Morgenausgabe Nr. 606 A 305 4S.Iohry 34. Es war eine graue, regnerische Heimfahrt. Germaine nahm ein Buch zur Hand und las. Dann ließ sie es sinken und starrte vor sich hin. Gedankenlos nahm sie ihren Koffer und folgte den übrigen Reisenden, als der Zug in Gravescnd hielt. Erst als sie im Hafen stand, da kam es ihr zum Bewußt- sein, daß sie nach Deutschland fuhr, nach Hause. Sie würde wieder in ihrer Heimatstadt sein, Walter würde sie am Bahn- Hof abholen, und dann gingen sie den alten Weg über den Marktplatz hinauf zur Parkstraßc. Und daheim würde der Abendtisch gedeckt sein, die Mutter würde ihr entgegen- kommen, blaß und schmal, aber mit frohem Lächeln. Und später ging dann wieder die Schule an, und die Mädel würden sie begrüßen, lachend und stürmisch, aber nicht allzu laut, denn das widersprach der Schulordnung und der guten Sitte. Es würde alles wieder sein wie sonst. Es war der gleiche Dampfer, der sie herübergeführt hatte. In der Dämmerung verließ er Englands Küste. Germaine stand auf Deck und starrte hinüber zum Land, bis nur noch allmählich aufleuchtende Lichter es erkennen ließen. Dann ging sie in ihre Kabine. Aber sie konnte nicht schlafen. Das Meer war ganz ruhig und still. Nur das Stampfen der Maschine war vernehmbar. Im Morgengrauen stand sie endlich auf und kleidete sich an. Frierend wanderte sie auf Deck hin und her, bis die holländische Küste auftauchte. Müde und zerschlagen saß sie sin Zug. Dann fiel sie tu einen unruhigen Schlaf. Sie träumte, daß sie auf einem wetten Meer fahre, in einem Schiff, auf dem sich niemand befand, außer ihr. Aber das Steuer schien irgend einem geheimnisvollen Zwang zu gehorchen, einer unsichtbaren Kraft, die es bediente. Sobald Land in Sicht war, drehte es seinen Kurs meerwärts, und Germaine konnte rufen und Zeichen geben— niemand sah und hörte sie. Sie erwachte, als der Zollbeamte hereintrat, um Gepäck und Pässe zu prüfen. Man war an der Grenze angekommen. Germaine setzte sich wieder in ihre Ecke und brütete vor sich hin. Stunden mochten so vergangen sein. Sie hatte jedes Zeitgefühl verloren. Draußen regnete es, im Abteil saßen unbekannte Menschen, die sie vordem nicht gesehen hatte. Zwei Uhr Nachmittag. Sie erhob sich. So ging das nicht weiter. Jetzt würde sie im Speisesaal etwas Warmes zu sich nehmen, und dann wollte sie das englische Buch lesen, das sie sich für die Reise vorgesehen hatte. Was war denn etgenttich gc- jchehen?. Sie hatte eine Reisebekanntschaft gemacht, einen klugen, sympathischen Menschen getroffen und sich gut mit. ihm unterhalten. Sie hatte neue Anregungen empfangen, neue Einblicke in fremde Gebiete gewonnen— nun ja, das fügte sich alles sehr schön dem Rahmen einer Studienreise an. Und damit war es abgetan. Sie war ein selbständiger Mensch, der nun wieder seinen Platz ausfüllte, nachdem er drei Wochen in Urlaub gewesen war. Im Grunde eine ungemein einfache Rechnung, die tadellos aufging. Aber als es Abend wurde, als der Zug bereits sich der Heimat näherte, da packte sie plötzlich ein grenzenloses Schmerzgefühl. Und während sie sich noch verzweifelt mühte, � dieses Gefühl zu unterdrücken, da wurde es ihr ganz klar, daß in diesem gleichen Augenblick jenseits des Kanals der Mensch, um den sie mit sich selbst im Kampfe lag, den gleichen Schmerz um sie litt. Und das gab ihr ein seltsames Gefühl der Beruhigung und des Trostes... Wie immer stand eine kleine Zahl von Menschen auf dem Bahnsteig, als der Zug einfuhr, Reisende mit ihren Angehörigen und etwas abseits von ihnen, hinter der Sperre, ein paar Neugierige. Germaine blickte sich um. Aber Walter war nicht da. Das war ganz ungewöhnlich. Sie wartete noch einige Minuten am Ausgang. Dann ging sie langsam den alten Weg. Vielleicht hatte er sich verspätet und sie trafen sich setzt. Als sie in die Parkstraße einbog, wurde sie plötzlich un- ruhig. Und da kam es ihr auch zum Bewußtsein, daß sie seit einer Woche keine Nachricht mehr bekommen hatte. Sie hatte es in England zwar empfunden, sie lzatte auch täglich an Mutter und Bruder gedacht, aber alles war verdrängt worden durch etwas Unerklärliches. Die Gartentür war verschlossen. Sie klingelte. Gcrmaine sah, wie das Licht in der Diele aufleuchtete, und sie atmete auf. Aber es war nicht die Mutter, die herauskam.„Frau Rechnungsrat— ist denn etwas passiert? Ist Walter krank?" Die alte Dame klopfte ihr beruhigend auf die Schulter. „Walter mußte rasch verreisen. Er will sich neue technische Bücher holen und mit einem Dozenten sprechen wegen der Vorprüfungen. Aber kommen Sie doch erst mal hereil? Germaine! Ihre Mutter ist immlich auch nicht ganz wohl, und da habe ich mich so lange hier einquartiert, denn die beiden Damen im zweiten Stockwerk sind auch noch verreist. Ich wollte Ihre Mutter nicht allein lassen, sonst hätte ich Sie Vpm Bahnhof abgeholt, außerdem habe ich den Herrn Mcdizinalrot erwartet." (Fortsetzung folgt.) Gefälligkeitswechsel... /Sie iSklareks disponierten doch so, wie sie wollten.. Im Sklarek-Prozeß erörterte man gestern nachmittag die Tatsache, dah die Sladtbant den Stlareks auf Gefälligkeit»» Wechsel Gelder gab, und zwar, obwohl diese Wechsel nicht reich»- bankfähig waren. Der Vorsitzenbe stellte fest, daß die Stadtbank in einigen Fällen die Diskontierung von Wechseln ablehnte, und der Angeklagte Schmitt meinte, daß man eben einen Riegel vorschieben und nicht mehr bewilligen wollte. Vors.:„So ernst gemeint kann das aber nicht gewesen sein, den Riegel konnte man sogar von außen aufmachen. Einer der Sklareks brauchte nur zu kommen, und dann waren alle Pforten geöffnet." H o f f m a n n:„Die Sklareks wuchsen eben immer mehr in das Geschäft hinein." Vors.: /lud Sie hinaus. Die Sklareks disponierten doch so, wie sie wollten." Schmitt: Unsere Sicherheit beruhte doch auf der Forderung der Sklareks gegenüber der Stadt für die Lieferungen. Die Schecks, Wechsel und Grundschulden waren doch nur Nebensicherungen." Willi Sklarek behauptete dann, er habe aus den Erzählungen von Max Eklarek den Eindruck gewonnen, daß die Stadtbankdirektoren wußten, daß es sich um Gefälligkeitsakzepte handelte.„Ich nehme an, daß es abgekartete Sache zwischen Max und den Stadtbank- direktoren war." Vors.:„Und was haben die Stadtbankdirektoren dafür bekommen?" Willi Sklarek:„Deswegen haben wir ihnen keine Geschenke gemacht." Vors.:„Die Geschenke wurden also nicht gegeben, um sie zu pflichtwidrigen Handlungen zu veranlassen? Würden sie die Geschenke auch bekommen haben, wenn sie Ihnen nicht so entgegengekommen wären?" Willi Sklarek:„Das ist schwer zu beantworten, Herr Vorsitzender, damals wäre eine solch« Frage aber für uns beleidigend gewesen." Der Angeklagte H o f f m a n n erklärte demgegenüber, er habe geglaubt, daß es sich um ordnungsmäßige Warenwechsel handele, und auch Stadtbankdirektor Schmitt bestritt, mit Max Sklarek über die Wechselgeschäftc gesprochen zu haben. Vors.(zu Leo Sklarek):„Sie sagen immer, es wäre kein Schaden entstanden. Wie wollten Sie denn die Ist Millionen abdecken?" Leo Sklarek: „Wir hatten doch den Monopolvertrag und konnten 22 Millionen Umsatz im Jahre machen. Wir verdienten doch 3 Millionen im Jahr." Vors.:„Die verbrauchten Sie auch zum Leben." Leo Sklarek:„Wir nicht allein, auch die anderen, die mitlcbten. Wir, Willi und ich, wollten doch. Mitte 1930 aus dem Geschäft von Max Sklarek heraus." Vors.:„So alt hätten Sie aber nie werden können, um Ihre Schuld abzudecken, ich glaube auch kaum, daß Sie Ihren Verbrauch eingeschränkt hätten, um Ihre Schulden zu be- zahlen. Sic waren doch viel zu sehr an das gute Leben gewöhnt." Der Vorsitzeirde stellte dann noch aus der Anklage fest, daß die Aussteller der Gefälligkeitswechsel. Kleczewski, Löwenstein und Leo Weil, nach dem Zusammenbruch der Sklareks in Konkurs gerieten und nicht in der Lage waren, die Wechsel, die in Höhe von mehreren Millionen Mark auf sie lauteten, einzulösen. Die Verhandlung wurde dann auf Mittwoch früh 9 Uhr vertagt. Ein Ltnglücksschütze. Erschießt auf dem Anstand den eigenen Förster. Sollbus. 28. Dezember. Der Pächter der Semeindejagd von Syckadel, Dr. Herbert Kattn aus Berlin, erschoß durch ein bedauerliches Versehen seinen � Förster Erich Kiehle, mit dem er sich auf den Anstand begeben hatte. Kann hatte gegen Mitternacht einen Schuß auf ein Stück Wild abgegeben. Etwa vierzig Minuten später näherte sich der Förster seinem Hochsitz, ohne irgendein Zeichen zu geben. In der Meinung, er habe wieder ein Stück WUd vor sich, schoß Kanu aus etwa dreißig Meter Entfernung auf Kiehle und verletzte ihn durch Bauchschuß tödlich. Der Unfall ist um so tragischer, als der Förster Kiehle kurz vor seiner Hochzeit stand. Kinder im brennenden Wohnwagen. Mer hilflos verbrannt, zwei schwer und zwei leicht verletzt. Colmar, 28. Dezember. Oer Wohnwagen des Sorbmachers k r a e m e r geriet in Abwesenheit des Korbmachers und seiner Frau in Brand. Dabei verbrannten vier Kinder kraemers, zwei erlitteu lebcus- gefährliche und zwei leichtere Brandwunden. Zwei Kindern gelang es. sich aus dem brennenden Wagen zu retten. Gas im Bergwerk. London, 28. Dezember. Zur Besichtigung eines Bergwerks bei Zricklcy(Zorkshire) «or der Wiedereröffnung nach den Feiertagen fuhren heute in den feähen Morgenstunden sieben Vorarbeiter ein: durch die Gase, die sich in den lehien Tagen in der Grube gebildet hallen, wurde« s ü a s Mann getötet. Leichensunö am Ztammelsburger See. Ein geheimnisvoller Leichenfund wurde gestern am Rummelsburger See in Stralau gemacht. Arbeiter, des städtischen Wasserbauamtes waren am Ufer beschäftigt, als die Leiche gesichtet wurde. Der Fund wurde in unmittelbarer Nähe der T u n n e l st r a ß e in Alt-Stralau gemacht. Dem bisher noch völlig unbekannten Manne fehlt der Kopf und der rechte Arm. Am Körper zeigen sich mehrere Verletzungen. Ob diese eventuell von Bootshaken oder Schifssschrauben herrühren, muh erst durch die gerichtsärztliche Obduktion im Schauhause ergeben. Die Leiche war nur noch mit Ober- und Unterhose, Schuhen und Strümpfan be- kleidet. Da es nicht ausgeschlossen ist, daß ein Derbrechen vor- liegt, wurde Kriminalkommissar Dr. Wächter von der Mord- inspektion des Berliner Polizeipräsidiums an den Fundort entsandt. Jeuer in einer Bolle-Filiale. Am Montagnachmittag gegen 4 Uhr entstand in einer Filiale der Meierei Boll« in der Neuen Hochstraße 31«in Keines Schadenfeuer. In dem hinter dem Laden liegenden Lagerraum hatte einer der Angestellten aus Un- Vorsichtigkeit auf dem dort befindlichen Herd ein« große Büchse Bohnerwachs stehen lassen, das schmolz und überkochte und so die Einrichtung in Brand setzte. Die Feuerwehr konnte das Feuer in kurzer Zeit löschen. Ein seltenes Doppeljubiläum. Genosse Albert M a sl o w, Lichtenrad«, Crlanger Str. 40. feiert heute sein 40iShriges Partei- jubiläum und das Fest d«r Silberhochzelt. Wir gratulieren herzlichst. Frcitad eines Sechzehnjährigeo. In K a s s e l hat sich ein löjähriger Untersekundaner erschossen. In hinterlassenen Abschieds- briefen gibt sr unglückliche Liebe als Motto der Tat an. Suche nach dem Glück Die Angst vor dem Morgen— Wünsche, die sich nicht erfüllen Hunger und die große Angst vor dem Morgen überhaupt fcha/feu das Heer jener unglücklicheu Hasardeure im Spiel um Sem und Mchlseln. Ihre Phantasie treibi wundersame Llü- len und sie gleiten ab in die verschlungeueu Pfade ihrer Wunschkräumc. Da sitzt in der Berliner F i l m b ö r s e seit Jahr und Tag ein Alter mit prächtigem Patriarchenkopf, ein Shylock, wie man ihn sich nicht charakteristischer denken kann. Aber seine Konjunktur ist beängstigend ungünstig in einer Zeit, in der man das sunge, glatte, ewig lächelnde Männergestcht fordert, das den Frauen auf und vor der Leinwand die Köpf« verdrehen soll. Aber der Alle ist von zäher Beharrlichkeit: täglich erscheint er im dünnen, zerschlissenen Rock, betrachtet geringschätzig all die Gigolos und Sporttypen, als wollte er sagen:„Was wäret ihr ohne euren guten Schneider?" Bewundernswert ist seine Ruhe und ewig gute Laune, auf alle mitleidig-teilnahmsvollen Redensarten hat er nur die ein« Antwort: „Meine Zeck kommt noch, ich kann warten!" Und als er dann eines Tages wirklich nach endlos langer Beschäftigungslostgksit als arabische Händlertype für einen einzigen Aufnahmetag engagiert wird, da merkt man seinen heimlichen Triumph über all die Glat- ten. Geschniegelten und Gebügelten: wieder gerät er in völlige Ver- gessenheit, in sein schönes, feingefädeltes Altmännergesicht kommen immer neu« Striche und Kerben. Scheinbar unberührt von seinem großen Jammer, schreitet er täglich nick freundlichem Gruß an seinen Stammplatz, wartet und wartet, um dann als Allerletzter würdig und gemessen wieder nach Hause zu gehen. Als eines Nachmittags ein junges Ding am Nebentisch Kaffee trinkt, fällt ihr ein Brötchen vom Tisch, das sie mit dem Fuß achtlos beiseite schiebt. Wie hypnotisiert starren die guten, blauen Augen des Alten auf jenen Platz unter dem Tisch und als die Kleme später kokett wippend durchs Lokal tänzelt, da hascht er flugs, wie ein geschickter Dieb, nach dem köstlichen Gut... Oer Mann mit der Idee. Seit Jahren ist er arbeitslos. Abgebaut, zu all, um noch erfolgreich im Exiftenzkampk bestehen zu können, vegetiert er mit dem bißchen Unterstützung elend mit den Seinen dahin.„Wenn er sich bloß nichts antut," jammert die Frau,„er ist so schrecklich deprimiert bei jedem neuen Fehlschlag". Nach einiger Zeit be- gegnct mir die Frau wieder; sie ist wie umgewandelt, heiter und hoffnungsfroh. Schon will ich zur gefundenen Stelle gratulieren, da erzählt sie:„Gottfeidank, er hat wioder Lebensmut: leider hat sich ja nichts Positives gefunden, aber er arbeitet mit einem Freund eine Idee«ms und wenn das was wird, dann haben wir's ge- schafft. Diesmal glaubt er ganz bestimmt an einen Erfolg, bei seinen vielen früheren Ideen Halle er nie das felsenfeste Gefühl des Gelingens." Dann besuche ich den Mann. Aus trüben, durchwachten Augen blinzelt er mich freudig an, er ist inzwischen körperlich noch viel elender geworden, aber in feinem Blick liegt ein« ganze Welt freudigen Hoffens.„Diesmal klappt es, älter Freund," meint er mit einem ttefen Seufzer verborgener Glückseligkeck:„bann muß Emma mit den Kindern sofort aufs Land und mir selbst könnte ein« kleine Erholung auch nicht schaden, was meinst du?" Dazu muß man unbedingt Ja sagen, ob aber zur glücklichen Erfüllung seines Wunschtraumes? MU hastiger Stimme erklärt, crzähll, schwelgt er von seinen Zukunftsplänen. Bis mir dann nach langer Zell die Frau wieder einmal über den Weg läuft: ein kurzer Blick und ich weiß, daß es wieder nichts ward. Ich will ihr das traurige Berichten ersparen und weiche aus, aber sie kommt auf mich zu. es drückt ihr das Herz ab. sie muß sich erleichtern: der Geldman. der sich für die Salhe interessierte, ist plötzlich abge- schwenkt, ein zweller war nicht zu finden und fürs Patentieren auf«igen« Faust fehlt es am nötigen Geld. Nun ist er noch viel niedergeschlagener als vorher," meint die Fvau mit tränenersiicktcr Stimme,„und ich habe selbst nicht mehr die Kraft, auszuhalten." Im Wettbüro. Mit vergrämten, ausgemergelten Gesichtern sitzen Männer und Frauen, dürftig gekleidet, in den Wettbüros: eifrig werden Spartblätter und angeschlagene Tips studiert, geduldig wartet man. bis das Telephon des Buchmachers schrillt: Ergebnisse des Rennens verkündet es und bannt auch das Schicksal. Wieder ist es nichts gewesen, die letzte Mark ist futsch, morgen gibt es nichts zu essen. und doch wandert das erste Geld, dos sie in die Finger kriegen, wieder in den Wetttaden. Mit gutgeschminktem, hold lächelndem Mündchen und fejnen Seidenstrümpfchen bevölkern sie Kakfees und Bars: Alte und Junge, Häßliche»nd Schöne. Unter all den Glücksuchern sind sie die Be- scheidensten: zufrieden, wenn einer ein Abendbrot spendiert, als Lohn zu allem bereit. Da hat eine eben einen Freier gefunden, sie verlassen gemeinsam dos Lokal, in der Drehtür macht die Frau kehrt, geht zurück, steckt einein älteren Mann Schlüssel und ein kleines Geldstück zu: dem ungeduldig und mißtrauisch gewordenen Kavalier aber erklärt sie:„Mein Mann, wir haben s-it Tagen nichts Richtiges gegessen: ich weiß mir keinen Rat mehr." Und man merkt, es ist wahr, was sie spricht... Silvesterverkehr auf der S-Bahn Zahlreiche Sonderzüge— 10-Minuten-Verkehr auf der Stadtbahn Für die Silvesternacht hat die Reichsbahndirektwn Berlin«inen umfangreichen Sonderzugn«rtehr auf der Z>Bahn vorgesehen. Auf der Stadtbahn werden die Züge in Abständen van etwa 10 Minuten, auf der Ringbahn in Abständen von 20 Minuten verkehren. Auf den Vorortstrecken sind ebenfalls zahlreiche Sonder- züge vorgesehen: So wird nach Zossen der letzte Vorortzug ab Potsdamer Vorortbahnhof um 2.51 Uhr fahren: zwischen Potsdamer Vorort- bahnhof und Lichterfelde-Ost sind zwischen 1.56 und 3.56 bzw. 2.14 auf 4.14 Uhr vier Züge in jeder Richtung vorgesehen. Auf der W a n n s e e b a h n ist bis gegen 4 Uhr halbstündlicher Ver- kehr: letzter Zug ab Wannseebahnhof 4.01, ab Wannsee 3.59 Uhr: von der Stadtbahn fährt der letzte Zug nach Wannsee ab Eharlottenburg 4.29, nach Potsdam um 3.49 Uhr. Von Potsdam fahren von 0.46 bis 3.46 stündlich, von Wannsee außerdem um 1.38, 3.38 und 5.08 Uhr Züge nach der Stadtbahn. Vom Lehrter Bahnhof werden zwei Züge nach Nauen(ab 1.42 und 3.02) und von S p a n d a u- W e st je ein Zug nach Wuster- mark(ab 3.31) und nach Dallgow-Döberitz(ab 2.11 Uhr) eingelegt. Ab Nauen fährt der letzte Zug um 1.28, ab Wustermark um 1.26 und ab Dallgow-Döberitz um 3.03 nach Berlin. Zwischen Charlottenburg und Spandau- W« st verkehren von 1.46 bis 4.26 fünf Züge nach Spandau und von 1.21 bis 4.41 Uhr sechs Züge nach der Stadtbahn. Auf den drei Nord st recken sind vorgesehen: ab Stettiner Bahnhof 2.12 nach Bernau, 2.20 und 2.50 nach O r a n i e n- bürg und 2.07 nach Velten: in den Gegenrichtungen ab Bernau 1.33, ab Oranienburg 1.31 und 2.01 und ab Vellen 1.13 Uhr.