BERLIN Mittag 4. Zanuar 19Z2 B2 49. Zahrgan? Lrschcinttäglich außer Sonntags. A-glrlch AbnitavsMc f-rt..XoBmärU'. SSegngifreit für teibc Auigabcn 75 Tf. pro Woche, 3,25 M. rro Mona! itaoon 87 Pf. monatlich für Zogellunz ins Hont) im roraus johlbar. P o st d e z» g 3,S7 92. einschließlich 60 Pf. Postjcitungs- »nk> 72 Pf. Postbestelltebühre«. „Ibwafdi ilnicigenorcii: Die einfpaliiz- Nonrareillejeile 8» Pf., NctlamejeileSM. Ermäßigungen noch Tarif. Postscheckkonlo: Bormärts-Lerloo G.m.b.H., Berlin Nr. 37 536.- Ter Verleg behält stch tat Recht der Ztblchnung nicht genebmer Anzeigen?or! Redaktion und Expedition: Berlin TW 68, lindenstr. 3 Fernsprecher: Tinhoff(A 7) 292-297. Kort mit den �Reparationen! Mutige Korderung eines französischen Blattes Gandhi verhaftet Paris, 4. Januar.(Eigenbericht.) Die grötzte und sehr angesehene französische Provinzzeitung, die in Toulouse erscheinende radikale „D�che", hat einen Artikel über die Reparations- frage veröffentlicht, der grosses Aufsehen erregen dürfte. In diesem Artikel verlangt der politische Direktor der Zeitung von der französischen Regierung den„vollständigen und endgültigen Verzicht auf die deutschen Reparationszahlungen". Es heißt dann weiter:„Wir würden dabei nicht nur nichts verlieren, sondern ohne Zweifel damit erreichen, daß wir die An- klagen der Mehrheit des deutschen Volkes entwaffnen und auf diese Weise das Wahlsprungbrett 5)itlcrs zertrümmern. Deutschland macht in der Tat eine Periode unbestreitbarer Not durch, aber Deutschland hat nicht, wie man oft behauptet, sein Elend organisiert. Die chitlcrianer erzählen den Deutschen Schauer- märchen über die Ursachen der Not, und sie haben schließlich große Massen davon überzeugt, daß 'ie Rcparaticmrn, die nur 12 JJroz. der Ausgaben des Reiches ausmachen, die einzige Ursache des Zusammenbruchs sind. Wenn man Eitler dieses Argument nimmt, wird man ihm drei Viertel seiner Kundschaft nehmen und Deutschland eine Revolution er- sparen, deren Folgen und Rückschläge niemand voraussehen kann. Wir haben oft behauptet, daß es zwei Deutschland gibt, ein rachsüchtiges und kriegerisches, und ein anderes, das sich klar darüber geworden ist, daß der Krieg nichts einbringt und ein neuer Konflikt vielleicht das Endedcr europäischen Zivilisation bedeuten würde, statt daß eine Annäherung zwischen unseren beiden Ländern eine Aera des Friedens und des Wohlstandes eröffnen würde." In den, Dorrangstveit der beiden jetzt unbestreitlichen reichsdeut- schcn Ärohschulden— nämlich der Reparationen und der Wirtschofts- kredite— ist«ine Schwenkung der französischen Presse zu verzeichnen: sie gibt zu, daß man über die Reparationen nicht verhandeln könne, che nicht die Bankiers über die Kredite einig ge- worden sind. Dies wird sogar als Meinung der Regierung ousge- geben, die bisher jeden Zusammenhang zwischen beiderlei Schulden bestritten hat. Was Laytons Benchtsentwurf forderte. London, 4. Januar. Der Berichtsentwurf Sir Walter Laytons, der von dem Baseler Sonderausschuß nicht veröffentlicht wurde, betont, wie.Daily ch e r a l d" erfährt, der Ioung-Plan sei völlig un- brauchbar geworden und könne nicht durchgeführt werden. Die Verlängerimg des Moratoriums genüge nicht, sondern es sei ein« voll- ständige Außerkraftsetzung und radikale Aende- rung des Noung-Plans notwendig. Die Wiederaufnahme der Yoimg-Plan-Zahlungen sei in absehbarer Zeit ganz u n m ö g- l i ch. Deutschland könne nicht einmal die geschützten Zahlungen aus- bringen und von einem Transfer keine Rede sein. Der Layton-Bericht fordert ferner eine dauernde Regelung, so daß die freie Käpitalsoerwenirnng wieder einsetzen und die Frage einer internationalen Währungsreform bearbeitet werden tonne.____ Scheinwerfer stürzt in Zuschauer. Elf Verletzte in einem pariser Zirkus. Paris, 4. Zanuar. Zu dem großen Pariser Zirkus Med.ano �g�e stch am Sonnabend während der Vorstellung e a Ungluckssall. durch d-° elf Zuschauer mehr oder weniger f*""»et- letzt wurden. Ein großer Scheinwerser. d-r-« Decke de, Gebäudes angebracht war. löste such au- bishcr uobe- kannler Ursache und stürzte' t t c n i n d.-Zu ch au«r- rnenge. Ein schwer verlehlcs junges Mädchen schwebt In Levens ?rsahr. Neuer Kurs in Lndien— Protest der Arbeiterpartei London, 4. Januar.(Eigenbericht.) Gandhi ist am Tonntag in Bombay verhastet worden, ebenso der Kongrestpräsident Patel. Diese Bcrlmftungcn sind in erster Linie auf den neuen Boykottbeschluß der stongrestpartei gegen englische Waren und auf passive Resistenz gegenüber den Anordnungen der Regierung zurückzuführen. Hierdurch sollte England nach dem Tcheitern der Londoner Konferenz zur Beschleunigung der seinerzest von der Arbcitcrregicrung angekündigten Berfassungsrrform gezwungen werden. Bizekönig Lord Willington hat jedoch in Uebereinstimmung mit der eng- tischen Regierung jede Unterredung mit Gandhi über die Regiernugsmaßnahwe« zur Aufrechterhallung der Ruhe und Ordnung abgelehnt. Die englische Regierung hat in letzter Zeit wiederholt erkläre» lasse,», daß die Ber» fasswngsreform beschleunigt werde, aber keine Regierung köune zulasieu. daß man ihr Bedingungen durch Drohun» gen aufzwiuge. Angesichts der Verhaftung Gandhis erwartet man in allen größeren Ttädten Indiens bereits heute Temon» stratione« und sofortige Durchführung des Boykotts. London, 4. Januar.(Eitzenbericlst.) Abg. George Lansbury als Führer der Labour Party im Unterhaus, hat die indisch« Regierung vor der Verhaftung Gandhis dringend um eine versöhnliche chaltung gegciniber der Kongreß- Weltpolitiker Hitler .Den Indern habe ich den Rat erteilt, nichts gegen die englische Herrschast zu unternehmen Jetzt werde ich den Chinesen mal klar machen, daß die japanische Invasion für sie ein Segen ist." parte! ersucht. U. a. fordert« er, daß in einer Unterredung zwischen Gandhi und dem Vizekönig auch die unrstrittenen Ver- ordmmgen bosprochen werden. Bei Nacht und Nebel verhastet. vombay, 4. Januar. Gandhi ist früh, 3 Uhr. in seinem Wohnsitz„Manibhuwan" verhastet worden. Als der Kraftwagen der Polizei erschien, entstand unter den Schülern und Schülerinnen Gandhis allgemeine Bewegung, und alle suchten zum Zelt des Mahatma zu drängen, wurden aber daran verhindert. Di« Verhaftung selbst wurde von einein britischen Polizeikommissar, einem indischen stellvertretenden Polizei- kommlssar und vier Beamten durchgeführt. Gandhi wurde sosorl geweckt und. da Montag sein Tag des Schweigens ist, begnügte er sich damit, dem Polizeikommissar freundlich zuzulächeln. Dieser überreichte ihm den Hastbefehl, den Gandhi schnell durchlas und zurückgab. Es heißt dorm lediglich, die Verhaftung „fei aus guten und ausreichenden Gründen" angeordnet worden. Der Kommissar gab dem Mahatma eine halbe Stunde Zeit, um von seinen Anhängern Abschied zu nehmen und sich fertig zu machen. Einige Minuten, bevor er ins Auto geführt wurde, schrieb Gandhi an den Kongreßpröstdcnten Patel, von dessen Verhaftung er keine Kenntnis hatte:„Lieber Vallabhai, unermeßlich ist Gottes Gnade. Bitte ermahne das Volk, niemals den Weg der Wahrheit und der Gewaltlosigkeit zu verlassen und stets bereit zu sein, das Leben und alles hinzugeben, um die Selbständigkeit zu gewinnen." Außer den sechs Polizeibcamtcn war im Augenblick der Ver- Haftung kein Polizist sichtbar. Zlbcr unmittelbar darauf erschienen an allen wichtigen Verkehrspunkten von Bombay Abteilungen von Beamten mit Bambusknllppeln, um eventuelle Kund- gedungen zu oerhindern. Ilm 3.50 Uhr fuhr Gandhi, begleitet von zwei Polizeioffizieren und einem Arzt, im Automobil nach dem Nerwada-Gefängnis bei P u n a ab, unter den Rufen seiner Au- Hänger„sjeil Gandhi!" Das Auto verschwand schnell in der Dunkel- heit. Die meisten von Gandhis Schülerinnen weinten, und seine Frau bat unter Tränen die Polizisten, sie auch gefangen zu nehmen. Gandhi strahlte vor Heiterkeit. Er trug seine übliche Kleidung, ein Leiüientuch und eine um die Schulter ge- schlagen« Decke. Eine seiner letzten Handlungen war, den Vertreter der„Associated Preß" Mills zu umarmen, der sich seit Gandhis vor einem halben Jahr erfolgten Freilassung in seiner Nähe aus- gehalten hat. Der verhaftete Kongreß-Präsident Vallabhai Patel, der schon vor Gandhi im Nerwada-Gcfängnis eingetroffen war, hat das Mitglied des Vollzugsausschusses des Nationalkougresses Babu Rajendra Prasad aus Behar zu seinem Nachfolger ernannt. Der verhaftete Präsident Patel erlieh folgende Botschaft an die Nation:„Diesmal wird es einen schweren Krieg bis zum Ende geben. Ich hasse, die Nation wird bereit sein, die äußer st en Opfer zu bringen, aber den Weg dcr Gewalt- l o s i g k e i t niemals verlassen." Ltnglück auf der Orahiseilbahn. Zehn Verletzte in Lyon. Paris. 4. Januar. In Lyon riß am Sonuiag da» Seil einer voll besetzten Droht seilbahn in dem Augenblick, als der Wagen sich auf halbem Weg in einem Tunnel befand. Dem Führer gelang es zwo, den herabgleitendcn Wagen zum Stehen zu bringen, dvä wurden die Insassen durch den heftigen Stoß derart durcheinander geworfen, daß zehn von ihnen zum Teil schwere Verletzungen davon trugen. Drei der Verletzten erlitten gefährliche Schnittwunden un mußten in ein Krankenhaus übergeführt werden. Reichsbanner in Front. Vor neuen Aktionen in Verlin.— Der Gauvorstand tagt. Dsr Vorstand des Reichsbanners Schwarz-Rot- Gold. Gau Berlin-Brandenburg tritt heute nachmittag zu einer wichtigen Sitzung zusammen, um die politische Gesamt- s i t u a t i o n und die besondere Lage in Berlin, das Herr Goebbels wieder einmal erobern will, zu besprechen. Das Reichs- banner wird die erfreulich starke Aktivität der ersten Wintermonate jetzt nach dem Fallen der Versammlungssperre noch weiter steigern. Für Berlin sind mehrere große Veranstaltungen zur Aktivierung der republikanischen Massen und zur Stärkung der eisernen Front geplant. Die Nationalsozialisten, die nach Herrn Goebbels in den nächsten Tagen durch die„Springflut ihres Aufbruchs" auch die letzten Dämme aufreißen und alles mit ihrer Agitation überschwemmen wollen, werden ihr blaues Wunder er- leben. Die Dämme werden stärker sein als die Schlammflut nationalsozialistischer Phraseologie. Münzenberg-Marchen. Die kommunistische Konzerndirektor verschenkt„Vorwärts"- Redakteure. Das kommunistische Mittagsblatt des Herrn Münzenberg bringt als neueste Sensation die Meldung:„Die SPD. kauft die„Welt am Montag"!" Zwischen gereimtem und ungereimtem Zeug wird da auch die Behauptung aufgestellt, daß„der bisherige„Vorwärts"- Redakteur K l ü h s in die Redaktion der W. a. M. eintreten" und der„Vorwärts"-Redakteur Curt Geyer als politischer Ver- trouensmann der SPD. die Stelle des Oberkontrallcurs über das neue Montagsblatt der SPD. spielen" werde. Diese Meldung ist völlig frei erfunden. Keinem der so verschenkten„Aorwärts"-Redatteure ist von solchen Plänen etwas bekannt Wenn alle Nachrichten des Münzenberg-Konzerns so richtig sind, wie diese, kann er sich begraben lassen. Richtig ist nur, daß der frühere Redakteur des Münzenberg-Blattss Emil R a b o l d feit einigen Monaten leitender Redakteur der„W. a. M." geworden ist. Schnee, Regen, Frost Llnsichece Wetterlage/ Wettere Schneefälle m Sicht Zn den städtischen Werken. Die Arbeiterschast steht zum Gesamtverband. Der Tarifkonflikt in den städtü'chen Gas- und Wasserwerken sollte von der KPD. und ihrer NGO. besonders„ausgewertet" werden. Der Versuch, in die Reihen der Geis- und Wasserwerks- arbeiter Verwirrung zu tragen, ist gescheitert. In der Vormittags- schicht des städtischen Gaswerks Charlottenburg sollte ein Streikbeschluß gefaßt worden sein. In Wirklichkeit hat die Beleg- schaft der Vormittagsschicht am Sonnabend nach Arbeltsschluß eine I Versammlung abgehalten. Di« Funktionäre des Werkes wurden beauftragt, in der Funktionärversanimlung heute abend für die Durchführung einer Urabstimmung einzutreten. Geicheitert ist auch der Versuch, heute früh im Gaswerk Lichtenberg einen wilden Streik anzuzetteln. Die Frühschicht lehnte in einer Abstimmung mit 37 gegen 41 Stimmen auch den Vorschlag der Streikarrangeure ab, wenigstens in passive Resistenz zu treten. Die städtischen Werksarbeiter werden sich unbekümmert um die Parolen der RGO.