Morgenausgabe Nr. 19 A 10 4y.Iahrgang WöchenlNch 75%U monatlich 3,25 M. (davon 87 Pf, monatlich für guitel» Inng ins Kons) im voraus zahlbar. Postbczug 3,»7 M,-infchlicblich SSPf. Ponzeitungs- und 72 Pf.Postbestellar» biihrrn. Auslandsabonnrmcnt 5,85 M. pro Monat! Mr Länder mit ermäßig. tem Drucksachenporto 4,85 M. Der.Vorwärts� erscheint wochentäg- lich zweimal, Sonntags und Montag» einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Kandel mit dem Titel Der Abend". Illustrierte Conntagsbeilag« »Voll und g-it". Berliner Solesblatt Mittwoch 15. Zanuar 1932 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Die elnipnlt. Nonpareillezeile 80 Pf. Retlamezeile 5.— RM.„Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 2H Pf. (zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Dort 12 Pf. Rabatt lt. Tarif. Stellengesuche das erste Wort 15 PU jedes weitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Nrbeitsinartt Zeile 60 Pf. Familien- anzeigen Zelle 40 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße 3, wachen- täglich von 8�' bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht gcnehmerAnzeigen vor! Jentealorgan der Sozialdemokratischen Oartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Rcrnfpr.; Dönboff(A 71 292—297, Telcgramm-Zldr.! Sozialdemnkrat Berlin Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Boltfdjf ifoitto:®eclm37 536.— BanfTonto: Banf der arbeitet, 2litfle[iellt«n und Beamten, Lindenstr. 3 Dl B.u.Di Sc.-Eef., Depostlenk.. Ierufalemer Sir. 62-66, Durcheinander um Hindenburg. Hiiler an Brüning.— Man gründet ein Komitee. Hitler hat dem Reichspräsidenten ein Schreiben zugehen lassen, das nicht veröffentlicht wird. Außerdem hat er am Dienstagabend folgenden Brief an den Reichskanzler Brüning gerichtet: „Sehr geehrter Herr Reick) stanzler! Am 6. Januar 1332 teilte mir Reichsinnenminifter General Groener mlt� es bestünde die Absicht, die Präsidentschaft des Gsneralfeldmarschalls von Hindenburg aus parlamentarischem Wege zu verlängern, b,pv. den Reichspräsidenten durch eine Zweidrittel- Mehrheit des Reichstages neu wählen zu lasten. Reichsinnen- minister Groener bat mich um Stellungnahme der Partei zu diesem Lorhabeu. Ich beehre mich, Ihnen, sehr geehrter Herr Reichs» konzler, mitzuteilen, daß die NSDAP, bei aller Verehrung für die Person des Herrn Reichspräsidenten nicht in der Lage ist, diesen Vorschlag zu unterstützen. Ich lehne daher namens der national- sozialistischen Bewegung unsere Zustimmung ab. Die verfastungs- rechtlichen, außen- und innerpolitischen sowie moralischen Gründe, die uns zu dieser Stellungnahme bewegen, werde ich Ihnen, sehr geehrter Herr Reichskanzler, mit einer eingehenden Darlegung umgehend zustellen. Mit der Versicherung vorzüglicher Hochachtung bin ich, sehr geehrter Herr Reichskanzler, Ihr sehr ergebener Adolf Hitler.* Dieser Brief wurde am Abend um 9 Uhr in der Reichs- kanzlei dem Reichskanzler durch den Abg. G ö r i n g über- reicht. Hitler hat Berlin verlassen und ist nach München ab- gereist. Gegenüber dem boshaften und unhöflichen Schreiben. das Hugenberg an den Reichskanzler gerichtet hat, fällt der Brief Hitlers durch fast übertriebene Höflichkeit auf. Der Unterschied ist so auffallend, daß man geneigt wird, den Ge- rüchten Glauben zu schenken, nach denen sich der„Oestyr- reicher" Hitler bei den Verhandlungen viel weicher gezeigt l?äben soll als der„Preuße* Hugenberg. Dieser soll die eigentliche Führung übernommen und. unterstützt von den milden Männern aus der Hedemannstraße, die Ablehnung auch durch die NSDAP, durchgesetzt haben. Der Reichspräsident hat den Reichskanzler empfangen und ließ sich Bericht erstatten. Er bat den Kanzler,„von einer wesleren Verfolgung des Weges einer parlamentarischen Lösung Abstand zu nehmen*. So wird offiziös gemeldet. Die Bedeutung der Meldung besteht in dem, was nicht in ihr steht. Hindenburg hat den Kanzler nicht gebeten, von einer weiteren Betreibung seiner Wiederaufstellung zur Volkswahl Abstand zu nehmen. Die Mitte sür Hindenburg. Aus Veranlassung des Grafen Westarp fand, wie III. meldet, ein« Besprechung von Vertretern der Deutschen Volkspartei, des Christlich-Sozialen Bolksdienstes, der Bayerischen Volkspartei, des Landvolks, der Wirtschaftspartei und der Staotspartei statt, die sich eingehend mit der Frage einer Voltswahl Hindenburgs beschäftigte. Di« Versammlung kam zu der Ansicht, daß eine Aufstellung eines Ausschustes aus den Mittclparteien nicht zweckmäßig wäre, zumal gerade die parlamentarisch? Lösung gescheitert sei. Die Dersamm- lung hielt vielmehr die Bildung eines überparteilichen Au s f ch u s s e s für angebracht. Der in diesem Zusammenhang von Zeitungen für den Vorsitz eines solchen Ausschustes bereits genannte ehemalige Reichswehrminlster Gehler stieß auch in diesen Kreisen nicht auf Ablehnung. Auch die Zentrumspresse setzt sich lebhaft sür die Wiederaus- stellung Hindenburgs zur Volkswahl ein, so daß es tatsächlich die Regierungsparteien sind, die jetzt die Kandidatur Hinden- bürg betreiben. Daß sie das nicht ohne Zustimmung des Reichs- kanzlers tun, versteht sich von selbst. Nach der„Täglichen Rundschau* sollen die Nationalsozialisten bereit sein mitzumachen, während sich die Deutschnationalen noch sperren. Das christlichsoziale Blatt meint nicht ohne Humor, es werde nun die Aufgabe des Stahlhelm sein,„die Deutsch- nationalen wieder in die nationale Front hinein- z u z w i n g e n*. Das ZA. der APD. hat beschlosten, auch diesmal wieder Thälmann zu kandidieren. Als Wahltermin wird jetzt— natürlich unverbindlich— der 13. März genannt, d. i. der 12. Jahrestag des Kapp-Putsches! Laval-Manöver gescheitert. Die Radikalen lehnen ihn ab. Paris. 12. Januar.(Eigenbericht.) Tie Regierung ist heute abend zurückgetreten, aber unter ganz anderen Umständen, als Laval erhofft hatte. Durch das nach seiner und Tardiens Ansicht sehr geschickte Manövrieren: eine Demission der Regierung nur für den Fall, das» die Radikalen bereit sein würde»», in ein klon- zentinrtionskabinett ei»lzntreten, hat er schließlich erreicht, daß das Kabinett durch Briand und die Radikalen tor- pediert wurde und daß er selbst in eine Lage geraten ist. die sein weite«» Berbleiben an der Spitze der Regierung sehr lurwahrscheinlich macht. * In der Unterredung Laval-Briand am Vormittag hat Briand sein Rücktrittsanerbieten aus Gesundheitsgründen o-ufrechtechalten, ober er hat Laval dem Sinne nach erklärt:„Sie haben am Freitag durch Havas meine Demission ankündigen lasten, ohne daß ein offizielles Rücktrittsgesuch von mir vorlag. Sie haben dadurch meinem Rücktritt den Charakter einer Ausbootung gegeben. Ich verlange jetzt, daß das gesamte Kabinett zurücktritt.* Diesen Bescheid teille Laval seinen Kollegen mit. Einige andere Minister unterstützten Briand, und Laval bat seine Kollegen, ihre Portefeuilles zur Verfügung zu stellen, um es ihm zu ermöglichen, angesichts der ernsten außenpolitischen Lage und der bevorstehenden inter- nationalen Kons«r«l»zen, die die Einigkeit aller Parteien erforderten, den Versuch zu machen, sämtliche politischen Parteien zur Führung der Staotsgeschäfte heranzuzieheil. Dieser Aufforderung widersprachen mehrere Kabinettsmitglieder, darunter der Kolonialministcr R e y n a u d, weil sie im stillen befürchteten, in eine neu« Regierung nicht wieder ausgenommen zu werden! Auf Grund der kategorischen Forderung Briands mußlen sich die Minister schließlich fügen und unterzeichne leu da» Demissiousgesuch. das daraus von dem Kabinettschef Laval auch Briand zur Unter- schrift vorgelegt wurde. Statt nun die Demistion sofort dem Präsidenten der Repuülick zu überreichen, behielt Laval das Schreiben in der Tasche, m der Hoffnung, daß die Radikalen angesichts der Erklärung Brünings in der Reparationssrage sich doch eni- schließen würden, einein Konzenttationskabinett beizutreten. Wenn er eine derartige Zusage bekommen haben würde, hätte er dem Präsidenten der Republik bei der Uebcrreichung der Demission mit- teilen können, er sei in der Lage, sofort ein Konzenttations- kabinett bilden zu können. Die Dinge kamen aber anders. Am Abend hatte Laoal mit Herriot im Innenministerium«ine ein- stundige Unterredung, in der er den Radikalen für den Einttitt ins Kabinett mehrere wichtige Portefeuilles versprach, darunter das des Aeußeren, das er Herriot anvertrauen wollte. Herriot sagte dem Ministerpräsidenten sofort, die Radikalen seien nicht geneigt, am Schluß der Legislaturperiode in die Regierung ein- zutreten, doch ertcllte er noch keine endgültige Absage, sondern ver- sprach, das Angebot Lavals der Fraktion mitzuteilen. Die Fraktion der Radikalen aber beschloß nach kurzer vcbatie. das Anerbieten zur Beteiligung an der Regierung höflich, aber entschieden abzulehnen und den Ministerpräsidenten vor allem darauf aufmerksam zu machen, daß er überhaupt nicht berechtigt, bzw. vom Präsidenten der Republik ermächtigt sei, den Radikalen oder sonst jemand A n- geböte zu machen, da das Kabinett offiziell noch gar nicht zurück- getreten sei. Das war die zweite Lektion, die Laval heute erteilt wurde. Kurz nach 8 Uhr abends überbrachte Herriot dem Minister- Präsidenten die Antwort der Radikalen, woraus Laval nichts anderes übrig blieb, als öffentlich bekanntzugeben, daß das Kabinett zurück- trete. Das ist um 10 Uhr abends geschehen. Präsident Doumer nahm die Demission an und beauftragte die Minister bis zur Reu- bildung der Regierung die Geschäfte weiterzuführen. Ueber die Entwicklung der Krise glaubt man auf der Linke.», daß Präsident Doumer gemäß der Tradition Laval mit der Regie- rungsbildung beauftragen wird, da das jetzige Kabinett nicht durch ein Mißtrauensvotum im Parlament gestürzt worden ist. Er dürfte aber Laval den Auftrag erteilen, ein Konzentrations kabineett zustande zu bringen, was dem Ministerpräsidenten angesichts der Haltung der Radikalen wieder nicht gelingen dürste. Unter diesen Umständen wird sich der Präsident der Republik genötigt sehen, einen anderen zu beaustragen. Die Lösung der Krise dürste längere Zell beanspruchen. Krise und Reparationen. Ein Memorandum von Sir Henry Strakosch. Die Londoner Wirtschaftszeitschrift„Economift" ver- äfsentlicht soeben ein Memorandum des englischen Finanz- sachverständigen Sir Henry Strakosch über die Krise, das in der Welt gerade anläßlich der bevorstehenden Repara- tionsdebatten die größte Beachtung verdient. Strakosch sor- muliert seine grundsätzliche Haltung zum Problem der Krisen- Ursache dahin, daß die Krisenerscheinungen aus dem Austausch von Gütern und Diensten stammen, und daß sie verschärst werden durch eine Unzulänglichkeit in der Versorgung mit Umlaufsmitteln und Kredit, welche umgekehrt in einer Welt, deren Geld- und Kreditstruktur auf Gold beruht, ihre Quelle hat in der schlechten Verteilung und in der Un- f r u cht b a rma ch u n g großer Goldmengen in zwei von den hauptsächlichsten Goldzentren der Welt. Auf Grund dieser Grund ausfassung der Krisenerscheinun- gen untersucht Strakosch die Entwicklung der Goldbewegungen, der Zinssätze, der Preise und ihrer Verhältnisse untereinander für die Jahre von 1923 bis 1931. Er kommt dabei zu dem Ergebnis, daß diese Periode in zwei voneinander grundverschiedene Phasen zerfällt. Die erste Periode dauert von Anfang 1925 bis Anfang 1928, die zweite von Anfang 1929 bis heute. In der ersten Phase war die Goldverteilung zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten auf der einen Seite und der übrigen Welt auf der anderen Seite normal, im wesentlichen entsprechend der Rate des wachsenden Bedarfs nach monetärem Gold. In dieser Periode gibt es keine heftigen Zinsschwankungen und keine hestigen Preisveränderungen. Gegenüber dieser normalen Entwicklung in der ersten Periode zeigt die zweite Periode alle Kennzeichen heftiger Störungen. Da die Zweiteilung dieser siebenjährigen Periode keines- wegs zusammentrifft mit einer Veränderung in den Zahlungs- Verpflichtungen für Reparationen und interalliierte Schulden, wird man auch auf Grund der Untersuchung von Strakosch nicht zu dem Ergebnis kommen können, daß die Reparationen die primäre Ursache für das Entstehen der Weltwirtschafts- krife gewesen sind. Das muß gegenüber der Neigung, die kapitalistischen Ursachen der Westwirtschaftskrise mit dem Hinweise aus die Reparationen zu verschleiern, um so mehr be- tont werden, als die Untersuchungen von Strakosch mit großer Klarheit und Wirksamkeit zeigen, wie stark der Druck der Reparationen in der Weltwirtschaftskrise zu der auherordent- lichen Verschärf nn A der Krisenerscheinungen beigetragen hat und in welchem Maße das Fortbestehen der Reparationen und der interalliierten Schuldenzahlungen die Ueberwindung der Krise hemmt. Als Frankreich und die Vereinigten Staaten in der zweiten Periode begannen, so führt Strakosch aus, ihre Gold- reseroen zu vermehren in einem Maße, das vollkommen außer Verhältnis stand zu der Rate des Zuwachses der Goldreserven der ganzen Welt, ergaben sich Störungen der schwersten Art. Zur Selbstverteidigung wurden die Diskontsätze der anderen Notenbanken scharf heraufgesetzt, ohne Zweifel in der Er- Wartung, dadurch die unnormale Goldbewegung anzuhallen und schließlich umzukehren. Wenn die Goldbewe- gung eine normale gewesen wäre, so würde dieser Erfolg ohne Zweifel eingetreten sein, und es wäre ein Gleichgewicht wiederhergestellt worden. Aber die Bewegung war offenbar nicht normal, und sie dauerte an trotz der scharfen Diskont- erhöhungen. Der Fall der Warenpreise, den diese scharfen Diskonterhöhungen eingeleitet hatten, schritt in einer zu- nehmend steilen Kurve fort. Dann wurden verzweifelte An- strengungen gemacht, den Preissturz durch Senkung der Diskontsätze aufzuhalten. Aber auch diese waren ohne Erfolg aus dem einfachen Grunde, weil die weitere Abnahme der Goldreserven der übrigen Welt(außer Frankreich und Amerika) fortfuhren, einen Deflationsdruck auszuüben... Man hat gesagt und besonders Franzosen und Amerikaner werden sicherlich fortfahren zu behaupten, daß die Goldbewegungen zu ihren Ländern eine natürliche und unvermeidliche Folge der aktiven Zahlungsbilanzen der beiden großen Gläubiger- länder seien. Aber es kann mit Sicherheit behauptet werden, daß Golddewegungen von solcher Dauer und solchem Umfange niemals hervorgerufen worden wären, wenn der Gläubigerstand dieser Länder das Ergebnis von gewöhnlichen Handelsbeziehungen mit dem Rest der Welt ge- wesen wäre. Strakosch weist darauf hin. daß eine aktive Zahlungsbilanz bei normalen Austauschbeziehungen ihren Ausgleich durch Warenbewegungen und Kapstalbewegungen sii�et und er folgert, daß die außergewöhnlichen Goldbewe» gungen der letzten drei Jahre ohne Zweifel außergewöhn- liche Ursachen haben müssen, und daß diese Ursachen erblickt werden müssen in den Reparation s- und Kriegs» schuldzahlungen, deren praktische Empfänger allein die Vereinigten Staaten und Frankreich gewesen sind. Strakosch gibt die folgende Tabelle für das Verhältnis von Reparation?» und Äriegsschuldzahlungen auf der einen Seite und Goldansammlungen auf der anderen Seite in der Oleich- gewichts- und in der Storungsperiodc: N-pa-a-l-».» Biegung un!. Ar..«»- t«&U>. ß.?« schuldkn uetrat«(+.' oi««fnatattons-oni) ''ulD Arlez»tchuU>niz-hlvng?n in Z>! i l l i o n« n Dollar 1. 3an. 1 925 bis 31. 1928 Frankreich..... 557+ 544— 13 Vereinigte Staaten. 807—544— 1151 zus. 1354+£0U'—1164 I.3on. 1929 bis 30 Zuni lSLI Frankreich..... 243 4- 958+ 615 Vereinigte Staaten. 555 4- 847 4- 292 zus. 898 4- 1805 4- 907 Aus dieser Tabelle geht hervor, daß in der zweiten Periode, der Krisenzeit, der Goldzuwachs in den Vereinigten Staaten und Frankreich zusammen ziemlich genau ihrem Zu- gang aus Reparations- und Kriegsschuldzahlungen entsprach. Wenn die Goldwährung so hätte funktionieren können, wie es ihrer Idee entspricht, so hätte der Zustrom von Gold die wirksame Kaufkraft in den Gold empfangenden Ländern er- höht und ihren Preisstand gehoben. Diese Länder würden dann für andere Länder günstige Märkte zum Verkaufen und ungünstige Märkte zum Kaufen geworden sein. Die Ein- fuhren nach den Gold empfangenden Ländern wären gesör- dert und die Ausfuhren gehemmt worden. Wenn diese Be- wcgungen sich hätten frei vollziehen können, wäre das Er- gebnis ein neues Gleichgewicht zwischen Ein- und Ausfuhren gewesen mit der weiteren Wirkung, den Zustrom von Gold abzustoppen. Aber die beiden Länder wünschten die Entwick- lung eines solchen neuen Gleichgewichtes nicht, weil sie ohne Zweifel fürchteten, daß das unerwünschte Rückwirkungen auf ihre heimischen Industrien ausüben würde. Man hinderte deshalb den ZustromoonGold, seine Wirkungen auf die Preise auszuüben und Zölle und andere Hemmungen wurden der Einfuhr in den Weg gelegt. So entstand jener Widerspruch zwischen Zahlungs- empfang und der Bereitschaft, Waren von den Schuldner- ländern entgegenzunehmen, der die unnormale Goldverteilung und damit die Störungen in dem Geld- und Kreditsystem der Schuldnerländer hervorrufen mußte. Im Verfolg dieser Be- wegung ist die ganze zivilisierte Welt von den gleichen Schwierigkeiten erfaßt worden, überall ist der Ausfuhrhandel ichyrf zurückgegangen. Schuldnerländer, welche auf ihren Exportüberschuß angewiesen sind, um ihre Auslandsschulden zu bezahlen, wurden unfähig, dies zu tun. Währungen brachen zusammen, wodurch die Kreditkrise und die Schwierigkeiten des internationalen Handels weiter verschärft wurden. Moratorien wurden zur Losung des Tages. Aber wenn nicht unmittelbar nach der Erklärung eines Moratoriums Schritte unternommen werden, um dem Schuld- ner zur Zahlungsfähigkeit zurückzuoerhelfen durch Konsoli- dierung oder andere Maßnahmen, ist ein Moratorium weit davon entfernt, die Schwierigkeiten zu beheben, sondern viel- mehr geeignet, sie weiter zu verschärfen. Aus der interessanten Untersuchung über Krisenverlauf und Krisenursache, aus der hier nur die wichtigsten Punkte hervorgehoben werden konnten, zieht Strakosch die Schluß- solgerung, daß der einzige Ausweg aus dem verhäng- nisvollen Deflationszirkel. der aus der unnormalen Gold- bewegung folgt, die Beseitigung ihrer Ursache, die Streichung der Reparationen und Kriegs» schulden sei. Es ist eine traurige Ueberlegung, so führt er aus, daß in der Sorge, 400 Millionen Dollar jährlich für Reparationen und Kriegsschulden hereinzubringen, ein Schaden angerichtet wird, der für-iiie Welt zehn» bis zwanzigmal so hoch wie dieser Zahlungs- betrag zu veranschlagen sei. Man dürfe aber nicht annehmen, daß der Welt mit einer einfachen Stundung der Reparationen und Kriegsschulden geholfen werden könne. Um das nötige Vertrauen wieder herzustellen, fei es notwendig, daß kein Zweifel darüber bestünde, daß auch in Zukunft die verhängnisvollen Störungen sich nicht wiederholen würden. Die wissenschaftlich fundierte Begründung von Sir Henry Strakosch für die alle von der Internationale der Arbeiter- bewegung seit Jahren vertretene Forderung nach Streichung der Reparationen und Kriegsschulden verdient die volle Auf- merksamkeit der Politiker, die in den nächsten Wochen über das Schicksal der Well zu entscheiden haben. Daß auch noch dqr Auffassung von Strakosch der Innige Zusammenhang zwischen Reparationen und interalliierten Kriegsschulden nicht wegzuleugnen ist, macht allerdings die politische L ö s u n g in der Praxis bei der heute noch herrschenden Ein- stellung in den Vereinigten Staaten voll' Nordamerika immer noch viel schwieriger, als es zunächst nach der rein Wirtschaft- lichen Klarlegung der Beziehungen erscheinen mag. So wenig wir uns über das Bestehen der politischen Schwierigkeiten einer Illusion hingeben wollen, so nachdrücklich muß auf der anderen Celle an die Machthaber der Welt appelliert werden, dem Rufe der Vernunft gegenüber, wie er auch in diesem neuen Dokument zum Ausdruck kommt, nicht länger taub zu bleiben._ Haupiverfahren im GchuliheißtEkandal Katzenellenbogen bleibt in Hast. Die zweile Strafkammer des Landgerichts I Berlin hat gestern gegen die Mitglieder de? ehemaligen Generaldirektoriums der Schullheih-Patzenhofer A.-G., Katzen ellenbogen, Pcnzlin. Dr. So- bernheim, Kulikmey und Funke, das Hauptoerfahren gemäß dem Antrag der Anklage Eröffnet. Die Anklage legt sämtlichen Angeschuldigte« Bilanzverschleierung, Penzlin uich Katzen- j «llenbogei» auch Prospektbctrug und dem letzteren ferner� handelsrechtliche Untreue zur Last. Die Untersuchungshaft gegen> Katzenellenbogen dauert aus den bisherigen Gründen fort.| Ein Blick ins Dritte Reich. Lteberfüllte Kundgebung des Reichsbanners im Kriedrichshain.