BERLIN Soimabeni» 16. Januar 1932 10 Pf. Jir. 26 B 13 49. Zahrganfl Lrscheinttägllch äußerSonntags. Zuzlcich?Ibc»dan, s g a d c i> 7i Ps. uro Woche, Z.Zi M, pro Moiial (toi'on b? Pf. monatlich für ZoikUnna in« Hau«) Im ooran« iaylbar. P o ft d c i u z S.g? W. rinschlirßlich 60 Pf. Posticitung«. und 72 Pf. Pcstfrstcllzcbüorcn. Slniclzcnnrcit: Tic rinipaUigc Willimclcrjcilr Zu Pf. Reklamcjcllc M. Ermäßigunzcn»ach Tarif. Poflscheitkonlo: Vorwärts-Acrlag G.m.b.H., Berlin Rr. Z7Sitv.- Der verlaz bchält sich da« Recht der Adlchnung nicht scncbmcr SlNjcigcn oor! Redaktion und Expedition: Berlin SW68. iindenfir. 3 Fernsprecher: Dönboff(A 71 292—297. Gl Hitler als Angeklagter Giennes wird als„Spitzel" bezeichnet/ Adolf will nicht verantwortlich fein 3 ii Itloafaif großes Hiller-Gastspiel. Außerhalb und innerhalb des Gerichlsgcbäudes immenses Schupoanfgebot. Lcreils von b Ahr an drängt sich das„Volk" vor dem Eingang zum Gebäude. Stennes als Kläger in Begleitung seiner Rechtsanwälte Dr. Becker und Dr. Dehme erscheint als erster in Moabit, die Beklagten. Adolf h i t l e r und der Redakteur des„Angrlfs" Dr. L i p p e r t. lassen sich von den Rechtsanwälten Dr. Frank-München und Dr. Kamecke verteidigen. Alle vier betreten den Gerichtssaal, noch bevor presse und Publikum eingelassen werden. Der große Schwurgcrichtssaal ist im Ru übersüllt. Zlmtsgerichtsrat B u e s regt gleich zu Beginn einen V e r- gleich an. Er redet Hitler gut z». Wenn dieser auch dem Artikel im„Völkischen Beobachter fernstehe, mußte es ihm doch ein inneres B c d ü r j n i s sein, durch eine Erklärung den Neben- ti'äger Stennes wegen der ihm zugefügten Beleidigung eine Genugtuung zu geben. Alan habe ja im Augenblick genug innerpolitische Sorgen. Wenn er und Stennes auch in verschiedenen politischen Lagern stünden, wenn sie auch getrennt marschierten, so sei das Ziel der beiden doch das gleiche. Mit dem gleichen Appell wendet sich Anissgerichtsrat B u c s auch on S t e n n e s. Rechtsanwalt Becker verlangt, daß zunächst die Gegen- s c i t c sich zu der Vergleichsunrcgung äußere. Rechtsaiuvalt Frank- München: Ich danke dem Herrn Richter für seine national sympathischen Worte! 2ch bestreite aber, daß ans der Seit« Hitlers überhaupt eine strafbare Beleidigung vorliegt. Hitler hat den Artikel nicht verfaßt: er hat ihn nicht gc- zeichnet, er ist für ihn oncki nicht strafrechtlich verantwortlich zu machen. Es bedarf nicht viel Phantasie, um zu �erstehen, weshalb Hitler in die Sache hineingezogen wird. Der«trcit, der damals aktuell war, ist es heute nicht mehr. Es liegt für uns k c i n A n l a ß vor. in diesem Stadium der Klage überhaupt irgendeine Erklärung abzugeben. Amtsgerichtsrat B u c g versucht noch einmal, einen Vergleich herbeizusichren. Er meint, es wäre auch im Interesse beider Par- teien, Erörterunzen in der Oesfentlichkeit zu vermeiden, und zitiert dabei den Ausspruch aus„Florian Geyer":„Der deutschen Lwie- tracht mitten ins Herz." Als Mensch nird als Mitglied einer Ge- meinschaft wäre es vielleicht doch richtig, daß Hitler eine Erklärung, mit der die Sache aus der Welt gefchafit werden könnte, abgebe. Rechtsanwalt Dr. Becker: Nach dieser Erklärung des Rechts- amvalts Dr. Frank halten wir die TUoglichkeil eines Vergleichs für ausgeschlossen. Noch vor einem Dreiviertcljcchr war Stennes bereit, die cachs durch Vergleich aus der Welt zu schaffen. Die Verhandlung am lö. Dezember, zu der Hitler nicht erschienen war, hat aber den Beweis er- bracht, daß der Gegenpartei nur daran lag, die Sache zu ver- schleppen, da ihre Vergleichsvorschläge nicht von Herzen kamen. Daß dem so ist, beweist auch ein« Notiz im gestrigen„Angriff". Es wird