Morgenausgabe Oiensiag 49. Jahrgang ▲ A A V/ 5. Januar 1932 A aV Ji! Groß.Äerlln 10 Pf. W!M MM WTZE W W W M WMMNl � � Auswärts pf. ins K-IUS) w> voraus zahlbar. HW»»W MW MM Lgx WM RH|B RS KjH HB Jr/ WH\ Pafibrzug SL7-mschlicßlich so Vf. �MW IL-IH HB HT�HBH B B BUnB Bf � xik elnipalt. Nanpar.m.z-Il. bo Pk. Po'lzkitunk,-- unb 72 Pf'Pastb-strlla-. BMW B B B B B Wg B B B W) B| // Scflouiczfile 5,— STO.„Kleine«n- buhren.Ausl°ndsab°nnem-nt»�hÄ. WS HB W BHB B W Sts rsi«M'■ iKW. zeigen" da- s-ttg-dru�t- Wart-5 Pf. pro Monats für Lander nnl ermäßig. V«H I B B B B B«. BL Bl B BS Qd W lzulässig ,w.i s.Ng.dnnkt. Wortei. I.de. teai Druilsachenporio 4>SS M. BAI I DM B W» ÄÄX JWLyfiA. JH. H/ weii-r- Morl 12 Ps. Radau lt. Ta,n. * HH I HB JCTL�Njg�> � �HH\ DM Jy Hfl St-llcnz-suibe dos erste Wort lb V>„ H�!v � f �W\/ MM»� JM8t\ yy HB jedes weitere Wort lOPf. Worte über Der.Talwärts' erscheint wochenläa. HB> A' W Ii Buchstaben zählen für zwei Worte. llch zweimal, Sonntags und Montags Arbeltsmarkt Zeile ül> Pi. Familien» einmal, die Abendausaabe für Berön M----_-«« V �--- anzeigen Zeile 40 Pi. Anzeigenannahme vnd im Sandel mit dem Titel.Der � Fi � � A. IfltflÜ a 1» � Ä. M. im Hauptgeschäft Lindens, rohe l>. machen. Abend", JM�eonn�sbeilag. I�IIIEBDIÄIS Der Ä beWtch'bÜJ Rech, der � V V V V V V rW Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor l Jenteawvgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands I»>>BBBBWBHMBHBMHHBBHWBBBBBBBBBBHHBBBBVBHBBHBHBWBBBBBBBBBH�BBBHBBBBBBHBB�BBB»BBBBHBBBBBBBBBHBHBBHBBBBBBBfBHBHWBHH�BBBBH�HWBBBfW�BBH��BHN»f�HHB»»RvMHMN»�� Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Llndenstr. 3 siernspr.. Dönhoff(A Tt 292—297. Tclcgratnm-Adr.: Sosialdemokrat Bcrlilt. Der Gauvorstand Verlin-Vrandenburg des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold traf gestern zu einer Sihung zusammen, um die nach Ablauf dez weihnochissriedens erforderlichen Rlagnahmen zu b"schlief; en. In der Sihung kam erneut der ungebrochene Kampfeswille des Reichsbanners zum Ausdruck. Die Reichsbannerarbeit, insbesondere die technische, wird in geeigneter Form mit unoer. minderter Energie fortgefehl. Mit besonderem Rachdruck sind über- all die für die Bildung der Eisernen Front erforderlichen Mahnabmcn durchzuführen. Reben diesen internen Arbeiten tritt das BcrNncr Reichsbanner mit einer Reihe großer politischer Aktionen zum Angriff an, deren erste am kommenden Freitag unter der Parole„Unser der Staat— Unser die Macht— Mit greifen an!" stattfindet. Lokale und Redner werden noch bckaunlgegebca. Sv Versammlungen in der Nordmark. Kiel, 4. Januar. Die Sozialdemokratische Partei, der ADGB., der AfA-Bund, der 21225., des Sportknrtell und das Reichsbanner von Schleswig- Holstein halicn zum Jahreswechsel einen gemeinsamen Aufruf er- lassen:„1932. Wir greisen an!" Die Ileberwältigung des F a I ch i s in n s wird darin als das nächste gemeinsame Ziel be- zeiAnet. Den Auftakt zum neuen Äampf bilden 50 Versammlungen, von denen 20 heute abend stattsanden, 20 morgen, 10 übermorgen abgehalten werden. Redner sind Luise Schröder, Biester, Drccour, Toni Jensscn, Richter, Bugdahn, Verdick, Pcters-Hochdorn, �ürgcnsen. und zahlreiche andere Genossen aus Schleswig-5zolstein. Funktionärversammlungen der SPD. in Schlesien. Görlitz, 4. Januar.(Eigenbericht.) 3n R i e s k y, L a ub a n, Landeshnt, Liegnih und R c u f a l z wurden gestern fünf große von über 2000 FunkKo- ncrcn der Sozialdemokratischen Partei besuchte Ta- gungcn abgehalten, bei denen u. a. die Mitglieder des Parleivor- ftandeg Dittmann. Erispien und Vogel und die Reichstags- abgeordneten Tornow und heinig sprachen. 3n allen Versammlungen wurde eine Entschließung angenommen, die er- klärt, die Arbeiterklasse werde den Kampf gegendenFaschis- mu s mil dem Einsah aller Kräsie energisch sorlseheo.„Die Teil- nehmer der Konserenz— so schließt diese Resolution— rufen allen Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Feinden der Arbeiterklasse zu: wir beugen, uns nicht, wir kämpfen." 3m übrigen wird neben prinzipiellen Forderungen zur Völkerverständigung. zur lleberwlndung der wirtschastskrise usw. auch von der Preissenkungsaktion der Reichsregierung gesprochen und gesagt, die Arbeiterschaft erwarte die Einlösung des Versprechens, die Senkung der Preise den Lohnsenkungen anzupassen. Aeliestenrai am-12. Januar. Vorzeitige Neichötagseinberufung unwahrscheinlich. Reichslagspräsident Lobe hat den A e l l e st e o r a l des Reichstages für Dienstag. den 12. 3anuar. 11 llhrvor- mittag», einberufen, um eine Entscheidung über den neuen An- trag der Kommunisten auf vorzeitige Reichslagseinberufnng herbei- zuführen. Angesichts der internationalen Lage und der f ch w e. b e n d e n und bevor st ehenden internationalen Verhandlungen wird in parlamentarischen Kreisen angenommen. daß der Antrag auf vorzeitige Einberufung des Reichstags auch diesmal keine Mehrheil finden wird. Best-Versahren geht weiter. Nationalsozialistische Falschmeldung. Tie von nationalsozialistischer Seite aus Hessen ver- breitete Meldung, daß das Hochverratsverfahren gegen den Verfasser der Boxheimer Dokumente, Assessor Best, eingestellt worden sei, entspricht nach einer Mitteilung des Reichsgerichts nicht den Tatsachen. Tie Ermittlungen werden vielmehr fortgesetzt. Be- auftragt mit dem Verfahre» ist der zum Untersuchungs- richtcr ernannte Reichsgerichtsrat Zöllner. 2300 USZÜ-vanken geschlossen. 9iüch einem dem Repräsentantenhaus zugegangenen amtlichen Bericht hoben über 2300 Banken mit zwei Milliarden Dollar Einlagen in dem am 31. Oktober zu Ende gegangenen Jahre ihre Schalter geschloffen. Die Finanz- tommiision oes Senats, die eine Untersuchung über die auslöirdi- schen Änleihe-Emissionen der amerikanischen Großbanken sührt, stellt fest, daß die Banken seit Kriegsende mindestens 200 Millionen Dollar an diesen ausländischen Anleihen verdient haben. Voslscheckkonio: Berlin 37 520.— Bankkonlo-BankdciArbellcr.Ängeltellien und Beamten, Lwdcnstr. 2. Dt.B. il.Dltr.-Gcf., Depoftlenk., Lerufalemer Sir. 05,00. Die Arbeitsämter Berlins Ist eine Umorganisation notwendig? Von Varl Ltoglo. Seit Bestehen der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung hat die Hauptstelle mehrfach die Organisation der Berliner Arbeitsämter einer Prüfung mit dem Ziel einer Veränderung der Organisationsgrund- läge unterzogen. Dabei kam es weniger auf die äußere Form der Organisation, als auf die Funktion des Llpparats in der Facharb ei tervermittlung und der Arbeits- losenversicherung an. Mannigfache Veränderungen oder ver- meintliche Verbesierungen wurden vorgeschlagen. Soweit es sich dabei um wirkliche Verbesserungen des technischen Zlppa- rats handelte, waren die Gewerkschafteen immer bereit, sie zu akzeptieren. Organisatorische Vorschläge aber, die auf eine Beeinträchtigung des gewerkschaftlichen Einflusses bzw. des schon sehr küinmerlichen Selb st verwaltungsrechtes hinausliefen, stießen auf ihren Widerstand. Das Problem der Berliner Arbeitsmarktorganisation war von jeher umstritten. In der letzten Zeit— vom 15. April bis 15. Juli 1931— hat der Reichssparkommissar die Berliner Arbeitsämter einer Prüfung unterzogen. Diese Prüfling erfolgte nur unter dem Gesichtspunkt der Spar- famkeit, nicht auch unter dem der Zweckmäßigkeit. In einem umfangreichen Gutachten von über 490 Schreib- Maschinenseiten ist das Ergebnis dieser Prüfung nebst Vor- schlügen für eine Ilmorganisation niedergelegt. Die Statistik. die einen besonders großen Umfang in dem Gutachten ein- nimmt, ist durchaus anfechtbar. Das Zahlenmaterial ist so zusammengestellt, wie man es eben braucht, um zu beweisen, daß in Zukunft an Stelle von 2329 planmäßigen Arbeits- kräften 1716 ausreichen— also 613 weniger—, um die Arbeit in der Arbeitsvermittlung und Zlrbeitslosenversicherung zu bewältigen. Dabei weiß jedes Kind in Berlin, daß die Ar b e i t s a m t s a n g e st e l l t e n jetzt schon ungeheuerlich überlastet sind und es einfach unmenschlich ist, diesen unwürdigen Zustand durch einen so rigorosen Abbau noch zu verschlimmern. Was will nun der Sparkammissar an der Organisation der Berliner Arbeitsämter ändern? Er findet, daß in Berlin, im Gegensatz zu allen übrigen Arbeitsämtern, B e r- m i t t l u n g und Versicherung nicht eng miteinander verbunden ist. Auf eine andere Formel gebracht, heißt das: die bisherige zentralisierte Facharbeitervermitt- l u n g in Berlin soll dezentralisiert, das heißt zerschlagen werden, um diese enge Verbindung herbeizuführen. Diese Frage ist die primäre. Die sekundäre Frage, die dabei noch eine Rolle spielt, ist die, ob es in Berlin bei der Zahl von 9 Arbeitsämtern verbleiben soll, oder ob man 6 bis 7 oder gar nur ein Amt für zweckmäßig hält. Nimmt man die beiden Arbeitsämter Teltow und Niederbarnim- Osthavelland noch hinzu, die ihren Sitz ebenfalls in Berlin haben, dann sind nicht 9, sondern 11 Arbeitsämter bei der geplanten Umorganisation zugrunde zu legen. Eine Ersparnis ist bei den vorgeschlagenen Aenderungen kaum zu erwarten. In seinen Darlegungen in dieser Frage kann man dem Sparkammissar jedoch durchaus folgen. Anders ist es in der Frage der Facharbeitervermittlung. Die Vermittlung von Facharbeitern erfolgt in Berlin grundsätzlich durch Fachabteilungen der verschieden- sten Industrie- und Berussgruppen von einer Zentral- stelle aus für das gesamte Wirtschaftsgebiet. Diese Fach- abteilungen sind dem Arbeitsamt Berlin-Mitte vngeschlossen und gelten als gemeinsame Fachabteilungen der Berliner Arbeitsämter. Dadurch ist den arbeitslosen Facharbeitern, die im Bereich der Berliner Arbeitsämter wohnen, die Mög- lichkeit gegeben, sich an dem gesamten Arbeitsmarkt innerhalb ihrer Fachabteilung des Berliner Wirtschafts- gebiets bei der Besetzung von Facharbeiterstellen zu be- teiligen. Es besteht eine allgemeine Uebersicht von zentraler Stelle aus über den Stand des Arbeitsmarktes jedes ein- zclnen Industrie- und Gewerbezweiges. Die Arbeitslosigkeit verteilt sich somit gleichmäßig auf die in einer Fach- gruppe vorhandenen Arbeitslosen im ganzen Berliner Wirt- schaftsgebiet. Der Sparkommissar behauptet nun, daß es nicht ge- lungen sei, dieses Prinzip durchzuführen. Es seien von allen Berliner Arbeitsämtern Fachvermittlungen vorgenommen worden. Auch sei innerhalb der einzelnen Fachabteilungcn eine regionale Aufteilung erfolgt. Wenn nun gelegentlich in einigen Berliner Randarbeitsäiktern ein Maler oder sonst ein Facharbester vermsttell wurde, oder Der Berliner Konflikt. Eingreifen des Oberbürgermeisters. Gestern abend nahmen die Funktionäre der sreigemerkschastlich! erganisierten Zkrbeiler der Berliner städtischen Gas- und Wasser- merke nochmals zu dem Tarifkonflikt in ihren Betrieben Stellung. Der Bevollmächtigte des Gesamtverbandcs. Genosse Schaum, teilte den Funktionären mit. daß die Gewerkschaften seit der letzten Funkt'lonärversommlung am Mittwoch voriger Woche alle» versucht haben, den Koasliktstoss aus der Welt zu schassen. 3n Versolg dieser Bemühungen haben gestern mit leitenden Stellen des Berliner Ma- gistrais Besprechungen stattgefunden. Den Gewerkschaften ist vom Bürgermeister Lange in Stellvertretung des Oberbürgermeisters mitgeteilt worden, daß heute. Dienstagvormittag, nochmals ver- Handlungen geführt werden sollen mit dem Ziel, den Konflikt in den Gas- und Wasserwerken und bei der BVG. bei. Zulegen. Genosse Schaum brachte unter Zustimmung der Funktionäre wiederholt zum Ausdruck, daß die Gewerkschaften den Konslik«. der für die Berliner Bevölkerung sehr ernste Folgen haben würde, nicht herausbeschworen haben. Die Gewerkschafleu sind bemüht, den Streit friedlich zu schlichlcu: sie sind aber nicht gewillt, den über den Rahmen der Vierten Roiverordnung hinausgehen- den Lohnabbau hinzunehmen. Genosse Schaum empfahl den Funktionären, angesichts der am Dienstag stattfindenden VerHand- lungen eine Urabstimmung in den Betrieben noch nicht vor- zunehmen, sondern den Obleuten der Betriebe, die am Mittwoch- vormittag zusammentreten, die Entscheidung über den Beginn der Urabstimmung zu übertragen. Dieses Hinausschieben der Urabstimmung Ist eine organisalorische und iaktische Roiwendigkeit. Von zwei Funktionären wurde dem Vorschlag de, Genosieu Schaum, die Satscheidung über den Beginn der llrabstirmmwg de» Belriebsoblculen zu überlassen, widersprochen und gefordert, ungeachtet der nochmaligen Verhandlungen am Dienstag die Urabstim- mung sofort vorzunehmen. Genosse Po l e n s k e vom Hauptvorstand des Gesamtoerbandes warnte die Funktionäre vor einem derartig übereilten Beschluß. Auch er lrat,.ebenso wie Genosse Schaum, der in der kommunisti- schen presse aufgestellten Behauptung entgegen, daß die vecantworl- iichen verbandskörperschas lcn die Bewegung verzetteln wollen. Er betonte mit allen» Rachdruck, daß der Hauptvorsland des Gesamt- Verbandes fest entschlossen sei, mit allen verfügbaren Mitteln die über das Maß der in der vierten Rotverordnung verfügten Lohnsenkungen hinausgehenden Lohnreduzierungen abzuwehren. Gegen 12 Stimmen traten die Funktionäre noch kurzer Aus- spräche dem Vorschlag des Genossen Schaum bei. Der Beschluß der Funktionäre ist zu begrüßen, ebenso der Entschluß des Oberbürgermeisters, einen Bermittlungs- versuch zu machen. Finanziell ist die Differenz so geringfügig, daß sie in keinem Verhältnis zu den Wirtschaft- lichen und politischen Folgen des Konflikts steht. Für die vier Monate, während der der Tarifvertrag noch läuft, be- trägt die Differenz insgesamt bei der BVG. rund 159 090 M., bei den Gaswerken 100 000 M. und bei den Wasserwerken etwa 25 000 M Das sind nicht Beträge, die die Existenz der Werke in Frage stellen können. Man darf auch nicht ver- gessen, daß die Arbeiter der städtischen Werke ohnehin von dem neuen Lohnabbau von 10 Proz. hart getroffen werden. Die Berliner Bevölkerung kann mit Recht verlangen, daß heute der Weg zur Verständigung gefunden und beschritten wird. Wir kämpfen! Die erflen Massenaktionen im neuen Lahr. Koalitionskrach n Kampf um den Braunschwl Braonschweig, 4. Januar.(Eigenbericht.) Im Braunschweiger Regierimgsloger ist ein heftiger Krach iv Gange. Nazis und Deutschnationale beschuldigen sich gegenseitig der Korruption. Neuerdings hat die Hetze der Nazis den deutjckrnattonalen Staatsminister Dr. Küchenthal zu dar Er- klärung veranlaßt, daß er bei der Staatsbank niemals ein Konto unterhalten, niemals irgendwelche Beziehungen gesellschaftlicher oder persönlicher Art mit den Mitgliedern des Direktoriums gepflogen und er sich auch niemals um die Stellung des Staatsbankpräfidenten beworben oder bemüht habe. Dem Krach liegt ein Vorfall bei der Braunschweigischen Staatsbank zugrunde. Der Präsident dieser Bank hat kürzlich Aktien der Heimstädter Hütte an den tschechischen Mühlig-Konzern oerkauft. Die Nationalsozialisten beantragten daraufhin gegen die Staatsbaiitleüung eine parlamentarische Untersuchung. Bis zur Klärung der Angelegenheit hat der deutschnationale Finanzminister Dr. Küchenthal den Staatsbankpräsidenten auf dessen Bitte beurlaubt. Das aber genügt den Nationalsozialisten nicht. Sie verlangen die Amtsenthebung des Staotsbankpräsidenten und die Einleitung eines Disziplinarverfahrens gegen ihn. trotzdem bisher konkrete Be- schuldigungen gegen den Staatsbankpräsidenten keines- wegs vorliegen. Infolgedessen sträubten sich außer den Deutschnationalen auch die Volksparteller, der Forderung der Nationalsozialisten zu entsprechen. Die ablehnende Haltung der Volkzpartei ist schließlich auch darauf zurückzuführen, daß der beurlaubte Stmatsbankpräsident ihr als Mitglied angehört. Er will ins Lrrenhaus! Ein nationalsozialistischer Held. G l a h. 4. Januar.(Eigenbericht.) Der öZjährige nationalsozialistische Buchhalter Tieumanu wurde hier wegen Vergehens gegen das Republikschuhgesetz zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Reumann hatte nach einem verlorenen Prozeß an den Oberstaatsanwalt aus Verärgerung eine offene Karle gerichtet, auf der es hieß:„Die Rechtsauffaffung des Oberstaalsanwalts findet nur bei Strolchen, Banditen, bei jefuitifchcm und marxistischem Gesindel Anklang. Diese Rechtsauffassung ist nur möglich in dem verpesteten, stinkenden System, das sich vom Volks- betrug nährt. Wir sprechen uns wieder. Herr Oberstaatsanwalt! heil Hitler!' Als der Staatsanwalt gegen den Rüpel drei Monate Gefängnis beantragt hat. flehte der»rauhe Kämpfer" Hitlers das Gericht folgendermaßen au:»Schicken Sie mich zum Rerveuarzt, meine Herren! Er wird fageu. der Manu gehört nicht ius Gefängnis. sondern in eine Rervenhcllanstall!" Trotzdem wurden dem Rüpel mildernde Umstände versagt. Immerhin hat er die Ehauce, angesichts feiner Verrücktheit bei hillers noch einmal etwas zu werden. Abgewiesene Aazi-Schadenersatzklage. Sie wollten 9092 Mark vom preußischen Ziskuö wegen eines Presseverbots. Hannover, 4. Januar.(Eigenbericht.) Dos hannoversche Naziorgan, das im März vorigen Jahres vom Oberpräsidenten N o s k e wegen Beleidigung des preußischen Ministerpräsidenten und des verstorbenen Reichs- » Klagges-Lande. kanzle rs Hermann Müller auf drei Wochen verboten worden war und auf Grund dessen Beschwerde beim Reichsgericht das Ber- bot auf zwei Wochen befristet wurde, hatte gegen den preußischen Ministerpräsidenten und den Oberpräsidentcn eine Schaden- ersatzklage in Höhe von 9992 Mark angestrengt. Die Klage ist jetzt von der dritten Zivilkammer des Landgerichts Hau- nover angewiesen worden. In der Begründung des Urteils heißt es, daß sich Oberpräsident Noske keine Amtspflichtverletzung habe zuschulden kommen lassen und auch kein materiell unbegründetes Verbot erlassen habe. Daß die Beklagten(Oberpräsident und Ministerpräsident) in dem Artikel einen Berstoß gegen das Gesetz erblickt haben, könne nicht als fahr- lässiges Verhalten angesehen werden. Auch die Behandlung der Beschwerde sei nicht fahrlässig gewesen. Helldorf-Prozeß mit Angeklagten-Chor. Röntgental-Verurteilter als Äerichterstatier. Der Hclldorf-Prozeß nahm gestern seinen normalen Berlaus, was so normal heißt. Gras Helldorf, der sisich immer noch nicht wohl suhlte, entfernte sich freiwillig aus dem Gerichtssaal. Die Ber- Handlung nahm ohne ihn seinen Fortgang. Hclldorfs Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Tribel, meinte, fein Klient würde am Mittwoch bereits auf dem Posten fein. Am Nachmittag entfernte sich auch der Angeklagte Powlick frei- willig und auf kurze Zeit der Angeklagte Misjerski. Der Nor- sitzende, Landgerichtsdirektor Ohnesorge, schien Sorge zu haben, daß auch bei den übrigen Angeklagten die Uebung einreißen könnte, sich steiwillig zu entfernen. Er sprach deshalb die energische Mahnung aus, daß in Zukunft doch sämtliche Angeklagten anwesend sein möchten. Von den Schupoleuten mußten vier wieder unoernommen nach Hause geschickt werden. Die Zeugen haben keinen leichten Stand. Sie machen ihre Aussagen in einer ausgesprochen feindlichen Stimmung. Der Angeklagte Fedkte, bei dem ein feststehendes Messer gefunden wurde, glaubte z. B. dem Polizeiwachtmeister in einer Form Vorhaltungen machen zu dürfen, daß der Vorsitzende ihn zur Ordnung rufen mußte. Die übrigen Angeklagten bilden mitunter so was wie den Chor in der Tragödie. Durch mehr oder weniger lautes Murmeln und Zwischenrufe machen sie ihren Gefühlen Luft, und einer der Angeklagten hielt es sogar für angebracht, den all- gemeinen Lärm durch Klopfen mit seinem�Stlefel zu erhöhen. Dem Vorsitzenden war dies Verhalten entgangen. Erst als Staatsanwalt- schaftsrat Dr. Stenig ihn auf dieses eigenartige Stiefelklopsen aus- merksam machte, rügte er das Verhalten und mahnte zur Ordnung. Man kann sich nach all dem lebhaft vorstellen, wie es bei der Ver- nehmung der jüdischen Zeugen werden dürfte! Auf den Berichterstatterbänken sah man gestern zur Ueberraschung einen alten Bekannten, den man im Röntgental- Prozeß auf der Anklagebank kennengelernt hatte: Herrn von Z i t t w i tz, der wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung mit Todcserfolg und schweren Landfriedensbruchs zu 1)4 Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Herr v. Zittwitz ist im November vorigen Jahres wegen Haftunfähigkeit— er sollte sich einer Blind-, darmoperation unterziehen— aus der Haft entlassen worden. Sein Gesundheitszustand scheint sich gottlob sehr gebessert zu haben, und zur