einer deutschen Uni- versität in deutscher Sprache halten! Aber ich möchte Sie .gern noch etwas fragen, was mich sehr interessiert! „Please, bitte!" Er legte die Gabel auf den Teller und sah sie erwartungsvoll an. „Ihr Kollege, Herr Professor Quenser in Oxford hat mir gestern erzählt, daß vor kurzem wieder einige Studenten des Ruskin College an der Oxford Univerfity eine Prüfung in Wirtschaft und Politik abgelegt hätten. Wie ist denn das möglich? Das Rüskin College ist doch nur eine Arbeiter- Hochschule?" Herr Mactavish lächelte, und mit ihm lächelten seine Frau und die beiden Töchter.„Eine echt deutsche Frage". erwiderte Herr Mactavish,„die von den deutschen Verhält- nissen ausgeht. Aber bei uns ist das anders, hier sind die Gegensätze zwar auch da— oh, man streitet sehr, ich meine, man kämpft für die Weltanschauung, für die Politik— aber es gibt auch Brücken, sehen Sie. Warum soll man nicht diese jungen Leute, die zwei Jahre sehr tüchtig gearbeitet haben am Ruskin College, zu einer Prüfung zulassen an der Universität? Auch die Arbeiter sind doch englische Bürger, sehen Sie!"— „Unsere Labour Party, das, was Sie in Deutschland Ar- beiterpartei nennen, sieht überhaupt etwas anders aus, als Sie vielleicht denken!" fiel nun die eine Tochter ein. die einige Jahre vor dem Krieg in Deutschland studiert hatte. „In der Labour Party ist man zum Beispiel nicht so seind- lieh gegen die Kirche gesonnen im allgemeinen, als es wohl in Deutschland bei den Arbeitern der Fall ist. Wenigstens schien es mir damals so. Aber vielleicht hatte ich auch nicht den richtigen Einblick— als Ausländerin sieht man das ja nie so aus nächster Nähe."— „Ich kann darüber leider auch keine Auskunst geben, ich habe mich nie mit diesen Fragen beschäftigt", erwiderte Germaine bedauernd. „Aber Sie nehmen hoffentlich einen freundlicheren Einv druck von unserem Lande mit. Miß Loriot", griff nun Frau Mactavish ein,„und sagen Sie bitte auch in Deutschland, daß wir die Deutschen nicht hassen, und daß unsere Freunde, die wir vor dem Krieg ,in Deutschland aufsuchten, auch heute noch unsere Freunde sind."— „Ja, darum bitte ich auch", sagte Herr Mactavish,„es gibt zwar auch bei uns Familien, die keine Deutschen mehr bei sich aufnehmen. Man muß das verstehen, sie haben Söhne verloren im Kriege... Aber es gibt solche Familien auch in Deutschland, die nicht Frieden schließen können. Sie fühlen Haß zu tief im Herzen—" Germaine sah aus die Uhr.„Ich bedaure, daß ich gehen muß", aber es ist Zeit. In zwei Stunden fährt mein Zug. und ich muß noch einige Besorgungen machen." Herr Mactavish stand auf und holte einige Briefe aus dem Nebenzimmer.„Wollen Sie diese Grüße übermitteln, bitte?" fragte er.„In Ihrer Heimatstadt ist es zwar nur Mr. Eifert, Ihr Direktor. Die anderen Freunde wohnen an anderen Orten. Aber wenn Sie einige Worte hinzuschreiben wollen, daß Sie uns besucht haben und daß wir Freunde geworden sind, dann würde ich sehr dankbar sein. Ich möchte gern wieder Beziehungen aufnehmen in Deutsch- land— sie fehlen mir für die Lorlesungen über deutsche Sprache und Literatur. Vor dem Krieg habe ich viele deutsche Bücher bekommen von meinen Freunden, und ich habe englische Bücher geschickt. Bielleicht könnte man das jetzt wieder tun."— „Ich begleite Sie zum Bahnhof." Die älteste Tochter stand auf und trat zu Germaine. „Sie sind sehr liebenswürdig", sagte Germaine etwas verlegen.„Aber machen Sie sich bitte nicht diese Mühe. Ich muß noch einmal nach Trosby Hall zurückfahren— ich habe noch nicht alles geregelt." „Wenn Sie wieder hierher kommen, dann laden wir Sie herzlich ein. in unserem Hause zu wohnen", sagte Frau Mactavish herzlich. „Darf ich diese Einladung auch für mich aussprechen?" erwiderte Germaine.„Vergessen Sie unser Süddeutschland nicht, wenn Sie selbst einmal über den Kanal fahren. Auch meine Mutter und mein Bruder werden sich herzlich freuen. Sie bei uns zu begrüßen!"— „Nur noch anderthalb Stunde!" Eilig schritt Germaine die Straße entlang. Dann betrat sie das Postamt an der Ecke und öffnete die freie Fernsvrechzelle. „Hallo, ist dort Crosby Hall? Bitte schicken Sie mir doch sofort meinen Koffer zum Bahnhof! Ich kann leider nicht mehr zurückkommen- Ja, sonst ist alles geregelt. Danke sehr." Draußen rief sie eine vorüberfahrende Autodroschke an. „Victoria Station, bitte!"— Ob Reiner schon hier war? Sein Zug war bereits gegen 19 Uhr eingetroffen. Vielleicht war er einfach im Bahnhof geblieben? Suchend blickte sie sich um. Dann ging sie durch die Wartesäle und das Restaurant. Er war nir- gends zu sehen. Vielleicht hatte sich seine Abreise verzögert, und er traf erst am Nachmittag«in. Dann würde sie ihn nicht mehr wiedersehen. Enttäuscht ging sie in die Bahnhofs- halle zurück. „Fräulein Loriot! Ich dachte mir, daß Sie schon stüher hier wären, darum bin ich einfach hier geblieben." Froh reichte er ihr die Hand. „Ich habe Sie auch schon gesucht", sagt« Germaine,„und Fräulein Mactavish habe ich sogar einen Korb gegeben, als sie mich zum Bahnhof begleiten wollte. Aber nun haben wir noch über eine Stunde Zeit." Langsam schritten sie nebeneinander her. Aber es wollte heute kein rechtes Gespräch mehr aufkommen. Germaine er- zählte von allem, was sie in diesen zehn Tagen in London gesehen hatte, und Reiner berichtete von den Fabriken Birminghams, von den Spinnereien in Manchester, von den Genossen, die er dort kennengelernt hatte. Aber zwischen diesen Erzählungen lagen plötzliche Pausen, die es sonst nicht gegeben hatte. „Sie sehen angegriffen aus, Herr Reiner", sagte Germaine endlich, als sie zum Bahnhof zurückgingen,„ich fürchte, diese Nachtfahrt hat Sie sehr mitgenommen, denn Sie hatten ja auch m diesen Tagen keine Zeit, an sich zu denken. Sie haben keine Erholungsreise hinter sich/" Er sah sie an und schwieg. Wieder stockte das Gespräch. „Sie sind nicht die Nacht durchgefahren, aber Sie sind auch bleicher als sonst, Fräulein Loriot". sagte er dann. Schweigsam betraten sie die Bahnhofshalle. Der Gepäck- träger aus Crosby Hall wartete bereits mit dem Koffer. „Bitte, belegen Sie mir einen Platz im Zug. ich komme sofort nach", sagte Germaine zu ihm. Sie schritten durch die Sperre und blieben vor dem Abteil stehen. (Fortsetzung folgt.) wohl als auch der übrigen �Vorwärts'-Redakteure