zu Ansang dargelegt, welcher Vorwurf gegenStenne 2 erhoben worden sei, nämlich der, daßereinSpitzelsei. Dann wird darin weiter gesagt, der Vorwurf könne in der Form nicht aufrechterhalten werden: eine Richtigstellung sei auch seinerzeit gc- bracht worden. Ich stelle fest, daß ein- Richtigstellung nicht gebracht worden ist. Wenn in der gestrigen Notiz aber gesagt wird, der Vorwurf könne nicht in der Form aufrechterhalten werden, so bedeute das. daß er wohl im allgemeinen zu Recht bestehe. Eine Richtigstellimg in dieser Form bezeichne ich als Perjidie. Unter diesen Umständen kommt ein Vergleich nicht in Frage. Rechtsanwalt Dr. Frank: Eine Richtigstellung ist seinerzeit im„Angriff" wohl gebracht worden. Als sanalifcher Rechtsanhänger innerhalb und außerhalb des Gerichtssaales bestreite ich jede rechtliche Grundlage der Klage gegen Herrn Hitler. Landgerichtsrat Bues: Wir treten also in die Vechandlung ein. Es werden verlesen der Artikel aus dem„Völkische» Bcob- achter" mit der Uobcrschrift„D e r M entere r e ntlarot und ein fast gleichlautender Artikel im„Angriff",«ie � behandeln die bereits allgemein bekannte Behauptung, daß, in Berbindung mit der Entlassung eines Polizeibeamten wegen dessen Zugehörigkeit zur nationalsozialistischen Bewegung, sich Beziehungen von Stennes zum Polizeipräsidenten Grzesinski ergeben hätten. Stennes wird in Verbindung mit dieser Tatsache als Spitzel bezeichnet. Eine Notiz des gleichen Inhalts stand auch in der„Flamme", deren verantwortlicher Ne- deckteur Loder gleichfalls angeklagt, jedoch von� dem Erscheinen entbnnde» ist. Herriot gegen Brüning Dementi der„Dep6che de Toulouse" Paris, 18. Januar.(Eigenbericht.) „Petit Parisicn" veröffentlicht einen Artikel H e r r i o t s zu den Reparationserklärungen Brünings. Der Artikel ist über- schrieben„P a p i e r- F e tz e n" und ist bereits vorher in einer amerikanischen Zeitung erschiene». Der Führer der Radikalen schreibt u. n.: „Die Erklärungen Brünings haben die bedauerliche Folge gehabt, die Aktion derjenigen schwieriger und zum Teil fast umnöglich zu machen, die die endliche W i e d« r v e r s ö h- n u n g Frankreichs und Deutschlands auf den Grundlagen der B e r n u n s t wünschten. Wir fragen uns heute sogar, welchen Zweck die Lausanncr Kanserenz haben kann? Wir gehen viel weiter: wir meinen, daß man nicht mehr on die Rechtsgülligkeil eine» Vertrages glauben kann, wenn freiwillig gegebene Unter- schriflen In dieser weise jeden Augenblick bestrillen werden können. Und in denselben Idealisten, die mit oller Kraft ihres Geistes für den Frieden gearbeitet haben, wirft ihr unabhängiges Gewissen folgendes Problem auf: Was wird bei allen Abenteuern der Gegenwart ans der internationalen Moral oder aus der Moral überhaupt? Der Reichskanzler kündigt uns an. daß man das gegen- wärtige Zahlungssystem nicht mehr aufrechterhalten könnte. Damit wiro entschieden die völlige Abschaffung der Reparationen verlangt. Um diese Hoffnungen zu unterstützen, hat man in verschiedenen Zeitungen die These verteidigt, das; Frankreich auf Repavations- koMo schon mehr erhalten habe, als es selbst für die Wiederaufbau- kosten bezahlt hat. Der französische Finonzminister hat andere Ziffern geiwnnt und wir erklären uns in dieser Hinsicht mit ollen Diskussionen einverstanden. I Als wir das Rheinland früher räumten, hat man uns dnsuc kein einziges Wort des Dankes gesagt. Kaum hatten wir unsere Soldaten zurückgezogen, al z man sie b e- leidigte. Man darf sich im Ausland keine Illusionen über den Artikel der„DöpZckjx de Toulouse" machen, der von einem Journalisten in einem Anfall von Erregung über das Reparationsproblem geschrieben worden ist. Frankreich wird edelmütig sein, aber es will nicht st u p i d c sein. Man muß aufhören, uns wie ein schwer z» belehrendes Schulkind zu behandeln." Bleibt Briand Vötkerbundsdelegierter? Poris, 18. Januar.