Morgenausgabe Nr.? A 4 4y.Iahrgang WZchentlich 7S Pf., monatlich s,2» M. (davon S7 Pf. monatlich für Fustcl- Inng in» Hans) im voraus zahlbar. Pallbczug Z,»7 M. einschließlich soPf. Pailzeitungs- und 72Pf.Postbestelläe» biihren. Auslandaabonnement 5,65 3)1. pro Monat; fitr Länder mit ermäßig» tem Drucksachenporto 4,65 M. Der �Pormärts� erscheint wochentäg» lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgab« für Berlin und im Sandel mit dem Titel.Der Abend", Illustrierte Sonntagsbeilage .Boll und Zeit". P> Berliner Volksblatt Mittwoch 6. Januar 1952 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Die e i n s p a l t. NonpareiUezeile KU Pf. ReNamezeile 5,— RM.„H leine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pf. (zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt. Tarif. Stellengesuche das erste Wort 15 Pf-, jedes weitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 00 Pf. Familien- anzeigen Zeile 40 Pf. Anzeigenannahme im HauptgeschäftLindensiraße 3, wachen» täglich von KVz bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor l Jientralovgan der Sozialdemokratischen Oartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 66. Lindenstr. 3 ssernspr.: Dönhoss(A 7) 292—297. Telcgramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlia. Vorwäris-Verlag G. m. b. H. Postscheckko»to:BerlinS7b5S.— Bankkonto: Bank der Arbeiter.Angestelllen und Beamten, Lindenstr. 2, Dt. B.«.Diec.»GeI., Dcposttcnk., Ierusalemer Str. Kö-Kö. Winterhilfe gibt billige Kohlen. Auch verbittigies Fleisch für Bedürstige. Im Rahmen der 7V i n t e r h i l s e Hai die Reichsregierung mciicre Nittel zur Verfügung gestellt, um für die nächsten Nonale neben der feit Mitte Dezember im Gonge besindiichen Jieifch- verbilllgung eine k o h l e n v c r b i ll i g u n g für di� hilf,- bedürftige Bevölkerung durchzuführen. Die näheren Be- fkimmungen enthalten einen gemeinfamen Erlaß des Reichsorbeils- Ministers und des Reichsministers des Innern vom 2Z. Dezember 1931. Danach find zur Teilnahme an der kohlenverbilligung be- rechligl alle hauptunlerstützungsempfänger der ?trbeilslosenoersicherung und der Krisensür- sorge, die Familienzuschläge erhallen, saraer die von der öffentlichen Fürsorge lausend als hauplunlerstühle in osseucr Fürsorge Unlerslühlen, die einen eigenen haushall führen. und säzließlich Empfänger der Zufolzrenle nach den, Reichsvcrsorgangsgefeh. soweit sie einen eigenen haushall führen und ausschließlich aus Rente und Zusahrente angewiesen sind. Das Verfahren ist in ähnlicher weife geregelt wie bei der Fleifchoerbilligung. Es werden Bezugsscheine ausgegeben, die nicht übertragbar find, und zwar für die hauplunterstühnngsempfängec der Arbeitslosenversicherung und der Srisensürsorge durch die Ar- bcilsämler, für die von der öffentlichen Fürsorge laufend unter- stuhlen Personen und sür die Empfänger von Zusahrenle nach dem Reichsversorgungsgeseh durch die Dienststellen der össenllichen Für- sorge. Bezugsstellen für verbilligte kohlen sind alle kohlenverkanfs- stellen, die sich bereit erkläre», den Bezugsschein in Zahlung zu ni-hmen und den sonst gegebenen Vorschriften zu entsprechen. Die Verkaufsstellen werden durch Aushang kenntlich gemacht. Zeder Berechligtc kann monatlich zwei Zentner ver- billigter Kohlen erhalten. Der verbilligte Preis muß für den Zentner 30 Pf. unter dem Tagespreis oder, fofem für Auterstühungsempsänger durch Preisnachlässe der Kohlensyndi- kale und des Graß- und Kleinhandels sowie durch Frachtermäßi- gungen oder durch Ermäßigungen aus Kosten des Fürsorgcverban- des bereits Preisverbilligungen erzielt sind, 30 P s. unter diesen verbilligten Preisen liegen. Die verbilligung wird sür alle Arten von Kohle, auch sür Braunkohle, gewährt. Der erste sür den Monat Januar güllige Bezugsschein mit zwei ans je ein Zentner Kohle lautenden Abschnitten wird im Lause diese» Monats ausgegeben werden. Gleichzeitig gelangt«in weilerer, vier Wochen umfassender Bezugsschein für verbillig- l e s Fleisch zur Ausgabe. Brunnenvergistung. Genfer Gerücht eines französischen Investigationsantrages gegen Deutschland. Die.�Telegraphen-Union" meldet au» Gens; Der als gut unterrichtet bekannte Pariser Berichterstatter des „Journal de Gen<■ v c", der gleichzeitig als Außenpolitiker des „Journal des O. bals" tätig ist, berichtet am Dieuskag. daß in gcwifien französischen Kreisen die Absicht bestehe, gleich zu Leginn der Abrüstungskonferenz, und zwar sobald die Arbeiken der Konferenz organisierl seien, den Antrag auf Untersuchung des talsächlichen Standes der deutschen Rüstungen der Konserenz vorzulegen. Eine derartige Untersuchung würde sich auf den Artikel 713 des Versailler Vertrages stühen. der ausdrücklich vorsehe, daß der Völker- bundsrat jederzeit, und zwar mit einfacher Mehrheit, eine Untersuchung des Rüstungsstandes Deutschlands anordnen kann. Diese..Zovestigallon". die naturgemäß außerordentlich ernst sein würde, würde geraume Zeil in Anspruch nehmen. Die Ab- rüslungskonferenz werde sodann ihre Arbeiten bis zur Beendigung der Untersuchung des deuischen Rüstungsstandes unterbrechen. Aus diese weise könnten, wie der Berichterstatter ausdrücklich hinzu- fügt, gewisse bestehende Schwierigkeiten praktischer Ratvr über- wunden werden.(Es stehe allerdings noch nicht endgültig fest, ob diese Absichte« durchgeführt würden, jedoch müsse ausdrücklich das Bestehen dieser Absichten festgestellt werden. Die Mitteilung des Poriser Berichterstatter» des„Journal de Genüve" verdient außerordentliche Beachtung. Sie-zeigt zum ollermindesten den Geist, in dem maßgebende Kreise in Frankreich die Verhandlungen auf der Abrüstungskonferenz zu führen gedenken. Die französischen Absichten sind weiterhin al, cin Manöver zu bewerten, die da» Ziel versoloen, einen Ausweg aus der sür Frankreich zweifellos sehr schwierigen und isolierten Loge aus der Abrüstungskonferenz zu finden. * Der Pariser Berichterstatter des„Journal de Gento)«" und gleichzeitige Außenpolitiker des.Journal des D�lKits" ist Herr Pierre Bernus. der zwar keineswegs so her- vorragend informiert ist. wie es die„Telegraphen-Union" aus durchsichtigen Gründen behauptet, aber als ein gefähr- licher nationali st ischerBrunnenvergifter nicht unbekannt ist. Wir geben die Meidung der„Telegraphen- Union" wieder, obwohl wir überzeugt sind, daß das Gerücht, das sie oerzeichnet, auffreierErfindung beruht. Denn ein derartiger französischer Jnoestigationsontrag gegen Deutschland als Auftakt zur Weltabrustunpskonferenz wäre eine so unerhörte Provokalion, daß sich ihn nur böswillige nationalistische Scharfmacher ausgedacht haben könnten, aber kein vernünftiger und verantwortlicher Politiker. Inzwischen wird aber diese Meldung ihre beabsichtigte und verheerende Wirkung tun: selbstverständlich wird sie von der gesamten deutschnationalen und nationalsozialistlschcn Presse gierig ausgenommen, vorbehaltlos abgedruckt und mit den entsprechenden Kommentaren persehen werden. Dafür Hai schon die Hugcnbergsche„Telegraphen-Union" durch ihren eigenen Zusatz gesorgt, in dem dieses Gerücht ohne weiteres als bezeichnend für den Geist und die Absichten„m a ß- gebender" Kreise in Frankreich hingestellt wird! Die in Frankreich begonnene politische Brunneiwergistung wird somit in Deutschland fortgesetzt, damit die öffentliche Meinung beider. Länder bis zum Beginn der Abrüstungskonferenz in vier Wochen in die nötige verhetzte Stimmung versetzt wird. Gerade weil wir diesen verderblichen Treibereien ent- schiedenen Widerstand leisten und an die Richtigkeit der er- wähnten Behauptung nicht glauben, halten wir es für dringend geboten, daß die französische Regierung ihr unver- züglich«in unmißverständliches Dementi ent- aegensetze. Darüber hinaus erwarten wir von allen Regierungen, insbesondere von der französischen und von der deutschen, daß sie die Zeitungen ihrer Länder ermahnen, be- sonders in den nächsten Wochen, die bestehende Pressefreiheit nicht durch Falschmeldungen zum Zwecke der Völker- Verhetzung zu mißbrauchen. Lausanne erst am 2S. Januar? Das wäre viel zu spät. Nach einer Meldung der Telegraphen-Union ans Bafel soll die Lausanner Konferenz er st am 2Z. Januar, also um eine volle Woche später als zum ursprünglich vorgesehenen Termin beginnen. Bundespräsident M o t t a wird als Vertreter der gast- gebenden Schweiz der Eröffnungssitzung beiwohnen. Ein so später Termin wäre sür die Delegationssührer, die auch an der Eröffnung der Wcltabrüstungskonferenz teilnehmen sollen, mit großen Unbequemlichkeiten verbunden. Denn es ist ousgc- schloffen, daß die Reparationskonserenz innerhalb einer Wache zum Abschluß gebracht werden kann. Unter dem unvermeidlichen zeit- lichen Zusammentreffen würden die beiden Konferenzen dann auch sachlich schwer leiden. Es ist deshalb zu hoffen, daß die Meldung der TU. den Tatsachen nicht entspricht. Deutsch-französischer Lustverkehr. Verhandlungen im deutsch-französischen Wirtschastskomitee. Im Rahmen der Verhandlungen de- deutsch-französischen Wirt- schaftskomilees Hot der zuständige Ausschuß auch über die deutsch- französische Zusammenarbeit in Luftfahrtfragcn die Unterhaltung begonnen. Früher hatten schon Verhandlungen von Regieningsvettretern stattgefunden, bei denen man sür zweck- mäßigere Zulaffungsbcdingungen. für den Verkehr nach dem nahen und Fernen Osten und auch für den Verkehr nach Südamerika ge- eigneten Grundlagen zu schassen suchte. Unter anderem ist auch vor- gesehen, daß das Luftschiff„Graf Zeppelin" zehnmal im Jahre mit eingesetzt werden soll. A u ch E ck e n e r nimmt an den Verhandlungen teil. Eine französische Meldung, nach der cin deurjch-fronzösijchcr Luslverkehrstruft geschafieii werden soll, wird dementiert. Die deutsch-fronzösisäx Verständigung soll die deutsche Zusammenarbeit mit anderen Ländern nicht ausschließen. Die südslawische Diklalnrregierung des Generals Sivkowitsch ist unter dem famosen„Parlamentarismus", bei dem nur Regie- rungskandidatcn gewählt werden dürfen, etwas verändert wieder- eingesetzt. Braungelbe im Betriebe. Hibler-Knaben rüsten zum«.Sturm". Bei den Nazis künden sich wieder einmal große Aktionen an. Herr Goebbels proklamiert die Eroberung der Betriebe. Eine Sturmwelle— drunter tun es die Nazis nicht— ist für den Januar fällig. Der„Hib"(es klingt wie saures Auf- stoßen und bedeutet die Nazi-Zellen) soll in alle Betriebe ein- dringen, soll die„marxistische Pest" daraus vertreiben und die Fabriken zu nationalsozialistischen Hochburgen machen. So ungefähr steht es auf den Vorschußlorbeerblättern geschrieben, die der„Angriff" sich freigebig streut. Wir sehen dieser Offensive mit Ruhe entgegen. Denn gerade die Proletarier in den Großbetrieben haben einige Erfahrung darin, wohin es führt, wenn sie sich durch phrasenhafte An- kündigungen und wilde Parolen einfangen lassen. Sie wer- den die„H i b" l c r- Knaben sehr ruhig und entschieden vor die Frage stellen:„Ihr wollt die Betriebe erobern. Schön. Aber wenn ihr darin seid, was wollt ihr dann tun? Ihr wollt den Marxismus aus den Betrieben vertreiben. Aber was wollt ihr an seine Stelle setzen? Eure braunen Hemden sehen uns verdächtig unecht aus, sie scheinen früher einmal knallgelb gewesen zu sein und erst durch das dauernde Wälzen im Dreck einer verlogenen Agitation sich braun gefärbt zu haben." Vielleicht wird auch ein Betriebsarbeiter sagen:„Was soll eure Phrase von der marxistischen Pest? Was wißt ihr, was wissen eure Prinzen, Generäle und Studentlein überhaupt davon, was Marxismus bedeutet? Habt ihr auch nur eine einzige Zeile von Karl Marx gelesen? Wißt ihr überhaupt, was Karl Marx gelehrt hat? Nun wohl, dann will ich es euch einmal auseinandersetzen." Diese. Belehrung sieht dann etwa so aus:„Als vor drei Menschenältern der Kapitalismus aufkam, war die Lage der ersten Arbeitergeneration fürchterlich. Schutzlos war sie allen Ausbeutungen des Kapitals preisgegeben. Es gab keine Versicherung gegen Krankheit, Unfall, In- Validität, es gab keine B e t r i e b s a u f s i ch t, keine Gewerbepolizei. Keine Gewerkschaft nahm sich der Arbeiter an. Sie hatten weder Koalition s- noch Wahlrecht. Am Lohntag wurden sie um ihren minimalen Lohn betrogen und bekamen anstatt Geld schlechte Waren angehängt. Von all dem könnte man noch stunden- lang erzählen." „Trotzdem— so fährt der Belehrende fort— behaupten die Professoren, Volkswirtschaftler und Zeitungsschreiber des Kapitalismus, daß eine vollendete Harmonie in diesem System bestände, wo sich alles nach Angebot und Nach- frage richte. Dem ausgemergelten Arbeiter wurde der Trost gespendet, daß er ja die Freizügigkeit besitze und daher, wenn ihm der Lohn beim Fabrikanten Müller nicht genüge, beim Fabrikanten Schulze Arbeit nehmen könne. Selbstredend zahlte Schulze ebenso miserabel wie Müller." „In dieser Situation entstand die Lehre von Karl Marx. Sie klärte den Arbeiter auf, daß zwischen ihm und dem Unternehmer nicht Interessenharmonie, sondern schärf- st er wirtschaftlicher Gegensatz besteht. Marx öffnete dem Arbeiter die Augen, daß der Lohn, den ihm der Unternehmer freiwillig zahlte, keine vollwertige Be- zahlung seiner Arbeit war, sondern daß der Wert der ge- leisteten Arbeit die Dividenden der Aktionäre, die Tantiemen der Aussichtsräte mit umfasse. Marx lehrte die Arbeiter, daß sie sich zusammenschließen müßten. um ihre berechtigten Lohnansprüche gegen das Unternehmer- tum durchzusetzen. Er mies ihnen nach, daß der„freie Ar- beitsoertrag" in Wirklichkeit ein aufgezwungener Ar- bestsvertrag ist, solange die Arbeiter einzeln und zersplittert der wirtschaftlichen Uebennacht des Unternehmers gegenüber- stehen. Die Parole, die Marx den Ausgebeuteten gab, lautete: „Bereinigt e u ch I"— Wir haben nach dieser Parole gehandelt, wir haben Erfolge gehabt. Die T a r i f v e r- träge sind der Erfolg unserer Gewerkschaften, das gleiche Wahlrecht, die Sozialversicherung, der Ar- b e i t e r s ch u tz sind die Früchte unseres politischen Kampfes. Den„M a r x i s m u s" ausrotten hieße der Ar- bciterklasse die Errungenschaften zweier Menschenalter rauben. Wenn das euer Ziel ist, dann seid ihr eine Neuauflage der Gelben!" Darauf werden dann die„Hib"ler-Jünglinge stammeln, daß sie gewissermaßen auch gegen die Ausbeutung seien: sie bekämpften nämlich die„Zinsknechtschaft". Einer weist ein knallgelbes Heft,„Das Programm der NSDAP.", vor, ver- faßt von Gottfried Feder, der ein langes und breites von einem„deutschen Sozialismus" orakelt. Gefährdung der Reichseinheit? Gefährliche Wirkungen der Hiilerbewegung. Genosse Wilhelm Hoegner-München schreibt: Die nationalsozialistisch'' Bewegung Hot ln den letzten wahren ihr Schwergewicht nach Tlocddeulschlond verlegt. Dort winken ihr noch ungeahnte Möglichkeiten, im Süden des Reiches dagegen, vor ollem in Bayern, hat sie bei den Septemberwahlen von 1930 so ziemlich ihre ualürlichen Grenzen erreicht. Offensichtlich denkt Hitler nicht mehr daran, wie im Zahre 19Z3 den Marsch auf Berlin von Bayern aus zu beginnen. Die Entscheidung darüber, ob die deutsche parlamentarische Demokratie von einer offenen oder verschleierten faschistischen Diktatur abgelöst werden sott, wird also voraussichtlich in Preußen fallen. Die Umgruppierung der nationalsoziolistischen»röste ruft im Süden und Westen des Reiches Gedankengänge wach, die einen etwaigen Tieg des Nationalsozialismus in Norddeutschland als schwerste Gefährdung der Reichseinheit erscheinen lassen. An sich sind die B e st r e b u n g e n. unter llmständeu den deutschen Süden vom Rorden— vermeintlich— zeitweilig zu trennen, nicht neu. Als man in den Zahren 1919/20 eine Bolschewisierung Rord- deutschlands vielfach sür unvermeidlich hielt, sprachen ernsthafte bayerische Politiker in oller Oeffentlichkeil davon, Bayern müsse sich vom Reich„abkapseln",„das gesunde Glied vom kranken abschnüren" und für die Wiedervereinigung bessere Zelten abwarten. heule werden unter dem Eindruck des angekündigten nationalsozialistischen Schreckensregimcnts in Bayern und auch im Rheiolande wieder ähnliche Erwägungen angestellt. Zunächst macheu sich gewisse monarchistische Berschwörer, die seil der in L ä ch e r l i ch k e i l versunkenen Slatthalterschast des Herrn von Kohr für Rupprecht von witlelsbach im herbst 1923 unter der Decke arbeiten muhten, die wachsende Gegenstimmung gegen den Rationalsozialismus zunutze. Sie empfehlen sich laut und lauter als Gegengift gegen den national- sozialistischen Massenwahn. Nach ihrer Beweisführung kann nur durch Aus- rufung der Monarchie oder mindestens der Staatspräsidcntfchaft für einen WittelSbacher die nationalsozialistische Herrschaft ohne Blut- vergießen von Bayern ferngehalten werden. Rur in diesem Falle würden angeblich die uationalistischen Offiziere, ebenso wie die Mehrzahl der sonstigen Mitglieder der nationalen wehrverbände,„eingedenk ihres Fahneneides" aus der hugenberg-hitler-Zront herauszubringen sein. Im Volke würde die Erinnerung an die guten alten Zeiten der ehemals volkstümlichen bayerischen Monarchie sich als stärker erweisen, als der Wunderglaube aas Drille Reich. Die Monarchisten rechnen auch mit der hitlerfeindllchen Einstellung der katholischen Seifllichkeil. die im Rakionalfozlalismus norddeutscher Prägung eine rein protestantische Bewegung erblickt. Sie weisen daraus hin, daß gerade die betonte Einstellung gegen die„schwarze Internationale" der Hiller-Bc- wcgung im norddeutschen Bürgertum so starken Anhang verschafft hat und daß infolgedessen unter einer nationalsozialistischen Diktatur die deutscheu Katholiken wieder zu Staatsbürgern zweiter Klasse herabgedrückt würden. Von der bayerischen Arbeiterschaft fürchtm sie keine starke Gegenwirkung, weil diese, vor die Wahl gestellt, unter dem nationalsozialistischen Gewalksystem zugrundegehen oder unter der Monarchie als„loyale Opposition Seiner Majestät" für die Verbesserung ihrer Lage wirken zu dürfe«, lieber die Monarchie über sich ergehen lassen würde. Man braucht derartige politische Treibereien, bei denen vielfach der Wunsch der Vater des Gedankens ist. nicht zu überschätzen. Tatsache ist aber, daß auch Verantwortliche füd- deutsche Politiker sich angesichts der Lauheit der Reichsregierung in der Bekämpfung der uatin- nalsozialistischen Umtriebe über die mögliche Entwicklung in Norddeutschland Sorgen z» machen beginuen. In diesen Kreisen nimmt man an, daß der Rationalsozialismus im republikanischen Preußen sich nur nach blutigen Kämpfen in den Besitz der Macht fetzen tonnte. Im Falle eines Bürgerkrieges würden aber die süddeutschen Staaten vor schwerste Entscheidungen gestellt. Besonders bedenklich stimmen zuverlässige Meldungen aus dem Rheinland, daß sich dort wieder der Separatismus zu regen beginnt. Schon im Zahre 1923 hatten die Separatisten und ihre französischen Hintermänner ihre größten Hoffnungen auf die — Hillerbewegung gesetzt. Räch einer amtlichen Mitteilung des bayerischen Regieruogs-Vizepräsidenten der Pfalz vom 10. Rovembcr 1932 waren die französischen Generale in Speyer sehr enttäuscht, als ihnen ein bayerischer Regierungsbcamter auf das bestimmteste versicherte. daß der Hillerpulsch in München gescheitert sei. Die französisch-bclgischcn Truppen am Rhein hatten damals nach einer Aeußcrung des Generals de Ravinee auf den Befehl gewartet, die Mainlinie zu besetzen. Gewiß steht heute das amtliche Frankreich nicht mehr auf dem Standpunkt des französischen verhandlungsplancs für die vcrsailler Friedenskonferenz,„die Unstimmigkeiten der Länder, aus denen Deutschland besteht, zu fördern". Aber die Gelegenheit hat auch in der Politik schon oft Diebe gemacht. Auch heute könnte der Versuch der Einrichtung einef Hitlerdiktatur in Deutschland einem nationalistischen Frankreich wiederum den vorwand zu Sicherungs- maßnahmen gegen Deutschland liefern. Dann hätte eine Politik, die es mit ihre? angeblich nationalen Grundrichtung für vereinbar hält. wiederholt den verantwortlichen Leitern der deutschen Außenpolitik in den Rücken zu fallen und aus Machtgier die Zukunft des deutschen Volkes aufs Spiel zu setzen, das erzielt, was bisher den schlimmsten Feinden Deutschlands nicht gelungen ist. Die deutsche Republik ist nach 1918 mit separatistischen Bestrebungen im Westen und Süden des Reiches mehr als einmal fertig geworden. Das kostbarste Gut des deutschen Volkes, seine unter unsäglichen Mühen erkämpsle Einheit, ist uns bis heute erhalten geblieben, wir Sozialdemokralen wisien, daß durch eine Zersplitterung des Reiches auch dos wirtschaftliche Gedeihen der deutschen Arbeiler- schask, ihre stolzen Organisationen, ihre Zukunstshofsnungen in Frage gestellt wären, wir bekämpfen eine faschistische Ge- waltdiktalur ebenso wie eine monarchistische Restauration, die auf leisen Sohlen ihre cigensüchkigeu Pfade schleicht. Aber gerade weil wir«ach einem AnSsprnch der Pariser L'Actiou Francaise von 1923„die besten Verteidiger der deutschen Einheit" sind» haben wir angesichts der außenpolitischen Schwierig- leiten ein Recht darauf, von der Reichsrcgiernng endlich Taten gegen die nationalsozialistischen Zerstörer des RcichSgedankeuS zu fordern. Dieser Tage erst hat ein katholisches Blatt, die hochangesehene „Augsburger postzeilung" geschrieben:„Der Kampf gegen hilleristderKampsfürdendeutschcnRheiurZadcr Täk ist der Rationalsozialismus aus einer Gefahr für die Slaalsform zu einer Gefahr für den Bestand des Reiches geworden. Für Deutschland reifen größte Entscheidungen heran. Möge der Reichskanzler Brüning sich in diesen Tagen das wort Turgots an Ludwig XVl. vor Augen halten:„Gedenket, daß es Schwäche gewesen ist, die Karls l. Haupt auf das Schafott gebracht hat". Der Sprecher von vorhin, der ein wenig in diesem Heft geblättert hat, Zibt es kopfschüttelnd'zurück:„Das ist alles wirres, krauses Zeug. Da lese ich beispielsweise beim Aufschlagen, daß Herr Gottfried Feder die Gewinnbetei- l ig u n g der Arbester und Angestellten am Betriebe für das soziale Allheilmittel Hält. Wenige Zeilen später bekennt er. daß sich diese Gewinnbeteiligung in der Praxis gar nicht durchfuhren läßt, daß die Arbeiter gememnütziger kom- munalcr Betriebe zum Beispiel dabei gänzlich leer ausgehen, würden. Die Gewinnbeteiligung, so schreibt Herr Feder, sei also nur„im höheren Sinne" wie es der National- sazialismus auffaßt, zu verwirklichen. Und als ich neugierig wurde, wie dieser„höhere Sinn" des Herrn Feder in der Praxis ausschaut, da stieß ich auf den grandiosen fettge- druckten Satz:„Preissenkung heißt das Zauber- wort, das jeden Bolksgenosscn gewinn- beteiligt macht am Arbeitsertrage der Gc- s a m t h e i t."