— Auf der Strecke Stadtbahn-Mahlsdors werden zwischen 2.05 und 4.45 Uhr(ab Schlestschen Bahnhof) sechs Züge nach Mahls- darf, zwischen 0.58 und 4.38 acht Züge nach der Stadtbahn ein- gelegt; außerdem werden einige wettere Züge zwischen Schlestschen Bahnhos und Lichtenberg-Friedrichsfelde eingelegt. Nach S t r a u s- berg fahren zwei Züge: ab Schlestschen Bahnhof 2.56 und 3.36: in der Gegenrichtung ab Strausberg 2.10 und 4.27 Uhr. Nach Erkner sichren ab Schlestschen Bahnhos sechs Züge zwischen 2.13 und 4.38 Uhr: in der Gegenrichtung ab Erkner ebenfalls sechs Züge zwischen 1.11 und 3.11 Uhr. Außerdem sind je drei Züge nach und von Friedrichshagen vorgesehen. Nach Grünau fahren ab Schlestschen Bahnhof acht Züge zwischen 2.01 und 4.41 Uhr: in der Gegenrichtung ab Grünau ebensoviel« zwischen 0.30 und 3.40 Uhr. Schließlich verkehrt noch vom Görlitzer Bahnhos, ab 2.32, ein Zug nach Königswusterhausen, und von Königswuster- Hausen ab 0.33 Uhr ein Zug nach Berlin. Silvester ohne Polizeistunde. Für die Silvesternacht wird auch in diesem Jahr wieder die Polizeistunde völlig aufgehoben, so daß alle Gaststätten ohne Einschränkung ihre Betriebe offen hallen können. Die polizeilichen Vorkehrungen werden sich im allgemeinen in dem üblichen Rahmen hallen, wenn auch in diesem Jahr gewiss« Maß- nahmen zur Verhinderung polttischer Zwischenfälle notwendig sein werden. Die Polizei hat aus den Erfahrungen des vorjährigen Silvesters, bei dem sich der blutige Lorfall w der Hufeland st raße ereignet hat. die Konsequenzen gezogen und wird diesmal besondere Kräfte für solche Gegenden der Reichshauptstadt bereitstellen, in denen namentlich in den ersten Morgenstunden des 1. Januar mtt derMöglichkeitpolitifcherReibercien gerechnet werden muß. Es hcrndell sich dabei sowohl um die Innenstadt wie wn cülzeln« Stadtgegendeu, wie Neukölln, D eddin g. aber auch um den Westen der Stadt in der Umgebung des Kurfllrsterchanuns. Von der Anordnung einer allgemeinen Alarmstufe wird man voraus- sichtlich absehen, vielmehr die entsprechenden Vorkehrungen den einzelnen Polizeigruppcn überlassen. In diesem Jahr ist vor allem auch der durch die letzte Notverordnung geschaffene„W e i h n a ch t s- friede" zu beachten, der die Abhaltung öffentlicher politischer Ver- sammlungen, auch wenn sie als Siloesterfeiern aufgezogen werden, unmöglich macht. So wird neben dem verstärkten Aufgebot der Verkehrsbeamten ein umfangreicher Streifendienst in den in Frage kommenden Stadtgegendcn einsetzen, und es werden auch für alle Fäll« größere Formationen in Bereitschaft gchallen, um jederzeit zur Wiederherstellung der Ruhe und Ordnung ein- greifen zu können. Auch die städtischen Rettungsstellen werden diesmal polizeilichen Schutz erhallen. Die strengen Bestimmungen, die sich schon im Vorjahr gegen die Verwendung gefährlicher oder erheblich ruhestörender Feuerwerkskörper richteten, bleiben auch für diese Silvesternacht in Kraft. Im übrigen aber soll der ungefährliche Silvestertrubel, soweit er sich bei der allgemeinen Depression in diesem Jahr überhaupt entwickeln sollte, in keiner Weise gestört oder eingeschränkt werden. Autounfall des russischen Botschafters. Der sowiellussische Botschafter, E h i n t s ch u k, der am Nach» mittag des 24. Dezember in Begleitung feiner Gattin, des Presse- chefs Winogradow und Frau Winogradow eine Autofahrt ange- treten hatte, um die Weihnachtsfciectage in Wernigerode im Harz zu oerbringen, hat auf der Strecke zwischen Genthin und Plaue in- folge Glatteises einen Autounfall gehabt, bei dem der Wagen zer- llllmmert wurde. Der Botschafter und Frau Winogradow wurden durch das zersplitternde Fensterglas leicht verletzt, während Frau Chintschuk eine Verstauchung der Hand erlitt. Ein Privatwagen brachte die Verunglückten nach Plaue, wo ihnen die erste ärztliche Hilfe erwiesen wurde, und von wo sie nach Berlin zurückkehrten. Theater im Dienste der Erwerbslosen. Das Stadttheater in Dortmund, das bereits in der vergangenen Spielzeit acht Vorstellungen für Erwerbslose veran- staltete, bringt jetzt wöchentlich einmal eine Erwerbslosenvorstellung, deren Besuch für Arbeitslose vollkommen kostenfrei ist. Das gesamte künstlerische und technische Personal sowie das Garderobenpersonal stellt sich zu diesen Vorführungen kostenlos zur Verfügung. Die Deutsche Nolhilfe b'ktel alle, die schriftliche Neujahrs- glückwünfche versenden, die Wohlfahrtsbriefmarken und Wohlfahrts» Postkarten der Reichspost kür die Deutsch« Nothilfe zu verwenden. Di« Wohlfahrtsbriefmarken gellen auch im Poftoerkehr mit dem Ausland. Der Ertrag aus dem Verkauf dieser schönen Marten mtt deutschen Städtebildern dient zur Linderung der Winternot. New Jorks Oberbürgermeister als We'hnachtemaaa. Bei seinem Aufenthalt in Berlin wurde dem Oberbürgermeister von New Park Walker auch ein Konzert des berühmten Schwarzmeier- schen Kinderchors dargebracht. Der Gast war von dem Ge- Höllen so entzückt, daß er oersprach, sedem Kinde zu Weihnachten eine kleine Freude zu bereiten. Sein Versprechen hat er jetzt wahr gemacht, jeder kleine Sänger hat von Oberbürgermeister' Walker einen Dollar geschickt gekommen. Ein Arbeiterbezirk beschert Weihnachten im Herzen des proletarischen Berlin In dieser Zeit grenzenloser Not war di« Feier des Weihnacht?- festes für chunderttausends von Menschen von der Sorge getragen, doch wenigstens an den Feiertagen einmal nicht hungern und nicht frieren zu müssen. Und überall ha, wo mit öffentlichen Mitteln und durch Spenden von privater Seit« den Erwerbslosen und ihren Kindern eine kleine Freude bereitet werden konnte, mußte sich Nächstenliebe auf die Ueberwcisung von Lebensmitteln und wärmender Kleidung beschränken. So schlicht und einfach sich fast überall die Feiern abspielten, so leuchteten doch Tausende von Kindcraugen, die unter brennendem Weihnachtsbaum im Wohlfahrtsamt, in Horten und Krippen oder im Nachitisheim die Gaben in Empfang nahmen! und freudige Ge- sichter sah man auch bei der älteren Generation, den Wärmestuben- besuchern, den Sozial- und Kleinrentnern und bei den 609 Hospi- talitinnen des Friedrich-Wilhelms-Hospitals. Erschütternd und doch zugleich erhebend war di« iin Bezirk Friedrichshain veran- staltete Blindenfeier. Nur wenige Bezirke in Berlin betreuen unsere blinden Mitbürger durch besonders bestellte und in einer besonderen Kommission zusammengefaßte Pfleger. Im Bezirk Friedrichshain besteht dies« Kommission bereits lg Jahre, und lg Jahre führt die Geschäfte der Kommission ein Mann von höchster Aktivität, ein Vorbild treuester Pflichterfüllung, der Bs- zirksverordnete N e im ck e. 100 Blinde mit ihren Familien fanden sich im Saale des Frankfurter Hofes zusammen, um bei einem ausgewählten Programm, bei Kaffee und Kuchen Stunden der Freude zu verleben. Auch hier erhielt jede Familie Lebensmittel und Sachen für den täglichen Bedarf. Don den Feiern, di« nicht durch das Wohlfahrtsamt getragen waren, wallen wir besonders die 3. Volksschule in der Petersburger Straße hervorheben. Die Kinder dieser Schule, die unter der Leitung des Rektors Genossen G e n s ch steht, sind nach schulärzt- lichen Berichten die gesundheitlich gefährdetsten im ganzen Bezirk. Jedes vierte Kind ist hier Waise oder Halbwaise und die übrigen leiden in ihrer Mehrzahl unter der Arbeitslosigkeit ihrer Väter. Dank des Opfermutes des Lehrerkollegiums konnte Stoff für 30 Kleider beschafft werden, die in Handfertigkeitsunterrichtsswnden schmuck und modern geschneidert wurden. Aus privaten Stiftungen trafen 30 funkelnagelneue Mäntel«in, Unterwäsche, Strümpfe und auch Mützen. So konnten manche Kinder von Kopf bis Fuß neu eingekleidet werden. Rund 100 Kinder, jedes 4. Kind der Schule, hatte teil an dieser frohen und so notwendigen Bescherung. Aber auch die Firma Osram. die seit Wochen in geradezu vor- bildlicher Weise die Familienmittagsspeisung durchführt, hat es sich nicht nehmen lassen, ihren Mittagsgästen, alt und jung, ein« be- sonder« Festfreude zu beretten. Doppelt reichlich sielen die Por- tionen aus,«ins Weihnachtsstolle gab's dazu und für die Kleinen Schokolade und ein Spiel. In Tausenden von Familien ist so ein Schimmer der Weih- nachtsfreude hineingetragen worden. Wo mit den bescheidenen Mitteln geholfen werden konnte, ist geholfen worden. Das Bezirks- amt Friedrichshain hat im Rahmsn der heuttgen Verhältnisse getan, was menschenmöglich war. Es war«in Werk proletarischer Soli- darität, getragen durch«in sozialistisches Bezirksamt, dessen Bürger- meister, Genosse Mielitz, sich mit voller Tatkraft für di« Hilfe- leistung eingesetzt hat. Dampfer in schwerer Seenot. Hamburger Schiff unbemannt und treibend aufgefunden. Kopenhagen, 2S. Dezember. Um nenn Uhr vormittags sah man von Lord des dänischen Feuerschiffes in Droden ein Schiff mit roter Not- flagge treiben. Die beiden Söhne des Feuermeisters ruderten mit einem Boot sofort zu dem Schiff und stellten fest, daß es sich um die M o t o r g a l e a s s e„Helga- ans Hamburg mit Aoksladnng handelt. Do niemand an Bord war. befürchtete man, daß die Befahnng umgekommen fei. Ein schwedischer Schiffer berichtete, daß er ein Boot mit einigen Seeleuten mit Surs auf die schwedische Süste südlich von Dimhamm gesehen habe. Ulöglicherweise seien es die Leute der„Helga-, Vis zur Stunde bat man jedoch noch keine Gewißheit über das Schicksal der Zftann- schast bekommen können. Libau, 28. Dezember. Bei dem am ersten Weihnachtsfciertag herrschenden Sturm sind an der letkländischen Küste zwei Dampfer gestrandet. Der etwa 300 Ladetonnen große Dampfer„Bartava- befand sich mit einer Kohlenladung aus Gdingen nach Libau unterwegs. Bei dem unsichtigen Wetter geriet das Schiff um 6 Ilhr morgens unweit von Libau in der Nähe des Strandes aus Grund. Gegen Mittag gelang es fünf Mann der Besatzung in einem Boot das Land zu erreichen. Elf weitere Mann wurden durch die Libaucr Rettungsstation an Land gebracht. Bei Windau ist der 3000 Tonnen große englische Dampser „L i o o n i a" im Nebel auf ein Riff gelaufen. Das Schisf, das unter lettiändischer Flagge fuhr, befand sich von England nach Riga unterwegs. Die Besatzung von 22 Mann konnte sich in Schisfsbooten an Land retten; nur der Kapitän blieb auf dem Dampfer zurück. Der Fall des Kindes Griese. Selbstimpfungsversuche des Professors Deycke. Lübeck, 28. Dezember. Die Montagvcrhandlung im Lübecker Ealmettc- Prozeß begann nachmittags um 2 Ilhr. Der Vorsitzende teilte mit, daß der bedauerliche Zwischenfall, der sich vor einigen Tagen zwisckien Professor Much und Professor Schürmann Im Gcrichtssaal ereignet hat, inzwischen in seinem Beisein in ehren- voller Weise erledigt worden sei. Das Gericht beschäftigt sich dann eingehend mit dem Fall dos Kindes Griese. Das Kind ist im Dezember 1920, also zwei Monate vor der offiziellen Einführung des Ealmette- Aerfahrens, bereits gefüttert worden. Es stammt aus einer tuberkulösen Familie. Ende Januar 1930 zeigten sich Krank- beitscrscheinungen. Die Zlerzte führten diese Erscheinungen auf eine kongenitale, tm Mutterleibe erworbene Tuberkulose zurück. Pro- fessor Deycke wurde Anfang März von zwei Aerzlen eine citrige Halsdrüse des Kindes gebracht, die er auf Meerschweinchen weitcrimpfte und von der er eine Kultur anlegte. Die ausgedehnte Erörterung dieses Falles sollte Klarheit darüber bringen, ob man vielleicht schon bei diesem Kinde darauf schließen konnte, daß der BCG., der also schon im Dezember verfüttert wurde, giftig- Keime enthielt. Professor Deycke äußerte sich eingehend über die kongenitale tm Mutterleibe erwor- benc Tuberkulose und über die Forschungen und Versuche, die er später mit BCG.-Kulturen und den Kulturen Griefe unternoimnen hat und sprach sodann über den Versuch, den er an scincm eigenen Körper vornahm; Am 6. März 1931 impfte er sich 33 Milligramm einer BCG.-Kultur unter die Oberhaut seines Unterarmes. Er nahm dazu eine Kultur, die etwas giftiger erschien als die anderen. Es entwickette sich ein« Pustel, die all- mählich ziemlich umfangreich wurde. Zwei Wochen später zeigte sich ein Hautausschlag, der aber zur Ausheilung kam. Eine ein 10-Pfennig-Stück große Fläche blieb übrig. Es handelte sich dabei um eine Wucherung, die er herausschneiden ließ und a» Dr. von Prauß übersandte. Dieser untersuchte sie und stellte Stachelzellenkrebs sest, aber keiue Tuberkulose. Cr gab Dr. Deycke den Rat. die ganze Sache herausschneiden zu lassen, was auch geschah. Die Wunde Ist später ausgeheilt. Der Eiter aus dem Abzeß am Arm Professor Deyckes wurde auf Meerschweinchen wettergeimpst. Auch diese zeigten keine Tuberkulose Herde. Am 27. April jvurden von einer Kultur des Eiters drei Meer- schweinchen geimpft. Eins davon erkrankte an Lungen- und Drüsentuberkulose, das andere zeigte eine schwere Bauchfell- und Hodentuberkulose. Das Gericht und die Nebenkläger bemühten sich hierauf, zu klären, wie man überhaupt dazu kam, dem Kind« Griese die Drüse herauszunehmen und sie untersuchen zu lasskn. Während Professor Deycke hierzu angibt, daß die Untersuchung der Drüse nur aus wissenschaftlichen Gründen erfolgt sei, bekundeten in ihren früheren Vernehmungen Dr. Jannasch und Dr. Wiener, man habe die Drüsen hcrausgeschntttcn, um Klarheit über die Diagnose zu gewinnen. Der Vertreter der Nebenkläger fragt, ob man nicht die Drüse herausgenommen habe, weil rnon Zweifel an der Un- schädlichkett des BCG. hatte. Darauf antwortet Dr. Wiener, man Hobe die Drüse nur herausgenommen, um endlich zu einer klaren Diagnose zu kommen und festzustellen, ob es sich um Drüsentuberkulose handle. Die Zweifel seien durch die Ergebnisse der Drüsennntersuchung behoben worden. Heute, Dienstag, wird die Berhandlung fortgesetzt. Autokaiastrophe. Vier Tote bei einem Autounfall.- Wagen umgestürzt. Neumarkl(Niederschlesien), 28. Dezember. Auf der Fahrt von B c l k a u nach N i m k a u verlor der Führer eines mit acht Personen besetzten Autos, dessen Insassen von einem Reiterfest in Bclkau heimkehrten, die Gewalt über den Wagen. Das ?luto fuhr eine 4 Meter hohe Böschung hinunter und stürzt« um. Vier der Insassen wurden getötet und zwei verletzt. Bei den Gc- töteten handelt es sich um den Kaufmann Euchantke aus Nim- kau, der den Wagen steuerte, ferner den Straßenmeister G c i d e aus Nimkau, eine Frau Grosser aus Nimkau und«in« Frau Weber aus Breslau. Ab nach Afrika! Auf dem FIugplatz Tempelhos startete am Montag im Flugzeug O 2220 die wissenschaftlichen Zwecken dienende Expedition des österreichischen Naturwissenschaftlers Dr. Simmer. Das Reife- ziel oer von dem Monteur Spindler gesteuerten Maschine ist Zentralafrika. Dr. Snwner will hier vor allein umfang- reiche Windmessungen vornehmen. Die aus den Namen„Austria- getaufte Maschine gleicht einem fliegenden Laboratorium. Gcheinche eines Bigamisten. Der eigenartige Fall, daß einem Manne Betrug durch eine Eheschließung vorgeworfen wird, ereignete sich vor dem Amts- gericht Berlin- Mitte. Der ungarische Tischler Wilhelm hatte vor einiger Zeit tn einem Cafe eine Landsmännin kennen- gelernt, mit der er zuerst nur in geschäftliche Beziehungen trat. Nach kurzer Zeit der Bekanntschaft heirateten aber beide nach jüdisch- religiösem Ritus. Aus einem Brief, der aus der Heimat ankam, ersah nun aber die Frau, daß ihr Mann bereits verheiratet war und daß in Ungarn seine Frau und seine Kinder lebten. Nunmehr erstattete sie Anzeige gegen ihn wegen Doppelehe. Das Verfahren gegen Wilhelm wurde aber nur wegen Betruges erösfnet, da er mtt seiner zweiten Frau nicht standesamtlich getraut worden war. so daß im zivNrechMchen Sinn« keine zweite Ehe bestand. Der Amts- richter stellt« nunmehr fest, daß der Angeklagt« durch die religiöse Trauung einen Heiratsschwindel begangen hatte, und verurteilte ihn daher wegen Betruges zu sechs Monaten Gefängnis. Schneesturm über Schweden. Stockholm, 28. Dezember. Ein außerordentlich heftiger Schneesturm hat in der Nacht zum Montag in Schweden gewütet und besonders an der Küste große Verheerungen angerichtet. Der Swrm erreichte stellenweife «ine Geschwindigkeit bis zu 23 Sekundenmeter. Der aus Deutschland kommende Zug hatte mehrere Stunden Verspätung. Der auf der Fahrt von.Hamburg mich Leningrad de- griffene Rigaer Dampfer„Dago" kam bei Golland in eine krttische Lage, da die Ladung sich bei dem Sturm oerschob. Der Dampfer konnte aber einen Nothafen erreichen.— In Stockholm sind wieder sehr große Schnee mengen gefallen und haben mehreren Tausenden von Arbettslosen Arbeit verschafft. Filialdirektor tot aufgefunden. Der Filiolleiter der Bank der Ost preußischen L a n d s 6? a f t in Gerdauen, Müller, dessen Namen vor etwa drei Wochen im Zusammenhang mit größeren Bcruntreuungen genannt worden war. wurde gestern abend im Neuendorfer Walde tot aufgefunden. Man nimmt an, daß der Tod des Bankbeamten mit den Vorgängen bei der Bant in Zusammenhang steht. Primaner als Strastenräuber. Zwei Naumburgcr Oberprimaner überfielen des Nachts einen Studienassessor, würgten ihn und versuchten ihn zu berauben. Als die Täter von Passanten überrascht wurden. flüchteten sie, konnten jedoch später ermittelt und gestellt werden. In ihrem Besitz befanden sich Schußwaffen. Vor der Tat hatten sie sich zur Ilnkenntlichmachung die Gesichter geschwärzt. Beide Primaner sind„Söhne aus achtbarer Familie". Der Tod Im Vergwcrt. In einem Schacht des Bergwerks „Frickley"(Uorkshire, England) wurden fünf Vorarbeiter durch Gase, die sich während der Feiertag« in der Grube angc- sammelt hatten, getötet. GENOSSE NSCHAFJ BERLIN U. ü MGEGE N D E. G. M. B. H. Zu Merl Weine und Spirituosen EinscIilieBlicli Flasche .Vi fi. 0.90 ZSerToDrllon..... v.fl 1.20 22 er Beils[flte— v, fu i,6ü 25 er ElülliOD(Bordeaux)'/! Fl, 2.00 21er La mancha(Sauternes Art) ZZerWellenjteiDer.. v,n. 1.70 23 er[röver Mensfcerg\ 1.70 29 er Zellerrdiwarze Hätz �1.75 . Vi fi. 1.35 . Vi fl 1.60 ZBemallgJerizdieD'.FL 1.60 27er!Won!tlial..n 2.00 /, fu 1,80 Apfelwein IÄsr,.cr..jr.0.80 ApfBlWElD 5°°..... v. fl 1.00 BeldelbeerweiD....via 1.25 Rum-Verschnltl H Flasche von Mk 2.00 an UfeinDrand. Arrak, Liköre u. titv. Punsche Spezialität! ZfierAlsheinier.. 26 er BrnwIielM StadieiiieerweiD. WMeerweln fraditiBkt..... . Vi FL 1.20 Vi Fl. 1.20 . Vi Fl. 1.10 . 