BERLIN Mittwoch s. Januar 1932 10 Pf. Nr. 8 B 4 49. Iahrgans ErscheiuttSsIichaußerSonatagF. ?>us>cich HtmCmtidbc bei.Borwir»'. Bej»»tpr«ti für beit« Zlntgabl» 7» Pf.»r» Weck«,.-,!Z M. pro Stonal fa?cn 87 Pf. monatlich für Zsstrlluna Int Haut) i««vravi iadlooc. P o ft d r, u» 3.V7 M. rtnfchflrßiich 60 Pf. Postjritungs- und 72 Pf, Postbrstellzcböhrrn. fr\£iWaS& Tie rinfcartljr JOcnrarriUciettf 80 Pf» Wcttamfidh SM. Srmäßigunzrn nach Tarif. Poilschrckionto: Bormärtt-Brrlag S. m. b. H., Berlin Rr. S7 536.- Der Brrla, behält ilch dai Recht der Ablehnung nicht genehmer Ztiijeigc»»er! Rit»rtlon nnd Expedition! Berlin SWK8, Lindenilr. 3 " Fernsprecher: Dönhoff(.� 7> 292—297. Dietrich mahnt das Bürgertum Es soll keinem Phantom nachjagen! Siutlgark. 6. Januar. Im Mittelpunkt einer Lande sversammlung der Deutsch- demokratischen Partei Württembergs stand eine Rede des Reichsfinanzministers Dr Dietrich über die Außen- und Innenpolitik. Dr. Dietrich führte u. a. aus: Das Problem der Reparationen und Schulden hat sich in einem wahren Schnellzugstempo abgewickelt. Die Notverordnung vom ö. Juni war ein Notsignal, in dessen Verfolg durch das Eingreisen des amerikanischen Präsidenten die Einstellung aller politischen Zahlungen Deutschlands erfolgten. Das Wiggin-Layton-Komitce bat dann im August getagt und mit einer ernsten Mahnung an alle beteiligten Regierungen, ihrerseits die Bekämpfung der Krise aufzunehmen, geendet, lieber die deutschen Privatschulden ist eine provisorische Abmachung erfolgt, die eine Still- Haltung veranlaßte. Soeben hat der beratende Sonderausschuß bei der BIZ. getagt und aus dem Gang der Dinge Schlußfolgerungen gezogen, die dahin gehen, daß von einer Zahlung der geschützten Annuitäten durch Deutschland auch im nächsten Jahre keine Rede sein könne, daß im übrigen alle Voraussetzungen des Boung-Planes entfallen sind, daß der Welthandel nicht zu-, sondern abgenommen hat. daß die Kaufkraft des Goldes ge- stieger. ist mrd daß so alle Voraussetzungen, unter denen politische Zahlungen Deutschlands, also auch die ungeschützten, möglich werden, weggefallen sind. Der Ausschuß hat ausgesprochen, daß die Krise, wenn nicht bald etwas geschieht, das gesamte Europa auf- fressen werde und die Transferierungen von einem Lande zum anderen das augenblickliche Chaos nur ver- schärfen würde». Ganz besonders wichtig ist aber, was im zweiten Kapitel des Berichtes des Beratenden Sondersausschusses gesagt ist. In einer, wenn auch verklausulierten Form, ist hier noch ausgsprochen, daß ohne«ine gründliche Neuordnung des Reparationsproblems eine Genesung nicht eintreten wird. Wie ollmählich in der Außenpolitik der Kampf der Reparationen und Schulden im Laufe der Jahre auf den Höhepunkt kommen wird, so wird auch die I n n e n p o l i t i k die schwersten Entscheidungen mit sich bringen. Hinter uns liegt das Jahr der Not- Verordnungen. Wenn es gut geht, dann wird alle Welt die Not- Verordnungen loben, so sehr sie sie auch jetzt verwirft. Die Not- Verordnung vom 8. Dezember 193l, die den schwersten Eingriff in die deutsche Wirtschast enthält und die in der neueren Geschichte auch nach Ansicht der Baseler Sachverständigen ein Gegenstück nicht hat, steht im engen Zusammenhang mit den Zuständen, welche durch die Reparationen und die Fehler der Weltwirtschaft herauf- beschwaren sind. Zlber so wichtig der Inhalt dieser Notverordnung ist. entscheidend für die Zukunft des deutschen Volkes wird der Ausgang des Kampfe« fein, der sich in einigen Monaten in der Wahl des Reichspräsidenten entspinnen wird. 5v.er wird sich zeigen, ob das deutsche Volt gesonnen ist, einzusehen, daß man nur mit Einsicht, Beharrlichkeit und rücksichtsloser An- spannung aller Kräfte die Not meistern kann, aber nicht dadurch, daß man irgendeinem Phantom nachläuft, das dem deut- schen Volke Wunder oerspricht. Daß ein großer Teil des Bürgertums zum Nationalsozialismus übergelaufen ist, ist ein Zeichen d e r schlimmsten geistigen Verwirrung. Mit dem Geschrei: Es muß anders werden! ist nichts anzufangen. Das B-ürgertum muß sich endlich die Frage vorlegen: Wie stehen die Nationalsozialisten zum Privateigentum, und wie soll das Dritte Reich aussehen, das sie gründen zu wollen erklärt haben. Der Zustand-st heute so. daß nicht nur Kommunisten und Sozialdemokraten das heutige Wirtschafts- syst ein bekämpfen, sondern auch die NsDAP. Schon befinden wir uns in einem Zustand, bei dem die Gefahr besteht, daß der Staat in einem Maße in die Privatwirtschaft hineingedrückt wird, die kaum zu ertragen ist. Die ganz großen Gebilde, die seit Kriegsschluß in Deutschland entstanden, sind eine Gefahr für Volk und Wirtschaft. Man wirf der Rcichsregierung vor(namentlich von national- sozialistischer Seite), daß sie die schweren M i ß g f i n e, v.e manche großen Wirtschaftskapitäne gemacht haben, toleriert: davon ist gar kein« Rede. Die Reichsregierung hat sich überall dafür eingesetzt, daß jeder verhaftet und eingesperrt wird, der in un- verantwortlicher Weise auf dem Rücken anderer gewirtschastet hat: so in dem Falle Lahusen in Bremen, so In dem Falle Katzenellen- bogen und bei anderer Gelegenheit. Was die Reichsregierung aber nicht kann, das ist, in die Justiz einzugreisen und gegen Personen vorzugehen, die sich nichts haben zuschulden kommen lassen, was gegen die Gesetze verstößt, wenn sie vielleicht auch wirtschaftlich Fehlgriffe gemacht haben. Zum Schluß führt« der Redner aus, daß die Außenpolitik nur Stillhaltuna und Moratorium Krankreichs Korderungen Paris, 6. Januar. 5)avas bestätigt, daß die Unterredung des deutschen Botschafters mit Ministerpräsident Laval und Finanzminister Flandin der Vor- bereitung der Reparationskonferenz galt. Nachdem man sich in Berlin auf die Verlängerung der eingefrorenen Kre- d i t e um ein Jahr geeinigt habe, stehe dem Zusammentritt der Reparationskonferenz nichts im Wege. Aber der 18. Januar scheine der französischen Regierung wegen der am 12. Januar be- ginnenden Parlameutstagung zu nahe zu liegen. Da Laval an der Wiederaufnahme der Parlamentsarbeitcn teilzunehmen wünsche, werde er zweifellos vorschlagen, die Reparationstonferenz um einige Tage, vielleicht bis zum 25. Januar, zu verschieben. Die französische Regierung wäre grundsätzlich geneigt, Deutschland ein Moratorium, jedoch nicht über den 1. Juli 1934 hin- aus, zu gewähren unter der Bedingung, daß die ungeschützten Aoung-Annuitäten von Deutschland während dieser Zeit weiter- bezahlt würden, wobei Deutschland wie beim Hoover-Moratorium die Möglichkeit hätte, über diese Summen zu verfügen, und zwar in Form verbürgter Anleihen an die Reichsbahn. In Usbereinstfirtnuing mit weiten und maßgebenden Kreisen des Auslandes hat die Rcichsregierung nach wie vor die st ä r k st e n Bedenken gegen irgendein neues Provisorium. Sie hält eine endgültige Lösung für dringend geboten und sie wird bis zu der Laufauner Konferenz und auf der Konferenz selbst dafür eintreten. Der Tmnm vom 25. Januar als Konferenzbeginn wird wegen der Gefahr eines Kollidierens nnt der Abrüftuirgstonfermz und einer überstürzten VerhaMungsweise an zuständiger Stelle als o i e l z u s p ä t erachtet. Es hat indessen den Anschein, als ob dieser Termin immer mehr an Wahrscheinlichkeit gewinnt. Di« deutschen Botschafter in Paris, von H o e s ch. in London, von Neurath, und in Rom, von Schubert. tresfen heute in Berlin ein und werden im Lauf« des Donnerstag mit Reichskanzler Brüning geineinsame Besprechungen zwecks Vorbereitung der Konferenzen von Lausanne und Genf abhalten. * Die Meldung des Pariser Vertreters des„Journal de Gcnäve" über die angebliche Absicht der französischen Regierung, einen Jnvestigationsantrag gegen Deutschland zu Beginn der Abrüstungskonferenz zu stellen, wird an zuständiger Seite ähnlich wie im„Vorwärts" für eine reine nationalistische Provokation unverantworllicher Stellen gehalten und es wird entschieden be- zweifelt, daß irgendwelche maßgebenden französischen Kreise sich mit derartigen Absichten tragen. mit Erfolg betrieben werden kann, wenn der Kampf im Innern gekämpft wird. Dabei wird entscheidend sein, ob das Bürgertum neben den staatsbejahenden Parteien, Zentrum und Sozialdemo- kratie, gesonnen ist, sich zusammenzufchließen, um eine politische Rolle zu spielen. Wenn dieses Bürgertum allerdings den Glauben an sich selb st aufgibt, und Parteien nachläuft, die seine Vernichtung aus ihre Fahne geschrieben haben, dann kann man ihm für die Zukunft nur eine gesährlichc Prognose stellen. Die Kranzniederlegung Am italienischen Trutzdenkmal in Bozen(Süd- iiroij legten die Nazi einen Kranz nieder. »llnd nun singen wir dreistimmig das schöne Jtied: Ade, mein iLand Tirol!* Hochwasser der Mulde. Oessau und seine Umgebung gefährdet. Dessau, 6. Januar. Die Hochwasserlage um Dessau hat sich weiter verschärsk. Die Gefahr ist ouss höchste gestiegen. Die Orte Jeßnitz und Raguh« sind von der. Außenwelt völlig abgeschnitten. Der lv a s s e r st a d t. einem Stadlteil von Dessau, droht die größte Gefahr. Sämtliche Zugmannschaslen sind eingesetzt worden, um die Dämme zu schützen. Bei Döllnitz ist der Damm bereits gebrochen. Muldedamm gebrochen. Nach einer späteren Meldung ist die Stadt Jeßnitz heute vormittag vollständig vom Verkehr abgeschnitten worden. Ein Kommando der Dessauer Schupo hält in der Stadt die Ordnung aufrecht und trifft Hilfsmaßnahmen. Gegen Mittag trifft die Meldung ein. daß der Muldedamm bei Rehau in einer Breite von 1» Meter gebrochen ist. Die reihenden Wassermengen fluten über Aecker und Wiesen und bedrohen ernstlich die Ortschaften Sollnitz und Kleutsch. In Dessau sind alle Maßnahmen getroffen, um schleunigst hilssaktioaeu durchzuführen. Das Reichsbanner hat feine Mannschaften zur Nolhilfe alarmiert. Möbeliransportarbeiter streiken. Gegen Notverordnungs-Lohnkürzung von T4 proz. Durch Schiedsspruch wurden di« Löhne Der Möbeltransport- arbeiter um etwa 14 Proz. gekürzt, so daß sie für ständig« Arbeiter 49 M. wöchentlich und für unständig« 9,80 M. täglich betragen. Weil oas Trinkgeld mit 1 M. je Wagen mehr tariflich f e st g e l« g t ist und so zum Lohn gerechnet wurde, geht die Lohn- kürzung über den lOprozentigen Lohnabbau hinaus. Dabei dürfte nicht üb«rs«hen werden, daß der Möbeltransport bis vier Treppen hoch«ine recht anstrengende Arbeit ist und Sie Arbeiter meist darauf angewiesen sind, unterwegs in einem Lokal einzukehren, um etwas zu essen und zu trinken. Der Gesamtoerband muß im Hinblick auf die Notver- ordnung die Verantwortung für den Streik a b l e h n e n, der gestern abend in einer Versammlung beschlossen wurde, in der die unstän- digen Arbeiter in der Mehrheit waren. Bon rund 1000 Beschäftigten streiken etwa ö00 Mann. Der Drest-Prozeß gehl zu Ende und so hat man das Buch des Rechtsanwalts Hofmokl-Ostrowski ich er diesen Prozeß, das gleich nach Erscheinen beschlagnahmt wurde, freigegeben. Oer neue Posttarif Gültig ab'IS. Januar.