Morgenausgabe Ar. 610 �, A 302 4S. Jahrgang VÜchentlZch 85 mnnolUch 3.60 M. •(ftaDon SS Pf. monatlich für Pustel- luhg ins Haus) Im noraus zahlbar DoiÄezug 4,32 M. einfchliefelich 60Pf. Ponzeitungs- und 72 Pf. Postdeftellae- bührernAuslandsabonnemem 6.— SIL pro Monat; für Länder mit ermäßig» tem Druckfachenporto s.~ M. « ' Der„Pormacts* erscheint wochentäg» hch änjeimaL Sonntags und Montags einmal; die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit öem Tire!„Der Abend", Illustrierte Sonntagsbeilaae »Boll und Zeit". VerUner VolkSbla« Oonnersiag 51. Dezember 1931 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswärts 15 pf. Die eigf polt. NonparetlleZcile Hl) Pf. Neklomezeil« q,— RM.„Kleine A'»- zeigen" das fettgedrurtte Wort 25 Pj. (zulässig zwei fettgedruckte Worte), rede» wettere Wort 12 Pf. Rabatt lt. Tai if. Stellengesuche das erste Won'.5 Bf, jedes wettere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen ffct zwei Won«. STrbjsitsmarft Jette CO Ps Familien- anzeigen Jette 40?f- Änzeioenannohm» im Hcüptgefchäst Ävdenftraße 3. wocheu» täglich von SVa bis 17 Uhr. Der Verlag behätt sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Aentvawegan des Sozialdemoteatifche« Partei Neutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 fietnjpr.. Tonhot»(A 7) 292—297. Telegranim-Adr.: Sozialdemokre»??crlin. Vorwärts-Verlaa G. m. b. H. VoslschelkkLnloi BcrlulZ?�.— Banklonlo-BanlderArdclicr.Ängelttlliev und Beamten, Lindenstr. Z Dt B.n.DtSc.-Gel., Dcposttenk.,Jcruialevlcr Eir. öS<öS. IS. Januar in Lausanne. Nur eine provisorische Lösung zu erwarten. Tie englische Regierung hat am Mittwoch allen an dem Neparationsproblem interessierten Staaten für die bevorstehende Reparationolonferenz Lansanue als Är. nfereuzort in Vorschlag bringen lassen. Tic Reichsrcgiernng bat sich ihre i5ntscl>e!dung über de» Vorschlag noch vorbehalten; desgleichen Paris. Es wird jedoch damit gerechnet, das, sich die Rcgicrnngen auf Lausanne einigen. Als Datum des Znsammentritts der.Konferenz schlägt England den 18. Januar vor. Amerikas Halfung verhindert endgültige Lösung. C o n d on, 30. Dezember. Do» britische Au he um in ist er tum hol die presse dahin unicrri6)lel, dah eine endgültige Regelung der Tribuksroge ans der bevorstehenden tiegiernngskousercn; wegen der Haltung de» amcrlknnischen Kongresses nicht mehr in Frage komme. Die Verhandlungen würden sich nur noch aus eine provisorische Lösung erstrecken. Eine'Einigung zwischen Frankreich und England über die Dauer einer Verlängerung de» gegenwärtigen Kchuldcnmoraloriumg set bisher noch nicht erzielt morden. Die hauplschwierigkeil liege nicht so sehr in der Frage, wie lange da» Rioralorium ausgedehnt werden solle, sondern bei den Rebensrageu wie z. V. der Behandlung der ungeschützten Zahlungen. ?m grohen und ganzen bestätigt es sich, dos, die cngtiichc Politik an ihrem ursprünglichen Ziel einer endgültigen Lösung der Tribut- und Sckzuldensrogc nicht mehr iesthält, sondern sich dem französischen Standpunkt genähert hat.- Die» wird damit bc- gründet, daß durch die Entscheidung des amerikanischen Kongresses eine neue unerwartete Lage geschossen worden ist. Kosikarien 6, Briefe 12 Pfennig. Die Entscheidung de« Verwaltungsrais der Veichsppst. gebühren, die zur Erhaltung. der Konkurrenzfähigkeit der Reichspost ßey'enuker'dst Reichsbahn notwendsg Ist, letiva 30' Mitliqne« kostet, Ter Vcrwaltungsrat der Rcichspost hat am Mittwoch beschlossen, die Gebllhrensenknng in folgender Korm durchzuführen: s Das Porto iw Fernverkehr für Briefe wird von iä auf 12 Pf. und für Postkarte« von 8 auf v Pf. ermäßigt. Bei Paketen tritt eine Ermästiguug l zwischen IV und 15 Proz. ein. Diese lKebührenermästigung soll vom 15. Januar ab gelten. Der der Reichspost dadurch entstehende A»' s f a l 1: an Einnahme» wird auf 12!> Millionen Mark jährlich geschätzt. Dieser Beschlust des Verwaltungsrats, der nach sehr heftigen Auseinandersetzungen zu- stände kam, weicht von den ursprünglichen Absichten der RcichSregicrung erheblich ab. Borgeschlage« waren Ermänigungen an sieben verschiedenen Gebührensätzen» die insgesamt nur einen Ausfall von 125 Millionen Mark jahrlich bringen sollten. Da Ermästigungen an so vielen Stellen im Einzelfall nur geringfügig gewesen wären nah eine sichtbare Wirkung auf die Prclsgcstal- tung weder direkt noch indirekt hervorgerufen Hütten, so bcschlost der Berwaltungbrat Gebühre nscnkungeu nur an zwei Stellen, nämlich bei den Portosätzcn im Fernverkehr und bei den Paketgebührcn. » Auch dicser Boschluß wird zweifellos nicht überall Zu- frieden heit auslösen. Das ist verständlich. Bei der Kritik muß jedoch beachtet werden, haß die Finanzlage der Reichs- post sehr angespannt ist. Ihre Einnahmen gehen unter dem Einfluß der Wirtschaftskrise erheblich zurück. Statt einer erwarteten Em nahm« von 2200 Millionen im Jahre 1031 kann man nur mit 2040 Millionen rechne». Durch Einsparung allein läßt sich der Zchlbctrax, von löZ Millionen nicht decken. Die Reichspost muß auf ihre Rücklage zurückgreifen. Für die Senkung der Gebühre» stunden infolgedessen nur 93 Millionen aus der Erfparnls an Löhnen und Äehöllern und 30 Millionen aus der allgemeinen Preisermäßigung zur Verfügung. Würde man die Gebühren um einen höheren Beirag gesenkt haben, so wären weitere Arbeiter- rnilasfumlen größeren Umfgnges dje sichere Folge. ?« geringer der für die Ermäßigung der Gebühren zur Vcr- süzung stehende Betrog ist. um so sorgfäliigcr muß geprüft werde». an welcher Stelle er eingesetzt werden soll. Die Reichsreoierung wollte die Ermäßigung in erster Linie den selbständigen Kreisen der Wirtschast zugute kommen lassen Daher enthielt der Vorschlag des Reichspostmimsters neben der Senkung der Paketgebühr eine Ermäßigung für Drucksachen, der Einzelgesprächsgebühr im Orts- verkehr— nicht aber der Grundgebühr— sowie der Fernsprech- und der Teiegrammgebühren. Sicher ist, daß diese Vorschläge im wesentlichen kleinen Gruppen des selbstänhigcn Unternehmertums erhebliche Vorteile gebracht haben würden, und zwar wahrscheinlich ohne allgemeinen wirt- schafllichen Rutzesfekt. Wollte man, daß in erster Linie den breiten Massen des Volkes eine unmittelbare Erleichte- rung vcrschasst und daß die Preissenkuvgsaktion der Regierung auch von der Reichspost sichtbar gefördert werde, so war der ge- geben« Weg hierfür, das stark überhöhte Porto der Briese und Postkarten herabzusetzen. Die Ermäßigung d?» Brisspärtos um 3, des Kartenportos um 2 Pfennige bedeutet allein für den Fernverkehr euren Gebühren- aus fall von 90 Millionen Mark. Da die Senkung der Paket- so. blieb fern.Raum für eine entsprechende Ermäßigung her Porto- sähe im Ortsverkehr. Damit. wird ipan sich um so fester abfinden können, als. das A u s.maß der Preissenkung im Fernverkehr für Briese 20 Proz.,'für'Postkarten sogar 25 Proz. beträgt, also weit erheblicher ii't.als die. beabsichtigte tmrchschvütliche Preissenkung. Große Enttäuschung wird es hervorrufen, daß es nicht gelungen ist, � eine Senkung der Rundfunkgebühren durchzusetzen. lliM mit Recht. Demi hier wäre» bei einer rein wirtschaftlichen Betrachtung alle-Voraussetzungen für die Senkung gegeben. Der Rundfunk hat eine aufsteigende Entwicklung. Sie ist durch die Wirtschaftskrise nur verlangsaint worden. Trotz des An- Wachsens der Zahl der gebührenfreien Teilnehmer inner- halb eines Jahres von 40 000 auf 220 000 zieht die Reichspost durch die hohen Gebühren ständig steigende Erträge aus dem Rundfunk. So wenig aber auch das Gesamtergebnis alle Interessen be- friedigen wird, so sicher ist, daß die Beschlüsse des Ver- waltun gsrats den Interessen der breiten Massen der Bevölkerung weit mehr entsprechen als die ur- jprünglichen Absichten der Rcichsregierung. Die amiliche Mitteilung. Oer neue Tarif.- Neos Briefmarken zu 6 und 12 Pfennig. Der verwallungsrak der Deutschen Reichsposl beschloß, eine Reihe wichtiger Postgebühren herabzusetzen, und zwar werden gesenkt: Die Gebühren für Ferubrlese bis 20 Gramm von 15 auf 12 Pf., für Aernbriefe von 20 bis 250 Gramm nou 30 auf 25 Pf., die Gebühren für Briefe über 250 Gramm bleibe» unverändert. Die Fernpo st karte kostet künflig statt S nur K Pst. die Postkarte mit Antwort stakt IL nur 12 Pf. Bei den Paketen werden in Zukunft lediglich die Be- förderungsgebühren und nur im Falle der Zustellung vom Empfänger die Zustellungsgebühr von 15 Pf. für jedes Paket er. hoben. Die Beförderungsgebühren betragen künstig bis zu 5 Silo- aromm in der ersten Zone 30 Pf., in der zweiten Zone 40 Pf. und in der dritten bis fünften Zone bO P{. hebet 5 Silogrnmm bis 10 Kilogramm werden die Gebühren in der ersten Zone für jedes Kilogramm mit 5 Pf.. in der zweiten mit lO, in der dritten mit 20. in der vierten mit 30 und in der fünften Zone mit 40 Pf. gestaffelt. Bei Paketen über 10 Kilogramm beträgt diese Staffelung in der ersten Zone 10 Pf., in der zweiten 15» in der dritten 20. in der vierte,, 25 und in der sünslen Zone 30 Ps., außer- dem wird der Freimachungszwang für Pakete aufgehoben. Die Senkungen werden mit größter Beschleunigung durch- geführt, jedoch erfordert die Herstellung neuer Postwerl- zeichen zu 6 und 12 Pf. und die technische Durchführung der neuen Regelung des Poketverkrhrs eine» gewissen Zettraum. so daß die neuen Gebühren voraussichtlich wohl erst Mitte Zanuar in Kraft treten werden. Die uöligen Vorbereitung». maßnahmen sind vom Reichspostminisicrium bereits in Angrlss ge- nanunen worden. Aufklärung tut not! Äeber Versailles und gegen die Reparationslasten. Von Tbeockor Leipart. Der Nationalsozialismus ist, unter großen historischen Gesichtspunkten betrachtet, eine innenpolitische Folge, erscheinung des außenpolitischen Drucks. der seit dem Vertrag von Versailles auf unserem Volke lastet. Dieser Vertrag hat den Krieg abgeschlossen, aber er hat den Frieden nicht gebracht, weder für Deutschland noch für Europa. Der Kampf für d>e wirtschaftliche und politische Befriedung der Welt, den die deutsche Arbeiterbewegung feie über einem Jahrzehnt mit nie erlahmender Energie geführt hat, steht daher notwendigerweise im Zeichen eines un- ablässigen Kampfes gegen die von einer engstirnigen Macht- Politik diktierten Bestimmungen dieses Vertrages und gegen das politische System, das er geschaffen hat. Eiilsichlige und weitblickende deutsche Staatsmänner, die keineswegs die gleiche Auffassung von der sozialen Lebens- ordnung unseres Volkes vertraten wie die Sozialdemokratie und die Gewerkschaften, politische Persönlichkeiten von gei- stigem Format wie Rathenau und Stresemann haben den außenpolitischen Sinn dieses Kampfes der deut- jchen Arbeiterbewegung um einen echten Frieden denn auch intuitiv erfaßt und gemeinsam mit ihr an der großen und schwierigen Ausgabe gearbeitet, die politische und Wirtschaft- liche Souveränität unseres Volkes ungeschmälert wieder- Zugewinnen. Dagegen haben weite Schichten des Volkes ihn nie verstanden. Sie wollten ihn nicht verstehen, weil sie her sau der Arbeiter'' egung«ngebahlnttv Entwickln«» der deutschen Republik zu einem sozialen Bolksstaat mit innerer Fremdheit, ja mit wachsender Feindschaft gegenüber standen. cheüte, in einer Zell/ in der' die gewaltsamen Beschränkungen der politischen und wirtschaftlichen Bewegüngsfreiheit unseres Volkes durch die Qualen und Nöte einer Wirtschaftsknse, die in der Geschichte des letzten Jahrhunderts ihresgleichen nicht hat. mit gesteigerter Wucht fühlbar werden, wendet sich ci» großer Teil des mittleren Bürgertums, der Angestelllcnschast und der akademischen Jugend einer Partei zu, die in bc- wüßtem haßerfüllten Gegensatz zur deutschen Arbeiter- bcwegung steht. Soweit es Menschen der alten Generation sind, die dem Nationalsozialismus heute ihre Stimme geben, waren sie nicht unter den Männern zu finden, die es wagten, in der schweren Zeit der Nachkriegsjahre den Mut zu verantwort- lichem chandeln aufzubringen. Soweit die junge Gene- ration in Betracht kommt, die in ihrer Kindheit den Krieg, in ihrer Jugend die Jahre der Inflation erlebte und heute ohne Hoffnung auf eine gesicherte Existenz oder eine ansteigende Laufbahn ins Leben tritt, wurde sie leicht zum Opfer jener historischen Legende, zu der von einer ziel- bewußten Propaganda die harte Wirklichkeit der deutschen Geschichte der letzten anderchalb Jahrzehute verfälscht worden ist, eine Wirtlichkeit, die den leitenden Staatsmännern als deutsch empfindenden Persöulichkeiten ein Maß von Eni- sagung auferlegte, das kaum zu ertragen war. Es wurde noch bitterer und schwerer durch die Verleumdungen, denen sie preisgegeben waren. Unbekannt mit dem wirklichen Verlauf der deutschen Geschichte suchte diese verführte und krttiklosc Jugend nach einem Tckzuldigen an dem Schicksal des Volkes und der Not des einzelnen und ließ sich willig überreden, daß das herrschende System und die Parteien, die sich schützend vor die Weimarer Verfassung und die Rechte der Arbeiterschaft stellten, ollen voran der„internationale Marxismus", für den Gewaltvertrag von Versailles, ja für den unglücklichen Ausgang des Krieges die Verantwortung trügen, ganz zu schweigen von der gegenwärtigen Not, der Verarmung der Mittelschichten und dem Elend der Arbeiterschaft. Und diese Erfolge erzielte eine Partei, die keine cinheit- liche Weltanschauung, keine einheitliche geistige Hallung hat. es fei denn, daß die erregte und lärmende Unzufriedenheit mit dem„gegenwärtigen System" unter den furchtbaren Verhältnissen der Gegenwart schon als eine Weltanschauung gelten kann. Aber eben weil sie sich mit dieser bloßen Verneinung begnügt, eben well im übrigen ihr positives Programm banal wie eine Kinderftbcl ist, kann sie heute, wP aus begreiflichen Gründen die Bitterkeit über das Aus- weglose der Situation überall das vorherrschende Gefühl ist und die trllische Einsicht lähmt, auf Massenbekehrungcn rechnen, wenn sie nur verspricht, die Berge, die wie ein Alphxuck auf dem Volk lasten, zu versetzen, sobald sie an der Macht ist. Die deutsche Arbeiterbemecmng kann dieser Bewegung Japaner marschieren weiter. Zu Richtung aus Tschintschau. nur Einhalt gebieten, wenn fie durch unablässige Auf.- klärungsarbeit über die wirkliche Geschichte der Außenpolitik des letzten Jahrzehnts die h i st o r i s ch e Legende zerstört, mit der die nationalsozialistische Presse und ihr Rivale in der Verleumdung, die Hugenberg-Presse, die öffentliche Meinung gegen die Sozialdemokratie und die Gewerkschaften aufhetzt. Kurse und Arbeitsgemeinschaften über den Versailler Vertrag, seine politischen und Wirtschaft- lichen Folgen, wie über den zähen Kampf, den. nicht zuletzt unter entscheidender Mitwirkung der Arbeiterbewegung, das neue Deutschland um seine Einheit und Freiheit geführt hat. sind heute ein wichtiges Stück sozialistischer AufNärungsarbeit. Diese Aufgabe wird zugleich auf une� selbst einen heilsamen Zwang ausüben. Denn nur zu sehr wirkt in der Sprache der sozialistischen Propaganda noch die aus der Vorkriegszeit übernommene abstrakte Denkweise nach, die nicht mehr die Sprache der heutigen Zeit ist. Wenn wir die Menschen anderer Klassen, insbesondere aber die Jugend, die in dem Schatten von Versailles aufgewachsen ist, für die Gedanken- weit des Sozialismus gewinnen wollen, müssen wir den Sozialismus anschaulicher und lebendiger in die künftige Entwicklung der deutschen Geschichte hineindenken. Wir müssen mit anderen Worten, weit über unsere Kreise hinaus, die Sprache finden, die der historischen L e i st u n g der Arbeiterbewegung für Deutschland entspricht. Die Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung ist ein Stück deutscher Geschichte. Und der angeblich„internationale" Marxismus läßt sich von seinem Verdienst um das innere und äußere Schicksal Deutschlands vor und nach dem Kriege wie während des Krieges durch eine noch so marktschreierische Agitation keinen Deut abschwätzen. Wie es Bebel voraus- gesagt hat, sind hunderttausende und aber hunderttausende überzeugte Anhänger der deutschen Arbeiterbewegung in die Schützengräben der Ost- und Westfront gezogen, um unser Land, das sie zur Heimat aller Deutschen machen wollten, zu verteidigen. Wenn schon von Dingen geredet werden soll. über die wir sonst als über Selbstverständliches schweigen, wollen wir heute feststellen, daß es in Deutschland keine Organisationen gibt, die so große Scharen ehemaliger Frontkämpfer vereinigen wie die deutschen Gewerk- schafteir. Sie haben sich dessen nie gerühmt und verzichten auch heute darauf, Taten aufzubauschen, die in dem Maße an Wert verlieren, wie man sie in Langemark- und anderen Kriegervereinskundgebungen anpreist. Aber in dieser Zeit lärmender Propaganda für künftige nationale Leistungen scheint es mir notwendig, auf schweigend vollbrachte nationale Leistungen hinzuweisen, auf die Taten der unver- geflenen Toten in unseren Reihen, die für das von uns erträumte ung gewollte Deutschland fielen, das sie zu einem freien und großen Volksstaat machen wollten. Auch die gegenwärtige Not kann und darf uns nicht daran irremachen, daß der große Gedanke der organischen Einheit von Volt und Staat wie der Wille zu einer sozialen Lebensordnung unseres Volkes, in der auch die Arbeiter sich. sowohl in der politischen wie in der wirtschaftlichen Sphäre, als freie Menschen in einem freiheitlich geregelten Gemein- wesen fühlen und betätigen können, die gestaltenden Kräfte einer größeren deutschen Zukunft sind. Die soziale Idee der deutschen Arbeiterbewegung muß zugleich als n a t i o- n a l e Idee des ganzen Volkes erlebt und ausgesprochen werden, wenn wir den Sinn ihrer geschichtlichen Leistung und ihrer noch unverwirklichten Ziele für die künftige deutsche Geschichte nicht nur uns selbst, sondern der Jugend innerhalb und außerhalb unserer Reihen verständlich machen wollen. Und das ist unsere Ausgabe in der heutigen Zeit, in der wir im Nationalsozialismus einen skrupellosen Gegner bekänipfen müssen, der uns mit einer dreisten Fälschung der Geschichte um die Erfolge jahrzehntelanger Kämpfe und die Arbeiter um die Reste der Frecheitsrcchte betrügen will, die ihnen noch geblieben sind. Dieser Kampf ist schwer, denn er kann mit Erfolg nur geführt werden, wenn die Arbeiterbewegung ihre ganze Kraft aufbietet, nicht nur, um die sozialen Folgen der Wirt- schaftskrise zu mildern und durch ein eigenes positives Pro- gramm der Arbeitsbeschaffung an ihrer beschleunig- ten Ueberwindung mitzuwirken, sondern auch, um den harten außenpolitischen Zwang zu beseitigen, der die Wirkungen der Weltwirtschaftskrise für Deutschland unheil- voll verschärft, wenn er nicht geradezu als eine der ent- scheidenden Ursachen der Krise anzusehen ist. Dieser Zwang, unter dem unser Volk, und besonders die deutsche Arbeiter- schaft seit über einem Jahrzehnt steht, sind die R e p a r a- tionen, die heute, nachdem die zerstörten Gebiete im Westen längst wiederhergestellt sind, auch des Scheines einer sachlichen