festzustellen. Schon unter dem 19. Juli d. I. richtete er an den Vertreter der Kläger die Aufforderung, ihm binnen zwei Wochen mit- zuteilen,„ob die Privatkläger jüdischen Glaubens oder jüdischer Abstammung sind und ob sich unter den übrigen Redakteuren des„Vorwärts" solche befinden, die jüdischen Glaubens bzw. lüdischer Abstammung sind". Da ihm auf diese überflüssige Frage keine oder doch nicht die gewünschte Auskunft er- teilt wurde, wiederholte er sein Verlangen unter dem 8. Au- gust 1931 mit folgendem Schreiben: Es muß Ihnen überlassen bleiben, die Anfrage des Gerichts vom 19. Juli jchon vor dem Hauptoerhandlungstermin zu beant- warten. Andersfalls muß Ihnen die Frage in der Hauptver- Handlung vorgelegt werden. Es kann bei dem Inhalt der angeb- lichsn beleidigenden Aeußerung für die Straf- aber auch für die Schuldfrage von Bedeutung sein, ob die betreffenden R«- dakteure Juden sind. Ein Blick in die Reichsverfassung hätte Herrn Suntel davon überzeugen können, daß seine Frage durchaus unberechtigt sei. Denn dort ist im Artikel 136 ausdrücklich gesagt: Zliemand ist verpslichtel. seine religiöse lleberzeugung zu ossenbaren. Die Behörden haben nur so weit da. Recht, nach der Zugehörigkeit zu einer Religionsgesellschast zu fragen, als davon Rechle und Pflichten abhängen oder eine gesetzlich angeordnete statlstische Erhebung dies erfordert. Die überflüssige Frage nach der Abstammung der„Vorwärts"- Leute war also offen ungesetzlich, sie gab Herrn Sunkel oder den willkommenen Vor wand für den oben zitierten Satz von der Tätigkeit der Juden innerhalb der Sozialdemokratie! Das freisprechende Urteil Sunkels im Falle des Nazibauern von Asmushausen unterliegt einstwellen der Nochprüfung durch die zweite Instanz. Wir unterbreiten aber die Absonderlichkeiten aus der Vorgeschichte des Urteils der Oeffsntlichkeit und damii auch den Justizbehörden. An sie richten wir die Frage, welche Mahnohmen gegen einen„unabsetzbaren" Richter getroffen werden, der durch solche Fragen und durch solche Urteilsgvünd« so offen» kundig gegen die Grundsätze der Reichsverfafsung und damit gegen das geltende Recht verstößt. ll>sn? Klühs. Republik— die Erlöserin! Gestandnisse am Weihnachtsmorgen. In einem Berliner Blatt finden wir unter vielen anderen schmalzigen Weihnachtsbetrachtungen auch eine, die den schönen Titel trägt:„Deutsche Prinzen in neuen Berufen~ Parole: Es wird gearbeitet!" Darin wird getreulich aufgezählt, welcher Art von'neuen Beschäftigungen sich die Sprossen ehemals regiere über Fürstenhäuser im republikanischen Deutsch- land— und nicht nur in der deutschen Heimat— hingeben. Pom Autotechniker bei Ford bis zum Baiiteleoen bei Thyssen, vom Studenten der Forstwissenschaften bis zum katholischen Geistlichen -- die„Königlichen" und„Kaiserlichen" Hoheiten haben sich nach dieser Darstellung ganz nett der neuen Orümmg angepaßt. Sowe't sie arbeiten, wird niemand ihnen etwas in den Weg legen wollen. Die Republik gab ihnen, was die Monarchie ihnen verwehrte: Die Freiheit der Berufswahl, die Freiheit auch der persönlichen Lieb- haberei. Deshalb ist es ganz richtig, wenn in dem zitierten Weih- nachtsausfatz die frohe Schlußsolgerung gezogen wird: Auch h'er Rachwuchs, der aus starrer Tradition neue Wegs sucht und froh dem heute lebt, da, auch„Hoheiten" nur nach ihrem Können wertet... Das ist ein offenes Anerkenntnis, daß die Republik sich für die jüngere., Prinzen". Garniwr als die C rl ö s er i n darstellt, die sie befreit« au, der Eng« dynastischer Hausgesetz« und traditioneller Gebundenheit. Besonders eindrucksvoll ist das Bekenntnis, weil es in dem— deutschnationalen„Lokal-Anzeiger" des Herrn Hugenberg steht, der gleiche Hugenberg, der in seiner poliii- jchen Propaganda sonst die Wiederherstellung der Hohen- zollermonarchie fordert! In der sentimentalen Weihnächte- stimmung aber können auch in dem sonst so monarchistischen Klein- bürgerpapier ganz revolutionäre Geständnisse gedruckt werden. Für Kleinbauern und Pächter. Herabsetzung 0er Beiträge zur landwirtschastlichen Berufe!- genossenschast erreicht. In zahlreichen landwirtschastlichen Berufsgenossenschasten be- steht insofern eine ungerechte Staffelung der Beiträge, als die kleinen Landwirte und Pächter prozentual weit stärker belastet werden als die Besitzer von Großbetrieben In besonders starkem Maße war das bisher in der Landwirtschaftlichen Berussgenossenschaft für die Provinz Sachsen der Fall. Dort hatte nach den Angaben der„Volks- stimme", Magdeburg(Nr. 226), ein Besitzer von M bis 8 Morgen Land(8,00 M), von 8 bis 16 Morgen Land 10,— M. und darüber hinaus 12,— M. an Beiträgen zu entrichten Der Beitrag der Be- sitzer von% Morgen Land mar höher al» die von ihnen zu zahlend« Schuldenkonferenz am iS.Januar? Wieder im Haag.— Nimmt Amerika teil? Pari». 26. Dezember. Die französisch« Presse erklärt übereinstimmend, daß die bevor- stehende Regierungskonferenz am 18. Januar im h a a g eröffnet werden wird Die französische Regierung betone, daß man sich mit der englischen Regierung auf diesen Zeitpunkt und diesen Ver- Handlungsort geeinigt habe. Den übrigen Interessierten Re- gierungen sei ein entsprechender Vorschlag unterbreitet worden. Washington. 26. Dezember. Washingtoner diplomatische Kreise lehnen es ebenso wie Stimson ab, sich über die bevorstehend« Haager Regierungskonferenz zu äußern. Stimson hatte mit dem britischen Botschafter ein« Be- sprechung. über die aber von beiden Seiten jede Mitteilung abgelehnt wurde. Die Entscheidung darüber, ob Amerika an der Haager Konferenz teilnehmen wird, liegt beim Präsidenten, dessen Haltung zurzeit noch ungewiß ist. Paris über den Baseler Bericht. Ruhige Stellungnahme. Paris, 26. Dezember. Die Presse bespricht den Baseler Bericht und die Aus- führungen de Reichskanzlers dazu. Der„T e m p s" vertritt den Standpunkt, daß der Sachverständigenausschuß allerdings die Ansicht zum Ausdruck bringe, daß die Regierungen unverzüglich auf Grund der wirtschaftlichen Realitäten die Probleme prüfen müßten, die die zeitweilige Zahlungsunfähigkeit Deutschlands aufrollt, daß dos aber nicht bedeute, daß notwendigerweise Lösungen außerhalb des Aoung-Planes gesucht werden müßten. Die gegenwärtige Krise sei nur vorübergehend: das hebe der Sachver- ständigenbericht. ziemlich klar hervor. Wenn der Sachverständigen- bericht auch nicht ausdrücklich die ernsten, von Deutschland begangenen Fehler verzeichne, so sei es deshalb doch nicht weniger wahr, daß die Berantworllichkeit der Regierenden in Deutschland mit aller Deutlichkeit aus gewissen Ziffern herauszulesen sei.