Wiederwahl Hindenburgs? Hitler bei Brüning und Groener Im Lsufc des heutigen Tages wird eine Aussprache Mischen dem Reichskanzler, dem Rcichswehrminister Dr. Groener und dem Führer der Nationalsozialisten Adolf Hitler stattfinden, deren Gegenstand im wesentlichen innerpolitische Fragen bilden. Dabei wird voraussichtlich das Verhalten der Nationalsozialisti- schen Partei zur Frage der demnächstigcn Reichs» Präsidentenwahl zur Erörterung gelangen. Das Conti-Nachrichtenbiiro gibt zu dieser Meldung noch folgende Ergänzungen: Die Besprechung hat Fragen der Reichspräsidenten- mahl zum. Gegenstand. Die Person des Reichspräsidenten bedeutet, das ist gerade in diesen Tagen bei Gelegenheit der Neu» jahrsansprachc wieder einmal ganz deutlich geworden, mit das stärkst« Aktivuin, das Deutschland in der Welt besitzt. Eine Wieder- wähl, des Reichspräsidenten non Hindenburg würde schon deshalb non größter Bedeutung sein. Bisher ist nur die Haltung der Rationalsozialistischen Partei zu einer dahingehenden Initiative un- geklärt, obwohl in letzter Zeit, so z. B. in Form der Neujahrs- glückwünsche Hitlers an den Reichspräsidenten eine gewisse Bereitschast zur Anerkennung der er st erwähn- ien Tatsachen zu erstarken scheint. Da es äußerst wünschenswert wäre, diese Frage schon vor den demnächstigen internationalen Konferenzen klarzustellen, ist die Besprechung zwischen dem Reichs- kanzler, dem Reichswehr- und-innenministcr und dem Führer der Nationalsozialisten im wesentlichen zu diesem Zweck anberaumt worden. Die Unterredung wird voraussichtlich noch heute stattfinden. «» Die geplante Besprechung Brünings und G r o e- riers mit dem Führer der Nationalsozialisten dient offenbar dem Zweck, die Stellung der Nationalsozialistischen Partei zu einem Plan zu erkunden, der die Regierung seit einiger Zeit beschäftigt. Dieser Plan geht dahin, die Wahl des Reichspräsidenten mit Rücksicht auf die katastrophale Wirtschaftslage und auf die schwebenden außenpolitischen Verhandlungen zu verschieben. Statt im Frühjahr d. I. soll sie im Herbst oder vielleicht erst nach Ablauf eines Jahres stattfinden. Um diesen Plan auf verfassungsmäßigem Wege durchführen zu können— und ein anderer Weg kommt nicht in Frage— bedarf die Regierung einer Zweidrittelmehrheit des Reichstags. Nun besteht der Reichstag aus S77 Mitgliedern, davon 110 Nationalsozialisten und 78 Kommunisten, zusammen 188. 193 Abgeordnete sind ober schon imstande, das Zustande- kommen einer Zweidrittelmehrheit zu verhindern. Es genügt also das Hinzutreten weniger Wilder oder kleiner Gruppen zu der grundsätzlichen Opposition, um den Plan der Regierung undurchführbar zu machen. Die Reichsregierung will begreiflicherweise nicht das Risiko laufen, mit ihrem Plan im Reichstag zu scheitern. Eine Abstimmung, bei der sie die notwendige qualifizierte Mehr- heit nicht erhält, wäre nicht nur für sie eine Niederlage, sondern auch für den Reichspräsidenten ein schwer zu tra- gender Prestigeverlust, der unter allen Umständen vermieden werden soll. Die Reichsregierung kann unter diesen Umständen nichts anderes tun, als bei den Parteien das Terrain sondieren. Sie kann sich dabei darauf berufen, daß bei der V e r l ä n- gerung der Amtsperiode Ebents im Herbst 1922 in ähnlicher Weise vorgegangen worden ist. Die Verlängerung erfolgte danach in der Reichstagssitzung vom 24. Oktober 1922 mit 314 gegen 76 Stimmen. Wenn übrigens die halboffiziöse Meldung sagt, daß in der Frage einer weiteren Amistätigkeit Hindenburgs„n u r" 10 Pf. flr. 10 B 5 49. Jahrgang erfcheinttäglich außerSonntags. Zugleich Abendausgabe des.Dorivärts'. Bczug<»rei« für beide Autgaben 7ü?f.»ro Woche, Z,?ö M. uro Monal daoon 97 Pf. monattich für Anstellung int.haut) im voraut jahlbar. P c st b e j n g z.g? W. einschließlich so Pf. Postgeitungt- und 72 Pf. Postbcstellgebühren. StuUcuiLgaße xlß6 die Stellung der Nationalsozialisten ungeklärt sei, so trifft das nach unseren Informationen nicht zu. Insbesondere ist bisher noch kein Versuch gemacht worden, die Stellung der Sozialdemokratischen Partei zu klären. Dies könnte in entscheidender Weise natürlich nur in einer «itzung der sozialdemokratischen Reichstagssraktion geschehen. Eine Einladung an die Führung der sozialdemokratischen Reichstagssraktion liegt zwar vor, die Besprechung selbst hat aber zur Stunde noch nicht stattgefunden. Für den Fall, daß sich eine Verlängerung der Amts- Periode des Reichspräsidenten durch den Reichstag als nicht möglich erweist, wird eine Wiederaufstellung der Kandidatur Hindenburgs für die Volkswahl erwogen. Es ist möglich, daß die Regierung auch über diese Frage mit Hitler zu sprechen beabsichtigt. Für die Nationalsozialisten entsteht eine taktisch überaus schwierige Situation, wenn sie sich für oder gegen Hindenburg entscheiden sollen. Eine Entscheidung fü< Hindenburg bedeutet für sie eine ungemein gefährliche Schwenkung. Ist doch bis in die letzten Tage hinein nicht In der Sundgebüng. die das Reichsbanner Schwarz- Rot-Gold am Freitag, dem 8. Januar, in den Germaniasälen in der Thausseestraße unter der Parole �lnser der Staat— Unser die Macht— wir greisen an!" veranstaltet. sprechen: Regierungsroi Dr. M n h l e. Landtagsabgeordnetcr Dr. G r z i m e k und dos Dundesratsmitglicd Dr. Schreiner. nur von Nationalsozialisten, sondern auch von Deutschnatio- nalen die rascheste Ersetzung Hindenburgs durch eine ihnen genehmere Persönlichkeit gefordert worden. Die Frage ist also: Wird Hitler sich verkaufen? Für welchen Preis wird er es tun? Und wird die Re- gierung Brüning diesen Preis bezahlen wollen? Diese Frage muß jetzt ganz eindeutig beantwortet werden. Von der Antwort hängt unendlich viel ab, besonders auch die weitere Stellung der Sozialdemokratie zu der gegenwärtigen Reichsregicrung und ihren Plänen._ Lausanne am 20. Januar. Briand nicht auf Abrüstungskonferenz. Paris, 7. Januar.(Eigenbericht.) Der„Matm" erklärt, daß der Beginn der Lausanner Repa- rationskonserenz wahrscheinlich auf den 20. Januar festgelegt werde, da die Berliner Bankierskonferenz über die kurzfristigen Kredits in dieser Woche noch nicht zum Abschluß kommen dürfte. Die Ziegierungskonferenz werde kaum von langer Dauer sein. Die Lösung für das Reparationsproblem werde darin bestehen, Deutschland ein einjähriges Moratorium ähnlich dem für die kurzfristigen Kredite zu gewähren. Es gebe die Möglichkeit, sest- zuftßllen, wie steh die wirtschaftliche Lage bis Juni 1933 entwickelt und was nach den amerikanischen Wahlen die endgültigen D'.s- Positionen Amerikas in bezug aus die interalliierten Schulden l sein werden. »eiu.w Donnerstag 7. Zanuar 1932 Dritte Ausgabe Anzeiseuvreis: Die einspaltige Nonvareillejeile 80 Pf.. Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto- Vorwärts- L erlag G.m.b.H., Berlin Rr. 375Z6.- Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Redaktion und Expedition: Berlin SW68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Dönhoff(A 7) 292—297. 3>as Siochttatfer bedroht iDeffati die Stadl zOefiau und ihre Umgebung find vom'JCocIuvaffer der mulde bedroht. Wunderte ton&rei- ttilligen arbeiten an der Sicherung durch 'Verstärkung der Stämme. KPD. will nicht kämpfen! Sie tut nichts, um den Sieg des Faschismus zu verhindern, sagt Trohki. £co T r o h k i hol seinen beiden Broschüren, Hegen den ZZationalkommunixmns" und„Soll der Faschismus wirklich siegen?" eine dritte folgen lassen:„70 i c wird der lialionalsozialismug geschlagen?" In dieser Strcitschrisl, die wie die beiden vorausgegangenen bei Gryle- roicj in �Neukölln erschienen ist, führt Trohki aus, dah auch er als Kommunist eine endgültige Zlnseinandersehung mit der Sostaldcmokralie wolle, dast aber diese Auseinandersehnng jrhl hinter die dringende Ausgabe des Kampfes gegen den Faschismus zurückgestellt werden müsse. Von diesen, Standpunkt ausgehend, erhebt Trotzki gegen die bornierte Führung der KPD., die immer nur auf die Sozioldemo- Hochwaffer-Eenkung PP' I __""w— � � � � W W Die Reichsregierung hat einen Senkungskommiffar für das Hochwasser ernannt. Dieser hat sich mit seinem Stabe bereits in das betroffene Gebiet begeben kratis losdrischt und damit den Sieg des Faschismus begünstigt, furchtbaren Anklagen. In den nächsten Monaten, schreibt er, müsse die Entscheidung fallen. Siege Hitler, sa seien alle aus Jahr« vorausberechneten „revolutionären Pläne" nichts als klägliches Geschwätz. Der Sieg Hitlers bedeute für die KPD. nicht nur physische Zerschlagung, sondern den politischen Bankerott. Weiter sagt er wörtlich: „Das ganze Unglück besteht darin, daß die Politik des Zentral- komitees der Deutschen kommunistischen Partei teils bewußt, teils unbewußt von der Anerkennung der Unvermeidlichkeit des saschifti- scheu Sieges ausgeht. In der Tat gehl in dem am 29. November veröffentlichten Aufruf zur„Roten Einheitsfront" das Zentral- komitee der KPD. von dem Gedanken aus, daß man den Faschismus nicht besiegen kann, ohne zuvor die Sozialdemokratie besiegt zu haben. Den gleichen Gedanken wiederholt in allen Tonarten Thälmann in seinem Artikel..." „Läßt sich hassen, daß die kommunistische Partei in den nächsten Atonalen sowohl die Sozialdemokratie als auch den Faschismus niederwirft? kein normal denkender ZNensch, der lesen und rechnen kann, würde eine solche Behauptung riskieren." Trotzki wendet sich noch einmal„gegen die dumme und schändliche Teilnahme der Kommunisten am Hitler-Lolksentscheid". Dann zerreißt er unbarmherzig den Schwindel, als ob man durch Loslösung der sozialdemokratischen Arbeiter von ihrer Partei den Kamps gegen de,, Faschismus wirksam führen könnte. Sozialdemo- kratische Arbeiter, die dazu bereit seien, seien vorhanden,„aber nicht in großer Zah l".„Der deutsche Arbeiter ist erzogen im Organisationsgeist und im Geist der Disziplin. Das hat seine starken wie auch seine schwachen Seiten. Die überwiegende Mehrheit der sozialdemokratischen Arbeiter will gegen die Faschisten kämpfen. aber— vorwiegend noch— nicht anders als gemeinsam mit ihrer Organisalion. Diese Etappe läßt sich nicht überspringen." Darum fordert Trotzki folgerichtig, daß KPD. und Sozioldemo- kratie getrennt marschieren und oereint schlagen sollen.„Sich nur darüber verständigen, wie zu schlagen, wen zu schlagen und wann zu schlagen! Darüber kann man mit dem Teufel selbst sich ver> ständigen, mit seiner Großmutter und sogar mit R o s r e und (?• r z e f i n s t i." Nur die Hände binden dürfe man sich dabei nicht. Trotzki versichert»och einmal, daß nur aus diesem Wege der Sieg möglich sei, um dann folgendermaßen zu schließen: „Aber diese» Sieg muß man wollen. Indes gibt es unter den kommunistischen Beamten nicht wenig feige Karrieristen und B unzen, denen ihr Plätzchen, ihr Ein- kommen teuer ist und noch mehr— ihre Haut. Diese Subjekte sind sehr geneigt, mit ultroradikalen Phrasen z» prunken, hinter denen sich kläglicher und verächtlicher Fatalismus verbirgt.„Ohne Sieg über die Sozialdemokratie kann man sich mit dem Faschismus nicht schlagen!", sagt solch ein schrecklicher Revolutionär und aus diesem Grunde besorgt er sich einen Reisepaß." „Arbeitcr-Kommunisten, ihr seid Hunderttausende, Millionen: ihr könnt nirgends wegfahren, für euch gibt es der Reisepässe nicht genug. Wenn der Faschismus zur Macht gelangt, wird er wie ein furchtbarer Tank über eure Schädel und Wirbelsäulen hinweggehen. Rettung liegt nur in un- barmherzigem Kamps. Und Sieg kann nur die Kampsesvertnüpfung mit den sozialdemokratischen Arbeitern bringen. Eilt, Arbeiter- Kommunisten, es ist euch wenig Zeit gelassen!" Soweit Trotzki. der Linkskommunist. In der offiziellen Kommu- nistenpresfe liest man von alledem kein Wort. Höchstens wird ad und zu die monotone Schimpferei über den sozialdemokratische:, „.Hanptseind" durch die Bemerkung unterbrochen, auch Trotzki je, ein„Agent der konterrevolutionären Bourgeoisie". Wo stehen wir? Hilferdings l�ede vor den Beiriebs-Vertrauensleuien Vor den sozialdemokratiseßen Vertrauensleuten der Berliner Betriebe sprarlz gestern abend Genosse Hilfer- ding über„Tic wirtschaftliche und politische Lage". Der Redner schilderte.zunächst, wie durch das Zusammentreffen von Agrar- und Jndustrickrise, das internationale Umsichgreifen dcr Kredit- und Währungskrise, die Zunahme der politischen Unsicher- heit usw. Deutschland in eine Situation gekommen ist, ans der ein Ausweg nur sehr schwer zu erkennen ist. Die Weltwirtschaftskrise bedeutet für Deutschland, daß fem Bolkseinkamenm von etwa 76 Milliarden Mark im Jahre 1929 ans etwa ZO bis 60 Milliarden Mark im Jahre l9Z0 und um weitere 10 bis 12 Milliarden Mark im verslassenen Jahr zurückgegangen ist. Wenn man diesen Zahlen gegenüberstellt, daß das gesamte Steuer- aufkommen in Deutschland rund 20 Milliarden Mark beträgt, so ergibt sich, daß dcr Anteil des B o i k s« i n k o m m e>, s an dem gesamten Steueraufkommen von rund ein Viertel im Jahre 1929 aus etwa ein Drittel gestiegen ist, der Steuerdruck also ganz belrächllich zugenommen hat. Aus diesem steigenden Steuerdruck erklärt sich auch zu in erheb- lichen Teil die Rebellion gegen den Staat, die sich fälsch- lichcrwcise sozialistisch nennt. Die wirtschaftliche Weltkrise, die durch die internationale Kredit- und Währungskrsie so ungeheuer verschärft worden ist, droht, eine internationale Handelskrise herbei- zuführen, deren Folgen nicht nur für Deutschland, sondern für alle mit dem Welthandel verbundenen Länder gar nicht abzusehen ist. Die augenblickliche Situation ist jedenfalls bedeutend schlimmer als sie während des Währungswirrwarrs der Jahre 1919 bis 192� war. Damals war die Welt wenigstens davon überzeugt, daß der inter- nationale Handel, der durch den Währungsverfall in Unordnung geraten war, wieder belebt werden muß. Heute dagegen gibt es viele kreise, die gerade in den Währnngsstürjen ein Allheilmittel zur Wiederbelebung der Konjunktur sehen. Diese beispicllojz Weltkrise kann nur überwunden werden durch eine Weltpolitit, die aus einer Zusammenarbeit der Nationen basiert. iDe beiden größten Nationen, die in erster Linie eine Politik der Verständigung treiben müssen, sind die französische und die deutsche Nation, denn alle Krisen, die in den letzten Jahren auftauchten, waren irgendwie verbunden mit einer Verschärfung des deutsch- französischen Verhältnisses. Die Lösung dieses Verhältnisses hängt wiederum eng zusammen mit der Reparationsfrage, die zu einer Schicksalsfrage auch wieder nicht nur für Deutschland, sondern für die gesamte Welt geworden ist. Aus dieser Erkenntnis dcr Dinge heraus müssen wir an die Regierungen den Appell richten: Ihr habt keine Zeit mehr zu vertieren, wenn ihr die Situation überhaupt noch meistern wollt! Aufgabe der Weltpolitit ist es, dafür zu sorgen, daß die Wunden, die durch die Politik der vergangenen Jahre der Welt geschlagen worden sind, wieder geheilt werden, wenn wir nicht in Zustände geraten wollen, die mit normalen Mitteln überhaupt nicht mehr zu beherrschen sind. Genosse Hilserding wandte sich dann einer kurzen Betrachtung der letzten Notverordnung der