Berechtigung entbehren, während ihre moralische Begründung in der angeblichen Alleinschuld Deutsch- lands am Kriege niemals von der deutschen Arbeiter- schaft anerkannt worden ist. Die technische Voraussetzung für die Zahlung der Reparationen nach der letzten Regelung im Neuen Plan war eine andere wirtschaftliche Welt als die. in der wir heute leben. In einer Weltwirtschaft, in der ein Land nach dem anderen sich vom Golde löst und unübersteig- liche Zollmauern errichtet, in einer wirtschafllichen Welt, deren tragende Grundlage, der Kredit, erschüttert ist. nicht zuletzt deshalb, weil der Zwang der Reparationen die politische Friedlosigkeit in Deutschland bis zum heimlichen Bürgerkrieg steigert und das Vertrauen in die Stabilität der deutschen Verhältnisse und die Regenerationskräfte der deut- schen Wirtschaft untergräbt— in einer so veränderten Welt werden die Reparationen zu einer ständigen Ursache der Zerrüttung der öffenllichen Finanzen, zu einem chronischen Hemmnis aufsteigender wirtschaftlicher Entwicklung. Ihre Beseitigung ist daher von den deutschen Gewerk- schaften aller Richtungen immer wieder gefordert worden. Die Verhandlungen in Basel beweisen, daß auch die Wirt- schaftssachverständigen des Auslandes in ihrer Mehrheit die Reparationen als eine wesentliche, wenn nicht als wichtigste Ursache gerade der deutschen Krise ansehen. Wir geben uns keiner Täuschung über die Stärke der machtpolitischen Jnter- essen hin. die einer sachlich gebotenen Lösung des Reparations- Problems entgegenstehen. Aber die Einheitsfront gegen den wirtschaftlichen und politischen Widersinn der Tribute wird Tokio, 30. Dezember. sEigenberichl.j Am MIttwochaachmitlag Hai eine slarke japanische Truppe nabieilung nach einer IReldang an» Nlukden die slraiegtfchen Punkte um Supangtse, etwa ZS Silo- meter aon Tschintschau entfernt, beseht. Sie dürste am Donners- togvormittsg in Tschintschau einrücken. Außerdem hat die Brigade des Generals K i m u r a nach einem heftigen Kampf die zwischen öupangtse und Sinminsu gelegene Stadl Tahuschaa eingenommen. Aus Schanghai wird gemeldet, daß zwei Züge mit chinesischen Truppen, die sich aus dem Wege von Tschintschau nach Tientsin besanden, die Stadt Tschanghouquan passiert haben, ohne von den dort stationierten japanischen Truppen angegriffen zu werden. Ew japanischer Kreuzer und drei Torpedobootszerstörer sind in Tschinwangtau eingetroffen. In Nanking wird die Lage in der Gegend von Tschintschau als ernst betrachtet. China wird energisch. Der Präsidentenwechsel in China hat den Friedensschluß Kanton— Nanking besiegelt. Die neue Chinaregierung besteht zumeist aus den Männern der radikaleren Kantonregierung. Der Minister- Präsident Eon- Po ist ein Sohn des großen Revolutionärs Sun- yatsen. Der neue Außenminister ist auf der mütelamerikanischen Insel Trinidad unter britischer Herrschaft geboren; er ist ein bekannter Gegner jeder Bevorzugung von Ausländern in China und hat einige Zell in Moskau gelebt. Seine erste Handlung erkennt man aus folgender Meldung: Paris, 30. Dezember.(Eigevbcricht.) Der ständige Vertreter Chinas beim Völkerbund äußerte gegen- über einem Redakteur des„Journal des Dcbots", daß er angesichts der Verschärfung der Lage in der Mandschurei von seiner Regierung den Auftrag erhalten habe, beim Völker- bundsrat darauf zu dringen, daß die vom Rat beschlossene Unter- suchungskom Mission so schnell wie möglich gebildet wird und sich sofort nach China begibt. Jede Verzögerung der Räumung der Mandschurei vergrößere die Leiden der chinesischen Bevölkerung. Die chinesische Regierung schiebe die ganze Ber. a n t w o r t u n g für die Berschärfung scll der Tagung des Völker- bundsrates Japan zu und behalte sich alle Rechte vor, die ihre Verträge mll Japan ihr geben. Die Gerichtsbarkeit der Ausländer. Nanking. 30. Dezember. Die für den 1. Januar 1932 vorgesehene Inkraftsetzung der am ö. Mai erlassenen Bestimmungen, wonach die Ausländer künftig der chinesischen Gerichtsbarkeit unterstehen sollen, ist von der Nationalregierung auf unbestimmte Zeit ver- schoben worden. Keine Bagatellsache. Das Strafverfahren gegen die in Rahlstedt festgenommenen Hamburger SA.-Leute geht weiter. Äel, 30. Dezember. Zu der am 27. Dezember in Rahlstedt wegen Verstoßes gegen das Uniform- und Umzugsverbot erfolgten Festnahme von 28 Nationalsozial ist en teilt die hiesig« Iustizpressestelle gegenüber anderslautenden Nachrichten mit, daß die Festgenomme- neu am 28. Dezember der StaatsanwaUschaft in Altona zugeführt worden seien. Da der Sachoerhalt noch weiterer Auf- klärung bedurfte, sei die Sache als zur Aburteilung im Schnell- »erfahren nicht geeignet angesehen worden. Die Angelegenheit werde vielmehr im Wege des ordentlichen Strafverfahrens erledigt werden. Oer Fall Tschiffcherin. Zwei Kragen. Die gestrige Erklärung der Sowjetbötschaft behauptet, der lang- jährig- Außenminister T s ch i t s ch e r i n lebe von der„normalen Beamtenpension in durchaus auskömmlichen Verhältnissen". Dazu erfahren wir aber, daß es in Sowjetruhland eine„normale Be- amtenpension" überhaupt nicht gibt. Pensionsgcwährung liegt ganz im Belieben der Sowjetrcgierung. Die wiederum nichts ohne die Zustimmung des allmächtigen Generalsekretärs der Kommu- nistischen Partei, Stalin, tun darf. Damll soll nicht bezweifelt werden, daß einem Tschitscherin eine ausreichende Pension voreni- hallen werde. Dagegen ist bekannt, daß Tschitschenns wiederholt« Bitte um Erlaubnis einer Auslandsreise zum Zwecke fachärzt- licher Behandlung seiner schweren Krankheit stets abgelehnt worden ist. Die Persönlichkeit Tschitschenns ebenso wie die Methoden Stalins zur Behandlung unbeliebter Leute sind so bekannt, daß die Frage laut wird: Wo ist und wie lebt Tschitscherin? Hindenburgs Erlaß an die Wehrmacht. Treu der beschworenen Verfassung. Der Reichspräsident hat zum Jahreswechsel folgenden Erlaß an die Wehrmacht gerichtet: „Heer und Flotte entbiete ich zum Jahreswechsel meine besten Wünsche. Treu der beschworenen Dersassung. gehorsam den gesetz- mäßigen Gewalten, unbeirrt vom Kampf der Parteien wird die Reichswehr auch im nächsten Jahr den alten Idealen deutschen Soldatentums dienen." Aeujahrsboischast aus Zrankreich. An das republikanische Deutschland. Zwölf französische Friedens- und Kriegsteilnehmeroereinigungen haben eine N« u j ah r s b o t s ch a f t an das republi- konische Deutschland gerichtet, in der es heißt: „Deutsche Bürger, die ihr iu einem Grade kämpft und leidet. daß viele uoter euch sich ganz hossuuugsloscu Lösuogen hingeben. wir versichern euch unserer aufrichtig st ea Sympathie uud Freundschaft, welches auch eure polltischeu oder religiösen Ansichten sein mögen. Wir verstehe« eure Schwlerigkelle«, aber wir flehen euch au. zu hoffen und mit uns zu glauben, daß aus dem gegen. wärligen Chaos eine neue und bessere well entstehen wird. Glaubt uns, eine ständig wachsende Zahl vou Franzosen und Französinnen wünscht eine Zusammen- arbeit mit dem deutschen Volk im Zeichen des Friedens uud der Freundschaft. Sie hat das Bewußtsein erlangt, daß es unrecht ist, Deutschland ollein für den Kriegsausbruch verautwortlich zu machen, und ist, da sie vor allem die Gerechtigkeit sucht, der Meinung, auch nicht einer Revision des Versailler Vertrages aus- welchen zu dürfen. Ihr könnt aus uns rechnen, wie wir auf euch zählen im Kampfe gegen die Mißverständnisse zwischen unseren beiden Ländern. Den Frieden, ihr Bürger in Deutschland, wir wollen ihn! Mit euch werden wir ihn vollenden." Schlimmste parteibuchwirischast. Ertappte nationalsozialistische Futterkrippenpartei. Eines der vielen großsprecherischen Ziele der Naziz ist die Entfernung von„Porteibuchbeamten" aus den staatlichen Aerntern. Natürlich nur Entfernung solcher„Partei- buchbeamten", die nicht das. Razi-Buch in der Tasche haben. Wer daz Nazi-Parteibuch besitzt, darf im„Drillen Reich" bleiben, wer «s nicht besitzt, wird durch einen Nazt-Mann mit Partei- buch ersetzt. Die ganze Demagogie der Nazis hinsichllich der Parteibuch- bsamten zeigt sich wieder einmal aus einem Inserat in Nr 362 des Münchner Nazi-Biattes' vom 29. Dezember.. Dieses Inserat lautet wörtlich:'..-■,.. „Badedirettor für Borkum gesucht. Die Gemeindeoerwallung Nordseebad Borkum sucht auf sofort einen sestbesoldeten Badedirektor, dar nach Vewälzrung auch die Geschäfte des Gemeindevorstehers ehrenamtlich ubernehmen soll. Alz Bewerber kommen in Frage Bollsuristen, Volkswirt», Divlomkaufleute oder auch abgebaut« Perwaltungsbeamte, Offerten mit Gehaltsansprüchen soiort an die Gemeindeoerwal- hing Borkum. Abschrist an die NSDAP Borkum, Postfach 146." Die Parteibuchwirlschait der Nazis geht hier sowell, daß der gesuchte städtische Badedirektor seine Bewerbung nicht nur an die Gemeindeverwaltung, sondern zugleich auch an die Ortsleitung der NSDAP, richten muß- Der Sinn des Inserats ist eindeutig und klar: Wer das Nazi-Buch nicht in der Tasche hat, braucht sich um das Amt des Badedirektors in Borkum erst gar nicht zu bewerben. Ja. in ihrer Dreistigkell gehen die Herrschaften sogar sowell. ihrem Parteibuch-Badedirektor in sp« zugleich die Geschäfte des Gemeindevorstehers zu offerieret:. Aller- dings erst nach seiner„Bewährung", die zweifellos von vornherein als erwiesen gelten wird, wenn der Nazi-Badedirektor als�SA�Mann bereits ein Verbrechen gegen Republikaner auf dem Gewissen hat. Aber noch wachsen auch die Bäume der Borkumer Nazis nicht in den Himmel. Auch Borkum untersteht dem Aufsichtsrecht der preußischen Staatsregierung. Wie wir hoffen, wird von diesem Recht schnellstens Gebrauch gemacht. Zm Helldorf-prozeh wurden am Mittwoch die letzten Angeklag- ten und zwei Zeugen vernommen. Schwierige Fiuanzlage der Siadk Dortmund. Di« durch die schlechte Wirtschaftslage und durch die erhöhten Wohlfahrtsausgaben in den finanziellen Verhältnissen der Stadt Dortmund eingetrensn mißlichen KassenoerhäUmss« zwingen die Stadtverwaltung dazu. am 1. Januar 1932 nur ein S e ch st e l des Gehalts für die Angestellten und Beamten zu zahlen. Die Stadt- verwallung hat sich weiter in einem Schreiben an die Hypotheken- gläubiger gewandt und um �Stundung der Zahlungen gebeten. von Tag zu Tag stärker. Die deutsche Arbeiterbewegung hat diesen Umschwung der öffentlichen Meinung der Welt mit an erster Stelle herbeigeführt. Sie muß jetzt die Konsequenz aus der Lorarbeit eines Jahrzehnts ziehen und ihre Stellung zum Reparationsproblem eindeutig aussprechen. Sie hat seit elf Iahren die Annullierung der Reparationen und interalliierten Kriegsschulden gefordert. Sie muß heute erklären, daß dieReparationen zuerst fallen müssen. Mit der endgültigen Ausschaltung dieser politischen Krisenursache würde eine entscheidende Wendung in der Nachkriegsgeschichte Europas beginnen, die auch die Bereinigten Staaten veranlassen könnte, ihren hart- näckigen Widerstand gegen die Streichung der interallierten Kriegsschulden aufzugeben, besonders dann, wenn die bevor- stehende Abrüstungskonferenz zu einem positiven Ergebnis führen wird. Die Lösung des Reparationsproblems im Sinne der wirtschaftlichen Vernunft würde das Signal sein zur Wiederkehr des Vertrauens in eine friedliche politische und wirtschaftliche Entwicklung nicht nur Europas, sondern der Welt. Diese befreiende politische Tat wäre zugleich der An- fang vom Ende des Nationalsozialismus. denn diese Bewegung lebt von der Agitation gegen die Fort- dayer einer widersinnigen Machtpolitik, die in den Repa- rativnen ihren krassesten Ausdruck findet. Diese Agitation aber erhält in den verheerenden und durch die Reparationen verschärften Folgen der Wirtschaftskrise für Deutschland stets neuen Stoff für ihre Hetze gegen die deutsche Republik und dte deutsche Arbeiterbewegung. Wenn die verbündeten Orga- nisationen der deutschen Arbeiterbewegung und mit ihnen die überpartelliche, freiwillige Schutztruppe der Republik, das -Reichsbanner, ihren Kampf gegen den Nationalsoziafismus und seine reaktionären Pläne zur Errichtung eines fafchisti- schen Deutschlands vernichtende Stoßkraft geben wollen, so müssen sie zugleich mit gesteigerter Energie den Kampf gegen die verhängnisvollen weltpolitischen Kräfte aufnehme», die eine dauernde Verständigung zwifchcn Deutsch- land und Frankreich gleicherweise verhindern wie den Frieden Europas und den wirtschafllichen Aufschwung der Welt. Tit. 610 ♦ 45. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Oonnersiag, 31. Dezember 1931 Was der Mieter beachten muß Die Mietangleichung— Für gerechte Mietsenkung Urbcr die Aussührungsbestimmungen;u der ZNictsnotverordnung wird uns unter Bezugnahme aus unteren Artikel„viele Mieter enttäuscht" von sachver. ständiger Seite geschrieben: l5s ist leider richtig, dag bei den Neubauwohnungen die Mietsenkungen ab l. Januar 193Z auherordentlich ver- schieden hoch sind uird nielsach teure Mieten nur wenig oder gor nicht gesenkt werden, während billigere Wohnungen«ine stärkere Mietsciikung ersahren. Der Grund liegt in der verschiedenen Finanzierung der einzelnen Bauten und dem Umstand, dag die Vierte Notnerordnung des Reichspräsidenten vom 8. Dezember l9?l die Zinssenkung nur sür über scchsprozentige Beleihungen vor- gesehe» Hot. Es wäre richtig, wenn mit Rücksicht hieraus diejenigen Geldinstitute— es handelt sich dabei zunieist um össentlich-rechtliche oder gemeinnützige, die seither schon ihre Hypotheken zu t> bis d'/j Proz. gegeben haben— ihrerseits den Zinsfuh auch unter t> Proz. senken würden, damit die Mieter, in deren Interesse sie seither unter dem sonst üblichen Zinssug Hypotheken gegeben haben, auch weiterhin den gleichen Vorteil genichen. Ob und inwieweit diese Institute nüt Rücksicht aui andere Verpslichtungcn hierzu in der Loge sind, ist zwar sraglich, dach mühte immerhin von den betrofsencn Kreisen der Versuch unternommen werden, auch hier ein« Hypothckenzins- und damit Mictsenkung zu erreichen. Für den gröhten Teil der Neubaumieter gibt nun aber die preußische Verordnung über die Mietsenkung vom 21. Dezember 1931 die Möglichkeit, durch die sogenannte Mictangleichung zu einer gerechteren Mietsenkung zu gelangen. Nach der Verordnung sind nämlich gemeinnützige Wohnungsuntcrnehmcn berechtigt und verpflichtet, den Gesamtbetrag, um den sie die Mieten ihrer gesamten Wohnungen ermähigcn müssen, derart zur Cr- Mäßigung der einzelnen Mieten zu verwenden, daß eine weit- gehende Ungleichung der Mieten(bzw. Nutzungsgebühren) vergleichbarer Räume erreicht wird. Danach sind also die gemein- nützigcn Gesellschaften in der Lage, die teureren Mieten stärker als die billigen zu senken. Allzu große Hoffnungen darf man aber aus diesen Mietausgleich nicht setzen, weil die Vermieter nach wie vor genötigt sind, auf die Rentabilität der einzelnen Bauvor- hoben zu achten: denn es besteht die Gefahr, dah die Hypotheken- gläubiger ihre Hypotheken kürzen, für den Fall, dah durch die fiärkere Senkung der Mieten das Bauvorhaben unrentabel wird. Das ist auch in den Bedingungen meistens vorgesehen. Wenn vielleicht auch zur Zeit nicht zu befürchten ist, dah die Hypotheken- gläubiger diese Bedingungen rigoros handhaben werden, müsicn die Vermieter doch mit Schwierigkeiten bei Neubelechung oder Prolongationen rechnen und werden daher nur in bescheidenem Umfang von der Mictangleichung Gebrauch machen können. Bei Streitigkeiten mit den Mietern, womit zweifellos in den meisten Fallen zu rechnen ist, wird es Sache des hierfür zuständigen Stadtamtcs für Siedlungs» und Wohnungswesen und im Bcschwerdefalle des Oberpräsidenten fein, eine gerechte Losung zu finden. Die Bearbeitung der sicher zahlreich«ingehenden Anträge wird für die Stadtverwaltung eine erhebliche Belastung bringen und wird bis zu dem Erlah der rechtskräftigen Entscheidung«», zumal wenn Beschwerde beim Ober- Präsidenten eingelegt wird, noch einige Zeit vergehen. Es wäre dal, er zu begrüßen, wenn sich die Mieter, zumal es sich vielfach um Genossenschaften handelt, selbst unter sich über die Mict- Ungleichung einigen würden. Von der durch die Vierte'Notverordnung des Reichspräsidenten ermöglichten Kündigung langfristiger Mietsvertrögo zum 31. Marz 1932 haben zweifellos zahlreiche Mieter Gebrauch geinacht. Es wird aber zu einem großen Umzug nicht kommen, da die gewünschten billigeren Wohnungen meist nicht zu Hobe» sind, und der kündigende Mieter sich dann doch mit seinen: Vermieter wieder einigen muh. Schließung der Wohnungslisten. Das Z e n t r a l w o h n u n g s a m t teilt folgendes mit: Am 1. April 1933 tritt das W o h n u n g s m a n g e l g e s c tz außer Kraft. Eine Wciterführung der W o h n u n g s l i st c n ist daher Die Bäume sterben Baumfäller in der Königsheide In der Königsheide, die im Bezirk Treptow zwischen Baumschulenweg und Johannisthal liegt, tindet jetzt der vom Förster angestellte Holzfäller reichliche Arbeit. Die hohen Kiefern können sich auf dem ärmlichen Boden der Heide nur mühselig ernähren. Sie werden von einer bestimmten Größe ab wipfeldürr. Das Grundwasser, das sie zum Leben brauchen ..wie das liebe Brot", fehlt ihnen. Das in der Nähe arbeitende Wasserwerk ist der Feind des Waldes. So sieht man jetzt, wie die Holzfäller mit eifrigen Axt schlügen die Bäume umlegen und dann zersägen, Brennholz Schäften für den Ofen. zwecklos, da diejenigen Wohnungsuchenden, die sich erst jetzt ein- tragen lassen, mit der Zuweisung einer Wohnung durch das Woh- nungsamt nicht mehr rechnen können. Die Listen der Woh- nungsuchcnden werden deshalb nnt dem 31. Dezember 1931 geschlossen: Neueintragungen finden nicht mehr statt. Nur Wohnungsuchende, die bestimmungsgemäh„vorzugsweise" zu berücksichtigen sind(z. B. Familien mit 3 oder mehr in der häus- lichen Gemeinschaft lebenden Kindern, Schwcrkriegsbefchädigte) werden nach eingetragen: diese Eintragung erfolgt nur durch dos Z e n t r a l w o h n u n g s a in t, von dem die„vorzugsweise" zu berücksichtigenden Wohnungsuchenden cincin Wohnungsamt über- wiesen werden. Eine unmittelbare Eintragung in die Listen der örtlichen Woh-- aungsäinter erfolgt grundsätzlich nicht mehr. Ausnahme n hiervon finden nur in folgenden Fällen statt: I. bei Wohnungsuchcnden, die eine Altwohnung mit einer Jahresfriedensmiete unter 600 M. aus zwingenden Gründen auf- geben müssen: 2. bei Wahnungsuchendcn, die gegen Zurverfügungstellung einer Altwohnung mit einer Jahresfriedensmiete unter>100 M eine Neubauwohnung bezogen haben, wenn sie die Neubau wohnung ans zwingenden Gründen aufgeben müssen: 3. bei Wohnungsuchenden, die vor dem Bezüge einer Neu- bauwohnung bei einem Wohnungsamt als Wohnungsuchende ein- getragen waren, falls sie zu den„vorzugsweise" Unterzubringen- den gehören und die Neubauwohnung aus zwingenden Gründen aufgeben müssen. Zuständig für die Eintragung in diesen Fällen ist das Woh' Illing samt, in dessen Bezirk die auszugebende oder aufgegebene Altwohnung liegt bzw. das Wohnungsamt, wo der Inhaber der Neubauwohnung vorher eingetragen war. Das Zcntralwohnungsamt weift noch darauf hin, dah die Ver- mietung von Neubauwohnungen, die mit öffentlichen Mitteln gebaut sind, vom 1. Januar 1932 ab keinen Beschränkungen mehr unterliegt, und zwar ohne Rücksicht darauf, ob diese Neu- bauwohnungen nur mit Hauszinsstcuer- oder auhcrdem noch mit anderen öffentlichen Mitteln erbaut worden sind. Zum Bezüge der Neubauwohnungen ist daher von dem genannten Zeitpunkt ob weder ein Wohnungsberechtigungsschcin, noch eine Eintragungs- befcheinigung des Wohnungsamtes erforderlich. Vom Stadtbahnzug gerädert. Furchtbarer Tod eines Gerichtsvollziehers. Auf dem Bahnhof Alexanderploh ereignete sich in den gestrigen späten Nochmittagsstunde ii ein cnlsehlicher Unglücksfall. Der 58 Jahre alte Obergerichtsvollzieher Georg S t r c b k o w aus der Taborstrahe 12 befand sich gegen 17.35 Uhr auf der westlichen Seite des Bahnsteigs, wo er auf einen Zug nach der Station Jannowiizbrücke wartete. Plötzlich erlitt St. einen Schwächcanfall und stürzte gerade in dem Augenblick a u i die Schienen, als ein Zug einlief. Der Zugführer konnte nicht niehr rechtzeitig halten und dem Unglücklichen wurde der Kopf vom Rumpf getrennt. Die Leiche wurde beschlagnahmt. In der H o ch st r a h c 4 2 stürzte gestern die 68jährige Frau Emilie Lewe aus dein Fenster ihrer im 4. Stockwerk gelegenen Wohnung aus die Straß« hinab. Mit schweren Bcr- letzungen wurde Frau L. ins Virchow-Kronkenhaus gebracht. Noch den polizeilichen Feststellungen hat sich die Verunglückte zu weil hinausgelehnt und dabei das Gleichgewicht verloren. Oer Potsdamer Bauskandal. Neue Ermittlungen in Lauch-Belzig. Bei der weiteren Prüfung der von der Firma D ü b c n c r ausgeführten Bauten sind am Dienstag in Verfolg der bereits vor einigen Wochen aufgenommenen Ermittlungen in Zauch-Bcl- z i g wiederum einige Beamte der Potsdamer Kriminalpolizei bei der dortigen Kreisoerwaltung tätig gewesen. Die Polizei hielt eine längere Vernehmung des Kreisbaumcisters Schulz für notwendig. die in Potsdam sorlgefetzt wurde und erst im Laufe des gestrige» Mittwochs ihren Abschluß gesunden hat. Die Untersuchuiig des Potsdamer Bauskandals wird die Behörden noch geraume Zeit zu beschäftigen haben, da noch weitere umfangreiche Beweiserhebungen erforderlich sind. Wolter schob die Bücher weg, die er in der Hand hielt. Dann ging er auf sie zu und legte ihr die Hand auf das Haar.