Morgenausgabe Nr. 608 A 306 45.Iahrgang WScheMIich SZ Lf. m-matlich Z.so M. ldavo>i SS Pf. monatlich fiir Kastei- lang ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 4,32 M. einschließlich So Pf. Poazermngch- und 72 Pf. Postbestellg«« biihren. Auslandsabonnement S.— M. pro Monat: fiir Lander mit ermäßig» ton Drucksachenporto S.— M. Der„Vorwärts� erscheint mochentig- lich zweimal. Sonntags und Montag» einmal, die«bcndausaabe für Berlin und NN Sandel mit Sem Titel„Per SUjciid�, Illustrierte Sonntagsbeilaa» .Volk und Zeit". r* Berliner VoltSblatl Mittwoch 30. Dezember 1931 Groß-Äerlin Pf. Auswärts 15 pf. Die e i n f p o l?. Nonparetllezette 80 Pt. ReSamezeUe 5�- NM.„kleine Än- zeigen" öas fettgedruckte Wort 85 Pf. Czulassig zwei fettgedruckte Wonc). ledcs rveitere WnrlelL Pf. Nabatt lt. Taiif. Stellengesuche das erst« Won lb Pf, jedes roeifere:Won 10 Pf. Motte über 1b Buchstaben zählen für zwei Won?» Arbeltsmarkt Zeile 60 Pf. 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Das Schreiben sei von dem gleichen Geiste beseelt wie dos- senige. das der Premierminister 1324 bald nach seinem ersten Amtsantritt an poiucare gerichtet habe. Der Brief Macdonalds enthalte jedoch keine ausdrückliche Einladung zu einem Besuch in London. Es sei jedoch keineswegs ausgeschlossen, daß Macdonald und Loval nach Beendigung der vorbereitenden Besprechungen der fraozöfischen und britischen Sachverständigen und vor Eröffnung der Internationalen Reparationokonferenz eine Zusammen- k o u f t haben würden. Der französische Botschafter in London stattete dem englischen Außenminister am Dienstag einen Besuch ab. Gegenstand der Bc- sprechong bildete der Termin der Eröffnung der Zater- n'atioualeu Reparationskonfcrenz. Als Ort der Konferenz wird hier vor allem Lausanne genannt. Es bleibt bei der LlSA.-Weigerung. London. 2g. Dezember. Vach einer Reutermcldung aus washiugtou soll Schahamts- sekrelär Mills erklärt haben, die Bereinigteo Staaten seien auch nicht inoffiziell zu der bevorstehenden Reparationskonserenz eingeladen worden und würden sich auch nicht an ihr beteiligen, selbst wenn sie eingeladen werden sollten. de Brouckere über Oeuischlands Zahlungs- Unfähigkeit. Brüssel, 29. Dezember. Senator de B r o u ck e r c hat im sozialistischen.,P c u p l e" einen Artikel veröffentlicht, in dem er auf die Unlösbarkeit der Rcparationsfrage unter den heutigen Umständen hinweist. Deutschland, so führt er aus, könne nicht zahlen. Wean Frankreich und Belgien Zahlungen verlangen würden und wenn Deutschland unter diesem Druck die Devisenbestände und das Gold der Reichsbank ausliefern müßte, würde die Mark stürzen. Belgien und Frankreich würden in diesem Falle eine verbrecherische Wahn- sinnstat verüben. Wenn Deutschland gezwungen werden würde, Zahlungen mit chilfe seiner ausländischen Guthaben zu leisten. würde sein Kredit schwer darunter leiden. Die Folgen würden für die ganze Welt ka t a st r o p h a l sein. Hessens Zentrum gegen Nazis. Hitler-Oiktatur abgelehnt. Darmstadk. 29. Dezember. Die Erörterungen zwischen Nationalsozialisten und Zentrum über die etwaige Bildung einer Koalitionsregierung in Hessen, die bisher stets auf dem Papier erfolgten, werden heute in gleicher Weise in einem offenbar offiziösen Zentrums- a r t i k e l fortgesetzt. Darin wird den Nationalsozialisten erneut gesagt, sie müßten es sich, solange sie nicht die Mehrheit hätten, schon gefallen lassen, daß die andere Partei s i ck) nicht unter ihre Diktatur begebe. Ferner wird betont, das Zentrum könne sich nicht mit der eidlich erhärteten L e g a l i t ä t s- e r k l ä r u n g Hitlers begnügen, weil gewisse Borgänge in der Partei in Vergangenheit und Gegenwart berechtigte Zwei- j c l daran aufkommen ließen, daß der oberste Führer seine Unter- führer noch immer ganz in der Hand habe. Offenbar hat man im Zentrum de» Eindruck, daß die NSDAP. die Rcgierungsverantwortung gar nicht auf sich nehmen will, und begründet das mit folgenden Sätzen:„Bei den kommenden Preußenwahlen wird die NSDZlP. ihre ganze Agitation auch gegen das Zentrum richten. Wenn sie dabei in Hessen gleichzeitig mit dem Zentrum in Koalition stünde, würde das ihren politischen Kampf erheblich lähmen und erschweren. Es war des- halb von vornherein nich't zu erwarten, daß sich in diesem Zeitpunkt die NSDAP, mit einer solchen Koali- tion belasten werde. Sie hat ihre Stärke sicher nur bewiesen in der Organisation und Ausbreitung der Partei. Wieweit sie im- stände ist, positive Arbeit zu leisten, dafür ist sie den Be- weis noch schuldig geblieben, und sie wird wenig Lust haben, ihren Wählern vor den Prcußenwahlen das Schauspiel eines Bersagcn» zu bieten.' Auw! im Gefängnis. Es wird uns geschrieben: In Bramsche bei Osnabrück wurde«in Reichs- bannermann von einem Nazimann namens Schmidt unter Umständen erstochen, die selbst die NSDAP, veranlahten, Schmidt abzuschütteln und zu behaupten, daß sich der Mörder durch die Tat aus der Partei ausgeschlossen habe. Die örtliche Nazi- Leitung richtete zugleich einen Brief an den Magistrat, in dem sie ebenfalls von dem Nazimörder abrückte. Wie gemein der Nazi- Messerheld vorging, zeigt die Aussage eines N a ch t s ch u tz- mannes über die Mordtat vor Gericht: „Ich hörte Lärm, und da ich Schmidt an der Stimme erkannte, ging ich auf ihn zu, um ihn aus dem Tumult herauszuholen. Ich sah,' daß Schmidt mit einem offenen Messer auf die an- dere StraßenseUe lief und sich auf den dort stehenden Kropp stürzte. Vorher wußte ich nicht, wer die betreffende Person war. Schmidt lag auf der betreffenden Person, und wurde von d'en anwesenden Personen auf die Seite gerissen. Hierbei schlug er mit dem Mesicr um sich und muß hierbei den Former Wobker noch- gestochen haben. Im Handumdrehen war Schmidt in seiner un- mittelbar in der Nähe liegenden Wohnung verschwunden. Ich begab mich darauf mit dem Arbeiter Wittig in d» Wohnung des Schmidt. Hier trafen wir die Mutter, die ihrem Sohn den blutigen Kopf abwusch. Schmidt schimpfte, ich hätte hier nichts zu suchen, ich solle das Haus verlassen. Da ich gegen den Wüterich machtlos war, bin ich weggssahrcn und habe polizeiliche Hilfe geholt.' Der Mörder Schmidt sitzt zur Zeit im Gefängnis, wo er trotz der Schwere seines Verbrechens den Besuch des Razi-prin- z e n Anw» empfing und wo ihm einige Tage später eine Sendung Hitlers mit dessen B il d und seiner eigenhändigen Unterschrift ausgehändigt wurde. Damit haben sich A u w i und Hitler mit dem gemeingefährlichen Schwerverbrecher Schmidt»den- l i f i z i e r t. Sein hiuauswurf a»»s der Razi-Bewegung war nur vorübergehend und nur für die dummen Spießbürger bestimmt, die zeitweilig uoch etwas Gemüt im Leibe haben. Benesch vernimmt Wanjek. Licht über den Anzeiger. Prag, 29. Dezember.(Eigenbericht.) Der Legationssckrelär der tschechoslowakischen Gesandtschast In Moskau, M o n e r. der von der russischen Regierung beschuldigt wird, ciuen Altcntatsplan gegen den japanischen Botschafter in Moskau vorbereitet zu haben, ist am Dienstag in Prag ein- getroffen. Er erstaltete sofort dem Auswärtigen Amt Bericht. Amtlich wird darüber»». a. folgendes mitgeteilt: Das Verhör waneks und die bisherigeu Erhebungen bestätigen in vollem Maße die Uawohrscheinlichkelt und Uurichligkeit der gegen ihn erstatteten Anzeige. Legationssekretär lvanek war zwar seit dem Zahre 1g2S In zeitweiligem Verkehr mit dem Angestellten des Verkehrskomtnisiariats Godicky, der ihm hier und da schwer zugängliche Theaterkarten in Moskau verschaffte, führte jedoch nie mit ihm politische Gespräche und versuchte nie, etwa» von ihm zu er- fahren. Um so weniger machte er ihm die Vorschläge, von denen die Anzeige gegen ihn spricht. Beim Verhör Maneks wurde ferner festgestellt, daß Godicky dieselbe Person ist. die im Sommer dieses Zähre? einen tschechoslowakischen Kanzleibeamten in Moskau in eine fremde Wohnung verschleppte,»vo ihn Beamte der GPU. verhaslelen und durch Drohungen Informationen von ihm erpressen wollten, die die tschechoslowakische Vertretung in Moskau kompromittieren sollten. Hetze gegen die Sowjetunion. Ein Sowietangsstelltcr in Moskau zeigt der-Staatspolizei an, daß ihn ein tschechoslowakischer Diplomat zu einem Attentat auf den japanischen Botschafter angestiftet habe. Er wirs verhaltet und der Diplomat auf Verlangen des Narkomindjel(Auswärtiges Amt) von seiner Regierung heimberusen. Auf der Rückfahrt erklärt er in Warschau die gegen ihn erhobene Beschuldigung für grundlos. Dies haben wir in zwei aufeinanderfolgenden Nummern mit- geteilt, ohne selbst eine Meinung über diese russische Anklage gegen den Tschechen zu äußern. Das genügt dem mittäglichen Münzen- berg-Blatt. dem„Vorwärts"— Hetze gegen die Sowjet- union nachzusagen. We sagt der Berliner: Da stehst« machtlos vis-a-rks." Ltm die Abrüstung. Die größte Konferenz der Weltgeschichte. Rund zwei Millionen sozialdcmokralischer Partei- Mitglieder und in den srteieu Gewerkschaften organisierter deutscher Arbeiter und Arhcilerinnen haben bis jetzt anläßlich der Abrüstungskonferenz durch die Annahme einer der Reichsregierung und dem, Völkerbunde zugeleiteten Entschtie- ßnng ihren Willen zur Sicherung des Weltfriedens durch die Abrüstung der noch„ich'/ entwaffneten Staaten zum Ausdruck gebrach!. Angesichts der drängenden Schuldenfrage bestand bis vor kurzem die Möglichkeit, daß die Konferenz zur Begren- zung und Beschränkung der Rüstungen noch einnial ver- tagt werden würde. Abex keine Regierung hat sich der Ge- fahr ausgesetzt, durch einen Antrag aus nochmalige Ber- schiebung vor aller Weit als Störerin und Feindin des Friedens zu erscheinest. So sind aus fernen Konti- nenten die Regierunglsdelegierten schon unterwegs, in Europa haben alle Ausivärtigen Aemter und Wshr- ininisterien ihre Vorbereitungen abgeschlossen: vielfach sind die Delegationen Ernannt. Bon Deutschland sind der Reichskanzler Brüning, von England Ministerpräsident Macdonald, von Amerika„General" Dawes als Hauptdele- gierte bereits bestimmt. Ein Entwurf für die Arbeitsweise der Konferenz ist aufgestellt: fünf Ausschüsse werden nach den Begrüßungsansprachen und ollgemein politischen Dar- legungen der Hauptdelegierten sich in die Aufgaben teilen, jeder Ausschuß— für Land-, See-, Luftrüstungen, budgetäre Begrenzung und politische Fragen— wird selber eine Kon- ferenz darstellen, an der 64 Regierungen teilnehmen. Aus- n a h m s l o s alle Staaten, alle Völkcrbundsmächte, dazu die Sowjetunion, USA., die Türkei find vertreten: d i s größte Konferenz der Geschichte beginnt Anfang Februar und wird den größeren Teil des Jahres 1932 hin- durch tagen. Was, wtrd ihr. Ergebnis sein. Ein Stück Mensch- heitsfortschritt, etwas Friedensficherung oder ein tieues Auf- wühlen unüberbrückbarer Gegensätze, ein neuer Rüstungs- wettlauf? Bor 34 Jahren wurde schon einmal eine Konferenz für die Begrenzung der Rüstungen einberufen. Die russische Regierung war 1898 zu finanzschwach, um eine Neubcwosf- nung der österreichischen Artillerie mit gleichem zu vergelten. Angeregt durch den Bericht einer seiner Beamten über eine pazifistische Tagung kam der Zar Nikolaus II. auf den Gedanken, dem Steigen der Rüstungslasten durch eine Regierungskonferenz Einhalt zu tun. Wie wir heute»vissen, lachten die großmächtigen Regenten der Großmächte über diese närrische Idee ihres Kollegen, Rüstungen, diese ur- eigenste, von jeder Großmacht in selbstgefälliger, grenzen- loser Souveränität und Eigenmacht selbst zu erledigende Angelegenheit international, aus einer Konferenz begrenzen und beschränken zu wollen. Aber da es sich um einen gewaltigen Potentaten handelte, wahrte man die Form und sabotierte die Sache so gründlich, daß nach den monatclangen diplomatischen Verhandlungen ini Haag 1899 allerseits die Unmöglichkeit festgestellt wurde, die praktischen S ch m i e r i g k e i t e n zu überwinden. Nur mit einer Kodifikation des Kriegsrechtcs und den ersten zaghaften und gänzlich unverbindlichen Anfängen der Schiedsgerichtsbarkeit kam man wieder in die beimischen Ämtszimmer zurück. Am Dogma der Souveränität, an der monarchisch-machtstaatlichen Lehre von der Urwereinbarkeit irdischer Bindungen mit der Selbstherrlichkeit der Könige und Kaiser, soviel rüsten und Kriege führen zu dürfen, wie Ihnen beliebte, zerbrach der erste Versuch vom Haag nicht minder wie der zweite von 1907. Er ließe sich in seinen Flottenball nicht hineinreden, erklärte Wilhelm II.» und inmitten des von der Rüstungs- Industrie aller Länder aus Profitgier aufgepeitschten Rüstens rangen auf dem europäischen Kontinent nur die A r b e i- t e r s ch a f t und wohlmeinende bürgerliche Liberale um die Verwirklichung der Idee, dem Wahnsinn durch i n t e r- nationale Vereinbarung Einhalt zu tun. Während des Weltkrieges erhob sich über der leidenden und sich mordenden Menschheit die Idee der Ab- rüstung. Im Munde des amerikanischen Demokraten Wilson fand sie die allgemeingültige Formel: allgemeine Abrüstung hinunter bis zu dem mit der inneren Sicherheit verträglichen Maß. Aber geschichtsbildende Kraft hat diese Ideologie bislang nur dem Besiegten gegenüber bewährt: Deutschland wurde ent- waffnet: über 83 600 Geschütze und Minenwerfer, 107 600 Maschinengewehre, über 6 Millionen Stück Gewehre, Re- volver und Pistolen, 39 Millionen Stück Artilleriemunition, fast eine Milliarde Stück Handwaffenmunition, 14 006 Kriegsflugzeuge. 27 756 Flugzeugmotoren, 26 Schlachtschiffe und 19 Kreuzer, 83 Torpedo- und 313 Unterseeboote wurden abgeliefert und vernichtet, an einer Stelle inmitten Europas die Wehrpflicht abgeschafft, die Ausbildung von Reserven unterbunden und die Reichswehr etwa nach dem Muster einer Berufsarmee des 18. Jahrhunderts organisiert, ohne schwere Geschütze. Kriegsflugzeuge und Tanks. Postkarte 7 Pfennig. Ermäßigung der Postgebühren.— Telegrammspesen bleiben ungesenki. ZlmLich wird nttlgqUtli: Der Arbeitsausschuß des Lerwal- tungsrat? der Deutschen Reichspost beriet am Dienstag eingehend die Vorlage, die der Reichspostminister zur Senkung wich- tiger Post- und Fernmeldegebühren gemacht hatte. Es wurde beschlossen, dem Plenum des Derwaltungevats zu ompfeh- len, die Vorlage der Verwaltung mit gewissen Modifikationen anzu» nehmen. In Abweichung pon der ursprüngliche:, Lorlage soll die Gebühr für die Fernpostkarte von 8 auf 7 Pf. ermäßigt wer. den. dafür aber die von der Verwaltung vorgeschlagen« Ermätzi- gung der Telegramgebühren und der Postwurfsendungen unterbleiben. Unter der Voraussetzung, daß dos Plenum des Verwaltung?- rats am heutigen Mittwoch dem Beschluß seine» Arbeitsausschusses zustimmt, werden also gesenkt werden: die Gebühren für Druck- s a ch e n. für gewöhnliche Pakete, für die Orts- und Fern» gefprSche sowie für die Nebenstellenanlagen in der vom Reichs- Postministerium vorgeschlagenen Form und darüber hinaus die Ge- bührcn für eine Fernpostkarte von 8 aus 7 Pf. Es soll damit eine Regelung getroffen werden, die sowohl der Ankurbelung der Wirt» schaft dienlich ist wie auch im Interesse der breiten Massen unseres Volkes, soweit das eben in den Kräften der Deutschen Reichspost steht. ■*... Im Gegensatz zu der ursprünglichen Vorlage des Reichspost- Ministeriums hat sich also der Arbeitsausschuß des Aer» waltungsrates der Reichspost doch zu einer Konzession bei den Postkartengebühren entschlossen. Dieses Augestäichnis ist aber völlig ungenügend und entspricht auch nicht annähernd den Mindestforderungen, die die Oessentlschkeit bei der Preissenkung der Reichspost mit Recht erhebt. Weder das überteuerte Vriefporta, noch die Fernfprech- Grundgebühren und die Rundfunkgebühren sind in ihrer jetzigen Höhe haltbar. Wir hoffen, daß der Verwaltunzsrat der Reichspost. dessen Plenum heute die letzten Beratungen abhält, diese Vorlage nicht annehmen wird. Der bewaffnete Radikalismus. Forderungen der Länder-polizeiminister. Der zuständige Referent im Reichsministcrium des Innern, Ministerialrat Dr. ijoche, nimmt im Reichsverwaltungsblatt zu den neuen waffenrechtlichen Vorschriften Stellung und berichtet über die Verhandlungen, die zu der neuen Notverordnung geführt haben: Ungeachtet einer Fülle gesetzlicher Bestimmungen, die der Ver- Hinderung unbosugten Wassengebrauchs dienen, ist die Zahl der Fälle, in denen mit Waisen aller Art Gewalttätigkeiten begangen werden, erschreckend groß geblieben. Eine gewiss« Abwände- rung von den Schußwaffen zu den Hieb, und Stoß- waffen ist allerdings in letzter Zeit festzustellen gewesen. Aber die Meinung, daß es sich hierbei um weniger gefährliche Waffen handele, wäre durchaus verfehlt. Dolchs und Stilette sind Waffen, die m Gefährlichkeit den Revolvern und Pistolen in nichts nach- stehen. Immer wieder tauchen neue Formen solcher Wafsen auf lSiegelrmge mit aufklappbarem Dorn, Feldflaschen mit fest- sie hon der Messerklinge im Verschluß), bei denen stell ein Erfindergeist betätigt, der einer besseren Sache wert wäre. Di« bisherigen Gesetz« haben sich praktisch nicht als wirksam genug«rwisse», um diese Wildweitzustänl» zu verhindern. Die Polizei mini st er der deutschen Länder, die diese Verhältnisse aus ihrer Praxis am besten zu beobachten in der Lage sind, die auch eine nicht geringe Zahl pflichttreuer Polizei- boamter als Opfer von Waffendelikten zu beklagen haben, hoben übereinstimmend von der Reichsrsgierung eine Ver- s ch ä r f u n g der bestehenden Vorschriften gefordert. Der unkontrollierte Waffenbesitz war der Hauptpunkt, bei dem eine neue gesetzliche Regelung einsetzen mußte. Denn daß heute viel zu viele Personen im Besitze von Schußwaffen sind, wird nicht gut bezweifelt werden können. Eine allgemeine Entwaffnung«- a k t i o n durchzuführen, wie dies im Jahre ISA) mit beträchtlichem Erfolg durch Einsetzung eines besonderen Reichskommissars mit weit- gehenden Befugnissen geschehen ist, war jedenfalls zur Zeit aus verschiedenen Gründen(großer V erwaltu i�sauf wa nd mit erl>ebl!chrn Kosten) nicht angebracht. Zu erwägen war weiter ein all- gemeines Besitz oerbot. verbunden mit einer Ab» l i e f e r u n g s p f l i ch t, mit Ausnahme für bestimmte Personen. Hiervon konnte man sich keinen Erfolg versprechen. Ein allgemeines Besitzvcrbot hat in Deutschland aus Grund der Verordnung der Bolksbeouftragten vom 13. Januar 1919 bis zum Inkrafttreten des Schußwaffen gesetzes. also fast zehn Jahr« hindurch, bestanden. Es hat sich aber praktisch als unwirksam erwiesen, da es von denen, die es anging, nicht dsachtei worden ist und der Staatsgewalt zu seiner Durchführung nicht die genügende Möglichkeit gegeben war. Di« neuePerordnung sticht daher»inen anderen- Gedanken zu verwirklichen. Sie- will der'Polizei, die Möglichkeit geben, in besonders gefährdeten Bezirken den Waffenbesitz zu verbieten und dieses Verbot dadurch durchzuführen, daß sie alle Wafsen, die sie in solchen Bezirken findet, sortnehmen kann. Alle üfrn'gea Staaten blieben gerüstet und zum Äu> rüsten frei. Nur die Einleitung zum 3*:il. V des ikersaillsr Verijrages erklärt, daß die deutsche Entwaffnumj! vorgenommest wird,„um die Einleitung einer inen Rüswngisbeschränkung aller Ra- tionen zu orinögli'che�", eine politische Verpflichtung gegen- über« dem Entwaffnecheu, die in den Friedensverhandlungen von Ekpmenceau noch einmal unterschixiftlich bestätigt wurde. U n t e rHi n nn d c r'banden sich die Siegermächte und alle Vösterbu-ydsstaatcn diurch den Artikel 8 des gleichen Vcr- irages(zugleich Ar.sikel 8 der Vistkerbundsfatzung) an den Grundsatz.'' „Die Aufrechkerhplk mg des Friedens erfordert eine herab- setzung der nationalen Rüstungen auf das Madestmaß. das mit der nationalen(also äiejzeren, nicht mehr wie bei Wilson der inneren!) Sicherheit oyuSnbar ist." Die Rüstungshoheit, die souveräne Willkür, nach Be- lieben rüsten zu dürfen» wurde 1919 von der Demokratie zwar idflchogisch ühvrwunden. praktisch aber harrt, noch immer völlig, einseitig und allein entwaffnet. Deutsch- laud seit 191� aus Die.Einlösuug bei} gemachten Zusagen und auf die Verwirklichung! der dotnals- angenommenen Grund- sätze. Abgesehen von" Deutschland und seinen Schicksals- genossen in der Riede r!t0go sind die Staaten noch heutzutage so ungebunden und aujrustungsfahtg imd im Wettlauf um die stärkere Rüstung b egriffen, wie sie vor 1914 es waren. Immerhin hat es sich wenigstens in dem engeren Rahmen der SeernftungFin der fünf größten Seemächte gezeigt, daß es auöz ohne Wettrüsten geht. 1922 in Washington und 1930 in.London wurde, bis auf einige ReskbeMnde, dem Seewettrüsten zwischen England, Amerika, Japan, Frankreich und Italien in der Hauptsache und bis etwa 1936 ein Ende gesetzt. Aber auch das. nicht vollkommen und auch das erst, als die Arbeiterklasse in Gestalt der zocitcn britischen Aroeiterrcgicrung die Rs» gicrung einer Großmacht angetreten hatte. Ebenso wurde nur und erst dadurch, daß die Labourpartei die Außenpolitik Eng- lands leitete, die vor dreizehn Jahren in Aussicht genommene und immer wieder verschobene allgemeine Äbrüstungs- konferenz endlich auf den Februpr 1932 angesetzt. Das Gleichgewicht zwischen den auf Erhaltung des Friedens und den auf Steigerung der Rüstung.