Reichsregierung zu, in der die Regierung mit Hilfe der Lohn- und Gehaltssenkung den utopischen Versuch unterstimmt, die Erporttähigkelt Deutschlands' zu erhallen oder gar zu steigern. Die Regierung übersiehi, daß die Lxporisähigkeit Deutschlands viel inniger mit den Währungsstürzen, Einfuhrkontingenten, Einfuhrverboten und der Devisenzwangswirtschaft verbunden ist. als mit den Löhnen und Gehältern der deutschen Arbeiter und Angestellten. Wenn die Sozialdemokratie die Regierung Brüning nicht stürzt, obwohl sie die Notverordnung für ein ungeeignetes Mittel zur wirksamen Kriscnbekämpfung ansieht, dann in erster Linie aus dem Grunde, um die Staatsmacht nicht den geschworenen Feinden des Staates, der Demokratie und der Arbeiterbewegung auszuliefern. Der Redner verwies auf die Broschüre Trotzkis„Gegen den Nationalbolschewismus", in der der Verfasser eine Politik, die den Gegnern des Staates die Staatsmacht in die Hände spielt, als Abenteurertum und Dummheit bezeichnet. Der Sturz der Regierung wäre angesichts der bevorstehenden Reichspräsidenten- wähl ebenfalls ein grober Fehler gewesen, dieser Volksabstimmung. auf die die Nationalsozialisten ihre größten Hoffnungen setzen. Von falschen Voraussetzungen gehen auch' die Parteimitglieder aus, die dcr Auffassung sind, man müsse Hitler gemeinsam mit dem Zentrum regieren lassen, damit er dem deutschen Volk seine Rcgicrungs- Unfähigkeit beweise. Die Vertreter dieser Aussassung gehen davon aus, daß die Deutschnationalen durch ihre Rcgicrungsbetelligung gewaltig an Wählerstimmen verloren haben. Sie übersehen aber dos für die Politik der Partei Entscheidende, daß sich die Deutsch- nationalen nach ihrer Regierungsbeteiligung den Wählermassen wieder stellen mußten, die Nationalsozialisten aber, einmal zur Macht gelangt, das Volk nicht mehr befragen würden Die Politik der parlei ist daraus abgestellt, des Faschismus Herr zu werden, ihn zu Überwinden. Wir werden den Faschismus nur überwinden, wenn wir wissen. daß der Kamps gegen ihn zugleich derKampf gegen den Kapitalismus ist, in dessen Sold die Nationalsozialisten stehen, und daß dieser Kamps gegen den Faschismus gleichbedeutend ist mit dem Kamps um die Erhaltung der deutschen Arbeiterbewegung und der Freiheit des delllschen Volkes. Wie auch die Entscheidung im Jahre 1932 aussallen mag, die Erschütterung des Kapitalismus wird bleiben, er wird aus dieser Krise in seiner alten Form nicht mehr erstehen. Dann werde den Unerschrockenen der Sieg gehören. In dcr ausgiebigen Diskussion bildete die Politik dcr Partei den Mittelpunkt. Die Mehrzahl der Redner zeigte für die Taktik der Partei Verständnis. Von den Gegnern dcr Beharrnngs- Politik behauptete G ü n t he r- Reukölln, daß die jozialdemokrat-.- sehen Wählermassen der Partei, obgleich das falsch ist, die Vcr- antwortung für die Notverordnungen der Regierung Brüning zu- schreiben. Die Politik der Zerschlagung der sozialen Grundlagen der Arbeiterklasse sei seiner Auffassung nach nicht geeignet, Hitler hintenan zu halten. Wir sollten uns nicht als Arzt des Kapitalismus fühlen, sondern das kapitalistische Wirtschaftssystem sich in seinen eigenen Widersprüchen verfangen lassen. Die Mehrheit der Versammlung stimmte diesen Ausführungen nicht zu. Genosse K ü n st l c r trat dcr Auffassung entgegen, daß eine opferreiche Politik auch eine falsche Politik sein müsse. Auch in der Politik sei es manchmal notwendig, militärisch-strategische Richtlinien, wie z. B. die des Generals Elausewitz, zu beachten. Für die Parteileitung war in den letzten Wochen nicht die„Tolerierung" der Regierung Brüning, sondern die Verhinderung des Bürgerkrieges das wichtigste. Würde die Partei eine Politik treiben, die es Hitler ermöglicht, auf parlamentarischem Wege die Macht zu ergreisen, so würden wahr- scheinlich viele Parteigenossen, die heute gegen die Politik der Partei sind, Reichstagsfraktion und Partei für das verantwortlich machen, was nach der Machtergreifung Hitlers eintritt. Es sei auch nicht wahr, daß die Sozialdemokratie ihre Anziehungskrast verloren Hab«: in Berlin sei z. B. das Gegenteil erwiesen. Falsch sei es auch, angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen Preußen schon als verloren anzusehen. Eine Armee, die sich selbst ansgibl, ist schon von vornherein geschlagen. Wir müssen mit der Zuversicht in den Wahlkampf gehen, daß wir den Feind vernichten werden. Bis zu den Maiwahlen wird sich in Deutschland noch manches ereignen was unsere Chancen verbessert. Das Jahr 1932 soll nicht nur für die Deutsche Republik und die deutsche Arbeiterschaft ein Entscheidungsjahr sein, sondern für die Sozialdemokratie das Siegesjahr. In seinem Schlußwort setzte sich Genosse H i l f e r d i n g besonders mit den Rednern der Opposition auseinander. Da es bereits Mitternacht geworden war, konnte eine ordnungs- gemäße Wahl dcr drei Mitglieder der erweiterten Bezirksleitung nicht mehr vorgenommen werden. Sie soll in einer neuen Konserenz stattfinden, die zu diesem Zweck besonders einberufen wird. Der Fall KPD. steht also ganz hoffnungslos. Trotzki ist aber selber zusehr in kommunistischen Irrtümern befangen, wenn er meint, ohne die deutschen Kommunisten sei der Sieg über den Faschismus nicht möglich. Die Sozialdemokratie kämpft seit drei- zehn Iahren gegen die Reaktion in Deutschland unter fortwähren- den wütenden Attacken, die die KPD. gegen ihren Rücken führt. Die Situation, in der sie sich befindet, ist ihr also weder neu noch ringe- wohnt, und sie hat längst die ihr entsprechende Taktik entwickelt. Die Sozialdemokratie wird den Sieg über den Faschismus erringen — den Sieg, um den die KPD. nicht kämpft, und den sie nach Trotzkis Zeugnis nicht einmal will! Wilder Streik bei Llllsteiti. Der Verlag 1111 st ein teilt mil: Infolge eines wilden Streiks eines Teiles unserer Hilfsarbeiter konnte die heutige Nummer der„B. Z. am Mittag" nicht gedruckt werden. Obwohl innerhalb des Vuchdruckgewcrbes ein« t a r i f- liche Vereinbarung mit allen beteiligten Gewerkschaften über die Lohnhcrabsetzung aus Grund der Notverordnung erfolgt ist. stellten die Hilfsarbeiter in unserem Betriebe unter kommu- nistischem Einfluß heute morgen die ultimative Forderung, von dem durch die Notverordnung vorgeschriebenen Lohnabbau Abstand zu nehmen, widrigenfalls sie die Arbeit nicht aufnehmen würden. Maginot gestorben. Unteroffizier- Kolonial- und Kriegsminister. Paris, 7. Januar. fEigenberichl.) Kriegsminister Moginol ist heule morgen um 2 Uhr gestorben. Er hatte am Mzud bereits das Bewußtsein verloren. Seine nächsten Rlilarbelter aus dem Kriegsministerlum weilten an feinem Sterbe- bell. Um'Ai Uhr morgens wurden die Leiche zum Kriegsministe- rium gebracht, wo sie tu einem zu einer Tolenkapelle umgestalteten Saal aufgebahrt weodea wird. Die Nachricht von dem plötzlichen Tod Maginots hat große Bestürzung heroorge-ufen. zumal noch am gestrigen Nachmittag mitgeteilt worden war. daß die leichte Besserung in seinem Be- finden Fortschritte mache. In später Abendstunde trat oder plötzlich ein« Verschlechterung ein, die jede Rettung aussichtslos erscheinen ließ. Maginot wurde 1877 in Paris geboren. Bis zu seiner ersten Wahl in die Kammer im Jahre 1910 war er Beisitzer im Staats» rat, dem obersten sranzösischen Gericht und Direktor der Abteilung für innere Angelegenheiten im Gouvernement für Algerien. Bei ollen späteren Kammerwahien blieben ihm die Wähler de- Maas- Departements treu. Er nahm als Unteroffizier im Welt» krieg teil und wurde Ende 1914 bei Vcrdun so schwer verletzt, daß er aus den, Heere entlasten wurde. 19l7 trat Maginot als Kolonialminister in die Regierung ein. Er war mehrmals Pensions- und Kriegsminister, u. a. in dem Kabinett des nationalen Blocks, das die Besetzung der Ruhr durchführte. Nachdem er während der Herrschaft des Linkskartells und des ersten Kadi- r.etts Poincarö nicht der Regierung angehört hatte, vertraute ihm Poincarö in seinem zweiten Kabinett das Kolonialministerium an. das er auch unter Vriand behielt. Tardieu übergab ihm vüeder das Kriegsministerium. das er mit Ausnahme der beiden kurz.'» Zeitspannen, in denen die Linkskabinctte Chautemps und Steeg an der Macht waren, beibehielt. Massenmörder verhastet. Sechs Mädchen an der polnischen Grenze vergiftet. Warschau, 7. Janrar. Wie ans w i l n a gemeldet wird, haben die polnischen Sicher- heil-be Hörden in einer Ortschaft dicht an dcr oslpreußischen Grenze einen oesährlicheu Massenmörder verhaslct. vor kurzem siüchtele aus Ostpreußen aus polni- > ch e s Gebiet ein Mann namens Alfred k ü r n i,. bei vo» der deuischen Polizei gesucht wurde, weil er im verdacht staud. in Ostpreußen drei Mädchen ermordet zu haben. In Mitlluowz in Polen starb nun vor kurzem unter sonderbaren Umständen ein zehujähriges ZNädcheu, die Tochter des Bestlzer» des Hauses, in dem kürnis seil geraumer Zeit ein Zimmer bewohnte. Der verdacht siel auf kürnis, der' verhaftet wurde. Er gestand, ans polnischem Gebiet bereit» drei unmündige Mädchen vergiftet zu haben. Zusammen hat also Sürnls sechs Opfer auf dem Gr- wissen, die er sämtlich vergiftet hat. Der Finanzausgleich Gefährdung der Selbstverwaltung Der Finanzausgleich ist eines der schwierigsten Probleme der Lsfentlichen Finanzpolitik und die Art, in der dieses Problem gelöst wird, ist von größter Bedeutung sur die Entwicklung der öfscntliche» Wirtschaft, die Höhe und Verteilung der Sleuerbelastung lind das Schicksal der Selbstverwaltung, Die Ordnung des deutschen Finanzausgleichs ist nach durch die Rivalität von Reick, und Landern besonders erschwert. Die deutsche Finanzgeschichte vor und nach dem Kriege ist von ständigen Kämpfen um den Finanzausgleich erfüllt, ohne dag es bisher gelungen wäre, ein« brauchbare Lösung zu finde», Jetzt ist die Reihe der Resom, Vorschläge, die dwscm unglücklichen Zustand ein Ende machen wollen, durch einen neuen Vorschlag vermehrt worden, dem besondere Bedeutung zukommt, Der frühere Staatssekretär im Rcichsfiiianzministerium Dr. P o p i tz hat einer privaten„Studicngesellschait sür den Finanzausgleich" ein umfangreiches Guiachten über„den künf- tigen Finanzausgleich zwischen Reich, Ländern und Gemeinden" erstattet. Dieses Gutachten(das im Verlage von Otto Liebmonn, Berlin, erschienen ist) unternimmt es, neue Wege für die Gestaltung des Finanzausgleichs zu weisen, die, wenn sie beschritten werden, zu einer umfassenden Reuordnung unserer gesamten öffentlichen Finanzwirtschast führen müssen, Im wesentlichen bringt das Gutachten folgende Vorschläge: t. Die Grundlage sür die gesamte kommunale Finanz- Wirtschaft soll eine einheitliche Finanzordnung bilden, die nach dem Muster der Reichshausholtsordnung entworfen ist. Sie soll eine Haushaltsordnung, Vorschriften über die Anleiheaufnahme, über die Verwaltung der öffentlichen Unternehmungen, über das Gemeindebeomtenrecht und die Durchführung der Rechnungslegung und Rechnungsprüfung enchalten, 2. Das G c m e i n d e st c u c r s>, st e m soll in folgender Weise umgebaut werden: Die Hauszinssteuer wird abgebaut und teil- weise durch eine Wohnung? st euer ersetzt, die in ein festes Verhältnis zu den Reolsteuern gebracht wird.(Diese Vorschläge sind durch die Notverordnung vom 8. Dezember 1331 zum Teil überholt.) Die Gewerbesteuer soll um 43 Proz. gesenkt werden. Die Bürgersteuer soll aus die Personen beschränkt werden, die nicht wohnungsstcuerpflichtig sind. Die Bier- und Getränkesteuern der Gemeinden sollen in eine lOprozcntigc Ausschanksteuer umgewandelt werden. 3. Soweit der Finonzbedarf der Gemeinden durch ihre eigenen Steuern nicht gedeckt wird, sollen Stoatszuschüsse und Finanz- Zuweisungen gewährt werden. Die Staatszuschüsse sollen sich vor allem auf die persönlichen Lolksschullasten. die Polizeikosten und die Wegelasten beziehen, ähnlich wie es bereits in Preußen der Fall ist. Die Finanzzuweisungen sollen an die Stelle der jetzigen Rsichssteucrüberwcisungen treten. Sie sollen nicht mehr nach dem örtlichen Auskommen, sondern aus Grund objektiver Be- darfsmaßstäbe verteilt werden. Für die«ine Hälfte ist ein Ver- tcilungsschlüssel nach der Einwohnerzahl vorgesehen, der die mit der Größe der Gemeinde wachsenden Verwaltungskosten berücksichtigt, für die andere Hälfte soll der Anteil der Lohn- und Gehalts- empfänger und ihrer Familienangehörigen an der Gesamtheit der Gemeindebevölkerung maßgebend sein. 4. Ein« Sonderregelung ist sür die E r w c r b s lo s« n s ü r- sorge vorgesehen. Popitz erklärt, daß die Arbeitslosenver- sicher ii ng oersagt habe und daher mit der Krisenfürsorge und der Wohlfahrtspflege in einer einheitlichen Arbcitslosensürforgc aus- gehen müsse, deren Verwaltung den Gemeinden übertragen werden soll. Die Finanzierung dieser Fürsorge soll durch eine besondere Notobgabe erfolgen, zu der Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Beamte unter Anrechnung der bisherigen Beiträge zur Arbeitsloscnoersiche- rung, der Krisensteuer und eines Teils der Gehaltskürzung heran- gezogen werden sollen. Diese Vorschläge sind zweifellos sehr beachtlich. Während at'er Popitz wiederholt betont, daß er sich nur von f i n a n z w i r t- fchastlichen Zielsetzungen leiten lasse, geht doch au» dem Gutachten klar hervor, daß seine Vorschläge von bestimmten poli- tischen und wirtschaftlichen Grundeinstellungcn ausgehen, die wir nicht teilen können. In erster Linie gilt das von der Absicht, den össenilichen Aufwand weiler herabzudrücken. Soweit es sich nur darum handelt, die ösfentlichen Finanzen so rationell wie möglich zu gestalten und jede unwirtschaftliche Ver- Wendung öffentlicher Mittel zu bekämpfen, können wir die Forde- rung von Popitz nur unterstreichen. Popitz ist aber darüber hinaus offenbar ein grundsätz- l i ch e r Gegner einer Ausdehnung der öfscnt- l i ch c n Betätigung. Aus dem gleichen Grunde tritt er auch für die Beseitigung der Arbeitslosenversicherung ein, was einen ver- kappten Abbau der Unterstütziingssätzc bis auf den Stand der Wohl- sahrtspflege bedeutet. Ebenso verlangt er, daß die Tätigkeit der Gemeinden auf dem Gebiet des Wohnungs- Neubaues unterbunden wird. Der zweite gefährliche politische Gesichtspunkt ist der Kampf gegen die Auswirkungen des allgemeinen Wahlrechts in den Gemeinden. Dies ist der tiefere Grund für die weitere unsoziale Umgestaltung des S t« u e r s i) st e m s, die Popitz vorschlägt. Es genügt ihm nicht, daß heute die breiten Massen schon durch Bürgersteuer, Biersteuer, Eetränkesteuer, Grund- steuer und die W-rk-tarife ganz außerordentlich stark zu den G-- meindelasten beitrogen. Es soll auch noch eine Wohnsteuer hinzu kommen, die so gestaltet werden soll, daß jede Erhöbung der Ge- werbcsteuer zugleich eine Erhöhung der Mietcrbelastimg nach sich zieht. � Popitz stellt seine Vorschläge als einen Wiederausbauder Selbstverwaltung dar. Auch das ist sehr fragwürdig. Denn zugleich werden die staatlichen Kontrollen in einer Weise aus- gedehnt..die auf manchen Gebieten einer völligen Reglemen- tierung gleichkommt. Insbesondere sind die Vorschläge über die öffentlichen V e r s o r gun g s b e t r: c b e, die in der Aufhebung ihrer Steuerfreiheit gipfeln, eine schwere Gefahr sür die Gemeindewirtschaft. Diese wenigen Beispiele verdeutlichen, daß es sich bei dem Gut- achten von Popitz nicht nur um die ausgezeichnete Arbeit eines Sachverständigen von Rang handelt, sondern um den Blan, bestimmt« politische Absichten durchzusetzen, einen Plan, den die Arbeiterschaft mit der größten Wachsamkeit weiter verfolgen muß. Sprechchor sür Proletarische Feierstunden. Donnerstag, 7. Januar, 20 Nhr, im Gesangssaal der«vphienjchule, Weinmeister- jtraße IS/1!, Uebungsftunde. � r.