BERLIN Zreltag 15. Zmuar 1932 10 Pf. Nr. 34 B 12 49. Iahrga«? Lrscheinttäqlich außerS»n«tag«. Zuglctld Abe»dasti»d« des.Vorwärts Bcj»gs»rels für beide Äoezabei, 7z Pf. rro Woche, Z.!'> M. vr» Moaol idaoon 87 Pf. monatlich für ZusteUuna ins Hans) im oorans jadlbar. Pvlibejit, 8,97 M, einschließlich KV Pf. Poftseitungs- uiid 72 Pf. Postbeftcllgebnhrcn. SfuUauhtyaße. xlßh JJyfuhz�6 ?l»,ei,e»»re!«: Die einsvaltlge WiUim-ieri-il- Z0 Pf., Reklamejeile 2.— M. Ermäßigungen nach Tarif. PolKcheettonto: Vorw-rts-Terlag G.m.b.H., Berlin Rr. 87 sm- Der Berlag behält sich das Rech» der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Retartio» und Ernedition: Berlin SWS?, Lindenstr. 8 Serosprecher: Dönhoff(AT) 292—297. Eldorado für Parteibuchbeamte Nazis aller Länder sammelt Euch! Das Nordseebad Borkum braucht einen Badedirektor. Cr ist— in vergangenen Jahren— durch rüdesten ZllUisemitlSmus stark in Verruf geroten. Jetzt sucht die Gemeinde einen Badedirektor, der ilntex Umständen auch besoldeter Gemeindevorsteher werden kann. Die Ausschreibung der Stelle erfolgte in üblicher Weise. Aber die Nazis wollen das BorkuMer Spiel nicht aufgeben. Deshalb druckten sie die Anzeige auch im„Völkischen Beobachter" ab mit dem Hinzu- fügen, daß Bewerbungen an die Geschäftsstelle der NSDAP, in Borkum zu richten seien. Nurnnehr sind wir in der Lage, aus den nationastozialistischen Bewerbungen einig« interessant« Stellen zu veröffentlichen, die jenes Partei- buchbeamtentum In Reinkultur zeigen, auf das wir oft genug verwiesen haben. Lassen wir die Auszüge für sich sprechen: Ein Gastwirt: .1911 wurde ich in den Krieg gezogen, wo ich zwei Jahr« als etatsinätzigsr Wachtmeifber und zwei Jahre al, Offizierstellvertreter vungiene.(1) Da ich seilst und meine beiden Söhne Mitglied der NSDAP, sind und Kämpf« für das dritte Reich, so würde ich mich srencn, bei Ihrer Wahl Berücksichtigung zu finden." Bei einem ZuspcNor a. D. heißt es:.... ein Sohn der sonnigen Pfalz am Rhein und sana- tischer Anhänger Adolf Hitlers. Als ZZjähnger Beamter der.... Notenbant hat« ich schon die Ehre, SO 000 neuausgegebene 100. Mark-Scheine als Kontrolleur handschriftlich zu unterzeichnen." Wenn dies« Chre keine genügende.Befähigung" für einen Bortumer Badedirektor ist, dann gibt's keine! Außer der natür- !). das Parteibuch des großen Adolf in der Tasche zu haben! Doch es kommt noch besser! Ein Hauptmann a. D. schreibt schlicht, kurz und vffen. Er trifft den Kern:.... erlaube ich mir. als Ntitglied der NSDAP., mich um die Stellung als Bade- dircktor zu bewerben. Mit Hitler Hell...." Hauptmann a. D. ist die ein«, das Parteibuch der Noz'.s die andere Voraussetzung für einen Bortumer Badedirektor! Ein Beamter bewirbt sich so deutlich:.Der politischen Einstellung wegen wurde ich in mehreren Städten nicht zum Bürgermeister gewählt und hoff? ich. da unterzukommen, wo Nationalsozialisten zu wählen und zu bestimmen haben." Für seine Offenheit wird ihm das deutsche Volk, das endlich Beweise für das nationalsozialistische Parteibuchbeamtentuin erhäli, dankbar sein. Doch es gibt auch Bewerber, die neben dem Parteibuch auch noch so etwas wie ein« sachliche Befähigung nachweisen wollen. Ein Rittmeister a. D.: .Ich bin gewandt in Wort und Schrift und würde mich mll meiner ganzen Persönlichkeit in die Arbeit stürzen. Auch in die Gemeindeverwaltung würde ich mich schnell einarbeiten, da ich ein gutes juristisches Urteil Hab«. Mei,n Großvater war Juri st." Freilich, wenn man als Mitglied einer Zuchtanstalt schon über- zeugt ist, daß sich blonde Haar« und blaue Augen vererben, warum sollte sich da nicht auch die Jurisprudenz des Eroßoaters vererben! Vorerst allerdings ist man noch nicht so weit. Darum baut der weise Mann vor und erkauft sich durch das Naziparteibuch eine wünschenswerte Stelle. Eine Frau bewirbt sich für ihren Mann, der Büroangestellt er ist:„Mein Mann fährt früh gegen 6 Uhr fort und kommt abends gegen 7 Uhr wieder, so daß mir keine Zeit bleibt, auf ihn zu warten. S e l b st o e r st ä n d l i ch ist er Mitglied der NSDAP, und Teilnehmer an der Red n s r s ch u l e der Partei. Ich selbst war Buchhalterin im Hotel E. in W., in dem unser großer Führer Adolf Hitler mit seinem Stabe zu wohnen pflegte." Alle diese Bewerber sind biedere und brave„Laien" der Nazi- bewecpmg, die den Kern des Drehs noch nicht erfaßt haben. Dazu muh man den F a ch m an n und Kenner der Bewegung hören. Ein nationalsozialistischer Reichslagskandidal schreibt: ,... beziehe 300 Mark monatlich, so daß ich mein Existenzminimum habe, stelle keine Gehal�tsaN' spräche. Jedoch erbitte ausreichende Dievsloufwaadscnlschädigung. Freispruch .Reichkversasillva und VersaMcr vertreg sind »esensaleich. Sie Ueseru uidt das deutlche Bo!k dem Volksfeind aus." Auf diesen Ausspruch ei«s Razi-Studeuteu in der Halleschen Uuivcrfitatsjeanvg erfolgte F r e i s p r u ch. .Der Versuch des Angesagten, die Republik zu be« schimpfen, kann nicht als hinreichend geglückt angesehen werden. Er war daher freizusprechen.---" die nicht durch Notverordnung gekürzt werden kann. Schlage 6000 Mark vor." Einige wellige, aber vielsagende Auszüge aus den n i ch t a m t- l i ch e n, auf die Nazianzsige im„Völkischen Beobachter" einge- laufenen Bewerbungen! Dieser Ungeist der Parteibuchheiligkeit, die jede Sachkenntnis ersetzen soll, ist nicht zu unterbieten und setzt das wahre Parteibuchbeamten- und Bonzentum in«in grelles Licht. Die Gemeinde- und Badeverwaltung aus Borkum, m der die Nationalsozialisten seit den Münchmeyer-Exzessen eine einflußlose, aber um so wichtigtuerische Minderheit sind, denkt nicht daran, einen Bewerber anzustellen, der unter Berufung auf sein Parteibuch den Mangel sachlicher Eignung bagatellisieren will. Heute 20 Uhr: Spichernsäle, Spschernstr.1 (U-Bahnhof Nürnberger Platz) Reichsbannerkundgebung Thema:„Der Verrat an SaicHireB" Redner: Peter Innerkofler, Kamerad Dr.Mischler Republikaner, seid sur Stelle! LandiagswahleninMecklenburg-Girelch Termin: 29. März. Neustrelih, IS. Januar. Die Wahldauer des Mecklenburg-Strelitzer Landtages läuft am 29. Januar d.I. ab. Nach dem Landgrundgesetz muß der neue Landtag spätestens am 60. Tag nach Ablauf der Wahldauer des alten Landtages gewählt sein. Dies wäre der 29. März. Wie das Mecklenburg-Strelitzer Staatsministerium auf Anfrage mitteilt, sind die Neuwahlen zum Mecklenburg-Strelitzer Landtag für Anfang März vorgesehen. Giftgase im Bergrevier. Neues Bergunglück in Oberfchlesien.- 2 Bergleuie tot. hindenburg, 15. Januar. Auf dem hermannsschachl der Söuigin-Luise. Grube, Ostfeld, ereignete sich heule durch giftige Gase ein schweres Uu- glück. Zwei Bergleute wurden gelötet. Sieben erkrankten so schwer, daß sie in das Hindenburg-Snappschastslazarelt eingeliefert werden mußten. Breslau, IS. Januar.(Eigenbericht.) lieber das neue Bergwerksunglück auf dem Hermannsschacht in Hindenburg werden noch folgende Einzelheiten gemeldet: Am Donnerstagabend, gegen Ende der Schicht, stellte man auf der 200-Meter-Sohle im Schuckmann-Flöz Brandgase fest. Beim Durchforschen der Abteilung stieß man auf einen brennenden alten Holzdamm. Die Löscharbeiten wurden unverzüglich mit den für diesen Zweck allerdings unzureichenden Handfeuerlöfch- geraten aufgenommen. Dabei erlitten neun Bergleute schwere Gasvergiftungen. Sieben Bergleute tonnten durch Bergungsmannfchasten mit Gasschutzgerät rechtzeitig befrett und ins Knappschaftskrankenhaus gebracht werden. Die beiden verunglück- ten Arbeiter B ü ch z t k und G u s ch n i k konnte man erst nach zwei» stündigen Rettungsarbeiten bergen. Wiederbelebungs» versuche waren erfolglos. Der Brand ist inzwischen gelöscht. Seine Cntstehungsursache konnte nicht ermtttelt werden. * Lenihen, 15. Januar.(Eigenbericht.) Boa den bisher noch vermißtea sieben Bergleulen der Carsteu-Zealrums-Grube wurden am Dounerslogabead zwei als lol festgestellt. Ihre Bergung konnte jedoch noch nicht erfolgen. Rosenberg phantasiert. Eine Erklärung der Reichsregierung. Zu der vehauplnug des Chefredaklenrs des„Völkischen Beobachter". Alfred Rosenberg, daß„der noch immer amtierende Reichskanzler von sehr autoritativer ausländischer Seile aufmerksam gemacht wurde, daß er nicht mehr verhandlungssähig sei ohne Adolf Hitlers Unterstützung, da ja kein Volk mehr hinter der Regierung stände", wird auf Anfrage von zuständiger Stelle erNärl. man habe von einem sofortigen amtlichen Dementi abgesehen, well diese Behauptung des Herrn Rosenberg das Maß der erlaubten Phantasie übersteige. Gpartakus-Gedenken. Eine große Verleumdungsnummer der„Roten Fahne". Den Bruderkampf in der Arbeiterklasse zu schüren und den Haß zwischen proletarischen Klassengenossen wachzuhalten, ist die Ausgabe der Kommunistischen Partei. Darum kann sie seit 1919 auch keinen Januar vorübergehe» lassen, ohne die Sozialdemokratie in verleumderischer Weise der Schuld an Karl Liebknechts und Rosa Lu xemburgs Ermordung zu bezichtigen.' Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg sind nicht im Kampf ge- fallen, sondern nach ihrer Gefangennahme getötet worden. Die Tötung von Gefangenen ist eine Schändlichkeit. Kein Sozialdemo- trat hat die Tötung der gefangengenommenen Führer des Spar- tatusbundes gewollt. Auch die Kämpfe, in deren Verlauf jenes Verbrechen verübt wurde, fallen in keiner Weise der Sozialdemokratie zur Last. Sie sind vom Spartakusbund, dem Borläufer der KPD., an- gezettelt worden und waren ein ungeheures Verbrechen an der Arbeiterklasse. Eine winzige Minderheit versuchte damals, die ungeheure Mehrheit des deutschen Proletariats mit blutigem Terror zu vergewaltigen. In sinnlosen Straßentämpfcn fielen ungezählt« sozialdemokratische Arbeiter: der sozialdemo- kratisch« Kriegsminister N e u r i n g wurde in Dresden in viehischer Weise ermordet. Die Regierung der sozialdemokratischen Bolls- beauftragten in der Wilhelmstraße wurde von aufgehetzten Matrosen „gefangengesetzt". Die Redaktion des„Vorwärts" wurde wieder- hott überfallen: man versuchte sie mit Drohungen zu hindern, daß fie schrieb, was damals zweifellos Meinung und Wille von mindestens neun Zehnteln des deutschen Proletariats war. Sie wurde aus ihrem Hause verjagt und mußte in Geheimdruckereien unter dem Schutz von Maschinengewehren arbeiten. Wenn heute die„Rote Fahne" sich darüber bettagt, daß die Sozialdemokratie auf solche Tat«, nicht immer mit oollenbeien Liebenswürdigkeiten geantwortet hat und daß im besonderen auch der„Vorwärts� manchmal gegen Spartakus eine rauhe Sprache führte, so richtet solche Heuchelei sich selbst. Damit soll nicht geleugnet werden, daß auch die Sozialdemo- kratie damals Fehler begangen hat. So war es zum Beispiel ein sehr großer Fehler, daß es nicht gelang, aus sozialdemo- kr a ti s ch e n Arbeitern eine Truppe zu bilden, die Spartakus in Schach hielt. Wäre das damals gelungen, so wäre damit sicher auch die Begehung von Ausschreitungen bei der notwendigen Ab- wehr vermieden.worden. Ein weiterer Fehler war es, daß die Sozialdemokratie damals die Stellung Rosa Luxemburgs im Spartakusbund nicht richtig erkannte. Erst später erfuhr man, daß auch sie die Gewalt- taten, für die sie nach außen hin mitverantwortlich erschien, auf das schärsste verurteilt hatte. Hätten wir vor 13 Iahren eine genaue Vorstellung von dem gehabt, was die Cktitreuen heute als„die Fehler von Rosa Luxen,- bürg" bezeichnen, so hätten wir Rosa Luxemburg nicht in dem Maße wie damals mit Spartakus identifiziert. Den Kommunisten von heute dient das Andenken Rosa Luxem- burgs nur noch zu verleumderischen Angriffen auf die Sozial- demokratie. Im übrigen wird jeglicher„Luxomburgismus" als.Rest sozialdemokratischen Einflusses" bekämpft. Man darf sich nicht mehr zu ihr bekennen, man darf nur noch ihren Namen mißbrauchen, um die Wunden eines Bruderkrieges für alle Zeit offenzuhalteu Denn dies ist das Geschäft der KPD. Im ilbrigen unterscheidet sich die diesjährige große Derleum- dungsnummer der„Roten Fahne" von ihren Vorgängerinnen nur durch das Gedicht eine»- neuen Hausdichters. Der neue Hausdichter wendet sich in hallenden Rhythmen gegen die.Obermörder", die man zwar„nicht nennen", aber doch„kennen" kann. Er kennt sie sehr genau, der Gute! Hat er doch viele Jahre gegen ein an- gemessenes Zeilenhonorar auch für sie gedichtet! Gruß den Warschauer Verurteilten! Kundgebungen der Aruderporteiea. Der sozialdemokratische Parteivorstand sandle an den im Vresl'prozeb verurteilten Genossen Dr. Lieber mann in Warschau folgendes Telegramm: ,»3n brüderlicher Soltdarilät senden wir Zhnen und den anderen Genossen, die im Lrest-Lilowsker Prozeß allen reklio- nären Gewallen zum Troß mutig für den unbesiegbaren Sozialismus beredtes Zeugnis ablegten, herzliche Grühei" Der parleioorstand: Otto Wels. Wien, IS. Januar. An Dr. Hermann Liebermann ist folgendes Telegramm ab- gegangen: In alter Kampfgemeinschaft Ihnen und allen Vorkämpfern und Märtyrern der europäischen Demokratie in Polen brüderlich« Grüß«. Es lebe das freie Polen der Zukunft! Für die österreichische Sozialdemokratie: Seitz, Bauer. * Paris, 15. Januar.