— Lieber 4-1000 Postanstalten erhalten neue Marken Front gegen die Nazis. Ein Erlaß des bayerischen Polizeiministers. Wie erst jetzt bekannt wird, hat der bayerische Polizei« m i n i st e r Anfang Dezember vorigen Jahres an seine sämtlichen Außenbehörden(Polizeidirektionen, Bezirksamtsvorsitzenden usw.) besondere Weisungen zur Bekämpfung und Unterdrückung der nationalsozialistischen Ausschreitungen in Ber» samm dingen gerichtet. In dieser Anweisung, die von der unter dem chakenkreuzterror leidenden Bevölkerung dankbar begrüßt wird, heißt es:', „In nationalsozialistischen Bersammlungen sind die redne- r i s che n E x z« s s e übel st er A r t sehr zahlreich geworden. leider vielfach, ohne daß von den Polizeibehörden entsprechend reagiert wurde. Verschiedentlich konnten nationalsozialistische Ver- sammlungsredner nicht nur gegen die Reichs- und Staatsregierung, sondern auch gegen Vertreter anderer politischer Parteien i n d e r unflätig st en Weise Hetzen und Gewalttätigkeiten androhen und ankündigen, ohne daß hiergegen irgendwie ein- geschritten worden wäre. So konnte kürzlich ein nationalsozialisti- scher Redner von anderen polstischen Parteien nicht nur von ,.d reckigem Gesindel" und von„einem st i n k i g e n Mist- Haufen" reden, sondern auch bestimmte Personen als„h o ch- verräterische Schufte" bezeichnen;«in anderer Redner schloß seine Ausführungen mit:„Ihr wißt nun, was ihr für«inen Mann in euren Mauern habt. Wir werden ihn herausholen, den Bruder, wenn es losgeht." Auch die bekannte, in letzter Zeit wiederholt aufgegriffene Aeußerung„Köpfe werden rollen", ebenso die Drohung. diese oder jene Person werde dereinst vor einem Staatsgerichtshof zur Rechenschaft gezogen werden, gebären hierher. Solche An- drohungen und Ankündigunaen von Gewaltmaßnahmen sind dazu bestinunt und geeignet, die Bevölkerung, wie auch Beamte und Be- Hörden einzuschüchtern, die in der Bevölkerung vorhanden« Unruhe zu steigern und die politischen Gegensätze aufs äußerste zu ver- schärfen. Ein passives Verhalten der Polt-ei solchen Erzeffen gegenüber, erweckt in der Bevölkerung den Eindruck, als sei die Volizei nicht willens oder nicht in der Lag«, diesem Treiben entgegenzutreten, und als fei die Bevölkerung ihm schütz- und wehrlos vreisgegeben. Die Duldung solcher Auslassungen er? schüttern das Ansehen de« Staates und das Vertrauen der Beoölke- rung zu den Polizeibehörden und zu den Polizeibeamten. Das untätige Verhalten der Polnei bestärkt aber auch die betreffenden Redner und ihre Parteigenossen in dem Glauben, die Polizei habe nicht den Mut, ihnen entgegenzutreten. Es ist daher unbedingt notwendig, daß diesen Ausschreitungen mit größerer Schärfe, mit mehr Mut und Schneid entaegengetreten wird. Vor allem sind die mit der Ueberwachung politisier Ver- sammlungen beauftraaten Polizeibeamten anzuweisen und anzuhalten, Bersammlungen. in denen solie Aeutzemngen fallen, sofort und mit aller Entlchiedenbeit und Une-sirockenbeit auf-»- lösen. Dies ist gewiß vielfach nicht ganz leicht durchzuführen. Dst mit der Ausgabe der Versammlungsüberwachung zu betrauenden Beamten sind deshalb sorakältiq auszusuchen, und es sind ihnen entsprechende polizeiliche Machtmittel ,zur Verfügung zu stellen, damit sie sich jederzeit durchsetzen können." Haupifeind ist und bleibt... Oer Faschismus ist Nebeufache für die KPO. Die Zentrale der KPD. veröffentlicht in der„Roten Fahne" längere Thesen mit der Ueberschrist:„Sicherung der Parteilinie gegen die Bildung des Opportunismus." Was ist die Parteilinie der KPD.? Sie besteht in der Ver- dummpng aller, deren Klasseninstinkt noch gemeinsamem Kampf der Arbeiterklasse gegen den Faschismus drängt. Kampf gegen den Faschismus ist Nebensache, Hauptsache ist, der Eisernen Front in den Rücken zu fallen. Also erläßj die Zentrale der KPD. Bann- strahlen: ..In Württemberg ergab sich eine Häufung opportu- nistischer Abweichungen(a e"m e i n s a m e L i st« n u n d L i st e n- Verbindungen mit"der SPD. bei den Kommunalwahlen usw.), die in zwei Fällen bis zu offen liquidatorischen Tendenzen gingen, ohne daß die Bezirksleitung energisch und rechtzeitig ein- griff. In Schlesien und Sachsen zeigten sich stellenweise Erscheinungen einer Derkennung der Rollo der SAP. und Fehler in der Anwendung der Einheitsfrontpolitik. In mehreren Be- zirten(Nürnberg, Harburg, Oberhausen usw.) kam es unter Vernachlässigung der Mobilisierung der Massen zur An- wendung der Einhestsfrönttaktik von oben.(Paritätisches Komitee mit SAPD.- und brandleristifcher Führung; Offener Brief an die SPD., Spitzenverhandlungen mit SPD. und SAPD.) Im Ruhrgebiet kam es außerdem zeitweife zu ejner falschen Aufgabenstellung im Kampf gegen die Notverord- nungspolitik der Bourgeoisie.(Protestresolutionen an die Brüning- Regierung statt Kampfentschließungen.) In Berlin zeigte sich in der Arbeit einzelner roter Betriebsräte und Betriebszellen vor- übergehendes Zurückweichen vor dem Reform is- m u s.(Siemens. Borsig usw/i Ungenügende Massenarbeit und starke Vernachlässigung des Kampfes gegen Hitler-Partei und Stahlhelm sind im Bezirk Halle-Merseburg zu ver- zeichnen. Versäumnisse in der Bekämpfung und Demaskierung der Brandleriften als Agenten des Sozialfaichismus zeigten sich im Bezirk Hessen-Frantfurt(Osfenbach). Im gleichen Bezirk politische Fehler der neu gewählten Hess i- schen Landtagsfraktion. In all diesen und anderen Beispielen drückt sich eine u n- genügende Durchführung der Klassenlinie der Partei aus. Wo sich in dieser Richtung Abweichungen gezeigt haben, hat die Parteiführung durchgegriffen und Maßnahmen ge- trosfen, sogar bis zum Ausschluß hartnäckiger Opportunisten aus der Partei." Das ist deutlich: Hauptfeind ist und bleibt die Sozialdemokratie. Die Faschisten sind ja gar nicht so schlimm! Schießhelden vor Gericht. Oer Aoto-Lleberfall auf ein GeHöst. Vor dem Landgericht Neuruppin begann eine VerHand- lunz, die wieder einmal das Naziheldentum in seiner ganzen Größe zeigt. Je weiter, je mehr wachsen sich die Nazis nicht nur in der Stadt, sondern auch auf dem platten Lande zu einer G e- fahr für Sicherheit und Leben ihrer Mitbürger aus. Diesmal war die Tat besonders ruchlos, denn die Nationalsozia- listen hatten unter Leitung ihres Sturmführers in Autos«inen regelrechten Ueberfall auf ein Gehöft organisiert und den Besitzer, einen unpolitischen alten Landwirt, angeschossen. Angeklagt sind der 31jährige Schlosser Fritz Eue» und der Zlljährige Kaufmann Herbert Werter. Euen hat die Oberrealschule bis zur Obersekunda besucht, wurde nach dem Kriege zuerst Kauf- mann und dann Schlosser. In der letzten Zeit arbeitete er in einer Automobilwerkstatt. Merker kam im Spandauer Gymnasium bis zur Oberfekundi, schloß sich im Jahre ISIS dem Freikorps von Hülsen an, arbeitete als Praktikant in der Reichsbank und widmete sich später vollkommen der.politischen Tätigkest" innerhalb der Nazipartei, der er seit 1320 angehört. Seit dem 10. März 1931 war er Sturmsührer der SA. der Abteilung Ostpriegnitz. Zur Zeit der ihm zur Last gelegten Tat lebte er bei seinem„Adju- Wie aus dem heutigen Verordnungsblatt des Relchspostmim- fteriums hervorgeht, treten die neuen Postgebühren am IS. 3a- uuar in Kraft. Die Gebühren für Fernbriefe bis 20 Gramm werden, wie be- reits mitgeteilt, von 10 auf 12 Pf. gesenkt. Fernbriefe von 20 bis 200 Gramni kosten 20 anstatt 30 Pf., die Gebühren für Briefe über 200 Gramm bleiben unverändert. Die Fernpostkart« kostet künftighin statt 8 nur 6 Pf., die Postkarte rmt Rückantwort statt 16 nur noch 12 Pf. Außerdem sind die Paketgebühren gesenkt worden. Es werden in Zukunft lsdiglich die Beförderungsgebühren und nur im Fall« der Zustellung vom Empfänger die Zustellungs- i gebühr von 15 Pf. für jedes Paket erhoben. Die Beförderung-- � gebühren betragen künftig bis zu S Kilo in der ersten Zone 30 Pf., . in der zweiten 40 Pf. und in der dritten bis fünften Zone 60 Pf. i lieber 5 bis 10 Kilo werden die Gebühren in der ersten Zone für 1 jedes Kilo mit 5. in der Zwesten mit 10, in der dritten mit 20, in der vierten mit 30 und in der fünften Zone mit 40 Pf. gestaffelt. Bei Paketen über 10 Kilo beträgt diese Staffelung in der ersten Zone 10 Pf., in der zweiten 15, in der dritten 20, in der vierten 25 und in der fünften Zone 30 Pf. Außerdem wird der Frei- machungszwang für Paket« aufgehoben. Paris, 6. Januar.(Eigenbericht.) In der jronzöfischen Industrie waren, von wenigen Ausnahmen abgesehen, bisher keine erheblichen Lohnsenkungen vorgenommen worden. Nunmehr bereiten aber die Unternehmer eine allgemeine Offensive gegen die Löhne vor. So hat der nordsrangösische Grubenbesitzeroerband an den Borsitzenden der nordfranzösischen Grubenarbeiter-Föderattcm einen Brief gerichtet, in dem er das im März 1931 abgeschlossene Lohnobkommen für den 1. Februar kündigt, um neue Löhne festzusetzen, die der schlechten Wirtschaftslage besser entsprächen und es der Kohlenindustrie er- möglichten, gegen die ausländische Konkurrenz anzukämpfen. Die Letter der Grubenarbeitergewerkschaften werden am 7. Januar von dem Ministerpräsidenten empfangen, mn mit ihm über die beabsich- tigt« Lohnsenkung zu verhandeln. Am 9. und 10. Januar finden dann in Douai Generalversammlungen der Vorstände der Gruben- arbeitergervertschasten statt. Der Arbeitgeberverband der Textilindustrie in Halluin bei Lille hat dem Personal mttgeteill, daß vom 11. Januar ab eine zehnprozentig« Lohnherabsetzung vorgenommen wird. Von dieser Maßnahme werden etwa 12000 Arbester betrofien, die bereits jetzt nur drei oder vier Tage in der Woche arbeiten. In Düntttchen wurde die Besatzung eines Frachtdampfers davon verständigt, daß für die nächste Reise ein« zehnprozentig« Lohnsenkung erfolgen werde. Bierzehn Mitglieder der Besatzung tonten" Langhof. Die Anklage gegen Euen lautet auf versuch- ten Totschlag, gegen Merker auf Anstiftung und gegen beide außerdem auf unbefugten Waffenbesitz. In der Nacht zum 4. Oktober v. I. kam es in Falkenhagen zu einer Schlägerei zwischen einigen Bauernburschen und mehreren SA.-Leuten. Die Schlägerei war durch die SA.-Leute provoziert; einer von ihnen hatte den jungen Landwirt Erich Kaping beleidigt, dessen Dorfgenossen kamen ihm zu Hilfe, die Nazis wurden teil- weise blutig und in die Flucht geschlagen. Sie gingen nach Pritz- walk, alarmierten tn einem Lokal, in dem sich mehrer« SA.-Leu'te bei einem Tanzvergnügen aufhietten, ihr« Kameraden; unter Lei- hing des SA.