„Ist was— wolltest du was, Schwesterchen--?" „Ich möchte dich gern einen Augenblick sprechen, Walter", sagte sie.„Ich möchte dich fragen, ob es wahr ist, was mir Mama am Tage meiner Ankunft sagte, daß du immer noch Morphium nimmst!" Der junge Mensch wurde grau im Gesicht. Er antwortete nicht. „Es ist also wahr, Waller. Ich habe Mama versprochen, alle Mittel anzuwenden, damit du gesund wirst. Ich lasse dich morgen nicht wegfahren— wir wollen zu Doktor Heim gcken, und er soll dich wieder bechandeln, bis du ganz frei bist." Der Bruder lehnte aschfahl an seinem Schreibtisch und sah sie mit erschreckten, unruhigen Augen an. „Germaine", sagte er endlich,„dos ist Wahnsinn, was du von mir verlangst. Lieber sterben als wieder hier so liegen müssen. Dos kann ich nicht und ich m's avch nicht. Ja. ich bin nicht ganz frei— das sagte ich dir ja schon, als ich aus der Klinik kam, aber es ist ein Minimum! Sich mich doch an, sebe ich krank aus!" Gcrmaine blickte ihm forschend in die Augen.„Ich will dir nicht unrecht tun, Walter, du bist natürlich jetzt furchtbar mitgenommen---. Mir geht es ja nicht besser. Es war so unerwartet, ickz kann es noch gar nicht fassen. Sic preßte die Lippen zusmnmen habe Mama mein Bersprechen gegeben! Du bist vielleicht jetzt noch nicht unmittelbar ge- fährdet, aber du wirst es einmal sein. Das verträgt doch kein Körper auf die Dauer. Walter, ist es denn wirklich so schwer! Kannst du es denn nicht lasten!" Sie streckte ihre Arme aus und zog ihn zu sich heran. „Germaine, das ist eine Frage, die ich nicht beantworten kann, heute wenigstens noch nicht. Ich hoffe es selbst immer wieder, ich kämpfe dagegen an— Germ«ine, warum arbeite ich denn wie verrückt——! Eben, um nicht denken zu müssen, um mir selbst nicht klar darüber zu werden, daß ich irgendwie dem Untergang entgegentreibe--. Nun wirst du wieder fragen, warum ich es denn nicht laste, und damit sind wir wieder auf dem alten Punkt! Warum! Warum ißt du, wenn du Hunger hast! Weil die Beschwerden, die der Hunger verursacht, aus die Dauer unerträglich werden! Ich greise zur Morphiumspritze aus dem gleichen Grund— die Beschwerden sind nicht zu ertragen. Aber ich sage dir ja immer wieder, es ist ein Minimum, ein winziger Bruchteil von dem, was war!" Die Schwester stand auf und ging ruhelos im Zimmer auf und ab.„Ick) weiß mir keinen Rat mehr, Waller", sagte sie,„ich bin wie in einem Käsig, aus dein ich nicht heraus kann. Aber ich werde zu Doktor Heim gehen— vielleicht weiß er einen Ausweg." Walter faßte sie sonst am Arm und zwang sie, stehen zu bleiben.„Der arme Heim ist in einer ähnlichen Lage wie ich", sagte cr dann mit trübem Lächeln.„Bloß ist es bei ihm micder anders. Ja.' cr ist durchgekommen, er ist frei von Morphium—— aber steh dir mal seinen Weinkeller an! Gcrmaine. er hat Nächte, in denen er sechs, sieben Flaschen hintereinander säuft— er spürt das schon vorher, wie es kommt, und ruft dann noch aui Abend seine Reinmachefrau an, daß cr zwei Tage verreisen müßte. Dann hängt cr ein Schild an seine Sprechziminertür und läßt die Läden runter! Er hat es mir selbst erzählt. Das kommt alle paar Wochen mal so über ihn. Ein andermal frißt cr Schlafmittel in siel) hinein, bis cr halb betäubt ist. Warum! Warum! Frage ihn selber, wenn du Luft hast! Laß dir mal seine Kriegs- erlcbniste erzählen, dann wird dir das Fragen auf lange Zeit vergehen. Gcrmaine legte ihren Kopf an die Schulter des Bruders. „Ich kann nicht mehr", sagte sie,„ich weiß nicht mehr, mos ich tun soll— ich kann es auch nicht verstehen. Es muß doch eine Rettung geben— irgendwo. Walter! Es gibt doch auch noch andere' Anstalten. Wir hatten doch damals eine kleine Privatklinik irgendwo am Rhein im Auge. Sie war uns zu teuer. Aber jetzt spielt dos alles keine Rolle. Ich gebe dir mein ganzes Gehalt, Waller, ich komme aus mit der Miete. Ich mache Schulden--. Es mag kosten, was es will, aber werde gesund, Walter! Wenn auck) du zugrunde gehst— das ertrage ich nicht!" Waller setzte sich auf das kleine Ecksofa und zog sie neben sich._____ „Du mußt einmal ganz ruhig alles durchdenken", sagte er,„einfach verstandesmäßig. Germaine, du mußt dich da- mit abfinden, daß ich niemals mehr ganz gesund werde, was du gesund nennst. Neun Zehniel aller Morpbinistcn, die in Kliniken waren, werden rückfällig, das eine Zehntel kommt durch, aber mit Hilfe der Mittel, die der gute Heim anwendet. Es ist einfach eine unheilbare Krankheit. Wenigstens bis jetzt hat man noch kein Mittel entdeckt. Aber das ist doch gar nichts Besonderes. Es gibt ja auch unheilbare Herz- und Lungenleidcn, es gibt Krebs--, daran gemessen geht es mir noch glänzend, Gcrmaine, denn sieh mal, ich kann noch zehn, zwanzig, vielleicht sogar dreißig Jahre so weiterleben! Und ich habe keine quälenden Schmerzen, ich bin im Besitz meiner geistigen Kräfte, ich kann etwas schaffen, etwas leisten! Ich bin doch nicht der einzige Mensch auf der Well, der au dieser Krankheit leidet. Es gibt große, bedeutende Aerzte, die Morphinisten sind. Man weiß es nur im all- gemeinen nicht. Wenn es ein sicheres Gegenmittel gäbe•— glaubst du. diese Mediziner hätten es sich nicht schon längst verschrieben? Aber da es keines gibt, muß man eben ver- suchen, so gut damit fertig zu werden, wie es möglich ist." „Es gibt kein Heilmittel", sagte Germainc,„weißt du denn das so bestimmt, Walter! Doktor Heim sagte mir auch einmal, Hypnose sei sehr gut dagegen, willst du denn das nicht einmal versuchen!" „Walter lachte kurz auf.„Er soll sich selber hypnotisieren, der arine Heim", sagte er,„er hat's nötig. Dos find alles kleine Pflästerchen. Aber wenn es dich beruhigt, werde ich in Dormstadt zu einem Hypnotiseur gehen, ich werde auch von Zeit zu Zeit, sobald ich heim komme, wenn du willst, jede Woche, zu Heim gehen und mich untersuchen lassen. Dann gibts immer wieder hier und da kleine Mittelchen. und ich bin in sortlauseuder ärztlicher Behandlung. Ich werde auch in Darmstadt mich erkundigen und zu dem und jenem Arzt gehen, und vor allem, ich werde mich selbst energisch berawtehmen und arbeiten. Das ist das allerbeste, Schwesterchen, die Arbeit, die läßt einen den verdammten Körper am besten vergessen!" Germaine stand auf und trat ans Fenster. Dann ging sie zum Bücherschrank und blätterte in einer Zeitschrift. „Du willst also fahren morgen früh", sagte sie. „Ich muß fahren. Germaine, es ist der einzige Weg. der mir bleibt, und ich bitte dich herzlich, laß mich gehen! Lege mir nichts in den Weg!" ___________________(Fortsetzung folgt.) Sklareks„doppelte" Buchführung Das Geheimnis der Gefälligkeitswechsel—„Revisionen nur Formalitäten" Die Wohltäterin. Das Geheimnis der ungetreuen Buchhalterin. Stehen ungetreue Kassierer oder Buchhalter vor Gericht, so ist das Geheimnis ihrer Eeldausgaben sehr bald enthüllt: Weiber. Wetten, Gelage. Anschaffungen usw. stecken in der Regel dahinter. Wo hatte aber das die kleine Buchhalterin, die sich vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte wegen fortgesetzter Urkunden- f ä l f ch u n g und Veruntreuung von 20 000 M. verantworten muhte, das viele Geld gelassen? In ihrem letzten Wort sagte sie mit träncnerstickter Stimme: Meine cherren Richter, was ich angegeben habe, stimmt. Ich habe die Wahrheit gesagt. Ich habe den größten Teil des Geldes armen Leuten gegeben, ich nehme die Strafe auf mich. Ich will für meine Tat büßen. Es ist bei Gott die reine Wahrheit. Sie hatte zuerst ihre notleidenden Bekannten mit Suimncn bedacht, dann ist sie in die Häuser gegangen, hat Arbeitslose unterstützt, die sie kaum kannte. Aber nennen Sie uns doch die Leute, dringt der Vorsitzende in die Angeklagte. Wir werden ganz vorsichtig Er- mittlungen anstellen. Das könne sie nicht. Sie wolle die Leute nicht bloßstellen. Dann können wir Ihnen nicht glauben. Sie haben wohl einen Grund, die Wahrheit zu verbergen. Auherdem haben Sie einen Teil des Geldes auch für sich ausgegeben. Was war das mit dem. Herrn H.. dem Sie mehrere tausend Mark gegeben haben? Hatten Sie ein Verhältnis mit ihm?— Nein. Und dann haben Sie Ihren Eltern Pakete geschickt. Sie sind auch im Auto gefahren. Haben in Cafes Ihre Freunde bewirtet und haben zu Hause immer- zu Liköre getrunken. Sagen Sie die Wahrheit. Steckt jemand da- hinter? Haben Sic sich etwa ein Guthaben angelegt? Nein, nein und nein. Die Tat der Frau ist ein Rätsel, nicht ander» als sie selbst. Ihre persönliche Anspruchslosigkeit steht außer allem Zweifel. Für da« möblierte Zimmer zahlt sie nicht mehr als 40 M. Ihre Zeugnisse sind vorzüglich. Bei ihrem letzten Chef, dem sie so teuer zu stehen kam, war sie seit 1927 beschäftigt, sie genoß sein volles Vertrauen. Aber bei seiner Bank machte er die Entdeckung, daß er auf seine Schecks im Laufe der Jahre wiederholt 400, 800, 000 M. erhoben haben sollte, im ganzen 20000 M., den größten Teil seines Vermögens. Kein Zweifel: die Schecks trugen seine Unterschrift und doch war es nicht die seinige— so meisterhaft waren sie gefälscht. Die Scheckbücher lagen im Geld- schrank, die Buchhalterin hatte zu ihm freien Zutritt. Der Mann weint. Auch die, die ihn ruiniert hat, weint. Wie kamen Sie denn dazu, auf Kosten Ihres Chefs Wohltätigkeit zu üben? Er äußerte sich so herzlos über die Armen, sie können verrecken, sagt« er. Nun fnuß ich aber im Gerichtssaal lachen— lacht der Chef. Ich herzlos, ich habe in meinem Testament die Blinden bedacht. Der Staatsanwalt beantragt ein Jahr Zuchthaus, mildernde Umstände will er dieser Frau nicht zuerkennen. Was sogen Sie dazu? fragt der Vorsitzende. Ich habe die Tat begangen, ich bitte, die Strafe nicht zu erleichtern, ich bereue. Das Gericht verurteilt die Frau zu einem Jahr Gefängnis. Die also Verurteilte geht an den Richtertisch heran und bittet, die Strafe sofort antreten zu dürfen. Nein, sagt der Vorsitzende, das Gericht kann zwar einen 5)aftbefehl erlösten, es hält das aber nicht für erforderlich. Flucht- verdacht liegt bei Ihnen nicht vor. Sie werden von der Staats- anwaltschaft die Aufforderung zum Strafantritt bekommen. Der Mann, mit dem sie in Scheidung liegt, und die Fürsorgerin reden auf die„Büßerin" ein. Etwas stimmt bei dieser Frau nicht. Sie befindet sich wegen ihres Gemütszustandes in ärztlicher Be- Handlung. <3A. an der prügelsront. Ein Ausläufer der KurfiirstendomM'Krawolle. Während die Große Strafkammer des Landgerichts lll sich mühselig im Helldorf-Prozeß in die Kurfürstendamm-Ereignissc hin- einarbeitet, hatten sich vor dem Schöffengericht Schöne- b c r g wegen der gleichen Vorfälle drei Angeklagte zu ver- antworten. Hier waren Prügelheldcn gewissermaßen auf frischer Tat ertappt worden. Gegen 11 Uhr abends am jüdischen Neujahrs- feste kamen drei jüdische junge Leute von der Maaßenstraßc auf den Nollendorfplatz zu. Plötzlich sahen sie sich einem Trupp von etwa 20 Nationalsozialisten gegenüber: der an der Spitze ging, schlug einem der jungen Leute den Hut vom Kopf: er bückte sich, um ihn aufzuheben, in demselben Augenblick fiel man über ihn her, schlug ihn zu Boden, trat ihn mit Füßen. Ein Polizeibeamter eilte herbei, bekam einen der Rowdys zu fasten, seine Kameraden drängten auf den Beamten ein. Der Festgenommene riß sich los, der Beamte lief hinter ihm her, die zurückgebliebenen' National- soziolisten sielen über die drei jungen Leute zum zweiten Male her, einer von ihnen wurde böse zugerichtet. Noch waren die Rowdys mit ihrer heldischen Tätigkeit nicht fertig, als«in Ueberfallkoimnando sie in die Flucht jagte. Drei Mann konnten festgenommen werden. Vor Gericht bestritten alle drei zu dem Trupp von National- soziolisten gehört zu haben. Der eine. L c m b k e, Mitglied de» Sturm? 2, Prenzlauer Berg, erklärte, zu seiner Tante unterwegs gewesen zu sein: der andere, Hasse, wollte auf dem Nollcndorf- platz damit beschäftigt gewesen zu sein, Autotüren zu öffnen: der dritte, I., schien tatsächlich mit dem Trupp nichts zu tun zu haben. Der Staatsanwalt beantragte für den letzteren Freispruch, gegen Lembke 10 Monate, gegen Haste 6 Monate Gefängnis. Da» Gericht verurteilte die beiden zu je 4 Monaten Gefängnis und sprach den Angeklagten I. frei. Wieder Schnee in den Bergen! Das über Weihnachten eingetretene Tauwetter hat nicht lange angehalten. Aus Karlsruhe wird uns gemeldet, daß im Schwarz walde starke, noch andauernde Schneefälle die Sportverhältnisse wieder wesentlich verbessert haben: die Schneehöhe beträgt bis zu 00 Zentimeter. Auch aus anderen deutschen Winter- sportgebieten, wie dem Riesengebirge, dem Harz, Thü- ringen, wird Neuschnee gemeldet, so daß die Wintersport- Möglichkeiten wieder bester geworden sind. ' Zuschreibung der Zinsen in den Sparbüchern der Sparkasie Berlin. Erfahrungsgemäß herrscht in den Geschäftsstellen der Sparkasse der Stadt Berlin während des Monats Januar außer- ordentlich starker Publikumvsrkehr. Im Interesse einer schnelleren Abwicklung des Sparvertehrs für Ein- und Auszahlungen bittet die Sparkasse dringend, Sporbücher zur Zuschreibung der Zinsen gelegentlich eines Zahlgeschäfts bei der lontenführenden Kasse vpr- zulegen, es sei denn, daß die Sparer den Zinsbetrag für ein« ab- -ugebendo Steuererklärung benötige». Au» den Spartonten der Sparkasse werden die Zinsen gm 31. Dezember dem Kapstal zuge- schrieben und ooin Beginn des nsuen Geschäftsjahres ab mitverzinst. In der gestrigen Rachmitlagsoerhaudlung des 5 k! a r e k- Prozesses erörterte man zunächst weiter die Frage der Gefälligkeitswechsel, die die Sladtbank den Sklareks als Warenwechsel diskonliert Halle. Die Sklareks ließen bei dieser Gelegenheit durchblicken, daß die Anregung, ein Warengeschäft vorzutäuschen, von Stadtbankdirektor H o f s m a n n ausgegangen sei, was dieser jedoch bestritt. Willy Sklarek stellte sich auf den Standpunkt, daß die Verträge mit der Stadt die Hauptunterlage der Kredite gewesen seien und bestritt, daß die Verträge auf bestechlich« Weise zustandegekommen seien. Bürgermeister S ch o l tz und Stadttämmerer Dr. Lang« hätten ja auch als Zeugen erklärt, daß der Monopoloertrag nur eine Ver- längcrung der übrigen Verträge gewesen sei. Vors.: Sie meine» also, daß die Stadt eigentlich noch das Lertragsoerhältnis mit Ihnen fortsetzen müßte? Willy Sklarek: Jawohl.— Der Angeklagt« Buchhalter Tuch erklärte freimütig, ihm sei bekannt gewesen, daß es sich um Gefälligkeitswechsel handelte. Als Buchhalter hatte ich den Eindruck, so bekundete er. daß die Revisionen bei den Sklareks durch die Stadlbankbeamlea nur Formalitäten waren. Di« Rem- sioncn wurden ja auch vorher angekündigt und sogar auf Wunsch verschoben. Ich war der Ansicht, daß Schröder, der revidierte, mit Schmitt und Hvfsmann eins war. Vors.: Hat Schröder denn etwas bekommen? Tuch: Das weiß ich nicht. Bei den Revisionen hat er aber stets Kaffee getrunken. Ich glaube, daß die Kredite aus Freundschaft und aus Vertrauen zu den Sklareks gegeben worden sind. Durch die weiteren Erörterungen wurde erst das Geheimnis gelüftet, wie es den Sklareks gelang, die Gcsälltgkeitsakzepte ihrer Verwandten und Bekannten als Warenwechsel erscheinen zu lassen. Wie der Vorsitzende aus der Anklage feststellte, war zu diesem Zwecke nämlich«ine besonder«„doppelte" Buchführung «ingerichtet worden: ein Teil der Bücher diente zur eigenen Orientierung der Sklareks, während besondere Bücher zur War- leyung für die Kontrollbeamten angefertigt wurden. Hier täuschte man mit den Wcchselakzcptmitcn Scheingeschäfte durch An- sertigung von Auftragsbestätigungen, Fakmrenkopien usw. vor. Willy Sklarek versuchte auch für diese Dinge die Berontwortunz Trauerfeier für Oskar Ewald. Am Mistwochnochmitiag wurde im Krematorium Gericht st rahe unter starker Beteiligung die Bestattungsseier für den Genossen Oakar Ewald veranstaltet, der plötzlich au« seinem reichen Arbeltskreise als Stadtrat in Tempelhof und Der- trauensmann der Partei abgerufen worden ist. Zu Hunderten waren seine Freunde und Kampfgefährten erschienen, um Abschied zu nehmen. Genosse Otto B u r g e m e i st e r. der lange Jahre mit Ewald Seite an Seit« in der Partei- und besonders in der Kommunolarbeit gestanden, umreißt in seiner eindrucksvollen Gedenkrede die große und aufopfernde Tätigkest. die Ewald in Jahrzehnten für die Sache der aufstrebenden Arbeiterklasse verrichtet hat. Besonders die Arbeit in der Genwindsocrtretung AU-Tempelhof und im Bezirksamt des nougebildeten Verwallungsbezirks, sein ausopferndes Wirken für die Erwerbslosen und süp die Jugend werden im Rahmen seines gofamien Wirkens unvergessen bleiben. Bezirksbürgermeister B r u u s- W ü st c f e i d rief namens des Bezirksamtes und der Bezirksversammlung dem Verstorbenen Dank und letzte Grüß« nach. Er betonte besonders die leiden- schaftliche Arbeitsfreude Ewalds und die Sachlichkeit, mit der gerade er als aus der Partcibewcgung stammende Verwaltungsbeaniter feine Entscheidungen fällte. Zum Schluß sprach namens der Gesamtpartei und des Berliner Bezirksvorstandes Genosse Franz Künstler herzliche Abschieds- worl«: Oskar Ewald war ein unermüdlicher und selbstloser Ar- bester für die gemeinsamen Ideal«, die uns ay« bewegen. Aber er wollte Nicht mehr scheinen, als er wirklich war. lind in dieser Bescheidenheit war er und soll er immer bleiben«in gutes Beispiel für olle, die wie«r berufen sind, für die sozialistische Ideemvcst zu kämpfen. Orkan über Norwegen. Windstärke 35.