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D9rKoÄra,l9r Fünf Lahre Diktatur in Litauen Die Probe faschistischer Legaliiäi Am 17. Dezember 192K haben die reaktionären Offiziere gemein- fom mit den Führern der kleine» und unpopulären Nationalisten- Partei„Tautinikoi"(Smetona und Woldemaras) erfolgreich gc- putscht. Die demokratisch-sozialistische Äoalitionsregierung, die aus der Parlamentswahl vom Mai 1926 hervorgegangen war, wurde gc- waltsam entfernt, die Regierungsgcwalt ging in die Hände der Putschisten über. Die Demokraten, im Vertrauen auf die feierlichst geleisteten Eide und Versprechungen der 5)errcn Smctona und Wol- dcmaras, die Verfassung zu achten, wollten nichts gegen die Putschisten unternehmen, obwohl es damals mit Hilfe der regle- rungstrcuen Truppen wahrscheinlich noch möglich gewesen wäre, den Putsch niederzuschlagen. Die Demokraten strebten vielmehr --unter der Kapitulationsparole, dast„die Litauer das litauische Blut nicht vergießen dürfen"— danach, de» Putsch möglichst schnell und unblutig in die legalen Bahnen zu leiten. Die Führer der ZNilitörrevolte spiegelten die Legalität nur so lange vor, bis sie der Macht sicher waren. Dann ging man anders vor. Der Kriegszustand war proklamiert, alle bürgerlichen Freiheiten wurden ausgehoben, strengste Zensur eingeführt. Schon in den ersten Tagen traten Feldgerichte in Aktion. Bald wurden auch die Klerikalen, die sich freudig den neuen Machthaber» zur Verfügung stellten, schmählich aus der Regierung verjagt. So wurde etappenweise die nackte Militärdiktatur auf- gerichtet. Der Opposition, den Demokraten und Sozialdemokraten, wurde jede Bctätigungsmöglichkeit genommen, mit großem Aufwand an Staatsgcldcrn und mit allen Terror- und Bestcchungs- Nutteln die nationalistische Partei großgezüchtct. Eine Anzahl Jugend-, Lehrer-, Schüler- und Baucrnorganisationen wurden für den Regierungs- und Spitzeldienst geschaffen und eine billige Rcp- titienpresse aufgebaut. Viele unserer mutigsten Genossen hat man erschossen, in den Kerkern der berüchtigten politischen Polizei(Schwalgyba) g c in a r- tert und in das Konzentrationslager Varnioi(Worny) eingesperrt. Fast alle Organisationen der Arbeiterschaft und der Bauern sind zerstört, die noch existierenden sind durch die Willkür der Kam- nmndanten und der Polizei zum Scheindasein verurteilt. Alle demokratisch gesinnten Beamten sind aus dem Staatsdienst gejagt oder gezwungen zu heucheln,„sich anzupassen", wie man das nennt. Einige hundert politische Flüchtlinge müssen in Nachbarstaaten unter erbärmlichsten Verhältnissen vegetieren... Nach dem gelungenen Putsch schasstcn sich die Machthaber eine eigene„Ideologie" an. Aus dem vom Zarismus, von Mussolini und von Hitler zusammcngeklauten Mischmasch schuf man die„Staalslheorie des 20. Jahrhunderts". Danach soll der „Parteisiaat" durch den„Dolksslaal"— repräsenlierl im Alltagsleben durch das Bajonett— erseht werden. Für blanke Silberlinge geworbene„Theoretiker" künden weil und breit, daß Litauen in der Staatsordnung das..fortschrittlichste" Land nach Italien sei. Dieser„Volksstaat" ist in der Hauptsache die Restaurierung des Zarenreichs. Bald nach dem Putsch suchten und fanden die Gewaltherrscher den Anschluß an die Besitzenden Zuerst kamen litauische und polnische Großgrundbesitzer und Großbauern. Ihnen folgte das städtische litauische und jüdische Bürgertum. Schon am Anfang ihrer Herrschaft stellt die Diktatur die Durchführung der Agrarreform ein. Durch das Smetona-Dckret vom 16. April 1936 ist die Agrarreform, die größte Errungenschaft der litauischen landarmen Bauernschaft,„endgültig" rückwärts revidiert worden. Das Dekret gibt den Großgrundbesitzern 224 000 Hektar von dem bereits enteigneten, aber noch nicht ausgeteilten Grund und "Boden zurück. Für den schon aufgeteilten Grund und Boden wird mit Staats- Wäldern oder bar entschädigt. Die Agrarpolitik der Diktatur durch eine eigentümliche Stützungsaktion des Exports landwirtschaftlicher. Produkte und durch die absichllich einseitige Kreditgewährung ist ausschließlich an die Interessen der Großgrundbesitzer und Groß- dauern und nur in Ausnahmefällen an die der Mittelbauern ange- paßt. Die Kleinbauern und meistenteils auch die Mittelbauern, zu- sammcn über 80 Proz. der litauischen Bauernschaft, gehen leer aus, sie müssen zahlen. Es wird geplant, die Neusiedler, etwa 50 000, mit noch größerer Loskaufsumme zu belasten, was für viele von ihnen gleichbedeutend wäre mit ihrer Vcrjagung von der Scholle. Viele bankrotte Neusiedler wandere aus, noch Kanada, Südamerika. Ihr Grund und Boden wird von den mit staatlichen Krediten gespeisten Großbauern und sonstigen Diktaturanhängern aufgekauft! Das ist faschistische Agrarreform! Ueber 70 Proz. der Industriearbeiter verdiene» nach Angaben der Krankenkasse» bis 4 Litas gleich 1,60 IN. täglich. Löhne von l'A und 2 Litas(0,60 bis 0,80 BT.) pro Tag sind in der Industrie gang und gäbe. Obwohl die Lcbenskosten viel niedriger als in Deutschland sind, leben die ineisten Industriearbeiter tief unter dem Existenzininiinum. Dazu koinmt der Abbau oder absichtliche, von der Regierung gern gesehene Nichtachtung der Arbeitcrschutzgesetzgebung. Die Ar- beitsinspektoren werden von den Arbeitern die K a p i t a l i n s p e k- t o r c n genannt, weil sie nichts andere-- tun, als den Unternehmern bei der Umgehung des Arbcitcrschutzes zu helfen. Der Selbstschutz ist den Arbeitern durch die Vernichtung ihrer Organisationen un- möglich genmcht. Selbstverständlich ist dos deinokratische Wahlrecht a b g e- schafft. Nach der Verjagung des Woldeinaras wurden 1929 die Wahlen zu den ländlichen Selbstverwaltungen ausgeschrieben. Ueber 80 Proz. der Bevölkerung wurde des Stimmrechts beraubt. Alle Arbeiter, die meisten Handwerker, fast alle Frauen(Ausnahme machen nur die Beamtinnen und die Besitzerinnen einer eigenen Werkstatt), die meisten Angestellten sind nicht stimmberechtigt. In den allermeisten Fällen war die Wahl öffentlich und erfolgte unter dem Terror der Polizei und der Kreisvorstehcr, die die ganze ./Selbstverwaltung" darstellen. Unter diesen Verhältnissen haben auch von den Stimmberechtigten nur etwa 15 bis 25 Proz. gewählt, so daß die Selbstocrwaltungskörper nur von etwa 3 bis 6 Proz. der Bevölkerung gewählt sind. Dasselbe wiederholte sich in diesem Jahre bei der Wahl der städtischen Selbstverwaltungskörper und jüngst bei der Präsidentenwahl. Sic erfolgte durch die verstümmelten Selbsloerwaltungsorgone. Gemeinde-, kreis- und Stadträte hatte» unter strengster kreisvorstehexkontrolle und unter ihrer aktiven Beteiligung 118 BZahlmänner(„besondere Bolksvertreler") zu stellen. Diese kamen dann nach Kowno und ernannten Smetona zum Staatspräsidenten. Die ganze Komödie spielle sich im Eiltcmpo ab. lind doch ist die Einstimmigkeit nicht ganz erreicht worden. Der demokratische Stadtrat von Memel hat es demonstratw abgelehnt, an der schnöden Wahlkomödie sich zu beteiligen. Von 118 haben also nur 116 Wahl- männer Herrn Smetona zum Präsidenten erkoren. Eine Anzahl Demokraten und Klerikale sind zur Wahlzeit ein- gesperrt worden, damit sie nicht stören. Die Opposttions- blätter brachten den Lesern die Verhaftungen nur in der Weise zur Kenntnis, daß sie schrieben, der und jener(Rainen) habe„nicht zu Hause geschlafen". Das sozialdemokratische Blatt war zur Wahtzeit ganz unterdrückt. Nach der' Smetöna-Wahl sollen die Parlamcntswahlen genau so inszeniert werden. Eine Teilamnestie. Aus Anlaß des Putschjubiläums hat der Kriegsminister über 100 administrativ Bestraften die Strafe erlassen, darunter dem aus kowno ausgewiesenen Redakteur Radzevicius und dein volkssozialistijchen Führer Baron Tornau. Für W o l d e m a- ras ist die Berbannung, die nur noch formell bestand, aufgehoben worden. Vom Lieferauto totgefahren! In der Wiener Straße, unmittel- bar vor dem Görlitzer Bahnhof, ereignete sich am Montag ein schwerer Verkehrsunfall. Beim Ueberschreiten des Fahr- dammcs wurde der 77 Jahre alte Rentner Fritz Mahnte aus der Forstcrstrahe 84 von einem Lieserauto überfahren. Der Greis erlitt so schwere Verletzungen, daß er Wenige Minuten später starb. VorirSge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". GeschSstsiiel-le: Berlin S. 14. Sebaftianstr. 87—38. fial Te. Kreis Süden: Generalappell der Funktionäre am Neujahrsmorgen fällt aus.— Wedding: Donnerstag, 31. Dezember, Radfo: Gemüt. u„: r n a. an?:» t_ I icher iicchresabschlußabend bei Bondtke. Schulstr. 74.— Friedrichshai»: Mitd weich, 30. Dezember. Sortrupp: IWi Ildr Jugendheim Ebcrrnstr. I?(Saal).-- Ziculöllll.Britz(Lortruvp): Der Heimabend am 30. Dezember tällt aus.— Treptow: Mlttmoch, 30. Dezember, Kameradschaft Echijneweide.Johannisthal: 20 Uhr Bersammlung, Prückeuklause. Niederschoucweide. Briuicnstraße.— Tempelhas sOrtsvereini: Mittwoch, 30. Dezember, Einäscherung unseres Kamera- den Stadtrat Ewald im Krematorium E-crichtstrahe. Antrete» 13 Uhr U.Bahn. haf Ringbahnstrahc.— Lichtenberg tOrtsvcreins: Dienstag. 20. Dezember, 20 Uhr, Sitzung der gesamten Iungulännschaft bei Stöber, Berlin O„ Jung. Elke Odcrstratzc. Besondere Einladungen ergehen nicht. Tagesordnung:„Arbeit des Lungbanners zur Begrundungsfeicr des Ortsoereins am 3. März 1032. Dcr Lunge Thor(Mitgl. 2)2168.). Uebungsslunden am Dienstag, 20. De. zeinber, und)>. Lanuar fallen aus. Nächste llebungsstundcn wieder 12. Januar, 20 Uhr. Funktionärfitzung Donnerstag, 7. Januar, 18'. Uhr, Schule. Allgemeine Wetterlage. 0wolkBnlos.G heider. O halb bedeckt ®wo!kig,#bedeckt»Regen,aGr3upelo Sc!inee.=Nebel,"tiGewittef;(0)Windstille A» der Südseite des mit seinem Kern bei Stockholm befindlichen Tiefdruckgebietes bestand am Montag in ganz Deutschland trübes und sehr windiges Wetter mit Regcnfällen. In dcr Höhe wehten die westlichen Winde allgemein mit stürmischer Stärke(z. B. Brocken Windstärke II). Die Temperaturen lagen überall weiterhin ziemlich hoch.— An der Rückseite des erwähnten Tiefs dringen jetzt kühle Luftmassen polaren Ursprungs südwärts vor. Ihre Front ist bereits bis»ach Nordfronkreich und Norddeutschland gelangt.— In den nächsten beiden Tagen wird daher unser Bezirk im Bereich des nordwestlichen Luftkörpers liegen. * Weileraussichlen für Berlin Unbeständig mit rasch wechselnder Bewölkung, Niederschlägen in Schauern und sinkenden Tempera- turen, frische Winde aus westlicher Richtung.— Für Deutschland: In Süddeutschland meist trübe mit Niederschlügen, im ganzen übrigen Reiche unbeständiges, unruhiges Wetter mit verbreiteten Niederschlägen in Schauern; überall Temperaturen sinkend. Beranlworllich iiir Politik: Victor Schiff; Wirtschaft: E>. Klingclhöfcr: Dewerkschaftsbewegung: I. Steiuer: Feuilleton: Dr. Ioha Schikowsli: Lokales und Sonstiges: Fritz Karstadt: Anzeigen: Th. Stacke: sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwäris-Verlaq s. IN b. H., Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerci und Verlagsanitalt Paul Einger u. So.. Dcrli» S®. 68, Lindenstrahe 3. Hierzu 2 Beilage». 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Pfd. 0.32 Weine vom Faß Frkf.ApfelweinlOLt.f.M.lt. 0.45 Bowlenwein... 10 U. 7.00, Lt. 0.75 Rhein.,Moselw.loit.lo.50,if. i.ig Niersteiner.... 10L». 0.30, Lt. 1.00 Utfel u.Dürkh..10 LL 0.00, Lt. 0.95 Tarrag.WermutiOL».9.50,Lt. 1.00 SamosMalagai0LMa.60,LL i.io Muskat........ 10 Lt. to. so, Lt. I.IQ Johannisbeerw.tOLT.oo, iL 0.75 Erdbeerwein.lOLLiZ.», Lt. 1,30 Schi. Böckelh. 10 LM 4.60, Lt. i.zg Obst und Gemüse Datteln............Karton0.45 Krachmandeln..Pfd. 0.58 Traubenrosinen....an Pfd. 0.65 Apfelsinen........ an 3 Pfd. 0.42 Mandarinen...... an 3 Pfd. 0.58 Ananas............. an Pfd. 0.50 Grünkohl.™----„.Pfd. 0.05 Rotkohl................ Pfd. 0,06 Pfannkuchen... is Stck. 0.95 Spekulatius........ Pfd. 0.50 Rot-UjSudweine Ungsteiner.......... m. Fl. g.SO 28er Medac......... m.Fi. 8.88 Utiel................. m. FL l.oo Chat.Bellevue...... m.Fi. 1.50 26 er St. Julien....... m.Fi. 1,75 22er St. Emilion....m.Fi.2.50 23er Beaujolais.... m.Fl. 2.10 Tarrag.,Malag.,Musk.niJI.1,10 28erSauternes..... m. FL 1,95 28er Haut Sautern. m.Fi. 2.25 21 er Haut Sautern. m. Fl. 4,90 Wild* Geflügel Gänse,ru«„gofroren an Pfd. 0.95 Mastgänse......... an Pfd. 0,72 Suppenhühner.... an Pfd. 0,88 Bratenten.......... an Pfd. 0,98 Hasen gutraifi...... an Pfd. 9.95 Wildschweinblatt an Pfd. 0.80 Hirschblatt......... an lfd. 0.58 Rehblatt............ an Pfd. 0,85 Herrenkringel..... Pfd. 1.00 Ananas s Schb., 900-g-Di. 1,10 WEISSWEINE Hackenheimer �...�..m.Pi. 9.55 10 FL 9,20 Hambacher....... �...m.Pl. 9.95 10 PL 8,20 30er Niersteiner....... m.Fl. 9,95 10 FL g.20 30 er Liebfraumilch— m. Fi. 1.00 10 FL 9.79 28 er Gimmeldinger..m.Fl. 1.20 10 PL 11.00 28er Burg Landeck....m.FL 1.25'0FL 11.50 30er Bacharach. Riesl. m.Fl. 1,45 10 FL 13,50 28er Uerz;g.Pichter...m.Fl. 1.50 10 FL 14.00 28erCrov. Paradies...m.Fl. l.5fl 10 FI. 14.00 27 er Caseler Lay...... m.Fl. 1.50 10 FL 14.00 25 er Clüsser. Berg„...m. FL 1,50 10 Fl. 14.00 30erZellerschw. K.....m.Fi. 1.50 10 FL 14,00 28er Nierst. Rossbg...m.FL 1.75 10 FL 18.50 27er Alsh. Goldbg...m.Fi. 1.75 10 FL 19,50 28erZelt.Steinmauer..m.Fl. 1.75 10 FL 19.50 27erZelt.Kirchenpf...m.FL 1.75 10 FL 19.50 27erBernk. Urglück..m.FI.1,95 10 FL 18.50 27er Erdener Busslay m.FL 1.05 10 FL 18.50 27er Trab. Schlossb...m.Fi. 2.10>0 FL 20.00 27er Dhraner Hofb...m.Fl. 2,60>0 Fl. 25.00 25 er Dom Avelsbach. m.Fi. 2.90<0 Fl. 28.00 Schaumweine Traubensekt H. EdwL m. Fi. 2.75 Drachenblut(Rotsekf) m.Fl. 2.95 Henkelt, Kupferberg m.Fl. 5.90 Obstschaumw. m. FL 1.25, I.qq Erdbaerschaumw�n.StBueru.FI. 2.00 Liköre Eierlikör............... Vif- 3.25 Schokolad.-Cocktail Vi Fl- 3.75 Maveliner-----——.Vi Fi. 5.39 Eiskirsch........ Fl. 5.75 Weizenmehl...�...Pfd. 0.20 Auszugmehl______ Pfd. 0.24 Korinthen..Pfd. 0.56 Zitronat.............. Pfd. 0.90 Rosinen mit Siein...... Pfd. 0.46 Sultaninen........ an Pfd. 0.38 Mandeln........... an Pfd. 1,30 Mandelersatz........ Pfd. 0.48 Teegebäck.......... Pfd. 1.00 Weisser Mohn..... Pfd. 0.52 Spirituosen Rum-Verschn.38°ic, iLf.m.Fi. 4.60 Rum.Vschn.43v»ViPL<.lof>(,2.25 Arrak 38°�....... V.FI-3.03,'/,2.10 Weinbr..SpM.i-LL.Fi.4.80,v,3.5o Weinbr.-V.... Ut.-Fi.f.so, Vi3.15 Alter Korn........ I Ll m.Fl. 3.75 Berl.Tafelkümmel..1-IL-Fi.4.g5 Arrak- u. Rum-Punsch Fl. 2.95 Cherry Brandy, Kümmel, Halb und Halb, Curagao, Pfefferminz..................... FL 2.95 Delikatessen Bratheringe...... l-U.-Dose 0.50 Oelsardin. VrCIub-Ds., 2Ds.0.75 Hambg. Näschereien Dos. 0.65 Delikat.-Gurken 2-LL-Dosel,50 Div. Salate............ Pf-- 0.70 Import-Sardellen..... Pfd. 0.65 Spickaale ttarlca---- an Pfd.l.SQ Lachs in Stücken...... an Pfd. 1 ,25 AlterWacholcl.iLm.Fi. 4.59 Alt.MQnsterid.iLm.Fi.3,50 Pfirsiche zur Bowle.Vi Dom 0.75 Erdbeeren zurBowia............»/. Dom 1.00 Siiv.-Karpfen. an Pfd. 0,78 Leb. Schleie.... an Pfd. 0.63 müa umt KARSTADT Telef. Bettellungen unter F 6 Baerwold 0012 werden prompt erledigt ♦ U-Bhf. Hermannplotz der Karstadt-Bahnhof• Mengenabgabe vorbehalten e Verkauf solange Vorrat Die Bagatellsache. (Sin preußischer Staatsanwalt gegen die Notverordnung. Am SonntagnachMlttag marschierte, wie die Polizei- Pressestelle Altona meldet, verbotenerweise ein Trupp Nationalsozialisten, und zwar Mitglieder des Marine st urms der SA. Hamburg, geschlossen durch den Ort Rahlstedt. Eine Anzahl der Teilnehmer an diesem Aufzug trug Abzeichen, die die Zugehörigkeit zu einer politischen Organisation kennzeichneten. Ron den 28 von der Polizei festgenommenen Nationalsozialisten wurden 27 am Montag dem Schnellrichter zugeführt. Die Festgenommenen bestritten, sich an einem Umzug be- teiligt zu haben, sie hätten lediglich eine sportliche U e b u n g veranstaltet. Auf diese Ausrede hm hat der Staatsanwalt die Erhebung der Anklage abgelehnt, da es sich um eine Bagatellsache handle. Der Tatbestand von Teil VIII, Kap. IV, ß 1 der Vierten Notverordnung ist erfüllt. Ein preußischer Staatsanwalt aber erblickt in dem Tatbestand, den die Notverordnung mit(Se- fängnis bedroht, eine Bagatellsache. Wozu dann die Not- Verordnung? Künftig werden alle SA.-Märsche nur„Sportübungen" sein. Die SA. ist für die Justiz offenbar überhaupt nur eine Bagatelle!_ Helldorf wird vernommen. Che leugnet die Planmäßigkeit der Krawalle. Im Helldorf-Prozeß befragte der Vorsitzende den Angeklagten Helldorf, wi« es zu erklären sei, daß auf dem Kursürstendamm so viel« SA.-L«ut« aus verschiedenen Stürmen erschienen. Hell- darf hat dafür nur eine Erklärung: Die Behörden und die Gegner wären gerade in den letzten Tagen vor dem Kurfürstendamm» Ereignis äußerst scharf gegen die SA. vorgegangen. Die SA glich einem überhitzten Dampfkessel. Sie mußte sich irgendein Ventil verschaffen. So erschien sie auf'dem Kurfürstendamm. Der Vorsitzend« legt dem Angeklagten ein« Karte vor, auf der die einzelnen Verkehslokale und SA.- Heim« angezeichnet sind, von denen aus die Stürm« sich nach dem Kur- fürftendamm begeben haben müffen. Wie erklären Sie sich, fragt Landgerichtsdirektor Ohnesorge, daß Stürme aus fo entfernten Lo- kalen auf dem Kurfürstendamm waren? Das ist ja gerade ein Beweis dafür, daß die Sache nicht organisiert war, meint Graf Helldorf. Sonst hätten wir ja di« Stürm« vom Westen auf den Kurfürstendamm werfen können. Das ist kein Beweis, erwidert daraufhin Landgerichtsdirektor Ohnesorge. Erfahrungsgemäß wissen wir, daß in solchen Fällen absichllich Leute aus entfernten Stadt- gegenden herangezogen werden. Auf Graf Helldorf folgt als nächster Angeklagter fein Adjutant Ernst, dann Gewehr, Kühns u. a. Aerztekonsilium in Basel. �Wollen wir noch einen letzten Versuch machen und ihm die Deine amputieren oder wollen wir ihn gleich in den Sarg legen?" Ungenügender Preisabbau. Die Neichspost will die notwendigsten Preissenkungen unterlassen. Gegen die Provokateure. Verbot des Austretens von Nr. GiseviuS. In einer Kleinen Anfrage eines Landtagsabgeordneten der Deutschnationalen Voltspartei war gefragt worden, wer Listen zu- sammenstelle, in denen diejenigen geführt werden, deren Auftreten als Redner oerboten sei. Zur Begründung war darauf hingewiesen worden, daß die Polizeiverwaltung in Bottrop verboten hat, daß in ein« genehmigten Versammlung Dr. Gisevius als Redner sprechen dürfe, da dieser auf di«„Liste der verbotenen Redner* gesetzt sei. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der preußische Minister des Innern folgend« Antwort«teilt: Die Gründe, aus denen dem Gerichtsreferendar Dr. Gisevius in Düsseldorf das Auftreten als Redner in öffentlichen Verfamm- lungen untersagt worden ist, sind dem Betroffenen von dem Regie- rungsxräfidenten in Münster durch Bescheid vom 27. November 1931 mitgeteilt worden. Die Polizeibchörven sind entsprechend unter- richtet worden. Offenbar hat sich die Polizeioerwaltung in Reckling- Hausen zu Kontrollzwecken ein Derzeichms solcher Personen ange- legt, deren Auftreten als Redner verboten worden ist. Bedenken sind dagegen nicht zu erheben. Hamburgs Genaisgefchaste neu verieili. Petersen erster, Roß zweiter Bürgermeister. Hamburg, 28. Dezember.(Eigenbericht.) Der Hamburger Senat, der in jedem Jahr kurz vor Jahres- ende die Neuverteilung der Senatsgefchäfte für das neue Jahr vor- nimmt, wählt« am Montag für das Jahr 1932 Bürgermeister Dr. Petersen(Staatsparteiler) zum ersten und Bürgermeister Rudolf Roß(Soz.) zum zweiten Bürgermeister. Bürgermeister Roß war während der letzten beiden Jahre erster Bürgermeister, während Dr. Petersen dieses Amt von 1924 bis 1929 inne hatte 1928 war unter den Koalitionsparteien ein regelmäßiger Wechsel im ersten Bürgermeisteramt vereinbart worden. Während die Amtszeit danach bisher zwei Jahr« betrug, soll sie in Zukunft nur ein Jahr betragen, so daß die Sozialdemokratie am 1. Januar 1933 wieder den Bürgermeister stellen wird. Voraussetzung ist allerding», daß der gegenwärtige Senat, der nach dem Ausgang der letzten Bürgerfchaftswahlen zurücktrat und seitdem al» gefchäfts- führender Senat fungiert, 1933 noch im Amte ist. Da die neue Bürgerschaft nicht über eine andere koalitionsfähige Mehrheit als die bisherige oerfügt, ist das Ende der Amtszeit des gegenwärtigen Senats, der aus sechs Sozialdemokraten und je drei Staatspartetlern und Volksparteilern besteht, nicht abzusehen. Am Montag tagte im Reichsposlmlnlsterium der Ausschuß des verwallungsrates, um die Gebührenreform, die im Rahmen der allgemeinen Preissenkung stattfinden soll, zu beraten. Das Reichspoflminlsterium sieht in seiner Vorlage nur eine Preissenkung für Drucksachen. Pakete. Telegramme und Fernsprechgebühren vor. Diese Vorlage des Reichspostministeriums mutz ollgemein a u s das schwerste enttäuschen. So bleiben zunächst die eigeoMchen Massenbelastungeu de» Brief- und Sartenverkehr» von der Preissenkung völlig ausgeschlossen. Die Fernsprechgebühren sollen zwar bei den Ortsgesprächen von 19 auf 9 Pf. gesenkt und auch bei Ferngesprächen bis zu 199 Kil-v meter ermäßigt werden, aber die wesentlichste Belastung jedes Fernsprechteilnehmers, di« Grundgebühr, soll unverändert bleiben. Ein« große Enttäuschung bringt die Vorlage des Reichs- Postministeriums auch den Millionen Rundfunk- teilnehmern. di« mit Bestimmtheit«inen Abbau der Monat- lichen Rundfunkgebühren erwartet haben. Man sollte es kaum für möglich Kalten, daß eine Reichshehörd« die allgemein« Preissenkungsaktion des Kabinetts Brüning s o wenig unterstützen will, wie es da» Reichspostministerium mit seiner Vorlage für eine» der wichtigsten öffentlichen Unterneh» men in Deutschland beabsichtigt. Wo ist bei dieser Tarif.,resorm* der Rcichspost auch nur der geringste Ansatz einer Entlastung für die breiten Schichten der Bevölkerung zu finden! Die vorgesehene Senkung für Drucksachen, Pakete, Telegramme und Fernsprechgebühren wird zwar der Wirtschaft gewiss« Er- leichterungen bringen, ober die Belastungen, die nach der Droste- lung des Einkommens mehr denn je am Haushalt des Pri- vatmannes zehren, das überhöhte Brief- und Karten- porw, di« 8 Mark Grundgebühr für das Telephon und die monat- liche Rundfunkgebühr von 2 Mark, die in Deutschland d i e teuerste der Welt ist, bleiben samt und sonders unver» ändert. Glaubt etwa der Reichspoftminister ebenso wie der Ber- waltungsrat der Deutschen Reichsbahn, man könne um 39 bis 199 Proz. gegen 1914 erhöhte Tarife in einer Zeit aufrecht» erhalten, in der das Masseneinkommen auf das äußerste zu- sammengeschrumpft ist? Wir möchten die Reichspost nachdrücklich an ihre drei lejjten Ouartalsberichte erinnern, in denen sie über den ständigen Berkehrsrückgang gerade in den Sparten klagte, die sie jetzt von der Preissenkung ausnehme.» will. Es besteht gar kein Zweifel, daß dir bedenkliche Zahl von 29 099 Telephonabmeldungen im nächsten Jahre sich bei einer derart unklugen Tarifpolitik der Reichspost beträchtlich erhöhen, ja, oerdoppeln dürfte. Der Verwaltungsrat der Reichspost wird im Lauf« des heutigen Tag�-s zusammentreten, um endgültigen Beschluß über die Tarifrcform zu fasten. Der Verwaltungsrat wird im ureigenste» Intereste der Reichspost handeln, wenn er diese völlig unzulängliche Vorlage des Ministeriums einer eingehenden Revision auf der Linie einer wirksamen Mastenentlastung unterziehen wird. Kein„Weihnachisgefchenk an dieKirche" Vielmehr Kürzungen im Nahmen der Notverordnung. Die„Rote Fahne" verbreitet in ihrer Nr. 237 vom 24. Dezem- ber d I. unter der Ueberschrift„Weihnachtsgeschenk der preußischen SPD.-Regierung": Wieder 31 Millionen für die Kirche!" die Be- hauptung, die preußische Notverordnung vom 23. Dezember„über- rasche die evangelisch« Kirche mit einem Weihnachtsgeschenk von 36 Millionen und die katholische mit 15 Millionen für 1932". Amtlich wird mitgeteilt, daß das Gegenteil richtig ist. Es ist selbstverständlich, daß die Notoerordnung, die überall Sparmaß- nahmen bringt, nicht bei den Kirchen«ine Ausnahme macht und ihnen Erhöhungen gewährt. In der Tat bringt sie eine Kürzung der Psarrbesoldungszuschüsse von insgesamt über 6,4 Millionen Mark, und zwar von nahezu 4,8 Millionen für die evangelisch« und von 1,7 Millionen für die katholisch« Kirche. Schießerei in Hamborn. Hamborn. 23. Dezember. In den Mvrgenstunden des Zwesten Wechnachtsfeiertages be- lästigten zwei angetrunkene Personen vor der Geschäftsstelle der NSDAP, die dort anwesenden Nationalsozialisten. Sie wurden daraufhin von diesen zur Rede gestellt. Im Perlaufe der Ausein- andersetzung gab einer der Betrunkenen zwei Pistolenschüsse ab, durch di« der Nationalsozialist Kampin lebensgefährlich verletzt wurde. Die Täter ergriffen darauf die Flucht, wurden aber heute von der Polizei verhastet und in» Gefängnis gebracht. Einer von ihnen hatte einen Hüftschuß, den u auf der Flucht erhallen haben will. Bei dem anderen Festgenommenen wurde«in« Pistole mit 17 Schuß Munition gefunden. Diu Lea. der früher« Präsident des gesetzgebenden Rates, ist von der Kuomintang zum chinesischen Staatspräsidenten bestimmt worden. Mmisterprästdent der neuen Regierung wurde Sunfo. Ghandi landet in Indien. Massenbegrüßung in Bombay.- Llnzusriedene Extremisten stören Empfang.— patel spricht von Nevolution. Bombay, 28. Dezember. Mahatma Ghandi traf am Montag, von der London« Kon» ferenz zurückkehrend, in Bombay ein. Kurz vor seiner Ankunft war es zu schweren Zusammenstößen zwischen Parias und Kon- greßanhängern gekommen. Die„Unberührbaren", die Ghandi be- schuldigen, die Durchsetzung ihrer Forderungen nach entsprechender Vertretung in den indischen Provinzparlamenten oerhindert zu haben, waren mit Stöcken, Glasscherben, Messern u. a. bewaffnet. Sie risien die Fahnen und Girlanden, die von den Kongreß- anhängern in den Straßen angebracht waren, herum«. Kurz vor der Ankunft von Ghandis Dampfer strömten sie zum Hafen, wo sich ein Kampf zwischen ihnen und den Kongreßanhängern entspann. der erst durch starke Polizeiabteilungen beendigt werden konnte. Bei der Prügelei wurden 23 Personen verletzt. Der ursprünglich vorgesehene großartige Empfang, bei dem Ghandi in einem mit weißen Pferden bespannten Wagen durch die Straßen Bombays fahren sollt«, war fallen gelassen worden. Trotzdem hatte sich ein« ungeheure Menschenmenge am Hafen eingefunden. Riestge Menschenmassen, die aus 899 999 ge- schätzt werden, drängten sich in den Straßen. Ghandi wurde von Patel und dem Moslemführer A n s a r i sowie von seiner Frau an Bord des Schiffes begrüßt. Mit dem Spinnrad unter dem Arm schritt Ghandi unter die Meng«, die ihn mit lauten Rufen begrüßte und ihm Girlanden aus indischem Garn zuwarf. In den Straßen wurde Ghandi mit Rufen begrüßt, die zum Un- gehorsamkeitsfeldzug aufforderten. Ghandi erklärte Presieoerttetern, die Ergebnisse der Londoner Konferenz halt«« für s e h r g« r i n g. Di« Konferenz sei nur«in Debattier-Klub gewesen. Heb« den Waffenstillstand von Delhi sagte Ghandi, er betrachte die Unterzeichnung dieses Vertrages als«wen Akt staatsmännischer Klugheit von seilen des indischen Kongresses. Spät« hi«U Ghandi eine Rede, in der er das Volt auffordert«, sich berstt zu hallen, wenn der Kampf unvermeidlich sei. Er werde ab« keinen Versuch unterlassen, um ein« gülliche Lösung zu finden. Patel«klärt«, für das Herannahen einer Revolution in Indien feien viele Anzeichen vorhanden. Indien müsse den Boy« tott gegen englische Waren noch viel strenger durchführen, als bisherl Nehru verhastet/ Kämpfe in Nordwestindien. London, 28. Dezember.(Eigenbericht.) Auß« den schon gemeldeten blutigen Zusammenstößen in Peschawar— wo 8 Personen getötet, 39 oerletzt und 148 wegen Pachtoerweigerung von Sondergerichten zu je sechs Monaten Ge- fängnis verurteill wurden— kam es auch in anderen Orten Nord- westindiens zum Waffengebrauch des britischen Militärs gegen die „Rochcmden". 11 P«sonen wurden getötet, zahlreiche verwundet, viele verhaftel, darunter der Präsident des allindischen Kongresses, R e h r u, ein naher Freund Gandhis. Er wur�e auf der Reis« von Allahabad nach Bombay festgenommen. Gandhi hat inzwischen Indien wieder erreicht. Zukunftsfragen bei öer�eichsreform. In einer. Kleinen Anfrage eines wirtschaftspartellichen Land- tagsabgeordneten war an das Staatsministerium die Frage ge- richtet worden, ob es bereit sei, bei einem Anschluß von Mecklen- burg-Strelitz an Preußen den Kreis Templin in der Uckermark im Regierungsbezirk Potsdam zu belassen, da der Kreistag und der gesamte Kreis schärfsten Protest gegen«ine beabsichtigte Angliede- rung des Kreises an Mecklenburg-Strelitz erheben würden. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der preußische Minister des Innern folgende Antwort erteill: Bei einem Anschluß von Mecklenburg-Strelitz an Preußen würde eine Ab- trennung des Kreises Templin vom Regierungsbezirk Potsdam nicht in Frage kommen. Der tschechische Legalloassekretär aus Moskau. Wanjet. der auf Veranlassung der russischen Regierung wegen angeblicher An» stiftung zur Ermordung des japanischen Botschafters in Moskau von seiner Regierung nach Prag zurückberufen wurde. «klärt« während des kurzen Aufenthalts seines Zuges in Warschau. daß er mit dem japanischen Botschafter durch jähre- lange gemeinsame Tätigkeit persönlich befreundet sei und dann ihm vor der Abreise noch Grüße habe üb«mitteln lassen. Wanjek scheint ein«twas komischer Kauz zu sein Es wird von ihm berichtet. daß er dem deutschen Generalkonsul in Charkow vor einiger Zeit einmal die Hand geküßt hat, WERTHEIM Zusendung von 5 M an. Obst, Gemüse u. leidil verderbliche Artikel werden nicht zugesandt THcnalacf htm Demterafag »ovreif Vorrttl: fäillige iiehenswnttel Frisch. Fleisch Ochsen-Suppenfleisdi r. u 0.48 Ochsen-Schmorfleisch v. an 0.74 Kalbsbrust u. Rücken Pfd. 0.58 Kalbskotelett.... Pfund 0.74 Kalbsroulade bratfert» Pfd. 0.84 Kalbsschnitzel....Pfund 1.06 Sdiweinebaudi...Pfund 0.58 Schweineschinken ohn. Sein 0.68 Schweineschulterblatt Pfd. 0.68 Schweinekamm u.sdiuffPfd. 0.72 Schweinekotelett Pfund an 0.74 Kahlerkamm u. Schuft Pfd. 0.72 la Berliner Bratwurst Pfd. 0.86 Frische Rinderzunge Pfd. 0.90 Bratfertertiges Fett Pfd. 0.60 1930 Edenkobener.... 0.68 1930 Mesenicher Königsbg. 0.90 1927 Oppenheim. Goldbg. 1.20 1930 Bernkasteler Riesling 1,35 1928 OberhSus.Kaisergrundl.SO Fische Schellfisch u.Kabeljau Pfd. v. Dorsch u. Scholle 3 Pfd. v. an Grüne Heringe 3 Pfd. v. an Lebende Schleie Pfd. v. an Nur Leipziger Strafe Holld. Austern««Stck. v. an Leb. Hummern Pfd. von an Leb. Forellen Pfund von an gorSudiorfi Fettbücklinge Pfund von an 0.32 Schelltisch.. Pfund von an 0.28 Sprotten Pfd.v. 0.26 Kisidtan 0.32 Spickaale... Pfund von an 1»60 Ladis in StQckan, Pfd. von an 1.25 Fischmarinaden.... % Dos. an 0.38 X 0. 0.68 0.18 0.28 0.44 0.65 1.75 3.20 1.65 Wurstwaren Kase u. Fett Geflügel, Wild Konserven Dampf- u. Fleisch wurst Pfd. 0.75 Landleberwurst Pfund«.«s 0.84 Mettwurst Braunschweig. Art 0.95 Wiener Würstchen. Pfund 0.95 Feine Leberwurst Pfd.«.so 1.08 Teewurst fein. u. grobe, Pfd. 1.28 Fileiwurst...... Pfund 1.32 Zervelatwurst I.FetfdarmPfd. 1.32 Sdiinkenspeck i-Pfd,-s«ck. 1.22 Speck fett 0.78 mager, Pfd. 0,92 Gänsebrust geschnitt,,1/, Pfd. 0.65 . geschnitten. 9®�. Schinken o.Sch, y.pfd. 0.35 0.43 Camembert volifet«. Stack 0.20 6 Portionen-Schachtel 0.68 Harzerkäse ca. i-Pfd.-Pakei 0.30 Tilsiferkäse vollfett.. Pfund 0.68 Heiländer u. Edamer voiif. 0.70 Briekäse volifet«... Pfund 0.72 . i. QuaiitSt a f\f\ Schweizer Pfund von en �«Oö Roh- u. Bratenschmalz Pfd. 0.48 Molkereibutter Pfd. 1.10 1.24 Markenbutter.... Pfund 1.32 Dänisdte Butter.. Pfund 1.34 Meujahra-Spende« Gänse gefroren, Pfund v. an 0.65 Mastgänse Pfd. 0.72 0.82 0.92 Hühner.... Pfund von an 0.68 Wolgahühner Pfund v. an 0.70 Hasen an0.85 Kaninchen an 0.76 Blatt ROdran Keule Hirschfleisch 0.58 0.78 0.98 Rehfleisch 0.85 1.18 1.28 Obst UeSOdSrüchte Amerik. Kofel Pfund 0.24 0.36 Apfelsinen..... 3 Pfund 0.42 Mandarinen.... 3 Pfund 0.56 Jaffa-Orangen... 3 Pfund 0.65 Zitronen.. Dutzend von an 0.38 Frische Ananas anze Früchte A von an v«#© 1 929 Oberemmel. Rosenbg. 1 30 1928 Liebfraumilch.... 1.75 1928 Graacher Himmelreich 2.10 1930 Ingelheimer rot....0.95 1928 Ahmannshäuser rot..2.40 Wein ti. Spirituosen Preise für Flasche ohne Glas St. Antonio Span. Roiwein,. 0.90 1924 Ch8t. Reignac....1.20 1925 Chät. La Tour Bardis. 1.50 Dürkheimer Rotwein Liter 0.80 Spanischer Rotwein. Liter 1.20 Rheinpfälzer Bowlenwein, Ltr. 0.70 Tarragona........ Liter 1.10 Muskateller...... Liter 1.20 Rum-Verschnitt Spezial, Liter 4.40 Weinbrand S Kronen.. Liter 4.60 Fruchtsehaumwein.... 1.25 Moseihodigoid Traubensekt 3.20 Disch. We.nbr.-Verschn. 3.1 0 3.70 Deutscher Weinbrand 3.85 4.75 Jamaika-Rum-Verschnitt SS Vol.*/. 3.25«Vol.*/, 4J0 Gem. Gemüse....... Gem. Gemüse sehr fein.. Junge Erbsen mitteifein.. Kaiser-Schoten....... Bruchspargel ohne Köpfe.. Bruchspargel extra stark.. Stangenspargel mittelstark Sellerie In Scheiben..... Pflaumen.......... Reineclauden....... Erdbeeren.......... Pfirsiche.......... Ananas............ Frisch gebrannter Kaffee rfund 1.80 2.20 2.60 3.00 3.40 3.80 Delikatessen Malossoi-Kaviar. vi Pfund 8.50 Kaviar Chipp Auslese KPfd. 12.50 Fleischsalat...... Pfund 0.70 Heringssalat mit Majennais« 0.70 Majonnaise, Remoulade 0.70 Dos« 0.60 1.45 0.72 1.30 1.10 2.00 1.75 0.63 0.58 1.00 1.00 1.15 1.10 Lebende Karpfen Pfd. von an 78 Pf. Pf SÜflVlE&UCl�Gfl Dutzend von an 75 Pf. Sfaafs Theafcr Dienstag, den 29. Dezember staatsoper unter den Linden 20 Uhr Der fliegende Holländer Winter * Garten• Slaa!!.SdiaDsiiieIhJus CiDdanonnutl. 20 Uhr SfÄt« TSglicb 5 u. Ei/s U. Jueisile STage! NONI L0LITA BENAVENTE 2 P1ERR0TYS us» Htllm.Kragerkonfer. PLAZA Täglich 5 u. Bis Uhr Sljs. 2, S. Bis Uhr Nur noch 3 Taget PAGAMWI lb Freitag, 1, Januar Das Veilchen vom Montmartre DeoniM iDsaiei Täglich 8 Uhr Antonios und Cleopatra von Shakespeare Regit: Heinz Biluert Die Homödie Täglich 8Vi Uhr Die nemo-Ban« von Louis Verneuil mit WaxPal lenbnrjj KurlUrsienäamm Idealer J 1«48- 8'/« Uhr Gstsp. mufridit-Pnidulit. Malta gonny von Brecht u. Weiil lur.: Naher. Musik. Leitang: von Zemlinsky Theater desWestens Täglich 8>/« Uhr Silvester 7 Uhr Karl JSkea in Der Vogelbändler Heute nachm. 4 Uhr I wiM-Tteatei Täglich SV. Uhr Silvester 7- Uhr Morgen gehls uns gut! Grete Mosheim, Max Hansen Orchest.Da/os Bcla meiropoi-ltieaier Täglich 8>/. Uhr Silvester 7 Uhr Ein Lied der Liebe Biels. Tauber Annl AJiler» IforverirnfMiiiifertiraiic Schiller-Theater Chariottenbnr). 20 Uhr Datterich Stadl. Oper Charloltenburg Bismarcks traBe 34 Dienstag, 29. Dez. Turnus III Anfang 20 Uht Rigoletto Emie nach 22.3ÖJJ VoiKsbühne Theater am BDIowplatz 8 Uhr Die GroDherzoDin von Gerolslcln Staat!. Sitiller- Theater 8 Uhr Datterich S Dhr Flora 3434 ttaudien erlaubt Sam Barion, Paolo Ballett Gsovsky Luisita Leers usw. GR. SCHAUSPIELHAUS 8 Che Komödienhaus- Schlffbauerdainm 25 D 2, Weidehdamn 6304 89« Uhr Silvester 7 Uhr Gaslsp.FrlU Meiner „Rose von Stambut'* idir. Woborsky, Stiiotr, Fei!». Kotariii Preise von 50 Pf. an Ptiilharinonle 8 Uhr sinfonte• Konz. d.Phtlharmon.Orcli Dirig. ProfJ.Prüwer Solist Th.van dcrPas Kla vier-Konzert Hr. 2 C-moll-Radimammff Sinf.Hr.3 Eroica-Beethoveu Eintritt 1 M. MMWv Resfauumt Berlins Arnold Scholz | U-Bahn Hermann platz• Hasenheide 108/114| Silvesterball in sv« uhr CASINO-THEATER»'/« Uh' Lothringer Strafe 37. iiiiiinirmMiiiiiiiuiieiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiititiueiHRiiiiiiiiii Die neue Posse Was man ans Liebe tat Dazu die Gesangs- und Tanz- Operette Das Scheidnngs- Souper and der bunte Vertelt-Tell. Gutschein 1-4 Personen: Parkett SO Pf., Fauteuil I.— Mark. Sessel 1.50 Mark. Oberbayern 6 Kapellen— Humor— Stimmung Einlaß 6 Uhr Anfang 7 Uhr Freitag den 1. Januar 1932 Eröffnung der Bockbier-Saison 1 Gr. Ochjenbratercl, Gr. Sdiwclnebraterel j Diendag«, Mittwochs und Donnerstags: Elitetage An allen Tagen Großer Alpenball 6 Kapellen/ Auf der Bühne: Nene Attraktionen s Bayrische Bedienung Einlaß wodtenlaga 6 Uhr» Sonntags 4 Uhr LiditbDrg.Berlin-GesQoillirynfleo ff1 mit Dolly Haas, tioslav Frönilöi o. a. Fox tön. Wochenschau. Bühne: lnfernatlon.Varleie und Bflhnensdiaii Wochentags 4 Uhr. laiendTOnlellg Beglam Woohent 4, 6.15, 8.30 U Sonn- u. Feiert. 