Morgenausgabe Sonnabenö ■ff««- �ZZ ■!■«m El I U»» VMWW �. Auswärt pf. lung ins Haus) im norans zahibon JmS I, gW W» HS HB W» RS HB ÜB HS � Vo!lze�ng�u�72�?Pi�ibesn!ll�e.' �KM 1 �Ijjjl i I B B fl B Bj B B B w) B Die- 1 n sp a l � Millimetemeilt zo Pf. bi!I)ren.Auslant'sobonnemen:v SSM. �BWW DBB* Hl BS BB■HB HB BR Hl Bl! IH l Nellamezelle 2.— M.„ft leine An- pro Monat; für Länder mit ermäßig.! �W j �B �B RW WD!. DW BB DW WM zeigen" das fettgedruckte Wort 2» Vf. M■. BLB1 JK> W ffl», y MM M H! MWj ss«farÄm9 * MM( I X*>■ I Worte übet 15 Buchstaben ziilile» für ._........ WM�> f/>7 BB zwei Worte,«rbeitsmarlt Millimeter. Her.Vorwärts erscheint wochentSg» //■> I teile 25 Pf. Fainilienanteigen Milli- sich zwewial. Sonntags und Montags mctetjeile 18-Bf.-Anzeigenannabme eimnol, die Abendausaabe siir BerUn M»_ AJtm*0»»'* im Hauptaeschiist Lindenstraze ll, B-Ä�gä�w*# iödällttd? �BäEtS6S Äentvawrgan der SoziawemoSvatifchen Vartei DeutsOßandS Redaktion und Verlag: Berlin SW 63, Lindenstr. 3 {Untlpi.. Tönboss(A T) 292—297. Telegramm. Adr. l Svitaldemokrat Berlin. Diesmal hatte das Reichsbanner eine seiner großen Versowm- liingen, die es seit kurzem unter der Devise: Wir greisen an! Unser der Staat, unser die Macht! veranstaltet, nach dem Westen in die Spichernsäle gelegt. Auch hier, wie bei allen bisherigen Veran- staliungen, zeigte sich das ungewöhnlich starke Interesse der Bevölke- rung. Als die Beranstoltung pünktlich zur festgesetzten Zeit er- ösfnet wurde, war der große Saal bis hinauf zu den Galerien so gefüllt, daß viele stehen mußten. Mit dem Brucker-Lager-Marsch, schneidig und flott von dem Rcichsbanncr-Tambourkorps Tiergarten unter der Leitung des Kameraden Fengler gespielt, wurde die Beranstoltung eröffnet. Kreislciter Kamerad Holze vom Kreis Tiergarten sprach einige Worte der Eröffnung und Begrüßung. Dann betrat der mit größter Spannung erwartete Gast Pater Innerkofler vom Hilfs- bund für Südtirol aus Wien das Podium. Eine Beifallssalve empfing ihn. Freundliche Zurufe grüßten ihn. In eine schlichie fllfwarze Priestersoutane gelleidet, steht, freundlich und doch Ernst im klugen Antlitz, der unermüdliche begeisterte Borlämpfer für das Deutschtum bi Südtirol vor den Bersanunelten. Drei Worte spricht«r nur und hat sofort mit einer himior- vollen Bemerkung die Versammlung für sich. Er meint, er habe von der Reise aus dem Süden heraus einen Kapuzinerschlucken mit- gebracht, d. h. er sei ein wenig heiser, und die Versammelten mögen das entschuldigen. Dann sosort eine weitere Freundlichkeit, die Frage: Vorsteht man mich auch guat, und als vielstimmig„Jawohl" zlirücktönt, sagt er gemütlich:. Dann gchts guat. So ist die. Verbindung zwischen Süd und Nord, zwischen Tirol und Berlin sofort hergestellt, und die Versannnlung folgt mit größter Ausinerksamkeit den ganz volkstümlich gehaltenen, mst mancherlei charakteristischen Episoden und Anekdoten gewürzten Ausführungen des Priesters. Ausdrücklich erklärt er zu Anfang seiner Rede: Das Leid in Süd- tirol ist so groß, daß wir keine Zeit haben zu fragen, ob einer schwarz oder rot, marxistisch oder christlich ist. Ich selber gehöre keiner Partei an und will nur von dem Leid meiner Heimat sprechen. Dann ersteht vor den gespannt lauschenden Zuhörern das ferne, schöne, von den Italienern erbeutete Südtirol mit seiner urdeutschen, von dem italienischen Faschismus bis aufs Blut gequälten Bauern- beoölkerung in plastischer Deutlichkeit. In ergreifenden Worten bittet er zum Schluß, Südtirol nicht zu vergessen! Brausender, sich immer miederholender Beifall lohnt ihn. Dann sprach der österreichische Kamerad Dr. Mischt er. « Pater Innerkofler führte aus: Wenn er als katholischer Geistlicher in einer hochpolitischen Lersanunlung das Wort ergreife, so täte er es, weil es sich um eine überparteiliche Frag« handelt, um die Leiden der deutschen Landslcute im faschistisch regierten Südtirol. Ist ein Kind ins Wasser gefallen, dann müsien alle Helsen, die helfen können. Ihr deutschen Brüder könnt Helsen, indem Ihr unsere Leiden verkündet. Die Italienisierung will die deutsche Sprache unterdrücken. Aber jetzt lernen die Tiroler Buben und Mädels gar nichts, weder deutsch noch italienisch! Tirol, seit 1500 Jahren deutsch, soll uin Kultur und Sprache gebracht werden. 1919 freilich haben die Italiener verkündet, daß für sie als freies Volk die Beschuldigung, sie würden die Minderheiten nicht schütze», eine Beleidigung wäre, und das römische Parlament hat verkündet, daß es die Eigenart Slldtirols gelten lasten werde, und vor allem feine Schulen nicht auflöse. Auch der König hat sein Wort verpfändet. Dadurch ist die Tiroler Frage auch Angelegenheit des Völlerbundes geworden, und Seipel beging einen Fehler, als er dem Glauben Ausdruck gab. Klagen über die Behandlung Südtirols durch Italien in Genf würden einen un- freundlichen Akt gegen Rom darstellen. Der Zreundschaslspakt. den Bundeskanzler Schober mit Italien schloß, hat der Unterdrückung nicht abgeholfen, sondern nur den Schaden gehabt, daß die deutsche presse verstummte. Wir sind enteignet worden, wir sind in Armut und Rot gestürzt worden, wir werden durch euie zentralisierte, unserem Volkstum widersprechende Verwaltung unterdrückt, jedes 5lalb, jedes Huhn, jedes Ei wird besteuert. Ungeheuerliche Verwaltungs- st r a f e n werden verhängt, Konzessionen werden jählings entzogen, das faschistische Italien verehrt den Gott Nimm, und wenn der Druck unter dein wir seit 1923 stehen, von manchem Deutschen nicht beachtet wird, wenu sich sogar Deutsche gegen uns wenden(stürmische Bstü- rufe), dam» ist das für uvs bitter.(Pater Iuaerkofler. der die letzten Worte in leideuschasMcher Erregung, ml» erhobenen Händen sprach, werden stürmische ßoefiosen gebrsckst.) Vorwärts-Verlaa G. m. b. H. Man raubt uns die deutschen Namen, Bozen ward Bolzaiw, Meran ward Merano und auf den Friedhöfen muhte der Name Josef durch Giuseppe und Johann durch Giovanni ersetzt werden.(Neue Pwtest- kundgebungeu.) Ein freies Bauernvolk verlor seine Rechte, die es nie mißbraucht hatte, und kann es Deutsche geben, die, nachdem, was wir im Weltkrieg erlebten, an ein bündnis- treues Italien glauben? (Zurufe: Rein, nein!) wir wären Verräter, wenn wir schweigen würden, uod wir können nicht sassen, daß Deutsche so herzlos sind, auf unsere warte nicht zu hören.(Zurufe: Der. sloatenlofc hiller.) Pfarrer, Lehrer, Gemeindevorsteher, Bauern wurden ausgewiesen, die Tiroler werden bedrückt und bespitzelt und leben in Sklaverei. Wir haben keinen Haß gegen das italienische Volk, aber wir glauben, daß Italien sich selb st geschändet hat. (Stürmische Zurufe.) Wir sind 230 000 Deutsche. Nehmen Sie eine deutsche Stadt dieser Größe, die fünf Gymnasien, vier Realschulen, zwei Lehrerseminare und 400 Volksbnrgerschulen hat. Wir Süd- tiroler hatten es. Alles ist ausgelöscht, alles ist fort!(Stürmische Erregung.) Wir vertrauen auf euch, wir bajuvarischen Deutschen, die viel- leicht nicht zur nordischen Edelrasse gehören, kümmert euch um uns, schweigt nicht, vergeht die 20 000 gefallenen Südtiroler nichl. wir gehöre» zusammen, wir wollen zufammeu.(Stürmischer, sich immer wiederholender Beifall.) Kamerad Dr. Mischler stellle in den Mittelpunkt seiner Rede den Beweis, daß nicht die rechtsstehenden Gruppen,, sondern die Linke, das Reichsbaimer, und die republikanischen Parteien die wahren nationalen Belang« vertreten. ,.Wcr sich zu seinem Volk bekennt, ist deutsch. Nicht wer andere Völker haßt, wer sein Volk liebt, ist wahrhaft national. Das schwarzrotgoldene Vamier ist das Banner der deutschen Eiichcit. Und diese Einheit haben wir erlebt, wenn unter diesem Zeichen Reichsdeutsche in Oesterreich, Oester- reicher im Reich waren. Christliche und sozialistische Arbeiter, repu- blikanische Angestellte und Beamte haben gezeigt, daß immer der ärmste Sohn der getreueste war.(Begeisterte Zustimmung.) In Südtirol, im Burgenland, im Sudetendeutschland, in Siebenbürgen haben die Nationalsozialisten immer wieder das Deutschtum verraten. Schießen und Stechen ist nicht deutsch, sondern allenfalls albanisch. Judenpogrome sind nicht deutsch, sondern russisch-zari- stisch, Hicler-Anbetung ist nicht deutsch, sondern byzantinisch, kommt ins Lager der wahren anständigen Deutschen, kommt zum Reichsbanner. kommt zur Eisernen Front!"(Immer erneuter, lang an- hellener Beifall!) Mit dem gemeinsamen Gesang des Reichsbannerliedcs schloß die erhebende Kundgebung. Frick, Hitler und die DAZ. ' Ausflüchte flatt Klarheit. Als Antwort auf die Enthüllungen des„Deutschen" über das Komplott der Harzburgcr zur Präsidentenfrage wird die folgende nationalsozialistische Verlautbarung verbreitet: Wie die Pressestelle der Reichsleitung der NSDAP, mitteilt, sind die von verschiedenen Blättern verbreiteten Meldungen, daß in den Verhandlungen um die parlamentarische Verlängerung der Amtszeit des Herrn Reichspräsidenten seitens der nakionalsozialisti- scheu Parteiführung über die Ka n d i d a t c n f ra g e siir die ver- sassnngsmäßige B o l k s w a h l verhandelt oder auch nur g e- sprachen worden sei, völlig unzutreffend. In den Ver- Handlungen habe nur die Liquidierung der..verfehlten Brüning- Aktion" in einer für die Interessen des deutschen Volkes erträglichen und angemessenen Weise zur Debatte gestanden. Darüber hinaus habe die NSDAP, zur Bolkswcrhl selbst in den Verhandlungen keinerlei Stellung genommen und sich ihre Entschlüsse vor- behalten. Das Deutsch dieser Verlautbarung ist herzlich schlecht, und der Inhalt ist dunkel. Zielt diese Verlautbarung auch auf Herrn Frick? Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" will folgendes wissen: „Wie wir von gut unterrichteter nationalsozialistischer Seite erfahren, ist aber auch die zweite Rede Fricks mit der Ankündigung einer Sonderkandidatur von der Partei- leitung nicht gebilligt worden. Es empfiehll sich nicht, an die hier offen zutage tretenden Meinungsverschiedenheiten allzu well- gehende Schlußfolgerungen zu knüpfen: doch kann kein Zweifel herrschen, daß Adolf Hitler sich in dieser Richtung nicht zu übereilten Handlungen drängen lafsen will." Herr Frick redet für die NSDAP., grob, deutlich und gleich zweimal. Die Nazipressestelle macht Ausslüchte und Her? Hitler flüchtet in die Postscheckkomo: Berlin 27 530.— Bankkonto: BankdcrArdeltcr, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 8 Dt. B.u.DiSc.-Gef., Deposiienk.,JerulaIeiner Str. 05/00. Sie wollen die Niederlage! Das Kesseltreiben der».Nationalen". Brüning rüstet zur Konferenz von Lausanne. Er hat zu ihrer Vorbereitung die deutsche These über die Reparations- frage mit solcher Schärfe vertreten, daß man in Pqris in helle Aufregung geriet, ja, im ersten Schreck meinte, in Deutsch- land sei schon die Hitlerei ausgebrochen. In diesem Augenblick fordert die„nationale Opposition" den Rücktritt Brünings. Hier wiederhol! sich, was wir schon dntzendmal erlebt haben. Während die Leute, die Gefühl für Verantwortung haben, harte Arbeit leisten, um Deutschlands Lage zu er- leichtern, benutzt eine verantwortungslose Opposition die außenpolitische Situation nur zum Sprungbrett für ihr inner- politisches Machtstreben. Spaßeshalber nennt sich dann diese Gesellschaft sogar„nationale" Opposition. Ganz Deutschland will die Endlösung, will die Streichung aller Kriegsschulden, die Besreiimg von den Reparationen? Wirklich ganz Deutschland? Oh nein! Den„Nationalen" würde dos ganze Geschäft verdorben sein, wenn Brüning mit der„Endlösung" nach Hause käme! Sie wollen nicht den deutschen Erfolg, sie wollen die deutsche Niederlage. Ja, sie tun alles, um die Niederlage her- beizuführen. Denn auf der einen Seite versuchen sie die Re- gierung zu einem Vorgehen zu verleiten, das, wie jeder ver- nünftige Mensch weiß, zur Niederlage führen muß, aus der anderen Seite tun sie alles, um die Stellung der eigenen Rc- gierung im Auslände und dem Auslande gegenüber zu unter- graben. Siehe die anmutigen Geständnisse des Herrn Alfred Rosenberg über sein Treiben in London! Wie stehen denn die Dinge? Deutschland kann nicht zahlen, das weiß jeder Deutsche, jeder Engländer, jeder Franzose, darüber gibt es keinen Streit. Deutschland wird auch nach Ablauf des Hoover-Jahres nicht zahlen können— auch darüber herrscht nur eine Meinung. Deutschland hält es aber für notwendig, jetzt schon ein Einverständnis darüber zu erzielen, daß es auch später nichts mehr zu bezahlen braucht. Dieses Einverständnis zu erzielen wäre leichter, wenn Amerika seine Schuldner freiließe, denn dann könnten sie ohne Schaden auch als Gläubiger Deutschlands großzügig sein. Aber Amerika läßt einstweilen seine Schuldner nicht frei. Da- durch wird es ihnen schwer gemacht, auf Ansprüche zu ver- zichten, die recht zweifelhafter Natur sind, die aber später ein- mal doch wieder einen gewissen Wert bekommen könnten: die Ansprüche an Deutschland. W i r sagen ihnen:„Laßt euch von uns nichts bezahlen und bezahlt auch nicht!" Das wäre der europäische Schuldner- generalstreik gegen Amerika. Werden sie sich zu ihm ent- schließen? Auf alle Fälle: Die Befreiung Deutschlands vom Boung- Plan ist nur mit Zustimmung Frankreichs möglich. Das kann niemand bestreiten, denn wenn Frankreich auf die Ansprüche aus diesem Vertrag nicht verzichtet, dann bleibt alles in Schwebe, dann wird die Wirkung, die von der Strei- chung der Reparationen erwartet wird, die Sicherung und Belebung der Wirtschaft, nicht erreicht. Wenn man von der deutschen Regierung verlangt, sie solle ohne Verständigung mit Frankreich die Streichung der Reparationen durchsetzen, so kann man genau so gut von ihr verlangen, sie solle an einer Stange aus den Mond klettern. Wer von der deutschen Regierung verlangt, sie solle aus Lausanne die Endlösung mitbringen und wer dabei im gleichen Atemzuge die Verständigung mit Frankreich für Landesverrat erklärt, der weiß nicht, was er will. Oder viel- leicht, weiß er es doch? Dann will er eben den diplomati- scheu Mißerfolg, will er die Niederlage der eige- neu Regierung, weil er sich von dem Schaden, den Deutschlaich hat, Nutzen für seine Partei verspricht. Man erklärt sich mit der Regierung unzufrieden, weil sie sagt, daß Deutschland nicht zahlen kann, und man versichert pathetisch, daß Deutschland auch nicht zahlen wird und daß es nicht zahlen will. Auch solche Versicherungen können — das Vorhandensein eines gesunden Hirnes vorausgesetzt— nur von Leuten abgegeben werden, die der Regierung absicht- lich das Verhandeln erschweren wollen. In dem Augenblick, in dem alle Well zugibt, daß Deutschland nicht zu zahlen braucht, well es nicht zahlen kann, soll sich die Regierung hinstellen und sagen:„Auch wenn wir zahlen könnten, würden wir nicht zahlen!" Eine deutsche Regierung, die sich aus Dummhell oder Feighell solchen unsinnigen Forde- rungen fügt, hoffen wir nicht zu erleben! Wir hoffen auch Neichsbannerkundgebung gegen nationalsozialistischen Verrat. nicht die Folgen zu erleben, die eine solche» Politik der Provo- tationen nach sich ziehen würde! So unsinnig das Verhallen der„nationalen Opposition" in außenpolitischer Beziehung ist, so schloer ist es überlegt als innenpolitischer Plan. Alle Tixiber und alle Hunde sind auf dein richtigen Platz, um. wenn es losgeht, das Wild vor den Flintenlauf zu bringen. Man hetzt die Regierung in eine unmögliche Situation, versieht sie mit unmöglichen Ratschlägen. unterwühlt nach Kräfte« ihre Stellung im Ausland. indem man versichert, sie sei nicht mehr verhandlungsfähig— — und nachdem man alles getan, um die Niederlage herbei- zuführen, bereitet man auch alles vor. um über diese Nieder- tage die Regierung zu stürzen. Bis dahin muß feste gelogen werden:„Die Sozialdemo- kratie will die Unterwerfung!"„Die Regierung ist zu schlapp!" Dolchstoßlegenden werden fabriziert am lausenden Band und auf Vorrat. So las man beispielsweise gestern im„Angriff": Die regierende Sozialdemvkraite bildet sogar eine„Eiserne Fron t" zur Lersrändigung mit Frairkrejä), zur Eintreibung der Tribute. Verräterisches Rheiiibüvdlertum von Schwarzen imd Roten verpestet die Atmosphäre. Diese kreise werden Schuld tragen, wenn die Tribulkonscrenz keine Befreiung vom Joungplan bringt. Schon heute müssen sie vor dem Volke in Anklogezufland vorseht werden! Das ist die bolschewistische„Entlarvungsstrategie", ins Nationalistische übersetzt. Der Reichskanzler Bxuning steht vor einer sehr schweren außenpolitischen Aufgabe— vor einer unlösbaren sogar, wenn es ihm nicht gelingt, zunächst das innenpolitische Vorfeld zu bereinigen. Wird der„Frontsoldat", der Mann mit dem„Mut zur Unpopularität". den Mut dazu auf- bringen? Bringt er ihn nicht auf, gelingt es ihm nicht, noch recht- zeitig das Netz zu zerreißen, das um ihn gesponnen wird, so wird er darin erwürgt werden. Es geht aber nicht nur um fein eigenes, es geht um das Schicksal des ganzen Volkes. Aufgabe und Pflicht des verantwortlichen Staadsmannes ist, die Nation vor ihrem Berderber zu schützen: dem Ratio- n a l i s in u s! Hitlers englischer Lobredner gegen Deutschland. London. 15. Januar.(Etgonberichs.) Die reaktionäre..Daily Mail", die bisher aus ihrer Sympathie für die hitlerianer nie ein hehl gemacht hat, hak seht eine Kampagne eröffnet, die dartun soll, daß Deutschland die Reparationen nicht nur zahlen könne. sonderu im englischen Interesse auch zahlen müsse, da soust die deutsche Wirtschast durch die Reparatiousenllasluug vor der englischen einen gefährlichen Konkurreuzvorfprung gewinnen würde. Das Blatf versteift sich gar zu der für die englische Industrie uichl sehr ichmeichelhaflcn Behauptung, daß der Erlaß der Reparatioaeu die britische Industrie ein für allemal auswischen würde. Als Kronzeuge wird der englische Experte des Baseler Komilee». Sir Walter Laytou. herangezogen. L a y t o n hat in einer Rede festgestclU, daß nach der Streichung der Reparationen und Kriegsschulden die englische, größtenteils während des Krieges angehäufte Staatsschuld pro Kopf der Levölkerung eiwa da» Zehnfache der deutschen uud das Dreifache der amerikaaischea und französischen Belastung durch die Staatsschulden ausmache. Lies« Feststellung hat aber Sir Walter Layton nicht verhindert, in derselben Rede zu sagen, daß es im höchsten Grade wünschen»- wert sei, wenn man durch ein gemeinsames Uebereinkommen reinen Tisch mit Reparationen und Kriegsschulden inochen würde. Um diesen Teil der Rede kümmert sich die„Daily Mail" nicht. Sic oerhält sich, als habe sie schon die viel erörterte Tatsache vergessen, daß gerade die Reparationszahlungen den der englischen Industrie gefährlichen Konkurrenzdruck hervorrufen und als wisse sie nicht, daß Deutschland seine inneren Kriegsschulden, die ursprünglich den englischen um nichts nachstanden, durch den radi- taten Prozeß der Inflation, Vernichtung aller Ersparnisse und Proletaristerung ganzer Volksklassen abgeschrieben hat. Ein ein- foches Rechenexcmpel ergibt überdies, daß die deutschen Reparation»- Zahlungen, um dieselbe Belastung pro Kopf der Bevölkerung wie die englische Kriegsschuld zu erreichen, das Vierfache der jetzigen Aoung-Annuitatcu ausmachen müßte. Im übrigen ist über die Reparatwnssrag« in England zu melden, daß am Freitag nicht nur Beneduce, der italienische Reparationssachverständige� mit seinem Kollegen die zuständigen englischen Minister sowie Sir Frederic L e i t h- R o tz vom Schatz gesprochen hat. Ferner Hot sich der Ralionalötonom Seynes mit der Auffassung der Eily einverstanden erklärk, daß die Lausann« Konferenz am besten verschoben würde und vorerst nur ein Akora- torivm bi» zum Ende de» Zahre» vereinbart werden solle. Belgien nicht im Schlepptau von Frankreich. Brüssel. 