- Die Mufikknse u Die mißliche Lage unseres Musiklebens wird aus verschiedene Gründe zurückgeführt. Selten aber wird bei ihrer Erörterung ver- säunit, auf die sillschlicherweise so genannte niechonische Musik hinzu- weisen, und insbesondere den Rundfunk. ois das Hauptübel zu be- zeicknen, das Konzert und Oper in ihrer Eristenz aufs schwerste bedrohe. Da der Rundfunk meist als bequemes, ober durchaus minderwertiges Surrogat dieser geheiligten Formen des Musik- leben? angesehen wird, andererseits aber finanziell beneidenswert unabhängig ist, liegt es nahe— und es geschieht ja oft genug— von ihm weitestgehende Unterstützung des gesamten übrigen not- leidenden Dinsiklebcns zu verlangen. Genau ja wie von Zeit zu Zeit immer wieder die Forderung auftaucht, die Kinos müßten eigentlich die Theater über Wasser holten. Die Zlrl'citcrschaft kann solchen Erwägungen durchaus nicht gleichgültig gegenüberstehen. Der Rundkunk ist das große Instrument, das ihr in richtiger Anwendung die Musik wiederzugeben vermag, die ihr solange vorenthalten war. Um diese richtige Anwendung sowohl auf feiten des Senders als auf der des Höhrers erreichen zu können, muß sie sich über das Verhältnis von Kunst und Technik, von Musik und ihren Rc- produktionomöglichkesten klar zu werden suchen. Zunächst: der Runds unk ist weder schuld an deni Verfall des Konzerts, noch hat er die Oper zu- gründe gerichtet: die Schwierigkeiten liegen in ihnen selbst. in ihrem historischen Gewordensem, in ihrer sozialen Bedingtheit, und begannen schon zu einer Zeit, als es noch gar keinen Rundstink gab. Er Hot höchstens eine Eniwicklnng beschleunigt, die ihre Ur- fachen sowohl im rein Musikalischen wie im Gesellschaftlichen hat. Wären diese Erscheinungsformen unseres Musikiebens noch so lebensfähig gewesen wie zur Zeit ihres Glanzes, dann hätten ihnen Schallplatten und Rundfunk nicht zu schaden vermocht. Konzert und Oper des 19. Jahrhunderts hatten die große Masse immer leer ausgehen lassen: wenn jetzt mit Hilfe der modernen Technik ein Sozialisierungsprozeß einsetzte, der vor allem diese Massen erfassen wollte und erfaßte, so hätte dies der anspruchsvollen Kunstllbung einer relativ kleinen Oberschicht durchaus nicht zu schaden brauchen, wenn diese Schicht sich in demselben Maß wie früher hätte behaupten können, von allem: wenn die Lebensgewohnheiten dieser Schicht allgemein gültige Ideale geblieben wären. Theoretisch hätten alte und neue Formen sehr gut nebeneinander eristieren können, wie sie ja jetzt in der Praxis noch ein« gute Weile nebeneinander herlauien werden. Trotzdem ist es verkehrt, sie in einem Namen zu nennen, sie miteinander zu vergleichen, gegeneinander abzuwägen— sie in innige Beziehung oder gar finanzielle Abhängigkeit voneinander zu bringen: sie haben durchaus verschiedene Ent- Wicklungsrichtungen- Das Konzert hat sein« Höhepunkte längst überschritten und ist im Absterben begriffen: der Rund- s u n k hält erst bei den bescheidenen Ansängen ungeahnter Zukunstzmöglichkciten. Das Konzert Hot eine ausgesprochen aristokratische Tendenz, es geht vom Werk ans, dessen Wert ihm absolut erscheint: der Rundfunk dagegen vom Hörer oder Hörer- schichten, deren Bedürfnissen sich anzupassen er willens ist. Das Konzert ist, seinem ganzen Wesen nach, historisch orientiert: der Rundfunk braucht vor allem Verankerung in der Gegenwart. Dos Konzert ist immer auf einen Stand, eine Klasse, einen bestimmten Reifferscheid und Münchener Meler. Im Verein Berliner Künstler. Zur Feier des 63. Geburtstages von Heinrich Reiff er- scheid stellte der Verein Berliner Künstler in seinem neuen Hause Tiergartenstr. 2a. eine Kollektion seiner Gemälde aus. Das liebens- würdige, lebensheitere Temperament dieses gebürtigen Rheinländers spricht sich im Oelbild nicht ganz so unbefangen aus wie in seinen hellen zarten Aquarellen, die voll künstlicher Frische der Landschasts- stimmung und Menschendarstellung sind, und in seinen ernsten und noblen Radierungen, in denen er einer dichterisch beseelten Land- schafisauffassung eindringliche Form- verleiht. Auch unter den Ge- mälden ragen die Landschaften aus Oberbaycrn durch die Frische, mit der gnines Land und Attnofphäre gegeben und zum Einklang gebracht sind, und die schönen Vlumenstücke hervor. In den Räumen seines Künstlerhaufes in der Bellevuestraß« hat der gleiche Verein eine Sammlung von Münchener Kunst- lern als Gäste ausgenommen. Man hat nicht oft Gelegenheit, eine so gute Auswahl von Münchsnern zu sehen. Eine gewisse Leichtigkeit und Anmut des Handwerks, eine optimistische Phantasie und Ablehnung unbequemer Problematik dürfte das Kennzeichen dieser Kunst sein. Was man diesmal gern und mit Nachdruck gern vermißt, ist die Großspurigkeit und dekorative Leere, an denen man früher die Münchener schon von weitem erkennen konnte. Eympa- thisch solide Malerei findet man bei Kattner. Julius Heß und dem interessanten E u l e r: vorherrschend bleibt das Streben noch geschlossener Komposition, ebenso im Figürlichen— bei L a s s er(dessen Apfelernte weich und dicht zugleich ist), Scharl. Unold(der seine Form sehr geklärt und gesttafft hat). Teutsch und T r o e n d l e— wie in der Landschaft, die Wolf Panizza und Geigenberger in ein Gerüst stark suggestiver Linien spannen. Unter den Bildhauern erfreut Toni Stadler durch natür- liches plastisches Empfinden und. von der Porzellankunft her bekannt, Ruth Schaumonn durch straffe und reiche Form- gebung und Innigkeit des Empfindens in ihren schlanken Gestalten. p. k. sali. Marlene Oieirich als„X 21". Lapitol. Als Nachzügler der deutschen Spionage-filme, die wir bereits gehabt haben, wird uns jetzt ein amerikanischer serviert. Manuskript und Regie stammen von Joses von S t e r n b e r g. Die 5?andliing spielt im Jahre 1915 und bringt Episoden aus dem Kampf des russischen und österreichischen Spionagedienstes gegencinundcr. Der Matador der Oesterreicher ist ein« uerwitwetc Offiziersfrau, die von dem Ehes des Geheimdienstes auf der Straße entdeckt wird. Sie bringt einen österreichischen Verräter durch die geschickte Ausnutzung ihrer weiblichen und sonstigen Talente zu Fall� Die Hauptsensation aber besteht in den Abenteuern, die sie als Spionin im russischen Hauptquartier(als Bauernmädchen verkleidet) mit dem russischen Spion Kranau erlebt. In Wien hat er sie überlistel, an der Front überlistet sie ihn. nachdem er ihrer Schönheit seinen Tribut erstattet hat. Die Oesterreicher siegen, unter den Gefangenen ist der Russe. dem die Spionin aus plötzlicher Liebeslaune zur Flucht verhilft. Sie wird zum Tode verurteilt und erschossen. Sternberg wandelt in den Spuren seiner Vorgänger, und wo er originell wird, ahmt er seinen Landsmann Stroheim noch. Cr läßt die Spionin, die weder das Leben noch den Tod fürchtet, zum Sästuß eine spielerische und dos Migsollen des Publikums herausfordernde Haltung einnchmeu. Sie verhöhnt auf ihre Weif« das Kriegs- id der Kundfunk Kreis.abgestimmt: der Rundfunk muß selbstverständlich auch die Gruppenbildungcn innerhalb der Gesamtheit berücksichtigen, er iim- saht aber olle diese Kreise und macht darüber hinaus den Versuch. olle in einem großen Kreis zusammenzuschließen. Die Wi-'knng, die der Rundfunk haben könnte, wird nicht nur durch die technischen Mängel vorläufig noch erheblich gemindert, auch organisatorisch könnte vieles besser sein. Hierher gehört die immer wieder erhobene Forderung, einen größeren Prozentsatz der F u n k g e b ü h r e n dem Rundsünk selbst zugute kommen zu lassen, für den sie schließlich gezahlt wird: die Forderung in der Zeit bitterster Not aller Musiker, keine Schallplatten zu senden, so glücklich die Verbindung von Funk und Platten an und für sich ost sein mag(der Konflikt zwischen Schallplattcnindiistric und Rundfunk ist dieser Forderung in jüngster Zeit zu Hilse gekommen). Ferner: Warum wird alle Musik von Palestrina bis Strawinski übertragen, da man doch längst weiß, daß sich ein nicht geringer Teil für diese Uebertragung vor- läufig nicht eignet? Warum werden Werke, die in der Origina!- fassung nicht„durchkommen" nicht bearbeitet? Worum sind die Fiinkorchester vielsach schlechter als die notleidenden Konzertarchestsr? Warum beschästigen sich die Komponisten so wenig mit den Eigen- hcitcn des Rundfunls? Worum wird dos wichtigste so ungeheuer vernachlässigt: einen eigenen Funk st il zu finden, sür den nur schwache Ansätze vorhanden sind, der ebenso notwendig ist, wie der vom Theater abgelehnte Filmstil? Warum gibt es in den Funk- palästcn und prominenten Stellungen so viele musikalische Außen- seiter? Warum ist endlich die Funktritik immer noch minder- wertig, da hier doch die Verantwortung unendlich viel größer ist als beim Konzert? Es mag hier gerne zugegeben werden, daß der Rundsunt, wie er heute ist. eine Zwittcrstellung einnimmt: einerseits muß er sich seiner Sendung als voraussetzungslose Mufikübermittlunngsstelle für weiteste Kreise bewußt bleiben, andererseits will er auch vor- aussetzungsreiche Musik übertragen: er will gleicherweise eine? erzieherischen Aufgabe und einem ästhetischen Musikideal dienen, er unternimmt es, die intensive Musikkilltur zu fördern und daneben eine extensive neu ailjzubaucn. Will man ein richtiges Bild ge- Winnen, muß man die verschiedenen A n f g a b e n k r e i se auseinonderhalten. Es geht nicht an, von einem absoluten Musik- ideal ausgehend, ein Instrument beurteilen zu wollen, das ein lebendiger und großartiger Beweis für die Relativität musikalischen Lebens iit: es geht nicht an, da von einer„Nivcllierung nach unten" zu sprechen, wo es sich in Wahrheit um eine Gr und st ein- lcgung musitalischcr Kultur handelt, um einen Ausbau von unten in einer noch nie dagewesenen Breite. Es ist also nicht wahr, daß der Rundfunk an der musikalischen Misere unserer Tage schuld ist, die übrigens keine Misere der Musik ist, sondern eine der bisher gültigen Formen össenilichen Musizicrens. Es ist ein herrliches Instrument, dessen segensreiche Wirkungen durchaus nicht nur von den Verbesserungen der Ingenieure ob- hängen, sondern mindestens ebenso von den Einsichten der Sendegesellschaften und— nicht zuletzt— der Vernunft und dem Willen der Hörer. Krnold Walter, gericht, läßt sich als letzten Wunsch ein Piano in die Todeszelle kommen und wischt einem mitleidigen Soldaten an der Exekutions- stelle die Tränen aus den Augen. Hätte Sternberg den Mut zur Gesamttendenz gegen den Krieg, so hätten diese Episoden einen Sinn. Marlene Dietrich ist ganz aus kalt eingestellt. Sie muß möglichst harmlos und naiv aussehen, damit der Kontrast der Spioniii und Verführerin umso größer wird. Sie hat natürlich große Momente(auch abgesehen von den Szenen, wo sie mit ihren schönen Beinen operiert). Im ganzen hat man den Eindruck, daß die Amerikaner sie nicht immer richtig verwenden.„Der blaue Engel", ihr erster großer deutscher Film, bedeutet immer noch den Gipfel ihrer Leistung. Victor Mc. L a g l e n macht gute Figur als russischer Spion.— r. Ein Frouenreferal am Deutschen hygiene-Aluseum. Dos Deutsche Hqgiene-Musemn in Dresden erweitert augenblicklich seinen Wirkungskreis um ein Frauenrcfsrat. Das Frauenreferat befaßt sich mit allen Fragen der hygienischen Lebensgestaltung für die Frau und durch die Frau. Interessierten Stellen wird die Möglich- keit geboten, einschlägiges Materiol in Form von Artikeln, Flug- blättern, Bildtafeln, Vortrags- und Kuvsusprogrcmrmen usw. anzu- sondern. Besondere Leistung wird zu erwarten sein von der Zu- sammenstellung von Wanderausstellungen und der Beschaffung von Unterrichtsmaterial. Soelhs und das heutige Schrifttum. Die Goeche-Gcdüchtnis- Woche in Weimar vom 23. bis 28. März wird auch dem heutigen deutschen Schrifttum Gelegenheit geben, sich zu Goethe zu be- kennen. Am 21. März wird in der Weimar-Halle Thomas Mann sprechen, während am Ostersonntag Gerhart Hauptmann das Wort ergreifen wird. Voraussichtlich wird auch Walter von Molo als Redner gewonnen werden. Wohin kommt das Düsseldorser Heine-Denkmal? Während die Frist zur Einreichung der Entwürfe für das Düsseldorfer Heine- Denkmal noch läuft, wendet sich Herbert Eulenberg, einer der eifrigsten Vorkämpfer für die seit langem geplante Ehrung, dagegen, das Denkmal in dem Ehrenhof gegenüber dem neuen Reichswirt- schaftsmufeuni aufzustellen. Er tritt dafür ein, dem Dichter seinen Platz unter dem unmittelbaren Schutz der Bürgerschaft mitten in der Stadt, und zwar innerhalb der Altstadt, anzuweisen. Die Büchergilde kündigt drei Neuerscheinungen sür das 1. Quartal 1932 an, und zwar den China-Roman„Schanghai" von Alymow, die„Proletariernovellen" von Martin Anderson Nexö und„Geschlecht und Liebe" von Dr. Mar Hodann. „Don Frettag bis Donnerstag" von Karl Hermann P i l l n e y s, des bekannten Pianisten erstes inufikalifches Zeitspiel, gelangte unter der Regie von Paul Belker im Wiesbadener Staatschcc.ter mit durchschio-gsiÄem Erfolg zur Erstaufführung. Das Textbuch schrieb Br. Schörilo nk. Maria Jvogüu singt in der Liedermatince der Bnlkäbühnc Sonn- tag, 11.83 Uhr, im Theater am Bülowplay unter anderem pie Arie der lidlich(SWcrllang) aus Mozarts„Ter Sckiauirieldirektor", Lieder von Schubert, Delibes„Die Mädchen von Codi;". Volkslieder»ud den Früh- lingiilimmenwalzer von Johannes Strauß. Am Flügel Michael Rauch- eise». Ter Artiitcu-Sostümball, den die Internationale Arttsten-Loae zu- Minsten notleidender Artisten veranstaltet, sindet am S. Januar in der Philharmonie statt. Hervorragende Künstler des Barietäs und Kabaretts stellen das Programm. Albert Basscrmann In der Volksbühne. In Alexander MoisssS Nopo» leon-Drama..Ter große Geiangene", da- als nächste Premiere der Bcr- Imcr Volksbühne am 21. Januar in Szene geht, spielt Albert Basserman» die Titelrolle. Die Regie sührt Jacob Geis. „Die Jungen von Man»" von Friedrich Wolf gelangen ab 9. Januar täglich 8>,t Uhr im T h a l i a- D h c a t c r als Gastspiel der Bollsbühncn- schauspieler mit Agnes Straub wieder zur Aiistühnms. Die Vereinigten Stahlwerke. Sie sind immer noch beim Abbau. Düsseldorf, 7. Januar.(Eigenbericht.) Die Bereinigten Stahlwerke beabsichtigen neue Arbeiterent- lassungen. Geplant ist die Entlassung von rund lZOo Arbeitern der Lcrgbaugruppe Hamborn, die Ende Januar erfolgen soll. Die M a n n c s m a n n- R ö h r e n w c r k e haben für ihre Abteilungen in Gelsenkirchen die Kündigung von etwa 1000 Arbeitern, ebenfalls für Ende des Monats, ausgesprochen. Die Absatzziffern des Ruhrbcrgbaus haben sich weiter vcr- schlechiert. Welter für Berlin uud Umgegend: Unbeständiger Witterungs- chavakter mit einzelnen Schauern und langsam weiter ansteigenden Temperaturen, abflauende, aber noch böige westliche Winde.