2.30, 4 46,7,9.15 U. Theater am Nollendorfplat] Regie: Heim Saltenbnrg Pallas 7051 Täglich S'U Uhr Stgs. auch 4'/« Uhr Gasparone Rose- Theater Gute Fmkfirier StraSe 132 Id. WeidiKl E 1 3422 8.15 Uhr Eine Frau von Format Theater Im Admiralshalast Täglich 8V« Uhr Gitta Aipar in Die Dnbarry Preise v. 0.50 M an Am 25. Dezember 1931 verstarb nach langem»ohweren LeWen unser hochverehrter Chef, Herr Paul Roll Di© Nachricht von seinem Ableben hat uns Arbeiter und Angestellte aufs Tiefste betroffen, da wir in ihm einen gerechten und einsichtsvollen Arbeitgeber verloren haben, denn er war trotz der schweren Zeit stets auf das Wohl seiner Arbeiter und Angestellten bedacht. Dankbar und in Ehren werden wir seiner stets gedenken. N enkölln, den 29. Dezember 1931. Die Arbeiter und Angesicllien der Firma Gebr. Roll, Neukölln, Maybadinlcr 16. Die Beerdigung findet am Mittwoch, dem 30. Dezember 1931, oaohmittags 2 Uhr, auf dem Alten Jakobikirchhof, Neukölln, Hermannplats, statt öiermtt allen Bekannten zur Nach- richt, daß mein lieber Mann, Baier und Schwiegeroaiez, Herr Andreas Blohmann im 53. Lebensjahre nach kurzem schweren Leiben am 27. 12. 81 entschlief. Fron Blohmann and Kiad». Die Einäscherung find ei Dannez«. iaq, den 81. Dezember, vormittag, M'ik llhr. im Krematorium Wilmersdorf Berliner Siraße, ItaiL Am 25. Dezember 1931 entschlief nach kurzem Krankenlager meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwieger- unb Eroßmutier Frieda Rintisch geb. Welnert im Atter von 53 Jahren. Im Namen der Hinterbliebenen PmI RinlUcb, Ehristianastr. 126 Die EinSicherung erfolgt am Miti- wach, bem 30. Dezember, IM« Uhr, im Kiemaiorium Serichiitr.(Kleine Holle) Das beste Festgeschenk bleibt ein Trunk edlen Wernes— Likör— Weinbrand— Rum Sorgen, Kummer fliegen aus, hat man von SüBkind was Im Haus! Für wenig Geld hat jeder ein fröhliches Fest. Hunderttausende von Litern selbst Importierte, unverfälschte Bordeaux- und Südweine. Liköre— Rum und Weinbrände in ganz hervorragenden Qualitäten kommen zum Verkauf. Kleiner Auszug aus mein4r Preisliste: Erstklass., hochprozentige Dessert-Obstweine Liter v. 0.72 an Hervorragende selbst Importierte Südweine.„ 1.20„ Echte span. 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Hedwig Steuer, geb.Hentzschel Eichwaide(Kr. Teltow) und Kinder Bahnhofstr 62 Die EinSsohernng findet am Sonnabend, dem i. Januar, nachmittags 3 Uhr, im Krematorium Banmeohnlenweg, Kiefholzstraße, statt. Von Kondolenzbesuchen bitte abin sehen! JUERGENS Aiexanderplatz Neue Königstr. 43 filUMWn IS leder Art lefert preiswert Paul Golietz rormal« Rodert Mejei Marlannenstr. 3 FS, Obarbaua 19*3 Am 25. Dezember verstarb nach kurzer schwerer Krankheit im 62. Lebensjahre meine treue Lebensgefährtin, unsere gute Kameradin Luise Rosemann geb. KrUke Dies zeigen tlefbetrfibt an Eugen Rosemann und Rinder Einäscherung am Mittwoch, dem 30. Dezember, um>?>/, Uhr, im Krematorium Gerichtstraße Reiciistianner schuiarz-Rot-eoid Ortsverein Prenzlauer Berg Sedenkleier und mitglieoeroersammlung für unseren erschossenen Kameraden Willi Schneider nicht am 3. Januar 1932, sondern am Montag, dem 4. Januar 19JZ, 20 Ubr. im Saalban Friedricbshaiu, Karten behalten ihre Gültigkeit. Keine Abendkasse. Mitwirkende; Neuköllner Sängerchor(Mitgl. d. ASB.), Musikkapellen der Ortsvereine Prenzlauer Berg und ------" i VC Weißensee. Redner: Paneivorsitz Kam. Hans 'ogel souan Radiumbad Landeck (Schlesien) „fieor&nquelle" Kurheim der AOK. Berlin und des Verbandes Berliner Krankenkassen Zentralheizung, fließend. Warm- u. Kaltwasser, saubere u. gut eingerichtete Zimmer, gute Verpflegung faviiksdufttr iL PirttifRaoiie MHufiuliii« Pensionspreis 5.- bis 6,-M. pro Tag Wintersporti Statt Karton i Für die sielen Beweise herzlicher Teilnahme und Blnmensnende bei dem plötzlichen Tode meines lieben. ireusoraenden Mannes und iieden, guten Baters tlvta Beuerfflann sprechen wir hiermit allen Freunden, Bekannten, den Kollegen des»orrel- terenoeroins, der gentralkommilskn Dcutfdjianbs und der.Typographia' unseren ttintgsteu Dank ans. Im Namen der Hinterbliebene» Gertrud Benermann geb. Parat. Scrlin-Ulahlsbotf, ßinbcnflt. 14, hn De.-ember 1951. ?!r. 606 ♦ 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Dienstag, 29. Dezember 4934 Das Lahr der Katastrophen. Oer Krach in der Krise.— Ein Rückblick. Von Fritz Naphtaii. Seit dorn Söhre 1929 befindet sich die gesamte topitaWksche Welt in einem schweren Krisen justemd. Nach dem scharfen Niedergang der Prodnktion, der Umsätze und der Preise im Jahre 1330, nachdem in Deutschland Ende 1330 die Jcchl der Arbeitslosen aus 4% Millionen angewachsen war, war der Glaube weit verbreitet, daß in dem harten Winter 1930/31 der Tiefpunkt der Konjunkturkurve erreicht sein werde. Die 5)offmlng bestand, daß das Jahr 1332 wenigstens Ansätze zur Besserung zeigen werde und eine kurze Zeit im Frühjahr konnte man erste Anzeichen für die Erfüllung dieser Hoffnung feststellen. Allzu bald aber erwiesen sich diese Hoffnungen als trügerisch. Der Sommer brachte an Stelle des erhofften Beginnes der Krisenbeendigung den Krach. Während nach früheren Krisenerfähmngen es gewöhnlich im Augenblick des Umschwunges von der 5)ochkonjunktur zur Krise im Gebälk der Kreditwirtschaft knistert, und während dann im ersten Stadium der Krise der Krach in großen Zusammenbrüchen seinen weithin sichtbaren Ausdruck zu finden pflegte, stehen wir diesmal vor der außerordentlichen, die Gesaurtwirtschcjt in un- gekanntem Maße erschütternden Erscheinung, daß in einein Zeitpunkt, in dem die Konjunktur bereits ganz tief in das Tal der Depression hinabgeglitten war, cm neuer Krach, eine schwere Zuspitzung der Kreditkrise eingetreten ist, der nicht nur die ersten schwachen Keime einer Besserung unter sich begrub, sondern mm in der Fort- Wirkung zu einer schwereil weiteren Schrumpfung der Wirtschaftstätigkeit führte, nüt dein Ergebnis, daß die Zlrbeitslosigkeit der Well am Ende dieses Jahres des Krachs und der Katastrophen wiederum um einige Millionen höher liegt als zu Beginn des Jahres. Der krach im Wellmafzsiab. Schon im Jahre 1329 wurde die Krise durch ein paar große Zusammenbrüche eingeläutet. Mit dein Zusammenbruch der Frankfurter Allgemeinen Bersicherungs A.- G. in Teutschland, der erst- jetzt sein strafrechtliches Nachspiel findet, sing is an. Dann folgte derHatry-Zusammcnbruch in England, der schon ein halbes Jahr später den Millionenschwindler Clarence Hatry in den Kerker brachte. Im Oktober 1329 kain der Krach an der New-Porker Effektenbörse, der mit einem Schlage den Traum von der„ewigen Prosperiig" auch in dem Dollarland« zerstörte, und schließlich folgt« in Frankreich der Oustric- Skandal. Aber das Gewicht dieser Vorboten der großen Wirtschaftskrise verblaßt gegenüber dem Krach, den wir auf dem Höhepunkt der Krise im Jahre 1931 erleben mußten. Mit dem Zusammenbruch der Pesterreichischen Kreditanstalt in Wien, der Be- Herrscherin von vier Fünfteln der österreichischen Industrie, fing es ilii�-'Aer Bankenkrach in Deutschland war die zweite Etappc, er begann mit der Zachlungseinstelküng' der D a n ä t- B a n k, sührt« über die zeitweilige Stockung. des gesamten Bankoerkehrs zur Ein- stellung der Zahlungen für die kurzfristigen deutschen Schulden gegenüber dem Ausland und wurde begleitet von den Insolvenzen und Skandalosfären großen Jndustnekonzerne, von der Norddeutschen Wollkämmerei angefangen, über Karstadt, Nordstern und andere bis zu den Aktienaffären von Sckultheiß-Patzenhofer und der Zahlungseinstellung von Porsig. Nach dem Krach im deutschen Bankwesen gab es den für die Verwirrung der Wellwirtschaft vielleicht noch wichtigeren Krach in England, dessen Ausdrucksform freilich nicht der Zusammenbruch privater Unternehmungen, sondern die Einstellung der Gold- Zahlungen der Bank von England und damit die Ab- wertung aller Pfundforderungen der Well gewesen ist. Aber nicht nur im deutschen mü» englischen, sondern auch im Kredllsystem der Vereinigten Staaten steigerten sich die Störungen zum Krach, der sich dort in eine große Zahl von Bankzusammen- brächen auflöste. Allein im Oktober 1931 waren es mehr als 500 Banken, die in den Vereinigten Staaten ihre Schalter schlössen, und die Gesamtsumme der durch Bankzusammenbrüche in diesem Jahve in Amerika notleidend gewordenen Bankeinlagen wird aus Hi Milliarden Dollar, d. h. mehr als 6 Milliarden Mark beziffert. wenn das Kreditsystem versagt... Die kapitalistische Wirtschaft ist auf einem Kredits? st em, auf nationaler und internationaler Kreditverflechtung aufgebaut. Das Kapital, das auf der einen Seite in Geldform aus Einkommen erspart wird oder das im Verlauf des Wirtschaftsprozesses an der einen Stelle in Geldsvrm freigesetzt wird, wird durch den Kreditapparat der Banken weitergeleitet, um in den Unternehmungen als Anlagekapital oder als Betriebsmittel in realer Form die Grundlage der wirt- schaftlichen Arbeit zu bilden. Ist der Kreditapparat gestört, ziehen die Einleger der Banken und Sparkassen aus Mißtrauen ihre Gelder zurück, werden die Banken auf Grund dieser Rückziehungen und darüber hinaus aus Mißtrauen gegen ihre Schuldner zur Ei>»- schränkung der Kredite gezwungen, so wird von dieser Seite her durch die Erschütterung des Kredits? st eins auch eine olftze dies auf Grund der unausgeglichenen Mißverhältnisse in der kapitalistischen Wirtschaft nur mit halber Kraft betriebene Pro- duktion noch weiter gedrosselt. Die Leidtragenden sind dann nicht nur die unmittelbaren Verlierer von Kapitalsvrdeningen bei den Zusammenbrüchen, sondern es sind noch viel mehr die Massen der Arbeitslosen, die um neue Millionen vermehrt worden sind und denen der Weg der Rückkehr zur Arbeit noch länger versperrt bleibt. Die Leidtragenden sind aber mit den Arbeitslosen auch die beschäftigten Arbeiter und Angestellten. Denn je stärker die Krise wird, desto heftiger wirkt sie sich im Druck auf die Löhne und Gehälter aus. Wie ist es zu dieser Zerrüttung des Kreditsystems, die das Jahr lSZI kennzeichnet, gekommen? Man muß die unselige Verkettung zwischen politischen und wirtschaftlichen Faktoren, die diesen Krach herbei- geführt haben, erkennen, um die richtigen Wege zur Linderung und Ucberwindung seiner Folgen zu finden. Um die besondere Empfindlichkeit des großen K r i f e n h e r d e s in Deutschland und Oesterreich zu verstehen, muß man auf die Wandlungen der internationalen- Situation dieser Länder durch den Krieg und nach dem Kriege zurückgreifen. Deutschland ist durch Kriegsverlustc, Friedensvertrog, Reparationen und In- flationszeit aus dem Ääpitalausfuhrland, das es vor dem Kriege gewesen ist, zu einem kapitalbedürftigen, zu einem kapitalhungrigen Lande geworden. Es mußte in de» Jahren nach der Stabilisierung Kapital einführen, d. h. im Auslande borgen, nicht nur um die Reparationen zu zahlen, deren Abbau nur allmählich auf dem Vcr- ständigui'.gswcge angestrebt werden konnte, sondern auch, um seinen Wirtschaftsapparat dem Wirtschaftsapparat anderer Länder wieder einigermaßen anzugleichen und seine weltwirtschaftliche Konkurrenz- fähigkeit zu behaupten. Die Kapitaleinfuhr war notwendig. Daß es bei der Verwendung des vom Auslande geliehenen wie des im Jnlande neu gebildeten Kapitals auf weiten Gebieten wild herging, daß Fehlinvestitionen gemacht wurden, daß in falschem Tempo und in falschen Maßen rationalisiert und erweitert wurde, ist die Folge der planlosen Wirtschaftsgestaltung im kapi- talistifchcn System. Die Fehllcitungen von Kapital, die Erzeugung von Mißverhältnissen zwischen Produktionskapazität und Absatzmarkt und zwischen den einzelnen Zweigen der Produktion begleitet jede kapitalistische Expansionsperiode und hat genau so in den Ver- einigten Staaten mit seinen Kapitalüberschüsscn wie in Deutschland mll seinem Bedarf an frenidem Kapital stattgefunden. Aber selbstverständlich, die Gefahren der kapitalistischen Mihwirtschast sind ver- vielfacht, wenn die Mittel, mit denen die Erweiterung betrieben wird, geborgte sind, und besonders dann, wenn sie in Formen geborgt werden, die die Gefahr der plötzlichen Zurückziehung in sich bergen, der eine ftstgejahrcne Wirtschast nicht gewachsc» ist. Die historische Sünde Schachts. Es kam deshalb immer darauf an, die unentbehrliche Kapitaleinfuhr möglichst weitgehend in die Forin der lang- fristigen Anleihen und Kapitalbeteiligungen zu llcidcn und sich nicht kurzfristig übermäßig zu verschulden. An dieser Erkenntnis hat es bei den Kapitalgebcrn gefehlt, die oft zu kurzfristigen Krediten bereit waren, aber langfristige Anleihen nicht gewähren wollten. An dieser Erkenntnis hat es ober auch auf deutscher Seite gefehlt, denn unter der-Führung des damaligen Reichsbonkpräsidente» Dr. Schacht wurden aus Haß gegen die öffentliche Wirtschaft und aus falschen reparationspolitischen Ein- stellungen auch auf Gebielen und zu Zeiten, in denen die Ausnahme langfristiger Schulden möglich war, die deutschen Schuldner in den kurzfristigen Kredit hineingedrängt. So ergab sich eine Situation, in der»gu erheblichen Teilen mit kurzfristigen Krediten langfristige Anlagen und in gewisser Hinficht auch Repa- rationszahlungen finanziert worden waren. Verbote von Bausparkassen. Die Beschlüsse des Reichsaufsichtsamtes im einzelnen. Das Rcichsaussichtsamt für Privawcrsichcrung— wir berichteten schon ollgemein darüber— hat folgenden Bausparkassen den G c- schäftsbetrieb untersagt:„Eigen schölle" Siedlung?- und Bauspar-G. in. b. H. Tharandt, Spar- und Kredit- gcmcinschaft Bausparkasse A.-G. Dresden, Hypotheken- und Bau-Kredit-Gen.„H y b a g" e. G. m. b. H., Dresden,„B a v a r i a" Selbsthilfe Bauspar G. m. b. H. Augsburg, Stuttgarter Bau- sparkasse Ges. in. b. H. Stuttgart,„Quell c". Allgemeine Zwecksparkasse Ges. in. b. H. in Stuttgart. Der Senat hat ferner bei den nachstehenden Kassen Antrag auf Konkurseröffnung gestellt: Bau- und Siedlungssparkass« „Deutsche Heimat" G. m. b. H. Berlin, W i r t s ch a f t s- Hilfe A.-G. für Verwaltung und Finanzierung in Frankfurt o. M., „Deutscher B a u b u n d" c. G. m. b. H. in Magdeburg, N ü r n- berger Bauspargesell schast G. m. b. H. in Frankfurt am Main, Baugescllschaft„C a r o l u s" G. m. b. H. in Frankfurt am Main. Der Firma„Die Basis" Bau und Zwecksparkasse G. m. b. H. in Nürnberg, ist die Genehmigung erteilt worden, ihren Betrieb bis zur Entscheidimg über den von ihr gestellten Antrag auf Er- laubnis des Geschäftsbetriebes fortzusetzen. Entsprechende Anträge der Firmen:„Bayern" Bausparkasse Aktiengesellschaft in Nürn- berg und„A u g u st a n a", Bauspar- und Hypothekenttlgungskasie G, y». H. H., AliAstmrq find abschlägig beschieden wyrdeu.... Zialienifche Renommierschiffbauien. Neue 20(X)0-Tonnen-Schiffe. Aus Trieft wird gemeidet, daß am 28. Dezember auf der Monfaleonewerft der Stapellauf des 20 000-Toitnen-Motorschisss „Neptunia" der Cosulich-Linie stattfand. Die„Ncptunia" ist für den Schnelldienst Italien— Südamerika bestimmt und das Schwesterschiff eines anderen 20 000-Tonnen-Dampfers, der im August 1932 vom Stapel laufen soll. Es handelt sich hier um eine echte Wirtschaft- liche Renommisterei des saschistischen Italien. Bor wenigen Wochen erst mußten gelegentlich der Sanierung der Banca Commerciale auch sämtliche großen italienischen Schifsahrtsgcsellschastcn zu Sanie- rungszweckc» fusioniert werden. Gegenwärtig liegt beinahe die Hälfte des Weltschiffsraumes still: für Italien sind die Verhältnisse eher noch schlechter als im Durchschnitt der Welt. Dennoch.läßt Mussolini neue Ozeanriesen zu Ende bauen. Zwischen Frankreich und England geht gegenwärtig ein Streit um die Einstellung von neuen Schifssbauten für die Handelsmarine. Das Wettrüsten in der Handelsmarine wird durch die faschistischen Re- nommierbauten von neuem angestachelt. Die Reichsbank am 23. Dezember. Bemerkungen des Baseler Berichts über die ReichsbanNaqe. Der Reichsbankausweis zum 23. Dezember zeigt die in der Weihnachtswoche sonst eintretende stärkere Anspannung der Reichsbank diesmal nicht. Das ist aber begreiflich, da der ganze Monat Dezember«ine nur verhältnismäßig geringe Rückzahlung der Reichsbankkredite gebracht hatte. Die W e ch s e l b e st ä n d e sind in der dritten Dezemberwoche um 28,8 aus 3740,2, die Lom- barddarlehen um 45,9 auf 176,3 Millionen zurückgegangen. Die Bestände an Reichsschatzwechseln nahmen um 31,9 aus 55,1 Mit- lionen zu. Aus dem unverzinslichen Girokonto zeigte sich ein Abruf von Geldern um 27,5 auf 406,6 Millionen Mark. In den beiden letzten Posten läßt sich also immerhin ein gewisses zusätzliches Geld- bedürfnis der Banken und der Wirffchaft erkennen. Der Notenumlauf verringerte sich um 26,0 auf 4512,1, der Umlauf an Rentenbankscheinen um 0,7 auf 413,5 Millionen Mark. Auch zum 23. Dezember blieb die D e v i s e n b i l a n z der Reichsbank trotz nicht unbeträchtlicher Anforderungen zur Zins- und Kapitalzahlung für ausländische Anleihen im Gleichgewicht. Die Goldbestände nahmen zwar um 17,3 auf 984,9 Millionen ab, dafür nahmen die Bestände an deckungsfähigen Devisen um 11,5 auf 169,8 Millionen zu. Außerdem hört man, daß auch die kleine Differenz noch durch Deoisen-Zugänge bei den sonstigen Akttoen ausgeglichen ist. Die Deckung der umlaufenden Roten durch Gold und deckungsfähige Devisen beträgt wie in der Vorwoche 25,6 Proz. In dem inzwischen vollständig vorliegenden Bericht der Baseler Sachverständigen wird in dem Kapitel über „Die gegenwärtige Lage Deutschlands" über die Reichsbanklage am 15. Dezember folgendes gesagt: Die Notendeckung der Rcichsbank habe am 15. Dezember noch 1161 Millionen Mark betragen. Hiervon seien 63E Millionen Mark auf die kurzfristig gewährten Rediskontkreditc der BIZ„ der Zen- traibanken und einer amerikanischen Bankengruppe anzurechnen. Es heißt im Bericht dann weiter:„Die prozentuale Deckung des Notenumlaufs fiel so auf 25,6 Proz. oder, wenn man die 630 Mil- lionen Mark ausschließt, auf 11,7 Proz. Der Notenumlauf selbst beträgt ungefähr 4,6 Milliarden Mark gegenüber einem Betrag von 4,3 Milliarden Mark vor einem Jahr... Eine wichtige Aendc- rung der Lage zeigt sich bei einem Vergleich des Wechsel- bcstandcs der Reichsbank und der privaten Bau- kcn. Vor der Krise schwankte das Verhältnis der Gold- und Devisendeckung zum Gesamtnotenumlauf um 6 0 Proz., das heißt am 30. April 1931 hatte die Reichsbank einen Gold- und Devisen- bestand von 2526 Millionen Mark und einen Jnlandswcchselbestand von 1520 Millionen Mark gegenüber einem Notenumlauf von 4340 Millionen Mark, so daß der gesamte Notenumlauf zu 58 Proz. durch Gold und Devisen gedeckt war. Gleichzeitig besaßen die Kredit- danken fast 2900 Millionen Mark an Jnlandswechseln, die eine jederzeit liquide Reserve fiir ihre Kreditoren darstellten. Die st a r- kcn Abzüge seitens ausländischer und inländischer Gläubiger während der Krise veranlaßtcn die Banken, auf die Reichsbank zurückzugreifen... Die Folge davon war, daß der Jnlandswechfel- bestand der Reichsbank am 15. Dezember 4213 Millionen Mark betrug, wenn man die 542'Millionen Mark Wechsel, welche die Reichsbant gegen die oben erwähnten Rediskontkreditc ausgesondert hat, einrechnet. Demgegenüber ist der Wechselbestand der Kredit- danken ani 3l. Okfober auf 1792 Millionen Mark gefallen. Die Banken Ende Rovember. Weiterer Kreditorenrückgang. Die jetzt veröffentlichten M o n a t s b i l a n z e n der Banken für Ende November lassen eine wesentliche Beruhigung der Ein- leger erkennen. Mit rund 110 Millionen Mark ist der. Rück- gang der Kreditoren(fremde Gelder) bei den sechs Berliner Großbanken auf ein' Drittel der Oktoberabzüge ge- funken. Die ungeheure Anspannung, der die Kreditbanken in den letzten zwölf Monaten ausgesetzt waren, geht aus folgenden Ziffern hervor: Bon November' 1930 bis November 1931 haben die sechs Ber- liner Großbanken fast 3,80 Milliarden Einlagen verloren, das ist.rund ein Drittel ihres gesamten Kreditorenbestandes. Bei der Dresdner Bank betrugen die Abzüge 38 Proz. und bei der D a n a t erreichten sie sogar 43 Proz. der fremden Gelder. Insgesamt verloren sämtliche deutschen Banken seit November 1930 rund 5,6 Milliarden Kreditoren, wovon rund 5 Milliarden auf den Abzug ausländischer Gelder entfallen. Oeffeniliche Kontrolle und freie Aktionäre Oer Streit um die Stasifurter Chemische Fabrik. Wie bekannt wird, haben die freien Aktionäre der S t a ß- furter Chemischen Fabrik, deren Majorität sich heute im Besitz der Preuhag befindet, im Anschluß nn die Genernlvcr- sammlung vom 20. Oktober bei dem fiir die Gesellschaft zuständigen Registergericht verschiedene Aniräge gestellt, so aus Abberufung der von der Prenßag eingesetzten Liquide.toren, der von der Preußng bestellten Deutschen Revisions- und Treuhand-A.