— lleberall Verwüstungen. Oslo. 30. Dezember. Bor der Küste von Stavanger hat ein Unwetter, wie man es in den dortigen Gegenden seit Menschengedenken nicht erlebt Hot. großes Unheil angerichtet. Stellenweise wurden Windstärken von 37 bis 38 Metern in der Sekunde festgestellt. Lei Rosenberg wurde ein norwegischer 1000-Tonnen- Dampfer vom Kai losgerissen und in den Fjord hineingetrieben, wo er strandete. Auf dem Lande sind die Telegraphen- und Telephon- linien weithin umgerissen worden. Alle Verbindungen zwischen Stavanger und den umliegenden Inseln sind unterbrochen worden. Die Loloinotioen fuhren in der Dunkelheit gegen umgerissene Tele- graphenpfähle und wurden dabei mehr oder minder schwer de- schädigt, so daß die Züge aus osfener Strecke halten mußten. Menschenleben sollen bisher nicht zu beklagen sein. Nochmals der Fall des Kindes Griese. Lübeck. 30. Dezember. In der gestrigen Sitzung des Tuberkuloseprozesses stellten die Sachverständigen an Prof. Dr. D e y ck e eine Reihe von Fragen. Im Verlauf dieser Vernehmung richtete Rechtsanwalt Dr. F r e y an Dr. Wiener die überraschende Frage, ob ihm bekannt sei, daß schon im Dezember 192S dos Kind Lothar Hinz in i t AEG. gefüttert morden sei. Oberstaatsanwalt Dr. Linau nahm diese Frage zum Anlaß, darauf hinzuweisen, daß die Eltern dieses Kindes dshauptet hätten, ihr Kind sei schon nach seiner Geburt im Dezember 1S2S gefüttert worden und erkrankt. Das Ermlttlungs- oerfahren, das darauf von der Staatsanwaltschaft eingeleitet worden sei. habe eingestellt werden müssen, da die Ermittlungen kein positives Ergebnis ergaben. Eine Beschwerde der Eltarn heim(Bcneralstaats- anwalt sei zurückgewiesen worden. Dr. Wiener bekundete, daß ihm von einer solchen Fütterung nichts bekannt gewesen sei. auf Max Sklarek abzuwälzen, und Leo Sklarek verteidigte sich mit seiner bekannten Behauptung, bah er von Büchern, überhaupt nichts verstehe. Der Mitangeklagte Buchhalter Tuch bekundete aber, daß ihm die ersten Zahlen von Willy Sklarek gegeben worden seien, und daß man dann, wenn Wechsel an die Stadtbank gegeben wurden, automatisch die Warengeschäfte in den Büchern usw. fingiert hätte. Der Vorsitzende stellte hierzu fest, daß beispielsweise auf das Konto K l e c z e w s k i für 4.6 Millionen Aufträge verbucht waren, während die Stadtbank Wechsel in Höhe von 8,0 Millionen Mark bekam, so daß also trotz der Fälschungen 4 Millionen nicht belegt waren.(Zu den Stadtbankdirektoren:) Das spricht sehr für die Art der Revisionen. So sehen also Ihre Revisoren aus. Durch einfache Addition hätten sie das feststellen können. Hofsmann: Das höre ich heute zum ersten Male. Leo SNarek: Die Revisoren sind ja doch»on den Herren der Stadtbank von der Kontrolle zurückgehalten worden. Hofsmann: Das ist ja unmöglich. Leo Sklarek: Sie haben mir doch selbst g«Iagt: llch schicke Zhncu Schröder rüber. wir tun euch nichts. Hoffmann(nach einigem Zögern): Das ist ousgc- schlössen. Lehmann: Mir hat doch der Revisor Höge cimnal gesagt: Ich möchte ja bei euch kontrollieren, aber ich darf ja nicht. (Bewegung.) R.-A. Dr. Nübcll(zu Tuch): Waren die Fälschungen nicht sehr primitiv? Tuch: Ein wirklicher Buchprüfer Höste sie auf den ersten Blick entdeckt. Tuch erklärte dann noch weiter, daß die Prüfungen durch Schröder meist nur fünf Minuten dauerten, daß aber regelmäßig dabei Kaffee getrunken wurde. Einer der Gebrüder Sklarek sei immer dabei gewesen. Mir wurde gesogt, dag die Bücher als Unterlogen für die unteren Organe von der Stadt- dank gefordert wurden, und ich glaubte, sie wußten olle, was los mar. Leo Sklarek: Hoffmann sagte mir auch einmal: Die Revision»- berichte wandern doch bloß in den Papierkorb. Hoffmann(erregt): Es ist doch ein Ding der Unmöglichkest, daß ein Rcoisionsbericht ver- schwindet. Das stimmt nicht. Nach weiteren Erörterungen wurde die Verhandlung schließlich auf den heutigen Donnerstag S Uhr vertagt. Mit Rücksicht auf Silvester soll aber nur vormittags verhandelt werden. Im weiteren Verlaufe der Verhandlungen wird Professor Dr. Klotz eingehend über de» Fall des Kindes Griese vernommen. Er kommt zu dem Schluß, man sei damals berechtigt gewesen, die Diagnose aus kongenitale Tuberkulose zu stellen. Das Ergebnis der Hauptverhandlung habe ihn nicht von der Ueberzeugung abbringen können, daß das Kind Griese tatsächlich an kongenitaler Tubertuloie erkrankt sei. Professor Klotz betont schließlich auf«Ine Frage, daß ihm keine offizielle Mitteilung darüber zugegangen sei, daß das Calmeste-Verfahrcn in Lübeck eingeführt werden sollte. Er Hab« bis zum Unglück angenommen, daß das Verfahren nur bei Kindern aus stiberkulösem Milieu angewandt würde. Professor Dr. Ludwig Lange äußert sich dann eingehend zu dem Fall des Kindes Griese und kommt zu dem Schluß, daß Professor Dcycke auf Grund der Tieroersuche durchaus der Ansicht sein konnte, das BCG. sei unschädlich. Der Sachverständige kommt aber auf Grund eigener Forschungen zu dem Schluhergebnis. daß schon das Kind Griese eine Kultur erhielt, die giftige Bazillen in sich leug.'''"'> m'''; Schwere Tai— hartes Urteil. 7« Jahre Zuchthaas für einen NeunzehnjahriHen. Vor dem Schöffengericht in Oranierrburg: Die Anklage gegen den 19jährigen Johann' N. lerntet« auf schweren Raub in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung uns Vergehen gegen das Waffengesetz, lieber die Crstwicklung des jungen Menschen erfuhr man so gut wie gar nichts. Ein B e- richt vom Jugendamt war nicht eingefordert imd lag nicht vor. Dos eine stand fest: der Neunzehnjährige haste sich mehnnal» des Vergehens der Vestelei schuldig gemacht, er war eimnol in Hamburg wegen eines schweren Einbruchs zu drei Morraten G«. fängnis verurteilt worden, für einen Teil der Strafe hatte«r Be- Währungsfrist erhalten. Im August/September dieses Jahres trieb sich N. bettelnd und landstreichend in der Nähe von W e N s i ck e n- darf umher, stahl mn 12. September«in Schlächtermesser und klesteri« am 14. September gegen 4 Uhr morgens über den Zaun des Gehöfts von R.. bei bem er früher beschäftigt gewesen woc. Cr versteckte sich auf dem Heuboden, wartete hier ab. bis Landwirt und Kriecht gegen 10 Uhr das Gehöft oerliehen. Als bald darauf Frau R. den Männern folgte, verließ N. fein Versteck und per- suchte einen Einbruch, wurde ober von der unerwartet heimkehren- den Frau überrascht. Schnell legte er eine Maske an, schlug die Frau.zu Boden, steckte ihr. um sie mn Schreien zu hindern, ein zum Knebel zusamn-engedrehtes Kopftuch in den Mund, band ihr Füße und Hände zusammen und schleifte sie in den Pferdestall. Er war eben dabei, von den Schlüsseln der Frau Gebrauch zu machen, als es Ihr gelang, sich der Fesseln zu entledigen. N. warf sie ein -weites Mal zu Boden, legte ihr aufs neue die Fesseln an, schleifte sie in den Pferdestall zurück und drohte, ihr mit mit Schlachter- messer: Noch eine Bewegung und... N. war mit seiner Diebes- arbeit noch nicht fertig, als es der Frau gelange ssch des Knebels zu entledigen. Sie schrie um Hilfe und der Bursche wurde gefaßt. N. hatte vor Gericht keinen Verteidiger. Er benahm sich jungenhaft frech, als ginge ihn das Ganze nichts an. Der Staatsanwalt beantragt« 7i- Jahre Zuchthaus und zehn Jahre Ehrverlust. Das Gericht erkannt« auf diese Strafe und Siel- lung unter Polizeiaufsicht. In der Urteilsbegründung wurde auf die unmenschliche Roheit der Tat hiiagewiesen: es wurde betont, daß der AirgeNagt« keine Spur von Reue gezeigt habe. Bloß mit Rück- ficht auf dl; Jugend und auf die Erwerbslosigkeft des Angeklagten sei die Straf« nicht noch höher ausgefallen. Damit hat eine schwere Tot eine harte Strafe gefunden. Nicht verständlich ist, daß Feststellungen über die Persönlichkeft des Angeklagten, wie sie die Verfügung des Iustizministers vom Jahre 192Ö fordert, unterlassen worden sind, daß dos Jugendamt mit dem Fall nicht belaßt wurde. Selbst in dieser schlimmen Zeit sollte der unter allen Umständen richtig bleibende Erziehungsgedanke nicht außer acht gelassen werden. ?!r. 610• 48 Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 31. Dezember 1931 Die Arbeiterbank am Jahresschluß. Ihre Erfolge im Krisenkrach lassen die Verleumder nicht schlafen. In dem Krisenkrach des seht zu Ende gehenden Jahres mußt« die Tatsache, daß die Bank der freien Gewerkschaften, die Bank»er Arbeiter, Angestellten und Beamten A.-G, Berlin, ohne jede Erschütterung diese schwerste Krise Deutichlands überstanden f)at, die organisierte Arbeiterschaft mit besonderem Stol� erfüllen. In den kritischen Iulitagcn war die Arbeitcrbank fast die einzig« Bank in Deutschland, die ohne jegliche Einschränkung den Einlegern alle angesarderten Summen zurückzahlte bis zu dem Augenblick wo durch Gesetz höhere Rück, Zahlungen als die gesetzlich zulässigen verboten wurden. Diese hohe Leistungsfähigkeit der Ar- beiterbank hat den Neid aller politischen Gegner erweckt und Verleumdungen aller Art gegen die Arbeitcrbank zur Folge gehabt. U. a. wurde in der letzten Zeit auch behauptet, daß die Arbeiterbank illiquid sei, baß die zur Stützung der Dresdner und Danatbank eingerichtet« Garantie- und Akzeptbank hätte«in- greisen müssen, daß es zwischen Direktion und Aufsichtsrat der Arbeiterbank zu einem. Streit gekommen sei, daß an das private Bankhaus Bett, Simon u. Co. hohe Millionensummen ausgeliehen worden seien und das alles, weil die Gefchöftsleitung der Arbeiter- dank den Standpunkt vertreten habe, daß die Gelder nicht fest genug angelegt werden könnten. Um welche böswillige Legendcnbildung es sich hier handelt, ergibt sich aus einer Verössentlichung der demnächst er- icheinenden ersten Nummer der„Gewerkschaftszeitung" des neuen Jahrganges 1932, die vom Bundesvorstand des ADGB. ausgeht und die mit aller Rücksichtslosigkeit und Ossenheit die wirkliche Lage der Arbeiterbank klarstellt. Die„Gewerkschaftszeitung" schreibt, daß die Behauptung, die Einlagen könnten nicht„fest genug angelegt" werden, die Tatsachen völlig auf den Kops stellt. Immer wurde das größte Gewicht darauf gelegt, eine möglichst große Liquidität lZahlungsflüssigkeit) bei der Gelderanlagc zu gewährleiste». Daß das tatsächlich geschah, dafür gibt es keinen schlagenderen Beweis als die von keiner anderen Großbank erreichte Zahlungs- bercitschait und Zahlungsslüssigkeit der Arbeiterbank in den kriti- scheu Julitagen. Aber der Böswilligkeit der Legendcnerzähler wird nicht nur mit Worten, sondern auch mit Ziffern enlgegengekreien. die bis in die letzten Tage reichen. Die der Rcichsbonk(monatlich) einzureichende Zwischenbilanz der Arbeiterbank vom 30. November 1931 zeigte für diesen Tag einen gesamten Einlagenbesland von 139,3 Millionen Mark, woraus sich ergibt, daß sich dw nicht gewerkschastlichen Einlagen im Zahre 1931 nicht unbeträchtlich erhöht(!) haben, von diesen 139 Millionen waren 49.5 Millionen sofort greifbare Guthaben bei Vonken und vanksirmen, 3.35 Millionen waren kassenbeslände. Guthaben bei der Reich�bank. unverzinsliche Schahanweisungen und Wechsel. Fast 45 Millionen waren also selbst in diesen schwierigen Zeiten allererste Flüssigkeilsreser. v e n, wie sie überhaupt nicht besser gedacht werden können. Außer- dem waren 13'� Millionen Mark eigene Werlpap'ere verzeichnet, die eine weitere Flüssigkeilsreserve darstellen. Man braucht wahrlich vom Bankgeschäft nicht viel zu verstehen, um zu erkennen, daß angesichts solcher Tatsachen die Behauptung einer Illiquidität böswillig ist. In größerem Ausmaße als bei der Arbeiterbank dürste die Zahlungs- slüssigkeit nirgends gesichert sein. Natürlich ist auch die Behauptung ein« Legend«, die Arbeiter- bank habe die Einlagen vor allem in Pfandbriefen festgelegt. Die Bilanzsumme vom 39. November beträgt 157 Millionen Mark. Sämtliche eigenen Wertpapiere machen aber nur 9 Proz. dieser Bilanzsumme aus; auf Pfandbriefe und sonstige festverzinsliche Papiere kommen im 1) ö ch st s a l l e 6 Proz. der Bilanzsumme. Ebenso ist die Behauptung von großen Beteiligungen der Arbeiterbank an einer ganzen Reihe von Unternehmungen ohne weiteres durch die Bilonzzisscrn widerlegt, da die Novcmberbilanz mit 157 Millionen Mark Bilanzsumme nur Beteiligungen im Bc- trage von AVi Millionen Mark aufweist, was knapp 3 Proz. der Bilanzsumme ausmacht. Die„Gewerkschastszeitung" stellt weiter fest, daß die Arbeiter- dank es im abgelaufenen Krisenjahre niemals nötig gehabt hat. irgendwelche chilfe von anderen Instituten in An- spruch zu nehmen. Es sei völlig aus den Finger.» gesogen, daß irgendeine Verbindung zwischen der Arbeiterbank und der Akzept- und Garantiebank besteht. Eine solche Verbindung habe auch niemals seitens irgendeiner mit der Arbeiterbank in Beziehung stehenden anderen Stelle bestanden. Ebensowenig habe die Ar- beiterbank irgendwelche besonderen Kredite oder Hilfeleistungen von der Rcichsbank jemals in Anspruch genommen. •% Unwahr sei auch die Behauptung, daß zwischen Aufsichtsrat und Direktion der Arbeiterbank wegen der Geschäftspolitit der Ar- beiterbank ein offener Streit bestehe. Wenn schon die Gesamtlage der Arbeiterbank so durchaus gesichert und vollkommen gefestigt ist, dann besteht zu einem solchen Streit einfach kein Anlaß. W i e s ch w i Ii d c l h a f t die Lcgendenbildung aber betrieben wird, dafür zuletzt noch eine Tatsache: die„Millionenausleihungen"(6 bis 8 Millionen wurden genannt) an das Bankhaus Bett, Simon u. Co. machen noch nicht 9,015 Proz. der Guthaben aus, die die Arbeiterbank bei sämtlichen Banken überhaupt hat, das ist weniger als der tausendste Teil der behaupteten Summe. Es ist erfreulich, daß der ADGB. in rückhaltloser und offener Weise, und zwar mit Ziffern, die jeder kontrollieren kann, die unberechtigten und verantwortungslosen Ausstreuungen gegen die Arbeiterbank als das kennzeichnet, was sie sind, als eine durch nichts begründete und böswillige Lcgendenbildung. Das Vertrauen in die Arbeiterbank erschüttern zu wollen, wird ein v e r g e b- liches Bemühen der Arbeiter fein de bleiben. Die Preissenkung. Schwierigkeiten bei dem Bierpreis. Dos internationale Alu miniumkartell hat die Preise für Rohaluminium mit Wirkung vom l. Januar von 179 aus 169 Mark ermäßigt. Dementsprechend sind die Inlandspreise in Deutschland gesenkt worden. Die Preissenkung betrögt also nur 6 gegenüber den üblichen 19 Proz. für die gebundenen Preise. Dies dürste darauf zurückzuführen sein, daß die Notoerordnung für die international gebundenen Preise keinen Zwang für einen Preisabbau vorsieht. Ferner haben, wie der Rcichskommissor mitteilt, die Städte Hamburg, Karlsruhe, Krefeld den Kurzstreckentarif der Straßen- bahn von 29 auf 15 Pf., also um 2 5 Proz. gesenkt, die Stadt Solingen die Langstreckentarise bis zu 37 Proz. und die Zeitkarten- torife von 16 bis 49 Proz. ermäßigt. In Leipzig sind die Einzelsahrten um 29 Proz. ans 29 Pf. gesenkt und die Monatskarten von 14 auf 12,59 M. Bremen hat die MonatsüUrten von 29 auf 1 7 M., also um 15 Proz. abgebaut. Außerdem hat noch eine Anzahl mittlerer Städte Tarisermähigungen zwischen 6 und 15 Proz. vor- genommen. Bei dem Abbau der Bierprcise haben sich nach Schwierigkeiten ergeben, die dazu geführt hoben, daß das Reichs- ernährungsministerium den Braucrvcrbänden eine F r i st o e r- l ä n g e r u n g sür die Preissenkung bis zum 1. Februar zugestanden bat. Die Schwierigkeiten liegen darin, daß eine 19prozentige Preissenkung bei den Brauereien nur 5 Proz. Verbilligung im Einzeloerkauf nach sich ziehen würde, weil in den Ausschank- preisen über 49 Proz. Reichs- und Gemeindcbierstcuern enthalten sind. Eisenverarbeiier gegen Syndikaie. Die unhaltbare Frachtberechnutig. Die eisenverarbeitende Industrie, besonders die Werften sowie die mittel- und ostdeutschen Betriebe, führen seit langem einen Kampf gegen die� Frachtberechnung der Eisen- synditate. Bekanntlich haben die Syndikate sür ihre Lieserun- gen die Frachtbasis westdeutscher Industriezentren,;. B. sür Stab- eisen die Frachtbasis Oberhausen, für Bleche die Fracht- basis Essen usw. festgesetzt, so daß der Abnehmer in Mittel- oder Ostdeutschland, der nur einige Dutzend Kilometer von seinem Liescr- werk entfernt liegt, aus Grund der Berechnung Frachtbasis Ober- Hausen oder Essen zusätzliche Frachtkosten sür Hunderte von Kilo- mcter zu zahlen hat. Da alle Proteste der Verarbeiter bei den Syndikaten nichts genützt haben, hat eine von ihnen gebildete Interessengemeinschaft jetzt dem Reichswirtjchastsministerium einen Bericht über die verhängnisvollen Auswirkungen dieser Frachtberechnung eingesandt und Altänderung dieses Zustandes gefordert. In diesem Bericht werden die Behauptungen der Syndikate, daß die von ihr betriebene Frorfitpolitik notwendig sei, weil die Eisen- werk? in Mittel- und Ostdeutichlond mit höheren Produktionskosten und höheren Dorsrachtcn(sür Erze) belastet seicn, völlig wider- legt. Es wird im Gegenteil nachgewiesen, daß die Stahlwerke in Mittel- und Ostdeutschland infolge stärkerer Verwendung des sehr billigen Schrattes heute gegenüber dem Westen einen erheblichen Kostenvorsprung hätten. Sensationell wirkt die Feststellung in dem verlrfit, daß in einem Falle' der Fortfall dieser Frachten- berechnung, die rein fiktiv ist. die Herstellungskosten um etwa 7. Proz. ermäßigen würde, während eine IDprozentige Lohnsenkung nur eine Ermäßigung der Gestehungskosten um etwa 3 Proz. zur Folge hätte. Die Denkschrift schlägt zur Behebung des gegenwärtigen Zu- standcs zunächst eine Zwischenlösung in der Form vor, daß alle Frarfitcn über 169 Kilometer halbiert werden sollen. Dos Endziel fei jedoch, daß die bisherigen fiktiven Frachten gänzlich fortfallen, zumal die mitteldeutschen Stahlwerke mit ihrer gegen- wärtigcn Kapazität ohne weiteres in der Lage /eicn, den Bedarf der ansässigen verarbeitende» Industrie voll zu decken. Englische Lebensmittelzölle. Mit der Wirkung von Einfuhrverboten. Der englisch� Landwirtschaftsminister Hot jetzt die erste Ver- ordnung zur Z o l l o r h ö h n n g sür Früchte, friiclzc Gemüse,»ciie Karlosseln und Blumen erlassen, Zum Teil sind die Zollsätze derart irfzarf herausgesetzt, daß sie prohibitiv, also fast wieEinsuhr- verböte wirken