„Journal des D ö b a t s" ist besonders unzufrieden mit dem Verhalten der Amerikaner. Es vertritt den Standpunkt, daß die amerikanische Po- litik und die Schwäche der europäischen Exalliierten gegenüber Deutschland eine absurde und gefährliche Lage geschaffen hätten. Wenn die Engländer nur ein klein wenig klaren Blick hätten, würden sie chren Irrtum einsehen und sich von nun ab mit Frankreich oereinigen. Journal erklärt, der Baseler Bericht gehe zwar nicht soweit, anzuerkennen, daß die Reparationen d i e Wurzel des ganzen Uebels seien, aber er gebe doch zu. daß die Krise alle Boraussagen der Autoren des Poung-Planes übertreffe. Das führe zu einem unbestimmten und unbegrenzten Zahlungsaufschub, und diese Tatsache mißfalle den Deutschen gewiß nicht. O u o t t d i e n schreibt, wenn jeder glaube, bei dem Bericht der Sachverständigen auf seine Rechnung zu kommen, so bedeute das, daß der Bericht nichts regele und wenig präzisiere. Vonlonte erklärt, wenn die französische Regierung den Dingen mutig ins Angesicht sehe, habe die zweijährig« Frist keinen Sinn mehr. Man müsse unverzüglich eine neue umfassende Rege- lung ins Auge fassen. Nach dem Baseler Bericht sei die Politik der Berufung auf„hellige Texte" eine Vogelstraußpolitik und die Politik des Stillschweigens aus der Mode gekommen. Der sozialistische P o p u l a i r e schreibt: Entsprechend den Geflogenheiten inter- nationaler Verhandlungen hätten die widerspruchsvollen Thesen, die während der Beratungen zum Ausdruck gekommen seien, schließlich zu einem einmütig angenommenen Text geführt, der die formelle Feststellung enthalte, daß Deutschland nicht in der Lage sei, seine Verpflichtungen durchzuführen. Die fvanzösiche Regierung habe geglaubt, ein Meisterstück dadurch zu vollbringen, daß sie für die Trennung des Problems der privaten Kredite und des Problems der Durchführung des Poung-Plans eintrat. In Wirklichkeit habe sie dadurch die Reparationen im voraus preisgegeben. Borah für volle Gchulbensireichung. Washington, 26. Dezember. Senator Borah erklärte.zum Baseler Ergebnis, daß er keine wirtschaftliche Erholung Europas sehen könne, solange die Repa- rationcn nicht gänzlich gestrichen würden. Zwölf Jahre lang seien Konferenzen abgehalten und Aenderungen vorgenommen worden, ohne daß ein« Besserung eingetreten sei. Wenn Europa die Tribute nicht annullieren könne, sei es besser für die Bereinigten Staaten, Europa gänzlich allein zu lassen, um nicht selbst mit in den Bankrott hineingezogen zu werden. Di« französische Behaup- tung, daß die ungeschützten Zahlungen berechtigt seien, könne Deutschland durch die Erklärung zurückweisen, daß bereits rund 10 Dollar-Milliarden gezahlt worden seien. Pachtsumme. Verantwortlich zu machen ist dafür der Landbund, der die Genossenschaftsversammlung beherrscht. Die Vertreter der Sozialdemokratischen Partei im Provinzial- ausschuß für die Provinz Sachsen, der den Genossenschastsvorstand der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft der Provinz Sachsen darstellt, haben kürzlich gegen die erwähnte Preisregelung einen scharfen Vorstoß unternommen Er war nicht erfolglos. Es gelang, den Mindestbeitrag von 8,— M. aus 4,— M. für das Jahr 1932 herabzusetzen und Betriebe, die weniger als% Morgen groß sind, beitragsfrei zu lassen. Damit ist für jeden, der sehen will, erneut der Beweis erbracht, daß die Sozialdemokratische Partei von dem Schutz der kleinen Landwirt« und Pächter nicht nur redet, sondern sich auch bemüht, ihn Taffache werden zu lassen. Roihemden auf dem Kriegspfad. Velagentngszustond in l»«r Nordwestprovinz Indiens. London, 26. Dezember. Di« englische Regierung hat drei Notstandsversügungen er- lassen, die der Regierung in öer N o r d w e st p r o v i n z in Indien weitgehend« Vollmochten zur Aufrechterhallung der Ord- nung geben. Sie gestatten Massenverhaftungen, Jnhaft- nähme von verdächtigen Personen, Besitzergreifung von Gebäuden und Land, Herausgabe von Bestimmungen, die öen Zutritt zu bestimmten, besonders gefährdeten Gebieten verbieten und die Ein- setzung von Sondergerichten, die das Recht haben, gegen auf. rührerische Personen sofort die Todesstrafe zu verhängen. Der Handel mit Massen wird einer besonders scharfen Kontrolle unterworfen. Die Behörden sind berechtigt, gegen Personen, die Steuern verweigern, sofort«inzuschreiten. Sofort nach Herausgab« dieser Notstandsversügungen kam e, zu schweren ZusammenstöheN zwischen den Behörden und den Roten Hemden, die in größerer Anzahl in Peschawar er- schienen waren. Di« Polizei ging mit Stöcken gegen die Menge vor, während das Militär das Feuer eröffnete. Dabei wurden acht Personen getötet und fünfzig verletzt. Der Chef der Polizei wurde verwundet. Auch in anderen Bezirken kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei, wobei die Menge auf die Polizei mit Steinen warf. Die Behörden melden jedoch, daß sie die Lage völlig in der Hand haben. Der Führer der Roten Hemden, Abul Bhasur Khan, der auch der Gandhi der Nordwestgrenz« genannt wird, und sein Bruder sind von den englischen Behörden ver- haftet und aus der Nordwsstprovinz abgeführt worden. Außerdem wurden noch 17 Verhaftungen vorgenommen. Der srerazösijche Senat Hit das Marinebauproaramm für das nächste Jahr ohne Debatte angenommen. Dank des Widerstandes der Sozialisten und des schlechten Eindrucks auf die Welt, enthält die französische Marinebauvorlage keinen Posten für dos im Sommer nach geplante Schlachffchfff. Sowjet- Schiffsbeffellung in Spanien? Im Madrider Mmisteri- um für öffentliche Arbeiten wird eine sowjetrussische Bestellung auf SO große Handelsschiffe geprüft, die auf spanischen Werften in einem Zeitraum von drei Jahren gebaut werden sollen. Man ver- mutet, daß diese Bestellung mit sowjetrusflschen Petroleum-Lieferun- gen an Spanien verbunden werden wird. Eine Königskrone verschwindet. Bei dem Strafprozeß gegen den früheren Nazimmister granzen, der im Schwurger'.ctstssaal 664 des neuen M o a b i t e r Kriminalgerichts stottfanid, wurde es von den republikanischen Pressevertretern unliebsam empfunden, daß sich noch immer über dem R i ch t e r t i s ch in der Holz- vertäfelunz eine Nachbildung einer großen Köniaskrone befand. Wie der Kununergerichtspräsident T i g g e s der Republikanischen Beschwerdestelle Berlin mitteilt, ist dieses Zeichen nunmehr be- seitigt worden. Arbeitslosendemonstration in Paris. In der Nacht zum ersten rtog kam es in Paris zu Arbeitslosenkundgebungcn, die von !ommunlsten organisiert waren. Etwa ZOO Arbeitslose durchzogen in geschlossenem Zuge unter dem Ruf:„Brot oder Arbeit" die Straßen der Stadt. Ein starkes Polizeiaufgebot zerstreute schließlich die Menge. Dabei kam es zu einem Handgemenge. Drei Polizei- beamie wurden ernstlich verletzt, einer mußte ins Krankenhaus übergeführt werden. 