Morgenausgabe Nr. IS A S 4y.Iahrgang «Sch-Ntlich 7» Pf. w-mat»ch Z.« M. (daxon S7 Pf. moaaMch für Äufte!» Inng bis Hau») trn voraus zahlbar. Pollbezug 3J>7 SR.-inschli-ßlich SV Pf. Vonzeitung s- und 7Z Pf. Postbestellae- bähren.«wslandsabonneuient s.s» Pl. pro Monat! für Länder mit ermäztg- ton Dru-kfachenporto 4.SS M. »er.Borwärt»'' oscheint«ochentäg- lich zweimal. Sonntag, und Montag, «Inrnal. die Abendausgabe für Berlrn und im Handel mit dem Titel.Do Wind', Illuslriene»oonntag»billaa« .Boll und Zeit'. Verttner Volksblatt Sonntag 20. Januar 1932 Groß-Äerlin 15 pf. Auswärts 20 pf. xareille�e�l« 80 �Pf. Die einfpal«. Bon ZiellamezeU« ö,— RM.„Äleive An- zeigen" da» lettgednickt« Wort 28 Ps. lzulässig zwei settgedruikie Worte), iede» weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt. Taiif. Arbeitomarlt Zeile 50 Ps. FaMtlieu. iOPf. Anzeigenannah«» anzeigen Zeile 40 Pf. Anzeiaenann im Hauptgeschäft Lindenstrod« 3, roc täglich von 8>/z bis 1? Uhr. Der D erlag behält Ablehnung nicht geneh wachen- Hr. da» Recht der er Anzeigen varl Aentealovsan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin EW 68, Lindenstr. 2 kUrnspr.. Döndoss fA 7) 892— 297. Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Nostscheckkomo: Berlin 37 536.— Bankkonto: Bank Der arbeitet, angeheilten und Beamten. Lindenstr. 3 Dt B.u,DiSr.»Gei..Deposttenk.,LeruIalemer Sir. 65/66. ff Nationale" entschlußunfähig! Keine Entscheidung, sondern ein Bierabend. Die Harzburyer Frost hat«och keine Entschel- t» u a g fi&er de« Plan der Reichs regieruug getroffen, die Amtsperiode des ReichsPrSfidenten im Reichstag ver» längern ,« lasse«. Hitler wird seine Antwort a« den Reichsra«zler erst am Montagmittag geben. Hngenberg nnd Hitler habe» stundenlans ver- handelt, ohne zn einem Ergebnis oder zu einem Entschluß zu komme«. In der Hinanszögerung eines Entschlusses von Termin zu Termin zeigt sich die schwere Verlegen- hett der Harzbnrger. Hitler und Hngenberg suchen Zeitgewinn. Heber die Vertagung der Entscheidung der Harzburger teilt die Telegraphen-Union mit: »Die Verhandlungen, die nach der neuerlichm Besprechung zwischen dem Reichskanzler Brüning und Adolf Hitler, zwischen Hitler und Dr. Hugenderg am Sonnabend nachmittag stattfanden, haben noch kein endgültiges Ergebnis gehabt. Die Entscheidung in Form der in Aussicht gestellten Antwort Hitlers an den Reichskanzler wurde auf Montag vertagt. Der Führer der Deutschnationalen, Dr. Hugenberg, wird Sonntag mittag, 12 Uhr, eine Unterredung mit dem Reichs- kanzler haben. Die Verhandlungen innerhalb der nationalen Opposition werden fortgesetzt.' Die deutschnationale Reichstagsfraktion wartete am Sonnabend nachmittag auf das Ergebnis der Besprechungen zwischen Hiller und Hugenberg. Sie ging gegen Abend auseinander. Am Abend ver- sammelte sie sich wieder zu einem— Bierabend. Das scheint uns weder dem Ernst der Zeit noch der Bedeutung der zur Diskussion stehenden politischen Frage angemessen— wohl aber dem Wesen der Harzburger! Brüning über Lausanne. Gr strebt eine Gndlösung an.— Llnmöglichkeii politischer Zahlungen. Im Zusammenhang mit der Veröffenllichung der Liste der deutsche« Delegation für die Reparationskonserenz jn Lausanne empfing Reichskanzler Dr. Brüning gestern den Chef- redakteur des WTB. Dieser wies darauf hin, daß diese amtliche Nachricht die politische Oeffenllichkell naturgemäß sehr interessiere, und fragt«, welche Gesichtspunkt« bei der Zusammen- setzung der Delegation beachtet worden seien. Der Herr Reichskanzler betonte einleitend, daß der bevor- stehenden Reparationskonserenz in Lausanne eine sehr große Bedeutung zukomme. Er habe es daher nicht nur in seiner Eigenschaft als Reichsaußenminister, sondern allch als Reichskanzler, dem nach der Verfassung die Bestimmung der Richtlinien der Politik zufalle, für seine Pflicht geHallen, trotz der Fülle seiner sonstigen Amtsgeschäfte die Führung der Delegation selbst zu übernehmen. Außerdem würden die zuständigen Ressortminister, Reichssinanz- minister Dietrich und Reichswirtschaftsminister W a r m b o l d. teilnehmen. In seiner Begleitung werde sich Staatssekretär von Bülow befinden, da auf einer außenpolitisch so bedeutsamen Konferenz naturgemäß auch dos Auswärtige Amt als solches maß- geblich vertreten sein müsse. Gleichzeitig sei aber Bedacht daraus genommen worden, durch Zurükklassung von leitenden Beamten in Berlin, so der Staatssekretäre des Reichsfinanz- Ministerium», des Reichswirtschaftsministeriums und der Reichs- kanzlet die Arbeitsfähigkeit des Reichskobinetts in Berlin, nament- lich für etwaige Rückfragen der Lausanner Delegation, sicherzustellen. während der Dauer der Souserenz werde die Reichsregieruog in Verlin nutet Leitung de» Reichswehr-«od Reichsinuen- Ministers vr. d. c. Sroener stehen. Der Chefredakteur fragte weller. ob denn der Herr Reichs- kanzler angesichts der gegenwärtigen politischen Lage eine längere eigene Abwesenheit von Berlin für vertretbar halte. Der Chefredakteur wies hierbei insbesondere aus die am kommenden Dienstag stattfindende Sitzung des Aeltesten- rats des Reichstages hin. in der bekanntlich auf kommu- nistischen Antrag über die Frage der etwaigen vorzei» ti g e n Einberufung des Reichstages Beschluß gesaßt werden solle. In seiner Antwort verkannte der Herr Reichskanzler diese Bedenken keineswegs, fügte aber hinzu, daß seine Teilnahme an her Reparationskonserenz aus dem eingangs erwähnten Grunde das absolut Vordringliche sei. Er halle es übrigens nach der bisherigen Haltung des Aellestenrats eigentlich für a u s g e- schlössen, daß sich eine Mehrheit für sofortige Einberufung des Reichstags zur Behandlung reparotionspolitischer Fragen finden Suse. Die Reichsregieruug habe schon bei verschiedenen Anlässen daraus hingewiesen, daß sie keineswegs beabsichtige, den Reichs- lag als maßgeblichsten Faktor der deutsche« Gesetzgebung auf die Dauer auszuschalten. Vielmehr habe sie selber bei der letzten Tagung des Reichstages auf den Beschluß hingewirkt, für Ende Februar dieses Jahres«ine erneute Tagung des Reichstages ins Auge zu fassen. Die gleiche Haltung nehme die Reichsregierung auch zur Stunde noch«in. Den Einberufungstermin nun aber etwa aus Mitte oder Ende Januar legen zu wollen, sei nach seiner Auffassung geradezu un- verständlich. In demselben Augenblick, wo die Reichsregierung sich anschicke, die wichtigsten vaterländischen Interessen des schwer um seine Existenz ringenden deutschen Volkes vor dem Auslande zu vertreten, wäre eine gleichzeitige Beratung dieser und der damll zusammenhängenden Fragen vor dem Plenum des Reichstages eine völlige Unmöglichkeit. Die Frage des Chefredakteurs, ob er diese Ausführungen des Herrn Reichskanzlers der Oeffentlichkell mitteilen dürfe, bejahte der Herr Reichskanzler ausdrücklich. Der Chefredakteur fügte hinzu, daß für diese Haltung der Reichsregierung bei dem größten Teil der deutschen politischen O e f f e n t l i ch k c it nach seiner Auffassung dur�aus Berständnis vorhanden sei. Wenn da und dort noch Zweifel vorhanden seien, so beruhten sse im wesentlichen darauf, daß die Haltung der Reichsregierung und der deutschen Delega- tion in Lausanne noch nicht genügend klar um- rissen und in der Oeffentlichkell bekannt sei. Der Herr Reichskanzler unterdrückte fein Erstaunen über diese Frage nicht und betonte, daß irgendein Zweifel au der Haltung der deutschen Delegation in Lausanne doch nicht gut möglich sei. Er brauche in dieser Hinsicht nur aus die verschiedenen deutschen Verlautbarungen der letzten Zeit hinzuweisen, wobei er die amt- lichen Aeuherungen anläßlich des Neujahrsfestes und seine eigene Rundfunkrede vom 7. Dezember covähnte. Es gelte jetzt sür die beteiligten Mächte, die Schlußfolgerungen aus dem Bericht der Baseler Sachverständigen zu ziehen. Der Bericht habe noch einmal die gewaltigen Dimensionen der Welt- krise aufgezeigt und vor allem die verheerenden Folgen geschildert. die diese Krise gerade für Deutschland mit sich gebracht habe. Er führe der Welt die bis an die äußerste Grenze gehenden Maß- nahmen vor Augen, die in Deutschland zur Bekämpfung der Krise ergriffen worden seien, und erkenne von ihnen an, daß sie in der modernen Gesetzgebung ohne Beispiel daständen. Zugleich beweise der Bericht aber, daß einseitige deutsche Maßnahmen nicht aus- reichen könnten, daß vielmehr die Lag« Deutschlands, die in weitem Maße dir Ursache sür die steigende sinanzielle Lähmung der Welt sei, gebieterisch«in gemeinsames Handeln der Re» g i e r u n g e n, und zwar ein sofortiges Handeln fordere. Dafür: wohin die Entschließungen der Regierungen gehen müßten, gebe der Bericht, wenn er auch auf formulierte Vorschläge ver- zichte. doch ganz klar Re Richtlinie an. Er zeige die t a t s ä ch- liche Zahlungsunfähigkeit Deutschlands und zeige darüber hinaus, in welchem engen ursächlichen Zusammenhange gerade die deutschen Reparationszahlungen mst der ganzen gegenwärtigen Lage ständen. Dabei stelle der Bericht aus- drücklich fest, daß sich die Voraussetzungen, von denen seinerzeit die Verfasser des Doung-Planes ausgegangen seien, grundlegend ge- ändert hätten. Hiermit, so betonte der Herr Reichskanzler, sei im Grunde alles gesagt. Es liege klar zutan�/ baß Teutschlands Lage lhm die Fortsetzung politischer Zahlungen unmöglich mache. Eben- so klar sei, daß jeder Versuch, das«tzstem solcher politischen Zahlungen aufrechtzuerhalten, nicht nur für Deutsch- land, sondern für die ganze Welt zum Unhell führen müsse. Bei diesem Stande der Dinge sei der Rcichsreglerung ein Spiel- räum für Ueberlegungen, welchen Standpunkt sie einzunehmen habe, überhaupt nicht gegeben. Sie könne auf der bevorstehenden Kon- ferenz nichts anderes tun, als die gegebene Sachlage darzustellen und an die anderen beteiligten Negierungeu die Auffordc- rnng zu richten, daß sie auch ihrerseits dieser Sachlage Rechnung trügen und nicht nach Kompromißlösungen suchten, für die eine reale Möglichkeit nicht mehr gc- geben sei. Abschließend erklärte der Herr Reichskanzler, er glaube bestimull, daß es heute in keinem Lager mehr an der inneren Einsicht in die Notwendigkeit der jetzt zu ziehenden Schlußsolgcrungcn fehle. Es komme nur darauf an, auch den Mut zur Verwirklichung dieser Einsicht zu finden und, wie der Sachverständigenbericht sage, die Behandlung wirtschaftlicher Probleme nicht wieder durch politische Gedankengänge beeinflussen zu lassen. Große Aufregung in Paris. Paris,?. Januar.(Eigenbericht.) Eine zuerst durch eine Reutermeldung und dann in etwas ab- geschwächter Form durch eine havasmeldung in Paris bekanoi- gewordene ErNärung Brünings an den englischen Bot- s ch a s t e r. daß Deutschland keine Reparationen zahlen könne und daß er daran zweifle, ob Deutschland jemals imstande sein werde. die Zahlungen wieder auszunehmen, ha» in hiesigen parlamen- »arischen Kreisen wie eine vombe eingeschlagen Maßgebend dafür ist nicht der Zohal« der Erklärungen, der sich ja mit dem bis- herigen Standpunkt der Reichsregierung deckt, sondern der Zeit- Punkt» an dem sie erfolg» ist. Zu den Liakskreisen. die einer fflcscmlccoision des Reparatlousproblems nicht abgeneigt sind, wird diese Erklärung für eine der von hiiler gestellten und von Brüning aogeaommenen Bedingungen für die Zustimmung zn der Der- löngerung der Amtszeit hindenburgs und damit als ein Erfolg Hitlers angesehen. Zn parlamentarischen Kreisen diskutiert man die Frage, ob es unter diesen Umständen sür die französische Re- gierung überhaupt noch einen Sinn hat. an der Lausanner Konserenz teilzunehm-n. Es ist auch nicht aus- geschlossen, daß die Kundgebung des Reichskanzlers einen sür Deutschlaad ungünstigen Einfluß aus die Zusammensetzung des neuen sranzöfischea Kabinett» haben wird. -» Es ist wohl anzunehmen, daß bei näherer Betrachtung der Dinge In Paris eine ruhigere Auffassung Platz greifen wird. Tatsächlich hat lkfrüning in seinen Erklärungen nichts gesagt, was er nicht schon früher gesagt hat, und es ist nicht emzujehen, wieso die Wiederholung des schon Gesagten ein besonderer Erfolg Hitlers fein soll. In Deutschland ist die Ueberzeugung allgemein, daß die Streichung sämtlicher Kriegsschulden zum erstell«nd nächsten gehört, das zur Losung der Weltwirtschaftskrise nötig ist. und ebenso ist hier die Ueberzeugung allgemein, daß die NichtWiederaufnahme der Reparationszahlungen im �nteresjfe nicht nur Deutschlands, sondern aller Beteiligten liegt. Die deutsche Regierung geht nach Lausanne in der Äbsicht, für die deutsche These um allgemeine Ane-rkennuag zu werben— das kann für Frankreich kein Grund sein, sich den Verhandlungen zu entziehen und die Konferenz auffliegen zu lassen. Vielmehr muß trotz aller Gegensätze der Auffassungen versucht werden, einen allgemeinen Konsens herbeizuführen und da- mit neue politische Erschütterungen zu vermeiden, die weder die deutsche noch die französische Wirtschaft ertragen kann. Scharfe Gegenerklärung Flandins. Paris. S. Januar. Finanzmioister Aland in äußerte sich der Presse gegenüber zur Erklärung des Reichskanzlers wie folgt: wenn die Erklärungen, die man dem Sanzler in die Schuhe schiebt, richtig sind. wonach die deulsche Regierung die Forderungen des Zoong.Plancs und des verfailler Vertrages nicht weiter erfüllen will, so würde da, bedeuten, daß Deutschland mit dem Poung-Plan und dem Verfailler vertrag eiu Code machen wird. Es bleibt deshalb die Vestätiguog dieser Nachricht abzuwarten. Wenn sich die Erklärungeu bestätigen, so würde keiue französische Regierong die Kündigung der freiwillig unterzeichneten Verträge annehmen können, wenn der Lausanner Konferenz solche Er- klärungen der Nichtzahlung vorausgehen würden, so würde die Konferenz nberslüsfig, Kürzlich hat die deutsche Propaganda besonders im Ausland die Behauptung verbreitet, daß Frankreich von Deutschland bereits Summen erhalten hätte, die die Beträge der in den zerstörten Gebieten angerichteten Schäden über st eigen. Diese Ziffern sind gestern(Freitag) von der„Agence Havas" richtiggestellt worden. Niemand bestreitet den Ernst der Weltkrise und die Not» wendigkeit ihrer Bekämpfung. Die französische Regierung arbeitet gerade daran, wenn sie im Geiste der Versöhnlichkeit eine Formel ausarbeitet, die die Gläubiger und Schuldner einigen und die Krise erleichtern könnte. Man hat schon oft gesagt, daß die augenblickliche Krise wenigstens ihrer finanziellen Bedeutung nach eine Kreditlrise, d. h.«ine Vertrauenskrise fei. Durch Vertragsverletzungen würde man sie unüberwindbar machen. Vertragsverletzungen könnten nur dazu dienen, die Kapctalhamsterei zu vermehren und das Mißtrauen zu verstärken. Man kann nicht gleichzeitig die Rechte Frankreichs gering achten und seine Mitarbeit in Anspruch nehmen. * Diese ganze aufgeregte Gegenerklärung des srnnzöfischen Finanzministers. ebenso wie die zum Teil hysterischen Aeußerungen der Pariser Abendpresse beziehen sich wohlgemertt auf den von der Reuter-Agentur verbreiteten Bericht über die Unterredung Brüning. Rumbald. Als authentische Aeußerung des Reichskanzlers ist nur das WTB.-Interview aufzufassen, das zu. mindest in der Form viel nuancierter ist und das erst am späten Abend in Paris bekannt wurde. Nach dem Reuter-Bericht soll der Reichskanzler dem englischen Botschafter erklärt haben. Deutschland könnte weder jetzt noch i» Zukunft irgendwelche Reparationen zahlen, wenn das wirtschastllch« Leben der Welt wieder belebt werden solle. Die deutsche Abordnung müsse auf der Lausanner Konferenz dringend für die vollständig« Streichung der Reparationen eintreten. Der Reurer-Bericht fährt fort: Die Ansichten Brünings und s«ner Kabinettstollegen icher die Reparationen seien wiederHoll dm aus» ländischen Diplomaten gegenüber erläutert ukorden. Auch die Presse Hab« das der Oeffentlichkest gegenüber getan. Man weife in den zuständigen Streifen in Berlin darauf hin, daß das geborgte Geld, mit dem Deutschland bisher seine Reparationen bezahlt hätte, da es nicht für produktive Zwecke verwendet worden sei, tot sei. Das deutsche wirtschaftlich« Lebe» stehe jetzt am Rande des vollständigen Zusammenbruchs. Dieser würde sicher- Uch ganz unvermeidlich werden, wenn versucht würde, wieder die Reparationslasten Deutschlaich auszuerlegen. Wenn Deutschland dagegen von dieser Last befreit würde, so werd« es in der Lage sein, seine privaten Schulden zur gegebenen Zeit zu bezahlen. - Aber es könne unmöglich dies« und die Reparationen zu» sammen zahlen. Llttgeheurer Eindruck in Belgien. Brüssel. S. Januar. Di« Erklärung des Reichskanzlers Brüning, daß Deutschland keine Tribute mehr zahlen könne, Hot hier ungeheuren Ein» druck gemacht. Die Zeitungen veröffentlichen die Erklärung in großen Schlagzellen.„Mngtieme©iecle" bemerkt dazu, die Mittel. Deutschland wieder zum Zahlen zu bringen, seien jetzt für die Alliierten das größte Problem, selbst, wenn solche Mittel vor- Händen wären. Auch Lloyd George für Generalstreichung. London. 9. Januar.(Eigenbericht.) Lloyd George, der am Donnerstag von einer Erholungs» fahrt nach Ceylon nach London zurückgekehrt ist, äußerte sich gegen» über einem Vertreter des„Daily Herald* über die Frag« der Reparationen und interallicrten Kriegsschulden: »Macht reinen Tisch mit Sriegsschuldeu und Reparationen". so sagte der liberale Führer, der jetzt zwar nur an der Spitze eines vier Köpfe starken Grüppchens des Parlaments steht, der aber trotzdem in England ein politischer Faktor erster Ordnung ist. „Kriegsschulden und Reparationen müssen, da sie miteinander ver- knüpft sind, zusammen verschwinden". Aber über die Erreichung dieses Zieles ist Lloyd George nicht übermäßig optimistisch. Er befürchtet, daß die Ereignisse des Jahres 1932 eine Erledigung dieser Fragen verhindern werden. Er denkt besonders an die bevor- stehenden Wahlen in Amerita und- in Frankreich:„Wenn die Demokraten in Amerika die PolUik der Schuldenstretchuvg proklamieren, so werden die Republikaner sie bekämpfen, und wenn die Republikaner diese Politik ausnehmen, so wählen die Demokraten den eutgegcagejetzteu populären Kurs. Wenn beide die Schulden» streichung befürworten, dann tritt Herr Hearst, der Zeitungs» könig, auf den Plan, um sie zu bekämpfen. Aehnlich liegen die Ding« in Frankreich* Japanische Regierung bleibt. Der Mikado hat es abgelehnt, den Rücktritt der iapamschen Regierung, der im Zusammenhang mit dem Slttentat auf den Kaiser folgte, anzunehmen. Die Minister werden bis auf den Innenminister, der als Sündenbock für das nicht verhinderte Attentat gehen muß. im Amte bleiben. Reichspräsidenten. Aus dreizehn Jahren deutscher Geschichte. In wenigen Wochen vollenden sich sieben Jahre, seit der erste Reichspräsident FriedrichEbert starb. Zum ersten- und bisher einzigemnal hatte ein Mann aus der Ar- b e i t e r k l a s s e an der Spitze des deutschen Staates ge- standen, und et hatte vieles gutgemacht, was Kaiser und Könige verdorben hatten. Als Eberl kam, war Deutschland in Gefahr, noch einmal das Schicksal des Dreißigjährigen Krieges zu erleiden, der die Bevölkerung auf ein Viertel des Standes vor Kriegsbeginn reduziert, den Rest in unbeschreib- lichem Elend zurückgelassen, den Kulturfortschritt um Jahr- hunderte zurückgeworfen hatte. Diese Gefahr erkannt und gebannt zu haben, ist das geschichtliche Verdienst Eberts und seiner Mitarbeiter. „Nationalsozialisten* hat es aber auch schon zu Eberts Zeiten gegeben, wenn sie sich damals auch meist noch anders nannten. Haß und Hohn umzischten ihn, Meuchelmord schlich um sein Haus und schlug zwei seiner Mit- arbeiter; während er gegen die idiotische Verleumdung kämpfte, er habe im Kriege.Landesverrat* begangen, raffte ihn eine tückische Krankheit hinweg. Neben dem Vorwurf des„Landesverrats* blieb ihm auch der des„K l a s s e n v e r r a t s" nicht erspart, und dieser Vorwurf hat ihn am meisten geschmerzt. Man erschrickt bei- nahe, wenn man bemerkt, wie wenig die K o m m u n i st e n gegen den kaiserlichen Feldmarschall v. H i n d e n b u r g als Reichspräsidenten zu sagen hatten, wenn man sich erinnert, mit welchen Schmähungen sie einst Ebert überhäuften. Man erschrickt, weil man da auf einmal einen Rest von echter Pöbelgesinnung entdeckt, die den Klassengenosfen b e s p e i t, aber den Respekt vor dem„Höheren* nicht los wird. «- Ebert starb am 28. Februar 1926. Zum erstenmal trat die Bestimmung der Verfassung in Kraft, daß der Reichs- Präsident direkt durch das Volt gewählt wird, lieber den Wert einer solchen V o l k s w a h l kann man als Demokrat im Zweifel sein. Mit Recht tadelt man an unserem Reichs- tagswahlrecht, daß die Wahlkreise zu groß sind und daß darum die Wähler ihre Kandidaten gar nicht recht kennenlernen. Bei der Volkswahl des Reichspräsidenten ist aber ganz Deutschland ein einziger Wahlkreis, und die Kandidaten sind für die Masse der Wähler kaum durch das Femrohr sichtbar Zum ersten Wahlgang hatte die vereinigte Rechte— Deutschnationale. Volkspartei und Wirtschaftspartei— den Duisburger Oberbürgermeister Iarres vorgeschickt, der als„der beste deutsche Mann" plakatiert wurde. Er erhielt am 29. März 19 416 665 Stimmen, während es der Sozial- demokrat Otto Braun— zweifellos der einzige wirklich Berufene unter den Bewerbem— nun auf 7 802 496 Stimmen brachte. Marx vom Zentrum, T h ä l m a n n von der KPD-, Hellpach, der Demokrat. Held, der Bayer, und schließlich gar der.wöMsche" Ludendorff blieben weit hinten. Die Rechte hatte kaum noch sichtbare Reserven. Die Weimarer Koalition war ihr, wenn sie im zweiten Wahlgang vereint schlug, um rund drei Millionen über- legen. In dieser Situation sprang Hindenburg ein. In- dem man den greisen Marschall als den Retter prüfen- tierte, machte man die Unpolitischen, die Richtwähler, mobil. Am 26. April schlug der Reichsblock-Kandidat Hindenburg mit 14 666 766 gegen 13 761615 Stimmen den Dolksblock- Kandidaten Marx. Die Kommunisten gaben, indem sie ihre Eelbstkandidatur Thälmann aufrechterhielten und rund zwei Millionen Stimmen vom Bolksblock abzogen, für Hindenburg den Ausschlag. Die Nationalsozialisten nennen sich heute„die Partei der 16 Millionen*. Dafür, daß sie das sind, haben sie den Be- weis bisher noch nicht erbracht. Sie könnten es aber sein— wie die Hindenburg-Wahl zeigt— ohne der Linken auch nur eine einzige Stimme genommen zu haben. Hindenburg hat es leichter gehabt als Ebert. Nicht nur, weil die Kommunisten ihn viel besser behandelten, was ihm Briands Entschluß endgültig. Er nimmt einstweilen keinen Posten mehr an. Paris, S. Januar.(Eigenbericht.) Die Haoasmsldung, baß Briand dem Ministerpräsidenten sein Demissionsgesuch überreicht habe, ist in der übermittelten Form nicht ganz zutreffend. Wie der Korrespondent des„S o z. Pressedienstes* in Paris dazu erfährt, haben außer Briand auch die übrigen Minister nach dem Tode Maginots dem Minister- Präsidenten ihre Portefeuilles zur Verfügung ge- stellt, um die Umbildung der Regierung zu erleichtern. Aller- ding» hat Briand hinzugefügt, daß es ihm auf Grund seines Gesundheitszustandes ratsam erscheine, in der neuen Regierung nicht wieder das Amt des Außenministers zu übernehmen, son- dern sich längere Zeit auszuruhen. Laval hat ihm das auszureden versucht und ihn schließlich aufgefordert, der Regierung seine Dienste in einer noch zu bestimmenden Form weiter zur Verfügung zu stellen. Dazu erfährt der Korrespondent des„Soz. Pressedienstes" von einer Briand persönlich nahestehenden Seite, daß der Eltsschluß de« Außenminister», sein Amt ulederzolegen. unerschütterlich ist und daß Briand trotz aller Ehrentitel, die man ihm verleihen möchte, sich für die nächste Zeit vollkommen aus dem polstischen Leben zurückziehen wird. Di« Gründe für den Rücktrittsentschwß Briands sind tatsächlich In seinem stark geschwächten Gesundheitszustand zu suchen. Der Minister leidet seÜ langem an Schlaflosigkeit. Er verbringt fast jede Nacht lesend nn Lehnskchl. Rur selten schläft er in den Morgenstunder. auf kurze Zeit ein. Es wäre jedenfalls volltommen verfehlt, diesen Entschluß auf irgendwelche Rivalitäten zwischen Laval und Briand zurück- führen zu wollen. Di« Aufforderung Laoals an Briand, sein Amt wahrscheinlich recht gleichgültig gewesen sei» wftD, sondern weil immerhin die schwierigste Arbeit getan, der Grund ge- legt war, auf dem man weiterbauen konnte. Und er hat weitergebaut. Mit Erstaunen bemerkten es feine Gegner. mit wachsendem Befremden seine Anhänger, daß mit dem Wechsel in der Reichspräsidentschast her erwartete schroffe Kurswechsel nicht eingetreten war. Der„Retter* erwies sich als wirtlicher Retter, indem er das Rettungswerk Eberts fortsetzte. Hier zeigte sich wieder einmal ganz deutlich, wie stark die Zwangsläufigkeiten der Weltgeschichte sind: sie hießen den konservativen General in vielem den- selben Weg weitergehen, den der Sozialdemokrat und ehe- malige Sattlergeselle vor ihm gegangen war. Nach dem Wahlsieg Hindenburgs hatten viele geglaubt, daß die Republik in schwerste Gefahr geraten, die Möglich- teit scharfer außenpolitischer Konflikte in die nächste Nähe gerückt sei. Diese Befürchtungen erwiesen sich als unbe- gründet. Hindenburg nahm den Eid aus die republikanische Berfassung, den er vor seinem Amtsantritt leistete und den jeder seiner Nachfolger leisten muß, ernst. Tatsachensinn und Gewissenhaftigkeit hinderten ihn an außenpolitischen Abenteuern. Hindenburgs Wahlmacher, die von Staatsstreich und großen„nationalen Taten* geträumt hatten, waren namen- los enttäuscht. Sie müssen heute zugeben, daß von ihren großen Versprechungen nichts eingetroffen ist— und das ist ihnen viel schwerer als uns einzugestehen, daß sich unsere Befürchtungen als unbegründet erwiesen haben. Herr v. Hindenburg ist bestimmt kein Sozialdemokrat und wird bestimmt auch keiner mehr werden. Er ist Zweifel- los für uns ein politischer Gegner— aber ist es nicht ein Glück, heutzutage von einem politischen Gegner sagen zu können, daß er ein durch und durch anständiger Mann ist und daß man seiner Rechtschaffenheit unbedingt traut? * Sieben Jahre werden bald vorüber sein, seit Ebert starb und Hindenburg gewählt wurde. Run soll die zweite Volks- wähl kommen, soll der dritte Reichspräsident gewählt wer- den. Die Zahlen von 1926 lassen vermuten, daß es auch dies- mal inderHandderKommunisten liegen wird, einen Sieg der Rechten herbeizuführen, und ihr bisheriges Ver- halten rechtfertigt in keiner Weise die Hoffnung, daß sie das nicht tun werden. Die Komimmiften werden sich auch diesmal nicht dazu verstehen, auf einen eigenen Splitterkandidaten zu verzichten und mit den Sozialdemokraten für ein und denselben Kan- didaten einzutreten. Die Gefahr, daß auch diesmal ein Kan- didat der Rechten durch das Ziel geht, wird auf diese Weise beträchtlich gesteigert. Diesmal aber bedeutet Sieg eines Rechtskandidaten tatsächlich höchste Staatsstreichgefahr. höchste Bürgerkriegsgefahr, höchste Gefahr für Deutschland, in Zustände zu versinken, von denen es— trotz aller vor« haitdenen Rot— zu Eberts und Hindenburgs Zeiten ver- schont geblieben ist. Die Kommunisten sind durch ihre Taktik bereit, einem nationalsozialistischen Staatsstreichpräsidenten den Oberbefehl über die bewaffnete Macht in die Hand zu geben. Und diese Leute schreien Zetermordio, wenn wir Sozialdemokraten überlegen, ob nicht eine Verlängerung der Präsidentschaft Hindenburgs einem solchen Fall vorzuziehen sei! Die Sozialdemokratie hat in der Frage der Reichs- Präsidentschaft noch nichts beschlossen. Allerdings ist sie nicht so töricht gswesen, durch ein vorschnelles Rein die Herren der„nationalen Opposition* aus den Röten zu befteien, mit denen sie sich jetzt herumquälen. Der Anblick, den diese Nationalhelden mit den ununterdrückbaren Kuhhandelskom- plexen gewähren, ist wahrhast grotesk und wohl geeignet, manchen ihrer Anhänger die Augen zu öffnen. Die Sozialdemokratie will und wird nicht dulden, daß das Schicksal der Ration zum Gegenstand eines schmutzigen Handelsgeschäfts gemacht wird. Im übrigen sind die Dinge im Fluß. Niemand kann sagen, welche außen- und innen- politische Situation die sozialdemokratische Reichstagsfraktion bei ihrem nächsten Zusammentritt vorfinden