Morgenausgabe Ar. 3 A 2 49. Jahrgang WSch-NÜich 7S Pf., monatlich Z.SZ M. I davon 37 Pf. monatlich für Zufiel» lang ins Hans) im voraus zahlbar. Postbezug 3,»7 M. einsch.iehl ich so Pf. Ponzeitungs» uirb 72 Pf. Poflbeitellqe- buhren.Auslandsabounement»,ss M. pro Monat; für Länber mit ermäßig» tem Drucksachenporto 4;e5 M. Der„Vorwärts" erscheint Wochentag» lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und tei Sandel mit dem Titel„Der Abend", Illustriert« Sonntagsbeilage »Volk und Zeit". ff> berliner Solksvlatt Souniag 3. Zanuar 1932 Groß-Äerlin 15 Pf» Auswärts 20 pf. Die einspalt. Noripareillezeile L0 Pf. Rellamezeile 5,— RM.„ZUeiue An- zeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pf. lzuläfsig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere' Wort 12 Pf. Rabatt lt. Tarif. Stellengesuche das erste Wort 15 Ps.. jedes weitere Wort Ii) Pf. Worte über 33 Buchstabe» zählen für zwe, Worte. Arbeitsmartt Zeile 60 Pf. Familien- anzeigen Zeile �0 Pf. Anzeigenannahme imchauptgejchäft Lindenstraße 3. wocheu- täglich von N/, bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! ZentvawLgan der Sozialdemokratischen HSavtei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 ffernspr.. Tönbofl(A 7) 292— 297. Tclegramm-Adr.: So�ialdemokrai Berlin. Vorwärts-Verlaa G. m. b. H. Postschocklomo: Berlin 37 336.— Banklonlo; Banldcr Arbeiter. Angestellte» und Beaviten,Lmdenstr.3. Dt B.u.Dlöc.»Ec>.,Dcpolitcnk.,LeruIl:lemerSn. 63/66. Harzburger Krönt mit Keile. Schwere Schlägereien zwischen Aazis und Stahlhelmern. Güstrow, 2. Ian»iar. In der Silvestcrnachl wurden mehrere Herbergen in Güstrow und das Stahlhelm» heim der Schauplatz schwerer Schlägereien mit politischem Hinlergrund. Gleich nach Vegina des neuen Zohres kam es im Stahihelm-heim Zwischen Slahlhelmcrn und Rationalsoziali st cu zu Tätlichkelteii, die eiucn Schwerverletzten forderten. Ebenso solgeuschwer verlies die Schlägerei in der Herberge zwischen herbcrgsinsassen. Auch hier wurden zwei Personen schwer verletzt. und zwar handelt es sich um die Ehefrau Gatzner aus Güstrow und den herbcrgsinsassen Arbeiter Jritz Eichelhardt. Leide hoben schwere Kopfverlehungen erlitten und liegen bedenklich danieder. ?m Stahlhelm, heim wurden fast sämtliche Einrich» tungsgegen stände wie Tische, Stühle sowie die Fensterscheiben zcrlrümmcrl. Die Kriminalpolizei hat sofort eingehende Ermilllunge» zur Feststellung der Täler ausgenommen. Einige Rädelsführer sind bereits verhastet. Krach auch in Niederschlesien. Lceslau, 2. Januar.(Eigenbericht.) Don der 5) a r z b u r g e r Front ist in Nicdcrschlcsien nicht viel zu spüren. Lielmehr vermöbeln sich hier Nazis und Deutschnationalc tagtäglich, daß es nur so hagelt. Der neueste Krach ist zur Zeit anläßlich der am 10- Januar swttsiudenden Wahlen zur Landwirtschastskammer in Breslau im Gange. Die Nalioiiolsoziertistcn haben wochenlang den gegenwärtig aintiercndeu Vorstand der Landwirtschastskammer, der sich nur aus Anhängern der Londbundrichtung und Vertretern des Großgrund� besitze-j zusammensetzt, aufs rücksichtsloseste angegriffen. Dein Präsidenten der Kommer, von Bernuch, wird von Naziscite u. a. vergewarfcn, er habe minderwertiges Vieh aus eigenem Bestände zu teurem Preise an ein von der Kammer cinge- richtctes Mustergut verkauft. Die Folge � dieser Verdächtigungen werden mehrere G c r i ch t s v c r j a h r e n sein, aus denen die Leffcntlichkeit bald erfahren dürfte, vb die junkerlich-deutschnationalc Vürokratic der Brcsloucr Landwirtschastskammer wirklich saubere Westen Hot oder nicht. Die politischen Konsequenzen der Fehde zwischen Nazis und Londbundleuten lasten sich nach nicht ganz über- sehen. Ein« gemeinsame Liste der beiden Gruppen wird kaum noch zustande kommen. Anscheinend ist aus beiden Seiten nach so viel Gehässigkeiten keine Neigung mehr für ein politisches Zusammen- gehen Vorhände». Außerdem soll, wie jetzt berichtet wird, Hitler seiner niedcrschlcsischen Gauleitung jedes Bündnis mit dem Land- bund untersagt Hobe», obwohl sich Vertreter des nicderschlesischc» Landbundes in München abmühten, Hitler von der Zweckmäßigkeit eines Zusammenwirkens zu überzeugen. Die Parteileitung der NSDAP, hat demnach den Laiidbiindleutcn Schlesiens den Stuhl vor die Tür gesetzt. Außer den Nazis und dem Landbund werden der Bauernbu.id und der Bauernnercin am 10. Januar mit eigenen Vorschlägen aus- marschieren, so daß der Kamps um die berufsständische Vertretung der niedorschlesischen Landwirtschaft heftig werden wird. Er dürste einen ersten Borgeschmack auf die bevorstehenden politischen Wahlen liefern und zeigen, wie stark insbesondere die schlcsische Bauernschaft bereits von dem faschistischen Gift ergriffen Ist. Was ist mit Best? Sie Nazis behaupten, das Verfahren fei eingestellt! Aus Hessen wird von nationalsozialistischer Seite gemel- det, daß das vom Rcichsaruvalt gegen den Verfasser der Boxheimer D o k u m e n t e'Dr. Best eingeleitete Ver- fahren inzwischen eingestellt worden sei. Eine Bestätigung dieser Nachricht liegt bis jetzt nicht vor. Sic klingt jedoch angesicfsts der schon vor der Eiiüeitung des Verfahrens geäußerten Ansicht des Oberreichsanwalts nicht gerade unwahrscheinlich. Wenn sie sich bestätigen sollte, so würde das allerdings eine Brüskierung des Rechtsaewissens darstellen, wie sie schlimmer kaum erdacht werden könnte. Wir brauchen nicstt erst.zu sagen, wie fern wir den Agi- tationsmethodon der Kommunisten stehen, die in der Sozial- demokratie ihren schlimmsten Feind sehen. Trotzdem oder gerade deswegen halten wir die vielfachen Anklagen und Urteile gegen Kommunisten, die beim Reichsgericht erhoben und gefällt wurden, für mehr als fachlich anfechtbar. Sie sind zumeist, soweit sie sich auf„literarischen Hochverrat" beziehen, so gekünstelt, daß die Kabinettsjustiz des Vormärz darauf neidisch werden könnte. Wenn auch nur dos gleiche Maß juristlschen Scharfsinns. der gegen Buchhändler. Schriftsetzer und Zeitungsfrauen kommunistischer Richtung aufgeboten wird, gegen die Box- h c i m e r Blutdokumentc angewandt würde, so wäre der juristische Nachweis der V o r b e r e i t u n g d e s Hochverrats spielend erbracht. Die vorzeitige Einstellung des Verfahrens gegen den Nazi-Best untr Genossen würde dar- tun, daß der juristische Scharfsinn bei der Oberreichsanwolt- schaft plötzlich verflogen ist. Aus welchen Ursachen, darüber konnte sich die Welt vergeblich den Kopf zerbrechen. Naziparlamentarismus in Hessen. Die Agitationsforderungen im Parlament. Darmstadt. 2. Januar.(Eigenbericht.) Die nationalsozialistische Fratlion hat jetzt im hessischen Land- tag die zwölf A g i t a t i a n s f o r d e r u n g e n, die sie kürzlich dem Zontrum als Regierungsprogramm Übermittelle, in Form von Anträgen eingebracht. Danach soll der Landtag be- schließen, daß in Zukunft nur ein Minister amtiert. Allerdings ist die Forderung der Nationalsozialisten gegenüber dem Zentrum, daß dieser ein Minister ein Nationalsozialist sein soll, in dem Antrag nicht enthalten. Außerdem fordern die Nationalsozialisten die Auf- Hebung der hessischen Gesandtschast in Berlin und die Streichung sämtlicher Staatsratsstellen. Ferner soll die im Staatsverlag er- scheinend-..Darmstädter Zeitung", das jetzige Regierungsorgan, ihr Erscheinen einstellen. Die Nazis hoffen, daß ihre Steigbügelhalter, die Kommunisten, für ihre Anträge stimmen werden und sie damit eine Mehrheit tzrhallen..,->- Bürgerkriegsübungen in Niederschlesien Im'Zeichen der Notverordnung. Im nördlichen Niederschlesion verstärkt sich der national- sozialistische Terror unausgesetzt. Das in Neusalz a. d. O. erscheinende sozialdemokratische Organ berichtet darüber aus Glogau und Umgegend: „Seit Wochen sind Borgänge beobachtet worden, die eine starke Beunruhigung unter die Bevölkerung tragen. Im Zeichen des Uniform- und Abzcichenverbots ist es noch immer möglich, ungehindert in der Stadt in der Uniform des Jung st ur ms mit„Spaten" spazieren zu gehen. Auch Patronen, dutzendweise als Duin-Dmn-Geschosse hergerichtet, wurden gesunden. Ferner werden Nachtübungen der Nazis und verbotene Hausversammlungen gemeldet. Die Ablösung der Wache im SA.-Heim-Glogau erfolgt mit Auto und Fahne. Aach der Stahlhelm marschierte dieser Tage geschlossen zu einer Werbe- Versammlung. Während einer Schlägerei zwischen Nazis und Gegnern kam nach dem Ertönen einer Trillerpfeife aus dem SA.- heim„Verstärkung". Sie beteiligte sich an der Schlägerei. In Alt- wasser fanden Kurse des Stahlhelm statt. Aus Hambach und Groß- Gräditz kommen ebenfalls Meldungen über Nachtübungen. Aus Brostau wird gemeldet, daß in den letzten Tagen wieder ein Nazi-Trupp des Nachts geschlossen zur Ucbung marschierte. In der Nacht ging ei» Glogauer Bürger von der Brastauer Straße durch die Schrebergärten nach der Raulchwitzer Straße zu. Plötzlich hörte er den Ruf:„hall! Stehen bleiben, nicht weiter gehen, bei Lebens- gefahr!" Da er kein ängstliches Gemüt hat, ging er unverdrossen weiter. Noch zweimal ertönte der Ruf. Daun sah sich der Spaziergänger einer sich„als Wache" vorstellenden Gruppe von vier Mann mit geschullerten Spazierstöcken gegenüber. S'e wollten ihn hindern weiterzugehen. Nur sein cncrgiichcr Protest gegen den wacht- habendcu Häuptling verschaffte ihm die Möglichkeit, den 5)eimweg fortzusetzen." Und das alles im Zeichen der jüngsten Notverordnung! Hugenberg-Zeitung vor dem Ende? Wie die„Münchener Post" erfährt, ist dem Gesamt- personal der„München-Augs'ourger Abendzeitung" am letzten Tag des alten Jahres gekündigt worden. Damit scheint die schmerzhast-lange Agonie des Blattes i» den Auflösungsprozeß überzugehen.. Ein trauriges Ende der einst vornehmen liberalen Zeitung, die seit Jahren„Politik" im Stile hugenbergs betreiben mußie, in dessen Konzern sie ausgegangen war. Ein Lörseazeik>ags.Gcuewl. Der Verleger und Mitbesitzer der„Berliner Börsenzeitung", A. Killisch von Horn, teilt mit, daß sein Nesse, der General ocr Infanterie a. D. Joachim vou Stülpnagel, in den Verlag eingetreten ist. Das � Blatt, von dem behauptet worden war. es werde zu Neujahr mit der ,DAZ." verschmolzen, besteht selbständig weiter. Gegen die Eiserne Front! Wer?- Goebbels und die Kommunisten! Muß man in Deutschland in Kabelbrunnen kriechen, wenn man die Oefsentlichkeit sucht? Muß man Fernsprech-- lcitungen heimlich anzapfen, wenn man das Ohr des Volkes finden will? Muß man sich heimlich in Reden anderer ein- schleichen, wenn man dem Volke wirklich etwas zu sagen hat? Es mag diese Methode der Geheimbündelei der einzige Weg sein, auf dem man in terroristisch beherrschten Ländern eine eigene freie Meinung, nnbedrückt und ungehemmt von einer diktatorischen Gewalt, einem weiteren Kreise zugäng- lich machen kann. Wenn die Freiheit erstickt ist, wenn das Volk nur die Stimme eines autokratischen Regimes hören darf und Totenstille sich über bedrücktes unfreies Volk legt, dann ist es Pflicht, auf allen Wegen und mit allen Mitteln das Ohr des Volkes zu suchen! Muß man wirklich in Deutschland zu konspirativen Mitteln greifen, wenn man eine freie politische Meinung sagen will? Die Kommunistische Partei verfügt über eine Presse und über einen Partciapparat. Sie kann vom Montag an wieder wie alle Parteien in Deutschland öffentliche Versammlungen abhalten und Flugblätter verbreiten. Sie hat weitgehende Freiheit der Agitation. Man kann in Deutschland oppositionelle Meinungen in breitester Oefsentlichkeit vertreten. Man genießt bei An- griffen gegen Staat, Regierung und Verfassung trotz Not- Verordnung einen recht weiten Spielrapin, sicher einen un- endlich weiteren als in d e n Ländern, die für Rechts- und Linksradikalinskih VorbUdcr sind. Man kann werhen für polt- tische und wirtschaftliche Nah- und Fexizziele, die völlig ab- weichen von den Plänen und Zielen der Regierung— und vielleicht märe es gut, wenn viel stärker als bisher nicht nur radikale Stimmungen, sondern wahrhaft radikale positive sinnvolle Pläne vertreten würden! Man kann in Deutsch- laud jederzeit das Ohr des Volkes finden— wenn man etwas zu sagen hat. Wer unter diesen Umständen das Ohr des Volkes nicht zu gewinnen, sondern zu erschleichen sucht, der muß wenig Vertrauen zu dem haben, was er zu sagen hat! Was hatten sie denn zu sagen, was ist die große Heils- botschaft, die sie aus dem Kabelbnumen hinter Neukölln über das angezapfte Fernsprechkabel dem deutschen Volke ver- künden wollten? Die Lotschaft war leer und hohl wie alles, was von den kommunistischen Agitationsschwätzern kommt. Es waren die abgedroschensten Schlagworte, die bekannten kraftineiernden Phrasen der kommunistischen Propaganda. Aus ihnen sprach weder Sinn, noch Kraft, noch Würde. Hat es Sinn, dem Volke, und vor allein dem arbeitenden Volke zuzurufen„Heil Sowjetdeutschland", wenn als nächste Aufgabe die Verteidigung der Freiheit und der Demokratie gegen den Faschismus vor dem Volke steht? Soll die Ar- beiterschaft sich für den Tod der Freiheit und der Demo- kratie im Zeichen des Sowjetsterns begeistern, weil der Faschismus mit der demokratischen Verfassung die Freiheit der Arbeiterschaft zu meucheln sucht? Das hat nicht nur keinen Sinn, es ist vielmehr auch ein sicheres Zeichen mangelnden Ärastgefühls und»mangelnden Kampfwillens! Es bedeutet, den Kampf gegen den Faschi»« mus aus der Wirklichkeit in das Reich der Illusion verlegen. Mehr als das! Es ist die ideelle Unterstützung der Sache der Unfreiheit. Wer heute Diktatur und Terror predigt, der predigt sie für den Faschismus! Die Erhaltung der Demokratie— das bedeutet die Er- Haltung des Lebenselements der Arbeiterschaft. Wer sie zu zerstören sucht, gleichviel aus welchem Lager, dient objektiv der Sache des Faschismus. Das ist seit Monaten der Leit- gedante aller Politik im Interesse der Arbeiterklasse. Die Kommunistische Partei verstößt systematisch gegen diesen Leitgedanken. Sie hat sich seinerzeit an die Seite der Faschisten gestellt, als der Faschismus nach der Macht in Preußen greifen wollte. Ueber diese Frontstellung der Kom- munistischen Partei schrieb T r o tz k i in der Broschüre„Gegen den Nationalkommunismus": „Wenn die Faschisten die Acbeitertlajse zertrümmern würden, dann könnte von einer Eroberung der Macht durch die Kommu- nisten auch nicht dt« Rede sein. Die Arbeiterklasse und ihre Organisationen vor den Faschisten zu schützen, bedeutet für uns, uns die Möglichkeit zur lieber- zeugung der Arbeiterklasse zu sichern und sie zu uns zu führen. Darum können wir nicht anders zur Macht kommen, als alle Wir beugen uns nicht? Oer Reujahrsaufrus unserer österreichischen Bruderpariei. Elemente der Arbeiierdemokratie im kapitali- st i s ch e u Staate schützend, nötigenfalls mit der Waffe in der Hand." Gemeinsame Sache machen mit den Faschisten gegen die .'!>' ieitcrdcmokratie— das ist die Praxis der komumnistischen Pnlitik, während ihre Agitation„Heil Sowjetdeutschland" ichreit. Die deutsche Arbeiterschaft will heute kein hohles Geschrei höxen. Sie will wissen: was geschieht praktisch gegen den Faschismus? iti Was haben die Kommunisten der deut- | ,1) e n Arbeiterschaft darauf zu antworten? Um diese Antwort zu geben, brauchen sie nicht Konspiration spielen und in Kabelschächte zu kriechen! Das Ohr der deutschen Arbeiterschaft wird jeder freien, ehrlichen, zweck- mäßigen Antwort auf diese Frage offen stehen! Mit dem 3. Januar, mit dem heutigen Tage, läuft der durch die Notverordnung gebotene Weihnachtsfriede ab. Vom Montag an sind wieder öffentliche politische Versammlungen möglich. Was wollen die Kommunisten unternehmen zum kämpf für die Erhaltung der Arbeiterdemokratie, wie wollen Iis den Kampf gegen den Faschismus führen? Werden sie sich anreihen in die Front der Freiheit und der Demokratie? Sie haben die Antwort bereits gegeben! Sie kündigen für Montag eine Reihe von öffentlichen Versammlungen an mit dem Thema: Rote Einheits- front gegen Eiserne Front! Also Front gegen die Verteidiger der Freiheit und der Demokratie, Front gegen die vereinigten Kampforganisationen der Arbeiterschaft, Front gegen die Feinde des Faschismus! Das ist die Antwort der Kommunistischen Partei auf die Sammlung der Arbeiterschaft in der Eisernen Front! „Doch bleibt die Tatsache bestehen— in einer bestimmten Kampagne hat die Stalinsche Bürokratie die revolutionären Arbeiter in eine Einheitsfront mit den Nationalsozialisten gegen die Sozialdemokratie hineingepreßt." So schrieb T r o tz t i nach dem Volksentscheidbündnis der Kommunisttschen Partei mit der Harzburger Front in Preußen. Diese Einheitsfront existierte nicht nur zeitweilig in einer bestimmten Kampagne— sie tritt auch heute wieder in Erscheinung. Getreu der Parole„H a u p t f e i n d i st und bleibt die Sozialdemokratie" schickt sich die Kommunistische Partei an. der Eisernen Front in den Rücken zu fallen! Sie können es nicht erwarten, daß die Freiheit in Deutschland unter dem Ansturm des Faschismus zusammen- bricht, darum tun sie ihr möglichstes, um die Bildung einer wirklichen Einheitsfront zu erschweren! Nicht die Verteidi- gung. der Tod der Demokratie ist ihr Ziel! Ist es auch Wahnsinn, hat es doch Methode. Es ist die Methode, die die Kommunistische Partei im Kampfe gegen den demokratischen Sozialismus von jeher geübt hat! Wir antworten der deutschen Arbeiterschaft: Die beste Antwort auf die Drohungen des Faschismus ist der ein» mutige Abwehrwille der ArbeitLrschast im Zeichen der demokratischen Freiheit! Es gilt nicht illusionären Träumen von einer deutschen Sowjetdiktatur nachzujagen, es gilt viel- mehr, die den Faschisten oerhaßte demokratische Republik zu verteidigen. Der Weg zur sozialen Denwkratie geht nicht über die Trümmer der demokratischen Republik, er ist nur in der demokratischen Republik möglich. Mit der demokrati- schen Republik eng verbunden ist das Geschick der großen Kampforganisationen der Arbeiterklasse. Sozialdemokratie. Gewerkschaften. Reichsbanner, Arbeitersport. Republikaner- organisationen stehen in einer Front zur Verteidigung der Freiheit. Stärkt die Eiserne Front! Das ist unsere Antwort an die Arbeiterschaft, das ist unsere Antwort auf das Haßgeheul der Kommunistischen Partei gegen die Eiserne Front, das vom Montag an ausbrechen soll. Wir werden dafür das Ohr des Volkes finden! Wir werden die Freiheit nicht ersticken lassen! Wir kämpfen in der Demokratie mit der Demokratie für die Demokratie! Goebbels will Berlin erobern! Generalangriff Oer Nazis auf die betriebe. Die Berliner Nationalsozialisten haben schon in, ver- gangenen Lahre einen Versuch unternommen, in die in- dustriellen Großbetriebe Berlins einzudringen. Der Erfolg war sehr mäßig und höchstens zur Bestätigung der Tatsache geeignet, daß es schon immer einige Gelbe gegeben hat, die nun eben aus Braun aufgefärbt wurden. Jetzt aber will Goebbels aufs Ganze gehen, und so verkündet er in seinem„Angriff": Die zweüe Angriffswelle setzt ein. Erobertdie Betriebe! Sie wird mit derselben Methode und unter Anwendung derselben Systematik hochgepoitscht. In regelmäßigem Wechsel werden wir Woche um Woche durch riesige Flugblatt- und Versamntlungs- lampagnen das Bombardement auf die marxistischen Hochburgen er- öffnen und die gegnerischen Stellungen sturmreif schießen. Das ist eine Aufgab« nicht nur für unsere Betriebspioniere, sie ist auch für die Gcsamtpartei in der Reiwshauptstadt verpflichtend. Unsere ganze Arbeit muß sich daraus konzentrieren. Millionen Flugblätter werden in den nächsten Wochen vor den Fabriken und Werkstätten verteili. In allen Stadteilcn sollen systematisch A r- beitslosenversammlungen veranstaltet werden. Monat für Monat findet im Sportpalast zu billigstem Eintrittspreis eine große Arbeitcrdemonstration statt, auf der die besten Redner der Partei zu den werktätigen Massen der Neichshaupfftadt sprechen. Die Berliner Partcipresse wird ganz auf diesen Kampf eingestellt. Schließlich wird der kleine Gernegroß pathetisch und deklamiert: Es wird in den nächsten Monaten um Deutschlands Schicksal und um das Los der deutschen Arbeiterschaft, für alle Zukunft bindend, gcwürseü. Wer das Spiel verliert, der hat für immer verloren. Da nehmen wir chn beim Wort!........ Der Neujahrsaufruf der deutschösterreichischen Sozialdemokratie führt nach einer Bilanz der Wirtschaftskrise aus: Schwerer noch als die anderen kapitalistischen Länder ist unsere Republik betroffen. Nach elf Jahren bürgerlicher Allein- Herrschaft ist imser Land in schrecklichster lßot. Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit und Lohndruck verelenden die Arbeiterklasse. Unter dem Druck des Defizits in den öffentlichen Haushallen werden die Be- zügc der öffentlichen Ange st eilten immer tiefer gesenkt. Unzählige Kleingewerbetreibende gehen zugrunde. Die Bauern sind in schwerer Rot. Der Kapitalismus, der sich entwickelt hat auf der Grund- läge des Elends des arbeitenden Bolkcs, begräbt noch in seinem Sturze unzählige arbeitswillige Menschen unter seinen Trümmern. Der Sozialismus allein weist den Weg aus dieser Zer» rüttung alles wirtschafllichen Lebens. Die Weltkrise des Kapitalis- mus mahnt uns zum Kampf um unsere Ziele: Slaalskaptlalismus als llebergangeform zum Sozialismus au Stelle des zusammengebrochenen Privalkapilolismus! Gesell- schastllche Planwirtschast au Stelle der kapitalistischen Anarchie! Während die spanische Revolution das Joch des Faschismus zerbrochen hat, während das faschistische Ungarn sich bankrott erklären muß/während das faschistische Italien von den Fieber- schauern der Wirtschaftskrise geschüttelt wird, rüstet die österreichische Reaktion ihre bewaffneten Banden aus, um die Arbeiter- klaffe niederzuwerfen. Die Schwerindustrie hofft aus den Sieg einer hakenkreuzlerisch- faschistischen Gegenrevolution in Deutschland. Preußenparlament bei Jahresbeginn. Noch kein Termin für Etatberatungen. Jin Preußischen Landtag beginnen die parlamentarischen Ar- bellen nach der Weihnachtspause bereits am 11. Januar, wo der Beamtenausschuß zu einem für mehrere Tage berechneten Sitzungsabschnitt zusammentreten wird. Am 12. Januar kommen noch die Verhandlungen des Rechtsausschusses und die eines der größeren Untersuchungsau-fchüfie hinzu. Am 14. Januar tritt der R e ch n u n g s a u s s ch u h des Land- tags zusammen, am IS. Januar der Hauptausschuß und am 18. Januar ein weiterer Untersuchungsausschuß, der sich mll personalpolllischen Angelegenheiten zu beschäftigen hat. Die Plenarverhandlungen des Landtags werden am 19. Januar wieder beginnen. Ursprünglich hatte man gedacht, daß zu diesem Zeitpunkt berells der preußische Etat für 1922 dem Parlament vorliegen werde. Diese Möglichkell gist nunmehr als ausgeschloffen. Sobald die preußische Regierung den Etat ver- abschiedet haben wird, geht der neue Haushaltsplan an den Staats- rat, der sich ungefähr bis zu drei Wochen mll chm beschäftigen wird. Das Staatsratsplenum ist emstweilen auf den 19. Januar einberufen worden. Airs der Tagesordnung dieser ersten Plenar. sitzungen des Staatsrats nach der Weihnachtspause stehen wegen der ungeklärten Situationen hinsichtlich des Etats vorläufig nur die Austührungsbestimmungen der preußischen Staatsregierung zur Vierten Notverordnung des Reichspräsidenten und zur Zweiten Sparverordnung der preußischen Regierung. Immerhin rechnet man m preußischen parlamentarischen Kreisen damit, daß der Etat für 1922 Anfang Februar berells dem Landtag zugehen werde. Hamburg braucht Reichshilse. Fehlbekrag von 18 Millionen Mark im Etat. Hamburg, 2. Januar.(Eigenbericht.) Der Hamburger Senat hat der Oeffentlichkeit eine Denk- schrift über die Finanzlage Hamburgs übergeben. Danach betragen die Mindereinnahmen bei einem Etatvoranschlag für 1931 in Höhe von rund 429 Millionen Mark etwa 58 Millionen Mark, deren Ersparniffe von 35,5 Millionen Mark gegeiniberstehen. Das verbleibende Defizit vermindert sich durch die Maßnahmen der Vierten Notverordnung auf etwa 13 Millionren Mark. Der Senat sieht keine Möglichkell mehr, diesen Fehlbetrag durch Ersparniffe an persönlichen oder sachlichen Kosten zu decken. Angesichts dieser Situation ist Hamburg auf die Hilfe des Reiches a n g e w i e s e n, für die die Hansburger Landesregierung eine rechtliche Voraussetzung in den Belastungen Hamburgs mll den Zuschüssen zu dem Hamburger Hafen sieht, die für 1931 aus nicht weniger als 23 Millionen Mark geschätzt werden. Hamburg hat deshalb auf Grund des Artikels 8 der Reichsverfaffung und des § 53 des Fiimnzausgleichsgcsetzcs denn Reich die Uebernahme der Hmcnzuschüssc auf die Reichskasse beantragt. Das Reichsausgleichs- gesetz bestimmt in seinem§ 58, daß das Reich im Fall« des Bedarf- niffes zu den Kosten einer in ihrer Bedeutung sich aus das ganze Reichsgebiet oder auf einen größeren Teil des Reiches erstreckenden wirtschostlicheu Unternehmung seines Landes einen Zuschuß zu leisten hat. Handelskammern berichten. �ahuseu-Kammer gibt gute Lehren.