-G. und auf Be- stellung von besonderen Vertretern der Gcsellschajt zur Führung der Regreßprozesse gegen frühere und jetzige Verwaltungsmitglieder. Zur Begründung dieser Anträge hatten die freien Attionüre unter anderem besonders geltend gemacht, daß bei den von der Preußag eingesetzten Gesellschaftsorgonen die völlige Objektivität nicht ge- sichert sei., Das R e g i st e r g e r i ch t hat sich, wie WTB.-Handelsdienst mitteilt, dem Standpunkt der freien Aktionäre weitgehend an- geschlossen, demgemäß die eingesetzten Gesellschaftsorganc abberufen und entsprechend den Anträgen der freien Aktionäre andere Prüfer, Vertreter und Liqnidataren der Gesellschaft bestellt. Diese Entschei- dung des Registergerichts dürfte auch für die beim Landgericht Dessau schwebende Anfechtung der Generalversammlungsbeschlüsse von weittragender Bedeutung sein. Die Entscheidung des Reichsgerichts wendet sich zwar formell gegen Maßnahmen der Prenßag, in der Sache aber gegen Maß- nahmen und Unterlassungen der Anhaltischen Salzwerke, die die Ctahsurter Chemische vor dem Uebergang an die Preuhag kon- trollierte. Di« Maßnahmen der Preußag alp Rechtsnachfolgerin scheinen weitgehend präjudiziert gewesen. zu sein. Von der Preußag ist selbstverständlich zu erwarten, daß sie die Interessen der Gesamt- hcit ebenso nach den Gssichtspnnkten des Rechtes wie, der Billigkeit vertreten wird, wobei für die Preußag das geltende Handels- und Zivilrecht ebenso Richtschnur sein muß wie für die freien Aktionäre. 493�3» Dieses Jahr kein Katarrh wenn atminsli .\ Verfehlte Wirtschast. Wirischastssuhrung wie sie heuie ist und nicht mehr sein darf. „.c im Deutschen Metallarbeiter- Verband in f.j Äcwerbcgruppen zusammengeschlossenen Betriebsräte der Metallindustrie haben in ihrer Spitze einen Reichsbeirat, der die Interessen der 2L Eiirzelgruppen vertritt und Hand in Hand mit dem Vorstand des Mctallarbeiter-Vcrbandes alle Maßnahmen und Richtlinien behandelt, die für die Tätigkeit der Betriebsräte von Bedeutung sind. Am 28. Dezember traten der Reichsbeirat sonne die Vertreter der großen Konzerne der Metallindustrie iin Verbandshaus der Metallarbeiter zu einer für Zwei Tage bcrech neten Tagung zusammen, der auch Vertreter des ADGB-, des Maschinisten- und Kupferschmiedevcrbandes, des ZdA., des Butab und des Wertmeistsroerbondes beiwohnen. Verbandsvorsitzender Genosse Brandes erösjnete die Tagung mit einem allgemeinen Rückblick über die Geschehnisse des ver slostenen Jahres, insbesondere über die Wirtschaftskrise und die Rot- Verordnungen, sowie deren Auswirkungen für die Slrbeiterschast. Durch die Krise sind die Gewerkschaften in ein« Abwehr st cllung gedrängt worden, die yber gehalten werden wird, wenn alle Kräfte zusammenwirken.— Der Redner kennzeichnet den hinterhältigen Spoltungskampf. gegen den sich die Gewerkschaften zur Wehr setzen müssen und warnt vor Fatalismus. Geschlossene Front der Arbeiter: damit trotzen wir jeder Reaktion! D r. F r ä n ck e l- Berlin behandelte die Bedeutung der A k t i c n r e ch t s re f o r m für die Betriebsräte. Für die Stellung der Arbeitnehmer zu dem neuen Gesetz über das Aktienwesen muß nach Ansicht des Redners der Gedanke inaßgeben-d sein, daß bei der Leitung eines Unternehmens nicht nur das Interesse der Aktionäre im Vordergrund zu stehen hat. sondern die Leitung auch i m S i n n e der Gesamtwirtschaft gesührt werden muß. Die Betriebs- rate in den Aussichtsräten müssen für den Gedanken kämpfen, daß die Aktiengesellschaften nicht mehr als reines Prioatuntcrnehinen betrachtet werden können: die Kapitalisten dürfen nur noch die Lehensträger des volks- wirtschaftlichen Kapitals sein. Die seitherigen Mehrwerts- und Lohnquctfchen müssen umgebildet werden in Arbeitsstätten für freie und gleichberechtigte Staatsbürger. Der Redner besprach im einzelnen die Publizitätspflicht und die Kontrolle der Aktiengesellschaften sowie die durch die Aktien- rechtsreform geschaffenen neuen Rechte' der Betriebsräte. Die Herrschaftsaktien müssen beseitigt werden. Die Betriebsräte in den Aufsichtsrätcn seien das Gewissen der Betriebe und der Oeffent- lichkeit. In der Aussprach e' wurden die Schwierigkeiten und Fußangeln des Betriebsrätegesetzes behandelt sowie die Möglichkeiten, mit dem seitherigen Gesetz und mit den neuen Bestimmungen vorwärts- zukommen. Es wurde auf die erheblichen durch die Schweigepflicht gesetzten Schranken hingewiesen, die auch durch die neue Verordnung nicht beseitigt werden. Dies« hat nicht gebracht, was man von ihr erwartete. Auch besriedigte die seitherige Tätigkeit keineswegs. Man dürfe sich in Zukunft nicht mehr mit kleinen Fortschritten begnügen und müsse stets das große Ziel vor Augen sehen, dem die Betriebs- rate als Exponenten einer vorwärtsdrängenden Wirtschaft entgegen- streben müssen. Der zweite Lerhandlungspunkt betraf die R a t i o n a l i- sierung in der Metallindustrie und deren sozial- sowie wirtschaftspolitische Schlußfolgerungen. Die Unterlagen zu dem Thema sind in der Volkswirtschaftlichen Abteilung des DMV. zu- lammengestellt und der Tagung in zwei Druckschriften vorgelegt worden. Diese wurden in mündlichen Referaten ergänzt. Für eine programmatische Behandlung der Frage der Ratio- nalisierung sind die Zeitumstände nicht gerade günstig. Im Verlaufe der wirtschaftlichen Depression hat sich mit der wirtschaftlich ge- botenen Eindämmung der technischen Entwicklung zugleich eine gefühlsmäßige Abneigung gegen die Rationalisierung herausgebildet. Diese Abneigung ist vor allem in der Tatsache be- gründet, daß mit der fortschreitenden Rationalisierung eine fort- während steigende Arbeitslosigkeit etnherglng. Diese Arbeitslosigkeit wurde und wird and) heute noch häusig ohne weiteres auf das Schuldtonto der Rationalisierung geschrieben. Dünnebacke sprach ausführlich über die Berechtigung dieser An- schauung und kam zu der Schlußfolgerung, daß die Arbeitslosigkeit zum überwiegenden Teil eine Folge der konjunkturellen Wirtschafts- fchrumpfung fei, also nur im mittelbaren Zusammenhang niit der Rationalisierung stehe. Ebenso falsch wie die hemmungslose Ver- darnmung der Rationalisierung sei die Behauptung, die Gewerk- schaften hätten sich„rücksichtslos und mit Begeisterung' für die Rationalisierung eingesetzt, ja. bewußt durch immer neue Lohn- forderungen die Unternehmer zur weiteren Mechanisierung der Be- triebe gezwungen. Die Gewerkschaften haben immer das größte Gewicht auf die volkswirtschaftlichen Konsequenzen der Rationalisierung gelegt. Schon im Jahre 1926 hat der ADGB. in einer Denkschrift: „Gegenwartsaufgaben deutscher Wirtschaftspolitik' seine Forderungen zur Rationalisierung in einer Weise formuliert, die beweisen, daß die Gefahren einer einseitig privatwirtschaftlich-technischen Entwick- lung sehr wohl erkannt wurden. Die tatsächliche Entwicklung ist von den Arbeitern vorausgesehen worden. Wenn die Rationalisierung trotzdem bejaht wurde, so deshalb, weil die internationale tech- nischc Entwicklung, besonders die Amerikas, gar keine andere Eni- scheidung zuließ. Wenn Deutschland nicht rationalisiert hätte, wäre seine wirtschaftliche Lage heute noch schlechter und die Lage des Arbeitsmarktcs jedenfalls nicht besser. V o ß- Berlin sprach über die Politik der Konzerne und Kartells und die Sonzentratioll der Betriebe in der Eisen, und Metallindustrie. Während der langsristigen Aufstiegsperiode von der Mitte der neunziger Jahre bis 1913, die nur von verhältnismäßig schwachen Krisen unterbrochen war. gab es nicht viel« Stillegungen. Nach dem Krieg wurde der Ausscheidungsprozeß für«ine Zeit ganz unter- brachen. Der Warenhunger, der auf den Krieg folgte, ließ neu« Betriebe entstehen, und die Inflation gab Anlaß zur Schaffung von Produktionsanlagen, die ahn, Rücksicht auf die Möglichkeit ihrer rationellen Verwendung vor sich ging. So waren 1924 in dem jetzigen Reichsgebiet mehr Hüttenwerke als 1913. die Zahl der Waggonfabriken hatte sich verdoppelt, in ähnlicher Weise hatten die Lokomotivfabnken und die Anlagen in den meisten anderen Zweigen der Metallindustrie zugenommen. Die Stabilisierung zwang zur Anpassung der denischen Betriebe an die Konkurrenzverhältnisse auf dem Weltmarkt. Hand in Hand mit der technischen Rationaiisisrungswelle ging die Betriebs- konzentrotion. Es sind heute z. B. von 56 Hochofenwerken noch 45 übrig und von 166 Fluß-Stahlwerken sind 26 ausgeschieden. Trotzdem ist die L e i st u n g s f ä h i g k e i t der Werke insgesamt g e st i e g c n. Dieselbe Entwicklung vollzog sich in der Weiterver- arbcitung. Besonders in der Waggon- und Lokomotioindustric mußte nach der übermäßigen Aufblähung ein großes Sterben ein- setzen. Bon den Waggonfabriken sind nur noch 36 an den Reichs- bahnaufträgen beteiligt. Drei Waggonkonzerne verfügen über 56 Proz. der Rcichsbahnaufträge. Achnlich liegt es in der Lokomotiv- industrie. Die Automobilindustrie befindet sich in einer neuen llm- gestallung, an deren Lude man die Zahl der bedenkenden Unternehmungen an einer Hand wird abzählen können. Gerade diese letzten Wandlungen in der Fertigindustri«. die un- geeigneter für große Untcrnehnumgskombiiiationen ist als die Grundindustrien, beweisen dem aufmerksamen Beobachter, daß die Bindungen im Wirtschaftsleben nicht ab-, sondern zunehmen, AditoDg SPD.'Befrlebsverfranensleule! Mlttwodi, 6. Tanaar. I9'/s Uhr, in den Sophiensälen, Sophienstr. 17/18 Funktionär-Konferenz aller SPD.- Beirfeb«• und Gewerk«cbattsfunkilonSre 1. Genosse Bndoir Hilforrlinir spricht Ober;..Die wirtschaftliche und polltische Lage". 2. Diskussion. 3. Wahl der drei Vertreter zum erweiterten Vorstand. Zutritt nur mit Parteibuch und Funktionärkarle. Das Betriebssekretariat denn mit dem wachsenden Einfluß der Großuntcrnehmungen wird die Unbewcglichkeit naturgemäß größer. Die Konzentration der Betriebe ist aber nicht nur an der Zahl der Beschäftigten zu messen, da die Arbeiter immer mehr durch Maschinenleistung ersetzt werden. In vielen Fällen wird die Leistungssteigerung der Betriebe durch Einführung von Ma- schinen erreicht. Mit der Investierung von Maschinen ging die Ausdehnung des benötigten Kapital» und seine Konzentration parallel. In vielen Fällen haben die kleineren und mittleren Unter- nehmungen ihre Selbständigkeit zu behaupten gesucht. Gerade in der Eisen- und Metallindustrie haben sie sich hierzu der Kartell- b i l d u n g bedient, durch die sie den oft vorhandenen produktions- technischen Vorsprung der Großunternehmungen, zu dem sich Bor- teile der Kapitalmacht gesellen, mittels einer günstigen Preis- g e st a l t u n g ausgleichen wollten. In ihrer Eigenart als Monopole haben die Kartelle die Ten» d e n z, die produktwnstechnische und betriebsorganisatorischc Ratio- nalisierung zu hemmen, weil sie die Preise nach den Betrieben mit den höchsten Gestehungskosten " festsetzen. Unter der Kartellpolitik leidet die deutsche Wirtschaft außer- ordentlich. Weil nur Teile der Wirtschaft gebunden sind, entstehen fortgesetzt neue Spannungen. Vielfach wird ein« Beseitigung der Kartelle als der einzige Ausweg aus der Misere angesehen. Der zur Zeit einzig gangbare Weg ist eine Reform des Kartellwesens. Die Bindungen in der zweiten Stufe des Absatzes, im Handel, könnten aufgehoben oder teilweise gelöst werden. Die übrigen Kartelle müssen zu einem Abbau der Preise gezwungen werden. Biel wichtiger als diese nachträgliche Korrektur sind vor- beugende Maßnahmen, denn die Fehlleitunge», die sich in der Krise mit ihrer ganzen Schädlichkeit offenbaren, wurden be- reits In der Hochkonjunktur vorgenommen. Auch jetzt sind Maßnahmen notwendig, die über die Krise hinaus wirksam sind. Die private Verfügungsgewalt in den Kartellen muß durch öffentlich« Kontrolle gebrochen werden. Die Rationalisierung auf dem Gebiet der Konzernbildung und der Konzentration der Betriebe hat zu außerordentlichen Kapital- fehlleitungen geführt. Man hat zur Durchführung der Zusammen- lcgung der Betriebe Dividendengarantien, einmalige Vergünstigun- gen oder Entschädigungen gewährt, man hat Aktien über dem Börsenkurs erworben und andere Manipulationen vorgenommen, aber dabei die vorhandenen produktionstechnischen und organisatori- schen Grenzen übersehen. Die umfangreichen Investitionen der letzten Jahre verlangten eine hohe Ausnutzung der Anlagen, wenn sie rentabel bleiben sollten. Die Erlöse aber wurden vor allem durch die niedrigen Weltmarktpreise gedrückt, während die Unter- nehmer bisher durch hohe Inlandspreise einen Ausgleich suchten. Das ist ein falsches Beginnen, das zu immer weiteren Schrumpfungen des Marktes führen muß. Hohe Preise werden die Werke nicht rentabel machen. Der Ausgleich der Fehlrationaliflerung und Kapilalfehlleituag kann nur durch außerordentliche Abschreibungen und Kapital. Verluste erfolgen. Alle die Bemühungen um die Ueberwindung der Wirtschafts- krise müssen auf die Ausschaltung aller Faktoren gerichtet sein, die einer echten Rationalisierung den Weg vorsperren. Der Kampf der Gewerkschaften um die Erhaltung des Lebens- standards der Arbeiter und die Streichung des fehlgeleisteten Kapitals aus den Kostenrechnungen ist heute erste Tagesaufgabe. Durch die im System der heutigen Wirtschast begründete Zwangsläufigkeit sind dem Erfolg dieses Kampfes Grenzen gesetzt. Darum müssen die Gewerkschaften ihre Kräfte mehr al» bisher für eine Aende- rung des System« und für eine Neuordnung der Wirtschaft einsetzen. Die Aussprach« zu diesem Thema war sehr umfangreich. Zahl- reiche Redner berichteten über die Rationalisterungsmaßnahmen in ihren Betrieben und die darau» entstandenen Nachtelle für die Arbeiterschaft. Muß der Lohn gesenkt werden? Eine Erläuterung zur Notverordnung. Das Wolffbüro meldet: In der Leffcntliehkett sind Zweifel an dem zwingenden Charakter der in der Not- Verordnung vom 8. Dezember 1931 vorgeschriebenen Lohn- und Gehaltssenkung aufgetaucht. Nach der Auf- fassung der zuständigen Itcllen, die auch in der amtlichen Verlautbarung zu der Notverordnung zum Ausdrutk gekommen ist, kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die im engsten Znsammenhang mit der Senkung des ge- samten Preisstandes stehende Hcrabsebung der t a r i f b c rt r a g l ich e n Löhne und Gehälter ab 1. Januar 1932 kraft Gesetzes eintritt. Tie Tarif- Vertragsparteien haben lediglich das aus der Verordnung selbst ersichtliche Ausmaß der Kürzung in den einzelnen Tarifvertrag als dessen Bestimmung zu über, nehmen, wobei sie im Rahmen der Vorschriften der Verordnung Unebenheiten beseitigen können. die sich etwa aus dem verordneten Cingriff in den Tarif» vertrag ergeben. Nur falls ihnen das nicht gelingt, hat der Schlichter die bindende Festsetzung gemäß den Vorschriften der Verordnung zu treffen. -» Die Frage, ob die Unternehmer laut Notverordnung g e« z w u n g c n sind, die Tariflöhne und-gehältcr auf den Stand vom 16. Januar 1927 zu senken— im Höchstmaß um 15 Prozent, wenn seit dem 1. Juli eine Senkung der Tarifsätze nicht eingetreten ist, um 16 Prozent, wenn diese Lohnsenkung stattgefunden hat—. diese Frage ist praktisch völlig bedeutungslos- Wir glauben nicht, daß es gegenwärtig in Deutschland auch nur eine einzige Unternehmcrgruppe gibt, die von einer derartigen Möglich- keit Gebrauch machen würde. Im übrigen— das geht sowohl aus dem Text der Notverordnung wie aus der vorstehenden Erläuterung hervor— könnte keine Macht der Well eine Unternchmcrorganifation daran hindern, mit einer Gewerkschaft eine Vereinbarung zu treffen, die„Unebenheiten' beseitigt. Niemand würde z. B. den NBMI. daran hindern, eine Vereinbarung zu treffen, wonach die un- geheuerliche Kürzung um 15 Prozent der heute schon völlig unzureichenden Löhne der Hilfsarbeiter nur dann wirksam wird, wenn diese sechs Tage in der Woche arbeiten. Es ist ein ganz un- möglicher, unmenschlicher Zustand, daß in Berlin Familien- väter mit 15 Mark Wochen lohn heimgeschickt werden. Ein derartiges Unterfangen ist weder mit der christlichen noch mit irgendeiner Moral zu vereinbaren. Aus der Notverordnung, die die„Unebenheiten' nur so häuft, wie auch aus der Erläuterung geht klar hervor, daß die Herab- setzung der tariflichen Löhne und Gehäller nicht einseitig und selbst- herrlich von den Unternehmern vorgenommen werden darf und daß diese auch nur dort vorgesehen ist, wo die Löhne und Gehäller tarifvertraglich geregelt sind. Wo die Löhne und Gehälter tarifvcrtraglich nicht geregell sind, kann«ine Herab- setzung der Tariflöhne und-gehäller selbstverständlich auch nicht vorgenommen werden. In diesem Falle kann auch der Schlichter nicht eingreifen. Die Schlichtungsinstanzen würden nur dann gemäß den Deststn- mungen der Schlichtungsordnung eingreifen können, wenn eine der beiden Parteien den Antrag auf Einleitung eines Schlichtungsverfahrens stellen würde, um zum Abschluß eines Tarifvertrages zu kommen. Ein tarislofer Zustand ist ge- wöhnlich von den Unternehmern in der Absicht herbeigeführt worden, die Löhne noch t i e s e r zu senken, als dies die Schlichtungsinstanzen zu tun bereit waren oder bereit sein würden. Ob diese Absicht verwirklicht werden kann, hängt nicht von irgendeiner Notverordnung ob, sondern vor allen Dingen davon, ob die be- treffend� Arbeiter- oder Angestclltcngruppe gut oder schlecht organi- siert ist. Die Guillotine der Notverordnung. Für die Schuhindustrie ist auf Grund der Natoerardimng mit Wirkung ab 1. Iamiar durch Schiedsspruch der Ecklohn aus 76,5 Pfennige festgesetzt worden. Die Neuregelung kann erst- mal'.g zum 36. April gekündigt werden. Es Handell sich hier um eine Lohnsenkung von 15 Proz., die noch erschwert wird durch die Kurz- arbeit und den Abbau der Ueberverdieirste. Für den sächsischen Steinkohlenbergbau sind aus Grund der Notverordnung vom sächsischen Landesschlichter die Löhne und Gehäller um 16 Proz. gekürzt worden. Die Neuregelung ab 1. Januar ist in beiden Fällen zunächst bis zum 30. April unkündbar. Achtung, SPD.