wird, niemand kann sagen, wie sie entscheiden wird. beizubehalten, ist, wie versichert werden muß, durchaus ernst ge- meint gewesen und der Ministerpräsident bedauert es seinerseits, daß Briand seinen Entschluß aufrechterhält. Der Ministerpräsident hat am Sonnabeickmachmittag mit den Vorverhandlungen zur Kabinettsumbildung be- gönnen. Er hatte am Vormittag und Nachmittag Unterredungen mit Tardieu. Di« Sonnabendabendzeitungen veröffentlichen zahlreiche Er» klärungen von Parlamentariern aller Richtungen über dl« Mög- lichkeit einer Äonzentrationsr«gierung. Di« Mit- glieder der Rechte- und Mittelparteien treten für die national- Einigkeit ein, die befragten radikalen Abgeordneten lehnen diese Forniel zwar nicht grundsätzlich ab. halten si« aber im Lugenblick für undurchführbar. Laval wird Außenminister/ Tardieu Kriegsminister Paris. S. Januar. Di« Agentur Havas verbreitet ein« Betrachtung über die Aussichten für die Neubildung der Regierung, in der erklärt wird, Laval habe die Absicht, in einer öffentlichen Erklärung nach Wiederaufnahme der parlamentarischen Arbeiten und noch vor Be» ginn der Verhandlungen mit den Fraktionsführern die Notwendig» fest einer Einigung der Parteien lzeroorzuheben. Im übrigen habe sich TarSieu Laval gegenüber b« r« i t« r k l ä rt, so- wphl das Kriegsminifterium zu übernehmen als auch im Landwirtschastsministerium zu bleiben, während es wahrschetullch sei. daß Laval selbst das Außeumiulslerlum über- nehmen werde, und als Anwärter für das Innenministerium Senator Barthou. Senator Peyronnet und der jetzige Unterstaats- sekretär im Innenministerium Cathala in Frag« kämen. Auflösuaa des„Verbandes der Polen ia Lettland". Das Dünaburger Bezirksgericht hat den Verband der Polen in Lettland, der wegen gesetzwidriger Tätigkeit unter Anklage gestellt worden war, endgültig aufgelöst. Sozialdemokratie und Gewalt. Eine grundsätzliche Feststellung. Die Kundgebung d-r Eisernen Front vom Freilag hat in Berliner Rechtiblüttern. voran in der„Börsen- z e i t u n g" und m der„Deutschen Allgemeinen Zeitung", die Behauptung hervorgerufen, daß in dieser Versammlung offen zum Bürgerkrieg und zur Gewalt auf- gerufen worden sei. Diese Behauptung stützt sich vor allem auf eine Rede, die der Genosse Regierungsrat Dr. Muhle bei der Kundgebung gehalten hat. Die Preslestelle des Reichsbanners hat bereits in einer Erklärung festgestellt, daß die Ausführungen des Genossen Muhle ln der Rechtspresse entstellt wiedergegeben worden sind. Ueber die Stellung der Sozialdemokratischen Partei, des Reichsbanne rs und der G e w e r k- s ch a f t e n zum Bürgerkrieg und zur Frage der G e- malt herrscht im übrigen nicht die geringste Unklarheit, und die letzten offiziellen Kundgebungen jeder einzelnen dieser Organisationen wie der Eisernen Front haben diese Stellung unterstrichen. Bür, �er Verhinderung des Bürgerkrieges. Rasseforfchung in Kaiserslauiern. «or das verfassungsmäßige Recht» sie sind Feinde des gewall 7"men Angriffs auf die Verfassung! Die Gewalt wird nicht von ihnen angestrebt, sondern von den Gegnern der Ver- fassung, die mit gewaltsamen Plänen spielten. Wenn Sozialdemokratie und Reichsbanner mü der Möglichkeit gewaltsamer Auseinander- s e tz u n g e n rechnen, so nur, well sie den Legalitäts- beteuerungen der Nationalsozialisten nicht trauen, weil sie die gewaltsamen Angriffe der Nationalsozialisten auf die Ver- fassung in der Vergangenheit kennen, weil sie die blutigen Bürgerkriegsvorübungen der Nationalsozialisten aus den Straßen beobachten. �... Sie würden sträflich leichtsinnig handeln, wenn sie diese Möglichkeit nicht ins Auge fassen würden!.. m Sozialdemokratie und Reichsbanner bejahen die Gewalt nur zur Verteidigung der Verfassung gegen gewaltsame ver- fassungswidrige Angriffe auf die Verfassung. Daß diese Möglichkeit ins Auge gefaßt werden muß, ist nicht ihre Schuld, sondern die Schuld der Feinde der Derfassung! Diese grundsätzliche Haltung zu Bürgerkrieg und Gewalt steht fest. Sie kann nicht durch Reden einzelner, noch viel weniger durch Hetz- und Verleumdungsversuche von Ber- fassungsfeinden und Gewaltpolitikern verdunkelt werden. Eine ErNärong des Reichsbanners. Bon der Pressestelle des Reichsbanners erhalten wir die nach. stehend« Erklärung. Die machtvolle Kundgebung des üleichsbanners in den Germaniasälsn am 8. Januar 19Z2 ist von der staatsfeindlichen Press« zum Anlaß einer unerhörten Hetz« und der Der- breitung unwahrer Darstellungen über die Deran- staltung genommen worden. Nicht wn der Belehrung dieser Presse willen— die unbelehrbar ist,— sondern der großen politischen Entscheidungsstunde wegen, in der wir stehen, sei, soweit es der Raum erlaubt, dazu für die Oeffentlichkeit folgendes festgestellt: l. Entgegen den unwahren Behauptungen der staatsfeindlichen Press« ist das Reichsbanner zu der Kundgebung nicht in Uniform erschienen. Wenn einzelne, wenige Kamerad«! Windjacken oder grüne Hemde» getragen haben, so ohne politisch« Abzeichen, Koppel ulw. und größtenteils nur deshalb, weil so mancher arbeitslose Kamerad keine anderen Zwikkleidungsstücke in dieser Notzeit zur Verfügung hat. 2. Di« Ausführungen der Referenten, insbesondere de? Kameraden Dr. Muhle von der SPD. und des Kameraden Dr. Schreiner von der Zentrumspartei sind teil» falsch. teils entstellt, teil» unvollkommen wiedergegeben, vor allem, soweit sie sich mit der Persönlichkeit des Herrn Reichs- Präsidenten und der Reichsregierung befassen. Kamerad Dr. Muhle hat gegenüber der kommunistischen Agitation mit Recht darauf hingewiesen, daß die KPD. 192ö die Wahl des republikanischen Kandidaten durch die Aufstellung eines eigenen Parteikandidaten im zweiten Wahlgang verhindert habe. Kamerad Dr. Muhle hat weiterhm aber mit großer menschlicher Achtung r.om Herrn Reichspräsidenten gesprochen,„der trotz aller politischen Differenzen, die uns von ihm trennen, als Hüter der Verfassung seine Pflicht getan hat. Jedenfalls steht Hindenburg turmhoch über Leuten vom Schlag« eines Hitler oder Eoelbels." Dasselbe tat auch der Zentrumskamerad Dr. Schreiner, der die abfälligen Aeuße- rangen über den Herrn Reichspräsidenten und den Herrn Reichs- kanzler, die ihm von der staatsfeindlichen Press« in den Mund gelegt werden, überhaupt nicht getan hat. Z. Kamerad Dr. Muhle hat nicht von der„Wahrscheinlichkeit", fondern— und dies mit Recht— von der„Möglichkeit" der Aus- einanderfetzung mit anderen Waffen gesprochen, die Verantwortung dafür aber ebenso— und dies wiederum mit Recht— den Illegalitätsbeftrebungen der Gegenseite zugeschoben. Wir versagen es uns, aus die weiteren Ausführungen der genannten Blätter einzugehen; die Berichtigung in den vorstehenden drei Punkten beweist, wie sie zu bewerten sind. Verwarnung der Berliner Börfenzeitung. Der Polizeipräsident hat der„Berliner Börfenzeitung"«ine Verwarnung zugehen lassen, well sie in ihrer Morgenausgabe vom 9. Januar in einem Artikel„Aufruf zum Bürgerkrieg" die unwahre Behauptung aufgestellt hat. daß die Polizei«ine Durchbrechung des lln i f o rm v e rb v ts durch das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold geduldet habe. In dem Artikel war insbesondere ausgeführt, daß Reichs. bannerobtellungen mit Schutzpolizcimänteln eingekleidet in der Versammllmg erschienen seien. Der Polizeipräsident hat in seinem verwarnenden Schreiben an die„Berliner Börfenzeitung" festgestellt, daß ein« Einkleidung privater Organi- satlonen durch Mäntel der Schutzpolizei niemals stattgefunden habe. Es mußt« auch der„Rerliner Börsen- zeitung" bekannt sein, daß die in Frage kommenden Mäntel von einer gewissen Strafansiast gegen geringes Entgest an Privat- Personen abgegeben waren. Di« Gesamtheit der Vorwürfe, die hie„Berliner Börsenzestung" erhoben hat. stellen ein« grob« Beschimpfung und böswillige Der- ächtllchmachung der Polizeibehörde dar. Aus diesem Grunde ist das Blatt verwarnt und für den Wiederholungsfall mit einem Verbot bedroht worden. Der polnisch sprechende Sowjets ender Kiew Ist stillgelegt worden. Daraus kann man ersehen, wie viel Rußland daran liegt, den Nicht- «mgrifsspakt mit Pole» endlich zustandeznbringen. ..Da entführt uns der Haupälehrer Horn unseren allerdurch. lauchligsken Logisgasl, den Prinzen Auwi! Dabei sage ich llhnen, Frau Zollinspektor, unter strengster verschwiegen- heik: die Ist eine Jüdin, der Ihre Mutter hat vor vierzig Jahren mit einem jüdischen Doktor... pst... pst „Mas hat die Hauptmann Reigern von mir gesagt? Dos soll sie gerichtlich beweisen! Mo der Prinz auf meiner noch unbenutzten Bettwäsche mm meiner Aus- stener her so sanft zu ruhen geruht hat... Ich Jüdin...? Das ist Rassenverrat!" „Run sagen Sie mal, Frau Magner, wie war das vor vierzig Jahren mit dem jüdischen Doktor?"— „Herr Richter, ich schwöre: er hat mich nur wegen meiner außerordentliche» Schönheit von ferne angr- schmachtet, es war alles rein." „Mir bringen eine Gegenzengin. hier die SOjührige Frau hugendubel wird beeiden, daß dir Zeugin Magner sich schon vor 50 Jahren eines schlechten Rufes erfreut und der jüdische Doktor lhr mindestens einmal auf die Wangen geküßt hat." —„Herr Gerichlsrat, ich verlange Blutprobe. Das Aas mach' ich meiueidigt" Momentbilder vomHelldorfpwzeß (Schwarzhemde— Hitlergruß— Augriff-Mystifikation. Fast sämtliche Angeklagten sind zur Stelle. Sie sitzen m fünf Reihen und warten auf den Beginn der Verhandlung. Landgerichts- direkt« Ohnesorge ist in ein Aktenstück vertieft. Graf Hell» dorf erscheint, begleitet von dem Leiter der Wach« des Stahes, Gewehr, und dem Sturmbannführer Hell, beide in Schwarz- Hemden, schwarzen Schlipsen und hohen Stiefel«. Die SA.«Maunen erheben sich zum Hitler grüß. Holldorf und seine Begleiter heben gleichfalls den Arm zum Gruß. 15 Minuten später. Landgerichtsdirektor Ohnesorge: Es ist mir gemeldet worden, daß die Angeklagten durch Aufheben der Hand ihre Parteigenossen begrüßt haben. Ich kann das in keinem Fall« dulden. Ich habe schon mehr als einmal gesagt, jede politische Begrüßung. jede politisch« Kundgebung, jede politisch« Kleidung ist im Gerichts- saal oerboten. Unmittelbar darauf: Ich bitte, hier nicht die Zeitung zu lesen. Angeklagter. Wir haben jetzt Gerichts- Verhandlung. «- Der ZZjährige Konditor Möhring wird vernommen. Sem Bruher, der Rechtsanwast Möhring, lag wochenlang an seinen Rur- furstendamm-Verletzmigcn danieder. Als dl« SA.-Leute über den Rechtsanwast herfielen, schrie der Konditor:„Mein Bruder ist doch Christ. Ihr werdet dock) nicht einen Christen schlagen!" Die Antwort war:„Was, du schützest einen Juden, schlagt den Hund tot!" Als der blonde Konditor sich durch die Flucht gerettet hatte, rief ihm irgendein SA.-Mann zu:„Sammeln Wittenberg-Platz. Parole weitergeben!"— Man hielt ihn für«inen Gesinnung». genossen.— Der Zeuge erzählt, wie er gegen 11 Uhr einen schwarzen Herrn SZü-Lente flehen und betteln hört«, man möge ihn laufen lassen, er sei in Südwestafrika gewesen: deshalb fei er so schwarz. Die Angeklagten lachen. Graf Helld zischt seinem Nachbarn zu, ruhig zu sein. Landgerichtsdirektor Ohnesorge ruft:„Was ist da« für«ine Unruh« hier. Das sind ja keine Witze!" Rechtsanwast Dr. Apfel macht seine Aussagen. Er beschwert sich, daß andauernd hämische Bemerkungen gemocht würden. Landgerichtsdirektor Ohaeforge:„Wenn ich die Angeklagten feststellen kann, die dauernd stören, so wende ich eingreifen." Staat»an waltsch aftsrat Dr. Stehnig:„Haute morgen haben die Angesagten sogar ihren Verteidiger in einer Weise behandelt, wie es in Moabü nicht üblich ist. Er kam ein wenig zu spät. Sie haben ihn mit einem lauten„Aah" begrüßt." Landgerichtsdirektor Ohnesorg«: ,�Zch untersage ausdrücklich jede Störung." Rechtsanwalt Dr. Sack:„Ich Hab« nichts beobachtet, was am Verhallen der Angeklagten als ein« Tendenz gegen den Vor- sitzenden betrachtet worden könnte." Staatsanwaktschastsrot Dr. Stehnig:„Rechts- anmalt Dr. Sack ist mestrere Tag« nicht hier gewesen, sonst würde er wissen, daß die AngßTlagten sogar die Erklärung des Staats- cnwalts durch Störungsn zu verhindern versucht haben." Landgerichtsdirektor Ohnesorge:„Wenn ich einen Zeugen befrag«, sc» nimmt er mein« ganz« Ausmerksamkett hi Anspruch. Ich kann nicht alles sehen, was im Gerichtssaal vor sich geht. Ich erfahre e» erst später von den Beisitzern. Ich Hab« die Justizwachtmeister ersucht; auf die Stör« zu achten, und mir ihre Namen niitzuteilen." Landgerichtsdirektor Ohnesorge hält dem Angeklagten Meede den Brief im„Angriff" vor, in dem von dem Kurfürsten- damm-Prozeß als von dem großen Rummal gesprochen wird. „Wenn man diesen ganzen Kurfürftendamm-Zauber miterlebt hat, heißt es da. kommt man sich vor, als sähe man im Kino'irgendeine em«tkanische Groteskschwarte. Der Brief führt die Unterschrift: SA.-Mann Fritz Meede, Sturm 3. Der Nachsatz ist mit Jimmy unterschrieben.„Jimmy" ist Fritz Meedes Spitznamen. „Stammt dieser Brief an Dr. Goebbels von Ihnen?" fragt Landgerichtsdirektor Ohnesorg«.—„Rein, ich habe ihn nicht geschrieben."—„Wieso steht denn Ihr Name darunter? Und au 6, der Spitzname Jimmy? Hoben Sie ihn vielleicht doch geschrieben?" —„Nein, ich habe ihn nicht geschrieben. Ich habe erst von meinem Kameroden von dem Brief erfahren."—„Sie behaupten also, daß es«in« Mystifikation ist? Irgendein Zeitungsschreiber muß dann Ihren Nomen mißbraucht haben!" Also Meede will den Brief nicht geschrieben haben. Bleiben nur zwei Möglichkeiten: Entweder ist er von einem seiner Kameraden geschrieben worden und die- Redoktion hat den Schwindel bewußt mitgemacht, oder er ist im„Angriff" selbst fabriziert worden. Die Hintermänner. Oer Mitarbeiterfiab der Gefesselten Justiz. Vau Anfang an hat die Vermutung bestanden, daß die gegen das Preußisch« Justizministerium gerichtete Schmäl?- schrist„Die gefesselte Justiz" nicht allein von dem ehe- maligen Proviantomtsiuspeltor Moritz versaßt worden sei. Moritz hat nun die Freundlichkeit, diesen Verdacht vollauf zu bestätigen. In der Schrift zur Begründung der Berufung, die er gegen das chm ungünstige Zivilurteil de» Landgerichts I in Sachen Kuttnec gegen Moritz eingelegt hat, teilt Moritz folgendes mit: „In der Handschrift und auch noch in der Lorrektursahne haben da« Buch zwei heute noch aktive Berliner Richter Im Auftrage des Beklagten zu zwei fdas ist Marth) gelesen, um alle etwa beleidigenden Stellen auszumerzen. Das Barmal-Kapilel hat Dr. S u ß m a n n, das Magdeburger Kapitel habe« Landgerichtsdirektor a. D. Rechtsanwalt Hoff- manu, Landgerichlsrat o. D. Kölling und Rechtsanwalt Schaper. oll« in Magdeburg, das Femekapilel ho! Rechts- anmalt Dr. Grimm in Essen und das Reichswehrkapitel Rechts- auwall Dr. Sack geleseu. um sachliche uud gesetztühe Verstoße zu beseitigen." Dr. Kuß mann ist der au» der Barmat-Sache bekonnte ehe- malige Assessor, der mit dem dcmschnationalen Spwnagcagente« Knoll Hand iu Hand arbeitet«. H o f f m a n n ist der bekannte „Fürst" von Magdeburg, der sich hinter d-m llntersuchm-.gsrichter Kalling stellte, als dieser in der Mordsache Helling durchaus den gänzlich unschuldigen Haas zur Strecke bringen wollte. Der Rechts- anwoll Schaper ist ein Führer der Magdeburger Stahlhelm- riique, der gleichfalls in der Sache Kölling-Haas wacker gegen den Oberpräsidenten Hörsing und gegen das Juftizmmisterium gearbeitet hat. Prof. Dr. Grimm uud Rechtsanwalt Sack find als Verteidiger der Fememörder, erster«! namentlich als Verteidiger des Oberleutnants Schulz bekanntgeworden. Das Bild des um die „Gefesselte Justiz" verjammellen Kreist» ist damit eindeutig. .Was den. jetzigen Rechtsanwall Dr. Kußmann anbetrifft, so ist von Interesse, daß er sich in dem Zivilprozeß Kuttner gegen Moritz auf Antrag des Beklagten Moritz als Zeuge hat ver- nehmen lassen, in seiner Zeugenaussage aber kein Wort von seiner Mitarbeit an der„Gefessellen Justiz" gesagt, sondern sich am Ausgang des'Rechtsstreits für gänzlich uninteressiert erklärt hat. Das Preußische Justizministerium oder dürft« die Frage inter» essstren, welches die beiden heute noch aktiven Berliner Richter find, die dem Pamphletschreiber Moritz zur Herstellung seiner Schmäh- schrist so bereitwillig ihre Arbeitskraft Air Verfügung gestellt haben. Schon wieder Harzburger Keile? Aazis überfallen Oeuischnationale- diese rufen Kommunisten zu Hilfe. ßreuztmrg(Oberschlestsn). 9. Januar.(Eigenbericht.) Die Harz bürg er Front ist in Kreuzburg auseinander' u- fallen. Kurz vor Weihnachten kam der Assistenzarzt Dr. Schulze°Beer nachts angetrunken mit einer Horde von acht bis neun Nazis in das Ring-Casc von Jdzikowski, wo unter anderem auch die Redakteure Mnich und(Studienrat) Menz und der Ang«- stellte Hanke, sämtlich von den deutschnationalen„Kre uz- b u r g e r Nachrichten", saßen und pöbelten diese drei Herren ohne jeden Grund an: „Feiglinge, deutsche Schweinehunde, Sch... kerle und dergleichen mehr. Hanke wurde sofort tätlich angegriffen und„verrollt." Tchutze-Beer beschimpste weiter den Dr. Venz. Inzwischen entwischte Hanke und holte ein paar.Kommunisten zu Hilfe, welche sich nunmehr auf die Nazis stürzten und diese ver» prügelten. Das Lokal wurde zum. Teil- demoliert. Inzwischen hatte der Wirt d i e P o l i z e i gerufen, die die Bande entfernte.'Auf dem Marktplatz Fortsetzung der Prügelei. Als die Nazis fachen, daß sie den kürzeren zogen, stürmten sie in das S A-° Heim bei dem nationalsozialistischen Stadtverordneten Koschara und holten dort den jüngsten Sohn, Herbert Koschara, aus dem Bett. Sie hatten ihninVerdacht.daßerzudenKom- munisten halte, von welchen sie eben Prügel bezogen hatten. Deshalb mißhandelten sie jetzt den wehrlosen ft. jnn., und zwar alles noch Kommando des Schulze-Becr. Der aste Koschara kam. durch den Radau geweckt, hinzu und wollte seinem Sohn zu Hilfe kommen. Er bekam einige Ohrfeigen und wurde mißhandelt, wobei ihm ein Finger brach. Folgen dieser schönen Tat: 1. Ofsizialstrafperfahren gegen Schuize-Beer und Genossen wegen gemeinschaftlichen Hausfriedensbruchs und gefährlicher Korperverletzung. 2. Strafverfahren wegen Beleidigung auf Antrag Menz, Ptnich und.Hanke gegen dieselben. 3. Strafverfahren wegen Ueberfalls, Beleidig, mg. Kürperve?» letzung von feiten Koschara gegen dieselben. 4. Fristlose Kündigung gegen Dr. Schulze-Beer van feiten der Provinzial-Herl» und Pflegeanstalt Bethanien. 5. Kündigung des SA.-Heims der NSDAP, durch den Haus- eigentümer Zl. F. Koschara(sen.). Der Brester Prozeß am Cnde. Urteil sieht bevor. Warschau, 9. Januar.(Eigenbericht.) In dem Hochverratsprozcß gegen die seinerzeit in Brest einge- kerkerten und dort schwer mißhandelten Führer der polnischen Oppo- sitionsparteien haben die meisten Angeklagten in mehr oder weniger umfangreichen Reden von dem Recht des letzten Wortes Ge- brauch gemacht. Man erwartet das Urteil schon in der Nacht zum Sonntag oder am Sonntagvormittag. In den letzten zwei Tagen haben die Angeklagten Dr. Ciolkosz, Maftek, Baginjti, Witos. Kiernik und Put et gesprochen. Der gewesene Ministerpräsident Witos(Bauernpartei) unterstrich bc- sonders, daß die Belastungszeugen in diesem Prozeß lediglich nur aus Furcht und unter Druck von oben ungünstige Aussagen gemacht hätten. Gegen den Polizeikommissar ZNunka, der als Belastungszeuge objektive Aussagen zu machen wagte, ist schon ein Disziplinar- verfahren clngeleilet. Ferner sagte Witos, das heutige Polen sei-eine moralische Ruine. Statt Bildung werde Dressur in Anwendung gebracht. Es gab« für einen Staat keine größere Gejahr, als seelenlose Sklaven zu Bürgern zu haben. Das einzige, was noch geblieben sei, sei dos Gericht. Dem Angeklagten Putek, der die Derhästnisse in-Polen einer besoichers scharfen Kritik unterzog, wurde vom Aorsttzenden das Wort entzogen. Dr. Pragier schilderte noch einmal, wie die Anklageschrift zustande gekommen ist: Nachdem die Pilsudski-Regierung wochenlang in allen Landelsteilen Polens Nachforschungen angestellt hatte. ob nicht noch irgend etwas aufzutreiben wäre, um diesem oder jenem Abgeordneten den Prozeß machen zu können, und diese Bemühungen erfolglos geblieben wären, Hot man sich die„Verbrechen" einfach aus den Fingern gesogen und eine Anklage wegen angeblicher Umsturzbestrebungen erfunden. Die neue Zndien-politik. Mit den Gemäßigten soll verhandelt werden. Bombay, 9. Januar.(Eigenbericht.) Es verlautet, daß der indische V i z e k ö n i g die g e- mäßigten Führer der indischen Notionalpartei zu einer Konferenz nach Delhi gebeten hat. Im Verlauf der Be- sprechungen soll auch die Frage der Haftentlassung von Gandhi und der anderen verhasteten Führer der Kongreßpartei angeschnitten werden. Ein allgemeines Umzugs- und Bersamwlungsoerboi in Zoppot ist wegen des Naziübcrfolls auf den„Verein der Sowjetfreundc" croangen. Pom allgemeinen Uniformverbot sind— politisch« Führertagungen ausgenommen. Gustav Hoch. Zu seinem 70. Geburtstag. Heute tritt Genosse Gustav Hoch in die Reihe der Siebzigjährigen ein. Das gibt uns willkommenen Anlaß, der großen Verdienste zu gedenken, die dieser unermüdliche Arbeiter der Partei sich um die politische und gewerkschaflliche Geltung der Arbestertlasse, vor allem aber um ihren sozialpolitischen Unterbau erworben hat. Gustav Hoch stammt aus Westpreußen. In Danzig besuchte er die Realschule biß 1880. Dann trat er in ein Warengrohgeschäft als Lehrling etn, aber schon 1883 sah er wieder aus dem Gymnasium in dem hiMerpommerschen Stolp, machte dort im Jahre 1883 sein Abiturienteneramen und widmete sich dem Studium an verschiedenen Universitäten. 1899 übernahm er die Redaktion der Frankfurter Volksstimme, die er bis 1894. testete. Doueben und später hauptsächlich führte er bis 1916 die Redaktion der„Dach- decker-Zeitung", des Organs des Verbandes der Dachdecker. Nack) feinem Ausscheiden aus der„Bolksstimme" in Frankfurt wurde er Arbeitersekretär in Hanau. In diesem Amte, das ihn ganz eng mit den kleinen sozialen Nöten und Sorgen der Arbester in Berührung brachte, entwickelte sich die besondere Liebe für die Festihesten der sozialpolitischen Gesetzgebung, in der Hoch sich zu. einem der berufensten Sachkenner entwickelte. Schon 1898 sandten ihn die Honauer Genossen in den Reichstag, dem er(einschließlich der Nat i o naiv ersammbmg) fast 39 Jahre lang angehörte. Erst 1928 trat er wegen vorgerückten Alters von der Kandidatur zurück. In dieser langen parlamentarischen Tätigkeit, die noch ergänzt wurde durch kommunales Wirten, hat Hoch sich nüt einer be- sonderen Hingabe den sozialpolstischen Fragen gewidmet, die in dem Ausbau des deutschen Sozialverstcherungswerkes ihm reichlich Gelegenheit dazu gaben. Unzählige Aufsätze hat er über diele Dinge veröffentlicht. Bekannt und geachtet sind seine Kommentar« zur Reichsversicherungsordnung und zum Arbeitswscnverstcherungs- gcsetz. Wir wünschen dem neuen Siebzigjährigen noch viele Jahre freudigen Schaffens in der sozialistischen Front. Arbeiierwahlsieg in Ltruguay. Verdreifachung der Mandate. In der südamerikanischen Republik Uruguay haste die So- zialistische Partei bisher einen Vertreter im Repräsentantenhaus. Als Ergebnis der Neuwahl am 39. November v. I. wird sie drei haben. Die drei sozialistischen Abgeordneten sind Dr. Emilio Fru- g o n i, der wiedergewählt wurde, serner Liber T r o i t i n o und Dr. Manuel Seoane. Dr. Frugoni, Professor, Dichter, Redner und Journalist, ist auch Geschäftsführer des Parteiblattes „El Sol"(„Die Sannes). Auch die Kommunisten haben ihre Vertretung von eins auf drei erhöhen können. Gewerkschaftliches siehe 3. Beilage. Berantworilich kür Pokitik: Viktor Gchikk:©irt'Äakl:®. SlinnUßöl»! Gew«rkschafts>i»wc«una: Z. Strlsrr! tZeuillrlon: Dr. Job» SÄiiloiooti; totales unb Sonstige»: IZriß Jtacfläbt; An�ciacn: Zb.® locke: sämtlich in Verlin. Verlaa: Vorwärts-Beriaa S m b. H.. Berlin. Druck: Borwärta-Inchbruckerel und Dcrlag-anstalt Beul Sinner„. Co., Berlin£23 68.£:nb;nftraSe 8. Hierzu t Beilagen. 1 Peslem Kleiderstoffe vonüg!, Que/ü..»inferbig od. gemustert, bis 130 cm, statt bis 6/50|atxt 1 Peotan hochwortiga QuallfätsstofTe tttr Mäntel u. Kostüme» 140cm,«tatt bis 1 6,-|ef*t 1** 385 Bemberg-Georgette bedruckt, grocseAuiwehl, neuesteMusier.ca.96am,? OA • latt bis 4,90|atxt B mmmm |90 2�* Crepe reine Saide, defwere. mc ca. 100 cm(etxt nur Mongole Uta Klei-■._ Farben. 1 95 >e Marocain bedruckte Kunstseide, neue Muster, moderne Grundfarben, ca 100 cm, 4% Q 5 INVENTURAUSVERKAUF ab 4. 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Da haben an jenem berühmten ersten Montagmorgen im Januar pünktlich, als gelte es die Küh' zu melken, die Bauerfrauen vor den noch verschlossenen Toren der Warenhäuser gestanden, mie immer waren sie gekommen. Als dann Mittag vorüber mar, saßen die Frauen aus der Gegend von Müncheberg, Storkow und Wustermark abgekämpft in den F.rf rischungsräumcn. Da es ihnen zu heiß geworden war, banden sie die Kopftücher ab, hernach packten sie ihr selbstgebackenes Brot aus. Dazu tranken sie Schokolade. End alles mar ein Fest. Dazwischen die StadtleuC, die auch an keinem solcher Tage fehlen und wenn sie naddier nur zu erzählen haben:„Gott, mar das eine Fülle und gesdtubsl haben mich die Mensdxen!" Aber es ist audi gekauft morden. Bei den billigen Stoffen, da mußten einmal die Hausdiener kommen und helfen, die Ellen zu schmingen, weil die Verkäufer genug mit dem Aufschreiben zu tun hatten und nicht audi noch abmessen konnten. Bei den Hüten mar es lebensgefährlich: da hatte ein Warenhaus eine ganze Anzahl sehr nobler Hüte radikal im Preise herabgesetzt. Die Folge mar, daß um 11 Uhr alle Hüte meg maren, nadidem man um 9 Uhr die Menschen ins Haus gelassen hatte. Leider hat dieses erste lichte Feuer nicht allzu lange angehalten; die Geldtosdien der l#ute sind leer. Wolle wankt nicht, aber der Seide geht es schlecht. Da es auf unserem Breitengrad nicht üblich ist, nackend einherzulaufen, muH sich jeder erwas anziehen. Stoff hierzu gibt es gegenwärtig schon für einige Groschen den Meter. Vier Groschen dürften den Tiefstand bedeuten, mit bunten Mustern bedruckte Kunstseide ist das, dann hebt es langsam an: mit sieben Groschen sind wir beim imitierten Waschsamt. Uebrigens liegen die An- fangsprcife für richtigen Waschsamt ebenfalls unter einer Mark. Ncuürlich geht niemand mit Kleidern aus Waschsamt oder Woll- Musseline zum Vall. was nicht ausschließt, daß Wollmusseline für fünfzehn Groschen der Meter hübsche Muster hoben kann. Denn «'er andererseits Sonntags ins Grüne fährt, wird sich dazu kaum Scidc onzichen; da genügt Wollmusseline. Wobei. es allerdings väu WichUg&if tst,:£ab.'■Aw'Wwlifir'flat yemächi sind. Oder eins weiter: K u n st s e i d e n o o i l e. Der Meter fmher 4,50 Mark, beute 1,95 Mark. Hier wird die Mode zur Geißel des Geschäfts, der Voile ist seit dem letzten Sommer nicht schlechter geworden, nur die Muster haben wir uns ein wenig über gesehen. Die„pikjeinen* Stoije sind im Preise gestürzt, daß man zweimal auss Etikett sehen muß. Da kostete zum Beispiel eine Seidenart, Crepe g e o r g c t t e, bisher 26 Mark der Meter, heute 9 Mark. Die Scid'e scheint von der Krise schwer getrossen zu sein. Unterdessen liegen nebenan die Wollstoffe dick und protzig da, als wollten die Ballen sagen: uns kann kcena! Aber die Ballen brummen nur, wenn sie dumpf auf den Ladentisch plumpsen. Eigen- artig, wer einen guten Mantelstoss haben will, muß immer noch zehn oder zwölf Mark aus der Tasche ziehen. Kleide rslaise kosten auch ihre 4, ö und 6 Mark, obwohl es jarbige Wollstofsc schon für knapp 3 Mark den Meter gibt. Hüte, Schirme, Hemden, Betten. Im Vorbeigehen an einem H u t g e s ch ä f t: ein Belvurhut kostet immer noch 25 Mark und ein Borsatina 26 Mark. Dagegen hoben im Norden Berlins Hutgeschäfte in Hausfluren Berkaufs- stände eingerichtet. Hut für Hut, Stück für Stück 95 Pfennig«. Es ist ein Auflauf von Mannen» dabei, daß man glaubt, da hätten sie jcinandcn skalpiert, wenn man hinkommt, werden jedoch nur Hüte verkawst. Also für jeden Geschmack etwas, von 26 Mark bis 95 Pfennig. Etwas anderes unterwegs: die Gardinen jcheirck die Krise auch kräftig geschütleft zu haben. Stores, Filetarbeit, sind heute jür 2,75 Mark pro Meter zu haben. Tischdecken, Handsilct und somit doch kein Mumpitz, bei denen cincin noch vor einein halben Jahr unwillkürlich die Augenlider herunterklappten, wenn man die Preise sah, die kosten jetzt Zll bis 4t) Mark. Schirme dürsten sich iln Preise gehalten haben, die Lage ist da ähnlich wie bei den Hüten: der gute seidene Schirm kostet eben seine 20 Mark, obwohl es baumwollene Schirn« schon für 5 Mark gibt. Nun wieder hinein ins Warenhaus. Schnell zum Fahr- stuhl.