(Eigenbericht.) Gestern nachmittag fand eine mehr als einstündige Unterrddnng zwischen Laoal und Briand statt. Als Lava! das Außenministerium verließ, antwortete dieser auf die Frage, ob sein Schritt von Er- folg begleitet gewesen sei, er habe Hoffnung und werde eine kurze Mitteilung an die Presse geben. Diese Mitteilung lautet:„Der Ministerpräsident hat heute nachmittag eine langee Unterredung gehabt, die von demselben freundschaftlichen und vertraulichen Geiste wie die früheren Unterredungen beherrscht war. Laval und Briand haben zunächst die außenpolitische Frage besprochen, die gegenwärtig die öffentliche Meinung Frankreichs und der Welt de- wegen und sie haben besonders die Rolle Frontreichs im Völker- bund erwogen. Laval hat, wie er es unaufhörlich getan hatte. auf das Interesse hingewiesen, das er für Frankreich und die Sache des Friedens die wertvolle Mitarbeit Briands habe. Briand hat von neuem in seiner Antwort zum Ausdruck gebracht, wie sehr er für die lebhafte Bitte Lavais empfänglich fei und er hat erklärt, daß er durch seine juristischen und diplama- tischen Mitarbeiter Sie Form prüfen lassen werde, i» der seine Mitarbeit in Erwägung gezogen werden könnte." Hitler: Ich war außerordentlich erstaunt, daß ich nicht ver- klagt worden bin wegen des Aufrufs, für den ich wohl verontwort- lich bin, wohl ober wegen eines Artikels, den ich weder verfaßt, noch eingeschickt habe Amtsgerichtsrat Bues: Sie sind Herausgeber des„Völkischen Beobachter"? Schweben Sie nur sozusagen über den Wassern oder befassen Sie sich auch mit der Verwaltungstätigkeit? Hitler: Verantwortlicher Redakteur ist Herr Binz(Rechts- auwalt Dr. Becker ruft dazwischen: Er war ja nicht auffindbar). Na- türlich war er aufzufinden. Er ist heute noch Redakteur.. Man hätte seine Adresse feststellen tonnen. Ich aber kann als Herausgeber der Zeitung keine verant- worlung für die Artikel übernehmen, um so mehr, als ich mich nur drei bis vier Tage wöchentlich in München aufhalle. Amtsgerichtsrat Bues: Ist der Artikel von Ihnen i n s p i- r i e r t worden. Hitler: Nein. Amtsgcrichtsrat Bues: Haben Sie ihn viel- leicht laneierl? Hitler: Nein. Wenn ich einen Artikel schreibe, so unterzeichne ich ihn auch. Es würde mir nie einfallen, zu bestreiten, der Verfasser eines Artikels zu sein, der tatsächlich von mir stammt. Ich würde mich ja dadurch der Gefahr aussetzen, daß man mir nachweisen könnte, ich wäre der Versasscr. Rechtsanwalt Dr. Becker: Demgegenüber behaupte ich, daß Hitler den Artikel inspiriert hat. Ich behaupte, daß er bereits im September 1930 auf einer Standartensührersitzung behauptet hat. Stennes s e i e i n S p i tz e l. Ich bitte, an ihn die Frage zu richten, ob das stimmt. Rechtsanwalt Dr. Frank: Ich bitte, diese Frage abzulehnen. Rechtsanwalt Becker: Aha! Rechtsanwalt Dr. F r a n k in höchster Erregung, fast schreiend: Ich verbitte mir derartige Bemerkungen. Was fällt Ihnen ein? Amtsgerichtsrat Bues: Ich bitte, doch nicht einen derartigen Ton anzuschlagen. Er ist im Gerichtssaal nicht zulässig. Auch Sie, Herr Rechtsanwalt Becker bitte ich, als Mann und Rechts- anwalt die Loge nicht zu verschärfen. Rechtsanwalt Dr. Frank: Ich bitte, die Frage nicht zuzu- lassen, denn diese Fragestellung zielt auf Sachumstände ab, die mit der Verhandlung hier nichts zu tun haben. Amtsgerichtsrat Bues: Sie haben ja das Recht, die Abgabe irgendeiner Erklärung zu verweigern. Es ist aber das Recht des Nebenklägers, Fragen zu stellen. Reckstsanwalt