— Zur Deutschland: Noch überall unbeständig mit einzelnen Schauern und langsamem Tcmpcraturrückaang. in den Gebirgen neue Schneefälle. 'ßMuäi föiUige und prakUfche Jtamlbücher Die wirtschaftlich angespannte Zeit verlangt auch) auf dem Büchermarkt ein herabsetzen aller Preise und dementsprechend eine Einstellung der Produktion auf das billige Buch. In erster Linie stehen die Bücher des täglichen, praktischen Gebrauchs, die Hand- bücher, unter dieser Parole. Der Bcrlag des Bibliographischen In- stituts Leipzig legt zwei Werke vox, die den Anforderungen der wirtschaftlichen Notzeit entsprechen und doch wissenschaftlich und buchtechnisch auf der höhe sind.„M c y e r s Blitz-Lexikon, die Schnellauskunft für jedermann in Wort und Bild"(Leinen, 1933), bringt auf 760 Seiten im Grohoktav 3S 000 Stichwörter aus allen Gebieten des Wissens, der Technik, der Kunst der Wirtschaft, der Politik usw. Die Angaben sind naturgemäß äußerst knapp und schlagwortartig, manchmal wohl zu sehr gedrängt. Sie werden aber vorteilhaft unterstützt von 8 Karten und 2481 Abbildungen im Text und auf 71 teils mehrfarbigen Tafeln. Diese außerordentlich reichhaltige Bebilderung ist in unserer Zeit, in der Anschaulichkeit so hoch im Wert steht, besonders hervorzuheben, um so mehr, als die Wiedergabe der Bilder und vor allem der Tafeln erstklassig zu nennen ist. Das zweite preiswerte Buch des Bibliographischen Instituts ist„M e y e r s B o l k s» A t l a s", ein Kartenwerk mit 34 sechs- farbigen Haupt-, S2 Nebenkarten und einem alphabetischen Namen- Verzeichnis mit rund 30 000 Stichworten(Großoktao, Leinen, 1932). Dieser handliche Taschcnatlas hat neben dem angemessenen Preis den Vorzug, daß die auf den neuesten Stand gebrachten Karten in einer Größe gedruckt sind, in der sie praktisch zu gebrauchen sind. Die Größe der Maßstäbe und die Qualität des Farbendrucks sind weitere Vorzüge des Atlas, der für Zcitungsleser ebenso wie für den Schul- und Bürogebrauch recht zu empfehlen ist. Im. Verlag Th. Knaur Nachf., Berlin, erscheint„K n a u r s Welt-Atlas", vollständig neue Ausgabe 1932. Das handliche Buch hat 40 farbige Haupt- und Nebenkarten, 90 statistische und Spezialkarten und ein alphabetisches Verzeichnis von über 20 000 geographischen Namen. Ein besonderer Vorzug dieses bekannten und beliebten Welt-Atlas ist der auf 192 Seiten dargestellte gco- politische Text mit den neuesten statistischen Angaben über alle Länder der Erde, die in Diagrammen und zahlreichen Tabellen vor- geführt werden. � Wilhelm Tietgens. Donnerstag, 7. Januar: Berlin. 16.30 Orchesterkonzert. Karamer-Sinf.-Orch. Dir.: Edvard Tendier. I. J. S. Bach-Reger: Ana. Z l'h E. Bach: Konzert für Cello A-.Moll(Paul Hermann). 3. J. Haydn: Sinf. D-Dur. 17.30 Dr. Elis Luhrany: Unter Wüstenreitern. 17.50 Dr. Fritz Weinberg: Devisen-Notverordnungen im Recht. 18.20 Fritz Corsing: Eine Erzählung. IS.45 Die Funk-Stunde teilt mit... 18.50 Stimme zum Tag. 19.00 Unterbaltungsmus'k 20.00 Prof. Franz Pähl: Naturwissenschaft und Technik im Zeltalter der Französischen Revolution. 20.30..Der Postillon von Loniumeau". Komische Oper von A. K. Adam. 22.00 J. Räuscher: Zeitungsscbau. 22.20 Wetter-, Tages- und Sporinachricbten. Tanzmusik. Königswusterhausen. 16.00 Dr. Lorenzen: Die Behandlung ländlicher Siedlungsfragen In der ländlichen Fortbildungsschule. 17.30 W J Sommerfeld; Schicksal der Balten. 18.00 Prof. Dr. W. Haas: Geheime Gesellschaften. Bünde und Sekten. 18.30 Spanisch für Fortgeschrittene. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 Prof. Dr. Fehr: Wie kann die Lage des.Milchraarktes verbessert werden? 19.30 H. Ph. Weitz: Aus der Frühgeschichte des deutschen Rundfunks. 20.00 Aktuelle Stunde. Berantwnrtl. für hie tHcbnftion; Aich. Bernstein, Berlin; Anzeigen: Th. Glocke, Berlin. Peelao: Sotrodtts Verlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts Budi- drnckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Verlin SW 68. Lindenstr. 3. Hierzu 1 Beilage. �(Befchäfi#-Jttselger � föezirß yiorden-Cften Neu s Neu! 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HUZI C3ROSSDESTILLATION Ppinzessinnenstrassa 17 Sitten- Ecke Braoitentiurgstr. (Beilage Donnerstag, 7. Januar 1932 BprjUipni) SfuUauiQaße-dei Vwoifk Arbeitslosigkeit unö Lanöjugenl Ergebnis einer Antersuchung/ Von Fritz Hnmkc, Wolgast(Pommern) ?n feiner Konsequenz erwerbslos gleich mittellos ist der Bc- griff Arbeitslosigkeit absolut. Relativ ist nur die Einstellung zu ihm. Sie ist gegeben durch Milieubedingtheiten, die wieder nach Stadt(Kleinstadt) und Land verschieden sind. So opti- mistisch es klingt: die o st elbische Landjugend kennt Arbeits- losigkcit nur vom Sagcnhören. Dabei ist zu berücksichtigen, daß gerade die K a t e n j u g e n d der ostelbifchcn Gutsdörfer jähr- hundertelang derart bedürfnislos aufwachsen mußte, daß ihre Daseinswünschc über die Ansprüche, zu„essen und eine warme Stube zu haben", nicht hinausgehen. Sind diese erfüllt, fühlt sie sich geborgen und versorgt. In der Tat garantiert das Deputat- Verhältnis, überwacht und geregelt vom Landarbeiterverband, diese beiden animalen und minimalen Erfordernisse. Es gestattet, zum Stück Brot ein Stück Speck zu hoben. Gerade jetzt zur Ein- schlachtczcit fühlt sich das Lankkind gesichert. Ein Elfjähriger schreibt au- diesem Gefühl ehrlich:„Wir im Dorfe merken die Not nicht so als die in der Stadt, wo es viele Arbeitslose gibt. Manche kommen ins Dorf und betteln. Wir geben ihnen auch ein Stückchen Brot. Wir haben ober auch nicht viel zu geben." Die Mutter dieses Jungen verteilte an einem Tage ein ganzes Brot an Arbeits- Zofe der nahen Kleinstadt. Rechnet man etwa zwanzig gute Schnitten gleich zwanzig Bittende, so gibt das dem Kinde ein sehr eindringliches Bild von der Not. Der Elfjährige spricht die Grund- auffassung unserer vorpommerschen Gutskindcr aus. Allerdings auch in dem Schlußsatz, den der junge Prolet weniger aus„Essen und Trinken" als auf„Kleider und Schuh" instinktiv bezieht. Schon zu normalen Zeiten war bei den Tagelöhnerkindern die Kleider- und S ch u h f r a g e ein Problem. Die grundlosen Ueberland- mege zur Schule, der Frost in Händen und Füßen machten ihnen das eindringlich fühlbar. Das Stadtkind ist darin auch heute noch llclfer daran. Irgendwie und-wo findet also die Not des Arbcitslosenkindes bei dem vorpommerschen Kaicnkinde vollauf Verständnis und Mit- gefühl. Andererseits gibt es tatsächlich in den Städten Dreizehn- und Fünfzehnjährige, die zu dem Problem der Arbeitslosigkeit noch keine innere Stellungnahme irgendwie gewinnen konnten. Es spricht daraus.ein gut Teil sorglos sattes Bürgertum. ' Vorliegen 148 kurze Berichte Elf- bis Achtzehnjähriger über die Probleme: Wenn mein Vater Arbeit hätte— Arbeit ist des Bürgers Zierde— Ist Arbeit Fluch oder Segen?— Gott, Baterland, Familie. Davon bewegen sich 57 Arbeiten in Phrasen- basten Wendungen, die keinerlei Eigencmpfinden bekünden. E- handelt sich um Kinder aus dem Rügcnfchcn Krcidebezirk, .woJJie_greindeninduftrie mancherlei Möglichkeiten bietet, ferner um Kinder aus der vorpommerschen Schweiz, wo weite Waldstrecken zwischen Eldena und Lubmin im Sommer und Winter Erwerbsmöglichkeitcn schaffen. Neun Kinder, das sind etwas über � Proz., vermochten zu keinem Problem etwas zu schreiben. Es waren ein Zwölf-, ein Dreizehn-, vier Vierzehn- und drei Fünf- zehnjährige, sämtlich aus einer vorpommerschen Kleinstadt, die die ineisten Arbeitslosen und die wenigsten Steuerzahler Preußens haben soll. Vater ist arbeitslos,.*) Ein Elfjähriger:„Es ist sehr erbärmlich, wenn Vater arbeitslos ist. Dann gibt es nicht viel Geld. Dann muß man sich sehr einschränken. Dann kann man nicht alle Tage Fleisch essen. Manchmal grübelt die Mutter, was sie kochen soll. Manchmal muß man auch Trockenbrot essen. Wenn man Brot haben will, dann bekommt man höchstens eine Schmalzstulle, da muß man mit zufrieden sein, manchmal bekommt man g a r n i ch t, dann muß man auch zufrieden sein. Mutter und Vater sind sehr betrübt und denken schon,, wie sie es den andern Tag machen. Und wie sie Geld herbeibetommen. Dann haben sie keine Lust mehr zu essen und zu trinken. Die Eltern grübeln und grübeln wie es besser werden soll, ober es wird nicht besser. Und die Kinder sind auch traurig und haben Hunger." Erschütternd in ihrer Schlichtheit wirkt die erfühlte Trostlosig- keit in dem Bericht eines Zehnjährigen:„Eines Tages fragte meine Mutter mir, was wollen wir zu Mittag esien, ich sagte: „Kartoffeln und Heringe. Wir kommen viel in Rückstand. Wir mußten im Sommer die Miete bezahlen. Manche Tage war meine Mutter so verdrießlich. Wenn mein Vater von Stempeln kam, fragte mein Vater, na Mutter, was hast du denn gekocht. Meine Mutter sagte„garnichts". Ich wollte beinah an zu weinen fangen." Ein Sechzehnjähriger packt das Problem von der so- zialen Seite:„Werden Arbeitskräfte durch Arbeitslosigkeit geschont? Denn man gibt ihr Geld und schont ihr vor Arbeit. Ein Arbeiter schont sich wohl bei kurzer Arbeitslosigkeit, doch je länger Arbeits- losigkeit herrscht, desto größer die Not in der Familie, es gibt weniger Nahrung, weniger Kleidung und ein schwächriger Nach- wuchs tritt ein und die Verkrüppelung der Menschheit. Hätte der Vater Arbeit so hätte die Familie Brot und Kleidung und die Jugend könnte freier in die Welt hinausschauen." Wohl ist es für die Bildung feiner eigenen Meinung gleich- gültig, wie weit diese Aussassung übernommen und angelernt oder erlebt und erfahren ist: ober wertvoller und aufschlußreicher, weil unmittelbarer und kindlicher in ihrer Ehrlichkeit, sind die immer wiederkehrenden Bekenntnisse:„Mein Dater muß immer Wurst aufhaben. Wir müssen auch Miete zahlen. Wir Kinder müssen auch mitgehen(Kartosfelnsammeln). Dann können wir wieder Wurst- stulle essen."„Mutter kann uns jetzt keine Wurst mehr lausen, die uns immer so schön schmeckt"„Nun dürfen wir nicht so viel naschen."„Wir dürfen nicht alle Nachmittage die Schuhe anbe- halten. Wir konnten nicht alle Sonntage Speise bekommen. Wir tonnten zu Weihnachten'eine Spielsachen kriegen. Wie ehrlich klingt das von einem Zehnjährigen! Wie lata- strophal erschüttert die Gegenwartsnot seine Welt, wenn gar noch ein Siebzehnjähriger dieselben Töne anschlägt:„... denn wo es sonst in der Woche dreimal Fleisch gab, begnügen wir uns mit einmal Fleisch und freuen uns auch, wenn wir Salzheringe '> Um den unmittelbaren Eindruck nicht u> beeinträchtigen, werden alle Arbeiten im unverfälschten Originalstil wiedergegeben. und Kartoffeln haben. Aber wenn unser Vater Arbeit hätte, und dabei auch Geld verdienen(unterstrichen! D. Verf.) würde, so könnten wir auch öfter Fleisch essen und besser leben. Aber es ist auch schon immer so gewesen, daß das Pferd welches den Hafer verdient bekommt ihn selten." Der Schlußsatz deutet Gefahren für die weitere seelische Eni- wicklung an. Sie führt gor zu leicht zu Weltverachtung und Ver- bissenheit und treibt in die Arme des Radikalismus. Diese Gefahr ist um so ernster zu nehmen, als auch jüngere Schreiber schon Urteile bringen wie:„Aber dagegen die auf dem Gericht und die Angestellten, die kriegen dreimal soviel als die Arbeiter"(eine Zwölfjährige), und ein gleichaltriger Knabe meint:„Aber die Bauern, die lassen sich jeden Tag eine Ente braten." Es werden hier Tendenzen laut, die das Raubritterwesen ge- schichtlicher Tage und das Ausbcutewesen des Kapitalismus in agrarischen Landstrichen verewigt hoben, und die die Gegenwarts- not wieder lebendig werden läßt. Sehr schwer wird es der Er- zieherarbeit, da zu objektivem Urteil und zu sachlichem Blick zu erziehen. Man muß die Kinder auf den Wochcnmarkt führen und sie erkennen lassen, wie gern auch der Städter nach Gans, Ente und Huhn, nach Obst, Kartoffeln und Eiern greift, um ihnen auf diesem Wege ein richtiges Urteil über Produktion und Ver- brauch, Angebot und Nachfrage zu vermitteln. Sehr viele Berichte erzählen, was die Kinder zu Hause hören über Diebstähle, Ueberfälle und Selbstmorde. Die Tatsache, daß einem Arbeiter der Nachbarschaft zehn Enten gestohlen wurden, führt eine Zwölfjährige zu dem Schluß:„Die Arbeits- losen werden in Verzweiflung gebracht, sie gehen dann zum Stehlen und geraten auf diese Weise leider zum Verbrechen das ist ihnen alles gleich. Das Gute in ihnen stumpft ab. Sie vergessen was Gut und Böse ist." Ist Arbeit Fluch oder Segen? Die Frage wollte vom Gegenständlichen der obigen Auf- fassungen fort in die abstrakte seelische Seite der Gegenwartsnot führen. Warum„stumpft das Gute in chnen" ab? Was heißt es seelisch, herumsitzen zu müssen ohne Beschäftigung, gern etwas tun, beginnen zu wollen, ohne die geringste Gelegenheit dazu? Es ist außerordentlich beachtenswert, daß nur zwei fünfzehn- jährige Jungen in der Arbeit ein segensreiches Mittel sehen,„alle trüben Gedanken" zu vergessen. Interessant ist weiter, daß vorwiegend die Mädchen die Arbeit dann als Segen be- zeichnen, wenn sie Zeit zum Eigenleben läßt. Der Gedanke, Arbeit müsse beseelt und abwechslungsreich fein, kehrt häufig wieder. Das Problem„Mensch und Maschine" wird oft berührt. Doch vermögen sich unsere Fünfzehnjährigen mit ihm noch nicht auseinanderzusetzen. Kein Zufall ist es, daß Kinder von 5?and- werkcrn, Kaufleuten und Gewerbetreibenden durchaus klar die Be- Ziehung zwischen Arbeitslosigkeit, Verdienst und Geschästsleben sehen. Alle Meinungen zu diesem Problem sind so köstlieh und interessant, daß man bedauert, sie nicht alle hier folgen lassen zu können. Ein Fünfzehnjähriger schreibt:„Nach meiner Meinung kann die Arbeit nur zum Segen führen: denn wenn man sich stark mit einer Sache beschäftigt, dann vergißt man alle trüben Gedanken. Man ließt auch oft in Romanen und hört es auch im Leben daß Leute welche tief heruntergekommen find sich durch Arbeit wieder hochrappeln. Der Volksmund sagt ja auch„Müßiggang ist aller Laster Anfang". Das Gegenteil von müßig ist arbeitsam, also könnte man als Gegenformel annehmen Arbeitsamkeit ist alles Guten Anfang. Allerdings kann die Arbeit auch zum Fluch werden: denn wenn ein Arbeiter in der Fabrik steht und an- dauernd denselben Hcbcldruck den selben Griff und Tritt macht gar keine weitere Arbeit in den Händen bekommt, dann stumpft er zuletzt ab und wird gefühllos. Er muß Abwechslung haben. Also, Arbeit im Maße betrieben kann nur heilsam wirken, aber im andern Falle wird der Mensch zum A r b c i t s t i e r." Sehr wortreich, aber herzlich ungeschminkt und offen schreibt der sechzehnjährige Heinz:„Manche Leute Fluchen über die. Arbeit und sagen Arbeiten ist nichts lieber immer schön an ziehen und spazieren gehen und ein dickes Portmanch haben das ist besser wie die Arbeit und sagen wer die Arbeit erfunden hat, den mächt ich tod schlagen. Aber das soll man nicht denken denn ein Sprich- wort