„Dameukomekrimi, bitte!" Wir landen vorerst iin Wäschelog e r. Mal sehen, maz es da gibt: Frottiertücher für 50 Pf., für 1,25 Mark und 2,50 Mark. Selbstverständlich kann man sich mit einem Handtuch für 50 Pf. abtrocknen, nur ist das Handtuch für 2,50 Mark breiter, länger, ohne Fransen, auch dichter, und es ist molliger und angenehmer, sich mit einem 2,5t)-Mark-Handwch abzurubbeln. Ein Unterschied ist ja schließlich dabei. Es gibt auch Dberhemdenstojf für ungefähr 60 Pfennige, hinaus bis etwa 4 Mark. Wenn Männer so etwas sehen, beginnen sie sofort zu rechnen: Donnerwetter, drei Meter Stoff soll inan brauchen, habe ich gehört, da müßte man nehmen den Meter zu 2 Mark: macht 6 Mark. Frau Kutschkow kann das nähen, da hätte man ja Mahhcncden. Das ist ganz gut gerechnet, aber doch eine Milchmädchenrechnung. Denn wenn man alles, zusammen rechnet, liesern die Fabriken.ein besseres Hemd für.Liesen Preis. Man muß immer bedenken, daß 5der Lt�nätftell best eineln Hetnd däs Wenigste ist. HeiMinZftltt«- rinnen gibt man für einen Mantel mit Futter sage und schreibe 1,75 Mark. Was wird es da wohl sür Heinde,, geben? Kommt die' Lettwäsche an die Reihe. Da standen Zwei junge Eheleute, die ineinten, ach hätten sie doch noch etwas gelvanet mir der Heirat, jetzt kriegen sie jast alles ja billiger. Es scheint so. Heute gibt es Diinitri-Bettwäjche-Garnituren(1 Deckbett,.2 Kopfkissen) für 7,50 und 9 Mark. Mäntel bis Möbel. Jetzt aber zur Konfektion. Da stehen immer noch hinter Glas sorgsam gehütet Kleider, die für uns ein kleines Vermögen bedeuten: 250 Mark haben sie gekostet und jetzt sind diese Spitzen- kleider so um 100 Mark billiger. Wir gehen vorüber und sehen nach, was die Stangen machen. Da sind Damenmäntel. Das Stück für 29 Mark. Ein dunkler Wollstoff, ein Rollkragen aus Pelz oben dran, innen mit leichter Seide gefüttert. Man muß staunen. Jeweils eine Stange weiter, steigen die Mäntelpreise um 10 Mark: also 09, 49, 59, bis 89 Mark. Für die Männer gibt es Joppen für 16 Mark und Hofen sür 7,50 Mark. In den Kmckerbocker-Hosen scheint übrigens eine Inflation ausgebrochen zu fein. So viel Hosen gibt es. Eins weiter zu den Blusen. Da gibt es jetzt leicht seidene Blusen sür 5 und 6 Mark, das hätte man früher vergeblich ge° sucht. Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch seidene Blusen für 20 Mark. Wem, mau dann so langsam fürbaß geht, sieht man Teppiche. Diesen Teppichen ist es beinahe gegangen wie den Gardinen. Für 50 Mark kriegt man heute einen achtbaren 2xZ-Meter-Teppick>. Es ist überhaupt das Auffallende, daß fast alle Gegenstände, die zu dem Begriff Wohnungseinrichtung gehören, ihre Preise nicht haben halten köni�n. Besonders Möbel. Möbel waren, che die Krise mit voller Wucht einsetzte, teuer wie die Sünde. Dann ging e« langsam bergab. Zwischendurch während der Bankenkrise im Juli kam noch einmal ein kurzer Ausstieg durch die Flucht in die Sachwerte. Jetzt kostet ein gediegenes Spclsezimmer, Nußbaum poliert mit 2-MetcrBüfett und Auszugtisch komplett 800 Mark.„Es gibt noch billigere" ruft jemand dazwischen. Denn welcher Arbeiter, der 40 Mark wöchentlich nach Hause bringt, kann sich denn noch das Geld zur Einrichtung zufainmensparen? Das können Boll- arbeiter nicht einmal. Da wir gerade dabei sind: Wirsschastsartikel. Es gibt ganz erheblich im Preise gesunkene Emaille- und Zinksachen, z. B.: Brotkörbe sür 1,90 Mark, Mülleimer sür 1,95 Mark, Zink- waschtöpf« sür 2,40 Mark und Zinkwannen für 3 Mark. So geht es herauf bis zu den Kochniafchinen, die srül)er 157 Mark kosteten, sind heute für 135 Mari zu haben. Höchstpreise im Winkel. -> Zum Schluß ims lieb« E sts c n. Dos hat mit Warenhaies nur noch nwnig znttunr'«' gilt für jedes Geschäft. Es-ssel; 200 iW.»» Daunendecke kunstseidöMrD&mast, Rück- MiteOw- nensatüi, div.Farb., 150x200' 36 .50 Diwandecke Golwlindflci» MMiM. Efrfe- tM, cioderM Ihstsr, 140 X 2fi0.. wl laut- .95 Ueberlaken lim».«!! kudicafKR fiotiltauaM. nf- T# aiart.*% ca. 150050 w. .95 Reste Satin- Handtach- Inlett- n.. zu enorm billigen Preisen! Fertis« Inlette •chl tOftoah-ret Oberbcitt, 4 4 ISO X 200.. 1«.20 Klasen, � 50 x 80.... 3.35 Oberbett- bezug:««>'■«■ 2.25 taiüi. rem Kaoglaa. ca. 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Dritter Doichbruch an der oldenburgischen Grenze. E m d e n. S. Zanuar. Zln der oldeubttrglsch.oslsrlesischen Grenze, von wo bereiis der Bruch des nördlichen und des südlichen Deichs bei Augustfehn und der Einsturz des Pumpwerks bei Holtgast gemeldet wurde, ist nun am Sonnabend auch der dritte, der westliche Deich beim Pumpwerk Hengslsorderfeld gebrochen. Die Breite des Bruches betrug sofort etwa 5 Meter. An der Bruchstelle erschiene« die Einwohner der Umgebung, um das Wasser mit Sand- sacken abzudämmen. Die B r u ch st e l l e des am Freitag gebrochenen nördlichen Deiches hat sich auf etwa 3 l> Meter erweitert, hier waren die Abdämmungsarbeiten mit Lebensgefahr verbunden, da das Wasser an der Arbeitsstelle von etwa 25 Leuten wieder hereinbrach, die sich erst in letzter Minute durch das Wasser retten konnten. Es handelt sich dabei vor allem um die Abwässer der großen Moore im Gebiet der Leda, eines Nebenflusses der Ems. Di« Ab» izugsgräben sind durch Schneeschmelze und die anhaltenden Nieder- hhläge so hoch angeschwollen, daß sie die normalen Cntwässcrungs» arbeiten nicht mehr leisten können. In O st f r i e s l a n d selbst ist das Hochwasser weiter so stark gefallen, daß der Ems-Jade-Kanal fast seinen normalen Wasserstand erreicht hat. AOGB. undAsAerrichien Siedlungen Die freien Gewerkschaften Berlins organisieren die Erwerbslssensiedlung. Der Ortsausschuß des AVGB. und dasOrlskortell des AsA-Bundes haben beschlossen, sich an der Erwerbslosen- siedlnng zu beteilige«. In ihrem Auftrage wird die sreigewerkschafk- liche DohnunIsbau-Organisallon für Berlin, die Gehag, Gemein- nüßige Heimstätken-, Spar- und Ban-A.-O., im Südosten Berlins auf drei städtischen Gelände« etwa 500 Siedler stellen mit Grundstücken von je 800 bis 1000 Quadratmeter errichten. Die von der Gehag geplanten Siedlungen liegen im Bezirk Neu- kölln, und zwar in Britz, an der Ostgrcnze von Buckow, in Buckow, an der Mariemelder Chaussee, und in Rudow, in der Nähe des Bahichofes. Mit dem Bau soll sofort nach Beendigung der Frost Periode begonnen werden. Siedlungslustig« Er- wsrbslose lönnen sich bei ihren gewerkschastlichen Organisationen vormerken lassen. Fragebogen, die bis zum 15. Januar spätestens zurückgereicht werden müssen, sind auf den Verbandssekretariaten er- hältkich.(Für Bauarbeiter z. B. ist die Baugewerkschait Berlin, Großheerenstroße, zuständig.) Raubüberfall in Wilmersdorf. Der Täter nach wilder Jagd festgenommen. Zn der Friedrichsruher Straße in Wilmersdorf wurde in später Abendstunde aus die Fillal- leitcrin einer Bäckerei am hohenzollcrndamm ein Raubüberfall verübt. Die jugendliche Angestellte besand sich gegen 21 Uhr auf dem Nachhauseweg. Da sie die volle Tageseinnahme in höhe, von rund 40V Mk. iit ihrer Handtasche bei sich führt«, ließ sie sich wegen der herrschenden Unsicherheit von einem Kollegen nach Hause begleiten. Trotz dieser Sicherungsmaßnahme fiel vor dem Hause Fried- richs ruher Straße 23 ein Mann, der sich in einer Haustor» nische verborgen gehalten hatte, über das Mädchen her. Er versetzte dem Mädchen hinterrücks einen heftigen Stoß und entriß ihm die Handtasche. Mit seiner Beute lief der Wegelagerer davon. Der Begleiter der Filialleiterin nahm mit einigen Passanten, die durch Hilferuf« aufmerksam geworden waren, die Verfolgung des Täters auf. Nach einer wilden Jagt» durch die Straßen Wilmersdorfs, die fast eine Biertelstunde währte, konnte der Mann fest genommen und einer Polizeistrafe übergeben werden. Auf dem Revier wurde er als ein 29 Jahre alter Ernst G. festgestellt. E? wurde dem Raubdezernat des Polizei- Präsidiums übergeben. »er MMSuicr aus der Provinz. 3� Jahre wegen zweifachen Totschlag versuchs. Neulich stand vor dem Landgericht I ein Sechsundzwanzig- jähriger. Er war aus K ü st r, n nach Berlin gekommen, lernt« in einem Lokal auf dem Alexanderplatz ein junges Mädchen kennen, verbrachte mit ihr eine Nacht im Hotel, sprach davon, mit ihr zusammenzuziehen, schenkt« ihr auf ihren Wunsch ein Kleid und verabredet« sich mit ihr für den Nachmittag. Wer nicht erschien, war die neue„Freudin". Er suchte sie und fand sie in Begleitung eines Mannes in einem Lokal, folgte den beiden auf die Straße, stellte den Mann zur Rede, schoß auf ihn einen Revolver leer und auf das junge Mädchen einen zweiten, fügte beiden einen Lungen- fchuß zu, hielt sich durch Schüsse die Verfolger vom Lelbe und ergab sich erst nach Schreckschüssen und Rufen„Hände hoch!" zwei Schupobeamten. Was war in den Mann gefahren? Man erfuhr über den An- geklagten so gut wie nichts, und man war deshalb versucht, die Sache ins Romantische überzuleiten. Ein Provinzler, der da glaubt. ein junges Mädchen durch die eine gemeinsam verbrachte Nacht und dos Gescheut für immer für sich gewonnen zu haben, sieht sich plötzlich von eine?„Berliner Pflanze" bitter enttäuscht. Ein Wort- Wechsel verursacht Kurzschluß, es folgt Explosion und verheerendes Feuer. War der Angeklagte nicht zudem ein kindischer Mann? Er hatte ja Küstrin bei Nacht und Nebel, aus Furcht, seineu Eltern, bei denen er wohnt, von seiner Entlassung Mitteilung machen zu müssen. verlassen. Anderes sprach aber gegen die Romantik in diesem Fall. Wie kommt der Augeklagte denn zu den beiden Rcvaloern? Und das N a z t a b z e i ch c n auf dem Jackett bei der Verhaftung? Schließlich der Mädchsnt'ip, der es ihm so schnell angetan hatte. Als er bei dem Entschluß, mit der neuen Freundin zusammenzuziehen, sagte, es seien ihm von den sechzig Mark, die er ous Küstrin mit- genommen, nur wenig übrig geblieben, meinte diese, sie würde das fehlende Geld für das Zimmer schon verdienen: sie habe bereits mehrere ältere Herren in einem Restaurant gesehen, die für sie vielleicht in Frage kämen. Und als er ihr im.Krng zum Grünen Kranz", wo er sie mit ihrem Begleiter antraf. Vorwürfe machte. sagte sie: Denkst du denn, daß ich für dich aus die Straße gehen werde? Sie versuchte ihn zu trösten: sie würde mit einem Herrn mitgehen, später aber zum Lokal zurückkommen. Damit schien er einverstanden. Cr ging aber hinter den beiden in der Neuen König- straße her, und der Begleiter des jungen Mädchens fragte ihn, was er von Ihm wolle. Der Angeklagte sagte, das Mädchen sei seine Blaut, er habe ihr ein Kleid gekauft. Gleich darauf krachten die Schüsse. Der Mann erhielt IfH Jahre Gefängnis. Mit seinen roten Backen und klaren Augen stand er da. als könne er nicht fassen, was mit ihm geschehen war. „AufgeMeriete" Osllarnoien. In Berlin arbeiten wieder einmal einige Fälscher in Dollar- noten. Es handelt sich um die Anwendung eines alten Tricks. der noch aus der Inflationszeit stammt. Die Fälscher, meistens Russen oder Polen, pflegen derart vorzugehen, daß sie sich Ein-, Zwei- und Fünfdollarnoten vornehmen und durch Retouche und Zeichnung zu Hundert- oder Zwanzigdollarnoten„auswerte n'. Die Fälscher verstehen es sehr geschickt, die in Buchstaben aus- geschriebene Zahl ebenfalls zu ändern, vtoten dieser Art sind über- all verausgabt worden, besonders in Pensionen und Geschäfts- Häusern, in denen ein reger Betrieb herrscht. Sie haben es auch mehrfach verstanden, Kellnern, die doch sonst sehr aufmerksam sind, die verfälschten Noten anzudrehen. Die Kriminalpolizei gibt daher jetzt Geschäftsleuten, die sich oder ihre Angestellten über diese Note» informieren wollen, die Möglichkeit, sich danach bei Krimi- nalkommissar von Liebermann, Alte Leipziger Straße 16, zwischen 10 und 22 Uhr zu unterrichten. Zu? Praxis der M'eisenkung. Wichtige preußische Erganzongsbestimmungen. Die preußische Gesetzsammlung veröffentlicht den durch eine Verordnung vom 5. Januar 1932 ergänzten Wortlaut der preußischen Verordnung über die Mietsenkung. lieber die wesentlichen Neuerungen teilt der Amtliche Preußisch« Pressedienst folgendes mit: � Die Bestimmungen, daß für die M i e t v e r h ä! t n i f s e in Altbauten bisher unterschiedslos«ine Ermäßigung des Miet- Zinses um 10 Proz. der reinen Friedensmiete eintritt, erfährt zwei Einschränkungen. Zunächst hinsichtlich derjenigen Mietverhältniss«, bei denen der Mietzins durch Vereinbarung der Partelen am 10. Dezember 1931 bereits unterhalb der Friedens miete lag. Hier ist lediglich einen Senkung um 10 Proz. der tatsächlich gezahlten Miete vorzunehmen. Ein Mictnachlaß unterbleibt ferner vollständig bei denjenigen Grundstücken, die mit sogenannten Schweizer Gold Hypotheken belastet sind. Ergänzt worden .sind die Vorschriften, nach denen der Vermieter«Inen im Jahre 1931 bereits gewährten Mietnachlaß auf � die durch di« Natoerordnung nunmehr gesetzlich vorgeschriebene Mietsenkung anrechnen darf! Insbesondere wird hier klargestellt, wie die Berechnung des An- rcchnungsbetrages zu erfolgen hat, wen« Räum« am 1. Jaimar 1931 nicht vermietet waren, oder wenn der vom Vermieter bereits zu- gestandene Mietnachlaß nur für einen Teil der Mietzeit gilt. Bei allen Streitigkeiten über den Umfang der Mietermähigungbei Altbauten ist zur Entscheidung das Mieteinigungsamt berufen. Antrüge auf Entscheidung müssen innerhalb zwei Wochen, nachdem der Vermieter dem Mieter den neuen Mietzins mitgeteilt hat, gestellt werden. Die bisher wer für bestimmte Wohnungcunternehmen geltende Aorschrift, daß die Mietermäßigung zu einer weitgehenden Angleichung der Miet- Zinsen innerhalb ihres gesamten Grundstuekbesitzes zu benutzen ist, ist auf die nach dem 1. Juli 1918 mit Wohnungen bebauten Grund- stücke der Gemeinden und Gemeindeverbände ausgedehnt worden. Etwaig« Streitigkeiten in diesen Fällen unterliegen der endgültigen Entscheidung der Regierungspräsidenten, in Berlin des Ober- Präsidenten. Es kann Vermietern und Mietern nur empfohlen werden, sich zur Vermeidung von Streitigkeiten alsbald mit dem neuen Wortlaut der preußischen Mictsenkungsvorschriften vertraut zu machen. Maffenbranösiifier fesigmsmmen? Oer heimgesuchte JuudiVcis Koftbus. Landsägern des Spreewalddorfes Sielow gelang die V«- Haftung eines jungen Maimes, der durch eine lange Serie von Brandstiftungen seit Jahren den Landkreis K o t t b u s, ins- besondere die Einwohner der Dörfer Sielow, Werben. Rüben, Müschen urtd G u h r o« beunruhigte. Zuletzt ließ der Täter— es ist der neunzehnjährige Friedrich Neu mann aus Werben— vier Scheunen und zwei Stolluvgen innerhalb 48 Stunden in Flammen ausgehen. Schon seit längerer Zeit hatte di« in Sietm» stationiere Schupoabteilung den Befehl erhalten, in der gefährdeten Gegenv nachts auf verdächtige Personen, die aui Amus nicht stehen blieben. zu schießen. Trotzdem blieben die sehr intensiv durchgeführten Ermittlungen jahrelang ohne Ergebnis. Fast jeder wurde vor- dächtigt. Der wirkliche Töter ist w-n durch die Aufmerksamkeit eiins Feuerwehrmannes festgestellt worden. Während der Lösch- arbeiten bei dem letzten Brand in dem Dorfe Sielow fiel diesem Feuerwehrmann ein kleiner schmächtiger Mensch auf, der bereits seit Jahren immer als einer der ersten Helfer an der jeweiligen Brandstätte erschiene» war., Ein Oberlandjäger sagt« dem jungen Menschen das Verbrechen auf den Kopf zu. Der Jungs machte Ausflüchte, legte ober nach einem 14stünd!gen Kreuzverhör durch die Landjäger ein u in- fassendes Geständnis ab. Nach einem Tagebuchroman von Karl Hans Schober erzählt von Erich Knauf. Der Flieger läßt eine Ketteridombe nisderrafseln, aber da platzt schon eine Granate knapp neben ihm. Das Flug- zeug dreht sich um seinen eigenen Schwanz und stürzt. Großer Jubel bricht los. Doch da ist der Flieger schon wieder in die Höhe gegangen und hat dabei zwei Bomben fallen lassen. Schließlich oerschwindet er mit großer Geschwindigkeit. Eine Abwehrkanone brüllt noch einmal auf, der Fliegeralarm ist zit Ende. Arrest gibt es viel. Zwiesel hat einundzwanüg Tage, weil er, als er Posten stand, sein Gewehr an die Wand des Kohlenschuxpens lehnte und die Hosen umkrempelte. Kroin fitzt acht Tage, weil er als Posten unsinnigerweise einen Schuß abgefeuert hat. Kotzoureks Laune ist nicht umzubringen. Wenn wir in den Hängematten liegen, geht es los. „Du, sag mir gesckwind", so fängt er an,„was hatten wir heute— na also?'' „Fliegerangriff." „Also habt ihrs gehört? Fliegerangrisf. Was weißt du noch? Also flott!" „Die Dämchen im Offizierspuff.. f ..Pst. pst, wenn euch jemand hört!" „Habt ihrs gehört, sie wurden von dem Flieger begrüßt. Das Dach mit dem oberen Stockwerk und einigen Nestern ging in die Franzen." „Und was taten die Weiber?" „Sic liefen halbnackt, zum Gaudium der Leute, durch die Straßen, statt in den Keller." „Gern wäre ich dabei gewesen." Kotzcmrek ist ganz auf» geregt.„Alles mögliche hätte ich getan, um sie zu trösten. Aber alle diese Damen sind ja nicht für uns da. Erst vom Fregattenleutnant aufwärts geht das Vergnügen los. Und wer von den Mannschaften mit ihnen anbandelt, wird bestraft." In der Schwimmschule habe ich einen neuen Landsmann kennengelernt, Horst hieß er. Aber am ersten Tag unserer Freundschaft verlor ich einen anderen Kameraden. Leicht ist beim Schwimmen ertrunken. Viel Zeit habe ich nicht, über das schnelle Ende Leichts nachzudenken, und zum Ersaufen sind wir ja alle gut genug. Wir stecken jetzt im See-Arsenal. Von den kreisenden Sägen und Schmirgelscheiben spritzen die Funken. Männer ziehen an langen Ketten einen glühenden Block, der mit eisernen Stangen unter die Presse geschoben wird. Die Vorgesetzten schikanieren die Arbeiter vom frühen Morgen an, Kriegsleistungsgesetz, Standrecht hängen schwer über den Proleten. Ein Fußtritt jagt mich aus meinen Gedanken. Ver- flucht! Rasch wende ich mich um. Es ist der Spieß, ein Unteroffizier, der„Schulspitzel". „Befehlen?" Er reißt mir die Kappe vom Kopf und schlägt sie mir ins Gesicht:„Pobgo! Hund!" Aug in Aug stehen wir uns gegenüber. Er ist hager, eine miserable Figur von oben bis unten. Seine Äugen treten brutal aus schwarzumränderten Höhlen hervor. Ohne daß ich es will, muß ich niesen. „Putz das weg! Rotz!" Ich sehe nichts, greife aber in die Tasche und fahre mit dem Tuch über die Stelle, auf die er zeigt, nur damit ich Ruhe habe. Bon mir geht er zu Kotzourek, watscht ihn ab und greift in seine Taschen—„Du Misthmid!"— und nimmt ihm die kleinen Brote weg, die Kotzourek auf dem Torpedoboot für Seife umgetauscht hat. „Bestie!" flucht Kotzourek.„Niederhauen sollte man ihn, daß sein Schädel in den Dreck spritzt." Da läßt man sich aus der Heimat Seife schicken, um sie ous den Torpedobooten gegen Brot umzutauschen, und dann kommen diese Kominißpolizistcn und mausen einem das Zeug aus den Taschen, um ihren Bordellbekanntschasten da- mit ein Präsent zu machen. Wir suchen die Lairine auf. Das ist der einzige Ort, wo man ungestört plaudern kann. Einige Minuten kann man dasitzen, ein Stück Zeitung in der Hand und nichts im Magen. Aber die Augen müssen auch dort offen gehalten werden, denn die Spione kriechen uns auch hierher nach. Rauchen verboten! steht auf einer großen Tost! ge- schrieben. Mit Teer hat jemand dazu geschmiert: bei Todes- strafe! Und daneben steht: Rosa Tapete, das Sofa voll Kissen. Die Hure im Bette ausgestreckt, Alles bezahlt das Vaterland. Etwa Sie selbst, Herr Kommandant? Uns anderen geht es dafür beschissen. Man lebt ja nur, daß man verreckt. Die Latrine steht im Wasser. Ein Pfahlbau, zwei Pfosten verbinden die Bude mit dem Land. Kotzourek schaukelt auf der Brücke—„Alla, alla!" und unter uns rauscht das Meer, mehr braun als blau, und der Gestank ist furchtbar. Eine Barke fährt jetzt vorbei und quirlt die Jauche auf. „Ich werde mich noch an solch einem Hund vergreifen", schimpft Kotzourek und zündet sich eine Ziga.rctte an. „Du paß auf. es kann dl.'mm ausfallen!" „Wir ist schon alles Wurst", und er bläst den Rauch in den Aermel seiner Bluse. Plötzlich stiegt der Zigarettenstummel weg. Der La- trinenspion Sertsch hat sich herangeschlichen. Er ist klein und fett wie eine Mostsau. Leder fürchtet ihn. Er ist der größte Schurke, der im Hauprkriegshafen existiert. Mit Stutzen und Pistolen bewaffnet kriecht er in die Latrine, um nachzusehen, ob die hier Sitzenden auch di- Hosen herunter- gezogen haben. Er zwängt jetzt seinen Ranzen durch den schmalen Latrinengang und schielt nach unseren Hintern. „Schwein, du hast geraucht!" fährt er auf Kotzourek los. Mit gefälltem Bajonett drängt er uns aus der Latrine und schiebt uns mit Kolbenstoßen über den schwankenden Steg ans Land. Wir. die Hosen in den Händen, Sertsch mit seinem SchiatzvrügA hüster uns her. Und dann empfängt uns der Spieß mit Ohrfeigen, dag mir das Blut aus der Nase fließt. Außerdem gibt es eine Strafanzsigs. Nun stehen wir„Ausgeburten des Vaterlandes" vor der Tür des Kommandanten zum Rapport. «Habt achtl" Wir Hacken zusammen. Der Kommandant „läßt Milde vor Recht ergehen", Kotzourek bekommt einund- zwanzig Tage Eiuzelarrest, ich einen Tag Dunkel. Am andern Morgen heißt es, Koppenband herunter, dann den Halsflor und den Kragen und die Riemen aus den Schuhen, und ab gehts.„Pfeif drauf, wer keine Strafe hat, ift kein Soldat,"(Fortsetzung folgt.) Ticiorci§c!\ In vielen Warenärappcn: W und mehr f�pgg nnler dem M�MreSuiSren Preis! mdeshuter Leinen* und Oebildweberei -■"äVfö V s? v; A V'* hoirer.QhsibbcdJck; „Das Leben ist nicht nur Not!" Im riesigen Saalbau Friebrichshain ist nicht ein Plätzchen freli die Bezirksämter Prenzlauer Berg und Friedrichshain haben im Rahmen der Dolksbildungsabends das Berliner Philharmonische Orchester engagiert und fiir ganz« vierzig Pfennig« es Hunderten von Menschen ermöglicht,«inen genußreichen künstlerisch wertvollen Abend zu verleben. „(i* kommt ja gar nicht so unbedingt darauf an, daß der Zu- Hörer dos rein Formale der gebotenen Musik beherrscht", meint Professor Genosse Leo K e st e n b e r g in seinem einführenden Bor» trag.„Es kommt vor allem darauf an. daß wir durch die Musik, als einem überaus wertvollen und lebendigen Kulturfaltor, für ein paar Stunden herausgerissen werden aus der Misere des trostlosen Alltags mit der beschwingenden Erkenntnis, das Leben bestehe nicht einzig aus Not, Elend und Kummer. Es gibt der wertvollen Genüsse viele, die nicht dem wirtschastlich Starken erreichbar sind." Dann erklärte der Vortragende in kurzen Worten die Psyche der einzelnen Komponisten: den Wiener Schubert in seiner romantischen Verträumtheit, die mit der heiteren Beschwingt- hcit des österreichischen Temperamentes wechselt, dann den Russen T s ch a i k o w s k y, den Lohn einer Landschaft endloser, trostloser Steppen, die ihren Kindern den Stempel tieser Melancholie in die Wiege legt. Das Programm brachte Schuberts„Symphonie C-Dur" in Vollender Wiedergabe: wie sangen die Geigen, wie flüsterte das Cello im Aondante, um in ein fröhliches Jubilieren des Allegro Vivace überzuleiten. Es folgte Tschaikowskys prächtige Ouvertüre „Romeo und Julia" und die Ouvertüre zu„Ruslan und Ludmilla" von Glinka. Der Solist de» Abend», Karl Fecknitz, sang mit schönem warmem Bariton Russenliedcr.„Eugen Onegin" von Tschaikowsky, „Fürst Igor" von Borodin und Mussorgskis„Boris Godunow". Reicher, nicht endenwollender Beifall belohnte Sänger und Musiker unter ihrem semfühügen Dirigenten Oskar Schumann. Vielleicht war die volksbildnerische Arbeit noch nie wertvoller als in unserer jetzigen Zeit völliger innerer und äußerer Zerrissen- beit, vielleicht war es nie so ungeheuer wickztig. oll den zermürbten, verzweifelten Menschen ein kurzes befreiendes Aufatmen zu ver- Mitteln. Der erschwinbelie Sand. KorrnptionÄskandal vor dem Potsdamer Gindtparlament. Anfrage der Sozialdemokraten. In der gestrigen Potsdamer Stadtverordneten« sitzung wurden die Neuwahlen des Stadtverordnetenvorsichers, der beiden stellvertretenden Stadtoerordnctenvorsteher, de» Schrift- führers und des Beisitzers vorgenommen. Mit großer Mehrheit wurde der bisherig« Stadtoerordnctenvorsteher Rechtsanwalt Dr. R o s b u n d wiedergewählt. Bei der Besetzung des stellver- tretenden Stadtverordnetenvorstehers unterlag der sozialdemokratische Kandidat, Rechtsanwalt Dr. Leoy. Gewählt wurde der Volks» parteiler Regierungsbaurat Oftmann mit 25 Stimmen gegen 15 Stimmen. Nach der Wahl folgte die Behandlung der Anfrage der sozialdemokratischen Fraktion über die Beltechungsfälle im Hoch- und Tiefbauamt. Oberbürgermeister R a u s ch e r nahm dazu da» Wort. Cr erklärte, daß er nur das sagen könne, was ihm die Staatsanwaltschaft über die bisherigen Ergebnisse in der Bc- stechungsaffäre mitgeteilt habe. Dayrach richtet sich die likitersuchung gegen den Stadibauamtmaim K i eßl-i n g> Stadtbauinkpektor Rauh und den Techniker G e r b r a 6) t. Kießling hat zugestanden, 12 000 Mark erhalten zu haben. Er bestreitet auch nicht, die Unrichtig- keit der Abrechnungen gekannt zu haben. Etwa 00000 Kubikmeter Sandmasien beim Durchstich des Brauhausberges wären mehr berechnet worden. Rauh scheint überführt, 8000 Mark von einem Potsdamer Baunternchmer für pflichtwidrige Handlungen erhalten zu haben. Die Anklage gegen Rauh stehe demnächst bevor. In bezug auf den Fall Dcyerts erklärt der Oberbürgermeister, daß der .Fall Aeyerts mit dem Lrauhausberg absolut nichts zu tun Habs. Auf der Pressetribüne sah man den Staatsanwaltschaftsrat Herzog, der die Ermittlungen in der Bcstcchunzsafsäre leitet. Kür Voiks- und Heimaiskunde. Ein Ostpreußen-Mns?um in Berlin. Wir haben in Berlin in der Kl oft e r st r a ß e das staatliche Museum für deutsche Volkskunde,-das einzigartige Schätze an Volkstrachten und anderen heimatkundlichen Gegen- ständen beherbergt. Leider aber ist dies Mussum in Räumen unter- gebracht, die, da sie viel zu klein sind, d:r in ihm aufbewahrten Schätze nicht würdig sind. In diesem Zusammenhang ist uns eins Nachricht von Interesse, bis der Reichsverbotid der Heimattreuen Ost- und Wcstpreußen, der in äZO Vereinen die im Reiche lebenden gebürtigen Ost- und Westpreußen erfaßt, veröffentlicht. Er trägt sich mit dem Plan, in Berlin ein O st- und W e st p r e u h e n- Muse u m einzurichten. Dos neue Museum soll, möglichst unter Mitarbeit aller an der Ostpreußenwcrbung interessierten Stellen in der Provinz Ostpreußen, in Danzig und in den Resten der ehe- maligen Provinz Westpreußen selbst, einen Ueberblick über olles das geben, was Ostpreußen bietet und was es historisch, kulmrell und wirtschaftlich in Vergangenheit und Gegenwart fiir Deutschland bedeutet. In diesem Rohmen soll auch der Osten als ein „Reiseland", das immer größere Veachtung suchet, Verücksich- tigung erhalten. Heber Ort und Zeit der Erössnung des Museums , lasten sich zur Zeit noch keine Angaben machen, da sich der Plan bisher noch im Stadium der ersten Vorarbeiten befindet- Sollte dieses begrüßenswerte Vorhaben Wirklichkeit werden. so wäre zu erwägen, ob nicht das Museum für Ost» und West» Preußen mit dem"Museum, das bisher in der Klosterstraße seine Heimstatt hatte, in einem eigenen würdizcn Gebäude zusammen- gelegt werden könnte. Gewiß sind die Zeiten nicht dazu angetan, S'Balmtarife viel zu hoch! Wann kommt die längst fällige Vcrbilligung? Wir erhalten aus Angestelltenkreisen solgeiche Zuschrift: Bei der Senkung der Frachttarife der Reichsbahn erhofften viele auch eine T a r i f s e n k u n g bei der Berliner 8- B a h n. Leider haben sich bisher diese Wünsche nicht verwirklicht. Die Reichs- bahn übergeht hierin die zchnprozentige Senkung der Preise, als gehöre sie nicht zu dem in Frage konmienden Kreis. Und doch ist gerade bei diesem Verkehrsmittel, das viele Tausende täglich be- nutzen müssen, eine Senkung der Fa h r p r e i s e notwendig. Durch die Schaffung großer Stadtrandsiedlungen, die sich bis Bernau, Oranienburg, Velten, Fürstenwalde, Königswust erHausen, Werder usw. erstrecken, ist ein Heer von Benutzern entstanden, deren Fahrkosten zur Arbeitsstätte erhebliche Beträge de» Lohnes oder Gehalts verschlingen. Tausende Angestellte benötigen sogar zwei Monatskarten im Verkehr zum Stadtinnern. Die Monatskarte Bernau— Stettiner Bahnhof z. B. kostet 15 M., U-Bahn-Monatskarte 12 Mk., ins- gesamt 27 M. Fahrkosten. Auf anderen Vorortstrecken erreichen diese Doppelsahrkosten sogar die Höhe von 30 M. Viele der Be» schästigten haben nach mehrmaligem Abbau nur noch ein Brutto» geholt von 120 bis 150 M. monatlich(weibliche Arbeitskräfte oft nur die Hälfte der angegebenen Sätze). Demnach betragen die Zohrkosten zur Arbeitsstätte oft 20 bis 40 Proz. des Gesamtvcrdienstes. Ein auf die Dauer unmöglich zu tragender Zustand. Es wäre schr erwünscht, wenn der Herr Reichskommissar Gördeler eins Preis» sonkung veranlassen würde, gegebenenfalls durch die Schaffung einer Uebergangszeitkarte von der Reichsbahn zu den städtischen Verkehrsmitteln. Lößt sich diese olte Forderung heule nicht ver- wirklichen, dann herunter mit den Zeitkartcnfahrpreisen der 8>Bahn um 10 Pro;.! Wir, die wir au» den Mietkasernen zurück zur Natur in die Stadtrandsüdlunge» zogen, dürfen nicht dafür bestraft werden, daß wir der Steinwüste entflohen sind. Auf eine weitere Ungerechtigkeit im Reichsbahn- t a r i f sei in diesem Zusammeuhange hingewiesen. Um einen be- sonderen Gewinn zu erzielen, macht die Reichsbahn immer noch den irntnöglühsn Unterschied-wischen Arbeiter- und Ange- sielltensohrern. Wir Angestellte sind auch Arbeiter, hoben aber noch Auffassung der Dahnbehörde keinen Anspruch aus die billigeren Arbeiterwochen- körten, sondern müssen die höheren Monatskartenpreise zahlen. Wir wünschen keine Sonderrecht«: ob Kopf- oder Handarbeiter, wir zählen zur Arbeiterichast und können darum billigerweise anch den Arbeiterwochenkartentarif für uns verlangen! Erleichterung des Arbejjerberufsvsrkehrs. Die bisher längsten» sieben Tage betragende Gültigkeit der Arbeiterrückfahrkarten ist bei der Reichsbahn jetzt auf längstens zehn Tage verlängert worden. Durch diese Ver- löngerung soll die Benutzung der Arbeiterrückfahrkarten auch dann ermöglicht werden, wenn Arbeitnehmer z. B. wegen Arbcitsmanzel eine volle Woche beurlaubt sind. Die Arbeiterrückfahrkarten gelten nach wie vor zur Fahrt nach dem Wohnort der Angehörigen am Tage vor Saim- und Festtagen oder an diesen Tagen selbst, zur Rückfahrt an Sonn- und Festtagen oder am darauffolgenden Tage. Die Karten können nunmehr am Sonnabend für die Fahrt nach dem Wohnungsort gelost und noch am Montag der übernächsten Woche zur Rückfahrt benutzt werden. „Einblick in das Dritte Reich." Die nächste Kundgebung des Reichsbanners. Tie nächste Kundgebung des Reichsbanuers, die im Nahmen einer Politische» Artion am Dicustag, dem IL. Januar 1933. 