(Eigenbericht.) Die sozialistische Kammerfraktion hat eine Protestkundgebung gegen die Verurteilung der polnischen Oppositionsführer beschlossen, in der es unter anderem heißt:„Die sozialistisch« Fraktion b r a n d- markt die skandalöse Justizparodie, die sich vor dem Warschauer Gericht abgespielt hat und die eine Herausforderung der Wahrheit und der Freiheit bedeutet. Sie stellt fest, daß die Debatten diese» großen poli- tisch«, Prozesses, der einen tiefen Widerhall im Herzen aller Demokraten finden wird, vor allem die Verantwort- lichkeit von Pilfudskis Diktaturregime ins Licht gerückt hat. Sie übermittelt den Verurteilten, die neue Märtyrer des Rechts find und die sogar vom Gerichtshof wegen der Größe der chrem Lande geleisteten Dien st e gelobt worden sind, den Ausdruck ihrer brüderlichen und herzlichen Sympathien." Erregung in Wien. Antwort auf dem Waffenraub. Die Wegholung von Waffen zur Verteidigung der Republik aus dem Arbeiterheim Ottakring hat die Arbeiter Wiens um so tiefer erregt, als kürzlich in einem Innsbruck«? Beleidigungsprozeß festgestellt wurde, daß zur Zeil der Regierung Seipel die Heim- wehrführer Steidle und Pabst von Italien zwei Millionen Lire zum Wasfenkauf erhalten haben und daß nach dem Septemberputsch 1931 die steierische Heimwehr unter staatlichem Schutz ihre Waffen wieder wegräumen konnte. In einer Ver- trauensmännerversammlung für Ottakring gab Julius Deutsch die Parole aus, daß all« beschlagnahmten Abwehrmittel ersetzt und zehntausend neue Schutzbündler allein in Wien geworben werden müssen. Albert Seoer, der Führer der Arbeiter Ottakrings, erklärte, ungeachtet seiner 62 Jahre dem Schutzbund beizutreten, und ihm folgten Hunderte. Gleich am ersten Tag« nach dem Waffenraub haben Wiener Genossen dem Wehrfonds des Schutzbundes fast 9000 Schilling zugeführt. Rechtsradikale Attentäter verhafiet. Graz. IS. Januar. Heute wurden mehrere Personen dem Landesgericht einge- liefert, die unter dem Verdacht stehen, an den Vorbereitungen zu einem Anschlag auf Innenminister Winkler, der am Sonntag erfolgen sollte, beteiligt zu sein. Da der Minister nicht, wie ursprünglich geplant, Sonntag nach Graz fuhr, kam der Anschlag nicht zur Ausführung. Unter den Verhafteten sind ein Heimwehrmann und ein Nationalsozialist. Oer Fall Briand. Kampfparole gegen Laval. Paris. 15. Januar. In der Huldigungsadrsss«, die Herriot Briand überbracht hat, sieht man eine für die Neuwahlen.symbolische Handlung". Wenn sich Briand auch trotz aller Ableugnungen durch seine Freund« nicht ge- rade bester Gesundheit erfreut, so ist doch vorauszusehen, daß sich die Opposition seinen Sturz zunutz« machen und seinen Namen zur Kampfparol« erheben wird. Wie lebhaft der Fall Briand die Oesfentlichkeit bewegt, geht aus der Presse hervor. Man will wissen, daß Briand schon am Freitag oder Sonnabend in den Wandelgängen der Kammer erscheinen werd«, um seinen guten Gesundheitszustand zu beweisen. Andere Biätter de- Agrarfragen im lKeichskabinett. Oie Buiterzölle und die Oüngemittelgaraniie. Wie mitgeteilt wird, soll ssch s ch o n heute das Reichskabinett mit den Fragen der Butterzölle und einer Reichsgarantie für die Düngemittel- und Saatgullieserung an die Landwirtschaft befassen. Die dem Reichsernährungsmini st er nahestehende „Landwirtschaftliche Wochenschau" spricht in diesem Zusammenhang wieder von einem ungeheuren Anschwellen der ausländischen Dumpingeinfuhr und daß sich gegenwärtig der Ueberschuß fast der ganzen Welt mit Einschluß der überseeischen Länder aus den deutschen Buttermarkt ergieße Wir weisen noch einmal daraus hin, daß es sich hier um zu durchsichtigen Zwecken aufgestellte Uebertreibungen handelt. Es ist jetzt auch davon die Rede, daß der Butterzoll von 50 aus 7S Mark erhöht werden soll, während bisher immer Zollsätze von 110, 120 und auch 13 0 Mark genannt wurden. E» ist ein unmöglicher Ausland, daß die Oesfentlichkeit nicht erfährt, welche Zollsähe der jfcichsernährnngsmimsier vorschlagen wird und daß der Oeffenilichkeit so jede Möglickzkeil genommen wird, in sachgemäßer Weise zur Bulterfrage Stellung zu nehmen. Im übrigen warnen wir noch einmal die Reichsregierung vor jedem übereilten Entschluß in der Frage des Butterzolles, da hier die ganze handelspolitische Position Deutschlands in der Welt wegen der Schlüsselstellung der Butterzälle ausgerissen werden kann. Die Frage der Düngemittel-Garanti« für die Be- lieferung der Landwirtschaft zur Frühjahrsbestellung ist noch weniger bedeutsam vom finanziellen als vom grundsätzlich wirt- schaftspolitischen Gesichtspunkt. Man denkt an eine Ausfallbürgschaft mindestens für einen Teil der zu liefernden Dünge- mittel oder an eine Borberechtigung der Düngemittelforderungen noch vor den Steuerschulden. Man muß sich fragen, wie weil gegenwärtig die flnanzielle Velastnng der Steuerzahler zugunsten der Landwlrljchafl noch getrieben werden darf. nachdem in der Vergangenheit der Erlaß fast aller direkten Steuern, ungemessene Subventionen, lückenlose Zölle die Dinge nur immer haben schwieriger werden lassen und nachdem durch die letzte Not- Verordnung auch für die Landwirtschaft nicht nur Zinsen. Löhne und Frachten gesenkt worden sind sondern für alle pflanzlichen Nahrungsmittel auch noch die Erhöhung der Umsatzsteuer nicht in Kraft getreten ist. Wenn setzt die Landwirtschast nicht in der Lage ist. auch die zur Feldbestellung notwendigen Mittel aufzubringen, dann gibt es überhaupt keine Aussicht mehr, daß sie das jemals könnte. Es ist auch die Frage zu stellen, ob die DüngemiNellndustrlc. die in erster Linie an der Garanlie inieressieri ist, sich aus kosten des Steuerzahlers die Sache nicht zu leicht macht. Die Düngemittelindustrie ist im allgemeinen finanziell absolut leistungsfähig. Sie hätte die Möglichkeit und die Pflicht, in den gegenwärtigen Berhältnissen. wo Staat und Steuerzahler immer leistungsunfähiger werden, selbst das Risiko für die Beliefe- rung der Landwirtschaft zu übernehmen. Wenn sie dazu nicht be- reit ist. und dennoch aus der Furcht vor notwendigen Abschreibun- gen an ihren Fabrikanlagen öffentliche Unterstützung oerlangt, dann muh der Staat den Mut haben, sie zunächst einmal aus ihre Pflichten als Kaufmann hinzuweisen. Llnfug der Preisausschreiben. Millionen von Einsendungen werden uneröffnei eingestampft! Noch immer finden die sogenannten Preisausschreiben in Zeitungen und von Berkaufsfirmen bei Leichtgläubigen einen Widerhall, der einer besseren Sache würdig wäre. Daß die vielen Tausend« von Eingängen von den Veranstaltern meist gar nicht gelesen, oft aber auch kaum geöffnet werden, sollte eigent- lich hinreichend bekannt sein. Ein besonders krasser Fall wird uns neuerdings bekannt. Einer der größten Margarinekonzerne schrieb in der zweiten Hälfte des vorigen Jahres einen solchen Preiswertbewerb aus. Zunächst muhte jeder, der sich an ihm beteiligten wollte,«in halbes Pfund der von dem Konzern hergestellten Margarinemark« kaufen. Dadurch gelangte er in den Besitz einer sogenannten „Glücks tüte", auf der die Einzelheiten der Preisaufgabe verzeichnet waren. Die auf den Glückstüten gestellten Fragen— sie waren wirklich kinderleicht!— sollten beantwortet und mit voller Unterschrift und Adresse des Absenders an«in Berliner Berkaufsbüro gesandt werden. Das Preisausschreiben wandte sich begreiflicherweis« zumeist au die Hausfrauen und au die Kinder. denen besondere Preise in Aussicht gestellt wurden. Wie wir hören, sind auf das Ausschrerben nicht weniger als 2 700 000 Zuschriften eingegangen. Da die Zuschriften sämtlich frankiert sein mußten und zum großen Teil sicher auch noch Rückporto beigelegt war, so hat neben dem Konzern.— der zunächst einmal 13ö00 Zentner seiner Margarine absetzte— auch die Reichspost ein erhebliches Geschäft gemacht. Das ist aber auch alles! Denn selbst, wenn die ausgesetzten Preise sämtlich ausgezahlt morden sind— was wir annehmen—, so haben die meisten der Einsender sicher ein« Riesenenttäuschung erlebt. Besonders erstaunt aber waren die Arbeiter einer pommerschen Papierfabrik, als sie unter den zum Einstampfen bestimmten Papierniengen zahllose Briese von Teilnehmern an dem Preisansschreiben völlig ungeässnet vorfanden! Eine ganz« Anzahl solcher ungeöfsneter Brief« ist in unseren Händen. Der betreffende Margarinekonzern oder seine Verkaussstelle hat sich die Sache mit dem Preisausschreiben demnach sehr leicht gemacht. Wenn man von Konstanz bis Tilsit oder von Flensburg bis Beuthen alle Welt aufruft, ein halbes Pfund Margarine einer be- stimmten Marke zu kaufen und dadurch Teilnehmer an einer Lotterie zu werden, bei der Einzelpreise bis zu 600 M. i» bar angeboten sind, so m u ß man auch damit rechnen, daß viele Hunderttausende von Zuschritten eingehen. Wenn dann diese Ein- sendungen ungeöffnet zum Einstampfen— womöglich noch nach Gewicht gegen Bezahlung— abgegeben werden, so ist das«in Ver- halten, das vielleicht strafrechtlich nicht zu sasien sein mag. aber sicher so stark gegen Treu und Glauben verstößt, daß bei dem juristischen Laien sehr leicht das Wort„Betrug" auftaucht. Die Leute, die so leichtgläubig waren, aus das Margarine- glück oder die Glückstüte zu vertrauen, sind ihre Groschen los und um eine Erfahrung reicher geworden. Der Konzern selbst hat augenscheinlich mit dem Riesenumsatz der Halbpfundpakete«in gutes Geschäft gemacht, so daß er sich die Auszahlung der „Preise" leisten konnte, ohne daß es ihn irgendwie finanziell be- rührte. Wie es heißt, beabsichtigt der gleiche Konzern bereits jetzt wieder ein ähnliches Preisausschreiben auf die Bevölkerung los- zulassen. Wer nicht eine neue Enttäuschung nach der alten erleben will, tut also gut, die Finger davon zu lassen. Und was für die Preisausschreiben der Magarinekonzerne gilt, trifft in gleichem Maße auch für ähnliche Veranstaltungen zu, die andere Firmen auf anderem Gebiete treffen. Lorsicht ist auch hier immer die Mutter der Weisheit! tonen, daß Briand viel zu taktvoll sei, uni sich in kleinlichen Manövern zu gefallen. Ueber die gestrige Unterredung Laoal-Briant» wurde ein Kom- muniqu« veröffentlicht, in dem es heißt:„Briand hat Laval gegenüber zum Ausdruck gebracht, wie sehr er für die lebhaft« Bitte, sein« Arbeitskraft weiterhin zur Verfügung zu stellen, empfänglich sei. Er hat ferner erklärt, daß er durch seine juristischen und diplo- matischen Mitarbeiter die Form prüfen lassen werde, in der seine Mitarbeit in Erwägung gezogen werden könnte." Abschiedsbesuche. Paris, IS. Januar. Der deutsche Botschafter v. H o e s ch und der englische Botschafter Laifc Tyrell haben Briand aufgesucht, um ihm im Namen ihrer Regierung eine baldig« und vollkommen« Wiederher- stellung seiner Gesundheit zu wünschen. Ferner sprach Finanz- minister F l a n d i n dem scheidenden Außenminiestr seine p« r s ö u> liche Sympathie aus._ Rabiater Holzdieb. Greift Wächter wiederholt an und wird niedergeschossen In der oergangenen Nacht schoß ein Wächter, der das Neubau- grnndstück der Reichsbahn an der Ecke der Tempelhofer und Ebers- straße zu bewachen hat, den 31 Zahre alten Richard Snmpe ander Sleimnetzstr. 