Morgenausgabe Rr. 1 A 1 49.Jahrgang Böchentlich 75 Bf., monatlid) 3,25 ( danon 87 Bf. monatlich für Zuftellung ins Haus) in voraus zahlbar. Bostbezug 3,87 M. einschließlich 60 Pf. Bouzeitungs- und 72 Bf. Poftbestellge bühren. Auslandsabonnement 6,65 pro Monat; für Länder mit ermäßig tem Drudfachenporto 4,65 M. k Der Vorwärts" erscheint wochentäg lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, bie Abendausgabe flir Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der bend". Juftrierte Gonntagsbeilage Bolt und Zeit". Vorwärts Berliner Boltsblatt Freitag 1. Januar 1932 Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die einspalt. Nonpareillezeile 80 f. Reklamezeile 5,- Rin. Kleine An zeigen" das fettgebrudte Bort 25 Pf. ( zuläffig zwei fettgedruckte Worte), jebes weitere Bort 12 Pf. Rabatt It. Tarif. Stellengefuche das erste Wort 15 Pf jebes weitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pf. Familien anzeigen Zeile 40 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße 3, wochen täglich von 8 bis 17 Uhr. Der Berlag behält sich das Recht ber Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Berlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Fernipr. Dönhoff( A 7) 292-297 Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Verlag. m. b. H. Postichedkonto: Berlin 37 536.- Bankkonto: Bank der Arbeiter. Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3 Dt B. u. Dist.- Get.. Depofitent.. Jerusalemer Str 65/66. Eiserne Front 1932! Hier ist die Einheitsfront! 3wischen Sozialdemokratie undNationalsozialismus fällt im Jahre 1932 die Entscheidung. Siegt der Nationalsozialismus, so wird die deutsche Arbeiterbewegung mit einem Schlage bis weit hinter die Kaiserzeit zurückgeworfen. Ungeheure Opfer werden dann nötig sein, um die Positionen zurückzuerobern, die wir heute halten. Siegt der Nationalsozialismus im kommenden Jahr nicht, dann hat die kapitalistische Reaktion ihre lehte politische Karte ausgespielt und das Spiel verloren. Dann steht die Arbeiterbewegung vor einem neuen gewaltigen Aufschmung. Aufgaben von ungeheurer Bedeutung werden an die Partei herantreten. Wie stehen die Aussichten? Der Nationalsozialismus kann nicht warten. Dieses Heer von Landsknechten hat der Wind der Wirtschaftskrise zusammengeblasen. Der nächste Windstoß wird es wieder auseinandertreiben, wenn ihm nicht zuvor ein beutereicher Sieg inneren Halt und Festigkeit verleiht. Die Nationalsozialisten können nicht warten. Wir können es. Wir haben diese schwerste Kunst politischer Das Jahr muß unser sein! Strategie in harter Schule gelernt. Mögen von denen, die am Rande der Partei stehen, manche ungeduldig werden und davonlaufen. Unsere politisch geschulten Kerntruppen wissen, daß nur, wer warten, ja, vorübergehende Mißerfolge ertragen kann, den endgültigen Sieg gewinnt. Das Jahr 1932 wird vorübergehen, ohne daß es dem Faschismus gelingt, die Macht zu ergreifen. Seine enttäuschten Massen werden ebenso rasch die Propheten von heute verlassen, wie sie ihnen zugelaufen sind. Das wissen die nationalsozialistischen Führer, und darum heißt es für sie: Jezt oder nie! Ausbleiben des entscheidenden Sieges ist gleich bedeutend mit entscheidender Niederlage. Diese Niederlage werden wir dem Nationalsozialismus im neuen Jahr bereiten. Wir, die eiserne Front der Arbeiterorganisationen. Hier ist die proletarische Einheitsfront, nicht bei den Kommunisten, die im August mit den Nationalsozialisten und Deutschnationalen ihre Einheitsfront im Dolksentscheid bildeten, die noch heute die Sozialdemokratie für den Hauptfeind erklären. Das Jahr 1932 muß unser sein! Unser Aufmarsch gegen den Faschismus ist in vollem Gange. Dorwärts zum Kampf gegen den Faschismus, vorwärts zum Kampf für Freiheit und Recht in Deutschland, das ist die parole, nach der wir im kommenden Jahre kämpfen werden. Wir müssen das deutsche Dolk vor der politischen Katastrophe bewahren. Wir werden verhindern, daß die Republik und ihre Derfassung, daß die Freiheit und das Recht im Chaos der Krise untergehen. Wir wollen nicht nur verteidigen, wir greifen an! Was wir wollen, ist nicht Gewalt, vielmehr die Abwehr der Gewalt! Was wir wollen, ist die Front aller demokratisch und freiheitlich gesinnten Deutschen gegen die Feinde 1932, das Jahr des Sieges! Hinein in den Kampf! Her der Republik. Was wir wollen, ist Begeisterung wecken für den Kampf gegen die Feinde der Freiheit. Hauptfeind der Arbeiterklasse ist, wer jetzt den Bruderkampf schürt. Diese Zeit duldet keine 3ersplitterung! Sie fordert eisernen 3usammenhalt! Uur, wo die Front gegen den Faschismus steht, wehen in Wahrheit die Fahnen des Sozialismus. zu uns! Otto Wels, Dorfizender der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Einigkeit und Selbstvertrauen! In den politischen Kämpfen des Jahres 1932 wird sich das Schicksal nicht nur der Demokratie, sondern der gesamten deutschen Arbeiterbewegung entscheiden. Wir wissen, daß in faschistisch regierten Staatswesen. für Ge| ganzen Machtapparat mit fester Entschlossenheit bis zum letzten einzusehen. Der Fatalismus gewisser Krcise beruht auf einer falschen Einschätzung der gegebenen Kräfteverteilung. Er nimmt das großsprecherische Treiben der Nationalsozialisten für ein Zeichen von Stärke und verkennt die Bedeutung der Gegenkräfte, die mehr auf ruhiges Handeln eingestellt sind. Diese Kräfte sind stark genug, dafür zu sorgen, daß die Bäume des Nationalsozialismus nicht in den Himmel wachsen. Unsere parole für 1932 heißt Einigkeit und Th. Leipart, Was wir wollen, ist die Sicherung der staatlichen Grundlage für ein freiheitliebendes, schwer kämpfendes Dolk, dessen arbeitende massen das Elend der Krise mannhaft getragen haben, ohne sich dem poliitschen Wahnsinn in die Arme zu werfen, wie große Teile des Bürgertums! Wir werden von Januar bis mai alle Kräfte darauf konzentrieren, den politischen Sieg zu erringen über die Bürgerkriegspsychose, über die Großmäuligkeit der Diktaturanbeter, über die Parteien der Gewalt und der Unfreiheit. unsere Offensive soll wie ein frischer Märzensturm in die geistige Derworrenheit und den Untertanenstumpffinn hineinblasen, der breiteste Kreise des Bürgertums erfaßt hat. Unsere Front steht! Wir reihen uns ein in die eiserne Front! Wir sind der Hort der Freiheit in Deutschland! Unser 3iel: Das Jahr 1931, dies Jahr des politischen Wahnsinns, des Uebermuts der Feinde der Republik, des Gehirnkrampfs des deutschen Bürgertums, auszulöschen und den Kräften der Freiheit Bresche zu schlagen zu neuem Aufstieg! Karl Höltermann, Dorsitzender des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes. geschäftsführender Dors. des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold werkschaften als Selbstvertrauen! unabhängige Dertretungen von Arbeitnehmerinteressen kein Play bleibt. Kampf gegen den Faschismus ift darum für die Gewerkschaften cin notwendiger Akt der Kampfjahr 1932 Arbeitersport in Front! Selbstbehauptung. Jeder Die geistige Waffe des Arbeiters ist Arbeitnehmer muß sich der ,, Vorwärts" eine Vorstellung davon machen, was eine Unterdrückung der Arbeiterorganisationen und ein Verschwinden der gewerk- Im neuen Jahr beginnen die großen Ausschaftlichen Errungenschaften bedeuten würde. Die Egi- einandersetzungen um die Zukunft der deutenz der Gewerkschaften ist keine Ange- schen Republik. Die Reichspräsidentenwahl legenheit, die nur die gewerkschaftlich Grganisierten angeht. Ein jeder Arbeitnehmer ist und die Wahl zum preußischen Landtag werden Teilnehmer an den Erfolgen der Gewerkschaften, und für alle zu Brennpunkten der Auseinandersetzung mit würde ein Aufhören des Schußes, den ihnen die Macht der den Feinden der demokratischen Verfassung Gewerkschaften gewährt, ein hinabsinken in furchtbare werden! Knechtschaft bedeuten. Wer die Front der Gewerkschaften stärkt, der stärkt in der wirksamsten Weise die Front gegen den Faschismus, für die Demokratie, für die bedrohten Arbeiterrechte. Wer aber die Gewerkschaften schwächen, ihren inneren 3usammenhalt stören will, leistet der faschistisch verkleideten Sozialreaktion Helferdienste. In diesem Kampf gegen den Faschismus steht der ,, Vorwärts" an führender Stelle! Lest den Vorwärts"! Stärkt die Arbeiterpresse für die bevorstehenden Kämpfe. Es liegt den Gewerkschaften nicht, große Worte zu Der ,, Vorwärts" ist ab 1. Januar machen. Ruhige Abschätzung der gegnerischen Kräfte und der cigenen dünkt ihnen wichtiger. Uebercilie Kraftproben zu billiger. Abonnementspreis beträgt peranstalten, ist nicht ihre Sache. Wo es aber um eine große geschichtliche Entscheidung geht, werden sie nicht zögern, ihren monatlich 3,25 M., wöchentlich 75 Pf. Für die deutsche Arbeiterschaft wäre es sehr einfach, wenn eines Tages eine verfassungsmäßige Rechtsregierung das Erbe Brünings antreten würde. Danu wäre die Stellung ihrer politischen Dertretung als einer streng legalen Opposition von selbst gegeben, und alle politischen Kämpfe würden sich in Formen abspielen, die eines Kulturvolkes würdig sind. Die Grganisationen des Arbeitersports, deren Aufgabe es normalerweise nicht ist, in den politischen Tageskampf einzugreifen, dürften sich dann mit der Rolle eines interessierten Zuschauers begnügen. Aber der deutsche Faschismus, hinter dem noch ganz andere Kräfte stehen als der operettenhafte Besiger des Münchener Braunen Hanses, denkt nicht daran, die Reichsverfassung zu beachten. Er will sie beseitigen und alle Grundrechte zerstören, die sich das deutsche Dolk in der Revolution errungen hat. Er will die sozialdemokratische Arbeiterbewegung ,, mit Stumpf und Stiel ausrotten". Ale proletarischen Rechte: Wahlrecht, Koalitionsrecht, Dersammlungs- und Dereinsrecht sollen beseitigt werden. Das Eigentum der Partei, der Gewerkschaften, Genossenschaften, nicht zuletzt auch der Sportverbände soll dem Faschismus ausgeliefert werden, der dann wie in Italien die Bürokratie der eigenen Derbände hineinzusehen gedenkt. Wer sich diesem Raube widersetzt, dessen Kopf soll rollen. Würde die sozialdemokratische Arbeiterschaft sich kampf los der Gewalt der faschistischen Horden ergeben, dann perdiente sie ihre Niederlage! Sie würde damit eine unauslöschliche Schuld vor dem Proletariat der ganzen Welt auf sich laden. Der Faschismus sucht in Deutschland die Entscheidung im Endkampf. Gewinnt er die Schlacht, dann ist auf dem europäischen Festlande die stärkste position erobert und seine Herrschaft voraussichtlich für längere 3eit gesichert wenn nicht ein neuer Weltkrieg ihn vorzeitig Liquidiert. An der Schwelle der faschistischen Herrschaft in Deutschland steht der Bürgerkrieg, an seinem Ende dürfte der neue Dölkerkrieg stehen. Einer solchen Gefahr muß sich alles entgegenstemmen, was noch gesundes Blut in den Adern hat. Es gilt, die eiserne Front zu bilden, die dem politischen Dandalentum einen unüberwindlichen Widerstand entgegensezt. In dieser Zeit wollen die deutschen Arbeitersportler mit ihren Klassengenossen und allen ehrlichen Republikanern 3sammenstehen und kämpfen. Sie brennen darauf, endlich herauszutreten aus der erzwungenen Reserve. Sie sind über zeugt, daß schon der ernste Wille zur energischen Gegenwehr der Reaktion die Lust am Bürgerkriege austreiben wird. Darum im neuen Jahre: Arbeitersport in Front! and Fritz Wildung, Neujahrsansprache Hindenburgs. Aufruf zur Einigkeit. 30 Minuten im deutschen Rundfunk folgende Neujahrsansprache: Reichspräsident von Hindenburg hielt heute abend 21 Uhr 30 Minuten im deutschen Rundfunt folgende Neujahrsansprache: Reichspräsident und aus der Tatsache, daß ich als hochbetagter Deutsche Männer und deutsche Frauen! Aus meinem Amt als Mann einen verhältnismäßig großen Abschnitt beutscher Geschichte miterlebt habe, folgere ich die Berechtigung, heute am Abschluß eines schicksalsschweren Jahres, wenige, aber treugemeinte Borte an Sie zu richten, um Ihnen zu helfen, die Not der Zeit zu tragen. Ich bin mir voll bewußt, welche gemaltigen Opfer von jedem von uns verlangt werden, damit wir es versuchen können, durch eigene Kraft die gegenwärtige Notzeit zu überwinden. Dem deut schen Bolle gebührt aufrichtigster Dant und hohe An. ertennung für die bisher bewiesene Opferbereitschaft und für die Geduld, mit der es in Erkenntnis der harten Notwendigkeit alle Leiden und alle Laften getragen hat. Das sei hier zuerst gesagt. Aber die Größe dieser Opfer, die mir bringen, berechtigt uns dem Auslande gegenüber gleichzeitig zu der Forderung, sich unserer Gesundung nicht durch Zumutung unmöglicher Leistungen entgegen zustellen. Auch in der Abrüftungsfrage darf Deutschland sein gutes Recht nicht vorenthalten werden. Unser Anspruch auf gleiche Sicherheit ist so flar, daß er nicht bestritten werden kann. Unwillkürlich denke ich zurück an Tannenberg. Entschlüsse mußten gefaßt und hohe Anforderungen an die Truppe Unsere Lage war damals gleichfalls schwierig. Sehr gemagte gestellt werden, um des Erfolges nach Möglichkeit gewiß zu fein. Da mag mancher innerlich Bebenten gehegt haben, aber das Band gegenseitigen Bertrauens, treuer Kamerabschaft, inniger Baterlands. liebe und der Glaube an uns selbst hielten uns fest zusammen, so daß die Entscheidung nach mehrtägigem heißem Ringen zu unseren Bunften ausfiel. Auch heute rufe ich, abermals in ernster Zeit, und zwar ganz Deutschland auf zu gleicher treuer schicksalsverbundener Einigkeit. Laffen Sie uns Hand in hand unverzagt der Zukunft mit ihren forgenschweren Entscheidungen entgegengehen. Möge feiner dem Geschäftsführer der Zentralkommission für Arbeitersport und Kleinmut unterliegen, sondern jeder unerschütterlichen Glauben an Körperpflege. des Vaterlandes Zukunft behalten. Gott hat Deutschland schon oft aus tiefer Not errettet. Er wird uns auch jetzt nicht verlassen! Zur Abwehr entschlossen! Defterreichs Sozialdemokratie zur Jahreswende. Wien, 31. Dezember.( Eigenbericht.) In einer Neujahrsbotschaft der sozialdemokra fischen Parleivertretung Oesterreichs wird zunächst darauf verwiesen, daß die österreichische Schwerindustrie, die auf den Sieg der Faschisten in Deutschland hoffe, und die den Sieg der Faschisten in Deutschland hoffe, und die Aristokratie, die die Wiederkehr der Habsburger in Ungarn erwarte, in Desterreich die Heimwehr ausrüste.„ Wenn die Faschisten uns angreifen, jo heißt es wörtlich weiter werden wir uns wehren und mit dem Faschismus werden wir feine Papitalistischen und aristokratischen Hintermänner schlagen." Also doch faffiert! Costa Nochmals: Hauptmann Wagener von der Reichsleitung der RGDAP. Herr Hauptmann Bagener von der Reichsleitung ber NSDAP. hat Pech: an demselben Tage, an dem er jeden als Lügner und Berleumder bezeichnet, der zu behaupten magt, er fei im Mai 1918 als Generalstabshauptmann mit schlichtem Abschied Baffiert morden( Bölfischer Beobachter" nr. 347/348), veröffentlicht im Mecklenburger Hitler- Blatt( Niederdeutscher Beobachter" vom 18. Dezember) fein eigener Pg.", irgendein Major a. D. Schulz, eine fogenannte„ Ehrenertlärung" für Wagener. " Herr Schulz fagt, er haben den Wagener in den Grenz schutzfämpfen südlich der Festung Thorn" unter sich gehabt und gute Erfahrungen mit ihm gemacht nach dessen Reha bilitierung". Herr Schulz hätte besser getan zu schweigen; denn mun fragen wir ihn: wann nur fonnte Herr Wagener reba bilitiert werden? Doch nur dann, wenn er zuvor tassiert worden ist!!! Zeugenvernehmung im Helldorf- Prozeß Die Schupobeamten fagen aus. 20 Im Helldorf Brozeß ist am Mittwoch die Bernehmung der Angetlagten abgeschlossen worden. Bon den 15 Zeugen tonnten bloß amei gehört merden: Major Bede, der auf dem Stadion den Befehl erhielt, mit seiner Mannschaft nach dem Kurfürstendamm zu eilen, an der Joachimsthaler Straße auf Graf Helldorfs Auto stieß, ihn zur Rebe stellte und ihn aufforderte, sich vom Kurfürstendamm fortzufcheren; und Leutnant Böhm, bem von verschiedenen Seiten Zettel mit Autonummern eingehändigt wurden. Gestern murden die Schu poleute über ihre Wahrnehmungen in bezug auf die einzelnen Angeklagten vernommen. Montag wird die Berhandlung fortgefet Nazi- Krauses Ausreden. Die Redaktion des Angriff" als Krankenhaus. Auf unseren Bericht über den tapferen Angriff" Rebatteur Krause, der sich bei Gericht als fieberfrant entschuldigen ließ, aber in seiner Wohnung nicht angetroffen wurde, antwortet der An griff" mit Ausreden, die dem Tertianerniveau dieses Blattes ent sprechen. Der mutige Krause habe sich wegen Fieberanfalls in der Redaktion des Angriff", Hedemannstraße, niedergelegt. Nach mehreren Stunden, als der Anfall vorüber war, sei er gegangen. Hierzu bemerfen wir: Der Telephonanruf an das Gericht, und zwar in der Form Herr Krause läge mit hohem Fieber zu Bett", erfolgte um 9 Uhr früh. Der Termin gegen Krause war an gefest auf 13% Uhr. Als der Staatsanwalt um 14 Uhr im., Angriff" anrief und Herrn Krause zu sprechen wünschte, murde ihm bie Antwort zuteil: Herr Krause sei vor einer Biertelstunde gegangen. Der Fieberanfall dieses verantwortungsbewußten Berantmortlichen hat also genau so lange gedauert, bis der Termin vorüber mar. Eine Krankheit, die sich in den Redaktionsräumen des„ Angriff binnen weniger Stunden austurieren läßt, muß eine wahrhaft tragische Angelegenheit sein. Die Angriff" Tertianer sollten sich an einige Hitler- Knaben aus der Untersekunda menden. Auf dieser Stufe erfindet man schon bei weitem bessere Ausreden. Eine Biographie Severings. Porträtffizzen republikanischer Staatsmänner. Und nun wünsche ich dem deutschen Bolle in feiner Gesamtheit und jedem einzelnen Deutschen aus vollem, treuem Herzen ein ge fegnetes neues Jahr! Nachdem der Reichspräsident seine Rede beendet hatte, spielte die Musik das Deutschlandlied. Die Rede murde auf alle nordamerikanischen und dänischen Sendergruppen übertragen. Eine fommunistische Störungsrede. Auf der Deutschen Welle machte sich während der Rede Hinden. burgs eine dauernde Störung bemerkbar. Man hörte einen Redner unverständlich dazwischenreden. Während einer Redepause des Reichspräsidenten verstand man die Worte:„ Maffenstreit, nur der Kommunismus rettet euch, Rot Front." Ueber den technischen Hergang der Störung erfahren wir, daß höchstwahrscheinlich das abel zwischen Berlin und Königswusterhausen angezapft worden ist. Indessen müffen die Täter wahrscheinlich im Funfhaus in Berlin noch einen Komplicen gehabt haben, denn sonst wäre die Störung schwerlich wirksam geworden. Es handelt sich um eine Lausbüberei, die technisch nicht schwierig durchzuführen ist. Bekanntlich iſt ein ähnlicher Versuch von Kommuniften bei Langenberg unternommen worden, die Täter find damals gefaßt worden. Die kindischen Streiche dieser Weltrevolutionäre können niemand imponieren. Untersuchung eingeleitet. Die Rundfunkbehörde hat unmittelbar nach den Vorfällen bei der Ansprache des Reichspräsidenten die Untersuchung über die Her tunft der Störung eingeleitet. In verschiedenen Gegenden Deutschlands ist die Ansprache des Reichspräsidenten mur höchst unvoll ständig vernommen worden. des Senats zu, in der es heißt: Nach der Reichsverfassung hat der Reichsrat weder beim Erlaß noch bei Aufhebung der Notverordnungen mitzuwirken. Eine Stellungnahme Hamburgs im Reichsrat tommt demnach nicht in Frage. Ueber die Stellungnahme als Landesregierung hat der Senat nach eigener Berant Notverordnungen einverstanden zu erklären, ist der Senat der Auf. faffung, daß die Aufhebung der jämtlichen Notberordnungen derzeit dem Wohle des Reiches und der Länder zuwiberlaufen würde und von einer verantwortungs bewußten Regierung nicht angeregt werden fann. Insbesondere ist der Senat der Auffassung, daß das Uniformnerbot aus Gründen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung bis auf weiteres aufrecht. erhalten werden muß. Der Senat sieht sich daher nicht in der Lage, dem Ersuchen der Bürgerschaft zu entsprechen. Im Historisch- Politischen Verlag, Berlin S. 68, ist dieser Tage ministerium des Innern, Ministerialdirektor Dr. Menzel, eine aus der Feder des Leiters der Verfassungsabteilung im Reichs- wortung zu entscheiden. Ohne sich mit allen Einzelheiten der Biographie Severings erschienen. Der flott geschriebene und äußerst intereffante Band( 87 Seiten) ist das erfte Glied einer Reihe von Porträtsfizzen, mit deren Herausgabe der Historisch Boli e Berlag den Berfuch unternimmt, die verantwortlichen Führer des politischen Geschehens der legten 13 Jahre dem Bolle in ihrer geschichtlichen Bedeutung durch den Nebel der Parteipolitik und der Parteifämpfe hindurch sichtbar zu machen. Als nächster Band ist eine Biographie des preußischen Ministerpräsidenten in Aussicht genommen. Biographien anderer Persönlichkeiten der Republit, wie Noste, Hindenburg: Brüning usw. werden folgen. Wir entnehmen der Biographie Severings, bie in der politischen Literatur Deutschlands eine große Lüde ausfüllt und auch deshalb zu begrüßen ist, die Einleitungsworte des Verfassers, Ministerial Der Gtandartenführer betrügt die Arbeitslosenversicherung. direttor Dr. Menzel: Die Geschichte der Deutschen Republit meist teine zentrale Einzelpersönlichkeit auf, um die sich das Gesamtgestehen gruppiert wie die Geschichte des nach revolutionären Frankreich um Napoleon, der Reichsgründung um Bismard, der Sowjetunion um Lenin und Stalin, des faschistischen Italien um Mussolint. Wer die deutsche Nachfriegszeit unter dem Gesichtspunkt der Führer persönlichkeit begreifen will, muß eine Vielheit von Lebensbildern auf sich wirken lassen. Die Fülle und Buntheit, die Vielfältigkeit und die Zerrissenheit deutschen Lebens in dieser Zeitenwende spiegeln sich in ihnen. Carl Severing gehört zu den Männern, die aufgewachsen sind in der großen politischen und gewerkschaftlichen Arbeiter bewegung, nachdem deren Sturm- und Drangperiode mit dem letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts beendet, und die überschäumende revolutionäre Jugendlichkeit abgelöst war von ernster und nüchterner Aufbauarbeit. Der Bertatzent verschob sich allmählich von der Agitation auf die Organisation. Mit diesem inneren Reifen nahm die sozialdemokratische Arbeiterbewegung den Kurs auf den Staat. Severing stand auf der Höhe seines parteipolitischen und gewerkschaftlichen Wirkens in dem Zeitpunkt des Einströmens der Bewegung in den Staat. Schon jetzt fann man sagen, daß er weiter über die Partei und Gewerkschaftsgeschichte hinaus in der preußischen und deutschen Geschichte der neuesten Zeit einen bedeutenden Platz einnehmen wird neben Ebert und Noste, Hindenburg und Groener, neben Wirth, Rathenau, Erzberger und Stresemann, neben Otto Braun und Heinrich Brüning. Jeder dieser Staatsmänner verförpert eine Seite oder eine Stufe der so ungemein tomplexen Aufgabe der Wiederaufrichtung des deutschen Staates. Severing wird in erster Linie weiterleben als der Severing wird in erster Linie weiterleben als der Mann der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Persönlich hätte ihm manches andere näher gelegen, etwa das Gebiet der Stulturförderung; aber als eine Persönlichkeit, der bas Gebot der Pflicht über alles geht, nahm er, nicht als Amtsnachfolger, aber boch neben und nach Noste die schwere und wohl undankbarste Aufgabe auf, feine Schultern, weil er fie als grundlegend und vorbringlich erkannte, die Aufgabe, den Damm aufzurichten und zu verteidigen gegen die bolshewistische Flut und gegen den rechts radikalen Ansturm der Reaktion. Daß sich aus These und Antithese die Syntheſe ergebe, daß sich über Revolution und Reaktion die höhere Einheit erhebe, der Boltsstaat der Deutschen, die Republit, die uns die Weimarer Verfassung nicht gegeben, sondern aufgegeben hat, so dürfen wir das Ziel und den Sinn des Lebens und Wirtens Carl Severings deuten." Abgewiesene Agitationsanträge. Der Hamburger Genat und die Rotverordnungen der Reichsregierung. Hamburg, 31 Dezember. In der Hamburger Bürgerschaftssigung am 16. Dezember war, mie feinerzeit gemeldet, ein Antrag angenommen worden, der den Senat erfuchte, für fofortige Aufhebung aller Notverordnungen der Reichsregierung einzutreten. 33 Bierden vom Dritten Reich. Köln, 31. Dezember.( Eigenbericht.) Der Standartenführer der Kölner Nazis namens Balm wirb des Betrugs beschuldigt. Eine entsprechende Anzeige ist der Staatsanwaltschaft bereits zugegangen. Balm hat längere Zeit die Erwerbslosenfürsorge in Anspruch genommen und Unterstügungen bezogen, obwohl er als Standartenführer der Nazis ein monatliches Gehalt bezieht, von dem zahlreiche Erwerbslose und ihre Familien gut hätten leben können. Ein Selbstverffümmeler. Es ist bereits wiederholt vorgefommen, daß sich SA.. Beute selbst verlegten und dann das Reichsbanner eines Ueber. falls beschudigten, während die Nazipreffe von einem„ neuen viehi den Verbrechen" des Reichsbanners fchrieb. Hier ein neuer Fall Diefer Tage meldete die bürgerliche Preffe u. a., daß der SLMann Johannsen aus Dornbusch( Norddeutschland) auf dem Wege mehreren politisch Andersgesinnten vom Fahrrad geriffen Don Drochternfen zu seiner Wohnung in Wolfenbruchermoor von und durch Schläge und Messerstiche übel zugerichtet worden sei. Anspruch nehmen müssen. Es sei das zweitemal, daß Johannsen Seine Verlegungen seien derartig, daß er ärztliche Hilfe habe in fo mißhandelt worden sei. Ani 30. September d. 3. fel er ebenfalls so schwer verletzt worden, daß er längere 3eit arbeitsunfähig ge. wesen sei. Inzwischen hat der vichische Ueberfall" auf Johannjan seine Aufklärung gefunden. Der Attentäter auf ihn war fein anderer als er selbst. Als er durch die polizeilichen Er. mittlungen entlarnt war, gestand dieser rauhe Rämpfer" meinend und zitternd, daß er sich selbst Berlegungen mit dem Messer bet gebracht und sich selbst die Augen blau geschlagen hat. Einmal um Krantengeld und eine Unterstützung aus ber S- Kaffe zu erschwin. beln, zum anderen aber auch aus Bedürfnis nach Martyrertum und zu dem zwed, unschuldige Reichsbannerleute des Ueberfalls zu beschuldigen und sie ins Gefängnis zu bringen. Aus diesen Mo. fiven heraus verlegte er sich zunächst am 30. September und dann nochmals vor Weihnachten. Naziblatt hat bisher gestanden, daß der rauhe Kämpfer" sich aus Jezt ist der Schwindler Johannsen entlarvt. Aber in feinem den gemeinsten Motiven heraus sel. st übel zugerichtet hat und un. schuldige Reichsbannerleute hinter Schloß und Riegel bringen Reichsbannerhorden schwer verletzt wurde" und bei dem Glauben wollte. Das Nazilefertum weiß nur, daß der arme Johannsen„ Don Glauben belassen! Schwindeln und heißen ist ja schließlich ihre werden es die Herren vom Dritten Reich und Hüter von Trau und Hauptaufgabe. Deutscher in Lothringen angeschoffen. Saarbrüden, 31. Dezember. Bei Sanft Avold wurde ein Deutscher namens Diebold, der in der Nacht einen von den Militärbehörden verbotenen Beg ging, von einem Bosten angerufen. Diebold verstand den 3uruf nicht und ging weiter. Der Soldat gab daraufhin einen Schuß ab, der Diebold in den Oberschenkel drang. Der Verletzte murde ins Krankenhaus gebracht, wo ihm das Bein abge nommen werden mußte. Diebold ist verheiratet und Vater von Darauf ging der Bürgerschaft nunmehr eine Antwort vier Kindern. 