Morgenausgabe Nr. 9 A 5 49.Zahrgavg Wöchentlich 75$f, monatlich 8,SB M. (davon 87 Pf. monatlich für Futiel- lnng ins Hans) im voraus zahlbar. Postbezug 3,97 M, einschließlich 60 Pf, Postzeiwngs- und 72 Pf. Postbestella e- biihren. Auslandsabonnement B,BB 3)L pro Monat: für Länder mit ermäßig» tcm Drucksachenporto 4,62 M. Der.Porwärt»" erscheint wochentZz- lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend" Illustrierte Sonntagsbeilage .Poll und Zeit". Berliner VolKSblati Donnerstag 7. Januar 1932 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Die einspalt. Nonpareillezeile 80 Ps. Rellamezeile 5,— NM.„Kleine An- zeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pf. (zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt. Tarif. Stellengesuche das erste Wort 15 Pf.. jedes weitere Wort 10 Pf. Warle über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pf. Familien» anzeigen Zeile 40 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstra�e 3. wachen» täglich von 8*/., bis 1/ Uhr. Der verleg KafeAt lich dos Recht der Ablehnung nlcht'genehmer Anzeigen vor! Äentealovgan der GozialdemokvaMchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 klernspr.: Dönhoff(A 7) 293—297. Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Bostscheckkanto:Bcrlin27S3L.— Bankkonto: Bau kdrrÄrdrurr.Angcstclllcn und Beamten, Lindenstr. 3. Dt. B. u.Di?c..Eel.. Deposilenk.. Jcrulalemer Str. 65/6«. Wird Briand ausgebootet? Pariser Gerüchte über eine Umbildung der Regierung Laval. Paris. 6. Januar.(Eigenbericht.) In parlamentarischen Kreisen sind gestern und heute Gerüchte von einer te i l w e i s e n Umbildung des Kabinetts im Ilmlauf gewesen, deren Richtigkeit bisher noch nicht nachzuprüfen war, zumal sich auch Ministerpräsident Laval bisher in Schweigen gehüllt hat. Zwei nationalistische Zeitungen, de? ..Figaro" und das„Journal des D c b o t s". führen diese Gerüchte auf die Notwendigkeit zurück, einen Ersatzmann für den an Typhus erkrankten Kriegsminister Maginot zu finden, der die Interessen Frankreichs auf der Abrüstungs- konfercnz nicht vertreten kann. Denn, wenn selbst der Kriegsminister bald wiederhergestellt sein sollte, würde er einen längeren Genesungsurlaub brauchen, der seine Teilnahme an der Genfer Konferenz unmöglich machen würde. Der „Figaro" hatte bereits zwei Kandidaten genannt, nämlich den Ab- geordneten F a b r y, der derselben Partei wie Maginot angehört, und zurzeit Vorsitzender der Hcereskoinmission der Kommer ist, und den früheren Kriegsministcr Painlevc, der ober kaum Neigung haben dürste, in das rechtsgerichtete Kabinett Laval einzutreten. Die Ersetzung Maginots scheint aber nur der D o r w a n d für die Gerüchte von der Kabinettsumbildung zu fein, denn die Hauptperson, die man bei dieser Gelegenheit ansschissen will, ist der Auhenministcr Briond. Da nun der„Figara" einer der schärfsten Gegner Vriamds ist, kann es sich bei diesen Gerüchten sehr wohl nur um emeN Der- s u ch s b a l l o n handeln. Auffällig ist aber, daß die radikale„Re publique", also ein Briand ergebenes Blatt, auch diese Gerüchte erwähnt und von einer große» politischen Kompensation spricht, die sich im Schatten vorbereite. „Eine starke politisch« Persönlichkeit", deren Namen nicht genannt wird, soll wieder auf der politischen Buhn« erscheinen, das Außemninifterimn übernehmen und gegenüber Teutschland wieder eine scharfe Politik, ähnlich der des Nationalen Blocks, zur Anwendung bringen. Eine offizielle Acußcrung über dies« Gerüchte ist, wie gesagt, bisher nicht erfolgt. Aber vielleicht wird der morgen stattfindende Mini st errat Aufklärung in der einen oder anderen Richtung bringen. * Auffallend ist in diesem Zusammenhang ein« Pariser Meldung der„Telegraphen-Union", wonach das Befinden Briands es zweifelhaft macht, ob der Außenminister in der Lage fein werde, persönlich an den Konferenzen in Genf oder Lausanne teil- zunehmen. Es sei wahrscheinlich, daß die Vertagung der Sitzung des Europa-Ausschusses durch den ungünstigen Gesundheitszustand Briands mitveranlaßt ist. GirZohn Simon sür Teillösungen. Nede des englischen Außenministers vor den ausländischen preffeveriretern. London, 6. Januar. 2luf einem Frühstück der Vereinigung der ausländischen Presse in London sprach Außenminister Sir John Simon über die bevorstehenden Konferenzen(Lausanne. Ratstagung und Abrüstung). er setzte sich lebhaft für ein möglichst frühes Datum des Zusammen- trittes der. Reparationskonferenz ein und fuhr fort: Es sei von allergrößter Bedeutung, daß aus jeder der vorer- inähnlen Konferenzen eine Lösung angestrebt werde, und daß man auch willens sei, eine solche zu sinden. Selbst wenn die endgültige Lösung noch in weiter Ferne liege, so sollten doch olle Kräfte angespannt werden, um einen wirtlichen und erheblichen Schritt nach vorwärts auf dem Wege zu einer Lösung sicherzustellen, auch wenn es nur eine Lösung in Abschnitten sein sollte. « Damit hat die englische Regierung unzweideutig zum Ausdruck gebracht, daß sie eine endgültige Lösung der schwebenden Probleme gegenwärtig nicht sür möglich hau, sonder« uur etappenweise Fortschritte. Das gm in ihren Augen offenbar sowohl für die Reparationsfrage wie für das Abrüstungsproblem. Die neueIndienpoliiik. Zahnenhisfen nnd Massenverhafiungen. Bombay, V. Fanuar. Unter dem Schutz der Polizei wurde heute früh die britische Flagge auf dem Gebäude des Allindischen Kon- grcsses feierlich gehißt, was die Inbesitznahme dieses Gebäudes durch die Regierung anzeigen soll. Bier weitere Führer des Kongresses wurden verhaftet. Die Zahl der in Bombay verhasteten Personen beträgt zur Zeit vierzig, darunter neun Frauen. Heute frühmorgens erfolgten Masse»Verhaftungen von Kongreßführern. U. a. wurde der vormalige Präsident der Gesetzgebenden Versammlung Vithalbhai P a t e l um S Uhr früh fest- genoimnen. Er hotte gestern noch einen Aufruf erlassen, in dem es u. a. hieß, alle Engländer in Indien müßten das Gefühl haben, daß ihre Person in Indien ebenso sicher wie in England sei. Die Inder müßten bereit sein, nötigenfalls ihr Leben zu opfern, um Gewalttatenzu verhindern. Ferner forderte er dazu auf, sich NKhr auf den Boykott britischer Güter und britischer Firmen zu konzentrieren als auf andere ur. Kongrcßprogrannn vorgesehene Kampsmittel, denn die Waffe des Boykotts sei u n w i d e r st c h l i ch. Zum Schluß wiederholte Patel, daß das Ziel die völlige Unabhängig- keit Indiens sei.. Zusammenstöße im Rheinland. Krawalle in Homburg und Rheinhaufen. Moers, 6. Januar. Ln Homburg kam es heute nachmittag wieder zu A n s a in m- l unzen. Mit Einbruch der Dunkelheit waren die üblichen Hunger- rufe zu hören. Die Polizei konnte die Ruhe wiederherstellen. Auf der Rheinpreußenstrahe wurden durch gefällte Kastanien- bäume Barrikaden errichtet, von denen aus die Polizei beschossen wurde. Auf der Moerser Straße wurde durch eine Flaschenbombe ein Schaufenster zertrümmert. An- scheinend galt der Wurf der Flaschenbombe dem die Straße passierenden Ueberfallkommando. Personen wurden nicht verletzt. Auch in Rheinhessen fanden größere Ansamm- lungen statt. Die Polizei wurde aus der Friedrich-Alsred-Straße mit Steinen beworfen. Die Straße konnte aber bald restlos ge- räumt werden. Drei Personen wurden oerhaftet. Das Rücktrittsgesuch des spanische» Botschafters in Berlin, Americo Castro Quesada, ist von der spanischen Regierung genehmigt worden. Wir greifen an? Morgen, Freitag, 20 Uhr, in den Germania-Prachtsälen, Chausseestr.il 0 Massenkundgebung des Reichsbanners - Unser die Parole: Unser der Sta Macht! Redner: Reg.- Rat Dr. Mühle, Landtagsabgeordneter Grzimek, Bundesvorstandsmitgl. Schreiner Republikaner, seid zurf teile Ein Patriot klagt an. Diktatur und Demokratie in Jugoslawien. Von Hermann Wencksl. Diktatur in einem anderen Lande kann uns als Demo-- kraten nie gleichgültig sein, am wenigsten dann, wenn wie heute innerhalb unserer eigenen Grenzen Fanatiker und Narren, Verblendete und Nerzweifelte sich nach der Diktatur heiser schreien. Aber nicht nur unter diesem Gesichtspunkt, sondern auch als Urkunde zur politischen Entwicklung des europäischen Südostens ist die Denkschrift bemerkenswert, die Swetofar Pribitfchewitfch soeben unter dem Titel „Blicke auf den Zustand in Jugoslawien und auf die Zukunft des Landes" verfaßt, weniger für das Ausland berechnet als dem Zweck bestimmt, die jugoslawische Jugend zum Kampf gegen das Regime des 6. Januar 1929 aufzurütteln. Durch feine ganze Vergangenheit ist P r i b i t f ch e- witsch dazu legitimiert, nicht nur in seinem eigenen Namen aufzurufen, denn, geboren und aufgewachsen als Serbe im alten Oefterreich-Ungarn, stand er allezeit unter den Vor- kämpfern für die Freiheit und Unabhängig- keit feines Volkes vornean: aus feinem Munde kam im kroatischen Landtag an dem historischen 29. Oktober der An- trag, daß sich Kroatien, Slawonien und Dalmatien von Wien und Budapest trenne und mit Serbien und Montenegro zu einem Staat oereine. Im ersten Kabinett dieses neuen Staates Jugoslawien fiel ihm denn das Ministerium des Innern zu, und auch in der Folge übte er mehr als einmal, manche sagen: zu autoritativ und selbstherrlich, ein Ministeramt aus, bis er mit seiner Partei, den Selb- ständigen Demokraten, ins Lager der Opposition abschwenkte und sich mit der Kroatischen Bauernpartei Raditschs gegen den Belgrader Zentralismus verbündete. Auf einem andern Blatt steht, ob damals seine Politik immer richtig war/ Aber weil die Diktatur des Pero S ch i w k o w i t s ch seinen Einfluß auf die Massen fürchtete, nahm sie ihn am 19. Mai 1929 fest und hielt ihn, ohne jedes richterliche oder auch nur polizeiliche Verhör, zweiein- viertel Jahre in quälender Jsolierhaft: als Tragik seines Lebens bezeichnet P r i b i t f ch w i t f ch, er- klären zu müssen:„Die österreichisch-ungarische Monarchie ist nicht einmal während des Krieges, da sie um ihr Dasein kämpfte, mit mir, den sie mit Recht als Haupt der Hochver- räter betrachtete, derart umgesprungen wie die Regierung meines Heimatlandes, für dessen Gründung ich meine besten Jahre geopfert habe." Erst ein hartnäckiger Hungerstreik brachte dem schwer Leidenden die Freiheit zurück, und heute erhebt er aus dem Prager Exil, klagend und an- klagend, seine Stimme. Wenn der Sozialdemokralie im slawischen Süden die jugoslawische Einigung als die revolutionärste Tatsache in der Geschichte ihres Volkes erscheint, so betont auch P r i- bitschewitsch:„Die Idee der Freiheit hat Jugo- slawien geschaffen und nur die Idee der Freiheit vermag es zu erhalten." Auf dem Herde Serbiens flammte das Feuer der jugoslawischen Einheitsbestrebungen am hellsten, weil sein König Peter, Muster eines konstitutionellen Herrschers, an zwei Leitgedanken festhielt, einmal: Es kann nie zuviel Freiheit geben! dann: Nur durch die Freiheit er- zieht man zur Freiheit! Sich auf diese anständige Ueberliefe- rung berufend, beteuerte sein Sohn Alexander am Gründungstage des neuen jugoslawischen Staates feierlich, nur freien Bürgern werde er ein König sein und immer den großen konstitutionellen, parlamentarischen und urdemo- kratischen Grundsätzen treubleiben, die auf dem allgemeinen Stimmrecht fußten. Damals diese Versprechungen, und heute?„Wir haben", sagt Pribitschewitsch,„uns einst gegraust, wenn wir hörten, wie in der Türkei Abdul Hamids die Leute auspassen mußten, ob nichtJ3pitzel ihre Unterhaltung belauschten. So ist es zu unserer Schande jetzt im Königreich Jugoslawien!" Die Schrift des Exministers rechnet mit den Renegaten ab, die früher an seiner Seite kämpften und nunmehr als Büttel der Dynastie dienen, und zeigt, wie das vergangene Jahr mit der oktroyierten Verfassung vom 3. Sep- tember und den Terror- und Schwindelwahlen vom 8. November an dem Wesen der Diktatur nichts ge- ändert hat, ober er tut auch dar, daß es sich nicht etwa um eine Hegemonie des Serbenvolkes über Kroaten und Slowene« handle—„das Serbentum heischt keine bevor- rechtete oder herrschende Stellung im Staate, sein Ideal ist die Demokratie"—, sondern um den Machtwillen„einiger privilegierter und der Korruption zugänglicher Familien in Begrad, die mit gewissen Familien im Lande versippt sind Llm Ausgleich des Preußen-Etats. Aussprache zwischen Klepper und Brüning. Der preußische Etat für das Jahr 1932 soll dem Landtag in nächster Zeit vorgelegt werden. Gegenwärtig weist er allerdings noch einen Fehlbetrag von 167 Millionen auf, von denen etwa 29 Millionen durch weitere Einsparungen gedeckt werden sollen. Aber auch dann oerbleibt noch ein Fehlbetrag von rund 169 Millio- nen, dessen Deckung nur auf zwei Wegen möglich erscheint: entweder durch Erschließung neuer Einnahmen oder durch eine zusätzliche Hilfe des Reichs. Am Mittwoch hat über diese Fragen eine Aussprache zwischen dem Reichskanzler Dr. Brüning und dem preußischen Finanzminister Dr. Klepper stattgefunden. Im preußischen Fi- nanzministerium plant man durch die Einführung der Schlacht- st e u e r, wie sie bereits in Bayern und in Sachsen besteht, etwa 199 Millionen neue Einnahmen zu gewinnen. Im Reich aber trägt man Bedenken, daß durch die Einführung der Schlachtsteuer die Absichten der Reichsregierung auf Senkung der Preise durchkreuzt, mindestens aber erschwert werden können. Andererseits aber wei- gert sich auch die Reichsregierung, Preußen irgendwelche Zahlungen auf Grund seiner alten Entschädigungsansprüche durch den Kriegs- ausgang und den Friedensvertrag, wie sie den süddeutschen Staaten mehrfach gewährt worden sind, zu bewilligen. Zu einer Verständigung scheint es in der Besprechung nicht gekommen zu sein. Sie muß jedoch gefunden werden, weil ungeordnete Finanzen des größten deutschen Einzelstaates ebenso gefährlich sind wie im Reich. Trägt das Reich Bedenken gegen eine Erhöhung oder Neueinführung von Steuern, was durchaus zu ver- stehen ist, dann darf es sich nicht zugleich auch der Pflicht cnt- ziehen. Preußen mit Reichsmitteln über die nicht selbstverschuldeten Schwierigkeiten hinweg- zuhelfen. Beschlagnahmte Zusiizkritik. Leipzig hat Zeit— Stuttgart hat Eile. Wie wir bereits mitgeteilt haben, hat die Stuttgarter Polizei das sozialdemokratische Hauptorgan in Würtremberg, die„Schwäbische Tagwacht", beschlagnahmt, weil es heftig« Kritik an der Untersuchung des Reichsgerichts im Falle Best und Genossen geübt hat. Die Kritik ging davon aus, daß der Verfasser der Bor- heimer Blutdokumente, Best, inzwischen das Amt eines Richters im hessischen Staatsgerichtshof versieht, während die Ermittlungen des Reichsgerichts gegen ihn immer noch nicht zum Abschluß gekommen sind. Diese Kritik ist eine Aeußerung tiefen Mißtrauens gegen das Reichsgericht. Die polizeilichen Maßnahmen gegen die Kritik werden jedoch das Vertrauen in das Reichsgericht nicht verstärken! Vertrauen in die Justizpslcge eines Landes wird nicht da- durch erreicht, daß man mit Beschlagnahmen, Verboten und Ver- folgungen gegen die Kritiker vorgeht. Wenn die Funktion der Rechts- pflege in einem Lande nicht mehr im Einklang mit dem Rechts- empfinden eines großen Teiles des Volkes ist. so liegt darin eine ernste Gefährdung der öffentlichen Ordnung, jedenfalls eine ernstere Gefährdung als selbst durch eine überaus scharf gehaltene Kritik. Die deutsche Justiz sollte auf diesem Gebiete Erfahrungen haben. Als das Vertrauen in die deutsche Justiz wankend wurde, weil eine ständig wachsende Anzahl von Urteilen mit dem Rechtsempfinden des Volkes nicht mehr vereinbar war, wurde in Richterkreisen der Versuch unternommen, gegen die Urteilskritik mit Strafverfahren vorzugehen. Dieser Versuch der Richter, sich der öffent- lichen Kritik zu entziehen, hat seinerzeit zu so empörtem Widerstand geführt, daß er sehr bald eingestellt werden mußte. Eine neue Vertrauenskrise der Justiz ist im Wachse». Der Fall Nest hat diese Vertrauenskrise nnzweifel- hast bestärkt. Die lange Dauer der Voruntersuchung gegen Best und Genossen erregte in der Tat tiefstes Befremden. Pkan steht nicht, durch welch« Momente und welche Schwierigkesten öi« lang« Dauer dieser Voruntersuchung bedmgt ist. Gründliche Untersuchung ist ganz gewiß gut. Aber liegt denn dieser Fall im Tatsächlichen wirklich so schwierig? Liegt«r nicht vielmehr