— Abrechnung mii Krick und Konsorten. Die Reih« btr. große« Veranstaltungcu. mit dcucu das Berliner Reichsbanner die republikanischen Masse» zum Kampf gegen den Faschismus mobilisiert, wurde gestern durch eine wuchtig« Masienversammlung fort- gesetzt. ZOOO Männer und Frauen füllten dicht gedrängt den Saalbau Friedrichshain und hörten aus dem Munde führender Republikaner aus Länder» mit Nazi- miutftern die Wahrheit über die nationalsozialistische Tcrrorherrschast. Der riesig« Saal, der mit schwarzrotgoldenen Fahne» reich geschmückt war, mußte bereits»m 8 Uhr wegen Ueberfüllung polizeilich gesperrt werden. Hunderte bekamen so keinen Einlaß mehr. Die Kundgebung wurde zu einer Abrechnung mit den Volksbetrügern. Tie Redner aus Thüringen, Branuschwrig und Kiel wurden herzlich begrüßt. Ein Wille beherrschte die Riesenversammlung, der Wille, sich nickst kampslos faschi- stischen Horden auszuliefern, sondern mit aller Kraft bis zum Letzten das Vermächtnis der Borkampfer, die poli- tisch« Freiheit in Deutschland, zu verteidigen. Tie Mil- lioncn republikanischer Männer, denen im Kriege die Kugeln um die Ohren Pfiffen, werden es nicht dulden, daß ein Eharlatan dem deutschen Volke Sklavenketten an- legt. Die Dämme der Republik werden stärker sein als die nationalsozialistische Schlammflut. Tie imposante Kundgebung, die der Leiter des Kreises Osten, Max Wölfel, führte, wurde durch Musikvorträge der Tambourkorps des Kreises Osten und des Musik- korps Friedrichs Hain eingeleitet und abgeschlossen. » Zn einer einleitenden Ansprach« geißelte W i e g n e r vom Gau, vorstand Berlin das Verhalten der„Borsenzeüung" und her „Deutschen Allgemeinen Zeitung'" nach der letzten Reichsbanner- kundgebung. Sodann nahm der Thüringer Gauführer Seele- Weimar das Wort, lkr stellte die Worte und Taten der Nationalsozialisten vor und während der Reglerungszeit Fricks gegenüber: Die Ministergehälter, die abgebaut werden sollten, wurden erhöht: Frick Ist der einzig» thüringische Minister, der Pen» sion erhält. Das Versprechen, kein« Steuern, die die Mass«, belasten, einzuführen, ist durch die Rcgersteuer. die Mietzins- erhöhung und die Genossenschastesteuer ersetzt worden. Versprochene 250000 Mark für Notleidende sind durch eine Landeespende ersetzt worden, dl« 100000 Riark brachte und bei der in Stcinach bei 1180 nationalsozialistischen Stimmen ganze 2,86 Mark eingezahlt wurden. Dafür sta>ü> das Reichsbanner unter stärkstem nationalsozialistischem Terror. Di« Treu« der Beamten zum Staat wurde durch Entlassung gelohnt. Fuklerkrlppevwstkschast und Parlelbuchbeamüullum. das man so sehr beschimpft hatte, machten sich breit. Wir konnten keine Dersanmüunzen abhalten, während die Versammlungen der Nationalsozialisten durch Polizei geschützt wurden. F r i ck kam es sogar nicht darauf an, die Abrüstnngsbestimmungen des Bersailler Vertrages gegen das Reichsbanner auszuspielen Kinder sollten gezwungen werdeu. in Gebeten ihre Eltern als Landes- oerräter anzuklagen und ihre Bestrafung zu fordern. Der schuldenfreie Etat, den die republikanische Regierung dem Ordnungs- block übergab, besteht nicht mehr. Thüringen hat 12S Millionen Mark Schulden. Die Ausgaden auf sozialem und kulturellem Gebiet aber sind gedrosselt.(Pfuirufe.) Unser Kamps hat unter schwie- rigsten Verhältnissen durchgefochten werden müssen. Wer wir lassen uns das heilige Vermächtnis der Frecheii, für das unsere Väter ge- stritten haben, nicht entreißen. Im Gedächtnis an die 60 Sameraden, die in den letzten zwei Zahreu durch Mord niedergestreckt wurden, geloben wir Treu: der Eisernen Front, und unser Mahnruf wendet sich vor allen Dingen an die Jugend. sStürmischer, an- haltender Beifall.) Als zweiter Redner berichtete Dehnich-vraunschweig über die Vürgerkriezsvorbereitungen der Nazis in seiner engeren Heimat.„Seit 144 Jahren stehen wir in einem unerhörten Kampf. Unterstützt von Industrie und Handel, rociriwi der Nalionaksozialis- mus seinen ganzen Haß gegen uns. Hat es doch der junge Ratio» nalsozialist Model, der zweimal wegen schweren Ein- I) r v ch s d u b st a h l s vorbestraft ist und dennoch einig« Wochen lang Landtagsabgeordneter der Nazis war, ge- wagt, selbst unseren allen Freund Iaspor mit tätlichen, Angriff zu bedrohen. Der braunschweigifche Polizeimiaister Klagges ist als Lehrer aus dem preußischen Staatsdienst frist« und Pen» sionslos entlassen, weil er die Republik, ihre Farben und ihre Vertreter auf das gemeinste beschimpft halle. Auf dieselbe Verfassung leistete«r jetzt den Eid! Schon unter Franzen stand das Reichsbanner unter schwersten Nochstellungen durch die Regie- rung. Immer wieder sind im Lande Brauns6)weig unsere Kanu!- roden überfallen und niedergeschlagen worden, in Rautheim drangen 20 SA.-L«ute in ein hormloses Tanzvergnügen und schlugen eine alte Frau mit einer Flasche nieder. An einem anderen Ort schlugen die Hitler-Leute einen Republikaner dreimal hintereinander nieder, um ihn dann in einen tiefen Bach zu stoßen, aus dem er von vor- übergehenden Zigeunern gerettet wurde. In Blankenburg sind aus Anordnung eine» mil Zuchthaus vorbcslraflcn SU.-Führers die Jungen? und Mädels der Kinderfreunde und der Sozialistischen Arbeiterjugend überfallen worden. Wie furchtbar die Nationalsozia- listen beim Reichstresfen vom 18. Oktober gehaust haben, bei dem zw:i Arbeiter den Tod erlitten, ist noch in aller Erinnerung. Da- mals sagte so mancher Kommunist, daß es von der Sozialdemokratie richtig gewesen sei, wenige Tage zuvor die Regierung Brüning im Reichstag nicht zu stürzen, weil sonst der Marsch auf Berlin j)or- genommen worden wäre.(Sehr richtig!) Damals hatten die SA.- Leute ihr« Dolchmesser in den Feldflaschen verbor- gen, damit stachen sie auf ihr: Gegner ein.(Zurufe: Was sagt Groener dazu?) Der Berliner Mordsturm 32 hat besonders wild gehaust, Männer, Frauen und Kinder niedergeschlagen und Kinder- wagen umgeworfen.(Reue Rufe: Was sagt Groener? Die Be- amtenschoft ist von Republikanern völlig gesäubert. Als letzte Helden- tat hat Klagges die Verwendung von„Im Westen nichts Neues" in den Schulen verboten. Wir Neichsbannerkameraben werden mit unseren �Frauen in unseren Wohnungen Leseabend« veranstallcn, um der Jugend ge- eignet« Literatur zuzuleiten.(Stürmischer Beifall.) Wir stehen treu zur Eisernen Front. Hinein, Jugend, auch du ins Reichsbanner! Nimm dir ein Beispiel an den erwerbslosen Kameraden, die oft mit hungrigem Magen ihre Pflicht tun. Auf zum Kamps!(Stür- Mischer Beifall.) Hansea-Kiel schilderte den nationalsozialistischen Terror in Eutin. In dieser kleinen Stadt werden die Frauen der Reichsbannerleute angespuckt, angepöbelt und niedergeschlagen. Der Naziführer, Rechtsanwalt Bömker, stellle in öffentlicher Versammlung das Verlangen an die Arbeitgeber, Reichsbannerkameraden und Sozialdemokraten zu«nt- lassen. Der Terror ist ungeheuerlich: aber das Ziel, unsere Organisation zu zerschlagen, ist nicht erreicht worden. Mit verdoppelter Energie sind wir an die Zlrbeit geganzen. Möge diese in der Provinz besonders schwere Arbeit gebührend anerkannt werden. In der Kleinstadt und auf dem Laiche ist es schwieriger, zu seiner Gesinnung zu stehen als in der Großstadt. (Anhaltende. Zustimmung.) So manchem von uns fällt es zudem schwer, auch nur das nötige Fahrgeld aujzntreiben. Trotz allem Terror sagen auch wir, daß wir keinen Bürgerkrieg wollen, weil wir wissen, daß bei den Gegnern nicht dl« Führer, sondern die verhetzten Proletarier auf dein Schlachlfelde bleiben. Aber wir dulden nicht, daß Reichsbannerleute vogelfrei sind, und wir treten für unsere Kamerad?» ein. (Stürmischer Beifall.) Den würdigen Abschluß der gewalligen Kundgebung bildet« ein prächtig vorgetragener Sprechchor des Iungbauners Osten, der mit der Mahnung schloß: Eiserne Front bis zum letzten Mann! und das Gelöbnis enthielt: Da» Lolk, nicht Hitler an die Macht! Auch das Bürgertum erwacht. Die Aktivität, die sich in den letzten Wochen an der republi- kanischcn Front in zunehmendem Maße entwickelt.!, hat jetzt auch die Reihen des Bürgertums ergriffen. Hier sind es vor allein jene Kreise des Mittelstandes,'die infolge der Untätigkeit der Mittelparteien schon die Hoffnung auf eine Verwirklichung ihrer politischen Ideen aufgegeben hatten, aus denen jetzt neue Kräfte der Stactsbejahung und des politischen Lebenswillens entstehen. Die republikanische Aktion, die in diesen Tagen vor die OeffenUichkeit tritt und die am Montag, dem 18. Januar, 20 Uhr im Sportpalast ihre erste Kundgebung veranstaltet, ist Trtzger dieser neuen Bewegung, die den Sinn haben soll, neben dt« eisern« Ar- beitersront die eiserne Bürgerfront zu reihen. Als Redner sind sür die Veranstaltung, soweit bisher bekannt ist. u. a. Major a. D. Hauff und Regierungspräsident Dr. Friedensburg vorgc» sehen, während mit anderen Rednern noch verhandelt wird. Abwehr des Terrors. Republiktreue Beamte gegen die Republikfeinde. Der Bundesausschuß des Allgemeinen D e u t s ch e n B e a in t o u b u n d e z hat sich in seiner Sitzung vom 12. Januar, an der der Führer des Reichsbanners. H ö l t e r m a n n, und im Namen des Partcivorstondcs Genosse Stelling teilnahmen, aufs neue mit der Frage der Bekämpfung nationalsozialistischer Betätigung erheblicher Teile der Beamtenschaft besaßt. Einstimmig wurde eine Entschließung angenommen, in der es heißt: „Wenn auch die maßgeblichen amtlichen Stellen Preußens in Ausfülzrung des mit der Verordnung vom 4. Juli 1830 erlassenen Verbots der Betätigung für verfassungsfeindtiche Parteien diszipli- narrsch verfolgt haben, so wirb leider im Reich und in einigen Ländern ein energisches gnmdsätzl-ches Durchgreifen gegen die Feinde der Republik in der Bcamtenjchait vermißt. Fraglos ist diese Zu- rückHaltung in hohem Grade mitschuldig sowohl an der fortschreiten- den faschi st ischen Durchsetzung des Beamtenkörpers als auch an der Benachteiligung der republiktreuen Beaniten im Dienst, die sich vielfach sogar in Terrorakten auswirkt. Der Bundesausschuß des ADGB. vertritt die Auffassung, daß dieser Zustand weder für die Allgemeinheit noch für die republikanisch c-ngesieltten Beamten länger tvgbor ist. Er ersucht daher Reichs. und Länderrogierung, auf Grund der bestehenden gefetzlichsn Bc- stinmmngen und amtlichen Berordmmgen unverzüglich dafür zu sorgen, daß dem Geiste der von allen Beamten beschworenen republikanischen Verfassung Rechmmg getragen wird. Gleichzeitig stellt der Buudesausschuß fest, daß es Aufgabe der organisierten Beamtenschaft ist, sich mit ollen Kräften an dem Abivehrkampf zu beteiligen. Er richtet daher an alle republiktreuen Beamten den Appell, auf dem Wege solidarischer S e 1 h st h i 1 f« mit allen zu Gebote stehenden Mitteln dem national- sozialistischen Terror entgegenzutreten. Der Bundesansschuß vertraut darauf, daß sowohl die hinter der Weimarer Verfassung stehenden Parteien und das Reichsbanner, als auch die in der Ettchcitsfront zusaimneitgcfaßten Gewerkschrften den hier vertretenen Bestrebungen der Beamtenschast ihre wärmste Unterstützung zuteil werden lassen." Der Bundesausschuß beschloß ferner die Einrichtung einer T e r r o r a b w e h r st e l l e, die in Verbindung mit der Terrorabwehrstelle des Parteioorstandes und dem Reichs- banner dem nationalsozialistischen Terror in der Beamten- schaft ein Ende machen soll. Degen schweren Landsr>edensbruchs. gefährlicher Körpcrver- letznng, Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung wurden am Dienstag vor dem Erwctterten Echüsfengericht in Liegnitz sieben tommnnistisch« Arbeiter aus Bünzlau zu Gefängnisstrafen von drei bis sieben Monaten verurteilt. Die Angeklagten waren am Abend des 15. Mai 1931 in Bunzlau mit Nazis zusammengestoßen und hallen später das Nazioerkehrslokal Blücher gestürmt, um einen vermeintlich in den Händen der Nazis b-findlichen Parteifreund zu befreien. Bei diesem Angriff dienten Stuhlbeine. Biergläsrr usw. als Wassern Ein Teil der Lokaleinrichtung wurde zertrümmert. Etwa zwölf Nazis wurden durch Messerstiche mehr oder weniger schwer verletzt. Die neuen Gralshüier. Bomben-Heim bleibt in Hast. Trotz der Einheiissront Hugenberg-Thälmann! Der Rechtsaueschuß des Landtages besaht« sich am Dienstag mit einem kommunistischen Antrag, wonach der Landtag das Ttoatsministerium.beauftragen solle, den Bauernführer Claus 5? e i m sofort in Freiheit zu setzen. Ein Regierungsvertreter wies daraus hin, dah Helm zu siebea Zahreo Zuchthau» wegen der im Ausammenhang mit der Landoolkbewegung in Schleswig-Holstein verübten Bomben» delikte verurteilt worden sei. Nach einem Handgranaten» atte»tat habe man im ganzen sieben Bombenattentate unter- nommen, nämlich auf des Landrotsamt Itzehoe und Niebüll, auf das Finanzamt in Oldenburg, auf das Haus des Rechtsanwalts Strauß in Lüneburg und des Regierungspräsidenten Grimm in Schleswig, auf«ine Krankenkasse und da» Regierungsprösidium in Lüneburg. In einzelnen Fällen seien erheblich« Sachschäden ein- getreten, Menschen seien aber nicht zu Schaden gekovnnen. Heim hatte dieFäden in derHand. Er sei allerdings persönlich nicht zugegen gewesen, auch habe er von einem Anschlag auf das Finanzamt in Oideuhurg nicht» gewußt. Auf GruNd der Spreng- stoffbestimnumgen sei die Berurtetlung zu sieben Iahren Zuchthaus erfolgt. Seine Strafe lauf« am 24. September 1936 ab. Er habe jetzt rund sieben Monate der Zuchthausstras« verbüßt; dazu kämen etwa zwei Jahr« Untersuchungshaft. In der Aussprache sprach sich Abg. v. Wangenheim(Dt. Fraktion) gegen den tommunistischen Airtrog aus. Man dürfe gerade dies« Angelegenheit nicht zu einer Parteisache machen. Dem Minist«? müsie es überlassen bleiben, nach Ablauf einer gewissen Zeit von sich aus ein« Entscheidung zu treffen.— Frau Abg. Mehlis(Dnat.) empsohl die Annahm« des Antrage».— Abg. G e h r m a n n(Soz.) betonte, Angrisfe auf Leib und Leben von Volksgenossen müßten gesühnt werden. Da» erste Handgranaten- oUentat sei gegen Landwirte verübt worden, die sich den agitatori- scheu Wünschen Heim» nicht hätten anschließen wollen. Man habe auch Schädigungen gänzlich Unbeteiligter tn Kauf genommen, wie es sich besonders bei den Attentaten gegen das Haus des Rechts- anwalts Strauß und des Regierungspräsidenten in Lüneburg er». gebe.— Abg. He st ermann(Wirtschastsp.) lehnt« gleichfalls den Antrag ab. Vi» weit in die Reäitskreise hinein seien diese Straf» taten abgelehnt worden, weil man eine Agrarpolitik nicht mit Sprengstoff betreiben solle. � Schließlich wurde der S ch u tz a n t r a g für d«n Bomben» dauern abgelehnt. Für ihn stimmien nur die Kommunisten und die— Deutschnationalen! Ein neuer Bomben-prozeß. Oer Konstrukteur der Bomben unter Anklage. Bor dem Schwurgericht in Altona beginnt am 19. Januar ein neuer Bombenattentatsprozeß, und zwar gegen den 5)er- steller der Bmnben, oi« im Sommer 1929 in Schleswig-Holstein zu den Attentaten benutzt wurden, den Elektrotechniker Alfred Kap- Hengst. Cr war, als die Bombsnaltentäter seinerzeit verhaftet wurden, nach der Schweiz geflüchtet und lebte hier unter dein Pseudonym eine»„Schriftstellers Ortner* bei einem Freund in Lugano, wo er dann von dem Berliner Kriminalkommissar Mühl- friadel oerhastet wurde.■ t,,' Di« Erledigimg de» von Deutschland gestellten Auslieferung!-- antrag» verzögert« sich damals, weil der Verteidiger der Ausliefe- rung mit dem Hinweis widersprach, daß«s sich um ein politisches Delikt handle. Die Binchesregierung in Bern verfügte dann aber dod) schließlich dl« Auslieferung. Nach der Anklage soll Kapl?engst, bei dessen Bombenlonsiruktien Ammontt durch einen Zeitzünder zur Explosion gebracht wurde, nicht nur die Bomben angefertigt und si« den Tätern ausge- händigt haben, er soll vielmehr auch selbst bei dem Anschlag aus da» Üandratsamt in Niebüll in Schleswig-Holstein beteiligt gc- wesen sein. Dagegen hat man die Anschuldigung, daß er auch an dem Atten- tat auf den Reichstag teilgenommen habe, fallen gelassen. Zu der Verhandlung ist eine große Reihe von Zeugen und Sachverständigen geladen, u. a. auch Rechtsanwalt Dr. Strauß aus Lüneburg, dessen Haus bekanntlich seinerzeit durch einen Bomben- anschlug schwer beschädigt wurde. Hitler schlimmer als Äorsig. Die Sozialpolitik im Oritteu Reich. Der„Freie Angestellte", das Organ des Zentraloerbandes der Angestellten, veröffentlicht in seiner nächste» am 16. Januar er- scheinenden Nummer«inen Brief«ine» Herrn Walter Berg n er. Mitglied des Bezirtawirtschaftsrats Hessen der NSDAP., der durch das Boxheimer Blutprogramm zu einer«igen- iümlichcn Berühmtheit gelangt ist. Bergner ist auch Gausührer des Deutschnationalen Handlungsgehilsen- Verbandes. Er«rfuhr In seiner Eigenschaft al, wirtschafte- politischer..Gaufachberater" der Hitler-Partei einiges über die sozialpolitischen Pläne, die durchgeführt werden sollen, ialls dos Dritte Reich tatsächlich Wahrheit werden sollte. Die Ab- sichten seiner Partei haben ihn so tief erschüttert, daß er in einem Brief, der vom fc. Juli 1931 stammt und an ein damals prominente» Mitglied der Hiller-Partei gerichtet war. seinem Herzen Luft mochte. Er schreibt: „Icli muß Ihnen Allerdings offen gestehen, daß ich von den vorgetragenen Ansichten ziemlich entsetzt war. Ich weiß nicht, ob Sie dos sozialpolitische Programm der Deutschnationalen Bolksportei ke.men. Wenn ja. werden Sie sicher bei einem Der- gleich festgestellt haben, daß das. was Dr. W a g c n« r in seinem Wirtschaftsmonisest plant. Geist v o m G e i st e d e r D e u t s ch- nationalen Lolksvartei ist, daß zwischen beiden Wirtschaftsprogrammen kein wesenllichcr Unterschied besteht. Ich kann mich recht gut erinnern, daß wir immer und immer darauf hinwiesen, daß der Arbeiter und der Angestellte endlich sein Recht und seinen Anteil an den allgemeinen Produktions- gütern erhalten sollte. Run dürft« es allgemein bekannt sein, daß der Arbeitnehmer allein unbedingt schwächer ist als der Arbeit- geber, daß er sich gegen die Willtür des meist liberalen Arbeit- gebertums nur wehren kann, wenn er sich zusammenschließt. Dos bekennt selbst Hltler in seinem Luch„Mein Kamps" und sagt, solange Arbeitgeberverbände vorhanden sind, erst recht Ge- werkschaften vorhanden sein mühten. Darüber wollen wir uns doch klar sein, daß Differenzen.zwischen Arbeitgebern und Arbeit- nehmern im Dritten Reich nicht ohne weiteres verschwinden werden, trotz Verbot von Aussperrung und Streik." Und was beabsichtigen dl« Nazis nach dem Verbot von Lohnkämpfen an die Stelle der Sozialversicherung zu setzen? Hören wir weiter Herrn Walter Bergner, der es wissen muh: „Besonders schmerzlich berührte mich die Stellungnahme der Reichsleitung zu der Sozialversicherung... durch eine Ablösung der heutigen Sozialversicherung durch ein Zwans»sparst) st em schüttet man das Kind mit dem Bade aus. Auch hier treffen wir uns. d. h- Dr. Wagener und sein Krei», mit den Ansichten der Deutschnationalen Volkspartei." Bergner stellt dann fest, daß dieses Programm Identisch ist mit den Forderungen des bekannten reaktionären Professors Hornesser, das— von den schwerindustriellen Scharfmachern abgesehen— allgemein abgelehnt wurde. Also dl« angeb- lich sozialistische Hitler-Partei hat in den Fragen der Sozialpolitik da» Programm, das in Deutschland nur die reaktionärsten Scharfmacher wünschen, da» nicht einmal die Bereinigung der deutschen Arbeitgebervarbänd« de» Herrn von Borsig vertritt. Und nun begreift man auch, warum diese Scharfmacher die angeblich „sozialistische Arbeiterpartei" Hitler» finanzieHen. Helldorf-Auto als Keldherrnhügel. Oer Führer des Krawalls beobachtet. Im Helldors-Prazeß waren gestern sämtliche Angeklagten zur Stell«. Die Verhandlung konnte also ahne Verzögerung beginnen. Neben mehreren Polizeibeamten und einigen Kurfürstendamm- Verletzten kam der Neffe des ermordeten Walther Rathenau, der Student Rathenau, als Zeuge zu Wort. Rathenau war in seinem Auto von Haiense« gekommen, hatte«», um sich besser die Demonstration ansehen zu können, in der Fasanenstraße abgestellt. Er war gerade im Begriff, von der Fasanenstraße in den Kurfürsten. dämm einzubiegen, als das rote Lampenzeichen dem Berkohr halt gebot. An das Zluto, in dem Graf Helldorf saß. traten zwei Man- ner heran, die ebenso gekleidet waren wie die Demonstranten. Der eine setzte seinen Fuß auf das Trittbrett des Autos: entweder niachte er den Insassen«in« Mitteflung oder er erhielt Instruktionen. Als der Verkehr sich wieder in Bewegung setzte, gingen die beiden Man- ner In der Richtung zur Kalser-Wilhelm-Eedächtniokirche und mach- ten den Demonstranten irgendwelche Zeichen Di« eindeutigen Aus- sagen diese» äußerst sicheren Zeugen verfehUen schon in der ersten Verhandlung ihren Eindruck nicht. Sie haben seitdem an ihrer Sicherheit und Eindeutigkeit nichts eingebüßt. R.-A. Dr. Sack, der wohl speziell wegen dieses für Helldors und die Mitinsassen seines Autos so gefährlichen Zeugen gestern auf der Derteidigerbant er- schienen war. versucht« die Aussag« des Zeugen zu erschüttern. Ver- geblich! Sie verlor nichts an ihrer Bedeutung und Wirkung. Es ist noch ein« große Anzahl Zeugm zu vernehmen. Man hofft jedoch, am 21. Januar die Beweisaufnahme abschließen zu können. Entwaffnung der Republikaner. Die Heimwehr bleibt unbehelligt. Wie«. 12. Januar.