lautet wer nicht arbeitet soll auch nicht essen. Lieber soll man sagen, ja ich will arbeiten und wenn ich auch Schweine hüten muß, das ist alles egal Hauptsach ich kriege par Groschen und die Leute können nichts schlechtes von mich reden das ich Faul bin und mag nicht arbeiten. Nein arbeiten ist ein Segen. Aber nicht die Arbeit die man mit g e w a l t macht das ist Fluche. Eigentlich ist es ja auch nichts das man sich schlapp und müde schuft wenn ich erst größer werd und Frau und Kjnder habe dann arbeit ich ja nur Für die Arbeitslosen. Denn die ganze steuern und die Sammler ist doch nur alles für die Arbeitslosen. Am besten wäre es es müßte keine Arbeitslosen geben alle müßten Arbeit haben und müßten ihr Geld verdienen. Das wär dann auch Leben zu nennen." Eine kindliche, aber um so gesundere Einstellung verrät die Arbeit. Es ist nur zu hoffen und zu wünschen, daß kameradschaft- liche Beratung und Betreuung den Jungen aus seiner Wunsch- Haltung heraus zu positiv aktiver Stellungnahme führt. Ganz aus seinem fünfzehnjährigen Schneiderlehrlings- dasein heraus erlebt Albert das Problem:„Es kommt drauf an wie man es aufäßt Wenn ich Schneider bin und muß schmutzarbeiten machen, dann ist die Arbeit für mich ein Fluch. Aber mache dagegen Schneiderarbeit dann lst Arbeit für mich Segen, denn ich lerne davon und kann mir im späteren Leben selbst ernähren. Habe ich in der Lehrzeit schmutzarbeiten gemacht kann ich mich im späteren Leben nicht mit meinem Handwerk er- nähren. In dieser Hinsicht ist Arbeit für mich ein Fluch." Der Bericht rührt tief wenn man weiß, daß der Schreiber viel „Hausarbeiten" verrichten muß. Und da Albert so manchen Leidens- genossen hat. lasse ich noch ein Bekenntnis folgen. Es geschieht in der Absicht, alle Meister daran zu erinnern, daß in einer fünfzehn- jährigen Lehrlingsseele eine starke Lehrlingsehre wohnt. Fünfzehn- jährige sind keine Kinder, erst recht keine„Gören" mehr. Der gleichaltrige Karl schreibt zu dein Problem„Arbeit ist des Bürgers Zierde":„Nicht immer. Viele denken nähmlich arbeiten'st eine Schande. Besonders die früheren Kameraden, weiche jetzt die höhre Schule besuchen. Dann sehen sie aus einem mit Ver- achtung herab. Besonders dann wen» man die Straße kehrt. Dann mag man diese Arbeit nicht mehr inachen. Facharbeiten mache ich dagegen gerne. Besonders etwas schweres und seltenes. Wenn ich dann sehe, daß es klappt, so geht auch die andere Arbeit. Allerdings möchte ich auch einmal Urlaub haben." Dieser liebe Junge wird Installateur. Seine unoerdorbene Auffassung garantiert, daß er seinen Lehrlingen einmal ein kamerad- schastlicher Meister und Berater sein wird. Ganz Gegenwartsmensch ist jener Sechzehnjährige, der materialistisch bis zur letzten Konsequenz schreibt:„Verdiene ich viel Geld bei der Arbeit so ist es ganz gleich ob es als Fluch oder Segen aufgesaßt wird die Hauptsache ist ich verdiene Geld..." In s o krasser Nüchternheit äußert sich nur ein einziger. Bei ollen anderen kehrt die Aussassung immer wieder, daß die Arbeit ein Fluch, eine Strafe ist nur, wenn sie als Last oder Drill empfunden werden muß Es kommt auf de» Arbeitsherrn an, ob der Mensch ausgenutzt, zum„Arbeitstier" hcrabgedrückt wird. Sehr liegt einigen Schreibern sogar die geschichtliche Parallele zur Leibcigenschast. Positiv wird immer wieder betont:„Die Arbeit ist keine Strafe, wovon sollten die Menschen denn Leben." „Jede Arbeit ziert den Menschen, wenn er sie versteht und sie ehr- lich ist"(Ein Siebzehnjähriger!) Arbeit kann nur— so schreiben sie— für Faulenzer, Kriegsgefangene, Fremdenlegionäre und Ver- brccher Strafe sein. Einige Schreiber enden bei Pharao, andere so- gar bei Adam und Eva. Vielleicht verleitet die Problemstellung dazu. Um so mehr Ausschluß geben die Arbeiten über die Selb- ständigkeit im Denken. Gerade die B i b c l s e st e n beweisen, daß die im Angelernten zu tief stecken blieben, als daß sie sich augenblicklich quf Gegenwartsprobleme einstellen Es find die Gleichgültigen und Unreifen, für die jene dreizehnjährige Schneider- Meisterstochter ehrlich die Sprecherin macht, wenn sie schreibt:„Ich habe mich über diesen Dingen noch nie einen Gedanken gemackst." Gott/ Vaterland/ Familie. ' An dieses Problem haben sich sechs Knaben, zwei fünfzehn-, ein sechzehn-, siebzehn- und achtzehnjähriger gewagt. Da es auf das rein Ethische ankommt, ist es zugestaiidcnerweise schwer zu erfassen. Die Berichte befriedigen darum nicht, weil sie sich zumeist in Worterklärungen und Phrasenhäusungen angelernter Begriffe' verlieren. Die Arbeit als Menschheitsgcbot und Wctt- Ordnung, als sozial sittliche Grundlage der Familien- und Staatsgemeinschast zu sehen, vermag selbst der Achtzehnjährige nicht. Sein Bericht ist der Niederschlag seiner Versammlungsbesuche. Er schreibt:„Die heutige Welt will von Gott nichts wissen Es gibt Leute, die sagen, ich kenne kein Vaterland das Deutschland heißt nnd doch leben sie und wollen im deutschen Vaterlande leben. Unsere Väter starben im'Kriege für ei» neues Deutschland. Es giebt aber doch noch Männer, die sagen, die deutschen Frontsoldaten sind nur ins Feuer gegangen, wevn sie besoffen gewesen sind. Eigent- lich darf man Personen, die so etwas sagen nicht Männer nennen. An ein Scheitern unseres Vaterlandes denken aber diese Heuchler nicht, denn es sind sojche die kein Feuer und Kugelsauscn gehört und gesehen haben. Es giebt aber doch noch Männer, die für das auferstehen unseres Vaterlandes kämpfen werden. Denn einst kommt die Zeit, da Deutschland erwachen, und sich zum Kampfe für Freiheit und Recht erheben wird. Armes Vater- land erwache, und befreie dich von deinen Pei- n i g e r n." In der erschütternden Oberflächlichkeit und Phraserchastigkeit der Auffassung, deren Ursprung ein Blinder ahnt, liegt die Gefahr für die weltanschauliche Reifung des jungen Menschen. In dem- selben Grade, wie die Gegenwartsnot grausig nüchtern und real unsere Jugend bedrückt, so tief innerlich sollte jeder staatsbürgerliche Erzieher unsere Jugend von jeder alltäglichen Phrasendrescherei fort an die ursächlichen und solgenschweren Zusammenhänge der Gegenwartskrise führen. Fanatismus blendet, Fatalismus lähmt Sowohl die beiden Fünfzehnjährigen:„Mir soll es ja wundern, wie das weiter- gehen wird, ob sie nun auch bald an die hohen gehen", und„Die Herrn Minister, die da oben sitzen und ihr Geld vom Staat be- ziehen, die sollten lieber die Hälfte ihres Gehaltes den Arbeits- losen geben, aber die mllsien sich auf den Finger lutschen. Das ist eine Schweinerei"— als auch die Zwölfjährige:„Was hat der Mensch noch von seinem Leben? Schuften und Racken", sind für diese Ansichten noch zu jung und zu schade. Fanatismus und Fata- lismus find die größten Gefahren, mit denen das Gespenst der Arbeitslosigkeit unsere Jugend bedroht. Carl 3)iplrirfi Carl»:•ßäfhlCjl Die dreisache Welt Barlachs, der Skulptur. Graphik und dra- matijche Dichtung in gleicher Vollendung meistert, ist in dem Buchs von Earls mit eindringlicher Wahrheit dargestellt. Die Einfühlung des Biographen in die Tiefe und Absonderlichkeit des Künstlers ist vollkommen und wirkt sich in überzeugender Darstellung aus. Es ist keine ganz leichte Lektüre; es ist sehr schwierig, sich in die Ab- gründe der seelischen Voraussetzungen in der Barlachschen Kunst hineinzuversetzen, und man darf sagen, daß Earls diese Deutung in hervorragender Weise gelungen ist. Wir erhalten ein Bild von diesem norddeutschen Grübler, das uns über die Bedeutung Barlachs in wahrem Sinne aufklärt. Die äußeren Erlebnisse spielen dabei so gut wie gar-keine Rolle, aller Nachdruck ist aus die Werke und ihre seelische Herkunft selbst gelegt. Solches Verstehen ist nun bei Barlach durchaus am Platze, und darum ist das Buch außerordent- lich gelungen zu nennen, eine der wenigen Monographien, die etwas Wesentliches und Erschöpfendes über ihren Helden auszusagen haben. Da sich außerdem Text und Abbildungen räumlich die Waage halten und die Bilder einen fast lückenlosen Eindruck von Barlachs Kunst vermitteln, fo darf man das Buch restlos loben. Es ist mit 85 Ab- bildungen im Rembrandt-Verlaa, Berlin, erschienen. P. F. Schmidt. GsebSels auf der palazzofuche. Was das Prinz-Albrecht-Palais an Pacht kostet. Cs hat sich als unleugbare Totsache herausgestellt, baß die Ber- liner chakenkreuzler mit Herrn Goebbels an der Spitze sich ernstlich um den Erwerb des dem Prinzen Friedrich Heinrich von Preußen gehörenden Palais in der Wilhelmstraße bemühen/ Herr Goebbels braucht sein Palais, koste cs, was es wolle! Wie wir ersohren, ruhen auf dem Gebäude allein 10 000 Mark(Zehntausend) öffentliche Lasten im Monat. Man kann daraus ermessen, daß die Pacht- summe weit über 100000 Mark pro Jahr betragen würde. Darob wird sicher große Freude in der SA. sein! Bon der Aermögensocrwaltung des Prinzen Friedrich Heinrich von Preußen wird zugegeben, daß die Mieter eines Teils des Palais, meist frühere Hofbeamte und„Bedienstete", zum 1. April vor- sorglich gekündigt worden sind. Das sei aber keineswegs wegen der augenblicklichen Berhandlungen mit der NSDAP, erfolgt. Im übrigen erklärt die Vermögensverwaltung, daß sich bereits etwa 3 00 Stellen um das Palais bemüht haben. Irgendein Vermittler, der ein gutes Geschäft witterte, bot den Berliner Hakenkreuzlern das Grundstück an, worauf die Leute des Herrn Goebbels nichts Eiligeres zu tun hatten, als sich das Palais anzusehen. Dem SA.-Mann eine dünne Bettclsuppc— Herrn Goebbels und Frau Gen, ahlin einen Palazzo für weit über 100 000 Mark Pocht im Jahr! Das ist der„Sozialismus" der Goebbels und Kompagnie! Reue Finanzzötte. Weitere Ein�uhrdroffelung in Italien. Erst ganz kürzlich hat Italien für sämtliche Einfuhrwaren einen zusätzlichen fünfzehnprozentigen Wertzoll fest- gesetzt, um auf diese Weise eine allgemeine Einsuhrdrosselung zu erzwingen. Diese Maßnahme scheint ober den Hochschutzzöllnern inr Lande des Duce nicht zu genügen und es ist daher mit Wirkung vom 1. Januar 1932 ab jür alle auf italienischem Boden aus- geladenen Waren, die aus dem Auslände stamnien, ein weiterer Sonder zoll cingcsührt worden. Dieser neue Zoll beträgt für Phosphate, Ritrate und Maurermateriol eine Lira je Tonne und für sämtliche anderen Waren 2 Lire je Tonne. Besondere Abteilung für Einfuhrbeschränkungen. Der Schweizerische Bundesrat Hot das Wirtschafts- Ministerium ermächtigt, eine besondere Abteilung für Einfuhrbeschränkungen zu errichten. Diese Abteilung steht unter der unmittelbaren Leitung des Bundesrats S ch u l t h e ß. Die Abteilung hat beratenden Charakter und ist beauftragt, Vor- schlüge für den Erlaß von Einsuhrdrosselungen auszuarbeiten, zu begutachten und der Regierung vorzulegen. Vertreten sind in dieser Abteilung auch d'e führenden Wirtschastsoerbände des Landes. Die Schweiz schießt nun in der allgemeinen Psychose der Einfuhrdrosselungen den Vogel ab, indem sie für diese Zwecke gleich eine Abteilung zur besonderen Verwendung schafft. Die Abteilung dürste, nachdem da» Parlament den Bundesrat zu be- sonderen Einfuhrbeschränkungen und Schutzzollmaßnahmen er- mächtigt hat, reichlich Arbeit bekommen, was die mit der Schweiz im Handelsverkehr stehenden Länder sehr bald unliebsam spüren werden. Bauern als Gteuerverweigerer. RachBbsehungdcsnotionolsozialistischenGemeinpkvorstehers Husum, 6 Januar.(Eigenbericht.) Der nationalsozialistische Gemeindevorsteher der Gemeinde 11 e l v e s b ü l l war von dem zuständigen Landrat seines Amtes enthoben worden, weil die Art seiner Geschäftsführung die Gemeinde in unmögliche Zu st ände brachte. Jetzt haben die zur Gc- meinde gehörenden Nazibauern aus Protest gegen den kommissarisch eingesetzten Gemeindevorsteher die Zahlung der Steuern verweigert und dadurch die Gemeinde zahlungsunfähig gemacht. Die sozial- demokratischen Mitglieder der Gemeindevertretung haben deshalb bei der vorgesetzten Behörde energische Maßnahmen gegen die Steuervcrweinerer beantragt. Versammwngsverbot im Rheinland. Jolgen der kommunistischen Streikparolen. Köln. 6. Januar. Der Regierungspräsident in Köln hat die ihm nachgeordneten Polizeibehörden angewiesen, bis auf weiteres all« Versamm- lungen der Kommuni st ischen Partei und ihrer Unter- organe zu v e r b i e t e n. Er hat zugleich die Pflicht zur Anmel- dung von Waffen und Munition im Bereich seines Regierungs» bezirts angeordnet. Beide Anordnungen sind auf die Streik- parolcn der Kommunisten zurückzuführen, deren Ausführung nach der Ansicht des Regierungspräsidenten«ine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung bedeutet. Angeklagte Großordensträger. Die französischen Finanzfkandole. Paris, 6. Januar. Hohe Würdenträger des Ordens der Ehrenlegion können, wenn sie sich strafbar gemacht haben, nicht durch den Untersuchungsrichter vor das Strafgericht zitiert werden. Sie unterstehen der unmittel- baren Gerichtsbarkeit des Appellhofes, und nur der Generalstaats- anwalt kann ihre Strafverfolgung einleiten. In drei Fällen ist das jetzt geschehen, und zwar gegen Ehrenlegionäre, die in die jüngsten Finanzskandale verwickelt sind. So wird sich am 2S. Februar der frühere französische Botschafter Graf St. Aulaire, Groß- osfizier der Ehrenlegion, unter der Anschuldigung der Untreue und de» Vergehens gegen das Aktiengesetz zu verantworten haben. Zu- gründe liegen Vorgänge bei der H o l f r a- Gesellschaft, deren Gc> schäftsführer Graf Et. Aulaire war. Am 26. Februar wird Privat-Deschanel, ebenfalls Großoffizier der Ehrenlegion, vor dem Appellgericht erscheinen, und zwar im Zusammenhang mit dem Skandal der Finanz-Immobllien-Gesellschaft. Zu einem noch nicht festgesetzten Zeitpunkt wird General Archinard, In- Haber des Großkreuzes der Ehrenlegion, vor dem Appellgericht stehen, und zwar als Mitglied des Vcrwaltungsratcs einer V e r- s i ch e r u n g s gesellschaft, deren Fall bereit» zur Einleitung eines Verfahrens gegen ein anderes Aufsichtsratsmitglied, einen Generalrat des Jndre-Departements, geführt hotte. Sturmflut und Hochwasser Heftige Güdweststürme- Küstengebiete in Rot Dach Hochwasser in den deutschen Flüssen ist noch nicht zum Stillstand gelangt und schon künden sich neue Gefahren in den Küstengebieten an. Im Lause des Mittwochabend sind an der ganzen Wasserkante wiederum st ü r m i s ch e I ü d w e st w i n d e aufgetreten, die in den späten Abendstunden die Stärke 7 gleich l.3 Teknndcnmetern erreichten. Der Sturm trägt erheb- liche Wassermengen in die Cr lbe mundung, so daß bei der nächsten Fluttids am Tonnerstagfrüh gegen 4 Uhr mit einem erhöhten Wasserstande von etwa % Nieter über normal gerechnet wird. Für die s ch l c s- j w i g- h o l st e i n i s ch e Westküste hat der öffentliche Wetterdienst eine Sturmflutwarnung erlassen, da hier schon bald nach Mitternacht ein erhöhter Wasserstand von etwa 4 Meter über normal zu erwarten ist. Windstärke-10— i.