-Strategen hinter ihre sreigewertschast- lichen Funktionäre stellen, die heute abend die entscheidenden Be-, schtüsstt'fosfen'■■......•— Grippe im Gerichissaal. Helldorf erkrankt.— Die Verhandlung geht weiter. Nach Eintritt in die heute Verhandlung im Hslldorf- Prozeß fehlte der Angeklagte Helldorf. Der Mitangeklagte Ernst macht« dem Gericht die Mitteilung, daß Helldorf grippe- krank im Bett liege. Ein ärztliches Attest lag nicht vor. Für das Gericht ergab sich durch Helldorfs unerwartete Er- krankung eine große Schwierigkeit. Gerichtsverhandlungen dürfen bekanntlich nicht länger als für drei Tage ausgesetzt werden: widrigenfalls muß der ganze Prozeßstoff wieder aufgerollt werden. Das Gericht hatte die Möglichkeit, die Verhandlung auf drei Tage auszusetzen für den Fall, daß Graf Helldorf immer noch trank sein sollte, in der gleichen Weise fortzufahren. Das Gericht entschloß sich für die andere Möglichkeit: Graf H'elldorf zur Gertchtsstelle herbeizuschaffen und ihm dann zu über- lassen, sich freiwillig zu entfernen: im letzleren Falle konnte das Gericht beschließen, die Verhandlung ohne Graf Helldorf fortzu- setzen. Dieser Fall wäre zweifelsohne der günstigere. Das Gericht beauftragte deshalb den Angeklagten Ernst, Hell- darf per Auto, wenn auch nur für kurze Zeit, nach Moabit zu schaffen. Di« Verhandlung wurde bis Ernst Rückkehr ausgesetzt. Die Verhandlung wurde sodann wieder aufgenommen. Graf Helldors blieb bis auf weiteres im Berichtssaal. Es wurde in der Vq:- nehmung der Polizeibeamten fortgefahren. Japanischer Siegermui. Gegen das Volk und einen USA-Konsul. Aus Tokio wird gemeldet: Am Sonnabend wurde von japanische« Truppen Tschiutschau besetzt. Ueber die Stadt ist der Belage» rnngsznftand verhängt worden; zugleich haben die Japaner die Entwaffnung der Bevölkerung durchgeführt und tiOOv chinesische Soldaten interniert. Der japanische Oberbefehlshaber ist bereits am Sonntag in Kintschau eingetroffen, um die weiteren Maftnahme» gegen die chinesischen Truppen, die sich zurückziehen, zu führen. Mit dem japanischen Oberbefehlshaber ist ein Bombengeschwader von über 40 Flugzeugen in Kintschau eingetroffen. Die chinesische Bevölkerung von Mukden ist durch die japanische Besetzung Kintfchmis in große Erregung versetzt worden. Man fordert von der chinesischen Regierung e n t- scheidende Schritte gegen Japan. Di« nationalistische Jugend fordert sogar eine Kriegserklärung gegen Japan. Amerikanischer Konsul verprügelt. Mukdea über New Kork, 4. Januar.(Associated Preß.) Der amerikanische Konsul in Eharbin Caloert Cham- b e r l a i n wurde in Mukden von einer aus drei japanischen Sol- daten bestehenden Patrouille mißhandelt. Als er fein Auto verließ, das die amerikanische Flagge und das amerikanische Wappen zeigt«, erhielt er schwere Schläge ins Gesicht, obwohl er jewen Diplomatenpaß vorzeigte. Der Konsul war auf dem Weg« zum Zuge mich fichorinn. Der Generaltonsut Durch einen überraschenden Salklufteinbruch aus dem Rordosteu Europas sank die Temperatur in den Aachmiliagsstunden des gestrigen Sonntages knapp unter null Grad ond der Regen ging in Schnee über. Ha den Abendstunden herrschte ein regelrechtes Schneetreiben und Straßen sowie Plätze waren bald mit eiuer hohen Schneedecke überzogen, kurz nach 1 Uhr nachts vollzog sich abermal» ein Wellernmschwung und es regnete zeit- weiltg wieder. Da der milde westliche Luftstrom zum Still- stand gekommen ist. und sich die über Ostdeutschland lagernden kalten Luftschichten weiter nach Westen auszubreiten scheinen, ist vielleicht für die nächste Zeit mit schwachem Z r o st zu rechnen. Eine genaue Prognose tonn selbst der Amtliche Wetterdienst nicht geben, da die Gesamtwetterlage vorlaufig höchst unsicher ist. Zu der sogeuanaten Grenzfläche, die sich zwischen dem milden westlichen und dem kalten östlichen Luftstrom gebildet hat, ist nicht überall Schnee gefallen. So wird beispielsweise aus Bremen 41 Millimeter Regen gemeldet. Auch in Dresden, der südlicheren Ecke des Riederschlaggebictes, find 23 Millimeter Regen niedergegangen. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß es zur Zeit in der südwestlichen halste des Reichs warm und im nordöstlichen Teil kalt ist. Die G r e n z l i n i e läuft hinunter bis zum Balkan, wo gleichfalls große Temperaturgegcnsähe herrschen. die zwischen 5 Grad kälte und 10 Grad wärme liegen. Westdeutsch. land und sogar Bremen au der Küste meldeten heute S bis 10 Grad, Hamburg hatte dagegen nur 2 Grad Wärme. Der starke Schneefall hat die Städtisch« Straßen- r e l n i g u n g bereits cmi gestrigen Sonntag Veranlassung gegeben, alle Vorbereitungen zur Säuberung der Straßen zu treffen. Heute früh um Xd Uhr wurden annähernd 6000 Straßenreiniger— 3000 Beamte und ebensoviel« Hilfskräfte— zur Beseitigung des Schnee»«ingesetzt. Der Generalangriff auf den Schnee erfolgte zu erst in der Innenstadt, wo die Hauptverkehrsstraßen der Säube- rungsattion unterzogen wurden. Da allein in den Hauptverkehrs- ädern rund SOO 000 Kubikmeter Schnee zu beseitigen sind, war von der Schneesäuberungsaktion zunächst kein großer Erfolg sichtbar. Man hofft, in den Nachmittagsstunden, in denen auch der Hauptansturm auf die Inventur-Äusverkäufe ein- setzt, die Innenstadt von den Schnee- und Schlammassen einiger- maßen befreit zu haben. Obgleich die BVG. schon in den frühen Morgenstunden durch zahlreiche Arbeiterkolonnen die Schienen und Gleise reinigen ließ, ist es zu wiederholten Verkehrsstockungen gekommen. Die Schlammassen füllten die Weichen immer aufs neue und er- schwerten dadurch ihre Bedienung. Dann hat auch die F e u e r w e h r bei dem wechselvollen Wetter reichlich zu tun bekommen. Wasserrohrbrüche aus Straßen und in Wohnungen, offenbar hervorgerufen durch den mehrfachen Temperaturwechsel, machte die Hilfe der Feuerwehr notwendig. Außerdem mußten In einigen Fällen steckengebliebene Fahrzeuge und auf den Fahrdämmen infolge der Glätte gestürzte Pferde wieder in Gang gebracht werden. Wechselndes Wetter überall. Pari», 4. Januar. In ganz Südostfrankreich, ebenso wie in den Provinzen der Pyrenäen herrscht bitter« Kälte! Aus den Bog e s« n werden 20 Grad Kälte gemeldet. Der Schnee fällt seit 48 Stunden fast ununterbrochen. Auch aus dem Jura werden seit Sonnabend dauernde Schneefälle gemeldet. Da» Thermometer ist bis auf IS Grad unter Rull gefalle». Greuoble gehört mit 10 Grad kalte »och zu den gemäßigten Gegenden. Das Mittelmeer wird äugen- blicklich von einem heftigen Sturm heimgesucht, der dem Schiffahrtsverkehr sehr hinderlich ist. Die Passagierdampfer aus Algier treffen mit zwölfftündiger Verspätung ein und dre Ausreife nach den nordafrikanischen Häfen wurde in Anbetracht der Witte- rungsverhältnisse verschoben. Regen in Tirol. Innsbruck, 4. Januar. Auf den starken Schneefall setzte Hei zunehmender Temperatur in den Tallagen Regen ein, der den ganzen Tag anhielt und in de» Straßen der Stadt Innsbruck Glatieis verursachte.— Wie aus dem Achenseegebiet berichtet wird, hat Hort eine Lawine die Achentaler Straße verlegt, so daß sie gegenwärtig unpassierbar ist. Leberschwemmungen in Schottland. London. 4. Januar. Infolge andauernder heftiger Regensälle find bei Glasgow die Zlüsic über die Ufer getreten und haben große Teile der Sladt nnd der Umgebung überschwemmt. 2000 Familien sind dadurch obdachlos geworden. Der Clydefluß stieg so schnell, daß in Kürzester Zeit das Wasser in den anliegenden Straßen zwei Meter hoch stand. Polizei und Feuerwehrleute retteten Frauen und Kinder aus den Häusern. Die elektrischen Kraftwerke befinden sich in Gefahr. Die Feuerwehr hat große Pumpen aufgestellt, die die Anlagen dauernd von einströmendem Wasser freizupumpen versuchen. In der Graf- schaft A y r ist der Eisenbahnverkehr unterbunden. Schneesturm an der Adria. Mailand. 4. Januar.' An der Adria hat ein Schneesturm der Schiffahrt Schwierig« ketten bereitet, so daß viele Abfahrten aufgeschoben werden mußte». Di« meisten Dampfer trafen mit Verspätung«» ein. In den Marken hat der Schneesturm schwer« Verheerungen angerichtet. Die Telephonleitungen wurden unterbrochen. Die Stadt Babriano ist ohne Licht. Starke Kälte in Spanien. Madrid. 4. Januar. Aus ganz Spanien wird starke Kälte gemeldet. Das Therm»- meter ist stellenweise aus 25 Grad unter Rull gesunken— durchschnittlich find Temperaturen von IS bis IS Grad gemessen worden. Mehrere Personen sind infolge der Kälte gestorben: Der Zugverkehr ist zum größten Teil stillgelegt. Hochwassergefahren. Aus allen Gegenden Deutschlands wird zur Zeit Hochwasser- gefcchr gemeldet. So ist im Erzgebirge auf Anordnung der Reichsbahn der verkehr zwischen Läreuhecke, Zohusbach und Lauen- stein wegen Hochwassers gesperrt worden. Zu Bären- Hecke sind die Fundamente einer Müglitz-Brücke bereits unterspült. Die Bahnanlagen bei Erla und Eibeustock(Erzgebirge) sind bereits überflutet. Auch von den höhen des westerwaldes und des Taunus kommen infolge der Schneeschmelze große Wasser. mengen, so daß auch hier die Gebirgsbäche außerordentlich stark augeschwollen sind. Der Dill und die Lahn sind an vielen Stellen bereit» über die Ufer getreten. Das gleiche gilt vom R e ck a r. dessen Wasser ebenfalls überall schnell ansteigen and dessen Reben- slüsse Kocher und Zagst insbesondere große Wassermengen säh en. Ans der Malngegend kommen ähnliche Meldungen, desgleichen ans dem Schwarzwald, in dessen Tälern die Schneedecke vollständig verschwunden ist. Zm R i e s e n g e b i r g e ist der Schnee ebeufenfall» seil gestern verschwunden. Rur noch vom Kamm wird eine Schneehöhe von 20 bis 30 Zentimeter gemeldet. Auch der harz ist seit gestern völlig schneefrei. Myers und der Konsul selbst erhoben bei dem japanischen Konsul persönlich nachdrücklichen Protest. Dieser ordnet« eine gründlich« Untersuchung an. Chamberlain fuhr dann nach Carbi» ab. Oer Tod durch Gas. Mutier und Sohn Opfer eines Llnglücksfalles. In den späten Nachmittagsstunden des gestrigen Sonntags wurden die 78 Jahr« alte Witwe Luis« Rautenberg und ihr 47jähriger Sohn Franz Lehmann in ihrer Wohnung in 0er Wilhelmstr. 