müssen. Bemerkenswert ist, daß die Zölle zeitlich gestaffelt sind, worin eine verjrfzärste Absperrung der Luxuseinsuhr zum Ausdruck kommen soll. So gellen verschiedene Zölle sür» Frischobst nur für die Zeit von Anfang April bis Ende Mai, für andere Obstsorten von Aniana Mai bis Ende Juni, also für die Zeit, wo das ein- h e i in i s ch c O b st noch nicht zur Reife g c l a n g t ist und nur ausländisches Früh ob st eingeführt wird. Ii, der eigentlichen Obfterntezcit fallen für verjelstedcne Obstsorten, wie Kirschen, Stachel- und Johannisbeeren, die Zölle überhaupt fort, sür andere Sorten, wie z. B. Erdbeeren werden die Zölle in der eigentlichen Obstzeit von 21- Schilling auf Schilling je englisches Pfund(453 Gramm) ermäßigt. Aehnlich ist die Stasfeliing bei den frisrf>ci> Gemüsen, wo Spargel, grüne Bohnen. Blumenkohl, Karotten und Salate vor der eigeiitlichen Gemüsezeit mit außerordentlich hohen Zöllen belegt werden, die dann erst mit dem sorljchrcitcnden Frühjahr sinken. Sehr harz werden sich auch für die englische Bc- völkerung die unübcrstcigboren Zölle sür neue Karlosseln auswirken, die von Schilling je Zentner im Januar— Februar über 9!4 Schilling Zoll bis Ende Mörz auf i'A Schilling je Zentner bis Ende April gestasjelt sind. Kartell- und Monopolkontrolle der Tschechoslowakei Die tsrfzechoslowakischc Regierung hat dem Parlament«inen Gesetzentwurf unterbreitet, nach dem Kartelle und Privat- Monopole einer besonderen staatlichen Aufsicht unterworfen werden sollen. Vorgesehen'st die Berufung einer staatlichen Wirt- schaftskommission von achtzehn Vertretern der beteiligten Ministerien, der Verbraucher, der Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die von der Regierung ernannt werden sollen. Die Kommission soll berechtigt sein, in die Verhältnisse der Kartelle und Prioatmonopole einzu- greifen. Für Zuwiderhandlungen sind Strafen vorgesehen. Ruinierte Kupfermärkte. Letzte Rettungsversuche des internationalen Kartells. Der Beschluß des von Amerika beherrschten Kupserkartells, eine neue scharfe Drosselung der Zlupfcrproduktion durchzuführen, ist wirkungslos verpufft. Obwohl von den beteiligten Werken diese Drosselung durchweg ausgeführt wurde, erreichten die Kupfervorräte seit Mitte November einen Höchststand, wie er bisher in der Geschichte des Kupferbergbaues noch nicht zu verzeichnen war. De? Preis für ein englisches Pfund(445 Gramm) sackte bis auf 6'A Cent ab, erreichte also einen Tiesstand, der um säst 49 Proz. unter den Preisen von 1999 lag. Eine Vorstellung von der Preislätastrophe auf dem Kupfermarki gibt die Entwicklung seit dem März 1929, wo der Kupjerpreis durch spekulative Machen- schaften des Kartells auf fast 25 amerikanische Cent je englisches Pfund hochgetrieben war. Seitdem ist also der 51 u p f e r- preis um 75 Proz. gestürzt. Diese verheerende Entwicklung kennzeichnet aber zugleich die Politik des Kupserkartells, das mit seiner allen wirtschostlichcn Tendenzen.im Kupferbergbau- wider- sprechenden Preistreiberei erst die Voraussetzungen für diese ruinöse Entwicklung schuf. Die Wirkungslosigkeit der im amerikanischen Kupferkartell gefaßten Beschlüsse war auf die Neuerschließung afrikanischer Minen in Rhodesien zurückzuführen. Um eine weitere verstärkte Ueber- schwemmung des Weltmarktes von dieser Seite her zu verhindern, hat eine neue Konferenz, die von 99 Proz. der Mincnbesitzer der ganzen Welt beschickt war, beschlossen, die Wcltproduktion ob 1. Januar l932 aus 261- Proz. der Leistungsfähigkeit zu drosseln. Um eine unangemessene Preissteigerung zu ver- hindern, wurde die Klausel eingefügt, daß das Abkommen ungültig wird, sobald die Kupferoorräte unter den Stand der in den letzten vier Monaten verkauften Mengen sinken. Ferner erlischt das Ab- kommen, wenn die Preise den Stand von 12 Cent je Psund aus die Dauer von 15 Tagen wieder erreichten. Wenn das Abkommen nicht funktioniert, d. h. die Borröle über Tage nicht auf den Stand der in den vorhergehenden vier Monaten abgelieferten Mengen gesunken sind, sollen alle Beteiligten das Recht haben, wieder ihre volle Produktion aufzunehmen. Aus diesem verklausulierten Abkommen ist soviel zu entnehmen, daß die Kupserproduzenten den Versuch einer Pceis- steigcrung bis zu 12 Cent je Pfund unternehmen. Od der Vertrag mit den Kartellaußenseitern in Afrika, Haut Katanga und Rhodesian Mines überhaupt durchführbar wird und wie lange das Abkommen eingehalten wird, bleibt allerdings abzuwarten. Großaufiräge für Siemens. Automatisierung holländischer Telephonnetze. Das Abkommen, das die Siemens u. Halste A.-G. mit der Hengeloe Maschinen- und Apparatesabrik in Amsterdam Uber die Automatisierung holländischer Telephonanlagcn aetrnsscn Hot, setzt den Schlußstein unter langwierige Verhandlungen. In diesen Verhandlungen ging der Kampf um die Modern!» sicrung des staatlichen holländischen Telephonwescns. Neben S i e m c cks bewarben sich als schärfste Konkurrenten der s ch w c- bische Ericsson-Konzern und die märfsticje amerikanische Gruppe International Telephon and' Telegraph C o m p a n y. Dieser Konkurrenzkampf ist zugunsten von Siemens u. Halske entschieden worden, da Ericsson als Lieferant für den holländischen Staat gänzlich aussrf)eidct und die Amerikaner nur sür einen kleinen Teil der Lieferungen heran- gezogen werden. Auf Grund des Abkommens mit der Amsterdamer Apparatesabrik hat Siemens einen Teil der Apparatebestellungcn an diese Fabrik abzutreten. Oer Sireii um die Goldklausel. Erfolgreiche Abwehraktion des Warenhausverbandes. Der Abwohrkampf, den der Verband deutscher Waren- und Kaufhäuser gegen die Unsitte der Goldmarkfakturierung durch die industriellen Lieserfirmen geillhrt hat, hat einen vollen Erfolg gehabt. Wie der„Konfektionär" meldet, hat die bekannt« T« x t i l f i r in a a u l K ü b l e r«. C o. in Stuttgort, über di« der Worenhausoerband wegen des Goldmarkkonflikts den Boykott verhängt hatte, einen Rückzug angetreten und sich bereit ceklän, ihr« Rechnungen künftig in Reichsmark auszustellen. Der Warenhousverband hat nach erfolgter Einigung seine Mit- glieder hiervon in Kenntnis gesetzt, so daß die Sperre gegen die!« Finna wieder ausgehoben worden ist. Die Verständigung mit diesem Unternehmen ist von gnmdsatzlicher Bedeutung und kann zweifellos als Basis für eine künftige allgemeine Verstau- d i g n n g zwischen den Warenhäusern und dem Einzelhandel auf der einen und den industrielle» Lieferanten auf der anderen Seite angesehen werden. Französische Eisenindustrie in der Krise. Die Wirtschaitskrise hat auch in Frankreich zu« einer scharsen S ch r u m p s u n g der Stahlproduktion, geführt. Diese ist narf, den vorliegeii- den Schotzungen im November auf 539 999 gegen 795 999 Tonnen im entsprechenden Monat des Vorjahres gesunken. Die Schrumpfung stellt sich also auf rund 24,8 Proz., während in Deutschland in dem gleichen Zeitabschnitt ein Absinken der Stahl- Produktion van 36,6 Proz. stattgefunden hat. Ueber ernste Zahlungsschwierigkeiten des Bekleidungshauses S. Adam, Berlin, Friedrich- Ecke Leipziger Straße, die durch Zins- und Kapitalschulden aus Hypathekenverpslirfstungen der Firma gegen- Uber einem schweizerischen Bankhaus entstanden sind, werden aus der Gläubigerocriammlung einige Ziffern bekannt. Die Bilanz vom 2 4. Dezember zeigt 7,22 Millionen Aktiven(darunter 6,8 Millionen Grundstücke, 69 999 Mark Forderungen und 341999 Mark Warenbestände) und 8,68 Millionen Mark Passiven(darunter 5,92 Millionen Hypotheken, 1.92 Millionen DD-Bank-Kr«dlte 253 999 Mark Familiendarlehen, 218 l)09 Mark Warenschnlden sowie 315 999 Mark Zins- und Steuerriickstänbe). Po» 355 Gläubigern sollen bereits 139 Gläubiger einem Vergleich zugestimmt haben Eine neue Firma vaer Sohn G. m. b. h. Die �iwr einigen Monaten z»saminengebrorf)ene Äonfektionsfirmo Baer Sohn A.-G., Beriin. soll als Baer Sohn G. m. b. H. weiter leben. Die neu- gegründete G. m. b. H. hak Warenlager und Inventar der in Kon- kurs gegangenen Firma übernymmen. Die Gründer der neuen Firma sind Angehörige der Familie Baer. Iflario Hlohr: Maklern, die Allmonatlich versammeln sich in etwa vierzig deutschen Städten still«, ernste Menschen zu Vorträgen und Aussprachen. Manche bringen kleine Pakete mit, die sie sorgsam und vorsichtig tragen und mit einer Feierlichkeit vor sich ausbauen, als seien darin alle Schätze Indiens eingepackt. Was das für Menschen sind?— Würde Man die Gesichter allein betrachten, so würde uns unsere vielgepriesene Menschenkenntnis ziemlich im Stiche lassen. Da sitzt ein alter Offizier neben einem kleinen Händler, eine junge Kaufmannsfrau neben einem alten Mütterchen. Alle Stände sind oertreten, alle sozialen Schichten, alle Altersklassen. Da wird keine Politik getrieben, und keine beruflichen und sonstigen„Belange" stehen zur Diskussion. Was die Leule, die hier zusammenkommen, eint, und was immer auf der Tagesordnung steht, das ist die gemeinsame Leidenschaft, die gleiche Liebe— wenn man will, der gleiche Sport. Manche haben die Objekte dieses Interesses in ihren kleinen Paketen mitgebracht, weil sie zu Hause vergeblich über die Herkunft ihrer Lieblinge nachgegrübelt haben und hier zu erführen hoffen. wes' Nam' und Art sie sind. Manche wollen ihre Sorgen loswerden, weil sie nicht wissen, worum und woran diese Lieblinge kranken und keine Fortschritte in ihrer Entwicklung machen. Sie öffnen die Päckchen und zeigen— ihre Kakteen. Kakteen sammeln ist immer noch große Mode. Wer hat nicht zwischen seinen Fenstern so ein paar stachlig- und abstruse(De- wüchse stehen? Die aber, die das mit besonderer Inbrunst und Leidenschaft betreiben, haben nicht nur einen Derein um diese Dick- häuter der Pflanzenwelt geschaffen, sondern sogar eine„Deutsche Gesellschaft", di« bereits vierzig Jahre besteht, einige tausend Mit- glieder und etwa vierzig Ortsgruppen hat.„Die Leidenschaft des Kaktsensammelns", sagt der Vorsitzende der Deutschen Kakteen- (BeKllschaft. seit ihrer Gründung immer ein Kustos des Berliner Botanischen Museums,„ist der letzte Rest der Liebe zur Natur, der vielen Städtern einzig noch verbleibt."— Man hat die Kakteen- sammler oft als etwas sonderbare Käuze hingestellt. Es sei nur an Spitzweg erinnert. Das mag gelegentlich vielleicht zutreffen, aber. meint der oberste Herr der Äatteenfreunde,„Sie werden in der einig« tausend Mitglieder zählenden Gesellschaft nicht einen finden, von dem man den Eindruck hat. daß man mit diesen Menschen keine Geschäfte machen, keinen Verkehr haben möchte."— Also nicht nur, wo man raucht, kann man ruhig harren. Böse Menschen haben auch keine Kakteen. Doch nicht nur aus Liebe wird gesammelt. Eine Zeit lang war es auch ein ganz gutes Geschäft. Außer den Liebhabern, die das größte Kontingent der Mitglieder dieser Gesellschaft stellen, sind auch die Händler hier vertreten. Gegenwärtig sind allerdings, wie überall, die Preise stark gesunken. Aber da ist zum Beispiel ein deutscher Kaufmann in Argentinien, der sich auch für Kakteen Meinrich Stemmer: kß ST KllvZH Nur selten ertont. Ankunft meldend, die schrille„Arrivü"-Glocke im Hotel Magnifico von Caracas..., obwohl Caracas die Haupt- stadt von Venezuela ist und obwohl das Hotel Magnifico sich weder in St. Moritz noch in Biarritz zu genieren brauchte, so magmfik ist es „Caracho", fluchte der größenwahnsinnige Eilbauer, der auf diesen IZ-Millionen-Bau die phantastischsten Hoffnungen gesetzt hatte:„Warum zum Teufel kommt denn kein Schwein!" Aber es kamen eigentlich nur Schweine, was man so zu nennen pflegt, neureiche Hinterländer setzten sich in Dreck und Speck an die Table d'hote und aßen mit dem Messer. Kein Fremder, der nicht muß, kommt je nach dieser neuen Oelmetropole, wo es exotisch langweilig ist und dick weltentrückt daliegt: da nützt kein Magnifico. Der meschuggene„Patrone" aber, der Wahnsinnswirt, sann und sann: was etwa noch nicht tipptopp genug sei und der Ankunft von wirk- lich magnifiken Gästen hindernd im Wege stünde. Nachdem er vergeblich die Bar umgestellt, Perserteppiche gelegt, das braune Indiopersonal verdroschen hatte:„Caracho", fluchte er.„jetzt Hab ich die Geschichte..." und bestellte ein magnifikes weißes Hotel- personal aus New Port: das Feinste vom Feinsten. Also kam vor allem einmal eine russische Empfangsfürstin: segelte polyglott, flüsternd in der Marmorhalle herum und rauschte auf irgendeinen unterkultivierten Mischling zu, der sich dann hinter einem Pfeiler verkroch, ausspuckte und lauerte, um bei einer zweiten Attacke endgültig die Flucht zu ergreifen. „Magnifico!" schrie der Patrone, als nicht lange darauf die Arrioe-Glocke ostentativ laut ertönte. Ein weiter Hotelgast war da. Ein sunger Prinz mit drei Schrankkoffern. Die Hotelindios gruppierten sich in malerischer Bereitschaft für so ziemlich jeden Dienst, sie hätten den weißen Prinzen mit gleichem Vergnügen gebadet oder trocken gelegt. Signale ertönen, Mechaniken setzten sich in Bewegung, das ganze Hotel prostituierte sich sozusagen vor dem Prinzen: aber er wehrte ab. Er wünschte keine Prunk- gemächer und keine Ehrengarde Die Empfangsfürstin, nachdem sie m einer Welle von Liebenswürdigkeit auf den ersten Glanzgast zugeschwommen war, bog verlegen nach dem Hotelwirt ab, der majestätisch an einer Marmorsäule lehnt«, schreiend:„Was wünscht die blonde Exzellenz, Caracho, gibt es irgend etwas, das wir nicht bieten können?" „Er sucht den List, Scnor", flüstert« die Fürstin,„es ist der internationale Liftboy aus New Vsork." Bald darauf kam ein Franzose mit einer„Fliege" an der Unterlippe, einem wie ein Rufzeichen geformten steilen Bärtchen und wurde wie ein Präsident nach dem Lift geführt: aber er wollte nicht in die bereitgestellten Salons hinauffahren, sondern in sein Rayon, die Küche hinunter. Der internationale Ober aber begab sich ohne weiteres Sträuben in das Speisezimmer, lich sich das Essen servieren und kassierte dann selber bei sich ein. Da die vornehmen weißen Gäste noch iinmer auf sich warten ließen, was blieb anderes übrig, als die farbigen Raffkes auf den Magnificostandard zu erziehen. Das bildete die vornehmste Auf- gäbe des Hotelpersonals, als dies glücklichere Jahr zu Ende ging. Der Ober nahm dem einen das Fischmesser ab, mu dem er Ananas aß. und klärte den anderen darüber auf, daß das Spülwasser nicht für den Mund, sondern für die Hand bestimmt sei. Das Hotel leistete eine große kulturfördernde Pwnierarbeit. Als aber das Jahr zu Ende gegangen war, da fragte einer vo« den neusrzogenen Venezuelanern das vornehme Personal, was er ihm denn zu Silvester zu trinken anbieten könne Er war bereit, die Wünsche eines jeden zu erfüllen und notierte sie sich all« genau auf. Für den einen eine Flasche Whisky und den anderen«ine Pulle Pfefferminz, für den ein« Flasche Chartreuse,«in anderer zog Gin. ein dritter Cham- pagner und ein vierter Burgunder vor. Als die Uhr zwölf schlug, große IMode interessierte. Zuerst sammelte er nur. Dann begann er mit dem Verkauf, und jetzt hat er einen ganz hübschen Export. Der wird jedoch m der letzten Zeit etwas orlchwert, da die Vereinigten Staaten und Mexiko manche Sorten unter Naturschutz gestellt haben. Aber man bemüht sich immer mehr, die Kakteen nicht zu imnortieren, sondern aus Samen zu ziehen, schon weil man auf diese Weise die Pflanzen viel besser on unser Klima gewöhnen kann. Die Deutsche Kakteen-Gesellschaft unterstützt diese Bestrebungen dadurch, daß sie ihren Mitgliedern alljährlich verschiedene Samen schenkt. Und welche Arten werden bevorzugt? Die einen sammeln nur blühende, die anderen nur weiße Kakteen, wieder andere alles durcheinander. Alle Arten aber stamme» aus Amerika. Von Kanada bis nach Pataaonien findet man sie. Das Hauptzentrum sind Mexiko und die südamerikansschen Anden. Wo sie in Afrika zu finden fmd, da sind sie durch Vögel verichlennt worden. Ob der Kaktus eine nützliche Pssanze ist? In seiner Heimat ganz gewiß. Die Früchte sind eßbar. Die merikanischen Indianer verwerten sie als Nahrungsmittel Außerdem dienen sie viel zum Heckenbau. und die großen Säulenkakteen, deren Stämme stark ver- hol-en, lielern brauchbares Bauholz. Man hat auch stachellose Kakteen mit gutem Ersolq gewichtet, die während der Trockenheit ein gutes Futtermittel sind. Der Erfolg gelang, aber besser als man wünlchte. Sie wurden zur Londvlage, und man mußte, um sie zu bekämpfen, extra einen Schädling einführen. Die sonderbarsten Kakteen trifft man ebenfalls in Mexiko. Aus ihrem Säst bereiten die Eingeborenen ein Getränk, das in einen merkwürdiaen Rauschzustand oersetzt. Ein religiöser Kust, der Peyote-Kult. wird damit getrieben. Für d-ese Beyote-Kakteen interessiert sich auch besonders die Millenschast. Pharmakologey haben die sonderbare Wirkung dieses Giftes studiert, und die Psychiatrische Klinik in Heidelberg hat interessante Untersuchungen damit angestellt. Der von diesem Getränk Berauschte macht die verschiedenen Wahnsinnsstadien durch und ist gleichzeitig in der Lage, seinen eigenen Zustand festzussellen. Es ist eine einzigartige Verdoppelung der Persönlichkeit Man ist wie ein Doppelwesen, g'eich'eitiq im Rausch, der dem Wahnsinn gleicht, und kann anderer- seits diesen Zustand an sich selbst vernünftig beobachten. Mit Hilfe dieser sonderbaren Kakteen hat man erstmalig wissenschaftlich'scst- stellen können, wie* einem Wahnsinnigen zumute ist. Aber der Rausch, in den die anderen Kakteen ihre Liebhaber versetzen, ist harmloser und normaler. Und doch ist es auch so etwas wie ein Rausch, wenn man die Freude steht und die Aus- daucr, mit der Menschen vor diesen stacheligen und in ihren For- men oft so bizarren Gewächsen sitzen, an ihnen laborieren und herumdoktern und über ihnen die Welt mit ihren kleinen und großen Sorgen vergessen können. jähr in Den wurden sie alle zu Tisch gebeten, zwei Indios brachten ein über- decktes großes Gefäß herein, von dem der Gastgeber die Hülle abzog. In einer Art kleinen Badewanne schwammen alle die Neujahrswünsche der Hotelangestellten, der Champagner und der Whisky, der Magenbitter und Rheinwein durcheinander, der dank- bare Venezuelansr Raffke aber goß diese Höllenmischung strahlend in Punschgläser. Prost Neujahr. Jungens, rief er, und zwang sie alle zu trinken, die russische Fürstin mit, bis sie alle Sprachen durch- einander brachten und die anderen Angestellten ihre ureigene Sprache bekannten: Sie waren Deutsche, diese vornehmen New- Porker Hotelangsjtcllten. Es waren alles arme kleine Deutsche gewesen, und sie machten all« alles bravo mit, die Vornehmheit, die Pädagogik und diesen teuflischen Venezueloncr Ncujahrspunsch: „caracho!" ÄT 3>er dunkle Qarlen Jetzt koimnt also das neue- Jahr. Weihnachten ist glücklich überstanden. Wir sind froh, daß olles auf gute Weise klappte und nichts Unangenehmes, Unerwartetes unsere Stimmung störte. Unser Unterwohner, Schmitt, der Erfinder, hat zweimal unseres angeb- lichen Lärmes wegen mit dem Besen gegen di« Decke geklopft. Es war also alles wirklich in bester Ordnung. Jetzt aber sind unsere Finanzen völlig erschöpft und gar. die festlichen Tage hingegen sind es noch nicht. Silvester und Neujahr stehen uns noch bevor, diese beiden in ihrem Berlous für das kommende Jahr uns sozusagen immer vpr- bedeutungsvoll erscheinenden Feste. Wenn wir kein Geld hätten, den beiden Tagen entsprechenden Glanz zu schaffen und sie in Miß- stimmung verbringen müßten, wir würden in solcher Zeit dies doppelt als böses Omen empfinden. Warum? Kein Gram, keine Sorge, das Leben vollendet sich, wenn'» auch manchmal so scheint, in der letzten Kanjeguenz dock) nicht nach solch leicht feststellbaren Analogiesätzen. Und die Formel. die unendlich« Mah: ihre Gültigkeit bewiesen hat. wird unanwend- bar. und auch wieder in ihrem Verjagen ist keine rcgelhafte Gültigkeit. Dunkel und ungewiß liegt das neue Jahr vor uns. so vielleicht wie der Garten einer Sommerfrische, in der man einmal als Kind abends ankam.