0 Reichstag i9S2. Umfangreicher Aeratungsfloff vorhanden. Der Reichstag wird»lach den bisherigen Dispositionen im neuen Jahre erstmalig am 23. Februar zusammentreten. Dagegen werden auch die nächsten Wochen wieder mit Aus- schußarbeiten im Reichstag ausgefüllt sein. Am 12. Januar tritt der Strafrechtsaussch.uß des Reichstags zu einer mehrwöchigen Tagung zusammen, um endlich das große Werk der Strafrechtsreform. zum Abschluß zu bringen. Da durch die Wiederbeteiligung der Deutschnationalen an den Ausschußarbeiten des Reichstags die Schwierigkeiten beseitigt siild. die im Strafrechts- ausfchuß durch die besonderen Mehrheitsverhältnisse entstanden waren. dürfte nunmehr einer reibungslosen Beendigung der Ausschuß- beratungen nichts mehr im Wege stehen. Auch der ch a u s h a l t s» ausschuß, der Volkswirtschaftliche Ausschuß, der Wohnungsausschuß und anders Reichstogsausschüsse haben für die nächsten Wochen neue Tagungen anberaumt. Die im Februar beginnende Plenartagung des Reichstags wird sich diesmal nicht auf wenige Tage beschränken oder mindestens in den solgenden Wochen und Monaten ihre Fortsetzung finden. Der Beratungsstoff für die Frühjahrstagung des Reichstags ist außer- ordentlich umfangreich. Nach einer politischen Aussprache, die die Zleichstagsberatungen voraussichtlich einleiten wird, stehen zahl- reiche größer« Gesetzgebungswerke zur Beratung, chier- zu gehören die Strafrechtsreform, d«r«n Ausschußberatung inzwischen abgeschlossen sein wird, ferner das Disziplinar» recht für die Beamten und der Gesetzentwurf über das Zugabewesen. der in einer der nächsten Reichstagssitzungen verabschiedet wird. Hierzu gehört weiter dos Reichs st ädtebaugefetz, das vom Wohnungsausschuß des Reichstags bereits in einer Lesung be- raten ist und dessen zweite Lesung Anfang Februar vorgenommen wird. Weiter sind die zahlreichen inzwischen von den Reichstags- ausschüssen gefaßten Beschlüsse vom Plenum zu bestätigen. Auch hier handelt es sich zum Teil um wichtige Gesetzentwürfe, wie das Pen- sionskürzungsgefetz und das Gesetz über die Rechtsstellung der weiblichen Beamter». Drei größere Gesetzgebungswerke, die noch den Ankündigungen der Regierung gleichfalls im Frühjahr auf parlamentarischem Wege erledigt werden sollen, sind zurzeit in den zuständigen Reichs- Ministerien in Vorbereitung. Es handelt sich um die Uebernahme der Wasser st raßenverwaltungen der Länder auf das Reich, die vom Reichskabinett vor einigen Tagen grundsätzlich beschlossen worden ist, ferner um das s o z> a l e M i e t r e ch t und endlich um die große Sozialversicherungsreform.. Die letzte Notoerordnung, die die Termine für die Aushebung der Wohnungszwangswirtschast verkürzt hat. hat dabei nochmals be- stimmt, daß Voraussetzung für die Einhaltung dieser Termine die rechtzeitige Schaffung eines sozialen Mietrechts ist. Im Reichsjustiz- Ministerium ist man zur Zeit damit beschäftigt, einen entsprechenden Referenten-Entwurf aufzustellen, der dann nach Verabschiedung im Reichskabinett dem Reichstag im Februar vorgelegt werden kann. Bei der großen Sozialversicherungsreform handelt es sich um ein Gesetz, das bei den letzten Beratungen des Sozialpolitischen Reichs- tagsausschuffes von der Regierung angekündigt worden ist. Durch o r- ganisatorischeAenderungen sollen in der gesamten Sozial- Versicherung weitgehende Vereinfachungen und Derbilligungen durch- geführt werden. Soweit man dabei zu einer völligen Zusammen- fassuog. aller Kreise der.Sozialoersicherung in. einer Verwaltung keinen wird, bleibt abzuwarten. Ein Reserentenentwurs wird zur Zeit im Reichzarheitsministerium vorbereitet unk voraussichtlich noch im Lauf« des Januar dem Minister vorgelegt werdan. Auch dieses groß« Gesetzgebungswerk wird dann den Reichstag in feiner Früh- lahrstagimg beschäftigen. Elidlich ist noch der Rekchsetat für ISA?«i erwähnen, der nach Abschluß o«r Reporationsver Handlungen beschleunigt fertig. gestellt und den gesetzgebenden Körperschaften zugeleitet werden soll. Das Etatjahr 1S31 ist bekarmt'ich durch Notverordnug bis zum 30. Juni 1932 verlängert werden, so daß der neue Etat erst am 1. Juli in Wirk-, samkeit tritt. Die Reichsregierimg legt auch diesmal auf«ine ordnungsmäßige parlamentarische Verabschiedung des Etats wert. Der Etat wird vor-mssichtlich AniangMärz dem Reichsrat und dam Ende März oder Anfang April dem Reichs- tag zugehen, so daß für eine parlamentarisch« Beratung bis zum 80. Juni ein ausreichender Zeitraum von etwa drei Monaten zur Verfügung stehen würde. Oer. Abbau bei der vv Van?. Das halbierte Dorflandsdirektoriom. Der Abbau von drei führenden Direktoren der Deutschen Bank und Disconto-Gesellschaft, über den wir bereits berichtet haben, ist insofern.überraschend gekommen, als wohl feit längerer Zeit von einem Ausscheiden des Direktors von S t o u ß, nicht aber von einer größere» Reform im Gcneralstab dieser größten deutschen Bant ge- munkelt wurde. Bon den drei ausgeschiedenen Direktoren sind Oskar Schlitter und L. Bahner im Gegensatz zu von Stauß der breiteren Oeffentlichkeit unbekannt. Schlitter ist bereits seit 25 Jahren im Direktorium der Deutschen Bank tätig gewesen und hat in erster Linie die Geschäftsverbindungen mit Rheinland-Westfalen in der Harch geholt, während Bohner bei der Fuston mit der Discanto- Gesellschast in das Direktorium der DD-Bank mit übernommen wurde. Seine Spezialität war das Ueberfeegefchäft, mit dem er schon von seiner ersten Praxis in Bremen an besonders gut oertraut war. Ter dritte der abgebauten Direktoren, von Stauß. der seit den Septemberwahlen 1930 dem Reichstag als Mitglied derDeutschenVolkspartei angehört, Hot seitdem besonders durch die eng« Freundschaft mit Hitler viel von sich reden. gemacht. Der eigentliche Vorstand der Deutschen Bank ist nunmehr a u f die Hälfte der Direktionsmitglieder zusammengeschmolzen, die bei der Fuston der Deutschen Bank mit der Disconto-Gesellschaft im September 1929 übernommen wurden. So waren erst vor knapp einem Jahr der Börsendirektor Selmar Fehr' und Paul Bonn, der die Berantwortung für die Millionenverlust« der Deutschen Bank bei der Oschandelsgesellfchaft trug, a u S g e s ch i e den. Der eigentliche Vorstand setzt sich nunmehr zusammen aus den Direktoren Wassermann, Sodnssen, Schlieper, Mosler, Kehl und Frank. Das Jnteresiant« ist, daß bei der Fusion der Deutschen Bank mit der Disconto-Gesellschaft die Führung stark bei der ersteren lag. Jetzt aber sind unter den sechs Vorstandsdirektoren vier ehemalige Mitglieder der Disconto-Gesellschaft vertreten, während von dem alten Stamm der ehemaligen Deutschen Bank nur Werner Kehl und Oskar Wassermann übriggeblieben stirb. Oer Zug der Pleite. Armes Kindlein 1952/ das alles sollst du weiterziehen! Frankreich mil Lausanne einverstanden. „Temps" hält Aeuderungen bis zum 15. Januar für möglich. Der frühere khüringische Staalsrak Port wurde vom Amts- gericht Greiz oerhaftet und in das Bezirksgesängnis eingeliefert. Er soll in seiner Eigenschaft als Rechnungsführer des Spar- und Darlehnskaffenvereins in tvein-Reinsdors über 14000 M. unterschlagen haben. Paris, 31. Dezember.(Eigenbericht.) Die französische Regierung hat sich mit der Wahl von Lau- sänne als Tagungsort für die Reparatwnskonfercnz ein- verstanden erklärt.' Der„T s m p s" schreibt zu den französisch-englischen Vorverhandlungen über das Reparationsproblem:„Ohne daß man bereits von einer prinzipiellen Einigung zwischen Frank- reich und England sprechen darf, kam» man es als erwiesen be- trachten, daß sich Möglichkeiten zu einer Wiederannäherung zwischen der französischen und englischen These abzeichnen. Es de- steht kein Zweifel daran, daß die Engländer im freundlichsten Geiste die Argumente Frankreichs prüfen, ul»d man hat den Eindruck, daß die Stinunung in den einflußreichen Londoner Kreisen nicht mehr dieselbe wie vor einigen Wochen ist. Die Erklärung dafür muß nach unserer Ansicht in der Haltung des amerikanischen Kongresses und in den Feststellungen des Baseler Sachverständigenausschussez gesucht werden. Wenn man jetzt in England«in provisorisches und auf die geschützten Annuitäten beschränkte» Reparations- abkommen ins Auge zu fasten scheint, so geschieht das, weil man anerkennen muß, daß eine endgültige Lösung unmög- lich ist, wenn nicht ewe Neuregelung der interalliierten Schulden. die vor allem von Amerika abhängt, vorge»wmmen wird. Daraus darf man aber nicht folgern, daß die vorgesehene Konferenz nur eine beschränkte Aufgabe haben wird. Das wird natürlich der Fall sein, wenn die Situation bei der Erössnung der Konferenz noch dieselbe ist wie heute. Aber die Dinge können sich merklich äirdern. wenn bis zum 18. Januar in Deutschland ein neues Ereignis(?) eintritt, oder wenn sich die Politik der Bereinigten Staaten in der Schuldenfrage spezifiziert. Diese Möglichkeiten sind zwar»»»cht wahrscheinlich, aber sie sind nicht ganz ausgeschlosten. Es ist also klug, für die Verhandlungen «inen gewissen Spielraum zu lasten, falls sich die Maß- stäbe ändern sollten.' pariser Aeujahröempfang schon zu Silvester. Paris, 31. Dezember.(Eigenbericht.) Der Präsident der Republik Doumer empfing am Donnerstagnachmittag in Gegenwart Lavals und Briands die Mitglieder des Diplomatischen Korps, die ihm die Neujahrswünsch« ihrer Regierungen überbrachten. Im Namen der amoejenden Diplomaten hielt d«r päpstlich« Nuntius Monsignore Magl'vne ein« kurze Ansprach«, w der er auf den Emst 0er gegenwärtigen Krise hinwies und betont«, daß es iwtim»üng fei. besonder« Maßnahmen für die Arbeiterklasse zu treffen, den Frieden zu lefestigen, der die Borbedingung für die Wiederherstellung oes wirtschaftlichen Gleichgewichts sei, die öffentlichen Ausgaben auf ein Mindestmaß zu be. schränken, das die Verwaltung der Staatsbehörden und die be. rechtigte Sorge um den Schutz der nationalen Sicher- heit erfordere und schließlich die internationale Zusaw- menarbeit zu verstärken. Frairlreich überstehe dank seiner Jnteresten und seinem arbeitsamen Geiste die Krise so wunderbar. daß es kaum davon berührt schein«. Aber obgleich e» natürlich zuerst an sein« eigenen Interessen denke, sei es sehr empfang- lich für die S o l i 0 a r i t ä t. die die Völker voreine. Es wolle ein« Politik der Zusommeirarbeit, in deren Dienst es kürzlich schon seinen ganzen Einfluß gestellt Hab«. In seiner Antwortrede führte Präsident Doumer aus:„Eine wirtschaftliche Krise von außergewöhnlichem Umfarrg ist üter die Welt hereingebrochen u,rd hat alle Lander in verschiedenem Maße berührt. Sie ist die bedauernswert« Folge 0«s langen und schmerz. lichen Konfliktes, der ganz Europa verheert hat. Wenn diese Gemeinsamkeit im Unglück die Natiorren von der immer engeren Solldarilät ihrer Znterefleu überzeugen und sie veranlasten könnt«,«in« Politik gegmifeMger Unterstützung durchzuführen, so würde die Welt aus«ine,n großen Uebel ein« große Wohltat hervorgehen sehen. Frankreich ist, getreu seinen Traditionen und den Gefühlen, die es gegenüber allen Völkern hegt, bereit, aktiv an den Maßnahmen mitzuarbeiten, von denen man eine Erleichterung der die Menschheit drückenden Leiden er marken kann. Sein« Mitarbeit an diesem gememsämen Werke wird kein« anderen Grenzen haben als die berechtigt« Sorg« um seine«igen« Stabilität und die Garantien, daß die zugebilligten Opfer nicht sein Gleichgewicht gefährden, das ein kostbares Frieden». pfand ist. Es ist zu wünschen, daß diese edelmütigen und aus- richtigen Dispositionen in anderen Ländern verstanden und gewertet werden, denn ein Zweifel in dieser Hinsicht würde die besten An- läuf« aufholten»md die notwendigen Beschlüste verzögern." Militäramneffie in Kransreich. Paris, 31. Dezember.(Eigenbericht.) Zum Jahreswechsel hat der Präsident der Republik Doumer 263 von Militärgerichten verurteilte Soldaten begnadigt bzw. ihre Strafen herabgesetzt. 106 Fälle»mtcrliegen noch der Prüfung.___ Groener gegen Hakenkreuzillusionen. Scharfe Absage an das„Dritte Reich". Reichsminister Groener veröffenllicht einen Aufruf zum neuen Jahre, in dem es heißt: „An der Schwelle des neuen Jahres sei sich jeder der be- sonderen Bedeutung dieser Verantwortung bewußt. Dann die großen Entscheidungen, die in diesem Jahre über Deutschland» Zu- tunft fallen werden, hängen in höchstem Maße davon ob, ob sich dos deutsch« Volk Illusionen hingibt oder den nüchternen Sinn für das Notwendige und Erreichbare behält. Vor zwei Illusionen mochte ich vor allem warnen: Es gibt keine Potentlösung, die uns von der Not der Gegen- wart befreien könnte. Keine Regierung, von welcher Seite sie auch tom»n«n sollt«, kann dem einzelnen die Sorge um seine Wirtschaft- lich« Existenz abnehmen. Es gibt auch keine Lösung der un- endlich schwierigen außenpolitischen Fragen, die nicht aus der eigenen Kraft Deutschlands beruht. Wer Hllse und Rettung vom Ausland erwartet, die wir uns nicht selbst errungen haben, gibt sich ebenso Illusionen hin. wie der, der glaubt, man könne das deutsche Volk vom Weltgeschehen ab« schließen. Es kommt daraus an. dem vom Reichskanzler Brüning mit der ganzen Kraft und dem Verantwortungsbewußtsein seiner Persönlichkeit eingeleiteten Kampf um die Neugestaltung der wirt- schaftlichen Freiheit Deutschlands und um das unverzichtbare Recht der Wehrfreiheit durch stetige»nühfome Arbeit die innere Kraft zu geben. Sie darf nicht gebrochen werden durch Enttäufchun- gen über unerfüllte Wünsche, die den Boden der Wirklichkeit verlassen haben. Vom. neuen Jahre erhoffen Millionen Deutsche die Erfüllung dar Wünsche, die sie mit dem Begriff des„Dritten Reichs" ver- binden. Es ist den Kündern dieses Zieles nicht gelungen, dem Traum einer politischen Erneuerung eine greifbar« Gestalt zu geben. Hoffnungen und Pläne oller Art umweben das sagenhafte Ziel und nähren die Illussion, daß die Not, die auf dem deutschen Volke lastet, mit seiner Erreichung beseitigt wäre Ich habe Ver- ständnis dafür, daß aufstrebende Kräfte sich ein Fernziel bilden ui»d mit d�n Mythos einer neuen Geschichtsepoche verklären. Wer aber gestaltend in die Geschick« des deutschen Volkes eingreifen will. darf sich nicht Träumen der Romantik hingeben. Er muß sich jederzeit und ohne jeden Vorbehalt darüber klar sein. daß allein der Weg, den Verfassung und Gesetz weisen, die Rechtmäßigkeit feines Handelns begrimden kann. Der Weg. den das deutsche Volt im neuen Jahre geht, darf kein Weg der Jllnfionen(ein.* Vor dem Entscheidungskampf. Die Gewerkschaften an der Jahreswende. Eine beispiellose Wirtschaftskrise, die die gesamte kapitalistische Welt umfaßt, verschärft durch die politischen Auswirkungen des Krieges und der Friedensverträge, hat das kapitalistische Wirtschaftssystem selbst erschüttert. Wie es unvermeidlich ist, haben die Folgen dieser Weltkrise auch die Arbeiterklasse und ihre Organisationen in Mitleidenschaft gezogen. Die ständig und progressiv zunehmende Schrumpfung der Kauftraft haben Massenentlassungen und Stillegungen von Betrieben in riesenhaftem Ausmaße, Zahlungs einstellungen und Konkurse der größten und bestfundierten Unternehmungen nach sich gezogen. Alle diese Umstände sind zwar nicht verursacht worden von der Arbeiterklasse, die vorläufig immer noch ausgeschlossen ist von der Wirtschaftsführung, sie haben sich aber verheerend ausgewirkt auf den Lebensstandard und die sozialen Errungenschaften der ArbeiterKlaffe. Solange die Arbeiterschaft nicht einen direkten und beftimmenden Einfluß auf die Wirtschaftsführung besitzt, wird sie immer an den Folgen der kapitalistischen Wirtschaftsführung zu tragen haben. Bon diesen Folgen konnten auch nicht die Organisationen der Ar beiterklasse verschont bleiben, deren Geschide sie zu verteidigen haben und deren Schicksal sie unter allen Umständen teilen. Nichts zeigt jedoch besser die steigende Bedeutung der Arbeiterklasse auf, als die wachsende Widerstandsfähigkeit der Ge= wertschaften gegen die Rückschläge der Wirtschaftskrise. Daß auch die freien Gewerkschaften im Jahre 1931 Mitglieder verloren haben, ist eine geradezu banale Erscheinung angesichts der Tatsache, daß gegenüber 1930 nahezu 1% Millionen Menschen mehr aus den Produktionsprozeß ausgeschieden sind. Angesichts dieses ungeheuren Rückgangs der Beschäftigten und der Beschäftigungsmöglichkeit ist es erstaunlich, daß die freien Gewerkschaften absolut und anteil mäßig viel weniger an Mitgliedern verloren haben. Während am Jahresschluß 1930 die dem Allgemeinen Deutschen Gemertschaftsbund angeschlossenen Organisationen rund 4 700 000 Mitglieder hatten, ist die Mitgliederzahl bis zum Schluß des dritten Quartals 1931 auf rund 4300 000 zurückgegangen und dürfte am Jahresschluß etwa 4 200 000 betragen. Die dem Allgemeinen freien Angestelltenbund angeschlossenen Gewerkschaften hoben sich ausgezeichnet gehalten und soweit Mitgliederverluste eingetreten sind, dürften sie nur minimal sein. Dasselbe fann man auch vom Allgemeinen Deutschen Beamtenbund sagen. Am Jahresschluß 1931, nach den furchtbaren Schlägen einer Wirtschaftskrise, die sich zu einer weltpolitischen sozialen Krise qusgewachsen hat, fann man die Zahl der Mitglieder in den freien Gewerkschaften auf annähernd 4 800 000 schätzen. Gewiß stehen diese Organisationen un schwersten Kampf und die Unterstübung ihrer arbeitslosen, franken und invaliden Mitglieder erfordert die äußerste Anspannung ihrer Finanzen, die in den letzten acht Jahren seit der Inflation angesammelt worden sind. Aber die fluge Voraussicht, mit der die Gewerkschaften bisher geführt worden sind, bürgt dafür, daß sie auch diese schwerste Kraft probe bestehen werden. gegenwärtige, aber von weit fürzerer Dauer, dann werden wir fest| stellen, daß die Position der Arbeiterflaffe trog aller Verluste wirtschaftlich und sozial heute wesentlich stärker ist, als sie damals war. Mit einem Federstrich wurde damals der Achtstundentag beseitigt, wurde unsere gesamte Sozialgesetzgebung radikal abgebaut, von dem Lohnniveau gar nicht zu reden. Gewiß hat die Reichsregierung durch ihre Politik der Notverordnungen schwere Eingriffe in die Errungenschaften der Arbeiterklasse gemacht; man tann aber heute schon sagen, daß das sozialreaktionäre Unternehmertum nicht eine reine Freude empfindet über diese Eingriffe. Mit ihren fortgesetzten und hartnäckigen Forderungen auf einen radikalen Abbau der Löhne auf den Stand von 1927 haben die Unternehmer den Vers fuch gemacht, den Teufel durch Beelzebub auszutreiben. größer als je zuvor. Dieser Staat ist aber immer noch und trotz alledem die demokratische Republit. An uns, an der organisierten Arbeiterflaffe liegt es, bei den fommenden politischen Entscheidungen mehr macht in diesem Staate zu gewinnen und dann den erkämpften Einfluß im Sinne der Arbeiterklasse zu gebrauchen. gehend auf einen Tiefstand gebrüdt worden sein: alle Bebin. Mag auch die wirtschaftliche Lage der Arbeiterflasse vorüber gungen des Sieges sind unangetastet. Das, was die Unternehmer und was die Nationalsozialisten Margismus nennen, d. h. die demokratische Republif, das kollektive Arbeitsrecht, die Sozialversicherung, alle Grundlagen eines erfolg= retchen Kampfes find erhalten. Wenn wir diese Grunds lagen nicht verliern wollen, wenn wir unseren Vormarsch wieder aufnehmen wollen, dann müssen wir uns, gestützt auf die uner. schütterten Organisationen der Arbeiterklaffe, zusammenretßen Die Unternehmer, die stets gegen den Zwangseingriff des Staates auf fozialem und wirtschaftlichem Gebiete gewesen sind, haben damit einen Präzedenzfall ohnegleichen geschaffen. Die Macht des Staates ist gegenüber dem Privatkapital heute zum Entscheidungskampf im Jahre 1932. Die Berliner stehen fest! Rückblick auf das Krisenjahr. Im Jahre 1931 haben auch die Berliner freien Gemerfidhaften bem stärksten Trommelfeuer ihrer Gegner von rechts und links standhalten müssen. Ein Jahr lang haben sie in diesem gigantischen Kampf, in dem es nur kurze Feuerpausen gab, ihre Positionen im großen und ganzen behauptet. Wenn bis jetzt auch nach fein Abschluß über die Mitgliederbewegung der Berliner| freien Gemertschaften im vorigen Jahre vorliegt, so ist doch schon foniel flar ersichtlich, daß ein starker Mitgliederverlust nicht ein getreten ist. Von den mehr als 350 000 Mitgliedern, die die frei gewerkschaftlichen Berliner Arbeiter- und Angestelltenorganisationen Ende 1930 zählten, sind zwar einige Taufend verloren; die Armee von weit über 300 000 Kämpfern, mit denen die Berliner Gewerkschaftsbewegung in das neue Jahr tritt, bildet aber eine so e herne Abwehrfront, wie sie fefter nicht zusammengeschweißt werden kann. Was zum Jahresbeginn noch in den Berliner freien Gewerkschaften Schulter an Schulter zusammensteht, ist die Elite der Arbeiterbewegung, die in entscheidenden Situationen wie von einem Gedanken beseelt handeln wird. Die Berliner freien Gewerkschaften haben im verfloffenen Jahr feine großen Siege auf lohnpolitischem Gebiete an ihre Fahnen heften können. Durch die wirtschaftliche und politische Entwicklung in die Abwehrstellung gedrängt, haben sie zähe die Errungenschaften der Nachkriegsjahre verteidigt und ihren Gegnern bewiesen, daß sie auch in der Strategie der zwed mäßigen Verteidigung keine Laien sind. Den Stand der Löhne zu Anfang des Jahres 1931 fonnten die Gewerkschaften natürlich nicht halten; ihrer hartuntere Grenze der amtlichen Lohnsenkung durch die Reichsregierung beim 10. Januar 1927 gezogen ist, während sie bestimmt schon beim Jahresanfang 1924 liegen würde, wenn sich die Gewerkschaften dem Lohnabbau nicht so hartnädig entgegengestemmt hätten. Wenn man den Blid rückwärts schmeifen läßt auf den bis herigen Ablauf der Krise, dann kann man mit Erstaunen und zunäckigen Verteidigung der Löhne ist es aber zu verdanken, daß die gleich mit einer gewissen bitteren Genugtuung feststellen, daß die Gewerkschaften im Ablauf der letzten zwei Jahre immer wieder, aber immer wieder vergebens die Wege zur Ueberwindung der Wirtschaftskrise aufgezeigt Die Kämpfe um den Lohn und tonfrete praktische Vorschläge zur Eindämmung der Arbeitslosigkeit gemacht haben. Spaltenlang fönnten wir hier anführen, waren aber nur die sichtbaren Zeichen der Betätigung der Gewie die Gewerkschaften seit zwei Jahren gegen die Verschärfung der wertschaften im vergangenen Jahre. Kaum bemerkt von den AußenWirtschaftskrise durch Kartellmißwirtschaft, fapitalistehenden, wurde in den Gewerkschaftsbüros und in Konferenz stische Fehlleitung und Lohnbrud angegangen find. zimmern um die Existenz Taufender von Menschen gerungen, für Einreihung der Arbeitslosen in den Produktionsprozeß durch Ver- die die freien Gewerkschaften der letzte Stügpunkt waren. Taufende Fürzung der Arbeitszeit, Einführung der 40- Stunden- Woche, Unter von Arbeitern, Angestellten, Rentenempfängern usm. fuchten das bindung der Ueberstunden und viele ähnliche Vorschläge sind von Arbeiterfefretariat im Berliner Gewerkschaftshaus auf, um den Gewerkschaften immer wieder gemacht worden. Zweifellos fich mit dessen Hilfe thre Unfallrente, Invalidenrente oder sonst einen wären die Gewerkschaften mit ihren Forderungen zum wesentlichen Rechtsanspruch zu erfämpfen. Nichts spiegelt deutlicher die Stei Teil durchgedrungen, wenn nicht die unheilvollen Wahlen gerung der wirtschaftlichen Not wider als die enorme Dom 14. September 1930 das Parlament arbeitsunfähig ge- 3unahme der Ratsuchenden im Berliner Arbeiterjekremacht hätten. Die Ausschaltung der regulären Funktion des Bar tariat. Laments mußte den Einfluß des Unternehmertums außerordentlich ftärken. Diese Erscheinung ist ja eine der wesentlichen Ursachen, weshalb die Nationalsozialisten als gefchworene Feinde der Demokratie die Unterstühung des Unternehmertums gefunden haben, mie sie vor ihnen noch feiner Partei zuteil geworden ist. Die nationalsozialistischen Banden, die unter dem Kommando Hitlers Deutschland unsicher machen, würden ohne die großzügige finanzielle Unterstützung des Unternehmertums niemals zusammengehalten worden sein. Erst in den letzten Monaten wurde der Kampf der Berliner freien Gewerkschaften um die Erhaltung der Berliner Facharbeitsnachweise, der schon seit Jahren unter der Oberfläche tabte, in die Deffentlich. feit verlegt, weil er durch das bekannte Gutachten des Reichssparkommissars in ein entscheidendes Stadium getreten ist. und linken Revolutionäre, die Jugend wäre nur bei ihnen, glänzend miderlegt. Arbeit gab es jedenfalls für die Berliner freien Gemertschaften im vorigen Jahre mehr als in früheren Jahren. Unermüd lich und zäh wurde diese Arbeit von ihnen verrichtet trotz der Schmähungen und Berleumdungen von allen Seiten. Die Berliner freien Gewerkschaften stehen nach wie vor unerschüttert da. Sie werden sich auch in diesem Jahre, das an lebenswichtigen Entscheidungen für die deutsche Arbeiterbewegung voraussichtlich vie! reicher sein wird als das vorhergehende, nicht zu Boden ringen lassen. Der Konflikt in der Holzindustrie. Die„ Babeho" auf Paeths Spuren. Die in der Vereinigung der Arbeitergeberverbände der Berliner Holzindustrie( Babeho") zusammengeschlossenen Berliner Holzindustriellen wollen sich offenbar von dem Tatendrang des ehes maligen Obermeisters der Berliner Tischlerinnung, Herrn Paeth. nicht überflügeln lassen. Baeth hat bekanntlich, wie wir bereits mitteilten, die Mitglieder seiner Organisation", den Bereinigten Berbänden der Berliner Holzindustrie( VBBH.) angewiefen, ab 1. Januar den Facharbeitern nur noch einen Stundenlohn von 1 M. zu zahlen, obwohl der tarifvertraglich zwar nicht mehr vereinbarte, aber bisher noch nicht veränderte frühere Tarifftundenlohn in der Berliner Holzindustrie 1,31 m. beträgt. Herr Haertlein, der Syndikus der Babeho, hat nunmehr an die Mitglieder seiner Bereinigung ein ähnliches Rundschreiben gerichtet und zugleich der Berliner Ortsverwaltung des Berliner Holzarbeiterverbandes mitgeteilt, daß sein Vorstand beschlossen habe, vom 4. Januar an die Löhne auf 1,03 M. zu reduzieren. Er stellte unterzeichnen, anderenfalls es durch Anschlag in den Betrieben dem Holzarbeiterverband gütigst anheim, dieses Lohndiktat 311 zur Durchführung gebracht würde. An die Mitglieder der Babeho hat der Synditus die strenge Anweisung gegeben, daß unter allen Umständen ab 4. Januar diese von der Babeho diktierten Löhne von 1,03 m. pro Stunde gezahlt werden müssen. Diktat zu fügen. Er hat das Reichsarbeitsministerium auf die Der Holzarbeiterverband hat es natürlich abgelehnt, sich diesem Differenzen, die sich aus diefer Handlungsweise der Unternehmer unweigerlich ergeben müssen, aufmerksam gemacht. Wie wir erunweigerlich ergeben müssen, aufmerksam gemacht. Wie wir er fahren, hat das Reichsarbeitsministerium in diesen Konflitt bereits eingegriffen und die Parteien zu Montag, 4. Januar, zu Verhandlungen geladen. Der Holzarbeiterverband erwartet deshalb von feinen Mitgliedern, daß sie in den Betrieben unter Hinweis auf die Durchführung des Lohnabbaudiftats protestieren. Zu dem Ergebnis Verhandlungen im Reichsarbeitsministerium gegen eine etwaige der Verhandlungen im Reichsarbeitsministerium nehmen die im Holzarbeiterverband organisierten Vertrauensmänner aus den Berliner Tischlereibetrieben am Donnerstag, 7. Januar, um 19 Uhr im Klubhaus in der Ohmstraße Stellung. Entsprechend dem Ausgang der Verhandlungen werden sie die notwendigen Beschlüsse faffen. Die von den freien Gewerkschaften erstrebte 3 usammen. Kurzarbeit der Angestellten im VBMJ. faffung aller Berliner Oristrantenfaffen in eine allgemeine Ortstrantentasse ist im vorigen Jahre noch nicht erreicht worden, dürfte aber im Laufe dieses Jahres von den Zeitverhält Im Herbst 1931 glaubte das Unternehmertum zum entnissen erzwungen werden. fcheidenden Schlage ausholen zu können. Es wurde die fogenannte Harzburger Front gebildet, scheinbar ein rein politisches Koalitionsgebilde zur Uebernahme der Regierung, bei deren Tagung jedoch die rheinisch- westfälischen Industriellen, die Borkämpfer der Sozialreaktion, den entscheidenden und bestimmen| den Einfluß hatten. Damals bestand die höchste Gefahr. Diefer äußerste Drud hat jedoch eine erfreuliche Wirkung gehabt, Die von den reaktionären Scharfmachern sicherlich nicht vorausgesehen mar. Sie führte zur Bildung der gewerkschaftlichen Einheitsfront, die sich im Laufe der letzten Wochen und Monate noch perstärkt und vertieft hat und die praktisch heute alle gewerkschaftlichen Organis fationen der Arbeiter. Angestellten und Beamten umfaßt. Man kann wohl sagen, daß es zwar noch Differenzen und Abschattierungen zwischen den verschiedenen gewertschaftlichen Richtungen gibt, daß aber die inneren Gegenfäße so weit überwunden sind, um jederzeit eine fchlagfräftige, unverbrüchliche Einheitsfront in Aktion zu sehen. Wenn um die Jahreswende 1931/32 die Arbeiterschaft wirtschaftlich und sozial unter den schwersten Um ständen zu ringen hat, so bietet diese Einheitsfront Die von den Berliner freien Gewerkschaften getragenen So zialen Baubetriebe find von der Krise auch nicht unberührt geblieben, stehen aber sowohl hinsichtlich der Zahl der Beschäftig ten und der Entlohnung immer noch besser da als die meisten priDaten Baufirmen. Auf Betreiben der Berliner Gewerkschaften ist neuerdings auch die Gehag an die Betreuung der Erwerbslosen bei den Kleinstfiedlungen beteiligt worden. Fortschritte in der Mitgliederbewegung hat trotz der Krise auch noch die von den Gewerkschaften und der Konsumgenossenschaft ins Leben gerufene Boltsfürsorge in Berlin gemacht. freien Gewerkschaften gleichfalls nicht untätig. Die auf Grund ihrer Im Kampfe gegen die politische Reaktion waren die Berliner Initiative in zahlreichen Berliner Lichtspieltheatern ermöglichte Aufführung des Films Im Westen nichts Neues" fand bei der werktätigen Berliner Bevölkerung stärksten Anklang. Den Kampf gegen die Nazis und Kommunisten, der besonders bei den Be triebsrätewahlen im vorigen Jahre entbrannte, bestanden die Berliner freien Gewerkschaften glänznd. fielen ihnen zu. 81,5 Pro3. aller Betriebsratsfihe Die Gewerkschaftsschule, die im vergangenen Jahre ein Jahrzehnt bestand, hatte mit über 3000 Hörern etwa die gleiche Frequenz wie im Jahre zuvor, ein Beweis, daß troß der lang an haltenden Krise unter den Gewerkschaftsfunktionären der Drang nach Bertiefung ihres Wissens nicht nachgelassen hat. die Gewähr, daß die Sozialreaffion ihr Ziel nicht erreichen wird. Gewiß hat die Arbeiterschaft Positionen verloren. Das ist eine Tat fache, die mit jeder Wirtschaftskrise in Erscheinung tritt. Wenn man sich der Wirtschaftskrisen erinnert, die dieser vorhergingen und Bergleiche zieht zwischen den Bositionsverlusten von heute und ehe Ganz besonders erfreulich ist aber, daß in einer Zeit, wo in mals, dann gewinnt man erst den richtigen Blick für die Bedeutung fast allen Organisationen die Mitgliederbewegung rückläufig ist, die und die Tragweite der Positionsverluste des Augenblids. Erinnern freigemertschaftliche Jugendzentrale berichten fann, wir uns nsr der Krise, die auf den Zusammenbruch der Mart Ende daß die Zahl ihrer Mitglieder im vorigen Jahre von rund 19 500 1923 gefolgt ist, die zwar nicht minder heftig gewesen ist wie die auf etwa 26 000 gestiegen ist, was die Behauptung der rechten Bereinbarang mit den Gewerkschaften. Der Zentralverband der Angestellten, der Deutsche Wertmeister. verband und der Bund der technischen Angestellten und Beamten teilen mit: Die bereits in der Presse angefündigten nochmaligen Berhand. lungen mit dem BBM3. über das Aurzarbeitszeit abfom men haben am 30. Dezember stattgefunden und zu folgender Bereinbarung geführt: 1. Das Sonderabfommen über Kurzarbeit vom 30. Januar 1931 wird für die Zeit vom 1. Januar bis 30. April 1932 wie folgt abgeändert: In der Ziffer 3, letzter Sah, werden statt 13 Pro3. 