-!. Hamburg, 7 Januar. Ju Hamburg erreichte der Sturm nachts eine Geschwindigkeit von 23 Sekundcnmetcrn, was einer Windstärke 10 bis 11 entspricht. Das Früh-Hochwasser betrug 1,1? Meter über normal. Die niedrig gelegenen Keller in der Hafengegcnd haben bereits unter dem Drängwasser zu leiden. An der f ch l e s w i g- holsteinischen W e st k ü st e ist das Hochwasser bedeutend über die mittlere Hochwassergrenze gestiegen. Die Vor- ländereien waren zum Teil weithin überschwemmt. Ernstcrc Schäden sind jedoch nicht gemeldet worden. Gefahren im Kanal. London, 7. Januar. Ilebcr England und dem Kanal wütete am Aliltwoch ein u n-! geheures Slurmwetler, das in vielen Laudesleilen mit heftigen Regenfällen verbunden war und teilweise großen Schaden anrichtete. Die Windstärke bei den Scilly-Znjeln betrug über 150 StundenkUometer. Ilebcr dem Kanal herrschte eine durchschnittliche Windstärke von 90 bis 100 Slundenkilometern. Im Westen und Norden Englands sind viele Flüsse über ihre User getreten, so daß ganze Dörfer und weite Strecken Landes unter Wasser geseht wurden. Zn Schottland sind viele Schafe in den Fluten ertrunken. Ja Südwales wurden die Eisenbahnverbindungen teilweise unterbrochen. In London selbst zerschmetterte der Sturm die Fensterscheiben verschiedener Läden in der City und riß das Baugerüst eines Neubaue» um. In Birming- Harn wurden Bäume entwurzelt und starke Laternen wie Streich- Hölzer umgeknickt. Große Schiffe in Seenot. Paris, 7. Januar.' Die französische Nordküste wird seit 24 Stunden van einem orcauartigen Sturm heimgesucht, der der Schiffahrt großen Schaden zufügt. Das Auslaufen des großen Dampfers„Paris" aus Le Havre niußte wegen des Unwetters oerschoben werden. Der K ü st e n v e r k e h r ist vollkommen lahmgelegt. In Lorient wurden LOg-Ruse eines großen französischen F ra ch tda m p f e r s aufgefangen, der sich auf offener See be- findet. Auch in Brest wütete der Sturm mit ungeheurer Gewalt. Der englische Dampfer„I e r s c y- C i t y" hat einen 8 O L- R u f ausgesandt und gemeldet, daß er mit einer Maschinenhavarie zehn Meilen vom Leuchtturm Bishop-Rock entfernt hilflos umher- treibe. Lawinen und Hochwasser in Tirol. Fünf Personen in die Tiefe gerissen. Innsbruck, 7. Januar. Sei! Rlitlwoch wehl in den Nordliroler Alpen ein starker Föhn, der die Lawinen- und Hochwassergefahr bo deutend erhöht hat. Am Patschcrkosel bei Innsbruck brach cm Rlitlwoch ein Lawinenbrett los, das eine etwa 400 Nieter lange Lawine auslöste. Fünf Personen wurden in die Tiefe gerissen. Bier konnten sich selbst befreien. Der fünfte, der Bank- beamle hohenegger aus Innsbruck, konnte zwar lebend, aber sehr schwer verletzt geborgen werden. Aus verschiedenen Teilen von Tirol wird Hochwasser gemeldet. So ist im Z i l l c r t a l der Finsing aus den Usern getreten. Das Wasser hat den Bahndamm unterspült, so daß die Geleise in der Lnft hängen. Auch aus der Gegend des Walch- sces bei Kufstein wird Hochwasser gemeldet. Kein Ehrenschuh gegenVerleumder Oer Syndikus lasteri; das Gericht stellt das Verfahren ein! Vor dem Schöffengericht Verlin-Mitte sollten sich heute wegen Beleidigung ves Reichsministers a. D. Dr. Hilferding der Vorsitzende des Vereins der Saalinhaber, Haase, und der S y n- dikus Dr. rer. pol. Schneekloth oerantworten. Schneekloth hatte einen von Hanse verfaßten Artikel„Zigarettenkleinhandel ein Geschäft?" an die Zeitschrist„Bahnhofswirtschaft" geschickt; in diesem Artikel hieß es u. a.: Es ist kein Geheimnis mehr, baß der letzte Preisaufschlag dem Zigovettentrust«inen Mehrgewinn von 30 Millionen gebrachl hat, jedoch ist dieses Geld zum größten Teil nach Holland geslosjen bzw. in die Taschen der Aufsichtsrätc. So erhielt z. B. der ehe- maiige R e i ch s f i n a n z m i n i st e r Dr. H i l f e r d i n g, der während seiner Zlmtszeit dem R e e m t s m n- K o n z e r n 29',<- Millionen Steuerschuld erließ, für seine Alissichtsratstätigkeit in diesem Konzern ein Jahresgehalt von 120 000 M. Man möchte sich des Urteils darüber enthalten, ob eine solche Honorierung in einer schweren Zeit nicht unmoralisch und aus- reizend wirkt, während dagegen auf der anderen Seite dem Klein- Handel ein Nutzen eingeräumt wird, der noch unter dem Existenzminimum liegt. In der aus den Fingern gesogenen Behauptung. Hilfcrding sei Aufsichtsratsmitglied des Reemtsma-Konzecns gewesen und habe als solcher 120 000 M. erhalten, erblickte die Staatoan- wallschast den Tatbestand übler Nachrede. In der heutigen Verhandlung war Genosse H i l f e r d i n g in Begleitung seines Rechtsbeistendes, des Rechtsanwalts Otto Lands- berg, erschienen. Haase und Schneekloth fehlten, letzterer ist von der Anwesenheit von der Gerichtsstelle entbunden. Haase hat«in Kronkenattest eingeschickt. Nach längerer Beratung beschloß das Gericht, das Versahren gegen Haase abzutrennen, um bloß gegen Schneekloth zu verkzan- dein. In seiner Vernehmung hatte Schneekloth bekundet, daß er dem Verfasser des Artikels, Haase, vollen Glauben geschenkt habe und daß die Behauptung über Dr. Hilferding bereits vorher in einer Versammlung aufgestellt und unwidersprochen ge- blieben sei. Den Wahrheitsbeweis könne er nicht führen. Im übrigen sei der Zweck des Artikels gewesen, die Unrentabilität des Zigarrenkleinhandels nachzuweisen, die Behauptung über Hilfer- ding habe dabei nur eine ganz untergeordnete Nolle gespielt. Es habe ihm daran gelegen, den Artikel an recht viele Zei- tu n g e n zu verschicken. Der Lorsitzende stellte fest, daß wegen desselben Artikels gegen den Angetlagten Schneekloth vom Amtsgericht Stolberg be- reits ein Strafbefehl in Höhe von— 100— in Worten: einhundert!— Mark erlassen wurde. Da das Gericht ange. deutet hat, daß es bereit sei, in dem vorliegenden Falle eine„fort- gesetzte Handlung" zu erblicken, ergreift der Staatsanwalt das Wort zu längeren Darlegungen� Er führt aus, daß der E h r e n s ch u tz in keiner Weis« gewährleistet wäre, wenn es dem Be- leidiger gestattet sein würde, seine Beleidigung in einer unbegrenzten Anzahl von Zeitungen zu verbreiten, bloß auf die Gefahr hin, wegen dieser Beleidigung von irgendeinem Gericht zu einer ganz geringen Geldstrafe verurteilt zu werden. Es liege in jedem Falle der Versendung des Artikels ein besonderer Willensbeschluß vor. Der Staatsanwalt beantragte, das Büropersonal des Dr. Schnee- kloth darüber zu hören, daß die Versendung der Artikel an oer- schiedenen Tagen erfolgt sei. Rechtsanwalt Landsberg schloß sich der Ansicht des Staats- anwalts an und hob noch besonders hervor, daß dem Angeklagten in erster Linie darum zu tun gewesen sei, recht viel« Ho- norare zu erhalten. Schneekloth habe in jedem einzelnen Fall mit der Redaltion besonders wegen des Honorars oerhandelt. Die Annahme, daß hier eine sortgssetzte Handlung vorliege, würde gegen die Judikatur des Reichsgerichts verstoßen. Dieses würde unweigerlich einer Revision stattgeben und das Urteil des Gerichts aufheben. Das Gerich! lieh jedoch den Einspruch des Slaalsanwalts und des Verteidigers nicht gelten und stellte das Verfahren gegen Dr. Schneekloth ein mit der Begründung, daß er wegen des Delikts bereits einmal verrirlellk worden sei: es liege sortgefehle Handlung vor! Gegen diesen Gerichtsbeschluß werden der Staatsanwalt und Rechtsanwalt Landsberg Berufung«inlegen. Keßner weiß von m'chis. Gr hält es nicht für nötig, seinen Llebergriff zu korrigieren. Der Sklarek-Prozeß wurde heute nach zweitägiger Unterbrechung sortgesetzt. Die Verhandlung begann mit einer Ver- spätung von einer Dreiviertelstunde, und zwar, wie der Vorsitzende mitteilte, aus technischen Gründen. Entgegen der Annahme, daß der Vorsitzende, Aintsgenchtsrat Keßner, auf sein« Anwürfe gegen den BVG.-Direktor B r o l a t noch mit einer Erklärung ein- gehen würde, erfolgte eine solche Erklärung nicht, sondern der Bor- sitzende beschäftigte sich sofort mit der Prozehmaterie. Unglücksfall oder Verbrechen? Leiche des vor sechs Wochen verschwundenen Zugführers gesunden. Grabow. 7. Januar. Am Mittwochnachmittag wurde das Rätsel um das Verschwinden des Zugführers Rudolf S i e m s s e n aus Hamburg- Rotenburgsort durch Auffinden der Leiche geklärt. An, 21. November 1931jc.it der Zugführer aus dem Packwagen eines Güterzuges auf der Strecke H a m b u r g- B e r l i n an der Grabower Etdebrücke verschwunden. Man vermutete, Siemssen sei in die EDe gefallen und suchte den Fluh ab, fand aber keine Spur von dem Vermißten. Am Mittwochnachmittag gelang es zwei Malern aus Grabow, elroa 400 Meter oberhalb der Drücke die Leiche des Zugführers im Flußbett auszufischen. Sie wurde in die Leichenhalle übergeführt, wo am Donnerstazmittag die Sektion vorgenommen werden soll. Man hofst dabei feststellen zu können, ob ein Ver- brechen oder ein Unglücksfall vorliegt. Argeniimfcher putsch gescheitert. Militär kommt- Feiieltgeld: Buenos Aires, 6. Januar. Der Putschversuch in den nordöstlichen Provinzen Argentiniens ist, wie„La Prensa" meldet, zusammengebrochen. In La Paz(Provinz Entrerios) genügte das Erscheinen von Militär, um die Revolutionäre in die Flucht zu treiben, ohne daß«in Schuß gefallen wäre. Die Regierung hatte von dem Erscheinen der Revo- lutionäre in Entrerios' schon Kenittni« erhalten,«he diese sich der Stadt La Paz bemächtigen konnten, so daß die argentinischen Truppen dort fast gleichzeitig mit den Revolutionären ankamen. In Eoncordia kam es zu einem Handgemenge mit der Polizei, wobei einige Personen verwundet wurden. Der Putschversuch ist von Anhängern des früheren Präsidenten I r i g o y e n angestiftet worden, die in Montevideo(Uruguay) ihr Hauptuartier haben. Obwohl die dortige Regierung auf argen- tinische Vorstellungen hin die Hauptführer der Irigoyenisten vor einiger Zeit im Innern des Landes interniert hat. war es einer größeren Anzahl gelungen, sich heimlich im Hafen Salto am Hauptquartier haben. Obwohl die dortige Regierung auf argen» Gebiet überzusetzen. Das Jahresprogramm des Arbeiter"Turn' und Sportbundes Im Zusammenwirlen oller Kräfte log von jeher die Stärke des Arbeiter-Turn- uns Sportbundes. 1932 wird ein Jahr des planmäßigen inneren Ausbaues feiner Organisation sein. Die Vor- bercitungen sind von der Bundesleitung getroffen und es besteht kein Zweifel, daß die rührige Mitgliedschaft die erfolgreiche Durch- führung der Arbeiten garantiert. Die vielgestaltige Aufbautätig- keit wird ihre Höhepunkte finden in Veranstaltungen, die von allen Bundesoereinen am gleichen Tage durchgeführt werden und in Entscheidungsspielen und anderen Wettkämpfen bestehen. Das Zahresprogramm cnchält zur gemeinschaftlichen Durchführung durch alle Spartemnit- glisder(Turner, Frauen, Leichtathleten, Wassersportler, Fußball- und Handballspieler) einen Werbelauftag am 8. Mai, ein Bundcsolterstreffen am 4. September, einen Tag der Jugend am 25. Juni. Beteiligung mit allen Ortsgruppen der Vereine der Zen- tralkommission für Arbeitersport und Körperpflege am Reichs- arbeitersporttag am2k. Juni, eine Bundes-Frauenwerbe- woch« nach freier Wahl in der Zeit vom 31. Mai bis 31. August 1932. Die lurnfparte, der die Turner, Leichtathleten und Handballspieler angehören, hat in ihrem Johresprogramm stehen: Vorturnerprüfung am 17. April, Schulungstag der Leichtathleten am 29. Mai, Bundesmeister- schaft fürLeichtathletik in Dresden am 13. und 14. August, Bereinsmehrkämpfe in Leichtathletik am 11. September, 1. Aus- scheidungsjpicl für Handball am 14. August, zweites Ausfcheidungs- spiel für Handball ani 26. August, drittes Ausscheidungsspiel für Handball am 11. September, Schlußspiel um die Bundes- Meisterschaft im Handballspiel am 25. September. Die Fußballspieler, die ebenso wie die Handballspieler in den Bezirken und Kreisen des Bundes Tausende von Spielen zur Ermittlung der Meister durch- führen, künden sür die Endspiele um die Bundesmeisterschaft fol- gcnde Termine an: erstes Vorentscheidungsspiel um die Bundes- Meisterschaft im Fußballspiel am 24. April, zweites Borentschei- dungsspiel um die Bundesmeisterschast im Fußballspiel am 8. Mai, «chlußspiel um die B u n d e s m c i st e r s ch a ft im Fußballspiel am 22. Mai. Bei den Wassersportlern ist die Austragung der Bundesmeisterschast im Wasserball fällig. Für die Vorrundenspiele ist der 7. August und als Aus- tragungsorte Frankfurt o. M. und Berlin vorgesehen. Das End- spiel findet voraussichtlich am 21. August in Herne in Westfalen statt. �scBoume�uc in Nöten Die Einkünttc des wAmatcur"-Wcltmeistcrs Seit der vorjährigen Skandalaffäre des französischen Welt- rekordläufers Jules L a d o u m e g u e, der damals 1999 Mark für einen Start in Frankfurt a. M. verlangte, ist es um ihn noch nicht ruhig geworden. Langsam aber sicher trat eine erhebliche Entfremdung zwischen Ladoumögue und seinem Verband ein. Zum dritten Male in kurzer Folge hat ihm dieser jetzt die Starterlaubnis»ür eine heimatliche Veranstaltung verweigert mit der Molioicrung, daß„seine Amateureigenschaft darunter leiden würde". Die französische Presse schreibt ironisch, daß man anscheinend noch nicht genügend Bcweismaterial habe, um Ladoumögue zum Berufssportler erklären zu können. Zwar betrügen die monatlichen Unkostenrechnungen des Wellrekordläufers durchschnittlich etwa 1999 Franken, doch sei diese Summe sür einen Professional noch zu wenig. Man sähe diese Tatsache im Verband wobl oks�eine Bestätigung seiner Amateureigenschaft an. Auf der anderen«eile ist Ladoumägue auch nicht müßig gewesen und hat einige prominente Athleten veranlaßt, gegen den über ihn verhängten stillschweigenden Boykott des französischen Verbandes zu protestieren. Wie dieser Kleinkrieg enden wird, ist noch nicht abzusehen. Bei dieser'Angelegenheit ist aber auch der französische Verband selbst j,, Nöten. Er zweifelt zwar sehr stark an der reinen Amateureizenschoit seines Meisterläufers, möchte chn aber auch zu gern zur bürgerlichen Rekordler-Olympiade nach Los Angeles schicken. Dort müßte dieser Mann den olympischen E i d ablegen und damit beschwören, daß er nicht um Geld oder Geldeswert den Sport betreibt. Das kann ja eine schöne Schwörerei werden! Das tt«üientest der Arbeitersportler Dos diesjährige Halten sc st der Berliner Arbellersportler findet am 28. Februar in der Arena am Kaiserdamm statt. Mit dieser Festsetzung sind die Anfragen endlich positiv bc- antwortet. Fast schien es, als ob Berlin wegen Raumschwierigkeiten auf sein Winterfest verzichten sollte, an dem neben den etnheimischen Sportlern auch das Reich lebhaft interessiert ist. Die letzten Feste wiesen eine stets zunehmende Beteiligung auf. erinnert sei nur noch an die 2999 Aktiven am 7. März vergangenen Jahres im Sport- palast. Die Kaiserdamm-Arena hat eine Rundbahn von 299 Meter und gestattet einen 75-Meter-Lauf in der Geraden. Die riesig« Halle faßt 19 999 Zuschauer. Die Ausschreibung wird in den nächsten Tagen veröffentlicht. Zu dem Fest sind neben der Leicht- athletik bereits seit langem eine große Anzahl Sonderoorführungen vorgemerkt. Auch im Reiche sind die Arbeitersportler nicht müßig. Magdeburg bringt am 24. Januar«in großes Hallenfest heraus, während Stettin am 21. Februar sein Hallenfest startet. 