-n gerichteten gesellschaft- lichen Tendenzen halte solange bestemden, bis die Arbeiter- fchast wenigstens in einem Graßstaat zur Macht gelangt war und dadurch den Zlusschlag zur Festsetzung der Konferenz gegeben hatte. Und gleichsam als gesählchtliches Symbol wirkt es, daß kein adliger Diplomat, aber auch kein bürgerlicher Politiker, sondern der Arbeiterführer und ehe- inalige Präsident der Sotzialistischen Ar- b eitert nternatio n ale. Artfiur Henderson, zum Präsidenten der Abrüstungskonsprenz gewählt morden isi. Und dieses beispiellose Ereignis der diplomatischen Geschichte wird noch dadurch um so beffpfelloier, daß. der jetzt Achtundsechzigjährige nicht Mitglied ei ser Regierung, sondern eine von allen amtlichen und staatlichen Bildungen freie Privatperson ist: an dem Platze, den sonst die Fürsten Metter- nich oder Bismarck, die Anwälte, Journnstften und Professoren Wilson, Lloyd George und Elemenceau einnahmen, steht ein Arbeiter und Weltbürger als Präsident des Großen Kongresses. Wenn in irgend jemand, so darf das deutsche Volk in Arthur Henderson das Vertrauen fetzen.. daß"er ün- parteiisch und realistisch alles tun wird, was in der Fcchlgkeit eines einzelnen Menschen liegt, damit sich alle Re- gierungen die wohltätigen Bindungen kir Rüstungsbegrenzung auflegen und dabei auch der deutjcheu Nation gleiche Behandlung zuteil wird. Ob frellich di» Nüstungsindustrie. der allgemeine Nationalismus und der Militarismus namentlich Frankreichs einen Erfolg der.Konferenz� zulassen werden, steht noch dahin. Auf der azideren Seite hat sich an die Seite der internationalen Arberterschaft und einer auf den Aonferenzerfolg eingestellten deutschen Außenpolitik das drückende Schwergewicht der tiefgehenden Wirtschafts- krife mit ihren wachsenden Steuerlasten und dem Zwang zu Einsparungen gesellt. Was aber immer der Ausgang des Kampfes um die allgemeine Herabsetzung der Rüstungen und die Gleich- behandlung Deutschlands auf dieser Konferenz sein mag: der Kamps um den Frieden ist stärker als je entbrannt und jetzt gilt es, ihn zu gewinnen. Llngefchickte Rechtfertigungsversuche. Ein neuer FeSzuz hat in der französischen Prosse gegen bis angeblichen deutschen G e h o i m r ü st u n g o n eingesetzt. Wie immer nimmt der nrtionalistifche elsässische Senator C c c a r b an diesem Feldzun hervorragenden Anteil. Die zeitliche- Nähe der Abrüstungskonferenz läßt den Zweck dieser Propaganda deutlich erlenneu, die übrigens auch in englisch-konscroativen Kreisen lebhaften Anklang findet. Wie nicht anders zu erwarten war, spielen in den Anschul- digungcn gegen Deutschland das Breslauer Spionage- urteil gegen einen polnischen Staatsangehörigen, der Material über den Stahchelmtog gesammelt halte, und das Leipziger Roichsgerichisurteil gegen Ossietzky-Kroiscr wegen„Landesverrates" eine«vhcl'liche Rolle. Deshalb bemüht sich die ossiziöse „Deutsche diplomatisch-politische iZorrespondenz" um den Nachweis, daß diese beiden Urteile zumindest formal nach der deutschen Rechtsprechung gerechtfertigt waren. Wir möchten demgegenüber den maßgebenden Stellen, nach deren Weifungen die genannte Korrespondenz redigiert wird, den dringenden Rät geben, auf solche Rechtfertigungsversuche zu verzichten, die den Schaden nur vermehren können, den diese beiden Urteile angerichtet haben. Wenn etwas geeignet war, diesen Schaden wenigstens etwas zu verringern, so war das die— auch in der Interpellation der sozialdemokratischen Reichstagsfraktien erwähnten und bisher unwidersprochen gebliebenen— Behauptung, daß das Auswärtige Amt dringend vor der gerichtlichen Verfolgung der Weltbühnen Angolegoichsit gewarnt hätte. Jeder nachträg- lich? Versuch, das Vreslauer und das Leipziger Urteil offiziös zu verteidigen, ist nur Waller auf die Mühlen deper. die im Ausland die Existenz großer Scheinrüstungen in Deutschland behaupten. Die Richter von Breslau und Leipzig haben objektiv den denk- bar schlechtesien Dienst ihrem Land« erwiesen. Der Schaden, den sie angerichtet haben, ist viel größer als alle angeblichen„kandes- nerräterischen" Veröffentlichungen, über die sie zu Gericht saßen. Wir meinen, daß das mehr als genug ist und daß, je näher die Adnistungskonserenz herannaht, desio mehr die zuständigen Stellen darauf bedacht sein müssen, diesen Schaden nicht noch durch über- isiilfsige, ungeschickte und obendrein noch sehr anfechtbare formal- rechrkiche Darlegungen zu ocnnehren. predlgi für die Hühner. »Altmodische Oinge" sind nötig! In dem Jahresbericht dex Handelskammer Bremen heißt es über Kapital, Arbei t und Spar- s am k e i t: Die Bedeutung des Kapitals für Volks» und Weltwirtschaft ist seit langem nicht sür srdennaml so grausam pfs«nbar geworden, wie in diesen Zeiten der Geldnot, in denen soviel wie nis zuvor pon Milliarden gesprochen pnd geschrieben mich, die uns leider fehlen. Aher hisse Zeiten werden so altmodische Dlnge wie Arheil und spar- samkeit wieder zu Ehren bringen und zwar überall und in allen Schichten der Bevölkerung, wo der Sinn hierfür abhanden gekom- inen ipar. Dann muß auf die Dauer«in Gleichgewicht in Au?- gaben und Einnahmen des Polles w« heg Staates entstehen, und es wird sich dann auch die Arbeitsgelegenheit vermehren und d«r allgemeine Wohlstand wieder heben. Rur sa gswiimen wir den feston Bapen unter den Füßen wiehsr, den wir im Augenblick verloren haben. Andere Wege gibt es nicht. Diese schönen moralinsauren Betrachtungen über Arbeit und Sparsamkeit lesen sich besonders erfreulich in dem Be- rickt einer Handelskammer, deren Präsident lange Jahre und bis vor wenigen Monaten Carl Lahusen gewesen ist, dessen Schlösser inzwischen versteigert werden. Es ist nur schade, daß hie Fuchspredigt nicht die Unterschrist des ge- wesenen Nordwolleprasidenten tragen.kann. Die Wirkung wäre nicht geringer gewesen. Die Kündigung von Mietverträgen. Wann ist die außerordentliche Kündigung ausgeschlossen? Zu der Frage der M i e t k ü n d i g u n g wird von amtlicher Seit» noch folgendes mitgetellt: 1. Bekanntlich ist die vorzeitige Kündigung von Miet- Verträgen ausgeschlossen, wenn sich der Vermieter und der Mieter im Jahre 193l auf eine Ermäßigung des Mietzinses um mindestens 29 Proz. geeinigt haben. Die Höhe dieser Ermäßigung ist nicht wie bei der ab l. Januar 19S2 eintretenden Mietsenkung von der Friedengmiete, sondern von der tatsächlich gezahlten Miet« zu berechnen, wobei allerdings Heizungskosten. Fahrftuhlkoften und andere Nebenleistungen nicht mitgerechnet«erden, sofern sie, wie z. B. bei Geltung der gesetzlichen Miete, besonders zu berechnen sind, die gesetzlickien Umlagen(Gruiidvermögenssteuerzuschläge) gehören zur gesetzlichen Miete und sind daher mitzurechnen. Die Feststellung, o b bei einer im Jahr« 1931 vereinbarten Mietermätzi�una der Betrag van 29 Prpz. erreicht ilt, kann im Einzelfall Schwiqxigkslten machen. Folgendes ist zu beachten. Auszugehen ist von der M>» t- höhe, die zu der Zeit galt, als die Vereinbarung getroffen wurde. Bestand der Vertrag also länger« Zeit und war die Miet- schon vor 1931 ermäßigt worden, z. B. von 129 M. monatlich auf 199 M.. so darf nicht die ursprünglich vereinbarte Miete für die Berechnung der Ermäßigung zugrunde gelegt werden, sondern nur der sür 1931 noch geltende Betrag von 199 M. W-r im Jahre 193l mehrmals ermäßigt, so ist die erst« Ermäßigung der Berechnung zugrunde zu legen. Hat z. P. der Vermieter von einer Monatsmiete von 199 M. zunächst im Januar 1931 19 Proz. ermäßigt, so doß der Mieter mir noch 90 M. monatlich zu zahlen hatte und sind dann im April- durch üine zweite Vereinbarung dem: Mieter von diesen 99 M. noch einmal 19 Proz. ermäßigt, so daß ex nur noch 81 M zu zahlen hatte, so wären im Sinne der Verordnung voll« 29 nicht ganz erreicht; denn dazu wäre nötig, daß ihm 29 Proz. von den bei der ersten Miecherabsetzung zu zahlenden 199 M. ermäßigt wurden, er also künftig nur noch 89 M. zu zahlen hatte. ?. Vielfach sind im Mietvertrag sogenannte Staffel mieten vereinbart, d. h. der Mietzins ist für die einzelnen Abschnitte der Pertragszeit in verschiedener Höhe festgesetzt. Beispiel: Der Berlraa läuft ob 1. Januar 1929; für das Jahr 1929 sollen 199. für 1939 sollen ISO, für 1931 sollen 299� für 1932 sollen 250. für 1933 sollen 300 M- monatlich gezahlt werden. Bei der Berechnung der 29proz«n> tigon Ermäßigung, die. wie gesagt, im Iohre 1931 vereinbart sein muß. ist van dem Stande zur Zeit der Vereinbarung auszugshen, und zwar muß hie Ermäßigung so bemessen sein, daß der Mieter vpn dem Tag« ob. an dem die Ermäßigung eintreten soll, dauernd Nim d«m jeweils zu zahlenden Betrage 29 Proz. weniger zu zahlen hat als vor d«m Eintritt der Ermäßigung zu zahlen gewesen wäre. Sollte also im angegebenen Beispiel die Ermäßigung schpn im Jahre 1931 eintreten, so mußt« sie so bemessen sein, daß der Mieter im Jahre 1931 statt 299 npr 169, im Jahre 1932 statt 2-59 nur 299 und im Jahre 1933 statt 399 nur 249 M. zu zahlen hat. Die Wasserstraßenverwaliung. Preußen, Bayern und die Pläne des �Reichs. Die von der Reichsregiernng geplante Uebcrnahme der Wasser st raßenoerwaltung stößt außer bei Bayern auch bei Preußen auf Widerstand, so daß sich die für den 15. Zannar angesetzten Verhandlungen de» Reich». verkehrsminisieriums mit den Länderregierungen über das strittige Problem nicht ganz einfach gestalten dürften. Preußen bestreitet vor ollem, daß das Reich bei der llebernahme der Wasierstrahenverwaltung im Vergleich zu den bisherigen?!us. aahen für dies« Verwaltung einen Betrag von 2 Millionen Mark spart. Im übrigen sei die Wasserstraßenverwaltung bisher so g«handhabt worden, daß der Reichsoerkehrsmirnster seine Anordnungen den regionalen Länderbchörden übermittelt Hab«, nur bei ganz wichtigen Angelegenheiten sei die Landesregierung selbst «ingeschaltet worden. Ginge ez jetzt nach den Plänen des Reiches. dann würd«n in Zukunft zwei getrennte Behörden üher Wasierftrahentragen befinden müssen, die Reichs» und Länder. behörden. Das bedeute einmal eine Erschwerung des Verkehrs mit dem Publikum durch dpppeiten Schriftverkehr, außerdem aber werde such«in Ausgleich der verschiedenartigen Interessen erschwert. Tschiischerin. Ein russisches Aementi. WTB- meldet: In eimgen Berliner Blättern weuche» phantastische aus Moskau stammende Gerüchte über den früheren Volkskommissar des Aeußeren Dschitscherin wiedergegeben. Wir werden von fowjurussischcr Seite ermächtigt, festzustellen, daß dies« Gerücht« jegliicher Grundlage entbedren. Herr Tschiischerin bezieht die normal« Beamtenpension und lebt in durchau« aus- kömmlichen Verhältnissen. Tlr. 608* 45. Jahrgang -1. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 30. Dezember 493� Viele Mieter enttäuscht Was man uns schreibt— Mietsenkung oft unzulänglich— Vorsicht bei Kündigungen Die Mehrzahl der Berliner Beubaumielec hal in diesen Tagen bereits den Bescheid über die M i e t s e n t u n g erhalten. wir geben nachstehend Eindrücke wieder, wie sie uns in Briefen der meist enttäuschten Reubaumieter geschildert werden. lleber die Aussührungsbe st immun g e n der Mietnolverordnung wird der„vorwärts" noch den Kommentar eines hervorragenden Sachkenners ver- öfsentlichen. Der erste Eindruck ist meistens die außerordentlich große Differenz der Prozentsätze, um die die Monatsmieten ob ?anuar 19Z2 gesenkt werden.2 wurde am Dienstagnochmittag ein frecher Raubüberfall versucht. der aber an der Unerschrnckenhcit der allein im Laden anwesende» Frau des Ladcnbesitzers scheiterte. Kurz nach 13 ilhr erschienen zwei etwa 20 Jahre alte Burschen und verlangten sünf Zigaretten. Als Frau R. noch der Schochlel greife» wollte, zog einer der Burschen eine Pistole hervor, richtete die Waffe auf die völlig Ilcbcrraschtc und rief:„Kein Wort— saust gibt es blaue Bohnen." Die lieberfallcnc ließ sich jedoch nicht einschüchtern und rief laut um Hilfe. Daraus eilte der Man» der Zigorrenhändlerin, der in einem Raun, hinter dem Laden weilte, hinzu. Die Räuber sahen, ihr..Vorhaben dadurch, vereitelt und er- griffen die Flucht. Es gelang ihnen zu entkammen. Die Verfolgung durch dos lleberfallkomiminda verlief leider ergebnislos. Die Täter waren etwa 1/75 Meter groß, einer trug' einen Pfeffer- und salz- forbencn, der andere einen dunkelblauen Anzug. Beide hatten blaue Schirmmützen. Zunächst war der Verdacht aufgetaucht, daß es sich um dieselben Täter handeln könnte, die den Filialleiter Huth auf dem Gewissen habe». Noch der Personalbeschreibung scheint das aber ziemlich ausgeschlossen zu sein. Reuer Zinssah bei der Sparkasse. Die Sparkasse der Stadt Berlin Hot mit Wirkung vom 1. Januar 1932 den Zinssatz für Spareinlagen mit satzungsgcmäßer Kündigungsvcrpflichtung auf 4 Proz. jährlich festgesetzt. Neujahrsnacht-Berkehr. Der Silvesterbetrieb der BVG.— Durchgehender Nacht- betrieb auf fast allen Linien. Die Städtische Derkehrsgesellschasl hat für die S i l v e st e r- nacht einen besonderen Fahrplan aufgestellt, der einen durchgehenden Rachtbetrieb aus der gesamten Hoch- und Untergrundbahn und bei fast allen Linien der Straßenbahn und bei einigen Linien des Omnibusverkehrs vorsieht. Die großen Ringlinien der Straßenbahn werden ausnahmslos im IS-Mmilen-Derkehr die gan�e Rächt durchjahren. Bei den anderen Linien hat man nur wenige vom Rachtverkchr ausgeschlossen. Beim Omnibus Ist durchgehende Fahrzeil angeordnet sür die Linien A 5 und A 20. Die andere» Linien verkehren in der Regel bis kurz vor 6 Uhr. Beim Omnibueoerkehr wird man bei Bedarf einen l-RIinulen-Berkehr einHallen. Auf sämtlichen LI-Bahnhofen und in den wagen der Straßenbahn und der Aulobusse hängen Plakate aus, die den genauen Fahrplan angeben. Der neue verbilligte B e r k e h r s t a r i f der BVG. triti schon vom 31. Dezember, also von Donnerstag früh an in Kraft. Wir geben nochmals nachstehend die neuen Fahrpreise bekannt: Straßenbahn mit Unisteigeberechtigiing auf Straßenbahn oder II- Bahn 25 Pf.: Ii-Bahn mit ilmsteigeberechtigung zur Straßenbahn 23 Pf.: Omnibus: Einzelfahrt 25 Pf., Umsteiger 30 Pf. Auf der U-Bahn und Straßenbahn werden Fahrsäicir«. s zu 30 Pf. ausgegeben, die zum U in st e i g e n auf den O in n i b u& | berechtigen. Ebenso kann der U m st c i g e s o h r s ch e i n auf dem ! Omnibus zum Ue b e r st e i g c n auf die Straßenbahn oder U-Bahn benutzt ivcrden. Echülcrfahrscheinc mir Ilmsteigeberechtigung auf Straßenbahn, U-Bahn oder Omnibiis 15 Pf. II c b c r st e i g e f a h r s ch e i n von Straßenbahn, U-Bahn und Omnibus zur Reichsbahn 35 Pf. Sommel. f a h r s ch e i n e für 3 Fahrten auf der Straßenbahn oder U-Bahn 90 Pf. Die alten Karten gelten bis auf Widerruf weiter. ZNonolskarlenpreise: Straßenbahn 1 Linie!1 M., 2 Linien 13 M., das gesamte Straßenbahunetz 27 M., das gesamte U-Bahu netz 12 M., Straßenbahn i»it Ilcbckgang zur U-Bahn(1 Straßen bahnlinie) 16 M.,(2 Straßenbahnlinien) 22 M., gesamte Strotzen bahn und U-Bahnnetz 32 M. Schülermonalskarlen: Slraßenbahn für 1 bis 3 Linien 3,39 M, für das U-Bahnnetz 3.50 M. Omnibus-Rachttaris: Erwachsene(mit Umsteigcbercchtigungi 30 Pf., Schüler(mit ttmfteigeberechtigung) 30 Pf. Haupigewinne der Arbeiierwohlfahri. Tie Ziehung der Arbeitcr-Wohlfahrts- lotterte brachte folgende Hauptgelvinne: l. Haupt- gewinn 20 000 M. 400 128? 2. Hauptgewinn 13 000 M. 102 321: Prämie im Werte Hon 10 000 M. 1.333 311: 3. Hauptgewinn 3000 M. 1370 330; 1V Gewinne iv! Werte von 1000 M. 1 007 300, 781042, 34170.3. 1.38.3 84 7, I 1.38 403. Tie Loc-nummcrn wurden sämtlich in den Tibtcilnn- gen A und B gezogen. Zhrc Wiedergabe erfolgt ohne Gewähr. Neuschnee im Zliesengebirge. Hirschberg(Niesengebirge), 29. Dezember. Im Riescngebirge ist erneut starker Schncesall eingetreten Im.Hochgebirge sind etwa 20 und in den Vorbcrgen etwa 10 Zentimeter Neuschnee gefallen. Es schneit immer noch schwach weiter. Rodelbahnen und Skifähren sind daher wieder in gutem Zustande. Heute vormittag waren aus dem Gebirge 4 Grad Kalt:. in den mittleren Lagen null Grad. „Mutter hat einen Arzt, dann ist dach irgend etwas Schlimmes..." „Sie hat mit dem Herzen zu tun, seien Sie recht ruhig, wenn Sie mit ihr sprechen." Frau Loriot richtete sich hastig auf, als Germaine ein- trat.„Es ist gut, daß du kommst, Kind, ich muh mit dir sprechen", sagte sie flüsternd. Germaine verbarg mühsam ihr Erschrecken. Sie setzte sich an das Bett und nahm die Hand der Mutter. 'Aber Fron Loriot war von einer fremdartigen Unruhe und Ungeduld. „Eermaine", sagte sie,„letzte Woche mar dieses Mädchen hier. Sic wollte ZLoltcr sprechen, sie drohte mir, nicht von hier wegzugchen, bis sie ihn gesproäien halte— ich wollte nicht, ober Walter kam gerade dazu. Sic hatten einen furcht- baren Auftritt hier nebenan. Sie drohte, ihn anzuzeigen, und er drohte ihr auch, ich weih nicht, mit was. Ich bin hineingegangen, ich konnte dos nicht mehr mit anhören. Ich habe dann später mit ihr allein gesprochen. Sic war erst frech und unverschämt, aber dann schien sie alles einzusehen lind weinte nur noch immerzu. Ich habe ihr dann Geld ge- geben, damit sie zurückfahren konnte. 2lber am nächsten Morgen stand sie hier drüben und wollte Walter scheinbar auflauern. Und am Nachmittag war sie wieder da. Ich wußte mir keinen Ausweg mehr, als Walter zu bitten, noch lDarmftodt zu fahren und"dort zu- bleiben, bis ich ihm Nach- richt gäbe. Er kann ja dort an der Technischen Hochschule arbeiten. Während ich mit ihr sprach, ging Walter zum Bahnhos. Sie stand dann noch zwei Tage" lang hier gegen- über oder an der Ecke, bis ich ihr noch einmal Geld gab. Das war letzten Freitag. Seitdem scheint sie abgereist zu sein." „Und ich muhte gerade nicht hier sein, das hat dich auch sa furchtbar mitgenommen", sagte Gcrmoine,„aber rege dich jetzt nicht wehr auf.. Doch die Kranke schüttelte heftig den Kops.„Ich hatte Puch schon vorher damit zu tun", sie preßte die Hand fllif das „ich vuMicii|u>uii. iimu es Ist noch etwas. Germame. Als Walter fori war, habe ich in seinem Zimmer Ampullen gefunden, Arzneischachteln, abgebrochene Nadeln— Gcrmaine, Walter ist nicht frei davon, verlasse dich darauf, da ist noch irgend etwas, wenn vielleicht auch nicht viel! Und das ängstigt nilch noch mehr, als das andere. Germaine, fahre du morgen früh gleich nach Darmstadt und hole ihn zurück. Und vor allem, sprich mit ihm, hörst du. sage es ihm auf d-ur Kopf zu und beschwöre ihn, damit aufzuhören. Gernuine, tu alles, mos du kannst, denn er geht sonst zugrunde..." Sie rang nach Luft. „Mama, um Gotteswillcn" 2lber sie ließ sich nicht beruhigen. Ungeduldig wehrte sie die Tochter ab.