- Schlesien gegen den deutsch- polnifchen Zollkrieg. Die Jahresberichte der deutschen Handelskammern für 1931 bieten manchen Einblick in die besonderen Verhältnisse der einzelnen deutschen Wirtschaftsgebiete. Im Bericht der Hamburger Handelskammer für 1931 wird festgestellt, daß im Hamburger Hafen in den ersten neun Monaten des Jahres der eingehende Güterverkehr um 9,2 und der ausgehende um 10,3 Proz. zurückgegangen ist. Am 1. Dezem- bor lagen im Hamburger Hafen 197 Seeschiffe mll rund 559 999 Brulloregistortonnen aus. Es entspricht der Harttöpfigkeit der Hamburger Kaufmannschaft, bei der Dr. Schacht un d auch Hitler immer gern gesehene Gäste waren, wenn der Jahres- bericht Einspruch gegen die Behauptung zu erheben wagt, daß die Ehrbegrifse des Kaufmanns ins Wanken geraten seien. Die Hamburger merken nicht, daß sie hier offene Türen ein- rennen, nachdem Herr Krupp von Bohlen und Halbach als Präsident des Reichsoerbandcs der deutschen Industrie und sämtliche zehn Spitzenvcrbände der deutschen Unternehmer diese Feststellung kürz- lich selbst getroffen haben. Die Aristokraten hoffen ans die Wiederkehr der Habsburger in Ungarn. Beide rüsten die H c i m w e h r c n zum cnffchcidcnden Schlage. Die regierenden bürgerlichen Parteien leisten den Mstungcn der Putschisten keinen Wiederstand. Wir Sozialdemokraten haben den Heimwehrfaschismus 1929 im Verfassungskampf, 1939 im Wahlkampf geschlagen. Wir allein können und werden die faschistische Gefahr auch jetzt abwehren. Die Weltentscheidung zwischen Kapitalismus und Sozialismus wird nicht in unserem kleinen Lande fallen. Aber wenn ihre Stunde in der großen Well kommt, dann wollen wir dabei sein, und nicht als die letzten dabei sein! Darum müssen wir frei sein, wenn die Stunde der Entscheidung schlägt! Darum werden wir uns nicht vorher von den Faschisten binden und knebeln lassen! Wenn sie uns angreifen, dann werden wir uns wehren! Mit dem Faschismns werden wir feine kapitalistische« nnd aristokra- tischen Hintermänner schlagen! Da- Elend der Krisenzell muß uns befeuern zum Kampfe für das sozialistische Menschheitsideal. Es muß uns mll dem eisernen Entschluß erfüllen, unsere Arm- frei und stark zu erhallen für die nahenden Stunden der Entscheidung. Brüderlichen Neujahrsgruß den Genossen und Genossinnen in unserem Lande und in der ganzen Well! Es lebe die Sozialdemokratie! Es lebe die Internationale! Der Jahresbericht der Handelskammer in Bremen möchte in ähnlicher Weise dem Staat B e l e h ru n g e n geben über Sparsamkeit und vernünftige Wirtschaftspolitik. Das ist die- selbe Handelskammer, deren Präsident.Herr L a h u f e n war. Im übrigen ist auch in Bremen der Hafenverkehr sehr stark zurückgegangen: in den ersten zehn Monaten 1931 bei der Einfuhr um 22, bei der Ausfuhr um 11,5 Proz. gegenüber der gleichen Zell des Vorjahres, was in der Hauptsache dem Transportausfall von Getreiden, Erzen und Holz zu danken ist. Der Jahresbericht des Verbandes der n i e d e r s ch l e s i- schen Industrie- und Handelskammern nimmt in ausdrucksvoller Weise gegen den noch immer fortbestehenden vcr- traglosen Zustand mit Polen Stellung. Der vcrtragslose Zustand mit Polen bestehe nunmehr schon 6!£ Jahre. Je länger es andauere, um so größerer Mühe werde es'bedürfen, ihn zu de- endigen. Auf die Dauer sei der Zustand unmöglich, daß zwischen zwei Ländern mll langen gemeinsamen Grenzen und natürlicher wlltschaftlicher Verflechtung keine ordnungsmäßige staatliche Han- delsregelung besteht._ Glück im Lande Mussolinis. Geschildert von einem seiner Bewunderer. Kom Blatt hat mehr dazu beigetragen, den deutschen Spießer zu Ehrfurcht vor Wussalim zu erziehen, als der „Berliner Lokal-Anzeiger". Und im„Lokal-Anzeiger" hat wieder keiner mehr Verdienst an dieser Erziehungsarbeit, als Herr Dr. Gustav E b e r l e i n, Korrespondent dieses Blattes in Rom. Um so interessanter ist es, gerade diesen sachver- ständigen Herrn über die sozialen Zustände plaudern zu hören," wie sie im Musterlande des Faschismus bestehen. So erzählt Eberlein: Der italienische Arbeitslose bezieht eine Unterstützung von durchschnittlich 4 0 Pfennig im Tag. Wie kann er damit auskommen?! Fabrikarbellerinnen, die ständig beschäftigt sind, freuen sich wie Kinder, wenn sie ez im Monat auf 39 Mark bringen. Eine Stenotypistin, die ein Gehalt von 159 Mark hat. fühll sich schon als vornehme Dame. Ein möbliertes Zimmer aber kostet, ohne Frühstück, 79 Mark. Und wie ist es möbliert?� Ein Eisenbetl,«ine Kommode, vielleicht noch ein Schrank auf dem Stein- boden, selbstverständlich nicht heizbar... Hat man gar nichts, so geht man halt aufs Feld und rupft sich ein bißchen Grün aus. Ungcs» zählten dienen Schlupfwinkel, die ich nicht beschreiben möchte, als Schlaistätte. Diese Zustände findet Herr Eberlein keineswegs unerträg- lich. Im Gegenteil, sie gefallen ihm ganz gut und wie er meint, den Italienern auch.„Alles lackt', so versichert er, „alles ist fröhlich und guter Dinge." Uno warum? Die Gründe für diese andere Einstellung zum Leben,.zur Krisis, zur Not des Tages? Man mühte weit ausholen. Einer ist der: das llaliemsche Volk hat in feinen ärmsten Schichten noch einen Rückhall— es hat noch einen Gatt, es glaubt noch ans D a t e r- l a nd... Dies scheint nun uns eine ziemlich starke Gotteslästerung und eine ebenso grandiose Verhöhnung des Vaterland- Sedanckeus zu sein. Vielleicht sind manche deutsche Arbeitgeber, ie den Hakenkreuzfaschismus ftnanzieren. nur deshalb so sehr für„Gott und Vaterland", weil sie auch 30 M. Arbeitslohn im Monat zahlen möchten? Finnland wünscht Alkohol. Mehrheit sieht bereits fest. helsivgsors, 2. Januar. Bis Sonnabendabend lagen die Ergebnisse der Bolksabstim- mung aus 1610 Wahlbezirken vor. Für Beibehaltung des Alkohol- Verbots haben 129 999 gestimmt, davon 79 999 Frauen. Für Auf- Hebung der Prohibition stimmten 371 999. davon 163 999 Frauen: für den Kompromißvorschlag wurden nur 6000 Stimmen abgegeben. Demnach haben 72 Proz. der bisher gezählten Stimmen die voll- kommenc Aufhebung des Verbotes verlangt. Eine grund- legende Veränderung des Ergebnisses ist jetzt niäst mehr möglich. Kommunistisches Wassenlager. Die Torgauer Polizei entdeckte auf einer Wiese in der Nähe der Stadtgr�nze ein Waffenlager, das aus einem Maschinengewehr, mehreren Gc- wehren, Karabinern sowie zahlreicher Munition bestand. Das Waffenlager ist nach den Ermittlungen der Polizei von Kvmmu- nisten angelegt worden. Bisher wurde auf Grund der Ermittlungen der Polizei ein Kommunist festgenommen. Adolf ist gegen Indien! Außenpolitik der Kinderstube. Lahrelang känmftc der deutsche Nationalismus unter der Parole eines Weltbundes der unterdrückten Völler, in dem Deutschland die Führung übernehmen sollte. Letzt aber ist das alles wieder ganz anders, denn Adolf Hitler will Frankreich einkreisen und erstrebt dazu die Hilfe von Frau!- reichs Ententegenossen. Dieser genialen Politik werden die Deutschen Südtirols mitleidlos geopfert. Ader auch Indien findet keine Gnade vor Hitlers Augen, denn zur Einkreisung Frankreichs braucht er die englischen Lords. Vor einiger Zeit hatte er in den„Times" versichert, dah die Aufrechterhaltung der britischen Herrschaft in Indien im gemeinschaftlichen Interesse von England und Deutschland liege. Dies und ähnliche Aeußerungen des„Völkischen Beobachters" gaben dem indischen Freiheitskämpfer Eh. P i l l a i Anlaß, am 10. Dezember einen Brief an Hitler zu richten, in dem er den„Deutschen Nachrichten" zufolge u. a. schreibt: Ihre Aeußerungen haben im Verein mit den gegen Indien erschienenen Artikeln in den von Ihnen herausgegebenen und Ihnen nahestehenden Zeitungen in beträchtlichem Maße zur Aufhetzung der Gemüter gegen uns Inder beigetragen. E» ist sogar in Berlin wiederholt zu Beleidigungen. Bedrohungen und tätlichen Angriffen ans Inder in öffentlichen Lokalen und in den Straßen gekommen. Ich möchte an dieser Stelle darauf verweisen, daß Interviews von der Natur wie das von Ihnen den englischen Pressevertretern gegebene nicht geeignet sind, dem Bestreben der indischen Wirtschaft Lorschub zu leisten, den Boykott britischer Waren in Indien, von dem Sie sicherlich gehört haben werden, zugunsten Deutschlands zu beeinflussen; sie köunlen sogar die bestehenden und angebahnten direkten wirtschaftsbeziehnngen zwischen Indien und Deutschland schädigen. Als Folge solcher Vorkominnisie könnte sich die indische nationale Bewegung oeranlaßt sehen, ihre Einstellung gegenüber Deutschland zu ändern.- Mehr denn je hat unter den augenblicklichen Währungsverhältnissen der Deutsche Veranlassung, alles zu verineidcn, was möglicherweise infolge eines Exportrückganges zu einer Steigerung der Arbeits» losigkeit beitragen müßte. Wir Inder können Ihre Politik der Annäherung an England nicht beglückwünschen, auch wird Ihre Erklärung, daß wenn Eng» land Indien verlieren würde, dies zugleich ein Unglück für Deutsch- land und die gesamte Welt sein würde, von der Mehrhcst des deutschen Volkes nicht geteill. Ich wage dies zu behaupten aus Grund meiner jahrzehntelangen Bekanntschaft mit den führenden streifen im deutschen Volke. Darauf erhielt Herr Eh. Pillai, der um Antwort bis zum 20. Dezember gebeten hatte, nach Weihnachten folgenden vom 24. Dezember aus München datierten Brief: Sehr geehrter Herr Präsident! Herr 5?iller erhielt Ihren Brief von; 10. Dezember 1931. Herr Hitler ist nach wie vor der Ueberzeugung, daß eine Auf- gäbe der englischen Herrschaft in Indien gleichbedeutend wäre mit der Ausbreitung des Bolschewismus in Indien und daß somit die Aufrcchterhaltung der britischen Herrschaft dort im Interesse der ganzen zivilisterten Welt liegt. Herr HUler glaubt nicht, daß tätliche Angriffe in Berlin auf Inder von Angehörigen feiner Bewegung ausgeführt wurde»,- an- bernfalls würde er dies bedauern. Mit vorzüglicher Hochachtung! ..'svr gez. Unterschrift unleserlich. Prioatsekretär. Daß Hitler mit seinen Schnoddrigkeiten gegen die Inder nicht erreichen kann, was er will, darüber wird es unker geistig Erwachsenen keinen Streit geben. England wird be- stimmt nicht Hitlers Politik treiben, sondern seine eigene, und anständige Engländer werden vor der Bedientenhastigkeit solcher Anbiederungsversuche Abscheu empfinden. Englands Vier-Milliarden-Oefizii. Reue Stevern lammen erst ein.— Schwebende Schuld 15 Milliarden. Der Fehlbetrag des englischen StacüshauslMts des laufenden Finanzjahres beträgt über 208 000 000 Pfund. Gegenüber Einnahmen von 141773 000 Pfund betrugen die Ausgaben«>30 000 000 Pfund. Das Schatzamt legt Wert auf die Feststellung, daß trotz des hohen Fehlbetrages kein Anlaß zu Besorgnissen vorliegen, da ungefähr dreiviertel der von der nationalen Regierung im Ssptembcr eingc» führten neuen Steuern erst im letzten Viertel des Finanzjahres, d h. zwischen dem 1. Januar und dein 31. März 1932 eingehen würden. Die schwebende Schuld Englands betrug am 31. Dezember 1031 727 480 000 Pfund. Hier ist eine Zunahme um 133155 000 Pfund gegenüber dem 31. März festzustellen. Der namenlose pwzeß. Verteidigungsrede für Hermann Liebermann. Warschau, 2. Januar. Im Prozeß gegen die polnische« Opposstlonsführcr begann unter starkem Andrang des Publikums der Verteidiger des Ange Llagten Dr. Liebermann, Rechtsanwalt V e r e n s o», sein Plädoyer, in dem er erklärte, die Staatsanwaltschaft wolle nickst zulassen, daß diese Verhandlung den Namen„Prozeß von Brest- Litowsk" trage. So müsse er denn von einem namentosen Prozeß sprechen. Der Vorwurf eine« gewaltsamen Umsturzversuches erscheine nach der Beweisaufnahme grotesk. Zwei wirkliche Umsturzversuche seien in Polen nach dein Kriege unternommen worden, der eine von dem Fürsten Sopieha, der andere von P i l- sudsti. Auf beide hätte die Staatsanwaltschaft nicht reagiert. Die jetzige Anklage sei ein neuer Versuch zur Einschüchterung der Parlamentarier, und die Auswahl der Angeklagten fei unter rein politischen Gesichtspunkten vorgenommen worden. Die Oppositionspressc, die von einem starken Eindruck dieser Rede zu berichten weiß, weist darpus hin, dah Rechtsanwalt Dr. Berenson in den Zesten der Russenhcrrschaft der angesehensten Verteidiger der polnischen Revolutionäre vor den zarischen Gerichten war.-_ Charles?. Scott, der Direktor des.Manchester Guardian". starb im Alter von 85 Iahren. Di«» englisch«.' Journalistik verliert in ihm eine ihrer hervorragendster Persönlichkeiten. Erst 1920 hat er den Posten des ChesreJwltcurs des Blattes niedergelegt, den er 57 Jahre lang bekleidet hotte. Als liberaler Polstiler der radi- kalen Richtung war er rückl'chkslo» für feine Ueberzeugung eingetreten, auch wenn sie nicht volkstümlich war. Ein glückliches Ikeujohr statte der litauische Krelschef Valevii- schw.s in Utena. Man fand rechtzeitig eine Höllenmaschine mit einem bereits in Gang befindlichen Uhrwerk; angeblich polnisches .Erzeugnis. Man schiebt den Anschlag bereits den Kommunisten zu. Der„Angriff" im Angriff! „Feste druff! Noch ein paar kräftige De- schimpfungen." „ha, ich fiebere... ZNeine Pulse jagen... Rasch an das Gericht lelephonieren: ich kann nicht fliegen. ich kann nicht schwimmen, ich werde nicht kommen." „Eine gerichtliche Vorladung? mir schlecht!" O weh. wie wird „So— der Termiu ist vorbei, mein Fieber auch.— Schreiben Sie. neuer Artikel:„Dank ihrer vcr- antwortungsfrohen, verantwortungsbewußten Führerschaft wird die NSDAP, im neuen Jahre..." Verschärfung in Indien. Neuer Feldzug des passiven Widerstandes. London. 2. Januar.(Eigenbericht.) Die Logs m Indien hat sich in den. letzten Tagen außerordentlich zugespitzt. Zwischen der Kongreßpartei und dem Dizekomg be- steht ein offener Konflikt. Die Kongreßpartei beschloß, eine neue Kampagne des passiven Widerstandes und des Boykott» eng- lischer Waren einzuleiten. Dieser Beschluß wurde als Protest gegen die Verhaftung mehrerer Kongreßmitglleder und gegen die neuer- dings für Indien erlassenen Sonderabstimmungen gefaßt. Man rechnet hier damit, Saß auch Gandhi in den nächsten Togen v e r- haftet wird. Gandhi hat den englischen Vizckönig bereits am Donnerstag von der Wiederauinnhmo des passiven Widerstandez in Kenntnis gesetzt, sich jedoch gleichzeitig bereit erklärt, die Durchführung des Beschlusses so lange hinauszuschieben, bis zwischen dem Dizekörng und ihm eine Aussprache über die neuen Sonderbesttm- mungen stattgefunden hat. Der Vizekönig ist zwar bereit. Gandhi zu empfangen, weigert sich aber, mit ihm diejenigen Maßnahmen zu besprechen, die von der indischen Regierung zur Aufrechterhallung von Ruhe und Ordnung sür notwendig erachtet werden. Es ist unter diesen Umständen fragluh, ob die Besprechung überhaupt zu- stände kommt. Wahrscheinlicher ist, daß die Situation sich weiter verschärft. Gandhi will im Gefängnis Macdonald lesen. Bombay. 2. Januar. In der Nacht zum Sonnabend Halle sich eine riesige Menschen» menge vor Gandhis Wohnhaus angesammelt und wartete auf seine Festnahme. Gandhi selbst war während der ganzen Nacht auf und hatte schon alles für fein« Festnahme vorbereitet. U. a. hqtie er einen wollenen Schal. Leinenkleider, ein Seil zum Trockenen der Wäsche und zehn Bücher, darunter auch welch- w>n Macdonald, zur Mitnahme ins Gefängnis beroitzestellk. Arbeiterpartei ermahnt den Vizekönig. London. 2. Januar. Der Führer der opposüwnellen Arbeiterpartei, Lansbury. sandte ein Telegramm an den Vizekönig von Indien, in dem er sagt: Viele Parteifreunde sind durch Ihre Weigerung, mit Gandhi die letzten Verordnungen zu erörtern, sehr beunruhigt worden. Nachdem Gandhi sich öffentlich zu einer friedlichen Zusammenarbeit bereit erklärt hat, sollten seine Meinung und sein guter Wille m allen Fragen berücksichtigt worden. Ein Vermittlungsversuch. Bombay, 2. Januar. Der gemäßigte indische Führer Tej Bahndur leitet eine Aktion ein. um zwischen dem Vizekönig und den Nationalisten- führern eine Verständigung herbeizuführen. Seine Bemühungen waxen bisher erfolglos, da Gandhi meint, er Hobe seine Karten aufgedeckt und der nächste Schritt mühte daher vom Mzc- könig kommen. China protestiert vergeblich. Japan läßt sich nichts dreinreden. MuNng. 2. Januar. Der neue Außenminister Eugen T scheu hat sein Amt über- nornmen und eine Mitteilung veröffentlicht, in der gesagt wird, trotz dem Willen der Kulturwelt, wie ihn die Eni- schliehung des Völkerbundes ausdrücke, hätten die japanischen Militaristen in der Mandschurei eine' Lage geschaffen, die sich vom Kriegszustand nicht unterscheide. Der neuen Regierung falle die Aufgabe zu, diesen Kriegszustand zu beendigen. Bis dahin werde sie an Tschanghsueliang festhalten, der bereits den Auftrag erhalten habe, die Stadt Tschintschau um jeden Preis zu verteidigen. Aber der Marschall Hot diesen Auftrag nicht oollsühren können: Tschintschau ist von den Japanern besetzt. Widerstand wurde nicht geleistet. Da auch die chinesischen Behörden die Stadt verlassen hatten, übernahmen die Japaner die Polizei» gcwalt."- Wiederum haben Japaner auf chinesische abziehende Truppen Bomben abgeworfen. Bei Schanhaikwan sind etwa lOO HRaCnn getötet und verwundet worden. Siegergeste gegen Amerika. 'Nach russischen Meldungen hat der amerikanische Botschafter gegen die Verhaftung eines amerikanischen Offi- zier» in dem von japanischen Truppen besetzten Gebiet Einspruch erhoben. Das japanische Kriegsmmisterium hat darauf erklärt, die Angelegenheit werde geprüft. Das Verhallen des Verhafteten sei unrichtig gewesen. Er wäre verpflichtet gewesen, den B e- fehlen des japanischen Offiziers Folge zu leisten. . Den amerikanischen Offizieren wurde„vorgeschlagen", das besetzte Gebiet sofort zu verlasse i>. Lostrennung der Mandschurei. Tokio, 2. Januar. Wie aus Charbin gemeldet wird, hat General Tschangtschuiighui die selbständige mandschurische Republik au»- gerufen. In einem Zirkulortelegramm hat er sämtliche Behörden angewiesen, nur Anordnungen der inairdschurischcn Regierung aus- zuführen und keine Beziehungen mehr zu den Nankinger und den Pekinger Behörden zu unterhalten. General Pau gestorben. General Pau ist gestern in Paris go» starben. Er hatte in der Schlacht bei Froschwciler im Jahre 1870 einen Arm verloren und als Organisator vor dem Kriege eine führende Rolle gespiell. Er ist 83 Jahre alt geworden. Er befchligte zu Beginn des Krieges das Armeekorps, das vorübergehend Mül- Hausen besetzt hatte. Vom Gefängnis ins Oberhaus. Der Gründer der Vereinigung englischer Äriegsdienswerweigerer Blisford Allen wurde als Lord ins Oberhaus berufen. Er hat mehrere Jahre wegen feiner Weige- rung, Kriegsdienste zu leisten, im Gejängnis zugebracht. Ein miliiarischer Lugenderzieher ermordet einen Soldaten. In Wongrowitz schoß der polnische Sergeant ZendrzejeVsli, der die militärische Jugenderziehung leitete, den Sohn des deutschen Hotelbesitzers S ch o st a g nach einein Vergnügen vor dem Hause der Eltern nieder. Der junge Schostng, der polnischer Soldat war, ist an der Schußoerlctzung gestorben. Der Mörder wurde verhaftet. Der junge Schostag hatte init dem Sergeanten bei einem Sportoereinsvergnügen einen Streit, der aber beigelegt wurde. Darauf verlangte der Sergeant, daß Schostag, der seinen M i l i t ä r in a n t e l über einen Stuhl gelegt hatte, ihn von dort fortnehmen solle da dies ein unwürdiger Platz sei. Da aber wegen Ueberfüllung der Garderobe keine Gelegenheit zur Abgabe des Mantels vorhanden war, mußte Schostag den Mantel liegen lassen. Der Sergeant trug nun den Mantel nach dem etwa einen Kilometer entfernten Magazin, in dem die Karabiner der militärischen ZugendvorbeceUung aufbewahrt werden. Mit geladenem Karabiner kehrte er in die Stadt zurück und traf den jungen Schostag. der vor dem Hause seiner Eltern wartete, daß ihm die Tür geöffnet wurde. Schostag bat nun den Sergeanten, ihm den Mantel zurückzugeben. Als Antwort legte der Sergeant auf Schostag an und forderte ihn auf, die Hände aus den Taschen zu nehmen, da er sonst schießen würde. Schostag entgegnete, als Vorgesetzter könne er mit ihm machen was er wolle, aber dann würde er morgen n i ch t m e h r Soldat sein. Ohne weiteres gab der Sergeant nun Feuer, und der sunge Schostag brach schwerverletzt i» seinem Blute zu» sammen. Freunde, die dem Schwerverletzten zu Hilfe eilen wollten, wurden von dem Sergeanten unter Bedrohung mit der Waffe daran gehindert. Ebenso bedrohte er einen hin- zugeeilten Polizeibeamte u. so daß der Schwerverletzte drei Viertelstunden auf dem Pflaster log, bevor ihm die erste Hilfe zu- teil werden konnte. Bomben in Amerika. Drei Tote durch Explosion antifaschistischer Äomben. lNew Jork, 2. Januar. Eine neue Bombenexplosion wird aus Trinidad(Colorado) ge- meldet. Ein stalienifcher Geschäftsmann erhielt ein Postpaket, das glücklicherweise in Abwesenhest seines Empfängers und seiner Fa- Milte explodierte, so daß niemand ums Leben kam. Unter den Postbeamten herrscht, wie die Blätter melden, Angst vor neuen Anschlägen. Bisher sollen tiO meist an italienische Persönlichkesten gerichtete Postpakete entdeckt worden sein, da- von 12 iin mittleren Westen und S in Chikogo. Sämtliche Post- anstallen werden von Detektiven durchsucht. Zwei Bomben- pakete, die an die italienischen Konsulate in Detrost und Joung- siown in Ohio adressiert waren, wurden rechtzellig unschädlich ge- macht Auch gegen den Herausgeber der saschistischeu Zeitung „Jtalia' in Chikago, wurde, wie man annimmt, ein Anschlag ocr- sucht Ein Bote überbrachte dem Herausgeber ein Paket, dessen Annahme er verweigerte. In Easton ist einer der bei der ersten Explofion fchwerverketzie« Postbeamten gestorben, so daß sich die Zahl der Todesopfer auf drei erhöht hat Die Polizei glaubt an eine Verschwörung zwischen Antifaschisten und Kommunisten. Sie fahndet eifrig nach einem in Philadelphia wohnhaften naturalisierten Russen, in dem man den Anstifter der Attentate vermutet. Bisher wurden mehrere Dutzend verdächtiger Personen oerhastet, jedoch ist es noch nicht gelungen, ihnen eine Beteiligung an den Attentaten nachzuweisen. Trohki als Rabbiner. Oder der Reinfall eines polnischen Staatsretters. In der kleinen polnischen Provinzstadt Wolkowysk traf auf der Durchreise ein jüdischer Vorbeter uitd Prediger namens T r o tz k i ein, den die Gemeinde aufforderte, in der Synagoge einen Gottesdienst zu leiten. Daraufhin verbrestete sich in dem Städtchen das Gerücht, Leo Trotzki sei eingerroffen, um in der Synagoge als Redner aufzutreten! Der Polizeichef fiel auf dieses Gerücht hinein und schickt« Polizeibeamte in die Synagoge, um den vermeintlichen bolschewistischen Agllator bei der Propagandarede zu ertappen und festzunehmen. Die Aufklärung des Mißver- ftändnisses hat große Heiterkeit ausgelöst. lGewcrkfchaftliches stehe 4. Beilage.) Berantwortlich für Politii: Victor Schäl;-ÄrtWiaft:®. SUirtBflfcöfct; Sewerlschaftsbeweguna: 3. Stciut; iscaillcton: Dr. Zoll» Schilowoli; Lokales und Saastlaes;?riu Karstadt; Anzeiacn: Td. Stocke; sämtlis, in Berlin. Vcrlaa: BorwSrts-Berlaa s m b. s. Berlin. Druck: Borwärts-Duckidruckerei und Berlagsanltal! Paui läinqer u. Co.. Berlin ö®. 68, Linden iZraKe 3. Sicrz» 6 Beilagen. HKonS-n 3 Serien Damen-Kleider Serie I Serie II Ein Posten: ReinleineneTaschentucher für Damen und Herren II. Wohl Serie I 1 Serie N jetzt nur\J mmm{ fetzt nur Ein Posten: Elegante Uberlaken und Kissenbezüge sowie Batist- und Seidenwfische z. T. bis � 0/0 ermSBigt Restposten Tischtucher voilgebleidits feinfädig« halbleinen Jacquard 160 X 225 160*160 130x130 statt statt statt rein wol i e n e oder Icunst- seid. Stoffe statt fetzt bis verschiedene Stoffe« auch kunstseid. Stoffe statt l®tzt bis<590 12.50*5— 3 Serien Damen-Mantel reine Wolle, mit Pelzkragen und Futter Serie I sfott|«tz« 49.- 17�2 7.90 52 4.95 32 Serie II statt jetzt S9 29.- 3 Serien Serie I Flanell oder ge- strft. 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Farben, ca.lO(5cm,Jfottbis s 4.50 fetzt Mädchenkleider Wolle oder bedruckter Waschsamt, Posten: Taghemden für Damen, weiß oder farbig, reich garniert � 3.25 f.tz, Nachthemden oder Hemdhosen, weiß oder 9 a r n' statt bis 5.25 fetzt Schlafanzüge für Damen, aus gutem Flanell oder statt bis 7.50 fetzt Damen-Strümpfe a7c künstlidieWajchseide.vorrügl.Qualität f J— fetzt nur ww»— Damen-Schlüpfer �0c Kunstseide, inn.angerouht, gute Quollt. Z J fetzt nur �we>— Damen-Hemdhose Windelform mit Bandträgern, fein gestrickt Serie III Servietten, desgleichen 60 X 60 statt bis 1.20 fetzt K a ff ee g e d eck weiß, indanthren Kanten. 130 X 160, mit 6 Servietten, � 4.95„m 3« Außerhalb des Inventur-Ausverkaufs im I. Stark Total-Ausverkauf /'/ Ii rücksichtslos OJlllmübcl herabgesemet Moderne Mäbel ausgenommen Serie II fetzt nur Pull over f. Damen od. 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Da reichen jede Wnche tnjify ein paar Büchsenmacher ihre Stempeltarie durchs Schaltcrfcnstcr. Es kommt nur niemand, der einen Buchse ilmachergeselleir braucht. Trotzdcni tönnten die Büchsenmacher manchen Batzen Geld verdienen. Eine merkwürdige Angelegenheit.„Wie ist denn das zu verstehen?"—„Ja, wir sind eine feine ��unft, zu denen wir wollen, die können uns nicht ge- brauchen und die zu uns kommen, die können wir nicht gebrauchen." Dabei lochen die Büchienn»acher. dost die Bank erzittert, auf der sie sitzen, und die anderen Arbeitslosen drehen sich erschrocken um. Aha, da wird wieder einer für dumm verkauft, mögen sie denken. Das Geheimnis eines Krückstocks. ocWictzlich erzählt einer und der illustriert die Geschichte für alle, dost zu ihm öfter Männer kommen. Das ist nichts Aufregen- des., wenn Männer einen Manu besuchen. Diese Männer wollen noch dazu ständig das gleiche: eine Flinte. Eine bescheidene Desching- flintc. Mit einem kleinen Trick: Schaft und Lauf müssen jeder für sich in die Rocktasche zu stecken sein. Also eine zerlegbare Flinte, eine W i lde re r f l i n t e. Andere wollen eine Stock- flinte.„Stockflinte, was ist denn das?" Eine ei mache Sack)«, sieht aus wie ein derber Krückstock. Wem fällt das auf, wenn jemand inst einem Krückstock durch den Wald spaziert? Keinem. Das Geheimnis der Stockslinte sitzt in der Krücke. Da ist ein Mechanis- mu-s mit einer Feder— eine sinnreiche Sack)«. 40 Mark würden Wilderer dafür, ohne n«t der Wimper zu zucken, aufs Brest zahlen. Miltlcrwellc werden die Büchsenmacher warm. Dann tischen sie auf: von �-Gasrohren, in die war ein Patronen- lager«ingedreht, beides war auf ein Stück Flacheisen aus- gelötet, hinten war die Federung mst Schlagbolzen, dazu chafen- ichrot Nr. 3 und eine Schnur. An der Schnur Ich not Grünkohl, jetzt kommt der Hase, zerrt an dem Kohl, rums geht das Ding los und der Hase ist tot. Wenn Büchsenmacher solche Geschichten er- zählen, tun sie es immer mit einem leicht wehleidigen Unterton, weil so etwas die Zunft bloßstellt, denn wenn ein Wilderer mst einer Stockslinte oder einem zerlegbaren Schießprügel durch den Wald geht, dann muß dabei fast immer ein Büchsenmacher seine Hand im Spiele gehabt haben. (Statt eines ZiomanS. 