— Also, dann ist wohl Herr Brüning euer sozialer Apostel? Dann ist offenbar die jetzige Preis- fenkungsaktion die Vollendung des nationalsozialistischen Meals?! Denn nun sind wir alle nach Herrn Feder offen- bar gewinnbeteiligt und restlos glücklich." Die„Hlb"ler-Jünglinge stehen begossen. Der sozia- listische Arbeiter aber fährt fort:„Ich will mir diesen Schmarren einmal einstecken und euch bei nächster Gelegen- beit einen Vortrag halten, was eigentlich laut Programm- schrift die wirtschaftlichen Ziele der Nationalsozialisten sind. Für heute verlange ich klippe und klare Antwort auf die Frage: Besteht nach der nationalsozialistischen Lehre ein wirtschaftlicher Interessengegensatz zwischen Unternehmern und Arbeitnehmern, der die Arbeitnehmer zum dauernden Zusammenschluß und zum Kampf um ihre Interessen zwingt — besteht er oder nicht?" Hierauf erwidern die„Hibler-Jünglinge": Das sei so eine Sache. Zwischen dem germanischen Unternehmer und dem germanischen Arbeiter bestehe ein Gegensatz nicht. Das„schaffende" Kapital beute die Arbeiter nicht aus, sondern nur das in jüdischen Händen befindliche„raffende" Kapital. Antwort des sozialistischen Arbeiters:„Wir haben in der Praxis diesen Unterschied nie bemerkt. Die christlichen Direktoren von Siemens haben uns genau so ausgenutzt wie die jüdischen Direktoren der AEG.! Die Seeleute und Werftarbeiter des streng christlichen„Norddeutschen Lloyd" waren stets ebenso schlecht gestellt wie die der Hain- burg-Amerika-Linie, an deren Spitze der Jude Ball in stand! Ihr behauptet, der Unternehmer sei zur Ausbeutung des Arbeiters gezwungen nur so lange und weil er an die jüdi- schen Banken Zinsen zahlen müsse. Nun, der größte deutsche Industrietrust die JG.-Farben(Chemietrust) stellt in seinem letzten Geschäftsbericht fest, daß er keinen Pfennig Bankschulden habe. Fragt nun einmal die Leuna-Proleten, ob es ihnen nun gut geht. Nein! Die Stickstoffarbeiter haben mit die g e s u n d h e i t s s ch ä d- lichste Arbeit und die niedrigsten Löhne in Deutschland. So sieht eure germanische Interessenhärmonie in Wirklichkeit aus.— Genossen, wie haben wir bisher diejenigen ge- uanni, die uns vormachen wollten, daß zwischen uns und dem Unternehmer Interessenhärmonie herrsche?" Chorus der gesamten Belegschaft:„Gelbe, Gelbe, Gelbe!" Oer„Vorwärts" und Mussolini. Ein Rachwort zum Zechlin-Sontag-prozeß. Der Herausgeber der„Grünen Briefe", Herr San- tag, hat gestern vor dem Schöneberger Schöffengericht leine Vorwürfe gegen den Chef der Reichspressestelle, Dr. Z e ch l i n, widerrufen, und die Anklage gegen ihn ist daraufhin zurückgenommen worden. Wir bedauern diesen Ausgang des Prozesses, denn wir hätten sehr gern den Wünschen des Herrn Sontag entsprochen und das Verhältnis des.�Vorwärts" zur deutschen Regierung und zum italieni- schen Faschismus gerichtsnotorisch gemacht. Nachdem dies unmöglich geworden, sei hier folgendes festgestellt: 1. Der„Vorwärts" ist das Zentralorgan der Sozial- demokratischen Partei Deutschlands. Daraus folgt, daß es niemals„R e g i e r u n g s o r g a n" sein kann, es fei denn, daß die Sozialdemokratie allein regierte. Insbe- sondere kann der„Vorwärts" nicht Organ einer Regierung sein, die von bürgerlichen Parteien mitgebildet wird oder die von der Sozialdemokratie gar nur„toleriert" wird. 2. Dem Reichspressechef steht ein Einfluß auf die Haltung des„Vorwärts" nicht zu. Welcher Partei sich dieser Beamte der Reichsregierung zurechnet, ist in dieser Be- ziehung vollkommen gleichgültig. 3. Der„Vorwärts" hält es sür seine Pflicht, in der Außenpolitik die Interessen des deutschen Voltes zu vertreten. Für die Art und Weise, in der er das tut, sind jedoch nicht die Wünsche der Regierung maßgebend, sondern die Grundsätze der Sozialdemokratischen Partei. 4. Den Grundsätzen der Sozialdemokratischen Partei cnt- sprechend, bekämpft der„Vorwärts" jede Unterdrückungs- Politik. Er wird darum nicht aufhören, den Faschismus als einen Todfeind zu bekämpfen und den Freiheits- kämpf Italiens gegen seine Unterdrücker mit allen Kräften zu unterstützen. Harzer Angst vor Neuwahl. In Oanzig, wo sie regieren. Danzig, 5. Januar. Der Volkstog lehnte das Volksbegehren auf Auflösung des Volkstages mü 43 Stimmen der Regierungsparteien(Deutfchnatio- lulle, Zentrum, Block der Nationalen Sammlung und National- soztalisten) gegen 25 Stimmen der Linksparteien ab. Es wird nunmehr ein Volksentscheid erfolgen. Der Reichskommissar für prelvübenvachuno befaßt sich jetzt unter anderem mü den Preisen sür Milch, für Benzin und für Schuhreparaturen. Die Brotpreije sind überall herabgesetzt, im Weste» um 8 bis 9 M Polizeioffiziere undMinisterium Auch die Offiziersvereinigung treu zur Verfassung. Der Amtliche Preußische Pressedienst teilt mit: Der Vorsitzende der Bereinigung der Polizeioffiziere Preußens. Polizeioberst a. D. D ill e n b u rg e r. hat am 5. Januar 1932 dem preußischen Minister des Innern ein« schriftliche Erklärung überreicht, in der es heißt: „Die Vereinigung bedauert die von ihr nicht beabsichtigte und nicht veranlaßte P r e f s e o e r ö f f e n t l i ch u n g der am 9. De- zember vorzutragenden Stellungnahme zum Fall Levit, da hier- durch der Eindruck einer Mißtrauenskundgebung gegen den Herrn Minister erweckt worden ist. Solches Mißtrauens- oder Vertrauens- votum gegen einen Ressortches auszusprechen, ist aber ein Verband gar nicht bevollmächtigt. Vielmehr ist solches Votum nur eine Waffe im parlamentarischen Kampf. Ebensowenig ist ein Verband befugt, in den Dienstbetrieb einzugreifen. Solcher Eingriff ist auch von der Vereinigung der Polizeioffizicre Preußens mit ihrer Stellungnahme nicht beabsichtigt gewesen. Es sollte vielmehr münd- lich die Auffassung der Vereinigung zum Fall Levit vorgetragen werden. Um ober in Zukunft ähnlichen Mißdeutungen oder un- erwünschten Prcsseveröffentlichungen vorzubeugen, wird die Der- einigung gegebenenfalls keine derartig scharf pointierten Aeuße- rungen mehr schriftlich festlegen, sondern die betreffende Angelegen- l?cit durch mündlichen Vortrag erledigen. Die von einem Teil der Presse oder anderen Organisationen aus oben erwähnter Stellung- nähme herauskonstruierten Zweifel in die Verfassungstreue der Polizeioffiziere entbehren jeder, auch der schwächsten Grundlage. Die Vereinigung hat das stets offen betonte Ziel, für engsten Zusammenhalt und unbedingte Manneszucht innerhalb der Schutzpolizei zu arbeiten und einzutreten für strengste I n n e- Haltung der Verfassung, und sie wird darin ihrem Res- sortchef die unbedingte Gefolgschaft leisten, ebenso wie zur Aufrechterhaltung der verfassungsmäßigen Staats form." Daraufhin hat der preußische Minister des Innern die gegen die Vereinigung der Polizeioffiziere Preußens getroffenen Maß. nahmen aufgehoben. Die Wasserstraßen. Treviranus vor den Ländervertretern. Bor einer Ländcrkonferenz besprach am Mittwoch der Reichs- verkehrsminrstcr Treviranus die Frage der Vcrrcichlichung der Wo sser strotzen Verwaltung und die Schwierigkeiten die in der Praxis sich herausgestellt haben. Er führte unter anderem aus, der Uebergang der Wasserstraßen in die Verwaltung des Reiches gehe cnss eine Anregung Preußens zurück. Die Reichs wass erstraßenver waltung bedeutete den Abschluß de? von Preußen seü Jahrzehnten systematisch verfolgten Zusammenfassung der staatlichen Pflege an den großen Vorflutern. Grundsätzlich war diese Notwendigkeit schon durch das Schiffahrtsabgabengesetz von 1911 anerkannt. Die von der Verfassung von 1919 a n- geordnete Ue bernahme der Wasserstraßen auf das Reich wurde durch Staatsvertrag vom 29. Juli 1921 tatsächlich durchgeführt: seitdem.trägt das Reich die verfassungsmäßige Verantwortung für die Wasserftraßenoerwallung und auch die gesamten Kosten. Wegen der bekannten Differenz über das von den Ländern in Anspruch genommene Mübestinunungsrecht einigten sich Rc-ch und Länder damals darauf, die sachliche Zentralleitung des Rcichsverkehrsministsriums sofort einzurichten, es aber für eine kurze Uebergangszeü bei der bisherigen Verwaltung durch Mittel- und Unterbehördcn der Länder zu belassen. 1925 bestätigte der Spruch des Staatsgerichtshofes die selbständige Organisationsbcfugnis des Reiches. Die daraufhin am 16. November 1926 erneut an die Länder gerichtete Bitte um Mitarbeit an der endgültigen Ordnung der Verwaltung führte zu keinem Fortschritt. Die Länder wiesen die Entscheidung des „Ob" der selbständigen Reichswasserstrahcnvcrwalwng der Reichs- rcgierung zu. Treviranus unterbreitete den Läichcrvertretern dann den Gesetz- entwurf, den die Reichsregierung für die Uebernahme der Der- waltung ausgearbeitet hat. Die B-sprechung führte im Anschluß an die Rede des Ministers zu einer ausführlichen Aussprache. Namens der deutschen Wasser- straßenländer gab der preußische Staatssekretär Krüger die Er- klärung ab. daß auch die Länder den Wunsch hätten, in der Ver- waltung der Wasserstraßen jede mögliche Ersparnis machen zu helfen. Es sei aber zu befürchten, daß durch die geplante Neurege- lung im Gesanühaushalt von Reich und Ländern keine Ersparnisse, sondern Mehraufwendungen entständen, Mit Ausnahme der Hanse- slädte hätten alle Länder gegen die Pläne des Reichsoerkehrs- Ministers das Bedenken, daß sie eine organische Reichsver- waltungsreform gefährdeten, well sie wieder eine Reichsfondsrverwalwng schaffen wallten, die aus dem Zusammen- hang mit der allgemeinen Verwaltung gerissen werde. Der homburgische Staatsrat Krönig erklärte, daß die 5lonse- städte das Recht des Reichs auf einen reichscigenen Unterbau in der Wafstrstraßenoerwaltung anerkannten, ohne allen Einzelheiten der Vorschläge zuzustimmen. Bankier Oustrlc ist am Dienstag vom Pariser Strafgericht In einem der gegen ihn«ingelelleten Prozesse zu 1% Jahren Gefängnis und 5000 Franken Geldstrafe verurteilt worden. Er hatte 70 000 Aktien der französischen Schuhgesellschaft, die seiner Bank zur Aufbewahrung anoertrant waren, zu Eeschäftszwecke» verwandt. Der Direktor der Schuhgesellschaft, der mü Oustric unter einer Decke steckte, wurde zu einem Lahr Gefängnis nnd 3000 Franken Geldstrafe verurteilt. „Tageblatt" gegen„Volkszeitung".' Kein Wort an dem ganzen(Schwindel wahr! Unter der Ueberschrist„Klare Linien!" polemisiert dos „Berliner Tageblatt" gegen gewisse Geschichtcnträger, die von einer angeblich bevorstehenden Unterredung Groener- Hitler und einer in Bildung begriffenen„Einheitsfront mit Hitler" zu erzählen wußten. Jene Unterredung fei gor nicht vorgesehen, und olle an sie geknüpften Mutmaßungen zer- sielen daher in nichts. Vollkommen zutreffend stellt das Blatt fest, daß das ganze Gerede über eine„Einheitsfront" für die Reparationsfragc Unsinn ist: Für die rein negative Feststellung der Unmöglichkeit der Zahlungen bedarf es gar nicht der Herstellung einer besonderen Ein. hcirsfront: sie ist von selbst vorhanden: sie würde außerdem nicht bei den Sozialdemokraten aushören, sondern auch die Kommu- nisten umschließen. Sobald es sich aber darum handeln wird, positiv die Art des Vorgehens zu bestimmen, würde sich diese Linie sofort auflösen. So wünschenswert es für die Rc- gicrung wäre, bei den außenpolitischen Verhandlungen eine möglichst große Mehrheit hinter sich zu haben— mit der bloßen Kulisie wäre ihr nicht im geringsten gedient. Was das„Berliner Tageblatt" begreiflicherweise nicht sagt, das ist, daß sich seine Polemil gegen die„Berliner Volkszeitung" richtet, die mit ihm im gleichen Berlage erscheint. Den neuen Herren der„Berliner Volkszeitung" ist kein Gerücht zu dumm, wenn es ihnen nur geeignet zu sein scheint, gegen die Sozialdemokratie Stimmung zu machen. Zwischendurch aber laufen sie zu den„Prominenten" der Partei und erbitten— im Bcrtrauen darauf, daß der ver- änderte Charakter des Blattes noch nicht genügend bekannt ist— Beiträge von ihnen. Diese ebenso neuen wie eigenartigen Methoden mögen für geschäftlich vorteilhaft gehalten werden, daß sie politisch enormen Schaden anrichten, bedarf keines Nachweises. Wir haben darum für den Ruf des„Berliner Tageblatt" nach klaren Linien volles Verständnis. Braunschweiger Koalittonskrach. (Sturz des Staatsbankpräsidenten? Vraimschwdg. 5. Januar.(Eigenbericht.) Die Fraktion bürgerliche Einheitsliste wendet sich in einer scharf gehaltenen Erklärung gegen die national- sozialistische Fraktion des Braunschwcigische» Landtags, in der sie sich gegen das Verlangen wehrt, ihr Mitglied den Ministerialrat Marguordt, aus dem Hauptausschuß zurückzuziehen. In der Erklärung heißt es wörtlich: ..Wir haben nicht die geringste Veranlassung, Herrn Mar- quordt ans dem Hanplausschuß zurückzuziehen. Vorschriften oder Ratschläge darüber seitens der vatioualsoziallfiischea Landtags- fraMou lehnen wir ab. besonders, wenn diese es für zuläflig und mit dem Gedanken einer Laalilloa vereinbar hält, mit einer Erörterung dieser Dinge in die Oeffenlllchkeit zu gehen, ohne uns vorher verständigt zu haben." Die nationalsozialistische Fraktion erwidert darauf: „Irgendwelche vorwürfe gegen den Fmaazminister Küchen- khal sind in Sachen Stubben von va» nicht gemacht worden. Richlsdesloweuiger müssen wir uns das Recht zu einer Kritik an ministeriellen Maßnahmen sederzeil vorbehalten, genau so. wie das z. L. auch seinerzeit von den Mitgliedern der bürgerlichen Einheitsliste unseren Ministern gegenüber geschehen ist." Es scheint �jetzt Tatsache zu werden, daß der Staatsbank« Präsident Stübben aus seinem Urlaub nicht mehr zu- rückkehren wird. Di« bürgerliche Einheitsliste merkt aber auch in diesem Falle, daß die Nationalsozialisten sehr unbequeme Äoaliüonssteunde sein können. KlaggeS hat genug«-gereinigt�. Gestern sit der letzte sozialdemokratische Referent aus dem braunschweigischen Siaatsministerium entfernt worden. Der Oberregicrungsrat Queck, Referent für das Berufsschul- wesen, ist als Gewerbeoberlehrer an die Berufsschule Braunschweig versetzt worden. Das braunschweigsiche Staatsministerium ist nun nollig sozialistenrein. Herr Klagges hat den ihm erteilten Auftrag der Marxistcnbekämpfung im Slaalsministerium also gut durch- geführt. Klemstaaten-Zdyll. Harzburg-Moskauer Gnheitsfronk. > Dessau, S. Januar.'(Eigenbericht.) Mitten in der Weltwirtschaftskrise und mitten in oem Kampf um die großen politischen Entscheidungen Deutschlands und der Welt wird von fcsurtdlichen Menschen für einige Erheiterung gc- sorgt. Die bürgerlichen Rechtsparteien in Anhalt, Ralionalsozi allsten, Deutichnotionalc, Volkspartei und Wirtjchasts- Partei, Halen, selbstverständlich verstärkt trnrch die Kommu- nisten, in der Dienstag-Sitzung des Anhaltischen Landtags 0 i e s ozialdemokratische— demokratische Regierung Deist-Weber gestürzt. Der Verlauf dieser Landtagssitzung zeigte wieder eimnal den Unfug des Länderparlamentarismus im grellsten Lichte Anhalt hat 350 000 Einwohner: das Ministerium hat in- folgedejsen nicht mehr Bedeutung als der Magistrat einer mittleren Großstadt. Roch lächerlicher aber als der Vorgang des Regie- rungeflurzes selbst ist der Grund, aus dem er geschah. Das Land Anholt letzt sich aus fünf Kreisen zusammen, von denen das Ministerium aus Gründen der Ersparnis, durch die Notverordnung des Reichspräsidenten ermächtigt, zwei Kreise zu einem zu« sammcngelcgl Hot. 2m Zuge der gleichen Derwaltungsmaß- »ahme hat das Ministerium verfügt, daß cht Sitz der Kreisdirektion der zusammengelegten Kreist Dessau und Käthen nach der größeren und für das betreffende Verwaltungsgelnet leichter er- reichbaren Stadt Dessau gelegt werde. Darüber empörten sich einige bürgerliche Kirehturmspolitiker und führten einen Mehrheit?- b-sichln ß des Landtags herbei, der sich gegen die Mahnahme der Regierung hinsichtlich der Vestiinmung des Kreisoorortes wandte. Die Regierung konnte selbstverständlich nichts anderes tun, als auf ihren, aus Gründen Oer Zweckmäßigkeit, erfolgten E n t s ch e i- düngen stehenbleiben. Aus diesem außerhalb Zlnhalts wahrscheinlich ganz unverständ» kichcn Anlaß stürzten die Rechtsparteien eine Regierung, deren s a ch- liche Arbeit und vorzügliche Ftnanzverwaltunz sie Jahr für Jahr dadurch anerkannt hatten, daß sie noch em- sprechenden Kompromißoerhandlungcn die Annahme des Haushalts- Plans immer miedet ermöglichten. Das einzig« überhaupt begreif- äche Motiv für die Rechtsparteien ist, wie der sozialdemokratische Nazi-Helden. Am Vormittag. Am Abend. Die Politik der starken Hand. Hunderte von Verhaftungen in Indien./ Gegenmaßnahmen der Kongreßpartei. London, 5. Zanuar.(Eigenberichi.) Das Geriichl, daß Truppen von England nach In- dien Zur Verstärkung der dor'igen englischen Slreiikräfie gesandt würden, wird vou ossiziellcr Seist d e m e n l i e r t. Es haben bereits hunderte von verhasluugcn in Indien stailgefunden. Der Kongreß stellt sich immer mehr auf den passiven Widerstand ein. Seit der Verhaftung Gandhis Hot der Kongreß nicht weniger als drei Präsidenten gehabt, die nacheinander verhaftet worden find. Es wurden SV so« genannter Krlegsräke gebildet, von denen einer dem an. deren folgen soll. Selbst wenn täglich ein ganzer solcher Kriegsra! verhaftet wird, würden diese Röst zwei Monate ausreichen. Der Kongreß will versuchen, die indischen Goldexporle nach Eugland. die in letzter Zeil sehr häufig gewesen find, zu unterbinden und das Gold, direkt nach Frankreich zu leiten. Die Sossenbcsländc des Kongresses sollen niedrig sein: um dos Risiko der veschlagnahwe mSglichfl zu verringern, werden die Geldvorräte ja eine Vielheit kleiacr Fonds aufgeteilt, wie sich die Lemühungea der Regierung, die Geld Zuwendungen an den Kongreß zu unter- binden, auswirken werden, läßt sich noch nicht übersehen. OemonstrationSmärsche britischen Militärs. Bombay, S. Januar. Das englische Militär in Indien.entwickelt angesichts der ge- spannten Lage eine lebhaft« Tätigkeit, um Ausschreitungen von vornherein zu verhindern. Das Flaggschiff„E f f i n g h a m" setzt« in Ehittagang eine Abteilung Matrosen und ein Schiffsgeschütz an Land. Es solgte ein Marsch durch die Straßen der Stadt, an dem auch Mannschaften der englisch-indischen Armee und Polizei teilnahmen. Ein schottisches Bataillon setzte sich am Dienstag- abend von Puna nach Scholapur in Marsch, um von dort aus einen großen Marsch durch die am dichtesten bevölkerten Gebiete auszuführen und die englische Flagge zu zeigen. Kinder als Streitpropagandisten vorgeschickt und verhastet. Eawnpur, 5. Januar. Die Polizei hat jede Ansammlung von sieben oder mehr Personen in den Straßen für drei Tage verboten. Jetzt machen Schulknaben den Versuch, in der Stadt zum Streik aufzurufen. Seit dem frühen Morgen durchziehen sie die Straßen und verkünden unter Trommelschlag den Streik, der eine Woche dauern soll. Sechs Kinder sind in Gewahrsam genommen worden. Wie erinnerlich, begannen die Unruhen vom letzten in Eawnpur ebenfalls mit Kundgebungen von Kindern. Scharfe Schüsse in Renares. Beaares. 