„Wir müssen Waller retten, du mußt ihn retten, Germaine, hörst du! Du hast Einfluß auf ihn! Lasse ihn nicht mehr aus den Augen! Versprich es mir.. „Ich verspreche es dir— aber. Mama, Walter ist gesund, er ist als geheilt entlassen worden— Du siehst zu schwarz, sorge dich doch nicht..." Aber Frau Loriot hörte nicht mehr. Sie rang mit dem Ersticken. „Frau Rechnungsrat! Schnell!" Gernmine stürzte zur Tür. Die alte Dame flößte ihr einige Tropfen ein. Dann legte sie die Kissen hoch und ließ die Freundin sanft in halb sitzender Stellung hineinsinken. „Ganz ruhig sein, Johanna! Germaine ist ja nun hier, und Walter wird morgen mich hier sein..." Aber Frau Loriot halte die Augen geschlossen und ant- wartete nicht. „Wollen Sic nicht rasch einmal selbst zum Herrn Medi- zinolrat laufen. Germaine!" sagte sie draußen,„die Anfälle werden ja immer häufiger. Ich wundere mich, daß er nicht gekommen ist bis jetzt. Armes Kind, Sie sitzen selbst Tag und Nacht auf der Bahn aber man muß jetzt alles tun, Ivos nur möglich ist. Und nur den Mut nicht verlieren!" Germame hatc schon den Mantel angezogen. Sie rannte die Parkstraße abwärts und bog dann in eine breite Reben- jtraß� ein. Sie traf den alten Herrn auf der Treppe.„Ich hatte einen schweren Fall", sagte er.„komme eben erst nach Hause. Aber ich werde gleich mit Ihnen zurückgehen, hoffentlich kann ich Linderung schassen." „Sie sagen Linderung, Herr Medizinalrat, nicht Besse- rung oder Genesung.. entsetzt sah sie ihn an. „Selbstverständlich können wir auch Besserung sogen— das kann sich alles wieder geben. Vollkommene Genesung allerdings gibt es bei einem solchen Leiden in diesem Zlltcr nicht mehr. Das ist ja nicht von Herne oder gestern. Aber es wird schon wieder besser werden mit Ihrer Frau Mutter..." Die Rechuungsrätin stand schon wartend an der Tür. „Ich habe ihr eben die letzten Tropfe� gegeben", sagte sie. Das ist der sechste Anfall in dieser Stunde." Sic preßte dm- Taschentuch an die Angen. Der Medizinalrat kam wenige Augenblicke, nachdem er das Krankenzimmer betreten halte, wieder heraus und schrieb hastig ein Rezept. �.Laufen Sie sofort zur Apotheke. Sagen Sie, daß es rasch gemacht wird und bringen Sie es nur. Ich warte hier, bis Sie kommen." find kaum hatte Germaine das Hans verlassen, da wandte er sich der alten Dame zu.„Ich würde Ihnen raten, sofort an Walter zu telegraphieren. Ich kann nicht garantieren, ob sie die Nacht überleben wird." Walter saß zeichnend übcr seinem Reißbrett, als dos Telegramm eintraf. Er hatte sich ein großes Ziel gestellt— er wollte das Semester, das er durch den Aufenthalt in der Klinik verloren hatte, durch doppelte Arbeit wieder einholen. Denn Arbeit war jetzt das einzige, das ihn übcr olle Selbst- vorwürfe, über Depressionen und Verzweiflung hinweghalf. „Mutter erkrankt. Sofort kommen." Er stürzte zunt Bahnhof und erreichte auch noch den Nachtzug. Aber als er daheim eintraf, war es schon zu spät. Kurz nach Mitternacht war Frau Loriot still und schmerzlos eingeschlafen. 35. Eine Woche war seitdem vergangen. Frau Loriot schlief den ewigen Schlaf an der Seite ihres Mannes, wie sie es in ihrem Testament gewünscht hatte. Statt ihrer war ihre alte Freundin in dos kleine Londstaus eingezogen und be mühte sich, den Hausholt in Gang zu holten und den beiden Geschwistern üder die schwere Zeit hinwegzuhelfen. Walter wollte morgen früh wieder wegfahre», um sein Studium weiterzuführen. Er packte bereits olles zusammen, was er an Büchern im nächsten Semester brauchen konnte. Arbeiten, nur arbeiten! Nur nicht denken, nicht zurück sehen, nur vonnärts. vorwärts! Etwas Gehetztes, Ver- zwcifeltes lag ihm im Blut, sprach aus jeder seiner Vc- wegungen. Es klopfte leise, dann trat Germaine ein. Sie iah bleich und müde aus. Schweigend setzte sie sich an den Tisch des Bruders.(Fortsetzung folgt.) Das Brot als Gilvesteralk. Abseits von? Heere der Arbeitslosen, Kurzarbeiter und Ge- liindigten wirb sich die laute und(wenn auch nur krampshast) ver- gnügtc Welt jener austun, die„feiern" müssen. Dies Feiern geht natürlich in den seit altersher als„äußerst stimmungs- und humorvoll" beliebten Farnten vor sich. Man hantiert dabei, sich zum eigenen Spaß und den anderen zum Aerger, die doch hereingelegr merden sollen, mit all jenen Artikelchen, die ingeniöse Kopse als sogenannte Siloesterscherze auf den ein- träglichen Markt einer sich silvesterlich vergnügenden und an- ulkenden Welt geivorfen baden. Allerlei zählt zu diesen mehr oder minder geistvollen Scherzen. Brot zum Beispiel auch— und Brötchen. Brotlaibe gibt es da und Schrippen, die sind einfach nur zum Spaß da, so als Siloesterulk... Himderttauscnde von Muttern wissen an monchett Tagen tatsächlich nicht, woher?im Gatteswillen sie für die hungrigen Mäuler ihrer Kinder den letzten fehlenden Sechser für«in halbes Brat oder die Tüte Schrippen auftretben sollen— und da gibt es sogar „lebende Brätchen, aus echtem Teig, init eingebautem Uhrwerk. Große Schrerkwirkung durch Toben bei jeder Berührung. Ein ganz gelungener Scherz."—— Bitte sehr, ein ganz gelungener Scherz: Das tägliche Brot, für Millionen so rar heute wie nur irgerid- was, hier in den vergnügten Bezirken einer siloesterlich animierten West dreht man es sich nach, dem Souper in alkoholisierter Runde, reichlich gesättigt von Karpfen blau, Rehrücken und Silvesterbombe. nur aus Illk an, so ohne Rahningssorgcn wie man ist. In solcher Stimmung findet rnan dann sicherlich auch den Pfannkuchen, der piept, das Splsttergcbäck aus Gummi und Keks und Käse aus Seife als ebenso gelungene Scherze. Auch die berühnrten Nlkkonsitüren, die Waffeln aus Gummi, die Schokolade mit Psesferiüllung und Pralinen mit Holzeinlage werden die vom lebenden Brölchen begeisterten Gemüter bestimmt ebenfalls als fehr sinnvolle Requisiten des Siloefternimmels zu schätzen wissen,— um so mehr vielleicht, da ungezählte Bolksgenosien seit Jahren schon den Begriff Konfitüren nur noch dem Namen nach kennen. Was sind dagegen die springenden Kasseelösfel, die knallenden Streichholzschachteln, die Blitzwatte und das Riesenportemonnaie inst Schlagseder,— was sind dagegen die Schnorchzigarren und Feuerwerk-Zigaretten, die blutigen Pappnasen und Porzellangebisse, die schreienden Bierteller und der schwimmende Zucker, Knicklösfel, Bierschwaben und singende Würfelbecher? Nichts,— doch wirklich nur harmlose Scherzchen... ohne jenen fatalen Beigeschmack, wie ihn das Ulkbrot in dieser unserer Notzeit, in der Millionen buchstäblich nichts zu beißen und zu brechen haben, in n»r einigermaßen nachdenklichen Menschen erwecken muß. Die Auf bauschule ruft! Befähigte Proletarierkinder ans Werk— Was es zu lernen gibt Menschen werden verbittert... „Wir sind schon reichlich lästige Kranke geworden, mit unserem jahrelangen Siechtum und der daraus resultierenden Rente", meint der Kriegsbeschädigte B.. der vom glorreichen Dienst fürs Vaterland eine»ollständig gelähmte Gesichtshälfte, ein schweres Ohren- und ein noch schwereres Nervenleiden nach Hause brachte. Trotzdem er in ständiger Behandlung voi? drei Fachärzten steht und seine Be- schädigung auf&0 Proz. festgesetzt wurde, muß er ständig zur Nach- Untersuchung: die letzte war im August, in diesen Tagen wurde eine neuerliche Untersuchung vorgenommen. Der Zweck dieser neuerlichen ärztlichen Feststellungen soll jt u?ngehend an den Rektor der bisherigen oder der neuen Schule zu richten. bedeuten, um so mehr, wenn dieser zynischen Redensart eine mehr als oberflächliche Untersuchung folgt. All diese bedauernswerten Menschen, die ihre Haut zu Markte trugen und dadurch für ihr ganzes Leben körperlich u??d seelisch schweren Schaden erlitten, haben wohl«in Recht darauf, mit mehr Menschlichkeit und nicht als lästige Almosenempfänger behandelt zu werde??. Raubübersall in Köpenick. Eechzigjährige Rentnerin zu Boden geschlagen. Ein gemeiner Uebersall wurde gestern abend auf die 60 Zayre alle Vitwe Auguste S ch ü ß l e r aus der Deulslraße in Oberschoneweide verübt. 3n den Anlogen in unlnilielbarcr Röhe des Loh??- h-ofe Köpenick sielen drei junge Burschen über die alle Frau her, schlugen aus sie ein und stießen sie über dos Rajeugitler. so daß sie ZU Fall kam. Viesen Augenblick-benutzlcu die Wegelagerer, um der Frau die yondlajche zu entreißen, in der sich die Rente In höhe von 53 TN. befand. Mit der Leute flüchteten die Täter aus einem Motorrad.— Zn die Rollefitlale in der Zülicher Str. 24 im Rorden Berlins drangen gestern abend zwei Männer im Aller von 25 bis 30 Jahren ein und erzwangen vom Fllialleiter mil vorgehaltenen Pistolen die Herausgabe der Ladenkasie. 40 Mark sielen den Räubern in die Hönde. Beiden gelang es, trotz der sofort aufge- nommenen Verfolgung zu entkommen. Das Weihnachtsgeschäft Billige Bedarfsartikel gut umgesetzt Für Spielwaren kein Geld Dem Weihnachtsmann hat in diesem Jahre weder der Käufer noch der Lerkäufrr v?el Vertrauen entgegengebracht. Gebrauchs- artikel wie Textilien Ul?d Schuhe waren in diesem Jahre die Hauptgeschenkartikel, denn der Weihnachts?nann, der selbst immer so warm angezogen ist. hat diesmal seine große:? und kleinen Kinder in eirster Lmie mit Kleidung versorgt. Das sagen, heißt gleichzeitig ouesprechcn, daß das diesjährige Weihnochtsgeschäjt in der Haupt- fache ein Nachholen der sonst meist viel früher getätigten B t- �darsskäufe war. Unter diesen? Gesichtspuntl ist es verständlich, daß die meisten Firmen der Beklcidungsbranche das abgelausene Weihnachtsgeschäft als z u j r i e d e n st e l l e n d bezeichneten. Natürlich waren die Umsätze zahlei??näßig nicht demjenigen des Vorjahres angepaßt, aber es wurden doch Kleider, Anzüge, Mäntel und dergleichen gut gekauft. Dabei bevorzugte man vorwiegend billigere Sachen, da es nur noch wenige Käufer gibt, die von? Gehaltsobbau nicht betrofjei? find u:?d vollwertige Kleidungsstücke tauten können. Dabei sind in vielen dieser Artikel bereile die Friedenspreise erreicht. In den angeschlossenen Branchen. Handschuhe, Strümpfe, Taschen- tücher und Wäsche, wurde ebenfalls gut gekauft, doch wurde hier meist nur der nackte Bedarf gedeckt. Auch die Frauei? haben sich dem kleineren Geldbeutel in ihren Wünschen anpoisc:? müssen. So haben bekannte Spezialgeschäste, die besonders Daine!?sochen führen, nur in billigen Waren ein quantitativ gutes Geschäft gemacht, während in Luxusartikeln der Umsatz recht gering war. Den Vogel hat wieder die Schuh- brauche abgeschossen. Mengen!näßig war hier der Absatz sogar leilweiie größer als im Vorjahre, während er wertmäßig natürlich z??rückbliel>. Selbst i?? den Arbcitergegendcn war hier das Geschäft stellenweise recht gui. Die Warenhäuser hatten wie im???er ei?nm recht guten Besuch, dagegen sind die Losungen bedeutend geringer als im Bor- johr« ausgefallen, und es wurden fast nur Gegenstand« in billigeren Preislagen gekauft. Man hatte viele Artikel erheblich berimtergesetzt, uln dein Käufer Anreiz zu geben, trotzdem wurden viele Sachqn, die nur der Lcrschönerilng des Lebens dienen, kaum gefragt. Daß in der Geschenkartikelbranche bei manchen Firmen recht gute Umsätze erzielt wurden, spricht dafür, daß diele Firmen es verstanden haben, sich beizeiten aus die augenblicklicheu Perhält- nisse einzustellen. Diele Häuser profitierten zum Teil auch davon, daß sich heut« so viele kleine, dabei aber doch praktische Geschenk» artikel am Markte befinden, die i?och für den großen Durchschnitt der Käufer erschwinglich sind und daher gekaust werden. Bei den T a b a k w a r« n blieb das Geschäft ebenfalls hinter früheren Jahren zurück. Billige Preislagen und kleine Packungen in einfacher Ausführung wurden verlangt. Die bekannten Jndianer-Zigarrcn, deren Konkurrenz für die übrige Branche wohl so ziemlich verpussl zu sein scheint, haben dach das Preisniveau beeinflußt, und das hat das Geschäft nun wieder angeregt. Süßwaren in jeder For?» haben al?ch über einen recht erheblichen Umsatzrückgang zu klagen, trotzdem hier die Preise im Lause des Jahres ebenfalls gesenkt worden sind. Da das Zjaupt- gejchäsl hierin sich in der! allerietztel? Tagen abzuspielen pflegt, und jeder Käufer mengenmäßig geringfügig einkaufte, ist es verständlich, daß der ausgewandre Apparat in kcinern rechten Verhältnis zu den? erzielten Nutzen stand. Die größte Einbuße am Wert des Umsatzes haben wohl Spielwaren zu verzeichnen gehabt, noch übereinstimmenden Acuherungen der Geschäftsinhaber etwa 40 Proz. Ein bevorzugter Artikel war der E ch i ei? e n z e p p, der mit Uhrwerk schein zu eine??? bescheidenen Preise, aber auch nrit e l e k t r i s ch e?n Antrieb zu haben war. Technisches und elektrisches Spielzeug stand über- Haupt im Vordergrund, sorveit es eine gcwisie Preisgrenze nicht überschritt. Das Puppengeschäft war merklich kleiner, und de?? Käufen nach scheint die Mädchenwelt heute mehr auf Sport(Roller und dergleichen) eingestellt zu sei.? als ouf Puppen. Das Weihnachtsgeschäft o?n Büchermarkt war nicht so gut wie soirst, Bücher, sind Markenartikel?l??d fallen daher uirter die Notnerardnung. Währei?d sonst inriner bis zum Wcihnodstsfestc die Umsätze gestiegen sind. Hot diesmal das Publikum Zurückhaltung geiibt und wartet offeirbar auf die am l. Januar geplante Preis- e r m ä ß i g u n g. Es wurden in der Hauptsachs billige Bücher, vor allem auch in Jugendschristen gekauft. Bei Rodtoartikeln hat sich gegenüber dem Vorjyhr« ein inertmäßiger Ilmsatzrückgang von etwa 30 Proz. gezeigt. Da hier- mit gerechnet wurde, ist der einschlägige Handel mit dem Weihuachts- gekchäft nicht unzufrieden gewesen. Funki??dustrie und Funkhqndel hatten bekanntlich, ohne dazu durch die letzte?Iotl'crord>?u»g ver- pflichtet zu sein, die Verkaufspreise um 10 Proz. gesenkt, doch soll sich a?ich diese- Preisherabsetzung für den Absatz nicht sonderlich aus- gewirkt haben. Lugendtragödie. .Hintergründe der Verzweiflungstat in Oahtem. I?? den frühen Morgensturrden hatte sich gestern, ime berichtet. eine Liebestragödie in Dahlem abgeipielt. Der 20 Jahr« alte Kurt L. aus Friedenau hatte auf seine Braut im Erlbusch in Dahlem einen Schuß abgegeben und sich da>?n der Polizei gestellt. Wie sich jetzt herausstellt, hat der junge Ma?m die Tot aus Liebeskum- in e r begangen. L. hatte sich längere Zeit mit den? Modellen, eiirer 17 Jahre alten Hausangestellten Gertrud S., ein Verhältnis, gegen das sein Vater Einwendungen erhob. Der jung« Mann war seit längerer Zeit ohne Arbeit. Das Mädchen, das bis Noven?bcr tätig war, verlor ebenfalls ftine Erellui?g. Der Paler machte seinem Sohn- Vorwürfe und verbot ihm jeke Zlifammenkunft?mt den? Mädchen. Daraufhin äußerte«r, daß er sich täten würde. Er ging in die Wohnung des Mädchens, holt« es von dort ab und suchte mir ihm etw!-KandKorci- ll? Stegliiz-«uk.--"Hsi-r'fchrirtf er �einige Brief«. Als Tr drtrtTf'citiei? MoildtM. htnoiisging. lab /das Mädchen die Bihete durch. Es waren A b s ch i e d s b r i e f e, in denen der jlinge Mann seinen Selbstmord mitteilte. Die beiden jungen Leute gingen i?och einmal in die Wohnung des Mädchens, wo dieses gieichjalls Abschiedsbriese schrieb.'Aus diesen geht hervor, daß das Mädchen mit der Absicht ihres Freundes einverstanden war. Gegen würge?? fuhren sie dann nach Dahlem hinaus, wo der juirge Mann auf seine Braut den Schuß abgab. Er glaubte, sie getötet zu Hobe?,. Es fehlte ihm aber der Mut, um sich dann selbst ru erschießen. Er stellte sich der Polizei. Das Mädchen lvar nicht lcbensgeiähriich verletzt und würbe sofort ins Krankenlzaus gebracht, 2�-pfund-Rroi 45 Pfennig. Verbilligtes Bäckerbrot erst ab 2. Januar 1932. Der Zwcckverband der Bäckermeister Groß-Berlins, der rund 4000 Klein- und Mittelbetriebe des Bäckerhandwerks u?»- faßt, die einen wesentlichen Teil des Berliner Brotdedarfs herstelle??, beschäftigte sich am Dienstagnachmittag, wie bereits angekündigt.??? einer Sitzung im Germaniahaus mit der Frage, wann die dein Preiskommissar zugesagte Br.itnerbill?gui?g in Kraft treten soll. Man beschlaß, den Berliner Brotpreis n? den Lodenbäckereien ab 2 Januar 1932 van 50 auf 4 5 P f« n n i g für das 1250-Gramni- Prot herabzusetzen. Eine frühere Brots'reisverbilligung?mirSe wegen der erst ab 1. Januar 1932 sich auswirkenden Erleichterungen aus der vierten Notverordliung nicht für möglich erachtet. Viefköpfige Familie im Schlafe verbranni. Amsterdam. 29. Dezember. In T i l b u r g ist in der verflossenen Nacht das Cafe R o e l e n dlirch einen Brand größtenteils zerstört worden. Der Eigelitümer Roelen sowie seine Frau und die beiden Kinder kamen in den F l a m?n e n um. Ein Dienstmädche?? wurde mit schweren Brand- wunden in haffnungslosem Zustande im Krankenhaus oufgeilommen. Die Flammen hatten so schnell?i?n sich gegrisse??, daß es der Feuer- mehr �unmöglich gewesen war, de.? im Schlafe von dem Brande überraschten Einwohnern Hilfe zu bringen. Lügenmeldung über das Reichsbanner. Ein rechtsstehe??des Berliner Organ, zu dessen.Hauptaufgaben die Verleumdung des Reichsbanners Schworz-Rot-Gald gehört, brachte in einer seiner letzten Auszaber- eine Meldung, mmrach vier Junystohihelmer der Ortsgruppe Oberichimeiveid« no?? zwanz-g Reichsdannerlestten übersallen worden sein sollten. Ein-Stahlhelm- mann jpll schwerverletzt ins Krankenheuie e.ingeliefsrt worden seü?.— Wie untere Nachforschungen ergeben habe??, ist diese Meldung frei erfunden. Weder ist der Polizei von cir»em Zusammenstoß?n Oderschoncweide etwas bekannt geworden, noch ist bei den Krön» kenhäwMri? ein schwerverletzter Jungstohlhelmmann eingeliefert morde.??.— Es handelt sich hier also um«inen neuen Versuch des Blältche??s— es ist dies die„Deutsche Zeitung"—, die Schutzlrupp« der Republik zu diffamieren. Unschön wirken rote« Gesicht und rot« Hände.(An vrodate» Rttlrli Creme lleodor. Versuche« de« mit einer Tvbe zu 60 Pj. Nr. 608• 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 30. Dezember 4934 Das Lahr der Katastrophen. Weltmißirauen gegen Oeuischland.