furcht- bar einfach? Das Tempo der deutschen Justiz ist fast einzigartig. Man er- innert sich daran, wie rasch die englische Justiz im Falle des Lord Kylsant gearbeitet hat und man vergleicht damit, wie lange es in Deutschland dauert, bis die Fälle Raiffeisen und Favag, Lahusen und Katzcnellenbogen vor Gericht abgeurteilt werden. Die Reichsregierung selbst war der Ueberzeugung. daß das Tempo beschleunigt werden müsse. Sie Hot mit Hilf« von Notverordnungen schnellgerichtiichc Aburteilung gegen Wirtschafts- Verbrecher und gegen Verleumdungen von Personen vorgesehen, die im polstischen Kampfe stehen. Wir müssen feststellen, daft eine sichtbare und durch- greifende Beschleunigung des Tempos bisher durch die Notverordnungen noch nicht bewirkt worden ist. Vor allem beim Reichsgericht aber merkt man nichts von einer Beschleunigung des Tempos! Fast täglich liest man von der Ab- urteilung von Kommunisten, die der Vorbereitung des Hochverrais beschuldigt worden sind. Wir erinnern uns, daß seit mehr als Jahr und Tag beim Reichsgericht auch ein Verfahren gegen Herrn Goebbels wegen des Deliktes der Vorbereitung zum Hochoerrat schwebt. Vielleicht wäre die Erinnerung daran in der Oeffentlichkeit bereits völlig erloschen, wenn nicht in der national- sozialistischen Presse selbst aus Anlaß der Leröffentlichung der Bor- heüner Dokumente daran erinnert worden wäre. Schwebt dies Versahren gegen Herrn Goebbels noch, ist es abgeschlossen, ist es eingestellt? Weiß Herr Goebbels selber noch Bescheid, wie es mit dem Verfahren gegen ihn steht? Faßt man diesen Vergleichsfall inö Auge, so muß man sich auch im Falle Best und Genossen ans ähn- lichcs gefaßt machen! Es ist kein Wunder, daß in weiten Kreisen des Volkes die Kritik am Reichs- gericht dabei immer heftiger wird. In den Boxheimsr Dokumenten haben alle Republikaner eine poli- tische Frage erster Ordnung gesehen. Man hat mit Recht darin ein« gefährliche Drohung nicht nur gegen den Staat, sondern auch gegen Lest» und Leben und Eigentum der Staatsbürger erblickt. Diese Boxheimer Dokumente sind mst Anlaß gewesen den Willen zum politischen Kampf und Widerstand gegen die faschistischen Drohunzen in weiten Kreisen des Volkes zu wecken und zu verstärken. Aber liegt in der Anschauung, daß gegen dies« Drohungen nur poli- tischer Widerstand wirksam sei, nicht eigentlich schon still- schweigend die Anschauung, daß die Justiz bereits versage? I« mehr die Justiz gegenüber den Vorbereitungen des Faschis- mus zum Staatsstreich und gegenüber den wilden ungesetzlichen Drohungen seiner Anhänger versogt, um so stärker wird auch die Resignation gegenüber dem Justizapparat, um so heftiger werden auch Empörung und Kritik werden. Es ist in der Tot unerträglich. daß Herr Best Mitglied des hessischen Staatsgerichtshofes ist, während die Voruntersuchung gegen ihn ein Schneckentempo einschlägt. Es ist noch unerträglicher, daß mit polizeilichen Mitteln gegen die Kritiker dieser Tatsache vorgegangen wird, während die milden Ausschreitungen und Drohungen der Freunde der Best und Genossen einer nicht mehr begreiflichen Milde begegnen. Das Bor- gehen der Polizei in Stuttgart gegen die„Schwäbische Tagwacht" wird darum die Kritik nicht aufhalten, es wird sie vielmehr noch verstärken! und die wir als die Schmarotzer J u g o f l a w l e n s ansehen müssen". Weil für diese Parasiten der junge Äa- pitalismus im slawischen Süden das bedeutet, was de» Made der Speck ist, wirbt P r i b it s ch e w i t sch auch für die aller- dings nicht scharf umrissene wirtschaftliche Demokratie, die ihm als Voraussetzung der politischen Demokratie erscheint. Politische Demokratie aber mündet ihm nicht in die zentraliftische, sondern in die föderalistische Staats- form: er kann hier den vor zwei Aienfchenaltern jung ver- storbenen, genialen Swetosar Majrkowitsch anführen, der in Serbien als Stammvater wie der radikalep, so der sozialistischen Parter gilt. Ob freilich gerade eine moderne Demokratie auf so verstaubte Begriffe wie„historisch-politische Individualitäten" pochen und wehklagen darf, weil die neue Staatsgliederung in Banschaften uralte Namen wie Dal- matien, Syrmien. Bosnien wegwische, steht dahiiy: auch die fränzösische Revolution räumte bei ihrer Departementsein- teilung sehr unsentimental mit den alten Landschaftsnamen wie Maine, Anjou! Poitou, Picardie auf, in denen sich doch nicht minder„historisch-politische Individualitäten" vertrustet hatten. Aber recht hat P r i b i t s ch e w i t s ch damit, daß die neuen Banschaften Jugoslawiens mit Selbstverwaltungs- körpern nichts zu tun haben, weil ihnen eines fehlt: die Selbstverwaltung. Nicht Dämme gegen den Zen- tralismus sind sie, sondern Kanäle für den Zentralismus. Daß er sein Leben lang ein Vorkämpfer des j u g o- slawischen Gedankens gewesen sei, unterstreicht Pribitschewitsch mit Fug. Daß er auch heute den jugoslawischen Gedanken nicht verleugnet, mag allen, italieni- schen Faschisten, magyarischen Revanchards, österreichischen Legitimisten, bulgarischen„Makedonisierenden", bitter aufstoßen, denen die jugoslawische Einheit ein Dorn im Auge ist.„Wir wollen den Staat", heißt es klipp und klar,„einen Staat, in dem Serben, Kroaten und Slowenen einander völlig gleichberechtigt sind und in dem diese Gleichberechtigung nicht durch Worte, sondern durch die staatlichen Einrichtungen verbürgt ist. Wir wollen einen Staat, in dem auch die nationalen Minderheiten zufrieden sind. Wir wollen, daß sich Jugoslawien durch Beitritt der Bulgaren von der Adria bis zum Schwarzen Meer ausdehnt, denn nur so wird die voll- kommene jugoslawische Einheit Wirklichkeit. Rur ein solches großes und innerlich ausgeglichenes Jugoslawien, das alle Stammeszwistigkeiten auf der Grundlage der Gleich- best und Gleichberechtigung gelöst hat, wird alle fremden Ein- flüsse vom Balkan fernhalten und den dauernden Frieden auf dem Balkan und in Mitteleuropa sichern." Leider ist das vorderhand noch Zukunftsmusik. Gegenwart ist die kaum verkappte Diktatur in Jugoslawien, von deren unheilvollen Folgen Pribitschewitsch feststellt: „In der Sklaverei kann nichts gedeihen, weder Wirt- fchaft noch Kultur, in der Sklaverei vermögen sich weder die geistigen Energien zu entfalten noch der Wettstreit um den Fortschrist zu vollziehen, in der Sklaverei herrscht nur Ber- wüstung und Finsternis." Es sind die bekannten Wirkungen jeder Diktatur! Goebbels ist uninformieri. Hitler wieder im Kaiferhof. Gestern, am Mittwoch, dem 6. Januar 1932, erschien der natu» natsozialistischc„Angrist" mit der folgenden festgesetzten Verlaut» banrng an der Spitze des Blastes: „Die tägliche Lüge. Hitler nicht in Berlin. Die Ber- liner Journaille hatte die Meldung gebracht, daß sick) Adolf Hitler nach Berlin begeben haben solle, wo er in diesen Togen Besprechungen von außerordentlich einschneidender Wir- long haben werde, und wo vor allem auch eine erneute Fühlung- nähme mit dem Reichswehrministerium geplant sein solle. Der ..B. B." schreibt dazu, daß diese Meldung absolut unzutreffend und von A bis Z. erfunden ist. Adolf Hitler befindet sich nach wie vor in Münche n." Gestern, am Mittwoch, dem 6. Januar 1932, traf Adolf Hitler am frühen Morgen in Berlin ein und bezog seinen feudalen Gewohnheiten entsprechend Wohnung im Hotel K a i s e r h o f. Da scheint Herr Hitler für Herrn Goebbels sehr überraschend gekommen zu sein! Oa6 Goebbels-palais. Seitdem Hiller im Braunen Palais in München residiert, ist Herr Goebbels mit seiner eigenen Residenz in den nüchternen Ge- schäftsräumen in der Hedemannstraße tief unzufrieden. Um seiner Benachteiligung abzuhelfen, verhandelt der Gau Berlin über die Pachtung des Prinz-Zllbrccht-Palais in der W i l h e l m st r a ß e. Jedem Führer sein Palais! „Wir greifen an!" Massenkundgebungen der„Eisernen Front" Kiel, 6. Januar.(Eigenbericht.) Die„Eiserne Front" der Arbeiterorganisationen in Schleswig.yolstcin hat unter der Parole„Wir greisen an" das neue Jahr in fast allen Städten mit großen Kundgebungen gegen den Faschismus eingeleitet. Bisher fanden nicht weniger als 49 Versammlungen statt, die sämtlich überfüllt waren. Seit ISIS hat die Provinz derart überfüllte Veranstaltungen nicht mehr erlebt. Im verlaufe dieser Woche werden noch weitere 59 Kundgebungen ein- berufen werden. Oer Gchuhbündler ist kein Mörder. Freispruch in Graz Der eines Mordes an einem Heimwehrmann beschuldigte Schutzbündler Steineberger wurde am Mittwoch nach dem Spruch der Geschworenen, die alle Schuldsragen verneinten, freigesprochen. Steinebcrger wurde sofort aus der Haft cnllassen. Verbot der Broschüre..Wer war Schlage lcr?" DA: Verlag „Das andere Deutschland" teilt mit: Die in unserem Verlage heraus- gebrachte Broschüre„Wer war Schlaqeter?" ist vom Berliner Polizeipräsidenten für den Bereich des Freistaates Preußen Polizei- lick beschlagnahmt und oerboten worden, weil ihr Inhal! die„öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährdet". Siebehitze in Braunschweig. Hakenkreuzler und Kommunisten im trauten Dereia. Braunschweig. 6. Januar.(Eigenbericht.) Im Lande Braunschweig ist die Stimmung bereits jetzt, kurz nach Beendigung des weihnachtsfricdcns, bis zur Siedehitze gestiegen. In nationalsozialistischen Versammlungen hält der Naziminister Klagges gegen die Marxisten und gegen die sogenannten Notverord- nungspartcien geschwollene Reden. Die Kommunisten demonstrieren in den Straßen der Stadt Braunschweig gegen die Regierung, durch die sie mit einer ganz unzureichenden Winterbeihilfe enttäuscht worden sind. In Helmstedt demonstrierten die Nationalsozialisten wegen der Bluttaten in Völpke. Die während dieser Bluttaten ver- wundeten Nationalsozialisten und ein Kommunist liegen im Kranken- haus in Helmstedt. Am Dienstag erhiellen die verwundeten Na- tionalsozialistcn Besuch von Parteifreunden. Später drangen sie in das Zimmer des Kommunisten ein und spuckten vor seinem Bett aus. Als das in der Stadt bekannt wurde, kam es auf der Straße zu Schlägereien und Tumulten zwischen Kommunisten und Rational- sozialisten, so daß das Uebcrfollkommando aus Braunschwcig ein- gesetzt werden inuhtc. In keinem deutschen Lande dürfte es augenblicklich so unruhig zugehen wie in Braunschwcig. perlen in der GA.-Kaserne. Halbe Kinder als Stürmer für Adolfs Gköße. Vrauaschweig, 6. Januar.(Eigenbericht.) Was für Jnjasicn in den SA.-Äasernen hausen, die von dort Ueberfällc auf sozialistisch« Ardeiter unternehmen, ergab eine Verhandlung vor dem Schnellrichter in Schöningen wegen der dort vorgekommenen, von un« bereits gemeldeten Raziproookationen. Zwei angeklagte Nazis wurden wegen Körperverletzung und wegen Verstoßes gegen die Notverorommg zu niedrigen Geld- strafen verurteilt, well den Beschuldigten ihre Jugend zu- gute gerechnet wurde. Der eine Angeklagte war ein zwanzigjähriger Erwerbsloser aus Bochum, der andere ein achtzehnjähriger Erwerbsioscr aus der Tschechoslowakei. Beide hatten bereits seit Monaten SA.-Dienst in der Wolfenbütteler Hitler-Kaserne verschen. In Helmstedt zertrümmerten randalierende Nazis die Schau- fenster eines jüdischen Warenhauses. -» Zu unserer Meldung über den Kvalitionskrach in Braunschwcig tritt uns die dortige Landesgefchäftsstelle der Deutschen VvUsportei mit, daß der Präsident der Staatsbank. Dr. Stübben, bei der Polkspartei weder Mitglied war noch gegenwärtig ist. Oanilo klagt. „Oer Zungdeuische" soll Frau Oanilo beleidigt haben. Am Donnerstag findet vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte die Hauptoerhandlung in der Privatkkage statt, die der ehemalige Prinz Danilo von Montenegro als Ehemann der Prinzessin Militza von Montenegro, geb. Herzogin Jutta von Mecklenburg- Strelitz, wohnhaft zu Roquebrune(Südfrankreich) gegen den oerontworLichen Redakteur der Tageszeitung„Der Jungdcutsche", Erich G l o d s ch e y, angestrengt hat. Dem Beklagten wird Bc- lcidigung der Militza in einem Kommentar zu ibrem A b- findungsprozeß mit dem mecklenburgischen Staat(Zahlung von einer halben Million Mark) vorgeworfen. Nazis als Amtshauplleute. In der Amtsversamnelul« des Amts Schwerin wurde von der nationalsozialistischen Mehrheit der nationalsozialistische Regierungsrat a. D. Vötefür zum 2l ml-.Hauptmann gewählt. Die Sozialdemokratie gab ihre Stimmen für den bisherigen AnUshauptmann Dr. Möller ab. Die neugewähltc Amtsversammlung(Üandkreistag) des Amtes Parchim wählte am Mittwochnachmittag den nettionalsozullistlschen Rechts- anwalt Zeitler aus München an Stelle des bis- herigen Amtshauptmanns Rieck zum Amtshauptmami. In Mexiko wurden mehrere katholische Geistlich« wegen Ber- gchtns gegen vis Kircheugesetzc verhaftet. In letzter Zeit I)at die Spannung zwischen Kirche und Staat wieder stark zugenommen. Dieser Tage erst ordnete die Regierung an, daß katholische Schul- diplome nicht anerkannt werden. Nationalsozialistischer BetrieSssturm. „Nein, solche Gestalten werden in die Betriebe nicht hineingelassen!" Kolgen des Großbankenkrachs Schwere Oauerbelastung Oeuffchösterreichs Sittenrichter. Keßner gab dos Stichwort— die Hetze bricht los. Aintsgerichtsdurektor K e tz n e r, Vorsitzender im Sklarek- Prozeß, hat sich erlaubt, über den Direktor bei der 5825®. B r o l at öffentlich ein Werturteil zu fällen, zu dem er als Richter weder berufen noch befähigt war. Er hatte den von ihm angegriffenen Brokat weder persönlich kennengelernt, noch ihn als Zeugen ver- nommen. Trotzdem hielt er sich für berechtigt, eine geringschätzige Bemerkung zu machen, die der Oeffentlichkcit selbstverständlich nicht vorenthalten blieb. Wir haben diesen Usbergriff des Herrn Keßncr alsbald zurückgewiesen. Brolat hat das einzige getan, was er in diesem Falle tun konnte, nämlich gegen den voreiligen Richter beim Justiz- minister Dienftaufsichtsbeschwerde erhoben. Eine Klage gegen den Amtsgerichisdirektor konnte schon deshalb nicht in Frage kommen, weil dieser sich jeden Augenblick auf§ ISZ(Wahrung berechtigter Interessen) berufen könnte. Aber aus dem Fall Kehn er wird jetzt in einem Teil der Presse gewaltsam ein„Fall Brolat" gemacht. Daß die kommu- nistisch« Presse Brolat und die Sozialdemokratie angreift, ist so üblich, daß es keinerlei Aufsehen mehr erregt. Nun aber hält es ein Blatt wie die„Vossische Zeitung" geboten, über Brolat und gleichfalls über die Sozialdemokratie in einer Weife herzufallen, die entschiedene Zurückweisung notweiüiig macht. Es werden da über Vrolats Lebensführung Behauptungen aufgestellt, die ungefähr das Gegenteil der Wahrheit darstellen. Es wird behauptet, daß er„jeden Zusammenhang mit dem proletarischen Milieu, aus dem er stammte", verloren habe, daß es sich um den„Fall eines politischen Parvenüs" handele, für den die Sozialdemokratie ver- antwortlich fei und dergleichen schöne Dinge mehr. Was die Lebensführung Brolots anlangt, so wissen seine engeren Parteifreunde aus der Arbeiterschaft wahrscheinlich besser darüber Bescheid, als die Rödaktion der„Vossischen Zeitung", die es für geschmackvoll hält, dem Proletarier Brolat die Höhe seines Gehalts vorzuwerfen, während sie von den höheren und gleichhohen Gehältern, die die bürgerlichen Mitdirek- toren der BVG. schon vor Brolats'Amtsantritt bezogen, kein Wort zu sagen wagt. Man spricht in Berlin auch von Summen, die im Hause Ullstein an gewisse„Prominente" gezahlt werden, an die das jetzige Gehalt Vrolats sicher nicht entfernt heranreicht. Man spricht auch von Beziehungen demokra- tischer Stadträte und Stadtverordneten zu den Sklareks, aber die„Vossische Zeitung", im Stile der Münzenberg-Presse. glaubt den Sittenrichter über die Sozialdemokratie spielen zu sollen, weil sie Brolat nicht abschüttelt. Dazu hat die„Vossische Zeitung" so wenig ein Mandat wie Herr Amtsgerichtsdirektor Keßner! AmilicheTelephonbücherbeschlagnahmt! Lad ein Wiener Ziaöioskandal. Wie anderswo auch, werden in Wien neben dem staatlichen Verzeichnis der Fernsprechteilnehmer auch von Prioawerlagen solche Bücher als Reklamawerke herausgegeben. Vor diesen Unter- nohmungen hatte die Postoerwaltung in der Presse warnen lassen, da private Telephonbücher lückenhaft seien. Die betreffenden Unter- nehmer hatten einstweilige Verfügungen gegen die Wiederholung dieser Warnung erwirkt. Da man sich