21 durch Gas vergiftet tot aufgefunden. Nach den Feststellungen der Kriminalpolizei sind Mutter und Sohn das Opfer eines Unglücksfalls geworden. Oftenbar ist der Sohn in der Nacht zum Sonntag spät heimgekehrt und hat den Hahn der Ga-lampe in der Küche nicht ganz geschlossen. Die aus- strömenden Leuchtgase nahmen ihren Weg ins Schlafzimmer und führten den Tod der beiden Leute herbei. Als Mieter des Hauses gestern starken Gasgeruch spürten und die Feuerwehr alarmierten, war es bereits zu spät. Der Tod muß bereits einige Stunden zuvor eingetreten sein._ Verhinderter Luwelenraub. Einbruch in das Generalkonsulat von Nicaragua aufgeNärt. 3n der Rächt zum 30. Dezember waren— wie berichtet— Einbrecher in die Räume des Generalkonsulats von Ricaragua in der Rolleodorfstraße 21 eingedrungen. Hausbewohner hörten die Diebe und alarmierten das lleberfall- kommando. Die Täler konnten aber zuvor noch entkommen. Sie sind jetzt ermittelt worden. Es handelt sich um den 30 Zahre allen Stefan Sch. und den 25 Zahre alten Max B. Sie hatten aus dem Konsulat neben drei Schreibmaschinen Weine, Zigaretten und Stoffe gestohlen. Die Untersuchung der Kriminalpolizei erbrachte«inen Verdacht gegen die Aerhafteten. Beide waren aus ihren Wohnungen ver- schwunden. Am Sonntagoormittag wurden sie von Kriminal- kommissar Dr Jetzlaff und den Beamten der Dienststelle II. 6 in der Wohnung eines Freundes in der Potsdamer, Straße ermittelt und aus dem Bett heraus verhaftet. Hier fand man auch noch mehrere Weinflaschen und anderes, das aus dem Einbruch stammte Die Einbrecher hatten ein feuchtfröhliches Silvester ge- feiert. Die gestohlenen Schreibmaschinen waren sofort an einen Hehler W für 80 M. weiterverkauft worden W. ist ebenfalls ver- haftet. Gegen chn besteht schon längere Zeit Hastbefehl. Jedesmal aber, wenn seine Verhaftung drohte, wurde er schwer trank. Am Sonntag überraschten ihn aber die Beamten, als er in der Wohnung herumhantierte. Sie brachten ihn trotz seines Protestes ins Polizei- gefängnis. Die Aerzte konnten vorläufig an ihm nichts Krankes entdecken. Als man die Wohnung des Freundes in der Potsdamer Straße weiter durchsuchte, fanden die Beamten einige Zeichnungen. Auf diesen war die Lage eine» Iuwelengeschäfts im Westen Berlins genau eingezeichnet. Bei dem Verhör gerieten die Einbrecher in Erregung. Besonders Stefan Sch. war über die Eni- deckung der Papiere ganz aus dem Häuschen. Schließlich legte er ein G e st ä n d n i s ab. In der Nacht zum Montag wollte er das Juwelengeschäft ausplündern. Die Diebe wie der Hehler werden dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Die-103 zertrümmerten Fensterscheiben. Ein Geisteskranker als Täter. In der Neujahrsnacht konnte es geschehen, daß ein unbekannter Täter in aller Gemütlichkeit, unbeobachtet und ungehindert, 103— hundertunddrei— Fenster an der Front des Polizeipräsidiums und des sich anschließenden Schnellgerichts in der Dirksenstraß« zer- trümmerte. In einem Keller wurde später eine Gummizwinge gefunden, die zu einem Spazierstock gehört. Der Verdacht lenkte sich auf einen gewisien Franz H., der bereits schon einmal einen solchen Bubenstreich ausgeführt hatte. H., der ehemals Fremdenlegionär war, wurde in die Heilanstalt Buch gebracht. Am Sonntagmorgen nun wurde am Hauptportal des Präsidiums in der Alexander- st r a ß e wieder eine Scheibe eingeschlagen. Als der Posten hinzu- ellte, konnte er den Täter festnehmen. Es stellte sich heraus, daß es tatsächlich Franz H. war. Er gab zu, die Scheibe zertrümmert zu haben, wollte aber von den 103 anderen nichts wissen. H., der sich infolge einer schweren Krankheit, die er sich in Afrika zugezogen hatte, nur an zwei Stöcken bewegen kann, mußt« es sich gefallen lassen, daß man die Stöcke untersuchte. Dabei ergab sich, daß von dem einen die Gummizwinge fehlt«. Nichtsdestoweniger be- stritt H. die am Siloestermorgen begangene Tat, wie er auch davon nichts wissen will, daß er ehemals in Buch war. Es wurde aber festgestellt, daß er im September erst von dort entlassen worden ist. Franz H. wird wahrscheinlich wieder noch Buch zurückgebracht werden. Freigesprochen hat das Prager Gericht den ehemaligen Minister Stribrny und seinen Mitangeklagten«ichrowsky von der Anklage der falschen Zeugenaussage. Di« Anhänger Stribrnys, der einen wüsten Kampf gegen Majaryk, Benesch und sozusagen alle führt, jubeln. Die dän'.sche Arbeiterbewegung hat einen ihrer älteren Führer, den Abg. L Y n g s i« durch den Tod verloren. 138. Abt. Heute, Montag. 4. Januar, Frauenabend an be- kannter Stelle ausnahmsweise von 17 bi» 19 Uhr. Tagesbericht und Neuwahl. IGB.-Tagung. Orgauisatious- und Wirtschastsfragen. Der ZZorftand des Internationalen Gewerkschaft sbundes trat heute vormittag in Bertin zu einer zweitägigen Sitzung zulsammen. Die Beratungen sind in erster Linie organisatorischen Fragen gewidmet, doch werden auch die Fragen, die mit der Weltwirtschaftskrise verbunden sind, zur Diskussion kommen. Heute dürste zunächst ein Bericht des Büros des IGB. über die Lag« der Gewerkschaften in Latcinamerita zur Beratung stehen. Daran anschließend werden oorausstchtlich die entsprechenden Dispositionen getroffen werden, für die seinerzeit beschlossene Studienreise nach dem Ferne« Osten. Angesichts des japanisch-chinesrschen Konsliktes erhält diese Studien- reise besondere aktuelle Bedeutung. Im weiteren Verlaus der Beratungen wird besonders der Ent- wurf des sozialpolitischen Programms, das oom internationalen Stockholmer Kongreß vorberatsn wurde, zur Erörterung stehen, sowie auch die vorgeschlagenen Aenderungen im Ausbau des IGB. Es handelt sich hier um den Borschlag, die internationalen Berufssekretariate derart in den IGB. einzugliedern, daß sie gewissermaßen die eigentliche Grundlage der Gewerkschostsinter- national« werden. Schließlich wird dem Vorstand der Tätigkeitsbericht des Sekretariats für das Jahr 1931 vorgelegt werden und im Anschluß daran werden die internationalen Kredit- und Finanzfragen, die besonders zur Inangriffnahme eines internationalen Arbeits- Programms in den Nordergrund treten, einer besonderen Unter- chchüng unterzogen werden. So wird's im Dritten Reich! Die Sünden der Großmütter»Verden heimgesucht.. Einen Vorgeschmack, wohin die„Rasseforschung* des �ritten Reiches sich entwickeln wird, erhielt man jüngst in Kaisers- läutern. Die dortigen Nazis hatten die hohe Ehre, von Prinz Auw: als Referenten über die Ziele ihrer„Arbeiterpartei* er- leuchtet zu werden. Natürlich riß sich alles um die Ehre, dem erlauchten Hohenzollernsprossen Quartier zu geben. Den Sieg errang die Frau des Sturmbannerführers, in Zivil Hauptlehrers, namens Horn. Aber der Neid ließ, wie der„M. M." berichtet, die übrige Honoratiorenwelt von Kaiserslautern nicht schlafen. Im„Frauen- orden* flüsterte eine Frau Hauptmann a. D. R e i g e r zwischen zwei Tassen Kaffee ihren nationalen Kaffeeschwestern zu, daß Frau Hauptlehrer Horn— schrecklich, fürchterlich— jüdisches Blut in ihren Adern habe! Ihre Mutler, eine steinalte Bäckersfrau namens Wagner, habe— vor rund 40 Jährchen— ein Verhältnis mit einem jüdischen Arzt gehabt. Großer Krach— Beleidigungsklage vor dem Amtsgericht Kaiserslautern. Die über 70jährige Greisin wird hochnotpeinlich unter Eid darüber vernommen, wie ihre Beziehungen zu dem längst verstorbenen Dr. Siegmund Sowieso gewesen seien. Sie beschwört, es sei nur eine harmlose Schwärmerei gewesen. Aber die Angeklagte Frau Hauptmann R e i g e r führt eine andere siebzig- jahrige Zeugin vor, die mit wackelndem Kopf beschwören will, daß die Sache vor 40 Jahren gestunken habe! Der jüdische Doktor habe an die Großmutter der Klägerin sogar— eine Abfindung gezahlt. Das Gericht vertagt und beschließt, zwei Nichten des Ver- slorbenen über die Jugendliebe ihres Onkels zu vernehmen. Die Damen haben zwar nicht daneben gestanden, aber sie mllsien doch wissen, ob es zwischen dem Doktor und der Bäckersfrau„rein* oder „sinnlich* zugegangen ist. Inzwischen wartet ganz Kaiserslautern fiebernd auf den Aus- gang der Sache. Im Dritten Reich werden die Gerichte andere als solche Prozesse gar nicht mehr zu bearbeiten haben. Geiffert in der Tschechoslowakei? Auf der Spur des flüchtigen Rankdir-ktors. Der Direktor der zusammengebrochenen Berliner Bank für Handel und Grundbesitz, S e i f f e r t, der seit dem Zusammenbruch der von ihm und dem wirtschaftsparteilichen Abgeordneten des preußischen Landtags Ladendorff geleiteten Bank flüchtig ist, dürfte nach den neuesten Ermittlungen der Polizei und der Staats- anwaltschaft kaum, wie bisher vermutet wurde. Selbstmord be- gangen haben. Es sprechen eine ganze Reihe von Anzeichen dafür, daß Seiffert sich in der Tschechoslowakei verborgen hält. Eine neue Bestätigung für ihre Anhaltspunkte sehen die Untersuchungsbehörden auch in einer Reise der Frau Seiffert. Vor Weihnachten erfuhr die Berlin« Polizei, daß sich Frau Seiffert während der Weihnachtsfeiertage aus Berlin ent- fernen wollte. Aus Veranlassung des Oberstaatsanwalts wurde daraufhin die Selffertfche Villa in Lichterfeld« um- st e l l t und Tag und Nacht beobachtet. Kurze Zeit vor Heiligabend entfernte sich Frau Seiffert aus der Wohnung und fuhr mit einer Droschke zum„Anhalter Bahnhof*. Die Kriminalbeamten fuhren sofort hinter ihr her, nahmen im gleichen Zug wie Frau Seiffert Platz und beobachteten sie unausgesetzt. In Dresden verließ Frau Seiffert den Zug. wahrscheinlich, weil sie sich beobachtet fühlte. In der Nähe der Stadt bei Weinböhla besuchte sie dann eine ihr be- kannte Familie, die eine große Spargelplantage besitzt. Da ihre Beobachtung aus diesem weiten Spargelfeld unmöglich war, wurde ihr aufgegeben, sich dreimal täglich bei der Ortspolizei zu melden. Die'Untersuchungsbehörden sind überzeugt, daß Frau Seiffert nach der Tschechoslowakei reisen wollte und nur durch die Vermutung, daß sie beobachtet werden würde, von diesem Plan in letzter Minute abgehalten worden ist. Am Grab« des Mordopfers. Ein Unglücklicher verhastet und entlassen. Am Sonnabendnachmittag fand auf dem Neuköllner Friedhof die Beerdigung des am HeUrgabend ermorde- ten Geschäftsführers Huth statt. In der Nahe des Grabes bemerkten Trauergäste plötzlich einen Mann, der durch sein werk- würdiges Benehmen auffiel. Als sie seine Festnahme veranlaßen wollten, flüchtete er. Er konnte aber bald ergriffen werden. Be, seiner Vernehmung stellte es sich nun heraus, daß