BERLIN Sienstag 12 Januar 1932 10 Pf. Tit. 1 8 B 9 49. Jahrgang ErscheinttSglich außer Sonntags. Zugleich Mbntbau�saBt d-s.SonBÖrti*. Sf|n?«crtU für b e i b e Slutgsb-a 75 W. pr» fficdie, 3,25 M. tn M»nal tason 87'Df. monatlich für Znstellnng ins Hanj) im scrasi lautbar. Postdriu« 3,97 M, rinschlirßlich 60 Df. Postiritunji- nnb 72 Df. Prftbrstrllzrbädrrn. „Ibwasdt ZlazeigeuvreiS: Die ekasvaltige Nonpareillezn'le 8V Pf.. Neklamezeile SM. Ennäßiguvgen nach Tarif. Postscheckkonto: Borwärtt. Verlag G.m.b.H., Berlin Rr. 37 5.16.- Der Verlag behält stch das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Redaktion und Expedition: Berlin(NW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Dönhoff(A 7) 292—207. Hugenberg schlägt auf Brüning Die Gründe für die Ablehnung Der Neichskanzler hat voir Hugenberg und Hitler Ant- Worten erhalten, die eine neueKriegserklärungder Rechten gegen ihn darstellen. Oder vielmehr- er hat sie bisher nur zum Teil erhalten: denn Hitler ist bisher init der Redigierung seiner Antwort noch nicht fertig ge- worden. Das Antwortschreiben Hugenbergs ist in Gift getränkt. Es spricht daraus die maßlose Erbitterung über den Plan der Reichsregiening, aber auch der Zorn darüber, daß die Harzburger Front gezwungen worden ist, Farbe zu bekennen. Die Polemik Hugenbergs ist wie immer nicht nur vergiftet, sondern auch unwahrhastig. Er behauptet, daß Brüning für seinen Plan Rückendeckung bei der Sozialdemokratie gehabt habe. Das ist unwahr; denn die sozialdemokratischen Unter- Händler haben bekanntlich ausdrücklich festgestellt, daß eine Entscheidung der sozialdemokratischen Fraktion vorbehalten bleiben müsse. B r ü n i n g m u ß f o r t— das ist die Antwort 5)ugen> bergs auf den Ruf der Reichsregierung: Hindenburg muß bleiben! Das ist eine lehrreiche Antwort, vor ollem für die Reichsregierung selbst, die sie sich zugezogen hat. Sie muß daraus erkennen, daß sie bei ihren außenpolitischen Verhandlungen nicht auf Rückendeckung durch Hilgenberg und Genossen rechnen kann, daß sie vielmehr ge- wärtig fein muß, in entscheidenden Stunden von hinten an» gegriffen zu werden. Der Antwortbrief Hugenbergs setzt unmittelbar vor dem Beginn der Verhandlungen die Taktik fort, der vom Reichspräsidenten Hindenburg ernannten Reichsregierung die Aktivlegitimation zu Verhandlungen zu bestreiten. Daß dies wiederum im Namen der Demokratie geschieht, ist charakteristisch für die Unwahrhaftigkeit der deuischnatio- nalen Haltung. Hugenberg als Schützer der Verfosiung gegen Brüning und Hiitbenburg— wer lacht da nicht? Die Reichsregierung weiß nun, was sie von der Rechten zu erwarten hat. Wird sie daraus endlich die Folgerung ziehen, daß sie sich nur behaupten und ihre Verhandlungs- fähigkeit aufrechterhalten kann, wenn sie entschlossen den Kampf gegen die Harzburger aufnimmt? Hugenbergs Antwort. Der Dorsitzendc der Deutfchnationalen Dolkspartei, Dr, Hugen- berg, hat dem Reichskanzler folgendes Schreiben übermittelt: Sehr geehrter Herr Reichskanzler! Sie legten mir gestern die Frage vor, wie sich die Deutsch. nationale Volkspartei zu Ihrem Borichlage der parlamentarischen Verlängerung der Aintszeit des Herrn Reichspräsidenten, General- feldmarfchalls von Hindenburg, stelle. Sie, Herr Reichskanzler, konnten diese Frage nicht aufgerollt haben, wenn Sie dabei nicht des Einverständnisses des Zentrums und der SPD. sicher gewesen wären. Es sind dies die Parteien, die seinerzeit die Wahl des Reichspräsidenten auf das schärfste bekämpft haben. Mit dem Rück- halt dieser Parteien treten Sie jetzt an uns heran, die wir einst seine Wahl angeregt und durchgesetzt haben. Sie begründen Ihr Vorgehen mit der anhenpolitischen Notwendigkeit einer Stärkung der„Stabilität" der deutschen Regierungsgewalt. Gleichzeitig schwächen Sie aber selbst diese Stabilität empfindlich durch die zähe Aufrechterhaltung einer Regierung im Reich und in Preußen, hinter der keine Mehrheit des Volkes steht. Sie begründen die Notwendigkeit Ihres Schrittes weiter mit der außenpolitischen Wirkung einer einheit- lichen Vertrauenskundgebung für den Herrn Reichspräsidenten. Demgegenüber sind wir der Auffassung, daß die außenpolitische Stellung Deutschlands am meisten durch einen Rücktrllt der jetzigen Regierung gestärkt wird, deren Vergangenheit es ihr erschwert, dem veränderten Willen des deutschen Volkes dem Auslande gegenüber glaubhaften Ausdruck zu geben. Sie, Herr Reichskanzler, erstreben die Wiederwahl auf dem Wege der Beschlußfassung des Parlaments. Nach der Vermsiung geht die Wahl des Reichspräsidenten unmittelbar vom Volke aus. Dieses Recht auf den Reichstag zu übertragen, liegt um so weniger Anlaß vor, als der Reichstag der wahren Volksmeinung nicht mehr entspricht. (Fortfetzung auf der 2. Seite.) As« QelicM der Virile Unabsehbare Retken leerer Waggons Im Stuhrgebiet �Berliner Wordhafen als Schiffsfriedhof Neues Bergwerksunglück! Wieder drei Bergleute eingeschloffen Kassel, IL. Januar. Aus der Zeche„Roter Stollen" im HabichtSwald bei Kassel wurden heute früh drei Bergleute durch eine einstürzende Wand abgeschnitten. Tie Bergungsarbeiten wurden sofort eingeleitet, jedoch ist eS bisher noch nicht gelungen» die drei eingeschlossenen Bergleute zu befreien. Das Rcvieramt hofft binnen kurzem die Hindernisse beseitigen und die Abgeschlossenen Bergleute unverletzt bergen zu können. Die Rettungsarbeit in der Karsienarube. Breslau, 12. Januar. sEigcaberlcht.) Die Beltungskolonne auf der Karsten-Zenlrumsgrube ist inzwischen weitere acht Meter vorgedrungen. Sie befindet sich gegenwärtig noch etwa vier Meter von der Stelle entsernt, wo nach An- gaben des geretteten Rohrlegers Slam« zwei der verunglückten beim Eintreten des Scbirgsrulschcs gearbeitet haben. Es find die beiden Arbeiter Weih und Misch. Leide sind mit Bestimmtheit t o t. wie die G.borgenen berichten, wurde Weih von großen Fels- blocken eingequetscht. Misch wurde von den Steinen zu Boden ge- warfen und konnte sich nicht von der furchtbaren Last befreien. weih soll nach zwei. Misch nach drei Tagen gestorben sein. Hilfe konnte man ihnen nicht bringen. Otto Braun an die Geretteten. 200 Mark für jeden Befreiten. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat Minister- Präsident Dr. Braun an den zuerst Geretteten der bei der Karsten-Zentrum-Grube verschütteten 14 Bergleute, Paul K u l p 0 k. der sich im Beuthener Knappschastslazarett befindet, folgendes Telegramm gerichtet:„Ihre und Ihrer Arbeitskollegen glückliche Errettung nach sechstägiger Verschüttung hat mich mit größter Freude erfüllt. Ich spreche Ihnen allen dazu auch namens des preußischen Staatsministeriums die aufrichtigsten Glückwünfche aus und hoffe von Herzen, daß es gelingen möge, Ihre noch abge- fchnittenen Kameraden gleichfalls lebend aufzufinden. Ihnen und den bisher Erretteten bitte ich von diesem Telegramm Kenntnis zu geben und wünsche Ihnen baldigste Genesung." Das preußische Handelsministerium teilt mit: Hoch- erfreut durch den glücklichen und überraschenden Erfolg der Rettungsarbeiten auf der Karften-Zentruin Grube in Oberschlesien hat der preußische Handelsminister Dr. Schreiber den Berg- Hauptmann in Breslau beauftro-it, persönlich im Namen der preußischen Staatsregierung den Geretteten die herzlichsten Glück- wünsche auszusprechen und jedem als Beihilfe für die völlige Wiederherstellung der Gesundheit ein Geldgeschenk von 200 Mark zu überbringen. Er hat ferner den Berghaiiptmann bc- auftragt, nach Abschluß der Rettungsarbeiten baldmöglichst Borschläge für eine würdige Auszeichnung der tapferen Rettungs- inannfchaften zu machen. Keine Reichstagseinberufung. Kommunisten, Oeutfchnationale und Nationalsozialisten allein. Der Aellestenrat des Reichstages beschäftigte sich am Dienstag mit einem kommunistischen Antrag auf Einberufung des Reichstages zwecks Erörterung der Notverordnung und der außen- politischen Lage. Zustimmend zu diesem Antrag äußerten stch ledig- lich die D e u t s ch n a t i 0 n a l e n und die N a t i 0 n a l s 0 z i a st e 11. Die Christlichsozialen, die Landvoikpartci und die Wirtschafts- parte! machten ihr« Zustimmung zu einer Einberufung des Reichs- tages davon abhängig, daß lediglich eine die Außenpolitik der Reichsregierung unterstützende Stellung des Reichstages in Betracht komme und eventuell der W a h l t e r m i n für den Reichspräsidenten festgelegt werde. Da eine Uebereinstimmung über diese Voraussetzungen nicht erzielt werden konnte, blieben bei der Abstimmung Kommunisten, Nationalsozialisten und Deutschnationalc allein, so daß die Reichstagseinberusung aufs neue als abgelehnt gilt. Die Deutsche Volkspartei war überhaupt nicht erschienen, son- dern hatte durch einen Brief des Abg. Dingeldey erklären lasse», daß sie die Reichstagseinberusung im gegenwärtigen Augenblick ablehne. Lim den BZZ.-Kredii. Llnbegründete pariser preffegerüchte. Im Verwaltungsrat der BIZ. hat der sranzösifche Bank- gouoerneur Moret nicht, wie Pariser Blätter behaupten,«in Veto gegen Verlängerung des Kredits an die Deutsche Reichsbank erhoben, die Verlängerung ist genau wie früher auf drei Monate beschlossen worden, unter der Voraussetzung, daß die beteiligten Notenbanken zustimmen. Sollte Frankreich zum 4. März seinen Anteil an diesem Kredit, nämlich 25 Millionen Dollar, kündigen, so ist doch nicht bekannt, worauf Pariser Blätter ihre Ankündigung stützen, daß auch die BIZ. ihren Anteil von wei- leren 25 Millionen gleichzeitig kündigen werde. Hugenberg gegen Brüning.