'Nachfrage in Moabit. Db denn auf den vielen Anklagebanken da auch monchnral Wilderer sitzen.atte. Es war ein schönes Tier und viel Eier und noch mehr Schabe fleuch hat es ausgefreffen, aber laßt mich mit Förstern und Gendarmen in Ruh«...." Feuer bei Hermann Tietz Gefährlicher Schaufensterbrand im Hause Frankfurter Allee Durch das überaus eutjchlojjene und umsichtige Ein- greifen der hausseuerwehr im Warenhaus Hermann Tietz in der Frankfurter Allee 5/6 konnte in den gestrigen Abendstunden schweres Unheil verhütet werden. Kurz nach 17 Uhr machte sich an einer Stelle der Parterre- Verkaufsräume ein leichter Brandgeruch bemerkbar, ohne daß im Augenblick die Ursache festgestellt werde» konnte. Wenige Minuten später loderten dann plötzlich in einem großen Schaufenster, in dem Stoffe, Trikotagen und Wollartitel ausgestellt sind, helle Flammen empor. Während die starken Fensterscheiben nach der Straße zu standhielten, platzten die Scheiben zu den Parterrcvcrkaufsräumen unter der Hitzeeinwirkung und mehrere meterlange Flammen schlugen ins Innere. Die gute Schulung des Personals bei Feuers- gofahr verhinderte glücklicherweise größeren Schaden. Die Haus- feuerwehr war in Sekunden zur Stelle. Die Beamten erkannten sofort die furchtbore Gefahr und griffen unter Einsatz von zwei starken Schlauchleitungen tarkräftig ein. In knapp 15 Minuten waren die Flammen erstickt. Als drei Löschzüge der Feuerwehr auf den Alarm„W arenhausbrand" an der Brandstelle erschienen, mar die Hauptarbeit bereits geleistet und jede Gefahr beseitigt. Das Publikum benahm sich während der Löscharbeitcn völlig ruhig und e? ist zu keinem Zwischenfall gekommen. Nach Ansicht des Ober- baurates Footh von der Wache Hafenplatz ist der Brand durch Kurzschluß entstanden. Eine Elichflamm« entzündete vermut- lich einen Dekorationsstofs und die Flammen griffen schnell westcr um sich.— Der gestrige Brand hatte wieder gezeigt, wie dringend notwendig und wie wertvoll eine geschulte und geistesgegenwärtige Hausfeuerwehr in Warenhäusern ist. Nicht zuletzt ist die Waren- Hausüberwachung und die bis ins einzelne vorbereiteten An- Weisungen an die gesamte Angestellienschast des Warenhauses bei Feucrsgefahr ein Verdienst des Berliner Polizeipräsidenten und des Berliner Oberbrandirektos Gempp, die dem Brandschutz der Berliner Warenhäuser ständig alle Aufmerksamkeit zuwenden. Mi dem Hammer gegen Krau und Kind Oer Täter erhängt aufgefunden. Berlin, 2. Januar. In Stahnsdorf-West wurde am Sonnabendfrüh eine entsetzliche Familientragödie ausgedeckt. In einem Sied- lungshaus wurden die Frau des 44jährigen Eicrhändlers Rettich und die 2/j Jahre alte Tochter mit blutenden kopsverletzungeii ausgesunden, wie die Frau angab, hat Rettich versucht, sie und das Sind mit einem Hammer zu erschlagen. Bei weiteren Ttachsorschungen wurde Rettich im Rebenzimmer erhängt aus- gefunden. Frau und Sind wurden lebensgefährlich verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Die Gründe für die Tat sind noch nicht geklärt. W Ä Fertige Inlette Oberbetten, Unterbetten,»Mg im Kissen, darunter echt türkisch-rote Ouslltiten, m. Naht od. klein. Fehlern Fefl- Preis8 ljf\j Q hereb- qesetrt Kissenbezug mit Klöppel- CQ Einsat:«JO Pf. Hemdentuch 99 ca. SO eni breit? Z? Meter dW» dKl r'* Oowias ca. 140 cm breit;;: Meter 61 pf ffiettvcrie&er tBettumramiunaen j mit Fransen, 50X100....... 65 Pf. Jacquard, 1 Läufer 67X340. 2 Vorleger 67X140 14.75 I �£ Cn rein Haargarn, Bouclä gestreift, kleine Web- M 1 ßLOUfCrStCffC fehler, ca. 67 cm breit............. Meter I M Prinien-StKfihe I mVmmdörferi/ir 1 Sebasfian-Str. I Ecke Bismarck- 5fr. ■ Allee 30**-m ütfFedem Oustay llisiiCT l T odesopf er der Glätte Ein Arbeiter auf vereistem Asphalt tödlich verunglückt Das Glatteis in den Slrahen Berlins halte in den gestrigen Ziachmillagsstunden noch zahlreiche schwere Unfälle zur Folge. Zn einem Falle verunglückte ein Arbeiter auf dem Hof des Grund- flücks Reichstrahe 16 in Charlotlenburg tödlich. Auf dem Hof rangierte ein Lastauto mit Anhänger. Auf dein vereisten Asphalt geriet der Anhänger plötzlich ins Schleudern und prallte gegen die Wand der Flureinfahrt. Der 32 Jahre alte Ar- beiter Emil Sch u lz aus der Kolonie Gartenfreunde, Weidenweg 62 in Charlottenburg, wurde von dem schweren Gefährt so unglücklich zwischen Anhänger und Mauer eingequetscht, daß der Tod auf der Stelle eintrat. Die Leiche ist beschlagnahmt worden.— Ein anderer Unfall, der nicht so verhängnisvoll auslief, trug sich am Michaclkirchplatz zu. Dort kam der böjährige Bierfahrcr Edmund Frisch aus der Lychener Straße beim Transport einer Bicrtonne infolge der Glätte zu Fall. F. wurde von der nieder- saufenden Tonne am Kopf schwer verletzt. Auf den Städtischen Rettungsstellen der Stadt Berlin wurden in den gestrigen Nachmittags- und Abendstunden wieder annähernd 100 Personen behandelt, die auf den vereiste» Bürgerstcigen und Straßenübcrgängen gestürzt waren. Die meiste» hatten Arm- und Beinbrüche erlitten. Durch Wagen des Rettungs- amtes und durch die Feuerwehr wurden allein 22 Personen mit schweren Knochcnbrüchen und inneren Verletzungen in die nächsten Krankenhäuser gebracht Die Feuerwehr mußte außerdem mehrmals festgefahrene Fuhrwerke und Lastfahrzeuge sowie gestürzte Pferde wieder in Gang bringen. Und nun Tauwetter. Wie wir aus Anfrage vom Amtlichen Wetterdienst erfahren, ist eip.so ausgeprägter Eisregen, wie er gestern früh und im Laufe des Tages noch mehrmals niederging, ein nicht allzu hau- figcs Natur spiel. Interessant daran ist tue Tatsache, daß die Regentropfen beim Niederfallen durch eine unter null Grad liegende Luftschicht zwar stark abkühlen, aber solange flüssig bleiben, bis der Aufprall auf den Boden erfolgt. Erst in diesem Äugenblick setzt ganz plötzlich die Eisbildung ein. Fast in ganz Deutsch- laich, gußer in Ostpreußen, iiii Freistaat Sachsen, in Schlesien und Niedcrbayern, wo»och schwaches Frostwctter herrscht, ist Tau- w e t t e r eingetreten. In Westdeutschland ist das Thermometer teilweise sogar auf annähernd 10 Grad Wärme gestiegen. Auch für B q r Ti n wird für heute' mit einer Temperatur gerechnet, die zwischen 5 und 8 Grad Wärme liegt. Der westlich« milde Luft- ström, der unseb Gebiet seit Sonnabend überflutet, wird auch über Sonntag noch andauern. Mordgerüchi in Krohnau. Mutter und Kind tot aufgefunden. In Frohnau in der Königsbacher Zeile wurde am Sonnabend- nachmittag in ihrem Landhaus die 38 Jahre alt« Frau Melanie 2. und M JfäßßWcr jSoH«.. Günther tot aufgefunden, Im Schlafzimmers in dem Miitier� und Kind leMs' lagen, Herrsch« ein solches Durcheinander, daß von der Polizei ein Ler- brechen vermutet wurde. Kriminalkommissar O u ö o S von der Reseroemordkommission des Berliner Polizeipräsidiums nahm die Ermittlungen auf und veranloßte, daß noch in den gestrigen späten Abendstunden die Obduktion der beiden Leichen vorgenommen wurde. Nach dem ärztlichen Befund ist der Tod durch G a s- Vergiftung erfolgt. Da keinerlei'Veranlassung zum Selbst- mord vorlag, bleibt nur die Möglichkeit eines Unglücksfalles übrig. Der Mann der Verunglückten, der sich als Ingenieur für eine Berliner Firma in Spanien befindet, ist von dem traurigen Vorfall benachrichtigt worden. Symbol der Dummheit Das riesige schwarze Hakenkreuz, das unsere Abbildung zeigt, ist nicht etwa ein Silvester scherz; es ist keineswegs, wie man annehmen könnte, nachträglich in das Bild hineinkopiert worden. Massiv, schwarz, so steht es in dem Garten der Villa in der Fichtestraße 31 in Steglitz. Einstmals gehörte dieses Landhaas dem angesehenen Pädagogen und Philosophen Friedrich Paalsen, und heute dessen Sohn, dem Schriftsteller Radoll Paalsen, der aal diese riesig komisch wirkende Art aller Well kund und zu wissen tut, wie sehr er sich den Nationalsozialisten verbunden fühlt.' Das Heim des Mannes, der seine Mitmenschen ptit Jeinen and kluge ri Gedanken über Kant and Schopenhauer erfreute, ist heute zu einer Nazikaserne and damit za einer Stätte ausgesprochener Ungeistigkeit geworden. Das also ist das Ende der einst so stolzen and selbstbewußten Steglitzer„Fichte- her g- Aristokratie". I Das geheime Mikrophon. Die Fiundfnnkfiörer im Verhör/ Suche nach dem Sprecher Di« van der polltischen Polizei gestern festgenomimmen Per- sonen, die als Urheber der Rundfunkstörung am Silvesterabend verdächtigt sind, waren bis in die Abenosmnden hinein noch imnier im Verhör, und gleichzeitig waren umfangreiche Ermittlungen der mit der Untersuchung betrauten Beamten notwendig, um die Angaben der Sistierten über ihr Alibi für die fraglich« Zeit des Donneretagabeno nachzuprüfen. Es handelt sich um einen noch in> Dienst befindlichen und einen früheren Telegraphenarbciter, denen man zutraut, daß sie die notwendigen technischen Handgriffe für die Einschaltung des geheimen Mikrophons auf Grund ihrer Ausbildung durchführen konnten. Es dürfte sich aber auch noch um die Ermittlung des Mannes handeln, der die kommunistischen Parolen in die Hindenburg-Rede hineingesprochen hat. Die Reich srundsunkgesellschaft teilt zu d«r Angc- legenhest der kommunistischen Funkstörung noch folgendes mit: Die Störung traf nur den Deutschwndsender. Die Anordnung war so getroffen, daß die Verbindung vom Reichspräsidenten palais von zwei voneinander unabhängigen Mikrophonen über zwei getrennte Leitungsweg« zum Haus des Rundfunks geführt wurde. Hierdurch war die Möglichkeit geschaffen, in jedem Augenblick von einem Uebergangswege auf einen anderen überzugchen für den Fall, Saß ein», der«ine Ucbergangsrveg gestört worden wäre. Hinter dem Hauptoerftärker im Hause de» Rundfunks erfolgte die rückwirkungs- freie Verzweigung, und zwar zum Sender Witzleben, zum Deutsch- laudfender und zu dem Kurzwellensender in Zeesen auf drei ge- trennten Leitungen, serner zum Fernamt Verlin über mehrere Leitungswege und von da weiter einerseits zu den übrigen onge- schlossencn deutschen Sendern und zu der Amerikalinie, an die das europäische Ausland angeschlossen war. Im Kontrollempfang im Haus des Rundfunks wurde selbstverständlich sofort die Störung der Sendung über den Dautichlaudscndcr bei ihrem Beginn beob- achtet, jedoch konnte in dem Augenblick, als man die Störung hörte, nicht sofort erkannt werden, ob sie nur auf den Deutschlarrdsender oder etwa auch auf die übrigen Sender sich auswirkte, und ob die Störung örtlich auf dem Wege vor oder nach dem Haus des Rund- funkz erfolgte. Zur Ermittlung des Fchlerortes wurde eine kurz- zeitige Schwächung am 5>ouptoerstärker vorgenommen, die fedoch keine Schwächung der störenden. Zwischenrufe zur Folge hatte. Die eingehenden Untersuchungen haben ergeben, daß oll« Maß- nahmen, die für die Uebertragung erforderlich gewesen sind, von festen der Rundfunkorganisation sowohl als auch von feiten der Deutsche» Reichs post in vollem Umfange getroffen waren. So wurden sämtliche auf nonnolem Wege zugänglichen Kabelendoer- schlüsse und Vcrteilungsstellen während der Rede des Reichspräfi- denten durch zuverlässiges Personal besetzt gehalten, um etwa auf- tretende technische Mängel sofort beseitigen zu können. Durch diese Maßnahmen war ein Eingriff an den erwähnten Stellen praktisch ousgeschlossen, und es bestand mir noch die Möglichkeit, daß eine Störung der Red« durch Eingriffe in den Leitungsweg auf offener Streck« erfolgen konnte. Gegen solche Eingriffe kann man sich von technischer Seite leider nicht schützen, denn ez ist natürlich nicht möglich, den viele Kilometer langen Lestungsweg auch»och im Freien unter wirksam« Bewachung zu stellen. Berlins Glückwunsch für Hindenburg. Oberbürgermeister Dr. S a h M und Stadtverordnetenvorneher H a ß sandten dem Reichspräsidenten folgende» Glückwunsch- telegramm:„Dem Herrn Reichspräsidenten sprechen wir namens des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung zum Jahres- Wechsel herzliche Glückwünsche aus. „Wir wollen von etwas anderem reden. Sie fahren nach der Schweiz, Herr Reiner. Wollen Sie denn nicht dort bleiben? Unser verarmtes Deutschland ist doch heute kein an- genehmer Aufenthalt— obwohl ich persönlich sagen muß. daß man gerade jetzt nicht kneifen sollte." „Ich bin der gleichen Ansicht, Herr Loriot. Gewiß— ich könnte mir irgendwo im Ausland eine neue Existenz auf- bauen, den Mut hätte ich dazu, wenn es sein müßte, wenn etwa einmal ein zweites Sozialistengesetz käme. Aber heute inuß es nicht sein, und ich liebe Deutschland viel zu sehr, als dqß ich es aus freien Stücken verlassen möchte." „Ja, das sagte mir Herr Reiner schon einmal in Eng- land", siel Germaine ein.„Ich muß gestehen, ich hatte mir einen Sozialisten gar nicht so vaterländisch vorgestellt r „Vaterländisch nennen Sie das � das klingt so feierlich, so betont! Und doch ist es so etwas Einfaches, Natürliches, daß man eigentlich gar kein Wort darüber verlieren sollte. Es ist so selbstverständlich, wie Ihre Liebe zu Ihrem Bruder oder meine Liebe zu meiner Mutter." „Sehr schön", sagte Walter.„Uebrigens möchte ich vor- ausschicken, daß ich kein ausgesprochener Feind der Sozialisten bin, wenn ich Ihre Genossen auch nicht gerade liebe. Ader das wäre wohl auch zuviel oerlangt. Gewiß— das Bürgertum ist spießig, eng, begrenzt, es ist einfach eingeschlafen im letzten und vorletzten Jahrhundert. Und diese Situation haben Ihre lieben Genossen benutzt, um zu zerschlagen, was möglich war und sich selber aus unsere» Ruinen breit zu machen. Ich nehme es Ihnen an sich nicht übel, aber auch Sie werden es mir nicht verübeln können, wenn ich unser« neuen Männer in Deutschland mit den gleichen gemischten Gefühlen betrachte, wie die asten-- Er spielte nervös mit dem Füllhalter» der au seiner Westentasche befestigt war. „Ich habe nicht dos geringste Recht, eine andersgerichtete Anschauung zu verübeln", erwiderte Reiner richig.„Aber so ist es nicht, daß wir die asten Formen zerschlagen haben. Sondern das hat der Krieg getan. Der Krieg hat alles auf- gelockert, er hat etwas Neuem die Wege geebnet. August Bebel hat das schon vor Jahrzehnten vorausgesehen. Er hat einmal nach einer heftigen Kritik der militaristischen Politik des alten Deutschland gesagt, daß ein neuer Krieg die be- stehende Gesellschaftsordnung hinwegfegen werde und damit eine Warnung ausgesprochen. Aber diese Warnung ist nicht gehört worden." j „Nun. die Hauptsache ist jetzt nur die. daß es die neuen Männer auch wirklich besser machen, als die Bourgeois", sagte Germaine,„daß sie den praktischen Beweis dafür erbringen. daß sie ihnen an Tüchtigkeit, an Weste, an Tiefe der Einsicht überlegen sind." „Ja. Fräulein Loriot. diesen Beweis zu erbringen, muß tatsächlich unsere Aufgabe sein, und sie ist es auch. Nur dürfen Sie die furchtbare Wirtschaftslage nach dem Kriege nicht als Gegenbeweis ansehen! Wenn Sie eine total her- untergewirtschaftetc, auseinanderfallende, mangelhaft vorge- bildete Schülerschaft in die Hand bekommen, so wird man auch von Ihnen nicht verlangen, daß Sie in wenigen Tagen daraus eine Musterklasse machen! Und diese paar Jahre nach dem Krieg sind Tage im Völkerleben, vielleicht noch weniger! Und dann noch eins! Auch wir sind Menschen. Menschen mit allen Fehlern und Schwächen. Auch bei uns gibt es minder- wertige Subjekte, denen die Partei nur Mistel zum Zweck ist, Demagogen. Ehrgeizige, die nur ihr eigenes Ich kennen. Denn ich sagte Ihnen schon in England: Das Mitgliedsbuch allein tut es nicht! Sondern nur die uermüdliche Arbest an uns selbst. Diese Typen tauchen in allen Massenbewegungen auf. Ich brauche Ihnen nicht zu versichern, daß wir dem nicht einfach zusehen und die beiden Augen zudrücken. Aber, sehen Sie, wenn unter ein paar tausend Menschen nur ein einziger von dieser Sorte sich befindet und Sie begegnen diesem einen, dann werden Sie von ihm aus auf uns alle schließen, werden ihn als Gegenbeweis emofinden. Und fast fürchte ich, Herr Lorhot, daß Sie uns alle ein wenig von diesem Gesichts- punkt aus sehen--." Erschreckt brach er ab, denn Walter war aufgesprungen und hatte sein Glas auf dem Boden zerschmettert. „Ein anderes Glas! Sofort! Sofort!" schrie er den Kellner an. Er schien in furchtbarer Erregung zu sein und nicht mehr zu wissen, was er sprach. Dann warf er sich auf den Stuhl zurück.„Ich kann nicht mehr, ich kann nicht mehr." Reiner und Germaine führten ihn hinaus und brachten ihn nach Haufe. „Es muß Retttinq geben für Ihren Bruder", Reiner hiest abschiednehmend ihre Hand,„und es gibt auch Rettung. verlassen Sie fickz darauf! Bringen Sie ihn nGch Berlin, sobald er wieder aufstellen kamt, zu mir! Ich werde ihn als meinen eigenen Brüder betrechten. Wir haben Kliniksn, die mit den modernsten Apparaten ausgerilste.t sind, in der die neuesten Forschungsergebnisse berücksichtigt werden, wir haben bedeutende Aerzte. die bestimmt einen Rat wissen und Hessen können! Ich selbst kenne einige Mediziner— ich werde mich überall erkundigen, was man tun könnte. Verlassen Sie sich auf mich und haben Sie Vertrauen zu mir, ich werde nichts unversucht lassen! Und meine Mutter— sie weiß von Ihnen, ich habe ihr alles erzählt. Sie wird Master pflegen wie ibren eigenen Sohn!" Germaine drückte seine Hand.„Ja", sagte sie,„das ist eine Hoffnung, eine letzte Rettungsmöglichkeit--* j 37. Hell und warm schien die Morgensonne ins Zimmer. Germaine ging leise hin und her und stellte blühende Kirsch- zweige auf Fenstersims und Tisch. „Es ist herrlich draußen, Master", sagte sie und trat an das Bett des Bruders.„Die Kirschbäume sind übersät von Blüten! Sobald du ausstehen kannst, mußt du in den Garten gehen! Und dann fahren wir nach Berlin!" Walter schloß die Augen.„Du wirst fahren", antwortete er.„ja, so wird es fein--, aber ohne mich. Dieser Herr Reiner ist ein sehr guter Mensch, ein ganz seltener Mensch— ich weiß, daß er alles für mich tun würde. Aber jetzt ist es zu spät, Germaine!" „Walter! Seit wann bist du so mutlos! Hast du ver- gessen, was du schon alles ausgehalten hast, den Krieg, die Operation, du wirst auch das noch bezwingend Ich bin so hoffnungsvoll, ich kann dir nicht sagen, wie schr!" Walter zog die Schwester nahe zu sich heran.„Es ist möglich, wenn ein Wunder geschieht! Aber der Glaube an das Wunderbare kommt, wenn man in der Wirklichkeit keinen Weg mehr vor sich sieht! Germaine. wenn es einmal mit den Nieren anfängt, dann wird die Sache brenzlich! Letzte Woche konnte ich doch ein paarmal kaum meine Stiefel anbekommen, so dick und geschwollen waren meine Füße. Das sind alles Vorzeichen--. Aber nun fange bloß nicht an zu weinen, Schwesterchen, das vertrage ich nicht!" „Ich weine ja nicht, Walter. Aber Doktor Heim jagte mir doch gestern abend noch, das würde sich alles wieder geben. Du seist nur außerdem noch mit den Nerven überreizt, denn die Schufterei, wie du sie seit Wochen treibst, könne kein Körper in deinem geschwächten Zustand ertragen!" „Das gute Heimchen!" Walter lachte wehmütig.„So jammervoll sah er mich an, als ob er der Patient wäre und ich der Medicus!" „Soll ich vielleicht mal den Medizinalrat—" Aber Walter unterbrach sie.„Um Gotteswillen! Der kann mir auch nicht helfen! Mein Körper streikt einfach, will nicht mehr— aber natürlich tonn das mal wieder besser werden", fügte er mit einem Blick in das Gesicht der Schwester hinzu.„Menschen, die viel tränker waren als ich. sind wieder gesund geworden. Aber ich wollte dir etwas anderes sagen. Dieser Herr Reiner-- wie er das so gerade heraus sagte. es fei ein Wunder, daß er dich kennen gelernt hätte! Es ist aber auch so. Wenn der Tischplatz neben ihm nicht zufällig frei gewesen wäre, dann hättet ihr niemals erfahren, daß ihr zusammengehört!" „Ja, ich schätze Herrn Reiner sehr", sagte Germaine. „Er weiß sehr viel, und er hat einen guten Ccharakter." Walter schien ihre Antwort nicht zu hören.„Ja, das ist festfam", sagte er vor sich hin. Dann sah er die Schwester an. „Er kommt aus einem anderen Lager als ich--, und doch ist er vielleicht der einzige Mensch, der zu dir poßr, Germaine." (Fortjetzung folgt.) Brachte Silvester Arbeit? Künstler, Musiker und Kellner in der Neujahrsnaclit— Bilanz am Arbeitsmarkt Attersreninerm beraubt. Wieder zwei?taubüberfälle. Drsi iulsge Burschen sielen in den?lbcndstunden die 72 Johre alle Witwe Auguste Scheffler aus der Deulstraße in Oberschöneweide an. Die Frau hatte chre Rente al, geholt und ging durch die Bahnhofstraße ur Köpenick. Die Burschen versetzten der Frau, einen Schlag vor die Brust, daß sie zu Boden taumelte. Dann entrissen sie ihr die Handtasche, entnahmen daraus das Portemonnaie mit S3 M. Inhalt, warfen die Handtasche fort und flüchteten. Der Borgong spielte sich so schnell ab, daß die alte Frau, die zunächst gar nicht an einen Raubüberfall dachte, erst um Hilfe rief, als die Burschen über olle Berge waren. Die Strolche konnten leider entkommen. Der zweit e Uebcrfall wurde im Zigarrengeschäft von I. Riehl, P l o n u f e r 62, versucht. Zwei junge Burschen forderten von der Ehefrau, die ollein im Laden anwesend war, sechs billige Zigaretten. Plötzlich zog der eine eine Pistole, rief der Geschäftsfrau zu:„Hände hoch!" Er beugte sich über den Ladentisch, um die Kasse zu plündern. Die erschrockene Frau rief aber laut um Hilfe. Als jetzt der Ehemann aus den hinteren Räumen hervorkam, flüchteten die Räuber und entkamen. Ilottandung eines englischen Sporifliegers. Göppingen, 2. Januar. Der bekannte englische Sportflieger Mallifon, der von Kairo kommend über Frankfurt am Main noch London fliegen wollte, mußte infolge Propcllerbruches seines Doppeldeckers (Typ Motte) in der Nähe von Ebersbach bei Göppingen eine Notlandung vornehmen. Die Landung erfolgte ohne Unfall. Der Weiterflug kann erst angetreten werden, wenn von Berlin ein neuer Propeller eingetroffen ist. Mit dem Silvestertrubel war es diesmal in Berlin nicht weit her, wenn auch das äußere Bild die Merkmole einer prächtig funktionierenden Gastwirts- und Unterhaltungsbranche trug: teilweise überfüllte Gaststätten, die eine vorübergehende„Zu- zugssperre" tm Gefolge hatten und den großen Eafäs, die mit vier, fünf und mehr Musikkapellen und Kämmen de- Brettls aufwarten konnten, die alle mit altgewohnter Routine Silvesterstimmung vcr- zapften. Muß das eine Nacht des Verdienens gewesen sein für all die Spaßmacher, Musiker und Kellner! Leider verhielt es sich i» Wirklichkeit ganz, ganz anders, denn in den Nachweisen all der unermüdlich Hin- und Hereilenden, der Musizierenden und Froh- sinn Spendenden hat der Siwcfternacht kaum merkliche„Gewinne" gebracht. Bei den Jüngern der heiteren Muse waren es ein- bis zwei- hundert, die Weihnachten und Silvester zu tun hatten, das Sivester- geschäft als solches brachte keine„Aufstockung" des Künstlerpro- gramms; da erzählen Künstler von Silvestern früherer Jahre, wo sie vier, fünf und auch noch mehr Unterhaltimgsstättcn den Abend über zu absolvieren hatten, wo das Auto vor dem jeweiligen Lokal, wo sie zur festgesetzten Zeit auftraten, wartete, um sie noch- her im Eiltempo, geschminkt und kostümiert zur nächsten Stelle zu bringen. Solche Nacht war ein Rausreißer und konnte einen zur Not den Januar über Wasser hallen. Also bei den Künstlern war es einmal Essig zum Kehraus 1931 und wie sah es bei den Kellnern aus? Nicht viel anders. Auch hier wieder eine Fiktion, der man unterlag, weil man allerhand Wcinpullen, Schnapsgläser und Bicrbccher aus den Tischen sah, die doch schließ- lich serviert werden müssen. Erstens einmal war die Parole dieser Nacht, wie all der ihr vorangegangenen Tage, Wochen, Monate und Jahre: billig, billiger, am billigsten! Also ein scheinbar großer Konsum bei magerer Kasse! und well die Wirte ja keinen unange- brachten Optimismus mehr auf Lager haben, so deckten sie sich in bezug auf Personal so spärlich wie möglich ein. Bon 8600 arbeitslosen Gastwirtsangestelltcn hatten ganze 600 Silvester zu tun(im vorigen Jahr waren es doch noch 1000). Natürlich wurde viel so nebenbei„unterderhand", das heißt auf gut deutsch„unter Toris" engagiert, da ja die Silvesternacht be- lanntlich doppeltariflich bezohll werden muß. Dann hatten die Gastwirte sich eine weitere Berbilligungsaktion ausgeknobell, indem sie teilweise ihr ständiges Personal mit Ucberstunden doppelschichtig arbeiten ließen. Nun kommen die Musiker, die hauptsächlichsten Freuden- spender der längsten Nacht des ganzen Jahres, deren Mund von 21 Uhr bis 5 Uhr nicht verstümmelt, deren Hand nicht erlahmen darf: aber auch hier gab es nur für ein ganzes Hundert Musiker vom Verband Beschäftigung: dann noch einzelne Klavierspieler und Schlagzeuger, das war alles. Wiederum ist der tarifliche Stunden- lohn von 2 M.— man bedenke bei solcher Höchstleistung— abschreckend für die Herren Arbeitgeber, sie genehmigen 1,20 M., wenn's hoch kommt 1,50 M. die Stunde, akzeptieren aber mit Vorliebe Dilettanten, denen sie eine Schundgage(etwa 8 bis 10 M.) die Nacht nebst kleinem Naturalersatz in Form von Kaffee und Psannknchen anbieten. Mit einem Wort: es sahen 80 Proz. arbeitslose Musiker und legten Silvester die Hände m den Schoß. Die- die Kehrseite der glänzenden Medaille... Zerschlagen Beginn 4. Januar sind die Preise in unserem Inventur- Ausverkcuf. 