daran nicht kehrte, sind auch schon Geldstrafen verhängt worden. Nun ist in den amtlichen Telephonbüchern außerhalb Wiens wiederum diese Warnung erschienen. Darauf hat der Herausgeber eines privaten Tgläphonbuches, zu dem sogar Minister Hainl«in Vorwort geschrieben hatte, die Beschlagnahm» aller amtlichen Fernsprech- Verzeichnisse mit Ausnahm« des Wiener beantragt und. in allen Instanzen einschließlich des Oberlandesgerichts durchgesetzt. Das �erfahren gründet sich auf das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, dem auch die Postverwaltung untersteht, wenn sie G«> schäste macht und gegen Konkurrenten vorgeht. Das Handels- Ministerium hatte gegen einen eigenen Erlaß versucht, sich über das Gesetz zu stellen, was ihm aber nicht gelungen ist. Radio- und andere Vermittlung. Der amerikanische Standardkonzcrn hatte im Einverständ- vis mit der Wiener Sendegesellschaft„Raoag" ein Projekt zur Konzessionierung eingereicht, wonach der Rundfunk von gewissen Zentralen aus telephonisch in die Wohnungen geleitet werden sollte, so daß man durch bloßen Artschluß von Kopfhörern oder Laut- sprcchern hören könnte. Selbstverständlich wäre mft dieser Ein- richtung das Geschäft in Radiocmpfangsgeräten tot gewesen. Die Radwindustrie kämpfte mft großer Energie für ihre Selbsterhalluno. Es gelang ihr, das amerikanische Projett zum Schcftern zu bringen. Nachträglich aber hat die Radioindustrie dem Minister ein„Ge- dächtnisprotokoll" überreicht. Danach war dem zuständigen Sek- uonsrat(Ministerialrat) Dr. Matz von der Standard für die Konzefsionserteilung ein D i r c t t o r p o st e n in der neuen Gesell- ichast versprochen! von der Radioindusirie verlangte«r l ö 06» Schilling, um die Konzessionserteilung mindestens »m ein Jahr zu verzögern. Bei den Verhandlungen hielt sich Dr. Matz möglichst im Hintergrund, die Herren Goldschmied und Urich traten desto mehr hervor, wobei besonders die Beziehungen des letzteren zu einflußreichen Politikern eine Rolle spielten. Der jüdische Lederhändler Urich ist nänÄich mft führen- den Christlichsozialen sehr befreundet und da es sich um eine Schieberei handelt, ist— natürlich, möchte man ausrufen— der Heimwehr-Landeshauptmann von Steiermark, Dr. R i n t c l e n, mit dabei. Mag, Goldschmied und Urich sitzen in Uittersuchungshast. Das Gericht macht Ernst. Die Hclldorf' Angeklagten haben zur Stelle zu sein? Das Ausbleiben der sechs Angeklagten im Helldorf-Prozeß Hot das Gericht zu dem einzig möglichen Entschluß veranlaßt: die An- Wesenheit sämtlicher Angeklagten ist von nun an für unbedingt erforderlich zu erachten. Landgerichtsdirektar Oh n c- sorge erklärte am Schluß der gestrigen Verhandlung, daß, sollte in Zukunft der eine oder andere Angeklagte der Sitzung fernbleiben, so würde er Gefahr laufen, vorgeführt oder gar verhastet zu werden. Landgerichtedirektor Ohnesorge hielt auch dem Ange- klagten Heckondorf in sehr scharfer Form vor. daß der� Beginn der Verhandlung sich durch seine Schuld aus anderthalb Stunden ver- zögert Hab« Von den fünf Angeklagten, die entschuldigt fortgeblieben waren, erschienen zwei im Laufe des Nachmittags im Gerichtssaal: den übrigen drei wollte die Staatsanwaltschaft durch Rohrpost mitteilen, daß sie heute im Gerichtssaal anwesend zu sein haben. Trotz des Verbots des Vorsitzenden, in den braunen Naziwesten zu erscheinen, hatten gestern etwa vier Angeklagte wieder d i e „Uniform" angelegt. Der Vorsitzende rügte das und ersuchte, seiner Anordnung Folge zu leisten. � Las Zeugellpeufmu konnte gestern erledigt werden. Unter Zur Stundung der reichsdeutschen Reparationsleistungen mußte Amerika den Anstoß geben: ihre weitere Unterbrechung muß eine Konferenz aller beteiligten Regierungen beschließen, und um den vollen Verzicht darauf, der allein zur rettenden Tat werden könnte, geht jetzt der Kampf. Das bettelarme Deuischösterreich hat man selbst in der ersten Nachkriegszett nur mit einem Generalpfandrecht der„Hiegorstaaten" belastet, direkte Zahlungen konnte mau ihm gor nicht zumuten. Jetzt ober droht dem Lande eine innere Reparation, die schließlich doch den ausländischen Hauptgläubigern der ver- krachten Ersditanstoft zugute kommen soll. Dr. Kunwald, der schon Finanzberater der kaiserttchon Re- gierung gewesen ist und dessen Rat auch die Vürgerblockregierungen der Republik in Anspruch genommen haben, führt in der„Neuen Freien Presse" aus, daß die Creditanstatt gegen 1366 Mil- lionen Schilling Schulden hat, 466 bis ö66 Millionen an die Zluslandsgläubiger, 666 Millionen an die Notionalbank und 256 Millionen an die Jnlandgläubiger. Diesen Schulden steht so gut wie gar kein Vermögen gegenüber, denn die Industrie. Unternehmungen der Bank sind so verschuldet, daß sie als Lermögensobjell heute kaum in Betracht kommen. Wie Dr. Kun- wald ausrechnet, hat die Credilanftalk heule ein jährliches Defizit van 70 bis SO Mil- lionen Schilling. Der Staat muß also monatlich S bis 7 Mil- lionen Schilling in die Lank hiveinstopfen. Kunwold verlangt, daß die Bank schulden- und lastenfrei gestellt wird. Es sei daher eine Einigung mit den Gläubigern der Bank in der Weife anzustreben, daß die Bant selbst ausderHaftung entlassen und die durch die Haftung des Staates voll gedeckten Gläubiger kein Zugriffsrccht auf den Besitz der Bank, d. h. ihre Industrien haben. Jetzt sei gerade der günstige Augen- � blick, eine derartige internationale Eimgung herbeizuführen., Hinter diesen Vorschlägen dürften die ausländischen Kapitalisten| anderem wurde der Besitzer des Cafe. Reimann vernommen. Heute folgen weitere Kurfürftendamm-Lerletzte. Airch der Rechtsanwalt Dr. Apfel, der in der letzten Verhandlung aufschlußreiche Bekuiidun- gen über seine Beobachtungen zu Beginn der Nazidemonstration ge- macht hatte, ist an der Reihe. Wie verlautet, hat er in der Zwischen- zeit eine grpßc Zahl v.on Drohbriefen erhatten. Viel- leicht erfährt man etwas aus deren Inhalt. Es bedarf übrigens keiner großen Phantasie, um sich die anonymen Sudeleien vorzustellen. Münzgewinne bessern Reichsemnahme« Gesamtdefizit rund eine Milliarde. Nach den Mitteilungen des Reichsfinanzministeriums stellten sich die Einnahmen im ordentlichen Haushalt vom April bis November 1631(Rechnungsjahr April bis März) auf 5669,4 Mil- lionen, denen an Ausgaben insgesamt 5817,7 Millionen gegenüberstehen. Es ergibt sich also ein Ueberschuß von 91,7 Millionen Mark. Zur Kunktionärkonsereuz. Hilferding vor den Aetriebsvertrauensleutea. lieber die Funklionärkoaserevz der Betriebsoertrauensleute, ia der Genosse Hilf«ding sprach, berichten wir in der Abendausgabe. Die Mahlen der Vertreter der Vcftiebvvartranenslevtc für den Bezirksvorstand findet in einem besonders für diesen Zweck einberufenden Znnküoaärkonserevz statt. Termin wird noch bekannt. gegebe». Der Bezirk soorp-md. stehen. Es wird verlangt, daß der Staat für die„verglichenen" Verpflichtungen Obligationen an die Gläubiger aus- gibt. Die Zahlungen auf diese Obligationen sollen wegen der finanziellen Schwierigkeiten des Staates erst nach zwei Jahren beginnen. Zchre Rückzahlung soll sich auf mindestens 36 Jahre er-- strecken, ihre Verzinsung soll ungewöhnlich niedrig sein. Der Staats- Haushalt soll aus diesem Titel für 1925 bis 1964 mtt nicht mehr als höchstens 56 Millionen Schilling belastet werden. Dafür aber soll die Creditanstatt aus der Haftung unbedingt entlassen werden. Der Staat soll die Zahlung aller Pen- s i o n« n übernehmen, der jetzigen Pensionen und der. Pensionen der Abzubauenden. Daraus wird dem Staat eine weitere B«- lastung von 15 Millionen Schilling erwachsen. Dafür sollen dem Staat sämtlich« Aktien der Creditanstatt über- antwortet werden, der diese Bank nicht durch den Staat, sondern für den Staat verwaltet werden. Aus dem Reingewinn soll der Staat für seine Leistungen entschädigt werden. Kunwold glaubt, daß sich auf diese Weise die der Credit- anstatt angeschlossenen Industrien retten ließen. Der Staat hätte ein sehr wertvolles Pfand für künftige Anleihen und könnte die Währung radikal sanieren. Damit will man die Oeffentlichkeit und das Parlament gewinnen. Aber während dieser dreißig Jahre gäbe es in Oesterreich auch weiter keine Alters- Versicherung. Um einen Bruchteil dieser Summe rauft die Re- giarung wochenlang mit den Bundesa rrg est ellte n. Nichts aber sagt Kunwold von der Haftung der früheren Leitung der Creditanstalt, Rothschild, Neurath und den Verwaktungsräten. Rathschitds fitzen in London. Sieghart ist auch in Sicherheit— die Büvgerblockregicrunq hat keine Energie gegen schuldige Mitwirtschaftsführer. » Von Wien aus wird versucht, den Direktor Ritscher von der Reichskreditbant in Berlin als Generaldirektor der Creditanstalt zu gewinnen. Dagegen ergibt sich im außerordentlichen Hausholt für die gleiche Zeit eine Summe von 116,6 Millionen Mehrausgaben. Im Rlonat November betrugen die Einnahmen im ordentlichen ljaushalt 739,5 gegen 686,7 Millionen Ausgaben. Dieses günstige Ergebnis ist hauptsächlich auf die Münz gewinne des Reiches in dem Berichtsmonot in Höhe von 161,6 Millionen zu- rückzuführen. Der aus dem vorhergeheirden Rechnungsjahr über- nommene Fehlbettag von 1636,5 Millionen hol sich entsprechend der Schuldenbildung auf Grund des Gesetzes vom 23. Oktober 1936 auf 756,5 Millionen ermäßigt. Unter Einrechnung des bis zum No> vember erzielten Ueberschusses stellt sich also das Defizit im ovdent- lichen Haushalt auf rund 659 Millioiren Mark. Rechnet man im außerordentlichen Haushalt zu dem bis Ende November eingetretenen Defizit van 119,6 Millionen noch den aus dem Vorjahr übernommenen Fehlbcttag von 261.4 Millionen hinzu, so ergibt sich«in Fehlbetrag von 372 Millionen Mark. Do« Gesamldefizit de« Reichshaushalts stellt sich danach also End«?lo- vembcr auf 1030,8 Millionen. Die schwebende Schuld des Reiches hat sich gegenüber Ullimo Oktccher von 1862 auf 1746.7 Millionen verringert. Der Kassen- bestand bei der Reichshauptkasse und den Außenkassen stellte sich auf 31 Millionen Mark. Sireikbekämpfung in Spanien. Zln> Dienstag kam es zwischen den streikenden Arbeitern einer Schuhfabrik in Arnedo(Provinz Logroiw)�zu einem Zu- sammonstoh mit der Guardia Civilc, die von der Schußwaffe Ge- brauch machte. Sechs Tot«, darunter vier Frauen, und 16 Schwerverwundete blieben am Platze. Einem derartigen Mißbrauch der Schußwaffen müßte die Re- gierung denn doch begegnen. Kontrolle der preise! Rachahmensweries Beispiel. Die freie« Gewerkschaften Sachsens senden sich in einem A u f r u f an die Arbeiter. An- gestellten und Beamten, die Preise zu ton- trollicrcn. lleberall in Teutschland sollten die Lohn- und Gehaltsempfänger mit gleichem Nach» druck die Preiskontrolle durchführen. In dem sächsischen Aufruf heißt es u. a.: „Die Gewerkschasten haben sich mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln gegen den unvernünftigen Abbau gewehrt, und sie werden jetzt erst recht ihre ganze Kraft einsetzen, um ein weiteres Absinken der Lebenshaltung der Arbeiter, Angestellten und Beamten zu verhindern. Zwar lassen die gegenwärtige Gesamtlage der Wirtschaft und die durch die Notverordnung geschaffenen rechtlichen Bindungen einen Kampf um die Lohn- und Gehaltshöhe im all- gemeinen als aussichtslos erscheinen. Die Gewerkschaften werden sich aber den veränderten 5tampfbediugungen anzupassen wissen und um so ent- schiedcncr die Kaufkraft der Löhne durch Druck auf die Preise verteidigen. Zwar steht die Notoerordnung auch Maßnahmen zur Preis- senkung vor. Aber die Arbeiter, Angestellten und Beamten können sich ebensowenig, aus die automatische Wirkung dieser indirekten Maßnahmen und auf die loyale Durchführung derselben durch die Verkäufer wie auf den Preiskomniissar oerlassen. Deswegen haben die Gewerkschaften von sich aus Einrichtungen zur Kontrolle der Preisbewegung ge- troffen. Sie sind gewillt, mit allen erfolgversprechen» den Mitteln da einzugreifen, wo die Preisentwick- lung nicht der Senkung der Löhne. Gehälter und sonstigen Selbstkosten entspricht. Wo es im Interesse der Arbeitnehmer nötig ist, werden die Gcwerk- schaftsn auch vor Boykottmaßnahmen nicht zurückschrecken. Die Kontrolle der Preise, wie überhaupt der Kanipf um den Reallohn von der Prcisscite her, erfordert noch mehr als der Lohn- kämpf die tatkräftige Mitwirkung der als Verbraucher in Frage kommenden Massen. Durch die Ortsausschüsse der Spitzenorgani- sationen(ADGB., AfA, A2B.) und die Verwaltungsstellen der Gewerkschaften werden durch Funktionäre noch nähere Weisungen für die im einzelnen durchzuführenden Maßnahmen erhalten Wir rufen aber schon jetzt die Gesamtheit der Gewerkschaftsmitglieder auf, alle zweckdienlichen Wahrnehmungen an ihre Verwaltungs- stellen zu berichten und von sich aus bei allen Einkäufen auf einen dem Lohn- und Gehaltsabbau entsprechenden Preisabbau hinzu- wirken. Darüber hinaus gilt es zu rüsten zu neuen schweren Kämpfen. Nach dem Ablauf der jetzt durchgeführten Zwangsregelung der Löhne und Gehälter ist mit einer starken Einschränkung der staatlichen Einwirkung auf lohnpolitischem Gebiete zu rechnen. Wenn ober der staatliche Schutz eingeschränkt wird, muß die gewerkschaftliche Selbsthilfe in verstärktem Maße angewandt werden. Deshalb gilt es, die Kampfkraft und Geschlossenheit der gewerkschaftlichen Organisationen zu stärken und den letzten Mann im Betrieb und Büro für die Idee der gewcrk- schaftlichen Selbsthilfe zu gewinnen." 15 Mark Wocheneinkommen! Dafür sollen Eisenbahner ihren Dienst leisten Die Reichsbahn-chaupwerwaltung Hot die Kürzung des Lohnes der R e ich s b a h na rb e i t e r ab 1. Januar in vollem Umfang nach den Bestimmungen der Notverordnung an- geordnet, ohne von den durch die gleiche Notverordnung ge- botenen Möglichkeiten zur Vermeidung von Härten Gebrauch zu machen. Die Lohnabbauanordnung der Reichsbohn-Gesellschaft ist erfolgt, obwohl die vertragschließenden Organisationen der Haupt- Verwaltung eingehend ihre großen Bedenken gegen eine schemati- sche Anwendung der Abbaubestimmungen der Notverordnung für den Neichsbahnbetrieb vorgetragen hallen. Die führenden Eisen- b a h n c r o r g a n i s a t i o n e n haben jetzt durch eine Eingabe die Reichsrcgicrung, vor allem den Reichskanzler und den Reichsarbeitsminister, auf das Lohnabbammrccht bei der Reichsbahn aufmerksam gemacht. Der Inhalt der Eingabe besagt im wesenllichen folgendes: .Mit der Anordnung der tOprozentigen Lohntürzung durch die Rcichsbahn-Berwaltung werden für die Lohngruppen I, II und Iii bis auf wenige Ausnahmen in den einzelnen Wirtschaftsgebieten die Stundenlöhne bis zu 3 Pfennig unter den Grundlohn vom 10. Januar 1Ö27 gesenkt. Dabei ist noch zu berücksichtigen, daß der Lohn vom 10. Januar 1927 bereits am 1. Juli 1926 in Kraft getreten war. Die Gewerkschaften wollten ab 1. Januar 1927 eine Lohnerhöhung erwirken. Diese wurde jedoch dadurch vereitelt, daß die Rcichsbahn-Berwaltung sich bereit erklärte, den Arbeitern im Reichsbahnbetrieb im Dezember 1926«ine einmalige Ver- g ü t n n g von 38, 34 und 30 Mark auszuhändigen. Würde man diesen Betrag auf die Arbeitsstunde umlegen, so ergäbe sich ab 1. Januar für das laufende Jahr eine Lohnerhöhung von mindestens 1 Pfennig pro Stunde. Im Januar 1927 gehörte noch zu dem Lohn der Eisenbahn- arbeiter ein Frauenzusch lag von 3 Pfennig pro Arbeits- stunde. Dieser Zuschlag fiel mit dem 1. April 1931 fort. Am 10. Januar 1927 stellte er noch einen Lohnde st andteil dar. Der Kinderzuschlag wurde bis zum 31. März 1931 für den lohnberechtigten Tag gezahlt. Bon diesem Zeitpunkt ab wird der Kinderzuschlag für die lohnberechiigte Stunde gezahlt, wodurch für rund SO Prozent der Eisenbahnarbeiter eine Lohnminderung von 0,3 Pfennig pro Stunde eintritt. Für rund 50 Prozent der Eisenbahnarbeiier ist gegenüber dem 10. Januar 1927 die Arbeitszeit von 34 auf 48 Stunden in der Woche ohne Lohnausgleich gekürzt worden. Das be- deutet, gemessen an den Grundlöhnen, eine unsichtbare, aber des- halb nicht minder drückende Lohnkürzung von rund 12 Proz. Für die gleichen Arbeiter sind fast ununterbrochen seit Fe- bruar 1930 pro Monat 3 und 4 Feierschichten vereinbart, bzw. angeordnet gewesen. Auch diese Maßnahme> bedeutet eine Lohnkürzung von rund 12 Prozent. Im