Gerichtsberichterstattung scheint er angesichts feiner Gerichts- erfahrung(auf der Anklagebank) und in Anbetracht dem Urteil gegenüber ganz besonders qualifiziert... Wenn einige größere Fachabtellungen, wie MstMndustrie »der Gastwirtsgewerbe, Zweigstellen errichtet haben, so be- weist das noch nichts gegen die Richtigkeit der zentraiisierten Fachvermittlung in Berlin. Die Errichtung von Zweig- stellen steht auch jetzt noch im Belieben der Fachausschüsse und steht nicht im Widerspruch zur zentralen Organisation der Fachabteilungen- Ein Monopol in der Arbeitsvermitt- lung besteht für die Reichsanstalt nicht. Hätten wir das, dann tftmtte noch vieles besser sein. Run macht der Sparkommissar den Borschlag, die Fach- obteilnosea auf alle Berliner Arbeitsämter zu verteilen. Der Vorschlag ist nicht neu. Er ist bereits vor einem Jahr vom Präsidenten des Landesarbeitsamtes gemacht worden. Aber schon damals fand er keine Gegenliebe bei den Gewerk- schasten, auch nicht bei den Arbeitgeberorganisationen. Der Zustand wird dadurch nicht geändert, daß die arbeitslosen Facharbeiter für die Bennittlung von der Fachabteilung er- saßt werden und hinsichtlich der Betreuung durch die Arbeits- losenversicherung sich nach wie vor auf die übrigen Arbeits- ämtcr verteilen. Der Gedankengang des Sparkommissars geht aber dahin, solche Fachabteilungen nur für größere Jnduftriegruppen vorzusehen, während alle kleineren B e ruf s g r up p e n aufzulösen wären und die Vermittlung durch die Rand- arbcitsämtcr erfolgen soll. Eine Ausnahme läßt er zu für die Filmdarsteller. Mit dieser Ausnahme wirst er aber seine ganze Argumentation für seinen Vorschlag über den Haufen. Als ob diese Ausnahmestellung nicht auch für alle anderen kleineren Berussgruppen zu begründen wäre! Die Vermittlung und Versicherung wird auch nach dem Vorschlage des Sparkommissars nicht eng miteinander ver- gebend ist. Will man aber dem Facharbeiter in dem Arbeits- iosenoersicherung nach wie vor der Wohnbezirk maß- gebend ist. Will man aber den Facharbeiter in dem Arbeits- nmt die Unterstützung auszahlen, wo seine Fachabteilung an- gegliedert ist, dann hat er jede Woche zwei- bis dreimal den weiten Weg zurückzulegen mit der Aufbllrdung neuer Lasten durch Ausgabe von Fahrgeld. Bei dem jetzigen System konnte dies einigermaßen vermieden werden. Gewiß haben auch die Gewerkschaften, als die Erwerbslosenfürsorge und die Arbeitsämter sich noch in kommunalen Händen befanden, gefordert, daß Arbeitsvermittlung und Arbeits- losenversicherung in einer Organisation zusammengefaßt werden sollen. Das bedeutet aber nicht, daß in einem Wirtschaftsgebiet wie Berlin eine räumlich enge Verbindung zwischen diesen beiden Aufgaben- gebieten durchzuführen ist. Berlin ist eben auch in dieser Hinsicht mit keiner anderen Stadt des Reichs zu vergleichen. Die Struktur des Berliner Arbeitsmarktes ist eine andere. Die jetzige Berliner Ardeitsmarktorganisation ist kein Plötz- lich entstandenes Gebilde. Sie hat sich organisch aus den früheren paritätischen und Verbandsnach- weisen, sowie den kommunalen Arbeitsämtern heraus entwickelt. Hier kann man nicht mit rauher Hand eingreifen und zerschlagen, was in jahrzehntelanger Arbeit aitfgebäut wurde. Run denkt man auch an eine andere Lösung des Problems. Die Fachabteilungen sollen berei- n i g t werden. Es wird behauptet, daß eine Ueberspannung des Begriffs„Facharbeiter" vorhanden sei. In einer Reihe von Beispielen wird das in dem Gutachten des Spar- kommisfars zu beweisen versucht. Diese Beispiele beweisen jedoch gar nichts. Es braucht deshalb darauf nicht näher ein- gegangen zu werden. Es kommt auf die Kernfrage an: Wer ist Facharbeiter? Facharbeiter ist nicht nur derjenige, der eine drei- oder vierjährige Lehrzeit durchgemacht hat, sondern Facharbeiter ist auch, wer sich in einem Industrie- oder Gc- werbezweig bestimmte fachliche Kenntnisse angeeignet hat. Welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um dann beim Arbeitsloswerden in einer Fachabteilung eingetragen werden zu können, darüber entscheidet der Fachausschuß. Zeigen sich bei dem jetzigen System der Facharbeiterver- mittlung Mängel oder entstehen unbillige Härten, dann ist der Fachausschuß dazu berufen, diese zu beseitigen. Bei der fortschreitenden Technisierung und Typisierung im Pro- duktionsprozeß verrichtet der handwerklich gelernte Arbeiter vielfach dieselbe Arbeit wie der angelernte Arbeiter. Für Sparsamkeit in den Berliner Arbeitsämtern in der jetzigen Notzeit haben auch wir alles Verständnis. Aber kein Berständnis haben wir für die Methode der Spar- samkeit, sie nur in Berlin anwenden zu wollen. Wenn man schon glaubt, daß auch innerhalb der Reichs- onstalt mehr gespart werden kann, dann dürste es wohl notwendig fein, die gesamte Reichsanstalt zu reorganisieren. Es ist doch bekannt, daß eine ganze Anzahl kleiner und kleinster Arbeitsämter mit 8 bis 12 An- gestellten vorhanden sind. Man denkt jedo.ch nicht daran. eine Verringerung der Zahl der Arbents- ä mt e r im ganzen Reiche eintreten zu lassen. Auch daran denkt man nicht, zum Beispiel die räumlich weit ent- fernte und durch andere Länder getrennte Pfalz vom Landesarbeitsamt Bayern abzutrennen und dem Landes- arbestsamt Südwestdcutschland anzugliedern. Warum versucht man immer nur in Berlin herumzudoktern? Wenn man keine besseren Vorschläge für eine Umorgani- sation der Berliner Arbeitsämter hat. wie sie der Spar- kammissar macht und wie sie bereits früher gemacht wurden, dann soll man es schon lieber bei dem jetzigen Zustand be- lassen. Weiter soll man endlich einmal mit der fortgesetzteen Beunruhigung in den Berliner Arbeitsämtern Schluß machen und so lange warten, bis man bessere Vorschläge ge- funden hat. um eine llmorganisation vorzunehmen. Das Maß ist voll! Auch in den Berliner Arbeitsämtern muß endlich einmal Ruhe eintreten! Demissionskomödie in Belgrad. Nach dem gestern abgehaltenen Ministerat überreichte das Kabinett Z i w k o w i t f ch dem König seine Demission. Der Ministerpräsident begründete sie gegenüber leinen Mitarbeitern damit, daß die Ausgabe der Rc-Zierung nach dem Erlaß.der„Verfassung" vom 3. September und den Wahlen zum Parlament erledigt sei. Das Ganze ist eine Komödie- General Ziwkowitsch wird wieder betraut werden und nur einige Personal- änderungen vornehmen. Deutschland hat schon repariert! Eine offiziöse deutsche Avffiellung. Heber die Wiederaufbaukosten des französischen besetzten Gebiets sind die verschiedensten Mitteilungen verbreitet war- den. Von zuständiger Stelle wird dazu folgendes mitgeteilt: Nach Anlage 14 zum französischen Haushaltsentwurf für 1932 b«> tragen die G e f a m t f ch ä d c n im ehemals besetzten französischen Gebiet 98 Milliarden Papierfranken. Davon müssen abgezogen werden 3,8 Milliarden für Schäden an öffentlichem Eigentum und 12,5 Milliarden für Zinszahlungen und Verwaltungsrosten. Nach deutscher Auffassung kommen demnach aufGrundderLansing- Note von 1918 für Deutschland als Schuld in Frag« 79,6 Mil- liarden Papiorstanken(etwa 13,3 Milliarden Mark). Der französische Arbeitsminister Deligne hat 1931 in einem Bortrag festgestellt, daß sich der Gesamtaufwand für die Sachschäden im französischen besetzten Gebiet aus 39,1 Milliarden Papier- franken beziffert. Da wir nach amerikanischer Ausstellung schon mindestens 34 M illiarden Mark bezahlt haben, von denen Frankreich etwa 18 Milliarden Mark erhallen hat, so hat Deutschland demgemäß schon mehr für die Aufbauschäden be- zahlt als nötig war. ttottonalifienängriffe auf JD£p£cfac deToulouse" Der Vorschlag der„Depeche" von Toulouse, endgültig auf die deutschen Reparationszahlungen zu ver» zichten, stößt in den übrigen französischen Zeitungen allgemein auf Ablehnung. Der„Temps" beschränkt sich vorläufig auf die Feststellung, daß man in dem Artikel der„Depechc" eine Melodie erkenne, die schon oft von dem Sozialisten Leon Blum gesungen worden sei. Der gemäßigte„Paris Midi" schreibt:„Wie kann man gegenwärtig etwas Endgültiges schaffen? Heute ist das Endgültige nur auf dem Gebiet der Opfer möglich, aber nicht auf dem Gebiet der Garantien. Frankreich kann sehr wohl ohne Hoffnung auf einen Gegendienst auf jede Zahlung Deutschlands verzichten, aber wenn es als Gegenleistung ein Mindestmaß von Sicherheit politischer oder finanzieller Art verlangt, stößt es auf ein doppeltes Hindernis: Washington und Berlin. Wie können, wenn Amerika bezahll wer- den will, seine Schuldner Deutschland van jeder Zahlung befreien?" Der nationalistische„Figaro" erklärt, der Vorschlag der „Döpäche" fordere geradezu zum Spott heraus- Seine erste Folge bestehe darin, das Ansehen Hitlers zu erhöhen und das Gefühl semer Stärke wieder zu erwecken. Die Nazis würden das Recht haben, zu verkünden, daß sie durch die Furcht, die sie ciuflößteu, die Agenten der Tribut-Annullierung gewesen sind. Dadurch würde dann, was sowohl im Programm der Nazis wie in dem der Weimarer Parteieu stehe, die Wiederherstellung Großdeutschlands mit Hisse des Anschlusses, die Rückgabe des polnischen Korridors, Polnisch- Oberschlesiens, Eupen und Malmedys und trotz Locarno des Elsaß folgen. Schuldenstreichung nur gegen Vertragsrevision. Washington, 4. Januar. Das republikanische Mitglied des Repräsentantenhauses Britten erklärte, wenn die fremden Mächte weiterhin eine „unverfrorene Unnachgiebigkeit" an den Tag legten und die Streichung der Kriegsschulden verlangten, so sollten sie dann wenigstens auch der Revision des Berfailler Ber- träges zustimmen. Der Kongreß fei am Ende seines Opfer- willens angelangt und werde sich nicht länger täuschen lassen. Im Hinblick auf den Feldzug, den die Mächte, wie man hier erwartet, für eine Herabsetzung der Schulden führen würden, nahm Britten Bezug auf die abgetretenen deutschen Kalo- n i e n und führte aus: Niemand kann den Sachwert diej».- Ko- lonien schätzen, jedoch kann angenommen werden, daß ihr Wert die Deutschland auferlegten Uoung-Plan-Zahlungen um ein Vielfaches übersteigt. Abgesehen von den schrecklichen Todes- opfern eines Krieges, der vergebens gekämpft wurde, ist Frank- reich und England bereits zuviel bezahlt worden; jetzt sollten sie tun, was sie immer predigen, und alle Reparationen streichen sowie den Berfailler Vertrag revidieren. Ein Ausschuß der demokratischen Partei hat sich für die Ausarbeitung einer Vorlage ausgesprochen, die den Präsidenten Hoover ermächtigen soll, eine internationale Wirts chafts- konferenz einzuberufen, um eine Senkung der internationalen Zolltarife herbeizuführen. Die Borlage soll dem Repräsen- tantcnhaus unterbreitet werden. Reue Hoover-Äotfchast an den Kongreß. wafhlngkon. 4. Januar. In einer Sonderbotschast an den heute wieder zu- fammengetretenen Kongreß ersucht Präsident Hoover den Kon» greß dringend, sich unverzüglich mit dem Pragramm des w i r t- schaftlichen Wiederaufbaues zu beschäftigen, das er dem Kongreß Anfang Dezember vorgelegt hat. Dieses Programm sieht unter anderem Hilfsmaßnahmen für die Farmer sowie die Schaffung einer großen Gescllschajt vor, die Handelsunternehmen Darlehen gewähren soll.__ Blutige Zwischenfälle in Spanien. In Epila in der Provinz Saragossa versuchten mehrere hundert Arbeue r gcwallsam, die Zuckerfabrik stillzulegen. Als die Guardia EWU einschritt, wurde sie von der Arbeiterschaft mit scharfen Schüssen empfangen. Sie erwiderte das Feuer und tötete zwei Arbeiter: vier wurden schwer und mehrere andere leicht verletzt. Zwei Priester, die in Lamiaco bei Bilbao einen Spaziergang machten, wurden von Arbeitslosen durch Schüsse aus dem Hinterhall schwer verletzt.— Der Leiter des Gendarmeriekorps General Sanjurjo fordert von der Regierung in kategorischer Form sofortiges energisches Vorgehen gegen die Unruhestifter und soll gedroht haben, sonst selbst die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen. Gandhi. Die Militärs.„Merkwürdig, Saß dieser winzige Zivilist eine Macht darstellt." Die Kraftprobe in Indien. Aeue scharfe Maßnahmen der Regierung. China drahtet dem Völkerbund. Gegen die Begehung Tschintfchous. Schanghai. 4. Januar.(Eigenbericht.) Die chinesische Regierung hat den Völkerbund telegraphisch um die sofortige Einberufung des Bölkerbundsratcs ersucht. Ter Antrag wird mit der Besehung von Tschintschau durch die Japaner begründet. Die chmcsisäie Regierung hat anläßlich des neuen Vormarsches der Japaner westlich des Flusses Liao eine Note an den Völker- dundsrat gerichtet, in der sie Japan für all« Folgen der legitimen Verteidigung ihres Landes verantwortlich macht. Unter Mißachtung der Verträge und Bruch der dem Völkerbund gegenüber eingegan- genen Verpflichtungen habe Japan neue schwere Kämpfe hervor- gcrusen. Die Erklärung des japanischen Außenministers, daß die neue Offensive eine Schutzmaßnahme gegen Banditen darstelle. widerspreche vollkommen den Tatsachen. Noch am 27. Dezember 1931 sei eine gemischte Brigade aus Korea zu den Offensivtruppen geholt morden. Die Kämpfe hätten ausschließlich der regulären chinesischen Armee- und Polizeitruppe gegolten. Am Schluß der Note, die vom 31. Dezember 1931 datiert ist, werden vom Rat sofort wirksame Maßnahmen verlangt. Der englische Militärattache in Tschintschau meldet, daß die Chinesen alle Truppen aus der Stadt zurückgezogen haben. Er be- stätigt ferner die chinesischen Telegramme an den Völkerbund, nach denen die Japaner große Truppenoerstärkungen erhalten und bei ihrer Offensive zahlreiche chinesische Städte und Ortschaften sowie Tschintschau selbst bombardiert haben. Amerikanischer Rüstungswahnsinn. Für 2,5 Milliarden Crsatzbautenaofträge! Washington, 4. Januar. Der Vorsitzende des Marineausschusses im Repräsentantenhaus. V i n s o a, teilte mit, dem Haufe werde morgen eine V o r l o g e über den van von 120 neuen Kriegsschiffen zugehen, die mit einem Kostenaufwand von biß 250 000 Dollar, verteilt auf die nächsten zehn Jahre, erbaut werden sollen. Mit Ausnahme von zwei Flugzeug-Mutterschiffen, sollen durch diese Bauten veraltete Schisse erseht werden. Das Programm, das mit Unter- siühung des Marineamtes aufgestellt worden ist, sieht auch die Fertig- slellung von IS im Vau befindlichen Kriegsschiffen vor. Der Washingtoner Korrespondent der„Rew Jork Times" will erfahren haben, daß das amerikanische Marine-Deparlement die Pläne für fünf im Vau befindliche l0 000-Tonnen-„vertragskreuzer" abgeändert hat, um aus diesen Fahrzeugen Schlachtschiffe nach dem Vorbild des Panzerschiffes„Deutschland" zu machen. Gozialifien werden verleumdet! Niederträchtige Hehereien vor Gericht zusammengebrochen. halle, 4. Januar, s Eigenbericht.) Gegen den sozialdemokratischen Vorsteher der Arbeiter- gemeinde Anterleutschenthal Bruno Böttgc hatten reaktiv- näre Kreise eine großangelegte Hetze eingeleitet. Selbst im preutzlschn Landtag wurden mehrere Anfragen eingebracht. Vor einem Jahre erreichten die Marxistentöter dem Staats- onwäik eine Liste von über 59 Anllagepmckten. Nach langer Unter- inchung schälten sich ganze vier als einigermaßen haltbar heraus. Vor dem Großen Schöffengericht Halle ließ die Staatsanwaltschaft nach vielstündiger Verhandlung selbst drei Punkte fallen, und nur wegen eines einzigen wurde Bestrafung verlangt. Dos Gericht er- kannte in allen Fällen auf Freisprechung. Eine gleiche Hetze wurde gegen den sozialdemokratischen Amts- vorltsher Schmidt in Brochwitz bei Halls eingeleitet. Schmidt wurde beschuldigt, Versicherungsgeldcr in höhe von 1M9 Mark, die er als Gemeindevorsteher im Wege der Landfeuersozietät«in- gezogen hatte, unterschlagen zu haben. Auckz hier erfolgte vor dem Schöffengericht glatter Freispruch von der Anklage der Amts- Unterschlagung. Ganz sicheren Erfolg versprachen sich die großkapitalistischen Kreise mit ihrer Aktion gegen den s o z i al d e m o k r a t i s ch e n Direktor des Arbeitsamtes Bittcrfeld. Feld- mann. Monatelang zehrte die lokale und natürlich auch die kommunistische Presse von diesem„sozialdemokratischen Korruptions- jkandal". Und der Ersolg? Das eingehende Ermittlungs- verfahren wurde jetzt von der Staatsanwallschast eingestellt, weil dem Genossen Feldmann auch nicht eine einzige Bcr- sehlung nachgewiesen werden konnte! Oer Girafella-Geist gebannt. Abwehrerfolg der Äundesbahner. Den ausschlaggebenden Wert einer stets kanipfbereiten Organi- sation für Arbeiter und Angestellte haben längst nicht nur diese, sondern auch die Unternehmer und im öffentlichen Dienst auch die Vorgesetzten erkannt. Glauben die letzteren den Betrieb im tapitalistischen Sinn führen zu rnüsien, so streben sie bald danach, die Organisation durch Zurückdrängung und möglichst auch durch Terrorismus zu schädigen. Das hat in Deutschösterreich Herr Strafella versucht, den die Heimwehrregierung Daugoin- Starhemberg zur Leitung der Bundesbahn berief. Er ist längst wieder von dieser Stelle entfernt, der von der„Arbeiter-Zciwng" geführte Nachweis dunkler Schiebereien hat ihn darum gebracht. Aber die Tendenz, das Personal der Bundesbahn ebenso zu „reformieren", wie das Herrn Vaugom beim Bundeshecr gelungen ist. wirkt weiter. Neben der neuen Sehallsredullion wollte man auch die Rechte des Personals stark verschlechtern. Dem energischen Auftreten der Sozialdemokratie im Parlament wie der Organisation außerhalb und der beginnenden passiven Resistenz im Bahndienst, also der buchstäblichen und stark ver> zögernd wirkenden Ausführung der Vorschriften, ist es gelungen, einen beträchtlichen Abwchrerfolg zu erreichen: Entgegen den Vorschlägen der Regierung bleibt es dabei, daß Dienstordnung, Pcrsonaloertrctungsvorschrift und Pensionsvorschrift nur durch Vereinbarung abgeändert werden können, nicht durch einseitiges Diktat der Verwaltungskommission und auch nicht durch Entscheidung eines Schiedsgerichts. Auch eine Verkleinerung der Gehaltskürzung ist erreicht worden, indem eine untere Grenze für sie bei Eisenbahnern mit Nebeneinkonnnen und Pensionisten mit Unfallrente vereinbart worden ist. Flugzeugfabrik vleriot geschlossen. Die bekannte französische Militärslugzeugfabrik Bl'c 1923 am Ende der großen Nach- kriegskrise die Mitgliederzahl auf etwa 189 009 gesunken war. Mitgliederzunahme haben auch die konjessionellcn Gewerk- schaftzzenllalen zu verzeichnen, aber in nicht so starkem Umfang. Die syndikalistische Bewegung ist nach wie vor bedeutungslos, ebenso die von den Kommunisten gestützte Rote Gewerkschaftsopposition. Auf dem Gebiete der Lohn- und Sozialpolitik mußten die Gewerkschaften auch in Holland sich im vergangenen Jahr aus die Behauptung des Errungenen einstellen, und auch das war naturgemäß in der Krise eine schwere Aufgabe. Das Unternehmertum ging in der zweiten Jahreshälfte zu einer allgemeinen Offensive gegen das Lebensniveau der niederländischen Arbeller über. Es fand dabei die Unterstützung der Regierung durch den Kreditdruck auf die Großgemcinden. Der Lohnabbau in den Gemeinden soll den Abbau in der Prioatiudustric in Bewegung bringen. In der Metallindustrie mußte ein Lohnabbau ixm 5 Proz. in Kauf genommen werden. Trotz der durch die Not der Zeit erzwungenen Zugeständnisse konnte sich die nieder- ländische Gewerkschaftsbewegung auch in ihrer jetzigen Abwehr- ftellung behaupten. 725 266 Arbeitslose in Belgien wurden Ende Dezember 1931 gezählt, gegen 198 999 im Vormonat. Z SPD.-Beteiedssiaktion de!« Bcziits-mt««n.tbrrq. Donnerstag, g N 20 Uhr, Lokot Ewald, Stalitzer Str. 126. Iakireahauptvertammlung der S W Frcllion. Referent: Betriedsfraktion und Betriebsverlretung((Senofle D- ~ A. Iabs). Neuwahl der Obleute und des Dorktandes.-: pj SPD.-Btichdrncker. Die Frartlonsvorstandssitzung filllt heute aus. f.: f Freie Gewerkschafts-Lusend Verlin Heute. Dienstag, S. Januar, 13� Uhr, tagen die Gruppen: Gewerk- schaftshaue: Zugendheim Gewerischaftshaus, Engeluier 24—20. Heim- befprechung. Wir lernen neue Lieder.— Steglitz: Zugendheim Flewmiugstr. k4d. Heimdewrechung. Lieder, und Spielabend.— Moabit Zu. gendheim Bremer Str. kst— 70. Heimbesprechung— Spandau. Wilyelmstadt: Zuqendheim Snortplok. Seriuftft« ctcaftc. veimbesprechung,— Vankow: Jugendheim Kissing e.n,tr. 48. Kimwer b. Heimbesprechnng. Heimspiele.— Treptow: Znaenohei« Elsen sir. 3(am Bahnhof Treptow). Hennbeiprecyuny. Berbandsbuchrontrolle.— Frankfurter Allee: Zugendheim Lltauer Sic. 18. Hetmbesprechung.— Landsberger Platz: Zugenddeim Landsberger St�.>0. Hfimbesvrechuna.