57 nieder, ver Schwerverletzte mußte ins SL-Norberl-Srankenhau» gebracht werden. Gegen acht Uhr abends war Kump« auf dem Grundstück er- schienen und lud Bretter auf«inen Handkarren. Als der Wächter ihn zur Rede stellt«, behauptete der Mann, sein Meister hätte ihn geschickt. Der Wächter glaubte ihm das nicht und forderte ihn auf, zur Polizei mitzukommen und sich auszuweisen. Als der Mann sah, daß er nichts erreichen konnte, lief er davon. Etwa zwei Stunden später begegnete der Wächter auf seinem Rundgange wiederdem K u m p e. der sich jetzt einen zweiten Mann zur Hilfe mit- ! gebracht hotte. Als der Wächter ihn am Aufladen der Bretter ' hinderte und ihn zur Polizei mitnehmen wollte, stürzte sich K. � auf den Wächter. Sein Begleiter lies davon. Der Wächter gab nun einen Schreckschuß ab und schoß als der Mann noch immer j nicht von ihm abließ, scharf und verletzte den Angreifenden durch «inen Bauchschuß. Trotz dieser schweren Verwundung stürzte sich der Getroffene abermals auf den Wächter. Inzwischen waren Polizeibeamte aus die Schüsse herbeigeeilt, nahmen Kump« fest und brachten ihn ins Krankenhaus. �Ladenhüter" für den Bürgerkrieg. Ein Aufruf nationalfoziaiisiischer Apotheker. Die„Pharmazeutische Zeitung" teilt mit. daß ihr«in A u f r u k zugegangen sei mit der Unterüberschrift:„R a t i o n a l s o z i a- listen. Stahlhelmer. deutsche Apotheker", dessen Ab- druck sie aus Gründen der politischen Neutralität abgelehnt hat Einen Absatz— das Kernstück— daraus gibt sie jedoch wieder, und der ist so interessant, daß er auch hier Platz finden mag: „Kollegen, wir sind die Akademiker, die den Kampf mü oeistdgen Wafken führen. Das fordert, daß wir in der hisse un llulerstühung die ersten sind. Seist nicht saumselig zu! In Euren Schränken liegen genug Ladenhiiier, Medikamenle. alte verband- kkosse aus der Inslationszeil. Holt sie heraus und gebt sie uns. damit wir fle den richtigen Stellen zuleilen! Wir bitten um Geld von denen, die noch geben können! Wir bitten um Decken, Leib- und Bettwäsche, Lebensmittel. Und vor allem: Organisiert in Euren Ganen den Hilfsdienst!" Mit Recht macht die„Ph. Z." darauf aufmerksam, daß in dem Ausruf nicht angegeben wird, zu welchen Zwecken die National- s o z i a l i st e n und Stahlhelmer die Medikamente und„Ver- bandstoffe aus der Inflationszeit" brauchen, die sie„den ncht'gen Stellen zuleiten" wollen. Aber auch ohne, daß es ausdrücklich ge- sagt wird, weiß zedermann, wo die Bürgerkriegsvorbe- r« i t u n g e n getroffen werden. Gas aus KaffeeSohnen. Oer Kaffeeüb.rfchuß wandert in das Gaswerk. 0 Rem Jork, 15. Januar.(Eigenbericht.) Die Stadtverwaltung von Santa,(vrastlien) hat beschlossen. eine Million Säcke Sassee als Brennmaterial für die städtischen Gaswerke zu verwenden. In der gleichen Stadt bzw. ihrer Umgebung wurden in letzter Zelt bereit, Millionen i Zentner Kaffee als Heizung für die Lokomotiven verwandt. Die Sklarek-Freunde. Hoffmann:.Ziosenthal war der ungekrönte König vonBerliu" Zm SNarek-prozetz, in dem heule Rechlsauwalt Bahn durch den Referendar Tcfchke als Verleidiger Hossmanns vertreten wurde, trat gliich zu Beginn wiederum der Gegensatz zwischen Leo S k l a r e k und dem Sladtbaakdireklor h o s s m a n n zutage. Leo Sklarek behauptete wieder, datz von den Stadttanfdireltoren niemand an den Sklarek-Kredit herangelassen wurde, und daß man alles zudeckte, was hosfmann jedoch bestritt. Von der Der- teidigung Leo Stlareks wurde hoffmann gebeten, doch endlich aus der Reserve herauszutreten und rückhaltlos die Hintergründe auf- zudecken, damit die Wahrheit herauskomme, h o f f m a n n:.Ich kenne keine weiteren h ntergründs, als daß mir jetzt die Stellung von Moritz Rojenthal komisch vorkommt. Eigenartig fand ich es auch, daß ich beim Kämmerer Dr. Lange über den Sklarek- Kredit Vortrag halten mußte, und daß auch Rosenthal dabei war. so daß man mich vielleicht ganz unbewußt dirigiert hat."— Vorsitzender:.Welch« Beziehungen bestanden eigentlich zwischen dem Kämmerer und Rojenthal?"— hofsrnonn:.3ch weiß, daß sie sehr rntiin« Freunde waren."— Vorsitzender:.Glauben Sie, daß Rosenthal den Kämmerer bezüglich des Sklarek-Kredits bearbeitet hat?"— hosfmann(zögernd):.Das ist eine Frag«, die ich nicht zu beantworten wage."— Vorsitzender:.Glauben Sie, daß Rosenthal über die geschäftlichen Beziehungen hinaus noch Vortelle gehabt hat?"— h o f f m a n n:.Das weiß ich nicht."— Vor- 3>aler Jnnerkofler der Vorsitzende des hilfsbundes für Südtirol, ist heute früh in Berlin eingetrosfen. Er spricht heute abend in den Spichern- sälen in einer vom Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold veran- stalteten Versammlung über den Verrat an Südtirol. sitzender:.Glauben Sie, daß Rosenthal Ihnen wider besseres Wissen Auskünste über die Bonität der Sklareks gab?"— h o f f- mann:.Das ist schwer zu sagen. Wenn ich mir die Ding« jetzt überlege, so paßt mir nicht in den Kram, daß Rosenthal im Kreditaueschuß nicht aus die Bedenken von Stadtrat Jursch reagien hat. Er war doch ein sehr intelligenter Mann und mußte dessen War- nung verstehen."— B 0 r s itz e n d e r:.„intelligent hat doch nichts mit Moral zu tun."— Leo S k l a r e k:„Als Kommerzienrat Bam- berg starb, hat mir ch off mann gesagt:„Sprechen Sie mit Max, daß Rosenthal in den Kreditaueschuß hereinkommt."— 5) o f f m a n n: „Das stimmt nicht."— Willi Sklarek:„Doch, das stimmt, was Leo sagt. Zu mir hat Hosfmann ja gesagt:.Jetzt heißt es Ohren steif hasten, wir brauchen Rosenthal für den Kredit."— Hofs- mann:„Das stimmt ja nicht. Rosenthal war doch der ungekrönte König von Berlin. Was er wollte, konnte er ja selbst erreichen. Wir hatten ja gar keinen Einfluß, dazu waren wir ja viel zu klein." Aus Veranlassung des Vorsitzenden äußerte sich dann auch der An- geklagte Schmitt zu der Rolle, die Rosenthal bei den Krebsten für die Sklareks gespiell habe. Rosenthal sei allerdings mit dem Kämmerer befreundet gewesen und hätte auch dessen Wahl gefördert. Von den Geschäftsbeziehungen zwischen Rosenthal und den Sklareks hätte er. Schmitt, nichts gewußt, ebensowenig von der Freundschaft zwischen Rosenthal und Max Sklarek. Diese vorsichtige Formu- lierung veranlahte Hofsmonn, aufzuspringen und zu rufen:„Sagen Sie doch, was los war. Ich soll immer alles auebaden." Schmitt räumte dann ein. daß im Hause von Rosenthal die Po- litik von Berlin gemacht wurde. Leo Sklarek hielt ihm vor, daß er ganz genau über die Freundschaft zwischen Rosenthal und Max insormiert gewesen sei und oft genug mit beiden bis 5 Uhr srüh im„Kakadu" gewesen wäre.— Auf Befragen des Vor- sitzenden erklärte dann Lehmann, daß Rosenthal nach seiner Schätzung bei den Geschäften 60 000 Mark im Jahre verdient habe, einen Betrog, den die Staatsanwaltschaft noch für zu niedrig hielt. In diesem Zusammenhange äußerte sich Schmitt zu der Freund- jchaft mit Max Sklarek und betonte, daß er im Jahre 1927 einmal eingeladen gewesen sei, daß Max dann dreimal bei ihm in der Wohnung war und daß er serner als Gast von Max Sklarek auf dem P r e s s e b a l l und in der Oper gewesen sei. Aus der Bstreuung der Jagd in Mren seien ihm. Schmitt, nicht unerhebliche Unkosten erwachsen.— Rechtsanwalt Glogauer behauptete dem- gcenuber. daß Max Sklarek an dem betreffenden Tage gar nicht in Waren gewesen sei._ Oer Gelbstmord des Anwaltssohnes. Geifie-störvna die Ursache. Der Selbstmord des ZZjährigen Sohnes de« Berliner Rechlsanwults Bahn hak in weilen Kreisen vkllgesühl hervor- gerufen. Die verzwelslungslat des jungen Skudenken Ist selbst den nächsten Angehörigen völlig üierra cheud gekommen. Bis zur Stunde weih noch niemand, welch« eigenttichen Gründe den jungen Mann dazn getrieben haben, selbst Hand an sich zu legen Hans Walter Bahn hat auch keine Auszeichnungen hinter- lasten, die irgendeinen Aufschluß über die Gründe zur Tat geben. In einer Tasche des jugendlichen Selbstmörders wurde nur � ein Zettel gefunden, in dem er lediglich bittet, leinen Angehörigen von seinem Schritt Mstteilung zu machen. Wie wir noch erfaqren, litt der suntz« Bahn an einer Störung der Schilddrüsen- f u n k t i o n, die offenbar in letzter Zeit bösartigen Charakter an- genommen hatte Man glaubt daher daß diese«chi'ddrufen- erkrankung zu einer vorübergehenden geistigen Trübung sühne und Daß der jung« Student in diesem krankhasten Zustand zur Was.e griff._ Landiagswahlen In Anhost noch vor Ablavf der lvahlperiod«. Das anhaltische Staatsministerium mit. daß es d'e Landtags- wählen noch vor End« der am 20. Mai ablaufenden Wahlperiode vornehmen werde. Mufik der Woche Kammermusik/ Orchester- und Golistenabende Als Austakt: ein Trio-Abend der Herren Havemann und M a y e r- M a h r, die sich wieder der Mitwirkung Adolf Steiners(Cello) versichert hatten. Ein durchschnittliches Pro- gramm(Beethoven, Brahms, Schubert), reichlich durchschnittlich ge- spielt, mehr Nebeneinanderhermusizieren als ausgeglichenes Zu- sammenspiel, ohne viel Delikateste der Tongebung, ohne allzu viel Differenzierungskunst und Stilgefühl. Schubert insbesondere büßte seinen Glanz ein, seine Süßigkeit— die verträumte Traurigkett, die zarte Grazie, die unnachahmliche österreichische Anmut, all das ging in wackerem, nicht gerade verständnisvollem Musizieren unter. Fakten S e o i tz k y ist ein zunger Amerikaner, der sich an der Spitze des Philharmonischen Orchesters präsentierte. Ein gewandter Dirigent, der den Apparat beherrscht und das Orchester fest In der Hand hat, ohne übrigens über einen gewissen Schematismus, über äußerliche Effekte und effektvolle Äußerlichkeiten weit hinauszukommen oder gar eine persönliche Klangphantasie(Per- sönlichkeit überhaupt) zu entwickeln. Nach Blochs ooncsrto grosso, Deebustys Nocturnes und Strawinskys Feueroogel, bei denen er einer Vorliebe für hartnäckig festgehaltene zu langsame Tempi hul- digte, erwies die 1. Symphonie von Drahms die(zumindest vor- läufig) engen Grenzen seines Könnens. Grenzen, die die geistige Welt der Symphonie bestimmt noch nicht einschließen. Glanz und Höhepunkt der Woche: Hubermann in der aus- verkauften Singakademie. Er spielt an zwei einander folgenden Abenden das gleiche Programm und löst so mst Glück das schwie- rige Problem, einen akustisch nachteiligen allzu großen Raum zu vermeiden, ohne auf das große Publikum zu verzichten. Unter seinen Händen erklang die O-Dur-Sonate von Brahms in einer merkwürdigen und einmaligen Synthese von Formbewußtsein und Ausdruckskraft, voll dunkler Leidenschaft und reifer Weisheit. Als Solist eines Prüwer-Konzerts mst dem Philharmonischen Orchester spielle Michael Druskin das Klavierkonzert von Strawinski), wurde dem eigentümlichen Stil dieses eigentümlichen Werkes in hohem Maß gerecht und erwies sich als Meister all seiner Schwierigkeiten: was nicht wenig bedeutet. Poldi Mildner, die erst sechzehnjährige Pianistin, absolvierte ein von Bach bis LIszt reichendes reichhaltiges Programm, richtiger: sie lebte, ja. sie tobt« sich aus, ihr Spiel ist voll lähen Elans und impulsivster Subjektivität: sie wird lernen müssen, objektiver zu werden, ihr Temperament zu zügeln, das Werk mehr zu achten.- Immerhin, sie wird es lernen, sie hat Talent und Energie genug, sich den steilen Weg zu schlackenloser Meisterschaft«mporzukämpsen. Jedenfalls ist sie eine Ausnahmerscheinung unter den jungen Pianisten, die meist durch unverbindliche Glätte enttäuschen und ermüden: so auch Kurt L i ch d i, der nicht unbegabt ist, dem aber weder Chopins H-Moll-Sonate. noch Bartoks Suite, noch gar die kleinen Stücke von Rameau vollkommen gelangen. Ein Ungefähr der Wiedergabe aber, wie es einem in zahllosen Solistenkonzerten begnet, ist heute überflüssiger als je. Es ist nun mal eine nicht aufzuhaltende Enl- Wicklung: das Interesse an Solistenkonzerten geht rapit� zurück— wie es in einer Zest der Massenbewegungen und Klassenkämpfe, in einer Zeit, in der es nicht auf feinziselierte Jndividualstät, sondern auf das Typische(den einzelnen als Funktion der Masse) ankommt, nicht weiter verwunderlich ist. Es ist heute gar nicht mehr so wichtig, wie sich Musik aller Zeiten und Zonen in der Persönlichkeit eines reproduzierenden .Künstlers spiegelt, wichtig ist. daß überhaupt Musik gemacht wird, Musik, die den Menschen unserer Zeit etwas zu sagen hat. Ist das aber richtig, dann muß von der öden Programmschablone abgegangen werden, die nur den subjektiven Sinn haben kann, Persönlichkeit und Auffassung des Solisten in den Mittelpunkt zu rücken— dann muß das Material ganz anders, nach objektiven Gesichtspunkten nämlich, gruppiert werden, wie es viel zu selten geschieht. Sei es. daß dann nur Werke eines Meisters oder Stücke eines Stils zur Aufführung kommen, sei es. daß die Werke um eine Idee, einen Assoziationenkomplex. ein„Thema" gruppiert werden. Gerade die jungen Künstler sollten es sich nicht leisten, heute wie vor fünfzig Iahren artistische Programme zu spielen, als hätte sich die Welt sesther nicht geändert; sie graben sich damit nur das eigene Grab und beretten sich selbst ihren Untergang. .Arnolä Walter. Carow als Garnisonschrecke«. Diesmal kommt uns Erich Earow am Weinbergsweg als Schrecken der Garnison. Aber seine wahrhaft harmlose und be- stimmt nicht als Uniformpropaganda wirkende Militärhumoreske geht nicht aus die Vorbilder der neueren Usaproduktion, sondern auf viel, viel ältere Vorbilder zurück. Sachen dieser Art hat es schon vor dreißig und vierzig Jahren gegeben: darauf kommt es indessen hier nicht an. sondern einzig auf die wahrhast großartige schauspielerische Leistung Erich Karows. Wie er hier ein Mon- strum von einem Knallhorn und burlesk bis zum letzten und doch mtt feinsten menschlichen Schattierungen und bei aller Clownerie (bis auf zwei oder drei �Mißgriffe im Ton) immer lebenswahr hin- legt, wie er diesem idiotischen Ofsiziersburschen bei aller kadaoer- gehorsamen Servilität doch eine herrlich grätig« Aufsässigkeit ein- verleibt: das ist ganz wunderbar. Von neuem erkennt man. ein wie eminenter Darsteller dieser Erich Earow ist. Aus Seen übrigen Programm verdient das Trio Enno und Kathie e n H y lt und Heinz v. P la qu et-Leon«in dickes Lob: drei ausgezeichnete Tänzer, wie man sie, mindestens rm Berliner Nor- den, mcht alle Tage zu sehen bekommt. Ein hübscher Einfall Carows war es, einmal zwei nicht nur gestellte, sondern wirklich echte Hof- s ä n g e r auf der Straße aufzulesen und sie bei sich auftreten zu lassen. Und wenn sie nun anstatt vier Lieder nur zwei auf ihren Klampfen gespielt hätten, so wäre der Jntermezzocharakter der Sache noch besser gewahrt worden. Fredy Sieg bnngt neue handfeste Komik, Willi Lilie ist als Schauspieler m dem Earow- Stück weit besser denn als Conferencier. Keine recht glückliche 5iand hat Earow mit seinen Singspielen. Er sollte auch hier dar- aus verzichten, eine mondäne Note in sein Programm bringen zu wollen, sondern echte, rechte Volkssachen spielen: unter Umständen sogar einmal mit so etwas wie einem sozialen oder gar lei» poli- tischen Anklang: zwei Dingen, denen am Weinbergsweg überängst- lich aus dem Wegs gegangen wird. H. B. Ein Bäcker-Tonfilm. Was gehen doch bei der Herstellung des Brotes für geheimnis- volle Prozesse vor sich! Und wie wenig werden sie uns bewußt, obwohl wir jeden Tag uns ihrer im fertigen Brote erfreuen. Die Wissenschast hat den Bäckereiprozeß resttos aufgeklärt, und die Technik hat davon profttiert Die Herstellung der Hefe, früher Lach« jedes einzelnen Bäckers, erfolgt schon fett langem nach wissenschaftlichen Methoden. Anders verhiebt es sich bisher mtt dem Sauerteig, der den Bäckern immer noch zu schaffen machte, um ihn immer in gleicher Güte herzustellen und ihn auch über die Zett des Nachtbackverbotes in gutem Zustand zu erhatten. Die Ireks Aktiengesellschaft in Kulmbach hat ein neues Fabrikat her- gestellt, ein F e r t i g s a u e r. das dem Bäcker ermöglichen soll, in kürzerer Zeit als bisher das Brot zu liefern und ihn unabhängig machen soll von der nacht- und feiertagstörenden Pflege des Sauerteigs. Der Film, wie kein anderes Mittel geeignet, um technisch« Pro- zesie verständlich zu machen, muß dazu dienen, um für das neue Produkt unterhaltlich« Propaganda zu treiben. Der unter Leitung von Dr. Ulrich Westerkamp von der Ufa mit viel Lieb« und Fleiß hergestellte Film wurde gestern in der Kamera den Jnter- essenten vorgeführt. Er soll am Sonntagvormittag im Glorla-Palast einer größeren Oefsenttichkeit zugänglich gemacht werden. Er ver- dient ist hohem Maße, abgesehen von einigen technsschen Längen. auch das Interesse aller derer, die gern wissen möchten, welche bio. logischen Prozesse bei der Brotherstellung vor sich gehen. Es entzieht sich natürlich der Kenntnis des Laien, wie wett die Hofsnungen, die an das neue Verfahren geknüpft werden, be- recktigt sind Soviel scheint jedoch festzustehen, daß es eine Stütze für die Aufrechterhaltung des Nachtbackverbots abgeben wird. Das einst von den Bäckergehilfen erstrebte Verbot, dessen sich heute auch die Meister gern erfreuen, wird keine Stütze mehr finden in dem Borwande, daß eine gut« Sauerteigbereitung die Nachtarbeit erforderlich macht.__ r- Oas stärkste tichi der Welt. Ein Scheinwerfer, dessen Leuchtkraft mit drei Milliarden Kerzen stärke beziffert wird und das stärkste Licht der Well ausstrahlt, ist von dem englischen Flieger Major Jack Savag« kon- struiert worden. Die neue Lichtquelle ist so gewallig, daß sie einen Lichtstrahl bi» in eine Höhe von S Kilometer sendet, und man hofft. die AuÄehnunz dieser Lichtquelle über ein Gebiet von fast 8000 Kilometer zu erweitern. Zur Verteidigung gegen feindliche Flug- zeugangriffe kann dieser Scheinwerfer wie eine riesige Latenia rnagica benutzt werden Eine Art Gitter wird davor angebracht und dadurch auf den Himmel ein großes Quadrat geworfen, das in 16 kleinere Vierecke geteilt ist. Wenn ein Flugzeug in diese so bezeichnete Fläche eintritt, dann können seine Geschwindigkeit, Höhe und Richtung sofort bestimmt werden. Man will diesen Schein- werfer auch dazu verwenden, um am Himmel riesige Reklame- Anzeigen auf große Entfernungen hin zu projizieren. Wieviel Briefmarken gibt es? Anläßlich der Herausgabe der neuen 6- wie der 12-Psennig- Marken in roter und grüner Farbe durch die Deutsche Reichspost mag es vielleicht interessant sein, einmal nachzuforschen, wieviel Briefmarken es überhaupt auf der ganzen Welt gibt. Natürlich nicht wieviel einzelne Briefmarken, denn deren Ziffer geht in die Dutzende von Milliarden, sondern" wieviel Briefmarkensorten. Sett dem Jahre 1840, in dem die ersten Briefmarken in England herauskamen, sind bis auf den heutigen Tag 56 913 verschiedene Sorten von Briefmarken hergestellt worden. Hiervon entfallen auf Europa 17 200. auf Amerika 13 500. auf Afrika 12150, auf Asien 10 500 und auf Australien 3557 Sorten. Die meisten Briefmarken hat bisher Nicaragua ausgegeben, nämlich 1183 verschiedene Sorten: an zweiter Stell« folgt Ungarn mit 1036, an dritter Stelle Co- lumbien mit 1020 Briefmarkensorten. Die veschaffenheik des Erdkernes. Im Geodätischen Institut in Potsdam hat der Abteilungsleiter Prof. Dr. Haalck feine Unter- suchungen über die physikalische Beschafsenhett des Erdinnern jetzt fortsetzen können. Sie erbrachten zunächst den Beweis, daß jeder rotierende Körper einen rotationsmagnetischen Effekt zeigen muß. Haalck konnte weiter nachweisen, daß die Möglichkeit besteht, das Vorhandensein des Erdmagnetismus auf die Beschaffenheit der Materie im Erdkern zurückzuführen. Die in 2900 Kilometer Tiefe befindliche Unstetigkeitsfläche muß eine Grenzfläche viel tiefer- gehender Natur sein, als man bisher annahm. Nach Haalcks Schluß- Folgerungen besteht wahrscheinlich nicht der Erdkern aus Nickeleisen, sondern umschließt die Metallschicht den Erdkern, während der Kern selbst aus Materie in einem nicht bekannten Zustande besteht. Zunahme der Rundfunkleilnehmer. Nach den Mitteilungen der Reichs-Rundsunk-Gesellschaft betrug die Zahl der Rundfunkteil- nehmer in Deutschland am I.Januar 1932 3 980852, was eine Er- höhung um 471 343 gegenüber dem 1. Januar 1931 bedeutet. Am 1. Oktober 1931 waren 3 731 948 Teilnehmer vorhanden, der Zu- gang im letzten Vierteljahr beträgt mithin 248 904 Teilnehmer.— Grund genug, die Rundfunkgebühren zu senken. Arbeltsgemeiirschafteu des Zentralinstituts. Die Musikabteiluna des Zentralinstirutj richtet zwei Arbeitsacmeinschasten über das Tbema: „Schallplatten undMusikpflege" ein. Die eine Arbeitsgruppe mit dem Thema:„Die Verwendung der Sckallplatte im Schulmusilunter- richt", Leiter: Sieairied Günther, wendet sich an Schulmusiklehrer, die zweite mit dem Tbema:„Die Verwendung der Schallplatte im Privat- Musikunterricht", Leiter Prof. Kurt Schubert, an Privatmusiklebrer. Teil- nehmeraebühr 3 M. Anmeldungen bis DienStag, S. Februar, an das Zentraunstitut für Erziehung und Unterricht. Potsdamer Str. 120. Eine neue Billalfperre geplant. Das ägyptische Kabinett qe- nehmigte den Entwurf einer Nillalsperr« bei dem Berg Auli. süd- lich von Khartum. Das Werk wird ungefähr 4 500 000 Pfund Sterling kosten. Die Mayakultur in Aucatau und Guatemala behandelt beute im Nero-Amerikanischen Institut(Breite Str. 37) Pros. Franz T e r m e r- Dürzburg in seinem Borirage. Eintritt frei. „DI« Mutter"(nach GorkiS gleichnamigem Roman: von Brecht, Musik von Hanns EiSler, gelangt als eine Veranstaltung der Aufrichl-Produktion und der„Gruppe lunger Schauspieler" Sonnabend, 8.lö Uhr, im K o- mödienhauS zur Uraussührung. Jarmila Novotna, die vorübergehend am Auftreten behindert war, singt von heut- ab wieder die Antonia in„HosfmannS ErzSh- l u n g« n" im Großen Schauspielhause. x Amtlich« MuseumSsllhrungcn. Sonntag. 9.30 Uhr, Diplomingenieur Martins über das NeusahrSsest in Babylon im Vorde-asiatischeu Museum 10 Uhr Dr. Bange über die Sammlung JgmeS Simgn im Deutschen Museum, lü.30 Uhr Dr. Waldschmidt über neuerworbane graeco-buddhisnsche Plastiken im Böllerkundemuseum l. Die Ze'tschrsst„Kirnst und Künstler"(Redakteur Carl Schtsfler. Ber- lag Bruno Cassirer— Berlin) erscheint von setzt ab in veränderter Form. Di« Heste behandeln außer Kunst auch benachbarte Gebiete und Wirt- schasttfragen. DaS Format wird verkleinert und der Preis gesenkt. B-sierm-n» und Maisfl im Rundwnk. Da» Interview der Woche bringt Alexander Moissi. den Autor, und Albert Bassermann, den Titel- Helden, de» in der kommenden Woche zur Aussührung gelangenden Schauspiels„Der Gefangene" an da! Mikrophon der Funkstunde. Die Unterhaltung findet Freitag, 6.35 bis 6.55 Uhr, statt. Die Not wächst. t,65 Millionen Wohlfahrtserwerbslose Ende Dezember. Me der Deutsche Slädtelag mitteilt, ist die Zahl der wohl- sahrlserwerbslosen, das heißt der Arbeitslosen, die noch nicht oder nicht mehr von der Arbeitslosenversicherung oder der Srisensür- sorge unterstützt werden und daher die Gemeindeelals belasten, im Dezember weiter stark gestiegen. Allein in den Städten mit mehr als 25 000 Einwohnern betrug der Zuwachs seil dem 30. Kovcmber ruud 90 000, das sind s,v Prozent. Jur die Gesamtheit der Gemeinden und Gemeindeverbönde dürste sich am ZI. Dezember 1931 der Zuwachs gegenüber dem Vormonat aus min- desten»120 000 beziffern, so daß Ende Dezember in der ösfent- lichen Gemeindefürsorge Insgesamt rund 1 SSO 000 Erwerbslose be- treut wurden. Im vergangenen Zahre haben sich die Wohlfahrtserwerbslosen nahezu verdoppelt. Unter Zugrundelegung des gegenwärtigen Standes beträgt die finanzielle Belastung der gemeindlichen Für- sorge aufs Jahr gerechnet rund 1 Milliarde Mark, wenn ein Aufwand von nur S25 Mark je Fürsorgefall und Jahr angenommen wird.' Sturm im Wasserglas. INGO.»Versammlung mit Hindernissen. Das größte Berliner Kraftdrosch kernt aternchtnen, die„Kraftog", hat eine Belegschaft von ungefähr 3000 Mann. Davon waren zu der Betriebsoersammlung am Mittwoch im Gewerkschafts- haus, in der über die Neufestsetzung der Löhne auf Grund der Nowerordnung berichtet werden sollte, etwa 150 Mann erschienen, dabei natürlich Organistertc und Unorganisierte. Die RGO� Anhänger setzten mit knapper Mehrheit einen Antrag durch, daß zu dem Bericht des Organisationsvertretcrs durch einen betriebsfremden RGO.-Bertreter ein„Korreferat" gehalten werden sollte. Da mit Ausnahme der Gewerkschaftsvertreter Betriebsfremden die Teilnahme und demzufolge auch das Auftreten in Betriebsverfamm- lungen, für die vom Betriebsinhaber die Saalmiete gezahlt werden muß, oerboten ist, sah sich das oerfammlungsleitende Betriebsrats- Mitglied gezwungen, die Versammlung zu schließen, zumal fest- gestellt wurde, daß in der Versammlung noch mehrere b e t r i e b s- fremde Personen anwesend waren. Etwa 80 zum größten Teil unorganisierte Ver- sammlungsteilnehmer zogen, als ste vom Oekonom des Gewerkschaftchaufss wegen Nichtbezahlung der Saalmiete aus dem Gewerkschaftshaus gewiesen wurden, nach einem airderen Lokal, in das ihnen der RGO.-Korrefcrent im Mercedes-Benz vorausfuhr. Aus diesen Tatsachen konstruiert nun die„Rote Fahne" eine „RGO.