5c!vwiinnrfest in Spandau Die Freien Schwimmer Spandau veranstalten am Sonntag, 19. Januar, im Städtischen Hallenbad Radelandstraße 69 ein bundesofsenes S ch w i m m f« st zugunsten der Berliner Winterhilfe. Das Meldeergebnis ist gut. es beteiligen sich elf Dereine. In bunter Reihenfolge werden die einzelnen Kon- kurrenzen wechseln. Besonders das Brustschwimmen über 199 und 299 Meter ist gut besetzt. Zum Schauspringen haben die besten Springer Berlins chr« Meldungen abgegeben, darunter Nachtigall- Hellas, Köhn-Oberjpree, Kühn und R. Greusing-Lichtenberg. Außer- dem wird ein 16er Frauenkunstreigen gezeigt- Di« Wasserballspiele bestreiten bei der Jugend Freihell-Spandau und bei den Männern Rathenow-Spandau. Der Eintritt beträgt 69 Pf. Erwerbslose die Hälfte. Sportliche Verbindung kuHinnd- Italien � Die„Mitteldeutsche Sportzeitung", Nr. 1, 1932, von' Deutschen Fußballbund bringt von der letzten Sitzung der bürgerlichen Fuß- balliniernotionolc(„FIFA."), folgende Meldung:„Der geplante Länderkampf zwischen Italien und Rußland wurde nicht genehmigt/ Demnach waren die Berhaudlungen zwischen dem faschistischen Italien und dem bolschewistischen Rußland bis auf die Ge- nehmigung der FIFA, erfolgreich. Die bürgerlich« Presie in Deutschland berichtete schon seit Monaten über die guten Be- Ziehungen zwischen dem faschistischen und bolschewistischen Sport- lager wegen eines Länderspieles. Das Berliner Sekretariat der kommunistischen Sportinternationale hat die Richtigkeit dieser Meldungen durch Stillschweigen anerkannt, dafür aber seine Hetze gegen die Sozialistische Arbeitcr-Sport-Jnternationale unvermindert weitergetricben. Man sieht, die Einheitsfront der kommunistischen Sportinternationale mit den Todfeinden der Arbeiterklasse, den Faschisten, macht gute Fortschritte. Line dfobnnng an alle, die gern segeln möchten Segeln kann man auch im Winter, nämlich mll Schlitten. Aber Segelschlitten sind in unserer Gegcno selten zu benutzen, bei un- günstigem Wetter in manchen Jahren überhaupt nicht. Das macht diesen Sport teuer und deshalb findet er bei den Arbeiterseglern heute noch nicht viel Anhänger. Der freie Segler bleibt aber trotz alledem auch im Winter auf mannigfache Art mit seinem Sport ver- knüpft. Da sind zunächst die Instandsetzungsarbeiten am Tauwerk, Zelt, Plan oder Segel, Arbeiten, welch« an den langen Winter- abenden mit mehr Sorgfalt ausgeführt werden können als im Sommer. Die Schwimmvereinigung des Freien Seglervcrband.'s sorgt mit ihren Badeabenden für den Ergänzungssport. Da wird Ardeitersport im Rundfunk Der Bundes turn- und Sportwart des Arbeiter-Turn- uno Sportbundes, K. Bühren- Leipzig, spricht am Freitag, 8. Januar, um 18.55 Uhr über alle norddeutschen Senker über„Gyn- nastik und Körperbildung". Dienstags im Stadtbad Mitte in der Gartenstraße und Donnerstags in der Baerwaldstraße trainiert. Wird doch wahrscheinlich in Zu- kunst zur Erlangung eines Führerscheins für Segelboote beim Freien Seglervsrband die Beibringung eines Freischwimmerzeug- nisses erforderlich sein. Borbercitungskurse sorgen für beste theorc- tische Ausbildung für die Führerpriifungen. Bon jedem Verein werden im Wiiiler einige Mitglieder für den Samariter- dienst ausgebildet. Die Fahrtenabteilung macht durch Vorträge mit den Nowendigkeiten des Seesegelns vertraut, denn in jedem Jahre findet für die Fahrtensegler ein Seetrefsen, meist auf de 5 Ostsee, statt. Die Jugendmitglieder des Freien Seglerver- bandes lernen durch Wanderungen Gegenden kennen, die im Som- mer auf dem Wasserwege nicht zu erreichen sind. Hand- und Fußballspiel« sorgen für Betätigung in der reinen Winterluft. Aber auch für die Unterhaltung ist gesorgt. Da gibt es„Heitere Künstler- abend«" im Soalbau Friedrichshain zum Besten der Jngendkasie: Filmvorführungen, durch die man Einblick in die Segeltechnik erhält und mit der Kunst des Regattasegelns vertraut gemacht wird. Eine wichtige Arbeit im Winter ist auch die Borbereitung und Durchführung des Seglertages, der stets Ende Januar statt- sinket und Delegierte aller dem Freien Seglerverband angeschlosse- nen Vereine aus dem Deutschen Reich in Berlin zu ernster Arbeit zum Wohle des Verbandes vereinigt. Man sieht, zum Träumen hinter dem Ofen ist keine Zeit, wenn man sür den Segelsport im Frühjahr gerüstet sein will. Wer sich sür den Wassersport inter- essiert und eine gesunde Betätigung in reiner Luft als Ausgleich für seine berusliche Arbeit braucht, schließe sich schon jetzt den Arbeiter- seglern an. Auch wer nicht im Besitze eines Bootes ist, hat in den Arbettervereinen Gelegenheit, als Mitfahrer den Segelsport auszu- üben, bis«ine bessere Zeit die Anschaffung eines Bootes ermöglicht. Interessenten, aüch Jugendliche, erhalten jede gewünschte Aus- kunst in der Geschäftsstelle des Freien Segleroerbandes, Berlin- Grünau, Jägerstr. 18, Tel. F 3 Grünau 6115. Wer aber bereits im Besitze eines Fahrzeuges ist und seinen Sport in einer Gegend ausübt, in der noch kein Arbciterseglerverein besteht, der versäume nicht, dem FSB. als Einzelmitglied beizutreten. DRU.-lagunH in Berlin Unter starker Beteiligung fand am Sonntag in Berlin die Jahresversammlung der Landesgruppe Brandenburg der Deutschen R ad fa h rer- U n i o n. zu der auch die zahl- reichen Ortsgruppen in der Provinz Sachsen und in Pommern gehören, statt. Die harmonisch verlaufene Tagung beschäftigte sich in der Hauptsache mit der Festlegung des Terminkalenders für die kommende Saison. Als die bedeutendsten Veranstaltungen seien genannt: Berlin— Kremmen— Berlin(199 Kilometer) am 29. März. Berlin— Wittenberg— Berlin am 3. April, der Große Straßenpreis von Magdeburg(169 Kilometer) am 19. April, der Große Jubiläums-Preis von Halle(159 Kilometer) am 24. April, Stettin— Berlin— Stettin(279 Kilometer) am 1. Mai, Rund durch den Harz(252 Kilometer) am 5. Mai, der Straßenpreis von Teltow am 8. Mai, Magdeburg— Quedlinburg— Magdeburg(159 Kilometer) am 16. Mai. Berlin— Fürstenberg— Berlin(158 Kilometer) am 22. Mai, der Große Straßenpreis von Mitteldeutschland(169 Kilo» meter) am 29. Mai, der Große Straßenpreis der Provinz Sachsen (149 Kilomeier) am 12. Juni, die Re i chs m'e i st er s cha fi d ek DRU.(265 Kilometer) in Berlin am 19. Juni, die 199-Kilometer« Mannschaftsmeisterschaft von Berlin am 3. Juli, die Einermeister- schast von Berlin am 17. Juli, Halle— Magdeburg— Halle(169 Kilometer) am 24. Juli, der Endlauf zum„Ersten Schritt" in Berlin am 8. August, Berlin— Angermünde— Berlin(139 Kilometer) am 21. August, das Adolf-Hufchke-Gedenken in Berlin am 28. August, der Große Straßenpreis von Halle(179 Kilometer) am 11. Scp- tember und der Berliner Herbst-Preis(129 Kilometer) am 25. Sep- tember. Zum Borsitzcnden der Landesgruppe wurde Hübner-Berlin, der gleichzeitig auch Borsitzender der DRU. ist, gewählt, das Amt des Sportwarts versieht auch weiterhin Krause-Berlin und zum Sekretär wurde Pieper-Berlin gewählt. Neues Naturfreundehaus Zu den schönsten deutschen Lgndschaftsgebieten gehört unbe- stritten das Wettersteingebirge mit seiner gewaltigen Bergwelt. Jeder Wanderer trägt den Wunsch in sich, dieses vielgerühmte Gebiet auch einmal zu schauen und viele Wanderer aus den werktätigen Kreisen wählen sich deshalb Garmisch-Patenkirchen als Urlaubsziel und als Ausgangspunkt für Berg- Wanderungen in das Wettersteingebiet. Außerdem ist Garmisch als bester Wintersportplatz und als Winterkurort bekannt. Es war seit langem als Mangel empfunden worden, daß die eigenes Haus besitzen. Dem ist nun abgeholfen worden durch die Schaffung des Raturfreunde-Erholungsheims„Edel- weiß" in Garmisch durch die Reichsleitung der deutschen Natur- freunde. Wenn es den Naturfreunden trotz der Schwere der Zett möglich ist, wieder einen solchen Stützpunkt zu schaffen, dann beweist es, mit welcher unermüdlichen Schaffenskraft sie auch jetzt noch arbeiten, um für das werktätige Volk Stätten der Erholung zu erstellen. Das neue Hausi st bestenseingerichtet mit elek- irischem Licht. Zentralheizung und sonstigen Bequemlichkeiten ver- sehen, ganzjährig bewirtschaftet und bildet während der jetzigen Winterzeit zur Ausübung des Wintersports eine ange- nehme und billige Unterkunft. Auskünfte sind erbeten an Natur- sreunde-Erholungsheim„Edelweiß", Garmisch-Partenkirchen, Martinswintelstr. 17._ Kleiner Sport winterkampsspiele des ADAC. Unter dem Titel„WinterMnpf- spiele" bringt der Allgemeine Deutsche Automobil-Elub in der Zeit vom 39. Januar bis 19. Februar in Bad Flinsberg seine traditionelle Winterveranstalwng zur Durchführung. Das Pro- gramm sieht wie üblich für die beiden ersten Tage eine Winter- Strahlenfahrt vor, der sich am 31. Januar ein Bergrennen sowie Motorrad-Skijöring anschließen. Für den 1. Februar ist ein Länder-Skispringen vorgesehen, am Tag« darauf sollen die Boa- sahrer streiten. Weiterhin ist durch Schlittenkorso, Rodelrcnnen, Ski-Langläufe für Abwechslung gesorgt. Ein Turfskandal ist von den französischen Rennbehörden durch Kaltstellung der Beteiligten bereinigt worden. Dem Trainer W. Hcad und dem Iockey A. Kalley wurden die Lizenzen für dieses Jahr verweigert. Beide inszenierten die tollsten Wettmanöoer, deren Ausläufer bis nach Deutschland reichten, da die Gelder meist bei deutschen Buchmachern angelegt wurden. Kalley war auch auf dem von Head trainierten Barlas im Sattel, als der Hengst in Karlshorst das Berliner Internationale Jagdrennen gewann. Frei« Basserfahrer„Auswärts- I. V. Sonntan, 10. Januar, 15 Uhr, Eeneralversammlung bti Reuhner, Eeestc. 62a. Anschließend Beisammensein. Freie Ruderer-Vereinigung 1913. Sitzung 8. Januar, 20 Uhr, im„Tor. fing, Lochbahnhof Schlcsisches Tor. Ruderabend/ Dienstag, 13. Januar, 20 Uhr, lm Realgymnasium Treptow, Reue Krugallee 14—16. Jahreshauptoer. sammlung Sonniaq, 24. Januar, 13 Uhr, im„Tortrug". Freie Wasiersahrcr«öpeuick 1924 e. B. Sonntag, 10. Januar, 15 Uhr, bei Hcene, Köpenick, Gartensir. 65, Jahreogeneraloersammlung. Freie Kanu-Unio» Groß-Berliu e. V., Abt. Havel. Sonnabend, 9. Januar, 20 Uhr, Mitgliederversammlung, bei Höpfucr, Spandau, Pichelsdorfer Str, Sa. 19 Uhr Borstandssitzung ebendort. Freie Sp-rtuereiuiguug Pautow. Di« Uebungsstunden beginnen Freitag, 8 Januar, Turnhalle Reu« Schönholzer Straße, Mittelschule. Donnerstag, 14. Januar, Hockeysitzung bei Lehmann. Montag, 18. Januar, Vorstandssitzung im Jugendheim Krssingenstraße, Zimmer 5. siaats Ife TKcafer DooDcrslag, den 7. Jan dar Staatsoper Unter den Linden 20 Uhr Die Geisha StutLSdunplelluiis 6n4«oaiuitt. 20 Uhr Schlllei-Theater üjrlottinlarj. 20 Uhr Die gSttliche Jette l.ts Ubr Flora im Rauto erlaubt{ 20 Zlgeunerlnnan spielen, „Zemgenno's1* fliegende leuchtende Menschen am Lufttrapex im dunklen Raum und weitere Varietd-Neuheiteni VoSKsbttime Tbealet am Bülovjlat: 8 Uhr Die GroDhmoQin von Gerolsleln Staat!. Sdtlller-Mtr 8 Uhr nie dotuiee leite Theater am Nollendorfplab Dille; Eciu Saltoliin Pallas 7051 Täglich 8V« Uhr Stgs. auch 4,/i Uhr Gasparone Rose■ l heater 'iraS« rmthrtir sirrii 13? 18. WriAul E 1 3422 8,15 Uhr Eine Frau von Formal SlädleOper Cbarlottenburg BlsmarcksuaSe 34. Donnerstag, 7. Jan. Turnus IV Anfang 20 Uhr Naevew Ende gegen 23 Uhr. JUERGE Alsxanderpiatz Neu« Kinigetr.a« »v-uhrCASINO-THEATER�uh. Lothringer Strafe 37. iiwmimmnuMiiuii>niiiuniiiniiiiiiniinim»iinuii9— iiw Ote neue Posse Was man ans Liebe tut Dazu die Gesangs- und Tanz- Operette Das Scheidiingg- SoUper und der honte V«rlelt-TeU. Gutschein 1-4 Personen- Parkett SO PI., Eauteuil 1— Mark. Sessel I.SO Mark. jeder Art liefert preiswert Paul Qolletz rornal« Robert Meyer Marfannnnstr. 3 Ober bäum 1 303 mmm n,ivm9t Resfeufiarf Berlins BETRIEB /jX KEMPIHSKlO R acaiiHop««"w», im a, ruiueii aiceisq OcMfllUcrS bidvOiuiiiHiinue hlllinl 4a JnSib" nU brück» ailsrtuii.s U-lUy 1 Es ist erschienen: Der sozialdemokratische AbrelOüalender 1932 In Kupfertiefdruck hergestellt. Er bringt historische Daten aus der Arbeiterbewegung, astronomische Angaben(Sonnenauf- und-Untergänge, Mondphasen. Planetenbewegung usw.). Gute Bilder beleben den Kalender, so daß er In jedem Haushalt, in Jedem Büro eine Zierde darstellt Der Kalender kostet 2— RM. Zu haben In allen Vorwärts-Filialen und bei allen Zeitungsausträgern „Billige Läden" ein Symbol der Zeit „GeschäftssfraBe"* in einer Laubenkolonie �.Billige Snien" sind auch ein Zeichen, ein Symbcl unserer Zeit. In allen Stadtteilen sieht man sie. Ladenmieten sind teuer. So suchen geschüftstiichtiqe, aber mit Reichtümern nicht gerade qesegnete chändler nach billigeren Verkaufsständen. Der einfachste und billigste ist der bekannte„Bauchladen", der ständig von Ort Ort getragene Verkaufsstand. Wesentlich fortgeschrittener ist schon der fahrende Vcrkaufsstand, der ebenfalls verhältnismäßig ; leicht seinen Platz wechseln kann. Von dieser Art gibt es die seltsamsten Ausführungen, vom Kinder- wägen, der mit 5iistcnbrcttcrn notdürftig hergerichtet wurde, bis zum Auto, das den Vorteil hat, bald hier, bald dort auftauchen zu können, bald in diesem, bald in jenem Stadtteil eine größere Menge von Waren, die von den Händlern mit Geschick und erheblichem Stimmenaufwand angeboten werden, bereitzustellen. In den Außenbezirken der weiten Stadt aber gibt es die in primitiven Schuppen und Baracken untergebrachten Verkaufs- stände, deren Unkosten dem In- hobcr gerade noch erschwinglich und wirtschaftlich erscheinen. Man wird bei ihrem Anblick schon an das bunte Treiben des Orients erinnert. Der auf unserem Bilde gezeigte Geschirr-Platz ist ganz und aar orientalisch. Hier ist alles auf die einfachste und zweckmäßigste Art zurechtgemacht. So läßt der Rückgang der Wirtschaftskrast des Volkes wieder Geschäftsformcn lebendig werden, die man längst überwunden glaubte. Das Gegenstück zu diesen immerhin existierenden Läden sind die zahlreichen leerstehenden Ge- schäftsräume. In allen Stadtteilen kann man die Schilder finden, die nach Mietern rufen. Erst dann, wenn diese Schilder zu ver- schwinden beginnen, wenn sich wieder Bedarf an solchen modernen Läden einstellt, werden wir wissen, daß die Wirtschaftskrise im Schwinden begriffen ist. Bootsunglück bei Gatow. Ein Angeklagter, der gleichzeitig Nebenkläger ist. Der tragische Unglücksfall, der sich in einer Augu st nacht nuf der Havel bei Gatow ereignete und bei dem durch das kentern eines Motorbootes drei Personen ums Leben kamen, soll heute vor dem Schöffengericht Spandau seine Zluftlärung finden. In der Nacht vom 5. zum 6. August vorigen Jahres trafen sich in einem Lokal an der Havel bei Gatow der Hafenmeister des „Clubs am Rupenhorn", der mit einigen Bootsleuten in einem Motorboot vom Rupenhorn aus hinübergckommen war, mit dem Gatower Facharzt Dr. I ä h n k e, dessen F r a u und dem Opern- sänger Hansen. Nachdem man einige Stunden zusammen- gesessen und gezecht hatte, erbot sich Kirsten, die ganze Gesellschaft in seinem Motorboot nach der Heerstraßenbrückc zu fahren, wo' Hansen noch eine Straßenbahn in die Stadt hinein zu erreichen � hoffte. Das Boot, in dem eigentlich nur Platz für sechs Personen i war, nahm nunmehr die Gesellschaft von sieben Personen auf, und Dr. Iähnke Ftzte sich infolge des Platzmangels oben auf die