10 Pro3. gefeßt. Ab 1. Mai 1932 gilt das Sonderabfontmen über Kurzarbeit vom 30. Januar 1931 in der bisherigen Fassung. Noch keine Entscheidung im Einzelhandel Einzelhandels ist gestern in zweiffündiger Berhandlung eine EntIn dem Gehaltsstreit zwischen den Tarifparteien des Berliner scheidung noch nicht gefällt worden. Der Schlichter hat den Tarifparteien aufgegeben, bis zum 15. Januar 1932 weitere genaue Unterlagen über die Veränderung des Tarifsystems beizubringen. Freie Gewerkschafts- Jugend Berlin Morgen, Sonnabend, Flughafen: Jugendheim Flughafenstr. 68, Uebungsabend. Verantwortlich für Politit: Bictor Schiff: Bittfchaft: 6. Klingelhöfer: Gemertschaftsbewegung: 3. Cteiner: Reailleton: Dr. John Shilowski; Lotales und Conftiges: Kriz Karstadt: Anzeigen: Sh. Glode: fämtlich in Berlin. Berlag: Vorwärts- Verlag Sm b. S. Berlin. Drud: Borwärts- Bud brudetel und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co. Berlin GB 68. Sinden strake& Sieran 8 Beilagen. Nr. �- 49. Jahrgang Freitag, 1. Januar 1S32 Karl Kautsky: Aufgaben 1932 Hitler darf nicht an die Macht!-- Sozialdemokratie muß siegen! I Der Wert der politischen Macht In den zwei Menschenaltern chres Bestehens ist die deutsche Sozialdemokratle gar oft vor schweren Entscheidungen gestanden. Aber selten vor so tiesgehenden, wie sie das Jahr 1932 zu bringen oerspricht. Und kaum je hatten wir eine solche Fülle von Problemen zu bewältigen, die alle Lebens- fragen sind, alle in Verbindung miteinander stehen, einander in so verhängnisvollster Weise komplizieren, daß jeder Rettungsversuch bedenklich dadurch gelähmt wird. Eine furchtbare Wirtschaftskrise bringt gewaltige Notstände für die gesamte kapitalistische Welt. Nur Sowjetrußland ist von dieser Krise verschont, dafür leidet es unter einer Krise anderer Art. In den kapitalistischen Ländern hungern zeitweise die Men- scheu, well sie zuviel produziert haben. Im bolschewistischen Rußland hungern sie dauernd noch viel mehr, well sie zu wenig produzieren. In der kapitalistischen Gesellschaft treten unausweichlich von Zeit zu Zeit Krisen der Ueberproduktion ein. Aber noch keine war so intensiv und so umfangreich wie die jetzige, die 1929 begann� Noch keine umfaßte so viele Länder, so viele Produktionszweige, noch keine erzeugte eine so weitgehende Arbeitslosigkeit. Wo das Proletariat politische Macht errungen hat. werden die Krisen gemildert durch Arbeitslosenoer» sicherungen, Arbeiterschutzgesetze sowie durch das Wirken starker Gewerkschaften und Verwaltungs- maßregeln der Staatsgewalt. Dagegen werden die Krisen verlängert und für die Arbeitertlasis oerschärft überall dort, wo das Kapital die politische Macht besitzt, namentlich die mit den Großagrariern verbündeten Finanzkapitalisten. Sic suchen alle Errungenschaften der Arbeiterschaft zu ver- Nichten, dafür aber durch Kartelle Hochschutzzölle und staatliche Subventionen die Anpassung der Preise an die Bewegungen des Weltmarktes und damit die Vermehrung des Konsums, des Absatzes zu verhindern, die ileberwindung der Krise zu hemmen, bloß um für sich Sondervorteile auf Kosten. der Ge- samtheit einzuheimsen. Das Elend der Friedensverträge Zu diesem Elend der Krise gesellt sich für die meisten Staaten, die in den Weltkrieg eintraten, das Elend der Friedensverträge, namentlich ihrer ökonomischen Bestimmun- gen über die Reparationen. Auf ebenso kurzsichtiger wie brutaler Gewalt der Sieger aufgebaut, haben sie nicht eine Aera des Friedens und der Freundschaft zwischen gleichberechtigten freien Nationen her- beigeführi, fondern den Gegensatz zwischen Siegern und Be- siegten ins Unabsehbare über den Friedensschluß hinaus auf- rechterhalten. Das gilt namentlich von den Tributlasten, die der Versailler Frieden dem Deutschen Reich auferlegte. Sie wirkten verheerend, nicht bloß durch ihre Höhe, sondern auch � durch die Länge des Zeitraumes, über den sich die Abzahlung! der Reparationsschuld gerade wegen ihrer Höhe erstrecken\ mußte, und nicht minder durch ihre anfängliche Unbestimmt- heit. Mit den Gegensätzen zwischen Siegern und Besieoten blieb auch ein Gefühl der Unsicherheit in den Verhältnissen zwischen den Staaten bestehen, das nicht gemildert, sondern gesteigert wurde, als an Stelle des guten Einoernehmens zwischen den Siegerstaaten gar manche Reibungen zwischen ihnen auftauchten. So oerbinderten die Friedensverträge, die allgemeine Abrüstung in Aussicht stellten, deren Durchfuhrung. Die Rüstungslasten der Sieger mindern sich nicht, sie wachsen vielmehr. Daher bringen die Reparations- zahlungui, die Deutschland an den Rand des Abgrundes drängen, diu Siegern nicht einmal die Verminderung der un- geheuren Kftzgsschuldcn, die sie aufgenommen haben. Reparationm, Kriegsschulden, Rüstungslasten. Miß- trauen der Staann gegeneinander, allgemeine Unsicherheit oermehren noch das grenzenlose Elend der Wirtschaftskrise und erschweren jegliche GejundungMdes Produktionsprozesses. Alle leiden unter diesem Zustand, Sieger wie Besiegte, am meisten aber das Deutsche Reich. Der Messias und seine Leute Ueberall herrschen anormale Verhältnisse, alle über- kommenen Autoritäten sind erschüttert, alle bisherigen Er- fahrungen scheinen nichtig, alles politische und ökonomische Wissen unbrauchbar, haltloser Zweifel und wilde Verzweif- lung bedrängt die Gemüter. Alles das schafft eine geistig? Atmosphäre, in der die einen jeglichen Glauben an die Welt verlieren, indes in den anderen wieder aus Verzweiflung und dem Zweifel an den Realitäten der Welt ein neuer Köhler- glaube an irreale Dinge emporwächst, der ihrem heißen Be- dürfen das bringen soll, was sie in der Wirklichkeit vergeblich ersehnen. DerGlaubeanWundertäterinder oder jener Farm ersteht, an Gesundbeter, Goldmacher usw. Jeder Scharlatan findet seine Gläubigen, wird als Retter, als Messias begrüßt, auch wenn er keine Wunder wirkt, sondern nur über genügend Selbstbewußtsein und Frechheit verfügt. solche zu versprechen. In Deutschland ist augenblicklich unter diesen Stroh- Halmen Hitler derjenige, an den sich die meisten haltlos ge- wordenen Elemente anklammern. Dieser Wunderdoktor findet heute noch weit mehr Zulauf als vor kurzem etwa noch Zeileis. Er langt bereits nach der Macht im Staate, um das deutsche Volk seiner Eisenbart-Kur zu unterwerfen. Nament- lich der verarmende Mittelstand, doch auch nicht wenige Arbeiter strömen ihm zu. Die Kapitalisten aber und die Groß- agrarier unterstützen Hitler vor ollem deswegen, well er- in selbständig denkenden, unterrichteten und demokratisch organi- sierten Proletariern seine gefährlichsten Gegner sieht. In seinem Haß gegen alle Proletarier, die sich nicht kaufen und willenlos kommandieren lassen, trifft er sich mit den großen Ausbeutern. Hitler darf nicht an die Macht! Manche unserer Freunde meinen, man sollte nur die Nationalsozialisten aus Ruder lassen, sie würden bald ihre vollständige Unfähigkeit darlun und rasch abwirtsäiaften. Sein Zweifel, das wird eintreten. Aber sie werden dabei ebenso unzweifelhaft das ganze deutsche Volk iu Grund und Boden hineinwirtschaften, und je mehr darob die Opposition gegen sie wächst, um so mehr werden sie ihr Gewaitregime verstärken, den Terror immer intensiver ge- stalten. Darauf lief noch jede Diktatur hinaus. Allerdings so bequem wie Mussolini würde es Hitler nicht haben, wenn er an die Macht käme. Das Proletariat ist in Deuischland weit stärker, geschulter und besser organi- fiert als in Italien. Und Mussolini ergriff das Ruder in einer Zeit relativer Prosperität. Italiens außenpolitische Lage war damals auch eine günstige. Hitler fände heute eine durch ihn selbst noch verschärfte Krise mit entsetzlicher Arbeitslosigkeit vor. Hiller würde bald vor unüberwindlichen Schwierigkeiten stehen, die er nicht bewältigen könnte, die immer mehr seine Anhänger enttäuschen, von ihm abstoßen müßten. Doch frei- willig könnte er das Staatsruder nicht aus der Hand geben, denn die Schandtaten, die er zu sühnen hätte, wenn er wieder einfacher Bürger würde, wären zu groß und zu zahlreich. Nur in verzweifeltem Ringen, in furchtbarem Bürger- krieg müßte die Demokratie wieder hergestellt werden. Damit würde wohl die Grundlage neuen Aufstieges für Deutsch- land wieder gewonnen, aber erst nach entsetzlichen Zerstö- rungen. Ehe man es dazu kommen läßt, ist es dock) dringend geboten, alle Kräfte aufzuwenden, Hitler nicht an die Staats- macht gelangen zu lassen. Demokratie ist nicht bloß Form! Man sieht, das kommende Jahr wird eine Fülle von Kämpfen bringen. Kämpfe um Erhaltung der sozialpolitischen Errungenschaften der Revolution, um Reduzierung und schließ- liche Streichung der Reparationen und Kriegsschulden, was ohne ökonomische Gefahr am ehesten durch allgemeine Ab- rüstung zu erreichen ist. Kämpfe endlich um Erhaltung der Demokratie, die nicht eine bloße Form ist. sondern einen sehr wesentlichen Inhalt hat. Geht die Demokratie ver- loren. so fallen mit ihr die A r b e i t s l o s e n v e r s i ch e- r u n g, der Achtstundentag, die Betriebsräte, die Kollektivverträge, sogar das S t r e i k r e ch t. Ohne sie ist aber auch eine Herabsetzung der Rüstungen nicht zu erreichen. Ohne sie bleiben dann olle die Lasten, Gegensätze, alle Quellen von Mißtrauen und Unsicherheit m den inter- nationalen Beziehungen bestehen, die in einer auf dem Kredit- wesen aufgebauten Wirtschaft jede wirtschaflliche Gesundung unmöglich machen. Die Krisis der Demokratie findet aber heute ihren Hauptherd im Deutschen Reich. Die Frühjahrs- mahlen dieses Jahres lassen ihren Ausbruch erwarten. Sie können über das Schicksal nicht nur des deutschen Volkes, sondern über das Europas entscheiden. Zwischen München und Moskau Wäre das Proletariat im Reiche einig, es würde ohne Widerrede den' Charakter des Staates bestimmen Leider aber ist das ehedem so geschlossene deutsche Proletariat durch Krieg und Kriegsfolgen aufs tiefste zerklüftet worden. Ver- zweiflung und Unwissenheit haben wilde Wut in nicht wenigen Proletariern entfacht, gar manchem aber die Fähigkeit selb- ständigen Denkens geraubt. Die wilden Männer unterwerfen sich gedankenlos dem Kommando von Gauklern, die ihnen ein Eldorado vorschwindeln. Sie unterwerfen sich einerseits dem Kommando des Potentaten des Moskauer Kreml, anderer- seits dem Kommando des Potentaten im Münchener Braunen Haus, der selbst wieder nur ein Kommis der Schwerindustrie ist. Durch nichts wird die proletarische Sache in Deutschland mehr gefährdet als durch jene Proletarier von rechts und links, die nicht merken, daß sie nichts find als Kanonen- futter für fremde Zwecke. Unter ihnen die größte Gefahr für die Demokratie sind die Nationalsozialisten. Die Kommunisten schwächen die demokratische Front, gefährden sie nicht. Die wirkliche Gefahr steht rechts. Wir sind die Kraft! Die klassenbewußten selbständig denkenden, in freien Or- ganisationen vereinten, von selbstgewähllen Führern geleiteten Proletarier bilden nur einen Teil des gesamten deutschen Proletariats. Doch machen sie immer noch die große Mehrheit der Arbeiterklasse aus, und sie stehen über ihren Gegnern von rechts und links durch höhere Einsicht, höhere Moral. Sie wissen dadurch ihre Kräfte auf das Mögliche und Notwendige zu konzentrieren und gewinnen erhöhte Kraft durch Vermeiden jeder Kraftverschwendung. Das Streben nach Wahrheit und Klarheit bringt uns aber auch moralisch nicht bloß intellektuell große Ueberlcgenheit. Die Leidenschaft, die uns beseelt, ist nicht blindes Wüten, das wild um sich schlägt, ohne zu sehen, wohin es trifft und was es erreicht. Die Kämpfer der Sozialdenwkratie werden endlich auch dadurch moralisch gehoben, daß sie große Ziele für die Gesamtheit ver- ! fechten, die ihre Selbstlosigkeit und Opferwilligkeit geivaltig steigern. Die Kämpfer Hitlers werden dagegen zumeist durch per- sönliche Vorteile verlockt, die sie von ihm erwarten. Elemente dieser Art halten zusammen, solange Erfolge winken. Nieder- lagen können sie nicht vertragen. An Wissen, Erfahrung, Selbständigkeit des Urteils, Opfer- mut den Hakenkreuzlern überlegen, haben wir alle Ursache, den Kampf mit ihnen nicht zu scheuen, wenn wir uns nur eines zu erhalten wissen: die Einigkeit in unseren Reihen. Wir sind verloren, wenn wir uns zersplittern. Wir haben die beste Aussicht auf Sieg wenn wir fest zu- sammenhalten. Stets war Einigkeit unentbehrlich für unsere Selbstbehauptung gegenüber einer Welt von Gegnern. Heute ist der Zusammenschluß wichtiger als je. Heute von der ge- meinsamen Fahne zu desertieren, ist schmählicher Verrat. Doch die Massen haben vollauf begriffen, was ihre Pflicht ist, und das darf uns volle Siegeszuveriicht verleihen. Trotz aller Verschiedenheiten zwischen rechtem und linkem Flügel, die es immer gab und geben wird, war unsere Partei nie so einig und geschlossen wie jetzt. Und eng vereint mit ihr kämpfen die freien Gewerkschaften. Diese Orgauisakionea der selbständigen proletarischen Kämpfer sind der Kern, um den sich entschlossen immer mehr alle jene scharen, die für die demokratische Republik alles aufzubieten bereit sind. Und die gesamte Arbeiter-Jnteruationale stellt sich ein- mutig auf die Seite dieser..c i s e r n e n F r o n t". hinter den Kämpfern für die Demokratie in Deutschland steht die gesamte Demokratie der Well, denn der Sieg über den deutschen Fa- schismus bedeutet einen Sieg über den Faschismus auch außer- halb Deutschlands. Um das Geschick des deutschen Proletariats, des deutschen Volkes, um die Gesundung der Welt wird in diesem Zahr ent, scheidend gekämpft werden. Da gilt es, alle Kraft aufzu- wenden, bis zum letzten Atemzug zu kämpfen, auf daß an der eisernen Front alle Anschläge der tückischen Volksfeinde zer- schellen und der Ausstieg zu einem besseren Sein beginne« kann. Das Wichtigste für-1932: Neue Arbeit! Sie muß und kann beschafft werden. Klar sehon und alle Möglichkeiten restlos ausschöpfen, um in Deutschland mehr Arbeitsgelegenheit zu schaffen, das ist die nächste Ausgabe im Jahre 1932. Wir beginnen dieses Jahr mst erheblich mehr als 5 Millionen Arbeitslosen. Die Arbeitslosigkeit erzeugenden Störungen in der Weltwirtschaft und Weltpolitik außerhalb Deutsche lands kann die deutsche Staats- und Wirtschaftspolitik nicht be- sättigen. Die Fragp aber ist. ob nicht noch Arbeitslosigkeit erzeugende innerwirlschaftliche Störungen vorhanden sind, deren Beseitigung durch innerdeutsche Wirtschaftspolitik neue Arbeil schaffen könnte. wir bejahen diese Frage. Die letzt« Notverordnung hat viele Schönheits- und Denkfehler. Wir haben mit miserer Kritik nicht zurückgehalten. Aber sie hat— das erstemal im Zuge aller Notverordnungspolitik— durch große und dabei echt v o l k s w i r t f ch a f t l i ch e Z i e l e. Die Möglichkeiten richtiger Kalkulation für Erzeuger und Verbraucher sollen nicht wieder zerstört werden, wie es in der In- slation geschah. Dem dient der unerschütterliche Wille zur Auf- rechterhaltung einer soften Währung, wie er als Grundakkord— trotz aller Dissonanzen im einzelnen— die Vierte Notverordnung durchzieht. Zwettens soll Zeit gewonnen und eine Be- wegungsreferve geschaffen werden, um den gefährlichen Folgen der Währungserschütterungen in der übrigen Welt für die deutsche Wirtschaft begegnen zu können. Dem dient die allgemeine Produktionskosten-, Zins- und Preissenkung, auch auf mono- polistilchen Gebieten, und der Grundsatz, daß die Rcalkaufkraft des Arbeitseinkommens nicht gesenkt worden soll, womit grundsätzlich auch die Kaufkraftcrhaltung im deutschen"Binnen- markt als Kraftquelle für die deutsche Konkurrenzfähigkeit beim Export proklamiert wird. Es ergibt sich aber sofort: Das höchste, was die Vierte Notverordnung volkswirtschaftlich leisten kann, ist die Verhinderung einer weiteren Produttions- droiselvng und der Entstehung ncner Arbeitslosigkeit. Nene Arbeit kann sie schwerlich schaffen. Wenn nun als Mittel zur Schaffung neuer Arbcll nur die Beseitigung innerdeutscher Wirtschaftsstörungen gegeben ist, dann mutz die Frage beantwortet werden, ob wir in Deutschland eine höhere Arbeitslosigkeit haben, als sie ohne solche innerwirtschaftlichen Störungen vorhanden zu sein brauchte. Es muß ferner die Frage beantwortet werden, ob die kapital- mäßigen Möglichkeiten zur Beschaffung neuer Arbeit gc- geben sind. Beide Fragen sind zu bejahen. Wir wissen heute, daß zwischen und 2 Milliarden Mark deutsche Krcdtte— in erster Linie durch Fehl- investiiionen eingefroren sind. Wir wissen ferner, daß etwa Milliarde» Mark ausländische Kredtte insgesamt seit fünfviertel Jahren zurückgezahlt worden sind, ohne daß sie ersetzt wurden. Die Kaufkräftsteigerung des Geldes fett herbst 1929. fett dem Ausbruch der Weltkrise ist zu berücksichtigen. Es bleiben dann etwa 5 Milliarden Mark, die der deutschen. Kreditwirtschast Mn/weiin der gleichc Umsatz wie vor Ärisenausbruch-zu-bewäl- tlgen wäre. Wir wissen serner aus der Praxis, daß wegen des Einfrierens der Großkredite massenhaft Produktions- und Handelsbetriebe ohne Kredit bleiben, obwohl sie auch unter normalen Krisenverhältnissen als kreditwürdig anzusehen wären. Auch wenn man neben der Kauskraststeigerung des Geldes (durch Preissenkung) noch eine krisenmäßigc generelle Umsatz- schrumpfung von 2ö Proz. annimmt, fehlen immer noch 3% Mil- Uarden Mark im deutschen Kreditsystem, um die jetzt während der tiefsten Depression möglichen volkswirtschaftlichen Umsätze zu finanzieren. Nun hat die R e i ch s b a n k seit dem Juli gewiß große Ersatz- krsdite geschaffen. Sie mußte den Banken helfen, deren Großkrehtte eingefroren waren, den Sparkassen, um deren Bewegungsfähigkett gegenüber der Beunruhigung der Sparer zu sichern, hier handelt es sich um Beträge von mindestens 1.4 Milliarden Mark(die bis- kontierten und heute noch verlängerten Finanzwechsel der Banken eingerechnet). Dennoch aber fehlt in Deutschland heute sicher noch eine Äredil- summe in der größten Klasse von mindestens 2 Milliarden Mark. Damit ergibt sich det Takbestand einer von der Konjunktur unabhängigen Kreditdeflation. Diese Kreditdeflation legt mehr Betriebe nnd Arbeitskräfte still, als es konjunkturell nötig wäre. Wir haben als Folge innerwirtschaftlicher Slörnngsursachen also auch eine große zusätzliche Arbeitslosigkeit. Diesen Tatbestand zu ändern, hat die Vierte Notverordnung noch nicht ins Auge gefaßt. Das ist ihre große Lücke. Diese Lücke gilt es im Jahre 1932 baldigst zu schließen. Um die Lücke zu schließen, ist K a p i t o l, i st Kredit not- wendig. Dieser Kredit ist vom Ausland noch nicht wieder zu haben, sicher noch nicht, in den ersten Monaten 1932: Ob er durch Anleihen im Inland zu beschaffen sein wird, ist eher mtt nein als mtt ja zu beantworten. Fragt sich, woher das Kapital zu nehmen i st. hier ist nun zu beachten, daß wenigstens ein sehr großer Bruchteil der eingefrorenen 1� Milliarden Großkrcdite mobilisierbar wäre, wenn die bei den betreffenden In- dustrien beretts eingetretenen Verluste schon realisiert wären, und zwar durch entsprechende Abschreibungen om eigenen Kapital. Es ist heute beabsichtigt, diese Kapitalabschreibungcn allmählich, d. h. in einigen Jahren durchzuführen. Die jetzt Angefrorenen Kredite werden also einmal mobilisiert werden und wieder zur Per- sügung stehen. Die Gläubigerbanken, d. h. heute letzllich die Reichs- dank, ist also gewissermaßen im Besitz einer in einigen Jahren zu tilgenden Kredithypothet. Wenn deren Tilgung gesichert ist, wäre die Reichsbank berechtigt, die entsprechende Summe von ihren Wechselbeständen als für die heutige volkswirtschaftliche U m» satzfinan zierung nicht effektiv abzusetzen und sich zu fragen, ob der heute vorhandene Notenumlauf, der schließlich das für die Warenumsätze wirksame Kreditvolumen be- stimmt, für die tatsächlich möglichen und volkswirtschaftlich berechtigten Warenumsätze ausreichend ist. Ferner ist zu beachten, daß im heutigen Notenumlauf der Reichsbank. eine Summe von 1000 bis 1Z00 Millionen enthalten ist, die ebenfalls dem volkswirtschaftlichen Waren- umsatz entzogen sind. D<» sind die gehamsterten Noten. Alil den eingefrorenen Krediten zusammen, die von der Reichsbank durch Kredite und Notenausgabe bevorschußt sind, ergibt sich also eine Summe von ZL bis 2,7 Milliarden Mark, die zwar im Notenumlauf erscheint, aber zum weitaus größten Teil nicht den laufenden volkswirtschaftlichen Warenumsätzen zur Verfügung sieht. Die Reichsbank hat sich also zu fragen, ob nickst tatsäckstich— auch unter Einrcchnung der neu ausgegebenen Scheidemünzen— der für Warenumsätze effektiv Geldmnlauf und die dementsprechende Kredttsumme um Milliardenbeträge zu gering ist und ob nicht hier in der Tat die Ursache einer künstlichen, volkswirtschaftlich nicht gerechtfertigten Produttionsdrosselung mit zusätz- licher Arbeitslosigkeit zu erblicken ist. Die Kreditdeflation, von der wir oben gesprochen haben, dürste hier ihren praktischen Ausdruck finden. Hier wäre aber auch der Hebel, von wo aus die Kredudestation zu besettigen und neue Arbeitsgelegenheiten zu schassen wären. Damtt sind das Problem und die Richtung aufgezeigt, in der man zu neuer volkswirtschaftlich gerechtfertigter Arbeitsbeschasfuiig kommen kann. Tatsach» jst, daß Deutschland eine kapttalmäßige Autarkie auf längere Zeit auf- gezwungen ist, zu der seine Produktionsüstensität und Bevölkerungs- massc in um so größerem Widerspruch stehen, als ausläudijche Kapitalentzüge und inländische Fehlanlagen von vielen Milliarden das verfügbare Krediwolmnen bis zur Krsdttnushungerung be- schränken. Tatsache ist, daß die Reichsbank— und zwar Zwangs- läufig— nicht mehr nur Notenbank zur Kredit regelung, sondern die einzige Bank zur Kredtt s ch ö p s u n g ist und daß sin völliger Funktionswechsel der Reichsbank mtt dem Zwang zur tapttalmähigen Autarkie Deutschlands eingetreten ist. Äine Krisenbilanz. Produktionsschrumpfung in der Stahl- und Eisenindustrie. Die Schärfe der Weltkrise tritt besonders drastisch in der Stahl- und Eisenindustrie tu Erscheinung, da diese eines der wichtigsten Produktionsmittel erzeugt. Der Rückgang gegenüber dem letzten Konjunktnrjahr 1929 wird in dem jetzt abgelaufenen Sriseajahr 1931 um so deutlicher, als bei der Schwerindustrie die inler- nationale Krise, von wenigen Ausnahmen abgesehen, schon im Tahre 1930 voll wirksam wurde und dementsprechende Rückschläge in Produktion und Absatz mil sich brachte. Eine Untersuchung des Vereins Deutscher Eisen- und Stahl- industrieller über die Eistwicklung der Stahl- und Eisenproduktion ergibt folgende Ziffern: 1929 1930 1931 1929 1930 1931 Rohstahl in Mill. To. Roheisen in will. To. wclkprodnklion. 122,0 95.5 70,2 98,7 79.9 54,6 Europa... 59,0 49.5 39,8 50,0 43,4 33,0 Deu schland.. 16,2 11.5 8,3 13,4 9,6 6.1 USA..... 57,8 41,6 27,0 43,3 32,2 18,7 Diese Zahlen sind außerordentlich instruktiv. Die W e l t- Produktion von R o h st a h l hatte schon 1930 gegen 1929 einen Rückgang um 21,7 Proz. und bei Roheisen um 19 Proz. auf- zuweisen. Im Laufe des letzten Jahres ist sie wetter derart stark gesunken, daß d i o Stahlwerke der Welt nur noch 57.3 Proz. und die Hochöfen nur noch 33,3 Proz. der Produktion vom Jahre 1929 herstellten. In den drei wichtigsten Industrieländern der Welt, den Vereinigten Staaten von Amerika, Deutschland und Großbritannien, kommt die Produktionsschrumpfung am stärksten zum Ausdruck. So ist die deutsche Stahlerzeugung im letzten Jahr gegen 1929 aus 51,1 Proz., die englische aus 52,1 Proz, und am schärfsten die der V e r- einigten S.ta.ate» auf 46.7 Proz. gesunken. Bei der Roh- eisengewiliiiung der Hochöfen ist das Absinken der Produktions- kurve noch stärker, denn hier ging die deutsche Produktion gegen 1929 auf 15,5 Proz., die englische auf 49 Proz. und die amerika- nische aus 43,2 Proz. zurück. Bemerkenswert ist, daß Frank- reich, das im Jahre 1930 noch eine glückliche Konjunkturinsel darstellte, im Laufe des letzten Jahres gleichfalls, wenn auch nicht in dem gleichen Umfang wie die beretts erwähnten drei Hauptiistuftrie- länder, in den Strudel der Krise gezogen wurde. So blieb die Stahlproduktion Frankreichs noch 1930 mit 9,4 gegen 9.8 Millionen Tonnen im Vorjahr fast unverändert, und das gleiche ist bei der Eisenproduktion im Jahre 1930 mit 10,1 gegen 10,3 Mil- llonen Tonnen festzustellen. Im letzten Jahr aber ging die Stahl- Werksproduktion aus 79,6 und die Leistung der Hochöfen an Roh- eisen auf 79,1 Proz. der Produktion von 1929 zurück. Bemerkenswert ist, daß infolge des besonders scharfen �Kon- junkturabschwungs in den Vereinigten Staaten stch das Verhältnis zwischen der europäischen und der amerikanischen Produktion sehr stark zuungunsten der Vereinigten Staaten ver- schoben hat. Während 1929 bei einer europäischen Stahlproduk- tion von 59 Millionen Tonnen und einer Stahlproduktion in den USA. von 57,8 Millionen Tonnen nur eine Differenz von 1,2 Mil- lionen Tonnen ergab, ist diese Differenz im letzten Jahr auf 12,8 Millionen Tonnen zuungunsten der Vereinigten Staaten ongc- wachsen. Bei der Roheisenerzeugung hat sich sett 1929 die Differenz zwischen den USA. und Europa von 6,7 auf 14.3 Millionen Tonnen zuungunsten Amerikas erhöht. Das einzige Land, das eine steigende Produktion sett 1929 aufzuweisen hat, ist R u ß l a n d. wo zwar gegen 1930 auch ein Rückschlag eingetreten ist. aber immerhin gegenüber 1929 infolge des Fortschreitens des schwerindustriellen Äusbaus Produktions st eigerungen um 6 bis 8 Proz. crziett wurden._ Wodka in Rußland. Der Verbrauch ist auf die Halste der Vorkriegszeit gesunken In Ruhland war vor dem Kriege der landesübliche 40prozen- tige Wodka ein Aolksgetränk mit schr unwillkommenen sozialen Folgen. Mit dem Kriegsausbruch erfolgte ein völliges Verbot für den Wodkagenuß: in den ersten Iahren des Sowjetregimes wurde das Wodkaverbot auch auf alle anderen alkoholischen Getränke aus- gedehnt. Zllvr nach Beendigung der Bürgerkriege und mtt der Einführung der neuen Wirtschaftspolitik wurde auch ein beschrankter Wadkaverkaus wieder gestattet, da man inzwischen klar erkannt hatte, daß das völlige Schnapsverbot undurchführbar war. Massen- Haft wurden minderwertigste, oftmals geradezu gesundhettsgesähr- lichs Oualitätan„schwarz" gebraut. Mtt dem Gesetz vom 4. Oktober 1925 kam man auf die 40prozentige Vorkriegsqualität wieder zurück. Herstellung und Verkauf von Wodka sind Staatsmonopol, der Hau- d-l an den staatlichen Derkauststellen ist obendrein einer Reihe von einschränkenden Bestimmungen untermorfem So darf Wodka z. B. mchi verkauft werden m der Nachbarschaft von Fabriken und Ka- fernen, nicht an den Tagen, wo Lohngelder ausgezahlt«erden. auch nicht an Feiertagen ux-d den gesetzlich festgelegten pplitischer- Fosttcigen. Die Heimfabrikotion(Schwarzbetrieb) von Wodka wird als Staatsverbrechen geahndet, aber es ist ein offenes G-ehoannis, daß immer noch bedeutende Mengen in Schwarzbelrisben auf dem Lande hergestellt werden. Allerdinas soll aus Gründen der Knappheit und immer rigoroserer Erfassung der Rohmaterialien der Umfang der Ächwarzdetriebe von Jahr zu Jahr nachlosien. Verglichen mtt den Lorkriegspreijen ist der Kaufpreis honte mehrfach so hoch Eine Flasche Wodka von etwa weniger als Liter hat heute bei den staatlichen Monopoloerkaufsstellen einer. Grundpreis von 4 Rubel. Die reine Staatssteuer für jeden verkauften Liter Wodka beträgt 2 Rubel 80 Kopeken, daneben muß der Wodka aber auch noch sehr oft als Steuerquclle herhallen für lokale Finanzbedürfnisse. Im Jahre 1930 wurden in Rußland 619 635 000 Ltter Wodka verkauft und davon entfielen ziemllch genau«in Drtttel auf die städtischen und zwei Drittel aus die ländlichen Verkaufs- stellen. Dem stand im zarisuschen Rußland von 1913 ein Derbrauch von 1 267 130 000 Litern gegenüber. Ein paar feinere, doppelt gebrannte Sorten, wie z. B. der „Zubrovka", sind in diesen Zahlen nicht enthalten: aber hier handelt es sich auch nur um wenige Millionen Ltter, die weder für die All- gemsinheit noch für das Bild in: ganzen wesentlich sind. Die Sowjetbehürden rühmen jedenfalls nicht ganz mtt Unrecht. daß der Wodlaverbrauch im revolutionären Rußland pro Kopf der Bevölkerung auf unter die Hälfte des Vorkriegsverbrauchs zurück- gegangen ist, daß dieser Erfolg um so größer zu veranschlagen sei. da die Bevölkerungszunahme von Jahr zu Jahr eine recht beträchi- liche fei. Tatsächlich stimmen denn auch di« Beobachter darin überein, daß heute m Rußland Trimkenhett weniger in Erscheinung tritt als zu den zaristischen Zeiten. Jedenfalls ist sett 1927 das Bestreben der Sowjetregierunz darauf gerichtet, die Herstellung und den Verkauf von Wodka in einem begrenzten, festgeleziku Rahmen zu belassen. L— x. Lohnabban nnd Konfnmabsatz. Im Spiegel der WocheAunkäSe. Die Umsätze der Konsumgenossenschaften und die Kaufkraft Vr Massen sind zwei untrennbare Begriffe. In den monatlich en Bcr- öffentlichungen des Zentraloerbandes deutscher Konsumvereine tritt in aller Schärse zutage, wie- der Wahnsinn des Lohnabbaues die Kauskraftbasis der werktätigen Massen von Monat zu Monat verengert. In dem jetzt vorliegenden Bericht für den Monat November ist der durchschnittliche Wochenumsatz je Mitglied der Konsumgenossenschaften auf 6,41 M. zurückgegangen, während im November 1930 der Durchschmttsumsatz je Wache nock) 8,40 und im klloveinber 1929 sogar noch 9,69 M. betrug. Wem: die durch- schnittlichen Woche nmnsätze jedes einzelnen Mttgliedes auch nicht als Wertmesser der gesamten konsumgenossenschastlichen Umsatz- emwicklung angesehen werden können— die dem Zentraloerband angeschlossenen Genossenschaften erlitten z. B. in den ersten neun Monaten des Jahres 1931 nur einen gesamten Umsatzverlusr von 11,4 Proz.