— Rückblick und Ausblick/ Von Fritz Naphtaü. ii. Im dritten Jahr der Wirtschaftskrise begann die Krise der Reparationszahlungen. Sie begann mit der Unmöglich- teit der Aufbringung der erforderlichen Summen durch Steuern. Aus der Ausbringungskrise wurde erst die Unmöglichkeit der Zahlungen in fremder Wahrung, die T r a n s f e r k r i s e, als von den kurzfristigen Gläubigern des Auslandes der Nu» auf die deutschen Schuldner, im besonderen auf die deutschen Äanken einfetzte. Die erste Quelle dieses Runs war politische B e u n r u h i g u n g. Die erste Etappe der Abzüge von Auslands- kapital, denen sich deutsches Fluchtkapital in der Bewegung an- schloß, wurde eingeleitet mit den Wahlen vom 14. September. Der Erfolg der nationalistischen Schreier, die Ungewiß- heit, ob sich ihren Machtgelüsten gegenüber ein kräftiger Wider- stand auf parlamentarischem und außerparlamentarischem Gebiete zeigen würde, zog im dritten Vierteljahr 1930 bereits mehr als eine Milliarde ausländischer Slredite aus Deutschland. Dann trat eine gewisse Beruhigung ein. Sie wurde aber wiederum gestört durch politische und wirtschaftliche Vorgänge. Politisch waren es die Debatten um die dcutsch-östcrreichische Zollunion, die in der Welt als eine Konzession der deutschen Außenpolitik an die Nationalsozialisten betrachtet wurden, und neues Mißtrauen schürten. Wirtschaftlich waren es die Schwierigkeiten einiger beut- scher Großkonzerne, im besonderen des N o r d w o l l c- Konzerns, bei denen sich zeigte, wie gewissenlose Unternehmer unter den Augen der an ihren Verwaltungen beteiligten Großbankdirektoren eine über das Maß der kapitalistisch üblichen Fehlleitungen weit hinausgehende verbrecherische und eigennützige Miß- Wirtschaft mit gepumptem Gelde getrieben hatten. Die Mhkrauenswelle brachte ZMlliardensummcn kurzfristiger Kredite in Bewegung. Der Run aus die deutschen Banken brach aus, er wurde ver- ichlimmert durch die innerpolitischen Spannungen, die sich im Juni aus der fozialreaktionären Notverordnung ergaben. Er konnte nicht mehr aufgehalten werden durch den Rettungsver- such des choooer-Feicrjahres der Reparationen, auf Grund dessen Deutschland zunächst für Jahresfrist von seinen Reparationszahlungen befreit wurde. Dem Run der ausländischen Gläubiger mußte die Zahlungs- einstellung gegenüber dem Ausland folgen. Bei einer stärkeren Führung der inneren Kreditwirtschaft durch die Rcichsbank hätte vielleicht das lieberspringen von dem Auslandsrun auf den R u n der inländischen Gläubiger vermieden werden könne». Aber gleillzviel, wie hier die Schuldfragc zu beantworten sein mag, wir erlebten auch den inländischen Run auf Banken und Spar- lassen, der nur allmählich überwunden wurde. Wir erlebten, daß allein die Bilanzsumme bei den Kreditbanken um rund drei Milliarden zurückging. Dazu kamen Schrumpfungen bei den Sparkassen und öffentlichen Banken und auch das Einspringen der Reich sbank mit außergewöhn- lichen Kreditgewährungen, bei denen sowohl die Starrheit der Deckungsgrenze, als auch die Bedingungen der Wechselgualität apf- gelackert wurden, konnten nur einen Teil der eingeschrunipften Kredite— etwa V/i. Milliarden— durch erweiterte Wechseldiskontierungen bei der Reichsbank ersetzen, wenn man nicht durch Gefährdung der Währung auf Grund der in Deutschland herrschen- den Jnslationssurcht neue und noch schärfere Fluchtcrschcinungen hervorrufen wollte. * Die unmittelbare Wirkung des Kreditkrachs war. daß zur Rettung desien, was nach gerettet' werden konnte, vor allen Dingen der Staat eingreifen mußte. Die Bankenkrise konnte nur halbwegs überwunden werden durch Garantieübernahme und Kapitalhilfcn des Reiches für die Danotbank und für die Dresdner Bank und in bescheideneren Formen für viele andere privaten und öffentlichen Jnstitiüe. Der Staat mußte Helsen, er mußte den Verkehr aufrecht erhalten im Innern, und er mußte die Regelung des Zahlungsverkehrs nnt dem Ausland, die Devisen- Wirtschaft, unter seine Kontrolle stellen. Die Störung des Zahlungs- und Krcditverkehrs tn Deutschland, mit den Zahlungseinstellungen in einigen südamerikanischen Ländern aus Grund der schweren Krise ihrer Rohstofsmarkte gleichzeitig eingetreten waren, pflanzte sich fort. Dem Run auf Deukschland folgte der Run der kurz- fristigcn Gläubiger auf England. Rund vier Milliarden Mark wurden in knapp zwei Monaten aus England abgezogen. Die politische Krise der Regierung der Labour- Party, die in dem Streit um die Senkung der Zh-hätslosenunter- jtützung gipfelte, trug auch hier zur Verschärfung des Mißtrauens bei und schließlich war am 20. September die stärkste Feste des kapitalistischen Vertrauens, die Bank von England, er- schüttert und gezwungen, die Goldeinlösung ihrer Noten etnzu- stellen. Seitdem schwankt die englische Währung. Die anderen Länder des britischen Imperiums lösten sich mit Ausnahme von Südafrika auch vom Golde los. Das gleiche taten die skondinavisckien Länder und später Japan. Die südostenropäischen Länder gingen u> scharse» Farmen der Devisen zwanqswirtschast über. All diese Erscheinungen bedeuten neue che m m u u g c n für die Welt- b a n d c l, bedeuten vor ollen Dingen auch neue Erschwerungen der deutschen Wirts chastsloge� für d-e im letzten Jahre die relativ starke Behauptung der Aussuhrmöglichkeiten bei einem stark eingeschrumpften Inlandsmarkt der einzige Lichtblick gewesen ist. Der krach vom liahre 1931 ist die dramatische Zuspitzung der krisentragödie. unter der die breiten Massen des Volkes in Deutschland und in der ganzen kapitalistischen Ivel» leiden. Nenn wir uns den Charakter»nd den Verlaus des Krachs des Kreditsystems an dieser Jahreswende noch einmal vor Augen sühren, s" geschieht das weniger aus der Freude am historischen Rückblick, als um der Klärung der Erkenntnis der Frage willen: Was kann geschehen, um den Weg aus dem Elend in Deutschland und in der Welt zu bahnen? Gerade aus der Rückschau auf den Ablauf dieses Jahres ergibt sich, daß die erste Voraussetzung für die Besserung der akanamischc» Verhältnisse die Wiederherstellung der Vertrauens- grundlagcn des internationalen Äreditverkehrs ist. Diese Ausgabe kann nur die international« Politik läsen. Gegenwärtig schweben die Verhandlungen aus der einen Seit« pw die Abwicklung bzw. Konsolidierung der schweben- den Schulden Deutschlands gegenüber dem Ausiandc und die Verhandlungen über die künftige Regelung der Repa- r a t i o n c n und der damit eng verquickten interalliierten Schulden auf der anderen Seite. Weiin wir uns bewußt sind, daß die ökonomische Krise, die sozialen Notstände und die Schwierig- leiten der öffentlichen Finanzen in Deutschland besonders scharf zu- gespitzt sind, daß sie aber keineswegs auf Deutschland beschränkt sind, sondern mehr oder minder olle Länder der kapitalistischen Welt bctrcssen, so werden wir die Schwierigkeiten nicht verkennen, die auf diesem Gebiete Lösungen entgegenstehen, wie sie, vom deutschen Gesichtspunkt allein betrachtet, unbedingt wünschenswert wären. Das bedeutet, daß es die große Aufgabe dieser schwebenden Ver- bandlungen ist, trotz des Widerstreits der Interessen den Weg der Vc r st ä n d i g u n g zu finden, der eine Wiederherstellung besserer weltwirtschaftlicher Beziehungen ermöglicht. Das Baseler Gutachten, das bei aller Vorsicht die ungeheure Wandlung der wirt- schaftlichcn Grundlagen seit Abschluß des'Zoung-Plans in de» Vordergrund stellt, kann den Politikern der Welt zur Richtlinie für die Erfüllung ihrer Pflichten dienen. Auf dos Ziel der vernünftigen Verständigung muß die deutsche Außenpolitik eingestellt bleiben, und an ihm darf sie nicht durch nationalistisches Geschrei und Kriegsphroscn irre werden. Der Weg der ökonomischen Ge- sundung führt, das ist für die Arbeiterklasse eine alte Erkenntnis, nur über die Zusammenarbeit und nicht über die Ver- h-lzung d?? Völker. Stehen so die Fragen der internationalen Bereinigung der Wirtschaftsschwierigkeiten augenblicklich im Vordergrund, so ist es doch nicht minder wichtig, daß auch im Innern, im nationalen Rahmen, die Folgerungen aus den Gesamterscheinungen der Krise und aus dem Krach un Jahre 1931 im besonderen gezogen werden. Es wurde oben darauf hingemiesen, daß der Staat an allen Ecken und Enden helfend eingreifen mußte, wo die Privat- Wirtschaft versagte. Aus dem Eingreifen in der. Notzeit muß ein Durchgreifen des Staates in der wirtschaftlichen Führung werden. Die letzte Notverordnung der Reichsrcgicruiig hat tief in die privaten Rechtsbeziehungen der Wirtschaft cingegrissen. Sie hat es in einer Richtung getan, die wir nicht billige», weil wir glauben, daß sie eher geeignet sein wird, die Schrumpfung der Wirtschaft weiter zu verschärfen als den Weg zum Ausbau zu weisen. Aber das Prinzip, das der Staat über allen Rechten der Privatwirtschaft steht, ist auch mit diesen falschen Eingriffen anerkannt, und unser Kamps wird mehr noch als bisher daraus gerichtet sein müssen, die systematische Führung der Wirtschaft durch den Staat der sührungslofen kapitalistischen Mißwirtschaft entgegen- zustellen. Deshalb werden wir darum kämpfen, gerade im Zlnschluß an die Masse der unfreiwilligen Subventionen, das Gebiet der ö f f e n t- lichen W i r t s ch a s t gegenüber der privaten Wirtschast aus- zudchnen. Wir werden darum kämpfen, an die Stelle schcmatischer Eingrisfe in die Preisgestaltung die wirksame und dauernde Kon- trolle der privaten Monopole und Kartelle durch den Staat unter Mitwirkung der Organisationen der Arbeiter, der Angestellters und Konsumenten zu setzen. Wir werden darum kämpfen das erschütterte Kreditsystem nicht nur durch eine wirk- sam ausgebaute Bankentontrolle wieder funktionsmäßig zu machen, sondern darüber hinaus, diese Bankenkontrolle zum Ansatz- punkt zu machen für eine planmäßige Lenkung des K a p i t a l st r o m s nach gesamtwirtschaftlichen Gesichtspunkten, die an die Stelle der privatwirtschaftlichen Fchllcitung zu treten hat. Wir werden darum kämpfen, daß durch Stärkung der Masscnkaufkraft und durch Arbeitsbeschaffung mit Kapitalien, die in der ösfentlichen Hand zu bilden sind, die Arbeits- lofigkeit abgebaut wird. Hier ist das einzige Gebiet, auf dem die I Parole des Abbaus noch sinnvoll ist. All diese Forderungen, die den Weg aus der Not der Gegen- wart bahnen sollen, sind aber gleichzeitig Bestandteile des großen Kampfes um die Ucberwindung eines Wirtschafts- s y st c m s, dessen Bankrott nie deutlicher geworden ist als in dem Krach von I93l, durch den Aufbau einer sozialistischen, von der Herrschaft des Privateigentums an den Produktionsmitteln befreiten klassenlosen und planmäßig geführten Wirtschaft. Eine Erklärung der Arbeiierbank. Sie hatte mit den Sttareks nie etwas zu tun. In den letzten Berichten über den Sklarek-Prozeß war auch von einer Aussage des ehemaligen Stadtbankdircktors Hoffmann die Rede, der ehemalige preußische Ministerpräsident Hirsch habe sich darum bemüht, die Firma Sklarck als Kunden für die Arbeiter- dank zu gewinnen. Dazu erklärt die Bank der Arbeiter. Ange- stellten und Beamten. A.-G., daß ihr von derartigen Bemühungen des ehemaligen Ministerpräsidenten Hirsch niemals etwas bekannt geworden fei. Niemals habe die Firma Stlarek oder einer der Firmeninhaber bei der Arbeiterbank ein 51onto gehabt. Niemals habe sich auch ein Beauftragter der Arbeiierbank darum bemüht, die Firma oder die Gebrüder Sklarek zu Kunden der Arbeiterbant zu machen. Llm das Erbe der Nordwolle. Schiebungen um Delmenhorst?— Vorwürfe gegen den Gläubigerausschuß. Nach dem Beschluß der Gläubigerversammlung sollen von den Betrieben des ehemaligen Nordwolle-Konzerns nur drbi Werke er- halten bleiben und die anderen, darunter auch die technisch sehr hochstehende Kammgarnspinnerei in Delmenhorst bei Bremen stillgelegt werden. Gegen diese Stillegung protestierte eine am Dienstag cinbe- rufene Versammlung, die sich aus sämtlichen Benifsstonden und Organisationen Delmenhorsts zusammensetzte. In einer Entschlie- ßtinz dieser Versammlung wurden sehr schwerwiegende Vorwürfe gegen den Gläubigerausschuß erhoben, die dahingehen, daß dieser aus nicht einwandfreie und nicht n n d c e i n s l u h t e Gutachten gestützt, im Gegensatz zu den bisherigen Versicherun- gen des Konkursverwalters die Stillegung von Delmenhorst be- trieben hätte. Besonders scharse Aorwärse wurden gegen b e- stimmte Jnteressentcngr Uppen im Gläubigerausschnß in dieser Richtung erheben. Es ist zu erwarten, daß der Konkurs- Verwalter zu diesen Vorwürfen sich nach äußert. Die Versammlung in Delmenhorst bejchiotz. das Werk durch eine S e l b st h i l f c a k t i o n zu erholten. So sollen alle Kreise in Stadt und Land zur Zeichnung von Anteilen ausgesorderi werden, um auf diese Weis- ein Kapital zusammenzubringen, das die Inbetriebnahme der Kammgarnspinnerei ermöglicht. Miiteilung über Preissenkungen. Wie berichtet wird, hoben die S a m t b v n d gesellschaft, der Verband Deutscher W a n d p l a t t c n sabrikanten, die Verkaufsstelle sür gezogenes D i ck g l a s, der Feuerton- Bund, die Ver- kaufsstelle Mitteldeutscher G i p S werke sowie der Westdciitsche und Süddeutsche Z e m e n t verband die gesetzlich vorgeschriebene zehn- prozcntigc Senkung der Kartellpreise diirchgcsührt. Der Verband Deutscher n o> e n m Händler teilt mit, daß die Deutschen Linoleiiinwerke A.-.G.»nd die Rheinisch« Linolcnnuverke Bed- bürg A.-G. ab 28. Dezember die Fabrikntprcilc im II bis 13 Pro;. gesenkl haben und daß die Wiedervcrkausspreise im entsprechenden Umfang herabgesetzt worden sind. Was wird mit der Kunstseide? Schon bisher holte sich dos K u n st s e i d c k a r t e l l oiis den Standpunkt gestellt, daß die Kartellpreise sür Viscosckiinslseide der vorgeschriebenen zehnprozentigen Kartellprcisjcnkung n i ch t unter- liegen. Es berief sich daraus, daß sür das Kimstseidckartell jene Ausnahmebestimmung der letzten Notverordnung gelte, wonach bei internationalen Kartellvcrträgcn eine Ausnahine möglich sei. Das R c ich s w i r t sch a f t s m i n i st e r i u m stand bisher auf dem Standpunkt, daß diese Ausnahme nur dann Geltung haben könne, wenn cz sich um für den Absatz aus dem gesamten Welt- m a r t t gebundene Preise handle. Diese Auffassung war verständlich und logisch, ba bei einer Bindung für den Lanzen Weltmarkt die Rohstosspreise für die Kunstscideverorbeitcr dieselben sind. Nun trisit dos aber für das Kunstseidekartell nicht zu. Mit Recht hoben daher die Vertreter der Kunstseide verarbeitenden Industrie gegen die Auffassung des Kunstfeidekartclls Vorstellungen erhoben. Man erlebt jetzt die Ueberraschung, daß das Reichs- wirtschaftsministcriuni umgefallen zu sein scheint. Das Kunstscidekartell soll auch nach der Auffassung des Reichswirtschaftsministeriums jetzt von der Prcisseirkung befreit sein. Wir nehmen vorläufig an, daß die über den Umfall des Reichs- wirtschaftsministcriums verbreiteten Behauptungen falsch sind. Wir können nicht giauben, daß es seine ursprünglich geäußerte und von der ganzen Oesscntlichkeit sür richtig gehaltene Ausfassung preis- gegeben Hot. Das Rcichswirtschaftsministerium trägt in der Frage der Kartellpreise eine ganz besonders schwere Verant- wortung. Wenn von ihm gegenüber dem Kunstseidekartcll so entschieden worden ist, wie behauptet wird, dann wird die Grund- linie der Notverordnung in der ganzen Frage der Kartellpreise ge- fährdct. Wir erwarten eine Stellungnahme des Reichswirtschaftß- Ministeriums zu diesen Fragen. Deutsch- französischer Gtickstoffvertrag. Deutschland liefert 46V VVV Tonnen Natronsalpeter. Im Rahmen der deulsch-sranzösischen wirtschastsbesprcchungen sind die Sonderverhandlungen, die zwischen dem Deutschen Slickstass- syndikat und dem französischen Stickstosskonlor abgehalten wurden, nunmehr beendet. Es handelt sich bei diesem Abkommen um Lieferungen für den französischen Stickstosfbcdarf, den Frankreichs eigene Industrie selbst nicht befriedigen kann. Für das lausende Dungcjahr soll diese Bedarssspitze, die auf etwa 130 000 Tonnen geschätzt wird, durch die deutschen Lieferungen gedeckt werden. Der Anreiz zum Abschluß des'Abkommens bestand für Frankreich darin, daß die französische Landwirtschaft diese Düngemittel um 10 Franken je Doppelzentner billiger erhält. Bei einem Preise van 83 sranzösischen Franken je Doppelzentner stellt sich der Wert der deutschen Lieferungen aus 124,3 Millionen Franken oder 20.8 Millionen Mark. Eine Warnung. Umgehung der Devisenbestimmungen. Neuerdings versuchen ausländische Firmen, ihre deutschen Lieferanten zu veranlassen, für gelieferte Waren deutsche Wert- papiere in Zahlung zu nehmen. Die Ausländer wallen"inis diese Weise die Vorfchrist der Devisenbestimmungen umgehen, wonach ihnen der Erlös von Effektenverkänfen in Deutschland nur ans Sperrkonto gntgebracht wird, über das sie nur zu neuer Kapital- anlagc im Inland versiigen können. Die Reichsbehörden warnen davor, derartige'Abschlüsse mit aus- ländischen Firmen zu tätigen.'Abgesehen davon, daß ein solches 'Vorgehen der Ausländer zu einer unerwünschten Beeinträchtigung der deutschen Devisenbestände führt, setzt sich der deutsche Vertrags- Partner der Gefahr aus, wegen Beihilfe zu einem Ver- gehen gegen die Devisen vor schritten st ras- rechtlich belangt zu werden.'Auch ist damit zu rechnen, daß die Dcvisenbcivirtschostungsstcllen solchen Firmen etwa erteilte allgemeine Genehmigungen wegen Unzuverlässigkeit entziehen und daß die Reichsbank gegen sie mit K r e d i t r e st r i k t i o n e n vorgeht. Die Großhandelspreise. Die vom Statistischen Reichsamt für den 23. Dezember berechnete Jndexziiser der Großhandelspreise ist mit 103.2 gegenüber der Vorwoche um 0,4 Proz. gesunken. An dem Rückgang sind mit Ausnahme der Inderzisscr für Agrarstoffe alle Houptgruvpen betciliot: Agrarstoffe 93,6 s-f 0,1 Proz). Kolonialwaren 90,5(— 0,7 Pro;.), industrielle Rohstosse und Halbwaren 96,3<— 0,6 Pro;.), industrielle Fertigwaren 129,7(— 0,6 Proz.). kap'lalhcrabselzung bei Gessürel—£udw. Coeroe. Entsprechend den Bestimmungen der Oktober-Notverorvnung über die Kapital- Herabsetzung in erleichterter Farm beschloß die G c n e r a l v e r- s a in ml n ii q der G e s s ü r c l— L u d w. L n e w c A.-G. Berlin eine Herabsetzung d-es Kapitals von 100 auf 80 Millionen durch Einziehung von 20 Millionen eigener Aktien. Der Zluisichtsrots- Vorsitzende Dr. Solinisen erklärte hierzu, daß die Hallte dieses eingezogenen Aktienpakets aus der Fusion mit Ludw. Loewe stamme und der andere Teil aus einer noch nicht begebenen Aktienemission. Bei einem Fortbestehen der eigenen'Aktien waren auf Grund der Bilanzicrunzsvorschristen erhebliche'Abschreibungen notwendig Waller Schirmeier: S>as 3)ipMherielerüm Die Nachtglocke schrillt. Ein angstgchejzler Mann steht an der -Haustür und bittet den aus dein Schlafe gerissenen Arzt, schnell zu tommen, um nach dein erkrankten Kind« zu sehen.„Die Kleine ist schon seit ein paar Tagen nicht rocht aus dem Posten, aber wir haben weite? kein Gewicht darauf gelegt, jheute abend stellt sich plöjzlich Fieber ein. Sie klagt über Halsschmerzen. DI« Zunge und de? Machen sind belegt..." Der Arzt untersucht, blickt in den Hals des Kindes— spricht ein schreckeinflößendes, unbarmherziges, toddrohandes Wort Diphtherie! Und dann geschieht das Wunderbare: der Arzt legt Spritze und Ampullen zurccht. injiziert eine hellgelbe Flüssigkeit in den Schenkel des Kindes— und das Kind, das schon dem Tode verfallen schien, wird gerettet!-- Lis zum Jahre l89l war d!« Diphtheritis(Rachenbräune) eine Krankheit, deren«pidemischem Auftreten und Verlauf die Aerzte ratlos gegenüberstanden. Die Sterblichkeitsziffer schwankte und stieg bisweilen bis auf 70 Prozent der erkrankten Kinder. Und niemand konnte Helsen! Man ließ, wenn wieder einmal das Gespenst ..Diphtheritis" durch die Häuser schlich, die Kinder vorbeugend gurgeln: man schnitt in vcrzwcifeUcn Fällen den mit dem Ersticken Ringenden die Luftröhre auf und schob ein Röhrchcn hinein, um den Lungen dadurch die Luft zuzuführen, die der durch ein Häutchen, eine dünne Membrane verschlossene Hals nicht passieren ließ— mau kämpfte gegen den Tod und hotte dabei doch keine Waise, um ihn aus i>cm Felde zu schlagen, die winzig kleinen, keulenförmigen Ba- Zillen und das tödliche Gift, das sie absondcri:, unschädlich zu machen, seine Wirkung zu zerstören... 1884 entdeckte der Arzt Friedrich L p s s l e r den Erreger der Diphtheritis. Zum erstenmal sah er unter dein Mikroskop den Urheber so vieler Leiden: ein unscheinbares Stäbchen, das so viel Aengste, Qual und Tod im Gefolge hatte. Seine sofort eifrig auf> genommenen Tieroersuche endeten jedoch mit einem Fiasko. Es war ihm nicht vergönnt, das begonnene Werk zu Ends zu sichren: er vermutete wohl, datz der Bazillus, der an sich ziemlich harmlose Eigenschaften zeigte, insgeheim ein tödlich wirkendes Gift absondern n>ußte— aber er konnte nicht den Nachweis erbringen und stellte sein Suchen ergebnislos wieder ein. Den Weg. den Friedrich Löfsler als erster beichrttten hotte, zu Ende zu gehen und uns neben der Erkenntnis der mordenden Wirkungen dieses Bazillus auch das Mittel zu seiner Bekämpfung in die Hand zu geben, blieb einem anderen vorbehalten: Emil von Behring. Etwa zur gleichen Zeit(1888 bis 1891), da in Paris, in dem In- stitut Pasteur(Louis P c st e u r. dem 188ö die Herstellung des Antl- loxins gegen die Tollwut gelungen war. lebte damals noch) der Bakteriologe Emils Roux. ein begeisterter Mitarbeiter Pästeurs, zum erstenmal das ausgeschiedene Gift der Diphtheriehazillen isolieren konnte, suchte in Berlin der Militärarzt Emil Behring nach einem Mittel, das die tödlichen, giftabsonderndcn Mlkrpben der Diphtherie zerstörte, bevor sie ihr mordendes Werk vollbringen konnten. Er arbeitete im Kochschen Laboratorium in der Schumann» straße, unter der Aussicht jenes Robert K o ch, der als einfacher Landarzt zum erstenmal«inen anderen Todfeind der Menschheit, die Stäbchen der Tuberkelbazillen, unter dem Mikroskop erkannt hatte. Jetzt war Koch>chon Professor und Gehelmrat: unter seiner kühl prüfenden, unbeirrbaren Leitung arbeitete ein ganzer Schwärm sorfchungsfreudiger Bakteriologen(wer kennt nicht von ihnen Z- B. den Namen Paul Ehrl! ch s. des Erfinders des„Saloarfan", jenes Heilmittels gegen eine noch viel grauenvollere Krankhett: die Syphilis!)