BERLIN Noimerstag 14. Januar 1932 10 Pf. Nr. 22 Bit- 49. Jahrgang Erscheint täglich avßerSonutags. Zaglcird Slbendauegatc des.SerwärU*. Bejllqspreis für hfite Ausgibca TS Pf. pro Woche, 3,2S M.»r» Mona! daeon 87 Pf. monatlich für Zllfiellnug ins Haus) im voraus «ahlbar. P o st d c i- g Z.S7 M. ci-schließllch 60 Vf. Postjeit-ugi- nnb 72 Pf. Posttestellzeböhre». vV}fU>Wf4& Auzelseuorett: Die eiustiaMge Rouvareiaejeife 80 Pf„ »cklameiesteSM. ErmäKIguugeu na» Tarif. Postscheckkonto: Borwärts- Verlag G.m.b.H., Berlin Rr.Z7A«.- Ter ZZeria, behält stch das Recht der Ablehnung nicht genchmcr Rujeigcn vor! Redaktio» und erpedition: Berlin SW«8. kindenstr.» Sernsdrecher: Dönhoff 7) R2— 297. Ausland wünscht Hitler?! Alfred Ossenberg wird offenherzig Schon seit längerer Zeit kursieren Gerüchte, daß gewisse ausländische Kreise, die die deutsch-franösische Verständigung nicht wollen, sich in die innerdeutsche Politik einmischen und den Kampf der„nationalen Opposition" gegen die Reichs- regierung unterstützen. Träfen diese Gerüchte zu, so würde es sich um einen ganz ungeheuren Skandal handeln, denn erstens wäre eine solche Einmischung unzulässig, und zweitens wäre es geradezu toll, wenn sich„nationale" Parteien mit ausländischen Kräften in Verbindung setzen würden, um die eigene Regierung zu stürzen. Wir haben bisher jene Gerüchte nicht erwähnt, weil man so schwerwiegende Beschuldigungen ohne sorgfältigste Prüfung nicht erheben soll. Jetzt aber ereignet sich das kaum Glaubliche, daß Herr Alfred Rosenberg, der Chef- redakteur des„Völkischen Beobachters" selbst das Vorhanden- sein eines solchen Komplotts bestätigt. Eitelkeit und Wichtig- tuerei veranlassen ihn zu folgenden Auslassungen: Man stelle sich vor, daß Dr. Brüning nach vor wenigen Wochen ganz offiziell den Führer der deutschen Freiheitsbewegung in seiner Rundsunkrede in heftigster Weise angegriffen halle. Und nun wurde plötzlich der Führer dieser„Weltgefahr" gebeten, unter Vor- fchiebung Hindenburgz die polttifche Lebensdauer desselben Herrn Brüning zu verlängern. Wir gehen nicht fehl in der Annahm«, daß in den Tagen, die zwischen den, letzten Angriff und dem Tele- gramin liegen, der immer noch amtierende Reichskanzler von sehr aulorliativer ausländischer Seite darauf aufmerksam gemacht worden war. daß er nicht mehr recht verhandlungsfähig fei ohne Adolf Hitlers Unterflühuug. da ja kein Volk mehr hinter der He- gierung stände. Mir wurde schon im Dezember ISZl in London von der dortigen Botschaft eine» Großsiaates bekanntgegeben, daß mit der jetzigen Reichsregierung keine dauernden Abmachungen getroffen werden könnten. Wir richten an die Reichsregierung die Frage, ob wirklich ein Schritt einer ausländischen Regie- rung, wie der, von dem Rosenberg spricht, erfolgt ist und ob sie wirklich diesen Schritt damit beantwortet hat, daß sie Hitler zu Hilfe rief. Wir sind der Meinung: Wenn wirklich eine ausländische Regierung so unverschämt sein sollte, die Verhandlungsfähig- keit der deutschen Regierung zu bestreiten, so hätte die deutsche Regierung die Pflicht, darauf zu antworten, daß sie vom Reichspräsidenten ernannt und vom Reichstag nicht gestürzt, also die verfassungsmäßige deutsche Regierung sei. Sich weiter um die Legiti- mation der deutschen Regierung zu kümmern, haben auslän- difche Regierungen kein Recht. Aber gleichviel, ob Rosenberg aus der Schule geplaudert oder nur geflunkert hat, Tatsache ist, daß er einen solchen Schritt einer ausländischen Regierung als eine Unterstützung der nationalsozialistischen Bewegung als etwas Wünschens- wertes behandelt. Tatsache ist. daß er sich gegenüber der eigenen Regierung auf Erklärungen beruft, die er von der Botschaft einer Großmacht in London erhalten haben will. Wir fragen, ob diese Botschaft die italie- nische ist und ob die italienische Botschaft in London Herrn Rosenberg autorisiert hat, im innerpoli�schen Kampf von ihren Er- klärungen Gebrauch zu machen. Rosenbergs Aufrichtigkeiten beweisen natürlich noch nichts gegen ausländische Regierungen. Gegen die NSDAP. aber beweisen sie alles. Sie beweisen, daß die NSDAP, zum mindesten den Willen hat �m i t ausländischen Regierungen gegen die Re- gierungdeseigenenLandeszukonspiriercn. Man stelle sich einmal vor, die Sozialdemokratie forderte die Uebergabe der Macht an sie mit der Begründung, daß gewisse ausländische Regierungen das wünschten— man stelle sich vor, was die deutschnationale, was die national- sozialistische Presse dazu sagen würde! Mit der Forderung der Todesstrafe würde sie sich kaum begnügen. ' Allerdings ist dieser Fall schwer vorstellbar. Denn die echte„vaterlandslose" Gesinnung findet man nur in �aattoual«»" Kreisen. Borsig und seine Offiziere. Die Gtahlhelm-Kamarilla im Vorsigwerk Oberschlesien. Wer von Gleiwitz nach der oberschlesischen Grenze fährt und sich dem eigentlichen Zentrum des dortigen Jndustriercviers nähert, sieht links der Bahn nach Beuchen einen Wald von Schloten auf- tauchen, einen riesigen Komplex von Hüttenbetrieben, Walzwerken und Kohlenzechen: das Borsigwerk. Das Borsigwerk bei Hindenburg ist eine Gründung der zwetten Borsiggeneration. Der Vater von Ernst und Konrad v. Borsig, die sich jetzt in den Besitz des Borsigkonzerns teilen, hat hier für die Lokomotw- und Maschinenbetriebs in Berlin-Tegel die eigene Stahl- und Kohlenbasis geschaffen. Die oberschlesischen Betriebe warcu für Borsig lange Zeit eine wahre Goldgrube. Jetzt sind sie in den Zusammenbruch des Tegeler Stammwerkes mit hineingezogen worden, bilden ober auch für sich allein eine schwer« Lerlu st quelle. Daß es den Stahl- und Zcchenbetrieben im Borsigwerk so außerordentlich schlecht geht, ist nicht ollein auf die Krise in der oberschlesischen Eisenindustrie zurückzuführen, sondern hängt wesent- lich mit der personellen Mißwirtschaft in der Spitze der Verwaltung zusannnen. Nach einem Bericht unseres Hindenburger Parteiblattes, das sich auf sehr gute Informationen stützen kann, wurde das Borsigwerk bis vor zehn Jahren, also in einer Zeit großer Umsätze, von drei Direktoren gekettet, und zwar gab es einen Grubendirektor, einen Hüttendircktor und einen kauf- männischen Direktor. Mit der Ernennung des Bergassessors Euling zum Generaldirektor der Borsigwerke A.-G. aber setzte eine Generaldirektoren-Wirsschast ein, wie die deutsche Oeffenllichkett sie bei einer Reihe anderer großer Konzerne mit allen ihren wirtschaftlich verheerenden Folgen kennengelernt hat. Herr Euling, dem man kein besonderes tech- nifches Können und keine praktische Erfahrung nachsagt, machte aus der Verwaltung einen riesigen bürokratischen Wasser- köpf, dessen Zentrolbüro sich mit einem großen Stabe hoch- und höchstbezahlter Beamten füllte, während in den Betrieben zu gleicher Zeit das Abbaugespenst umging. Der neue Stab von Direktoren und Unterdirektoren setzte sich zum großen Teil aus pensionierten Offizieren zusammen, die sich mehr für Politik, den Stahlhelm und das Krieger- vereinswesen interessierten, als für ihre Arbett im Werke. Sie bildeten eine Sämarilla. die alles, was wirtschaftlichen Forsschritt bedeukete, betämpfle. Diese den Personaletat schwer belastenden Herren stehen aber bei Generaldirektor Euling, der in Oberschlesien die rechte Hand Hugen- bergs und zugleich ein sehr zahlungskräftiges Mitglied des Stahlhelm ist, in hoher Gunst, da er sie für seine politsschen Zwecke gebraucht. Außerdem hat sich Euling dann noch einen neuen Finanzdirektor, einen Herrn M e i n e r s, herangeholt, der seiner- selts wieder eine eigene Finanzabteilung mit teuren Kräften aufzog. Meiners, der als P r o t e k t i o n s k i n d bei Lauchhammer und später bei der Oberschlesischen Eisenindustrie A.