Rcichsbahnbetrieb find rund 360 000 Arbeiter beschäftigt. Die Hälfte dieser Arbeiter ist von den angeführten Wirkungen bc- trofien. Wenn min schon die Arbeiter,.die weder eine Arbeitszeit- Verkürzung erhallen chiben, noch Feierschichten in Kauf nehmen nillssen, durch den Lohnabbau nach der Notoerordnung mit ihrem Lohn unter den Stand vom 10. Januar 1927 sinken, so wird die niedrige Lohnlage der übrigen Arbeiter noch unerträglicher. Die Mehrzahl der Eisenbahnarbeiter hat durch die Not- v-rordimngskllrzunz ab 1. Januar 1932 noch ein bedeutend niedrigeres Einkommen als im November 1924. Die Eisenbahnergcwerklckzaften bringen hierfür in ihrer an die Reichs- regierung gerichteten Eingabe an Hand genauer Zifseru einen unanfechtbaren Beweis. Dazu kommt nun aber noch, daß angesichts der erhöhten Steuerleistungrn und der erhöhten Leistungen an Sozialbeiträgen das Einkommen der Reichsbahn- arbeiter sich gegenüber 1924 noch weiter bedenklich erniäßigt. Eine beträchtliche Anzahl von Eisenbahnarbeitern dürfte mit ihrem Lohneinkommen fast aus die Unter st ützungssätze der Erwerbslosen, wie sie im Durchschnitt gezahlt werden, herunterstntcn. In vielen Fällen kommt cm Nettolohn von rund 13 Mark heraus! Die Eisenbahnergewerkschaften betonen in chrcr Eingabe an die Regierung, daß die Reichsregierung unmöglich solche Aus- Wirkung ihrer Notverordnung gewollt habe: denn der Eisenbahn- arbeiter habe doch schließlich einen schweren, gefährlichen und verantwortlichen Dien st. Darf man Arbeiter, von deren Treue und Gewissenhastigtell die Sicherheit des Verkehrs ab- hängt, dem Hunger und der Verzweiflung ausliesern? Einigung bei der BVG. Urabstimmung in den Gas- und Wasserwerken. Die Obleute der freigewertschastlich organisierten Arbeiter der Berliner Städtischen Gas- und Wasserwerke und der BVG. nahmen gestern nachmittag zu der neuen Situation Stellung, die durch das Angebot der Direktionen der Werke und der BVG. in der Aussprache am Dienstag im Rathaus mit den Gewcrk- schastsoertretern entstanden ist. Genosse Schaum setzte den Obleuten die materiellen Aus- Wirkungen dieses Kompramißoorschlages auseinander, der gestern bereits im„Vorwärts" wiedergegeben wurde. Bei den Gas- und Wasserwerken ist der Slb.zug von insgesamt 4 Pümnig pro Stunde, den die Direktionen aus Grund der sogenannten Angleichungsbestimmungen der Zweiten und Drillen Notverordnung vornehmen ivollten, um die H ä l s t e reduziert worden. Bei der BVG. soll der bereits angeordnete Zlbbauder Vcrheiratetenzulagc von 2 Pfennig pro Stunde wieder rückgängig gemocht werden. Bei der BVG. soll weiter etwa für die Hälfte der Belegschaft auf Grund der A n g l e i ch u n g s b e st i m m u n g e n der früheren Notver- ordnungen ein Abzug von 1 Pfennig pro Stunde erfolgen, bei den Fahrkartenoerkäuferinnen um 2 Pfennig und bei einem allerdings geringen Teil von ihnen um 3 Psennig. Im Auftrage aller Tarif- gewerkschasten stellte Genosse Schaum den Obleuten die Entscheidung über diesen Kompromißoorschlag onheim. Nach längerer Aussprache faßten die Obleute den Beschluß, die Belegschaften der Gas- und Wasserwerke in einer Urabstim- mn n g, die ab Donnerstaanachmittog bis Sonnabend früh durch- geführt werden soll, selbst über den Vorschlag entscheiden zu lassen. Das Abstimmungsergebnis muß bis Sonnabendmittag 12 Uhr der Ortsverwaltimg des Gesamtverbandes übermittelt sein. Die Funktionäre der BVG. haben dem Vorschlag am Dienstag zugestimmt. Die Gewerkschaften werden den Direktionen der Gas- und Wasserwerke und auch der BVG. gegenüber ihre end- güllige Stellungnahme zu dem Konpromißvorschlag bekanntgeben. sobald das Ergebnis der Urabstimmung in den Gas- und Wasser- werken vorltegt. An der Urabstimmung m den Werken sollen sich alle Befchästigten ohne Rücksicht aus ihre Organisationszugehörigkeit beteiligen. Aus der Obleutekonfereiiz verdient hervorgehoben zu werben die Haltimg der kommunistischen Betriebsobleute, die von den übrigen Obleuten wegen der Aufforderung der„Roten Fahne" zur N i ch t b e t e i l i g u n g an einer Urabstimmung um ihre Stellungnahme zu dieser Ausfocderung befragt wurden. Erfreulich war, daß sie von ihrem offiziellen Parteiorgan abrückten. Die koin- munistischen Obleute erklärten, daß die Aufforderung der„Roten Fahne" zur Nichtbeteiligung an einer Urabstimmung„eine Sache für sich" sei. Sie fügten hinzu, daß sie sich mit allen Kräften dafür einsetzen werden, daß auch der legte Mmm der Belcgschall an der Urabstimmung teilnimmt. Dach Nachrichtenamt der Stadt Berlin teilt uns mit: Wie hoch sind die Löhne? „Bereits durch die dritte Notverordnung ist die An- gleichung an die Sätze der R e i ch s a r b e i t e r l ö h n e bestimmt worden. Diese Angleichung, die eine weitere Lohn- senkung von 10 bis 12 Proz. ergeben würde, erfolgte bis- her nicht, um außerordentliche Härten zu vermeiden Die Kürzung vom l. Januar 1932 bringt die Angleichung an die Sätze der st ä d t i s ch e n Arbeiter und erqibt neben der Senkung um etwa 10 Proz. den Abzug von 1 Pfennig für den Stundenlohn bei dem Verkehrspersonal(Fohrer" und Schaffner). Die Spitzenlöhne ab 1. Januar 1932 ohne Frauen- i-nd � Kinderzulagc betragen beim V e r k e h r s p e r s o n o l: Straßenbahn- und U-Bahn-Schaffner sowie Zuqabfertiger 99 Pf. Omnibusschaffner 101,5 Pfennig«. Straßenbahn- und U-Bahn- Fahrer 110 Pfennige und Omnibusfahrer 118,3 Pfennige. Beim technischen Personal für den Handwerker 106 Pfennige, den an- gelernten Arbeiter 95 Pfennige, den ungelernten Arbeiter 90 Pfennige. Die Fährkartenausgeberin 79 Pfennige und Ar- beiterinnen 69 Pfennige für die Stunde. Neben der D i e n st k l« i d u n g, die frei geliefert wird, hat das BBG.-Pcrsonol. freie Fahrt für alle drei Verkehrsmittel. Die Gesellschaft zahlt außerdem für die R u h c g e l d k a s s c 7 Proz. von dem zur Ruhegeldkasse veranlagten Einkommen." Wir möchten hierzu bemerken, daß diese Spitzen köhne erreicht werden nach zwei- bis fiinij ähriger Dienstzeit. Im übrigen gibt es wohl gewisse Funkiionszulagen beim Verkehrspersonal, aber weder Akkord- noch Leistungszuschläge, die sonst in Privatbetrieben üblich sind._ Welirevoluiion in Giemensstadi. Es war„nichts zu machen". Die„Rote Fahne" berichtet, daß am Montag in den Siemens- Betrieben, und zwar im Kabel-, Elmo- und Schaltwerk Betriebs- demonstrationen während der Arbeitszeit erfolgt seien. Demgcgeu- über wurde festgestellt, daß wcchl im Kabelwerk die revolu- tiouären Betriebsräte die Köpf« zusammensteckten, aber viel zu vorsichtig waren, irgendeine Aktion innerhalb des Betriebes vor- zunehmen. Im E l m o w e r k versuchte der vor einigen Tagen in aller Oeffentlichkeit wegen seiner passiven Haltung gerügte Zellen- ob mann die Metallgießerei zum Streik aufzufordern. Er fand aber nur ungläubige und erstaunte Gesichter. Ein Arbellskollcge erklärte ihm:„Mach nicht denselben Kohl wie dein Vorgänger (der Rcichstagsobgeordnete Kohlmann), denn sonst kiekste dir den Betrieb von draußen an!" Mit hochrotem Kopf zog der Parolen- träger ab. Im S ch a l t w e r k fand sick) kein Mensch, der der Parole folgte. in der Garderobe zusanimenzukommen. Selbst die»revolutionären" Arbellerräte, die„Führer", blieben hübsch auf chrem Arbeitsplatz. In der Eisengießerei bei Sieniens versuchte das einzige rote Arbellerratsmitglied die Belegschaft während der Frühstückspause getreu den Anweisungen seiner Partei zum Massenstreik auszu- putschen. Die Belegschaft war aber weit vernünftiger als dieser rote Strcikapostel es sich gedacht hatte. Man zeigte ihm die kalte Schulter. Daraufhin berief er nach Feierabend eine Massen- Versammlung seiner Kollegen«in.-Zu dieser„Massenversammlung" aber kam nicht ein einziger Arbeiter. Das„rote" Arbellerratsmitglied ließ sich dann einen Krankenschein ausstellen. Es ist ihm zu glauben, daß er bei seiner Aktion krank geworden ist, obschon ihm niemand etwas getan hat. „Das Land ohne Arbeiislostgkeii." Die Propagandisten Sowjctrußlands behaupten, daß es„das Land ohne Arbeitslosigkeit" sei. Da die Arbeitslosigkeit das Haupt- übel der übrigen Welt ist, muß den gläubigen Hörern solcher Bot- schast Rußland als ein wahres Paradies erscheinen. Wir wollen gar nicht die zahlreichen Berichte von Arbeitern, die dem russischen Paradies entflohen sind, zitieren. Es genügt, auf„ami- lichc" Quellen zurückzugreifen. Im„Trud" vom 11. Oktober 1930 wurde eine Verordnung abgedruckt, in der mitgeteilt wurde, daß die Zahlung von Zlrbeitsloscnunterslützung in Zukunft unterbleiben würde. Die Arbeitsämter hätten alles zu tun, um den Arbeits- losen Arbeit zu verschaffen. Die Arbeitslosen müssen nicht nur die Arbeit in ihrem Fache annehmen, sondern auä) solche, die eine be- sondere Qualifikation nicht voraussetze. Außer Krankheit, die durch einen Krankenschein bestätigt werden muß, dürfe es keinen Grund zur Arbeitsverweigerung geben. Das ist in klares Deutsch übertragen die A r b e i t s d i e n st- Pflicht. Der Arbeiter ist der Willkür des Sowjetopparates auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. In einer Broschüre, die vom Bund der Freunde der Sowjetunion herausgegeben wurde, wird aber klipp und klar gesagt, daß auch in Rußland eine Arbeitslosigkeit von erheblichem Umfange bestehe. Die Zahl der Arbeitslosen bewege sich in den letzten Jahren um 114 Millionen herum. Es wird da auf den Unterschied der Gründe, die zur Arbellslosigkeit in Somjetrußland und in den anderen Ländern führten, hingewiesen. In den kapitalistischen Ländern ist die Rationalisierung schuld. Gleichzeitig wird auch Betriebseinschränkung und Verlängerung der Arbeitszeit an- gegeben. In Rußland kämen dagegen die Arbeitslosen nicht aus den Fabriken, sondern aus dem Kleinbürgertum, in erster Linie vom Lande. Das ist gehüpft wie gesprungen. Auch Deut'chland war einmal Agrarland und hatte einen ungeheuren Bedarf an industriellen Arbeitskräften. Wenn Rußland seine wirtschaftliche Strukturänderung vollzogen haben wird, wird das Problem der Arbeitsbeschaffung für die rasch zunehmende Bevölkerung ganz anders als heute in den Vordergrund treten. Und ob Rußland dann in der Lage ist, den entscheidenden Schritt vom Staatskapi- talismus Stalinscher Färbung zum Sozialismus zu machen, das bleibt abzuwarten._ Die Bergarbeiler-Znieraakionale teilt mit, daß die kürzlich verbreitete Meldung über die Einberufiing eines europäischen Berg- arbeiterkongresses u n r i ch t i g ist. Ob im Jahre 1932 ein ordent- licher mt« n rationaler Bergarbeiterkongreß abgehalten wird, unter- liegt der Beschlußfassung des Jnternatiouolen Bergarbeiterkomitees. das om 8. Januar in Genf zusammentritt. Dies« Veratunq dient hauptsächlich der Vorbereitung der vom Völkerbund für den 11. Januar einberufenen Kohlen-Sachverständigen- Konferenz, zu der außer Regierung?- und Unternehmer- Vertretern auch Arbellcrvertreter geladen sind. �reie Gewerkschafis-�uaend Berlin Heute, Donnerstag, Ubr, tagen die Gruppen: Südosten: Lugend. tzeiin Neichenbcrger Str. 66. Heimbesprechung. Nückblra ans Tempelhof: Jugendheim, Lyzeum Geruianiastr. 4�6. Dcr�.Zugang- folgt durch den Eingang Götzstraße, auf der hinteren Serie de r vch u l e. vc: m- besprcckung.— Moabit: Jugendheim Lehrter Str. 18— IV.��ÄufsahrespIam � Staaken: Jugendheim der 17. Volksschule, Gartenstadt, Krrch p l atz. En 0 halte- stelle Autobus 31. Heimbcsprcckung.— Schönhauser Tar: Iugendheim �ea- itranc 18. Heimbelprechung.— Frankfurter Allee: Jugendheim T»lMer Str. 4. Berlin, wie cs weint und lach:.— Landsberger Platz: Lugeitfthcim c.- meyerttr. 5. Gewerkschaften in der Krise.- Lichtenberg: Lugendheim Doffe. ftraße 22. Tbeo Maret liest aus:„Aus der Art geschlagen.— ReN'Ltchtcn- borg: Jugendheim Gunterstr. 44. Mit Puch und Schallplatte um d»e �,el!.-- Ofteudc: Jugendheim Karlshorsl. Treskowallee 44(K«nt»cchule). Heim. bcsprechung.— Hesundbrunuen: Jugendheim Äote Schule, Goten burger Str. 2. Heimbcsprechung, Liederabend.— Schöneweide: Iugendh«M Laufener Str. 2 (rotes Kimmet). Bunter Abend.— Köpenick: Jugendheim Grünauer Str. 6 (Nähe Bahnhof Spindlersseld). Heimbesprechung.— Iugcndgruppe des Dent� jchen Textilarbeitcrserbanbcs: Sitzungssaal Engelmer, Aufgang B, 3 Trp. Dis. kuticrabend über politische Fragen.— Lugeadgruppe des Deutschen Mctoll. arbciterverb�ndzg: Jugendheim Linienstr. 88— S5. Kcnfcrcnz der Lugendver- trauensleute.— Iugeadgruppe des Deutsche« Bekleidungearbeitcrveroaudcs: Lugendheim Sebastianstr. 37—38. Eine Ardeitsgerichtssitzung. @Iuqend<)ruppe des Zentralverbandes der Angestellten Seilte. Donnerstag, finden folgende Peranftaltungen statt: Pankow- Riederslliöndausca: Jugendheim iSörschstr. 14 fgrohes Zimmer). Dag Programm wird auf dem Seimabend l ekauntgegeben.— Zierden: Suzendbeim Lortzingstr. lg.-AnsfpraÄeabend: iSruichfraven des So»ialigmus. rci'cr- Dr. Seminfti.— Osten: tZugendheim der schule tiiauer Str. 18. IWI— igz»' Äii-lblick und Äuzdiick.— Treptow: Jugendheim Slfenstr. Z«Sarlcnhaug? Vortrag: Fritz Reuter— ein Hc.matdnhter. Rcierent: Ziachow.- Schöacbrra- Wir besuchen die Versammlung des Werbebezirks SchSnebrrg.— Di» Frere Angrstelltenbank e. S. m. b. H. tagt heute neu A» dis Ä Uhr im Ver. bandshaus. Veranlwartlich kiir PoNtik: vtetar Schiff! Wirtschaft: st. KlinaelbZIcr' Semerkschaitsbeweauna:?. Steiner: Feuilleton: Dr. John Schikawgii- Lokal« und So:ck>iges: Frit, Ztarftädl: Anieipri::?h. Gl-Se: sämtlich in V-rlin Perlaa: Vorwärto-Verlaa®. n b. Berlin. Druck: Vorwärtg-Puchdruckerel und TcrlagsanstaU Paul Singer u. Bcrkw ST.£2. Nr.lcr.KacJc 3, T jy 2 völlgsf??» 7lr. 9* 49. Zahrgans ± Beilage des Vorwärts Donnerstag, 7. Januar 1932 ■der Kain|if imi«lie Hiete. lO— 15000 IVeubaumicter haben Ihre Wohiinug'eii �ekündi�t. Zur die Inhaber von Neubauwohnungen war am 5. Ia- nuar der letzte Termin, um von dem außcrordcnllichcn kiin- digungsrecht Gebrauch zu machen. Wenn auch abschließende Zahlen über den Gesamtumsang der erfolgten Kündigungen noch nicht vorliege», so steht doch immerhin schon fest, dah die Neubaumieter zu einem autzerordentlich hohen Prozentsah den Hauswirten einen..blaue» Brief" überreicht haben. Nach dem Ueberblick, den der Neubanmietcr-Verband Äroß-Berlin aus seiner in den letzten Wochen erheblich gestiegenen Geschästs- tätigkeit hat, haben sich seit Erlag der vierten Notverordnung— das war am 8. Dezember— ungefähr 40 000 Neubaumieter in Groß-Berlin für die Kündigung interessierl. Die Nachricht jedoch. dah für das Kiindigungsvcrfahren noch besondere Aussührungs- bestimmungen erlassen werden, bewog viele Mieter, diese Er- gänzungsverordnung erst noch abzuwarten. Dazu kam die Taktik vieler Hauswirte, ihren Mietern erst zu einem möglichst späten Termin von der ab Januar zu erfolgenden Mietscnkung Kenntnis zu geben. Dadurch war vielfach den Mietern die Möglichkeit ge- nommen, gemeinsam in Mieteroersammlungen ihre Lage zu er- örtern und den mehr oder weniger folgenschweren Schritt der Kündigung wohl abzuwägen. hinzu kam die zu einem recht ungünstigen Zeitpunkt erfolgte Aeröffentlichung der Durchführungsbestimmungen. Wie erinnerlich. geschah dies erst am Heiligabend im Rcichsgesetzblatt. Das schwer- wiegendste Moment bei diesen Ausfiihrungsbestimmungcn war aber das übliche juristische Wenn und Aber, das dem einfachen Mann auch beim besten Willen unverständlich blieb. Trotzdem machte sich jeder, so gut er es konnte, seinen eigenen Vers aus diesen Durch- sührungsbeftimmungen und dabei ergab sich, dah die»reiften der an einer Kündigung ihres Mietvertrages Interessierten einen Ver- fall ihrer Mietvorauszahlungen, Baukostenzuschüsse usw. befürch- teten. Diese Dinge sind dann später aufgeklärt worden. Nuno drei Viertel derjenigen jedoch, die ursprünglich kündigen wollten, waren aber inzwischen zurückgeschreckt, und so dürfte nach Auf- fassung des Neuboumieter-Verbandes Groß-Verlin sich die Zahl der tatsächlich erfolgten Kündigungen zwischen 10 000 und 15 000 Fällen bewegen. Die großen gemeinnützigen Ballgesellschaften sind dabei von diesen Ki'mdizungen am wenigsten betrof'cn worden. Einmal waren hier die Neubaumieten schon nicht mehr so sündhaft teuer, so daß diese einen Vergleich mit ungünstigen Alrwohnungen aushielten, besonders wenn man den wirtschaftlich geschnittenen Grundriß und die moderne