BERLIN Dienstag 5. Januar 1932 10 Pf. Tit. 6 B 3 49.Zahrganfl Erscheinttäglich außerSonntags. Zaqlcich Adexdausgadc de»»Vorwirt«'. Bciug«»ret< für d-ide Auigabrn 7ö'ff. pro Woche, Z,!Z M. pr« Mona! dason 87 Pf. monatlich für Zustellung inj stau j) im»tauj jadidar. Postbezug 3,87 M. einfchiirMch 80 Pf. Postjeltuugj- und 72 Pf. Postbestellgebühren. ff\£iHVasd6 WnitljtnrrtU; Sie einspaltige Nrnpareillezeile 80 Vi. Reklmuezeile SM. Ermäßigungen nach Tarif. Pofischeckfonlo: Derwärtt-Veriag G. m. d. H., Berlin Nr. 37 536.- Der Berlaz behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen»er! Oiedaklien und C r p e d i t i o u: Berlin SW W, ündrnftr. 3 Fernfprechrr: Dönhoff(A 7) 292—297. 14 Bergleute eingeschlossen Grubenkatastrophe in Beuchen/ Wenig Aussicht auf Rettung Mussolini gegen den„Vorwärts" Wutschreie über unseren Kampf gegen den Kaschismns— Ein freiwilliger Agent Mussolinis pöbelt den„Vorwärts" an Dar dem Schöffengericht Berlin-Mitte hatte sich heute morgen der Herausgeber der„Grünen Briefe". S o n t a g. wegen formaler Beleidigung und übler Nachrede zu verantworten. In einem Leit- artikel vom S. März 1931 hat er gegen den Pressechef der Reichs- regierung, Ministerialdirektor Dr. Z e ch l i n, Borwürfe erhoben, die der Reichsregierung Anlaß gegeben haben, gegen Sontog Strafanzeige zu erstatten. In diesem Artiket, der nichts anderes als den Ausfluß der Hetzkampagne gegen Rcichspreffechef Dr. Zcchlin darstellt, hieß es u. a.: ..... Aber etwas anderes ist der Betrachtung wert. Man chaubt. in Rom die Beodachtung gemacht zu haben, daß es der sozialdemökratischs R« i ch s p r e s s e ch e f Dr. Z e ch l i n ist, der im Dienst der antifaschisiischen L�ga arbeitet und gerade dann, wenn unser« Linksblätter Skandalmeldungen über und gegen Italien zur Deröfsentlichung bringen, mit dem Widerruf zögert. Auf den Genossen Zechlin. der bekanntlich seinen besonderen Einfluß auch aus den Reichspräsidenten geltend zu machen weiß, wird es zurückgeführt, daß die deutsche Links- presse gegen Mussolini einen Ton anschlagen darf, den inan in der Sprache der internationalen Diplomatie als ungehörig zu bezeichnen pflegt. Versuche, diesen eifrigen Genossen und er- klärten Feind Italiens aus seinem Amt zu entfernen, sind fehl- geschlagen, weil die Sozialdemokratie als Bundesgenossin Brünings Wert auf die Tätigkeit Zechlins als des Vertrauensmannes inner- halb der sogenannten bürgerlichen Reichsregierung legt. Daß Zechlins Amtierung auch bei der Reckiten stark angefochten wird, weil er 5) i n d e n b u r g durch einseitige Bericht- er stattung zu beeinflussen wisse, darf als bekannt vorausgesetzt werden. Nun gab es in der letzten Zeit einige Fälle, in denen Zechlin in seiner Eigenschaft als Reichspressechef den Anfeindungen der Linkspresse gegenüber Italien nicht mit der gebotenen amUichen Pflichterfüllung entgegentrat. In Zukunft können sich nach dieser Richtung Konflikte ergeben, die das Verhältnis der deutschen Re- gierung mit Italien weiter erschweren würden.. Die Beleidigung und die üble Nachrede wird in der Hmiptsache in dem Vorwurs der einseitigen Infonnierung des Reichspräsidenten und im Unterlassen der amtlichen Pflichtersüllung beim Entgegen- wirken gegen die Angriffe der Linkspresse gegenüber Italien erblickt. In der heutigen Verhandlung sührte Landgerichtsdirektor Ziegel: die Anklage wurde vom 1. Staatsanwalt Lautz vertreten. Der Angeklagte wurde vom R.-A. Dr. Frey verteidigt. Mini- sterialdirektor Dr. Zechlin war als Nebenkläger zugeläsien und wurde von den Rechtsanwälten Dr. Simon und Dr. Cohn vertreten. Nach Verlesung des inkriminierten Artikels erhielt der An- geklagte Sontag das Wort zu einer Erklärung. Er führte ungefähr solgendes aus: Ich habe den Artikel in dem Augenblick geschrieben, als die Zollunion zwischen Deutschland und Oesterreich abgeschlossen werden sollte. Italien war Deutschlands Freund vor dem Kriege und Musiolini ist nach dem Kriege in Europa der beste Freund Deutschlands. Im Augenblick des Ab- schlusses der Zollunion habe ich deshalb für ersorderlich gehalten, dem unverschämten Angriff des„Vorwärts" entgegenzutreten. Die „Grünen Briefe" haben stets behauptet, das deutsche Volk habe nur zwei Feinde: einen innere» Feind in der Sozialdemokratie und eine» äußeren Feind in Frankreich. Erst wenn diese Feinde überwunden sein werden, wird der Ausbau Deutschlands möglich sein. Ich will nicht für großsprecherisch er- Hochwasser sinkt Schwere Lteberschwemmungsschäden in Mittel- und Westdeutschland B e u t h c n» 2. Januar. Auf der Narsten-Zeutrums-Grubc erfolgte am Man- tag um 18 Uhr ein heftiger Gcbirgs schlag, der eine Norrichtungsstreckc und zwei benachbarte Abbau- st r e ck e n in Älkitleidenschaft zog und einen großen Bruch vcrursachtc, durch den fünfzehn Bergleute abgeschnitten wurden. Tic sofort unter Mitwirkung der Bergbehörde einsetzenden Rettnngsarbeitcn konnten nach kurzer Zeit einen Fördermann unverletzt ans Tageslicht bringen. Gegen SOlü Uhr erfolgte ein weiterer Gcbirgs schlag, der die RettungS- arbeiten gefährdete. Bon dem Schicksal der abgeschnittc- neu vierzehn Bergleute ist zur Zeit noch nichts bekannt. Tie Rcttungsarbeitcn werden mit allen Kräften fort- gefetzt. Ltnklarhe!t über die Erderschötierungen. Erst in den Morgenstunden des Dienstag verbreitete sich in Reuthen die Nachricht von dem schweren Unglück aus der Karsten- Zentrum-Erub« und rief allgemeine Bestürzung hervor. Zahlreiche Einwohner hatten zwar am Montagabend die heftigen Erdstöße verspürt, durch die der Streckeneinsturz aus der Grube hervorgerufen worden ist, doch war von dem Unglück selbst zunächst nichts bekannt geworden. Erderschülterungen ähnlicher Art haben sich im obcr- schlejischen Industriegebiet in der lchteu Zeil mehrfach ereignet: über ihre Ursachen besteht noch keine völlige Klarheit. Die Karsten-Zentrum-Grube liegt ziemlich weit außerhalb der Stadt in dein früher selbständigen Vorort Kars. Die eingestürzte Strecke befindet sich abseits des Grubenzentrums: auf ihr arbeiteten glücklicherweise nur verhältnismäßig wenig Leute, der Hmipttcil der Grubenbelegschaft wurde nicht gefährdet. Die Stelle, an der die 14 Bergleute verschüttet worden sind, ist genau bekannt. Trotzdem blieben alle versuche, dorthin vor- zudringen bisher erfolglos. Ungeheure Gesteinsmassen erschweren den Retwngskolonncn den Weg, und es ist nicht abzusehen, wann das Geröll befestigt sein wird. Dazu kommt, daß die Vergungsmannschaften selbst in stän- Wenig Ausficht auf Rettung. Das Oberbergamt teilt heule morgen um 7 Uhr mit: Aus der Karsten-Zentrum-Grube gehen die Rettungsarbeilen nur sehr langsam vorwärts. Das Gebirge befindet sich immer noch in Bewegung. Mit den verschütteten 14 Leuten konnte noch keine Verbindung aosgenommcn werden. Es niuß damit gerechnet werden, daß sie tot find. Die Rettungsarbeilen werden mit allem Rachdruck fortgeseht. Roch keine Entscheidung! Die Verhandlungen im Berliner Werkskonflikt. Zur Beilegung des Lohukouflikts in den Städtischen Ens- und Wasserwerken und der BVG. wurden heute vormittag im Berliner Rathaus nochmals Berhand- lungcn geführt. An den Berhandlungcn nehmen ausier dem Oberbürgerukeifter und seinem Stellvertreter die Tirktoren der Gas- und Wasserwerke, der BBG.. der Stadtkämmerer und zwei Vertreter des Gesamtverbandes teil. Tie Verhandlungen, die nm 1 l Uhr begannen, sind bei Nedaktionsschluft noch nicht beendet. Schwäbische Tagwacht beschlagnahmt! Ein Streich des Stuttgarter Polizeipräsidiums. S t u t t g a r t. Z. Januar.(Sigenbericht.) Auf Grund der 4. Notverordnung des Reichs- Präsidenten ist heute die„Schwäbische Tagwacht". das Zcutralorgan der Sozialdwuokraten Württembergs, durch das Polizeipräsidium beschlagnahmt worden. Tic Beschlagnahme erfolgte wegen einer heftigen Kritik an dem langsamen Tempo der Voruntersuchung gegen Best und Genossen beim Reichsgericht. Das Hachwasier in den mittel- und westdeutschen Bergen, her- vorgerusen durch die Schneeschmelze in den höchsten Gebieten, scheint schnell abzulausen. Eine direkte Gefahr ist im Augenblick abgewendet, wenn auch in einigen Gebieten das Wasser noch weite Strecken überflutet und Schäden verursacht. Im sächsischen Erzgebirge. Chemnitz, Z. Januar.(Eigenbericht.) Der plötzliche Witterungsumschlag und das Regenwetter(Anna- berg meldet in 24 Stunden 25 Millimeter, der Fichtelberg 71 Milli- meter Niederschlag) haben zur Folge gehabt, daß fast alle Flüsse des westlichen und östlichen Erzgebirges Hochwasser führen� Zahl- reiche Ortschaften melden Ueberschwe, Innungen und schwere Schäden, die durch die Fluten verursacht worden sind. In F l ö h a haben die Wassermassen die Verbindung zwischen den einzelnen Ortsteilen unterbrochen und die elektrische Leitung zerstört. Aehntich« Nachrichten liegen aus Franken berg und M i t t w e i d a vor. Die Staatsstraß« Chemnitz— Annaberg steht bei 5)arthau unter Wasser, sie mußte gesperrt werden. In der Stadt Chemnitz ist von der Polizei der Verkehr schwerer Fuhrwerk« auf den Brücken im Stadtgebiet bis auf weiteres untersagt worden. Für die Straßenbahn wurde stellenweis« Pendelverkehr eingerichtet. Die Feuerwehr hat in der überschwemmten Umgebung vielfach Pionier- Pontons eingesetzt, um Menschen und Vieh aus den voni Wasser umspüllcn Gehöften zu retten. Zm Hanauer Land. Kehl. 5. Januar. Der am Montag gemeldet« Dammbruch der Kinzig bei Kehl hat das Gebiet östlich Kchls bis nach A u e n h e i m bedroht. Durch die entstanden« Lücke des Dammes ergossen sich ungeheure Wassermassen in das neue Flußbett, das diese nicht mehr fassen konnte und rasch überflutete. In hohen Wellen wälzten sich die Wasser in- das Vorgekände des ehemaligen Exerzierplatzes nach Aucnheim zu. Bald stand das ganze Neudorf einen halben Meter hoch unter Wasser. Die Ställe mußten schleunigst geräumt und das Vieh in Sicherheit gebracht werden. Auch das Oberdorf kam in die Gefahr, von rückwärts überflutet zu werden, da sich die Wafscrmengen am alten Kinzig-Damm stauten und zurückgedrängt wurden. Es wurde fieberhast gearbeitet, um den Fluten einen neuen Abzugsweg zu schaffen. An der Einbruchsstelle der allen Kinzig wird ebenfalls versucht, die Wassermassen zu dämmen, was bis gegen Mitetrnacht auch zeitweise gelungen war. Roch eine Klagges-Kaserne! Llnerträgliche Provokationen im Lande Braunschweig. Braun schweig, ü. Januar.(Gigenbericht.l In Schöningen haben die Nazis eine weitere SA.- Kaserne eingerichtet, so daß sie jetzt im Lande Braunschweig fünf derartiger Kasernen besitzen. In der Schöninger Kaserne sind bielfach aus Prcuszi- schem Gebiet stammende Hakenkreuzler ein- quartiert, die gegen die Bevölkerung einen nnerträg- lichen Terror ausüben. Nachdem sie schon in der Silvesternacht ahnungslose Passanten vom Dach« aus mit Steinen beworfen hatten, machten sie in den letzten Tagen eine regelrechte Jagd auf Reichs- banner- und SA I.-Mitglieder. Mit Tot- schlägern und anderen Waffen fielen die Hakenkreuz- rowdys über einzelne Arbeiter her und richteten sie übel zu. An der Nazikaserne vorbeikommende Frauen werde» von den„Erneuerern Teutschlands" unsittlich belästigt. Der Arbeiterschaft der Stadt Schöniugen, die feit Jahren eine sozialistische Mehrheit auf. weist, hat sich Wege,» der planmäßig organisierten Heber- fälle eine große Empörung bonächtigt. scheinen. Die„Grünen Briefe" haben nur einen ganz kleinen AnteS an dem Kampf um den Ausbau Deutschlands. Ich bin aber für chindenburg zu einer Zeit eingetreten, als feine Kandidatur für die Reichspräsidentschaft gefährdet war. Ich bin auch dann für Hinden- bürg eingetreten, als die nationalen Kreise sich gegen ihn wandten. Es wurde behauptet, daß feine amtliche Umgebung ihn falsch in- formiere. Die falschen Informationen gingen aber nicht von dem Staatssekretär Meißner oder von seinem Sohn aus, Es wurde mir von hiadenburgs Verwandten gesagt, daß die hauplursache der falschen Informationen Dr. Zechlin sei. Die Auswahl der Pressestimmen, die von diesem dem Reichs- Präsidenten vorgelegt wurden, sei einseitig. Er werde auch falsch über Italien informiert. Sei meinen alljährigen Besuchen in Rom wurde mir von der Umgebung Mussolinis gesagt, man verstünde es nicht, daß eine Regierung, die sich in der Hauptsache aus die Sozialdemokratie stütze, es zulasse, daß das Zeutralorgan dieser Partei, der „vorwärts", in der allerschmuhigsten, iu der infamsten Weise das faschistische System und Mussolim herunterreiße. Der Vorsitzende unterbricht an dieser Stelle den An- geklagten und bittet ihn, sich zu mäßigen. Er habe schon früher von unverschämten Angriffen des„Vorwärts" gesprochen. Jetzt ge- brauche er gar solche Ausdrücke wie„allerfchmutzigste und infamst« Weise". Der Angeklagte S o n t a g, fortfahrend: Als ich in Rom fragte, weshalb' denn die italienische Regierung die Behauptung des„Vorwärts" nicht dementiere, da erhielt ich zur