— Lichtenberg: Jugendheim Dossestr, 22. Heimbesprechunq. — Neu.L'lchtcnbcrg: Jugendheim Gunterstr. 14. Seirndcsprechunst.— Ostcndc: Jugendheim Karl-zhorst, Treskowallee 44(.Kant- Schule). Wir beginnen das neue Jahr mit Theo Wäret.— Wedding: Zngendheim Wrlldenowstr. 5, 2 Treppen, Limmer 11. Heimbesprechung:„Rückblick und �ukünftlc,e Aroelt'. — Schcneweidc: Jugendheim Hasselmerderstrahe(Mädchcnichu.c. im Keller). Heimbesprechung.— Adlershof: Zugendheim Aolershof, Bismarckstr. 1. Helm- besprechung. Zuzendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten 6�3 öcutc, Dienstag, sindcn folgende Veranstaltungen stall: Osten; Wir � befnthen die Versammlung des Werbebeztrks.— Lichtenderg! Wir hetuchen die Versammlung des Werbebezirks.— Rardwest: Jugendheim Lehrter Str. 16— lS. Seimabend.— D-: Sprech, und Bewegunzschar übt ob 20 Uhr in der Turnhalle Baruther Str. 26.-, Der Turn, und Egmitastil. abend unserer Spoitobteilung findet nen 20 bis 2c Uhr tn der Turnhalle Zempeihoser Ufer 20 stall. Verantwortlich kür Valitik: Victor Schiff: Wirtschaft: Sf. klingelböler: Gewerkichaftsbetvegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schitowski: Lokales und Sonstiges: fZeit,»arftädt: Anzeigen: Th.«lade: kömllidi in Berlin. Verlag: Vorwärts-Berlag 0) m b. b.. Verlin. Drnd: Vaewärrs.Vnchdruderel und Verlagsanstalt Paul Singer u. ffo.. Vetlin SW t>8, Linbenfltafie 3. Hierzu 2 Beilagen. Sui-gls trocken... schützt Dich olle Jahr jetzt 90 u. 45 w. vo r Erkältung und Katarrh! Nr. 6» 49. Jahrgang Oiensiag, 5. Januar 1932 Den ermordeten Kameraden Gedenkfeier für die Kümnter der Republik Die würdige Gedenkfeier, die gestern vom Ortsverein Prenzlauer Berg des Reichsbanners Schwarz-Rot- Gold im Saatbau Arledrichshain für den erschossenen Sameraden Willi Schneider veranstaltet wurde, galt nicht nur diesem jungen Rlilkämpfer und Genossen, der in der Blüte seiner Zahre durch feigen Word sein Leben verlor, sie war allen denen gewidmet, die in den lehlen Zähren unker dem schwarzrotgoldenen Zeichen der Republik Opfer der braunen Mordpest geworden sind. Es war ein Augenblick tiefsten Gedenkens und festesten Es- löbnisses, als zu den Klängen des Reichsbanner-Tambourkorps vom Prenzlauer Berg die Fahnen in den Saal getragen wur- den. An der Spitze schritten die Fahnenträger der Kameradschaft Arnswalder Platz des Reichsbanners und der 25. Wteilung der Sozialdemokratie, denen der ermordete Kamerad ange- hörte. Der Musikchor vom Ortsverein Weißensee spielte. Dann jGig, vom Dirigenten Schreiber vortrefflich geführt, der Neu- köllner Chor unserer Arbeitersänger. Kurze ergreifende Worte sprach der Genosse W i s ch n i tz k y von der 25. Abteilung. Sie wirkten um so stärker, als sie von ureigenster Trauer um den meuchlings hingestreckten Freund und Kampfgefährten getragen waren. Aber der Redner betonte, daß die Feier allen Toten auf dem Ehrenfeld der Republik gelte und daß sie vor allem ein Ge- löbnis sein möge, festzustehen in der Eisernen Front in Treue und Einheit. Die Ansprache hielt der Gauvorsitzendc des Reichsbanners, Kamerad St e l l i n g:„Wir denken in dieser ernsten Stunde des jugendlichen Opfers der Nazibanden, das in der Siloesternacht des Jahres 1930 in der chufelandstraße durch feige Schüsse meuchlings gemordet wurde. Wir erinnern uns jener grauenvollen Vorgänge, die in uns die Frage wach werden ließen, wie denn eine so schreck- liche und gemeine Tat überhaupt möglich sein konnte. Und unsere Gedanken weilen zu gleicher Zeit bei der Trauerfeier, bei der wir den ermordeten Kameraden in seinem offenen Sarge sahen Eine Trauerfeier schloß sich an, die mehr war als Schmerz um den Toten und Mitgefühl mit den so schwer geschlagenen Eltern, die vielmehr ein stilles, unausgesprochenes Gelöbnis von Tausenden und Abertausenden war, Deutschland zu reinigen von jenen Menschen, die verroht und vertiert so wertvolles Leben vernichten. Schuldig ist die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei, die sich zudem der B e g ü n st i g u n g der Morde schuldig gemacht hat. Denken wir an den Prozeß gegen die Mörder! Denken wir an das hämische Lachen aus den Lippen des Mörders Kollatz, als der alte Dater d� Toten, unser Kamerad Schneider, aussagte. Dieser Prozeß zeigte die ganze B e st i a l i t ä t und Vertierung der Nationalsozialisten. Ist die Tat gesühnt? Nein! Die wahren Schuldigen sahen nicht an, Gerichtsstelle, sie sind anderswo zu suchen, sie sind dort zu suchen, wo diese Vertierung und Ver- rohung gefördert und verkündet wird: bei den Führern der National- sozialisten, den Frick, Straher, Stoehr und bei Hitler selbst. Es handelt sich um die Auswirkung jener Worte vom Hängen- und Köpfsrollen, vom Blühen der Hanfindustrie und von-der Nacht der langen Messer. Aber wir wissen, daß die Nazi ihr Ziel nicht erreichen werden, weil sie es nicht erreichen dürfen. Mir stehen in der Eisernen Front zusammen und wollen nicht, daß unser Staat, den wir zu einer freien sozialen Republik ans- bauen wollen, geschändet werde durch den Blutrausch des Dritten Reiches! Wir werden in diesem Kampfe siegen trotz der Flauheit des Bürgertums, das da sagt: Es nützt ja doch nichts, Hitler kommt doch. Wir sind unserer Sache und deshalb unseres Sieges sicher, und das gibt uns neuen Mut und neue Kraft zum Kampfe. Aber wir wenden uns auch an die Regierenden. Wir rufen: Besinnt euch, mildert die Ursachen des Radikalismus, den Arbeitsinangel bei Ar- beitern, Angestellten und Beamten, die Not bei kleinen Äaufleuten und Bauern. Erkennt die Morschheit des Wirtschafts- syst eins, macht Schluß mit der braunen Mordpest, öffnet die Fenster in den muffigen Verwaltungsstuben. Gebt Raum den Republikanern! Werft durch das Uniformverbot dos staalstreuc Reichsbanner nicht in einen Topf mit dem Der- brcchergefindel der Nazis! Der Spuk des deutschen Faschismus und seiner Helfershelfer, der Kommunisten, wird an der Eisernen Front scheitern, die olle Arbeiter der Hand und des Kopfes umfassen soll. Nehmen wir uns ein Beispiel am alten Vater Schneider, der ini Reichsbanner die Lücke schloß, die durch den Tod seines Sohnes gerissen wurde. Eisern wir ihm nach! Aus zum Sieg der Freiheit und des Rechtes! Weihevolle Musik endete die Feierstunde. Kino Sfadl in Gefahr Ueberau Hodiwasserkaiaslrophen- Nillei zur Abwehr fehlen Wien, 4. Januar. Infolge des seit vorgestern anhaltendcn warmen Regenwetters ist der Schnee in den österreichische» Alpen biS zu einer Höhenlage von etwa 2000 Metern geschmolzen. Die Dona« steigt beträchtlich. Die Stadt S t e y r mit ihren 27 zumeist hölzernen Brücken ist durch Hochwasser schwer bedroht. Die finanzielle Not- läge der Stadt verhindert wirksame Gegenmaßnahmen. Bahndamm unterspült.- Verkehr eingestellt. Braunschweig, 4. Januar. Die Ueberschwemmung bei B o e r s s u m hak sich im Laufe des Montags weiter ausgedehnt. Auch auf der Strecke Boerssum— Hornburg wurde der Bahndamm unterspült. Der Verkehr ist eingestellt. Das Gelände bei Boerssum gleicht einem großen See. Einige Häuser stehen ringsum völlig im Wasser. Das Wasser hat schon die höhe des Hochwassers von 1325 überschritten. Die Gleise der Strecke Braunschweig— Harzburg hängen bei Boerssum auf ZOO big 400 Meter völlig in der Luft. Der Damm ist nnter- wafchcu. Das Wasser ist heule abend kaum merkbar zurückgegangen. Feuerwehr und Reichswehr helfen. Hameln, 4. Januar. Die Weser ist in den letzten beiden Tagen um 70 Zealimeler gestlegen. Auch ihre Nebenflüsse führen Hochwasser. Das Elektrizitätswerk Weserlal ist vom Wasser eingeschlossen. Feuerwehr und Reichswehr mußten in einer Vorstadl Hamelns, Bewohner aus überschwemmten Häusern mit Söhnen herausholen. Bei Hasperde können 40 Kraftwagen im Hochwasser nicht weiter. Der untere Teil von Salzhemmensdorf ist überschwemmt. Der Ort ist auch vom Bahn- und Postverkehr ab- geschnitten. Bei Fuhlen muhten viele Kraftwagen aus dem Wasser gezogen und die Wohnungen teilweise geräumt werden. Aus Hannoversch-Münden wird weiteres Steigen der Weser gemeldet. Das Hochwasser der Flüsse. Köln, 4. Januar. Der Witterungsumschlag, der im Rheinocbict eine Temperatur- «rhöhung bis a-uf 14 Grad Celsius brachte, hat infolge der Schnee- schmelze ein schnelles Steigen des Oberrheins und seiner Neben- flüsse bewirkt. Waldshut am Oberrhein meldete am Montag einen Wasserstand von st- 1,10 Meter gegenüber Sonntag. Der Neckar zeigte bei Diedenheim am Montag früh eine Erhöhung des Wasser- standes um 3,20 Meter. Die Lahn ist bei Ems innerhalb kurzer Zeit um 05 Zentimeter gestiegen. Auch von der Mittclmosel wird starkes Steigen des Wassers gemeldet. Der Koblenzer Hochwasser- Nachrichtendienst ist bereits in Tätigkeit getreten. Wülhcim. 4. Januar. Das Wasser der Ruhr steigt infolge des starken Witterung?- Umschwungs und des anhaltenden Regenwetters stark. Aus Herdeckc wird fest Montag früh ein Steigen des Wassers um 6 Zentimeter stündlich gemeldet. Im Mülheimer Gebiet wurden am Montag früh 4.93 Meter gemessen, fast 2 Meier über dem normalen Wasserstand. Bremen, 4. Januar. Die Ufer der Mittel- und Oberweser sind in weitem Umkreis überschwemmt. Sollten die heftigen Niederschläge anlialten, so besteht ernste Gefahr. Für das Flußgebiet der Untermefer odü Bremen bis Bremerhaven besteht zunächst eine Hochwassergefahr nicht. Sollte sich jedoch den Niederschlägen ein« Sturmflut zu- gesellen, so wäre auch dort mit Hochwasser zu rechnen. In Olden- Sie erwiderte nichts, und er schien auch keine Antwort zu erwarten. Auch in den folgenden Tagen konnte Walter nicht auf- stehen. Tagsüber lag er meist in dahindämmerndem Haid- schlaf. Nur nachts hörte ihn Germaine manchmal hin und hergehen und sprechen. Doktor Heim kam täglich und blieb jedesmal lange bei ihm. Auch den Medizinalrat und noch einen dritten Arzt hatte Germaine in ihrer Angst zu Rate gezogen, aber keiner stellte eine genaue Diagnose und jeder tröstete und riet zu geduldigem Abwarten. Der Patient habe ein so kräftiges, gesundes Herz— das werde ihn schon wieder hochbringen. Aber eines morgens wurde Germaine mitten im Unter- rillst ins Direktorzimmer gerufen. „Herr Doktor Heim hat eben hier angeläutet. Sie brauchen nicht zu erschrecken, Fraulein Loriot, es ist keine allzu schlimme Nachricht. Er hat den Oberarzt des Kranken- Hauses bei einer nochmaligen genauen Untersuchung Ihres Bruders herangezogen, und man hat Walter soeben ins Krankenhaus gebracht. Sie dürfen ihn morgen besuchen. Und die beiden Aerzte lassen Ihnen ausdrücklich sagen, daß keine unmittelbare Gefahr vorliegt, sondern daß man hosst, ihn durchzudringend Den gleichen Bescheid erhielt Germaine, als sie am späten Abend in unbezwinglicher Unruhe selbst telephonisch im Krankenhaus anfragte. Der Zustand des Patienten gebe keinen Anlaß zu unmittelbaren Befürchtungen, und er er- warte morgen ihren Besuch.,.......... Zu ihrer freudigen Ueberraschung sah Walter tatsachstch zuohler aus, als feit"Wochen. „Gestern und heute habe ich Bäder bekommen und dann Packungen. Und Heimchen war auch schon in aller Frühe da und ist beseligt abgeschoben. Behandelt werde ich hier! Der Wärter, der mich ins Bad führt, schlägt dauenrd die Hacken zusammen, und die Schwestlli: lauert auf jede Hand- bewegung!" Walter war ungemein aufgeräumt. „Und fühlst du dich auch besser?" fragte Germaine. „Selbstverständlich geht es mir besser— es wird überhaupt alles gut gehen, Schwesterchen!" Aber als sie am nächsten Tag zu ihm ins Zimmer trat, da erkannte er sie nicht mehr. Sein Gesicht hatte einen ruht- gen. zufriedenen Ausdruck, aber es war tief eingefallen und fast unkenntlich. � Germaine blieb den ganzen Tag bei ihm. Gegen abend fing er an, schwer und stoßweise zu atmen und nach Luft zu ringen. Die Schwester führte Germaine aus dein Zimmer. „Es muß jeden Augenblick zu Ende gehen", sagte der Arzt draußen zu ihr,„seien Sie tapfer und bleiben Sie ruhig! Der Tod ist eine Erlösung für ihn! Ich habe einen Fall er- lebt, in dem ein junger Mensch, der im gleichen Stadium war, wie Ihr Bruder, ins Irrenhaus übergeführt werden mußte. Das ist bereits über ein Jahr her. Er wird nie mehr gesund werden. Ihr Bruder hätte wahrscheinlich das gleiche Schicksal gehabt. Denken Sie jetzt nicht an sich und an das, was Sie verloren haben, sondern an ihn!" „Ich bin ganz ruhig und gefaßt. Ich werde bei ihm bleiben." Die Stunden verginget. Die Schwester brachte reine Tücher, mit denen Germaine den Schweiß auf Gesicht und Händen des Sterbenden abtrocknete. Es wurde Mitternacht. Es wurde Morgen und wieder Abend, und noch immer lag Walter schwer atmend und be- wußtlos. „Geben Sie ihm etwas! Seien Sie doch barmherzig!" Germaine bat und flehte draußen im Korridor.„Jedes Tier bekommt den Gnadenstoß, und er muß langsam und qualvoll ersticken! Ich kann das nicht mehr mit ansehen!" Aber der Ar,zt redete auf sie ein.„Sehen Sie ihn doch an, wie ruhig und zufrieden er aussieht! Nichts Verzerrtes, nichts Angstvolles, nichts Unruhiges liegt in seinem. Gesicht. Nur das Herz schlägt immer noch. Aber er selbst dämmert schmerzlos und ohne Bewußtsein hinüber. Es kann höchstens noch eine Stunde dauern." Wieder brach die Nacht an. Die Aerzte waren schon einmal dagewesen, die Nachtschwester hatte alles in Ordnung gebracht. Nun war es ganz still im Haus. Das Fenster stand offen. Eine milde, wanne Luft und der Dust blühender Sträucher zog herein. Der Schein der kleinen Tischlampe fiel auf einen Strauß halb geöffneter roter Rosen. In Germaine war eine seltsame, unerklärliche Ruhe. Schmerz und Verzweiflung, Angst und Unruhe— das lag alles irgendwo weit weg. Sie blickte in das stille, unbeweg- liche Gesicht des Bruders und hörte die schwächer gewordenen Atemzüge, und Bild um Bild zog an ihr vorüber. Sie sah sich selbst als kleines Mädchen, als sie mit Dolf Schlitten fuhr und die Vögel fütterte. Ueber 25 Jahre war das her, über ein Vierteljahrhundert. In der Erinnerung aber drängte sich alles eng und nahe zusammen, als sei es vor Tagen gewesen. Und waren wirklich Jahre vergangen seit dem Tode Dolfs, über ein Jahrzehnt seit dem tödlichen Unfall des Vaters— Krieg, Inflation. Walters Krankheit, die Eng- landreise, der Tod der Mutter, ja. das preßte sich alles zusammen in den Zeitraum ihrer Jugend. Sie hatte nicht einmal die Hälfte der Zeit hinter sich, die ein Menschenleben zu umsponnen pflegt, llnd diese erste Hälfte des Lebens sollte aufsteigend, bejahend in die andere über gehen, so sagte man immer, und so las man es in den Büchern.. Aber sie hatte immer nur Sterbendes, Abbröckeln- des um sich her gesehen. Alle, die ihr nahe standen, wurden irgendwie beiseite geschoben, einer nach dem andern ging hin- über ins Unbekannte, löste sich auf im Nichts. Dolf, die Eltern, und nun auch Walter. Nur an ihr war der Tod vor- bcigegangen-- v War es ein Einzelschicksal, das Schicksal einer Familie, oder war es mehr...? Von Ruinen hatte Walter an jenem Abend am Bahnhof gesprochen. Ein sestsamer Ausdruck, der Germaine erschreckt hatte. Waren es wirtlich Ruinen, ging die Welt, aus der sie stammte und in der sie lebte, zugrunde, wurde sie erdrückt durch das Neue, das stärker war und rück- sichtslos alles Trümmerhafte beiseite fegte? Versank die ganze Gesellschaftsschicht, aus der sie kam, wie eine jener Erd-' schichten, die durch die revolutionären Kräfte des Erdinnern auf immer verschüttet wurden? Hatte der Liberalismus des fortschrittlichen Bürgertums endgültig seine Mission erfüllt und wurde er jetzt erdrückt, aufgesogen von einer neuen Welt, die jung und unverbraucht aus den Tiefen aufstieg? Germaine wußte keine Antwort auf ihre Fragen, und der Bruder, dessen Wort dieses Grübeln in ihr veranlaßt hatte, war jeder Antwort entrückt.-- Draußen dämmerte langsam der Morgen. In dem Ge- bllsch unter dem Fenster zwitscherte eine Drostes. Germaine lag zurückgelehnt im Lehnstuhl und sah vor sich hin. Dann sank sie in einen leisen Halbschlaf. Sie hörte noch die Atemzüge des Bruders, sie hörte auch, wie die Nacht- schwester leise hercintrat und sich über den Kranken beugte. Aber plötzlich war das alles irgendwie zerflossen in einem weiten, unermeßlichen Dunkel. Sie träumte, daß Walter vor ihr stände. Aber er war nicht allein. Er hatte den Arm um eine Gestalt geschlungen, die noch ganz im Dunkel stand, aber mit jedem Augenblick klarer und deutlicher zu erkennen war. Es war ein junger, blonder Mensch in französischer Uniform. Sie schienen sich nicht zu sehen, oder nicht zu erkennen, obwohl beide dicht vor ihr standen. Sie sprachen irgend etwas ztisammen, dann erzählte der junge Mensch, und Walter hörte ihin zu. Auf seinem Gesicht lag ein glückliches, zufriedenes Lächein. „Germaine." Sie- schrak in die Höhe. Es war ihr, als hätte sie Walters Stimme gehört. „Master--" Sic beugte sich über ihn. Aber kein Lächeln lag auf dem ruhigen unbeweglichen Gesicht. Die Züge waren scharf und herb, wie gemeißelt. Er hatte aufgehört zu atmen. 38. Mechanische Werkstätten, rasternde Maschinen im Erd- gcschoß. Dann weite Säle, hell und luftig. Am fließenden Band Frauen und Mädchen. Ein rationalisierter Groß- betrieb, eine Fabrik für elektrische Zähler. Alles ist zweckmäßig gelagert, wird zweckmäßig heran- gefahren. Unaufhörlich führt das fließende Bond Arbeit her- an. Eine Arbeiterin befestigt ein Häkchen, eine andere eine Oese, der dritten, vierten, fünften ist es vorbehalten, andere kleine Eisenteile anzufügen.(Schluß folgt.) l>urg sind die Flüsse ebenfalls über die Ufer getreten. Einzelne 5)öfe sind von den Fluten eingeschlossen. München. 4. Januar. Besonders stark betroffen vom Hochwasser ist dos Rottal, wo weile Strecken überschwemmt und zahlreiche Straßen und Wege unter Wasser gesetzt worden sind. In Anzenkirchen drang die Flut am Sonntag in mehrere Häuser ein. In Kempten im Allgäu wurde der Keller eines Lcrlagsgebäudcs unter Wasser gesetzt. Karlsruhe, 4. Januar. Die Wiederhcrstcllungsarbciten an dem von den gewaltigen Wassermassen der Kinzig unterspülten Bahndamm bei Neumühl schreiten gut fort. Man rechnet sür Dienstagoormittag mit der Wiederaufnahme des normalen Verkehrs. In Oberbadcn besteht keine Hochwassergefahr mehr. Nach einer Meldung aus Waldshut soll der Rhein seit Montagmittag wieder fallen Die Schwarzwald- flüsse gehen ebenfalls zurück. Die Schneeschmelze dürfte bereits überwunden sein. Auch vom Neckar wird gemeldet, daß das Hoch- wasser nachläßt. lleberall höchste Gefahr! Dresden, 4. Januar. Das Hochwasser im Erzgebirge hat einen Stand erreicht, der den der Unwetterkatastrophe im Schwarzwassertal vom 6. Juli noch übertrifft. In Aue ist die Mulde verschiedentlich über die Ufer getreten. Die tiefer liegenden Häuser sind bereits überschwemmt. Der Lösnitzbach überflutet in einer Breite von etwa lO Meter das Stadion in Aue. Auch in Schwarzenberg sind alle tieserlicgendcn Häuser überschwemmt. In Zwickau mußten zwei Straßen wegen Ueberflutung gesperrt werden. Siedeln und Anliegerbeiträge. Schlechte alte Gesetze in einer neuen Zeit. Berliner Backer sind helle! Bäcker bewahren Geldbriefträger vor Lleberfall. Durch die Aufmerksamkeit der Angestellten einer Bäckerei in der Köpcnickcr Straße wurde gestern im letzten Augenblick ein Ucberfall auf den Gcldbriefträgeo Franz A. vom Postamt SO. 16 »erhindert. Der Täter, ein 22 Jahre alter Fritz H. wurde fest- genommen. H. lungerte gestern mittag nahezu eine Stunde am Eingang des Hauses Köpenicker Straße 32 umher. Es sah so aus, als ob er auf jemand wartete. Angestellten eines gegenüberliegenden Bäckereibetriebes war das Verhalten des Mannes verdächtig vor- gekommen, zumal den Leuten bekannt war, daß der Geldbrief- träger, der täglich seinen Bestellgang macht, noch nicht erschienen war. Man kombinierte, daß der Fremde gegen den Briefträger etwas im Schilde führte und alarmierte heimlich die Polizei. Als die Beamten Zugriffen, fanden sie in den Taschen des H. eine ge- ladcne Pistole und einen Totschläger. Er war über seine Fest- nähme so überrascht, daß er gleich zugab, auf den Geldbriefträger gewartet zu haben. H. wurde aufs nächste Revier gebracht, wo er dann nach anfänglichem Leugnen auch gestand, einen Ueberfall auf den Gcldbriefträger geplant zu haben. Schon seit Tagen hatte 5). den Beamten beobachtet, aber nie eine passende Gelegenheit zu? Ausführung seines Vorhabens gefunden. Gestern hatte sich der Geldbriefträger um eine halbe Stunde verspätet. Beschwerde über Amtsgerichtsdirektor Kestner. Wegen der ungeheuerlichen Anwürfe, die in der gestrigen Der- Handlung des Sklarek-Prozeffes von Amlsgeiüchlsdirektor kestner gegen den LvO.