-Führers Merker und in Begleitung des SW-Adju- tonten Langhof begab man sich in sechs Autos in Stärke von etwa 20 bis 80 Mann nach Faltenhagen. Unterwegs erkundigte man sich, wo sich das Gehöft von Kaping befindet; man fuhr an das GeHöst heran, ließ die Autos mit abgeblendetem Licht auf der Chmlssee stehen und ver st eckte sich im Graben. Merker gab dem Schlosser Euen seine Pistole und schickte ihn, den Gegner auszukundschaften. Euen klopfte an das Haue von Kaping, weckte die Leute aus dem Schlaf und sagte, er brauche Wasser für seinen Kühler. Der junge Walter Kaping wie auch der alte Kaping und dessen Frau, denen die Sache verdächtig vorkam, weigerten sich an- sangs, Wasser zu geben; aber nachdem Euen zu seinen Kameraden zurückgekehrt war und dies« für einen kurzen Augenblick das Licht hell aufleuchten ließen, stellte der alte Kaping doch einen Eimer Wasser vor die Tür und kam auch selbst aus dem Haus«. Euen hatte unter anderem gesagt, daß in seinem Auto drei Damen säßen. Als der Atte sich bückte, erhiell er plötzlich einen Schuß. Ein zweiter Schuß verfehlle sein Ziel; der junge Kaping hatte schnell die Tür geschlossen. D!« Nozionalsozialisten machten sich dann aus dem Staube. Die Verletzungen des alten Kaping waren zum Glück nicht gefährlich; die Kugel war in den Oberschenkel ge- drungen. Die Herren AngeNagien. Sie schwänzen, wenn es ihnen gefällt. Im Helldorf-Prozeß fehlten heut« zu Beginn der Ver- Handlung sechs Angeklagte, von denen fünf durch ihre Verteidiger mitteilen ließen, daß sie sich wichtiger Geschäfte wegen freiwillig von der Verhandlung fernhielten. Da der sechste Angeklagt« ohne Erklärung oder Entschuldigung ausgeblieben war, beantragte der Staatsanwalt gegen diesen Angeklagten Vorführungsbefehl. Nach«mer längeren Pause, in der das zu- ständige Polizeirevier ohne Ersolg versuchte, den Angeklagten zu erreichen, beschloß das Gericht, die Verhandlung in Abwesenheit diese« Angeklagten zu beginnen. Landgerichtsdirektor Ohnesorge wies aber darauf hin, daß er gegen alle Angeklagten, die durch ihre unentschuldigte Lbwesenhett die Verhandlung gefährden, von nun an rücksichtslos vorgehen werde. In der Beweisaufnahme wurden dann jene Zeugen ver- nommen, die die Opfer der Ausschreitungen am Kurfürstendamm geworden und damals so zugerichtet worden waren, daß sie zum Teil wochenlang unter den Folgen der Mißhandlungen zu leiden hatten. Der Zahnarzt He ch t. der in dem Flur eines Koufetttons- Die neuen Postgebühren erfordern auch neue Po st wert- zeichen zu 6 und 12 Ps. Die Vorarbetten in der Reichsdruckerei sino bereits soweit gediehen, daß in diesen Tagen mtt der Her- stellung der neuen Marken begonnen werden kann. Vor Ende des Monats ist mtt der Ausgabe dieser Marken kaum zu rechnen, da mehrere Millionen Bogen gleichzeitig an rund 41 000 P o st ä m t e r und Posthilfsstellen im ganzen Reiche versandt werden müssen. In der Zwischenzeit wird man sich mit 8-, 4- und 3- Ps.-Marken be- helfen müssen. Die bisherige 8- Pf.-Postkarte wird ganz eingezogen. Zu- erst war geplant, die alten Starten durch Ueberdruck auf 6 Ps. ab- zuändern. Das hat sich aber als zu teuer herausgestellt und es werden völlig neue Karten gedruckt. Wer die bisherigen 8-Pf.-Post- karten bis zum 14. Januar nicht aufgebraucht hat, kann sie an den Postschaltern gegen Erstattung des Bettags zurückgeben. Die neuen Briefmarken zu 6 unö 12 Pf. sind von derselben Farbe, jedoch um eine Nuance anders als die bisherigen zu 8 und 15 Pf. Die 6-Pf.-Marte trägt wieder den Kopf des Reichspräsi- denten Ebert und die zu 12 Pf. den Kopf des Reichspräsiden- ten H i n d e n b u r g. | erklärten sich damit nicht einverstanden und ließen sich abheuern. Darauf lehnten die Dockarbeiter aus Solider ii ist die Löschung der Ladung des Dampfers ab Protest wird hart beffrast. Amsterdam. S. Januar. Die lOprozentige Gehaltskürzung, die die nied«rländifch-in- dische Regierung für das gesamte Staatspersonal an- gekündigt hat, wird auch vor der Kolonialarmee und-flotte nichi haltmachen. Der kommandierende Admiral hat einen Tagesbefehl erlassen, der die lOprozentige Herabsetzung der Besoldung für das gesamte Marinepersonal ankündigt. Gleichzeitig wird vor Pro- testaktionen gewarnt, da diese leicht zu ungesetzlichen Hand- l-ungen führen könnten, die schwer bestraft werden müßten. Der Befehlshaber appelliere an den guten Geist, der bisher stets bei der niederländifch-indifchen Marine geherrscht habe. Danzig wartet nock». Dcmzig, 6. Januar. Der Senat erklärt die Behauptungen der Telegraphen-Union bezüglich der Gehälter und Bezüge für unzutreffend. Welche Maß- nahmen der Senat auf Grund der deutschen und preußischen Not- Verordnungen zu unternehmen gedenkt, unterliegt noch den Beratungen, die zu Beschlüssen ttgendwelcher Art noch nicht geführt haben. geschäfts am Kurfürstendamm überfallen und schwer verletzt worden war. erkannte heute zum erstenmal den Angeklagten Riedel als denjenigen Mann wieder, der ihm den ersten Schlag auf den Kopf versetzt hatte. Riedel besttitt jedoch, an dem Uebersall auf den Zahnarzt betelligt gewesen zu sein. Gelbstmord aus gekrankiem Ehrgefühl. Llm 20 Mark in den Tod gegangen. « Am Templiner See bei Geltow machte der Oberland- jäger von Geltow am Dienstagabend einen Fund, der darauf schließen ließ, daß jemand einen Selbstmord begangen hatte. Am Ufer lagen einige Kleidungsstücke, die einem jungen Manne ge- hören muhten. Ein Zettel war an den Sachen befestigt, auf dem stand:„Sachen abzugeben bei T., Neukölln, Warchesttaße 45." In der Warthestraße wohnte der 17 Jahre alle Fleischerlehr- ling Paul T. bei seinen Eltern. Beschäftigt war er bei einem Meister w der Gneisenausttaße. Bei den Neujahrsbestellungen hatte er 20 Mark verloren. Er glaubte, daß der Meister an- nehme, daß er das Geld verjubelt habe, wußte aber nicht, wie er das Geld wiederersetzen sollte; um sich von diesem Vorwurf zu reinigen. Seinen Eltern wagte er nichts zu sagen. Am 4. Januar verschwand er heimlich aus der Wohnung und ist nicht wieder- gekommen. Aus dem Kleiderfunde kann man jetzt schließen, daß er am Templiner See Selbstmord oerübt hat. Oer Mann mit dem Kensterkoller. Die 95 eingeschlagenen polizeipräsidium-Scheiden. Der Mann, der in der Silvesternacht im Polizeipräsidium beim Schnellgericht 98 Kellerfenster eingeschlagen hat und am 2. Januar bei Tietz acht Transparente zerschlug, stand heute morgen vor dem Schnellgericht. Der Angeklagte hat anscheinend«inen Fensterkoller. Wie erinnerlich, ist er im vorigen Jahr, nachdem er im Polizeipräsidium Scheiben zertrümmert hatte, in der Irrenanstalt Buch gewestn. Heute rat er außerordentlich entrüstet darüber, daß die Presse ihn für verrückt erklärt hat. Seine Schuld an den zerschlagenen Polizei- präsidiumfenstern wollte er nicht recht eingestehen. Als der Vor- sitzende auf ihn einsprach, er möge schon mst der ganze» Wahrhest herausrücken, dann gäbe es Rabatt, lachte er nur. Aus seinem ganzen Verhallen war aber zu schließen, daß er tatsächlich die Fenster zerschlagen hat. Einen trifttgen Grund für seine Handlungs- weise konnte er nicht angeben. Die Beamten kamen aui ch» als den Täter, well«r sich berests im Vorjahre den gleichen Silvesterulk erlaubt hatte. Man fand auch eine Gummihülse von einem Stock. Bei dem Stock des Angeklagten fehlte aber diese Hülse. Im Polizei- Präsidium verstand er jedoch, sich herauszureden. Er wurde ent- lassen und schlug darauf am 2. Januar die Transparente bei Tietz ein. Der Staatsanwalt beantragte 2 Monate Gefängnis wegen Sachbeschädigung. Der Angeklagte sprach in seinem bayerischen Dialekt euvas von Buch und von Berantwortungsjähigkeit und be- schwerts sich noch einmal darüber, daß die Presse ihn für verrückt erklärt hat. Dos Gericht verurteilte ihn zu 1 Monat Gefängnis, Weltparole Lohnkürzung Für Zivi« und Militär Oer Kampf um den Bauer Sinkende Kaufkraft— steigende Landwirischastsnot Schwarz ist die Sorge, schwarz unser Brot. Schwarz ist di« Fahne der Bauernnot! Wir pflügen und säen, wir schaffen ohn' Ruh', Wir ernten und wissen Hoch nicht, wozu.... Denn was wir erringen aus eigener Kraft, Wird uns genommen und fortgerafft. Seit Wochen entfalten die Nationalsozialisten auf dem Lande eine systematische Propaganda Daß diese Propaganda wirksam ist, beweist die Tatsache, daß bei oen Neuwahlen im Hanauer Land, in der Rheinprooinz, in Thürin- gen, in Oldenburg, in Hessen und wo es sonst sein mag, die alten landwirtschaftlichen Standesorganisationen in geradezu katastrophaler Weise aus den Landwirtfchastskammern hinausgewählt worden sind Eine solche Entwicklung kann nicht wundernehmen. Durch stetiges Sinken der Kaufkraft sind die Preise für Vieh und Viehprodukte, wohlgemerkt, die Preis«, die der Bauer erhält. die Erzeugerpreise für Milch, Butter und Käse usw. zurück- gegangen. Aber die Futtermittelpreise werden zugunsten der landwirtschaftlichen Großbetriebe künstlich hochgehalten. Durch Zollmaßnahmen, Preisstützungen. Subventionen hat man die Einfuhr billiger Futtermittel vom Weltmarkt uuterbuudeu und zwingt den Bauer, der Großlandwirtschaft unnötige. künstlich überteuerte Futtermittelpreise zu zahlen. So ist es ge- kommen, daß die b e st e n landwirtschaftlichen Betriebe, die bäuerlichen Betriebe, ihre ursprüngliche Konkurrenzfähigkeit eingebüßt SSeim SteUungswerk Das schwere Unglück in der Karsten-Zentrumsgrube bei Beuthen hat 14 Menschenleben gefordert. Unser Bild zeigt die Rettungs- Mannschaften beim Bordringen in dem Unglücksschacht. haben. Wie einschneidend sich der durch Verknappung des An- gebots künstlich hervorgerufene Mangel an billigen Futtermitteln auf die Rentabilität der deutschen Kleinlandwirtschast auswirkt, zeigt sich darin, daß man sich fieberhast bemüht, jede noch so un- bedeutende Lücke in der deutschen Agrarzollgesetzgcbung auszu- nutzen, die Masche für die Einfuhr billiger Futtermittel zu finden. Zuerst hals man sich mit der Einfuhr von Auslandshirse und jetzt, nachdem die Hirsezölle auf das Zehnfache des ursprünglichen Betrages herausgesetzt worden sind, durch Einfuhr von Reismehl. Ju Wirklichkeit ist es aber so, daß der deutsche Klein- bauer die Großlandwirtschast durch die Agrarkrise schleppt. daß der Bauer den Großagrarier unterstützen muß. Mit oem Ergebnis, daß der deutsche Bauer verelendet. Die künstlich« Der- Minderung der Kauftraft auf dem Binnenmarkt durch rigorose Lohn» und Gehaltssentungen, die sture, ledigluh protektionistischen Interessen dienende künstliche Hochhaltung der Betriebs- und Pro- duktionskosten. die drückend« Zinslast und das Anwachsen der Eteuerschulo. alles das wirkt zusammen und verschärft die Agrar- tri je Alle Versuche, durch weitere Erhöhung der Zölle für Vieh und Viehprodukte einen Ausgleich zu schaffen und das Sinken des Preisniveaus auf dem innerdeutschen Markt zugunsten des klein. bäuerlichen Betriebes aufzuhalten, haben sich als völlig nutzlos er- wiesen, da der zunehmende Mangel an Kaufkraft sich als der ungleich