20 Uhr, im Saalbau Friedrichs» Hain stattfindet, steht unter dem Stichloort„Einblick in das Tritte Reich". In dieser Kundgebung bchandet der von Frick gemäß- regelte Eauvorsihendo des Thüringer Reiche. banuera. Kamerad Seele- Weimar, die Aera Frick. Reichstage- abgeordneter Kamerad Tr. Miercndorff- Tarmstadt wird sich mit dem Voxheimer Mord- und Hntigerplan aus- cinandersehcn. Kamerad L e h n i ch- Braunschweig bc- richtet über die Bürgerkriegs Übungen der StaziS in Vraunsch-ucig und der Eauvorsiticnde deü Tchleowig- Holsteinischen Reichsbanners. Kamerad Hansen- Kiel. wird zu dem Hakenkrenz-Terror in Eutin Stellung nehmen, llnkostrnbcitr-rg 20 P.f. Erwerbslose mit Aus- weis einer republikanischen Organisation(Gewerkschaft) habe« freien Eintritt. mit Projekten zu spielen und zu Ausgaben anzuregen. Ohne Zweifel aber würde ein Museum sür die Volks- und Heimatskunde des Deutschtums innerhalb und außer- halb der Grenzen der Deutschen Republik an geeignetem Platze mehr Beachtung finden als die Räume in der Klostcrstraße, die das Dasein eines Aschenbrödels führen. Verbundenheit mit Heimat und Volk hat nichts mit engstirnigem Nationalismus zu tun, und es würde gewiß von weiteste» Kreisen willkommen gz- heiße» werden, wenn unsere Anregung trotz der Nöte der Zeit Be- achtung sände. Afrikanische SiuSenien in Berlin. Mit den: sohrplanmäßigen Zuge um 17.30 Uhr trafen heute au>f dem Potsdamer Bahnhof«ine Äruppe afrikanischer Studenten in Berlin ein. Schon am 15. Dezember begaben sicki die 20 Damen und 15 Herren aus die Reise und haben sich inzwischen vier Tage in Lonldon und drei Tage in Paris aufgeholten. Sie werden bis Dienstag m Berlin bleiben uitt) sich unter Führung des Deutschen Akademischen Austauschdien st es die ver- schieden«» Sah enswü rdigk'c i t en anschauen. Wer sich unter den asrtk anischen Gästen studierende Söhne und Töchter der Ncgerhäuxtllng« und eingeborenen Kaufleute vorgestellt Hat tl! im Irrtum. Die„Eüdafritmnsche Stt-denten-IImem". die di»,e Reisen in den Ferien unternimmt, hat keine farbigen Mit- glie-der, und mir wurde osrssü-ert, daß aus ollen asrilanischen Um- oersitäteh kaum ein paar Neger studieren. Diese müssen dazu nach Europa oder Amerika gehen. Die jungen Menschen aus den Häusern der weißen Kolonisten sehen also hier eigentlich zum ersten- mal ihre wahre Heimat. An? dieser Tatsache heraus ist auch die starke Beteiligunz zu verstehen, trotzdem die Kosten jeder einzelne selbst tragen m»ß.__• Eine Bckanntwachong betreffend Ablieferung der Einkommeu- steucrmarken von den Finanzämtern Berlins findet man im An- zeigenteil der heutigen Rnmmcr des„Vorwärts". Seinen 70. Geburtstag begeht am 11. Januar in geistiger und körperlicher Frische unser alter Partei- und Gswerkschastsgenosse Earl L o h in, Berlin W. 57, Steimvetzstraße 43. Dem Jubilar, der seit 44 Jahren den„Vorwärts" liest, unseren herzlichsten Glückwunsch. Allgemeine Wetterlage. pklegs Deinen Hcsls täglich... gurgle trocken mit ei gehört dos zur Hygiene wie dos Putzen Deiner Zähne? Der größte Seil Mitteleuropas lag am Sonnabend innerhalb Hochdriickalislänfers. Infolgedessen war das Wetter in Deutsch» De eines, laich ruhig und, abgesehen von ganz unbodsutenden Niederschlägen. anch trocken. Vcrschiedenttich herrschte mn Slbend in Dcutschsaird wolkenloser Himmel. Die Mtttaqstemperaturen stiegen allgemein über Null, stinken ober zum Ab eich vielfach unter den Gefrierpunkt. Heber Mittel- und Rordouropa fetzt sich der kräftige Luftdruckanstieg fori. Daher wird auch die neue atlantische Depression, deren Kern zur Zeit-wischen Island und den Lritischen Inseln liegt, nicht mehr wesentlich nach Osten vordringen. T>as beständige Wetter wird also am Sonntag im größten Teile Deutschlaichs sartdauern. Wellcrauvsichftn sür Lerlio: Zeitweise heiter« aber ineist wollig oder nebelig, Temperaturen nahe bei Null, südliche Winde.— Für Deutschland: Im Nordwesten meist hemölkt iptt zunelpuender.Regen- neignng und wieder ansteigenden Temperaturen, ausfrischende füd- tiche Winde: im übrigen Reiche Fortdauer des beständigen, meist trockenen Detters be! mn Null schwankenden Temperaturen. Kozis und Nazis auf Kriegspfaden. „Die Waffen den Gegnern abgenommen". Die Zustände im Nordosten Berlins um den H c l m h o l tz- und Lette platz herum sind sozusagen Polizei- und stodtbekannl. Eine friedliche Propaganda ist hier einfach unmöglich. Versuchen sich darin die'Nationalsozialisten, so morden sie von den jtommu- nisten„verkloppt" sind's die Komnumisten, die Zettel- oder 5zans- Propaganda treiben, so fallen die Nationalsozialisten Über sie her. Mit einem Wort: die Erneuerer Deutschlands van ganz links und ganz rechts bekämpfen einander mit den gleichen„geistigen" Waffen. So war es auch im Oktober vorige» Jahres auf der Weihe n- bnrger Straße. Auf dem Polizeirevier t>2 wurde gemeldet, daß Gefahr im Verzuge sei. Ein Polizcibearnter in Zivil beobachtete gleich daraus, wie ein Trupp junger Leute einen Motorrad- sahrer anrempelte. Der Begleiter des Fahrers auf dem Soziussitz griff in die Gesäßtasche, zog eine Pistole hervor und gab einen Schuß ob. Unmittelbar danach kam es zu einer Schlägerei zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten. Die Nationalsozialisten wurden blutig geschlagen und mußten auf die Rettungswache gebracht werden, chicr fand man bei einem einen Schlagring und be, einem anderen den Rest einer Stählrute. Diese beiden und auch der Nationalsozialist mit dem Revolver hatten sich wegen unbefugten Waffenbesitzes zu verantworten: außer ihnen auch ein Kommunist, der bei der Schlägerei seinen Stock über den Schädel eines Gegners geschwungen haben soll. Keiner von den Angeklagten bekannte sich schuldig. Die drei Nationalsozialisten wollten zu der vom Polizei- Präsidium genehmigten Zeltelpropaganda zu spät gekommen und einzeln Opfer des kommunistischen Ueberfalls geworden sein; die Waffen, so erllärten sie, hätten sie ihren Angreifern abgenommen. Der Staatsanwalt beantragte gegen einen Angeklagten Freispruch, gegen die beiden anderen acht Monate bzw. drei Monate Gefängnis und gegen den Kommunisten drei Monate Gefängnis wegen Körper- Verletzung. Dos Gericht sprach sämtliche National- fozialistcn frei und verurteilte den Komm»»ist en zu einem Monat Gefängnis. Es sei den Nationalsozialisten nicht nachzuwerfen, daß sie im Besitz der Waffen vor der Schlägerei ge- wescn seien: es sei ihnen auch nicht nachzuweisen, daß sie nicht die Absicht gehabt hätten, die ihren Angreifern abgenommenen Waffen der Polizei abzuliefern. Die Moral aus der Geschichte: In Zukunft dürft« es. den politischen Rowdys— allerdings waren die Nationalsozialisten in diesem Fall die Angegriffenen— genügen zu behaupten, sie hätten die Waffen chre« Gegnern abgenommen, um freigesprochen zu werden. Dos ist ja auch bereits mehr als einmal in Moabit geschehen.... Jede Waffe ist gelatzen! Unglücksfall beim Waffenreinigen. Auf tragische Weise ist Freitag der 55 Jahre alle Schlossermeister Paul Günther aus der E g o n st r a ß e 21 in Karls- Horst ums Leben gekommen. G. war in seiner Werkstätte in der Wottstraße 78 in Obcrschöncwcid« in den Nachmittagsstunden mit dem Reinigen eines alten Trommelrcvolvers beschäftigt. Der Hand- werksmeister hatte dabei Überselzen, daß noch«ine Kugel im Laus steckte. Er kam plötzlich dem Abzug zu nahe, ein Schuß löste sich und die Kugel drang dem'Unglücklichen in den Unter- freie Sozialistische Hochschule Sonnabend, den 16. Janaar, 19,30 Uhr im ehemaligen Herrenhaus, Leipziger 6 trabe 3, spricht Or. Rudolf Streitscheid, N.«f. R., ober „Abrüstung, Reparationen, Friede" EimritiskaTten zum Preise von SO Pf. sird an den bekannten Verkaufsstellen crlfälUich. Für Enmbslose u Studierende crmiiEigte Kar ten an der Abciidkasso leib. Schwerverletzt wurde Günther ins Elisabeth-Hospital gebracht, wo bei seiner Aufnahm« jedoch nur noch der Tod festgestellt werden konnte. Das alte warnende und mahnende Wort: Jede Waffe ist geladen! hat sich leider auch hier wieder bewahrheitet. Er Wollte sich aufhängen! Die greise Ehefrau aber fand den Tod. Pilsen L B., 9. Januar. In S i r a s ch i n lebte das Ehepaar Z. mit den alten Eltern in beständigem Streit. Nach einem neuen heftigen Austritt nahm der fast achtzigjährige Greis einen Strick und sagte, er wolle sich aushängen, um der Wirtschaft ein Ende zu machen. Seine alte Frau, die dos hörte, lief in Angst dem Manne nach, der schon im Dunkeln verschwunden war, und irrte lange barfuß und in Unterkleidern vergeblich im Wolde umher. Schließlich ermüdete sie derart, daß sie sich einen Augenblick hinsetzte, einschlief und nicht mehr erwachte. Früh fand sie ein Knabe erfroren. Der Greis aber hatte den Mut zum Selbstmorde nicht gefunden und war inzwischen in die Wohnung zurückgekehrt. Die Parteibuchhandiung?. H. W. Dieh Nacht., Lindenstr. 2, bleibt iiifolge Berlegung ihrer Geschäftsräume in den Nachbarladen von Montag, den 11. Januar, bis Mittwoch, den 13. Januar, ein- schließlich geschlossen. Voriräge, Vereine und Versammlungen G Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Geschäftsstelle: Berlin E. 14, Gebostianstr. 5.7— Z8, Hof 2?r. �nsttumcntctt...._ sitznng im©aubüro.— Mitte. Lonnrag, 10. Januar. 4. Kameradschaft. 20 Uhc Generaloersammlung bei Brandis, Stralau er Str. 10. Neiuoastl des Kamerad. schaftsvorstaudes.— Tiergarte«. Montag, 11. Sanuar. 2. Kamerodscha'r. 20 Ilhr Generalversammlu.na bei Sandow, Fleusburger Str. 3. Mitgliedsbuch- Kontrolle. Prenzlauer«erg. Dienstag, 12. Januar. Iungba. Zusammen. kunft an bekannter Stelle.— Fnebrichshain. Montag, 11. Januar. Iungba. 20 Ilhr Heimabend in: bekannten Jugendheim. Mittwoch, 13. Januar. Bortrup?. 19% llbt Jugendheim(fbertijftr. 12 CSaal).— Charlotteadnrg(Odsocrein). Kamerod Johannes Klein(Kameradschaft Stuttclartl ist verstorben. Ei nasche- rung am Montag, dem 11. Januar. 13� Uhr, im Krematorium Dilmersdorf. ÄLe dienstfreien Kameraden und Tambourkorps zur Stelle.— Kameradschalt Spree. Montan, 11. Januar. Jahresversammlung bei Skork. Kaiserin-Augusta. Allee 00. Berichte, Wahlen.— Kameradschaft Zoo. Dienstag, 12. Januar, Itchresverfammlunq bei Arndt. Kantstr. öl. Berichte. Wahlen.— Kamerad. lchaft Stuttgart. Dienstag. 12. Januar, Iohresnerfammluug bei Saubold, Windfcheidstr. 31. Berichte, Dahlen.— SchSncberg-Friedeuau. Montag. 11. Januar. Kameradschaft Friedenau. 20 Ilhr Kameradsmafteversammlnng im Nestaurant Lehmann. Bornstr. ö. Referent: Kamerad Oberleutnant Bathke. Thema:„Sturm über Deutschland". Dienstag, 12. Januar. Kamerabschafts- Versammlungen: Kamerabschaft Rolleudorf: 20V� Uhr bei Jürgens, Barbarossa. straße 5a, Referent: Kamerad Dr. Otto Friedländer:„1032 im Zeichen der Eisernen Front". Kameradschaft Rathaus: 20 Uhr bei Sarom. Finan�Ilause, Mühlenftr. 8. Referent: Kamerod Walter Heller:..Brüning, Hitler und was iuiji?" Kameradschaft Ruhxns: 20 Uhr bei Gramo-tke, Cranac.). Cdc Canova- ssraße. Referent: Kamerad Regierungsrat Kolb. Thema: Aktuelle Fragen.— Steglitz(Kameradschaft). Montag. 11. Januar. 20 Uhr, Iahreshauptverfamm' lung im Restaurant Schulz. Birkbuschstr. 90.— Renkälln-Britz. Montag, 11.'Januar, 20 Uhr, Ortsvercinsmitgliederversammlung bei Klient, Hosenhcide, Ziril. Dienstag, 12. Januar. 20 Uhr, 3. Kameradschaft, Zug Ebert. Mitgliederversammlung bei Krüger. Srnfcr Str. SU. Iungba. Generalversammlung bei Priese. Weichselstr. 8.— Treptow(Kameradschaft). Montag, 11. Januar. Iungba. 20 Uhr Generalversammlung im Jugendheim Elsenstr. 3.— Bohus- dcirf.Grnuau. Montag. 11. Januar. Iungba. 20 Uhr äußerst wichtige Mit- gliederversammlung im Jugendheim. Arbriter-Radio-Bund Deutschlands, e. B., Bczirksgruppe Berlin. Anschrift: B. Voigt. O. 17. Hohevlohestr. 18. Technische Sprechstunden jeden Montag una Freitag ab m Uhr Reichenberaer Str. i»0, Vof Ii. Rlontag, lt. Januar, 20 Uhr. Gruppe Friedrichsbain: Baua'bond. Lokal Wertalla, Hohenlohestr. 3.— Drens- tag,.12. Januar. 20 Uhr, Bauabend im Lokal Klug. Danziqer Str. 71.— Frei- tag, 15. Januar. 20 Uhr, Vortrag dos Genossen Ingenieur Schwabe über: „Urstoffe der Elektrizität".— Gruppe Gesundbrunnen: Lokal Münzberg. Stettiner Str. 52.-Bauabend, Lokal Thiele. Fürbringcrstr. 9. Bau am Gruppengerät.— Gruppe Lichtenberg: Bibliothek Weich jclstr. 28. Praktischer Gruppenabend.— Gruppe Neukölln: Lokal Eggers. Kaiser-Friedrich-Str. 8.— Achtung! Tcilnehmcrzahlen zur Besichngnng des Kraftwerkes Klingenberg bis zum 11. Januar an Genossen Voigt einsenden! Neichsdnud der Kriegsdeschadigtea, Kriegsteilnehmer und Kriegerhivter- dlicbencn. Ortsgr?ippe Oderspree. Generalversommlung am 12. Januar um 2o Uhr im Restaurant„Zum Krüger", Berlin-Niederschöneweide, Berliner Straße 110. Ctic Fennstraßc. Miete? oercia Hansa e. B. Oeffentliche Mieterversammlung am Dienstag, dem 12. Januar. 20 Uhr. der Paßeichoser. Türmst?. 25. Es sprechen: Baumoistcr Mvst.Berlin über die Forderung auf weitere Mietensenkung und Rechtsatt. walt H. Preuß über die 4. Notverordnung. Bereinigung katholischer Akademiker z» Berlin. Freitag, 15. Januar. 20 Uhr, im Plenarsaal des Reichswirtschaftsrats, Bellevnestr. 15, Vortrag vott Dr. Waldemar Gurian-Godesberg über:..Der Bolschewismus, seine russische Wirklichkeit und seine Bedeutung für die Welt". I. Ü'J... Briefkasten Ser Redaktion. H. v«. Das Wohlfahrtsamt kann von Ihnen Erstattung der für Ihre Mutter aufgewendeten Beträge verlangen.— P. H. 100. Nach unserer Ansicht sind Sie nicht versicherungspflichtig. Wir empfehlen Ihnen ober, eine Entscheidung der zuständigen Krankenkasse herbeizuführen.— A. B. Es kommen die Einkommen- neuer, die Krisensteuer und die Bürgerstcuer in Frage. Sie müssen beim Finanzamt Ihre Veranlagung beantragen. Ihre Einkommensteuer wird etwa lö,35 M. monatlich betragen. An Krisensteuer haben Sie 1,5 Proz. Ihres Bruttoeinkommens zu entrichten. Die Höhe Ihrer Bürgerstcuer ersehen Sie aus Ihrer Steuerkarte.— St. P. 102. Die Frage ist bestritten. Wenn der Hauswirt mit dem Abzug nicht einverstanden ist. so müssen Sie entweder daraus verzichten, oder es out eine Entscheidung des Gerichts ankommen lassen.— L. P. 13. Die Ansicht des Finanzamtes, daß eine Ermäßigung der Einkommensteuer nur in Frag? komme, wenn es sich um erwerbsunfähige An- gehörige handele, ist nicht riohtig. Das Gesetz spricht nicht von..erwerbsunfähigen", sondern von„mittellosen" Angehörigen. Mittellosigkeit bedeutet nicht Erwerbsunfähigkeit. Wir raren, gegen den ablehnenden Bestheid des Finanzamtes Einspruch einzulegen.— L. 27. 123,5 Proz. gleich 24,70 M.— F. Tegel 25. Auf die Notverordnung können Sie sich nicht berufen. Nach Abgabe der Erklärung hätten Sie den„Zuschlag" nicht weiterzahlen sollen. Ob Sie jetzt die Weiterzahlung verweigern dürfen, ist sehr fraglich. Wir raten, sich mit dem Hauswirt zu verständigen. Beispiellos groß war der Erfolg und beispiellos war die Anzahl der kaufenden Kunden bei der Firma Teppich-Bnrsch, Berlin CT. 22. Spandauer Straße 32, dem größten Svezialhaus. Einen besseren Beweis für die Devise des Inventurausverkaufs„Wunder über Wunder" für dieses große Speziolhaus gibt es nicht. Der Inventurausverkauf dauert mir noch 0 Tage, da ist es empfehlenswert, und es wird geraten, diese Beranftaltung wahrzmmhmen, da die Firma Teppich.Bursch mit ihren bekannten Qualitätswaren zu den bekannten außergewöhnlichen Ausverkaufspreisen führend ist und volle Beachtung verdient. Der Inventurausverkauf in dem allbekannten Teppichhaus Emil LefSvre. seit 40 Iahren nur Berlin, Oranienstr. 158, Nähe Moritzplatz, dauert nur noch bis Gonnadeud, IS. dieses Monats. Preisheraftsetzuag aller Ware» ohne Auc- nehme. Spezialkatalog auf Wunsch kostenlos! Nicht 10 Prsz., sondern 20 Proz. Rabatt gibt die bekannte Ilhreufirma Hermann Riefe. Kottbusser Damm 2, auf alle'bis zum 1. Februar gekaufte Armband- und Taschenuhren sowie auf Brillanten und Schmurkgegenstände. Rech dem Sturm der ersten Ausverkanfstage, die ja bei.Wertheim durch unbeschränkte Auswahl und erstaunliche Billigkeit enormen Zuspruch fanden, beginnt nun die zweite Woche des Inventurausverkaufes. Der Bedarf so vieler ist ja noch ungedeckt und soll nun, im Zeichen der vorausgegangenen Inventur und beispielloser Preisherabsetzung auch in dieser zweiien Woche ans den Warenmengen, die Wertheim hierfür noch besonder* bereithält, befriedigt werden. Einzigartige Gelegenheiten zum Einkauf von Bekleidung, Wäsche, Trikotagen. Strümpfen und tausend anderen uotwenbigeu Dingen werden gebracht, und als besondere Rot werden Hausholtuugsgegenstcnrde, Glas und Porzellan, die wohl in sedent Haushalt der Ergänzung bedürfen, die AN f- merjfamkeit der, wirtschaftlich denkenden Hausfrau hier, auf sich lenken. WERTHEIM Leipziger Str. CVersend-Abt} Kdnigelr. Rosenthaler Str. Maritzplatz Ulms(ßorsKellan WeSfl Porgellam mli Fehlern Spcisetelier tief od«« nach 0.25 Dessertteller..... 0.18 Terrine....... 1.50 Kari off al schüsscI... US Sanciere....... 0.85 Platten oval... 0.60 bis 1.35 Kaffeekanne..... 0.95 Müchtöpfe... 0.32 bis 0.85 Taste dünn...... 0.22 Salatschalen->-e>8.£>«tx t st. 0.60 veifi, Satz 5 Stück»» 0.95 Tasse n». Coldnnd n. Linie 0.25 Tasse a.nsn«fai(d. Ockorea 0J23 ftosentfcal- Porzellan weih, mit kleinen Fehlem SpeiseteQer flach oder tief 0,32 Dessertteller...... 0.20 Sauciere....... 1.25 Salatieren.... von an 0.90 Platten oval, von an 0.68 bis 1.70 Kaffeckanne- Pen... 0L5 Kaffee- oder Tectasse.. 045 dekoriert Obstteücr i-rnchtdeker mit Goldrand 035 Obstkorb Fruchtdckor mit Goldrand 2JS5 Vasen veneb. Form. u.Dck. US 2�0 FrühstOcks-Service Porzellan bunt Z»>> JS r-n S Teile, tür 2 Person.■••SÖ"Waöö Kaffeeservice ß es Porzellan bunt, f S Tie., i, 12 Pen. Tafelservice Porzellan, mit Poliergold-Rand fltz® M u. 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Die Cöpemcker Bank verteilt Dividende und erhöht die Reserven. Die Cöpenicker Bank, die größte der gewerblichen Genossen« schaften Deutschlands, veröffentlicht als erstes deutsches Bankinstitut ihre Bilanz und den Geschäftsbericht für ISZl, das Jahr der Bank« katastrophen. Gewiß ist die CSpenicker Bank nicht typisch für das deutsche Bankwesen überhaupt. Sie läßt auch nach ihrer Grüß; keinerlei Schlüsse aus den Ablauf des Geschäftssahres lZZt im Bankwesen überhaupt zu. Aber die Cöpenicker Bank verdient Sympathie, weil sie«in Beispiel dafür war, wie die allgemeine Beunruhigung der Sparer und Banktünden zu U n« recht eine Bank in Gefahr bringen kann. Als Ende November v. I. die Berliner Bank für Handel und Grundbesitz zusammenbrach, da kam auch die Cäpenicker Bank deshalb in die größten Schwierigkeiten, weil die den gleichen Einlegerkreisen angehörenden Sparer und Mittelstnnds„gsnossen"— psychologisch durchaus begreiflich— einen Run auf die Bank oeran- stalteten. Der..Vorwärts" ist damals für die Töpc» nicker Bank eingetreten und hat die Verantwortung über- nommen, zu erklären, daß die Cäpenicker Bank und chre Leitung immer den besten Ruf gehabt haben und bei der Areditkrise vom Juli besser gerüstet gewesen sei, als manche Grohbant. Eine solche Verantwortung in unruhigen Zeiten zu übernehmen, ist wahrlich nicht leicht. Aber wir haben es für notwendig gehalten, weil die volkswirtschaftlichen Gefahren gar nicht abzusehen sind, wenn nicht zur rechten Zeit auch die Presse, statt nur den Sensationshunger der Lefcr zu befriedigen, auch die Sparer vor Dummheiten warnt. Dieser M u t hat der Press« chugenberzs und chit- lers, denen die Mittelstonds„genossen" bekanntlich nachlaufen, freilich gefehlt. Der jetzt vorliegende Geschäftsbericht der Cäpenicker Bank zeigt, daß die Leitung das Vertrauen verdient hat. Die CSpenicker Bank hat zwar nicht unerhebliche Millionenbeträze von ihren Einlagen an die Kundschaft zurückgeben müssen: sie war aber in der Lage, sie auch zurückgeben zu können. Gegenüber Ende 1330 sind die Spareinlagen von 2S,2 auf 15,4 Millionen Mark zurückgegangen. Die Einlagen auf laufende Rechnung hoben sich von 4,91 auf 2.91 Millionen Mark verringert. Es zeigt sich aber auch auf der Aktivseite der Bilanz— im Gegensatz zu den sonstigen privaten Kreditbanken— eine beträchtliche Mobilisierung der ausgeliehenen Gelder. Die W e ch s e l b e st ä n d e, die den chauptposlen bilden, sind von 28,7 auf 21,8 Millionen zurück- gegangen und entsprechend durch die Kundschaft eingelöst warden. Die Schuldner in lausender Rechnung haben sich von 0,55 auf 0,40 Millionen Mark vermindert. Freilich liegt kein völliger Ausgleich der beiden Seiten vor. Aber mit einem völligen Ausgleich des Einlagenrückganges beim Ausleihgeschäft kann für das Jahr 1931 in Deutschland keine Bank rechnen Auf der Passivseite zeigt sich auch ein neuer Posten von 9,5 Millionen, der als Reichsbanklombard ausgewiesen ist, und der offenbar als Kassenhilfe nach dem Zusammenbruch der Berliner Bank für Handel und Gewerbe notwendig geworden ist. Der Geschäftsbericht gibt auch Ziffern dafür an, weshalb man die Gefchäftspolitik der Cäpenicker Bant als vorsichtig ansehen darf. Einmal sind von den 15,44 Millionen Spareinlagen noch Ende 1931 rund 13,71 Millionen oder 88, 8 Prozent mit drei- monatlicher Kündigung der Bank überlassen. Auf der anderen Seite sind sämtliche' ausgeliehenen Gelder in hohem Maße gedeckt: durch erststellige Hypotheken nicht weniger als 9 4 ,1 Prozent: auch der Rest der ausgeliehenen Gelder ist in besonderer Weise gedeckt. Offene Kredite scheinen überhaupt nicht gewährt zu sein. Selbstverständlich sind auch solche Deckungen keine volle Gs- währ gegen den Eintritt von Verlusten, besonders in Zeiten wie jetzt, wo durch das weltweite Mißtrauen in die politischen und wirt- schaftlichen Verhältnisse Deutschlands eine Umwertung aller Werte stattgefunden hat. Aber es kommt ja nicht daraus an, ob Verluste überhaupt zu vermeiden sind, fondern darauf, ob eine Bankkund- schaft von ihrer Bank erwarten kann, daß sie das Menschenmögliche tut, um die Sicherheit der Einlagen zu gewährleisten. Die Gcwinnrechnung der Cöpenicker Bank ist günstig. Nachdem die Bank noch 57 699 Mark für Abschreibungen auf Bank- gebäud«, Wertpapiere und Inventar abgesetzt hat, verbleibt ein Reingewinn von 895 999 Mark, der noch etwas höher i st als der des guten Jahres 193 9. Von diesem Rcinge- winn werden 559 999 Mark gegen nur 359 999 Mark im Lorjahre — den Reserven zugeführt, die dadurch eine Erhöhung von 1,45 auf 2,9 Millionen Mark erfahren. Es wird auch eine Divi- d e n d« verteilt, wegen der Reservenftärkung aber nur 6 statt 9 Prozent im Vorjahre. Das eigene Kapital(Geschäftsgut- haben und Reserven zusammen) erhöht sich damit auf 6,39 Mil- lionen Mark. Diese 6,39 Millionen entsprechen 34 Prozent der Gesamteinlagensummc, gegen nur 19 Prozent im Vor- jähre, so daß auch hier sich für die verringerten Einlagen eine er- höhte Sicherimg gegen Verlustgefahren ergibt. Die Zahl der Mitglieder hat sich im vergangenen Jahre nur wenig verringert auf 5628 gegen 5913 Mitglieder Ende 1939. Die Gefchästsguthaben der Mitglieder sind um 193 999 Mark auf 4,3 Millionen Mark gestiegen. ReZchsSank und Disksnipoliiik. Iahresschluß'Krediie zu neun Zehntel bereits zurückgezahlt. Der Reichsbankausweis vom 7. Januar zeigt eine außerordentlich starke Entlastung der Reichsbank von den Krediten, die zum Jahresschluß in Anspruch genommen worden sind. Di« Wechselbe stände sind um 289�9 auf 3854,1, die Bestand« an Reich, schatzwechseln um 89,9 auf 17 und die Lombard- darlehen um 145,6 auf 99 Millionen zurückgegangen. 516,4 Millionen Mark der in öer letzten Dezemberwoch« neu in Anspruch genommenen Kredite wurden also in der ersten Jawmrwoch« zurückgezahlt: dos find rund 99 Proz. der Iahresscklußkredite. Man dürfte eine hohe Rückzahlung erwarten, da schon der Reichsbankstatus vom Jahresende erkennen ließ, daß die Banken für den yahresultimo ziemlich stark vorgesorgt hatten und daß aus dem Geldmarkt eme ziemlich große Flüssigkeit herrfchte. Natürlich haben zu diesen starken Rückzahlungen auch die Ergebnisse des Weihnachtsgeschäftes, der Zinszahlungstermin und die fälligen Aufwertungshypotheken der Versicherungsgesellschaften beigetragen. Die Rückzahlungen an die Reichsbant waren aber auch deshalb stark, weil die Banken, um eine möglichst hohe Liquidität auszuweisen, zum Jahresschluß erhebliche Beträge auf dem zinsfreien Girokonto der Reichsbank angelegt hatten. Diese wurden nun in der ersten Januarwoche in ziemlich großem Umfang wieder ab- disponiert, so daß das Konto, der fremden Gelder um 337,7 auf 417,2 Millionen sich verringerte. Der Notenumlauf ermäßigte sich nach diesen Ver- änderungen in der ersten Januarwoche entsprechend um 299,2 auf 4575,6 Millionen, der Umlauf an Rentenbankscheinen ging um 8,7 auf 413,2 Millionen zurück. Bei den Gold- und Devisenbeständen ergab sich in der eisten Januarwoche eine neue Abnahme, die mit fälligen Zahlungen zum Jahresende außerhalb des Slillhallcabkommcns zusammenhängt. Die Goldbestände verringerten sich um 4 9 auf 979, die Bestände an deckungsfähigen Deoifen um 19 auf 162,3 Millionen Mark. Es ist zu erwarten, daß im Laufe de, Monats Januar sich die Devisenbilanz der Reichrbank wieder verbessern wird. Die Deckung der umlaufenden Noten durch Gold und deckmigsfähige Devisen zusamen ist gegenüber der Borwoä)? von 24:2 auf Z4,9 Proz. gestiegen. Di« Reichsbank hat gegenwärtig einen Diskontsatz von 7 Proz. Angesichts der nicht zu bezweifelnden relativen Geldslüjfigkeit liegt die Frag« einer neuen Distonrermäßigung nahe. So sehr eine Diskontermäßigung im allgemeinen zu begrüßen ist, so dürfte sie doch aus zwei Gründen im gegenwärtigen Augenblick, und zwar auch aus vollswirtschaftlichen Ucberle Zungen, von der Reichsbank kaum verfolgt werden. Einmal scheint es notwendig, daß die S ti ll h a lt e o e r h a nd lu n g« n mit den ousläirdischen Gläubigern zu einem Erfolg gebracht werden: norher sind die kreditpolitischcn Unsicherheiten zu groß, als daß auf längere Sicht berechnete Maßnahmen wie die der Diskontopolitik guten Sinn hätten. Zum anderen muh jede Krcditverbilligungsmahnahmc unter den heutigen Verhältnissen davon ausgehen das gilt besonder» für den Fall, daß die Verlängerung der Stillhaltung zustande kommt.