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Die Neubaumieter wurden aus diesem Grunde gewarnt, von diesem Kündigungsrecht Gebrauch zu machen und darauf hingewiesen, daß in solchen Fällen bereits ausgesprochene Kündigungen wieder zurückgenommen werden könnten. Der Neubau Mieterbund G r o ß- B e r l i n E. A. weist demgegenüber darauf hin. daß der Anspruch des Mieters auf Rück- Zahlung der unverzinslichen, in lll gleichen Jahresraten oder 320 gleichen Monatsraten rückzahlbaren Mieterdarlchei, auch b e- st c h c n bleibt, wenn das Mietverhältnis durch außerordentliche Kündigung ausgelost wird. Die Rückzahlung erfolgt jedoch nicht ,n einer Summe am l. April 3032, sondern in den vertraglich verein- borten Roten zu den vertraglich vereinbarten Terminen, auch wenn bisher die Roten mit der laufenden Miete verrechnet wurde». Es sei auch vollkommen verkehrt, die außerordentliche Kündigung von der Rückzahlung der Mietcrdarlehcn abhängig zu machen oder nicht, denn die wenigsten Neubaumieter wüßten, daß diese Darlehen in Wirklichkeit überhaupt nicht zurückgezahlt werden, da die Rückzahl- Quoten mit Genehmigung der Wohnungsfürsorgegesellschaft vorher in die Miete eingerechnet sind. Wer also nicht kündige bzw. seine Kündigung zurückziehe, muß die 5 oder lO Fahre feiner Vertrags- dauer in seiner Wohnung absitzen und erhält trotzdem in Wirklichkeit keinen Pfennig seines Darlehens zurück. Der Neubaumieterbund Groß-Verlin E. L. will ferner noch verlangen, daß die Rückzahlung dieser Darlehen unter ollen Ilmständen sichergestellt werde. Voraussichtlich werde nach 5 oder lO Jahren mancher private und gemeinnützige Vermieter, der seinen Mietern derartige Darlehen abgenonnnen Hobe, nicht mehr existieren. Eine größere Anzahl van Neubaublocks stehe bereits unter Zwangsverwoltung, und die Zahl derjenigen Vermieter, die ihren Verpflichtungen nicht nochkommen tonnten, werde sicher weiter zunehmen. Unter diesen Umständen sei es dringend erforderlich, daß sämtliche Micterdarleben dinglich ge- sicherr würden, und zwar vor der chauszlnsstcuerhypothet, wenn diese Sicherung einen Wert haben solle. Aus der Rennbahn verweiiei. llnterschlagongen eines städtischen Beamten. Köln. 2. Januar. Das Schöffengericht verirrteilte heute den 34jährigen Bürogehilfen Kerz wegen fortgesetzter Urkundenfälschung in Tat- einhcit niit Betrug und wegen Urkundeiwernichtuirg zu einer Ge- samtstrafe von 2)4 Iahren Zuchthaus und 200 Mark Geldstrafe. Kerz war seit 1023 beim Kölner Städtischen Beschas- f u n g s a m t als Angestellter beschäftigt und hatte durch Vorlegung erfundenerund gefälschter Rechnungen bis Juli l03l rund 103 000 Mark erschwindelt, die er vollständig auf der R e n n- bahn verwettet haben will. Die Gemeinden im neuen Jahr Neuer Appell an das Reich � Gemeindeschicksal ist Reichsschicksal Zur üohresivonde niinmt Berlins Oberbürgermeister Dr. S a h m in einem Artikel„Zlm die Zukunft der (fl e in c i n d c n"* in der Zonuaruummer der Zeitschrift„Der Städtelog" zu den anhaltenden Schwierigkeiten der deutschen Gemeindeverwaltungen Stellung. lllachdem Dr. Sahm ans die großen Opfer hingewiesen lzah die die Gemeinden in dieser Notzeit bringen innßten, jchreibt er: Die Not zwingt immer wieder zu verschärfter Ueberlegung und angespanntester Sorgfalt. Noch ist das Reich nicht außorhala der Gefahrenzone. Zu allen Stunden hängt das Schicksal der Gemeinden vom Schicksal des Reiches ab. Jeder, der Der- antwortung in der Gemeinde trägt, weiß dies und stellt feine Zlrbeit hierauf ein. Aber auch das Reich kann sich nicht loslösen von dem Schicksal der Städte und der Gemeinden. Trotz aller Not ist der Weg vom Reich zu den Gemeinden und von den Gemeinden zum Reich zu weit geblieben. Die Beziehungen zwischen Reich und Gemeinden sind nicht eng genug. Das Reich i st städte- und g e m e i n d e f r e m d. Es kennt deren Sorgen nicht aus eigener Beobachtung, nicht aus eigenem Erleben. Die Dringlichkeit seiner eigenen Sorgen überragt alles andere. Sich selbst hat das Reich losgelöst von der jede geordnete chaushaltsführung immer wieder vernichtenden Besoftung mit Ausgaben der Arbeits- l o s e n v e r s i ch e r u n g. Tic Länder blieben davon überhaupt unberührt. Mir valler Wucht wirken sich die Verkürzungen der Leistungen aus der Arbeitslojenversicheruiig bei den Gemeinden aus, die die Lasten der von Woche zu Wiiche anwachsenden Zahl der Wobliohrtscrwerbrloicn zu trogen haben. Die Schicksalsfrage des deutschen Volkes ist die llebcrwindung dieser Massennotftönde, wie sie die Krisis der Weltwirtschaft jür Deutsäiland gebracht hat. Tie Gemeinschastlichkeit des Problems hat bisher nicht dazu geführt, daß die Lasten ans der gemeinsamen Not van den össentlichen Körperschaften Reich, Ländern und Gemeinden auch gemeinsam getragen weiden. Der staatsrechtliche Aushau des Reiches hat sich immer wieder als Hindernis gezeigt. Versuche des Reiches, den Gemeinden unmittelbar zu helfen, sind inehr als einmal daran gescheitert, daß die hierfür von ihm in Aussicht genommenen Mittel zur Erhallung von Ländern oder Läirdercinrichtungen dieireii mußten. Im Sommer des Jahres stellte dos Reich den Gemeinden als Äeitrag zu den Lasten der Erwerbslosensürsorge mindestens die Hälfte der seitens der Länder bei den Gehaltskürzungen erzielten Einsparungen zur Verfügung. Nach wenigen Monaten erklärten die meisten Länder, hierzu uiäst imstande zu sein und stellton die Zahlungen ein. Die Reichsnotverordnung vom Oktober legalisierte diese Haltung der Länder. In der Vierten Reichsnotverord- n u n g wurde die Ilmsagsteuer erhöht. Die Gemeinden versuchten, an dem Mehraiiitommen in größerem Ausmaß beteiligt zu werden, weil die Arbeitslosigkeit in erster Linie Reich und Gemeinden, nur mittelbar und wesentlich abgeschwächt die Länder belastet; die Länderregicrungen verhinderten eine solche Reichsregelung. Jetzt wird sogar in einigen Ländern versucht, den Gemeindeanteil an, Mchrauskommen der Umsatzsteuer nicht aus die Gemeinden zu verteilen, sondern zentral zu verwenden. Die Erhallung der Eigen- stoatlichkell zahlreicher Länder geht in steigendem Maße zu Lasten der Lebensfähigkeit der Gemeinden. Die Regelung des Finonzlastenausgleichs wird immer dringlicher zur Reichs- aufgäbe. Dr. Sahm schließt den Artikel m'll folgenden Sätzen: Die Ge- meinden tragen das Schicksal des ganzen Volkes mit, sie trogen es ii ich innen am stärksten, weil alles Geschehen sie von unten und von oben aus allen Ledtnsgebieten am stärksten trifft. Daher hängt von der Erhaltung ihrer Leistungsfähigkeit und ihres Leiftungs- willens in diesen kommenden Wochen und Monaten unendlich Vieles ab. Man darf nicht den EiiSnick entstehen lassen, als wäre ihr Schicksal für das Ganze gieichgüllig. Nie war dies unrichtiger. Für die Zukunft des Reiches ist os gerode jetzt von entscheidender Bc- deutung, die Sorgen der Gemeinden lebensnah zu empfinden und auch von seiner Seite die Schicksalsverbundenheit mit den Genieinden anznerkennc», genau so, wie auch die Gemeinden sich als Diener des Ganzen fühlen. Zwei Bezirkskarien der Siadtbahn. A eh Irlich wie im allgemeinen Berkchr der Reichsbahn ist— wie die Reichsl'ahndirekiio» Berlin nrilteill— vom 1. Januar 1932 ab auch für de» Berliner Stadt-, Ring- und Borort- verkehr eine Erleichterung für de» Berufsreiseverkehr durch Einführung von zwei Bezirks karten mit verschiedenem Geltungsbereich und von Teilnroirotskarten geschaffen worden. Bon diesem Tage an werden Bezirkskarten für den ganzen Bereich des Berliner Stadt-, Ring- und Barortoevkehrs und Bezirks- karten für den Bereich der Stadt- und Ringbahn und der Rohzoncn der Vorortstrecken ausgegeben. Der Preis der Monatskarte für den ganzen Bereich der Stadt-, Ring- und Lorortbahnen(große Bezirks- karte), die bereits seil einiger Zeit zum Preise von 40 M. in der 3. Klasse und 00 M. in der 2. Klasse ausgegeben wurde, beträgt kllnlliz 3Z M. in der 3. Klasse und-50 M. in der 2. Klasse. Die Monatskarte für die Stadt- und Ringbahn und die Nalzzonen(kleine Bezirkskarte) kostet 23 M. in der 3. Klasse und 34 W. in der 2. Klasse. Die Monatskarten gellen für den Kalendermonat. Oberiprerstraße in Köpenick. Mit Einwilligung des preußischen Staatsministerium und mit Zustimmung des Polizeipräsidenten hat die bisherige Berliner Straß« im Orrsteil Köpenick den Ninun .Dbe.ripreeslraße" erhallen. Im großen«aufhan» Paul Held Rachf. Invaliden» Ecke Brunnen straße, beqinin am i. Januar der große Jirtjcntut Ausverkauf. Riesige Mengen Dame»- und Kindcrtonsctnon. Kleider- und Seidenswtie. Lemeu- uud Banmwollwaren, Tevvichc, Gardinen, Tarnen- und Ämderwäsibe. A?oll- waren und andere Textilwaren müssen geräumt werde». Die Preise sind teilweise 50 Pro;, bis sogar 75 Pro;, herabgesetzt. Also am Morttag: Aus ins Kaufhaus Held! VORBEHALTEN• VERKAUF SOLANGE VORRAT• BEGINN: 4. JANUAR 1932 Wintermantel| , für Damen» Velour-Mäntel m Peizkrag. gut gefutterte Mantel engl. 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Seine eigentliche Bedeutung liegt aber in dem Appell an die K a p i t a l m ä ch t e der Welt, den seit Mitte 1931 ein- getretenen chaotischen VerhAtnissen zwischen den Gläubiger- und Schuldnerländcrn der Well durch Zusanamenarbeit ein Ende zu\ machen, wozu auch die Verständigung über die Reparationen gehört. Preise und Produktion yaiben sich, so heißt es in der Einleitung des Berichts in der Krise um ein Drittel und mehr vermindert. Das übergroße Ausmaß der internationalen und der bmnenwirischasilichcn Verschuldung haben aber, weil eine rechtzeitige Anpassung der Schuldenlasten an die oeränderten Produktions- und Preisverhältnissc unterblieben ist, die weltwirtschaiilichen Spannungen ungeheuer v c r- mehrt. Seit Mitte 1931 fei unter den Gläubigern der Welt eine Panik eingetreten, die einen allgemeinen Krieg der Gläubiger und Schuldner heronfbeschworen und damit für die iirternatwnale Per- schuldung eine neue Lage geschaffen Hab«. Aber nicht nur das wirtschaftliche und politische Mißtrauen in der Welt, sondern auch das A u s m a ß, in dem man wirtschaftliche und politische Verschuldungen für m ö g l i 6, gehalten habe, sei lebensgefährlich geworden. Es sei falsch, das Ausmaß möglicher internationaler Kapital- Verschuldung uitö internationaler Kap italüberrragung am Bolls- einkommen und Bollsvermögen, an Steueraufkommen und Steuer- bslastungen oder cm der Kapitallükdung und dergleichen zu messen. Zur internationalen Kap italüösrtragung und-verschitldung könnten turr Spißen betrüge der jeweittgen Kapitalblldung der einzelnen Länder herangezogen werden, und diese Beträge seien mii so tlemcr, je weniger die Zusaewttenarbeit der Völker aufrechterhalten bleib« und je mehr die gegechoitige Mkchnürunz der Doltswirtschaften Lorts6?rittc nwchi.„Insbesondere das Rcparations- verlangen hat sich an Ziffern geklammert, die außerhalb jeder Erfahrung liegen, zu ihrer Stützung sind Maßstäbe herangezogen worden, an denen die Fälligkeit zu � internationalen Zahlungen nicht gemessen werden koim. Der Suggestion, die seit mehr als einem Jahrzehnt van diesen Ziffern und Berechnungen ausgeht, ist fast die ganze Welt zum Opfer gefallen.'" Jetzt sei eine Ernüchterung eingetreten und diese Ernüch- tcrung müsse die Umkehr erleichtern. Der Angelpunkt der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung sei darin zu erblicken, daß ein dauerhaficr Friede zwischen Gläubiger und Schuldner hergestellt imd die internationalen Zahlungen den Erfahrungen an- gepaßt werden müssen, die man über die Fähigkeit zur Kapital- Übertragung gemacht hat. Unter unverkemckarem Hinweis auf die Berliner Stillhalteoerhandlungen und die kommende Reparationskonferenz wird dann gesagt: „'Rur wenn Zahluiigswerscn geschaffen werden, die weitere Kapital- abziehungen und die Angst vor ihnen beseitigen, kann sich die Unter- nehmungslust wieder hcrvorwagen, können die jetzt festliegenden Kapitalien wieder übertragbar gemacht werden, kämen die jetzt unbeschäftigten Menschen und Arbeitsstätten in aller Welt zum Austausch der Leistungen und damit zu nützlicher Tätigkeit gebracht werden.'" Im vergangenen letzten Halbjahr habe, so wird an anderer Stelle des Berichts ausgeführt, die hemmungslose Politik des „R c t t c sich, wer kann", Schuldner und Gläubiger gleichermaßen in Gefahr gebracht. Das von dem USA.-Präsidentcn Hooucr angeregte Feierstchr habe zwar den offenen Ausbruch des Gläubiger- Schuldner-Kriegcs nicht mehr verhindern können, sei jedoch eine wich- tige Boraussetzung für den zwischen Gläubigern und Schuldnern wieder herzustellenden Frieden. Die wirtschaftlichen Friedensverträge, die seht zu schließen seien. dürften sich aber mit der Festlegung des Friedens allein nicht bc- gnügcn, sondern die getroffenen Vereinbarungen müßten zum Aus- gangspurckt künftiger Zusammenarbeit werden. Für Gläubiger und Schuldner gelte es, die finanzielle Panik in solcher Weise beizulegen, daß die jährlichen Zahlungsverpflichtungen— gemeint sind wirtschaftliche und politische— jene Beträge nicht überschreiten, die übertragbar gemacht werden können. Der Bericht schließt mit einem A u s b l i ck, in dem die .Hemmungen aufgezeigt werden, die sich aus dem jetzt noch fort- dauernden Gläubiger- und Schuldnerkrieg für die Besserung der Weltkonjunktur ergeben. Im Wäreiwerkehr sei durch Preis- senkung die Anpassung zwischen Kauftraft und Produttion im allgemeinen erfolgt. Deutschland habe für das Inland auf dem Gebiete der Verschuldung noch eine besondere gesetzliche Anpassung durch Zinssenknng vorgenommen. Allgemein aber seien die Kosten neuer Kapitalbeschaffung und auch die Kosten neuer kurzfristiger Kredite der Krisenentwicklung nicht gefolgt und erheblich höher als jemals seit vielen Jahren. Da die Anpassung aus de in Kapitalmarkt fehle,(ei auch eine Belebung des Warenaustausches unmöglich, die stets erst die Folge der ausreichenden Senkmig des Kapitalpreises gewesen sei. Das Fehlen der endgültigen Anpassung auch der politischen Schuldenlast an die oeränderte Lage müsie die wirtschaftliche Er- holung weiter erschweren. Die Lehren des vergangenen Halbjahres seien auszunutzen. Schließlich werden in dem Bericht drei Hauptforderun- den aufgestellt: der G laubiger müsse dem Schuldner, der sich fähig gezeigt hat, seinen Betrieb den veränderten Wirtschaftsver- Hältnissen anzupassen, das Kapital zu vernünftigen TUgungsbedin- gungen weiter überlassen. Der Schuldner müsse sich in seiner Verschuldung jene Beschränkung oilferlegen, die notwendig sei, um auck) im ungünstigen Falle die erforderlichen Rückzahlungen zu leisten und in günstigeren Zeiten sie zu beschleunigen. Endlich müßten die Störungen der weltwirtschaftlichen Zusammenarbeit be- settigt werden, die aus den Reparationen, erwachsen und bei ihrer Fortdauer immer erwachsen müssen. Weitere Preissenkungen. Ein Arzneimittel- und Orogenskondal. Ab 1. Januar ist noch eine Reihe Preissenkungen wirksam ge- worden. Der Rcichswirtschaftsministcr hat die Senkung der Z a p f st c l l e n p r e i s c um 2 bis 2,3 Pf. je Liter für Marken- bcnzin, Markengemisch und Zechenbenzol angeordnet. Die B e r- lincr Ko k s p r e i je find bis zu 18 Proz. im Preise gesenkt worden; so beträgt der Preis für einen Zentner Ruhrbrechkoks I 2.28 statt 2,78 M. und für Gaskoks 1,99 bis 2,18 M.. statt 2,27 bis 2,33 M. Die Vereinigung der Motorradfabriken ha- die Motor- rad preise gegen Ende Juni um 10 Proz. gesenkt, in dem bestehenden Preisschutz für den Einzelhändel wird festgehalten. Im Norddeutschen Z'ementoerband wurden die Listen-, preise um 10 Proz. gegenüber dem Stande jom 30. Juni ermäßigt. Bei Kupferblechen, Kupserrohren, Messingblechen und Mcssingrohren, sowie bei Neusilbcrbiechen wurden die Form- und Qualitätsaustchläge um 10 bis 23 Proz. herabgesetzt: hierbei ist aber zu beachten, daß es sich nur imi die Senkung von Ausschlägen, nicht aber um eine entsprechende Senkung der Preise handelt. Die Industrie hat auf einem Gebiet die Preissenkung ver- weigert, aus dem man es nicht hätte erwarten sollen. Die pharmazeutische I n d u st r i e hat dem Reichs- w i r t s ch a f ts m i n i st e r erklärt, daß sie eine Preissenkung um 10 Proz.,' wie sie die Notverordnung fordert, n i ch t vornehmen könne. Die Aushebung des Markenschutzes ,cheine ihr erträglicher als ein Preisabbau um volle 10 Proz Tatsächlich sollen die Preise nur um etwa 2 bis 214 Proz. herabgesetzt werde». Das Vorgehen der pharmazeutischen Industrie ist ein Skandal. Aus keinem Gebiet werden solche Gewinne gemacht wie bei Arzneimitteln und Drogen Nirgends würde die Unter- l a s s u n g einer Icharfen Preissenkung ungerechter empsundcn als hier, denn wenn im Durchschnitt der Anteil der Arzneikosten bei der Lebenshaltung auch nicht groß ist, so wirken sich oie über- höhten Arzneipreise gerade dort am schwersten aus, wo Krank- hoit im Hause ist. Die Weigerung scheint darauf zurück- zuführen zu sein, daß die Groß- und die Kleinhändler von der Preissenkung nichts tragen wollen und daß die Industrie sich weigert, die Preissenkung allein zu übernehmen Für. die Beur- tcilung ist bedeutsam, daß eine Aushebung des PreisschilZes sich kaum preissenkcnd auswirken' würde, weil van einer eigentlichen Konkurrenz unter den Apotheren nicht die Rede sein kann. Bei den pharmazeutischen Produkten handelt es sich meist um sogenannte „apothekengebundene Waren", deren Preise durch eine Arznei- taxe geregelt werden: über die Höhe der Arzneitaxe haben die Länder und auch das Reich zu bestimmen. Hier liegt ein Fall vor, wo das Eingreifen des P r e i s k o m m i s sa r s und der Reichs- und Landesbehörden unbedingt geboten ist. Die polnischen Einsuhrverbote. Ernste Rückwirkungen auf den deutschen Export. Das polnische Außenministerium hat der Deutschen Gesandtschaft in Warschau die Liste der neuen polnischen Einfuhr- crschwerungcn überreicht. Wenn dabei auch erklärt wurde. daß die jetzt verfügten Maßnahmen nur provisorischen und vorüber- gehenden Charakter trügen und Ausnahmen in der Richtung der Kontingentierung gemacht werden könnten, so werden die nächsten Folgen für den deutschen Export noch Polen doch ziemlich ernst sein. Die neuen Einfuhrverbote dürften sich annähernd auf ein Drittel der letztjährtgcn deutschen Einfuhr nach Polen erstrecken. Das für 200 Positionen des polnischen Tarifsystems ab 1. Januar eingeführte Einsuhrverbot wirkt sich zwar sehr verschieden aus, ein- zelne Positionen werden ob ex sehr stark betroffen. Das gilt besonders für elektrische Maschinen und Apparate, die zu 30 Proz.. für Metallbearbeitungsmaschinen, die zu rund 70 Proz., für Hand- werkszeug, das zu rund 30 Pro,;, über die deutsche Grenze kommt. und auch für Papier, das etwa zur Hälfte ans Deutschland ein- geführt worden ist. Der Lebenshaliungsindex. Die Reichsindexziffer für die Lebenshältmigskosten(Ernährung. Wohnung. Heizung, Beleuchtung. Bekleidung und sonstiger Bedarf» belauft sich noch den Feststellungen des Statistischen Reichsamts für den Durchschnitt des Monats Dezember auf 130,4 gegenüber 131,9 im November: der Rückgang beträgt somit 1,1 Proz. Au dem Rückgang sind hauptsächlich die Bedarssgrüppen Ernährung und Bekleidung beteiligt. Es sind zurückgegangen die Indexziffern für Ernährung um l,ti auf 119,9, für Bekleidung um 2,1 auf 129,1, für sonstigen Bedarf um 0,0 auf 180,3 Proz. Die Indexziffer für Wohnung hat sich nicht verändert, die für Heizung und Beleuchtung ist mit 148,8 nahezu unverändert geblieben. In der Gruppe Ernährung sind hauptsächlich die Aus- gaben für Fleisch und Fleischwarcn, für Milch und Milcherzeugnisse sowie für Brot und Mobl gesunken, die Ausgaben für Gemüse aber gestiegen, 62 Millionen für Dessauer Gas. Zwischen dem Reich und der Dessauer Gasgesell- s ch a f t ist ein Bertrag geschlossen worden, nach dem die Dessauer Gasgcscllschast für ihre an Polen durch Liquidation verloren ge- gangcnen Warschauer Gaswerke eine G e s a m t e n t s ch ä d i g n n g von 52 Millionen Mark erhält, die mit 5 Millionen Mark In bar und mit 47 Millionen Mark in Oprozentigen Reichsschuld- buchforderungen gemäß des Kriegsschödenschlußgesctzcs ausgezahlt wird. Ein un Oktober 1929 gefällter Spruch des deutsch-polnischen gemischten Schiedsgerichts hatte das Liquidationsrecht der Polen sestgestellt, worauf die Dessauer Gasgeselischost ihre Ansprüche gegen das Reich geltend mache. Gefordert wurde ein Betrag von ISO Millionen Mark. Ein Gutachte» des bekannten Professors Schmalenbäch lautete auf den Betrag von 01,5 Millionen: die Dcssauer Gasgcsellschaft hat jetzt, nicht zuletzt, weil sie auch Geld braucht, den Aertrag auf der Basis von 32 Millionen abgeschlossen. Um Dezember wurden 1150 Konkurse(gegen 1183 im November) und 848 Lergleichsversahren(gegen 896 im November) gemeldet. I m Jahre 1931 betrug die Konkursziffcr insgesamt 13 304: die Zahl der Dergleichsvcrsahren betrug 8208. Die Gesamtzahl der Insolvenzen log 1931 im: etwa 15 Proz. höher ols 1930. HSK- l|lti0D£ «60 tfcw tüldKiEK _ jVeroTw--. i —:«\ uno i-vi»" �0!e.r.äpR-QuaU l, VevVto 06 ott»Y'2tW.IWge'.?,B 0 aV>er J&oe, twIinS»# � 9.1®* die sonst AnXÄosten, e-Q.« wchio-A9&£ii Ein Lahr Maismonopol. Nie Berichterstattung an den Reichstag.— Erhebliche Lleberfchüste. Als im Frühjahr 1930 sich die Preisentwicklung auf dem Ketrcideweltmarkt ständig verschlechterte und eine Regulierung des deutschen Gctreidemarktes nach zwei guten Roggenernten nur mehr durch eine Beschränkung der ausländischen Zufuhren möglich war, wurde von der damaligen Regierung Müller-Dietrich ein Mais- Monopol geschaffen. Durch die Regelung der Maiseinfuhren sollte erreicht werden, daß der deutsche Getreidemartt nicht weiter durch ocnneidbare Importe beunruhigt werde. Ein paar Tage später, nachdem das Maismonopolgesctz verkündet war, wurde die Regierung Hermann Müller durch dos Kabinett Brüning abgelost. Der neue Rcichscrnährungsminister Schiele erließ sofort Durch- führungsbestimmungen zum Maisgesetz und berief vor allem Großagrarier in den Bcrwaltungsrat, so daß das Maismonopol in einem anderen Sinn gchandhabt werden konnte, als es die Gesetzgeber ursprünglich beabsichtigt hatten. Uebcr die Tätigkeit des Maismonopols im ersten Geschäftsjahr gibt nun ein dem Reichstag vorgelegter Bcrillit Aus- kunft. Aus dem Bericht geht hervor, daß die Rcichsmaisstelle in dem Jahr April 1930 bis März 1931 312000 Tonnen Mais in den inländischen Verkehr gebracht hat, während im Jahre 1929 670000 Tonnen eingeführt worden waren. Der Zweck des Maismonopols, die Berfüttcrung und die sonstige industrielle Verwendung des Maises möglichst zurückzudrängen, ist also voll erfüllt worden. Die Verkleinerung der Einsuhr ist nicht durch ein direktes Eingreifen des Maismonopols in den Maisimporthandel herbeigeführt worden, sondern die Einfuhrtötigkeit blieb dem privaten Handel überlassen. Nur der Einfuhrpreis wurde von dem Monopol festgesetzt. Während im März 1930 der Mais noch 150 Mark je Tonne kostete, wurde der Monopolpreis zunächst auf 130 Mark festgesetzt. Später erfolgten mehrfache Cr- höh u n gen bis auf 230 Mark. Lediglich den G e f l ü g c l h o l t e r n, die sich einer Eierocr« wcriungsgcnosscnschaft angeschlossen haben, wurde der Mais seit August 1930 zu einem niedrigeren Preis abgegeben. Ob der deutschen Geflügelhaltung insgesamt aber durch diese Vcrbilligungs- oliion geholfen wurde, muß bezweifelt werden, denn in der Zeit von August 1930 bis März 1931 sind nur 2 30 00 Tonnen Ge- flügclmais eingeführt worden. Wenn auch bis heute die Ab- gäbe von verbilligtem Mais an die Eicrfarmen und landwirtschaft- lichen Geflügechalter rund 120 000 Tonnen betragen dürste, so liegt dennoch der wirkliche Maisbedarf der deutschen Hühnerhaltung bc- deutend höher. Das Maismonopol diente aber nicht nur zur Abschnürung des ausländischen Maises zugunsten der Preisgestaltung für inländische Futtermittel, sondern auch zu einer Subventionierung der Kartoffel st ärkeindu st rie. Die Maizena-Gcsellschaft, die aus den Mais als Rohstoff angewiesen ist, wurde gezwungen, nahezu den größten Teil ihres Rohstoffes, den sie zur Glukose-(Sirup-) Herstellung benötigt, in Form von Kartafsclstärke von den ost- clbischen Stärkefabriken zu kaufen. Als Entschädigung wurde ihr für den zur Nährmittelherstellung benötigten Mais nicht der hohe Monopolpreis, sondern ein Borzugspreis eingeräumt. Die Gewinn- und Berlustrcchnung schließt mit einem II e b c r s ch u ß von 12,4 Millionen Mark ab. Die Ge- schöstsuntösten betrugen im ersten Bctriebsjahr 430 000 Mark, so daß die Ton»« Mais mit 1,44 Mark Unkosten belastet wurde. Eine wesentliche Verteuerung der Waren ist also durch die Monopol- mäßige Bewirtschaftung der Einfuhr nicht erfolgt. Die letzte Aendcrung des Moismoiwpolprcises erfolgte Anfang Dezember und bestand in einer Senkung des Abgabepreises von 183 auf 155 Mark je Tonne. Diese Senkung war notwendig geworden, mn die Fnttcrmittelgctrcidecinfuhr zu erleichtern. Jedoch kann diese Senkung des Maisprcises noch nicht genügen, um einen Ausgleich zwischen den hohen Futtergetreidc- und den niedrigen Flcischprciscn zu schassen. Außerdem ist es notwendig, daß der Mais- preis unter den Gerste preis sinkt, damit die not- wendige Einsuhr von Futtergetreide vor ollem in Form von Mais erfolgt. Da Mais auf dem Weltmarkt 30 Mark je Tonne billiger ist als Gerste, ist es volkswirtschaftlich richtiger, m der Hauptsache Mais einzuführen. Die Sozialdemokratie hat deshalb schon seit langen« gefordert, daß der Maismonopolpreis noch beträchtlich weiter gesenkt wird. Braunkohlensyndikat ausgelöst. Durch Verordnung des Zieichswirtschastsministers. Oer Reichswirtstftaflsminister hat auf Grund der Notverordnung »am 30. 3u(t 1930„zur Verhütung unwirtschaftlicher Preisbindui«' gen" de«« vertrag des mitteldeutschen Braunkohlensyndikales mit Wirkung vom 20. Januar 1932 für nichtig erklärt. Die Hiniergrüirde zu der Auflösung dieses Syndikates sind in, wesentlichen folgende: In« mitteldeutschen Brmmkohlenrevier hotten sich schon seit längerem u nh a l tb a r e Zustände auf dem Preisgebiet herausgebildet. Da der Syndikatsvcrtrag bei weitem nicht so straff war wie bei den übrigen Kohlensyndikaten und Hm Absatz an die einzelnen Werke nicht quotenmäßig a u s g�hei l t joar, hatten die verschiedenen Werkhondelsgesell- ichafteir Snrä) ständige Uingchuug der Kaktellprcisbeskimnmnge«, ihren Werkcir zusätzliche Austräge zu verschaffen versucht. Diese Preisschleuderei hatte besonders in dem sogenannten Landver- kehr, der durchweg mit Lastwagen durchgcsührt wurde, großen Umfang angenommen. Die in ihren Interessen geschädigten freie«, Händler waren in dieser Frage wiederholt beim Reichswirt- jchastsmiilistcrium vorstellig geworden. Tos Rei6)s«virtschaftsministcrillln hatte den bisherigen Syn- dikatsoertrag, der bis 1934 läuft, beanstandet, da er den Vorschriften des Reichskohlengcsetzes nach der Auffassung des Mini- fteriums nicht entsprach. Zur Wiederherstellung der durch die Schmutzloickiirnmz der Werkshandclsgesellschaften völlig verlorengegangenen Preiswahrheit innerhalb des e-yn- dikatreviors hatte das Ministerium eine Bcrtragsrcform ge- fordert. Nach de«, bestehenden Vorschriften mußten aber der Aushebung des alte«, Vertrages 90 Proz. der Mitglieder zustinnnen, während bei der Abstimmung sich nur 6 9 Proz. sirr den neuen Vertrag erklärten. Unter diesen Umständen Hot sich also der Reichs- wirtschaftsinil«ister veranlaßt gesehen, das Syndikat aufz«ilßsei«, um hinter[eine Forderungen einen entsprechenden Druck zu jctjcit. Die gegenwärtige Situation kann in drei Richtungen geklärt werden: Zunächst wird der neue Syndikatsvcrtrag dem Reichs- kohlenrat zur Beschlußfassung vorgelegt werden, und nach seiner Annahipe durch dieses Organ kann der Reichswirtschaftsininister die Errichtung eines Zwangsfyndikates verfügen.