—, so zeigt das anhaltende Absinken der Massenkauskrast, so wie es sich in den Umsatzziffern des Konsums wiherspiegett,«in erschütterndes Bild von der einseitigen Abwälzung der Krisenlasten auf die Schullern der werktätigen Bevölkerung. Die Lebenshalinngetofien. In Deutschland und im Auslande. Die Reichsindexzlffer für die Lebeushalkungskosten (Ernährung, Wohnung. Heizung, Beleuchtung und sonstiger Ledarss beläuft sich nach den Feststellungen des Slalisiischen Reicheamls für den Durchschnitt des Monats Dezember aus 130,4 gegenüber 131.9 im November und 133 im Oklober<1913_ 100). Im Dezember beirägl der Rückgang gegenüber dem Vormonat also 1.1 p'0)- hauptsächlich sind an dem Rückgang die Gruppen Ernähruv-l und Bekleidung beteiligt, und zwar gingen die Zndcxzifsera lür Ernährung um 1,6 aus 119,9 Proz. und für Bekleidung 2,1 aus 129,1 gefallen. Außerdem ist der Index für„sonWu Ledorf" um 0,6 Proz. aus 180,5 gesunken. * International hat sich unter dem Einfloß der kredittrise im vergangenen Jahr die verschärfte Aüsatzben-kzung der Großhandel-:- preise auch auf die Preise im Kleinhandel übertragen, so ist die um die Jahresmitte 1931 vioksach verlangsamte konjunkturelle Senkung der Lcbe-ishallunpekostcn im Laufe des dritten Bierteljahres 1931 wieder stärker in Schwung gekommen. Unter Ausschaltung der saisonmäßigen Steigerungstendenzen in diesem Zeitabschnitt ist mit Ausnahm- von Lestsrreich. Ungarn und Luxem- bürg in der Mehrzahl der Länder eine verschärft sinkende Bewegung festzustellen. Am stärksten sind die Lebqiwhallungskosten während der letzten Monate in Frankreich gssunlen. Diese Bewegung kann als«ine beschleunigte Anpassung des Preisniv-aus an dassenige der übrigen Länder angesehen werden, da in Frank reich noch bis Ende 1930 ein Ansteigen der Lebenshallung: tosten zu bemerken war. Im einzelnen sanken die Preise in Deutschland— di' Hiar förngfe an•»• beuge vor— gurgle trocken mit. � tt~ JetctWa.'ÖM. In Klammern gefeßten Siffern geben den Preisstand vom Sep| dendensägen gerechnet werden. Nach vorliegenden prinaten tember 1930 wieder auf 125( 142) für Ernährung und auf 134 Schäzungen werde aber der intershall Ronzern immer ( 147) für die Lebenshaltung überhaupt. In Frankreich behin noch 5 bis 6 Braz., Westeregeln und Aschersleben trugen die Ernährungsfosten in Gold umgerechnet 123( 128) und etwa 7 Broz. und Salzbethfurt vermutlich sogar noch die Lebenshaltungskosten 115( 121), in Großbritannien er 10 Proz. Dividende ausschütten. Unflar ist die Lage noch bei dem mäßigten sich die Ernährungskosten auf 128( 143) und die Lebens. Burbach Ronzern( Korte), da hier die Entscheidung von der haltungsfoften auf 145( 156), wobei zu berücksichtigen ist, daß weiteren Entwicklung der Delförderung abhängig ist. irgendwelche Auswirkungen des Pfundsturzes bis zum Abschluß Dieser Untersuchung Ende September noch nicht in Erscheinung treten. Berhältnismäßig wenig find die Lebenshaltungskosten in den Niederlanden gefallen, die mit 151( 162) und die Ernährungsfoften mit 137( 153) einen hohen Stand behaupten. Relativ teuer ist auch die Schweiz mit einem Index für Lebenshaltung von 149( 159) geblieben, während Bolen mit 104( 117) bei den Lebenshaltungsfoften nahe an den Friedensstand herangerüdt ift. Sehr start sind auch in den Bereinigten Staaten die Ernährungsfosten gefunten und zwar in der Bergleichszeit September 1930/31 von 146 auf 119, während die gesamten Lebens battungsfoften mit 137 im August 1931 gegen 153 im September 1930 sich starrer gezeigt haben. Zuversichtliche Kaliindustrie. 3 Auch das Krisenjahr 1931 bringt Dividenden. Wie alljährlich, bringt auch diesmal die alibant, Gebrüder Dammann in Hannover, zum Jahresende einen gesamten Bericht über die Entwicklung im Kalibergbau. Benn auch die Kaliindustrie durch die deutsche und noch mehr durch die internationale Agrarfrije in Mitleidenschaft gezogen worden ist, so hat sie sich doch weit frisen fester erwiesen als andere Grundstoffindustrien. Wenn man den Dezemberabsatz des Kalisanditates, deffen Ziffern noch nicht vorliegen, auf etwa 500 000 Doppelzentner Reintali schäßt, wird sich der Gesamtabsatz im Jahre 1931 auf rund 9 700 000 Doppelzentner Reinfali belaufen. In den beiden vorhergehenden Jahren stellte sich der Absatz auf 13,5 bzm. 14 Millionen Doppelzentner im Jahre 1929. Der Ablaz ist also gegenüber dem Vorjahr um 28 Broz. und gegenüber dem Rekordjahr der Nachfriegszeit im Jahre 1928, in welchem der Gesamtabjazz 14,2 Millionen Doppelzentner erreichte, um 32 Pro3. gefunten. Auch das Geschäft der fyndikatsmäßig gebundenen Rebenprodukte ist mit Ausnahme des Steinsalzgeschäftes zurüdgegangen. Einen gewissen. Ausgleich für die Umsatzverluste erzielte nur ber Burbach- Ronzern mit seiner gesteigerten Delproduktion aus dem Schacht in Bolkenroda, die sich zur Seit auf etwa 300 Zonnen je Zag im Werte von etwa 23 000 mt. beläuft Die un Frühjahr 1931 für das Jahr 1930 ausgezahlten Divis denden entsprachen im Gegensatz zu den meisten anderen In bustrien noch ben Dividendensägen des Konjuntturjahres 1929. Nur zwei größere Werte machten eine Ausnahme. Infolge der Wer schärfung der Arife muß für 1931 natürlich mit geringeren Divi PROGRAMM für die Zeit vom Vom 1. bis 4. Januar BTL Potsdamer Straße 38 Mädchen in Uniform nach dem Bühnenstück: Gestern und Heute. W. 5, 7, 9 U., Neuj. u. S. 3, 5, 7, 9 U. Rheinstraße 14( A der Kais- Eiche) Mädchen in Uniform nach dem Bühnenstück: Gestern und Heute. W. 5, 7, 9 IJ, Neuj. u. 5. 3, 5, 7, 9.U. Odeon, Potsdamer Str.75 Der Draufgänger mit Hans Albers, Martha Eggerth W. 5, 7, 9 U., Nenj. u. S. 3, 5, 7, 9 U. Turmstraße 12 Reserve hat Rub mit Paul Welt- Kino Alt- Moabit 99 Die von uns vertretene Meinung, daß die durch die Noiverordnung der Reichsregierung bestimmte Preistentung von 10 Pro 3. für den Inlandsabfat für die Kaliindustrie tein Opfer bedeutet, mird burch den Bericht der GebrüderDammann- Bank bestätigt, der erklärt, daß der Abbau der Inlands. preise durch die Kohlenpreissenkung wie durch die Lohn. und Gehaltstürzungen einigermaßen tragbar" gemacht sein dürfte. Unseres Erachtens hätte die Kaliinduftrie, die feit 1926 ihre Breije unverändert hochgehalten hat, infolge der ständigen ei stungssteigerungen der Belegschaft die Preisfentung auch leicht ohne einen Lohn- und Gehaltsabbau tragen fönnen, so daß hier die mechanische Berfoppelung des Preisabbaus mit einem Lohnabbau besonders angreifbar erscheint. Amerikanischer Außenhandel weiter verringert Die amerikanische Warenausfuhr mar zwar im September um einige Millionen Dollar höher als im August, body verzeichnen in dem abgelaufenen dritten Bierteljahr 1931 Einfuhr und Ausfuhr| einen feit vielen Jahren nicht dagewesenen Ziefstand. Die amerikanische Waren ausfuhr betrug im dritten Bierteljahr 1929 noch 1200 millionen Dollar, etwa 130 Broz. mehr als im jezt abgelaufenen Bierteljahr. Im dritten Vierteljahr 1929 betrug die amerikanische Wareneinfuhr 1074 Millionen Dollar; sie ist feit dieser Seit ebenfalls um mehr als die Hälfte zusammen geschmolzen. Amerikanischer Warenaußenhandel in Millionen Dollar: Ausfuhr Einfuhr Zeitraum 1. Bierteljahr 1930....1110 2. Heidi co 893 1930 929 843 3. 1930 864 665 4. 1930 879 660 1. 1931 698 568 593 539 516 511 3 1931 1981. Bergleichen wir die Ziffern des abgelaufenen Bierteljahres mit dem gleichen Zeitraum des Jahres 1930, fo ergibt sich für die Ausfuhr ein Rückgang um 40,3 und für die Einfuhr von 23,1 Proz. Stillegung im AEG.- Konzern. Die Sachsenwerte 2 G. Einfluß der AEG- Berlin steht, hat beschlossen, ihr Radeberger in Rieberjedli bei Dresden, die feit etwa Jahresfrist unter dem er tilfzulegen und die dortige Fabrikation nach Niederfedlig in das Hauptmert 3u perlegen Gutes Edelmetallgeschäft. Dividendenstabilität bei der Scheideanstalt. 4 Die Deutsche Gold und Silberscheibe 2nstalt pormals Roeßler in Frankfurt a. M., die zum Konzern der Frant furter Metallgesellschaft gehört, bringt im Hinblick auf die allgemeine wirtschaftliche Lage für das am 30. September 1931 beendete Geschäftsjahr einen überraschend günstigen Abschluß heraus. Obwohl aus dem internationalen Währungswirrwar Berluste von rund 629 000 Mart entstanden sind, hat der Betriebsgeminn sich von 13,9 auf 15,8 Millionen erhöht. Auch der Reingeminn von rund 4 Millionen liegt um 0,11 Millionen über dem Stande des Vorjahres. Die Dividende bleibt mit 10 Proz. unverändert. Nach dem Berwaltungsbericht hielt sich das Edelmetallgeschäft etwa auf gleicher Höhe, während die Abteilungen Rohfilber, Silberbleche, Drähte und Walzen sogar einen höheren Umsatz aufweisen konnten. Die Ausschaltung des Preisrifitos im Platingeschäft infolge der Preisstabilisierung durch den englischen Platintruft wird im Bericht besonders hervorgehoben. Im Hinblid auf die Um mertung aller Werte hat die Gesellschaft sehr hohe Sonderabschreibungen auf die Werksanlagen vorgenommen und zu diesem 3med fast 6 millionen Marf stiller Referpen, die bisher unter Verpflichtungen verbucht maren, aufgelöst. Su gleich murde die Reserve, bie aus der Verschmelzung mit der Holzfohlenindustrie A.-G. in Höhe von 8,1 Millionen Mark gebildet und gleichfalls unter den Bosten Berpflichtungen" gefeßt murde, ber offenen Reserve zugeführt, die sich damit auf 19,3 millionen. also auf rund 55 Broz. des Attientapitals erhöht. Dic gesamten Wertsanlagen haben sich durch die Sonderabschreibungen von 17 auf 10,6 Millionen ermäßigt. Die Finanzlage ist nach wie vor glänzend. Bei einem Bestand von 18,5 Millionen Bantguthaben und fast 15 Millionen weiteren Forderungen werden an laufenden Schulden mur 16,2 millionen ausgewiesen. -G. Die Ueber 8 Proz. Dividende bei der Hochfrequenz- Maschinen Hochfrequenz Maschinen A.-G. für drahtlose Telegraphie, die auf dem Gebiet der Erzeugung und Uebertragung von Hochfrequenzströmen für den drahtlosen Nachrichtenpertehr tätig ist, fegt ihre Dividende für das Geschäftsjahr 1930 von 12 auf 8 Broz. herab. Die Großfuntfielle Eilpese, eine frühere Beteiligung der Eigentum der Deutschen Reichs post übergegangen Gesellschaft, ist nach ihrer Stillegung Anfang dieses Jahres in bas die aus Amerita zurüdgezahlten Freigabegelder für die ehemalige Funkstation Iuderton wird im Geschäftsbericht gesagt, daß dic im Berichtsjahr eingegangenen Beträge durch die hohen Anwalts, Gerichts- und anderen Spesen fast gänzlich aufgezehrt seien. die Gesellschaft unseres Wissens etwa 200 000 Mart noch aus den tung reichlich übertrieben. Es wäre angebracht, wenn Bereinigten Staaten zu erhalten hatte, erscheint uns diese Behaup diese Frage auf der Generalversammlung noch zur Debatte gestellt wird. KINO- TAFEL W. 6.45 u. 9.05 0.1 Feiertags ab 4.45 Großtonfilm: Die Liebesfiliale Steglitz Südwesten mit Anny Ahlers, Lotte Neu- Titania- Palast Lichtspiele Südwest monn Tenbelprogramm Charlottenburg Kant- Lichtspiele Kantstr. 54( an der Wilmersdorfer Str.) Verlängert! Reserve hat Ruh' mit P. Hörbiger, F. Kampers, S. Söneland, Stg.4,6.30,9U. Steglitz. Schloßstr. 5. Ecke Gutsmuthsstr. Kadetten( Hinter d. roten Mauern von Lichterfelde) mit A. Bassermann, Trude v. Molo, JohanBlücherstr. 12: W. ab 5 ab 3 Die schwebende Jungfrau mit Szöke Szakall- Beiprogramm Treptow- Sternwarte 1. Januar: 4, 6, 8 Uhr: Wunderland PROGRAMM für die Zeit vom Vom 1. bis 4. Januar New- Lichtenberg Norwegen. 2., 3., 5. Januar: Kosmos- Lichtspiele Palmenland und Wüstensand 3. Januar auch 4, 6 Uhr. Nordosten 66 Prenzlauer Des Riemann- Tonfilmbeipr. Film- Palast Kammersäle ,, Elysium Allee 56 Jugendliche haben Zutritt Mariendorf Mariendorfer W. 6%, 9 U. W. 5, 7, 9 U., Neuj. u. S. 3, 5, 7, 9 U. Ma- Li Tonlichtspiolo So. ab 5 U. Germania- Palast Charlottenburg, Wilmersdorfer Str 53/54 Die spanische Fliege mit Betty Bird, Fr. Schulz, Oscar Sabo, B. A. Roberts W. 5, 7, 9 U., Neuj. u. S. 3, 5, 7, 9 U. Hörbiger, Fr. Kampers, Sonta Schlüter- Theater Beginn: Süneland, Lucie Englisch W. 5, 7, 9 U, Neuj. u. S. 3, 5, 7, 9 U. Alexanderstraße 39-40 ( Passage) Der Herr Bürovorsteher mit Felix Bressart, Alfred Abel Den ganzen Tag geöffnet S. 3, 5, 7, 9 Uhr Für Jugendliche freigegeben! Westen Primus Palast Potsdamer str 19 Ecke Margaretenstr. Viktoria und ihr Husar mit Friedel Schuster, M. Bohnen, Ivan Petrovich, Ernst Verebes, Gret! Theiner, Else Elster Wochentags 5.15. 7.15. 9.15 Ubr Neuj. u. Somat. 3.15, 5.15, 7.15, 9.15 U. Für Jugendliche freigegeben! Friedrichstadt Die Kamera Enter den Linden 14 Täglich 3, 5, 7, 9 Uhr Dreimal Hochzeit( Abbies Irish Rose) Nichols 12. d Bühnenerfolg Anne Tonwoche Franziskaner Tageskino ab 9 Ubr vorm. Georgenstraße( Ecke Friedrichstraße) Der Kongreß tanzt mit Lilian Harvey Will! Fritsch terpar Dann schon liever Lobortran mit Käthe Haack. Max Gülsdorf, Alfred Braun u. a. 5, 7, 9 U. Schlüterstr. 17. Sonnt. 3 Uhr Jugendvorstellung Liebeskommando mit Gustav Fröhlich, Dolly Haas Tonbcipr. Wilmersdorf Atrium Beba- Palast Kaiserallee. Ecke Berliner Straße Wochent. 7, 9% U. Sonnt. 5, 7.9% U. Uraufführung! Mein Leopold mit M. Adalbert, Chausseestr 305 Teltower Str.1. W. ab 5%, So. ab 3% U. Reserve hat Ruh mit Paul Hörbiger, Fritz Kampers Tenbelprogramm Süden Der Hochtourist mit Otto Wall- Theater am Moritzplatz burg. Ufa- Kabarettenfilm Kurfürst Tempelhof W. 7, 9 Uhr Wo. 5, 7, 9 Uhr, Sonntags ab 4% Uhr Liebeskommando mit Gustav Fröhlich, Dolly Haas. Ferner: Alle guten Dinge sind Drei mit Charlie Marray Stg. 5, 7, 9 Uhr Sonntag. 3 Uhr: Jugendvorstellung Dorfstraße 22. Ecke Berliner Straße Luise, Königin v. Preußen mit Henny Porten. Jugendl. Zutritt Filmeck Tivoli Taglich 5, 7, 9 Uhr Sigs 3 Uhr: Jugendvorsteli. Berliner Straße 97. Der weißo Itausch mit Hannes Schneider, Leni Riefenstahl Jugendliche haben Zutritt Neukölln G. Fröhlich, H. Thimig. Lucie Mercedes- Palast Englisch, Ida Wüst, P. Henkels- Tonbelprogr. Jgdl. Zutritt Hermannstr 212 Schöneberg Titania Schöneberg Hauptstr. 49. W 5, 7, 9 Uhr Der Draufgänger mit Hans Albers. A Bühne: Gastsp. Wointraub Synkopaters Südosten Am Görlitzer Bahnhof W ab 6%, Stgs ab 3 Der Draufgänger mit Hans Albers, Martha Eggert, Gerda Maurus Beiprogramm Bühnenschau Luisen- Theater Reichenberger Str. 34. W. ab 6.30 Stgs, ab 3 Der verjüngte Adolar mit Fritz Schulz ferner Im Kampf um Gold und Liebe mit Ken Maynnard Beginn: W. 6.30, Stg. u. Félertags 3 U. Stella- Palast Woch ab 6 S. 3, 5, 7, 9 Uhr Primus- Palast So. 5. Stg, ab Emil u. dic Detektive.- Tonbeiprogramm Alhambra Hauptstr 30 W. 5, 7, 9 Uhr Am Hermannplatz. Urtaustr 72/76 3 Der Draufgänger mit Hans Albers. Beiprogramm. Bühne: Borgs Wunderbären Sonat. ab 3 U. Köpenicker Straße 12-14 Bobby geht los mit Harry Piel Bühnenschau St. 3, 5, 7, 9 Uhr Beginn: W. 6.50, Stg. u. Feiert. 3 Uhr Deutsch- Amerik. Theater Mädchen in Uniform mit Hertha Thiele, Ellen Schwa- Kukuk Wochent. 6 45, 9 Uhr Stg. u. Neuj ab 3 U. neke. Bühne: Gastsp. Sylvia- Kottbusser Damm 92 Singers Friedenau Der Hochtourist mit Otto Wallburg. Kabarettfilm Excelsior Wochent 6.45. 9 Uhr Stg. u. Neuj. ab 3 U. Kronen Lichtspiele 7.9 Uhr Kaiser Friedrich- Straße 191 Rheinsti 65 Sonnab., Sonni 5, 7, 9 Dio spanische Fliege. Woche. Moabit Zeli W ab 6.30 U. Sonnt ab 5 U. Artushof Perleberger Str. 29 Das große Neujahrsprogramm Beiprogramm Zehlendorf- Mitte Ufa, Der weiße Rausch mit Hannes Schneider, Leni Riefenstahl Jugendliche haben Zutritt Köpenicker Str. 68 Tágl. ab 5 Uhr Reserve hat Ruh mit Paul Hörbiger, Fritz Kampers. Jugendvorstellung Neue Philharmonie Köpenicker Str. 96 Die Nacht der Entscheidung. Bühnenschau Baumschulenweg Begian tgl. 5, 7, 9 thr Stern, Hermannstraße 49 Lichtspielhaus Stg. 3 Uhr Jugendvorstell Potsdamer Str. 50 Bei Der Kongreß tanzt mit Lilian Harvey, Willi Fritsch. programm W. 6.45, 9 Uhr, Neuj. 3 Uhr, S. 2 Uhr Beserve hat Buh mit Paul Hörbiger, Fritz Kampers Sonntag, 3. Jan. 2 Uhr: Gastspiel Kläre Walldorf Baumschulenstr. 78. Afrikatonfilm in deutscher Sprache: Trader Horn. Ferner: Der Kun mit Greta Garbo. Togbelpr. Stg. 4 Uhr, Wocht. 6.30, 8 Ubr W. 5.15, 7, 9.15. So. 3.15, 5, 7.15, 9.15 Mädchen in Uniform. nenschau BühFlora- Lichtspiele Landsberger Allee 40/41 Bobby geht los mit Harry Piel. Tonbeiprogramm. Neujahr ab 3 Uhr Osten Germania- Palast Frankfurter Allee 314 Wochentags 6½, Sonntags ab 3 Uhr Der Draufgänger mit Hans Albers, Gerda Maurus Bühnenschau Luna- Palast Woch. 5 Uhr Sonnt, ab 3 Uhr Gr Frankfurter Str. 121. Bobby geht los mit Harry Piel. Auf der Bühne: Lotte u. Vicky Werkmeister Schwarzer Adler Frankf Allee 99 Der weiße Bausch ( Neue Wunder des Schneeschuhs) mit L. Biefenstahl, H. Schneider Das geheimnisvolle Fernlenksehiff Zähringen Jugendliche haben Zutritt Wochentags 5, 7, ca. 9 Uhr Sonn- u. Feiertags 3, 5, 7, ca. 9 Uhr Viktoria- Theater Woch. ab 5 Da Lückstraße 70 Gr. Bühnenschau W. 5, 7, 9 U., Neuj u. S. 3, 5, 7, 9 U. Der Storch treibt( Siegfried der Matrose) mit Siegfried Arne. Tonbeiprogramm. Weißensee Harmonie Langhansstr 23. -Jgdl. Zutritt Wochent. 7 u 9 U. Sonnt. 5. 7. 9 U. Südseefilm: Tabu Beiprogramm Friedrichsfelde Kino Busch Alt- Friedrichsfelde 3 Hirsekorn greift ein mit Felix Bressart. www Beiprogramm. Wochenschau. 9 Norden Jugendl. Zutritt Alhambra Millerstraße 136. Ecke Seestraße W. 5, 7, 9 U., Nenj. u. S. 3, 5, 7, 9 U. Luise, Königin von Preußen mit Henny Porten Für Jugendliche freigegeben Pharus- Lichtspiele Müllerstr 142 Täglich 5. 7.9 0. Bei Der verjüngte Adolar. programm Pankow Palast- Theater Wocht. 7 n. 9 Breite Straße 21a. Stg. 5. 7, 9 U Reserve hat Ruh mit Paul Hörbiger, Fritz Kampers Beiprogramm Stg. ab 3 U. Frankfurter Allee 48. Verlängert Reserve hat Ruh mit Paul Hörbiger, Fr. Kampers, Lucio Englisch, S. Söneland FilmFrankenburg Bühne Gr. Frankfurter Str 74 409 W. 5, 7, 9 Uhr, Sount. ab 3 Ubr Vom 1. Januar bis 4. Januar Wo die Wolga fließt... mit Lupe Velez, John Bales. Bühne: Iwanoff, orig. russ. Ballaleika- Kapelle..10 Mann Russ. Tanz u. Gesang Zentrum Babylon, am Bülowplatz Tivoli Berliner Straße 27. Wochent. 7, 9 U. Sonnt. 5. 7. 9 U. Der Draufgänger mit lans Albers. Beiprogramm Tegel Filmpalast Tegel Bahnhofstraße Wochent 6. Sonnt. 4.15 U. 100proz. TonfilmReserve hat Ruh mit Paul Hörbiger. Fritz Kampers Hennigsdorf W. 5 Uhr, Stgs u. Feiertags 3 Uhr Filmpalast Beg 6. 8.30 Uhr Bobby goht los mit Harry Piel. Bühnenschau. Stg. 2.30 Große Kinder vorstellung Berliner Str. 59. Stgs. 44. 84. 894 U. Bombon auf Monte Carlo. 2 Belprogramm SPL Staats Theater Freitag, den 1. Januar Staatsoper Unter den Linden 20 Uhr Die Geisha Staatl.Schauspielhaus jendarmenmarkt 20 Uhr Wallensteins Tod Schiller- Theater Charlottenburg 20 Uhr Göttliche Jette SCALA Täg!. 5 u. 61/2 Uhr Barbarossa 9256 DAS NEUE JAHR BEGINNT MIT NEUEN ATTRAKTIONEN! Heute Première: Das neue MATRAYmit BALLETT Maria Solveg- Katta Sterna und 16 Solisten CARR BROS. BETTY Der New- Yorker Star: Miss BIRDIE DEAN Gipfel eistungen menschl. Trainings Zum ersten Ma e in Deutschland! 3 BONOS Clowns von 1932 u. weitere Star- Darbietungen PLAZA Täglich 5 und 815 Uhr Sonn- und Felertage 2, 5, 815 Uhr HEUTE DIE GROSSE PREMIERE DAS VEILCHEN VOM MONTMARTRE Operette von Emmerich Kálmán Der Sensations- Erfolg des Berliner Metropol- Theaters GR. SCHAUSPIELHAUS Täglich 8 Uhr Hoffmanns Erzählungen REINHARDT IN ZERIERUNG Sonntag nachm. 3 Uhr billige Preise der Plätze HAUS VATERLAND KURFURST 7460 Das # Vergnügungs Restaurant Berlins KEMPINSKI BETRIEB Wohin gehen wir heute? Berlin spricht vom: Feuerland. NEU NEU * NEU *. NEU * NEU * NEU Winter Garten Heute Premiere 4 Uhr u. 8 Uhr 15. 4 Uhr kl. Preise 20 Zigeunerinnen spielen ( Hungaria Gipsy Girls) * ,, Zemga" nos" Fliegende, leuchtende Menschen am Lufttrapez im dunklen Raum ,, Im Urwald" Scarletts neue Schimpansen- Sensation Ladd u. Monna Lee Die Pariser Revue- Stars * Borosé& Okulta in ihrer übersinnlichen Neuheit *. Lepomme Der neue Drahtseil- Star Wolf& Hoppé 3 Bredwins Peters& Billy 2 Watsons Das führende Varieté NEUE WELT Arnold Scholz U- Bahn Hermannplatz Hasenheide 108/114 Großes Bockbierfest in den bayr. Alpen. und Großer Alpenball 6 Kapellen Neue Dekorationen Bayerische Bedienung bin a Sonntags 4 Uhr, wochen as 6 Uhr Der " Riesenorme nerfolg 1½ Monate Uraufführung! Mädchen Uniform in Der erste Film ohne Männer! jetzt Deutsches Theater( Städt. Oper volksbühne 8 Uhr Charlottenburg Bismarckstraße 34 Der Raub der Freitag, 1. Jan 1932 Sabinerinnen Turnus Ill Anfang 19.30 Uhr Regie. Hans Deppe. Albert Bassermann, Felix Bessart. L Höflich, R chard Figaros Hochzeit Die Komödie Ende 22 30 Uhr $ 14 Uhr Nachmitta 14 Uhr Die Nemo- Bank Hänsel und Gretel von Lou s Verneuil mit Theater MaxPallenberg desWestens KuriürstendammTheater Täglich 8% Uhi Karl Josen in Des 11 4488 Uhr Vogelhändler istsp. d. Aufricht- Produkt. Marg. S ezak Lotte Carola Mahagonny Preise von 50 Pf. an von Brecht u. Weill Insz.: Neher. Musik. Leitung: Metropo- Theater von Zemlinsky Täglich 8% Uhr Ein Lied der Liebe Lessing- Theater Täglich 8 Uhr. Theater am Bülowplatz Uhr Die Großherzogin von Gerolstein Staatl. Schiller- Theater 8 Uhr ie göttliche Jelte Komödienhauschiffbauerdamm 25 2, Weidendamm 6304 814 Unr Gastsp.Fritz Ste ner ,, Rose von Stambul" Ader, Woborsky, Steiner, Felix, Kotaniy Preise von 5 Pf. an Rose- Theater Große Frankfurter Straße 132 Tel. Weichsel E 7 3422 6 und 9 Uhr Eine Frau von Format Bich. Tauber: × Uhr Morgen gehts Anni Ahlers Philharmonie uns gut! Grete Mosheim, Max Hansen Orchest.Dafos Bela Theater im Admiralspalas: Täglich 8 Uhr Gitta Alpar in Die Du Jarry Vorverkauf ununterbrochen Theater KONZERT am Nollendorfplata d.Philharmon.Orch Regie: Heinz Sa tenburg Dirig Prof.J Präwer Eintritt 1 M. Pallas 7051 Täglich 8 Uhr nserate im Neujahr und Stgs auch 4% Uhr Vorwärts Preise v. 0,50 M an Gas parone fichern Erfolg! D- L Im Westen: Alhambra, Kurfürstendamm B.T.L., Potsdamerstr. Alhambra, Schöneberg, Hauptstr Albrechtshof Steglitz B.T.L., Friedenau Rheinschloss Friedenau Atlantic, Bismarckstr. Residenz, Potsdam Vereinigte, Lichtsp., Spandau Im Norden: Elysium, Prenzlauer Allee Kristall- Palast Badstr Admiral- Kino Friedrichstr Odeum, Pankow Schlosspark- Li, Weissensee Elysium, Niederschöneweide Lichterfelder Festsäle Zehlendorfer Straße 5 Oekonom Otto Schilling Telephon Lichterfelde G 3 1445 Festsäle für 1500 Personen mit modern eingerichteten Buhnen für Veranstaltungen jed r Art Hochzeitssäle Ve einszimmer für 20 bis 3: 0 Personen Und ist Dein Urlaub noch fo klein, im Café Schöneberg mußt Du gewefen fein! Inhaber: Wolfgang Grunge, Hauptítraße 23 24 31, Uhr CASINO- THEATER 8 Uh Lothringer Strafe 37. Die neue Posse Was man aus Liebe tut Dazu die Gesangs- und Tanz- Operette Das Scheidungs- Souper und der bunte Varie.é- Teil. Gutschein 1-4 Personen: Parkett 50 Pt.. Fauteuil 1.- Mark. Sessel 1.50 Mark. Statt Karten Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme an äßlich des Hinschei dens unseres lieben Gatten, Baters, Schwieger und Großvaters Johann Löblein fagen allen Verwandten, Freunden und Betannten, Parteigenossen, Reichsbanneriameraden und Kollegen un feren tierge ühltesten Dant. Barbara Lö lein und Kinder Die Urnenbeifegung findet Sonnabend, den 9 Januar, 14% Uhr, Bentra friedho Friedrichs eloe ftat MOBELFABRIK PROPELLERWERK HEINE SCHLAFZIMMER direkt ab Fabrik Engros Preise WARSCHAUER STR.58 BERLIN 34 Böllig unerwartet ist uns Genosse Otto Kintzel am 28 Dezember 1931 burd) einen Herzschlag entriffen worden. Wir verlieren in ihm einen tüchtigen aber auch unermüdlichen Funktionär. SPD., 92. Astellung Neukölln. Die Einäscherung findet am Sonn abend dem 2 Januar, um 1 1/ Uhr, im Krematorium Baum chulenweg ftatt Allen meinen Gästen und Freunden ein fröhliches und gesundes Neues Jahr! Willy Schwärzel und Frau Pilsator am Halleschen Tor Allen meinen lieben Gästen und allen Freunden ein fröhliches und gesundes Neues Jahr Kurt Walther und Frau Rest. Lucullus, Belle- Alliance Pl. 16 Ernst Friedrich, Belle- Alliance- Str. 1 Verkehrslokal Ernst Friedrich, Belle- Alllance- Str. 1 Allen meinen Gästen und Freunden ein fröhliches und gesundes Neuj hr! Allen lieben Gästen and Genossen ein fröhliches und gesundes Neues Jahr! Herbert Krebs Braustübl", Belle- Alliance- Platz 6 Allen meinen Gästen und Freunden ein fröhliches und gesundes Neues Jahr! Otto Schilling und Frau Lichterfelder Festsäle Lichterfelde. Zehlendorfer Straße 5 Zum Jahreswechsel allen Verwandten, Bekannten, Kollegen, Freunden und Genoo herzlichen Glückwunsch! Augst Rode, Dieffenbachstraße 36. Meinen werten Gästen und Freunden die besten Glückwünsche zum neuen Jahr! Neujahr 1932 Arnold Scholz ,, Neue Welt" C.Hartseil, Wäsche- Verleih Tel.: Moritzpl. F. 1, 0918. S 42, Fürstenstr 20 Wäsche aller Art 1209 Gute Beschaffenheit, kulante Bedingungen! Verein der Berliner Buchdrucker und Schriftgießer Am Mittwoch, dem 30. Dezember, schied nach langem schweren Leiden freiwillig aus diesem Leben unser Kollege Oskar Franz im 68. Lebensjahre. Wir verlieren in dem Dahingeschiedenen einen lieben Kollegen, der seit Beendigung seiner Lehrzeit am 21. September 1884 unserm Verbande angehörte. Ueber 23 Jahre war Oskar Franz auf unserer Verwaltung beschäftigt, bis ihn die tückische Krankheit am 1. August 1929 zwang, in den Invalidenstand zu treten. Ehre seinem Andenken! Der Gauvorstand. Die Kollegen der Verwaltung. Die Einäscherung erfolgt am Montag, dem 4. Januar. 1 Uhr, im Krematorium Wilmersdorf, Berliner Straße 101/103. Die einzige Ersatzkasse für sämtliche Berufszweige ist die Kranken- und Sterbekasse für das Deutsche Reich m Jaare 1884 gegründet ( Lichterfelder Ersatzkasse) im Jahre 1884 gegründe die Versicherungspflichtigen und Nichtversicherungspflichtigen ausreichenden Krankenversicherungsschutz bietet Hauptverwaltung: Berlin N 24, Oranienburger Str. 67 und 300 Verwaltungsstellen im Reich ?lr.