\ (Fortsetzung oon der 1. Seite.) Als die alten Anhänger des uns nach wie vor oerehrungs- würdigen Generalfeldmarschalls glauben wir zu der Bemerkung be- rechtigt zu sein, daß die Art seiner Hineinziehung in parteimäßige und parlamentarische Erörterungen der verfassungsrechtlichen Stellung und dem hohen Ansehen nicht gerecht wird, das der Herr Reichspräsident im deutschen Volke genießt. Diese Tatsache wird durch die öffentliche Behandlung der Angelegenheit bedauerlich ver- stärkt. Der parlamentarische Wahlakt wurde als eine Vertrauens- kundgebung weniger für den Herrn Reichspräsidenten als für die von uns dekämpfte Politik und insbesondere Außenpolitik der jetzigen Reichsregierung wirken. Unter diesen Umständen muß ich Ihnen nunmehr endgültig mitteilen, daß eine Billigung oder Unterstützung Ihres Vorhabens für uns nicht in Frage kommen kann Noch eine Ausrede? Die Hugenberg-Presse wirft der Reichsregierung vor, ihren Plan einer Amtsverlängerung für den Reichspräsidenten durch den Reichstag in die Oeffcntlichkeit gebracht und dadurch die Person des Reichspräsidenten in die Debatte gezogen zu haben. Tat- suche ist, daß die erste Meldung über die Einladung Hitlers nach Berlin zu Besprechungen darüber oon der Hugenberg- schon Telegraphen-Union aus München verbreitet wurde. Erst mehr als eine Stunde später kam die Darstellung des Conti- Büros heraus, für das die Regierung in keiner Weise veront- wortlich ist. Nie Krage der Volkswahl. Daß die Wahl eines Reichspräsidenten durch das Volk in diesem Frühjahr vorgenommen werden muß, steht fest. Gänzlich ungeklärt ist die K a n d i d a t e n f r a g e. In dieser Frage hält sich die Rechtspresse von heute morgen vorsichtig zurück, dasselbe tut Hugenberg in seinem Brief an Brüning. Es ist aber kein Geheimnis, daß der Reichskanzler mit den Parteiführern auch über die Eventualität einer Volkswahl mit Hindenburg als offiziellen Kandidaten gesprochen hat. Auch hier handelt es sich nur um eine Anregung, die nicht von der Rechten, sondern von derRegierungBrüning ausgeht und von den Gruppen der Mitte unterstützt wird. Wenn die„nationale Opposition" den ersten Vorschlag der Regierung ablehnt, um ihr Mißtrauen gegen die Regie- rung Brüning zu bekunden, so müßte sie logischerweise einen zweiten Vorschlag derselben Regierung gleichfalls ablehnen. Aber dann würde es allzu deutlich, daß sich die A b l e h- nung in Wahrheit ebenso gegen Hindenburg wie gegen Brüning richtet. Darum will sie nicht mit der Sprache heraus. Außenpolitisches Boxheim. Llebergeschnappter Nazi-Ehauvinismus. Au-f der ersten öffentlichen Versammlung der Oldenburger Nazis noch dem Ende des Weihnachtsfriedens sprachen die Reichstags- abgeordneten R ö v e r und Spangemacher. Die„Weser- Zeitung" hat darüber ausführlich berichtet. Nach diesem Bericht hat der Nazlreichstagsabgeordnete S p a n ge- macher einen außenpolitischen Amoklauf unternommen. Cr erklärte, daß die Franzosen Narren wären, wenn sie abrüsteten. Deutschland hätte aber die Pflicht, aufzurüsten. Der Todfeind Deutschlands sei noch wie vor Frankreich. Mit ihm gebe es, wie Epangemacher wörtlich betonte, keine Versöhnung. „Einer von uns muß sterben, und du sollst sterben, du Hund Franzos, weil wir leben müssen." Eine unglaublichere Beschimpfung des französischen Volkes, von dem Deutschland die Streichung der Reparationen fordert, kann man sich wohl nicht denken. Aber es kommt noch besser! Spangemacher er- klärte wörtlich.- „Briand ist ein Zuchthäusler, Snabeuschänder und syphilitischer paranoiker und Laoal ein niederrassischer Bastard." Von solchen„Bastarden" und„Zuchthäuslern" will Spange- macher(der Mann sitzt tm Reichstag und macht angeblich deutsche Politik!) nicht nur die Streichung der Reparationen, er will ihnen selbst— nach einem oon Hitler, Spangemacher und Konsorten sieg- reich geführten neuen Weltkrieg— ebenfalls einen„Schandoertrag von Versailles" aufoktroyieren: denn Spangemacher will doch den neuen Krieg zumindestenz gewinnen! Deshalb sieht er die Zell nicht fern, wo— wie er wieder wörtlich erklärte— hoffentlich wieder Heeressäulen über die Rheinbrücken nach Westen gen Frankreich marschieren. Diese Rede tritt den berüchtigten Boxheimer Blutdokumenten würdig zur Seite! Sprung aus brennendem Eisenbahnwagen. Sensation zwischen Beusselsiraße und Iungfernheide. Ein aufregender Vorsoll ereignete sich heute früh gegen 5 Uhr auf der Eisenbähnstreche zwischen den Bahnhöfsn B e u s s e l° st r a ß e und Jungfernheide. In dem letzten Wagen eines Güterzuges, in dem zwei Pferde des Artillerieregiments 6 befördert wurden, fiel eine Petroleumlampe um. Es entstand sofort «in Brand. Der begleitende Reichswehrsoldat versuchte das Feuer zu ersticken, was jecoch mißlang, da der Brand an dem im Wagen befindlichen Stroh reiche Nahrung fand Der Soldat öffnete schließlich die Wagentür und sprang aus dem fahrenden Zug. Eines der Pferde jolgte ihm, während das andere im Wagen verbrannte. Der Soldat, der� eine leichte Gehirnerschütterung da- vongetragen hat, hiell einen Stadtbahnzug an und suhr zum näch- sten Bahnhof zurück, wo er die Feuerwehr alarmierte. Mckiritt Lavals Burgsriedens-Regisrung als Antwort aus Brüning? ToSessturz eines Blinden. Auf tragische Weise kam heute mittag der 63 Jahre alte Lehrer Ernst F i tz n e r ums Leben F. mußte 1917 wegen Erblindung pensioniert werden. Als er sich heute mittag aus dem Fenster seiner im 3. Stockwert des Hauses Schönwaldr Straße 7 in Spandau ge- legenen Wohnung hinauslehnte, verlor er das Gleichgewicht und stürzte kopfüber auf die Straße hinab Der Unglückliche hatte so schwere Verletzungen erlitten, daß er bald darauf starb. Paris, 12. Januar. Das französische Kabinett, das am Dienstagmittag zusammentrat, hat auf Vorschlag des Miuisterprästdcntem L a v a l beschlossen, dem Staatspräsidenten das Rück- trittsgesuch zu unterbreiten. Ueber den Kabinettsrat, der heut« mittag abgehallen wurde, gab Ministerpräsident Laval folgendes Ko mmuniqu ej�us: „Der Ministerpräsident hat seine Kollegen über die Lage unter- richtet und seinem Willen Ausdruck gegeben, am Vorabend der wich- tigen internationalen Konferenzen sämtliche Regierungsparteien an der Leitung der Geschäfte zu beteiligen. Der Kabinettsrat stimmte einmütig zu. Um dem Ministerpräsidenten volle A k- tionsfreiheit zu verschaffen, haben die Minister und Unter- staatssekretäre ihm ihre Portefeuilles zur Verfügung gestellt." * Noch bis Montagabend war es zweifelhaft, ob nur eine Ersetzung des verstorbenen Kriegsministers M a g i n o t und des amtsmüden Außenministers Briand oder eine weitergehende Umbildung des Kabinetts erfolgen würde. Die amtliche Verlautbarung läßt sogar erkennen, daß Laval eine Regierung der„nationalen E i n h e i t s- front" im Hinblick auf die Konferenzen von Lausanne u n d G e n f zu bilden versuchen wird. Noch vor wenigen Tagen wäre ein solcher Versuch an der Weigerung der Radikalen Partei sofort gescheitert. Es scheint aber, daß die ungeheure Erregung, die die jüngsten Erklärungen des Reichskanzlers Brüning zur Reparationsfrage verursacht haben, auch in dieser Hinsicht eine neue Situation geschaffen haben. London und Paris nicht einig. Streit um Streichung der Reparationen und um die Dauer des Moratoriums. Paris, 12. Januar.(Eigevbericht.) Die sraazösisch-englischen Vorverhaodlungeu über ein gemein- somes Vorgehen auf der Lausanner Reparationekoaserenz find am wonlag, nach einer lehken Unterredung des Sonlrolleurs des eng- tischen Schahamls, Leilhroß, mit Jinanzminister Flandin unterbrochen worden. Leithroß ist heule vormittag wieder nach London zurückgereist. Zn der Unterredung hat Flandin dem englischen Sachverständigen noch einmal die sranzöstsche These auseiaandergesehl. Wie die Morgenpresse berichtet, ist bei den Verhandlungen keine Annäherung zwischen dem französischen und dem englischen Standpunkt erzielt worden. Leithroß hat den französischen Sach- verständigen von neuem die vorteile einer französifch-englischen Verständigung über die Forderung einer allgemeinen Schulden- strcichung geschildert. Dieser Standpunkt sei von den Franzosen bekämpft worden, denn eine allgemeine Annullierung, die jeden versuch der Kommerzialisierung der Reich sbahuobligalionen aus- schließe, würde für Frankreich angesichts der au Amerika zu zahlenden Kriegsschulden ein großes Opfer bedeuten. Auch in bezug aus die D a u e r des Deutschland zu gewährenden Moratoriums seien die Meinungsverschiedenheiten nicht beseitigt worden. England verlange ein fünfjähriges Moratorium, während Frankreich gemäß der französischen Auslegung des Baseler Sachverständigenberichts für ein ein- oder zweijähriges Moratorium eintrete. Nazibanden schießen Oer Lteberfall auf die Ledigenheimbewohner— Fünf der Nowdys festgenommen In der vergangenen Nacht wurden von bewaffneten Nazibanden an zwei Stellen der Stadt, in der Danktel- mannstrasie in Charlottenburg, wie bereits berichtet, und in. Alt»Moabit regelrecht vorbereitete Feuerüberfälle auf Kommunisten verübt. Wie durch ein Wunder ist bei diese» Borfälle» niemand verletzt worden. Der Ueberfall in der Danckelmannstraße spielle sich nach Be- endigung einer Erwerbslosenversammlung ab, die im Ledigenheim in der Danckelmannstraße stattgefunden hatte Ein größerer Trupp Nazis hatte sich auf die Lauer gelegt, und als kaum die ersten Versammlungsteilnehmer nach Schluß der Kund- gebung die Straße betteten hatten, feuerten die Hakenkreuzler ohne jeden Grund mehrere Schüsse ab. Zum Glück war ein Patrouillen- auto der Polizei schnell zur Stelle und es gelang den Beamten, fünf Nationalsozialisten festzunehmen. Bei einem der Verhafteten wurde eine geladene Pistole gesunden. Der zweite Ueberfall trug sich kurz nach Mitternacht an hex Ecke Alt-Moabtt und Jagowstraße zu. Eine Gruppe Hakenkreuzler attackierte mehrere Kommunisten, die vor der Uebermacht flüchten mußten. Auch in diesem Falle konnte durch das rechtzeitige Ein- greifen der Polizei Blutvergießen verhindert werden. Die National- sozialisten flüchteten nach dem Ottopark, wo einer der Wege- lagerer vom Vorsteher des zuständigen Polizeireviers erst nach Abgabe eines Schreckschusses gestellt und festgenommen werden konnte. Auch dieser Nazibandit war mit einer geladenen Pistole ausgerüstet. SA.