(Eigenbericht.) Die Polizei hat am Dienstag wiederum mit einem großen Auf- gebot von Maimschaften im Ottakringer Arbeilerheim nach Waffen haussuchen lassen und in einem vermauerten Versteck 750 Se» «ehr« und sechs Maschinengewehre sowie Muni- tion und Handgranaten beschlagnahmt. Der Vorstand der Wiener Sozialdemokratie protestiert in einem Aufruf dagegen, daß die der Polizei bekannten Wasfenlager der Heimwehr nicht ausgehoben werden, obwohl Starhemberg jeden Tag einen Putsch ankündigt, während die Waffen, die zur Verteidigung der Republik bestimmt sind, beschlagnahmt werden. Die Kunde von der Beschlagnahme verbreitete sich in dem Arbeiterbezirk Ottakring mit Blitzesschnell«. Bor dem Arbeiterheün, das von einem Polizeikordon abgesperrt war. sammelten sich im Lause des Abends viele Arbeiter an. zumeist Kommunisten, die die Aktion der Polizei mit Z u r u f« n begleiteten. An einzelnen Stellen kam es zu Zwischenfällen, wobei auch einige Verhaftungen vorgenommen wurden. «ewissenhafNgkeik. Am Tage der ersten Besprechung Brüning- Htficr erschien dies« Nachricht in einer 2. und 3. Ausgabe unseres Abendbltittes. Die„Note Fahne" und ihr nachbetend ,eDie Welt am Abend" behaupteten stagedarauf unverfroren, wir hätten diese Nachricht— totgeschwiegen. Am Dienstag teilt sie mit, was die Neichsbannerjührer„am morgigen«onntag" berate» werden. Ja, aus dem Münzenberg wird das pure Gold höchster GawiZetchastigkeit gefördert.,_ Beginn der Kammertagung. Gedenken für Moginot.- Dank an Vriaad. Paris, 12. Januar.(Eigenbericht.) Die ordentliche Parlamenlssession des laufenden Jahres wurde am Dicnstagnachmittag in der Kammer und dem Senat eröffnet. Die Sammer war in weitem Umfang von starken Polizcikrästen abgesperrt, weil die Kommunisten Arüeilsloseumanifestaltoncn angekündigt halten. In kleinen Trupps suchlen sich die Kommunisten der Sammer zu nähern. Da den Aufforderungen der Polizei- beamlcn, sich nicht zusammenzurotten, nicht Folge geleistet wnrde. wurden zahlreiche Verhaftungen vorgenommen, vi» S Uhr abend» betrug die Zahl der Verhafteten über 3000. In der Kammer wurde die Sitzung von dem tz-tjährigen Abge- ordneten T h o m s e n(Radikale Linke) eröffnet, der zunächst einen kurzen Nachruf aus Magiiwt verlas, dem sich der Ministerpräsident im Namen der Regierung anschloß. Di« Sitzung wurde dann zum Zeichen der Trauer für kurze Zeit unterbrochen. Nach Wieder- crösfnung der Sitzung hielt Thoinsen die Eröffnungsrede, in der u. a. ausführte: „Der große Friedensfreund B r i a n d, in dessen Bemühungen mehrere fremde Nationen die höchste Garantie für die allgememe Beruhigung der Welt erblicken, Hai, da er noch nicht völlig wiederhergestellt ist, die Ansicht ausgesprochen, daß es für ihn schwer sein werde, sich nach Lausanne und Genf zu begeben und er hat daher sein Porteseuille dem Ministerpräsidenten zur Verfügung gestellt. Mit lebhafter Beunruhigung würden wir die Unterbrechung eines Kurses sehen, mit dessen Erfolgen so viele Hoffnungen verbunden sind. Unsere Außenpolitik verfolgt ihren Marsch aus dem Wege, den sie sich in Locarno vorgezeichnet hat. und der seitdem dprch die Parlamentsbeschlüsse in vollein Einvernehmen mit der Volks- Meinung gebilligt worden ist. Unrer der Autorität Briands hat diese Politik im Jahre 1929 zur Unterzeichnung des Kellogg-Paktes und im Jahre 1930 zur Schaffung der europäischen Studien- kommission g-sjibrt. Im variaen Jahre bot das Parlament wich die Ehre geboi't, die feierliche Zustimmung Frankreichs zu der Schiedsgerichtsklausel auszusprechen. Es hat auf diese Weise kraftvoll zur Weiterentwicklung der internationalen Solidarität beigetragen. So arbeitet Frankreich, indem es sich mit allen Mitteln um die Organisation eines soliden und dauerhaften Friedens bemüht, an der Einigung der Völker und ihrer vertrauensvollen Zusammen- arbeit. Morschicren wir weiter auf diesem Weg. den Blick immer auf das Vaterland, auf die Republik und auf die Politik des Friedens und der internationalen Solidarität gerichtet." lGroßer Beiiall.) Im Anschluß daran wurde zur Neuwahl des Kammcrvor- stand«» geschritten. Der bisherige sozialistische Kammerpräsident Bouisson, der keinen offiziellen Gegenkandidaten hatte, wurde mit großer Mehrheit wiedergewählt. Im Senat gedachte Alterepräsident Ienouvrier des Kriegs- Ministers Maginot und hielt dann die Eröffnungsrede, in der er gleichfalls auf die Bemühungen Frankreichs um die Sicherung des Friedens hinwies. Knallfrösche gegen Ludendorsf. Hitler-Gardisten mit Stinkbomben und Kanonenfchläoen. Hildeshe'.m. 12. Januar. Der Tannenbcrg-Bund Ludendorfss veranstaltete in der Stadt- halle eine össe.nlliche Versammlung. Bereits als der Redner begann, setzten Zwischenruse ein mid der Vcrsannnlungsleiter ließ deshalb durch die Polizei mehrere Besucher aus dem Saal entfernen. In- zwischen aber wurden Stinkbomben in den Saal geworfen und Niespulver gestreut. Als endlich ein K a n o n e n s ch l a g zur Explosion gebracht wurde, sah sich die Polizei gezwungen, die Per» iammlung aufzulösen und den Saal zu räumen. Bei der Festnahme einiger Persoiien entstand vor dem Eingang des Saales «in Gedränge. Mehrere Personen wollten die Festnahme oerhindern und muhten mit dem Gummiknüppel zur Ordnung gebracht werden. Auch aus der Straße kam es zu Auseinander- setzungcn B i l d p l a k a t e des Tannenberg-Bundes an den städtischen Anschlagsäulen mit der Unterschrift:„Arbeiter- schlcksal im Dritten Ret ch". auf denen ein mit schwerer Eisen kette um den Hals an einen Pfahl gefesselter Mensch dar- gestellt war, wurden schon vor Beginn der Versammlung zersetzt und mit brauner Oelsarbe überschmicrt. Schlußwort und Rückblick. Die Abwehrbewegung der Arbeiier der städtischen Werke. Im Auftrage aller Tariforganisotionen hat der Gesamt- verband den Direktionen der Gas» und Wasserwerke und der BVG. seine Zustimmung zu dem Einigungsvorschlag gegeben, der in der Aussprache zur Beilegung des Konfliktes in den Werten und bei der BVG. zu Anfang voriger Woche im Berliner Rathaus gemacht wurde. Damit ist der Berliner Konflikt, der eine Woche lang die Ocffcntlichkcit in Spannung gehalten hat, e n d» gültig beigelegt. Um was ging es in diesem Kampf? Die dritte Notoerordnung vom 6. Oktober schrieb zwingend vor, daß die Löhne der Arbeiter in den öffentlichen Betrieben denen der gleichartigen Arbeiter tndenReichsbelrieben angeglichen werden müssen. Gegen diese Bestimmung richtete sich der Abwehrkamps der Berliner Werk- und verkehrsarbciler in erster Linie. Die Bewegung wurde somit von Anfang an zu einem Kampf um den politischen Lohn. Durch die Taktik der Gewerkschaften wurden die Verhandlungen zwei Monate verzögert. Erst nach der Verkündung der vierten Notoerordnung griffen die Direktionen den Angleichungsplan wieder auf, der auf den schärfsten Widerstand der Gewerkschaften stieß Die Gewerkschaften konnten natürlich nicht die Angleichungs- bestimmungen der dritten Ztotoerordnung aus der Welt schaffen: sie haben es aber durch die beharrliche Verfolgung ihres Zieles zuwege gebracht, daß diese Angleichung nur in ganz geringem Maße erfolgt. Der Spitzenlohn beträgt zum Beispiel bei den Gas- und Wasserwerken nach dem Inkrafttreten der jetzt festgesetzten Abzüge 1,08 Mark pro Stunde. Nach den Angleich ungs- bcstiinmungcn der dritten Notoerordnung sollte er den Löhnen der Arbeiter bei der Reichspost oder in den Reichsbetricbcn, die zwischen 82 und 84 Pf. liegen, angeglichen werden. Durch das Ankämpfen der Gewerkschaften gegen diese Notverordnungsbestimmungen sind die Gas- und Wasserwerksarbeiter vor einem Verlust von 14 bis IS Pfennig je Stunde bewahrt worden. Bei den an- und ungelernten Arbeitern ist die Relation die gleiche. Die Direktionen bemühten sich dann, die Löhne wenigstens denen der Berliner Gemeindeorbeiter anzugleichen. Das Endergebnis der Beweg>tng aber ist, daß zwischen den Löhnen der Berliner Gemeindearbeiter und denen der Werksarbeiter zu- gunsten der letzteren immer noch eine Differenz von 2 bis 4 Pf. pro Stunde besteht, wozu noch die Erhaltung der ch a u s h a l t s- zulage von 2 Pf. pro Stunde kommt, die bei den Gemeinde- arbeitcrn seit dem 27. August vorigen Jahres fortgefallen ist. Diesen Erfolg suchte die RGO. von vornherein mit allen Mitteln Sparprogramm der KPD. Kür Arbeiter ist das Schlechteste noch gut genug. „Wie die sozialdemokratischen Gewerkschaftsführer die Beitrags- gcldsr anlegen— schildert die kommunistische Presse mit wahrhaft orientalischer Phantasie. Kein Luxushotel der West kann angpblich mit ßi-r B u n d e s s ch u l c des ÄDGB. in Bernau konkurrieren. Die.'.jungen cherren", die„hier ausgebildet werden zu Sekretären der Gewerkschaften des Streikbruchs", führen ein wahres Schlaraffenleben. Jeder hat fein eigenes Zimmer— nach Süden natürlich, was sich nicht einmal das teuerste Bourgeoisfanatorium leisten kann Aller nur erdenklicher Waschkomfort ist vorhanden! „Wunderbar, wenn des Morgens durch Druck auf einen Knopf die Fenstervorhänge lautlos zurückfallen, wenn die von Berlin ans elektrisch regulierte Uhr die Tageseinteilung einläutet. Sonnabends aber schaltet sich die Uhr selbsttätig aus bis Montag früh," Zauberhaft der Blick von der Kaffeediele aus zum Wasier und zum Wald. Hell und warm die Bibliothek.„Aus dem großen, prunkvollen Eßfaal strömt der Duft feinster Speisen— und nach der Mahlzeit, da wandeln die jungen Herren gemächlich plaudernd in den lauschigen Rauchsalon." Feenhast die große Aula, zur Hälfte nußgetäfelt, zur Hälfte bespannt mit silbergrauer Stofstapetc. Zauberhaft abends das milde, indirekte Licht der Scheinwerfer. „Soll aber der Raum am Tag verdunkelt werden, so genügt ein leichter Druck auf einen.Knopf, mrd lautlos, von Elektromotoren gezogen, schiebt sich ein riesiger Vorhang über die ungeheure Fenster- sront im Hintergrund. Bei solchen Gelegenheiten schreitet dann meistens einer der großen Bonzen priestergleich zum Rednerpult." „SPD.-Arbeiter, Mitglieder der Gewerkschaften"— so schließt die kommunistische Presse ihre Äapuzinerpredigt—„was sagt denn ihr dazu? Wann werdet ihr auf den Knops drücken?" Die Antwort auf diese Frage ist nicht schwierig. Sie lautet: Dann, wenn sich die Arbeiter nicht mehr von den Märchenerzäh- lern der kommunistischen Presse den Kops verdrehen lassen: dann, wenn die Bundesschule in Bernau und mit ihr zusammen die Or- ganisations- und Aufklärungsarbeit der Gewerkschaften den Feind. den wir am tiefsten hassen, den— Unverstand, wie er sich in der kommunistischen Press« austobt, besiegt haben wird. Dieser Unoerstand kann es nicht ausstehen, daß in Deutsch» land irgendwo etwas für die Arbeiter getan wird. Was in Rußland ein Forischrltt ist, das ist in Deutschland Per- schwendung und Luxus. Die>128 jungen Herren", die in Bernau ausgebildet werden, sind Arbeiter, die aus den Betrieben kommen und i n d i e Verriebe zurückkehren. Dürfen etwa nur die Herren Sin- denken der Hakenkreuzbourgeoisie in sauberen und modern einge- richteten Schulen unterrichtet werben? Der.Luxuspalast des ADEB." ist übrigens fast wörtlich aus der Scharfmacherpresse abgeschrieben. Schon vor Monaten spukte in der Hetze gegen die Gewerkschaften die„omeri- kanische Oelseuerung" der Bundesschule und ebenso die von Berli» elektrisch gesteuerte Uhr, die die Tageseintellung der Vundesschule einläutet, ebenso die magische Beleuchtung des Rednerpultes, ebenso der„See, dessen Grund mit einer besonderen Masse ausgelegt ist, um das Wasser klarzuhalten". � Unter den zwölf Aposteln war auch einer, der sich stets darüber aufregte, wenn der Meister ein paar Groschen mehr ausgab, der stets über Verschwendung gibberte und mauste Er hieß Judas Bankengehälter allgemeinverbindlich. Der Reichsarbeitsminister hat den Nachtrag zum Reichstarif- vertrag für das deutsche Bankgewerbe für allgemeinver- bindlich erklärt. Dieser Nachtrag wurde von dem Schlichter Dr. Heitmann nach dem Schettern der Parteioerhandlungen zu vereiteln. Nichts hat jedoch die E i n f l u ß l o f i g k e i t der KPD. und ihrer RGO. bei gewerkschaftlichen Entscheidungskämpfen deutlicher offenbart, als der Verlauf dieses Berliner Konflikts. Als kaum noch«ine Aussicht aus die sriedliche Beilegung des Konfliktes bestand und die Gewerkschaften die Vornahme einer geheimen Streikabstimmung ankündigten, begeiferte die„Rote Fahne" die Ur- abstimmung als ein von den„Reformisten" erfundenes„Betrugs- munöver". Sie fordert« die Werksarbeiter auf, sich an einer Urabstimmung nicht zu beleillgen. Als entgegen dieser Aufforderung die kommunistischen Ob» leute in der entscheidenden Obleutekonferenz von dieser Parole abrückten und sich gleichfalls für die Urabstimmung aus- sprachen, vollzog die RGO. einen vollständigen Front- Wechsel. Jetzt hieß es auf einmal:„Alle klassenbewußten Kollegen nehmen an der Streikabstiminung teil und stimmen für Streik." Wie sah es aber damtt aus? Dafür nur zwei Beispiele: Im Gaswerk Lichtenberg, wo das Mitglied des Betriebsrats der RGO. angehört, hatten die RGO.-Anhänger mehrmals am Tage Versammlungen einberufen und„stürmisch" die Proklamation des Streiks gefordert. In der geheimen Urabstimmung aber wurden von 2SZ gültigen Stimmen nur 118 für den Streik, aber 137 dagegen abgegeben. In dem gleichfalls so„revolutionären" Wasserwerk Landsberger Chaussee enthielten von den 68 gültigen Stimmzetteln nur 32 das Wort„Streit", 36 dagegen das Wort .,A r b e i t". Aehnlich verlief die Abstimmung in einer Anzahl von Betriebsteilen und-werken, in denen die RGO. ebenfalls stark hervortritt. In den Werken und Betriebstellen jedoch, «o die„Reformisten" das Feld beherrschen, kam ein viel größerer Sampfesmut zum Ausdruck. Wenn es dies« Worthelden trotzdem noch fertig bekommen, zu be- houpten, daß es nur ihrer Agitation zu öerdanken sei, wenn über- Haupt eine einfache Streikmehrheit zustande kam. so kann diese Ueberheblichkeit dem Kenner der Verhältnisie nur ein Lächeln ab- gewinnen. Dieser Belegung war nur deshalb ein Erfolg be- schieden, weil sie mii einer unbedingten gewerkschaftlichen Disziplin geführt wurde und die an chr Beteiligten den verantwortlichen Führern der Bewegung volles Bcr- trauen entgegenbrachten. Den für die Lohnpolitik verantwort- lichen Regierungsstellen dürfte durch diese Bewegung aber auch klar geworden sein, daß man gewerkschaftlich gut organisierten Ar- bettern auch in wirtschaftlichen Rotzeiten nicht alles bieten kann. Die Bewegung war ein W ar n u n g s f i g n a l für die amtliche Lohnpolitik der Reichsregierung. l über, die Neuregelung der Bankangestelltengehälter auf Grund der Vierten Notverordnung endgültig festgesetzt. Durch den Nochtrag werden die Gehälicr der Bankangestellten ab 1. Januar um 12 bzw. 14 Proz. gesenkt. Die Allgemeinverbindlichkeit des Nächtrages beginnt am 1. Januar 1832 und endet mit dem Ablauf des Rcichstarifvertrages für das deutsch« Bankgewerbe. Die Ware Arbeiiskrafi. Oer Mensch ist das größte Wirtfchastsgut. Die Frage, welche Werte sich für die Wirtschaft durch' Menschenötononiie erhalten lassen, beleuchtete der Reichstags- abgeordnete Dr. I. Moses in seinem Bortrag„Der Mensch als W i r t s ch a f t s g u t", den er im Programm der Funtswnde hiell. Ein amsrikanischer Statistiker, der Direktor des größten New- Porter Versicherungsinstitutes, hat den Arbeitswert des Menschen zu errechnen verfucht. Er ist dabei zu dem Ergebnis gekommen, daß das Vermögen, das amerikanischen Menschen für ihren Staat repräsentieren, Billionen Dollar ausmacht und fünfmal so groß ist als das gesamte Volksvermögen ein- schließlich der Bodenschätze. Der Verlust infolge Tod, Krankheit und den dafür entstandenen Arzttosten bettägt 214 Milliarden Dollar: doch ist, wie diese Statistik nachzuweisen versucht, durch Maßnahmen, die Erkrankung und vorzeitige Menschenabnutzung verhindern, ein weit höherer Betrag, nämlich 6 Milliar- den Dollar jährlich zu ersparen. Der Versicherungs- konzcrn, dessen Direktor die Berechnungen angestellt hat, zog aus ihnen die Folgerungen und verausgabte für die von chm gegen Krankheit Versicherten im Laufe von 14 Jahren 4 3 Millionen Dollar für vorbeugende Mahnahmen. Dieser Schutz der Versicherten gegen Krankheit soll sich sehr bezahlt gemacht haben. Dr. Moses betonte, daß es unzweifelhaft fei, daß Schutz vor Erkrankung nicht nur für den einzelnen Menschen, sondern auch für den Staat billiger ist als Krankheit. Das dürfte vor allem auch heute nicht vergessen werden, wo kurzsichtige Sparsamkeit auf dem Gebiet der Gesundheitspflege uitd der Arbeitslosenfürsorge zu einer gefährlichen Verschwendung werdön kann. Ein allzu starkes Absinken des Lebensniveaus muß rasch zu einer Erschütterung der Volksgesund- heit und damit zu einem Sinken des menschlichen Leistungswertes führen. Gewerkschastlicher Erfolg bei Leiser. Etappenweiser Lohnabbau ab 1. Februar. Die bekannte Schuhfirma Leiser hatte in der Oeffentlichkeit be- tanntgegeben, daß sie den durch die Notoerordnung verfügten Lohn- abbau bei ihren Angestellten und Handelsarbeitern im Januar noch nicht vornehmen will. Das gleiche Zugeständnis wurde den Arbeitern der Reparaturwerkstatt, die einen Haustarif mtt der Firma abgeschlossen haben, aber nicht gemacht. Vor dem Schlichter erklärte sich der Vertreter der Firma bereit, den einen Illprozentigen Lohnabzug erst von der zweiten Lohnwoche im Januar und den Abzug von' 15 Proz. erst— von der vierten Ianuarlohnwoche an vornehmen zu wollen. Nachdem die Beleg- schaftsvertreter dieses Angebot abgelehnt hatten, fällte der Schlichter einen Spruch, wonach der Lohn entsprechend den Vorschriften der Vierten Notverordnung ab 1. Januar um 15 Proz. gekürzt werden soll. In nochmaligen Verhandlungen sagte die Firn« zu. ab 1. Januar erst 18 Proz., ab 1. Februar 121h Proz. und erst ab 1. März die vollen 15 Proz. abziehen zu wollen. Als Protest gegen diesen Abbau beschloß die Belegschaft in einer Betriebsversammlung am Montag mit 185 gegen 12 Stimmen, am Dienstag ab 12 Uhr passive Resistenz zu üben. Di« Meldung der„Roten Fahne", daß in dieser Versammlung dem Vertteter des Zentralverbandes der Schuhmacher, Klein, das Wort entzogen wurde und er„wie ein begossener Pudel abtreten mußte", ist übrigens von A bis Z erlogen: ein solcher Antrag wurde überhaupt nicht g e st e l l t, so daß darüber auch nicht abgestimmt werden konnte. Die Empfehlung eines RGO.-Vertreters, eine „vorberettende Streiktommission" zu wählen, fand in der Ver- sammlung gar keine Beachtung, ein Beweis, daß die Belegschaft zwar den gesetzlich vorgeschriebenen Lohnabbau nicht ohne weiteres hinnehmen, sich aber der„Führung" der RGO. nicht anvertrauen wollte. Zur Beilegung des Konflikts hat die Firma gestern nochmals ein Angebot gemacht, wonach erst am 1. Februar 18 Proz. und die vollen 15 Proz. am 1. März abgezogen werden sollen. Dieses An- gebot hat die Belegschaft gestern in der Mittagspause a n g e- nominen, so daß die Arbeit in der Reparaturwerkstatt von Leiser ihren Fortgang nimmt. Diesen Erfolg hat die Belegschaft, bei der die RGO. seit dem von ihr im vorigen Jahr inzenierten Streik nicht mehr hoch im Kurs steht, zwei Umständen zu verdanken: einmal ihrer restlosen Zugehörigkeit zum freigewerkschastlichen Zentralverband der Schuhmacher und zum anderen der guten Konjunktur, die besonders setzt nach dem Inventurausverkauf in der Reparaturwerkstatt eingesetzt hat. Nicht zuletzt hat zu dem Erfolg beigetragen, daß die Firnienlettung nicht zu der üblen Sorte von Scharfmachern zählt. Die RGO. rief... Aber alle Berliner Taxis rollen weite?. Der Streit um die Neuregelung der Löhne im Berliner Kraftdroschkenge werbe entsprechend der vierten Notver- ordnung ist am Montag durch eine Entscheidung des Schlichters endgültig betgelegt worden. Die Krastdroschken- Unternehmer hatten eine generelle Herabsetzung aller Bezüge der Taxifahrer um 15 Proz. gefordert. Nach den Wünschen der Unter- nehmer sollte z. B. der Anteil des Fahrers an der Bruttoeinnahme von 331h aus 28 Proz. und der Garantielohn von 4,58 M. auf 3,80 M. pro Schicht gekürzt werden. Durch den bindenden Schiedsspruch des Schlichters wird der Garantielohn von 4,58 auf 4,25 M. gesenkt, der Anteil des Chauffeurs an der Bruttoeinnahme von 3314 auf 32 Proz., die UrloiidseiiiichädiKUNg von 8 M. auf 6 M. und der Entschädigung:- sotz für die sogenannten Reparaturstunden von 1 M. auf 85 Pf. pro Wartestunde. Den Bemühungen der Gewerkschaftsvertreter ist es aber gelungen, die denkbar günstigste Auslegung der Abboubestimmungen der Notverordnung zu er- wirken. Dos hindert die RGO. aber nicht daran, gegen die„Lohn- abbaustrategen vom Gesamtverband" vom Leder zu ziehen. Sie hatte einen 15prozentigen Lohnabbau schon feit Tagen als eine feststehende Tatsache bezeichnet und zur Vorbereitung des Streiks gegen jeden Zlbb-iu aufgefordert. Da nunmehr aber die Abbau- plane der Droschkenbesitzer von den„Gewerkfchaits- bürokraten" durchkreuzt worden sind, fehlt es der RGO. offen- bar an der Courage, d?n so marktschreierisch angekündigten„Massen- streik" durchPiführen. Nicht«in einziger ihrer Anhänger unter den Taxichauffeuren hat die Streikparole der RGO. befolgt. Zu der Handausgabe des Gesetzes über Arbeilsvcrmittlnng und Arbeitsloseuversicherung, die im vorigen Jahr der Verlag Reimor Hobbing herausgab, ist jetzt in Form von 7? Großklättsrn der ?