Dr. Lecker: Ich bitte, einen Beschluß darüber, ob die Frage zugelassen wird oder nicht. Es ist etwas anderes. wenn der Beklagte sich weigert, auf eine zugelassene Frage zu antworten. Amtsgerichtsrat B u c s: Ick; bitte Ihre Fragen zu stellen. Rechtsanwalt Dr. B e ck e r: Ich behaupte, daß der Angeklag'e Hitler der alleinige Inspirator jenes Artikels ist, daß er die inkriminierte Behauptung erfunden hat. Ich bitte also, an ihn die Frage zu richten, ob«r aus der Standartenversammlmig jene Aeußerung gemacht hat. Ich bitte, an ihn ferner die Frage zu richten, ob er als Zeuge vor dem Landgericht III auf meine Frage, ob es richtig sei, daß er jenen Vorwurf gegen Stennes erhoben habe, mit einem Ja geantwortet hal, und daß er ferner gesagt hat, er habe keine positiven Anhaltspuntle für seine Behauplunz. Wenn aber jemand gegen seine Bewegung etwas unternehme, so könne er nur bezahltes Organ der Polizei sein. Der Angeklagte Hitler hat erst vor kurzem in München auf einer Versammlung im Zirkus Krone gesagt, daß er für alles das die Verant- wortung übernehme, was in seiner Partei ge. s ch e h e. Auch dieser Artikel muß folglich mitsei nem Wissen erschienen sein. Amtegerichtsrat B u e s: Selbst wenn ich unterstellen wollte, daß das alles mit hundertprozentiger Sicherheit vorliege, wurde denn daraus folgen, daß Herr Hitler an dem Zustandekommen dieses Artikels mitgewirkt hat? Hitler: Ick; möchte darauf folgendes sagen: Selbstverständ- lich bin ich verantwortlich für die Politik meiner Partei. Denn ich bin der verantwortliche Führer der Partei. Daß ich ober nicht für jeden Artitel, der in der nationalsozialistischen Presse erscheint, die Verantwortung tragen kann, um das zu wissen, genügt auch der Verstand eines Rechtsanwalts. Ich habe dafür zu sorgen, daß die große Linie der Partei eingehalten wird. Ich habe zu prüfen, ob das geschieht. Ich habe selbstverständlich eine bestimmte Auffassung über die Dinge und habe diese Auffassung zu vertreten. Auch wenn ein Führer vor mich tritt und gegen irgendeinen anderen Führer Vorwürfe erhebt, so hat das mit meiner Ausfassung nichts zu tun. Ich kann nur sagen, daß in jenem Artikel ein Schreiben heran- gezogen wird, von dessen Existenz ich keine Ahnung gehabt habe. Es wird aus dem Stenogramm der Verhandlung vor dem Land- gericht Iii festgestellt, daß Hitler auf die Frage des Vorsitzenden, ob er auf jener Standartenführersitzung die Aeußerung über Stenncs gemacht habe, gesagt habe, es sei ihm nicht in Erinnerung. Doch sei es möglich, daß er ähnlichen Befürchtungen Ausdruck gegeben habe. Die Vernehmung des Angeklagten Hitler ist beendet. Er darf sich aus dem Gerichtssaal entfernen. Trotz der vorhergegangenen Mahnung des Borsitzenden an die Zuhörer, in keiner Weise sich in die Verhandlung einzumischen, erhebt sich jetzt fast die gesamte Zuhörerschaft und grüßt in der üblichen Weise den sich aus dem Saal entfernenden Hitler. Der Vorsitzende ruft das Publikum zur Ordnung. Der Zu- Hörerraum leert sich. Die Verhandlung gegen Hitler nimmt ihren Fortgang. Frick bekennt. Die Erpressung an Hindenburg. Im„Völkischen Beobachter" veröffentlicht Dr. Frick unter der lleberschrift„Um die Reichspräsidentenwahl" eine Erklärung, m der er es als ein« Fälschung bezeichnet, daß er in seinen Bersamm- lunoereden in Kempten, Lindau und Wangen der Kandidatur Hindcnburgs ein„glattes Nein" entgegengesetzt habe. Er habe sich vielmehr nicht so sehr gegen diese Kandidatur, wie gegen die Fortdauer der Zentrumsdiktatur des Reichskanzlers Brüning gewandt und gesagt, den Nationalsozialisten fiele es nicht ein, die Hand zu einer Verlängerung dieser Diktatur zu bieten. Sie würden, wie schon