stärkere Preisbildungsfaktor erweist. Der furcbtbate Fehler, der in der bedenklich groß- agrarisch beeinflußten deutschen Agrarpolttek liegt, est so nicht auszuschalten. Dagegen versagen die zollpolitischen Maßnahmen der Regierung, zu denen diese im Laufe der Zeit durch den Druck der landwrrt- schastlichen Organisationen oeranlaßt und gezwungen wurde. Es ist nicht so, als ob der deutsche Bauer diefs Zusammenhänge nicht verstünde. Man überzeuge sich aus dem Lande: er ver- steht sie schon. Er weiß, weshalb die Futtermittel teuer sind, warum sich das Aufmästen des Rindes nicht mehr lohnt. Aber er g l a u v t nochandasWunder. ErglaubtanBersprechungen. Die alten Standesorganisationen habfn ihm nach den Erfahrungen de» Krieges, der Inflation und der im Zeichen der festen Mark erfalgenden Einrenkung der deutschen Wirtschast viele» versprochen und— nichts gehalten. Der deutsche Bauer wurde von den Drahtziehern in seinen Standesorganisationen mißbraucht. Ein enttänschter Mensch bliob zurück. Run kommt der zweite Fehler. Das erschütterte Ber- trauen des Bauern gewinnt ausgerechnet der, der noch mehr ver- spricht, der mit dröhnenden Worten baldige Befreiung von der verhaßten Steuer- und Zinsknechtschaft verheißt, der mit tausend Be- teuerungen gelobt, daß in einem anderen„System" alles anders und für den Bauernstand tausendmal besser wird. Das ist die Methode der Nationalsozialisten, die heute in tausend Versammlungen auf dem Laude gesungen wird. Hier setzt die nationalsozialistische Bewegung mit ihren gewisien- losen Agitationsmechoden ein. Der Bauer läßt seinen Pflug stehen und geht in die Versammlung. Die Landvolkpartei, die Partei alter anerkannter Baucrnsührer, brach unter dem ersten Ansturm der „Bauernsieger des Dritten Reichs" nahezu zusammen. Der Bundes- vorstand des Reichslandbundes glaubte, daß ihm— man erinnere sich jenes skrupellosen Aufrufes Mitte des letzten Jahres, in dem er feine Mitglieder auffordert, das Brotgetreide vom Markt zu- rückzuhalten und den Gläubigern die Zahlungen zu verweigern— nichts anderes übrig bleibe, als mit den Wölfen zu heulen. Fast alle Kreisvertretungen nahmen in der Folgezeit Eni- schließungen an in denen alle diejenigen, die sich an Zwangsver- steigerungen beteiligten, mit Boykott und Abbruch der Geschäfts- beziehungen bedroht wurden. In Ostpreußen und Pommern streiften diese Zustände bereits die Grenze der Illegalität. Eine chaotische Zerrüttung des Zahluugswesens kennzeichnet die ungeheure Gefahr, die dem ruhigen Ablauf der deutschen Gcsamtwirtschaft von dieser Seite her droht. Und das hat in anderen Wirtschastszweigen Pa- rallelen. Vor kurzem fand im rheinhessischen Uelversheim eine Bauernnotkundgebung statt, die mit einer Entschließung zur Steuer- und Zahlungsverweigerung endete. Nur einer von vielen Fällen! Im Allgäu beschlossen 2000 Bauern, sich an keiner Zwangsversteigerung mehr zu beteiligen. Ein fanatischer Abwehrwille gegen die Anorderungen der Behörden macht sich in großen Teilen der deutschen Bauernschaft breit. Diese Stimmung wird von den Na- tionalsozialisten geschürt. Schwarze Fahnen zeigen dem Bauern das Versammlungshaus. Schwarz verhängt sind Tische und Wände. Das Bauernlied treibt die Gemüter zu fanatischem Haß. Es nutzt nichts, zum so und so vielten Male festzustellen, daß die von den Nationalsozialisten angewandten Methoden gewissenlos und verbrecherisch sind. Es ist auch ungemein schwer, mit den Mitteln der Sachlichkeit und der Vernunft den Kamps gegen eine. alles verneinende Hemmungslosigkeit aufzunehmen. Helfen kann nur eine Bauernpolitik, wie sie immer die Ausgabe und das Werk der Sozialdemokratie war. Die deutsche Agrarpolitik muß von den großagrari» scheu Interessen gelöst und es muß wirkliche Po- litit für die Landwirtschaft getrieben werden. HsIInrnt Volirneier-Baden. Berlin— Paris in 2% Stunden Schnellflugzeuge mit 350 km Höchstgeschwindigkeit Das schnellste Verkehrsmittel, das uns heute zur Verfügung steht, ist das Flugzeug. Rein nach den Gesichtspunkten der Schnelligkeit ge- messen, ist es dem Auto, dem Schiff, der Eisenbahn weit überlegen und wird auch, wie die Dinge heute stehen, von ihnen niemals ein- geholt werden können. Die größte Uebertegenheit zeigt sich natur- gemäß im Vergleich mit dem Verkehr über See, und hi«r liegt auch der Punkt, von dem eine weitere Entwicklung des Lufto«kehrs aus- gehen wird. Bis heute war es allerdings noch nicht möglich, unter Berücksichtigung der notwendigen Sicherheitsmaßnahmen einen regel- mäßigen Transozeanverkehr einzurichten, und es hängt von den teck- nischen Verbesserungen ob, wieweit hier Fortschritte zu erzielen sind. Ein ernsthafterer Konkurrent für das Flugzeug ist die Eisenbahn. Auch sie wird, was Schnelligkeit angeht, kaum jemals die des Flug- zeuges erreichen. Immerhin wird die Schnelligkeit des Flugzeuges im Vergleich mit der Eisenbahn durch Zwischenlandungen erheblich herab- gemindert, wobei die Eisenbahn selbstverständlich noch den Vorzug hat, daß sie verhältnismäßig mehr Passagier« und Fracht befördern kann als selbst die größte Flugmaschine. Ein« Konkurrenzfähigkeit des Flugzeuges kann also dabei nur auf den Weg gesucht werden, daß einmal die Zwischenlandungen nach Möglichkeit wegfallen, ein andermal sich die absolute Geschwindigkeit des Flugzeuges erhöht. Der Wegfall von Zwischenlandungen bedeutet insofern eine wirfichast» lichc Belastung, als dadurch eine Verminderung der Passagierzahl eintritt. Dieser Ausfall kann nur durch die Erhöhung der Flug- geschwindigkett wieder wettgemacht werden, und in dieser Richtung hat die Deutsche Lusthansa Versuche angestellt, die jetzt zu einem ge- wissen Abschluß gekommen sind. Als Vorbild diente hierbei Amerika, wo man schon seit längerer Zeit Flugzeug« gebaut hat, die eine Maximalgejchwindigkeit von 300 Kilometer in der Stunde erreicht. Di«-schnellste Stunden- geschwindigkett, di« bisher in Europa erzielt wurde, waren 220 Kilo- meter. Das Bestreben der Deutschen Lufthansa geht nun dahin, Flug- zeugtypen bauen zu lassen und in Dienst zu stellen, die eine Maximal- geschwindigkett von 330 Stundenkilometer bei einer durchschnittlichen Reisegeschwindigkett von 290 Kilometer erreichen sollen. Das würde bedeuten, daß man mit einem solchen Flugzeug von Berlin aus alle größeren Städte und eine Anzahl ausländischer Hauptstädte in etwa zwei Stunden erreichen kann. Zweifellos wird es manchem will- kommen sein, in 2'A Stunden von Berlin nach Paris reisen zu können, für welche Strecke man mit dem Schnellzug heute immerhin noch 19 Stunden benötigt. Man rechnet damit, daß sich durch die neuen Schnellslugzeuge, die erstmalig im Sommer 1932 in Dienst gestellt werden sollen, die Zahl der Passagiere wesentlich oermehrt, auch wenn für die Reise im Schnellflugzeug höhere Tarife gezahlt werden müssen. Es ist selbstverständlich, daß der Schnelluftverkehr teurer sein wird als der normale Flugverkehr. Es handelt sich dann darum. einen Ausgleich zwischen Wirtschaftlichkeit und Geschwindigkeit zu finden, der die Beförderungstarife nicht allzusehr belastet. Dazu gehört, daß ein Flugzeugtyp zur Verfügung steht, dessen Betriebskosten möglichst niedrig gehalten sind. Das soll dadurch er- reicht werden, daß zuerst einmal der Luitwiderstand des Schnellflug- zeuges verringert und ihm möglichst glatte Flächen gegeben werden Außerdem wird man nicht an einer Verkleinerung vorbeikommen: man wird wahrscheinlich für den Personenverkehr dreimotorige Flug- zeuge bauen, deren Aktionsradius etwa 800 Kilometer betragen soll. Für den Frachtverkehr und die Postbeförderung sind einmotorige Maschinen vorgesehen, die 1400 Kilometer Reichweite haben sollen. Auch dieser Fortschritt ist nur eine Etappe in der Entwicklung des Luftverkehrs, der zweifellos auf dem zu Anfang angedeuteten Weg fortschreiten wird und damit auch eine wirtschaftlich günstigere Posi- tion sich erobern kann. Wernsr Fichte. Volksbühne und Schiller-Theaier. Karl Heinz Martin, zur Zett künstlerischer Letter des Theaters am Bülowplatz, bewirbt sich neben zahlreichen anderen Interessenten um die Direktion des Schiller-Theaters, das der Staat bekanntlich aufgeben will. Martin hfitt« den Wunsch, gleichwohl auch wetter noch für die Mitglieder der Volksbühne zu spielen. Er hat deshalb den Gedanken entwickell, daß ihm bei einer Uebertragung des Schiller-Theaters die Möglichkett geboten würde, mtt seinem Ensemble auch das Haus am Bülowplatz zu bespielen. Der Vorstand der Dalksbühne ist, wie wir aus guter Quelle hören, diesem Vor- schlag nicht abgeneigt. Er würde die Möglichkeit bieten, die künst- lerische Kraft Martins der Volksbühne zu erhatten und vielleicht außerdem noch den Betrieb des Theaters zu oerbilligen. Freilich kann heute noch ganz und gar nicht gesagt werden, ob ein Abschluß auf der angeregten Basis zustande kommt. Nicht nur ist die Frage Discn. ob Martin überhaupt Direktor des Schiller-Theaters wird, es fehlen auch noch irgendwie präzise Vorschläge, die eine Grundlag« für einen Abschluß bieten könnten. Erst in den nächsten Tagen und Wochen werden Vertreter des Vorstandes der Volksbühne, zu- sannneu mtt Mattin. die finanziellen Möglichkeiten des angeregten Zufammenarbettens durchsprechen. Ganz abwegig ist, was im Zusammenhang mtt diesen Dingen in einem Teil der bürgerlichen Presse über die Situation der Volks- bühne gesagt wird. Es kann gar keine Rede davon sein, daß die Volksbühne bei einem Scheitern der Verhandlungen mit Mattin ihr Haus stillegen würde. Der Vorstand der Volksbühne ist, wie aus seiner Stellungnahme zu dem Mattinschen Projekt hervorgeht. bereit, zwecks Rationalisierung den Betrieb seines Theaters auf eine andere Grundlog« zu stellen. Ader er fit ebenso bereit, falls dies wittschastkich zweckmäßiger erscheint, das Theater wie bisher als Eigenbetrieb des Vereins imd völlig selbständig weiterzuführen. Die wittschaftfiche Möglichkeit dazu fit vollkommen gegeben. Die Jahresbilanz des Films. Räch der vom Film-Knrier für das Jahr 1931 aufgestellten Statistik für das Filmschaffen wurden insgesamt 281 Filme zugelassen, von denen 14« deutschen. 