>. Nachtrag erschienen. Durch die mit wenigen HaiQgrifsen inög- liche Einfügung der Nachtragsblätter wird das Werk jchncll bis auf den Stand der Gesetzgebung am 1. November v. I. ergänzt. Die Ergänzungsblätter enthalten die neuen Bestimmungen über die Krisenfürsorge und über die Befreiung von der Beitragspflicht zur Arbeitslosenversicherung, die einzelnen Aenderungcn des Arbeits- losenversicherungsgesetzes durch die Notoerordnung vom 6. Ollober 1831, dän Beschluß über die Höchstdauer der versichcrungsmähigeii Arbettsloscnuitterstützunz, die. Dorschristen der 3. Notverordnung über die landwirtschaftliche Siedlung, die vorstädtische Kleinsiedlung. die Berettstellung von Kleingarten für Erwerbskole, die Senats- eittscheidungen, die im September und Oktober 1931 veröffentlicht worden sind und eine Reihe anderer wichtiger Verordnungen auf dem Gebiete der Arbeitslosenversicherung und Arbeitslosenvermitt- lung. Für den in der Arbeitslosenversicherung Tätigen wie über- Haupt für jeden, der sich über alle mit diesem Versicherunaszweig zusammenhängenden Fragen. Gesetze und dergleichen schnell orien- tieren will und der im Besitze des Hauptwerkes ist, ist die An- schafsung des 3. Nachtrages sehr zu empfehlen. Der Preis ist 3,55 Mark._ tHreie Gewerkfchafts-Iugenö Berlin Acute, Mittwoch, Uhr, tagen die Kruppen: Südwesten- Jugend» heim Jorckstr. U(Zadriigedliudei.„Acht Jahre Kluppe Südwesten."- Schöneberg: Jugendheim Hauptstr. iö(Gartenhaus).„Das Sofort» Programm dcr(Sc wertschaften."— Spandau-Ren ftadt: Jugendheim Lindenufer i. „Jugend und Arbeitslosigkeit."— Rordriog: Jugendheim Eonnenburgcr Skrasie 20. Kampfliederobend.— Weihcnscc: Jugendheim Meisienfee, Partftr. SS. Lieblnecht-Luxemburg-Gedenten.— Brnswalder Piah: Jugendheim Raftenburger Strafte lt..stSewcrkjchaften und Arbcitsdicnstp flicht."— Reulölla: Jugendheim Aergstr. 3»(Hosi.„Der Limmol im Bild."— Zlnghafea- Jugendheim Fing. hasenstr. 68(U-Bahn Boddinstrafte).„Die lcftten Lohnkämpfe der freien Gemer!- fckaftcn.r— Sumboldt: Jugendheim Graun. Ecke Lorftingstrafte.„Arbeits» dienst;) flicht, freiwilliger Arbeitsdienst und ähnliche Bestrebungen."— Schiller- pari- Jugendheim Schule Schöninglir. 17. Acimbefprrchung.— Tegel- Jugend- heim Tegel, Echöneberger Str. 4. Literarischer Abend:„Proletarierjugend".— Banwschuleaweg: Jugendheim Baumschuicnweg, ikruflstr. 16. Gutheit:„Im Westen nichts Neües".— Ingcadgrnppc des Sefamtoerbaudes, Fachgruppe Kom- munalbetriebe: Jugendheim Engelufcr 24— 26.„Ein Etreifgug durch die alten Mietlasernen— und Siedlungsneubauwohnnngen." 0Iuaendaruppe des Zentralverbandes ver AnczefieMen Heute, Mittwoch, sind folgende Veranstaltungen: Schönhauser Barstadtz, Jugendheim der Schule Kastanicnallee 81. Wir lernen neue Kamxf- licdcr.— Nordost I: Jugendheim Daniiger Str. 62(Barocke 8). Vortrag:„Die internationale Gewerkschaftsbewegung". Referent: Lamm.— Reinickeudors: Jugendheim Lindauer Str. 2(Baracke). Fahrtenabend.— Stralau: Jugendheim der Schule Softlerstr. 61. Ausspracheabend:„Wie wollen wir im neuen Jahre unser Gruppcnleben ausbauen?"— Oberipree: Nlederfchöncweide, Berl-ner SIrafts gl(Schule), Eingang Hasselwerbcrstraftc. Arbeitsgemeinschaft:„Das Kommunistische Manifest". Leiter: Hubn.— Köpenick: Jugendheim Dahlwitzcr Strafte IS(Gasanstalt am Bahnhof Köpenick). Kunterbunter Abend.— Reu- kölla: Jugendheim Böhmische Str. 1—4, Ecke Kanner Straße. Bortrag:„Wir und unser« Gegner in dcr Tagesardcit". Rcicrent: Lehrer.— Südost: Jugend. heim Mantcufselstr. 7. Ardeltogemeinschafi:„Jugend im Wirtschastskampf--. Leiter: Diederich.— Schönebcrg: Jugendheim Hauotstr. 15(Hofgebäude, Sachsen. »immer). Bunter Abend.— Tharlottenburg: Jugendheim Spielhaaenstr. 4. Vortrag:„Die Angestelltcnversicherung". Referent: Bethke.— Spandau: Jugendheim Lindenuser 1. Vortrag:„Was versteht man unter Revolution der modernen Jugend?" Referent: Rachow.— Potsdam-Rowawes: Jugendherberge in Rowamcs. Priesterstrafte. Wir lesen aus den Werken von Arbeiterdichtern.— Heute tagt die B-rsicherungsgefellschaft„Sorgenfrei" A.-S. von 16—18 Uhr im Verbandshaus, Zimnier 24. Verantwortlich kllr Politik: Bietor Schifi: Birtichait: G. Kliugeshiler: Gewerkichaitsbeweaiing: J. SIciucr; Feuilleton: Dr. John Löiikowsli! Lotalcs und Eonft'gcs: Seift Karstadt: Anicigcn: Zh. Glocke: sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Berlaa G m b. S. Berlin. Druck: Borwärls.Buä dri-ckcrei und Berlagsanftalt Paul Singer u. Ea. Verlin SW 68. Lindenitrafte Z. Hierzu 2 Beilage». Schütze den Hals! � pflege ihn täglich— gurgle trocken DOu.isB"* � Nr. 19» 49. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Mittwoch/ 43. Januar 4932 Immer nodi nidii Pfennt�redinuiuj! Das unleSl&are S-Pfennig-Slück.— Eine Klippe für den Preisabbau. Entschsidendc Teile des Berliner Kleinhandels kennen dem Kunden gegenüber noch immer nicht die Pfennig- rechnung. Was beim Locker, Milchhandlcr und Liaufman» möglich war, muß auch beim Fleischer, Gemüsehändler und, nicht zu vergcfscn. beim Gastwirt durchocsührt werden. Es ist noch nicht allzu lange her, da kannten auch die Locker keine Pfennige. Sie rechneten itur mit tjechscm oder Groschen cheute»ist ei» Einbaus im Bäckerladen ohne Psennigrechnung kaum noch denkbar. Den entscheidenden An- stoß hierzu gab seinerzeit der neue Schrippenpreis von 3 Pfennig. Ebenso ist es beim Kolonialwarenhändlcr. Wir bezahlen für ein Pfund Zucker 38 Pfennig, für ein Pfund Mehl 28 und für zwei Pfund Salz 12 Pfennig. Macht zusammen 76 Pfennig. Anders ist es gar nicht mehr denkbar. Seit dem vorigen Jahr haben auch che Heringshändler begonnen, mit Pfennigen zu rechnen. Früher kosteten die Salzheringe 10 oder lö Pfennig. Heute vermag man genau zu staffeln: 8, 10 12, 15 Pfennige kostet ein Hering. Leider ist m anderen Branchen davon nichts zu merken. Je mehr die Jahreszeit vorrückt, desto teurer werden die Kar- t o f f e l n. Nun, das sind Konjunkturerjcheinungcn, die durch Zeitungsartikel nicht aus der Welt disputiert werden können. Kar- toffeln haben jedoch die Angewohnheit, in geradezu wilden Sprüngen im Pwse zu steigen. Nehmen wir an, im Großhandel steigt der.Kartosselpreis um 30 Pfennige. Das macht pro Pfund. 3:u> Pfennig, bei 10 Pfund Kartoffeln 3 Pfennig. Merkwürdigerweise vergrößern sich aber solche Preissteigerungen um Pfennige im Kleinhandel dann zu Sechsern und Groschen. Wenn 10 Pfund Industrie-Kartoffeln setzt 40 Pfennig kosten, werden sie morgen 45 Pfennig kosten. Pfennige kennt der Kartaffcl-Kleinhandcl nicht. Und wenn 10 Pfund..Rote" 35 Pfennige kosten, machen 5 Pfund 20 Pfennige. Zwiebeln und Blumenkohl. Lei den Zwiebeln liegt es noch schlimmer. Aar Weih-! nachten haben Zwiebeln 10 Pfennig pro Pfund gekostet. Nach Weihnachten kosten sie plötzlich 15 Pfennig! Es ist anzuerkennen, daß die Warcnhäuler kulant find und zwei Pfund Zwiebeln für 25 Pfennig verkaufen. Der Sprung von 10 auf 15 Pfennig hieße, daß im Großhandel der Preis für einen Zentner Zwiebeln um 5 Mark gestiegen wäre. Das ist gar nicht der Fall. Und besonders verbitternd wirkt auf die Hausfrauen, daß diejenigen Gemüse- Händler, die noch Vorräte haben, gar nicht daran denken, diese Be- stände für 10 Pfeiinig pro Pfund auszuverkaufen, sondern sofort die Preiserhöhung mitmachen. Oder: Ganz Verlin ärgert sich über den Blumenkohl, lieber den Sommer wollen wir gar nicht weiter reden, da gab es einigermaßen erschwinglichen Blumenkohl. Jetzt kostet der billigste Kops 40 Pfennig, herauf bis zu 60 Pfennig. Man mag einwenden, es ist Winter. Das würde man gelten lassen, wenn nicht der letzte Markchericht so aussehen würde:„Die Ein- fnhrung landwirtschaftlicher Schutzzölle in England und der Rück- gang verschiedener europäischer Währungen. Hat das. italienische Ausfuhrgeschäft in Blumenkohl, das schon vorher nicht befriedigte, erneut so gehemmt, daß Blumenkohl nur noch zu den niedrigsten Preisen zu verkaufen ist. Aus dem Mailänder Großmarkt wurden zuletzt nur noch 3 bis 8 Mark, in Rom zwischen 2 bis 14 Mark je 100 Stück erzielt." Also ein Blumenkohlkopf durchschnittlich 10 Pfennig, auf der Falirt von Mailand nach Berlin werden jedoch aus einem vier Groschen. Zu schärfster Kritik fordern aber die Zustände im Fleischer- g e w e r b e heraus. Wer ein viertel Pfund Leberwurst haben will, nmß glatt 30 Pfennig bezahlen, wenn das halbe Pfund 55 Pfennig kostet. Di« Hölstc wären vielmehr 25 Pfennig. Oder es braucht jemand drei Viertel Pfund Nieren, ein ganzes Pfund läßt dos knappe Wirtschaftsgeld nicht zu. Das Pfund kostet nun 75 Pfennig, was kostet das dreiviertel Pfund: natürlich 60 Pfennig. Bei dieser Sechser- und Grvschcn-Rcchnerei der Berliner Fleischer ist es beinahe ratsam, ganze Pfunde zu kaufen. Noch etwas anderes:«ine Frau verlangt ein halbes Pfund Wurst. Die Wurst kostet 55 Pfennig. Der Fleischer sagt, es wäre für 5 Pfennig mehr. Nein, sogt die Fran, sie möchte ein halbes Pfund. Worauf der Fleischer eine Scheibe abschneidet. Also kostet ein« Scheibe Wurst 5 Pfennig! Ein weiteres Beispiel: ein Pfund Schweinebauch kostet 70 Pfennig. Der Schlächter hat nicht gut getroffen, es wiegt ein Zehntel mehr— 7 Pfennig. Der Schlächter sagt natürlich: es ist für 10 Pfennig mehr. Für 10 Pfennig gibt es aber 80 Gramm Schweinebauch. Niemals wird es einem Schlächter einfallen zu sagen: das Stück kostet 77 Pfennig. Diese Rechcnmcchodcn sind eine gefährliche Klippe für den Preisabbau. Beim Käse ist es nicht viel anders. Bei einem Biertelpfund Käse soll die Verkäuferin eine kleine Ecke oder einen tlcinen Streifen zuviel abgeschnitten haben. Sie wird sagen: für 5 Pfennig mehr. Dal'ei ist der Streifen so winzig, daß er vielleicht anderthalb Pfennig ausmacht. Teurer Einkauf beim Eisenhandel. Dann die E i s e n w a r e n h ä n d l e r. Deren Preise blühen so im Verborgenen. Für 5 Pfennig gibt es 3 Schrauben, für 10 Pfennig aber bedeutend mehr als 6 Schrauben und 100 Gramm Schrauben, das ist ein ganzer Berg, der nicht teurer ist. fondern teurer wäre, wenn immer je 3 Schrauben Mit 5 Pfennigen berechnet würden. Ein kleines Stück Messingblech, so groß wie ein Türschild, kostet 50 Pfennig. Wenn man sich aber ein ganzes Kilo Messing- blech kauft, nun, das fall 2 Mark kosten, selbst einen Taler, da könnte man sich aber ein ganzes Dutzend kleiner Schilder von Germanenhaus auf den Mügge Ibergen Unser BUd m/H ein Owf». üg�e Iber gen steht und, trotz seiner Eigenart.dai mcisien Berlinern unbekannt ixt Es handeU'-sidi allerdings nidtt um ein bewohnbares oder einstmals bewohntes Haus, sondern um ein Museumsstück, die S u chbil d u n g eine s alte n G et manen hause s in der ausgezeichneten, kleinen Heimalsschaii, die vom Märkischen Museum im Müggelturm eingerichtet wurde. Die Geschichtsforschung hat erwiesen, da)! in der Gegend der Müggrlberge einstmals der Stamm der germanischen Semnonen gehaust hat. Die Müggelberge wurden nach. Schätzen der Vergangenheit durchforscht und ein Teil des Ergebnisses ist im Müggelturm zu sehen. Audi im Herbst und erst recht im Winter kann man in das Bergttehiet der Oberspree waudern und dabei dem kleinen, wirklich sehenswerten Museum seinen Besuch abstatten. machen! Ueberau wird der kleine 5läuscr benachteiligt. Die kleinste Münze, die man ihm abnimmt, ist der Sechser. Wenn alle 5)andelskreise aber, die so eine große Abneigung gegen unsere ehrenwerten Pfennige haben, einmal nachdenke» würden, dann könnten sie sich an den fünf Fingern abzählen. worauf zu einem Teil der Erfolg des'W a r e n h a u s e s beruht: bei der Pfcnnigrechnun g. Man muß nämlich einmal zusammenrechnen. was eine Hausfrau beim graßcn Sonnabcnd-Ein- kauf an verlorenen Pfennigen ausgibt. Das ergibt am Jahres- s ch l u ß einen Zehnmarkschein. Deshalb können nur immer wieder die Hausfrauen aufgemuntert werden, ihrerseits alles zu tun, um der allgemeinen Pfennigrcchnunz überall zum Durchbruch zu verhelfen. Es ging bei den 5z e r i n g c n. warum soll es nicht auch bei den Kartoffeln gehen. Die Lehien von Karsten-Zentrum. Llnausgesehie fRettungSarbeit 714 m unter der Erde. Breslau. 12. Januar. fEigenberichk.) Wie am Dienstag um 20.30 Uhr von der Werksleitung der Sarften-Zentrums-Grube mitgcteitt wurde, ist es noch immer nicht gelungen, die restlichen verschütteten Vergleulc aufzufinden. Die Bergungskolonne arbeitet nach wie vor unter Aufbietung' aller Kräfte. Von Ablösung will niemand unter ihnen etwas wissen. Erst wenn die Müdigkeit sie übermannt, willigen die Rettung»- Mannschaften in eine Ablösung ein. Den Mut, den diese Männer 774 Meter tief unter der Erde bezeugen, um ihre Kameraden aus der.Hölle des Berges zu befreien, ist beispiellos. Unter Nicht- bcachtung der sie umgebenden vielfachen Gefahren arbeiten sich die Mitglieder der Rcttungsgruppe im Kohlenflöz vorwärts, um an ihre eingeschlossenen Arbeitskameraden heranzukommen, bevor der Hungertod sie in feine Krallen niininl oder bevor sie in ihrer Bei- zweislung und zur Abkürzung der Qualen 5)ond an sich legen. Wann man die Stelle erreicht haben wird, an der die restlichen Bergleute urbeiteten, als das Gebirge zu rutschen begann, läßt sich noch immer nicht mit. Bestimmtheit sagen. Es fehlen zwar nur noch wenige Meter. Bor Mittwochvormittag dürfte jedoch selbst diese geringe Entsernung kaum überwunden werden können. Klopfzeichen oder gar Hilferufe find bis jetzt nicht v e r- nommen werben, obwohl zur Aufnahme der schwächsten Ge- rausche seit Montag ein von der erzwissenschaftlichen Landeswarle in Ratibor hergestelltes Gerät, ein sogenanntes Geophon fErdhören benutzt wird. Die Geretteten befinden sich ausnahmslos wohl: sie liegen noch im Beuthcncr Knapplchaftslazarett und empfangen zahlreiche Besuche, Pressevertreter stehen mit ihren Rotizhestcn an den Betten und lassen sieh berichten. Die Geretteten geben bereitwilligst Aus- kunft und erzählen immer von neuem von de» unmenschlichen Qualen, denen sie in den 144 Stunden ihrer Abgeschlossenheit tics im Innern des Berges ausgesetzt waren. Die vier verschütteten Bergleute gerettet. 5iasscl, 12. Januar. Zum Streckenciusturz- im„Roten Stollen" wird von der Zechen- verwostüng mitgeteilt.-daß es den Rcttungsmanujchastnvnoch mehr- stündigen Bemühungen �geluitgen ssk, zu den Borfchvtteten vorzudringen und sich durch Kloptzcichcn mit chxzen'.zu verständigen. Es gelang dann sämtliche vier snicht drei, wie anfangs angenommen) verschütteten Bergleute unverletzt zu bergen. Heute Hochbahn wieder in voller Fahrt. Auf der Oststrccke der Hochbahn zwischen Hallesch es Tor und Äottbusscr Tor wird am heutigen Mittwoch mit Bc- triebsbeginn wieder der volle fahrplanmäßige Verkehr durchgeführt. Sowohl die verminderte Beschleunigung als der ,3-Minuten-Betrieb wird beseitigt, so daß wieder die regelmäßige Zugfolge kommt. z r Nach einem Tagebuchroman von Karl Hans Schober erzählt von Erich Knauf Heimwärts ergreift einer die Ziehharmonika und spielt: ..Trink mer noch ein Tröpichen, Trink mer nach ein Tröpfchen Aus dem kleine» 5)cnkeUopschen." Kräftig werfen wir die Ruder aus und fingen: „O Sufonna, Wie Ist dos Leben doch so schön..." Und nach einer Weile geht es weiter: Alle Jahr a Kind. „Alle Jahr a Kind. Bis es vicrundzwanzig find...* Auf Backbord und Steuerbord rauscht das Meer, und der Hummer aus Lutzens Tasche spaziert auf einem illustrier- ten Blatt herum, das am Boden liegt und auf dessen Titel- bild siebzehn Erzherzöge sitzen und tafeln. „Schisslem. och Schifflein. Schifflein auf�hoher �vee..." Wir treten zum Schuttauchen an. � Auf dem Deck, nahe dem Kommandoturm, ist die Luke geöffnet. Das Periskop ist aufgesetzt. „Boot klar machen'" Laut kommt die Antwort von vorn:-,Klar.� Jetzt das Kommando:„Langsam vorwärts!" Wir verlassen die Inselgruppe und fahren in das offene Meer hinaus.' Der Kommandant steht auf der Brücke und hat das Glas an den Augen. Am'Horizont schwimmen wetterschwere Wolken. Dos Tauchboot fährt ruhig durch das Meer. Da kommt von der Brücke das Kommando:„Unter Deck!" Wir rennen zur Luke, treten uns auf der eisernen Leiter gegen- seitig auf die Hände und Köpfe, und der letzte läßt sich fallen und reißt uns olle kopfüber ins Boot. Der Komman- dant steigt als letzter herab. „Luke schließen!" Blitzschnell haut ein Matrose den Lutendeckel zu, dreht das Handrad nach rechts und schließt so die Luke lustdicht ab..Llar zum Tauchen!" Die Motore ruhen. Die Sauerstosfapparate sind in Be- trieb. Am Periskop ist der Kommandant. „Trimmen!" Ich reiße auf Milschiff des Ventil auf, während das vordere noch geschlossen ist, und mit dem Bug nach vorn sinken wir ins Meer. „Sechs Mann aus Achter!" Jeder Befehl wird schnell ausgeführt. Estler, der ansagt, wie tief wir sind, spricht in den Raum:„Zehn Meter." „Zehn Meter!" kommt die Rückantwort aus dem Kommandoturm, dann:„Langsam vorwärts!" An der Schalttafel sitzt der Maat.„Longsam vorwärts!" Wir müssen jetzt schreien, da wir uns sonst nicht verstehen. Langsam arbetten die elektrischen Motore. Die Ver- brennungsmotore ruhen. Der Tauchrautn ist von Glühbirnen hell erleuchtet. Wieder das Kommando von oben:„Born und Achter trimmen!" Schon drehen sich die Handräder nach rechts. „Getrimmt!" die Antwort. „Der Feind will uns rammen", von oben. Die Trimnttanks füllen sich mit Wasser. Wir sinken rapid. Estler meldet:„Zwanzig Meter!— Dreißig!— Vierzig, fünfzig, sechzig!" „Halt! Trimme rvcntile schließen!" das Kommando von oben. Die Tankventile fliegen zu.„Geschlossen!" die Antwort. Unheimlich stsll ist es jetzt im Tauchboot. Die Motore ruhen. Wir blicken uns an, und keiner spricht. Das Kommando von oben:„Lenzen!" Ich renne an die Preßluftbatterie, reiße dos Bentil auf. „Gelenzt!" Gleichmäßig hebt sich das Boot. Estler meldet vom Steuerbord:„Fünfzig Meter— vierzig— dreißig— zwanzig— zehn— fünf!" „Halt!" von oben. Die Ventile fliegen zu.„Geschlossen!" Jetzt von oben:„Maximal vorwärts!" Und gleich darauf: „An die Torpedos!" Vier Mann rennen an die Abschußrohrc.„Klar zum Abschph!" „Langsam vorwärts!" von oben. Schalthebel fliegen vor und zurück. So ntanövriere» wir zwei Stunden um den„Feind". Aus einmal das Kommanmdo:„Los!" Ein Griff— pfeilschnell fliegt das Torpedo hinaus. Das Boot neigt sich leicht zur Seite. Und wieder„Los!" Eine Erschütterung— das zweite folgt. Das„feindliche Schiff" ist getroffen und sinkt. Wir lenzen an die Oberfläche. Estler reißt die Luke aus — wir atmen Luft, richtige, frisch� Luft. Bor uns fchwim- men die Trümmer der Atrappe„Feind". Gut haben unsere Torpedos gesessen. 2lber ich kratze mich am Kops: Im Ernst- fall hätten wir vielleicht auch eins draufgekriegt. , Wieder arbeiten die Berbrennungsmotore, Maximol fahren wir heiin. Estler und ich liegen in der Baracke nebeneinander. Es riecht nach Teer und Schweiß. Und allnächtlich übersallcu uns Schwärme von Wanzen. Sie kriechen uns in die Nasen- löcher. Einer mußte sogar den Arzt aufsuchen, weil sie ihm ins Ohr gekrochen waren, um dort, wie der Marinearzt sagte, das Ende des Krieges ab.zuwarten. Wenn ich bloß von hier wegkönnte! Einmal liegen wir mit dein U-Boot zwanzig Meter tief auf dem Meeresgrund �und können nicht mehr an die Ober- fläche gelangen. Selbst der Kommandant wird nervös. Cr läßt die Licht- bojc starten und beruhigte uns:„Bier Stunden können wir uns noch hallen." Und dann?