— daß eine Krctitoerbilligung heute weitgehend ihren volks- wirtschaftlichen Zweck solange verfehlt, alz sie nicht mit wirtschaftlichen Reinigun gsmahn ahmen ver- knüpft wird, die ein« Realisierung längst vorhandener Verluste sicherstellt. Notenumlauf und Kreditgewährung der Reichsbank sind bzgenwärtig noch mit gut anderthalb Milliarden Mark S t ü g u n g s- krediten belastet, deren Vorhandensein sowohl das Produktions- Niveau künstlich verkleinert und die Arbeitslosigkeit künstlich ver- größert, alz auch das Zinsniveau in die Höhe treibt. Solange hier keine Reinigung erfolgt, ist von einer Zinssenkung allein keine nachdrücklich« Förderung der Gesamtwirtschast zu erwarten. Zlnsslundung iür Nolstandskredile. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, werden den pommerschen Darlsdnsn-chmeru für die mi Jahre 1927 gewährten Roiftandsdarlehen für UnweU-rfchäden die daraus fälligen Zinsen bis zum 1. September 1932 gestundet. Attacke für höhere Butterzölle. Der deutsch« Landwirlschastsrat hat an den Reichskanzler, den Reichsernährung»., Reichrwlrtjchafls- und Relchssiaanzminlfler ein Telegramm gerichtet, das die sofortige Erhöhung der vulterzölle verlangt. Räch unserer Kenntnis wird mehr als die verdoppc- lang des jetzigen Bullerzolls von 59 M. verlangt. Reichsregiernng und Oeffentlichkeit werden für so sturmreis gehalten. daß man einen sofortigen Erfolg erwartet. Wir warnen vor jeder übereilten Entschlie- hnag. Deulschlavd kann sich hunderttausende neue Arbeitslose nicht leisten. Das aber wäre die Folge der Lullerzollerhöhung, die Deutschlands wichligfle, bis jetzt noch bestehende Handelsverträge über den Haufen wirst. Sicher sind die Bulterpreise niedrig. Sicher ist die Butlerewsuhr gestiegen. Aber daß die Erlöse der Land- wirtschast so niedrig sind, hängt nicht nur mit den preisen» sondern auch mit den kosten zusammen. Wir haben in Deutschland den Skandal, daß Im Zahre 1931. während alle anderen preise abstürzten, der Fultermiiiel- index noch gestiegen ist. gegenüber dem März 1930 sogar um m e h r a l s S p r o z. Er ist gestiegen, weil man die Körner- srucht mit aller Gewalt im preise hochgehalten hol. also die Groß- agrarier aus Kosten der Bauern und der Berbraucher schützte. Das Ausland kann seine Buitcr nicht nur wegen der Währnugs- cntwertungen, sondern vor ollem wegen seiner billigeren Futter mit« ei den hohen deutschen Builerzoll seht über- springen lassen. Außerdem hat die letzte Rotverordnung ja gerode deshalb, weil die währungserschütterungen auch die ausländische Buttertonkurrenz verschärfte, die Zins-, Frachten- und Lohnsenkung durchgeführt gerade für die Landwirtschaft und so die produk- tionekoslen schon jetzt gesenkt. Der Erlös der Bauern soll erhöht weiden, dazu Hilst aber kein höherer Bulterzoll, sondern nur eine Senkung der Futiermtilet- kostev. wer in veutschiond mit Zöllen die Bulterpreise erhöht. mildert die Bauernnot nicht, sondern verschärsl sie. Denn e» wird ja Immer weniger Butter gekauft: die Preise müssen sofort wieder und um fo stärker sinken. Zinsabkommen unterzeichnet. Deröffentlichung am Montag. Amtlich wurde gestern milgeteUlt In der angekündigten Sthnng der Spihenverbändr der Kredit- institute am Sonnabend, dem 9. Ianuor. sind die Bercinborungcn über did Gestaltung der Zinsen und Provisionen im Geldmarkt von allen Beteiligten uulerzeichnet worden. Der Reichskommissor für das Sovkgewerbe hat den geschlossenen Abkommen zugestimmt. Mit ihrer Veröffentlichung ist am Montag zu rechnen. Zur Zeil tagt der in den Verträgen vorgesehene Zentrale Kredit- Ausschuß, vm einige der ihm durch die Abkommen übertragenen Ausgaben zu erledigen. Oer Großhandelsindex am 6. Januar. Mit 101,4 Prozent nahe dem Vorkriegsstand. In der Woche zum 6. Januar ist der Großhandelsindex um 1,5 aUf 191,4 Prozent weiter gesunken. Da der Stand von 1913 gleich 199 gesetzt ist, ist der Vorkriegsstand der Großhandels» preise bald erreicht. Aber es ist hinlänglich bekannt, daß im großen Durchschnitt die deutschen Preise immer noch nicht unerheb- l i ch höher liegen als in anderen großen Industrieländern, und zwar trotz der jetzt schon fühlbaren Auswirkungen der Notverord- nung vom 8. Dezember. Die A g r a r st o f s e sind weiter von 399,5 auf 399,9 Prozent gesunken, die Kolonialwaren sind ebenfalls von 99,2 auf 99,9 Pro- zent zurückgegangen. Der st ä r k st e Rückgang zeigt sich diesmal bei den industriellen Rohstoffen und Halbwaren. Mit 93,9 gegen 95.9 Prozent ergibt sich gegenüber der Vorwoche ein Absinken um 3 Prozent. Das ist in erster Linie auf die feit dem 1. Januar(teilweise auch vorher) eingetretene Senkung dee Kohlenpretfe zurückzuführen, deren Index von 129.4 aus 117,7 weiter zurückging. Dennoch steht der Kohlenpreisindex unter den Rohstoffen und Halbwaren noch am hoch st« n. Chemikalien folgen mit 113,9 und Baustoffe mit 113,3. Der Index der industriellen Fertigwaren ist von 129,2 auf 128,7 Prozent gesunken, und zwar Produktionsmittel von 126,3 auf 125,4 und Konsumgüter von 131,4 auf 139,3 Prozent. —---~ iae$i tu in swty � � � *1%** «foraKfl* «f"POSTIM AU? VjT ♦_, 19«-* 27-«. --------------—-- V I--,..... l I.1 ,r.... it.p. 12600 neue Konsummitglieder. Eine Halbjahresbilanz der Konsumgenossenschast Berlin und Ltmgegend. Die Konsumgenolsenschafl Berlin und Umgegend, die Berliner Verbraucherorganisalion, keili im Bericht über das erste Halbjahr ihres ZZ. Geschäftsjahres fZuli,'Dezember 1931) mit, dah in den zu- rückliegenden sechs Monaten 12 607 Haushaltungen ihren Beitritt zur Konsumgenossenschast Berlin und Umgegend erklärt haben. Unter Berücksichtigung des durch Todesfälle, Verzug nach auherhalb usw. in Ansah zu bringenden Mitgliederabganges erhöhte sich der Mit- gliedcrbestand aus 202 963. Einen besonderen Erfolg zeiligte die Reichs-Werbewoche im Bovember mit 5175 Aufnahmen. Die fortschreitende Kauskrastschwächung der breiten Verbrauchermassen durch erhöhte Erwerbslosigkeit und ver- mehrte Surzarbeil in Verbindung mit dem durch Lohn- und Ge- Haltsabbau verschärften Einkommensausfall lieh selbstverständlich die wertmäßige Umsahhöhe wie überall zurückgehen: in der gleichen Richtung wirkten sich die Preissenkungen bei fast allen Morengallungen aus. Der Umsah im zweiten Halbjahr 1931 ver- minderte sich infolgedessen gegenüber dem gleichen Zeitraum des vor- ausgegangenen Kalenderjahres auf 33 785 009,05 Mark. Zur das gesamte Kalenderjahr 1931 verminderte sich der Umsah gegenüber 1930 von 80 609 685,63 auf 69 643 749,77 Mark oder um 13,6 Prozent. Troh der sich verschärfenden Saufkraftschrumpfung ist m e n g e n- mäßig der Umsatz gehalten worden. Bemerkenswert ist, daß sich für die M a r e n h a u s a b l e i l u n g im zweiten halb- jähr 1931 gegenüber dem gleichen Zeitraum des vorausgegangenen Jahres eine Umsah st eigerung von 1.6 Prozent ergibt, was auf die zur Zeit der Bankenkrise, in den Monaten Juli und Augnst, getätigten Vorkäufe zurückzuführen ist. Der Monat De- zember 1931 brachte einen Umsah von 5 658 599,07 Mark. Als Einlagenbefland wurden in der konsum genossenschaftlichen Sparkasse am Jahresschluß 36 164 158,39 Mark verwaltet, die sich aus 150 939 Konten verteilten. Der Einlagenzugang be- trng im Dezember 631 488,25 Mark. Es worden im Dezember 298 Konten, in der Zeit von Juli bis Dezember 1931 3870 Konten neu ausgestellt. Die Entwicklung der letzten Zeit läßt eine stärkere Belebung der Sparlätigkeit in den Mit- gliederkreisen erkennen. Kein Geld mehr für Schuhe. Troh starker Preissenkungen. Die Forschungs stelle für den Handel veröffentlicht jetzt eine eingehende Untersuchimg über die Entwicklung im S ch n h h a n d e l. Di« Unterftichung ergibt, daß trotz stärkster Preis- fentiingen,. die bei Schuhen unbedingt anzuerkennen find, der Schuhoerbrauch je Kopf der Bevölkerung von 1,24 Paar im Dohre 1927 auf 1,04 Paar im Jahre 1930 gesunken ist. Dieser Rück- gang um mehr als 18 Proz. trotz der Preissenkungen zeigt deutlicher als alles andere den radikalen Kaufkraftschwund bei den Konsumentenmassen. Interessant ist die Feststellung, daß die durch die Rationalisie- rung ermöglichten Preissenkungen den Konsumenten nicht in vollem Ilmfange zugute kamen, weil die Starrheit der Bertei- l u n g s k v st e n im Handel hemmend wirkten. Für die Verhaltnisse im Schichhandel ist es charakteristisch, daß die H a n d e l s u n k oft e n von 1Z bis 19 Proz. vor dem Kriege und 17,6 Proz. im Jahre 1923 bis auf 23,3 Proz. vom Umsatz im Jahre 1930 gestiegen sind. Die Gründe hierfür liegen einmal in den teuren Mieten und sonstigen Kosten(Zinsen, Reisespesen), besonders aber in der starken Ausweit ungderEortiments, die, die gesteigerten Ansprüche der Käufer erforderlich machten. Die Größe d«r Sortiments hat starken Einfluß auf den Umschlag des Kapitals, der bei tausend Sorten nur 2,ömas, bei 90 Sorten dagegen 10- bis 12mal im Jahre statt- sindct. Je geringer der Lagerumschlag, desto höher sind natllr- I lich die Kosten. Diese erreichen zum Beispiel bei einem Z�sachen Lagerumschlag im Jahr 20,6 Proz. vom Umsatz, bei einem Lager- umschlug von l.Smal und weniger steigen die Unkosten aber bereits auf 31,4 Proz. vom Umsatz. Die Untersuchung der verschiedenen Betriebskostensaktoren tonn nicht allein für den Schuheinzelhandel, sondern für den gesamten Einzelhandel neue Wege weisen. Welchen gesamtwirtschaftlichen Nutzen eine Kostensenkung im Schuhhandsl zur Folg« haben würde, zeigt sich darin, daß zu dorn gesamten S ch u h u m s a tz des Einzel- Handels von 1110 Millionen Verteilungskostcn von rund 273 Millionen aufgewendet werden. Was wird mii den Bierpreisen? Senkung ist ohne Ermäßigung der Aiersteuer durchzuführen Zluf der Generalversammlung derEngelhardt-Brauerei, die auch in diesem Krisenjahr die gute Dividende von 8 Proz. (im Vorjahr 13 Proz.) oerteilt, betonte Generaldirektor Rächer die Notwendigkeit einer Bierpreissenkung, in erster Linie durch Bier- steuersenkung. Sie sei unerläßlich, um den Bierabsatz wieder zu heben. Wir meinen auch, daß die Bierpreise herunter müssen. Und wir haben vor einigen Tagen den Beweis geliefert, daß die Brauereien zu einer Ermäßigung des Preises um 5 Mark je Hektoliter durchaus in der Lage sind. Denn die Rohstoffe sind wesentlich billiger geworden; Hopfen kostet etwa ein Achtel dessen, was et 1927 kostete. Und alle anderen Kosten haben durch die letzt« Notverordnung eine weitere Ermäßigung erfahren. Aber die Brauereien scheinen eben nur an ihre Dividende zu denken. Merkwürdig schon, daß die Hauptursache für den� Rückgang des Bierabsatzes, die Arbeitslosigkeit und die Minderung .der Kaufkraft durch Lohn- und Gehaltsabbau, von Rächer überhaupt nicht erwähnt wurde. Er erklärte, daß ein Preisabbau nur nach erfolgter Steuersenkung eintreten könne. Die Verhand- lungen im Reichsfinanzministerium sollen auf eine wesentliche Steuersenkung hoffen lassen. Demgegenüber müssen wir mit allem Nachdruck erklären: ein Abbau der Biersteuer in der Zeit größter Finanznot wäre außerordentlich leichtfertig. Da die Brauereien nach den Eewlnnzisfern des letzten Jahres durchaus in der Lage sind, von sich aus einen erheblichen Preisabbau durchzuführen, haben sie selbst die Möglichkeiten in der Hand, den Bierabsatz zu steigern. Eine Preissenkung durch Biersteuersenkung kann ja den Absatz über- Haupt nicht erhöheu, weil der Konsument an neuen Steuern wieder aufbringen müßte, was ihm die Preissenkung bescheren würde. Wir können nicht glauben, daß das Reichs finanz- Ministerium die Dinge anders beurteilt. Und wir wollen hoffen, daß der Herr Preiskommissar sehr bald die fällige Herabsetzung des Bicrpreiscs verfügt._ LG.-Zarben berichiei. Nach einer Mitteilung der JG.-Farben-Industrie über d i a<5 e- schäftslage im letzten Quartal 1931 ist im wesentlichen die Situation der einzelnen Zweige des Trusts unverändert gc- blieben. Eine— vielleicht weittragende— Einschränkung wird hinsichtlich der Schwierigkeiten gemacht, die sich aus den ver- änderten Währungsvcrhältnissen vieler Länder er- geben Hadem Auch die Auswirkungen der Notverordnung vom 8. Dezember seien noch nicht zu übersehcm— Die IG.-Farbcn schließt ihr Geschäftsjahr am 31. Dezember. Man darf gespannt darauf sein, wie die Bilanz aussehen wird. Besonders das Stick st offgeschäft scheint durch die weltwirtschaftlichen und die Währungsschwierigkeiten gelitten zu habe«. Zur Mieisenkung. Eine Verordnung des Reichsarbeits- und Reichssuflizmlnisters bestimmt für gemeinnützige Wohnungsunternehmen, die ausschließlich dem Zweck dienen, im öffentlichen Interesse des Reichs einen besonderen Wohnungs- bedarf zu befriedigen, daß nach dem Ermessen des Reichsarbeiis- ministers eine andere als die in der vierten Notverordnung(Ar- tikel 8) bestimmte Stelle über die Ermäßigung des Mietzinses zu entscheiden hat. Es können in diesem Falle auch Grundstücke verschiedener Gemeinden zusammengefaßt werden. Die englische Woolworih-Gesellsthaft meldet für 1931 um 14 Proz. aus 4,21 Millionen Pfund Sterling gestiegene Nettogewinne. Aus die Stammaktien sollen nicht weniger als 70 Prozent Dividende verteilt werdem Oer* Or*kan tobt weiter und reißt die Preise in unergründliche - Tiefen! Dies macht GADIEL" inventur- Ausverkauff so unvergleichlich und erklärt die Anerkennung unserer Leistungen durch unver* minderten Andrang der Käufer. Wir verdoppeln deshalb unsere Anstrengungen und geben den vielen Tausenden, die im Getümmel die Ruhe des Suchens vermißten, aufs neue Gelegenheit, herrliche Qualitätswaren in nie gesehener Auswahl ZU nnfaiMiariiledriäeiiPreiseii zu wählen.— Daher nochmals: AufzuGadiel!" jj äe�inn 4. Januar 1032. Nie wiederkehrende Gelegenheit: Ein Posten bildschöner schwarzer FOHLENMÄNTEL mit großem echten Skunk,' kragen Jetzt nur 189 rosse Welten Das riesige Lager von WINTER-MXNTELN enthält in Oberwaitlzender Auswahl prächtige Mäntel mit und ohne PcIk, darunter eä mS aI rn auOerordentllch tlefherabgesct*- herrlidie■'lOVstSllllICSülltSI ren Preiaen. 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Ndchwiklngs 1 Uhr. im parterrefanl des verboudshonles, Einnung B, Elfdffer Ltruhe 6O1SS Versf ramlunö aller arbellaloten dimlede an* den Grob-, Mltfel-, Fuhrwerks., Brauerei' nnd Innung! betriehen, sowie sämt- lldier der Sdimlcdebrandie ange* sdilouenen Kaross.ricarbcUer Tagesordnung: I. Terdandsangeleaenheiten 2. Wichtige BranchenangelegcnHeilcn. Ohne Mitgliedsduch lein Zutritt. Es ist Pflicht aller Kollegen und Kolleginnen, an dttscr Versammlung de- stimmt tellzunehmen. Dienstag den 12. Januar. adcuds 2 Uhr. im vsrdandshaus, Eingang Elfüsser Str 60 86 Brandien-Versammlung der Banansdilfider T.age s or d nun g: 1. Bericht von den neuen Lohnvethand- lungen mtl dem Ärdeilgeder-Schutz. verband. 2. Verbands, und Brandicnangelegen- Helten Ohne Mitgliedsbuch lein Ruirilt. Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, in dieier Berfammlung pünititch anwesend ju lein. Die Orftverwallung flersfeiler von Wasdiblau die große Quantitäten von Ultramarineblau benutzen, wünschen mit Fabrikanten, die imstande sind, en gros zu liefern, in Verbindung zu treten.— Zuschriften erbeten an die Hauptexpe- dition des„Vorwärts* unter Chiffre„A. lAd*4. Bekanntmachung betreffend Einsendung der Lohnsteuer. abrugsdelege für das Kalenderjahr 1931. Ardeitgeber, die im Kalenderjahr 1931 den löteuetabaug vom Arbeitslohn im Uederweisiingsverjahren vorgenommen haben, haben a) jlle die am 31. Dezember 1031 bei ihnen in einem Dienstverhältnis stehenden Arbeitnehmer aus der zweiten Geile der Sleuerkarlc 1931 die Lohnsteuer bescheinignng. d) iiir die im Kalenderjahr 1931 vor dem 31. Dezember 1931 aus dem Dienstverhältnis ausgeschiedenen Arbeit- nehmer vcrcinsachtc Lohniieuer-Ueber- weimngsdlaucr nach votgcschtiebenem Muster auszuschreiben, wenn sie nicht schon im Lause des Jahres die vollständige Lohnstcuer-Bescheinigung in der«leuer- karte ertetlt haben Die Steuerkarten und die Lohnsteuer-Uederweisnagsblötter sind den Bohnstgfinanzämtcrn spätesten» bis zum I5>. Februar 1932 einzureichen Näheie Ausillnste erteilen die Finanz- ämter Diese veradsolgen uiteiugeitiich auch die lleberweisungsblaiter und Ab- drucke der maßgebenden Verordnung vom 9. Dezember 1931. Berlin, den 16. Dezember 1931. Der Präsident d.Landessinanzamt» Berlin Bekanntmachung betreffend Ablieferung der Einkomweu- steuermarkeu. Jeder Ardeilnehmer, lue den im Kalenderjahre l93l Steuermarken«er. wendet worden sind, ist verpstichlet ipäiestens bis zum 15. Februar 1932 seine Steuerkarte für 193t und die Einlage- bogen mit den im Kalenderjahre 1931 verwendeten Steuermarkeu an da» Finanzamt abzuliesern, in dessen Bezirl er am 10 Otlodcr 1931'einen Wohnsitz oder gewöhniiehen Ausenthalt datte. Da» bei hat er die Nummer der Steuerlarle siir 1932 und die iöemeiiidebehörde, die diese Stcuerlarte auegrstellt hat, an- zugeben. Soiern die öleuerkarle 1931 vom Arbeitnehmer nicht eingesandt werden rann, we'i sie etwa bei einem Arbeitgeber siir die Lohnsteuer- Bescheinigung Bor- Wendung findet, sind Name uud Wohnung dteses Ärbeilgebet» bei der Einsendung der. Einlagcbogrn vom Ardeilnchmee genau anzuaeden Die Arbeitgeber find verpflichtet, durch Anichlaa in den Arbeits- und Delchästsräumen au: die Ablieserungz pflidjt hmzuwetsen. Dte. Einlagebogen musscn vom Arbeitgeber oednungsmä ausgcsitllt und auigctechnet sein. Berlin, im Januar>932. Die Finanzämter de» Laudesfinanzamt» Berlin. Reste-Tage im Inventur- Ausverkauf Montag und folgende Tage Deutscr Jsgro pezialhausi LGipzigerStraße-KupPüPStendamm Königstraße— Steglitrz-Schloßstr Verbilligte Mieten l Kein Genossenschafts-Ant«fl usw." -bis 3• Zimmer- Wohnungen r v in Reinicüendorl- uiest sofort zu vermieten.— I Auskunft Verwaltung Reinickendorf-West I Berliner StraB« 48, Hok rechts_> MWW teiephon: RelBlcKendork 3262»WW Z u r ü varz-Kot- Qo'.d K.naer., Uhr. im Krema» larium. Wilmersdorf, Berliner Siratze 110.113 stall Erfinder- Vorwärtsstrebende 10000 Hk. Belohnung Näheres kostenlos durch k. Erdmann& Co„ Berlin«W 11. 44. Ableitung Amö.Ianuar verstarb vlotzllch unser langjähriger Parteigenosse. dcrFriscur Emil Metz Monleussclftr. 80. im 66. Lebensjahr. Wir werden ihm ein ehrendes An- denken bewahren Die Einäscherung findet am Mon- sag. dem Ii. Januar. 19 Uhr, im Krematorium Serichistratze statt. Um rege Beteiligung bittel Die Abtrllungxlr iiang. Wer MetoliarDeiter-lfeM Verwaltungulelle Berlin Todesanzeigen Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Klempner Max Oestreich geb. l. Oktober 1865. am 7 Januar gestorben ist. Die Einäscherung findet am Dicns- tag, dem 12. Januar, 18 Uhr. im Krematorium Baumschulenweg statt Am 5. Januar starb unser Kollege. der Wächter IVildelm l.oSe geb. 2k. August 1866. Die Einäscherung findet am Mo:-- tag. dem jl. Zanuar. W- Uhr, im Krematorium Wiimersdor, statt. Am 8. Januar starb unser Kollege, der Mechaniker Emll Kirchner geb. 10. Februar>859. Die Einäschernng findet am Mitt- wach, dem 13. Zanuar,>6 Uhr, im Krematorium Gerichlilraße statt. Ehr« ihrem Andenken! Rege Beteiligung wird erwartet. vir Orisrerwellnng. Statt Karlen Filr die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Hinscheiden unseres rieben(Satten und Balers Otto Kintzel sagen wir hiermit ollen Beteiligten unseren innigsten Dank Die Urnen- bcrsctzung findet am Wiltwoch. dem 13. Januar, vormittags 11 14 Uhr. tn Baumschulenweg, statt Erao Mariha Kintzel und Sohn Für die überaus Dielen Bewerte herrlicher Teilnahme anläß ich der Bestatiung meine» lieben Manne» und unseres guten Vaters krleSrich Bennecke sprechen mit hierrnrt allen F-eunden. Bekann:en. Genossen und Kollegen unseren tiefgesühllssien Dank aus Anna Rennccke and Kinder. KLEINE ANZEIGEN liililllllllllllllllllillllllllllillllllllllllllilllllllllllllllllllllllllllillilillllllllillillllltlllHIIi Preise i Überschriftswort 29 Pf.. Textwort 12 Pf. Wiedei holungsrobatti 10 mal 5 Proz.. 20 mal oder 1000 Worte Abschluß 10 Proz., 2000 Worte 15 Proz., 4000 Worte 20 Proz. Stellengesuche« oberscnrlfts- *vort 15 Pf.. Textwort 10 Pf.' Anzeigen, welche für die nächste Nummer bestimmt sind, müssen bis 4'? Uhr nachm. im Verlag. Undenstr 3, oder auch in sämtlichen Vorwärts Pilialen und Ausgabestellen abgegeben sein uerKSuie JcBsirfbau» emil Lcs>»re Setiin. feit 49 Iahten nur Oranien- IhnÄr 158. 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Anlaß dazu gab ein Antrag, der die Veranstaltung von Kursen über Theorie und Praxis der Gewerkschaftsbewegung forderte. Zu ciuem grundsätzlichen Beschluß darüber kam es sedoch erst auf dem Kölner Kongreß im folgenden Jahre, auf dem der Antrag erneut eingebracht und von Johannes Sasscubach begründet wurde. Von diesem Zeitpunkt an datiert also die systematische freigewerkschaftlichc Bildungsarbcit. Die gemerrschaflliche Bifirnngsarbeit der Vorkriegszeit wollte sich nicht in Gegensatz stellen zu der von der Sozialdemokratischen Partei schon seit ihren ersten Anfängen bewußt betriebenen Arbeiter- bildung. die bestimmt war. das geistige Gerüst für den prole- tarischen Klassenkamps zu bauen, sondern sie sah Aufgaben vor sich. die zwar durchaus auf der gleichen Ebene lagen, in ihrer kon- kreten Form aber von dieser gar nicht ersaßt werden konnten Diese ersten von der G e n e r a l k o m m i s si o n(heute ADGB.) einge- richteten gewerkschaftlichen Bildungskurse hatten die Ausbildung von Gewerkschaftsfunktionären und Gewertfchaftsange- stellten zum Ziel. Von 1906 bis 191S gab es im ganzen 22 solcher vierwöchigen Kurse, die von zusammen 1387 5)örern besucht wurden: außerdem fanden noch vier Lehrgänge für Ar- beitersetretäre statt. Die Nachkriegszeit stellte Arbeiterbildung und Gewerk- schaftsbildung vor ungeheuer erweiterte Aufgabenkreise. Der Ar- beiter mußte beweisen, daß er nicht nur zur Kritik am alteu System, sondern auch zur Ml- arbeit am Ausbau eines neuen fähig war. Di« wirtschaftlich und politisch unterdrückte Arbeiterschaft hatte nur gering« Möglichkeit gehabt, ihre gesellschaftswissenschaftlichen Erkenntnisse in so umfassende Kenntnisse umzusetzen, wie sie die Neu- ordnung und Verwaltung eines aus den Fugen gegangenen Staates erforderten. Eine Verantwortung von schwer st em Ge- wicht lastete auf den Arbeiterräten, die das von Entbehrungen zermürbte, ausgehungerte Volt mit der Führung betraute. Aus dieser Erkenntnis entstand die„Freie Hochschulgemeinde fürProletarier'. In einer Denkschrift wurde ihre Notwendig- keit begründet. Ueber ihre wichtigsten Ausgaben heißt es darin: „Die Dringlichkeit dieser grundsätzlichen ForderunA wird erhöht durch die besonderen Notwendigkeiten, die bei der Sozia- lisierung der Wirtschaft von feiten der Gesellschaft geltend zu machen sind. Es gilt einen Stamm junger sozio- listischer Beamten heranzubilden, fähig, zu Beginn der Ver- gesellschaftung in den technischen Betrieben, im Verwaltungs- apparat, den Bertehrseinrichtungen usw. in höheren oder testenden Stellen das Nötige zu leisten. Was in den ersten Tagen der Revolution als ein empfindlicher Mangel in Erscheinung trat, der auch heute noch nicht vollkommen überwunden ist, war das Fehlen vorgebildeter, technisch und organisatorisch geschulter Wuarbeucr. Infolgedessen konnte ja z. B. nicht einmÄ dw�OrganlsSkion Tler�NegierungMhörden im Reichs- tag, im Abgeordnetenhaus und dem Polizeipräsidium schnell durch- getührt werden..." Die Schule war als Internat geplant, das eine Anzahl junger Proletarier in dreijährigem Lehrgang, der auch westgehend« Einbeziehung der praktischen Betriebsarbeit, ebenso Besuch von Vor- lesungen an allen anderen Hochschulen vorsah, ausbilden sollte. Außerdem wollt« sie den gewählten Arbeiter- und Betriebsräten und darüber hinaus der gesamten Arbeiterschaft die Mög- kichkest bieten, sich die zur Erfüllung der neuen Aufgaben unerläß- lichen Kenntnisse anzueignen. Der gesamte Plan konnte in den politischen Wirrnissen jener Tage nicht zur Ausführung kommen. Das in ihm niedergelegte Bildungsprogramm zeigt ober, welche umfassenden Forderungen an die Arbeiierbildung- im weitesten Zinne plötzlich gestellt werden mußten. Es kamen jedoch nur recht systemlos zusammengewürfelte Unter- richtskurse zustande, die in der Auswahl chrer Lehrstoffe völlig von den gerade zur Verfügung stehenden Lehrkräften abhängig waren und die immer mehr in das Gebiet der allgemeinen und sachtechnischen Bildung abzugleiten drohten. Die Um- benennung der„Freien Hochschulgemeinde" in„R ä t es ch u l e der Berliner Arbeiterschaft" im Jahre 1929 dokumentierte die Abkehr von dieser systemlosen Arbeit. Doch immer noch blieb die geistige und mehr noch die wirtschaftliche Basis der Schule reichlich unsicher. Erst nachdem am 26. November 1929 eine Lehrerkonfercnz die Bereinigung der Räteschule mit der freigewerkschaft- lichen Vetriebsrätezentrale beschlossen hatte, konnte si« sich, gelragen von dem Organisationsapparot der G e w e r k s ch a f- t« n, zielbewußt entfallen. Sie führte nun den Namen„B e- t r i e b s r ä t e f ch u I e". Ihr erster Lehrgang begann Anfang Ja- nuar 1921. Sie ist die einzige gewerkschaftliche Bildungseinrichtung in Deutschland. die die Zuflation überdauerte und die nicht einmal vorübergehend während dieser Zest ihre Pforten schloß. Bereits in den ersten Iahren ihres Bestehens wurde sie von Gewerkschaftsmstgliedern und-delegationen aus den Veremigten Staaten, aus Mexiko, Japan und Indien aufgesucht, ebenso von Vertretern von Bildungsorganisationen aus fast allen europäischen Ländern. Bis zum Jahre 1924 blieb der Unterricht ausschließlich den Be- dürfnissen der Betriebsräte angepaßt. Für die anderen Funktwnärgruppen errichteten die Gewerkschaftskommission(heute Ortsausschuß des ADGB.) und das AfA-Ortskartell eine besondere G e w e r k s ch a f t s s ch u l e, die sich eng an die Betriebsräteschule anschloß. Die organisatorischen Arbeiten, die für die Gewerkschafts- einrichtungen nach Beendigung der Inflationszeit nötig wurden, griffen auch in das Bildungswesen ein. Noch Auflösung der frei- gewerkschaftlichen Betriebsrätezentrale wurden die Betriebsräteschule und die Gewerkschaftsschule miteinander verschmolzen als„B e r- liner Gewerkschaftsschule" und ein gemeinsames Bildungs- institut für alle Gewerkschaftsfunktionäre geschaffen. An die Stelle einzelner, in Viertcljahrskursen behandelter Lehrgebiete wurden zweijährige Arbeitsgruppen eingeführt, die gründlichere und systematischere Arbest gewährleisteten. In den Jahren nach der Inflation wurden die wichtigsten Unterrichtsstoffe: Arbeiksrechl, Betriebslehre. Sozialpolitik. Volkswirtschaft und Gewerkschaftsbewegung. Cell jener Zest hat die Berliner Gewerkschaftsschule in eindeutiger Linie ihren Auigabenkreis auf die Schulung der gewerkschaftlichen Funktionäre beschränkt. Die Anerkennung der Gewerkschaften als Sach- waller der wirtschaftlichen und sozialen Angelegenheiten der Ar- besterschaft, die die Verfassung der deutschen Republik aussprach, forderte für eine Fülle neuer Gebiete ihre Mitarbeit. Vor dem Kriege gab es in Krankenkassen und Kassenoerbänden, in den Ver- waUungslörperjchaften der Lchchesoersicher�sanstalt und in den. V ersich e ru n gs ämtcrn'einige Gewerlschafksvertreter: außerdem wurde eine größere Anzahl in die Gewerbe- und Kaufmannsgerichte ent- sandt. Um diese Stellen zu besetzen, bedurfte man kaum mehr Leute, als aus den Kreisen der erfahrenen GewerkschaftsangesteDcn zur Verfügung standen. Jetzt war es anders. Betruiebsräle, Belriebsrolsmilgliedcr in den Aussichtsräten. Sesellenausschußmilglieder bei den Innungen, Schllchtongs- ausschußbeisitzer. Arbeits-, tandesarbeils- und Reichsarbeits- richter, Beisitzer in den SelbstverwaltungSkörperfchaftcn der . Beichsanstalt. Vertreter iu den Körperschaften für Zugend- fürsorge und wohtsahrlspslege. Vertreter in den Kuratorien«ud Beiräten von Berufs- und Fachschulen mußten nun ebenfalls von den Gewerkschaften gestellt werden. Die Zahl dieser Funktionäre geht heute in die Z e h n t a u s e n d e. Auf jedem dieser Posten lastet eine Fülle von Verantwortung: jeder er-' fordert eine Fülle gründlich st er Fachkenntnisse. Diese Bildungsarbeit kann nur von den Gewerkschaften geleistet werden. Sie ist unerläßlich, nicht nur wegen der Bedeutung, die nie Arbeit des einzelnen in seinem bestimmten Wirkungskreis hat, sondern auch, weil jedes einzelne Gewerkschaftsmstglied, das solchen Posten versieht, als Vertretung, ja als Verkörperung des gewerk- schaftlichen Geistes erschemt und entsprechend bewertet wird. Die erfolgreiche Arbeit chrer Funktionäre ist auch das sinnfälligste Werbemittel der Gewerkschaften. Welche Anforderungen an das Wissen der Funktionäre gestellt werden, davon kann man sich eine ungefähre Vorstellung machen, wenn man m großen Umrissen die Kenntnisse zusammenstellt, über die etwa ein Betriebsrats- Mitglied verfügen muß, wenn es seiner Funktion voll genügen will. Er wird nicht nur über das Betriebsrätegesetz selbstverständ- lich genau Bescheid wissen müssen, sondern sich in der Sozialgesetz- gebung, im Tarifwesen, im Arbeitsschutzrecht gründlich auekennen und die für die Verhältnisse in seinem Betrieb besonders wichtigen Punkte übersehen müssen. Außerdem aber ist es von größter Be- deutung, daß er die wirtschaftliche Struktur seines Betriebes und dessen Zusammenhänge mit der gesamten Wirtschaft erfassen kann. well erst diese Kenntnisse ch» in die Lage vorsetzen, dem Unter- nehmer oder seinem Vertreter oei Verhandlungen ebenbürtig gegen- überzutreten. Die Menschen, die sich nach anstrengender täglicher Wertarlüit avalendlich in den Kursen der Gewerkschastsschule zusammenfinden und die Opfer an Zeit und Geld bringen, um sich hier das geistige Rüstzeug zu schmieden, das sie>n ihren» Kampf für die Interessen der Arbesterschaft nötig haben, haben die Notwendigkeit solcher gnn.dl'chcn und weitgehenden Ausbildung erkannt. Das Wissen, das von der Gewerkschaftsschule vermittelt wird, ist in keioem Punkte Selbstzweck. Der einzelne Hörer kann aus dem Besuch der Gewerkschastsschule keinerlei vorteile für sich persönlich erhoffen: er kann sie nur verwerten, um damit der Arbeiterklasse zu dienen. Die Gewerkschaftsschule hat in der Zeit oon 1921 bis 1931 36 378 Hörer gehabt. Das ist eine Zahl, die für sich selber spricht. In dem Vierteljahrshest der Berliner Gewerkschaftsschule, in dem Fritz F r i ck e, der seit ihrem Bestehe» ihr Leiter ist,-üne» Rückblick über die zehn Jahre ihres eigentlichen Bestehens gibt, drückt er diesen Hörern seinen Dank aus. Und diesen Dank hoben sie voll verdient. Fritz Fricke hat das Heft Johannes S a s s e n b a ch, dem nunmehr in den Ruhestand getretenen Generalsekretär des JGB., gewidmet, dessen Anvegungen im Jahre 1905 die gewerkschaftliche BUdungsarbest auslöste und der er seitdem stets ein tat- kräftiger Förderer blieb. Truste E. Schuir. Arbeitervertreter unerwünscht? 