-Direklor Genossen vrolal gerichtet wurden, hat sich der Angegriffene beschwerdeführend an den preußischen Zuslizminister gewandt. Aus städtischen Siedlerkreisen wird uns geschrieben: Siedeln ist immer ein Unternehmen, das nicht von heute auf morgen gedeihen kann und das vor allen: die Investierung von Kapitalien erfordert. Wenn in einem solchen Umfange gesiedelt werden sollte, daß bei der riesengroßen Arbeitslosigkeit eine fühlbare Entlastung eintritt, so sind Jahre nötig, um eine durchgreifende Be- rufs- und Erwerbsumstellung zu erreichen. Alle Erfolgshoffnungcn scheitern aber oft an den sür den Siedler untragbaren besonderen Lasten. Eine große Rolle spielen die Anliegerbeiträge. Wenngleich immer wieder von den Regierungsstellen empfehlende Verfügungen erlassen werden, wonach die Gemeinden und Gemeinde- verbände angehalten werden, den Siedlern entgegenzukommen, so ist damit noch keine Aenderung in bezug auf Ansiedlungs- und An- liegerbeiträge geschaffen. Die gesetzlichen Grundlagen sür diese Bei- träge stammen aus den Jahren 1875 und sogar 1838. Em Jahr- hundert Entwicklung ist an den Bestimmungen ohne große Wirkung vorübergegangen. Aus den Ansiedlerbeiträgen sollen von jeher in neu erschlossenen Siedlungen die Kosten für den Vau von Schulen und Kirchen bestritten werden. Diese Beiträge werden gewöhnlich nach der Q u a d r a t m c t c r z a h l der Grundstücke bemessen. Die Kosten können dabei oft recht erheblich werden. Noch viel einschneidender find jedoch die Anliegerbeiträge, die nach der Front- Meterzahl der Grundstücke berechnet werden. Diese Beiträge setzen sich zusammen aus den entstehenden Kosten für Straßenpflasterung, Straßenbeleuchtung, Rcgenwasserkanal, Kanalisation. Es ist keine Seltenheit, daß in vorstädtischen Bezirken diese Kosten oft hoher sind als der gesamte Wert des bebauten Grund- stiickes. Besonders stark werden hierdurch Eckparzellen belastet, die im Gegensatz zu den durchschnittlich 25 Frontmetcr zählenden Reihengrundstücken meistens weit mehr als 56 Frontmeter haben. Rechnet man mir etwa 50 Mark für den laufenden Frontmeter als Kosten für die Straßenpftastenmg, so ist schon zu erkennen, welche Riesensummcn hier zusammenkommen, wenn außerdem noch etwa 12 Mark für Straßenbeleuchtung und etwa 21 Mark für Kanali- sation, alles für den laufenden Meter gerechnet, zu zahlen sind. Die Gefamtbefastung kann dadurch auf Zehntaufendc von Mark für ein einzelnes Grundstück steigen. Untragbar für Siedler, die sich jähre- lang im Schweiße ihres Angesichts abgemüht haben, den Boden u?» bar zu machen und sich eine Wcchngelegercheit zu schaffen. Oft wird der Arbeiter das ihm lieb gewordene Stück Hennat verlassen, um in eine Mietkascrne zurückzuwandern. So wirken sich veraltete Gesetze aus. Als die Kostenverteilung für den Ausbau der Straßen vor-nun- mehr bald 100 Jahren festgelegt wurde, konnte ein« technische Eni- wicklung, wie wir sie in dieser Zeit erlebt haben, auch nicht im entfernteste» vorausgeahnt werden. Damals genügten Straßen in geringerer Breite als heute. Das Pflaster war weit billiger, weil einfacher, denn die Pferdefuhrwerke hatten mir festen Untergrund für ihre Fortbewegung nötig. Der heutige Verkehr, der weit schwerere Lasten über die Straßen rollen läßt mit ganz arrderen Geschwindigkeiten, stellt aber ganz andere Ansprüche an den Aufbau der Straßen. Diese sind daher in ihrer Herstellung weit teuerer ge- worden. Eine Beleuchtung der Straßen war früher kaum bekannt. An Regenab Wässerung und Kanalisation dachte noch niemand. Die Anlage von Straßen log lange Zeit fast ausschließlich nn Interesse der Anlieger, während heute nn steigenden Maße die All- gcmeinhcit. jedenfalls ganz andere Kreise, daran interessiert sind. � Erwähnenswert ist, daß nach dem jetzt gehandhabten System der Frontmeterberechmmg große Gebäude m der geschlossenen Bau- weife im Verhältnis zu ihrer Wirtschaftlichkeit weit weniger an solchen Kosten zu tragen haben als das kleine Siedlungshaus des Arbeiters in der offenen Bauweise. Ein« Möglichkeit der Aufteilung dieser Kosten für den Siedlungsbau des einzelnen wäre schon darin zu ersehen, daß die Kosten nach der Grundstücksgröße und nicht nach der Front- meterzahl berechnet würden unter Berücksichtigung ihrer Wirtschaft- lichkeit. Darüber hinaus wäre noch zu erwägen, diese Kosten über- Haupt auf einer anderen, breiteren Vafis aufzubauen. Sollte dann später einmal durch die Herstellung einer Straße eine besonders hohe Wertsteigerung des einen oder anderen Grundstückes eintreten, so könnte diese durch eine hierauf zugeschnittene Wcrtzuwachsteuer für den Ausbau anderer Straßen erfaßt werden. Soll das Siedeln in seinem Kern gesunden, so tut hier Abhilfe dringend not. Die Wechselschiebung. Gachverffändige im ENarek-prozeß. Im weiteren Verlauf der gestrigen Verhandlung des Sklarek-Prozeffes erstattete der als Sachverständiger hin- zugezogene Staatsfinanzrat Welttzien sein Gutachten über das Wechselgeschäft zwischen den Sklareks und der Stadtbank. Der Sachverständige betonte einleitend, sich nur allgemein äußern zu können, weil er der bisherigen Verhandlung ja nicht bei- gewohnt habe. Die Handhabung des ganzen Geschäfts erscheine ihm vom kaufmännischen Standpunkt aus überhaupt nicht erklärlich und die Hereinnahme der Wechsel, die nach Angaben der Stadtbank- direktoren nur eine Ausatzsicherung sein sollte, sei ziemlich sinnlos. Man hätte sich zümindestens über den Charakter der Wechsel Ge- wißhcit verschaffen müssen. Die Frage des Vorsitzenden, ob sich die Stadtbankdirektoren als ordenlliche Kaufleute bezüglich der Kredit- Würdigkeit der Sklareks damit begnügen konnten, daß sie z. B. mit Oberbürgermeister Böß auf gutem Fuße standen usw., vermochte der Sachverständige nicht genau zu beantworten und meinte, daß Die kleinen Sünder.,. Opfer der Not und der Versuchung.— Moabit im neuen Jahr. Der erste Sitzungstag im neuen Jahr sah in Moabit lauter kleine Leute— Opfer der Not, der Versuchung, des Leichtsinns— vor Gericht. Ein Arbeitsloser, ein unvorbestrafter 22jähnger Bürogehilfe, wohnt in Untermiete. Aus irgendwelchen Gründen erhält er keine Unterstützung, hat keinen Pfennig Geld, schuldet seine Miete; er ist verzweifelt und begeht in diesem Gemütszustand eine Dummheit: in Abwesenheit seiner Wirtin entnimmt er ihrem Schrank 50 M., ein Paar Stiefel dazu, und verschwindet. In den gestohlenen Stiefeln wandert er obdachlos durch Berlin— Straßen ohne Ende—; er furchtet, verhaftet zu werden. Als die 50 M. aufgebraucht sind, schreibt er an die Schwester: Ich weiß, was ich getan habe, der Weg führt nach Moabit. Und nun steht er tatsäch- lich vor dem Richter. Meine Tat ist verwerflich, sagt er, ich habe Strafe verdient. Der Zweiundzwanzigjährige erhält drei Monate Gefängnis. Sollte sie Auskunft über ihn günstig lauten, so bekommt er Bewährungsfrist. Keine Not litt die etwa 27jährige Hausangestellte N., deren Sache gestern die Schnellschöffengerichtssitzungen des neuen Jahres einleitete. Vielleicht hallen die Lebcnsgewohnheiten einer reichen „Herrschaft" auf das Fräulein abgefärbt; es machte den Eindruck einer Halbweltdame.„Ich hatte immer Stallungen in guten Häusern", sagte Fräulein N. Und in dem letzten guten Hause entnahm es oem Geldschrank nicht mehr und nicht weniger als vier 1000-Mark-Scheine. lieber das Vorhandensein des Geldes wußte es von der Arbeitgeberin. Und als diese eines Tages im Schrank den Schlüssel stecken ließ, öffnete die Angestellte das Safe und nahm das Geld nn sich.' Als wäre nichts passiert, verblieb sie in ihrer Stellung. 3800 M. fand man noch bei ihr.-„Warum haben Sie dos getan, mein Fräulein", fragt sie der Vorsitzende. „Ich wollte ein Geschenk für meine Freundin zu Weihnachten kaufen. Ich habe von den 200 M. nichts für mich ausgegeben." „Sie müssen doch aber im Besitz von Geld sein?"„Ich habe immer so viel verschenkt." Das Gericht verurteilt« das„Fräu- lein" zu zwei Monaten Gefängnis.„Je größer die Summe". ineinte der Richter,„um so größer die Verführung. Bei günstiger Auskunft erhält auch diese Angeklagte Bewährungsfrist. Drei Monate für den armen Teufel, der 50 M. und ein Paar Stiefel stahl, zwei Monate für die Hausangestellte, die das noble Fräu- lein spielen wollte und die Kleinigkeit von 4000 M. einsteckte. Die strafbare Nebenarbeit. Opfer fremder Not und seiner Gutmütigkeit wurde der Färbercibesitzer T. Noch vor einem Jahr beschäftigte er 120 Ar- bciter, jetzt sind es nur 65. Vor Weihnachten kam zu ihm einer der entlassenen Arbeiter; er wollte seine Angehörigen in der Heimat besuchen, mit seiner Arbeitslosenunterstützung in Höhe von 8,50 M. ging das nicht gut. Ob er nicht etwas hinzuverdienen könnte. Was soll ich mit Ihnen anfangen, meinte der Färbereibesitzer. Sie sehen ja, ich habe keine Arbeit. Vielleicht eine Kleinigkeit, meinte der Arbeitslose. Na, schön, kommen Sie mal morgen: ich finde schon etwas für Sie. Und so arbeitete der Mann vier Tage; den ersten Tag 12 Stunden, den nächsten 6 und zwei weitere Tage je drei Stunden. Das Ergebnis waren 26,40 M. Der Mann dankte, kaufte für die Seinen einige Kleinigkeiten als Weihnachtsgeschenke und fuhr in bester Stimmung in die Heimat. Irgend jemand hatte ihn aber bei dem Arbeitsamt angezeigt. Er wurde wegen Betruges zuun- gunsten des Arbeitsamtes angeklagt, der Färbereibesitzer wegen Bei- Hilfe zum Betrug. Der Etrafbefehl gegen den letzteren lckutete auf 80 Mark.. Er legte Einspruch ein, der Staatsanwalt beantragte vor dem Einzelrichter eine Geldstrafe in Höhe von 1000 M. oder 100 Tage Hast. Der Richter erkannte aber die Motive dieses Färberei- befitzers an,— sie seien iltenschlich verständlich, sagte er, wenn sie auch den Gesetzen zuwiderliefen. Eine Geldstrafe in Höhe von 20 Mark oder zwei Tage Hast genügte. Der Arbeiter ist aus der Heimat noch nicht zurück. diese Frage wohl vom Gericht selbst entschieden werden müßte. Er persönlich würde sich allerdings über die Qualität des Kreditnehmers weiter informiert haben. Von der Verteidigung der Stadtbankdirektoren wurden dann gegen die Art des Gutachtens Bedenken geltend gemacht und vor allem bemängelt, daß der Sachverständige, Staatsfinanzrat Weltzien, erst in dieser Verhandlung anwesend war und den früheren Verlauf des Prozesses nicht persönlich erlebt hat. Nach längerer Beratung des Gerichts verkündete Umtgerichtsrat Keßuer dann als Beschluß des Gerichts, daß von der weiteren Vernehmung des auf Ersuchen des Vorsitzenden erschienenen Sachverständigen, Finanzrat Weltzien, Abstand genommen werde, weil dieser erklärt habe, daß er auch in Zukunft nur in längeren Zwischenräumen zu dem Prozeß erscheinen könne. Der Vorsitzende bemerkte hierzu, daß auch das bisher er- stattete Gutachten dieses Sachverständigen keine Verwendung finden solle. Hierauf erstattete der Sachverständig«, Regierungs- und Bank- rat N i ß l o, sein Gutachten über das Wechselgeschäft, in dem er zu der FeststAlung kam. daß die Bonität der von den Sklareks ein- gereichten Wechsel nicht als ausreichend erachtet werden könnte. Nach einer gewissen Grenze hätten die Wechsel nach feiner Ansicht auch nicht mehr von der Stadtbank hereingenommen werden dürfen, weil sie nur eine als wertvoll anzusehende Unterschrift trugen. Das von der Stadtbank den Sklareks gegenüber angewandte Verfahren habe er sonst bei keiner anderen Bank beobachtet und seines Er- achtens hätte die Stadtbank auch nur gegenüber den Sklareks so gehandelt. In der sich auch an dieses Gutachten anknüpfenden Erörterung behauptete Leo Sklarek wiederum, daß die Direktoren zu jeder Zeit Bescheid gewußt hätten, was Schmitt und H o s f m a n n aber bestritten. Der Angeklagte Buchhalter Lehmann meinte gleich- falls, aus den Aeußerungen der Stadtbankbeamten Höge und Schröder entnommen zu haben, daß Schmitt und Hossmann iin Bilde waren. In diesem Zusammenhang ging man abermals daraus ein, daß die von der Stadtbank diskontierten Wechsel angeblich aus einem Rußland-Geschäft der Sklareks stammen sollten. Bemerkenswert� war dann noch die Feststellung des Sachverstän- digen N i ß l e, daß die Prüfungen, die von Beamten der Stadt- dank bei den Sklareks vorgenommen wurden, eigentlich nicht als Prüfungen, sondern nur als Büchereinsichtnahmen von sehr bedingtem Wert bezeichnet werden könnten. Nach weiteren Er- örterungen, bei denen es wiederholt zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Leo Sklarek und Stadtbankdirektor Hoffmann kam, wurde die Verhandlung dann aus Donnerstag, 9 Uhr, vertagt. Sendeantenne zerstört. Magdeburger Rundfunk mußte Sendung einstellen. Magdeburg» 4. Januar. Um 18.30 Uhr riß ein heftiger Sturm die Antenne des Magdeburger Rundfunksenders um» so daß der Tendebctrieb eingestellt werden mußte. Neuer großer Gprengstoffdiebstahl. Troisdorf. 4. Januar. Im hiesigen Betriebe der Rheinischen Dynamit- werke A.-G. ffrüher Rheinisch-Westfälische Spreng- stoff A.-G.) verschafften sich nachts Diebe durch ein «fenster Zutritt zum Sprengkapfellagcr und entwendeten, soweit bisher festgestellt ist» 2 00 0 Sprengkapseln. Kaffee Hag wieder 10% billiger! Das große Paket RM 1.46 Das kleine Paket RM 0.73 Die Devaheim-Anklags. 25eim Landgericht Ävgereicht.- Sehr viel„ehrenwerte" Männer. ftcm Oevaheim-Skaadal wurde gestern bei Orohen 5iraskommer des Lendzerichts I die Anklage- fch r i s t der Slaalsanwallschaft I eingereicht. Die Anklage richtet sich gegen den früheren Leiter des Deva- ?cim-Konzcrns, Wilhelm I e p p e l, den ehemaligen Vorsitzenden de? Anfsichtsrats, Pastor v. Cremcr, den Prokuristen Ernst Wilhelm C r e m e r, den früheren Bevollmächtigten der Auslands- onleihe beim Ccntralousschuß für Inncrc Mission, Gustav Kollmar E l a u ß e n, ferner gegen den früheren Vorsitzenden des Aussichts- rats der Mlllheimer Baugenossenschaft, Pastor Müller, und gegen die früheren Direktoren der Baugenossenschast in Mülheim, Paul I e p p e l und Kocks. Den Angeschuldigten Wilhelm Jeppel, Pastor D. Eremer und Ernst Wilhelm Eremer wird eine Reihe von Untrcuehandlungen 5um Nachteil der im Devaheim-Konzern zusammengeschlossenen Es- iellschaften des Centralausschusses für Innere Mission zur Last ge- legt. Diese Untreuehandlungen werden vor allem in der Ver- wendung von Spargeldern zu unzulässigen Geschäftstransaktionen und eigennützigen Zwecken erblickt. Allen drei Genannten wird auch Bilanzverschleierung vorgeworfen, Wilhelm Jeppel und Ernst Wilhelm Cremer außerdem Betrug zum Nachteil von Sparern und Kreditgebern. Wilhelm Jeppel werden in diesem Zusammen- hang auch Urkundenfälschungen zur Last gelegt. Claußen wird wegen Veruntreuung von Geldern der Auslandsanleihe des Cen- tralausschusses für Innere Mission, die er zu oerwalten hatte, in drei Fällen angeklagt. Den Angeschuldigten Paul Jeppel und Kocks in Mülheim wird Betrug in zwei Fällen und Bilanzver- schleierung zur Last gelegt, Paswr Müller Untreue zum Nachteil der von ihm als Aufsichtsrat betreuten Mülheimer Baugenossen- schaft. Die Staatsanwalstchaft hat beantragt, gegen die Angeschul- digten gemäß der 3. Notverordnung vom 6. Oktober 1931 das chaupwerfahren vor der Großen Strafkammer des Landgerichts l Berlin zu eröffnen. Die ersten Ermittlungen der Staatsanwalt- schaft in dieser Sache begannen am 25. Juli 1931. Am 12. De- zcmber 1931 wurde die Voruntersuchung geschlossen. Onkei Sepp, der Räuber. Guter Fang der Berliner Polizei. Beamten des Sonderdczernats für Geldschrankeinbrüche der Inspektion II im Berliner Polizeipräsidium ist ein guter Fang geglückt. Johann R z e p s k i, ein gefährlicher Einbrecher, Banden- führcr und Bankräuber ist oerhaftet worden. Johann R., der in seinen Kreisen auch„Onkel Sepp" und Polenjoseph" genannt wird, war vor einiger Zeit nach Berlin gekommen und hielt sich in der Gegend des Schlesifchen Bahnhofes auf. Die Berliner Kriminalpolizei, die nach zwei Männern fahndete, die als Knacker in Mecklenburg zahlreiche Einbrüche oerübt hatten, zu denen sie Motorräder benutzten, stieß plötzlich in der Koppenftroße auf„Onkel Sepp". Der Mann, der mit einer Lederjacke bekleidet war, fiel ihnen auf. Sie verfolgten ihn und beobachteten das Haus, in dem er verschwand. Gegen Morgen drangen sie dort ein und nahmen ihn fest. Joseph R. hatte bei einem polnischen Vorschnitter Unterschlupf gesunden. Er benutzte hier die Personalien eines gewissen„Albert", über den er genau Bescheid wußte. Die Polizei wußte dos aber auch, sogar noch besser, denn es war ihr bekannt, daß jener Albert zur Zeit im Zuchthaus faß, so daß es Joseph R. nicht sein konnte. Bei der Durchsuchung des Schlupfwinkels fand man mehrere Pistolen. „Onkel Sepp" hat in Mecklenburg mit seiner Bande zirka vierzig Einbrüche ausgeführt. In Steltin überfiel er Ende April und Mitte Oktober 1931 unter Benutzung gestohlener Prioatoutos zwei Bankboxten. Während seine Komplicen gefaßt wurden, konnte Joseph R. flüchten. Seine Mittäter erzählten, daß er in Polen einen Beamten erschossen habe. Als man seiner jetzt habhaft wurde, benachrichtigte Berlin die Stettiner Behörden, die ihn ab- holen ließen. Der Bandenführer war erst ganz kurze Zeit in Berlin. Einbrccher drangen in der Nacht zum Montag in die Räume des Winterfeldt-Palastes in der gleichnamigen Straße ein. Sic kamen in das Büro und entdeckten hier einen Wandschrank in der Größe von etwa 69 mal 89 Zentimeter. Da es ihnen zulange dauerte, bis sie den Schrank öffnen konnten, rissen sie ihn einfach kurzerhand heraus und flüchteten damit. Wie verlautet, sollen sich in demselben etwa 6000 M. bares Geld befinden. Die Täter sind unerkannt entkommen. Nacht««?>li>g durch die»ergegeuca Wiulcl AU-Btilius. Die nächste Wanderung«eranstaltet das Bezirtsaml Echöucberg am Mittwoch, dem !>. Januar, unter Leitung Georg Bambergers. Treffpunkt 20 Utir im c-phraimhau-, Poststr. 1ö, Ecke Mühlendamm. Teilnehmergebühr 1 M. Wegen ics grohea Andranges ist es ratsam, die Teilnehmerkarten im Dornerkauf zu entnehmen(Buchhandlung Dobbcrtin, Hauptstr. HO, Postkarteuverlag Walter, C. 2, Poststr. 12, Hcmpcl, Molkenmartt 1). Dm Meere wieder einrissen. Schätze Kommen wieder ans Tageslicht.