-G. eine schnelle Karriere machte, dann aber doch enttäuschte, versteht sich bei einem enormen eigenen Etat ganz hervorragend auf rigorosesten und will- kürlichen Betriebsabbmi. Er paßt also ganz ausgezeichnet in diese Verwallungssippe. Daß die wirtschaftlichen Leistungen dieses durch politisch« und persönlich« Vetternwirsschaft zusammengeschweißten hohen Verwal- tungsstabes vor den Notwendigkeiten der gegenwärtigen schweren Krise völlig oersogen, liegt auf der Hand. Dazu aber kommt die ungeheure Btlästung, die er für die ausgesaugten Betriebe bildet. Das„Hindenburger Tageblatt" errechnet für den Verwal- tungsapparat monatliche Kosten von 400 000 Mark. Das Hüttenwerk wird bei einem monatlichen Umsatz von nur 600 000 Mark mit 200 000 Mark monatlich für den Verwal- lungswasserkops belastet. Unter solchen Umständen muß natürlich auch der solideste Betrieb vor die Hunde gehen. Es gibt unter den Betriebsdirektoren wirt- schaftlich vernünftige Männer, die gegen diese Berschwendungspolitik Eittings opponieren. So hatte der Hüttendirektor einen u n b e- fchäftigten Mafchinendirektor, Herrn Hübchen, ent- lassen wollen, hatte aber damit ins Wespennest gestochen. Hübchen ist nämlich ein besonderer Vertrauter des Generaldirektors Euling, der, wie behauptet wird, verschiedentliche„Dienstreisen" nach dem Harz unternommen hat, um eine dortige Fabrik, die im Privat- besitz des Herrn Euling ist, umzubauen. Wenn diese Behaup- tungen zutreffen, so würde sich also die ungeheuerliche Tatsache er- geben, daß die Arbettskraft einer von Borsig teuer bezahlten— und dazu überflüssigen— Direktors vom Generaldirektor zu per- sönlichen Zwecken verwertet wird. Sind die Herren Konrad und Ernst v. Borsig über diese skandalösen Vorgänge unterrichtet? Jawohl! Der Betriebsrat, der die verheerenden Folgen dieser Wirtschaftssührung klar erkannte, Hai einen eingehenden Bericht an die Herren v. Borsig geschickt, ohne daß er eine Antwort erhalten hak. Die verantwortlichen Leiter des Borsig-Konzerns können sich also nicht damit entschuldigen, daß sie über diese Vorkommnisse nicht im Bilde gewesen wären, wenn jetzt im Rahmen einer Sanierung bei Borsig über eine Angliederung der Borsig-werk A.-G. an den Oberhütten-Konzern verhandelt und staatliche Hilfe hierzu gefordert wird, so ist im Interesse der alterproblen Stammbelegschaft, wie im staatlichen und volkswirtschaftlichen Interesse eine gründliche Reinigung an Haupt und Gliedern die Vorbedingung für jeden Sanierungserfolg. Sonst sind wieder Millionen zum Zensier hinausgeworfen. die Leidtragenden bleiben die Arbeiter und ins Fäustchen lachen sich jene wirtschastsverderbec und Republikfeinde, die im warmen Rest sitzen bleiben dürfen. Die Arbeit des Preisdiktators. lleberflüssige„Gebühren" in Berlin. Aus Grund der Rotoerordaung ist die Preisbindung für Margarine ansgehoben worden. Der Margarinepreis kann nach der Behauptung der Industrie nicht aus ZZ Pfennig gesenkt werden, ist aber trotzdem verschiedentlich bereits aus 29 und ZS Pfennig gesunken. Eine ganze Reihe städtischer Tarissenkungen ist wieder zu verzeichnen. So hat Lübeck die Straßeabahnsahrt von 20 aus 15 Pfennig ermäßigt, ähnlich auch Karlsruhe. Krefeld hat sogar eine Senkung fast um die Hälfte eintreten lassen. Die Schokoladenindustrie hat aus ihre Preisbindungen verzichtet und infolge der nun freien Konkurrenz fallen die preise. Dagegen werden scharfe Beschwerden gegen die sprivaie) Berliner Gasbetriebsgesellschast erhoben, die bei Anlagen und Reparaturen einen Stundenlohn von 4,60 Mark berechnet, während sie selbst den betressenden Arbeikern 96 Pfennig Stundenlohn zahlt. Es wird auch angeführt, daß die Bewag für die Lösung der Plombe vom Zähler bei Wohnungswechsel eine neu eingeführte Gebühr von nicht weniger als? Mark erhebt. Am morgigen Tage treten die Ermäßigungen der p o st g e- b ü h r e n in Kraft. Die neuen Marken von ö Pfennig für die Fernkarte und 12 Pfennig für den Zernbrief sind noch nicht fertig. Man verwende also Z-Pfennig-Marken. 3n Klaggestan. Die Allmacht der Braunhemden. Braunschweig. 14. Januar.(Eigenbericht.) Vor einigen Tagen war es wieder einmal in der CA.- und SS.-Führerschule in Kreiensen, die trotz aller Beschwerden weiter besteht, zu einer schweren Schlägerei der nationalsozia- listischen„Schüler" untereinander gekommen. Braunschweigische Landjäger mußten eingreisen. Sie nahmen drei der Hauptschläger fest und schafften sie nach dem Amtsgerichtsgefängnis in Greene. Dort erschien bald darauf der nationalsozialistische Landtagsabgeordnete Schneider, der den Amts» lichter anschnauzt« und von ihm die sofortig« Freilassung der festgenommenen Nationalsozialisten verlangte. Die Freilas» sung erfolgte am gleichen Tage. Vergeblich versucht eine ErNärung des Amtsgerichts, diese Angelegenheit als bedeu- tungslos hinzustellen. * Das hiesige Amtsgericht verurteilte am Donnerstag den Rs- dakteur des„Volksfreund", Genossen Thielemann, wegen an» geblicher Beleidigung des früheren Ministers Frick zu 800 Mark Geldstrafe. Der Staatsanwalt hatte 3 Monate Ge- fängnis beantragt. Die Verurteilung erfolgte wegen eines Artikels im„Volksfreund" aus dem Mai 1930! Heute Wahl im Rathaus. Nie et sie(Sitzung des Etadtparlaments im neuen Jahr. Die Berliner Stadtverordnelenversammlung tritt heute nachmittag zu ihrer ersten Sitzung im neuen Zahr zusammen. Aus der Tagesordnung steht an erster Stelle die Vahldes Vorstehers und der drei Stellvertreter. Nach der Geschäftsordnung der Stadtverordnetenversammlung werden der Vorsteher und die Stellvertreter immer nur aus ein Zahr gewählt. Die Sozialdemokraten. als die stärkste Fraktion des Hauses, nominieren wiederum den bisherigen Vorsteher. Genossen h a h. der die Geschäfte des Stadtparlaments bereits feit acht Zahren führt und heute zum elften Male zur Wahl fleht, haß, der wegen seiner objektiven Geschäfts- führung und der hervorragenden Kenntnis aller Geschäftsordnungsfragen allgemeine Anerkennung und Achtung genießt, dürfte schon im ersten Wahlgaug gewählt werden. Immerhin ist es nicht ausgeschlossen. daß es zu einem zweiten wahlgang kommt, wenn nämlich die Opposilion stärker vertreten sein sollte als die geschlossen hinter haß stehenden Fraktionen. Nach der Wahl des Vorstehers werden die nach der Geschäfts» ordming festgesetzten sechs Beisitzer und sechs Bcisitzerstellver. treter gewählt werden. Dann wird man die Bestätigung der Mit- glieder in den ständigen Ausschüssen vornehmen. Bei der Be- ratung der auf der Tagesordnung stehenden weiteren Punkte wird sich das Hauptinteresse auf die Beratung des sozialdemokratischen Antrages wegen der Inkraftsetzung und Verkündigung des Orts- gesetzes über Reichsheimstätten-Gartengebiete und Dauertleingörten konzentrieren. Zusammenstöße imLangsam-prozeß. Die Autorität des Gerichts spielt keine Rolle. Eine Episode aus der heutigen Sitzung im Helldorf-Prozeß verdient festgehalten zu werden— ein nicht unwichtiger Beitrag zum Kapitel: Autorität des Gerichts! Ein neuer Zeuge wird vernommen, geladen auf Antrag der Verteidigung. Worüber er aussagen soll, ist unbekannt. Der Vorsitzende richtet an ihn die Frage nach seiner Partei» Zugehörigkeit. Der Zeuge verweigert darüber die Aus- sage—„aus prinzipiellen Gründen". Der Staatsanwalt macht das Gericht darauf aufmerksam,, daß der Zeuge kein Recht zur Verweigerung der Aussage über seine Parteizugehörigkeit habe. Cr bittet, falls erforderlich, ihn in eine Ordnungsstrafe in höhe von ö0 M. zu nehmen. Der Vorsitzend« versucht dem jungen Menschen klarzu- machen, daß ihm ein Zeugnisverweigerungsrecht nur insofern zu- stehe, als er sich durch feine Aussage st r a f b a r machen würde. „Eben deshalb verweigere ich meine Aussage", erklärt der Zeuge. Stoatsanwaltschaftsrat herf:„Die Parteizugehörigkeit kann nicht strafbar sein. Ich bitte, den Zeugen nötigenfalls dem Zeugnis- Zwangsverfahren zu unterziehen." Rechtsanw. Dr. Triebet:„Der Zeuge ist im Recht. Dieser Prozeß hat ja gezeigt. daßdiebloßeParteizugehörigkeit zur Anklage und zur Verurteilung genüge. Der Zeuge läuft unter Umständen Gefahr, auch selbst in den Anklagezustand versetzt zu werden, hätte man alle diejenigen, die sich auf dem Kurfürsten- dämm unliebsam bemerkbar gemacht, zur Verantwortung gezogen, so säßen hier nicht 40, sondern 140 Angeklagte. Der Prozeß hier wird nicht aus juristischen, sondern aus politischen Erwägungen heraus geführt." Staatsanwaltschaftsrat herf protestiert gegen diesen Vorwurf. Cr ist der Ansicht, daß der subjektive Tatbestand selbstverständlich in diesem Falle eine Rolle hat spielen müssen.