-Mann von eigenen Leuten niedergeknallt. In der Silvesternacht wurde der Nationalsozialist Rudolf <5 t e l t e r mit einer Schußoerletzung in das Gerttaudtenkrankenhaus eingeliefert. St. ist jetzt im Krankenhaus seinen Verletzungen er- legen. Der Tod des Hakenkreuzlers und SA.-Mannes wird vom Berliner Goebbels-Blatt zu einer wüsten Hetze benutzt. Es wird behauptet, Stelter sei von Kommunisten hinterrücks niedergeschossen worden. Wie wir von der Polizei erfahren, liegt bisher nicht der geringste Anhaltspunkt dafür vor, daß Stelter das Opfer eines kom- munistischeN Ueberfalls geworden ist. Vielmehr scheint sich der" bluttge Vorgang auf Grund der Nachforschungen dahin zu klären, daß Stelter von eigenen Parteigenossen aus Fahr- lässigke,t angeschossen wurde. Die Angelegenhett ist jetzt der Staatsanwaltschaft übergeben worden. Zu Recht vcrboteu. Der Vierte Strafsenat des Reichsgerichts hat durch Beschluß vom 4. Januar 1932 die Beschwerde des Per- lages der„Halleschen Univerfltätszestung" gegen das von dem Ober. Präsidenten der Provinz Sachjen ausgesprochen« Verbot als unbegründet kostenfällig verworfen. Das Verbot war erfolgt, weil durch Ausführungen dieser Zeitung der preußischen Minister für Wissenschast, Kunst und Volksbildung böswillig verächtlich gemocht. die Polizei beschimpft und die öffentliche Sicherhett und Ordnung gefährdet wurden. Gericht über Filmzensur. (Zine Entscheidung von grundsätzlicher Bedeutung. Vor dem Schöffengericht Schöneberg fand gestern eine Ver- Handlung von grundsätzlicher Bedeutung statt, wichtig auch für die große Oesfentlichkeit. Es stand zur Entscheidung, ob von der Zensur verbotene Film« im geschlossenen Kreise von Rezensenten und Sachverständigen aufgeführt werden dürfen oder ob eine derartige Vorführung strafbar ist. Immer häusiger waren in der letzten Zeit die Eingriffe der Zensurbehörde in die FUmindustrie geworden. Mehr als einmal hat die Oesfentlichkeit sich gegen diese Eingriffe entschieden oerwahrt— man denke nur an den Remarque-FUm. Das Interesse der Filmzenstirbehörde— entgegengesetzt dem Interesse der Presse— ist es, sich nicht in die Karten sehen zu lassen. Die Zensurbehörde ist deshalb der Ansi' t. daß unzeufurie.te oder verbotene Filme auch in streng geschlossenen Kreisen von Film- rezensenten und Sachverständigen nicht gezeigt werden dürfen. Deshalb hatte sie die Staatsanwaltschaft gegen den bekannten Film „Kinder vor Gericht" mobil gemacht. In Anlehnung an den berüchtigten Fall Frenze! wurde hier der Gesamtkomplex der Zeugenaussagen oon Minderjährigen aufgerollt, die Justiz kam dabei schlecht weg. Die Zensur verlangte Streichung gewisser Stellen. Die Excelsior-Film-Gesellschaft kam dem Verlangen nach. Bevor sie aber diesen nun gekürzten Film den Behörden noch einmal vorlegte, wünschte sie die Meinung der Presse zu hören. Sie bat deshalb die Vertreter der Tages- und Fachpress« durch namentliche Einladungen in den Mozartjaal und führte den Film vor. Aehnliche Vor- führungen waren bereits öfters von verschiedenen Filmfirmen ver- anftaltet worden, und hatten in der Regel keinen Anlaß zum Einschreiten gegeben. Die gestrige Verhandlung gegen die Geschäftsführer der Ercel- siorsilmgelellschaft brachte ein sehr interessantes Gutachten des Rechts- anwalts Dr. Friedmann und auch«ine wichtige Entscheidung des Gerichts. R.-A. Dr. Friedman» wollte das Lichtspielgesetz, das auch die Vorführung verbotener Filme in Klul s. Vereinen und ge- schlossenen Gesellschaften verbietet, sinngemäß ausgelegt wissen. Ein« Versammlung von namentlich geladenen Pressevertretern könne nicht als geschlossene Aufführung ftn Sinne des Gesetzes be- trachtet werden. Er erinnerte an einen Fall aus früherer Zeit. Der bekannte Theaterdirektor B r a h m s hatte unter ähnlichen Um- ständen ein Theaterstück aufgeführt. Von der Staatsanwaltschaft war gegen ihn ein Verfahren eingeleitet worden— das Gericht sprach Brohms frei. Auch diesmal gelangte das Gericht zu einem > F r e i s p r u ch. In der Urteilsbegründung führte der Vorsitzende u. a. aus, daß der Richter sich zwar genau an den Wortlaut des Gesetzes zu halten habe. Saß man aber andererseits einer Filmgesellschaft nicht das Recht nehmen könne, bei Veränderungen eines nicht zuge- lassenen Films Vertreter der öffentlichen Meinung als Sachverständige hinzuzuziehen, danut diese der Gesellschaft An- regungen verschafften, wie ein Film den Wünschen der Zensurbe- Hörde entsprechend abgeändert werden könne, damit er zugelassen werde. Das Gericht hat durch dieses Urteil einen Präzedenzfall gefchaf- sen. Ob die Staatsanwaltschaft sich mit dieser Entscheidung zu- frieden geben wird, steht oahin. 1 I Zungbanner an der Arbeit. Technische und politische Schulung der jungen Reichs- bannerleute. Einen Einblick in die ernste und verantwortungsbewußt« Ar- beit, die das Reichsbanner Schwarz. Rot- Gold seinen Iugendmitgliedern in den Formationen des Jungbanners widmet, bot ein S ch u l u n g s t a g, den der Kreis Osten de- Iungbanners in Grünau durchführte. Der Vormittag war spoit- lichen und technischen Uebungen gewidmet. Mittags waren die Kameraden gern gesehene Gäste bei Sozialdemokraten und Reichs- bannerleuten in Grünau, Bohnsdorf und in der Siedlung Falkenberg. Der Nachmittag brachte einen politischen Schulungskursus. Das einleitende Referat hielt der Iugendsührer des Gaues, Kamerad Ru- dolf Vrendemühl. Er rief die Kameraden auf, weiter wie bis- her ihre ganze Persönlichkeit in den Dienst des Abwehrkampfes, in den Dienst der Eisernen Front zu stellen. Jeder einzelne müsse sich bewußt sein, daß er dringend gebraucht werde, daß man auf ihn, seinen Opfermut und disziplinierte Kraft rechne. Auf jeden einzelnen komme es an! Hitler werde in Deutschland nicht siegen, wenn ein jeder von uns seine Pflicht tut. Wir wollen den deutschen Faschismus nicht unter-, aber auch nicht überschätzen. In unserem Zusammenhalten mtt den Massen der Arbeiter und Angestellten in den freien Gewerkschaften, den Republikanern in den Parteien und den Arbeitersportlern sind wir eine weit stärkere fester gesllgtere Macht,als die zusammengelaufenen Jnteressentenhaufen der Ratio- nalsozialisten.— Kameradschaftliche Ermahnungen und Ann» sungen des rührigen Jugendlsiters des Kreises Osten, Kamerad Kluge, und des Kreisleiters Max W ö l f e l, dem die Kameraden im Laufe des Abends, der noch mancherlei Unterhaltung und Kurzweil brachte, ihre herzliche Verbünde nhett ausdrückten, schlössen sich an. Der räiselhafie Herr Gleboff. Ein aufsehenerregender Prozeß vor dem Arbeitsgericht. Das Arbeitsgericht Berlin hatte sich unter Vorsitz von Amtsgerichtsrat ch o f f m a n n mit einem aufsehenerregenden Fall zu beschäftigen, der möglicherweise auch noch die Staatsanwaltschaft interessieren wird. Es handelte sich um die Klage eines österreichischen Ober- ingenieurs Lippner gegen die Russische Handelsver- tretung in Berlin auf Zahlung von 9000 Marl aus dem mit ihm eingegangenen Vertragsoerhältnis, zu dessen Lösung er sich aus besonderen Gründen oeranlaßt gesehen habe. L. be- hauptete, daß er von der Russischen Handelsvertretung im April 1931 mit einem Monatsgehalt von rund 15 ist i»Z Lehrerkollegium berufen. Sozialversicherung 1930/31. Die Bilanz der Wirtschastokrise. Das Reichsversicherungsamt gibt soeben die von ihm bearbeitete Statistik der Sozialversicherung 1930 mit einem Blick auf das Jahr 1931(Bsilogc zu Nr. 12 der Amtlichen Nachrichten für Rcichsverstcherung 1931, Teil IV des Rcichsarbcüs- blattes) heraus. Die Beitragseinnahmen der Träger der Sozialver- sicherung— mit Ausnahme der Arbeitslosenversicherung— belaufen sich im Jahre 1939 auf 3,8 Milliarden Mark. Einschließlich der Vermögenserträgnisse und der sonstigen Einnahmen ergibt sich eine Gesamtein nähme von 5,2 Milliarden Mark. Die Gesamt- ausgäbe stellt sich auf 3,7 Milliarden Mark, wovon 3,4 Mil- liarden Mark auf die Pflicht- und freiwilligen L c i st.u n g e n ent- fallen: das sind 92 Proz. aller Ausgaben oder 99 Proz. der Beitrags- einnahmen. Für Berwaltungskosten wurden insgesamt 7,4 Proz. der Beiträge verwendet. Di« Einnahmen über- steigen die Ausgaben um 436 Millionen Mark. Das gesamte Vermögen ist im Jahre 1939 noch etwas gestiegen, und zwar von 4,2 auf 4,9 Milliarden. Der Emncihmcüberschuh ist ober gegenüber dem Vorjahr um die Halste zurückgegangen. Von dein Verinögen Ende 1939 entfielen je 35 Proz. auf die In- validenversicherung und die Angestelltenversicherung und 29,7 Proz. auf die Krankenversicherung. Der Anteil der Invalidenversicherung ist gegenüber dem Vorjahr gefallen. Die Einnahmeüberschüsse sind in den einzelnen Versicherungszweigen verhältnismäßig niedrig und erreichen bei der Rentenversicherung nicht die Höhe, die im Jntereife einer gesicherten Weiterentwicklung notwendig wäre. In der Krankenversicherung wurden insgesanit 1,92 Milliarden Mark vereinnahmt und 1,89 Milliarden Mark(davon l,6S für Pflicht- und freiwillige Leistungen) verausgabt. In der Unfallversicherung stellten sich die Einnahmen auf 423 Millionen Mark, die'Ausgaben auf 429 Millionen Mark. Die Invalidenversicherung vereinnahmte 1,126 Milliarden Mark(davon 9.986 Milliarden Mark an Beiträgen) und veraus- gab!