- nie Flaue hei Scana-Fte». Tie englische Bcrgungsfirma, die die vor Scapa Flora versenkte deutsche Kriegsflotte heben wollte, hat ihre Arbeiten vorläufig eingestellt. Bineta, die versunkene Stadt, eines der schönsten Märchen- gebilde aus Kindhcitstagen, scheint in einer realistischen Form Wirk- lichkcit zu werden. In unserem Zeitalter der Technik geht man daran, die Schätze, die auf dem Meeresgründe liegen und von denen die Chroniken berichten, zu heben und sie für die Nachwelt nutzbar zu machen. Im Nemi-See wird dem Grundschlamm ein Kaiserschifs aus altromischcr Zeit entrissen. An der spanischen Küste, im mexikanischen Golf, an den alten holländischen Fahrstraßen des Nordmeeres sind jetzt überall Taucher und Hebevorrichtungen am Werke, um die vor Jahrhunderten versunkenen Schätze ganzer Schisfsstädte wieder zu heben. Einer der bekanntesten versuche wird unmittelbar an der hollän- dischen Lüste unternommen. Seit 100 Jahren versucht man dort eine alte Goldslolle zu heben, um sich in den Besitz der Goldbarren von mehreren Millionen Mark zu setzen. Diese Armada segelte einst von Westamerika herüber, um die Tresors der Mynhscrs von Holland mit frischem Golde zu füllen. Unter den Augen der eigenen Reeder versank die Flotte in den Fluten der aufgeregten Nordsee. Dreimal schon wurden dort erfolgreiche Tauchvcrsuche unternommen. Das große Kapital, das in diese Unternehmungen investiert wurde, hatte sich stets gelohnt. Man schätzt, daß bisher etwa 3% Millionen Goldmark geborgen worden sind. Jetzt hat eine Gesellschaft die Tauchversuche wieder ausge- nommen, um den letzten und größten Teil des versunkenen Schatzes zu heben. * Bor einigen Jahren wurde ein anderes Experiment gewagt. Hoch oben/ an der schottischen Küste, in der Bucht von Scapa-Flow, liegt die deutsche Kriegsflotte aus dem Meeresgrund. Nach dem Waffenstillstände wurden die Großkampfschifse ausgeliefert und in Scapa-Flow interniert. In der öden und stillen Bucht sollten die Schisse jahraus, jahrein sich mit den Gezeiten um ihre Ankerketten drehen. Der deutsche oberstkommandiercnde Admiral ließ in einer Nacht die Bodenvenlile der Schisse öffnen und die ganze Flotte versank laul- und rettungslos in den Fluten. Die Mannschaft halte sich vorher in Sicherheil gebracht. Abgesehen von den politischen Folgen dieser Tal, entstand ein ungeheurer Malerialyerlust. Jedes dieser versenkten Großkampsschisse war eine schwimmende Fabrik, eine kleine Stadl für sich. Im Kriege hatten die großen Linienschiffe und Panzerkreuzer durch- schnittlich 1000 Mann Besatzung und jedes verfügte über Räumlich- leiten, die in ihrer Vielheit und Wirrnis an das Durcheinander eines Großkaufhauses erinnerten. Es mag den Laien unsinnig erscheinen, Pläne zu erwägen, diese versunkene Flotte zu heben, um die Millionenwerte irgendwie nutzbar zu machen. Denn die Schiffe sind durch die Strömung völlig verschlickt und es kostet ungeheure Summen, auch nur eines davon zu heben. Man muß sich aber den Ricscnmatcrialwert vor- stellen, um die Bedeutung der Hebeverjuche ermessen zu können. Bon den 32 Großkampfschiffcn, die in Scapa-Flow versenkt worden sind, hatte jedes einen durchschnittlichen Herstellungswert von rund 50 Millionen Mark. Ja, die zwölf Schiffe der Kaiser- und Königs- klaffe, die größten Linienschiffe, über die die ehemalige deutsche Kriegsflotte verfügte, repräsentieren jeweilige Bauwerte von 00 bis 70 Millionen Mark. Und die großen Panzerkreuzer, die erst im Kriege fertiggestellt wurden, kosteten jeder 80 Millionen Mark. Die Schisse waren nicht nu>' mit den modernsten Kricgsgcräten, sondern auch mit hochwertigen Turbinen und Kesselanlagen, nautischen Ge- räten und Signaleinrichtungen versehe». Die Sachverständigen der britischen Admiralität schätzten nach den ersten Bergungsoersuchen den heutigen Materialwert der Schiffe auf rund 3 Milliarden Mark. Der tatsächliche Wert der Schiffe betrug l'A Milliarden Mark. Die Firma, die die Konzession zur Hebung der Kriegsschisse erworben hatte, versprach sich allein durch Abwracken und Verschrotten einen Millioncnerlös. Die Hebungsarbeilen stießen auf große Widerstände, viele Schiffe waren gekentert, ehe sie ganz versanken. Manche halten sich so seitlich gelegt, daß erst umfangreiche Tauch- und Schweiß- arbeilen notwendig waren, um überhaupt mit den eigentlichen Vorbereitungen der Hebung beginnen zu können, und wieder andere waren so verfchlickt, daß man kaum an die Schiffskörper herankommen konnte. Dabei lagen die Schiffe in Mccresliefen, die auch die Taucher- arbeiten ungeheuer erschwerten und verteuerten. Unsere heutigen Tauchvorrichtungen, soweit sie zur praktischen Arbeit unter Wasser wirtlich benutzt werden können, lassen ein längeres Verweilen nur in verhältnismäßig geringen Tiefen zu— eine neue Erfindung eines Kölner Tauchers soll diesen Zustand allerdings ändern. In Scapa- Flow liegen die Schiffe so ungünstig, daß eine ziemlich große Zahl Taucher an vielen kurzen Wechselschichtcn tätig sein mußte, um die ersten Vorbereitungen zum Heben der Schisse treffen zu können. Bei den dort vorherrschenden Meeresströmungen und den Tiefen war ein längeres Berwcilen unter Wasser unmöglich. Um die Schiffe zu heben, mußten in erster Linie die Oeffnungen der Bodenventile gedichtet werden, dann wurden große Hcbetanks versenkt und seitlich an den Schiffskörpern befestigt. Hatte man Trossen und Ketten in genügender Zahl unter die Schiffskörper gezogen, so pumpte inan die Tanks leer und hob so allmählich die llobigen Schiffsricsen an die Oberfläche. Welche Lasten dabei zu bewältigen waren, erhellt daraus, daß die Schiffe bis zu 40 000 Tonnen Wasserverdrängung hatten und infolgedessen ebenso schwer waren. Eines der ersten Großkampfschifse, das gehoben wurde, war der ehemalige Panzerkreuzer„hindenburg". Das Schiff war vor- wiegend ein Kriegsbau und Halle nicht weniger als 89 Millionen Mark gckostek. Als es versenkt wurde, holte es noch nicht drei Jahre auf See gefahren. Als es geborgen und abgeschleppt wurde, stellte sich heraus, daß durch die Einwirkungen des Scewasfers, Triebsandes usw. der Erlös für das Verschrotten nur um ein geringes höher war als die Kosten— für die Hebung. Aus diesem Grunde wurden vorläufig die Ber- gungsarbeitcn abgebrochen, und die Gesellschaft verzichtete aus die Konzession zur Berschrottung der gesunkenen Flotte. So wird also „Deutschlands Zukunft", wie Wilhelm II. die Kriegsflotte bezeichnet halte, auch weiterhin unter Wasser liegen müssen, bis die Zeit ge- kommen sein wird, wo es mit neuartigen Tauch- und Hebemitteln gelingen wird, auch diese letzten Reste einer versunkenen ZetE zu bergen. S. Kehraus am Ladentisch. Im aug«nblickl«hen Zeitabschnitt allgemeiner Preissenkung hat der große Inventurausverkauf vielleicht etwas an Anreiz «ingebüßt. Gigantische Stoffmassen werden zu zwerghasten Preis- Ziffern angeboten: 600 000 Meter Samt und Seide, 800 000 Meter Wollstofsc, 600 000 Meter Baumwollgcwebe, deren Verkaufspreis zwischen einer Viertelmark und einer Mark schwanken. Eine Biertcl- Million Taschentücher bilden Pyramiden aus den Verkaufstischcn, oekorieren als Ausputz Säulen, Pfeiler und Figuren, ihr Ge- stchungspreis beginnt bei 7 Pf. Was man für ein Fünfmarkstück einhandeln kann, ist beträchtlich: ein Paar Schuhe oder eine Bett- garnitur, ein modern gearbeitetes Frauenkleid oder einen Knaben- anzug, einen Wintermantel oder einen Wollplüschtcppich. Wenn man könnte, wie man wollte, wäre dies« billige Kaufgclegenheit eine Quelle der Freude, sieht man von dem wenig erfreulichen Zeichen eines bedrohlich gesteigerten Geldwertes ob; auch der Ar- beitslöhne all dieser Reißer soll man nicht gedenken. Der total verregnete Sonntag war der Porschau dieser Herrlichkeiten in den Schaufenstern feindlich gesinnt. Am Morgen des ersten Berkaufstages tobt der Kampf in den Abteilungen der billigsten Bedorssartikel: prüfend wird am Tisch der Kragen„mit kleinen Schönheitsfehlern", die 20 Pf. kosten, gewählt. Frauen befühlen und betasten Bett- und Küchenwäsche, warme Unterkleidung, Strümpfe und Socken sind begehrt, ebenso Pullower aus reiner Wolle zu Spottpreisen: auch die Konfektion hat schon zu tun. In einem großen Schuhgeschäft sind all« Stühle besetzt, es warten sagar schon einzelne Nachfolgerinnen: da werden billige seidene Strümpfe erstanden, dort deckt sich eine schon für den Sommer mit zartgelbcn Schuhen ein, sie sagt sich, wer weiß, ob ich mir dann überhaupt noch was werde kaufen können? Trog des Matschwetters ist auf den Straßen lebhaftester Verkehr, die Frauen dominieren wieder, als die Wunschbeseelten der preiswerten Kauf- gelegenheit. Die Räume des hiesigen Generalkonsulats der Polnischen Repu- blik bleiben am 6. Januar 1932 infolge des katholischen Feiertags „Heilige drei Könige" geschlossen. Die Kirchenauslrillsbewegung nimmt auch in Berlin ständig zu. Allein zum 1. Januar dürsten in diesem Jahre in Berlin rund 30000 Personen aus der Kirche ausgetreten sein. Das würde im Vergleich zum Borjahre eine Steigerung um 5000 Personen bedeuten. Arbeiterbildungsschule. Arbeitsplan: 1. Quartal Januar bis April �932. Seminare. Fritz Naphtali:„Die Organisation des Geld- und Bank- wssens." Jeden Montag, IQVt Uhr, Lindenstraße 3, 2. Hof, 3 Tr. Hörgeld 2,50 M. Beginn 11. Januar 1932. Dr. Karl Schröder:„Die Literatur in der deutschen Gegen- wart." Jeden Freitag, Lindenstraße 3, 2, Hof, 3 Tr. Hörgelü 2,60 M. Beginn 16. Januar 1332. Zentrale Knrse. Dr. Lllsted Braunthal:„Geld-, Aredit- und Vantensrag« in der Krise." Jeden Montag. 13� Uhr, Arbeiterdildungsschule, Lindenstraße 3, 2. Hof, 2 Tr. Hörgeld 2,50 M. Beginn 11. Januar 1932. Käthe Kern:„Die Frau im Befreiungskampf der Arbeiter- klaffe." Jeden Dienstag, löl-b Uhr, Arbeiterbildungsfchule, Linden- f trafst 3, 2. Hof, 2 Tr. Hörgeld 2,50 M. Beginn 12. Januar 1932. Dr. Arkadij Gurland:„Das Proletariat im Stellungskrieg, der politische Kampf." Jeden Donnerstag, 13>- Uhr, Arbeiter- bildungsschulc, Lindenstraße 3. Hörgeld 2,50 M. Beginn 14. Januar 1932. Paula K u r g a ß:„Die Frau in der gesellschaftlichen Krise der Gegenwart." Jeden Freitag, 191»! Uhr, Arbeiterbildungsfchule, Lindsnstraße 3. Hörgeld 2,50 M. Beginn 15. Januar 1932. Friedrich Olk:„Wie schreibe ich für meine Zeitung?" Jeden Dienstag, 191b Uhr, Sitzungssaal, Lindenstraße 3. Hörgeld 2.50 M. Beginn 19. Januar 1932. Für die Seminare ist vorherige Anmeldung neuer Teil- nehmer notwendig. Auch für die zentralen Kurse ist vor- herige Anmeldung in unserem Büro erwünscht. übrig blieben. Nach Bekanntwerden des Borfalles setzte aus der Umgebung eine wahre Völkerwanderung von Neugierigen nach dem Schauplatz der Tot ein, bis die Polizei schließlich eingriff und die Knochenreste fortschaffte. Ermäßigle Eintrittsgelder bei Schulerführungen in den slaal- licheu Schlossern. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der preußische Minister für Wissenschast, Kunst und Volks- bildung um eine Erleichterung für Schülerführungen in den staat- lichen'Schlöffern zu schaffen, angeordnet, daß das Eintrittsgeld für die Besiefstigung des Schlosses und des Monbijou-Museums in Berlin sowie der Schlösser„Neues Palais" und„Sanssouci" in Potsdam für Schüler der letzten Jahrgänge der Volksschulen und für Schüler der mittleren und höheren Schulen von der Untertertia ab aufwärts von 50 Pf. auf 25 Pf. für den Kopf herabgesetzt wird. Voraussetzung für die Preisermäßigung ist jedoch, daß die Führungen in geschlossenen Klassen eriolgen und daß der Besuch vorher bei den örtlichen Schloßverwaltungen angemeldet wird. Tlisatsr, Lichtspiele usw. Knrse, die In den Kreisen stattfinden. »reis Mitte. 3. P. Mayer:„Sern Kommunistischen Manifest zum Heidelberger Programm". Jeden Montag, Ikirz Uhr, Köllmsches Gymnastum, Inselstraße. 8 Abende. Hörgeld 2 M. Beginn 14. Dezember 1931.— Käthe Kern:„Die Frau im Besrciungslamyf der Arbeiterklasse". Jeden Montag, ISlb Uhr. Sophienschule, Wcinmeisterstr. 16—17. 8 Abende. Hörgeld 2 M. Deginn 11. Januar 1932.— Paul Bernstein:„Demokratie im Sturm". Jeden Donnerstag, Ibfo Uhr, Soohienschnle, Weimneisterstr. 16— 17. 8 Abende. SozialistifcheArbetterjugendGroß-Verlin Einiendungen für diese Rubrik nur an das Zugendsekretaria» Berlin SW 68 Lmdeniiraße 3 Abteilungsleiter reicht umgehend die Perichtsbogen ein! Am Sonnabend, dem»., nnd Sonntag, dem 1». Januar, findet ein Wochcnendkursns mit dem Motto„Proletarische Festgestaltung" de, Festaus- schusses statt. Beginn pünktlich am Eonnabend am 18 Vi Uhr und am Sonntag. vormittag 9 Uhr. Es sprechen am Sonnabend: Dr. Bruno Löwenbcrg und Robert Ä. Stemmle; SonntagoormiUag! Darbietungen der Spielgruppen nnd Aussprache. Anmeldungen für die Teilnahme am üursus müssen bis zum 4. Januar dem Sekretariat eingereicht werden. Iahresmikgliederversammlungen heute. Dienstag, 19% Uhr: Gewerkschaftshaus: Äöpeuilker Str. 92.— Gesuudirunaeu I: Eotenbnrger Straße 2.— Snmboldthain: Putbusser Str. 3.— Zlordcu: Lortzingstroße.— Äeddiug: Willdenowftr. 5, I.— Wcdding.Rord: Turiner Erle Setstraße.— Wedding-Rotc Falken: Willdenowstr. u.— Brnimplatz: Sonnenburger Straße, Zimmer 4.— BaUau: Mandelstr. 2(Schule).— Helmholßplatz: Danzig-r Straße 62(Baracke II).— Nordosten I: Danziger wtr. 62(Baracke II).— Dcißcnse«: Parkstr. 36.— Südwest: Lindenstr. 4.— Charlottenburg-Nord: !.staiserin.Augustll.All«e«7a.— Stcqliß l: Albrechtstr. 47,.— Ne»»Tempelhof: "—""~—- str. H—---——- Hörgeld 2 M. Beginn 10. März 1932. -■— cell---. Hörgeld 2 M. Beginn 12. Januar 1932. Menschen". «reis Tiergarleu. Dr. Karl Schröder:„Unser Beg zum sozialistischen Jeden Dienstai 19�2 Uhr, Berger, Leoctzowstr. 11. 8 Abende. Kreis Wedding. Dr. Arkadij Gurland:„Klassenkamps UM den All, Jeden Dienstag, 29 Uhr, Pank. Ecke Wiesenstraß-. 8 Abende. Höigcl! Beginn 12. Januar 1932.— Dr. 3. Schi-fin g er:„Sowjetrußland ta von heut«". Jeden Freitag, 20 Uhr. Pank- Ecke Wiesenstraß-. 8 Abende. Hörgeld 2 M. Beginn 13. Januar 1932.. Kreis Prenzlauer Berg. Dr. Otto Mönchen;„Sowjetrußland nnd die europäische Arbeiterklaffe". Jeden Freitag, Ig'ch Uhr, Schule Danziger Str. 23. 8 Abende, Hörgeld 2 M. Beginn 22. Januar 1932.— Dr. Ernst Bock:„Die österreichische Sozialdemokratie". Eine Arbeitsrcise durch Deutschösterreich(mit Filmvorführungen). Jeden Freitag, 1ZV4 Uhr, Schule Danziger Str. 23. 4 Abende. Hörgeld 1 M. Beginn 1. April 1932. Kreis Friedrichshaiu. Walter Auerbach:„Die Entwicklung der außer- deutschen Arbeiterbewegung Europas"(England, Frankreich). Jeden Montag, 20— 2lßs, Uhr, Jugendheim Tilsiter Str. 4— 5. 8 Abende. Hörgeld 2 M. Beginn U. Januar 1932.— Dr. Karl ö ck--*•---<*--«»-'••* r---- r.rutA.., gestaltiing". Jeden Donnerstag. 8 Abende. Hörgeld 2 M. Beginn....... Entwicklung der deutschen Wirtschaft zum Monopollopitalisinus". Jeden Frei- lag 20 Uhr, Schule Petersburger Str. 4, Zimmer 6. 8 Abende. Hörgeld 2 M., Biginn 29. Januar 1932,— Gottlieb Reese:„Die Einheit von Theorie und Praxis der deutschen Arbeiterbewegung". Jeden Freitag, 20 Uhr, Schul« Petersburger Str. 4, Zimmer 6. 8 Abende. Hörgeld 2 M. Beginn 4. März 1982. Kreis Eharlottenburg: Prof. D e n i ck e:„Einführung in den Marx:-. mus" Jeden Dienstag, Igjz Uhr, Jugendheim Rofinenstr. 4. 8 Abende. Hör- geld 2 M. Beginn 12. Januar 1932. Kreis Spandau, Abteilung Altstadt: Alex S e e I i n z:„Die politischen rteien nnd ihr« Programme". Jeden Montag, 20 Uhr, Vberrealschul«,> "~]....."~|g' Hörgeld 1,50 M. Beginn 18. Januar . f i r r m a n n:„Krise und Arbeits» MWI Makepranae, Neumeisterstr. 3. 6 Abende. Sörgeld 1,30 M. Beginn 18.' Januar 1932.— Abteilung Wilhelmstabt. Karl Benebeck:„Der sozialistisch« Mensch". Jeden Montag, 20 Uhr, Höpfner, Pichelsdorser Str. ö. 6 Abende. Hörgeld 1,50 M. Beginn 18. Januar 1932.« Abtoilnng Diemensstadt. Alex S-eling:„Di- volitischsn Parteien und ibtie Prcgrannne", Jeden Freitag, 20 Uhr, Gemeindeschule- Siemensstadt, Schulstraße. 6 Abende. Hörgeld 1,50 M. Beginn 22. Januar 1932.— Abteilung Staaken. Karl B c n e b e ck:„Der sozialistische Mensch". Jeden Sonn. abend, 20 Uhr, Hoffmann, Staaken, Bahnhofstraße. 6 Abende. Hörgeld 1,50 M. Beginn 16. Januar 1932. Sveis Wilmersdori. Dr. Otto Manchen europäilche Arbetterklaise". Jeden Dienstag, 19 Vi Uhlandstr. 91—93. S Abende. Hörgeld 2 M. Beginn Kreis Zehlcadorl. Dr. Otto Manchen:„Das KommuniMsSe Moni» fest und die Gegenwart". Jeden Mittwochs 20 Uhr, Restaurant Waldhaus, Spandauer Str. 50. 8 Abende. Hörqeld 2 M. Beginn 20. Januar 1932. Kreis Schöueberg. Gottlieb Reese:„Ausbau und Aufgaben der Partei". Jeden Donnerstag, Restaurant Will, Martin-Luther.Str. 69. 6 Abende. Hörgeld 1.50 M. Beginn 14 Januar 1932. Kreis Steglitz. Dr. Otto Mönchen:„Sowjetrnßland nnd die euro- pälsche Arbeiterklasse". Jeden Montag, 20 Uhr, Lesesaal der Stadtbücherei, Srunewaldstr. 2. 8 Abende. Hörgeld*■ M Wk Hl ochierkestr. Raum 2.— Köpenick II: Dahlwitzer Str. 15.— Lichten berg-Rordwest: Heim. — Reiuickeudors-Ost: Lindauer Str. 1.— Buchholz: Heim.— Karow: Frunds. dergftr. 9.— Pankow I und'I: Heini. * Arkoaaplatz: Elisabethkirchstr. 19. Wir eröffnen das neue Jahr.— KAl- aischcr Park: Waisenstr. 18. Parteien durcheinander.— Nosenthaler Berstadt: Tieckstr. 18, Hof 2 Treppen. Lustiger Jahresanfang.— Dchillcrparl: Wir gehen zu WeddingÄord.— Andreasplatz: Lttauer Str. 18. Funktianärsitznng.— Sicichenbcrger Viertel: Reichenberger Str. 66. Erlebnisse aus meinem Betriebe. — Eharlottenburg-Westend: Sportplatz. Tncholsky-Leseabend.— Wilmersdors (Jüngere). Ih-Minuten-Reserate.— Lichterselb«: Albrechtstr. IIa. Funktionür- Versammlung.— Neukölln 13: Steinmetzstr. 94. Funlticnörversammlung.— NeukiNu VI: Treptower Str. 93— 96. Unsere Heimzeitung.— Wittenau: Bub und Mädel.— Pankow: Rot« Fallen. Kisstngensrr. 5. Funktionärvcrsanunlung. SSG. Schöneberg: Heim Hauptstr. 15. Sowjettnßland. LSG. Wilmersdorf: Wilhelmsane 126. Warristische Arbeitsgemeinschaft. SSG. Reinickendors: Schöneberger Str. 3. Weltwtrtschaftskttse. StLSl» Thealer Dlcuitng, den S. Januar Staat soper unter cen Linden 20 Ulir Cosi fan tutte StaatLtouscieito iiendanuennarirt. 20 Uhr Wailensteids Tod Schilier-Tbeater LüaricttsnbuTg. 20 Uhr Göttliche Jette > Garten- 9.15 Dh) ffin 3454 randien eflaott] 20 Zigeunerinnen spielen, „Zemganno's" fliegende leuchtende Menschen am Luftträ)paz im dunklen Raum und weitere Yarictö- Neuheiten» am Nollendorfplati I KlIllO' T llülttf üexii: Bsis: Siimkrj Pallas 7051 Täglich 8-1. Dhr Stgs auch 4V'. Uhr| 111,3 n________ Drtto Meslicim. Kjj Hansen sasparone 0,3-1» Täglich 61/» Uhr klorSen Sehls Tägl. 5 u. SVj Uhr DAS N�UE MATRAY- BALLETT £«33 33115. BETTY Min 313011 DU« 3 BONOS U.S.W. plAza TägL 5 1 Eä Uhr Slgs. 2, S. 815 Uhr DAS VEILCHEN VOM MONTMARTRE rsslälQWtiKi Arnold Scholz U-Bahn Hermannplalz• Hasenheide 108/114' T a g 1 1 e h: erodes BocKbierlesi In den beyr. Alpen Braten von 6 ganzen Schweinen auf dem Rtesanlucullus und RrBmilerung der scbdnsten Brünette— ganze Figur S Geldpreise: 50, 40, JO, 20. 10 RM 5 Kapelica» Neue DcRoralioaea» Ba;r!sau BefllfiDim; Einlaß: Wochentags 6 Uhr. Sonn'ags 4 Uhr »>.Uhr CASINO-THEA IM»/, vb, Lothringer Strafte 37. nuiuiiiMimniuiiuui Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbaanec„Schwarz-Rot-Gold". Geschäfts stelle: Berlin S. 14. Sebastianstr. 27—33, Hof 2 Tr. Kreuzbcrg(Ortsverein). Kamerad Anton Rosenfeld. Zug 8, ist ver. storben. Einäscherung Dienstag, 5. Januar, 18V� Uhr, Krema. torium Baumschulenweg. Beteiligung aller dienstfreien Kameraden erwünscht ~'■ 5, Januar, fallen all« Kamerad. her in Ordnung bringelt. Marken (Zivil).— Pankow(Ort»oer«iN)7 Dienstag schaftsützungsn aus. Nochmals: Mitgliedsb' kleben! i n ch e n:„Sowsettußland und die tag, 19(4 Uhr, Piktorta-Luise-Schule, M. Beginn 19. Januar 1982. Zenttaloerbaud der Aebeitsiuvalideu und Witwen Deutschlands,«Sau Groß. Berlin. Geschäftsstelle: Berlin W. 57, Bülowstr. 49, r. Stil. Dienetaa. 5. Januar. Eharlottenb» Lokal Arminius-Fe"' Kiehast, Grünaues Str.'tz, 18 Uhr. Weißenfee M l6..llbr. Adlershof: Lokal öchmidtdauer, Bimnarcklm. 74, 19 Uhr. Tempil- hofv Lokal Plnger, 18 Uhr. Wilmersdorf: Lokal Albert, Günzelslr. 37, Ecke Resideuzstr. 31, 18 Uhr. Schöneberg: Lokal Groß, Kaiscr�riedttck-Str. 0 17 Uhr. Oberschönewetde: Lokal Bcreinsklausc, Frischen. Ecke Luisenstraße, 18 Uhr. Prenzlauer Berg I: Lokal Glich«, Koveichagever Str. 71, 16 Uhr. Eharlottenburg: Bräustübl, Kursürsteustraße Eck« Kurfürstenbaimn, 19 llhr. Polizeisportoerei» Berlin e. B„ Abteilung Ewh«itstur,schrist. Regelmäßige llebungsabenbe jeden Montag, Dienstag. Donnerstag ud» Freitag ad 1914 llhr im Polizeischulgebäude, Hannoversche Stt. 28—20. Auch für Zivile. Anfänger., Fortbildung-, und Redeschriftkurse. Im Auftrag« der Bercinignnq der Freunde von Religio» und Böller- sriede« spricht Pfarrer Genosse B l e i e r am kommenden Sonnabend, dem 9. Januar, lÄtt, llhr, im Gemeindesaal im Rahmen einer pazifistischen Feier- stund» in Berlrn-Steglitz, Mittelstr. 33(Zugang Brette Straße), über das Thema: Der Weg zur Freiheit. Die Feier wird durch Orgel- und Gesangs- Vorträge und Weihstänzs umrahmt. Eintrtttspreis 30 Pf. Eintrittskarten sind im Borverlauf von dem Vorsitzenden Willv Schönherr, Berlinupteglttz, Schön- hauser Str. 14, Gartenhau- 1(Telephon: G 2 8178), zu haben. Itsntus". M. Beginn 18. Januar 1932. Kreis Tcmpelhok. Friedrich Olk:„Drundlaaen des modernen Ii Tcmpelhof, A Jeden Donnerstag, 19vi Uhr, Alarichschule straße. 8 Abende. Hörgeld 2 M Beginn 7. Januar 1932. Kreis Reuköll». Dr. Otto M ä n ch e n:„Warum sind wir arbeitslos?" Jeden Donnerstag. 20 Uhr. Jugendheim Bcrgstr. 29. 8 Abende. Hörgeld 2 M. Beginn 21. Januar 1932.— Walter Auerbach:„Der Faschismus in Italien". Jeden Dienstag, 20 Uhr. Jugendheim Bergstr 29. 4 Abende. Hör- geld 1 M. Beginn 19. Januar 1932. Kreis Treptow. Dr. I. Schlesinger:„Sowjctrußland von heute". Jeden Montag, 29 Uhr, Adlcrshof, Radickestr. 10—11. 8 Abende. Hörgeld 2 M. Beginn 11. Januar 1932. Srei, Lichtenberg. Wilhelm Tielge ns:„Einführung in die Welt- wirtschaftsaeoaravhic und die allgemeine Geopolttik". Jeden Donnerstag, 20 Uhr, Bibliothek, Weichfelstr. 28. 8 Abende. Hörgeld 2 M. Beginn 7. Januar 1932. Sr-is Weißens«. Mathilde W u r m:„Agrarfrage und Sozialdemokratie". Jeden Montag, 20 Uhr, Neue weltliche Schule, Parkstraße. 8 Abende. Hörgeld 2 M. Beginn 11. Januar 1932. Kreis Reinickendors-Ost. Prof. De nick«:„Das Proletariat in der Krise". Jeden Donnerstag, 20 Uhr, 10. Volksschule, Holländer Straße. 8 Abende. Hörgeld 2 M. Beginn 14. Januar 1932. Reinickeodors-Wcsi. Dr. I. Schlesinger:„Bolschewismus und Faschismus". Jeden Donnerstag, 20 Uhr. Jngendbeim Bahnhofftraße. 