man es m dem Manne nicht mit dem Mörder zu tun hatte. Nach dem alten Volks- glauben erscheint ein Mörder, wenn sein Opfer zu Grabe getragen wird. Dieser Glaube hat aber bisher noch niemals seine■Bestem- gung gefunden und auch hier nicht. Bielmehr ist der durch sein Benehmen auffallende Mann ein K r a n l e r. der häusig die Fried- Höfe aufsucht. Als sich der wahr« Sachoerhalt herausstellte, wurde der Unglückliche sofort entlassen. Oer Herr i Angehörige Bemerkungen des Im Sklarek-Prozeß hat, wie wir an anderer Stelle berichteten, der Vorsitzende Amtsgerichtsdirektor Kestner sich Aeußerungen über den Genossen Brokat und über die Zugehörigkeit zur Sozialdemokratie erlaubt, die über feine Kompetenzen weit hinausgehen und schon deshalb scharf zurückgewiesen werden müssen. Ueber die Glaubwürdigkeit und„Einwandfreiheit" eines Mannes wie Brolat kann vielleicht, wenn es für das Verfahren von Wichtigkeit ist, das Gericht Feststellungen treffen, möglicher- weife auch durch Vernehmung Lrolats selbst. Aber ohne auch nur den Versuch dazu zu machen, den Mitdirektor der Berliner Ver- kehrsgesellschast als„nicht einwandfrei* zu diffamieren, ist ein Stückchen, das sich der Vorsitzende des Gerichts nicht erlauben darf, ohne in den Verdacht der Voreingenommenheit zu geraten. Seine Aeußerung legt das Gericht in einer Weise fest, die nicht erträglich ist. Das gleiche gilt für feine Behauptung von der Vertrauens- Würdigkeit der Sozialdemokraten. Diese enthält eine so gewollte Zuspitzung, daß sie kaum mit der U e b e r a r b e i t u n g des Vor- sitzenden entschuldigt werden kann. Der Sozialdemokratie kann es zwar gleichgültig sein, was ein Herr Kestner von ihr denkt, aber es ist nicht gleichgültig, ob dieser Kestner als Gsrichtsvor- s i tz e n d er aus dem Handgelenk politische Werturteile fällt, zu denen ihm jede innere und äußere Berechtigung fehlt. Max Gklarek erneut untersucht. Auf Veranlassung des Vorsitzenden. Nach dreitägiger Pause nahm heute früh der Sklarek-Prozeß im neuen Zahr seineu Fortgang. Zu Beginn der Verhandlung machte der Verteidiger der Ge- brüder Sklarek, Rechtsanwalt Dr. Julius Meyer I in Form eines Bsweisantrages davon Mitteilung, daß Max Sklarek, gegen den das Verfahren bekanntlich abgetrennt ist, inzwischen erneut von einem gerichtlichen Sachverstandigen aus seine Verhand» lungsfähigkeit untersucht worden sei, ohne daß bisher die Oeffsntlichkeit und die Prozeßbeteiligten davon Kenntnis gehabt hätten: er beantragt, daß der Sachverständige, der Max Sklarek erneut untersucht habe, vom Gericht über sein Gutachten vernommen werde. Vors.: Max Sklarek ist auf meine Veranlassung untersucht worden. In dem ersten Gutachten, auf Grund dessen das Verfahren gegen ihn abgetrennt wurde, war gesagt worden, daß mit seinem Ableben alsbald gerechnet werden müsse. Da darüber inzwischen 2)4 Monate verstrichen sind, hielt ich eine erneute Untersuchung für notwendig. Das Gutachten des Gerichtsarztes, Medizinalrats Frei- Herr von Mahrenholz, stellt fest, daß sich der Zustand Max Sklareks nach Ansicht des Arztes wesentlich verschlechtert hat. Als dritter Sachverständiger für die banktechnischen Fragen des Stadtbanktomplexes war in der heutigen Verhandlung Staatsfinanzrat Weltzien, Vorstandsmitglied der Deutschen Girozentrale, anwesend. Es wurde zunächst die Frage erörtert, ob das Wechselgeschäft mit den Sklareks das erträgliche Maß über- schritten habe, wie es die Anklage behauptet. Hoffmann und „Oer Raub der Sabinermnen." Deutsches Theater. , Eine Wehmutsträne sei zunächst der Harmlosigkeit eines Zeit- asters nachgeweint, das den Schwank um den Schmierendirektor Emanuel Striefe gebären konnte. Damals glaubte man noch an Oberlehrer, die Römerdramen schreiben und an Schmierendirektoren, die oergleichen aufführen. Unsere heutigen Oberlehrer schreiben Hitler-Dramen, und die Strieses gründen nationale Volketheater. Der Schönthansche Schwank bewährt heut« noch seine Zug- kraft, was tells der unsterblichen Etriese-Figur, tells der Star- besetzung bei Reinhardt zu verdanken ist. Warum dies« abgenutzten Verwechslungstricks und urällesten Possentypen immer noch einschlagen? Wem es nicht ohnehin bereits aufgefallen ist, daß die erfolgreichsten Autoren unseres Jahrzehnts etwa Johann Strauß, Offenbach, Anzengruber heißen, der mag die Antwort darauf«grübeln. Vassermann spielte den Striese bereits vor einem halben Menschenalter. Er hat sein Sächsisch seitdem von störenden Mann- heim« Akzenten gereinigt und ist im übrigen dasselbe herrliche Gemisch aus Eitelkeit, Verschmitztheit und echtem Komödiantentum geblieben. Am überzeugendsten, wenn unter der gemimten Er- habenheit plötzlich der arm« Hund von gehetztem Wanderkomödian- ten zum Vorschein kommt. Etwas von dieser heimlichen Tragik hat auch Felix B r e s s a r t s fanst-oerträumter Professor. Wenn dieses tyrannisierte, harmlos« Wesen sich plötzlich in einem gemimten Wutanfall gegen seine Hausdespoten aufbäumt, erst den Ton des Zornes gar nicht finden kann, dann sich in Stimme und Gebärden kraß überschlägt— dann ahnt man zwischen Lachträmpfen ganz leise: an diesem Ausbruch des Geduckten könnte doch zu tiefinnerst etwas«cht fein. Die Schönthanschen Verfasser des Schwanke dürf- ten freilich soweit nicht gedacht haben. Deshalb gelingt es trotz aller Bemühungen der Damen Lore Mosheim, Helene S a t o w und Frieva Richard sowie des Herrn Schürcnberg nicht, ihre übrigen Theaterpuppen zu Leben zu erwecken. Ein Ausnahme macht die theaterbegeisterte Köchin der Lucie Höflich. Den Dar- steller des Schmiercnliebhabers Sterneck sollte Reinhardt nicht so oft auf der Bühne betonen lassen, daß er kein Talent fürs Theater Hab«. Trotzdem: diese Aufführung, von straffer Regie zyfammcnge- halten, ist der echte Reinhardt, nicht d« Revuezaub« des entseelten Offenbach schräg gegenüber am Schifsbauerdamm. Schade, daß nur dieser nach den Eintrittspreisen den Massen zugänglich ist. E. K— r. Palucca-Maiinee. 3m Theater am Bulowptatz. Die erste Tanzmatinee!m neuen Jahr!m Theater am Bülow- platz wurde von der Palucca bestritten. Ein guter Anfang. In dieser Zett, wo es für die meisten Menschen schwerer als sonst ist, Kontakt zu zeitloser Kunst zu finden, gelang es der Palucca wieder wie stets, ihr Publikum mitzureißen. Denn ihre Darbietungen sprechen eine Sprache, die von niemand, der überhaupt für Körper- ausdruck Verständnis hat, überhört werden kann, so leise und UN- ausdringlich sie auch klingt. Die Palucca wird' oerstanden, well sie versteht, weil sie sich allem hingeben kann. Glück und Leid. Hoffen, Sehnsucht und Trauer. Aus ihrer Fähigkeit zu erleben Amtsgerichisdirekiors Kestner Schmidt verneinten dies entschieden und stellten sich wieder auf den Standpunkt, daß die Kredite an die Sklareks auch ohne hereinnähme der Wechsel gewährt worden wären. und daß man wegen der besonderen Stellung des Kunden nicht so sehr auf die Innehaltung der Satzungen hätte zu achten brauchen. Vors.(zu Hoffmann): Worauf gründete sich eigentlich Ihr Ver- trauen zu den Sklareks? Hoffmann: Auf die tadellosen Ver- träge und auf die Beziehungen zu den Magistratsmttgliedern. Vors.: Darauf kann man doch nicht viel geben, die konnten doch alle unter einer Decke stecken. H o f f m a n n: Die Stadtbank iit immer sehr vorsichtig gewesen. Im Falle Barmat hat sich auch ein einflußreicher Stadtverordneter dafür eingesetzt, daß die Stadtbank mtt ihnen Geschäfte machte. Wir sind ab« nicht darauf einge- gangen und als einzige Bank an dieser Klippe vorübergekommen. Bei den Sklareks war das aber etwas anderes: die waren doch ein Anhängsel der Stadt. Di« Sklareks hatten doch die besten Be- Ziehungen zu dem Oberbürgermeister Böß. Vors.(unterbrechend): Der von den Verträgen keine Ahnung hatte. Hoffmann ging dann erneut darauf ein, daß Böß die Sklareks bei dem Press'sball sehr freundlich begrüßt habe, daß beispielsweise Max Sklarek beim Empfang des Königs Fuad in Berlin neben dem Kommandeur der Schutzpolizei gesessen habe, daß die Sklareks mtt Brolat sehr befreundet waren und auch von ihm schwere Auf- träge bekommen hätten. Vors.: Brolat war doch früher bei der Brennstosfgesellscbaft. Haben Sie da nicht einmal etwas munkeln hören? H o f f m a n n: Nein. R.-A. Bahn: Brolat ist doch heute noch im Amte. Vors.: Na, ich kann ihn nicht absetzen. Ich halle ihn jedenfalls nicht für eine ganz einwandfreie Persöillichkett. Rechts- anmalt Bahn teilte ergänzend mit, daß die Sklareks auch in dar Sozialdemokratischen Partei eine große Rolle gespielt hätten. Vors.: Wenn einer Sozialdemokrat ist, ist er doch noch nicht absolut vertrauenswürdig. Des weiteren berief sich Hoffmann auf den Verkehr der Sklareks mit Bürgermeister Schneider, Professor Schäfer, Pfarrer Wolfs, wobei ihn der Vor- sitzende fragte, ob er gesehen habe, wie der letztere den Pokal ein- weihte. H o f f m a n n: Nein, das weiß ich nicht. Die Sklareks verkehrten doch aber auch mit Staatsanwalt- schaftsrat Wasmund. Ich war wie erschlagen, als ich hörte, daß da etwas mit ihnen nicht stimmte. Man erörterte dann wieder die Wechsel wobei die Staats- anwaltschaft den Stadtbankdirektoren vorhielt, daß die Wechsel- hereinnähme bei der Geschäftsverbindung das Primäre gewesen sei und erst später die Bevorschussungen der Forderungen erfolgten. Es entspann sich eine ziemlich lebhafte Auseinandersetzung, und Rechtsanwalt Bahn, der bei dies« Gelegenhett eine Kontroverse mit dem Vorsitzenden hatte, beantragte, als Sachverständigen den Direktor Gentsch von der Girozentral« zu hören, denn es sei ein Nooum, daß ein Sachverständiger plötzlich nach dreiwöchiger Verhandlung hinzugezogen werde, wie es bei Staatsfinanzrat Weltzien geschehen sei. Die Entscheidung über den Antrag wurde jedoch vorläufig zurückgestellt. wachsen ihre Tänze, die das Erlebnis veredeln, neu schaffen, auf seinen Gefühlskern zurückführen. Und wie der Mensch in der Palucca reif« wird, reifen ihre Tänze, werden tiefer, weiser, mistender. Die spielerische Anmut läßt nun dunkle Untertöne leise schmerzlich mitklingen, der tolle Uebermut lächelt manchmal etwas ironisch. Die Palucca tanzt heute so wenig wie einst Wellanschauung oder Seele, sie tanzt nichts, was sich mit einem anderen Wort als „Tanz* ausdrücken läßt. Ihre Kunst entfaltet sich unmittelbar: sie entsteht nicht aus dem Erlebnis, sie saugt es nur auf und bereichert es, indem sie es ausdrückt. Daran liegt es, daß man sich ihren Tanz nie übersieht, daß einem nie dazu die Stimmung fehlt: diese starke künstlerische Persönlichkeit dielet im schönsten Sinne un- persönlichen Kunst.