— Vor dem Schlafengehen hat man noch einmal an die Türe gehen dürfen, hat in die Finsternis hinausgeschaut. neugierig und ängstlich erregt, hat versucht, in der Dunkelheit charakteristische Merkmale und Linien zu erkennen und die Ver- schlingung der Wege vorauszuahnen, die man an vielen Tagen des Sommers gehen sollte. Die Dunkelheit des Gartens war voll Uebcrraschung und unser Schlaf wurde ungeduldiges Entgegeneilen den Abenteuern der kommenden Tage. Voll dringend harrender Spannung war man. Dunkel und voll Erlebnis, wie jener Garten der Kindheit liegt das kommende Jahr vor uns. Aber man ist erwachsen, hat eine lange Lehrzeit hinter sich, in der ständig„des Lebens Ernst" gepredigt wurde, das raubte die Schwungkraft, man ist müde, hat die durstige Spannung, die Lust am kommenden Abenteuer lange verlernt. Ach, mcm wünscht nicht Erlebnis, nur leben will man und weiß nicht, daß man sich so der Freuden des Gartens, der Schönheit des Lebens begibt. Ein Arbennoß an Humor wird von einem amerikanischen Ge- lehrten als Vsrfollszetchen bezeichnet; er steht in dem übertriebenen Humor de» Amerikaner»«in Symptom der Dekadenz. Iteare Jfolbrooh(Uerr yorh)? 3)ie Qeneralrerfammlung „Der Zweck unserer heutigen Zusammenkunft, meine Herren' — so eröffnete der Präsident der Aurora-Stahlwalzröhren-Aktien- gesellschast die Generaloersammlung—,„ist nicht, einander unser gegenseitgcs Beileid auszudrücken. Auch die heißesten Tränen sind nicht imstande, eingesrorene Kredite zum Auflauen.zu bringen. Zur Kennzeichnung der Lage unseres Unternehmens möchte ich nur vorbringen, daß ich früher unser« Einnahmen auf der Rückseite ge- brauchter Briefumschläge zu notieren pflegte, und daß ich in letzter Zeit nicht einmal mehr imstande gewesen bin, gebraucht« Brief- Umschläge aufzutreiben." Nun erhob sich Herr Trimble, der Oberbuchhalter des Unternehmens, um Rechnung zu legen.„Meine Herren", sagte er,„ich habe einen Rechenschaftsbericht über die abgelaufene Geschäfts- Periode vorbereitet. Aber da wir übereingekommen sind, keine Kondolationen auszutauschen, so halte ich es für ratsam, von dessen Verlesung abzusehen. Ich nehme an, daß Sie mit den gegen- wärtigen wirtschaftlichen Verhältnissen aenuasam vertraut sind, um sich ein Bi'd von unserer finanziellen Situation machen zu können." „Ganz richtig", stimmte der Vorsitzende zu.„Erst unlängst habe ich zu meiner Frau gesagt:„Das Leben ist ohnehin ernst genug. Man braucht nicht noch in Generalversammlungen zu gehen." Uebrigens Hab« ich letzte Woche von unserem Betriebs- ftatiitiker bevor ich ihn a baute, eine Reihe prächtig kolorierrer graphischer Darstellungen anfertigen lassen, damit wir da« Wirt- schastsleben auch einmal von der heiteren Seit« sehen." Hieraus öffnete er eine Lade seines Schreibtisches und breitete einige bunte Zeichnungen auf der geräumigen Tischplatt? aus. In diesem Augen- blick klopfte es an der Tür und zwei Männer in Overalls traten ein.„Wir kommen von der Phönix-Möbelbelieferungs-Gefellfchaft", sagte der ein«.„Wir kommen, um den Schreibtisch abzuholen", fügte der zweite hinzu. Der Vorsitzend« nahm die Tafeln an sich und sagte:„Der An- trag liegt vor, diesen Schreibtisch der Phönix-Möbelbelieserungs- Gesellschaft zuriick'usteiten. Ist jemand dagegen?" Die beiden Arbeiter packten den Schreibtisch.„Einstimmig zum Beschluß erhoben", rief der Vorsitzende ihnen zu. Dann wandte er sich wieder den graphischen Darstellungen zu.„Hier sehen Sie", so fuhr er fort,„eine Tafel mit roten und schwarzen Linien. Die Verluste werden durch schwarze Linien, die Gewinne durch rote dargeltellt... Hier wurde er neue.dinas durch die Ankunft zweier Männer in Overalls unterbrochen.„Wir kommen von der Sitzmäbc'-Aktiengesellschaft", sagte der eine.„Wir kommen, um die Stühle abzuholen", fügte der ander« hinzu. „Der Antrag liegt vor", sagte der Vorsitzende,„unsere Stühle der Sitzmöbel-Aktiengesellschast zurückzustellen. Wer dagegen ist, möge sich erheben!" Jedermann stand aus, um zu widersprechen, und die Abge'and- ten der Sitzmöbel-Aktiengesellschast nützten die so entstandene Lage geschickt aus, um sich>ämt'icher Stühle zu bemächtigen. Nachdem der letzte' Stuhl hinausgetragen worden war, brachte der Vorsitzend« ein« weiterc Zeichnung zum Vorschein.„Diese Kurve", so erklärte er.„stellt die Auf- und Abwärtsbewegung der Geschäftskonjunktur von der Eiszeit bis zum 1. November 193l dar. Es wird Ihnen nicht entgehen, daß die Kurve ständig auf- wärts verläuft. Ungefähr im 1ö. Jahrhundert sehen Sie zwar«ine jähe Abwärtsbewegung. Aber die ist lediglich darauf zurück, zu- führen, daß jemand unser«» Vetrie'-ef'tctistiker gestoßen hat. als er gerade die Kurve zeichnete. Und wer weih? Villeicht ist die gegenwärtige Wirtschaftskrise auf einen ähnlichen Zufall zurückzuführen. Man gebe unseren Statistikern mehr Ellbogenfreiheit:" .Das-ist das einzige, was wir Ihnen geben können", sagte ein Mitglied des Aussichtsrates. „Und nun kommen wir zur nächsten Zeichnung", fuhr der Vor- sitzende fort.„Sie stellt das Ansteigen der Kaufkraft des Dollars in den letzten Monaten dar. Welches Dollars?" rief da freudig erregt der Kassierer.„Wo ist der Dollar?" „Ich spreche nur bildlich", erklärte der Vorsitzende. In diesem Augenblick ging das Licht aus. Di« plötzliche Finster- nis verursacht« allgemeine Verwirrung...Herr Präsident", sagte der Oberbuchhalter,„ich Hab« vergesse», Ihnen mitzuteilen, daß wir von der Elektrizitätsgesellschait bereits dreimal gemahnt worden sind" .„Als eine Aklienzesellschaft". erwiderte der Präsident würde- voll,„haben wir das Recht auf vier Mahnungen. Ich beantrage die Wahl eines Komitees von einem Manne, das die Elektrizitäts- gesellschast anruft." „Leider wurden unsere Telephonleitungen gestern ausgeschaltet. Herr Präsident", erwiderte der OberbuchhaUer.„Aber ich kann in die Drogerie an der Eck« gehe», um zu telephonieren. Hat jemand zehn Cents?" Niemand hatte zehn Cents.- Einen Augenblick herrschte Schweigen. O „Liegt sonst noch ein Antrag vor?" fragte der Vorsitzende. „Wenn nicht, dann beantrag« ich, daß wir die Versammlung ver- tagen. Wer dafür ist, der gede sein« Zustimmung durch das übliche Seufzen zum Auedruck." Wir alle seufzten.„Vertagt", sagte der Vorsitzend«, und so nahm die diesjährige Generalversammlung ihr Ende. Die Direk- toren entfernten sich. Der«ine ging in den Bryant-Port. der andere in den Bottery-Park,«in dritter wieder in den Union- Square-Park, wo die Bänke noch nicht allzu bevölkert sino. (Einzig auwriflert« Uedcrstgung aus dem Amcritanilchen von Leo ÄorUrt.) E>as stärkste Pflanzengift. Vor einiger Zeit wurde von der Entdeckung einer Giftpflanze berichtet, die schon den Tod hervor- rufen sollte, wenn mon nur daran röche. Es handelt sich dabei. wie in den„Technischen Blättern" mitgeteilt wird, um die süd- afrikanische Pflanze A d e n i a, die von dem Chemiker Green im Staalslaboratorium zu Onderstcport näher untersucht worden ist. Bei Bahnarbeiten in Transvaal fand«in Arbeiter die Pflanze und fiel sofort tot hin. als er nur ein wenig von der Knolle kostete. Die Adeniavflanze ist eine kleine fleischige Knollenpflanze, deren Gift an Stärke dem Strychnin LlXZtzmal überlegen ist. Schon der Bruchteil eines Milligramm? genügt zur Tötung eines Menschen. Das Gift hinterläßt in den Organen nicht die geringste Spur. Rön'genfirahlen statt Fiugcrabdrücken. Ein neues Identlfizie- rungsverfahreo. das von dem Washingtoner Arzt Pool« ausgearbeitet worden ist. benutzt statt des Fingerabdruckes die Röntgen- Photographie der Nafenbogen. Wie in der„Chemiker-Zeitung" be- richtet wird, hat man durch ein großes Material von Bildern fest- gestellt, daß di« Form der Nafenbogen niemals bei zwei Personen, selbst nicht bei Zwillingen, genau übereinstimmt. Dieses Verfahren besitzt auch den Vorzug, daß sich die Fonn der Nafenbogen während des ganzen Lebens nicht verändert und so«in zu irgendeiner Zeit ausgenommene» Röntgenbild der Nafenbogen«in dauerndes Mittel zur Jdeiitisizierung einer bestimmten Person darstellt. Den höchsten Schornstein Europas hat das Elektrizitätswerk in Leipzig:«r mißt lZ7Z< Meter, und sein« Erbauung hat zwei Wo- nate in Anspruch genommen. Schau des Llnerreichbaren. Reise �Linter den Linden". Die Straße Unter den Linden von der Friedrich- straße bis zum Brandenburger Tor ist in dem letzten Lahrzehnt wahrhaft zu einer Straße der Nationen geworden, die sich hier ein Stelldichein geben, um siir ihre Länder zu werben. Wenn man vom Bahnhof Fricdrichstraße kommt und rechts in die Linden einbiegt, stößt man gleich auf Italien. Das Land Mussolinis baut ein neues Riesenschisf, nicht etwa das größte der Welt. Die Italiener teilen hier Unter den Linden mit, daß sie sich mit 4S000 Tonnen begnügen. Sie wollen diese ungeheure Last mit tNoog PS durch die Wogen treiben, und diese Maschinen werden in einem stählernen Gebäude stel?en, das 25,5 Meter hoch, 29,20 Meter breit und rund 248 Meter lang ist. Die LuLusreiseiche-, (das Ungeheuer wird als Luxusschifs angekündigt) werden von der Seekrankheit nicht behelligt werden, denn drei Girofkop» stabilisatoren werden auch bei Sturm und hoher Dünung für das nötige Gleichgewicht des stählernen Kolosses und der Ver- dauungsorgane wohlgepslcgter Passagiere sorgen. Hunderte bleiben im Laufe des Tages vor dieser uolienischen Sihan stehen. Die meisten von ihnen sind aber nur für das Zwischendeck der Schlsf« und auch des Lebens bestimmt, und nur zu viele wären glücklich, wenn sie wenigstens dort noch bleiben könnten und nicht fürchten müßten, über Bord zu gehen. Sie wissen, daß die Rettungseinrich« tungen auf dein Meer des Lebens höchst ungenügend sind... Und dennoch wandern die Träume hinaus.in die weite WcU, die heute 99 Proz. des deutschen Volkes versperrt ist. Einen Schritt weiter, und Frankreich gibt seine Visiten- karte ab: Citroen hat das Gebot der Stund« erfaßt. Er weiß, daß die meisten Autos jetzt dem Winterschlaf überantwortet sind. Schlecht« Zeiten für Automobil«, schlechte Zeiten für die Finanzämter. So bietet er Modellautos von technisch einwandfreier Gestaltung an. die das Entzücken der Kindcrwelt sind und die sogar den Erwachsenen Spaß machen. Citroön sitzt auch in Köln: Die Industrie ist viel internationaler, als es Hitler wahrhaben möchte und die meisten seiner verbohrten Anhänger wissen wollen. Endlich gibt ez klein« Kinderautos mit Motor für 285 Mark, das Halbjahres- cinkommcn einer arbeitslosen Familie... Reisen in die weite Welt. Ein prächtiges, weißlackiertes Schiffsmodell fesselt den Blick, Schattenrisse von Pyramiden und Palmen:„Reisen Sie nach dem Wunderland Aegypten, meine Herrschaften, immer der Sonne ent- gegen!* Blasse Gesichter drücken sich vorbei an den Scheiben der Schiffsagentur, die wieder einmal von Italien unterhalten wird. Ueberall schlechte Zeiten, nicht nur in Deutschland. Auch das Aus- land klagt. Die Frenrden bleiben i�us. Daher Preisabbau.„Reisen Sie jetzt in die Schweiz. Sie können es billig haben!" Schade daß es immer billig wird, wenn man kein Geld hat. Aber das ist schon timner so gewesen. Man blickt wieder auf: Zwölf Tage St. Moritz gefällig? Nur 240 Mark! Zu teuer? Nun dann zwölf Tage nach Allwasser für 185 Mark! Auch noch zu teuer? Rom preist feine Schönheiten. Es führen viele Weg« nach Rom, kaufe» Sie hier in Berlin Eifsnbahnfahrkarten für Italien, die Ferrovic Italiam gibt sie gegen gutes Geld gern und willig aus. Jeder einmal in Rom, jeder einmal in Italien! Plakate schreien:„Wir erteilen Auskunft über die Mitnahme von Zahlungsmitteln ins Ausland und vermitteln Ihnen die Stelle für Devlienbeiptrt- jchaitung." Zwei Arbeltslose starren auf das Schild:„Junge, Junge, die Sorjen weckst ick haben!" Sie lachen und gehen weiter. Das saubere Schlaswagenmodell der t!ompaxnio lotnrnotioyyls nn l. Januar 1092 in Kraft tretenden neuen Geschäftsordnung n«u gcreaest worden. Im Iiueress« bor hleunigung wird empfohlen. Gesuche um Erlaß eine- Zahiungs. ....."* cisacher Ai' KÖM VNO» kunstig In dreifacher Äusjertiguqg einzureichen. Allgemeine Weiterlage. 30.0ez.4934,abds. 0*Älkenlos.<5 heMr.ahalbbalackr «woflog�bedeckr�RegerwiGrsuptlfi . AM.?i« Kassierer werden gebeten, umgehend die garten für die Gedenk» seier abzuholen. Bezirksausschuß für Arbeiicrwohlfahrt. i>rei»leiter. Fnnitioaäre der Arbeiterwohlsobrt! Es wird an die Zlest- abrechnung der Lotterielose erinnert.— Gewinn liste» tonnen morgen bi» I Ufer abgeholt werden, der Vertont derselben darf erst ab 2.-lanvoe erfolgen. Der Termin mag streng innegeboltc« werden. Bereit» erfolgte Bestellungen werden durch die Spedition erledigt. Arbeitsgemeinschaft der Sinderfreunde Grosz-Berlin. Mitte: Alle Hdirr, die einen neuen Iugendlierbergg.FühreranHweiH fcV: oder Marken haben wollen, müssen schnellstens ihre genaue Adresse nwnmsmfe 1,cb� Geburtsdatum an i>cn Kreisleiter abgeben. Der gesamte Kreis trifft sich heute t!. Uhr an der Falkenecke zur Neujahrsfahrt. ' Mi � für Mittagessen und Getränke sowie für 3� Tage Proviant WW.1 sind mitzubringen. —*"■*■■■' Neukölln: Iungfalken fahrt! Die Nachzügler treffen sich 1.')'', Uhr am Bahnhof Neukölln. Notc-Zalken.Fahrt. 13 Uhr, 3tachzüglcr ih Uhr ebenda. Wimpel nicht vergessen. heute. Donnerstag. Zt. Dezember. Bolton: TrefipunU zur Fahrt nach Sianen IS Uhr Bahnhof Prenziauee Äliee.— A«»»walder Plötz: Rastonburgcr Str. In:..Lustige, lZahrenende", an- schließend' Zahrt.— Arniinplatz: lirrttminlt zur Fahrt nach Bernau 20 Abr Schönhauser Allee.— Friedrichshagen: Friedrichftr. 37:..Rückblick auf das Jahr ZllZl".— Moabit 1: Treffpunkt zur Fahrt nach Bernau IS Uhr Bahnhof Pullst: straße.— Reutölln UI: Trefipuntt zur Fahrt nach lletzdorf IS'« llbr Äoiltum- e-cke.— Renkölln VIII: Treffpunkt zur Fahrt 18 und 20 Uhr Bahnhof Kaiser- Friedrich- Slrage. Berdebezirk Tempelhos: Treffpunkt zur Fahrt ld Uhr Ztingbhf. Teinpelhof. Werbebezirt Westen: Mit den„Roten Rebellen" ins� neue Jahr.£- Eisvesterveranstaktung in Spandau, Metropol'Festfäle. Schönwaldstr. 93' (Straßenbahnen.'>3 und' 134). Beginn 20� Itbr. Interessierte Genosse» i aus anderen Bezirken sind willkommen. Mitgliedsbücher mitdringen. j m-i t.i7|%gäi Vorträge, Vereine und Versammlungen Rcichsbauncr„Schwarz-Rot-Gold". Geschäftsstelle: Berlin S. 14, Sebastianstr. 37—38, Hof 2 Tr. Prenzlauer Berg: Gedenkfeier nnd Mitgliederversammlung für unseren crs6)ossenen Kameraden Willi Schneider nicht am 3. Januar. sondern am Montag. 4. Januar, 20 Uhr, Jm Saalbau Friedrichshain. Gekauft e Karten haben Gültigkeit. Keine Abendkasse-. Redner: Kamerad Gauvorsitzcnder Stelling.— Friedrichshain: Donnerstag. 31. Dezember, Tambourkorps: Silvester- ball im Hochbahn-Reftaurant Warschauer Platz(Nähe Warschauer Brmke, gegenüber dem Osram-Lichtbaus). Eintritt inkl. Tanz öO Pf. Beginn 20 Uhr.— Lichtenberg: Donnerstag, 31. Dezember, Kameradschaft Gustav Tempel: 22 Uhr finden sich alle aktiven und passiven Kameraden mit Angehörigen zur Silvester- fei"? bei Bartz, Rittergui- Ecke Möllendorfstraße, ein. Gäste willkommen.— Freitag, t. Januar, Ortsverein: 9I3 Uhr sämtliche Kameraden in ,?ivil Zentral- sriedhof Friedrichsfelde zur Willi-ß-chneider-Gedenkfcier. Fahnen und Tambour korps zur Stelle.— Der Eportabend für das gesamte Iungbanner und die Echufokameraden beginnt wieder am Montag, 4. Januar, von 10V— 21*4 Ahr, in der Turnhalle Lichtenberg, Rummelsburgcr Etr. b4. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation| 92. Abt. Am 28. Dezember ist unser Funktionär Genosse Otto K i n tz e l, Bezirk 34. durch Herzschlag verstorben, i�hre seinem Andenken' Einäscherung Sennabend, 2. Januar, 19V} Uhr, Krematorium Baumschulenweg. Um zahl- reiche Deteiligung wird gebeten. 104. Abt. Am 2V. Dezember verstarb nach langer schwerer Krankheit unser lieber Genosse und frühere Stadtrat Erich Steuer. Ehre seinem An- denken! Die Traue.rscier findet am Sonnabend. 2. Januar, 1? Uhr. im Krema- torium Baumschule.nweg statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet der Bvrstaud. 1 Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Jerlin Sinfenkningei, süe diese Rubelt nur an dao Luzendfelretarlal Beelin SW 68, Lindenstraße 2 Am Sonnabend, dem!>., und Sonntag, de« VI. S-annar, findet ein Bochen» endkuesus mit dem Motto„Proletarische Fesigestaltung" des Festausschusses flott. Beginn pünktlich om Sonnabend um üü-: Ilhr u»d am Sonntagvormiiiaz ll Uhr. Iii sprechen am Sonnabend: Dr. Bruno zöwenberg und Robert A. Stemmle: Sonntag vormittag: Darbietungen der Svielgrnppen und rtlnssprache. Anmeldungen für die Teilnahme om Kursus müssen bis zum 4.?anuor dem Sekretariat eingereicht werden. Deutscher Arbeiter. Adilinenten. Bund, Bezieksqruppe Echilleevart. Donners. tag. lll. Dezember, Uhe, im Jugendheim Willdenowstr. ö, ,,ProIetaris8>e Sahreswendkeier". Freunde willkommen. Freireligiöse Gemeinde. Am 1. Januar, 11 Uhr. Pappelallee 17. Bortrag des Herrn vi..Hamb'.:..Reujahrsgedanten. Sine Rück- und Ausschau". Am 3. Januar Zerr Dr. H. Hasse:..Die Bergiitterung des Henies. Freie Arbeitee-Stenogrophenoeeeinigung chroß-Berli«. Anfängerlurse ir. Reichseinbeilsturzschriil deginnen wieder wie folgt: Rorden: Semeindeschule Schulsir. IM, Freitag, lä. Januar, 101.. Uhr.— Rordosten: iSemeindeschnle Sene- felderftr. Freilag. lä. Januar. A Itbr.— Osten-Lichtenberg: Seweindeschule Scharnweberitr. 10, Diensiag. 12. Januar, 20 Uhr.— Südosten: Semeindefchule Reichenderger Sir. 67—70, Donnerstag, 14. Januar. Itl'.. Uhr.— Reukölln: Karl.Marx�Zchule, Raiser-Friedrich-Str. 20!i— 210, Donnerstag, 14. Januar. llbr.— Sudwest: Gemeindeschnle Eneisenaustr. 7, Freitag, lä.?anuor. Illi-: Uhe.— Daner der Surfe 15 Abende. Der Unkostenbertrag beträgt in M.. j für Erwerbslose 5 M. Weitere Auskunft, auch über Fortschrittskurse, erteil: Artur Theise», Berlin-Tegel, Brunowstr. 