Antwort, daß dies vollkommen nutzlos fei. Die italienische Regierung hätte durch das Telegraphenbüro Stefani und durch die offiziöse Presse immer wieder dementiert, die Dementis werden aber in Deutschland einfach nicht weiterverbeitet. Der Angeklagt verliest nun eine große Auzahl �Vorwärts"- Artikel, um den Rachweis dafür zu erbringe«, iu welcher Weise der„Vorwärts" den Faschismus augreise. Als das Vorlesen kein Ende nehmen will, versucht der 1. Staats- anwalt gegen dieses Verlesen Einspruch zu erheben. Der Angeklagte verspricht, sich zu beschränken, liest aber ruhig weiter. Er hält sich z. B. darüber auf, daß der„Vorwärts" behauptet Habs, daß, wenn das Dritte Reich käme, würde auch in Deutschland, ähnlich wie setzt in Italien, nur das Bajonett und die rohe Gewalt herrschen; daß in einem anderen Artikel von der Schamlosigkeit faschistischer Justiz zu lesen gewesen sei und dgl. mehr. Der Vorsitzende fragt den Angeklagten, in weicher Weise der Reichspressechef gegen diese Schreibweise des„Vorwärts" hätte eingreifen sollen. Der Angeklgte: Dr. Zechlin hätte seinen Genossen einfach sagen können:„Seid doch vorsichtiger in euren An- griffen. Ich bin doch der Verbindungsmann zwischen der SPD. und der Reichsregierung, ihr erschwert meine Stellung ganz un- gemein." Auf die Frage des Vorsitzenden, welches Dementi die italienische Regierung vom Reichspresseches z. B. nicht weitergegeben worden sei, bleibt der Angeklagte die Antwort schuldig. Der Angeklagte beruft sich u. a. auf den Umstand, daß angeblich Ministerpräsident Braun beabsichtigt habe, im Sportpalast an einer antifaschistischen Kundgebung, auf der der Antifaschist Nenni sprechen sollte, teilzunehmen, er erwähnt ferner, daß im„Vorwärts"- Gebäude die antifaschistische Organisation, die Gesellschaft der Freunde der Freiheit Italiens, ihren Sitz habe. Zn Rom sei deshalb der Eindruck entstanden, daß Deutschland bei sich eine antifaschistische Verschwörung dulde, die mit hilse sranzösischer Freimaurer auch Mussolinis Sturz anstrebe. Für die Richtigkeit seiner Behauptung, daß Dr. Zechlin den Reichs- Präsidenten Hindenburg einseitig informiere, beantragt er die kommissarische Vernehmung des Reichspräsi- denken selbst und einer Reihe von Persönlichkeiten aus seiner Umgebung, u. a. die Vernehmung des Admirals von Schröder, des Herrn Cramon usw. Ueber die Beziehungen des„Borwärts" zu Dr. Zechlin soll Stampfer gehört werden. Der Angeklagte ist ferner der Ansicht, daß sein Artikel in den„Grünen Briefen" die Ursache dafür gewesen sei, daß der„Vorwärts" seine Posaunen- stoße gegen den Faschismus gedämpft habe und daß in den Be- ziehungcn zwischen Deutschland und Italien eine große Erwärmung eingetreten sei. Das Wort zu seiner Gegenerklärung erhält M i n i st e r i a l- direktor Dr. Zechlin. Vom Vorsitzenden über den Kreis seiner Aufgaben befragt, sagt er wie folgt: Als Pressechef der Reichsregierung habe ich die Politik der Reichsregie- rung in der in- und ausländischen Presie zu verteidigen. Ich Handel« dabei nach den allgemeinen Richllinien, die ich vom Reichs- kanzler, vom Minister des Aeußeren und von anderen Ministero erhalte. In den Kreis meiner Aufgaben fallen auch die Richtig- stellungen in der Presse. In alltäglichen Pressekonferenzen verteidige ich die Politik der Regierung und bekämpfe die entgegengesetzten Argumente der Presse. Ob die vresse den Wünschen der Regierung Folge leistet oder nicht, steht bei ihr. wir haben in Deutschland Pressefreiheit. Ich verfüge über keine Zwangsmittel. Vorsitzender: Haben Sie auch unter Umständen gegen bestimmte Artikel von Zeitungen Stellung genommen. Haben Sie z. B. speziell dem„Borwärts" gegenüber gewisse Er- wägungen laut werden lassen? Dr. Zechlin: Selbstverständlich. Ich habe den„Vorwärts" wiederholt darum ersucht, seine Angriffe gegen die italienische Re- gierung zu mildern, ebenso wie ich z. B. die kommunistische Presse darum gebeten habe, oder wie ich mit der Rechtspresse wegen ihrer Stellungnahme zum linksgerichteten Spanien verhandelt habe. Ich könnt- aber nicht verhindern, daß der„vorwärts" das faschistische System bekämpfte. Wenn es sich um bestimmte Nachrichten handelte, die vom„Bor- wärts" über Italien gebracht wurden, so konnte ich diesen Nach- richten nur auf Grund von Dementis der italienischen Regierung entgegentreten. Ich kann das auf meinen Eid nehmen, daß jedes Dementi der italienischen Regierung sofort weitergegeben wurde. Dies geschieht stets, sowohl durch das Wolfssche Telegraphenbüro, als auch durch persönliche Mittellungen auf der Pressekonferenz. Ich kann gleichfalls auf meinen Eid nehmen, daß ich alles getan habe, um die Angriffe der Presse gegen den Faschismus zu mildern. Außenpolitisch waren diese An- griffe selbstverständlich in höchstem Maße unerwünscht. Ich bin seit lA)2 Beamter des Auswärtigen Amtes, und ich weiß, daß es für die Zluslandspolitik Deutschlands gleichgültig fein muß. was für ein Regime in dem einen oder anderen Lande herrscht. Vors.: Der Angeklagte behauptet, daß seine„Grünen Briefe" zu einer Ver- besserung der Beziehungen zwischen Italien und Deutschland geführt hätre». Dr. Zechlin: Von der Existenz der„Grünen Briefe" hatte ich wohl gehört, hatte sie aber, bis mir dieser Artikel zuge- schickt wurde, nie gesehen. Herrn Sontag beneide ich um sein Selbstbewußtsein. Ich kann aber versichern, daß sein«„Grünen Briese"«ruf die Stellungyahme der Be. Reichsbanner greift an! Kreitog: Massenkundgebung in den Germania-Gälen Nach dem gestrigen Beschluß des Ganvorstandes des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold» in dem erfreulicherweise besonderer Nachdruck auf die weiter« Aktivierung der republikanischen Massen gelegt wurde, wird das Berliner Relchsbauuer schon in nächster Zeit ein« Reihe großer politischer Aktionen durchführe». Die erste große Kundgebung nach dem Fallen der Ver- sammlungssperre wird am Freitag dieser Woche unter der Parole„Unser der Staat— Unser die Macht— Wir greifen an!" in den Germania- Säle» abgehalten werden. Am Dienstag der kom- Menden Woche, dem 12. Januar, findet im Saalban Friedrichshaiu die zweite große Veranstaltung statt, die wahrscheinlich nuter dem Thema„Berichte aus dem Dritten Reich" stehen wird. Sprecher sollen hier vor allen Dingen Republikauer aus Hessen und Braunschweig sein. Mit dem Verrat der Na- twnalsozialiste» an Südtirol wird sich eine große Versammlung beschästigen, die für Freitag, den 1». Januar, angesetzt ist, und voraussichtlich in den Spich ernsälen stattfinden wird. Die erste Reihe der großen politischen Reichsbaunrraktioneu im neuen Jahr wird abgeschlossen durch eine Versammlung am IS. Januar, die in Kliems Festsälen stattfinden soll. Hinrichten öffentlich Oer neueste Kulturfortschriti des italienischen Faschismus Während nwn in anderen Ländern bestrebt ist, die Gelegen» hetzen zur Verrohung der Bevölkerung zu oermindern, führt das faschistische Italien die Zulassung des Publikums zu den Hin- richtungen ein. Wahrscheinlich sieht man in dem furchtbaren Bor- gang eine billige und im faschistischen Sinne erzieherische Volks- belustigung; vielleicht schätzt man auch in der Oesfentlichkeit der Hinrichtungen ein Mtztel zur Hebung des Fremden- verkehrs. Am 2. Januar ist die erste Hinrichtung eines gemeinen Per- brscher« auf Grund de» faschistischen Strafgesetzbuches vollzogen worden. Ein aller Häuer eines Schwefelbsrgwerkes, der einen Knaben vergewaltigt und getötet hatte, ist durch Erschießen hinge- richtet worden. Merkwürdigerweise hat man der Mliz das Fest der Hinrichtung entzogen und eine Abteilung römischer P o l i z i st e n — der sogenannten Metropolllani— dazu oerwendet Bei p o l i- tischen Verbrechern sieht die faschistische Miliz die Henkerarbeit als ihr Vorrecht an und wird jedesmal wegen ihres„heldenhaften Verhaltens" belobigt. Diesmal hat man einige 30 Polizisten aus Rom noch Caltamsetta in Sizilien kommen lassen. Am Abend vor der Hinrichtung wurde bekannt, daß sie öffentlich auf freiem Felde stattfinden würde. So konnten die, den« der Sinn nach diesem Schauspiel stand, die Nacht über anstehen und sich den besten Platz sichern. Trotzdem waren„nur einige Hundert Personen zu- gegen", wie die Journalisten enttäuscht melden. Sie erklären diesen Mangel an Zulauf mtz dem eisigen Wetter. Wenn man daran gedacht hätte, hätte man ja besseres Wetter abwarten können. Bei künstigen Hinrichtungen wird sicher die Regie besser fem. Durch seine liberale und demokratische Entartung war Italien setz über 50 Jahren dieses Schauspiels entwöhnt. Der Verurteilte wurde um 5 Uhr geweckt und erfuhr, daß fein Gnadengesuch abgelshnt worden war. Er hat dann die Tröstungen der Religion empfangen und ein Kruzifix, das ihm der Bischof von Caltamsetta geschickt hatte. Rittlings an einen Stuhl gebunden, mit oerhüllten Augen und Ohren, bat er die Salve in den Rücken erhalten und soll sofort tot gewesen sein. Zwischen dem Moment des Aufweckens und der Konstatierung des Todes sind genau zwei Stunden verstrichen. Dieses der Berlauf eines saschi- stischen„Antodafe", eines Glaubensaktes, durch den die italienische Diktatur ihren unerschütterten Glauben an die Heil- kraft der Gewalt bezeugt. Eine Latrinenparole. Störungsversuche aus dem Haufe Masse gegen die antifaschistische Front. Di«„Berliner Vollszeitung" spricht die Vermutung aus, daß eine„Einheitsfront mit Hitler" im Entstehen sei. Mtz der Gewissenlosigketz der berufsmäßigen Sen-sattonsmo.cher wird dabei unterstellt, daß die Sozialdemokratische Partei Absicht oder Neigung habe, mtz der Nctzioriassozialrstischen Partei zu paktteren. Das ist eine Sensotionsparol«, die eines kommunistischen Organs würdig wäre! Die„Berliner Voktszeitung" aus dem Hause Masse hat vor einigen Tagen eine Wie Quertreiberei gegen die Eiserne Frmtz unternommen. Ihre neueste gehässig« Berleumdung der Sozial- demokratischen Partei liegt in der gleichen Richtung. Wir fragen: in wessem Interesse werden diese Störunzsversuche gegen die antifaschistische Front nntermnnmen? Ltnfall des V-Zuges Verlin-Köln. Zwei Zvgbeamten leicht verletzt. Essen, S. Januar. Wie die Reichsbahndirektion Essen mitleill, fuhr heute morgen der D-Zug 10 Berlin— Köln im Dortmunder Haupt- bahnhof auf eine Heizlokomotive auf. Die Heizlokomo- tive entgleiste mtz drei, der Packwagen des V-Zuges mit zwei Achsen. Reisende wurden nicht verletzt, ver Heizer der heiz» lokomolive und der Zugführer de» V-Zuges sind leicht verletzt. Der Sachschaden ist gering. Der V-Zug konnte nach 63 Minuten Verspätung seine Fahrt mit einer Ersahmaschine s ortsehen. Die Unter- suchung über die Schuldsrage ist eingeleitet. Giillhalteverlangerung für ein Lahr? Worüber das Stillhaltekomitee verhandelt. Wie von unterrichteter Seit« min bestätigt wird, verhandelt das StAhallekomtze« in Berlin nur noch den Plan einer Der- längerung des bisherigen Stillhalleabkommens füreinIahr, sowie gewisse Verbesserungen des bisherigen Abkommens. Alle anderen Pläne scheint man hingegen fallengelassen zu haben. Zaures-Denkmal eingeweiht. In Meru, nördlich von Paris, ist am Sonntag ein Jaures-Denkmal eingeweiht worden. Die Festreden hiellen der sozialistische Bürgermeister der Stadt, Paul Faure, und Compere-Morel. Wetter für Berlin: Mild und wechselnd bewölkt, wettere RegenfMe. frische westliche Winde.