— 8r. Das Nassische Drama aus dem russischen Theas«. Neben dem aktuellen Schauspiel und der Schaffung einer neuen Opernform ist das russische Theater in letzter Zeit wieder stärker um die Pflege dos klassischen Dramas bemüht. Im letzten Jahr gelangten an den größten Theatern in Moskau und Leningrad nicht weniger als fünfzig klassische Stücke zur Aufführung, darunter Werke von Shakespeare und Schiller. Im Spielplan der russischen Staats- theat« war der Prozentsatz der Aufführungen klassischer Werke mehr als die Hälfte aller Borstellungen. Noch mehr als den Theaterbühnen bleibt es der Oper vorbehalten, die alten Werte aufzuführen. Bücherkreis seht Verkaufspreise herab! Der Verlag Der Bücher- kreis G. m. b. H. hat die Buchhandelspreise seiner sämtlichen Werke von 4,80 M. aus 4,30 M. herabgesetzt, trotzdem in den letzten drei Jahren Ausstattung und Umfang seiner Bücher wesentlich gesteigert wurden. Goethe-Ehrung des Auslands. Zwei Tage der Weimarer Goethe-Gedächtniswoche sind dem Ausland zur Huldigung ein- geräumt. In ein« Vortragsreihe„Goethe und die Welt* werden neun Professoren sprechen. Für andere Tag« sind Vorträge von Vertretern des Auslandsdeutschtums vorgesehen. Amerika spendet eine Million Mark für die Melt-Goethc- Ausgabe. Auf Veranlassung des Präsidenten Nikolaus Murruy Butler haben die Cornegis-Stiftung für den Internationalen Frieden und die Bibliothek der Columbia-Univcrsttät in Ney» Port beschlossen, je ZOO»» M. sür die geplante fünizigbändige Goethe-Ausgabe der Stadt Mainz zu zeichnen. Ja der Boll«bäh»e fipdet heute die 2Z. Aufführung von Offenbachs Operette„Die Großhcrzogin von Gerolstein" mir Käthe Dorsch in der Titelrolle statt.. Da« erste Siafauielpazert der Staatilqpclle unter Leitung von Erich Kleidet findet Freitag in der Staatsoper Unter den Linden statt. «erhart Hauptmanns aeueste Bühnendichtung„Bor Sonnen- Untergang gelangt Mitte Februar im Deutschen Theater zur Urouf- sührung. Werner Krautz wird die Hauptrolle übernehmen. „Die Schar sschützea", ein aktivistischcS Kabarett junger Künstler, ist unter Führung von Rest Langer gegründet worden. Das Philharmonisch« Orchester wird unter Leitung von Wilhelm Furt- wäugler Ende Januar ein« Konzertreise durch das Rheinland. Belgien, England und Holland antreten. Karl Heinz Maxtin, der Leiter der Bollsbühn«, inszeniert bei den diesjährigen Salzburger Festspielen als erst« Reumszenlerüng„Die Ent- fübrung aus de», SeraU". deren musilalische Leitung Generalmusildirelwr Fritz Busch inne hat und„Die Zauberslote* mit Bruno Walter. Berne letzt: ährige Inszenierung von Gluiks„Orpheus" wird wieder aufgenommen. Nichts zu machen! ZiGO.-Offensive erstickt. Jiodj am Sonntag machten die kommunistischen Einpeitscher der vZO. alle möglichen Anstrengungen um ihrer Mossenstreikparole, mit der sie diesmal so elend Schisfbruch erlitten, zu einem legten Auftrieb zu verhelfen. Alles vergeblich! Aus Reckli» g Hausen wird berichtet: Bei der Auflösung einer als geschlossene Belcgschaftsvcr. sammlung angemeldeten, in Wirklichkeit öffentlichen Versammlung wurde der kommunistische Reichstagsabgeordnet« Walter Frank aus Bochum festgestellt. Ein Beweis dafür, daß die KPD. chre Ab- geordneten � im Ruhrgebict eingesetzt hatte, um die Streikaktion anzukurbeln. In der Brosserl-Kolonie in Marl wurden in der Sonntag- nacht die Lichtleitungen zerstört und mehrere Straßenlaternen zer- trümmert, damit die kommunistischen Sprcchchäre unter dem Schug der Dunkelheit die Strcikparole propagieren konnten. Die Polizei verjagte die Leutchen. In Dortmund kam es am Sonntagmorgen am Eingang des Eisenwerks Union zu einer Aktion von etwa 40 Kommunisten, Adilwig SPD.'Betriebsvertraaensleufe! Mitiwocb, 6. Innuar. 15',; L'hr, in den Sophiensälen. Sophienstr. 17,18 Funktionär-Konferenz aller SPD.- Beiriebt- und GewerktcfaafitfankHon&re 1. Genosse Fndolf Hilferrtlnsr spricht OSer.Die wirtschaf'liche und politische Lage". 2. Diskussion 3. Wahl der drei Vertreter zum erweiterten Vorstand. Zutiitt nur mit Parteibuch und Funktionärkane. Das Belrlebttekrelarial um die nach.fytufe gehenden Arbeiter als„Streikbrecher" zu bc- handeln. Der Stoßtrupp wurde vertrieben. Eine Aktion gegen die Kölner Straßenbahn, die heute früh unternommen wurde, mißglückte ebenfalls. Darüber wird berichtet: Größere Trupps der RGO. und des Kommunistischen Jugend- Verbandes versuchten heute in aller Frühe insbesondere dos Per- fonal der Straßenbahnen zum Streik aufzureizen, was jedoch mißlang. Die Polizei schritt mit starkem Aufgebot ein, zerstreute ohne ernstliche Zwischenfälle die Ruhestörer und nahm insgesamt 3ö Verhaftungen vor. Zu bewegten Szenen kam es auf dem Straßcnbahnhof K ö l n- N o r d, wo das Betriebs- r a t s m i t g l i e d dieses Bahnhofes, Stadtverordneter S a f a r o w f k i(KPD.), zum Streik aufforderte. Er wurde schließlich von der Polizei verhaftet. Trotz der krampfhaften Anstrengungen der großmäuligen RGO. war die am Sonnabend ins Wasser gefallene Massenstreikaktion nicht mehr zu retten. Die Massen streikten— bei der Durch- sührung der KPD.-Parole. Es ist ein Unterschied: unter dem freien, gleichen und geheimen Wahlrecht einen Stimmzettel für die KPD. abzugeben, um seiner Unzufriedenheit„revolutionären" Ausdruck zu geben oder der KPD. zuliebe den Rest seiner Wirtschaft- lichen Existenz in leichtsinniger Weise aufs Spiel zu setzen. Sa dumm sind die Arbeitermassen in Deutschland nicht mehr, sie pfeifen auf die RGO.-Parolcn. Und wie steht es mit der „Kampfstimmung in den Derlinor Delrieben", von der. die„Rote Fahne" am Sonntag in großer Aufmachung zu berichten wußte? „Streiks in vier Berliner Betrieben." In der Friedrichshagener Zahnradfabrik, der Zahnradfabrik Döhring, Gcrichlftroße, und in den Märkischen Tcrtilwerken Lichtenberg, sind die Arbeiter am Sonnabend nach dem Bericht der„Roten Fahne" in den Streik getreten, bei der cholzsirma Nadge und einigen anderen Firmen, darunter der Hochburg der RGO. in Hennigsdorf wurden Streikbeschlüsse gesaßt oder erneuert. Allein die„Zahnräder" er- wiesen sich als zu schwach, um die Strcikmaschine in Betrieb zu bringen. In der A E G.- H e n n i g s d o r f wurde heute in zwei Ab- teilungen die Strcikparole befolgt, außerdem bei Jachmann in Borsigwalde. Hier kommen etwa 3ö0 Arbeiter in Frage, bei der AEG.-Hennigedorf 1000. Möglich, daß noch einige kleinere Betriebe stillgelegt wurden. In den Großbetrieben wie Siemens wird wie sonst gearbeitet. Weiler für Berlin. Größtenteils trübe mit wenig veränderten Temperaturen, zeitweilig Niederschläge, östliche Winde. Für Deutschland. Im Westen und Süden weiterhin mild, im Nordosten Frost, in den mittleren Reichsgebieten zahlreiche Niederschläge. Arbeiter-Bildungsschule. Dienstag, den 3. Januar, pünktlich 10J4 Uhr, im Sitzungssaal des Bezirksvorstandes, Lindcnftr. 2. Hof, 2 Treppen,'Ausspracheabend der Dozenten der ochule, der Kursusobleute, der Vertreter der Seminare und der z e n- tralen Kurse und der Obleute der K r e i s au s s ch ii s s e für sozialistische Biltmngsarbeit. Rundfunk der Woche Rüdkblick auf 1931. Von dem Toten soll nian gutes reden. Versuchen wir's. Auch der Berliner Hörer kann seinem Funkprogramm schließlich manches gute nachsagen: er kann sogar manchen Fortschritt rühmen, den das vergangene Jahr hier gebracht hat. Wer sich an O p e r n ü b e r- t r a g u n g e n freut, wird eine Reihe dankbarer Erinnerungen an dieses Funkprogramni haben. Man hörte gute Werke, gute Auf- führungen und gute Uebcrtagungcn. Ein Rest technischer Unzuläng- lichkeiten bleibt ja: aber die Oper ist schließlich für die Akustik des Theaterraumes, ist für Ohr und Augen geschaffen. Auch das für die Sendebühne einstudierte Werk kann diese Tatsache den Hörer nicht vergessen machen. Die Ausbalanzicrung der Klangwirkungen war immerhin stets so, daß die Musik dem, der ihr überhaupt nahe stand, ihre cinheilliche Linie wahrte: es gab, auch bei lieber- trogungen, keinen Klangbrei mehr. Die Wirkungsmöglichkeiten von großem Orchester und Chor ist vor dem Mikrophon ja nach immer begrenzt: manches wird in dieser Ebene verzerrt, manches aus- gelöscht. Hierauf ist bei reinen Musikaufsührungcn meist Rücksicht genommen worden. Besonders die Ehorvorträgc wurden an- scheinend auf ihre Mikrophoneignung stets gründlich gesiebt(lieber- tragungen von Ehorvorträgcn leider nicht immer). Bei Orchcstermusik war man nicht immer so vorsichtig. Aber alles in allem konnte der Hörer zufrieden sein. Auch wenn er auf Unter- haltungsmusik erpicht war. Die lebt zwar noch immer gern von klassischen und anderen Schlagern, doch sie hat durch ihr Programm ini vergangenen Jahr häufig bereitwillig anerkannt, daß es auch mit weniger„Abgedroschenen" geht. Auch das, was sich für den Hörer als„Literarische Ab- tcilung" der Funkstunde darstellt, hat einige beachtenswerte Posten auf seiner Kreditscite. Die sogenannten„literarischen Querschnitte" waren oft nicht mehr als Experimente oder Unterhaltungen für literarisch Gebildete. Aber es lohnte sich doch, einiges Interesse dafür aufzuwenden. Es steckt Entwicklungsniöglich- tcit darin und, wie es scheint, bei den maßgebenden Stellen auch die Erkenntnis dieser Möglichkeit. Daß man mit gutgefügtcn Hör- bildcrn aus seinen Werken einen Dichter volkstümlich machen kann, ohne daß es dabei nötig ist, charakteristische Züge zu retuschieren, bewies am gelungensten wohl der Querschnitt aus Z o l a s„Ger- ni i n a l". Ob die Veranstaltungen„Aus dem Leben Mozart s". für die Dr. Erich Fortncr verantwortlich zeich- iictc, von dem musikalischen oder von dem literarischen Ressort der Funkstunde verwaltet wurden, weiß ich nicht. Sie dürfen aber in dieser Aufzählung nicht vergessen werden, da sie zu dem besten ge- hören, was die Funkstunde überhaupt an volkstümlichen Dar- bietungen brachte. Mit den einfachsten Mitteln, ohne wesentlichen künstlerischen Auswand und erst recht ohne alles künstlerische Getue wurden sie hingestellt: das Geheimnis ihrer Wirkung lag in dem Verständnis und der Liebe, die Dr. Fortner nicht nur für Mozart, sondern auch für seine Hörer aufbrachte. Daß es unter den Vorträgen viele gab, auf die man nicht gern verzichtet hätte, muß festgestellt werden. Leider ist die Ein- schränkung nötig, daß auf viele allerdings auch sehr gern zu vcr- zichten gewesen wäre, auch auf manche, die unter recht verheißungsvollen und sogar„aktuellen" Titeln segelten. Gartenbaudirckior L e s s e r und Justizrat H e i l f r o n haben ihre Rundjunkpopulorität leider noch mit keinen anderen Vortragenden zu teilen. Ntzr, in oer Jugendstunde ist hier eine Entdeckung gelungen: nciu, zwei. Dr. U e b e r a l l. der der Jugend die Wunder der Welt nahebringt, hat in dem Kunstgelehrten Dr. Franz Osborn einen Kollegen gefunden, der, wenn auch nicht immer, so doch meist den richtigen Ton findet, um den jungen Berlinern das Bild ihrer Vaterstadt anschaulich und zu eigenen Entdeckungen lockend zu zeigen. Nun ist in diesen Zeilen schon das Wort„a k t u c l l" gefallen, und dazu gibt es eine Menge zu sogen. Nicht immer gutes. Aber es soll damit wenigstens begonnen werden. Die Einführung der „S t i m m e zum T a g" ist zu begrüßen. Nicht immer die Aus- führung. Zehn Minuten aktuelle Betrachtungen