« 1,971 Milliarden Mark davon 1,993 Milliarden Mark für Pflicht- umd sreiwillige(Leistungen). In der knappschaft- l i ch e n Pensionsversicherung der Arbeiter überstiegen die Ausgaben mit 292 Millionen Mark die Einnahmen init 167 Millionen Mark. Bei der knappschaftlichen Pensionsversicherung der Angestellten stellte sich bei 38 Millionen Mark Ausgaben und 35 Millionen Mark Einnahmen ebenfalls ein Fehlbetrag ein. Diese Fehlbeträge in den beiden Zweigen der knappschaftlichen Pensionsversicherunz i-oten ein, b-vohl das Reich aus Lohnsteuermitteln 29 Millionen Mark Zuschoß. In der Angestelltenversicherung deläust sich die Einnahme aus 512 Millionen Mark, die Ausgabe auf 189 Millionen Mark. Die Arbeitslosenversicherung einschließlich der Maßnahmen zur Verhütung und Beendigung der Arbeitslosigkeit (ohne Kriscnunterstützung) erforderte 1,8 Milliarden Mark für Leistungen. Das eben abgelaufene Jahr 1 9 3 1 ist für die deutsche Sozial- Versicherung noch u n g ü n st i g e r als das Jahr 1939. Die Ergeb- nissc lassen sich nur für einige Gebiete schätzen. In der K r a n k e n- Versicherung sind die Einnahmen aus den Beiträgen und die Ausgaben für die Leistungen stark zurückgegangen. In der Unfallversicherung werden die gesamten Ausgaben auf 429 Millionen Mark geschätzt. Die Cumahmen der Invaliden- Versicherung dürften sich auf 919 Millionen Mark gesenkt haben, während die Ausgaben auf etwa 1,13 Milliarden Mark angestiegen sind. In der Ang« st eilten Versicherung werden sich die Einuahnien auf 507 Millionen und die gesamten Ausgaben auf 261 Millionen Mark belaufen. In den beiden Zweigen der knappschaftlichen Pensionsversichcrung werden Fehlbeträge entstehen, obwohl mit Wirkung vom 1. Juli ab Bei- tragscrhö Hungen und Lcistungskürzungen ein- getreten sind und das Reich entsprechend der Notverordnung vom 5. Juni 1931 erhöhte Zuwendungen macht. Die durch die Notverordnung vom 8. Dezember 1931 getroffenen Erspariiismaßnahmen werden sich erst im Jahre 1932 auswirken. Diese ungünstigen Krisenbilanzen werden günstigeren Ergebnissen Platz machen, sobald die Krise überwunden sein wird. eBud\ 3)a« Oialzenbudi*' In fleißiger Sammlerarbeit ist dieses, im Text stark unterschied- liche, im Bildmaterial durchweg sehr gute Buch, zusammengestellt worden. Ein Katzenbuch wird von vornherein von katzenfreundlichen Lesern gekauft, trotzdem soll man sich nicht überbetont an die Nur- Katzcnfreunde werden. Und die„Ehrenrettung" der Katze darf nicht in Ungerechtigkeiten gegen andere Tiere ausorten. Bon diesen, dem Tierfreund nicht genehmen Entgleisungen ab- gesehen, ist sehr viel vorzügliches Materiol in dem Buch enthalten, das den Blick weitet, eigene Erfahrungen nachprüfen läßt und was das Bedeutendste ist, dem richtigen Verstehen der Katze den Weg bereitet. Die Katze ist der unterhaltsame Hausgenosse manches ein- famen Menschen, er darf nicht konstruieren, er muß sie schlicht, aus dem großen Naturverbundenfeln heraus-rf-ffan da» tabt er flch der Ünabhängigkeil ihres Charakters und ihrer tierliche» Selbständigkeit erfreuen. Bon den Illustrationen seien namentlich die Ausnahmen von Else Schneider erwähnt, die nicht eine ras- finierte optische Berichterstattung über Katzengesichter, sondern wahre Kunstwerke sind. Erna Büsing. *) Preis 3,75 M. in Halbleinen, Verlag„Das Tier" Lichterfelde. Berlin- Dienstag, 12. Januar. Berlin. 16.03 Dr. Julius Moses: Der Mensch als Wirtschaftssrnt. 16.30 Moar mit seiner orlsinai-bayerlschen Kapelle. 17.10 Doktor Ueberau errählt 17.30„Theater in Paris"(mit Schallplatten).(Sprecher; Stephan Priacel.) 18.05 Länder und Völker im Roman(am Mikrophon: Hans Jacob). 18.35 Die Funkstunde teilt mit... I8.J0 Stimme zum Tax. 20.00 Breslau:..Kean oder Genie und Irrsinn". 21.00 Taxcs- und Sportnachrichten. 21.10 Richard Strauß; Also sprach Zaratbustra, op. 30(Berliner Funkorchester, Dir.: Hermann Stanze). 21.50 Räuscher: Zeitymxsschau. Wetter. Nachrichten. Sport. Könixsvosterbtitea. 16.30 Leipzig: Konzert. 17.30 Johannes Mayrhofer: Venedig. 18.00 Prof. Dr. Walter: Land und Leute In Schweden. 1S.30 Dr. Kurt Thesing; Entstehung und Wandlung des Geschlechts. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 Englisch für Eortgeschrittene. 19.30 Unterhaltungsmusik. 20.15 Prof. Dr. Brunstäd, Friedrich Ballrusch, Dr. Abraham Frowein; Protestantismus und Eigentumsbegriff. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21,15 München: Bunte Stunde.________ Enkwaffnungsakkion in Berlin vorläufig nicht beabsichtigt. Wie das Berliner Polizeipräsidium im Zusammenhang mit seiner Ber- ordnung über Anmeldepflicht für Waffen mitteilt, ist vorläufig eine Entwafsnungsaktion in Berlin nicht beabsichtigt. Allerdings müsse mit der Möglichkeit gerechnet werden, daß in unruhigen Zeiten eine solche Entwaffnungsaktion durchgeführt werde. Weller für Berlin; Dunstiges, zeitweise, aufheiterndes Wetter ohne wesentliche TemperaturäNderung: schwache Luftbowegung.— Für Deutschland: Allgemein ruhiges und trockenes Wetter, nur im Süden und Südosten leichte Niederschläge, im Osten Fortdauer des Frostes, im Westen ziemlich mild. Vercntmortl. filz die Rrdaliion: Rich. Bernstein, Berlin; An, eigen: Th. Siecke. Berlin. Verleg: Bnrwärts Verlog G. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts Vudi» druckerei und Berlagsanstelt Paul Singer in Co., Berlin S3B68, Lindenstr. i. Hierzu 1 Beilage. PROGRAMM siir die Zeit vom Vom 12. bis 14. Januar TAFEL PR O GRAMM für die Zeit vom Vom 12. bb 14. Januar i Welt-Kino Potsdamer Straße 38 Oer Hochtonrio* mit o WoII- burtr— Atifletdetn l/fn-Ton-Iia- barett Jfr. 4 W. 5, 7. S Llir Rheinstraße 14 K�-Ech«) Verlängert! IJrsr weiße Raa«ch mit I-enl Ricfenszalii. H. Sctincider Für JugendHeh* freigegeben! W. 3, 7. 9 Uhr \V. 6.45 u. 9.05 ü, S. S,», 7, 9 Uhr Alt-Moabit 99. Jugendliche Zutritt! Tfeln Leopold mit 31. Adolberf, I/iicio Englisch. II Thintig Tonbeiprogramm U Charlottenhurg M Kant-Lichtspiele Kantstr 54(aa dw WiLmersdorfcr Str.) I>cr weiße Bausch(Neue"Wuii; der des Schneeschuhs") mit I/eni Riefciistah]» H. Schneider Für Jugendliche freigegeben! Wochentags 5. 7, 9 Ühr Qdeon, Potsdamer Str. 75 Keine Feier ohne Meyer mit S. Arno, K. A. Robert», Dina C-rslla W. 5. 7, S Uhr Turmstraße 12 Der DuchtonrUt mit O. Wall- bürg— Außerdem Cla-Toa-Ka- bsreft Z>r 5 Alexanderstraße 39-40 (Paosagc) Keine Feier ohne Meyer mit «i. Arno, B. A Roberls, DIn* f-ralla Den ganzen Tag g�iffnet! Primas-Palast Potsdamer Str 19 Ecke Margaretensir. Uraufführung! 'aüffcn auf RiiAcn mit �faria �olvegr. Oft« Wallbnrp, B. A. "'obertH, Paul llörbigor W. 5.15, 7.15, 9.15 Uhr c Frieidrichstadt Die Kamera Unter der Linden 14 Tüßüch 3. 5. 7. 9 Uhr f>ic.Billion. Regie Renä Clair.— Tou woche.— Sonnlag, 11.30 Uhr vorm., Matinee; Erde Franziskaner JXrkin»orm. �»vnonstraDe(Ecke FrledrichstraDc) Zwei Tonfilme! 0, 12, 3, 6. 9 Uhr: Oer 8chlemihl Curt UoIm .ü.30, 1.30, 4.30, 7.30, 10.30 Uhr: Lnn wie eine Kirchenman» nach dem gleichnamigen Lustspiel von Ladislaus Fodor mit Grete �loslielm. Gharlotte Ander. Paul llörbixer, Trude Henter- berg:. 8en(a Söneland, Paul Morgran. Ban«» Tfiiimlg u. a. Veneste Wochen- u. Kultur- schau Moabit B Germania-Palast Charlottenburg. Wilmersdorfer Str 53/51 Enlee, Königin-von PrenUen mit H. Porten, G. Gründgeno, Fr. Kayesler, Wl. Gnidarow Für Jugendliche freigegeben! Wochentags 5. 7, 9 Uhr Schlüter-Theater tTi u. Schlüterstr. 17. Sonnt. 3 Uhr Jugend Vorstellung Der Draufgänger mit Hans Albcr» Atrium Beba-Palast KaUeraBee. Ecke Berliner Straß« Wochent. 7. 9)4 ü. Sonnt. 5. 7 9% U. LTaulführung! Der Pechvogel CZu Befehl, Herr Unteroffiziers mit Ralph Arthur Robert«, Ida Wüst, Margot Walter, Albert Faulig.— Ton- fllrabciprogramm Titania Schöneberg Hauptstr. 49. W 5. 7, 9 Uhr S. 3. 5. 7. 9 Uhr Der weiße Ramtcb mit Eeni Riefen.tahl— Tonwoche— Tonbeiprogramm Jugdl. Zutritt! Steglitz Südwesten Titania-Palast s�msUü. Sieglitz. SchloOsir. 5, EckcGutsmuthsstr. Uraufführung! �»dam� hat Aus gang: mit Elone Haid, Hi»os rausew etter. Bilde II»ld 4' Prenzlanep Allee 56 W. 545, 7. 9.15, Stgs. 345, 5. 745, 945 Mein Eeopold mit M. Adalbert. — Bühne: Welntranb» Syneopa tors(2. Progr.).— Foxfonwoehe Flora-Lichtspiele Die Sacht ohne Pausa mit S. Arno— Helden im Sattel mit Ken Maynard Osten D Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wocht. ab 6.30, Sonnabd. 