- Betriebsfunkiionäre Die Funktionärkarten für 1932 können sofort im Betriebs- sckretariat abgeholt werden. Die alten Karten süid einzusammeln und abzugeben. Großbetriebe stellen Listen auf. __ Das Detriebssekrelarial. �Freie Gewerkschafts-Iugeno Berlin Heute UM lSZi Uhr tagen die Sruppen: Landsberger Platz: Jugendheim Landsberger Ztr. 30.„Lustiges Jahresende— und sRildMirt.'— Adlershoii Eruppettheim Ädlershof, Bismartlstr. 1. Wir sagen dem dahre IWt..Ade— SchZocwcidc: Jugendheim Niederschiineweide, Hasselwerderstraße(Mädtdenschiile im ZIellerl. Biettspieiabend.— Panlow: ougendheiin Kisslnaensti. 43. Zimmer 3. Lustiges Sahresendc mit Theo Lüaret.— Sewerl- schastshans: Snaeltifer 24—25, Saal 9. Lustiges Jahresende.— Wedding: Jugendheim Ailldenowstr. i, 2 Treppen. Zimmer lt. Silnester in unserem Sinn. Lustiges Jahresende.— Reu-Lichtendeeg! Jugendheim ttzunterstr., 44. Ausspracheabend.— Zranlfnricr Allee: Elädi. Jugendheim Litauer Str. 18. I Bremer Str. Mt— 70. Lustiges Jahresende.— Inaendgruppe des Petieidnpgsarbeiter-Perbande»! Jugendheim Sedastianstr. 37—88: tSend.— Sprechstunden heute von 1A— 1» Uhr Jugend jcntral« CO. 16, Deutsche» Weihnachtsabend...._____... Tnzelufer 24—23, ll. Stock, Zimmer 23—26. Iuaendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten Heut«. Dienstag, linden folgende Jugendheim Suntepstr."... Straße 18—19. Lustige» Jahresende. 20 Uhr in der Turnhalls Baruther Str. M. m folgende Veranstaltungen statt: Lichtenberg: 44. Leseabend.— Siardweft: Jugendheim Lehrter lende.— Der Sprech, und Bewegungschor übt ab 3iarl Jßemke: 3)erWohUäier und derApojlel I. Die Legende. Das Spcischaus der Armen betrat ein großer hagerer Mann mit grauem Mantel. Der Mann an der Essen-Ausgabe betrachtete ihn mißtrauisch. „Einmal Reis mit Backobst,"' sagte der Graue. Der Mann an der Theke strich die S3 Pfennig«, die der Fremde auf den Tisch gelegt hatte, ein und sagte: „Reis mit Backobst ist heute nicht mehr da." „Dann möchte ich bitte mein Geld zurückhaben." ...Geld zurück glbts nicht." „Was dann?" „Essen Sie etwas anderes." „Ja. bitte." Der Mann an der Ausgabe nerschwand einen Augenblick in der Küche. Als er wiederkam, brachte er einen Teller, darauf lagen nebeneinander ein Bückling, eine Scheibe Schwarzbrot und ein wenig Apfclkompott. Der Fremde, ob der seltsamen Zusammen- stellung, sah auf. „Das soll ich—?" „Ja, ja. los doch. Ich habe nicht Zeit, mich solang« mit Ihnen aufzuhalten." Der Mann im grauen Mantel sagte nichts mehr, nahm den Teller, ging und setzte sich an einen Tisch. Der Bückling roch schlecht. Der Mann aß nicht. Er grübelte. Indes ging die Tür auf. fterein traten zwei funge Menschen in Wanderllcidung, ein junger Mann und ein Mädchen. Sie legten ihre Bündel ob und setzten sich an den Tisch zu dem Fremden. Sic strahlten, man sah ihnen an: sie bewegten sich wie in einem Abenteuer. Der Fremde zwinkerte lächelnd: „Ausgcrisien, wie?" „Stimmt, alter Herr, ausgerissen von Hause." „Darf ich fragen, wieso?" Der Junge hob gleichmütig die Achseln. „Arbeitslose Väter, und obendrein wollten sie nicht, daß wir uns liebten. Gehört dazu Geld? Wir sind doch jung!" „Und nun?" Wieder Achselzucken, aber diesmal ohne Antwort. Der Fremde sah alles. „Nun habt ihr weder Geld, noch Obdach, noch Aussicht auf Arbeit. Ist es nicht so?" Die jungen Leute nickten lachend. Und der Mann fühlte, daß sie recht taten, zu lachen. Sie hatten für sich ihre Jugend. „Komint mit mir," sagte er nur. Er führte die Jungen in ein geräumiges Haus, das anscheinend das seine war. Die beiden staunten. Sic bekamen zwei kleine Zimmer. Ihren lachenden Dank wehrte der Graue od. „Wenn ihr euch nur wohlfühlt." „Wie wir uns wohlfühlen l Und wenn das Kind da ist.. „Es ist unterwegs—?" „Ja, feil einem Monat." „Ihr wollt es gern?" „Wie sollten wir gern wollen, daß auf die überfüllte Erde noch ein armer Hungerleider mehr kommt!" Die Stimme de» Jungen war zum ersten Mal« ernst geworden. Der Mann meinte: „Es muß ja nicht unbedingt kommen." „Ja, wenn der Paragraph 218 nicht wäre!" „Der ist zu umgehen." „Für die Reichen, ja: vor Geld schwinden alle Paragraphen." Der Mann hatte einen Arzt zum Freund. Der bewahrte die junge Frau, bewahrte das Kind vor dem unerwünschten Hunger- leben. Indes wurde der Mann in der Ausgabe, der Verwalter jenes Speisehauses, ganz plötzlich seines Amte» enthoben, weil er um eigenen Vorteils willen schlechte Lebensmittel ausgegeben hatte und die Armen, die ihre letzten Groschen hinbrachten, obendrein barsch behandelte. An seine Stelle wurde der junge Mann gesetzt; die junge Frau versah die Küche. Denn— das Spcisehaus der Armen wurde von einem Wohltäter unterhatten, den niemand kannte. Es war aber der Graue. Der junge Mann war dankbar, er und feine Frau taten ihre Arbeit lachend. Die Armen kamen jetzt hierher wie nach Hause. In seiner Freizeit Malteser junge Mann kleine Bilder mit billigen Aquarellfarben. „Es ist nichts", sagte er, als der Wohltäter einmal darüber herkam", aber eine Freude muß man haben." Der Wohltäter jedoch sah, daß es sehr wohl etwas war. Er erbat sich eins der Bilder, ging damit zu einem Freunde, der der geschickteste Kunsthändler des Landes war, und als er wiederkam, brachte er dem jungen Manne an Stelle des Bildes viel Geld mit. Der junge Mann wurde ein berühmter Maler. Do der geschickte Kunsthändler sich für ihn interessierte, kam er in Mode und die Reichen kauften seine Bilder für sehr viel Geld, hängten sie in ihren Häusern auf und erzählten allen Gästen, wieviel sie gekostet hatten. Der junge Maler hatte bald ein großes Haus, größer als das des Wohltäters. Aber es war kein Luxus darin, sondern lauter einfache, saubere kleine Zimmer, in denen obdachlose junge Menschen wohnten, die wider den Stachel der bürgerlichen Welt geleckt hatte» und vertrieben waren. Der junge Mann versammelte sie um sich und erzählte ihnen seine Geschichte. Dankbarkeit, Begeiste- rung und der Wille zum Guten brannten aus seiner Stirn wie ein Licht. Und alle, die ihm zuhörten, entzündeten sich an diesem Licht, gingen hinaus ins Land, erzählten die Geschichte des Wohl» täters und'des jungen Malers weiter und trugen das Licht ins Volk. Bald zählte die Gemeinde nach Millionen. Von allen strahlte das Licht. II. Die Wirklichkeit. In seinem eleganten Auto kam der kleine, dicke Wohltäter vor das Speischaus der Armen vorgefahren. Der Mann an der Essen- ausgab« tat, als kenne er ihn nicht und verabreichte ihm eine gute, reichliche Portion. Während der Wohltäter aß, kamen zwei junge Leute, ein Mann und ein Mädel, setzten ihre Bündel ab und sich an den Tisch des Dicken. Er fragte nach ihrem woher und wohin, schalt sie tüchtig aus. daß sie von Hause durchgegangen waren, rümpfte die Nase, als er hörte, daß das Mädchen ein Kind erwarte, und sah mit Interesse die kleinen Bilder an, die der junge Mann mit billigen Aquarellfarben gemalt hatte. Er erbat eins der Bilder und bestellt« die beiden für den nächsten Tag zu sich in seine Villa. Inzwischen ging er zu seinem Freunde, der der geschickteste Kunst- Händler des Landes war. Am nächsten Tage legte er dem jungen Maler einen Vertrag vor, demzufolge er ihm großzügig Abnahme aller seiner Bilder zu einem sehr bescheidenen Preise garantierte. Er und der geschickte Kunsthändler verdienten dann Millionen an den Bildern, während der junge Maler sich an dem»lageren Vertrag sattsehen konnte. Der Verwatter des Speisehaufcs wurde ebenso dick wie sein Herr, der ihn nie kontrollierte. Das Speisehaus mußte sicher nur trotz der scheinbar billigen Preise kräftig einbringen. Der einzige unverzeihliche Fehler des Verwalters wäre es gewesen, wenn die Ueberschllsse zurückgingen. Die bürgerlichen Zeitungen aber bestätigten dem Dicken laut seine Wohltäterei. Die junge Frau brachte ein Kind zur Welt, ein neues, umhergestoßenes, hungerndes, unglückliches Proletarierkind,- nnd starb daran. Es gab einen Arzt in der Stadt, der menschenfreundlich war und der Frau sicherlich gern geholfen hätte. Aber leider kam er nicht dazu, weil er iinmer im Gefängnis saß wegen des Paragraphen 218. IVolfgang Marimann: Qentteman fucM Arbeit In einer Abendgesellschaft sitze ich einem jungen sympathisch aussehenden Herrn gegenüber. Ich hatte ihn noch nie hier getroffen. Er ist ein„Neuer". Sehr junger Mensch, Weltmann. Glänzende Erscheinung. Die Damen nahmen ihn bereitwilligst zur Kenntnis, einige versuchten sogar mtt ihm zu flirten. Erfolglos. Er schien e« nicht zu bemerken. Verdutzt wandten sie sich wieder von ihm ab. Sonderlinge oder solche, die es zu fein scheinen, sind heutzutage nicht sehr beliebt. Man bevorzugt dos Glatte, Unproblematische, Leicht- zugängliche. Das bringt die Schwere der Zeit mit sich- Später ging die kleine Gesellschaft zum Bridge über und wir beide blieben, der junge Mann und ich, überzählig als Nichtspicler. Wir unterhielten uns. Er erzählte von seinen Reisen, über Vilcher, vom Sporr. Er war durchaus kein Sonderling. Er kannte diese Wett gründlich, und er liebte sie. Es war Geist in dem, was er sagte, und sehr viel Form. Er mußte aus einer guten alten i traditionsreichen) Familie stammen, wo man noch Wert auf eine gewisie Kultur' des Umgang» legte. Er wurde mir immer sympathischer. Nach einer Weile empfahlen wir uns vom Hausherrn und betraten, da es noch früher Abend war und wir kein« Lust nach Schlaf oerspürten, ein Cafe und setzten dort unsere Unterhaltung fort. Nach der zweiten Tasse Kaffee stellte der junge elegante Herr an mich die überraschende Frage:„Wissen Sie keine passende Be- schäftigung für mich?" „Wie? Sie sind stellenlos? Sie wollen arbeiten?" stammle ich. Ich hatte ihn bis jetzt für den Sohn reicher Eltern geholten, der seinen vr. für. gemacht hatte, im übrigen sich ein wenig die Welt ansah.(Aus seinen früheren Gesprächen ging hervor, daß er schon die halbe Well gesehen hatte.) „Ja, ich suche Arbeit. Wundern Sie sich?" lächelte er traurig. „Aber Sie sind doch Doktor! Jurist! Sie können Beamter lverden!" „Ja. ich könnte Beamter werden!" seufzte er.„aber ich habe die Gelegenhett versäumt und jetzt ist es zu spät!" „Wieso?" „Ich hätte mich sofort nach dem Examen entscheiden müssen. Und außerdem wäre ich ein schlechter Beamter geworden!" gab er unumwunden zu. „Keine Beziehungen zur Industrie, zum Handel?" forsch« ich weiter, noch immer leise konsterniert, daß dieser reizende junge Mann da vor mir Stellung sucht und nichts finden kann, weil er nicht Beamter werden wollte. JBttt* besetzt!" Wir schweigen eine Well«. Ich denke noch. Peinliche Stille zwischen uns. Schließlich raffe ich mich auf und bitte den Gentleman:„Erzählen Sie mir doch, was Sie bt» jetzt gemocht babartt" Er zündet sich eine neue Zigarette an und beginnt:„Mein Dater stt als Major im Krieg gefallen. Seither lebt meine Mutter geistesgestört in einer Anstalt. Andere Verwandte habe ich keine mehr. Zuerst versuchte ich es mit tanzen. Das war die Zeit, wo es noch keine Gigolos gab. Herren aus der Gesellschaft waren sehr gesucht. Ich arbeitete mit Graf B. im„Adlon". Es ging uns glänzend. Ein Jahr. Dann kam dieser Beruf in Verruf. Es blieb nur die Wahl, dos Feld zu räumen oder zu verkommen. Wir gingen. Seither versuchte ich es in einem Dutzend Berufe. Ich machte große Reisen für eine Exportfirma. Die Spesen waren zu hoch, der Posten wurde abgebaut. Ein halbes Jahr Taxichauffeur in Berlin. Von hier ging ich als Direktor nach Belgrad. Ein Bankkrach dort machte auch dieser Herrlichkeit wieder ein Ende.— Dann Tennistrainer in der Schweiz. Nach zwei Monaten wurde der Aufenthalt nicht verlängert. Zurück nach Deutschland. Provistonsrelsender, Versicherungsagent, Autozwischenhändler. Alle drei, vier Monate ein Geschäft, zwischendurch hungern oder Schulden machen, die einem das Dasein verekeln. Dann zum Film. Photo- Mannequin, Edelkomparse. Ein greuliches Milieu! Angeschrien werden, herumfaulenzen, mit Menschen in einen Raum gepfercht, die zu tiesst von unten kommen. Am Abend hundemüde und deprimiert mit irgendeinem Mädchen nach Hause, das auch hungert und vielleicht Noch nicht ganz verloren ist. Dann wieder ein Einfall, eine Idee, die ein paar hundert Mark bringt, die nach vier Wochen zum Teufel sind, weil man wieder einmal als Mensch leben möchte, Kleider braucht, sich erholen muß von diesem Abstieg. Und dann wieder Trepp auf, Trepp ab als Reisender, Stellung suchend, anti- chambricren in hundert Vorzimmern von Generaldirektoren, Film- gröhen, Theaterleuten. Man sieht doch gut aus, man hat prima Referenzen, aber es hat gar keinen Zweck, niemand hat Arbeit, keiner will es versuchen. Der Doktortitel? Rur ein Hemmschuh! Das verpflichtet: ich verleugne ihn längst, man will Kulis der Arbett, Nummern mit Sachwissen, der Mensch ist überflüssig, Ballast, ein Luxus, der nicht gefragt wird! Was ich morgen machen werde? Keine Ahnung. Ich wohne im Atelier eines Freundes, der verreist ist. Ich«sie mal da, mal dort, gehe oft stundenlang zu Fuß in irgendeine VMa, wegen des Abendbrots und weil es nette Menschen sind." „Aber," wende ich«in,„es müßte doch in ihrer Bekanntschaft ein Mann zu finden sein, der etwas tun kann, mit Geld oder einer Empfehlung!" Cr winkt ab.„Die Großen können eine Lage wie die meine überhaupt nicht verstehen und die anderen haben selber Sorgen und wollen nicht noch mtt fremden belastet werden. Sobald sie Bescheid wissen, gehen sie einem aus dem Wege, man wird nicht mehr eingeladen. Selbsterhaltungstrieb. Kann es den Leuten gar nicht übel nehmen!" .Jllnd die fitttaaf' Er lächelt, de spricht Bände, diese« Lächeln. „Ja, die Frauen! Entweder ist man ein Gentteman oder—!" Er sieht mich vielsagend an und nach einer Weile fügt er hinzu: „Ich kann es nicht! Auch dazu muß man geboren sein!" Wir gehen nach Hause, ich begleite ihn. In einer Seitenstraße vom Kurfürstendamm bleibt er stehen, deutet auf das dritte Haus:„Hier wohne ich! Wie lange noch? Wenn der Freund zurück kommt, muß ich raus!" Cr nennt mir noch rasch seine Telephonnummer und meint, traurig lächelnd:„Wenn Sie etwas wissen sollten, denken Sie an mich, bitte!" Alexander ton Socher'lUaiodi: 3)er 3>ieh und feine Mände „In Berlin wurde ein Postbeamter verhaftet. Er sitzt hinter Schalter 2 des Berliner Postamts. Sein Haar ist schon ein wenig ergraut. Die breite, leicht gedrungene Gestalt beugt sich über den Tisch, vor dem er schreibend sitzt. Die Brill- hängt etwas schief in seinem breiten Gesicht. Sein Haar ist ge> lchoren und steht wie eine Bürste auswärts. Wie eine gespannte Schnur läuft eine Falte mitten durch seine Stirn. Hinter der Stirn sind Gedanken, die niemals laut werden, und Einsamkeit. Er ist Beamter, niemand kennt ihn anders..Hinter dem Schiebefenster stehen die Parteien Schlange. Sie haben Wünsche. Er kann sie erfüllen. Brief nrorien, Postanweisungen, Einschreibebriefe, Telegramme, Druckjachen. Alberne Fragen naä» Städten, die es gar nicht gibt. Die meisten wissen nicht, wie man ein Formular ausfüllt. Man erklärt es ihnen. Nachmittags von zwei bis vier ist tote Zeit. Er läßt das Schiebefenster herab, in der rechten Schublade, liegen die Stullen, von Frau Margarete Göhlich, der Zimmerwirtin, liebevoll gerichtet. Er schläft schlecht seit einigen Nächten. Sticht mehr wie-ehedem träumt er von fernen Ländern, Sie auf den Briefmarken abgebildet find, von Reisen und Reichtum. Er träumt andere Dinge... Was ist das, die Luft heute im Ramn, dieser Kerl, der Fritz, hat zu viel Kohlen aufgelegt. „Müller, öffnen Sie doch bitte das Fenster. Es ist ja nicht mehr auszuhatten!" Er wischt mit einem großen, zerknüllten Taschentuch über die Stirn. Die Parteien kommen. Das Fenstcrchen wird hoch- geschoben. Briefmarken, Briefe, Postkarten... Mit seinen 5)äni>«n ist etwas los heut«. „Acht Fünfzehner, Herr. Fünszehner habe ich gesagt, nicht Achter!" Seltsam. Jetzt wollte er zum Silbergcld greisen, statt zu den Groschen. Die Postanweisungen, wo lagen sie gleich?. Links. Was war das nur? Und da durchzuckte ihn«in Gedanke und er spürte einen leichten Schlag gegen sein Herz. Dumpf hämmerte eine Ahnung in ihm und er sah auf seine Hände herab, als wären es zwei fremde und gefährliche Gesellen. Irgendwo, hinter der Stirn, die eine Falle wie eine gespannte Schnur durchschnitt, sahen zwei Angen auf diese Hände herab, die viele Jahr« lang gehorcht und ihn nicht verraten hatten. Es ging noch alles gut an diesem Tag.... Er geht nicht heim diesen Abend. Sein Ueberrock. steht weit offen, wÄ)r«nd er durch die Straßen eilt, schneller als gewähnlich. Er tritt in die Kneipe, in der er ein seltener Gast ist. Eigentlich wollte er allein sein, aber beim fünften Korn setzt sich ein Arbeiter zu ihm, ein stiller, großer Kerl mit eckigem Kops und hellen Augen. Sie kommen ins Gespräch. Sie trinken. Sie sprechen von ihren Wünschen, von der Politik des Tages, uon Not und Reichtum. Und plötzlich beginnt er zu. reden. Beim zwölften Glase etwa:. „Ich bin heute achtundvierzig, sehen Sie", sagte er,„achtund- vierzig, und habe nichts vom Leben gehabt." Sein ergrautes Haar hängt ihm wirr in die Stirn, die Augen blinzeln trübe hinter den Brillengläsern und seln« Hand fuchtelt aufgeregt vor dem Gesicht des Arbeiters herum.