40 Verhaftete wurden abgeführt. Agrarierzug zum Hakenkreuz. Die Radikalisierung der Landwirtschastskammer. Durch nichts konnte der geistige Zustand, der jetzt bei den Land- wirtschaftskammern herrscht, besser gekennzeichnet werden als durch die Forderung der oft preußischen Landwirtschafts- k a m m e r, Hindcnburg möge zurücktreten, um für neue Männer freie Bahn zu schaffen. Da hierdurch die Kammer eine politische Forderung oufgestcUt und die ihr gesetzlich zustehenden Befugnisse in völliger Verkennung ihrer Arbeitsaufgaben überschritten hat, wurde sie, was selbstverständlich ist, vom preußischen Staatsmini- sterium aufgelöst. Das, was in Königsberg passiert ist, kann morgen in jeder anderen Landwirtschaftskammer auch geschehen, da die in den letzten Wochen vorgenommenen Wahlen in den meisten Land- Wirtschaftskammerbezirken ein starkes Anwachsen der Nazistimmen ergeben haben. Die folgende Zusammenstellung ergibt einen Ucber- blick über die letzten Wahlen: Krcisv»- Vau- National- Land- eine(dem crn- sozialistcn bund Landdund ner- nahestehend) eine Verschiedene Ostpreußen...... 16 Pommern....... 12 Oberschlesien....— Brandenburg... 34 19 19 9 19 — 13— — 17 19—— — 75—— Provinz Sachsen 39 Anholt......... 28 Thüringen...... 36_ Schlesw.-cholstein 29 gemeinsame Liste Oldenburg...... 23 gem. Liste—— 4 Polen 4 Deutjchnat. 1 Bürgerliche Einheitsliste 2 Kleinbauern Reg.-Bez Kassel.. 25 gem Wiesbad. 3 Westfalen....... 6 Liste 4 Kreisbauern- bundFlsnsbg. 1 Bürg Liste 1 Gartenbau 11 Tontzen-Anh 2 Bauernschaft 5— 13 gem. Liste— 41 Nheinprovinz... ll) 49 gemeinsame Liste— Bei den preußischen Landwirtschastskammern wird in zwei Ab- teilungen alle drei Jahre gewählt, also jede Abteilung für sechs Jahre. Das jetzige Wahlergebnis ist daher nicht für die Zusammensetzung der Londwirtschaststammer bestimmend, weil bei der Wahl im Jahre 1927 noch keine politischen Listen aufgestellt waren, sondern nach wirtschastspolitischen Grundsätzen gewählt wurde. Da ober von den schon 1927 gewählten Kommermitgliedcrn manche zu der Nazisraktion übergetreten sind, ist in einigen Kammern eine Mehrheit der nationalsoziali st ischen Mitglieder zustande gekommen. I» den nichtpreußischcn Landwirtschastskammern, in denen die ge- so.mte Kammer auf einmal gewählt wird, ist ebenfalls, wie z. B. in Anhalt, eine absolute Nazimajorität entstanden. Die Berufsvertrctung der Landwirtschaft� ist also völlig politisiert, und zwar nach der radikalen Nichtung hin. Eine Auffrischung der ganzen Landwirtschaftskammerverwaltungen ist zwar, wie alle einsichtigen Kenner dieser Selbstverwaltungskörper fordern, schon seit langem überfällig. Die führenden Männer der Landwirtschastskammern find in der Regel überaltert und unfähig, zweckentsprechende fortschrittliche Maßnahmen herbeizuführen, um die Landwirtschaft aus ihrer schweren Lage herauszubringen. Viele schon zum Selbstzweck gewordene Verwaltungsapparate der Land- wirtschaftskammern arbeiten auf völlig nebensächlichen Gebieten. Dazu kommt, daß die meisten Landwirtschastskammern Stützpunkte des Großgrundbesitzes find, während die große Masse der landwirt- schaftlichen Klein- und Mittelbetriebe ungefördert bleibt. Eine Reform der Landwirtschastskammern und die Erweiterung des Kreises der Wahlberechtigten durch Hinzu- Ziehung der landwirtschaftlichen Arbeitnehmer, wie sie schon seit Jahren von der Sozialdemokratie gefordert wird, ist aber, nachdem bereits der Entwurf des neuen Landwirtschafts- kammergesetzcs bis zur zweiten Lesung vorgedrungen war, durch die bürgerlichen Parteien vereitelt worden, weil sie durch die Aufnahme der landwirtschaftlichen Arbeitnehmer eine Politisierung befürchteten. Diese völlig falsche Haltung der bürgerlichen Parteien hat sich jetzt bitter gerächt. Die befürchtete Politisierung der Landwirtschafts- kammern ist dennoch eingetreten. Die Hinzuziehung der landwirt- schaftlichen Arbeitnehmer hätte neues Blut in den verkalkten Kammer- apparat gepumpt und hätte zu einer Bereicherung der Selbstoer- waltungsarbeit geführt. Durch die jetzt erfolgte Politisierung ist nichts anderes erreicht, als daß der Jargon der nationalsozialistischen Gosse in die Landwirtschastskammern Einzug gehalten hat. Ob eine Reform der Landwirtschaftskammern jetzt noch durchzuführen ist, muß zweifelhaft bleiben. Nicht zweifelhaft ist es dagegen, daß die Selbstverwaltung der Landwirtschaft sich selber ihr Grab gräbt, wenn die Politisierung der Landwirtschastskammern weiter fort- schreitet! Halten die Landwirtschastskammern es für ihre Aufgabe, politische Skandale zu inszenieren, so wird es nicht zu umgehen sein, sie im Interesse der Landwirtschaft selber durch andere Einrichtungen zu ersetzen. Moröplan gegen Lapanboischaster. Eine phantastische Zlttentatsgeschichie inMosfau. Tschechischer Diplomat ausgewiesen. Moskau, 26 Dezember. Die Telegraphenagentur der Sowjetunion berichtet über einen seltsamen Fall angevlichcr Agitation für em Attentat gegen den japanischen Botschafter in Ttoskau durch ein Mit- gliod einer ausländischen Gesandtschaft. In dem Bericht der amtlichen Telegraphenagcntuo heißt es, der Angestellte G. des Verkchrskommissariats habe an das Kollegium der staatlichen politischen Verwaltung eine Eingabe ge- richtet, in der er mitteilte, seit drei Jahren sei er mit einem Mitglied einer ausländischen Gesandtschast in Moskau bekannt. Er habe diese Bekanntschast ursprünglich auf dem Boden gemeinsamen Jntcresseo sür Antiquitäten unterhalten. Dann aber habe