5, Stg- 3 Uhr Nur 3 Tagel 24 Stunden aus dem Eeben einer Frau Henny Porten Gates Beiprogramm Auf der Bühne; Franeardy Comp. Revue der Hlnsionen Lana-Palast �somu. L suL- Gr. Frankfurter Sir. 121. Einer Frau muß man alles ▼erzeihen mit Schnlz, Pandler — Bühne— Tonwoche Schwarzer Adler Frankf. Allee 99 W. 5. 7. 9 Uhr S. 3. 5. 7. 9 Uhr Reserve hat Rah mit Knmpcrs, Santa Söneiand, E. Englisch.— Bühne: Die Sylvia Singers Kosmos-Lichtspiele Lückstr. 70. Täglich 5. 7..9 Uhr Der Russen-Tonfilm: Der Weg in* Leben— Tonbelprogramm— Tonwoche WelOcnte* Wochent. 7 n 9 D. eonnt. 5, 7. 9 D. Harmonie Langhansatr 23. Tonlnsteniel: Purpur und Waschblau mit H. Xlese— Die Frau mit dem Vogel— Beiprogr. Kino Büsch samt B« a�e'uhr Alt.Friedrichsfelde 3 lOOpros. Tonfilm: Ich glaub' nie mehr an eine Frau— Betpr. — Woche Norden Alhambra Woch. 5, 7. 9 ühr Sonnt ab 3 Uhr Mein Leopold mit M. Adalbert, Lucio Englisch.— Jgdl. Zutritt Viktoria-Theater sSaisu5 Frankfurter Allee 48. Nur 3 Tage; Ein ausgekochter Junge mit Siegfried Arno Neue Philharmonie Küpenicker Str. 96 Die Lindenwirtin mit Küthe Dorsch, Leo Schützendorf— Beiprogr.— Bühnenschau Lichtspielhaus ZnnhlTv5 Baumschulenslr. 78. Der weiße Rausch m:l Lcni Riefenstahl, H. Schneider.— Beiprogramm.— Jugendl. Zutritt Sonntag: 2 Uhr: Jugend Vorstellung Frankenbarg»ühne Gr. Frankfurter Str. 74 W. 5, 7, 9 Uhr, Sonnt ab 3 Uhr Da» gelbe Ifau» de» King Fu mit C'liarl. Su*a— Bühne: Gastspiel: Dollynoff mit seinen Jazzsymphoniker a Babylon, am Bülowplatz Wocht. 5. 7. 9 Uhr, Sonntags ab 3 Uhr Sonntag 2-30 Uhr: Jugendvorstellung Eine Xacht im Grand Höfel Martha Eggert Bühne: Bubi, das Elcfatltcabahy, als Variettstar Pharas-Lichtspiele Müllerstr. 142 Täglich S. 7. 9 ü Grofitonfllm: Die Pranke mit Charl. Susa, IL Bebmann— Tonbeiprogr.— Toawoche m P.nicow O Palast-Theater �"3,5.7,9 u. Breite Straße 21a. GroBtonfilm: Der weiße Banse h (Neue Wunder des Schneeschuhs) mit Leni Biefensfahi Tivoli Wochent. 7, 9 l) Sonnt. 5, 7, 9 U Berliner Straße 27. Die grün© Kugel— Beiprogr. und Wochcn»chaR m Tegel M Filmpalast Tegel Ät Wochent. 6, Sonnt. 445 U. Sonnlag 2 Uhr: Jugend Vorstellung Der weiße Rausch mit Lcni Riefenstahl, 11. Schneider. Gates Tonbeiprogramm > Hennigsdorf jj mmpaiasi stgs v�,. s% u. Berliner Str. 59. lOOpror. Tonfilm: Heine Frau, die Uochstaplerln, mit Küthe v. Xagy. H. Rühmann— Tonbelprogramm föeiiage Dienstag« 12. Januar 1932 LKpAbKid Sfräbiaigdb Ate IcrtPadi Junge Frau von 1914 Ein Roman beleuchtet eine Epoche Die Auseinandersetzung der Frau mit dem Kriege, ihre Auseinandersetzung mit dem Mann im Felde, der Emanzipations- Prozeß der Frau durch den Krieg—'gab es in der Literatur bisher ein Werk, das dieses Problem bewußt anpackte? Es gab ein paar schwache Versuche. Bis zum Kernpunkt drang keiner vor. Aehnlich verhält es sich mit dem Problem der Abtreibung. Die wissenschaftliche Literatur mit ihrem Für und Wider ist nicht gering. Zur dichterischen Bewältigung des Stoffes ist bisher kaum einer durchgedrungen. Seltsamerweise sind es besonders die Frauen, die hier versagten. Arnold Zweig greift in seinem Roman„Junge Frau von 1 S 1 4"(Verlag Gustav Kiepenheuer, Berlin) beide Probleme in einem an. Seine junge Frau van 1S14 kommt aus dem Hause eines jüdischen Bankdirektors, den nationalliberale Tendenzen in der wilhelminischen Aera fest verankern, während der Großvater in der siidischen Skepsis besserem Teil' wurzelt. Wer diese junge Frau, Mädchen eigentlich noch, hat sich wie auch ihr Bruder, der Gymnasiast, bereits heimlich von ihrem Milieu entfernt, bevor der Krieg ausbricht. Sie ist in freier Liebe mit dem Schrift- steller Bertin verbunden! ein anständiges, herzliches und vornehmes Bündnis, das sich bewußt von jener Tradition fernhält, für die Jungfernschaft vornehmstes Handelsobjekt einer komfortablen Ver- sorgungsheirat ist. Diese junge Frau, die studiert und geistig interessiert ist, hat einen Teil der Emanzipation bereits vollzogen. Sie ist durchaus selbständig. Die Gleichberechtigung mit dem Mann ist für sie gesichlsmäßig keine Frage mehr und insosern fühlt sie sich ihren Eltern, die noch in den alten Traditionen leben, überlegen. Der Krieg bricht aus. In dieser Situation bricht der Weltkrieg über sie herein. Ihr Geliebter, der Schriftsteller Bertin, wird als Armierungssoldat eingezogen. An beiden vollzieht der Krieg die große Wandlung. Bertin, der Empfindsame, der Skeptiker, der radikale Gegner von Krieg und Gewalt, wird unter dem Einfluß des Soldatcntums Preuße, die Freude am Robusten, am Schollenoerhafteten, am Naturmenschen geht mit ihm durch und verleitet ihn zu einer Ueberrumpelung der Geliebten, die nicht ohne Folge bleibt. Das Mädchen, bis dahin in ihrer tapferen selbständigen Frauenart ganz dem Schriftsteller Bertin und seinem Werk ergeben, sieht sich vor die Frage gestellt, das Kind auszutragen und doinit als uneheliche Mutter die ihre gesamte äußere Position vernichtenden Folgen eines Bruchs mst ihrer Kaste auf sich zu nehmen oder das werdend« Leben heimlich vernichten zu lassen. Die Vernunft rät zum Eingriff, der Mutterinstinkt wehrt sich. Nach Tagen, Wochen eines konfliktgcladenen Ängstzustandes, dessen Scclennot umso größer ist, als er verheimlicht werden muß, der Entschluß, nicht ausZu- trägem Ein tapferes Hinhalten allen Demut iguNgeki, Brükalitäte» und Ekeln gegenüber, die üher eine junge Frau auf der Suche nach eirkem geeigneten Arzt und in dem suspekten Milieu des heimlichen Eingriffs herfallen. Und dann ist alles anders. Die Welt hat sich von Grund auf gewandelt. Eine junge Frau allein. Das ist das Bedeutsame an diesem Buch,, daß es die psychischen Hintergründe einer unehelichen Schwangerschaft und eines ver- botcnen Eingriffs darlegt, daß es neben der körperlichen, die seelische Seite des Problems aufzeigt, die aus mangelnder Erfahrung im Schrifttum so oft vernachlässigt und vergessen ujird. Diese mangelnde Erfahrung— Bertin sieht nicht viel mehr als die finanzielle Seite des Problems. Er glaubt, nach erfolgtem Eingriff, wenn auch etwas geschwächt und etwas schmal geworden, dennoch die alte Geliebte in der Klinik wiederzufinden, geht an einer Aussprache blind vorüber und schreibt, an die serbische Front gerückt, dieser vermeintlich unveränderten Geliebten Briese, wie sie verliebte Soldaten und ehemalige Schriftsteller eben zu schreiben pflegen, wenn sie in primitivstes Dasein zurückgeworfen, ihre Sehn- sucht nach Liebe, Kultur und Kunst sich vom Herzen schreiben. Das I ch diktiert. Das ist es aber gerade, was dos junge Mädchen bis zum Ausbruch von Haßgefühlen verlegt: dieses ganz und gar auf das Jch-Gcstelltfcin des Mannes, diese Blindheit ihrer Seelennot, ihrer Wandlung gegenüber. Wenn nicht Mutter, so ist sie doch durch die unterbrochene Schwangerschaft wissende Frau geworden. Alles Träumerische, die Jllusionssähigkeit der Jugend ist ver- schwunden. Ein bitteres Wachsein ergreift von ihr Besitz. Die Skepsis, die der geliebte, der gehaßte Bertin in seiner Uniform und Unifonnierung verloren hat, sie, die junge Frau von 1314, ist jetzt ganz von ihr durchdrungen. Auch dem Manne gilt diese Skepsis, dem Geliebten. Ihm, der kein Wort des Verständnisses sür ihre Situation fand, der sie allein ließ und an die Front „desertierte". Der zweite Test der Emanzipation hat sich vollzogen: die Emanzipation vom Mann als Geliebte. Wandlungen. Der zweite Teil der Emanzipation hat sich vollzogen. Die junge Frau von 1914 sieht es nicht mehr als ihre Aufgabe an, dem Geliebten und seinem Werk den Weg zu bereiten. Sie setzt sich f e l b st e i n Z i e l.. Und diese eigene Zielsetzung ist der dritte Teil der Emanzipation, jener Teil, dessen großer Dirigent der Krieg ist. Die Männer im Felde. In den Betrieben tritt die Frau an die Stelle des Mannes. Das Selbstbewußtsein der Frau, ihr Selbständigkeitsgefühl nimmt ausgeprägte Formen an. Aber zu gleicher Zeit wächst die Not. Rationalisierung der Lebensmittel. Lebensmittelkartensystem. Und trotzdem keine Möglichkeit, sich und die Seinen zu sättigen. Und draußen im Felde— fallen die Männer. An die junge Frau von 1914. Tochter des wohlfundierten Ban- tiers, tritt diese Not nicht direkt heran. Wenn sie beschließt, die Lehrberechtigung an höheren Schulen zu erwerben, so zunächst hauptsächlich aus dem Willen heraus, sich vollständig von dem Geliebten loszulösen. Wer im Untergrund ihres illusionslos ge- wordenen Seins ist bereits das Bewußtsein erwacht, daß Arbeit eine ethische Notwendigkeit ist. Von äußerer Not bleibt sie zwar verschont, doch in ihrem Umkreis wird sie um so deutlicher. Das Liebeserleben, durch den Eingriff schon vorher ent- wertet, wird völlig verdrängt, die Verbundenheit mst den geistigen Werten der Kultur, die früher— auch im- abhängig von dem Geliebten— dem Leben seinen sicheren Wert gab, verfällt angesichts der allgemeinen Not. Was bleibt? Die Arbest. Die notwendige, die nützliche Arbeit. Und angesichts der Not, angesichts der Arbeit entsteht mehr unbewußt als bewußt ein neues Gefühl der Verbundenheit, das Gefühl der Solidarität mst den Nolleidenden, mit den Arbeitenden. Individualität und Individualismus haben ihre Bedeutung verloren, die sich an- kündigende Epoche des Kollektivismus stellt jeden einzelnen in ein neues Sein, ein Sein, das den Wert der Frau hebt, indem es den Wert des Mannes als Einzelwesen senkt. Die neue Basis. Dieser Mann, der ehemalige Schriftsteller, jetzige Armierungs- soldat Berlin, hat keine Ahnung von dieser Umwertung der Werte, die sich in der jungen Frau von 1314 und um sie vollzogen hat. Ihm, der in Serbien Schipperdienste leistet, der nach Verdun ver- schlagen wird, ist das Deutschland von 1916 noch immer das Deutsch- land von 1914 und die junge Frau von 1916 das Mädchen von 1914. Wie wird es ihm ergehen an der Front van Verdun? Die junge Frau macht sich kaum Gedanken darüber. Für sie sind die Opera- tioncn an der Front so unvorstellbar wie für den Armierer Bertin die Operation an der Geliebten. Doch hier die Freundin, von der sie in einem Ostseebad überfallen wird,— ihr Mann, ihr Freund ein Opfer des Krieges. Die K r a n k e n s ch w e st e r da, ehemals lebensfreudige Tochter eines Gutsbesitzers— ihr Mann, ihr Freund gefallen. Und die Frauen von Grund auf zerstört. Zerstört und verstört bis auf die Wurzeln ihres Seins. Was Selbständigkeit, was Kühle und Sachlichkeit des Herzens! Frauen verfluchen den Krieg, der ihnen das Tiefste ihres Daseins nahm: die Freude am Frausein. Frauen, deren Männer starben, verfluchen den Krieg. Das Gleichnis der beiden— was Selbständigkeit, was Kühle und Sachlichkest!