— Rechtsanwalt Dr. Triebe! entgegnet in scharfer Form unter Anspielung auf den ersten Prozeß. Es folgen weitere Auseinandersetzungen zwischen Verteidiger und Staatsanwalt. Landgerichtsdirektor O h n e s o r g e macht diesen Auseinandersetzungen ein Ende, indem er die Frage nach der Parteizugehörigkeit zurückstellt und den Zeugen zur Sache vernimmt! Das einzige, was dieser weiß, ist, daß ein Schupo gegen irgend- einen Passanten scharf vorgegangen sei. Landgerichtsdirektor'O h» e s o r g e:„Ich habe keine Fragen mehr an den Zeugen." Staatsanwalt herf:„Ich halte die Frage nach der Parteizugehörigkeit des Zeugen für unerheblich." Die Frage nach der Parteizugehörigkeit war vom Bor- sitzenden gestellt worden. Der Vorsitzende hat klein beigegeben. Die„Autorität des Gerichts" ist gewahrt. Der I u n g- h i t-l e r- M a n n, der aus„politischen Motiven" hie Scheibe eines Autos zerschlagen hat. schildert sein« Heldentat. Er ist vom Jugendgericht zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Tornado in Südamerika. Zahlreiche Tote und Verletzte am Mississippi-llfer. New Bork, 14. Aanuar.(Eigenbericht.) Zim Süden Amerikas, im Staate Alabama, am Ufergcbiet des Mississippi, herrschte» am Mittwoch schwere Stürme und Sturmflute«, die bisher vierzehn Menschen das Leben gekostet und hnndertfünfzig Verletzte gefordert haben; Hunderte sind obdachlos. Der Schaden ist beträchtlich. Manche Ortschaften sind halb zerstört. Es werden Epidemien befürchtet. Ueberfall auf BesteKung Die Frau vom„Königin-Luise-Bund" halle, 14. Zauuar.(Eigen berichk.) Ein«Raubüberfall" auf Bestellung wurde, wie sich jehk heraus- stellt, am 9. Dezember vorigen Zahres iu den Räumen des Zngend- amk, der Stadt Halle verübt. Mitten in der Dienstzeit knallte auf dem Korridor plötzlich ein Schuß. Hinzueilende Beamte stellten fest, daß der Stadtobersekretär Göhre schwerverwuvdet sich iu einer Blutlache wälzte. Ein ans seine« Namen lautendes Sparkassenbuch lag zerr'ffen neben ihm. Da am Tatort eine Waffe nicht gesuuden wurde, glaubte man allen Ernstes an einen Raubüberfall. Erst als durch Revisionen seslgestellt wurde, daß Göhre erhebliche Derun- treuungen als Pfleger einer Privatperson und zum Schaden der Stadkkasse begangen hat, wurde man stutzig und lenkte die Ermitk- luugen noch einer anderen Richtung. Und nun stellte fich heraus, daß der ganze Raubübersall fingiert und auf eigenes Verlangen gegen ein Honorar von 800 M. ausgeführt worden war. * Göhve wandte sich zuerst an den 26jährigen, seit langem arbeits» losen Zujchläger Willi Pfeifer und verabredete mit ihm all« Einzel» heilen des„Raul Überfalles". Pfeifer bekam es, obwohl ihm ur- sprünglich 5000 M. zugesichert worden waren, im entscheidenden Augenblick jedoch mit der Angst zu tun. Er besann sich auf.die Folgen, wenn aus dem„Roubübersall"«in Raubmord entstünde und brachte deshatb seinen Schwager, den ZZsährigen Wohlfahrtserwerbs- losen Karl Haller mil. Göhre händigte dem«Räuber" das verein» barte Honorar au-s, zerriß fein Sparkassenbuch, um«inen Raub vorzutäuschen, dann schoß Haller den Stadtsekretär aus ganz kurzer Entfernung mit einem alten Trommelreoolver nieder. Die schieu» nigst ergriffene Flucht gelang. Niemand wäre hinter die mysteriöse Geschichte gekommen, wenn mit den Veruntreuungen nicht auch festgestellt worden wäre, daß Göhre sich mll 18 000'M. gegen setzen Unfall versichert hatte. Durch diesen Versicherungsbetrug'vollte er seine Veruntreuungen, deren genaue höhe nicht festgestellt werden kann, weil Göhre etwa 900 Belege durch Einbruch beseitigt hat, abdecken. Daneden wollte er den ehrgeizigen Ansprüchen seiner Frau, die im Königin-Luise-Bund eifrig tätig ist. nochkommen. Das Tragische an der ganzen Geschichte ist, daß sich tatsächlich zwei arme Teufel von Arbeitslosen zur Ausführung einer solchen verwegenen Tat gefunden haben, deren Folgen unter Um- ständen geradezu unabsehbar hätten sein können. Schlimm genug wird sie ohnehin für sie sein. lteberfall auf Luwelierladen. Räuber im Auto- 72 Brillontringe erbeutet. Eio schwerer Raubübersall wurde heule früh von Auloräuberu aus da» Zuweliergeschäft von Heinrich hüsselmann, Sonntag st raße Z in Lichtenberg, verübt. Die Verbrecher I schlugen die Scheibe ein, raubten für 10 000 HL Brillantringe. bedrohten den Inhaber mit Pistolen, flüchteten und entkamen. Das Geschäft von hüsselmann in der Sonntagstraße 3 ist in der Nähe des Bahnhofes Stralau-Rummelsburg gelegen. Der Juwelier hatte—• wie allmorgendlich— die schweren Jalousien hochgezogen und die Auslagen in den Schaufenstern arrangiert. Kurz nach 9 Uhr hört« er ein lautes Klirren. Als er auf die Straße> eilte, sah er eine grüne Limousine, in der ein Mann am| Steuer saß, während zwei andere gerade einsteigen wollten. Di«! Räuber bedrohten ihn mit Pistolen und jagten in dem Wagen I davon. Es hatte sich folgendes abgespielt: Trotz des lebhaften Per- kehrs war plötzlich die Limousine vor dem Geschäft vorgefahren und zwei Männer stiegen aus. Der eine faßte tn der Nähe des Haus- flurs Posten, während der andere direkt auf das Geschäft zuging. Er zog«inen Hammer aus der Tasche, führte gegen die große Scheibe einen wuchtigen Schlag, dann griff er durch das Loch und Holle ein Brett mit Brillantringen heraus. In der Zwischenzeit war ein Zeitungsträger aus dem Flur des Hauses herausgekommen. Der Räuber, der hier Posten stand, hielt ihm die Pistole vor die Brust. Blitzschnell sprangen dann beide Männer in das wartende Auto zurück und rasten davon. Auf die lauten Rufe des Juweliers ellten zwar einige Passanten den Räubern nach, konnten sie aber natürlich nicht einholen. Ein Auto, mit dem man sie hätte verfolgen können, war leider nicht in der Nähe. Zwischen der Hollei- und Gryphiusstraße fuhren die Räuber an einem Bierwagen vorbei. Der Bierkutscher er- griff einen Kasten mll Flaschen und schleuderte ihn nach dem Wagen. Er traf nur die rechte Türselle. Der zu dem Ueberfall benutzte Wagen trug die Nummer M 75381. Er ist in der ver- gangenen Nacht vor einem Hause in der Zimmerstraße von unbe- kannten Dieben seinem Besitzer, dem Ingenieur Ferdinand Becker aus der Glasgower Straße 13, gestohlen worden. Die Beute der Räuber hat nach Angaben des Geschäfts- mannes einen Wert von etwa 10 000 M. Die Räuber ergriffen ein Samellablett, auf dem sich 7 2 B r i l l a n t r i n g e befanden. Die Täter sind jüngere Burschen im Aller von etwa 25 Jahren. Einer von ihnen trug eine Lederjacke. Nazi bedroht Verkäuferin. Ein kaum glaublicher Vorfall trug sich gestern abend in einem Herrenartikelxeschäft in der Großen Frankfurter Straße 10 zu. Gegen 6% Uhr erschien in dem Laden der 22 Jahre alle Schrift- setzer Georg F. aus Der Erasmusstraße und wollte angeblich einen Kragen kaufen. Plötzlich fragte der vermeintliche Käufer die ihn bedienende Verkäuferin, ob sie Jüdin sei. Als die Frau das bejahte, begann F., der sich nun als Nazi entpuppte, zu schimpfen und erklärt«, daß olle Juden nach Palästina gehörien Plötzlich zog der hakenkreuzler ein Messer und wollte sich damit auf die Verkäuferin stürzen. Andere Kunden traten jedoch rechtzeitig da- zwischen und verhüteten schweres Unheii. Der Nazimesserheid, der auf eine wehrlose Angestellte einstechen wollte, wurde der Polizei übergeben, die sich wahrscheinlich für seinen Geisteszustand interessieren wird. Nazi-Lokale. die früh schließen müssen. Das nationalsozialistische Verkehrslokal in der huttenstrrße 23 in Moabll ist jetzt auf Anordnung des Polizeipräsidenten auf Grüns der 3. Notverordnung zunächst für vier Wochen für die Zeit von 18— 6 Uhr geschlossen worden. In der Begründung dieser Maß- nahm« wird daraus hingewiesen, daß die Schließung für die Auf- rechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung erforderlich ist, weil die Besorgnis besteht, daß das Lokal a's S t ü tz p u n k t für Gewalttaten gegen Personen und Sachen dienen könne. Außer- dem hat der Polizeipräsident aus den gleichen Gründen die Schließung des nationalsozialistischen Verkehrslokals„Zur Alt- st ad t" in der Hebbelstraße 20 in Charlottenburg auf die Dauer von 3 Monaten für die Zell von 18— 6 Uhr oerfügt. Iiundfunkhorsiunde: Lehrfpiel Arbeiterwelt. Anläßlich einer Lehrspiel-Uebertrogung von Bruno Schönlanks „A r b e i t e r w e l t" findet in Anwesenheit von Dr. Würzburger und des Autors«ine grundsätzliche Aussprache über„Das Lshrspiel im Rundfunk", Sonnabend. 16. Januar, 18'il Uhr, im Vortragssaal des Parteihauses, Linden st raße 3, 2. Hof, 2 Treppen links, statt. Teilnehmerkarten in der Buch- Handlung Dietz, Lindenstr. 