-Versammlung ün Gewerkschaftshaus", um in Verbindung mit einigen anderen Schauermärchen aus dem Reich in einer Balkenüberschrift einen„Sturm in den Gewerkschaften" hervorzu- zaubern. Der Mißtraucnsanirag gegen den Betriebsratsvorsttzenden Hesse, der nach dem Bericht der„Roten Fahne" angeblich in der Bersantmlung im Gewerkschaftshaus angenommen wurde, ist weder im Gewerkschaftshaus iwch in der 80-Münner-Versammlung angenonunen worden. Er wurde in dieser Rumpfoersammlung wohl vorgelesen, aber nicht zur Abstimmung gestellt. Dieser ganze „Sturm" war nicht mehr alz ein kaum wahrnehmbares Säuseln. Wohlfahrtspflege der Aeichspost. Im Bereich der Obcrpoftdirektion Berlin stnd feit einiger Zeit vier Wohlfahrtsschwestern tätig, die der Postarbetterschaft in Krankheitsfällen beratend und helfend zur Seite stehen. Die Sprechstunden der Schwestern, die in«nger Fühlung mil den städtischen und privaten Fürsorgestellen stehen, weisen eine ständig wachsende Besucherzahl auf. So hat eii»e der Schwestern allein im letzten halben Jahre in rund 900 Fallen wertvolle Hilfe leisten können. Die Tätigkeit der Wohlfahrtsschwestern ist nicht aus die Wahrnehmung von Sprechstunden beschränkt. Sie machen auch Haus- und Krankenbesuche, treiben Kinder- und Lchrlingsfürsorge, leiten die Verschickung von schwächlichen Kindern und rekon- valeszenten Arbeitern in geeignete Erholungsstätten, Helsen bei Wohuungsschwieriakeitcn usw. � Buch Ellen mikinfon: ä>ie Jllufl Die Kluft, auf die der Titel des Buches hinweist, ist der un- überbrückbare Abstand zwischen dem proletarischen und dem bürger- lichen Menschen. Eine Frau, die in der englischen Arbeitcrbewe- gung steht, schrieb den Roman. Jede Seite verrät, daß die Ber» fasserin ohne Vorcingeiwnunenheit, aber mit offenen Augen an die Klärung des Problems herangegangen ist. Das heißt nicht, daß sie die Grundfragen des Sozialismus neu erörtert. Sie kennt die Geschichte der Arbeiterschaft zu gut. um über den Gegensatz zwischen proletarischer und bürgerlicher Masse noch zu diskutieren. Aber sie steht die Gefahr, die auf dem Wege seines kulturellen Ausstiegs dem einzelnen proletarischen Menschen droht. Die kulturellen Werte finden sich in der heutigen Gesellschaftsordnung nur allzuoft an bürgerlich egoistische Gesinnung gekettet, die sich als Jndividualis- mus verkleidet. So wird dos Buch zu einer Auseinandersetzung zwischen bürgerlichem und proletarischem Individualismus, keine theoretische, sondern eine, die von der individuellsten Angelegenheit des Mensckien ausgeht: von der Liebe. Eine Liebesgeschichte ist die Haupthandlung des Romans. Doch diese private Angelegenheit einiger Menschen ist mit einem Parallel- geschehen verknüpft, mit dem großen englischen Bergarbeiterstreit. Eine Frau, eine junge Gewcrkschaftsfunktionärin, steht im Mittel- pvnkt der Handlung. Sie ist durch Geburt und Neberzeugung fest mit der Arbeiterklasse verwachsen. Die entscheidenden Tage vor dem Vergarbetterstreik führen sie nach London. In angespannter Er- rcgung durchlebt sie den Kampf der Gewerkschaften mit, der schließ« lich zum Generalstreik führt. Sie lernt«inen bürgerlichen Schrift- fteller kennen, der mit wohlwollender Sympathie dem Ringen der Arbeiter gegenübersteht, und der ihr bei ihrer gewerkschaftlichen Arbett während des Streiks ein bereitwilliger, wenn auch nicht sehr tatkräftiger Helfer wird. Die Brücke zwischen zwei Welten scheint sich zu bauen. Die junge Frau, die den Schriftsteller liebt, hofft, auch nach einer Heirat mit ihm sich die innere Freiheit chrer Arbeit gegenüber zu wahren, selbst als sie erkannt hat, daß er viel zu fest seinem Milieu verbunden ist, um ihr je ein Mitkämpfer zu werden Doch je mchr sie in seine Kreise hineingezogen wird, desto deullicher kommt es ihr zum Bewußtsein, daß sie sich zwischen zwei Weltanschauungen entscheiden muß, von denen die eine das eigene Ich, die andere die menschliche Gemeinschaft zum Mittelpunkt hat. Zwischen beiden gibt es keine Brücke. Das Buch ist ein Tendenzroman, und es verleugnet diese Tat- fache nie. Ueberall gibt es Auseinandersetzungen über sozialistische und gewerkschaftliche Probleme. Aber keine Zelle ist lehrhaft oder gar langweilig geschrieben. Ob Ellen Wilkinson den Leser zu der großen Abstimmung über den Generalstreik führt oder in die Dörfer der Bergarbeiter, oder ob sie ihn einfach an Diskussionen über Fragen des englischen Gewerkschaftslebens teilnehmen läßt, nie wird er mit Theorien oder eintönigen Schilderungen ermüden. Denn immer setzt sich die Masie, die Ellen WUkinson ihm zeigt, aus Individuen zusammen, aus Wesen, deren jedes fein Eigenleben besitzt. Sie lehrt in diesen Diskussionen begreifen, daß die soziali» stische Weltanschauung keiner persönlichen Kräfteentfaltung Hemmun- gen auserlegt, daß aber erst aus dem Bewußtsein, der Masse zu- gehörig zu sein, diese Kräfte in die richtige Bahn gelenkt werden. Der humorvolle Plauderton, der in dem Buch oit angeschlagen wird, nimmt diesen Auseinandersetzungen chre Schwere. Die Büchergilde Gutenberg tat Unrecht daran, in ihrem Prospekt das Buch als„Frauenbuch" zu etikettieren. Es wird in jedein soziali- stischen Menschen einen dankbaren Leser finden. Trufte kl. Lftbulr. ..Volk und Zeil", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauflage bei. 15. kreis. Dw heutige Funktionärinnensitzung findet 19� Uhr in Adlershof bei Schmidtbauer, Bismarckstraßc 74, statt. wcller für Berlin: Wolkig, zeitweilig aufheiternd, ohne wesentliche Niederschläge: im ganzen ziemlich mild, mäßige Winde aus Südwest bis Sud.— Für Deutschland: Im«üden und Südosten ruhiges, zeitweilig nebliges Wetter ohne Niederschläge, im übrigen Reichs wechselnd wolkig und stellenweise geringe Niederschläge. Temperaturen nirgends wesentlich verändert. .............■■—■—■»III 1 ,1 1»UMt.——— 3— n» Veraniwortl. für die Ncoallion: Aich. Beruftem, Berlin: Anzeigen: Th. Gluck-, Berlin Berlin: Borwärt» Verlag G m. b. H.. Berlin. Druck: Borwärts Bucki- druckcrei und Berlagsanstall Paul Sii.ger& Co.. Berlin 633 68, Llndeustr. 3. Hierzu 1 Beilage. PROGRAHN iür die Zeit vom Vom 15. bis 18. Januar llESCll yqfffo— rfg WM. Mw Potsdamer Straße 38 Per welöe Rausch mit I�enl Riefenstahl, I|. Schneider Für Jugendliche freigegeben! W. 5, 7, 9 Uhr Stg. 3. 5. 7, 9 ühr Rhsinstraße 14 (An der Kais-Eiche) Per wclßo Rausch mit Lcni Riefenstahl, Ii. Schneider Für Jugendliche freigegeben! W. 5, 7. 9 Uhr Stg. 3, 5. 7. 9 Uhr Odeon, Potsdamer Str. 75 Luise, Koniirin von Preußen, mit Hcnny Porten Für Jucendlichc lreigegeden! W. 5. 7, 9 Uhr Stg. 3, 3. 7, 9 Uhr Tarmstraße 12 Kadetten(Hinter den roten Mauern von Licbterfclde) mit Albert Rassermann, Trude von 7|olo Für Jugendliche freigegeben! W. 5, 7. 9 Uhr Stg. 3, 5. 7. 9 Uhr Alexanderstraße 39-40 (Passago) Reserve hat Ruh mit Paul Hörhiifer, Pritz Kampers, Senta Sönclund Den ganzen Tag geöffnet! Sonntags ab 3 ühr »Wr-AiVio t-ttVVa AU-Moabit 09., Ju�eDdhche Zütrittl Dos ffroßo Tondlmprogramin Kant Lichtspiele Kantstr 31 f a.i der Wilmersdorter Str.) nfidchcn in Eniform mit Dorothea Wieck, Hertha Thiele, Ellen Schnanneckc W. 5. 7, 9 Uhr Slg. 3. 3. 7. 9 Uhr st«g m« Titania-Palast Germania-Palast Charlollcnburg. Wilmersdorf er Sir 53/31 Der spannendste Afrika-Tonfilm: Trader Horn W. 5, 7. 9 ühr Stg. 3. 5. 7. 9 Uhr ■ w e st e n Primas-Palast Potsdamer Str.19 Ecke Margaretenstr. l/ttgren auf Rügron mit!tlaria Solvogr, O. Wallburifv H. A. Roberts, Paul llörbigcr. W. 5.15, 7.15. 9.15 Uhr S. 3.15, 5.15, 7.15, 9.15 Uhr c Frledriehstactt Die Kamera Unter den Linden 14 Täglich 3.\ 7. 9 ühr Der Mörder Diniitri Karama- «off mit Prit» Kortner, Anna Sten— Tonu'oche— Reiprogrr. Stg., llVa ühr vorm., Matinee: JErde Schlüter-Theater ttsu. Schlülerslr. 17. Sonnt. 3 ühr Jugcndvorstcllung Der Draufjfängrcr mit Hans Albcrs Atrium Beba-Palast Kaiaerallec, Ecke Bciüncr Straße Wochent. 7. 9% U. Sonnt. 5. 7 9*4 U. Uraufführung! Chauffeur Antoinettc m. Charlotte Ander. II. v Hchlettow, Oeorgria Rind, Falkcnstciu, Rudvv. Htössel. Riga Tamary. — Tonfilni-Relprogrramm > SchöfiRfrerp Tfc Titania Schöneberg HaupUtr. 49. W 5. 7. 9 Uhr S. 3. 5, 7. 9 Uhr Der rrrifte Itauxrh mil Ecnl Riefenxtahl— Tonnorhe— Tanbeiprogramm Jugdl. Zutritt! \V,6 30, 9 U. Sl3S.4,-6.-3e,9U. Slealjtr. SchJofclr 5. Ecke Gulsmuthtitr. Uraulführungl Tlodatne bat Ausgang mit I-iano Haid, Hans Urauscn-etter, Bilde Hilde. brande— Bühne: Albert Prtjeaii. Wla Bizooy mit seinen Sinfonikern und seiner Musik aus der Lull f ckWaricndorfor W. 6?4, 9U. Iha-hl Tonlichtspielc So. ab ö U. Chausseestj 4(5 Toniustspiel; Der unbekannte Gast mit I,. Englisch. Seöko Szakall— Tonbelprogramm Tempel itor Kurfürst W. 7. 9 Uhr Stg. 5. 7. 9 ühr Sonntag 3 Uhr: Jugendvorstellung Dorfstraße 22. Ecke Berliner Straße Ple Fledermaus mit A. Ondra, G. Alexander— Tonbeiprogr. Tivoli Täglich 5, 7, 9, ühr Slgs 3 Uhr: Jucendvorstell Berliner Str. 97. Jugcndl. Zutritt Hein Leopold mit-f. Adalbert, Cuoie Rngsliscli. G. Fröhlich — Tonbcipro�ramm > Neukölln M Film-Palast Kammersäle TcltowerStr.l W; abSi�So. ab31.,b ü. -iOÖ0/o Tonfilm! Per weiße Rausch mit Kenj Riefenstahl, Hannes Schneider— Beipr. Jgdl. Zutr. ■ V Theater am Moritzplatz Wo. 5, 7. 9 Uhr, Sonnlags ah 41-2 Uhr Die Tlatter der Kompagnie m. W.Ferdl. Betty Blrd— Purpur und Waschblau mit U.\iese Nordosten fElysium' ** Prcnzlancr Allee 56 W. 5.15, 7. 9.13, Stgs. 3.15, 5. 7.15, 9.15 Bobby JPeht los m. Harry Plel Bühne: Theater kfinstl. Renschen— Foxtonwoche Filmeck Am Görlilzer Bahnhof W ab 6M». Stgs ab 3 Frftz Schulz, Oskar Sabo, Ralph A. Roberts in dem musikal. Tonfilmschwank Die spanische Fllcfiro Auf der Bühne: Gastsp. Welntraub 8yncopnfors Laisen-Theater Ugs�3? Reicbenbcrger Str. 31. Der Afrika-Toniilm Trader Horn Ferner der originelle Hunde-Tonlilm „Wan- W au", die gr. Hundeschau W.B'i, 9 U. S. ab 3 U. Mercedes-Palast Ilermannstr- 212 Bis Montag! Der verjüngte Ado lar mit F Schulz, G. Alexander Bühnengastspiel Marek Weber u. Orchester Franziskaner aThr'""«™ Georgenstraße(Ecke Friedrichslraße) Zwei Tonfilme! 9. 12. 3. 6, 9 Uhr: Arm wie eine Kirchenmaus mit Grete Mosheini. � Anton Kdthofer, Fritz Gr»in hau rn, Trude Hesterbergs, H, Thimiir, Paul Hörbigrcr u. a. 10.30, 1.30, 4.30,;.30. 10.30 Uhr: Die Pranke,- Kriminarl-Tonfilin mit Charlotte 8usa, Hans Rebmann u. a. Neueste Woch.- u. linlturschan ■ Moabit» A rfn~ he%t Wochent. ab 6.4S Uhr H-Ji Sonntags ab 5 Uhr Perlebe.ra?r Str 29 Weckend im Paradies m. Otto Wal!»tjc,.Julias Falkcnstcin — ToAvrocho— Tonbeiprogr. Alhambra Wofch. 5. 7. 9 Uhr Sonnt. 3, 5, 7, 9 ühr Häuptstr 30 Gastspiel: Trompeterkorps Hubertus, Kapellmeister Müller-Endenthum— Film: Der bebende Berg 7«. 9 Uhr: Platzkonzert vor der Alhambra Kronen- Lichtspiele Rheinstr- 65. Sonnab., Sonnt, ah 3 Der unbekannte Ca.t m Szökc .■Sr.akali, L. Englisch, Brause netter— Im Be'prograiniii; Mu- slkaltschcs Kabarett W_»ehlendorf�MItt« M 7„/; Beginn Wgi 6. 7, 9 Uhr Stg 3 Uhr Jugendvorsteli Potsdamer Str 50 Keserre bot Ruh*, iust. Militär- film mit V. Englisch, UörMger, Kampers Primus-Palast W 6.30, 9 U. Sonnt, ab 3 U. Am Hermannplatz. Urhanstr 72/76 Trader Horn, Afrika-Sensations- Abenlcuerfilm— Beiprogramm — Bühnenschau Kukuk Wochent, 6 45. 9 Uhr Sonntgs. 3. 5, 7, 9 ü. Kottbusser Damm 92. Jgdl. Zutritt Oer weihe Rausch mit lienl Riefenstahl, II. Schneider Fy�0 lein r Wochent. 6 45. 9 Uhr UXCeiSlür Sonntags 3, 5, 7. 9 U. Kaiser-Friedncb-Slraße 191 Ltuise, Königin von Preußen, mit Benny Porten— Tonbeipr. Jugendliche haben Zutritt Stella-Palast Woch ob U Sonnt, ab 3 U Köpenicker Straße 12—14 Hichael Bohnen in der Tonfilm-Operette Viktoria und Ihr Husar Auf der Bühne: Gastspiel des beliebt. Filmstars Paul Heidemauu Jugendliche haben Zutritt Deutsck-Amerik. Theater Köpenicker Str. 68. W. 5. 7, 9 Uhr Trader Horn Sensationen— Abenteuer— Gr. Tonbciprograrani Sonntag 2 30 ühr; Jugendvorsteliung Neue Philharmonie Köpenicker Str. 96 Jgdl. Zutritt liiebeskommando mit Dolly Haas, Gust. Fröhlich— Beipr. Bühnenschau Stern, Hermannstraße 49< Wocüt. 6.45. 9 ühr. Stg. 3, b, 7. 9 übr,...... IUcin Beopoid mit H. Adalbert LlCiltSDiClkciUS Tonbeipr.— Sonnt. 2 Uhr: Ciaire n.f\... B aldotr— Cfa-Jazz.yrapho- Daumjchulensu. 78 ntker Jugendliche ZuLritt Südwesten Lichtspiele Südwest$£ 3 Blilcberslr 12 Tonlustspiel! Se'n Windhund m!i Ii. A. Robert«, Max Adalbert — Tonbeiprogr..— Tonwoebe W. SH, Sbd. 3 Sonnl. ab 4 U. Flora-Lichtspiele Toniustspiel: Reserve hat Rah* mit F. Kamner», P. Hörbiger, i/ucie Fnxlisch A. Faulig'— Rumba Tanzlehrkursus ■ 0't*w» Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wocht. ah 6.30, Sonnabd. 5, Stg. 3 ühr Trader Horn Das große Filmwunder. Der grandiose Afrika-Sensations- Abenteuer-Tonfilm Auf der Bühne: Bergs Wunderbären(Scala) PROGRAHM für die Zeit vom Vom IS. bis 18. Janaar welOcnsee Harmonie Langhansstr 23- Wochent. 7 n 9 O. v>onDt,..5, 7. Ö ü. r/U Luna-Palast Woch. 5 Uhr Sonnt ab 3 ühr Gr Frankfurter Str. 121. Louise(Königin von Preußenl mit Hcnny Porten— Bühne: Clalre Waldoff!— Tonwoche Schwarzer Adler ah""» W 5. 7. 9 Uhr S. 2. 5. 7. 9 ühr Der Draufgänger mit Hans Albers,.Hartha EgArerth Beiprogramm— Tonwoche Viktoria-Theater Woch. ab 5 Stg. ab 3 U. Frankfurter Allee 48. Jgdl. Zutrit Mfcin Leopold mit H. Adalbert, Lucle Englisch, G Fröhlich Vtktorln und Ihr Husar mit Jf. Bohnen, Priedel Schuster, Verobes— Voranzeige: Ronny Sonntags 2 Uhr: Jugendvorsteli ung Treptow-Sternwarte Sonnab. 8 Uhr. Sonntag 4, 6, 8 Uhr: Chans. Ein pack. Film von Mensch und Tier im siamesischen Urwald Frankenbarg Bühäo Gr. Frankfurter Str 74 W. 5, 7. 