Ausstattung auch der kleinsten Neubau- wohnung in Rechnung stellt. Zum anderen haben die gemeinnützi- gen Ballgesellschaften von vornherein auf den Abschluß von lang- fristigen Miewerträge» verzichtet, Hai-dvch die Gehag zum Beispiel in vielen ihrer Blocks monatliche Kündiaiingsfristen. hier waren also die hauptsächlichsten Differenzen, nämlich viel' zir.'»hohe M i e t s ä tz« und viel zu lange Laufzeiten der Verträge m t i st gar nicht vorhanden. Anders jedoch bei den kleinen Neuhaus-Befitzcrn. Sjier Hot sich mit Recht der Unwille der Mieter über die hohen Mieten und die unerhört lange Dauer der Verträge einmal gründlich Lust gemacht. Der„Vorwärts" hat schon seinerzeit auf eine Entscheidung des Amtsgerichts Pankow hingewiesen, in der das Gericht eindeutig dagegen Stellung nahm, aber auch alle Lasten aus den Mietverträgen auf Jahre hinaus den Neilbaumietern aufzubürden. Dies verstoße gegen die guten Sitte». Und in der Tat sind die Zeiten noch nicht allzu lange her. wo es fast noch Gnade und Barmherzigkeit aussah, wenn jemand seinen Vertrag für eine Neubauwohnung unterschreiben durste. Jetzt haben die Neubaumieter dafür die Quittung erteilt. Von jeweils 100 Mietsparteien dürften immer 30 bis 40 gekündigt haben, weil auch derjenige, der heute noch eine bescheidene Existenz hat, nicht voraussehen kann, was einmal in zehn Jahren fein wird, wenn sein Mietvertrag endlich abläuft. Wir erleben gegemvärtig in Berlin einen regelrechten Kampf zwischen Hausbesitzern und Mietern. In einigen Fällen haben die Hausbesitzer alle Minen springen lassen, um die Kündigungen zu verhindern. So haben sie sich Leute bestellt, die sofort, nachdeni ein Mieter seine Wohnung gekündigt hatte, diese Wohnung als Mietlustige besichtigten. Alle anderen an der Kündigung Interessierten wurden dadurch natürlich zurück- geschreckt, weil sie befürchteten, bei einer unüberlegten Kündigung am 1. April kein Dach über dem Kopf zu haben. Denn durch die am 1. Januar 1932 erfolgte Schließung der amtlichen Wohnungs- listen ist den Neubaumietern der Rückweg zu einer Altwohnung vorläufig versperrt. Obwohl es an der Peripherie Berlins 2'e- Zimmcrwohnungen gibt, die ungefähr 52 Mark kosten und durch- aus einen Vergleich mit Altwohnnngen aushalten. Trogdem find diese Wohnungen unocrnüetbar, dopt ist die Not in Berlin zu groß. In Wittenau mußte eine Baugesellschaft daran gehen, ihre leer- stellenden 2 se- Zimmerwohnungen aufzuteilen. Aus dem halben Zimmer wurde eine weitere Küche gemacht und in der ehemaligen 2lh-Zimmerwohnung wohnen jetzt zwei Parteien mit je Stube und Küche. Da in solchen Wohnungen denn doch alles wieder voll Betten steht, geht wohl oder übel durch diese von der Not hervorgerufene Entwicklung viel von der sozialistischerseits gs- fchaffenen Wohnkultur bedauerlicherweise verloren. Im großen und ganzen aber werden sich die 5>auswirte wohl mit ihren Mietern, die gekündigt haben, wieder einigen. Die Mieter werden vor den Umzugskosten zurückschrecken, überhaupt vor den ganzen Unannehmlichkeiten, die mit einem Umzug verknüpft sind, und die chauswirte werden sich sagen, daß sie neue Mieter nur finden werden, wenn sie die sreiwerdendcn Räume instand setze» lassen. Aljo wird inan in dieser oder jener Frage Zugeständnisse machen. Aus Steglitz ist ein Fall bekannt, ül dem lOjährlgc Ver- tragszeiien unter dem Druck der Kündigungen auf Z�jährige(1) ermäßigt wurden. Damit haben sich die Mieter zufrieden gegeben. Hochwasserkaiaslrophe droht. Die Hochflutwelle setzt Dessau in Schrecken. Die größte Hoest wa fferwe U c hat Dessau passiert. Ter Promenadcnwall, der letzte Wasserschutzgürtcl und Berstindunge-weg nach denn Osten des Kreises ist über- flutet. Die Häuser der Wasserstadt stehen he- reits zum Teil unter Wasser. An der Durch« struchsstcile bei Aetzau hat nran sich bisher vergeblich bemüht, die Lücke, bie inzwischen etwa 15 Meter breit geworden ist, mit Fichtenstämmen zu schließen. Tie Truppen aus Dessau«ud Zerbst beschränken sich darauf, die übrigen gefährdete» Dammstädte durch Aufwerfen von Notdämmen zu schützen. In Retzau und Dessau ar- beitet das Militär im Verein mit Hunderten von Arbeitslosen. Die E>iadt nicht mehr gefährdet. ......... Des sau,(». Januar.(EigenberickstZ Iii später Abendstunde ist die Ztadt Dessau gegen weiteres Ansteigen des Hochwassers gesichert worden. 1 Da die Stadt selbst ziemlich hoch liegt, sind nur dix Straßenzüge bedroht, die unmittelbar in der Nahe bei Mulde bettes liegen. Einer dieser gesperrten Straßenzüge tonnte gegen Abend wieder frei- gegeben werden. In den beiden Hauptstraßenzügen, die von der Stadt nach der Mulde führen, sind umfaug- reiche Dammbauten zum Schutze gegen das Hochwasser aufgeführt worden. An den Dammbauten haben 150 Neichsbannerlentc teilgenommen. Unter Aufsicht der Polizei arbeiteten an den Dammbautcst gemeinsam Neichsbanner, Jungdo, SA. und Technische Rothilse. Leipzig, 6. Januar.' I» E i l e n b» r g ist ein Fallen des Wafserfpiegels in den lebten 24 Stunden um 70 Zentimeter zu verzeichnen. In schmutzig- gelbem Schnee dahinftrömende Walfermengen reichen noch immer bis an die Deichmaucr der deutschen Zelluloidfabrik heran und haben auch das Grundstück der Pianofortesabrik chupfeld u. Zimmer- mann überflutet. Bis zun» Eifenbahndamm ist die Gegend ein unübersehbarer See. Bon einzelnen in der Aue liegende» Gebäuden ragen nur noch die oberen Teile heraus. Wiesen und Felder sind weithin vom Waffer bedeckt, nur die Kronen der Bäume sehen aus dem Wasser heraus. Auf der Strecke»ach Düben mußte in der vergangenen Nacht verschiedentlich an den Deichen gearbeitet werden. Das Wasser drohte hier bei den von der Mulde weit ent- fcrnt liegenden Orten den Dam», zu durchbrechen. Mit Sandsöcken, Steinen, Pfählen und Dunghauien mußten die Dämme gesichert werden. In Zschepplin muhte an drei Stellen in an- gestrenoiester Arbeit der Damm verstärkt werden, chier reicht das Wasser' noch heute bis on wesentlich höher liegende Chaussee Hera». In ch o h e i- p r i c ß n i tz bestand nur für einzelne Häuser Gefahr. Die Aue ist vollkommen unter dem Wasser verschwunden. Vor Wellaune unispülen die Fluten die von dem Fluß entfernt liegende Straße noch Düben. Durch Versagen eines Wehres floß ein Teil des Wassers ab und drang bis zu den Häusern vor. An einer Stelle der Chaussee, wo Ülusschachtirngsarbeiten vorgenommen worden waren, mußte mit Brettern und Pfählen der Straßcndamo« versteift werden, um einen Durchbrnch zu vermeiden. Die jenseits der Mulde liegende Ziegelei steht unter Wasser. In dem ganzen Gebiet steht man weiter nichts als nur die Kronen der Bäume aus dein Wasser herausragcn. Bei Düben reicht das Wasser auf weite Strecken bis an die Chaussee heran. In der Nähe des Flusses stehende Häuser sind voin Wasser umspült. Mit aller Gewalt drängen die Wassermassen durch die Brücken. Nach einem Tagebvdiroman von Karl Hans Schober erzählt von Erich Knauf. Hurra! Vor dein Auslagefcnstcr der Zeitung drängeln sich die Menschen. Eine feindliche Festung ist gefallen! Viele lausend Rüsten sind gefangen genommen. ..Da seht her!" rufen einige,„stramm sind unsere Jungens an der Front!" Auf den Tünnen läuten die Glocken. Und in den Straßen schreit es Hurra! � Militärabteilungen, die ins Held gehen, treten auf dein Marktplatz an. Ihre Uniformen und ihre Bajonette sind mit grünem Laub geschmückt. Ein Offizier schreitet die Front ob. „Doppelreihen'linksum! Morsch!" Voran die Militärkapelle. Aus den Fenstern fliegen Blumen:„Rur feste drauf!" Und die Soldaten winken: Jäervus alle miteinander, wir werden sie gehörig dreschen!".. ' Eine alte Mutter läuft neben der mar, chlorenden Kolonne her:„Leb wohl Pepperl. komm gesund wieder." Sie� weint ununterbrochen. Pepperl, noch ans, dös Kreizeri. oic reicht es ihm hin,„daß du dein Herrgott nil vergißt! Er steckt es in die Tasche. ,.Na, na, Mutterl, tritt aus der Reihe und umarmt sie. Und die Bkusik spielt jetzt, und die E-oldaten singen dazu:„Muß i denn, muß i denn zum otädtle hinaus..." Der alle Mann neben mir singt aus voller Kehle m.t. „Also leb wohl, Franz," und er reicht einem Soldaten die Hand,„mach mir ia Schond da draußen, auch ich war oolöai," er hebt seinen Stock,„hau zul wann dir so ein Gauner in den Züeg kommt, schtog ihm's Kreuz ein, sonst glaubst du dran." „Ja, Vater," der Soldat schüttelt ihm die Hand,„auf Wiedersehn!" Er besinnt sich, dreht sich noch einmal um und schreit so laut er kann:„Griiaß mir die Mutter no amol!" Ein Verwandter von uns ist auch dabei. Ich drücke ihm ein paar Münzen in die Hand:„Servus, wirst es brauchen!" „Ich dank dir schön," feine Augen werden feucht,„komm bald nach!" „Recht hast! Freiwillig rück ich ein!" Vereine treten mit ihren Fahnen an. An der Spitze des Zuges marschieren die Honoratioren der Stadt. Alle Tage sind voll Musik. Gesang. Glocken und Fahnen. Und abends ist Fackelzug. Meine Ausnahme zur Marine ist bewilligt. Warum macht die Mutter ein besorgtes Gesicht? Der Vater klopft mir auf die Schulter. Natürlich, er war auch Soldat. Die besten Kleider ziehe ich an und melde mich beim Kommando. Blechout und Leicht, meine Freunde, sind auch dabei. Wir sind siebzehn Jahre alt. Entkleidet stehen wir vor der Kommission. Der Arzt schiebt die Brille hoch:„Also Freiwillige? Gesund?" „Ja!" "Tauglich ohne Gebrechen! Anziehen!" Froh verlassen wir das Zimmer. Eine Stunde vergeht. „Flatt!" schreit ein Unteroffizier.„Eid ablegen!" Wir treten beim Major ein.„Guten Tag!" Doch der schnauzt:„Das hört sich jetzt auf!" Und er mustert uns:„Die Zioilmanieren müssen verschwinden." Verdammt, denke ich. ein scharfer Wind weht da! Der Major sitzt on seinem Tisch und kehrt uns den Rücken zu. Im Zinnner herrscht größte Ruhe. Man hebt ihn behut- law mis dem Sessel und drehi ihn mit dem Gesicht uns zu. Er ist kein Kriegskrüppel, aber ein Rückenmorkleiden bringt ihn langsam um. Täglich fährt er in einer Kutsche hierher, und zwei Mann tragen ihn die Treppen hinaus. Mit gerunzelter Stirn blickt er uns an und sagt langsam, als ob ibm jedes Wort Schmerzen mache:„Alles, was>ch sage müßt ihr nachsprechen." Er umklammert die Stuhllehne und stam vor sich hin, indem er vorspricht:„Ick,... schwöre..." Wir antworten, und der Treueid aus Kaiser und Vater- land ist geleistet. Es klopft an die Tür, und herein stolpert sein Pfeifendcckel, sein Bursche, in beiden Händen einen Teller mit zwei Brotschnitten, gut mit Butter beschmiert und mit Wurst belegt, und ein Gins Wein ist auch dabei. Der Wein leuchtet noch einmal im Glose. und dann ist er verschwunden. Mir laust dos Wosier im Wunde zujammen. Butter, Wurst und Wein sind schon etwas Seltenes, denn wir sind mitten im Krieg. „Raus init der Bande!" Der Major haut mit der Faust auf den Tisch.„Ich will Ruh« haben." Wir sind schon draußen. Ich nehme von meinem Rock eine Wanze. Etwas Schönes habe ich da aufgegabelt. Und ich zerdrücke sie, pfui, wie das Vieh stinkt. Der Wasserhahn im Wartezimmer ist noch aus Messing. Unserer daheim mußte gegen einen eisernen umgetauscht wer- den. Den Küchenmörser wollte man uns auch nehmen, aber ich habe ihn verräumt. An der Wand hängt das Bild des Kaisers. Der Rahmen glänzt. Aber die Bänke, auf denen wir sitzen, sind zerbrochen. Der Fußboden ist schwarz, und der Ofen droht einzufallen. Blechout kann es trotz der Tafel„Rauchen verboten" nicht übers Herz bringen, untätig hier zu sitzen. Er zündet eine Zigarette an. Hopsenblätter! Auch ich bekomme Appetit, und � er reicht mir den Stummel. Blechout ist zum Militär ge* I gangen, weil er glaubte, es dort besser zu haben. Ein Feldwebel tritt ein und versetzt mir ein Kopfstück-: „Rauchen verboten!" Ich werfe den Stummel zu Boden und will eine Entschuldigung� stammeln. Doch er fällt mir ins Wort:„Aufheben!" und zeigt auf den Ofen. Wie ich die Ofentür öffnen will, fällt sie aus ihren Angeln und zu Boden. Jetzt wird der Kerl rot vor Wut:„Ihr macht dem Staate mehr Schaden als Nutzen!" und schmeißt uns hinmis. Zu Hause packe ich meine wenigen Habseligkeiten zu* sammen, und die Mutter schleppt alle Vorräte an Lebensmitteln herbei und verstaut sie im Rucksack. Tränen lausen ihr dabei über die Wangen. Ich möchte sie aufmuntern:„Freut es dich nicht, daß ich Soldat geworden bin?" Aber sie gibt mir keine Antwort. tritt an die Wiege, in der das vier Monate alte Schwesterlein liegt, und verbirgt ihr Gesicht in der Schürze. Der Abschied wird schwer, und ich denke mir: wenn ich mir'schon draußen wäre.„Ich komme ja wieder heim," beruhige ich die Mutter. „Komm wieder so wie du gehst," weint sie, und ich reiße mich von allem los. Blechout und Leicht erwarten mich im Hausflur. Auf dem Bahnhof nimmt der Bater Mschied. Er drückt mir fest die Hand:„Hüte dich vor Weibern, die Welt ist schlecht." Wie der Zug aus der Halle rollt, sind wir alle froh, daß dos Abschieduehnicn vorbei ist. Blechout holt ein Spiel Karten aus keinem Rucksack. � lottcaburq. Donnerstag, 7. Januar.?ungba. Jahresversammlung un 3ug?nd. heim Pl-stalozzistr. 40. Berichte, Wahlen. Freitag, 8. Januar. Zkamerad. fchaft Rathaus. Jahresversammlung bei Reimer, Wilniersdorser Eae Kanal. straße. Berichte. Wahlen.— Reukolln. Britz. Schufo. Donnerstag. 7. Januar, 20 Uhr. Antreten Turnhalle Mariendorfer Weg(in Zivil).— Remickendori. Nomeradschaft Freie Scholle. Achtung. Versammlung am 8. Januar fallt au»! Dafür Beteiligung an der Versammlung in den Germaniasalen. Einladung erfolgt durch Nachrichtendienst.__ Deutscher Arbeiter-Sängerbund. Gau Berlin. Geschäslsflelle: P. Schneider. Berlin 310. 56. hofelandstr. 3t. «oiwti:!« Achwng. beute. Ihwnerst-g. Uebuni,?. -3.1-1 s,n-.. dem!).?on!lor. Winlerverguuaen im Boj. Srauhuu?, Smiiwrgcr AUee. fftnlrüt inkl. 2anj'.i Pf. «,?i-Ust>schei aspe»»»t,.B»»d. D-nner,tag. T. Januar, nun 30 M» 23 Ubr, Stttfus im Iugcndbeim«euriefenbotf.Cft, Sinimitt Straße. Freitag, 3. Stnuinr von iSvi M» 2014 Gruppe im 22t iiJarbeiternetb anishaus, eifSiTer Straße 88, I. Parolado de Udo. S proeck: SEA kaj SAP. 111 Tie Rache nlföhle ist die Emqonyspkorte für Erkrankungen der Luftweg-. Wollen Sie sich vor Ansteckungen schützen, so nehmen Sie die ärztlick empivhlenen Ponilavin- Pastillen. Sie heminen das Wachstum emdringenber Krankhcitserrezcr. sind an- genehm oon Geschmack und unschädlich rür den Magen." Bon ersten Fachgelehrten bestens empfohlen. Echoltsich in Apocheken und Drage neu. ZPanieleimon föotnanotr: Der Milizionär des KZ. Distrikts, Iwan Mitrochin, der auf Posten gegangen war, nachdem er den Ziamenstag seiner Cousine mitgefeierl hatte, stand an eine Pforte gelehnt da. „Nichts ist schtiimncr, alz wenn man nach Schnaps Bier trinkt", dachte Mitrochin,„man fühlt sich so unsicher und vor den Augen verschwimmt alles. Wovor soll ich aber Furcht haben? Straße ist Straß«, und wenn Gauner kommen, habe ich einen Revolver." Plötzlich stockte das Blut in seinen Adern: direkt auf ihn zu kamen zwei Ungeheuer auf allen Bieren hcnangekrochcn. Sie krochen ganz sonderbar: sie hatten offenbar den Wunsch, in der Mitte der Straße zu bleiben, aber immer wieder rutschten sie zum Fußsteig hin. aus dem der Schnee zusammengefegt war. Mitrochin riß seinen Revolver ans der Tasche, aber dann kam es ihm in den Sinn, wenn da? der Teufel sei, könne ein Revolver so wie so nichts helfen. Dann aber kam es ihm wieder in den Zinn, daß er als Sowjetbeamter nicht das Recht habe, an den Teufel zu glauben. Die Ungeheuer kennen immer näher. Mitrochin kam der Gedanke. daß es wahrfcheiillich Bären seien, die aus dem Zoologischen Garten ausgerissen waren. Er versteckte sich im Toreingong und wartete. Als die Bären ganz nahe herankamen, hörte er deutlich folgende Worte: „Nja, heute haben wir ordentlich gekostet", sagte der eine der Bären. „Nja", sagte der andere und wollte noch etwas hinzufügen, winkte ober dann nur mit der Tatze und kroch weiter. Als Mitrochin dieses Gespräch vernahm, kam er zögernd näher. „Bürger, stehenbleiben!" sagte er, indem er sich ihnen in den Weg stellte. Er hatte sie aufs Geratewohl Bürger genannt. Sie erwiesen sich in der Tat als zwei unbekannte Bürger, die sich aus ollen Vieren varwärtsbewcgtcn. „Warum geht ihr nicht, wie es Leuten vorgeschrieben ist?" „Wir Habens versucht, können aber nicht", sagte der eine, in- dem er Mitrochin anstarrte. Er schob die ins Gesicht gerutschte Pelzmütze zurück und sagte mit schwerer Zunge:„Anfangs gingen wir, wie es vorgeschrieben ist, aber dabei haben wir uns nur die Fresse kaputtgeschlagen." „Die Sache ist die", sagte der andere, ohne den Kopf zu erheben,„irgendnne teuflische Di acht hält uns an einer Stelle lest. Länger als eine Stunde konnten wir aus einer Ecke nicht heraus- kommen." „Bin gezwungen, euch zu verhaflen", sagte Mitrochin.