— Für Deutschland: lieberall, auch in Ostdeutschland, mild, im Norden zahlreiche Regenfälle. Hörden keinen Einfluß gehabt haben. Zu den einzelnen Behauptungen des Artikels habe ich folgendes zu sagen: Die Behauptung, ich arbeite im Dienste einer antisaschistischen Liga, ist für mich als allen Beamten eine unerhörte Verlenm- dung. Ich erkläre unter meinem Eide, daß ich von der Existenz dieser Liga überhaupt nichts gewußt habe. Eine unerhörte Beleidigung ist es auch, wenn behauptet wird, ich sei der Feind des italienischen Volkes. Ich bin weder der Feind des italienischen Volles noch der Feind des italienischen Faschismus. Als Beamten ist mir das Regierungssystem Italiens gleichgüllig. Ich bin in Italien sechsmal gewesen, zweintal in den letzten Iahren. Ich bin da gut bekannt. Es wurde mir welter der Vorwurf gemacht, daß ich nur zögernd eingegriffen hätte. Darüber habe ich mich beretzs geäußert. Ich bekleide das Amt des Pressechefs fetz sechs Jahren. Es ist kein einziges Mal vorgekommen, daß ich ein Dementi nicht sofort hinausgegeben hätte. Es wurde mtz vorgeworfen, ich wäre der Verbindungsmann zwischen derSvzial- demokratischen Partei und der Reichsregierung. Als Beamter habe ich mtz der Partei nichts anderes zu tun als jeder andere Beamte, und auch als jeder andere Beamte, der einer anderen als der Sozialdemokratischen Partei angehört. Die Sozialdemokrattsche Partei braucht keinen Verbindungsmann zur Reichsregierung: ihre Mitglieder können jeden lag persönlich mit den Mitgliedern der Reichsregierung verhandeln. Wenn behauptet wird, ich hätte als Reichspressechef dem„Vorwärts" Mitteilung zukommen lassen, so ist das eine ganz infame Beleidigung. Als Beamter bin ich zur größten Verschwiegen- hetz verpflichtet. Ich bin m meiner Stellung der beobachtetstc Mann. Es ist a»ch falsch, daß ich durch meine Partei in diesen Posten gehoben worden wäre. Ich war Propagandachef des Aus- wärtigen Amtes in Spanien, wurde von hier aus in die Presse- abteilung der Reichsregierung übernommen und vom Reichskanzler Marx zum Pressechef ernannt. Schließlich der Vorwurf der einsetzigen Information des Reichs- Präsidenten durch mich. Der Reichspräsident wird in der Haupt- fache vom Reichskanzler und von den Ministern informiert, sodann vom Staatssekretär Meißner, ihm geht umfangreiches Material zu. er erhall täglich 500 bis 600 Briefe, er»«folgt auch selbst dt« deutsche Presse. Meine Aufgabe ist es, ihm in täglichen Bortzägen über die ausländische Presse zu informieren und ihm auch die außenpolitischen Nachrichten zukommen zu lassen, die ich auf Grund von Telegrammen habe, die in den Morgenstunden in der Presse noch nicht veröffenllicht worden sind. Der Reichspräsident erhält außerdem von meinem Büro eine große Anzahl von Ausschnitten. Während der sieben Jahre, da ich die Ehre habe, dein Reichspräsi- denten täglich Bortzag zu hallen, ist mtz noch niemals der Vorwurf gemacht worden, ich hätte ihn parteipoltzisch informiert. Ein der» artig linksgerichtetes Informieren wäre auch ein Blödsinn. Der Reichspräsideni ist Mannes genug, um sich richtige In- formationen zu holen. Er liest selbst Zeikungen, und er würde mich unweigerlich zur Rede stellen, wieso ich ihn falsch in- formiert habe. Seine hauptsächlichste Informationsquelle ist, wie ich beretzs gesagt habe, der Reichskanzler und der Außenminister, dem die Berichts der Botschafter zur Verfügung stehen. Ich weiß, daß es Leute gibt, die mtz mtz unzufrieden sind. Ich weiß, daß die Opposition einen Mann ihrer Partei auf meinem Posten wünscht. Und ich bin über- zeugt, daß in Hitlers Drittem Reich Dr. Zechlin nicht ntehr Reichspresseches sein würde. Das spricht aber nich� gegen mich. Ich habe mich durch die Vorwürfe in meiner Ehre als alter Beamter gekränkt fühlen müssen, da mein Wirken in der öffentlichen Meinung' herabgesetzt werden sollte und ich des Vertrauens, das ich für mein Amt brauche, unwürdig erscheinen sollte. Der Vorsitzende regt einen Vergleich an. Nach Wiedereintritt in die Verhandlung gibt der Ange» klagte Sontag folgende Erklärung ab: Nach der eidlichen Aussage des Herrn Nebenklägers erkläre ich. daß ich die B e h a u p- t u n g. der Nebenkläger sei ein Feind Italiens, arbeite im Dienste der antifaschistischen Liga und sei Vertrauei-smann der Sozialdemo. kratischen Partei innerhalb der Reichsregierung, mir nicht zu eigen mache, und daß ich dem Nebenkläger eine Verletzung seiner Amtspflicht nicht zum Vorwurf mache. Der Verhandlung wohnt« im Zuhörerraum der Pressechef der italienischen Botschaft Adenori bei. In seiner Aussage berief sich Dr. Zechlin u. a. aus ihn zun, Beweise dafür, daß jode» Dementt der italienischen Regierung stets unverzüglich weitergegeben worden sei. Glücksinseln i Die(Suche\ Die Suche noch dem geheimnisvollen Land Atlantis, das durch Platos Schilderung in die Phantasie der Menschen eingeführt wurde. ist heute eifriger und leidenschaftlicher denn je. Ein nie ver- löschender Zauber geht von diesem rätselhaften Eiland aus, das man überall auf dem Erdball aufzuspüren oermeint« und doch niemals gefunden hat Eine ungeheure Menge von Büchern ist über dies Problem geschrieben worden, und die Bibliothek von 1700 Atlantis- Schriften, die 1926 gezählt wurde, hat sich seitdem noch erheblich vermehrt. In einer soeben bei R. Aoiglländer in Leipzig erschienenen Schrift„Das A t l a n t i s r ä t s e l", das die Geschichte und den gegenwärtigen Stand der Atlantisforschung behandelt, fragt der Verfasser Alexander Bessmertny auch nach den Gründen für die besonder« Vorliebe unserer Zeft für diese Frage und er er- klärt sie damit, daß unsere Zeit„eine Aufgabe außerhalb der täglichen Nöte, jenseits der Kämpfe und Möglichkeiten des Alltags sucht, um überhaupt die Substanz einer erjüllbaren Aufgabe zu bewahren". An die Vorstellung Atlantis knüpft sich der Wille: Heimat und Ziel zu finden, und Atlantis wird zu einem Wunsch- bild der Menschheit, nach dem die gequälten Söhne dieser Erde all die Hoffnungen oerlegen, die sie in ihrer Umgebung nicht erfüllt sehen. So tritt der Atlantistraum neben die Hoffnung aus das Paradies, ist eine der großen Utopien, in denen die Menschheit ihr Ideal im strahlenden Glanz einer märchenhaften Ferne anbetete. Kein Wunder, daß in unserer glücklosen und sorgenerfüllten Zeil sich das Auge in Vergangenheit und Zukunft auf eine solche Glücks- infel flüchtet, in der ihre geheimsten Sehnsüchte sich verkörpern. Bessmertny glaubt, daß schon bei Plato«in solcher Wunschtraum zur Gestaltung eines Mythos führte, der in seiner Phllosophie ja überhaupt eine große Rolle spielt. Die Vorstellung von Glücks- inseln war damals in Hellas weit verbreitet, mochten es nun die Eilande der seligen Toten oder die unerreichten Inseln glücklicher Barbaren sein, und so lag es dem griechischen Philosophen nahe. dem Mythos der frühsten Geschichte Athens einen anderen gegenüber zu stellen, der die Entfaltung eines barbarischen Volkes schilderte. Jedenfalls ist es wahrscheinlich, daß Plato aus dem Schatz der antiken Mythen schöpfte und seinem Bild von Atlantis keine tat- sächlichen Nachrichten zugrunde lagen. Die Schöpfung des großen Weisen war aber so eindringlich und genial, daß sie die Menschheit nicht mehr zur Ruhe kommen ließ. Ueberall auf dem Erdball hat man Atlantis gesucht und immer wieder behauptet, es entdeckt zu haben. Dabei waren es doch nur eigne Wunschträume, die man hier in die Wirklichkeit versetzen wollte. Nach der Entdeckung von Amerika lag es nahe, in der Neuen Welt das platonische Atlantis zu vermuten. Aus den Vor- stellungen der Christenheit drängte sich mehr die Annahme auf, dieses Glücksreich nach dem heiligen Land zu verlegen, und so wurde w Menschheit ach Ailantts Palästina als Atlantis proklamiert. Die Verehrer des klassischen Hellas suchten dieses Wunschland in der Nähe der alten griechischen Herrlichkeit und meinten, es in dem Mittelmeergebiet zu finden. Ein nationalistisches Ideal trieb den Schweden R u d b e ck dazu an, in einem 1675 erschienenen umfangreichen Werk zu behaupten, sein Vaterland sei das wahre Atlantis. Geradezu wie man das Paradies in Ostpreußen und in Mecklenburg gesucht hak. Auch heute noch sind solche völkischen Ideen mitbestimmend, wenn etwa ein Hermann W i r t h eine atlantische Kultur im Nordland vor 20 000 Iahren erweisen möchte. Aehnlich hat Frob-enius eine hohe vorgriechische Zivilisation, die das Urbild des platonischen Atlantis darstellen soll, in Afrika aufzeigen wollen, und durch die Grabungen des deutschen Archäologen Schulten in Spanien wurden zahlreiche Gründe dafür beigebracht, daß Atlantis in der allen Handelsstadt Kartessos zu suchen sei. Aber all diese Bemühungen haben ebenso- wenig vollgültige Beweiskraft wie die großzügigen Vermutungen der Welteislehre, wie die anthroposophifchen, okkultistischen und spiritistischen Phantasten, die diese Glücksinsel der Menschheft aus den Ahnungen des Unbewußten und Ueverirdischen aufsteigen lasten wollten. Die Atlantishypothesen gruppieren sich heute um ganz verschiedene wissenschaftliche Annahmen. Die einen, die Philologen und Archäologen, suchen das Land, das Plato beschrieben hat: andere Gelehrte wieder spüren nach diesem Fabelreich als der Urheimat der Menschheit, in der sie die verlorene„goldene Zeit" wiederfinden wollen. Dazu kommt noch die naturwissenschaftliche Frage nach dem einstigen Vorhandensein eines allantischen Zwischenkontinentes. Die Vorstellung von einer ehemaligen Landbrücke zwischen Afrika und Europa einerseits und Ainerita anderersefts ist heute fast zum Gsmeinplatz geworden, und damft ließe sich allerdings das Auf- tauchen und der Untergang einer fernen West erklären, ohne daß das Idealbild Platos damft irgendwie gedeutet würde. So ist denn die Geschichte dss Atlantisrätsels in ihren tiefste« Beweg- gründen nur als einer der Versuche des Menschen aufzufassen, die Wahrheft seiner Wunschträume zu erweisen, wie dies m dem Glauben an das Paradies, an die goldene Zell, an selige Inseln usw. der Fall war.„Die sonnenbeglänzten und nebelverfinsterten Eilande der Natwnalmythologien— bei den Deutschen Vineta, bei den Kelten Avalun, bei den Engländern Leonais—, sie alle üben nicht den intensiven Erkundungsanreiz wie Atlantis aus", sagt der Verfaster.„Atlantis ist ein Wunschbild der Menschheit und gibt ihr als wachgewordene Erinnerung die Aufgabe, die Wunschinsel als exakte Tatsache an den Anfang der Geschichte zu stellen, um dem Glauben an eine bessere Zukunft die Vertrauensbasis für einen Wiederholungsvorgang zu geben." Paris diskuiiert Tribuistreichung. Günstiges Echo links/ Für die Verständigungspolitik. Paris, 5. Januar. Das Leitmotiv der heutigen Blätter bildet die Frage einer endgültigen Streichung der Reparationen durch die französische Regierung. Dieser Gedanke, der schon gestern von der „Depeche de Toulouse" lanciert wurde, ist heute von nahezu allen Blättern aufgegriffen und in den Vordergrund ihrer Be- trachtungen gerückt worden. Das radikale Blatt„R e p u b l i q u e" sieht in einer solchen Aktion, wenn jetzt Frankreich sein juristisches und moralisches Recht auf Reparationen hochherzig opferte, die Krönung der Annäherungspolitik. Wie viele Miß- verftändnifle, so schreibt das Blatt, würden nach einer solchen Tat beseittgt sein, wieviel Groll wäre besänftigt, welch ein Schlag wäre dies für die Prediger des Hasses, welch ein Weg für die Polittt der Verständigung, welche Möglichkeiten für die Festigung der Freund- schast und die wirtschaftliche Wiederaufrichtung des schwankenden Europas! Wir brauchen nur zu wollen, erklärt.Ltepublique", und wir können die Welt retten. „V i c t v i r e" erklärt, die freundschaftliche Revision des Ver- sailler Vertrages in allen jenen Teilen, die unausführbar geworden seien, miteinbegriffen die Klausel einer fast restlosen Entwaffnung Deutschlands in einem bewaffnet gebliebenen Europa, sei die große Geste, die man brauche, um alles in Ordnung zu bringen. Damit wäre auch jede Kriegsgefahr für lange beseitigt. „Oeuvre" glaubt einen solchen Schritt billigen zu können, wenn er erfolgt, um die politische Atmosphäre zu erneuern. Abzulehnen wäre er, wenn er lediglich ein Opfer im Interesse der angelsächsischen Bankiers darstellte. Wir sehen nicht ein, so schreibt das Blatt, warum wir in ein solches Opfer einwilligen sollten, wenn wir daraus keinen Nutzen zögen. Aber wenn es sich um eine große Geste handell, wenn wir auf einen bereits gering gewordenen Gläubigeranspruch im wohlverstandenen Interesse verzichteten, dann ist es etwas anderes. „Volonte" behauptet zwar, Deutschland habe, wenigstens bis zu den letzten Monaten, nichts getan, um seinen Bankerott zu vermeiden, sicher aber habe es diesen Bankerott auch nicht absichtlich und systemaüsch herbeigeführt. Eine Streichung der Reparationen, so erklärt das Blatt weiter, werde Deutschland nicht hindern, andere Forderungen, namentlich die wegen des Danziger Korridors, auf- rcchtzuerhatten. Aber wiederhott werden müsse, daß die Aera der halben Maßnahmen vorbei sei. Man müsse alles auftechterhallen oder alles regeln. Daraus zieht„Volonte" dann den Schluß, man würde vielleicht einen Teil der Reparationen retten können, wenn man zu einer europäischen Verständigung über Abrüstung, Minder- heitenstatut und deutsche Ostgrenzen käme. „E r e n o u v e l l e", das Blatt Herriots, ist etwas zurück- haltend. Es verlangt, der Verzicht auf die Reparationen dürfe nicht ein Geschenk sein, er müsse vielmehr von dem vorherigen Ver- zicht des amerikanischen Kongresses auf die Kriegsschulden. dem der Privatgläubiger auf die eingeftorenen Kredite und von der Zustimmung Deutschlands zu einer Polftik der Ordnung der Well im Sinne des Friedens mft entsprechenden formellen Garantien abhängig gemacht werden. Andernfalls würde der Verzicht auf die Reparationen vergeblich sein, ja sogar gefährlich werden können. Dennoch muß auch diese Zeitung zugeben, daß die allgemeine öffent- liche Meinung heute eine große Geste erwartet. Die französische Regierung müsse von sich aus etwas unternehmen, selber die Initiative ergreifen, statt immer im Schlepptau anderer zu bleiben. Die Rechtspresse, wie z. B.