täglich haben nur Sinn, wenn in ihnen wesentliches gesagt wird. Sanft säuselnde Ergüsse über vergangene oder gegenwärtige Belanglosigkeiten ent- werten diese Einrichtung und rauben ihr die Resonanz bei den Hörern. Es müssen ja nicht immer Haupt- und Staatsaktionen>n diesen Minuten angeschnitten werden, obwohl es sicher recht wirkungsvoll sein kann, durch einen richtig gesetzten Akzent einen kleinen charakteristischen Ausschnitt davon herauszuweisen. Das scheinbar Belanglose, das Alltägliche aber kann dieser Veranstaltung niindestens ebenso wichtige Themen liefern. Die Wirklichkeit besteht für den Durchschnittsmenschen aus Alltäglichem. Wie er es sieht und erlebt, das bestimmt nicht nur fein Leben, das formt auch die Welt, die ihn umgibt. Und wenn diese zehn Minuten lehren, mit ungetrübtem, klare» Blick Alltäglichkeiten zu begreifen, so sind sie aktuell und wertvoll. Doch die Funkstunde, die so oft chrcn Willen zur Aktualität betont, bleibt gern den Beweis dafür schuldig. Allzu nahe Bc- rührung mit den Stürmen der Welt liebt sie nicht. Distanz davon scheint ihr für die zarte Konstitution ihrer Programme geboten. Sie sind, im ganzen betrachtet, ja ein bißchen schwächlich, und die weiten Wege durch die Korridore des großen Funkhauses scheinen ihrer Blutarmut nicht gerade entgegenzuwirken. Wir wallen hoffen, daß das Berliner Funkpragrnnim sich von dieser Schwäche doch allmählich erhalt und ein bißchen robuster sich in das Leben, in unser Leben wagt, das von stiller Sinnigkeit heute meist recht weit entfernt ist. Nur ein Stichwort sei in diesem Zusammenhang noch gegeben: aktuelles Kabarett. Oft versprochen, ober leider bisher nie gebracht. Hoffentlich kommt es im neuen Jahr. Still und finnig wird es allerdings kaum zu machen fein. Es ist seltsam: je näher die Programmdarbietuugen des Berliner Senders der eigentlichen„R u n d f u n k k u n st" rückten, desto weniger Beifall lösten sie im allgemeinen bei den Hörern aus. Da nicht anzunehmen ist, daß ein grundsätzlicher Boykott sich gegen diese Veranstaltungen wendet, so müssen die Ursachen für diese Abneigung wohl in ihnen selber zu suchen sein. Man erkennt sie übrigens sehr leicht aus der Antwort, die man von einem naiven Hörer bekommt, wenn man ihn danach sragt, was nun eigentlich „Rundfunktunst" sei. Ich l?abc den Versuch häufig gemacht und dabei ausnahmslos die gleichen Resultate erziell: es wird nie aus- gesagt, was Rundfunkkunst ist, sondern nur, was sie nicht ist. Nach diesem Rezept sind nun ober auch die meisten dieser Darbietungen hergestellt. Man kann die Hörspiele nicht auf einer richtigen Bühne spielen, die R u n d f u n k k a n t a t e n nicht als Oper auf- führen. Breslau, Leipzig, auch Köln und Frank- f u r t haben auf dem Gebiete der eigentlichen Rundsunkkunst mit positiveren Leistungen aufzuwarten, wenn man auch den Kunstwert der einzelnen Veranstaltungen nicht immer auf der Goldwaage tarieren darf. Aber der Hörroum, seine akustischen Möglichkeiten und vor ollem auch seine Grenzen sind hier schon deutlich erkannt. In ciiker Anzahl gelungener Veranstaltungen, die auch die Berliner Hörer miterleben dursten, wurde aus akustischen Wirkungen Er- lebnis geiormt. Es gab auch Ucbertragungcn, die wenig oder nichts taugten: gercchterwcise muß das hier festgestellt werden. Die Deutsche Welle hat mit dem L c h r s p i e l ebenfalls Wege zum„funkischen" Ausdruck gefunden. Mit Kunst haben diese Veranstaltungen natürlich nichts gemein. Doch auch diese Dar- bietungen zeigen, in welcher Richtung die Gcstaltungsmöglichkeiten für Rundfunkkunst liegen. Das Lehrspicl der Deutschen Welle hat sich viele Freunde erworben, besonders in den Darbietungen in der„Stunde des'Arbeiter s", der für den Berliner Hörer- kreis einzigen wirklich aktuellen Veranstaltung der Deutschen Welle. Aber die Deutsche Welle wirkt ja hauptsächlich durch ein lehrhaftes Programm, das Tagesereignisse mehr wissenschaftlich kommentieren will. Außerdem hat sie auf die Wünsche und Bedürfnisse der in ihrem Hörer'reis überwiegenden Hörer aus der Provinz Rücksicht zu nehmen. Trotzdem gewinnt man bei einem Rückblick über das Programni des verflossenen Jahres den Eindruck, daß sich auch hier manche Veranstaltung hätte lebendiger und zcitverbundener gestalten lassen. Tos. Montax, 4. Januar: B c r 1! o. 16.05 Dr. Gustav Muskat: Heiluns kranker Gelenke durch Licht und Sotpte. 16.20 Böhmische Klaviermusik. Erwin Schulhoff. I. Franz Lauska(1764— 1S35)* Sonate Es-Dur. 2. V. E. Koreluh(1738— 1814): Variationen. 3. Antou üeevarovsky(1754— 1S23I: Sonate F-Dur. 17.00 Neue Stimmen vor dem Mikrophon. Ltj.: Cornclis Bronseeest: amFlütel: Julius Bürser. 18.00 Dr. Hans Rosenher?: Wcltwirfschaftskrisen einst und fetzt. 18.20 Neue Lyrik Hermann Kasak.(Sprecher: Gerd Fricke.) 18.30 Oberstaatsanwalt B. Köhler: Interessante Strafrechlsfälle. 18.55 Die Fuuk-Stunde teilt mit..." 19.00 Stimme znni Taj. 19.10 Tanzabeud. 21.00 Taics- und Sportnachrichten. 22.15 Wetter-, Tascs- und Sportnachrichten. Könleswusterhauscn. 16.00 Klans Borries: Das Musikheim Frankfurt(Oder). 17.30 M. Dietrich-Troellsch; Vom Llrwcsen der Frau. 18.00 Dr. Herbert Just; Musizieren mit unsichtbaren Partnern. 18.30 Spanisch für Anfänser. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 Rei.-Rat Dr. Sncll: Prüiuns der Sortenechtheit und Sorlcnrclnheit der Kartoffeln. 21.10 Frankfurt: Aas hessischer Versanicnhcit. Hörbilder. 22.15 Räuscher: Zcimnzsschau. Verontwortl. für hie Rehnktiott: Sich. Keraftei». Berlin: einzeigen: Th-(Sloife. Sellin. Berloa: Sortnürts Verlag 6. in. I>. H., Berlin. Drnd: Bortnärls Buch- itudetei iinh SerlageanftoU Paul Singer Co., Berlin SS 58, Lmhenstr. 3. Hierzu 1 Beilage. (ßeiiage Montag, 4. Januar 1932 Dpr&iptu) SpnJoiiifnße Ja Ibwark Weihnachtsball auf dem Dorfe Erlebnisse einer Winterwanderung von Wilhelm Tietgens Wir warsn auf unserer leider schnccloscn Winterwandcrunq duräz den Fläming am 2. Wcihnachtstage vnn der Dunkelhcir überrascht warben und beeilten im?, das nächste Dorf zu erreichen. Ter Weg war für die müden Beine länger als wir dachten, bis endlich in der Ferne ein Licht aufblitzte und bald darauf die ersten chäuser erreicht waren. Es war erst 5 Uhr, doch das trübnasse Wetter und die vorzeitige völlige Dunkelheit ließen das Dorf wie ausgestorben erscheinen. So hatten wir Mühe, das Gasthaus zu finden. Gin unfreundlicher Empfang. Die vielköpfige W i r t s f a m i l i e faß in der nüchternen, unfreundlichen Gaststube beim Abendbrot. Unser Gruß wurde mit einem unverständlichen Gebrumm beantwortet— wir kamen offenbar ungelegen. Wir fragten nach Nachtquartier. Die Groß- inutter, eine noch nicht sehr alte Frau mit großem schwarz- wollenem Kopftuch und strengen Falten im Gesicht, sagte kurz„nein!" und aß hastig weiter. Glücklicherweise hatte die Großmutter nicht mehr das Regiment im chaxse. Der Wirt, ihr Sohn, hatte sich mit seiner Frau kurz verständigt und sagte auf unsere nochmalige Frage:„Das wird sich wohl einrichten lassen." So nahmen wir am Tisch neben dem Weihnachtsbaum, einer dünnen Kiefer mit bunten Glaskugeln und grünrotblaucn elektrischen Kerzen, Platz und warteten geduldig und bescheiden, bis die Wirtsfamilic fertig gegessen hatte. Erst dann erhielten wir nicht ohne Umstände zu essen und zu trinken. Und nun erfuhren wir auch den Grund des so merk- würdig ungastlichen Empfanges: Um ö Uhr sollte der langange- kündigte Weihnnchtsball, das große Ereignis des Dorfes, beginnen! Die eifrigen Vorbereitungen und mehr noch die gc- spannte Erwartung hielten die Wirtslcute in Atem und erlaubten ihnen nicht, sich„fremden" Gästen zu widmen. Wir waren also wirklich höchst ungelegen gekommen und merkten es auch später an unserem mehr als primitiven Nachtquartier. Nun wir aber aufgenommen waren, und mit Rücksicht auf die erwarteten Festgästc— wunschgemäß!— sehr schnell gegessen hatten, freuten wir uns, ein so seltenes Fest mitzuerleben. Ein Weihnachtsboll in einem stadtfcrncn, nur wenige hundert Einwohner zählenden Dorf war sicher ein Abend voller Ueberraschungen, und unsere Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Vorerst war aber kaum etwas von den kommenden Ereignissen zu sehen— oder war unser Auge für diese Dinge noch nicht ge- schärft? Richtig, der Saal nebenan war geheizt, und hinter dem Schanktisch stand schon eine große blaue Schüssel mit Spülwasser. Die große Anzahl Likör- und K a g n a l s l a s ch c n, die alle nollgesüstt in doppelter Reihe im Schrank hinter dem Schanktisch standen/ und von denen jede cirffu Gießkorken trug, damit beim schnellen Einschenken kein kostbarer Tropfen verloren ginge, war natürlich auch kein alltäglicher Bestand, sondern für„großen �su- spruch" hergerichtet. Jetzt verschwand der Weihnachtsbaum im Nebenzimmer, um den Tisch für Gäste sreizugeben, und ebenso ver- schwand das bunte Tischtuch, der einzige forbfrohe Fleck in der ganzen Stube. Wir sahen uns weiter im Räume um. Rohe Tische standen vor den Holzbänken, die in langer Reihe die Wände säumten, schmucklose lalle Wände. Im Saal standen nur die niedrigen cholzbänk« in langer, ununterbrochener Reche vor den weiß- gekolkten Wänden, kein Tisch, kein Stuhl, keine Freundlichkeit im ganzen Raum! Gleichgültig und unsagbar nüchtern, nur ans Geschäft hergerichtet logen die„Festräume", in denen sich die Dorf- jugend erfreuen sollte. Das Signal. Die Wirtin hatte eine weiße Schürze vorgebunden und, weil sie wohl mit Recht dem Ofen im Saal mißtraute, ein dickes Halstuch umgelegt. Der Wirt öfsncte eine große Verla ufsluke zum Saal und nahm die Glastüren aus dem Schrank heraus, damit er schneller die Likörslaschen erreichen konnte. Jizzwischen waren vier Musiker erschienen, olles Bläser, aber sie saßen noch mit dem Wirt am Ofen und tranken Bier von dem Vorschuß, den sie gleich erhalten hatten. So wurde es Vil lihr, als sie endlich ausstanden, um das Fest beginnen zu lassen. Sie stellten sich draußen vor der Haustür auf und spielten über die Dorsstraße zwei flotte Tanzweisen. Das war das Signal, das dem Dorf Leben brachte. Plötzlich kamen von überallher junge Männer, die auf diesen Auftakt sicher schon gewartet hatten. Sie standen um die Musiker herum und gingen mit ihnen in den Saal— wir mußten an den Ratten- fängcr von Hameln denken. Nach einer Weile, als die ersten Glas Vier getrunken waren, begann die Tanzmusik im Saal. Bold erschienen auch die jungen Mädchen, zu Dreien und zu Vieren oder mit der Mutter im großen schwarz-wallenen Kopf-. tuch. Als eine halbe Stunde verstrichen war. hatten sich Saal und Gaststube mit alten und jungen Gästen gefüllt, das Dorf schien bald versammelt zu sein. Das F e st kommt in Gang. Aber welch eigenartige, anscheinend von alters her überlieferte Gesetzmäßigkeit beherrschte die Festgäste!?