„Wollen «in Protokoll aufnehmen und dann wird man euch zum Volks- richder rufen." „Uns kann kein Gericht was anhaben", sagte der eine, noch immer aus allen Vieren hockend und sich den Mund mit der Faust abwischend. „Das Gericht kann jedem was airhaben", sagt« der Milizionär, „denn unsere Republik strengt alle chre Kräfte an, und ihr kriecht auf allen Bieren durch die Straße." „Kölnischer Kauz", sagte der«ine,„auf was sollen wir denn ' sonst kriechen? Versetz du dich in unsere Lage, dann wirst du auch ja kriechen." „Was seid ihr denn van Beruf?" „Degustatoren sind wir", jagte der eine. „Was seid ihr?" _„Na ja. das sind wik. Verstehell flist duNZ sowieso nicht." „Woher kommt ihr denn?"— „Vom Dienst." „Was seid ihr denn für Arbeiter, wenn ihr beide besosien seid wie die Schweine?" „Wir sind ja mich deshalb bcsojse», weil wir vom Dienst komm«'." „Keine Redensarten mehr. Gib mir die Hand, ich helfe dir gehen." „Zia, wie soll ich denn auf drei Beinen gehen?" „Aus zwei Beinen mußt du gehen, genau wie alle anderen Bürger der Republik", sagte der Milizionär mit amtlicher Strenge. „Di: anderen wohl, aber wir nicht." „Der Teufel soll euch hölen", sagte Mitrochin,„ich verstehe kein Wort. Was seid ihr, Haft du gejagt?" „Degustatoren sind wir." Der Mttizionär dachte einen Augenblick angestreirgt nach. rvinlte dann hoffnungslos mit der Hand und sagte: „Alfa kommt jetzt mit, im Revier wollen wir alles klarstellen." Mtrochin machle einige Schritte, aber dann spürte er noch einmal, daß man nach Schnaps unter keinen Umständen Bier trinken darf. „He du", scheue einer der Verhafteten,„was taumelst du denn. hier herum? Welcher Teufel hat dich in den Schn«el)aufen gc- worfen? Hast du auf der Siraße keinen Platz?" „Was für einen Schi'.«khauf«n, hier gibt's ja gar keinen Schnee- Haufen", murmelte Mitrochin, indem er sich den Schnee aus seinen Aermeln schüttelte. „Was seid ihr übrigens für Mitarbeiter der Republik", rief er, längs der Wand weiterlaumelmd.„Wie habt ihr euch so voll- gescfsen?" „Uebcrstunden haben wir gemacht", sagten die Verhafteten. Der Milizionär wandte sich um, Uickie die Verhafteten an, spuckte aus und ging weiter. „Allerhand Besoffene habe ich schon ins Revier gebracht, aber solche Teufel habe ich noch nicht aejehen." Als er ins Revier kam, meldete er sich beim Diensthabenden: „Besofsene Hab« ich gebracht." „Wieder Besoffene? I» die Fresse müßte man sie hauen, die Hundesähnc. Wer sind sie?" „Weiß der Teufel, wer sie sind", sagte der Milizionär.„Ich konnte das nicht herausbekommen. Rur an der Sprache erkannte ich. daß das Menschen sind." „Holl sie herein", sag!« der Diensthabend«,„wir kriegen das schon heraus." Als die Verhafteten, über und über mit Schnee bedeckt, ins Zimmer traten, fragte der.Diensthabende, indem er sie durch seine Stahlbrille anschaute, mit strenger Stimme:......•. „Wer seid ihr?" .Degustatoren sind wir", sagte der ein«. Der Milizionär blickte schnell den Diensthabenden an.„Ein solches Wort gibt es gar nicht." „Bon wo kommt ihr her?" ..Vom Dienst." »Was habt chr für«inen Dienst?" »In der Schnapsbrennerei.". „Ihr habt euch also bei der Ausübung eurer amtlichen Ob- Negeicheiten besoffen?" „Gewiß, wir haben nicht umsonst gesosjen." .„Ich verstehe kein Wort", sagte der Milizionär zum Dienst- habenden. Sellener tDienfl Dieser wußte offenbar auch nicht, was er sonst noch fragen sollte, und blickte tief in Gedanken versunken auf die Verhafteten. „Warum seid ihr so spät nach Hause gegangen?" „Uebcrstunden hal'on wir gemacht." „Und warum habt ihr euch angetrunken?" fragte der Dienst- habende, indem er die Hand aus eine Schwabe herabsausen ließ, die quer über den Tisch laufen wollte. „Wir haben uns eben angetrunken, weil wir Uebcrstunden gemacht hoben." „Also da soll man auch nur ein Wort oerstehen", empörte sich der Milizionär. Der Diensthabende lehnte sich in seinen Stuhl zurück:„Worin besteht denn euer Dienst?" „Darin, daß wir den Schnaps probieren, die Sorten be- stimmen... Eine Sorte ist teurer, die andere billiger." Der Milizionär wechselte mit dem Dienschabenden einen schnellen Blick.„Donnerwetter, das ist mal ein Dienst." „Ra, was hast du denn geglaubt! Sicher— ein Dienst." „Donnerwetter." „Na also, wie probiert ihr denn eigentlich?" „Wie soll's denn sein? Man soll'neu Schluck in den Mund nehmen und dann ausspucken." „Was, Schnaps ausspucken?" fragte der Diensthabende betroffen. „Na ja doch." „Dos ist doch der wahre Hohn", empörte sich der Milizionär, „Schnaps ausspucken! Hol's der Teufel, ich würde das nie tun. Und ihr. spuckt ihr denn wirklich aus?" „Wie's trefft... Wenn man so den ganzen Tag verschiedene Sorten probiert, kriegt man, auch wenn man sie ausspuckt, mancher- les ab." „Da hast du recht, verschiedene Sorten, besonders Schnaps zusammen mit Bier", sagte der Milizionär träumerisch... llorherl Jacques: Sl tl Wenn ich nachts nach Hause komme, schaue ich noch lange von dem Balkon meines Zimmers in Pera über den Bosporus oder gehe an das Fenster über die Ecke und sehe auf das Goldene Horn hinab, und im fast grellen Mondschein leuchten die Steine der Friedhöfe über Eyoub. Sie liegen in der Ferne wie bleiche, dicht aneinander in den Berg gestreute Knochen. Tief unter diesem Fenster und diesem Balkon, denn das Hotel ist an den Hügel gebaut, zieht von der allen Brücke heraus eine Straße an einem wüsten, lstingendcn Leerraum vorbei, dessen Häuser vor einigen Iahren abgebrannt sind. Ueber die andere Straßenseite steigt der Park einer Vcrgnügungsanstvlt steil an. In ihr wird bis elf Uhr nachts im Freien Kino gespielt. Nachts beginnt in einer offenen Halle eine Jazzmusik. Die geklopften Rhythmen stoßen mich immer wieder aus dem Schlaf und werden erst mit den letzten Stunden der Nacht von dem Schreien der Esel abgelöst, die wie grelle Flöten rören. Die Esel kommen von der alten Brücke her und werden, mii Gemüsen, Melonen, Trauben und Pfirsichen bepackt, in die Stadt getrieben. Einmal, als ich kurz nach eins nach Haufe kam, sah ich unten tief in der Straße um den Elsenmast einer Bogenlampe ctijc Bewegung in der Nacht. Es ist auf dem Steig, der unter der Wäüer des steil-' ansteigenden Kino- und Konzertgartens läuft. Er ist sieben, acht Stockwerke unter mir. Ich muß da» Fernglas zu Hilfe nehmen. Es find Kinder. Sie haben Schilf und Säcke zusammengetragen und sich hineingebettct. Sie schlafen nicht, trotz der späten Stund«. Sie wimmeln und spielen durcheinander, und es dauert eine Weile, bis ich ausnehme, daß es sechs sind. Es scheinen.Jungen und Mädchen. Sie mögen zwischen sechs und zehn Jahre sein. Ich komme fast immer in der gleichen Stunde heim, gegen eins. Die Kinder sind jede Nacht da. Die Jazzkapelle spielt gerade über ihnen. Gewiß haben sie sich, aus der ganzen Stadt heraus, diesen Platz ausgewählt, weil sie hier zu ihrem freien Lager das Freikonzerk haben. Nie habe ich sie einschlafen sehen. Jede Nacht schaue ich mit dem Glas hinab, bevor ich mich ins Bett lege. Sie kugeln sich im Spiel durcheinander auf dem Schill und aus den Säcken, während die Takte der europäischen Musik über ihnen unermüdlich gehen. Ich frage xoir,-.'Der Abreißkalender Nichts geht doch über einen schönen Abreißkalender! Zum Jahresanfang habe ich so ein herrliches Exemplar in die Hand gedrückt bekommen. In ihm sind außer den 366 Tagen nach verschiedene Gedenktage, täglich ein Küchenzettel und„Sinnsprüche" enthalten. Es ist doch erhebend, wenn man am frühen Morgen, ehe man zur Arbeit rennt, mit nüchternem Magen den Zettel ab- reißt und den Tagesspruch liest:„Mit rüstiger Arbeit und rüstigem Beten verscheuch' die Versuchung und trotze den Nöten."— Du kommst dann nicht mehr in die Versuchung, es auch einmal jo gut haben zu wollen wie vielleicht dein„Brotherr", der sich um diese Zelt noch im schönen warmen Bett aus die andere Seite wälzt. Der hat auch bestimmt nicht so einen schönen Kalender in seinem Atdettszimmer hängen. Hätte er eine», jo wurde er den Spruch kennen:„Morgenstunde hat Gold in, Munde!" Für ihn hat aller- ding» Morgenstunde Gold im Mund«: denn während cr noch jchläit, verdienen seine Arbeiter für ihn einen schönen Klumpen Gold. Solltest du aber demmch darüber nachdenken, so bringt dich der nächste Spruch gewiß auf die rechte Bahn, der da lerntet:„Ihr Knechte, seid gehorsam eurem leiblichen Herrn mit Furcht und Zittern!"— Sonst konunt ihr nicht in das Himmelreich!— Wem, chr dann im Himmel seid, dann wird euch euer„leiblicher Herr" bestiimnt nicht begegnen: denn es stehet auch im Kalender geschrieben: „Eher wird ei» Kamel durch ein Nadelöhr gehen, als daß ein Reicher m den Himmel konunt!"— Na ja, wer's glaubt!!! Aber mein Kaleicher hat noch mehr Eigeittumlichkellen. Am Z7. Januar steht unter Gedenktagen:„Kaiser Wichelm II. geboren." Ich dachte bsstumnt, daß mein Kalender einige- Jahre nachginge. Doch nein, cr war richtig ausgezogen uich zeigt« das Jahr IPT2, also das 14 Jahr der Republik an. Komisch, komisch, dachte ich und ließ die Blatter durch meine Hand gleiten. Und da fällt mein Di'ck wieder aus einen Gedenkrag:„31. Mai 1916, Seosieg am Skagerrak." Darunter als Spruch:„Lasset die Kindlein zu mir kominen." „Am IS. September 1862. U-Boot-Held Weddigen geboren." — Spruch dazu:„Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unserem Nächiien lein Sehaden noch Leid tuen, sondern ihm Helsen und fördern>>, ollen Leibesnötcn." Nun suchte ich den 9. November, neugierig, ob da als Gedenk- tag etwas aufgeführt war. Vergebens! Dafür aber stand unterm „Und so seid ihr denn seden Goikestag in eknnn soschen Zu- stand?" fragte der Diensthabende. „Nein, nur wenn wir Ueberstunden machen." „Kann man denn nach eigenem Willen Ueberstunden machen?" fragte der Milizionär. „Arbeit gibt's ja immer." „Ich wurde keinen einzigen Tag auslassen", sagte der Mi- lizionär, indem er sich den Mund wischte... „Setzt euch doch, was steht ihr so herum?" sagte der Dienst- habende.„Sonderbar, was für Posten es jetzt gibt... Du darfst also saufen und kein Teusel kann dir etwas anhaben. Das ist mal «in Dienst! Und von unsereincm verlangt man, daß wir die Bc- sosfenen besonders streng bestrafen, denn durch die Sauferei hat unsere Republik einen ungeheuren Schaden... sozusagen Aus- Ichreitungcn und was sonst noch. Wie ihr aus allen Bieren durch die Straßen gekrochen seid, hätten wir euch eigentlich ins Loch stecken müssen. Aber ihr seid ja sozusagen in amtlicher Eigenschaft auf allen Vieren gekrochen." „Wie ist es nun. wenn man den Schnaps nicht ransfpuckt?" erkundigte sich der Milizionär geflissentlich. „Dann kommst du auch aus allen Bieren nicht nach 5iause", erwiderten die Verhafteten. „Donnerwetter!" „Na, wollt chr also hier bei uns übernachten oder sollen wir euch nach Hause schassen lassen?" „Irgendwie kommen wir schon secher nach Hause." „Und morgen werdet ihr also in der Frühe wieder, anfangen?" „Was denn sonst, natürlich in der Frühe." „Donnerwetter, ist das mal ein Dienst." Als die Verhafteten, sich gegenseitig stutzend, längs der Wand aus dem Revier heraustaumellen, blickten ihnen die beiden Beamten lange nach. Dann rief der Diensthabende: „Ist bei euch kein Posten frei?" „Nee, alles besetzt." Der Milizionär kratzte sich den 5iinterkopf, tief auf die Straße und fragte: „Kann man auch nicht im Akkord bei euch arbeiten?" (Aus dem Russische» vou A. EUm.)> hlbild aus Stambul nicht, ob sie vielleicht gar glauben, daß diese Musik keineswegs für die dekolletierten internationalen Damen und für die Kavaliere da oben spielt, sondern lediglich für sie. Aber einmal halte ich es doch länger aus als sie. Ich beobachte, wie eines nach dem anderen aus dem Spiel sacht herausglcitet, über- gangslos sich zusammenrollt und zwischen die Säcke und das Schilf verkrümelt. Der Größte hat angefangen. Ich sehe, wie er einige Male sich etwas erhebt und die in, Spiel Berharrenden mahnt. Es nutzt auch. Stets legt sich wieder eines hin. Bis schließlich das Allerkleinste noch wach ist, aussteht und zu der Musik und über die Schlaseniei, hinweg zu tanzen beginnt, mit werfenden Armen und strampelnden Beinen. Da steht der Große aus und haut ihm eine heruittcr. Der Kleine sockt ins Schilf. Auch der Große legt sich wieder, und mm schlafen alle. Es ist zwei Uhr vorbei. Die Jazzmusik geht bis vier Uhr am Morgen weiter über ihre Träume. Jede Nacht kämpfe ich mit mir, hinabzugehen und mir diesen kleinen, von einer Ohrfeige so sicher verwatteten Staat in der Nähe anzusehen. Die.Duldsamkeit der Stadt, die Nacht Gottes und der� Besitzer des Hotels du Pare liefern ihrem Mauseiusst alles unzsoust/ was irgendwelche verschollene Eltern, irgendein hausloscr Haushalt ihnen schuldig bleibt. Aber ich überwinde mich. Nein, ich werde nicht zu ihnci, hinab- gehen. Sie sollen weiter unbeobachtet sich ihrem Nachtleben hingeben. Sie sollen weiter ungestört bleiben als etwas, ,vas es nicht mehr gibt in Europa. Sie sind eine Gemeinschast unentzauberter Idylliter und mir von der Höhe von sieben oder acht Stockwerken herunter zu betrachten. Eine Kolonie der Sorglosigkeit sind sie. Ihrer Anspruchs- losigkeit gehört eine ganze Welt, die uns allen verschlossen ist, und um eine ihrer von fremder Musik verzauberten Stunden, die für ganz andere gemeint sind, ober von diesen kleinen Sirvlchen da unten zwischen Schilf und ollen Säcken für sich geschnappt werden, gäbe man Wochen unserer Rastlosigkeit. Denn sie tragen noch den Segen eines Gottes in sich, von dem wir andern aufgegeben wurden. 17. November:„Verkündung der sozialen Gesetzgebung. Thronrode Wilhelms I. 1881." Noch etwas ist mit diesen, Kalender passiert. Es war eines Freitagmorgens. Meine Frau teilte nur mit, daß ihr Wirtschaftsgeld alle wäre und sie nicht wüßte, was sie kochen könnte. Da ich gerade den Kalenderzettel abreiße, sehe ich nach der Rubrik.(Küchenzettel". An diesem Tag«, mißte es aber, nach dem'Willen des Koleudcrfabrikanten,„Fieijchsuppc nn, Leber- knödcl, gedämpfte Kalbsniere mit Bratkurtoffeln und Kompott" geben. Der Spruch darunter lautete:„Arbeit, Mühe, Schweiß und Frost, sind des Ruhmes und der Tugend Kost." Also brauche ich nicht gedämpfte Kalbsniere! Weiter, den nächsten Tag:„Topiokastippe— Schleie blau gekocht mit Meerrettichlohe und Kartoffeln— Sachertorte." Nächster Tag:„Weinsuppe— Gedämpfte Wildente mit Olioensoße— Kartoffeln— Banillccrcmc." Am Sonntag: Legierte Grießsuppe— Gebratener Truthahn— Salat—.Kompott— Kartosscl»— Bcr- schiedenes Obst— Konsekt." Sprüche dazu:„Des Gottessriedens Heimat ist das Haus!"—„Nichts lockert mehr der Neigung zart? Bande, als Sorge» um des Lebens Unterhalt."—„Spare in der Zeit, so hast du in der Not!" So und ähnlich ging es sämtliche 366 Tage hindurch. Speisen, die ich nicht einmal de», Namen nach kannte, geschweige denn je- nrals gegessen habe, waren verzeichnet, und ich koinue mir an diesem Tage nicht eine Kartofselsuppc leisten. In diesem Kalender wurde mir die kapitalistische Weltordnung ofseiwar. Für die herrschende Klasse das Wohlleben und Genießen. Für dos Proletariat aber die schönen Bibel- und sonstlaen Sinnsprüche, Als ich das an dem Kaleittter erkannte, wollte ich ihn ins Feuer werfen. Dann unterließ ich«s aber und gab ihm einen guten Platz. Ich habe es mir überlegt. Nichts kann uns täglich mehr an die Klassenunterschiede in der„göttlichen" kapitalistischen Weltordnung erinnern, als so ein Kalender. Die ällesle Orgel der welk durste die im Jahre 1Sl)4 erbaute Orgel der Marienkirche in Lübeck sein, die also schon über vier- hundert Jahre alt ist. vi« Träger aus d-w Londoner großen Fischmarkt aus Billings- gute tragen besondere Hüte, die etwa fünf Pfund Leder, acht Meter gewachsten Bindfaden und vierhundert Nägel enthalten. CinfetUiungcn für diese SuBtil find Berlin SW 68. Siudenstraße 3, pariemachrichien���für Groß-Verlin ] Sozialistische Arbeiterjugend Gro�- Berlin stet»«n da» Bejiebfetretaeiat Z. Hof, Z Treppen recht», zn richten Beginn allcit Ver«tnst<»ttu»ge« IN',? Uhr, sofern keine besondere �jeitangnb«! Heute, Donnerstag. 