(Nach den früheren Vorschriften mußte ein Zwangssyndikat kommen.) Es liegt aber auch die Möglichkeit vor, daß der Reichswirtschafts- minister dir Einigung durch die Industrie selbst abwartet und hierzu einen syndikatslosei« Zu st and in Kauf nimmt. Es ist bekannt, daß im««lüteldeutjchen Braunkohleirrevier starke Kräfte rege sind, die einen snndikotstosen Zustand nicht ungern sehen würden. Andererseits ist man sick, aber auch in diesen Kreisen klar, daß ein syndikotsloser Zustand, also ein Kampf aller gegen alle, die Existenz der übrigen Brauirkohlensyndikatc erschüttern müßte, da die bestehenden Gcbictsobkommen mit den anderen Kartellen sofort illusorisch würden. Unter dem Druck der übrigen Braunkohlenindustrie wird man daher letzUich doch mit einem Einlenkei, der bisherigen Opposition und damit mit einer Annohinc des neuen Syndikatsvcrtrages rechnen können. Die Llmsahe der Konsumvereine. Der Zcntralverband Deutscher Konsumvereine meldet für den Monat November einen wöchenklichen Durch- schnittsuwsatz pro Mitglied von 6,41 M. gegenüber 6,43 M. im Oktober des vergangenen Jahres und 8,40 M. im November des Jahres 1930. Gegenüber dem vorhergehenden Jahre ist also ein zahlenmäßiger Rückgang um 23,7 Proz. fcstzustelle««, der größte««- teils auf die Preissenkui«g, in starkem Maße aber auch auf die lauf- kraftmäßige Verarmung der Mitglieder zurückzuführen ist. In den ersten neun Monaten des Jahres 1931 betrug der Unisatzrückgaiig bei den Konsumgenossenschaften des Zentral Verbandes in« ganzen nur 11,4 Proz., was erlemren läßt, daß die Entwicklung des Wochenumsatzcs für die Gesamtcntwicklung des Verbandes nicht charakteristisch ist. Lieber 2 Milliarden Mark Anseihegewinne. In« Finanzausschuß des amerikanischen Senats wurden intcr- «ssante Ziffern über die Geivirrne bekanrrtgegeben, die amerikanische Banken bei der Begebung von Auslairdsanleihcn erzielt haben. Rund 10 Milliarden Dollar Auslandsanlechen wurden von amerikanischen Bmekei« nermittelr. Die beteiligten Banken erziel- ten dabei eine«« Gewinn von«rund 500 Millionen Dollar oder 22 Milliarden Mark. Das ei«tspricht einer Beteiligung von 5 Proz., hie die Banken an GeMimmargor anft an KursÄffermzrn fcfc zielen konnten. Auf die drei Graßbai« Sei« Morgan, ftichn u. Loeb und National u. Eitybarck kamen Auslandsaiilcihen im Betrage von 3283 Millionen Dollar und Gewinn über 100 Millionen Dollar. Em Drittel der gesamten nach Südamerika gegangenen Anleche, die etwa 2'- Milliarden Dollar ausmachte, wurde als notleidend bezeichiret. Kommt der Fernschreiber? Machtkämpfe im amerikanischen Nachrichtenwesen.— Nene Arbeit für die Schwachstromindustrie. Kürzlich wurde aus Amerika eine mteressante Neuerung auf dem Gebiet des elektrischen Nachrichtenwesens gemeldet, die gleichzeitig mit einer Umgestaltung in den großen amerikanischen Nachrichtenkonzenren verbunden ist. Die bisher ziemlich selbständige Westen« Union Corporation, die etwa vier Fünftel des gesamten Telegraph ennctzes der Verewigten Staaten be- herrscht, beabsichtigte schon seit einiger Zeit, einen neuen Tele- graphendienst durch die Einrichtung von Fernschreibern her- zustellen uiid r>crsuchte dabei«««it der America«« Telephone and T c l e g ra p h E o., die fast das gesamte amerilänische Tele- p h o n n e tz beherrscht, zusan«mcnzuarb«-ten. Die American Tele- phon and Telegraph Co. lehnte jedoch eine solche Zusammen- arbeit oln Die Western Union Corp. hat nun stakt dessen einen Vertrag mit der Postal Telegraph u. Cable Corporati.oii geschlossen, der zweitgrößten oinmkonischen Telegraphen- und Kabel- Gesellschaft. Diese Gesellschaft gehört seit einigen Jahren zun« Konzern der International Telephone u. Tele- graph Corporation, d. h. derjenigen Gesellschaft, die aus der ganzen Welt ausgedehnte Nochrichtenmteresseii hat, die z. B. «n Spanien, Rumänien«md der Türkei, ebenso in Brasilien, Chile, Mexiko, Peru und Argentinien die Tclcphonnetzc gai«z oder teil- weise besitzt und die im übrigen über die Jnternatioi«al Standard Eorporotion in zahlreichen europäische««, mittel- und siid- amerikanischen Ländern, ferner in China, Japcn« und Australien Über bedeutende schwachstromiechuische Fabrikqtionsuntcrnehmuügen verfügt. Der jetzt in Amerika eingerichtete F e r n s ch r e i b c r d i e n st besteht darin, daß die Teilnehmer des Tclephondienstes in Amerika miteinander unmittelbar geschriebene Schriftstücke tele- graphisch austauschen können. Für den Geschäftsverkehr ist es von außerordentlicher Wichtigkeit, wenn von Büro zu Büro Telegramme. die genau in ihrer ursprüngliche» Fori«« niedergeschrieben werden, gcscurdt werden köi«ncll. Schon jetzt sind in Amerika 10000 Fernschreiber durch eigene Anschlußlcitungen mit den Zentrale«« der beiden Telegraphcnzesellschasten verbünde«?. Www, wie zu erwarten ist, diese««euc Einrichtung in Amerika Anklang finden wird, so ist ihre Ausdehnung auf die übrigen Tätigkeitsgebiete des um- fassenden Koi«zerns der International Telephone v. Telegraph Cor- poration wahrscheinlich. In diesem Fall werde«; sich wahrscheinlich auch die übrigen großen Nachrichtensystcme veranlaßt sehen, ent- sprccheirde Einrichtungen zu organisieren, und zwar nicht i«ur in Verbindung mit dem Telegraphc»dienst, sondern in umnittelbarem Anschluß an die Ferl«sprechnetze, so daß jeder Fernsprechteilnehmer andere Teilnehmer lünftighii« nicht nur sprechen, sondern ihnen auf den« neuen Wege Schriftstücke oller Art übermitteln toi««. Auf die Wahrscheinlichkeit eines solchen. Ausbaues des Nack- richtenwesens haben wir hier schon früher hingewiesen. Schon jetzt ist in Deuts chl and. und m einigen anderen Ländern mehr als die Hälfte aller Fernsprechstellen auf auioinatischen Betrieb«rrn- gestellt. Die Automatisierung wird bald in den hauptsächlichsten Ländern als abgeschlossen angesehen werden können. Es liegt aus der Hand, daß die S ch w a ch st rö m k o n z e r n e an einem neuen allgemeinen Umstellungsprozeß außerordeni- lich interessiert sind, und auch in Deutschland wurde bereits vor einiger Zeit die Einrichtmig von Fcri«druck«rn und Fernschreibern von der Elektroindustrie angeregt.. Mit dem jetzt abgeschlossenen Vertrag der Western Union mit der Pastol Telegraph u. Cable Corporation.ist ein entscheidender Schritt in Richtung auf diese neue Umstellung gemacht worden. Der Güterverkehr der Reichsbahn zeigte im November gegen- über dem gleichen Monat des Vorjahres einen Rückgang von 11,74 Proz., iind gegenüber November 1929 sogar von 26,18 Proz. Der Personenverkehr ist ebenfalls weiter gesunkei«. Die Einnahmen zeige«« mit 290,01 Millionen einen bisher noch nicht verzeichneten Tiesstai«d: der Rückgang im Personen- und Gepäck- verkehr beträgt gegermber November 1930 19,7 lind gegenüber November 1929 23,4 Proz.: beim Güterverkehr liegt eine Ein- nahmenscnkung uin 17,9 bzw. um.38.7 Proz. vor. Die Gesamt- ausgaben betrugen 384,53 Millionen und sind durch die Ein- nahmen nicht eirtfernt gedeckt. Die seit Beginn des Jahres 1931 durch Betriebseinnahmen nicht gedeckten Ausgaben betrugen Ends November 40l Millionen Mark. Gegenüber Oktober war im November die Beschäftigtenzahl von 675 681 auf 663 463 Personen verringert. Nur bei VhinOerßlter� Halttr und Nam» atsatzl. gatctiOizl, Kt \Für Beamte mAngeatallte, y iei i b e r Goldfink amta jBSO Werba- gm a/He.ga Halter tiber WM» Goldfink GroS� LelpzIgtrStrMS, EokaMauaratr. Friedrlebetr, 143, am Stadltaknbof Tauentzlenztr. 4, am Witten-„ IS», Ecke BehrenstraOa .___... PJ/CP1'*- IM. Ecke Mohrenttr. 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Der Erwachsene besigt nach unserer heutigen Erkenntnis das Vorrecht, ein Kind zu leiten, nicht deshalb, weil das Gebot der Autorität es verlangt, sondern weil er über die bessere Einsicht in die Bedürfnisse des llebens und die besonderen des Kindes verfügt Es ist nicht zuletzt der Einbruch der Psychologie in die Pädagogik, der die ganz andersartige Haltung des Erziehers gegenüber dem Kinde hervor- gerufen hat. Ursprünglich war das eine reine Erkenntnis der Heilpädagogik: nur in ihr glaubte man psychologisch begründete „Zugeständnisse" an das Kind machen zu dürfen. Allmählich jedoch ist diese Einsicht auch in die starre Front der Pädagogik, die sich mit dem normalen Kinde zu beschäftigen hat, eingebrochen. Wir stehen noch am Anfang dieser Neuorientierung der Pädagogik. Selbst Gebiete, die zwischen Heilpädagogik und Pädagogik der Normalen liegen, sind von ihr noch nicht genügend berührt worden. In einem solchen Randgebiete befinden wir uns, wenn wir den, Typus des empfindsamen Kindes näher- zukommen versuchen. Dieser Typus des überempjindltchen Kindes ist recht zaylreiä) vertreten, und es kennzeichnet die.Haltung der früheren Pädagogik, wenn auf diese Kinder nie so recht geachtet wurde. Sie mußten eben gehorchen: sie durften nicht empfind- lickz sein— und so haben die meisten dieser Kinder eine seelische Fehlentwieklung durchgemacht, die in späteren Lebensaltern niemals wiedergutzumachen war. Gewiß bemühen wir uns heute, nicht in den entgegengesetzten Fehler zu verfallen: das Kind völlig unbeeinflußt wachsen und gedeihen zu lassen. Gerade das überempsindliche Kind würde sich dann mit einem Schutzwall umgeben, der es noch mehr von seiner Umwelt abschließen würde. Die Erkenntnis Iiat sich heute wohl in der ganzen Heil- Pädagogik durchgesetzt, daß seelische Fehlentwicklungen und Anomalien in innigem Zusammenhang mit Funktionsstörungen des Nervensystems stehen. Das überempfindliche Kind, das seelisch alles außerordentlich übertreibt, weist eine derartige Störung des Nervensystems auf, die sich in einer anormal gesteigerten Reizbar- keit bekundet. Eigentümlicherweise sind es der Hautsinn und der Geschmackssinn, die auf jeden Reiz außerordentlich stark reagieren. Ueberempsindliche Kinder können etwa rauhe Wäsche und rauhe Strümpfe nicht vertragen: sie drehen, winden und kratzen sich, um den unangenehmen Reiz zu beseitigen. Manche können das Haar- schneiden nicht seiden, andere sträuben sich, wenn ihnen die Nägel kurz geschnitten werden sollen. Gegen Kälte sind manche von ihnen außerordentlich, empfindlich: weinend kommen sie nach Hause ge- laufen, wenn ihnen der Frost zu sehr zugesetzt hat. Was den Müttern aber den größten Kummer bereitet, was sie bei aller Einsicht niemals verstehen können, das ist das dauernde„.Herum- mäkeln" an den Speisen. Haut aus der Milch, Fasern im Gemüse— derartige Unannehmlichkeiten, jagen. diesen K'.ndern den. größten Abscheu ein. Niemand darf schon voy ihreyr Teller gegessen haben: sie würden sonst feineir Bissen anrühren,.-- Beün Gelstm- und Gesichtssinn treten solche Anomalien nicht in so starkem Grade aus. Als wesentlichstes Ehoraktcristikum dieser Kinder aber, ist es zu bezeichnen, daß sie, sobald.sie den engen heimischen. Umkreis verlassen,»or jedem Fremden wie vor einer uicheiMlichen Macht stehen. Sie besitzen nicht jene„objektive Einstellung den Dingen nnd den Menschen gegenüber, wie sie in gewissem Maße andere Kinder besitzen. Sie stehen völlig kritiklos ollen fremden Dingen gegenüber: sie sind„schüchtern", wie die Leute sagen. Der Fall eines kleinen Jungen sei mitgeteilt, der diese Haltung, der jede nertrauensvollc Hingabe fehlte, besaß: selbst dem Vater gegenüber, der aus beruflichen Gründen nur sehr selten zu Hause war, konnte er seine Scheu nieirvals aufgeben. Er vermochte nicht, ihn mit „Vater" oder„Papa" anzureden, sondern vermied jede Anrede, wenn er gezwungen war, mit dem Voter zu roden. Dabei empfand dieser Junge eine besonders große Liebe, zu seinem Vater und konnte sogar vor Angst nicht schlafen, wenn der Boter einmal krank war. Derartige Kinder sind zum Aerger ihrer Eltern stumm und verlegen, linkisch und ungewandt, wenn Besuch bei den Eltern ist Besonders peinlich wird die Situation, wenn die Eltern darauf bestehen, daß das Kind einige seiner Künste— etwa Klavier- spielen— dem Besuch stvrsühren soll. Durch solche verkehrten Maßnahmen wird die Schüchternheit der Kinder nur noch erhöht. Ein kleines Mädchen hat bei einem Einkauf, den es jür die Mütter' machen mußte, nicht die richtige Ware nach Haufe gebracht. Die, Mutter verlangt unter Androhung von Prügeln, daß das Kind, obwohl es ängstlich weint, die Ware wieder in das Geschäft zurückbringe. Lehrreich an diesem Beispiel ist es, daß die psychologische Einsicht mancher Eltern darin besteht, ihrem Kinde Schüchtcrnheib vorzuwerfen und nun zu versuche», mit Gewaltmitteln diese Schüchternheit zu beseitigen. Die pädagogische Haltung ist gewiß gerade beim empfindsamen Kinde außerordentlich schwierig. Dos Ziel der Erziehung besteht darin/ die Kinder seelisch allmählich immun zu machen gegen oll' das Fremde, das ihnen so unheimlich ist. Man darf damit nicht zu früh ansangen. Erst wenn das Kind die geistige Fähigkeit besitzt, einen gewissen Abstand van den Dingen zu gewinnen, darf diese seelische Gymnastik einsetzen. Man wird das Kind zunächst vor eine leichte Aufgabe stellen und ihm klarzumachen versuchen: daß es zum Beispiel den Auftrag erledigen könne, beim Kaufmann für 1 Mark Wechselgeld zu besorgen. Man wird es dann— falls es die Aufgabe lösen sollte— mit ein paar Labesworlen in seinem Vertrauen zur eigenen Kraft stärken, bis es dann auch schwerere Aufgaben lösen kann. Schwierig ist auch das Erziehungsproblem zu behandeln, das sich mit der Stärkung der Nernenlraft befaßt. Man kann das Kind nicht zwingen, Milch, auf der sich Haut befindet, mit Wider- willen zu trinken: man vermeide es. dos Kind vor derartige Proben zu stellen. Ein wenig List wird es hier weiter bringen als alle gewaltsamen pädagogischen Anstrengungen. Das Kind kommt etwa von einem längerem Ausflug ausgehungert nach.Hause. Zu- fällig hat die Mutter gerode die Milchsuppe gekocht, die dos Kind nicht essen mag. Vielleicht ist in diesem Fall der Hunger größer als das Abneigungsgefühl— das Kind löffelt feine Suppe. Grundsatz für die Erziehung des empfindsamen Kindes muß sein, ihm zunächst zu kleinen Erfolgen zu verhelfen. Dann wird es auch bald größere Aufgaben in Angriff nehmen können. Der Anteil der Armen. In den groficn Berliner Hotels wurden für jedes deräb- selgte Silvestergedeck zwei Bedürftige gespeist. Bor dem großer, prächtigen Hotel im Zentrmn der Stadt rollten die Autos an, schwere amerikanische Wagen. Eine Schar von Bettlern, zerlumpte Gestalten der Großstadt, empfing die Aickonm, enden mit siebenden Augen und Worten. Mit eindringlicher Geschäftigkeit, die sie reich belohnt hofften, halsen sie den Herrschasten aus den, Wagen. und es ist eigentlich eine hübsche und soziale Idee", sagte ein Herr mit hohem, glänzendem Zylinder dein, Aussteigen zu der Dame, die er begleitete,„daß sitr jedes Siloestergedeck zwei Anne umsonst gespeist—"-- — aber gerade da brach einer jener Annen, die der Herr wohl gemeint hatte, zusammen, offenstchtlich vor Entkräftung: man tnig ihn weg. Schade, daß er es nicht aushalten koiinie, bis die Herrschaften, die jetzt, etwas peinlich berührt, ins Hotel eintraten, sich bis dahin durchgegessen hatten, wo am llebersinß der Reichen der Anteil der Armen beginnt. Isrieh Gottgetrau. Cinfctiviingcn für diele Rubrik find Berlin SS 68, Lmdeuftrahe 3. parieinachrichten�S�fur Groß-Berlin stet» an da». Bczlrktlekretario« Z. Hat, S Trrvpca recht», zu richteu Beginn aller Pernnftaltungen 19?? Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! Morgen. Montag. 4. Januar. 1. Atrif. Sitzung des erweiterten Are.isvorsiandes an bekannter Steve. Zs. Abt. Uhr wichtige Borstandssitzung bei Neisch, Cadiner Str. 10.-An- schließend um 191« llf)t Funktionarsitzuna. 85. Abt. Erweiterte Borstandssitzung um 20 Uhr Lokal Pommers nig, Berliner Strotze 100. Bezirkskassicrer der Bezirke 1 bis 4 und 12 und 13 wollen gleichfalls erscheinen. Dienstag. 5. Januar. 7. streis. Ctwfitfrtc.äreisiiorstendssttzunz im Zimwkr t. Mittwoch, b. Januar. 82.«dt. Funitioilärschuug um R Uhr bei Schcähasr, Ahornfir. 1Z,. Lezirksausschus; für Arbeilerwohlfahrt. 6. Jtrcis. Ausschuhhiung orn 4. Januar, Üp; Uhr, bei Krüger, Erimmftraße. Arbeitsgemeinschaft der Sinderfrcundc Grofz-Berlin | Gruppe StwtmfnHc: Einäscherung unseres Gerhard Mor. J| zinne k gm 4. Januar um 11 Uhr im Krematorium Vaumschulenweg. sIM Wir bitten alle Gruppen, sich geschlossen daran zu betcisigen. Treff- WfaX puntt 10U Uhr Inn- Ecke 5leffcr.Z?iedrich.St?aße. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 27. Abt. Unser Genosse Anton R o s c n f e l d, Pücklerstr. 14, ist am tzl. Dezember verstorben. Die Einäscherung erfolgt am Dienstag um 18'.. Uhr im Krematorium Baumschulenweg. 3S-,. Abt. Zahlmorae». Am 3». Dezember verstarb unser lieber Genosse, der Druckereihilfsarbeitcr Franz Lorenz. Grotzbeerenstr. ü8— 50, im Alter von 41 Iahren an Herzschlag. Er war lange Jahre unser Betriebskassierer im Ullstein- Betrieb. Einäscherung Dienstag, IS1* Uhr, in Baumschulenweg. 85. Abt. Am 30. Dezember verstarb plötzlich und unerwartet Genosse Friedrich Hänfeler. Aaiscrjn.Augusta-Str. 03. Einäscherung Montag, 17�3 Uhr, Krematorium Wilmersdorf, Berliner Strotze. SozialistischeArbetterjugendGroß-Verlin Liniendungen für diese Kndiil nur an da» Jugendsekrelarlat Berlin IÖ2S6S. Lindenftrahe U SS®. Fnnltianiiilursii- um.16 Uhr im Jugendheim Lindenste. 4. Prof. Decker spricht über„Die politische Lage". Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rot-Goid". Geschäftsstelle: Berlin S. 14, Sebastianftr. 37—38, Hof 2 Tr. Friedrichshain: Mittwoch. 0. Januar, Borlrupp: 19% Uhr Ingen d- . heim Ebertpstr. 12 iSaal). ftteuzberg: 20 Uhr Generalversamni-- Jungen: Dienstag. 5. Januar, Zu 1, bei Seehak, Wmibald-Älexis-Str. 5; Zug 4 bei Gründler, Zimmerstr. 80; Zug(i bei Wolf, Graekestr. 20. Mituuoch, Heimabend, Jugendheim Borgst r. 20.- Treptow(Kameradschaft): Monte«, 4. Januar, Oungha: 20 Uhr Neuwahl der Funktionäre. ä" Deutscher Arbeiter-Sängerbund, Gau Berlin. Geschäftsstelle: p. Schneider, Bertin NO. 5S, Huselandstr. St. Gcsonaverei» Liederfreunbe Tegel unb Umgeyevd. Nächste Uebunzs� runde Montag, 4. Januar, 20 Uhr, im B er einslokal. Sozialistischer Hochschula«»sch»ß. Dienstag, 5. Januar, 20 Uhr, im Bund, nd Erfüllunospolitit". Leiter: Gei tog�. 8. Januar. 20). i Uhr, im Bund: Nednerkursus. Jüdischer Arbeiter.Aulturverein. e. V. Dienstog, 5. Januar. 20 Uhr, in den Musikersälen, Kaiser Wilhelm-Str. 31, findet eine große Kundgebung mit dem Thema„Was will Hitler mit der Iudenhetze?" statt. Berei« Sozialistischer Aerzte(Ortsgruppe Geotz-Berlin). Sitzung L. Januar, 20 Uhr. im Neichswirtschaftsrat, Bellenuestr. 15(Pawbamer Platz). Dagesoro- nung: l. ,,Die Grenze,: der gegenwärtigen Jugendfürsorge". Referent"Justus Ehrhardt(Landesiugendamt). 2.„Arzt und Iugendpfleger". Referent Dr. Ernst Haafe. Gäste willkommen. � Allgemeine Wetterlage. 2. Jan, 4932, abds GwolkenloE,3 hsiker.ahaibbedeckr ® wolkig,•bedeckr,»RegeaAGr»)peln ,5N»b»l,"ÄGewitt«©Wnrf!rtle Vom Atlantischen Ozean ist eine Depression lüs Finnland pelcmist. Die kräftige, westliche Lustströmung, die sie auf ihrer Südseite hervorruft, bat die kalten, skanidinavisehen Lnftmassen, in derem Bereiche in Deutschland in den letzten Tagen Frost herrschte, nach Osten abtransportiert, und dafür milde, feuchte Luft vom Ozean herangeschafft. Samstagabend war' das Quecksilber im größeren Teil des Reiches schon über den Nullpunkt gestiegen: im Nordwesten wurden bereits 7 bis 8 Grad Wärme erreicht. Nur in Ostpreußen, ochlesien. im Staate«ochsen und in Niederbayern dauerte abends leichter Frost noch fort. Der Einbruch der milden Westlust brachte fast in ganz Deutschland Niederschläge: am Margen des Sonnabends kam es in Mitteldeutschland vielfach zu Glatteis- bildimg. 2,i n Nordwesten fielen ziemlich erhebliche Regenmengen. Da zwischen Island und Schmrland ein neues kräftiges Druckfallgebiet erschienen ist, das nach Osten wandert, ist mit dem Anholten der westlichen Luftströmung zu rechnen. -i- 7l>etleraussichlen für Verlin: Weitere Milderung, größtenteils bewölkt mit einzelnen Regenfällen und lebhasten westlichen Winden. — Für Deutschland: Ileberall Tauwetter, in West- und Mitteldeutschland sehr mild. Verbreitete leichte Niederschläge. Im Flach- lande Regen. Ein Beispiel: AHas, Cpepe de chine und Bpokaf- Schuhe/ Beginn om 4.3anuari » (•>. 0 �95 Unser« Enkaufskrafh durch unsere Millionen-Umsäf-ze,! ermöglicht solche gewaltigen Preisunterschiede!/ Wöftrend aer Dauer des Ausven kaufs gewähren vir auf alle 130�200 r45rje»1ft- statt54:• 26.- caiyO x 2�0 sfoff46.-jetzf21r ■ 65.-. 27 . 81.-- 39.- ' 95.-» 48.- „MO«äOO SottÖSrjW�50 • 72-. 48." •119.-• 56r •140.-• 69- • 210.-* 98? 230330 �82�38?° '115.-- 59.50 mW.-- 92: • 173-' 85.- jsomd s[oH98:jew4 4r . 103r• 72.- •169.-83.-; ■ 208.-98.-, •3Q&149j 27S sf39M 496.-247- 300x400 175.* jetzt statt bis statt 138r - 233.- . 28?.- • 365.- • 425.- 96.- 109.- 139.- 194: 196: ca. 340x460 statt 187.- jetztü2r • 350.-" 178: 490:- 24?.- bis 335x500 statt 335rjet7f259- .400>500 statt395:jet7t. ■■400»600 5tatt4/4.jei7f3S 6» 400-700 sratt560rjet2 AI?" PrimaTburnay-Vßlour� allererstes Jacquord-Boucle-Läufer Markenfabrikot, in vielen mod.Farb.u. 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Beilage des Vorwärts M. 3. 49. Iahrgang TC. �L/VlIilUv VS?» tVvi ll/U» KS Sonntag, 3. Januar 4932 Der Berliner Konflikt. Montag fällt die Entscheidung. Der Gesamtnerb�nd ersucht uns um die Aufnahme folgender Darstellung des Konfliktes bei der BVG., den Gas- und Wasserwerken: In der Oeffentlichkeit wird die Meinung verbreitet, die Belegschaften der Berliner städtischen Gas- und Wasserwerke und der BVG. hätten unter dem Lohnabbau noch längst nicht sc» gelitten wie die Arbeiter der Prtvatindustrie. Wie irrig diese Auffassung ist, geht am deutlichsten ans einer Erhebung hervor, die der Gesamt- verband erst in diesen Tagen gemacht hat. Der E i» k o in m c n s- verlust betrögt durch Arbeitszeitverkürzung und Lohnabbau einschließlich des ze h n p r o z e n t ig c n Abbaues auf Grund der Vierten Notverordnung bei den städtischen Gas- und Wasserwerken für den ungelernten Arbeiter 52,60 M. pro Monat, für den angelernten Arbeiter 43,20 M. pro Monat und bei den Handwerkern 37,03 M. im Monat. Bei den Verkehrs- arbeitern ist der Lohnousioll wie folgt: für die Handwerker pro Monat 38,13 M., für die Fahrer und Schaffner 53,44 M., für die angelernten Arbeiter 34,13 M. pro Monat und für die ungelern- ten Arbeiter 48,92 M. Die Einkommensminderung geht bis zu 30 Proz. des Gesamteinkommens. Das ist den Direktionen noch nicht genug. Unter Bruch des Tarifvertrages soll den Gas- und Wafserwerksarbeitern unter Berufung auf die Zweite und Dritte Notverordnung eine weitere Lohnkürzung von 4 Pf. pro Stunde auf- gezwungen werden. Bei der BVG. sollen die Tariflöhne um 1 bis 3 Pf. gekürzt und den Verl�eirateten die Fraucnzulage genommen werden. Wenn man auch die Kinderzulage um 1 Pf. erhöhen will, so kommt das immer noch einer H e r a b f e lz u n g der Personal- Unkosten der BVG. für Sozialzulagen um ungefähr die Hälfte gleich. Dazu kommt noch die Kürzung der Fahrzulagen usw. und die im Jahre 1931 erfolgte Kürzung der Frauen- und A i n d e r zu la g e n, die bei dem Verheirateten mit einem Kind einen weiteren Einkommensverlust von rund 30 M. im Jahre zur Folge hatte. Die Mindereinnahmen der Gaswerke aus der Preis- 'cnkmig belaufen sich auf rund 6,2 Millionen Mark jährlich. Die Forderung des Stadtkämmerers, daß die Abführung der Ueber- tchüsse an die Stadt Berlin trotz der Gaspitisfenkung nicht geringer Morgen! Eine schwache Hoffnung. Morgen, Montag, kann sich erst in vollem Umfange heraus- stellen, wie groß das kommunistische Massenstreik-Fiasko ist. Am Sonnabend ruhte in vielen Betrieben die Arbeit ohnehin, so daß in diesen Betrieben der Streik erst morgen beginnen könnte. Für Berlin war ja auch der Streik in der Metallindustrie von vorn- herein auf den 4. I a n u a r festgesetzt. Im Ruhrbergbau aber wie auch im Wunnrevier und im Hamburger Liafen be- ganu die Arbeit bereits am Sonnabend wieder. Von einigen all- gemein bedeutungslosen Ausnahmen abgesehen, ist die Slrcikparole ins Wasser gefallen. Und es ist keine Prophezeiung, sondern nach allem die Feststellung einer logischen Schlußfolgerung, daß auch morgen wieder in Berlin in der Metallindustrie, im Gaswerk Lichtenberg, auch bei Daimler in Stuttgart oder sonstwo, die Streikparole der KPD.