79 amerikanischen und öv euro- päischen Ursprungs waren. Der für den deutschen Fllm bettagende Anteil von 32 Prozent stellt das höchste Ergebnis dar. das in den letzten sechs Iahren festgestellt werden konnte Gegenüber den Bor- jähren macht sich in der Filmproduktttm ein ständiger Rückgang bemerkbar: während die Jahre 192« bis 1928 ein« ziemlich gleich- bleibende Zahl der zugelassenen Filme aufzuweisen haben, mtt 313 bis 521 Filmen weist die Statistik für 1929 nur 43« Filme auf. die im Jahre 1930 auf 305 und 1931 auf 281 verringert wurde Dieser Rückgang ist m erster Linie aus eine Verminderung des amerita- nischen Anteils zurückzuführen, penn während im Jahre 1926 noch 229 amerikanische gegen 202 deutsche Filme zugelassen waren, sind 1931 nurmehr 79 amerikanische gegen 146 deutsche Filme zu ver- zeichnen. An deutschen Spielfilmen wurden 1931 insgesamt 137 gedreht, die von 76 Regisseuren inszeniert wurden. In bezug auf die Zahl der Filminszenierungen nimmt Carl Boese auch in diesem Jahr die erste Stelle ein mit 8 Filmen. An zweiter und dritter Stelle stehen die Filmregisseure Georg Iacoby und Richard Oswald mit je 3 Filmen. In den Spielfilmen waren insgesamt 832 Schauspieler beschäftigt, was eine zahlenmäßige Vermehrung der Ar�eitsrnöglich- leiten gegenüber dem Vorjahr bedeutet. In den meisten Rolle» fand auch im Jahre 1931 Julius Falkenstein Beschäftigung, der in nicht weniger als 20 Filmen spielte; er ist damit seit drei Iahren der meistbeschäftigte Filmschauspieler. Nach ihm folgt Otto Wall- bürg mit 1« Filmen und an dritter Stelle Eugen Rex mit 13 Filmen. Die am häufigsten beschäftigte Schauspielerin ist Luzie Englisch, die in 12 Filmen zu sehen war, darauf folgt Adele Sand- rock mit 11 Filmen. Die ganz großen Filmstars spielen im Jahr zwei, höchstens drei Filme, und Elisabeth Bergner und Max Pallen- berg sind im letzten Jahr nur in einem Film aufgetreten. Im all- gemeinen ist überhaupt eine stärkere Beanspruchung der Komiker zu vermerken. An den im Jahre 1931 erschienenen Filmen ar- betteten insgesamt 114 Autoren, von denen B. E. Lüthge mit 10 Filmen, an denen er mitarbeitete, die Spitze hält. Und 62 Kom- ponistcn schufen die Schlager für die Tonfilme, an deren erster Stelle Otto Stransky mit einer Kompositionsorbeit an 8 Filmen steht. Den größten Fortschritt des vergangenen Jahres In der Film- produktton hat der Kulturfilm zu verzeichnen, dessen günstige Eni- Wicklung auch für das kommende Jahr zu erwarten ist. Amerita uad die Goethe-Ausgabe. Die Meldung, daß die Earnegie-Sttftung und di« Eolunckio-Bibliothek je 300 000 M. für die Mainzer Goethe-Ausgabe gespendet haben, trifft nicht zu. Sie haben beschlossen, als Patrone je 300 M. für die geplante 50bändige Goethe- Ausgabe zu zeichnen. Unter dem Titel„Bewegung-- Rhythmus— Tanz" veranstaltet die I u t I a- K l a m t- S ch u l e am lO. JaMär, vormittags IN-, im..Deut- scheu Künstler-Theater" ihre Schulmatiuee in Gemeinschaft mit der Urania. Die Ausstellung Altamerikanischer Kunst wird bis einschließlich Sonn- tag, den 17. Januar, geöffnet bleiben. BrauiSlaw Hubermann hat für seine beiden Violinabende am 12. und 13. Januar in der Singakademie das gleiche Programm. Mafalda Saldatini singt in der„C a r m e n"- Aufsiihrung der Städtischen Oper am rttmtag. dem 8. Januar, die Tilclpartie. Die„Mutter", die von Brecht(zusammen mit Eisler und Veisenborn) nach dem Roma» Goriis für das epische Tbeater eingerichtet wurde, gelangt durch eine ArdeitSgemeinschast junger Schauspieler am 15. Januar im Theater in der Äommaudanteustraße zur Uraussührmig. Was sagt Moskau? Zu der„<5treitbrecher*-Ausrede. Die Leitung der KPD. hat sich bei ihrer jüngsten NGO.-Massen- slreikparole in einer Weise verrechnet und eine so grojje Schlappe erlitten. dah sie in jeder anderen Partei glatt erledigt märe. Ihren Anhängern und Nachläufern, die ihrer Streitparale folgten, hält sie sich zwar nicht zur Rechtfertigung verpflichtet, allein ihr Moskauer chörigkeitsoerhältnis bringt es mit sich, daß sie sich irgendwie aus- zureden versuchen muß. Wie der Ertrinkende an den Strahhalnr, so klammert sich die SiPD. an ihren„S t re i k b r c ch c r"- D r e h. Zur Ablenkung von ihrer Streik-Mossenpleite hat die KPD. in Hennigsdorf eimni„Entrüstungssturm gegen Streikbrecher" angekurbelt, weil dort die sozial- demokratischen Betriebsräte sich von der kommunistischen Streik- mache fernchalten mußten. lind wie es in Hennigsdorf die„Streik- brccher" gewesen sein sollen, die die KPD. dazu zwang, den Massen- streik in einen 2-lstündigen Proteststreik umzubiegen, so sollen es überall„die Streikbrecher" gewesen sein, die die unwiderstehliche kommunistische Massenstrckkflut elend versanden ließen. Es ist einfach kindisch, von d e m ,.H a u p t f c i n d" der KPD. zu verlangen, er soll eine von ihm von vornherein als un- sinnig erkannte Parole sich stark überschätzender Experimente mnachcr begünstigen oder sich ihr gar anschließen. Es ist l ä ch e r li ch, wenn fünf Mann streiken wollen und dabei abfallen, daß sie sich dann hin- stellen und greinen: Wenn die anderen NöZ mitgestreikt hätten, wenn sie nicht„Streikbrecher" gewesen wären, dann wäre unser Fünf- männerstreik ein Streik von lOOV Mann geworden, lind nur die grcnzenläse Blamage der KPD.-REO. vor der ganzen Welt wie vor Moskau kann zu einer derart windigen Ausrede führen. „Abrechnen mit den Streikbrechern!"„Abrechnen mit den Leipart, Graßmann, Brandes und Urich..." schreit die „Rote Fahne", um von der Abrechnung der durch Agitationslügen und-Phrasen in einen wilden aussichtslosen Streik getriebenen und betrogenen Arbeiter mit der KPD.-RGO. abzulenken. In Moskau mag man den Eifer in der Beschimpfung der deutschen Gewcrkschafts- führcr anerkennen, aber er schützt nicht vor der Abrechnung, die Moskau mit den Strategen ihrer deutschen Filiale halten wird. Mindestens Herr Dahlem wird sich dorthin begeben müssen, um zu bc- richten. Doch wird er sich wohlweislich hüten, dort mit der„Streik- brecher"-Ausrede zu kommen, die man bei den Lesern der kommuni- stischen Presse in Deutschland anzubringen sucht. Wo waren denn die Massen der.klassenbewußten revolutionären Anorganisierlen", auf die sich die KPD.-RGO. bei ihren Massen- aktionen stützt? Waren auch sie etwa von„den Leipart, Graßmann, Brandes und Ilrich" vom Streik abgehalten worden? Zn der U n- f ä h i g k e i t der RGO.-Führcr gesellt sich ihre Feigheit, die offenkundige Niederlage einzugestehen, die Schuld daran bei sich selber zu suchen, anstatt bei ihren Gegnern. Selbst Seydewitz und Rasenfeld und sogar der Nazi-Gaebbels fallen die Streikplcite„unter der siegreichen Führung der NGO." mitverschuldet haben. Man könnte Mitleid hoben mit der auswegslosen Verlegenheit der betrübten Streiflohgerber, wenn die Verächtlichkeit ihres ganzen Gebarens es nicht»erbinderte. Lenin müßte sich in(einem Glassorg umdrelzen, wenn er sehen könnte, wie er in der„Roten Fahne" zitiert wird, um den„Führern", die sich aus ihn berufen, mit aus der Patsche zu helfen. Wenn die kommunistischen„Führer" ausgeschimpft haben, dann mühten sie einmal zusammenzählen, wieviele Arbeiter ihrer Massen- streikpärole gefolgt sind und wieviele darauf gepfiffen baben. Darm mögen sie die ganze deutsche Arbeiterschaft als„Streikbrecher" cr- klären......." Wechselnd bewölkt und im ganzen etwas 'rrschen west- Wetter für Berlin: kühler mit geringerer Nisderschlagsneigung, aber noch Zrr lichen Winden.— Für Deutschland: U eberall verärtdertichez und ziemllch mildes Wetter mit vereinzelten Niederschlägen, an der Küste sehr wmdig. Reichsbanner Friedrichshain. Mittwoch, den 6. Januar. 20 Uhr, Kameradschaft Memel, Mitgliederversammlung bei Neumann, Gubener Str. 45. Jahresbericht, Neuwahl.— Kamerad Heinrich Handle ist im Alter von 88 Jahren verstorben. Einäscherung Donnerstag, den 7. Januar. 13 Uhr, Krematorium Gerichsstraßc. Die erwerbslosen Kameraden der zweiten� Morschkainerodschast treffen sich um 11.30 Uhr bei Kromport, Paul-singer-Str. 40. Rege Beteiligung erforderlich.— Wilmersdorf. Mittwoch, den 6. d. M., Kameradschaft West, 20 Uhr, bei Wolter, Westfälische Str. 65. Vortrag Kamerad Kreutlem. IS. kreis. Die für heute angesetzte Vorstandssitzung fällt aus. zBuch .MhtirxuuM: ä)er Itlenjch wird umgebaul Unter diesem Titel veröffentlicht Arthur Rundt im Ernst Rowohlt Berlag ein„Ruhland-Buch", das schon in der Form von den zahlreichen anderen Veröffentlichungen über Sowsetnißland abweicht. In 25 scheinbar absichtslos hingeworfenen Skizzen gelingt es dem Verfasser, Gestalt und 2ltnwspl)äre des russischen Menschm festzuhalten: die Forin dieser kurzen Skizzen erinnert vielleicht etwas an Peter Allenbergs„Impressionen": sie sind durchdringend und aus einer im Grunde individualistisch-jkeptischen Haltung konzipiert. Archur Rundt ist kein blindgläubiger Reisender, der sich von Potemkmschen Dörfern täuschen ließe. Er lächelt ironisch, wo es anderen ernst ist, und cr wird ernst, wo andere lächeln. 5lur ein Beispiel für viele. Der Verfasser schreibt eine Skizze mit dem Titel „Worte als Vortrab". Er berührt hier den Fünfjahresplan:„Der Sowjetismus schrieb ins Vokabelheft der Menschheit das Wart „Fütssjahresplan"... Kundschafter wurden ausgesandt... Der Erdball erfuhr Ziffern, rechnete, wog ab und zitterte vor dem Ende. Vis die Vokabel„Fünfjahresplan"--- dem Wort läßt sich kein Jota rauben— die überraschende Deutung bekam: wenn die fünf Jahre dieses Planes zu Ende sind, dann folgt— dos hast du, Erdball, nicht gewußt?— ein zweiter Fünfjahresplan..." So verrät dies schmale Bändchen mehr vom neuen Rußland als nterncher mit Zahlen und Statistiken durchsetzter dicker Wälzer. j. P. Mittwoch, 6. Janaar: 16.03 16.30 17.00 17.20 18.55 19.00 19.10 19,35 30.00 20.30 21,30 22.00 Berlin. Aktuelle Abteilung. Lieder von Joseph ffayUa. Marga Moris-Sdilemüllcr, Sopran. Am Flügel; Waldemar von Vultec. Doktor Ueberall erzählt. Blasorchester-Konzert. Die Funk-Stunde feilt mit... Stimme zum T'a?. Dr. med. Lrnst Rothe: Neue Mittel gegen das Altern. Dr. Wolfgang Pohl; Sozialpolitische Umschau..... Lud vis£rk(geb 6.; Januar 1607>,-.Erkschcr Männergesangycrcin, Dir.: Dr. Julius Kopscb....... „Dte Karlsbader Reise der leibhaftigen Bosheit''1- von Gustav Wied. Zu- sammenstellung: Ernst' Haflau. LH:.: Edlef Koppen. W. A. Mozart: Quintett Es-Dur(K.-V. 452). Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. König swusterhauseu. 16.30 Hamburg; Konzert. 17J0 Goethe und das deutsche Lied.(Einfflbrtmg; Dr. Rudolf PecÄel. Mfhr.f Robert Spörry, Waldemar Liachowsky.) 18.00 Dr. Hans Weinert: Gründe für die Menschwerdung. 18.30 Prot. Dr E. 1h. Waller; Laud und Leute in Schweden. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 Stud.-Rat Dr. A. Bohlen: Die höheren Beamten nach drei Gehaltskürzungen. 19.30 Hamm: Das Wirtschaftsjahr 1931. 20.00 Hamburg: Konzert. SUcröninjorU. für die Nebaktion: Rich. Bernstein, Berlin; Anzeigen: TH. Glocke. Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G.m.b.H., Berlin. Druck: Vorwärts Bud)- druckcrci und Verlagsanstalt Paul Singer � Co., Berlin SV 68, Lindenstr. 3. Hierzu 1 Beilage. Zföalz 1% Theater MiHwoch, den 6. Januar staatsoper unter een Linden 20 Uhr Die HaUit des Schicksals Schiller-Theater Charlotfcnborj. 