15. Januar.(Eigenbericht.) Der Pariser„T e m p s" enthält in seiner Freitogausgabe einen langen Bericht aus Brüssel, in dem in sehr bestimmter Form, die aus eine offiziöse Quell« schließen läßt, der angebliche Stand- punkt der belgischen Regierung in der Reporo- tionsfrage dargestellt wird. Inhaltlich deckt sich dieser«rngeb- liche belgische Standpunkt mit dem, was man in der Pariser osfi- ziöfen Presse als den Standpunkt der französischen Regierung be- trachten müßte. In dem„Ten>ps"-Artikel wird vor allem behauptet, daß die belgische Regierung keine einseitige Verleugnung de» Noung-Plans dulden und gegebenenfalls mit anderen Mäubigerstaaten zu S t r a f- maßnahmen insbesondere aus wirtschaftlichem Gebiete schreiten würde. Im übrigen will die belgische Regierung nur einem Moratorium von ganz kurzer Dauer zustimmen und namentlich angesichts der Haltung des amerikanischen Kongresses zunächst keine endgültige Lösung zulassen. � Zum Schluß kommt der „Temps" zu der Folgerung, daß die allgemeine Streichung nur unter dem Vorbehalt akzeptiert werden könne, daß Belgien und/ Frankreich für die Herstellung der zerstörten Gebiete noch während einer Reihe von Jahren entschädigt würden. Dazu erfährt der Korrespondent de»„Soz. Presiedienst" tu Brüssel von gul unlerrichteler Seite, daß die Darstellung des .Temps" in keiner weife wil der Aussasfung der belgischen Re- gierung übereinstimmt. In Wirklichkeit hat dl« belgisch« Regierung zu der Frage überhaupt noch nicht endgültig Stellung genommen. Mit Bestimmtheit wird vielmehr versichert, daß »och t.?r Aufsassung der belgischen Regierung zur Stunde gar lein Anlaß vorliegt, sich darüber den Kopf zu zerbrechen, ob und welche Sanktionsmaßnahmen für den Fall zu er» greifen wären, daß Deutschland seine Reparationwerpslichtungen Go begann das Dritte Mich! Eine Giudie aus Mecklenburgs ersten Amtsveriretersihungen. Grevrsmühlen. 15. Januar.(Eigenbericht.) Fast überall fanden üi Mecklenburg die ersten Sitzungen der neuen Amisvertreter statt. Fast überall rückten die von den ver- schluckten Rechtsparteien dickbäuchigen Nazis als die lautesten in das Amt. Fast überoll gelang es ihnen, mit dem kläglichen Rest der Rechten ihr Regiment anzutreten, ihren Willen durchzusetzen. Da es sich allgemein um die gleiche Tagesordnung handelte: Wahl des Amtshauptmannes, seines Vertreters und der Aus- s ch Ü s s e, so mag ein örtliches Bild genügen, um einen Eindruck über die allgemeine Situation zu erhalten. „Weh euch, Sauer! Weh euch Amtshaüptmonn Lüben! Di« erste Laterne für euch!" Mit diesen Worten führt« der Obernazi, Gauleiter Hildcbrandt, hier bei uns seinen Wahlkampf, seinen „heiligen Kamps gegen das marxistische Bonzentum und seine korrupte Krippen- und Parteibuchpolitik!" Jetzt fand, wie überall, auch bei uns die erste A m t s v e r- tretersitzung statt. Die Nazis hatten ö, die Rechte i(vorher 7), wir 5(6) und die Kommunisten 1(li) Vertreter gesandt. Jetzt sollt« die„neue Aera", das„Dritte Reich" beginnen! Deutschland er» wache!" hatte nian überall tage- und wochenlang geschrien. Sie haben Erfolg gehabt damit— nur nicht in ihrem Sinne! Der Amlseinwohner hol bei etwas gutem willen und etwas klarem Verstand überoll schon nach der ersten Sitzung erkennen müssen, daß er einem unerhörten und wüsten Schwindel zum Opfer gefallen ist! Die Wahlen sollten Platz schassen„für Männer, die aus Kampf und Glauben zusammengeschweißt", wie die Ostpreußische Land- wirtschustskannncr(a. 2.) sagt, oder wie der Obernazi im Prozeß um die Schande vom Kurfurstendomm sich ausdrückte, für Leute, die man„am aufrechten Gang als unsere erkennt"! Man hätte also mit Recht erwarten müssen, daß von den Nazis fünf Hünen mit klaren blauen Augen, semmelblondem Haar und scharfen Ge- sichtszügen einen imposanten Einzug gehalten hätten! Aber nichts davon— zwei unter der Wachstumsnorm stehende, der dritte und älteste ein auffallend kleiner dicker behäbiger Herr, der vierte«ine long aufgeschossene auffallend hagere Gestalt mtt Augensäckchen und verschlafene» Gesichtszügen, der fünfte eine zwar kräftige Figur, aber mtt aufsollend jugendlichen, von keinem Innenleben gezeichneten Gesichtszügen— alles Dutzendware, Ramsch! Und das nach solchem Tamtam! Die'meisten von ihnen haben weder Krieg noch Inflation, noch sonst all das Elend einer kapitalistischen Weltordnung bewußt erlebt, da sie noch klein waren damals. Die anderen aber haben auf Grund ihres Milieus weder Sinn noch Verständnis für solche Gedanken— dürfen es auch go? nicht, um nicht Stellung und Beruf zu verlieren! Nur einer ist Arbctter, und auch dieser gehört«— o Ironie des Schicksals— bislang zu uns! Und die Einstellung dieser„Eltte deutscher Art" zu der in heutiger Aett, weiß Gatt, besonders ernsten Arbettsstätte, an die sie berufen? Wie sahen sie das Amt, das besonders dort zur unentbehr- lichen Einrichtung geworden, wo der kleine und der klcmst«, der Acrmste der Armen einer verpfuschten Wirtschaft, ja oft sogar einer verpfuschten Persönlichkeit so unbedingt mtt Leib und Seele ver- schrieben, wie auf Mecklenburgs Rittergütern und Bauern stellen? Die heutig« Zeit besonders bringt täglich Beispiele der geistigen, seelischen und materiellen Not, denen unser« Volksgenossen hier auf dem Lande oft schütz- und rechtlos preisgegeben! Alle, sogar meine Fraktionsfreunde mtt wstt. wett weniger Ein- kommen als ich und«in großer Teil der Nazis, waren in ihren Sonntagskleidern erschienen, um dem ihnen selbstverständlichen Ernst der Sttuation und Arbeit schon rein äußerlich Rechnung zu tragen! Die Reiniger und Retter deutschen Wesens aber, diese„Essenz jeder und aller nationalen Ehre und Würde" erscheint zum Teil in ihrer mostrichsarbenen Parteihose oder Kniehose und Wadenstrümpfen. Nur einer, der ollere behäbige Herr Landwirt geht gut gekleidet. Mein Gegenüber kommt dagegen sogar in Kniestiefeln und derartig dreckigen Fingern und Nägeln, daß man, falls überhaupt nach der Sitzung noch Appetit zum Essen geblieben, man sich bemühen muß, sie zu vergessen! Der„Wortführer"— die anderen vier haben während der ganzen Tagung kein Slerdenswörtlein verbluten lassen— muß sich von uns sagen lassen, ihm erscheine da» Amt mit seiner ernsten Arbeit wohl mehr als ein Zirkus, da er andauernd grinset Man stelle sich da», bitte, einmal vor: Der verzweifelte Mtttelstond hat sie in letzter Minute und letzter Angst gerufen an einen bitter- ernsten Posten, zu einer bitterernsten Arbeit— st« kommen, als ginge es zum Spargelstechen—---- und grinsen, grinsen, grinsen! Entsprechend dieser verantwortungslosen Einstellung ist auch ihre ganze Arbeit! Der bisherige Amtshauptmann ist 68 Jahre. Als Jurist steht ihm seit langem ein Regierungsrat zur Seite. Da man doch über kurz und lang eine Neuwahl vorzunehmen hat, falls der bisherige bleibt, ist die gewiesene und verantwortungsvolle Lösung nur die Wahl des»ingearbeiteten bisherigen Regierungsrats zum Amtshauptmann. Aber schon darin, daß die Nazis, obwohl dieser Herr bestimmt nicht„marxistisch" angehaucht, einen eigenen Vorschlag machen müssen, liegt eine derartig verantwortungslose Demagogie uud Krlppen- Politik, die sogar wir verfluchten Warxisten gegenüber den Amts- iusassen eiofach nicht verantworten konuten! So bekamen die Rechten mit unserer Hilfe ihren vernünftigen Vorschlag durch. Wir wiesen dem Nazi die Tür— ich glaube das einzige Amt in Mecklenburg, wo es geschah! Wir schützten die Wähler vor dem verheerenden Unfug ihrer eigenen Abgeordneten. Wir sparten deni Amt und seinen Steuerzahlern für die sechsjährige Periode rund 36000 Mark. Unser Vsrant- wortungsgefühl mar, wie parteiüblich, größer als das Partei» interesse, denn wirklich liebend gern hätten wir mitgeholfen, den Ztaziwähiern die quittierte Rechnung über ihr Wahlveiholten zu verschaffen! Aber eine bodenlos taktische Dummheit begingen diese Retter Deutschlands zu unserer Freude doch: sie drängten uns zwar aus jeder Verantwortung restlos heraus, aber sie haben damtt ihr größtes Propagandamittel über Bord geworfen, uns für jeden Dod und Deubsl, für alles Wellgeschehen verantwortlich zu machen! Alles mußte fliegen, was nicht Hakenkreuz trug oder nicht in dem kläglichen Rest der Rechten sah, auch wenn die„nationale Gesinnung" noch so feststand! Die Rechte stand unter polizeiwidrigster Suggestion der Nazis und mußte mttmachen! Ein Pastor gor, ein bekannter noch, der lange„Auzschub"-Pulver roch— er mutzte dahin! Dafür Holle man aus einer entfernten Stadt einen anderen Pastor? Der trug wenigstens das Hakenkreuz und hatte ja somit besonders heftig gegen marxistische Parteibuchpolitik gegeifert! wachten auch den eigenen Wählern noch so viele Mehrkosten erwachsen durch den Ersah hiesiger Ausschußmitglieder durch oft weil entfernt wohneode Parteibuchbonzen mit Hakenkreuz— wozu bekämpft man Bonzentum und Korruption! Laßt doch das Bürgertum— diesen„stinkenden Misthaufen", wie ein Ober-Obernazi es einmal bezeichnete, für seine Dummheit, Nazi zu wählen, geirost blechen! Eine Liebe ist schon der anderen wert! Zum slellvertreteodea Amtshauptmann wählte mau mit Hilfe der Rechten(wir enthielten uns bald jeden Vorschlages und jeder Handlung) einen für dieses Amt viel zu jungen, unerfahrenen, unbekannten, also wirklich ungeeigneten Mann. aber dafür, was wichtiger, einen Parteibonzen! Tauscnde von Ge- schäftsleuten und Mittelständler haben die Naziliste gewählt. Als ob unter diesen vielen wirklich nicht einer wäre mtt Persönlichkeit. Verantwortungsgefühl und Können! Gewiß schon— aber nicht alz eingeschriebenes Mitgliedl Andere„durfte" man„grundsätzlich" nicht wählen! Und trotzdem schlug man ewmol aber ganz gehörig daneben: Da die Nazis für den Beirat zum Kriegsbeschädigten« Fürsorgeausschuß begreiflicherweise keinen Vorschlag machen konnten, well ihr« Jugend keine Kriegsverletzungen aufzu- weisen hat. nennt der Amlshauptmann als Wortführer einige Namen. Einer der Vorgeschlagenen Hot einen Sohn in vorderster Linie der Httler-Bewegung stehen— also ein Name mit Naziklang! Sofort findet seine Wahl stall! Gerne greift man zu! Im Zuhörerraum aber setzt sofort«in furchtbares Brüllen ein! Glocke des„Präsi- denten"! Was»v«?«Der Ist so«ingeschriebeucs Mitglied der SPD.!' Verlegenheitspause!— Zu spät— et ist gewählt! „Nun," meint sich selber tröstend der Nazisuhrer.„was ist denn schon dabei!"— Schon recht— aber warum nicht immer so?! Aber was sollt« man machen! Die Vorschläge kamen immer zögernder. die Zahl der verfügbaren Kräfte wurde knapp und knapper! Und in dieser Totsack)« liegt für uns dos günstig« Zeichen: Viele Wähler — wtnig gefährlich« Mttglieder— viel Geschrei und wenig W o l l«: als ob ein Schwein geschossen würde! Das beweist auch der Umstand, daß alle„Vertrauten" vorher nach Schwerin kominm und sich genau auf einen Zettel schreiben mußten, was ss« sollten— man traute ihnen von oben nicht! Man konnte sich am Schlüsse der ganzen Tragödie des Eindrucks nicht erwehren, daß all dies Geschehen die nielen blutjungen M't- läufor— ander« Nazis sah man nicht— selber enttäuscht hatte. Sie wußten nicht, ob sie lachen oder gar weinen sollten. Möge es bald überall so sein und bleiben! dl. hlez'er.'.�mtsvortreter. Nozi-Enttäupchung in Rostock. Rostock, 1Z. Januar. Die neue Amtsoertreteroersamnllung des Amtsbezirks Rostock wählle mtt den Stimmen der Bürgerliche» und der Sozialdema- kraten den bisherigen deutschnationalen Amts- Hauptmann Ihlefeldt gegen die Nationalsozialisten und Kommunisten wiederum zum Amtshauptmann. Bei der Wahl der Amtsausschußmitglieder ergab sich in allen Fällen Stimmengleichheit, so daß dos Los entscheiden mußt«. Es fiel in sedein einzelnen Falle auf einen nationalsozialistischen Äandi- daten, so daß sich der gesamic Amtsausschuß nur aus Nationalsozia- listen zusammensetzt. Auch in die übrigen Ausschüsse wurden vor- wiegend Abgeordnete der Rechten gewähll. durch einen einseitigen Willensakt verleugnet. Rur soviel ist richtig. daß die belgische Regierung bei der anerkannten Gewißheit, daß Deutschland gegenwärtig nicht zahlen kann und die Vereinigten Staaten sich unnachgiebig zeigen könnten, mit großer Sorg« die schweren finanziellen Folgen der verschiedenen Möglichkeiten sieht. Konflikte, die gelöst werden müssen. pari». 15. Januar.(Eigenbericht.) Den gewissermaßen offiziellen Standpunkt der französischen sozialistischen Partei zu den Erklärungen Brünings in per Reparationsfrage fetzt der Abgeordnet« K r u m b a ch in der am Sonnabend erscheinenden Nummer der Wochenzeitschrift „Lumiere" auseinander. Grumbach stellt zunächst fest, daß die Mitteilungen der eng. lisch«« R«ut«r-Agentur über die Unterredung Brüning- Rumbold, die nach seinen Ermittlungen auf eine Indiskretion zurückzuführen seien und den Reichskanzler selbst in Erstaunen ge- setzt haben, in allen Kreisen Frankreichs«in« ungeheure Ver- wunderung, ja sogar Bestürzung hervorgerufen haben, und daß entgegen den Mitteilungen der deutschen Press«„in Frankreich absolute Einstimmigkeit darüber bestanden habe, die dem Reichs- kanzler zugeschriebene Haltung als unzulässig zu bezeichnen". Dann geht Grumbach auf da« Interview«tn, das Brüning nach der Ver- öffentlichung der Reuter-Melduug hat verbreiten lasse» und erklärt dazu, daß die darin von Brüning gebrauchten Worte sich erheblich von der Formulierung der Reuter-Meldung unterscheiden. Di« These de? Reichskanzlers sei„Ich kann nicht mehr zahlen" und nicht „Ich will nicht mehr zahlen". Man könne, so fährt Grumbach fort, über die Zweckmäßigkeit selbst dieser Formel streiten. Auf jeden Fall habe sie nicht denselben Charakter wie das Telegramm des Reuter-Büros. Dieser Zwischenfall könne vielleicht ein« heilsame Wirkung haben, denn er werde einem großen Teil des deutschen Volkes, das der Republik, der Demokratie und dem Frieden treu bleibt, gezeigt haben, wie sehr«s unrecht haben würde, in der Reparations- und Abrüstungsfrage gewisse übertrieben« For- mein des Httler- und Hugenberg-Rationalismus zu übernehmen. Wie ernst aber auch die Lage und der Rückschlag sein möge, den die Idee der Zusammenarbeit zwischen den Völkern und besonder» zwischen Frankreich und Deutschland durch die Erklärungen Brünings erlitten habe, so sei doch noch nichts Unheilbares ver» l o r e n. Je mehr die von beiden Parteien verteidigten Thesen sich zu widersprechen scheinen, desto mehr seien die ver- antwortlichen Führer verpflichtet, zu verhin- der«, daß dies« Widersprüche sich in unlösbare Konflikte umwandelten. Wenn man nicht mit nalionalistifcher Blindhett ge- schlagen sei. sondern kaltes Blut bewcchre und den loyalen Willen habe, über all« Schwierigkeiten hinweg zu einer Verständigung zu komme», dann gebe es Äsungen für alles. Verhinderte Vorstellung. Theaterdirektor Hitler: �Hochverehrte Herrschaften! ltnsere Revue»Köpferollen im Dritten Reich" muß abgesagt werden. Trotz aller unserer Bemühungen geht der eiserne Borhang nicht hoch." SA. mit der Pistole. Abermals ein Lteberfall-Gchwindel aufgedeckt.- Wie die Verlustlisten der Hitler- Partei entstehen. Reichsgericht! Was man nachgerade schon gewohnt ist. Leipzig. IS. Somu». In einer nationalsozialistischen Aersammlung zu Bottrop hatte sich im Fehm« v. I. der Ingenieur Hamacher als Versammlungsleiter mst der Politik des Zentrums auseinander. gesetzt. Dabei sagte der Redneaz bei der Rheinlandbesreiungsfeier seien für Dienstflaggen 18000 M. aufgewendet worden. „Nur damit man diese Lappen zum Fenster hin- aushänge�. Wegen dieser Aeußerung erfolgte Strafanzeige. Das Landgericht Esten setzte sich in seiner Verhandlung am 12. Ollober zunächst mit der Frage auseinander, ob es sich in diesem Falle um ein Hoheitszeichen der Republik handele, dos be- schimpft wurde, und kam zu dem Ergebnis, daß dies nicht nach- zuweisen sei. Selbst wenn man sich ober auf einen anderen Stand- punkt stellen wolle, so folgerte die Strafkammer weiter, könnte eine Verurteilung des Angeklagten doch nicht erfolgen, weil der Ausdruck„Lappen" allein noch keine Beschimp» t u n g sei: eine solche Bezeichnung könne höchstens als Herabsetzung gewertet werden. Es erfolgte Freisprechung. Die hiergegen von der Staatsanwallschaft beim Reichsgericht eingelegte Revision blieb ohne Erfolg. Der 3. Strafsenat stellte sich entgegen dem Antrage des Reichsanwalls auf den Stand- punkt, daß der Angeklagte mit seinen Aeußerungen nicht das vater- ländische Symbol, die Rüchsflogge als Hoheitszeichen, sondern rein materiell nur Stock und Tuch gemeint habe. Durch Verwerfung der Revision bleibt es somit beim Freispruch des Angeklagten. Zm Urteil des Auslands. Eia Aaschist über deutsche Zustände. Der faschistische Abgeordnete Giarratona schrieb dieser Tage in der„Pcovinzia di Bolzano": „Die Nationalsozialisten genießen Sympathien bei der Reichs- wehr und bei den Gerichten". Man rüstet zur Abrüstung. Oos Reichskabinktt bereitet die Konferenz vor. Amtlich wird milgeleiit: Das Reichskabinett beschäftigte sich am Freitag mit der bevorflehendea Abrüstungskonferenz. Botschafter Iladolay erstattete einen au-führlicheu Bericht über den Stand der Vorarbeiten, dem eine eingehende Aussprache folgte. England schlägt Währungskonfereu; vor. Senf. 15. Zaaoar.