— bricht das Herz der jungen Frau von 1914 von neuem um. Die Qualen der Schickfalsgenofsinnen pcstschen sie mst Aengsten. Bcrtin vor Verdun: jetzt sieht sie die Nähe der Gefahr und die Nähe der Gefahr läßt zerstieben, was in ihr an Haß war. Bertin vor Verdun: das darf— Geliebter, Gehaßter, ganz gleich!— nicht sein. Und wenn es durch die Kriegslist einer Kriegs- trauung sei, sie muß ihm den Urlaub verschaffen, den man ihm nach einem Jahr Front noch immer nicht erteist. Mst der Kriegstrauung endet der Roman. Der dem bürgerlichen Leben entfremdete Frontsoldat und die durch den Krieg und ein schweres Erlebnis von Grund auf gewandelle junge Frau,, die einmal in Liebe und Freundschaft verbunden waren, treten den gemeinsamen Gang durchs Leben an. Man fühlt, das neue Bündnis vollzieht sich auf einer neuen Basis. Die überwiegende Bezogenheit auf den Mann und das Jch-Erleben ist verdrängt durch die Bezogenheit auf die soziale Umwelt und durch die Auseinandersetzung mit ihr. Die größere Nüchternheit ist da. Bedeutet sie einen Verlust an Gefühlswerten, an Werten überhaupt? Umschichtungen. Den Umwandlungsprozeh der Frau durch den Krieg in seiner Wesenheit dichterisch sichtbar gemacht zu haben, gibt dem Werk den zweiten Teil seiner Bedeutung. Daß Arnold Zweig das Ab- treibungs- und dos Kriegsproblem unter eine Kuppel bringt, ist entscheidend. Durch diesen doppelten Nährboden erhält das Werk seine Allgcmeingülligkeit: das Werden der jungen Frau von heute wird scharf und wahrhaft aufgezeigt. Das Werden der jungen Frau von heute und zu gleicher Zest die Umformung einer Epoche, wie sich ja überhaupt eine Dichtung erst dann über den Durchschnitt des Schrifttums erhebt, wenn sie den Reflex einer Zeit gibt. Das ist in der.Lungen Frau von 1914" in Holzem Maße der Fall. Der Stimmungsgehalt und das Menschtum der ersten Kriegsjahre werden lebendig. Dia allmähliche Entwurzelung der einzelnen Klassen und vor allem der wohlsituierten Mittelschicht, die große Umschichtung, die schon während des Krieges einsetzte, wird kristallklar. Man ahnt bereits den großen Zusammenbruch, der die Menschen dieser Epoche und dieses Buches erwartet, ohne daß sie es wissen. I,epära, Frauen schreiben uns: Die Frau in der Krise Zu den Jlujfiiljrnitgctt Louise Tiefe über„Tie Frau in der Krise erhalten wir folgende Zuschriften: Die Ausführungen Louise Dicls„Die Frau in der Krise" müssen bei ausgesprochenen Proletarierfrauen doch Protest hervorrufen. Es liegt doch wahrlich kein Grund vor, verzagt zu fein und den Kopf hängen zu lassen. Für uns Prolet.sriersrauen lag doch stets die zwingende. Rotwcndigkcst vor, sobald mir die Schillbänk ver- tasscn hotten, uns Beschäftigung zu suchen, Gold zu verdienen, damit die Lasten für die Eltern etwas erleichtert wurden. Ob wir dabei eine imiere Befriedigung Hollen, spielte keine besondere Rollo. Unser inneres Glückserlebnis suckste und fand der größte Teil der Frauen, die sich zu der Erkenntnis durchgerungen hotten, mit den Männern Seite an Seit« in- der Jugend-, Gewerkschafts- und Parteibewegung für«ine Befreiung der arbei- t e n d c n Klasse zu kämpfen. Ein jeder, auch der kleinste Er- folg war für uns ein inneres Glückscrlebms. Wie glücklich waren wir, als nach dem Zusammenbruch des entsetzlichen Krieges in der Weimarer Verfassung sür die Frau das Recht auf Arbeit, auf Unabhängigkeit und Selbständigkeit verankert wurde! Aber es ist doch im Leben fast immer so, daß wir erst die Größe des Erreichten erkennen, wen» es im Begriff ist, uns wieder genommen zu nxrden. Wir Frauen können uns dagegen wehren, indem wir unseren Mitschwestern immer und immer wieder klar- machen, daß wir durch Zugehörigkeit zur freien Gewerk- j ch a f t und zur Sozialdemokratischen Partei in der Lage sind, unsere Rechte zu wahren. Nicht Sympathie allein hilft uns weiter, sondern der Mut zur Mitgliedschaft. Und dann Solle an Seite mit den Männern gekämpft, dann werden auch die Rechte der Frauen gewahrt und weiter ausgebaut! Trotz der schweren Wirtschaftskrise nicht den Kopf hängen lassen! Gerade wir Frauen gehören jetzt an die Front. Sorgt für Auf- klärung! Denkt bei allein Schweren auch an die von uns zu leistende Erziehungsarbeit an unseren Kindern. Auch die müssen wir für die späteren Kämpfe erziehen. Wie soll das möglich sein, wenn wir Frauen mutlos werden und den Kopf hängen lassen? Klara Maschkc. $ Die von Louise Diel gezogene Bilanz geht von der durch die Verfassung gewährten Gleichberechtigung der Frau und deren an- genehmen Folge» ans. Unsere Frauen lzaben angefangen, sich an die Selbständigkest zu gewöhnen, und manche war im Begriff, sich unabhängig zu machen. Nun schwebt all dies in Gefahr. Es ist Ucberangebot an Arbeitskräften. Die Arbeitslosigkeit bewirkt einen Lohndruck, zu dem man uns Frauen im besonderen benutzte. Hierin, liebe Schreiberin, liegt unsere Tragik. Konjunktur und Krise be- stimmen unsere Existenz. Die bisherige Wirtschaftsform ist am Ende ihrer Profitwirtschall. Und nun muß unser Kampf um die gesunde Bedarfswirlschaft einsetze», die uns dann alle je nach Veranlagung wieder einreiht. Der Mensch braucht Arbeit, um seinem Leben einen Inhalt zu geben. Gewiß haben wir Frauen auch in dieser Krise (hoffentlich ist es die letzte) schwerer zu leiden als der Mann. Rein familiär aber nur. denn physisch und moralisch leidet der Mann gleichfalls unter dem Druck der Verhältnisse. Aus dieser Sackgasse kommen wir aber nicht heraus, wenn wir uns einbilden, unter der Last zusammenbrechen zu müssen, viel- mehr müssen wir ernsthaft darüber nachdenken, wie wir uns von der Last befreien. Neben der wirtschaftlichen Gleichberechtigung gab uns die Vor- fassung auch noch das herrliche Geschenk der politischen Gleichberechtigung, und hier, verehrte Schreiberin, haben wir versagt.(Wahlergebnis vom 14. September 1939.) Wie haben wir gewählt? Das Resultat erleben wir heute. Wie konnten Frauen und Mütter einem Programm folgen, dessen Auswirkungen nur Krieg und Vernichtung bedeutet? Wie konnten wir so schnell vergessen? Nur die klare sachliche politische Erkennt- nis wird uns die volle persönliche Freiheit bringen, die wir in der wirtschaftlichen suchten. Haben wir bis. dahin Vertrauen zu uns selbst, auch wenn unser Teint darunter leiden sollte. Die Industrie der Kosmetik wollen wir gerne entbehren, nicht aber die Veredelung des Menschen. Martha, Fcnglcr. Pflegekinder gegen VerirnUiungsgebuhren Zu gleicher Zest liegen uns zwei Eingänge vor, die die Pflege- kindervermittkung betreffen. Eine Pflegemuller drückt in warmen Worten ihre» Dank än das Landesjugendamt aus, das ihr ein Pflegekind als Weihnachtsgeschenk vermitteln konnte. Die Sehn- sucht nach dem'Kinde erfüllt mehr Menschen, als allgemein ange- nommen wird. In den Jugendämtern erfüllen sich die meisten dieser Wünsche zu ollsestiger Zufriedeichest. Das müßte nachgerade so bekannt sein, daß Enttäuschungen, wie sie der zweit« Eingang enthält, nicht mehr vorzukommen brauchten. Eine Familie wünscht ein Kind in Pflege zu nehmen bzw. zu adoptieren. Sie bevorzugt ein Kind von auswärts, um keine Scherereien mit Angehörigen des Kindes zu haben. Die Spallen der Tageszestungcn entHallen immer Angebote von Kindern ..diskreter" Geburt, sogar mit Zlbsindungsbeträgen. Gar zu gern wird auf die verlockende Aussicht hin, eine Abfindungssumme aus- gezahlt zu erhalten, ans diese Angebote reagiert. Hinter dem Angebot steht aber nicht etwa ein heimatloses Kind, sondern zunächst irgendein geschäftstüchtiger Spekulant— Geldgier gegen Geld- gier—, der ein Kind zum Handelsobjekt machen inöchtc. Manchmal gelingt das auch. Die nachsuchende Familie erhält ei» Anschreiben mit Anlagen, unter denen die ausgefüllt« Postanweisung über IS Mark wohl das Wichtigst« für den Vermsttler ist. Korrekt« Pflegcfamilien, denen es ernst um die Ausnahme eines fremden Kindes ist, lehnen das Ansinnen mst Entrüstung ab. Aber es wird andere gehen, denen die Abfindungssumme im Hintergrunde das Barometer ihrer Gc- suhle für die Vermlltlungsgcbühr steigen läßt. Kaum auf einem Gebiete begegnen sich Idealismus und Egoismus häufiger als hier, wo heimtlofe Kinder einen warmen Herdplatz brauchen und wo Kinder„diskreter Geburt" von gewissen- tosen Erzeugern verschachert werden. Zugegeben, daß es Fälle gibt. wo das unerwünschte Kind aus dem Blickfelde der„Gesellschaft" verschwinden muß— für solche Kinder tatsächlich oft das best«!