20 Uhr »'.uhr CASINO-THEATER»'/- � Lothringer Strafe 37. iiiiiitnnHHiiiuiiiiiiuuiiiiiiiiannuiinaunianiiiiiiiimnnHnip Die neue Posse Was man aus Liebe tot Dazu die Gesangs- und Tanz- Operette Das Schcidniigs- 8oaper and der baute V*rlctf-Tcil. Gutschein I-4 Personen: Parkett 50 Pf. Fameutl i— Mark. Sessel I.S0 Mark. | uerKauie 1 Oefca, eifern«, jeder Art. Terljohlutta, trnns. portable liadxtl- öfen, Badewannen NellelSien. Noch- Herde. Repara. turen» Sie alte Zinna Temmler n Bleyberg, Dresde, nerkraße SS._' Siddf.Oper Charlonenburg Bismarckstraüe 34 Mittwoch, 6. januar Turnus It/ Die verkautte Braut Anfang 20 Uhr Ende gegen 23 Uhr. Theater am Nollendorfplah Rejie: Beim Seltenbtirg Pallas 7051 Täglich 8'/i Uhr Stgs. auch 4'/« Uhr fiasparone Rose- 1 Dealer llnil» fmkftrter Slrrt« 13! M. Wn'dntl£ 7 342! 6 und 9 Uhr Eine Frau von Format 16.00 Ob.-Stud.-Dir. C. Volk: Beuth als Erzieher. rneater im Admiralsaalast Täglich 8'. Uhr Gitta Oipar lin Die Dnbarry Preise». 0,50 M an VotKsbtiluie Theater am Bhlovplalz 8 Uhr Die Broftömosin von Gerolstein Staall. Schiller-Iheafer 8 Uhr Datterich Linolem» SsiEot, ZZolonie- straße S. ' Wöel Scrrenzimmzr 250— 950, Rindleder» fojas 195. Äantcr. Itng, Äaftanienallee 56((Site Zehr. bellinerstraße). Wer? gibt Ihnen auf je. de? gekaust« MSbel» stück ein« lOjährige Garantie? Rur Mo. rih Hirsche an g, Sla. litzcrstr. 25, Soch- bahn Kollbusser Tor. 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IQbln�er Str. 2/ Tel.: Plalzbar� 1 433 1254 sn 133 J Wilhelm Schaale Neukölln, Hermannstr. 58 Fleisch- und Wurstwaren zu den billigsten Tagespreisen föellage Mlliwoth, 6. Januar 1932 S-vÄbpnd %nliiiigrße Aal IbtcäAi Wer diktiert f Durchschnitt durch das Scwjetsystem-* von Arthur Runat Ein indisches Sprichwort lehrte „Es gibt sünf große Uebel in der Welt: Feuer— Wasser— Sturm— Räuber— Gesctzemocher/ Diese Abneigung gegen den Gesetzemocher will keine Anarchie. Sie wünscht vielmehr eine Gesellschaft, die mit einem Minimum an Befehlen und Verboten ihr Auslangen findet, eine Gesellschaft, deren Ordnung und Balance dadurch garantiert ist. daß in ihr der einzelne zur Fähigkeit erzogen ist, s e l b st zu entscheiden, was er zu tun hat, was er zu unterlassen Hot. Die bolschewistische Ordnung will dem Individuum die Last des Entfcheidens abnehmen, die in der bürgerlichen Welt„Frei- heit" heißt: der Bolschewismus kann daher den Wunsch des indischen Spruchs nach einem Minimum an Gesetzen nicht erfüllen. In der Sowjetwelt, die das entschcidungsfähige Individuum zum Masicmenschen umbauk, gewinnt der Gesetzcmacher notwendigerweise an Wichtigkeit: der dem Einzelbürger genommene Akzent gleitet aus ihn hinüber. So braucht der Bolschewismus mehr Kominandorufe und stärkere Sicherungen dafür, daß sie befolgt werden. Sie nennen ihr System„Diktatur des Proletariats". Wer dieses Kennwort zum erstenmal hörte und dann das Leben im Lande sähe, der dürfte durchaus im Ernst fragen, ob in dieser Wortfolge„Diktatur des Proletariats" das„Proletariat" Subjekt ist oder Objekt, ob das Proletariat diktiert oder ob dem Prolc- tariot diktiert wird, oder— Syntor beiseite!—: Wer diktiert wem? Wen?> das Proletariat diktiert, wieso dann— statt der Jubel- rufe über die neu gewonnene Macht— wieso dann an dunklen Straßenecken und zwischen den vier Wänden ungezählter kleiner Wohnungen so viele proletarische Seufzer? Wen die halsbrecherische Frage nicht losläßt, wer hartnäckig Klarheit sucht, der kann zu keinem anderen Resultat gelangen als zu dem: daß nun, da das Proletariat diktiert, eine Spaltung eingetreten ist, daß nun ein Teil des Proletariats dem anderen diktiert. Als zur Zeit des Klassenkampfes die herrschende Bourgeoisie dem Proletariat den Stiefel ins Genick fetzte, da gab's lwch die Möglichkeit zupackender Abwehr— im Zeichen des Klassenkampfes. Da gab's noch gefunden 5)oß der Unterdrückten gegen die Diktierenden. Wenn ober jetzt zu denen, denen diktiert wird, einer kömmt und dos Papier vorweist, dos ihn zur Exekution befugt, so steht nicht mehr einer der cherrschcnde?r einen? Getreteneu gegenüber, sondern— ein Genosse dem Genossen. Und weil es so ist, weil zwischen der befehlenden Minderheit und den Be- herrschten nicht mehr der Abgrund eines Klassenunterschieds klafft, kann blanke Logik nicht bestreiten, daß es im neuen Rußland— jeder syntaktischen Analyse gewachsen— eine„Diktatur des Prole- tariots" gibt.-- Das ist immer der Ursprung der Bcrwirrung: daß die Theo- r e t i k c r des Bolschewismus vor einer kleinen verstehenden Hörer- schaft die Notwendigkeit des Zwangs dozieren, für das bolsche- wistische Regime sogar dos Recht auf ein Mehr an Zwang bc- haupten, während die politische Praxis den Tatbestand der Un> freihsit trickhalt bemäntelt. Die Arbeiter eines industriellen Betriebs, die Genossen eines Agrarkallcktios oder dos Plenum einer Körperschaft sollen einen Beschluß fassen. Der Beschluß wird nicht diktiert, diejenigen, die beschließen sollen, werden befragt. Der Vorsitzende trögt der Versammlung den Antrag vor, stellt dann zuerst die Frage„Wer ist dagegen?" und fügt sofort die Auf- fordcrung an ..Wer dagegen ist, der hebe die Hand!". Ein paar Mitglieder der Partcizclle nehmen an der Versammlung teil, also ist Vorsicht geboten. Also hebt keiner die Hand. Also stellt der Vorsitzende Einstimmigkeit des Beschlusses fest und meldet, die Schnelligkeit, mit der der Beschluß zustande kam, zeuge von der Begeisterung für das, was zu beschließen war. Oder: Eine Anleihe ist ausgelegt. Es ist genau bestimmt, wieviel ein jeder nach Maßgabe seiner Bezüge zu zeichnen habe: einen Wachen- lohn oder zwei oder drei. Die Zeichnungsliste zirkuliert. Mancher Genosse zeichnet weniger, als verlangt wird, mancher läßt die Liste ohne Eintragung vorübergehen. Die Zeichnungen zur Anleihe finden— das wird deutlich bc- tont—„auf Basis der Freiwilligkeit" ftait. Aber dann erscheint am Anschlagbrett ein Blatt mit den Namen derer, die„noch nicht" ge- zeichnet haben, und daneben werden— mit den Ziffern— die Namen der anderen bekanntgegeben, deren Zeichnung ungenügend ist. Am Anschlagbrett lesen es olle, auch die Mitglieder der Partei- zelle, die freilich schon vorher insorinicrt si??d. Der öffentliche Anschlag entspricht bald nicht mehr den Tai- fachen, die Zahl der Säumigen wird immer kleiner— bis alle auf Basis der Freiwilligkeit der Zcichnungspslicht Genüge geleistet haben, jeder in dem Maße, in dem es der Staat von ihm er- wartet.-- Chance des Systems ist die Lenkbarkeit des Russen und die de?« Volk eigene Fähigkeit, von dem, der es lenkt, widerspruchslos un- endliches Leid zu ertragen. Auch das amerikanische Gehirn ist lenkbar. Aber es ist im Gegensatz zum russischen eigcnmotorig: es verlangt nur, daß ihn? die Richtung kommandiert werde, dann fetzt es sich aus eigener Kraft in Bewegung. Die unterschiedliche Lenkbarkeit des russischen Gehirns verlangt Angabe der Richtung und dann noch Antrieb, Uebcrwindung einer immanenten Trägheit. Das gegenwärtige System nutzt die russische Lenkbarkeit und die Leidfähigkeit des Volkes zu grausainer Unterdrückung und Abtötung jedes ihm unfreundlichen Gedankens, so bescheiden er austreten mag. Wo Zweifel und Mißtrauen im Staatsbürger auch nur einen Schimmer von Opposition aussteigen lassen, wird ä u ß e r st e Härte exekutiert. Das amerikanische Rezept, durch Werbung Staatsgefühl zu erziehen, ist dem Sowjetregime fremd. Werben u in Auer- kennung ihrer Autorität kennen die Sowjets nur nach außen hin, dem Fremden gegenüber. Hier durchkreuzen sich feindselige Propaganda mit der höflich einladenden Geste: kommet zu uns, sehet unsere Arbeit an und schreibet eure gute Meinung in die Bücher, die wir zu diesem Zweck überall auflegen— Treu seinem Grundsatz von der Belanglosigkeit des Jndi- viduums hat das System den Mechanismus seiner Zentralgcwalt so organisiert, daß dem Aktionen der Regierung nur selten der Wille eines einzelnen anzumerken ist. Hierfür zeugen die Worte eines bei der Sowjctrcaierung akkreditierten Diplomaten:„Politische Schwankungen, inncrpolitische ebenso wie solche, die nach außen wirken, bleiben für uns hier in Moskau ihrem Ursprung nach fast immer unerklärbar. In anderen Hauptstädten ist das Spiel der Kräfte, fei es, daß Personen oder Parteien hinter ihnen stehen, den fremden Legationen wenigstens zum Teil sichtbar, sie vermögen die Entschließungen der fremden Macht ihrem Ursprung nach zu deuten und daher öfter voraus- zusagen als wir. Hier in Moskau tappt der Diplomat, was Kennt- nis und Beobachtung dieser treibenden Kräfte anlangt, immer im Dunkeln." Dos am stärksten hervorstechende Merkmal des Systems, das hinter so dichtem Schleier wirkt, ist seine beispiellose V e h e- m e n z. Der Zarismus war möchtig, aber die Kraft, die er als Zentral- gewalt ausstrahlte, ivar gering. Das neue Reg?me,.das der „stummen Monstrosität" des Zarismus gefolgt ist, erreicht den letzten Bürger im entferntesten Winkel des Landes. Der Zar übte einen nur mechanischen Druck auf die äußere Muskulatur des Volks- körpers, das neue System verabreicht diesem Körper intravenöse Injektionen, deren Wirksamkeit bis in die letzten Verästelungen spürbor ist. Die erste dieser Injektionen war, gleich zu Beginn, der be- freiende Ruf„Rieder mit dem Krieg!", ihr folgte die zweite, nicht minder aufrüttelnd, die Kernparole des Systems,„E s ist nicht mehr alles Eigentu?n, was bisher Eigentum war!" Solcher Alarm tönte bis zur Peripherie des Reiches, wurde, auch wo die neue Idee nicht Freude auslöste, exakt perzipiert und stellte einen Kontakt aller zum Kreml her, den das ungeistigs Monstrum von ehedem nie zu schaffen vermocht hatte. Wir in? Westen haben in der Vergangenheit Rußland immer iin Lichte einzelner Erscheinungen gesehen, der russischen Dichter, der geräuschvollen revolutionären Jugend oder auch ihres Todfeindes, der zaristischen Macht. Sie alle, Turgenjew, Tolstoi, die lang- haarigen Studenten, Graf Witte, der am westwärts gerichteten Fenster sprach, der scheu blickende Zar— s i e alle waren nicht Rußland, waren immer nur ein winziges Teilchen, präsentierten nur eine dünne Schicht. Das ist, über alle grundsätzliche Opposition, über olle Wider- stände gegen einzelnes hinweg, die unleugbare Leistung des B o l- s ch e w- s m u s: daß er die Gesainchcit des Reichs und seiner Be- wohner erfaßt hat, daß in ihm zum crstcnnial Rußland als Ganzes den Schauplatz der Weltgeschichte betritt. Aas Arthur Hundt: ,,T)er Mensch wird uioxshaut"(Verlag Ernst Rowohlt- Berlin). Viktor Adlers Lebenswerk Anlässlich einer Biographie-->- Von Richard Bernstein Altöfterreich war in der industriellen Entwicklung gegenüber dem Deutschen Reiche zurück geblieben. Dem entsprach auch das etwas spätere Einsetzen der modernen Arbeiterbewegung. Der Lassallesche Allgemeine Deutsche. Arbeiterverein hotte auf oltösterreichischem Boden eine einzige Ortsgruppe: in der Webeichodt A j ch, unmittelbar an der nordbayerischen Grenze. In den