3m Verwaitungsrat der Reichsbahn. Sind iin Verwaltungsrat der Reichsbahn Arbeiter- Vertreter unerwünscht? Bisher bestand der Verwaltungs- rat aus 13 Vertretern des Industrie- und Finanzkopitals, aus 3 höheren Beamten als Ländervertreter, aus einem Persona!-. vlrkreter Im deinem Vertreter des christlichen Deutschen Gewerk- schaftsbundes. Nicht vertreten ist der A D G B. Bei der neuen Berufung am Jahresende wurde 3 Stellen srei. Dafür wurden jetzt zwei höhere Beamte ernannt. Der bisherige Staatssekretär Gutbrod im ReichsverkeHrsmimsierium ist wohl als Vertreter des Reichs berufen worden. Wie verlautet, soll noch ein Vertreter der Beamtenschaft ernannt werden. Dagegen wäre grundsätzlich nichts einzuwenden, es geht aber nicht an, die von der Reichsregierung längst als berechtigt anerkannten Forderungen der Arbeiterschaft wieder zurückzustellen.# Die Arbeiterschaft erwartet, daß die Reichsregierung die bereits vor zwei Iahren gegebenen Versprechungen nun endlich einlöst. Der Regierung liegt seit langem ein woh�begründxter Vorschlag vor, der, wie von allen maßgebenden Stellen anerkannt wurde, allen Anforderungen entspricht, die für diese wichtige Körperschaft ver- langt werden müssen. Hinter diesem Vorschlag stehen der ADGB. und rund 369 999 Arbeiter der Reichsbahn. Die Reichsregierunq wäre schlecht beraten, wenn sie die berechtigten Wünsche der Arbeiterschaft aufs neue übergehen würde. Protest der Bergarbeiter. Gegen die Verschleppung des Kohlenabkommens. Geus, 9. Januar., Das Exekutivkomitee der Internationale der Bergarbeiter nahm in seiner heutigen Sitzung eine Ent- schiießung an, in der der Entrüstung darüber Ausdruck gegeben wird, daß die Konferenz der Regierungsvertreter Deutschlands, Begi/w� VlßAA/ IVtochE*- Wfr 2.wodiß'- m Relgisns, Frankreichs, Großbritanniens, Kanabas, Polens nnb der Tschechoslowakei vom 7. Januar in Genf, die sich mit der Möglichkeit der Ratistkation der internationalen Konvention über die Arbeitszeit in den Kohlenbergwerken zu beschäftigen gehabt habe, nicht zu befriedigenden Schlußfolgerungen gelangt ist und ihr« Beratungen bis zum März vertagt hat. Das Exekutivkomitee protestiert gegen die von einigen Regierungen angeführten wirtschaftlichen Argumente und richtet an die der Vergarbeiterinter» nationale angeschlossenen Organisationen den dringenden Appell, Mahnahmen zu ergreifen, die die Regieiyrngen zu einem Verzicht aus ihre Haltung veranlassen könnten. Die Post entläßt 2000 Arbeiter. Soziale Rücksichten unbekannt. In diesen Tagen werden in einer großen Anzahl von Ober- Postdirektionsbezirken rund 2 00 0 Telegraphenarb titer gekündigt und entlassen. Diese Entlassungen sii'.h auf einen erheblichen Arbeitsrückgang im Telegraphenbau zu- rückzuführen. Die Kündigung hat auch in der letzten Sitzung des V e r- waltungsrats der Deutschen Reichspost am 30. Dezember eine Rolle gespielt. Die Verwaltungsratsmitglieder Bender, Hertz und Genossen hatten den Antrag gestellt, einen Teil der durch die Senkung der Löhne und Gehälter erzielten Emspaxungen bei der Deutschen Reichspost zur Arbeitsbeschaffung für die Tele- grophenarbeiter zur Verfügung zu stellen. Bender betonte, die Reichspost könne doch nicht gut mit dem schlechten Beispiel voran- gehen und das Heer der Arbeitslosen vergrößern. Der Htaat«- sekretär und der Minister blieben aber bei ihrer Auffassung, daß sich die Entlassung der 2000 Telegraphenarbeiter nicht verhindtlrn lasse. Der Antrag Bender und Genossen wurde abgelehnt. Pflicht der Reichsposwerwaltung wäre es gewesen, alles zu tun, um diese Entlassungen zu vermeiden und bei etwas gutem Willen hätte sich das auch ermöglichen lassen. Kommunistische Märtyrer. Die kommunistische Presse spielte dieser Tage den Entrüsteten über die angebliche Maßregelung des„roten" Betriebsrates D a m e r o w vom Hospital Buch-Ost, einem Altersheim der Stadt Berlin. Es hat den Anschein, als ob den RGO.-Strategen schon jedes Unterscheidungsvcrmögen zwischen„revolutionärer" Betätigung und gemeiner Handlungsweise verloren gegangen ist. Dieser„rote" Betriebsrat ist nicht etwa wegen seiner Zuge- Hörigkeit zur RGO. oder der Propaganda für sie entlassen worden, sondern weil er sich als völlig ungeeignet für den Pflegedienst gezeigt hat. Dieser angebliche Märtyrer seiner Ueberzeugung faßte seine Tätigkeit als Pfleger nämlich so auf, daß er glaubte, ein Recht zu haben, seiner Pflege anvertraute Kranke unmenschlich behandein zu können. Schon mehrmals hat er sich grobe Ungehörigleiten gegenüber Kranken zu- schulden kommen lassen: er ist deswegen auch schon mehrfach ermahnt worden. Alle Ermahnungen fruchteten jedoch nichts. Vor einiger Zeit hat er einen Patienten, der sich beschmutzt hatte, in voller Kleidung in die Badewanne gesteckt. Dieser Fall hat auch den Hauptanlaß zu seiner Entlassung gegeben. Eine derartig« Behandlung von alten kranken Leuten hat sich bis jetzt noch keine Pflegeperson in den städtischen Anstalten erlaubt. Die„reformistischen" Betriebsräte mußten der Entlassung eines solchen Betriebsratsmitgliedes zustimmen, da sie es nicht dulden können, daß wehrlose Kranke mißhandelt werden, auch w«nn dies durch einen sagenannten roten Betriebsrat geschieht. Kurse der Berliner Gewerkschastsschule. I» tmi nachstchenda» Lehrgängen werde» noch neue Hörer auf- ssWuunen: C 5. Einführung in wirtschaftspolitische Grund, und Gegen- r-ari'srao-n. Lehrer: Willi Möbus. Beginn: Montag. 11. Januar. 19 Uhr. im Tovbien-Lvzeutn, Wemnieisterstr 14— 15.— SO. 4. Die arbeitende streu und die Wirtschaftskrise. Lehrerin: Frau Margarete Hartig. Beginn: Tonnerstag, 14. Januar, im Leiiniz-Gpnuiasium. Mariannenplah 27— 28. — Bu. 6. Bolkswirtschaftlich« Arbettsgrupve für Anfänger. Lehrer: Dr. Gerhard Kreyßlg. Beginn: Montag, II. Januar, 13 Uhr. ini Sophien- Lhzeupi, Wcinyicistcrirr. lt--1ä.— Gew. 8. Betriebswirtschaftsichre für" Anfänger. Lehrer: Fritz Fricke. Beginn: Dienstag, 12. Januar, 19 Uhr, im Unterrichttraum 6er Gewerkschaftsschule� Gewerkschoftshaus. Engel- ustr 24—25. 2. Hof, 1 Treppe rechts.— C. 12. Das Wirtschaftsrecht in der Krise. Lehrer: Dr. Franz Neumann. Beginn: Montag, 11. Januar, 19 Uhr, im Sophien-Lyzeum, Weinmcifterstr. 14— 13.— SO. 13. Die deutsche und internationale Gewerkschaftsbewegung. Lehrer: Baltin Hartig. Beginn: Donnerstag, 14. Januar. 13 Uhr, im Leibniz-Gomnasium. Mariannenplatz 27—28.— SO. 13. Die Sozialpolitik in der Krise. Lehrer: Otto Bach. Beginn: Dienstag, 12. Januar. 13 Uhr, im Leibniz-Gymnafimn. Mariannenplotz 27—28.— Anmeldungen können am Kurfusabend er- folgen. Die Horergebühr beträgt 2 M. für 13 Abende. Erwerbslose haben frmttt Zutritt._ Berliner Gewerkfchastsschule. Achtung, Betriebsräte! Der nächste JnformationSahend für Betriebs- räte findet statt am Dienstag um 13 Uhr nn Saal 5 des Gewertschafts- bauses, Engelufer 24—25. Zutritt haben alle freigewerkschaftlich organi- Herten Kolleginnen uqd Kollegen. Eine vorherige Anmeldung ist nicht er- forderlich. Der Zutritt ist frei. Streik und Streikbruch der KPD. Wie„Massenstreiks" angezettelt werden. Mrchrmals am Tage erzählt die kommunistischc Presse, daß unter Führung der Kommunistische»t Partei i» ganz Teutschland„Masscustreiks ausgelöst" würden und daß die„Gewerkfchastsbürokrateu" den Streitbruch organisierten. Wir wollen a» Saud eines typischen Beispiels aufzeigen, wie die kleinen Teilstrcits von der KPT. in Szene geseht werde«, »m dann zusanunenzubrechcn. Wir haben bereits über den Streik der Tagschicht der Rotations- Hilfsarbeiter bei U l l st e i n berichtet. Die Geschichte dieses inzwischen zusammengebrochenen Streiks ist sehr lehrreich Am Rtittwoch, dem 6. Januar, fand auf Veranlassung der kommunistischen Mitglieds des Arbeiterrats und der Zentrnlleilung der REO. B i r d e l eine Besprechung der Rototionshilssarbeiter der Tagschicht während der Pause statt und am Abend eine Versammlung, an der auch der kommunistische Axbesterratsoorsitzende Meyer teilnahm. Bon den 100 Hilfsarbeitern waren nur 40 anwesend. Der vorwand der Vesprcchung war die Wahl einer vcrhaod- lungskommission der gewerkschustlich organisierten Buchdrucker wegen der Bezahlung der Extraarbeiten. Diese Kommission, an der auch der kommunistische Betriebsvertrauensmann E r d m a n n Achtung, Parteireferenten I Montag, den 11. Januar, pänkllich 19.':' Uhr. in den Sophiensälen. Sophienstrate 17-18: zasanunenftunSt aller Parfelrelerenien Vortrag des Genossen Reichstagsabgeordneten Dr. Paul Hertz über: „Die augenblickliche politische Lage und die Stellung der Sozialdemokratie". Zutritt nur gegen Vorzeigung des Parteimitgliedsbuches und des Einladungsschreibens. Der Bezirluvorctsnd. Klug teilinchm, erreichte eine höhere Bezahlung dieser Extraarbeiten, als die Firma ursprünglich festgesetzt hatte. Binde l regte nun-an, daß die Hilfsarbeiter gleichfalls eine Kommission wählen sollten, ob- wohl durch die Verhandlungen auch für die Hilfsarbeiter die tariflich festgesetzte prozentuale Verbesserung der Bezahlung erreicht worden ist. Weiter beantragte Birdcl, falls die Firma die Forderung der Hllssartpiter nicht bewillig«, sollte man in den Streik treten. Von der Notoerordnung kein Wort. V o r der Abstimmung war der Vorsitzende des Arbesterrots, der Kommunist Meyer, vorsichtig genug, sich re-chtzeitigzu drücken, wie er auch am anderen Tage erst im Betrieb erschien, als die Rotationshilfsarbeiter schon den Betrieb verlassen hatten. Als die Betriebsleitung Verhandlungen mst der Kommission der Hilfsarbeiter ablehnte und diese die Arbeit aufzu- nehmen verweigerten, erschien der kommunistische Arbcttcrrat Pörschke und sagte:..3ch muß als gesetzlicher Vertreter euch aussordero. an die Arbeit zu geben.* Der kommunistische. ArbetterratSDorfttzenJy Meyer gab nachher: gegen- über der Betriebsleitung die Erklärung ob. er sei nur gekommen, umdenBetriebvorErschütterungenzubewahren". Ms die Rotationshilfsarbeiter sich aber trotzdem weigerten, die Ar- best aufzunehmen, drang Pörfchk« in sie mst den Worten:„Kollegen, geht an die Arbeit, sonst werdet ihr fristlos entlassen." Trotz dieses organisierten Verrats der kommunistischen Arbesterrist« zogen die Hilfsarbester ab. Wer jedoch im Betrieb blieb, dos war der eigentliche Organi- salor de» Streiks, der schon genannte Birdel. der als hisss- ar bester mit den RototionsUlfsorbelleru direkt zusammenarbeitet. Man versuchte nun, auch die Falzerei stillzulegen, und es gelaug auch, eine Anzahl Gutgläubige aus dem Betrieb herauszulocken. Eine Reihe bekannter kommunistischer Aideiteriimen, darunter Frau Ls h f« l d, kommunistisches Ergänzungsmstglied du Arbesterrat, b rieben bei der Arbeit sitzen, während andere Mstgsieder der ZZGO. mich dreistündiger Abwesenyest sich wieder zur Arbest meldeten. Muh die Nachtschicht blieb von der RGO. wSchelligt. Als' zum die gewerkschostlich organisierte» Rotationshilfsarbeiter sahen, dast sie von Birdel und Meyer hinters Acht geführt worden waren, gingen sie zur Organisation und baten dies«, mit der Finna zu verhandeln, daß sie wieder«ingestellt würde«. von den rund hundert Hilfsarbeitern der Botatioustlagschichl erklärten sechsundscchzig. unterschrifilich, daß sie bereit seien, die Arbeil wieder aufzunehmen und dementsprechend die Organisation zur verhandlungsführung betrauten. Die sechsundscchzig Hilfsarbeiter sind bann auch wieder eingestellt worden. Das war am er ste n Streiktage. Am zweiten Streiktag« kamen auch die übrigen Streikenden zur Organisation und baten um deren Eingreisen, damit sie wieder eingestellt werden könnten. Die Birdel. Meyer und Pörsd)ke, die die eigentlichen Berantwortlichen sind, sitzen aber heute nod) im Betrieb und lachen sich ins Fäustchen. So organisiert die RGO. Streiks und zugleich den Streikbruch. Ein Versuch, unter Mißbraud) des Namens des Graphischen Kartells auch andere Großbetriebe in die kommunistische Pleite einzubeziehen, scheiterte. * Durch ein technisches Versehen fiel ein« Zelle aus in der Notiz über das Ergebnis der Urabstimmung in den Gas- und Wasser- werken, die wir in unserer gestrigen Abendausgabe veröffentlichten. Der letzte Absatz muß lauten: „Im Gaswerk Lichtenberg, wo die Kommunisten eine vorherrschend« Stellung haben, war das Ergebnis: Aon den 283 Beschäftigten haben sich 258 an der Urabstimmung betelligt: davon stimmten für Streik 116. dagegen 137, 5 Stimmeu waren ungüllig!" Während sonst überall eine einfache Streikmehrhcit vorhanden ist. stimmte die Mehrheit dieser tommu- niftischen Hochburg gegen den Streik. Schwerer Konflikt m Schweden. Vor einem großen Arbeitskampf? Stockholm, S. Januar. Ein schwerer Arbeitsstreit, von dem über 100000 Arbeiter be» troffen werden, steht in Sd)weden bevor. Die Arbeiter der Hütten- und mechanischen Werkstallindustrie haben den Schlichtungsvorschlag am Sonnabend abgelehnt. Der von der Rcgierung eingesetzte Ausschuß kann vorläufig keine weiteren Schritte unternehmen und erklärt die Verhandlungen für geschlossen. Die Unternehmer hasten trotz großer Bedenken den Schlichwngsvorschlag a n g e n o m- m c n. Die Verhandlungen über einen neuen Tarif der Sägewerk- industrie sind gleichfalls ergebnislos abgebrochen worden. SPD..?r-Itwn der ewertüluse»«-«phisÄe» HIlseerdeiter. Mon. ks tag. 12 Vj lüjr, üttzuiuj bei Eaubas, Luisenüser. Äitgliedsbach« mit. brirscn. «SS. Treptow. EPD.-Fraktio». Dienstoz, II Uhr, bei Wolfram, Am Treptower Park 20, Feaktiaiisversammluag. Tazeoartmlug: Be- fcrat und Neuwahlen. Deutsche Jodaftric. Werke. SPD.-Zraitio». Dienstaz. IM; Uhr, bri Haack. Ctresowplatz, Fraltioaoversammlung. Parteimitgliedobuch legiti. miert. 11 Deatichcr BcIlcidaag«arbciter>V«rb-»b. Filiale Belli». Zuschneider»ad gu- schueideriuAca. Schneider, Biiglee and Näherinnen der Kerrenlanseltipn. Mon. tag. ISVi Uhr, Mitzliederversammlung in Bogels Festsille», Brilckenftr. Z. Taaesordnmia: 1. Die tarifliche» Sehne»ach der 4. Rotoeroednang. 2. Mi:- teiluage». Sa Aphetnrcht der wichtige» Tagesordnnag erwarten mir soll- zithlig«, Erscheine». Die Branchenkammisftan. Butan- Mitaliedenoersaarmlnoz. Fachgruppe Wetnliudustri«. Diene tan. 19H Uhr, Nordischer Hos, Berlin N., Znoalidens�:. 12i. Tagesortrrana: 1. Neu- wohl des Fachgruppenausschusses. 2. Die Notperardnung und ihr» Auswirkung ans die Seh älter der ZSetallaitgestellte». Butah-s"'" fc zSdiKreie GeweftschafiSeIugenö Verlin »eute, Sonntag, findet folgende Beranstaltung statt: Semerkschasts» an«: Engcluier 24— Lö, großer Saal, 18 llhr. Deselliger Bbrnd.— Norge», Montag, ll. Januar, finden folgend« Beranstaltunarn statt: Banderlctterlursu«: Engelafer 24— 2S, Saal 9, 19 Uhr. Die Starte als Grund- läge des Manderns.— S»ge»dgr»ppe de» Sesamtnerbande». Fachgruppe Gärtnerei und Binderei: Sngelufer 24—25, Jugendheim. Bafteladend.— Mädchen tnrsua: Gewerkschaftshaus, Engeluser 24—25, Saal 5. Die Frau im neuen Deutschland. @Iusiendsinipve des Zentralverbandes der Auqesiellsen Leute. Sonntag, findet der Stursu» für die Zugend funktionäre der Juaendgruppe Groß-BerNn sowie für die gngrndgrnppen im Regie. rungsbezirk Potsdam von Mz bis 16 Uhr im Jugendheim des Ostens, Große Frankfnrter Str. 1«, statt.— Morgen, Montag, finden folgend» Beran- ftaltungen statt: Bedding: Jugendheim Turiner Ecke Seestraße. Feitungs» ousschmttadend.— Sesnndbru»»«»: Jugchtdheim Pank- Ecke Mesenstraß» sweltliche Schule). Ausspracheabend über: Grundbegriff« der Politik und der RationalSkonomie. Leiter: Bernstein.— Nordoste» II: Juaestdheiin Rasten- buraer Ste. 18, Zimmer 3. Arbeitsgemeinschast: Scmewschastsleben setzt und künftig. Steiler: Weigelt.— Weißens««: Jugendheim Pisloriusstr. 24. Einer fragt und alle antworten.— Britz: Städtische» Jugendheim fRathans). Aussprächeabend: Fragen, die der Arzt beantworte» muß. Leiterin: Frau Dr. Alexander.— Urban. Jugendheim Hobrecht. Ecke Sanderstraße. Daromg: Dir und unsere Gegner in der Tagesarbeit. Referent: Lehrer. WV�TUK-�UISVeiUUMJI- Möbel I » STorre, LOonfl IchtaM 17»! > Sowti . vomt Beginn: ssJonuar %&i'Ai�dAc3MLg- woa aajzsIq!- lifo müss-kM. daüjAMxL »Fusskissen IMvifüUüH# sMUssm.- Ufo SiSeu., Cutwu. Zcis-put- £os 4i&lyeM. fojus* p�üfe�1- CUtd ünstA grosses, sefaMSmeAdesSpetfaJWuzüs In. 6 �S545i rÄiäWuav* BERLIN• Lt'jPZIGER-STR.90 ECKE MARKGRAFEN Cloftufiimges fEr diese Rubrik sind «- r l i u SV«, Lwdeustraße Z. G parteinachrichienF��für Groß-Verlm stet, eu da» Bezirkzlekretartat d. Hof, 2 Treppe» recht», zu richte» Beginn aller Veranstaltungen tS'/ö Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe! Achtung! Abteilungsleiter. | Ciu. trittskarte."' Ina»qirtisekretariat. Heute. Sonntag, 10- Januar: 1. ftret«. Besichtigung von stlingenberg heute 10 Uhr. Ctraßenbahulwie 13 bis Kraftwerk. 5. Kreis. FItr die Iahrcswcndfeler der Arbeitskreise jiingerrr Barteigenolsen find die Karten während der Veranstaltung abzurechnen. Morgen. Montag, 11. Januar: Brandis, Lira lauer l. Kreis, 20 Uhr Sitzung des Kreisbildungsausschusses bei Brand Straxe 10.— Beginn des Kursus des Genossen 3. P. Mager:„Bom Kem- ün Köllnischcu L Fruchtstr. 38a. . Manifest bl»_. 'Sqmnafiuni, 11. Januar. Erwerbslose 'sfunktious 5. Kreis. Kreis zum Heidelberger Programm", t . Erwerbslose haben freien Eintritt. rouärfitzung in Schmidts Sesellschaflshaus.{_ Tagesordnung: Kreisangclegenheiten, Bortrag des Genossen Otto Bach: �Krise in Wirtschaft und Politik". Mitgliedsbuch und ssunktionärkarte find als Ausweis milzubringen. 7.«reis. A> Uhr Rosinenstr. i Sitzung der Iugendkommission. Alle Abteilungc» und Sparten müssen verireten fein. 13. Kreis. An bekannter Stelle Kreisvorstandsntznng mit den Abteilungsleitern. Der Kursus Dr. I. Schlefinger findet Niederschöneweide, Berliner Str. 31. Schule, 18. Kreis.*----- 2». att. in Adlershof, sondern in »«gl zialdemokrotie". Kreis. 1g>,» Uhr Beginn de« Kursus Dr. Gurland:.Die geistigen Strömun. gen in der Arbeiterklasse", im Jugendheim Hermsdorfer, Ecke Saidnltratze. Abt. 20 Uhr Funktionärfitzuerg mit den Funktionären der SAI..Gruppe Arkonaplatz. 13. Abt. ffunktionärfitzung bei Obiglo, Stralsunder Str. lt. 13. Abt. klnzcl, Usedomstr. 22, Funktionärsttzung. 17. Abt. Dos-, Am Nordhafen 6. Funktionärüvung. 1«. Abt. Schade, gechliner Strotz«, Funktwnärfitzung. 1». Abt. Schrepel. Grün, Haler Str. 13. Funktionärsstzun«. 2g. Abt. 20 Uhr bei Pose, Koloniestr. 13, FunUionärfitzuug. 22. Abt. Funktionärsttzung an bekannter Stelle. 23. Abt. Grunewald. Kameruner Str. 1», Funktionärsstzung..„. 25. Abt. 20 Uhr an bekannter Stelle Funktionärsttzung. Borfiandsmitglieber und ssahlabendleiter sind bereits pünktlich 19 Uhr anwesend. Partr,. und Gewerkschaftsbücher find als Ausweis mitzubringen. Partei, und Gewerkschaftsbücher find zur .renzlauer Aller ISO. Di, Iahrcskontrolle mitzubringen. Zl. Abt. Achtung! Funktionärsttzung nicht am Montag, dem 11., sondern erst am Dienstag, dem 12. Januar, an bekannter Stelle. Die Abteilungsleiter trefscn sich ein« Stunde vorher..,,_. Abt. Funktionärsttzung in der Lindenstr. Z. Vorbesprechung für dt- Wahl des Abteilungsvorstandes. Berichte. Abrechnungen. 18. Abt. 20 Uhr Adleilungsmitgliederoersammlung bei Förster, Dreibunbstr. 11. ,2stampslahi 1032". Referent Max Hendemann. Reuwablcn. fiuetritt habe» nur Mitglieder. Mitgliedsbücher sind als Ausweis mitzubringen. 42. Abt. Funltionitrfitzung bti Wiersdorf, llrbanstr. s. Stellungnahme zu den Nenwahlen. 43. Abt. Funktionärsttzung bei Krepp. Vlanufer 73/76. 44. Abt. Funktionärsttzung bei Ewald, Skalitzer Str. 12k. ...—.. gtr 10i Be�rlsführre i Empfang zu nehmen. 47. Ab». 19 Uhr Borstanbssttzuna, Vorssandswaht, 20 Uhr Funktionärsttzung. 43. Abt. 20 Uhr bei Reibe. Gitschir.cr Str. 88, Funktionärsttzung. 37. Abt. 20 Uhr Funktionärsttzung bei Thunack. Wtelandstr. 4. Abteilmu '''eiter treffen sich>/> Stunde früher im gleichen Lokar. l-meinsckxtft jüngerer Parteimitalieder..Demokratie eferent Dr. Otto Friedländcr. Auch die übrigen Ab» Hb" ilungsmitglieder sind hierzu freundlichst eingeladen. bt. 20 Uhr Funktionärsttzung bei Schröder, Steinmetzstr. 32. bt. Funktionärsitzung Berfammlungskeller. Hannemannstr. 4 vorstand und Gruppenleiter 80. Abt. 20 Uhr Arbeitsaemei — Sozialdemokratie". teilungsmitglieder 04. Abt.-—»> 00. Abt. Funi.. J 0?» Abt. 20 Uhr in der Politisch« geitungssi 108» Abt. Sitzung aller zur Neuwahl. 143. Alt.' fahrt uuar Lehmann._____...________ gäbe und sammeln sämtliche Mitgliedsbücher ein, die bis zum 12. Januar __________________, 40. e am Hufeisen Informationsabend fstr Funktionäre. üüktionär« bei Schulz, Bahnhofstr. 34». Stellungnahme Alt. Heese. Reinickendork-West. Bersammluug aller r» der«rb-tterwohl. fahrt und kommunalen Wohlfahrt tätigen Genossen.— Dienstag, 12. Ja. uuar. 19 Uhr, Borstandssitzung mit den B-zirkskühr-rn beim Genossen Neumohlen, Dt- Bezirksfllhrer forgen für rechtzeitige Bekannt. Dienstag. 12. Zannar: i Kreis Drr Begrnn de« Kursus Schröder:„Der Weg zum kiqfalistisch-» Menschen", mutz aus örtlichüi Gründe» auf Dienstag. 19. Icmuar. oe» schoben werde». - 20 Uhr letzter st und Polit faunt 4. Kreis. 17 Uhr Zusammenkunft der erwerbslosen Parteimitglieder im Alter«. beim. Danztger Str. 82. Borlrag des Genossen Tiets'"" ,rt*-*■'— Kurlusabend der Genossw Wurm: �tie Frau in Wi «. Krets Bis auf weiteres jeden Dienstag von 13'/, bis 18 Uhr Zusammen. Llnft- der erwerbslosen Parteimitglieder im Jugendheim, Urbanstr. 187.— 19»/» Uhr Beginn des Kursus Dr. I. Schlesinger:»Die Wirtschaftsformen des modernen Kapitalismus" im Jugendheim. Urbanltr. 187, Hof rechts. 1 Fr. Anmeldungen werden»och entgegengenommen. Erwerbslose zahlen kein Höcgeld. 7. Krei, Jugendheim,____._...___„„ ! Senosseu ndheim, Rosinenstr. 4, Beginn des Kursus Deuicke:.Einführung w den �Marxismus" Der Kursus umfaßt 8 Abende. Hörgeld 2 Mk." 14.»rei« n815 Uhr�İ Atgendheim, ftatmer Str. 42/48. Lichtbildervortrag des ckr-.ssen Oswald gtenau:.Arbeiter und Leben in Nutzland". 7.«bt Funltionärfitzunq bei Bärwalde, Sckilegelstr. 8. 9.«bt. 19 Uhr Porftandssitzung, 20 Uhr ssltzung bei Stein. ung l>ei"Laü ritzen, Putbusser Str.�U. "" 34, Ecke Scheringstraße, User 14. Neuwahl. Mitgliederversaumilung. onärsitzung hei Hübner. Wtl». »acker Straß« 34. 1«.«bt. 20 Uhr Funi 14. Abt. Funktonarsitz. 1». Abt. Krüger. Hussitenstr... Neuwahl der Abteilungsleltung.-__ 41-«bt. 20 l�r Fnoktionärfitzung bei Schulte. Abteilungsoorstand>/» Stunde 3ö. Gruppe,«llhrig. Schloststr. 34, gahlabeud..Unser Kampf gegen den Faschismus". Referent Genosse Israel. 136.~'""Ii...... IIS. ,«bt. Funktionärsttzung bei Blockwitz, Park-, eck« Herrenhausstra« . Abt. rempel,«udrunstr. 7, Zahlabend..Dl« politisch« Ettuatiou». Res. Bernharb Krüger. SoriaKsfischc Arbcifcrfugcnd GroH.»BcrEn Oeffeniliche Kundgebung am Montag, dem 1 1. Januar 1932, IS1/« Uhr in den Germania- Sälen, Chausseestr. 110(U-ßahn Stett. Bhf.) Faschismus ist Krieg— Sozialismus ist Friede! Referent: Rcldulagsabfi. Arthur Georg Arzt-Dresden E« wirken mit; Die.Rote Rebellen* und„Rote Rotte*; Singkreis der 5 AJ. 138.«bt An bekanirter Stelle 139.«bt. 20 Uhr Funktionärsttzung an bekannter Stell«. Barberettung Neuwahl. Mittwoch. 13. Januar: Eichwald«. 20 Uhr findet in Wittes Waldschlößchen die Mitglieder-Generulner» sammlung statt. Borstandsbericht. Neuwahlen. Donnerstag, 14. Januar: 26. Kreis 20 Uhr Beginn de« Kurses Dr. Z. Schlestngrr:.BolschewistMls und Faschismus" im Jugendheim Tegel, Schöneberger Straße. 20 Uhr in ReinuIenoorf.Ost, 10. Volksschule, Holländer Str. 23, Begtn» de» Kursus Prof. Denicke:.Das Proletariat in der Krise". 139. Abt. 20 Uhr Beginn de» Kursus.Bolchewismus und Faschismus* von Dr. I. Schlesinger im Jugendheim. Schöneberger Str. 3. Alle Teilnehmer melden sich beim Genossen Schultz, Berliner Str. 40. Frauenveranfialtungeu. U Kreis. Der Kursus.Die Frau im Befreiungskampf der Arbsktrrklasse" kau» mit Rücksicht auf die Referentenzufammenkunft nicht am Wontag, 11., fon. dern erst am Rtontag, 18. Januar� beginnen. "'«v ranz eh _ Führung W Wasserseite. Alle Genossinnen und Genossen werde» gebeten, daran teil. 4. Kreis Voranzeige! Sonntag. 17. Januar, 10 Uhr, Bestchtiaung des Reichs. tage». Führung Genossin Bohm-Schuch, M. b. R. Treffpunkt Portal 3, zunehmen. U. Kreis. Donnerstag, 14. Januar, 19'/» Uhr, bei Reisch, Eadiner Str. 10, ._______ Fmik» tionärinnensstzung. n. Kreis. Montag. 11. Januar, 20 Uhr, Funktionärinnensitzung bei Will, Mariin, Luther. Str. 89. Wegen wichtiger Tagesordnung müssen alle Abtei. Funktionärinnenssßung. Alle Abteilungen Jahresberichte mitbringen. Kreis. Dienstag, 12. Januar, 20 Uhr, im Jugendheim, Rosinenstr. 