„Echo de Paris", steht natürlich anders zu dem Gedanken. Dieses Blatt schreibt unter anderem, die deutsche I n d u st r i e sei gewallig ausgerüstet und würde am Ende der Krise auf den internationalen Märkten eine ungeheure Ueberlegenheft haben, wenn man sie von den Reparationen befrefte. Zudem würde Deutschland nach dem Reparationsproblem so schnell wie möglich auch den„zweiten Toll seines nationalen Programms" in Angriff nehmen, nämlich die territorialen und polftifchen Forde- rungen. Ebenso ablehnend verhall sich„Figaro", der erklärt, die Anregung der„D6peche de Toulouse"— eine vollständige Kapitulation— sei lächerlich begründet. Frankreich sollte großherzig abrüsten, um Hitler den Weg zu versperren? Wie naiv, meint das Blatt, welche Ignoranz, welch kindlicher Traum! Keine Verzweiflungspoliii?. Eine yttbe des Zkichsfinanzminifiees Or. Dietrich. Nürnberg, 5. Januar.(Eigenbericht.) In einer Versammlung der Deutschen Staatspartei sprach gestern abend im Herkulessaalbau Reichssinanzminister Dr. Di« t- r i ch über das Thema„Für Volk und Staat". Das Jahr 1932, so erklärte er u. a., werde ein Schicksalsjahr sein nicht nur für das deiftsche Volk, sonldern für die ganze Welt. Man werde darüber nachdenken müssen, wo Deutschland hingerat«, wenn es eine Ver- zweiflungspolitik treiben würde. In einem großen Volk, das wirk- lich ein Volk sei, werfe nicht einer dem anderen vor, er habe keine nattonal« Gesinnung. Voraussetzung für«inen Erfolg in der Außen- polftik sei, daß die deutsche Regierung wisse, was sie wolle und daß das Volk sie in diesem Kampfe unterstütze. Die deutsche Geschichte habe mehrfach Zeitpunkte gekannt, in denen die Machtstellung des Volkes und Staates dadurch zerstört wurde, daß man in kritischen Momenten an inneren Unruhen krankte. Das deutsche Bürgertum sei heute jedoch aufgelöst in viele Splitter und in der Gefahr, sich aus seiner bisherigen Rolle auszuschalten. Das müsse ihm zu denken Anlaß geben. Ein Volk häng« letzten Endes immer ab von seinen geistigen Elementen. Wir haben keinen an- deren Wunsch, als unser Volk aus der Misere herauszuholen. Englische Abrüstungspläne. Für kleinere Schlachtschiffe— gegen U-Boote. Loadon, 5. Januar. Das englische Programm für die Abrüstungskonferenz enthält „Daily Telegraph" zufolg« u. a. die Forderung auf Herabsetzung der Linienschiffsgröße auf 25 000 Tonnen, Begrenzung der Kreuzergröße auf 8000 Tonnen und Abschaffung der U-Boote. England werde in Gemeinschaft mft anderen Ländern, die sich für kleinere Linienschiffe einsetzen, nachweisen, daß die Größe von 25 000 Tannen genüge, um alle amerikasiischen Forderungen auf Geschwindigkeit und Aktionsradius zu erfüllen. England werde ferner auf einer Erörterung der U-Boot-Frage bestehen. Man erwart«, daß Deutschland den Antrag aus Abänderung der Paragraphen des Bersailler Vertrages stellen werde, die ihm den Vau von U-Booten verbieten, und zwar unter Hinweis darauf, daß die Nachkriegsentwicklung bei ollen Seemöchten die Lage gegenüber den in Verfailles gemachten Versprechungen der Alliierten auf völlige Abschaffung der U-Boot« grundlegend oer- ändert habe. „Oer Stolz der 3. Kompagnie." Titama-pa'ast. Vor dem Krieg« hätte man diesen Filmschwank vielleicht so keck gefunden wie den„Feldherrnhügel" von Roda-Roda oder die .�königliche Hoheft" von Jlgenstein. Militär und Duodezmonarchie werden vom Manufkriptoerfasser Friedrich Raff sanft oerulkt, aber— unter Garantie— es tut nicht weh! Der Kommiß bleibt un Grunde das„liebe. li«b« Mllftär",—„wenn nur der Gips nicht war". An der Raffschen Monarchie sind lächerlich nur die katzbuckelnden Schranzen und Untertanen, während der Priry von Geblüt, ganz leicht parodiert, als scharmanter junger Mann wirkt. (Siehe Auwil) Es soll anerkannt werden, daß Raffs Manuskript sich— im Gegensatz zu ähnlichen Milftärschwänken— von militaristischen und nationalistischen Aufdringlichkeiten erfreulich fern- hält. Der Manuskriptverfasser hat wohl auch, indem er sein Mllftär aus dem Spislzeugladen sich entwickeln läßt, etwas wie„Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung" andeuten wollen. Aber nach einem Weltkrieg von vier Jahren bedeutet ein solches Spielzeug- milftärchen ein« durch nichts gerechtfertigte Bernebelung jenes echten Militarismus, der Massenmord und Blutvergießen zur Kon- fequenz hat. Gespielt wird durchschnittlich. Heinz Rühmann gibt den Helden der Kompanis, der— halb Schlemihl, halb Pfiffikus— über alle Schikanen seiner Vorgesetzten triumphiert, wobei ihm weit mehr die unsinnigsten Zufälle als feine Emfälle zum Retter werden. In schwerer Situation sieht man ein verlegenes Bürfchchen vor sich, von dem man nicht recht begreift, warum der Prinz sogleich einen Narren an ihm frißt. Fritz Kampers als Feldwebel Krause, S t e i n b e ck als schnarrender Major(der Tonfilm läßt ihn krächzen) und alle übrigen bleiben Lustspielchargen. Bei den Auf- nahmen stört ein Uebermaß an Atelier. Gelacht wurde viel. Bc- sonders war das Publikum erfreut, als der zum Theaterleiter ernannte Rekrut seinen gestrengen Feldwebel sekkieren durste. e.K. 25 mal„Großherzogin von Gerotstem" Di« Volksbühne kann schon das erst« Jubiläum ihrer Großherzogin feiern. Gestern, wurde der große Erfolg, den sie da- mft erzielt hat, zum 25. Male bestilligt. Das ausverkaufte Haus hotte feine hell« Freude an der Parodie auf die Duodezstaatersi und die Militärspielerei von ehemals. Offenbachs keffe Rhythmen und me- lodifche Köstlichkeiten erregten wie immer reines Entzücken. Käthe Dorsch als liebesselig« Großherzogin schlug mft Stimme und Spiel alle in ihren Bann, und auch alle die anderen fanden ein beifallfreudiges Publikum: Hermann Vallentin(als General Bumw). Paul Morgan(Baron Puck), Herbert v. Meyerinck (Prinz Paul) und vor allem natürlich Kurt M ü h l h a r d t als Ver fesche Rekrut Fritz. Einen Extraerfolg hatten die gleichfalls Ins Parokistifche gesteigerten Tänze, die Cläre Eckstein inft gewohn- ter Bravour leftete. Das Orchester gab unter Leitung Alfred To- k a y e r s Offcnbachs Musik die blühende Fülle und den schmissigen Nerv. 6. Der Wclterfolg des„Schwejk". Nach einer in tschechischen Blättern erschienenen Zusammenstellung durften Haseks„Abenteuer des braven«oldaten Swejk" nach Remarques„Im Westen nichts Neues" das verbreitetst« Wert der Kriegsliteratur sein Die Grund- läge dieses Erfolgs hat die deutsche Uebertragun� geliefert, auf der zahlreiche Abdrucke in Zeitungen und Zeitschriften und die Be- arbeitungen für Film und Bühne beruhen. Während die Berliner Volksausgabe oergriffen ist, nähert sich die Prager den ersten 100 000. Besonders groß Ist der Erfolg des Buches in Rußland, wo nicht weniger als vier Ueberietzungen erschienen sind, deren erste eben- falls am dem deutschen Text beruht: di« Auflage belröqt hier min- desteirs 200 000 neben einer 100 000 Stück zählenden Ausgabe in Heften. Hohe Ziffern haben auch di« amerikaniicho und englische frnote die polnische Ausgabe«reicht. Weitere Usbirfetzungen sind ins Dänische, Schwedische und Holländische, ins Ukrainische, Jiddische und Rumänische, ins Slowenische und Kroatische, ins Litauische und Lettisch« und sogar ins Koreanische erfolgt. Eine ungarische und eine französische Ausgabe stehen bevor „Amerika von heule." Oberingenieur Dreyers Reiseftlm durch die USA., der bereits wiederholt in Matineen gezeigt wurde, ist jetzt von der Ufa ins Abendprogramm übernommen worden und läuft zur Zeft im Ufapaoillon am Nollendorfplatz. Der Tllel ist etwas ireführend, denn in der Tat handelt es sich nicht um das Amerika von heute, sondern von gestern und vorgestern, ehe die Krise ausbrach und„Gottes eigenes Land" auf den Kopf stellte. Dreyers vorzügliche Photographien vermitteln noch die Kenntnis mft der prunkenden Fassade der Wolkenkratzer, Fabriken und fon- stigen Herrlichkeiten, womft Amerika der Welt imponierte. Wir sind heute diesen Dingen gegenüber viel skeptischer geworden, und es wäre gut, wenn dies Gefühl auch in dem Begleitvortrag stärker zum Ausdruck käme. Oer Erreger der Kinderlähmung. Ein amerikanischer Gelehrter, Dr. Frederick Eberson. Professor an der Universität von Kalifornien, machte bei der Iahresversamm, lung der amerikanischen Gesellschaft für den Fortschritt der Wissen- schast in New Orleans die Aufsehen erregende Mitteilung, daß es ihm gelungen fei, den bisher unsichtbaren Erreger der spinalen Kinderlähmung, dieser furchtbaren Geißel der Jugend, zum ersten Male unter dem Mikroskop isoliert und beobachtet zu haben. Nach seinen Feststellungen ist dieser Bazillus in seinem virulenten Zu- stand, wenn er sich im Gehirn oder Rückenmark eines lebenden Körpers befindet, nicht sichtbar, sondern ist nur zu sehen nach einem Wachstum von mehreren Wochen und Züchtung außerhalb des Organismus. Wenn dieser gezüchtete Bazlllus einem Affen ein- gespritzt wird, dann wird er wieder unsichtbar, nachdem das Tier die Krankheft bekommen hat. Es sind bereits Schritte eingelettet, um ein wirksames Serum gegen diesen furchtbaren Feind der Menschheit zu finden. Ein Zauberkünstler erhält ein Denkmal. Ein Denkmal für einen Zauberkünstler— das ist selbst in unserer an Sensationen reichen Zeft ungewöhnlich. Bei diesem Künstler handelt es sich um den „Zauberer" Schweizer-Lellachini. der wohl in Düffel- darf ansässig ist, sich aber meist auf Gastspielreisen befindet. Iin Frühjahr des vergangenen Jahres gab Schweizer-Bellachini nach zwanzigjähriger Abwefenheft in feiner Heimat verschiedene Wohl- tätigkeitsvarstellungen. Die Stadt Düsseldorf hat ihrem in der ganzen artistischen Welt angesehenen Mitbürger jetzt die Dankes- schuld abgetragen, indem sie eine Springbrun'nenanlage als „Schweizer-Bel(achin!-Brunnen" bezeichnet hat. Diese Ehrung dürfte bisher noch kein Zauberkünstler erfahren haben. Der österreichische Nationalrat hat sich gegen die Verlängerung des Urheberfchutzrechtes um ein weiteres Jahr entschieden. Eine weftere Verlängerung der Schutzfrist wurde iin Hinblick aus die Ungleichung an die Gesetzgebung im Deutschen Reiche in dieser Frage abgelehnt. Durch diesen Beschluß sind nunmehr die Werke von Johann Strauß und M i l l ö ck c r frei geworden. Eine Alormouenkirche in London. Ein staatliches Mormonenheiligtum soll mit einem Kostenaufwand von über 1% Millionen Mark im Londoner Westen errichtet werden, während zugleich die europäische Misston der Mormonenkirche von Liverpool nach London übersiedeln soll. Von hier aus soll dann die in die Millionen gehende Zahl von Flugschriften und Zeitschriften über Englands verbreitet werden. Es gibt bereits zwischen 6000 und 7000 Anhängern der Mormonenkirche auf den brttischen Inseln, von denen etwa 700 in London loben. In den Bereinigten Staaten ist die Zahl der An- Hänger 6 bis 7 Millionen, die sich hauptsächlich auf die westlichen Staaten verteilen In Europa sind etwa 800 Missionare tötig, davon 200 allein in England. Das Vorurtell, mit dem die Mormonen in den Vereinigten Staaten lange zu kämpfen hatten, die in ihren ersten Zeiten ausgeübte Polygamie, ist längst verschwunden, seitde'" diese 1889 unterdrückt wurde. Vom Gtreiffchauplah. Es' ist nichts mehr zu retten. „Acht Berliner Metallbetriebe streiken." Der Streik in der AEG.-Hennigsdorf hat sich plötzlich in einen„Llstiindigcn Protest- streik" vcrwairdclt, der also heute wieder beendet wurde. Es bleiben also— nach Angabe der„Roten Fahne"— noch siebe»Streiks: bei Jachmann, Borsigwalde s-tOO Mann), bei Schöning(150 Mann), bei Härtung, Lichtenberg(200 Mann, fast alle Lehrlinge), bei Fröschke(25 Mann). Am Sonnabend sind— wie berichtet— die Arbeiter der Zahn» radfabrikcn Döhring und Friedrichshagen in den Streik getreten und die eines Wetalibetriebes in der Michaelkirchstrahe. Bei Schult- heiß in Schönewcidc wurde gestern eine„Stunde nicht gearbeitet", dann war„die Kampfstimmung" abreagiert.