sechziger Jahren aber begann auch in Oesterreich eine stürmische Entwicklung der Sozialdemokratie. Unter ihren ersten Agitatoren waren mehrere Reichsdeutsche: zwei von ihnen, Johann Mo st und Heinrich Oberwinder. wurden noch der gewaltigen Wahlrechtsdenwnstrotion des November l??ckereien zu ersetze,?, sondern auch Terrorakte und Attentate als erlaubt anzusehen. Leidenschastlichcr Haß vergiftete die Bc- wegung. Da faßte Viktor Adler den Entschluß, die feindlichen Brüder wieder zu vereinigen. Was 187Z auf dem Gothoer Kongreß in Deutschland gelungen war, das sollte auch in Oesterreich geschaffen werde,?.'Zur Börbereitimg dieser Tat gründete Adler dos Wochen- blatt„Gleichh-eit". Durch ihre kühne Sprach.', ihre ebenso schjrfe als witzige und wuchtige Polemik u??d ein tiefes sozialpolitisches Wissen erloi?gte die„Gleichheit" eine Bedeutung, die weit über ihre Verbreitung hinausging. Die gegen den„bürgerlichen Doktor" erst sehr mißtrauischen Radikalen sahen, daß er gar nicht so gemäßigt war— die Gemäßigten aber waren auch gute Sozialisten und freuten sich der scharfen Klinge, die er schlug. Die Staatsgewalt merkte bald, was das für ei?? Blatt war uud nun hagelte es'Konfi?katioi?en, bis das Blatt schließlich„eingestellt". das heißt unterdrückt wurde. Viktor Adler und sein Mit- arbeiter Ludwig Bretschneider wurden vor jenes Ausnahmegericht gestellt, das wegen einiger anarchistischen Astentatc errichtet worden war. Die vier Monate, die er dann brummen m?rßte, dienten ihm wie allerhand Freiheitsstrafen vor- und nachher zum Studium und zur Arbeit. Inzwischen hatte der Parteitag von H a i n f e l d' an der Jahreswende 1888/89 die Einigung gebracht. Mächtig ging es vorwärts. Die vom internationalen Kongreß in Paris 1889 be- schlossene Maiseier wurde nirgends so großartig begangen als in Oesterreich, wo sie i?n Zeichen des Wahlrechtskampfes stand. Nach dieser imposanten Kraftäußerung des Proletariats, dessen Führer den historischen Tag im Arrest verbringen mutzte, siel der Aus- !?ahinezusta??d, und nun war die Bahn frei für die Agitation wie für die Organisation, für den Kampf ums Wahlrecht wie für Lohn» kämpfe, für die Gewerkschaften und für die Konjmngenosienschaftcn. An die Stelle der„Gleichheit" trat die„Arbeiter-Zeitung", die seit 189S täglich erscheint. In Friedrich Austerlitz, dem vor ?r>«nigen Monaten Dahingegangenen, fand Adler eine unerschöpfliche Arbeitskraft, die dem Parteiführer gestattete, sich auf die Mitarbeit an der Zeitung zu beschränken. Die Wellen des proletarischen Kampfes gingen auf und nieder. 1897 wurde ein Wohlkörper des Allgemeinen Wahlrechts angeflickt, 1907 konnte endlich zum erstenmal untern? gleichen Wohlrecht gewählt werden. Das Kriegscirde brachte die demokratische Republik, deren erster Außenminister, schon sterbenskrank, Viktor Adler war. Am Bortage der Versasjungsproklamation, am II. Novemtier 1918, mußte er von seiner Famllie, seiner Partei und von— Deutschland Abschied nehmen, dem seine letzt» Frage galt. Das Werden und Wirken dieses Unvergeßlichen stellt das Buch „Viktor Adler" von Max Ermers(Verlag Dr. Epstein- Wien) in das Bild der österreichischen Arbeiterbewegung hinein. Eine Fülle bedeutsamer?lnd fesselnder Erscheinungen läßt Ermers vor- überziehen. Die Persönlichkeit seines Helden wird dem Leser durch Text und Bilder nahegebracht. Die ganz« Hingabe an die selbst- gestellte Aufgabe wird uns klar, die Adler im Hainfelder Programm mit den Worten unterschrieben hat: Das Proletariat mit dem Be- wuhtsein seiner Lage zu erfüllen, es physisch und geistig kampffähig zu machen für die Befreiung der Menschheit von der kapitalistischen Ausbeutt?na, ist die Ausgabe der Sazialde?nokratic. Auch der meister- hafte Taktiker Biktor Wler erscheint vor uns wieder, der jeder doktrinären Festlegung abhold ur?d ganz erfüllt naar von dew Strebe??, alle Kraft aus das Mögsiehe zu konzerrtriercn, ohne jemals das große Ziel zu vergessen oder zu verdunkeln. In diese?n ernsten Buch war kein Raum für den l?nbeschreib> lichen, stets scharf treffenden, dabei aber nie um seiner selbst willen geübten Witz, der in kleinerem Kreise Adlers Sprechen oft geradezu beherrscht«. Diese ständige Geistesübung war der-Ausgleich für das unermüdliche Studieren dieses Mannes, der zugleich ein klassische Psychiater, ein ständiger Grübler und der schneidigste Fechter w- Vom internationalen Arbeitersport Spanien-Portugal sehr rüdeständig Spanien hat in letzter Zeit eine bedentende politische Umwälzung durchgemocht und ist Republik geworden. Man hatte bis dahin wenig über die sozialistische Jugendbewegung und den Arbeitersport gehört. Vor kurzem nun hatte der belgische Arbeitersportführer L a l l e m a n d Gelegenheit, den spanischen sozialistischen Abgeord- neten Rojo Gonzalez in Brüssel zu befragen über den Stand der sozialistischen Bewegung in Spanien. Bis zur Abdankung des spanischen Königs hatte die soziattstisch-.' Jugendbewegung knapp 1500 Mitglieder; nach dem Umsturz schnellte diese Zahl auf 13 000. aber das sind noch keine überzeugten Sozia- listen, es muß da noch sehr viel Erziehungsarbeit geleistet werden. Wie stehts mit dem Arbeitersport? In Spanien, sagte Gonzalez, ist die Sozialistische Partei gegen den Spart eingestellt: c? gab eigentlich bisher nur eine Gruppe von Naturfreunden in Madrid. Der Volkssport ist der Fußball und die Arbstier, die Fußball treiben, tun das mit der geheimen Absicht, gelegentlich als Professionals zu den bürgerlichen Vereinen zu stoßen. Es wird also daher schon notwendig sein, den Niedergang des bürgerlichen Sports abzuwarten, um eine sozialistische Sportbewegung ins Leben zu rusen. Hinzu kommt allerdings noch eine andere Schwierigkeit, ein« technische. Es fehll an ausreichenden Verkehrsmöglichkeiten zwischen den größeren Städten Spaniens und vor allem an billigen. Dte weit auseinandergelegenen Städte sind nur unter Auswendung größerer Reisekosten zu erreichen und das ist natürlich für eine Arbeiterbewegung sehr nachteilig. Immerhin versuchen unsere spanischen Freunde, in der Bewegung der„jungen soztalistischen Garde" für die Ziel« der Naturfmurdc und der Arbeitersportler zu werben. Gonzalez ist davon überzeugt, daß sich die Jugend Spaniens genau so für die sozialistische Idee begeistern und organisieren lassen wird, wie die anderer Länder Europas. Er studiert augenblicklich die Organrsationsform dieser Länder, um sie für die spanische Mentalität umzuformen und anzuwenden. Vom portugiesischen Arbeitersport hat» schon lange nichts mehr gehört. Vor einigen Jahren gab es dort eine größere Gruppe, aber seitdem scheint sie angesichts der politischen Erschütte- rungen dieses Ländchens eingegangen zu sein. Jedenfalls dürfen die Arbestersportoerbände der Sozialistischen Arbeitersportinternotionale die Hofsnung haben, daß ihre Bewegung in der jungen spanischen Republik als Vorbild benutzt wird, um auch dort eine Arbeitersport- bewegung zu schaffen, die im Rahmen der großen Organisationen der Arbesterschast für die Ziele des Soziaüsmus wirkt. Bravo, niederländische Arbeitersportler! Der niederländische Arbeitersport bund, 1026 von 34 begeisterten Arbcitersportsrcunden gegründet, blickte am 19. Dezember 1031 auf sein fünfjähriges Bestehen zurück. Das waren fünf Jahre zäher und erfolgreicher Kampf um Anerkennung und Förderung durch die verschiedenen sozialistischen Arbeiter- orgamsationen und die Oesfentlichkelt. Der Bund hatte sich die Ans- gäbe gestellt, bis zum Tage seines fünstährigen Bestehens 20000 Mitglieder zu erreichen. Freudig konnte er in seiner Jublläumsschrift berichten, daß diese Zahl um 473 über- schritten worden ist. Die nächsten 20 000 Mitglieder sollen w noch kürzerer Zeit als fünf Jahre geworben werden. Die Jubiläums- fchrift ist in Aufmachung und Inhalt ein ganz vorbildliches Er- zeugnis. Zahlreiche Arbeiterführer der Niederlande haben in ihr für sich und ihre Verbände tue Sympathie und Unterstützung des Arbeitersports bekundet, und die Sozialistisch« Arbeiter-Sport- Internationale hat den niederländischen Arbeitersporllern Dank sür ihr zielbewußtes und erfolgreiches Wirken erstattet. Arbeiter-Skisport in der Schweiz? In der Schweiz, dem Land der herrlichsten Skilauf- gelegsnheiten, ist es noch nicht möglich gewesen, ähnlich wie im österreichischen und deutschen Arbeitersport die skilaufenden Ar- beiter und Arbeitersportler zu vereinigen und das organisatorische Gefüge zu schaffen, das notwendig ist, diese Skiläufer in den Dienst des Arbeitersportes zu stellen. Am guten Willen der Leitung des Schweizer Arbester-Turn- und Sportverbandes hat es nicht gefehlt, seine Durchführung wurde jedoch behindert durch den Mangel an Verständnis für dieses Vorhaben. Es entstanden wohl in den Ver- bandsvereinen Skiriegen, aber das war ein bescheidener Anfang. Seit dem vorigen Winter ist ein Umschwung zum Besseren festzu- stellen. Die Bildung neuer Skiriegen und Abteilungen macht gute Fortschritte, und wie wir erfahren, wurde vor kurzem i n Biel ein Arbeiterskiklub gegründet und in Bern steht die Gründung eines solchen bevor. Also dodi Wehrturnen! Die DT. zwar dagegen aber doch dafür Wie aus der„Deutschen Turnerzeitung", dem Organ der Deutschen Turnerschaft, vom 29. Dezember zu ersehen ist, hat der Vorstand der Deutschen Turnerschast zu den Vorschlägen zur Einführung des Wehrturnens und eines Pflicht- turnjahres Stellung genommen. Es wird zwar ine Einführung eines besonderen Wehrturnens und die Bildung von Wehrsport- riegen abgelehnt, da nach der Meinung des Vorstandes die Cr- ziehung der Jugend besser durch eine allgemein gründliche und ziel- sichers Lerbesübung erfolgt, als durch besonderes Wehrturnen. Wenn jedoch— so wird dieser Beschluß wieder eingeschränkt— Vereine trotzdem den Willen haben, Wehrsportriegen einzu- führen, so stehe dem nichts im W« g c. Dieser Beschluß ist dem Vorstand der Deutschen Turnerschast um so leichter gefallen, als ja in der Annahme des Antrages zur Cinsührung eines Pflichtturnjcchres alles enthalten fft, was zur Wehrhaftmachung des Volles vom Gesichtspunkt der Deutschen Turnerschast notig ist. Der Beschluß hierüber besagt: Der Gedanke. ein freiwilliges Pflichtwrnjahr für die Jugend einzurichten, das heißt: die Jugend aufzufordern, sich freiwillig zu verpflichten, ein Jahr lang regelmäßig Leibesübungen zu betreiben, wird begrüßt. Die Ausgestaltung und die Durchführung dieses Pflichtturnjcchres wird den Unteroerbänden der DT. überlassen: sie kann auch ge- schehen, ohne daß dabei besonderes Wehrturnen gepflegt wird. So ein Beschluß sieht, fast harmlos ans. Doch welche Programm- punkte umfaßt noch das Pflichtturnjahr? Junge Leute vom 17. Lebensjahr an sollen sich verpflichten, in dem Turnverein ein Jahr lang an einer planmäßigen Ausbildung teilzunehmen. Diese