(Eigenbericht.) ?m Mrtschastskomitee des Völkerbundes hat die englische Au- reguvg, die Möglichkeit einer baldigen Finanz- konfereaz der Regierungen und Roteobauken zu untersuchen, stärkstes Aufsehen erreg«. Zweck dieser Sonferenz soll die gemeinsame Stabilisierung aller Währungen lein. Einen entsprechenden Beschluß hat das wirtschoftskomitee noch nicht gefaßt. Man nimmt hier au, daß der englische Vorschlag zu dem Zwecke gemacht wurde, die übrigen Währungen dem verringerten Stand des Pfundes anzupassen und ein starke» Moment der Unsicher- hei« aus der Weltwirtschaft auszuschalten. (Sozialdemokratie und Reparationen. Vreitscheid gegen die»Tägliche Rundschau". Genosse Breitscheld Hot der„Täglichen Rundschau" die folgende Berichtigung geschickt: Die �Tägliche Rundschau" hat in ihrer Nr. 12 vom 15. Januar 1932 in einem„Intrigen Breitscheids" betitelten Lellartikel eine Reihe von falschen Behauptungen über mich aufgestellt, um deren Berichtigung ich auf Grund dez Preßgesetzes ersuche. 1. Unwahr ist, daß ich in der sozialdemokratischen Reichstags- srottion einen Antrag, der auf eine„scharfe Erklärung gegen die Tribute" hinauslief, bekämpft habe. Wahr ist vielmehr, daß keine Sitzung der sozialdemokratischen Reichstagsfrallian stallgefunden hat, In der dos gegenwärtige Stadium der Reporationsfrage erörtert worden wäre. Unwahr ist, daß es in einer Versammlung zu schweren Zu- sammenstöhen gekommen ist, und daß ich dabei„deullich ausgesprochen" Hab«, daß ich nicht für eine Endlösung, sondern sür ein Moratorium sei. Wahr ist, daß es Zusammenstöße irgendwelcher Art niemals gegeben hat. Wahr ist weiter, daß ich bei Besprechungen, die unter einer Reihe von Mitgliedern der Sqziavemokratischen Partei und der sozialdemokratischen Reichstagsftaktion stattfanden, den Standpunkt, den der Reichskanzler Brüning in seinem WTB.-Interview eingenommen hat, gebilligt und unterstützt habe. Wahr ist fern«, daß ich für den Fall, daß bei der bevorstehen- den Konferenz in Lausanne die von Deutschland geforderte End- läsunz nicht erreicht wird, im Einklang mit allen Beteiligten vor ein«„Zerreißung des Young-Planes' gewarnt habe. Hochrufe auf Liebermanu und Oubois. Kundgebung der gesamten Opposition im Sejm für die Opfer von Brest-Litowst. Warschau, 15. Januar. »ei Beginn der heutigen Sejmsitzung kam es zu einer Sund- gebvng der Oppofilion- Als dl- im Brest« Prozeß vec- urtellte» sozialistischen Abgeordneten Liebermann nnd Dubai, in den Saal traten,«hob sich die gesamte Opposition der Rechten» ndderLintensomiezahlreicheVcrtreter der aalloaale« Minderheiten von ihren Plätzen, n« den beiden Verurtellle» ihre Sympathie und ihr Mitgefühl zu bezeugen. Rufe wurden laut:„Es leben die Brest« Gefangenen!" Sejmmarschall S w i« a l s k i gelaug e» erst nach einige» ZMnnte». die Ruhe mied« h« zustellen, worauf die Sitzung dann ihren Anfang nehmen konnte. Geheimrai Prof. Dr. Georg tesch-ast-i»«. der bekannte Rftcnfe Pädagoge, ist im 78. Lebenswahre i» Münch« verstorben. „Todesopfer der roten Mordseuche'— so liest man fast täglich über den Zeitungen der Nazis. Prüft man die dort angegebenen Fälle nach, so stellt sich mit sellener Regelmäßigkeii heraus, daß nicht die„rote M o r d s e u ch e". sondern die Bewaffnung der Nazis und ihr Herumfuchteln mit Schußwaffen die Schuld an den Unglücks- fällen trägt! ' Wir haben vor kurzem festgestellt, daß der SA.-Mann Stelter, der angeblich von Kommunisten angeschossen wurde und dann im Gerllaudten-Äränkenhaus seinen Verletzung erlag, mm seinem Begieik«. einem Hakeukreuzl«. an» Unvorfichtlgkeik angeschossen worden ist. Wir können heute wieder einen ähnlichen Fäll aufhellen! In den frühen Abendstunden des 6. Januar wurde der 22 Jahre olle nationalsozialistische Zeitungsfahrer Walter Fitzke aus der Seestrahe in Friedrichshogen unweit des Schanungsbergcs in Rahnsdorf mit einem Oberschenkel st eck- schuß von Possanten htlslos aufgefunden. Der Verletzte wurde ins Köpenicker Krankenhaus gebracht. Bei seiner späteren Vernehmung durch Polizeibeamte gab Fitzke an, daß er das Opfer eines kommunistischen Feuer» überfalle? geworden sei. Dieser Darstellung begegnete man sofort mit starkem Zweifel, denn nach dem ärztliche» Untersuchungs- befund war der Schuß von oben eingedrungen. Es konnte sich demnach nur um eine Selbswerletzung handeln. Ms der Hakenkreuzler dann ins Gebet genommen wurde, gestand«. daß« sich die Schvhverletzung durch eigene Unvor- sichtigkeit beigebracht halte. F. gab zu. daß« ständig eine geladen« Pistole in der Tasche trug. Die Pistole war in der Tasche losgegangen und hatte ihn verletzt. Di« Waffe hatte er nach dem Unglücksfalle einem ihn begleitenden Freund gegeben, der sich damit ans seinem Rade schleunigst ent- fernte und den Verletzten sich selbst Überließ. Beide Fälle beweisen nicht die Existenz einer„roten Mord- seuche", sondern die Tatsache, daß di« SA.- Leute ge- wohnheitsmäßig mit Schußwaffen bewaffnet sind! Alionaer Razilokal geschlossen. h u m b u r g. 15. Januar.(Eigenbericht.) I« Altona wurde ein Zt a z i l o k a l durch die Polizeibehörde ans zunächst acht Tage geschlosie». Da» total war in letzter Zeit wied«hol« der Ausgangspunkt mm lleb«fällen auf politische Gegn«. Nazis sprengen Künfller-Versammlnng. Wüste Hetze eines Naziredners. Breslau. IS. Januar.(Eigenbericht.) Heute abend sprach in Heidersdorf. Kreis Nimbsch, der Reichs- tagsabgeordnste Genoste Franz Künstler vor einer Versamm- lung mit weit über 800 Teilnehmern. In der Versammlung befanden sich zirka 100 Nationalsozialisten, die in der Absicht zu stören, dorchin gekommen waren. In der Diskussion sprach nach dem Referat von Künstler der Nationalsozialist Krause aus Reichenbach. Er verleumdete di« Führ« der Sozialdemokratischen Partei. Er kündigte an. daß bald 10 000 sozialdemokratische Funktionäre»uf- gehängt würden. Severing sei ein großer Verräter und Betrüger. Er kam dann auf den aus dem Amt geschiedenen sozial- demokratischen Landrot Genossen Scibold zu sprechen, den er ironisch als den lanberen Genosten Seibold bezeichnete. Bei dieser Gelecpnheit gerieten die Anwesenden in Aufregung. Der Diskussionsredner wurde zur Ordnung gerufen. Er hetzte den- »och weit« und behauptete, daß die Sozialdemokraten von Gold» schrnidt über 300 OCO M.«hallen Härten. Cr wurde daraufhin a m Weiterreden gehindert und es entstand ein allgemeiner Tumull. Bei dem Zusammenstoß gab es einig« Verletzte. Die Polizei löste dann die Versammlung auf. Die Schuld liegt auf feiten der Nationalsozialisten, die in Nach- barlokalen eine Truppe von etwa 80 bis 100 Mann in Reserve gehalten hallen. KpO.-Redner als Einbrecherführer. Zn Essen verhaftet Esse«. 15. Januar.(Eigenbericht.) Der Polizei gelang es. eine Tcrrorgruppe aus- zuHebe«, dl« unter der Führung des berüchtigten frühere« Zellewobmanns der Nazis»nd jetzige« kommunistischen Wanderredners Hilmar Bach seit langer Zeit zahl- reiche Einbrüche verübt hat. 13 Mitglieder der Bande wurden festgenommen, drei konnten sich der Ber- Haftung durch die Flucht entziehen. Es steht fest, daß ans das Konto der Einbrechergesellschaft etwa 30 nächüiche Besuche in Konsumanstalten zu buchen sind. Offenbar sind der Bande auch zahlreiche, in letzter Zeit und früher vorgekommene. Terrorakte zur Last zu legen. Die Entwicklung des Führers der Einbrecherkolonne vom Nazizellenobman« über den kommunistischen Wan» derredner zum gemeinen Verbrecher ist charak» teristisch für den Rechts» und Linksradikalismus von heute. Kommunale Finanzfrage«. Derhandlnngen mit dem ReichSfinavzmimsterivm. Verhandlungen zwischen dem Reichsfinanzministerinm und Vertretern der Städte über die Finanzierung der kommunalen Wahl- sahrtslaslen haben in den letzten Tagen zu zahlreichen Gerüchten über neue steuerpolitische Mahnahmen geführ». Es ist neuerdings von d« Erhöhung der limsahskeu«, von neuen Gehaltskürzungen und ähnlichen Maßnahmen die Rede. Dabei handelt es sich jedoch. wie ausdrücklich h«vorgehoben werden muß, in erster Linie»m Wünsche der int«essierten Srelse. Tatsächlich ist die Situation die, daß da» Reich keineswegs nicht gewillt nnd nicht In d« Lage ist. den Semeinden üb« den ihnen b«eils zur Verfügung gestellten Betrag von 230 Millionen hinaus die Wohlfahrtslaiten abzunehmen. Ebensowenig kommt in diesem Prozeß eine Erhöhung d« Umsatz- steu« oder gar ein Abbau der Biersteuer bzw. and«« Steuer« tu Frage.__ Schlägereien in Berlin. In Steglitz und Pankow. Die Nationalsozialisten hotten zu gestern abend 15 Erwerb s- losenversannnlungen einberufen. In mehreren davon kam es zu schweren Schlägereien. Besonders wüst ging es in Albrechtshof in Steglitz zu, wo man mit Stuhlbeinen aufeinander losging. Ashn- liche Szenen spielten sich � in Pankow, Berliner Straße 102. ob. Mehrere Personen wurden verletzt, 20 sestgenonmien. Reichskanzler Dr. Brüning hat an Brsand anläßlich seines Ausscheidens aus dem Außenministenum ein Telegramm gesandt. in dem er der Zusammenarbeit während des letzten Jahres gedachte und die besten Wünsche für die vollkommene Wied«» Herstellung der Arbeitskraft Driands übermittelte. Briand erwiderte die Wünsche des Reichskanzlers in einem frenndschastlich gehaltenen Antworttelegramm. „Rote Fahne" verbotc». Für drei Tage ist die„Rote Fahne" wegen eines Aufsatzes über den Sparta kusausstond vom Januar 191* verboten worden. Protest der Gewerkschaften. Gegen die Verschleppung der Arbeitszeitverkürzung. Der Reichsarbeilsmmiflcr hak die A r b e i k s j e i l v e r- t ü r z u n g. nachdem sich die Arbeitgeber— wie zu erwarten war— bockbeinig zeigten, auf die lange Bank ge- schoben. Er hält zwar vom Gesichtspunkt der Bekämpfung der Arbeits- tosigkeit aus eine Verkürzung der Arbeitszeit„nach wie vor für dringend erwünscht", aber praktisch tut er zunächst einmal für die Arbeitszeitverkürzung auch„dort, wo es technisch möglich und wirt- schastlich tragbar" ist, so viel wie nichts.„Wann die Arbeiten für «ine behördliche Arbeitszeitverkürzung wieder ausgenommen werden, wird"— so erklärt der Reichsarbeitsminister—„von den Aus- Wirkungen der Notverordnung, insbesondere hinsichtlich der Preis- y e st a I t u n g und von der weiteren Gestaltung des Ar- b e i t s m a r k t s abhängen." Tic Gewerkschaften sind von dieser Haltung des Reichs- orbeitsmimsters recht wenig erbaut. Der Vorstand des Allgs- meinen Deutschen Gewerkschastsbundes hat daher jetzt gegen die Stellungnahme des Reichsarbeitsministeriums durch folgenden, an den Reichsarbeitsminister gerichteten, Brief Verwahrung ein- gelegt: „Mit starkem Befremden hat der vorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschastsbundes Kenntnis genommen von der im Schreiben des Herrn Reichsarbeilsministers an die vere'nigung der deutschen Arbeilgeberverbände ausgesprochenen Absicht, von der der Reichsregierung durch die Rotverordnung vom 5. üuoi 1931 gegebeneu Vollmacht, die gesetzliche Höchstarbeitszeit für eiv- zelue Berufsgruppen herabzusehen, zunächst keinen Gebrauch zu machen. wir können die Begründung dieser Stellungnahme nicht an- erkennen. Die Gestaltung des Arbeitsmarkts, das immer weitere Steigen der Arbeitslosigkeit und die Gewitzhett, daß noch für im Augenblick unabsehbar lauge Zeit mit einer Masseuarbeilslojigkeit gerechnet werde« muh, macht im Gegenteil die beschleunigte systematische Verkürzung der gesetzlichen Höchstarbeitszeit zu einer zwingenden Ro t w en d i g k e i l. Die Tatsache, daß neben den starken kulturellen Störungen der Wirtschast die stürmische technische und betriebswirtschaftliche Rationalisierung in allen Berufen eine der Ursachen der Massen- arbeilslosigkeit ist, ist unbestritten. Damit w'rd die allgemeine Verkürzung der Arbeitszeit immer mehr zu einer der weseullichen Voraussetzungen einer systematischen Bekämpsung der aus der Verschiebung der strukturellen Grundlagen unserer Wirtschaft?- sührung sich ergebenden Arbeitslosigkeit. Der Vorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaslsbundes fordert daher, daß die Reichsregicruug von der ihr durch die Rot- Verordnung vom 5. Juni 1931 gegebenen und ohnehin ungenügend weitgehenden Vollmacht ungesäumt in weitestem Umfange Gebrauch macht und sofort, soweit die Verordnung solches irgendwie zuläßt, die gesetzliche Höchstarbeitszeit auf wöchentlich 40 Stunden herab- setz«" Seit dem Erlaß der vom Vorstand des ADGV. erwähnten Notverordnung sind fast 8 Monat« ins Land gegangen, ohn« daß zur Lösung der Frage der Arbeitszeitverkürzung von der Regierung etwas Ernsthaftes unternomemn wurde. Nach dem Scheitern des Versuchs, im Weg freiwilliger Vereinbarungen mit den Ardellzebern einen Schritt weiter zu kommen, hat der Reichsarbcitsminister wiederholt versichert, daß nunmehr Ernst gemacht werde, für einzelne Berufe die gesetzliche Herabsetzung der Arbeitszeit durchzuführen. Da aber die Arbeitgeber von neuem Schwierigkeiten machlcn, blieb c» bei den Versprechungen. Die hallung des Ministeriums ist imbcgreislich, und die Haltung der Arbeitgeber in einer so brennenden und lebenswichtigen Frage, wie sie d'e Arbeitszeit- Verkürzung darstellt, ist eine Schande. Die Zahl der Arbeitslosen überschreitet die ö-Millionsn-Grenzc, die Arbritszcitvcrkürzilng schiebt man aber auf die lange Bank. Die Entlassungen nehmen zu, Rcueinstellungen«riolgen nur wenige, weil jeder ftörlere Arbeitsanfall durch Erhöhung der Arbeitsstunden der Belsgjchait. die ja meist in sturzarbeit steht, bewältigt wird. Gewiß kann heute angesichts der starken Kurzarbeit eine generelle Verkürzung der Arbeitszeit auf 40 Stunden nicht mehr so starke arbeitsmarktpolitische Auswirkungen haben wie zu der Feit, wo die Gewerkschaften die Forderung nach Einführung der 40-Stunden- Woche ausstellten. Deswegen braucht man aber auf die 40-Ztunden- Woche mcht gleich zu verzichten.„Noch immer", so betont die»Ge- wertjchaftszsitung", das Organ des Allgeineinen Deutschen Gewerkschastsbundes,„kann gerade die Verkürzung der Arbeitszeit«in Mittel s« n>, einer großen Zahl von Arbeitslosen wieder Lebensmut zu geben. Es ist nnverständllch, daß sich das Ar- beitsminnterimn rcsp. die Reichsregierüng immer noch gegen einen Schritt sträuben, der infolge der strukturellen Wandlungen unseres Zlrbcitsavparates eine zwingende Varc.usictzung für die Bekamp- fung der Arbeitslosigkeit ist." Wie lange nock). Herr Reichsarbcitsminister? In Genf für Fünftagewoche. Und in Verlm? Genf, 15. Iamurr. Der Berwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes hat mit 15 gagen 3 Stimmen eine Entichlietzung angenommen, in der allgemein« Richtlinien für die Bekämpfung der internationalen Arbeitslosigkeit festgelegt werden. Es werden folgende Maßnahmen vorgeschlagen: Aushebung der Ueberstunden, die nur in Ausnahmefällen in einem Mindestrahmen zulässig feto sollen: Herabsetzung der individuellen Arbeitszeit in den beschästigleu Industrien anstatt Arbeitercullassuagen: Herabsetzung der individuellen Arbeitszeit in den normal be- fchäftigten velrieben zwecks Einstellung von Arbeitslosen: Falls möglich. Herabsetzung der Arbeitszeit auf die Fünf-Iage- und 40-Stunden-Wochc. Bemerkenswert ist, daß der deutsche Regierungsver» t r« t e r für diese Entschließung gestimmt hat. Die Reichsregierung ist also in Genf für die Fünf-Tagc-Woche. Und in Berlin?... Gegen Not und Diktatur. Eisenbahner in der Eisernen Froni. Der Einheitsverband der Eisenbahner hätte zu gestern abertd im ganzen Reichsgebiet mehrere hundert öffentliche Eisenbahnerverfammlungen einberufen mit dem einheitlichen Thema:.Lim Kamps gegen Rot und Diktatur." In Berlin fanden zu gleichen Stunde drei öffentliche Eisenbahnerverfammlungen statt. In Kliems Festsälen sprach der Bezirksleiter der sreigewcrkschaftlich organisierten Eisen- bahner im Reichsbahndirektionsbezirk.Halle, Landtagsabgeordnetcr Gcnösie Möller, zu den Neuköllner Eisenbohnern. In seiner einleitenden Kennzeichnung der augenblicklichen innen- und außenpolitischen Lage unterzog der Referent besonders die aktuellfte außenpolitische Frage, das Reparationsproblem, einer kri- tischen Betrachtung. Gerode die deutschen Eisenbahner leiden unter dem Druck der Reparationslasten, die aus der Reichsbahn liegen, außerordentlich schwer, so daß sie in erster Linie berechtigt sind, «ine vernünftige Regelung des Reparation»- Problems zu fordern. Die deutschen Eisenbahner wissen aber auch, daß die Liquidierung der Reparationen untrennbar oer- bunden ist mit der Lösung der europäischen und internationalen Kriegsschuldenfrage, was wiederum nür durch die i n t« r- national« Verständigung möglich ist. Mit packenden Worten ließ der Referent die politischen Ereignisse Revue passieren, die sich in Deutschland seit dem Sturz des Kabinetts Hennann Müller zugetragen haben. Diese Ereignisse müßten eigentlich der Arbeiter- schaft die Erkenntnis beigebracht haben, daß es endlich an der Zeit ist, den B r ü d e r k a m p f in den eigenen Reihen einzustellen und gegen den gemeinsamen Feind, die im kapitalistischen Solde stehenden N a t l o n a l s o z i a l i st e n. onzukänipfen, die die in Jahrzehnten erkämpften Errungenschaften der deutschen Arbeiter- schaft in ein Meer von Blüt und Elend ersäufen wollen. Eine Schande für die deutsche Arbeiterbewegung ist es, daß die KPD. den Kampf gegen den Faschismus nicht als die vordringlichst« Slufgabe betrachtet, iondern in der Sozialdemokratie den Haupt- seind sieht. Die Hällenarbci! der Faschisten in Italien wird von Trotzki i» seiner Broschüre„Soll der Faschismus wirklich siegen?"— in klarer Erkenntnis der kommenden Dinge als blasses und humanes Experiment bezeichnet gegenüber der Arbeit, die der deutsche Nationalsozialismus nach seiner Machtergreifung leisten würde. Ein RGO.