--- Allmählich schnürt es uns die Kehlen zusammen. Nack) drei Stunden machen wir uns zumm Sterben fertig. Der Kommandant gibt jedem die Hand. Aber dann werden wir gefunden und höchgewunden. Die Lichtboje ist unsere Rettung. Immerhin! Dieser eine Vorschuß auf die Seligkeit genügt mir._ ...._(Fortsetzung folgt.) Lebensfilm eines Betrügers. Sein Vorbild war der Hauptmann von Köpenick* Vor dem Schöffengericht Charloltenburg machte man die Bekanntschaft des 72jährigen Betrügers Heinrich Thiels. der den Hauptmann von Köpenick als fein Vorbild bezeichnete und sich aus die Schwäche des Menschen für Titel und würden berief. Ausgangspunkt der Verhandlung mar jener Diebstahl einer lljährigen Hausangestellten Z. bei dem russischen Kaufmann Ber- matoff, der noch in Erinnerung sein dürfte. Das junge Mädchen hatte damals ihrer Herrschaft für 250 000 M. Juwelen, darunter«ine Perlenkette, Pelze und Kleider, entwendet und den Koffer mit dem Gestohlenen bei der Gepäckaufbewahrung hinterlegt. Vor Gericht führte ste zu ihrer Entschuldigung Eifersucht gegen ihren Dienstherrn an. der mit ihr Beziehungen unterhalten und ste später mit anderen Mädchen hintergangen habe. Das Gericht erster Instanz sprach die Dkjährige frei, die Berufungsinstanz verurteilte sie zu k> Monaten Gefängnis, für einen Rest von 3 Monaten erhielt sie Bewährungsfrist. Als das Reichsgericht ihre Revision verwarf, beging sie einen Selbstmordversuch. Nach der ersten Verhandlung erschien bei dem Kaufmann B. ein alter Herr, der eine Legitimation auf den Namen des Kriminal- kommiffars Butzdorf vorwies und ein phantastisches Vernehmungs- Protokoll vorlas, aus dem hervorging, daß der Kaufmann B. in der Verhandlung einen Meineid geschworen haben sollte. Von einer Verhaftung, erklärte der Kriminalkommissar, wolle er absehen, da B. vielfacher Hauseigentümer sei usw.' B. stellte aber fest, datz sein Besucher ein falscher Kriminalkommissar gewesen war. Als dieser zwei Monate spater vor B.s Haus erschien, wurde er verhaftet. Man fand hei ihm einen Brief mit der Unterschrift eines nicht existierenden Staatsanwalts von Brandes, in dem dem Kriminalkommisiar Butzdorf gestattet wurde, den Kaufmann B., da er ein Ehrenmann fei, nicht durch vier uniformierte Beamte, son- dern persönlich abzuführen. Es liege der Verdacht vor, B. habe etwas mit einem an der Ostgrenze gefundenen Paket Falschgeld zu tun. Was bezweckte aber der 72jährige Th. mit all diesen konfusen Handlungen? Vor Gericht sagte er: Erstens wollte er sich das kost- bare Perlenkollier ansehen, zweitens B. des Meineids überführen und drittens dessen Reichtum feststellen, um an Hitler die Frage richten zu können, weshalb er, der die Ausplünderung der reichen Juden auf seine Fahne gesetzt habe, nicht schon jetzt da- mit beginne. Er wollte gewissermaßen Hitlers Verlogenheit an- prangern. War der Mann normal? Der Sachverständig« Doktor Leppmann sprach vor Gericht von psychischer Eigentümlichkeit des Angeklagten. Er kranke von klein auf an der Sucht,«ine Rolle zu spielen. Datz dem so sei, beweis« seine Vergangenheit. Nach einer bewegten Jugend ging er im Alter van 35 Iahren, um Buße zu tun, in ein T r a p p i st e n k l o st e r, verließ es aber bereits nach drei Jahren wieder. Dann folgen Straftaten in Kolmar. Koblenz München, Mühlhausen: sie brachten ihm«ine Gesamtstrafe von l5 Iahren Zuchthaus. Im Jahre 1916 erhielt er die Frei- heit wieder, heiratete die Frau des Geföngniswerkmeisters und hielt sich gut bis 1924. Die Lorbeeren des Hauptmanns von Köpc- nick gaben ihm aber kein« Ruhe. In Hagen starb ein Fabrikant an Vergiftung. Die Sekretärin entnahm dem Geldschrank dos zu ihren Gunsten aufgesetzte Testa- ment und zog zur Mutter. Die Verwandten des Fabrikanten de- zichtigten die Sekretärin des Mordes, das Gericht sprach das Mäd- che» frei. Was macht Th.? Cr fährt nach Hagen, fucht die Ver- wandten des Verstorbenen auf, stellt sich als Staatsanwaltschaftsrat vor. erzählt, der Verstorbene habe noch«in anderes Verhältnis gc- habt, ein« Verkäuferin in Köln. Dieser habe er einmal gesagt, er fürchte, eines gewaltsamen Todes zu sterben und habe deshalb ins Testament ein« Klausel hineingesetzt, datz, falls er sterben sollte, der Tod durch einen Giftmord verursacht sein müsse. Auf dem Bahnhof wird er verhaftet. Das Gericht spricht ihn frei. In Münster erhielt er aber 3� Jahre Zuchthaus. Er hatte als Pater Windfried Windhorst, Generalprokurator des Dominikanerklosters einen Aufruf erlassen, in dem er um Geld zmn Bau eines Klosters bat. Es meldete sich ein gewisser Sch., Th. nahm bei ihm ein Darlehen von 3000 M. für drei Nonnen, die aus einem Osnabrücker Kloster nach Afrika fahren wollten. Das Kloster existierte gar nicht, also konnten auch keine Nonnen nach Afrika fahren. Im Zuchthaus von Münster schrieb aber Th. in Gedichtfarm einen Epos— nicht schlecht, sagte Dr. Leppmann—,«in Filmmanuskript„Justioia vincit*— die„Justiz siegt". Cr schilderte darin den Fall mit der Sekretärin und den, Fabrikanten. Auch in Breslau gelang es ihm, als Abt die Barmherzigen Brüder zu täuschen. Seit 1928 hielt sich Th. wieder straflos. Der Staatsanwalt beantragte 3 Monate Gefängnis? Das Ge- richt verurteilte ihn wegen Urkundenfälschung und Amtsanmaßung zu 5 Monaten Gefängnis. Er nahm das Urteil mit Würde hin. Bobunglück im Riesengebirge. Eine Person getötet, sechs schwer verletzt. Bei der Austragung der deutschen vierer-Bobmeiskerschaft auf der Bobbahn von Schreiberhau wurde der Bobschtilleu poitz vom Bobklub Schreiberhau in der ersten S-Kurve infolge zu hoher Ge- ichwindigkeit über die Kurve und ihre Umzäunung hinaus- geschleudert. Der Schlitten raste in das Publikum und zerschellte schliehlich an den Bäumen. Der Führer des Bobs und 12 Zuschauer ertttten schwere Verletzuagen. Die Verunglückten wurden in das Krankenhaus Schreiberhau übergeführt. Das Rennen wurde sofort abgebrochen. wenige Stunden vorher hatte der deutsch-böhmische Bobfahrer Schwarzbach bei einer inoffiziellen Fahrt einen Unfall erlitten; Schwarzbach mutzte mit einem Schädelbruch und inneren Der- lchungen in das Krankenhaus Schreiberhau eingeliefert werden. Das Unglück hat jedoch, einer Spätmeldung zufolge, viel schwerere Folgen gehabt, als zuerst angenommen wurde. Eine etwa 30jährige Frau Major von Berger aus Kötzschenbroda bei Dresden wurde sofort getötet: die 54jährige Frau Amts- gerichtsrat T h e i f s i n g e r aus Breslau so schwer verwundet, daß sie kaum noch mst dem Leben davonkommen dürfte. Weitere fünf Zuschauer liegen mit schweren Verletzungen in den Schreiberhauer .Krankenhäusern. Die neuen Llnierstühungsrichisähe. Geltung vom 1. Februar ab. Die Unter st ützungssätze werden in Berlin"in An- passung an die Reichsrichtzahl der Lebenshaltungs- kosten errechnet. Wegen des Sinkens der Reichsrichtzahl hätten diese Sätze bereits vom 1. Januar 1932 ab herabgesetzt werden müssen. Auch mit Rücksicht auf die bereits im Januar 1932 eingetretene Der- billigung der Mieten usw. hätten sie noch weiter gesenkt werden können. Die Finanzlage der Stadt gestattet, wie das Nachrichtenamt der Stadt Berlin mitteilt, es nicht, diese Tatsachen bei der Festsetzung der Unterstützungsrichtsätze für Februar 1932 unberücksichtigt zu lassen: denn der Index der Lebenshaltungskosten ist weiter gesunken, obgleich in der zur Zeit vorliegenden Richtzahl für Dezember 1931 die Vcrbilligung der Mieten usw. noch nicht zum Ausdruck kommt. Da die vollen Auswirkungen der Verbilligungen auf die Lebens- Haltung der Hilfsbedürftigen noch nicht zu übersehen sind, wurde auch bei der Festsetzung der neuen Unterstützungsrichtsätze für Februar 1932 nur ein Teilbetrag hierfür in Ansatz gebracht. Für Februar 1932 gellen daher folgende UNtersttitzungsrichtsätze, die nach Anhörung der Vertreter der Hilfsbedürftigen festgesetzt worden sind: a) in der gehobenen Fürsorge: für Alleinstehende 44 M., für Ehepaare usw. 61,50 M., für jedes Kind unter 6 Iahren 13 M., für jedes Kind im Alter von 6 bis zu 16 Iahren 15 M.; b) in der allgemeinen Fürsorge: für Alleinstehende 35 M., für Ehepaare usw. 52,50 M., für jedes Kind unter 6 Iahren 13 M.. für jedes Kind im Alter von 6 bis zu 16 Iahren 15 M. Unbesonnener Fußgänger. Strahenüberquerung bei rotem£icht. ■i- Durch da, vorschriftswidrige verholten eines Fußgängers wurde am 4. August an der Srevzuog der Sanl- und Zoachims- «halerstrahe ein Verkehrsunfall mit tragischen Folgen hervorgerufen. Der Chauffeur S t a u d y kam mit einem Motorrod die KÄntstraße entlang und wollte die Ioachimsthalersttaße überqueren, da er infolge des grünen Lichtes freie Fahrt hatte. Zu gleicher Zeit hatte aber der Kaufmann H e m p e l trotz roten Lichtes den Fahrdamm betteten. Der Motorradfahrer bremste. Hempel blieb nun stehen und trat einen Schritt zurück, so datz der andere'im- nehmen mutzte, daß er vorbeigelassen werden sollte. Deshalb gab er Gas, aber in demselben Augenblick setzte sich der Fußgänger wieder in Bewegung und stieß mit dem Mowrrad zusammen. Durch den Anprall und das erneute scharf« Bremsen wurde die Schneiderin Lucie G., die sich aus dem Sozius- fitz befand, heruntergeschleudert und erlitt einen Schädelbruch, «n dessen Folgen ste starb. Bor dem Verkehrsgericht in Moabit hatten sich Hempel und Siaudy wegen fahrlässiger Tötung zu verantworten. Die Anttage nahm nämlich an, datz auch den Motorradfahrer eine gewisse Schuld treffe, da er mit der Unbesonnenheit des Fußgängers zu rechnen hatte. Der Angeklagte Herpel gab zu, daß er auf die Lertehrssignale keine Acht gegeben habe. Das Schöffengericht hielt ihn allein für schuldig und verurteilte ihn wegen fahrlässiger Tötung zu 4 Monaten Gefängnis. Staudy dagegen wurde freigesprochen, da er bei einem erwachsenen Manne nicht auf ein so unsinniges Verhalten zu rechnen brauchte. Btirgerfteuer 1SSI. Die Nachrichtenstelle des Reichsjinanzininisteriums gibt folgendes bekannt: Für Lohnempfänger ist die erst« Rate der Bürgersteuer bei der nächsten auf den 10. Januar folgenden Lohnzahlung vom Arbeitgeber einzubehalten und binnen einer Woche an- die in der Steuerkarte bezeichnete Wohnsitzgemeinde des Arbeitnehmers abzuführen. Diele Gemeinden haben die Bürger» steuer mit Rücksicht auf das außergewöhnliche Anwachsen der Lasten aus der Wohlfahrts-Erwerbslofenfürforge in so erheblichem Umfange anspannen müssen, datz die Entrichtung der einzelnen Raten für die Steuerpflichtigen sich zum Teil außerordentlich hart auswirkt. Dies mutz für dieses Jahr, um die Gemeinden instandzuhatten, ihren Verpflichtungen für die Wohlfahrtsempfänger auch weiterhin nach- zukommen, im Interesse der Gesamtheit in Kauf genommen werden. Es ist aber zu hoffen, datz auch diejenigen Gemeinden, die dieses Jahr eine besonders hohe Bürgcrsteuer erheben müssen, bei äußerster Sparsamkeit— auf die hinzuwirken im Interesse jedes Bürgers liegt— die Bürgersteuerfätz» für das nächste Jahr er- mäßigen können. Bei dieser Gelegenheit wird noch darauf hin- gewiesen, daß sich Arbeitgeber, die ihrer Verpflichtung zur Ein- beHaltung und Abführung der Bürgersteuer nicht nachkommen, haftbar und auch strafbar machen. Zugendversührer, mchi Zugendsührer. So endet wieder mal eine Nazi-Größe. Halle, 12. Januar.((Eigenbericht.) Das Schöffengericht Halle verurteilte am Dienstag den 28jährigen Saufmann Clemens Hetzberger wegen Sittlich- keilsverbrechens zn 1 Jahr 6 vlonalen Gefängnis. Heßberger, Mitglied der nationalsozialistischen sogenannten Arbeiterpartei und Führer lies angeblich unpolitischen, in Wirklichkeit streng nationalsozialistischen Jung- stürm, hat an den ihm anvertrauten minderjährigen Jungen aus Ausslügen und bei sonstigen Gelegenheiten fortgesetzt Sittlichkeitsvexbpechen begangeil. Einer der Jungen, den Heßberger besonders, gern und oft in feine ,T>bhut" nahm, er- krankte derart schwer, ddß er ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Der Angeklagte leugnete zuerst heftig jede Schuld, gab dann aber unter dem Eindruck des erdrückenden Bcweismaterials zu, sich in den meisten der 12 ihm zur Last gelegten Fällen an den Jungen, meist Schüler höherer Lehranstalten, unsittlich in der schäm» losesten Weise vergangen zu haben. Diesem Burschen Hütte Zuchthaus gebührt! Giennes gegen Hiiler. Hitler muß am 16. Januar in Moabit erschein««. Vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte findet am 16. Januar die Hauptverhandlung �in der Prioatbelsidigungsttage statt, die Hauptmann a. D. Stennes gegen Adolf Hitler und den Redakteur des„Angriff", Dr. L i p p e r t, angestrengt hat, weil ihm der Vorwurf, Polizeispitzel zu sein, gemocht worden war. Nachdem im Dezember bereits ein angesetzter Termin, zu dem das persönliche Erscheinen Hitlers vom Gericht angesetzt war. auf dessen Antrag aufgehoben wurde, hat Hitler jetzt bean- tragt, ihm vom persönlichen Erscheinen zu entbinden. Amtsgerichts- rat Dr. Bues hat diesen Antrag aber abgelehnt, da ihm die persönliche Anwesenheit Adolf Hitlers unerläßlich erscheint. Somit wird Hitler am 16. Januar in Moabit persönlich erscheinen müssen. Mietsenkung unzureichend. Zur'Neuregelung der Wohnungswirtschaft hat Oer Gesamt- vorst an d des Reichsbundes Deutscher Mieter(Sitz Berlin) in seiner Tagimg vom 9. und 10. Januar Stellung genom- men. Es wurde einstimmig beschlossen, einen Ausruf an die Wohn-undGeschäftsraummieterin Zllt- und Neubauten zu richten, um durch entsprechenO« Stellungnahme eine Verbesserung der gesetzlichen Bestimmungen zu erzielen. Die Mtetsenkung wird als unzureichend erklärt, namentlich hinsichtlich der Neu- baumieten. Ferner wird die Regelung bekämpft, nach welcher der Abbau der Hauszinssteuer bis zum 1. April 1940 allein zugunsten der Hausbesitzer erfolgen soll. Schließlich wird gegen den Abbau der Mieterschutzgesetzgebung protestiert und die baldig« Schassung des in den Notverordnungen verheißenen sozialen Miel- und Wohnrechts gefordert. Ferner nahm der Gesamtoorstand des Reichsbundes Stellung gegen die Vorschläge des Statssekretörs a. D. P o p i tz auf Schaffung einer Wohnsteuer. Diese Steuer soll wegen ihrer unsozialen Wirkung aufs schärfste bekämpst werden, und zwar um so mehr, als sie die solchen erst erfolgte Mietsenkung völlig un- wirtsam machen würde.— Die Forderungen des Reichzbundes hinsichtlich der Schaffung eines sozialen Miet- und Wohnrechts wurde unter Mttwirkung«wer Iuristenkommission endgültig formuliert. Blutiai im Männerheim aufgeklärt. Den Zechkumpanen im Trunk niedergestochen. Die mysteriös« B l u t t o t, die sich am vergangenen Sonnabend im M ä n n e r h e i m in der Schwedter Straße abspielle, ist jetzt durch die Untersuchung der Kriminalpolizei des 72. Polizeireviers völlig aufgeklärt. Der Täter, der 25 Jahre alle Klempner Jakob P f a f f, ist dem Richter vorgejührt worden. Dieser hat jetzt gegen ihn Haftbefehl wegen schwerer Körperverletzung mst Todesausgang erlassen. Pfaff ist in das Untersuchungsgefängnis w Moabit eingeliefert worden, Pfaff und der 28 Jahre alte Arbeiter Willy Schulz, der om Sonntgg früh verstorben ist, hatten gemeinsam gezecht. Sie waren beide betrunken,- als sie nach der Schwedter Straße zurückkamen. Als Pfaff das Messer zog und Schulz niederstach, flüchteten die Zeugen. Nur einer wurde ermittell, der mst Sicherheit angab, daß Schulz sich das Messer aus der Brust gezogen habe. Dieser Zeuge wußte auch, daß Pfafs und Schulz vorher zustimmengewesen waren, Im Laufe des Montages wurden vier weitere Zeugen ermittelt, die bei der Tat zugegen waren. Sie bestätigten, daß Pfaff der Täter war. Zwischen den beiden Angetrunkenen war es um einer Nichtig- keit willen zum Streit gekommen. Vor dem Richter blieb Pfaff bei feiner Darstellung, mit Schulz nicht zusammengewesen zu sein und auch, daß das Messer ihm nicht gehöre. Trotz semes Leugnens ist auf Grund der Zeugenaussagen Haftbefehl gegen ihn erlassen worden. Oer Tod Albert Iandorfs. In eiizem Sanatorium im Westen Berlins verstarb an den Folgen einer Blinddarmentzündung der durch zahlreiche Ware»- Hausgründungen bekannte Kommerzienrat Adolf Iandorf, einer der bekanntesten Kaufleute Berlins. Im Jahre 1926 hat Iandorf, der durch geschickte Geschäftsführung gute wirtschaftliche Erfolge erzielte, feine Geschäfte an die Firma Hermann Tietz vertauft. Iandorf war in den Kreisen des deutschen Einzelhandels ein« bekannte und geschätzte Persönlichkeit und gehörte mehr als zwanzig Jahre dem großen Ausschutz des Verbandes deutscher Waren- und Kaufhäuser an. Aus kleinen Anfängen baute er ein großes Unter- nehmen aus, das er bis Ende des Jahres 1926 selbst leitete. Aus der 1892 gegründeten Firma A. Iandorf u. Eo. entstand allmählich' der Iandorssche Warenhauskonzern mit über 3000 An ge stell- t e n, für die Jandorf immer ein warmes mitfühlendes Herz hotte. Ais er seine Warenhäuser verkaufte, waren es die Angestellten, die diesen Wechsel sehr bedauerten. Iandorf am Halleschen Tor und Iandorf in der Großen Frankfurter Straße waren jahrelang die populärsten Berliner Warenhäuser. Später lleß er das Kaufhaus des Westens bauen, das merkwürdigerweise auch heute noch das einzige wirkliche große Warenhaus in Berlin W. ist. Achtung, Gehag-Vrwerbslosensiedler. Im Austrage der freigewerkschaftüchen Spitzenorganisationen Berlins wird die Gehag, Gemeinnützige Heimstätton-Spar- und Bau-A.-G., 500 Erwcrbslosensiedler stellen mit je 800 bis 1000 Quadratmeter gutem Ackerland und Häusehen, die«ine Wohnküche, zwei Schlafkammern, Flur, ausbaufähiges Dachgeschoß, Kellerraum und Stall enthalten, errichten. Siedlungslustige Er- werbslose können Fragebogen auf den Büros der gcwcrkstlzaftlichen Fachverbänd« erhallen. Es wird jedoch ganz besonders darauf hin- gewiesen, daß die Frist für die Ausfüllung und Einreichunz der Fragebogen bereits om 15. Januar abläuft. Sprechchor für Vroletarifche Feierstunden. Donnerstag, den 14. Januar(nicht Freitag), 20 Uhr, im Gesangssaal der Sophien- schule, Weinmeisterstraß« 16— 17, UebungsftunÄ. Schöne weiße Zähne: Chlorodont Unter- W Vorkriegsprcise! Gensaiion im Kavag-Prozeß. Die Sesellfchast soll von der Konkurrenz ruiniert sein. Frankfurt a. M.. 12. Zanvar.(CigenberufjL) 3n der hculigen Verhandlmuz im Favag-Prozeß st-'llte Rechisauwalt Dr. Fürst, der Verleidiger des an- geklagieu Direllors Saucrbrey, einige aufsehenerregende Leweisaalrägc. In dem einen Antrag wird behauptet, daß lange vor dem Zu- sainmenbruch der Favag die Versicherungsgesellschaft Allianz den Versuch gemacht habe, sich dem Favag-Konzern anzugliedern. Die Allianz habe, als dies nicht zum Erfolge führte, planmäßig den Zusammenbruck) herbeigeführt und nach dem Zusammenbruch die Angliederung erreicht. Im Herbst ZS28 sei der Vcrsicherungsfach- mann Frankel im Auftrags der Allianz an den Favag-Dircktar Lecker herangetreten mit dem Vorschlage der Angliederung. Herr Frankel habe im Auftrage der Allianz den beiden Direktoren der Favag D u m ck e und Becker je 5 Millionen Mark Bestechungsgelder angeboten, zahlbar in der Schweiz. Becker habe dieses An- sinnen abgelehnt und seinem Kollegen in der Favag-Direktion davon Kenntnis gegeben. Nach dem Tode des Generaldirektors Dumcke habe sich Generaldirektor Schmidt von der Allianz an den Stell- vertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden der Favag Bodenheimer gewandt und versucht, diesen wegen der Angliederung zu gewinnen. Es hätten dann auch ferner noch Unterminierungsvcrsuche durch Frankel und den früheren Staatsbankpräsidenten Loeb statt- gefunden, die sich inzwischen der Hilfe Max Ladenburgs versichert hatten. Loeb soll im Auftrage der Allianz für den Fall der Zu- itimmung mehrere Millionen Mark angeboten und für den Fall der Ablehnung mit unbequemen Anfragen in der Generaldircktion der Favag gedroht haben, die einen Skandal in der Oeffentlichkeit zur Folge hätten. Die Gelder, die Loeb an Hand gegeben wurden, be- liefen sich auf 15 Millionen Mark. Becker sei sehr entrüstet ge- wesen und habe sich an Generaldirektor Schmidt der Allianz ge- wandt. Schniidt hatte die Vorwürfe nur teilweise bestritten. Loeb habe damals ein bindendes Prooisionsversprechen von 300 000 bis 500 000 Mark gegeben, je nachdem der Vertrag ausfallen würde. Nachdem auch dieser Versuch der Angliederung der Favag an die Allianz gescheitert war, hat die Allianz systematisch den Zusammenbruch der Favag herbeigeführt. Sie habe durch Direktor Bodenheimer die Einsetzung einer Revisionskommission angeregt und die Dinge, die zur Geheimhaltung bestimmt waren, in weiteren Kreisen zur Beröfsent- lichung gegeben. Damals sei auch von der Internationalen Bank in Amsterdam der Favag ein sehr erheblicher Kredit gekündigt worden. Der Direktor dieser Amsterdamer Bank sei der Bruder Fakob Goldschmidts. Durch Manöver an der Börse sei die Streichung des Kurses der Favag erreicht worden und damit der Zusammenbruch dieses zweitgrößten deutschen Versicherungskonzerns. Nachdem Rechtsanwalt Dr. Fürst seinen Antrag dem Gericht überreicht hatte, erklärte der Erste Staatsanwalt, daß sich die Staatsanwaltschaft eine eingehende Stellungnahme zu dem Antrag vorbehalte. Wieder Führungen durch die Museen. Sonn- und Wochentagsführungen im Januar-März. Am 10. Januar haben wieder die amtlichen Sonntagsfüh- r u n g e n durch die staatlichen Museen Berlins begonnen. Einzelne Sammlungen und besonders wertvolle Stücke der Museen werden bei diesen Sonntagsvorführungen durch Vorträge erklärt. Das umfangreiche Programm für die Monate Januar bis März sieht Führungen im P e r g a m o n- M u s e u m am 24. Ja- nuar, 7. und 28. Februar! im Neuen Museum am 24. und 31. Januar, 7., 14., 21. Februar und 6 März, und im Vorder- asiatischen Museum am 17. Januar, 14. Februar und 13. März vor. Im Kaiser-Friedrich-Museum und im Deutschen Museum finden vom 10. Januar bis 13. März (mit Ausnahme des 28. Februar) an jedem Sonntag Führungen statt; den Abschluß blldet hier ein Vortrag„Deutsch« Kunst im Zeitalter Goethes". Das Museum für Völker- k u nF> e hat mit Ausnahme des 28. Februar ebenfalls an jedem Sonntag Führungen vorgesehen, bei denen die verschiedensten Gc> biete der reichhaltigen Sammlungen des Museums behandelt werden. Einzelne Führungen finden außerdem am 28. Februar in der Sammlung für deutsche Volkskunde(Bildschnitzerei Süddcutschlonds) und am 13. März im Alten Museum (Griechische Vasen) statt..Daneben werden im Neuen Museum, im Kaiser-Friedrich-Museum und im Deutschen Museum, sowie in der Vorderasiatischen Abteilung Wochentagsführungen unternommen, die ebenfalls Sondergebiete der Museen behandeln. Papageien-Krankheit in Leipzig? Der Rat der Stadt Leipzig gibt bekannt, daß in der Weih- nachtswoche acht Personen unter verdächtigen Erscheinungen erkrankt seien. Zunächst wurde Grippe und Lungenentzündung angenommen. Es war aber auffallend, daß die Erkrankten Mitte Dezember gemeinsam an einer Geburtstagsfeier teilgenommen hatten, bei der ein Wellensittich geschenkt wurde, der a m nächsten Tage verendet in feinem Käfig lag. Der Kadaver des Tieres ist verbrannt und so der näheren Untersuchung«nt- zogen worden. Die Vermutung liegt nahe, daß die Erkrankungen auf die Berührung mit dem Wellensittich zurückzuführen und als Papageienkrankheit anzusehen sind. Beigelegter Zoostreit. In letzter Zeit war zwischen den