2, oder telephonisch unter Dönhoff 1886 (Arbeiter-Radio-Bund). Der Unkostenbeitrag von 10 Pfennig wird am Saaleingang erhoben. Vierteljahr Gklarek-prozeß. Lärmende Auseinandersetzung über die stillen Zessionen. Der Sklarek-Prozeß hat jehk die Dauer eines Vierteljahrs er- reicht, da er bekanntlich am gestrigen Mittwoch genau drei Monate seit dem 13. Oktober abrollte. Ein Ende dieses Monstreprozestes ist jedoch noch nicht mit Bestimmtheil abzusehen, da dle Vernehmung der Angeklagten über den gegenwärtig zur Verhandlung stehenden Stadlbankkomplex mindestens bis Mitte Februar dauern wird. Die Beweisaufnahme zu diesem Teil glaubt man bis Ende März bewältigen zu können, und auch für den letzten Teil der Anklage. der das konkursverbrecheu behandelt, werden mindestens einige Wochen gebraucht. In der heutigen Verhandlung beschäftigte man sich mit einem neuen Abschnitt der Anklage, nämlich mit den stillen Zessio» nen, bei deren Erörterung es wiederum zwischen Leo Sklaret und Stadtbankdirektor hoffmann ganz im Gegensatz zu der Materie zu lärmenden Auseinandersetzungen kam. Bei der Er- örterung der stillen Zessionen erklärte hoffmann, daß Direktor Schmitt genau so wie er informiert worden sei. Es kam hier zu einem kleinen Zwischenfall, da Direktor Schmitt eine Frage des Vorsitzenden sitzend beantwortet«, worauf Amtsgerichtsrat Keßner darauf aufmerksam machte, es fei üblich, daß ein Angeklagter auf- stehe, wenn er auf Fragen antworte. Als Stadtbankdirektor hoff- mann dann wiederum auf das große Vertrauen Bezug nahm, das er den Sklareks entgegengebracht habe, so daß er gar nicht auf den Gedanken kommen komlle, daß die stillen Zessionen nicht ein- wondfrei abgewickelt wurden, meinte der Vorsitzende:„D i e Sklareks waren doch keine Päpste, die unfehl- bar waren." Di« Gewährung der stillen Zessionen wurde, wie der Vorsitzende erläuterte, so gehandhabt, daß die Sklareks auf ihre Liefcruugeu an die Bezirksämier Vorschüsse erhielten, ohne daß die Bezirksämter davon Kenntnis hallen, also nicht kontroMerl werden konnte, ob die Forderungen zu Recht bestanden. Der Vorsitzende erwähnte hierbei auch, daß der Stadtbankdirektor Lehmann gegen die stillen Zessionen Bedenken gehabt und oerlangt Hobe, daß die Bezirksämter die Forderungen bestätigen sollten. Schmitt und Hofs- mann hätten chm dies aber ausgeredet, weil offene Zessionen eine Kreditschädigung für die Sklareks bedeuten würden. Rechtsanwalt Dr. P i n d a r:„Durch die füllen Zessionen sollten also den Be- zirksämtern die Kredite an die Sklareks verheimlicht werden?"— hoffmann:„Der Wunsch dazu ging doch aber von den Sklareks aus."— Leo Sklarek sprang erregt auf und hielt Stadtbank- direktor hoffmann vor:„Sie haben doch alles gewußt, Herr hoff- mann, es geht hier nicht bloß um Ihren Kopf. Sie haben doch erklärt, daß Sie die Revisoren rausschmeißen würden."— hoffmann bestritt das ebenso energisch, und der heftigen Auseinandersetzung wurde bloß dadurch ein unerwartetes Ende gemacht, daß ein hilfs- schösse wegen Unpäßlichkeit plötzlich den Saal verlassen mußte, was auf die Ueberheizung des großen Schwurgerichtssaals zurückzuführen war. Da auch die anderen Prozeßbeteiligten über die unerträgliche Hitze klagten, ließ der Vorsitzende eine Lüftungspause eintreten. Nach Wiedereröffnung der Verhandlung erklärte der Angeklagte Stadtbankdirektor h o f f m a n n, daß er nie an einen Konkurs der Sklareks überhaupt nur gedacht habe. Vors.:„Wenn man von Ihnen immer hört, welches Vertrauen Sie in die Sklareks gesetzt haben, dann muß man sich geradezu wundern, daß Sie noch am Leben sind, denn das muh doch für Sie einen völligen Zusammen- bruch bedeutet haben, als Ihr Vertrauen getäuscht wurde." hoff- mann(schluchzend):„Jawohl, Herr Vorsitzender, es ist furchtbar. Ich kann darüber auch nicht hier sprechen. Das habe ich vielleicht vor dem Untersuchungsrichter sagen können, aber hier nicht vor allen Leuten in öffentlicher Verhandlung." Die Verhandlung erfuhr dann wieder nach kurzer Zeit eine neue Unterbrechung, und zwar wurde dem Verteidiger von Stadtbankdirektor Hoffmann, Rechtsanwalt Bahn, davon Mit- teilung gemacht, daß in seiner Familie sich ein Unglücksfall ereignet habe. Da zur Zeit kein Vertreter für ihn zur Stelle war, mußte.die Verhandlung wiederum unterbrochen werden. Gelbstmord im eigenen Auio. Student erhängt und erschossen aufgefunden. In den heutigen Morgenstunden wurde im Grunewald. in der Nähe des Restaurants«Onkel Toms hülle", von einer Schupostreise der Selbstmord des Sohnes eines bekannten Berliner Anwaltes, des 22 Jahre alten Studenten Hans Walter B., entdeckt. Die Beamten sahen auf ihrer Streife am Rande des Waldes ein Auto stehen, daß sich auch noch dort befand, als sie später die- selb« Stelle noch einmal passierten. Da im Wagen niemand zu sehen war, schöpften die Polizisten Verdacht und öffneten den Ver- schlag. Zu ihrer Ueberraschung sahen sie einen jungen Mann leblos auf dem Boden liegen. Der Tote hatte um den hals eine dünne h a n f s ch l i n g e. die fest zugezogen war. Außerdem zeigte sich an der linken Schläfe ein Einschuß. Die Pistole wurde neben-dem jugendlichen Lebensmüden gefunden. Zunächst wurde ein Verbrechen vermutet, die nähere Untersuchung hat aber ziemlich einwandfrei ergeben, daß der Student freiwillig aus noch un- bekannten Gründen in den Tod gegangen ist. Der Selbstmörder ist, nachdem er sich den tödlichen Schläfenschuß beigebracht hat, vom Sitz heruntergerutscht und dabei hat siej� die hanfschlinge um seinen hals fest zusammengezogen. Die Leiche wurde beschlagnahmt und ins Schauhaus gebracht. Gnadengesuch des Briefträgermörders. Ernst Rems hat die gegen das Todesurteil des Schwurgerichts des Landgerichts II vom 12. Dezember 1931 eingelegte Revision zurückgezogen und ein Gnadengesuch eingereicht. Drittes Opfer des Vobunglücks. In der vergangenen Nacht ist auch die Frau des Amts- gerichtsrat T h e i s s i n g aus Breslau ihren bei dem Bobunglück am Dienstag erlittenen Verletzungen erlegen Di« übrigen Ver- letzten befinden sich außer Lebensgefahr und auf dem Wege der Besserung. Laval wieder im Amt. Tardleu Kriegsminister.- �aval zugleich Außenminister. Paris. t4. Janaar.(Eigenbericht.) Das neue Kabinett Laval ist gebildet und hat sich um 1 Uhr morgens dem Präsidenten der Republik vor» gestellt. Es ist in bezug auf die Person der Mitglieder das gleiche wie das alte Kabinett Laval. Was die Verteilung der Portefeuilles anbetrifft, hat Laval das Aufkenmiuisterium und T a r d i e u das Kriegs- Ministerium übernommen. Das Innenministerium an Stelle Lavals ist dem bisherigen Staatssekretär Eatala und das Ackerbauministerium an Stelle Tardieus dem bisherigen Unterstaatssekretär Fould anvertraut worden. Die durch diese Erneunungen freigewordeneu' Unterstaatssekretariate werden aufgehoben. Laval Halle ursprünglich— im Einvernehmen mit dem Präsi- Kenten der Republik— die Absicht, die freigewordenen Posten in seinem neuen Kabinett durch einige Persönlichkeiten der Linken zu ersetzen. Er hatte sich zu diesem Zweck an Painleoe und B a r t h o u, sowie anPauIBoncourfürdas Außenministerium gewandt. Alle drei Personen lehnten aber ab. Dann war der Plan aufgetaucht, aber ebenso schnell wieder aufgegeben worden, dem Abgeordneten Fabry, einem ehemaligen Oberst, der politisch der- selben Partei angehört wie der verstorbene Kriegsminister, das Kriegsministerium anzuvertrauen. Vor Bildung des neuen Ministeriums hatte Laval einen Besuch bei Briand gemacht und chm gebeten, der Regierung die Unter- stützung seiner Autorität und seiner Erfahrung in der Form, die ihm angenehm sein würde, zu geben Briand hat den Posten eines Staatsministers abgelehnt, sich aber über eine andere Form der Zusammenarbeit noch nicht genügend ausgesprochen. Laval wird sich darüber heute nochmals mit Briand unterhalten. Viel- leicht wird sich Briand entschließen, den Posten eines ständigen Vertreters Frankreichs beim Völkerbund anzu- nehmen. Das neue Kabinett wird sich am Dienstag der Kammer vor- stellen. Wie üblich, wird der Verlesung der Regierungserklärung ein« Jnterpellationsdebatte über die Zusammensetzung und die Politik der Regierung folgen, die sehr lebhaft zu werden verspricht. Sie dürfte sich hauptsächlich mit der Außenpolitik und dem Aus- scheiden Briands beschäftigen. Francois- Poncet war unterrichtet. Parir. 