-Aichänger versuchte in der Diskussion mit abge- dröschenen kommunistische» Wahlpcirolen die Versammlung zu langweilen. Er fühlte sich sichtlich erleichtert, als seine Redezeit ob- gelaufen und zugleich auch sein Repertoire erschöpft war. Musikersäle überfüllt. Einen glänzenden Verlauf nahm die überfüllte Versammlung üi den Musikerfestsälen. M e n d e l- Hamburg referierte. Obwohl eine kleine Gruppe von Kommunisten zu„meckern" versuchten. waren die Versammelten, in dem Bewußtsein der Schwere des Augeirblickp. von entschlossenem Kampfgeist erfüllt, um alle Kräfte einzusetzen gegen den Faschismus. Mit einem eiiunütigen und be- geisterten Hoch auf die Eiserne Front schloß die imposante Kundgebung. Heute finden noch zwei öffentliche Versammlungen der Eisen» bohner in Köpenick und in Tegel statt, auf die wir besonders hinweisen. Ltnberechiigier Mniendruck. Reichsversicherungsamt und Landarbeiter. Das Reichsversicherungsamt hat in einem Schreiben an die Vorsitzenden der Oberversicherungsämter oerfügt, daß mit Wirkung vom 1. Januar 1932 ab eine Neufestsetzung der durch- schnittlichen Jahresarbeitsverdienst« der Land- und Forstarbeitcr vorzunehmen ist als Berechnungsgrundlage für Unfallrenten. Soweit bereits eine Zwischenfestsetzung auf Grund einer Anordnung des Reichsversichcrungsamtes vorgenommen wurde, soll sie, so heißt es in der Verfügung weiter, im Hinblick auf die Bestimmungen der neuen Notverordnung na ch g e p r ü f t werden. Füns landwirtschaftliche Berufsgenossenschaften haben der An- weisung des Reichsoersicherungsamtes bereits Rechnung getragen. üie Form, in der es geschehen ist, fordert zu stärkstem Widerspruch leraus Di« bisherigen durchschnittlichen Iahresarbeitsverdienste lud weiter gesenkt worden. Der Tariflohn eines landwirtschaft- ichen Deputatarbeiters in Schleswig-Holstei» z. B. beträgt ohne fZierdepflegezulage und ohne Erntezuiage, die den Lohn nicht un» '-edeutend erhöhen, 1152 M. Am 30. November 1931 wurde der wchschnitLiche Jahresarbeitsverdienst aber mit Wirkung vom Januar ISA von 1302 M. auf U10 M. herabgesetzt. In Braun- schweig erfolgte eine Herabsetzung des durchschnittlichen Jahres- arbeitsoerdienstcs für männliche Arbeiter über 20 Jahre, und zwar ebenfalls mit Wirkung, vom 1. Januar 1932, von 1095 M. auf 980 M. Der Tariflohn betrögt jedoch 1210 M. ohne Sonder- Vergütung. Für die Farstarbciter ist ein dnrchschniltlicher Jahres- arbeitsverdienst von 1200 M. vorgesehen, während der wirkliche Verdienst zirka 1400 2R. beträgt. Für einen voll Erwerbsunfähigen werden nur zwei Drittel des durchschnittlichen Jahresarbeitsoerdienstes angerechnet. Die Land- und Forstarbeiter erwarten deshalb, daß das Reichsversicherungs- amt seine Verfügung zurücknimmt und die Obervcrsicherungs- ämter endlich anweist, keine Festsetzung zu genehmige», die sich unter dem wirklichen Verdienst bewegt. Ein erfolgreicher Gireik. Im Baugewerbe wollten die Unternehmer der Bezirke Potsdam, Nowawes. Kap u ich, Michendorf und S a o r m u n d, wo die Lohn- und Zlrbeitsbcdinxungen seit Jahren durch den Bezirketarisoertrag Groß-Berlin geregelt wurden, diesmal selbstherrlich den Arbeitern durch Zirkular ihre Lohnabbaumaß- nahmen diktieren. Der Facharbeiter sollte um 23 Pfennig und der Hilfsarbeiter um 27 Pfennig bMger arbeiten. Nach einem sieben Wochen lang musterhaft geführten Abwehrkampf kam es zu einem Schiedsspruch, wonach für die strittigen Vertragsgebiete die Berliner Lohnsätze zu gelten haben. Der Abwehrftreik ist damit erfolgreich zugunsten der Arbeiter b e- endet worden._ Ein abgebrochener Sieg. Aber Dahlem hält ununterbrochen Reden. Die sogenannte Streikleitung der Rotationshilfsarbeiter und Falzer von Ullstein teilt mit, daß ihr Streik abgebrochen ist. � Dogegen werde Franz Dahlem, der Leiter der NGO. Deutschlands, am Sonntag vor den graphischen Arbeitern in den Schlaraffio-(natürlich!) Sälen eine Rede halten, um den ob- gebrochenen Sieg zu feiern. Vielleicht erwähnt der General Bum Bum der NGO. amt?. daß die führenden RGO.-Leute von Ullstein im warmen Nest sitzen blieben und die Hilfsarbeiter in den Nesseln sitzen ließen: daß der .uralte Stereotypeur" Pärschke und kommunistische Arbeiterrat sich die größte Mühe gab, den Streik abzuwürgen; daß der kommu- »istischc Arbeitcrraisvorsitzcndc Meyer erst im Betrieb erschien, als die 5)ilfsarbsitcr schon draußen waren, um der Betriebsleitung die Loyalitätscrklärung abzugeben, er sei n»r gekommen, um den Betrieb vor Erschütterungen zu bewahren; daß Frau L e h f e l d, kommunistisches Ergönzungsmitglied im Arbeiterrat, sich nicht muckste und treu und brav weitermurkst: daß Virdel, der Streik- inocher, von der Firma geradezu gewaltsam seinen getreuen Streikenden nachgeschickt werden mußte; daß die gesonüe RGO. bei Ullstein, statt mit vollen Backen in den Streik zu treten, mit vollen Hosen im Betrieb sitzen blieb. Wenn die RGO. sühri. Die Gewerkschaft muß den Karren wieder flott machen. In der Berliner Holzindustrie hat die RGO. wieder einmal ein Beispiel ihrer Stümperhaftigkeit geliefert. Seit geraumer Zeit schon hat sie die Belegschaft der Firma Hecht& Eo. in der Fruchtstraße„bearbeitet". Als die Firma entsprechend der Anweisung der Unternehmerorganisation den Abbau der FacharbeUerlöhne aus 1.03 M. diktieren wollte, trat die Belegschaft am 5. Januar in den Streik. Von den 118 Beschäftigten waren 44 sreigewerkschastlich organisiert. Als nach emer Woche Streik„unter der Führung der RGO." der Erfolg auf sich warten ließ, nahm ein Vertreter des Holzarbeiier- Verbandes im Auftrage der Verbandsmitglieder Verhandlungen mit der Firma auf, die auch zu einem Ergebnis führten. Uebcr die Annahnte oder Ablehnung dieses Verhandlungsergebnisics sollte die Belegschaft in einer Versammlung entscheiden. Das ging den betriebs- fremden RGO.-Strategen gegen den Strich. In der Betriebsversamm- lung verlangte der RGO.-Versammlnngsleiter, unterstützt von 15 Be- triebsfremdcn, daß der Vertreter des Holzarbeiter-Verbandes nur den Derhondlungsbericht geben und sich jeder Meinungsäußerung dazu enthalten solle. Als sich der Ocganisationsocrtrcter diesem Maulkorbzwang nicht unterwarf, übte die RGO. erst einmal ihre Kunst des Anlrogstcllens. Endlich verständigte man sich dahin, daß sich an der Aussprache über den Bericht des Organisotionsvertreters nur Betriebs- ungehörige beteiligen und nur diese die Entscheidung darüber tressen dürfen. Trotz dieses Beschlusses gab der kommunistisch« Bcr- iammbmgsleUer aber einem betriebsfremden RGO.-Redncr das Wort. der die Gewerkschaften in der gemeinsten Weise herunterriß und ein« Abstimmung zu vereiteln suchte. Als trotzdem die geheime Ab- stimmung beschlossen wurde und schon die Stimmzettel ausgegeben waren, schloß der Versammlungsleiter kurzerhand dieVersammlung. Gegen diese gewaltsame Unterdrückung revoltierten selbst die RGO.-Anhänger. In einem anderen Lokal wurde die Versammlung f ö r t g e s e tz t und das Verhandlungsergebnis gegen wenige Stimmen angenommen. Die Versammlung war auch mit dem Borschlag der Firma einverstanden, daß 70 Mann der Belegschaft am nächsten Morgen um 8 Uhr wieder ansangen sollen, der Rest nach und nach wieder cingestellt wird. Am nächsten Morgen, bereits um 7 Uhr. drängten sich aber die radikalen RGO.- Leute vor demBetriebseingang. um ihren Arbeitsplatz wieder zu bekommen. Mit solchen beschämenden Szenen endete dieser glorreiche RGO.-Streik._ Aazikommunismus. Militärmärsche mit Streikparole. Die Finna S t i l k e galt bis vor kurzem noch als eine Hoch- bürg der RGO. In den Betriebsversammlungen wurde an den freien Gewerkschaften kein gutes Haar gelasien. Wenig„reoolu- tionär" verlief jedoch die Betriebsversammlung in dieser Woche, die zu dem Lohnabbau aus.Grund der 4. Notoerordnung Stellung rahm. Die Versammlung wurde eingeleitet durch Militärmärsche, die von nationalsozialistischen Betriebsangc- hörigen mit einem Kofferapparat zu Gehör gebracht wurden. Danach eröffnete der kommunistische Arbeiterrats- Vorsitzende die Versammlung, in der die Nazis den Kommu- nisten den Rang abzulaufen versuchten, indem sie einen Antrag ein- brachten, gegen diesen Lohnabbau zu st reiten. Die RGO.-Anhänger waren aber nicht so„revolu» tionär" w i e die Nazis. Sie beantragten, daß die„refor- mistischen" Gewerkschaftsvertreter mit der Firma wegen des Lohn- abbaues nochmals verhandeln sollten. Dem Gewerkschasts- Vertreter, der die Nutzlosigkeit dieses Antrages an der Rechtslage nachwies, gelang es aber, die jzarmonie beider Gruppen wieder herzustellen. Die Versammlung beauftragte schließlich den Ar- b-iterrat, die Verhandlungen in dieser Richtung mit der Firmen- loitung zu führen. Wie wir weiter erfahren, wird die RGO. in der nächsten Betriebsversammlung, in der über das Ergebnis dieser Ver- Handlungen durch die„roten" Arbeiterräte berichtet werden soll, ihrerseits die Versammlung mit dem Chopinschen Trauer- marsch eröffnen.___ Achtung, Vorsig-Arbeiler! Kurzarbeiterunterstntzung fft um- gehend in der Arbeitonnahme in Empfang zu nehmen. _ Der Betriebsrat. Achtung, Buchdrucker! Der II. Bezirk(Nachtarbeitcr) hält feine Berfamm- tun» am Sonntag im„Dresdener«garten". Dresdener Str. tä, ad. Der 2. Be«. danosvarsttzende Aollege Richard Barth hat das Referat llbernommen. Bei genügender Teilnahme nach Schlutz der Berfammlung gemeinsam« Fahrt zur „Ei,pcgraphia"-B«ronftaltiinhu Sckitoviski: Lokale» und Sonstige»: Fei«»arstädt: Anzeigen: Th. Stocke; sämtlich in Berlin. Berlag: Lorwärts-Berlaq G m d. K. Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckerri und Bertagsaustolt Paul Singer u. So.. Berlin SW. 68, Linden straße S. Hierzu 2 Beilage». Nr. 25* 49. Jahrgang *1 Beilage des Vorwärts Sonnabend, 46. Januar 4 932 Der Gelehrte als Falschmünzer Falschmünzerwerkstatt entdeckt.- 32000 Faischstücke angehalten. U«ter dem dringenden Verdacht falsche Zwei- mark stärke hergestellt nnd verausgabt zu haben, ist der bekannte Jurist Tr. li nichts wissen. Bei dem Manne wurden 3 9 F a l s ch st ü ck e gefunden, die er natürlich von Unbekannten erhalten Haben wollte. Im Anschluß an ihre Ber- nehmung wurde sofort die Villa in der Potsdamer Straße durchsucht. 3n einem verschlossenen kcllcrraom konnte schließlich die Werkstokt des Fälschers entdeckt werden. Der gewöhnliche Hauskcllcr, der natürlich auch mit einen, Sicherheitsschloß versehen war, bot zunächst durchaus nichts Verdächtiges.?ln der einen Seite stand ein über 2 Meter hohes und lie Meter breites Regal mit fester Rückwand. In dem Regal waren die Bücher des Juristen aufgestapelt. Als man das Regal fortrückte, entdeckten die Beamten eine Geheim- t ü r. Sie-führte in einen etwa drei mal vier Meter großen, tapezierten Raum, in dem nur ein altes Bett stand. Das Fälscherarsenal unter dem Bett. Als das Bett.zur Seite geschoben wurde, entdeckte man einen Präge stock und anderes Material. Salaban war jetzt überführt. Das ganz« Material wurde beschlagnahmt und auf der Zentralstelle sichergestellt. Es war alles vorhanden, was zur Herstellung von Hartgeld notwendig war. Von der Presse bis zur klein» st e n Feile und dem Raspel. Salaban unterhielt in seinem Haushalte drei Angestellte. Eine Köchin, einen Gärtner nnd«inen Chauffeur. Keiner wohnt« im Hause. Abends,.wenn die Angestellten fortgingen, stiegen die Eheleute in den Keller hinab und gingen an die Arbeit. Keinem war es eingefallen, jemals dieses Ehepaar zu verdächtigen. Jeder glaubte, daß Salabons sehr wohlhabend seien und in äußerst ge- ordneten Perhällinssen lebten. Das„HaiÄbuch" für internätionases Recht" und andere..juristische Bücher, die. Salpba» versaßt hatte, hatten chm großes Ansehen geschaffen. In direkten snwnziellen Schwierigkeiten waren die Eheleute wahrscheinlich nicht. Die Motiv«, die sie zu dieser Fälscheraktion im größten Stile ver- anfaßten, sind zweifellos in ungewöhnlicher Habgier zu suchen.— Salaban behauptete bei seinem Verhör, daß er im ganzen mir 4996 Stücke emsgegebe» und tn den Verkehr gebracht habe. Diese Airgab cn werden für falsch gehalten, denn die angehaltenen Falschstück«— 32 000— zeigen alle die nur für Fachleute erkenn- baren Merkmale. Vernehmungen und Feststellungen. Dr. Salaban gibt an. daß er in Wien Rechtsanwalt gewesen sei. Als er im Jahre 1923 nach Deuts6)land gekommen ist, hätte er ein großes Chemikalienerportgeschäft eröffnet. Die Ge- schäste seien aber sehr schlecht gegangen. Sein großes Vermögen will er in der Inslaiion verloren haben. Als es ihm jetzt immer schlechter ging, habe er den Gedanken gesaßt, das Falschgeld herzu- stellen. Seine Bücher und wissenschaftlichen Arbeiten, auf die er immer hinweist, haben große Verbreitung gefunden. Für das Handbuch sind ihm Slnerkennungsschreibcn von prominenten Juristen zugegangen. Er behauptet, das; ihm ein Mann, den er nicht nennen will, nachts bei der Herstellung der Falsisikate behils- l i ch gewesen sei. Die Polizei steht diesen Angaben zunächst noch sehr skeptisch gegenüber. Fest steht, daß er gemeinsam mit seiner 36 Jahre alten Ehefrau Martha mit einem noch Unbekannten in seinem eleganten Wagen am vergangenen Sonntag einen Aus- slug nach Lübbe» gemacht hatte. Erst spät nachts kehrten alle drei zurück und suchten gemeinsam ein kleines Weinlokal am Kurfürsten- dämm auf. Ob dieser Mann der„Große Unbekannte" ist, ist noch nicht geklärt. Ein Umstand ist besonders merkwürdig: Dr. Salaban sollte daktyloskopiert werden. Er weigerte sich � mit dem Bemerken, daß es kein Gesetz gebe, wonach die Anfertigung von Fingerabdrücken ohne Zustimmung des Beteiligten möglich sei. Die Angabe des Fälschers, daß er nur 4909 falsche Stücke aus- gegeben habe, dürfte hinfällig sein, wenn man bedenkt, welchen Luxus er geführt hat. Die Villa ist mit wertvollen Möbeln ans- gestattet. Im Keller liegen mehrere hundert Flaschen Wein. Die Familie besitzt sechs wertvolle Pelzmäntel. Der Lebensunterhalt. drei Hausangestellte usw., verschlangen große Summen. Wenn man berechnet, daß er durch den Umsatz der Falschstücke während der Jahre 1929, 1930 und 1931 etwa 70000 M. vereinnahmt hat, so ist die Rechnung noch sehr gering angesetzt, weil sein monatlithcr Lebensunterhalt sicherlich mehr gekostet hat, als er angeblich durch die Ausgabe der Falsifikate eingenommen hat. Es ist die Sin- mutung aufgetaucht, daß der Dr. Salaban nicht nur selbst den Ab- satz der Falschgcldstücke betrieben hat, sondern daß er auch dos Haupt einer Bande ist, die für ihn arbeitete. Bandiienstreich in Waidmcwnslust. Schuß auf eine Verkäuferin. In Waidmannsluit, an der Stetliner Vorortbahn, wurde in den gestrigen Abendstunden aus die Filiale der Vuttergroßhandlung „Nordstern" am Oranicndomm ein regelrechter Vandilenübersall verübk. Kurz vor 19 Uhr. als die Filialleiterin gerade die letzte» Kunden abfertigte, wurde plötzlich die Tür aufgerissen und fünf Männer im Alter von 23 bis 30 Jahren stürmten in df» Laden. Dres von ihnen postierten sich am Geschäftseingang und�richteten drohend ihre P i st d l e n auf die Anwesenden. Zwei Mitglieder der Bande plünderten darauf die Kasse und raubten rund 2 30 Mark. Nachdem sich die Filiolleiterin von ihrem ersten Schreck erholt hatte, ergriff sie den Telephonhörer. um das lieber- follkommando zu alarmieren. In diesem Augenblick feuerte einer der Banditen einen Schuß ab. ohne glücklicherweise zu treffen. Die Banditen flüchteten und entkamen. Es scheint, daß sie zu ihrer Tat ein gestohlenes Auto benutzt haben, in dem sie davonrasten. % Billiger Sonuabend im Zoo. Am heutigen Sonnabend. 16. d. M-, kostet der Eintritt in den Zoologischen Garten bereits von 12 Uhr mittags ab nur 30 Pf. tür Erwachsene und 23 Pf. für Kinder; die- selbe Ermäßigung gilt für das Aquarium. Nach einem Tagebuchroman von Karl Hans Schober erzählt von Erich Knauf Kotzouret ist unter ihnen. Sein Kopf ist kahlgeschoren. Die Hände liegen geschlossen auf dem Rücken. Unsere Blicke treffen sich. Er ist rücksichtsvoll und tut so, als kenne er mich nicht. Aber ich nicke ihm zu:„Servus!" Er lächelt zurück. Schon tomint ein Äommißpolizift auf mich zu, das Ge- wehr in der Hand:„Wie heißen Sie?" Er schreibt mich auf.„Das werden Sie büßen!" Dann rennt er zu Kotzourek und verletzt ihm einen Kolbenstoß: „Schwein!" Auch die anderen Matrosen kommen in Bewe- gung. zerren an ihren Fesseln und spucken nach dem Poll- zisten, der von einem Fregattenleutnant gehindert wird, mit seinem Gewehr auf die Gesesselten einzuschlagen. „Wartet nur, Bande! Unser Tag kommt noch!" Stolz und aufrecht gehen die PB.-Leute. Sie werden eingeschifft. Das Schiff sticht in See und wir verlassen die Mole. Aengstlich wendet sich Horst an mich:„Dos kann dumm für dich ausfallen." „Quatsch!" wehrt Wallach ab,„gehen wir lieber in den Puff." Hier müssen wir uns anstellen wie die Leute in unserer Heimat ums liebe Brot. Das ist ein Betrieb!„Der nächste bitte!" Matrosen kommen ununterbrochen und gehen. Mir kommt es hoch:„Servus alle miteinand!" „Bord ahoi!" antworten die Matrosen. Ich bin wieder draußen, und der sonnige Iunuag liegt blau über der Stadt. Ein Frauenzimmer erwischt mich von hinten:„Grüß Gott, Schatz!" Ein blondes Luder, tipptopp in Kluft. Wie sie mich nach ihrer Bude lancieren will, merke ich: Verdammt! in den Offizicrspuff! Während sie sich auszieht, mache ich mich über die Creme- schnitten, die ihr irgendein verliebter Offizier aus dem Kasino geschickt hat. Alles fresse ich auf, und dann gibt es auch noch Wein. Acht Wochen habe ich kein Weib gesehen, verdammt noch mal! Ich muß ihr versprechen, wiederzukommen, und dann socke ich ab. An Bord ist Kino unter freiem Himmel. Am Geschütz- türm sind die besten Plätze. Auf der Leinwand ist allerhand los: Ein Maharadscha mit einem Harem voll halbnackter Weiber.' Der Matrose neben mir rollt seine Augen wie Mühlräder. Verdammter Salat! Solche Weibergeichichten sind gerade das richtige für uns. Kein Wunder, daß die Kinovorführung mit einer soliden Keilerei endet. Ich trete meinen Dienst in dem hellerleuchieten Hilss- Maschinenraum an. Die Ventilatoren sind ousgcsckzaltet, und es ist erdrückend schwül. „Schau, daß du an die frische Luft kommst", sage ich zu dem abgelösten Kameraden, dem der Schädel brennt. Durch- schwitzt kriecht er die Treppe hinauf. Von oben ruft er zu mir herunter:„Der Süßwassererzeuger... Hörst du... ist in den Sod durchzupressen." „Gut. gut!" Vier Stunden bin ich jetzt allein. Mittschisf steht der Kondensator mit der Luftpumpe. Auf Steuerbord- seite summt die Zentrisugalpumpe. Daneben steht die Sod- pumpe. Auf Backbordseile sind zwei Lnftkompressoren außer Betrieb. Die Süßwasserpumpe daneben läuft leer. Ich drehe dos Dompfventil zu. An der Steuerbo.rdseite hängen die elektrischen Kontrollanlogen, die mit den Kesseln in Ver- bindung stehen. Die rote Glühbirne leuchtet nicht. Ununterbrochen gibt es Alarmzeichen. Einmal heißt es: Süßwasserpumpe vorwärts! Dann Glocke aus dem Licht- turbinenraum, dann ans Sprachrohr, dann zum Dampfventil. Die Alarmglocken kommen nicht zur Ruhe. Das Batteriedeck alarmiert: Süßwasserpumpe halt! Im Süßwassererzeuger steigt der Druck immer mehr, das Dampfventil ist undicht. Der Maschinenführer rast herein:„Lumpenbagasch!" Mir reißt die Geduld:„Ich kann doch nichts dafür: dort fehlts." Und ich deute in den Sod, auf das Kingstoneoentil. „Kusch!" brüllt er und wirst mir einen Blick zu:„Sie kämmen zum Rapport!" Jetzt packt mich die Wut. Ich löse die Schrauben des Ventildeckels und reiße den Vcntilkegel heraus. Das arm- starke Wasser spritzt meterhoch empor, schleudert mich gegen die Steuerbordmand und der Maschinenführer ist pudelnaß. Zwei Heizer müssen herbei und mir Helsen. Die Zentrifugal- pumpe hat ein muschelartiges Gehäuse angesaugt. Das muß beseitigt werden. Mein Körper trieft von Oel, Dreck und Wasser. Schließlich ist die Havarie behoben. Oben an Bord ist großes Putzen und Waschen. Kom- mandorufe. Signalpfiffe. Schimpfworte, unterdrücktes Fluchen der Mannschaften, am Achtermast knallt die Kriegsslagge im scharfen Wind, und ich gehe zum Rapport. Dunkelarrest bekomme ich, diesmal wegen frechen Be- nehmcns gegen den Borgesetzten, weil ich zu dem dienst- habenden Maschinenführer gesagt habe, daß ich nichts dafür könne, wenn das Kingstoneoentil verstopft ist. Sollen wir den Vorgesetzten noch die Füße ablecken? Das Asyl der heimatlosen Wanzen, so hat die Besatzung das Arrestlokol getauft. Vierundzwanzig Stunden bin ich dem Wanzengewimmel ausgeliefert. Durch die eiserne Wand höre ich, wie Tula, der Steuermatrose, der seit vierzehn Tagen als politisch Verdächtiger in Untersuchungshaft sitzt, stöhnt. Verflucht! Dazu habe ich mich freiwillig gemeldet. Schweinehunde um uns Soldaten, Schweinehunde in der Heimat, wo sie den hilflosen Frauen und den Müttern der Soldaten die letzte Kuh aus dem Stall stehlen. Vier Tage sttzon stehen wir im Schwimmdock. Dos Flaggschiff hat Hauptreparatur. Der Kasten wird abgekratzt und frisch lackiert. Ueberall wimmelt es von Arbeiten! und Matrosen. Sie schimpfen über die schwere Arbeit, zumal ihnen auch noch die Brotration gekürzt wurde. Und die Kommißpolizisten brüllen die Arbeiter an, wenn sie-sidi erlauben, mit den Matrosen des Flaggschiffes zu sprechen- Sertsch ist auch unter den Hunde». Er bringt es fertig, gegen einen Arbeiter Strafanzeige zu erstatten, weil er uns um Brot angebettelt hat. Wie er jetzt wieder versucht, einen Matrosen zu stellen, der einem Arbeiter ein Stück Brot unter den Rock schieben will, schließen die Matrosen um ihn einen Kreis. Aber er hat noch einmal Schwein. Ein Detail- offizier schiebt die Matrosen zur Seite und weist Sertsch von Bord:„Schämen Sie sich!