5. Januar.(Reuter.) Di« Polizei versuchte vergeblich, Anhänger Gandhis auaein- anderzutreiben, die sich zu einer ungesetzlichen Lersamm- lung oereinigt hatten. Die Polizei wurde mit Steinen bc- warfen und mußte von der Schußwaffe Gebrauch machen. Die Verluste sind noch nicht bekannt, aber man glaubt, daß eine Persan getötet wurde. Die Bildung von Exekutivkomitees in verschiedenen Orgemi- sationen Oes Kongresses wurde aufgehoben. An Stelle des Exe- kutiokanntees wurden K ommisscrre bestellt. Fraktionsführer im Landtage feststellte, das feige Zurück- weichen der bürgerlichen Parteien vor den Nazis. Die drei kommunistischen Landtagsabgeordneten haben durch ihr Verhalten illustriert, wie der Kämpf ihrer Partei gegen den Faschismus in der Praxis aussieht. Arm in Arm mit der Harz- burger Front gegen die Sozialdemokratie! Die Neuwahl des Ministeriums sioll am Freitag, dem 8. Ja- nuar, erfolgen, sie wird indesien ergebnislos sein, da ja die bürgerlich-kommunistische Mehrheit zwar zum Sturze der sozial- demokratischen Regierung ausgereicht hat, aber aus ihrer Mitte natürlich keine neue bilden kann. Gttafanttag gegen Gollmann? Eine neue Finte der Hakenkreuzpreste. Das Blatt des„Reichspropagandachef»" der Nazipartei bringt wieder einmal eine„Sensation". Es wird behauptet, der Ad- geordnete Sollmann habe in Köln Angehörige der Hakenkreuz. Partei gegen Bezahlung zu Pflichtwidrigkeiten veranlaßt. Um der Sache einen wichtigen Anstrich zu geben, oeröffentlichl der„Angriff" gleich den Wortlaut eines Strafantrags, der angeblich gegen Sollmann gestellt worden ist. pazu veröffentlicht Genosse Soll mann folgende Erklärung: „Die nationalsozialistische Presie beschuldigt mich, minderjährige SA.- Leute..zun, Verbrechen" verleitet zu haben. Ferner teilt der nanonalsozialistische Reichstagsabgeordnete Dr. Ley mit. er habe be, der Staatsanwaltschaft in Köln Anzeige gegen mich erstattet, weil ich irgciütcincn jungen SA.-Mann zu irgend etwas„auf- gemimtert" haben soll oder„aufmuntern" haben lasien sollen. Dazu erkläre ich: Nicht nur in einem Falle, sondern tn mehreren Fällen haben mir Mitglieder der nationalsozialistischen SA aus verschiedenen Orten freiwillig beachtliches Material überbracht Ich habe das Material in meiner Eigenschaft al» Abgeordneter ent- gegengenommen und sofort pflichtgemäß an amtliche Stellen weitergegeben, denen die Sorge für die Sicherheit des Staates obliegt."._ Oer Naziverrai an Südttrol. Kranzmederlezung am italienischen Trutzdenkmal. In der urdeutschen- Stadt Bozen hat man, so recht zum 5)ohn für die Südtiroler Muß>2taliener. ein italienisches„Siegesdenk- mal" errichtet, an dem stets Gendarmen Wache halstn. Reichs- deutsche Hitlerianer haben jüngst an diesem antideutschen Freund- schaftszeichen«inen Huldigungskranz niedergelegt. In Innsbruck hat diese Nachricht große Erbitterung hervor- gerufen. Die Innsbrucker Nazis suchten zuerst, die Sache rundweg abzuleugnen, doch half es ihnen nichts. Zeugen aus Inns- brück und aus Bozen bestätigen, daß am S. Dezember 1331 drei reichsdeulfche Rationalsozialisten in voller Parteiuaiform in Anwesenheit mehrerer faschistischer Milizler den Kranz am italienischen„Siegesdenkmal", das an Stelle de» geplanten Saiserjägerdenkmals errichtet worden ist, niedergelegt haben. Als sie sahen, daß es mit dem Ableugnen nicht ging, wandten sich die Jnnsbrucker Nazis an Hitler mit dem Ersuchen, eine Erklärung abgeben zu dürfen, daß für sie Südtirol eine„heilige Angelegenheit" sei, auf die sie als Oesterreicher nicht ver- zichten könnten. Hitler verbot die Abgabe dieser Erklärung und drohte mit der Auflösung der Jnnsbrucker Ortsgruppe. Die Nazis bleiben mit der Schande des national- sozialistischen Verrates an den Südtiroler Volks- genossen beladen. Völkerbund und Mandschureikrieg. - sRaisfitzung am 25. Iarmar. Genf, 5. Januar.(Eigenbericht.) lieber den chinesischen Antrag auf sofortige Einberufung des Volkerbundsrates hat Briand eine Rundfrage bei den Rats- Mitgliedern eingeleitet, ob dem Antrage stattgegeben werden soll. Im Sekretariat hält man die frühere Einberufung für wenig wahrscheinlich, da der Rot ohnedies am??. Januar zu- sammentritt und der mandschurisch« Konflikt auf der Tages- ordnung steht. Die japanische Regierung hat der USA.-Regierung ihre formell« Entschuldigung wegen des Angriffs auf den amerikanischen Konsul für Eharbin in Mulden ausgesprochen, den angeblich schuldigen Dolmetscher entlassen und die Bc- strasung der Prügclhelden in Erwägung gezogen. Offiziös wird aus Washington weiter gemeldet: Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika hat noch nicht endgültig die japanischen Entschuldigungen wegen der Borfälle in Eharbin an- genommen, Heute, Mittwoch,«Ben 6. Januar, in den SephlensWen, Soohlenstr. 17-18 Funktionär-Konferenz der SPD.-Betriebsvertrauensleute Genosse Dr. RudelfHIlfferGing spricht über:„Die wirtschaRliche und politische Lage'*. Zutritt nur mit Parteimitgliedsbuch und Funktionärkarte. Die Funktionärkarte für 1931 berechtigt zum Eintritt. Das BetrieDssekretarSat. Das feuere Deutschland. Dillige Lebensmittel werden ferngehalten. Tcit m«hr als fünf Iahvcn schweben die deutsch-polnischen Handelsoertrogsbe sprechungen. Der natürliche Ausgleich polnischer Lebensmittel und deutscher Industriewaren wird durch Sie hohen Zollnwucrn stark gehindert, neuerdings durch die polnischen Ein- fuhrverbote besonders erschwert, während die deutschen Einfuhr- verböte und Hochschutzzölle den polnischen Uebersluß an Agrar- Produkten nicht aus den nachbarlichen deutschen ivlarkt gelangen lassen. Um wieviel billiger die Lebensmittel in Polen als in Peutschlond sind, ersehe man aus folgender Liste von Posener Marktpreisen in der Weihnachtszeit, also unter den verteuernden Momenten der Großstadt und des Festes. Es kosteten vor knapp zwei Wochen nach deutschem Gelde in der Stadt Posen: Kalbfleisch........... Pfund 0,30 M. «Schweinefleisch......,,.» 0,35 Rindfleisch...........„ 0,25— 0,30„ Schinkenwurst...-...,„ 0,90. Gekochter Schinken» l,—„ Butter.............» 1,10 v Kartoffeln. 0,01, Hase gestreift Stück 2,30, Gans............. m 3,-- 4,—, Fasan............... 1,20— 1,50, großes Huhn..........„ 1.— Die Einfuhr dieser Lebensmittel ist größtenteils verboten, also auch zu den höchsten Zollsätzen nicht erlaubt. Würde der vom polnischen Parlament be r e i t s ratifizierte Handelsvertrag endlich in Kraft treten, so sielen nicht nur diese Hindernisse einer billigeren Versorgung der not- leidenden deutschen Verbraucher massen fort, sondern auch die Erschwerungen � für die Einsuhr deutscher In- dustriewaren und Maschinen nach Polen. Gerade jetzt gibt die polnische Regierung bekannt, daß ein eingehendes Programm für die Arbeiten zur Trockenlegung der ausgedehnten Sümpfe von Polesien(Ostpolen) aufgestellt worden ist und daß die wissenschaftliche Vorbereitung dieses Werkes im Frühjahr soweit abgeschlossen sei, daß dann die eigentlichen technischen Ar- beiten beginnen können. Es ist gar kein Zweifel, daß bei gercgel- ten und freundschaftlichen Wirtschaftsbeziehungen der beiden Nach- barländer, die eine 1000 Kilometer lange Grenze gemein haben, deutsche Wissenschaftler, Techniker, Arbeiter und Maschinen an diesem großen Werk«inen hervorragenden Anteil erlangen würden. In dem industriercichcn Deutschland begründet man die Sperr- maßnahmen gegen ausländische Lebensmitteleinfuhr immer mit der Notlage der deutschen Landwirtschaft. Dabei ist genugsam bekannt, daß ein gewaltiger Teil der deutschen Landwirte nicht nur seinen eigenen Bedarf nicht decken kann, sondern Lebens- mittel aller Art dazu kaufen muß, also an hohen Lebensmittel- preisen ebensowenig interessiert ist wie die übergroße Mehrheit des deutschen Volkes, die von gewerblicher Arbeit, als Angestellte oder von der Arbeitslosenversicherung, der Krisenfür- sorge oder gar der Wahlfohrtsunterstützung lebt. William Graham, der ehemalige Handelsmimster der Labour- regierung, ist an beidersettiger Lungenentzündung erkrankt. Die heilsame Wahlniederlage. Labour Party sammelt ihre Kräfte. London, 5. Januar.(Eigenbericht.) 5Hcht weniger als fünf ehemalige Lobourminister. die in der letzten Nummer der englischen politischen Vierteljahres- hefte Artikel veröffenllichen, erklären übereinstimmend, daß der C h o k, den die Labour Parti) bei den letzten Generalwahlen er- litten hat, ihr gut getan habe. Auch der„Daily Herald" be- kennt sich zu dieser Anschauung. Die Partei sucht jetzt, durch Er- fahrungen gewitzigt, ihre Kräfte zu sammeln. Die im ganzen Lande geführte Kampagne zur Gewinnung neuer einge- tragener und beitragszahlendcr MUglieder macht gute Fortschritte. Nun braucht man noch, wie der„Daily Herald" sagt, ein klares, konstruktives Programm, damit die Labour Party berett sei, wenn die Stunde schlägt. Die englische Admiralikäl dementiert die Mittellungen des „Daily Telegraph", daß England gewisse weitgehend« Seeab- rüstungsvorschläge plane, als unautorisiert und unrichtig. (Gewerkschaftliches siehe 2. Beilage.) VerantwerMch kür Politik: Victor Schill: Wirtlchak:».«lmaellioscr: Ecwcrlsitxlbsbeweauno: I. Stci-cr; geuilloto»: Dr. Jod» Sckilowst!: Lotaics und Sonstigeo: Fri» Narftädt: Anzcigc»: Th. Glocke: himtlich in Berlin. Berlaq: Borwärts-Pcrloa S. m b. ö.. Berlin. Druck: Borwärtz-Buchdruckerei und BcrlagsanstaU Paul Einacr u. Co.. Verl in SW. 68, Liudengrabe 3. Hierzu 2 Beilagen. Verkaut soweit Vorrat Riesen mengen Tnsclieiitiiclier r. T. mit kleinen Schönheitsfehlern oder leicht augesta-uht. Einige Beispiele: Taschentücher t Damen, weiss, mit färb. Häkelbante � � und farbigem Hohlsaum. Ca T Ca Damen, 0,38 früher Stück bis 0,18, jetzt Taschentücher l Beinicinrn, ca. 36 cm gross, früher Stück bis 0,80, ietxt Taschentücher t B.n». mit Hohlsaum und tarbiu eingewebt«! 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Fc��vere Opfer in den gefährdeten Gegenden. Aach frfti refjfcn Meldungen übet den DJaffctflanb des Rheins nnb seiner Aebcnflüsse kann angenommen iverden, dag h o ch- massergesahr nicht besteht, von den obersten Oberrhein- stalionen wird bereits wieder ein Aallen des Wassers gemeldet. Die Alulwelle des gestern aufgetretenen Hochwassers am Oberrhein und der Robenslüssc Main. L ahn und Mosel scheint sich schnell zu verlieren, ohne dafz für den Mittel, und Riederrhein ernstere ve- furchtungen zu hegen sind. Auch aus Sachsen kommen einige er- frrulichc Aachrichten. Das Hochwasser der Chemnitz geht langsam znrütk. Die Mulde ist seit gestern um einen Meter gesallen. Zn der Stadt Aue ist das Wasser in das Aluhbctt zuriirk getreten. Das Schwarzwasser hat stellenweise Steine von über einem Zentner Schwere fortgespült. Hingegen ist der Elbpegel bei Schandau um vi Meter gestiegen. Da aus Böhmen bereits sehr s« a r k e s Hochwasser gemeldet wurde, hat man für die Elbe in Sachsen alle hochwasservorbercitungen getrossen. Aus Wien wird gemeldet. dag die Donau vom Montag aus Dienstag um vier Meter gestiegen ist. Die schlimmsten Verwüstungen der deutschen hochwasserkata- slrophcn sind ossenbar im Rheingebiet bei Sehl angerichtet worden. Durch Bruch des Dammes des Kinzing-Alützchens wurde das Z000 Einwohner zählende Dorf Auenheim vollkommen unter Wasser gesetzt. Mit vereinten Kräften war die Bevölkerung bemüht, zahlreiche bedrohte Häuser vor dem Einsturz zu retten. Besonders schwer wütete das Hochwasser auch auf der t s ch e- chischen Seite des Erzgebirges. In Sangcrberg bei Marienbad brach der Deich: das hochwasier drang in zahlreiche Häuser ein: 30 Familien wurden obdaäzlos. Auf der sächsischen Seite des Erzgebirges scheint indes die größte Gefahr gc- bannt zu sein. herrnskretschen in Sachsen stürzte ein S ch i s f s st e u e r- mann in den hochgehenden Kamnitzbach und ertrank.-Seme Leiche konnte bisher nicht gesunden werden. Das Hochwasser der Mulde. Eilenburg, 5. Samiar. Das Hochwasser überraschte hier die Bewohner des Schützen- Hauses, die mit Kühnen in Sicherheit gebracht iverden muhten. Die Deutsche Zelluloid-Fabrik und die Kattun- M a n u- f a k r u r muhten die ganze Beiegschast wieder heimschicken, well wegen der tlederschwermmnig nicht gearbeitet werden kann. Die Feuerwehr legt einen Notdamm an, um die Hintere Stadt gegen das Wasser zu schützen, denn an einigen Stellen steht das'Wasser schon bis an die D a in n> k r o n e, so daß joden Augenblick mit einer Ueberslutung gerechnet werden muh. Ilcberslutet sind auch die Darier Kollau und Ä an itz sowie Teile des Dorfes Groitzsch. Auch in dem höher gelegenen W e d c l w i tz steht das Wasser bereits in den tieter gelegenen Häusern. Hochwassergefahr auch in Polen. Warschau, Z. Januar. Iii den letzten Tagen sind einige Flüsse, insbesondere Bug uitd Narew aus den Uiern getreten, so daß ganze Ortschaften von ihren Einwohnern geräumt werden muhten. Der Emtritt voi, neuem Frost hat die weitere Ausdehnung der lieber- fchwemmunz zunächst ausgehalten, doch haben sich giohe Eis- stau'tingen gebildet, und man befürchtet, daß bei neuem Tauwertcr verschiedene Deiche durchbrechen werden. Wassertaiastrophe im Harz. Viele Vrticken weggeschwemmt.- Ein Todesopfer. Goslar, 5. Januar. Das Hochwasser des Emmbaches hat viele Brücken fort- geschwemmt. Der Schaden an den Grundstücken ist noch nicht zu übersehen. Der reißende Bach brachte Holz, Tannen mit Wurzeln und Zweigen zu Tal. Der Bahnoerkehr nach Goslar ist, da die Schutzmauer des Bahnkörpers bedroht wird, sehr erichmort. Ein Mühl ent» e sitz e r ertrank in den Fluten, da die Brücke, am der er mit mehreren Personen stand, von den, Strom sortgerisscn wurde. Die übrigen Personen konnten sich retten. Der Lerbach bildet am Unlerdvrs bei Wrldenrann einen großen See. In G o s l a r srch't haben die Greiiwerkc schwer unter dem.Hochwasser der Gase zu leide». Das Mauerwerk der Fabrik mnhle mit Sandsäcken geschützt werdciz. Teilweise sind die Backstcinnwucrn unterwaschen. Zwei weitere Todesopfer. Die Weser ist infolge der Selzneeschinelze über die User getreten und hat die Niederung kilometerweit überschwemmt. Bad Eilsen steht unter Wasser. Im Dorfe Huntinuthsächsen wurde ein Knabe von den hochgehenden Füllen fort gerissen und crtranl. In Das geliebte Auto. (Selbst ein Krüppel wird an ihm zum Dieb. Regelmäßig konnte man vor einem großen Hotel einen Krüppel betteln sehen. Einst war er Chaufseur. Bei einem Autounfall hatte er seine beiden Beine«ingebüßt. Seitdem er- hielt er«ine Rente, rutschte auf den Knien und legte sich aufs Betteln. SPer gibt nicht eineni armen Krüppel ein Almosen, insbesondere einem armen..Kriegskrüppel"! Das Geschäft ging gut und es fehlte nicht an Geld für Alkohol. Schnappte ihn einmal die Polizei und kam er wegen Bettelei vor den Richter, so saß er seine Strake ab und bettelte»eiler. Die Wohlfahrt ließ ihm Prothesen her- stellen. Was sollte er damit? Sich etwa das Geschäft verderben? Er lieh sie zu Hause rosten, rutschte nach wie vor ans seinen Knien und bettelte als Krüppel vor dem großen Hotel. Eine heimliche Leidenschaft ersüllte aber immer noch das Herz des arm«n Krüppels— denn ein armer Krüppel war er, trotz der kräftigen Arme, trotz der Protheien und trotz des blühenden Bettelgejchästs—, die Leidenschast zun, Auto, das er einst fuhr und von dein er dann zum Krüppel gefahren wurde. Und eines Tages kurbelte er vor dem Hotel, vor dein er sonst bettelte, mit einem Anlasser ein hochhcrrschaitliches Auto an, setzte sich an das Steuer und fuhr los— ganz wie einst. Er kam nicht weit. Biel- leicht war er schon aus der Uebung gekommen, vielleicht war es die Aufregung der Fahrt. 2ln der Eharlottenstrahe stieß er mit einem anderen Auto zusammen. Also stand er vor Gericht wegen A u t o d i e b st a h l s. Woher er den Anlasser gehabt habe? Er habe ihn gesunden. Was er mit dein Auto wollte? Was iä) wollte? spazieren fahren wollte ich. Ob es denn gestattei sei, mit fremden Autos davonzufahren? Ich bin gar nicht mit fremden Autos do- vongesahren. Der Chauffeur hat mich ausgeiordert. Es sei ja, gar kein Chauffeur im Auto gesessen. Natürlich ist einer dagewcscr,. Wo er denn geblieben sei. Ausgestiegen ist er und da ist er geblieben... Der Lorsitzende versucht immer wieder, mit dem Krüppel freundlich zu verhandeln, redet ihm gut zu, bekommt aber dreiste Antworten. Der Staarsanivolt beantragt drei Monate Gefängnis. Was er dazu zu sagen habe, kragte der Richter. Was soll ich sagen? Sehr gut! Wenigstens salle ich nicht der Wohliasin zur Last. Das Gerillü verurteilt den Krüppel ZU sechs Wochen Gefängnis. Danke schön, sagt der Mann, setzt seine Mütze am und rutscht aus dem Gerichtssaal. prüft eure neue Meie! In Zweifelsfä'llen an Stadtamt für Wohnungswesen wenden Der Städtische Aachrichtendienst keilt mit: Die ans Grund der§§ 10 und 14 der Prengischen Verordnung über die ZUietsenlung vom 21. Dezember 1931 zu stellenden Anträge auf A a ch p r ü s u n g der von dem Vermieter vorgenommenen Er- Mäßigung des Mietzinses sowie aus Aachprüfung der Miet- angteichung bei gemeinnützigen Wohnungsunternehmcn sind z» richten an den Oberbürgermeister lStadtawl für Siedlungs- und Wohnungswesen), Berlin E. 2. Zur die Entscheidung werden, abgesehen von den baren Auslagen, Gebühren von 2 bis 1» Mark für jedes Mietverhällnis erhoben. Llmbau der Wannseebahn beginnt! Jetzt Baubeginn am Bahnhof Ebersstroße. Für die Elektrifizierung der Wannsecbah», einem der be- deuiendsten Lauvvrhaben in der Reichshauptstodt, sind die Bor- arbeiten in vollem Gange. Zunächst wird in den nächsten Tagen mit den ersten Arbeiten am neuen Bahnhof Ebcrsstraße b e- gönnen werden, auf dessen Anlage bereits bei der im letzten Jahre durchgeführten Verbreiterung der Unterführung des Sachsen- dammes Rücksicht genommen wurde. Der neue Bahnhos, der ähu> lich dem Bahnhos Ausstellung(Westkreuz) errichtet wird, erhält olle modernen Verkehrseinrichtungen, wie moderne Schalteranlagen, de- queme Bahnsteige mit Rolltreppe für den llebergang vom Ringbahnsteig zum darunter liegenden Wannseebahnsteig usw. Der neue Bahnhos wird der heutigen Zeit entsprechend in einfacher, aber zweckniäßiger Ausführung errichtet, Eine Geldschrankknackerkolonne drang in der vergangenen Nacht in das C h e m i f ch- t e ch n i s ch e R e i ch s a ni t an der Hinkeldey- Brückc«in. Die Täter erbrachen die Büroräume, knabberten einen Geldschrank ans und raubten eine Summe von ZöOOM. Es gelang ihnen, mit ihrer Beute zu entkommen. (Schluß,) „Wenn eine Arbeiterin einen Augenblick anhält, dann stockt der ganze Betrieb", sagte Reiner.„Alles ist hier auf das genaueste berechnet und eingeteilt. Innerhalb einer ganz bestimmten Zeit mich die Hand gehoben und gesenkt werden, damit sich die Bewegungen dem Arbeitsgang einsägen." „Und so geht das täglich hier?" sragte Germaine.