14. Januar. Ein Teil der Morgenpresie unterstreicht die Feststellung der deutschen Presse, daß der s r a n z ö s i s ch e Botschafter in Berlin, Francois Poncet, bereits zwei Tnge vor dem englischen Bot- schaster über die Einstellung der Reichsregierung in der Repara- tionsfrage unterrichtet gewesen ist. So schreibt der„Populaire": Die deutschen Blätter heben hervor, daß der Reichskanzler, noch bevor er mit dem englischen Botschafter sprach, sich mit Francois Poncet über die Llngelegenheit unterhalten hat. Wir glauben be- stätigen zu können, daß das zutrifft. Francois Poncet hat in der Tat vertrauliche Mitteilungen des Reichskanzlers vor samt- lichen übrigen Botschaftern empfangen: er hat auch die französische Regierung darüber unterrichtet. Unter diesen Umständen können wir nur unsere große Verwunderung darüber zum Ausdruck bringen, daß der Quai d'Orsay oder das Ministervräsidium nicht geglaubt haben, sofort die öffentliche Meinung aufklären zu sollen, um den böswilligen Interpretierungen der großen Presse die Spitze abzubrechen. Amerika bleibt Lausanne fern. Kein Beobachter entsandt.— Koover konzentriert sich auf amerikanische Probleme. Washington, 14. Januar. Staatssekretär Skimsoa hat es abgelehnt, einen Beobachter zur Sonserenz nach Lausanne zu entsenden. .New Dork Times" und„New Park fzerald Tribun«" erklären übereinstimmend, daß Präsident Hoover angesichts der nationalen Wirtschaftskrise fest entschlossen sei, alle europäischen Fragen, ausgenommen die Abrüstungsfrage, zurückzustellen, um seine volle Kraft der Lösung der wichtigen Fragen des eigenen Landes zu widmen. Das Regierungsblatt schreibt, Hoover lehne selbst in- sormatorische Schuldenbesprechungen ab, obwohl er persönlich eine langsam fortschreitende Schuldenrevision für angebracht halte. Die „New Pork Times" erklärt in einem Leitartikel, wenn die Alliierten versuchen sollten, di« Hilf« für Deutschland von der Nachgiebigkeit der Vereinigten Staaten abhängig zu machen, so wäre der Fehl- schlag der Lausanner Konferenz schon klar, bevor sich die Konfe- renzteilnehmer von ihren Sitzen erheben würden. Neue Steuererhöhungen gegen das Defizit. Washington, 14. Januar. Finanzmimster Mellon unterbreitete dem Finanzaucschuh des Repräsentantenhauses das Steuererhöhungsprogramm der Regie- rung, das sich den Ausgleich des Staatshaushaltes für das Ende des Etatsjahres 1934 zum Ziele setzt. Obwohl aus den jetzt vor- geschlagenen neuen Steuern, z. B. auf den Telephon-, Telegraphen- und Scheckverkehr, aus der Erhöhung der Einkommensteuer usw. in diesem Jahre eine Mehreinnahme von 390, im nächsten Jahr von 920 Millionen Dollar erz'elt werd«, rechne er In diesem Jahre doch mit einem Defizit von 2123, im nächsten Jahre von 1417 Millionen Dollar._, „politische Nrandstistungen." Ein bösartiger Schwindel entlarvt. Schwerin, 14. Januar. Eine Kleine Anfrage der Sozialdemokratischen Partei wegen der angeblichen politischen Brandstiftungen in Mecklenburg wurde am Mittwoch im Landtag von der Regierung dahingehend beantwortet, daß die Zahl der Brandfälle im Lande im Jahre 1931 nicht nennenswert hoher gewesen sei als in dem Vorjahr. Lei keinem dieser Brandsälle hat sich bisher der Beweis er- bringen lassen, daß es sich um politische Racheakte handle. Lediglich im März 1931 habe bei einem Brand in der Nähe von Plau ein begründeter Verdacht der Brandstiftung aus politischen Motiven bestanden. Eine Vermutung in gleicher Richtung, die sich jedoch nicht hat hat erweisen lassen, besteht für zwei Brände in letzter Zeit im Gendarmeriebezirk Rehne. Andererseits sei bei einer Reihe der vorgekommenen Brandfälle der Verdacht vorhanden, daß es sich um Versicherungsbetrug handelt. Durch diese Antwort der Rechtsregierung wird dem b ö s« willigen Gerede, daß die Brandstiftungen auf Bauernhöfen von„streikenden Arbeitern" aus politischen Gründen erfolge, hosfent- lich für immer der Boden entzogen. Sarrasanis Elefanten Kluge und zärtliche Tiere/ Akrobaten Brüssel, 14. Januar.(Eigenbericht.) Der Direktor des Zirkus Sarrafani, der zur Zett in Brüssel gastiert, erklärte Pressevertretern, daß von den 28 Elefanten seines Unternehmens durch den schweren Brand keiner getötet worden ist. 12 Elefanten hätten schwere Brandwunden erlitten. Außerdem sei es n i ch t r i ch t i g, daß die A n t w e r p e n e r Feuerwehr nicht tadellos funktioniert habe. Vielmehr habe sie ihre Aufgabe, den Brand auf den Ausgangsherd zu beschränken, ausgezeichnet gelöst. Polizei und Pioniere hätten sich an dem Retwngswerk hervorragend beteiligt. In den nächsten Tagen würden die Vorstellungen ausfallen. Der Zirkus werde dann aber sein Tournee durch Belgien fortsetzen. Sarrasanis Elefanten waren wellberühmt. Wer Gelegenhell hatte, die Elefanten zu beobachten, weiß, daß hier eine wahrhafte Tier- tragödie sich ereignet hat, denn Sarrasanis Elefanten hatten fast Verstand. Unheimlich berührte die Klugheit dieser Riesenllere, die trotz ihrer ungeheuren' Kräfte zahm waren wie die Kinder und voll zärtlicher Gefühle. Wenn der Direktor Stosch-Sarrasani in das gewaltige Zell trat, wo die Elefanten der Ruhe pflegten, da war es gleichgültig, ob tiefe Nacht herrschte und die Elefanten in festem Schlummer lagen. Sie fühlten, daß ihr Herr da war, der sie verwöhnte und verzärtelte und sie lichte wie Freunde. Diese Liche wurde von ihnen mit einer Leidenschaft erwidert, die etwas Rührendes und Erschütterndes hatte. Kein Schlaf war zu tief, als daß sie nicht sofort erwacht wären und mit wahrhaften Posaunentönen ihren Herrn begrüßt hätten. Mancher Faulenzer, der seinen Gefühlen nicht seine Nachtruhe opfern wollte, wurde von den anderen begeisterten Elefanten durch Stöße und Schläge mit dem Rüssel gezwungen aufzustehen und in den allgemeinen Jubel mit einzustimmen. Das zärtlichste der Riesenllere war„Jenny". Sie war das klügste Tier, das man sich denken konnte, für Liebesdienste ebenso empfänglich, wie gegen Gehässigkeiten nachllagend.„Jenny" konnte sich noch nach Monaten erinnern, wenn irgendein Artist ihr Unrecht getan hatte, und wehe, wenn sie ihm irgendwo begegnete. Er konnte dann einen Schlag bekommen, an den er wochenlang dachte. Das Lieblingstier des Direktors Stosch-Sarrasani war „Mary", der Riesenelefant. Hans Stosch stellte sich vor„Mary" hin und„Mary" erhob sich auf den beiden Hinterfüßen, stand mit ihrem gewaltigen Körper fast senkrecht da, die turmartigen Vorder- deine gewissermaßen auf den Schultern des Direktors, den Rüssel hoch erhoben. Bei der geringsten Unvorstchttgkeit hätte„Mary" ihren Freund und Direktor zu einer formlosen Masse zerdrückt. Aber man konnte sich auf dieses klug« Tier verlassen. Trotz seiner ungeheuren Masse stand es wie aus Eisen da und rührte sich nicht, denn es wußte, daß es den Freund nicht verletzen durfte. Auch die anderen Elefanten hatten eine große Liebe zu Hans Stosch- Sarrasani, der sich hauptsächlich gerade mit diesen vorweltlichen Riesen der Tierwelt befaßte. Wenn der Direktor auf Reisen war und mehrere Tage die Elefanten nicht gesehen hatte, dann war sein Eintritt in das Elefantenzelt für di« Tiere ein wahres Freuden- fest, ebenso wie für ihn selbst. An allen Bewegungen dieser ge- wältigen Wesen konnte man erkennen, wie groß ihre Freude war, den Herrn wiederzusehen. Auch bei den Vorführungen im Zirkus kam dieses Freundschaftsgefühl zwischen Herrn und Tieren zum Ausdruck. Die Elefanten Sarrasanis waren Artisten und Akrobaten von ungewöhnlichen Leistungen. Während der Direktor in ihrer Mille stand, folgten sie dem leisesten Wink, setzten sich auf niedrige Sessel und waren gehorsam wie kleine Kinder, daß es manchmal ge- radezu lacherlich wirkte. Das Meisterstück der Dressur war das ..Kopfstehen". Das war eine Leistung, die man nur glauben konnte, wenn man sie gesehen hatte. Die ungeheuren Fleischmassen, die scheinbar die unbeweglichsten und ungraziösesten Wesen der Welt bildeten und ungefüge und schwerfällig einhergingen, konnten plötz- lich die Gelenkigkeit und Geschmeidigkeit der besten Artisten er- langen. Wenn Sarrasani ihnen den Befehl gab, dann neigten sie ihren schwerfälligen Kopf, erhoben die Hinterbeine und standen tat- sächlich auf ihrem Kopf. Ein zärtliches Wort, das ihnen nachher zugerufen wurde, war ihnen genügend Belohnung. Die Elefanten achteten bei der Vorführung mit größter Sorgfalt auf jede Hand- bewegung ihres Meisters, denn sie wollten ihn erfreuen, indem sie gute Leistungen zeigten. Es war geradezu ein Wettstreit unter den Tieren, denn jeder wollte es am besten machen. Wenn ein Elefant zerstreut war und nicht seiner Pflicht achtet«, dann konnte