— Feldgendarmen haben an Bord nichts zu suchen!" (Fortjetzung folgt.) Weil ihm die Geige fehlte 12 Jahre Zuchthaus für den Totschlag an der Greisin. Der Totschlag an der 76jöhrigen Aimmervermielerin D a b- nih in der Ueckcrmünder Strohe Im Oktober vorigen Zahres hat durch seine Sinnlosigkeit und ungeheuerliche Brulatität— der Kopf der alten Frau wies Zl verlehungen auf— gröhle Empörung ausgelöst. vor dem Oaudgericht I stand gestern der ZZjährige hell- muth Kleiner, ein infantiler Mensch: er erzählte. Daten und Einzelheiten durcheinanderwerfend, wie er zu seiner blutigen Tal gekommen ist. Kleiner ist Musiker, Ausgangspunkt seines Verbrechens war eine versetzte fremde Geige. Der Vater des Ange» klagten ist Werkmeister in Breslau. Der Junge lernte Kaufmann, seine Liebe zum Geigenspiel ließ ihn aber Musiker werden, Cr fand in verschiedenen Cafes Beschäftigung, wurde stellungslos, kam nach Breslau zurück und verlieh, weil er den Eltern nicht zur Lost fallen wollte, zum zweiten Male ohne Sachen seine Heimatstadt, Dem Rufe eines Freundes folgend ging er nach Liegnitz, hier entwendete er auf Veranlassung desselben Freundes einem Bekannten die Geige und versetzte sie für 20 Mark. Aus Furcht vor Entdeckung fuhr er zu seinem Onkel in der Nähe von Waldenburg, borgte von diesem 20 Mark und begab sich weiter nach Berlin, hier suchte er in verschiedenen Cafes Beschäftigung als Musiker zu finden, es wurde nichts daraus, er besah keine Geige. Immer wieder erzählte er von seiner angeblich versetzten Geige, lieh sich von seinen Kollegen mit kleinen Geldbcträgeii unter- stützen, borgte seinen Berliner Onkel um 10 Mark an, desgleichen auch ein« Breslausr Bekannte. Am 19. Ottober mietete er bei Frau Wabnitz das Zimmer, Die alte Frau hatte Verwandte in Breslau: sie faßte zu ihrem neuen Mieter sofort großes Vertrauen, erzählte ihm, daß sie auf der Bank etwa 4000 Mark und auch zu Hause etwas Geld habe. Schließlich zeigte sie ihm den Schrank ihres anderen Mieters, in dem mehrere Anzüge und Mäntel hingen. Kleiner-rzählte auch ihr von seiner versetzten Geige. preis ZoRisiistiZehe Hochschule Heute Sonnabend, 16. Jan., 19,30 Uhr im Plenarsaal d ehem. Herrenhaus., LelpiigerS(r.3. spricht Gen. Dr. Rudolf Breitscheid, M.d. R., aber „Abrüstung, Reparationen, Friede" Eintrltlskarten mm Preise von 50 Pf. sind an den bekannten Verkaufsstellen erbältlich, Für Erwerbslose a. Studierende errnätsigte Karten an der Abendkasse Alles das half ihm aber nicht weiter. Er mußte seine Miete zahlen. Wie aber Arbeit finden? Wo eine Geige hernchmut? Er suchte verschiedene Jnstrumentcngeschäste auf. Zu einer guten Geige reichte sein Geld nicht, mit einer schlechten konnte er nichts rntfangen. Er mußte sich Geld verschaffen. So kaufte er sich einen Tosschläger. Ob man mit ihm eventuell auch einen Menschen töten könnte, fragte er die Berkäufertn. Er dachte an die verdäch- tigen Unterhaltungen in der Münzstraße. Dann dachte er wieder an das Geld seiner Wirtin. Den Gedanken ließ er sollen und beschloß, sich mit einem Anzug des anderen Untermieters zu be- gnügen; zum Kauf einer Geige würde es ausreichen. Er paßie den Slugenblick ab, als Frau Wabnitz aus der Wohnung abwesend war, schlich sich ins Zimmer des Untermieters und holte aus dem Schrank einen Anzug. Im selben Augenblick kam Frau Wabnii; nach Hause, überraschte Kleiner, der den Anzug in der Hand hatte und schrie ihn an-„Sie Dieb!" Dann rief sie um Hilfe. Er schlug auf sie mit der Faust ein. Sie schrie weiter. Nun holte er den Totschläger ans der Tasche und ließ die Schläge auf die alte Frau nur so niedersausen. Noch immer schrie die Frau um Hilfe. Er riß ein Handtuch vom Nagel und erwürgte die Greisin. Dann zog er den blntbcsudelten Anzug aus, warf ihn in den Koffer, säuberte sich, fuhr über Fürstcnwalde und Frankfurt o. d. O. nach Waldenburg, wo ein Onkel von ihm wohnte und wo er wieder die Geschichte von der versetzten Geige erzählte. Er wurde fcstge- nommen, weil er seine Zeche nicht bezahlen konnte. Der Beamte sagte ihm auf Grund des Fahndungsblattes die Bluttat in Berlin auf den Kops zu. M-dizinalrat Dr. E v e r s sprach von körperlichen Merk- malen der Hysterie beim Angeklagten: man habe es mit einer leicht erregbaren, seelisch nicht ausgereiften Persönlichkeit zu tun. Der Staatsanwalt beantragte wegen schweren Dieb- stahl? und vorsätzlicher Tötung bei einem Versuch, sich nach einer strafboren Handlung der Ergrcifting durch Flucht zu entziehen, 14 Jahre Züchthaus. Dos Gericht verurteilte den ZZjährigen zu 12 Zahlen und 2 Monaten Zuchthaus. Zn der Urteilsbegründung führte der Vorsitzende Landgerichtsdirektor Sternheim u. a. ans. daß sowohl das Verhalten des Angeklagten vor der Tat. wle auch fein Benehmen während und nach der Tot einen Mordverdacht aus- schliche: der Angeklagte habe nur den Anzug stehlen wollen: dos Opfer sei ihm in die Luere gekommen: er habe in höchster Erregung aus sie eingeschlagen. Die Tal sei aber vielleicht die grauenerregendste. die in Berlin in der lehlen Zeit vorgekommen: es fei deshalb nicht möglich gewesen, aus die Mindeststrafe von l0 Jahren Zuchthaus zu erkennen. Ilsu§er verkommen-«easMen verzweifeln. Die notwendigsten Reparaturen auf endlose Sicht. Die berechtigte Forderung notwendiger Hausreparaturen hat inimcr schon in daz Verhältnis zwischen Vermieter und Mieter einen argen Mißton gebracht: noch schwieriger und aussichtsloser ge- staltet sich diese Streitfrage, wenn weder Hauswirt, noch Verwalter in erreichbarer Nähe sind, sondern das Haus irgendeiner großen, wohl gar ausländischen Gesellschaft gehört, deren Generalbeooll. mächtigter den Mietern gegenüber unsichtbar bleibt. An wen sollen sich die Mieter mit ihren Wünschen und Forderungen wenden? Da bleibt mir der offiziell« schriftliche Weg, und das Ergebnis ist meist negativ. Von all dem wissen auch die Bewohner der Häuser, die der Spanischen häuseroerwaltung(Büro Steglitzer Straße) unterstehen, ein trauriges Lied zu singen. Da fraß zum Beispiel unter dem Fußboden der Gastwirtschaft Zorndorfer Straße 14 der Schimmel— oder war es gar der Schwamm?— und nach langem hin und her entschloß man sich endlich, den Fuß- boden aufreißen zu lassen, um die Sache in Ordnung zu bringen. Nachdem die Arbeiter ihr Werk begonnen hatten, der Boden frei und offen dalag, so daß der Gastrauui unbenutzbar war und der Wirt seine Gäste nur in einem kleinen Vereinszimmer mit hinter» eingang ausnehmen konnte, erschienen die Arbeiter eines Tages nicht wieder an der Stätte ihres Wirkens. Der Wirt wartete und wartete, die Kundschaft verlief sich inzwischen und nachdem endlich vier Wochen verstrichen waren, wurde, die Arbeit aus energisches Betreiben des arg Geschädigten zu Ende geführt. Zwei Häuser weiter zeigte das Dach des Hinterhauses bedenkliche Alterserscheimingcn, die eine dringende Ausbesserung erforderlich machten. Wiederum wurde aufgerissen, dos Dach, wurde jedoch nickst eingedeckt, sondern nur Streifen Dachpappe eingehängt, so daß es den zunächst wohnenden Parteien dutch die Decke tröpfle. Ein paar Straßen weiter, Straß mann- Eck« Hausburg- straße wurden eines Tages sämtliche Jalousien abgenommen; sie sollten angeblich neu gestrichen werden. Auch hier sind wieder bereits mehr als sechs Wochen verstrichen, es zieht den Leuten mächtig in die Stube. Eine alte, schwerkranke Frau, die ihre Gliedmaßen kaum gebrauchen kann, muß jeden Tag mit schwerer Mühe aufs Fenster klettern, um irgendeine alte Decke anzubringen, weil sie sich nickst gerne bei ollem und jedem beobachtet wissen will. Wendet sich der ein« oder andere an die Hausverwaltung, dann erhält er als Antwort ein überaus höfliches „selbstverständlich", dem bloß leider nicht die Tat folgt. Es sind da aber noch mehr Schmerzenskinder, hier wurde ein Dach repariert, aber der Schneefang vergessen, dort brachte man ein Gesimsblech an, jedoch keine Dachrinne. Wurde irgendwo eine Reparatur gemacht. dann blieb das Gerüst einfach stehen, im haus« Zorndorfer Straße 16 beispielsweise 1 Jahr und 3 Monate. Die Gründe für diese merkwürdige Arbeitsweise werden wahr» schemlich finanzieller Natur sein. Jedenfalls sind die Hausbewohner, die ja schließlich die Reparaturen mit der Miete bezahlen, dabei die Leidtragenden. Ist denn der kleine Mann heute nicht schon ge- nügend mit Bitternis und Verzweiflung geschlagen? Es wäre nicht mehr als recht und billig, dafür zu sorgen, daß ihm nicht noch sein bescheidenes heim zur Marterstätte gemacht wird. Glatte Fälschungen. Vei der Stadlbank wurde jahrelang nichts gemerkt. In der gestrigen Ztachmiltagsocrhandlung des Sklarek- Prozesses wurde bis ins einzelne erörtert, auf welche Weife die Sklarcks die Sladkbank bei den stillen Zessionen hinlers Licht führten. Was dabei herauskam, kann nur als ungeheuerlich bezeichnet werden. Die Stadtbank bevorschußte bekanntlich die Lieferungen, die die Sklareks an die städtischen Dienststellen in den Bezirksämtern ausführten, ohne daß die Bezirksämisr davon Kenntnis hatten. Zuerst wurden die Originalrcchnungen der Stadtvank von den Sklareks eingereicht, später wich man aber davon ab und fertigte in den verschiedensten Variationen Kopien oder fingierte Rechnungen an. denen gar keine Lieferungen zugrunde lagen und ließ sich hieraus die Vorschüsse geben, was die Stadtbank auch ahnungslos tat. Leo Sklarek beschuldigte nun gestern den Stadtbankdirekior Schmitt, daß er mit Max alles ausgeheckt Hab«, während Host mann nur der Rekrut war, der immer lausen mußte. Als die beiden Stadtbank- direktoren von einer Besprechung mit Leo Sklarek erzählten, in der dieser versichert habe, daß sich die Cinreichung von Kopien nicht mehr wiederholen sollte, sprang Leo Sklarek aus und brüllte: „Das ist eine glatte Lüge", worauf sich Schmitt revanchierte und Leo Sklarek der Lüge bezichtigte. Die Stadtbankdirektoren entschuldigten sich wieder damit, daß sie den Sklareks gegenüber nie den Verdacht des Betruges gehegt lzötten. Vors.: Was hätte eigentlich bei den Sklareks passieren müssen, damit Sie mißtrauisch unwden? Ich glaube, wenn sie Ihnen die goldene lihr aus der Tasche gezogen hätten, hatten Sie noch gesagt:„Eni- schuldigen Sie bitte, Sie haben aus Versahen nach meiner Uhr gescheit."(Heiterkeit.)— Aus der Anklage gab der Vorsitzende einige Kostproben, wie die Fälschungen der Rechnungen gchandhabt wurden. Zum Teil wurden der Stadtbank echte Rechnungen gegeben, die ober meist nur aus geringe Betröge lauteten, während die fingierten die großen Beträge ausmachten. Der Inhalt der Rechnungen wurde teils völlig frei erfunden, teils lehnte er sich«m echte Rechnungen an. dann wurden Kopien echter Rechnungen mit falschen Daten und Ziffern versehen, echte Rechmtngen auf ein anderes Bezirksamt umgeschrieben und schließlich Kopien von Rechnungen zur Bevorschussung vorgelegt, die bereits von den Bezirksämtern bezahtt waren. Der Mitangeklagte Buch- Halter Lehmann gab zu, diese Fälschungen auf Amveisiing von Max Sklarek angefertigt zu haben. Die Brüder hätten ihm. als er Bedenken hatte, erklärt, es handele sich nur um eine Formfackie, da die Stadtbankdirektoren Bescheid wüßten. ,�Jch kann mir nicht ftmten, daß die Stadtbankdirektoren an die Echtheit unserer Rech- mmgen geglaubt haben. Es sollten mrr die statutenmäßigen Unter- lagen vorhanden sein, um den Kredit vor den Unterorgauen zu rechtserttgen." Leo utö> Willy Sklarek bestritten, von den gesäischten Rechnungen etwas gewußt zu haben und beriefen sich auf Max Sklarek, der alles mit den Stadtbankdirektoren verabredet hätte. Vors.: Stinynt das, was die Sklareks sagen?— Hoffmann: Ich Hab« keine Ahnung davon gehabt, daß mit den Rechnungen etwas nicht in Ordmtng war.— Schmitt: Nicht die geringste Ahnung hatte ich, daß ein Betrug oerübt wurde.— Leo Sklarek: Wenn Sie nochmals Betrug sagen, Herr Schmitt, dann sage ich .Hehler zu Ihnen.— Der Buchhalter Lehmann enthüllte dann weiter. daß die Sklareks die Beträge, auf die die fingierten Rechnungen lauteten, selbst durch Possscheck als„Bezirksamt" an die Stadtbank zahlten, da ja die städtischen Dienststellen die Sklarekschen Rechnungen bei dcis, Stadlbank begleichen mußten, weil diese das Geld schon im vorauf, �rhleften. Lehmann. erzAzlte dann weiter, daß die Sklareks in den ersten Jahren die Voten der KVG. in die Bezirke schickten und von dort aus beim Postamt auf Zahlkarte die Zahlungen der „Bezirksämter" aufgaben. Später war Max Sklarek das aber zu umständlich, und so gab man für sämtliche Bezirksämter die Zalstungen vom Jahre 1923 ab einfach beim Postscheckamt in der Dorotheeisstraße aus. Alz ich Max Sklarek gegenüber Bedenken äußerte, sagte er:„Das«st alles mit der Direktion geregell, machen Sie sich keine Kopfschmerzen darüber."— Vors.: hier gibt es nur zweierlei, entweder ist es fo, wie es Max Sklarek gesagt Hot, oder sie haben bei der Stadtbank die unfähigsten Leute ausgesucht. Zum Schluß wurde dann noch ein bemerkenswerter Fall erörtert. Di« Sklareks hatten von der Straßenbahn einen Auftrag in höhe von 109 000 M. erhalten. Osferiert hatten sie der Straßenbahn Waren in höhe von 329 000 M., mtd hieraus wurde ein Auftrog- schreiben gemacht. Sie erzählten dann der Stadtbank, daß sie bereits für 191000 M. geliefert hätten und bekamen darauf einen Vor» schußvon ISS 000 M.. also 4ö 000 M. mehr. alsdi- ganze Lieferung überhaupt ausmachte. Um diases„Geschäft" «zlaubhait zu machen, wurden wieder ein Geschäftsbuch und eine besondere Kladde angefertigt. Man kannte aber die„Tüchtig» keit" der Revisoren, denn, wie der Borsitzende bemerkt«, scheute man sich nicht, in dem gleichen Kontokorrentbuch vorn die tatsäch« I i ch e n Lieferungen und hinten die fingierten einzutrogcn. Die Verhandlung wurde schließlich auf Montagvormittag 9 Uhr vertagt. Die„pfundspende" der Winterhilfe. Zu dem Ernährungsgeld, dos in allen Bezirken aus. gegeben wird, zu der Kleidung, die in einigen Bezirken, be» sonders im Westen der Stadt, gesammelt wurde und an Bedürfssge ollmählich verteilt wird, gesellt sich im Bezirk WHmersdors» Schmargendorf-Grunewald noch die Pfundspende. Diese organisierte Sammlung von Lebensmitteln aus den Haus- Haltungen ergab im Monat November über 13000 Pfund Lebens- mittel, dazu eine beträchtliche Menge von Kartoffeln und Kohlen. Es wurden 337 Familien reichlich damit unterstützt. Im Dezember waren es fast 23 000 Pfund Lebensmittel, dazu fast 22 Zentner Kartoffeln und über dll Zentner Kohlen, die aus den haushalwngen gespendet wurden. Die Winterhilfe in Wilmersdorf konnte damit 13 35 bedürftig« Familien reich bedenken. Der Dank für diese wirklich praktische, schnelle und keinerlei Mißbrauch unterworfen« Hilfe gebührt oll- denen, die in jeder Woche ihre Spende geben und denen, die sie ehrenamtlich sammeln und verteilen. Im Monat Dezember wurden aus der Kleiderkammer der Berliner Winterhtlse in Wilmersdorf(nicht zu verwechseln mit der städtischen Kleiderkammer und der biz zu Neujahr noch tätig gewesenen Kleiderkammer des Notdienstes, beide auch im Rathaus) 1050 Familien mit 3 013 Stück brauchbarer Kleidung versehen. Die Abgabe geschah und geschieht vollständig kostenlos, was salsichen Gerüchten gegenüber ganz besonders betont werden soll. JXauie Kate" verhaftet. In der Näh« des halleschen Tores tonnte gestern die seit einiger Zell von der Kriminalpolizei steckbrieflich gesuchte 26 Jahre alt» Käte Grell verhaftet werden. Die gefährliche„Kinder- freundin" ist in das Untersuchungsgefängnis Moabit eingeliefert worden. Sie wird sich wegen Kuppelei zu verantworten haben. Fahrlässigkeit bei Earrasani? Vie Llniersuchung des Brandes. Brüssel, lS. Januar.