„Ja, Fräulein Lariat, so geht das Tag um Tag, Woche um Woche, Monat um Monat." „Diese Arbeit kann aber dach keine Befriedigung geben? Diese Menschen erfüllen ja die Ausgaben van Maschinen— ja, sie kommen mir selbst wie Maschinen vor. Der einzige Vorteil dieser Arbeitsweise scheint mir nur der zu sein, dag die Frauen wenigstens körperlich entlastet sind." „Befriedigung bietet diese Arbeit gerade für die inielli- qentcren bestimmt nickt. Aber was wollen Sie— die meisten sind froh, überhaupt Arbeit zu bekommen. Und die körper- liche Entlastung— ja. das ist tatsächlich eine Verbesserung, die teilweise auf das Konto der Raiionaljsierung zu fetzen ist. Sie»erden das auch in anderen Betrieben noch sehen. In der Metollindustrie ,zum Beispiel. Wenn Sie den Motor- schraubenzieher mit dem unhandlichen, schwer zu bedienenden Handschraubcnzicher vergleichen oder wenn Sie die modernen Erhauster, die Ansauger sehen, die den Schle,zstanb ansauge». der sich früher in die Lunge der Arbeiterin einfrag, sa sind das alles Verbesserungen, die wir der lorischreit-nden tech- Nischen Entwicklung verdanken. Aber der Preis, der da,ur bezahlt werden muß. ist teuer. Denn kein lebendiger Mensch erträgt diese mechanische Arbeit aus die Dauer, ahne seelischen Schaden zu nehmen, wenn nicht durch entsprechende Pausen und durch genügend Freizeit ein Gegengewicht geiazassen wird. Aber die meisten Unternehmen stehen leider au) dem Standpunkt, keine Gehirne, sondern einfach.Hönde gckau,t Zu haben.".,». ,... „Und wieviel Frauen sind heute in der Industrie beschäftigt?" sragte Gerrnainc. „Es mögen etwa drei Millionen sein. Davon hat nahezu eine halbe Million daheim noch Haushalt, Mann und Kinder zu versorgen." „Es muß eine große Lebensaufgabe sein, sich mit aller Kraft für eine Verbesserung der Lage des Arbeiters einzii- setzen", sagte Gcrmoine.„Hier mitarbeiten zu können, mit» Kchelfrn� daß diese blasien Frauen in hellen, freundlichen Wohnungen leben können, daß ihre Kinder Raum und Lust und Sonne haben--" Sie brach ab. Reiner erwiderte nichts. Schweigsam gingen sie neben- einander zu einem der großen Ausgangstore der Fabrik. ,Vch möchte gern noch einmal mit Ihnen zu unseren Havelseen fahren", sagte Reiner unvermittelt.„Nächste Woche find Sie doch wohl weit weg--" Germain« nickte. Bon der Endstation wanderten sie durch eine neue Sied- lung, die in Föhrenwald überging. Auf dein braunen Wald- baden hatten sich Moos und Pilze angesiedelt. Manchmal lag ein mattgoldener Sonnenstrahl quer über dem schmalen Fußweg. Dann öffnete sich eine breite Straße. Uralte Eichen und Buchen, schimmernde Birkenstömmc standen am Wegrand. Und wieder folgte märkischer Wald aus dürftigem Sandboden. In der Ferne eine kleine Lichtung und dahinter eine blaue, weite Wasserfläche. „Diese Landschaft in ihren einfockzen Linien, in ihrer Schlichtheit und Ruhe wirkt stark auf mich", sagte Germaine. „Hier kann man ausruhen und vergessen.' Ich fahre diesmal so schwer in meine Heimat zurück, wie noch niemals. Die Erinnerung an alles das, was unwiederbringlich dahin ist, erdrückt mich und ich fürchte mich, in die Oede zurückzufahren, die ich daheim antreffe." Reiner legte die Hand über die Augen, um die grellen Sonnenstrahlen abzublenden, die auf dem bewegten Wasser zitterten. „Ihre Warte erschweren und erleichtern nur das, was ich selbst vor Ihrer Abreise Ihnen sagen ivalltf. Sie erschweren es mir, weil Sic noch viel zu stark unter dem Ein- druck der letzten Monate stehen, die Ihnen auch noch Ihren Bruder genommen haben. Sie stehen jetzt an einein seelischen Tiefpunkt— und gerade das möchte ich nicht ausnützen. Und doch drängt es mich, ganz offen zn Ihnen zu fein. Ich kann Ihnen nichts bieten an materiellen Gütern— aber Sie würden an meiner Seite immer innerlich frei und unabhängig sein, nur sich selbst verantwortlich, wie bisher. Denn ich be- trachte die Ehe nicht als ein Sichbesitzen, sondern als einen freiwilligen Austausch, als ein gemeinsames Schreiten zweier Menschen, die schon vorher selbständig gehen gelernt haben. Aber davon will ich jetzt nicht sprechen, denn die Entscheidung über die Form eines Zusammenlebens liegt ganz in Ihrer Hand, muß in der Hand der Frau liegen, denn sie ist die vom Gesetz auch heute noch Benachteiligte. Aber Sie könnten auch ohne diese Form bei uns wohnen wie bisher, und alles könnte sein, wie es immer zwischen uns war, Germame!" „Wir haben uns zweimal von einander getrennt", sagte Germaine.„Es ist beide Male so gewesen, als ob gcwalt- sam etwas von mir selbst losgerissen wurde. Ja, ich würde gern bicr bleiben. Aber ich weiß nicht, ob ich es aushalten kann, so ganz ohne eine befriedigende Tätigkeit zu sein. In meinem Beruf ist manches Kleinliche, Schematische— aber trotzdem liebe ich diesen lebendigen Austausch mit den heran- , wachsenden jungen Menschen— man kann da manches an- regen, manche Vorurteile, die das Eiternhaus eingepflanzt hat, beiseite räumen." „Rein, ahne geistige Tätigkeit könnten Sie nicht sein", sagte Reiner.„Aber es ist genug zu tun hier. Allerdings wäre Ihr Lebenskreis nicht so gleichmäßig und sicher wie daheim. Aber er ist unendlich weit gespannt, er ist unab- hängig und dehnbar nach allen Seiten." Germaine schwieg. Sie sah hinaus zu den breitästigen Wipfeln der Kiesern, durch die ein Stück blauer Himmel leuchtete. Der Wind, der vom See herüberwehte, trieb sein Spiel mit dünnen, weißen Wolkenfetzen, die das Blau auf Augenblicke überdeckten. „Sie haben Mut", sagte sie endlich,„denn es ist ein Wagnis— nicht nur für mich. Wenn ich mich auch dem neuen Leben weit öffne— alles das, was ich in der ersten Hälfte meines Weges durchlebt habe, was meine Umgebung, meine Angehörigen mir bedeutet haben— das läßt sich nicht mehr wegwischen. Das trage ich in mir und wird auch immer in mir bleiben." „Ja, es wird bleiben", erwiderte Reiner,„denn es gehört zu Ihnen. Aber Sie werden von Jahr zu Jahr Neues zu dem Alten fügen. Ihr Gesichtskreis wird sich immer mehr weiten, und das Neue wird mit dem Alten sich auseinander- setzen, wird es durchdringen und verändern. Das ist der geistige Prozeß, den wir alle durchleben. Und Sie bleiben ja innerlich frei, auch mir gegenüber, wie unser äußeres Leben sich auch gestaltet. Sic haben immer die Freiheit, alles so zu verarbeiten, wie es Ihr Gewissen und Ihre geistige Haltung, Ihr Verstand und Ihr Urteil Ihnen vorschreiben." Sie näherten sich langsam dem Secuser. Hohes Schilf bildete einen schmalen Saum. Dahinter aber dehnte sich ein bewegtes, schauntgekräuseltes Meer, über das der Wind dahin- jagte. Germaine blieb stehen und sah über die weite Wasserfläche� „Es ist seltsam", sagte sie.„Noch niemals in meinem Leben ist meine Zukunft so unsicher, so rätselhaft gewesen wie jetzt. Und doch bin ich innerlich so ruhig. Sie ist ein Meer, über das der Sturm fegt, diese Zukunst— und doch habe ich das Gefühl, daß ich absteuern soll vom festen Land, aus dem ich bis jetzt stand. Wir Süddeutschen da unten im alten Välkersiedlungsgebiet, am Fuß des Schwarzwaldes und der Vogescn— mir haben die Ideen der Freiheit, des Friedens und der Menschenrechte seit mehr als einem Jahr- hundert in uns ausgenommen, obwohl es uns nicht immer bewußt ist. Aber als ich jetzt Lassalle und Karl Marx las. da war mir mancher Gedanke, manches Wort so vertraut wie eine Kindheitserinncrung. Und deshalb ist es kein Opfer für mich, wenn ich auf die Sicherheit meines bisherigen Lebens verzichte und den längst begonnenen Weg zu Ende gehe." Sie legte leise ihre Hand aus seinen Arm.„Ich weiß nicht, wie sich alles gestalten wird— aber ich habe das tief- innerliche Bewußtsein in mir, daß wir zusammenbleiben werden, solange wir leben." -----•:---- hl Totenstille im Berg. Die Bergleute beantworten die Klopfzeichen nicht mehr. Breslau, 5. Januar. fVigenbcricht.) Tie mit gröftter Anspannung erfolgenden Ber» gungsarbeiten auf der?74-Meter-Sohle der « a r st e n» Z c n t r u m s- G r u b e in dem Beuthener Vorort ftarf— wo 14 Bergleute eingeschlossen sind— gestalten sich austerordentlich schwierig. Tas Gebirge be- findet sich nach wie vor in leise merkbarer Bewegung. Ta die zu Bruch gegangene Borschichtstreite etwa 1000 Meter lang ist, lästt sich tau», feststellen, an ivelcher Stelle die Bergleute von dem Unheil betroffen wurden. Ter am Montagabend geborgene Fordermann berichtete, dast er noch kurz nach dem Unglürtsfall mit den 14 vermistten Uamcradcn in Verbindung gestanden habe. Wahrschein- lich sind die Verschütteten erst durch den zweiten Gebirgo- schlag, der um 30.30 Uhr einsetite und über Tage in ganz Beuthen als Erderschütterung wahrgenommen wurde, begraben worden. Seit dieser Zeit sind die Klopf- zeichen der Rettungsmannschaften von den Eingeschlosse- neu nicht mehr beantwortet worden. Es ist da- her kaum damit zu rechnen, dast auch nur ein einziger unter den Verschütteten lebend geborgen werden kann. Boraussichtlich dürften die Rettungsarbeiten vor Anfang der nächsten Woche nicht zun, Abschlust kommen. Berlin hat noch viel Raum. Die sprunghafte Entwicklung der Reichshauptstadt.— Vom Hest zur Weltstadt. Klotz war nicht vorsichtig genug. Neuer Zwischenfall im Lalmette-Prozeß. Lübeck, 3. Januar. Professor Hans Much-Hamburg erstattet« in der heutigen Verhandlung des Tuberkulofe-Prozesies ein Gutachten über die Frage, ob Professor Klotz schon vor dem Ungliick aus Zahl und Art der Erkrankungen im Kinderhospital einen Zusammenhang der Erkrankungen mit der BCG-Füttcrung hätte erkennen müssen. Schon im Marz 193(1, so erklärte Professor Much, sei im Säuglingshospital auch unter den Aerztcn davon gesprockien morde», dast einer Wärterin die Entlassung angedroht worden sein soll, so- bald sie weiterhin von Calmettc-Schädigungen sprechen würde. Professor Klotz sei derart in den Gedanken der Unschädlichkeit des BCG. verrannt gewesen, dast er alle Krankheitsfälle im Kinder- Hospital nicht mit der gebotenen Borsicht beobachtet hätte. Stadtarzt Dr. S ch m i n ck e- Neukölln erklärte in seinem Gut- achten, die Durchführung des Ealmette-Lerfahvens in Lübeck sei mangelhaft gewesen. Besonders wurde r,on ihm die fehlende Zusammenarbeit zwischen den Prosessoren Deycke und Klotz bemängelt. Nach der Mittagspause erstattete Prof. Dr. K l e i n s ch m i d t sein Gutachten. Er führte einleitend aus. d,,h die fozialhpgienischen Maßnahmen im Kampfe gegen die Tuberkulose bei den Säuglingen durchaus nicht genügten und daß es verständlich sei. wenn man auch die Schntzimpsung anwandte. Der Sachverständige wandte sich dann den einzelnen Krankheitsfällen in der Zeit bis zum 26. April zu und kam zu dem Schluß, daß die salschcn Diagnosen durch eine Reihe besonderer Umstände zustande gekommen seien. Nach dem Gutachten von Professor Kleinschmidt kommt es zu einem er- regten Zwischenfall, als Professor Kleinschmidt aus die Frage des Staatsanwalts, ob man nicht wenigstens die Eltern hätte benachrichtigen sollen, antwortete, daß die Benachrichtigung aller Eltern ungefähr gleichbedeutend mit der Benachrichtigung der Oeffentlichkeit gewesen wäre. Aus dem Zuhörcrroum springt die Mutter eines gestorbenen Kindes auf und ruft erregt dem Gut- achter zu, daß er menschlicher sprechen möchte. Die gleiche Aniordening ergeht von einem anderen Zuhörer an Professor Kleinschmidt. Die Verhandlung wird daim auf Mittwoch vertagt. SiadiratHeuerMiiarbeiterGoerdelers. Der Prriskommissar Dr. G o e r d e l e r hat den sozialdemotroti- fchen Stadlrat Dr. Heuer zur Mitarbeit in dem Spezialreferal für Markenartikel und gebundene Preise berufen. Dr. heuer wird diese Tätigkeit neben seinem Referat im Magistrot ausüben. Ein mißratener Sohn. Auel Wildererleidenschast zum Erpresser geworden. Ein Berliner Großindustrieller wäre beinahe das Opfer eines gefährlichen Erpressers geworden. Bei dem märtischen Städtchen L i c b e r o s e hatte der Fabri- laut schon seit Jahren eine Gemeindejagd gepochtet. Auf dem Gelände ließ er sich ein Wochenendhaus errichten, in dem er sich zeitweise aushielt. Es war bekannt, daß in dem Revier des In- dustriellen häufig gewildert wurde. Im Sommer entschloß sich der Fabrikant, zur Bewirtschaftung des Haushaltes ein Mädchen zu nehmen. Als er sich eines Tages außerhalb seiner Jagd befand, wurde in seinem Hause eingebrochen. Unbekannte Diebe hatten neben mehreren Gewehren. Ferngläsern usw. noch viele andere wertvolle Dinge mitgenommen. Der Verdacht der Täter- schost richtete sich nach und nach gegen den Sohn des damaligen Geincindeoorstehers, einem 22 Jahre alten Alfred Sch., von dem man wußte, daß er auf den Iagdpächter eine unheimliche Wut hatte. Alfred Sch., der die elterliche Wirtschaft führte, stand auch in den Verdacht, sich als Wilderer zu betätigen. Während der Weihnachtsfeiertage erhielt der Berliner Indu- strielle einen Brief, ir�dem er von einem Unbekannten aufgefordert wurde, an einer naherbezeichneten Stelle in einem ver- schlossenen Kuvert 1SVV0 Mark zu hinterlegen. Bald darauf kam ein zweiter Brief, in dem dem Fabrikanten ge- droht wurde, daß, falls er nicht der Forderung nachkäme, er so- wohl als auch feine Freunde, die zu ihm zur Jagd kämen, erschossen würden. Der Industrielle übergab den Brief der Kriminalpolizei. Beamte legten sich auf die Lauer. Als die in dem Brief an- gegebene Zeit heranrückte, erschien ein Mann, um das Kuvert mit den 15006 Mark von der Stelle abzuholen. Es war der Sohn des ehemaligen Gemeindevorstehers. Er wurde verhaftet und legte ein Geständnis ab. Daraus ergab sich, daß der Einbruch im Somntcr auf seine Veranlassung verübt worden war. Als er da« mals erfuhr, daß der Industriell« eine Haushälterin suchte, bewog er«in ihm bekanntes Mädchen dazu, den Posten anzunehmen. Unter einem Borwand lockte er sie dann eines Tages aus dem Haufe und ließ während der Zeit einige Freunde einbrechen. Alfred Sch. gestand auch, in dem Jagdrevier des Industriellen gewildert zu hoben: er wird nunmehr dem Untersuchungsrichter vorgeführt werden. Berlin hat nicht erst nach dem Kriege eine wiederholt sprung- halte Entwicklung genommen. Die Reichshauptstadt ist im 13. Jahr- hundert entstanden. Berlin wird zuerst 1211, das auf dem West- ufer der Spree gelegene Cölln 1237 erwähnt. Das Gebiet Ber- lms hat sich in sechs Jahrhunderten von 73 Hektar aus 88 351 Hektar vergrößert. Berlin« Bevölkerung ist in diesem Zeitraum von wenigen Tausend auf 4,3 Millionen gestiegen. Verlin zählte Anfang des 11. Jahrhunderts 73 Hektar Fläche. 1825 aber waren es schon 1100 liektar mit 220 000 Einwohnern, 1881 umfaßte die Hauptstadt 6061 Hektar init 1 138 000 Einwohnern und 1915 waren es 6572 Hektar mit 1879 000 Einwohnern. Während des Dreißigjährigen Krieges war die Einwohner- ichaft Berlins von 12 000 auf 6000 zusammengeschrumpft. London hatte in dieser Zeit mehr als 150 000 und Paris im Jahre 1637 415 000 Einwohner. Den ersten großen Sprung in seiner Entwick- lung machte Berlin 1709, als es mit Cölln, Friedrichswerder, Friedrichstadt und Dorotheenstadt vereinigt wurde. Nach dem Siebenjährigen Kriege hat sich Berlins Bevölkerung in kurzer Zeit verdoppelt. Mit seinen 220 000 Einwohnern im Jahre 1825 blieb es aber immer noch hinter London, das damals 1,4 Millionen, und Paris, das Million Einwohner zählt«, weit zurück. In den Jahren 1861 bis 1881 verdoppelte Berlin abermals feine Einwohner- zahl als Nachwirkung der Kriege gegen Dänemark, Oesterreich und Frankreich. Das Jahr 1920 brachte dann die große E i n g c m e i n- düng, wodurch das Gebiet Berlins eine fast I5fache Erweiterung erhielt und die Einwohnerzahl sich erneut verdoppelte. Steigen der Bevölkerungsziffer bei gleichbleibender Grundfläche. Die Entwicklung, die seitdem Berlin genommen hat, ist eben- falls nicht ohne Interesse und sehr lehrreich. Im Ottober 1919, also kurz vor der Eingemeindung, zählte das spätere Groß-Berliner Gebiet 87 810 Hektar mit 3 804 000 Einwohnern. Seit diesem Zeit- punkt hat sich die Gebietssläche Berlins nur unwesentlich ver- größert sauf 88 351 Hektar bis zum 1. April 1931), die Einwohner- zahl dagegen stieg stetig bis zum Jahre 1930(auf 4 315 500). Von da ab ist ein ziemlich stetiger Rückgang der Einwohnerzohl zu be- obachten. Am 1. November 1931 zählte Berlin 4 288 900 Ein- wohner. Die Erklärung für diese rückläufige Entwicklung Berlins liegt auf der Hand. Berlin selbst hat sich sch? bemüht, den Zu- ström von außerhalb in der Zeit der großen Arbeitslosigkeit ein- zudämmen. Die Znnenbezirke entvölkern sich. Innerhalb Berlins selbst war aber die Entwicklung der Ein- wohnerzahl sehr verschieden. Die Innen bezirke haben, besonders seit dem Jahre 1925, an Einwohnern erheblich verloren, während die Außenbezirk« rapide gewachsen sind. Auch noch nach dem 1. Januar 1930, seitdem die Gesomtcinwohnerzohl zurückgegangen ist, stieg die Einwohnerziffer in den Außenbezirken weiter, mit Ausnahm« von Charlottenburg und Schöneberg. Die Einwohnerzahl der 6 I n n e n bezirke hat sich seit 1919 von 1 907 500 auf 1 903 500 um 0.2 Prozent verringert, die der Außen- bezirk« aber voll 1 896 500 ans 2 385 400 um 25,8 Prozent er- höhtz darunter. sind Bezirk« mit einer kaum vorausgeahnten Eni- Wicklung. Aehlendorf hat seine Einwohnerzahl seit 1919 um 86,3 Prozent, Tempelhof um 78,7 Prozent. Reinickendorf um 67.5 Pro- zent, Köpenick um 47,4 Prozent, Pankow um 37,2 Prozent, Trep- t.,w um 35,7 Prozent. Weißensee um 33,7 Prozent. Spandau um 32,9 Prozent. Steglitz um 31,8 Prozent. Wilmersdorf um 27.7 Pro- zent, Lichtenberg um 26,4 Prozent, Neukölln um 13,7 Prozent, Eharlotienburg um 5,7 Prozent und Schöncberg um 3,8 Prozent steigern können. Die ehemals kleinen Bezirke rückten in die Gruppe der mittleren Bezirke und die früheren mittleren Bezirke näherten sich den großen Bezirken, während diese in ihrer Entwicklung zu- rückblieben. Der im Jahre 1919 größte Bezirk(Kreuzberg) zählte damals elfmal mehr Einwohner als der kleinste Bezirk(Zehlen- dori). 1931 dagegen zählte Kreilzoerz nur noch sechs um l mehr Ein- wohner als Zehlendorf. 1920 gab es noch 7 Bezirke mit einer Einwohnerzahl unter 100 000. heute dagegen nur nach 3 Bezirke. Eine allmähliche Angleichnng der Bezirke ist unverkennbar. Ter größere Anteil der Steigerung entfällt aus die Jahre nach 1925. Das umfassende S i e d l u n g s p r o g r a m m des neuen Berlin brauchte einige Zeit, um den Weg zu seiner Verwirklichung zu finden. Bevölkerung drängt nach außen. Auch in Zukunft dürste die Tendenz des Wachsens der Außen- bezirke mit dem gleich zettigcn Rückgang der Inncnbezirke wirksam bleiben. Die Bevölkerung selbst drängt nach außen: dazu kommt, daß die neuere offene Bauweise, die nur in den Außenbezirken durchgeführt werden kann, gesünder ist und daher einen stärkeren Anreiz für die Bevölkerung bietet als der alte Mietkasemenftil. Für die weitere städtebauliche Entwicklung Berlins ausschlaggebend aber ist die Tatsache, daß die Außenbezirke eine weit größere Sied- lungsflöche noch zur Berfügung haben als die Jnnenbczirke. B c- bauungsfähige Flächen sind nach dem Stande vom 1. April 1931 vorhanden im Bezirk: Viele Außenbezirke haben erst einen Bruchteil der ihnen zur Bebauung zur Verfügung stehenden Flächen bebaut. Ihre Ein- wohnerzahl kann noch um ein Vielfaches steigen, während die Jnnenbezirte nur noch geringe Flächen zur Bebauung besitzen. Aber auch diese kleine Fläch« der Inncnbezirke n»ird kaum zur Bebauung von Wohnhäusern in Zlnspruch genommen werden, weil hier nur sehr bescheidene Wald- und Freiflächen vorhanden sind. In den Außenbezirken mit ihren großen bebauungssähigen Terrains sind dagegen Frei- und Waldflüchen in weitem Ausmaß, deren Erhaltung gesichert ist. Diese Tatsachen sind für den Kommunalpolitiker nach verschie- denen Richtungen hin bedeutsam. Sowohl bei der zu betreibenden Verkrhrspolitik. wie auch bei der Frage der zwcckinäMen Organisation der Verwaltung dürfen sie nicht außer acht gelassen werden..Max Pctcra. Achtung, Ahtetlungslelterl Die Funktion arkarten für das Jahr 1932 können Im Bezirksekretariat, Zimmer 5, LindenstraBe 3, 2. Hof, 2 Tr.t abgeholt werden. FunktlonBraus- weise erhalten: Bezirksvorstand, der Kreisvorstand, der Abteilungsvorstand, die BezirksfQhrer u, die Hauskassierer, die Bezirks- u. Stadtverordneten, die Reichs- u. Landtagsabgeordneten des Bezirksverb. Berlin, die Bezirksamtsmitglieder. Wer macht's nach? Wir«rhaltei, folgende Zuschrift: „Als alter Parteigenosse und Leser de»„v o r w ä r k s" bin ich erfreu». 