das Mitglied der ausländische,, Gesandtschaft von G. Angaben über den Zu- st and der Eisenbahnen der Sowjetunion verlangt, unter anderem über den Bau neuer Eisenbahnstrecken. Anfang Dezember hätten die Unterhaltungen sich ausschließlich um die Frage der Ge- schehnisse in der M a n d s ch u r c i zu drehen begonnen. In einer dieser Unterredungen sei ihm, G., die Andeutung gemacht worden, daß, wenn in Moskau ein Attentat auf der» japanischen Botschafter in der Sowjetunion erfolgte, dadurch der Krieg zwischen der Sowjetunion und Japan hervorgerufen würde." Da er(G.) vorerst auf diese Andeutung nicht reagierte, habe das Mitglied der ausländischen Gesandtschast nach einigen Togen das Gespräch über den Konflikt im Fernen Osten wieder aufgenommen und hierauf G. zu einem Attentat zu überreden ge- sucht, indem es ausführte, das Attentat auf den japanischen Bot- schafter wäre eine große Tat und G. könne diese ruhig aus sich nehmen. Bei den nächsten Zusammenkünften habe das Mitglied der ausländischen Gesandtschaft„eindringlich erläutert, daß dieses AUentat unbedingt ausgeführt werden müsse und daß es rein demonstrativer Natur sein würde". Er habe weiter erklärt, es hqndle sich nicht daruni, den Botschafter un- bedingt zu ermorden, vielmehr„würden zwei Kugeln aus einen, verrosteten Revolver in die Scheiben des Botschafteroutomobils in den Straßen Moskaus genügen". Angesichts der Beharrlichkeit, die das Mitglied der ausländischen Gesandtschaft in dieser Frage an den Tag legte, habe G. begriffen, was für ein a b e n t e u e r- licher Anschlag gegen die Sowjetunion angezettelt werden solle und für welche sonderbare Rolle eines Kriegsprovokateurs ihn sein Bekannter benutzen wolle. In Anbetracht dessen— so erklärt G.— habe«r beschlossen, der staatlichen politischen Ver- wastung von den Vorgängen Kenntnis zu geben. Das Volkskommifsarlat für äußere Angelegenheiten habe nach Empfang der Mitteilung und nach Prüfung gewisser in der Eingabe .des G. enthaltenen Angaben an den Leiter der betreffenden Gesandt- schaft die Forderung gerichtet, daß sein in der Eingabe genannter Mitarbester binnen kürzester Frist aus der Sowjetunion abberufen werde, sofern er die diplomatische Immunität genieße und daher nicht vor ein Gericht der Sowjetunion gestellt werden könne. Der Forderung des Außenkommiffariats nach Abreise des Mitarbeiters der betreffenden Gesandtschaft sei bereits stattgegeben worden. Tokio. 26. Dezember. Die Moskauer Meldungen über den Versuch eines Sekretärs der tschechoslowakischen Vertretung— denn um einen sol- chcn soll es sich handeln—, ein Attentat auf den japanischen Bot- schafter zu veranlasien, und dadurch einen Konflikt zwischen Japan und der Sowjetunion hervorzurufen, hat in hiesigen diplomatischen Kreisen ungewöhnliches Aufsehen erregt. Allgemein wird nunmehr eine weitere Verbesserung der russisch-japanischen Be- Ziehungen erwarte! Autonomisten werden amnestiert. Der Senat nimmt Amnestiegeseh an. Stroßburg, 26. Dezember. Der französische Senat hat seinen Widerstand gegen das feit 1929 unerledigt gebliebene Amnestiegesetz aufgegeben, durch das auch die juristischen Folgen des Tendenzurteils im Colmorer Prozeß (Mai 1928) gegen die Führer der elfaß-lochringifchen Heimat- bewegung aufgehoben werden. Das im Juni 1929 von Poincars eingebrachte Gesetz hat im Laufe der Jahre wesentliche Wandlungen durchgemacht. Es sollte sich seinerzeit lediglich auf Elsaß-Lothringcn beziehen, und inzwischen ist aber der Kreis der zu Amnestierenden immer mehr erweitert worden und erfaßt in der jetzigen Form die verschiedensten Delikte, u. a. auch für Desertierte. Vor der Abstimmung begründeten der Berichterstatter und der Justizministec Berard die Notwendigkeit der Amnestie für Elsah-Lochringen. Da- bei betonte dieser vor allem, daß das Gesetz nicht etwa die Berechti- gunz des Autonomismus anerkennen solle. Dieser sei vielmehr nach wie vor unvereinbar mit der französischen Tradition. Ein starker Staat könne sich jedoch erlauben, gegenüber„einzelnen Verirrten" nachsichtig zu sein. Die praktische Bedeutung des Gesetzes, das nunmehr noch in der Kammer Annahme finden muh, liegt darin, daß sie durch das Col- marcr Urteil zu lebenslänglichem Verlust der bürgerlichen Ehren- rechte verurteilten Autonomisten wieder wählbar werden. Bekanntlich hatte erst kürzlich wieder der Staatsrat die Wohl Dr. R i ck l i n s und des Lehrerführers R o ff e in den oberelfäflischen Generalrat für ungültig erklärt. Auch die zum zweitenmal erfolgte Wahl des Ehcfredakteurs Schall der autonomiftifchen Elsaß- Lothringer Zeitung in den Straßburger Gemeinderot war vom Ber- waltungegericht annulliert worden. Der Staatsrat hat in diesem Falle über die eingelegte Anfechtung dieses Beschlusses noch nicht entschieden. lleberfall auf Geldbriefträger. Saarbrücken, 26. Dezember. Im Stadtteil Malstatt-Burbach wurde heute morgen kurz nach 8 Uhr ein G e l d b r i c f t r ä g e r auf einem Feldweg von zwei Italienern überfallen und seiner Geldtasche mit etwa 2399 Franken und zwei Wertbriefen beraubt. Zwischen den Räubern und dem Briefträger entspann sich ein Kampf, in dessen Berlauf dem Beamten die Tasche mit einem Messer abgeschnitten wurde. Die Räuber flüchteten und wurden von dem Briefträger sowie einigen anderen Männern, die aufmerksam geworden waren, vcr- folgt. Es gelang, einen zu fassen, während der andere entkam. Der Festgenommene ist ein italienischer Flüchlling. ViraniwortUch kllr Politik: Btcto« Schist! WirtlAoft: S. UlinaeliiLf»! Vewerkschoftsbewlauna: 3. Steiner; �ejiQcton; St. Jod» Schilowoki; Lokale» und Sonstifto»; fttid florftöbt; An, einen: Td. Glocke: sämtlich in Beel:::. Verla«: Vorwärto-Verla«® m b. H.. Verlin. Druck: Vorwärls-Buchdruckerei vnb Verlaasonstalt Paul Sinnet u. Co.. Verlin EW 68, SinbcnflrnSe 3. Hierzu 1 Beilage. WERTHEIM„ Leipziger Str.(Versand-AbtO Königstr. Rosenthaler Str. Moritzplatz M -......--- Amt E 7, Kupforgrab. K5S Amt D 2, Weidendamm 0055 Amt F lf Morifzpl. 0055 Ami A 2, Flora 0055 Glaswaren Römer weif,, geschliffen.. 0.25 Likörglas" Bemsfein-Fu* 0.32 Kmg weih, gleit,(Gr l'/t Ltr. 0.78 KrUg weih, glslt, für 1 Lilor 0.68 Tcebedicr gie».... 0.12 Teebecher mit Bordare 0.16 Sektkelch gieti. 0.35 0.38 Romer glatt, m. grün. Stiel 0.19 Römer 5.... 0.25 Roiwcinglas geschi. 