4 Abende. Hörgeld 1 R. Beginn 14. Januar 1832.— Dr. Arkadij Gurland: „Die geistigen Strömungen in der Arbeiterklasse". Jeden Montag, Igztz Uhr. freie Schalle, Jugendheim Hermsdorser Ecke Egidpstraßc. 8 Abende. Hörgeld M. Beginn 11. Januar 1932.— Abteilung Wittenau. Käthe Kern:„Die Frau im Befreiungskampf der Arbeiterklasse". Jeden Donnerstag, 20 Uhr, Neue Schule, Hauptstraße. 8 Abende. Hörgeld 2 M. Beginn 14. Januar 1933. Bibliothek der Arbeiterbildungsschule. Jeden Montag, Dienstaq, Donnerstag und Freitag, abends von 6 bis 8 Uhr. ist-die Bibliothek, Lindenstraße 3, 3. Hof rechts, 5. Aufgang, 2 Treppen, zur kostenlosen Benutzung für alle Mit- glieder der Partei und der Sozialistischen Arbctterjugend geöffnet. Selbstmord aus furchtbarste Weise. Mit Benzin begossen, angezündet nnd erschossen. Saitowih. 4. Januar. Auf furchtbare Weise sind in der Ortschaft Zensor bei MyZ- lowitz der Pächter Färber und eine unbekannte Frau aus dem Leben geschieden. Färber erschoß zunächst seine Begleiterin, um dann die Leiche sowie sich selbst mit Benzin zu begießen. Hier» auf zündete er die völlig durchtränkten Kleider an und schoß sich im gleichen Augenblick noch eine Kugel in den Kopf. Die beiden Körper glichen im Nu einer riesigen Feuersäule und ver- brannten so vollständig, daß nur vereinzelte verkohlte Knochenreste �00 Lahre Bockbier. In der Hasenheide gibts«in bedeutsames Doppeffubiläum: wie die Chronik erzählt, soll dem Süddeutschen Georg Leonhard Hopf das Verdienst gebühren, den Spreeathenern vor einem Jahr- hundert ein Bier, gebraut nach bayerischer Art, als erster kredenzt zu haben. Dieser braune Stöfs bajuvarischen Ursprungs scheint nun das schwere norddeutsche Blut kräftig in Wallung gebracht zu haben, denn— so erzählt die Chronik weiter—„mit der Vervollkommnung des Hopfschen„Bockbieres" steigerten sich die Berliner Gesell- schafts- und LolksvLrgnügen und begamien. immer größere Ausmaße anzunehmen: so entstand vor 50 Iahren„als belangreiche Einrichtung an der Bannmeile des städtischen Gebietes die Neue Welt in derHasenheide, die dem Vergnügen der städtischen Ausflügler dienen sollte". Entschieden mögen unsere Vorfahren etwas fröhlicher geblickt haben, als wir es heute tun: trotz und allem aber ist diese traditionelle Amüsierstätte mit all ihrer Harm- losen Fröhlichkeit immer noch beliebt und in der Siloesternacht, als dem Eröffnungstermin, war alles überfüllt. Mit bewundernswerter Zähigkeit versuchen die bayerischen Musiker durch kräftigste Bläser- töne Stimmung in die großen Säle zu bringen. Es wird geschah- platten, ulkige Ringkämpfe werden ausgetragen und der heimatliche Watschentanz steigt. In jedem Raum wird getqnzt, in jedem Raum wird musiziert, die bayerischen Heben wallen ihres 2lmtes und well das ganze, wenigstens für einen einmaligen Besuch, immerhin erschwinglich ist, so geht alles einmal hin und macht den fröhlichen Rummel mit. Jeden Dienstag gibts Prämierungen mit Geldpreisen, den Ansang macht die„schönste Brünette ganzer Figur", der ein erster Preis von 50 M. winkt, nebst vier Nebenpreisen. Es gibt sehr hübsche neue Dekorationen in den einzelnen Sälen, da ist unter anderem ein Weindorf, auf dessen allen Marktplatz die Dorfmusikantcn auf- spielen, an den Wänden gibts fröhliche Sinnsprüche mll Jllustra- tion, die Rutschbahn ist wieder da, das Alpenglühen mll Blitz- und Donnergefolgschaft: a Hetz mll einem Wort! Dis neue Posse Was man ans Liebe tut üaru die Gesangs- und Tanz- Operette Das Scheidniigs- Souper and der boote Varieie-TeU. Gutschein I-4 Personen; Paikett SO PI.. Pameuii I.— Mark. Sessel IJO Mark. »•••«eo Bekanntmachung. Die m der Zell vom 1. Aprll bis 30. Juni 1930 oerfetzten Pfänder sind versteigert worden, lieber- schüsse sind bis zum 4. Aprll 1932 abzuheben. Staatliches Leihamt. §ism.0per Charlotten borg SismarcksDaUe 34. Dienstag, 5. Januar Turnus Iii Anlang 20 Uhr Boheme Ende 22 Uhr VoiKsbilhne Tbeatei am MmM 8 Uhr Die GroOBerzogin von üeroisieln StaitL Siiller-Itieatei 8 Uhr sie äfttttidie leite metropoi-ineafer Täglich S'k Uhr Ein Lied der Liebe Hieb. Tauber Ann! Ablers Vorvatwii! muaterliwiiMi Theater desWeatens Täglich SV. Uhr Karl Jökcn in Der Vogelhändler Murg. Slcz.k Lotte Carole Preise von SO PI. an Pbiihannonle 8 Uhr iinfoDie-tM dPhiiharmon-Orch Dirig ProlJ Prüwer Sonimrairtjtrairaifllei)- delsMbnl.Tlil Enlenspiegel (Stmm). Slulimle 4 (Sralmu) Eintritt I M. WlllftDu fchone Böden haben fNimm nur «v'H» Vmit dem Raben Mit Wenmarkem SiMeiMllailMM Siensfag ben 5. Januar, abenbs 2 Ahr. Im Scrbanbehaasc, «tsSsserStr SS 88 SlagangB(Saal2) Versairmlnnfi d. EleKlromonteure n. Beller Tagesorbnung 1. Branckcnangelegenheiten. 2. Berichtebenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Es ist Pssicht oller Kollegen und Kolleginnen, an dieser Dersainmlung bestimm: teilzunehmen. Donnerstag den 7. Sannar, nachm. 1 Ahr, Im Aerbauvnhau», EtsSsser Straf)« 86 88. Cingang It, Sihnngssaal 2 Treppen Brandien- Ttrsaramiamt sBm 1. arbeitslos. Mastölnen-, flolor-, AalO' und Reparatur' sdüosser Tagesordnung: 1 Bortrag über. Die Nene Rotverorbanug. 2. B:anchenang«Iegeah«Uen. d. Berichiebene». Ohne Mllgltebsbuch kein Zutritt. Da, Erscheinen aller Kollegen ist ugbe- dingt notwendig. vouuerslag nachm 8«Hr. tu—~—----- Haas. Stalther Strahe»28 Verse mmiuuS «an,», unter dem Retdistarl. arbeitenden 6raveure, Ziseleure u. verwandten Berufe Tagesordnung: 1. Stricht über die Retchstarif-Per- handtnogen. 2. Dtswlsion. Ohne Mttglledsbuch kein gutritt. Es ist Pssicht aller Kolleginnen und Kollegen, an dieser Versammlung teil,ll- nehmen Ute Orts1 Bgfllstlies Itieaier 8 Uhr Der Raub der Sablnerlnnen Regie. Hans Deppc. Alben Bassermann, Felix Bressatt L Höflich, R chard Die llomöQie 8',. Uhr Die ilema-BonH von Louis Verneuil mit yiaxPallenherg KurlürsieriGamiG- Theater j 1 448-«>., Uhr Gihp. IdiitrilW-PioOskl Pfahaeonny von Brecht u Weilt I»u.:3-d«r.»aa.l-äe-,: |. Bürger TDeater im Admireisnaiast Täglich 8'/. Uhr Gina flipar in Die»nbai-ry Preise v. O.SO M an den T. Janaue in Swalvs Vereins Rose- 1 neater unl« fraaktorter Slrali 132 U.«ediul E 7»22 8>. Uhr Eine Frau von Format AJexanderplatz Neue Königstr. 4.3 Magenbeschwerde, i. 1-2 Tabletten BullrichSah Jm, jetzt Tabletten r. fj nur 0,20 \# 100 gramm ■' nur 0, 25 3lr. 5* 49. Jahrgang 2. Beikage des Vorwärts Dienstag, 5. Januar 4932 Notbauten im Welthandel. Vergeblicher Kampf gegen das Chaos- Reue Kredii- und Reparationspoliiik! Der normale Warenaustausch zwischen den Böllern ist heute weitgehend unterbrochen. Währungsstörungen und De- visenzwangsregelungen in mehr als 20 Ländern und die Ab- sperrung des internationalen Kredit- und Kapitalverkehrs infolge des allseitigen politischen und wirt. schaftlichen Mißtrauens hoben die Zollbarrieren erhöht, das System der Einfuhrverbote gestärkt und den Gedanken der �nationalen Selbstgenügsamkeit' lAutarki«) bis zur Psychose gesteigert. Dabei sind die Bölker nach wie vor auf den Austausch angewiesen. Die Versuche häufen sich deshalb, die Einbrüche in das bisherige handelspolitische System der Welt durch den Bau von Notbrücken, die von Fall zu Fall für die Durchführung e'mzel- uer größerer Geschäfte errichtet werden, weniger gefährlich zu machen. Die wenig solche versuche bisher gefruchtet haben. dafür einig« Beispiel«: Von deutscher Seit« wurden die ersten solcher Tauschgeschäfte versucht. Man wollte 500 000 Tonnen Nuhrkohle gegen 200 000 Sack Brasilkaifee umsetzen. Dem lag der Gedauk« zugrunde, daß man auf beiden Seiten die gewaltigen Lagerbestände verringern wollte. Der Plan ist dann ebenso schnell in der Versenkung verschwunden, wie er ausgetaucht war. Ein ähnliches Tauschgeschäft wurde zwischen argentinischen Genossenschaften und einer deutschen Industriegruppe versucht. Nach einem von der argentinischen Regierung genehmigten Plan sollten in Deutschland rund 700 Elevatoren und umfangreiches Ber- kehrsmateriol bestellt werden: die Gegenlieferungen sollten in Weizen, Mais, Fleisch. Baumwolle und anderen argentinischen ProSukten bestehen. Auch von diesem Geschäft wurde nur der Plan bekamck. Mit Jugoslawien sollte aus der Grundlag« ver- bandelt werden, daß Deutschland für 20 Millionen Mark In- dustrieprodukt« liefert, die bisher als Sachlieferungen nach Jugoslawien kamen. Jugoslawien sollte dafür Getreide liefern. Auch aus diesem Plan ist nichts geworden. Gemeinsam war allen diesen Versuchen, unter Ausschaltung von Barzahlungen zwischen den beiderseitigen Lieferanten und Käufern die Waren direkt zu tauschen und gegenseitig aufzurechnen. Die bisherigen deutschen Ersahrungen rechtfertigen die Erwartung nicht, daß auf diesem Weg« auch nur annähernd«ine Uebcrwindung der oll- gemeinen handelspolitischen Spannungen möglich fein wird. Auch die im Ausland gemachten Erfahrungen rechtfertigen »ur pessimistische Auffassungen. Zwischen Brasilien und den Bereinigten Staaten von Nordamerika ist ein Aus- tauschgeschäst von 1,28 Millionen Sock Brasilkaffee gegen 25 Millio- nen Bushel amerikanischen Weizens zustandegekommen. Aber noch Eintreffen der ersten Weizenlieferung wurde festgestellt, daß es sich um minderwertige Qualitäten handelt, die Annohme wurde ver- weigert und das Geschäft kam nicht zustand«. Noch nicht abgeschlossen ist ein Tauschgeschäst zwischen schwedischen Pro- duktions- und Handelsfirmen und dem persischen Außenhandelsmonopol. Persien hat Aufträge für die Lieferung von Eisenbahnmoterial im Betrag von 2,5 Millionen Dollar erteilt und oerhandelt über weitere Aufträge bis zu einem Gesamtwert von 15 Millionen Dollar. Bon Persien sollen Früchte, Häute, Wolle, Kupfer, Silberwaren, Tee und Tabak geliefert wer- den. Die Vertragspartner gewähren sich gegenseitig Einkaufskredite in ihren Ländern; nach Abschluß der Verkäufe sollen die Beträge gegenseitig ausgerechnet werden. Ferner wollen Polen und Iu g o s l a w i« n gegeneinander Ersen und Tabak im jeweiligen Wert von 5 Millionen Schweizer Franken tauschen, die T sch e ch n» s l o w a k e i will mit Aegypten einen Rohstoffvertrag ab- schließen, t-er an die Abnahme tschechischer Produkt«, in erster Linie von Zucker geknüpft werden soll. Sie will ferner mit Nuß- l a n d Tauschgeschäfte derart machen, daß Rußland Getreide und die Tschechoslowakei Eisen liefert. Rußland wiederum will mit Chile einen Tau-schvertrog schließen, durch den Chilesalpeter gegen russisches Oel ausgehandelt wird. So mehren sich auch im Ausland solch« Notpläne als weltweite Auswirkimgen der Störungen im bisherigen handelspolitischen System. In dasselbe Gebiet gehören auch alle Pän«, die auf dem Ge- danken der Gegenseitigkeit und der Kontingentie- rung- beruhen.-Das-Neueste aus diesem Gebiet sind die Ber- Handlungen zwischen Deutschland und Rußland. Von russischer Seite liegt dabei tos Bestreben vor, für seinen starken Bedarf an Industrieprodukten in Deutschland eine Absatzsicherung für Agrarprodukte zu erreichen. Bore Zahlungen sollen durch die Errichtung eines Warenclearings(Warenabrechnung) ausgeschaltet werden. Aehnliche Vereiickwrungcn sucht Rußland auch mit anderen Ländern zu treffen. Allen diesen Versuchen steht das Merkmal des Not« b e h e l f s viel zu deutlich auf der Stirn, als daß man auch nur einen entfernt ausreichenden Ersatz sür den normalen freien Ber- kehr zwischen den Völkern erwarten könnte. Ein noch so schlechtes System allgemeiner Handelsverträge mit gegenseitiger Meist- begünstigung ist und bleibt solchen Versuchen weit überlegen. Daß der Bau solcher Notbrücken aber wieder eingestellt wird, hat zur Darausfetzung. daß das politisch« und wirtschaftliche Vertrauen in der Welt wieder hergestellt wird. Den größten Un- sicherheitssaktor auf diesem Wege stellen auch jetzt noch die R e- parationen und die internationalen Kriegs- schulden dar, deren vernünftige Regelung allein auch den intcr- nationalen Kredit- und Kapitalverkehr und damit auch die Handels- politischen Beziehungen der Völker wieder in Ordnung bringen kann. Die Regelung der Zinshöhe. Vertragsabschluß zwischen den Bankgruppen. Am Donnerstag soll zwischen den privaten Banken, Sparkasse», öffentlichen Kreditanstalten, Genosseiffchaften, Arbeiterbanken und Beamtengenossenschastsoerbänden ein Vertrag abgeschlossen wer- den, der die Grundlage für die zukünftige Zinsbercch- n u n g bei Guthaben und gewährten Krediten schaffen soll. Die vierte Notverordnung hatte festgelegt, daß bis zum 31. Dezember ein freiwilliges Abkommen zwischen den verschiedenen Banksystemen zur Regelung und zur Senkung der laufenden Zinssätze getrossen werden soll. Andernfalls hatte der Bankkommissar die Zinsbedin- gungen für das Reich durch Machtspruch von sich aus festzusetzen. Mit einiger Verspätung wird dieses Abkommen nun am Donners- tag unterzeichnet werden. Das Abkommen sieht die Errichtung eines zentralen Kre- ditausschusses in Berlin vor, in dem die genannten Banken- gruppen paritätisch vertreten sind. Seine Beschlüsse sind ein- stimmig zu fassen. Neben dem zentralen Kreditausschuß sollen örtliche Kreditausschüsie errichtet werden. Der Ausbau der Haben- und Debetsätze soll einen Ausgangszins von 4 Prozent bei täglich fälligen Sparguthaben zur Grund- tage haben. Bei Kündigungsgeldern darf im allgemeinen der Zinssatz nur 1 Prozent höher liegen. Bei Festlegung der Gelder aus einen bestimmten Tag und bei Mindestbeträgcn von 20 000 Mark darf die Vergütung einen Satz von 34 Prozent unter Reichsbank- diskont erreiche». lieber Ultimo festgelegte Gelder dürfen bis zu 1 Prozent unter Reichsbanksatz verzinst werden. Bei kleineren und mittleren Banken und bei Genossenschaften ist vorgesehen, daß der Ausgangszinssatz 3-1 Prozent höher liegt. Die Zinsen für gewährte Kredite(Debctzinsen) sollen sich an den Reichsbankdiskont anlehnen. Die Zinsspanne, die darüber liegt, wird von den örtlichen Kreditausschüsscn geregelt, die auch Kontrollrechte und Kontrollpflichten haben. Die Spanne soll so festgelegt werden, daß sie sich auf dem gewogenen Durchschnitt des von den einzelnen Bankgruppen gewährten Einlagenzinses aufbaut. Dem Bankkommissar ist in ollen Fällen die persönliche und direkte Entscheidung vorbehalten, in denen die zu berufenden Kreditausschüsie nicht zu einstimmigen Beschlüssen kommen. Die Reichsbank am Jahresschluß. Oer Giühungs- und Hamsterbedarf.- Roienumlauf eher zu niedrig als zu hoch. Di« Reichsbank zeigt zum Jahresschluß, der immer die stärksten Ansprüche von Banken und Wirtschast bringt,«in relativ gün» st i g e s Bild. Die Inanspruchnahme neuer Reichsbankkredite war sehr viel geringer als in früheren Iahren. Nach dem Ausweis vom 31. Dezember hat in der letzten Dezemberwoche der Be- stand an Handelswechseln um 403,8 aus 4144,0, der Bestand an Lombarddarlehen um 68,3 auf 244,6 Millionen Mark zugenommen. E» wurden 42,8 Millionen Reichsschatzwcchsel neu diskontiert, so daß sich die Bestände auf 97,9 Millionen Mark erhöhten. Offenbar war die Vorsorge der großen Banken für Iahresultimo aber recht beträchtlich, so daß sich auf dem Geldmarkt keine eigent- liche Anspannung zeigte. Ein Zeichen dafür ist die sehr be- trächtliche und ungewöhnlich starke Vermehrung der fremden Gelder auf dem zinsfreien Girokonto um 348,2 auf 755,9 Millionen Mark. Freilich ist dabei zu berücksichtigen, daß der Inanspruchnahme von Reichsbankkrediten engere Grenzen als früher gezogen waren, weil die den Banken eröffneten Kontingente schon bisher sehr stark in Anspruch genommen worden waren. Enffprechend dieser relativ geringen Kreditinanspruchnahme und der starken Rückflüsie auf dem Girokonto nahm auch der Um- lauf an Reichsbanknoten verhältnismäßig wenig zu. Der Notenumlauf vermehrte sich um 263,6 auf 4775,8, der Umlauf an Rentenbankscheinen um 8,5 auf 421,9 Millionen. Der gesamt« Zahlungsumlauf betrug unter Einrechnung von 1293 Millionen Mark Scheidemünzen und 188 Millionen Privat- bonknoten 6679 Millionen Mark gegen 6406 Millionen am Ende des Jahres 1930. Gegen Ende November 1931 lag der Zahlungsmittel- umlauf nur um etwa 279 Millionen Mark höher. Rechnet man nur den Umlauf von Rcichsbanknoten und Rentenbankscheinen, so ergibt sich zum 31. Dezember 193! gegenüber dem gleichen Zeitpunkt des Borjahres mit 5198 oegcn 5217 Millionen sogareinRückgang um 19 Millionen Mark. Rein w ä h r u n g s in ä ß i g ist die Eni- Wicklung des Zahlungsmittelumlaufs, wenn man die seit Mitte des vorigen Jahres notwendig gewordenen Bankstützungen und die Schaffung von Flüssigkeitsreserven für die Sparkassen berücksichtigt, von jeglicher Aufblähung weit entfernt. Wenn man sich schon mit der Tatsache abfinden muh, daß rund 134 Milliarden Reichsbantkredite als Stützungskredite immer wieder verlängert werden müssen und daß mehr als 1 Milliarde Rcichsbanknoten gc- hamstert worden sind, dann ist der Umlauf an Zahlungsmitteln gegenüber dem volkswirtschaftlich auch heute gerechtfertigten Um- sätzen eher zu niedrig als zu hoch zu nennen. Die D e v i s e n b i l a n z der Rcichsbank Ist günstig g e- blieben. In der letzten Dezemberwoche haben die Goldbestände um 0,9 auf 984,0 Millionen abgenommen; die Bestände an deckungsfähigen Devisen haben sich aber um 2,5 aus 172,3 Millionen Mark erhöht. Di« Deckung der umlaufenden Noten durch Gold und deckungsfähige Devisen zusammen betrug zum Jahresschluß 24,2 Prozent gegen 25,6 Proz. in der Vorwoche. Gesenkte Gtickfioffpreise. Weitere Verkehrsverbilligungen.— Oer Ärzneimittelskandal Das Stickstoffsyndikot hat seine auf Grund der vierten Notver- ordnung ab 1. Januar gesenkten Düngemittelpreise bekanntgegeben. Einschließlich der im August 1931 erfolgten Ermäßi- g u n g um durchschnittlich etwa 5 Prozent bedeuten nach den Mit- teilungen des Syndikats die neuen Preisermäßigungen insgesamt einen Preisabbau von 10 Prozent. Das Syndikat weist darauf hin, daß die zuständigen Reichsbehördcn die neue Preisbasis ge- prüft und für richtig befunden haben. Der Preiskommissar teilt mit, daß die Hamburger Straßenbahn die Zeitkarten um 10— 16 Prozent, die Arbeiterwochenkorten um 15— 20 Prozent verbilligt und auch einen bil- tigeren Kurzstrcckentarif eingeführt hat. Bei der Dresdener Straßenbahn wurde eine Tarifsenkiing um 10 Prozent durchgeführt. Der Deutsche Apothekerocrcin weist in einer Zu- jchrift an unsere Redaktion darauf hin, daß der in der ArzneUax« festgesetzte Rohverdienst in Preußen, Hamburg und Schaumburg- Lippe bei dem größten Teil der Arzneimittel seit dem 1. Oktober 19-Z> bereits um 10 Prozent gesenkt und eine weitere Kürzung für das ganze Reich zum 1. Februar zu erwarten sei. Die Industrie habe schon im Oktober bei einer Reihe von Mitteln Preissenkungen vorgenommen. Die Absage dcr Industrie sei nicht aus Schwierig- ketten nfft den Apotheken, sondern auf Verlangen des Reichswirtschaftsmini st eriums zurückzuführen, daß eine weitere Herabsetzung der Fabrikpreise um 10 Prozent erfolgen müsse. Dieses Verlangen sei unabhängig von der Senkung des Apothekernutzens gestellt worden. Wir können nicht zugeben, daß die Apotheken ihren Pflichten nachgekommen sind, wenn sie sich auf die Senkung der Arzneitaxe berufen. Diese Senkung gilt nicht für das ganze Reich, bezieht sich auch nur auf den Aufschlag und erreicht vor allem nicht das gebotene Maß. Ein Skandal bleibt das Ver- halten der pharmazeutischen Industrie. Die Reichs- und Landesbehörden dürfen sich mit der ablehnenden Haltung der pharmazeutischen Industrie nicht zufrieden geben. Giärkere Pfundschwankungen. Englische Nachfrage oder internationale Abgaben? Die Beruhigung, die in der zweiten Dezcmberhälfte bei der Pfunddevise eingetreten war, hat in den erste- Tagen des neuen Jahres wieder stärkeren Schwankungen Platz gemacht. Am Montag sank der Pfundkurs sogar recht erheblich, und zwar flftgeniüjcr dem Dollar von 3,40 auf 3,.37%, gegenüber dem Pariser Franken van 87 auf 85,9 und gegenüber der Reichsmark von 14,31aufl4.18H(Goldparität 20,40 Mark. Die Ursachen für diese neue Abschwächung des Pfundes sind noch nicht klar. Man hätte um die Jahreswende wegen des fäl- ligen Zinstermines für die auswärtigen Kapitalanlagen Englands eher eine größere Nachfrage und dementsprechend einen st e i g e n- den Pfundkurs erwarten können als dos Gegenteil. Die Der- mutungen, daß internationale Abgaben auf den Pfundkurs drücken, dürften weniger zutreffen als die Tatsache stärkerer Käufe der Bank von England, um die Rückzahlung des Äl-Millionen-Psund-Kredites an Frankreich und die Dereinigten Staaten sicherzustellen, Die Äorsenverluste in England. Eine Iahresübersicht der Finanzzeitschrist„Bankers M a- g a z i n e" gibt in einem Rückblick auf 1931 den Wertverlust bei 365 Börsenpapieren mit einem Nennwert von 6,68 Milliarden Pfund mit annähernd 890 Millionen Pfund an. Seit der Börsenkatastrophe in New Jork im Oktober 1929 sind die an der Londoner Börse gehandelten Aktien im Durchschnitt um 50 Prozent gefallen, wahrend der Wertverlust sämtlicher Börsenpapiere, also auch der Rentenwerte im letzten Jahre, sich auf 14 Prozent stellt. „Auf dem Stande von 1882" Die Krise in der englischen Werfiindustrie. Die Arbeitslosigkeit im englischen Schiffbau hat im Laufe des vergangenen Jahres katastrophale Fornren angenommen. Während des ganzen Jahres 1931 wurden insgesamtnurlOI Schiffe mit einer Wasserverdrängung von 150 000 Tonnen gebaut, während in dem schon sehr schwierigen Werftfahr 1930 immerhin noch 249 Schiffe mit insgesamt 530 000 Tonnen gebaut wurden. Noch krafler kommen die durch die Krise verursachten Zustände in der englischen Werftindustrie zum Ausdruck, wenn man das letzte Vorkriegsjahr zum Vergleich heranzieht, in welchem 377 Schiffe mit insgesamt 770 000 Tonnen fertiggestellt wurden. An dem Tonnengehalt der Schiffe gemessen ist also der Beschäftigungs- grab der englischen Werft im letzten Jahr auf weniger als ein Fünftel der Leistungen von 1913 gesunken. Der Präsident des Verbandes der Wcrftindustricllen in Glasgow erklärte zum Jahresende, daß man bis zum Jahre 1887 zu- rückgehen muß, um eine Periode zu finden, wo der vorhandene Arbeitsbestand einen derartigen Tiefpunkt aufwies, cheute aber, so erklärte der Präsident, ist die Lage für den englischen Schiffbau ungleich schlimmer als damals, da nicht nur neue Aufträge für die Werften vollständig fehlen, sondern zugleich eine enorme unbenutzte Flotte von schätzungsweise 10 Millionen Tonnen vorhanden ist, die den Wersten nicht einmal Reparaturarbeiten zu- kommen läßt. Di« bei den englischen Werften im Jahre 1931 be- gonnene Schiffbautonnage betrug nur noch ein Sechstel der Tonnage des Jahres 1929/30. Nachdem der Bau des von der Cunard-Linie aufgelegten Riefen- dampfers von 73 000 Tonnen eingestellt worden ist. obwohl er im Rohbau zu gut zwei Dritteln fertiggestellt ist, beträgt dergefamte Arbeitsbestand der englischen Schiffbauindustrie zu Beginn de? Lahres 1932 nur 67000 Tonnen.