Randpächtern und der Ver- waltung des Zoologischen Garten in Berlin ein Streit ausgebrochen. Di« Pächter wünschen eine Herabsetzung der Pacht. Der Zoo hat dieses Ansinnen jetzt abgelehnt. Wie erinnerlich, ging es dem Zoo nach der Kriegs- und Inflationszeit wirtschaftlich sehr schlecht. Do mals war er gezwungen, einen Teil seines für ihn selbst wichtigen Randgeländes zu verpachten. Es handelt sich um langfristige Pachtverträgt, die meist über fünfzig Jahre laufen. Der Zoo ist auf diese Pachteinnahmen angewiesen, da er seine Unterhaltungskosten aus den Einnahmen allein nicht decken kann. Die Einnahmen aus den Emtrittsgeldern decken keinesfalls die Unterhaltungskosten. Die Behauptung, daß der Zoo große Gewinne erziele, ist unzutreffend. Alle Einnahmen werden wieder für die Zwecke des Unternehmens verwende. Der Zoologische Garten hatte außerdem eine Modernisierung der Anlage und die Umstellung vom Käsig- zum Frei- anlagensystem vornehmen müsicn, so daß die Einnahmen für diese Zwecke benötigt würden. Alle vom Zoo abgeschlossenen Pachtoer- tröge sind ausdrücklich vom preußischen Staat gutgeheißen worden. Fr@ie Sozialistische Hochschule umiiiniriaiiuiinuiniiiiiiiuuiiUiiuiiiuiiiiuiuiuiiMiiiiuiiiuniiiiiiUiiiiitijiiiiHiinuuumiiumuiiiiiiniuiiüiuiuiiiuiüiiiiiiuu Sounabend, den 16. Januar, 19,30 Uhr Im Plenarstutl ck ehem. Herrenhaus.. Leipziger Str. 3. spricht Gen. Dr. Rudolf Breitschsid, M. d. R., aber „Abrüstung, Reparationen, Friede� Einiritiskarten zum Preise von 50 Pf. sind an den bekannten Verkaufsstellen crhällllch. Für Erwerbslose u. Studierende ermäßigte Karten an der Abendkasse Feuerwehr sammeli für Winterhilfe. Am 15. und 16. Januar überall in Berlin. Auf Veranlassung der Berliner Winterhilfe werde» unsere Feuerwehrbeamten am 15. und 10. Januar Sammlungen auf den öffentlichen Plätzen Berlins für die Winterhilfe veranstalten. Die Sammlungen sollen auf 30 Plätzen Berlins stattfinden, und zwar: Potsdamer Patz U-Bahn: Potsdamer Platz Bellevuc- straße; Leipziger Platz U-Bahn; Pariser Platz; Potsdamer Ecke Margaretenstraße: Potsdamer Ecke Bülowftraße; Innsbruck«? Platz; Kaisereiche; Steglitz Rathaus; Berliner Straße Ecke Kaiferollee; Bayerischer Platz; Rollendorfplatz: Wittenbergplatz; Zoo Ufa-Palosi; Kun'iirstcndamm Eck« Uhlandstraße; Kurfürstendamm Ecke Joachims- thalcr Straße: Wllmersdorfer Ecke Kantstraße; Charlottenburg Knie; Wilmersdorfer Ecke Bismarckstraße: Charlottenburg Wilhelm- platz; Budapester Straße Hotel Eden; Spiitelmarkt; Dönhoffplatz: Unter den Linden Ecke Friedrichstrahe; Alexanderplatz Bahnhof; Königstraße Rathaus; Bahnhof Friedrichstraße; Stettiner Bahnhof; Askanifcher Platz; Belle-Alliance-Platz am Halleschen Tor. Die Sammelplätze werden durch ein hervorragendes Mal von weitem kenntlich sein, die Sammlung erfolgt durch Feuerwehrleute an dem Mal selbst. Die Beamten der Feuerwehr stellen sich selbst- verständlich unentgeltlich in den Dienst der Winterhllfc. In der Zeit von 12— 16 Uhr wird die Feuerwehrka pelle an verschiedenen Plätzen konzertieren, und zwar am 15. Januar von 12— 1 Uhr Rathaus Königstraße, von 1>-— 2 Ii Uhr Bellc- Allianoe-Platz. von 3—4 Uhr Bayerischer Platz; am 10. Januar von 12— 1 Uhr Dönhoffplatz, von IVi— 2)4 Uhr Wittenbergplatz, von 3— 4 Uhr Wilhelmplatz Charlotienburg. Wie wir hören, wollen die Berliner Schutzpolizeibeam- t e n nicht hinter ihren Kollegen von der Feuerwehr zurückstehen. Die Schupo wird voraussichtlich am 2. und 3. Februar für die Winterhilfe sammeln. parieinachrichten sürGroß-Berlin Einleubungeu fSr dies« R-dril find A> e r l i» SV 68, Lindenstraß« 3- stet» an da»«ezirtiselretariat Z, Hof, 2 Trepp«« recht», zu richten Lonuabend, 16. Iaauar. Abt. 20 Uhr Mitgliederversammlung im„Iägerheim"�. Referat de5 Ge« nassen Reese:„Kompfjahr 1932". Iilhresbericht, LorstaMIvayIen. Kreisobleuke der Zeitmigskommisstou Grosz-Berlim Donnerstag. 14. Zannar, Ahr, im Vorwälti.Setinde. Lindenpe. 3, in der Inristische» Sprechstunde, 1. Hos link», parterre, Sitzung. Zeder Kreit muß»ertreten sein.' Heute, Mittwoch.!Z. Iauuar. 5.«rei». Areldenker, besucht den Kursus der Arbeiter.Bildui.gsschuIe:„Der Versuch sozialistischer Lebensgestaltung*! Referent Dr. ftarl Schrdder. Hör. gelb 2 M., Arbeitslose frei. Der Kursus findet jeden Donnerstag, 19% Uhr, im Zngenbbcim Tilsiter Str. 5— 4 statt. 8. Abt. 15 Uhr Eru-erbslosenversamnilung bei Rickert, Stelnmetzste. 36». Referent O. Kcuthe. 18. Abt. Bei Sachse, Lindower Str. 26.„Politische Loge", Referent Willi Wolfs. ZZ. Abt. Zakilabende in solgenden Lokalen: Keim, Riga« Str. 85. Referent Genosse»Lau. Schule Samariterstr. 20. Referent Genosse Sutelunst. Lemble, Schreinetstr. ZS. Referent Genosse Ulrich. Graubner, Poigtftr. 25. Referent Genosse Lohn. Mitt, Poigtsie. 38. Referent Genosse Torfler. Z8. Abt. gahlabend« in allen 19 Bezirken, auch im Bezirk 161, an betannier Stelle. Lolaländerung! Zahlabend von Zadel jetzt Pahlow, Barnim sie. 13. Wahlen zum Abteilunflsvorstand. 39». Abt. Der für heut« angesetzte Zohlmorgen fällt umständehalber au». 42. Abt. Zahlabende in den bekannten Lokalen. 55. Abt. 8. Gruppe: 20 Uhr bei Eodenschweger, Wallstr. 90. Reuwahl. 78. Abt. 20 Uhr Deutsches Haus, Breite Str. 34. Bericht, Neuwahlen, Aus, spräche. 79». Abt. 20 Uhr im Ledigenheim Generalversammlung. Neuwahl des Bor- stände». 81. Abt. 1. bis 3. Bezirk bei Klabe, Handierystr. 60—61.„Zuftizlrife", Referent Dr. Suski. 4. und'S. Bezirk bei Baflinski, Stubenrauchstratz«.„Wirtschafts. politisch« Tageofragen". Referent Walter ssreiwald. 6. Bezirk bei Satz, Born. Eck« BIlsmgstratze. Referent Ernst Helwig. 85. Abt. 7. Bezirk bei Wanzlid, Obeelandstr. l. Referent Güstau Fuß:„Polt- tische Lage". 99. Abt. 152.153. Bezirk im Sitzungeraum Hannemannstr. 40.„Politische Laae, Referent Willn Kühne. 196. Abt. Be! Ruvpert Mitgliederversammlung. Neuwahl des Vorstandes. 102. Abt. Pünktlich Igt» Uhr Generalversommlung im Altem Gierhaus bei Vieler. Taflesordnuna: 1. Geschäfts, und Kassenbericht. 2. Berichte nee. schi-d-nee Ausschüsse, 3. Diskussion, 4. Neuwahl des Vorstandes. Mitglieds. buch legitimiert. 193. Abt. 5. und 6. Bezirk be! Schulz, Gdisonste. 37. 7. und 8. Bezirk bei Wink. ler, Wikhelminenhofstr. 82b. 116. Abt. Mitflliedervers ammlung 20 Uhr hei Werner, Kdpenicker Str. 125.„Die politisdie Lage*, Referentin Abele Schreiber. StrifflA. M. d. 3t. 114. Abt. Mitglieoetoerfammlung im Logenkailno, Rnorrpromenade 2. Jahresbericht und Neuwahl des AMeilungsoorstandes. 116. Abt. Mitgliederversammlung bei Henseler, Boxhagener Str. 62. Bericht, Neuwahlen. 118, Abt. Bei Schmidt. Landsberger Chaussee 11.„Polittfch, Situation", Nefe. rent Genosse Hädide. Bei W egener, Frankfurter Alle« 236.„Weltwirt. schaftskrisc" und Sozialdemokratie". Referentin Dr. Elsdeth Weichmann. 121». Abi. 90 Uhr bei Dtabtt, Uhlandstr. 18, Jahresversammlung. Geschäft». und Kassenheeichte, ZIeuwahlen. 123. Abt. 20 Übt Zahladende in folgenden Lokalen: 1. Unterabteilung bei Stärk«, ssassowstr. 16. 2. Unterabteilung bei Galla», Lehdeeste. 122. 3. Unterabteilung bei Gzerniewski. Röldestr. 172. 4. Unterbeziri bei Pfitz. ner, Pistoriusstr. 103». 5. Unterabteiluna bei Krause, Echönftr. 59.< 127. Abt. 20 Uhr im Berliner Hos. Berliner Str. 93, Iahresmitgliebcrversamm- Ivng. Jahresbericht, Zleuwabl de» Borstandes. 128. Abt. 1. Bezirk bei Noad. Kaiser. Friedrich. Str. 53. 3. Bezirk bei Kober, Berliner Str. 86. 4. Bezirk bei Fulda, Berliner Str. 97. 5. Bezirk be! Didier, Berliner Sir. 10t. 7. Bezirk bei Heinz«, Kisfingenstr. 40. 3b. 99«. z!rk in der Prenzlauer Promenade 19l. 136. Abt. Zahlabendc in den bekannten Lokattn. Donnerstag. 14. Januar. 7. Krei«. 15 bis IS Uhr, Rostnenstr. 4, krwrrbslosenverstaltung.„Reise durch Italien", Aeseren! W. Tletgens. 13. Keris. Kreisvorstaudssttzupg hei Hennig, Tempelhof, Moltfe. Cdc Kaiser. WUhelm.Stmße. 18. Krei». gusovunenkunft der ertoerbsldsen Barteimitglseder 15 Uhr int Weistenseer Lnzi-uni. Piswriusstrotz«. Gingang Parkstrahe...Allgemeines zur deutschen Kulturpolitik", Resrrrnt Alfred Flatou.-anschließend künstlerische Unterhaltung. 26. Krei». Srw«rb»l»sennachm!ttaa-: Donnerstag. 14. Januar. 15—18 Uhr, für Reinidendorf.Rosenthal in Reinickendors.Ost, Schule Hovp«straße(am Wasterturml.„Ernste und heitere Rezitationen", Elsriede Wollmonn. Für -Witteno». Reiniefendorf.Aest, Maidmnnn»Iuft. Hermsdorf in Wittenau, Neue Schule. Jugendbeim.„Saziordngienisdie Forderungen sstr die -srbeiterklassc", Referentin Dr. Frida Alezander. Für Tegel. Borsigwalde. Freie Schollr in Tegel, Echöneberger Str. 3, Jugendheim. Referent Paul Bernstein. 85. Abt. Zablabende: 4 Bezirk nicht am 13., sondyn Donnerstag, lt. Januar. zusammen mit dem 13. Bezirk bei Pommcrcning. Berliner Str. 100. 1, und 12. Betirk bei Pinger, Dorfftr. 50. 8. k>!» 11. Bezirk bei Wollenherz. B«r> liner Str. 1. 91. Abt. Mitgliederneriammlung nicht am Miltwsch. sondern am Donnerstag, 14. Januar. l9z� Uhr, im Lokal„Beraichlogddhe". Karlsgartenstr. 0—11 „Natoerardnuna'unb»oltti'ch» Situation", Referent Dr. Kurt Laipenstein, *01. d. R. tzlaumablen. Berlchieden«?. »8. Abt. 153.054. Be>irk: fjnbf-btnd her Z>iitam. Büraerstr. 48—4». 125. Ab». 20 Uhr hei Peter», Lichtenderger Str. 12, gahlabend des 6. U»ter. bezirks. .�reilag. 15. Zanuar. 2. Kreis. Sitzung dt» Bllbnnasapslchttss«, 20 Uhr de! Hühner, Wil, nader Strasse 34. Beginn de» Kursus Schräder Dienstag, 19. Januar, l9Vj Uhr, bei Hagedarn. Alt-Bkoabit Ecke Jogomstrasse. 13. Krei,. I0>z Uhr Beginn des Kurlu» Friedrich Dir in T-Mp'ihet, Lgzeum I Germentastrass.. Thrma de» Svrius:„Der Jmperiaiismus nach den f Krlear". Tie Bildungsausschußmitglteder werden au den Beschluss erinnert. 138». Abt. Im„Schollenlrug" in der Siedlung Freie Scholle.„Die eiserne Front", Referent Dr. Haubach. t Araucnveranstaltuugen. 4. Krei». Donnerstag, 14. Januar, lOhh Uhr, Funktionärinnensttzung bei Klug. Danziger Str. 7l. Neuwahl. Außerdem haben die-abteilungsleite. rinnen einen Bericht zu geben. 74». und 71b. Abt. Donnerstag, 14, Januar, 20 Uhr, bei Schnarre, Botsdanier Straße 3...Kampfjahr 1932 und die Aufgaben der Frauen", Referentin Tora Berga». 191. Abt. Donnerstag, 11. Januar, 19>t Uhr, in der Spedition, Funktio. närinnensttzung. ÄLzirksausschuh für Arbeilcrwohlfahrt. 13. Krei«. Freitag, 15. Januar, 20 Uhr, im Sitzungszimmer des Rathauses Tempelbof, Dorfstr. 12, Ausspracheabend. Erscheinen ist Pflicht. 137. Abt. An: Freitag. 15. Januar, 19'., Uhr, Sitzung der ArbeUerwohlfahrie- Helfer und-Helferinnen im Bolkshaus. Boranzeige. Ocffenlliche VeralistaUungcn der Slrbeiierwohlsahrl 1SZT 7. Krei» Eharlaiienburg. Freitag. 15. Januar, 1016 Uhr, im grasten Saol de» Krankenlossenuerbandes, Charloitenhurg, Beritner Str. Io7. Bortreg: „Tätigkeit der Ärbeiterwohltahrt", Filmoorführung:„Kehre wieder Afrika", Rezitation Martha John. Referat Stadtrat Dr. Seinemann. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Eonnahend, 16. Januar. 19Zs Uhr, In der Aula der Scinrich.Schlirmann-Schule, Gleimstr. 49. Bartrag:„Farderunaen der Arheiterwohlfahrt zur Reform der Fürsorgeerziehung". Roserentin Genosstn Dr. Ernst Magnus. Filmvorführung:„Reoolte im Erziehungshsus". 2. Krei, Tiergarten. Sonnabend, 10. Januar. 20 Uhr, im Äletst-Lizzeun:. Berlin, Levetzowstraße, Bortraq. Filmvorführung:„Lohnbuchhalter Kremke". Mitwirkung der aktuellen Kleinkunstbühne. !l. Kr«!, Schdaebeeg. Sonntag, 17. Jannar, 11 Uhr, in den Eala-Lichtspielen. Schöneberg, Hauptstr. 16, Bortrag:„Wohlfahrtspflege in der Krifr. Film. norführung:„Laila, die Tochier de» Nordens". Rezitation Genosse Ball- mann. Vorlag Genosse Stadtrat Schneider. Treptow. Montag, 18. Januar. 1911 Uhr, he: Glpaer, Viktoriagarten 25 in Treptow, am Treptower Park. Vortrag der Genossin Bohm-Schuch, R. d. R. Filmvorsührung:„Der Kampf um die Erde". Mitwirkung der aktuellen Kleinkunstbühne". Themen und Referenten werden, soweit sie noch nicht angekündigt sind, noch bekanntgegeben. Zu den ohgenannten Veranstaltungen beträgt der Ein- triitspreis 25 Pf. oder ein Lcsadschnitt der Ardeiterwohlsahrts-Lotterie. Er- werbslose frei. Sozialistische Studentenschaft Verlin. Orisgruppenvers ammlung Freitag, 15. Januar. 20 Uhr, im Geuierkschast». hau», Engclufer 21—25. Taaesorbnung: 1.„Die Politik der Sazialdemekratie". Referent Genosse Dr. Rudolf Broitscheid. 2. Unsere Stellung zu den Berliner Astawahlen. 3. Arbeitzprogramm. Mitgliedskarten zur Legitimation m!!- bringen. Rednerkursus: Sonnabend, 16. Januar, 19 Uhr, im Bund. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Grojz-Derlia. Fricdrichshain: Donnerstag, 1904 Uhr, Fortsetzung unteres Kreis. turfus Tilsiter Str. 4— 5. Alle nehmen daran teil.— Landsberger st Platz: Sonnabend, 16. Januar, Jung, und Rrstfalk-n-Fahrt noch . Brieselang. Treffen 3(iU Uhr Fallenecke. Kosten für Neftfallen 60 Pf.. Jungfalten 85 Pf. Ende Sonntag gegen 18 Uhr. —., Reutdlln:-deute iTVj Uhr Lcfestunde in der Stadiblicherei. Sdiou- stedtstraße. All« interessierten Falken können dnron teilnehmen.— Neukölln und Treptow. Helferkreist Morgen Fortsetzung unseres Schulung». knefus um 20 Uhr in der Karl-Marx-Schule. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation j 33. Abt. Unser langjähriges Mitglied Genosse Richard Hoff ist Plötz- lich verstorben. Die Einäscherung finde» Donnerstag, 14. Januar, WA Uhr, im Kr»matorium Baumschulenweg statt. Um recht rege Beteilsgung bittet der Borstand. Preisabbau auch bei den„Slettlnern". Der allgemeinen wirt- schaftlichen Not Rechnung tragend, hoben die Stettiner Sänger im Reichohallen-Theater ihre ohnehin schon vottstümlichen Eintrittspreise nochmals um durchschnittlich 1« Proz. ermäßigt. Die Preise liegen jetzt zwischen O.üO bis 2,25 M. Tageskasse 11—14, 18— 20 Uhr, telephonische Bestellungen Merkur 2l 6 1247. Trinkt Fochingcr. Ein berühmter englischer Arzt schrieb einmal:„Die Emp. sehlung de» Fachinger Desundheitswassers macht jedem Arzt Ehre." Dieses rein. natürlich«. Hell, und Sesunbheitsmasser sollt« daher in keinem ärztlichen Arznei- schätz fehlen. für die Hälfte Inventur-Iusvetkaul nur noeb 41»»» ltsmen Sttiimple Tausende Restpaare künstliche Waaohsalde, gute Qualitäten, moderne Farben, mit klein. Fehlern, auf Extratischen, Verkauf soweit Vorrat... Paar 98, Damen-Strümpfe Künstliche Wasch- eeide, mit Naht, moderne Farben, oder Herren-Socken moderne, haltbare Jacquardquälität, Paar osmen-SchivDk«!' v�eit unter prsis! IVaUefc Schinneier: 3)er Wann mH dem WilcMopf Sn die kühle Frische des Morgens schrillt wie eine jähe Disso- nanz das Lärmen der Straßenbahnwagen. Die Sonne kämpft sich langsam durch das Gewölk. Einzeln und in kleinen Trupps streben die Kinder dem großen roten Schulgebäuda zu. Es schlägt dreimal — dreiviertel acht. Der Platz mit dem weiten Rascnrondell und den grüngcstrichencn Bänken ringsherum liegt im Schein der Sonne, die sich endlich durch eine schwächere Stelle in den Wolken Bahn gebrochen hat. An der Straßenbahnhaltestelle stehen nur noch ver- einzelte Wartende. Der große Zustrom in Fabriken und Büros ist vorbei. Ab und zu kommt ein Nachzügler eilig angerannt, läuft einen Augenblick neben der fahrenden Elektrischen her und springt dann auf das Trittbrett— eilig und besorgt, den Beginn der Arbeitszeit nicht zu versäumen An der Schmalseite des Platzes, wo die Kinderspielplätze sind, wird gearbeitet. Auf der Straß« steht der Wagen eines Tiefbauunternehmens. Die Arbeiter haben die 5zemdärmcl, unter denen gebräunte, muskulöse Arm« zu sehen sind, aufgekrempelt und schachten einen tiefen Gang aus. Sie rauchen Zigaretten und unterhalten sich dabei. Auf der Straße steht ein grau angestrichener ehemaliger Postwagen. In ihm ziehen sie sich um und essen während der Pausen an dem Klapptisch ihre Stullen. Neben den Wagen ist eine übermannsgroße jholzwinde gerollt. Sie ist mit Kabel bespannt, das an der Schnittstelle kupfern aufglänzt. Ans den Häusern kommen die Frauen mit Einholetaschen. Sie rufen sich Grüße zu— ab und zu bleiben sie stehen und sprechen ein Weilchen miteinander. Daß die Preise nicht billiger werden— oder, daß man in diesem Jahre keine Feuerung als Wintervorrat einfahren lassen konnte, während man im vorigen Jahre fünfzehn Zentner Kohlen... Aus einem Hausflur kommt ein Mann. Er hat keinen Kragen umgebunden. Sein brauner Anzug sieht abgetragen aus. In der Hand hat er einen Milchtopf. Er geht mit scheuem Gruß an den Frauen vorbei, über die Straße zum Milchhändlcr.„Schrecklich, mit dem Krüger"', sogt die eine.„Er ist doch mindestens schon ein halbes Jahr ohne Arbeit?" „Acht Monate", erwidert die andere.„Ich sprach neulich mit seiner Frau ein paar Worte." „Die bekommt man jetzt gar nicht mehr zu sehen!" „Ist doch kein Wunder. Sie näht von morgens früh bis abends spät. Bon den paar Mark Unterstützung, die er bekommt, können sie doch nicht leben!" Die Frauen gehen auseinander. Der Mamr tritt aus dem Milchgeschäft. In der Rechten hält er vorsuihtig den Porzellantopf mit Milch, in der Linken eine Tüte mit Reis. Cr kommt über den Platz. Bor einer Bank bleibt er.stehen stellt vorsichtig den Topf ab und setzt sich daneben in die Sonne. Er blickt erst hinüber zur Haltestelle, dann, wie unabsichtlich, wandern seine Augen zu den Erdarbeitern, deren lautes Sprechen deutlich zu verstehen ist. Sie streiten über die Bezahlung: der eine will Ueberstunden gemacht haben, die ihm zu Unrecht nicht mit verrechnet worden sind. Der Mann hört das Sprechen: ,.... drei Stunden a eine Mark acht» unddrcißig macht vier Mark vierzehn. Die muß der Alte mir die Woche nachzahlen!"— Der Mann auf der Bank schüttelt ungläubig den Kopf. Eine Mark achtunddrcißig pro Stunde— so viel Geld — hat er das nicht auch mal verdient? Aber das ist ja gar nicht mehr wahr: so lange ist das schon her. daß man sich gar keine rechte Borstellung mehr davon machen kann. Sein Kops hängt herunter. Das Kinn ruht auf der Brust. Wie-weit liegt es schon zurück, daß er Freitags die Lohntüte..mit vierzig, fünfzig Mark nach Hause brachte?— Ist es überhaupt ie» mals gewesen, oder kennt' man das alles nur vom jiörensagen, aus Erzählungen?— Er greift sich an den Kopf, richtet sich aus und versinkt doch nur noch tiefer in seine schmerzvollen Grübeleien. Wie war das doch-- Grete brauchte nicht zu nähen: abends, wenn man nach Hause kam, stand das Essen schon aus dem Tische... man saß nachher, behaglich, oder auch mal verärgert, wenn's in der Fabrik nicht geklappt hatte, in der Küche und las die Zeitung ... Sonntags fuhr man mit den Kindern nach außerhalb, in den Wald, ans Wasser... Wenn man Urlaub hatte— im vorigen Jahr waren es schon sechs Tage—, dann lebte man mit der Frau froh und glücklich wie damals, als man sich verheiratet hatte. Morgens stand er als erster auf, nahm den Milchtopf und die Tasche und ging zum Milchhändlcr und Bäcker einholen. Einholen— das war etwas, an dem man im stillen seinen Spaß hatte. Das war der Frau ins Handwerk gepfuscht: das war ein Scherz, den man sich leistete... Nachher stand er in der Küche herum und guckte der Frau in die Töpfe, bis sie ungeduldig wurde und ihn davonjagte. Dann ging er spazieren... Die Schuluhr schlägt einmal hart und laut an— viertel Neun. Der Mann fährt erschrocken zusammen— schon viertel neun... Er seufzt auf— wo ist das alles geblieben, das von damals...? Mit dem Tage, an dem er seine Arbeit verlor, riß alles entzwei. In der ersten Zeit ging es ja noch. Man hatte sich ein paar Mark gespart, konnte zusetzen— bis nichts mehr da war. Dann fing die Frau an zu nähen, mußte mithelfen, die Familie durchdringen, denn Arbeit— an Arbeit für ihn war ja nicht zu denke». Es war selbstverständlich, daß er ihr half, ihr Arbeit abnahm, wo er mir konnte. Er ging einholen— was früher nur Spaß gewesen war, wurde jetzt blanke, nüchterne Selbstverständlichkeit— die Frau hatte dazu kein Geld mehr— nach und nach übernahm er auch die andern Hausarbeiten, machte sauber, kochte das Essen... Der Mann lacht bitter auf, während auf aufsteht und den Topf und die Tüte in die Hand nimmt. O ja, er kann es schon ganz gut, er findet sich schon zurecht in der Frauenarbeit-- und nur im Innern frißt eine stetige, bohrende Scham, wächst ei» dumpfer Widerstand und Ekel gegen die Zeit, die die Menschen zur Not zwingt..., die die Frauen zwingt zu arbeiten, Geld zu verdienen, die Familie zu erhalten, während die Männer hilflos und in brennender Erbittcrpng die Frauenarbeit verrichten.