—, aber weshalb finden die Betreffenden nicht den Weg zu den überall im Deutschen Reiche befindlichen Jugendämtern, die ebenfalls„bis- ki et", aber unentgeltlich vcrmstteln und die vom Erzeuger gezahlte Abfindung mündclsicher deponieren! Wir haben begründetes Mißtrauen gegen abfindungslüsterne Pflegcellern. Die Spuren schrecken. Gemachte üble Erfahrungen finden ihren Niederschlag in den„Schwarzen Listen", die bei allen Jugendämtern durch das Deutsche Rote Kreuz kursieren. Wer ein Kind um seiner selbst willen gern hat, der ist glücklich, ein solches Kind zu erhalten, nackt, wie es geboren wurde. Denn die Heime, welche Kinder ausgeben, fordern selbstverständlich die Kleidung und Wäsche bis aufs Hemdchen zurück; sie müssen mit jedem Ausstattungsstück rechnen. Wie strahlen die neuen Pslege- mütter, wenn sie eigenhändig all die Sächelchen zurechtgeschneidert haben die„ihr" Kind benötigt! Und wie stolz präsentieren sie das Kind bei der Anmeldung puf dem Jugendamt und in den Mütter- beratungsstellen! Pflegeeltern mit Nebenabsichten sollen die Hände davon lassen. Ein Kind ist kein Handelsobjekt und kein geeignetes Mlltel zur Sanierung kranker wirtschaftlicher Verhällnisse. Das sollen sich aber auch alle privaten Vermittler gesagt sein lassen, denen es hauptsächlich auf die Vorschußzahlung von 15 Mark ankommt. Wer ein Kind in seinen Familienkreis einzugliedern wünscht und wessen Verhältnisse«iner eingehenden Prüfung standhallen können, der wird den Weg nach seinem nächstgelegenen Iugendamte zu sindev wissen. Ist auch dos Gewünschte nicht sofort zur Hand, mit etwa Geduld läßt sich ein befriedigender Abschluß in jedem Falle erreiche:' Leibliche Eltern müssen ja auch neun Monate warten, bis ihm Erfüllung wird. Schwester Lydia Ruehland Ergebnisse der Arbeiter-Ballspiele Der Tabellenstand in den Vereinen 5m Gegmsatz zu den Fußballspielern, die ihre Spiele in einer Frühjahrs- und einer Herbstrunde zum Austrag bringen, spielen die Handballer und Hockeyspieler chre Serie in einer Herbst- und einer Frühjahrsrunde aus. So sind also die Fußballer schon im De- zember mit ihrer Serie fertig, während die anderen beiden Sport- arten erst im März die Meister feststellen können. Nachdem bei den Handball- und Hockeyspielern die Herbstrunden beendet sind, läßl sich nun«in Ueberblick über die verflossenen Spiele geben. Wohl haben in beiden Sportarten bereits einige Spiele der Früh- jahrsrunde stattgefunden, aus den bisherigen Stand der Tabelle haben sie aber wenig Einfluß. Die I-ZandbaUspiele• In der Abteilung A der ersten Klasse liegt bei den Handballern der mehrfache Abtellungsmeister und Berliner Meister W e d d i n g I wieder an der Spitze. Von allen bisher ausge- tragenen Spielen ging den Weddingern nicht ein einziges verloren; alle Punkte konnten sie sür sich buchen. 5a, bei den Spielen in der Frühjahrsrunde konnten sie ihren Hauptgegner, den Bezirk Osten der Freien Turnerschast Groß-Berlin, mit nicht weniger als 15:2 Toren schlagen. Allerdings mußten die Osten-Leute zeitweise ohne ihren guten Torwart spielen. O st e n folgt in der Tabelle an zweiter Stelle mit einem verlorenen und einem unentschiedenen Spiel.(Das Spiel der Frühjahrsrunde gegen Wedding erscheint in dieser Tabelle noch nicht.) Den drllten Platz nimmt wieder ein Bezirk der FTGB. ein, Nordost. Eine Enttäuschung berellöten die Vellener ihren Anhängern. Von den sieben ausgetragenen Spielen endeten sechs mit Niederlagen und eins unentschieden. Mll nur einem Gewinnpunkt nehmen sie den letzten Platz in der folgen- den Tabelle ein. Bereine Wedding I.... 7 7 O.len.......7 5 Nordost...... 7 4 Nowowes..... 7 Z Senn gkdori.... 7 3 Medd ng III.... 7 2 Köpennt...... 7 2 Seiten...... 7 0 Abteilung A. Spiele gewonnen unentschieden verloren PunNe 14- 0 U: 9 i 6 i 6: 5; 4; 1; S 3 8 8 S 10 13 5n der Abteilung L konnte Weddings langjähriger Kon- kurrent in den Kämpfen um die Berliner bzw. Kreismeisterschaft. FTGB.- Süden, bisher ebenfalls alle Spiele gewinnen und somit auch wieder den ersten Platz behaupten. Um die nächsten Plätze gab es harte Kämpfe zwischen Nordring, Wedding II und Neukölln. Zur Zeit liegt Nord ring an der zweiten Stelle: wie lange noch, ist allerdings ein« offene Frage. Die drei Mannschaften haben ebenso wie Süden noch je ein Spiel zu erledigen und da es ja die spielstärksten Mannschaften sind, kann sich das Bild sehr leicht verschieben, ohne jedoch die führende Stellung Südens zu gefährden. Von den beiden Neulingen in der ersten Klasse hat sich nur Mahls- darf einigermaßen gut geschlagen, während Oberspree aus der Ab- stiegszone nicht herauskommt. Die Tabelle hat dieses Aussehen: Abteilung IZ. Spiele gewonnen unentschieden verloren Puntte 6 0 0 4 0 2 3 12 3 0 3 3 0 4 2 14 12 4 2 0 5 Vereine Süden....... 6 Nordring...... 6 Wedding II..... 6 Neukölln...... 6 Schönedera..... 7 Mahlsdorf..... 7 Luckenwalde•.•• 7 Oberspree...... 7 12:0 8:4 7:5 6:6 6:8 5:9 4:10 4:10 Das ist der Stand nach der ersten, der Herbstrunde. Noch ist die ganze Serie, zu der ja auch di« Frühjahrsrunde zähll, nicht abgeschlossen. Eine Veränderung im Tabellenstand ist hauptsächlich in den letzten Positionen immer noch möglich. 5edes gewonnene Spiel, jeder gewonnene Punkt bringt die Möglichkell, sich vor dem Abstieg zu bewahren. Die Hodce)dabeIlen Bei den Hockeyspielern ist di« Lage in der Abteilung A der e r st e n Klasse sehr schwierig. Hier stehen zwei Mann- schaften, T e n n i s- R o t und R o t- W e i ß, mit ie zwei Perlust- punkten ast der Spitze. Allerdings haben die Tennisspieler bereits ein Spiel mehr absolviert, so daß sie jetzt mll Gewinnpunkten den ersten Platz einnehmen. Moabit und O st r i n g ll nehmen die nächsten Plätze ein. Ueberraschend ist das überaus gute Ab- schneiden der Ostring-Spieler, die gerade in den Spielen gegen die führenden Mannschaften beachtenswerte Resultate erzielten. Den Schluß bildet Pankow; von allen Spielen konnten si« keins ge- Winnen. Abteilung A. Scrctnc Spiele gewonnen nnentichieden verloren Tore Punkte Tennis- Rot 8 4 2 0 23:3 10:2 Rot. Beiß. 5 3 2 0 18:3 8:2 Moabit.. 3 2 1 2 10: N 3:5 Oltrin-, n. 4 2 0 2 9:7 4:4 Spandau.3 1 1 3 10:16 8:7 Pankow.. 3 0 0 3 4: 26 0: 10 5n der Abteilung B führt Neukölln-Britz mit weitem Vorsprung bei 12 Gewinn- und l) Verlustpunkten. Mit je fünf Verlustpunkten Abstand folgen dann O st r i n g I und Tempel- hos, während Rot-Weiß II und ASC. den Schluß mit je acht Berlustpunkten bilden. Abteilung B. Spiele gewonnen»nenischieden verloren Tore Punkte K 6 0 0 25; 6 12:0 5 2 1 2 10! 9 5.5 5 2 1 2 12: 14 5:5 5 1 0 4 10:14 2:8 5 1 0 4 0:14 2:8 Vereine Reukölln- Britz Ostrino I... Tempelbof.. Rot-Weiß». ASC..'. Große Verschiebungen im Tabellenstand werden bei den Hockey- spielern wphl kaum zu erwarten sein, höchstens, daß sich in der Abteilung A Tennis-Rot und Rot-Weiß I um die Führung stresten werden. Mahnung an den Rundfunk Die Berliner Funkstunde ignoriert den Arbeitersport Man kann beim besten Willen nicht behaupten, daß der Berliner Rundfunk der Arbellersportbewegung ein besonderes Interesse ent- gsgenbringt. Die bürgerliche Sportbewegung ist in dieser Hinsicht besser daran, die Vertreter der einzelnen Sparten und Verbände kommen immer und immer wieder zum Wort. Wird aber doch einmal zur Dokumeutierung der„Neutralität" ein Arbellersportler an das Mikrophon gelassen, dann darf er bestimmt nichts von den Grundsätzen der Arbellersportbewegung sagen, sondern muß sich immer hübsch mll Allgemeinplätzen bescheiden. So ist es bei Vor- trägen über den Sport. Ganz„neutral" wird aber der Berliner Rundfunk bei der Durchgabe der Sportnachrichten. Geradezu lächerlich überflüssige Nachrichten aus dem bürgerlichen Sport werden in mehr als reichlicher Menge gegeben, vom Arbeitersport kommt so gut wie überhaupt nichts durch. Auf Grund einer Anordnung des Intendanten, aller Wahrscheinlichkeit nach ausgelöst von der bürger- lichen Sportbewegung oder Sportpresse, ist die Arbeitersportbewc- gung unter Ausnahmegesetz gebracht, ihre Nachrichten werden unverständlich gekürzt oder überhaupt nicht mehr gebracht. Zu langatmige Sportnachrichten sind nicht angebracht, das sehen wir ein. Wir müssen aber verlangen, daß bei Berichten über den Sport- und Serienbetrieb kein Unterschied gemacht wird zwischen bürger- lichem und Arbeitersport. Die Sportnachrichten durch den Rund- funk wurden eingeschränkt, aber nur auf Kosten der Arbeitersport- bewegung. Gegen diese Maßnahme muß mit allem Nachdruck von den Instanzen der Arbeitersportbewegung protestiert und eine Aenderung verlangt werden. --- Wie wir uns am Sonntag wieder am Lautsprecher überzeugt haben, hat die Berliner Funkstunde tatsächlich die Bericht- erstattung über den Berliner Arbeitersport gänzlich eingestellt. Vor einigen Wochen war den Arbeiter- sportlern von der Funkstunde