7. Ianuor: 3. Kreis. Zusammen tu nft der ermerhslyse.n Parteimitglieder unk 16'�. Mir an hetannter Stelle. Vortrag der Genossin Paula Aurgaß: Die-Arbeiter» hemegung Gnglands. Kreis. Beginn des Kurses Schröder im Seim Tilsiter Str. 4—."». 13. Kreis. Der Kursus des Genossen Friedrich Olf: Grundlagen des modernen �mverialismus kann deute nicht droinnen, da der Kursusle.iter zur Zeit nicht in Berlin ist. Ileoer den tatsächlichen Beginn des Kursus erfolgt noch Mitteilung. 4. Abt. 2N Udr der Brandis. Stralauer Str. 1U, Funktionärsißung. Stellung-- nodme ,'.u den Neuwahlen. 3. Abt. Uhr Funktionärs, tzitng der l'ufotfchewsft, Georgenkirchstr. 38. A. Abt. 20 Uhr her Kromphardt, Paul-Singer Str. 40, Borftandssißung. 38. Akt. Alle Bezirksführer nehnren noch heute od 19 Uhr Material der Bartufch in Gmpfang und sorgerr für sofortige Berteilunq. 73. Abt. 20 Uhr Funktionärsißung bei Win sie r. Breite Straße. 128. Abt. 20 Ahr Funktionärsitzung an bekannter Stelle. ZNorgen. Freitag, 8. Januar: 12. Kreis. 20 Uhr bei Mechler. Am Markt 3, Arbeitsgemeinschaft junger Parteigenossen. Genosse Gyßling spricht über: Wie gewinnen wir die Jungwähler für die Partei? 3. Abt. Im Saal 3 des Gewerkschaftshauses wichtige Funktionärsitzung. In der Sitzung sind die Partei, und Gewerkschaftsbücher zur Kontrolle vor- zulegen. 32. Abt. 20i/£ Uhr de! Kromphardt, Panl-Singer-Str. 49. Funktionärsitzung. Die Jahresberichte sind bestimmt bis zum 14. Januar schriftlich ein- zureichen. 35. Abt. 18 Uhr Borstaudssitzung. 20 Uhr Funktionärsitzung bei Lemble, Schreinersir. 38. 42. Abt. Arbeitsgemeinschaft der jüngeren Parteimitglieder im Jugendheim Porctstr. 11. Der Weg des Kapitalismus. Referent: Otto Poß. 74. Äbt. Siedlung. Funktionärsitzung im Waldhaus. Spandauer Straße. 78. Abt. 20 Uhr bei Natho, Feurig- Ecke Prinz-Georg-Straße, Funktionär- sitzung. Abt. 20 Uhr bei Podszhis, Sachsendamm 40, Funktionärsitzung. Abt. IS'i; Uhr Vorstandssitzung mit den Bezirksleitern bei Gürlich, Begas- ftroße 1. 20 Uhr Sitzung sämtlicher Funktionäre im gleichen Lokal. Abt. Bei Grommeck. Sanderstr. 10, Funktionärsitzung. Parteibuch, Ge- werkschastsbuch und„Borwärts"-Quittung sind nritzubringen. Abt. Bei Schabeiko Funktionärsitzuna. Abt. 10 Uhr Borstandssitzung. 211 Uhr Funktionärsitzung bei Wolff, Kaiser- 79. 80. 89. 9g. 92. w. »7. 98. 101. 117. 12». 141. Friedrich- Str. 173. Abt. Bei Lohan. Wipperstr. 18— 19, Fnnktionärsitznng. Abt. An bekannter Stelle Funktionärsitzung. Erscheinen wichtig. Abt. Funktionärsitzung im Versammlungsraum Hannemannstr. 40. Abt. In der Spedition Borstaudssitzung. Abt. 20 Uhr bei Klose Funklionärsitzunq.. Abt. 20 Uhr im Türkstchen Zelt, Breite Straße, Funktionärsitzung. Abt. Bei Hoffmann, Edetweißstr. 5, Funktionärsitzung. Sonnabend, 9. Januar: ZI». Abt. Bci Echadc, Ziprmaniicnftr. 32, Fnnltioniirsitzunz. Sonntag, l9. Januar: 140. Abt. 9 Uhr bei Woitschach. Crnststr. 1. Borstands, und Funttionär�tzung. Erscheinen aller Funktionäre einschließlich der Betriebs- und Gewerkiäjasts- sunktionäre wird erwartet. Franenveransialtungcn. 9. Abt. Heute, Donnerstag. 7. Januar, Frauenabcnd bei Hübner, Wils- nacker Str. 34. Vortrag, Neuwahl. 123. Abt. Heute, Donnerstag, 7. Januar. 20 Uhr, bei Hübner, Wilhelm- Ecke VaHnHosstraße, Frauenabend. Jahresbericht, Neuwahlen, Verschiedenes. Bezirksausschuß für Arbeilerwohlfahrk. 2. ZIr«« Ticrqartkn. Donnerstag, 7. Januar, pünltlich 17 llhr, bei Stein, Holstciucr llfer 14, wichtige Funktionärsitzung der Arbeitcrwohlsahrt. m 16. Sreis»äpcnick. Am Freitag, dem Z. Januar, 19',: llhr, im= Stodtthcatrr Köpenick Filmvorsllhrung. Iis wird gespielt der Film: i-- ,.Der Kamps um die Erde", dazu Gesang, Rezitationen usw. Ansprache i-? Genossin Mathilde Wurm, M. d. R. Inhaber der Ardeiterwahlfnhrtslos« M und Erwerbslose Eintritt frei, sonst 30 Pf. D Oeffenlliche Kundgebung am Montag, dem 1 1. Januar 193Z, 19- Uhr in drn Gcrmania-Sblen, Chausseesir. 110(U-Bahn Steif. Bhf.) Faschismus ist Krle�— Sozialismus ist Friede I Referenf: Reidufa�rabg. Arthur Georg Arrl-Dretden Es wirken mif: Die.RofeRchellen* und„Rote Rotte*; SingkreisdcrSAJ. Arbeitsgemeinschaft der Sinderfreunde Groß-Berlin. Heute. 20 Uhr, im Rathaus Neukölln, Seminar mit Kurt Löwcvfloin. Mitte. Gruppe Panpelplatz. Heute. 18— 20 Uhr, Note. Falken -Ausspraäieabend. 20—22 Uhr außerordentliche Elternversannnlung im Jugendheim Elisobethkirchstr. 19. Bericht und Neuwahl. Friedrichshain. Heute. 18 Uhr, KreiI-Roter�Falkenabcnd. Litauer Straße 18. Keiner darf fohlen. Dienstag, 12. Januar, 19».. Uhr, Kreisvorstandssitzung Dieftelmeperstr. 5—0. Freiheitsdrang. Freitag. 8. Januar. 19 Uhr, Frankfurter Allee, Jahresversammlung aller Falken. Landsberger Platz. Freitag, 8. Januar, 18 Uhr, Jayresvollverfammlung der Roten Falten Dicstel. mrncrur. 5— 0. Schöneberg. Heute. 20 Uhr, Helfersitzung im Jugendheim Lindenhof. Neukölln. Helferkreis. Der Helferschulungskursus wird erst nächsten Don- nerstag, lt. Januar, fortgesetzt. Avanti. Wir find morgen, Freitag, 17'� Uhr, in der Schule Weisestraßc. Hoheuschönhansen. Unsere Gruppenabende sind jetzt wieder regelmäßig. Heute, 17—19 Uhr, im Jugendheim Freienwalder Straße. Rcinickendorf. Montag, 11. Januar, Helferbastelkursus, Reue Schule. Wittenau. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 11. Abt. Unser Genosse Franz Klein. Gotzkowskyftr. 10. ist verstorden. Chre feinem Andenken. Die Einäscherung findet Sonnabend. 13 Uhr. im Krematorium Gerichtstraße statt. Ziege Beteiligung wird gewünscht. 28. Abt. Am 3. Januar verstarb nach kurzem Leiden Genosse Richard Brüder im 53. Lebensjahre. Ehre seinem Andenken. Die Bestattung findet heute, Donnerstag, 7. Januar, 14� Uhr, auf dem St.-Marien-Fr'kedhof, Prenzlauer Allee 7, statt. 95. Abt. Unser langjähriger Genosse Hermann Plautz. Steinmetzstr. 104. ist im 09. Lebensjahre verstorben.- Wir verlieren in ihm einen treuen Kämpfer, welcher 30 Jahre der Partei die Treue gehalten bat. Wir werden sein An- denken in Ehren halten. Die Einäscherung findet Sonnabend, 9. Januar, 17U Uhr. im Krematorium Baumschulenweg statt. Um rege Beteiligung ersucht der Borstand. lllSozialisiischeArbetterjugendGroA-Verlm Einsendungen für diese Rubrik nur an das Jugendsekretariat Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Abteilungsleiter, reicht umgehend die Berichtsbogen ein! Am Gannabekb. dem und Sonntag, dem 1». Januar, findet ein Vochenendkursus mit dem Motto:..Proletarische Feitgestaltung� statt. Beginn pünktlich am Sonnabend um 19y. Uhr und am Sonntag um 9 Uhr. Am Sonnabend spricht Dr. Bruno Lowenberg und am Sonntagvormittag Robert A. Stemmle. Außerdem finden am Sonntag Darbietungen der Spielgruppen und eine Allssprache statt. Alle interessierten Genossen können an den: Kursus teilnehmen. Besondere schriftliche Einladung ergeht nicht. Proletarisches Orchester der SAI. Donnerstag. 7. Januar, 20 Uhr, Gesamt- probe in der Karl-Marx-Schule, Kaiser-Friedrich-Straßc. Henke. Donnerstag. 7. Januar. IS�- llhr: Norden: Lortzingsiraße. Was ist Sozialismus, 1. Teil.— Arnswaldcr Platz 11: Rastenburgcr Str. 10. Italien. 1. Abend.— Falkplatz 1: Sonnen- burger Str. 20. Jahresmitgliedcrversammlung.— Huwannplatz: Gleimstraße 33—35. Mädel und Bursche in der SAI.— Nordosten II: Danzigcr Straße 62, Baracke 3. Mir machen eine Zeitung.— Hallesches Tor: Borck- straße 11. Warum bin ich Sozialist?— Kottbusser Tor: Urbanstr. 107. Jahres- Mitgliederversammlung.— Sudwest: Lindenstr. 4. Die Geschichte der Ardeiter. fugend.— Schöuebcrg III: Hauptstr. 15. Jahresmitgliederversammlung.— Lharlottenburg. Westend: Sportplatz Westend. Jahresmirgliederversammlung.— Milmersdors(Aelterengruppe): Ursprung der Familie.— Zchlendorf: Zlnno- Waldschule. Schiefernftraße. Iahresmitgliederversammliing.~ Reinickendori- W:st: Scibelstr. l. Iahxesmitgliederveriammlung. SSG. Charlsttendurg: Rosinenstr. 4. Gas ist Sozialismus? Wcrbebezirk Neukölln: Grweebslosenzusammenkunst um II Uhr im Jugend- heim Bergstr. 29. Morgen Besichtigung des Fernsprechamtes Neukölln, Dv- llaustraße. Treffpunkt 14 Uhr daselbst. Politischer Informationsabend im Jugendheim Steinmetzstr. 114._ Allgemeine Wetterlage. S.Jan. 4932, abds [Owslkealas.® heiter.a halb bedeckt wolkig,•hedscktpRegen.aGraLpÄ.'n sSebei,"KGevlItec@WinAsli!!e Ganz Deutschland» laq am Mittwach im Bereich limritimer Warmwitmassen. Di« Temperatureii laqcn allgemeiil mehrere GraSc liber Hm Gefrierpunkt. In West- unk»■DJutcIbeiitschiort) murden 10 bis 11 Grub Worine erreicht. Dabei kam es überall zu Regenfallen, bic aber mir im Ztordwesten des Reiches erqieüiq waren. Das starke Lustbrulkgesulle über Mitteleuropa bracht« am Mittwoch ein starkes Auffrischen Oer Wnch:. Berschiebentlich würbe in Westdeuljchlanb selbst ini Birmenlonde Windstärke 0 bis 10 henb° achtet. Bor der norwegischen Kiiste liegt ber Kern einer tieseii Depression, bie fidi jetzt nach Osten bewegen dürste. Allmählich w»rb baher unser Bezirk iii beii Bereich kühlerer Lustnaassen polaren llr- sprlll?gs kommen, so daß die abnorm hohen Teniperatureu wieder sinken werden. Dabei wWb das Wetter«inen veränderlichen Cha- raklcr annehmen. -p Wettcraussichten sür Berlin: Wechselnb nieist stärker tnmwtkt. immer noch windig, Tenrperaturen erwas niedriger.— Jür Deutsch- lanb: Im'Rorbwesten unbcstäirbig kühler mit Schauern, Windab- irahme, auch ini Südosten liebergang zu veränderlichem, kühlerem Wetter. co. 120000 Stück Damen-Konfektion• Kinder- Konfektion• Strickwaren und Wäsche Gewaltige Mengen Strümpfe• Baum wollwaren• ca. 300 OOO Meter Schnittwaren Damen-Strümpfe« Waschsamt-Druck p Flamengo-Tweed künstlich« Wascfis.ide(farbig Pf. 58), hochwertig« gut» wo.thbar» Quolilöt. mo*nau>wahl.......................... p»r M»t»r|-m Pf. Auswahl..........................'.'.M�»r sntlt Pf. Herren-Socken#*->. Satin-Brillant-75 Fleur-Romaine, F o n t o S i• mit Kunsts-id««-r M»t»r'|»nt I G ouswohl,.......... M.f«r|a«it 1 G Handtücher 4*0 Rein Maco Beiderwand ca. 45(100 cm, r»i« l-inen, grau 80 cm br.lt, gut» Qua. 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Ihre Lage ist zum großen Teil noch viel trostloser als die der Altmieteri denn die Mieten der Neubau- Wohnungen liegen erheblich über den Altmietcn. Lohnabbau, Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit haben die Lage' zahlloser Neubaumieter gerodezu verzweiflungsvoll gemacht, und die Möglichkeit, in Alt- wohoiungen zu flüchten, besteht trotz der einmaligen Freigabe der Kündigung zum 1. April nicht, denn die entsprechenden Alt- Wohnungen sind ja gar nicht verfügbar. Es war darum allgemein erwartet und gefordert worden, daß die Neubauwielen wesentlich stärker gesenkt werden als die Allmieten. Zu Wirklichkeit ist zum Teil das gerade Gegenteil eingetreten. Während die Altmieten generell um 7 bis 8 Proz. ihrer bis- herigen.Höhe gesenkt wurden, erreicht die Mietensenkung für einen großen Teil der Neubaumieten nicht einmal diesen Prozentsatz und geht für die übrigen Mieten zumeist nur unbeträchtlich darüber hinaus. Das Problem der Neubaumieten ist also nach der Not- Verordnung noch genau so dringlich und ungelöst wie vorher. Ja es ist sogar noch brennender geworden, denn die Lage der Ncubaumictcr hat sich durch di« Lohn- und G e- h a l t s s e n k u n g e n, die die Notoerordnung ihnen beschert hat, noch weiter verschlechtert. Es müssen schleunig sk Mittel und Wege gefunden werden, um eine weitere Sen- k u n g der Neubaumieten zu ermöglichen.. Man könnte an verschiedene Maßnahmen zur Er- rcichung dieses Ziels denken. So könnte daran gedacht werden, vorübergehend auf die Verzinsung und Tilgung der hauszinsslcuerhypolheken zugunsten der Neubaumieter zu verzichten. Eine solche Maßnahme wäre freilich ein zweischneidiges Schwert; denn sie würde die kärglichen und völlig unzulänglichen öffentlichen Mittel, die heute noch für den Wohnungsbau zur Verfügung stehen, weiter beschränken, und überdies ist bereits vielfach durch Vorgriffe über diese Rückflüsse verfügt worden. Es wäre auch zu prüfen, ob nicht auch für ältere Wohnungs- Neubauten, wie es bereits für die neuen geschieht, aus die Erhebung der Grundvermögenssteuer verzichtet Verden könnte. Freilich würde dadurch ein gewisser Steuer- a u s f a l l entstehen, der vom Reich gedeckt werden müßte. Es gibt aber noch einen anderen Weg, der überhaupt keine fühlbaren Opfer von irgendeiner Seite erfordern würde. Ernst Kahn hat in der„Frankfurter Zeitung" den Vorschlag gemacht, die Tilgungsraten für das Baukapital herabzusehen. Cr errechnet aus einer Senkung des Ämortisationsfatzes von k auf Proz. eine Mieter Mäßigung von 8 bis 1l> Proz.. Diese Schätzung erscheint Uns zwar z u h o ch, denn bei einem großen Teil des Baukapitals, der aus Hauszinsstcuermitteln bereitgestellt wurde, ist häufig die Tilgung vorläufig ausgesetzt oder die Ver- fügung über die Tilgungsraten ist, wie oben schon erwähnt, ge- Kunden. Immerhin würde eine generelle Herabsetzung der Til- gungsraten für sämtliche' übrigen Hypotheken eine weitere Atiet- scnkung in den Neubauwohnungen um einige Prozent gestatten. Sie rechtfertigt sich durch die Erwägung, daß die Lebensdauer der Häuser viel größer ist als der Zeitraum, der sich aus der Höhe der Tilgungsraten errechnet, unter der Voraussetzung einer verzinslichen Anlage dieser Beträge. Dasselbe, was für die Tilgungsraten bei Hypotheken mit laufenden Tilgungsbeiträgen gilt, gilt auch für die Kalkulation der Mieten durch die Neuhausbesitzcr, soweit es sich um die Amortisation des Eigenkapitals und jener Hypotheken handelt, die zu einem bestimmten Termin im ganzen zurückzuzahlen sind. Der einfach st e Weg, um eine solche Maßnahme durch- Gchwachkopff und Bamag. Gchwarhkopff stützt sich aus Reserven.— Was wird bei Telephon Berliner? Der Jahresabschluß der Berliner Maschinenbau A.-G. vorm. L. Schwartzkopff für das mm30. Juni beendete Geschäftsjahr 1930/31 weift einen Verlust von 3,39 Millionen Mark aus, nachdem bereits im vorhergebenden Jahr zum ersten- mal in der sechzigfährigen Geschichte dieses großer» Berliner Unter- nehmens ein Verlust von 1,3 Millionen entstanden war. Der Derlustabschlutz kommt nicht überraschend, da die wichtig- sten Betriebe bei Schwartzkopff der Lokomotivbau und der Setz- Maschinenbau von der Krise ganz bejoirders stark in Mitleiden- fchaft gezogen wurden. Während iin Vorjahre innnerhin noch ein Rohgewmn von 2,66 Millionen Mark erzielt wurde und sich der Verlust erst nach Absetzung der Generaluukosten, Abschreibungen und Zinslasten ergab, ist diesmal ein Betriebsoerlust von 18Z OCO Mark ausgewiesen, der nach Verrechnung der Unkosten und Ab- jchreibungen zu dem erwähnten Gesamtverlust geführt hat. Bemerkenswert ist, daß die Generalunkosten in den letzten zwei Jahren um ins gesamt 40 Prozent herabgesetzt werden konnten. Bei den immer noch sehr starken Reserven von Schwartzkopff, die einer besonders vorsichtigen Politik bei der Umstellung auf Goldmark im Jahre 1924 entsprangen, ist es der Gesellschaft möglich, mit Hilfe des Refcrvesonds die gesamten Verluste zu decken, wonach dieser Fonds immer noch IS Prozent des Aktienkapitals umsaht.(Gesetzliche Vorjchrist 10 Proz. des Kapitals.) Ueberraschend günstig haben sich trotz des schweren Krisendruckes auf den Betrieben die Finanzen bei Schivartzlopff entwickelt. Die gesamten kurzfristigen Schulden sind von 9,7 bis auf 6,3 Millionen Mark zurückgezahlt worden, wobei besonders stark der Abbau der Bankschulden und Warenoorschüsse von 4,2 auf l,2 Millionen ins Gewicht fällt. Demgegenüber stehen an Forderungen 7,44 Millionen, darunter 1,? Millionen Bankguthaben.. Der Gesamtumsatz ist im Geschäftsjahr 1930/31 um 40 Proz. gesunken, dürste also damit etwa aus den Stand eines einmaligen Kapitalmnschlages gefallen sein. Für das gänzliche Bcrfogsn des Inlandsmarktes ist bezeichnend, daß � 75 Prozent des Gesamtumsatzes noch dem Auslande exportiert wurden, gegen 57 Prozent im Dorjahr. Bon der Reichsbahn erhielt Schwartzkopif auf Grund des bekannten Liefervertrages im vergangenen Jechr zwölf schwere Schnellzngsmoschinen in Bau und sür das laufende Gejchäjtsjahr drei schwere und neun leichtere Maschinen. Auch einige mittlere Auslandsaus träge wurden im Berichtsjahr und auch noch im neuen Geschäftsjahr 1931/32 abgewickelt. Diese Aufträge wurden, wie der Geschäftsbericht betont, zu schlechten Preisen hereingenommen, um wenigstens einen kleinen Stamm der qualifizierten Lokomotivbeleg- schaft zu erhalten. Zur Zeit ruht das Auslandsgeschäft nahezu voll- slandig, und durch den rnehrsachen Währungssturz im Auslande ist der Konturreirzkampf auf das äußerste erschwert. Nach dem bis- herigen Ergebnis der abgelausenen sechs Monate des neuen Ge- schästsjahr4s wird auch dieses mit einem Verlust abschließen. Die B a m a g- M c g u i n A.