-NGO. wenig Anklang findet. Dabei war selten zuvor die Mißstimmung unter der Arbeiter- schaft räumlich wie persönlich derart stark wie gerade jetzt, wo die Lohnkürzungen mit einem Schlage in ganz Deutschland werden darf, wird durch die vom Kämmerer gleichzeitig verlangte geringere Abschreibung und durch den zehnprozentigen Abbau der Löhne und Gehälter sowie der Ruhegelder voll erfüllt. Die über die vierte Notverordnung hinausgehende, larif. widrige Lohnsenkung ist also nicht nötig. Bei den Wasserwerken ist überhaupt keine Preis- s e n k U n g erfolgt, so daß sich hier die Kürzungen der Löhne, Gehälter, Pensionen und Ruhegelder um 10 Proz. restlos zu- gunsten der B c r l in e r. F i n a nz e n auswirken. Bei der BVG. wird die Herabsetzung der Verkchrstarife ausgeglichen durch die zehnprozentige Lohnsenkung und den Erlaß der Befördc- rungssteuer. Zugleich darf auch nicht außer acht gelassen werden, daß bei diesen Gesellschaften im letzten Jahre neben dem Lohn- abbau eine Leistungssteigerung einhergegangen ist. Trotz Arbeitszeitverkürzung ist die Belegschaftsstärke bis zu 10 Proz. zurückgegangen. Das Vorgehen der Direktionen ist auch nicht mit den Absichten der Reichsregierung in Uebereinstimmung zu bringen, die durch Mitglieder des Kabinetts wiederholt zum Ausdruck gebracht hat, daß eine zehnprozentige Senkung der Löhne der Arbeiter in den öffcilllichen Betrieben zwar außerordentlich hart, aber unumgänglich sei. Sonderbar nmtet es auch an, daß in der letzten Aufsichtsrats- sitzung der Gas- und Wasserwerke,, die sich mit der Herab- setzung des Gaspreises beschäftigte, den Anffichtsrats- Mitgliedern nichts davon mitgeteilt wurde, daß die Direktion sich init dem Gedanken trage, über die zehnprozentige Kürzung hinaus noch weitere Abzöge vorzunehmen. Die Situation in diesem.Konflikt, der durch das tarifbriichige Vorgehen der Direktionen überraschend schnell heraufbeschworen wurde, ist äußerst e r n st. Die Direktionen dieser Betriebe dürfen sich darüber nicht im Zweifel sein, daß ihre aggressiven Maßnahmen von den Belegschaften angesichts der bis jetzt schon erfolgten cnornien Lohnkürzmrgen nicht widerstandslos hingenommen werden' können. Auch die Aufforderung der KPD., an der Streikabstimmung nicht teilzunehmen, wird an diesem Tatbestand nichts ändern. Nur von dem weiteren Verhalten der Direktionen hängt es ab, ob es in den nächsten Tagen in Berlin zu einem Arbeitskonflikt kommt, dessen Trag- weite sowohl hinsichtlich seiner wirtschaftlichen als auch politischen Folgen nicht abzusehen ist. wirksam werden. Bekanntlich werden insbesondere die Berg- a r b e i t e r an der Ruhr wie in anderen Revieren besonders empfindlich von den Lohnkürzungen betroffen und mit ihnen einige andere Ärbeitergruppen. Die Gelegenheit, war also für die Streik- machen aus Bestellung außergewöhnlich günstig. Der Einwand etwa, daß infolge des Burgfriedens die Sircikparale in der KPD.- Presse nicht ausgegeben und propagiert werden konnte, wäre für die KPD.-RGO. ein recht schwacher Trost. Die heimliche Propa- ganda ist an sich weit wirksamer.. Mit welchem Recht also fordert die KPD.-RGO. die Arbeiter- schaft zum Streik auf, mit welchem Recht will sie dabei führen, wenn sie denen, die sich ihrer„siegreichen" Führung unterstellen, außer ihren- Parolen und Moskauer Märchen absolut nichts bieten kann. Freilich, für die KPD. kann es nicht darauf ankommen, die wirtfchaflliche Lage der Arbeiterschaft irgendwie zu verbessern. Im Gegenteil, je größer die direkte Not, je stärker die Verzweiflnngs- stimmung, um so besser paßt es der KPD. in den Kram. Die 5kPD. hat schon zuviel mit Arbeiterexistenzeu gespielt und durch ihre„spontan" ausgelösten wilden Streiks mit den Arbeitern so oft Schindlndcr getrieben, daß selbst die mit der KPD. oder ihrer NGO. „Sympathisierenden" es sich reiflich überlegen, bevor sie blindlings deren Parolen folgen. Streikunterstützung ist eine„reformistische" Einrich- tung. Der„revolutionäre" JAH.-Erfatz aber, der sich zu photo- graphischen Ausnahmen für die kommunistische Bilderpresse verwerten läßt, macht keine Arbeiterfamilie satt. Wer heute noch Arbeit hat. setzt sie so leicht nicht aufs Spiel, falls nicht fo wenig dabei verdient wird, daß das Einkommen auf die Stufe der Unter- ftütznngen herabsinkt. Den Glauben ober, daß heute ein Streik in zwei oder drei Tagen erfolgreich beendet ist, zumal bei den Forderungen. wie die Instanzen sie formulieren, den hat die KPD. selber nicht. In irgendeinem kleinen Betriebe oder einer Betriebsabteilung mit einem besonders dringlichen Auftrag, kann durch eine Ueber- rumpelungsaltwn gelegentlich ein Eurtagserfolg erzielt werden. Obwohl die KPD.-Presse mit solchen REO.-,.Erfolgen" gern para- dicrt, ist den Drahtziehern daran nichts gelegen. Ihre Absicht ist die„Verbreiterung der Streikfront". Weil die Arbeiter in einem Betriebe streiken, sollen die Arbeiter anderer Betriebe in den„Sym- pathiestrcik" eintreten, die Streiklawine soll rollen und alle Arbeiter miireiheii. bis ans dem Teilftreik ein General» streik, ein politischer Massenstreik wird. Daraus wird also auch in dieser denkbar ungünstigen Situation der deutschen Arbeitnehmer- schaft vorläusig nichts. Die erneut verkürzten Löhne sind bis Ende März festgelegt. Wie weit der Preisabbau bis dahin gediehen ist. bleibt ab- zuwarten, doch gegen besondere Auswüchse der politischen Lohn- kürzungsaktion muß von den Gewerkschaften Front gemacht werden, bis sie abgestellt sind. Ursprünglich sollten die Lohnkürzungen zur Wiederankurbelung der Wirtschaft dienen, dem Unternehmertum die Möglichkeit bieten, Auslandsaufträge hereinzubekommen. Davon ist nach dem Felzlschlag dieser Maßnahme nicht mehr die Rede. Wenn wir uns mit den Gewerkschaften gegen die Streit- pläne der„revolutionären" Gcwcrlschastsfcinde wenden, so deshylb, well sie gegenwärtig mehr denn je sinnlos, selbstzcrfleischend sind, ganzabgesehendavon. daß dieRGO. nur w ildc. Streiks führen kann. weder vcrhandlungsfähig und tariffähig, noch überhaupt fähig ist, gewcrkschasllichc Streiks zu führen.. Die Gewerkschaften lassen sich jedenfalls nicht in Streikaktionen ihrer Gegner hineinzwingen. Diese Stellungnahme darf jedoch keineswegs mit einer Anerkennung des jetzigen Zustandes verwechselt werden. Die Unterstellungen!n der KPD.-Prcssc, die Gewerkschaftsführer hätten diesen Zustand mit herbeigeführt, ist so absurd, daß sie nur ganz verbohrte RGO.-Leuie als bare Münze nehmen. Mehr denn je kommt es jetzt auf die Stärkung der Ge- wcrkschaften, auf dos Vertrauen der' Gewerkschaftsmit- glieder und die Mitarbeit in ihrer Gewerkschaft an. um im Frühjahr, sobald die Bahn wieder frei ist, die nötigen Maßnahmen mit Aussicht auf Erfolg treffen zu können zur U e b e r w i n d u n g der Notverordnungslöhne. Von den Streikschanplähen liegen eine Reihe von Meldungen vor. In M ü l h c i in(Ruhr) wurden 100 Personen verhaftet, von denen einige sich mit Flug- blättern, Lziebwaffen und Pfeffer versorgt hatten. Im Bremer Hafen Ist die Strcikparole ebenfalls verpufft. Es lohnt nicht alle Einzelheiten hier aufzuführen, es ist überall das gleiche Bild: die groß angelegte Aktion ist ver- pufft. Wo die RGO.-Leute als Streikmachcr auftraten, find sie von der Polizei verjagt worden. „Gireik am 4. Januar." Mctallarbeiterverband soll die Parole ausgeben. In der Betriebsversammlung der Firma Fritz Werner, Marien- felde waren van etwa 800 Beschäftigten 130 Anwesende. Der Be- tnebsrotsoorsitzende Bogt erläuterte in sachlicher Weis« die neuen Arbeitsbedingungen. Das große Schweigen, das dann eintrat. wurde von dem Arbeiterratsmitglied und Bezirksverordneten Bill- wock gebrochen, der den Vertreter des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes Marunde aufforderte, die Stellung des Verbandes und seiner Mitglieder zur Notverordnung darzulegen. Die NGO.- Anhänger, die.behaupten, in diesem Betriebe organisatorisch vier- 8868 f-v MG AvTjeifcslosi�keit m den vdcKti�en Lan3«n Ve?.8b.v�7�ei-�MWWiWWMWWMMWM»»W»»»»W»»MWM»?� GroßtritarTi ien MWMDWMWMWMW»»,»»»« 13.« Australien �» DeutscKland!MWWWLLWWlM»W»»�i 13., 0 esfcerreiclx Italien Tsclieclioslowa'kei Niederlande--- Belgien f1"! i.« In% d Sit E�'r-bMtigtn Fr anlireicli S cKwe den ücVwei. K' 11930 Ii«! 3.i 3.t l er IrBlIlTOEHflHSClMnl fl ml» tffMLßKaxfrcfl Das Äuge maß urteilen.., denn die Preise sagen ja wenig und erst durch den Augenschein kann man sich davon überzeu* gen, wie überraschend groß diesmal IhreVorteile in unserem INVENTUR AUSVERKAUF sind. Deckhoff HERREN- U. KNABEN« LEIDUNCr bis fünfmal so ftort 311 sein als icr 2*3312?., wollten entweder die Streikparole auzgezebcn wissen, anderenfalls den DM2?. des ,,Ber- rats" bezichtigen. Ms noch.drei weitere prominente„Revolutionärc" Marund« bcrauszufordern suchten, erklärte Atarunde, die RGO.. als stärkste Gruppe im Betriebe möge doch ihre Parole zum 4. Januar selber begründen. Der zweite Arbeitcrratsoorsitzende Fürl griff Marunde in niedrigster Weise an, weil er der RGO. nicht ins Garn ging. • Einige jüngere RGO.-Mitglied er druckten sich dann in längeren Redewendungen um ihre Parole herum: Streik am 4. Januar gegen Lohnabbau, doch keiner Hatto den Mut, einen dementsprechen- den Antrag einzubringen. Die„Streikangst", die kürzlich von Dahlem in der„Roten Fahne" beklagt wurde, scheint also unter den im Betriebe stehenden RGO.-Leutcn tatsächlich noch ziemlich verbreitet zu sein. Da der Metallarbeiterocrband nicht dazu da ist, um den Streikparolcn der RGO. zu folgen, wird er herunterzumachen ver- sucht. Die Parole ist heute: Treue zur Organisation, fester Zusammenschluß gegen das Maulheldenwm der Faschisten wie der Ergeoisten. Gewerkschasten und letzieNoiverordnung Epliedt vor den Hotelangestellten. „Aufklärung tut not!"— das etwa war die Devise, die der Zweigucrein Berlin im Zcntralvcrband der Hotel-, Restaurant- und Caso-Ange stellten als Motiv für die, Berfamiillüng feiner Funktionäre am Dienstagvormittag im Gcwerkschaftshaus gewählt hatte, lind wenn die Aufklärung immer in so freundschaftlicher und überzeugender Weise geschehen kann, wie man sie vom Genossen Spliedt vom Bundesvorstand des ADGB. auch nicht anders erwarten durste, dann wird sie auch ihren Zweck erfüllen und durch Weiterverbreitung in den Betrieben die. Erkenntnis vertiefen helfen, warum sich die Gewerkschaften und die sozialdemokratische Reichstagsfraktion veranlaßt sahen, nach pflichtmäßigem Ermessen auch die letzte'Rotvcrordnung zu tolerieren. Der lebhafte Beifall und die durchaus zur Sache gehörige Fragestellungen nach Beendigung des Vortrages waren der beste Beweis dafür, daß die Ausführungen auf fruchtbaren Boden ge- fallen waren. Wenn auch der Kellner und der Hoteldiener gegen- über den Gästen nicht feine demokratifch-republikanifche Auf- faffung wird betonen können, so wird er doch in den Kreisen seiner Mitarbeiter noch genug Gelegenheit haben, die Worte zu verbreiten, mit denen der Referent seine Ausführungen schloß: „Ablehnung jeder Katastrophentheorie! In ruhiger,. sachlicher Würdigung der wirtschaftlichen Zusammenhänge die Nerven de- halten!. Zusammenarbeit innerhalb Partei und Gewerkschäften auch auf internationalem Gebiete— dann ist die Zukunft nicht hoffnungslos!" Die amerikanische Krise. Kouskt'astschNächung wie bei uns.. New Jork, im Dezember.(Eigenbericht.) Die American Federation of Labor schätzt in "ihrem letzten Monatsbericht die Zahl der amerikanischen Arbeite- losen auf mindestens 6 500 000. Mit Recht wird in dem Bericht geltend gemacht, daß der H a u p t f a k t 0 r der amerikanischen Wirtschaftskrise nicht die gegenwärtige Wirtschaftsdepr.'ssion oder die Erschütterung der finanziellen Struktur fei, sondern die Länge der Arbeitszeit, die schon feit einem Jahrzehnt angesichts der rapiden technischen Entwicklung und mangelnden wirtschaftlichen Einsicht des Unter- nehmertums zu Wirtschaftskonflikten von unabsehbaren Ausmaßen treibt. Das sind keine neuen Dinge für Sie amerikanische Arbeiter- schast, genau so wenig wie die Tatsache, daß sich mit einer univer- sellen. 30- bis Softüntsgcn Arbeitswoche der international« Krebs- schaden der Arbeitslosigkeit sicherlich wirksam bekämpfen läßt. jedoch viel wichtiger ist, ist die Frag« der Gehalts- und Lohnkürzungen, die in der gegenwärtigen Krise einen viel breiteren Raum ein- nimmt als führende Wirtschaftskreis«, die dauernd von Finan.zde- pression, industrieller Ueberproduktion usw. sprechen, einzuräumen gewillt sind. Nach den Feststellungen der A. F. os L. ist das diesjährige Gesamteinkommen der amerikanischen Arbeitnehmcrschast um 32 proz. geringer als das entsprechende Einkommen 1929. Das bedeutet in nüchternen Worten, es wurden der amerikanischen Volkswirtschaft und dem Massenverbrauch die ungeheuren Summen von 11 Milliarden Dollar entzogen, was sich in eherner wirtschaftlicher Folgerichtigkeit natürlich rückgängig auf die indu- striellen Beschäftigungsmöglichkeiten auswirken mußte. Den klugen Leuten, die dauernd vorerzählen, daß dieser Lohnausfall doch von einer Herabsetzung der Preise und Lebenskosten begleitet ist, wollen wir entgegenhalten, daß diefe viel ausposaunte ameri- kanische Preissenkung bisher kam» 12 Proz. betrug. Demnach blleb � ein Rettoverlust von über 8 Milliarden Dollar oder von 20 Proz., die dem amerikanischen Wirtschaftsleben durch die Lohnanarchie seiner Unternehmer entzogen wurden. Derartig« Verluste lassen sich nur gutmachen, indem die Lohnabbaumanie der letzten zwei Jahre gründlich abgeschworen und der Wirtschaft neues Vtut durch hohe Löhne und erweiterte Arbcitsmöglichkciten zuge- führt wird. �'- Di« fortschrittlichen Arbefterelemenhe wissen, stoß«vfer bat gegenwärtigen Umständen mit der Erfüllung dieser Prvgramnr. punkte nicht zu rechnen ist. Im Gegenteil, die amerikanisch« Wirt« schast. gerät mit jedem Tage ti«fer in den Wirbel des Lohn- und Arbeitsadbaues hinein. Um so bedauerlicher ist, daß der amerikanische Gewerkschastsbund seinen engen Rahmen noch nicht verlassen will, weder in den grundsätzlichen Fragen der Sozialpolitik noch zur Ausbreitung seines Mitgliederstandes. Die amerikanischen Gewerkschaften scheinen eine Entwertung ihrer eigenen Unterstützungseinrichtungen zu fürchten. sobald die öffentliche Krankenversicherung, die Alters- und Invalidi- tätsvcrficherung sowie die Arbeitslosenversicherung eingefiihrt wer. den, weshalb sie sich prinzipiell dagegen erklären. Proteststreik im Londoner Hafen. London, 2. Januar. Die Gewerkschaft der Bootsleute, Auslader und Schlepper- Mannschaften des Londoner Hafens hat befchlosien, einen Protest- streik gegen die Lohnkürzungen durchzuführen. Etwa 3000 Mann werden sich an dem Streik, der am Montag beginnt, beteiligen. Der ganze Lade- und Ausladcoerkehr im Londoner Hafen wird daher voraussichtlich am Montag stillgelegt sein. Die Zahl der Arbeitslosen in Großbritannien betrug am 21. Dezember 2500710, d. h. 05 883 weniger als am Ende der vorhergehenden Woche und 98 348 mehr als im entsprechenden Zeitraum des Jahres 1930. 115 S4S Arbeiislose in Dänemark wurden nach den letzten Fest- stellungen gezählt. In der letzten Wache betrug die Zunahme 8500. Berliner Gewerkschaftsschule. Der nächste Wirtfchastspolitische Ausspracheabend findet statt am Diens- tag uni 19 Uhr im Saal 5 des Sewerlschaftshaufes. Engeluser 24—35. Re- scrent ist der Genosse Dr. Otto Suhr. Das Thema des Abends läutet: „Was ist Planwirtschaft?" Zutritt haben alle freigcwerkschasllich organisier- lcn Kolleginnen und Kollegen. Eine vorherige Anmeldung ist nicht crsordcr- lich. Ein Hörerbcitrag wird nicht erhoben. fftreie Gewerkschafts-Lugend Berlin Heute, sonntag, finden folgend« Veranstaltungen statt: Ziordtreie: Jugendheim Tegel. Schöncberger Etr. 4. Lustige Reoortagen au» dem alten Jahr.— Ostkreis: Jugendheim Sunterstr. 44. Politisch« Satire von Heine bis Tucholsli.— Siidoftlrdü: Ecio-rlschaftsh-us, Engelufcr 24—25. Dawar in Schiincberg im Monat Mai.— Das ist die Liebe der Matrosen.(Al. Jahre Schlager)._ @ Lugendgruppe des Zenlralverbandes der Angebellten Heute, Somitag, finden folgende BeranftaUungea statt: Die Jugend. bejirle komme» in folgenden Heimeu zusammen: Jugendheim Lehrter Straße 18— lg ab 18 Uhr, Jugendheim Dallslraßc in Charlottenburg von 19 bis 22 Uhr, Allersheim Danziger Str. 82 IS— 22 Ilhr. Jugendheim Lorßingstr. 19 18—22 Uhr. Jugendheim Sergstr. 2g in Neukölln 13—22 Uhr.— Morgen, Montau, finden folgende Beranstältungen statt: Vedbing: Jugendheim Turiner Sä« Srestrahc. Zlrettspielabend.— tbesnnbbrnnnen: Jugendheim Pank. Ecke Wi-le». straßc(wellliche Schule). Vortrag:..Neuzeitliche Erziehung". Steferent Nektar Schmidt.— Nordost II: Iugeudherm Siai'euburger Str. 16, Zimmer 3. Politisch. fatirifchcr Abend.—«cißensce: Jugendheim Pistoriusftr. 24. Arbellsgemei:,. schaft:„Freizeit und Frcizellgestaltuna". Leiter: Bothur.— Brig: Städtisches Jugendheim(Rathauel. Bunter Abend: Wir grüßen das neue Jahr.— Urban: Jugendheim Hobrecht. Ecke Sanderpraße. Surzreferate:„Was erwarten wir vom neuen Jahr?"— Rortweft: Wir besuche» die Versammlung des Werbebezirtr. ginri�Januor nfasfalleh. Abteilungen Preise zum Teil bis zu 601 . herab« b gesetzt RADDATZc Berlin., Leipziqerstrasse 122-125 WAREN. REISEARTIKEL KOFFER. PRAKTISCHES FÜR DIE WOHNUNG'• KLEINMÖ BEL. PORZELLAN. KERAMIK KRISTALL. GLAS• SILBER WAREN. PLATED- BESTECKE NICKELWAREN- TOILETTEAR TIKEL- WIRTSCHAFTSARTIKEL usw. usw ff I Theater, Lichtspiele usw. IC\£S\£S\�\£/\£/ \Aiini-~' Tägl. 5 u. 81/2 Uhr* Barbarossa 9258 DAS NEUE MATRAY- BALLETT CARR BROS. BETTY Miss BIRDIE DEAN 3 BONOS u.s.w. vlAza T5gl. 5 g. BIS ühf Sljs. 2, 5, 815 Ukr. DAS VEILCHEN VOM MONTMARTRE MM.«per Charlottenburg Bismarckstraße 34. Sonntag, 3. Januar nachm 2 Uhr Gesdilossue Vorstellung Ngosei und Bretel Turnus III Anfang 20 Uhr Der Troubadour Ende gegen 23 Uhr Väüisßtmne TSsätot am Bülowolal! m» Uhr Tammaiinee PaJueca 3 lind 8 Ühr Die CrcDiterEoaln von Seroisiein StafL Sdffllw-IMir 8 Uhr Datterich Theater am Noltendorfplan fitjii: Hei» Utnlnr] Pallas 7051 Täglich SV. Uhr Stgs. auch 4Vi Uhr Gasparone Theater desWestens Täglich»>/. Uhr. Sonntag Vi3, S u. S'« Karl jölrcn in Der Vogelhändler Marg. SIesak Lotte Carola Preise von 50 Pf. an •■KamOdienhaus' Schitlbauerdanm 25 B 2.»BiCMUUa 6301 S'k Uhr fiasöp.FrltjStumer „Rose von Slombul" A*7. Wstonlr. SldBr. Mg Mmir Preise von 30 Pf. an WM meaier 8 Uhr Der Raub der Sabinerinnen Regie; Hans Deppe, Albert Bassermann, Felix Bressart. L. Hoflieb, Richard Die Komödie 8�« Uhr nie nemo-Banh von Louis Verneuil mit SfaxPalleabere: Rurlürstendamin- Theater J 1 448-»>/. Uhr üitsp. Ilutridit-Prüdiilit. Nahaponny von Brecht U. Weill wt.- Uiw.«irt.wl-iizi von?eml!nsk> Täglich 8V» Uhr Norgen ßehls uns galt CnU ffntdiia. Un Hn OrdiestJlafaa Bei. Rose- Theater triH Frnlfarhr StrjU IJJ Id. Hirtel E 7 ZU? ■3.» und» Uhr Eine Frau von Format fflslropoMheaier Täglich S'U Uhr Sonntags 5 und P'.i Ein Lied der Liebe Bich. Tanbcr Annl Ahlers TorverkaufmiDritBriirodien lefontiers S»ir ksam stnd i die KLEINEN ' ANZEIGEN in derüesamt I aufläge des 1„Vorwärts" I und trotzdem f übuiipn GR. SCHAUSPIELHAUS Tüoiich 8 LTar REINHARDT INaZEtilERUNG 1 Sonntag nachm. 3 Uhrl | billige Preise der Plätze| »■/.uhrCASlNO-THEATER«>/.uh. Lothringer Strafe 37. intr«iiwnn«»»nnniiniimniMiiiniMminimiiirnmiifmPTnnmw Die neue Posse Was man aus Liebe tat Dazu die Gesangs- und Tanz- Operette Das Scheidnngs- Souper und der bunte Varicle-Tcil. Gutschein 1-4 Personen: Parkett 50 Pf.. Pauteuil I— Mark. Sessel 1.50 Mark. UNZEN kauft BALL«— Berlin .... kj UNZEN ,887 Handlung WllhelmstraO« 44 Bekanntmachung. Si'aäl her Bierten SlotPerotbnung des Rirch« President sn iuz Sichsr.ma opn«Sieb fcharr iznb Fmenjen unb zmu Schutz- des inneren Friedens nom 8. Dezember igZI meiden mit Biriung nom 1. Januar 1932 an die ftoflraleiftutuen auf die■Segel. Itiftungcu beichränft. Lausende Leistungen bleiben unberßhtt. D elf in, den 24. Dezember 193 t. Oer Socffanb der Befriebstcaatcnraffc ö«t Stobt Berlin. Von der Bctme reurttck Dr. K. Ekenberg ■WelBenhnrgcr Straße 70. w BERLINER ELEKTRO HUTTEH G.M.B.H. Unser gemelnwlrt schaftliches Unternehmen bietet die größten Vorteile bei Installationen u.dem Bezüge von Beleuch tungskörpern, Radio u.and. elektrotechn. Bedarfsartikeln BERLIN SO 36, ELISABETH-UFER 5-6 BERLIN-TEMPELHOF, ATTILASTR. 10 Friedrichshagener Baugenossenschaft t.fi, hfri Hoch- u. Tiefbau f R.I97 Sonntag, den S.Jannar mittags 12 Uhr SERLIN-FRiEDRICHSHAGEN» KLUTSTR. 8 Danksagung Für die herzliche Anteilnahme sowie für die vielen Kranzspendon und erwiesene Ehrung anläßlich der Beisetzung meines lieben Vaters, dos Fabrikbesitzers Paul Roll spreche ich hiermit allen, besonders Herrn Pfarrer Thiess und dem Arbeitervertreter Herrn Nohr für ihre zu Herzen gehenden Worte am Sarge des Entschlafenen meinen aufrichtigen' Dank aus. Haukels Ablage, Eicheualloe 11. Im Januar 1032. Im Kamen der Hinterbliebenen Paul Roll PfaiUiarmonle __«Mi KONZERT d.Pbiiharmon.Orcb Ving. Prof J Prüwer Eintritt l M. Theater im Admlrnlsnaiasi -Täglich 8". Uhr Gitta Aipar in Die Dubarry 1 Preise v. 0.5D M. an HeukAllo Lahnatt. 74/76J CIRCUS BUSCH Batinh. Bor»«. Tal. W« iltenflamm 3840] Sonntag ZV-, 5 u. 8l/a 27/;: Om groU Krndar-Rtvu« ,Mädi reist ins Märchenland' 5 n. K/t: 0)6 Sänger v. Fln»terw»lde j d. gr. Wasserausstatlungspossa| In allen Vontellungen verlier: Das große Girm-Varleteprogr. Potedamer StrsBe 19 TAgllch Bio, 71», gts Sonntag: ab 218 Wein ßeopold Mach dem berühmten Volkastück von A. L'ARRONGE REGIE; HANS STEINHOFF Darst.ll.n M« Adalbert/ GuK. Fröhlich/ H. Thlmli Her Pavlien/ Lucio EnjIUch /Com. Spiro IdaWüat/ Peul Honckeit u-a-m, Ein Majeatic-Orplld-Film der Meßtm Jugendliche haben Zutritt! >>HEUfQWÜJ�< Arnold Scholz j | U-Bahn Hcrm Ann platz• Hasenheide 108/114| TSglldi: Großes Bockbierfest Iii den bayr. Alpen und OrcBlier AliBcsnball 6 Rapcliu e leit oaoratüun e BarrisEDe Bedteuoo 1 Einlach! Wotbenfag» 6 Uhr, Sooefage 4 Uhr Dienstag, den 5. Jannar 1932 i Britto Tod 8 ouim timiDSfl Bot Htm BinndacailDS onä PrJBilUnioo dnr sOCiuisi Brstren«—«nie Fijnr 5 Geldpreise 50, 40, 30, 20, 10 R,M Nachruf Am 29.Dcvmdec iVZi verstarb nach langem schweren Leiden der Sdranfcn» kasseimngestellrs Emil Kersinx km Älter mm 71 Jahren. Dez Verstorbene bat 18 Jahre unterer Kaste ireue Dienste geieitiet. 2g J -59' I�Mz �SSo�-"- „01% �-XlSr• J-/» -TeP'" «>�:.' 1$ A- 5-�5 P'�nR �ß6- 3)«* � ZK S�- ZK KS' S?ES�5 .M?5 W so tosW ZtsPfrV' i / � ifoi�' � cO Uä5M�� li�O�0-SfiP56" 3�1�. +�2- hJloly? J~' Ä�w2-! ■•Üpn'�el''"Zi>'1"'�' Kgiyy-5' 5*J°''k� 1 «RA Ä-SM--- LÄKW � Ynnfdtf� �i � f JVinÖ>30� �PSS�' -�fer J MM if.T MrijfjepP�I �S'j.» J ,<*>'.25 MKö�K�- S-MM? 4*££kt ?A em�- AufV/unsöl Idhlms- trmtwng SN» m Hmne Anzeigen Airfalle tarifmäßigen Anzeigenpreise z. Zt. 5°/,, Sonder-Rabatt wirkungsv&ii und btlltg- Uberschriftsworf 25 Pf., Textwor» 12 Pf./ Wiederholungsrobott: 10 mal 5?o, 20 mal oder lOOO Worte Abschluß 10%, 2OO0 Worte 15%, 4000 Wort* 20% Stellengesuche: Uberschriftswort 15 Pf., Textwort TO Pf. Annahme durch den Verlag, Lindenstr. 3(JS9 bis 5 Uhr), und sämtliche Vorwärts Filialen u. Ausgabestellen Sensationeller nventur Verkauf ab 4. 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Daß aber eine s�rau gleichzeitig gegen ihren -Mann und die Nivalin Anzeige wogen Ehebruchs erstattet, daß diese Frau bereits geschieden— im Gcrichtsinol die Anzeige gegen den gesck>i ebenen Mann unter allen Umständen zurück- nehmen, dagegen die Rivalin aus alle Fälle hart bestraft sehen will—, das erlebt man in Moabit schon ganz selten. Die geschiedene Frau aber kämpfte wie eine Löwin um ihren Mann und wie eine ch y ä n c gegen die Ehebrecherin. Eine Zurücknahme der Anzeige war nicht möglich: das Gericht fand einen Ausweg. Es stellte auf Grund der Notverordnung dos Verfahren gegen den Ehemann wegen Geringfügigkeit ein: blieb also allein die Ehe- brcchcrin auf der Anklagebank zurück. Eigentlich traf sie fast gar keine Schuld,— wenn man hier überhaupt von„Schuld" reden kann. Auf der Kremserfahrt eines Vereins lernte sie den Mann kennen. Datz er verheiratet war, hatte e r ihr nicht offen- bart, s i c hatte ihm ihren Namen und Adresse verschwiegen. Acht Tage später erschien er trotzdem bei ihr. Seitdem trafen sie sich des öfteren und waren eines Tages auf einem Maskenball des Vereins beisammen. Hier erst erfuhr die Freundin auf recht eigentümliche Werse, daß ihr Freund verheiratet ist: Na, Casanova, mit wem sitzt du denn da? Bin ich denn nicht deine richtige Frau? Begrüßte ihn seine— Ehefrau. Die Freundin wollte von nun an nichts mehr von dem Manne hären. Sie schickte ihn immer wieder fort. Er ließ sich aber nicht ob- weisen. Bis eines Tages die angetraute Frau die Scheidungsklage einreichte und Anzeige wegen Ehebruchs erstattete. Der Strafbesehi lautete auf 1 Monat.Gefängnis. Unmöglich! Sollte sie ihre Stelle als Verkäuferin verlieren, chatte sie nicht ihre blind« Mutter zu ernähren? Also legte sie gegen den Strafbesehi Einspruch ein. Das Gericht hatte Einsicht: es verurteilte die„Ehebrecherin� statt der verwirkten Gefängnisstrafe von 1 Woche zu 30 Mark Geldstrafe. Die Ehefrau wütete aber auf dem Korridor.„Was, 30 Mark, ich gebe mich nicht zufrieden. Weshalb wurde ich nicht ver- nomm'en! chcißt das Recht sprechen?" Oer Ehemann kommt durch den Schornstein. In einem anderen Fall hatte die Frau gleichfalls gegen ihren Mann Anzeige erstattet: allerdings nicht wegen Ehebruchs, sondern wegen Einbruchs. Die Sache hörte sich von beiden Seiten ganz amüsant an. Glaubt man dem Ehernann, war die Frau an allem schuld. Solange er seine 50 Mark wöchentlich verdiente, gab es Frieden ini Hanfe: seitdem er arbeitslos war, nichts anderes als Kroch. Und schließlich wurde er ohne Sachen an die Lust gesetzt. Auch das Bankschcckbuch behielt die Frau..Hatte er nicht auch ein Anrecht aus das ersparte Geld? Alfa stieg er durch das Fenster in die Wohnung ein, holte dos Scheckbuch, hob 300 Mar? von der Bank ob und legte das kostbare Büchlein wieder auf die alte Steve zurück. Die Frau hatte ober den Verlust gemerkt: von nun an verschloß sie nicht nur die Türen, sondern auch die Fenster. Was macht nun der Mann? Er steigt vom Keller aus in den S ch o r n st c i», klettert bis zur Stelle, wo er die Küche vermutet, nimmt einige Ziegelsteine heraus und ist nunmehr in der Wohnuna: bündelt seine Sachen zusammen und steigt durchs Fenster ins Freie. Die Frau aber erstattet Anzeige wegen Einbruchs. Ihre E n t r ü st» n g hält auch vor Gericht an. Allein der Mann ist am Ehczwist schuld: versoffen Hot er all sein Geld, seine Arbeitslosenunterstützung an einem Tage durchgebracht. Nichts gehört ihm, rein gar nichts. Die ganze Wohnung Hot er ihr ausgeleert. Keine Strafe ist hoch genug für den„Kerl". Das Gericht sieht die Sache nicht so tragisch an; es verurteilt den Mann zu sechs Wochen Gefängnis und dilligt ihm auch Be- Währungsfrist zu. Er nimmt die Strafe sofort an. Wenn die Frau könnte, sie legte bestimmt Berufung ein... Bau des Rügendamms verzögeri sich. Ursache: Rückgovg der schwedischen Währung. Stettin. 