er gewärtig sein, von den anderen Tieren, die sich ihrer Aufgabe bewußt waren, energisch gerüffelt und zurechtgewiesen zu werden. -Wenn die Vorstellung zu Ende war, gingen die 22 Riesen- tiere stolz aus der Manege, um ihr Futter zu erhalten. Tausend Zentner Heu und andere Nahrungsmittel reichten nicht besonders lange. „Mein Freund der Millionär." Marmorhaus. Well ein junger Mann den vom Wind entführten Hut eines alten Herrn aufhebt, steht er plötzlich im Mittelpuntt des Luxus- bades. Der alte Herr gilt nämlich als Millionär und nun soll für die ganze Bedegesellschaft der junge Mann der Weg zur glänzenden Verbindung werden. Nach dem Irrtum(der alte Herr ist gar kein Millionär, sondern ein.Schwindler) bleibt dem jungen Mann aber tatsächlich nichts anderes übrig, als eine ganz große Karriere zu machen. Das Manuskript darf man loben; denn trotz der mannigfachen Zufälligkeiten und der Bergröberungen sind die Streber, die andauernd einer guten Verbindung nachjagen, vorzüglich gezeichnet. Di« Hauptrolle wurde zur großen Chance für T h i m i g und — den Film. Der wäre nicht derart wirksam, wenn Thimig nicht so fein schattierte. Man erlebt seine ganze Emporentwicklung. Schüchtern und komisch ist er als kleiner Angestellter, als Träumen- der genießt er das Glück, um dann schließlich bei gut fundiertem Selbstbewußtsein als Direktor zu paradieren. Ausgezeichnet sind ferner Jakob T i e d t k e als ewig zeitunglesender Ehemann und Olga Limburg als Mutter einer heiratsfähigen Tochter. Maria Meißner ist nur auf gutes Aussehen stilisiert. Alles in allem schuf Hans B e h r e n d einen ansprechenden Schauspielerfilm mit würzigen Einfällen. e. d. Michael Kramer als Hörspiel. Gerhart Hauptmanns Drama„Michael Kramer" wurde von der Sendebllhne der Berliner Funkstunde aufgeführt. Es war keine um die literarische Bildung der Hörer bemühte Leseveranstaltung, sondern handfestes Theaterspiel. Und es war gut und richtig so. Das Schauspiel ist nicht arm an Handlung: aber diese nimmt chren Ursprung nie von einem plötzlichen Geschehen, das den Hörer be- fremden oder ihm gar völlig unverständlich bleiben muß, sondern sie spannt sich in weitem Bogen über das ganze Werk. Doch wichtiger noch: die Kräfte, die die Handlung entwickeln, ruhen in den Gestalten selber. Man muß in sie hineinhorchen, nicht nur, um das Werk als ganzes verstehen, sondern auch um ihm überhaupt folgen zu können. Die geistige Atmosphäre der Dichtung, die nur eine besonders gute Bühnendarstellung dem Zu- schauer deutlich machen kann, ist dem Hörspiel naturgemäß. Sein Publikum läuft nicht Gefahr, über dem bunten Ablauf der Hand- lung die handelnden Personen zu vergessen: denn es erlebt jeden dramatischen Ablauf erst aus dem Mosaik der Einzelschicksale, die man ihm nahebringen konnte. In„Michael Kramer" wird jede der handelnden Personen aus dem Dialog lebendig, nicht> nur dort, wo sie selber daran teilnimmt. Michael Kramer ist sichtbar, lange bevor er auf dir- Hörbühne erscheint. Sein tragisches Schicksal, dessen Ausmaß bei der sichtbaren Gestallung des Wertes notwendig seinen Höhepunkt in dem Tod des Sohnes finden muß, ist im Hörspiel vom Beginn in ganzem Ausmaß vorhanden. Die Tatsach«, daß das Hörspiel auf den eigentlichen dramatischen Effekt nicht nur verzichten kann, sondern sogar verzichten muß. wird bei der Hörausführung dieser für die Bühne geschaffenen Dichtung ein Gewinn. Die Geschlossenheit, die«in« sichtbare Dar- stellung wenigstens scheinbar bieten muß, ist für das Hörspiel nicht notwendig. Das Fragmentarische allen menschlichen Schicksals, dessen letzte Tragik immer in dieser Unabgeschlossenheit begründet ist, darf sich ungehemmt offenbaren., f«?- Die Herstellung des künstlichen Chinin. Das Chinin, dieses für di« Tropen unentbehrlich« Heilmittel der Malaria, ist bekanntlich aus der Rinde des sogenannten China- bcmm« hergestellt und wurüe vor 300 Jahren zum erstenmal nach Europa gebracht. Man hat kürzlich das Jubiläum dieser segens- reichen Droge gefeiert, durch das mit zuerst Ludwig JvlV. vom Fieber geheilt wurde. Das Chinin ist das wirts anrstc Alkstloid der Chinarinde und wurde 1820 von Pelletier und Caventin entdeckt und rem dargestellt. Aber erst jetzt ist es gelungen, wie Dr. Frei- tag in der Leipziger„Justrierten Zeitung" berichtet, das Chinin auch künstlich herzustellen. Nachdem Prof. Rai.« bereits di« Kon- stitutionsformel des Chininmoleküls sestgestellt hatte, konnte er mit seinen Mllarbellern im Hamburger Chemischen Staatsinstitut die Droge künstlich darstellen. Das Naturprodukt und das künstliche Erzeugnis sind in jeder Beziehung identisch. Im Anschluß an diese Synthese wird es vielleicht möglich fein, auch Stoffe aufzufinden, die in der Chinarinde nicht vorkommen, aber noch wertvollere Heil- Wirkungen haben als das reine Chinin Ihre Lieder. Die Moral mit doppeltem Boden. Der Stahlhelm veröffentlicht„Ein geistliches Landsknechtslied", das im Stahlhelm und in der Stahlhelm-Iugend- bewegung gesungen werden soll. Darin lautet die zweite Strophe: „Unsere liebe Fraue vom kalten Bronnen Bescher uns armen Landsknecht eine warme Sonnen. Daß wir nicht erfrieren, ziehen wir dem Bauersmann Das wollen Hemd vom Leibe und lun's uns selber an." Veröffentlicht das Lied in einem Linksblall und setzt darunter den Namen eines linksgerichteten Dichters, etwa Klabund, und ihr werdet erleben, was dann passiert! Dann wird sich durch ganz Deutschland ein Geschrei erheben über„Roheit und Bru» talität", über„Verletzung religiöser Gefühle" und am Ende wird sich gar ein Staatsanwalt finden, der wegen dieses Gedichtes noch den Gotteslästerungsparagraphen in Bewegung setzt! Es ist ein ganz harmloses Lied, und unsertwegen können es die vom Stahlhelm ruhig singen, um so mehr, als die Strophe über den Bauersmann so richtig zum Borheimer Geiste paßt. Wer aber gegen ähnlich harmlose Lieder in der. Linkspresse ein Geschrei erhebt, muß sich gefallen lassen, daß ihm der Vorwurf der doppelten Moral gemacht wird! Was dem Stahlhelm recht ist, ist den Nationalsozia» listen billig. Das nationalsozialistische„Blatt der Nieder- s a ch s e n" hat ebenfalls ein„geistliches Lied" veröffentlicht und das lautet: i Stille Nacht, heilige Nacht, Reichstag schtäst, Brüning macht Notverordnungen aus lächelndem Mund, Deutscher trag ruhig, Du wirst noch gesund: Hitler, der Retter, ist da! Wir haben nicht gehört, daß sich dagegen in der deutschen Rechtspresse lauter Protest erhoben hätte. Es wäre doch so hübsch gewesen, aufzuzeigen, daß„die von Rußland kommende Gott- losen- Bewegung" ganz offensichtlich schon tief bis in die Rechen der Hitler-Partei eingedrungen ist. Es hätte sich so hübsch predigen lassen über Blasphemie, über Verhöhnung der innigsten religiösen Gefühle des deutschen Volkes— wenn das Gedicht eben nicht in einem nationalsozialistischen Blatte gestanden hätte! Im Deutschen Äiinftler-Theater findet Sonnta» bei kleinen Preisen eine Nachmittagsvorstellung von„Nina" mit F r i tz i M a ss a r y in der Titelrolle statt. Gertrud Biuderuagel singt in der„L o h e n g r i»".Aufführung der Städtischen Oper am Sonntag die Partie der Ortrud, Carl Hart- mann den Lohengrin. Der Berbaud der vhoraugestellteu der Jüdischen Gemeinde veranstaltet Sonntag, 8 Ilhr, in der Svnagoge Fasanenstraste ein Wobltätigkeitskanzert. Außer dem Chor wirken Lotte Leonard und Andreas Weißgerber mit. Posaunisten-Sionzert. Unter Leitung von Hermann Scherchen findet Sonntag, 12 Uhr, in der Städtischen Oper ein Konzert zugunsten der Wohlsahrtskasie der Berliner Posaunisten-Verbindung 1320 statt. Mit» wirkende: 13S Bläser, 270 Sänger, ein Sprechchor. „Saure Woche»— Froh« Feste." Unter dieser Devise veranstaltet die Voltebühne ihr diesjähriges Kostümsest im Sportpalast. Es findet am 20. Februar statt und bringt unter anderem die Mitwirkung der Tanz- ariippe Claire Eckstein und einer Reihe bedeutender Varietskräfte. Ein- laßkarten 2 Mark. An die Akademische Hochschule für Musik wurde Professor Carl E l c w i n g für das Fach Anatomie, Physiologie und Hygiene der Stimm- organc em die Stelle des verstorbenen Professors Schaeser berufen. Die Memreeder wollen sich„auflösen". Oer Lohnabbau ist ihnen nicht radikal genug. Nach schweren und langen Kämpfen und durch Zwangsschieds- spräche sind die Löhne des Personals der R h e i n s ch i f f a h r t so tief herabgedrückt worden, daß sie bereits unter dem Stand vom 10. Januar 1927 liegen und der Schlichter nichts mehr auf Grund der Notverordnung abzubauen fand. Die Unternehmer, die sich mit Vorliebe unter ausländische Flagge flächten, möchten van dem durch die Notverordnung geschaffenen, bis zum 30. April gältigen Tarifvertrag loskommen. Sie wollen sich also nach berühmten Mustern„auflösen" und ihre Tätigkeit nur noch auf das chafenperfonal beschränken. Ob sie aber mit ihren Plänen Glück haben, ist eine andere Frage. Sie vergessen, daß die Hafen- und Speditionsarbeitcr der gleichen Organisation angehören wie die Binnenschiffer. Das Rheinschiffahrtspersonal— Binnenschiffer und Hafenarbeiter— wird, wenn am 30. April der Tarifvertrag abläuft, nicht mit sich spielen lassen. Und außerdem gibt es eine Allgemeinver- Kindlichkeit, der auch„aufgelöste" Unternehmer sich nicht entziehen können. BVG.