>n der Gaststube saßen um einen Tisch dicht nebeneinander die alten Bauern, in dicker grüner Joppe und mit einer schweren Mütze auf. Sie saßen lange stumm und trocken beieinander und sogen an ihren Zigarren. Erst allmählich tauchten bei ihnen Spielkarten auf und brachten Getränke einige Lcbhastigkeit. Die jungen Bauern— das Dorf hatte nur mittlere, selbständige Bauernbctriebe— saßen im großen Kreis am Ofentisch und tranken Bier und Likör. Sie hatten olle in gleicher Art einen Hut auf, ihr lebhaftes Gespräch drehte sich um ihre Landwirtschaft. Am Schanktisch bei der Saaltür und im Saal an der Verkaufsluke standen die jungen Burschen in dichtem Haufen. Sie tranken fleißig Bier und noch fleißiger Kognak und Likör— der Wirt hatte gut zu tun. Hier herrschte bald lärmende Heiterkeit. Die jungen Mädchen hatten ihren Platz an der entgegengesetzten Wand des Saales unter der Empore. Sie saßen auf der langen Bank wie auf dem Präjentierteller. Bei jedem Tanz stürzten die Burschen in dichtem Knäuel darauf zu und halten sich eine Tänzerin, die sie alsbald wieder bei der Bank ablieferten, um zum Schanktisch zurückzukehren. Waren sie hier auch während des Tanzes beschäftigt— und das kam oft vor, ob- gleich die Trinkpausen länger waren als die Tänze—, so tanzten die Mädchen allein, nur hin und wieder blieb eine als einsames Mauerblümchen vor der weißgckalktcn Wand sitzen. Die ält-t� en und alten Frauen des Dorfes saßen an den Wänden Äm den Ofen, olle in dem dicken schwarzen Wolltuch. Sie beobachteten still und anscheinend wunschlos das Treiben der Jugend. Jüngere Frauen, die zu den Jungbauern in der Gast- stube gehören mußten, waren aufsälligerwcise nicht da, die mußten wohl zu Hause bei den Kindern bleiben. So war daz Dorf, von den Kindern abgesehen, in sechs Gruppen geteilt, von denen jede ihren Platz und ihre Bewegungsfreiheit hatte, von ungeschriebenen Gesetzen bestimmt. In dieser festen Farm wurde das Fest ge- feiert, das große Weihnachtsereignis des Dorfes! Wir waren erstaunt, diese Stancheit und Strenge altüberlieferter Gesellschafts- und Gcnerationsteilung noch vorzufinden, wenige Stunden von der Großstadt entfernt. Hier lebte noch ferne Vergangenheit mit ihrem Autoritäts- und Unterordnungsprinzip, hier waren Revolutionen und Kampf um freie, selbstbestimmte Beweglichkeit wirkungslos vorübergegangen. Wenn diese Starrheit die einzelnen Generationen und Geschlechter der gleichgestellten Bauern trennte, welch ungeheurer Abstand mußte dann die wirtschaftlich Unglcicheu, mußte die.Klasse n vcnciNandcr trenne»! Und wie schwer muß in solchem Dorse politische Arbeit sein, wie leicht der Einfluß der Nationalsozialisten! Diese eine Bollnacht, völlig unpolitisch und neutral, sprach dcmwcki eine sehr politische Sprache, zeigte sie uns doch, in welcher Ideologie die Menschen gefangen sind. Erst nach Stunden, als der Alkohol seine Wirkung zeigte, als die Gesichter vor Hitze glühten und die Freude lärmend wurde, mischten sich zeitweilig die Gruppen und wich die Strenge einer falschen Vertrautheit. Jetzt wurde mich den jungen Burschen oft die Stube und der Saal zu eng, ihr Johlen und Singen füllte die Dorfstraße und reizte die Hunde, die mit lautem Gebell und Gekläff bis spät in den Morgen am Weihnnchtsball teilnahmen. A vi andere n M argen. Ain anderen Morgen lag wieder bleierne Ruhe über dem Dorfe. Zwei Burschen standen für kürze Zeit in der Gaststube und löschten ihren Brand. Mit lauter, heiserer Kehle erzählten sie sich von dem Fest und freuten sich über jeden, der„blau" nach Hause gewankt war. Ein zufriedenes Lächeln lag in den Zügen des Wirtes, die armselige Weihnachtsfeier der Dorfbauern hatte sich für ihn gelohnt. (JuSlae lUcypriuk: SDcr t'urfel vom IVefWcheu genfler Dieser Roman Gustav Meyerinks erschien bereits 1927. Jetzt liegt er in einer schönen Neuausgabe, erschienen bei Earl Schünne- mann Verlag, Bremen, vor. Man täte Unrecht, wenn man Mcyerink zu den Modeschriststellern zählen würde, die von der Zeit überholt und bcrcchtigterweise auch vergessen werden. Wenn auch das Interesse für das Werk Meyerinks in der Zeit unmittelbar nach dem Kriege, in der Zeit allgemeiner Verwirrung und Rat- losigkeit, größer war als heute, so liegt das keineswegs am Dichter. Die Flucht ins Dunkle, Abwegige hat aufgehört, die Menschen von heute suchen nach einem klaren Weg. Phantostik, Jrrealismus sind typische Erscheinungsformen der Romantik! ihr repräsentativster Vertreter war E. T. A. Hoffmann. Es wäre aber grundsätzlich falsch, zwischen diesem und Meyerink allzu aufsällige Parallelen zu ziehen. Gewiß hat sich die Form Meyerinks an E. T. A. Hossmann geschult, besonders fällt dies im vorliegenden Roman auf, dessen Inhalt aus verschollenen Aufzeichnungen rekonstruiert und in Be- Ziehung zur Gegenwort gebracht wird. Auch der große Satiriker und Ironiker Hosfmonn ist nicht ohne Einfluß aus Meyerint ge- blieben. Aber was bei Hosfmonn neckischer Zauberspuk und Mumnienschonz ist, tobt sich bei Meyerink als wilde infernalische Walpurgisnacht aus. Er selbst ist ein Magier, der es versteht, um seine Leser einen Zauberkreis zu ziehen und sie in einen Bann atemberaubenden Nacherlebens zu versetzen. Wenn auch sein „Golem", sein„Grünes Gesicht" oder die„Walpurgisnacht" unver- gleichlich stärker sind als„Der Engel vom Westlichen Fenster", so ist, auch dieses Werk von einer zwingenden Gestaltung und von der besonderen Eigenart seines Dichters, der wie wenige Spannung und Tief« gleicherzeit zu schqssen versteht. Diesmal ist es ein Gegen- und Jneinanderfpiel von Historie und Gegenwart. Die Historie begibt sich teils im Elisobethanifchen Zeitalter in England. teils in Prag unter Kaiser Rudolf. Der Held, Alchimist und Politiker, Günstling Elisabeths und später Rudolfs, dem er das Geisterreich erschließt, sucht nach dem Stein der Weisen, erfüllt sein Schicksal in einem seiner Nachfahren, der in unserer Zeit lebt, und bestimmt damit auch das Schicksal dessen, der in der Auf- findung der Aufzeichnungen seines Urahns die Vergangenheit nochmals zum Leben erweckt. Es ist ein In- und Durcheinander- dringen zweier Welten, einer sichtbaren und einer unsichtbaren, Ver- gangenheit und Gegenwart verknüpfen sich zu unentwirrbaren Knoten, die Fragen des Lebens bekommen ihre Antwort aus einer fremden, ungeahnten, aber trotzdem furchtbar nahen Welt. kstieclridl Liditucker. Lack INVENTUR-AUSVERKAUF VOM 4.-16. JANUAR Farb.Spang.-Schuhe, auch Schnürschuhe, �45 modern kombiniert Schwarz echtBoxhalf- Spangenschuh-- Jt 65 und doch nur......."T Eleg. Spang.-Schuhe iwarzvel in schwarz modern kombiniert elourled. 45 Nette Mädchen- Spangenschuhe� 95 in schwarz Cr.?7-30jJm Cr. 31-35 3.45 Moderner schwarzer M 5 Herrenschuh......... Dto. in Lack...5.90 Dto. in braun..5.45 Orig. Good. Welt Elegante Herren- s c h u h e in schwarz u. braun echtBoxkalf,Tr90 sowie Lack......... w Orig. Good. Welt Herrenstiefel inQ45 schwarz echt Boxkalf W Solid. Knobenstiefel— rä3 Prakt. schwarz. Damenschuh. Dto. in braun u. 3.85 Eine Sensation! 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Das erzielte Resultat von 1: 1 entspricht vollkommen dem Spiel- verlauf, wenn auch die Reinickendorfer zeitweise etwas überlegen waren, Die Reinickendorfer hatten Anstoß. Ganz kurzes Zusammen- spiel des Innensturms und bevor die Luckenwalder an ein Ein- greifen denken konnten, lag der Ball bereits im Netz. Doch der schnelle Erfolg wurde nicht anerkannt, der Schiedsrichter entschied „Abseits". Im schnellen Tempo ging es nun von einem Tor zum andern Bald waren die Luckenwalder im Vorteil, bald Eintracht. Einige Ecken, von denen Eintracht vier und Luckenwalde drei er- zielte, brachten nichts ein. War bei den Luckenwaldern der Tor- wart das unüberwindliche chindernis, so kamen die Stürmer selten an der Reinickendorfer Verteidigung vorbei. Gelang es aber doch einmal, so zeigte sich der Eintracht-Torwart von der besten Seite. So endete die erste Halbzeit torlos. Immer gefährlicher wurden in der zweiten Halbzeit die beiderseitigen Angriffe. In der II. Minute ging Eintrachts Rechtsaußen allein durch: schon lag das Wort„Tor" auf aller Lippen, da schoß er den Ball neben den Pfosten. Der Gegenangriff Luckenwaldes endete ähnlich, nur war hier der Linksaußen der Sündenbock. Doch in der 20. Minute kam das Verhängnis. Wieder war es die rechte Seite Luckenwaldes, die sich glänzend an der Verteidigung vorbeigespielt hatte. Einen nicht allzu scharfer Schuß des Halbrechten konnte der Torwart wohl halten, beim Hinwegbefördern warf er ihn jedoch hinter sich ins eigene Tor. 1: 0 für Luckenwalde?. Jetzt setzten die Reinicken- dorser alles auf eine Karte. Der linke Verteidiger ging mit in den Sturm, Luckenwalde verteidigte mit 5 Mann. Galt es doch für die Luckenwalder, den Vorsprung mit aller Gewalt zu halten und für Eintracht, das Unentschieden wieder herzustellen. Da sollte den> Reinickendorfern das Glück in Gestalt eines Elfmeters blühen. Der sonst so sichere Elfmeterschütze setzte an— und der Ball landete meterhoch über dem Tor. Damit schien das Glück für Eintracht dahin zu fein. Wohl lagen sie meist vor dem Tor der Luckenwalder, allzugroße Kombination und der lange Torwart ließen es jedoch zu keinem Erfolg kommen. Wieder arbeitete sich der Halblinke Ein- trachts in der Luckenwalder Verteidigung fest. Eine Lücke zwischen beiden Verteidigern nutzte er zu einem Schuß aus, und unter dem Jubel des Eintrachtanhangs war zehn Minuten vor Schluß der Ausgleich hergestellt. Damit war das Spiel enrschieden. Der Eishagcl, der dann auf Zuschauer und Spieler herniederging, ließ ein genaues Zuspiel nicht mehr zu. So endete ein wirklich schönes und flottes Spiel zur Zufriedenheit aller. Da nun beide Mannschaften wieder punkt- gleich stehen, macht sich ein nochmaliges Zusammentreffen notwendig. Wann und wo dieses Spiel stattfinden wird, steht noch nicht fest, es wird aber aller Voraussicht nach am 17. Januar stattfinden.— Das Vorspiel erledigten die Iugendmannschaften von Eintracht- Reinickendorf und Vorwärts-Wedding. Die Eintrachtler konnten nach flottem Spiel mit 2: 0 gewinnen. Den ersten Tag im neuen Jahr benutzten Minerva 28- Neukölln und Britz 8 8 dazu, sich im Klubkampf zu messen. Ilm es vorweg zu sagen: die Neuköllner haben mit etwas Glück beide Spiele gewonnen. Das Spiel der ersten Mannschaften konnte genau so knapp von Britz gewonnen werden, wie es von Minerva ge- wonnen wurde. Mit dem Resultat 2: 1 mußten sich die Neuköllner begnügen. Schuld hieran hat der Sturm, der die unmöglichsten Sachen schoß. Merkwürdig war hierbei, daß die Stürmer wohl das bedeutend kleinere Tor der Hockeyspieler, das neben dem Fuß- balltor stand, fanden— nicht weniger als zwölfmal schoß der Links- außen den Ball hier hinein—, das große Fußballtor fanden sie aber nicht. Das sich der Britzer Torwart über diese Rücksichtnahme freute, kann man sich vorstellen. Den Kamps der zweiten Mann- schaften, den auf feiten Minervas der Sturm der ersten Jugend- Mannschaft austrug, gewannen die Neuköllner sicher mit 4: 0. Hier war Minerva jederzeit überlegen.