2. Januar. Die Dorarbeite» für die Inangriffnahme des Rügen- dammprojektcs>md die in letzter Zeit ergriffenen Maßnahmen find auf neue Schwierigkeiten gestoßen. Ms erste große Arbeit im Vkahmen des Gefamtbouplaites waren Aufschüttungen für den Bvn einer Ucberfühnmz an der Greifswalde r Eh»dercn begehe. Der tj g be- schränke sich demnach nicht aiif Fälle, die mit politischen Ausschreitungen in Zusammenhang ständen, wie der Wortlaut besage. So bestimme auch der§ 1 eine Anmeldepflicht für all« Ver- sammlungcn unö Auszüge unter ireicm Hiinmel»n»d lasse Aus- nahmen i»ur bei solchen Berairstalningci, zu, die jedes politische»» Einschlages entbehren, wie bei Leichenbegängnissen, Hochzeitszügen, Prozessionen und Wallfahrten. Der in den§ 2 und 3 angeführte Tatbestand stehe nicht init politischen Ausschreitungen in Zusaminen- hang. Lediglich der l» 4 schreibe die Anmeldepflicht für Personen- fahrten auf Lastkraftwagen nur vor, wenn die Fahrt zu politischen Zwecke» stattfinde. Das Kammcrgcricht habe auch die Dritte Notverordnung des Rcichspräsidcnlen zur Sicherung von Wirtschast und Finaizzen und zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen vom ti. Oktober 1931 herangezogen, in der die Notverordnung vom 28. März 1931 ab- geändert worden Id. Hiernach finde die Notverordnung in bezug der§§ 2 und 3 keine Anwendung inehr, wenn ein politischer Zweck mit der Tat nicht verbunden gewesen und eine Störung der öfsent- lichen Ordnung nicht eingetreten sei, während der tj-5 unverändert bestehen geblieben sei. Das Kammergcricht betont schließlich, daß die Notoerordmuig erlassen worden wäre, um politische Ausschreitungen zu bekämpieit. Diesen Zweck wolle sie dadurch erreichen, daß sie jede Gewalttätigkeit mittels Schußwaffe, gleichgültig ob politischer Natur oder nicht. mitcr Strafe sielte, um Gewalttätigkeiten überhaupt zu verhindern. Ooppelie Lohnkarten quittiert. Llnierschlogungen des Kassierers einer Veamtensiedlung. Der Vorstand der P o st- S i e d l u n g s g e n o ss e n sch a s k. die an der Pasewalker Ehausjcc die P o st- S i e d l u n g Sucks- d o r f f vermaltet, Hot bei der Kriminalpolizei gegen den seit 1926 als Kassenwart tätigen Postinspektor F. Borger Anzeige weg«» fortgesetzter Unterschlagung«rstattet. Bei einer Kossen- revision wurde festgestellt, daß der Beschuldigte seit Ilebcrnalnne der Kassengeschäftc von den bei der Post-Siedlung beschäftigten Arbeitern Doppcl-Lohnkarten hatte quittieren lassen, um die von ihm aus der Kasse entnommenen Beträge decken zu können. Die Prüfung der Unterlagen hat ergeben, daß Unterschlagungen in Höhe von etwa 20000 Mark vorliegen. Bon einer Fest- nahm« des Inspektors wurde Absland genommen. Abrustunzstonferrnz und wndcrnc ttrikglührunq. Am Pnrddcud drr Ab. eintunastonfcrcn� vcraiiftaltel die Intern ntcouale Freneirli�ga für z r? c d e- n undHrerbclt ain �8. und 29. Januar 1932 im Sähe d'Atbenec in Gel, f. eine internationale Erperienkonierenl,. inelche die neu eilen Gr-indunzri'. der Wilsenschaft und Technit im Dienste des Ärieges de- handeln wird. Während der Äusverkaufszeit: Nacht über Navenna. Die ArrkuTrsi bc, Nachk in«ner fremden Stadt hat stets etwas Geheimnisvolles. Liegt obendrein diese Stadt noch in einem fremden Lande, mit fremden Menschen, die eine unverständliche Sprache sprechen— denn sie reden selbstverständlich chren Dialekt mit Halstern, die gleich Kulissen einer südlichen Oper dastehen, mit Ääumen. die irgendwie anders sind als zu. Haufe, so fühlt man sich plötzlich' traumhaft entführt. Eine abenteuerliche Luft weht über allem. Die Dinge stehen im Lichte weniger Lampen, und dicht dahinter beginnt das Dunkel, von dem man nicht weih, wohin es führt, in Gasten, hinter denen vielleicht«in Geheimnis lauert. Verschwiegene Gänge sind da. aus denen zornige oder lachende oder gleichgültige Stimmen klingen: immer aber sind sie fremd und ge° heimnisvoll. An den Straßenecken stehen Menschen, die dich mustern. Eine Zigarette glüht irgendwo aus dem Dunkel. Alles steht aufgebaut wie ein Film. Man spielt eine Rolle darin, aber es ist noch ganz ungewiß, welche: Jeden Augenblick kann ein Ge- licht auftauchen, ein Mensch, vor dem man erschrickt, eine Frau. die«in Schicksal bedeutet. Eine Handlung kann abrollen: sie kann graueichast werden: Schreie werden ertönen, ein Schuh: jemand wird sterben: Großaufnahme! abblenden... Und dann steht man plötzlich, aus einer dieser Gossen auf- tauchend, auf der Piazza V i t t o r i o E m a n u e l e. wie der große Platz jeder kleinen italienischen Stadt heißt, und überall sind Männer in Gruppen, und es wird laut und heftig diskutiert. Vor den paar Cafös sigen sie an den kleinen Tischen, trinken ihren Kaffee nero und tun aufgeregt. Selbstverständlich find sie weder heftig noch aufgeregt, und das große Geschrei ist weder ein Streit noch der Anfang einer Schlägerei. Sie sind nur verschiedener Mei- nung. Vielleicht noch nicht einmal das. Si« unterhalten sich, und wenn es nicht laut und bewegt dabei zugeht, so ist es eben keine Unterhaltung. Kaum ist man über den hellen Platz hinweg, an ein paar singend marschierenden Jugendtruppen Mussolinis vorüber, so taucht man wieder in das unheimliche Dünkel der Gasten untar. Ich folge einem unbestimmten Gefühl durch die menschenleeren, holprigen Gassen, aufs Geratewohl. Irgendwo muh ich wieder ouf einen Platz stoßen, auf dem"eine der alten Kirchen steht, mit ihren wunder- vollen byzantinischen Mosaikbildcrn, aus der großen Zeit R a- oennas. Denn hier, in dieser sSWO Menschen fassenden Stadt. war vor 1500 Jahren die kaiserlickie Residenz: wohlbefestigt, von Sümpfen umgeben, unmittelbar an dem heut« 11 Kilometer«nt- fernton Meer, Hafenstadt, Residenz der Ostgoteiu Hier liegt unter einer KOOU Zentner schweren massiven Kallsteinkuppel Theoderich der Große begraben. Im S. und 6. Jahrhundert war hier ein Klcin-'Byzaüz.' also-eine der wenigen Städte, in denen man nrch'jene ri-scnhäfleu Mosaiken sieht, die in ihrer Linienführung so modern und in chrem mit Gold durchsäien Bunt so alt sind. Mit vielen Basiliken und ehrwürdigem Gemäuer. Mit vielem. anderen, das jetzt in der Nacht freilich nicht zu sehen ist. In dieser Stunde ist alles nur ein- dunkle, kuliffenhafte Welt, durch die ich allein und etwas unsicher wandere. Aber ich Hobe mich nicht getäuscht. Es wird hell, und dann stehe ich plötzlich vor dem Dom. Auf einer hohen Säule davor steht eine Madonna, van einem- Schemwerfer hell angeflutct...Das wirkt ganz umnittel- bar theaterhast und ein.wenig kitschig. Im Dom ist eben der späte Abeudgottesdienst aus. Viele Frauen und Männer drängen zur Tijr hinaus. Der Küster löscht die Kerzen. Das Flutlicht draußen ist plötzlich verschwunden: der Platz liegt stumm und vergesten da. Ich schlendere nach dem Marktplatz zurück— die Via Giuseppe Mazzini entlang. Und hier erlebe ich das schönste N a ch t b i l d der Stadt Raoenna. Da liegt ein schmaler, rechteckiger'Platz, auf der ciusn Seite das schöne Hotel Byron, mit venezianischen Säulen und Fenstern: am Rande schließt San Francesco ab: daneben steht etwas theatralisch der Held Garibaldi, und weiter zurück liegt das Grobmal des Dichters Dante. Der Mond strahlt hell und hoch über Häuser und Platz und gibt dem Ganzen jenes Licht, das alles zusainineiiklingen läßt in einem reinen und lang hinschwingen- den Akkord. Und plötzlich ist man irgendwie mitten in der Zeit vergangener Jahrhunderte. Unser Bewußtsein hat den Zeiger der Weltenuhr zurückgedreht. Es gibt keine Autos mehr, keine Eisen- bahn, keine Zeitungen, keine lärmende Zivilisation, keine Schwarz- Hemden und keinen Mussolini: nur dieses Bild ist da, und es ist Wirklichkeit, und man steht mitten drin. Die Geschichte wird wach die man angelesen hat, und wird irgendwie Gegenwart und lebendige Näh«... Ich reiße mich endlich los, gehe nach der Piazza zurück, in ein Cafe. Dort treffe ich einige Deutsche, einen ostdeutschen Maler, einen sächsischen Studenten und einen stramm nationalen Re- gierung-daumeister aus Ostelbien. Rasch schnellt der Zeiger der Zeit vorwärts. In wenigen Sekunden sind Jahrhunderte zurück- gelegt, und die Situation wird beherrscht von der klugen und arro- ganten Schnauze jenes Wesens, an dem die Welt ganz gewiß nicht genesen nwchte. Nirgendwo ist mehr die Patina der Vergangen- hcit: nichts ist romantisch: nichts ist phantastisch oder gar unHeim- lich— alles ist klar, und selbstredend haben w i r immer recht. Kolk Gustav Havdler. Die posaunen von Zerichow. Wenn wir an Jericho, die palmenrviche Oase im Jordantal unweit des Toten Meeres denken, so verbinden sich mit dieser Vor- stellung unweigerlich Erinnerungen an den Religionsunterricht der Schule, nämlich an jene biblische Erzähllmg, nach der die Mauer der starkbefestigten Stadt durch Posaunenlchall und Feldgeschrei der Kinder Israels zusaJmmengestürzt und ericho solcherart mühelos erobert worden sei. So oft schon hat sich's erwiesen, daß Heber- lirfcrungen der Bibel ein durchaus realer Kern zugrmidc lag:,'si auch in diesem Falle etwas Wahres daran? Grabungen aus aller- jüngster Zeit, die ein englischer Gelehrter. John Gärstang, seit IllZV bei Jericho ausfuhrt« und noch gegenwärtig.fortsetzt, hohen darüber, wie die bekannte naiurwiifcnschastliche Zeitschrift'„Kosiichs" soeben. berichtet, zum Teil ganz überraschende Aüffchlüsse gebracht: Zunächst erwies sich's, daß schön lange por den Ziütcn Iosuas. mn 1800 bis 1600 von Christus, Jericho eins mächtige und stark befestigte. Stadt war. deren Häuser dos gesamte HüzÄplateau bedeckten, und die in ihrer ganzen Ausdehimng durch Acrtcidigungs- wälle, Mauern und Gräben geschützt war. Als die Israeliten tnä Land, kamen, hatte Jericho den Gipsel seiner- Macht längst hinter sich. Etwa'üm 1600 vor Ehrrstus, also rund zmechundert Jahre vor der Ankunft Iosuas, nruß' irgendeine Katastrophe die Stadt heimgesucht und nahezu vernichtet haben Das neue Jericho, das mm entstand, war wesentlich kleiner alz da» alte-, es mag nach Garstangs Berechnungen kaum mehr als 1300 Einwohner, also vielleicht 300 bis 400 waffenfähige Männer gehabt haben. Die Befesögmiz Stadt,' die auf den Trümmern der alleren, zerstörten Festtingswerte angelegt wurde, bestand aus zwei parallel verlaufenden Ziegel mauern, von. denen die äußere etwa 1,80 Meter, die innere etwa 3,60 Meter dick war. Nimmt man hinzu, daß die Jnnenmauer wahrscheinlich eine Hohe»an acht bis neun Metern hatte, so sind" das für die damalige Zeit recht respektable Ausmaße: allein trotz dieses beträchtlichen Aufwandes nuiß nach Garstangs Uutcrsjichu ngeu die ganze Anlag« als recht fehlerhait bezeichnet werden."'Der Unter- bau entbehrte der Festigkeit, die einzelnen verweiidcte» Lchniziegel. die an der Sonne getrocknet waren, wiesen verschiedene Größe auf, Löcher und Lücken waren viel fach nur mangelhaft mit Mörtel ver- schmiert: und so waren— zumal auf dein unsicheren Untergrund— die Mauern schon durch ihr ungeheures Gewicht eine schwere Gefahr. in ganz besonderem Maße natürlich die Außcnmauer, die sich harr am Hügelrande erhob. Nach ollem genügte, wie»um sich leicht vorstellen kann, ein verhältnismäßig geringer Anstoß, um die Mauern zum Einsturz zu bringen: und wirklich haben die Grabungen Garstangs einwandfrei erwiesen, daß beide Mauerringe durch irgendein Ereignis um das Jahr 1400 v. Chr. herum so gut wie völlig zerstört wurden. Dieser Zeitpunkt ließ sich aus dem Bemalungsstil. der in bestimmten Schichten aufgefundenen Scherben von Vasen und Tongefäßen z!?m- lich genau bestimmen. Bei jener Katastrophe siel die äußere Mauer völlig zusammen, und ihre Trümmer stürzten den Hügel' hinunter. Auch die innere Mauer würbe in weitestem Umfange zerstört: nur dort, wo sie sich an einen zitadellenortigen Festungsturm anlehnte. hat sie sich zu einem geringen Teil bis zu fünfeinhalb Metern Höhe erhallen. Tatsache ist. daß die Mauern so gründlich zusammen- brachen, daß die Belagerer mühelos in die sonst nur durch«in ein- ziges.Tvr zugängliche Stadt eindringen konnten. Auch dieses Tor. das sich gegen die Quelle hin öfsnete. hat man bei den Trabunzen wiedergesunden: ebenso wie die Zerstörung, mit der die Israeliten gleich itach dem Fall der Mauern die Sladi' heimsuchten, reichliche Spuren hinterlosien Hot. � Welcher Art hat man sich nun das Ereignis vorzustellen, das die Mauern der Stadt so plötzlich zum Einsturz brachte?. Nach Sarstangs Ansicht ist zwar die Mögllchkeit, daß die Mauer von den Belagerern von außen her. unterminiert worden sei. nicht von der Hand zu weisen. Wahrscheinlicher, aber ist, zumal nach dev.im Frühjahr 1031 erhobenen Besunden, daß während.der Belagerung Jerichos durch die Israeliten ein Erdstoß die ohnehin wenig stabile Außenmaucr ins Wanken brachte, worauf dann der innere Teil in großer Ausdehnung nachstürzte. Dabei ist es von. untergcord- neter Bedeutung, ob das Naturereignis, den Jsraetiten tatsächlich schon nach sechs Tagen zu Hilfe kam oder ob die Belagerung viel- leicht auch' länger gedauert hat. Auf jeden Fall Hot die Annahm« einer Erdbewegung um so mehr Wahrscheinlichkeit für sich, als Palästina ja ein häufig von Erdbeben heimgesuchtes Land ist, und auch Jericho- in dem von Erdstößen besonders bedrohten Gebiet liegt. Noch 1027 hat in dem nicht well entfernten Nablus(Sichern) ein Beben gewaltige Verwüstungen angerichtet: die damals zerstörten Straßenziige findet der Besucher dieser Stadt noch heutigen Tags zum größten Teil in Trümmern liegen.. Daß eine solche Periode von Erdbeben auch in jenen Zeiten das. Land heimsuchte, als die Kinder Israels Palästina eroberten, liegt also durchaus iui.Bereich des Möglichen: ja, es wird sogar wahrscheinlich durch eine Stelle im fünften Kapitel des Buches der Richter,.wo Deboras Triumph- lied verkündet:„Herr, da du von Seir auszogest, uud einhergingesi vom Feld Edom, da erzitterte die Erde/ Dr. Gerhard.Vsn/uner. INVENTUR-AUSVERKAUF TTT VZSÜ ► Saweil .Verret Auslegeware kaocli einfarbig Hearqarn bbcmdceil/ 195. r. 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L'BterhaltaniSmusik. 18.10: Btlüee Winterreisea. 18.35: Konzert. 10.25: .-Die Fankstundc teilt mit...." 13.30: VergnSglicbe Stunde mit Josef Plaut. 2i'.26: Sportnachrichten. 20.30: Aus Wien: Wiener Weisen. 22.10: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach; Tanzmusik. Montag, 4. Januar: *30: Funkcrntnastik AaxchlieSend: Prühkonzerl. 11.30: Miftagxknnzert. 12.30: Wcttermelduncen lür den Landwirt. 14: Sollslenkonzcrt aal Schallpiatien. 15.20: Jugendstunde. 15.40; Von der Fiioiidee bis zur Filmpremiere. 16.05: Heilung kranker Gelenke durch Lichl und Sonne. 16.20: Böhmische Klavier- i> usik. 17: Lieder. 18: Weltwirlscbaftskrisen einst und jetzt 18.20: Neue Lyrik. 18-30: Interessante Strairechlslille. 18.55:„Die Funkstundc teilt mit... 1"; Stimme zum Tag. 13.10: Tanzabend. 21: Tages- und Sportnachrichten. 21.10: Aus Frankfurt«. M.: Aus hessischer Vergangenheit Hörbilder. An- schücBend; Abendunterbaltung. Dienstag, 3. Januar:* «30: Fuukgymnastik. AaschlieBead: Frühkonzert 11.15: Mittagskonzert. 12.30: Die Viertelstunde für den Landwirt 14: Ans Köln: Konzert 15.20: Die Frau und der Alltag. 15.40: Wahn and Aberglaube. 1* 05: Heber die wirtschalt- tirbe und gesellseh aliliche Ordnung. I*J0: Aus Leipzig: Konzert 17.30: Jugendstunde- 17.50: Von der bildenden Kunst 18: Das neue Buch. 18.10: Die inier- nationale Verbreitung der Sozialversicherung. 18.30; Fritz Rcck-.Mallcczewen liest eigene Crziblmtgen. 18.05:„Die Fnnkstunde teilt mit...." 13: Stimme zum Tag. 13.10: Ffiul heitere Viertelstunden. 20.30: Wovon man spricht 21: Tages- und Sportnachrichten. 21.10: Orcheslerkonzert Mittwodi, 6. Januar: >30: Fonkgrnuiastik. AnscblieBend: FrBhkonzert. 11.15; MitlagsVonzert. 12,30» Wettermeldungen für den Landwirt 14: Schallplattenkonzert 15.20: Tier. dressur und Tiarquälerei. 15.40: Tricks der Juwelendleba. 10.05: Programm der Aktuell«g: Abteilung, i 4-30: Konzert 17» Doktor Ueberau erzählt. 17.20: Blas- orchesmvKouzert. 18.55:.JJle Funkstundc teilt mit.. 13: Stimme zum Tag. fltlil: Neue Mittel gegen das Altem. 13,35: Sozialpolitische Umschau. 20:„Die Karlsbader Reise dar loibhaJügen Bosheit", von Gustav Wied. 21.30: Konzert. 22; Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. AnschlieBend: Unterhaltungs- und T anzmnstk. Donnerstag, 7. Jannar: *.30: Faukgj-mnasiik- AnschlieBend: PrShioorert 11.15: Mittagakonzert. 12.55: Die Viertelstunde ISr den Landwirt 14: Aus Köln: Konzert 15.20: Für- sorgemaßuaiioen IBr werdend» Mütter. 15.40: Die Kohlenversorgaug einer Weltstadt 16.05: Finnland, das Land der Einsamkeit. IMO: Orcicsterkonzert 17,10: J'jgendsi-jndt 17.50: Die Entwicfclnng der Devisen-Notverordnungen tut das Cechtelcben. 18J0:»Die Anklage". Eine Erzählung von Corsing. 18.45:„Die Funk stunde teilt mit.. 18.50: stimme zum Tag. 13: Unterhaltungsmusik. 20: Naturwissenschalt und Technik im Zeitalter der Iranzfislschen Revolution. 26.3»:„Der Postilloii von Lonjmnean". Komische Oper von Adolphe Karl Adam. 22: Politische Zeitmigsschu. 22.20: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach: Tanzmusik. Freitag, 8. Jannar: 5.30; Funkgymoagtili. AascblieBend: Prähkotzert. 11.15; Mitlagskonrert 12,10: Wettermeldungen für den Landwirt 14t Schallplattenkonzert 15.20: Lebcosscbicfcsale hervorragender Frauen. 15.40: Erlebnisse eines Arztes im Orient 16.05: Sport nnd Schale. 15J0: Unterhaltungsmusik. 17.30: Bücher- stunde. 18: Der Hörer und»ein Apparat 18-10; Musikalische Jugendstunde. 18.30: Wirtsehafts-Rundschan. 18.55;„Die Funkstunde teilt mit..." 13: Stimme zum Tag. 13.10: Orchesterkonzert. 21: Tages- und Sportnaeh richten. 21. Hh Aus Leipzig: Ursendung„Pcrgamon". Ein Hörwerk von E. Kurt Fischer. Danach: Stunde für die Wioterhilfe. AnschlieBend: Tanzmusik. Sonnab«nd, 9. Jannar: 6.30: Fuukgymnastik. AusehlieBeu J; FriihkauzerL 11.15: Mittagskanzert. 12.30: Wettermeldungen für den Landwirt 14: Es singen: Die Comcdian Harraouists. 15.20: Jugendstunde, 15.40: Immer»ehadler— immer weiter— immer höher 16.05; Erfahrungen und Erlebnisse mit Arbeiterlesern. 16,10: Unterhaltungsmusik. AI» Einlage; Zebu Minuten Film. 17,80: Die Erzählung der Woche. 18-20: Ocsundci Menscheuverstand. 18.45:„Die Fuukaiuudc teilt mit..." 18.50: Die Sllwwe zum Tag. 13: Konzert 13.30: Gesehlehleii von Tieren. 13.50: Sportglossen. 20: Funk-Potpourri:„Nord-Süd". 22.30: Weiler-, Tages- und Sportnachrichten. Danach: Tanzmusik, Königswusterhausen Soiuiiag, 3. Januar: Ab 6.45: Uebcrtraguug aus Berlin. 14: Anekdoten und Cxcmpel. 15.10: Die Harfe. 17.50: Wesen und Wirken der Evangelischen Allianz. 18.15: Menschen iui Beruf. 18.25: Goethes okkulte Erlebnisse. Dcutschlandscndcr; 20: Zigeuner- ••usik. AnschlieBend: Ucbertragung ans Berlin. �lontag. L Jannar: 16: Pädagogischer Funk. 16.30; Aus Berlin: Nachmittagskonzert. 17.30: Vom Urwesen der Fran. 18: Musizieren mit unsichtbaren Partnern. 18.30: Spanisch lür Anfänger. 18A5: Stunde des Landwirts- Dentacblandsender; 19.30; L'ebertragnng ans Berlin. 22.15 Politische Zcitungssehau. AnschlieBend: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach: Ana Leipzig: Unterhaltungsmusik. Dienstag, 3. Jannar: 16.30: Am Leipzig: NachmiiUgskorztrL 17.30: Vorkämpfer des britischen Weltreichgedankens. 18: Die Ostsee und ihre Randländer. 18.30: Gespräche über Musik. 18,55: Wetterbericht für die Uadwirtschaft 13: Englisch für Fortgeschrittene. I3J8: Gedanken znr Zeit Deutschlaodscnder: 20: Aus Stuttgart: .-Das gibts nur einmal— das kommt nicht wieder". Ein lästiger Abend. 21.10: Uebertragung aus Berlin. 22,10: Ünlerhalinngsransik. Mittwodi, 6. Januar: 16: Pädagogischer Funk- 16.30: Aus Hamborg: KachtniHagskonzert. 17.30: Goethe und das deutsche Lied. 18: Die eigentlichen Gründe für die Menschwerdung. 18.30: Land nnd Leute in Schweden. 18.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 13: Stande des Beamten. 19.30: Das Wirtschaftsjahr 1931. Deutschlandsender: 20; Aus Hamburg: Konzert. Anschließend: Uebertragung ans Berlin, Donnerstag, 7. Jannar: 16: Pädagogischer Punk. 16,10: Aus Berlin: Nachmitlagskonzert. 17.30: Schicksal und Kulturmission der Balten. 18: Geheime Gesellschaften. Bünde und Sekten. 18.30: Spanisch für Fortgeschrittene, 18.55: Stande des Landwirts. 19.30: Aus der Frühgeschichte des deutschen Rundfunks. 20: Aktnelle Stunde. Dcutschlandsender: 20,10: Uebertragung aus Berlin. 22: Wetter-, Tages- nnd Sportnachrichten. AnschlieBend: Uebertragung aus Berlin. Freitag, 8, Januar: 16: Pädagogischer Funk. Aus Leipzig: Nachmitlagskonzert. 17.30: Der Staatsgedanke io der deutschen Geschichte. 18: Das Ergebnis der Daseier Reparatlonsverhandlungen. 18.30: Hausmusik. 18JS8: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19: Wissenschaftlicher Vortrag für Aerzte. 19.30: Aus der Praxis des Arbeitsrechts. Dcutschlandsender: 20: Aus Köln:„Goethe". Lebens- beginn. 21: Ans Köln*„Der junge Goethe tanzt". Tänze um 1760. 22: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Anschließend: Aus Köln: Nachtmusik. Sonnabend, 9. Jannar; 16; Pädagogischer Funk. 16.30; Aus Hamburg; Nachmittagskouzert. 17.30: Viertelstunde für die Gesundheit, 17.50: Viertelstunde Funktechnik. 18.05: Deutsch für Deutsche. 18.30; Geheime Gesellschaf teu. Bünde und. Sekten. 18.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19: Englisch für Anfänger. 19.30: Stille Stunde. Dcutschlandsender: 20: Aus Köln: Lustiger Abend. 22. Wetter-, Tages- tind Sportnachrichten. Anschließend: Uebertragung aus Berlin. So vieles für's Halbe Geld! Dieses Mal arbeitet die Metallschere, Halbiert den Geldeswert, für den es die gleiche Ware gibt, die man sonst in den bekannten Qualstäten im Kaufhaus N. I s r a e l kauft.„So vieles für's halbe Geld" ist das Motto des Jnoentur-Ausverkaufs 1932. Noch niemals find die Preisrückgänge so stark hervorgetreten, und immer wieder ist zu betonen, daß es sich um die bekannten Qualstäten handelt, für welche in den Inseraten und Riesenplakaten geworben wird. Wenn es schon Damenkleider für.3,90 M. anstatt für 12, ZV M. gibt, Kleider- und Mantelstoffe für 1.83 statt für 5,80 M., ja sogar rein- wollene, echt englische j)errenswffe für 3,99 Dt., so sind das Beweise für eine Leistungsfähigkeit, die restlos dem Kunden zugute kommt, die wiederum Scharen anlocken wird, die die außerordenilichen Leistungen des Kaufhauses N. Israel nicht vergessen haben. Zur allgemeinen Orientierung für das, was wirklich unerhört billig ist. soll noch des Näheren ausgeführt werden: Reinseidene Crepe Satin. statt 8,80 nur 2,95 M. Bemberg-Georgette bedruckt anstatt 4.90 nur 1,80 M., Velours Jacquard oder Transparent statt 14,30 nur 3,90 M. Ebenso gewaltige Leistungen werden in den großen Ab- tcilungen für Trikotagen und Strümpfe gezeigt. Reinwollen« Damen- und j)erren-Pullover für 1,73 M. mögen als Beweis des billigsten Preises für Qualität genannt sein. Die großen Spezial- ' teuu abteilungen für Wäsche bringen reich garnierte Tagheniden statt zu 3.23 M. für 1,43 M., Nachthemden oder chemdhosen für 2,43 statt 5,23 Dt. Halbleinene Tischtücher statt für 4,95 zu 3,25 M.. Kaffee- gedecke mit 6 Servietten für 3.43 statt 4,95 M. Tausend« von Teppichen und Gardinen. Tausende von Möbel-, Läufer- und Deko- rationsstoffen stehen zum Verlaus. Ein Wollplüschteppich mit Franse kostet nur 4,90 M. Gardinenstoffe statt l.SZ nur. 0,63 M. Deko- rationsswfse statt 3 M. nur 1.93 M. Besonders gewaltig sind die Leistungen in den Slbtciiungen für den Herrn: Schuh« werden geboten zu 7.45 statt zu 14.50 Dt., Herrenftoffe, wie oben schon angegeben, in reinwollener echtcnglischer und deutscher Qualität zu 3,90 M,. Herrenmäntel und Trenchcoats für 12,50 M,, Oberhemden für 1,90, 2.90 und 3,90 M.___ Alan traut seinen Augen nicht, wenn man die hochwertig« »Herrenkleidung von Esders u. Dyckhoff, Berlin SW. 19, G e r t r a u d t e n st r. 8/9(an der P e t r i k i r ch e), sieht und dann die Jiwentur-Ausverkauispreise hört. Aber man darf ihnen trauen. Die Vorzüge dieser Anzüge und Mäntel sind in der Tat augenscheinlich, ja, mehr als das: sie sind im eigentlichen Sinne des Wortes mit Händen zu grciien! Stellen Sie daher selber fest, wie die Stoffe aussehen! Ueberzeugen Sie sich durch Anprobe, wie die Kleidungsstücke sitzen. Murgkn, Mimtaa, beginnl In dem aBMunnte« Tepplchsprtiulhuil» Emi! Lefevre, seit 4S Jahren mir Berlin, Oranienstr. 158. Ziäbe Moritzplatz, der sensationelle Innentur-Auzperfanf. Der Aot. der Zeit entsprechend, Hai das weltbclannie Speiialhaus hie größten Anftrengungen gemacht, um seinem großen Anndenkreiz alle nur denkbaren Einlaulsporteile zulommen 5» lassen. Der Spciwllatalog wird auf Wunsch kostenlos llb-rfandt. Unserer heutigen Auslage liegt ein Prospekt der Fa. A. Wer lh ein»■ Berlin bei, noiani mir unsere Leser besonder« hinweise». 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Der Leuchtkäfer, Billy Fox, und Ionny Joker fauch heute, wie immer, in sinnverwirrender Eleganz!) sprangen hinzu, um sie aufzufangen. Dann starrten alle gemeinsam nach dem reg-- losen Käuper Hinüber. Dumm und ängstlich sahen sie aus, und Jack Diamond langweilte diese Szene derart, daß er ungesäumt, durch die Mauer fahrend, das Weite suchte. Natürlich wollte er in den Himmel. Die vielen Sterne leuchteten klar, Jack Diamond segelte auf- wärts und drunten verschwand Chikago, die Stätte langjähriger Wirksamkeit, im Dunst und Rauch. Roch einmal sah er zurück, dann schoß er steil aufwärts in den Raum. Die Nacht war kalt, aber Diamond spürte nichts davon. Denn wie alles Irdische, hatte er euch die Empfindlichkeit gegen Kälte verloren. Sausend flog Dia- mond, die Bahn der Kometen und Meteore streifend, dem Himmel entgegen, eine Fahrt, deren Richtung er instinktiv einschlug. Bald tauchte hinter einer dicken Wolke em mächtiges Tor auf. Ein« Mauer schloß den Himmel ein. Nun wäre es Diamond, geübt wie er war. ein Leichtes gewesen, hinten herum m den 5stmmcl zu «langen. Aber seiner Räuberehre ließ das nicht zu. Offen, mit frei erhobsneoi Haupte, wollte er die Gefilde der Seligen betreten, wie es einem König geziemt. Er schellt« also. Petrus steckte den Kopf heraus. „Wir haben dich erwartet, Diamond", sagte er schnell, eh« der verblüffte Berbrecherrönig zu Worte kommen tonnte.