-- Die Erdarbeiter lachen und gehen zum Wagen, frühstücken. Die Schnitlstelle des Kabels glänzt rötlich-golden in der Sonne. Eins Straßenbahn kommt angefahren, hält und fährt dann mit lauten Klingeln weiter. Der Mann wirft noch einen Blick auf den Platz. dann geht er mit hängendem Kopf, den Milchtopf in der Hand, über die Straße. sike: Suropas größte Sisbahn Wenn in Norddeutfchlond der Sturm mit den letzten welken Blättern den Kehraus wirbelt, wenn das Land in Kälte und Frost zu erstarren beginnt, dann herrscht im südlichen Oesterreich, an den Ufern des Wörther Sees, noch sommerliches Treiben. Bis in den November hinein leuchtet die Sonne über grünen Motten und dunkelblau schimmernden Wasserflächen, durch die weiße Segcf pfeilschnelle Motorboote und zierliche Paddler kreuzen. Dann wird es endlich langsam Winter in Kärnten. Die Farben der Berge und Wälder werden dunkel und schwermütig, und über den See fegt ein eisiger Nordost. Zlber die verlorene Leuchtkraft seiner Wafferfläche kehrt zu ihm zurück. Zum zweitenmal legt ihm die Natur ein Märchengcwand an. Wie er im Sommer durch das Türkisblau, das Smaragdgrün seiner Wellen ungezählte Menschen aus ollen Ländern Europas an seine Ufer fesselte, so beherrscht er auch im Winter in seinem strahlenden Silberklcid die Landschaft. Die Natur hat ihn in eine spiegelglatte Eisfläche verwandelt, vor deren Weiß das Auge sich geblendet schließt, und wieder beherbergt er Ungezählte, die bei ihm Erholung und Ausspannung suchen. „Wie schweigt um uns dos weiße Gefild! Wie ertönt vom jungen Froste die Bahn!..." Zwei Freunde, dem Aeußeren nach junge Schauspieler, rezi» tiercn begeistert die Ncrse des jungen Klopstock zu Ehren des Eis- laufs. Im rhythmischen Klang der Worte gleiten sie dahin über das Eis. bis sie wie zwei winzige Pünktchen in der Ferne ver- schwinden. Eine unübersehbare Strecke von 40 Kilometer rund um den See liegt vor ihnen. Da ist nichts von der Enge und Be- grenztheit der städtischen Kunsteisbahnen, auf deren Raum sich die Läufer drangen, nichts von holprigen und ausgefahrenen Bahnen. Unaufhörlich wechselt die Landschast: Fährt der Schlittlchuhläufcr von Klagcnfurt, der Hauptstadt Kärntens aus, so genießt er be> ständig den Blick auf die Hochalpeu der.Karawanken, die schroff und vereist hinter den Hügeln des gegenüberliegenden Ufers empor- ragen. Nur von Zeit zu Zeit versperren ihm kleine Inseln und Halbinseln den Weg, dieser umfahren muß. Das sind die einstigen, lieblichen Buchten des sommers, der Haupttummelplatz der Bade- gaste und der. Kinder.. Dann grüßt das Wahrzeichen'des Wörther Sees, die alte Kirche Maria. Wörth! inst ihrem efegbewachfenen Friedhof herüber.'Der Blick wendet sich nach Westen, hinauf,.zum Msttagskogcl, hinter dem die weißen Felscngipscl der Jütischen Alpen, die Berge des Kanaltals und die Billacheralpe fonncn- beglänzt ruhen. In weitem Bogen geht es um die Ausbuchtungen Pörtfchachs, des berühmten Alpcnfeebads herum, in dem Johannes Brohms so gern weilte. Hinter bereiften, vereisten Tannen am einer Anhöhe schaut die sagenumsponnene Ruine Leonstein herab. Noch wenige Kilometer, und die äußerste Wcsteck« des Sees ist erreicht. Bar uns liegt Beiden, das einstige kleine Bauerndors, mit seinem alten, turmgekrönten Schloß, das heute wellberühmte Seebad. UlaihanQurdm: UfOFfltecIlltllfr Wenn die Technik etwas Neues erfindet, dann erschallen Posaunenstöße über die Welt. Jede kleinste En'indung wird groß der Oeffentlichkcit erklärt. Nur ein Zweig der Technik arbeitet im stillen. Bon der Arbeit dieser Techniker hört die Oesfentlichkeit nichts, und erst wenn die Kanonen dröhnen und in irgendeinem Lande der Blutstrom des Krieges fließt, dann erst merkt die Mensch- heit, was alles die Technik der Kriegsindustrie neu erfunden hat... In jedem Land« gibt es genügend Paragraphen, um Reuig- keiten, die die Kriegsindustrie erfindet, vor der Oesfentlichkeit geheimzuhalten. Die Arbeit der Herren Kriegsindustricllen blüht auch im stillen, oder nur im stillen, und wozu soll man den „Kälbern", die man für ein neues Schlachten bestimmen will, die „Anlagen des Schlachthauses" zeigen? Manchmal aber wird der undurchsichtige Vorl�ang vor der Kriegsindustrie etwas gelüstet. Manchmal gelingt ein Blick hinter die Kulissen der Uniformen, und dann sieht man«inen Teil, wenn auch nur einen winzigen Teil des Fortschrittes in der Technik des Massenmordes. Die Ehikagoer Banditen sind treue Schüler des Mars. Zwar stehen ihnen nicht wie den Herren Generalstäblern die neuen großen Mordwerkzeuge zur Verfügung. Di« Banditen haben keine feuerspeienden schweren Bombenflugzeuge oder Tanks, die nur mit Gasgranaten schießen und innerhalb einer Stunde eine Großstadt in einen Riescnsriedhos verwandeln können, aber in der leichten Waffe haben die Herren Banditen vieles von den Armee» gelernt! Wenn die Banditen Chikogos einen Verdienst überhaupt haben, so ist es der, daß sie der Menschheit an grauenhaften Bei- spielen zeigen, was die Kriegsindustrie alles seit dem großen Völker- morden neu erfunden hat. Ader wohlbemcrkt, die Banden Capones sind nur Anfangsschüler van Mars, denn da sie nur en ckirtail arbeiten, brauchen sie nur die leichten Erzeugnisse der Industrie des Mordes. Der Polizeipräsident Chitagos hat jetzt anläßlich des Jahres- Wechsels dem Innenministerium der Vereinigten Staaten einen Bericht über den Banditcnkampf im Jahre 1931 erstatte�. Ein be- sonderes Kapitel in diesem Bericht beschäftigt sich mit den Waffen der Baistiitenbandcn. Die Banditen gebrauchen die modernsten Mordwerkzeuge der Armee. Die Polizei steht oit machtlos gegen- über dieser Technik. So z. B. bei folgendem Fall: Ein Banden- führcr sollte von einer anderen Bande ermordet werden. In seiner Wohnung im Parterre eines Hauses faß er abends mit seiner Familie wie ein ehrbarer Bürger der USA. am Tisch. Da auf einmal splitterte eine Fensterscheibe... Der Banditentönig, seine Söhn« und sein Adjutant griffen zum Revolver. Aber kein Schuß ertönte, nur ein leises Zischen kam vom zerschlagenen Fenster. Die Revolver sanken den Banditen aus den Händen. Alle Anwesenden griffen zum Hals, stöhnten und sanken hin. Einer wollte zur Tür stürzen, und schon wälzte er sich in Krämpfen aus dem Boden. Einige Minuten nur dauerte dos grauenhaft« Schauspiel, dann waren alle Anwesenden tot. Die anderen Fenster wurden ein- geschlagen von den Tätern, und ein dünner gelber Rauch zog aus dem Zimmer und verflog auf der Straße. Als die Polizei erschien, zeugten nur noch die zerbrochenen Fenster von der Ermordung. Man hätte sonst meinen können, der Tod wäre durch Bcrgiftung des Essens erfolgt. Wochenlang zerbrachen sich Detektive, Aerztc und Wissenschaftler den Kopf darüber, wie der Mord und mit welcher Waffe er geschehen sei. Die Polizei war ratlos. Da kam man auf die Idee, einen chemischen Sachverständigen der Armee hinzuzuziehen. Der Mann von der Kriegsindustrie studierl« den Fall und stellte fest: die Ermordung war mit einem der neuen Gasgewehrc der amerikanischen Armee und dem furchtbaren neuen Gas geschehen... Wochenlang diskutierte man in USA. darüber, wer die Mörder feien. Niemand sprach über das Gasgewehr uno das neuerfundene furchtbare Gas. Nur ein kleines Blatt in Chikago erwähnte, daß die amerikanische Armee mit dieser neuen Waffe sehr gut ver- sehen ist.• Oder folgendes: Bei einem Straßenkampf gegen Bairditen setzte die Ehikagoer Polizei Panzerwagen ein. Die Banditen schössen mit besonderen Maschinengewehren nach den Panzerwagen, und siehe da, die Stahlwände bekamen Löcher und durch die Panzer- platten wurden Poli.zcibeomte verwundet! Nächsten Tag meldete der Armeesachverständige, die Banditen hätten mit den neuen Maschinengewehren der Armee geschossen, die mit neuartigen Dynamitpatronen geladen waren. Auch ein« Neuerfindung der Kriegsindustrie, die leichten Panzerschutz illusorisch macht. Solch« Beispiele lassen sich bis in das Hundertfache aufzählen. Erfindungen über Erfindungen. Und doch alles nur ein Bruchteil der neuen Werkzeuge des Mordes. Bei jedem Straßenkampf mit Banditen, bei dem neuartige Waffen verwendet werden, erscheinen jetzt in USA. Immer Sachverstäphige der Kriegsindustrie. Sie wollen an Hand der Opfer die Wirkung ihrer„genialen" Erfindungen sehen. Die größeren Objekte hebt man für das große Geschäft in irgend- einem Teil der Welt auf... Segelschlitten tauchen auf. Scharf kreuzen sie gegen den Wind an und sausen in fliegender Elle vorüber. In wenigen Sekunden tauchen sie in den Harizont ein und wirken dort wie dahinjagende Segelboote, die auf geheimnisvollen Wasserflächen schweben. Aber ebenso schnell nähern sie sich wieder und gleiten nun mit sicherem Schwung am gegenüberliegenden User am Fluß der Karawanken, die wie ungeheure Kristallbcrge glitzern, heimwärts. Mit der untergehenden Sonne versinkt diese helle, leuchtende Welt. Das Zwielicht, die Stunde zwischen Nacht inid Tag, spannt ihre geheiinnisoollen, grauen Fittiche aus, die ollen Glan; der Landschast verhüllen Im Eis des Sees krocht und knirscht es. als ob die alte Volkssage vom Wassergeist, der ein unterirdisches Loch ins Eis gräbt, um ans Land zu steigen, sich erfüllen wollte. Unheimlich, gefahrdrohend, lauernd starren die grauen Häupter der Karwankcir in die düstere Landschast. Aber nocb einmal gewinnt der See seine Schönheit zurück und wird zum Märchensec. Wenige Stunden später, und Myriaden von Sternen, unwirklich groß und fremdartig leuchtende Gestirne. gießen ihre Lichtslut über das schweigende, stille Land. Sie ziehen breite, in Licht getauchte Straßen, sie spiegeln sich im Weiß des ewigen Schnees und hüllen die Eisbahn in ein Leuchten, dos überirdisch anmutet. In weiter Ferne verschwimmen helle, kleine Lichter. Zeichen menschlicher Wohnstätten. Sie tauchen in Nackil und Dunkel, in die Sorgen und Kämpse des Alltags. Ueber der von zartem Glanz überstrahlten Fläche des Sees jedoch liegt der Hauch des Unfaßbaren, des märchenhaft Unwirklichen. Der Alpen- fcc offenbart feine geheimste, verborgenste Schönheit. ■Der SEigarrenHummel Rückwärtige offene Plattform eines Straßenbahnwagens. Es ist grimmig kalt. Mein Nachbar trägt einen prächtigen Pelzmantel. Ueberhaupt: diesem Herrn geht es(unberufen) gut. Er ist tüchtig mit Fett ausgepolstert. Auf seinem Nacken faltet sich rosa Speck. Seine dicken Sjände(„Würsielsingcr" pnd-..Polsterrücken") stecken in' herfflchcm Wildleder, mit Hafenstll Au? den«„gesegneten" Purpllrgcstchte schaüen stümpssinmg zwei unbescholtene Aeuglein. Unentwegt und mit sichtlichem Behagen zieht der Dicke an einer imposanten Zeppelin-Zigarre und pafft in beneidenswerter Zufriedenheit den bläulichen, warmen Rauch in die kalte Winter- luft. Es riecht köstlich. Fein hat's der Bursche, denke ich mir und spiele in der Manteltasche mit den Löchern meines rechten Hand- schuhs. Allmählich wird die Zigarre kleiner: aber es ist immer noch ein stattlicher Stummel. Da wirst ihn der Dicke(bedenken Sie nur!) ohne die geringste Hemmung aus die Straße. Ich schaue ihm wehmütig nach und schüttele, innerlich, den Kopf. Junge, Jungs' Gleich daraus steht der Wagen: meine Haltestelle ist ange- kommen. Auch der Dicke steigt aus. Kaum stehe ich auf der Straße, als sich etwas Sonderbares ereignet: von den beiden gegenüberliegenden Gehsteigen eilen zwei Männer hastig auf die Straße, bücken sich und greifen fast gleich- zeitig nach dem zwischen den Schienen liegenden und noch rauchen- den Zigarrenstummel. Gierig strecken sich die mageren Hände da- nach aus. Ein alter Mann und ein junger. Sic scheinen Arbeits- lose zu sein: äußerst dürftig gekleidet, ausgehungert und durch- gefroren. Die Hand des Alien zittert. Sein Rivale ist ihm zuvor- gekommen: er hat den Stummel bereits im Munde. Da höre ich dicht neben mir ein eigentümliches Geräusch:«in grunzendes Lachen, ein feistes und sürchterlich leeres Lachen. Mein Junge aus der Straßenbahn! Dem scheint diese Szene eine» .Heidenspaß zu bereiten. Er äugt auf die beiden Menschen, grunzt schwappernd und schüttelt seinen Schwcinskopf. Dann wackelt er schnaufend von dannen. Ich sehe noch seine rosigen Nackenfalten. Unterdessen hat sich zwischen den beiden Arbeitslosen ein Streit entwickelt; sie scheinen im nächsten Augenblick handgemein zu wer- den. Der Jüngere flucht und stoßt den Alten beiseite. Der schreit heiser auf(seine Kappe sällt zu Boden) und suchtclt maßlos er- regt mit seinen dürren Armen. Dann hebt er die Koppe aus und humpelt, noch immer heftig gestikulierend und vor sich hin schimpfend, aüf den Gehsteig zurück. Etwas ungeheuer Ergreifen- des liegt in dem kraftlos erbosten Verzicht dieses alten, gebrechlichen. vom Leben verbrauchten Menschen. Der andere kümmert sich nicht um ihn. Di« Hände in den Hosentaschen, seine Beute zwischen den Zähnen, mischt er sich unter die Passanten... Er hat sich vielleicht schon stundenlang nach ein wenig Rauchbarem gesehnt. Etwas muß der Mensch doch haben. das ihm das Leben leichter macht: wenn es auch nur der kleine. abgelutschte Rest einer Zigarre ist, den ein anderer weggeworfen hat. Daß er dabei nicht an den Alten denkt: Rot verhärtet eben... Wenige Augenblicke darauf hat der Strom der Straße dies- Episode weggeschwemmt. Die Menschen haben ja keine Zeit, am allerwenigsten für die kleinen Tragödien— anderer. Die Angst hockt ihnen im Genick, die Angst um ihr Leben, und peitscht sie durch die steinernen, kalten Straßen. Aber es ist gut so: wie wäre es möglich, außer der eigenen Not auch noch auf Schritt und Tritt das ungezählte Leid seiner Mitmenschen zu ertragen?! Dem sind wir nicht gewachsen! Wer sich nicht abstumpft, der muß zerbrechen Ist es nicht furchtbar, daß wegen eines Zigarrenstummels Haß entbrennt, Gier auflodert und Menschen zu Feinden werden läßt? In eine so namenlose Bedrängnis sind wir geraten. Aber, glaubt mir, erschütternder»och als das Elend der beiden Arbeitslosen ist das armselige, hohle Lachen dieses grunzenden Fett- wanstcs. Der lebt in abgrundtiefer Finsternis, trotz feines Pelz- mantels. Harslä Spitzer. ?tr. 49» 49. Jahrgang s!» Mittwoch, 43. Januar �932 Butterzoll und Die Grüue Kroni gesährdei auch die � Die(Brüne Front Hot wieder einmal proklamotorisch ihre Meinung zur Loge der Landwirischoft geäußert. In kurzsichtiger Weise und, was noch schlimmer ist, unter völliger Aufgabe jeglichen eigenen Strebens nach Besserung der Zustände, werden sämtliche Hilfsaktionen, die der Staat bisher für die Landwirtschaft geleistet hat, für zwecklos erklärt, wenn nicht die Preise für die Erzeugnisse der bäuerlichen Wirtschaft erhöht werden. Daß die Getreidepreise ungewöhnlich günstig sind, wird verschwiegen. Ohne Rücksicht auf die Gesamtlage der deutschen Wirtschaft stellt die Grüne Front ihre Forderungen auf; eine gesamtwirtschaftliche Rechtfertigung der Forderungen war gar nicht versucht. Ebenso hemmungslos hat der D e u t s ch e Landwirt- fchaftsrat ein Telegramm an die Rcichsregierung gerichtet, in dem behauptet wird, daß die Buttereinfuhr außer- ordentlich g e st i e g e n fei und deswegen der Butterzoll erhöht werden müsse. Ein Blick in die Statistik genügt aber schon, um zu sehen, daß die Butlereinsuhr in den ersten elf Monaten ISZI nur 90 000 Tonnen, in der gleichen Zeit des Vorjahres dagegen l2Z 000 Tonnen betrug, und daß die Einfuhr sich also um 27 Proz. verringert hat. Da die Reichsregicrung durch den Mund des Reichsernährungs- Ministers am Montag durch den Rundfunk verkünden ließ, daß eine grundsätzliche Umstellung der Handelspolitik wahrscheinlich sei. und da die Butterzölle geradezu eine Schlüssel st ellung in der Handelspolitik einnehmen, ist eine Auseinandersetzung not- wendig. Durch die ständig sinkende Kauftraft der Verbraucher, vor allem der Industriearbeiter, sind die Butterpreise nicht nur in Deutschland, sondern in allen Ländern seit t929 ständig ge- fallen. In Berlin lagen sie Anfang Januar vorigen Jahres noch über 139 M., Anfang Januar dieses Jahres dagegen nur wenig über 199 M. Die Grüne Front fordert nun eine Erhöhung 0cs Butterzolles von Z9 auf 139 M., und Herr Schiele schließt sich diesen Forderungen an, wenn auch vielleicht nicht in ihrer vollen Höhe. Hierbei kommt ihm die vom Goldstandard los- gelöste dänische Währung zu Hilf«, so daß die Butterzoll- crhähung mit einem Schutz vor dem Valutadumping allen noch Widerstrebenden s ch m a ck h a j t gemacht werden soll. Es ist aber irreführend, wenn eine Zollsteigerung von 39 auf 139 M. mit der dänischen Valutaentwertung begründet wird. Die dänische und die schwedische Währung haben 39 Proz. ihres Wertes verloren, die geforderte Zollerhöhung beträgt aber 169 Proz. Bon einem Valuta a u s g l e i ch kann also keine Rede sein. Es ha»- delt sich um die Einführung eines Schutzzolles, der jede Einfuhr unmöglich machen soll. Niemand wird die jetzigen Butterpreise für zu hoch an- sehen und eine Besserung der wirtschaftlichen Lage der bäuerlichen Betriebe nicht wünschen. Ein Blick auf den Index genügt, um sich zu überzeugen,� wie günstig durch die Agrarpolitik der Regierung die Lage der am Getreideverkouf hauptsächlich mter- cssierten landwirtschaftlichen Betriebe gegenüber den Teilen der Landwirtschaft ist, die vor allem Vieh und tierische Erzeugnisse ver- kaufen. Der Bauer muß immer noch für den Agrarier leiden. Der Index für pflanzliche Nahrungsmittel steht auf 112,7, dagegen der für Lieherzeugnisse auf 93,7 und der für Vieh auf 69,2. Dennoch muß jeder, der sich noch einen offenen Blick für die Folgen bewahrt hat. die aus einer neuen Preiserhöhung für Molkereierzeuguistc entstehen werden, dringend die Reichs- regierung warnen, in verkennung der Absahwöglichkeilen eine Preissteigerung für Butter durch eine Zollerhöhung erzwingen zu wollen. Das Gesamteinkommen an Löhnen und Gehältern betrug im Jahre 1928 4514 Milliarden, dagegen ist es von Steger- wald für das Jahr 1931 auf 28 Milliarden geschätzt worden. Arbeitslosigkeit, Lohn- und Gehaltsabbau haben einen Rückgang des Einkommens der wichtigsten Verbraucherschichten um 28 Proz. bewirkt. Durch die Erhöhung der Arbeitslosenziffern in diesem Winter und durch den erneuten Lohnabbau wird das Einkommen aus Lohn und Gehalt in diesem Jahre noch um einige weitere Volkswirtschast. -andwirtschast mit ihren Korderungen. Milliarden fallen. Jede Buttcrverteuerung schlägt ober auch den Preissenkungsabsichten der Notverordnung ins Gesicht. Butter ist außerdem eines derjenigen Nahrungsmittel, die am leichte st en durch billigere Fette ersetzt werden können. Jede Preissteigerung für Butter ohne gleichzeitige Steige- rung des Einkommens der Verbraucher muh also zu einem Rück- gang des Konsums führen. Aus der Molkereislalistik gehl hervor, daß der Butterabsah der Berliner Molkereien bereits in den Monaten April bis August 1931 um 9 proz. niedriger war als in den gleichen Monaten des Vorjahres. 5n den Hansestädten siel der Butterabsatz sogar um 16 proz. Auch ist es eine Illusion zu glauben, daß durch eine Beseitigung der ausländischen Buttereinsuhren die Lage der deutschen Milchwirtschaft nachhaltig gebessert werden kann. Wohl würde zunächst durch die Verringerung des Angebots eine Preissteigerung eintreten; ihr wären aber sehr enge Grenzen durch die niedrige Kaufkraft der Verbraucher gesetzt. Ein Blick auf den Fleischmarkt, der allein von der deutschen Landwirtschaft beliefert wird, genügt, um zu erkennen, daß heute die Kaufkraft der Verbraucher den Preis bestimmt. Die Fleisch- preise sind so niedrig wie kaum zuvor, obwohl keine irgend- wie beträchtlichen Mengen vom Ausland hereinkommen. Durch eine Zollerhöhung, die jegliche Einsuhr verhindert, ist also keine wirkliche Besserung der Lage der deutschen Milchwirtschaft zu erreichen. Diese ist nur möglich durch eine Hebung der Kaufkraft und durch eine Verbilligung der Futtermittel. Zwar sind außer Kleie sämtliche Kraftfutter- mittel, die für die Milcherzeugung in Frage kommen, zollfrei, so daß durch eine Verbilligung des Futtergetrcides direkt nicht der Milchwirtschaft geholfen werden kann. Steigt die Rentabilität der gesamten Viehmast, so werden aber hierdurch indirekt auch die Produktionskosten der Milchwirtschaft ermäßigt. Deshalb ist die sozialdemokratische Forderung nach Erleichterung der Futtergetreide- einfuhr indirekt auch eine Hilfe für die Milchwirtschaft. Daß sich die Grüne Front keine Gedanken über die Folgen einer gewaltsamen Abschnürung der Buttereinsuhr macht, ist vielleicht ver- ständlich, zeugt aber für ihre wirtschaftsegoistische Kurzsichtigkeit. Die Reichsregierung hat aber einen größeren Aufgabenkreis und darf die Zusammenhänge zwischen Butterzoll und allgemeiner Volkswirtschaft nicht übersehen. Die deutsche Buttereinfuhr beträgt 3 Proz. der gesamten Einfuhr. Die Länder, die 99 Proz. der deutschen Butter- einfuhr liefern, also Dänemark, Holland, Schweden. Rußland und die Randstaaten, führten 1939 zwar für 1789 Millionen Mark Waren nach Deutschland ein, kauften aber für 3139 Millionen deutsche Industriewaren. Nur zu einem Sechstel waren sie an der Gesamteinfuhr beteiligt, dagegen zu einem Viertel an der Gesamt- ausfuhr. Wenn sich auch inzwischen der Außenhandelsumsatz ver- ringcrt hat, das Verhältnis zwischen Ein- und Ausfuhr ist gleich geblieben. Die Folge einer gewaltsamen Abdrosselung der Bultereinfuhr würde bedeuten, daß man diese Länder zwingt, ihre Einfuhrwaren nicht mehr in Deutschland, sondern in anderen Ländern zu kaufen. Jede Verhinderung der Buttere! n fuhr heißt also zwangsläufig weitere Steigerung der Ar- beitslosigkeit. Wenn aber mit der Erhöhung der Arbeitslosigkeit die inländische Kaufkraft noch weiter gesenkt wird, so beantwortet sich die Frage von selbst, ob der Absatz der deutschen Landwirtschast durch eine Einfuhrdrosselung erhöht werden kann. Jede Erhaltung der Kauf- krast der industriellen Arbeiterschaft kommt der Landwirtschaft zu- gute: in der Zeit, in der die Kaufkraft der Massen um 28 Proz. gesunken ist, verringeäte sich das Einkommen der Landwirtschaft ebenfalls um 27 Proz. Jede weitere Kaufkraftdrosselung bei den Massen muß auch die Lage der Bauern verschlechtern. Die Landwirtschost ist daher von ihren eigenen Führern schlecht beraten, wenn sie sich um eines augenblicklichen Schcinvorteils willen dazu bestimmen läßt, jetzt eine Sperre gegen die Buitereinfuhr zu fordern. Reue Bausparkassen-Zusammenbrüche. Oeffentliche Kontrolle muß stärker wirksam werden. Nachdem 15 Bausparkassen bereits seit dem 1. November 1931 das Recht, ihren Geschäftsbetrieb weiterzuführen, verloren haben, Ende Dezember wetteren sechs Kassen die Fortführung der Gc- schäste untersagt und für sünf Kassen die Eröffnung des Konkurs- verjahrens beantragt wurde, werden jetzt neue Zahlungs- schwierigkeiten bekannt. Die Nürnberger Bau- s p a r G. m. b. H., Nürnberg, mit nahezu 4999 Bausparern, die größtenteils unter der süddeutschen Landbevölkerung geworben wurden, ist in Liquidation getreten. Die Braunschweig- Hannoversche Bausparkasse G. m. b. H., Braunschweig, und„Die Hilf e", Allgemeine B a u s p o r- und Ent- s ch u l d u n g s k a s s e G. m. b. H.. Osnabrück, sind ebenfalls zu- smnmengebrochen. Die Bau- und Wirtschaftsgen, einschaft Lübeck, die der B a u w i r t- R i n g A.