- G. in Berlin-Moabit schließt, wie wir schon berichteten, das gleichfalls am 30. Juni 1931 abgelaufene Geschäftsjahr mit einem Verlust von 2,06 Millionen Mark ab. Auf dein Gebiete des Gas- und Wasserfaches ist der. Auftrags- eingang, der besonders durch di« deutschen Kommunen und die Montanindustrie gespeist wurde, jost zmn Erliegen gekommen. Auch einige größere Auslandsaustrage für Ammmnakanlagen, Walz- werkseinrichtuiuzen uird Miillverbrennuugsnwfchincn konnten hier keinen Ausgleich scharfe n. Hinzu kamen sehr starke Verluste aus bereits durchgeführten Lieferungen infolge Zusammen- bruchs der Schuldner. Dies war hauptsächlich bei Groß- künden wie den Lena Goldfields Ltd., London, und dem Plcß- Konzern in Schlesien der Fall. Da auch anderweitig noch stärkere Ausfälle zu verzeichnen waren, schlägt die Verwaltung zur Durch- führung einer allgemeinen Wertberichtigung für die Anlagen und die Außenstände eine Zusammenlegung des Kapitals von 12 auf 6 Millionen Mark vor, um mit den hieraus entstchenden Buch- gewinnen die notwendigen Abschreibungen vornehmen zu können. Die Gesellschaft sah sich bereits 1927 zu einer scharfen Kapital- z u s a m m c» l eg ii ,i g von 16,5 auf 5,3 Millionen gezwungen, wobei seinerzeit im Verlause der Sanierungsaktion die Julius Pintsch-Gruppe von der Bamag Besitz ergriff. Wie die jetzige Entwicklung zeigt, ist aber die damalige Sanierung nicht durch- greifend genug gewesen, um das Unternehmen krisenfest zu machen. Abbau bei der Telephonfabrik Z. Berliner. Die zum Standard-Elektrizitätskonzern gehörende Telephon- fabrit I. Berliner A.-G. wird ihre bisherige Belegichast von 1100 Arbeitern und Angestellten erheblich verringern. Wie wir hierzu erfahren, hängt diese Maßnahme mit Umgruppierungen im Konzern zusammen, wobei die Telephonabteilungen des Unter- nehlnens auf Mix& Genest übergehen sollen. Bei dieser Gesell- schvst ist das gesamte Telcphongeschäft des Konzerns konzentriert. Zugleich soll das Radiogeschäst bei Lorenz zusammen- gefaßt werden. Wieviel Arbeiter und Angestellte bei der Telephon- fabrik Berliner von dem Abbau betroffen werden, ist noch nicht bekannt. kurz vor Redaktionsschluß erfolgt solgcnde vcrössenllichung: Tu der Aussichlsralssihung der Telephonsabrik Berliner A.-G.. Berlin, wurde Blilleilung gemacht von dem Verlust von mehr als der Hälfte des 2,97 Millionen Mark betragenden Aktienkapitals. Im Anschluß daran wurde beschlossen, zur Senkung der Unkosten den Betrieb aus dem eigenen Fabrikgrundstück abzubauen und mik den konzernsirmen Verhandlungen(Standard Eleklriziläts A.-G.) darüber auszunehmen, die Fabrikation in deren sreistehendc Räume zu verlegen. Beschluß über diese Punkte soll in einer auf den 4 Februar 1932 einzuberufenden außerordentlichen General- Versammlung gesahl werden. Diese durch die ungünstige Wirt- schaslsenlwicklung unvermeidlich gewordenen Maßnahmen werden es im übrigen ermöglichen, die Firma weiter aufrechtzuerhalten. zuführen, wäre natürlich eine zwangsweise Herabsetzung der Tilgungsraten für Wohiiungsneubauhypolhcken analog der zwangsweisen Zinssenkung. Aber gegen diesen Weg spricht das Bedenken, daß ein abermaliger zwangsweiser Eingriff in die Gläubigerrechte die Störungen des Kapitalmarktes noch weiter ver- stärken müßte. Gangbarer und wohl ebenso wirksam erscheint uns ein anderer Weg. Der überwiegende Teil der Neubauhypo- thcken stammt aus verhältnismäßig wenig Quellen: von den Spar- kästen, den Hypothekenbanken, der Privat- und Sozialversicherung. Alle diese Einrichtungen besitzen zentrale Spitzenorgane. Es müßte daher ein Leichtes sein, in zentralen. Verhandlungen mit den Sp.tzenorgancn die Gläubiger generell zu einer gleichmäßigen Herabsetzung der Tilgungsraten zu bewegen. Auch sie hätten ja davon den Vorteil, daß die Lage und Zahlungs- fähigkeit der Schuldner durch eine solche Maßnahme verbessert würde. Es erscheint uns daher als eine dringliche Aufgabe der Reichsregieruug, sofort zentrale Verhandlungen über die Senkung der Tilgungsraten für Neubauhypotheken in Gong zu bringen, unabhängig davon, welche weiteren Wege beschritten werden, um die Lage der Ncubaumieler zu erleichtern. 3m Anschluß daran müßte natürlich den Neuhausbesitzern vorgeschrieben werden, die Mieten so festzusetzen, daß die Senkung der Tilgungsraten voll berücksichtigt und darüber hinaus die Amortisationsralen für dos Eigenkapilal und die Fälligkeitshypolheken entsprechend herabgesetzt werden. Margarine bittiger. Mißlungene Preiserhöhung für die niedrigsten Konsumforten. Im vergangenen Monat erregte es großes Aufsehen, daß die Margarineindustrie mit Hilfe eines neu gegründeten Kar- tclls den Versuch unternahm, die billigsten Sorten, die bis dahin im Großhandel zu 27 Pf. gehandelt wurden, auf 32 bis 33 Pf. heraufzusetzen. Hinter dieser Aktion stand der englisch- holländische Margarinetrust Jürgens- van den B e r g h, der rund 80 Proz. der deutschen Margarineinduprie be- herrscht und auch die wichtigste Vorproduktion für Margarine, d i.e Oelmühlen, zu mehr.als 50 Proz. in Deutschland kontrolliert. Abgesehen davon, daß gegen diesen skandalösen Kartellbeschluß eine starke Außenseiterfirma ankämpfte, konnten die Preiserhöhungen für diese billigsten Sorten nicht durchgeführt werden, da inzwischen die Notverordnung der Reichsreg-erung diese Absicht des Kartells durchkreuzte. Nunmehr hat sich auf Grund der Notverordnung vom 8. De- zember die Margarinc-Berkauisunion entschlossen, die Klein- Handelspreise sür die Spitzcnniarkcn der Jürgens- van den Bergh-Gnippe abzubauen.„Rama im Blai�an-d" wird von 1 M. auf 80 Pf. je Pfund,„S a n e l l a" von 70 auf 63 Pf. je Pfund und„Palm! n" gleichfalls von 70 auf 63 Pf. je Piund gesenkt. Einer entsprechenden Senkung wurden auch die Groß- Handelspreise unterzogen. Diese Ermäßigung, der die freie Margarineindustrie bald folgen dürfte, ist dem Margarinekonzern sicherlich nicht schwer gesallen, denn die wichtigsten Rohstosse, wie Sojaöl, Palmkerne und Waltran sind seit 1929 um 45 bis 50 Proz. im Preise gesunken, wahrend die Margarine selbst, von der dritten Sorte abgesehen, in der gleichen Zeit nur um 6 bis 8 Proz. billiger geworden ist. Weitere Preissenkungen. Auf Grund der Notverordnung sind die Nähgarnpreise um 5 bis 10 Proz., die Preise für Rhcnania-Phosphat, für Siegerländer Eisenstein, jerner sür Falten- röhre und T e m p e r- R o h e i s e n um 10 Proz. ermäßigt worden. Auch Bitumen(Erdpech usw) ist vom Kartell um 10 Proz. gesenkt worden.— Für Zeitschriften hat der Reichs- wirtschaftsminister durch einen Zwischenbescheid die Aiisrechterhaltung der Preisbindung unter Zugrundelegung der bisherigen Preise bis zum 31. Januar bewilligt. Die Baisse der deuischen Dollaranleihen Zn neun Monaten zwei Drittel des Kursstandes verloren. Wie zerstörend sich di». deutsche Reparations- und Wirtschafts- krise im Vertrauen der Auslandsgläubigcr deutscher Dollaranleihen ausgewirkt hat, dafür zeugt die rapide Abwärtsentwicklung der Kurse wie der Anleihen auf den ausländischen Börsen. Die Kurs- stürze üibertreffen diejenigen anderer festverzinslicher Papiere um das Vielfache. So standen siebenprozentigc Dollar- a n l e i h e n am 21. März 1931 in New Pork noch auf 97,5 Proz., in Amsterdam auf 95 Proz. Sie waren am 2. Januar 1932 in New Pork auf 37,8, in Amsterdam aus 36,9 Proz. gesunken. Sechseinhalbprozentige Dollar a.n leihen standen zu den gleichen Zeitpunkten in New Bork auf 87,4 und sanken auf 25,3 Proz., in Amsterdam ans 86 und sanken auf 25,6 Proz. Der Kursrückgang beträgt etwa zwei Drittel des Ausgangswertcs. Ebenso starke Rückgänge hat die U o u n g- A n l e i h e aufzuweisen. Sie ist zwischen den genannten Zeitpunkten in New Bork von 83,5 GÜTE WEGEN< BERLINS MEISTGERAUCHTE CIGARETTE Gstu(i<203 auf 28,5, in London von 50.7 auf 46,0, in Paris von SSL auf SSL, in Amsterdam von 78,2 auf 29,0 und in Zürich von K2.S aus 32,5 Proz. zurückgegangen._ Oie Sparkassen Ende November« 9,74 Milliarden Sparkasseneinlagen im Deutschen Reich. Ende Ziooember 1931 beliefen sich die Sparkasseneinlagen bei den deutschen Sparkassen auf 9744,67 Millionen gegenüber 9936.22 Millionen Ende Oktober. Der Berichtsmonat weist mithin eine Abnahme um 191,55 Millionen gegenüber einer Abnahme um 283,34 Millionen im Oktober auf. Im einzelnen betrugen die Einzahlungen 380,72(Oktober 437,70) Millionen: die Auszahlungen stellten sich auf 572,27(720,94) Millionen. Die Senkung des Nuszahlungsübcrschusses spricht für eins fortschreitende Beruhigung der Sparer auch im November.____ Moratorien in Dänemark und polen? Dem dänischen Reichstag soll ein Gesetz über ein Teilmoratorium für die dänische Landwirtschast und eventuell auch andere Gewerbezweige vorgelegt werden. Streichlmg von Hypo» cheken- und Darlehensschulden von Fall zu Fall soll gesichert werden. Die großen Zahlungsrückstände der Landwirtschast und der In. dustrie(gegenüber Versicherungsgesellschaften) waren in Warschau Gegenstand einer von der polnischen Regierung pro- tegierten Tagung. Es wurden ein mehrjähriges Moratorium und teilweise Streichung von Rückständen diskutiert. Vk-ita rückgängiger pfandbriefmulauf. Im November ver- gangenen Jahre? ist der Umlauf an festverzinslichen Wertvapieren weiter zurückgegangen. Gegenüber Oktober ergab sich bei Pfand- briefen ein Ruckgang von 9820 auf 9755 und bei tommu- nalen Schuldoerschreibungen ein Rückgang von 2728 auf 2725 Millionen Mark. Der Rückfluß von Slnlechestücken Hot also die Neuausgabc wie schon in den vorhergehenden Monaten übertroffen. Der Bestand an Hypotheken und Kom- munaldarlehcn, die die Gegenposten der Pfandbriefe und kommunalen Schuldverschreibungen find, Hot sich von 12146 auf 12115 Millionen verringert. Der Saliabfah. Die Abladungen der zum Deutschen Kali- syndikat gehörenden Kaliwerke im Dezember 1 9.3 1 betrugen 372 484 Doppelzentner Reinkali. Die Abladungen in den ersten acht Monaten(Mai bis Dezember 1931) des laufenden Dünfge- jahres betrugen 4 504 813 Doppelzentner. 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Uhr Die nemo-BanK von Louis Verneuil mit HaxPallenberg KurifirsißDflamni Theater I 1 448- 8Vs Uhr Istsp. d.tiifriiit-PratiiM. Mahadonny von Brecht u- Weill yWr/i mm »V.Uhr CASINO-THEATER»1'. Uh> Theater desWestens Täglich«r/s Uhr Karl Jfiken in Oer Vogelhändler TädC.NauAm.SuJir'tOef-ZH. teo ircuLUionetto kochurtrH&etns �Prog+oAiK-HCuecuÄ m Lothringer»trage ST. II IlflTlllllllllltllllllll III IIIIIIIII IIIIIIIII l|||| illllfllllltllllflMtltnillll Die neue Posse Was man ans Liebe tut Dazu die Gesangs- und Tanz- Operette Das Scheidung»- Souper and der boote Varlete-TeiL Gutschein 1-4 Personen; Parkett SO Pf.. Fauteuil l-— Mark. Sessel 1.50 Mark. Berliner nihTriO I N a H k B 1 1■ Lahnstr 74/7EJ Marg. Ilezak Lotte Carola Preise von SO Pf. an PLAZA Tigl. S o. Sts Uhr St|S. 2, 5, Bis dir DAS VEILCHEN VOM MONTMARTRE Theater im Admiralsoalasi Täglich 8V< Uhr VMS Aipar in Die Duüarry Preise*. O.SO M an iMW�Mr?; 1 Arnold Scfaolr 1 U-Bahn Hermannplalz• Hasenheide loa/114 Grones BocMHertest In den bayr. Alpen und Gr. Schweineschlachten a Kapellen» Heng öskorailonen» Bavrlsfflg Befllcnuna Beginn 7 I7hr. Volksbühne, Theater am Bülowplatz Sonntag, den 10. Januar, vormittags Vi 12 Uhr IV. Koaser« Maria Ivogün Kammersängerin Programm; Arien von Mozart und Pergolese/ Lieder von Schuberl Die Mädchen von Cad x von Dclibes/ Volkslieder/ Frühlings- Stimmcnwalzer von Johann Strauß Am Flügel: MIDllBl BßodlOlseD Loskorlen l ,50 M. In den bekannten Verkaufssfß'len u. Nltlagskasss Theater am Nallendorfplad Sejii: Hniu SiitnWrg Pallas 7051 Täglich 8V. Uhr Sigs auch 4>/« Uhr Oasparone mefropoMheater Täglich 8Vi Uhr Ein Lied der liebe Bich. Tanber Annl Ahlen VonErksufunanlertmiöin Täglich SV« Uhr Morden debls nnsdnli Orrti Nnhtln. Na Hasa Ot«hest.Dafos Bei. „JoTgenbet Strafbefehl wird ver. Stfentlicht: Eeichaitsnummer; 8 dl 106/31. Die Staatsanwaltichaft befchuldiai Sie, am 30. 8. 1930 in Königsberg ol! verantwortlicher Redakteur des in Äö- nigsberg täglich erscheinenden„Schoc de» Ostens", einer periobifchen Druck. fchrift, den preußischen Ministervraü denten Dr. Otto Braun beleidigt»u. haben, und zwar durch Berbreitung von Schriften. Deraehen nach hh 185, 194. 200, 41 SirSB., ß 20 de» Ges. Uder die Presse. Es wirk gegen Sie eine Gefängnis. strafe von drei Nonaten testgeseßt. Kerner wird dem Berletzien die B«. fngni» zugesvrochen, den erkennenden Zeil de» Strafdetihl» innerhalb acht Wochen nach Zustellung des rechtekräf. ttgen Strafbetchl» im„Scho de» Olkens" in der„stömg»b»rg»r Dolkszeiruna" dem ,jtönigsberger Tageblatt" und tw „Borwärts"(Berlin) auf Kosten de- Befchuldtzten einmal öffentlich bekannt. zumachen. Ferner wird angeordnet, daß alle Exemplare de» Hauptblatts der Nr. des„Echos des Osten»" vom 80. 8. 80, sowie die zu ihrei Herstellung be. stimmten Platten und Formen, soweit fie den bezeichneten Artikel betreffen, die Zeitunasexemplore jedoch nur. so. weit sie fich im Befitze de, Bersasser», Drucker», Herausgebers, Verleger» oder Buchhändler» befinden, oder soweit fie öffentlich ausgelegt oder öffentlich an. geboten werden, unbrauchbar zu machen find. Zugleich werden Ihnen die Rosten de» Veriabrens auferlegt. Königsberg(Pr.), den 4. April 1931. Das Amtsgericht: gez. Koch, Amisgerichisrai. An den Redakteur Herrn Ernst Schneller In Beslin.Riedertchöneweid«, Berliner Straße Nr. 70». Die vorstehende auszugsweise Ab- schritt de» Strafbekehls wirb beglaubigt. Der Strafbefehl ist vollstreckbar. Königsberg(Pr.l. 9. November 1931. gez. Strenger, (L. S.) Iustizinfvektor, als Urkuudsbeamter der Geschäftsstelle de» Amtsgericht». Königsberg fPr.), 30. Dezember 1931. _ Der Oderftaatsanwali." WMMÜÄM-MlS VervaUimdsinUeileeer I Freitag. Den 8. fianuar. abend» 7 Ilhrf Sitzaug der mittleren Ortsverwaltun- l»e O tsverw allang. VoiKsbOhne TlreatBr am BOlowjliti 8 Uhr Die GroBberzooin von Geroisieln Stull Säillu-Iluttir 8 Uhr Die eotflldie leite Rose• Theater iraS« frakferltr Stnle 131 U. Vlidiul C 7 3421 8.15 Uhr Eine Frau von Format MMW Prekezwr�il allen. Abteilungen. Preise zumTeil bisJLftV herdb- gesetzt Msrnsn* Berlin./ Lelpzlqersf rasse 122-125 Allen Freunden und Genossen die traurige MilieUung, daß meine liebe Frau KIsra nach langem schweren Leiden am b. Januar sanft entfchlafen ist. Vfllie'.itt EislcRe Die Beerdigung findet am Sonn- abend, dem 9 Januar. 1ö Uhr, aul dem Alten Paulskrchhos, Geeftr.. statt. Ken In der Qeeamtcußeg' de».Vorwärts* elnd besondere vtrteaar «ad(roudem, icnrbiuiö! Danksagung. Für die uns in so großem Maße entgegengebrachte herzliche Teilnahme beim Hinscheiden meines lieben Mannes und guten Vaters Oskar Ewald danken wir hiermit allen, die unseren tiefen Schmerz mit uns fühlen. Berlin-Teiupeihof, den 7. Januar 1932 Dorfstraße 19-20._,, r,, Betty Ewald Werner Ewald Beisetzung der Urne Sonnabend, den 9. Januar. 15 Uhr, auf dem Gemeindefriedbof Tcmpclhof, Gormaniastraßu. Einfach fabelhaUdseBen-Coudi k« W 4 Technisch glänzend durchdacht! E Fordern Sie kostenlose Beschreibung PÄTENT-JAEKEL WarK9rafon-, Ecke Koehstr, n* AlMindffitriBa I4a. Petsdsner S'rfß« Iii b KLEINE ANXEIOEN Preise; Ubarschrlftswort 23 Pf., Taxtwort 12 Pf. Wiedarholungsrabotti 10 mal 5 Proj., 20 mal oder 1000 Worte Abschlufl 10 Proz., 2000 Wort« 15 Proz., 4000 Wort« 20 Proz. StellengMtiche• ubarjehrifts- wort 15 Pf.. 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