9 Uhr, Sonnt, ab 3 Uhr Der Herr Finanzdirektor mit Mav Adalbert— Tonbeiprogr. — Bühnenschau Babylon, am Bülow platz Wocht. 5, 7, 9 ühr, Sonntags ab 3 Uhr Die Nacht ohne Pause m. Slcgfr. Arno, Camillo Horn Gr. Bühnenschau Jgdl. Zutritt Sonntag: 2.30 Uhr: Konzert-Gastspiel Paul Godwin und Orchester Anschließend: Xacbt ohne Pause Kosmos-Lichtspiele Lückslr. 70. Täglich 5, 7, 9 Uhr Sonntags 3, 5, 7. 9 Uhr Lfebrakominando mit DoIIt Haas, G. FrSbllch— Große« ToobelprosremiD Jgdl, Zutr. Zwei Tonfilme: Wer nimm« die Liebe ernott m. Max Hannen, Jenny Jngo— Mit dem Anto dnreh zwei Wellen Kino Busch �'i�g'�h k Uhr Alt-Fricdrichsfclde 3 lOOprot, Tonfilm; Heine Frau die Hochstaplerin, mit Küthe von �l»gy, II. Rühmann, A. Abel Tonbeiprogr. Kabarcttonfilm ■ Norden Q Mflllerstrafle 136. Ainamora Ecke Seestraße Woch. 3. 7. 9 Uhr Somit, ah 3 Uhr Die npanlache Fliege mit Fritz Sriiulz. Onkar Subo. llalph V. Kobert.— Tonbeiprogr imm Pkaras-Lichtspiele Mfillerstr 142 Täglich 5 7 9 ü. Hein lieopold, n. d der. Bühnenstück. mit JI. Adalbert, B. Englisch, G. Fröhlich, II. Thimig Jugendliche haben Zutritt Sbd., 23.30 gr. Nacht vorstell, m. Vortrag: Diebe, ein Naturgesetz! Rc*itl Hannlaadorf S Fi I tn nfi t n 9� Beg W 6, 8.3ü Uhr rnmpaiasi stg» m m v Berliner Str. 59 tOOpror. Tönlilgj: Der welfle Baoacb mit l.rrU Ricfcnntahl. Haan. Schneider Beiprogramm Jugecdh Zutritt (Beilage Freitag, 15. Januar 1932 BrrAfen) SfuUauiga&s Jei tbufd/Ä Staat seM Ihr I Der Staat sind Wir! behaupten Hitler und Hugcnberg. Sie köwien es wir, weil weit« Kreise des Volkes, für die Auswirkungen einer beispiel- losen Krise der Weltwirtschaft einzelne Parteien und eine einzelne Regierung verantwortlich machend, diesen beiden Exponenten der Schwerindustrie und der Hochfinanz nachlausen. Auf diese Gefolg- schaft weisen die Hitler und Hugenbcrg hin, wenn sie sogen: Der Staat sind Wir. Der Staat seid Ihr! Diese Anerkennung liegt in der Behauptung Hitlers und Hugenbergs. Sie gründen ihr« Diktaturpläne nur noch auf die Hoffnung, daß ihre Nachläuferschast ihnen zu einer Machtposition verhilft, die sie usurpatorisch zu mißbrauchen beabsichtigen. Sie sind zynisch genug, das selbst einzugestehen. Im Historisch-Politischcn Verlag Berlin erscheinen soeben zwei Monographien über Staatsmänner, die anders denken'*). Diese beiden Staatsmänner sind an der Macht. Aber für sie ist die Machtposition nicht Selbstzweck, ihr Ziel ist der Volks- st a a t, ein Volksstaat, in dem sich nicht Bürgerkriegsgarden feind- lich gegenüberstehen, ein Volksstaat, in dem es nicht möglich ist, daß einige Wenige ausbeuterisch über die anderen herrschen, weil ihnen Knüppelgarden und die Produktionsmittel zur Verfügung stehen, sondern ein Volksstaat, in dem jeder einzelne im guten Sinne des Wortes von sich sagen kann: Der Staat bin ich! io cEenkt Otto Orasin s „Politik ist nickt ein Acittel, um Verwirrung zu stiften und um die Menschen gegeneinander zu verhetzen, wie es heute bei uns leider gang und gäbe geworden ist, sondern die Methode des Staates und de» sich selbst regierenden Volles, sich Zustände zu schassen, in der alles wahrhaft Produktive sich zu höchster Kraft- entfaltung steigern kann." Otto Braun im Nundfunk 1931. Die hier folgenden Ausführungen sind mit einigen Kürzungen der Monographie Hans Steffens„Otto Braun" entnomen: Die Eigenart feines Postens brachte es mit sich, daß Braun im Laufe der nunmehr fast dreizehn Jahrs seiner Ministerpräsident- schaft bzw. Ministerschaft zu fast allen Tagesfragen der deutschen Politik und zu vielen Problemen Stellung nehmen mußte, die die Gemüter aufwühlten und zum überwiegenden Teil heute noch stark bewegen. Auch hier ist es, so mannigfaltig die Art dieser Fragen und dementsprechend die Stellungnahme vor dem Parlamente, bei Feiern oder öffentlichen Kundgebungen auch war, nicht schwer, das Gemeinsame und Grundlegende all dieser Aeußcrungen, die oft Bekenntnissen gleichzusetzen sind, herauszuheben und das m den Vordergrund zu rücken, was für den Mann und für seine Auffassung van Politik und vom Staat das entscheidend Wichtige, das über alle Tageskämpfe Bleibende ist. Zunächst und vor allem ging und geht es um Begriff und Wesen des V o l k s st a a t e s, um die Fragen der Demokratie und des Parlamentarismus. Mit aller Kraft hängt Braun an dem(3c- danken des neuen Volksstaates, der ihm mit der Erschaffung des in den Vollbesitz der politischen Macht gesetzten Staatsbürgers als die für die deutsche Gegenwart und Zukunft einzig möglich« Ablösung des ihm�gsSjiberwundxn. geltenden Obngkeitsstaates mit seinem Untertanenliegriff erscheint. Wieder und wieder" bÄoiü er, daß ohne-den neuen Volks staot und- ohne seine üueM ehrliche Grundloge, die Verfassung von Wci.mar: das deutsche Volk nach dem militärischen Zusammenbruch von 1918 nicht imstande gewesen wäre, die Unversehrtheit und den Bestand des Reiches zu erhalten uns seine eigene Zukunft als Staatsvolk somit zu sichern. Mit dem unvermeidlichen Auseinanderfall des Reiches in seine Bestand- teile wäre der Traum der deutschen Einheit für lange Zeit ausge- träumt gewesen. Ihm— Braun— erscheint es als glücklichste Fügung der deutschen Geschichte in allem Unglück, daß das deutsch« Volk aus dem Zerfall des durch ein Bündnis der F ü r st e n. der Dynastien, begründeten deutschen Kaiserreichs die einzig mögliche Folgerung instinktsicher zog: an die Stelle einer staatsrechtlichen Konstruktion, die sich den Stürmen der Gegenwart nicht gewachsen gezeigt hatte, den Bund der deutschen Stämme, eben den V o l k s- staat zu setzen, der durch die Beleihung des politischen Selbst- besttmmungs- und Selbstregierungsrcchts auch die bisher völlig un- interessiert oder gar dem Staatsgedanken ablehnend gegenüberstehenden Teile des Volkes politisch aktivierte. An vielen Stellen seiner Reden hat er dies« Gedanken plastisch herausgebildet und auch ge- zeigt, wie er sich den Ausbau des V o l k s st a a t e s bis zu dem Ziele denkt, das ihm immer wieder dabei als Vollendung des Werkes vorschwebt: soziale Gerechtigkeit im Innern und eine würdig«, aber friedliche, vom Gedanken der Völkerverstän- digung getragene Politik nach außen. Den Beamten rief er einmal bei der Eröffnungsansprache für die gewerkschaftlichen Bildungskurse des ADV. in Ostpreußen zu:„Der Volks staat, das sind Sie. dos sind wir alle selbst. Wir, d!« gesamte Statsbürgerschaft aller Berufe, Männer und Frauen, bilden ihn und erhalten ihn, er selbst aber soll keinem Einzelinteresse bevorzugt dienstbar sein, sondern dem ganzen Volke gleichmäßig ein schützendes Dach und eine wohn- liche Heimstätte sei». Der Arme und der Schwache sollen in ihm gegen Vergewaltigung und Erdrückung durch den Stärkeren bewahrt, jeder ehrlich Schaffende und Arbeitende in seiner Tätig- keit unterstützt sein." Mit scharfer Ironie ist er stets all den Auffassungen, dem Ge- rede entgegengetreten, es sei das Ende der Demokratie für Deutschland gekommen, ste stelle ein System dar. das sich in Deutschland nicht bewährt habe, so daß sie durch eine deutsche Ab- ort des faschistischen D i k ta t u r g e d a n k e n s abgelöst werden müsse. Scharf und prägnant saßt er seine Auffassung zusam- inen: Gewiß habe das demokratische System in vieler Hinsicht bei uns nicht zum erhofften Erfolge gejährt. Es frage sich nur, wer daran die Schuld trage, wir oder das den>okrot-ische System. Dieses sicher nicht: nur das sei einzig eines politisch gereiften, auf hoher Kulturstufe stehenden Volkes würdig: sich selbst zu regieren, anstatt sich blindlings nnd verzweifelnd einem Diktator in die Arme zn werfen, von dem es das erhoffe, was die Sammlung aller Volkskrästc nicht fertig gebracht hätte. Es fei charakteristisch, daß Diktaturregimes bisher ausschließlich bei Völkern zum Durchbruch gekommen wären, die auf keiner hohen Bildungsstufe ständen und die sich wenig rühmlich durch«inen großen Prozentsatz von Analphabeten auszeichnen und in denen es noch keine in langer gewerkschaftlicher Schulung erstarkte und ausgebildete Arbeiterschaft gebe. Für die deutschen Verhältnisse Otto Braun von Hans Steffen? Karl Severins am Hau» Wenzel. aber gelte der Satz, daß nur wir allein, unsere Generation, der politischen Selbstbestimmung durch vorangegangene Jahrhunderte des bevormundenden Obrigkeitsstaates entwöhnt, versagt hätten. Das Instrument der Demokratie sei in unseren Händen so ungeschickt ge- handhabt worden, daß wir uns nicht wundern dürsten, wenn der Erfolg unseren hochgespannten Erwartungen nicht entsprochen hätte. I» dem scharf pointierten Rnndfunkoortrag, mit dem er sich 1931 dem Diktaturgerede entgegenstellte, kargt er nicht mit herber Kritik an den begangenen praktischen Fehlern unserer Generation: .. Auch die Demokratie ist für das deutsche Volt, das seine Herrscher des selbständigen politischen Denkens und Handelns und jeder Verantwortung völlig entwöhnt hatten, mit ihrem Zwang zur Selb st Verantwortung und zur Selbst- r e g i« r u n g ein völlig neues politisches Instrument gewesen. Es ist vielleicht, wenn man sein« jahrhundertelange Geschichte mit der kurzen Periode parlamentarischer Vorschulung seit der Märzreoolu- tion 1848 am geistigen Auge vorüberziehen läßt, etwas zu jäh und übergangslos in den Besitz der vollen politischen Rechte nnd in die Notwendigkeit, sein eigener Herr zu sein, versetzt worden". Er zählt dann die Hemmnisse ans: das Ressentiment derer, die nur rückwärts sehen und glauben, unwiderruflich Ver- gangenes wieder beleben zu können, die Abseitsstehenden und ewigen ,.Nein"-Sag«r, die„Utopisten der Politik", die an die Stelle zäher Kleinarbeit und unausgesetzter Bemühung das Wunder oder die Gewalt setzen wollen— trotz aller Lehren der Geschichte, die be- weist, daß Gewaltanwendung immer wieder neue Gewalt und neuen Kampf nach sich zieht. Dann aber auch die Ungeschicklichkeit der Vertreter � der. Nomokratie selbst. Ohne ssde Schpnfärbsrei und absolut ehrlich gegen. qÄe bei gangenen Sünden- stellt er michtern-sachlich fest;. daß wir, da die Menschen ja niemals aus der Geschichte lernen, alle Torheiten politisch zerrissener und unreifer Völker nachgeahmt hätten. Die Partcienzersplitterung, die jede starke Mehrheits- bildung, jede große Politik auf weite Sicht verhindert und die im Reiche immer wieder zu Halbheitcu und zu Kompromissen geführt habe, um auf jeden Preis die zu einer Mehrheit erforderlichen Parteien unter einen Hut zu bringen, hätte unsere Kräfte ver- schwendet und vergeudet. Das Mittel der Zusicherungen an alle möglichen Parteien, um sie in der Regierung festzuhalten, habe nichts mehr mit wirklicher Politik zu tun. Wir schlagen uns um Doktrinen die Köpfe ein, anstatt uns zu einer wahrhaften A r- beitsgemeinschaft mit gegenseitiger schicksalssolidarischer Haftung zusammenzureißen Und das Parlament? Es hat selbst mit seinen endlosen- Kämpfen und Verhandlungen den parlamentarischen Gedanken im Volke entwertet. Wollen wir vorwärts kommen— und wir können das nach Brauns Auffassung nur mit einem richtig verstandenen und klug und geschickt gehandhabten Parlamentarismus, so müssen sowohl die Gruppen v e r s ch w i n d e n, die das Parlament zur nackten Interessenvertretung der hinter ihnen stehen- den privatwirtschaftlichc Wünsche verfechtenden Kreise erniedrigt haben, wie auch die anderen, die mit dem Willen und dem Programm— aus bewußt antiparlamentarischer Einstellung heraus— heute trotzdem in das Parlament einzig deshalb hineingehen, feine Arbeit vor dem Volke zu diskreditieren. All diesen Gruppen muß schärfster Kampf angesagt werden. Einem solchermaßen in sich ge- fpallencn und arbeitsunfähigen Parlament aber gegenüber hat— und hierin erblickte er eine Rechtfertigung des Grundsatzes der Zlotverordnungspolitik des Reichskanzlers Brüning— eine Regierung, die wirklich noch versuchen will, zu regieren, das Recht, ja die Pflicht, zu außerordeutlicheu Mitteln zu greifen, un? a k- tirelle Notstände zu beseitigen, derer das Parlament infolge seiner Ohnmacht nicht Herr werden kann. Dem heutigen Parlament stellt er— als Bekenntnis— das Wunschbild eines wahrhaften Parlaments gegenüber, das auch wieder der Brennpunkt aller geistig-politischcn und großen w l r t s ch a f t s- politischen Interessen der Nation sein soll, die T r i b ü?? c des ganzen Volkes, auf das alle Blicke gerichtet sind und dem dann, wenn es debattiert, alle Ohren willig geöffnet sind: „Das Schönste und Größte wäre es und ein Ehren- titel des damit seinen politischen Hochstand beweisen- den