-Belegschast für Gesamivsrband. Ablehnung der ZiGO.-parole. Der Betriebsrat der BVG. hatte zu gestern abend drei B e- legschaftsversammlungen nach den Kammersälen, den Pharussälen und Bökers Festsälen einberufen, in denen die Ge- nassen Schaum, Polenske und Oltersdorf vom Gesamt- verband über die Abwehrbewegung gegen den Lohnabbau Bericht erstatteten. Die Versammlungen waren durchweg außerordentlich gut be- sucht. Selbstverständlich hatte die RGO. alles aufgeboten, um die Versammlungen in ihrem Sinne zu beeinflussen. Da zu diesen Versammlungen nicht nur die Organisierten, sondern auch die Un- organisierten Zutritt hatten, hofften sie, mit ihrem Phrasendrusch Eindruck zu machen. In allen drei Versammlimgen wurden gleichlautende Entschlic- Hungen der RGO. eingebracht, die sich, wie sich das ja von selbst versteht, gegen den„Hauptfeind", gegen die Gewerkschaften und die Sozialdemokratische Partei richteten. Die Entschließungen fielen jedoch unter den Tisch, ohne der Ehre einer Abstimmung teil- haftig zu werden. Die Referenten und ein Teil der Diskussions- redner rechneten gründlich mit den negativen Helden der REO. ab. Der Erfolg des Gcsamtoerbandes wurde sichllich von der über- großen Mehrheit der Versammelten anerkannt und nirgends bestand Neigung, den kommunistischen Schimpfboldcn Gefolgschaft zu leisten. DonnersigA, 14. Januar. Berlin. 16.05 Lothar Brieger: Begegnungen mit großen Künstlern. 16.30 Mozart-Sinfonien,(runkorebester; Dir.: Hennann Scherchen.) 1. Sinfonie D-Dur(K. V. 133). 2. Sinfonie C-Dur(K. V. 425). 17.30 Dr. Wolf Zucker: Der Geschichtsatlas. 17.50 Dr. Ludwig Paneth: Mit Anstand alt werden. IS. 15 Chorgesänge Mäunerchor Fichte-Qeorginia- Dir.: Musikdirektor Wilhelm Knöchel. 18.40 Ingenieur J. Bochmer: Eine Viertelstunde Technik. 18.55 Die Funk-Stunde teilt mit... 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Leo Menter: Georg Heym. 19.30 Offenbacb-Zyklus.„Verl— Verl.*4 Komische Oper von Jacques Offenbach.— Anschließend Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Königs Wusterhausen. 16.00 Prof. Dr. Heinrich Werner: Kuustanscbauung und Deutschunterricht 17.30 Dr. Oskar Goctz: Theater und Produzent. 18.00 Prof. Dr. Stolze: Der Staafsgedanke in der deutschen Geschichte. 18.30 Spanisch für Fortgeschrittene. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 Landforstraeister Gernlein: Behandlung und Pflege des eingeschlagenen Holzes. 19.30 Generalleutnant von Taysen: Frankreich und Italien als Militärmächte. 20.00 Artur Koch: Als Arbeiter in Sowjetrußland, 20.30 Von Jugoslawien: Europäisches Konzert. 1. Von Belgrad; Krsto Odak: Zweites Streichquartett. 2. Von Laibach: Konzert des Chores„Olasbena Matica". 3. Von Agram: Zaje; Vater unser, für Orchester und Chor (Sinfonieorchester und Chor„Kolo"). 22.00 Rauscher: Zcitungsschau. SEmei üSrofchürcn überSreiherrn rom Stein Aus der Hochflut der Stem-Literatur, die das letzte Jahr mit seinem Stein-Jubiläum erzeugte, seien hier noch zwei klein« Arbeiten herausgegriffen. Zunächst eine kleine, vortrefflich ausgestattete anonyme Broschüre:„Stein, ein Fährer zum neuen Reich", er- schienen im Verlag Gutenbcrghaus, Berlin. Hier wird so eindring- lich wie in keiner anderen Schrift all das hervorgehoben, worin Stein als Vorläufer der Deutschen Republik erscheint; sein Kampf gegen Fürsten- und Junkertum, und sein Wille, Deutschland durch die Selbstverwaltung des freien Staatsbürgers zu erneuern. Wer diese Verbindung, Stein— Deutsche Republik, sucht, wird in de? vorliegenden Broschüre die reichste Anregung finden. Freilich war das politische Weltbild Steins nicht ganz einheitlich: in seinem Wesen kreuzten sich mit erstaunlich modernen auch zeitgebundcne „reichsfrechcrrliche" Stimmungen. Die an sich gediegene und wert- volle Arbeit von Hermann Haß über„Freiherr v o in S t e i n"(Verlag Diederichs-Jena, Sammlung„Deutsche Volkheit") verweilt manchmal etwas zu sehr bei solchen rückschrittlichen Tendenzen und sucht sie romantisch und aytidemokratisch zu ver- werten. Die Lektüre beider Schriften nebeneinander ist recht auf» schlußreich. Arthur Rosenberg-. Welker für Berlin: Anfangs mit nach Süd zurückdrehenden Winden heiter, kältere Nacht, später wieder langsame Wetter- Verschlechterung. Tagsüber ziemlich mild.— Für Deutschland: Im Osten vorwiegend heiter und wieder källere Nacht. Im Westen beginnende nach Ost fortschreitende Wetterverschlechterung. Vcrantwortl. für die Redaltion: Rich. Äerusteia, Berlin; Anzeigen: Th. Glocke, Berlin Verlag: Borwärto Verlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts Buch» drnckcrci und Vcrlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin S3B 68, Lindenstr. 3. Hierzu 1 Beilage. Staats täk Theafer Dooncrstaj, den 14. Januar S!aatS9per unter ren Linden 20 Uhr Das Herz StailLSitapieUram Gcnilsrmnnirfct. 20 Uhr Wallensteins Tod Schiller-Theater Unriottaharj. 20 Uhr Die ßSUllche Jette WWW 'Carlen 6.15 Dhr Flora 3434 i erlaubt 20 Zigeunerinnen spielen, „Zemganno's" fliegende leuchtende Menschen am Lufttrapez im dunklen Raum und weitera Variete-Neuheiten' Schwerhörige hören sofort wieder mit dem ärrtlich empfohlenen omeisai- ahdstih. appab at mit nenestem Kielnhörer. — Noch Besseres gibt es nicht!— Dsalsdie Akustik Gesellsdiaft in. b. A. Aelteste u. führende Spezialtabrik Verkauf u. Vorführung: Beriin-wnmersdor!. motzstr. 49 Berlin, Kiostereir. 44 Reimckendon-ost, Bnenzer Str. 4 Verl. 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Januar 1932 SivAhniS StieUaulfaße Jet ßrwärA Kleinkinder und Arbeitslosigkeit Sindergärtnerinnen berichten/ So« Hm«x Schumacher Nicht nur die heranwachsende Jugend erlebt die Zeitereignisse mit aufgeschlossenen Sinnen— auch schon das Kleinkind. Wir wissen heute durch wissenschaftliche Forschungen, daß die empfang- lichste Zeit für Eindrücke die ersten Kindheitsjahre find, daß in dieser Zeit der Charakter seine Lebensleitlinie empfängt und die Weltanschauung des jungen Menschen— insofern sie nämlich praktisch gelebt wird— sich bildet. Es ist also von unendlich großer Bedeutung, unter welchen Lebensumständen das Kleinkind aufwächst. Man hört oft genug die Meinung, daß Kleinkinder eben noch zu klein und unreif seien, um wirtschaftliche und soziale Nöte zu erfassen und von ihnen beeindruckt zu werden. Sicher wird ein Kleinkind das wirtschaftliche Elend unserer Lage gedanklich nicht durchdringen und daher auch Ursache und Folgen nicht abwägen können. Aber das Erlebnis dieser Nöte geht dem Kleinkindc unmittelbar und gefühlsmäßig ein. Es erarbeitet sie sich in seiner Art, und so prägt sich selbst die Arbeitslosigkeit unserer Notjahre in erschreckender Weise in diese kleinen hilflosen Menschenkinder ein und hinterläßt hier ihre untilgbaren Spuren. Jeder Bolkskindergarten wird heute bestätigen, daß der Gesundheitszustand der Kleinkinder sich in den letzten Jahren tatastrophal verschlechtert hat. Aus einem Ort wird berichtet, daß dort Kinder tagelang in der Woche kein Brot erhielten, so daß sie ranz elend wurden; aus einem anderen, daß Kinder sich übergaben, wobei Kartoffelschalen zum Vorschein kamen. Trotzdem werden Kindergärten geschlossen, Zuschüsse gestrichen, Speisungen aus dem Etat entfernt, Kindergärtnerinnen abgebaut, und man erlebt, daß die armen Kleinkinder dann auf ihr„elendes Loch"— das sich«in „zu Hause" ncimt— angewiesen sind. In diesem„zu Hause" haben sie weder Licht noch Sonne, weder Wärme noch Glück, weder Spiel- räum noch Spiclmaterial, und so verkümmern sie wie Pflanzen, die man in den Keller stellt und' vergißt. Vielfach trifft man die Meinung, jetzt, da wegen der Arbeits- lofigtcit Mutter und Bater zu Hause seien, da erübrige sich der Kindergarten, denn nun könne sich doch zumindest der eine Eltern- teil um die Erziehung der Kinder kümmern. Und zuin Beweis der Wahrheit wird angeführt, daß an manchen Stellen der Besuch der Kindergärten nachgelassen hat. Diese Behauptung zeugt von Ober- slächlichkeit. Der Besuch der 5lindergärten hat dort nach- gelassen, wo die Kindergärten von den Eltern den üblichen Beitrag wie bisher fordern. Daß die Arbeitslosen nicht imstande sind, ihn zu zahlen, sollte doch wohl klar sein. Wo aber die Kinder- gärten von den Erwerbslosen keine Beiträge fordern, da nimmt der Besuch der Kindergärten zu. Und Zwar in dem Maße, daß z. B. Regicrungsrat D ö p c l in Weimar zu der öffent- lich erhobenen Forderung kommt, Kindergärten für die Kleinkinder der Erwerbslosen neu zu errichten.