- G. Bremen angeschlossen ist. einem sogenannten zinslosen, mit nationalsozialistischen Phrasen arbeitenden Unternehmen, ist durch unzulässige feste Darlehnszusagen in Schwierlgketten geraten. Die Ehag, Eigenheim- und Hypotheken A.- G. in Hamburg mit etwa 1299 Sparern, die in engster Verbindung mit der jetzt zusammengebrochenen Haus- maklersirma Berbcrich stand und mit Geldern der kleinen Bau- sparer die Ablösung von Hypotheken auf Mietzinshäusern finanzierte, hat ihre Zohlungsunsähigkett erklären müssen. Mit den Ver- fehlungen der Gcschäftslcitung beschäftigt sich bereits die Kriminal- Polizei. Es ist dringend zu wünschen, daß das Reichsaufsich ts- amt für Privatversicherung feine Revisionsarbeiten bei gefährdeten Bausparkassen beschleunigt weiterführt und vor allem seine Zurückhaltung bei Verässentlichungen ausgibt. Bis heute sind die 13 Kassen, denen seit Anfang November der Geschäftsbetrieb untersagt ist, noch nicht öfscntlich genannt worden. Einige van ihnen haben noch im Dezember durch Rundschreiben neue Sparer ange- worden. Ein Senatsbeschluß des Reichsaussichtsamts, der die Bausparkassen verpflichtet, feste Darlehnszusagen in der Bilanz zu passivieren, ist bisher nicht bekannt- gegeben worden. In der Oesfentlichkeit stark hervorgetretene, als unsolide bekannte Bausparbanken müßten auf Grund dieser Ent- scheidung in Konkurs gehen. Sie versuchen jedoch jetzt noch, mit Baugenossenschaften Verträge abzuschließen, in denen die Aus- Zahlung von Millionendarlchen zugesichert wird. Eine verbesserte Publizität der Aufsichtsbehörden verhindert zumindest, daß notorisch unsolide Unternehmen neue Bausparer anwerben. Um die Sparer der zusammengebrochenen Bausparkassen, denen bald noch zahlreiche Insolvenzen solgen dürsten, vor weiteren Verlusten zu bewahren, ist u. E. die Gründung einer unter ösfentlichem Einsluß stehenden Liquidationsstelle, der die Ver- waltung der Restvermögensbcstände übertragen werden müßte, dringend geboten. 6,7 Milliarden Mark! Englands Einfuhrüberschuß im Jahre des Pfundsturzes Das englische Handelsministerium hat das Gesamtergebnis des britischen Außenhandels im letzten Jahr ocrösfentlichl. Die Einfuhr betrug 1931 insgesamt 862,1 Millionen psund Sterling, was einen Rückgang gegenüber 1930 von rund 17,3 proz. ausmacht. Demgegenüber belief sich der Wert der britischen Warenaus- fuhr aus nur 381,9 Millionen Pfund. Die Aussuhr ist im vergleich mit dem Vorjahr fast doppelt so stark wie die Einsuhr gesunken, nämlich um mehr als 31 proz. Die Passivität der englischen Handelsbilanz, also der Ucberschuß der Einsuhr über die Aussuhr,'belauft sich aus 473 Millionen psund, was bei dem heutigen Stand des englischen Pfundes einem Wert von rund 6,76 Milliarden Goldmark entspricht. In den Zahlen für de» Monat Dezember spiegeln sich die im November 1931 in Krast gesetzten hohen Schutzzölle wider. So verringerte sich die Einfuhr gegenüber dem November ziemlich erheblich um 6,2 auf 77 Millionen Pfund. Freilich enthielt die erste Novcmberhälfte noch starke Vorein deckungen durch die englischen Importeure. Für die englischen Exportindustrien, die von der Pfundabwertung eine schnelle Ausfuhr steige- rung erwartet haben, bieten die Dezemberergebnisse eine neue Enttäuschung. Mit rund 32 Millionen Pfund hat sich der Ausfuhrwert gegen den Vormonat nur um den ganz geringen Betrog von 213 999 Pfund erhöht. Es zeigt sich also im vierten Monat nach der Aushebung des Goldstandards in Großbritannien, daß man sowohl in England falsche hossnungen, wie im Auslände übertriebene handelspolitische Befürchtungen an die Entwertung(Devalvation) des Pfundes ge- knüpft hat. Rapides Sinken der Obsteinfuhr. Der preußische L a n d w i r t s ch a f t s m i ni st c r hat auf eine Anfrage über die Höhe der Obsteinfuhr Mitteilungen gemacht, die die Haltlosigkeit der Jnteressentenklagcn wegen zu hoher Obst- einfuhr nach Deutschland beweisen. So ist der Import aus- ländischcr Früchte feit September 1931 im Vergleich mit dem Vorjahr ganz erheblich gesunkc n, im Oktober z. B. fast um die Hälfte. Das gleiche gilt für Südfrüchte, insbesondere für Bananen, deren Einfuhr seit dem Juli vorigen Jahres eine ständig fallende Tendenz aufweist. Wirischastssaboiage. Die Goldklausel.— Die Texliliudustrie provoziert. Der von der Industrie heraufbeschworene Konflikt mit dem Warenhausverdand in der Frage der Goldklausel hat sich jetzr un- gemein o e r s ch ä r f t. Die Schuld an der Zuspitzung fällt auf ein geradezu unglaub- lich provokatorisches Vorgehen der Fachgruppe T e x t i l- i n d u st r i e des Reichsverbandes der deutschen Industrie. Die -Textilindustrie versteigt sich jetzt, wo man nach den letzten Er- klärungen des Reichsverbandes auf ein Einlenken und auf eiikt Ver- ständigung hoffen konnte, zu Drohungen, die der Warenhauzi1?rband in einer Gegenerklärung mit Recht als fast erpresserisch be- zeichnet. Die Textilindustrie kündigt nicht mehr und nicht weniger a» als Kreditdrosselung bei ihren Abnehmern, Stillegungen und Arbeiterentlassungen. Sie erklärt ferner, daß ihren Mitgliedern das Recht gewogt bleiben müsse, sich in der Frage der Rechnungsausjtcllung nach ihrem eigenen Belieben zu verhalten.(!!) Die Herren Tcxtilindustriellen pfeifen also auf das Urteil des Kartcllgerichts. Wenn der Warenhausoerband gegen diese neue Provokation der industriellen Lieferanten auf das schärfste Stellung nimmt, wird er die Oesfentlichkeit weitestgehend aus seiner Seite haben. Gilt doch der ganze Kampf gegen die Goldklausel einzig und allein der Tendenz, daß sich bestimmte JndustriegGrppen im Falle eines Währungsrutschcs von vornherein sichern wollen. Inzwischen hat das Kartcllgericht, das den Boykott des Waren- Hausverbandes gegen verschiedene Jnduslriefirmcn, die von der Goldklausel nicht ablassen wollten, bereits vor einigen Wochen a l s zu Recht anerkannt hat. weiteren Sperranträgen des Waren- hausverdandes stattgegeben. In der Begründung des Kartell- gerichts heißt es mit erfreulicher Deutlichkeit, daß die Fakturierung (Rechnungsausstellung) mit Gold- oder sonstigen Wertsichcrungs- klauseln nach Lage der Verhältnisse geeignet ist. weitgehend Mißtrauen in die Sicherheit der Währung hervorzurufen und zu verbreiten.— Wie wir hören, will das Rcichswirtschaftsministe- rium jetzt in den Konflikt eingreifen und zwischen den Parteien vermitteln. \ „Priester des goldenen Kalbes." Llnliebenswürdige Konkurrenz in der Lebensversicherung. Ein schon lange unter der Decke schwelender Konflikt in der privaten Lebensversicherung ist jetzt zu ossenem Aus- kruch gekommen. Zu de n Berband Deutscher Lebensversicherungs- gesellschasten gehörte bisher auch d'e„Deutscher Ring. Lebcnsversicherungs- A.-G. die sich zur Ausgabe gestellt hat. neue Gedanken„aus nationaler und sozialer Basis" in das Berjicherungsgeschäst hineinzutragen. Diese neuen Gedanken sahen zunächst so aus, daß die Gesell- schast ihr Geschäft politisch aufzog, mit der nationalsozia- l i st i s ch e n Partei und den S t a h l h e l m c r n ein Vertragsverhältnis einging und den politischen Jargon der Nazis in ihr« Propaganda Methoden aufnahm. Sa arbeiteten die Agenten der Deutschen Ring-A.-G. mit dem Schlagwort„der Sammlung christlichen Kapitals in nationalen Händen", prangerten die Geschäftspolitik der Konkurvenz an, daß sie auf „unmoralischen" Grundsätzen beruhe, daß ihr« Direktoren und Ak- tionäre„Priester des goldenen Kolbes" seien, und andere Schmciche- leien mehr. Nun hoben zwar die privatkapitalistischen Lcbensversicherungs- gesiZllschaften vor dem Abschluß des Wettbewerbsabkommens in ihrem Konkurrenzkampf gegen die öffentlichen Unter» n« h m u n g e n dieser Art auch vielfach die Grenzen des anständigen Konkurrenzkampfes überschritten. aber diese hemmungslos« Agitation des Nazi-Unternehmens war denn doch für die übrigen Gesellschaften zu starker Tobak. Ihre Organisation, der Verband Deutscher Lebensversicherungegesell- schaften. faßte daher den Beschluß, die Deutsche Ring-A.-G. wegen unlauteren Wettbewerbs aus dem Verband auszu» schließen. Der Verband ist der Ueberzeugung, daß das Gesetz über den unlauteren Wettbewerb sein Vorgehen in jeder Einsicht decken wird. Oer aufgeblähte Notenumlauf in LtGA. Troh der Krise»m Lauke eines Jahres um eine Milliarde Dollar erhöht. Wir haben mehrfach auf die Tatsache hingewiesen, daß in Deutschland durch die Kreditkrise seit Juli und die dadurch notwendig geword«n«n Bankstützungen sowie durch die der Kredit- trise folgende Notenhamsterei der Notenumlauf in Deutschland nicht unerheblich höher ist als es normalen Krifenverhält- nisten entspricht. Die Krisen bringen im allgemeinen mit der Ver- ringerung der Geschäftstätigkeit auch eine Verringerung des Noten- Umlaufes. Wir haben darauf hingewiesen, daß durch die Kreditkrise in Deutschland die Entwicklung umgekehrt gegangen ist, und daß nicht zuletzt dadurch, daß die Reichsbank den Umfang der Kredite mit aller Macht niedrig halten will, eine künstliche Arbeits- l o s i g k e i t in Deutschland besteht. Es ist nun sehr interessant zu beobachten, daß auch in den Bereinigten Staaten, die doch die Empfänger der Repa- rationen und der internationalen Anleihezahlungen anderer Kriegs- länder und sicher viel widerstandsfähiger als Deutchland find, die Wirtschaftskrise ebenfalls keine Entlastung, sondern eine Aufblähung des Notenumlaufes gebracht hat. Ueberraschend ist dabei die außer» ordentlich große Summe, die jetzt in den Vereinigten Staaten an Noten und auch an Geldmünzen mehr umläuft als vor einem Jahre G Der tatsächliche Notenumlauf der amerikanischen Bundesreservcbanten ist im Laufe des Jahres 1931 um nicht weniger als 102 3»2 Millionen Dollar oder um fast 4K Milliarden Mark gestiegen. Auch der Umlauf an Geldmünzen hat sich erhöht, und zwar von 350,9 aus 382,8 Millionen Dollar. Die G r ü n d e für diese Erweiterung des Notenumlaufs>n den Vereinigten Staaten sind ungefähr dieselben wie in Deutschland. Zwar hat man in USA. mehr Banken pleite gehen lassen als bei uns, aber man hat auch dort durch Notenbankkredite auf Umwegen Banken gestützt und vor allem hat die Notenhamsterei zu jener Zeit, als der amerikanische Dollar vorübergehend einmal bedroht schien, und die amerikanischen Notenbanken Milliarden von ihren Goldbeträgen abgeben muhten, einen riesenhaften Umfang angenommen. Allgemeine Weiterlage. 42.Üan. 4932, abds. © wsIksnloE,® heifBr.O helb bedeckt ©wolkig,® bedack�Regen/iGraupein Sd�sNebolTtGewitle�Vindstiile Die Temperaturverteiluna ähnelte am Dienstai 24 Stunden vorher in Deutschland herrschenden. Am Rhein und in den Gebieten Nord- und Mitteldeutschlands, die westlich der Elbe lagen, stand das Thermometer zwischen 4 und ö Grad, östlich der Oder war es dagegen unter dem Gefrierpunkt gesnnke». An der Westküste unseres Kontinents ist jetzt wieder eine kräftige Depression aufgetreten. Unter ihrem Einfluß hat der Wind an der deutschen Nordseeküste bereits etwas zugenommen. Der Depressionskern liegt südlich von Island mit Barometerständen von weniger als 715 Millimeter. Der Haupttsil zieht nach dem hohen Norden, lieber Deutschland stieg das Barometer am Dienstagabend. Dies deutet auf die Ausfülluna der noch stellenweise bei uns vorhandenen schwachen Tiefdruckfurchen hin. i * Wetteraussichten für Berlin: Früh dunstiges oder nebliges, tagüber zeitweise aufheiterndes Wetter ohne wesentliche Temperatur- änderung, etwas zunehmende südliche Winde. Jflr Deutschland: In Mittel- und Ostdeutschland trocken bei wenig Wärmeänderung. nur im Süden und Südwesten leichte Niederschläge, im Westen ziemlich mild, auffrischende Südwestwinde. il 9 SozialMcheArbeitm'ugendGroß-Verlin Cinfeneunacn für dies« Subtil nur an da» Iugends-tretariat Berlin£5B 68, Lintensiraß, z. vor« t Treppe recht». heute, Mittwoch, IZ. Januar. 19% Uhr: Oefanbbcnnnen II: Christwnwstr. 38:„Die Entwicklung des Kapitalismus". Hesundbruuncn. R. F.: Gctenburger Str. 8: Leseabend. Weigeusee: Funk. tioncirsitzung bei Benens, Buschallee. Andreasplatz: Litauer Str. 18:„Parter. icschimte".-- Andreasplatz II: Bremmystr. 1: Funktionärversammlung.— Politik".— Lichtenrade: Kamvfliederabend. Tempelhof:„Rückblick 1931".— Adlcrshof: Bismarckstr. 1:„Wie Gott erschaffen wurde".— Falkenberg: Licht- bilderoortrag.—- Mablsdors: Iv-Minuten-Referate. Vcrbebezirk Reukölln: 18 Uhr Borstandssitzung, Sanghoferstraße. Vorträge, Vereine und Versammlungen # Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Gefchafts stelle: Berlin(3. 14, Srbastianstr. 37-88, Hof 2 Tr. Friedrichsbain(Kam. BUfching): Freitag, 15. Januar, bei Ball» Ichnüdt, Friedenstr. SS, Deneralversammlung. Erscheinen Pflicht. Ohne Buch leinen Zutritt.— Sichtenberg(Kam. Gustav Tempel): Donner-wg, 24. Januar, IS Uhr, Funltioniirversammluna bei Barg, Nollenborfstr. 43. Dich- tige Borbesprechungen für die Generalversammlung.— Reinickendorf(Kam. Hrrmsdorf): Freitag, lö. Januar, 20 Uhr, Keneralverlammlung bei Ockrent, Bahnhof. Ecke Berliner Straße, Vortrag.— Tiergarten, Ort-vereln: Mittwoch, 13. Jon..!S'/s Uhr. Turnen in der Turnhalle Waldemarstraße. Pflicht für Iungdo und Echufo.— Reinickendorf: Miitwock>. 13. Januar, 20 Uhr, Kam. Wittenau, Generalversammlung im Lokal Schulz, Wittenau, Hauptstr. 58. Referent Kam. Dr. Elllow. Thema:„Stürme über Deutschland". Bund Entschiedener Schulreformer. Seffentliche Veranstaltung am Montag, 18. Januar. Ig'b Uhr. in der Schule Kochstr. 13(Zeichensaal). E» spricht Dr. Heinr. Müller-Burdach über„Die Rot der höheren Schule". Der nette Zauberer im OTAS-Haus hat, wie es schein!, nicht nur die Preise, sondern- auch das Publikum verhext. Alle Welt.st plötzlich lustig geworden, kauflustig sozusagen. Der Inventur- Ausverkauf hat Unzählige zum Kauf in dem großen sechsstöckigen Evezialhaus für deutsche und echte Teppiche. Brücken, Gardinen, Möbelbezug- und Läuferstoffe, Tisch- und Diwandecken, Stepp- und Daunendecken mobil gemacht und sie alle haben bei den hervor- ragenden Oualitäien, die die OTAG in ihren sämtlichen Artikeln führt, freudige Ueberraschungen an den wirklich unerhört billigen Preisen erlebt. Infolge des außerordentlichen Andranges mußte sogar wiederholt vorübergehend wegen Ueberfüllung aeschlofsen werden. Wir raten daher unseren Lesern, wenn sie In Ruhe gut bedient werden wollen, möglichst in den Vormittagsstunden die großen Vorteile bei der OTAG, Leipziger Straße 90, Ecke Mark- grafenstratze, wahrzunehmen. Richt t» Proz., säubern 20 Proz. Rabatt gibt ble befonnie Uhrenfirma Sermann Wiese. Koltbusser Damm 2, auf alle bis zum l. Februar gelaufle Armband, und Taschenuhren sowie auf Brillanten und Schmuckgegenstönde. In 6 fentl. Eisenbahner-Versamiiilungeii thema:„im Kampf gegen Not und Diktatur"- Freie Aussprächet sprechen: MOLLER-HALLE/ MENDEL-HAMBURG/ WETTEBORN-NEUMUNSTER am SonnateencB, cflem 16. Januar« t9«30 Uhr a) in Tegel, Bahnhofstraße 1 bei Lewark am PreSdas« dem 15. Januar, 19, 30 Uhr | a) in Kliems Festsälen/ Berlin, Hasenheide 13—15 • b) in den Musikersälen, Berlin, Kaiser-Wilhelm-Straße 31 c) im Edenpalast, Charlottenburg, Kaiser- Friedrich-Straße 24 d) in Marienfelde und Umgegend b) in Köpenick, Bahnhofstraße 34 bei Schulz Zutritt für alle Eisenbahner nur gegen Personalausweis EINHEITSVERBAND DER EISENBAHNER DEUTSCHLANDS ORTS VERWALTUNG BERLIN HAIMSBUTH I Theater, Lichtspiele usw n BETRIEB /»* KEMPiHSKlIt' WmfrQj. »Garten* «•.mir CASINO-THEAIER»1'. vi« Lothringer Strohe 37. iiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiMiiuiiiiiiiiiiiiiiiuiiuiimiiiiiiitiimniinnui �Jur noch wenige Aufführungen Was man aus Liehe tut Jazu die Gesanps- und Tanz- Operette Das Scheidnng.- Sonper und der brnte Varle.t-Teil. jutscheln 1-4 Personen: Parken SO Pf. r-auieun 1— Mark Sessel i-SU Mark Hersteller von Wasdiblau die Kroll« Quantitäten von Ultramarineblau benutzen, wünschen mit Fabrikanten, die imstande sind, en gros zu liefern, in Veibindung zu treten.— Zuschriften erbeten an die Hauptercpe- dition des„Vorwärts" unter CbiSre„A. 148". Berliner(flk-TriO Neukölln Lahnau 74'76J BeDfiöm fiiBam Fl Der Raub der Sabinerinnen Regie. Hans Deppa. Albert Bassermann. Felix Bressart L Höflich. R chard Die Komödie SV« Uhr öle nemo-BanH von Louis Vemeuil mit H.xPallenberu Kurlörsienflanini- Theater | I 448- SV« Uhi istsp. d.Aufridit-Proilukl. nahatfonny von Brecht u Weist Rose- Iheater nie Fniktirlir Stnli IZ Id. Wilitul E 1 14» 6 und 9 Uhr Eine Frau von Format idealer im AdroiralSDOlas Täglich SV, Uhi Gitta Aipar in Die Dnbarry Preise v.«.so M an Ansecale im ül vorwärts sichern Erfolg! WMreMKr Arnold Sdiolz I ö-�ahn Hertnartnolafz• Hascnheld« 108/114| Grones' Bociiliierlest In den b.yr. Alpan 9 Kaperen» Nene Dekoreuonen* BSTiUdie BedleooDg Oonnerstadsi Grobes ädi«elBeschl./«8 Uhr. von der Leichenhalle de» boie-Rtcd aus flau. SumdaiM-Kuchhof«» IN Re!nrckendor|. k. Den Mitgliedern zur Nachricht, baß unser Kolleg», der Ardcster Mcharck ttott gestorben ist. Di« Einiiicherung findet am Don- ner-taa. dem 14 Januar, nachmillag» V,8 Uhr. rm Krematorium Baum« lchuienoeg, Kie hoizftraße, statt. der Am 9. Januar stark unser Sallege. Rohrleger Leopold Becker g,b. 12. Mörz 1863. Di» Clnfi'rheruBfl stndet am Freitag dem Ib Januar, nachmillag»V, Uhr. IM Krematocurm Baumichuienweg. Kieihoizfiraß». statt. Ehre Ihrem Andenken i Reg, Beteiligung wird erwartet. l»» Drtnrorvaltnni!. Einhsllsverband d. Eisenbahner Deu:sihlands. Orisoruppe Berlin linieren Berdandsmitgiiedern uns (orrftrarn Freunden die traurige Nach. rrch:. daß unser Bervandsmstgiied Hermann Ilster deiiti Rerch»bahnau»besserung?werk Drunew id deschiilt gl gewesen, am S. Ja uar 1982 an Lungenschlag ver» uoroen ist. Ehre seinem Andeuken. Die Einäscherung stndet am 13. Januar.>7 Uhr. un ftremaleiiurr Wstmersdors stau. Rege Beteiligung erwartet l>te Ur t-vor-»Itnrrg. Danksagung Für die vielen l'eweis« herzlicher Slnieiinahme derm Hwicheiden meine» licden Manne» Kilian �Vott ipreche ich asten Verwandten. De» nassen. Kollegen und Freunden meinen tiefempiunbenen Dank au» Charlotte Voll nebet AngchSrlgen Lessipq-Tlieatei ragiich 8>;< Uhr fforöen SelUl uns OiUl Grete iiütinim. Kai Barr« Orcfacst.Dafof Beirr Theater am Nullendorfplab Regle: iitiu Salnlerg Pallas 7051 Täglich SVt Uhr 5tgs auch 4V» Uhr fiasparone meiropoMneaier Täglich g>/« Uhr Ein Lied der liebe Bich. Taubor Annl Ahlem, (nrverkauiumterirotliei WIJ-IHEaWZElOEM i!Ali«iiI!li. •».gidmlrttj Wirl 2S W. ..illuig J testzninrälte Werte).- SteMegnS» Ui 1. Wort(feltgerlnickl) 15 ist. ierin»eiiere Wert lg St. Werte»it itrrtr als 15 Rerirsiideir rädiee (Gr nrei Worte lutigm, tgda fit Iis oarhst« Gemreer destier»! sieltmiise» die seZiestees 4Ve iiir rruirmitiezs ie lier iteeei-kieeilitierr hl iierteirts. UeileirstreGe Z. «dzezede» ereriee.Gieuide islreirireeiazieee mroorrs G1. j Uhr bis nadtD. 5 Uhr eeeirierhredu» geöfthet. haüigesüciie| | uemme|'[ mooti Kabuaebist«. Viaiinab'älle Qrreckstlber Kinn- nietallh. Silber» schmelze«pidist mel> zerei. Edeistianat. Kiivenickerstradr 3S Haltestelle Adalbert. l stralie. I Dn eirlciii! Oefcn, eiserne, jeder Art Teilzahluna tran». variable Kachel. iilen. Badewannen Kesselisten. Kpch. Herde. Riparo. iuren. Die alle Firma Semmler u Blepoerg. Dreade. nerstraße SS.' Erfinder- Vorwärtssrrebenrte IOOCO Mk. Belolmund Näheres Kosrenlos durch f. ErdmanD» Co., Ber.la SW 11. Linoleum Szrllat. Kolenie» steaße S.____ Webfehler• Teppiche Inventur. Busveikauf iegk besonder» billig! ca. Zst3 14,-. IS,— ca. 2V4X3H 34.—, 29,—, eo. 3x4 81.—. 89,— Tevvich■ Kämet, Berlin W.. Poi«. damerstraße Z8d. Beginn 4. Januar. meldllnskZlllciis. ivssetzs iizul. Patentmatraaeu .Primststma" Me. tallbetien Autteae. malrahen Tdoile. lonaue, Walter Siaraarbcrftrerße achizedrr. 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