471. Die Firma Ambi-Budd, Prcßwerk Bcriin-Johoanisthal, verabfolgt seit 0 Wochen kostenlos an 200 este in ölige W e r l s a n g c l, ö r i g e Mittagessen, welches von ver Finna Aschinger geliefert wird. Außer diesen 200 Erwerbslosen werden von den Leitern des Werkes noch 30 Schulkinder von Berlin-Johannisthal mit dem gleichen Essen gespeist. Eine originelle Silnefter-Zdee l Sil den Riederlagen der Weingroßbonblung Sella wird als Geschenk zu Ciloester für jede Mark Ginkaui ein Silvester Prannkuchen gralis zugegeben— eine Idee, die gerade bei unserem Kerlinee Publikum viel Anklang finden wird. Aschinger, Siloestee-Psonnkuchen werden»an allen Berliner Saus'ranen deswegen benarzugt. weil diese ausgezeichueten Pfannkuchen stels den Beital! aller Silvestergäfte finden. Die Pianniucheu nnd in allen Aichinger, Rondiloreieu nnd-Bäckereitäden zu haben und können, da ste in zkortons tadellos nerpocki tino, über die weitesten Gntskrnungen mitgenommen werden. Wie e» kaum einen Berliner Silvestertisch ostne Aschinger-Prannkuckien gibt, so baden sich J>Ic Zousberren daran gewöhnt, alles, was an Weinen, Sviriluosen oder auch Sek! für de» Silvester-Uintrunl benöligt wird, bei Aschinger zu kaufen. Die Preise sind in diesem Jahre erstaunlich billig. � � j i i..' i lu' �. i i..•?\i, m.•? ßr K&als TUcafcr Donnerstag den 31. Dezember staatseper Unter den Linden 19 Ulir Die Geisha Winter * Garten- 6.15 Ubi Flora 3434 Meo trioabl Sa m Barton, Paolo Ballett Gsevsky Zemganno's usw. |rtg!ick 5 u. I'.j U Hruke letitcr Tag: MONI ILOLITA BENAVENTE 1 Hellm.KrUgerknnfer PLAZA 1 l||llel) i u. 8.■ Wir St0S. 2, 5, tu(ihr Heete leWer lq mm Worgen Prunim- Das Veilchen vom Montmartre Theater desWestens Täglich 8',« Chi Silvester 7 L'hr Kar! Jökcn in Der Vogelliändier siam. Oper Cbarlottcnburg Bisuiarckstruße 84 Don ne: stag, 31. Dez. Turnus III Anfang 19 Uhr Die verkaotte Braut Ende gegen 27 Uhr VolKsUttline Theater am BDIowolatz 7 Uhr Die GroBhmooin von Gerolstein II Uhr abends Silvester- Honzert Rose- füeater Ol»!» fnoilurier Stral» IZ? I(b Vciditil E 7 3422 7 Uhr Eine Frau uon Format Theater dm Nollendorfplata Regle; Hdu Siltniilg | Pallas 7051 ] Heute 7.15 Ubr.sonst täglich 8'.» Uhr Neujahr und I- Stgs. auch 4V» Uhr Gasparone metropoi-Ttioater Täglich SV« Uhr Silvester 7 Uhr Ein Lied der Liebe Rleli. Tauber Anni Ahlrr» Vorverkauf ununterbrodieii fleofsdies nieam Heu eiBstudierl>7 Uhr Der Raub der Sabinerin neu Regie: Hans Deppc, Albert Bassermann, Felix BrcssarL I. Höllich. Richard Die Komödie |7 Uhr") Die nemoBenH von Louis Vcnieuil mit Jf a-s PaU«' n ho rs RariOrslenoamm Theater ] 1 448>7 Uhr I Qstsp. d.lofridit-Produkt Plana gonny von Bracht u. Wclll los:.; Nfber. tfosik. Uitang; von ZemlinsVy Arnold Scholz | U-Bahn Hermnnnplatz• Hosenhelde 108/114| Silvesterball Oberbayern 6 Kapellen— Humor— Stimmung Einlab 6 Uhr Anfang 7 Uhr Freitag, den 1. Januar 1992 Eröffnung der Bockbier-Saison Gr.Ochsenbratcrci,(xr.SchwciBebratercl j Dienstags, Mittwochs und Donnerstags: Elitetage An allen Tagen Großer Alpenball 6 Kapellen/ Auf der Bühne: Nene Attraktionen-e Bayrische Bedienung Etatatz vodientags 0 Uhr, Soanlaga 4 Uhr I Illing•Tliatii Täglich SVi Uhi Silvester 7 Uhr Norken Sehls uns ßuü Grete MKheim. Ib: Hmn Orcfaest.Dalos Bela rKomödienhjusn SchmbaucrSsrnm 73 0 2, Weidniüim 6304 8',. Uhr Silvester 7.80 Uhr Gasisp.FrlU SlRlner „Rose von Stsmlsul" Ufr. Wobeukr, Steine-, Felix. Cotiniv Prsijo\-on SO ick. ar Tbealer im AdmlralsDalBsl Täglictr 8Vs Uhr Silvester 7 Uhr Gitta aipar in Itle nubarry Preise v. 0.50 M. an Erfinder— Vorwärtsstrebende 10000 Mb. Belolinang Näheres kostenlos durch r. Erdmoan d Co., Berlin SW lt. in LucKenwaide wohnt man gesund und nmig!> Monat). Miete für eine. modemcVohnung einschlieBlich Hcirung und kleillwasser Hter-WDlMg 36.i0 W l.... 4?.«,. h„.. 61.00.. Z.... 60.00.. Antragen an die VolUGNelm 6. m.b.H. LucKenwaide, Beelitzer str. 341 Deotsto Metallarbeiter-TerliaQil Vensaltungsslclle Berti n Todesanzeigen Den Mitgliedern /ftir Nachricht, daß unser Kollege, der Schlosser Hermzim Albrecht geb. 29. November 1878, am 95. De» zeindcr gestorben ist Dir Einäscherung findet Donners» tag. de» lll. Dezember. 10 Ubr, im «trenialoriumGcrichtltraße statt. Am 28. Dezember starb unser Kollege, der Dreher Gustav Ziegert geb 2. August 1509. Die Einäscherung findet Sonn- abend, den 2. Januar. I S■. Ulir, im Krcmotorium Serichtstraßc statt. Ehre ihrem Andenken! Roge Beteiligung wird erwartet. vir OrtevrrM'nUunz. I vekhüM I plauelarium am Zoo Tägl.auBer. Montags 5, 7. 9 Uhr Tabu 3 Uhr nardienflline «v.uhr CASINOTHEATER»'. uh. Lothringer Strohe 37, Die neue Posse Was man aus Liebe tut Daru die Oesangs- und Tan?- Operette i Das ülrlieidnng;»- Souper{ nad der bunte VarletA-TelL Outschein 1-4 Personen: Parkett 50 Pf.. Fauteuil 1.— Mark, Sessel 1.50 Mark. Inserate im Vorwärts bringen Erfolg I Statt Karten. Für bi?. vielen Beweis« herzlicher Teilnahme anläßlich des Hinscheidens unseres unvergeßlichen Gatten und Bakers Emil Wiedemann sagen allen Verwandten. Freunden, Betannlen, Genoffen. Sollcgen, unseren ttcfgefuhUcitcn Donk." Margot Wiedemann and Kinder. [SaalbauFriedrichshalnl pniillllllllil!iUlUII!ilillllllHiillll!liilllillilllllll!ll|litllliMlllHitmiililini[ Größte SiMerleier MOachcncr Hotz— Bfibnonsrliau Silveslerball lloDerrasciiunoon ieglicaor Art Gesani-EloDellsprcis mit Tanz: IIb« Unrh I Strandkaifee-FerienheiiDdesGeianitverlianiles »1! in Kochel am See(Obcrbaycm) t'. Unseren werten Mitgliedern und Gälten die bellen Glückwünsche Jj) zum neuen Jahrl li« ferleiiliebiiitefellldiafl desficlamlTerlNuides(OrtsvenzaitungMGnchcn) l.iditliafg.Berlin-6e«iniHirnBneD iiisiiii? mit stall? Ranz. GnztuT Frflmim u.a. Foxtön. Wochenschau. Bühne: Inlenia(lon.Va]1cie nnd Bflhnensdian VVochcntags4 Uhr. IqgnillVUfSlSlIg. Beginn: Wochont 4, 6.16. SSO U Sonn-u.Feiort 230,440,7,0.151). maa nerkchiebenc• StTor. uer,'-achcrzarlitel rur Lokale, Vereine. Größte Rengen norrluig, billigste Preise! ilon-elti, Lustschlangen. Säincebälle, Reck- iwedil, Povier. Mützen, Girlanden, sämtliches Feuer werk, Ztnallbon. bons. Beretns-Ar. tik-l G»i. 1>. X>.. 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Um g Uhr vormittags wurde der Borsitzende des Gerichts, Land- gerichtsdirckwr Masur, von der Redaktion des„Angriff" telephonisch angerufen, die mitteilte, daß cherr Krause mit hohem Fieber zu Bett liege. Dies« Botschaft empfing auch der die Anklage vertretende Staatsanwaltschaftsrat Fischer, allein„ihm fehlte der Glaube". Er beauftragte das zuständige Polizeirevier, in der Wohnung nach dem krank gewordenen cherrn Krause zu recherchieren und den Grad seiner Krankheit festzustellen. Diese Recherche hatte ein merkwürdiges Ergebnis: der schwer kranke Herr Krause befand sich nämlich in seiner Wohnung nicht, sein Bett war unberührt, dagegen teilt« die anwesende, sehr erstaunte Frau Krause den Polizeibeamten mit. daß ihr Mann zwar vor einigen Tagen etwas unpäßlich gewesen sei, aber doch bereits feit zwei Tagen wieder in der „Angriff"- Redaktion Dienst tue! Eine telephonische Anfrage, die Staatsanwalt Fischer darauf bei der Redaktion des „Angriff" unternahm, führte zu der Auskunft, daß Herr Krause gerade vor einer Viertelstunde aus der Redaktion fortgegangen sei, man wisse nicht, wohin. Dies meldete dieselbe Redaktion, die wenige Stunden zuvor Herrn Krause dem Gericht als schwer krank und bctllägerig angegeben haste. Bei Erörterung dieses Sachverhalts führte Staatsanwalt Fischer aus: DemGerichtseibekannt.daßHerrKrauseschon seit Monaten für irgendeine Verhandlung nicht zu haben sei. Entweder„vergesse" er die Termine, oder er sei nach Braunschweig(!!), aber stets mit unbekannter Adresse verreist, oder aber er„liege krank im Bett", d. h. er sei unauffindbar. Der Staatsanwalt beantragte gegen Krause einen V o r f ü h r u n g s b e s e h l. Er gab auch zu erwägen, ob nicht ein Haftbefehl am Platz« sei, da nach der neue» Rot- Verordnung eine Mindest strafe von drei Monaten Ge- f ä n g n i s für Krause zu erwarten sei. was der Vorsitzende aller- dings bezweifelte, da er nur eine formale Beleidigung für vorliegend erachtete. Staatsauwalt Fischer wies jedoch darauf hin, daß der Artikel des„Allgriff", zu dem gestern iwch ein neuer hinzugekommen sei, unzweifelhaft den Tatbestand der üblen Nachrede, also der Behauptung unwahrer Tatsachen gegen den Ab- geordneten Kuttner enthalte. Zu einer Entscheidung dieser Frage kam es nicht. Das Gericht erließ gegen Krause einen Vor- führungsbefehl und überließ es der Staatsanwaltschaft, die Sache vor das nächste tagende Schnellschöffen- g e r i ch t zu brmgen. Abg. Kustner fragt« noch nach dem Rainen der Person, die im Auftrage der ,.Angrisf"-Redaktwn dem Gericht die lügenhafte Auskunft über den Angeklagten Krause erteilt hat, da er gegen dies« Strafanzeige wegen Begünstigung erstatten wolle. Der Name ließ sich jedoch nicht feststellen. Das Ganz« ergibt ein Bild der in der nationalsozialistischen < Partei herrschenden fistlichen Verwahrlosung. Mau verleumdet im „Angriff" frisch darauf los, erläßt iwch zwei Tage vor dem Termin eine prahlerische Notiz, wie man alles vor Gericht beweisen wolle— und dann kneift der verantwortliche Re- dakteur unter erlogenen Vorwänden, seine aigena Redastion hilft ihm dabei, indem sie ihn dem Gericht alz fieber- krank und bettlägerig meldet, während der Betreffende auf der Redaktion ruhig seinen Dienst verrichtet. Das ist die feine Gesell- ichost, die öffentlich prahlt, daß sie die deutsche Ehre, deutjche Treu« und deutsche Rechtlichkeit wieder zu Ansehen bringen wolle! Auszug 1931. „Sollte ich etwa noch einen übersehen haben?" Das Weiße Haus erklärt: Warum Amerika zunächst abwarten will. Wafhingkon, 30. Dezember. Der amerikanische Geschäftsträger in London benachrichtigt« heute das amerikanische Staatsdepartement telephonisch davon, daß die britische Regierung den europäischen Regierungen ein« Konfo- reiiz in Lausanne über die Frage» der Reparationen und der Kriegsschulden vorgeschlagen habe. Die amerikanisch« Regierung ist hierzu nicht eingeladen worden und wird dcihcr nur einen Beobachter entsend sn wie bei der Haager Konferenz von 1029. Daß Amerika es für richtiger hall, daß sich die Gläubiger Deutschlands zunächst untereinander darüber einigen sollen, welche Opfer sie selber bringeil wollen, bevor sie weitere Opfer von Amerika oerlangen, ist aus die bekannte Einstellung des amerikamschen Kongresses zurückzuführen, wklchcr sich s azi e i n st i m m ig dahin ausgesprochen hat. Frankreich kann« joh.- wohl jauM«chus�n an Amerika zahlen, auch wenn es keinen Pfennig von Deutichland bekäme. Unter diesen Umständen zögert die om«rlkanische Regierung. «inen weiteren Schritt zu tun, solange die europäischen Regierungen sich nicht offiziell mit der Bitte um Reduzierung oder Stundung ihm Schuld« nraten an die Vereinigten Staaten ge- wandt habon. On gewissen Kreisen wird zwar darauf hingewiesen, Amerita müsse, falls die Verhandfungen der Konferenz sich aus Deutschlands private Auslairdsschulden erstrecken sollten, die Frage seii»er Be- teiligung zur Wahrung seiner eigenen Interessen ernsthast erwägen, man würde jedoch eine derartige Ausdehnung der Tagesordnung bedauern. weil die sehr dringliche Stabilisierung der deuijchen Finanzen durch die unvermeidbar langen Erörterungen über die Priorität und über ähnlich« Fragen sehr verzögert und die Konferenz dann auch mit der Abrüstungskonferenz zeitlich kollidieren würde. Man steht hier auf dem Standpunkt. die öffentliche Meinung Amerikas wolle zunächst ein greisbarcs Entgegenkommen Frankreich» in der Adrüstungsfrage abwarten. bevor mpu die Frage erörtere, ob Frankreich seiue vertraglich übernommenen Schulden wirklich nicht zahlen könne. Astern Anschein nach steh« auch England aus dem Standpunkt. daß Europa zunächst unter sich über die Reparationsfrage«inig sein müsse, denn der eingangs erwähnte britisch« Vorschlag beschränkte die Tagesordnung der Konferenz ausdrücklich auf die Fragen der Repa- rationsn und der Kriegsschulden, und die Einladung sei nur an europäische Regierungen gerichtet. Preisüberwachung durch die Länder« Oer preiskommissor überträgt seiae Äefugnisse. Der Reichskommissar für Preisüberwachung hat für diejenigen Gegenstände und Leistungen zur Befriedigung täglichen Bedarfs, - deren Preisgestaltung zentral kaum beeinflußt werden kann, die chm zustehenden.Befugnisse auf die obersten Landcsbehörden übertragen. Die llebertragung erfolgt einstweilen nur für alle landwirtschaftlichen Erzeugnisse, die im tlei- nen Marktverkehr feilgehalten werden, wie Kartoffeln, Ge» müs«. Obst, Eier: ausgenommen Mllch, Butter und Schmalz: Geflügel aller Art; Fische mit Ausnahme der Seefische: Leistungen des Sattler- und fTisch l« rh andwe r ts: alle Markenartikel, soweit die Reichsregierung chre Befugnisse aus der Not- Verordnung den obersten Landesbehörden übertragen hat oder über- tragen wird. Di« Befugmsfe über die Schließung von Betrieben und Geschäftsräumen hat sich der Reichskommissar auch für diese Waren selbst vorbehalten. Freie preise für Schokolade, Kartellschutz preisgcgsben, um preissenkuag zu vermeiden. Der Reichskommissar für Preisüberwachung verhandelt heut« mit dem Verstand Deutscher Schokoladenfabrikanten und den Der- bände» des Schokoladenhandels über die Preissenkung auf Schoko- lade, Schokoladeartikel und Kataopulver. Der Verband der Schokoladefabrikanten erklärte in der Besprechung, daß die Schokoladeindustrie keine Preissenkung vornehmen kann, da berest» im ersten Halbjahr 1931 in stärkerem llmsange eine Berbilligung durchgeführt sei. Mit diesem Entschluß fällt ab 1. Januar 1932 der Preisschutz für die Markenartikel in der Schoko- l a de b r a n ch«. soweit die Preise bisher gebunden waren, hört also die Bindung auf, und sowohl Industrie wie Handel für die Waren in freiem Wettbewerb, die hierdurch entstehendc Preisentwicklung wird vom Reichskonunissar beobachtet werden. Maßnahmen gegen Kapiialflucht. Ln einer Neufassung der Oevisenvorschrlfien. Im„Deutschen Reichsanzeiger" vom 39. November wird«ine Neufassung der Richtlinien für die Dehisenbewirtschastung veröffent- licht, die zugleich auch einige verschärsende Bestimmungen gegen die Kapitalflucht enthält. Die Neufassung setzt die Richllinien vom 24. August und ihre erste Ergänzung vom 2. Oktober außer Kraft. Neu ist in den Richtlinien ein« durchgreifende Aenderung der Zuständigkeit der Devisenbewirtschaftungsstellen. Hzier gilt der Grundsatz, daß nicht der Geschäsissitz des Gläubigers, sondern der des Schuldners die Zuständigkeit der Devisenbewirlschos- tungsstellen bestimmt. Für Anträge von Ausländern, die sich auf «in bei einem inländischen Kreditinstitut geführtes Konto beziehen, ist jene Stelle zuständig, in deren Bezirk das Kreditinstitut liegt. Wichtig sind einige Bestimmungen, die sich gegen die Kopitalflucht wenden. Die Devisenzlsttilung für L c i st u n g c n von Versicherten für Versicherungen in fremder Währung werden zur Verhinderung von Mißbräuchen eingeschränkt. Alk- gemein versagt wird die Genehmigung zur Devisenverwcn- dung für Versicherungsprämien, die über ein« wnsmäßig laufend« Jahresprämie hinaus entrichtet werden sollen, sowie für Leistungen an ausländische, in Deutschland nicht zugelassen« Versicherung»- Unternehmungen. Bei Psrsonenversicherungen wird die Genehmigung außerdem versagt, wenn bei einem nach dem 13. Juli 1931 abgsschlosienen Vertrag die Prämienzahlungsdauer weniger als zwölf Jahre beträgt, oder wenn es sich überhaupt um eine nach dem 29. Dezember 1931 abgeschlosiene oder auf Fremd- Währung umgestellte Versicherung handelt. Auch der Kapitalflucht durch Begebung von Reichs- inorkschecks ins Ausland soll begegnet werden. Künstig dürfen Schecks ins Ausland oder ins Saargebiet nur noch mit dem beigesügten Genehm igungsbescheid der Devisenstelle versandt oder überbracht werden. Liegt eine allgemeine Genehmigung vor(wie bei Handelssirmen, Bersicherungsunter- nehmen usw.), so hat der Inhaber der Genehmigung einen«nt- sprechenden Vermerk mit der Nummer des Genehmigungsbescheides beizufügen. Diese Vorschriften gellen auch für Schecks unter 299 Mark. Ab 19. Januar dürfen Banken: denen Theater m der(Ztresemannfiraße Jodor:„Juwelen raub am Kurfürstendamm." Nicht etwa eine der landläufigen Det«ktioko>nödien, sondern ein lustiges»nd spannendes Abenteürerstück mit vielen Ueberraschungen. Den Erfolg besiegeln M.aria Bord und Käthe Haock mit ihrer übermütigen Frische. Dgr. Reichsmartscheck» aus dem Ausland oder dem Saorgebiet zur Ais»- Zahlung zugehen, diese auf dem Konto des Ausländers oder des Saarländers nur dann gutschreiben, wenn die Genehmi- gung zur Dersendung des Schecks aus dem Scheck selbst ersichtlich ist. Bis zum 19. Januar find die betreffenden inländischen Banken verpflichtet, von solchen Schecks über größere Beträge der Devisen- stelle Mitteilung zu machen. Lohnsenkung der Tintenburg-Herren« Neuer Kampf in Oeutschösterreich. Um das große Defizit der deutschösterreichischcn Staatsbahn zu decken, sollen die Löhn« und Geholter abermals abgestaut werden. Die vorgeschlagene Senkung würde da? Lohnniveau bis. zu 39 Proz. unter den Stand vor einem Jahr herunterdrücken. Die Sache wirst so eilig betrieben, daß der Nationalrot und sein Finanz- ausschuß selbst zwischen Weihnachten und Neujahr arbeiten müssen. Die Sozialdemokraten fordern zunächst Klarheit über die Wirtschasts- läge der Bundesbahnen, weiter aber, daß man vor allem das steber. maß von Verwastüng einschränke, das sich in den ,.T i n t e n> bürgen" der vielzuoielan Direktionen usw. abzeichnet. Auch sollen die Unternehwersubventionen gewisser Frachtbegünstigungen ohne daraus gefolgerte Preissenkung nicht von per Notwendigkeü verschont bleiben, zur Deckung des Dafizlls beizutragen. Höchste Finanznot einer Arbeiterstadt. Wien, 39. Dezeircker. Der Gemeinde rat der Stadt Stey r., der zweitgrößten Stadt Oberösterreichz, hat beschlossen, die Zahlungsunfähigkeit der Stadt .zu erklären. Der ungedeckte Fehlbetrag beträgt ungesöhr ein« Million Schilling. An die Ausnahme eines Kredits ist nicht zu denken. Es bleibt nichts anderes übrig, als alle Schulen zu schließen wch die Beleuchtung der Straßen und Plätze ein- zustellen. 33 Proz. der Bevölkerung sind arbeitslos und etwa 99 Proz. aller Kinder unterernährt. Die große Steyrer Waffenfabrik, die nach dem Kriege die bekannten Kraftwogen her- stellte, ist bereits fest einiger Zeit stillgelegt. Der Finanzmini st er erklärte, daß eine Stillegung des Schutbetrieb» vermieden werden müsse. Der Ministerrot werde sich mit der Katastrophe dieser bedeutenden Industriestadt eingehend befassen/ um so mehr, als eine Reihe anderer Städte ebenfals in bedrängter Finanzlage sind Die Regierung könne aber leider nicht mehr tun, als ihr- da» In dem äußerst knappen Rohmen des Staatshaushalts möglich ist. Wieder �einmal lokale Gmeraistreiks In �»:a>>icn. In Badoj-'z und Almeria wurde für 48 Stunden der Generalstreik er- klärt. Di« Streiks, von denen rund 89 999 Arbester betroffen wurden, sind von den• Provinzgouverneuren für ungesetzlich erklärt worden. Aniisaschistische Nomben. Postbeamte als Opfer. Rem Bort, 39. Dezember. Im Postamt von Easton(Pennsylvanien) ereignete sich«ine schwere Bombenexploston. wodurch«in Postbeamter getötet, einer schwer und drei leichter oerletzt wurden. Das Postamt wurde schwer beschädigt. Die Explosion ereignet« sich bei der Verladung von sechs Paketen, die an F a s ch i st e n s ü h r e r in Amerika, darunter eins an das italienische Konsulat in Pittsburg, gerichtet warnt. Fünf Pakete, die gleichfalls Bomben enthielten, wurden unschädlich gemacht. Aus das Ualienische Konsulat in Pittsburg ist kürzlich bereits (tn Anschlag verübt wordeu. Schwerer Konflikt in Berlin. Ln den Gas- und Wasserwerken und in der BVG. 3n den Berliner Gas- und wnsserwerkcu und in der Berliner Verkehrs A.