deutschen Volkes, wenn wir in einem Parlament in der Zusammenarbeit und im geistigen Ring- kämpf einiger weniger großer Welt- a n s ch a un n g s p a r t e i e n die Gegeuwart des deutsche« Volkes.meistern nnd seine Zuku-n�t zimmern könnten." So denkt Carl Severins i Carl Severings Stellung zum Volk und zum Staat äußert sich am deutlichsten in seinem Verhältins zum Reichsbanner. Als Oberpräsident Hörsing im Herbst 1923— wir folgen hier aufs engste den Ausführungen Hans Rienzels in seiner Rionographie„Carl Severing"— in Magdeburg die erst« Reichsbannerorganisation ins Leben rief, wandte sich Severing zunächst gegen diese Gründungen, von denen er befürchtet«, daß sie der Anlaß zu Gegengründungen sein würden und daß man bald nichts anderes im Lande haben werde als zum Kampf bereite Bürgermasien. Wenige Wochen später allerdings gestand er, daß er aus einein Saulus ein Paulus geworden sei. Er hoffe, im Reichsbonner sich nicht einen anders gefärbten Stahlhelm, sondern eine höhere, bessere Organisation entwickeln zu sehen, deren Aufgabe die geistige Pro- paganda für die Republik bilde. Das war die Linie, der Severing treu blieb. In einer Land- tagssitzung erklärte er, die Gründung des Reichsbanners sei schon deshalb eine absolute Notwendigkeit gewesen, um ein Gegen- gewicht gegen die sogenannten vaterländischen Verbände zu schaffen, die damals fast jeden Sonnabend und Sonntag mit ihren„Deutschen Tagen" die Welt beunruhigten. Man müsse der deutschen und der Leffentlichkeit der Welt Klarheit darüber geben, daß der Lärm dieser „Deutschen Tage" nicht Deutschland sei und die Ge- sinnung, die auf diesen„Deutschen Tagen" zum Ausdruck komme, nicht schlechthin die Gesinnung des deut- schen Volkes. Diese geschichtliche Aufgabe habe das Reichsbanner erfüllt. Wenn wir diese Erschernungen, wenn wir die Tätigkeit aller dieser Orga- nisationen auf den Straßen und. Märkten in Wahlzeiten nicht wünschten, dann möge die Rechte doch in eine ernsthafte Prüfung des ihr schon vor mehreren Monaten gemachten Vorschlags ein- treten, den Organisationen dieser Art nahezulegen, freiwillig a b z u r ll st e n. Die politischen Kämpfe sollten die politischen Parteien unter sich auskämpfen und den Schutz der Republik, den Schutz des Staates und des Volkes den staatlich und gesetzlich dazu be- rufenen Organen, das heißt der Polizei überlassen. Wenn man sich aus diesen Standpunkt zurückfände, würde man dem Staat und der Beruhigung des Volkes den besten Dienst leisten. Ein Fackelzug feiert am 6. Oktober 1926 Severings Eintritt ins Reichsbanner. Severing nimmt das Wort. Er hoffe, so sagt er, daß es allen im Reichsbanner in der nächsten Zeit möglich sein werde, zur in u eren Befreiung Deutschlands beizutragen, damit die Deutsche Republik wachse, blühe und gedeihe. „Wir sind nicht in erster Linie Reichsbannermänner. wir sind in erster Linie Menschen. Und dann find wir Donks che, nnd erst dann sind wir Reichsbanner» männer." Nein, für Severing ist das Reichsbanner nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck: aus Deutschland eine freie Republik zu machen und Deutschland in die große Völker- und Menschen- familie einzureihen. Aber mitnichten ist Severing ein Mensch. der sich vagen Utopien hingibt. Das zeigte er deutlich, als er im Juli 1927 im Bürgerbräukeller in München zum Pa- ziflsums Stellung nahm. Gewiß, er fei Friedensfreund und wünsche unter keinen Umständen, daß sich die Welt- katastrophe von 1914 wiederhole. Seine ganze Arbeit im öffentlichen Leben ziele klar darauf hin, einen neuen Krieg zu verhindern. Aber es könne der Frömmste nicht in Friede» leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefalle,«nd mit der Redensart„Nie wieder Krieg!", wenn die Deutschen sie allein führten und nicht die anderen auch, werde nichts erreicht. Deshalb fei es vielleicht besser, init dem Wort ,Nie wieder Krieg!" sparsmn zu sein. Der Erbfeind sei der G e i st des U n- s r i e d e n s, ganz gleich, wo er zu treffen sei, und diesen Erbfeind bekämpfe das Reichsbanner. Hier hebt sich bereits der Standpunkt Severings zur Wehr- frage deutlich ab. Er ist der Mann, der das Wort geprägt hat: „W er die Macht im Staate will, der muß auch die Machtmittel wollen" Und das Machtmittel der republika- nischen Polizei in Preußen, das Severing schuf, ist ja der he??te nicht mehr umstrittene Beweis dafür, wie notwendig es ist, nach dieser Anschauung zu Handel??. Dies« Erkenntnis ist es auch, die Severing die Feder in die Hand zwang, als er im Februar 1929 in der„Reichsbanner- zeitung" schrieb:„Das Reichsba?iner hat in politisch schweren Zeiten, als der Spott Deutschland die„Republik ohne Republikaner" nannte, diese Behauptungen Lügen gestraft.. Auch im Flaggenstreit hat das Reichsbanner die Entscheidung zugunste?? der in Weimar festgelegten Reichsfarben in hervorragender Weise beein- slußt. Mit jedem Re!chsbanner?nitglied wurde die Rcichsfarbe, mit jeder Kameradschaft die Reichsfahne gezeigt. So trug das Reichs- banuer das Gesetz durch die Lande: die Farben der Re- publik sind schwarzrotgold. Und der grundlegende Artikel 1 der Reichsverfassung:„das Deuffche Reich ist eine Rc> publik, die Staatsgewalt geht vom Volke aus" hat nicht so sehr durch das geschriebene Wort der Verfassung, sondern vielmehr durch die Ku?ü>gebungen des Reichsbanners die lebendigste Verbreitung gefunden. Das Reichsbanner hat die Rechtsoerbände auf ihre wahre Bedeutung zurückgeführt und in der Weltöfsentlichkeit den falschen Eindruck beseitigt, der durch das Revanchegeschrei der Wehr- organisationen der Rechten zeitweilig enfftanden war. Mit jeder Wirrnis in der inneren und äußeren Politik, mit jeder Verschlechterung der Wirtschaftslage wagen sich jedoch aufs neue die Kundschafter der Reaktion hervor, um zu er- spähen, ob die Fest?ing der Republik z?!m Stunnangriff reif sei. Darmn hat das Reichsbanner seine Mission noch nicht erfüllt. Darum darf es seine Posten an keiner Stelle einziehen, seine Bataillone nicht abrüsten. Es führt seinen Kampf nicht mit blutigen Waffen. Seine Macht liegt in der Treue seiner Mitglieder zur Republik, in der Geschlossenheit seiner Millionen und in der Gerechtigkeit seines Kampfzieles..." Allerdings auch darüber hat Severing die Oeffentlichkeit nicht im unklaren gelassen, daß das Reichsbanner in dem Augenblick schlagfertig dastehen werde, wenn es gilt, einen Putsch zu ersticken und wen« eine Rechtsorgauisatko« es wagen sollt-- den Diktaturgedanken zw verwirkliche«. Arbeitersport am Sonntag MSNM WSSBALL Am fcrrrmerrtien Sonntag finden lediglich eine Reihe G e- �eltschaftsspiele statt. Es trefefn sich Normannia und Frohe Stunde in Lichtenberg, Sportplag Hauffstraße. Ober- s p r e e und Wilmersdorf in der Wuhlheide. Eiche- Köpenick spielt in Grünau gegen den Arbeitersportoerein Neu- kölln. Eiche-Bohnsdorf gegen Lichtenberg II in Bohnsdorf. Pankow gegen Nowawes in Pankow, Sport- Plätze in dsx Kiffinzenstraße. Storkow gegen Baumschulen- weg. B r i tz 8 8 gegen Fichte. Saxonia gegen Blanken- bürg. Deutsch-Wu st erHausen gegen Osten. Kogel gegen W e r l s e e. Elsthal gegen Ketzin. Volkssport Neu- kölln gegen Schöneberg. Treuenbrietzen gegen Fichte. Luckenwalde Bezirksmannschaft gegen Tempelhof. Dahme gegen Luckenwalde III. Zweite Mannschaften: Storkow gegen Baumschulen- weg. Normannia gegen Froh« Stunde. Britz 88 gegen Fichte. Saxonia gegen Blankenburg. Oberspreo gegen Wilmersdorf. Pankow gegen Nowawes. Eiche-Köpenick gegen ASV.-Neukölln. Elstal gegen Ketzin. Schöneberg gegen Berlin XII. Volkssport Neukölln gegen Belzig. Dahme gegen Luckenwalde III. Treuenbrietzen gegen Fichte.— Jugendmannschasten: Dahme gegen Luckenwalde III. Normannia gegen ASV.-Neukölln. Nowawes gegen Staaken. Ein- tracht-Reinickendorf gegen Minerva-Neukölln. Eintracht 2 gegen Drewitz. Wilmersdorf gegen Teltow. Borwärte-Wedding gegen Lichtenberg I.— Schülermannschaften: Hansa 31 gegen Minerva. Elstal gegen Spandau 2-5- Freie Scholle gegen Pankow. Nowawes gegen Caputh. Beginn der Spiele: Erste Mannschaften 14 Uhr. Zweite Männermannschaften 12.1Z Uhr. Jugendmannschaften 11 Uhr. Schülermvnnschaften 10 Uhr. MuruUocUSb Milien in der 2. Runde In der Abteilung A der 1. Klasse steht bei den Handball- spieler n nur eine Begegnung an: FTGB.-Osten und FTGB.-Nordost treffen um 15 Uhr auf dem Platz in der Laskerstrahe zusammen. Wir erwarten auch diesmal ein erst- klassiges Spiel, das den Zuschauern alle Feinheiten des Handball- fpiels bietet, daß serner die Mannschaften ihr ganzes Können zeigen und sogar wieder unentschieden auseinandergehen, wie bei der ersten Begegnung. Als Haupttreffer des Sonntags gilt in der Abteilung B das Spiel zwischen FTGB.-Süden und FTGB.-Nordring um 14 Uhr auf dem Schöneberger Dominikusplatz. Noch schärfer als beim ersten Mole werden beide Mannschaften ein Handballspiel vorführen. Für den Abteilungsführer FTGB.-Süden muß das Spiel diesmal schwerer bewertet werden, denn am letzten Sonntag haben die Nordringleute bewiesen, daß sie allerlei leisten können. Sollte wieder jeder Spieler so gut in Fahrt kommen, so wird es einen ausgeglichenen Kampf geben, bei dem die Mannschaft mit den stärksten Nerven gewinnen wird. Eintracht-Mahlsdorf fährt mit großen Hoffnungen zur FTGB.-Oberspre« nach der Wuhlheide 254. Mahlsdorf besitzt die Fähigkeiten, den Sie an sich zu reißen. Spiel- beginn um 10.30 Mir. Der ASV.-Schöneberg muh in Luckenwalde, Platz in der Hetzheide, gegen die dortigen Sportler antreten. Beide Parteien haben wir als Ueberraschungsmannschaften kennengelernt, daher ist eine Voraussage sehr schwer. Lediglich der eigene Platz gibt Luckenwalde eine Chance. Be-irlcllasse Ost«»: Sn der Abteilung A treffen wohl die stärksten Gegner im Spiel ssT. Likner— TSB. Kaulsd orf in Erkner, Platz am Dämincritzsee, um Uhr, zusammen. Erkners Sieg dürft« die Spitz« endgültig sicher. stallen. Nnuledorf kämpft« in dieser Runde mit viel Pech und wird selbst bei einem Sieg« nicht über den dritten Platz hinauskommen. Friesen.FUrsten. walde empfängt die FTGI.-Adlershos um 14.20 Uhr auf dem Friesen.Platz. gsirstenwald« gilt als ssaoorit. Ein gleichwertiges Treffen geht in Ah» tzsirstenwalde teilung B zrr Stadion, Pla, zumachen. ftraße. Abteil» n B»W>WWWW»W...... Marienberas. VfL. Ostring— SC. Rehfeld« um 14 Uhr im Lichtenberaer Stadien f?E. Oberspiee— Eintracht-Mahlsdorf 2 um 14 Uhr Platz Vlänterwald. 3.«lasse: FTGB.-Stralau 2— TSV. Äaul-dorf 2 um 11 Uhr Platz Lasker- ''~"—"" �TGB.-Baunifchulenweg 2 um 13 Uhr in —---- lderg 2 um 13 Uhr Platz Lasker- HP_ Nowawes— Eiche-Bohnsdorf um iS Uhr in Nowawes,"Priesterweg. Eintracht-Mahlsdorf— ssTGB.-Osten um Uhr in Mohlsdorf. Athletik. Soort. Club— FTGB.-Lichtenberg um 10 Uhr im Neukällner Stadion, Platz 3. FTSB.-Stralau— FTGB.-Baumschulenweg um 10.10 Uhr Platz Laskcrstrasie. Ruderer und«anufahrer: FSV. Schweifsterne— FTGB.-Ruderbezirk um 2H Uhr Platz Trefeburgufer. FTGB.. «anubezirk— RV. Vorwärts um 10 Uhr Pl�tz Normannenstraßc. Rudervereini. gung 1213— SB. Undine um 10 Uhr Platz Wuhlheide. Beirtsklafi, Roedca: Abteilung A: FTGB.-Rrscnthal— FT. Fried- tidjsthol um 14 Uhr in Rosenthal, Sauptstraß«, FSV. Tegel— FTGB.-Nord- ring 2 um 10 Uhr in Tegel, Gras. Rödern. Corsa. Abteilung B: ASS. Rat-Weiß— FTGB.»Norden I um 8.20 Uhr Platz Schönhauser Allee. AEV. I. Strausberg— FT. Salkberge um 14 Uhr Platz Wedding— FT. Schwante um 11 Uhr im Volkspark Rehberge. Frauen _____________________________________ nee. aar FSB. Reinickendorf um 10 llbr im Volkspark Rehberge. Hennigsdorf— Vollsfpcrt Weddina liardcst— FT. Pellen nm 11.20 Uhr- um lO�tz Uhr in Hennigsdorf. FTGB.. ätz Schönhauser Alle«. AEV. Wedding— Bezirkellasie Westen: Als wichtigste Begegnung gilt das Spiel FTuSV. Nowawes— Turnerfchaft Brandenburg(1. Bezirk). Der Gast wird als sicherer Sieger erwartet. Beginn 14 Uhr. FT. Nauen mutz den schweren Gang nach Brandenburg antreten, um dort gegen den 2. Bezirk zu spielen. Beginn 13 Uhr. FTGP.-Saandau 2— Fr. Schwimmer Fallensee um ISN. Uhr Platz Seeburger Stratze. ffSGB.-Siem-nsstabt— FT. Potsdam um 15 Uhr Platz Jungfernheide. FTuSV. Nowawes 3— Turnerfchaft Vrandenburo 2 um 13 Uhr tn Nowawes. Bezirkskfasi» SÜVn: FT. Wilmersdorf— AGB. Schöneberg 2 um 10.10 Uhr Giceranlatz. FTGB.-Süden 2— Berlin All um 11 Uhr Dawinicusvlatz. FTGB, Lankwitz— FTGB.-Friedenau um 11% Uhr in Lankwitz. FTGB.-Süden 3— FSB. Ficht« vm 14.70 Uhr. Frauen: Li'ckenwalde 1. Abteiluna— Luckenwalde v um 11 Uhr. Luckenwalde S— Luckenwolde A um 14 Uhr. FTGB.