„In der Wattcfabrik in der Ereisswalder Strohe nehme» 2 7 Jungarbeiterinnen cnn Streik teil." Dazu kommen noch drei oder vier kleine Baustellen, auf denen„zur Hälfte" oder„geschlossen" gestreikt wurde. Auf der Gnibe W e st e r h o l d fehlten am Montagabend von der Nachtschicht zehn Mann von 370. Auf den Zechen des Wurm- reviers ist die Nachmittagsschicht vollzählig eingefahren. Im ganzen rheinisch-westfälischen Industriegebiet wird lediglich no6) aus der Z e ch c D i c r g a r d t gestreikt. Hier sind von 037 Mann Belegschaft 13 7 nicht zur Arbeit crMencn. Der Schnellrichter in G e l s c n kir ch e n verurteilte den Reichs- tagsabgeordncten Frank, Bochum, zu drei Monaten und einer Woche Gefängnis. In R c ck l i n g h a u s e n wurden Zwei Flugblatt- Verbreiter zu je sechs Wochen Gefängnis verurteilt. In Düsseldorf wurde der Landtagsadgeordnete Franken mit Streikposten zusammen verhastet, in Köln ist der Reichstagsabge- ordnete Esser in einem Strciklokal verliaftet wzxden. In Mitteldeutschland wird trotz Parolen in den Gruben, in den Ehemiebetrieben wie in allen sonstigen Werken ohne Ein- schränkung gearbeitet. Von den rund 100 000 Berliner Mclallarbeilern stehen nach etwa 700 im Streik. Eine schlechte Ausrede hat die KPD. gefunden, um die Gcncralplcitc ihrer RGO. irgendwie zu bemänteln. Die„Streikbrecherfront von Nazis bis SPD." soll schuld sein. Die Drahtzieher glairben doch bei der tag- täglichen Betonung ihrer Gcwerkschastsfeindschast selber nicht, daß die Gewerkschaften sich von ihnen in wilde Streiks treiben lassen unter Führung der RGO. Was die RGO. zu führen hat, das kann sie sich jetzt ausrechnen. Die RGO. ist zwar verantwortungslos, aber nicht akliansfähig. Sie ist nicht ver handlungsfähig, nicht tariffähig und ist auch s o n st unfähig. Trotzdem sie nicht die geringste Streikunterstützung bieten kann, will sie Massen- streiks inszenieren, gegen die freien Gewerkschaften, zur Bekämpfung der freien Gewerkschäften. Und diese bankerotten Parolenschiniede wollen den Gewerkschaften Streikbruch vorwerfen. In Deutschland sind es immer noch die Gewerk- s ch a s t e n und ihre Mitglieder, die ihre Taktik dem Unter- nehmertum gegenüber bestimmen. Sie mißbrauchen nickt die Streik- waffe als agitatorisäzes Spielzeug, das verdorben wird, wo die RGO. es anfaßt. Weder den Zeitpunkt des Streiks lassen sie sich von einer anonymen„revolutionären"„Opposition", dem Anhängsel der Kommunistischen Partei, vorschreiben, noch lassen sie ihre Lohn- kämpfe von Leuten führen, die sich gegenseitig selber zu Führern gestempelt haben, jedoch nichts zu führen haben, noch— wie sich jetzt wieder mit aller Deutlichkeit gezeigt hat— führen können. Die Gc w e r k s ch a f t e n werden jeden bekämpfen, der sich als ihr Feind bekennt und als ein Feind der Gewerkschaftsbewegung handelt. Sie werden nach wie vor allen unbefugten und gewissen- losen Strcikmachcrn das gemeingefährliche Handwerk legen und dem Schindludcrtreiben mit Arbeitercxistenzcn lediglich zu Propagandazwecken einer politischen Partei zu begegnen wissen. Gireik aus einem deutschen Dampfer. New Dork. 5. Januar. Zwanzig Mann von der Besatzung des Frachtdampfers „B s ck e n h e i m" sind wegen Kürzung des Lohnes in den Ausstand getreten. Die Streikenden wurden bis zu ihrer Ausweisung nach Deutschland nach dem„Seamcns Church Institute" gebracht. A, AB£/Vd Dienstag, 5. Janvar: Berlin. 16.05 Regicrunssrat Dr. Grüncwald: Wirtschaftliche und gesellschaftliche Ordnung. 17.50 Der Leichtathlet im Winter. 17.50 Dr Paul F. Schmidt: Von der bildenden Kunst.- 18.00 Das neue Buch. Schfckele; Das Erbe am Rhein. Am Mikrophon: Dr. Erich Franzeo. 18.10 Otto Bach; Die internationale Verbreitung der Sozialversicherung. 18.30 Fritz Reck-Mallccrewen liest eigene Erzählungen. 18.55 Die Funk-Stande teilt mit... 19.00 Stimme zum'Lag. 19.10 Funk heitere Viertelstunden. 30.30 Wovon man spricht 31.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Orchesterkonzert. Funkorchester. Dir.: Prof. Richard Hagel. 1. Mozart: Divertimento D-Dur(K.-V. 351). 3. Beethoven: Konzert für Klavier und Orchester, C-Moll, op 37(Walter Frey, Flügel). 3. Weber; Ouvertüre zu Rübezahl. 23.10 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Königswustcrhauscn. 16.30 Leipzig: Konzert. 17.30 Graf Hessenstein: Cccil John Rhodos. 1K.00 Prof. Dr. Braun: Die Ostsee als Meeresraum. 18.30 Mersmann: Gespräche über Musik. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 Englisch für Fortgeschrittene. 19.30 Gedanken zur Zeit. 20.00 Muhlacker:„Das gibts nur einmal— das kommt nicht wieder." tCIlhelm Miphc: ZÖfT lieg ilCS UtlliCiLs Der Marburger Nationalökonom Wilhelm Röpke ver- öfscntlicht soeben unter dem Titel„Der Weg des Unheils" (Verlag S. Fischer, Berlin) eine Schrift, deren eingehende Lektüre aufs nachdrücklichste empfohlen werden muß. Prof Röpke skizziert auf etwas mehr als hundert Druckseiten in anschaulicher, verstand- lickzer Sprache die Entwicklung der Nachkriegswirtschast; Amerika und Deutschland sind die Bremrpunktc, um die die Darstellung kon- zentriert wird. Der Verfasser fordert eme„wesentliche Revision" der bisher von ihm und auch von bedeutenden parteigenössifchen Nationalökonomen hinsichtlich der wirtschaftspolitischen Auswirkung der Reparationen vertretenen Ansicht'„Die Frage, ob die Repa- rationcn eine der Hauptursachen der Weltwirtschaftskrise sind oder nicht, muß jetzt ganz zurücktreten hinter der offenkundigen Tatsache, daß s i e es in der Hauptsache sind, die die Krise so u n- erträglich haben werden lassen, und schließlich hinter der Ge- wißheit, daß die heutige Ungewißheit über das Schicksal der Repa- rationen im Grunde genommen der Block ist, der den Weg zum Wiederaufstieg der Welt verriegelt." Aus der Darstellung der wirtschaftsgeschichtlichen Entwicklung des Nachkriegsdeutschland kann hier nur folgendes hervorgehoben werden: Es ist immer behauptet worden, daß Deutschland durch die Selbstfinanzierung des Krieges und durch die fast völlige Tilgung dieser inneren Schulden während der Inflation den Ententeländern gegenüber gewaltig im Vorteil gewesen wäre. Nichts von alledem: „Die Kriegslast ist sozusagen nur umgebucht worden, so daß sie mehr im öffentlichen Budget, dafür aber in der Kapitalarmut der Volkswirtschaft als Ganzes erscheint." Die Investierungen der In- dustric während der Inflation waren entweder technisch veraltet oder verdankten ihre Rentabilität nur den Ausnahmeverhältnisien des Jnflationsfiebcrs. So flössen in den Jahren 1924 bis 1939 18 bis 29 Milliarden Reichsmark— unter Abzug der deutschen Kapitalanlagen im Auslande— Kredite in die kapitalarmc deutsche Volkswirtschaft. Diese hohen Auslandsschulden wurden für Deutsch- land vor allem deshalb gefährlich, well bis Ende Juli 12 Milliarden von diesen Krediten kurzfristige Verbindlichkeiten darstellten. In einem besonderen Kapitel wird dann die private und staat- liche Wirtschaftsgcbarung Deutschlands untersucht Mythos und Wahrheit werden hier sorgfällig geschieden. Deutschland hat- sich ernsthaft bemüht, die ihm auserlegten Reparationsocrpflichwngen zu erfüllen, aber heute handelt es sich darum, eine endgültige Lösung des Reparationsproblems zu finden, die allein der Welt den politischen und wirtschaftlichen Frieden schenken kann. Die Schrift von Professor Röpke ist vorzüglich dazu geeignet, nachhaltig für diese Endlösung zu werben. J.P.Mayer. Kctantoottl. für die Redaktion: Rich. Bernstein. Berlin; Anzeigen:?h. HloSe. Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G.m.b.H.. Verlin. Druck: Vorwärts Buch. druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW SS, Liudenstr. 3. Hierzu 1 Beilage. PROGRAMM für die Zeit vom Vom 5. bis 7. Januar K I M O-TA PROGRAMM für die Zeit vom Vom 5. bis 7. Januar Potsdamer Straße 38 Her Herr BöroT©rsteher mit Felix Brossnrt, Alfred Abel Hermann Thimicr W. 5, 7, 0 Uhr Welt-Kino Rheinstraße 14 (An der Kais.- Eiche) Verlängert! Modehen In Lniforra nach dem Bühnenslörk: Gestern und Heute. W. 3. 7, 9 Uhr ödeon, Potsdamer Str. 75 Verlängert! I>cr Drauffrnugcr mit Hane» Albors, nartSia Eggert h W. 5, 7, 9 Uhr Tarmstraße 12 Verlängert! Ite»crve hat Kuh mit l'aill llörbigf-r, Fr. Kampcrs, Scnta Sionelaud W. 5, 7. 9 Uhr Alexanderstraße 39-40 (Pup»»ugc) n Windbund mit Max Adalbert, U. A. Roberts Den ganzen Tag gcöffncll ■ bester. 4 Primus-Palast Potsdamer Sir 19 Ecke Margarelenslr, Jlcäu Leopold mit Max Adal berf. Harald Paulsen, täustav Fröhlich. Faul Ucnekels, Her inaun Tbimiff Jugendliche haben Zutritt W. 5.13. 7.15, 9.15 Uhr £ Friedrlchstadt Die Kamera l'nter den Lin den\A Täglich 3. 5. 7. 9 Uhr Oer Andere mit Frltas Kortner, lleinr. Leorge. Kärhc v. — Tonw oetie.— Sonnlag, 11.30 Uhr vorm., Matinee: Erde Franziskaner Tageskino ah 9 Uhr vorm Gcorgenslraße(Ecke Friedrichslraßc) 9, 12, 3, 6, 9 Uhr: Du» Geheimni» der roten Katze mit Älegfr. Arno, Wcstermeyer, Verebc», Junkernsann u. a 10.30, 1.30, 4.30, 7.30, 10.30 Uhr: Herzen In Flammen m'l rWTarlenc Dietrich IVoebcnschan d Moabit» W ab 6 30 U. Sonnt, ab 5 U. Artus ho f Perleberger Str. 29 Selanic' noch ein TValzor von Stranö erkling» mit 3Iorl» "»rjaler.— Tonbeiprocramm. — Tonnocbe. W.€.« u. 9.05 U. Sonnt ab 4.45 U- Alt-'Moabit 99 ■Nroßtonfilm: Ein« r ht Im «rand-IIofel mit M. Egrgertfa. — Tonbeiproffraaun ■«harlot»enburB_p Kant-Lichtspiele Kantstr 54(aa der Volmersdorfer Str.) KSnigrio von Proaßen mit Uenn.v Porten Jugendliebe haben Zutritt W. 5, 7, 9 übr st« aiitm Titania-Palast Germania-Palast Charlottcaburg, Wilmersdorf er Str 53/SI Verlängert! Die»panisebe Fliege mit Betty Dird. Fr. Behulz, Oscar Sabo W. 5. 7. 9 Uhr Schlüter-Theater u. SchJölerstr. 17. Sonnt. 3 Ubr Jugcndvorstellung Tier Kongreß tanz* mit EMian Harvey. W. Frltsr.h. UagoTer. — Beiprogramm.— Jugdl. Zutritt Atrium Beba-Palast Kai*crallce, Ec)ce Berliner Straße WocheuL 7, 914 U. Sonnt. 5, 7 9U U. 3. Woche! Uraufführung! Wein Ireopold mit Jf. Adalbert f*. Fröhlich, M. Tbimiir, Dncie Kncrlioch, Ida Wiiat. P. Heu kel»— Tonbeiprogr. Jgdl. Zutritt Titania Schöneberg HaupUlr. 49. W. 5. 7. 9 Uhr S. 3, 5. 7. 9 Uhr I-uiwo. Königin von ProuNen mit ilonny Porten.— Tonfilra- beiprogrramm Jugendliche haben Zutritt W.6.30.? U. Stg.4, 6.30,911. Steglitt. SehloOslr. S. EdeGutsmuthsstr. Uraulführung; Der Stolz der 3. Kompagnie mit Heinz Röh- mann. Pr. Kemper*, Panl Hen- Wel». Walter Steinbeek. Christi IKardayn, Trudc Berliner.— Tonfilmbeiprogramm ■ Marlendorr■ SUdwcstan Lichtspiele Südwest$£| Blüchersir. 12. Grontonfilm: Berge In Plammen mit Kui» Trcnker.— Belprogr. — Tonwoebe.— Jugend!. Zutrill Treptow-Sternwarte Dienstag 8 Uhr: Polmenlond und Wüstensand(Tiim).— Mitlaeoch, Donnerstag 8 Uhr: Der heilige Berg(Füm) anp W. 5, 7, 9 Uhr St. 3. 5, 7. 9 Uhr Alhambra Ilauplslr 30 Verlängert! Mädchen in Uniform mit Hertha Thiele, Fllen ftchwa- ncke.— Bühne: Gasteip. Sylvia- Sinscrs ���l|rl«d«2»u Kronen-Lichtspiele Bbeinsli. 65. Sonnab., Sonnt- 3, 7, 9 Die spaniiir.be Fliege mit Frlt« Ncbulz,$»abo, Baberts, Betty Bfrd.— Beiprogramm Zeli Zehlcndorf-Mitte B Beginn tigl. 5, 7. 9 Uhr S'g. 3 Uhr JugrodvorsteU. Potsdatuer Str. 30 Der ETongreÜ tanzt mit I/ilian' Harrcy. W. Priese h, Uayoi er. > eidt.— T onbelpro£ramm Mi, f; Barlendorfer W.«H, 9 U. ITia-Ll Tonlicbtspiclc So. ab 5 U. Chausscestr 305 GroBlonJUm: I/nise, Königin von Prcnßen mit Benny Porten.— Tenbeiprogramm.— Jgdl. Zutritt Knrfnrvf w 7- 9 Ubr riarrursi stg.5,7, suhr Sonntag 3 Ubr: Jugendvorstellung Dorla trade 22. Ecke Berliner Straße Der weiße Banseh mit L.eni Riefenstahl.— Tonbeiprogr. Jugendliche haben Zutritt Tivoli Täglich 5, 7, 9 Uhr Slgs. 3 Uhr: Jugendrorstell. Berliner Straße 97. Eine\arbt im Grand-Hotel mit .Hartha Eggert.— Tonbeiprogr. Film-Pa last Kammersäle TeltoarcrStr.l. W.abSH.So.abSHU. lOOpror. Tonfilm: Der Draufgänger mit Hans Albers, Hartha Eggert.— Gutes Bei Programm » Süden Theater am Moritzplatz Wo. 5, 7, 9 Uhr, Sonntags ab 414 Uhr Hirsekorn Bressart,' bclprogramm 1 greift ein mit Felix T. r. Aalten.— Ton SiMosten Frlrnerh An Gärlitter Bahnhol nimCCK\v. ab 614» Stgs. ab 3 Reserre hat Ruh mit Paul Hörbiger, Fritz Kamners Bübnenscbau Mercedes-Palast Hermannstr. 212 Der Drauferänfer mit Hans Alber*.— Bühne; B. H'iesener, Typendarsteller Beginn: W. 6.30, Stg. u. Feiertags 3 U. Primus-Palast �nÄsu! Am Hermannplalz, ürtaiislr. 72/76 Der Dranfgränger mit llan« Alber»— Beiprogramm.— Bühne: B�a-gr« IVunderbaren Kukuk Wochen l. 6.45. 9 Uhr Sonntgs. 3, 3, 7, 9 U. Kollbusser D-.mm 92 Hilfe, Teberfall mit Gerda Maurus, Hans Stüwe.— Gutes Tonbeiprogramm ]Z 1 ei fiT Wochen!. 6.45, 9 Uhr uxce isior Sonntags 3, 5, 7, 9U. Kaiser-Fricdrich-Slraße 191 Der weiße Banseh mit I-eni Riefenstahl.— Tonbeiprogr Jugendliche haben Zutritt Luisen-Theater Reichenbergcr Str. 31. W. ab 6 30 Stgs. ab 3 Der Kongreß tanzt mit I/ilian llarvev, Willi Fritscfa. Ferner Kabarett-TonJUm„Wiener Wald Jugendliche haben Zutritt Nordosten ,Elysium ti Prpnrlaner Allee 56 W. 5.15, 7. 2.15. Stgs. 3.15. 5. 7. 15. 9.15 Die BTaeht ohne Pause mit 51. Adalbert« C. Horns 8. Arno. Bühne; IVeintraubs Sjrucopotors Foxtonwoch© Flora-Lichtspiele ÄT Die spanische Plicge m. Balph A. Rohorts, Fr. Schulz.— Gr. Tonbeiprogramm « 0,teH» Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wocht. ab 6.30, Sonnabd. 5, Stg. 3 Uhr Flan« Albern in seinem neuen großen Kriminal- lonfilni; Der Draofgrängrer Gutes Beiprogramm Internationale Bfibnensehan Luna-Palasf Woch, ab 6'6 V. 3 U Stella-Palast son«. ab Köpenicker Straße 12—14 Der Draufg:äng:er mit llan« Albcr« Bühncnscbau Deutsch-Amerik. Theater Köpenicker Str. 68. W. 5, 7, 9 Uhr. Bobby greht lo» mit Barry Fiel. Gates Ton(ilmbeiprog;rauini Neue Philharmonie Köpenicker Str.% Drei Ta�re Liebe mit Albern, Käthe Dorsch.- Programm Hans Bei Stern, Hermannstraße 49 Wocht 8 44. 9 U.. Sonnt. 3. ö, 7, 9 U I/uise, Königin von PreuUen mit Benny Porten.— Bciprogr. 1 Jugendlidic haben Jutritt Bsumscnulenweg Lichtspielhaus Baumtchulenstr. 78. Wocht. 8.30, Sbd. 5. Stg:.. ab 4 Uhr. Sonntags 2 Uhr: Jug.ndrontrUung Sein Sehe idnngsgr und mit I Doyera. Ricuiaun.— Pf«. Kabarett 2.— Tonbeiprogr. tVoch. 