— und so hockt« auch der phantasiereiche Emil Behring in seinem Zimmer und opferte auf der Such« nach einem Mittel Dutzende von Mierschweinchen, bis er endlich— den ersten kleinen Erfolg zu verzeichnen hatte! Aber es war ein Sieg, an dem der Forscher keine Freude halt«. Es sah einer Kur des Doktor Eisenbart verzweifelt ähnlich. Gewiß, die Versuchstiere wurden von den Diphtheriebazillen i'efreit: das Gegenmittel half radikal, doch leider oft so radikal, daß die unzlück- seligen Meerschweinchen starben— nicht durch das Wirken der Diphtherieerreger, sondern durch den allzu kräftigen Anarisf des „Heilmittels". Aber Behring ließ sich nicht entmutigen. Er sah einen Weg und ging ihn weiter, zäh, ausdauernd und immer das große Ziel vor Augen sehend. Er knüpfte an die Ergebnisse Roux' an, cxperi- mentierte, verwarf, versuchte von neuem und erlitt wieder Schiffbruch mit seinen Vorsuchen, eine vorbeugende Immunisierung der Versuchstiere durchzuführen. Endlich entschloß er sich, sein Serum noch als direltes Heilmittel bei schon Erkrankten anzuwenden und auf die Weitersührung seiner Versuche zwecks Herstellung eines Präventivmittels zu verzichten- 1891, kurz vor der Jahreswende, erhielic» zum erstenmal schwerkranke. nach Atem röchelnde Kinder Injektionen von dem Behring- schen Antitoxin. Es war ein Ersalg—«in f a st noller Erfolg. In der Welle von Jubel, die damal» über d>« Welt ging, vergaß man beinahe, daß das Serum nicht in allen Fällen half. Noch hafteten auch seiner Herstellung Mängel an, die zu beheben wiederum Emile Roux, der Franzose, auf dem Plön erschien. Wahrlich, ein selten schönes Beispiel des Zusammenwirkens eines deutschen und eines französischen Arztes und Forschers zur Erreichung des großen Menschhettszieles. das beiden vorschwebte! Wieviel hätten beide Völler daraus lernen können-- uns wie wenig hat man daraus gelernt.. Roux fand einen Weg, das bis dahin schwer herzustellende Serum leicht und ohne jede Quälerei der Tiere von Pferden zu ge- Winnen. Jetzt war genug von de«' Mittel vorhanden. Neuere Versuche haben auch Möglichkeiten zur vorbeugenden Anwendung des Serums erschlossen. Hunderttausend« von Säug- lingen werken ohne jede Gefahr geimpft und für Lebenszeit gegen die Diphtheritis immunisiert. Es wäre wünschenswert, daß sich der Gedanke der vorbeugenden Behandtung immer mehr vor- breitete, daß auf diese Art immer weniger Menschenleben der Seuche zum Opfer fallen; daß da mit das Hobe Ziel des Weges erreicht wird. an dessen Anfang neben den anderen em Name leuchtet, stolzer Triumph der Wissenschaft'. Emil Behring! Vlarc Stahl: £fn diind namens Friedrich Schulme Eft, Kind war geboren worden und deshalb herrschte groß« Freude. Cz ist kaum zu glauben, daß n etwa, ausmacht, mann bei der Gesamtbeoälkerung der Erde von 1 Milliarde 854 Millionen Menschen noch einer dazu geboren wird. Aber die Eltern des Äin- des waren ganz entschieben anderer Meinung. Sie hielten den Kosmos für unvollkommen, wenn nicht eben dieses Kind Friedrich geboren worden wäre. Schließlich ist das zu begmsen. Es ist so, alz ob man von ebenspoiel Infusorien eines genau unter das Mikroskop mmmt und da bekommt es seine ganz besondere Bedeutung. Die Eltern de« Kindes hatten sich natürlich nie mtt ähnlichen Erwägungen beschäftigt. Sic waren so glücklich, daß jemand ihren Namen weitertrug, obwohl auch gerade an Leuten namens Schulz« kein Mangel herrscht«. Das Kind bekam«inen silbernen Patenlöfsel, mit dem es feinen Brei essen sollte. Es bekam ihn allerdings nicht in die Hand, der Kostbarleü wegen, nur einen aus Aluminium, der die selben Dienste leistete, aber der silberne Löffel schwebte doch wie ein Wahrzeichen über ihm. Jedenfalls legten die Eltern ein Gelübde ab, daß es diesem Kinde besser gehen sollte als ihnen selbst. Um dies zu bewerkstelligen, muhte der Vater 16 Stunden am Tag Gäste in einem Speiselokal bedienen. Das Kind uns die Mutter hielten dies für durchaus richtig. Friedrich stolperte dem Dater entgegen, wenn er nach Hause kam, wurde auf den Arm gehoben und hörte der Versicherung zn. daß er dieses alles einmal nicht notig haben werde. Er ging zur Schule, lernte leidlich, blieb zweimal sitzen und sah in verzweiselte Gesichter. Er begriff dunkel, daß er sein Dasein wirklich nur geschenkt erhalten hatte und.dafür bezahlen müsse. wie für alle Geschenk«. Er spielte gern, durfte' es aber nicht oft, mit dem Hinweis auf di« außerordeirllichen Ansordsrungen, die das Leben an ihn stellen würde. Er war langaufgejchossen und dünn, er hatte wenig Appetit, litt an Kopfschmerzen und schwitzte nacht». Er kam mit Mühe durchs Abtturium und langte mit der. Freuden- Nachricht gerat« in dem Moment zu Haufe an. als der Vater in halber Agonie lag. Die Mutier knietc am Veit und weint.'. Sie sagt« unter Schluchzen, daß er seinem Vater allen Dank schulde und zog die Lecke von den furchtbar geschwollene:, Beinen, die 20 Jahre lang 16 Stunden täglich für ihn unterwegs gewesev waren, um ihm ein Dasein zu bereiten, das nichts vom Schimpfen übelgelaunter Gäste und Verachtung wußte. Es schien Friedrich, als ob die Last dieser Bein« ihn zu Boden drücken mußte. Die Mutter wusch fortan. Sie tat ihr möglichstes, um sich durchs Leben zu bringen und dem Sohn ein Taschengeld zuzustecken. Friedrich wurde etwas, was man mit den, Namen Werkstudent bezeichnet. Das heißt, er führt« ein Leben, gegen das die Plagen seines Vaters, des Kellners, einfach und eindeutig gewesen waren. Er hungerte, arbeitet« wie ein Pferd, lernte schwer aus Mangel an Nahrung und genoß dafür di« Verachtung vieler Kommitttonen. Di« Mutter pries ihm jaden Tag in der Küche, die von heißem Seifendunst durchzogen war. das Glück, zu den gelildeten Leuten zu gehören. Sie wunderte sich, daß er nicht schneller weiterkam, da doch der Dater ihm all« W«ge geebnet habe. Als«r endlich sein letztes Examen bestand, mochte sie e» dem Bat«? nach, legt« sich hin und starb, nicht ahne ihn auf die Opfer auftnerksam zu machen, die man ihm gebracht hatte. Das Kind Friedrich Schulze, jetzt erwachsen, begann mit der Zentnerlast, die ihm dxr Tod der beiden Leute, die sein« Eltern waren, auferlegt hatte. Durch Fleiß und Tüchtigteck bemühte er suh. der Opfer wert zu sSw. Es war nicht anzunehmen, daß die Eltern noch etwa» davon hatten, aber er«rleichtert« trotzdem sein Gewissen. Er war jetzt Archckekt, hatte eins klein« Anstellung, besaß zwei Paar Schuhe statt des einen, ging Sonntags aus und leistet« sich ab und zu«ine Zigarre. Er lebte also, gemessen an den Wirtschaft- ilchen Umständen der Zeck, gut, bis er Ancka traf. Ancka, schlank, blond, mck nettem, etwas schnippischem Gesicht, tippte im Rechteanwaltsbüro von Erb u. Ewigmüller tagaus tigein Protokolls, die ihr.zun,.Halse herauswuchsen. Sie beschloß, Fried- rich Schulze zu ehelichen, um den Berus loszusein, führte ihr Projekt mck Erfolg durch und beide lebten in einer Anverchalbzimmer- wohnung ein etwas cmtönigcs Dasein, dos nur von den Erzählun- gen Friedrich Schukzes unterbrochen wurde, die von der Vereint- Wartung handelten, die chm dos Opfer seiner Ellern auferlegt hatte. Anita hörte ohne Teilnahme zu. Sie beanspruchte jetzt das zweite Paar Schuhe, das sonst Friedrich Schulze zugekommen war. Er begnügt« sich wieder mck einem, ging wohl noch Sonntags mit ihr aus, verzichtete aber auf die Zigarre, er rauchte nur noch Pfeife. Dieses Leben führten sie beide, bis wieder ein Kind namens Schulze geboren wurde, nur daß man es dem Zeitgeist entsprechend Fredy rief. Er erfüllte sie ganz mit denselben Hofsnungen wie sein« Eltern, rief dieselben Pläne ins Leben und sie legten ein Gelübde ab. daß es dieses Kind besser haben sollte als sie selbst. Friedrich Schulze arbeitet« jetzt, wenn er aus dem Dienst nach Hause kam, noch nebenbei, die Sonntage verbrachte er cbeitfalls mit der Anfertigung von Zeichnungen und Bauplänen. Anita wurde schnippischer, beklagte sich über ihre mangechaste Garderobe. seufzte und ließ de» Mann ratlos und unglücklich zurück Er lebie jetzt zwischen zwei Verantwortungen, einmal der alten, oie ihm die Eltern auferlegt Hollen, und der neuen, diesen jungen Friedrich Schulze noch ein Stück weiterzubringen als sich seilst Das ist ein schwere» Ding bei schlechter Konjunktur, der ein Kopf mit schwer- fälliger Aussassung gegenübersteht. Als er das Kunststück fertiggebracht hatte, mit dem Maximum an Arbsck ein Minimum an Einnahmen zu erlange», wurde er abgebaut. Er aß sich nicht mehr satt, ging vom Tabak zum völligen Nicht- raucher über, und auch das einzig« Paar Schuhe, dos er besaß, wurde nicht mehr rechtzeitig besohlt. Er begegnete Anitas Vor- würfen mit leisen schuldbewußten Entgegnungen, er klopfte den Teppich und trug ihr de» Mülleimer auf den Hof, um sie zu be- ruhigen. Er blieb mck der Miete im Rückstand, bezog Arbeitslosenvnttr- stützung und ging mck leichtknickenden Knien von Büro zu Büro. um Arbeit zu finden. Der symbolhafte Patenlöfsel lag mit anderen Gegenständen längst auf dem Versatzamt. Friedrich wurde an Pen Schläfen grau, ein Mann mck dreißig Jahren. Da, Kind hatte stets Jacken mck ausgewachsenen Aermeln. sein Vater Hosen, die ni« zu den Jacken paßten, die Blondheck der Mutter Anita wurde sohl und verstaubt. Obwohl sein Verstand«etwas dumpf war. staunt« er doch manchmal selbst über d>e Aueösuer, mit der er sich über den zähen Sumpf fortarbsiteie. Er erzog den Jungen, weil er sich yn seinen, Dasein für schuldig hielt, zu einem abscheulichen Bengel. Ab ynd zu verdient« er etwas, das gab ihm neuen Mut. Er konnte dann einen Teil der Schulden bezahlen und genoß so von Liesaräntsn und Hauswirt eine neue kleine Frist. Aber wenn der Verdienst nachließ, fiel er wieder in seine dül- frend« Verzweiflung. Bon Galgenfrist zu Galgensrist schleppt« er sich mit knickenden Knien, mck der alten Schuld gegen di« Ellar» belastet und mck der neuen gegen das Kmb.«?. das Glied in her Kette der Friedrich Schutzes, einer von den fast zwei Milliarden Menschen, über dessen Existenz eine so große Freude bei seiner Geburt geherrscht hatte._______ ftie die Itlenfchen heulsutage altem In dem eben erschienenen ö. Band seine» Werte,„Dos Laben des Menschen* schreibt Dr. Fr. Kahn: Der modern« Mensch altert nicht normal, indem alle seine Organe gleichmäßig dem Alter ent- sprechend eindorren, sondern einzelne durch die Lclensführung offenbar überlastete Organe altern öen anderen well voraus und führen, wenn sie ihrerseits die Todesgrenze erreicht hoben, ohne Rücksicht auf die Lebcnsfrische der anderen zum srühzettigeu Tod des Gesamtorganismus. Der Bauer, der den Tag bei hart«? Ar- bell, aber sonst geregelten und mäßigen Lebensweise>n der freien Natur verbringt unv seinen Körper wenig pflegt, sieht früh gealtert aus. Aber seine Organe in der lcdengen Hülle der Haut sind kerngesund. Er wird 70 und 80. Vom Großstädter, der sich zu kleiden und zu hallen weiß, rasiert nno frisiert, pomadisiert und parfümiert, manikürt und die grauen Horchen auszupfen läßt, gilt das Wort: außen von GesundlM strotzend, aber innen reif für den Spate». Unter einer wohlgepflegten rosigen Haut klopft ein schon dreiviertel degeneriertes Herz, zwischen den scheinbar kraftgeschwellten M»S° kein laufen verkalkte Adern, in Oicsei» vom Fett so feist umrundeten Bauch hängen zwei Niere», deren Filtrierapparate einem sortschrri- tendon Verödungsprozeh anheimgefallen sind. Er gleicht dem Baum, der nach mit breitem Wipfel dasteht, grün belaubt und sruchttehangen. ober der nächste Sturm fällt ihn, denn im Innern ist er, ohne daß jemand das geringste ahrck, morsch und faul geworden. In den allermeisten Fällen altert als erstes das Kreislaufsystem Herz —Adern— Nieren. Der Mensch gleicht dem Auto, m dem er fährt- Wie am Auto die Gummireifen, so sind in somer Körpermaschlne.di-: Äummtschläuche der Adern der schwächste Punkt der Konstruktion. Der Autofahrer führt einen Ersatzreisen mit sich, und wenn ein Reifen, woraus er vorbereitet ist. platzt, hält er den Wagen an und wechselt den Reisen au-?. Der Mensch ist noch nicht so weit, otven Ersatzreifen mck sich fuhren zu können, auch kann die Menschen- Maschine sich nicht den Luxus leisten, zum Reifenwechsel zu haften. sie muß laufen. Wenn sie nur einmal stille steht, wird sie sofort aus dem Rennen genommen unv von der Landstraße des Lehens heruntergeschoben„aus den Acker". Sie mutz die Panne mit dem Leben bezahlen. Di« überwiegende Mehrzahl der Menschen stirbt on vorzeckiger Alterung des Herzens, der Adern oder der Rierm. Im höheren Aller bedarf es nur einer geringen Mehrbstostung durch eine kleine, an sich harmlose Erkrankung, um di« Katastrophe einer tödlichen Herzschwäche oder des Bruchs einer großen ÄSrpcrader, einen Herzschlag oder einen Schlaganfall herbeizuführen. Jilingende Säulen- flüfternde 9täunw Für ein» der Weltwunder' de» Allerkum» galten die M e m- n o n s- S ä u l e n in Aegypten, zwei Kolossalstatuen, wie sie sich vor den Tempeln am Nil finden. Sie M.ben, wenn sie von der Sonn« getroffen wurden, seltsame Töne von sich, und jeder Besuche- de« Nillandes wollte dieses Wunder gehört haben. Man hat diese ÄlanZerscheinunz verschiedenartig griteittet; manche Forscher vermuten. datz sich im. Innern der Säule Apparate befanden, die unt»r dem Einfluß der Morgenstrahlen summend« Laut« arzeugten, ander? vermuten, daß die Töne durch eine Verschmelzunz vo» Sonn im- Wirkung und einer bestimmten Windrichtung hervorgebracht wurden Jedenfa?..-! stehen dies� singenden Säulen nicht versnzell da. ich Anton Mailly In der Leipziger„Illustrierten Zeitung* hervorhebt So gibt es in der Bielshöhle bei Mbeland im Harz eine solch-- „klingende Gäule", die ein eigenartiges Gesumme hören läßt, wem' sie von den Strahlen der Mvrgensonne berührt wird. Aehnl'.ch«:- wird von der Südwand der Stiftskirche zu Heiligsirkreuz im Wiener Wold crzähll. Auch aus dem Mertum wird von verschiedene" ehernen Tempelsäulen berichtet, die ganz eigenartige Töne von sich gaben. Das Rätsel solcher tönender Denkmäler erklärt sich Sarau.-. datz die Morgensonne einen Lustdurchgang durch chre Poren de wirkt; dadurch werden tönende Schwingungen veranlaßt. Wenn man In der Morgensonn« an einer langen Mauer oorbeigeHt, hören Leute mck seinen Ohren ein Schwirren, das in abgeschwächter Form die gleiche Erscheinung darsteM. Bei hohen Erzsäulcn wird das Singen durch di« schwingende Lust im Innern sowie durch das Auftrsfsen des Winde» auf die Ränder noch wesentlich unterstützt. Häufiger als solche tönende Säulen findet man eigenartig« Schallwirlungen in den Sprachgcwölben oder Flüstergalerien. Dabei handell es sich meist um Gewölbe in Form von Ellipsen oder Parabeln, und es läßt sich nach den akustischen Gesetzen leicht erklären. warum die an einer Stelle leise gesprochenen Worte an einer anderen deutlich vernehmbar sind. Die Schallwellen werden nämlich von der Wand in einem Reflexionswinkel zurückgeworfen, der gleich dem Einfallswinkel ist. Aus diese Weise entsteht auch das einjach« und mehrfache Echo. In eurem elliptisch gewölbten Raum sammeln sich di« Schallwellen, die von dem einen Brennpunkt ausgehen in dem andern, ganz so wie bei zwei gegeneinander gekehrten Hohl- spiegein. Darauf beruht da» Geheimnis der„flüsternden Bäume". wie z. B. der Pariser Sternwarte oder der Londoner Poulskirch«. Im Altertum haben schlaue Priester diese Erscheinung ost zu „Wunderwirkungen" benutzt, so z. B. beim„Ohr des Dionysius". einem Gewölbe in den©teinbriichen von Syrakus. Die Orakel- lammern der alten Mysterien zeigen ovale Nischen, durch die«in minutenlanges Echo oder ein dumpfes Dröhnen hervorgebracht wurde. Der Jndianertempel mit dem„sprechenden Kreuz" aus Pukatan. ein« der ällesten Äultstättcn Amerikas, ist ebenfalls solch ein Flustergewölbo, das aus Zwei gewölbten Räumen besteht, die die Form und wohl auch die Wirkung von gegenübergestellten Hohlspiegeln haben. Wenn man an einem Ende dieses kreuzförmige» Raumes einige Worte slüsterte, so wurden sie am andere,, Ende mit großer Lautstärke wiedergegeben, und so konnte dem Volk auf geheimnisvolle Weise ein Orakel mitgetellt werden. Das«L>erzecheu der Weiber". Vielfach glaubt man. es sei cm« Errungenschast der Neuzeit, daß Frauen die Wirtschaften besuchen. Das ist aber auch fricher schon nielsoch der Fall gewesen, so daß sogar die Männer sich darüber beklagt haben. So wendeten sich ini Jahre 1576„die aus gemeiner Bürgerschaft" zu Borna on den Rat mit dem Gesuch,„daß den Weibern am Abend das Bierzechen verboten sein sollte, in Ansehung, daß daraus allerhand Unrecht und Beschwerung nicht allein dem Wirt«, sondern auch den Personen, so die Zech« für sie bezahlen mühten, entstände. Und wahrend di« Weiber säßen und zcchetcn. ging's dahein in Haus und Hof übel z» mck dem Gesinde und den Kindtein" Die Ehronik setzt sedoch hinzu. „E» hat aber solches nit viel Helsen wollen, und mag woll derer Weiblein Einrede das Weifie dazu beigetragen haben." Dos Work..Leichenbitter" hat mck dem Adjektiv.bitter" nicht« gemein. Der Leichcnbittcr„bittet zur Leiche", das heißt, er lade« die Gäste ein. In manchen Gegenden Deutschlands gibt es heute noch außer Lcichenbittcr auch den„Hochzeitsbittcr". Arbeiterbildungsschule. Arbeitsplan: 1. Quartal Januar bis April Tcaüitarc. Fr!tz N a p h t a l i:„Di? Orgenr'otio» des Gew- imi> Vank- »■.if'ns." C-e&?n Montag, 19'- Uhr. SUuN;n'tra§c 3. 2. Hof, 3 Dr. thörgcli) 2,50 M. Beginn 11.?aimar 1932. Dr. Karl Schröder:„Di? Literatur in der dcutich:n Gegen- wart." Jeden Freitag, Lind?mtrage 3, 2. Hof, 3 Tr. Hörgeld 2,50 M. Beginn 15. Januar 1932. Zcntrnle Kurse. Dr. Alired B r a u n t h a l:„Geld-, Kredit- und Bankeiurng« in der Krise." Jeden Montag, lU'L Uhr, ArbeiterdLd'.lngsschitle. Lindrnstraße Z, 2. Hof, 2 Tr. Hörgell» 2,30 M. Beginn 11. Januar 1932. Köche Kern:„Die Frau!m Befreiungskampf der Zlrl>eiter- riafie." Jeden Dienstag. 19'? Uhr, Ärdciterdildur.asfchute, Linden- strahe 3, 2. Hof. 2 Tr. Hörgeld 2„50 M. Beginn 12. Januar 1932. Dr. Zlrkadif Gurland:„Das Proletariat im Siellungskrieg, der politische Kampf." Jeden Donnerstag. 19!-- Uhr, Ardeiter- bildnngsfchule, Lindensiraße 3. Hörgeld 2,59 M. Beginn 14. Januar 1932. Pau'a K n r g o ß:„Die Frau in der gescllsclinillichcn Krise der Gegenwart.* Jeden Freurg. 19 Vj Uhr, Arireiterd ildungsschule, Littderrstrage 3. Hamid 2,50 M. Beginn 15. Januar 1932. Friedrich Olk:„Wie ich«'. de ich für meine Zeitung?" Jeden Dianstaz, 19!ä Uhr. Sitzungssaal, LindenstraHc 3. Hörgeld 2.50 M. Beginn 19. Januar 1932. Für die Seminare ist vorherige Anmeldung neuer Ts-l- nehmer notwendig. Auch fi-r di: zentralen Kurse ist vor- herige Amneldirng in unserem Büro crcjünichr. Kurse, die in den Kreisen stattfinden. flreis Mitte. I. Mauer:..Pom Aommünistjschen Manifest zum Sehen Montan. 19'.. If&t. Köllnislües Gnmnasiuui, 19%)(f)r, Sophienfchitie, Weinmeisterstr. 16—17. 8 Abende. HSrgeld 2:K. Beginn 11. Sannax iSSL.— Panl Bernstein:..De.-.mtratie im Sturin�. ?fbtn Donnerstag. Ift1- UI?r Sophtensckul«, Weinmeisterstr. 16—1.7. 8 Abende. Hürg�ld 2 M. Beginn 16. MSrz 1«? »reis Tiergarten. Dr. Karl«Schröder:„Unser Weg zum sezialistische?. Menschen". Jeden Dienstag. 19?', Uhr. Bcrgcr, Levetzowstr. 11. 8 Abende. Hin gelt» 2 M. Beginn 12..Sanne r 1W2. Kreis Wedbing. Dr. Arkadii G?l r l a n d:„Klassen kämpf nm den All- tag". Seden Dienstag. 20 Ubr. Pank- Erte Wiesenstratze. 8 Abende. HLrgr.'d v2 M. Beginn 12. Sanucr 1932.— Dr. S. Schlesinger:„Sowsetrnßlano nou beute". Jeden Freitag. 26 Uhr. Pank» Ecke Wiesenstra�e. 8 Abende. Hörgeld 2 M. Beginn 13. oönuar 1932. " Kreis Prenzlauer Berg. Dr. Otto M ä n 6? e n:..SoVsetrngland Vnd die eurepÄsckse Arbeiterklasse". Jeden Freitag. 19' Uhr, Schule Danziger Str. 23. 8 Abende. Hörgeld 2 M. Beginn 22. Januar 1932.— Dr. Ernst' B o rf:..Die inlarreichische Sozio 7 d e.m a kratie". Eine Aröeitsreise durch Deulschösterreich(mit FUnioortüIjrunoeii). Jeden Freitag. 19-... Ufjr. Schale Danziger Str.'23. 