-t- 49. Jahrgang 2» Freitag, 1. Ianuar-1932 Am morgigen Sonnabend, dem zweiten Tag des neuen Jahres, wird es auf den verschiedenen Arbeitsnachweisen einige Schlangen geben. Wie immer nach gefährlichen Ulhmoklippen. So schnell das Stempeln sonst geht, so langwierig Ist die Anmeldung. Das Ausfüllen der Fragebogen ist dabei noch das Wenigsie, jeder weiß doch, wie er heißt, aber dann kommt die Prüfung auf Herz and Nieren, dazwischen immer etwas Warten, bis die.Jfeuen" ihre funkelnagelneue Stempelkarte überreicht erhallen. Vom Arbeitsnachweis geht es anderen Tags zur Zahlstellei Kollege Müller sacht das Zimmer, in dem die Leidensgenossen mit dem Buchstaben„M" abgefertigt werden, ober da wird er lange suchen können: denn für alle die Schlosser, Tischler, Maurer und Buchhalter, deren Name mit einem„M" beginnt und die alle Geld holen wollen, für deren Abfertigung würde morgen kein Tanzsaal ausreichen. Deshalb haben die Müllers ein Extrazimmer wie alle Meiers, und bei den übrigen geht es Ma. Me, Mi, Mo, Mu. Die Arbeitsamisangesiellten werden später aach nicht aufrufen.Jdax Müller", denn dann kämen immer zwanzig Mann auf einmal angerannt, sondern sie rufen . Max Müller, Pankower Allee I9T'. Worauf der Max Müller cas der Pankower Allee 164 weiß, daß er nicht gemeint war. Laßt man, ein Vierteljahr, und dann wird die Stempelkarte langsam dreckig. Und die morgen noch ,J\leuen" kennen den Betrieb wie die Alten. Wenn sie zu Ostern einen Freund treffen und der fragt: ,Jla, Orje, wie geht es denn?", dann antworten die Gefragten:„Wie soll es gehen, 17 Jahre schon erwerbslos!"— Aber Scherz beiseite. Den Letzten beißen die Hunde und von 16 M. Krisengeld kann keine Familie leben. Diese fünf Taler haben cor hundert Jahren die ersten Maschinenbauer in der Woche verdient und wir haben nicht drei Menschenaller Arbeiterbewegung hinter uns, um auf 1832 zurückzumarsehieren. Der lü. Januar 1927 genügt vollauf. Also wie sind die Ausblicke der Abgebauten, was machen die Erwerbslosen? Liegen sie auf der Bärenhaut oder verdienen sich einige die Mark, für die sie sich Sonnabends auf die verbilligten Fleischkarten zwei Pfund KaSler kaufen können?, Das Motorrad als Kapital. Won muh ein wenig„Kopf" haben zum Teldverdienen. Mit ber Hiuid allein geht es nicht,(fin gutes HUssmittel sind dabei die ans bcfferen Zeiten übrig gebliebenen Motorräder. Mit einem Motorrad kann man schon einiges anfangen. Wie diese beiden Ar- beiter hier: die haben sich dl« Verschiedenheit der Netzspannungen bei der elektrischen Beleuchtung zunutze gemacht. In den Städten hat man heut« allgemein 22c>-Volt-Stromtreis«, in Dörfern allerdings noch UO-Volt-Stromkreise.„Was denkst du", sogen die beiden,„wieviel Lauern noch llO-BoH-Carnpen haben müssen. 220-Volt-Lampen können sie nicht gebrauchen." Da es im Handel nur meist Glühbirnen mit der höheren Spannung gibt, haben die Bewohner mancher Dörfer Schwierigkeiten, die richtige Lampen- forte zu kriegen. Wenn dann die beiden mir ihrem lvtotorrad an- kommen und die gesuchten Lampen bringen, ist das für den Land- bewohner ein« Erleichterung. Er spart den Weg in die Stadt. Goldene Berge sind natürlich mit diesen Geschäften nicht zu ver- dienen, aber nran schlägt sich durch. Bor allem ist die Quelle in Berlin, van der die Jungen di« Glühbirnen beziehen, sehr billig und obendrein noch zufrieden, daß sie die schwer verkäuflichen Lampen los wird. Mitunter bleiben die beiden eine ganze Woche weg und hausieren bis nach Hinterpommern hinein. Man muh eben „Kops" haben. Ein anderer hat sich die Krawatten-Tour ausgekiwbelt. Das heißt, lukrativ ist die Sache mit den Krawatten nicht mehr. Das machen einmal schon zu viele und dann hängen in unserem ?all« auch noch zwei Familien an der Sache. Die eine Familie macht die ürawallen. je nachdem. Fliegen oder Selbstbinder, die andere muh sie verkaufen. Die einen stellen für SU psenuig eine Krawatte her. die anderen verkaufen dos Stück zu 75 Pfennig. Die Männer setzen sich auf ihr übrig gebliebenes Motorrad und fuhren in di« Gegend von Storkow-Beeslow: klopfen bei Landwirten an die Tür, gehen in die kleinen Posamentengeschäfte und machen Offerte oder phssen aus. wo Fabriken siild. Maschinenfabrik Schwarz- kopsf in Wildau. Kalksandsteinwerke Guttmann in Niederlehme zum Beispiel— das sind achtungsvolle Großbetriebe, und wenn zum Feierabend die Arbeiter ans den Toren strömen, dann rufen die Krawattenfabrikanten:„Krawatten, rein seidene Krawatten, Stück für Stück 73 Pfennig, zum Aussuchen!" Ader das Geschäft scheint nicht so recht zu gehe». Es braucht nun nicht immer gleich«in Motorad zu sein, ein Fahrrad macht es vorläufig auch. Da ist ein anderer Mann, der handelt jetzt mit Weidenkätzchen. Ausgerechnet zu dieser Jahreszeit. Wie er das fertig bringt, ist sein Geheimnis, das er nicht gern her- ausrücken will. Das ist verständlich. Iedensalls ein Treibhaus hat der Mann nicht. Er geht noch rechtzeitig an die Bachufcr, schneidet die Zweige und packt sie in den Keller. Nach einiger Zeit steckt er sie in Wasser, dann verschönt er noch etwas an den Zweigen und pellt wohl ein Blatt von den Knospen ab. Der Laden geht einiger- maßen. Not macht eben erfinderisch. Die rettende Meckanikerbank. Nicht ganz erschlagen sind auch diejenigen Metallarbeiter, die sich noch beizeiten eine kleine Meterbank, das sind die M e ch a n i» k e r b ö n k e, zugelegt haben. Es gibt da billige Bänke und teure. Für 150 Mark auf einer Auktion kann man schon eine Mechaniker- dank erwischen, die etwas taugt, und sie taugt etwas, wenn sie zum Gewindeschneiden eingerichtet ist. Dann kann man mit solcher Bank etwas anfangen. Einer dieser erwerbslosen Mechaniker sieht nun zu, daß er Arbeit kriegt. Er dreht da und dort eine Welle für eine Schreibmaschine, dreht da und dort eine Spindel für eine Diktat- Maschine, repariert Grammophone, Kaffeemühlen, spannt Fahrräder, deren Speichen dos ab und zu nötig haben, feilt Schlittschuhe scharf, beschlagt Rodelschlitten, repariert die Rollen für die Kinder. er ist ein Mädchen für olles, legt Gnmmischeiben auf und bringt auch verstopfte Kanalisationsröhren in Ordnung. Das heißt, man soll so etwas niäzt überschätzen, unter Umständen ist ein Lötkolben mehr wert als eine Mechanikerbank. Denn Klcmpnerarbeit will auch gemacht sein. Wer sonst kann der Mechaniker, von dem hier die Rede ist, ganz nette Sachen machen auf seiner Bank: unlängst kam ein Professor, der wollte eine Kombination von verschiedenen photographischen Objektiven haben, um besondere Brennweiten her- auszukriegen.„Machen wir, Herr Professor", sagt der Mann, ver- sieht die Objektive mit Gewinden, so daß die Dinger jetzt wie Tele- objektive wirken. Wenn der Herr Professor demnächst durch die Wüste schlendert, ist er in der Lage, Girassen auch aus ein paar hundert Meiern Entjernung aufnehmen zu können. Dann sind sie immer noch so groß, als hätten sie vor ihm gestanden. Wenn es in Berlin nichts zu flicken gibt, dann geht es hinaus aufs Land. Dort ist beim Bauern manches Schloß kaputt.. Die Leute sagen sich eben: ehe wir untätig hinter dem Ofen hocken und sehnsüchtig daraus warten, bis es einmal besser wird, wobei uns, je länger es dauert, desto mehr die Backen einfallen, lieber rühren wir uns und machen sonst etwas. Da kam ein Werkzengdreher aus dem Krieg. Kopsschuß. Er konnte das Maschincngeräusch in der Fabrik nicht mehr ertragen, machte jede Woche einmal schlapp und sattelte deshalb um, ins Baugewerbe. Hier war die Arbeit auch bald knapp, aber er hatte Glück: ein Budiker nahm ihn als Kellner. Lernte ihn an und aus dem Werkzeugdreher wurde ein Bockwurst- transporteur. Jetzt ist der Mann auf dem Nachweis eingetragen als„Kellner o. L.". Kellner ohne Lehrzeit. Er hat sich umgestellt. Zwei schwere Raubüberfälle. Banditen in der Autodroschke geflüchtet. Am Silvesterabend wurden in Schöneberg und in Pankow kurz vor Geschüslsschluß wieder zwei schwere Ranbüber- sälle verübt. In beiden Fällen erzwange» die Räuber unter wassenanwendung die Herausgabe der gesamten Tageseinnahmen. Die Leute betrögt annähernd 800 M. Im Hause Grunewaldsiraße 83 befindet sich die Lebensmittel- Handlung der Firma Bruno Frosche. Als der Geschäftsführer und ein Angestellter gerade Kunden abfertigten, stürmten plötzlich vier junge Burschen in den Laden und forderten die Anwesenden mit vorgehaltenen Pistolen aus. die Händ zu erheben. Während drei Banditen die Leute tn Schach hielten, plünderte der vierte Komplice die Kasse, tn der sich die gesamte Tageseinnahme in Höhe von 500 M. befand. Bill der Beute verließen die Täter das Geschäft. Als der ausgeplünderte Geschäftsmann den Banditen nacheilen wollte, sah er gerade noch, wie sie eine Autodroschke bestiegen und davonfuhren. Die Bersolgung verlief ergebnislos. Später meldete sich auf einem Schönebcrger Polizeirevier der Chauffeur der Autodroschke LA 17 159 und erklärte den Beamten, daß er die Banditen gefahren habe. Er ist in der Gnmewaldstraße von den Räubern angehalten und mit vorgehaltenen Pistolen ge- zwungen worden, sie nach einer einsam gelegenen Stelle Schönebergs zu fahren. Dort sprangen die Burschen fluchtartig aus der Taxe und liefen in Richtung Bahnstraße davon. Beamte des Raub- dezernates haben die Ermittelungen nach den Tätern sofort ans- genommen. Der zweite Raub Überfall spielte sich in der Prenzlauer Prome- nade in Pankow ab. Dort drangen mehrere Burschen unter gleichen Umständen wie in Schöneberg in das Geschäft ein und raubten die Ladenkasse. Die Bersolgung der Flüchtigen durch das alarmierte Ueberfollkonnnando verlief ergebnislos. SebimtöN Augenblicklich sind ja nur Aushilfen zu machen, aber bei den gün- stigen Bestimmungen des Arbettslosenversichernngsgejetzes über di« Aushilfsarbeit ist ein kurzarbeitender Kellner besser daran als ein erwerbsloser Werkzeugdreher. Denn bekannttich werden ja nicht nebenher verdiente 10 Mark voll und ganz auf die Unterstützung angerechnet, sondern von 10 Mark vielleicht ein Taler. Hauptsache ist. die Nebenbeschäftigung wird gemeldet, der Abzug ist dann nicht das Gefährlichste. Im Kampf um einen Taler. Auch die Kopfarbeiter sehen zu, daß sie nicht die Letzten sind. So versuchen die vor einem Vierteljahr abgebauten Lehrer alles Mögliche, um sich über Wasser zu halten. Aber die Kopfarbeiter müssen auch wirklich.Kops" haben, wie zum Beispiel ein Wert- lehrsr. Der Mann gab Werkunterricht an einem Gynmasium im Westen Berlins. Da konnten die Jungen tischlern. Bücher binden. Metall treiben, überhaupt basteln nach Herzenslust. Die Kinder waren Feuer und Flamme. Wer gerade der Werkunterricht wurde abgebaut. Gut, sagte sich der mitabgebaute Lehrer: ich miete mir eine Werkstatt und sage den Jungen, sie sollen jetzt in mein« Werk- statt kommen. Di« Doppelstunde kostet eine Mark; großer Umsatz. kleiner Nutzen. Und die Jungen kamen, dazu basteln alle viel zu gern. Auch eine abgebaute Zeichenlchrcrm schnitt einigermaßen ob. Sie war sehr beliebt und fast die ganze Klasse ninunt jetzt nachmittags bei ihr Zeichenuntericht. Wesentlich schlechter sind dem- gegenüber diejenige» Lehrer dran, die nur allgemeinen Nachhilfe- Unterricht geben. Englisch, Französisch oder Mathematik. Denn das machen schon Studenten, selbst Oberprimaner zur Genüge. Arbeitslose Angestellte tun auch dieses und jepes. Einer mach! in Steuerberatung..Hat sich ein paar kleine Geschästsleute gesucht, denen das Schreiben keinen Spaß macht, für die macht er die Steuererklärungen. So ganz einfach ist das nicht, man muß die Berechnungsarten, die Freigrenzen, die Einspruchsbestimmungen kennen, auf den Finanzämtern und Steuertassen auch verhandeln können, aber wer von schwierigen Steuerdingen etwas weg hat. kann sich manchen Taler damit verdienen. Sonst sind viele große Neubauwohnungen zu Schlafstellen geworden. Wer eine 2l-st-Zrm- iner-Wohnung hatte und kann nicht mehr bezahlen, der bewohnt nur noch das halbe Zimmer und die Küche, in den beiden anderen Zimmern wohnen jetzt Schlafburschen. Bier Mann, jeder zahlt Der Abgebaute gibt Nadihäfcstunden. 24 Mark im Monat, macht 9S Mark. Also ist die Miete heraus. Auch noch, wenn der Hauswirt für jeden Untermieter 5 Mark verlangt. * Den Bogel abgeschossen haben jedoch ganz andere Jungen. Da waren anfangs drei, oier Erwerbslose. Die gründete» einen Musikverein. Inzwischen sind sie ein Dutzend. Frcttags üben sie in einem Lokal, kriegen dabei frei Trinken und-frei Essen. Denn die paar Pfund frische Wurst und die paar Lagen Bier, die der Wirt gibt, holt er doppelt und dreifach wieder herein durch das gute Geschäft, das er Freitags macht, wenn die Jungen spielen. Die Jungen spielen alles,„sie legen dir eine Musik hin. da staunste", sagen die Arbeiter. Sonntags spielen sie auf Vergnügen, brauchen sich gar nicht mehr anbieten, sondern werden geholt. So langsam wird die Grenze der Schwarzarbeit überschritten. Das ist überhaupt das Gejährlichste bei allen diesen Sachen. faof .„StEiNVEMT'J tilKA VERKAAJF ,, Gti>NoEN jüngVmq�'- Brände am Silvesterabend Die Feuerwehr hatte Hochbetrieb 3a den gestrigen Abendstunden herrschte bei der Berliner Feuerwehr Hochbetrieb. Eine ausfallend hohe Zahl von Aliltel- vnd Kleinbränden wurde aus allen Stadtteilen gemeldet. Zu allen Fällen ist es dem tatkräfligen Eingreifen der Wehren zu danken, dofz größere Brandschäden verhütet wurden. Der weitaus gefährlichste Brand entstand in� den Kellerräumen des Hauses Äoplschstraße 6, wo etwa«lt bis 70 große Ballen Preß- stroh einer Molkerei vorschriftswidrig lagerten. Die Flammen dehnten sich unter sehr starker Rauchentwicklung schnell aus. Mehrere Löschzüge waren unter Leitung des Baurates Dr. N alte an- nähernd drei volle Stunden mit der Bekämpfung des Feuers be- ichästigt. Der stickige Qualm, der den ganzen Keller in dichten Schwaden anfüllte, machte die Zuhilfenahme von zahlreichen Rauch- schutzapparaten notwendig. Glücklicherweise konnte der Brandherd lokalisiert werden, so daß Hausbewohner nicht gefährdet waren.— ?n Lankwitz am Kasernenweg, unmittelbar neben der Kraft- sahrerkaserne, geriet eine größere Wohnlaube in Brand. Obgleich die Feuerwehr mit mehreren Schlauchleitungen gegen dag Feuer vorging, brannte das Haus völlig nieder.— In weiteren 10 Fällen rückte die Feuerwehr zu Wohnungsbränden aus, die aber sämtlick) im Keim« erstickt werden tonnten. Gasexplosion in Neukölln. In einer Wohnung des zweiten Stockwerkes im Hause Elsen- stroße 74 in Neukölln entstand gegen 20 Uhr ein« heftige Gas- >! r p l o j i o n, die schwere Beunruhigung unter den Mietern hervor- rief. In der Küche der Unglückswohnung hantierte, ein junger Mann mit einer Säure. Auf noch ungeklärte Weise hatten sich in dem Raum Leuchtgase angesammelt, die plötzlich unter heftiger Deto- nation explodierten. Durch den Luftdruck wurde ejne Wand zum Einsturz gebracht und die Möbel zerstört. Der junge Mann mußte durch die Feuerwehr mit schweren Verletzungen ins Virchow- Kränkenhaus gebracht werden. Ltnfreiwilliges Feuerwerk. Explosion in einem Papiergeschäft durch Selbstentzündung. Ein vorzeitiges und unfreiwilliges S i l v e st e r f e u e r w e rk. das sehr leicht schwerere Folgen hätte haben können, brannte am gestrigen Silvester um 14 Uhr in einem Papiergeschäft von Georg G r u n in der Steinmetzstraße 32 im Westen der Stadt ab. In dem Feiner Generaldirektor. Die Betrügereien bei der Kinanzierungs-A.G. Berlin. 31. Dezember. Das Schöffengericht Berlln-Witi« verurteilte nach mehrtägiger Verhandlung den Generaldirektor Willi Frost wegen fortgesetzten Betruges. Untreue und Konkursvergehens zu einem Jahr sieben Monaten Gefängnis. Die beiden Mitangeklagten Kaufmann Wilhelm Treichel und Landwirt Konrad Zöllner wurden vom. Gericht mDMelp Beweises, freigesprochen.'.. ,,,C Generaldirektor Frost war alleinigtss ÄorstandsWitalied der GeschSftsflnanzierungs-A.-G. CGesiagV Um das Altienkapital der Gesellschaft zu erhöhen, sucht« er Geldgeber. Die Einlagen in Höhe von etwa 370 000 Mark sind spurlos v«- lchwunden, fo daß eine größere Anzahl von kleinen Einlegern, hauptsächlich Landwirte, betrogen worden sind. Keine neuen Hauszinssteuerfcheine. Aielfach herrscht in den Kreisen der Arbeitslosen und auch in den Kreisen der Hausbesitzer die Meinung vor. daß die an die „Ich' kann dich nicht halten, Walter, ich weiß auch kein Mittel, dich zu hallen. Wenn ich das äußerste Gewallmittel anwende und dir das Geld zum Studium vorenthalte, dann wirst du erst recht gehen und dir Arbeit verschaffen, um dir etwas zu verdienen." Walter, lächelte..Lu kennst mich gut, Germaine", sagte er. In der Morgenfrühe des kommenden Tages begleitete sie ihn hinab zum Bahnhof. Dann ging sie langsam zurück. An der Wegbiegung der Parkstraße blieb sie stehen und schaute hinaus. Aber sie sah nichts von der Landschaft, ob- wohl keine Nebelwolke, keiir nächtliches Dunkel- über den Bergen und dem Nuß lag. '' 36.'* Dxts: Leben in der kleinen Stadt und draußen in der Welt ging seinen. Gang weiter.wie bisher. Die Schule be- gann wie immer um 8 Uhr vormsttags und schloß ihre Pforten um 12 oder T Uksr. Das Kollegium' saß manchmal zusammen im Konferenzzimmer und' beriet über dies und jenes, über neuzellliche Einrichtungen, über Prüfungen und Zeugnisse, über Betragensnoten und Auszeichnungen. Der Direktor ermahnte und strafte, tadelte und lobte. Und Germaine trat, wie vorgeschrieben, zehn Minuten vor acht Uhr in das Schulgebäude, legte Mantel und Hut ab. warf rasch-noch einen Blick in ein Buch oder ein Heft und ging dann in ihx Klassenzimmer. Sie gab Englisch. Französisch,- Deutsch und Geschichte, wie zuvor. Sie dis- kutierte mit ihren Schülerinnen, sie erzählle ihnen inter- essante Begebenheiten, sie brachte Bilder aus der Französi- schsn Reoolutioy mit. vergilbte Kupferstiche, die sie nach langem Bitten von der Universitätsbibliothek leihweise er- halten hatte, und auf die die Mädel ungemein stolz waren, obwohl sie nur in einem Meter Abstand sie betrachten durften. Sie sprach englisch und französisch mit ihnen und versuchte ihr Interesse für die Sprache rege zu hallen, indem sie das Land im Lichtbild zeigte oder von ihren eigenen Reisen er- zählle. Sie brachte Postkarten und Photos, Skizzen und Laden explodierten plötzlich einige Kartons mit Fsucrwerkskörpern. die in einem Regal standen. Die Detonation verursachte einen so heftigen-Luftdruck, daß sowohl im Innern des Ladens eine Scheibe eingedrückt, als auch die große Schaufensterscheibe zertrüm-. mert wurde. Auch das Regal und andere Einrichtungsgegenstände und Papiervorräte wurden von den Flammen ergriffen, jedoch konnte das Feuer bereits von den Geschäftsinhabern, die nicht ver- letzt wurden, sondern mit dem Schrecken davon kamen, selbst gc- löscht werden, bevor die alarmierte Feuerwehr eintraf. Die Be- omten der Wehr konnten sich deshalb daraus beschränken, die Aus- räumungsärbeiten in dem Laden vorzunehmen, in dem durch die Folgen der Explosion alles durcheinandergeworfen war, so daß die' Silvesterscherzartikel bis auf die Straße hinausgcschleudert worden waren. Ein Geldschrank lag im Walde... Bei Schildhorn, in der Nähe eines Torsgrabens, machte gestern ein Landposten einen wahrhaft merkwürdigen Fund. An einer abseits gelegenen Stelle im Walde entdeckte der Beamte einen Hügel, der bisher noch nicht da war. Er klopfte den Schnee von dem Hügel ab und— siehe da— ein Geldschrank befand sich darunter, ein sehr schwerer Schrank, der mit der Tür auf dem Wald- boden lag. Dar Landposten eindeckte jetzt noch im Schnee schwache Spuren, die von einem Lastauto herrühren, sowie Männertriite. Es taucht die Frage auf, warum, wieso und weshalb man diesen Schrank dorthin gebracht hat. Da derselbe mit der Tür nach unten liegt und außerordentlich schwer. ist, können ihn nur Fachleute öffnen bzw. hochdrehen. Es besteht die Vermutung, daß eine Knacker- kolonne den Schrank hierhergeschleppt hat. ?wei Schüler bei einer Schneeballschlacht getötet Dresden, 31. Dezember. Wie aus Brünn gemeldet wird, lieferte sich in der Nähe der Stadt eine größere Gruppe von Schülern eine Schneeballschlacht. Dabei rannten zwei der Jungen hart gegeneinander. In diesem Augenblick erfolgte eine Explosion, durch die beide so schwer verletzt wurden, daß sie nach kurzer Zeit starben. Die Untersuchung ergab, daß einer der Schüler, namens Telzer, einen selbstangs- fertigten Sprengkörper in seiner Hosentasche getragen hatte, der sich bei dem Zusammenprall entzündete. Arbeitslosen ausgehändigten Bescheinigungen zur Ermäßigung der Miete um den Hauszinssteuerbetrag mit Ablaut des Kalenderjahres erneuert werden müssen. Die Ansicht ist irrig. Schon aus rein technischen Gründen ist es unmöglich, beispielsweise jetzt sofort an die fast 600 000 Berliner Arbeitslosen neue Bescheinigungen auszustellen. Die verausgabten Hauszinssteuerscheine behalten solange ihre Gültigkeit, wie der Arbeitslose ununterbrochen Unterstützung bezieht. Wird die Unterstützungszeit durch Arbeit— auch imr kurz- fristig— unterbrochen, so wird es allerdings regelmäßig notwendig sein, daß der Arbeitslose bei Neuantrag aus Unterstützung zu- gleich die Ausstellung einer neuen Bescheinigung für den Erlaß der Houszinssteuer stellt. Das Arbeitsamt weiß bei der Abmeldung- in Arbeit nie, wie lange die Tätigkeit dauern wird, und ez ist daher verpflichtet, mit der Einstellung der Arbestslosenunterstützung regel- mäßig auch bei der Finanzbehörde die Bescheinigung für die Haus- zinssteuer zurückzuziehen. Der Ablauf des Kalenderjahres an sich bedingt m keinem Fall« die Ausstellung einer neuen Hauszinsstsuer- bescheinigung. Die nächste Ausgabe des..vorwärts" erscheint des Jleur jahrstages wegen am Sounabendnachmittag. Bleistiftzeichnungen mit, sie las vor und ließ Bücher aus. Und die Mädel waren begeistert und behaupteten, daß es nirgends so interessant und so wenig langweilig sei, wie bei Fräulein Loriot. Daheim musizierte Germaine oder sie las. Sie half auch im Garten, sie grub Beete um und jätete Unkraut, sie harkte die Wege und lockerte den Boden um Bäume und Sträucher herum. Sie griff da und dort im Haushalt- zu, sie wischte Staub und stopfte Strümpfe, sie kochte dies und jenes, vor allem, wenn Waller an den Sonnabenden nach Haufe kam, sie stellte Blumen in die Zimmer und rückte die Möbel zu- recht. Alle paar Wochen traf ein Brief aus Berlin ein. Er enthiell kurze Mitteilungen über die politische und Wirtschaft- liche Lage, über ein neu erschienenes Buch. Und ganz festen, mch dann höchstens am Schluß oder in der Nachschrift schrieb Reiner irgend etwas über das Zusammensein in England, in Crosby Hall oder in Oxford. Das überging Germaine dann geflissentlich in ihrer Antwort, die von der Schule, von der Musik, von Büchern und Zellschristen handelle. Aber manchmal stand der erste Abend auf dem Schiff. an dem sie sich zum erstenmal gesehen hallen, so stark und lebendig vor ihr, daß sie dem irgendwie Ausdruck gab, ob- wohl sie wußte, daß auch feine Antwort gerade auf diese j)aar kurzen Worte, die scheinbar irgendwo mitten zwischen Sach- lichem austauchten, wie in schweigender Vereinbarung nicht einging, als seien sie ihm entgangen. Eines Morgens aber erhiell sie folgenden Brief: „Liebes Fräulein Loriot. ich muß auf wenige Tage in die Schweiz fahren. Mein Zug häll in Ihrer Heimatstadt. Wenn Sie am Bahnhof sind, werde ich aussteigen und den Eilzug benutzen, der drei Viertelstunden später von dort abfährt. Ich werde Sonnabend 19.23 Uhr bei Ihnen ein- treffen. Ich brauche Ihnen wohl nicht versichern, daß ich Ihnen in Freundschaft verbunden bleibe, auch wenn sie aus irgendwelchen Gründen nicht zum Bahnhof kommen. Mit herzlichen Grüßen Ihr Ernst Reiner." Heute abend konnte sie ihn wiedersehen, wenn sie zum Bahnhof ging, und sie.konnten zusammen sprechen. Und plötzlich kam es ihr zum Bewußtsein, daß Reiner mit dem gleichen Zug hier ankam, den Waller benutzte. Sie würden vielleicht sogar km gleichen Abteil zusammen sitzen, sprachen vielleicht zusanune«, würden sich kennenlernen—. Aber als sie dann abends auf dem Bahnsteig stand, da sah sie nur ihren Bruder, der etwas vorn übergebeugt und schwankend auf sie zukam.„Ich mußte einige Tage liegen, Germaine"! sagte er.„aber es geht mir heute schon Hessen" Professor Sirauch gestorben. Aus der Narkose nicht mehr erwacht. Der bekannte Berliner Gerichksarzt und Berater der Mord- kommission Professor Dr. Kurt S l r a u ch ist an den Folgen eines schweren Zuckerleidens im Maria-Dikloria-Lrankenhaus in der Kurl. strahe verstorben. Das Leiden des berühmten Mediziners Halle sich in der letzten Zeit außerordentlich verschlimmert, und am Bei» halte» sich Abzesse gebildet, so daß eine Amputation von den behau- delnden Aerztcn für notwendig erachtet wurde. Aus der zu diesem Zweck vorgenommenen Narkose ha! Professor Dr. Strauch dann nicht wieder das Bewußtsein erlangt. Professor Strauch, der an der Universität im gericht?- medizinischen Institut einen L e h r st u h l inne hatte, war einer der ersten Berater bei der vor etwa 23 Iahren erfolgten Einrichtung der Mordkommission der Kriminalpolizei. Seme Anregungen be- währten sich so ausgezeichnet. Laß das Ausland das Beispiel der Berliner Mordkommission nachahmte. In der gerichismedizinisch.'n Untersuchung von Kriminalfällen war Professor Strauch bahn- buchend� Eine umfangreiche Sammlung und zahlreiche Werke aus seiner Feder legen von seiner Befähigung Zeugnis ab. Professor Dr. Strauch, ein Freund aller Medizinstudenten, Halle an der Universität einen starken Zulauf. Eine besondere, administrative Leistung von ihm war u. a. die Einrichtung des Wochendienstes der Polizeiärzte. Auf Grund seiner Anregung waren ständig, Tag und Nacht, vier bis fünf Aerzre bereit, bei Mordalarm usw. sofort mit an den Tatort zu eilen und in medizinischer Hinsicht die Unter- suchungen der Kriminalisten zu unterstützen. Schluß der Weihnschtswoche im Zoo. Die Weihnachtswoche des Zoologischen Gallens. für die de? Eintrillspreis in den Zoo ans 73 Pf. für Erwachsen« und ans 23 Pf. für Kinder, für das Aquarium auf 50 bzw. 23 Pf. ermäßigt worden ist, findet ihren Abschluß am 1. Januar. Demzufolge gelten auch am Neujahrstag diese herabgesetzten Preise. Am Neujahrstag findet von 4 Uhr nachnnttags ab im Haupt« restanrant großes Konzert des Deutschen Sinfonie-Orchesters stall. Bereits der nächste Sonntag, 3. Januar, ist wieder bi l l i g« r Sonntag im Zoo. Der Emtriiispreis beträgt dann für'Er- wachsen« 30 Pf., sür Kinder 25 Pf., sowohl im Zoo wie im Aquarium. Steine gegen japanische Boischast. Don unbekannten Tätern wurden kn den gestrigen späten. Zlbendstunden gegen die Fenster der japanischen Botschaft in der Tiergallenstraße 3 mehrere Sieine geworfen. Zwei Scheiben gingen in Trümmer. Die Wursgeschosse waren in rote Tücher gewickelt, auf denen geschrieben stand:„Wir schützen die Sowjetunion— nieder. mit den Japanern."_ Die Aufbauschule ruft. Zu dem Artikel„Die Aufbauschule ruft" fügen wir noch hinzu. daß an der K a r l- M a r x- S ch u l e in Neukölln, Äaiser-Friedllch- Straße 208210, eine Aufbauschule besteht, in der Knaben und Mädchen gemeinsam unterrichtet werden. Der Unterricht beginnt in U III mit Englisch, in LI II mit Französisch oder Latein. Von O II ab bestehen folgende fünf, nach den verschiedenen Interessen- gebieten oriemierte Gruppen: 1. eine machematisch-naturwissenschast-- liche, 2. eine sprachliche, 3. eine biologisch-mediztMche, 4. eine lökkll schaftskundliche üng'S. eins- künstlerische Gruppe. Die Ausbauschul'i führt in drei Jahren zur minieren Reise, in sechs Iahren zur Reife- Prüfung, die zum akademischen Studium berechtigt. Jubiläen. Am 1. Januar begeht das Sozialrentner-Ehepavr Julius und Auguste Gütz, Berlin-Lichtenberg, Türrfchmidt- straße 29, das Fest dergoldenenHochzeit. Das Ehepaar lebr in bescheidenen Verhältnissen und ist seit 1909 mit kurzer Unter- bgrechung Abonnent des„Vorwärts".— Der Bürovorsteher Richard Schröer, Brunnenstr. 8— fest über 20 Iahren Mitglied der Partei, Bezirk Mille— kann am 2. Januar auf eine 25jährige Tätigkell als Bürovorsteher in demselben Büro zurück- blicken. Germaine nahm ihm den kleinen Handkoffer ab und faßte seinen Arm.„Dann wollen wir lieber sofort nach Hause gehen", sagte sie, aber im gleichen Augenblick sah sie Reiner . an einem Fenster des Zuges stehen. Auch er halle sie erblickt und winkte ihr zu. „Das fft Herr Reiner, Walter. Er hat mir mitgeteilt, daß er hier durchkommt. Er will auf einen anderen Zug übergehen, der drei Viertelstunden später kommt..." „Aber dann bleiben wir doch natürlich hier, Germaine". sagte Waller erfreut. Reiner kam schon auf die Geschwister zu...Ich brauche Sie einander nicht vorzustellen", sagte Germaine, während sich die beiden Herren die Hände schüttelten. „Und ich glaube gar, wir sind mit dem gleichen Zug ge« kommen. Herr Reiner! Wie schön hätten wir uns unter- hallen können! Wir sind ja eigentlich Kollegen, obwohl ich noch Anfänger bin." „Wir stehen alle irgendwie am Anfang, Herr Loriot, ich so gut wie Sie!" erwiderte Reiner.„Aber mir tut es auch leid, daß ich Sie nicht schon ein paar Stunden früher kennen- gelernt habe. Das Schicksal jedoch richtete sich nicht nast? unseren Wünschen. Es ist schon ein Wunder, daß ich Ihre Schwester kennen lernte." Mit dem ihm eigenen offenen Blick sah er die beiden Geschwister an. Walter erwiderte nichts, aber er nahm Reiners Arm. „Ich stütze mich auf Sie, ohne Sie besonders um Erlaubnis zu fragen", sagte er.