4, lungen vertreten fein. Kreis. Donnerstag, 14. Januar. 20 Uhr, Beginn des Kursus Käthe Kern: „Die Frau im Befrriungskamps der Arbeiterklasse*, in Wittenau. Reue . ile, Hauptstraße. 6. Abt. Dienstag, 12. Januar, 19td Uhr, bei Dobrohlaw, Swinemünder Straße 11, Genossin Else Scheibenbuber:-Die Sozialdemokratie im Kampf für den Frieden der Welt." 7.«bt. Montag. 11. Ionuar, 20 Uhr, bei Arendt, Schröderstr. 2:-Froher Iohresanfang." Bortragender Sans Fuhrmann. 2».«dt. Dienstag. 12. Januar, 20 Uhr. bei Bartelt. Wörther Str. 19. Ecke Rnkestraße. Genossin Minna Todenhagen:..Zweck und Ziele der Arbeiter» Wohlfahrt." Neuwahlen. Parteibücher find als Ausweis mitzubringen. 74. Abt. Siedlung. Dienstag. 12. Januar. 20 Uhr, im.Waldhaus" Frauen. abend. Neuwablen. 73. Abt. Montag, 11. Januar, 20 Uhr, bei Lochgcfchllrz, Mvhlenstr. 9, Frauen. abend. Iahreebrrickit. Neuwahlen. 73a Abt. Montag, II. Januar, 20 Uhr, an bekannter Stelle autzerordenMcher Frauenabend. Abteilunqsangelegenbeitcn. Neuwahl. 133. Abt. Donnerstag. 14. Januar, 20 Uhr, in der Lindauer Straße Helserinne». sttzung. Dezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. 13. Krei» Tcwpelhof, Martendorf, Maiit»s?ld«, Lichtenrade. Der ffilmabend am Montag. 11. Januar, ISid Uhr. findet nicht Werder. Ecke itaifer.Friedrich. Straße, statt, sondern Werder. Eck« Friedrich-BIIbelm�traße. Es läuft der Film„Laila. die Tochter des Nordens". Dazu hält Genossin Paula Kurgaß eine Ansprache, außerdem wirkt die Kleinkunstbühne mit. Eintritt gegen Los- abschnitt der ArbeiterwohUahrt oder 23 Pf. Erwerbslos« mit Ausweis des Bezirksvorstebcrs frei. 20. Krei» Reinickendors. All« in der Wohlfahrt tätigen Genossen und G«. noFinne» sowie alle Dezernenten, Bezirksverordnete». der Kreisvorstand für Agitation werden nochmals zu der am Montag. 11. Januar, 1914 Uhr. statt. findende» Berfammlvng bei Hees«, Reinickendorf-West, Berliner Str. 73, ein. geladen. Bestimmtes Gifchetnen aller in der Arbeiterwohlfahrt und in der lommunolen Wohlfahrt tätigen Wohlfahrtspfleger wird erwartet. Seminar für WohlfabrtspN-ge. Der Kursus.MS'lichkeiten fozialhngienischer Arbeit in der Wirtschaftskrise". Leitung: Oderregierungsrat Dr. jnsd. Franz Goldmann, der am Dienstag, 12. Januar, im Sohpten.Svzeuw, straße. beginnen sollte, muß um acht Tags verschoben werde». Er am Dienstag, 19. Januar. Arbeiterblldungsfchule. Am SBoniog, H. I-muar. 1014 Uhr. Beginnt folgeube« Seminar: Fritz Raphtali: Die Organisation des Selb, und Bankwesens." Die Grundlage der Währung— Die Reichsbank und ihr« Ausgaben— Di« Kreditorganilatiou: O-fsentlich« Banken und vrioate Banken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Grundkreditbauken und Svezialbanke»— Bankenkontrolle und Kapitalsrnkung. Jeden Montag, 1014 Uhr, Lindenstr. 3. 2. Hof, 3 Tr. Hörgeld 2,30 M.— Zentrale Kurse: Dr. Alfred Drauntbol:»Geld-, Kredit- und Bankenfrage in der Krise." Die Goldwährung— Geldpreise und Koniuukturschwaukungen— Der internationale Wabrungszusammenhang— Die Zahlungsbilanz in Konjunktur und Krise— Internationale Keebitprobleme— Geld und Kredit— Kredit» krisen— Funktion und Probleme der Banken— Kontrolle der Kapitallenkunih fBauklontrolle). Jeden Montag. 1914 Uhr. Arbeiterblldungsfchule, Lindenstr. 3, 2. Löf"""-' J~ .Die gefellf-,-,________..._________________....__________________ der Frau im alten Deutschland— Die politische und rechtliche Stellung der Frau»ach der Revolution— Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wand. lungen unserer Zeit— Unser Degenwartskauipf fstr die Arbeiterklasse. Jeden Dienstag, 1014 Uhr, Arbeiterbildungsschule. Lindenstr. 3, 2. Hof. 2 Tr. Sörgeld 2,50 M. L Krei». Der Kursus Käthe Kern:„Die Frau im Berreiungskampf der Arbeiterklasse" begwnt mit Rücksicht aus dt- Referentenkonfereuz statt am 11. Januar erst am 18. Januar in der Weinmeisterstr. 18/17. 2. Krei».«tbz!terbildung-schule.«urslls Karl Schröder:.Unser Weg zum sozialistischen Menschen" beginnt erst Dienstag. 19. Januar,«ursuslobal wirb noch bekanntgegeben._,. 140a Abteilung Witt-»au. Der Kursus Käthe Kern beginnt Satt am Ii. Januar erst am 28. Iauuar i» der Neue» Schul«, Hauptstraße. Sozialistische Studentenschaft Deutschlands und Oesterreichs Ortsgruppe Berlin. Montag, IL. Iamutt, 14 Uhr: wichtige �unktionärfitz�ng im„BnitS".— 18 Uhr: Arbeitsgemeinschaft über Sowjetrutzland. Leitung: Genosse Prof. Rosen. berg. Ort: �Bund".— 20 Uhr: Arbeitsgemeinschaft über die Grundlagen des Arbeitsrechts. Leitung: Genosse Dr. Ollendorf. Ort:«Bund".— Mittwoch. 13. Iauuar. 18 Uhr: Arbeitsgemeinschaft über:„Sozialdemokratie und CrfMungs» Politik." Leitung: Genosse Paul Bernstein. Ort:„Bund".— 20 Uhr: Arbeits- Gemeinschaft über:..Verfassuugsrccht." Leitung: Genosse Dr. Ernst Frankel. Anmeldung bei Rita Hasse.— Donnerstag, 14. Januar. Die Arbeitsgemein. fchaft des Genossen Denicke findet in Zukunft wSÄentlich Montag abends statt. -- 20 Uhr: Turnabend der Evortgrupve. Anmeldung beim Genossen Helmut Dreßler.— Freitag, 15. Januar, 20 Uhr: Ortsgruppen-MitaNederversammlung im Gewerkichaftshaus, Engelufec 24/25. Genosse Dr. Brcitscheid spricht über: „Die Politik der Sozialdemokratie." Mitgliedskarten sind mitziub ringen.— Sonuabeud, 16. Januar, pünktlich 10. Uhr: Rednerkursus im..Bund".— 1»� Uhr: Bortragabend der Freien sozialistischen Loässchule. Eintrittskarten 0,20 M. bei den Funktionären. Arbeitsgemeinschaft der Sinderfreunde Groh-Verlin. Keeisleitersitzung Freitag, IS. Januar, 1914 Uhr, im Jugendheim D��WMMWMMWMWM�M��M�Echluß � Lindenstr. 4.(Achtung, neuer Tagungsort!) ' stunden pünktlich 19 Uhr. Schulwerkstatt Neukölln, Kaiser-Friedrich-Str. 4. Montag, btcigig. Beginn 11. Januar. Leitung: Genosse Casparius.— 3. Derkkursu» B; Papp. arbeit. Danziger Str. 82, Baracke III. Montag, 8tägig. Beginn 18. Januar. Leitung: Genossin Irmgard Hauch.— 4. Werlkursus C: Ncstfalkenhelfer. Jugendheim Lilldenstr. 4. Montag, Stägig. Beginn 11. Januar. Leitung: Genosse Loffer..— 5. Musikkurse: Mädchenmittelschule, Neukölln, Douaustragc. Dien». tag, 8tögig. Begin 12. Januar. Leitung: Rudolf Barthel und Fritz Hvffmauu. Prenzlauer Berg. Friedrich Ebeet. Reueinteilung: Rote Falken Montag und Donnerstag, Zunasalken Dienstag und Freitag, Rlstfalken Mittwoch. Freiheit. Montag Jungsalkcnvollvcrsammluug. Rote Falken: Fröhlicher Jahre». ansang. Dienstag Turnen. Mittwoch, Rote Falken, Julklapp. Donnerstag, gungfalken, Julklapp. Hermann Müllcr. Dienstag, 1787 Uhr, vor der Bade- anstalt Oderberger Straße zum Schwimmen. Freitag Julklapp der grsornt«,» Gruppe. Beide Gruppen gehen Sonntag, 17. Januar, auf Fahrt. Unkosten 80 Pfennig. Feicdrich-hai». Der Rote Kasper spielt bei NN» am Dienstag, dem 2. Februar, Echulaula Koppenstr. 78. Dienstag, 12. Januar, 19-4 Uhr, KB». Sitzung im bekannten Heim. Mittwoch, 13. Januar, 18 Uhr, Bolkstauzabeud in der Turnhalle Litauer Str. 18. Donnerstag, 14. Januar, 18 Uhr, Kreis- Roter-Falkenabend im Jugendheim Litauer Str. 18. Ausgestaltung Gruppe Paul Singer. Krcuzberg. Mittwoch, 13. Januar, 17 Uhr, Lindenstr. 4(Jugendheim), Falkenratssttzunz. Neukölln. Falkcnratssitzung Montag, 13 Uhr, Baracke Ganghvferstraße. Arbeitsstunde Montag, 17 Uhr, ebenda. Evmnastikstund« für die Ncstfalkeu. gruppcn Mittwoch. 13. Januar, 17 Uhr, in der Turnball« Donaustr. 128. Turu- abend für Sungfolleu und Rote Falken Mittwoch, 18 Uhr, ebenda. Turnzeug mitbringen. Helserkreis Neukölln und Treptow. Helferschulungskursus. Fortsetzung Don- nerstag, 14. Januar. 20 Uhr, in der Karl-Marx-Schule. Thema: Politik in der Gruppe.— Lichtlämpfcr. Heute, Sonntag, besuchen wir die Sternwarte. Treff» Punkt 13 Uhr am Hertzbergplatz. Falken anderer Gruppen können sich beUiligen. Lichtenberg. Donnerstag, 14. Januar, Kreis-Helfersttzung. Heiserausweis und Partei- oder SAZ.-Buch mitbringen. Jahresversammlung 1914 Uhr im Ju- gendheim Gunterstr. 44. Gruppenkalüercr eine Stuitd« früher. LIchtenbcrg.Rorb. Mittwoch, 13. Januar, Sruppeuhelfersitzuug um 19V. Uhr im Jugendheim Gunterstraße. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Orgamfation 38. Abt. Am 8. Januar«erstarb unser Genosse Johannes Klein, Schiller» straße 8«, welcher mehr als 30 Jahre der Partei die Treu« gehalten hat. Die Partei verliert an Genossen Klein einen treuen und braven Kämpler. Die Abteilung wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Einäscherung findet am Montag, dem 11. Januar, 1814 Uhr, im Krematorium Wilmersdorf statt. Um rege BcteUigung bittet der Abteilungsoorstand. Ü Sozialistische Arbeiterjugend Groß-B erlm Einsendungen für diese Rubrik nur an das Jugendsekretariat Berlin SB 88, Lindenstraß« 2, vorn 1 Treppe rechts. Oeffeniliche Kundgebung der SAJ. Faschismus ist Krieg— Sozialismus ist Friede. Am Moutog. de« 11. Januar, 1914 Uhr, i» den Sermauiasäle», Eyaussccstr. 110(U-Bahu Stettiner Bahnhof). Referent: Rcichstog-abgeordueter Arthur«eorq Arzt-Dresd-n. Es wime» mit: Di«„Sioteu Rebellen" und die„Rote Rott«": de« Singkreis der SAJ. * Abteil nn gslestee, reicht umgehend tue B-richtsbog-u ein! Heute. Sonntag. 10. Iauuar: zer Str. 82. Bunter Abend. Treffpunkt 15 Uhr Helm. ori 10 Uhr Feier mit den Kinderfieunden im Rrnoli. »fer 1. Spiel, und Bolkstanzabend.— Wilmersdorf: Wi»- 123. Iahresmitgliederverfammlung um 10 Uhr.— Reulöll» IN: lenftr. 38. Ping.Pong.Abend.— Britz: Chausseestr. 48. Bunter Abend.— klllu VI; Treptower Str. 93. Fahrtenderichte..— Baumschule un>cg: Ernst- straße 18. Liederabend.— Neukölln IV und IX: Kanner Straße. Bunter Abend. — Sihöueweid« U: Berliner Str. 31. Iahresmitgliederverfammlung.— Witte»»»: Bollstanzabend.— FriedrichsfeU»«: Treffpunkt 9>4 Uhr U-Bahnhof platz.- Lichtenberg zum Mufeumsbesuch. Werbebezirk«eddiug: Willdenowsträße. Heimabend. Werbebeziri Vsteu: Wir beteitigen uns an der Beranstaltung für junger« Parteigenossen in der Fluchtstraße. Beginn 19 Uhr. Der Auerbach-Kuriu» be> ginnt nicht am Montag, 11. Januar, sondern am Dienstag, 12. Januar, im Jugendheim Litauer Straße. Werbebeziri Prenzlauer Berg: Funitionärlurfus um 9 Uhr im Altersheüti. Danziger Str. 62. Genosse Durland: Die Einheit der Arbeiterklasse. 19 Uhr Delegiertenkonfeienz ebenda. Als Gäste haben alle mit gültigem Mitgliedsbuch versehene» Genosse» unseres Bezirks Zutritt. Morgen, Montag. 11. Januar: Alle Gruppenveranstaltungcn falle» au». Treffpunkte zur Kundgebung: Aruswalder Platz II: 1811 Uhr Falkenecke.— Reukill» IV: 19 Uhr Bahn. Hof Reukolln.- Pankow(R�F.): 1«>4 Uhr Marktplatz.— Srie»eichsse»e: 19 Uhr U.Bahnhof Lichtenberg.— Britz: 1814 Uhr Jahn. Ecke Rusower Straße. Steglitz Ii l81j DerfjÄezü Uhr Nathaus. """ 19 Uhr Bahnhof Schöueberg. m OOIMg ab 1. Januar 193» Neue Ladenverkaufspreise für Henkel-Erzeugnisse Penn Persll Henko dos selbsttätige Waschmittel---- das selbsttätige Waschmittel 68 Pfennig das Doppelpakel 36 Pfennig das Normalpaket Henkels Wasch- und Bleich-Soda--------—----------- 13 Pfennig das Paket Henkel s Aufwasch-# Spül- und Reinigungsmittel—------ 80 Pfennig das Paket Henkels Bleichmittel_________________________________ 17 Pfennig das Paket 18 Pfennig die Streuflasche Henkers Scheuerpulver(fein)..».———- Henkels Scheuerpulver(grob)............................... 13 Pfennig das Paket Henkel s Seifenpulver...______________—..........—.............. 23 Pfennig das Paket Henkels Schnitzelseifenpulver.---------—--------- 1* Pfennig das Paket Die vorstehenden Preise selten euch für Paduingen« die nodi mit dem früheren Prelsaufdrudc Im Handel sind. Sämtliche Henkel-Erzeugnisse nach wie vor in unveränderterGüte und Vollkommenheit! Päo» Henkel 6 Cle. A.-6.( Dfisselderf fSSESSs�un?! 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Merkliche Kühle auf beiden Seiten: kaum angedeuteter Gruß: die mißtrauische Art junger Foxterrier, die unvermutet zusammcii- treffen und sich abwartend verhallen. „Was für eine Person drängt sich da ein?" „Was soll uns die mit ihrem Frötzchen?" „Die Frauen," sagt Dumas,„sind Feindinnen oder Verschworene." Was wird Michalinc für Totote fein? Was Totote für Michaline? Abwarten! Abwarten! Die Zeit wird es lehren. Erster Akt. Erwärmung. Totoe wird umgänglicher, Michaline streckt die Waffen mit vor- sichtiger Langsamkeit. Diese liebenswürdigen Personen setzen sichtlich einen gewissen Stolz darein, sich durch ihr feines Benehmen hervor- zutun. Halbes Lächeln, schüchterne Freundschaftsbezeigungen, am Ende wird man vielleicht übereinstimmen. Totote hat übrigens eine „offene Miene", die Micholine zu Herzen geht: Michaline ihrerseits hat ein„vornehmes Aussehen", das in Totoe den Instinkten einer verkannten Dame von Welt insgeheim schmeichelt. Zu alledem hat man— welche Ucberraschung!— gemeinsame Freundinnen entdeckt, und man stimmt— welches Wunder!— darin überein, sie herunterzuputzen. Totote und Michaline fühlen wachsende llebcreinstimmung ihrer Charaktere. Die Trennung ist nahezu herzlich. Gegenseitige Versicherungen, sich zu besuchen. Zweiter Akt. Besuch von Michalme bei Totote, der innerhalb vierundzwanzig Stunden von Totoe erwidert wird. Die Sympathie wächst und treibt in beider Herzen wilde Schößlinge. Austausch kleiner Vertraulichkellen, angetan, einen Freund- schastspakt zu siegeln, der dauerhaft sein wird. Totote offenbart Michaline Familiengeheimnifse von unerhörter Wichtigkeit, wobei sie ihr ans Herz legt, sie sorgsam für sich zu bewahren... Michaline beteuert ihre Verschwiegenhcll. Sie hat niemals etwas weiter- erzähll, alle Welt kann das bezeugen. Beim Anhören der zahllosen Mißgeschick, von denen bedroht die unschuldige Kindheit von Totote verfloß, vergießt sie Tränenströme: dann wetteifert sie mit ihr an Offenherzigkell und verrät ihrer neuen Freundin, die ihr mit gc- spanutcr Aufmerksamkell lauscht, die Adresse ihrer Manicure und den Namen ihrer Modistin, die ihr zu Hause die Hüte herstellt. Dritter Akt. Periode gesteigerter Gefühle. Das ist keine Leidenschaft mehr, das ist Vergötterung. Totote kann nicht mehr fertig werden ohne Michaline, die ohne Totote nicht mehr leben kann. Sie haben ihre Kleidungsstücke aus- getauscht: Michaline hat jetzt den Hut von Totote auf, die ein« Kam- bination von Michaline trägt. Diese hat die Strümpfe von jener: jene das Hemd von dieser. Vorschlag ersterer, die gerade zufällig in Montmartre preiswerte Wohnungen kennt, in der Pue Trochot gemeinsam eine modern« kleine Barlerrewohnung zu beziehen, in der man. freundschaftlich und wirtschaftlich, unter den angenehmsten Bedingungen leben würde. Geräuschvolle Begeisterung der zweiten. Die beiden Freundinnen stürzen einander in die Arme und danken unsernr lieben Herrgott, zwei Wesen zusammengeführt zu haben, die so augenscheinlich geschaffen sind, sich zu lieben, sich zu schätzen, sich zu verstehen. Vierter Akt. Der Stern ist im Erbleichen. Grausame Enttäuschung Michalinez, die sich im Hinblick auf Towie, ach, wie sehr!... getäuscht hatte, und von Totole, die. was Michalinc- Eigenschaften betraf, vollkommen schief gewickelt war,— und wie schief!... Totote hat einen niedrigen Charakter, Micholine hat nicht eine Spur von Herz. Michaline will beständig kommandieren: sie wird einem dadurch lästig. Totote ist unerträglich in ihrer Manie, immer nur zu wollen, die andere solle ihrer Meinung sein. Kleine Sticheleien. Leichte? Geplänkel. Gewitterwolken am Horizont. Nicht lange mehr und olles geht in die Brüche. Schlußwort. Fünf Tage sind vergangen, seitdem der Herr unser Gott. Totote Micholine und Micholine Totote gegenüberstellte. Gegenwärtig sind die Beziehungen dieser Damen aufs äußerste gespannt, sie wünschen sich gcgcnsellig den Tod und werfen sich gemeine Schimpfwortc ins Gesicht. „Mein Fräulein, Sie hoben mir meinen Liebhaber abspenstig machen wollen." „Nein, mein Fräulein, Beweis dagegen, daß Sie mir meinen stehlen wollten." „Das ist nicht wahr." „Sie lügen." „Da muß ich lachen." „Das gleiche tue ich." „Mein Fräulein. Sie sind eine alberne Trine." „Nach Ihnen, mein Fräulein: ich lasse Ihnen den Vorrang..." Sn drohender Haltung, geschwellt von dem Selbstgefühl kämpf- bereiter kleiner Hähne, tauschen Totote rnd Michaline ihre Mei- nungen aus. Und beide sind im Recht. Sic sind tatsächlich zwei alberne Trinen, worin für keinen Menschen ein Zwciiel besteht: und sie sind obendrein zwei dumme Puten, denn sie brauchten fast acht Tage, um sich von einer Wahr- hell zu überzeugen, die oller Welt sofort in die Augen sprang. (Autorisierte Uebersetzung von Olga Cigoll.) IHarlin Q. Sarneck: Simnllcke„ffiänber" Aukührimgen oEum 150. Qedenhlage der Wranfführung am 13. Januar 1782 An die Aufführungen weniger Bühnenwerke cknüpscn sich so zahlreiche amüsante Erlebnisse wie an Schiller- unsterbliches Jugenddrama. Insbesondere die„Räuber"-Barstellungen ouf „Schmieren" gehören zu den lustigsten Kapiteln der deutschen Bühnen- geschichte. Da das gesamte Ensemble eines solchen Schmierchens häufig aus höchstens 3 bis 1!) Personen bestand, mußte in einer Borstellung der Karl und der Franz Moor vom regieführenden Direktor gespielt werden. Als Franz ging der detreffende Darsteller zur einen Tür rothaarig hinaus und kam als Karl mit schwarzer Perücke zur anderen Tür wieder herein. Aus dem alten Moor wurde in der Darstellung der Direktorin— eine alte Moorin, und aus dem abgetragenen Kostüm des Kosinsky schauten die munteren Züge der naiven Liebhaberin. Wo- an Personal des Stückes entbehrlich war, wurde herausgestrichen oder kam durch Briefe zum Ausdruck, die der Räuberhauptmann zufällig irgendwo im Freien fand und zur Verlesung brachte: ober einen Teck von der Räuberbande mußte der Zuschauer unbedingt zu sehen bekommen, denn in den böhmischen Wäldern ruft Karl Moor mit Emphase aus:„Sehcn Sie, Herr Pater, hier stehen 79, deren Hauptmann ich bin." Was war da zu mack>en? Außer ein paar fragwürdig amnuteNden Gestalten beiderlei Geschlechts, die in zufammcngepumpten Kostümen die Bühne be- völkerten, wurden aus jeder Waldkulisfe eine Anzahl mit Stroh aus- gestopfte Ritterstiefel auf die Bühne geschoben, die den Anschein je eines dazugehörigen Räubers erweckten, der hinter dem Dickicht des Woldes gelagert hat. Rief der Hauptmann nun:„Auf! Ihr.Klötze, ihr Eisklumpcn!" so wurden die Ritterstiefel urplötzlich lebendig, fingen auf geheimnisvolle Weise an sich zu bewegen, und flugs verschwanden sie in den Kulissen.— In einem Schmierchen, das mehr durch Kunstbegeiftsrung als durch Wunder an Ausstattung glänzte, mußte einmal ei» jugendlicher Müne den Hermann, den Pater und „Hlii/Ier" Schüler mU der SprUmpiliole Die Industrialisierung, unter der wir alle seufzen, weil die kapllalistische Well sie nicht richtig zu handhaben versteht, macht vor einer«phär« halt, die eng mit unserem täglichen Leben verknüpft ist: vor der Kunst und dem, was mit ihr zusammenhängt. Bei der absoluten Kunst stehen wir. wenn wir sie als Produktionsprozeß wie jeden anderen I>e trachten, noch ganz auf der Stute der ersten Künstäußerungen überhaupt: jedes Kunstwerk ist ein nicht wieder- holbarcs Gebilde. Etwas anderes ist es mit dem Kunstgewerbe, dessen Tellinduftrialisierung den glücklichen Umstand zeitigte, daß schöne und sachgemäße Gegenstände des täglichen Bedarfs, die früher ebenso wie Erzeugnisse der reinen Äünst nur den Besitzenden vor- behalten waren, weil sie rein handwerksmäßig und teuer hergestellt wurden, heute In den Händen aller sind. Unser« Rcproduktions- vcrfahren aller Art haben es ermöglicht, dem Gegenstand, inst dem wir zusaimnen leben,«in Ansehe» zu geben, das unserer Zeit entspricht und diesen Gegenstand zu einem Preis herzustellen, der zu der Summe, die man früher dafür anlegte, in überhaupt keinem Verhältnis mehr steht..... Nehmen wir als Beispiel eine Tischdeck«. Der Bauer webte sein Leinen selbst, er verbrauchte soundsovicle Arbestsstunden für die Herstellung einer solchen Decke. Die Besitzenden ließen sich kostbare Stoffe aus der Ferne kommen und ließe» si« mit Goldgeweben besticken. an denen bedauernswerte Fronen wachen- und monatelang arbesteten. und sich dabei dos Augenlicht ruinierten, lind heute? Wir können in das iiächstbeste Geschäft gehen und eine Tischdecke kaufen, die in lünsUerischcr Beziehung durchaus unseren Ansprüchen entspricht und trotzdem billig ist. Wir wollen ja mit dieser Decke auch nicht mehr Aufwand und Repräsentation treiben, sondern wir wollen eben einen sreundlichen Belag für Miseren Tisch haben. Jene handwerklich« Vorarbeit, von der oben dir Rede war, ist in unserer Zeit gewissermaßen konzentriert worden. Aus Tausenden von Handwerksstubcn sind wenige Ort« geworden, in denen die handwerkliche» Arbeilen ausgeführt werden. Bleiben wir einmal bei der TeMkunst. In dör Schule Reimann. Berlin, existiert solch eine Textil Werkstatt, die den Handwerker von heute«zieht insofern. als sie ihn in der Herstellung von Textilien und Textilnmstcrn unterrichtet und ihm somit die Vorbildung für eine Tötigkest in dem Entwurssatelier einer Fabrik gibt, neben der.Kunstgewerbeschul« der andere Ort, in der sich die.Handwerkskunst konzentriert. Die Tertilkunst ist aus das Oriiamem abgestellt. Wer sie er- lernen will, beschäftigt sich zuerst einmal mit dem Entwurf von Stoffmustern und von Mustern für Vorhänge, Teppiche, Decken-, Tapeten und ähnlichen Gegenständen unseres täglichen Bedarfs. Dos Ornament ergibt in feiner Vervielfältigung das Stoffmuster. Diese Vervielfältigung ist nun sehr interessant. Man stellt für jede Farbe eine Schablone her und befestigt jeweils die Schablone, die in Anwendimg kainiiien soll, auf dem zu bearbeitenden Stoff. Dann tritt ein merkwürdiges Instrument, die Spritzpistole, in Tätigkeit. Sie besteht aus einem Farbtops, der mit Farbe angefüllt ist. Die Farbe wird durch Kohlensäiircprehüift oder elektrischen Antrieb auf die Schablone gespritzt und der staubfeine Farbstrahl färbt nun auf dem Sofie die Stellen, die nicht von der Schablone bedeckt werden. Sie ermöglicht außerdem eine äußerst seine Schattierung von tief- dunkel nach hell und umgekehrt. Im übrigen wird diese Spritz- technik nicht nur bei Textilien angewandt, sondern ist auch bei der Herstellung von Plakaten, Schauscnsterhintergründen, Lampen- schirmen, Packungen usw. sehr beliebt. Der Textllkünstlor muß natürlickz nicht nur entmersen können, sondern muß als echter Handwerker auch einen Tcppichcntwurf zum Beispiel selber ausführen, also weben und sticken können, damst er in der Praxis feinen Mann steht. Außerdem muß er mit allen Techniken, die in der Textilindustrie vorkommen, vertraut sein, also zum Beispiel mit Batik, Stofsdruck, Stoffarben und Malen aus Stoff, Leder, Papier und anderen Materialien. Di« Generation von Kunstgewerblern, die jetzt heranwächst, hat ein« sehr wichtige Aufgabe zu erfüllen: sie hat darauf zu sehen, daß in die Industrien, die sich mit der Herstellung von?lrtikeln unseres täglichen, Bedarfs befassen, nicht jener reaktionäre Geist ein- schleicht, der auf vielen anderen Gebieten der Kunst und Lsterotur bedenklich an der Arbeit ist. den Daniel zusammenspielen I außerdem mußte er hinter der Szene Volksgemurmel und Hundegcbell markieren, überdies die große Trommel schlagen, alte Donnerbüchsen losschießen und— zum Schluß noch— die mit Leichen besäte Ebene mit bengalischem Rot- feuer magisch beleuchten. Wie pompös wurde nun eine derartige Aufführung ange- kündigt, eine Aufführung, die tatsächlich stattgefunden hat! Da hieß es denn: Heute im roten Ochsen! „Die Räuber" oder„Die feindlichen Brüder" oder„Allmächtiger Gott, der Sohn hat seinen Vater erschlagen!" großes Ritterfchouspicl nach Schiller. l. Abteilung: Aber, ist euch auch wohl, Vater? 2. ,. Franz heißt die Kanalljc? 3.„ Weh' dem der lögtl 4.„ Die(Bröuel in die böhmischen Wälder! 5.„ Die Liebe ist das Höchste!' (>.„ Der Graf im Humzerturm! 7.„ Tränen kommen aus dem Bauch! 8.„ Ende gut, alles gut! Zum Schluß: Große Apotiose bei Kunstfeuerwcrk. (Folgt das Personenocrzeichnis.) Kinder, Hunde, Volk und Soldaten beiderlei Geschlechts. Daun folgt ein« Nachschrift: Dieses mit dem Swatspreis ge- krönte Stück habe ich gewählt, um dem verehrungswürdigen Publica zu zeigen, wohin List, Tücke und Verrat führen kann, wie erquitklich andererseits aber auch Liebe ist! � Wer die Folgen von verlorenem Familicnglück stch veranschaulichen will, wer sehcn will, wie.auch dem gesunkensteil Menschen noch eine Umkehr zum Guten möglich sei, der komme in die heutig« Vorstellung, in der alle meine besten Kräfte mitwirken. Der Eingang ist durch den Hausstur. Hochachtungsvoll Direktor Franz Taver Kleiderspeck, Inhaber eines K- K. Künstpatents. 1. Platz: 30 Kreuzer, 2. Platz: 20 Kr., 3. Platz: 10 Kr. Anno 1859, an Schülers 100. Geburtstag, wetteiferten alle deut- schen Bühnen, auch die kleinen und kleinsten, durch Fcstauffnhrungen den Iubsltag würdig zu begehen: so auch im Schwabcnländlc, in einem Städtchen unweit des Dichters engerer Heimat. Hier ver- suchte ein Bühnengewaltiger.das Publikum i» gar eindringlichen Worten on.zillockcn:.„Kennt Ihr„Die Räuber" von Schiller? Ge- miß, dem Namen nach. Wer sie jedoch nicht kennen sollte, dem will ich einige Worte darüber sagen. Schiller schrieb dies Stück vor 80 Iahren. Es war damals eine Zeit gerade wie. jetzt. Bian las in den Zeitungen von lonter Raub und Mord, Reifende wurden aus ihren Equipagen gerissen und beraubt, arme Wanderer geplündert, Schlösser und Klöster angezündet,, der ewige Landsrieden war ge» brachen, Deutschland wie jetzt in tausend Schwulitäten." t Und heute, nach abermals fast 80 Jahren?!— Des Dichters Leidensgeschichte bis zur erfolgten Mannheimer Uraufführung wird nun- mehr in bewegten Worten geschildert, und schließlich erfolgt ein Appell an das„hochvcrehrlichc" Publikum:„Kommt wid seht das Stück: ich führe es heute ouf, wie Schiller es geschrieben. Ich selbst spiele zu meinem Benefiz den Franz Moor, den größten schleichenden Intriganten, den noch die Bühne gezeigt hat. Den Karl spielt ein Urenkel Schillers, Herr Machler von Ulm, mit erschütternder Wahrheit. Die Räuberfzenen im Walde sind in gräßlicher Wahrheit hin- gestellt. Die Schloßszenen mit Amolia und Franz und dem alten Moor atmen verwüstetes Familicngllick und heuchlerische Tücke. Die Szene, in welcher sich Franz Moor mit der Schnur- von seinem Hute erhängt, spiele ich garxz nach dem Originale. Schweizer, ein Hauet- rauher, rettet mich, indem er durch das brennende.Schloß herein- stürzt und mich abschneidet. Dafür kommt Roller reetc vom Galgen mit dem Strick mn den Hals, auf einem Abdeckerkarrev. Em« herz- zerfleischende Szene. Der Auftritt am Hungerturm wird selbst den stärkste» Nerven zu tun geben. Herrmann,„Mein Rabe", wird in WS5 WICH ELM STRASSEN AN DER LEIPZIGERSTRASJE UNSER INVENTUR AUSVERKAUF Großer Erfolg wegen billiger Preise bis 7« AN DER L C 1 P2 1 GER 9rUA dsr Tat von Herrn RaLe gegeben. Den Kapuziner spielt Herr Kirch« nnyer, mehr sage ich nicht. Den Räuberchor singen junge angehende Dilettanten. Herr Krappler, den Ihr aus Eyblers Bicrhaus, seiner schönen Baßstimme wegen, kennt, wird sich extra ein Räuberlied einlegen. Die Dekorationen sind nach den Kupferstichen von Chodo- wiecki gemalt: die Kostüme neu, bis auf das der Räuber, denn dies« gingen historisch in abgetragenen Wämsern herum. Es sind also keine Kosten gescheut worden, um„die Räuber"' nach der Natur darzustellen. Preise der Plötze die bisherigen. Die einzige Loge unseres Schauspielhauses ist bereits vergriffen. Der Anfang ist wegen des Nachmittagskränzchcns in Eyblers Biergarten um 8 Uhr Abends. Man bittet, die Hausschlüssel mitzunehmen. Vor 11 Uhr geht die Vorstellung nicht zu Ende." Wie unfreiwillig in ernsten Szenen der Schillerschen Dichtung Gelächter hervorgerufen wird, dafür zeugt ein Erlebnis im alten Berliner Königstädtischen Theater. Amalia sitzt auf einer Nasenbank im Garten des Gräflich Moorschen Schlosses und widersteht den Werbungen des vor ihr knienden Franz. Andachtsvolle Stille im Zuschauerraum. Da fällt plötzlich vom Schnürboden auf Amalias Rokokofrisur eine alte Pudelmütze herunter. Stürmisches Lachen ertönt, in dem der Dialog auf der Bühne völlig aufgesaugt wird. Die Darstellerin der Amalia, HenrieUe Hendel-Schlltz, schaut entsetzt über die Rampe ins Publikum, erblickt in der Loge die sich weidlich amüsierende Königin Luise und weiß in ihrer Bestürzung keinen Rat, bis sie endlich ihr Partner auf den ungewollten Kopfschmuck aufmerksam macht, den sie nun rasch entfernt. Die beispiellose Popularität der„Räuber" wird sicher nicht beeinträchtigt, wenn bei ihrer Bühnendarstellung zuweilen die„Tücke des Objekts" mitwirkt. IVtc wurde der Ski ein Sporigeräi? lieber die Geschichte des Skis sind schon allerlei Forschungen angestellt worden, aber es wurÄe lediglich festgestellt, daß richtige Skier schon in den ältesten Zeiten in Nord- und Mittelasien, in Rußland und Skandinavien benutzt wurden. Man kam schon früh auf den Gedanken, sich Bretter unter die Füße zu binden, um über tiefen Schnee hinwegzukommen, aber es dauerte natürlich lange, bis die Schneeschuhe die Form der heutigen Skier erlangten und auch bis die Menschen sich gewöhnten, vom Schreiten zum Gleit«:, über den Schnee überzugehen. Zuerst waren es die Lappen, die es hierin zur Vollkommenheit brachten. Besonders viel wurden die Skier in dem weiten waldigen Berglande Telemarken im südlich«» 'Norwegen benutzt, weil dort die Wege in schlechtem Zusiaich waren. Dort in einem steilhügeligcn Waldlonde kamen schon im 16. Jahrhundert die Bauern aus den Gedanken, daß der Stilauf auch ein Vergnügen sein kann. Sie veranstalteten kleine Rennen und pfleg- fen den Sprunglaus an stellen Hügeln. Nach und nach verbreitete sich die Künde von diesen Wettkämpfen in den umliegenden Städten. Es fanden sich Zuschauer«in und man beschloß, auch in der Nähe von Christiama solche Skikämpfe zu veranstalten. Die Sache schlief aber bald wieder ein, denn man hatte damals noch wenig Sinn für Sport. Jahrhundertelang oerlautet dann nichts mehr davon, bis End« der 187<>er Jahre der Ehristiania Skiklub einige Tele- Marker veranlaßte, die Hauptstadt zu besuchen. 