4 Abende. Hargelb 1 M. Beginn 1. April 1982. Arais Friedrichshain. Walter Auerbach:„Die Entwicklung der ouster- deutsch«» Arbeiterbewegung Europa.-.� lEnqland. Frankreich). Jeden Montag. 26—21� Uhr. Iugendberm'Tilstter Str. 4—3. 5'Zlb-nd.-. Höracld 2 M. Beginn 1l. Januar 19ZZ.— Dr. Karl Schröder:„Der Versuch sonolistischrr Lebens. Gestaltung". Jeden Donnerstag.'26 Ubr, Jugendheim Tilfiter Str. 4—3. k Abende. Hörgeld 2 M. Beginn 7. Januar 1932.— Dr. Ä t c i) s{ i g:„Die Entwicklung der deutschen Wirtschaft zum MenopoNapitoltsmus". �eden Frei- tag. 29 Uhr. Schule Petersburger Sir. 4, Zimmer b. 8 Abende. Hörg�ld 5 M. Beginn 29. Januar 19&}.— Goirlieb Reese:„Die Einheit von Theorie und Praxis der deutschen Arbeiterbewegung". Jeden Freitag, 29 Uhr. Schule Petersburger Str. 4. Zimmer 8 Abende. Hörgeld 2 M. Beginn 4. März 1932. Ätcis Ehaelattenbnrg: Prof. D c n i ck e:„EinfilhruNg ur den Marxis- mus". Jeden Dienstag. 19'� llbr. Ävaendheim RJsinenftr. 4. d Abende. Hör- geld 2 R. Beginn 12. Januar 1932. ftwli Spandau. Abieilnng Altstadt: Alex S e e l i n g:..Die politischen Parteien und ihre Programme". Jeden Montag. 2l> Uhr, Oberrealschule. Moltfc- Ecke Friedrichstrage. 6 Abende. Höraeld IM M. Beginn 18. Januar 1932.— Abteilung Reustadt. Dr. H. P i i r r m a:: n:„Krrse und Arbeits- niorkt". Jeden Montag. 20 Uhr. Lokal Makeprange. Reumeifrerstr. 8. 8 Abende. Hörgeld 1.30 M. Bea:nn 18. Januar 19«.- Abteilung Wilhelmstadt..9arl B e tl e b e ck:..Der sozialistische Mensch". Jeden Montag. 29 Ubr. Köpfner. Picheledorfer Str. 3. 6 Abende. Körgeld 1,30 M. Deginn 19. Januar 1932.— Abieilnng Siemensstadt. Alex. S e e l i n q:..Tie politisckien Parteien und ihre Programnic'. Jeden Freitag. 29 Uhr. Gemeindeschule Siemensstadt. Schnlstpaßt. 6 Abende. Hörgeld IM M. Beginn 22. Januar 1932.— Ab teilung Staaken. Karl Benebeck:„Der sozialistische Mensch". Heden Sonnabend. 29 Uhr. Hofsmann. Staaken. Bahnhofstraße. 6 Abende. Hörgeld 1.39 M. Beginn 1«. Januar 1932. Kreis Wilmersdorf. Dr. Otto Mönchen:..Sowjetruhland und die eurovcki'che Arbeiterklasse". Jeden Dienstag, 19'> Uhr. Biktoria-Luiie Schule. Ublanostc. 91—93. 8 Abende. Hörgeld 2 M. Beginn 19..stanuar 1932. Kreis Zehlendorf. Dr. Otto München:..Das.stommunistische Moni. stst und die Gegenwart". Orden Mittwoch. 29 Uhr. Restaurant Waldhaus, Spandauer Str. 59. 8 Abende. Höraeld 2 M. Beginn 29. Januar 1932. Kreis Schöueberg. Gotilieb Reese:..Ausbau und Ausgaben der Partei". Jeden Donnerstag. Restaurant Will..Martin-Luther-Str. 99. 9 Abende. Hörgeld.1,39 M. Beginn 14 Januar 1932. ____ Kreis Steglitz. Dr. Otto Mönche n:..Sowjetrußland und die europäische Arbeiterklasse". Jeden Montag. 29 Uhr. Lesesaal der Stadthücherei. Grun-woldstr. 2. 8 Abende. Hörgeld 2 M. Beainn 18. Januar 1932. Krei« Tempelhof. Friedrich Olk:„(Srnndlag-n des modernen Jmperia- liemus". Jeden Donnerstag. 19t.'. Uhr. Alarichfchule, Tompelhof, Alarich, straste. 8 Abende. Hörgeld'? M- Beginn 7. Januar 1932. Kreis Neukölln. Dr. Otto Manchen:„Warum sind wir arbeitslos?" Jeden Donnerstag. 29 Uhr. Jugendheim Bergstr. 29. 8 Abende. Hörgeld 2 M. Beghin 21. Januar 19-32.— Walter Auerbach:..Der Faschismus in Italien". Jeden Dienstag.'29 Ubr. Jugendheim Bergstr. 29. 4 Abende. Hör- geld l M. Beginn 19. Januar 1932. Kreis Treptow. Dr. I. Schlesinger:„Sowjetrusiland von heute"� Jeden Montag. 29 Uhr. Adlcrshos. Radickritr. 19—11. 8 Abend«. Hsrgeld 2 M. Beginn 11. Januar 1932. Kreis Lichte» b?rg. Wilhelm Tietqens:„EinsstHrz'.ng in die Welt- wirtschnstsaeolzraohie und die allgemeine GeovoUtii". Jeden Donnerstag. V Uhr. Bibliothek. Weichselstr. 28. 8 Abende. Höraeld'2 M. Beginn 7. Januar 1932. Sreis Weißessee. Mathilde W n r m:..Agrarfrage und Sozialdemokiotie". Jeden Montag.?! Uhr. Neue weltliche Schute, Parkstraße. 8 Abende. Hörgeld 2 M. Beginn 11. Januar 19Z'2.. ftcri« N?i«ickeubors'Ost. Prof. D e n i cf c:..Das Proletariat in der Krise". Jeden Donnerstag. 20 Uhr, 10. Volksschule, Holländer Straße. 8 Abende. Hörgeld L M. Beginn 14. Januar 1932. Neinickendors.Wcst. Dr. I. Schlesinger:..Bolschewismus und Faschismus". Jeden Donnerstag.'29 Uhr. Jugendheim Bahnhosstraße. 4 Abende. Horgelo 1 M. Beainn 14. Januar 1932.— Dr. Arkadis G u r I a n d: „Die geistigen Strömungen in der Arbeiterklasse". Jeden Montag. 19' Uhr. Freu- ccholle, Jugendheim Herrnsdorvr Ecke Egidpstraßc. 8 Abende. Hörgeld 2 M. Beginn 11. Januar 1932.— Abteilung Wittenau. Käthe Kern:„Die Fron im Befreiungskampf der Arbeiterklasse". Jeden Donnerstag. 29 Uhr, Aeue Schule, Hauptstraße. 8 Abende. Hörgeld 2 M. Beginn lt. Januar 1332. Bibliothek der Arbeiterbildungsschule. Jeden Montoz, Dien>?tl7z. Donneretag i>!i5 Freiiost, oücnds von K bi? 8 Uhr, ist die Biiiliothek. Lindcnfiratzc 3. Hos recht». 5. Aufgang, 2 Treppen, zur kostenlosen Benutzung für olle Mit- gsteder der Partei und der Sozialistischen Arbeiterjugend geöffnet. Feine Finanzierungs-AG. Oie Kundenwerbung des Herrn Generaldirektors. Bor dem öchöfsengencht Berlin-Mitte begann gestern ein mehrtägiger Prozeß, der sich inst den Fiiian.zienmgsgrschäftcn der c? e s ch ä s i» f l n a n z i c r n n g»- A.-G. sGefiogl i» Berlin- Pankow bcsatzri /ÄnLckwgl ist'.der i. Gründer Licscr �FstMa. Generaldirektor Frost, wegen Betruges, wegen Sipn- kursverg hcns und wegen nicht nrdnilügsmäßigcr' Führüng" der Geschästsbücher. Mit ihm find der Kaufmann Züilhelm T r c l[che! und der Landwirt Kourad Zöllner als Bezirksdirckiorcn dieses Unternehmens angettagt. Frost gründete seine Gesclllchast im Jahre l9ZS mit der Absicht, Finanzierungen im Gasuoirlschostsgcmcrbe vorzunehmen. Obwohl er unter seinen Geschailsfreunden als vermögender Mann galt, suchte Frost doch aus allen Kreisen Deutschlands Einleger für seine Aktiengesells�ast zu gewinnen. Große Aortroge wurden in allen Provinzen zur Kundenwerbung abgehalten, in den Propa- gandaschristen wurde den Einlegern eine Gewinnbeteiligung von 24 Proz. versprochen. Die Schwierigkeiten tauchten auf, als Direktor Frost in dem Akiienbetrugsprozeß gegen den Kammer zienrat Lindemunn inst unter Anklage gestellt wurde. Dainols verlangten die Geldgeber, meistens einfache Landwirte und kleine Sparer, die Nüstzohlung ihrer Einlagen und dabei sti-lltc sich die Insolvenz der Firma heraus. Geschädigt sind die Einleger um etw-r 300 000 Mark. Im Juni 1930 wurde Frost in dem Augenblick verhaftet. als er in Hamburg mst falschen Papieren, die aus den Namen seines Portiers lantctan, einen Dampfer nach Amerika besteigen wollte. Der Angeklagte gab dazu an, daß er nillft die Absicht gehabt habe, noch Amerika zu flüchten. Er habe sich lediglich des falschen Namens bedient, da er fürchtete, daß die Steuer- behörden eine Ausreise des Generaldirektors Frost nicht zulassen würden. Auch im übrigen bestritt der'Angeklagte, sich im Sinne der Anklage schuldig gemacht zu haben. Das Urteil wird voraus- sichtlich Donnerstag gesprochen werden. Wir bauen eine neue Welt? Der Männer- und Gemischte Chor Adler? Hof veranstaltel,: wie alljährlich auch diesmal am 2. Feiertage bei W ö l>- stein in Zldlershof ein Gesangstonzert. Der außerordentlich starte Besuch war ein Zeichen für die Bellebiheil, deren sich der Char in Adlershof ersrcut. Unter Leitung seines langjährigen Dirigenten Ludwig Belilzer gestaltete sich die Programm-olge in ihren einzelnen Teilen zu einer Leistung besten Nanges. Die Dorlragsfaloe war in vier Abschnitt« zerlegt, deren Teile eines das andere ergänzten. Rc- zitationcn, von Walker Altenkirch a'.s Cinzeliprechcr mit großer Wirluim oargetraasn, verbanden die einzelnen Gesangsnnmmern. deren eerte außerdem der Hörerschaft auf Lichtbilder,, lesbar gc- macht wurden.� Eine wertvolle Ergänzung und Einführung in die musikalischen Srimmungsinomeiite des Arbeilergesanges boten die Künstlerbilder aus dein Arbeiterleben von Kärix Kölln, ig u. c. Das Programm führte in dem l. Teil„Wir leiden Nor!" in die Nöte des proletarische» Doseins. Schärier und feuriger erhob lich int 2. Teil das Bcrlongen..Wiv'ordern Freiheit, Arbeit, Brot"', ums in den Atetadton. Herntan» Schercheits uiifr.Hebtf lß(oni)rr« At»s- dnnk fätrd.-Der& und<.« n d. güe die Veranstaltung i't das Neue. Vach-Orchester unter Lettunz»an?r. Wal!. «a»a H c r d e r t vernflichtet worden. Als Salistc» wirken mit:.starin 9! e"ander tViolinet, Marie Zweig(stlavier), Nolf tirmeler(Flöti), ärich MSnkemeizer(FlStc). Allgemeine Wetterlage. 2S.vs2.4934.sdcks. D�-olstenlo�S dsitor.cikslddeäecl-' Kez«n�0rstip«>a 5ck>«��ttsd«I,1ll«vitteeT)lZkimI»tiil» Zwischen einem Tief, das am Dienstagabend über Westrußland log, und einem Hoch bei Island hat sich ein nördlicher Luftstram acaildet, der kalte Luilmassen aus höheren Breiten nach Süden fuhrt. Auch Deutschland gelangte iin Lause der letztci, 24 Stunden in den Bereich kühlerer Lust, so daß die Temperaturen im allge- meinen im Sinken begriffen waren. Nieöerichloge kamen fast über- all vor. Bei dem Eindringen einer neuen Stasiel Kaltlust kam es am Dienstagmiliag in, Nordwesten zu Schneefällen, die sich aus einen großen Teil Norddeutschlands ausdehnten und vielfach wieder zur Bildung einer Schneedecke geführt habe». Wie aus den vor sich gehenden Druckimdcrunge» zu schließen ist, wird sich der an der leiirschen Küste besindliche Tiefavsläuser südwärts bewege»: damit wird unser Bezirk unmittelbar in den kalten Luftstrmn hineingeraten. tf wetteraussichlen für Berlin. Wolkig bei weiter sinkenden Tem- peroturen, nachts Frost, einzelne«chnecfälle, niäßige, nach nard- östlichen Richtungen drehende Winde.— Für Deutschland: Ileberall weiter«?lbkühlung bis zn Frost, besonders in den gebirgigen Ge- «enden Schneesälic, Im Alpenvorland meist bedeckt, sonst wolkig hiz heiter. eiBlfdUuiigfn fflr 6U|t StuirlfUnli V e r i i a SB 68. L>»de»ftr»ßc 3, parieinachrichien���fürGroß-Berlin st»!» da» 9r)ir(»f»ft»tari«t i. S»f, 3 Xrtgpca recht», zu richte» Beginn aller Veranstaltungen t S'.� Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe! hcuie. Aiillwoch, 30. Dezember. 17. flfit. Die Bezirtsiii lirer mufien unbedingt umgebend die entnominenen Aeitrag?murken.nelliite», Ztotopfcrmdrten sowie sämtliche Reste beim(öcnoffiMi Höhne abrechnen. Alorgen, Donnerstag, 31. Dezember. ,'!l. Abt. Iluler Parteiwirt Sildschwidt, Stalpischr Str. 36,»eraastaltrt sür die Parleigeaassen der Allteilung und sgr eiuqesübrte«Säste eine Sjl»«s«tr- seier. Da wir da- Lotal zur ausschließlichen Benutzung haben, bitten wir um regen Besuch.— Der Abteilungsuarstanb. »6. Abt. Süngercngruppc: Siwesterzusammeniunft im Sdeal-Kostno, Weichsel. straßc 8. Arbcitsgemcinsäiast der Kinderfrcnnde Groh-Verlin. Üb heute befindet sich unsere Geschäftsstelle Lindenstr. 2, nsr« l Treppe. Mitte: Der gesamte Kreis trifft sich morgen. 31. DtAember, M N Uhr. an der' Falkenccte(Engelbecien) zur Neujahrsfahrt. Jeder D bringt für 3'.. Tage Proviant mit und 8.Ö0 M.(betränke und m.ßi: Mittagessen sind in den Preis tinberechnet. Derbe Schuhe und Schlafsack nicht vergessen. Neukölln: Äungfalken-Iahreswendfahrt. Treffpunkt morgen. Donnerstag. Uhr. Bahnhof Reutälln. Schlafdecten und Wimpel mitbringen.?!ach- ziigler treffen sich l-Vj Uhr daselbst. Note.Falkcn-�ahreswendfohrt: Treff» pnnkt morgen. Donnerstag. 13 Uhr, Bahnhof Neukölln. Wimpel mitbringen. ?ta6nüaler ldi Uhr daselbst. Reinickendorf: Die Kreishelfcrsikung am 4. Januar findet nicht statt. Kreis Chorlottenburq und Sicmensftadt: Treffpunkt zur Silvesterfeier Donnerstag,!ij Uhr. Bahnhof Charlottendurg.(Sruvoenkafsierer Mittwoch» nachmittag. Fohrgeld bei Walli Bethke, Rosinenstr. 4, abliefern. Sterbetafelder Sroß-Btrlinerpartei-Organisatioa�� 1»?� Abt. Am?». Dczrmbor ist uns»? Grnoss« Bruno Rottkawsli, Altr Doblwitzrr Str.>.>, im lt4. Lcbensjabre«rrstorbrn.(shrr srinem Au. denken! Truücrfcier Donnerstag, 31. Dezember, 8'.-7 llbr, Krematorium Baum» schulenweg. Um rege Beteiligung bittet der Abtcilungsvorltand. >23. Abt. Unser Genosse Friß Nruman», Süstav-Adols�Ztr. 14». ist am 24. Dezember verstorben. Ehre seinem Andenken! Beisetzung beute, Mitt- lvoch. Zl). Dezember, 14 Uhr. Gcmeindesricdhof. Schönslroße. Um rege Je» tciligung wird gebeten. W SozialistischeArbetterjvgendGroß-Verlin SInIendungeu für diese Siudrit nur an da» Zugendsekretariat Berlin EW 68, Lwbenstraßi ä heufe, ZNitkwoch, 19� Ahr. i Iohreseudc.— Frankfurter Viertel: Frankfurter Allee 337: Lustiges Jahres- ende.— Lichtenrade: Rooustraße(Schule); Politischer Nllckblirf.— Üdlershos: Bismorcksir. 1: Iulklapp.— Bohnsdorf: Wachtetstr. 1: Bunter Abend.— Köpenick II; Dahllvit�er Str. 1ö: Funktionärversammlung.— Mahlsdorf: Mclanchthonstr.(i3: Äitgliederversammlung.— Kottbufser Tor: Urbansir. Ibl: Funktionärsitzung. Werbebezirk Prenzlauer Berg: Vorsitzeudenkonferenz um 2v Uhr in der Volksspeisehalle(Slcimstraße. Uerbedezirk Kreuzberg: Urbanstr. 187: DO."Sitzung. Werbe bezirk Neukölln: Sprechstunde um 18 Uhr Gonghoferstraße. Alle Ab« rechnungcn müssen erledigt werden. ★ FaUplatz T; Donnerstag. 51. Dezember, Silvefterfahrt. 18-% Uhr Schon- hanser Allee.— Sonntag, 3. Januar, Fahrt nach Duck). Hhx Schön- hanser Allee. Reichsbaauer„Schwarz. Not-Gold'. SeschSktostell«: Berlin S. 14. Eebastianftr 37— 88. Kok Z. Tr. Prenzlauer Berg: Die Frau unseres Kameraden Stadtrat Rosemann ist gestorben."Einäscherung Mittwoch, 31». Dezember. Illu Uhr. Krematorium Gerichtstratze. Gedenkfeier und Mitgliederversammlung fü>' unseren erschossenen Kameraden Willi Schneider nicht am 3. Januar, sonder'.: am Montan. 4. Januar, 20 Uhr, im Saalbau Friedrichshain. Gekaufte Korten haben Gültigkeit. Keine Abendkasse.— Tempelhof s Ortsverein): Mittwoch. 30. Dezember. Einäscherung unseres Kameraden Stadtrat Ewald in» Krematorium Gerichtstraße. Antrete»» 13 Uhr U-Bahnhof Ningbahnstraße.— Masse?' fportabteilnag, Zug Köpenick: Donnerstag. 31. Dezember, große Silvester»?!'',' im Bootshans Köpenick, Wende nschloßstr. 122. Beginn 21 Ubr. Gäste willkommen.— Köpenick, Kameradschaft: Kamerad Bruno Rettkowsti. 24?ahre alt. ist verstorben. Einäscherung Donnerstag, 3!. Dezember. 8U. Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Alle dienstfreien Kameraden nehmen daran teil. Deutscher Arbeiter-Sängerbund, Gau Verlin. G-schästsslelle- p. Schneidcr, Vcrlin?IO. SS. hufelandstr. 31. Gouuorftavd. Sitzung am Januar, III Uhr. an bekannter Stelle.~ Mavueechor Fichte-Georg, nia 1879. Die erste Uebungsstunde. in, neuen.�ahr findet schon an» Mittwoch, li. Januar, 20 Uhr, im Leibniz-Gnu, Nüst um statt. Am Donnerstag, 7. Januar, Singen im Rundkunk.— Neuköllner Songerchoe. Montag. 4. Januar. 19»., Uhr. Mitwirkung bei der Gedenkfeier für Willi Schneider im Saalbau Friedrichshain. Nächste llebungsstnnde am 7. Januar, 19?* Uhr, in der Aula der Albrccht-Dürcr-Schule, Neukölln. Emser Straße 137.— Volkschor Harmonie. Charlottenbnrg. Songesbruder Andreas Bluhmann ist am 27. Dezember verstorben. Die Einäscherung findet am 31. Dezember, 10�.. Uhr. im Krematorium Wilmersdorf statt. Alle Vereins. Mitglieder werden erwartet._ Reichskartell Republik. KKS. BerliN'Osteu: Die in den vergangenen ! Jahren treffen sich alle Kameraden mit ihren Angehörigen und Freunden an: 31. Dezember zu einer gemütlichen Silvesierfcicr in unserem Vercinsheim au» dem Sportplatz in Friedrichsfelde. mMhlW' ' /ir' JamaUfo-flutn hfl rr** In �25 tu*. �»" X'20� /tck�a,. f3cr#&uoL'l0eu*~ m n.( uUv>chnc Cföd' Südende: Bor«t«l!s»ra8e 10 Steglitz; AlbcechtstraBe 16 Düpoelotraße 28 bchützenstraße 14 ,65«*. ,85� Westen: MnaßenstraBo 18 Lauenburger Str.3 Charlottbg-- Danckelrnannstr. 12 Spandau: Nordwesten: Schön walder 5Hr.95 8redowstra6o8 Breite StraSe 46 Erndenor StraB© 5 KlostenstraOo 30 Neukölln: T egel; Bergstraße 16i) Norden: Oronttieirner Slr.8 Weißensee; Ackerstraße 18 Schwedenatr.lfib tanghantstraße 143 M0lle.rstra3e93 Oderberger Str..8» Osten; Luxemburger Str. 1 Reinickend. Str. 12 Tüsiter Straße 76 MaxstraBel? Invalidenstraße 110 Boxhagener Str. 115 Nordosten: Oranienburg; Köpenick Kantstraße 133 SchlieperstraB© 21 Kai8.-Prl«dr.-Str.47 Schererstraße 2 Pank»tra0e4O Paul-Singer-Str. 16 Elbinger Stra3e 30 Botzowstraße 14 Stargarder Str. 58 Bernauer StraSe öl Bahnhotatrae. l? SchloBstraBe 2o Treptow; Graetzstraße 12 Süden; Pnnzanatraß©?4- Dresdener Str.41 Bernau: Baumsch.-W.: Südosten: Südwesten: AmMarktCOO Baumschulenstr, 12 Manteuffolstraße 56 Bcrgmannstr.10'3 >. Theater, Lichtspiele usw. ) fiaats ß&Ä. nk Theafcr Mitiwodj, dco 50, Dr-rrmber Staatsoper Unter£en Linden 10' Ulu Die Geisha StutLStteomieltas OiDdarmsniBarki. 20 Ihr Vallßnslßins Ton Schiller Theater CharitHeabarj. 20 Uhr Dattericli Winter - Garten• IS Uhr Flora 3434 Riudui irlubl Bcdinl Taianl. Barrarntas lutsila Lcers, Paolo "1 » orludl I cfrtas usw. oeuumes meatei 8 Uhr UU'a lilUtzroog Antonius und deopafra von Shakespeare lojit: Utinz Uilprrt SlüdLOper charlnticnhurg Bi�marcksiraße 34|| «ittwoth, 30. Dez. Turnus hl Anfang 30 L'ln Der Troubadour Hndc gagen 23 Uhr Nachmitiac 14 Uhr HBnsel und Grote) Theater dosWestens Täglich SU Uhi Silvester 7 Uhr Karl Jöato in Der Vogelhänüler Leuins-Thiaiei Täglich ß1/» Uhr SiJvcsler 7 Uhr MorOen öelüs uns SM! Cid« Hosheim. Mai Hansen j Ordsest.Uaiosb«la■ VolKsbUhne Thtalti im BUlowpIit? 8 1,1.5 Die firoBiiorzauin voo Geroisloin Stull. Sdiiller-Dikätkr •S Uhr Datferich Theator im Admiralsoalasi Täglich 8' 4 Uhr Sllveoicr 7 Uhr Gitta fllpar in KMc lluharr.v Preise v. 0.50 M. an fnetropoi-ineaier Täglich SV. Uhr Silvester 7 Uhr Ein Lied der Liebe Hirli. Tauber Ann» Ablers forvtriiauliiouiiteriirodKo KomOitienhaus-i Sthittbauerdfiimn 25 D 2, Wiidwilamm 6h)4 8' 4 Uhr Silvester 7 Uhr fiaslsp.FmzSteinor „Rone von SUambul*1 Ader, Wobonky. Sleiiwr, Felix. Rolaniv Planetarium T'Z Blumcnspenöcn 'aghauBer.lo'Uag-- IPd8rAfl ". 7* �,ir ilefsrt preiswert Tabu Paul Colletz .. nirm.l« Rstwrt H.jif narfflennime Fa, ob«rb.Ha. 1303 Die Komodie Täglich SV« Uhr Die neniGBanK von Louis Verncuil mit llaxTallcnbcr� Rorlürstondamm- Theater | I 448— 8'. Uhr Usissi. lUgfridit-Pmilakt. Maua gonny von Brecht u Weill Ins?.: Neh?:. Musik. Lei Jung: von Zemlinsky ».«Ar CASINO-THEArER«1,. w»« l othritiijr r Sirafee S7. iiiiiiiiiiiiMiiiMniimiiitiiniiimiiiiiiMniiiiiiiiiiiiiiiMiiiiMiuiiiui Die neue Posse Was man aus Liebe tut Germania Praclüsäie ll4,Cbaiiuee*tn>0e 110 z WelOendamm«103. 6080 GroherSilvesierball Daru die Gesangs- und Tanr• Operette Da« üirhcMnnes- suapcr mii Pamdipolonaise ond UeberrasannSen und der bunte Varietr-Teil. Gutschein I-4 Personen: ParhcK 80 PI, Fauieuil I.— Mark. Sessel l jO Mark. Theater am Nollendorfplati Rijic: Hmu Sctioburj Pallas 7081 Täglich S1. Uhr S'gs. auch 4'.» Uhr Gasparone Rose- Theater Grob Fnnkfiirln SlnS; 13? Iii. Vloidisii E 7 342? 0 und 9 Uhr Eine Frau von Formet LiditbflrgJerliD-OeiQfldlironDeii 14 f> m ii Doli? Haas, ünstav FröOlUti n a. F: o x i ö n. Wochenschau. Bühne: Inlernallon. Variete nnd Bfihnensdtan Wochentags 4 Uhr. ingsndvorsteUg. Beginn: Wochen t. 4, 6.15, S.cO U Sonn- u. Feiert 2.30,4 45, 7,9.15 U. Ortskranlenlaffe für das Vuchdruckgewerbe tu Berlin Auf Grund der IV. Notverordnung des Neichspräsidenten zur Sicherung �vqn Wirtschaft und Finanzen vom 8. Dezember 19;!l müssen die Leistungen ou.' der Krankenversicher'lng vom 1. Januar 1932 ab auf die Negelleistungen beschränkt werden. Lausende Leistungen bleiben unberührt. Für die ob 1. Ja- nuar 1932 eintretenden Bersicherungs- fälle, treten die bisherigen satzungs- mäßigen Mehrleistungen somit außer Krofl. Berlin, den 28. Dezember 1031. Der Vorstand: Alfred Forsberg. Vorsitzender. Alfred E k st r ö m, Schriftführer. MIgemeineOrlsiiraakeiiiiasse für Bcrlln-SteglltL Brkannlmachuag. Durch die Bererdnuun des Herrn Rci-neririisidrnirn zur Lichrrung von Wirtichsit und Finonzrn usw. vom 8. Drzrmdrr l»8l siv. 4!otvrrord!iunil. Z. Tcil, Kon. I, Adschnilt 2. S 1) ist fcc, stimmt worden, hotz dir Lristungrn ou? der Kroukenorrnchcrung nur dir Brgrl. Ififtnrafn befthroutt wrrdrn. Loufrnde Sriftunflrn Mrthcu unbccilhri. Dir Bor. schritt tritt mit drrn 1. Ianuar IhSJ in Äraft..Hierdurch wcrbtit von diesem Taqe ab fämtlichr Mehrleistungrn UN. ferrr 51c er aufgedodrn. «erlin Stegli», drn 38. Dezember lSö8. Der Lorstflnd: L i e b r. Borsitzender. 