- G. ist e? über- roschend schnell ,u einem Tartskonflikl gekommen, der schon in den nochsien Togen zu den schwerwiegendsten Difserenze» zwischen den Direklionen dieser vnler. nehmen und den Bclcgschaslcn sühren kann. Ter Berlm-'r Veoollmächtigte des Gefamtp crbandes, Genosse Schaum, gab in der Funktionäroersammlim� der sreigewerk- schaiilich organisierlen Gas- und Wasierwerksarbeiter gestern abend über den Konflikt folgende Darstellung: Die Direktionen der Berliner Städtischen Gas. und Wasser- werke wollen ab 1.?anuar nicht nur die.l» Proz. Lohn a b b a u auf Grund der Vierten Notoerordnung durchführen, sondern darüber hmaus eine A n g l e i ch u n g der Lohne an die der Bcriiner G e ine i n d c a r b e i t c r vornehmen. In der Notverordnung vom 6. Oktober d. I. war vorgesehen, doh die Lobnc der Arbeiter in den öffcntlich-rechllichen Betrieben an die der N c i ch s a r b e i t c r anzugleichen find. Kur,; vor dem Erlast der Notverordnung vom 6. Oktober wurde aber zwischen den Direktionen der Gas. und Wasserwerke und dein Gesamtverband sowie den übrigen lariforganifationen«in Tarifvertrag abgeschlossen, d«r eine Senkung der Arbeilcrlöhne um 3 bzw. 4 Pf. je Stunde und den 2lbbau der szraucn- und Kindcrzulagen um je 1 Pf. vorsah. Dieser Vertrag gilt bis zum 31. März 1332 und auf Grund der Merten Notverordnung sogar bjs zum 30. April. Als nach dem Erlaß der Notverordnung vom ki. Oktober die Gswerkschastcn jede Verhandlung über eine Anglöichung chäl>rcno der Laufzeit des Tarifvertrages ablehnten, verfolgten die Direktionen den Plan der Angleichung nicht weiter. Erst reichlich 14 Tage nach der ZZertündung der Vierten Notverordnung griifen die Direktjonen den Anglcichungsplan wieder aus. Nachdem den Gas- und Wasser- werksarbeitcrn durch Kurzarbeil und tohuabliau bis jetzl schon rund Zb Pro;. ihrer Einkemnzcn gekürzt worden sind, fordern die Direktionen nunmehr außer dem löprozenkigen Lohnabbau ab 1. Januar noch weitere 2 Pfennig Lohnabbau und ob 1. März nochmals 2 Pfennig auf Grund der Angleichungsvorschriftcn der Notverordnung vom 6. Oktober. Alle Verhandlungen zwischen den Gewerkschaften und den Direktionen der Berliner Städtischen Gas» und Wasserwerke sowie die Besprechungen mit den verantwortlichen Stelleu des Magistrats sind ergebnislos verlaufen. Der Gefamtverband hat am Dienstag dos P r e u h i f ch e I n n e n m i n i st e r i u m von dem Ernst der Situatiqn in Kenntnis gefegt, desgleichen auch den ADGB., der im Hnchlick auf die schwerwiegenden Folgen eines offenen Konfliktes in den Berliner Städtischen Gas- und Wasserwerken sofort Verhandlungen mit dem Reichsarbeilsund dem Reichssinanzministerium nachgesucht hat. Don der Direktion der BVG. ist gestern dem Gefamtverband mitgeteilt worden, daß oeben dem Lohnabbau um ll> Proz. ob 1. Zanuor eine weitere Senkung der Löhne um 1 bis 3 Pf. auch auf Grund der Angleichungsdestimmungen der Notoerordnung vom 6. Oktober vorgenomnien werden soll. Weiter hat die Direktion der BVG. gesetz- und tariswidrig den Abbau der F ra ue nz u la ge verfügt. Genoffc Schaum ließ in der Funktionärversammlung keinen Zweifel über den-Ernst der Situa- tion und betonte mit allem Nachdruck, daß die freien Gewerkschaften f e st entschlossen sicid, diesen unerhörten Anschlag der Direktionen auf die Arbeitcrlöhne abzuwehren. In der Diskussion kam eine ungeheure Empörung über das Vorgehen der Direktionen zum Ausdruck. Einmütigkeit herrschte in der Bersammlimg darüber, daß zur Entscheidung dieses Konfliktes, wenn alle Bemühungen der Gewerkschaften zu seiner friedlichen Beilegung scheitern sollten, von dem legten ge- werksch östlichen Kampfmittel Gebrauch gemacht werden muß. Aus Empfehlung des Genossen Schaum beschlossen die Funktionäre, am Montag nochmals eine Funktionärversammlung abzuhalten, in der die endgültigen Beschlüsse über die Durchführung einer S t r e i k a b st i m m u n g gefaßt werden sollen. Die Funktionäre erteilten der Organisationsleitung unbe- schränkte Bollmacht für alle Maßnahmen, die sie zur weiteren Durchführung der Bewegung für notwendig hält. Moskowitische Phantasien. Große Schwäche— Streikangst— Einheitsfront. Die Moskauprcsse bringt setzt längere V-erichte über die letzte Tagung des Zentralrats dar Raten Gcwcrkschastsinternationole. Der kommunistische Gewcrkichastsstratcgc Dahlem gibt darüber „eine norläusige Bilanz". Da die üblichen Schimpfereien über die freie» Gewerkichasten in Deutschland auch in einer endgültigen Bilanz nicht nuchr zu überbieteil sind, genügt die vorläufige, in der iin Rahmen von drei Spalten„nur kurz die chauptlimcn an- gedeutet" werden. Sowohl bei der allgemeinen„Analyse" des Zentralrats wie bei der speziellen von Dahlem wird unter ondcreni der Berliner Melallor bester st rcik 1330 erwähnt, als ein Kampf, bei der die R G O. an der Spitze gestanden habe.„Kleinste Protestregungeii, abteilungsweise Streiks, passioc Resistenz, Streiks einzelner Betriebe bis zu Ricsenstrciks ganzer Industriell" müssen sich„bis zur höheren Form des politischen Massen- st r e i k s" entjaltcn, dann ist die Weltreoolution fertig. Siehe Italien, Ungarn usw. Noch bleibe auf der ganzen Front die revolutionäre Gewerkschaftsbewegung hinter der objektiven Situation zurück. An viele» Stellen herrsche bei den Anhängern der REO. noch eine S t r e i k a n g st, mangelndes Vertrauen in die Kampf- kraft der Massen. „Der gemeinsame Kampf der Betricbsarbeiler und Erwerbslosen wird noch ungenügend hergestellt und die Wirtschastskämpf« zu wenig auf die höhere Stufe des polilifchcn Masienkampfes orientiert. Die Herauscntwickliliig einer sclbftäitdigcn revolutionären Gewerkschaftsbewegung in Deutschland �—„cur Beschluß des V. Weltkongresses"— ist nach Dahlem„durch den Aufbau der RGO. uud die Schaffung einer Reihe starker roter Berbände(?) während der Streiks(!) in den äußeren Umrissen erfüllt.". Orr größte Erfolg sei, Betriebsgruppen und Verbondssektioncn in über 4100 Betrieben zu schaffen. Aber die RGO. habe noch einen großen Tempoverlust einzyholen. Von„dein beginnenden Auflösungsprozeß der ADGB.-Gewerkschaften, von der Verurteilung des ADGB. zum Tode hat Dahlem vifenbar in der Moskauer Dlskufsion— im Mitelpunkt— geredet und phantasiert nun weiter davon. Die große Schwäche der RGO. an der üinergewerkschcstlichn, Front" will er durch Sturmangriff auf die reformistischen Berbände überwinden:„RGO. und rote Berbände pluz Opposttionsbewegung in den rsformiftischen und christlichen Gewerkschaften."„Täglich wachsen � jetzt die Opposition ssraktionen im ADGB., bereits sind es über 1000. Halb- jahrsplan: 5000 Fraktionen bis März." Di« faschistische Bewegung existiert für Dahlem nicht. Der Faschismus fei„nichts anderes als die jetzige Lierrfchastsform der kapitalistischen Diktatur." Wäre diese Behauptung nicht cbenfo fälsch wie leichtfertig, dann säße die KPD. Zcntralc in Moskau, soweit sie sich rechtzeitig dorthin in Sicherheit gebracht hätte „Unsere Politik ist die einzig richtige", dekretiert Dahlen;, als ob das Treiben der KPD., ihre ganzen Hetzereien und Schimpfereien irgend etwas mit Politik zu tun hätten Die Moskauer Angestellten müssen„Protestbewegungen",„Streiks" machen, um die bestellten politischen Massenstreiks zu liefern. �GO.-Romantik? Sonderbare Entdeckungen der Vochumer Polizei. Bochum, 30. Dezember.(Eigenbericht.) Am Mittwochabend gelang es der Bochumer Polizei in Werne eine Instruktorenverfammlung aufzulösen. An der Versammlung nahmen 40 Mann teil, die von auswärts stammten und sich mit der Auslösung des Streiks, insbesondere auf der Zeche Müser befaßten. Zahlreiche Schriften wurden beschlagnahmt. Ans den vorgefundenen Notizen ist zu ersehen, daß noch Weisung des zentralen Streikausschusses ab 1. Januar, 8 Uhr vormittags, Alann- zustand besteht. Am Z. Januar soll der Streik mit ollen Mitteln durchgeführt werden. In einem Rundschreiben der zentralen Streikleitung sind die Maßnahmen für den Streik festgelegt. II. a. sollen die Frauen namentlich bestimmt werden, die in Männerkleidung in die Waschkauen eindringen sollen, um die Belegichait zum Streik aufzufordern. Steiger und Betriebssührer sollen aus den Waschkauen herausgeworfen werden, die Redner durch einen Kordon ausgewäbller Leute geschützt werden. Die Polizei, so heißt es in j dem Rundschreiben, werde in den Waschkauen nicht von der Waffe Gebrauch-Machen. Man stille daher kleinere Abteilungen hinaus- werfen und ihnen Stand Hollen, größere?lbteilimgen aber in den Waschkauen festhalten. Die Streikversammlimgen sollen so zahl- reich und immer gleichzeitig abgehalten werden, damit eine Auflösung aller Versammlungen unmöglich sei. Die Arbeiter seien vor den Betriebstoren schon von der Arbeit abzuhalten bzw. zum Streik zu überreden. Die nicht kammunistifcheii Betriebsräte fallen in Güte.zum paisiven Verhalten angeregt werden. Besonderes Augen- merk soll dem Omnibus-, Straßenbahn- und Zugverkehr zugewandt werden. Erst noch dem Ausbruch des Streiks dürfe mit Gewalt vorgegangen werden. Im übrigen wird bekannt, daß bei den vorbereitenden Kon- ferenzen die Mehrhell der Schachtanlagenoertreter d i c Stimmung für den Streik als ungünstig b e- zeichnete. * Das liest sich wie ein Schundroman. Von Bedeutung ist nur der Schlußsatz, wonach die Stimmung für den Streit als u n- günstig angesehen wird. Bon de.» kommunistischen Funktionären! In Wirklichkeit würde die KPD., wenn sie irgendwo eine größere Streikaktion zu unternehmen versuchte, damit elend Schissbruch leiden. Llm Gesundheit und Leben. Oie Junttion der Gewerbeaufsichtsbeamten. Die Gewerbe au fsichtsbeamten hoben darüber zu wachen, daß die zum Schutze der Arbeiter in den Fabriken und Betrieben getroffenen Bestimmungen zur Ausführung kgmmen. Sie können zu diesem Zweck jederzeit Einlaß in alle Räume verlangen, die von Arbeitern betreten werden. Solche Bc- sichtigungen werden auch auf Anforderung vorgenommen. Daher ist es notwendig, daß der Arbeiter nill den Rechten und Befugnissen der Gewcrboanfsichtsbeamten vertraut ist, und ihrer Arbeit das notwendige Verständnis entgegenbringt. Es ist zu begrüßen, wenn auch durch Rundfunkvorträge auf diese Aufklärung hingearbeitet wird. Allerdings waren die Ausführungen, die die Winisterialrätin Margarete Trapp darüber im Programm der Deutschen Welle machte, so gedrängt, daß wahr- scheinlich ein Teil jener Hörer, auf die es besonders ankam, nicht folgen und das für sich Wesentliche herausnehmen konnte. Man sollte diesem wichtigen Thema einmal eine Reihe von Vorträgen einräumen. Ministeriolrätin Trapp versuchte, vor allem die Aufmerksamkeit auf die II e b e r w a ch u n g s g e b i e t e zu lenken, auf denen die Tätigkeit des Gewerbeaussichtsbeanllen durch das Verständnis der Arbeiter unter Umständen wesentliche Unterstützung erfahren kann. Treppen und Gänge in den Arbeitsräumen müssen freigehalten werden, was besonders beim Ausbruch von Feuer von größter Be- deutung ist. Schutzvorrichtungen sind zu fordern und zu benutzen Es genügen nicht immer nur Sicherüngen an Maschinen: Schutzkleidung. Schutzbrillen und-masken. Schutzhandschuhe und dergl. sipd bei manchen Arbeiten unentbehrlich. Die Mahlzeit- pausen sind einzuhalten— Und auch dafür, daß hie nötige Ruhe zum Essen zur Erhaltung der Gesundheit und Arbellsfähigkeit un- erläßlich sind, bedarf es bisweilen des Verständnisses der Arbellsr, die sich manchmal zugunsten emes zeitigeren Arbeitsschlusses diese Pausen über Gebühr verkürzen lassen.. f Die Schutzbe st im mungen für schwangere Frauen setzen fest, daß eine diesem Zustand gesuiGhellsschädliche Arbeit in dieser Zeit nicht ausgeübt werden darf. Die Vortragende hob her- vor, daß die Gewerbeaufsicht darüber zu wachen liäbe, daß solche Arbell eventuell gegen ander« ausgetauscht wird.(Die arbellenden Fraue.n wehren sich biswellen dagegen, weil die leichtere Arbeit eine für sie untragbare Verdien st in inderung bedeutet.) Auch für die Heimarbeit ist die Gewerbeaufsicht- von Bc- deutung, da von ihr u. a. die Zahlung der amtlich festgesetzten oder tariflich vereinbarten Löhne kontrolliert wird. Es sind durch das Eingreifen der Aufsichtsbehörden schon häufig beträchtliche Cohn« Nachzahlungen für.Heimarbeiter erreicht worden. Die Ge- werbcanfsicht kann, falls es nötig ist, die Ausführung ihrer An- ordmingen durch polizeiliche Verfügung erreichen. Auch wenn der Ilnternebmer Einspruch dagegen erbebt, können von der Gewerbeaufsicht für unerläßlich gehaltene Maßnahmen erzwungen werden, noch ehe über den Einspruch entschieden ist. Widersetzt sich der Unternehmer, so kann bis zur Durchführung die Schließung seines Betriebes angeordnet werden. Ist deine Invalidenkarte in Ordnung? Avfrechterhaliung der Anwartschast. Niel«, die arbeitslos waren oder noch heute sind, fceochtcn nicht. daß sie trotz Arbeitslosigkeit auch ihre Invaliden- oder Angestellten- versicherungskarte kleben müssen. Zur Aufrechter Haltung der An« sprüche müssen in der Invaliden Versicherung innerhalb von 2 Iahren 20 W o ch e n b e t t r ä g e, in der Angesielltenversiche- rung sogar in den er st«n 10 Iahren 8 Monatsbeiträge i m Jahre und später 4 Manatsbeikräge im Jahre geleistet wer- den. Da die Mittel der Arbeitslosen selten die eigene Weiteroer- sicherung erlauben werden, sieht das Arbellslosenäerficherungsgesetz vor, daß für die Zellen des Unterftützungsbezugs die Sozialoer- sicherungslieiträge von den Arbeitsämtern zu leisten sind. Aus Mitteln der Reichsanstalt sind für die Invaliden-, Ange- stellten- und knaz'pschafllichc Peusionsversichcrung der Arhellslosen während des Bezugs der Haupturllerstützung die Beiträge zu eni- richten, die zur Erhaltung der 2l n w a r ts ch a f t e n notwendig sind. In Fälle« besonderer Härte, insbesondere wenn zur Erfüllung der Warte zeit nur noch eine geringe Zahl von Beiträgen erforderlich ist, ist das Arbeitsamt verpflichtet, auf Antrag die crforderlichert Beiträge zu leisten. Die Bellräge der Reichsanslellt gellen als Pflichtbeiträge. Sie können nachentrichtet werden, auch wenn die für die Nachentrichtung cr- forderlichen Fristen verstrichen sind. Am Jahresschluß laun das Arbeitsamt an Hand der Sozial- versicheruitgskane einwandfrei feststellen, ob die genügende Anzahl Beiträge geleistet sind oder ob dem Antragsteller für das abgelaufene Jahr von Amts ivegen die Beiträge zu leisten sind. Auch diejenigen. die gegen Ende des Jahres wieder das Glück hatten, in Arbell zu treten, haben ein Anrecht auf Bellragsmarken für die Dauer der Unterstützungszell, sofern ihnen noch Marken zur Aufrechterhaltung ihrer Ansprüche fehlen. Wenn ein persönliches Erscheinen auf den Arbeitsämtern nicht möglich ist, kann jeder Berechtigte einfach den schriftlichen Zln t r a g denn zuständigen Arbeitsamt unter Beifügung der Sozialversicherung skarte stellen. Wicipig ist noch die neue Bestimmung, daß auch versäumte Bellräge von den?lr- beitsämtern n a ch g e l e i st c t werden können. Hierdurch ist- es möglich, daß unter Umständen heute noch Beiträge von den Arb-lls- ämtcrn geleistet werden, die schon vor drei Iahren fällig waren, wenn her Antvagsieller damals arbeitslos war oder die fehlende Beitrogssitmme unerheblich ist. Anspruch aus Weihnachisgratifikation. Auch bei schlechter Geschästslage. Unter Vorsitz von Amtsgerichtsryt A f ch n e r Hatte das Arbeitsgericht die Frage zu prüfen, ob Angestellte, die in früheren Jahren immer eine Weihnachtsgratifikation bezogen haben, einen klagbaren Anspruch auf diese Vergütung haben. Zehn Angestellte der Vaterländischen Kreditvcrsicheruog in Berlin, denen in den vergangenen Jahren regelmäßig«ine Weih- nochtsgratifikation in Höhe eines Monatsgehalts gezahll worden war, hallen die Klage auf Zahlung auch für dieses Jahr angestrengt,- weil sie nichts erhalten hatten. Die Firma, die sich seit 1329 in Liquidation befindet, hatte die Graiisikation mit dem Bemerken ab- gelehnt, daß ein Angestellter einen Anspruch darauf nicht habe, und daß die schlechte Geschäftslage die freiwillige Zahlung einer Gratifi- kation nickt zulasse. Das Arbeitsgericht gab jedoch der Klage der zehn Angesielllen statt. Das Gericht führte i» der Urteilsbegründung aus, daß aus einer Gratifikation, die immer und regelmäßig gezahll worden fei, ein Gchaltsanfpruch erwachsen sei, der auch bei eventuell schlechterer Geschäftslage des Arbellgcbers bestelle. 44 andere Angestellte, die bei derselben Firma im vorigen Jahre einen Revers uillerschrieben hallen, in dem sie bescheinigten, daß sie keinen Anspruch aus Gratifikation hätten, halten'gleichfalls Klage auf Zahlung angestrengt. Sie fochten die Reverse wegen Irrtums au und behaupteten, damals den Inhalt des Schreibens nicht gelesen zu haben. Um darüber ein endgültiges Urtell zu fallen, beschloß das Gericht eine Beweiserhebung und vertagte die Verhandlung. Arbeitslosennoi in Chile. Generalstreik beschlossen. Santiago de Chile, 30. Dezember. Der chilenische Gewertschaftsbund hat für den 4. Januar den Generalstreik beschlossen, falls bis dahin die Regierung d i e Pressefreiheit nicht wieder herstellt, die Arbeitslosen von der Bezahlung ihrer Mieten befreit und aus die zwaugsmeise Aussetzung von 12 000 Arbeitslosen, die gegenwärtig auf Kosten des Staates beherbergt werden, verzichtet. Der Flnanzminifter hat im Senat einen Gesetzentwurf einge- bracht, der Kredite in Höhe von 10 Millionen Pesos für die Be- schäfligung von Arbellslosen bei öffentlichen Bauten vorsieht. »Zreie Gewerkschafis-Iugend Verlin die Gruppen: Südosten: Reichenberaer Wir machen ein» Fahrt.— Maadit: i VIS II heut« um ISO, Uhr lagen Slraße 66. Sitvestartahrt nach W-rdcr.— Slen-Lichtenberg: Jugendheim Sunterftr. 10 Silvesterfeicr.— Osttrcis: Jugendheim Gnnlerftr.«. Silvcslrricicr dca halben „Dutzend". � � � 1'U heraniwarttich tiir Voüti!: Victor Schiit: Wittichatt: S.«tingelhöler: cSciperktcha::»brchea,ina: Z. Steine»; Feuilleton: Dr. Zoh» Schilowel:: Ldtalep und Sanstigre: Fritz Sarstödt: Äni-:arn: Tb. Glocke: leta-lich in Berlin. ZZerlag:?pripärto.Ker!aa L m b. Berlin. Druck: Borwijrrs.Buchdruckerei B«b Ärrlag-ai-. stall Scul" Cinaet u. Co.. Berlin©95. Stz, L-rrdau irrste£. JS-erjc 2 Beklag««.