2 Genossen in unsere eiserne Front eintragen lasten zu können. Da dieselben noch nicht Abonnenten de»„Dorwärls- sind. bitte ich denselben vom 1. ob die Zeitung zustellen zu lasten. TX. Ist lange Zeit ohne Beschäftigung und daher fällt ihm die Ausgabe schwer. Zch werde daher das Abonnemenlsgeld aus meinen be- scheidenen Mitteln für Ihn bezahlen, ebenso für St., der mit mir im Hause wohnt. Ich möchte wünschen und hassen, da unsere Mit- gliederzahl In dieser schweren Zeit bedeutend ge st Sekt werden muß. daß recht viele Parleigenossea sich meinem Borhoben anschließen. Mit Parteigruß gez. Th. M." Wir geben die Zuschrift, die sür sich selbst spricht, gern wieder. Sie zeugt von echter Solidarität und parteigenösstschem Empfinden. Schändung eines jüdischen Friedhofs. Natürlich durch Nationalsozialisten. Hamburg. 5. Januar.(Eigenbericht.) In der Nacht zum Dienstag wurden auf einem jüdischen Friedhof in Hamburg zwei jung« Leute dabei festgenommen. als sie mehrere Grab st«ine gewaltsam umrissen und eine Anzahl weiterer jüdischer Grobmäler beschädigten. Wie sich bei näherer Untersuchung herausstellte, handelt es sich bei den beiden Festgenommenen um Mitglieder der Nationalsozialistischen Partei. Es ist in diesem Falle also endlich einmal gelungen, beweiskräftig festzustellen, daß Nationalsozialisten sich als Friedhofsschänder betättgem Erschossener Einbrecher. In Hemelingen bei Bremen drangen des Nachts mehrere Ein- brecher in die Wohnung eines Lehrers ein, wurden jedoch über- rascht. Die Einbrecher nahmen gegen den Lehrer eine drohende Haltung ein. In der Not gab der Angegriffene einen Schuß aus seinem Jagdgewehr ob. Einer der Einbrecher,-in vielfach vor- bestrafter Willi Miller aus Hemelingen, wurde tödlich oerletzt. Oer Schuß auf die Tanie. Bor dem Haufe Invaliden st raße 132 spielle sich am Dienstagnachmittag ein aufregender Vorfall ab. Ein jüngerer Mann gab nach einem heftigen Wortwechsel auf eine ältere Frau aus einer belgischen Armeepistole einen Schuß ab, ohne glücklicher- weise zu tressen. Der Schütze wurde von Pofsanten festgehalten, und entwaffnet, b�vor er weiteres Unheil anrichten konnte. Wie sich später auf dem Polizeirevier herausstellte, war der Revolver- Held ein 23 Jahre alter Kaufmann Walter St. aus Bochum. Dos Opfer war feine eigene Tonte, an der er sich rächen wollte, weil sie sich geweigert hatte, ihn noch weiter mit Geld zu unterstützen. Wintergarten. Ais allerletzte Progrannnnummer hat man sich die größt- und schönste ausgehoben: 2 0 ungarische Zigeunerinnen musi- zieren, und sie lassen ihre Geigen und Celli und Flöten und Cynchalos nebst obligatem Klavier singen wie die Engel und dann wieder ein- hersagen und brausen wie schöne wilde Teufelinnen. Allen voran die Dingentin L i l i G y n e s. Rur, wenn nion sich diese verdammt Ichomm Mädels der Reihe twch ansiM, kommen einem berechtigte Zweifel, ob das wirklich alles ganz echte Zigeunerinnen sind.' Zu- «tbe um Zugabe mußten sie spenden. Den unerhört sinnlichen Zauber eines«traußschen Walzers bringen sie geradezu betörend ZINN Ausdruck.— Ganz große Klasse ist auch Herr Lepoinme ain -tetf-* und Schlappseil. Im Gegensatz zu einer vor einigen Mo- naten gesehenen ahniichen Nummer macht dieser jugendliche Artist von sich selber gar nichts her, vollführt aber Kunststücke, bei denen einem die Haare zu Borge stehen. Ungewöhnlich kühn und glanzvoll voltigieren drei lungc sympathische Trapezkünstler Zemgannos hoch oben unterm-ternenhunmel. Bei völlig verdunkeltem csal fliegen sie. Meteoren gleich, von Trapez zu Trapez und mur ihre rad'.uinieuchrenden Kostüme zeigen den gefährlichen Weg. Peters und Billy, gewachsen offenbar ans'Neuköllner Boden, vereine» großes Können als Foßspringer mit derbem Humor. Die drei Bredwln-Exzentriker hoben einen Kompagnon, den die Zwei ausgezeichneten Handslandlünftter als knochenloses«utwni- Männchen schnöde behandeln: er wird geknetet, gedrückt, geduckt, ge- pufft, zerknautscht, zertra.npelt und zermanscht und ist innner wieder als kesses Stehanfmännchen obenauf. Das Publikum onillt vor Lache::. Wolf und Hoppe zwei Herren aus Wien, diesseits nicht UNbytannt. reden eine Viertelstunde lang ausgelegten Blödsinn, über den man aber ohne nachzudenken, aus vollem Halse lacht. L a d d u n d M o n a'L e e ein elegantes amerikanisches Tanzerpaar, tanzen moderne Tänze: englilchen Walzer. Tango und Fox mit effektvoller Akrobatik Stärlctts«chimpanfen: ein aus- gezeichnet kloppender Dressurakt. Ganz fassungslos filzt min vor dam ob sofut rcttlelhaften Zauberott von Boroso und Ol ulln-«in Herr aus dem Publikum wird mit der Artistin in ei» Kabtneu gesperrt Hernack) kommt der Herr ohne Jackett heraus. das die an den Händen gcfessslt« Dorne tragt, ohne daß besagter Herr erklären kann, wie ihm geschehen. Was in ollem ein groß- artiges Ncufahrsprogramm. wirkt wie gurgeln kältungen vor! SrnH�eike: Anfänge derffloftheateir Die letzte preußische Notverordnung bestimmt m a. auch, daß die beiden Staatstheater in Wiesbaden und Kassel geschlossen werden sollen. Damit würden wieder zwei jener Kuiistinstitute oerschwinden, die einst als„choftheater" einen besonderen Rang und eine besondere Stellung einnahmen. Es ist nicht unintercsspnt, sich ein wenig mit der Geschichte jener ehemaligen choftheatcr zu beschäftigen. Sie spiegelt mehr, als man vermuten sollte, die allgemeine Entwicklung des deutschen Theaters: sie ist aber auch beachtenswert wegen der Schlaglichter, die sie auf die ganze Kultur der Vergangenheit wirft. Nun würde es hier gewiß zu weit führen, das Werden und Wirken der chofcheater in aller Ausführlichkeit zu schildern. Einige wenige Andeutungen müssen genügen. Sie mögen dann ihre Er- gänzung finden in der Wiedergabe bunter Histörchen aus dem Er- lebnis von Mannern und Frauen, die einst an höfischen Bühnen tätig waren. Solch persöilliche Eindrücke und Erfahrungen sprechen oft eindringlicher als lange gelehrte Abhandlungen. Nicht zu leugnen ist, daß die deutschen 5)öse der Entwicklung des Theaters in Deutschland einen entscheidenden Anstoß gaben. Sie waren die ersten, die auf deutschem Boden Berufsschauspieler auf- treten ließen. Es geschah zu jener Zeit, da man in Deutschland selbst nur Dilettanten kannte, die von Zeit zu Zeit ein„Spiel" agierten. Erst im Ausland— in Italien, Spanien. Frankreich, England— gab es schon Personen, die gewerbsmäßig Aufführungen veran- stalteten und dadurch natürlich auch über eine ganz andere Ge- mandthcit oerfügten. Um hie Mitte des l6. Jahrhunderts zogen nun süddeutsch« Fürsten vereinzelte italienische„Komödianten" zu kurzen Gastspielen an ihren Hof. lS86 verpflichtete der Dresdener Kurfürst eine englische Truppe, um seinem Hof„bei Tafel und sanften Lust und Ergötzlichkeit zu niachen". In den folgenden Jahren luden auch andere norddeutsche Herren englische„Banden" zu Gast. Das bedeutete gewissermaßen den Ansang des berufs- mäßigen Theaters in Deutschland. Die Geladenen gaben meist nach Ablauf chrer Verpflichtung bei Hose auch noch öffentliche Vor- stellungen. reisten länger« Zeit im Lande herum, blieben zum Teil sogar für Jahre in Deutschland, kurzum, machten weitere Kreise mit ihren Leistungen bekannt. Unter ihrer Einwirkung bildete sich dann auch ein deutschsprachiges Bcrufsschauspielertum, lange Zeit freilich nur eine bizarre Vergröberung des von den englischen Truppen gegebenen Vorbilds. Dies« Truppen deutscher Berufskomödianten, die nach dem Zlljährigen Krieg auftauchten, genossen bei den deutschen Höfen aller- dings sehr wenig Sympathie und Förderung. Sie muhten zwar, um spielen zu können, eine landesoäterliche Konzession, das sogenannte Privilegium haben. Aber irgendwelche Rechte gewährte ihnen dies Privileg nicht, und jahrzehntelang dachte keiner der vielen dculschen Fürsten daran, solch ein Truppe etwa zu höfischen Auf- sührungcn heranzuziehen. Das Interesse der Höfe blieb auch im 17. Jahrhundert und noch lange Zeit während des 18. Jahrhunderts der Theaterkunst des Auslandes zugewandt. Man verpflichtete jetzt vornehmlich französische Schauspieler und italienische Sänger; die stürmische Entwicklung der italienischen Oper fand bei den deutschen Hosen ein besonders starkes Echo. Man zog teure Truppen zu Gast- spielen heran und man errichtete für ihre Aufführungen kostspielige eigene Theaterbauten. Während des ganzen 17. Jahrhunderts gab es nur zwei Höf«, die für- einige Zeit deutsche Schauspieler be- jchäftigten: der erste war der eines Tiroler.Erzherzogs, der.: in Innsbruck residierte und mn 1660 vorübergehend eine deutsche Gesellschaft in seinem Dienst hatte; der andere war der des sächsischen Kurfürsten Johann Georg II, der um 1680 für anderthalb Jahrzehnte die Truppe des Magisters Velthen besoldete: nebenbei war dies« Besoldung sehr unzureichend. Die Truppe muhte zwischen- durch deshalb immer wieder einmal über Land ziehen, um sich auf etgene Faust den Unterhalt zu verdienen. Erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts begann das deutsche Schauspiel be! den Höfen größere Beachtung zu finden. Die Neuberin und ihre Schüler führten seit 1720«inen erfolgreichen Kampf, um das verwildert« Spiel der deutschen Truppen durch ein am französischen Vorbild geschultes, diszipliniertes Spiel zu ersetzen. Hand in Hand damit ging ein wachsendes Ansehen der deutschen Wanderbühnen— und ihre immer häufigere Verpflichtung für die Obliegenheiten eines Hastheaters. Nicht wenige Truppen kamen auf diese Weise zur Seßhaftigkeit. Di« ersten Theatergesellschaften, die von den Höfen beschäftigt wurden, spielten ausschließlich für die fürstlichen Herren und ihre Gäste. Aber allmählich bürgerte es sich ein, daß auch Fremden gegen Entgelt der Zutritt gestattet wurde, wenn auch im Anfang meist nur an bestimmten Togen und auf destimmten Plätzen; Haupt- grund für diese Maßnahme waren wohl die wachsenden Kosten der Zzoftheater und die Schwierigleiten ihrer Deckung. Sie veranlaßten gelegentlich auch den Versuch, den Betrieb des 5)oftheaters ganz einem privaten Unternehmer zu übertragen und diesem neben gewissen Vergünstigungen lediglich die Pflicht weitestgehender Rück- sichtnahme auf die Wünsche des regierenden Herrn aufzuerlegen. Mancherlei Mißerfolge liehen dies System aber bald wieder in den Hintergrund treten. Auch nachdem den Untertanen das Recht eingeräumt worden war, gegen Entgelt an den höfischen Aufführungen teilzunehmen, ei forderten die Hoftheater in der Regel erhebliche Zuschüsse. Sie gingen formell zu Lasten der Hofkass«; aber diese wurde doch stets ganz überwiegend aus den Steuern der Untertanen gespeist, fei es direkt, fei es— in späterer Zeit— auf dem Weg über die„Zivil- listen" So hatten in Wahrheit die Steuerzahler die Kosten der Hoftheater zu tragen. Einfluß auf ihre Führung durften sie aber nicht ausüben. Die Zusammensetzung des Personals, die Gestaltung des Spielplans— das alles war ausschließlich Sache des regieren- den Herrn und seiner Ratgeber. Zweifellos war es— kulturhistorisch betrachtet— äußerst wert- voll, daß die deutschen Höse frühzeitig Interesse fiir theatralische Ver- anstolmngen zeigten und in der weiteren Entwicklung oft sehr große, Gewicht auf gut dotierte Hostheater legten. Bei dem Fehlen größerer Städte mit einer kunstinteressierten und dabe, zahlungsfähigen Bürgerschaft und bei dem Widerstand der Gcistllchkelt gegen jede- berufsmäßige Theaterspiel wäre sonst eine kräftige Entwicklung des deutschen Theaters in den vergangenen Jahrhunderten kaum möglich gewesen. Aber man muß doch auch feststellen: wu kliche Liebe zur Kunst war es nur in seltenen Fällen, die zur Gründung von Hof- theatcrn führte; und ebenso selten lenkte künstlerisches Verständnis die Einwirkung, die auf die höfischen Bühnen ausgeübt wurde. Meist war es die Freude an bunter Uiüerhaltung und der Wunsch nach prunkvollen Schaustellungen, was die Schaffung und Beet»- flusiung der Hostheater bestimmte. Nicht ohne Bedeutung für da» fürstliche Theoterinteresie war natürlich häufig auch der erotls�ie Reiz, der seit sc von den Damen de» Theaters ausstrahlte, war m>t- unter auch die bequeme Möglichkeit, gefallige kleine Freundüinen „jederzeit greifbar" Im Corps de ballet unterzubringen. Nur vereinzelt zeigt d!« Geschichte fürslltchc Herren, die sich mit ernsten tünstlerischen Neigungen um den Ausbau ihrer Bühnen bemühten. Immerhin gaben die höfischen Bühnen manchem Künstler von Rang und Namen die Möglichkeit, sich in leitender Stellung zu betätigen. Der Gochaer Hof setzte l774 an die Spitze seines Theatkrs Konrad Ethos, der mohl der bedeutendste Schauspieler seiner Zeit und dabei cm sehr feinfühliger, von kulturellem Interesse erfüllter Mensch mar; in Weimar führte Goethe Jahrzehnte hindurch das Hoftheater; gleichzeitig wirkte als Direktor des Berliner Hostheaters A. W. Iff- land, als Darsteller und Theatersührer sehr viel bedeutender denn als Stückcschrciber; in Wien waren so hervorragende Theatermänncr wie Schreyoogel, Laube, Dingelstedt Leiter der Hofbühne. So ließe» sich auch noch manche andere Persönlichkeiten von Bedeutung nennen, die im Dienste der Höfe Wertvolles für die Förderung der Schau- svielkunst geleistet haben. Freilich: es ist bekannt, daß Goethe nach ?5jöhriger treuer Arbeit für das Weimarer Hoftheater abtreten mußte, als er sich weigerte, ein vom Hose verlangtes Stück mit dem 3,tcl„Der Hund des Aubry" zu spiele», ein Stück, in dessen Mittel- puokt ein dressierter Pudel stand; man weiß auch, daß die Forde- mng des.Hofes auf Annahme des Stückes nur die Krönung von allerlei Intrigen war, weil Goethe einer als Schauspielerin enga- gierten Freundin des Herzogs nicht genügend zu Willen war. Bekannt ist ferner das Schicksal Joseph Schrcyoogels. Achtzehn Jahre hindurch wirkte er am Wiener Burgtheater; durch ihn wurde es zur führenden Bühne Deutschlands; dann wagte er einmal, einer Lzoscharge, die ihm dauernd in seine Arbeit hineinredete, die Worte zu sagen:„Exzellenz, davon verstehen Sie nichts!" Das führte sofort zu seiner Entlassung. Und in welcher Form geschah sie! Ein Theäterdicner händigte ihm die Kündigung aus— und übermittelte ihm gleichzeitig ein Bcrbot, das Theater noch einmal zu betreten. Schreyvogel starb an dieser Kränkung. Charakteristisch ist auch, daß die bedeutenden Persönlichkeiten, die im 19. Jahrhundert an den Hoftheatern wirkten, meist nur in zweiter oder dritter Stellung tätig waren. Sie waren Regisseure oder„Artistische Leiter", hatten ober über sich noch den eigentlichen„Intendanten". Zu Intendanten, zu obersten Herren der Hoftheater wurden im 19. Jahrhundert fast ausschließlich Persönltchkeitcn gemacht, die vom Theater wenig oder nichts verstanden, dafür aber aus gut aristokratischem Hause stammten, sich bei Hose ausgezeichnet hatten und die besondere Gunst des Höchsten Herrn genossen. Ofsizicro, Hofleute, die vielleicht als Kunstdilettanten bei inusikalis6)cn Soireen oder Liebhaberaufführungen hervorgetreten waren, erhielten die verantwortungsvollen Posten der Theaterleiter. Sie waren auch meist danach, 9i. R. Tleiiberl: Jßeule, die nichts geworden find... Wenn man sich heute umsieht, überoll trifft man Leute, die nichts geworden sind. Traurigstes Merkmol dieser Zeit. Dos Schlimmste: sie hätten etwas werde» können. Wenn man eine» Mittelschullehrer ans Grund der neuen Not- Verordnung abbaut, so ist das gewiß ein bitteres, unverdientes Schicksal. Biel bitterer aber ist das Schicksal der jungen Leute, die bei diesem abgebauten Lehrer einmal Lesen, Schreiben und einiges mehr gelernt haben und— nichts geworden sind. Man kann ihnen keinen Vorwurf dnlans machen. In besseren Zeiten konnte man über einen Menschen kein abfälligeres Urteil fallen als daß er nichts geworden ist. Da lag es an seiner Unfähigkeit, an seinen Eigen- schatten, seiner Unbrauchbarkeit.(Ich spreche nicht von den Fallen. in denen wilhelminischer Kastengeist Hindernis für den Aufstieg war.) Heute— im Zeichen der Weltwirtschaftskrise— rechnen auch Fähige und Brauchbare zu den Leuten, die„nichts geworden sind". Sie haben acht, neun, zehn Jahre auf den Schulbänken gesessen und ihre Zeugnisse nach Hause gebracht, die sich von anderen nicht unter- schieden. Sie waren nicht fleißiger, aber auch nicht träger als andere, die etwas geworden sind. Sie haben dieselben Streiche ausgeheckt und dieselben Freuden und Leiden der Jugend erlebt wie sie. Und alle, alle wollten etwas werden. Jedem schwebte etwas vor. Jeder hatte ein Lieblingsfach. Eine besondere Neigung. Einen heimlichen Wunsch. Einen brennenden Ehrgeiz.. Und alle wählten sie einen Berns, als die Schule sie entließ. Sie gingen auf die Universität, in die Betriebe der Industrie, in die Kontore der Wirtschoit. Sie lernten. Aus den Schülern wurden Studenten und Lehrlinge. Aus de» Kindern wurden junge Leute, die eine Ahnung vom Leben bekamen. Sie kamen und waren bereit, sich einzugliedern in den riesenhaften Mechanismus des Lebens. Sie wollten, wie mwr bei ihren Konsirma�onsjeiern so schön sagte,„nützliche Mitglieder der bürgerllchkck LSesellschait" werden. Und heute sind sie 22 Jahre, 25 und 30 Jahre, und sie sind nichts geworden. Der Lehrling hat ausgelernt und ein paar Stellungen innegehabt bei bescheidenem Lohn und der Möglichkeit, seine Kenntnisse zu verwerten und ouszubaiicn für besser bezahlte Stellungen. Aber als er oersuchte, festen Fuß zu lassen in seinem Beruf, als er beginnen wollte, sich seiner Selbständigkeit, feines Daseins zu freuen, da nahm man ihm plötzlich alle Möglichkeiten. Man baute ihn ab. Man warf ihn auf die Straße, nein, man schickte ihn in die Wartcräum« der Stempelstellen. Der Student hat— oft unter größten materiellen Eni- behrungen— seine Semester erledigt und die Cramina bestanden »nd— ja, und weiter nichts. Dann kämmt das große Nichts. Das große, schwarze Loch, in dem die Zukunft versinkt. Man braucht sie einfach nicht. Man will sie nicht. Man kann sie nicht brauchen. Wenn man ihnen das früher gesagt hätte, wären sie vielleicht aus den Schnlzimmern in den Wald gelaufen und hätten sich draußen getummelt und wären wie die Bäume ausge- wachsen in Licht, Lust und Sonne. Heute würden sie mit Steinen Feuer schlagen, mit einem Holzstumpf den Acker pflügen und sich die Lebensbedingungen schasten, wie sie sie brauchen. Aber jetzt lausen sie herum mit Anlagen, mit Zeugnissen, mit Hoffnungen. 'Aussichten, Berechtigungen und— man drängt sie zurück wie eine Herde wildgcwordcner Tiere. Man baut Barrieren um sie. schließt sie ab, schließt sie aus! O, es gibt Iugendfürsorgestellen. Wohlsohrtscinrichtungen, barmherzige Häuser, Stiftungen und vielleicht reicht es soweit, daß sie nicht gerade verhungern. Aber das andere, die Hauptsache! Die Hauptsache! Nicht sinnlos in die Welt gefetzt worden zu sein! Nicht vergebens etwas gelernt zu haben! Ein Glück für die, die in die Organisativnen der Arbeiter- bewegung finden und hier mithelfen können am Zlulbau einer neuen Gemeinschaft. Wieviele aber sitzen zu Hause und vergessen, wo? sie oelernt haben. Wieviele gewöhnen es sich an, mit ihren paar Pfennigen in Kneipen Karten zu spielen und die Zeit totzuschlagen. Wieviele verfallen de» aufreizenden Phrasen der radikalen Parteien und verfügen zur Lölting der Probleme schließlich nur über die— Faust. Aber— Gerechtigkeit für die Leute, die nichts geworden sind. Sie hätten etwas werden können. Mechaniker, Werkmeister, selbständiger Haitdwcrler, Kaufmann, Ingenieur, Arzt, Richter. Es ist nicht ihre Schuld, daß sie sich das Brot nicht selbst oerdienen können. Sie lzaben gesunde Arme. Sie haben den Willen. Gerechtigkeit für sie: wie sie kämpfen! Wie sie versuchen, sich über Wasser zu halten. Wie sie die Zähne zusammenbeißen und dem Schicksal trotzen, so lange es geht. Der Buchhalter nimmt eine Gelegenheitsarbeit auf einem Bau an. Er hält die Hacke und den Spaten statt des Federhalters, und der Schweiß läuft ihm von der Stirn. Ott wollen die Knochen nicht mehr mitmachen, aber er hält immer wieder durch, weil er sich das Geld verdienen muß. Der frühere Techniker ist Straßenhändler geworden. Der Dr. phil. ist froh, daß er für die städtischen Werke den Gaszähler ablesen darf. Der junge Bäcker mit dreijähriger Lehrzeit und zwei Jahren Gesellenzeit verdient sich jetzt— arbeitslos— abends ein paar Mark in der Boxbude auf dem Rummelplatz. Der Medizin� � stuhent läuft nachts mit Salzstangen von Lokal zu Lokal;;, Monate vergehen. Jahre, beste Jahre ihres Lebens.' Sie kommen in die Jahre, wo andere. Glücklichere, daran denken, sich einen eigenen Hausstand zu gründen. Sie aber sitzen immer noch in Schlafstellen und billigsten möblierten„Buden". Oder bei den Eltern, denen sie jetzt eigentlich schon eine Stütze sein sollten. Manchmal, wenn das Geld nicht mehr reichen will, machen die Eltern solche Andeutungen.