Ausbildung umfaßt angewandtes(Jahnsches) Turnen, Wandern mit Heimatkunde, die Pfleg« von kurzen, straffen Märschen mit und ohne Belastung, mit allmählicher Steigerung von Dauer und Geschwindigkeit, Gelände- und Feldkunde, Schwimmen, Kleinkaliberschießen, Sanitäts- und Rettungsdienst, Hand- fertigkeiten der Hilfeleistungen,„Deutschtumkunde" und an- deres mehr. Am Schluß des Jahres erhalten die Teilnehmer das Reife- und„M annhaftigkeits" abzeichen. Nach diesem Pro- gramm kann eine planmäßige Ausbildung militärischen Charakters auch ohne Wehrsport erreicht werden. Man lehnt den Wehrsport ab und führt ihn auf andere Weise wieder ein. Die Deutsche Turner- schast rüstet also: will sie dazu beitragen, daß Deutschland wieder wie einstmals durch einen frifchsröhlichen Krieg herrlichen Zeiten ent- gegengeführt wird? Die Arbeitersportler und die Arbeiter- klasse haben diesen Dingen die größte Aufmerksamkeit zu schenken/ zumal bei der sich steigernden Liebe der Deutschen Turnerschaft zum Nationalsozialismus die Gefahr besteht, daß hier eine Prätorianer- truppe für Kapitalismus und Faschisrnus im Entstehen begriffen ist. Die noch festere Bindung in der Eisernen Front muß für die Arbeiterschaft der Gegenpol sein: es muß gerüstet werden, um der Gefahr begegnen zu können. Oer sebone Bundespokal Vor nicht allzu langer Zeit protestiert« der bürgerliche Ver- band Brandenburgischer Ballspielvereine gegen die weitere Austragung der sogenannten Bundespokolsptel«. Auf dem Deutschen Bundesfußballtag in Bonn wurde ein dtesbe- züglicher Antrag des ABB. abgelehnt. Am gleichen Tage gewann die Berliner Mannschaft gegen Mitteldeutschland 4: 3 und kam da- mit in die Zwischenrunde. Als Austragungsort für das Zwischen- rundenspiel wurde von Süddeutschtand, dem Gegner der Berliner. Saarbrücken vorgeschlagen. Wieder protestierte der Verband Bran- denburgischer Ballspielvereine, da man angeblich keine spielstarke Mannschaft, die Aussicht auf Gewinn dieses Spieles hat, auf«ine so weite Reise schicken könne. Es blieb bei diesem papiernen Pro- ttst. Arn kommenden Sonntag findet nun doch das Spiel in Saar» brücken statt. Während nun die' Süddeutschen die zur Zeit lpiel- stärkste Elf ins Feld schicken, stellt Berlin eine Mannschaft auf, der die Niederlage bereits jetzt sicher ist. Gegen eine Mannschaft, in der nicht weniger als sieben internationale Spieler mitwirken. dürften die Berliner überhaupt keine Aussicht auf Erfolg haben. Man kommt fast zu der Vermutung, daß der Verband diese Mann- schast nur zum Protest gegen die Pokalspiele aufgestellt hat. Zum kommenden Sonntag haben sich der Berliner Sport- verein 92 und Tennis-Vorussia die bekannte ungarische Mannschaft „Ujes'-Budopest, den mehrfachen ungarischen und Europa-Pokai- meister, geladen. Wie die beiden Berliner Vereine die Kombina- tion Ihrer Mannschaften machen wollen, ist nicht recht ersichtlich. Tennis stellt nicht weniger als fünf Spieler zum Bundespokalfpiel nach Saarbrücken, der Berliner Sportverein einen. Die besten Kräfte der Mannschaften sind also nicht in Berlin. Ob die Bereine mit einer solchen Rumpfmannschast gegen die Ungarn aufkommen werden, ist sehr zweifelhaft._ Kleiner Sport von überall Ziu-Zilsu-Kursus. Der Arbeitersportklub Einiglest 26 beginnt am 8. Januar einen Iiu-Jstsu-Kursus in der Turnhalle Markus- straße 49. Jeder freie Gewerkschaftler kann sich an diesem Kursus beteiligen. Die Beiträge sind so niedrig gehalten, daß sich auch Arbeitslose beteiligen können. Meldungen bei A. Dietze, Madai- straße 2, oder Dienstag urch Frestag 19 H Uhr in der Turnhalle. Amerika bezahlt alles. Die vor einigen Tagen veröffentlichte Meldung, daß der Deutsche Eislaufverband von einer Beteiligung am Eishockoyturnier der Olympischen Winterspiele Abstand ge- nommen hat, erregte in Amerika erhebliches Aufsehen, zumal damit gleichzeitig auch die in sieben amerikanischen Städten in Aussicht genommenen Gastspiels abgesagt werden mußten. In den maß- gebenden amerikanischen Wintersportkreisen will man kein Mistel unversucht lassen, die Expedstion dennoch zustande zu bringen. Die Amerikaner wissen, wo der Schuh drückt, und haben sich daher bereit erklärt, die Gesamtkosten der Finanzierung zu übernehmen. Damit nicht genug, ist der in Brüssel wohnende Präsident der Inter- nationalen Eishockeyliga gebeten worden, sich beim Deutschen Eis- laufoerband nachdrücklichst sür die Annahme der amerikanischen Einladung einzusetzen. Bei einem derartigen Entgegenkommen kann man natürlich schlecht„Nein" sagen. Der olyznplzdrc Eid— eine große Farce! Nur wenige Tage sind»z noch bis zum Beginn der bürge?» lichen Olympiade, die wieder die Sportgrößen aller Länder vereinen wirb. Di« Amerikaner haben es ja dazu: es wird aber auch viel Schallen dabei sein, das Amoteurprvblem tritt da wieder mit peinlicher Deutlichkeit zutage. Bisher hat sich alles um eine klare Stellungnahme herumge- drückt: mst Amateurismus sind die monatelangen Reisen der be- kannten internationalen Spitzengrößen nicht mehr in Einklang zu bringen. Man hat es schon Herrlich weit gebracht, aber der Gipfel der Heuchelei wird erreicht sein, wenn der olympische Eid ge- leistet wird. Der olympische Amateurparagraph ist klar und ein- deutig. Cr besagt, daß als Amateur nur derjenige-gilt, der den Sport niemals für Geld oder Geldeswert betrieben und ntemois gegen einen Professional gekämpft hat. Wie bisher werden die Teilnehmer feierlich Aufstellung neh- men; sie werden alle darunter sein, die Rekordläufer und-schwim- mer, dazu die Tennisspieler, die das ganze Jahr lang herumreisen und den Hotel- und Kurdirektionen ihre zünftigen Spesenrechnun- gen vorlegen, die Eisbahnartiften und alle anderen. Einer wird den Eid vorsprechen und die anderen schwören, daß sie rein da- stehen... Gewiß ist, daß mindestens- d-ie Hälft« vgn ihnen einen Meineid leistet, die wenigsten sind nach Amateur« nach olympischen Be- griffen. Ebenso gewiß wird keiner der Führer gegen dieses wider- liche Schauspiel protestieren, obwohl jeder weiß, wie«s steht. Es ist auch kaum zu hoffen, daß nach dieser Olympiade ein« Aende- rang eintreten wird, das Ue'oel sitzt schon zu tief. Der Schein- a m a t e u r ist auch die größte Gefahr für den Berufs sporller. Die Abwanderung der Spitzcngrößen zum Beruf wird aufhören, sie leben ja als„Amateure" viel besser, haben ein sicheres, unkon- trollierbares Entkommen, während die Berufssportler sämtlich schwer unter Steuerdruck zu leiden haben. Um da nach einen Rückweg zu finden, bedarf es Führer wft starker Hand und eisernem Willen, die gibt es aber nirgends. M Freie FsUbosttahr« Berti», e. B. Ausaimlienlünft« Dounerstag, 7. dmtitae, Uhr. Gruppe Norden: Willdenowstr. 5, Lichtbildervortrag:„Als Arbeiter nach Amerika".— Gruppe Nordosten: stugenddeim Tstristburger Etr. H, Heim. abend.— Gruppe Südosten: Jugendheim Große Frankfurter Str. 16, Steuer- mannsprüfungen.—' Sonntag, 10. Januar, 9 Uhr, Handballer: Bootshaus FLU., Sadowa. Meldungen für Spartcnwaldlauf bis ZI. Januar an A. Schil. llng, Linienstr. 218. „Solidarität", Kraftfahrer. Versammlungen: Abt. Cbarlottcubura: Heute, Mittwoch, 20 Uhr, bei Reimer, Witmersdorfer Str. 21.— Abt. Oberschöneweide: Mittwoch, 6. Januar, 20 Uhr, Wilhelmincnhofstr. 64.— Abt. Tempelhof» Mariendorf: Donnerstag, 7. Januar, 20 Uhr, Kurfürsten. Ecke Schützenstraße. Volkssport Neuköllu-Britz. Uebungsbetrieb in allen Abteilungen ab: Donners. tag, 7. Januar: 2. Mädchen,, 2. Münnerabteilung Britz, Ehauffeektr. 197; 3. Frauenadteiluna Kaiser. Friedrich-Etr. 4.— Freitag, 3. Januar, 1. Jung. Mädchen., 1. Knaben-, 1. WSdchenabteilung Leistngstr. 38; Altersabteilung Donaustr. 120; 2. Knabenabteiluug Britz, Ehauffeestr. 137.— Montag, 11. Ja. rniat: 2. Frauen-, 2. Spielabteilung Britz, Ehauffeestr. 137.— Dienstag. 12. Ja. nuar: 1. Frauenabteilung Lefffngstr. 38: Sportabteilung Hertzbergplatz: Gtim. nostikgruppe Britz, Sufeifenhalle.— Mittwoch, IS. Januar: 1. spiel., 1. Jugend. abteilung, Frauenlchrklasse, Leffingstr. 38: 2. gugendabteilung Britz, Ehauffee. straße 1Z7: Kinder immer 18—20, Erwachsene immer 20—22 Uhr. Arbeiter-Schwimmverelll»reu, der». Am 8. Januar milder Badeabend in Baerwaldstraße. Am 17. Januar bei Krüger, Drimmftr. 1, Jahresversammlung. Freie Schwimmer Eroß-Bcrlin, e. B. Gruppe Siemeusstadt: Generalver- fammluna Sonnabend, s. Januar, 20 Uhr, Ronnendammallee, bei Sommer.— Gruppe Oberspree: Generaloerfammlung Sonnabend, 9. Januar, 20 Uhr, Elsencck, Elfen. Ecke Kiefholzstraße.— Gruppe Mitte: Generalversammlung Sonntag. 10, Januar, 16 Uhr. Earmen-Svloa-Etr. 82—84. Eos« Fleischer.„- «TSV. F-iedrüboseldc. Heute, Mittwoch. Geueralversammlung bei Tempel, Friedrichsfelds. 20 Uhr. Arbeltcr-Pbotp-Gilde Berlin. Donnerstag, 7. Januar, 20 Uhr, Atelier- abend hei Walther Jacger, Tauentzienstr. 10 fBeleuchtungsstudien). Freie Pbota Lereintgung. Donnerstag, 7. Januar, Schule Pankftraßc. „Weihnachtsschau". Altersriesen 1. Kreis, gum Winter-Wafferwerbsabend Diermtag. 19. Januar, 19 Uhr, im Stadtbad Mitte, Garten kr. Z, treten Nichtschwimmer und Schwimmer an. Treffpunkt in der Barhalle ,ur Bestchtigung der technischen Anlagen. Gäste willkommen. Sonnabend, 30. Januar, 20 Uhr, Halle Elisabethstr. Z7— S8, Frauenübunge» für das Kreisfeft. Anschließend Befprcchuna im Bereinshaus Landsberger Ecke Kleine Frankfurter Straße über„Die Selbständigkeit der Generalversammlung bei Wollschläger, Adalbcrtstr. 21.— Die Alterar iegen.Rit teUnngen Rr. 2 sind erschienen, abzuholen in der Geschäftsstelle. «ndero-rem Eollegla. Freitag, ff. Januar, keine Mitgliederversammlung, Ikdoch treffen stch die Vorstandsmitglieder um 20 Uhr bei Tbunai zur Aus- spräche. Sonntag, 10. Januar. 14 Uhr, Generalversairimlung bei Krause,„Gast- Haus zur Linde", in Gatow, Vormittag- 10 Uhr Handball gegen Kanubezirk I aus dem Blatz in der Wilbelmstraße in Svandau. Waffersportperein„Fratrrnitas". Bereinsversammlung Freitag, 8. Januar, im.Fallenstein" sOberbaumdrllckel. Gäste herzlich willkommen. Verein für Leibesübungen Ostring, e. v. Die Uebungsstunden beginnen wieder Freitog. 8. Januar, 19ih Uhr. Turnhalle Realgnmnasium an der Parkaue. Montag. 18. Januar, 20 Uhr, Jahresgeneraloersammlung bei Segner. Frank- furter Allee 238. Rät seh Ecke des„Abend" n Kreuzworträtsel. Waagerecht: 5. Bauernhaus: 7 Festtracht: 9. Tiroler Frei- heitsheld: 10. Hohenstaufenkönig: 11. Adfchiedsgruß: 12. Neben- fluß der Warta; 14. männlicher Vorname fAbkürzung): 13. Mine- ral: 17. weiblicher Vorname: IS Bienenzüchter: 19. biblische Ge- stall: 21. Wacholderschnaps: 24. Nebenfluß des Nhelns: LS. Gattungsbegriff: 27. ungebraucht: 2S. Teufel; L0. Ostseeinsel: 32. Astrolog Wallensteins; 33. Habsucht.— Senkrecht: 1. Ge- tteideart: 2. griechische Göttin: 3. Füjh m Galizien; 4. Stadt in Hannover