urplötzlich mllgeteilt worden, daß die Sportnachrichten auf Wunsch der Hörer eingeschränkt worden seien und daß infolgedessen sich alle Sportverbände, die bürgerlichen sowohl wie auch die Arbeitersportler, mll einer Kürzung ihrer Bekanntgaben und Resultatverkündungen bescheiden müßten. Sonntag wurden mehrmals Sportnachrichten vom Ansager gebracht; in der ersten Pause der Uebertragung aus dem Metropoktheater gab es in der Hauptsache Berliner Sportergebnisse bürgerlicher Bereine und Verbände zu hören, während bei der zweiten Pause um 10,55 Uhr Nachrichten durchgegeben wurden, die sich nicht auf Berliner Sportereignisse bezogen. Man bekam zu hören, daß der Eislaufoerband Amerikas Angebot der Finanzierung der deutschen Eishockeykämpser für die Wintcrolympiyde abgelehnt habe, man hörte Resultate der Radrennen in Paris, Breslau und Frankfurt am Main, man hörte die Ergebnisse der Skisprünge auf der neuen Mammutschanze in der Schweiz, man hörte Ergebnisse der Berufs- tenniswettkämpfe in Frankreich, und schließlich machte sich die Funkstunde den Scherz, sogar für einen erst Ende Januar in Berlin stattfindenden Polizeiboxkamps die Teilnehmer bekanntzugeben. Es ergab sich also, daß die Funkstunde nur bürgerlichen Sport bracht«, daß sie auch Sportnachrichten durchgab, die die Hörer auch am Montag noch früh genug aus den Zcllungen erfahren hätten. Nur vom Arbeitersport war kein Wort zu hören! L«i der Funkstunde müssen also Gesichtspunkte bei der Auswahl der Sportnachrichten maßgebend fein, die von den 30000 Arbeller- sporllern in Berlin und bei vielen, sehr vielen Hörern absolut nicht verstanden werden. Auf jeden Fall haben die Arbeitersportler immer noch das Recht, verlangen zu können, daß auch sie ent- sprechend ihrer Stärke und ihrer Bedeutung berücksichtigt werden. Skitour in der Hohen Tatra Republikanische Wintcrsporller auf großer Fahrt A. S. Popradsk« Pleso, 12. Januar. Die republikanischen Wintersportler, die ihre diesjährige große Fahrt in die Hohe Tatra unternahmen(siehe„Abend" vom 2. Ja- nuar) haben im weiteren Verlauf ihrer Reise den langersehnten Neuschnee und eine gute Puloerschneedecke gefunden. Da? Unterholz und die Latschen verschwanden immer mehr unter dem weißen Teppich. Der Schnee hielt sich tagelang föhrig und bald waren Tele- markspuren in die tiefe Pulverschneedecke gezeichnet. Das war der rechte Schnee, um zum E i s s e e, der 1S30 Meter hoch liegt, aufzusteigen. Es mußten zwar auf 6 Kilometer über 400 Meter Steigung überwunden werden, aber mll Fellen unter den Skiern und viel Steigwachs wurde auch dieser Höhenunterschied überwunden. Zuerst führte'der Weg durch einen tiefverschneiten Tannenwald. Schwer hingen die Aeste unter der Last des Schnees zu Boden. Die Schneekristalle glitzerten in der Sonne, die Bäume sahen aus, als wären sie mll einer schillernden Zuckermasse über- gössen. Im Zickzack führte der Weg weiter durch ein Trümmerfeld großer Felsbrocken— das Tal heißt auch Trümmel—. dann war noch eine stelle Moränenwand zu bezwingen, die nur in langen Serpentinen genommen werden konnte. Eine zweite Moränenwand wurde rechts umgangen und auf einem flachen laufenden Hang bis zum Eissee aufgestiegen. Der Rundblick am Eissee entschädigt voll für den anstrengenden Aufstieg. Ringsum steile Wände, die unvermittelt aus dem Tal ansteigen. Die Tatraspitze, die 2265 Meter hoch liegt und sich wuchtig aus dem Zackengewirr heraushebt, könnte man als das tschechische Matterhorn bezeichnen. In der Umgebung des Eissees auf den steilen Hängen tonnte man rudelweise Gemsen beobachten, die die Skispurtier bis auf 50 Meter heranließen, um Dann mit langen Sprüngen die steilsten Wände zu durchqueren. Die Gemsen fanden bei ihrer Kletterei in den Skiläufern ein dankbares Publikum Bei der Abfahrt vom Eissee mußten selbst die guten Skiläufer all ihr Können zeigen. In Spitzkehren mußten die Moränenwände bezwungen werden und durch das Trümmerfeld mußte sogar die Stockbremse eingesetzt werden. Trotzdem gab's einmal„Skisalat". Auch das Mengsdorfer Tal wurde gründlich durchstreift. Einige Skisportler stiegen bis auf 2000 Meter zum großen Hinzen- s e e auf, andere wieder in einer Talabzweigung bis zum Frosch- see, der 1920 Meter hoch liegt. Ueberall ringsum die steilen unnahbaren Ketten stolzer Bergspitzen, die wie Perlen an einem Faden aufgereiht nebeneinanderstehen. In der zwellen Woche wechselten Schnee, Sturm und Sonnen- schein: die letzten Tage wurden noch zu Skifahrten zum Kohl» b a ch t a l benutzt. Auf der Hütte besuchten uns auch Skisportler des Karpathenvereins, die enge Freundschaft mll den deutschen Republikanern schlössen. So wurde die Skifahrt auch zugleich eine Werbesahrt für die deutsche Republik, deren Farben selbstverständlich überall und besonders auf der Hütte gezeigt wurden. In den letzten Tagen gab's neben Abfahrtsrennen und Tau- ziehen auf Brettern auch ein recht lustiges Kostümfahren, über das die Einheimischen sich recht herzlich amüsierten. Eine Feststellung Kürzlich fand in einer ausländischen Sporthalle ein großer Kampsabend statt, an dem auch die bekannten Ringer Sperling und Foeldak teilnahmen. Auf dem Programm dieses Abends figurierten auch die Namen von zwei erstklassigen Berufsringern, Constant le Marin und der Spanier d'Olivera, die ebenfalls ein Match aus- trugen. Das gemeinsame Auftreten von Amateuren und Prosessto- nals ist an jener Stelle nichts Neues, im Boxen ist es ebenso. Bisher ist noch keinem der beteiligten Amateure ein Stein aus der Krone gefallen, es hat auch noch keiner Schaden an Leib und Seele erlitten. Selbswerständlich konnte die sogenannte bedeutendere bürgerliche Sportpresse eine Meldung über den Ausgang der Kämpfe nicht gut unterlassen, dieser Ehre wurden aber nur die Amateure teil- haftig, von den Berufsringern war kein Wort zu finden. Die Mel- dung mußte von einer bestimmten Stelle kommen, da sie überall denselben Text hatte. Die gleiche Beobachtung konnte schon mehrmals gemacht werden. Im Verschweigen der Tatsachen liegt ein« ganz bestimmte Tendenz, und die Berufsringor sind demnach durchaus zu der Annahme berechtigt, daß die Berliner bürgerliche Presse gegen sie eingestellt ist. Deutsche Eishockeymeisterschafl— Schlilkschul• Club besiegt Mimcheu 4: 1. Das drllte und letzte Spiel um die Deutsche Eishockey-Meisterschaft führte am Montag auf deiy R i»fse r See die Mannschaften des Münchener Eislaufoereins und des Berliner Schlittschuh-Clubs zusammen. Da die Bayern zwei Ersatzleute einstellen mußten, war das Spiel für die Titel- Verteidiger eine recht leichte Angelegenheit. Der Schllltschuh-Club siegte denn auch, ohne sich vollständig ausgeben zu müssen, mit 4: 1 (3: 0, 0: 1, 1: 0) Toren und sicherte sich damll den Meistertitel zum 14. Male.__ ATKB. Freuen-Ausschuß-Sitzung heute, Dienetag, 19V4 Uhr, ttreiz Geschäftsstelle. Geueralllers-lMiuIung des Vereuls Donuerstag, 11. Februar, im Saal. bau Friedrichshalu. Tennis-Rat Srafj-Veeli» ff. B. Dienstaa, 12. Januar, 18 Uhr, Vorstands- schuna in der Kreisgeschäftsstelle.— Alst. Neukölln. Donnerstag, 14. Januar, 29 Uhr, Abteilungsgeneralversammlung im Safe Reinhardt, Hasenheide 57. Freie Schwimmer Cdarlottenburg. Mittwoch. IL. Januar, 20 Uhr, Sitzung der Frauen und weiblichen Jugend im Jugendheim Pestalozzistr. 40. Arbeiter-Photo-Eilde Berlin. Donnerstag, 14. Januar, 20 Uhr, Bei Walther Iaeger, Tauentzienstr. 10 sGedächtnisrirche), Diimnastikaufuahmen. ffiuzelmitglieder der Ruderer und Nauufahrer. Donnerstag, 14. Januar, 20 Uhr, in der Eeschäftsstelle, Elsässer Str. 86—83, Sitzung und Zahlabend. Mitgliedsbücher mitbringen. Ruderverein Collegia. Freitag, 15. Januar, leine Schung; es werden nur Beiträge kassiert. Sonnabend, 16. Januar, 20 Uhr, Kastenrudern. Sonntag, 17. Januar, 10 Uhr, auf dem Platz in Spandau, 1. Handballmannschaft gegen Freie Turnerschaft Brieselang. 9 \ÜUJbekjaLnrüjzn�guJtm. 4.ij \9rlgmaB- Steiner- 'Pamlies-Srseugnisse M" zujcujsseroäüöfmli/A esrnjassieften PreSsearßesanäs/e Gd&gmhßitm l&te tüjzteri PreisncichLäLSse bis zll A0n(Ä Paradiesbettenfabrik Sfaals 1% Theater Dienttag, den 12. Januar Staatsoper unter cen Linden 20 Uhr Die Geisha Stgatlidiiusimta GendannenniartL 20 Uhr Ii Sihiller-Theater ibariottsubarj. 20 Uhr Die gottliche Jette W 8.15 Dhi Flora 3434 Raudian irlaubt{ 20 Zigeunerinnen spielen, „Zeinganno's" fliesende leuchtende Menschen ein Lufttrapec Im dunklen Reum und weitare Varietä-Neuheiten »■�CASlNO-THEAlER�ub. Lothringer Straße 37. HiiniimifnmiiMiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniMiii'iHii�'iiiiiniiiiiMMiiiiii Nur noch wemgeAutfUhrungen Was man aus Liebe tat Dazu die Gesanss- und Tanz- Operette Das Scheidniies- Sonper and der bvnte V arleit-Tel 1. Gutschein 1-4 Personen: Parken so PI. Fauteuii U— Mark, Sessel i.so Mark. Stadl. Oper CharlottenburK SismarcksttaBe 34 Dienstag, 12. lanuar Turnus I Anfang 20 Uhr Fidelio Snde gegen 23 Uhr ToiKsbiltine Tlnatu am Bülowplatz 8 Uhr Die eroDherzogin von fieroisteln Staad. Sdiiller-Me; 8 Uhr Sie ööülidie leite Theater am Nallendorfplatz Regie: Hilm Si.ttctara Pallas 7051 Täglich 8»/» Uhr Stgs auch 4'/< Uhr Gasparone Rose- Theater "rtäi Fnnktnrter Sita!! 132 Id. Hiiduei E 1 3422 8.1 S Uhr Eine Frau von Format MM« MMMM. IMaiitöitt Berlins BerllnerlJIk.Trlo N C a k 0 1 1■. Lnhxistt. 74T7&J