0.32 Bowlcnglas S!S"k.nk,i 0.22 Bowlcnglas r Ä 0.32 Roiwcinglas Monopol 0.28 Bierbecher 0.15 Bowle 6.50 Bowle 13.75 Groggläser s9Ö'Fovrm: 0.16 Zitronenpresse 0.10 Kompottcller 0.08 Bowlenlöffel gie».. 1.10 Weingläser 18 Weingläser geschliffen, einzelne, versch. Gröfjen, Stück■ WW P"« geschliffen, Rotwein, Weifj- wein, Poifwein, Sekt, 3 Gläser 65 pf. SSIvester-Scherx-JirtiCet cftCeufahrs-ßCarten usw* Wein u. Spirituosen 1930Edenkobener 0.68 1930 Obermoscler 0.85 1930 Mesenicher- Königsberg Mosel 1.00 1927 Oppenheimer Goldberg 1.20 1929 Freilaubers- Plattc NahM*Ä',um 1.30 1930 Bernkasteler Riesling 1.35 1929 Oberhäuser Kaisergrund piaiz 1.50 1929 Oberemmeler 1928 Deidesheimer W cinbach wrnz'.":Av�em 2.00 1 930 Ingelheimer rot 0.95 1928A�mann$hau$cr9 rot X.IU Domainc Coloma. 1.25 1924 Chat. Reignac 1.20 1925 Chat. La Tour Bardts 1.50 1926 Chat. Beiair 1.70 1 925 Chat.Calon Scgur 2.10 1926 Beauchätcau 2.25 1928 Sauternes.... 2.25 1928HautSauternes 3.25 Rosenberg saar 1.50 Tarragona tawnjr.... 1.30 1928 Licbfraumilch 1.75 Malaga soid.n...... 1.40 1928 Graacher Sherry fainar........ 1.50 Himmelreich �asb 2.10 D uro- Port w. r.,«*« 1.90 Vom FaBi Johannisbeerw. uf«r 0.70 Durkhcimcr 0.80 Span.Rotwein. u:« 1.20 Rhcinptälzer 0.70 1930Maikammerer 0.85 Tarragona..... Liier 1.10 Muskateller____ ifter 1.20 Malaga dunkel,...Liter 1.30 Rum-Verschn. � 4.40 Weinbrand 3 4.60 Schaumwein inkl. Steuer u. Flasche Fruchtschaumwein 1.25 Moselhochgold 3.20 SpezialCuv�CiÄkt 3.75 HenkelL Kupferberg Müller usw..... 5.90 Burgunder-, Rum- u.Arrak-Punsch ä 4.80 ü 2.65 Deutsch. Weinbrand- Verschnitt e*tre____ 3.70 Qualifätswcinbr.»»»4.75 Jamaika-Rum-Verschn. » js voi.-/. 3.50»»«-voi.-/. 4.70 Halb£ Halb 4.00 Bafavia~Arrac« Verschnitt« voi.%.. 4.30 Curacao............... Nr. 604• 45. Jahrgang Beilage des Vorwärts Sonntag, 27. Dezember 4934 Trübe Festtage. Regen und Maisch.— Menschenleere Strafen.— Enttäuschte Sportler. Trübe Weihr.achtsfciertagc liegen hinter uns. Sogur der weih- nachtliche S ch n e e, der so verheißungsvoll einsetzte und einen Riesenansturm auf die Kassenschalter der Fernbahnhöfe im Gefolge hatte, mußte einem wenig schönen Matschwetter weichen. Weit in den Bergen mag sich die Schneelandschaft ja wohl gehalten haben, in der Nähe ober war's vorbei mit dem weihnachtlichen Wintersport In den Straßen Berlins setzte schon am Heiligabend Regen ein, der das Pflaster in eine gefährliche Schlitterbahn vor- wandelte. Am ersten Feiertag setzte die Natur ihr tristestes Gesichl aus, es fiel ein monotoner, feiner Regen vom trüben, dichtvcr- hangenen Himmel, der von immer neuen, schweren Regenwolken verdunkelt wurde. Alle Heimischen Sportsehnsüchte waren dahin, man stellte betrübt die Skier wieder in die Ecke, der Rodelschlitten wanderte in seinen Winkel, die Genagelten und der Sportdreß in den Schrank. Menschenleer waren die Straßen am Vormittag. der lonst zu Spaziergängen benutzt wurde, voni vereinsamten Zoo- Turm bliesen die Bläser ihr schönes Konzertprogramm in die triste Regenszcnerie. Am zweiten Feiertag besserte sich das Wetter. der Regen hatte aufgehört und die Spaziergänger traten in Erscheinung. Aber es war nicht so das Richtige, in keiner Be- Ziehung, das Wetter war so trübe wie das ganze Weihnachten in dieser Notzeit überhaupt... Feierstunden im Gefängnis. Im Gefängnis Plötzen see fand am Heiligabend ein besonderer Gottesdienst und danach eine bescheidene Bescherung statt. Wer von Hause keine Pakete erhalten hat, soll noch nachträglich von Anstaltsgaben ein Geschenk erhalten. Am ersten Feiertag spielte in der Zentrole des Gefängnisses III das Orchester der arbeitslosen Musiker, auch Gefangen« aus den anderen beiden Gesängnishäusern waren hinzugezogen worden. Am zweiten Feiertag sang in der Kirche der Aerztcchor unter Leitung von Dr. Kurt Singer. Der Ein- druck, den die Gesänge des ausgezeichneten Chores auf die Gc- fcmgenen, die die Kirche bis zum letzten Plätzchen besetzt hatten machte, war tief und dürfte noch lange nochklingen. Auch im Gefängnis Tegel gab es an den Feiertagen schöne Konzerte. Die Belegschast beträgt 1300 Mann, die Kirche faßt nicht mehr als 450 Personen, nun nahmen an der Feierstunde des ersten Weihnachtsfeiertages etwa 410 Gefangene aus dem Haufe III teil, am zweiten Feiertage 450 Gefangene aus dem Haufe II. Heute ist das Haus I an der Reihe. Am ersten Feiertage spielte ein Streich- quartctt unter Orgelbegleitung, am zweiten Feiertage ein Cellist unter Orgelbegleitung. Die Sängerin Frau Maria Grave sang das Largo von Händel und Wcihnachtslicdcr. In der Heil- und Pflcgeanstalt Buch wurde wie all- ■jährlich Weihnachten für sämtliche Kranken durch einen bunten Abend eingeleitet. Sänger und Sängerinnen unter den Patienten bestritten das Programm. Die eigentlichen Weihnachtsfeiern fanden in den einzelnen Häusern statt. Es gab auch hier eine Bescherung. Die Kranken erlebten mit den Krankenpflegern ein par Stunden der Freude. Zn der weihnachtlichen Krankenküche. Der weihnachtlichen Freuden gibt es für dcn gesunden Menschen heute wenig genug, was bleibt da für den Kranken, der an Bett und Stube gesesjelt ist, noch viel übrig?„Ein guter Happenpappen hat immer noch über die traurigen Daseinsklippen ein wenig hinweggeholfen", meint der liebenswürdige Berwaltungs- inspektor des Rudolf-Birchow-Krankenhauifes und er läßt den Be- sucher einen kurzen Blick in sein Arbeitsgebiet tun: da haben 250 Gänse, 500 Hühner, 50 Hasen, 50 Enten, 50 Puten ihr junges Leben gelassen und an den großen Eisenhaken im Fleischraum hängen dicht bei dicht Rinder, Schweine und Kälber. Ein dreitägiger festlicher Mittagstisch für über 3000 Patienten erfordert schon allerhand Kochniaterial, noch dazu wo es mit All- gemeinkost täglich drei Wahlgerichte gibt. Daß von 1500 etwa 1000 Gänsebraten wählten, ist weiter nicht verwunderlich, aber die anderen 500, die sich für Kalb- oder Schioeinefleisch cnt'chieden, werden dafür ihren besonderen Arund haben und dem Nährvater dankbar sein, daß sie nicht partout Gans essen niiisscn. Diese drei Wahlgcri.hte sind aber keine weihnachtliche Separateinrichtung, sondern diese besteht schon �eit vielen Monaten und es hat sich er- wiesen, daß man damit lehr gut und absolut nicht teurer verfährt, als mit der so sehr gehaßten M a s s