(!) Unter diesen Um- ständen wird von den Werftindustriellen ein scharfer Druck aus die englische Regierung ausgeübt, den aus finanziellen Gründen unter- brochenen Bau des 73 OOO-Tonnen-Schiffps aus öffentlichen Mitteln zu subventionieren. Die kousmugenosseuschaftliche Verbewoqc. die vom 8. bis 15. No- vswber vorigen Lahres veranstaltet wurde, hatte trotz der Schwere der Wirffchaftsverhältnifse ein erfreuliches Ergebnis. Bisher läßt sich übersehen, daß 33 400 neue Mitglieder bei einzelnen Dereinen geworben worden sind. Die Werbeveranstaltungen sind aber noch nicht abgeschlossen. Neue nicht unerhebliche Mitglieder- zugänge dürften noch erwartet werden. Sousumenlenvertreter im Reichswirlschaslsral. An Stelle des Direktors Paul choffmonn ist Direktor Vollrath Klepzig in chamburg vom Zentraloerband deutscher Konsumvereine alz"Mitglied des Borläufigen Rsichswirtschaftsrats einberufen worden. Verlängerung der Zeichoungssrist für die steuerfreie Reich». bahnanleihe. Die nach den bisherigen Bestimmungen mit dem 31. Dezember 1931 abgelaufene Frist für die Abgab« der Zeichnungserklärungen für die steuerfreie Reichsbahnanleihe wird bis zum 1. Februar 19 3 2 einschließlich verlängert. Bei Zeichnungen nach dem 31. Dezember 1931 ist sogleich die erste Ein- zahlung von 10 Proz. zu entrichten. Die übrigen Teilbeträge und Zohlungszeiten— je 30 Proz. am 15. Februar, 16. Mai und 15. August 1932— bleiben unberührt. Sozialistische Arbeiterjugend Gro�- Berlin Oeffenilidie Kundgebung am Montag« dem 1 1. Januar 1932« IS /, Uhr in den Germaniä'SSlen, Cbousseesfr. 110(U-Bahn Steif. Bhf.) Faschismus ist Krieg— Sozialismus ist Priedel Referent: ReldutatfMbg. Arthur Georg Arzt-Drerden Es wirken mit: Die ,Roie Rebellen' und„Rote Rotte'; SingkrelsderSAf. parteina chrichien für Groß-Berlin eiasendmige» sSr diel« StAbrit stnd Wk H�/k stet»«» da» Bezirktlekretartal Berlin SS 88, Lindenstraß« 3. S- Hof, 2 Treppen rechts, zu richte» Begiuu aller Veranstaltungen 19V£ Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! heule, Dienstag. S. Januar: 5, Stcic. Arbeit erwohlfahrt. En»eri»lose»z«sa»«e»k»»st na Seim Tilfiter 15 Uhr. Seaofl« Reese gibt politische Iaformatiooen. An. Straße 4—5. ickließend Lieder zur Laut«, lbt. Der angelttnblgte Schallplattenabend für die jüngeren Parteigenossen fällt aus. 10Z. Abt. 15 Uhr im Lokal Trompter, Luifenstr. 1, Zusammenkunft aller er- werbsloscn Genossinnen und Genossen. Vortrag des Stadtverordneten Ge. Nossen Reinhold über Siedlungsfragen. Nachdem musikalische Unter» Haltung. Spiele stehen zur Verfügung. Sir ersuchen pünktlich zu erscheinen. Morgen, Mittwoch, ö. Januar: 3. Abt. Arbeitskreis junger Parteigenossen. Lokal Barlick. Eebastionstr. 38. Ludwig Diederich: Die Aufgaben der jungen Seneration. 8. Abt. Arbeitskreis junger Genossen. Lokal Dobrohlaw. Swinemünder Straße 11. Erich Wendicke: Die Vorläufer de, Sozialismus. lt. Abt. Arbeitskreis jüngerer Parteigenossen. Wichtige Zusammenkunst Bremer Straße SS— 70. Erscheinen ist Pflicht. 17. Abt. 20 Uhr bei Klinge, Sellerür. 14, Zusammenkunft sunger Partei. Mitglieder. Referent Genosse Dr. Dautert spricht über: Naturwissenschaft im allgemeinen. 1». Abt. Arbeitskreis junger Genossen. Zusammenkunft an bekannter Stelle. Gottlieb Reese: Der Staat und wir. lb. Abt. 20 Uhr Zusammenkunft der Iüngercn.Eruppe in der Schule Goten. bnrger Straße. Bortrag des Genossen SilH. Hauth: Die Banken und die Wirtschaftskrtse. 27. Abt. Vollssveisestelle, Gleimsir. 35. Zusammenkunft der jungen Partei. genossen. Alfred Malkwitz: Die Aufgaben der deutschen Arbeiterschaft im Jahre 1332, 28, Abt. 20 Uhr allgemeiner Diskusssonsabend bei Barteldt, Wörther Ecke Rykesiraße, über:„Religion und Sozialismus". Leitung: Genosse I. P. Mager. Zl. Abt. 20 Uhr Arbeitskreis junger Parteigenossen bei Soldschmidt. Etolpisch« Straße 36. Georg Decker spricht über Planwirtschaft. Die Bezirksfahrer laden die in Betracht kommenden Genossen ein. Zl. Abt. 19 Uhr Abteilungsvorstandssitzung. Um 20 Uhr Funktionärsitzung bei Iamin, Sophie-Eharlotte-Str. 88, 36. Abt. 20 Uhr Funktionärsitzung bei Liersch, Kantstr. 62. Sämtliche Funk, tionäre müssen erscheinen. 38. Abt. Vorstands, und Funktionärsitzung Rankestc. 4(Rankehansl. 73. Abt. Zusammenkunft der Junggenosstnnen und.genossen um 20 Uhr In, Lokal von Reimann. Sedanstr. 17. Referent Genosse Dr. Nohn spricht über: Das Heidelberger Programm. 83. Abt. Funktionärsitzung bei Luandt, Molttzesir. Zl. 81. Abt. Funktionärsitzung bei Lehmann. Naiser-Wilhelm-Str. 20—31. S«. Abt. Süngerengruvpe. Zniammenkunft im Lokal von Schweighöfer, Weichsel. Eck« Donaustraße. Erscheinen aller ist Pflicht, es wird Wichtiges besprochen. 124. Abt. Funktionärsitzung bei Anders, Bahnhofsir. 34. berger Programm und die kommenden Wahlen. Donnerstag, 7. Januar: 7. 9mc. 15 Uhr Zusammenkunft aller«rwerbslasea Parteigenosse« i« Zu- gendhen» Dosinenstr. 4. Paul Bernstein: Sie diskutiere ich mit meinem palitifche» Gegner(Schluß). Ii. Kreis. Die regelmäßigen Zusommenknust« der erwerbslosen Parteigenosse» werde»»8 Donnerstag. 7. Januar, 18 Uhr, in de» Volksschule Friese». strnße sortgesetzt und finde» nun auch Dienstag»,«an 15 Di» 18 Uhr, statt. Die nächst« Arbeitsaeweinfchait luuger Parteigenosse» ist am Frei. tag, de« 8. Januar, bei Mechler. Am Merkt 3, 20 Uhr. Thema: Sie ge- winae» wir den Inaawähler für die SPD. Der stursus Dr. Räuchen: „Sawjetrnßland»ad die«nrapäische Arbeiterklasse" beginnt eine Sache später als»arqesehea, als»«m 18. Januar. 38. Abt. Funktionärsitzung bei Busch, Tilsitcr Str. 27. Fraueaveransialkungea. 3. Abt. Donnerstag, 7. Januar, 20 Uhr. bei Hübner. Wilsnacker Str. 34. Die Ausgaben der politisch geschulten Frau für die Arbeiterklasse. Referentin: Hertha Eotthelf. 188. Abt. Mittwoch. 6. Januar, 20 Uhr. Im Stadllheater, Marktplatz. Geburten. reaelung. Reserent: Dr. Julius Moses. M. d. R. Reuwahlen. 12». Abt. Mittwoch, 6. Januar, 20 Uhr, bei Tempel, Prinzenallee 45, Heise. rinnenbesprechung. 154. Abt. Mittwoch, 6. Januar, 20 Uhr. bei Sonne!, Schönower Ecke Park» straße. Erzichungsaufaaben. R-fer-ntin: Genossin Falkner, Skcuwahlen. 138. Abt. Donnerstag, 7. Januar, 20 Uhr, in der Lindauer Straße. Bunter Abend. Vezirksauvschuh für Arbeilerwohlfahrk. 13. JUei» T-mpelhss, Marienbors,«arienselde. Lichtenrade. Die RothUf«. marken find bis spätesten, 2. Januar abzurechnen bei der Genossin Gertrud Scholz, Tempelhos, Bimrnschweizer Ring Ät. Nicht nbgeiechnnte Änrite als verkauft. Arbeitsgemeinschaft der ktindersreunde Groh-Verli«. > Die Ztreisleitersitznng wird voraussichtlich am Freitag, dem 115. Januar, in der Geschäftsstelle stattfinden. Genaue, Datum U und Tagesordnung werden noch bekanntgegeben. / Ztrenzbcrg. Heule, Dienstag, kommen oll« Jungfallen und Roten W Falken um 17 Uhr zum Baden noch der Bärwaldstraße. 15 Pf. '') mitbringen. "Treptow(Laura de Basis): Heute, Dienstag, im Heim Elsenstr. 3, pünktlich 17 Uhr Falkenvollversamnilung, Erscheinen aller Falken ist Pflicht. Weddiog. Der Zeltlagerkasper kommt zu uns am Sonntag, dem 10. Januar, 14 Uhr, Hochschulbrauerei(gelber Saal), Seestraße, Um 18 Uhr Schule Put» busser Str. 3. Es wirkt die Falkenmusikgruppe mit, starten bei den Helfern zu baben,, Tempclhof. Helfcrsitzuug heule bei Peter, Berliner Str. 88, 20 Uhr. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 4«. Abt. Nach 36jöhr!ger irener Mitgliedschaft ist unser Eenosse Friedrich Rennecke verstorben. Ehre feinem Andenken. Einäscherung heute. Drenstag. 5. Januar, UVs Uhr, im strcmatorium Baumschulenweg. Wir bitten um rege Beteiligung. 47. Abt. Unser Genosse Anton Rosenfeld ist am Zl. Dezember verstorben. Ehre seinem Andenken. Einäscherung heute, Dienstag, 5. Januar, 18Vi Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Wir bitten um rege Beteiligung. 102. Abt. Am Sonnabend, dem 2. Januar, verschied an Lungenschlag der vielen Berliner Genossen bekannte Genosse Gastwirt Hermann Borgman». ~ M'-...... aenosfe Borgmann, Sohn des im dneten Borgmann. war in jungen ... tenbewegung und später in der Gast- wirtsorgänisation tälig. Auch die Parteiorganisation und das Reichsbanner verlieren einen erprobten und bewährten Genossen, der sich jederzeit für unsere Ziele eingesetzt hat. Die Parteiorganisation und das Reichsbanner werden dem Verstorbenen am heutigen Tage, Dienstag, 18 Uhr, vom Trauerhause zum Krematorium das Ehrengeleit geben. Trauerfeier Donnerstag. 7. Januar, 17 Uhr, Krematorium Baumschuienweg. Um rege Beteiligung wird gebeten. Allgemeine Wetterlage. 4>.Jan.4S32,abds. wrikenlc&o teidBr.WW bis auf 11 Grad Celsius. Lm übrigen Reiche war es kalt. sonders in Ostdeutschland herrschie Frost, liier kam es wie auch an der Ostsee zu Schneefällen, die die hier vorhandenen Schneedecken noch verstärkte. Ausgedehnter Druckfall über Skandinavien und Nordwesteuropa läßt ein zwischen England und Island befindliches kräftiges Tief nach Nordosten vordringen. Damit werden die ozeanischen Westwinde die Kaltluftgrenzc nach Osten zurückdrängen. Somit ist für die nächste Zeit wieder mildes Wetter in Ausficht. ch Wetteraussichten für verlin. Trübe und regnerisch, sehr niild, wcstlichi« Winde.— Für Deutschland. Im weslllchen und mittleren Teile des Reiches mild und meist bewölkt, namentlich an der Küste und im Gebirge noch Regenfälle. Aud) im Osten allmählich an- steigende Temperaturen mtt Niederschlägen. --------- »i«*Per9n Rep0r0* j.«.,,........ spARE DURCH". e;TAlUU>\»*P OlUlSCH 1.....- PREISSENKUNG: jtansjenkner: �(oiiiödiaiileiiregiiieifi Im Frühjahr 1929 wurde der Chorakterspieler des Stadt- theaters nicht mehr reengagiert. Künstlerische Bedenken lagen nicht nor. Im Gegenteil: er stand bei Presse und Publikum gut an» geschrieben: aber man„sparte* ihn ein. Mit 199 Mark und dem Berechtigungsschein zum Stempeln fuhr er nach Berlin. Angehörige besaß er zum Glück nicht: es wurde schon sa kaum reichen. Schlafstelle genügt. Am nächsten Morgen bleischweres Aufstehen, nimmt den guten hellen Anzug aus dem Koffer; wird der noch einmal mitspielen? Bor Herbst schwerlich: und dann? Die Ausweispapiere in die eine Tasche, in die andere Bilder und Kritiken, auf die doch keiner was gibt. Arbeitsamt. Vierundachtzig warten vor ihm. sich wappnend gegen eine See von Plagen... jetzt finge die Probe an— 2'/3 Jahre Westfront: da wußte man wenigstens: jeden Augenblick kann's aus fern.— Papiere vorlegen— Fragebogen ausfüllen: Stempel. Immer neue Gesichter: ein Kollege:„Servus, wie gehts? auch hier?*— Hättest den Winter mehr nutzen sollen, dran denken, daß Schluß fem kann. Statt dessen hast du gehofft, Stempelbruder Nummer soundsoviel.„Grüß Gott, ja, da kamma halt nix mach'n. Na. Hals- und Beinbruch.* Wie öde und hoffnungsleer das ist.— Endlich abgefertigt. Weiter. Die Maisonne brennt zum Hohn. Frühstückszeit. Ach was. sparen, sparen, wer weiß, wie lang das dauert.— Fast Haus an Haus liegen die Agenturen. Neue bekannt« Gesichter. Man reißt sich zusammen. Wer freut sich hier an den guten Bewegungen, wer beklatscht die Extempores? Jetzt spielt man sich selbst: eine un- dankbare Rolle, eine Würzen... Bis auf die Treppenflure stehen sie. Anmeldung, Papiere. Eine Luft wie in der Leichenhalle. Halb- laute Gespräche betäuben und verdecken nicht d«e gierige Furcht. Krampfhaft lebendige Gesichter. Viertelstunden versickern. Das Lachen klingt falsch: kunstvoll angelegte Sätze werden herunter- geplappert. Die„muntre* Naive hat trübe verhungerte Augen: „Ich laure hier drei Wochen jeden Tag, und nichts tut sich.* Der rundliche Komiker reißt seit Stunden Witze, aus die kein Mensch mehr hört.„Meine Frau liegt zehn Wochen im Krankenhaus*. schlepp! sich eine dunkelschwere Stimm« von Wort zu Wort. Ein« Tür geht auf:„Bedaure, Herrschaften— vielleicht übermorgen.* Totentanz. Jeden Tag: ausstehen, gut anziehen. Stempeln. Warten auf den Agenturen, herumirren m der staubigen, lärmenden, sonnen- heißen Stadt. Den Kollegen weicht man aus, dem Renommieren mit den Bombenerfolgen. Auch Kulissenklatsch ist nur Narren- tünche. Unerträglich die langen hellen Abende. Das Spiel steckt i» den Nerven, reizt sie zur Wundheit. Theaterfreikarten tosten unerschwingliches Geld. Manche vertanzen das Grauen; er kann's nicht: verstöhnt die totstarre Zeit. Ein Monat ist um. Agenturen: stempeln: heut an dem Ende der Stadt, morgen an dem. Unteroffiziergeschimpfe prallt gegen verquälte abstumpfende Gesichter. Grausig wirken die guten An- züge zu den ausblutenden Köpfen. Selbst unentwegt Vergnügte hohen, genau besehen, angstverzerrte Fratzen. Samstagabends Stempeln im Äleinbürgerviertel. Das eingefressene Vorurteil gegen die Schauspieler, die Nichtstuer, peitscht johlende Zurufe aus den Fenstern. Er brüllt gegen die hämischen Biester:„Lieber einen Mühlstein um den Hals, statt so zermahlen zu werden.* Ein Höllengejaule zur Antwort. Nachts schreit er auf in Traumqualen. Unter Mühlsteinen, hat er gelegen. Die fahren herunter wie Schraub- siöcke: zwei Riesenfäuste pressen die Last in unentrinnbarer mahlen- der Drehung. Die Brust zersplittert ihm. Blut schießt über sein Narrenkleid. Aber er hat nicht sterben können. Nach diesem Traum erlebt er keinen ganz gesunden Tag mehr. Seine Kunst, sein Spielhunger vergärt, verhärtet. Als er Monate später noch fünf Stunden Warten endlich zum Vorsprechen kommt. erstickt sein Spiel vor Schwäche: Mißerfolg. Längst haben die Theater angefangen. Ein paar tausend ausgediente Harlekin« zu- viel, er und die anderen Uebriggebliebenen: warum bringt man uns nicht um? Ein Tenor. Kerl mit Götterstimme, ist ins Wasser ge- gangen, eine komische Alte hat sich vor den Zug geschmissen. Was da wohl noch komisch ist? Die schöne Koloratursängerin steht jetzt an der Straßenecke und girrt ums Abendengagement. Freitod, den die verlogenen Satten als Selbstmord verfemt haben? Ein« Feig- heit. zu der ihm aller Mut fehlt. Solange da drinnen noch was hofft, mach! man eben mit.— Ab November gibt's weniger Geld: Krisenfürsorge. Es ist zu wenig— es find zuviel. Und wo noch Frau und Kinder michungern. Unruhe durchfiebert ihn. Plötzlich hockt unter dein Herzen der Einfall, wühll: Ausweg finden. Welchen? Winterreise, Komödi- antenirrfahrh ganz allein. Besser im Groben erfrieren al» sa von innen her abzusterben. Mit einem aufgescheuchten Sinn für Reklame sucht er den Ber- »weiflungsplan auszumünzen. Umsonst. Sein Unterstützungsan- ipruch löscht aus. Macht nichts? Die Dumpfheit verfliegt. Bogel« frestvild. Ein Kunde, ein Gaukler, geht auf die Walze, ins Un- gewisse, um fein bißchen Kunst zu retten. Dorfköter und Landjäger über dir. Und Gottes Rundhorizont. Er trägt sein Schicksal auf dem Rücken und pfeift mit dem Wind um die Wette, daß er die Stadt des Absterbens hinter sich hat. Der Winter meint es gut mit dem Straßenläufer. Fechtbruder— aber er bezahlt mit Kunst. Hier Schnurren, da eine derbe Szene, Märchen für die Kinder. Einer verlangt sogar Schiller. Er spielt sich wieder ein. findet Essen, Strohbleibe und Groschen. die bald da» Einsparen verlohnen, studiert alte Rollen in Kopf und Blut neu. Wenn er erst wieder auf der Bühne spielt, soll e» das Leben selbst sein. Zwischendurch Briest. Anfragen. Die Agenten schweigen sich aus. Städte meidet er: Stolz de? Fahrenden. Boden- wüchjigkeit der Landstraße. Gefest kommt er zum Frühjahr zurück ins Millionenelend, steie Luft in den Lungen: hofft wieder, antichambriert, wartet geduldig. Ist empfindlich geworden gegen fallche Tone, gegen alles Gemachte. Beim Vorsprechen verwickelt ihn der bewußte Abstand in Unsicherheit. Der Agent schüttelt den Kopf, der Intendant hört an dem neuen echten Ton vorbei. Wieder ein Sommer, wieder fängt der Winter an. Und die Noi�hat sich verdoppelt. Der Einfall, die erlösende Selbstbefreiung schlägt um in Routine, in Gewerbe. Das Zunstgefühl nimmt ihm die Lust. Er spart für die Theaterstädte, stellt sich vor, bellest— verärgert. kunstunftoh— um geregelle Beschäftigung. Uebcr dem verliert er die Sehnsucht, ohne das Unterkommen zu finden. Ganz aus dem Lot, fährt er zurück. Lauert in der neuen Einheitsagentur, nörgell, zerrerbt sich an den Widerständen. Denn zehntausend schnappen nach dem Strohhalm, zehntausend Komö- dianten unter vier Millionen Heilloser. Die endlosen Sommertage quälen, wie damals. Aber mit krästefressender Selbstzucht gelingt es ihm wenigstens, feine Kunst ans Ufer zu retten. Mit hossnungslostr Liebe klammert sich die Sehnsucht an jeden Fetzen Theater. Immer reiner leuchtet die Kunst in ihm, fugenlos verjchmelzen jetzt Erlebnis und Rück- erinnerung. Wie ein Schwindsüchtiger fühll er sich zugleich weniger und mehr werden. Schmerzen kommen: der Atem sticht. Darunter flammt es auf: nur einmal noch spielen. Eines'Nachts spuckt er Blut. Hat keine Furcht mehr: nur Besteiung von den Schlacken. Der Winter 1931 setzt ein. Das letzte ist verkauft oder versetzt: zur letzten Fahrt. Di« Sehnsucht treibt ihn von Dorf zu Dorf und weller, bis er schließlich in einer Stadt vor dem Bühneneingang steht, aus dem die alle zauberische Luft in die wunden Lungen dringt. Das Heimatgefühl reißt ihn hoch. Wie ein Dritter hört er Fragen und Bericht: die alten Tön«, seine eigene hustengeschüttcll« Sprache. Dann ein erwarrungbanges jctigcs Ausruhen, während der Lokalverband berät. Noch einmal legt sich die Berzwesslung mit Mühlsteinlast auf den matten Körper. Trotzdem, er sorgt sich nuht mehr. Man ruft ihn. Das Mille id kühll wunderbar. Er faßt nur, daß er bleiben darf. Sie sammeln für ihn.„Natürlich hierbleiben. all- unser Gast.*„A. G.?* lacht er und läßt die Glückstränen laufen.„Und spielen?*„Spielen— dos hängt vom Alten ab. Notverordnung. Wir find um 59 Proz. gekürzt. Proben zusehn— gewiß. Und das groß« Los kommt schon mall"(„Armer Teufel*, sagt der Obmann,„soll er wenigstens in den Sielen sterben.