„Wozu bist du denn da?" ruft ver� zweifell die Mutter, denn die Miete ist noch nicht bezahlt und beim Fleischer sind die letzten Einkäufe„angeschrieben".„Ja, wozu bin ich denn da?" denkt der Sohn und sein Gesicht wird hart, lieblos: „Wozu habt Ihr mich in die Welt gesetzt, wozu habt Ihr mich in die Schule geschickt und Hoffnungen in mich gesetzt, wenn.. Dann wirst er wohl die Tür hinter sich zu und rennt durch-die Straßen. Berbittert, lebensmüde, angeekelt. Ein Mensch, der nichts geworden ist. Ein Mensch, der nichts werden konnte. Aber sie ringen sich immer wieder durch. Und— man muß sie bewundern— sie geben die Hoffnung noch nicht auf. Sie glauben immer noch, bah sie etwas erreichen können. Pielleicht weiden sie später einmal das nüchterne, kalte, aber klare, erschütternd treffende Wort des Kultusmmistcrs Dr. Grimme über ihr Leben setzen:„Es kam nicht so sehr darauf an, daß man etwas erreichte, sondern darauf, daß man seststand!" Sin Weiter JlhiUrnlor Gustave Dorä. dessen 100. Geburtstag anl den 6. Januar fällt, ist bei uns besonders durch feine Bilder zur Bibel bekannt geworden, die in zwei dicken Bänden erschien, überall-in der Welt verbreitet wurde und die Mode jener„Prachtbände" ins Leben riet, die einstmals auf dem Tisch in Großmutters guter Stube lagen. Diese Bilder geben aber eine ganz unzulängliche Vorstellung > don der Mcisterjcktast tiefe» Illustrators, der sich in den späteren Jahren seines Schaffens durch eine ungeheure Fruchtbarkeit immer mehr verschlechterte. Die Bedeutung Dores. die ihn zu einem der größten Illustratoren aller Letten macht, liegt in den wenigen Jahren feiner jugendlichen Ansänge. Fast noch ein Knabe, begann er seine Laufbahn und halle mit 22 Iahren sein Bestes bereits gc- geben In Straßburg war er geboren, und im Schatten des ehr. würdigen Münsters entfaltete sich seine Phantasie, von dem Geist dc? deutschen Märchens und der deutschen Romantik genährt. Der Zehnjährige bewies in seinen Zeichnungen eine selten« Frühreite. "'inen erstaunlichen Sinn für Phantastik und Humor, und als Vierzehnjähriger begann er mit der Veröffentlichung lithographischer Bilderbücher, di« sein Talent aus der Höh« zeigen. Es waren litt-it- bildlich« Darstellungen aus dein Leben der Pariser Gesellschaft, die er nun zu studier«« begann, Szenen voll bunt wimmelnden Lebens. mit großer Beabachtungskraft und leichtem Spalt hingestellt. Di« außerordenllichs Einmhiungsgabc. hie Don! hier bewies, lenkt- ihn auf den Beruf des Illustrators, und es tirar«in wahrer Rausch des Schaffens, der ihn in seinen ersten Werken mit fortriß. Sein« Meisterlefftuitgen find die Bilder zu Rabelais und zu den„Contes drolatiques" von Balzac. Besonders in dem letzteren Werk offen. borte er die Ueberfüll« seiner Phantasie, die die Geschichten des D'chiers in freier Weise umipielt lind überwuckert. Mit den 425 Holzschnitten zu diesem Buch- ich»! der Zweiundzwanzigjährige das schönste Illustrationswerk, das die französische Kunst des 19. Jahr. hundert- antzutveisen hat. ein Buch von so müheloser Empimdmigs- kraft, von so üppiger Bestalttmg und visionärer Eindringlichkeit, daß es nur mit den— allerdings ganz andersartigen— Illustrationen Menzels zu Friedrich d. G. verglichen werden kann. Mit diesem Wunderwert und mit den qrateskett Bildern zu der Geschichte Ruß- lands hatte er jedoch den Höhepunkt feiner Kunst erreicht. Er war unterdessen zum verwöhnten Liebling der Pariser Gesellschaft ge- worden. Sein Atelier war der Mittelpunkt der eleganten Weit, die Ansträge stürmten auf ihn«in und er glaubte, sie alle betväl- tigen zu können. Dabei hat er viel Gleichgültiges und Banales geschaffen und seine alte Frische nur in kleinen Vignetten bewahrt, während die blattgroßen Bilder ost leer und wirr wirkten. Aber gerade diese Illustrationen, besonders zu Dantc und zur Bibel, schufen ihm erst den int-rnationalen Rttt, der seiner gerechten Würdigung lange im Wege gestanden hat. Japans Bevölkerung nimmt zu. Groß-Japon hat nach der letzten Bvlksziihluna etwa anderthalb mal soviel Einwohner wie Deulschland. genau sind es 90 393 000 Einwohner. Diese Zahl setzt sich folgendermaßen zusammen: das eigentliche Japan mit 64 448 000 Einwohnern, Korea mit 2l 038 000, Formosa mit 4 595 000»nd Karasulo mit 293 000 Menschen. Die Bevöllerungszitiwhme in Japan ist im Gegensatz zu Europa und Amerika außerordentlich groß. Noch im Jahre 1925 hatte das eigentliche Japan nur 59 Mil- liancn Einwohner, 1872 sogar nur die Hülste der jetzigen Zahl! Auf 10 000 Einwohner werden in Japan im Jahre 554 Kinder geboren: in Berlin dagegen kamen z.B, 19,50 auf 10000 Einwohner mir 05 Kinder, also fast mtr der vierte Teil! Es sragi sich allerding? sehr, w>e lange sich die Japaner den geburtensenkeitdei, Einflüssen noch entziehen können, die in den übrigen Kulturländern anscheinend unauihaüjam zur Wirkung koiunien. Ein Viertel aller Schulkinder ln Los Angeles hat noch keine Kuh gesehen, und die Hälfte kannte kein Kalb, bis vor kurzem, um diesem Mangel abzuhelfen, diese Tiere in allen Schulen gezeigt worden sind. Die Brücke über den lUcgarasall wird jährlich von mehr als zehn Millionen Menschen begangen. Ein gesunder Goldfisch kann unter günstigen Dcchältnissen filnfzig Jahre und noch länger leben. Allgemeine Wetterlage. 5. Jan. 4932, abds wDlk8nlos.O heiter O haibbedecto 9 wolkig,•bedeckt« Regen�Graupeln »SdtB«t=Nebel, RGewittet�Wmdsrilte Dic tnilbcit ozcanischc» Luftmassen sind jetzt rasch nach Osten bis Mittelpolen vorffedrunpcn. In Ostpreußen sticoen die Tempe- raturcn bis auf 3 Grad Warme. Die im Osten vorhandene Schnee- decke taute fast ganz auf. Im Westen des Reiches wurden stellen- weise 10 Grad erreicht. Verschiedentlich kam es noch zu Regen- fällen. Auf dem Nordmeer liegt zur Zeit eine neue tiese Depression, die nach Osten wandern dürfte. Dadurch wird der westliche Luftstrom nach Mitteleuropa zunächst anhalten. Erst später wird Deutschland in den Bereich kühlerer Luftmassen polaren Ursprungs kommen, die zur Zeit in dem Räume zwischen Island und Schottland zu erkennen fmd. Weileraussichtcn für Berlin: Meist trübe, zeitweise Regen, sehr mild, westliche Winde.— Jut Deutschland: In der südlichen chülste des Reiches meist bewölkt, nur zeitweise aufheiternd, am Tage mild: im übrigen Reiche meist trübe, zeitweise Regen, mild. Im Nordwesten später unbeständig init Schauer». Sozialistische ArbeilerjugendGroß-Verlin Nnleninuigco süe dies« Riiiri! nur an da» Iugenbsckretariat Berlin EW K8. LindenttraKe iS Iahresmikglicderversammlullgen heute. Mittwoch. ISVs Uhr: (Scfuntibriinnrit II: Cfiriftioniofti. 3S.— dtctanfcbtanBcn Oiotcn. butfl« Str. 2.— Bndrea?plotz I: Litauer Str. 18.— Aailrea.piaft Tf-( Si ,v. 1: Brammnstr. 1.— Petersburger Biertel: Ebertgftr. 12.— Hasenbrld«: Urban. sirage 1S7.— Lichienrab«: Heim.— Tempelh»!: Heim.— Adlersh»!: Bis. maritstr. l.— Lichtcnbcrg-Mitte: Dosseiir. 22.— Pant»» IN tR.-F.): Heini. <- Aruimplatz! Arbeiiskreis bei Golbsäimicd.— Warschauer Viertel Litauer Str. 18. Rückblick und Borschau.— Lichteubrrg.Zlarb:(dunterftr. tt. Lüngcrengruppc. SSK. Tellawiana!: Faschismus. Werdcdcnirt Xeutöll»: Borstandssigung um 18 Ubr in der Sanghoferstrogr. Klusenbangru für dies« Rndrck stud Perlt» SB es. Lindeustrage 3, parieinachrichten/��fur Groß-Berlin stet»»» da» Petzrtssekretariat 2. H»f.? Treppen recht,, j-«cht«» Beginn oller Beranstaltu ngen I N' r Uhr, sofern keine besondere" Zeitangabe? Heute, Mittwoch. 6. Januar. 19. Ärris. 20 Hfjr bei Schnorre. Polsdanicr Strafte, Kreisoorstandssitzung. Zy. Abt. 20 Uhr Arbeitskreis jüngerer Parteigenossen bei Pohft, Etorgarder Strafte 19. Vortrag des Genossen Bruno Neumonn über: Die Birtschafts- krise. 74-». Abt. Mitte und West. Heute wichtige Funktionärsitzung bei Schneider, Potsdamer Str. 23. 8?. Abt. 20 Uhr im Jugendheim Treptower Str. 03 Zusammenkunft der jüngeren Parteimitglieder. Vortrag des Genossen Willi Wolff: Anfänge der Arbeiterbewegung. 97. Abt. An bekannter Stelle Arbeitskreis jüngerer Parteimitgl-eder. 98. Abt. 20 Uhr im Versammlungsraum Sonnemannftr. 40(Keller) Arbeits� kreis junger Parteimitglieder. Vortrag des Genossen Gurland. 98*. Abt. Gruppe jüngerer Parteimitglieder in der Halle am Hufeisen. Thema: Rückblick und Ausblick. 118. Abt. Funktionärsitzung an bekannter Stelle. 131. Abt. Arbeitstreis junger Genossen. 20 Uhr im Jugendheim Lindenstr. 47 Mitgliederversammlung. Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht. Morgen, Donnerstag, 7. Januar.' 3. Kreis. Arbeiterwoblfahrt. Grwcrbslosenzusommenknnft von 10 bis 19 Uhr Willdenowsrr. 3. Vortrag und Unterhaltung. Mitgliedsbuch und.-karte mit- bringen. 9. Kreis. Der Kreiskursu« beginnt am Dienstag, dem 12. Iammr, lOU Uhr, im Jugendheim Urbanstr. 167. Genosse Dr. 3. Schlesinger spricht über: Die Wirtschaftsformen des modernen Kapitalismus. 7. Kreis. 20 Uhr Bildungsansschuftsitzung im Jugendheim Rofinenstr. 4. Außer Dienstag, von 16% bis 18% Uhr. im Ar beiterj ugendhei m Rosinen- strafte 4. v. l, findet außerdem jeden Donnerstag um dieselbe Zeit ein Borbereitungsunterricht für die Jugendweihe, die am Sonntag, dem 20. Mörz, 11 Uhr, stattfindet, in dem städtischen Jugendheim, Spree- strafte 30. statt. Anmeldungen zur Weihe verpflichtet zum Unterricht. Soweit dieselbe noch nicht erfolgt, wird vor Beginn des Unterrichts An- Meldung entgegengenommen. Anmeldungsgebühr 30 Vf. Die Iugendweibekommission. 18. Kreis. 13 Uhr im Wciftenseer Lyzeum, Pistoriusstrafte, Eingang Park- strafte. Das Kampfjahr 1982. Referent: Mai; Brinitzer. Anschließend Liedervorträge des Genossen Klewitz. 28. Kreis. Erwerbslosenzusammentünfte 13 Uhr für die Abteilungen Rei- nickcndors-Oft und Roscnthal in Reinickendorf-Ost. Schule Hoppestrafte, an» Hausotterplatz. Für die Abteilungen Wittenau. Reinickendorf-West. Waid- inannslust und Hermsdorf in Wittenau, Jugendheim Reue Schule. Für die Abteilungen Tegel. Borsigwalde und Freie Scholle in Tegel, Heim auf dem Auyenspielplatz. Abt. Bei Schaar. Kalkschennen- Ecke Ziegelstraftc, Funktionärsitzung. Stellungnahme zur Abteiluugsleiterwahl. Abt. Arbeitskreis. Jugendheim Genthiner Str. 17. Literarischer Abend. Die Geächteten. Abt. 19 iz Uhr bei Loja?, Beymestr. 8. Funktionarsitzuug. Abt. Bei Bufch, Tilstter Str. 27. Funktionärsitzung. Abt. Bei Görlitz. Ghausseestr. 19, Sitzung der engeren Abteilungsleitnng mit den Bezirksführern. 1. 8. 33. 8«. 86. 124. sirblung der Gtevt Berlin. Arcitog, S. Januar. 38. Abt. 18' i Uhr wichtizc Dlirilackb�ftzung bri Partüsch, Fi!i«benstr. 38. A>« Iii): Funktiiinitribinirrcnz an glrichei Stell«. 38. Abt. liVfi Uhr Borstanbs ntib Funktionärsitzung bei Lux. Auttrnstr. R. 81. Abt. 20!Ihr bri Slob«, Honäjcrnsir. 60— 81, Funktionorützuna. 81. Abt. 181, Uhr Sltzunq ä«, Adteilungsnorftmtv«,, um 20 Uhr Funktionär. Übung bri Hermann Köster. Sarlozartenffr. 4. 68. Abt. Pünktlich 10 Uhr Borstonbssttzunü. 20 Uhr Funktionärsttzunz kirr Schumann. 03. Abt. 20 Uhr bri Pflanz. Hanbiernür. 72, außerorbeniliiüe Eitzuirz aller Funktionäre mit dem Borstanä. Per cucirrr Porttand trifft sich um 10 Uhr on gleicher Stelle. Urhrr dir Sinäschcrung drs thenossrn Hermann Pflanz v>irh Ort und Zeit noch hekanntgegebrn. 90�. Abt. 10 Uhr Porstandssttzuna in der Hall« Am Hntrtfrn. 20 Uhr Funk- tionärützuua an gleicher Steve. 103. Abt. Uhr im Iugendheini Bisniorckstr. 1. Di« Eegensätz« zwischen SPD. und APD. Referent: Hans Dauer. 134. Abt. Vorstandsfitzung mit den Funitionärcn on bekannter Stelle. Sonnabend, S. Januar. 1..�reis. obuntag, 10. Januar, Besichtigung des Kraftwerkes Klingenberg um 10 Uhr Treffpunkt Alexonderplatz, Stadtbahn iRormaluhr), pünktlich 9 Uhr. Nachzügler 9.30 Uhr vor dem Kraftwerk. Erwcrbslofenheim, Waifenstr. 18, geöffnet Mittwoch. 6. Januar, ab 13% Uhr. 5. Kreis. Arbeitskreis jüngerer Parteigenossen. Sonntag, 10. Januar, in Schmidts Gesellschaftsbaus. Fruchtstr. 36�. Iohreswendfeier. Politische Iahresschau 1981. Programm. Worte der Mahnung: Rcgierungsrat Muhle, politische Guckkästner, aktuelle Chansons, Gedichte und Sketfche. Musik: Snmphonikjazzers. Programmanfang 19 Uhr. anschließend Tanz. Saal- üffnutig 17 Uhr. Eintritt 50 Pf. Erwerbslose gegen Ausweis 10 �>ie gesamte Parteimitgliedschaft wird gebeten, sich an dieser Leranstaltmtg zu beteiligen. 54. Abt. Funktionärsitzung bei Lasper, Guerickestr. 1. Iromenveronstalkungcv. 5. Kreie. Donnerstag. 7. Januar. 20 Uhr. beginnt der Kursus des Ge. uossen Dr. Karl Schröder über:„Der Versuch sozialistischer Lebensgestal- tung" im Jugendheim Tilsiter Str. 4. Der Kursus erstreckt sich auf acht Abende. Es ist erwünscht, daß recht viele Frauen sich beteiligen. 99-:. Abt. Donnerstag. 7. Januar. 14 Uhr, wichtige Funktionärinnenzu. sammcnkunst bei der Genossin Kaufmann. Arbeiisgemeinschasi der Ainderfrcunde Gro�-Berlin. Kreis Kreuzberg. Gruppe Süden tagt jetzt wieder regelmäßig. stv'»i �Dienstag von 17 bis 19 Uhr in der Dieffen bachstrafte.(Schule» alle �......... 10 Iltzr die Nestfalken in d-'r und Roten Falken von 17 Urbanftr. 167. Erscheint an« ............„ 1_____________. pünktlich. Kattbnsscr Tor. Don- narstag. l'. Januar, wieder Gruppenabend der Roten Falken von 17� bis 19'.� Uhr. Seid alle pünktlich da zur Mitgliederversammlung. Freitags 8. Januar, 17—19 Uhr. Iungfalten. Montag, 11. Januar, 16—19 Uhr, Rcftfalken. Reichenberger Viertel. Unsere Gruppenabende begmuen erst Montag. 11. Januar. Neukölln. Heute, 20 Uhr, Vorstandsfitzung in d�r Baracke Hanghofer. strafte. Vortrage, Vereine und Versammlungen Reichsbanner..Schwarz-Rot-Gold�. Geschäfts st e l l e: Berlin E. 14. Sebsstianstr. 37— 38, Hof 2 St. Treptow lOrtsoetcin). Der Mitbegründer unsere» Ortsoerrin-, Kninerod Hermann Pargmann. Bauwschuienmrg, ist plotzlicki ver, norden. Die Trauerseier findet Dönnerütag, 7. Januar, 17 Uhr, im Nrrma. totium Laumschulenweg statt. Pslichlvrransialtung. Freir Arbriter-Sienographenvereinitzung Greh-Verli«. Anfänzerinrsr in Zirichseinhciiskurzschrist beginne» wie talgt: Norden: Gemeindeschule, Schul» siratze 00. Freitag, 1.1. Januar. 10>: Uhr.— Rordostrn: Gemeindeschule. Seile. sei? erste. 8, Freitag, lä. Januar. 20 Uhr.— Often-Lichtenberg: ffienicinbcjcfiolc, Echarnweberslr. 10) Dienstag. 12. llanuar, 20 Uhr.— Südosten: Gemeinde» ichule, Reichenberger Sir. 07—70, Donnerstag. 14. Januar, 101.7 Uhr.— Reu- kölln: Karl-Marr Sebuie..Oailer.Friedrich-Str. 200/210. Donnerstag, 14. Fanuor, I0l. Uhr.— Südwelten: Gemeindeichule. Gneisenaustr. 7, Frriiag. lä. Fanuae. 10 l Uhr.— Dauer der Kurie 15 Uedungsabrnde. Die Anmeldung erfolg: an: ersten Abend in den genannten Bezirken. Äeitere Auskunft, auät über Fori, ichrittskurse in Verkehrs- und Debatlenschrift, erteilt Artur Theise», Bor- fitzender, Berlm-Zegel, Brunawstr. 47, l. Sturmoogel, Flugoerband der Werktätige«, e. B.. Bezirk�zroppe Kreuzderg. 8 stonuar, 20 Uhr, Sitzung im Restaurant Pilsator,.stottbusser Sie. 28, am .stottbusser Tor.— Ortagroppr Nrokälln-Britz. Heute, 20 Uhr. Seneroioerlamm- lnng. Reuwahl des Vorstandes. Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht.— Ortsgruppe Tiergarten-ckharlattenburg. Mittwoch. 6. Zonuor. Monotsoer sammlung im Restaurant„Zum Winterfrldt", Gleditschstr. 45 lam Rollendari. platz). Beginn 20 Uhr. Tagesordnung: Neuwahl des Borstandes. Erscheine» oller Mitglieder Pflicht! tianbsmanoichait der Schlrowig-Kolsteioer z» Berlin. Geschäftsstelle: S. 14, Prinzensir. 61. Donnerstag, 7. Januar, 20 Uhr, im Dresdener Garten, Dresdener Str. 45, Reniahrs-Berrinssitzung. Erschäftlichr Mitteilungen. An- »ahme»euer Mitglieder. Aus der veimai. 70. Geburtstag dr» Äafjirrers H. Prters. Plattdentschr Vorträge. Neützsnereiaiqnng ehemaliger Sriegsgrsengener r. B„ Ortsgruppe Neul-Hn. Freitag. S. Januar. 19 Vi Uhr. im Brreinslosal pon Lichtenstein. Bergstr. 114. Vortragsabend. Dr. Joachim Eioens spricht »rrein der Landslente der Graifchast Gl«, z» Berlin. Haupinerlammlung Sonntag. 10. Januar. 18 Uhr, Armin-Säle, BerNn, Zlommandantenstr. 5». Glotzer Landsleute herzlich willkommen. Gefellchsst»er Freunde»er Sozialistische» Msneisbeste. Nächster Di». kusstonsabend Dienstag. 12. Januar. 20 Uhr. in den Räumen der Deutschen Gesellschaft, Schadawstr. 7.„Die Sozialdemokratie in der deutschen Politik." Referent: Felix Stötzinger. Longfellow English Defcaline Club, BSIowstr. 104: Miittwoch. den O.jamiar, spricht abends>8,1.8 Uhr, llr. James Murphy über„Political Ourtook ,for ihe New Ycar". tä ätzte willkommen. Gewaltiger Preissturz bei K. Joseph». st«., Neukölln, im diesjährigen grogen Inoenturousvertans. Fast alle Abteilungen haben dnrcki oufleoen erregende Preissenkungen dazu beitragen, diesrn Inoenturausverkaul zu einein ungewöhnlichen Ereignis zu machen. Freudige Ueberroschung dringt ein Rundgang duech dieses grotzzügige Haus, besonders, wenn man in Betracht zieht. daß Damenkonsettion h« 75 Pro,, herabgesetzt ist. Das Attge muh urteilen. die Qualitäten und die riesetigrotze üetbiltigang frstznstellen, und man kann sagen: Der große Dnventiirausverkauf 1032 marschiert an der Spitze mit seiner autzcrardentlichen Billigkeit. Tin vorderster Reihe dieser Ueberrnschnng nehl man die Abteilung Damenkonfektion, deren Preise teilweise bis 75' Proz. herabgesetzt sind. Schon für ö und 7,50 M. gibt es Dainrnwinlermäntel. iämi lich mit Pelzkragen, reizende Backfischmäntel für.3 M.. moderne Damenblusen zu 2,00 M., sowie Sommeekleider und Morgenröcke von 1,75 M. au. Tanz lleider in moderner Ausführung gibt es van 6,00 M. an. Riesenposten Damen iilxhüte Stück 0.75. 1.25, 1,05 M. Geradezu sensationell find die Angebole der Abteilung Rleiderstosje. G j 01 � II � � 1 1 1 � s-e„ u J' j„e I„st 1 1 1 1 1 i � G Staals Theater Mitlwocfaj den 6. Janitar staatsoper unter tsen Linden 20 Uhr Die Macht des Schicksals Stutl.Sili9Ds>iie1!i9Ui Oiidineeeiiuld. 20 Uhr Schiller-Theater CharitHnkitz. 20 Uhr Oatterich Flon 3434 SwdKa«riaif 20 Zlg*un«rlnn«n splelan, „Zamgnnno's" fliegend« leuchtend« Menschen am Lufttrapez im dunklen Reuen und weiter« Variete- Ntuheiteot siadtopcr Chariottcnhurg BismarckstiaSe 34. Mittwoch, 6. Januar Turnus IV Die verkanfte Brau Anfang 20 Uhr Ende gegen 23 Uhr. LlBiüg-IlBtH Taglich f/t Uhr Horben öeltls uns aalt Gnlt Nitkhii, Hn Baam i Orefceat.Daioa Bei« Theater am Nollendorfplati iqii: Hcisi Salteihir] Pallas 7051 Täglich SVt Uhr Stgs. auch 4', Uhr Gasparone [ GR. SCHAUSPIELHAUS Täglich» I hr 1 Hol. S u. SIC Uhr DAS NEUE MATRAY- BALLETT «tu WOS. KITT Miu IIRDIE DUO 3 BONOS u.i.w. Rose- Theater Crtk Fmklurtir Sirde II? Iii. Weidiiil k 7 3422 6 und 0 Uhr Eine Frau«on Format üersictier von Waschblau die gjoßo Quantitäten von l'ltramavinobiau benutzen, wünschen mit Fabriianten, die imstande sind, en gros zu liefern, in Verbindung zu treten.— Zuschriften erbeten an die Hauptexpedition des, Vorwärts" unter OhiSre-A. 140". tiHiOEOWirKi Arnold Sdsolz I U'Ba.bn Hcrmnnnplaiz» Ho««ihclde 108/114| Großes Bociihierlesi In d«n bayr. Alpen ß Kapeiien• Nruc OeKoraUonen« BayrlsAe Bedlcoana j Donnerstags: Grones 3 lachten EinlaB; Wochentags 6 Uhr, Scnntogs 4 Uhr. MoffmannK Erzählungen I REIHHARDT IMSZEHIERUH6 Sonniag nachmltia« 5 lihr billige Preise der Pläi/c I DeelsdieiKMiteitn-Verbaailj ücütnnt Baas(blosser! Sonocralag, ben 7. Fanaar. oben»» 6 Hljr, Rrandien-Versaminlunä im OrTbandaban», Cinicnffr. 