3t o g l i». Cchristfilhrer. ssilr 8!e hetriiehe.Anteilnahme beim tleimgange meines liehen Mannes Friedrich Vinte sacc ich allen denen, die daran teilgenommen haben, meinen herzlichsten r»ank. Insbesondere danke ich dem Genofscn Uarnd;. dem Kollcijcn .Willy Döfsch vom 7d.V. Herrn• Stadtrat Arthur. irrgang.' der SPD.- Stadivcrordncieilfraktion bowie dem Volkschor Tempelhof-Mariendorf. Gertrud Vinte und Familie. Die Beisetzung der Urne findet heute, den 30. Dezember, nachm. 3«; Uhr. auf dem Friedhof der Frei- re.igiöscn Gemeinde. Berlin, Pappelaliec 15/17, statt. Philharmonie 8 Uhr Sinfonie• Konz. d.Plillliarmun.Orcli l")mg.Pro(.J.Pru»er Solist Th.i an dcrPas Klavir.r.Koarcrt Kr. 2 C-mgli-llidinijDiiigff Siif.KrJ Eroita Beetligvgs Eintritt 1 M. ')HEUEÖWÜf?5 Arnold Scholr. U-Babe HcrnsaanpUtz• Haseoheide 10» 114| Silvesterball io Oberbayern 6 Kapeilen— Humor— Stimmung j Einlak 0 Uhr Anfang 7 Uhr Freitag, den I.Januar I93Z Eröffnung Bockbier-Saison (ir. Otbsenbraferei, Gr. Schveinebraierei DlrBfiag«, Mittvocfa« und Donnerstags: Elitetage An allen Tagen Großer Alpenball 6 Kapellen/ Auf der Böhne: Neue Atiraklfonen-r Bayrische Bedienung EinUtz vocfaeBl«g<» Uhr. SoonUg. 4 Uhr �rtskrankenkaste der Klempner zu Berlin S. 14, Wallstraße 68. Bekanntmachung. Durch die IV. Notverordnung des Reichspräsidenten zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen vont 8. De° zember 1931 werden mit Wirkung vom 1. Januar 1932 die Lei- stungen der K r a n k e n v e r s i ch e. r u n g auf die R e g e l l e i st u n q e n herabgesetzt. Tonach steht den MitgUe- dern der Kasse zu: j) für Mitglieder: Kronkenhtlfe auf die Dauer von 26 Wo dien, gleich ärztliche Behandlung und Versorgung mit Arzneien und kleinen Heilmitteln, im Falle der Ar. beitsunfähigkejt Krankengeld vom vier. tri» Tage der Arbeitsunfähigkeit in Höhe von 29 Vroz. von» Grundlohn Hausgeld in Höhe des halben Kranken- geldes�(Kinderzufmläge zum Kranken- und Hausgeld, wie aus Taschengeld. kommen in Fortfall); Wochenhilfe ge maß 195 NPD.; Sterbegeld im zwan zigfache»» Betrag vom Grundloh»»; l»)»iir Angehörige: Wochen bilfe gemäß � 295, RBO.: Kronkenpflege auf die Da»» er von 15.Woche»» slste Ehefrauen»md unter. boitsberechtigte Kinder gleich grztlzche. Bebandlung in den A.mbulatw'ien und Versorgung niit Arzneien und kleinen. Heilmitt-ln. Van den Kosten der Arz- neien und kleinen Heilmitteln haben die Versicherten die Hälfte zu tragen. Die Bestimmungen des ß 29 der Satzung( Gewährung von Ausgüssen bei Kronkenhauspflege) und ß 29 h der Satzung(Gewährung non Sterbegeld beim Tode von Angehörigen) treten außer Krait. Berlin, im Dezember 1931. Der Vorstand: Sieglet, Vorsitze»? d-r. H ö p p n e r, Schrtstsiihrer. lüiliiilll! JUERGEN5 Alexanderplatz Neue KönigstP.4-3 Am 25. Dezember starb mein lieber gnier Ledensta:nerad, ui»scr geliebter Vater und Schwiegetvatcr, der Sterotnpcitr Otto Gottbsrckx nqch schwerem, mit großer Geduld ge-- ttogenem Iteide»: ,m.'�t. Lebensjahr. In tiefer Trauer Elsbrth Gollbardy, geh. Kalifch und Kinder Die Beisetzung findet o»:» 2. Januar 17 Uhr. im Krematorium Baum- schulenweg. Kieiholzstroß". sto'!.. veMek»elZllZibeiM'fMuiI i VcrraltaBgaatcUe Berlin Todesanxcigon D'» Tüttfllifbtm»at lBodiriiljt, doj UUjtt fluHegr, bts ttfllbilrc Otto Muse geb. IB. Siovembet 1881, ont 28. Dezember arfinrbcu ist. Die Beerdigung ssvdet»m Mit!. ivvm. dem ZU. Dezember, normittflgs II Ubr, oou der Ccirf)tnboDe des Irntral.Fricdhoses in ZriedriH�seldc bus flott._ Am 27. Dezember starb unser Kollege, der Wertziugmocher Karl Bastian ge» Ä. April I8»l. Die«biuaschcrung sindel Donnere, too. de» Zl. Dezember. IZ Ul>r, im! jlremotorium Serichlftroß« sla». Ehre ihrem Andenlen! Rege Beteiligung wird erwaele!. vir ortevenraUung. KLEINE ANZEIGEN JetfEsWortüPI. frtloidniilB Wirt 2 i W. (ralüMg 2 fcttgodnjdclt Wortt).- 4ai I.Weck(fetffidnidrt) 15 PI., jöv wtiim Wirt 10 Pf Worte irrt aehr ils 15 BaöistibCT rlhln fir zwti Worte. 4i»»e!?». veldis iär dir nahst« llww Iwlimmt sind.aässw hhtjdftJtwj 41/a übr nahmitl�s;b 4er Uwpt-kxpaliMw ihn Vorwärh, UniewtTiSe l. obgegrh« weNCT.Dinelb# ist wcdiratogj tob.■«8r5ßj»5 O1. 2 Ub/ bis Beäffl 5 übr onuBlerbrtdjen qöffrrt. Statt Karten! !Z!ir bic vielen Beweise berzlicher Teilnahme auläßlich des Hinscheiden« unlrrc« unvergegiiZien GalilN u»d Baicrs Wilhelm ttenicke sogen allen Berwandlen. Freunde». Bekannten,«deuossen..ssollegrii und Kameraden nnsercn>iesa-!Ui)Ilcstc,l Da»t Luise Henidte und Kinder. | iierhauie| velem. eiserne, jeder Art, Teilzahlung, trän« vorladle stachel. ose», Badewannen. iscsseläilN..stach Herde, Rcpara Iure». Die alte Firma Ccmmler u j Blcnderg. Dresde. nersira g e»8�_' ttinolenm szillal. stalonle ft-ogc a. masti Peptnx- Batterien sind durch längste Lebensdauer im/ Gebrauch am billigsten/ Polstermöbel. Meine Groß-Fobri. lation bietet Hhnen besondere Vorteile in Eouches. Klub. möbel, Ruhebetten. .?ede Extra-Anscrt». gung. Lieferung»rei Haus. Egon Plücker. Zimmcrstraße 7b.» Herren/immer 250—951). Rindleder- sofas 195. Kamer- ling, Kastanienallee 56(Ecke Fehr. bcllinerstraße). Gebrauchte Büromöbel im Hosspeirt)er. Lin. denstraße 71—72.. ffllBlH- instrumsntt SiatniOBes, Mietoianoa übet. ous»telsnuri Tlianafabtit Link Brun nenssrade 35* Brich koltigr, Lager gebrauchtet Markenklnoirrc. >80.—,'SU'),—. 4.41.—. Lehman». Slovict. hauet, Alexander. slraßc 37. 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Der Präsident der RegieninASZoiruriission des SaargMetes Sir Crnest Willon und das tschechilche Regierungsmitglied Dr. Franz Ae-enskn haben dem Vnlkerbunbsrot mitgeteilt, daß sie ihre Aenrtcr dem Rat zur Verfügung stellen; sie. lehnten«ine Wiederwahl ob. Der Völkerbundsrat wird bis zu seiner nächsten Sitzung am lS. Januar für andere Kandidaten Sorge tragen muffen. Präsident Wilton war seit längerer Zeit anüsmüde und wollte eigentlich schon im vergangenen Jahr das„ungastliche" Saargebiet verlassen. Er wurde am 8 Juni 1927 als Nachfolger des Kanadiers Stephon vom LSltsrbundsrat gewählt. Einen Monat später trat er sein Amt in der chindenburgstratze an. chorr Vczensky war ursprünglich Richter am Obergericht in Saarlouis. Regierungsmitglied wurde er ani AI. September 1924 als Nachfolger des Spaniers Espinofa da ws Monteros, der nach nur halbjähriger Regicrungstätigkeit plötzlich starb. Deutsches Rotrecht im Gaargebiet. Die Regicrungskomniisiion des Saargebiets verhandelte am Montag mit den Vertretern der Parteien und der Gewerkschaften über die geplante Ueber nähme der sozialen Ein« jchränkungen der Vierten Notverordnung der Reichsregierung für das Saargebiet. Die Regierungstommission hat bereits b«. schlössen, die neuen Sozialoersichcrungsbestimmungen in diesen Tagen zu veröffentlichen. Die Leistungskürzungcn sollen am.1. Februar in Kraft treten. Die Vertreter der Saarbevölkerung haben eingehend und nach- drücklich darauf hingewiesen, daß die Uebernahme der Bestimnmng«n dar Reichsnotoerordnung über die Sozialoersicherung allein rechtlich untragbar sei, da zum mindesten auch andere wesentliche Teile der Reichsnotverordnung, die eine Entlastung der Bevölkerung in wirtschaftlicher Hinficht bedeuten, gleichzeitig durchgeführt werden müßten. demgegenüber erklärte die Regierungstommission, daß sie bis zum. Februar, dem Zeitpunkt des Leistungsabbaues der Sozial» Versicherung, auch über die übrigen Punkte der Notverordnung, soweit sie für das Saargebiet in Betracht kamen, noch Beschlüsse fassen werde. Die Einfuhr wird gedroffelt. Zn Holland, Spanien, poien und Griechen and. Der Gesetzentwurf über die Kontingentierung der Einsuhr ist sitzt wn der Ersten Niederländischen Kammer angenommen worden. Dieses Gesetz gibt der Regierung die Ermächtigung, nach ihrem Ermessen bestimmte Einfuhrwaren zu kontingentieren, dos heißt deren Einfuhr auf eine bestimmte 5) ö h e festzusetzen. Das Gesetz soll Gültigkeit bis zum 1. Januar 1935 haben.— Im .ftinolick auf die handelspolitische Lag«, in die Holland bei seinen engen Verbindungen mit England und Skandmavien durch den Sturz des Pfundes und sämtlicher Kronenwährungen gekommen ist. kann zur Zeit angenommen«erden, daß Deutschland von diesen Drosselungsmahnahmen in Holland nur wenig oder gar nicht betroffen wird. Das neue Kontingentsgesetz scheint vielmehr als Gegenmaßnahme gegen das Währungsdumping der ge- nannten Länder zum Schutze dar holländischen Wirtschaft gedacht zu sein. Allerdings besteht nach allen Erfahrungen die Gefahr, daß �in Land, das prst«sinmaf �en gxWrstchen Weg der Emfuhrkontln- �aenticrung betreten hat, nahezu zwangsläusig unter dem Druck neuer inländischer Jnterejsenforde.rungen sich zu immer weiteren Konzessionen an die Schutzzötlner entschließen muß. Der neue spanische Präsident hat gleichfalls ein Geseg unterzeichnet, das für wichtige Importwaren die Kontingentrerung vorsieht. In der Begründung heißt es, daß Spanien zu einer Ein- inhrdrosselung gegen die Länder gezwungen ist, die den spanischen Produkten allzu große Beschränkungen auferlegt hoben. Also auch bei diesem spanischen Einfuhrgesetz scheint es sich um ganz offen- sichtlich« Aergeltungsmaßnahmen zu handeln. Auf dar bisherigen KontingentSlist« stehen auch wichtige Fabrikate, die Deutschland sehr stark angehen, so elektrotechnisch« Fabrikate, Auto- mobile usw. Don Bedeutung ist diejenige Bestim>nung des Ge- lstzes, daß bei künftigen Handelsverträgen die Meisthegünstigungs- klausel nicht mehr allgemein, sondern nü? für bestimmte Artikel de» willigt werden soll. In Kürze wird Spanien in Verhandlungen wegen Revision der Handelsverträge eintreten, die nicht diesen neuen Bestimmungen entsprechen. In Polen wird dieser Tage ein« Reihe von Zolloerordnungen erlassen, die für 79 HaMptposten und 2Ö0 Unterpssitionen scharfe Zollerhöhungen und sogar völlige Einsuhrverbote vorsieht. Der deutsche Export wird besonders durch Eim'uhrverbote auf Nähmaschinen, Rahioa parate, elektrotechnische Artikel, Apparaturen und Textilgewcbe von diesen Verordnungen in Mitleidenschaft gezogen. Die neuen Maßnahmen treten am 1. Januar in Kraft. Damit auch der Balkan bei diesem handelspolitischen Hexen- sabbath nicht fehlt, hat der griechische Außenminister gleichfalls nahe b.svorstebende Kontingentierungsmahnahmen angekündigt, wobei die Hauptabnehmer griechischer Waren bevorzugt werden sollen. Japan gegen fremde Militärattaches. Vorwurf der einseitigen Berichterstattung. Tokio. ZS. Dezember. In einer Erklärung für die Presse gab das Kriegsministerium seinem großen Befremden und Unwillen über die Be- richte der fremden Militärattaches und diplomatischen Beobachter, besonders der Engländer und Amerikaner in Tschintfch- au. Ausdruck, auf deren Mitteilungen sich offenbar der letzte Schritt dw: drei Mächte in Tokio gründe und auf die es wohl auch zurückzuführen sei, daß die Ehinesen Tschintschau niäit räume» wollten. Gegenüber den ermohisten Berichten sei zu erklären. Japan besitze schlagende Beweise, daß die Zunahme des Banditentums in der südlichen Mandschurei unmittelbar vom Hauptquartier in Tschintschau veranlaßt worden sei. Diqses leite auch die Tätigkeit der Banden, obwohl e? selbst den Schein aufrecht ZU erhalten suche, daß die Banden selbständig handelten. Um eine weitere Irreführung der fremden Regierungen durch örtlich beschränkt« Beobachtungen zu verhindern, werde Tplio unter Um« standen■ offiziell bei den Mächten protestieren und Beweise für agresflve Handlungen des Hauptquartiers von Tschintschau vorlegen. Das Kriegsspiel geht weiter. Tokio. 29. Dezember.(Reuter.) In den Morgenstunden belegte ein s a p a n i s ch« s Flug- zeug eine stärkere chinesische Abteilung hei Panschan mit Bomben. Die Chinesen erwiderten mit Maschinengewehr, und Geschützfeuer. Schließlich zogen st« sich zurück und ließen eine japanische Abteilung m Panschau einrücken. Der Daneben-Wahrsager. Hitler:«.Im Vertrauen auf Ihre Orakel habe ich felsenfest prophezeit, daß ich noch �93lt zur Macht käme. Jetzt schreiben wir Jahresschluß— und nichts ist! Ich kündige Ihnen und verfuch's mal mit der Wahrsagerin von Sklareks.� Italiens Spuren schrecken! Not und namenlose Greuel, die Krachte des Kaschismus. Locarno. End« Dezember.(Eigenbericht.) Nicht im Zeichen des Weihnachtsfriedens und froher Neujahrs- Hoffnungen zieht das neue Jahr für Italien herauf, sondern im Zeichen des Kampfes, der heute nicht mit goldenen Verheißungen, sondern mit eisernen Forderungen vor das italienische Volk tritt. Während in Deutschland und Oesterreich die Reaktion Italien und seine Diktatur als Musterbild bürgerlichen Friedens und nationaler Disziplin hinstellt, züngelt in dem Lande, das der Faschismus als Beute beansprucht, schon der Bürgerkrieg. Noch nicht als offener Brand, aber in zahllosen lleinen Herden, die die Diktatur sich zu ersticken eilt, während sie mit angstvoller Spannung nach Mittel- europa schaut, wo der Faschismus siegen soll, ehe er in Italien zusammenbricht. Wenn Mussolim, der keine italienischen Parteien duldet, im ganzen Lande Hiilerfiliolen errichten läßt, so weiß er wohl, warum. Er hat es noch eiliger als Hitler selbst, Deutschland unter.der Diltatur zu sehen. Es hängt von den demokratischen Kräften hühen und drüben ab, daß der italienisch« Faschismus den Anschluß an das Drille.. Reich verpaßt. Zwei wesentliche Erscheinungen hat das Jahr 1931 gezeitigt; es hat in der ganzen Welt, namentlich aber in Mitteleuropa, die Erkenntnis geweckt, daß der Faschismus eine interna- tionala Drohung ist, gegen die auf verschiedenen, mit ein- ander solidarischen Fronten gekämpft wird, und«s hat zu einer Einigung in dar antifaschistischen Bewegung Italiens geführt. Man kann wohl sagen, daß die Kampffront gleichzeitig erweitert und verstärkt worden ist. Di« Einigung im aatifaschistischcn Lager. der im Jahre 1939 die Einigung innerhalb dar sozialistischen Bewegung vorausgegangen war. findet ihren Ausdruck einmal in dem Einvernehmen zwischen der antifaschistischen Konzentrotion und der südslawischen Opposition, dann in dam Zusammengehen der Konzentration und der revolutionären Bewegung„Gerechtigkeit und Freiheit*. Als ein Aktionskomitee aus Angehörigen der republika- nischen, sozialistischen und bürgerlich-rodikalen Partei entstanden. hat dies« Bewegung zunächst außerhalh aller Parteien gewirkt, viel- fach parallel mit deren Aktion. Heute besteht nun»in Einoernehmen, demzufolge„Gerechtigkeit und Freiheil* planmäßig mit der Kon- zentration zusammenarbeitet, so daß die bisherige Kräften erschwer- dung vermieden wird, ohne daß darum der Aktion bürokratische Fesseln angelegt würden. Auch die winzige monarchische Opposition gegen den Faschismus, die sich um die„Alleanza Nazionale" scharte, ist heute ausgegangen im denwkrotisch-republikanischen AniisaschU» mus. D e B o s i s salbst hat durch seinen Opfertod die von ihm geführte Bewegung aus der Enge einer überlebten politischen Aus- sosjung in die breite Front des Befreiungskampfes geleitet. Heute steht das ganze antifaschistische Italien hinter der Konzentration mit der einzigen Ausnahme der Kommunisten, die die italienische Diktatur auf das schärfste bekämvft. soweit sie im eigenen Lande wirken, um in der auswärtigen Politik.mit der Sowjetrepublik in innigster Freundschaft zu leben. Angriff und Abwehr stnh beute in Italien heftiger und er- bitterter, als sie es vor einem Jahr« waren. Das Bewußtsein, daß die heutigen Zustände unerträglich sind, aber eine Aenderung nur durch schwere Kämpfe errungen werden kann, ist viel mehr ver- breitet. Tag für Tag werden Flugschristen von„Gerechtigkeit und Freiheit* von der Polizei aufgestöbert, immer wieder kommen ihre Mitglieder vor das Ausnahmegericht und werden zu Jahrzehnten Zuchthaus verurteilt. Allein im Dezember des Jahres 1931 sind zehn Milizleute als Opfer des Hasses gegen das Regime gefallen, nämlich in P i a n o d i A a l b a g n o ein Offizier der Miliz, in Barrafranca(Meflina) drei Schwarzhemden, die während einer Arbeitslosendemonstratinn getötet wurden, in Verona ein llnterostizier der Forstmiliz, in V 0 r a l! o der Sekretär des Fascio, in P i a c e n z a. ein Miliz» mqnn, her am hellen Tage erschossen wurde, in Antignana d'Asti ein anderer durch Rsyotverschüfse. einer in Görz durch eine Bombencxplosion im Hause, des Fascio und schließlich ein A» gehöriger der M ailänd er Miliz, der von Arbeitslos«» überfallen und schwer verwundet wurde. In Barle Ha(Apulien) haben Hunderte von Arbeitslosen die Stadt unter dem Ruf« durchzogen: „Nieder der Faschismus! Wir haben Hunger!* Die Miliz hat angegriffen, die Meng« hat sich gemehrt, und es hat einen Toten und dreißig Verwundete gegeben. In E u n e o haben die Rekruten des Infanterieregiments Nr.. 193 gemeutert wegen der schlechten Ver- pflqgung und der allzu strengen Disziplin. Man sieht, das Land ist müde und übermüde. Gegen diese Ilnznsrietoenheit und Unruhen geht der Fafchis» mus mit immer brutaleren Methoden an. Man erinnert sich, daß am 28. Mai der Anarchist Schirr» erschossen wurde, nicht wegen eines Attentats auf Mussolini, sondern nur wegen der Absicht eines Attentats. Wegen Propaganda für„Giustizia e Liberta" haben Professor R o s s i und Riccardo Bauer zwanzig Jahre Zuchthaus bekommen. Auf die Greuel in den ilalicnischen Gesängnissen wirft eine Verhandlung grelles Licht, die soeben in Mailand statt- gefunden hat. In dem berüchtigten Mailänder Gefängnis von San Vittore hellte man im März dieses Jahres einen nicht politischen Gefangenen bewußtlos und blutüberströmt in seiner Zelle gefunden. Sterbend beschuldigte er seinen Mitgefangenen, ihn mißhandelt zu haben. Di« Autopsie ergab: Bruch des Unterkiefers, mehrerer Schädelknochen, des Brustbeins und zahllose Weichteilverletzungen am ganzen Körper. Beim Prozeß kommt heraus, daß viele Mit- gefangene den Unglücklichen haben um Hilf« schreien hören. Sie sagen aber aus, sie hätten den Schreien„keine Bedeutung bei- gemessen* Wie sollten sie auch? An derartige Tön« ist man in italienischen Gefängnissen gewohnt und hall sie für natürliche T«- gkeiterscheinungen einer— saschii tischen Amtshandlung. Greueltaten ohne gleichen berichtet die vom Genossen Turati herausgegeben« Korrespondenz„Itoliq". In Neapel wurden vor einigen Monaten die Aerzte Reale und C a t a l a n i, ein Ingenieur N u n z i« ante und dessen Bruder, ein Rechtsanwalt, verhaftet. Al? ein- ziger. der sie hätte der Polizei anzeigen können, kam ein Arbeiter. Rippa in Betracht, den man als ehrlich und treu kannte. Erst jetzt erfährt man, daß Rippa tatsächlich der Anzeiger war, und mqn erfährt nicht, unter wie furchtbaren Bedingungen er es werden mußt«. Man hat ihn im Gefängnis tagelang auf den nackten Leib mit dem Ochsenziemer geschlagen. Als er nicht gestand, ließ man die Frau und zwei klein« Kinder des Gefangenen kommen und schlug ihn, dessen Körper schon ganz von Blut überströmt ipar, in ihrer Gegenwart. Der Wackere gab noch immer nicht nach, und da griff man zum Aeuhersten: man zog die Kinder aus und hieb aus sie ein. vor drn Augen des Vaters. Und die blutigen Striemen auf den Äinderleibern lösten dem Mann die Zunge. Er, der Ehrliche und Treue, gab die Nomen preis. Die Wirtschaftskrise, sa furchtbar sie ist, ist nicht das Furcht- barste im heutigen Italien. Sie lastet auf dem Lande mit derselben Wucht wie in den andern Staaten, schwerer, weil die Ar» beiter gamz wehrlos sind, weniger unerträglich nur in- sofern, als das mildere Klima die Qualen der Kälte erspart. Mit all seiner„Zusammenarbeit der Klassen* hat der Faschismus die Krise in keiner Weise zu bändigen vermocht. Sie dient ihm qls Alibi, weil die Diktatur, die auch ohne die Weltkrise die Arbeiter» schaft verelendet hätte, jetzt wenigstens der allgemeinen Wirtschafts- tust die Schuld geben kann. Viele Arbeiter in Italien wissen gor nicht, daß in Sachen Krise der Faschisinus wirklich originell und schöpferisch war, indem er ganz auf eigene Faust durch seinen maß- lysen Parasitismus, durch die Vergeudung und Unehrlichkeit der Verwaltung, durch die Gänzelung der Industrie und deren periodische Brartdschatzung durch die Hierarcheu das Land wirtjchasllich ausgeblutet hat, ohne erst- den Kräfteverfall der kapitalistischen Welt abzuwarten. Als Folge der Not sinkt die Zahl der Eheschließungen und Geburten, aber die der Todesfälle steigt. Das Jahr 1931, das bekanntliäz dos Ende der faschistischen Ausnahmegesetze und des Ausnahmegerichts— beide solsten fsins Jahre dauern— bringen sollte, hat sie zu dauernden Einrichtungen des faschistischen Regimes werden sehen. Es hat auch ein faschisti« sches Strafgesetzbuch und eine faschistische Strafprozeß- o r d n u n g gebrocht, durch die Italien geistig immer mehr von Europa abrückt. Di« Garantien des Individuums gegen Uebecgriff« der Staategewalt werden abgebaut, die Recht« der Verteidigung schrumpfen zusammen. Bei Beschuldigung wegen Verbrechens im Amt. die zu einer Vorleumdungsklage führte, ist das Antreten des Wahrheitsbeweises verboten. Uiüersuchungshaft. wird die Regel. Di« nGeschworenen sind abgeschafft, die Todesstrafe wird wieder ein« geführt. olle Strafen werden ungeheuer erhöht. Für den Faschismus gilk dies als Ausdruck der Kraft und qis Mittel, neue Kraft zu erwerben. In Wahrheit ist aber der fein« eigenen Bürger angreifend« Staat nur eine Partei, die die Macht- mittel des Staates gestohlen hat, ein als Gendarm verkleideter Wegelagerer. Man fängt heute an, zu merken, daß er die Straßen ganz Europas unsicher macht.