1879 wurde dann auf dem Hügel von Heseby bei Ehristiania ein Rennen und Sprin- gen abgehalten, an dem auch Telemarker Bauern teilnahmen. Da- mals galt bis Abfahrt auf jenem Hügel als besonders gefährlich, und deshalb wurden Sprunge von 25 Meter als hervorragend« Leistungen angesehen. Seither entwickelt« sich der Skisport, an- fänglich langsam, dann mit einer geradezu überraschenden Schnelligkeit. Spiel mli mlem Meekl en Sine ItijleitfclmU und ein UnlerhaUungsSpiel Di« wenigsten wissen, daß man mit eurem Klecks allerhand anfangen kann, ja, daß es sogar«ine Wissenschaft gibt, die sich mit Klecksen befaßt. Es handelt sich bei letzterer um das Rohrfchach- Verfahren oder um eine Art von Pfychodiagnostik. Wenn wir beispielsweise durch den Wala gehen und sehen einen merkwürdig gewachsenen Baum, eine sonderbare Bemmgruppe oder Gesträuch, so kann darin von dem einen ein Riese mit Keule gesehen werden, eine alte bucklige Hexe und von einem anderen ein Tier. Wir nehmen davon Kenntnis, ohne tiefer nachzudenken. Gehen wir erstmalig am Abend oder nachts hier vorüber, so kann es kommen, daß wir vor der Gestalt Angst haben und in ihr ein Lebewesen sehen, eine Geistergestvlt, den Bcrgriesen, den Erlkönig oder ähn- liches und Reißaus nehmen. Würde ein Geistesschwacher hierher kommen, so stände es bei ihm fest, dag alle Bäume Riefen sind (Dan Quichotte!). Er fragt nicht erst, was das ist oder sein kaim, sondern er bestimmt, däß die Bäum« Riefen sind. Es gibt also drei verschiedene Arten Menschen in dieser Rich» tung: die«inen nehmen mir wahr, die zweiten versuchen, möglichst genau zu deuten und die drllten bestimmen sofort. Diese Erschei- nung Hot sich die Psychodiaznostik zunutze gemacht und festgestellt, daß es sicher Grenzen zwischen dem Wahrnehmen, Deuten und Be- stimmen gibt. Für jede Person gidt es aber eine andere Grenze. Das heißt, daß die Wahrnehmungsbilder mit Erinnerungsbildern beim Erkennen von irgendwelchen Dingen verschmelzen, was ober mit der Phantasie oder Einbildungskraft nach der Lehre Rohrschachs nichts zu tun hat, sondern mir mit der Fähigkeit, DZohrnehmungs- und Erinnerungsbilder zu verschmelzen. Da nun im ollgemeinen nicht immer Bäume zur Verfiiguug stehen, aber auch keine Fels- formationen, da wir auch nicht immer Blei gießen können, um wahrzunehmen, zu deuten und zu bestimmen, griff Rohifchach zum Klecks. Und hier beginnt gleichzeitig ein neftes Unterhaltimgs- spiel, das viel Spaß bereitet, wenn sich mehrere Personen daran beteiligen. In erster Linie brauchen wir«in Fläschchen schwarze Tinte oder Tusche, tintenfestes Papier— es können auch Zettel sein— und einen FederlMer. Das Papier wird eimnal in der Mitte zu- fammengeknifft, dann breiten wir es wieder was und lassen nun auf den kniff ein«» oder mehrere Kleckse fallen, die auch etwas seitlich von der Knifflinie liegen können oder mit einigem Abstand von- einander. Alsdann falten wir das Papier wieder zusammen und pressen nun ade? schlagen mit der Hand darauf, streichen vielleicht nach einigemal mit der Hand darüber, bis olle Tinte verlaufen ist und schlagen nun das Blatt wieder auf. In jedem Falle werden wir nach einiger Hebung recht merkwürdige und häufig sehr voneinander verschieden« Gebilde finden. Eine gewisse Bildbaftigkell, ja sogar Raumrhythmus wird stets vorhanden sein. Meistenteils finden sich die gleichen Lünen- führungen auf der rechten sowohl wie auch auf der linken Celle des Bogen«, nachdem er wieder aufgeklappt wurde. Rohrchach legte diese„Bilder" oder Klecksographien verschiedenen Personen und Geisteskranken vor, sammelte deren Deutungen und Bestimmungen und gewann wertvolle wissenschaftliche Tests oder Prüfungsmaterial, auf denen er sein« Diagnostik dann aufbaut«. Seine Arbeiten werden jetzt, nachdem«r früh verstarb, von Psychologen und Psychiatern fortgesetzt, um die neu« Wissenschaft der Psycho- diagnostik zu vervollständigen. Uns interessieren jetzt diese Unter- suchungen nicht weiter. Wir reichen vielmehr die gewonnene Klccksogrophie allen Teilnehmern herum, lassen jeden auf ein Blatt Papier, ohne laut darüber zu sprechen, die herausgelesene Bedeutung schreiben, also: Fledermaus, Schmetterling, Baum, Sessel, Holländer oder dergleichen. Dann liest jeder vor, was er für eine Bedeutung fand, also welches feine Wahrnehmung oder Deutung ist. Das Zutreffendste wird aus allen Resultaten festgelegt und nun mit wenigen Strichen das Bild vervollständigt. Hier wird eine Hand, ein paar Fühler, zwei Augen, die Schuhe, der Schwanz oder die Ohren angefügt, dort malt man einen runden schwarzen Kreis mit geradem Strich, eine kleinere Kugel mit zwei Ohren dazu und hat das Bild einer Katze. Die ganze Kunst besteht also darin, daß alle Teilnehmer zuerst möglichst die gleichen Resultate finden und dann hat der Reihe nach jeder die Aufgabe, mit einigen Strichen ein richtiges Bildchen zu machen. Je weniger zugesetzt werden muß, desto besser wird das Bildchen. Schließlich kann auch jeder für sich Klecksographien machen und wer das schönste Bildchen hat, bekommt eine Prämie. Das Spiel ist nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene. Ich habe Große schon stundenlang mit Klecksographien spielen sehen, und «z gab oft die heitersten Szenen dabei. Versuchen wir es also auch einmal. G. F. 3lerkunfl unferer Qelreidearlen Unser Wissen um die Geschichte unserer Kulturpflanzen ist noch immer Stückwert, und nllr schwer gelingt es, Licht in die per- wickelten Vorgänge zu bringen, durch die die verschiedenen Getreide- arten zu uns kamen. Als die letzte große Eiszeit in Mittel- und Nordeuropa vorüber war, da erschienen allmählich wieder die Pflanzen, die durch die Kälte vertrieben worden waren. Auf den Flügeln des Windes und der Vögel, auf den Wellen des Meeres und der von Süden nach Norden eilenden Ströme wurden Sporen und Samen in den vom Eis« befreiten Boden versenkt und begannen zu wachsen, zu blühen und Frucht zu tragen. Diesem Vordringen der Pflanzen folgten dann Tiere und Menschen, und die Neubesied- lung begann, lieber diese Vorgänge haben wir Auskunft erhalten durch Grabungen, die uns die Wege offenbarten, die in vorgefchicht- licher Zell von den Pflanzen und den Völkern eingeschlagen wurden. Sa lückenhaft diese Kunde auch ist so tritt dach schon manches klarer hervor, wie Prof. Fritz Nstolitzky in der Monatsschrift„Der Natur« forscher" ausführt. Den Namen„Roggen" hat man in neuester Zeit mll dem Stamm der Rugier in Verbindung gebracht, die zwischen Oder und Weichsel saßen und im fünften Jahrhundert, von dem Humiensturm fortgerissen, bis Frankreich und auf dem Rückzüge nach Kärnten kamen. Sie verbreiteten auf diesem Wege die Getreideart, die sie von weiter östlichen, nicht indogermanischen Völkern erhalten hatten, während die ihnen nachdrängenden Slawen ebenfalls den Roggen mll Vorliebe anbauten. Aber weder Rugier noch Slawen sind die Erstzüchter gewesen, denn der„Völkerwande- rungs-Roggen" war bereits lange vorher im Gebiet zwischen dem Kaspischen Meer und dem Aral-Sce heimisch geweseü. Die alten Schriftsteller Galen und Plinius kannten den Roggen. Man nimmt heute an, daß der Kulturroggen dadurch entstanden ist, daß Getreide, ¥ftHI Beispiellos war unser Erfolq- beispiellos die Zbhl der kaufenden Kunden! Gibt es einen besseren Beweis für unsere Behauphjna: Wunder über Wunder!"? „Mmdcfl ca.<100,000 Meter Läuferstcffem Auslegeware .130-200 jetzt 26; r 45�19.- statt 54: »170-240 So» 65.-• 27.- 81.-• 38- 95-• 48; *200-360 sfofr 65"jeft;29St 72;• 48; 119.— S6r 140;' 68- 210-• 98: «-330 Statt Ort 9QS0 bis O/.-jetzf ÖÖT 115.-• sr 3>cf147-■ 52; m-• ss- »250-360 sio» 98.>a44- ■ 103;• 72; ■ 169.-• 83- ■20a--98.- '308.-149.- »275-390 sh]H496.>247- *300460 era-Mafö- «138;' 96.- •238.-1Ö9- •287.-•139- •365.--174- ■425; 196- CO.' 340-460 �t645.>32S.- Tournoy�slour-Lduferi modemeMustenu. Forben c0?Ocmbrtj«25 FCrl requl. 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Der Futterhafer kam erst als Mitläufer der Völkerwonderungszeit vom Osten in unsere Ge- biete, aber lange vorher kannte man auf dem Balkan und in Klein- osien den„griechischen" Hafer, der freilich in Europa jung war, da er von Homer nicht erwähnt wird. In Westeuropa wächst der Rauhhafer wild und wurde seit oltersher gezüchtet-, er findet sich schon in den Pfahlbauten der Wcstschweiz zur Bronzezeit. Der „deutsche Haser" leitet sich von dem F l u g h a f e r her und ist bereits in der Hallstattzeit nachgewiesen. Zu den viel jüngeren Getreidearten, die in Deutschland heimisch wurden, gehört der Luchweizen, der von Asien über Osteuropa zu uns kam. Der lllame. der nur im Verbreitungsgebiet der Buche geprägt werden konnte, ist eine deutsche Neuschöpsung. Früher hieß das Getreide „Tatarenkorn", denn die Tataren waren die Vermittler der Pflanze, die wild im Amurgebiet und am Baikalsec wächst. Ihre Früchte wurden hier nicht nur gegessen, sondern auch zur Papierleimung benutzt. In Deutschland wird der Buchweizen zuerst in Nürnberg 1396 erwähnt und dann öfters im fünfzehnten Jahrhundert; er verbreitete sich durch den nordischen Seeverkehr rasch an der ganzen Künste, von den baltischen Provinzen bis zur Bretagne. Wie schnell eine Kulturpflanze in geschichllicher Zeit sich ausbreitet, dafür ist der Mais das jüngste Beispiel. Sthon 50 Jahre nach seiner Eni- dcckung in seiner Heimat Mittelamerita schreibt Bock in seinem „Reuen Kräuterbuch":„Unser Germania wird bald felix Arabia heißen, dieweil wir so viel fremde Gewächse von Tag zu Tag in unseren Grund gewöhnen, unter welchen das große Welschkorn nicht das geringste ist." Die Venetianer verbreiteten das„Welschkorn" über die Alpen und brachten es auch den Türken, von denen das Getreide dann als„türkischer Weizen" oder„türkische Hirse" nach Osteuropa kam. Hier bürgerte sich der von den Mohomme- danern geprägte Name„Kukuruz" ein. Das in Westeuropa übliche Wort„Mais" dürste wohl auf die Mayas zurückgehen. Diese jetzt festgestellte komplizierte Geschichte des Mais hat zu vielen Irr- tümcrn Anlaß gegeben. Wie vielerlei Scheiee gibt es? Auch der Laie weiß, daß es allerlei Schneearten gibt, aber nur der Skifahrer� unterscheidet sie bis in alle ihre Feinheiten. So heißt es in dem Skrbnch von Hoek und Richordson: Es gibt weichen, flockigen, frischgefollenen Schnee. Der Schnee kenn flaumig, kräuselig, pulverig, mehlig, kömig, spröde, salzgleich, schusselig, gallertig oder wäsierig sein. Es gibt Schnee hart wie Marmor und Schnee mit glasiger Kruste, die in gewissen Schollen bricht. Es kann eine Lage weichen Pulvers auf harter linterlag« liegen, es kann loser Schnee einen dünnen, emailleartigen Ueberzug haben. Wir haben ihn gesehen als dünn« Schuppen von Markstückgröße, die unter dem Ski vorstehen wie Blätter im Herbst- wald, und auch wieder in der Form langgestreckter Kristall«, Asbest- faden gleichend. Manchmal liegt er flach und ruhig über den ge- rundeten Hügeln, und ein anberinal ist er ein« eisgeworden« erregte See voller Wellen. Kämme und Täler. Farbensinn der Tiere. Daß Tiere Farben unterscheiden können, ist durch die Versuche des russischen Physiologen Pavlov bewiesen worden. Er erzog Hunde dazu, bestimmte Farben mit bestimmten Speisen in Zusammenhang zu bringen und erreichte, daß die Hund« beim Anblick gewisser Farben alle Zeichen von Freude und Freßlust zeigten, während andere Farben sie gleichgültig ließen. Vorn SorfJi: SEitljchenfall in der Stadtbahn Ich fahre Stadtbahn: Jeden Tag fahre ich Stadtbahn, jeden Tag gähne ich, schaue zum Fenster hinaus, schaue gelangweilt in meine Zeitung hinein, schaue gelangwellt wieder zum Fenster hin- aus, gähne, horche der einförmigen Brummbummusik der rollenden Räder, lasse mich eine Weile hin- und herschaukcln, um dann zuletzt befriedigt, durchgähnt, durchschüttelt auezusteigen. Ich glaube, den anderen Leuten geht es ebenso wie mir. Auch sie schauen in ihre Zeitung, gähnen, sehen zum Fenster hinaus und machen gelang- weilte Gesichter wie ich. Das geht so all« Tage wester im hübschen Einerlei. Aber einmal— nanu—, da ist etwas geschehen, das die ganze verschlafene Gesellschaft ein bißchen zum Leben geweckt hat. Man denke sich: Ein Abteil„drstter" voll Griesgrämer, Bnimm- bärter, Zeitunglefender, Schlafsüchtiger usw. usw.— und plötzlich geht die Tür auf, und herein stürmt eine ganze Bagage gleich, lachend, lockig, dumm, rotwangig, butterbrotkauend, mappen- schlenkernd! Ich brauch wohl kaum noch zu sagen, daß dies eine Schulklasse vorstellte, eine Schulklasse von Mädchen, sa eine richtig« Schulklasse mit Lehrerin und allem Komfort, Rucksäcken, Leberwurst- stullcn, Aepfeln und Radau. Jawoll. Aber was das bedeutet, kann nur der sich vorstellen, der wie ich jeden Tag Stadtbahn fährt, und der kann sich auch nur denken, wie die Wirkung davon war. Alles, was vorher friedlich behaglich geduselt und gelesen hat, fährt plötzlich hoch. Zeitungen rascheln sinkend, spitze, dicke, dünne, krumme Nasen leuchten auf, Hälse recken sich verdutzt. Schummer- schläfchen werden aufgeschreckt, goldgerahmte Zwicker blitzen empört, Worte fallen hin und her, die nicht gerade freundlich klingen. schadenfrohes Lächeln flattert vergnügt dazwischen— na und wie das so ist, zuletzt dreht man sich eben grämlich brummend, lang- weilig würdevoll gegen die andere Wand. Nein, so etwas, so un- anständig laut zu sein! Nein, solche Gänsigkeit! Das gibt ein Röckewippen und ein Augenzwinkern und Juchu- gequiekse, daß einem der arme Verstand versagt. Es ist ein Wirrsal wie in einem Bienenkorb, ein Schwatzen, Lachen, Gackern, Rätsel- raten, Witzereißen, Bonbongelutsche und Durcheinanderkribbeln, daß man selber kribblig wird. Und zu allem Ueberfluß hat Suschen heulend ihren Hut verloren, und Friedchens Ball springt auf den Boden, nicht zum Wiederfinden., und das blonde Gretchen fällt bei einer scharfen Kurve dem alten Vicrbauchonkel mitten auf den Schoß. Ist in der Stadtbahn so etwas schon vorgekommen'? Oh seh! Man ist entsetzt. Studenten, Kaufmänner, Tanten. Arbeiter. Büro» gehilfen und Gemüsefrauen, alle sitzen starr, ganz einfach starr. Was nützt das aber! Gretchen sitzt. Dos heißt sie faß. Na ja!— So steht sie also wieder auf. Der Bierbauchanlel ist ganz rot geworden, ob vor Vergnügen oder Aerger weiß man zunächst noch nicht. Er sagt zunächst kein Wort dazu, denn er ist sprachlos, wie wir alle sprachlos sind. Doch weil so etwas an und für sich nicht unangenehm für einen Bier- bauchontel ist, darum erhall er sich dieses Mal ganz ausnahmsweise schnell von seinem Schreck. Und sein gemütlich brummendes Gesicht fängt an zu grinsen. Ja, was sag ich doch, zu grinsen! Dann aber, nachdem sein Mund sich genug in die Brest« gezogen Hot, geht's plötzlich los: Höhöhöhö... Das kommt wie eine Erlösung für die verärgerte Nachbarschaft. Denn was kann man anders tun als mitzulachen!„Hvhöhöh"... geht's gewaltig durch die Bankrcihcn hindurch, im tiefsten Bah und bis zum höchsten Hoch. Alle Gesichter sind nun auf einmal ganz fidel und wach geworden. Höhöhöhö. Solch eine allgemeine Vor- gnüglichkeit Hab ich als langbewährte Stadtbahnfahreri» bisher noch nicht erlebt, das muß ich sagen. Nun hält der Zug. Die Lehrerin und Lieschens und Gretchen? steigen aus. Butterbrot, Bonbons und Lcberwurstgerüche wandern mit. Die Ruhe ist hergestellt, es wird still, man hört die Motore tacken, man nimmt die Zeitungen raschelnd wieder auf. Man gähnt, man sieht zum Fenster hinaus, man nickt den Kopf— und langsam pennt man wieder ein. „Mein Kind, denk ich vergnügt, das war mal wieder was! Raderadatt— guten Schlaf— Schluß— Punkt." ä>ie Schmiede von Qrehia Qreen Die Werkstatt des Schmiedes von Gretna Green, wo auf dem Amboß die Ehesesseln geschmiedet werden, war der Mittelpunkt eines Prozesses, der kürzlich vor dem Schiedsgericht für Miets- ftrestigkeiten in Edinburgh verhandelt wurde. Der Kläger Hugh Mackie von Gretna Green forderte die gerichtliche Festsetzung der Jahresmiete für das berühmte Haus, die von 38 Pfund Sterling auf Grund erneuter Schätzu-.rg auf 900 Pfund Sterling erhöht worden war. Das in Betracht kommende Grundstück besteht aus drei Räumen. Der eine dient dem Verkauf von Erinnerungsgegsn- ständen, von dort führt ein Drehkreuz zu dem Museum, dessen Hauptsehenswürdigkeiten der berühmte Amboß und eine alt« ehr- würdige Postkutsche bilden. In diesem Raum sollen auch die Trau- ungcn vollzogen worden sein. Das dritte Zimmer dient als Warte- räum für die Besucher, die kommen, um die romantische Schmiede zu besichtigen. Welche Anziehungskrast sie noch immer ausübt, beweist die Tatsache, daß sie im vergangenen Jahre von 66 854 Personen besucht wurde, und da die Eintrittskarte für jeden Bcjucher 6 Cents kostet, so gingen an Eintrittsgeldern 1670 Pstmd Sterling «in. Diese Einnahme liegt der Schätzung der Miete zugrunde. Der Vertreter des Klägers wies darauf hin, daß dies« Bewertung nur zu rechtfertigen sei, wenn es sich bei der Heiratsjchmiede von Gretna Green um ein tatsächliches Monopol handelte. Das sei aber nicht der Fall, da ja Trauungen wie in Gretna Green heute überall in Schottland vollzogen werden könnten. Das hindere allerdings nicht, daß tne Trauungen in Gretna Green infolge der romantischen Er- imierung, die sich an den Ort knüpfe, noch immer eine Borzugs- stellung einnähmen. Der geforderte Mietpreis stehe aber im Widerspruch mit den Mieten, die für andere berühmte Erinne- rungsstätten bezahlt würden. So erbring« dos Haus von John Knox in Edinburgh eine Jahresmiete von 15 Pfund, das Haus Carlyles in Ecdefechan 5 Pfund und das Haus von Burns 24 Pfund. Demgegenüber machte der Vertreter des Hausbesitzers gellend, daß für die Mietsestsetzung der Ertrag des Besitzes zu gelten habe, der fast eine Monopolstellung einnehme. Diese geschäst- lich« Blüte verbürge die Anziehungskraft, die das Haus in Gretna Green noch immer auf die Touristen ausübe. Der Fingerabdruck für die Entdeckung von Berbrechen ist amt- lich seit idein Jahre 1901 in Gebrauch. In China und Japan wur- den Fingerabdrücke seit Jahrhunderten bei der Unterschrift von Aktenstücken zur Beglaubigung der Unterschrift oerwandt. 2 S«>- I« n Tanzkleider in den duftigsten helfen sowie dunklen Farben..... 18,00, 12,00 3 Serien Frauen-Kleider 1�//] aus Kunstseide oder reiner f/j Wolle......... jetzt 12,75, 9,75 Crepe de Chine-Druck CrSp« Chlffon-Drucx, r. Saide, i.T.Orig. tri. 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Anschließend Frühkonzert. 11.15: Mittagskonzert. 12.30: Wettermeldungen für den Landwirt. 14; Schallplattenkonzert. 15.20; Heiratsaussichten der Frau. 15.40: Arzueiversorgung und Arzneipreise. 16.05; Neuland Jugoslawien. 16.30: Streichquartette. 17.30: Jugendstunde. 17.50; Von der bildenden Kunst. 18: Unterhaltungsmusik. 19: Stimme zum Tag. 19.10: Die Funkstunde teilt mit... 19.15: Studenten diskutieren. 19.55: Mitteilungen des Arbeitsamts. 20: Konzert. 21: Tages- und Sportnachrichten. 21.10:„Wenn sie noch lebten."(Heitere Begegnungen mit großen Männern.) 22: Aus Amerika; Volkstümliches Konzert, Anschließend aus Leipzig: Aus Berliner Operetten. Dlenstaar, 12. Januar: 6.30: Funkgymnastik. Anschließend Frühkonzert. 11.15: Mittagskonzert. 12.30: Die Viertelstunde für den Landwirt. 14; Aus Köln; Konzert. 15.20; Arbeit, Muße, Müßiggang. 15.40: Gerichtsglossen. 16.05; Der Mensch als Wirtschafts- gut. 16.30: Heitere bayerische Weisem. 17.10: Dr. Uebcrall erzählt. 17.30: Theater in Paris. 18.05: Bücherstunde. 18.35: Die Funkstunde teilt mit... 18.40: Stimme zum Tag. 18.50: Uutcrhaltungsmuisk. 20: Aus Breslau:„Kcan" oder„Genie und Irrsinn." Ein Hörfilm nach der Komödie von Alexander Dumas. 21: Tages- und Sportnachrichten. 21.10:„Also sprach Zarathustra." Tondichtung von Richard Strauß. 21.50; Politische Zeitungsschau.• Mktwodi, 13. Januar: 6.30: Funkgymnastik. Anschließend Frühkonzert. 9: Von der Deutschen Welle; Schulfunk. 11.15: Mittagskonzert. 12.30: Wettermeldungen für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert 15.20; Mensch und Maschine. 15.40: Gifts als Wohl- und Uebeltäier an der Menschheit. 16.05: Programm der Aktuellen Abteilung. 16.30: Aus der Akademie der Künste: Ausstellung für altamerikanische Kunst. 17.10;„Uralte Wasser steigen..." Erzählung von Rndoli Kayscr. 17.30: Musikalische Jugendstunde. 17.50: Rechtsfragen des Tages. 18.20: Zehn Minuten Funkhilfe. 18.30: Königin Luise und Napoleon. 19: Stimme zum Tag. 19.10: Die Funkstnnde teilt mit... 19.15: Tanzabend. 20.30: Michael Krämer. Drama von Gerhart Hauptmann. 22.15: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach Abendunterhaliung. Donuerstas, 14. Januar: 6.30: Funkgymnastik. Anschließend Friihkouzert 11.15; Mittagskonzert. 12.30: Die Viertelstunde für den Landwirt 14: Aus Köln: Konzert. 15.20: Jugend und Ehe. 15.10: Das Straßenbild der Großstadt. 16.05: Begegnungen mit großen Künstlern. 16.30: Mozart-Sinfonien. 17.30: Jugendstunde. 17.59: Wie man mit Anstand alt wird. 18.15' Cborgcsängc. 18.40: Eine Viertelstunde Technik. 18.55: Die Funkstnnde teilt mit... 19: Stimme zum Tag. 19.10; Georg Heym(zum 20. Todestag). 19.30:„Vcrt— Vert" Komische Oper von Oflcnbach. Anschließend Weiter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach Tanzmusik. Freilag, 13. Januar: 6.30: Funkgymnastik. Anschließend Frühkonzert. 10.15: Wochenmarkt- AIIcrlcL II. 15; Mittagskonzert 12.30: Wettermeldungen für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Körperliche und geistige Hygiene der Frau. 15.40; Winterarbeiten im Garten. 16.05: Probleme des deutschen Hockeysports. 16.30: Violin Vorträge. 17: Lieder. 17.30: Jugendstunde 18; Das neue Buch. 18.10; Heinz Liepmaun liest eigene Prosa. 18.35: Interview der Woche. 19: Stimme zum Tag. 19.10: Die Funkstunde teilt mit. 19.15: Teemusik. 19.55: Mitteilungen des Arbeitsamts. 20; Ans München: Joseph-Iiaydu-Kouzert. 20.30: Sie sollten lesen:..Freund Hein" von Emil Strauß. 21.30: Konzert 22.30: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. 22.50: Stunde für die Winterhilfe. Sonnabend, t6. Januar: 6.30: Funkgymnastik. Anschließend Frühkonzert. 11.15; Mittagskonzert 12.30: Wettermeldungen für den Landwirt 14: Chanson-Revue aus vergangenen Tagen. 14.30; Willi Weiß singt. 15.20: Geschichten aus dem Schwarzwald. 15.40; Medizinisch-hygienische Plauderei. 16.05: Unterhaltungskonzert. Als Einlage; Zehn Minuten Film. 18; Sportglossen. 18.10:„Eine Frau erlebt die Welt" von Grete v. Urbanitzky 18.35: Der politische Publizist. 19: Stimme zum Tag. 19.10; Die Funkstunde teilt mit.. 19.15: Paul Graener-Konzcrt 20; Schlager, die Schlager werden sollen. 21: Tages- und Sportnachrichten. 21.10:„Haltestelle Endstation." Eine Kabarettrevue. Danach Tanzmusik. Königswusterhsusen Sonnlag. 10. Januar: Ab 6.43: Uebertraguni aus Berlin. 1!: Aktuelle Stunde. 14: Ellernstunde 14.30: Wie siebt es in Sudwestafrika aus? 15: Dichlcrstunde. 18.13: Technik der Seibstbildunc. 19.30: Die Fortschritte des deutschen FluEsports. Anschließend Uehertragunz aus Berlin. Montag, 11. Januar: 16: Pädagogischer Funk. 16.30: Aas Berlin: VachntWarskoiwert. TTJfe Das Entwicklungsgesetz der uicnschiichen Kultnr. 18: Goethe und das d rutsche Lied. 18.30: Spanisch für Anfänger. 18.35: Stunde des Landwirts. 19.3»: Aktuelle Stunde. Anschließend Ucbcrtragung aus Berlin. Dienstag, 12. Januar: 16.30; Aus Leipzig; Nachmiltagskonzert. 17.30: Venedig, ein Märcher.- traum. 18: Land und Leute in Schweden 18.30: Entstehung und Wandlung des Geschlechts. 18.33: Wetterbericht für die Landwirtschafl. 19; Ensclisclt für Fortgeschrittene. 30.15: Protestantismus und Ligcntu ms begriff. D e u t s c lila n eisender: 19.30: Unterhai tungsntnsik. 21: Tages- und Sportnachrichten. 21.15: Aus München: Bunte Stunde. Anschließend Unterhaitungsrausik. Mitfwodi, 13. Januar; 16: Pädagogischer Funk. 16.39: Aus Hamburg: NachmittagskonzerL 17.3»: Die Kuust der Fuge. 17.50: Uebcrtragung aus Berlin. 18.30; Vom Wesen historischer Größe. 18.40: Land und Leute in Schweden. 19.03: Wetterbericht für die Landwirtschaft. Anschließend Stunde des Beamten. 19.30: Deutsch- lands Handelspolitik im Jahre 19.31. 21.13: Goethe nnd die Politik. Deutsch- landsender; 30: Aus Leipzig: MiiitärkonzerL 31: Tages- und Sportnachrichten. 33.13: lintcrhaitungsiuusik. Anschließend Ucbcrtragung aus Berlin. Donnerstag, 14. Januar: 16: Pädagogischer Funk. 16.39: Aus Berlin: NachmittagskonzerL 17.30: Das Theater in dieser Zeit. 18: Der Staatsgedanke in der deutschen Geschichte, 18.30: Spanisch für Fortgeschrittene. 18.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft 19.30: Frankreich und Italien als Militärmächte. 30: Arbciterstunde. Deutscbiandscnder: 30.30: Europäisches Konzert. 23: Politische Zeitungsschau. 33.13: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Anschließend Ucbcrtragung aus Berlin. Freitag, 1-5. Januar: 16: Funkpädagogische Arbeitsgemeinschaft. 16.30: Aus Leipzig: NachmittagskonzerL 17.30: Entstchimg und Wandlung des Geschlechts. 18: Der Handwerker in der Krise. 18.30: Hören musikalischer Formen. 18.53: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19: Wissenschaftlicher Vortrag für Aerzfe. Oentschlandseuder: 19.30: Aus Mannheim:..in tyranuos"(Scililiers Räuber). Hörfolge von Friedrich Walter. 30.40: Aus Hamburg: Unterhaltungsmusik. 31.30: Aus Leipzig..Straßeuroudo." Ein Gedieht von Arno Schiro- kauer. Anschließend Uebcrtragung aus Berlin. Sonnabend, 16. Januar: 16: Pädagogischer Funk. 16.30; Aas Hamburg: Nachmittagskonzert. 17�33; Viertelstunde für die Gesuudheit. 17.50; Viertelstunde Funktechnik- 1S.05: Deutsch für Deutsche. 18.30: Der Ueberzeugungstätcr. 18.55: Wetterbericht für die Laudwirtscbaft. 19: Englisch für Anfänger. 19.30: Kirche und Bildung. Deutscblandsendcr: 2C: Aus Breslau: Konzert, 22: Wetter-, Tagesund Sportnachrichten. Anschließend Uebcrtragung aus Berlin. JVnr bei Wunderfüller Halter und Name ossetzL geschützt 30- • V'; V. U Kein Abeohntvben mehr. tMtmeJ der Heiter iet gefüllt i � für Beamte Angestellte. Vielschreiber Goldfink Groß, J*50 Werbe- g* L gS Halter At 7 GF» Gddfink- FW Liebling t r50 Werbe- MM LefpzIgerStr. 113. Ecke Mau erstr. Fr/ednchstr. 143, am Stadtbahnhof Hafte r MY. Tauentzicnstr. 4, am Witten-„ 163, Ecke Behrenstraße l Goidfink, Sm bergplatz„ 183, Ecke Mohrenstr. 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