„Sehen Sie.«in Mädel, damals, mochte mich nicht. In der Schule mich abgemüht, nichts geschafft. Ich wollt« etwas, ins Ausland, weit fort, unter andere Menschen, da- mal« war ich noch jung. Nichts. Ein Tag wie der andere." Er wird immer aufgeregter. Mit den gespreizten Fingern seiner Rechten krampst er sich in die Bluse.„Aber ich hatte Kraft in mir, viel Kraft, ich nmßte etwas tu», mußte, etwas Großes, Ge- fährliches, mußte... Die Brille fällt klirrend auf den Tisch, aber sie bleibt hell. Schweigen entsteht. Beim sünf zehnten Glas hebt der Arbeiter den breiten Schädel, sieht ihn an nnd sagt schwer und spötttsch: „Und, Herr Postrat, was haben Sie getan?" Da fühlt er wieder den jähen Schlag gegen sein Herz. Und mit wirren, entsetzten Augen sieht er seine rechte Hand vor sich in der Luft stehen, zum Geständnis bereit. Er reißt den Arm zurück und steckt die Hand in die Tasche. Er torkelt zum Schanktisch, be- zahlt, und verläßt grußlos das Lokal. Am nächsten Tag ist er müde und zerschlagen. Aber es geht so halbwegs. Um ein Uhr schließt er das Fenster und erhabt sich geräuschlos von seinem Sitz, denn um diese Zeit pflegt Müller zum Chef hinüberzugehen. Wie seit vielen Iahren hört er auch heute im Nebenvaum den Postsack auf den Tftch aufschlagen. Jetzt ist niemand im Zimmer. Mit geübten Fingern greift er in den Sack, hebt die Oefsnung zuin Tageslicht, und nimmt fünf, sechs Wertbriefe heraus, die ihm geeignet[cheinen. Da knarrt im Nebenraum die Tür. Sein Atem stockt. Mcht, weil er der Siwa- tion nicht gewachsen ist, hunderte Mal hat die Schnelligkeit seiner Finger ihn aus ähnlichen Lagen errettet, aber die Hand, die Hand mit den Briefen, feine Hand, gehorcht nicht. Und während hinter seiner zerquälten Stirn ein jahrelang überbeanspruchter, zermürbter Wille sich zum letzten Befehl zusammenballt und seine Hand sich langsam zu regen beginnt, empfindet er, daß es schon zu spät ist. Die Tür geht ans. Am Rahmen steht der Chef. Der Mann mit der Falte in der Sttrn steht taljs daraus vor- dem Richter. „Seit wann?" „Seit zehn Iahren." „In Ihrer Wohnung wurden vierzehnhundert Dollar gefunden, stammt dies alles aus „Jawohl." „Warum taten Sie es?" Der Mann steht sinnend vor dem Gesetz. Es ist jetzt, als ginge ihn da? alles nichts wehr an. Er sagt still: „Ich weiß es nicht Maine Hände wollten es anfangs, dach später haben sie mich verraten." Aber das begriff vielleicht nicht einmal er selbst. Der größte aller Papageien ist der Eolenpapagei oder Kakapa. Gleich den Eulen Hot er ungewöhnliche weiße Federn, die eine Art Schleier bilden. Der Schnabel ist van borstenartigen Federn teil- weise verdeckt. Der Eulenpapagei lebt auf Neuseeland, und zwar nur auf der Südjette in abgelegenen Gebieten. Aus der Partei. Zehn Jahre südslawische Sozialdemokratie. Dieser Tage konnte zum ersten Male seit dem Staatsstreich Alexander II. wieder eine Volksversammlung in Marburg, der süd- slawisch Maribor genannten Draustadt, abgebalten werden. Als Referent sprach über die Teuerung der Gewerkschaftsführer Genosse P c t e j a n, gewesener Abgeordneter im Belgrader Parlament. Am 18. Dezember 1921 ist die Sozialistische Partei Jugo- slawiens gegründet worden: sie ersetzte die jugoslawische sozialdcmo- kratische Partei in Slowenien, die Sozialdemokratische Partei in Kroatien und die serbische Sozialistische Partei. In Wirklichkeit hatte diese Vereinigung nur formelle Bedeutung, denn die vereinigten drei Parteien waren schon seit 1999 und ganz besonders noch mit der Gründung des neuen Staates stets gemein- sam vorgegangen, so in dem provisorischen Parlament 1918 und später in der Konstituante. Die Partei betonte mit ollem Nachdruck die Notwendigkeit des einigen Vorgehens der Arbeiterklasse im ganzen Staatsgebiet. Nach dem Iuniverbrechen in der Nationalversammlung 1928 ging die Partei eigene Wege, unbeirrt durch das Gekläff von Außen- seitern, die durch ihr Verhalten vor und nach dem Skupschtina-Mord dem Parlamentarismus den denkbar schlechtesten Dienst erwiesen. Trotz der Spaltungserscheinungon blieb die Sozialistische Partei bis zu ihrer Auflösung am 21. Januar 1929 ein realer politischer Faktor. Ihr hat die Arbeiterschaft so manchen Erfolg zu verdanken, vor allem aber ist es ein Verdienst der Partei, daß die Arbeiter- klasse auch unter den veränderten Verhältnissen als politischer Faktor gilt, dem Rechnung getragen werden muß. Arbettsgemefoschofi btt Siuderfreuade Sroß-verlla. »kschZftsst«»«! Berli» SD.«. Sistesfr. I, t.«•{, t Et. Neukölln, Lichtlämpser: Heute, Dienstag' kämme» die Sung- und Roten galten um 17 Uhr zu: Baracke Hanghofcrstraß« zur Fahrt � bcsprcchung. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei«Organisation 1-1. Abt. Arn 1. Weihnachtsfeiertag verstarb plötzlich im Alter von 02 Iahren unsere Genossin Luise Rose mann, Iablonslistr. Z. Ehre ihrem An- denken! Einäscherung Rtittrvoch, ZV. Dezember, 1914 Uhr, Krematorium Gericht stratzc. Um rege Beteiligung wird gebeten. «ö. Abt. Die Einäscherung unseres Genossen Ewald findet Mittwoch Z0. Dczenibcr, l I Uhr, Krematorium Gcrichtstratzc statt. Die Temnclhoscr Gc nosscn treffen sich um 13 Uhr Untergrundbahn Ringbahnstraße. Um rege Be tciligung wird gebeten. 191. Abt. Genosse Wirde mann, Reue Krutzallee Z7, ist nach längerem Krankenlager gestorben. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute. Dienstag, 29. Dezember, 1 t'i Uhr, auf den, Friedhof in Oberschöncwcide statt. Um zahlreiches Erscheinen bittet der Vorstand.' 108. und 108a. Abt. Unsere Genossin Mari« Kuhring, Borgmann straßc 18, ist am 23. Dezember im Alter von KS Iahren verstorben. Ehre ihrem Andenken! Traucrfcier Mittwoch, SN. Dezember, 1K Uhr, Krematorium Baum. schulcnweg. Um rege Beteiligung wird gebeten. Sinsendungen fstr dies« Rubrik find Berlin SD SS, Liudenstraße Z. Parteinachrichten für Groß-Berlin stet» an da, Bezirkssekretaria« 2. Hof. 2 Treppen rechts, zu richte» Beginn aNer Veranstaltungen 1SI4 Uhr, sofern keine besondere Zeitangab-? Heule, Dienstag. 29. Dezember: ». Kreis. Bon 151A bis 18 Uhr gus-nimenkuuft arbeitsloser Paricigenosst» im Heim Urbanstr. 107. 11. Kreis. Heute, Dienstag, letzter Tim Gelegenheit zum Airchenaustritt für 1931, Parteibüro, Ideal-Passage, Fuldastr. 53— 56. Ausweispapiere und pcrsSnliches Erscheinen ist notwendig. 20 Uhr bei Haasc, Steinmetzstr. 7S, außerordentliche Vorstandssttzung. ~'' Abrechnung heute müssen sämtliche Marken ahgcllefcrt ♦5. 115. Abt. Bei der werden. Morgen, ZNilkwoch, 30. Dezember: � 8. Abt. Erwerbslose Genossen: 15 Uhr Znsammentuuft bei Rickert, Steinmeß. ftraße 8a. Referent Gottlieb Reese. 18. Abt. Arbeitskreis junger Genossen: An bekannter Stelle Bunter Abend. .17. Abt. Alle Funktionäre zur Sitzung bei Raschle, Mattcrnstr. 11. IM. Abt. Die Funltionärkonseren, der Abteilung findet nicht am Mittwoch, 10. Dezember, sondern am Mittwoch, 6. Januar, 20 Uhr, Stelle statt. au bekannter Donnerstag, 3L Dezember: 7. streife Erwerbslose Genossen: 15 Uhr Rofinenstr. 4. Vortrag mit Lichtbilder: Schnellbahn�. Resereut Genosse Worch. Frauenveranstaltungen. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlin Einsendungen fiir diese Rubrik nur an das Iugendsekretariat Berlin SW 63. Lindenftraße 3 heute, Dienstag, 29. Dezember. 1914. Uhr. Gewerischaftshans: Funktionärsstzung bei Schmidt, Adalbertstr. 05, voru 2 Tr.— Gesundbrunnen I: Gotendurger Str. 2:.�Querschnitt durch dir Zusammenbrüche privater Unternehmungen im Jahre 1931".— Humdoldthai»: Putbusfcr Str. 3:„Unsere Sonnenwendfahrt".— Rorden: Lortzingstraße: „Lustiges Jahresende".— Schillerpark: Wir gehen zu Deddina-Rord.— Wedding, Rote Fallen: Willdcuowstr. 5: Iack-London-Abend.— Wedviag-Rord: Turiner Ecke Seestraße:„Luftiges Jahresende".— Arnimplatz: Eonnenburger Str. 20, Raum 1: llntcrhaltungsabend.— Arnswaldrr Platz I: Rastenburgcr Str. 10: „Revolution in der Weltgeschichte".— Balkan: Manvelstr. 2:„Lustiges Jahres» ende".— Kelmholtzplatz: Danziger Str. 02, Baracke 17:„Lustiges Jahresende".— Nordosten I: Danziger Str. 62, Baracke nt:„Lustiges Jahresende".— Weißen» scc: Parkstr. 30:„Frau im heutigen Rußland".— Hasenheide: Bassertorstr. 9: „Lustrqcs Jahresende".— Köpenicker Viertel: Wrangelstr. 128:„Unsere Weih uachtsseier".— Reichenberger Viertel: Reichenberger Str. 00:„Politisch» iatir: sches Jahresende".— Süden: Borckstr. 11:„Lustiger Siloesterspuk".— Südwest: Lindensir. 1:„Politischer Iahresrückblick".— Steglitz I: Albrechtstz. 17,:„Jahres. rück, und-ausblickest— Reu-Tempelhoi: Heimabend fällt aus. wir besuchen morgen die Gruppe Tempelhof.— Britz: Rathaus, Ehaussecstr. 18: Bunter Abend.— Neukölln l: Sander. Ecke Hobrechtstraße:„Sexuelle Fragen".— Reu- kölln III: giethenstr. 58: Neuiahrsfahrtbesprechung.— Neukölln TV: Kanner Straßc, Raum 2: Arbeitsgemeinschaft.— Neukölln VII: KMS.:„Deutschland 1931".— Neukölln IX: Schicrkcstr. 11: Lustiger Abend.— Renköll» X: Leim- abend fällt aus.- Köpenick N: Dahlwitzcr Str. 15:„Lustiges Jahresende".— Lichtcnbcrg Rordwcst: Dosscstr. 22:„Luftiges Jahresende".— Reinickendorf-Ost: Lindaucr Str. 1:„Silvestcrspuk".— Teael: Bahnhofstr. 15:„Lustige» Jahres. ende".—»arsw: Frundsbergstr. 9:„Iahresrückblick".— Riede rschönhausea: Lindenstr. 47: Bunter Abend. t im Jugendheim Bon der Postkntschc bj« zur f 8. Abt. Heute, Dienstag, 29. Dezember, 1914 Uhr, im Saal 1 des Gewerk. sses, Engeluser, Weihnachtsfeier. Kaffre gratis. Kuchen und Päckchen find mitzubringen. Bezirksausschuß für Arbeikerwohlfahrl. 1» Kreis. Alle Helferfinnen) tresfen sich am Dienstag, 29. Dezember, nm 19 Uhr im Altersheim. Danziger Str. 02. Achtet auf das Gewicht bei lebenden Karpfen. Wie uns vom Verein der Fischhändler von Groß-Äerlin mitqeteilt wirü. ist die Polizeibehörde angewiesen worden, beim Verkauf der leben- den Karpfen ans die Straßen- im» Gelegenheitshärchler besonders acht zu geben. Nach den ständigen Beobachtungen werden zum Wiegen der lebenden Karpfen die beim Obfthanvel gebräuchlichen sogenannten Kartoffelwiegeschalen benutzt, wodurch das vom leben- den Fisch abtropfende Wasser nicht ablauken kann und daher mit- gewogen wird. Es beträgt dies bei dem einzelnen Fisch oftmals 109 Gramm und noch mehr. Bei den im Fischhandel gebräuchlichen Wiegeschalen sind die Verkaufsschalen mit Löchern von anderthalb bis zwei Zentimetern im Durchmesser versehen und gehen von innen nach außen. Nur hierdurch allein kann das reelle Gewicht antiert werden. Die Polizeiorgane sind angewiesen, bei B« den des Publikums einzugreifen. Mit dem Einzug des neuen Jahre» nehmen die allseitig bekannten großen Bockbierfeste in der Neuen Welt, Hasenheide 108—111, wieder ihren Anfang. Sechs Kapellen sorgen für Humor und Stimmung. Bon garantiert echten bape. rischen Modeln wird das Bier kredenzt. Jeden Dienstag wird entweder ein ganzer Ochse oder 0 Schweine auf dem Riesenlukullus im Saal gebraten. Säml. liche Säle sind im bayerischen Etil hergerichtet mit großen Gebirgoteriassen, Äraxelstegcn und Rutschbahn. der«rkvaMagefache de, Glocke, Theodor, Geschästssührer, Berlin EW. 08, Ltndenstraße 3, und Stampfer, Friedrich, Ehefredakteur in Berlin SW.08, Linden ftraße 3, Privattläger, vertreten durch Rechtsanwalt Ludwig Hofman» in München, Herzog. Wilhelm. Straße Ist. gegen Weber, Johann, Oberaufseher in Günzburg, Angeklagter, vertreten durch Rechtsanwalt Eugen Bctz in Augsburg wegen Beleidigung ist nächfolgender Vergleich abgeschlossen worden: 1. Weber erklärt: Ich kann auf Grund der heutigen Feststellungen den Vorwurf, der„Vorwärts" habe sich von dem Juden Goldschmidt Geld geben lassen und sei damit heute noch mit 800 000 Reichsmark abhängig, könne also nicht Kapital und Juden bekämpfe», weil er sonst fürchten müsse, daß der Jude sein Geld zurückziehe, nicht aufrechterhalten. IL Eine Veröffentlichung dieser Er klärung soll erfolgen im„Vorwärts' und im„Schwäbischen Bolksblatt" i» Günzburg. Iii. Weber übernimmt die sämtlichen Kosten und gesetzlichen Auslagen. Die Gebühren sollen auf das gesetzliche Mindestmaß festgesetzt werden. Diesen Vergleich gebe ich als Prozeß bevollmächtigter der Privattläger gemäß der Ermächtigung in Kiffer ri des Per- gleichs hiermit bekannr. Ludwig Hosmann, Rechtsanwalt, München, Herzog-Wilhelm-Straße Ist. IMWUMUU-MiÄ[ Aditang! Den Mitgliedern zur besonderen Beachtung, dag anlähllch des Ikeu- iahrstoges unsere BürorSnme am vonaerstag, den» ZI. Dezember, 13»Hr. geschlossen in erden. Aditang. Belriebsräle! Die Betriebsräte-Zeitschrift Nr. 24 ist erschienen und kann gegen Vorzeigung der Legiiimationskarte des Betriebsrats- Obmannes im Verbandshause, Zimmer 5. täglich bis 4 Uhr, Freitags bis 7 Uhr entnommen werden. vte Orisvcrwaliang KLEINE ANZEIGEN IS MI IM Fiflsrinidrtis Wort li Pf. (nlistii 2 Ittstrd rolle Werte).- SMengesole d» I.Wort(fetljedniiti I S Pf, jede nilert Wort tO PI. Wort» mit rnoir »Ii 15 lodistobc zählen fit mi Wort». Anieigco,»eile für die nSlsle liommer bestimral snd.müssea bis ipetestens t1/] Ubr nadimirtogi in der Heozt-Eipeditioii des Vorwärts, Liodnstrali 3. ebgejoben werden. Dioselbe ist woleotags e oo morgen! SVo Uhr bis oortm. 5 Uhr ominterhrolen geöffnet. verhame ] Tapeten Szillat. Kolonie- straße 9. otoapparate. ieiß.Jkon, Voigt- änoer, Gelegen- eitskäufe aus Per. teigerungen. Spott. billige Zeißgläser. Photo. Täuber, Spandauer Brücke acht. Bahnhos Börse Aquariengläser, 25 lang, für Hänb ler IM, gierfische billig. 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Pfd.T.1,10 Markenbutterdeutsche, Ffchv. 1,32 Konserven ,t Dose Apfelmus.................... 0,48 Erdbeeren............... von 1,00 Rheinische Pflaumen.. 0,62 Mirabellen.................. 1,15 Kürbis.........................0,68 Span. Aprikosenkomp. 0,68 Kirschen saure.............. 0,98 Ko'tf. Pfirsiche halbe Frucht 1,15 Ananas tu Scheiben...........1,10 Weine und Spirituosen (Preise ohne Flasche) Vi FI. 30 er Edenkobener..... 0,75 30er Oberh. Maikamm. 0,75 29 er Niersteiner Berg.. 0,95 29er SenheimerLay..... 1,10 29er Bruttiger Mark.... 1,25 29er Zeltg. Himmelreich 1,75 29erZell.schw.Herrgott 1,85 '/.FL Montagna-Rotwein...... 0,85 26 er St. Estdphe........... 1,10 Roter Tarragona......... 1,00 Sonnengartnervessertwem 1,45 Orig. Insel Sornas........ 1,45 28 er Chät. Beychevelle 2,00 24er Haut Sauternes.... 3,00 Deutscher Weinbrand***»18 pi, ou», och Damaika-Rum-Verschn. 10°!»-/.Fl. 3,85 I Liter 4, 60 5 Liter 2 2,50 Rheinpfälzer Weisswein s. Bo»rie,Ltr. 0,75 öLtr.3,50 Rotwein gute QaallUt, Iflr Glühwein............ Ltr 0,75 5 1 tr 2,5 o „(»der süsser chxtelwein..................... Ltr. 0,65 Griechischer Muskat............»...Ltr, 1,10 sur 5,25 Roter Johannisbeerwein....... Ltr 0,75 s Ltr 2,50 SpeZial- Apfelwein heib.z�nr feBowle, Ltr. 0,40 5Ltr.3,80 Wild und Geflügel RUSS. Gänse gefr....Ptd. von 0,63 Hasen gestr. n. a asgevr., Pfd. von. 0,85 Wolgahühner gefr.. Pfd. von 0,70 Hühner frisch......... Pfd. von C,6S Kaninehengostr.a.ausgew.,pid.0,78 Rehblatt............ Pfd. von 0,83 Hirschblatt......... Pfd. von 0,58 Wildschweinblatt pid. von 0,80 Frisches Fleisch Eisbein m.Rpitzbein, gepök„Pfd. 0,50 Schweinebauch o. Big., Pfd. 0,58 Schweineschinken mit Bein oder Blatt..... Pfd. von 0,68 Schweinekamm oderSchuft_ ohne Beilage................. Pfd. 0,72 Kassler mild.......... Pfch von 0,72 Schweinekotelett pfd.von 0,74 Schweinerieren...... ptd. 0,64 Schweineköpfe m. Eacke. Pfd. 0,36 RUckenfett bratfertig... Pfd. 0,58 Hammelvorderfl. Pfd. von 0,62 Kalbskamm o. Eeziage, Piiv. 0,58 Suppenfleisch..... Pfd.von 0,48 Gehocktes............... pid, 0,54 Gulasch.................. p(d. 0,68 Sehmorflelseho.Knoch.,P(d,v. 0,74 Rinderleber........... pid. 0,78 Rinderherzen........... Pfd. 0,38 Rinderbacke.......... ptd. 0,30 Rinderlunge.......... ptd. 0,28 Euter...................... pich 0,24 Obst und Gemüse Walnüsse............ pfch von 0,25 Haselnüsse.............. p,ch 0.43 ...Pfch 0,44 ...Pfd. 0,25 3 Pfd. 0,58 3 Pfd. 0,42 3 Pfd. 0,65 ...Ptd. 0,28 .. Pfd. 0,65 ....... 0,22 ........... 0,45 ..Pfch von 0,24 ........ Pfd. 0,03 SGH ERZARTIKEL Giessblei• Luftschlangen e Confetti usw. ENORM BILLIG! Paranüsse Erdnüsse............". Mandarinen......... Apfelsinen......... Jaffa-Apfelsinen!'. Bananen............. Traubenrosinen.... Feigen in Päckchen.,., Datteln im Karton.,,. Tafeläpfel., Grünkohl... Rotkohl.................. pid. 0,06 Sellerie................. pid. 0,08 Kolonialwaren Auszugmehl........... pfd. Sultaninen.......... pfd. von Korinthen............. pfnnd Weisser Mohn......... ptd. Blauer Mohn........... ptd. Mandeln............pid. von Backobst.......... Pfnad von Kaffee............... Ptd. von 0,24 0,38 0,56 0,32 0,34 1,30 0,38 1,80