(Eigenbericht.) Die omiliche llntcrsachvug über die Ursache der Feverbrunst im Zirkus Sarrasani in Aniwerpen hat bisher ergeben, daß der Brand wahrscheinlich aus die Uuoorsichligkeit des Zirkus- perfouals zurückzuführen ist, das trotz strengen Verbots bis spät in die Nacht Zigaretten geraucht hat. Ein Angestellter soll ein brennendes Zigaretleneude weggeworfen und den Brand verursacht haben. Die Annohme, daß dos Fever durch Brandstiftung entstanden ist, wird von keiner Seit« mehr ernst genommen, auch nicht von d-er Zirkusverwaltung. von den Elefanten des Zirkus ist bisher keiner verendet. Zwei befinden• sich jedoch noch in bedenklichem Zustande, zwei sind er- bliadet. Die übrigen verwundeten Elefanten befinden sich auf dem Wege der Genesung. Oer vermißte Schwede. Er ist in die Fremdenlegion eingetreten. Sett dem 20. Oktober vorigen Jahres war der 23 Jahre alte schwedische Staatsangchörigo Sture Lündskog. der in Berlin in Stellung war. verschwunden. Sein« Angehörigen vermuteten, daß er einem Verbrechen zum Opfer gefallen sei. L„ dessen Dater in Borch in Schweden große Baumschulen und Gärtne- reien besitzt,«nsstamntt einer sehr wohlhabenden Famllke. Bor einem Jahre etwa war er in einem großen Gärtnereibetriebe in Marien- darf als Aolontär eingetreten, um seine Kenntnisse zu erweitern. Ende Oktober war seine Lehrzeit abgelaufen, und er sollte nach Hause zurückkehren. Am 20. Oktober erklärt« er, daß er sich noch s einmal das Nachtleben von Berlin ansehen wolle. Bon diesem Ausgange ist er nicht mehr zurückgekehrt. Die Nachforschungen brachten ober mit ziemlicher Sicherheit den Beweis, daß L. keinem Verbrechen zum Opfer gefallen war. Die Kriminalpolizei ver- mutete vielmehr, daß er nach Frankreich gegangen und vielleicht in die Fremdenlegion eingetteten fei. Die Angehörigen wiesen diese Behauptung weit von sich. Trotzdem benachnchttgle die Kriminalpolizei am 25. November das Generalkommando der Fremden- legion in Sidi bei Abbes. Von dort ist jetzt über das französische Konsulat die Nachricht eingetroffen, daß Sture L ünde- kog sich nicht damit einverstanden erklärt, daß über seine Person irgendwelche Auskünfte gegeben werden. Daraus ist zu schließen, daß der jung« Mann tatsächlich in die Fremdenlcgian eingetreten ist. Die Eltern in Schweden sind von dieser Nachricht in Kennttns gesetzt worden. Nettbabelsbergs«eues Bahnhofsgebäude. Am 13. Januar sst der letzte Teil des neuen Bahnhofs- gebäudes in Neubabelsberg dem Dertchr übergeben worden. Der erste Teil mit Schallcrn und Diensträunieu sowie die Güler.ibsertignng werden bereits seit dem vergangenen Jahre benutz:. Der Neubau mit seinem rotbunten Klinkerinanerwerk fügt sich gut in die mit stattlichen allen Bäumen bestandene Umasbuuz eüi. Die Ausslattung im Äeußereu wie im Inneren ist zeitgemäß einfach. Das alt«, abbruchreife Gebäude,«in Pavillon ans Fachwerl, sst bdannttich für die Weltaus st ellung 1878 in Wien errichtet und später nach Neubabelsberg verpflanzt worden. Bohnhofsoorplatz und Wirsschaftsgarten werden varaussichttich im Frühjahr hergerichtet werden. Die Bauarbeiten zur Errichtung des Eolumbus-ftauses am Potsdamer Platz, das bereits vor einigen Monaten im Rohbau vollendet twirde, sind inzwischen so gefördert worden, daß das Hochhaus zum 1. Mai bezugsfertig fein wird. Das Büro- I Hochhaus wird insgesamt 12000 Quadratmeter Fläche unnassen. Deutschlands Weltsunksender. In 5�>nigswusterhausen arbeitet seit Jahren neben dem lang- Welligen Deutschlondsender der kurzwellige Weltrundfunk- s e n d e r. thicr finden wir einen JRundflrohler in des Wortes mahrer Bedeutung: denn rund um die Erde in allen Richtungen der Windrose flutet eine fe-endung, geleitet von der sogenannten ,„<)ea- oisideschicht�. die in 100 bis 200 jiilomctcr höhe die Erdkugel wie eine Haube umgibt. Ein einfacher fcnkrecht hochgcsiihrter Draht, der in der halben Wellenlänge schwingt, ein sogenannter vertikaler Dipol, dient als Antenne. Dieser senkrechte Strahldroht erfüllt weit- gehend die Ruirdwirkung. Er ist von nicht zu überbietender Ein- sachheit des Aufbaus, aber er hat einen Nachteil: Er sendet die Strahlung zum großen Teil steil zur Heavisideschicht empor, so daß viel Energie nutzlos verloren geht. Grundlegende Entwicklungsvcrsuche der Telefunkengescllschast ergaben nun, daß es bei jeder Art von Kurzwellenübertragung vor- tcilhafter ist, statt des vertikalen Dipols einen horizontalen Dipol oder noch besser viele zusammenwirkende horizontale Dipole zu ver- wenden. Das Ergebnis war die Durchbildung der„Tannenbaum- antcnne", die im radiotelegraphischen Ueberscedicnst als Antenne mit scharfer Richtwirkung in der ganzen Welt Verbreitung gesunden hat. Bei ihr sind viele Dutzende von horizontalen Dipolen, in welchen Ströme gleicher Intensität und Phase fließen, neben- und übereinander angeordnet. Für Rundfunkantennen, wo man nicht eine Richtwirkung, sondern das Gegenteil, eine Rundwirkung erzielen will, kann man den horizontalen Dipol aber nicht ohne weiteres verwenden, weil er schon eine schwache Richtwirkung hat und in der Achsenrichtung überhaupt nicht strahlt. Ordnet man aber vier Dipole so an, daß sie von oben gesehen die Seiten eines Quadrats bilden, so wird man eine fast vollkommene Rundstrahlung bekommen. Eine Ver- stärkung der Wirkung wird durch Aushängung mehrerer solcher Quadrate übereinander erreicht, es tritt dann bei unveränderter Rundwirkung auch eine derart scharfe Vertikalbündclung in der für die Fortpflanzung günstigsten Richtung ein, daß oberhalb 20 Grad Erhebungswinkel praktisch keine Energie mehr in den Raum ge- geben wird. Die Telefunkcngesellschaft hat die neue Königswustcrhausen- Antenne auf obige Art gebaut. Als Träger der in Quadratform angeordneten Dipole dient ein Holzinast von 70 Meter höhe. Die ihm umschließenden übereinander liegenden vier Dipolquadrate be- sitzen etwa IS Meter Scitcnlänge. Es ist damit zu rechnen, daß durch die neue Antenne eine Encrgievcrmehrung am Empfangsort wie 8: 1 erzielt wird. Oer Racheakt an Nydahl. Herr Bayczinfky sandte uns unter Berufung auf das Pressegesetz folgende Berichtigung: Es ist unwahr, daß ich Direktor des Werbeausschusses des freiwilligen Erziehungsbeirats für schulentlassene Waisen bin. Es ist unwahr, daß der genannte Verein mit mir einen bis zum Jahr« 19,13 laufenden Vertrag geschlossen hat. Es ist unwahr, daß ich ehroerletzende Aeußerungen und Drohungen ausgesprochen habe. Es ist unwahr, daß ich Herrn Ngdahl aus Rache angezeigt habe,— Wahr ist vielmehr, daß meine Anzeig« von rein sachlichen Motiven(Ennittlung der Wahrheit) geleitet ist. Da diese Berichtigung bereits von der„Deutschen Zeitung' ver- öffentlicht wurde, hat Herr Dr. Klopfer, der Geschäftsführer des Deutschen Erziehungsbeirots für verwaiste Jugend und dcs Frei- willigen Erziehungsbeirats für sch'ulintlafscue- Waisen der genannten Zeitung folgende Richtigstellung übermittelt: In Ihrer Morgenausgabe vom Sonntag, den 10, Januar 1932, Nlumuer 8o, erschien ein Artikel„Auch Herr Nydahl vermeidet ein« Klage', in dem Sie eine Berichtigung des Herrn Bayczinsky ver- öffenllichten mit der Aufforderung, daß unser Vorstandsmitglied, 5ierr Stadtschulrat Nydahl, aus diese Berichtigung erwidern soll. Wir bitten Sie unter Berufung auf§ 11 des Pressegesetzes folgende Erwiderung zu veröffentlichen: Es ist zwar richtig, daß Herr Bayczinsky nicht Leiter des Werbcausschusses des Freiwilligen Crziehungsbeirats für schulentlassene Waisen ist. es ist aber wahr. daß, wie es auch in der zweiten Erklärung van Herrn Direktor Würtz im„Vorwärts' heißt, Herr Bayczinsky Vorsitzender des Werbeailsschusses des Deutschen Erziehungsbeirats für verwaiste Jugend war, der mit dem ersten Berein vertraglich und in der Ge- schästssührung verbunden ist. Es ist deshalb zwar unrichtig, daß Herr B. mit dem Freiwilligen Erziehungsbeirot für schulentlassene .Waisen einen direkten Vertrag geschlossen hatte, wohl aber war er mit seinem Wissen durch den Vertrag mit dem Deutschen Erziehung-- Heirat auch mit dem Freiwilligen Erziehungsbcirat vertraglich ver- Hunden. Für Werbezweck« hat 5zerr B. stets Briefbogen mit dem Namen beider Organisationen benutzt. Wegen der von Herrn Dayczüisly Zwar bestrittenen, in Wirklichkeit ober dennoch erfolgten chrverletzcnden Aeußerungen und Drohungen ist von dem Vorstand des Deutschen Erziehungsbeirats einstimmig das Schiedsgerichtsver- fahren zur Feststellung der Gültigkeit einer fristlosen Vertragskündi- gung eingeleitet worden. Von unserer Auffassung, daß Herr Bayczinfky Herrn Nydahl aus Rache angezeigt hat, können wir uns nach Lage der Dings nicht abbringen lassen, zumal Herr B. einer anderen Berliner Zeitung gegenüber erklärt hat, dag er die Anzeige nicht erstattet habe. Stufsichtsrat geschlossen hinter Intendant tZbert. Der Aufsschtsrat der Städtischen Oper nahm in seiner gestrigen Sitzung von der Zurückweisung der gegen den In- tc>ü>anten E b e r t gerichteten Angriffe durch den Oberbürgermeister Kenntnis Der Aufsichtsrat schloß sich der Erklärung des Ober- bürgermeisters an und stellte fest, daß der Intendant das Ver- trauen des Aufstchtsrates nach wie vor besitzt. Ein Schwindler, der sich Sorl Sommer nennt, treibt in her- bergen sein Unwesen. Er bezog am 12, Januar 1931 eine Schlaf- stelle in der Borsigstraße 31a. Da er einen schweren Koffer mit. führte, hegte die Schlasstcllemnhaberin keinen Verdacht. Am Donnerstag mußte sie es erleben, daß der Genannt« unter Mit- nabme von Bekleidungsstücken. Bargeld. Phowapparat usw. das Weite gesucht hat. Er nahm auch Auswcispop'ere eines Mitbewohners der«chlafstelle, die auf den Rainen Eduard Gerzam- b o w s k i lauten, mit. Wie es sich herausstellt«, hatte der Gauner in seinem schweren Koffer Kartoffeln mitgesichrt, die er jetzt zurückließ, um die gestohlenen Sachen verstauen zu können. Schluß des Inventurvsrkaufs. Mit dem heutigen Sonnabend verschwinden die lokalen, mit Klein- und Kleinstziffern angebotenen,„preiswerten, nie wieder- kehrenden Gelegenheiten' von den Berkaufstischen und Schaufenstern der Geschäfte: die Warenpyramiden werden abgetragen, zum Teil verschwinde» sie, zum Teil ordnet mau sie am Ncrkausstisch ein, Wie war das Ergebnis des großen Rennens? Fast übereinstimmcnd lautet das Urteil her großen Kaushänscr dahin: in den verkauften Mengen war der Umsatz dein im Vorjahre ähnlich, zisfernmäßig blieb er allerdings weit dahinter zurück, was schon in der Preis- reduzierung begründet erscheint. In der Hauptsache hatte ja über- Haupt bloß das Allcrbilligste Absatzmöglichkeit, was sich bcispiels- Eine fast historische Inventurecke in der Königstraße, weiss in der Damen- und Herrenkonfektion zeigte: hier wurde ja in der Tat Außergewöhnliches geleistet, wenn man bedenkt, daß es für noch nicht 10 Mark einen vollständigen Männeranzug, für 5 Mark«inen Frauenmantel, gefüttert und mit Pelzkragen, oder ein modern verarbeitetes Kleid gab. Englische Herrenstoffe, der Meter zu 3,90 Mark, gingen wie frisch« Semmeln weg, und die Frauen und Mädchen schütteten den Rest aus ihren Portemonnaies am Lager der Seidenstoff«, die etwas über eine Mark kosteten, oder bei den Samt- und Wollgeweben, die noch billiger waren. Schuhe sind von jeher ein guter Inventur- artikel gewesen und auch diesmal: für 5 Mark ein Paar Mäimer- stiefel, für 2 und 3 Mark Tanzschuhe. Warme Unterkleidung, Pull- over und Herrenhemden ergänzten so die Hauptanziehungspunkte des Ausverkaufs: einige wenige konnten sogar daran denken, ihr« Gardinen und Teppiche zu erneuern, ober das werden nicht allzu viel gewesen fein. Rarce»« Capy. Toxi Send.« und Supcriuteudeut A»a«»d Sdee die Sli. rüstuug. Wie nur erfahren, wird in eincr von der„Deustchcu Liga für Sender»nd Herr Snprrintrndent ll n g n a d. Di» Äundgedung findet in den EpichcrnsSlen, Spichcrnstr. Z, am Montag, dem IS. Januar, statt. Allgemeine Wetterlage.:. ■ 45.Jan. 4932, ab ds 0wollr, Treffpunkt vor dem Jugendheim.___ Deutscher Arbeiter-Sängerbund. Gau Berlin. Gesckäslsstelle: P. Schneider, Berlin NO. SS. huselandstr. 3t. Berliner Schubert-Ehor— Berliner Sö-gerchä». Sämtliche Säng'r treffen sich zu einer Boiprobe am Sonntag, Uhr, vor der Städli. >q«n vper, Biomarckstrasto.— 2. Bezirk. Gencraloickfammlung am 29. Januar, ist Uhr, lw Weddinger Bereinshaus. Serichistr. 71. Die Bereine entsenden aas je 19 Mitglieder einen Delegierten.— Berlt-er Stllggemeiiischoft 1939. Der der Gemeinschaft angeschlossen« Sinderchor der weltlichen Schulen Diessei. nvyerstr. 5—9 übt Montag« von>8-29', Uhr. Anmeldungen dortselbst oder beim Borsitzcnden Willi Brumm, Posener Str. 28111. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag. 11 Uhr, Pappelalle« 13, Bor trog des Herrn E. Witthaucr: Die soziale Frag« und das Kosscnprodlem. Abends 7 Uhr geselliger Ah(iil). Gäste willtiunmen. Vereinigung ehemaliger Kri«g«gesa»ge-er. Berlin-Ostc«. Sonnabend, 18. Januar, 29 Uhr, im Lokal Job. Jeschkc, O. 34, Tilstter Ott. 79. Republikanische Rcdarrpcrcinigung. Montag. 29 Ulzr, Borirag de» Ge. nassen G. MMer über:„Deutsch.franzäsische Verständigung-. Republikoner al« Gäste willlovlmeu. Restaurant„Alter Askonier-, Anhalter Str. 11. Briefkasten ÜerMdakiwn. ». L. Anfragen ohne Abonnemeptsquittung und ohne Ramensnennunz beamworlen wir grundsätzlich nicht. Qegsn k?öte«>sr Hände und des Gesichts sowie unsdiSnc Hautfarbe verwendet man am besten die schneeig-weiße Creme Leodor, die gleichzeitig eine vorzügliche Unterlage für Puder ist. Die kühlende und heilende Wirkung tritt besonders im Winter in Erscheinung, wenn Hände und Gesicht durch Einwirkung der Kälte stark gerötet sind. Audi bei spröder und aufgesprungener Haut, insbesondere bei dem so lästigen Juckreiz der Haut« leistet die Creme vorzügliche Dienste. In allen diesen Fällen trägt man sie in dünner Schicht auf und wiederholt dies mehrmals täglich, abends in stärkerer Sdiidit. Der nachhaltige Duft dieser Creme gleichfeinem taufrisch gepflückten Frühlingsstrauß von Maiglöckchen, Veilchen und Flieder, ohne jenen berüchtigten Moschusgerudi, den die vornehme Weif verabsdieut.— Leodor-Kühl- Creme, rote Packung; Leodor-Fett. Creme, blaue Padomg.— Wirksam unterstützt durch Leodor-Edel-Seife,— Unter-Vorkriegspreise.— In allen Chlorodont-Verkaufsstellen erhältlidi, Jfans SSauer död* Der alle Mcier sitzt verstört an seinem Sll)rcibtisch. Cr hat dieses Leben nanicutos satt. Er ist einschlössen, dieses freudlose, ein- saine, von den schrecklichen Gichtanfällen heimgesuchte Dasein von sich zu werfen. Er ordnet noch etwas an seinen Papieren. Doim besteigt er einen Stuhl, um sich ani Kleiderhaken zu erhängen. Eben legt er den Kopf in die Schlinge, als die Tür aufspringt und ein Kerl mit schwarzer Gesichtsmaske und mit vorgehaltenem Revolver hereinstürzt. „Kein Wort!", brüllt der Eindringling,„oder ich schieße...!" An die Ohren des alten Meier klingen diese Worte wie aus une>ü>licher Ferne. Ein Mensch in seiner Stube? Er stiert den Kerl an und begreift nicht. „Kein Wort!", zischt der Einbrecher noch einmal,„kein Wart oder es knallt! Den Schlüssel zum Geldschrank her!" Cr geht auf den alten Meier zu, immer den Revolver vor sich herschiebcnd, koimnt erst allmählich zuni Bewußtsein der Seltsamkeit der Lage, stockt und fragt erstaunt:„Was soll denn das...? Was tun Sic da...?" Aber schnell wird er wieder mißtrauisch, verniutet, daß eine Komödie hier gespielt wird, und fordert von neuem:„Den Schlüssel her! Ich zähl« bis drei!" „Schießen Sic", fleht Meier.„Schießen Sie... oder ich schreie!" Und als ob er den Tod auf zweifache Weise herbeirufen wolle, schiebt er ntit den Füßen den Stuhl von sich. Der Einbrecher springt an den alten Meier heran, reißt mit einem mächtigen Ruck den Kleiderhaken aus der Wand und befreit Meiers Kopf aus der Schlinge. Der alte Mcier stürzt dem Einbrecher vor die Füße:„Haben Sie Achtung vor dem Tode! Lassen Sie mich sterben! Schießen Sie! Ich flehe Sie an! Schießen Sie oder ich schreie, daß das 5)aus zu- fammenläust!" Der Einbrecher ist sprachlos. Schließlich steckt er zögernd seinen Revolver in die Tasche, lagt sein« Rechte besänftigend auf Meiers Mund med stottert heraus:„Seien Sie vernünstig... Ich... ich meine es nicht böse... Das ist ja olles Narrheit, was Sie reden! „Und er packt den Geretteten, hebt ihn hoch und trägt ihn auf die Chaiselongue. Bleich, ermattet, bleibt der Lebensmüde liegen. Der Einbrecher sieht auf einem Regal eine Flasche Kognak stehen. Er füllt das Getränk in ein Wasserglos und labt seinen Schützling da- mit. Nach einer Weile beklonimenen Schweigens fragt er:„Warum haben Sic denn das tun wollen?" Der alte Meier antwortet leise, er sei ein alter, kranker Mann und einer ohne Anhang dazu. Er erwarte nichts mehr vom Leiben, er sei seiner überdrüssig. Der Einbrecher fragt lauernd:„Aber Sie sind doch ein reicher Mann." Ein schwaches Lächeln fliegt über Meiers Gesicht.„Reich bin ich nie gewesen, aber ich habe allerdings sorgenlos leben können." Der Einbrecher versucht zu trösten:„3n diesen dreckigen Zeiten sorglos leben körnten: ist das nicht auch schon allerhand?" Er er- zählt von sich: Bei ihm, da sei es auch schon einige Male nahe daran gewesen, daß er Schluß machen wollte. Damals zum Beispiel, als er das erstemal habe sitzen müssen. Heute bereue er es keineswegs, von dem unsinnigen Öebonkcn schließlich wieder abgelassen zu haben. Ueberhaupt: lebensmüde! Was heiße denn dos! Das sei doch Stim- mungssache. Heute sähe man die Welt grau in grau. Morgen sei das alles wieder vorüber: morgen fasse man wieder neu« Hoff- nung. Der Einbrecher setzt noch einmal das Glas an Meiers Mund. Der trinkt willig. Die blasse Farbe seiner Wangen wandelt sich in leichtes Rot. Das Bewußtsein ist wieder völlig in ihn zurückgekehrt. „Was soll das nun eigentlich alles?", fragt er.