*) Probe um Probe, Abend um Abend sitzt einer mit fiebernd sehnsüchtigen Augen in der Kulisse und kann sich nicht sattsreuen. Was er kennt, spricht und spielt er mit, lernt neue Rollen nach, greift überall zu. sitzt in der Garderobe und durchlebt zwischen Aufstehen und Einschlafen die erkämpfte Glückseligkeit. Selbst die Nächte ermatten ihn höchstens. Die Qual hat aufgehört. .Lear* wird geprobt. Er versinkt in den begnadeten Neben- rollen: Kent, Albanien, Narr. Er nimmt sie in seinen Schlaf hin» über und träumt das Seltsame: daß die Mühlsteine, von den Riesenfäusten gewunden, ganz auf ihn gepreßt liegen. Sem Blut fließt mit jedem Atemstoß von ihm über da» bunt«, rot über- fleckt« Kleid, dos Narrenkleid: Lear» Narr ist er. Der Traum muß Schicksal bedeuten. Bon Stimmen gehetzt, lernt er die Rolle. Keine Anweisung, keine Stellung entgeht ihm auf der Probe. Blind könnte er der Schlagschatten des Narrenspielers fein. Generalprobe vorüber. Er fiebert Ungeahntem entgegen. Die anderen sprechen es der Krankheit zu. Premiere. Wie«in vcrgillertes Tier rast er eine Stunde zuvor durch die Flure. Aufregung: die Nachricht, daß der Darsteller des Narren plötzlich schwer ertrankt ist. Er glüht auf:„Laßt mich spielen, nur heull" Beratung. Der Intendant ist einverstanden. Zitternd:„Bitte, bitte, wcrd' ich angekündigt? Das einemal?* s Hockt vor einem Spiegel. Sie schenken ihm Schwinkstück«. Er zieht den Geruch ein so tief er kann, streichelt die Kappe, läuft in die Dekoration, tappt von Kulisse zu Kulisse. Mit großen entrückten Augen sieht er das erste Bild, saugt sich mit oll seinem Schicksal voll, spürr die Mühlstein« auf der Nacrenbrust: nun ist der Traum erfüllt. Leben und Kunst klingt ineinander. Austritt. Keiner vor und hinter der Rampe, der die Trance des Narren nicht übergroß fühlte.„Laß mich ihm auch dingen: hier ist meine Kappe."..... Warum, mein Kind?" fragt Lear. „Warum? Weil du es mit einem hallst, der in Ungnade gefallen ist." Seine Echtheit reißt die anderen mit. Selten ist so wenig„Theater" gespielt worden wie in dieser Lear-Aufsührung. Die Rarrenspäße stöhnen vor Not. Lears Schlagschatten, nichts weller: und doch ver- blutet hier ein Schicksal. Cr höhnt Lear und leidet daran: er lästert GonerU und trifft sich selbst damit. Aktschluß. Beim Abgehen zittert er: sie drücken ihm die feuchtkalten Hände. Er krümmt sich vor Husten.„Ich— fühle— jetzt wird alles— gut", keucht er- Zweiter Akt. Das Leid wird mächtig über ihn.„Fortuna, die arge Hur. tut auf den Reichen nur", hämmert er Lear ins Gesicht. Und Kent heult er mit Mühlensteinfchwere an:„Wir wollen dich zu einer Ameise in die Schule schicken, um dich zu lehren, daß es im Winter keine Arbeit gibt.* Ein grauenhaftes Gewissen, hetzt er umher und reißt sich die blutigen Wahrheiten aus der Seele: Stumm leidet er mit Lear, wehrt sich, fällt zusammen. Der Beifall ist erst gelähmt. Dann rufen sie immer wieder den Narren und erschrecken vor seinen jenseitigen Augen. Dritter Akt. Lear und Narr auf der Heide. Es scheint natür- lich, daß der Narr von Lear» Wahnsinn ängstlich und still wird. Trotzdem bangt alles um die Kreatur, die Narrenabschied hält: „Wem der Witz nur schwach und gering bestellt, hopp heißa bei Regen und Wind, der füge sich still in den Lauf der Welt, denn der Regen, der regnet jeglichen Tag.* Ein Krampfhusten; er wischt das Blut vom Mund ab, kauert auf einem Lersatzstück bis zum letzten Auftrllt. Während des Narrcngerichts über Goneril peinigen ihn oll« Qualen. Dann steht er halb zurückgewendet. Tränen über der Narrenmaske:„Und ich will am Mittag schlafen zehn." Noch in der Kulisse kommt ein entsetzlicher Anfall. Sie holen den Theaterarzt, wischen die Schminke ab, ziehen ihm dos Narrenkleid aus. Aber davon weiß er nichts mehr. Nach zwei Tagen ist die Beerdigung. Selten hat es soviel bittere Trauer, soviel leidechte Nachruf« gegeben wie um den un- bekannten Komödianten. Am Grab schließt Lears Stimme:„Nie- mols können wir dich vergessen, denn dein Kamps ist unser Kampf. Dos Leben mußiest du lassen. Dem Beste», die Kunst, hast du mit dir genommen. Du bist erlöst. Uns bleibt— die Rot.* Erna föüfing: H 611- SpHttl jjcllCS Das feierlich gravitätische Benehmen der spanischen Adligen war einst zum Spott der ganzen Welt bekannt. Und vom spanischen Hqfzeremoniell wußte man, daß es der Eishauch war, der jede freiheitlich« Regung verderben ließ. Als der österreichische Thronsolger, selbst schon von tödlicher Kugel getroffen, seine Frau zusammensinken sah, fleht« er:„Stirb nicht.* Das waren feine letzten Worte, dann nahm der Tod sie beide hinweg. Nach diesem Doppeltnord ging bekanntlich die Well in Flammen auf. Bei der Aufbahrung der beiden Erschossenen aber mußte der Sarg der unebenbürtigen Frau niedriger stehen als der Sarg des Thronfolgers. Als dos aus reiner Gcfühlsaufwallung heraus von normal empfindenden Menschen übel vermerkt wurde, ward in einer Begründung dargelegt, daß das spanische Hof- zeremoniell auf diese rein höfische Etikettenftage Einfluß gehabt habe. Nun. die Revolution erlöste die Höchstgeborcnen von der Etikette und das Lolk von den Höchstgcborenen. Spanien jedoch erstickte noch weiter im Hofzeremoniell, und es war so dumm, dast selbst Alfons der Letzte sich zuweilen durch einen kräftigen Witz aus der unzeitgemäßen Situatio,, zu ziehen versuchte. Dann ging auch über Spanien der Sturmwind der Er- Neuerung. Wir wissen, Spanien wurde eine Republik. Es zerfielen ein paar Klöster und unersetzliche Kunstwerk« in Staub und Asche. In jeder tönenden Wochenschau redet der spanische Präsident mit großer Geste. Und neuerdings oerlieh die spanische Republik ihren ersten Orden. Den bekam, das kommt uns spanisch vor, die Tänzerin Argentina. Der Präsident der Republik verlieh ihn ihr höchst eigen- händig. Das war eine schöne Geste, die einer schönen Frau gall. In Spanien braucht im allgemeinen eine Künstlerin nicht viel zu können, sie muß nur schön oder die Angebetet« eines berühmten Stierkämpfers sein. Doch der Orden der Tänzerin ist nicht der kühnste Streich der Republik. Dient doch in der spanischen Armee ein Hauptmann Tifra-Diaz. Der machte in einer Schrittpause, als er sich den Schweiß von der Stirn wischte und das Kommando „Vorwärts" erscholl, die Entdeckung, daß man ein Pferd ollein mit den Schenkeln dirigieren kann. Er überprüfte seine Wuhrnehnmvg in der Reitbahn, und siehe da. sein Pferd ging ohne Zügel. Er ritt Hohe Schule ohne Kopfzeug. er machte ein zweites Pferd fertig, und dann fuhr er. als offizieller Vertreter der spanischen Armee, mit seinen Pferden„Morisco* und„Autorizade*(regelrechten Truppen» gäulen) von Turnier zu Turnier. Die illustrierten Zeitungen aller Länder waren gepflastert mit feinen Bildern. Da packte Capto!» Bertram W. Mills der Ehrgeiz, den Hauptmann Tisra für die Olympia zu engagieren. In der Olympia spielt nämlich Mills ooq Weihnachten bis Januar und stillt damit den Zirkushunger dex Londoner für«in ganzes Jahr. Für den Logenplatz zahlt rnq» dort 20 Mark nach deutschem Geld« und noch mehr. Man sieht ia der Olympia die besten Nummern aus der ganzen Welt. Und es ist die Sehnsucht eines jeden Artisten, im Weihnochtsprogramm der Olympia in London zu glänzen. Im Vorjahr schrieb Bertram W. Mills an den spanischen Hauptmann lifra und bot ihm eine Gage, die man, selbst wenn man sich Augen und Ohren wochrieb und hernach noch vor Staune» den Mund aufsperrte, ihrer ganzen Bedeutung gemäß nicht fassen konnte. Man saat, es wäre nicht einmal ein« Antwort nach London gekommen. Mitleidig oder schadenfroh schmunzelten die Eingeweihten. In diesem Jahre eröffnete wieder Bertram W. Mills mit einem fabell) asten Programm und einem riesigen Festessen, an dem ein leibhaftiger Tiger und«in leibhaftiger Prinz teilnahmen. Wobei natürlich dem Tiger eine weit größere Aufmerksamkeit gezollt wurde als dem Prinzen. 6999 Personen faßt der Zirkus, jeden Tag ist er gepfropft voll, und eine Prograinmnummer bestreitet, das kommt uns wieder spanisch vor, der Hauptmaim Tifra-Diaz, und zwar mit der Erlaubnis des spanischen Höchstkommandierendei! und ohne irgendwelche Beanstandungen der spanischen Armee. Das Spanien von heute hat also nicht nur eine neue Ver- fassung, es hat, was ja eigentlich noch wichtiger ist, neue Ansichten. wumne: S>er Wunder tmarkfchein Von Zeit zu Zeit muß ich meinem Pensionsnachbar Zimmer- ling den Hundertmarkschein borgen, den ich mir gespart habe. Zimmerling kommt bescheiden lächelnd in mein Zimmer, spricht über das Wetter, über die ungenügende Heizung in den Zimmern, und dann fragt er mich unverinitteU, während er jich die Hände reibt, ob ich ihm für eine halb« Stund« den gesparten Hundert» markschein borgen könnt«. „Für«ine hall»« Stunde?" frage ich jedesmal wieder erstaunt. Er schwört, daß ich den Schein in einer halben Stund- un- versehrt zurückerhalten würde. „Tun Sie mir den Gefallen!" bittet er. „Ja, ober...!" wende ich noch ein. Da ich ihn schon lang« kenne, und er außerdem Besitzer einer guten Bibliothek ist, aus der ich mir hin und wieder einen Band leih« wie Zimmerling den Hundertmarkschein von mir. erfülle ich schlicßlick) immer wieder seine Bitte. Jetzt ist«s mir bereits zur Gewohnheit geworden. An jedem Monatsende kann ich seinen Besuch in dieser Angelegenheit erwarten. Ich frage nicht, wozu er den Schein braucht. Ich bin zufrieden, wenn ich ihn in einer halben Stunde unversehrt zurückerhalte. Ein merkwürdiger Mensch, mein Pensionsnachbar Zimmerling. Eimtwl lieh er sich wieder hundert Mark von mir, aber ich hatte den Schein selbst angreifen müssen. Ich konnte ihm nur kleinere Schein« und Silbergeld geben. „Genügen nicht achtzig?" stagte ich. während ich ihm das Geld aufzählte. „Ach, nein, bitte nicht!" sagte er nervös. In einer halben Stunde aber brachte er mir zu metner großen Ueberraschung eine» Hundertmarkschein zurück. Später hob« ich erfahren, daß er mit dem Geld zur Post gegangen ist. um es gegen einen Hundertmarkschein einzulösen. „Nanu! Zimmerling!" sagte ich. „Dielen Dank!" lächell« er und zog sich in sein Zimmer zurück. Merkwürdiger Metssch. mein Pensionsnachbar Zimmerling. Gestern kam er wieder zu mir. Ich gab ihm einen neuen Hundertmarkschein, den ich für Weihnachten zurückgelegt hatte. Aber wer nach einer halben Stunde nicht wiederkam, war 5>err Zimmerling. Dabei wußte ich ihn in seinem Zimmer. Ich Höne. wie er drüben auf und ab ging und laut mit sich zu sprechen schien. Darauf klopft« ich energisch bei ihm an und trat in sein Zimmer. Cr kam verlegen auf mich zu.„Entschuldigen Sic, ich wollte eben zu Ihnen kommen." Ich sah mich im Zimmer um und entdeckte auf dem Tisch eine Menge Lebensmlltel, Zigaretten,«ine Flasche Wein. „Mir ist etwas Furchtbares passiert, ich wag« gar nicht, Ihnen dieses Geständnis zu machen," „Um Gottes Willen!" fuhr ich auf,„Sie haben doch nicht etwa meinen Hundertmarkschcin verloren?" „Rein", antwortete er,„aber ich habe diesmal wechseln müssen. Der Kaufmann hat genügend Kleingeld gehabt," „Ich verstehe das alles nicht, mein Lieberl" sagte ich nnge- duldig. Er macht««ine Arme-Sünder-Miene und klärte mich über den Hundertmarkschein auf.„Sie werden begreifen, daß ich manchmal für zw«i. drei Tage, so kurz vor dem Ersten, wenn der Wechsel unterwegs ist, ohne«inen Pfennig bin. Da habe ich die Erfahrung gemacht, daß man mit einem Hundertmarkschein einkaufen kann. ohne sofort bezahlen zu müssen. Entweder haben die kleinen Ge- schäftsleute nicht genug Wechselgeld in der Ladentasse»der der Laden steht voll Kundschaft. Da schreiben sie den Betrag lieber an, falls Sie bekannt find. Sehen Sie, das ist doch bedeutend ange- nehmer, als sagen zu müssen: Lönnen Sie mir vielleicht auf Kre- Vit Haar« schneiden oder ein halbes Pfund Leberwurst geben?' Nur heute habe ich Pech gehabt. Sind Sie mir bös«? Ich schulde Ihnen genau 12, S0 Mark."_ Der verbreiietstc Kalender der well ist der chinesisch« Almanach, der von der Staatsdruckeret in Peking in acht Millionen Exemplaren herausgegeben wird. Dem Chinesen bedeutet dieser Almanach»in unfehlbare« Orakel, an dessen Angaben und Rat- schlüge er bündsings glaubt. M Varkaaf soweit Vorrat Damen-Wäsche IrfiS�rtlBindCn mltSüekerel..Etaek jeut 0,45 Mflanese-SchlOpfer 1,45 ünterkleider»jSft 1.95 BettJfiCKClien Von«, gehlkelt,«U>»k jat»t 2,95 Haamaa Bin grosser Posten (angestaubter Wäsche| darunler elegante Seiden« u. Remberg« Waschkunstseiden-Elnzeistacke Herren- Artikel Oberhemden ät i oc Einsät*«. früli.Bt11ekbis2,TS,Jet*l 1,0 J Jetzt SclilBlmzIlp 4,90 fnlhrthlndfAM*,ri# 1 s,rle» 8eri« m s«ri« iv 0.30 0,68 sT/eO,75 Äl.25 Stehumlegekragen 0,28 Halbsteffe Kragen_____-»»j-tzt 0,24 Strfimpffe Damen-Strümpfe n s« F*ntssi«mnsl mit KanstscldencKakten, Paar Jetzt V,a» V Dumen-strOmpfe arasftassÄ 0» rein« Wolle,*eji,pt................... Paar Jetzt Vjerw Damen-Strumpfe 035 Trikotagen Dnnen-Sdiiapfnä'ssrtrss n7e «eideneifskten....................... Stück Jetzt V,§& Domen-StbMpfer sssvä QaallUt................ Stück Jetzt t.ss, 1,35, W,00 Damen-Sehiaiifer sr rÄ.s?"ss o* 5 Band........................ Stück Jetzt 3,28, 4k,�s Drinaottrürkp»»»*»«», Kanstsen« mit. rllllaiCMIUUVC«ngerniilitem Fntttr, besond. O A C gute Qualität................. Stück Jetzt 2,98, Beginn 4. Januar Meosanebflebe vorbehalten Rejenmfintel 4.90 für Damen, an« Gummi..... Stück Jetzt Oa M WiaetöTS gnte Qualität, hübsche Formen, Stück Jetat H uV W Kleiderstoffe Farbrortiment A OD Utr.bisl, 45, Jetzt U,00 Woll-Wpe de Chine PJnmfnnn elnlarblg und bedruckt, Wolle nUlllliiyU mit Konstaeide, schwor« Kleider- wäre............... früher Meter bis 3,90, Jetzt ßfnhfllninp � 130 em'"*'*•«lv�rbi» HlUEImUIlIK schwere Qualität, viele Farben. trüber Meter bis 4, SO...................... Jetzt Boucle Diagonal 2 85 ut&t . fiüher Meter bis 4,90, jetst Hosenröcke Stück Jetzt 2,95 1,50 I ((üollmusselln o ar m danket �randi?, früher Meter bfe tf03, Jotzt WfUw Seide und Samt W�WWWW» und Kunztsaldenstotfe mmsaai Pelour Royal s�s�ss�is» 0,95 Cr§pe Georgette Knn',fieidc- Blusen• Wollwaren Damen-Pullover Damen-Blusen Original Wien, reine Wolle, C aas kunstseid. Cbi nette. m. Krawatte. � OjA früher Stück 8,90, jetzt �§7%/ lange Äermcl, früh. St 8,90, jetzt"Fj 7 W Russenwesten für Damen, reine Wolle, mit moderner Bordüre, früh. Et.9,75, Jetzt lange Aermel, früh. St. 8,90, Jetzt . Damen-Blusen m\ Q/w aus reinseidenem Crtpe marocain. Q/ C W,«r V früher Stück 14,75, Jetzt y, t W Muster....�. Meter Jetzt 1 ,65 külgaranf 1,65 crßpemaklKaln?�ä«?j'.Ä 2,85 WeNongale�/��i� 3.60 Baumwollstoffe Damen-Schuhe 4.85 Wildleder mit Lack kombiniert. Paar Jetzt Herren-Sportstiefel 8.75 ectawarz und braun. mitZwisehensoble und urasserdlchtem Futter. Paar jetzt Rest- und Einzelpaare z.T. Ober die Hälfte im Preise herabgeselsll WaahkunslseWe Bminitiioll- Musselin rÄÄS; CNSAnnü Knustseide, bedeutend unter Preis. ripnirc früher Meter bis 1,25, Jetzt Douppion �«ÄMiwise Bemberg-Waschkunstselde grosse Auswahl..... früher Meter bis 1,95, Joint vieleMuster, Meter JoUi 0.28 0.36 0,48 0,78 0.95 Wäschestoffe RESTE und Abschnitte Rein Hflko für{«Im Leibiriech«, Motzt Jetzt 0,32 Art ganz aussergewöhnlich billig! waschetüch j�t 0,48 Dimhl WM 3�42 0,65 KaWhich���.M.� 0,78 SWWWWVW�MWMIWIWWWWWWWWaWga �USSSfäSM: DiGNSlvg unä hKiTtWoch VWWWW��SWWMaBWWSBaWWM�SMM ÜILUGt LEBENSMITTEL!! HERMANNT Hierdurch die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser Lehn. Schwiegersohn, Bruder, Schwager und Onkel, der Gastwirt Hermann Borgmann am 2. Januar im 50. Lebensjahr plStilich verstorben ist. Im Hamen der Hinterbliebenen Clara BorZmann, geb. Scholz Batunsehnlenveg, Bamnachulen.traße 89 Die Trauerfeder findet am Donnerstag, dem 7. Januar, *ra 17 Uhr im Krematorium Baumschulenwig, Kief- holzstruße, statt. DeitiBer UetaiiaMr-VerlüBä VerwaUuBgaslelle Berlin Todesanzeige vvn SKltglUbern tot Nachricht, tag ztt(n Zoll,.«. Der Drechsler Walter liarnbero S?»11 tt at ina<'*"* Adzuor a* Obre fstnen Vabcntesl Die ainilchenizg findet um chrel- tag. dem L. Januar, vormiitag» 1 1 IlHr. im Erematarium Gerichtstraße statt Hege VefoUigung wirb ermarin. 91« Ortfverweltmi,. Jügsitlm Iraka- n. Strlnkssse d. letsü- trtrelter u. i gwtrtl.(rhiftr, Smtnrg(fx£.) Filiale Berlin 3. In der öiluedccnocht verstarb»ach lannent schweren Seiben unser el>e- maligct Bevollmächtigter, Kollege Friedrich Bennecfce Sein Strien lör ble Äaffe wirb ihm bei una et» dauern»e« Mnbenten bewahren. EinSschernng am Diensteg, dem s. Januar, 17'? Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Uieshelzstraße. Stege Beteiligung erwartet vle OrfeTcrwelhiz.. AmNeujahrsmorgen verstarb naehlan« gern schweren Leiden unser Vorstandsmitglied, Herr Friedrich Rennecke im 66. Lebensjahre. DerVerstorbenewar 37 Jahre nnser Mitglied und gehörte dem Kassenvorstand 23 Jahre an. Vorstand, Verwaltung und Angestellte verlieren mit dem Verstorbenen einen bereitwilligen Berater und Helfer, einen Mann von ausgesprochenem Gerechtigkeitssinn, der nahern vier Jahrzehnte mit großer Liebe und Energie für die Interessen der Kasse, im besonderen der Versicherten gewirkt hat. Schmorzerfüilt stehen wir nunmehr an seiner Bahre. Seine treue Mitarbeit sichert ihm ein dauerndes Gedenken. Die Trauerfeier findet am Dienstag, dem 5. Januar. 17'/, Uhr. im Krematorium Baumschnleuwcg, Kiefholzstraße, statt, Vorstaad and Angestellteasdiaft der Orftkrankenkasse der Medtaaiker, Optiker und verwandten Gewerbe zu Berlin. KLBNE ANZEIGEN FettiNnülis Wart 25 Pf. (nllulj 2 fettsrtnidrte Wirte).- SteDcigoüd* ,« 1. Wert(fettsedroit) 15 PI., jeiei wetten Wert II PI. Worte nit mehr «b 15 hitilotei zliteo flrntt Werte. fiuhn.«iMz flr Ce Didutt Heearer bestimnt chtiinn ÜeflBNni 4' Uhr rnti-trte? le der Hjopt-lrzoilrra des Voreirtr. Uodoostnfe}, ibmthn werten.üiesrtht istwodieetHsnimoiiins IV» Ohr bis Mit». 5 Uhr cnaotertrartm friffnit. mm Sapetcn StlOat. Kolonie. tlcaiit S. 1932 die ersten 1000 Tau. nenbetfen, Stepp. decken, Matrrchen I Pbcc Ztefprnrunter betten zu oirautier. icn Selbfttoftenl Berlin lauft dlceft! Rajahn, Charlotten. durg, Letbnizstr. 33, ...... übe, U. IHnlilMiieitllrWa IU0100W iUOIEIfHO, WSSCIB USUJ. «17». Am sind die KLEINEN ANZEIGEN la der Gessnitauflage i da««Varwlrto" aad traudaa �abrifgebäud Tepolchhaz, (Cuil Sflrtce. Berlin, feit 49 ftah. ten nur Oranien- ftrafie 158. Sah. lunaserleichteruna ohne Sufschlati Epe- elalkatalog kosten- frei.» Wenia aeteaqeue ltapalieraarderobe oa n Millionären. Wetzten. Wnroälten. ffadelhait billige Breite. Smpfeble Taillenm»ntel.»a!e. Itots. Krads. Cma» ifines,(Sehtotfan. :»üae. Sofen, önoct. Gehpelze.(Belcatn. beitsfäufe tu neuer Garberobe. Weitester Wea lohnend. Lothrinaerstraste 58. t Treppe. Roten» thaler Dlad* Mövfii Gebe im peicher, L 1« Ä-72. , A». Conches, Chaiselongues, Pa> tentmatrafien, Aus legcmafratzen, Me. tallbeiten. Walter. Starzard er siraße achtzehn, stein La den.' Schlos, immer 290,—, stächen 95/— Schräget, stafla. nienallee 45. Schlafzimmer 325,— bis 1150,—. Dielengarnituren 8,—. stamerling. stastanienallee 56 lCcke FehrbcMner strafie). Illllfilli- minmiaw »Inkplaz»«. Mietziauos äder. au« preiswert Bianotabrii. Link Reiinnenstraie 85 mann-Piaao» rikgarantie, Teilzahlung. Lelp. Uferstraße 57(SpU. Gelege aheitskäule. Speise-, Herren-, Schlafzimmer, chränfe, Tische, Stähle. Enorm b>l lig. Zahlungzi teruna. Mari � Aadrikgehili Prnihenstra�e stahmtedlfie. BlaiiuabfLle. Queckstiber. st!m>- metalle, Silber. schmelze. Galdschmel- zerei. Cbristionat stSpenick-rstra»« 89 ValtesteS« Adalbert ßrake. j unserriciii| «Spcnicker «äschere i. stubasch Sränauee» strafi« 85(Tele. phan T 8 0587), wäscht fix ieben Haushalt. Bezug 30 Damenhemb 15, Herrenhemd 20, Handtuch 7. Bbhp. lun, Daunerstag. (Mitglied SPD. una RB.) ifcr- ■eftflnagea| Sandce. iehrgänge für Erwach Stenographie. Sechs oerschiebene Diktat. lusen. Debatten- christ. Raschine. chreiden, fremd. prachliche Steno. zraphie, Korrewon. nungahklb denz, Rechnen, Buch. fädrung, Bilanzai- betten, Dechseluer. kehr, Sprachen. Deutsch« und aus ländische Sprache lehret. Rackows kaufmännische Pri. RöbNerte« gimmer uatschulen, B. und Herr, Dame, oder Dr. A. Rackow, Ehepaar, kinder. Wilhelmstraße 49ilps, sofort per. (nahe Leipziger! mietbar, Bad, Te. Strafiel.Tauentzien. I lephon. Aebta. Gr. straße 1, Tlaxaäd«-> Frankfurt«' |" laon m Chat Muschreibegelb oetmüteli Bah. ,.. Ren« stänrgstrage acht. unbbreihig, dtrett Alezanderplah.» Plaz«. �1 Zimimr i si 1