5 Uhr Sonnt, ab 3 Ubr Gr. Franklurler Str. 121. Die Xaeht ohne Pause mit Siegfried Arno. 4'araiIIa Horn. Bühne; WointraubsSyncopators. — Tonuoche Kosmos-Lichtspiele Lückstr. 70. Täglich 3, 7. 9 Uhr Solang noch ein Walzer von Straub erklingt mit Jlarta Paudler, Gustav Frbhlich.— Tonbeiprogramm.— Tonwoche Jugendliebe haben Zutritt ■ WeiOense« B Wochen f. 7 n 9 U. »nnt. 5. 7. 9 U. Schwarzer Adler Frankf. Allee 99 Wochentags 5, 7. ca. 9 Uhr Der welüe Hansell mit Ideni liicfenstahl.— Das geheimnisvolle Fcmlcnkschiff..Zährlnffen". Ufatonfilm.— Beiprogsramm Jugendliche haben Zutritt Viktoria-Theater sÄlu5 Frankfurter Alice 48 Nur 3 Tage! Der Koncrrol� tanzt mit Idilian Harre)', W. Frlc»ch. — Gutes Tonbeipro�ramiu.— Jugendliche haben Zutritt Frankenburg Bühne Gr. Frankfurter Str. 74 W. 5, 7, 9 Uhr, Sonnt, ab 3 Uhr GroßtAnfilm: Rangro.— Beiprogrr. — Tonwoche.— Bühnenscbau. Jugendliebe haben Zutritt u m||) Babylon, am Bulowplatz Wocht. 5, 7, 9 Uhr, Sonntags ab 3 Uhr Xur 4 Tag«! Gastspiel Marek Weber und sein Orchester Film: Schön ist die Sasdverzeit Harmonie Langhanes'r 23- 2 Großtonfilme: Hurra ein Junge mit Giicle Englisch. Kalph A. Uoberts.— Die Abenteurerin von Tunis mit Ellen Richter Kino Busch Alt-Friedrichsfelde 3 Frl., Sbd-, Stg. ab 5, sonst Beg. ab 8 lOOpror. Tonfilm: Er und sein Diener m. P. Henkels, O. Sabo. — Tonluslspiel: Die Unrerbesser liehen.— Woche.— Jgdl. Zutritt Alhnmttrn Mflllerstraße 138. Ainamora Ucl!0 Seestraßc W. 5, 7. 9 Uhr S. 3, 5, 7, 9 Uhr Die Pranke mit Charl. Sfnsa, Hans Itchmann.— Tonbclpr. Pharus-Lichtspiele Müllcrslr. 112 Täglich 5. 7. 9 D. Gr. Toninstspicl: Die Elebesfiliale mit E.\ euroaun. Anny loh. Hlcmann.— Tonbelpro„r. — Ton woche g" Pankow B Palast-Theater st�s' u s u. Breite Straße 2ta. Großlonfilm: Bescrre hat Ruh mit FrltsB Kamper», Lucio Lux. liMch. S c n ta Soncland u a. Wochenl. 7. 9 U. IlVOlt Sonnt. 5. 7. 9 U. Berliner Straße 27. Tonlustspiel: Meine Counino au» Warschau mit Diane Haid._ Beiprogrramm.— Wochennehuu ■ Te9*1» Filmpalast Tegel ftar�cbo2r- Wochent. 6. Sonnt. 4.15 U. Sonntag 2 Uhr: Jugendvorstellung Reserve hat Buh mit Paul Hörbiger, Kampers, Sönclaad.— Tonbetprogramm Filmpalast s�tu.Ä� Berliner Str..->2. lOOpror. Tonfilm: Der kleine fteb- tensprung mit R- Hailer.— Der Stumme von Portici nnt S. Arno 1 (Beilage Diensiag, 5. Januar 1932 StrUbrnt SfuJauiga£i Ju IbwtuA Die Frau In der Krise Eine Bilanz— Von Louise Diel Soviel Zutreffendes über die Wirts6)aftsnot und ihre schrecklichen Auswirkungen gesagt und geschrieben wird, der Tatfache, daß die Frauen die erst und stärkst Betroffenen sind, wird selten dabei Er- wähnung getan. Das Recht auf Arbeit, auf eine eigene Berufs- lin-e und damit in Zusammcirhang stehend das Recht auf Unab- hängigksit und Selbständigkeit, dies noch so junge und kaum voll- gültig ausgewertete Geschenk der Weimarer Verfassung steht im Begriff, uns wieder verloren zu gehen. Jeden Tag oerändern und verhärten sich die Bestimmungen, die verheirateten Frauen das ijairdwcrk legen und sie als ..Doppelverdiener" zur Untätigkeit verdammen. Wer fragt danach, was diesen Frauen ihr Beruf nicht nur als Einnahmequelle, sondern auch als i n n e r es G l ü ck s« r l e b n i s, ja, als Erfüllung ihres Ichs bedeutete! Und auf der anderen Seite werden Frauen, d'c gor nicht dafür geeignet sind, durch die unglücklichen Verhält- nisse dazu gezwungen, in irgendeine Berufstätigkeit einzuspringen und sich im harten, zermürbenden Existenzkampf zu behaupten. Welche Widersprüche und Gegensätze! Ließe sich da kein besserer Ausgleich finden? Was ist uns noch von Rechten geblieben? Nur das Muß kommandiert. Du mußt deinen Beruf aufgeben, und wenn du als bisher unabhängiger, aktiver Mensch innerlich dabei zugrunde gehst— und du hingegen darfst fortan nicht mehr nur Hausfrau und Mutter fein, dich erwartet eine Aufgabe, die dich als Frau von weiblicher, müttcrli6)cr Wesensart nie gereizt hat! Aber auch danach fragt keiner und weiter nicht danach, ob die Mutter daheim wirklich entbehrlich ist und ab und wie sie den diametralen Ansprüchen gerecht werden kann, die sie teils aus dem Haufe ent- fernen, teils zurückhalten. Ohne die Zuspitzung des Wirtschaftskampfes. wie er heute vor uns steht, wären die Frauen nicht in diese Sackgasse geraten. Denn jede hätte niehr oder weniger nach eigenem Ermessen ihren Weg, den Veranlagung und Talente bestimmen, gehen können. Diese natürlichen Richtlinien und Orientierungspunkte find heute vollkommen verwischt und obendrein ungültig geworden. Wenn dies Zeitchaos schon den Entwicklungs- gang des Ma n n e s beunruhigt, wieviel mehr den viel sensibleren der F r a u! Und alles, was die Frauenbewegung an Fort- schritt in den letzten Jahrzehnten errungen Hot. ist nicht nur in Gcsahr, verloren zu gehen, sondern sich sogar in ein Negativum zu verwandeln. Es ist verständlich und erklärlich, daß die junge, heranwachsende weibliche Generation auf olle Errungenschaften der sogenannten Gleichberechtigung pfeift, ja diese sogar gerne zum Teil wieder rückgängig machen möchte, einfach weil sie die Rechte nur als schwere Pflichte n'kenmnJkrnt. Früher hieß es: Jetzt dürft ihr dies und dos studieren und diesen oder jenen Posten ausfüllen; heute aber heißt es: Jetzt müßt ihr arbeiten; Posten annehmen und aufgeben nicht wie es euch beliebt, sondern zwangsweise, unter dem entsetzlichen Alpdruck der Zeit. Wir glaubten die Fäden in der Hand zu halten, und sie wurden uns entwunden. Man kann niemand sür diese Entwicklung ver- oiltwortlich machen, sie ließ sich ebensowenig voraussehen wie olle anderen Schrcksalsschläge, die vor ollem das deutsch« Bolk getroffen haben. Aber die Frauen sind die Leidtragenden. sie vor allem! Ihre groß angelegte Aufbaulinie wurde zer- stört, und man. packte ihnen nur neue Lasten auf, ohne entsprechende Würdigung und individuelle Ausgleichung in Parallele zu stellen. Diese Verschiebung der Sachlage des Tatsachcnbeftandcs auf der ganzen Ebene gibt dem bisherigen Bilde der Frauenbewegung ein anderes Gepräge. Der Ruf noch Gleichberechtigung will bei de» Frauen kein so rechtes Echo mehr finden, da sie die Erkenntnis gewonnen haben, wohl gleichberechtigt und sogar überberechtigt zu sein, wo es gilt, Lasten und ein Uebcrmaß an Pflichten auf sich zu nehmen, nicht aber, wo es ihre Unabhängigkeit und Selbständigkeit angeht. Letztere ist fast wieder auf den Bor- sricgsftand zurückgeschraubt worden, der Ausgabcnkreis hingegen hat sich derart geweitet, daß er der Frau weniger Persünlichkeitsfreiheit beläßt wie ihr selbst zum Bewußtsein kommt. Da die eigenen Ver- dienstmöglichkeiten gegen ihren Wunsch und Willen stark abgedrosselt wurden, muß sie die Einnahmediffercnz durch übergroßen Fleiß und Sparsamkeit bis ins weiteste auszugleichen ver- suchen. Am notwendigsten kann nichts mehr abgeknapst werden, denn Haus. Mann und Kinder stellen Exiftenzmindeftonsprüche, die respektiert werden müssen. Dos Resultat: Die Frau wird zum Lasttier, sie genießt weder die Schonung und die Lorteile von vorgestern noch die Rechte, die ihr im letzten Jahrzehnt zugebilligt worden waren. Sie sieht sich vor der Katastrophe, die alles um und umkehrt und jedes Positivum ins Gegenteil verwandelt. Es wird zugesagt, man solle und könne den Kulturstond eines Volkes danach beurteilen, welche Stellung seine Frauen einnehmen. Da Helsen uns keine Aphorismen und Deuteleien, der Mehrzahl unserer Frauen geht es schlechter ol? früher jemals, und die Lasten, die auf ihnen liegen, lähmen jeden Flügelschlag, der sich in schwachem Versuch ergeht. Bald werden sich die Folgen an Gesundheit und Schönheit zeigen und alles, was die moderne Kosmetik zu bieten vermag, wird den Verlust an Jugend und gutem Aussehen nicht wettmachen können. Denn der weibliche Organismus ilt nun mal nicht geschaffen für soviel Strapazen und altert dadurch zu schnell. Unwillkürlich muß ich an einen Ajrikafilm denken, der jetzt im Berliner Planetarium lief. Man sieht vier Frauen schwer arbeiten, während der Ehemann hoch zu Pferde gemächlich zusieht und die Frauen zu tüchtigerer Leistung anspornt. Uns erscheint solche Si- tnation überholt und unnatürlich, aber ich fürchte, daß wir ihr nicht mehr und noch so ferne sind, wie wir uns heute noch selbst glauben wachen. Schon heute wird man oft den Eindruck nicht los, daß manche Ehefrau und Mutter viel abgearbeiteter und mitgenommener aussieht wie ihr Ehepartner, der immer noch Zeit und etwas Geld für seine persönlichen Bedürfnisse erübrigt und freie Stunden und Tage auskostet, die der Frau überhaupt kaum beschieden sind. Das rührend« Wortbild aus guter alter Zeit„eine Frau wird auf Händen getragen" ist absolut verloren gegangen, ohne nun der Frau die Möglichkeit zu geben, auf eigenen Füßen zu stehen. Sie hat viel Halt und Stützpunkte eingebüßt, ohne eine entsprechend sofortige Position vorzufinden und die wenigen gesetzlichen Garantien und Errungenschaften müssen zu ihrem Schaden Punkt für Punkt in die alten Kampfeslinien zurückgestellt werden. Unsere Großmütter trugen schon mit 30 Jahren einen schwarzen Kapotthut, und wir sind stolz, daß wir uns heute noch mit sechzig Iahren jugendlich kleiden können. Täuschen wir uns nicht: Manches abgespannte Gesicht straft das lustige Kleidchen Lügen— Kleider alleine machen nicht Leute, und Schlankheit und Wgczehrtheit sind ebenso verschiedene Dinge wie Schminke und Naturfarbe. Was HUft uns in dieser Notzeit, die noch kein Ende sieht, olle unsere Erkenntnis! Immerhin eines: So rationell wie nur möglich mit uns selbst umzugehen und nichts zu übernehmen an Sorgen, Arbeit und Lasten, was uns der Mann abnehmen kann. Wir müssen unseren Radius abmessen und neu abstecken, sonst gefährden wir den letzten Rest von Fortschritt, den uns die Pionieriimcn der Frauenbewegung in schweren Kämpfen errungen haben. Nachwort der Redaktion: Uns erscheint der Teil dieser im übrigen sehr notwendigen Ostern ist noch fern, aber die Mädel schmieden schon Pläne sür ihr künftiges Berufsleben. Auch sie wollen im Leben ihren Mann stehen, etwas lernen, was ihnen die Aussicht auf möglichst lange und lohnende Beschäftigung gibt. Was liegt näher, als daß die Mutter aus ihrem Berufsleben erzählt, aus der Zeit, als sie noch jung war und voll froher Erwartungen ins Leben trat. Das ist nun 15 bis 20 Jahre her, und eine Krise von dem Ausmaß der gegenwärtigen gab es damals nicht. Aber keine der Mütter, deren von ihren Kindern nacherzählte Berichte hier gleich folgen sollen, Hot das Wort von der guten alten Zeit in den lviund genommen. Nur eine einzige, die die Mühen und Plagen einer Stellung bei Herrschaften kennen gelernt hat, sehnt sich bisweilen dahin zurück; um wieviel schlechter mag es ihr heute wohl gehen! Von longer Arbeitszeit und geringer Ent- l o h n u n g berichten die Mütter. Von Rädersausen, ungesunden Dünsten und menschenmordcnden Maschmen im Fabriksaal. Von angespannter Tätigkeit an Waschmaschinen und Schreibmaschinen. Von dem ijAchals endenden Arbeitstag derer, die in Stellung gingen. Stolz mögen die Mütter sein, die. sich ihr Loben lang mit der Not herumschlugen und an deren Beispiel sich nun die Tochter aufrichten mag, da sie den gleichen Weg antritt. 1. Die Eltern meiner Mutter sind früh gestorben— so berichtet eine Elfjährige—, daher kam sie schon mit acht Jalzren zu fremden Leuten. Mit 14Iahren mußt« si« in Stellung gehen. Sie kam zu einem Gutsbesitzer, da wurde sie um i Uhr morgens geweckt. Sie bekam 50 Mark Lohn im Jahr. Morgens mußte sie zuerst 5 Kühe melken. Dann wurde gedroschen. Erst dann gab es Kaffee. Nun wurde die Hausarbeit gemocht, gefrühstückt und dann ging's aufs Feld. Die Stelle war zu schwer für meine Mutter, weil sie noch zu jung war. Sic kam von dort aus in die Stadt. 2. Meine Mutter war in Oesterreiä) bei einem Fabrikbesitzer in Stellung— erzählt ein Gleichaltriger. Sie mußte morgens um 5 Uhr aufstehen und abends bis 10 Uhr arbeiten. Frei hatte sie nicht. Sie kriegte 12 Kronen im Monat. Dafür mußte sie die ganze Hausarbeit machen. Kriegte die Herrschaft mal Besuch, mußte alles noch mal so schnell gehen. Zu essen gab es für die schwere Arbeit viel zu wenig. Wenn dos Obst reif war, waren die Speise- kammern voll; ober hergeben taten die Herrschaften nichts. Sonn- tags muhte Mutter waschen. War sie nicht schnell genug dabei, schimpften sie noch. So ging die Woche mit schwerer Arbeit hin. 3. Als Haus- und Nähmädchen bei Zl. mußte Mutter schon um 6 Uhr aufstehen. Freitags hatte sie Nähtag. Sic mußte dann in die Nähstube gehen und flicken: das dauerte von morgens 7 bis abends 8 Uhr. Die anderen Tage mußte sie alles reinmachea. Sie verdiente im Monat 20 Mark; das war aber in der In flo- t i o n s z e i t. Sonntags hatte sie ihren Ausgehtag. War sie nicht Punkt 10 Uhr wieder da, kam sie nicht rein und mußte bei ihrer Mutter schlafen. In ihrer Schlafkammer bei den Herrschaften stan- den drei Betten, eins für die Köchin, eins für das andere Haus- mädcben und eins für sie selbst. Drei Jahre ist Mutter dagewesen. Manchmal möchte sie wohl wieder hin. 3. An einem Sonntag wurde ineine Mutier konfirmiert und cm Montag mußte sie gleich in Stellung. Morgens um 5 Uhr mußte sie ausstehen und dann die Zimmer sauber machen. Um 8 Uhr stand die Dame auf, das war eine Witwe; dann kriegte meine Mutter erst Kaffee. Die Dame hatte viel Geld, war aber sehr geizig. An Lohn gab sie 8 Mark im Monat. Auf dieser Stelle ist meine Mutter 9 Monate gewesen. Dann ist sie auf einer anderen Stelle gewesen, da hat sie es sehr gut gehabt. Andersartig und durchweg besser entlohnt ist die Arbeit in der Fabrik, von der weitere Kinderdarstellungen zu berichten wissen. Die trübe gedrückte Grundstimmung herrscht auch hier vor. 4. 