„Sie sind doch ge- lontitflH. INN..." „Reden wir nicht davon", fällt ihm der Einbrecher ins Wort. „Gewiß, ich bin eigentlich nicht hierhergekommen, um die Kranken» fchwester zu spielen, aber man ist ja human, man hat ein Herz im Leib. Hier, wo es um ein Menschenleben geht, da lasse ich gern die (geschästsrücksichtcn beiseite. Fühlen Sie sich wohler? Wollen Sie noch einen Schluck Kognak? Soll ich Ihnen ein« Decke holen?" Mcier wehrt ab. Bon der Straße herauf klingt jetzt ein kurzer Pfiff. Der Ein- brecher stutzt. Greift dann an feinen Kops:„Jetzt habe ich wahr- haftig ganz vergessen, daß meine Tochter..." Er eilt an das Fenster. Oessnet es. Flüstert etwas auf die Straße hinab. Geht dann zu Meier zurück. Sagt zur Entschuldigung:„Anita, meine Tochter, steht unten Schmiere. Das arme Ding ängstigt sich, wemi ich nicht wiederkonnne. Sie gestatten sicher, daß ich sie heraus- gerufen habe." Der alte Meier läßt olles mit stillem Staunen geschehen. Schon knistern Amtas Schritte. Der Einbrecher geht ihr bis zum Korridor entgegen. Ruft ihr leise den Weg zu. Im Zimmer klärt er sie schnell über die Loge auf. Und nun sei es ihre besonder« Pflicht als Frau, sich des Erschöpften anzunehmen. Dabei gibt der Einbrecher seiner Tochter einen leichten Stoß und steht sie aus- munternd an Anita erfaßt rasch, was das bedeuten soll. Sie setzt sich zu dem alten Meier aus die Chaiselongue, legt die Hönde auf seine Stirn und fragt, ob er Kopfweh habe. Meier verneint. Der Einbrecher lacht: Wie bunt das Leben sei! Wenn er nun hier nicht hätte einbrechen wollen, dann hinge der Herr Meier jetzt dort am Kleiderhaken und stecke die Zunge heraus. Morgen kamen dann die Leute und erschreckten sich vor ihm. Einen schönen Anblick böte so ein Erhängter keineswegs: er habe einmal in seinem Leben einen gesehen. Brrr: das Essen schmecke ihm den ganzen Tag nicht, wenn er an das abscheuliche Bild denke. Anita schüttelt sich. Wie er aber nur auch auf einen so hirnverbrannten Einfall habe kommen können! Das elendste Leben sei besser als der schönste Tod— und gar als ein so häßlicher Tod. An einem Faden baumeln... greu- lich, jämmerlich... Er müsse das Lustigsein wieder lernen. Anita steckt sich eine Zigarette an und schiebt ihrem Trostbefohlencn eine zweite in den Mund. Der Einbrecher hilft mit einem neuen Kognak nach. Meier wird allmählich imi itterer und unter dem guten und beflügelnden Zureden seiner Gäste neigt er immer mehr dazu, dos Vergangene zu vergessen und eine bescheidene Freude an der Eigenart der Situation zu finden. Und wie dann gar Anita, die hübsche junge Anita, ihre Arme um ihn, den alten Mann, schlingt. da läßt er sich das gern gefallen und es will ihm scheinen, der Ein- brecher habe mit seinem Lebensoptimismus vielleicht gar nicht so Unrecht gehabt. „Eine Frau gehört hier herein", sagt Anita,„eine Frau, die Sie aufheitert. Schließlich können Sie sich ja auch eine leisten." „Woher wissen Sie dos?", fragt Meier. Anita zwinkert mit den Augen:„Gefchästsgeheinmis! Und Ge- schäftsgeheiinnisse würden nicht preisgegeben. Ms Reaktion auf seine Todesbereitschast ist in dem alten Meier allmählich eine laute Fröhlichkeit erwacht. Anita unterstützt sie aufs beste. Sie wird nicht müde, den vom Tode Geretteten über die Haare zu streichen und sich zärtlich um ihn zu bemühen. Der Einbrecher tut dos seine und malt von Zeit zu Zeit das abschreckend düstere Bild eines am Kleiderhaken verendeten Herrn Meier. Meier will davon nichts mehr wissen. Der Einbrecher betont nur noch stärker, ein wie großes Uebel der Tod sei und berichtet von Menschen, die die Todesgual besonders furchtbar gefühlt hätten. JßebensreUer Mcier wehrt ab, wird immer fröhlicher und bekennt, daß er die größte Dummheit seines Lebens hätte begehen wollen. „Hätten Sie jetzt noch Lust, dort an dem Haken zu zappeln?" fragte der Einbrecher. „Um olles in der Welt nicht", sagte Meier und legt seine Hand aufs Herz. Anita ist auf dem Posten und prustet Meier zu. Die Gläser klirren aiieinander—— ober wie der alt« Meier absetzt, da hat der Einbrecher seinen Revolver aus der Tasche gezogen und sagt hart und scharf:„5)eraus jetzt mit dem Geldschrankschlüssel! Heraus damit! Beim Teufel! Ich schieße bei drei! Und das wäre wohl jetzt etwas unwillkounnener als vorhin! Vorwärts! Eins..." Meier ist starr vor Schrecken und hebt zum Sprechen an. „Ruhe", befiehlt der Einbrecher,„keine langen Geschichten! Ich weiß, daß sie seit vorgestern 8000 Mark im Hause haben. Ich bin genau informiert. Den Schlüssel heraus oder es knallt." Meier inankt, van dem Revolver des Einbrechers verfolgt, auf seinen Schreibtisch zu, öffnet ein Kistchen, entniznmt ihm einen Schlüssel, gibt ihn zitternd dein Einbrecher. Der Einbrecher stürzt auf den Geldschrank zu und packt Meier an der Gurgel. „Los Seid', fbttof Wei«, J4*«00«tat Ha fcft««0 nachmittag auf die Bant geschafft, weil ich mW da» Lebe» nehme» wollte." „Sie lügen! Hermi» mit dem Geld! Es muß irgendwo ver» steckt fein." Meier weist schüchtern ans den Schreibtisch„Dort Legt die Quittung!" „Was haben Sie sonst hier an anderem Geld oder Wertsachen?" „Gar nichts. Die Schmucksackten habe ich zu Geld gemacht und dieses mit ollem anderen zur Bank geschafft, damit die Erbschosts- dinge leichter zu regeln wären." Der Einbrecher japptst nach Lust. Der alte Mcier bietet dem Einbrecher an, die ganze Wohnung zu durchsuchen. Er könne mit- nehmen was er wolle, denn schließlich sei er ihm zu Dank ver- pflichtet. Der Einbrecher knirscht, er sei mir aus Gctddiebstahl eingerichtet, und schnauzt schließlich:„Komm Anita" und fügt hinzu:„Dies ist ein verfluchtes Haus.„Krachend fliegt die Tür ins Schloß. Der alte Meier hebt, wie er allein ist, die Arme hoch in die Luft und sühlt neuen Lebensmut durch alle Glieder rinnen. Dann erbarmt er sich des Strickes, der noch inmicr auf dem Boden liegt und wirst ihn zum Fenster hinaus, daß der Einbrecher«in An- denken habe oder nach Belieben sich selbst an ihm aufhäng«. »r � �Berliner üiafekemmen Sine Itadü in der WnierfreU der QroflfMdi Es bedarf wirklich guter Tips, um die Lokale aiiszufinden, wo die„Ganoven" ganz unter sich sind. Man inujj wissen, wann der „Nordring", oder einer der anderen Vereine, die unter dem härm- losen Schild eines Lotterie- und Kcoelocrcins firmieren, ihren Vcrcinsabend haben. Man muß auch möglichst an einem Freitag oder Samstag diese Lokale aiifsuchen, wenn die Unterstützungen ausgezahlt worden sind und das Geld angelegt wird, damit es in der Tasche nicht Rast oder Grünspan ansetzt. Am Ansang der Woche ist das Geld rar, wenn nicht gerade zufällig der„Meckerede" mit seiner Kolonne ein„Ding gedreht" hat und„groß angeben" kann. Und dennoch, obwohl die„große Molle" Bier nur zwei Groschen kostet und das ganze Koschenunengeschäst auf Pfennigen basiert, soll es manchen„Boß"(Kaschemmenwirt) geben, der sein eigenes Auto fährt und im Westen eilt« Villa besitzt. Eine be- kanntere Kaschemme wird von einem Wirt geleitet, der studiert hat und der, wenn man sein Vertrauen erwirbt, höchst scharfsinnige Beobachtungen über seine Gäste mitzuteilen weiß. Ms Boß steht er sich sicher besser als mancher Akademiker, der in der Großstadt verzweifelt um seine Existenz ringt. Es ist längst ein offenes Geheimnis, daß die Ganoven ausgezeichnet organisiert sind, sie achten aber auch scharf aus Standes- unterschiede. Da gibt es zum Beispiel eine Kaschemme, in der nur „Pemter" verkehren, kaum, daß sich einer hinverirrt, der eine feste „Bleibe" hat. Die Penner gehören zu den Aermsten der Armen, aber nicht zu den Sorgenvollsten. Reicht das Geld, schlafen ste in der„Palme", dem Obdachlosenasyl, sonst je nach der Witterung in Laubenkolonien, unter Brückenbögen und auf Hausbädcn. Der Besucher einer Kaschemme wird argwöhnisch beobachtet, ob er nicht von der„Polente" sst. Dann müßlc man vielleicht „einen Satz machen",, das lteißt ausreißen. Einige Lagen Bier und einige„Stiefel", große Glasgefäßc, die mehrere Liter fassen, stellen Vertrauen her, rujen ober auch eine gewisse Aufdringlichkeit wach. Die wenigen Zigaretten sind sofort„vergrissen". Man muß nachkausen, um alle Rauchhungrigen zu befriedigen. Einer, die Mütze schief auf dem Ohr, zieht eine mächtige gefleckte Bulldogge herbei und hält ihr ein brennendes Streichholz hin. Das Tier springt hoch, und im Zuschnappen löscht es das Feuer. „Prachtvolles Tier, was soll es kosten?"„Können Sie nicht bezahlen, fuszehnhundert Eier sind mir dafür geboten."„Ist ja doch geklaut."„Nee, diesmal nich, hat mir ne Dome in Kommission jcgeben." Die Umstehenden lachen. Ein blasser, blonder Pole mit auseinanderstehcnden Zähnen blinzelt und flüstert:„Sie sind doch für ne Mark suftzig stark! Hören Sie mal zu, wenn Sie roussehen, schieben Sie mir die un- auftällig in die Hand."„Na, und wofür?"„Ich möchte die Nacht mal schlafen, sonst nmß ich stehlen gehen." Ein Neuangekommener tauscht erbettelte Butterbrote gegen Zigaretten ein. Das Interesse flaut schnell ab. und mit Unbehagen sühlt man sich als Mittelpunkt eines immer stärkeren Gedränges. Ein Glück, daß die Zeche inzwischen erledigt ist. Jetzt bei der nächstbesten Gelegenheit„türmen". Sie findet sich bald. An einem Tisch, der abseits steht, springt ein Penner mit wilden Augen und hochrotem Kops aus und beschimpft wütend seine Nachbarn, die ihn auslachen. .Lassen Sie doch den, das ist'n Knallkopp", sagt der Pole, „geben Sie mir wenigstens ne Mark."„Knallkopf" hat den Jagd- schein Z 5l. Der Knallkopp sängt an zu randalieren, es droht eine all- gemeine Prügelei, und somit ist es möglich, unoussällig zu ver- schwinden. Nur der Pole kommt auf die Straße nach:„Na, auch nicht'n Fuffziger?" Eine andere Kaschemme, der Stamm ganz ähnlich, nur ältere Semester. Demgemäß geht es auch ruhiger zu. Das Sichanbiedern, Wiegenlied cmer!anöttrncherm ver Mond bleibt hinter den Molken heut. vas ist nun deine erste llacht. Noch manche wird dir werden so... Ich Hab dich am Feldrain zur Welt gebracht. Schlaf ein, schlaf ein. ich weih kein Lied. Schlaf ein, schlaf ein, ich bin fo schlapp und müd'! vie Nacht ist schwarz. Und ich bin arm. wer mag dein Vater sein? ibb er wie du jetzt friert und weint? Sch. könntest du wieder in mich hinein... Schlaf ein, schlaf ein. ich weiß keine Melodie. Schlaf ein, schlaf ein, ich bin so kaputt wie noch nie. wenn du dann morgen früh erwachst... vielleicht bin ich schon steif. Mein Mut tropft wie ein kleiner ibuell. vu kleine Made machtest zu früh mich reif. Schlaf ei«, schlaf ein, mein süßes Lieb.* Schlaf ein, schlaf ein... und mir vergib... liellmut Klose. um eine Molle oder eine Zigarette zu schnorren, geschieht nicht in so aufdringlicher Weise. Sie bemühen sich, die Ausmerlsamkeit in höflicher Form zu erregen. Einmal ins Gespräch gekommen, erzählen sie lang« Enden. Ein Bauntlanger, mit den Uebcrrcsten eines ehemaligen Zylinders auf dem Kops, die wie ein Hahnenkamm wirken, zeigt gleich seine Papiere, um seine Erzählung zu beweisen. „Dem Namen noch sind Sie Litauer?"„Ja, aber kein Szmneite, ich bin Preußisch Litauer."„Können Sie litauisch?" und gleich legt er los.„Gedient in Königsberg, zwei Jahre französische Gefanoenschoft." vous francais?" Wir sprechen einige Sätze sranzösisch.„Sie sprechen sehr gut, da müßten Sie sich eigeitt- lich mit der roten Iule drüben unterhalten, die sst Luxemburgerin. Aber Sie haben ja einen Trauring, schade, da haben Sie wohl kein Interesse." Ein internationales Völkchen, viel Russen und Polen, ober auch Italiener, ja Mulatten. Die Hände, die man sieht, sehen alle nicht nach Arbeit aus. Alle suchen natürlich„Arbeit", ober ein bißchen betteln,„fleddern" oder„luden" ist bequemer. Dos Zeigen der Papiere wirkt ansteckend. Da schiebt sich ein Hüne heran, blonder, bildhübscher Bengel, Typ eines moderne» Sportlehrers.„Donnerwetter, haben sie mir den Seemonnspaß geklaut! Heut hob ich mich als Maschinist ablohnen lassen, und jetzt ist der Paß fort. Wenn ich den Kerl erwische, dann gibt's„Um- Ichlag"(Keilerei), und wenn ich ihn„lang mache"(totschlage)." Der Paß wird inzwischen schon geschickt gefälscht sein und auf einen anderen Namen lauten. Eine andere Kaschemme. Ein Kellerlokal, deren es nur noch wenige gibt. Borne Stehbierhalle, daneben„Gaststube" mit Plüsch- sofas ohne Federn. 5iicr sind auch, mehr Frauen, was das Milieu und die Art der Ganoven charakterisiert. Es sind schwere Jungen. die vor nichts zurückschrecken, die ebenso gut einen Geldschrank knabbern, eine.Wohnungstürc„kanteln" oder einem die„Paddc zoddeln"(berauben), wenn er„dicke Marie"(eine gespickte Brief- lasche) hat. So lange es geht, machen sie sich das Leben bequenter. Während die Hauskapelle, bestehend aus Mandoline und Gitarre, das Lied vom„treuen Husaren" spielt, schreit am Nebcntisch einer seine Nachbarin an:„Wat, nur ecn Weisamann(Fünfmarkstück)?" Und der Gitarrespieler ruft ihm, ohne sein'Spiel zu unterbrechen, höhnische Worte zu, die nicht wiederzugeben sind. Ein unbehagliches Milieu. Es gibt auch Kaschemmen, in denen es gemütlicher zugeht, in denen man keine Sorge um seine„Marie" oder gar um seine Haut zu haben braucht. Da sitzen die Gäste wie eine große Familie zu- sammen, unterhalten und frozzcln sich gegenseitig. Das engum- schlungcne Liebespaar in der Ecke bleibt unbeachtet. Der Klovier- spielcr hat zwar keinen Kragen, aber ein kokettes Spitzentuch hängt ihm aus der Brusttasche. Die bärtige Alte mit Stelzfuß schlägt mit der Krücke den Takt zur„Liebe der Matrosen", ein Lied, das in allen Kaschemmen gesungen wird. Ein Kerl mit Schweinsäuglein im pfisfigen Pausbackengesicht trägt für eine Molle überaus derbe Gedichte vor, daß ihm„Amanda" energisch die— Unanständigkeite» untersagt. Amanda hat sich nämlich nicht nur zu einer Molle ein- geladen, sie erzählt auch gerade, daß sie aus einer Beamtenfamilie aus Potsdam stammt und einen jungen Prinzen betreuen durste. Man könnte es ihr sogar glauben, denn sie sieht sehr respektabel aus und auch sehr jugendlich mit ihren 63 Jahren. Sie hat nur den Fehler, daß ihr Durst nie alle wird. Ein Kaschemmenball ist selbst für die Ganoven das Höchst« der Gefühle. Man denke dabei aber ja nicht an Apachentracht und Apachentönzs. Da? geräumige Konditoreicafe, kleinbürgerlich mit Papiergirlanden geschmückt, hat ein auf den ersten Blick sehr acht- bares Publikum. Aber olles, was hier versammelt ist, geht zweifelhaften Berufen nach. Hier gibt es junge„Raben" und ältere „Taschenkrebse", hier trifft sich unauffällig eine Kolonne, die ein Ding gedreht hat und die„sore verschärfen", dem Hehler das Diebs- gut verkaufen will. Hier treiben sich auch„Fünfgroschenjungens" herum, die ihren Nebenverdienst darin suchen, einen Ganoven der „Polente" zu„verpfeifen". Das läßt sich hier alles so unter der Hand machen, weil es auf dem Kaschcmmenboll lustig zugeht und einer nicht so aus den anderen aufpaßt, �'.ec legt man auch schon mal Hut und Mantel ab, was in den anoeren Kaschemmen nicht üblich ist. Nur die vorsichtig sein müssen, trinken so wie sie sind ihre Molle am Schanktisch. So hat die Unterwelt der Großstadt ihre Stufen und Kreise genau wie Dantes Inferno, nur daß es hier keine„Verdammte" gibt, höchstens„Vorbestrafte". Die größten Städte der Erde sind London und New Aork: London hat mit seinen Vororten 7,8 Millionen Einwohner, New Pork 6 Millionen. Im Jahre 1800 zählten die beiden Städte 1,3 Millionen bzw. 60 000 Einwohner. New?)ork war also da- rnals nicht größer als heute die Stadt Braunschweig. Sein Wachstum beträgt 9900 Prozent. Aus einen New-Uorker im Jahr« 1800 kommen heute 100. Junge Alligakoren bieten in tbrer weichen Haut ein sehr schönes Material, das, wenn es gegerbt ist,«in sehr gleichförmiges Leder abgibt und sich dadurch von der Haut der älteren Alligatoren unter- stbeidet, die hart und ungleich gefärbt ist. Fast jeder Teil des toten Alligatoren läßt sich zu Geld machen. Die Zähne liefern ein leuchtenderes Elfenbein als die Eletanlenzähne und lassen sich zu den feinsten Schmuckstücken verarbeiten. Ar. 25» 49. Jahrgang 0� Sonnabend, �6 Januar 193!! Einheiisgemisch- Ganz unmöglich Uebcr die Notwendigkeit einer grundlegenden Reorgmii- sation der deutschen Treibstosfwirtschast besteht kein Zweifel. Der stampf der internationalen Erdölmächte um die Belieferung des deutschen Marktes, verschärft durch die Interessen der inländischen Erzeugergruppen— des Bergbaues, des Cheinietrusts, der oft- elbischen Landwirtschaft und der neu belebten deutschen Erdöl- gewinnung— hat zu einer phantastischen Ucbcrsetzung des Vertricbsapparates der deutschen Treibstossoersorgung geführt. In dem Wettrüsten der Konzerne sind viel zu große und zu zahlreiche Verarbeitungs- und Tank- anlagen, Röhrenleitungcn, Transportmittel und Zapfstellen gebaut worden, die bequem die Verbrauchsmengen eines ganzen Jahres beherbergen könnten. Mehr als S0000 Zapf st eilen stehen für 7l>l)t>l)l>im Betrieb befindliche Kraft- wagen zur Verfügung, wobei noch zu berücksichtigen ist, daß die Hälfte des Treib st offverbrauchs auf Großverbraucher mit eigenen Tankanlagen entfällt. Unter einer Unzahl von Spezi almarkcn und Spezial- gemischen kann der Automobilist sich seinen Treibstoff auswählen. Das ist aber auch der einzige„Vorteil", den er hat. Die Kosten des erbitterten Konzcrnkampfes und der Zersplitterung muß der deutsche Verbraucher bezahlen. Alle die um die Beteili- gung am deutschen Verbrauch kämpfenden Gruppen, «on Rockefeller bis zu den Sowjets, vom Ruhrbergbau bis zu den ostelbischen Schnapsbrennern, sind geeint in der Betriebsstoffkonvention und halten sich auf Kosten der Ärafwertehrswirtschaft durch gemeinsame Prcisüber- höhungen für ihre unwirtschaftlichen Investitionen schadlos. Es liegt der Gedanke nahe, daß diese krassen Mißstände nur durch einen staatlichen Eingriff beseitigt werden können. Aber die Pläne, die in den lehlen Tagen bekannt wurden, nach denen uns ein Einheitsgemisch mit überwiegendem Anteil deutscher Treib- und Mischstofse(Kraftsprit, J.-G.-Benzin, Methanol, Benzol und deutschem Erdöl) beschert werden soll, nach denen für die Einfuhr von Auslandsbenzin Lizenzen vergeben werden sollen, haben mit diesem Ziel nichts zu tun. Selbst der an sich durchaus zu fördernde Plan einer stärkeren Vereinheitlichung der Marken, die aber wahrscheinlich nur im Rahmen eines Staats- Monopols durchzuführen ist, wird in diesem Projekt diskreditiert. Dies« Pläne laufen aus keine volkswirlschasllich vernünftige "tcorganisation der deutschen Treibstosswirlschast, sondern auf einen angesichts der Losten und der Derbraucherbelaflung nicht zu recht- fertigenden Protektionismus bzw. auf Riesensubventionen zugunsten der einheimischen Erzeugergruppen hinaus. Sie würden keine Der- billigung, sondern eine fühlbare Verteuerung für die Lraftverkehrs- wirlschaft bewirken. Politik de? Interessenten. Nach den Plänen, die ganz deutlich den Stempel der hinter ihnen stehenden Interessenten zeigen, soll in Zukunft der deutsche Treibstoffbedars in Höhe von l,S Millionen Tonnen Treibstoff zu öl) Pro z. aus deutschen Erzeugnissen bestehen. Einige Gruppen der deutschen Erzeuger sind auch durch diese verstiegenen Projekte noch nicht zusriedcnge stellt. Der Landwirtschaft hat man großzügig eine Erhöhung der Äraftspritbeimischung von 6 auf 10 Proz. zugesagt, aber die Brennereien verlangen nicht bloß die von den Projektemachern bereits bewilligte Quote, sondern sie verlangen sogar einen zwölf- prozentigen Spiritusverwcndungszwang. Da der B c r g b a u sich mit der ihm zugebilligten lOprozentigen Benzolquote benachteiligt fühlt, hdt die I. G. in einer gestrigen Erklärung wohlwollend betont, daß„dieser Prozentsatz für Benzol nicht ausreichen dürfte... Die Einführung eines Einhciksbetricbs- stoffes müßte davon ausgehen, daß alle in Deutschland erzeugten Treibstoffe vorweg verbraucht werden". Die I. G. Hot ferner in dieser Erklärung versichert, daß sie ihre Bcnzinproduk- tion(gemeint ist wohl die Hydrierung von Rohöl zu Benzin in den Lcuna-Werkcn) auf die in dem Projekt erwähnten 3S0 000 Tonnen jährlich zu steigern imstande wäre und auch die ihr ferner zugeteilten 150 000 Tonnen Methanol in kurzer Zeit produktions- mäßig erreichen könnte. Und nun kommt das große Wunder: Obwohl l Liter Kraftsprit in der Herstellung 30 Pf. kostet, l Liter Methanol etwa 25 Pf., also-bas Achtfache bzw. das Vierfache der gegenwärtigen Importpreis« für Benzin und die inländische Erdölgewinnung, die reineSubvention! Herstellung von Leuna-Benzin sowie die Benzolprnduktion durch gewaltige staatliche Subventionen begünstigt werden, soll das neue Einheitsgemisch keine neue Belastung für die Verbraucher bringen! Die falschen kosten des Projekts. Wir wollen überschlägig an ein paar Beispielen zeigen. welche Mehrkosten und Subventionen sich nach diesem Plan ergeben würden. Der gegenwärtige Spiritusbeimischnngszwang von ö Proz. bedeutet bereits eine Belastnng von Z.75 Pf. pro Liter Treibstoff. Seine Erhöhung anf 10 Proz. Spirilusverwendung würde diese„A l k o h o I b e l a st u n g" der Automobilisten auf 6,3 Pf. pro Liter Treibstoff steigern, während nach den Angaben der Benzinkonvention der gegenwärtige Importpreis für Auslandsbcnzin 6,6 Pf. pro Liter beträgt. Die st a a t l i ch e Subvention, die die Benzingewinnung der 3. G. durch den Mineralölsteuererlaß auf dem Verwaltungswege bzw. durch die Richterhöhung der Ausgleichssteuer genießt, beläuft sich bei einer tzahresproduktio» von 100 000 Tonnen auf rund 12 Millionen Mark im Iahr. Bei einer Erhöhung der ll.