Motor- � b�ltbe. Nachdem der Hafenmeister Kirsten das Boot in Fahrt ge-! bracht hatte, machte er zwei scharfe Wendungen, bei denen das B-sot kenterte. Frau Iähnke, Opernsänger Hansen und der Bootsmann Bartel ertranken, während die übrigen Personen ge- rettet wurden. Die Anklage, die dem Hafenmeister Kirsten und dem Arzt Dr. Iähnke die fahrlässige Tötung der drei Personen zum Vorwurf macht, behauptet nun, daß Kirsten durch zu hohe Ge- schwindigkeit und durch zu scharfe Wendungen in Verbindung damit, daß Iähnke durch seinen Sitz aus der Motorhaube das Boot ge- fährdet habe, den Unglücksfall verschuldet habe. Dr. Iähnke ist somit auch wegen fahrlässiger Tötung seiner eigenen Gattin angeklagt. Zu Beginn des Prozesses, der unter dem Vorsitz von Amtsgerichts- rat Tcmpslhagen verhandelt wird und in dem Staatsanwaltschafts- rat Lategahn die Anklage vertritt, wurde eine interessante Rechts- frage erörtert. Rechtsanwalt Dr. Feblowicz, der Verteidiger des Dr. Iähnke, stellte nämlich den Antrag, seinen Mandanten trotz seiner Rolle als Angeklagter in diesem Prozesse gleichzeitig a l s Nebenkläger gegen Kirsten zuzulassen, da er bei dem Motorbootunglück durch den Fall ins Wasser verletzt worden sei und die Schuld hieran dem Hafenmeister zumesse. Obwohl der Staats- anwalt und Rechtsanwalt Dr. Blumenfeld als Verteidiger dös Ange- klagten Kirsten diesem ungewöhnlichen Antrage widersprach, ließ das Schöffengericht nach längerer Beratung Dr. Iähnke als Neben- kläger in diesem Verfahren zu. Nach den Ausführungen des Vorsitzenden halte es das Reichs- gcricht nicht für unmöglich, daß ein Angeklagter gleichzeitig Nebenkläger gegen seinen Mitangeklagten sei, wenn nicht bestimmte tatsächliche und r echtlichc Hinderungsgründe vorhanden wären. Falls Dr. Iähnke bei dem Unglück, das ihm zur Last gelegt werde, selbst verletzt worden sei, habe er gegen den 5iafenmeister, falls diesen nach der Beweisaufnahme die Schuld träfe, einen Anspruch auf Buße, so daß die Nebenklage begründet sei. Oreimal mit dem Tode gespielt. Hartnäckige Selbstmörder. Die Tragödie eines Liebespaares, das sich in einem öjotel in der Stresemannstraße das Leben nehmen wollten, wurde gestern aufgedeckt. Ein 30 Jahre alter Lehrer Sch. aus Pirna und seine Begleiterin, die 32 Jahre alte Anna Z. aijs Dresden, hatten dreimal versucht, sich durch Leuchtgas, Oeffnen der Pulsader und Vergiften durch Kohlcnoxydgas zu töten. Das ist ihnen dreimal nicht gelungen. Der Lehrer wurde in dos Staatskrankenhaus.seine Begleiterin ins Urbankrankenhaus gebracht. Die beiden jungen Leute waren aus Dresden auf dem Anhalter Bahnhof angekommen. Sie hatten sich nach Berlin be- geben, um hier aus dem Leben zu scheiden, weil die Eltern des Mädchens von einer Heirat mit dem Lehrer nichts wissen wollten. Um unerkannt zu bleiben, verließen sie Dresden und fuhren noch Berlin. Hier suchten sie ein Hotel auf. Ihre erste Absicht war, sich mit Leuchtgas zu vergiften. Da hatten sie Pech, denn da gab es nur elektrisches Licht. Jetzt kauften sie sich Rasier- klingen und Preßkohlen. Mit den Kohlen heizten sie aber nicht den Ofen, sondern legten sie— angezündet— vor die Ofentür. Dann verriegelten sie die Tür. Verhängten das Fenster und schnitten sich im Bett mit den Rasierklingen in die Handgelenks. Sie erwarteten, zu verbluten und zu ersticken. Nichts davon ge- schah. Sie hatten die Pulsadern nicht getroffen und das Oxydgas wirkte nicht. Am nächsten Morgen wurde ihnen das Frühstück vor die Tür gestellt und angeklopft. Der Mann erhob sich jetzt und öffnete das Fenster, um den Qualm abziehen zu lassen. Das wurde von anderen Bewohnern bemerkt. Das Hotelpersonal ver- langte jetzt gewaltsam Zutritt und die beiden Selbstmordkandi- baten wurden schließlich von der Polizei in die Krankenhäuser gebracht. Mißlungener Versicherungsbeirug. Wie einer seinen Geldschrank in die Spree werfen ließ. Ein„Einbruch", der im W i n t e r f e l d k- P a l a st, Potsdamer, Ecke Pallas st raße verübt sein sollte. hat eine interessante Zluftlärung gesunden: der Pächter selbst. ein ZbZähriger Johann Polrzeba. gestand, sich mit zwei zünftigen Einbrechern zusammengetan und einen Einbruch vorgetäuscht zu haben, um durch einen Versicherungsbetrug zu Bargeld zu kommen. An der M ä ck e r i tz b r ü ck e hielt vor einigen Tagen ein gelbbraunes Auto, das aus der Richtung von Spandau gekommen war. Zwei Männer stiegen aus, packten mit schwerer Mühe eine große Kiste und warfen sie schwitzend über dos Geländer ins Wasser. Dann fuhren sie schleunigst davon. Zufällig hatte ein« Schülerin den seltsamen Vorgang beobachtet. Als verständiges Mädchen machte sie schleunigst der Polizei Mitteilung, und bald hatte der Reichswasferjchug einen etwa 2Vj Zentner schweren Wandtrcsor herausgefischt. Er war verschlossen und zudem in keiner Weise angeknabbert oder beschädigt. Man öffnete ihn und fand einige Rechnungen des Winterfeldt-Palastes in Berlin W. Richtig: In der Nacht zum Montag war ja ein Einbruch im Winter- feldt-Palaft gemeldet worden. In aller Ruhe sollten die Täler den Tresor hc rausgebrochen und etwa 8000 Mark bares Geld, das darin aufbewahrt war, erbeutet haben. Sonderbar war bei dieser Anzeige schon di« Tatsache gewesen, daß ein ziwerlässiger, auf den Mann dressierter Hund sich ganz still verhallen und nicht einmal angeschlagen hatte. Die Polizei war mit Recht mißtrauisch, und sehr bald legt« Potrzeba ein G e st ä n d n i s ob, daß er die beiden Einbrecher gedungen habe. Ja, er selbst hatte ihnen beim Fortschaffen des Geldschrankes geholfen. Unverzüglich hatte er dann bei der Ver- sicherung den Diebstahl gemeldet. Die beiden Einbrecher waren mit 500 Mark„entlohnt" worden. Staötverordneten-Oiäien weiter abgebaut. Der Oberbürgermeister läßt jetzt der Stadtverordnetenversamm- lung eine Vorlage zur Kenntnisnahme zugehen, in der er sie bittet, Kenntnis von seiner Rundoerfügung vom 30. Dezember 1931 zu nehmen. Diese Verfügung betrifft die Auswirkungen der Vierten Notverordnung auf die Aufwandsentschädigungen der Ehrenbeamten und ehrenamtlich tätigen Personen. Die Aufwands- entschädigungen betragen vom 1. Januar 1932 für die Stadtverordneten für Stadtverordnctensitzungen 8,50 M. und für Ausschuß- und Deputationssitzungen 4,30 M., für Bezirksverordnete für Sitzungen der Bezirksocrsammlungen 3,40 M. und für Ausschuß- und Deputationssitzungcn 2 M. Die Sätze für die Bürgerdeputicrtcn sind: für Ausschuß- und Dcputattons- sitzungen des Magistrats 4,30 M., für Ausschuh- und Deputation-- sitzungen der Bezirksämter 2 M. Das Ianuar-Programm der Berliner Museen. Die staatlichen Museen in Berlin werden ihre im Dezember gezeigten Sonderausstellungen größtenteils auch im Januar bei- behalten. Die Sonderschau„Mittelalterliche Goldmünzen" und die Neuerwerbungen der Gemäldegalerie im Kaiser-Friedrich-Museum. die Schau„Meisterschaft und Mittelmaß in der Zcichenkunst" und der„Meister der Brücke" im Kupferstichkabinett, die Zeichnungen von Altdorfer und Huber im Deutschen Museum und die Sammlung Baerwald(chinesisches Porzellan) im Museum für Völkerkunde werden also noch im Januar zu besichtigen sein. Eine neue Sonder- schau„Deutsche Voltstypcn und Volkstrach ten in photographischen Aufnahmen sowie eine Schau„Erccb- nisse des neuen Zeichen- und Werkunterrichts an höheren Schulen" veranstaltet die Staatliche Kunstbibliothck. Volkskonzerl im Saalbau Friedrichshain. Die Bezirks- ämter Prenzlauer Berg und Friedrichs Hain ver- anstallen im Saalbau Friedrichshain am Freitag, dem 8. Januar um 20 Uhr ein Volkskonzerl. Es wirken neben dem vortrefflichen Philharmonischen Orchester mit Professor Leo Kcstcnbcrg, Georg Oskar Schumann und Karl F ä ck n i tz. Der Eintritts- preis beträgt 0,40 Mark. Der nächste vlulterschulkurfus im Waisenhaus der Stadl Berlin. Alte Iakobstraße 33/35, beginnt am Freitag, dem 22. Januar 1932, inn 4 Uhr nachmittags. Der Kursus umsaßt 14 Doppelstunden au zwei Nachmittagen der Woche von 4 bis-6 Uhr nachmittags. Die Gebühr beträgt 8 Mark, Ermäßigungen und Freistellen können ge- währt werden. Anmeldungen sind zu richten an das Landes-Wohl- fahrts- und Jugendamt, Berlin C. 2, Poststraße 16, Fernsprecher: Berolina(E 1) 0011, Zimmer 79b. 99 Vorwärts"-Ausgabestellen u. Inseraten-Annahme hä erpedition: is 232— 2t! 237. Lindenstratze 3, Laden. Tön- " Zentrum: Ackcrstr. 174, am Keppenplatz, O2 Weiden- dämm 2135. Neuman». Grünsir. 21 �Ausgabe: Kur- strahe 25). E 1 Berolina 1371. „ Walter, Ww., Kronenstr.2..X 2 Flora 3283. Westen: Steglitzer Str. 37, Erle Magdeburger Straxe. »Süden: Baerwaldstr. 47, a. d. Gncisenaustraße. F G Baerwald 6918. »Prinzenstr. 63, Laden. F 7 Iannowitz 4438. »Östen: Markusstr. 36. E 4 Alexander 8735. •„ Petersburger Platz 4. E 4 Alexander 9734, Südosten: Lausitzer Platz 14/15. F 8 Oberbaum 083 t. »Nordosten: Jinmenucllirchstr. 24. E 4 Alexander 3736. Carmcn-Svloa-Str. 57, Ö t U m a n n. »Moabit: Wilhelmshavcner Str. 43.<3 5 Hansa 4035. Hmtenftr. 67. bei Bitterling. »Wedding: Müllerstr. 34, Ecke Utrechtcr Straße, v 0 Wedding 8034. »Rosenthaler und Oranienburger Borstadt: Wattstr. 9. v 4 Humboldt 7875. »Gesundbrunuen: Bastianstr. 7. v 4 Humboldt 7874. »Schönhauser Vorstadt: Grciscnhagcner Sir. 22. O 4 Humboldt 7805. Adlershos: Hermann P e tz o l d, Gcmcinschaftsstr. 10 Alt-Glienicke: Anna Halluiann, Rudolrer Str. 54 »Baomfchulcnweg: Strahl, Kicfholzstr. 170. Fl Oberspree 1073. Bernau, Röntgental, Zepernick. Schöllbrück, Karow und Buch: S-lnricd Brose. Beniau. Mühlcnslr. 5. Bergfelde: T i l ch, Hohenneucndorfer Straße. Biesdors-Nord: Karl Kellermann. Königstr. 17. Biesdors-2üd: Georg Wtnkler, Fortuna-Allce 40. Birkeuwerder: Frau Z o o r, Ratbausstr. 6. Bohnsdorf: Karl K u s k e, Eichbuschstr. 3. Borsigwalde: Max Gehrmann, Borsigwalde, Reuschstr. 51, vorn 1 Tr. Buchholz-Blankenburg: Wagner. Blankenburg, Burg- wallstraßc 71. »Eharlattcnburg I: Scscnheimer Str. I.Ol Stcinpl. 4156. »Eharlattenburg II: Eisfeld, Touroggcner Str. 11. C i Wilhelm 7798. »Charlotteuburg III: I o a ch i m>, Kailerdamm 95, Ein« gang Ziognitzstraßc. C 3 Westend 8154. Charlotlendurg IV: P u s e n r a l, Augsburger Str. 47, Portier. Charlottenburg V: Schulz, Droysenstr. 12, 1. Garten- baus 3 Tr. Charlotlendurg VI: Kanlstr. 123, Laden. Geöffnet 2 bis 6 llbr. Tabendors: Walter Hohls, Tabendorf, Provinzial- Chaussee. Eichwalde: H a n S D ü l l. Waldstr. 24/27, Siedl. DBB. Erkner: Poike, Ahornallee 31. Fichtenau, Grätzwalde: Frau M ü h l b a ch, Fichtenau, Mittelftr. 14. Falkcnberg:■ S a l z m a n n, Falkenbcrg, Gartenstadt straße 10. FrederSdorf-Petcröhagen: Otto Wilinski, Frcdcrs dotf, Arndtstraße. Friedenau: Gebr. Peter mann, Rönnebcrgstr. 3 Rhcingau 9054 u. 3027, Wilmersdorf, Lauenburgcr Straße 23, Laden. Rhcingau 9054 Fricdrichshagen: Muten zw ei, Lindenallee 14. Frohnau: Atoll Zurlics. Hermsdors. Schloßstr. 8. Grünau: Frau P f i tz n c r. Bahnbofstr. 9a III. Halensce. Grunewald, Eichlamp: Frau?! o a ck, Kiosk Hcnriettenvtay. Privatwohnung: Kathattncnstr. 4. Seiuersdors: Schulz, Htldestr. 28. Hennigsdorf: Frau R u d a t. Altendoriilr. 13. Hermsdors: Gustav Schied, Mollkestr. 1 1. Hoheucucndors: Frau Werner, Berliner Str. 58. Hobcnichonhaulcu: Frau S a b r. Orankestr. 13. Hof part. Hoppegarten: Rausch. Hoppegarten-Birkenstein. Par- zclle??r 113 Johannisthal: Lehmann, Kaiser-Wilhclni-Ttr. 13. Karlshorst: Perücke. Hentigstr. 35, und Kiosk am Babnhofplatz. Kaulshorf: Bogt, Bredereckstr. 13. Königswusterhaufcn: E. M e v e r. Potsdamer Str. 9. Köpenick, Hirschgarteu, Mahlsdorf-Süd: Schlag, Kö- venick. Kictzer Str. 6 lLaden». »Lichtenberg I: Lichtenberg, Wartcnbergstr I E5 Lichten- borg 1536 �Lichtenberg 11, Rummelsburg. Strelan: Boxhagcncr Straße 62. E 8 Andreas 733. Lichtenberg in, Friedrichsseide: Max Boche, Frank- furter Allee 173. E 5 Lichtenberg 0754. »Lichtcrsilde-Ost. Lankwitz: A. Wenzel, Lankwitz, Zietcnstr. 15. Tel.: Lichterfelde G. III 2703. Lichterselde-Weft: H ö l/n, Zehlendorf. Teltowcr Str. 3. Telephon: Zehlcndors 1853. Lichtenrade: Frau Lenz, Bahnbofstr. 20. Mahlsdors: Ulrich H a e s e. Am Ziosenhag 28. Am! Kaulsdorf 9022. � Mariendors: Frau Seift. Cbaussecslr. 29. Marienselde: A lff r ed Pöschk, Mariengarten Nr. 34. Marzahn: Credlung der Kinderreichen. G i m p« r- lein, Landsberger Chausiee 39a, Block I, Wohnung 4. Neucnhagen: Wenzkc. Ziegelttr. 1. »Neukölln I: Neckarstr. 2. F 2 Neukölln 5707. »Neukölln II: Siegfriedstr. 28'20. f 2 Neukölln 5706. Neukölln III: W i n k l c r. Hofttechtitr. 40, v. 1 Ti »Neukölln-Britz: Mittag, Britz. Shauffeeslr. 82. F 2 Neukölln 2550. Ncujchiilzcndors. Zeuthen: Franz K» h l. Ncujchulzen. dorf, Ernststr. 54. Niederlehme: Hermann Schultz«, Zernsdorf, Ziegelei. Niederschöaeweide: Hermann Btndlg, Sedan- stroß« 62. Riederschönhauseu-Lst: Frau G o I d b a ch, Schloß- allce 45. v. 3 Tr. Nowawes: Eisenbahnstr. 10. Oranienburg: Heinr. Leonhardt, Stralsundcr Straße 6. Oberschoueweid«: Robert Paul, Wilhelminenbof- straße 44a. F 3 Oberspree 0621. Pankow: Rißmann. Mühlenstr. 70. D 8 Pankow 2452. Potsdam: Gebr Schubert. Junkerstr. 26. Rahnsdorf. U r b a n i a k. Straße 7. Hau- 4 Reinickendorf-Ost: Wahle, Provrnjstratze 56. Ge- osmet 2—6. Reinickendorf-«est: B e n d t. Scharnweberstr. 114. Bolkshaus. OS Reinickendorf 3621. Rosenthal: Fritz Kollert. Kronorinzenstr 4 Rudow: O 1 1 o K a i s- r, Waltersdorser Chaussee 23. Sadowa, Koulsdorj-Tüd: H e n f ch t c, Kaulsdorf-Sud, Daldstraße 66.. I »Schmargendorf I: N e h a b. Breite Sir, 3. E 1 Ps-ll- burg 3541. Schönblick: Neuendorf. Schönblick. �-choneberg: Belziger Str. 27. G 1 Stefan 7409. cenzig, Guffow, Gräbendors: Friedewald. Senzig, Ehausseestr. 54. -----------|' 6, v. 1 Tr. Strausberg. Spieß. -iemensstadt: S t e n z e l, Brunnenstr. Steglitz: F r r si Schadenrille 2. Strausberg: Alfred Bannicke. � Tirichauer Tegel pir. • straße. Tegelort, Heiligensee, Schulzendor,: �egel, Schlicperitr. 52. Teltow: H ä i e l, Rittefftr. 29. Tempelhof: Harsdorf, Werdcrstr. 31 v. Part. Reulcmpelhos: R i n d f l e i i ch. Fidicinstr. 3o. v. Trebbin: G ö r i n g, Parkstr. »Treptow: Meckclburg. Graetzstr. 50. F8-jhtt bäum 8048.. � ,,, Waidmannslusn Rohde, Orainendamm 10. Wannfee: Wolter Glienicker Str 23 Weißens«: Anton Wiese. Lehdcrstr. 2. E 0 Weißen sce 3772. Wildau, Hoherlehme: R u d. Fricdrich-Eber«-Str 66. Wilmersdorf I: Lauenburgcr Str gau 9054. Wilmersdorf II: Friedrich Straße 22, l. Stfl IV. Wilhelmshagen, Sesienwinkel: Schulze, Wilhelm!- Hagen. Wilbelmstr. 31. Wittenau: Z'bell. Hauptftr. 65. W-ltersdorf: Frl. Mathias, Werderstt. 50 III Zehlcndori. Schlachteufee. Nikolassee: Höhn Zehlen- dorf. Tellower Str. 3 G 4 Zeblendor! IS53 Zernsdorf, Cablow, Cablow Mühle, Neue Mühle: Otto L i e f e g a n g, Zernsdorf, Breite Str. 105.' Zosieu: Witt. Baruther Str. 12. Sämtliche Liteiatur sowie olle wisienschastlichen Werke werden geliefert. Sonntags sind die CSefchästsstellen geschlossen. Tfe mit einem' versehenen Ausgabestellen sind nachmittags von 2— 6 Uhr unter der angegebenen Rum- Imet tclephonisch zu erreichen. l e t t o w, Hoherlehme. 22. Loden. Rhein- Bauer, Paulsborner