83/85, Singang GlsSstcr Slc� Jlaclcrrcfaal Tagesordnung: Berichirrstatiung van den stattgesu» denen Lahnoerhaudlungrn. Gs ist Pflicht aller Helle gen, in dieser Versammlung zu rrschrinen. Mitgliedsbuch legitimterl. mbtmui l FonkllonAre des Siemens-Rezims. Die Bezirkskonferenz unseres Bezirke«! findet im Monat Januar umständehalber erst am Mittwoch, dem 13. Januar, in dem bekaniurn Lokal statt. vi« OHsrcrwaliniig. Die Komödie tz>< Uhr| Die iiento-Banh j von Louis Verneuil mit ffitxPallpnhrrs Am 3. sanuar verstarb nach halbjährigem Krankenlager unser lieber Sohn Walter schiieoener hn Alter von 22 Jahren, was wir hiermit allen Freunden und Bekannten anaeigen. Wilhelm Schliebener und Frau Berlin- Pankow, Talstr. 2. Die Traueileier findet Freitag, den S. Januar, 20 Uhr, im Krematorium Qerichtstrafie statt KLEINE ANZEIGEN utuuuamniuuiilmaniuumimiliuun'miiimii»üm Uskoeschriftswnrt 25 PL, Taztaort 12Pf, Wleelarholungnrabatt: 1 0mal 6 Pre>z, 20 mal oder 1000 Wort« Abschluß 10 Pro«, 2000 Wort» 15 Pro«, 4000 Worte 20 Proz./ Steheng ssucbs: Uaberschriftswort 15 Pf, To.-ckwort 10 Pf.« Anreiflen, welche tQr die nächste Nummer bestimmt sind, müssen bis 4>/,Uhr nncbmittngs im Vertag. Ulndenntr. Z, oder auch in sämtlichen Vorwlris- Filialen und •Ausgsbosleüen«bgefleben»ein TolKsblUme nuter n BDIoiylalz « Uhr Die CroBiierzogin von Gerolstein Stull SdiitItf-llKittr 8 Uhr Datterich Am 4. Januar verstarb mein lieber Mann, unser Vater. Schwiegervater und Bruder, der Kranken kasscnangestellte im 61 Lebensjahr. Die trauernden Hinterbliebenen Marie PUuiz und Kinder Neukölln, den 6. Januar, Steinmcfzstr. 104 Einäscherung am Sonnabend, dem 9. Januar, 17'A Uhr. im Krematorium Baumschulenweg. •v.uhr CASINO-TflEATER»'/. u». Lothringer Strohe 37. mihi itni iiiiiii iiiiiiiniiiituiinttiHtttinmimjMMiiininiiiumriMi Die neue Posse Vas man ans Liebe tut Dazu die Gesangs- und Tanz- Operette Das MelieidnngH- Souper und der boale Vorlete-Tell. Guischein 1-4 Personen: Parkett SO PL, Fauteuil 1.— Mark. Sessel 1.50 Mark. »MM Rg&ant Berlins; BETRIEB Alst KEMPIHSKI� 5 metropoi-TiiBaier Täglich 8'/. Uhr Ein Lied der liebe Bich. Tauber Ann! Ahlers KonrüVjufimrattrbrodifi) Theater desWestens Täglich 8'/« Uhr Karl Jdkea in Der VogelliiBdler Mnrg. Sleznk Lotte Carola Preise von SO Pf. an Kartfirstefidann- Thealer | 1 448— gl. Uhr Gitsp. ilufiidit-Protett. Maiidgonny von Brecht u Weil! isn.: Mh:. IeU. Letiu: J. Bürger Theater Im Adoiraisaaiasi Täglich 8'., Uhr ema oipar in"Die I>abiirr.v Preise v. 0.50 M. an Oeotsdi» Tlntei 8 Uhr Der Raab der Sabinerinnen Regte: Hans Doppc, Alberl Bassermann, Felix Brcssart, L, Höflich, Richard Für vir herzliche und innig« Teil- »ahm« bei der Einäscherung meine« besten Lebrnskamkraden und Gatten Ldnard Bahr spreche ich allen meinen Genoisen. dem Redner de« Frridrnleroerbanbes, dein Herrn strllorrtreirndr» Direktor, den Beamten. AngesteUten. dem Arbeiter- rat d«, Arbeitsamt West, dem Berein der Heimstättennedwng Wilmerstor- meinen aufrichtig«» Dank aus. Bileoersborf, Januar 1032. Bliss 14, br«od kectteseisl««. Aschcnorisrtzmiz an: Sonnubrnd. dem 0. Januar. 18 Uhr. Bilmer»- d orfer Waldfriedhos, Stahnsdorf. Für die Uedeoolle Teilnahme bei der Bestattungsfeier unseretz liebe» Gerhard sagen w r oll-n Beteiligten, in». besonder« d-n ,. Rinde tfreuntwn" anicren herzlichsten Dam kneolUs Mu Morzlwlt Harzer Strohe 88 Deiföfier Metaliirinitef-VerbaBil Vcrwalhrngsstrllr. Berlin Todesanzeigen Dfii Mitgliedern zur Nachricht, daß rmfer Kollege, der Rohrleger kostav Arooser geb. 9. August 187:5. am 1. Famiat gestorben ist Dir Einäscherung findet am Mittwoch. dem S. Zannar. 14 lldr. im Krematorium Gerichlstratze statt. Am 2. Zannar starb unser Kollege, der Helfe: Otto Schniegier geh. 10. März 1883._. Dir Einäscherung findet am Freitag, dem 8. Januar. 1»"he->"1 Krematorium Gerichtstrotz« sta». Am 3l. Dezember 1«»> fi®-6 unser Kollege, der Arbeiter Eduard Holle geb. 24. August 1867. Di« Einäscherung findet am Frei- toa dem 8. Zannar. 171, Uhr. im Krematorium GeriGiuratze statt. Gär« ihr«» Andenken! Rege Brlriligun«"ritb errootlet. Die OrineenraUnag. I uermnie I Gebraucht« Büromöbel im Hofspeicher. Lin- denftragr 71—72._ Tischlermeister bitlrt höflichst um Besichtigung seiner sehenswerten Mä. brlichau tn 2 Fa- brike'.aaen. 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Der Mut, die Wirklichkeit so zu sehen, wie sie ist, und aus den Lehren der Ereignisse folgerichtige Konsequenzen zu ziehen, hat sich im deutschen öffentlichen Leben nicht durchsetzen können. Wir wundern uns nicht darüber, da wir wissen, in welchem Widerspruch diese Lehren zu den unmittelbaren Interessen der verschiedenen Gruppen und namentlich zu den Wünschen stehen, die meistens viel stärker als die Erkennt- nisse sind. Wir wolle» hier nicht auf die Einzelheiten eingehen, sondern uns noch einmal grundsätzlich mit den Zentralproblemen auseinandersetzen. Es wurde im letzten Jahre von ver- schiedenen Seiten sehr viel vom„Versagen des Kapitalis- m u s" geredet. Es ist auch ein Buch„Das Ende des Kapi- t a l i.s m u s" erschienen, welches ziemliches Aufsehen erregt hat. Nun ist es zwar unsere Ueberzeugung, ja unsere Erkenntnis, daß der Kapitalismus infolge innerer Widersprüche seiner Entwicklung zu einer sich selbst überlebenden„alten Ordnung" wird, wie es die „alte Ordnung" m der Zeit der bürgerlichen Revolutionen war. Indessen droht aber das Schlagwort vom versagen des Kapitalismus. wie es in den nichtsozialistischen Kreisen modern wird, zur größten Bauernfängerei unserer Zeit zu werden. Man erklärt den Kapitalismus für tot, um sein Leben zu retten. Oder man versucht, wesentlichste Funktionen der kapitalistischen Wirtschast für eine Zeitlang außer Kraft zu setzen, damit sie später mit um so frischerer Kraft wirken könnten. Kapitalis- mus z. D.! Kapitalismus„zur Disposition", in Er- Wartung der Zeit, da er wieder in den aktiven D i c n st e i n t r e t e n kann. Wir sehen auf der anderen Seite verschiedene Schattierungen des faschistischen„A n t i k a p i t a l i s m u s", der letzten Endes nichts anderes anstrebt als die Erhaltung der kapitalistischen Wirtschaft unter der Vormundschaft, aber auch unter dem denkbar stärksten Schutz des Staates, wobei allerdings wüster Wirtschaft- licher Dilettantismus zu Experimenten neigt, die für die Wirtschaft auch in ihrer kapitalistischen Form von größtem Schaden sein wür- den(z. B. alle„Autarkie"-Pläne)., Auf der anderen Seite begegnen wir der optimistischen Auffassung, daß der Kapitalismus, nachdem er eine Zeillang ,nit staatlichen Krücken gelaufen ist, eines schönen Tages seilte ursprüngliche Kraft wiedergewinnen wird. Diesem kapita- liftischen Optimismus hat der Reichsbankpräsident Dr. Luther in seinem Wcihnachtsartitel in der„DAZ." folgendermaßen Ausdruck gegeben: „Die Kette so harter Staatscingrisfe in die Wirtschaft, die durch die Not hervorgerufen ist, wird aller Erfahrung nach in kürzerer oder längerer Zeit eine heftige, aber heilsame Gegen- bcwegung entfachen. Dann wird sich das Verlangen der Men- schen nach wirtschaftlicher Freiheit und Selbstoerantwortung mit seiner Ursprünglichkeit wieder machtvoll durchsetzen... Die Hand- habung der Wirtschaft wird zu guter Letzt nur einer freien Wirtschaft selber gelingen." Auch.in dieser Auffassung wird im Grunde genommen stillschweigend das Versagen des Kapitalismus zugegeben, aber nur als eine vor- übergehende Schwäche, die auf den Mangel an Liebe zur wirtschaftlichen Freiheit und an Sclbstvcrantwortungsgefühl zurück- geführt wird. Die schwierige Zeit hat ein schwaches Geschlecht gc- fundcn: durch harte Lehren geheilt, wird dieses Geschlecht aber wieder stark werden! Nicht selten wird die Schwäche des heutigen„kapitalistischen Geschlechts" durch persönliche Unzulänglichkeit ein- z e l n e r derzeitiger„Wirtschaftsführcr" erklärt. Äch, wenn nicht die Söhne, sondern die Väter da wären! Und der Staat richtet für die versagenden Söhne eine Art Erziehungsanstalt ein, versucht sie durch seine Eingriffe zu kurieren und zu stärken! Aus einer solchen Einstellung ergibt sich die Unzulänglichkeit und in vielen Fällen Schädlichkeit der staatlichen Eingriffe, wie sie bei uns vorAnommen werden. Ulan sträubt sich gegen die Erkenntnis, daß das versagen des kapitalistischen Systems, soweit es talsächlich vorhanden ist. eben das Versagen des Systems und nicht nur die Folge von unglücklichen Zufällen ist. Deshalb ist die D 0 r st e l l u n g f a l s ch, als ob nnan vorübergehend das richtige Wirken der kapitalistischen Gesetze durch einzelne staatliche Eingriffe ersetzen könnte. Auf diese Weise ersetzt man weder die abgeschwächt- Anpassungsfähigkeit der kapitalistifch-n Wirtschaft durch die planmäßige Lenkung der wirtschaftlichen Vor- gänge. noch läßt man die Kräfte selbständig wirken, die der kapita- listischen Wirtschaft noch immer innewohnen. Wir geben Beispiele: Seit dem Bankenkrach bemüht man sich um die S a n i e r u n g der einzelnen Banken mit staatlichen Mitteln mit dem Er- folg, daß die Zahl der sanierungsbedürstigen Banken allmählich zu- nimmt und die wirkliche Sanierung nicht zustande kommt. In der Hoffnung auf die künftige Wiederbelebung läßt man künstlich das Morsche weiter vegetieren. Man läßt weder die der kapitalistischen Wirtschaft eigene Auslese zur Auswirkung kommen, noch wagt man eine gründliche organisatorische Reform vorzunehmen. Nicht besser bestellt war es mit den staatlichen Eingriffen zum Zweck der Beeinflussung der Preise. Es stellte sich schon im Jahre 1939 heraus, daß der übliche kapitalistische Mechanismus der Anpassung der Preise während der Krise In der gegenwärtigen kapitalistischen Wirtschaft(nicht nur in Deutschland) nicht mit der frübercn relativen Sicherheit, sondern mit starken Hemmungen funktioniert. Falsch wäre es zu sagen, daß dieser Mechanismus völlig versagt. An manchen Stellen der Wirtschaft versagte er aber so gut wie vollkommen, während bei sehr vielen Waren der Preis- stürz außergewöhnlich stark war. Die Ungleichmäßigkeit in der Entwicklung der verschiedenen Preise ist immer vorhanden und muß in der kapitalistischen Wirtschaft immer vorhanden sein, im Ver- laufe der gegenwärtigen Krise war sie aber offenbar viel zu stark. Der Staat sah sich gezwungen, in diese Entwicklung einzugreifen. Wenn es sich ober um den Ausgleich der Mißverhältnisse handelt, so müssen die Möglichkeit der Ü e b e r s i ch t über die Art der Preisbildung in einzelnen Fällen und die Mittel zum Ein- greisen dort, wo es nötig ist, geschaffen werden. Dies war nicht zuletzt der Sinn unserer alten Forderung nach der K a r t e l l- und Monopolkontrolle. Dies bedeutet aber die ständige Ueber- wachung bestimmter Funktionen der kapitalistischen Wirtschaft, das erfordert den Einbau von Wirtschaftsorganen in das kapita- listische System, die nach anderen Grundsätzen arbeiten als nach denen der privatkapitalistischen Unternehmungen. Und das wäre zugleich ein Vorstoß gegen wichtige Machtpositionen des Kapitalis- mus. Dieser Weg ist nicht gegangen worden. Man will doch, auch wenn man den„freien" Kapitalismus zur Disposition stellt, ihn für eine glücklichere Zukunft möglichst intakt erhalten. Durch die Verknüpfung der Preissenkung mit dem Lohnobbau wurde sogar zunächst der Mechanismus der Anpassung der Preise, insofern er funktionsfähig war, nicht un- wesentlich gehemmt. Man hat durch diese Verknüpfung die Unter- nehmer direkt aufgefordert, mit dem Preisabbau so lange zu warten, bis die Schlichter den Lohnabbau beschließen, und mit dem Preis- a b b a u„sparsam" zu sein, um einen weiteren Lohnabbau aus- zuHandeln. Man hat dann die Eingriffe in die Preisbildung so oll- gemein und nach irgendwelchen geheimnisvollen Zahlenvorstellungen (Preisabbau um 19 Proz. für alle Markenartikel!) gemacht, daß die gegenseitige Anpassung der Preise nicht erfolgen konnte. Indem man zugleich den Abbau der meisten Verdienste über das Maß der Preissenkung für die Verbrauchswaren er- zwang, hinderte man die Anpassung der Preise erst recht, da die reale Kaufkraft von neuem sank. Staatliche Eingriffe sind noch längst keine Planwirtschaft. Lächerlich, von solchen staatlichen Eingriffen als von der „st a a t l i ch e n Planwirtschaft" zu sprechen, wie es geschieht. Sie stellen in der Tat das Gegenteil der Planwirtschaft dar, da das Wesen der Planwirtschast vor allem in der gegenseitigen A n- Passung der Relationen, d. h. der Verhältnisie zwischen den eingelnen Bestandteilen des Wirtschaftsprozesses liegt Demgemäß ist die planmäßige Beeinflussung der Wirtschaft nur in einer organisatorischen Form und als ständig wirkend möglich, nicht aber als einzelne Stöße, die ganz allgemein verschiedene und unter verschiedenen Voraussetzungen wirkende Elemente der Wirt- schaft treffen. Durch solche Eingriffe werden zwar, wie wir es bei unseren Beispielen gesehen haben, die der kapitalistischen Wirtschast innewohnenden Anpassungsmöglichkeiten gänzlich oder teilweise außer Kraft gesetzt, aber keine neuen funktionsfähigen Mittel für die planmäßige Beeinflussung der wirtschaftlichen Vorgänge gc- schaffen. Nun ist es die größte I l l u s i 0 n, die sich noch bitter rächen wird, zu glauben, daß auf diese Weise dem Kapitalismus die Mög- lichkeit erhalten bleibt, sich wieder von ollen Hemmungen zu befreien, und in seiner ursprünglichen Frische wiederaufzustehen. Und es kann sehr schlimm werden, wenn man nach einiger Zeit versuchen wird, den Kapitalismus mit oller Gewalt in seiner vollkommenen Freiheit wiederherzustellen oder, um bei unserem Bilde zu bleiben, den Kapitalismus aus der Dispositionsstsllung wieder in aktiven Dienst zu bringen. So wenig die staatlichen Eingriffe der letzten Zeit etwas mit dem Sozialismus oder mit der Planwirtschaft über- Haupt zu tun haben, so tragen sie doch das ihrige dazu bei, um das Schicksal des kapitalistischen Systems zu besiegeln. Und wer nicht will, daß wir als Ergebnis der Entwicklung bloß den zum Krüppel gewordenen Kapitalismus als Lebensform für die Dauer bekommen, der wird sich nicht täuschen va s s e n, der muh sich ohne Zögern den, großen Werk der Umwandlung der kapitalistischen Ordnung, dem großen Kampf um den Sozialismus anschließen. G. Decker. Zur Preissenkung. Merkwürdige Auffassungen der Unternehmer.-(Stahlworen ebenfalls verbilligt. Der Verband der G l a s i n d u st r i e l l e n beklagt sich in einer Mitteilung an die Oesscntlichkcit lebhaft darüber, daß die Kund- schast einen Preisnachlaß von 19 Proz. für Hohlglasartikel verlangt. Die Forderung sei unberechtigt, weil es sich bei den Hohlglasartikeln meistens nicht um preisgebundene Ware handelt., Sei dem wie immer; in der Erklärung kommt aber eine Auffassung zum Ausdruck, die uns charakteristisch für die Auffassung großer Unter- nehmerkreise zu sein scheint und die wir deshalb festhalten müssen. Der Verband der Glasindustriellen schreibt nämlich, daß die jetzt durch Notverordnung herabgesetzten Löhne und Gehälter, die eben- falls herabgesetzten Rohstoffprcise und Frachten keinen Aus- gleich für den bisher eingetretenen Rückgang der Verkaufspreise bieten., Hier kommt die Auffassung zur Geltung— und wir fürchten, diese Auffassung wird in der Industrie sehr vielfach geteilt—, daß die Produktionskostensenkung durch die Notverordnung überhaupt nur den Zweck hat. konjunkturelle Preisverluste der Produzenten einfach nur auszugleichen und wettzumachen. Man wäre damit glücklich so weit, daß der Sinn der Notverord- nung, die, Kosten zu senken, um durch die Senkung der Preise die Reolkaufkrast aufrechtzuerhalten, vollständig preisgegeben wird. Wir empfehlen der Rcichsregierung. sich einmal mit den Konsequenzen zu beschäftigen, die sich aus einer derartigen Auf- fassung ergeben müssen. Die Vereinigung Solinger Stahlwarenfabrikan- t c n hat beschlossen, obwohl angeblich die Preise für Solinger Stahl- waren durch die Notverordnung grundsätzlich nicht berührt werden, den Mitgliedern eine weitere Senkung der Verkaufspreise zu empfehlen. Die Mitglieder sollen für Aufträge ab 1. Januar einen Preisabschlag bis zu ö Proz. auf die bisherigen Verkaufspreise in Anrechnung bringen. Oie Tarife der Elekirizitätswerke. Der R e i ch s k 0 m m i l s a r für Preisüberwachung Dr. Goer- deler hat als F r i st sür die Elektrizitätswerke zur Berichterstattung über die beschlossenen Preissenkungen bzw. über die Lage der einzelnen Gesellschaften den 19. Januar s-stgcsctzt. Elettrizitäts-, werke, die ab 1. Januar«iäe zchnprozentige Tarifsentung vornehmen. sind von der besonderen Berichterstattung über ihre finan- zielte Lage und damit auch von einer Nachprüfung befreit. Als eines der ersten hat das Berliner Elektrizitätswerk einen wenig Zureichenden Beschluß gefaßt und dem Prei-kommissar mitgeteilt. Sonst sind bisher nur spärlich- Meldungen kleinerer Elettrizitäts- werke eingegangen. Die überwiegende Mehrzahl der rund 3999 deutschen Elektrizitätswerke hat bicher noch keinen Bericht ein- gereicht. Es läßt sich daher noch nicht übersehen, in welchem Um- fange die Preissenkung bei den Elektrizitätswerken sich aus- wirken wird. Die preise sür Arzneimittel. Zu unseren Veröffentlichungen über die Preise für Arzneimittel wird uns aus Kreisen der pharmazeutischen Industrie folgendes mitgetellt: Die Preise sür pharmazeutische Produkte sind bereits rm Sommer 1931 um etwa 5 Prozent gesenkt worden. Die Notver- ordnung der Reichsregierung vom 8. Dezember 1931 sieht nun vor, daß die Preise für Markenartikel um mindestens 19 Prozent gegen- über dem Stande vom 3 9. Juni 1931 zu senken sind.. Die pharmazeutische Industrie Hot entsprechend den Bestimmungen der Notverordnung eine weitere.Preissenkung um 5 Prozent vor- genommen, so daß damit die L 0 r s ch r i s t erfüllt ist, daß die Preise gegenüber dem Stande vom 39. Juni vorigen Jahres um 19 Prozent abgebaut werden müssen. Außerdem hat die In- dustrie auch die Preisbindungen, die bisher zwischen den Fabrikanten und dem Großhandel bestanden, aufgehoben, ob- wohl sie hierzu nach den Bestimmungen der Notverordnung nicht verpflichtet gewesen ist. So weit die Informationen aus dem Fabrikantenkreise. Man muß sich über den Widerspruch wundern, der zwischen dieser Mit- teilung und den Meldungen über die Schwierigkeiten der Pharma- zeutischen Industrie mit dem Reichswirtschafts mini st c- r i u m sowie der Verlautbarung des Deutschen Apotheker- verein? klafft. Merkwürdig ist auch auf alle Fälle, daß die Interessenvertretung der pharmazeutischen Industrie, wie dies sonst in industriellen Kreisen üblich ist, die Oeffentlichkeit nicht rechtzeitig über die getroffenen Maßnahmen unterrichtet hat. Eine K l ä- r u n g von der zuständigen Stelle der Rcichsregierung scheint uns hier dringend geboten. Oer Kampf um die Goldklausel. Leisetreten!— Die Taktik des Zieichsverbandes derDeutschen Industrie. Das zustimmende Echo, da« der energische Vorstoß des Verbandes Deutscher Waren- und Kaufhäuser in der Frage der Goldklausel bei Liescrantenrechnungeu gesunden hat, hat jetzt auch den Reichsoerband der Deutschen Industrie veranlaßt, in einer Pressekonferenz die Diskussion über diesen Streitpunkt noch einmal aus- zunehmen. So wenig ergiebig auch das Gesamtergebnis dieser Diskussion über das spezielle Streitthema war. so trat doch hierbei ein Punkt deutlich in Erfcheirning: die außerordentlich schwache Stellung des industriellen Spitzenverbandes in diesem Kalnps. Aus der Fanfare des kürzlich verbreiteten Rundschreibens des Reichsvcrbandes gegen das Urteil des Kartellgerichts ist eine Chamade geworden. Der Wortführer des Reichsvcrbandes, Herr Abraham Frowein vom Präsidinm,„versuchte zwar, den Waren- hausverband als den eigentlichen Unruhestifter bei diesem Streit hinzustellen, da er angeblich ohne Grund zu dem schärfsten Mittel des Kartellzwanges, dem Boykott, gegriffen habe, doch wirkte die Mohrenwäsche Herrn Froweins an der Industrie alles andere als überzeugend. Wenn Herr Frowein den Standpunkt des Reichsverbandcs der Deutschen Industrie in der Währungsfrage nochmals nachdrücklich dahin festlegte, daß er unbedingt an einer festen Wäh- r u n g festhalten und niemals die Zeiten wiedersehen walle, w» es eine Inflation mit Währungsgewinnern und Währungs- Verlierern gäbe, so fragt man sich erstaunt, warum der Reichs- verband sich bei einem derartigen Standpunkt in der Frage der Goldklausel so stark engagiert hat. Es konnte bestimmt nicht schwer sein, diesen Standpunkt bei sämtlichen Mitgliedsverbändcn f a nachdrücklich zur Geltung zu bringen, daß dieser unerquickliche Streit, der in der Oeffentlichkeit eine ganz unnötige Beunruhigung geschaffen hat, gar nicht erst zum Austrag gebracht zu werden brauchte. Zum Schluß erklärte der Sprecher des industriellen Spitzenverbandes, daß die Industrie mit dem Warenhausverband zu �einer E i n i g u ng" kommen wolle, jedoch erwarte, daß dieser aus das Mittel des Boykottes verzichte. OresdenvereinbartZinssenkungmitdenGläubigern Die Stadt Dresden hat sich mit ihren örtlichen Gläubigern über eine Herabsetzung der Zinsoerpflichmngen geeinigt. Der Zinsfuß für die ungefähr 39 Millionen Mark betragenden kurzfristigen Schulden wird von bisher 19 bis 12 Proz. auf 8 Proz. herabgesetzt. Die Stadt hat sich verpflichtet, bis zum 31. März 1932 ein Zehntel des Gesamtbetrages zu tilgen. Die Stadwcrwaj- tung errechnet aus diesem Abkommen eine Ersparnis von etwa einer Biertclmillion Mark jährlich. Pläne des Arbeitsministeriums. Was wird aus der Gozialverficherung? 