-G.-Produklion auf 350 000 Tonnen würde diese Subvention aus mehr als 40 Millionen Mark im Iahe gesteiget 1 werden. Selbstverständlich müßte auch die Methyl- alkoholproduktion staatlich subventioniert werden oder die Verwen- düng von Methylalkohol im Einheitslreibslofs zu einer starken Ver- teuerung führen. Wenn diese Pläne also verwirklicht würden, so würden entweder die Trcibstoffpreise noch gewaltig verteuert werden, oder bei Bei- bchaltung der jetzigen Preise müßte der Staat die Mehrkosten tragen, indem er auf eine Besteuerung der inländischen Treibstoffe ver- zichtet. Räch den Zahlengröszen des Planes würde die Reichskasse einen steuerlichen Einnahmcausfall von mehr als 100 Millionen Mark haben. und mit diesem Opfer würde eine zum Teil völlig unwirtschaftliche einheimische�Treibstoffproduktion forciert und subventioniert werden. Es ist andererseits ganz klar, daß derartige Riesenopfer Volkswirt- schastlich nicht zu rechtfertigen sind, daß aber auch der Staat auf derartig große Einnahniebcträge in der gegenwärtigen Finanznot gar nicht verzichten kann. Die Subvcntionsbcträge für die einheimischen Treibstoffinteressenten müßten anderweitig auf- gebracht werden, beispielsweise durch Erhöhung der Kraftfahrzeug- steuer: letztlich würde die Kraftverkchrswirtschaft und die Gesa mlwir tschaft aus dieser Entwicklung schwer st cn Schaden erleiden. Wir hoffen, daß die zu- ständigen Stellen, der Reichswirtschaftsminiftcr Warmbold und der Reichsfinanzministcr Dietrich, zur Beruhigung der Oefsentlichkeit bald eindeutig erklären lassen, daß ihren Ressorts diese verstiegenen und volkswirtschaftlich schädlichen Pläne fernliegen und sie derartige Interessentenprajekte aus volkswirtschaftlichen und staats- finanziellen Rücksichten ablehnen. Reichsbahn senki Küstenkohlentanse. In Verbindung mit der Giitcrtarifsenkung auf Grund der Not- Verordnung führt die Reichsbahn ab 16. Januar auch eine S e n- kung der Küstsntarife für Kohle durch? Diese Küstenkohlentarife finden Anwendung bei dem Kohlen- Versand aus inländischen Revieren nach den Küstengebieten, weil diese infolge des starken Konkurrenzkampfes mit der ausländischen Kahle, insbesondere mit der englischen, ein heftig umstrittenes Ab- satzgebiet find. Die jetzt durchgesührte Tarisjenkung sür diesen Versand versucht den Vorsprung, den die englische Kohle durch die Entwertung des Pfundes gewonnen Hot, zum Teil auszugleichen. Die Küstentarife werden bei Kohlcnfendungen für den Ortsverbrauch in den Hasenplätzen um 1 Mark und nach den übrigen Plätzen des Küstengebietes um 50 Pf. je Tonne gesenkt. Die Frachtsätze für Bunkerkohle(Schiffskohle) liegen um 1 Mark unter den Sätzen für den Ortsverkehr, sind also um 80 Pf. bis 1,30 Mark erniäßigt. Eine weitere Senkung für Bunkcrkohle um 70 Pf. je Tonne wird bis zum 30. September 1932 festgesetzt. Die Frachten für A u s s u h r k o h l e, die bereits im Juni 1930 um 3 bis 5 Mark je Tonne abgebaut wurden, werden im Verkehr von Schlesien nach Stettin um 60 Pf. je Tonne gesenkt, und im übrigen wird mit vorübergehender Gültigkeit eine allgemeine Senkung um weitere 20 Pf. eintreten. Reue Brotteuerungsgesahr. Wieder die Auswirkungen von Schieies Großagrarierpolitik Die Organisationen des Bäckergewerbes verweisen die Regie- rung auf die Gefahr der steigenden M e h I p r e i s e und die Verfassung der deutschen Produktenbörsen, die sicherlich mehr als bedenklich ist. Das Angebot, besonders das Angebot an Roggen, verknappt sich immer mehr und die Preise steigen. Wir geben dazu folgende Ucbersicht: Anfang Januar Mitte Januar (Berliner Produktenbörse) Weizen pro Tonne.... 216—218 M. 222—224 M Roggen pro Tonne.... 185— 187„ 196— 198 ,, Weizenmehl pro 100 Kilogr.. 26,50— 27,60-„ 27,50—31,25„ Roggenmchl pro 100 Kilogr.. 25,50—27,60„ 27,00—29,25, Es fällt vor allem die starke Steigerung für Roggen uno Roggenmchl auf. Der Roggcnpreis hatte bereits Anfang dieser Woche die Grenze von 200 M. überschritten. Wenn er wieder zurückgefallen ist, dann liegt das wirtlich nicht daran, daß sich die Lage erleichtert oder verbessert hätte. Es handelt sich um eine Zu- jälligkeit. Das Angebot an Roggen ist dauernd äußerst knapp. Die Börsenberichte unterstreichen das tagtäglich. Hier zeigen sich die Folgen der schlechten Roggenernte und auch die Folgen der Schiele- schen Futter mittelpolitik. Durch sein Maismonopol, durch verschiedene Subventionen auf die unerhört hohen Zölle hält der Reichsernährungsnunister die Futtermittelpreise künstlich hoch. Der Landwirt, besonders der kleine Landwirt, kann d(e hohen Futter- niittelpreise nicht anlegen. Er verfüttert also seinen Roggen. Der Roggen wandert nicht in den Backtrog, sondern in den Vichtrog. So ist es zur Desorganisation unserer Getreidemärkte gekommen. Die Folgen würden chch noch mehr zeigen, wenn der Reichsernäh- rungsminister durch die ihm nahestehenden Institute nicht schon seit längerer Zeit ausländischen Roggen auf den Markt werfen würde, der zu einem verbilligten Zoll«ingeführt wird. Wie die Prcisbe- wegung aber beweist, reicht die Hilfe nicht aus. Wenn das so weiter geht, wird der Roggenpreis bald weit über 200 M. steigen und wir werden in Deutschland die schönste Brotpreis st eige- rung inmitten drei Pre-isscnkungsaktion erleben. Für den Reichscrnährungsminister ergibt sich die Pflicht, so bald wie möglich dem Getreidemarkt Material aus. dem Auslande zuzuführen und die Zölle zu senken. Englische Schuhzollmauern übersprungen. Die Ausländer bauen Fabriken in England. Die englische Industrie ist gegenwärtig gegenüber dem Ausland durch eine doppelte Schuhmauer gesichert: erstens durch die Eni- werlung der englischen Währung, zweitens durch die kürzlich ge- fchaffenen Schuhzölle, die für zahlreiche Industrieerzeugnisse vielfach bis zu 100 Proz. des Wertes betragen. Die Folge ist. daß eine Reihe ausländischer Firmen, sür die bisher der Absah nach England einen wesentlichen Teil ihres Umsahes bildete, j e h l auf englischem Boden Fabriken errichten. wenige Tage nach der Bekanntmachung über die neuen Zölle, entschloß sich der holländische Philips- Konzern, seine englische Tochtergesellschaft erheblich auszubauen. Ieht sollen, wie die Londoner Handelskammer bekannt gibt, eine Reihe deutscher, holländischer und französischer Firmen damit beschäftigt sein, größere Fabriken in London, Liverpool und anderen englischen Städten zu bauen. 11. a. sollen in England Batterien, elektrische Einrichtungen, Kunstleder und andere bisher eingeführte Erzeugnisse produziert werden. Durch solche Produklionsverlegungen wird der Schuh, mit dem die englische Industrie gerechnet hat, illusorisch gemacht. weltwittschastlich ist eine solche Enlwicklung überaus s ch ä d- l i ch. Der Produklionsapparat der industriellen Länder, der, wie die Krise zeigt, gegenwärtig viel zu groß ist. erfährt durch solche Reubaulen eine neue Erweiterung. De ausländischen Firmen, die seht in England fabrizieren wollen, hoffen zwar, aus dieser Fabrikationseinnohme einen entsprechenden Gewinn zu ziehen, doch werden natürlich in ihren eigenen Ländern, d. h. auch bei denjenigen deutschen Firmen, die jetzt in England. fabrizieren wollen, Arbeiter und Angestellte überflüssig und entlassen! England verlängert den 100-Willionen-Schilling.Kredil für Oesterreich. Die Bank von England hat in einer weiteren Verlänge- rung des der Oestcrreichischen Rationalbonk in Höhe von 100 Mil- lioncn Schilling gewährten Kredits zugestimmt. Der Verein Deutscher Fahrrad-Industrieller hat auf die Auf» stellirng neuer Richtpreise verzichtet. Er weicht damit der Preissenkungsvorschrist der letzten Notverordnung aus. Freilich Nirften die bisherigen Richtpreise vielfach nicht wirksam gewesen sein. wcsen sein. Zur Krage der Bierpreise. Die Auffassung des Verbandes der Nahrungsmittel« und Getränkearbeiter. Der Vorstand des Verbandes der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter sendet uns seine von der unseren ab- meidende Stellungnahme zur Frage der Bierpreise, die wir lm folgenden im wesentlichen wiedergeben. „Ein Produkt, dessen Preis für die letzten Verbraucher um ein Mehrfaches über dem der Vorkriegszeit liegt, ist das Bier, das Nationalgetränk des Deutschen seit jeher. Cs oerdankt diese Preissteigerung zum erheblichsten Teil der in der letzten Zeit erfolgten Ueberbesteuerung. Die von uns im Kampf gegen die am 1. Mai 1930 letztmalig vorgenommene Erhöhung der Reichsbier- steuer um nahezu SO Proz.— der die weitgehendsten Steuervoll- machten für Einführung bzw. Erhöhung von Gemeindebiersteuern folgten— deutlich aufgezeigten Befürchtungen für das Gewerbe, für die Reichsfinanzen und für die Arbeiter wurden weit über- troffen Die von der vorgenommenen Erhöhung der Biersteuersätze er- warteten Mehreinnahmen sind in der Folge a u s g e- blieben. Das Einnahmesoll wurde schon für das der Einfüh- rung folgende Etatsjahr stark herobgeschraubt. Es werden darum aber die vor der Erhöhung aufgekommenen Steuererträge nicht entfernt erreicht werden. Während im Rechnungsjahr 1929/30 unter der Herrschaft der noch niedrigen Biersteuersätze 412 Millionen Mark erreicht wurden, brachte die Reichsbiersteuer bei fast SOprozentiger Erhöhung im Rechnungsjahr 1930/31 nur 473 Mil- lionen Mark ein. In den ersten zwei Vierteljahren des Rechnungs- jahres 1931/32— es handelte sich um das Sommerhalbjahr— kamen 211 Millionen Mark Reichsbiersteuer ein gegen noch 236 Mil- liynen Mark in der gleichen Zeitspanne im Jahre vorher, so daß die Steuererträge vom Jahre 1929/30 im laufenden Rechnungsjahre nicht erreicht werdea Nach den Einnahmen an Reichsbiersteuer in den Monaten September, Oktober und November 1931 blieb diese gegenüber den gleichen Monaten vom Vorjahr um 10,7, 13,8 und 15,9 Millionen Mark zurück. Ein noch größeres Fiasko wird von den Einnahmen der Gemeindebier st euer berichtet, die im Jahre 1931 350 Millionen Mark aufbringen sollten und nur 101,5 Millionen aufbrachten. Die Kaufkraft im Gewerbe, besonders gegenüber der Land- Wirtschaft, wurde infolge- des Konsumrückganges geschwächt, lieber 50 Proz. der wertvollen Braugerste und zehntausende Zentner Hopfen von der Ernte 1931 liegen noch auf dem Markt. Die- Stützungsaktionen für Hopfen und Gerste haben nur geringen Er- AiUiing S?v..SelrleÄKkttrso«!iÄeule! Mittwoch, 20. Januar, 19% Uhr, Soph.cntSle, Sophiemtr. t7'I8 Foiteetcong der Funkilonär-Konferenz aller SPD.-Betrieb»» u. Gewerkich afttfunktionäre Taoetordnung; 1. Wahl der 5 Verireter für den erweiterten Bez rkivori fand. 2.„Die eiserne Front martcfaiert." Referent: Emil Barth. Ohne Funklionärantweis der Partei kein Zairüt. folg. Zehntausende Arbeiter wurden der Erwerbslosenunterstützung neu zugeführt oder müsicn bis zu 24 Stunden iii der Woche kurz arbeiten. Der Endeffekt der Ueberhöhung der Steuer war somit: Schwächeres Fließen der Steuerquellen auf allen Gebieten, höhere Inanspruchnahme der Arbeitslosenunterstützung und hohe Bier- preise mit allen chren Haupt- und Nebenwirkungen. Eine Senkung der Bierpreise muß kommen. Sie kann aber unmöglich für die Verbraucher fühlbar und für Arbeiter, Gewerbe und Reichsfinanzen wirksam werden, wenn die Biersteuern im herrschenden Ausmaße bestehen bleiben. Es wird, wie schon oft, leider auch wieder bei der gegenwärtigen Diskussion über die Senkung der Bierpreise an den'realen Tatsachen viel zu sehr vor- beigcredet. Man übersieht dabei völlig, daß lOprozentige Senkung der Brauereiarbeiterlöhne nur 50 bis 60 Pf. pro Hektoliter Bier entsprechen. Das würde von Berliner Verhältnissen, aus gesehen, eine-Preissenkung von etwa 0,2 Pf. pro Molle ausmachen� Da- gegen lasten aber auf der gleichen Maßeinheit Bier jetzt allein bis 22 M. Verbrauchssteuern. Das ist ein Betrag, der bis 20 Proz. über dem Bierpreis der Vorkriegszeit liegt. Werden diese Verbrauchssteuern entsprechend gesenkt und tun Brauereien und Gastwirts zugunsten einer Bierpreissenkung dos ihnen noch Mögliche, so wird bestimmt das Geschäft stark belebt, ein erheblicher Mehrumsatz wird eintreten. Die Reichskasse wird dann besser als jetzt zu ihrem Recht kommen, es werder neue Steuer- quellen zu fließen beginnen und andere bester fließen, der Arbeits- markt wird entlastet Bei der öffenllichen Diskussion wird in der Regel das Wich- tigjte. nämlich der Grad des gegenseitigen Ver- flochtensein; der Gewerbezwelge übersehen. So darf, um hier zu einem richtigen Werturteil zu kommen, nicht unbeachtet bleiben, daß vom Braugewerbe ein sehr großer handwerklicher Kreis lebt, daß ein wichtiger Zweig im Maschinen- und Apparatebau mit relativ viel menschlichen Arbeitskräften von ihm abhängig ist. Das Braugewerbe konnte— und zwar fast ausschließlich der heimischen Landwirtschaft— alljährlich für Hunderte von Millionen Mark Rohstoffe abnehmen und führte dieser die wertvollen Brauerei- ob fälle, die als beste Futtermittel anerkannt sind, wieder zu. Nicht zu übersehen ist bei der Würdigung des gegenseitigen Verstricktseins mit der Brauerei, das gastronomische Gewerbe, das mit seinen vielen Unternehmungen und Hunderttausenden Arbeitnehmern eben- falls stark unter dem durch Steuern überhöhten Bierpreis leidet. Es wird mit einer Senkung der Bierpreise hier sich das Gesamt- geschäft beleben und die Generalunkosten werden gesenkt. Aus all den hier erwähnten Gründen muß von der Arbeit- nehmerseite eine fühlbare Senkung der überhöhten Bierpreise ge- fordert werden. Sie kann erfolgen, wenn von den Brauereien und Gastwirten das ihnen Mögliche getan wird und vor allem auch eine entsprechende Senkung der Verbrauchssteuern ein- tritt. Zehntausende Arbeitnehmer finden damit wieder Arbeit. In einer Aussprache im Reichsfinanzministerium wurde ver- bandsseitig eine dementsprechende Steuersenkung gefordert." Direkiorenabbau bei LG.-Karben. Nachdem in den letzten Iahren die Belegschaft bei de? IG.-Farbenindustrie in sehr starkem ilmfange abgebaut wurde, hat sich dieses größte deutsche Unternehmen jetzt endlich entschlossen, seinen ausgeblähten Derwallungsapparat an der Spitze ab- zubauen. So sind von dem Gcsamtoorftand der IG.-Farben. der aus einem engeren Zentralausschuß von 7 Mitgliedern sowie 17 ordentlichen Vorstandsmitgliedern und 28 stellvertretenden Vor- standsmitgliedern besteht. 8Direktoren ausgeschieden. Es sind dies von den ordenllichen Vorstandsmitgliedern die Direktoren Karl Haaemann. Prof. Albrecht Schmidt und A. Seebohm Nachdem bereits Prof. Warmbolo bei Uebernahme des Reichswirtschasts- Ministeriums aus dem Vorstand ausgeschieden und ein weiteres Mit- glied verstorben ist. verringert sich der Hauptoorstand auf 19 Direk- toren und die Zahl der stellvertretenden Vorstandsmitglieder auf 23 Direktoren. Die Frage liegt nahe, ob die Entlastung der 8 Direk- toren nach Ablauf ihres Vertrages ausgesprochen wurde oder ob die JG.-Farb«nindustrie die Verkleinerung ihres Direktion-ftabes nur durch hohe Abfindungssummen hat erkaufen können. Exportsteigerung verbessert Beschäftigung tgtod bei Opel. Wie in einer Aufsichtsratssitzung der Opel-Werk« mitgeteilt wurde, ist es der Gesellschaft gelungen, ihre 6000 Mann starke Belegschaft den Winter über durchzuhalten. Seit Ansang Januar sei infolge er- höhter Exportaufträge die wöchentliche Arbeitszeit wieder auf fünf Tage verlängert. oeuibc« SPARE DURCH: CTANDARP .».die Mark«, zu der die sanxoWeltVortrouenhot. BENZIN MOTOR OIL »kaat,|3ij� Themer Sonnabend, den 16. Jannar Staatsoper Unter den Linden 10 Uhi Oer Troubadour Staitliduutpiilte judanBinsurki 20 Uhr Charleys Tante Schiller-Theater JiutottMligrj M vi» Die göttliche Jette DAS MATR BALLETT o.weitiriAttral(tioMi T4gl.«1/2 Uhr; 80 Pf. bis 4.- M Tägl. 5 Uhr; 40 Pf. bis 2.- M «/-uhrCASINO-THEATER�ui Lolhringer Strafe 37. iiiirmMiiuiUimiiiiiiiinitiiuiuiiiiiiMiiiiiiiiMiiiiuiunuiiiiiiiiiii Nur noch wenige Autführungen Was man aus Liehe tnl Dazu die Gesanes- und Tanz- Operette Das Ncheidnngs- Souper and der brnie Varieli'TeiL Gutschein I- 4 Personen: Par kett SO Pi fauteuii 1.— Mark, Sessel i-su Mark. WinlQr �Garten- 8.15 Ubi Flora 3434 20 Zlgeunerlnn.ii spielen, „Zemgsnno's" fliesende leuchtende Menschen am Lufttrcpez Im dunklen Raum und«aitsre VarisU-Nauhtiton Sonnabend una Sonntag|e 2 forstelbinger 4 Uhr u. 8.15 Uhr. 4 Uhr kleine Pr. I heater desWestens Täglich SVt Uhi it.rl JSxen in Der Vogelbäadler ergnugung* Rgsfaiiiant Berlins •iiUIi EM«�Betten s8sä Kind erb., Polster, Chaisel., an Jeden. Telia, Kataloc frei Elsenmöhelfabrfk Suhl(TbütO □er gute Kapitän' KautabaK C. Köcker, Berlin Udiienlierger Strafie 23. Königs. 3801 §ifidi.Oper Charlottenburg dismarckstiaSe 34 Son abend, 15. Jan. Turnus I Anfang 1»Z0 Uhr Carmen ende gnen 23 Uhr VoiKsbtmiie Tbuto an BOlovrjliti 8 Uhr Die EroSDenogln von Berolsieln TDcater im AUralralscalas Täglich SV, Uhr Gitta Alpar in Die Daharry Preise v. o.so M an Rose-lheater ireüi Fnaitirtir Stnla>1 Iii. Viidntl E 1 31» 6 und 9 Uhr Eine Frau von Format metropoi-itieaier Täglich 8"» Uhr Ein Lied der liebe Rieh. Tauber Ann) Ablers forverkauluDinteMen I min?'Ibem Täglich SV» Uhi norden öem- uns duü Srett Iis Haaus Ordaeat.Datoi Beb i Erfinder- Vorwärtsstrebende 10000 flk. Belohnung Näheres Kostenlos durch t. 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