„denn ich denke, dessen bedarf es nicht. Ich bin heute leider gar nicht wohl, dauernd habe ich mit den Nieren zu tun, und dabei ist mir immer halb ohnmächtig zumute." „Wir werden sofort ein Auto nehmen und nach Hause fahren", sagte Germaine. während Reiner den jungen Menschen umfaßte und langsam zur Sperre führte. Aber Walter schüttelte den Kops.„Wir wollen uns ins Bahnhofsrestaurant setzen", sagte er..,3ch möchte irgend etwas Heißes trinken, einen starken Tee öder Glühwein, dann wird mir schon besser." Und wirklich belebte sich sein Gesicht etwas, als er den Glühwein heruntergestürzt hatte. Aber Germaine sah mit Entsetzen auf die zuckenden, unruhigen Hände, die dauernd auf der Tischvlatte trommelten odex mit den herabhängenden Fransen spielten. Auch Reiner blickte den jungen Menschen besorgt an. „Lassen Sie sich schleunigst nach Hause fahren und legen Sic sich zu Bett", sagte er. Aber Waller wehrte heftig ab. � (FortsejPWg folgt.) Vor Sklareks wurde gewarnt. Aber die Kredite bekamen sie lustig weiter. Im weiteren Verlauf der gestrigen Verhandlung kamen im Sklaret- Prozeß sehr belastende Tatsachen zur Sprache. Die Stadtbankdirektoren hatten verschiedene Warnungs- briese erhalten: es lagen auch schlechte Auskünfte über die Wechselatzeptanten vor. trotzdem lauteten die angeordneten Revisionen bei der Firma Sklarek auf Grund der extra für diesen Zweck an- gefertigten Bücher befriedigend.' Der Vorsitzende gab aus der Anklage in diesem Zusaminenhang ein Schreiben bekannt, das der Stadtbankdirektor Tausche!, der Leiter der Kreditkontrollabteilung, bereits im Juni 1927 von einem Reichshankrat Rohde erhalten hat und dos folgendermaßen lautet: „Damit die Kaufmannschaft nicht unberechtigt in den Staub gezogen wird, weisen wir darauf hin, daß die Firma Sklarek keine Waren- Wechsel, sondern Kellerwechsel ausstellt. So etwas ist nur möglich, wenn die Stadtbank und die in ihr sitzenden Helfershelfer dazu die Hand reichen. Zum Beispiel Hirsch u. a. m. Die beiden Brüder bearbeiteten neulich die Direktoren, daß gegen faule Wechsel wieder 2ö» bis 39 999 M. ausgezahlt wurden." Stadtbankdirektor H o f f m a n n erklärte auf Befragen des Vor- sitzenden, er habe nach Kenntnis dieses Schreibens sofort eine Revision bei den Sklareks durch die Direktoren Schröder und Tausche! ver» anlaßt, beide seien auf Grund der Sklarekschen Büch fr zu der lieber» zeugung gekommen, daß den Wechseln Warengeschäfte zu- gründe lagen. Bors.:„Die primitivste B u ch f ä l s ch u n g genügte also, die beiden Prüfer in Sicherheit zu bringen." Rechtsanwalt Dr. Pindar:„Die Auskünfte über die Wechselakzeptanten lauteten doch auch ungünstig. Eine Auskunft von Schtmmelpfeunlg über Sleczewski spricht davon, daß ein Vermögen von 100 090 HL vorhanden ist und daß er höchstens für 4000 ZU. gut war. Auf den Zlamen Sleczewski lauteten Wechsel in Höhe von 10 INillloaen Mark. Das mußt« doch auch den Verdacht bestärken, der in den Briefen geäußert wurde, dgß die Wechsel nicht in Ordnung sind. Warum ist denn die Stadtbank nie aus den genialen Gedanken gekommen, bei Kleczewski mal selbst nachzufragen?"— Schmitt:„Ich nahm an, daß die Wechsel Inkasiocharakter hatten."— R.-A. Dr. Pindar:„Das glaubt doch kein Mensch."— Diese Aeußerung hatte wiederum einen heftigen Zusammenstoß mit Rechtsanwalt Glogauer zur Folge, der sich dagegen verwahrte, daß sein Mandant von der Verteidigung der Gegenseite angepöbelt wurde, die wiederum diesen Ausdruck zurückwies. R.-A. Dr. Pindar:„Die Wechsel wurden als nebensäch- llch angesehen. Die Auskünfte wurden nicht beachtet und die an- geforderte Zwischenbilanz nicht vorgelegt. Was wurde denn über- Haupt bei der Stadtbank gemacht?"— Nach weiteren Erörterungen wurde die Verhandlung aus Montag, den 4. Januar, vertagt. Wasserspiel im Zirkus Busch. Der Zirkus Busch hat seinen Freunden zum Weihnacht-- fest sine mit viel Spannung erwartete Wasserpantomime beschert. Seit vier Jahren ist es das erstemal, daß man wieder Wasser im Zirkus sieht, und die großen Erwartungen der Besucher wurden durchaus erfüllt. Technische Neuerungen, die inzwischen oorgenom- wen worden sind, ermöglichen ein gutes Gelingen. Den Rahmen für das Wasserspiel hat man einer Alt-Berliner Posie„K y r i tz- Pyritz" entnommen, die absolut überholt ist und der nur die lustigen Regieeinfälle zu einem Erfolg verhelfen. Die eingelegten Balletts sind hühsch und geschmackvoll, und Anna Müller-Linke und Max Tobieu in den Hauptrollen sind die geeignetsten Vertreter dieser längst verschwundenen Zeit. Das vorhergehende ar t i- st Ische Programm bringt wiederum sehr gute Nümmern. Die Rieseneisbären des Kapüän Roßler parieren aufs Wort und fahren iftutschbahn. daß es eine Freude ist, und nur die Berberlöwen des Dompteurs T o g a r e stellen eine Meifterlekstung der Raubtier- dressur dar. Dazu Hassan ben Alis lärmende Wüstensöhne. deren lebende Pyramiden schon fast geschichtlichen Rühm genießen. hm Znstikuk� für Sexualwissenschaft findet der nächste sexual- wisienschaftliche Frageabend am Montag, 4. Januar, abends 8 Uhr. im Ernst-Haeckel-Saal(In den Zelten 9e. Eingang Gartenportal) statt. Unkostenbeitrag 29 Pf.. Erwerbslose die Halste. Das Flnanzamt Ost verlegt feine Diensträume von Berlin, Judenstr. 59. nach Berlin- Lichtenberg. Normannen- straße 29— 22. Fernsprechanschluß: Lichtenberg 5236: Postscheckkonto: Berlin 109 169. Wegen des Umzuges sind die Geschäftsräume des Finanzamts am 5. und 6. Januar 1932. die Finanzkasie am 7. Januar 1932 für den Verkehr mit dem Publikum geschloffen. Zöj ährigeS Partesiuiiläm». Unser Genosse Paul Wunsch aus der 92. Abteiluna �Neukölln), Ziethenstr. 11, hat am 29. Dezember sein üZjähri. aes Parteijubiläum und auch in diesem Jahre seinen 65. Geburtstag ge- feiert. Wir gratulieren herzlichst. Erhaltung der Voiksgesundheitspflege Das Anrennen gegen die soziale Fürsorge— Waren die Menschen früher gesunder? Die geistigen und körperlichen Kräfte, die dem einzelne», inne- wohnen, bilden den wichtigsten, meist den einzigen Besitz der meisten Menschen. Die Kräfte besähigen zu Arbeitsleistungen, der Arbeits» verdienst verschafft den Lebensunterhalt. Voraussetzungen der Arbeitsfähigkeit sind Gesundheit und Gesunderhaltung der geistigen und körperlichen Kräfte. Deshalb hat die Gesundheitspflege für jeden werktätigen oder arbeilsbereiten Menschen nicht nur hygienisch- medizinisches Interesse. Die Gesundheitspflege des einzelnen(indivi- duelle Hygiene) wie die Gesundheitspflege der Ällge- m e i n h e i t(soziale Hygiene) sind für jeden von größter Wirtschaft- licher Bedeutung. Vom volkswirtschaftlichen Standpunkt aus gesehen, haben Gesundheitspflege, Gesundheitsfürsorge und Kranken- Versorgung, planmäßig und zweckdienlich organisiert, eine so große allgemein-ökonomische Bedeutung gewonnen, daß man mit Recht jetzt immer häufiger von— Gesundheitswirtschast, als einem neu geprägten Begriff, spricht. Bei den engen Beziehungen, die zwischen der allgemeinen Wirtschaft und der Organisation des Gesundheits- wesens bestehen, muß heute, in den Zeiten der Arbeitseinschränkung auf allen Gebieten, die Frage des Abbaues gesundheitlicher Maß- nahmen und Einrichtungen mit besonderer Sorgfalt beurteilt werden. Reaktionäre aller Schattierungen predigen den Kampf gegen die soziale Fürsorge und schicken sich an, gesund- heilspolitische Errungenschaften, deren viele von der Sozialdemokratie nach jahrelangem Ringen Parlamenten und Magistraten abgetrotzt wurden, wieder zu zerstören. Die ällesten, längst als unwahr er- wiesenen Kampfparolen werden hervorgeholt. Auch die Be- hauptung, die Gesundheitsfürsorge trage zur Verweichlichung der Menschen bei, wird wieder des öfteren aufgestellt. Selbst das „alte Lied",„früher" sei man ohne umfassendere Maßnahmen auf den Gebieten der öffentlichen Gesundheitspflege und der Gesundheits- fürsorge„ausgekommen", die Menschen seien damals gesünder ge- wesen als heule(was nicht wahr ist!), wird angestimmt. Trugschlüsse. Diesen Angriffen, die dem Gesundheitswesen, der sozialen Fürsorge und der Sozialversicherung in gleicher Welse gelten, muß man mit aller Entschiedenheit begegnen. Das ist umso notwendiger zu betonen, als manch« Erscheinungen auf dem Gebiete des Gesundheitswesens während des verslosienen Jahres 1931 von manchen Seiten unberechtigterweise als günstige Anzeichen und willkommener Anlaß zu Einschränkungen in der Organisation des Gesundheitswesens gedeutet werden. Die Krankenhäuser wiesen während des vergangenen Jahres in den meisten Teilen des Reiches, übrigens auch in vielen ausländischen Staaten, eine schwache Belegung auf. Viele Kranken- Häuser waren durchschnittlich zu 69 bis 89 Proz. besetzt. In den letzten Jahren sind vielerorts neue Krankenhäuser errichtet und vor- handene Krankeichäuser erweitert worden. Auf diese Weise hat die Gesamtzahl der belegbaren Betten erheblich zugenommen. Die Infektionskrankheit en sind glücklicherweise nicht in starkem Umfange aufgetreten. Dies gilt besonders von Typhus. Diphtherie und. Scharlach, Krankheüen, deren Gefahren keineswegs unterschätzt werden dürfen. Eine erhebliche Anzahl von Betten muß stets für Infektionskranke bereit gehalten werden. Treten doch viele Infektionskrank- Helten oft ganz plötzlich, in Form von Seuchenzügen auf. Ein. be- trächtlicher Teil der unbelegten Betten entfällt auf diese Betten- reserve der Infektionsstationen. Vermutlich werden wir, entsprechend den in früheren Iahren gemachten Erfährungen, im Januar, Februar und März wiederum einer gesteigerten Anzahl von Krankenhaus- betten bedürfen, um Patienten aufnehmen zu können, die von der Grippe und anderen infektiösen Erkrankungen, die in diesen Monaten gewöhnlich stärker austreten, befallen werden. Einen dritten Grund für die Unterbelegung der Krankenhäuser bildet die eingetretene Abkürzung der durchschnittlichen Kranken» Hausverweildauer der Patienten, eine Sparmaßnahme, die sich in vielen Krankenanstalten recht weitgehend ausgewirkt hat. Krankenwesen und Erwerbslosigkeit. Der vierte und wichtigst« Grund für die Unterbelegung der Krankenhäuser liegt jedoch, so paradox es zunächst klingen mag. in der starken Ausbreitung der Erwerbslosigkeit. Nicht etwa deshalb, Schnellgericht räumt auf Silvesterverhandlungen— Laufbahnen, die mit dem Betteln beginnen In Moabit ausnahmsweise Silvester-Geruhtsverhandlungen. Länger als drei Tage darf nicht ausgesetzt werden. Der Sonnabend zwischen Neujahr und Sonntag bleibt verhandlungsfrei: die erste Sitzung im neuen Jahr findet erst am Montag statt. Also saß man im Sklarek- und Helldorf-Prozeß und unterhiell sich über Dank- gsschäfte und 5kurfürstendamm-Ärawall«. Beim Schnellgericht Dirksenstraße fanden gleichfalls ausnahmsweise Silvester-Gerichts- Verhandlungen statt. Hier saß man zu Gericht über Betllcr und ausrangierte Diebe. Die drei da stehen sozusagen am Ende ihrer Laufbahn. Einst waren sie Diebe; ihr Strafregister spricht von Rückfalldiebstahl. In der letzten Zeit kamen sie wegen Bettelns und Arbeitsscheuheit in Hast. Zwischen Weihnachten und Neujahr wollten sie im Warenhaus Tietz am Wexanderplatz chr Glück versuchen und hallen Pech. Ecke Münzstraße stand einer von den dreien und sagte zum zweiten i brauchst weiter nichts zu tun als nur nachzukommen, für einen Zehner garantiere ich. Ein Schupo in Zivil hörte das Gespräch und stieg den beiden nach. Ein Driller gesellte sich zu den beiden. alle drei betraten das Warenhaus, der Schupomann hinterher; sie durchquerten das Parterre und stiegen zum ersten Swck' hinauf, begaben sich ins Kommissionslager, der Schupo folgte gelleulich hinterher. Eben erst halle er den Derkäufer auf die drei hin- gewiesen, da war es schon geschehen: zwei von den dreien hatten unter dem Paletot neue Hosen versteckt, der drille, der nichts zu tun brauchte als nachzukommen, ging vorn« her. Den„garantierten Zehner" bekam er allerdings nicht; stattdessen mußte er mit den beiden anderen in Polizeigewahrsam. Zu Silvester standen alle drei vor dem Schnellrichter. Einer von ihnen war erst vor zwei Iahren gleichfalls bei einem Diebstahl bei Tietz ertappt worden. Das Gericht nahm damals Notdiebstahl an. Au» Rot wollt« er auch diesmal trotz Hausoerbotes Tietz aus- gesucht haben. Das Gericht sprach den Mann, dem der„Zehner garantiert" war, frei, die beiden anderen verurteille es zu je drei Monaten Gefängnis. Oer Sohn des Gerichtsschreibers. Ein neuer Angeklagter trill ein. Der Bater ist Gerichts» s ch r e i b e r, der Sohn steht vor Gericht wegen Betteln». Wie kommt denn das? fragt der Richter. Die Stiefmutter hat viel Schuld daran, sagt der Sohn. Es gab keine Einigkeit zu Hause. Immer nur Aergeri Wegen der Stiefmutter kam ich in F ü r- sorge, was Fürsorge ist, wissen Sie ja, Herr Richter.„Können Sie denn jetzt nicht beim Bater wohnen, haben Sie was gelernt, haben Sie gearbeitet?"„Der Dater verdient zu wenig, hat 7 Kinder zu ernähren. Haben nichts gelernt. Ich habe als Haus- diener gearbeitet, bin feit vier Jahren arbellslos, erhalte 17,19 Mk. Unterstützung jede zwei Wochen."—„Im Juni sind Sie erst wegen Bellelns bestraft, im Juli wieder, da haben Sie sich auch der Körperverletzung schuldig gemacht. Sie sind, beim Betteln einer Frau grob geworden, haben ihr Backpfeifen angeboten, sind schließ- lich tällich geworden, und jetzt haben Sie wieder unter Drohungen gebettelt." Der Zeuge schildert, wie der Bursche an der Tür ge- klingest und wie er hinterher geschimpft habe, weil er nichts er- hallen halle.„Frechheit, man müßte das Haus anstecken", soll er gerufen haben. Stimmt das'!' fragt der Richter. Ja. Es ist eben bei mir ausgebrochen, ich bin so nervös Der Staatsanwalt beantragt sechs Wochen Haft und Ueberweisung an die Landes» polizei. Der Bursche bittet, von der Ueberweisung abzusehen, er sei ja noch so jung. Der Richter begnügt sich mit ö Wochen Hast, droht aber, ihn nächstens an die Landespolizei zu überweisen.— das bedeutet so viel wie Arbeitshaus. Dieser hier steht erst am Anfang seiner Laufbahn; mit Betteln beginnt sie, wamst wird sie enden?... well die Erwerbslosigkeit als ein gesundheitsfördernder Faktor an» zusehen sei. Daß Arbeitspausen, gerade auch längere Arbeits- serien, dem Organismus des werktätigen Menschen sehr förderlich sein können, darüber kann ein Zweifel nicht bestehen. Diese„Vor- teile" der Erwerbslosigkeit werden jedoch well überwogen von den Nachtellen, die die übliche lange Dauer der Erwerbslosigkest für die Erwerbslosen und ihre Familie mit sich bringt. In diesem Zu- sammenhange ist hier vor allem auf die mit der Erwerbslosigkeit und dem Lohnverlust einhergehende Verschlechterung der Ernährung hinzuweisen. Es sind andere Gründe aus- schlaggebend für die Auswirkungen der Erwerbslosigtell auf das Sinken des Krankenstandes und die Unterbelegung der Kranken- anstatt«». Wer Arbeit hat, fürchtet bei einer Krankmeldung oder bald darauf seine Stellung zu verlieren. Wer erwerbslos ist, fürchtet durch eine Krankmeldung seine Anwartschaft auf Arbeits- Übernahme zu verschlechtern Dazu kommt die Schmälerung der Einkünfte während der Krankheit, besonders im Falle eines Kranken- hausaufenthalts, eine Einbuße, die in den jetzigen mageren Zellen von der Familie der Erkrankten besonders empfindlich gespürt wird. Im Hinblick auf die Bewertung dieser Ursachen für Kranken- stand und Krankenhausbelegung liegt keinerlei Veranlassung etwa dazu vor, mit diesen womöglich noch den Abbau gefundheillicher Einrichtungen zu begründen. Bei der verringerten Inanspruchnahme der Lrankenbellen ergeben sich verschiedene Einschränkungen, w!« die zellwellige Schließung von Kronkenhausabteilungen und dergleichen, von selbst. Nichts aber wäre törichter, als Anstalten, die in„normalen" Zeiten voll und ganz gebraucht werden, aufzuheben. Solchen kurzsschiigen Bestrebungen, die sich in gleicher Weise auch in der Inflationszeit geltend machten, muß mit aller Energie entgegengearbeitet werden. Die Gefährdung der Gesundheitsfürsorge. Gilt es, im Krankenanstaltswesen trotz Einschränkung des Be- triebes vor allem die Substanz zu erhalten, so liegen die Dinge anders auf dem Gebiete der Gesundheitsfürsorge. Die Substanz in Gestall der räumlichen, apparativen und bürotechnischen Aus- stattung der Fürsorgestellen spielt hier nicht die große Rolle wie beim Anstaltswesen. Der Hauptangrisf ist daraus gerichtet, die nachgehende Außenfürsorge einzuschränken. Manche reaktionären Heißsporne möchten natürlich am liebsten die ganze Gesundheits- fürsorge abaeschasft wissen. Wir brauchen die Gesund- heitssurforge heute dringender denn je. Gerade deshalb, weil wir uns in einer Zell der allgemeinen Rot besrndeu. Wir müssen, soweit dies irgend möglich ist, dafür sorgen, daß Gesundheitsschädigungen und Erkrankungen vorgebeugt wird. Vor allem bei den Säuglingen. Kleinkindern und Schulkindern. Wenn bei den Säuglingen eine Verschlechterung des körperlichen Befindens bis zum Schluß des vergangeneu Jahres im allgemeinen nicht festzustellen war, so ist dieses Ergebnis ganz zweifellos in erster Linie auf die Arbell der Säuglingsfürsorge- stellen zurückzuführen und besonders auf die MIlchhilfs- a k t i o n, die in Berlin und in vielen anderen Städten von den kommunalen Säuglingsfürsorgestellen zugunsten der jungen Kinder durchgeführt wird. Äe schlimmsten Gefahren, die die Erwerbslosigkeit für Kleinkinder, Schulkinder und Jugendliche mst sich bringt, liege» in ähnlicher Weise, wie dies auch für die Erwachsenen zutrifft, auf dem Gebiet« der Ernährung- Bei Ernährungsschoden und Nahrungsmangel drohen den betroffenen Menschen gewöhnlich nicht so sehr schnell auftretende akute Erkrankungen als vielmehr allmählich sich einstellende, schleichend verlausende Leiden des Orga- nismus. Neben körperlichen Schwächezuständen.die vielfach auf Abmagerung zurückzuführen sind, neben Blutarmut. Wachstumsschäden und nervösen Erkrankungen spielt hier die Tuberkulose eine sehr wichtige Rolle. Oer Kampf gegen die Tuberkulose. Nicht nur eine schlechte Wohnung, auch eine schlechte Ernährung vermag zu einer Brutställe der Tuberkulose zu werden. Van einer schleichenden tuberkulösen Erkrankung sind unterernährte Kinder und Jugendliche besonders bedroht. Bei den Kindern stellen sich nicht selten tuberkulöse Erkrankungen an Drüsen, Knochen oder Gelenken ein, bei den in den Erüwicklungs« jähren stehenden Jugendlichen und auch bei alleren Menschen häufiger Erkrankungen an Lungentuberkulose, mitunter in Verbindung mit K e h l k o p s t u b e r k u l o s e. Die Erfahrung lehrt, daß diese Leiden erst im späteren Verlaufe von Hunger- und Nahrungsschödenperioden stärker auftreten. Es ist damit zu rechnen. daß im Jahre 1932 die tuberkulösen Erkrankungen unterernährter Menschen sich häufiger als in den letzten Jahren zeigen werden. Wenn es nicht schon bisher in einem gegenüber früheren Beobachtungen gesteigerten Maße dazu gekommen ist und auch für das Jahr 1932 zwar ein Ansteigen dieser Erkrankungen, aber keine sprunghafte Steigerung zu erwarten steht, so ist dies, abgesehen von den Leistungen der Gesundheitsfürsorge, hauptsächlich darauf zurück- zuführen, daß der Preisstand einiger für die Volksernähruog besonders wichtiger Nahrungsmittel, wie namentlich Speck und Schmalz, als im Verhällnis zum allgemeinen Preisstand einiaer- maßen erträglich gelten darf. Gesundheitsfürsorge ist Menfchenökonomie! Aerztlich-fürsorgerische Ueberwachung der gefährdeten Menschen in solchen Notzeiten, wie wir si« jetzt erleben,— das muß die erste hygienische, aber auch die erste volkswirtschaftliche Forderung sein, der unbedingt Rechnung zu tragen ist. Was m'itzt alles_ Sorgen für den Wirtschaftsorganismus, wenn die Bevölkerung in ihrer Gesundheit, in ihrer Arbeitsfähigkeit schweren Schaden leidet. Planmäßig ausgeübte Gesundheitsfürsorge ist aber nichts andere». als praktische Menschenökonomie, die allen Widerständen trotzend, getrieben werden muß. weil das Lebcnsinteresse aller arbellenden Schichten dies gebieterisch erheischt. Abbau der Einrichtungen der Gesundheitsfürsorge in der jetzigen Notzeit ist Raubbau am Dolkskörper. Dr. Alfred Koracb. Während der Berufstätigkeit und auf der Reise sind Sie bei Erkältung oder Halsentzündung meist verhindert zu aurgeln- Panflaoin- Pastillen ersetzen das Gurgeln und sind jederzeit bequem zu nehmen. Lassen Sie stündlich 1—2 Pastillen im Dwnde zergehen. Sie üben ein« hemmende Wirkung auf die durch Nas«. Mund und Rachen in den Körper eindringenden Kraillheitskeime aus und still» daher ein wirksames Mittel gegen Rachenkatarrhe mll» Erkältungskrankheiten. 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Dezember 1931 darf die unterzeichnete Krantentasse für alle ab 1. Januar 1932 eintretenden Unterstützungsfälle teine Sehrleistungen mehr gewähren. Die bisherigen Bestimmungen unserer Sagung über die Gewährung von Mehr leistungen sind damit außer Kraft gelegt. Berlin, ben 31. Dezember 1931. Innungskrankenkasse der Tischler- Innung zu Berlin. Der Vorstand: Ernst Mallwig, Borfigender. Ortskrankenkasse der Mechaniker. Optiker und verwandten Gewerbe zu Berlin. Befanntmachung. Durch die IV. Rotverordnung des Reichspräsidenten zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen voin 8. Dezem ber 1931 müssen die Leistungen aus der Arantenversicherung vom 1. Januar 1932 ab auf die Regelleistungen beschränkt merden. Laufende Leistungen bleiben Don dieser Beschränkung unberührt. Durch diese gefeßliche Maßnahme wer den vom 1. Januar 1932 ab sämtliche Mehrleistungen unserer Kaffe aufgehoben. Berlin, den 31. Dezember 1931. Der Borstanb: Gutsche, Borsigender. Allgemeine Ortskrankenkasse td. Verwaltungsbezirk XI d. Stadt Berlin Schöneberg- Friedenau. Die Notverordnung vom 8. Dezember 1931 bestimmt, daß die Leistungen aus Der Krantenversicherung vom 1. Januar 1932 ab auf die Regelleistungen befchränkt werben. Laufende Leistungen bleiben hiervon unberührt. Für Ber ficherungsfälle, die ab 1. Januar 1932 eintreten, tommen bie bisher gewährten fagungsgemäßen Mehrleistungen in Wegfall. Berlin- Schöneberg, ben 30. Des. 1931. Der Borstand: A. Schulbt, Borsigender. Friz Gens, Schriftführer. Allgemeine Ortskrankenkasse für Berlin- Adlershof und Umgegend. Berlin- Niederschöneweide, Fennstr. 5-6 Bekanntmachung. Auf Grund der 4. Rotverordnung des Reichspräsidenten zur Eicherung von Wirtschaft und Finanzen vom 8. Dezem ber 1981( 5. Teil, Rapitel 1 Rrantenverficherung, Abschnitt 2) werden Doin 1. Januar 1932 ab die Seiftungen aus ber Rrantenversicherung auf die Regelleistungen beschränkt. Laufende Leistun gen bleiben unberührt. Bon dem genannten Tage ab werben baher bei unserer Raffe sämtliche durch bie Gagung festgelegten Mehrleistungen aufgehoben. Berlin- Rieberschöneweibe, den 31. De gember 1931. Der Kaffen- Vorstand: Mag Anappe, Borsigender. Ortskrankenkasse für die Gewerbe der Tischler und Pianofortearbeiter zu Berlin. Auf Grund der IV. Moiverordnung des Reichspräsidenten zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen vom 8. Dezember 1931 müssen die Leistungen aus ber Strantenversicherung vom 1. Januar 1932 ab auf die Regelleistungen be fchränkt werden. Laufende Leistungen bleiben unberührt. Für die ab 1. Januar 1932 eintretenden Versicherungs. fälle treten die bisherigen fagungsmäßi gen Mehrleistungen somit außer Kraft. Berlin, den 30. Dezember 1931. Der Borstand: Meersbach, Borsigender. Ehrlich, Schriftführer. Verkäufe Linoleum Caillat, ftraße 9. Stolonie Treibriemen, gebrauchte, Riemenscheiben, Wäsche usw. Bon Kavalieren wenig 195 Bis zu 75% Gebrauchte im Preise herabgesetzt! Am Montag den 4. 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Seine Ausführungen flingen in einen 2ppell an den Mitgliedern der Stadtverordnetenversammlung zugängig gealle verantwortungsbewußten Stadtvertreter aus, in höchftem macht wurde, so daß diesen eine allgemeine Nachprüfung ermög. Bilichtbewußtsein für die Erhaltung der Selbstverwaltung ficht wurde, allerdings ohne das gesetzliche Recht, Abänderungsvor: einzutreten. schläge zu machen, die der Oberbürgermeister auch zu beachten gehabt hätte. In dem jezt zu Ende gegangenen Jahre ist in vielen offiziellen Feiern und auch sonst in Wort und Schrift des 29. Juni 1831 gedacht worden, des Tages, an dem der Freiherr vom Stein auf seinem Schlosse Kappenberg starb. Ein Merkmal der Tragif des wirtschaftlichen und politischen Geschehens unserer Zeit ist es, daß man sich in diesem Erinnerungs"-Jahr mehr als je zuvor am tiesinnersten Gehalt der Steinschen freiheitlichen Selbst= verwaltungsgedanten versündigt hat. Die in fich gefestigte Persönlichkeit Steins hat sich nur mit affer Energie gegen die preußische Junferreaktion und den preußijchen König eine Zeitlang durchsetzen können. Es ist ein Bild von eigenartigem Reiz, daß die Nachkommen derjenigen, gegen die Stein anzufämpfen hatte, ihn heute als Geist von ihrem Geist bezeichnen, als ihr Jdeal", dessen Erinnerung und Werf gerade sie zu ver teidigen haben. In seiner großen„ Rassauer Dentschrift, die alle feine grundlegenden Ideen über eine Neugestaltung des preußischen Verwalhmgslebens enthielt, schrieb Stein: " Der Formenfram und Dienstmechanismus in den Kollegien wird durch Aufnahme von Menschen aus dem Gewirre des prat tischen Lebens zertrümmert und an seine Stelle tritt ein lebendiger, feststrebender, schöpfender Geist und ein aus der Fülle der Natur genommener Reichtum von Ansichten und Gefühlen." Das ist die maßgeblichste Festlegung, die auch den Aufbau der vom preußischen König am 18. Nopember 1808 in gesetzlicher Form fanttionierten Städteordnung bestimmte. Sie brachte die Möglichkeit der Einführung nichtbeamteter Berfonen, der freien" Bürger, der Vertreter des prattischen Lebens in den tommunalen Berwaltungsorganismus. Nicht in Zeiten ruhiger Behaglichkeit, sondern in härtesten Notzeiten sah Stein die Mitwirtung des bemeglicheren Elements des Bürgers im Gemeindewesen für notwendig an. Außer den allgemeinen grundsätzlichen Gesichtspunkten waren es auch solche rein prattisch finanzieller Art, die ihn zu dieser Auffassung brachten. Die durch die Kriegswirren teilweise zerbrochene preußische Verwaltungsmaschine brauchte für eine notwendige Erneuerung und beschleunigtere Gangart mehr und bessere Kräfte. Die Kassen waren leer. Geld, neue Beamte zu bezahlen, war nicht da. Die unbezahlte und zum Teil unverbrauchte Kraft des Bür gers sollte nach der Steinschen Auffassung den erforderlichen Aus: gleich schaffen. Und wie fieht es heute aus? Benit man in solch stichwortartiger Umgrenzung diese Entwidlung der Dinge fich wieder einmal vor Augen führt, liegt der Ver gleich mit der Jetzeit nicht fern. Auch sie leidet unter den wirtschaftlichen und politischen Katastrophen, die sich aus dem vorangegangenen Krieg entwickelten. Der bedrängte Staatsmechanismus braucht gerade in dieser Zeit, deren Schreden im Vergleich zu den Mißständen der Steinschen Zeit ins Gigantische gewachsen sind, die Mitarbeit verantwortungsbewußter Männer und Frauen in den kommunalen Selbstverwaltungstörperschaften. Mit tiefem Bedauern muß man feststellen, daß diese Erfenntnis bei hohen staatlichen Verwaltungsstellen nicht deutlich wird, wenn man 3. B. in det fogenannten preußischen Sparverordnung vom 14. Sep. tember 1931 im 4. Teil beim Kapitel 1(§ 1) die Anordnung liest, daß die Berwaltungsorgane der Gemeinden und Gemeindenerbände berechtigt find, alle Maßnahmen, die zum Ausgleich der Die im Rahmen der Brüningschen Reichsnotverordnung er faffenen Bestimmungen der preußischen Verordnung, die die Mitbestimmung der Selbstverwaltungsförperschaften ausschlossen, haben zu heftigen Diskussionen im Preußischen Staatsrat geführt. Dort sind von Vertretern der Ministerien Interpretationen der Anordnungen gegeben morden. Diese Auslegungen" hatten aber nachträglich die Kraft, das, was in der preußischen Sparver ordnung und in den nachfolgenden Durchführungsbestimmungen ent halten mar, ungültig zu machen. Die Vertreter der preußischen Staatsregierung standen später unter Zustimmung des Innenministers auf dem Standpunkt, daß der gesetzliche Ausschluß der Mit wirtung der Stadtverordnetenversammlung usw. bei der Beschluß fassung über die Sparmaßnahmen nur dann eintreten sollte, wenn der Versuch des Verwaltungsorgans( in Berlin also des Dierbürgermeisters), in gemeinsamer Arbeit d'e notwendigen Beschlüsse zu erreichen, fehlgeschlagen sei. Als ein solches Mißlingen dieses Versuchs sollte in jedem Falle gelten fönnen die vergangene Ablehnung des Etats für 1931 durch eine Stadtverordnetenversamm. lung. Nachdem die Berliner Stadtverordnetenversammlung den