3 m Letchsarbeilsmimsterium werden zur Zeit Pläne ü r eine organisatorische Zlengestaltung der Sozialversicherung ausgearbeitet. Was die Ziolver- ordnung auf dem Gebiet der Sozialversicherung brachte, war nur ein Notbehelf für den Zlu gen blick. Auch die Frage der Sanierung der Invalidenversicherung, die besonders brennend ist. steht noch offen, was wird, ist zunächst noch das Geheimnis des Relcksarbeitsmiuifierlums. Durch die presse laufen verschiedene Mitteilungen über die Pläne des Ministeriums. Aus ihnen ersieht mau jedoch absolut nicht, wohin die Reise gehen soll. Der Grundgedanke der Reform ist c i n f a ch. Er liegt in der Forderung, die die freien Gewerkschaften fchon wiederholt auf ihren großen Kongressen aufgestellt haben: durchgreifende or- ganisatorische Reform, die die Sozialversicherung einfacher, elasti- scher, zweckmäßiger und billiger arbeiten läßt. Die Frage ist nur, in welcher Form diese Umgestaltung erfolgen soll. Man kann sich denken, daß mit Hilfe von Zwangsverbänden eine größere Ein- heitlichkeit herzustellen oersucht wird. Eine Anpassung des Auf- baues der Sozialversicherung an das Muster der regionalen Glieds- rung der Arbeitslosenversicherung liegt sicherlich ebenfalls im Be- reich der Ueberlegungcn. Daß für die Versicherten eine maßgebende Mitwirkung in allen Zweigen der Sozialoersicherung sichergestellt werden muß, wie das in der Verfasiung längst versprochen wurde, ist für die Gewerkschaften ein ganz besonders wichtiger Punkt. An dieser Forderung werden die Reformer kaum vorbeigehen können. Die Beseitigung des Zweigkassenunwesens und der Neineren Orga- nisationskörper in der Sozialversicherung müßte eine Selbstoer- ftändlichkeit sein. Lei den scharfen Inleressengegensähcn, wie sie in der Organi- sationsfrage vorliegen, ist mit schwierigen Verhandlungen zn rechnen, wenn die Vorlage in den Reichsrat— die Länder find an der Reform ganz besonders interessiert— und in den Reichs- tag kommen sollte. Geplant ist eine Reuregelung ans dem normalen gesetzgeberischen Weg. Aber ist bei diesem Reichstag praktische Arbeit möglich? Was kümmert die Radikalinskis die Sozialversicherung? Für sie ist die Versicherung nur ein Objelt zur Hetze, obwohl für die Versicherten bei der Reform wichtige Dinge aus dem Spiel stehen. Schon deshalb wäre eine gründliche Behandlung der kom- wenden Vorlage in den Ausschüssen des Reichstages notwendig. Angesichts der großen Bedeutung der Resorm könnte es nicht schaden, wenn der Reichsarbeitsminister, sobald er zu den Vor- schlügen keiner Referenten Stellung genommen hat. den unmittel- bar interessierten Kreisen die Möglichkeit geben würde, noch vor der Gestaltung der eigentlichen Regierungsvorlage ein Wörtletn mitzusprechen. Man darf doch wohl annehmen, daß er nicht die Absicht hat, in einer so bedeutsamen Angelegenheit, wie sie die Reform der Sozialversicherung darstellt, die Oessentlichkeit eines Tages vor vollendete Tatsachen zu stellen. So etwas ging vielleicht zur Not noch bei der letzten Notoerordnung. Diesmal aber, wo es ums Ganze geht, liegt doch eine rechtzeitige Klärung des Möglichen und Notwendigen eigentlich auch im Jnter- esse der Arbeit der Regierung. Die Ungewißheit hat bereits aller- Hand Befürchtungen hinsichtlich der Sanierung der I n v a- lidenversicherung wach werden lassen. Die Invaliden möchten nicht gerne die Leidtragenden einer Ueberrumpelunz sein. Kompromiß in den Werken. Heute Entscheidung der Obleute. Die Aussprache über die Beilegung des Lohn« konflikts in den Berliner städtischen Gas- und Wasserwerken und der BVG., die gestern im Berliner Rathaus zwischen den Bürger- meistern Lange und Elsas sowie dem Stadtkämmerer A s ch als Vertretern des Magistrats, den Direktoren der Gas- und Wasser- werte und der BVG. mit den Vertretern des Gesamtoer- bandes stattfand, ist nicht ergebnislos verlaufen. Uober die Durchführung des zehnprozentigen Lohn- abbaues auf Grund der Vierten Notoerordnung bestand zwischen den an der Aussprache Beteiligten Ueberein st immun g. Hin- sichtlich der Ungleichung der Werks- und Verkehrsarbeiterlähne an die der Berliner Gemeindearbeiter, die die eigentliche Ursache des Konflikts ist, kam nach längerer Aussprache ein Kompromiß- Vorschlag zustande. Bon den Direktoren der Gas- und Wasser- werke wurde vorgeschlagen, m Berfolg der Anzleichungsbestimmun- gen der Zweiten und Dritten Notverordnung die Löhne der Werks- arbeiter nicht ab 1. Januar und 1. März 1932 um je 2 Pfennig herabzufetzen, sondern ab 1. Januar und 15. März um je einen Pfennig, insgesamt also um zwei Pfennig anstatt um vier Pfennig. Bei der BVG. soll es bei den bereits angekündigten Lohnkürzungen bleiben, die im Durchschnitt ober nur etwa em bis zwei Pfennig pro Stunde betragen, doch soll die bereits durch Anschlag bekannt- gegebene Streichung der Frauenzulagen von zwei Pfennig pro Stunde wieder rückgängig gemocht werden. Di« Gewerkschaftsvertreter behielten sich die Stellungnahme ihrer Organisationen zu diesen Vorschlägen vor. Sie haben ent- sprechend dem Beschluß der Funktionärversammlung vom Montag die Obleute der Gas- und Wasserwerk« und der BVG. zu heut«, Mittwoch, 1Z Uhr, zu emer Konferenz nach dem Sitzungssaal der Bezirks» und Ortsverwaltung des Gesamtverbandes, Johannis- straße 14/15, zufammenberufen. Di« Obleute der drei Betrieb« haben nunmehr darüber zu entscheiden, ob sie die Verantwortung für die Ablehnung oder Annahme dieser Vorschläge übernehmen oder den Funktionären bzw. dm Belegsil, asten die endgültige Ent- scheidung überlassen wollen. Die Aktion des LGB. Internationaler Kongreß im Juli 1953 In seiner Dienstagsitzung behandelt« der Vorstand des IGB. zuerst den Entwurf des' sozialpolitischen Programms des IGB. Nach gründlicher Besprechung der allgemeinen Grund- sätze wurde der Entwurf zwecks Nachprüfung an das Sekretariat zurückverwiesen und wird in seiner neuen Form noch einmal dem Vorstand zur Stellungnahme unterbreitet werden. Im übrigen be. handelte der Vorstand überwiegend Fragen finanzieller und organisatorischer Art. U. a. wurde der dem Ausschuß in Bern vorzulegende Tätigkeitsbericht für das Jahr 1931 genehmigt. Es wurden Berichterstatter für die einzelnen Tages- ordnungspunkte der Ausschußsitzung bestimmt, und zwar soll der Generillsekretär Schevenels über die Tätigkeit des IGB und über den Aktionsplan für das kommende Jahr Bericht erstatten. während Lei p ort als Berichterstotter für die Frage der Welt- Wirtschaftslage, Mertens für die Frage des sozialpolitischen Programms und I o u h a u x für die Frage der Vorbereitungen der internationalen Arbeiistvnferenz des Jahres 193? sow:e d-e Arbeit in Genf im allgemeinen ernannt worden. Der im Jahre 1933 in Brüssel stattfindende internationale Gewerkschaft»- kongreß soll in der zweiten Hälfte des Juli abgehalten werden. Die nächst« Vorstandssitzung findet am 10. März 1932 in Bern statt Stilles Begräbnis. Stegerwald gibt die 4l)-Stunden.Woche auf. Nach einer Msidung des Gewerkschaftlichen Pressedienstes hat 0« Reichsarbeitsminister in«mein Schreib«» an die Vereinigung der deutschen?lrbeitgeberverbönde wiederum zum Ausdruck gebrocht, daß er vom Gesichtspunkt der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit aus eine Verkürzung der Arbeitszeit überall da, wo sie technisch möglich und wirtschaftlich tragbor sei, nach wie vor für dringend erwünscht halte. Im Hin- blick auf die orbeitsrechtlichen Borschriften der Notverordnung vom 8. Dezember v. I. sei es jedoch ratsam, die Ermittlungen über eine zwangsweste Arbeitszeitverkürzung zunächst zurückzu- stellen. Wann die Arbeiten für eine behördliche Arbeitszeit- Verkürzung wieder aufgenommen werden könnten, würde vvn den Auswirkungen der Notverordnung, insbesondere hinsichtlich der Lohn- und Preisgestaltung, und von der weiteren Ge- stallung des Arbellsmarktes abhängen. Der Reichsarbeitsminister behäll sich vor, mit den Spitzenoerbänden der Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu geeignet erscheinender Zeit wieder in Verbindung zu treten. <- Dieses stille Begräbnis der Fünftagewoche kann nicht über- raschen. Der seit eineinhalb Iahren vom Neichsarbeitsmimstemm betriebene systematische Lohn- und Gehaltsabbau, gekrönt durch die Notverordnung vom 8. Dezember, hat die Löhne derart gedrückt, daß selbst bei Vollarbeit eine ausreichende Lebens- hallung einem sehr großen Teil der Arbeiterschaft nicht mehr mög- lich ist. Wenn der Reichsarbeitsminister jetzt die wiederholt und feierlich angekündigte zwangsweise Einführung einer verkürzten Arbeitszeit ausdrücklich aufgibt, dann erklärt er damit, daß seine Politik im Widerspruch stand zu seinem Programm. Wenn er gerade jetzt, wo die allgemeine Preissenkung die Real- kaufkraft erhalten soll, die Verkürzung der Arbeitszell preisgibt, so ist das ein sehr bedenkliches Zeichen jür das geringe Vertrauen, das der Reichsarbellsminister in den Erfolg der Preis- senkungsaktion hat. Die Generalpleite. Hambarg, 5. Januar.(Eigenbericht) Di« von den Kommunisten für das grohhamburgische Hafengebiet angekündigten Streikaktionen sind voll- kommen insWasser ge fallen. Schon am 2. Januar war trotz ausdrücklicher Parteibefehle an die KPD.-Funktionäre nicht der geringste Versuch irgendeiner Streikaktion zu bemerken. Erst am Montag und Dienstag wurden schwache Anläufe zu einem Streik unternommen. Sie sind aber kläglich gescheitert. Die kom- munistische„Volkszeitung" berichtet zwar in großen Lettern von einem„Seeleutestreit" in Hamburg und behauptet, daß die Heuer- stellen der Seeleute sowie die im Hamburger Hasen liegenden Dampfer„Uranus",„Aquilla" und„Beringa" durch den Streit lahmgelegt feien. An diesen Behauptungen ist ober kein wahre» Wort. Es wurde lediglich auf dem Dampfer„Uranus" ein Streik- versuch unternommen. Er mißlang, noch ehe e» richtig durch- geführt worden war. Die Heuerstellcn der Seeleute wurden m i t Steinen beworfen. Der Betrieb mußte daher für eine Stunde polizeilich gesperrt werden, konnte aber ungestört seinen Fortgang nehmen. Die große Mehrheit der Hamburger Arbeiterschaft, insbesondere die Hafenarbeller und Binnenschiffer, hat die kommunistische Streikparol« vollkommen ignoriert. Rur eine Siunde Gireik. Wir zitierten gestern im„Abend" die Notiz der„Noten Fahne", die sie zweimal in einer Nummer brachte, wonach in der Schultheiß- Patzenhofer-Braucreiabteilung Schön ewcid« am Montag ein einstündiger P rote st streik durchgeführt worden sei. Hierzu wird uns imtgeteill, daß diese Meldung von A bis Z erlogen ist. Seidst der kommunistische Betriebsratsvorsitzendc in Schöne- weide gab dem Gesomtbetricbsral gsgenüber seiner Empörung Ausdruck über dies« Schwindel notiz in der..Roten Fahne". Auch in Riederschlesien verpufft. Waldenburg, 5. Januar. Di- Streikpropaganda, die seit Wochen von dem kommunistischen „Einhellsoerband" unter den B-rgarbcllern des nicderschlcsischcn Bergbaureviers betrieben wurde, ist vollständig wirkungslos ge- blieben. Nach der Parche der Kommunisten sollte heute früh der Streit beginnen. Die Belegschaft der Frühschicht ist jedoch im ganzen Revier vollzählig eingefahren. Selbst die Mitglieder des kommu- nistischen Verbandes hoben die Streikparolc nicht beachtet. Lohnkürzung in Krankreich. Die Wollkämmereien von Roubaix-Tourcoing hallen vor Weih- nachten angekündigt, daß vom 4. Januar ab eine Lohnkürzung von 10 Proz. vorgenommen würde. Daraufhin fanden Ver. Handlungen zwischen den Unternehmern und den Vertretern der Textilarbeitergewerkschaften statt, deren negatives Ergebnis den Arbeitern am Sonnabend in einer Generalversammlung mitgeteilt worden ist. Verschieden« Redner wandten sich energisch gegen die Lohnsenkung. Die Versammlung nahm jedoch eine E n t s ch l i e- ß u n g an, in der es heißt, daß die Arbeiter gezwungen seien, augenblicklich die Forderungen der Unternehmer anzunehmen, daß sie sich ober am Ende der Wirtschaftskrise ihre volle Handlungsfreiheit vorbehalten. Aus dem Dritten Reich. Statt Freiheit und Drot- Hunger uud Gefängnis. Auch in Italien steigt die Arbeitslosenziffer. Die amlliche Statistik vom 30. November meldete«ine weitere beträcht- liche Erhöhung der Arbeitslosenziffer um weitere etwa 80 000, d. h. von 779 744 auf 878267. Das ist aber nur die amtlich erfaßte Zahl der vom Arbellsamt Gemeldeten. Die wirkliche Zahl der Arbeitslosen ist bedeutend höher. Sie liegt bei etwa 1,2 Millionen. Von�den 900 000 amtlich erfaßten Arbeitslosen bekommen nur 240000 die Arbeitslosenunterstützung, d. h. die übrigen sind, da die geringe Unterstützung nur für kurze Zell gezahlt wird, bereits ausgesteuert. Di« Zahl der Unterstützten bewegt sich merkwürdigerweise fast immer nur um 200 000 herum. Die italienische Arbellslosenunterstützung existiert jell 1919, also noch aus der Zell des demokratischen Regimes 1923 wurde sie vom Faschismus aus eine neue Grundlage gestellt. Die Arbeiter zahlen ihre Beiträge nach drei Lohnstusen. Die Beiträge sind sehr gering-, sie werden je zur Häiste von den Beschäftigten und den Unternehmern gezahlt. Sie bewegen sich zwischen 0,70 und 2,10 Lira für den halben Monat. Gezahlt werden je nach den drei Stufen pro Tag 1,25, 2,50 oder höchstens, bei der obersten Lohn- stufe und Versicherungsklasse, 3,75 Lire. Das sind also 28 oder 55 oder 82 Pfennig pro Tag. Davon kann niemand auch noch so . kärglich leben, auch in Italien nicht. Am wenigsten aber ein ver- heirateter Arbeiter mit zahlreicher Familie. Die ganze Versicherung erweist sich also als völlig unzulänglich. Ihr System begreift man aber erst dann ganz, wenn man weiß, daß sie von vornherein fast ausschließlich für I n d u st r t c arbeiter gilt. Grundsätzlich von der Versicherung sind aus- geschlossen: 1. die Landarbeiter, die in dem vorwiegend land- wirtschaftlichen Italien immer noch die entscheidende Rolle spielen: 2. die Heimarbeiter, deren Zahl in Italien verhältnismäßig groß ist: 3. die fest angestellten Arbeiter im Dienst des Staates, der Pro- vinzen und der Gemeinden— diese Gruppe zählt nach Zehn- taufenden und ist genau so wie die der Industriearbeiter von Ent- lassungen bedroht—; 4. sämtliche Hausangestellte jeder Art und 5. das gesamte artistische Personal. Alle diese haben nicht einmal für ein paar Monate die paar Pfennig« Unterstützung, die sie vor dem Hungertod schützen könnten. Nur aus der furchtbaren Arbeitslosennot erklären sich die neuen und strengen Richtlinien, die Mussolini dieser Tage dem neugebildeten Direltorwm der Partei gegeben hat. Danach soll die ganze Partei sich im Zustand der„polllischen und moralischen Mo- bilisation" halten. Sämtliche verfügbaren Kräfte sollen dafür ver- wandt werden, daß den Aermsten unter den Armen wenigstens das bißchen Brot verschafft wird, das sie vor dem buchstäblichen Ver- hungern rettet. Alle mildtätigen Unternehmungen der Partei sollen auf dieses Ziel gerichtet fein. Gleichzeitig werden alle mll s ch w e- re n Strafen bedroht, die irgendwelche Nachrichten verbreiten, die den diktierten Optimismus beeinträchtigen könnten. Statt Freiheit und Brot, Hunger und Gefängnis. Das ist das Dritte Reich! Siellungslose Hausangestellie. Wo sollen sie bleiben? Die Wirtschaftskrise zwingt auch in den Haushaltungen zur Einschränkung und damit steigt die Zahl des arbeitslosen Haus- Personals. Mll der Entlastung aus ihrer Arbeitsstelle ist die Haus- angestellte vielfach gleichzeitig obdachlos, falls sie in der Großstadt keine Verwandte hat oder zu Angehörigen in den Heimatsort zurückkehren kann. Obdachlos? Es gibt doch möblierte Zuniner genug! Gewiß, aber nur wenn das Geld wenigstens für die erste Monatsmiete reicht. Aber auch dann erscheint der Zimmervermieterin das Risiko als zu groß. Allein Hausangestellte ohne Ersparnisse können über- Haupt nicht damll rechnen, daß ihnen«in Zimmer abvermietet wird. Und dabei sind es bestimint nicht immer die schlechtesten, die kein« Ersparnisse haben, weil sie jeden Pfennig ihres kärglichen Lohnes nach Hause geschickt haben, der ihnen nach den notwendigsten Anschaffungen übrig blieb. Einer obdachlosen Hausangestellten geht es aber nicht gut. Ohne feste Wohnung bekommt sie nicht einmal die Stempelkarte. Von der„Herrschaft" ist sie abgemeldet. Findet sie nicht bald den Weg zum Wohlfahrtsamt des Bezirks, in dem sie gemeldet war, dann ist kein Wohlfahrtsamt mehr zuständig, sondern nur noch das Asyl für Obdachlose mit seinem eigenen Wohlfahrtsamt. Stellt sie sofort einen Antrag beim Bezirkswohlfahrtsmnt, dann dauern die Recherchen bestimmt solange, bis sie auch formal obdach- los, hier nicht mehr zuständig, sondern wieder im Obdach ist. Die gesetzliche Wartezeit von 2jl Tagen ist für mittellose Haus- angestellt« untragbar. Es müßten Heime geschaffen werden, in denen arbeitslose Hausangestellte mindestens bis zur ersten Unter- stützungsauszahlung Unterkunst finden. Den Hausangestellten aber, die noch in Stellung sind, muß der Weg zur gewerkschaftlichen Organisation gezeigt werden, damit sie wissen, wo sie Rat und Hilfe finden. Bittnitg,! Da, Sutachtcn bM R-ichtso-rrk-oiivissara unb bi» Auswirkung auf bi- Berliner«rbeitsimter. Mit bi-ser Taq-»ort>°uiiq findet am Donnerstag, dem 7. Januar, Ig-/. Üb-, in den Gauhi-nfäl-n, BrrN». --ophieiisN. 17—18, eine vom Z-utralrerbanb der«nq-s-etlien einberufene Versammlung aller Berliner Ärbeitsomtsangestellten stall. >5reie Gewerkschafts-�ugend Berlin b-fprechung. E.s.�challssvlln— �aÄan-Si»-p�!'��indheim Li fieirabefvredjung. Nj.Mnut-n.Ref-riU«— NaeXiing: Iugeudheun Sonnen. buraer Str. A. Heimdefprechuna.- Sfletjenfee: Zugeubheim �c-ßechee. Parl- fltage 38. Heunbefvrechung.— Aruewaldcr Platz: Jugend he:m Slastenburger Affatze �14. Heimd-lvrechung. Zlunt-r Abend. � ungendtzeim Berg Schiiniugftr. 17. Dir geben ,ur Krupp« Wtbbina.— Tegel: Jugendheim Tegel. Sä>3n.brraer Elr H?imb?wr.ch.-n°!«ü-dli/ ans das Jahr.- Baumlchu lcnweg: Jugendheim Boumlchulenweg. L-ufiftr. 16. P-lmbesprechung. — dngcnboruppe des Deutschen Metall arbeiterveidaade»: Sngenbhewi Linien Nratzc 83— Sä f17>. Uhr»,.äugend unb«andern.— JBoeubftapc de» Sesamt. Bccbcnbe« fZacharuppe Gärtnerei unb Zntib-iel): Zugendhcmi Crgelufct 24-23. Der gSrtnerrsche Lehrnartrag und die Sewerdeordnung. 7>uaenvoruvve ves Zentralverbanves der Anqesiellten I Heute, Mittwach, finden fajgenb« Veranlioltungen statt: echiuhauler varftadt: Jugendheim der cchulc Äogamenallte 81. Unser« Arbeit Im neuen Sabvt.-«»rdost I nnd N- Dir besuchen die Versammlung de» Werbe. bejirls— SUUUtcnbcrf: Jugend heun Lmboucc Str. 2«Baraiket. Volitifch. satirischer Abend. Dartragender: LSwi.- Str-lau-. ftugeudbeim der Echnle Kahlerftr 61 Dts'uffionMbenb über die«rchtungen innerhalb der deutschen Angeitelltenaewerkschasten.— Obe-.spree:«ir besuchen b>» Versammluua bt, Werbebeair!,.—»»>>«««: Jugendherm D-chlmitzer Str. 15 sGasanstal», am Vabnhai««: Jugendberberge in Row-wc». Priester. slraßo. Ausspracheabend: Unsere Arbeit im neuen Jobr.— Heute tagt die Äerlicheruo.gezesellschast„Sorgenfrei" A.-S. von 16 bis 18 Uhr im Prrbanbs- hau», Ziminer 24.