„Aber eine Aufnahme bei uns kommt für dich leider gar nicht in Frage. Du weiht dach—" Und er zählte eine lange Liste aller Verfehlungen aus. die Jack Diarrwnd während seines Erdenwandelns in den Staaten de- oangen hatte. Jack stand mit offenem Munde da. „Ich persönlich denke ja milder über diese Dinge. Denn ich halt« dich für eine Zeiterscheinung, du bist eben ein unhellbarer Romantiker, der in eine verkehrte Zeit geraten ist. Doch ich ver- mag nichts gegen die Vorschrift." jDiamond stampfte mit dem Fuße auf:„Ich muß in den 5)immel, ich will in de» Himmel, und ich werde hineinkommen, ver- laß dich drauf! Mit oder ohne deine Hilfe." „Ich kenne deinen Dickschädel. Diamond", meinte Petrus noch einigem Zögern,„und um dir einen Gefallen zu erweisen, will ich noch einmal telephanicren." Nach kaum fünf Minuten vernahm der ungeduldige Diamond ein Knirschen des Schlüssels, dann ging das Tor auf und Petrus erschien mild lächelnd in der Oeffnnng. „Ich habe viel für dich erreicht, mein Lieber", sagte er.„Wir wollen dich probeweise als Ausscher emstellen. Eine Gruppe junger Wcihnochtsengcl hat hier in letzter Zeit viel Unfug angerichtet. Du sollst ihnen mit deinem bekannten Führertalcnt aus den rechten itöeg zurückhclfen." „Mache ick)", meinte Diamond, sich verneigend. Er trat ein. Das war ein guter Anfang. Vorerst ging olles wie om Schnürchen. Dianwnds Ruf war natürlich bis zu den Engeln gedrungen. Er wurden von allen Seiten angeschwärmt, und es war ihm ein leichtes, eiserne Zucht in die erwähnte leicht- fertige Engeltruppc zu bringen. Die Presse berichtete von seiner Bekehrung und Vcrwendhortcit. Diamond hatte wieder einmal den höchsten Gipfel der Bcliebcheit erklommen. Die Himmels- behörden waren zufrieden mit ihm. Alles ging gut, bis eines Tages... Eines Tages brachte der„Himmlische Ecncralanzeiger" die Meldung, Al Eapane sei des Lebens in feiner Residenz überdrüssig geworden und unterwegs nach hier. Mit feiner Ankunft wurde iiündlich gerechnet. Keiner kümmerte sich mehr um Jack Diamond. Aus dem Brennpunkt öffentlichen Interesses rückte er plötzlich in den Schatten, niemand intcreffiertc{ich mehr für ihn, er wurde nicht mehr zuerst gegrüßt und die feiner Führung anvertrauten Engel wurden bockbeinig. Allerdings erwies sich die Notiz des„Generalanzeigers" als eine Ente, an der ganzen Sache war kein wahres Wort. Al Eapones Gesundheit war ausgezeichnet, feine Geschäfte gingen gut und es siel ihm nicht im Schlafe ein— wie man so sagt, ins besicrc Jen- seits— hinüberzuwechseln. Aber der ganze Fall gab Diamond zu denken. Auch hier war es also nötig, durch ständige Regsamkeit immer wieder von sich reden zu machen, sonst könnte es passieren. daß sein Stern über Nacht verblaßte. Zwar umschwärmten ihn die Himmlische» fast noch mehr als zuvor, war er doch ihr privater Verbrecherkönig,, den sie als Staatseigentum empfanden. Doch Diamond hatte nicht d!« Absicht, sich zur Reliquie entwürdigen zu lassen. Es mußte dtwas geschehen! Und mit der ihm eigenen Tat- kraft ging er an die Arbeit. Er hielt eine zündende Ansprache an die ihm anvertraute Truppe und begab sich mit der ganzen Kolonne, einen Frcilustausflug vorschützend, in einen entlegenen Teil des Himmels. Er sandte Boten nach Chikago, die schwer belade» wieder- kehrten. Große Kessel wurden ausgestellt, und bald bemerkten die erstaunten Himmelsbcwohner eine merkwürdige Bcrändcrung ihrer Atmosphäre. Es begann eigentümlich zu riechen und die Heer- scharen weiteten intcresiiert ihre Nasenlöcher. Wonach es roch? (Jack Diamond hätte geantwortet: Nach Zkmcrika.) Wir aber wollen es- genauer sagen: Es roch nach Schnaps. Nach wenigen Tagen setzte Diamond traft seiner guten Bezichungcu bei den himmlischen Behörden die Prohibition für das gesamte 5)immelsterritonum durch. Die Polizei wurde verzehnfocht: Alkohol zu genießen in jeder Form war oerboten. lind jetzt ließ Diamond seine Engelstruppe auf den Himmel los. Es war die abgefeimteste Alkoholschmugglerbandc der Welt. Denn Jack Diamond war ihr Führer. Irgendwie sickerte es durch, daß er hinter der Sache steckte. Der„Generalanzeiger" brachte mit fetter Ueberschrist Riesenberichte. Alles war wie in alten Tagen. Der„König" hatte seinen Thron wieder bestiegen. Hier jedoch endete dos ganze Unternehmen. An alleroberster Stelle fand man dos Gehoben Diamonds höchst unhimmlisch und er wurde eines Tage-- von der Polizei gestellt. Man machte kurzen Prozeß mit ihni und setzte ihn durch das Himmelstor unsanft an die freie Luft. Noch im Fliegen vernahm der Petrus' Stimme:„Fahr zur Hölle, Dia- mond, unverbesserlicher Narr!" Das tat er denn auch. Und mos kam dabei heraus? Nach fünf Monaten verkündete Lucifer auf Diamonds Rat die Prohibition und nach einem weiteren Monat warf man ihn auch-hier hinaus. Aber diesmal wußte er nicht mehr, wohin. Er fiel in die Sonne. Noch kurzer Zeit hotte man ihn vergessen.' £rik Auel. föie&rau mit derS Bei Lys Geburt lockte unzweifelhaft der Teufel seine Hand im Spiel gehabt. Draußen heulten der Sturm uird das Meer ein grau- sigcz Duett und drinnen quälte sich die junge Frau ohne Hilfe der Wehmutter. Witwe Antje kam zu spat, um das Leben der ausgebluteten Wöchnerin zu retten, doch nicht zu spät, um mir größter Mühe das flackernde Lebeitsfüntchen im neugeborenen Mädelchen erhalten zu kotmen. Dann war«s Freitag. Und Freitag mar der Tag, an dem Käptn Boldte. der Voter, allwöchentlich feinsn Seeinannsraufch hatte. Und als alles in Ordnung war. die Tote ausgebohrt, der Betrunkens im Bett und das Neugeborene in der Wiege, da meinte Witwe Antje zu der rasch herbeigahollen'Nachbarin Jonsson. die sich erbotig gemacht hatte, ihrem drei Wochen alten Sahn Per dos mutterlose Ding da zur Milchfchwester zu geben: „Dos wird ein Toufelsmadel, so wahr mir Gott helfe, denn bei dieser Geburt hat sicher der Leibhaftige Pate gestanden, und wenn wir gut achtgeben, müsien wir auch sein höllisches Zeichen finden!" Als sie das greinende Kind um und um drehten, fanden sie am milchweißen Bäuchlcin ein feuerrotes Mal, ähnlich einer Schlange. Da wiegte Witwe Zlw-je che weißes Haupt, den» unter tausend neuen Erdenbürgern, die ihre geschickten Hände zur Welt befördert hatten, war- keines gewesen, das das Siege! des Teufels offensichtlich am Körper getrogen. Die beiden Weiber bekreuzigten sich vielmal und empfahlen das Schicksal der kleinen Ln der Gnade Gottes. Und scheinbar hatte die Empfehlung auch geholfen. Demi wenn auch der Satan der bildjchcmeii Ly allerlei Fallstricke gelegt halt«, so konnte sie ihr großes Geheimnis vor den neu- gierigen Augen der Männer bis zum fünfundzwanzigsten Geburis- tage verbergen. Demi das war gerade der Tag. an dem sie ihren Milchbruder, den Fischer Per Jönsson zum Manne genommen. Uni) als das lunge Paar in die kleine Fifcherhütte eingezogen war. da ließ sich dos Geheimnis von der kleinen feuerroten Schlange doch nicht mehr verbergen. Aber Per nahm unbekümmert vom Gc- heimnis Lys und von manch anderem Besitz und freute sich sogar so sehr über das rote Tierchen, das sich auf feiner Ly sonst makel- losem weißen Leibe lustig ringelte, daß er sich von einem tnnst- sertigen Schiffer ein ähnliches rotes Schlänglein auf den Körper tätowieren ließ.'Also hatte auch hier Gottes Gnade über die Tücke des Teufels gesiegt. 'Aber die Fischerei trug nicht viel und die tleine Ly, als Kapi» Boidies einzige Tochter war nicht gerade anspruchslos. Da ließ sich Per auf einem Südseedampser anwerben und fuhr, um Reich- tümer zu crwerbcii, in die Welt. Li) lebte das Leben einer Witwe. Aber als Witwe zu leben ist für eine stmg.' heißblütige Frau verdammt schwer. Kaum ein halbes Jahr hatte sie die Ehe genossen, da hatte das böse Meer ihr den Aiann weggcnmmnen uiti) mm mußte sie sich mit dumpien Netzen und stinkenden Fischen begnügen. Das mar kein Leben für Ly. Da. schickte ihr Pate Luzifer einen anderen, abenso jungen und ebenso blonden Seemann in den Weg und in tue Anne. Und Pete Möns ankerte dort, wa eigentlich Per das Alleinrecht auf den'Ankerplatz hatte. Und so kam es, daß auch Pete vom Gcheimiiis der Schlange wußte. Aber auch das Idyll mit Pate mar eine kurzfristtge Aitgslcge»- fceil, denn Pete Möns und fem Schiff lichteten ihre Anker und fuhren in die groß« weit« Welt. Doch nur für die Landratten ist di-e Welt unendlich, aber die Seeleute, die mit ihren Segeln die Stürme des nordifchen Meeres ebenfo einfangen wie die Orkane des Aequotors oder die Schnee- winde der'Antarktis, oder fiw die, die mit dem Kiel ihrer Schiff« im Nolldanyii die Ozean« zerpfiügen. die treffen sich leicht in dieser jcheiickaren Unendlichkait. So trafen sich eines schonen Tazss Per und Pete Im Stillen Ozean. Güchend brannte die soft senkrechte Sonne auf die ermüdeten Körper und zwang Mann für Mann die zwängende Klsidnng atn und den beißen'Leib'in den klaren Wellen zu kühlen. Jollen treffen sich, zwei nackte Körper starren sich an, dann auf und deutete auf eine feuerrote Schlastg«. die sich auf dem Leib des. anderen ringelte: „Zum Teufel, das' ist ja die. Schlange meiner Ly!. Seid Ihr vielleicht Zwillinge?" Bleich wie der Tod fragt« der andere:. � „Wann hast du Ly, wann Haft du die Schlange gefehm?" ,'.Im Herbst, einen Monat fast- jede Nacht,. dos ist am Teuiels- meib, meine Ly und meine Schlang«, eine rote Schlange hat sie am Leib, gerade so wie du!".> ..Verdammter Hund!".-- Per sprang ins Waffer und schwamm auf Pete zu. Der wießte, jetzt ging's ums Leben, packte das große- Ruder und schlug es dem Schwiminenden ein-, zweimal auf den Kopf. Das Wasser färbte sich rot und nach einigen krampfhasteit Bewegungen sank Per wie ein Stein. Pete wartete noch eine Zeit, aber es blieb olles still. Dann sagte er sich, er fft gewiß ertrunken, und fuhr zu seinem Schiff zurück. „Er ist gewiß ertrunken!" sagte ouch Ly und trug stolz de» Witwenschleier. Und niemand wußte, daß er mit seinen schwarzen Falten Petes Kind verbarg, das unter ihrem Herzen hinter der feuerrotkii Schlange wuchs. �___(Deutsch von S. Söd«rs«u.) Z» italienischen Familien ist es nicht ungewöhnlich, die Kinder durch ihre Namen zu numerieren: das älteste Kind heißt dann Prima oder Prima, de? zweite Secondo oder Seconda. Terza, Ouarto, Ouinto, Softo. Scttino. Ottavw. lltono, Decimo. bei den Plädchen endigen diese Namen immer auf a. Der berühmte Boxer Prima Eamera hat zum Beispiel seinen Vornamen aus. diese Weise bekommen. Er ist der älteste Sohn, wahrend sein jüngerer Bruder Secondo heißt. Qerdland: 3)er iMerr von der Auskimfiei Willibald Schmkrsett saß ünmer na6> ani Frühstückstisch, als endlich Frau lffiargat einen sanften Hinweis aus die Pflichten ihres Mannes als Chef einer großen Fabrik wagte und hinzufügte, die Angestellten faulenzten ja doch nur wenn der Chef nicht anwesend sei. Sie hatte diesen Saß so oft aus dem Munde Willibalds gehört, daß er ihr ganz gelaufig war. Statt aber feme Frau ehelicher Untreue zu bezichtigen, was »r in der letzten Zeit sehr oft tat, wenn seine Frau ihn los werden wollte, Hub Willibald Schmerfett an, eine Rede zu reden. „Margo". sagte er, denn seine Frau liebte diese Betonung ihres Bornamens.„Margo, mein süßes Häschen, ich muß etwas mit dir besprechen! Cs wird gleich ein Herr herkommen, von dessen Besuch sehr viel für mich abhängt. Ich habe nämlich bei einer Maschinenfabrik eine Apparatur bestellt, auf Teilzahlung versteht sich, die mir zehn Arbeitskräfte erspart und ersetzt, sich infolgedessen bald amortisieren wird, da ich ja zolin Arbeiter entlassen kann. Das verstehst du doch, mein geliebtes Herz?!" Jetzt hüstelte Frau Margot, ober nicht verlegen, sondern vor Eile. Willibald hatte sie doch bislang mit seinen geschäftlichen Transaktionen verschont. Sie hatte auch wirklich kein Interesse daran! Namentlich ober nicht in diesem Moment, da bereits ein junger, eleganter Beau in einer verschwiegenen Konditorei ihrer, harrte. Zu welchem Zweck erzählte ihr der feiste Mann das alles, ihr Mann, dessen Umarmungen und plumpe Griffe sie sich nur nock) widerwillig gefallen ließ, und der zu ihr ebenso hündisch unterwürfig war, wie zu seinen Angestellten und Arbeitern grob und ausfallend. Sie sollte wohl eine der neuerdings abgebauten Stenotypistinnen ersetzen... Herr Schmerfett aber fuhr fort:„Nun hat die Maschinenfirma Auskünfte über mich eingeholt. Ich habe Referenzen aufgegeben über meine geschäftliche Bonität, ja, ja... Aber die Brüder sind noch nicht zufrieden! Unter der Hand habe ich erfahren, daß sie eine Auskunftei beauftragt haben... Und da ist es Sitte..." Frau Margot unterbroch ihn:„Ja, was habe ich denn ober damit zu tun?!" „Wirst du gleich erfahren, Liebling! Und da ist es also Sitte, daß die Auskunftei nicht nur bei Freunden und— Feinden sich erkundigt, sondern sich an Ort und Stelle bemüht, nämlich in die Prioatwohimng, um ihren Auftrag- gcbern uollkomraen gerecht zu werden. Jetzt wird also gleich der Herr kommen. Zieh' dir ein schönes Kleidchen an. binde das neue Kollier um und stecke die Brillanten an, denn es gilt einen günstigen Eindruck bei dem.Herrn von der Auskunftei zu hinterlasse u..." » Als es nach wenigen Mumien klingelte, war alles zum Empfang des Herrn von der Auskunftei gerüstet. Ein dürftig aussehender Herr erschien im Türrahmen und Frau Margot flüsterte ihrem Manne zu. ob sie dem Herrn nicht cm kräftiges Frühstück bereiten solle.„Das überlas) bitte nur. das ver- stehst du nicht. Bestechungen fingere ich selbst!" war die Antwort. Herr Schmerfett eilte auf den Gast zu, bat ihn mit aller ihm zu Gebote stehenden Höflichkeit, Platz zu nehmen. Dann sagte er, daß er sich freue, den Herrn ohäm...„Sallkamm!" warf der andere wesentlich kühler ein... Daß er sich freue, Herrn Sallkamm gerode hier, in seiner Prwatwohnung begrüßen zu können. Die Geschäftsbücher lagen zwar jederzeit zur Einsicht bereit. Aber über sein geschäftliches Renommee sei man sich ja klar, lind es käme Herrn Sallkamm wohl darauf an, sich über seinen Lcbensetot zu informieren. Hier nickte der dürftige Mann heftig. ..Na. was man so macht", erklärte Herr Schmerfelt eifrig. „große Sprünge kann man ja nicht machen. Das erlaubt der Be- trieb nicht, in dem natürlich alles Geld investiert ist. Ich habe mir jetzt eine neue Maschine bestellt, die allein zigtaufend Mark kostet. Da muß natürlich Geld vorhanden sein. Nein, über unsere Ner- Hältnisse leben wir nickst! Aber immerhin, man hat ja auch seine Ansprüche ans Leben.. Das Ehepaar ließ seine Brillanten blitzen, während der dürftige Mann mitschrieb. „Unsere Wohnungseinrichtung hat auch eine runde Summe gekostet. Lebensoersicherung zahle ich monatlich über hmidert Mark. Sie sehen, Herr Sallkamm, man lebt bescheiden, ober auskömmlich!" Herr Sallkamm schwieg. Dann erhob er sich. Dankte für die Information und ging hinaus. Im Vestibül entledigte sich Herr Schmerfett noch feiner Zigarren.„Für den Weg!" sagte er. Dom: ging er zufrieden wieder in feine Räume. Der dürftige Wann, der sich Sallkamm nannte, ging kopfschüttelnd die Treppe hinunter. Unten im Hansflur rannte er auf einen eiligen Herrn. „Trottel!" sagte der. Dann sahen sich die beiden an.„Herr- gott, Sallkamm!" schrie der Eilige,„Mensch, was machst denn du? Weißt du noch llll? in Frankreich? Weißt du noch?" „Ja", sagte Sallkamm, ebenfalls erfreut,„ich weiß noch! Das vergißt man doch nie.. Und die beiden tauschten Kriegserlebnisse aus. Da fragte der Eilige feinen Freund:„Sag mal, Kamerod, bist du denn noch beim Finanzamt?!" „Ja", erwiderte Sallkamm,„mid du, Kamerad, bist du noch bei deiner Auskunftei?" „Feste! Immer noch!" „Menschenskiich, da geht mir ein Licht ouf!" lachte jetzt der Mann vom Finanzamt aus vollem Hälfe.„Du willst wohl zu Schmerfett?!" „Ja, aber woher weißt du?" „Alter Jung«, das ist der beste Witz, der mir seit langein passiert ist.«tell dir vor: die haben mich für den Herrn von der Auskunftei, also für dich, gehalten! Ich sollte da nämlich mal nachforschen, ob die Steuerveranlagung, die Herr Schmerfett auffallend niedrig eingeschätzt hat. ihre Richtigkeit hat!" Weins Jacobe: 3>er linier gang der Sulda" „Fulda sendet SOS." Mit diesen Worten stürzte ein Angestellter in das Direktionszimmer der Reederei. Die beiden Herren, die sich eben noch über eine neue Transaktion unterhalten hatten, erhoben sich ruckartig aus den schweren Ledersesseln. Sie hämmerten mit wirren Fragen auf den Boten ein.„Wo steht die.Fulda-..— „Das kann nicht fem..."—„Wober wissen Sie das..."— Außer Atem stammelte der Angestellte:„Sie muß an: Kap der guten Hoff- nung stehen. Soll schwere Havarie haben. Japanischer Dampfer antwortet auf SOS-R»fe. Rettung ist so gut wie ausgeschlossen. Es ist haushohe oec..." Die beiden Direktoren ließen sich in ihre Sessel fallen. Das war ein schwerer Schlag für die Gesellschaft. Auf dem 3ö. Breitengrad 13 Grad östlicher Länge von Greenwich lag der Schroitdampfer„Fulda". Das Schiff hatte schwere Schlag- seite. Entsetzliche Brecher schlugen ununterbrochen über die Schanz. Bon der Brücke her kamen die gellenden Befehle des Kapitäns halb- nerweht zu der Mannschaft aus das überflutete Deck. Die Matrosen standen knietief im Wasser. Aber sie wußten, um was es ging. Unter unmenschlichen Anstrengungen taten sie ihren schweren Dienst. Ab und zu ließ sich im Niedergang zu den- Maschinenräumen das schwarze Gesicht eines Heizers sehen. Die schwarzen Kerle hatten natürlich längst gemerkt, wie es mit der„Fulda" stand. Sie wollte» nicht wie die Ratten versaufen. Doch bevor kein Kommando kam, durften sie ihre Posten nicht verlassen. Der 12 000 Registertons große Dampfer„Fulda" aus 5zanst>urg war mit 36 Mann Besatzung auf der Reise von Hamburg nach Sidney in Australien Schrott und Stückgut waren die Ladung des Schiffes. 26 Tage war die„Fulda" unterwegs gewesen, da hotte auf der Höhe von St. Helena ein schwerer Sturm das Schiff gepackt und nicht wieder losgelassen. Einen Tag und eine Nacht hatte der Dampfer sick) wacker gehalten. Da erlitt er schweren Ruderschaden. Die„Fulda" war manövrierfähig geworden. SOS-Rufe gingen in den Aether Wenige Stunden später sing die Ladung zu wandern am Damit war der lintergang der„Fulda" besiegelt. 5lein Schiff kam: eine wandernde Ladung oertragen, erst recht nicht bei einem Sturm. Für den Kapitän kam es nun darauf an, einen Hafen au,zu- steuern. Kapstadt war das Ziel. Wer Kapstadt war weit. Und die See hatte kein Erbarmen. Die„Fulda" sank. Das stand fest bei der Mannschaft und bei den Offizieren. Die Leute murrten schon. Der Alte sollte den Kahn versaufen lassen und Boote aussetzen. Aber niemand wollte auf die Brück« gehen und es ihm sogen. Bis an den Bauch standen die Leute im Wasser. Oben auf der Brücke sprach der Alte das letzte Gebet. Das heißt, er schrie es durch das Megaphon. Also war es so weit. Hatte der Funker denn keinen Anruf bekommen? Hier mußten doch Schisse in der Nähe sein. Diese Linie ist doch gut befahren. Saukram-, statt nach Australien gehen wir zu den Haien hin- unter, was? Wenn der alte Pott doch bloß noch schwimmen wollte! Der Funker rennt, so gut es bei dem steifen Winde geht, zur Brücke hinauf. Er brüllt dem Alten etwas ins Ohr. Was hat der nur? Sollte vielleicht...? Jetzt schreit der Kapitän wieder etwas durchs Rohr. Ruhig bleiben, Leute! Es kommt Rettung!— Rettung...? Woher denn. Ist ja weit und breit kein Kahn zu sehen. Ist ja alles stockfinster. Der Funker saust wieder ab, in seine Bude zurück. Nimmt die Hörer, schaltet an seinem Gerät und horcht. Dann schreibt er. Er hat einen Ruf aus dem Aether von einem japanischen Dampfer aufgefangen.„Sendet Position.Fulda-! Hallet euch! Sind auf dem Wege zu euch!" Der Funler wird ordentlich aufgeregt bei diesen Meldungen. Wenn der Japaner nicht allzu weit entfernt ist, kann es möglich sein, daß die Mannschaft gerettet wird. Wenn... Do— noch einer meldet sich. Wer der liegt zu weit ab. Ist ein Amerikaner. Wenn der hier ist, sind wir schon bei den Fischen. So denkt der Funker. Er hat eine Frau und drei kleine Kinder. Da draußen in Blankenese. Drei niedliche kleine Kinder und eine mollige Frau. Was denkt wohl die kleine Frau jetzt? Er sitzt hier auf einem Wrack und funkt SOS. Komisch, was man für Gedanken kriegt, wenn man weiß, daß es jede halbe Stunde zu Ende gehen kann! Damals hatte er auch so eine verrückte Fahrt gemacht, als er noch Schiffsjunge war. Das war auch ein Kap gewesen, wo die„Anna Luise" versoffen war. Wer es war das Kap Horn... Kap Horn! Das ist ein Ungeheuer. 16 Tage waren sie damals gekreuzt, imd dann bekam Neptun doch noch seinen Willen. Die brave„Anna Luise" mußte dran glauben. Waren allerhand versoffen. Er selbst hatte aus einem Wrackstück das Glück gehabt, von einem Küstensegler gesichtet zu werden. Na, man muß sich damit abfinden. Das Wasser hat keine Balken. Halt— da meldet sich der Japs wieder. Der Kappen dort ist ei» guter Seemaim JV* schafft es vielleicht noch. Junge, Junge! Wenn der uns noch kriegt! Wer die„Fulda" säuft unweigerlich ab. Wenn w i r auch gerettet werden. Was der Reeder wohl denkt? Wollen ihn mal anstinken. „Fulda" an W...-Linie, Hamburg...„Fulda" au W... Linie, Hamburg. Haben schwere Havarie. Schlagseite, Ruderschadeu. Senden seit drei Stunden SOS Japaner meldet Hilfe. Hoffen. gerettet zu werden." So, vielleicht hören sie«s. Dann wissen sie, was los ist. Stopp... der Japs. Iawoll, ihr gelben Kerle. Weiter- machen! Hallo— die schaffen es Mal raus gehen zum Alten! Der Kapitän hat alles fertig inachen lassen. Nack) Backbord kann niemand mehr hin. Scheußlich, wie so ein Schiff aussieht, wenn es Schlagseite hat. Die Brecher lrnmen von allen Seiten heran. Auch der Kapitän hat eine Weste umgebunden. Für olle Fälle. Die Schiffspapiere hat er schon in Sicherhell gebracht. Es scheint, als wenn die alte„Fulda" nock) nicht absacken will. Nach zwei Stunden— oder waren es nur zwei Minuten?— faucht eine ferne Dampfsirene. Das ist der Japaner. Die Leute schreien auf. Jetzt geht alles klar. Kommt her. Leute! Wieder heult der Gelbe. Dann kräht die„Fulda". Die Schiffsglocken jammern auf. Näher und näher kommt der große Japaner. Endlich ist er zu sehen Die ,.F>llda"-Leute machen alles klar zun: Ueberfetzen. Das ist ein gefährliches Stück Arbeit bei dem Seegang. Aber cs klappt. Nach Stunden ist der letzte Alaun driiden. Die kleinen gelben Kameraden bemühen sich nach Kräften um die deutschen See- leute. Trockene Kleider gibt es und warmes Esten. Auch einen ge- hörigen Drink. Das alles ober erst, als der Japaner—.Hudson- Moni" hieß der Kasten— well ab von dcr�„Fulda" liegt. Die „Fulda" hat sick) nicht mehr lange gequält. Sie ist langsam, ober sicher hinabgcschaukelt. In Kairo werden die deutschen Seeleute aii Laiü) gesetzt Ein Dampfer der W...-Linie nahm sie nachher alle mit nach Hamburg.__ Alfred Mein: �dhTeSWCUdS Sin paar(jedanhen Die Jahre des Lebens werden immer kürzer. Wie langfain wandert in der Kindheit ein Jahr von Weihnacht zu Weihnacht. Es wird wenige Menschen geben, die die eindrucksvollen Erlebniste ihres vierten und siebenten Lebensjahres je vergesten— welcher Fünfzigjährige aber kann auf die Frage antworten: Wie war doch die Weihnacht in deinem 39. Lebensjahre? Denn die Jahre werden auch immer überrafchungslofer. Wer würde, und wäre er vom B elller zum König geworden, nicht gern in seine Kindheit zurückwandern? .* Siloesterglocken. Prosit Neujahr! Die meisten erkennen im Jubel erschrocken, daß sie von Jahr zu Jahr mahr süchlen, wie wenig das Glück sich mit solchem läruterrden Raulch herbeirufen läßt. Rur oberflächliche Gemüter hosten im Silvestertrubel, daß aus den: perlenden Sektglas endlich im kommenden Jahr das„große Glück" hochsprudelt stillere und tiefere denken: Wann war ich doch das letziemal glücklich? Und dann stellen sie fest, daß da«> wenige Glück Des vergangenen Jahres ganz ander-, viel abseitiger und dernutooller aussah als jenes prunkende, das sie vielleicht zu Beginn des Jahres erhofft. * Dem: Glück— ja, was ist dos? Vielleicht wir Glaub« am das Märchen, es gäbe noch Glück. Es gibt ein Glück, das lein Märchen:ft. Wenn zwei oder drei oder vielleicht sogar vier Mentchen voneinander wissen, sie können die Schwere und Leere dieses Lebens miteinander trage. t. Und sich dabei gegenseitig anlächeln: Kameraden. -i- Wer zärtlicher an das Gestern als an merzen denkt, wird alt. Wer ober trotzdem dem Kommenden entgegeillächclt, das ist so schön wie Knospen im November. -i- Jahrestveiroe— nichts als ein letztes Kaleirdervlatt. Die Jahr der Ewigkell waichern unwandelbar heiter mit den Gestirnen. Wandere mit ihnen, und du wirst auch Heuer sei». Feuchte Räume, in denen sich Obst uich Gemüse nicht hallen. ftmuen durch Chlorkalzium trockener gchalten werden. Man stell! dieses in offenen Schalen auf. Das Chlortalzinm zieht das Wasier an und zerstießt dabei zu einer schmutzigen Brühe-, weshalb man die Scktalen nie zu sehr füllen soll. Sobald das Chlorkalzium genügend Flüssiakellen angezogen Hai, werden die Schalen fortgenowmen und zum Trocknen auf einen Dfer gestellt, woraus das Salz von neuem verwendet werben kann. Besser ist es natürlich, wenn man in der Z milche»zeit neues ChiorkÄzium in dem Raum aufstellt, so daß der Fenchrigkellseillzug nicht unterbrochen wird. Die Zimmerpflanzen verlangen je nach ihrer Eigenart ver- schiedene Erdmischungen zum Gedeihen, denn nur für die bekannten unverwüstlichen kann die übliche Nonnalmischung oermcndet werden. Meist ist schon an den Wurzeln zu erkennen, welche Erdarl zu verwenden ist. Pflanzen mit schwach entwickeltem Wurzetstock oder sehr feinen Wurzeln, z. B. Heidekraut, Azaleen usw. oerlangen leichte Ende. Pflanzen,!>i« nicht besonders starke Wurzeln auf- weisen, aber flott wachsen, wie Fuchsien, Pelargonien nsw ge brauchen mittelschwere Erb«(die Nonnalmischung)-, Pflanzen mit fletschigen und dicken Wurzeln, d'e sich meist(tar( ausbreiten, verlangen schwere Erde. Für TJlcititos und ZNückea ist Blau die anziehendste Farbe, wälzrend sie Gelb scheuen. Jetzt braucht Deine Familie den Schutz m. Deiner Ted ensv erlich erung! MB üchert Deiner Frau und Deinen Kindern Vrot und Heim. Kleidung und das Kotwendig- Üe zum Heden. KannÜ Du es vor Deinem Gewissen d erantworten. Deiner Familie dielen Kchutz wieder tortzunchmen? Schalte Deine Hebensderücherung in Kratt! lZ