—. Gewerkschasten unerschüttert. In den Beineben der Metallindustrie glänzend behauptet. Aus der Konferenz des Reichsbcirats der Betriebsräte und der Konzernoertreter in der Metallindustrie wurde nach Beendigung der Debatte über die Rationalisierung die Betriebsräte- b e w c g u n g im Jahr 1931 behandelt. Betriebsrätcfekretär Bührig stizzicrte das Ergebnis der Betriebsrätewahlon 1931, denen ein Wohlkampf uon einer Heftigkeit und Erbitterung voraus- ging, wie er feit Scliofsung des BRG. nicht ausgetragen wurde. Die K o m m u n i st e n waren 1930 zur Bildung eigener Organisationen übergegangen, nachdem ihr Vorgehen bei den Betriebsrätewahlcn 192!) und 1930 sowie ihre Versuche, be- stimmend in die gewerkschaftlichen Kämpfe einzugreifen, sie aus den Gewerkschaften ausgeschaltet hatte. Auch die National- s o z i a l i st o n hielten den Augenblick zu einem Angrisf auf die Gewerkschaiten für gekommen. Die Gewerkschaften befanden sich damit in der Abwehr nach links und rechts. Dennoch ist der Wahlausgang ein voller Erfolg gewesen. Es ist nicht gelungen, ihre Stellung zu erschüttern. Das beweisen die vom Vorstand des DMV. vorgenommenen detaillierten Erhebungen über die Betriebsrätcwahlen 1931. In 19199 erfaßten Betrieben mit 1,48 Millionen Beschäftigten(darunter'298 773 An- gestellten) wurden'24 317 Arbeitervertrcter und 393S Angestellten- Vertreter in den Betriebsrat gewählt. Bon den Mandaten ent- fielen 62,36 Proz. auf die freien Gewerkschaflen, 7,32 Proz. auf die Christlichen und 1,62 Proz. auf die Hirsch- Dunckerfchen Gewerkschaften. In den Rest von 8,7 Proz. teilen sich sechs andere Gruppen, und zwar die RGO.-Kommnnifton. stnionisten und Syndikalisten, Nationalsozialisten, Stahlhclmer, Gelbe sowie die Unorganisierten. Die Kommunisten, die sich 1939 in 213 Betrieben an der Wichl beteiligten, reichten 1931 in 452 Betrieben Borschlagslistcn ein. Wesentlich zurückgegangen ist durch ihr Auftreten die Bewegung � der Unionisten und Syndikalisten.. 147 von 10190 Mandaten haben die Nazis einzig auf kosten der früher als Unorganisierte zufommcngesaßten Gruppen erreicht. Bei den Angestellten zeigt die Mandatoerteilung 1931 im Vergleich zu 1939 für die freien Angcstelltenverbände leider ein ungünstigeres Bild. Die AsA-Aerbände konnten sich 1931 nur 55.1 Proz. der Mandate holen(im Vorjahr 62,1 Proz.), die gsgne- rischen Gewerkschaften erzielten 31,77 Proz. der Mandate(26,4), aus Nazis, Stahlhelmer, Gelbs usw. sowie aus Unorganisierte ent- sollen 13,13 Proz. der Mandate(11,5 Proz.). Die NGO. ist bei den Angestellten nur mit 9,95 Proz. vortreten. Delegierte in den Aufsichtsrat wurden in 682 11n- ternchmungen gewählt. Auf 538 Betriebe entfallen je zwei Ver- trctcr, deren Gesamtzahl beträgt also 1229. Vorstand und Beirat des DMV. haben im Juni 1931 neue Richtlinien zur Zusammenfassung der Betriebsräte im DMV. be- schlössen. Diese Richtlinien sollen und werden die Zusammenarbeit zwischen Betriebsräte und Vorstand fördern und festigen. Diese Zusammenarbeit wird angesichts der den Betriebsräten im neuen Jahr bevorstehenden Aufgaben eine dringende Notwendigkeit. Die Bctriebsrätewahlen für 1932 sind durch die Notverordnung aus- gehoben. Die Betriebsräte können also ihre gesammelten Er- sahrungen auch 1932 zum Wohl der Arbeiter mchbar anwenden. Die Wirtschaftskrise hat die Stellung der Betriebsräte stark berührt. Die Erschütterungen des kapitalistischen Wirtschaftssystems wirken sich aus. Die Betriebsräte haben daher Hand in Hand mit den Gewerkschaften jetzt und in absehbarer Zukunft praktische wirtschafts- und sozialpolitische Aufgaben zu erfüllen. Brandes sprach über die von einigen Rednern kritisierte Tolorierungspolitik der SPD. Partei und Gewerkschaften verfolgen die— selbst von Lenin und Trotzki empfohlene— Taktik der Kompromisse im ureigensten Interesse der Arbeiterschaft. Lieber hente wie morgen würden die Führer der Gewerkschasten der Regierung Brüning jede weitere Hilse verweigern, wenn m a n damit der Arbeiterschaft irgendwie Helsen würde. Wir dürfen unseren Feinden nicht freiwillig die Macht in die Hände geben. Genosse Lustig bekundet im Namen der anwesenden Ver- trcier der Angestelltenoerbändc die innige Verbundenheit zwischen Arbeitern und Angestellten und betont die Notwendigkeit gemein- samer Arbeit. Nach einer Reihe geschäftlicher Miltellungen wurde die Tagung mit einem dreifachen Hoch aus den Deutschen Metall- arbeiteroerband geschlossen. Freie Hand den Ltniernehmern. Sie KpO. unterwirst sich. Die Leser des„Vorwärts" kennen die Bestimmungen der Not- Verordnung über den Äbbou der Löhne und Gchällcr. Sic kennen die durch das Wolfsbüro verbreitete Erläuterung über die Durchführung dieser Bestimmungen. Wie haben aufgezeigt, daß diese Bestimmungen, soweit sie die Löhne und Gehälter in Privatbetrieben betreffen, 1. nur da anwendbar sind, wo Toris- vertrage bestehen,'2. nicht einseitig von den Unternehmern durchgeführt werden können und also auch nicht automatisch in Kraft treten mid 3., daß eine UnternelMergruppe nicht gezwungen werden kann, unter gllen Umständen bis an die äußerste Grenze des Lohndruckes zu gehen— für den durchaus unwahrscheinlichen Fall) daß eine Unternehmerorganisation existierte, die die Möglichkesten des Lohnabbaues nicht voll ausschöpfen wollte. Man sollte nun meinen, die kommunistische Presse würde die Gelegenheit bcmitzen, um die Arbeiter endlich über die Grenzen des Lohnabbaus zu unterrichten. Aber man erlebt bei der KPD. immer wieder Uebcrraschungen. Die„Rote Fahne" bemerkt zu der Erläuterung dos Wolffbureaus kurz und bündig, daß der Lohnabbau somst ab l. Januar cchne weiteres wirksam werde, ganz gleich, ob darüber verhandelt worden sei und ob die Parteien einig geworden seien oder nicht. Die„Welt am Abend" widmet der Erläutermig, die sie aber nicht oeröffentlickst, einen langen Artikel überschrieben:„Lohnabbau ohne Verhandlungen." Der Artikel beschränkt sich in der Hauptsache daraus, den Arbeitern und An- gestellten einzureden, daß alle Löhne und Gehäller„unter allen limständen" ab l. Januar um 19 oder 15 Prozent gesenkt werden. Die Unternehmer würden sich schmunzelnd die Hände reiben, wenn sie nicht wüßten, daß die Arbeiter in Lohn- und Gehaltsjragen sich nach den Beschlüssen der Gewerkschaften richten und sich den Teufel um das Geschreibe der koinmunistischen Presse lümmern. Warum aber diese Jutrciberdienste für die Unternehmer? Die KPD. will sich und ihrer NGO. ein Alibi verschaffen für ihre unbedingte Unterwerfung unter die Not- Verordnung. Wohl behauptet die KPD, sie und ihr« RGO. führe. In Wirklichkest besteht die Fühnrvq in einem ewigen Ge- schimpfe auf die Äciverkschaitcn und die Sozialdemokratie. Sonst prlrgt die KPD. wenigstens die„Massen" zu„mobilisieren", d. h. mit Aufrufen zu bombardieren. Diesmal aber wagt sie nicht cimnal ihre papierenen Entschließungen loszulassen. Sie unterwirst sich oorbehaltslos und versucht überdies der Arbeiterschaft einzureden, die Untenrehmer könnten und müßten den Lohnabbau diktieren. Das nennt sich„rcvoüitionöre Gcwerkschastsopposition". ArbeiisvermiiilungundGparkommissar Oie Angestellten gegen da6 Gutachten. Die Arbestsoermrtller des Arbeitsamtes Berlin-Mitte nahmen am Montag in einer vom Betriebsrat einberufenen Versammlung im Gewcrkschaitshaus' zu dem Gutachten des Reichsfpar- k o m m i s f a r s über die Berliner Arbeitsämter Stellung. An der gutbejuchlen Versammlung nahmen die Vertreter der Gcwcrk- s ch a f t e n aller Richtungen, sowie die Verwaltungsaus. schußmitglieder teil. Die Genossen Bredow, Vorsitzender des Orts- ausschusies Berlin des ADGB., und Zeitz vom ZdA. beleuchteten dieses Gutachten, das ein Sammelsurium von Ueberheblichkeiten, Irrtümern und Angriffen auf die Angestellten der Berliner Arbeits- ämter darstellt. Was in diesem Gutachten über die angebliche Un- sähigkeit der Arbeitsvermittler zur Ausübung ihres Berufes, über He falsche Organisation der Arbeitsvermiktlung in Berlin, und ähn- iiche Dng« gesagt wird, geht zwar auf die 4 99 Seiten der Denkschrift des Sparkommissars, aber auf keine Kuhhaut. Der Sparkommissar stellt die Berliner Arbeitsvermsttler als die größten Drottel.hin die es überhaupt gibt. Das Kernstück des Gutachtens ist das Kapitel über die Fach- a r b e i t e r v e r m i t t l u n g, mit der der Sparkommissar gründ- lich ausräumen möchte. Seine Borschläge über die Dezentrali- sierung der Fachvermittlung lausen praktisch aus die Zerschlagung dieser Einrichtung hinaus, obwohl über deren Zweckmäßigkeit volle Ucbereinstimmung zwischen linier- nehmer-, Arbeiter- und Angestelllenveriretcrn herrscht. Die Verwirk- lichung der Porschläge des Sparkoniniissars hinsichtlich der Fachvermittlung müßte sich zwangsläufig zuungunsten der zu vermittelnden Arbestsloseit auswirken und sowohl die Vermittlung der Facharbeiter alz auch die Mstwirkung der Gewerkschaften an der Selbstverwaltung in der Arbeitsvermittlung erschweren. Die vom Sparkommissar vorgeschlagenen Pcrsonalein- s ch r ä n tu ii g e n müßten zur Katastrophe führen. Allein beim Arbeitsamt Lctliu-AIitte sollen 176 Angestellte abgebaut werden, da- von in der Arbestsvermittümg 63, von insgesamt 385 Angestellten. Rund 299 Angestellte sollen um 1 bis 3 Besoldungs- g r u p p e n tiefer« i n g« st u s t werden, was für eine erheblich« Zahl von Angestellten eine Kürzung Ihres Einkommens um die Hälfte und teilweise noch mehr bedeuten würde. Die Referenten sprachen die Erwartung ans, daß ine Gewerkschaften aller Richtungen gegen diese ungeheiierlichcn Vorschläge alles aufbieten werden, um ihre Verwirklichung zu verhindern. Die Arbeitsvermittler brachten zum Ausdruck, daß sie den Kampf der Gewerkschaften, insbesondere den Widerstand gegen die Zer- trümmerung der Fachvermittlung in jeder Weise tat- kräftig unterstützen werden. Vergessene Zugend. Kulturelle Betreuung tut not. Wie steht es mit der kulturellen Betreuung der jugendlichen Arbeitslosen? Bereits Ende November hat der ÄDGB. die für die Betreuung in Frage kommenden Behörden darauf aufmerksam gemacht, daß unbedingt für die notwendigen kulturellen Maß- nahmen zugunsten der jugendlichen Arbeitslosen etwas geschehen muß. Das Jahr geht zu Ende, man hat aber bis jetzt noch nichts davon vernommen, ob und wie die maßgebenden Stellen die Forde- rung des ADGB. berücksichtigen wollen. Die Betreuung der jugendlichen Arbeitslosen nur voy der b e- r u f l i ch e n Seite her kann in einem Augenblick, wo es mit den Berufsaussichten des Nachwuchses so überaus schlecht bestellt ist, unmöglich genügen. Wenn die Erwerbslosenveroitstaltungen ihren Zweck erfüllen wollen, dann müssen in ihnen berusliche Bildung und Betätigung mit Allgemeinbildung, Leibesübungen und der- gleichen in engste Verbindung gebracht werden. Mit einem Wort: auch kulturelle Betreuung ist notwendig. Sic sicherzustellen ist Sache des R c i ch s i n n e n m i n i st c r i u m s. Für berufliche Ansbildung von jugendlichen Arbeitslosen, die nicht von der Reichsanstalt betreut werden, also Wohlsahrtsunter- stützung beziehen, ist schon vor längerer Zeit eine Million bereit-. gestellt worden. Ebenso ist eine Million flott gemacht worden, damit die Jugendlichen, für die keine Arbeitslosenuitterstützung gezahlt wird, auch an dem freiwilligen Arbeitsdienst teilnehmen können. Wenn wir nicht irren, war geplant, daß das Reichsinnen- Ministerium eine Million für jugcndpflegcrische und kulturelle Maßnahmen zugunsten jugendlicher Erwerbsloser zur Verfügung stellt. Wann wird dieser Plan verwirklicht? Wenn der Winter vorüber ist? Borsig schließi auch in Oberschlesien. „Vorsorgliche" Kündigung sämtlicher Angestellten. D c u l h e a(O.-Schl.). 29. Dezember. Nach einer Milleilung der Verwaltung hat die O b e r s ch l e- fische Borsig-Iverk A.-G. sich entschlossen, sämtlichen Ange- stellten ihres Hüttenwerkes vorsorglich zu kündigen. Diese Maßnahme wird damit begründet, daß der Auftragseingang bei der hülle in der letzten Zeit ständig zurückgegangen ist und die Aussichten sür die Entwicklung des Absahes in der nächsten Zukunft völlig unklar seien. Die Gesellschaft müsse daher für die Bemessung de» Betriebsumfange» auch bei personalausgaben völlig freie Hand haben. Die Grube und die Kokerei der Borsig-Werk A.-S. werden von dieser Maßnahme nicht betrosscn. i» Achtung, Lorsig-TegeU Heute, Mittwoch, von �11 bis 12 Uhr Restlöhnung im Borstg-Kastno. Der Betriebsrat, Goerz. Klagen der Außenmonteure. Wie die Llnternehmer Qualitätsarbeit fchähen. Die im Deutschen Metallarbeiter-Verband organisierten Berliner Außenmonteure kamen am Sonntag zu ihrer traditionellen Weihnachtsoersammlung zusammen, die dem Austausch ihrer Erfahrungen untereinander und der persönlichen Fühlungnahme mit ihren Organisationsvertrctern dient. Die Äußeninonteurc, die im Verhältnis zu den Belegschaften ihrer Betriebe nur eine kleine Zahl von allerdings hochqualifizierten Facharbeitern sind, haben unter dem Krisendruck ebenso zu leiden wie die Wertstattarbeiter. Dos Bereisen fremder Städte und Länder und die persönliche Freiheit des Monteurs on seinem jeweiligen Arbeüsort sind längst nicht mehr so beneidenswert, wie es noch manchem seiner Werkstatt kollegen erscheint. Seme Bezahlung ist nur noch in wenigen Fällen besser als die des qualifizierten Fach- arbeiters im Betriebe und seine Montagezulage, genannt Auslösung, kaum so hoch, um den Mehrauswand für Zimmermiete, Beköstigung und dergl. am Montageort begleichen zu können. Wie Genosse G r o n berichtete, haben die Metallindustriellen nach der Senkung der Berliner Metallarbeiterlöhne auf Grund der Notverordnung die Forderung gestellt, auch die A u s l ö s u n g s- s ä tz c der Monteure im gleichen Umfange zu kürzen. Der Metall- arbeiterverband hat dieses Ansinnen zurückgewiesen, da in der Not- Verordnung nur von einer 19- bzw. 15prozentigeii Lohn- oder Gehaltsscnkung die Rede ist, nicht aber von der Senkung der Sonderzulagen. In den Besprechungen der Gewerkschaften mit Vertretern der Reichsregierung ist auch ausdrücklich erklärt worden, daß an eine Kürzung der Sonderzulagcn auch der Monlagezuschläge nicht gedacht sei. Der Schlichter, der in einem ähnlichen Streitfälle der Auffassung der Gewerkschaftsvertreter beigetreten ist, dürft« auch in dicsem Falle keine andere Entscheidung treffen. Gegen das Verlangeii des BBMJ., die Auslösungssätze zu kürzen, wurde von den Monteuren scharf protestiert. Genosie Eron versprach, die Organisation werde entsprechend den Anregungen der Versammlung handeln und in der nächsten Versammlung am Ostersonnabend über die Schritte der Organisation berichten. An Stelle des verstorbenen Geiwsseu Schmalz, der ein Jahrzehnt die Berliner Monteurbewegung ehrenamtlich geleitet hat. und dessen aufopfernder Tätigkeit die Versammlung ehrend gedachte, wurde Genosse Melzer von der ACG-Turbinenfabrik zum Obmann der Berliner Monteurkommission einstimmig gewählt. Die Angestellien im Brauereigewerbe. Was ihnen als Weihnachtsgeschenk beschert wurde. Vor dem Schlichter wurde am Heiligen Abend über die Fest- setzung der Gehälter ab 1. Januar 1932 sür die Brauereiangestell- ten auf Grund der Notverordnung verhandelt. Wie bereits be- richtet, verlangten die Unternehmer einen Abbau von 15 Prozent, mit der Begriindung, daß die ab 1. Oktober durch Schiedsspruch festgelegten Gehälter infolge Einführung der Kurz- arbeit ab 16. August nicht zur Auswirkung gekommen seien. Der ZdA.-Vertreter behauptet« dagegen, daß die ob 1. Oktober gültigen Gehälter bereits Anwendung gesunden haben. Der Schlichter hat c n t s ch i ede n, daß ab 1. Januar 1932 die ab 1. Oktober sestgesehten Gehälter um 10 Prozent zu kürzen sind. Die„sozial"«ingestellten Unternehmervertrcter forderten darüber hinaus, daß auch die Sozialzulagen um 19 Pro- zent zu kürzen sind. Aber auch in dieser Frage mutzte ent- schieden werden, daß diese Zulagen von einem Abbau nicht betroffen werden können. lieber eine Sl ender ung de» Kurzarbcitsabkom- mens hatte der Schlichter leine Möglichkeit, zu entscheiden. Die Unternehmer haben jedoch erklärt, daß sie es ablehnen, über eine Kürzung des Abzuges von 15 Prozent zu verhandeln. Unerhört ist es. daß die Angestellten zu Kurzarbeit gezwungen werden, obwohl so große Arbeitsüberlastung besteht, daß unbezahlte Mehrarbeit geleistet wird. Es ist die Frage aufzuwerfen. welchen Sinn dann iroch ein Abkommen über Kurzarbeit haben soll. Der Z e nt ra lve rb o n 0 der Angestellten wird die Aussichtsbehörden veranlassen, gegen derartige Maßnahmen eützli- schreiten. Den A n g e st« l l t e n muß gesagt werden, daß bei der Durchführung der beabsichtigten Maßnahmen ihre Unter- stützung dringend notwendig ist, und daß sie darüber hinaus dazu beizutragen haben, daß der letzte Angestellte die frei. gewerkschaftlich-- Front im ZdA. stärkt. �0 Prozent bei Brauereiarbeiiern. Der Konflikt über die Neufestsetzung der Löhne der Berliner Brauereiarbeiter, der wegen der Auslegung der Notucr- ordnung entstanden ist, ist durch den Schlichter entschieden worden. Die Brauereumternehmer forderten einen 1 5 p r o z e n- t i g c n Lohnabbau, weil der ab 1. Oktober fällige Lohn- a b b a u, der infolge des teilwcisen Lohnausgleichs bei der Ein- führung der Fünftagewoche in den Brauereien praktisch noch nicht wirksam geworden ist. Der Schlichter Hot diesen Einwand der Brauereibesitzer nicht gelten lasten und endgültig dahin entschieden, daß die Brouoreiarbcitcrlöhne ab 1. Januar nur um 19 Proz. gelürzt werden dürsen. &»Ffeie Gewerkschafts-Iugend Berlin sVutc um Ifl'v Ul-r tonen die(ßtuBpen: SBciftemtec; Gruppenheim SSeiKenl'e, Partstr. Sd. Die Dnhcungebliedenen morden einen ifunteu Abend.— Hnmdoldir Jugendheim Graun. Ecke Lortzingstroße. Briedel S-oII bringt Ernstes und Heiteres.— Ziordring! Schule Eonnenbnrger Str. 20. Mloni 19.11.— Tegel: Zugendhein, Tegel. Schimeberger Str. 4(erst um 20 Ubrl. Wir rutsche» ins Zohr 1832.— Südwesten: Zugendheim Vorckstr. Ii (FobrikgebSnde). Hinter den ntissen des Theater».— Schillerpart: Jugend. heim Schoningstr. 17. Jahresende bei Wolter Möller.— Spaadan-Renstadt: Jugendheim mdennfer 1. Besprechungen zur Silnestersahrt.— Schänederg: Honptstr. 13 tSortenhoitsl. Epnlobend.—«rnswalder Plast: Gruppenheim Uioftenbnrger Str. 14. Lustiges Zohresende. M Iuaendgruppe des 3en«r