1928 hat meine Mutter in einer Zigarettenfabrik ge- arbeuet. Sie war Zigarettendrcherin. Sie mußte den ganzen Tag drehen, packen und aufcmanderstapeln. Dos dauerte von 8 Uhr morgens bis 5 Uhr nachmittags. Manchmal hatte sie auch Nachtschicht. Es war schwere Arbeit. Meine Mutter kannte die Luft nicht vertragen. Wenn sie abends noch Hanfe kam, war sie krank.. Betrachtungen etwas einseitig gesehen zu sein, der von dem Zwang der Frau zur Berufsarbeit handelt. Der bei weitem größte Teil der Männer und«in großer Prozentsatz der Frauen unterstand schon seit vielen Jahrzehnten dem Zwang zur Berufs- arbeit ohne Rücksicht auf bestimmte Neigungen. Diejenigen Frauen also, die bisher in der glücklichen Lage waren, den Beruf als an- genehmes Recht zu betrachten, wurden durch die Krise in eine breite Front gestoßen, die schon vor der Krise da war. Es ist gewiß bedauerlich, daß die junge weibliche Generation in diesem Maß das Recht auf Gleichberechtigung als schwere Pflicht kennen lernt, aber geht es der jungen männlichen Generation anders? Für weiteste Kreise der Bevölkerung hat sich dos Problem durch die katastrophale Auswirkung der Krise vielmehr dahin ver- schoben, daß dem Recht auf Arbeit keine Arbeits Möglichkeit mehr gegenübersteht. Daß Mann und Frau innerhalb dieser besonde- ren Situation Sorgen, Arbeit und Lasten teilen, erscheint uns selbstverständlich. 5. Die Mädchen, die in der Seifensabrik arbeiten— so erzählt eine Mutter aus ihrer Jugendzeit—, müssen um 7 Uhr da lein. Damit sie zur rechten Zeit kommen, ist ein« Stempeluhr da. Da- hinein müssen sie eine 5larte stecken und einen Hebel herunter- drücken: dann ist die Uhrzeit auf die Karte gedruckt. Um 7 Uhr klingelt es, und jeder geht an seine Arbeit. Einige Mädchen gehen in den Preßsoal, wo die geschnittene und gewogene Seife gepreßt wird. Die Kernseife wird elektrisch gepreßt; aber die Fcinprcsse muß ein Mädchen mit dem Fuß treten. Ist die Seife gepreßt, wird sie von den Pockcrinnen sorgfältig und sauber eingepackt. Ganz bc- sondere Seife kommt in dickes Glanzpapier. Von dem Falten schmerzen die Fingerspitzen und werden rot und dick. Ueberhoupt ist die ganze Arbeit in der Seifenfabrik sehr schwer. 6. Morgens um 0 lUzr geht meine Schwester von Hause weg; dann ist sie um'AI Uhr in der Lloydwäscherei. Dann klingelt es auch schon, und die Arbeit sängt an. Sie gehett in einen kühlen Raum, in welchem große Waschmaschinen und Mangeln stehen. In der Ecke liegt ein mächtiger Haufen schmutziger Wäsche. Ein Mann bringt immer noch mehr davon. Nun wird Feuer unter den Wasch- Maschinen angezündet und die schmutzige Wäsche in den Kessel ge- morsen. Das Geratter der Maschinen geht los und der ganze Raum ist ein weißer Dampf; man kann seine eigene Hand nicht sehen. Mein« Schwester muß die Wäsche in die Waschmaschine werfen, waschen und auswringen und mit einem anderen Mädchen ausein- anderschlagen und zusammennehmen. Nun muß sie die schweren Laken in großen Haufen nach der Mangel bringen und mangeln. Manchmal muß sie auch in die Plättstube, zuweilen auch in die Nähstube, um das zerrissene Zeug zu flicken. 7. Der Beruf als Einlegerin ist gefährlich. Es passiert da oft ein Unglück. Meine Mutter hat es im ersten Lehrjahr selbst erlebt, daß ein Fräulein die Hand in die T i g e l p r e ss e kriegte. Die Hand wurde gequetscht, und vier Finger waren ab. 8. Mit 18 Jahren ging meine Mutter 11- Jahre nach der Jute- spinncrei. Früh um 8 Uhr mußte sie da sein und dann bis 12 Uhr mittags arbetten. Um IM Uhr war die Mittagspause vor- bei; dann ging es durch bis 8lL Uhr. Das war nicht leicht. 9. Mutter mußte in der S a ck n ä h e r e i Säcke umstehen, wohl über 3000 Stück den Tag. Dafür bekam sie damals an Lohn 17,30 Mark für 14 Tage. Für Kost und Logis zahlte sie für die gleiche Zeit 14 Mark; da blieb ihr nur wenig für Kleidung und Wäsche übrig. Mutter war deshalb froh, als sie mit einigen Kolleginnen naä) der Wollkämmerei in Bl. kommen konnte. Da erhielten sie für dieselbe Zlrbeit 24 Mark in 14 Tagen. Sie hatten da auch ein Fabrikheim, wo sie sür Schlafen, Kaffee und Mittagessen während dieser Zeit nur 5,80 Mark zu bezahlen brauchten. Brot und Butter kaufte sie sich selbst; so kam sie mit 10 Mark die 14 Tage aus. Das war eine hoffnungsvolle Zeit, erzählt Mutler oft; was wollte sie sich damals alles Schönes kaufen! Nachdem sie dort drei Wochen gearbeitet hatte, kam das Unglück. Es war am Zahltag. Alle Mädchen in der Fabrik waren froh, daß die letzte Viertelstunde der Arbeitszeit da war, und viele gingen schon in den Waschraum. Mutter wollte die letzte Maschine putzen. Da—«in Schrei: Mutter war mitderlinkenHand indie Maschine geraten; 4 Finger rissen gleich ab, und die Hand war stark gequetscht. Mutter war ein Krüppel. 30 Jahre sind es her. aber den Tag wird sie nie vergessen. Einst war es im Bürgertum ehrwürdige Tradition, daß sich das Handwerk vom Vater auf den Sohn vererbte. Findet die Tochter heute den goldenen Boden vor, wenn sie in die Fußtapfen der Mutter tritt? Die Berichte antworten mit einem hoff- nungslosen und düsteren Nein! Soll das nun das Mädel mit Mutlosigkeit und Verzweiflung erfüllen? Keineswegs. Wir leben in einer anderen Zeit als die vorige Generation. Fester und gerüsteter stehen die heutigen jungen Menschen dem Leben gegen- über. Sie wissen: Nicht nur die Hände sollen schaffen, auch die Gedanken sollen etwas vor sich bringen, nach Klarhett ringen. Denn der Hände Arbeit soll nicht immer und ewig das sinnlose Sich- abrackern fiir fremde Nutznießer sein. Die Früchte werktätigen Fleißes sollen allen zugute konunen. Es gilt den Kampf gegen die Sorgen und Nöte, die auch die härteste Arbeit der Mutter bis» lang nicht zu bezwingen vermochte. C. Davtz. Mütter berichten e aus Ihrem Berufsleben Die SASI tagte in Paris --US Büro ier Sozialistischen Arbeitersport- , nler nationale tagte am Ende des Jahres 1931 in Paris. Die Tagung galt in der Hauptsache der Schlußabrechnung der 2. Arbeiter-Olympiade und der Vorbereitung des nächsten Inter- nationalen Kongresses, der ab 23. Juli 1932 in der belgischen Stadl Lüttich tagen soll. Die Berichte des Präsidiums, des Sekretärs und der Unter- sckretäre- sowie des Technischen Hauptausschusses ergaben ein Bild lebhafter Tätigkeit und erfreulichen Fortschritts. Der Gedanke der Arbeitersportbewegung hat besonders durch die Zlrbeiter-Olympiade in allen Ländern einen merkbaren Austrieb bekommen. Das Zu- sammentreffcn mit dem Internationalen Sozialistischen Kongreß in Wien hat sich als sehr glücklich erwiesen. Wie stark die Wirkung dieses Zusammentreffens gewesen ist, davon konnte man sich auf einem anläßlich der Pariser Tagung abgehallenen Bankett über- zeugen. Dort sprach im Namen der Sozialistischen Partei Frank- reichs der 81jährige Genosse Brake in begeisterten Worten vom Arbeitersport und seinem Wert für den Sozialismus. Unser aller Freund, Genosse Grumbach, und der Vertreter des französischen Gewerkschasts-bundes wußten nicht minder van der Wertschätzung zu berichten, die der Arbeitersport in der französischen Zlrbeiterbewe- gung genießt. Darüber haben die teilnehmenden deutschen Genossen sich ganz besonders gefreut, wird doch der nun beginnende Vor- marsch der französischen Arbeitersportler die gesamte Internationale günstig beeinslujsett. Nach Entgegennahme der Berichte nahm das Büro auf Bor- schlag des Präsidiums mehrere Entschließungen an, die sich mit der Wirtschaftskrise, der Abrüstung und dem Faschismus beschäftigen. Die Arbeiter-Olympiade hat mit einem finanziellen Ueberschuß geendet, der größtenteils der Internationale und dem österreichischen Verbände verbleibt. Die hierdurch gewonnenen Mittel sollen vor- nehmlich für technische Zwecke verwendet werden. Mehrfach wurde hervorgehoben, daß die Arbeitersport-Jnternationale mehr als jede andere eine Internationale der Tat sei. Keine könne so wie sie internationale Massenveranstaltungen im großen und im kleinen treffen. Darum müsse die technische Arbeit im Vordergründe stehen. Auf dem nächsten Kongreß werden Erziehungs- und Frauen- fragen besonders behandelt werden. Weiter wird der Kongreß über Zeit und Ort der nächsten Arbeiter-Olympiade zu beschließen haben. Das Büro war zu Gast bei der sozialistisch verwalteten Vor- stadt P a u t i n, deren Bürgermeister, das Mitglied des franzö- fischen Senats, Genosse A u r a y, zugleich Vorsitzender des fran- zössschen Arbeitersportoerbandes ist. Die Genossen hatten Gelegen- heit, die wunderschönen sozialen Einrichtungen dieser Arbeitcrstadt kennenzulernen. Die Tage in Paris waren sehr arbeitsreich, aber auch sehr reich an Erlebnissen. Sege!» im Winter Mit Carryschcn Konten auf der Leinewand Der Winter ist eine schlimme Zeit für den Segler Da liegt sein Boot wohlverwahrt in einem Schuppen und der arme Käppen muß hinterm Ofen sitzen und von Wind und Wasser— träumen. Bis es wieder Frühjahr und Sommer wird und bis der Film„W i n d und Wasser", den der Freie Seglerverhand dieser Tage im Planetarium vorführte, schöne, erlebnisreiche Wirklichkeit wird. Dr. Curry, der große, erfolgreiche Theoretiker der Boote, Segel und der Sögelkunst, hat seine Beobachtungen und seine in die Praxis umgesetzten Gedankengänge in einem Film festgelegt und dieser Film zeigt so manchem Herrensegler, daß seine(des Herrenfsglers) vermeintliche Kunst doch auf recht schwachen Füßen steht. Da müht er sich mit Großsegel u«d Vorsegel und Spinnaker und wie die weißen Lappen alle heißen mögen, rechtschaffen ab und er weiß dabei nicht, daß das Hindurchstreichen des Windes zwischen Vorsegel und Großsegel eine so starke Düsenwirkung ausübt, daß der Vortrieb des Bootes recht viel davon profitiert. Curry zeigte durch Rauchversuche— die allerdings auch sonst, ohne Wissenschaft- lichen Zwecken zu dienen, mit Zigarren, Zigaretten und Tabak- pfeife an Bord gemacht werden—, wie und wo der Wind das Segel am wirkungsvollsten trifft, wie danach die Segelform sein muß. Von den Luftseglern, den großen Vögeln, hat sich Curry oft auf die rechte Bahn bringen lassen, denn immer noch ist die Natur die beste Lehrmeisterin, die vor allem nichts ohne Sinn und Zweck einrichtet. Fast revolutionierend hat der theoretische Praktiker Curry in der Sportsegelei gewirkt. Das Vorsegel halt er nicht allein an Leinen, sondern er gibt ihm an der unteren Kante einen starken Halt in Gestalt eines kleinen Großbaumes: den Mast baut er in Tropfenform und macht ihn nach der Windrichtung drehbar. Der runde dicke Mast nahm ihm zu viel Wind weg. Die Form des Bootskörpers hat er den Fischen abgeguckt— der schnellschießende Hecht sst lang und schlank, auch bei Curry„läuft Länge". Was der Film dann noch über die Taktik bei den Segelregatten an Kniffen und Kunstgriffen verriet, das wird sich so mancher der gespannt und aufmerksam lauschenden Segler für die Wettfahrten in diesem Jahr« merken. Und damit nicht nur die Filmstudenten die ersten Preise holen, müssen die andern auch alle hingehen und sich den schönen, lehr- reichen Film„Wind und Wasser" ansehen Er läuft zum letzten Mal« am Montag, 11. Januar, Uhr, im Planetarium. Am Sonntag, 14. Februar, bringt der Freie Seglerverband im Babylon-Kino am Bülowplatz den Fllm„Die letzten Segelschiffe". Karten bei Ternick, Neukölln, Cannerstraße 17, Telephon: Hermann- platz 0719. Wiecier Eishockeyspiele Cidtha— Stockholm in Berlin am 12. und 1 S.Januar Die Eishockeysaison, die bei einer Reise der deutschen Mann- schaft nach Lake Placid vorzeitig hätte abgebrochen werden müssen, kann jetzt, nachdem Deutschland ebenso wie nahezu alle anderen europäischen Nationen aus einen Start in Amerika verzichtet hat, doch noch fortgesetzt werden. Man wird also noch interessame internationale Gäste in Verlin sehen. Den Beginn macht am 12. und 13. Januar Götha-Stockholm, eine Mannschaft, der man gerade in Berlin immer wieder das größte Interesse ent- gegenbrachte, und die auch diesmal in stärkster Aufstellung er- scheinen wird, so daß die Internationalen des Berliner Schlittschuh- Club wieder vor einer bedeutenden Aufgabe stehen. Verlln—?sris 