Etat für 1931, wenn auch unter großen Schwierigkeiten, angenommen hatte, wäre es nach dieser nachträglichen Auffassung von Vertretern der preußischen Staatsregierung in Berlin durchaus mög lich gemefen, in größerem Umfange, als es in Wirklichkeit geschah, die Stadtverordnetenversammlung mitwirken zu lassen. Das hätte allerdings zur Borausseßung gehabt, daß alle, die willers aren, prattische Mitarbeit zu leisten, zugleich auch der hohen Berant wortung sich bewußt wurden, die sie durch eine solche Arbeit trugen. Praktische und verwertbare Arbeit. Dieses Verantwortungsbewußtsein mußte zum Ausdruck kommen in der Erkenntnis des wirklich Notwendigen. Diese Erkenntnis mußte sich erstrecken sowohl auf die Wahrung der Interessen der Stadt Berlin, aber nicht zulegt auch auf die Wahrung der Interessen der von den Sparmaßnahmen teilmeise schmer Betroffenen. Insonder heit mußte also dieses Verantwortungsbewußtsein seinen Ausdruck darin jinden, daß trop aller großen Schwierigkeiten eine eraft und schnelle Arbeit geleistet wurde. Jeder Tag der Verzögerung brachte neus finanzielle Belastungen und neue Schwierigkeiten für einen späteren Ausgleich. Von Anfang September bis Ende November 1931 hat der Haushaltsausschuß mit einer wahrlich nicht zu var antwortenden Behaglichkeit seine Arbeiten geleistet. Eine solche Arbeit fonnte allerdings nicht mehr die Entscheidung des Beilner Oberbürgermeisters beeinflussen, selbst wenn dieser nicht bei dem oben wiedergegebenen Standpunkt geblieben wäre, daß er als Verwaltungsorgan nach dem nicht interpretierten Wortlaut der preußischen Sparverordnung solche Anordnungen allein zu treffen hätte und nur in der Lage sei, etwa gestellte Abänderungsanträge in bezug auf ihre Durchführungsmöglichkeit loŋal zu prüfen. Die Art und Weise, in der manche Fraktionen der Berliner Stadtverordnetenversammlung diese Dinge gehandhabt haben, steht im WiderBorwärts" billiger! " Jch abonniere den Vorwärts"( und die Abendausgabe für Berlin„ Der Abend") mit der illustrierten Beilage Bolt und Zeit" in Groß- Berlin täglich frei ins Haus ( Monatlich 3,25 Mt., wöchentlich 75 Pf.) Von Erich Flatau- Berlin spruch zu der von thnen sonst immer erhobenen Forderung aut Erhaltung der Selbstverwaltung". Diese Erhaltung der Selbstverwaltung fann nicht etwa nur darin liegen, daß man eine bestimmte Anzahl ehrenamtlich tätiger Personen in den Ber waltungsrat einspannt, fontern fie muß vorzugsweise, gerade in Beachtung der Steinschen Grundgedanken, darin erkannt werden, daß diese ehrenamtlich tätigen Personen wirklich praftische und Derwertbare Arbeit fristgerecht leisten. Die Haltung der Sozialdemokraten. Die sozialdemokratische Berliner Stadtverordnetenfraftion hatte fich ehrlich bemüht, Borschläge zu machen, die besonders auffällige Härten der Anordnungen des Oberbürgermeisters hätten beseitigen tönnen. Zum Schluß waren Entscheidungen des Haushaltsausschusses der Stadtverordnetenversammlung zustandegekommen, die in eini gen bemerkenswerten Punkten Berbesserungen der Vorschläge des Oberbürgermeisters bedeutet haben würden. Die Selbstverwaltung wurde aber bei den Abstimmungen der Berliner Stadtverordnetenversammlung zur Karikatur, als Fraktionen, die anfänglich mit für die sozialdemokratischen Verbesserungsvorschläge geftimmt hatten, bei der Endabstimmung über die Haushaltsausschußergebnisse deren Ablehnung herbeiführten in der täuschenden Annahme, sie könnten für die Deffentlichkeit vielleicht damit zum Ausdruck bringen, daß fie an sich gegen die Sparmaßnahmen seien, mit denen eigentlich gar feine Fraktion sich identifiziert hatte und zu denen ja offi. ziell nach der Auffassung des Oberbürgermeisters die Stadtver. ordnetenversammlung gar nicht mehr Stellung nehmen konnte. Cs war ein grotestes Bild, als man in folcher negierenden Arbeit Kommunisten, Nationalsozialisten, Deutschnationale und 3en trumsleute fest vereint sah. Diese Karikatur einer Selbstvera waltungsarbeit wurde auch dadurch noch grell beleuchtet, daß für einen nationalsozialistischen Agitationsantrag, der die Hebertragung städtischer Krankenhäuser an faritative und ähnliche Organisationen vorsah ohne daß eine Garantie für die Eubstanzerhaltung gegeben worden wäre). Mitalieder der Staatspartei stimmten, und zwar gerade solche Mitolieder, die sonst von den Nationalsozialisten antisemitische Anpöbeleten zit ertragen haben. In dem in Berlin erscheinenden Hauptblatt des Zentrums ann man gelegentlich Abhandlungen über die kommunale Arbeit Berlins lesen. In der letzten Zeit waren dort Artikel erschienen, die in einer besonders zugespizten Form den Berliner Oberbürger meister in seiner Haltung und seiner Arbeit fritifieren. Die Berliner sozialdemokratische Fraktion hat sich seinerzeit an der Wahl des jetzigen Oberbürgermeisters teteiligt. Sie hat damit nicht zu erkennen gegeben, daß sie sich nun mit ihm auf Gedeih und Verderben verbunden fühlt und sich ausschalten läßt von jeder objektipen, notwendigen Kritit an feinen Leistungen. Die fozialdemo fratische Frattion hat auch in den jüngit vergangenen Monaten durch ihre Vertreter wiederholt im Plenum der Berliner Stadtverordnetenversammlung wie auch in anderer Weise den Oberbürgermeister in sehr deutlich bemerkbarer, fachlicher Art auf Schierigkeiten aufmerksam gemacht, die durch Anordnungen, die er traf, und durch die Hinausschiebung von Entscheidungen. die er treffen sollte, entstehen konnten und entstanden waren. Für die sozialdemokratische Stadtverordnetenfraktion kann es aber, gerade in Wahrung der Selbstverwaltung, nicht darauf antommen, nur Kritik an fommunalen, Bersönlichkeiten und Zuständen zu üben um der Kritik willen, sondern diese Kritik muß erfennen lassen, daß sie geübt wird in Wahrung der städtischen Intereffen rnd vor allem in Wahrung der Interessen der von der So3'aidemokratie vertretenen Werftätigen. Bor den Etatberatungen für 1932 Der kommunale Mitarbeiter des Berliner Zentrumsblattes, Haushalte der Gemeinden( Gemeindevertände) erforderlich sind, Abonniert die Zeitung der Hand- und Kopfarbeiter. ber, wie es den Anschein hat, auf Grund feiner Stellung die ohne Befragen der Selbstverwaltungsförperschaften, zu treffen. Das fann in Wirklichkeit die Errichtung einer Warnungstafel vor den gemeindlichen Verwaltungshäusern bedeuten mit der Inschrift:„ Den Stadtverordneten ist der Zutritt verboten!" Noch unangenehmer muß die Berschärfung dieser an fich schon überaus bedenklichen Bestimmung in den. Durchführungsanordnungen empfunden werden, die festsetzten, daß bei der Durchführung der Sparmaßnahmen die Mitwirkung der Vers tretungsförperschaften( Stadtverordnetenversammlung, Gemeindevertretung, Amtsvertretung usw. usw.) gefeßlich aus. geschlossen ist. Die Sparmaßnahmen in Berlin Die Sparmaßnahmen, tie in Berlin der Oberbürger meister als Berwaltungsorgan getroffen hat, find auf das lebhafteste diskutiert und fritisiert worden. In objektiver Beurteilung der Zusammenhänge fann man hervorheben, daß der Oberbürger meister von Berlin nach seinen ursprünglichen Erklärungen im Haushaltsausschuß der Berliner Stadtverordnetenversammlung anscheinend bereit mar, dieser Gelegenheit zur Mitwirkung bei schmie rigen Maßnahmen zu geben. Die Auffassung, die fich nach herausgale der preußischen Notverordnung in ihm verstärkte, hat ihn später feiber veranlaßt, der Stadtverordnetennersammlung mitzu Name: Bohnung: Dorn bei Straße Nr Hof Quergeb.- SeitenflTr. links- rechts Berliner Stadtverordnetenfrattion des Zentrums start zu beeinflussen vermag, wird sich vor Augen führen müssen, daß die Hochhaltung der Rechte der Selbstverwaltung nicht besteht in einer willkürlich aufgebauschten Kritik am Berliner Oberbürgermeister oder im Abrüden von ursprünglich nicht gefaßten Beschüssen, sondern in einer verantwortungsbewußten, ernsten Mitarbeit in den gegenwärtigen schwierigen Zeiten. Diese verantwortungsbewußte Mitarbeit mußte bei einigen der letzten Entscheidungen vermißt werden. Die sozial, demokratische Stadtverordnetenfrattion hat immer betont, daß sie trog aller starten Hemmungen durchaus gewillt ist, ihren zahlenmäßigen und geistigen Einfluß für den Fortgang der Berliner Berwaltungsgeschäfte einzusehen und hierbei mit ähnlich denkenden Fraktionen und Gruppen zusammenzuarbeiten. Keine dieser Fraktionen und Gruppen soll sich aber einbilden, daß die fozialdemokratische Frattion ihnen nachläuft und ihnen dauernd ge stattet, nach vorangegangener gemeinsam geleisteter Arbeit an Entscheidungen derjenigen mitzumirten, die bisher bewußt eine verantwortungsvolle Arbeit hindern wollten. Die Berliner Stadtverordnetenversammlung steht in einigen Monaten vor den Beratungen des Etats für 1932. Seine Durch Ausfüllen und einsenden an den Verlag des Borwärts" beratung und Verabschiedung wird neue höchste Anforderungen an Berlin SW 68. Cindenstraße 3.das Verantwortungsbewußtfein der für die Selbstverwaltung ehrlich, bah A. Zuntz fel. Wwe. mit den besten Wünschen zum neuen Jahre: Ab 1.Januar 1932 Preisermäßigung für Kaffee und Tee In den Zuntz- Kaffeestuben: Preisermäßigung für alle Getränke to Bitte, das neue Preisblatt zu verlangen peaing Ab 1. Januar 1932 auf alle Zuntz- Waren etwa 5% Rabatt in Gutscheinen Eintretenden stellen. Es farm zur Zeit noch nicht gefagt werden, ob und unter melchen Voraussetzungen eine Verabschiedung dieses Etats gelingen wird. Ebensomenig foll aber von vornherein etma festgestellt merden, daß man nicht ernsthaft auch hierzu den Bersuch machen mill, falls er überhaupt noch gemacht werden kann. Aber gerade Bestimmungen, wie sie die preußische Sparverordnung und bie nachgefolgte Durchführungsanordnung enthalten, lockern das Berantwortungsbemußtsein. Manche nerlassen sich darauf, daß auch ohne eine intensive Mitmirtung der Mitglieder der Selbstverwaltungsförperschaften das Berwaltungsorgan letzten Endes schon die notwendigen Anordnungen treffen wird. Man tann dann so nett davon sprechen, daß man für die schlimmen Wirkungen des Etats ja nicht selbst verantwortlich sei, meil man ihn mohl beraten, aber nicht mit verabschiedet habe." Bor Beginn der Etatberatungen müssen alle diese Wirkungen largestellt sein und damit zugleich die Grundlagen, auf denen im Rahmen der bisher zahlenmäßig gegebenen Möglichkeiten eine gemeinsame Arbeit erfolgen fönnte. In der Berliner Berwaltung und Stadtverordnetenversammlung sal niemand glauben, daß die sozialdemofratische Stadtverordnetenfrattion ohne eine Erfolgsmöglichkeit zu fehen, schon mieber alle Sträfte einfegen mürbe, um, wie in früheren Jahren, die Etatperabschiedung zu erreichen. Der Berliner Etat ist tein Etat der Sozialde motraten! Diese sind also nicht allein an ihn interessiert. Alle Kräfte dem Gemeinwohl! Beiber ist ja auch durch die Berliner Gefeßes- Novelle vom Frühjahr 1931 feine Erleichterung für die tommunale Arbeit Berlins eingetreten. Die Novelle hat sich in der Pragis in ihren Wirkungen als der gefeggeberische Bechselbalg erwiesen, als der er bei seinem Entstehen schon ertannt werden mußte. Es fann wohl heute festgestellt merben, daß der ursprüngliche Severingsche Entmurf, menn er auch wahrlich feine völlig ideale Grundlage gefchaffen hätte, einheitlicher, tharer und aufbaufähiger" mar als das Ronglomerat fid) widersprechender Bestimmungen, das als üble Rompromißlösung schließlich herausgekommen ist. Der neu eingeschaltete Stadtgemeindeausschuß, der in Wirklichkeit ein Schwab gemeindeausschuß geworden ist, bedeutet keine Förderung der allgemeinen fommunalen Arbeiten Berlins. Der Umfang der Tagesordnung der Stadtverordnetenversammlung ist geringer geworden. Die Zeitdauer der Diskussionen ist gestiegen, nicht aber ihr Wert, ebensowenig der Wert der gesamten Arbeitswirtung der Stadtverordnetenversammlung. Es muß also nach wie vor dem Willen der wirklich berantwortungsbewußten Gruppen der Berliner Stadt. berordnetenversammlung überlassen bleiben, trok dieser berwirrenden Arbeitsgrundlagen die Selbstverwaltung nicht zertrümmern zu lassen. Die sozialdemokratische Fraktion wird im Einbernehmen mit der Berliner Parteileitung in gesteigertem Pflichtbewußtsein in den oben dargelegten Grenzen ihre Arbeit weiter leisten, auch für eine eventuelle organisatorische Neugestaltung Berlins. Sie wird dies tun mit dem festen Willen, die Selbstverwaltung in allen ihren Teilen auf moderner Grundlage gerade in der gegenwärtigen Notzeit wirklich zu erhalten. Sie wird sich aber nicht beteiligen an der Gestaltung einer Rarifatur tommunaler Selbstverwaltung. Das neue Mietrecht Unter diesem Titel hat der Reichs: bund Deutscher Mieter, Verband Berlin, e. B., KleinbeerenStraße 25, eine Schrift herausgegeben, die alle missenswerten Menderungen im Mietrecht durch die Notverordnung in gemeinverständlicher Weise erläutert und außerdem sämtliche amtfichen Bekanntmachungen im Wortlaut enthält. Jeder Mieter sollte Beitungshändlern zum Preise von 20 Pf. pro Stüd erhältlich ist. Dienstag, 5. Januar: 5. Rreis. Areisvorstandssigung in Schmidts Gesellschaftshaus, Fruitte. 36. 6. Kreis. Ban 15-18 Uhr Zusammenkunft erwerbslafer Varteigenossen im Seim Urbanfte. 167. 12. reis. Streisvorstandssigung an bekannter Stelle. 14. Kreis. Zusammenkunft aller erwerbslosen Parteigenossen im Heim Ranner Straße 42 um 15 Uhr. Es läuft der Film Aufbau". 19. Kreis. 16 Uhr Zusammenkunft aller erwerbslosen Genoffinnen und Ge noffen im Jugendheim Görschstr. 14. Bortrag des Genossen Baul Bernstein. Mittwoch, 6. Januar: 28. st. 20 Uhr allgemeiner Diskussionsabend bei Bartelt, Wörther Ede Ante. traße, über Religion und Sozialismus". Leitung: Genoffe 3. P. Maner. 43. bt. 20 Uhr Zusammenfunft der fungen Genoffen bei Krüger, Grimm Straße 1. Bortrag der Genpffin Margarete Schjentalomsin. Donnerstag, 7. Januar: 11. Streis. 16 Uhr Rusammenkunft aller erwerbslosen Genoffinnen und Ge naffen bei Bin, Martin- Suther- Str. 69. Dr. Theodor Hanbech: Die poli tischen Aufgaben der Jahres 1932". Frauenveranstaltungen. Am Sonnabenb, 16. 3anuar, nm 19% Uhr, spricht im Plenariaal bes ebe maligen Herrenhauses, Leipziger Str. 3, Genosse Dr. Rudolf Breitscheid, M. b. R., intlufive Garderobe 50 Pf. Karten sind im Franensetretariat zu haben. Wir überbrüstung, Reparationen, Friebe". Der Preis der Eintrittstarten beträgt bitten bie Genafsiunen, sich recht zahlreich an diesem Bortrage zu beteiligen. Das Frauensekretariat. * 13. Kreis. Die Kreisfunktionärinnenfigung findet nicht am 4., foubern am Freitag. 8. Januar, um 19 Uhr, bei Görlis, Chauffeeftr. 19, ftatt. 13. bt. Donnerstag, 7. Samuas, 19% Uhr, bei Röftel, Butligftr. 15, Ede Salzwebeler Straße. Bürgerliche und proletarische Frauenbewegung". Referentin Nora Hente. . 13. Abt. Sonnabend, 2. Januar, 19% Uhr, hei Berner, Stettiner Ede Bellez mannstraße, Seiterer Abend. Bortragende: Elfriede Bollmann. 21. Abt. Mittwoch, 6. 3anuar, 19% Uhr, bei Kroll, Utrechter Str. 21. ,, Jugend im Strafrecht." Referent Genoffe Mendelsohn. 22. Abt. Donnerstag, 7. Banuar, 19% Uhr, im Ratsteller, Limburger Straße. Eheberatung und Geburtenregelung." Referent Dr. Herb. Lewin. 86. Abt. Mittwoch, 6. Januar, 20 Uhr, bei Görlig, Chauffeeftr. 19. Bürger. liche und proletarische Frouenbewegung. Referentin Margarete Hartig. 121. bt. Mittwoch, 6. Somar, bei Burkhardt, Bahnhof Karlshorst, Bunter Abend. Bortragende: Friedel Hall 123. Abt. Dienstag, 5. Jannar, 20 Uhr, int ,, Sägerheim", Sägerstraße, Bunter Abend. Bortragender: Franz Hosemann Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. 11. Kreis. Dienstag. 5. Samuar, 20 Uhr, im Rathaus Schöneberg, 8immer 144, Sigung der Arbeiterwohlfahrt. Alle Helfer( innen) werden gebeten, zu er icheinen. 136. Abt. Montag, 4. Januar, vünktlich 20 Uhr, Barade Lindauer Straße, wichtige Sigung betreffs Bahlen. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Groß- Berlin. Streuzberg: Die Selferinformation ist bei den Gruppenleitern ab. zuholen. Unsere Kreisveranstaltungen beginnen wie folgt: Instrumentalfreis: Dienstag, 19. Sanuar, Urbanstr. 167. Singe und Tanzkreis: Mittwrch. 20. Januar. Urbanstraße. Neftfalten: Donnerstag, 21. Januar, Belle- Alliance- Plag. Der Bastelfreis wird noch be fanntgegeben. Antung. Jugendherberas Führerausweife! 8weds Erneuerung derselben müffen die alten Ausweise ungehenb an bie Kreisleitung eingesandt werden. Bei Neuanforderungen ist die genaue Adresse mit Geburtsdatum anzugeben. Südwest: Sung und Rote Faltenfahrt am 2 und 3. Januar nach Uegdorf. Roften 1.20 M. Treffen Sonnabend, 2. Januar, 14 Uhr, an der Roten Ede. Borwärts: Achtuna, Falten! Montag, 4. Januar, Gruppenabend im Heim Manteuffelstr. 7. Erscheinen ist Pflicht. Schresmitgliederversammlung und Neumabl Brenelaner Berg, Gruppe Freiheit und Hermann Müller: Am Sonntag, 3. Sanuar. Fahrt der Jung- und Roten Falten nach Ertner. Treffpunkt 8 Uhr Bahnhof Schönhauser Allee. 60 Pf. mitbringen. Nächste Faltenratsfigung Donnerstag, 7. Januar, 17 Uhr, im Jugendheim Sonnenburger Str. 20. Penkölln. Gruppe Sturmfate: Unser lieber Gerhard Morzinnet ift am 3. Feiertag durch einen Unalidsfall aus dem Leben gefchieden. Die EinäscheSolal Eggers, Raifer- Friedrich- Str. 8. Reganobe unb Szodengleinridder." Referent Genoffe Kirch. Boranzeige! Sonntag, 24. Sanuar, 10 Uhr, Besichti gung des Kraftmertes Klingenberg. Gäste millkommen. Anmeldung zur Teil nahme bis 10. Januar in den vorgenannten Gruppen. Atung! Die Gruppen müffen bis spätestens 11. Januar die Teilnehmerzahl für ben Besuch bes Straftwertes Klingenberg dem Genossen Voigt mitteilen. Achtung! Be sichtigung des Osram- Lichthauses mit Demonstrationsvortrag am Dienstag, 5. Januar, um 20 Uhr, Barschauer Plag 11-12, Ede Rotherstraße, Hochbahn. hof Barschauer Brüde. English Debating Club 1925. Auf Einladung des Alubs spricht am MonLag, 4. Januar, Mr. J. R. Jesmani, ein bekannter indischer Sournalist, über das heutige Indien India Today( in englischer Sprache), 20 Uhr, Neues Alubheim, NNW.- Kasino, Behm. Ede Sillicher Straße( Bhf. Gesundbrunnen). Gäste willkommen. Allgemeine Wetterlage. 31. Dez. 1934, abds. 765 760 753 TH 750 745 740 747 745 750 760 765 4 Modrid 760 755 760 THI Or ON 755 760 955 7082 o 763 Owolkenlos, heirer. halb bedeckt wollag, bedeckt Regen, aGraupeln Schnee, Nebel, Gewitter Windstille Ueber Deutschland herrschen jetzt schwache Luftdruckunterschiede. Es ist allgemein recht falt geworden. Die tiefften Temperaturen murden am Donnerstagabend im Rheingau und an der Ems mit 10 bis 11 Grad Kälte beobachtet. Die Bemölkung ist überall gering. Der von den Azoren durch Frankreich nach Mitteleuropa reichende rung ist am 4. Sanuar, 11 Uhr. Strematorium Baumschulenmeg. Alle Gruppen Hochdruckausläufer zerfällt in zwei Teile. Während sich der beteiligen fich mit Wimpeln, Treffpunkt 10% Uhr Inn. Ede Kaiser- friedrich- westliche auf das meer zurückziehen dürfte, wird der östlice lanjam Straße. Fris Reuter: Neftfalten Montag 16-18 Uhr im Hufeisen, Rote und Sungfalten Dienstag 17-19 Uhr Julklapp. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei Organisation 15. Kreis, Areisvorstand und Bezirtsnernrbnetenfention beteiligen fich an ber Trouerfeler für den nerftorbenen Genoffen Erich Steuer am Sonn cbend, 2. Sanuar. 15 Uhr. Arematorium Baumschulenmeg. 86. Abt. Unfer Genoffe Schmelser aus der Siedlung Daheim ist ver storben. Ehre seinem Andenten! Einäscherung Sonnabend, 3. Sanuar, 14 Uhr, in Baumschulenmea 92. nnd 95. Abi. nnb 27: 8ablaruppe bes Dentimen Freibenterverbandes. Alle Mitalieber beteiligen fih aahlreich on ber Einäicherrna unseres verstorbe nen Genossen und Funktionärs Dito Kinkel, Bezirk 54, am Sonnabend, 2. Jannar, 19% Uhr, Krematorium Baumschulenweg. fich in seinem eigenen Interesse diese Schrift anschaffen, die bei allen Vorträge, Vereine und Versammlungen Parteinachrichten Einsendungen für bleje Stubrik stad Berlin GBB 68. Sinbenitraße& für Groß- Berlin ftets en bas Bezirksjefretariat 2. Sof. 2 Treppen rechts, zu richten Beginn aller Veranstaltungen 19½ Uhr, jpfern feine besondere Zeitaugabe! Morgen, Sonnabend, 2. Januar: Deutscher Arbeiter- Sängerbund, Gau Berlin. Geschäftsstelle: P. Schneider, Berlin no. 55, Hufelandite, 31. Geschäftsstelle: P. Schneider, Berlin NO. 55, Hufelandstr. 31. 2. Bezirk: Sigung des Bezirksvorstandes mit den Borsigenben der DICHIE Vereine am 6. Januar, 20 Uhr, im 2otal Scheine, Fennftr. 4a. Religiöse Gesellschaft der Freunde( Quater). Brinz- Louis Ferdinand- Str. 5, Sonntag, 8. und 10. Sanuar, Anbacht 10 hr nbacht und Ansprache 18 Uhr. Montag, 4. Sanuar, 20 Uhr, Bortrag eines englischen Kriegsdienst. vermeigerers und Sozialisten über die englische Nie wieder- Arteg- Bewegung. Ring- und Schuhnerband geschädigter Auslandsdeutscher, Kolonialbeutscher unb Berdrängter,&. B.( Geschäftsstelle: Berlin- Schöneberg, Aligste. 3). Monats Derfammlung am 5. Sannar, 20 Uhr, im Schubert- Soal, Berlin B., Bülom. ftraße 104. 131. st. Funktionärperfammlung um 20 Uhr bei Alinbt am Friebensplag. D. 17, Sohenlohestr. 18. Montag, 4. Sannar, 20 Uhr. Gruppe Friedrichshain: Borbereitung der Neuwahlen. Bartelbuch ist vorzulegen. Montag, 4. Januar: 14. Kreis. Ahing, Bezirksverordnetenfrattion! Außerordentliche Sigung im Rathaus, gimmer 187. 11. Abt. Funttionartonferens bei Gdholz, Levekomstt. 21. 10. Ant. 20 Uhr Funktionärsigung bei Reufner, Sagelberger Str. 20a, e Funktionäre haben hieron teilzunehmen. Arbeiter- Rabio- Bund Deutschlands, e. B., Bez. Berlin. Anschrift: 3. Boigt, Lotal Bertalla, Sohenloheftr. 8. Prüfung der Gruppengeräte. Dicastag 5. Januar, 20 Uhr. Prenzlauer Berg: Botal Rug, Danziger Str. 71. Bait abund Freitag. 8. Jannar, 20 Uhr. Charlottenburg: Lotal Sehmann, Rönigsweg 8. Mitgliederversammlung und Borirag: ,, Unsere Gruppenarbeit im neuen Sahr". Referent Genoffe Silberstein. Gesundbrunnen: Lotal Minz berg, Stettiner Str. 52. Rundfunk ist Boltsgut. Referent Genoffe Ebel. Areuzberg: Lotal Thiele, Fürbringerfte. 3. Bastelabend. Lichtenberg: Bibliothet Weichselstr. 28. ,, Einführung zum Bau eines Gruppengeräts." Reutöln: durch Deutschland nach Osteuropa mandern. Bei Island liegt eine tiefe Depression. Ste perfrachtet warme Luft nach dem Nordmeer. Der mit ihr verbundene Drudfoll wird die Teilung des Hochdruc ausläufers begünftigen. Wetteraussichten für Berlin: Tells heiter, tells mollig, feine wesentlichen Niedersa läge, weiterhin mäßiger Frost, leidte westliche Winde. Für Deutschland: Ueberall Fortdauer des Frostmetters, im größten Teil des Reiches ohne wesentliche Niederschläge, im Nordwesten Bewöltungszunahme. Noch nie so billig! ist die Barole, die das Schuhwarenhaus Carl Stiller diesmal feinem Inventurausverfauf Doranstellt. Tatsächlich ist der Ausverkauf von Stiller ein fenfationelles Ereignis für groß und flein, denn die Preise für riefige Quanti täten von Gebrauchs- und Lugusschuhwaren sind so ratital herab gefeßt worden, daß man wirklich fagen tann, sie sind faft verschenkt. Seder, der sich jetzt billig und gut mit Schuhmaren einbeden will, wird unbedingt zu Stiller gehen. Solange die Erwachsenen ihre Einfäufe machen, tönnen die Kinder im Stillerschen Hauptgeschäft am Dönhoffplag sich in der Kinderabteilung beluftigen und den Lustigen Borstellungen des Kasperletheaters beiwohnen. Bahllos sind die Wünsche an das neue Jahr. Groß sind die Anforderungen, bie feber ftellt, benn das alte Sohr hat niemanden verwöhnt. Gemaltig inb baher die Borbereitungen, bie bas befannte Spezialhaus für Teppiche, Saufer toffe, Gardinen, Deforations- und Möbelstoffe, die Firma Teppich- Bursch, Berlin C. 2, Spanbauer Str. 82, getroffen hat, um mit bem diesjährigen Snventur.Musverlauf, ber am Montag, dem 4. Samuat, morgens 9 Uhr, ber ginnt, wiederum eine Steigerung in der nicht enbenwollenben Gerie der außer gewöhnlichen Veranstaltungen biefes Saufes au bringen. Ein Saus son Ruf wie Teppich- Bursch darf die große Zahl feiner Runden nicht enttäuschen und fo nerden auch in diefem neuen Jahr die Veranstaltungen der Firma TeppichBursch Wunder über under fein. Bunder ber billigen Preise wegen und der außergewöhnlich guten Qualitäten. Auch in diesem Sahr wird der Inventur Ausverkauf der Firma Teppich- Bursch der stärkste Magnet fein, der die GeSchäftsmelt beherrscht. Beachten Sie daher bas Injerat in der Sonntagsgeitung. Begen Borbereitung zum Inventur.Ausverkauf bleiben unsere Ber Laufsräume am Sonnabend, dem 2. Sanuar, geschloffen. Neue Ladenverkaufspreise für Henkel- Erzeugnisse Persil das selbsttätige Waschmittel Persil das selbsttätige Waschmittel Henko IMD Sil Henkel's Bleichmittel 9900 68 Pfennig das Doppelpaket 36 Pfennig das Normalpaket 13 Pfennig das Paket 20 Pfennig das Paket 17 Pfennig das Paket 18 Pfennig die Streuflasche 13 Pfennig das Paket Henkel's Wasch- und Bleich- Soda..... Henkel's Aufwasch-, Spül- und Reinigungsmittel Ata Henkel's Scheuerpulver( fein) Ata Dixin Henkel's Seifenpulver Henkel's Scheuerpulver( grob) ... Gutso Henkel's Schnitzelseifenpulver..... .... 23 Pfennig das Paket 17 Pfennig das Paket Die vorstehenden Preise gelten auch für Packungen, die noch mit dem früheren Preisaufdruck im Handel sind. Sämtliche Henkel- Erzeugnisse nach wie vor in unveränderter Güte und Vollkommenheit! P 305 Henkel& Cie. A.