-Süden um 11 Uhr Domwicusplatz. FT. g-hlendorf— FSB. Ficht- um 14 Uhr in Z-Hlendorf. ?lSD. Schöneberg— FT. Wilmersdorf um 10 Uhr Platz Rubensstraß«. ttocke� ön Pankow. Kissingenstrahe, stehen sich um g Uhr die dortige Frei« Sportoereinigung und der Sportverein Moabit I gegenüber, Im ersten Spiel konnten sich die Moabfter erst in den letzten fünf Minuten nach schwerem Kampf mst 2: 0 behaupten. Der Pankower Boden macht allen Gästemannschaften viel Mühe. Der Freie Hockey-Club Spandau und der Arbefter-Sport-Berein Rot- Weiß I treffen sich in Spandau, Wilhelmstraße, zum Rückspiel. Rot- Weiß gewann im Herbst ziemlich klar, wird aber in Spandau einen ungleich schwerer zu besiegenden Gegner vorfinden. Beginn: 14.30 Uhr. Der Athletik Sport-Club und der Verein für Leibes- Übungen Ostrlng I werden um 10.30 Uhr im Neuköllner Stadion, Platz l zusammentressen. Die ASCer werden den Lichtenbergern einen Sieg sehr erschweren, obwohl diese als Favorüen starten. Volkssport Neukölln-Britz I und die Freie Turnerschaft Droß-Berlin, Tempelhof, haben das Rückspiel im Neuköllner Stadion zu ab- folvieren. Di« Neuköllner gehen gut gerüstet in den Kamps, haben aber trotz allem Verlust der Tempelhofer eine in der Gesamtleistung gut« Mannschaft vor sich, die erst nach zähem Wiederstand das Spiel oerkoren geben wird. In«wem Pflichtspiel treffen sich die zweiten Abteilungen der Vereine VfL.-Ostring und ASV. Rot-Weiß. Beide Mannschaften kommen in der Serie ni�t zusammen und so dürfte der Kampf einen interessanten Ausschluß über die Spiel- üärte geben. Beginn: 10.30 Uhr in der Schönhauser Allee. Bei den Frauen kommt nur ein Spiel zwischen Volkssport Neukölln- Britz und dem Verein für Leibesübungen, Ostring, zum Austrag. Beginn: 10.30 Uhr im Neuköllner Stadion. Weitere Spiele: FTSB.-Ostsn 1 gegen FTGD.-Tempelhof 2 um 9 Uhr. Athletik-Sport-Club 2 gegen SV. Moabit 2 um 2 Uhr im Neuköllner Eiadi n. BSpT. RsukSlln.!-"■-------------- ..Britz lege» ASV. Schöneberg 07 ebenda um 12 Uhr. ASV. moi-upeltz s gegen»TP. Ostring 3 um 13 Uhr in der Schönhauser Allee. FEpB. Pankow 2 gegen BSV. Wedding i um 10 Uhr Kifsingenslraße. Stund der �asserlrnU-Serie Ende Oktober 1931 begannen die Arbeiterwasserballspieler Berlins die neuerliche Anstrengung ihrer Meisterschaftsspiele m der A-Klasse. AllwöchenUich Sonnabend bzw. Sonntagabends finden im Wellenbad im Lunapark die Spiele der 10 be- teiligten Mannschaften statt. Die Spiele dieser Serie sind wichtig, da der Sieger an den Ausscheidungsspielen zu der in diesem Jahr zum Austrug gelangenden Bundesmeisterschaft teilnimmt. Di« Frage nach der aussichtsreichsten Mannschaft kann gegenwärtig noch nicht mit Sicherheit beantwortet werden. Die Serie wird nämlich in zwei H a l b f e r i e n ausgespielt, in denen jede Mannschaft auf ihre neun Gegner trifft. Es sind somit 45 Spiele pro Halbserie erforderlich, von denen bis jetzt erst etwa 20 erledigt sind. Klar in Führung liegen allerdings punktgleich Hellas und Charlotten- bürg, die in ihrer augenblicklichen Form keinen ernsthaften Gegner haben und wahrscheinlich auch das Ende unter sich ausmichen werden. Die Stellung der übrigen 8 Mannschaften ist noch unüber- windkich. Erst gegen Ende der Halbserie wird sich hier' ein klareres Bild ergeben. Am Sonnabend spielen um 21 Uhr im Lunabad die Mann- schuften von Union und Freiheit. Obwohl Union seinem Gegner rein schwimmerisch unterlegen ist. rechnen wir mit einem Erfolg Unions, da Spielerfahrung und bessere Balltechnik den Aus- schlag geben dürsten .Ardeiter? chuch Am Sonntag, dem 17. Januar, nachmittags 3 Uhr, findet im Vereinshaus bei Ewald, Skalitzer Str. 126, eine Werbe- veranstallung der Freien Arbeiter-Schach-Bereinigung Groß-Berlin statt. Es finden folgende Wettkämpfe statt: Luckenwalde— Treptow, Eggersdorf— Kreuzbeck g, Potsdam— Neukölln. Berlins ungeschlagene Lugendmannschaft spielt an 20 Brettern gegen Nowawes. Neben den Wettkämpfen stehen den Gästen noch starke Spieler zur Verfügung. Ab 4 Uhr spiell Ge- nosse Fritz Vogt an 20 Brettern„Simultan". Zum Schluß findet ein Blitzturnier statt, an dem sich auch alle Gäste betei- Ilgen können.— Auskunft in allen Vereinsangelegenheiten erteilt G. Werwinski, Berlin S. 59, Planufer 91. Lin offenes Bekcnnlnis zum Nationalsozialismus in der D. T. Die Deutsche Turnerschaft hat für ihre Politik die sehr einfache Erklärung: sie steht auf dem Boden der gegebenen Tatsachen. So war es nach 1870/71, als sie sich dem Bismarck- Kurs verschrieb, so war es 1918/19, als sie ihr republikanisches Herz entdeckte und so wird es jetzt, indem sie sich immer fester in hie nationalsozialistische Front einreiht. Besonderen Anhang haben die Nationalsozialisten In der Deutschen Turnerschasts j u g e n d. Die gegenwärtige politische Lage in der D. T. wird klar beleuchtet durch ein« Auseinander- setzung zwischen dem D.T.-Jugend führer Karl Boel.ke aus Nord- deutfchland und dem D.T.-Jugendwart und zugleich 2. Vorsitzenden Dr. Neuendorff in„Der Schar", Nr. 1, 1932, dem Monats- blatt der D.T.-Jugend. Bcelke schreibt u.a.: „Die and«re Seite jenes Kurses zeigt sich in der— man kann sich um diese Tatsache nicht mehr herumdrücken— fortschreitenden parteipolitischen Aktivierung der Turneljugend. Man schreit: Politik— und meint Parteipolitik. Wir wollen politische Schulungsarbeit, sie ist heut« nötiger denn je, jeder Aeltere muß sich auch politisch entsckeiden. Aber er soll diese Entscheidung nicht den Jüngeren aufdrängen. Seit langem erscheinen in der „Schar" fast nur noch Aussätze deutlich nationalsoziali- stischer Färbung. Hinter den Worten von der„Pflege deutschen Volksbewußtseins und vaterländiscker Gesinnung" oer- schanzt, wirft man unbekümmert mit Schlagwortcn um sich: „Deutschland den Deutschen!, Kampf dem Marxismus!" (wer von diesen Schreiern hat denn Marx wirklich gelesen und sich mit ihm auseinandergesetzt?)„Für die Arbeitsdienstpflicht!" (Wer hat denn auch mal Stimmen geaen die Arbeitedienstpflicht ernst und ruhig angehört?)„Für Arbeitsbeschaffung."(Wer wollte das nicht?) wo könnte ich stundenlang fortfahren." In der Entgegnung rechtfertigt Dr. Neuendorsf die Politik der Deutschen Turnerschast mft der Feststellung, man muß„d e m Marxismus Kampf ansagen, sonst gehört man nicht in die Turnerfchaft", und weiter entgegnet Neuendorff wörtlich: „Wir werden von dem Weg. den wir gegangen sind und gehen, nicht um Haaresbreite abweichen. Wem das nicht paßt, dergehSrtnichtzuuns, nicht zur Turnerfusiend und nicht in die Turnerfchaft, der mag sich ein anderes Arbeitsfeld suchen." Wir sind der Deutschen Turnerschast dankbar für das osfenö Bekenntnis ihres einflußreichen zweiten Borsitzenden und Jugend- wartes, der auch Leiter der preußischen Hochschul« für Leibes- Übungen in Spandau ist, gegen die sozialistisch« Arbeiterschaft. Die sich noch in den DT.-Bereinen befindenden Sozialdemokraten und freien Gewerkschaftler wissen nun auch von der Spitze der Deutschen Turnerschaft, wie man dort über sie denkt. Sie haben sich zu ent- scheiden, entweder ihre politische Uebrzeugung zu oerleugnen, oder aus den DT.-Bereinen auszutreten, wenn sie sich nicht gefallen lassen wollen, über kurz oder lang als Wertzeuge für den National- sozialismus benutzt zu werden. vah Kempens 18. Sechstagesicg. Durch seinen mit Pijnenburg herausgefahrenen Sieg im gestern beendeten 7. Dortmunder Sechstagerennen hat der „Fliegende Holländer" Piet van Kempen seinen 18. Erfolg in der- artig langen Prüfungen davongetragen. Das ist ein Rekord, der schlechthin überboten werden kann. Lange kämpfte�.Piet" mft dem unverwüstlichen Amerikaner Mac Ramata um die Spitze in der Ta- belle der erfolgreichsten Six-days-Mönner, doch berefts im ver- gangsnen Jahre konnte van Kempen einen entscheidenden Vorsprung gewinnen, und nun hat er gegenüber dem Amerikaner fünf Siege voraus. In der letzten Stund« wurden zwanzig Spurts ausgefahren, von denen van Kempen nicht weniger als neun, Pijnenburg vier, Oszmella zwei. Tieg. Dülberg, Maidorn. Pützfeld und Denees je einen gewannen. Während der ersten zehn Spurts gab es zahlreiche Rundengewinne, die aber am Stand des Klassements recht wen g änderten. Zum Schluß beherrschten van Kempen— Pijnenburg die Situation vollkommen._ Arbeitce-Sporttegetklul» Vorwärt». Trainingsabrnd Freitag, 20 IDjr, in der Sporthalle Alexanörruenstr. 107. Gäste herzlich willtr Minen. Sportseeci» Rtoabit. Sonnabend, 15. Jlmuar, lS Uhr, Verein-generaloer. saminlnng in den Arminiuofestsälen, kleiner Saal, Bremer der Marähalle). Mitglied»ausmeis mitbringen. generaioer- (gegenüber Touristrnocrei»„Dir Ratnrsrennde-, Srtogr»ppe Berli».«. B. Mittwoch. 20. Januar, IS-A Uhr, in der Aula, Weiurneisterstr. 16—17, Vortrag Erich Knauf mit Schrllplatten(Stimmen der Böller), llnkoftenbertrag 20 Pf.— Freitag, 15. Januar. 20 Uhr. Charlottenburg: ISZH Uhr Spreeftr. 80 General- Versammlung.— Faltboetabteilung: Jchannisftr. 15. Brettspiele.— Britz: Chausscestr. 43. Mitaliederoersammlung(Wahlen).— Iugendgrupp« Humboldt. Hain: Panl- Ecke Wtesenstraße. Generalversammlung.— Treptaw: Elsenstr. 3. Vom Urtier zum Menschen.— Vinetaplatz, Schönhauser Vorstadt: Lortzing- Ecke Graunftraße. LLS.-Abend.— Südost: Wrangelstr. 128. Lichtbilder vom Heidesee.— Photo, Osten: Frankfurter Allee 307.— Photo, Neukölln:«erg. stcaße 2».— S-nuab-nb, 1«. Januar, 19 Uhr. Neukölln: Bergstr. 2«. General. Versammlung.— Montag. 18. J-auar, 20 Uhr. Photogemeinschaft: Johannis- strafte 15. Der Film als Negatio.Matertal. Referent: Hensel v. Fa.«odak.— Malgemeinschaft: Manteuffelstr. 7. Freie Schwimmer Groß-Berlin«. B. Altersriegen, gusammenbaden Dien». tag, 19. Januar, 20 Uhr, Stadtbad Mitte, Gartcnstraße. Eine Stunde früher Besichtigung der Heizungsanlagen.— Gruppe Friedrichshain: Generalversamm- lung Mittwcch, 20. Januar, 20 Uhr, bei Lehmgk, Mühlenstr. 58. Freie Photonereinigung. Sonntag, 17. Januar. Fahrt nach Muhlstorf- Hönow. Trenpuiikt Bahnhof Lichtenberg.Friedrichsfelde Freitag, 15. Januar. Bertis. 16.05 Kur« Doerry; Hoekeysport. 16J0 Rom« Totenberg. Violine, riflgel: H. Steiner, t. HlndeJ: Sonnte C-Dor. 2. Bohnke: Solosonate op. 15. Nr. 1. 3. Srytnanowsky: 2 Stücke. 17.00 Schumann, Schubert; Lieder. Maria Basca, Alt Am riBgel: Heiorich Steiner. 17.30 Karl W. H. Koch: Airikanlscfae Menschenaffen. 18.00 Anton Erkelenz: Das neue Buch. 18.10 Heinz Llepmann: Eigene Prosa. 18-35 Interview der Woche. 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Die Eunk-Stunde teilt mit 19.15 Teemusik. 19.55 Mitteilungen des Arbeltsamts. 20.00 München: Reichssendung; Jos. Raydn: Sinfonie. 20.30„Freund Nein" von Emil StrauS. Zusammenstellung; Hermann Kasack. Ltg.; Edlet Koppen. 21.30 Zum Zyklus(1789—1815): Musik In Berlin. 22.30 Wetter, Nachrichten und Sport. 22.50 Stunde für die Winterhilfe. Känlgswnstarhanaen. 16.00 Funkpädagogische Arbeitsgemeinschaft. 16.30 Leipzig: Konzert 17.30 Theslng: Entstehung und Wandlung des Qeschlechts. 18.00 F. Derlin: Der Handwerker tn der Krise. 18.30 Mersmann: HSren musikalischer Formen. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft 19.00 Wissenschaftlicher Vortrag für Aerzte. 19.30 Mfihlacker:..In tyrannos". 20.40 Hamburg: Unterhaltungskonzert. 21-30 Leipzig:„StraBenrondo". iiaali Thealer Freittag, den 15. laaruz staatsoper unter cen Linden 20 Uhr Die schalkhalle Wilwe tostlidaniiialkaiB jeodamia markt 20 Uhr Schiller-Theater üurlettabirj. 20 Uhr Dalterich Slam. Oper Charlottenburg äismareksttaBe 34 Freitag, 15. sanuar Turnus I Anfang 20 Uhr Der Troubadour inde gegen 23 Uhr. Theater am Nallendortplat} Regit: Hilm Sa lealnri Pallas 7051 rggllch 8V« Uhr Stgs auch 4V« Uhr Qasparons VoiHsbUhne Traatir ii BOMatz 8 Uhr Die GroBüeraogln von sierolstela ilaatl. Sdülltf-nnater 8 Uhr Dalterich Rose- iheater inl« fmkfirlr SinSt 13 Id. Wildnd E 7 3427 8.15 Uhr Eins Frau von Format Kgsidufönl Berlins BETRIEB AK KEMPlKSKlU? »•-.Uhr CASINO-THEAlERw, m» Lothringer Strafe S7. iiiiminmiiiiiiniiviiiiiimiiiiiiiiiiumiiiimmiiiiimimiminiiii Nur noch wenigeAutführungen Was man ans Liehe tnl Dazu die Gesangs- und Tanz- Operette Das Schcidnns«- Suaper and der brate Variete-Teil. Jutschein 1-4 Personen: Parkett SO PI. Fauteun I— Mark. Sessel iju Mark. Min cr-MIntai fesche Form, reine Wolle 8r«uen-Hant«l größte Weiten ledan- Msntai r. allen Weiten a 19.rn 29.- 17.» MaSentertlguns besonders <0r stärkere Damen OamMnlntel- FahrlksUsn und Handlung leuterstr. 63 .Ksiw.Fri.d-Str. Paul UN» �» Und Ifl Dein vrlanv nom fo Mein. im Caie§diOncftcrd map l Da Sevelen fein! Inhaber: Wolfgang Crange. 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