— Lichtenberg II spielte gegen die zweite Mannschaft Eintracht-Reinickendorf. Die Lichtenberger konnten bereits noch zehn Minuten Spielzest mit 1: 0 in Führung gehen. Das sollte aber auch der erste und der letzte Treffer der Lichtenberger bleiben. Mehr und mehr konnten die Reinickendorfer die Oberhand gewinnen und mit 6: 1 blieben sie schließlich verdiente Sieger. Den Reinickendorfern wäre zu empfehlen, bei solchen Spielen die Spieler der zweiten Mannschaft spielen zu lasten und nicht mit Leuten der ersten Elf anzutreten. Ilneutschiedeues Ergebnis um die südbayerische Meisterschaft. Freie Turnerschaft-München und Vorwärts-Augsburg trennten sich nach zweimaliger Spielverlängerung mit 1:1(1: 0). München kam nicht recht in Fahrt und wurde zeitweise von 2lugsburg stark bedrängt. Im Gegensatz zu den übrigen Mannschaften des Augs- burger Bezirkes kämpfte Vorwärts mit großer Energie und Wucht. Das Spiel wird nochmals stattfinden. Internationaler Fußball. Eine von den Vereinen Wacker- Hannover und Hannover-Kleefeld zusammengestellte Mannschaft spiette in Belgien mit wechselndem Erfolg. Sie gewann in Nenai; 3: 2 und verlor gegen Union-Mouscron 2: 5 und gegen Red Star-Tournai 1:S. Köln-Mülheim spielte ebenfalls in Belgien und trennte sich in Tournai mit 2: 2. Gegen Ath verlor Köln 1: 3. Rasensport Bramsche(Oldenburg) hatte Almelo(Holland) zu Gast und siegte 4: 2. Berliner Handball und Hockey fiel aus Alle für den gestrigen Sonntag angesetzten Arbester-Handball- und Hockeyspicle fielen der Witterung zum Opfer, die die Plätze spielunfähig gemacht hatte. Arbeiter~Wa$serball~Serie ünion-Neptun 6:3/ Neukölln-Lichtenberg 3: 1 Mit einem neuen Sieg festigte Union seine gute Stellung in dar Tabelle. Neptun trat seinem Gegner mit einer durch Nachwuchsspieler vorteilhaft verstärkten Sieben gegenüber und hielt das Spiel in den ersten vier Minuten völlig offen. Union zeigte sich dann allmählich durch gutes Zuspiel im Angriff leicht überlegen und erzielte auch das erste Tor. 2:1 für Union stand es zum Seitenwechsel. In der zweiten Hälfte war Union durch glückliche Ausnutzung einiger Schwächen der Weißenfeer Verteidigung noch viermal erfolgreich, während sich Neptun mit 2 Gegenerfolgen ab- finden mußte. Technisch waren sich die Mannschaften gleichwertig. Union hatte den nicht zu unterschätzenden Bortell der spielerfahrenen -Mannschaft, der allerdings im Resultat etwas zu hoch zum Aus- druck kommt. Neptun- hat mit der neuen Mannschaft bei dem nötigen Training noch gute Aussichten. Ein spieltechnffch mäßiges und etwas körperlich durchgeführtes Spiel gab es am Sonntagabend zwischen Neukölln und L i ch- t e n b e r g, das überraschend von Neukölln gewonnen wurde. Am systemvollen Spielaufbau mangelte es auf beiden Seiten und einige gute Leistungen einzelner Spieler vermochten den mäßigen Ein- druck dieses Spiels nicht zu ändern. Lichtenberg zeigte eine seiner schwächsten spielerischen Leistungen überhaupt, von dem gewohnten flüssigen Zuspiel war wenig zu spüren. Alle Tore fielen aus Kämpfen knapp vor dem Tor. Der Schiedsrichter war dem Treffen leider nie recht gewachsen, der körperliche Einsatz, der die Folge des teilweise planlosen Spielens war, hätte unbedingt unterbunden werden müsten. Ab(*esaKter Wintersport Der Winter bringt nnr Regen Das plötzlich fast überall eingetretene Regenwetter hat die Aus- tragung beinahe aller für Sonntag vorgesehenen Wintersport- Veranstaltungen unmöglich gemacht. So fielen die Kon- kurrenzen im Erzgebirge(Johann-Georgenstadt, Neuhausen, Eisen- stein) aus, die bayerische Eishockeymeisterschaft wurde auf den 6. Januar verlegt, im Riesengebirge mußte alles abgesagt werden, auch die in Bad Reinerz vorgesehenen Eröffnungsskispringen konnten nicht ausgetragen werden. Das gleiche Schicksal erlitten die auf der neuen Bolgenschanze in Davos vorgesehenen Sprungwettkämpfe. Auch die österreichische Meisterschaft im Damenkunstlauf konnte nicht zu Ende geführt werden und soll nun am Montag zum Austrag kommen. Lediglich der traditionelle Rennsteiglauf vom Insel- berg nach O b e r h o f über 33 KUometer wurde am Sonntag trotz strömenden Regens gestartet. Bon 101 gemeldeten ging noch die stattliche Zahl von 85 Bewerbern an den Start, von denen nur vier vorzeitig ausschieden. Der deutsche ö0-Kilometer-Meister Erich Marx-Friedrichroda lief ein überlegenes Rennen und siegte in 2:25:00,2 gegen Otto Wahl(Zella Mehlis) mit 2:29:00,7, Greiner- Willibald(Lauscha) mit 2:34:19 und Haertner-Lauscha mtt 2:35:34. Deutsche Kunstlauf-Meisterschaften Unter wenig günstigen Wttterungsverhältnissen gelangten am Wochenende auf dem idyllisch gelegenen Rießersee bei Garmisch die Deutschen Meisterschaften im Eistun st lausen für Damen, Herren und Paare zum Austrag. Das über Nacht einge- tretene Tauwetter hatte Regen mtt sich gebracht, da das Eis aber hart genug war. beschloß man, doch noch die Kürlaufen zu, er- ledigen, nachdem die Pflichtübungen schon am Sonnabend bei gutem Wetter ausgetragen worden waren. Bei den Herren spitzte sich die Entscheidung erwartungsgemäß zu einem Duell zwischen dem Ttteloerteidiger Maier Labergo-München und dem Berliner Olympiakandidaten Bayer zu, die fast gleichwertige Leistungen zeigten. Bayers Leistungen wurden zwar mtt einer höheren Punkt- Ziffer bewertet als die des Müncheners, doch gab die bester« Platz- ziffer den Ausschlag zugunsten von Maier Laberg o. Die Meisterschaft der Damen holte sich Fräulein Michaelis- Berlin, die in den Kürübungen sich einen klaren Vorsprung vor der erst dreizehnjährigen Münchenerin Herber sicherte. Sehr knapp war auch der Ausgang der Paarlaufmeisterschaft, die bei Punktgleichheit zugunsten von Fräulein Hempel-Weiß mtt Platzziffer 7 gegen das Ehepaar Krümling-Berlin mtt Platzziffer 8 entschieden wurde. Füßen gewinnt Leineweber-Pokal. Das am 1. Januar in Füßen begonnene Eishockeyturnier um den Leineweber- Pokal wurde am Sonntag mtt dem Spiel zwischen den beiden Berliner Mannschaften Preußen und Sportverein 92 abgeschlossen. Preußen siegte überlegen mtt 4:0(2:0, 2:0, 0:0), erreichte aber dadurch nur Punktgleichheit mtt dem Eislaufverein Füßen, der durch fein besseres Torverhältnis den Turniersieg davontrug- Kleiner Spurt von überall Holle». handballlurnier in Verlin. Das voin Verband Branden- burgifcher Athletik-Vereinc am Sonntag in der Wilmersdorfer Tennishalle zur Durchführung gebrachte Handball-Turnier sah den Polizei SV. über die sich gut hallende Terest-Mannschaft mit 12: 8(5: 4) siegen.— Bei den Frauen gab es im Endspiel einen überaus harten Kampf. Erst nach Verlängerung siegte der SC. Charlottenburg mtt 4: 3 gegen den Berliner Sport- klub. Bei regulärem Spielschluß stand es 3:3, bei der Pause 2: 1. Deutschlands Boxsieg über Dänemark. Der 7. Länderkampf im Boxen zwischen den Amateurmannschaften von Deutschland und Dänemark, der am Sonntag in Dortmund zum Austrag gelangte, hatte nicht die erwartete Anziehungskraft ausgeübt. Trotz- dem beide Parteien in stärkster Besetzung antraten, waren nur etwa 3000 Zuschauer erschienen, so daß die geräumige Arena große Lücken aufwies. Die deutschen Vertreter schlugen sich ausge- zeichnet, sie erzielten mtt 12:4 Punkten einen so klaren G e- s a m t s i e g, wie er gegen die Dänen in den voraufgegangenen sechs Treffen noch nicht errungen worden war. Lediglich der Weller- gewichller Kartz-Oberhaufen, der gegen den schnellen Dänen Carl F. Jensen viel zu unbeholfen war, und der Berliner Ueberschwer- gewichtler Ramek, der trotz 45 Pfund Uebergewicht gegen den tech- nisch und takttsch weitaus besseren Europameister Jacob Michael- s e n nichts zu bestellen hatte, wurden nach Punkten geschlagen. Auch die sechs deutschen Erfolge kamen durch Punktentscheidung zustande. Dr. Edmund Rumpler SO Jahre. Der bekannte Konstrukteur Dr. Edmund Rumpler feiert am 4. Januar seinen 60. Geburtstag. Besonders durch die Rumpler-Taube und das Tropfenauto hat sich der als Flugzeug- und Automoblltonstrukteur gleich hervorragende Jubilar einen großen Namen gemacht. Er war auch längere Zeit technischer Direktor der Adler-Werk« und der Daimler-Motoren- gesellschaft._ Aus den Boxringen Earuera— Bouquillou abgeblasen. Bei der Lizenzerteilung den Boxriesen Primo C a r n e r a macht der italienische Verb ernstliche Schwierigkellen, die jetzt sogar einen Mann wie Jeff Dickson gezwungen haben, den für den 11. Januar nach Paris anbe- rauntten Kampf zwischen Carnera und Bouquillon vorläufig abzu- sagen. Trotz einer schon geleisteten Anzahlung ist Carnera dem italienischen Verband für verhängte Strafen immer noch mehr als 60 000 Lire schuldig, und der ttalienische Verband hat der Inter- nationalen Box-Ilnion die Mitteilung zugehen lasten, daß er dem Boxriesen erst eine Lizenz erteilen werde, wenn diese Schuld restlos getilgt ist._ ZTGB., Bezirk Charlotte Ilbilig. 1. Turnabend der Männer, und Jugend» abtcilung Tonnerstag, 7. Zanuar: der Frauen, und Iungmädchen Freitag. 8. Januar; der KinderabteUunaen Donnerstag. 7. Januar,«onnabend, 16. Ja- nuar, ISIVa Uhr, Vcreinsgencraloersarnmlung Bei Iamin. BSC. Vlerteljahrcsversammlung Dienstag,.>. Zanuar, bei Schröder, Neu- lolln, Steinmetzstr. ö2. Das Hallentraining beginnt wieder: fllr Männer und Jugend Freitaa. 8. Januar, Treptow, Neue Krugallee 18. Dienstag, 8. Januar, Neukölln, Weifestr. 20; fllr Frauen Donnerstag, 7. Januar, Neukölln, Weife- ftraße 20. FS®«., Bezirk»arleharst. Di- Frauenabteilnng nunmt den Uebnugs. betrieb an, 5. Januar in der Bereinsturnhalle. Treskowalle« 44, wieder auf. Freie Schwimmer Zehlendarf. Uebungszeit wie folgt geändert: Schwimmen: Jeden Dienstag ab 2194 Uhr in der Badeanstalt der staatlichen Bildungsanstalt, Berlin. stichterfelde, Zehlendorfer Straße.— Ergänzungs. und Hallensport: Jeden Donnerstag von 20—22 Uhr Roidfchule, Potsdamer Str. 7.— Handball: Zur Bervollständigung der Frauen., Männer, und Iugendmannschaften werde» noch Spieler aufgenommen. Die Surfe fllr Mchtschwimmer finden jetzt laufend statt. Foritstr. 5. Freie Schwimmer Ch-rl-tt-llbnrg, Kannabteilnng. Jahresversammlung am ö. Zanuar, 20 Uhr, bei Germar, Saiser.Friedrich.Str. 13. Kartell für Arbeitersport und Sörperpslege, Charlottenburg. Dienstag. ». Januar, 20 Uhr, Delegicrtensitznng bei Adler, Kaifer-Friedrich. Ecke Srlln. ftraße. Sttatt Ihcalcr Montag, den 4. Januar staatsopor unter esn Linden 20 Uhr Cavalleria iiutitana- Bajaui MUdiautgiilluus 'jHdrmenmjrki. 20 Uhr Schiller-Theater Lhirlottenburg. 20 Uhr Oatterich ToiKsblihne Mer am BülowDlatz 8 Uhr Die firoBberzogin von Beroisiein Staat!. SdiiUir-Ditatii 8 Uhr Datterich Staatsoper Unter den Linden 8 Uhr Cavailerta rosflcana Bojazzi Theater 4M Nollcndorlplao äzie: Heilt Seltnbgr; Pallas 7051 Täglicji Sstt Uhr $igs auch 4'!» Uhr fiasparone Sfädt.oper Charlottenburii dismarcfcstraBe 84 Montag, 4. fanuar Volksvorsteltung