-G., Düsseldorf Stoberl Jldolf Slemmle:„S-llOll" 3)ie Qefchichte eines Derbrechens . Wir freue« uns. den Dichter des w der Volfsdüdne mit sensu. h-oneflcnt Erfolg gegebenen„K a m p f u m K i i s ch" unser» Leser» als Erzähler vorstelle» zu dürfe». Der zweiunddreißigjährige Bankbeamte F. L. Charles Baubray hatte eines Abends nach Geschäftsfchlug der Bank von Orleans in Paris den Geschäftsführer Calman in der Stahlkammer des großen Ban-kgebäudes in der Rue de Nouriffon mit einem bliAfchnell heraus- gezogenen Treforfach ebenso schnell hinterrücks niedergeschlagen. Er nahm dem Bewußtlosen alle Safeschlüssel ab. öffnete olle Fächer, packte mnsichtig auswählend Banknoten. Gold, und Silbergeld in zwei große Aktentaschen, schlug die schweren Türen der unter- irdischen Stahlkammer hinter sich zu und entfloh ohne Hut und ohne Mantel. Nach zwei Tagen, in denen man vergeblich die beiden Männer gesucht hatte und die verschiedensten Mutmaßungen auf- stellte über ein Verbrechen, das beide vertrauensvolle Beamte be- troffen haben könnte, als sie an jenem Abend allein im Bankgebäude zurückgeblieben, nach zwei Tagen hörte man aus der Stahlkammer schwaches Klopfen. Die Tresortür war unberührt, die Doppel- schlüssel vorhanden. Nur das Stichwort, das ans fünf Buchstaben bestand und alle drei Tage gewechselt wurde, kannten nur Calman und Baudray, die beiden verschwundenen Männer, deren Ueber- röcke und Hüte noch in ihren Büros hingen, und die jetzt, so glaubte man. durch einen unglückseligen Zufall in dem großen Geldschrank eingeschlossen worden waren. Di« Stahlkammer war nicht über- mäßig groß und hermetisch abgeschlossen. Die Luft in dem Raum war oerbraucht! denn es waren schon viele Stunden vergangen, nachdem der Geschäftsführer halb verblutet aus seiner langen Be- täubung erwacht war. Jetzt klopfte er mit der letzten Anstrengung Zeichen in regelmäßigen Abständen durch die Stahlwände. Man klopfte auch ermutigend zurück. Ohne Zweifel klopfte er Morse- zeichen, die das Stichwort angaben, mit dem man das Buchstaben- schloß an der Tür öffnen konnte, um ihn so vor dem sicheren Erstickungetode zu retten. Aber niemand von den Menschen, die auf der Treppe und im Vorraum zur Stahlkammer mit angehal- tenem Atem auf diese schauerliche Mittellung eines Sterbenden hörten, kannte die internationalen Morsezeichen. Schließlich erkannte ein Bote des Bankhauses, der in seiner Freizeit als Pfadfinder an militärischen Uebungen tellnahm, einige Buchstaben: ein k, ein i, ein 1. Dann hörte das Klopfen auf, und es war unmöglich, in wieviel Variationen man auch alle Vokale und Konsonanten des Alphabets zu diesen drei Buchstaben in Beziehung brachte, das Schlüsselwort zu finden. Der Geschäftsführer Calman der Bank von Orleans schien durch die Tat des ruchlosen Bandray zu einem elenden und qualvollen Tode verdammt. Ader eben dieser flüchtige Beamte Baudray erschien am Abend dieses Tages atemlos in einem abgehetzten, verzweifelten Zustand, stellte die fünf Buchstaben ein: Filou, und Calman wurde gerettet, obwohl man später noch lange Zeit an seiner völligen Gesundung zweifelte. Baudray stellte sich der Polizei. Vor Gericht gab er wahrheitsgemäß den Verlauf seines Ueberfalls in der Stahlkammer an und berichtete dann, daß er von einem Unbekannten in seiner Wohnung in der Rue de Belle- feullle überfallen und sein Raub ihm wiederum geraubt worden sei. Der Unbekannte und die beträchtliche Geldsumme die also angeblich zweimal gestohlen worden war, wurden niemals wieder- gesehen, so sehr sich die Kriminalisten und zahlreiche Detektive, die von der Bavck von Orleans besoldet wurden, sich.. um den Fall Baudray bemühten, obgleich es galt, einen Preis von 3000 Franken zu gewinnen, der nach einem Monat sogar auf 3001) Franken erhöht wurde. Baudray, der bestohlene Räuber, wurde zu vier Jahren Zuchthaus oerurteilt, einer Strafe, die der damaligen Zeit nicht zu hart und nicht zu milde erschien. Soweit berichtete jener Artikel in der französischen Zeitung. Die Namen der Beteiligten sind mir noch in Erinnerung, so daß ich sie nicht hätte durch erfundene zu ersetzen brauchen, wenn nicht jetzt meine gefundene oder erfundene Lösung von, Verbleib des geraubten Geldes mir so wahrhaftig erschiene. F. L. Charles Baudray hatte nach dem Ueberfall sofort Paris verlassen, in einer unscheinbaren Regenpelerine und mit einem ver- asteten steifen Hut auf dem Kopf, den man bislang nie bei ihm gesehen hatte. Er verließ die Stadt mit der Eisenbahn, das geraubte Geld in einer schweren, schwarzen, beschlagenen Holzkassette, die er schon lange vorher gekaust und jetzt in einen Reisejack gesteckt hatte. Am Vormittag des nächsten Tages stieg er in Brionde aus, einem unscheinbaren, goltverlassenen Nest in der Nähe von St. Etienne am Fuße der Berge von Pelay. Dort suchte er sofort einen Notar am Marktplatz auf. Der war ein Mann von jener spießigen, aber zuverlässigen Art, wie sie Dumas oder Balzac als Nebenfiguren in ihren Romanen zeichnen, so einer von den ehrsamen Bürgern um Tatarm de Tarascon, diesem französischen Schllda. Mit diesem arg- losen und ehrbaren Notar schloß Baudray folgenden Pakt: Er deponiere bei ihm diesen Kasten mit wertvollem Gut für eine Reihe von Jahren, während er Frankreich verlasse und gefahrvolle Reisen in fremde Länder und zu wilden Völkern unternehme. Er solle ihn wohl oerwahren und in den Büchern gut führen, damit es ihm auch sein Nachfolger auf seinen Namen aushändigen könne; denn eine Quittung auszustellen habe bei dieser Reise, die er vorhabe, wenig Wert, well er sie leicht verlieren könne. Er würde bei seiner Rückkehr seinen Namen nennen, das würde genügen, und man würde sich schon wiedererkennen. Er heiße Fran�.ois Ehaunegrin. Baudray hatte diesen Namen auf seiner Reise auf einem Prospekt oder auf einem Plakat auf einem der vielen Bahnhöfe gelesen. Auf diesen Namen solle ihm die Holzkasfette wieder ausgehändigt werden, es fei denn, er wäre nach zehn Jahren noch nicht heim- gekehrt, dann solle der Inhalt des Kastens für einen wohltätigen Zweck Verwendung finden. Man könne etwa e'N Krankenhaus, ein Kinderheim oder Kapellen bauen; denn er wäre dann sicher in Afrika bei den Heiden oder auf einer der Kap Verdischen Inseln umgekommen. Der Notar versicherte ihm bei seinem Berufseid seine pünktliche Zuverlässigkeit, wünschte ihm gute Heimkehr von der beschwerlichen und gefährlichen Reise, und Baudray fuhr ellends nach Paris zurück, erwischte in Chalon eine französische Zestung und erfuhr aus ihr, daß er eigentlich in der Bank von Orleans mit Calman zusammen in der Stahlkammer eingeschlossen und dem Erstickungstod« nah« sei. Er befreite Calman, wurde verurtellt und verbüßte nun seine Strafe, diese vier Jahre, die ihm die Aussicht und die Hoffnung auf sein zukünftiges Vermögen und Wohlleben leicht machten, so leicht, wie noch nie je einem Zuchthäusler seine Strafzeit angenehm gemacht wurde. Hier beginnt nun die Geschichte des Sträflings Baudray, die psychoanalytisch interessant, menschlich wahr und ergreifend und auch mit viel moralischer Auswertung geschildert werden könnte. Seine Träume bei Nacht zum Beispiel und seine Sehnsüchte bei Tag, wenn er die großen Zementsäcke aus Papier zusammenklebte, könnten geschildert werden. Sein Auto, sein Wohnhaus in Menton, die Frauen und die Speisen, die er vorgesetzt bekäme, könnte man mit ihm zusammen schildern. Seine Reisen im voraus miterleben zu den Heiden und in die fernen Länder und auf die Kap Verdischen Inseln, vielleicht auf Boavista oder Santa Antao. Kein Tag ver- ging, ohne daß er sich die Tage bis zu feinem Lebensende auf das herrlichste auszumalen verstand. Tag für Tag klebte er Papiersack um Papiersack, immer dem Tag näherrückend, an dem er in jenes kleine, gottverlassene Nest zurückkehren würde. Er würde vor den Notar hintreten: „Hallo! Hier bin ich wieder! Hier ist Ihre Belohnung! Geben Sie mir meine schwarze Kassette zurück! Ich heiße... Ich heiße... Ich heiße Es war am 426. Tag seiner Gefangenschaft, an dem er sich nicht auf den Namen, den er damals dem Notar angab, besinnen konnte. Er fand ihn auch nicht wieder. Wir haben es leicht, ihn uns ins Gedächtnis zurückzurufen, weil er wenige Zellen weiter oben auf- geschrieben wurde. Aber wie muß dieser Sträfling Baudray gelitten haben, dessen Hirn mit den farbigsten Zukunftspläncn erfüllt und dessen Geist und Erfindung ebenso durch die monotone Klebearbeit stumpf geworden. Wie mag er gegen sich gewütet und seine Ge- danken mit krampfhaftem Erinnern zerquält haben! Der Bierund- dreißigjährige wurde all. Sein Haar wurde weiß und seine Augen irr. Mau brach!« ihn in das Gefängnislazarett, wo er alle weißen Papierbogen, die er erreichen tonnte, in 26 Teste zerriß, die Pokale und Konsonanten des Alphabets darauf schrieb und sie unter- einander und miteinander in Beziehung brachte und Tausende von Namen zusammenstellte, wie damals die aufgeregten Menschen vor der Stahlkammertür das Stichwort Fttou zusammenzusetzen juchten. Aber er verirrte und verwirrte sich immer mehr und verlor sogar den ungefähren Klang des Namens aus dem Ohr, den er damals auf einem Firmenschild gelesen hatte. Seine letzte Hoffnung blieb der NÄar in Brionde. Und als er ein Jahr vor Ablauf seiner Straffrist als kranker, geistig zerrütteter Mann entlassen wurde, fuhr er sofort nach dem kleinen Ort am Fuße der Berge von Velay. Er studierte die Tafeln und Reklameschilder auf jedem Bahnhof, aber er fand den Namen nicht. Er trat in das Büro des Notars und hoffte, daß durch die Umgebung, durch das biedere Gesicht des Mannes, der feinen Schatz für ihn bewahrte, sich der Name allein einstellen würde. Aber er fand den Namen nicht, und der niiß- traursche Notar wies ihm die Türe. Er fei nicht der rechtmäßige Eigentümer des Kastens, wenn er nicht einmal seinen Namen wüßte. Sobald wollte der Fremde nicht heimkehren; denn der hätte weite Reisen vorgehabt. Und überdies fei der seltsame Reisende kein Greis gewesen, sondern jung und dunkelhaarig mit glänzenden Augen. Schließlich drohte der Notar mit der Polizei. Da fuhr Baudray zurück nach Paris, klagte sich selbst an, bereute seine Tat so heftig und ausrichtig, daß viele den Armseligen be- klagen würden, wie er unter den tausendfältigen Strafen litt, wenn man seine Quaken niederschriebe. Baudray sprang aber am Abend des nächsten Tages nach' setner Rückkehr nach Paris von einer der vielen Brücken, die über die Seine führen, in das schmutzige, kalte Wasser; denn es war noch nicht Frühling, und an den Rändern des Flusses trieben kleine, bröcklige Eisschollen dahin. Als Baudray wieder auftauchte und sein Herz sich so krampfhast zusammenzog. geschah mit ihm etwas Sellfames. In feinem Hirn zerbrach etwas mit Splittern wie Glas. Und er hörte einen Nanren in seinen Ohren, uch» vor seinen Äugen sah er das Firmenschild mit diesem Namen, und sein Mund rief ihn laut, daß er von den Kaiwänden wiedertönte: „Framjois Ehaunegrin!" Aber es hörte ihn niemand. Die Strolche und Vagabunden. die unter den Brückenbogen schliefen, weil sie kein anderes Obdach haben, hatten ihre Ohren sest mit Tüchern und Lumpen umwickelt; denn es war eine kalte Nacht, in der Charles Baudray ertrank. Das Kinderheim nun, das ich mir angesehen habe, ist eines von den modernen Erziehungshäusern, wie wir sie noch nicht viele in Frankreich finden. Es ist gut eingerichtet, liegt mitten in den grünen Wäldern auf den Bergen von Velay, und 266 Kinder haben darin genügend Platz. Von allen diesen Kindern leben die Eltern nicht mehr. Sie spielen dort frohgemut und werden von Schwestern mit sellsam großen Flügelhauben unterrichtet. Mmorgendlich und all- abendlich gedenken sie im Gebet des gütigen, milden Stiftern ihrer Heimstätte, dessen Name„Francis Ehaunegrin" groß über dem Portal steht, und der im fremden Land als Missionar bei den Heiden starb. Warum lieben die Were das Slopf krauen? Daß Tiere, namentlich Hunde, da» Kopfkrauen sehr lieben, ist eine bekannte Tatsache. Ich bin ziemlich oft in die Lage gekommen. von dieser Kenntnis praktsschen Gebrauch zu machen und habe mich häufig gewundert, welchen außerordentlichen Einfluß man damit auf ein Tier ausüben kann. Ist man bei Bekonnten zu Besuch, so ist man häufig mit dessen Hund allein zusammen. Zunächst will das Tier als treuer Wächter von dem Fremden nichts wisse«. Aber aus der Behandlung, die es erfährt, merkt es bald, daß man nicht zu den ihm verhaßten Bettlern gehört, die obendrein einen kennzeichnenden Geruch zu haben pflegen. Die Möglichkeit der Anfreundung ist also gegeben. Am einfachsten wäre ja beim Hund der Weg durch den Magen. Aber wer hat immer einen Leckerbissen bei sich? Da ist es also herrlich, daß man zum Kopfkrauen gar nichts bei sich zu haben braucht. Soweit meine Erfahrungen reichen. sind am empfänglichsten dafür die langhaarigen Hunde. Diese lieben es auch sehr, wenn man sie unten am Halse kraut. Der Grund hierfür liegt selbstverständlich in dem Wohlgefallen, das bei dem Tiere erregt wird, wenn ihm die Stellen behandelt werden, zu denen es schlecht gelangen kann. Der Juckreiz kann von Insekten oder alter Haut herrühren. Auch die Katze liebt das Krauen, aber soweit ich mir ein Urteil darüber erlauben darf, doch weniger als der Hund. Mit ihrer beweglichen Pranke kann sie sich auch viel leichter selbst bearbeiten als der Hund mit seiner tolpalschigen Pfote. Alle Vögel, die sich überhaupt anfassen lassen, scheinen auch sehr für dos Kopfkrauen eingenommen zu sein. Besonders ist mir diese Vorliebe bei Papageien aufgefallen. Mochten sie auch sonst noch so launisch sein, sobald sie hörten:„Komm, Köpfchen krauen!" so steckten sie sofort ihren Kops durchs Gitter. Von Pferden ist es bekannt, daß sie sich gegenseitig gern Hals und anbete Stellen benagen, an die sie nicht selbst herankönnen. Der Grund ist natür- lich auch in diesem Fall der gleiche. Wie dankbar alle Tiere für die Befestigung oder wenigstens Minderung des Hautreizes find, erficht man daraus, daß sie sich willig hinlegen, damit man sie bürstet. Das tun sogar wilde Tiere häufig, wenn der Wärter mit dem Bürstzeug kommt. Wie steht es mst dem Kopfkrauen bel den Affen? Ich habe mich gerade darüber bei erfahrenen Praktikern eingehend erkundigt. Sie bestätigen mir, was ich selbst beobachtet haste, daß den Affen das Kopfkrauen ganz toll läßt. Der Grund liegt auf der Hand. Er kann sich den Kopf selbst krauen— was braucht er dazu die Hand des Menschen? Niemals wird man sehen, daß der Asse wie der Hund, Papagei usw. einem Bekannten den Kops hinhält, damit man ihn krauen soll. Zell. tKönnen auch Sifche ertrinken? Es gibt tatsächlich auch Fische, die mitten im schönsten Wasser regelrecht ertrinken! Das hat u. a. der Zoologe Henninger durch 'Versuche nochgewiesen. Es handelt sich um den chinesischen Paradies- fisch, den Kletterfisch und den indischen Fadenfisch. Diese Fische haben in ihrem Kiemensystem ein Organ, das sogenannte Labyrmth. das sie befähigt, in trockenen Zeiten aus der Luft Sauerstoff auf- zunehmen und so ihr Dasein zu erhalten. Der Kletterfisch oermag sogar kleine Landpartien zu unternehmen.' Aber auch wenn diese Tiere im Wasser bleiben, müssen sie in regelmäßigen Abständen an die Oberfläche gehen, um Sauerswsf einzunehmen. Ihre Kiemen sind also nicht imstande, dieses Lebenselement in genügender Menge» aus dem Wasser zu holen. Am längsten kann der Fadenfisch im Wasser bleiben. Er häll es hundert Minuten aus; achtzehn dagegen der Klesterfisch.und nur drei Minuten der Paradiessisch. Henninger spannte nun in einem Aquarium, einige Zentimeter unter der Wasseroberfläche, ein Netz so aus, daß den Fischen der Zutritt an die Atmosphäre versperrt blieb. Einige andere Bewohner des Beckens zeigten keinerlei Aenderung in ihrem Verhalten. Die Para- diesfische aber wurden schon nach zwei Minuten erregt und suchten mst Gewall durch das Netz zu kommen, um dann ermattet zu sinken, wobei ihre Kiemen heftig atmeten. Die anderen reinen Kiemen- atmer blieben lebend und frisch, die Labyrinthfische jedoch wären wegen Mangels an Sauerstoff jämmerlich ertrunken, obwohl sie nach allen Regeln des Fischgeschlechtes schwimmen konnten! Beginn; nioniag, n. Januar 1932 JctZl gilt 6Sy den SpSrgrOSChgil an der richtigen Stelle anzulegen. Vervielfacht wird sein Wert durch Gadiel's Inventur- Ausverkauf EBbcSkb Ungeheure Posten praktischer und hochwertiger Kleidung werden in einer Riesen-Auswahl cum Verkauf gestellt, wie sie noch nie gesehen wurde. Die PfGiSR aber für diese Otualltfitswaren sind auf ein UflRrtlÖft ffligdfigGS NlVGRU gesenkt worden. Beachten Sie unser Preisinserat am Sonntag, dem 3. Januar 1S32, das Ihnen Proben unserer diesjährigen Riesenleistung bringen wird! Trude E. Schulz: Proft Neujahr Friz Müller ging nach Hause. Seine Schritte waren schwer und langsam, so, als täte er fie ungern und nur mit großer Anstrengung. Dabei hätte er allen Grund zu einem eiligen, leichten, befreiten Tempo gehabt. Das alte Jahr hatte für ihn noch ein gutes Ende genommen. Der Brief, durch den die Firma mitteilte, daß sie durch die infolge der mirtschaftlichen Lage notwendig gewordenen Einschränkungen gezwungen sei, fünftig auf die Dienste des Herrn Soundso zu verzichten, hatte ihn nicht ereilt. Noch nicht, dachte Frizz Müller, ohne sich dabei dieses Fleinen Wörtchens bemußt zu werden, das so schwer war von Bitterfeit und Angst. Von Monat zu Monat, von Quartal zu Quartal waren die Kollegen immer zahlreicher von dem kleinen papiernen Geschoß dahingerafft worden. Es war wie im Krieg. Man wußte nie vorher, men es traf. Zuerst hatte jeder zuversichtlich geglaubt: mich nicht; mit ber Zeit war aus dem Glauben nur noch ein leises Hoffen, dann eine stumpfe Ergebenheit geworden, hinter der sich verzweifelte Angst perbarg. Die Kündigungstermine beherrschten das Jahr, beherrschten das Leben. Man redete in den Mahlzeitpausen von Filmen, die man sich angesehen hatte die man sich noch angesehen hatte, dachte Friz Müller von Büchern, die man gerade las, von fleinen zeitlosen persönlichen Leiden und Freuden, von Politik aber das, was diese Unterhaltungen beherrschte, was immer wieder in ihnenhervorbrach oder krampfhaft von ihnen verdeckt wurde, war nur die eine große Frage, die das gefürchtete Ereignis schon vorausnahm: was dann? Man sprach selten direkt von dieser Angst, wenigstens in bezug auf das eigene Leben. Selbst guten Freunden gegenüber nicht; nicht mehr. Die Gefahr hing zu drohend über allen Köpfen. Man hatte Haltung gelernt. Jeden Tag begann das Leben von neuem, jeden Tag wurde, es mit einem fauberen Schlußstrich abgeschlossen, hinter dem sich der Saldo unauffällig verbarg. Manchmal tat man ein wenig zu forsch, lachte über einen belanglosen Witz oder eine forgenvolle Frage der Frau überlaut, und es war dann nicht immer leicht, wieder auszugleichen und ihrem forschenden Blick ein Gesicht entgegenzuhalten, das genügend gleichgültig erschien. Eigentlich war das ja auch gar nicht mehr notwendig. Friz Müller wußte genau, daß die Angst vor seiner Kündigung auch seine Frau schon seit langem nicht mehr losließ. Trotzdem spielte man sich gegenseitig Lebenssicherheit vor, so gut es eben ging, und wenn Frizz zu Hause in Zanten oder Schreien geriet und seine Frau oder die Jungen weinten, so waren der scheinbare Grund zu all diesem Aerger stets dumme Belanglosigkeiten. Man liebte sich, man hatte voneinander die besten Meinungen; doch diese quälenden Szenen waren immer häufiger geworden. Frizz Müller wußte um ihren wahren Ursprung. Beil er ihn fannte, hatte er dies Gegenmittel erfunden: flotter Schritt auf dem Nachhauseweg, stehenbleiben vor den Schaufenstern von Buchläden, ablenkende Gedanken suchen. Friz Müller war ein Buchhalter und ein Grübler, deshalb lag es ihm, das Prinzip des Ausgleichs, dem feine tägliche Arbeit diente, auch in die Praxis seines Privatlevens zu übertragen. Das in Tage aufgeteilte Leben nochmal teilen in Brivatleben und Beruf, und jeden Teil für sich sauber saldieren. Es war eine Art falscher Buchführung, und er tröstete sich wie jeder, der folche Buchführung treibt, mit der Hoffnung, daß sich der Bankrott so lange werde herausschieben lassen, bis bessere Zeiten ihn überflüssig machten. An Tagen, an denen Friz zu gründlich über diese Theorie nachdenken mußte, fonnte er sie allerdings nicht in die Braris übersehen, so sehr er sich auch darum mühte; er hatte teinerlei schaupelerische Begabung. Aber er hätte sich den flotten Schritt soweit zurückgewöhnt, daß er ihn meist auf dem Heimweg fast unbewußt einschlug und sich so den freundlichen Suggestionen hingab, die von ihm ausgingen. Heute, am Silvestertag, wo es besonders nötig gewesen wäre, gutgelaunt bei der Heimkehr zu sein, wurde seine Stimmung mit jedem Schritt düsterer. Ein Jahr der Angst lag hinter ihm, und Angst war das einzige Gefühl, das ihm die Zukunft einflößte. Drei Kollegen seiner Abteilung hatten zum Jahresschluß die Kündigung erhalten, einer davon, der von ein paar Urlaubstagen zurüdgekommen war, erst heute. Frizz hatte ihn noch am Morgen vor dem Büro getroffen; da hatte er lachend zu ihm gesagt:„ Wissen " Sie, fo'n paar Tage im Schnee- man wird' n ganz anderer Mensch!" Als er den Brief auf seinem Platz sah, war sein Gesicht plöglich grau und alt geworden. In der Frühstückspause hatten ein paar Kollegen trampfhafte Gespräche versucht, aber sie waren sehr rasch hilflos verstummt. Friz dachte jetzt nicht daran, daß ihm auch das Schicksal des Kollegen drohte; er durchlebte dieses Schicksal bereits. Mit dieser Last durfte er nicht nach Hause kommen. Er stand lange vor einem Schaufenster, von dessen Auslagen er nichts sah. Dann hörte er, daß ein Kind zu ihm sprach. Vielleicht hatte die Kinderstimme ihn geweckt, weil sie aus einer so fernen Welt tam. Er begegnete einem Blick von ernster Freundlichkeit, der von zwei Augen ausging, die sich etwa in der Höhe seines Knies über dem Boden befanden. Fritz Müller fühlte sich ein wenig verwirrt. Der Knirps, bettelte doch, und er hatte dabei Augen, die etwas zu | schenfen schienen. Um dieser Augen willen griff Friz Müller in die Tasche, obgleich er sonst bettelnden Kindern nichts gab. Doch das Kind machte keine Miene, die hingehaltene Münze zu nehmen. Es hielt die Hände auf dem Rücken und sagte min mit dünner Stimme, aber sehr deutlich: Brost Neujahr!" " Der Mann stand jetzt ratlos vor dem kleinen Jungen. Mas wollte der eigentlich von ihm? War das alles ein besonders raffinierter Trid, auf einen bettelnden Erwachsenen aufmerksam zu machen? Doch fein Bettler war in der Nähe. Friz Müller betrachtete den Jungen aufmerksam. Seine Kleidung sah sehr einfach aus, aber fic war ordentlich und schien genügend warm zu sein. Das Gesicht, das durch eine Narbe oder einen Geburtsfehler entstellt wurde, war ausgesprochen häßlich, bekam aber durch den seltsamen Ausdrud der Augen etwas eigenartig Anziehendes. Benigstens schien es Friz Müller so. Das Kind hielt seinem musternden Blick ruhig und ernsthaft stand. Es wiederholte mur noch einmal:„ Brost Neujahr." Und als hätte es Mitleid mit der Verlegenheit des erwachsenen Menschen, der da vor ihm stand, fagte es zum drittenmal, und lächelte nun leicht dabei: Prost Neujahr." Als Friz Müller unmillfürlich dieses Lächeln zurüdgab, fetzte sich der Knirps in Bewegung und lief um die Ecke, so, als sei es der Zweck seiner Anreden gewesen, dieses Lächeln hervorzurufen. Wenn das Kind sich noch einmal umgesehen hätte, wäre Frig Müller ihm wahrscheinlich nicht nachgegangen. So aber fehlte dieser merkwürdigen Bekanntschaft der abschwächende und beruhigende Austlang. Friz Müller schlug daher, ohne sich über die Gründe für dieses Handeln Rechenschaft abzulegen, sofort die gleiche Richtung wie das Kind ein, obwohl sein Weg eigentlich geradeaus Richtung wie das Kind ein, obwohl sein Weg eigentlich geradeaus geführt hätte. Als er in die Nebenstraße einbog, schien sich das Geheimnis, das sich an das Kind knüpfte, weiter zu entwickeln. Eine Frauenstimme rief ihn mit seinem Vornamen, und erst, als er den Knirps vor sich darauf mit Mutti!" antworten hörte, murde er sich bewußt, daß Geheimnisse meist sehr einfache Lösungen haben. Der Junge gehörte zu einer Scheuerfrau, die gerade die Türscheiben einer Gastwirtschaft blantrieb. Als das Kind herangefommen war, rüdte sie nach Mutterart irgendwelche Kleinigkeiten an feiner Kleidung zurecht, mit Bewegungen, die trotz ihrer Raschheit voll Güte und Zärtlichkeit waren. Frizz Müller war stehengeblieben. Als die Mutter sich wieder ihrer Arbeit zuwandte, kam der Junge noch einmal an ihn heran, nidte ihm zu und sagte den aus seinem Munde so seltsam tröstlich flingenden Gruß: Prost Neujahr." Die Frau drehte sich zu den beiden um und lachte dem Mann zu:„ Wo er das nur aufges fchnappt hat!" Friz Müller blickte verlegen. Er suchte nach irgend einem Wort, um sich noch nicht von dem Kinde trennen zu müssen, aber ihm fiel nichts Passendes ein. Die Frau, ein verarbeitetes Geschöpf von unbestimmbarem Alter, schien zu empfinden, daß der Mann auf eine Beranlassung zum Vermeilen hoffte. Während sie eilig weiterarbeitete, sagte fie: Er ist sonst sehr artig. Ich fanu ihn überall mitnehmen." ,, Sie gehen den ganzen Tag arbeiten?" fragte Fri. Ja, wenn ich was hab", sagte die Frau, indem sie den Scheiben den legten Glanz gab. ,, D ihr Mann..." Friz Müller sprach den Satz nicht zu Ende; er war erschroden, eine fremde Frau nach so persönlichen Dingen gefragt zu haben. Die Frau antwortete nicht. Sie war jekt mit der Tür fertig. Als sie sich umdrehte, fürchtete der Mann, einer abweisenden oder zornigen Miene zu begegnen. Aber ihr Blid war offen und von einem feltsamen Vers ständnis erfüllt; er glich sehr dem des kleinen Jungen. Sie sah den Mann einen Augenblic schweigend an. Dann fagte fie, als hätte sie seinen tiefsten Sorgen auf den Grund gesehen:„ Es geht schon weiter; man muß nur zusammenhalten." Das Kind, das noch immer neben dem Manne stand, nickte ihm noch einmal zu, che es zur Mutter lief und mit ihr in der Tür verschwand. Fritz Müller setzte seinen Heimweg fort. Seine Schritte flangen rasch und gleichmäßig. Sein Kopf schien ihm freier und flarer als feit langem. Er wiederholte sich den Saz: Man muß nur zu fammenhalten. Ja, dachte er, darauf fommt es an: sich mit der Wirklichkeit auseinanderzusehen und zusammenzuhalten. Wenn wir alle das begriffen hätten, sähe es anders aus. Diese Erkenntnis schien ihm eine tröstliche Berheißung zu enthalten. Kriege, dachte er, müssen nicht sein; auch keine Wirtschaftsfriege. Die abge arbeitete Frau weiß worauf es antommt; wit, ich und meine Kollegen, haben es zu lange nicht gemußt; mir magen heute noc nicht, offen zueinander darüber zu sprechen. Jeder sperrt sich vom andern ab. Es gibt noch leberstunden abzubauen, es gibt noch Möglichkeiten, manchem über diese Krisenzeit hinwegzuhelfen. Und es gibt eine hessere Zukunft: wenn wir zusammenhalten. Frih Müller sah plöglich viele und dringende Aufgaben vor sich. Diese Aussicht gab ihm hoffnung und Mut. Prost Neujahr". grüßte er seine Frau, als er in die Woh nung trat. Diese lachte nicht über den seltsamen Gruß; in dem Ton, in dem er ausgesprochen wurde, lag Ungefagtes und viels leicht Unsagbares. Ihr schien es, als sei ihr Mann näher bei ihr als seit langer Zeit. F. Schmelzer: Was ,, manimmerhat" so ein paar Pfennige hat man doch eigentlich immer." Nicht immer find Egoismus, lleberheblichkeit, Geiz oder Herz-| Er ist ganz verstört. Daß ich daran nicht gedacht habe, fagt er, losigkeit daran schuld, wenn ein Mensch am anderen, notleidenden, vorübergeht. Falsche Voraussetzungen, vor allem aber Gedankenlofigkeit, stellen sich beim sonst Gutherzigen überraschend dem Mitgefühl in den Weg. Allzu lange schon erwerbslos, sind meine Hilfsquellen erschöpft, und ich laufe den zweiten Tag schon hungrig und reichlich verzweifelt durch die Stadt. Mit dem Gefühl, daß jezt irgendwie etwas eintreten muß, das mich aus diesem erbärmlichen Zustand erlöst, schiebe ich den Gedanken an meine Wirtin zurud. Sie ist im Grunde ihres Herzens eine gute Seele, aber meine Mietschulden bei ihr treffen sie selbst empfindlich, und da ihr der Hauswirt keinen Bardon gibt, herrscht eine leise, verbitterte Stimmung zwischen uns. Und trotzdem würde sie mir zu alledem noch ein paar Frühstücsbrote auf Kredit geben, das weiß ich. Das soll aber der allerletzte Notanker bleiben. Traben wir also zuversichtlich weiter. Vielleicht hängt irgendwo ein Schild: Bote gesucht, oder ja, was fönnte es noch an Erwerbs möglichkeiten so ganz plöglich hier in der Stadt geben? Ich denke Mann an, der mich am Arm festhält und sagt:„ Teufel auch, wohin mir die märchenhaftesten Dinge aus, renne weiter und remple einen läuft du bloß so im Galopp, ich denke, du„ feierst" noch?" Das ist Fritz, ein Schulfamerad und ein alter Bekannter von mir. Er hat es sehr eilig, seine Firma hat ihn vor der Mittagspause nach einem fehlenden Artikel ausgeschickt. Er zieht mich mit fich, im Gehen fragt er mich aus, lädt mich zum Mittagessen ein. Fahr du schon voraus", ruft er und steht schon auf der Straßenbahn, du weißt doch, Linie 19". Jawohl, ich weiß. Und ich weiß auch, daß er ein lieber guter Kerl ist und daß seine wirtin etwas Gutes auf den Tisch bringt. Aber die Linie 19 kommt leider für mich nicht in Frage, weil ich teinen Pfennig Geld in der Tasche habe. Den Weg von einer Stunde fann ich in meinem abgewirtschafteten Zustande nicht zu Fuß machen, entweder muß ich also verzichten, oder Jagd nach Fahrgeld veranstalten. Im letzten Moment fällt mir eine leere Spiritusflasche zu Hause ein. Die Pfandsumme" ergibt die Fahrt ins Schlaraffenland. Nach Tisch erzähle ich Fritz von meiner Unbill. ins Schlaraffenland. Nach Tisch erzähle ich Frih von meiner Unbill. Natürlich hat er von sich aus recht. Diese paar Pfennige haf selbst er, der mit seinem Enappen Verdienst noch arbeitslose Kollegen unterstützt, alte Freunde durchfüttert. Hier handelt es sich noch um bares Geld, um den Lupus einer Straßenbahnfahrt, im folgenden Beispiel geht es noch um viel Geringeres. Zusammentreffen zweier Frauen ehemaliger Arbeitskollegen. Frau Müllers Mann bringt ein Minimum an Wochenlohn nad Hause. Sein Abbau steht bevor. Sie hat fehr zu kämpfen und vollbringt mit ein paar Groschen relativ Wunderbares, denn fie t geschickt, mehr als sparsam und selbst bis zum äußerſten genügſam, Sie weiß, daß es Frau Benge, der sie im Hausflur begegnet, noch weniger gut geht als ihr. Frau Benge ist wortfarg, blaß und gibt der Fragenden ausweichende Antworten. Frau Müller hat ihr elendes Aussehen wohl bemerkt, sie bedauert sie von Herzen, sie fah aber auch den fledigen, vernachläffigten Anzug, schmutzige Hände. Und dabei macht ihr Mitleid halt. Man kann sich doch wenigstens jauber halten, menns einem auch nicht gut geht, denkt sie, Wasser und Seife hat man doch immer"! Wasser? Gewiß. Aber Seife? Woher weiß Frau Müller, daß Seife ein Artikel ist, den ,, man doch immer hat"? Also auch bei ihr gibt es noch einen fleinen eisernen Bestand von Dingen, die ein fach immer da sind. Auch bei ihr, die kaum das nötigste hat. Folge richtig ist also, daß, je niedriger der Lebensstandard, desto geringer das sein wird, was man immer hat". Die Armen, die mit dürftigster Nahrung in ungeheizten Stuben fampieren müssen, haben dieses färgliche Obdach immer noch den Allerärnisten voraus, dia fich in Wärmehallen, Asylen herumbrücken müssen. Und wenn der obdachlose Bettler ein Streichholz aus seiner zerrissenen Tasche flaubt, um den aufgelesenen Zigarettenstummel anzuzünden, so ist schließlich dieses eine Streichholz auch etwas, was man doch immer hat". Es gibt noch Wisente im Kaufajus. Wisente sollen sich nach Amich'er im Gebiete der Großen und Kleinen Laaba zwischen 40 und 42 Grad östlicher Länge und unter 44 Grad nördlicher Breits aufhalten. Es dürften nur noch ganz wenige Stüde sein. K Am Montag, dem 4. Januar 1932, beginnen wir in unseren Warenhäusern mit dem B 3NVENTUR- VERKAUF Unsere anerkannt guten Qualitäten beweisen bei sehr herabgesetzten Preisen unsere Leistungsfähigkeit G Konsum- Genossenschaft Berlinu. Umgegend Eing. Genossenschaftm.beschr.Haftung Unsere Warenhäuser sind aus Anlaß der Inventuraufnahme am Sonnabend, dem 2. Januar 1932, geschlossen K B