- tat t-K i n-d e r- gä r t« n zu schließen, müßte man besonders solche für Kinder von Arbeitslosen neu errichten." Das thüringische Ministerium des Innern, Ab- tellung Wohlfahrt, hat über die Rückwirkung der Arbeitslosigkeit auf die Kindergärten eine Rundfrage veranstaltet und die Kindergärten in einem Fragebogen um die Beantwortung von Fragen gebeten, wie etwa:„Aeußcrungen des Kindes über die Arbeitslosigkeit": a) bei der Unterhaltung, b) im zeichnerischen Dar- stellen, c) im Spiel und bei Beschäftigungen, in spontanen Ausrufen, e) in Kinderreimen oder„Beobachtungen über die Wirkung der Arbeitslosigkeit": a) in der Regelmäßigkeit des Besuchs, b) in der Pünktlichkeit, c) in der Ordnungsliebe, ä) im pfleglichen Zustand der Kinder. Die erhaltenen Antworten sind ebenso aufschlußreich wie erschütternd.„Wenn ich groß bin, werde ich auch Arbeits- loser!"„Etsch, mein Vater geht ooch stempeln nach Apolle, da brauchter wenigstens nicht mehr zu arbeiten und kann mir jeden Tag Säbel und Helme machen!"„Mein Batcr macht nix, der sitzt den ganzen Tag im Zimmer und raucht."„Unser Papa macht nix, der ißt." Ein kleines Kind soll operiert werden. Was fragt das Kind? „Mutter, was kostet das?" U c b c r der Angst vor den Schmerzen steht die Sorge für die Geldaufbringung. Ein anderes Kind erzählt der Tante:„Wenn wir viel Geld haben, krieg' ich Schuhe." Oder:„Tante, wir konnten gestern gor nichts lausen, meine Mutter hat so wenig Geld gekriegt!" Die Kinder sind beim Kasperlcspicl und der Kasper will von seiner Mutter Brot haben: „Nein, Kasper, ich kann dir nichts geben; wir haben d o ch gestern bloß 11 M. gekriegt, da müssen wir die Miete von bezahlen und die Kohlen!" Die Kinder spielen„Haus bauen". Da baut man Häuser„mit recht vielen Zimmern" oder Fabriken,„damit die Arbeitslosen was zu tun haben", oder große Eßsäle,„damit die Erwerbs- losen was zu essen kriegen!" Als andere Kinder eine Maschine bauen wollen, wird ts ihnen verwehrt:„Sonst wird mein Vater noch entlassen I" Mit Vorliebe wird„Mausen" gespielt.„Ein Kind ist Guts- inspektor, ein anderes Hofverwaltcr, beide verstecken sich an ver- schiedencn Stellen, dann kommen die Diebe in geduckter, lauschender und lauernder Stellung und stehlen auf dem Felde. Wo anders sind Einbrecher- und B e t t l e r f p i« l e beliebte Kinderspiele. Ein kleiner Junge blieb wegen Arbeitslosigkeit der Mutter aus dem Kindergarten fort, später kam er wieder, nahm es aber mit den kindlichen Arbeiten und mit der Ehrlichkeit nicht mehr genau: „Wo warft du so lange?"„Ich ging mit Großmutter betteln!" Wir merken: nicht die Erziehungskrast der Mutter wird in der Zeit der Arbeitslosigkeit genutzt, wie ahnungslose Ge- müter sich einbilden— das Kind wird zum Betteln gebraucht! Jedes Kleinkind weiß auch schon mit dem Stempeln Kescheid. Fast immer erfolgt auf die Frage der Kindergärtnerin: „Was tut dein Vater?" die Antwort:„Der stempelt!� Oder: „Mein Vater geht nicht arbeiten, aber Geld kriegt er auch. Oder: „Mein Papa muß nicht arbeiten, da schläft er immer so lange bis Mittag." Oder:„Wenn meine Mutter wäscht, hilft mein Vater nicht, der macht gar nichts, der liegt bloß im Bett und schläft, und dann steht er auf und st e m p ei t!" Selbst in Kinderreimen findet die Arbeitslosigkeit ihren Nieder- schlag: Schrumrn, schrumm, schrumm, W« arbeit', der ist dumm!" Oder: „Der Kürt, der ist kein Dommer, Der arbeit' nur im Sommer, Und ist der Sommer gar zu lang, Meld' sich der Kurt auch manchmal krank!" Oder „Waldeslust, Waldeslust, Oh, wie einsam schlägt die Brust. Mein Vater ist arbellslos, Meiner Mutter gehts famos. Und ich muß stempeln gehn. Das ist schön!" Will noch jenrand behaupten, Kleinkinder seien zu unvernünftig, um die Tragik der Arbeitslosigkeit zu verstehen? Diese Kinder er- leben den Verlust der inneren Zlrbcitsbereitschast schon genau so wie die Arbeitslosen selbst. Es finden sich auch schon Kindergärtnerinnen, die aus ihrer Erfahrung heraus auf die Sinnlosigkeit ihres Tuns hinweisen: W i r erziehen unsere Kleinkinder z u r A r b e i t; sie lernen das Zimmer sauber halten, Pflanzen versorgen; immer wollen die kleinen Hände beschäftigt sein; die Augen wollen sehen; das Gehirn will denken— und dailn kommen die Kinder nach Hause in eine Atmosphäre der Stumpfheit und Gleichgültigkeit, wo alles liegen gelassen wird, alles vcrkomnü und zerfällt. Was sollen sie da mit ihrem Arbeitswillen? Und wie kann man, so sagen Kindergärtnerinnen, die Kinder zur Arbeit aichallcr», wem« das spätere Leben für sie keinen Arbeitsplatz hat, wenn es ihnen jede Tätigkeit vorenthält? Es mehren sich die Stimmen der Spezial- arbeitcrinnen, die da offen erklären:„Unsere Arbeit i st sinnlos geworden!" Und es mehren sich die Stimmen, die zur Einsicht kommen und da sagen: Ich erwarte nichts mehr van einem Wirtschaftssystem, das das elementarste Recht des Menschen auf Arbeit und„auf Nahrung und Decke" den Menschen vorenthält! Wir verlangen eine ncueWclt- undWirtschafts- ordnung! Wie ycht's den Uebungsabenden. Freie Svoetoerciuiguug Panlow. Heute, Donnerstag, Generalversammlung der Hockenabteitung. Donnerstag, 21. Januar, Funitionärsitzung bei Lehmann. ATV. Net. Weiß. Funltionärversammlung Donnerstag, 14. Januar, 29 Uhr, Schule Sonnenburgcr Str. 29, Zimmer 4. Alle Funktionäre und Mannschofta- filhrcr müssen pünktlich erscheinen. Freie Ruderer und Kanufahrer, 1. Areis. Die Vcreinsflaggen find bis Sonnabend, vormittag 19 Uhr, im Saalbau Fricdrichshain abzugeben. Ab- rechnuna der»arten während der Veranstaltung beim Genossen Dalcit. FTGB. Fest am 16. Januar im Saalbau Fricdrichshain. Wegen der starken Nachfrage müssen unverkaufte Eintrittskarten vor Beginn der Veranstaltung zurückgegeben werden.— Itauubczirl. 14. Januar Generalversammlung im „Falkensteiner", Falckenstcinstraße. Beginn 19ZH Uhr. Gäste haben leinen gutritt. Freie Turnerschast Groß-Berliu e. V. Ekifahrer von der Weihnachtsfahrt treffen sich zum Erinnerungsabend und zur Bilderbesichtigung nicht heute, sondern Donnerstag, 21. Januar, im Jugendheim Lichtenberg. Gunterstr. 44, 29 Uhr.— Zrcikorpcrlultnrbe-irk. Dr. Hans Vahle spricht Freitag, 1ü. Ja- nuar, 29 Uhr, in der Schule Quihowstr. IIb, über:„Entstehung, heutiger Stand und Ziele der Freikörperkultuck'. Gäste willkommen.— Teunis-ilieu- kolln. Freitag, iz. Januar, 29 Uhr, Hauptversammlung„Zum Herfurtheck", Hcrfurthplatz 7. Tcuuis-Rot Groß-Berlin E. V., Sockeqabteiluag. Sonntag, 17. Januar, ahrt nach Wilhelmshagen. Treffpunkt 3 Uhr Bahnhof Etralau-Rummclsburg, ahnsteig 1! fKonfitürenhäuschen). Käste willkommen. 1. ZUei», 1. Bezirk, Schwimmer. Montag, 25. Januar, Schwimmwartefihung der Bezirksvereine bei Sievert, Lichtenberg, Schillerftr. IZ. Beginn 29 Uhr. Fragebogen umgehend einsenden. In i öfieiitl. Eiseitbahner-Versamniliingeu thema:„Im ECampff gegen Not und Diktatur"- Freie J&ysssprache! sprechen: MÜLLER-HALLE/ MENDEL-HAMBURG/ WETTEBORN-NEUMUNSTER am Freitag« dem IS. Januar, 19,30 Uhr am Sonnabend« dem 16. Januar« 16,30 Uhr a) in Kliems Festsälen, Berlin, Hasenheide 13-15' a) in Tegel, Bahnhofstraße 1 bei Lewark b) in den Musikersälen, Berlin, Kaiser-Wilhelm-Straße 31 b) in Köpenick, Bahnhofstraße 34 bei Schulz c) im Edenpalast, Charlottenburg, Kaiser- Friedrich- Straße 24 Zutritt für alle Eisenbahner nur gegen Personalausweis EINHEITSVIRBAND DER EISENBAHNER DEUTSCHLANDS