1: 1 Ohne Entscheidung blieb das Eishockeyturmer um den Gold» pokal von St. Moritz, das am Montag beendet wurde. Di« Endspielgegner, Berliner Schlittschuh-Club und Rncing-Club de France-Paris hatten sich vorher verständlgt, im Falle eines unent- schied men Resultats keine Verlängerung eintreten zu lassen. Und der Zufall wollte es, daß der Kampf wirklich unentschieden endete. Beim Stande von 1:1(1:0, 0:0, 0:1) trennten sich die Gegner nach durchweg gleichwertigen Leistungen. An beiden Treffern waren die Torhüter nicht ganz schuldlos. Im zweiten Spiel siegte St. Moritz gegen die Universität Cambridge mit 1:0(0:0, 0:0, 1; 0). Das Endklassement des Turniers lautet: 1. Berliner Schlitt- schuh-Cliw und Racing-Club de France-Paris: 3. HC. Mailand: 4. EHC. St. Moritz: 5. Universität Cambridge. Seine deutschen Eishockeyspieler zur bürgerlichen Olympiade. Die Beteiligung deutscher Eishockeyspieler am Turnier der Olympischen Winterspiele stand wohl seit längerer Zeit im Prinzip fest, die endgültige Entscheidung hing jedoch von der ausreichenden Finanzierung ab. Da die Derbandsmittel nicht ausreichten, hatte man zunächst sieben weiter« Spiele in verschiedenen Nordamerika- nischen Städten abgeschlossen. Nachdem sich aber jetzt herausgestellt hat, daß außer Kanada und Amerika nur noch Deutschland und Polen zum Eishockeyturnier in Lake Placid gemeldet haben, ent- schloß sich der Deutsche Eislaufoerband, aus die Teilnahme am Turnier zu verzichten. Sensationelle Eisschucllaoszeiteu. Zur Borbeoeitung für die Olympischen Winterspiele gab es in Oslo Eisschnellauf«:, bei denen der in Lake Plaod oorgeschrisbene Massenstart zur Anwendung gebracht wurde. Das Ergebnis war einfach verblüffend, denn über die 10 000-Meter-Strecke liefen die sechs Erstplacierten Zeiten heraus, die sämtlich besser sind, als der von Armand Carlsen-Narwegen mit 17:17 gehaltene Weltrekord. Carkson selbst gewarm den Lauf in der phantastischen Zeit von 16:46,4, dicht gefolgt von Vallangmnd, der mit 16:48,1 eine ebenfalls ganz hervorragende Zeit herausholte. Doxshencle in Berlin Nadiridsien aus aller Weif Der Berliner Spichernring eröffnet die diesjährige Box- saifon Freitag, 8. Januar, mit einem Programm, das vorwiegend Schwergewichte im Ring vorsieht. Karl Knöpnadel wird sich nach einer längeren Ruhepaus« dem Berliner Publikum wieder vorstellen. Knöpnadel ist dem Sport an und für sich nicht untreu geworden, sondern betätigt« sich in der Zwischenzeit als ersolgreicher Pferdesportler. Paul W a l l n« r hat seinen Wohnsitz von Düffel- dorf nach Berlin verlegt und sich hier Scelig angeschlossen. Wall- ner gefiel bereits in seinem Berliner Debüt gegen Kölblin. Der Westdeutsche hat sich hier zusehends verbessert. Ein Lokalinteresse übt der Kampf zwischen den beiden Berliner Halbschwergewichten Paul B ö l t ne r und Karl Eggert aus. Eggert überraschte durch seinen klaren Punktsieg in Magdeburg über den Münchener Leidmann. Er kann rechts sehr hart schlagen und auch du Linke sst durch Dircksen verbessert worden. Dieser Mann liegt dem Konterboxer Bölkner bestens. Im Hauptkampf stehen sich Jakob Dom- g ö r g« n und Phil N« f z g e r gegenüber. Nefzger boxte erst vor vier Wochen in Berlin und gefiel allgemein, trotzdem er 16 Pfund Uebcrgewicht hotte. Diesmal findet der Kampf im Leichtgewicht statt. Dem Münchener fehlten bisher nur Kämpf«, die ihm jetzt in Berlin geboten werden. Hinzu kommt, daß der Sieger dieses Kampfes nach Meister Dübbers Abreise nach Amerika als das beste deussche Leichtgewicht anzusehen sst. Im Sportpalast fehft für den am 14. Januar fest- gesetzten Kampfabend noch der Hauptkampf. Der technische Leiter Hans Breitensträter hat das Rahmenprogramm bereits zusammen- gestellt. Der deussche MUtelgewichtsmeister Erich S e el i g- Berlin geht mft dem belgischen Titelhalter Stevens in den Ring, der jetzt im Halbschwergewicht boxende Breslauer Erich T o b e ck trifft auf den Franzosen G a n d o n, und der Kölner Josef B e s s e l. mann, der sich nach längerer Abwesenheit erstmalig wieder im Ring vorstellt, sst mit dem Belgier H e n d r i ck gepaart worden. Schwierigkeiten bereitet noch die Besetzung des Hauptkampfes, in dem sich der Stuttgarter Ernst G ü h r i n g der Berliner Box- gemeinde vor seinem Kampf mft Carnera vorstellen soll. lieber den Gegner des Süddeutschen ist man sich noch irich: einig, verhandelt wird zur Zell mit verschiedenen namhaften Schwergewichtlern, von denen der Bochumer Walter Reuse l und der Schwede Rilö R a m m die messten Aussichten auf Berücksichtigung haben. Schmeling in New York eingetroffen Mft dem Lloyddampfer„Europa" sind zahlreiche europäische Sportsleute in New Park angekommen. So der Boxweltmeister Mar Schmeling, die beiden deutschen Tennisprofessionals Hans Nüßlein und Roman Najuch, der schwedische Kunsttäufer Gillis Grasström sowie die gesamte norwegisch« Olympiatruppe mit Aus- nähme von Sonja Henie. Schmeling wurde sogleich von seinem amerikanischen Jnteressenvertteter Joe Jacobs in Empfang genom- men, der ihm einen ausführlichen Bericht über die Lage erstattete. Sie ist nicht sehr günstig, vor allem ist der Kampf mft Mickey Walker noch nicht gesichert. Bon New Jork aus begibt sich Schme- ling nach Patterson, wo am 7. Januar seine Schaukampftournee beginnt. Don dort aus geht es wster nach Boston(11. Januar), Adams-Masiachufetts(12. Januar), Newark(13. Januar) und Alexandria-Birginia(15. Januar). Die weitere Reiseroute für ine Tournee liegt noch nicht genau fest. heia Müller schlug Meen. Eine ausgezeichnete Borstellung gab der deutsche Schwergewichtsmeister im Boxen Hein Müller-Köln am Montag in Leicester, wo er den englischen Titelhalter im Schwergewicht, Reggie Meen, innerhalb von vier Runden voll- kommen zusammenschlug. Auch Schönrakh verletzt. Unsere in Amerika befindlichen Berufs- boxer werden arg vom Mißgeschick verfolgt. Der Bonner Halb- schwergewichtler Adolf Heuser wurde bekannllich bei einem Auw- mobilunfall in Boston erheblich verletzt, und jetzt kommt die Nach- richt, daß auch der Krefelder Hans Schönrath für einige Zeit außer Gefecht gesetzt ist. Ihm wurde in seinem ersten Amerika- kämpf von den Itaw-Amerikaner Stanley Poreda die Lippe voll- kommen aufgeschlagen. Die schwere Verletzung erklärt auch die Niederlage des früheren deutschen Schwergewichtsmeisters, der gegen Porcda in New Dork in der 7. Runde aufgeben mußte. Neue Weltrekorde im Heben Bei dem letzten Heberwettkampf der Wiener Krafssportter stellte der Wiener H a n g e l im Leichtgewicht zwei neue internationale Höchslleistungen auf, von denen eine besser ist als der Weltrekord der Bürgerlichen. Hangel riß einarmig rechts 82,50 und beidarmig 107 Kilogramm.— Auch im Arbeiter-Athleten-Bund Deutschlands gab es einige neue Höchstleistungen. Der Rekordheber R. Süßdorf- Mannhelm verbesserte im Leichtgewicht im beidarmig Stoßen seine eigene Bundeshöchstleistung von 233 auf 247,5 Pfund. Auch die bisherige Höchstleistung im Fliegengewicht, rechts Stoßen, ist durch den Gewichcheber Chriswph vom Sportklub Sttahenbahn-Nürnberg um 10 Pfund auf 130 Pfund erhöht worden. Der Bundeskaleuder 1932 des Arbeiler-Turv- und Sporkbundes reiht sich auch diesmal würdig seinen Vorgängern an. Umfang- reiche Tabellen informieren über die Lereinsbeständ« und den Mügliederzu- und-abgang von 1914 bis gegen Ende 1931. Eine groß angelegte Ausstellung gibt die Zahl aller Sparten in allen neunzehn Kressen vom Januar 1931 an, während über die Unfalls aller Sparten von 1930 berichtet wird. Alle für 1932 vorgesehenen Kurse an der Buttdesschule sind mft Beginn-, End- und Melde- terminen angegeben. Für die Techniker ist das genaue Verzeichnis aller Bundeslehrbücher und aller„Merkbläller der Bundesschule" von Bedeutung, während Fuß- und Handballspieler die Spiele der Verbands- und Vundesmeister und der Larrd es Mannschaften mft Interesse oerfolgen können. Auch die Wassersportler werden berücksichtigt: Schwimm- und Sprungwettkämpse aller Arten sind mft genauen Bezeichnungen und den dazu gehörigen Zeiten oer-- sehen. Die Tabellen der BundeshöchsUelstungcn ermöglichen bei Wellkämpsen sofortiges Rückschlagen. Die Kapitel„Wissenswertes über Deutschland" müssen nicht nur jedes Bundesmftglied, sondern überhaupt jeden einzelnen, der in der Bewegung steht, interessieren. Das Verzeichnis der Bundes-, der Kreis- und Bezirksfunkttonäre aller neunzehn Kreise und der Adressen der Verbände der „Zentralkommission für Arbeitersport und Körperpflege" gestaltet den diesjährigen Bundeskalender zu einem kleinen unentbehrlichen Handbuch für jedes Bundesmftglied. Geschmackvoller Einband, saubere Ausführung mit genügend freien anhängenden Notizblättern und Bleistift lassen den Preis von 1 M. nicht zu hoch erscheinen. __ O. S, Freie Dumerschast Wilmersdorf. Morgen, Mittwoch, SO Uhr, bei HMmorw, Holsteiuiiche(Str. 4, Sifr-ng aller jimfliojuiie. Sonitabenb, s. ljanuat, 20 Uhr. bei Sroiß.(Safleinec Ecke Holsteimsche Straße, Tenoraloersammlilllg. Nachdem Beisammenketn. Freie Schwimmer Zehlenbors. Der Schwimmbetriob begiwot am Dienstag um 2111 Uhr, nicht, wie angegeben, um 2l»1 Uhr. Touripenoerein„Die Sifliursrennde*. DUastag, 5. Januar. 20 wir. Fried, richshain: Frantturter SM« S07: Heiterer Abend.— Friedenau: Offenbachec Eiraße 5a: Neues Jahr.— Humboldthain: Willdenowstr. 5: Tagespolitische Fragen.— Norden: Eonnenburger Str. 20: Politischer Vortrag.— Wedding: �-"�nowstr. S: Schallplatt enadead.— Osten: Ebertystr. 12: Seneralpersanu». sammlung. Neuwahlen.— Photo Mitte: Johannisstr. 15.— Dan»erst,« 7. Januar, 20 Uhr. Lichtenberg: Gunterstr. 44.— Reulöllu: Bergstr. 29: Froh und heiter.— Prenzlauer Berg: Danziger Str.«2, Baracke II: Heiteres.— Streichorchester bei Weißenbcrger, Freillgrathpr. 9.— Eitdwest: Porckstr. 11: Bunter Abend.— Tiergarten: Lehrter Str. 18— 19; Unsere Weih nachts- und Johresendfahrten.— Naturkundliche Abteilung: Johannis str. 15: Naturknnd- lich« Ucbcrücht.— Lichtenrade: Lentz, Naiser-Dilbelm-Str. 73.— Rosenthaler Borstadt: Wernmeisterstr. 16—17: Programm der NSDAP. Freie Turnerichast«roß-Berlia, Bezirk SSden. Di« Uebungsstnuben be- ginnen wieder: Dienstag, 5. Januar, 2. Frauenabteiluiig, Bergmannstr. 60—65, nachdem Bersammlung bei HSlke, Bergmannstr. 69. Donnerstag, 7. Januar, Männerabteilung Bergmannstraße, Rädchen, und JungmddchengdteUuna Bäckh- straße 17, 1. Frauenabteilung NeukiMn, Berliner Str. 10, Montag, 11. Januar, in der Äaiser.Frledrich.Str. 4. Nachdom Bersammlung in Neukölln, Weichsel- straße 8. Freilag, 6. Januar, Nnabenabteiluno. Dienstag, 12. Januar, Sport- abteilung, Kaiser.?"' Mo• �---- Männerabteklung. sammlung 6. San» DWWW aioch, 6. Januar, Äreisgeschäftsstelle. ' cnbuad.»dt. Wedding. Donneratag, 7. Januar, 20 U�r, solche die 0S werden wollen, werben jederzeit aufgenommen. Auskunft erteilt Walter Lrenzlin, Stendaler Str. 2. RB. Vorwärts. Sonntag, 24. Januar, 15 Uhr, Sahresgeneralversammlung. Anträge hierzu müssen bis spätesten« 10. Januar im Besitz des Lorstandes sein. Dienstag, 12. Januar, Turnabcnd. Mittwoch, 13. Januar, 19 Uhr, Borstands. sttzung. tttals 1% Tiieafer Dfeastatz, den 5. lamm staatsoper unter den Linden 20 Uhr Cosi ffan lutte StaatLStepiite Geedamaiiiirin. 20 Uhr Wallensteios Tod Scbiller-Theater CbuleHnbin. 20 Uhr Göttliche Jette SS» 3.15 Diu fioti 3434«otta erlaobl] 20 Zlgaunerlnnan apialan, „Zemganno'*"(llagenda leuehtand« Panachmi am Uufttrapaa im dunkt«» Raum und waitere Varlotd-Nsubsltanl §iadt.0per Charlottenbur« SismarckstraSe 34 Dienstag, s. Januar Turnus Iis Anfang 20 Uhr Boheme Ende 22 Uhr foiHsittlhne Thntsr m Sülowiitsil 8 Uhr Die Broßfterzoflin von fieroisielo Stall. Sdiillu-nattr 8 Uht Die dOtflidie leite Rose- Theater üret« FmMrter Strato 1J? Iii. Weidwl E 7 3422 SV« Uhr Eine Frau von Format Theater am Nollendorsplab Regia: Baiiu Saltmbir] Pallas 7051 Täglich 8-/. Uhr Stgs. auch 4V« Uhr Gasparone Alexanderplatz Neue Königstr.43 �jer Art fort preiswert Paul Golletz vormals Rodert Mqpci Marlannenstr. 3 F& Ohwrbmia 1303 sv« uhr CASlNO-THEATERs1/. VI» Lothringer Strafe 37. iiiivtMttiHuiniiiiMiiiuiiiitiiiiuiiiiiiniiuiianininsmiitiiMNTtiv Die neue Posse Was man ans Liebe tnt Dazu die Gesangs- und Tanz- Operette Das Scfaeidangs- Souper and der honte VarietO-Teil. Gutschein 1-4 Personen: Parkett 50 Pf. Fauteull 1.— Mark. Sessel 1.50 Mark. BerllDer VISkT liO N•■ k• I i■. V Lnhnstc. 74/7&J Es ist erschienen: Oer sozialdemokratischa AbreiBKaiender 1932 In Kupfertiefdruck hergestellt Er bringt historische Daten aus der Arbeiterbewegung, astronomische Angaben(Sonnenauf- und-Untergänge, Mondphasen, Planetenbewegung usw.). Gute Bilder beleben den Kalender, so daß er In jedem Haushalt in jedem Büro eine Zierde darstellt. Der Kalender kostet 2— RM. Zu haben in allen Vorwärts-Filialon und bei allen Zeitungsausträgern Mein ICSSdifSS1!* Kautabak schmeckt mir doch am besten!