e n s p e i s u n g. Es stehen ja selbstverständlich nicht täglich Gans, Hase oder Huhn zur Dis- tussion, es gibt auch einmal Löfielerbsen mit Speck oder Pökel- fleisch oder Hering mit Pellkartoffeln, all dies aber in Verbindung mit zwei anderen, ganz unterschiedlichen Wahlgerichten', und nun zeigt sich des Berliners tiefwurzelnde Neigung zu den oben erwähn- ten Nationalspeisen, die sich hier, frei von jedem Zwang, prozentual sehr hoch auswirkt. D�es würde abcr nicht d-r Fall sein, hieße es am Speisezettel kurz und nüchtern: Heute gibts Pellkartoffeln mit Hering! So abcr gibt es überall zufriedene Gesichter und Gemüter, den M Nischen wird der Krankenhausaufenihalt nicht zur unleid- llchcn Kasernierung, weil sie sich als Cinzelgeschöpf behandelt suhlen. Es wäre zu wünschen, daß auch alle anderen Kranken- arvstalten sich dieser Einrichtung, die auch von der Deputation für Gesundheitswesen als äußerst empfehlenswert erkannt wurden, bedienen würden. Sinca Eymnaftilkurslis veranstaltet das Volksbildungsamt Treptow ge- meinsam mit der Nutta.Klamt.Schule. Beginn Wontag. 4. Januar, 2» Uhr, im Turnsaal der Sdiule Berlin. Treptow, Kicfholzstr. 46. Aursusbeitrag mo. natlich 2,00 M. Anmeldungen beim Äursusbeginn. Gattenmord in Lübars. Das Verbrechen aufgeklärt/ Vom eigenen Mann erschofsen. Der Kriminalpolizei ist es schnell gelungen, de« Frauen- inord in Lübars ausznklären. Zunächst konnten am t. Feier- lag die Personalien der Talen ermittelt werden. Ts ist eine 23 Zahre alle Frau Emma AI n c m i h aus der Bellermann- slcaße 7/ö. im Norden Verlins. Als Täler wurde ihr 3Zjähriger Mann, der Zahntechniker Max M., festgenommen. Die Ehe, aus der drei Kinder hervorgegangen sind, wor nicht glücklich und am 15. Dezeinber verließ Frau M. nach einem heftigen Streit mit ihrem Manne die Wohnung. Sie begab sich zu Ber- wandten, und weigerte sich zn ihrem Manne zurückzukehren. Schließ- lich gelang es M., seine Frau zu einer Verabredung nach Lübars zu bewegen. Ani 23. Dezember trafen sich beide gegen 17 Uhr un- weit des Bahnhofes. An einer einsam gelegenen Stelle tötete M. dann seine Frau durch einen B r u st s ch u ß, warf die Mordwaffe in die Panke und flüchtete. Nach der Tat suchte er ein Kino auf und war später mit einer Freundin zusammen, um sich ein Alibi zu verschaffen. Am Heiligabend erstattete M. Bermißtenanzeige und noch in den späten Abendstunden begab er sich ins Schauhaus, wo er seine Frau identifizierte. Seine übergroße Trauer machte die Kriminalbeamten aber stutzig und nach einem eingehenden Kreuz- verhör gelang es Kriminalkommissar O n o o s, dm Gattenmördcr zu überführen. Das Gonniagsweiier. Weiterhin trübe und mild. Die Wetterlage läßt zur Zeit noch keine Aussicht auf Besserung erkennen. Das trübe und regnerische Wetter der Bortaoe wird aller Voraussicht nach weiter andauern. Für den heutigen Sonnlag ist mit warmem Welter bei Temperaluren zwischen 6 und 7 Grad Wärme sowie vereinzelten leichten Regen- schauern zu rechnen. Das ganze Reich ist unter dem Einfluß der Schlechlwertlerzone geraten, und auch in Süddeutschlaad, wo gestern noch leichler Frost herrschte, ist allgemein Tauwetter eingetreten. Zwei Tiefdruckgebiete, die über Nordrußland und dem Nordmeer liegen, sowie eine drille Depression, die im Westen im Entstehen be- griffen ist, werden weiterhin trübes weller bringen. Das Neueste im Sport: Der leuchtende Fußball. Nach dem Fußballspiel, das zwischen Lichtenberg I und Freie Scholle heute nachmittag 14 Uhr auf dem Sportplatz Kynast-Straße stallsindet, wird zum erstenmal mit Anbruch der Dunkelheit ein Fußballspiel mit einem leuchtenden Ball vorgeführt werden.— Lichtenberg II spielt ebenfalls um 14 Uhr auf dem Sportplatz Normannen- ftraße gegen Eintracht-Reinickendorf. Botschasler Dawes wurde zuip Führer der amerikanischen Delc- galion für die Abrüstungskonferenz ernannt. Senator Swanfon, Botschafter Gibson und Gesandter Wilson werden ebenfalls der Dele- galion angehören. Hoover forderte zugleich 450 000 Dollar als erste Rate für die Konfcrenzausgabciu Luftschlangen noii«.............. 0.08 Konfetti rüt«..................... o.io 0.05 Gießklei 6 Stück mit Löffel Im Karton.,. 0.30 Gießbiei 12 stück mit löffs! im Karton.. 0.50 W atteballe 25 stück im Beutel...... 0.1 0 Knallbonbons in gr. Ausw. an Okel. 0.50 Papiermutzen, Neujahrskarten, Scherzartikel in großer Auswahl Aus unserer Haushalt-Abtlg. im 4. Stock KompottellersvoZaii je mAusf., 0.10 0.07 Teebecher je nach Ausführung, 0.18 0.10 Bierbecherm.Schliffi.versch.Ausf.,0.18 0.1 5 WemgloS geschI.St!Ie,KeIch reich gsschl. 0.25 LlkorSChälen Iris, verschied. Formen 0.25 Bierseidel geeicht..»........ 3 stock 0. 25 Selterbecher.............. 4 stock 0.25 Sektkelche je nach Ausführung, 0.45 0.32 Kuchenteller ca. 25 cm........... 0.50 Bowlenlöffel aus cias............ 0.95 Große Auswahl in Schleifglas, Kristall, Bleikristall und Steinzeug- Bowlen in billigster Preislage Bowlen, Messing-vernickelt, auch mit Kristall-Glaseinsatz, sowie Bowlenlöffel und Weinkühler in großer Auswahl! Bowlenglas Kristall opt., Pf. 20 GroagIas,Kug®l u.Stern, Pf 1 t Bierbedier, glatt....... Pf. 10 Bowle mit Burgen, 4 Liter Inhalt, Steinzeug...... M. 2.45 m n&k Wr* r:'-v--• �.v-r %" Bowle mit 12 Glasern unci 1 Löf- fol, grüner Knopf und Henkel, kompl., 4 Liter Inhalt M. 5.90 Sönntag, 27. Dezember. Berlin. 6.45 Funk-Gymnastik 8.00 Für den Landwirt. 8.55 Morgenfeier. 10.05 Wettervorhersage. U.OO Dora Lux liest Märchen, 14,00 Dr. James Heymann: Märchenstunde, 14.30 Geno Ohlischlaeger liest eigene Kurzgeschichten. 15.00 Orgelvorträge. Georg Kerapff. Wittenberg. 15.30 Alice Stein-Landcsmann liest eigene Skizzen. 16.00 Unterhaltungskonzert. 13.00 Tagesglossen(Alfred Kcrr). 15.30 Klaviervorträge. Flügel: Margarethe Ansorge. 1. Franz Liszt: Von den göttlichen Segnungen in der Natur. 2. Ansorge: a) Drei Traumbilder, op. 27; b) Walzer. 19.30 Arien und Lieder. Eva Liebenberg. Alt. Flügel; Karl Rockstroh. 19.50 Sportnachrichten. 20.00 Vierzigmal drei Minuten. Bin bunter Abend. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Königswusterhausen. 7.00 Hamburg: Hafenkonzert. 11.00 Artur Rehbein liest zwei Geschichten. 11.30 Bach-Kantate. 12.00 Königsberg: Konzert, 14.00 Käie Gräber: Die Welt hinter Gittern. 14.25 Grete von Zieritz; Lieder für Flöte. 15.30 Dr. Hans Hartmann: Tatsachenbericht aus dem sozialen Leben. 18.00 Frankfurt: Die Historia von der Geburt unseres Herrn Jesus Christi. 19.00 Dr. Sven Hedin spricht. 19.30 Dr. H. Brauns: Die ethische Bedeutung der deutschen Arbeitslosenversicherung. Montag, 28. Dezember. Berlin. 16.05 Prof. Dr. Conrad MatschoB: Wilhelm Beuth. 16.30 Wiener Klaviermusik. Gerün, Flügel. I- Gyrowetz: Acht Menuetten. 2. Clement!! Toccata. 3. Hummel; Variationen über ein Thema von Gluck, op. 57. 4. Moscheies; Aliegri di bravoura, op. 51, Nr. 3. 16.50 1. Kowalski: Sechs Lieder auf alte Gedichte op. 10.(Marcella Röseier, Sopran. Am Flügel; Julius Bürger.) 2. Rieh. Strauß; Lieder.(Fred Drissen, Bariton. Am Flügel: Willy Jaeger.) 17.30 Die Spree und ihre Brücken.(Dr. Max Osborn.) 17.50 Herbert Ihering: Der Zivilisationsliterat. 18.15 Elisabeth Langgässer liest eigene Prosa. 18.35 Chorgestage. 19.00 Stimme zum Tag. 19,10 Richard Weimanu; Seelische Nothilfe. 19.35 Mitteilungen des Arbeitsamts. 19.40 Unterhaltungsmusik. 20.45 Funkgemeinschatt engagementsloser Schauspieler:,.Schicksalsgenossen. Hörspiel von Iwan HeilbuL Regie; Viktor Sordan. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Königswnsterhause». 16.00 Rektor Fr. Rauch: Gesamtunterricht auf der Oberstufe. 17.30 Dr. Bai et: Rundfunkhörer und Fachausdruck. 18.00 Prof. Dr. Georg Biermann: Die alten Meister und wir. 18.30 Spanisch für Anfänger. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19,00 Prof. Dr. Honcamp: Billige und wirtschaftseigene Futterstoffe. 19.30 Erich Mahrholz; Luftschutz tut not! 20.00 Washington. Kurt G. Seil: Worüber man in Amerika spricht. 20.15 Leipzig: Orchesterkonzert. Groß-Verlmer Pariemachrichien. Araueuveransiallung. 92. Abt. KeulöHtt. Montag, 28. Dezember, 10 Vä Uhr, sein im Jugendheim Sonnet Strohe. Turneril Mufti. Saffeefodjen. Suchen mitbringen. zemiitliche» Beisammen. he Barifthrungen und Menge nabgabe vorbehalten Verkauf soweit Vorrat SektkelchegT06s,geBchL,st 0,38 Bacher groee, geeoblUfen, St. 0,18 Becher gescbliften.... Stück 0,38 Krüge glatt...... Stück von 0,38 BoWiOn gescbUifen... Stück 2,98 Römer geschIiffen....Stübk 0,28 Sektkelche Traube. Stück 0,38 Bier» oder Teebecher_ Flora.................. Stück 0,18 Wassergläser gepraut. st. 0,08 Kempotteller gepiessi......... Stück 0,08, O9O0 Kompottschtilchen gepressi......... Stück 0,08, 0,00 Bowlenglfiser mit farbigem Henkel........... Stück 0,28 Bowlansötze Mteilig. mit 12 Gläsern mit farbigem Benkel, und Löffel.. 5,90 Bowlenlöffel..... stück 0,98 — Weingläser•> sortierte Schliffe and Formen: Rotweingläser Stück 0,22 Sektgltiser..... stück 0,22 Portweingltiser, Likörgläser, Becher. Stück 0.18 Groggläser gepressi. gros, Stück 0,18, klein Stück 0,18 Llkärgläser mit grünem Fuee, ceechllften........ Stück 0,18 Likörstamper verschied. Formen.................Stück 0,18 Harzerpokale'lwim�st 0,28 Sektschalen glatt..stock 0,28 Bierbecher glatt....stock 0,10 Teebecher glatt..... stock 0,10 Bowlen mit Teller, glatt, für 5 Flaschen 2,89, L S Flascb. 1,98 ——— Weingläser> sortierte Schiifie mit Stielschlifi: Rotweingläser stock 0,32 Sektgläser.....Stück 0,32 Portweingiäser stock 0 28 Llkärgläser...stock 0,28 Korkenzieher stock von 0,25 Nussknacker...stück von 0,38 Salatbesteeke..pmi tos 0,28 Likärbecher Messing vernickelt, Stück 0,96, 0,50 Teeglashalter Mess Dg Vernich eit....... Stück 0|45 Tortenplatten vernickelter Rand........ Stück 0f9S Bowlenlöffel vemlck.,8tok. 2,30 Welnkühlar vemick., Stck. 2,88 Geflügelscheren Stck. v. 2,25 Teebrühlöffel stück von 0,80 Weine u. Spirituosen Preise ohne Fla? che Vj FL Montogno-Rotwein... 0,85 26ar St. Emilion........ 1,20 21«rChfit.BranaireDacru 1,80 28arChät.Baychevelle 2,00 26ar Graves supdrieur 2,00 24«r Chdt. Margaux... 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Anfang 14.30 Uhr Hlnse und Crelel Ende 16.30 Uhr Turnus II Anfang 20 Uhr Der Troubadour Ende gegen 23 Uhr Oentidies Iheaier Täglich 8 Uhr Anlonlus und Cleopatra von Shakespeare Regie: Heinz Hilgert Die Komödie Taglich 8'U Uhr oie fiemo-Bsnis von Louis Verneuil mit HaxPallenberg Kuriürsienflamm- Tiieater I 1 448— SVs Uhr Gstsp. d-Aufiidil-Picdiilit. KaüaOoany von Brecht u. Welll Iis.; Haber. Mnik. Utting: von Zemllnsky CIRCUS BUSCH eannn. aörst.>«>. HeiscnOamni msvj Heute 3 Vorst.; U. InallenTonLDas�r.Tier- Circiis-n.V2ri8ieproßraiDin autard. z. aehl. um „MMI ralit 5 und L'I- „Die Süigw w. nsttcnH�s" Gr. Wayerfiiissuttuogs- Pesse m Alt-Berlin. Karten Im Veruarkaef besorgea. 211.««, AAaia gr, 2» eaarobanscbaa 1,5 MOkihoolasS" Ubk! ScMnD: fraes 7401. s u. OVi Uhr L*tMt*STaga! MONI LslltaBENAVENTE 2 PIERROTYS nsw, Hall,. Krüger konser, PI/Aza ragi. su.oisuhi Sann- u. Feiertags 2, 5, 815 .PAGANINi OPERETTE FRAKZLEHÄR LiilitlmrB.Bgrlin-GiüfliiiltrDDDen Tonfilmlustspiel Ofto Wo Iburg Der Hochionrlsl mit Slarls Solveg Foxtön. Wochenschau. Bühne: Enne und Katleen-Hylt-Trio, Manfred Kassin, P. Schneider-Dunker, Kap.tdn Frobns Seelöwen. Boolnn: Woehonf. 4. 6.19, 8.30 U Fonn-u Falorf»30,4 45,7,9.19 U. Win1er • Garten• 8.15 ülir Hon 343t Reudien erlaobt Das beliebte Clown-Trio Barraeeta Gsovsky-Ballett, Luisita Leers „Paolo" dei jOngste Ball-Jongleur usw Heute 2 Vorstellungen 4 Uhr u. 8.15 Uhr. 4 Uhr kleine Pr. I eulnn-Tlieaiei Täglich IVi Lhi Silvester 7 Uhr Morgen öetils uns Out! Snti Htshiiig. Kn Hnsa OrdkeaLDofooBela • KnmSdlenhaus-i IchiHOauerdanim'S 0 2. Weidandamm 5364 8',. Unr Roi'er- Gastspie: „Rose von Stambul" Ader, Wobonky. Stainir. f V, Ubr metronoMheaier Täglich 8Vi Uhr Silvester 7 Uhr Ein Lied der Liebe Rieh. Tauber Ann! Ahlem IforverkaDiununterlrGto M'"'« anzeigen to der Geaamtauflegc it%.VorwdrU* find besonders wirksam and trotxdei» iehrbinidl Berliner||lk TriO N• H k 0 1 1 0 w Lohnatr 74/75.) JUipigf Kgaaußnf Berlins BETRIEB Alb KEMWHSKlO Theater im AilmiralSDaiasi Täglich SVs Uhr Silvester 7 Uhr Gitta aipar in Die Dabarry Preise v. 0.50 M an Theater desWestens Täglich 8V« Uhr Silvester 7 Uhr Karl la sen in Der Uogelhändlsr Heute nachm. 4 Uhr Theater am Nallendorfgiatz legi«: Keinr Sn tenbiug Pallas 7051 Täglich gi/. Uhr Surs auch 4V4 Uhr Qasparone Planetarium am Zoo—— Tägl. außer Montags 5, 7, 9 Uhr Tabu 3 Uhr fl&rdienfllme faidü&JsAi* JUEQßfzNS Alexanderplafz Naua K6nlg.tr.43