bisher, jede Gelegenheit ergreifen, um dieser Diktatur so rasch wie möglich ein Ende zu bereiten. Wenn wider Erwarten der Sturz des Kabinetts Brüning nicht schon früher er- folgen sollte, so fei der Tag der Reichspräsidentenwahl der äußerste Zeitpunkt, um dem System Brüning durch Aufstellung einer nationalsozialistischen Sonderkandidatur die letzte Stütze zu entziehen. Diese Stellungnahme sei für jeden Nationalsozialisten eine glatte Selbstverständlichkeit. So weit Herr Frick. Wir haben ihn gleichfalls verstanden. Seine Reden waren kein„glattes Nein", sondern ein bedingtes Ja. Nämlich, wenn Hindenburg Brüning entläßt und ein Reichspräsi- dent im nationalistischen Parteiinteresse zu werden oerspricht, dann wollen sie ihn wiederwählen. Sonst nicht! Die Helden vom Hakenkreuz. Aaziel sprengen Gollmann-Dersammlung. Gättingen, lg. Januar.(Eigenbericht.) Am Freitagabend veranstalteten die Sozialdemokratie und die sozialistischen Studenten im Stadtpark-Saal, dein größten Saal der Stad:, eine Massenversammlung, die lange vor Beginn überfüllt war und in der Reichstogsabgeordneter Sollmann über das Thema„Der Kampf um Deutschlands Zukunft" sprach. Von Beginn an ergingen stch die in starker Anzahl anwesenden Nationalsoziali st en in den gemein st en Verleum- düngen und Beschimpfungen gegen den Referemen. In det Aussprache putschte der Nazi-Rechtsanwalt Muß sein« Mannen, die aus der ganzen Umgegend zusammengetrommelt waren, auf Der Erfolg: Die Nazis stimmten das Horst-Wefsel- Lied an und drängten nach dem Ausgang. Dabei traten und schlugen sie aus die Republikaner ein, die sich natür- lich wehrten. Es gab einen Tumult. Stühle und Fensterscheiben gingen in Trümmer. Die Nazis, deren Führer sich schon vorher «ms dem Staube gemacht hatten, flohen zum Tell durch die Fenster. Die Polizei schloß die Versammlung, räumte die anliegenden Straßen und trieb die Nazis auseinander. Unzweifelhaft hatten diese ce auf di« Sprengung der Versammlung abgesehen. Gchäfer-Offenbach klagt. Hakenkreuz-Lügenflut gegen den Enihüller des Boxheimer Dokumentes. Darmstadt, 16. Januar.(Eigenbericht.) Das Darmstäöler Raziblatt, in dem di« Gauleitung Hessen der NSDAP, dieser Tage mitgeteilt hat. daß gegen den E n t h ü l l e r des Box heim er Dokuments, den hessischen Abgeordneten Karl Wilhelm Schäfer aus Offenbach Strafanzeige wegen Unter- schlagung von 156 M. Parteigeldern und wegen intellektueller Ur- kunoenfälschung durch unrechtmäßig« Führung des Doktortikels er- stattet worden fei, muß am Freitag einer Erklärung Schäfers Raum gehen, in der festgestellt wird, daß Schäfer wegen dieser Veröffent- lichung Straf antra g wegen Verleumdung gestellt habe. Er habe 166 M. von einem Ofsenbachor Eafetier erhalten, die er diesem nach seinem Austritt aus der Nazipartei wieder zurückgezahlt habe. Ferner habe er noch 156 M. Parteigelder von einem Porzellanwarenhändler erhalten, von denen er 127,14 M. rechtmäßig zur Bezahlung der Telephongebühren für di« Kreisge. schäftsstelle der Nazipartei Offenbach verwendet habe. Der Rest von 22.56 M. habe nicht einmal zur Deckung der von ihm aus feiner Tasche verauslagten Frachtspesen für Flugblätter gereicht, worüber er Belege besitze. Er habe also keine Gelder unterschla. gen, sondern im Gegenteil noch Forderungen an die Nazipartei. Sein Doktardtplom, das nicht gefälscht, fonvcrn von einer Universität ausgestellt sei, habe er der Darmstädter Gauleitung seinerzeit vor- gelegt,«chließlich dementiert Schäfer di« Behauptung von seinem Uebertritt zur Sozialdemokratie. Riesenflutwelle infolge Oammbruchs Hochwasserkatastrophe in USA.- 30000 Obdachlose. Swan Lake(Mississippi), IL. Januar. Der Deich am Lake Grassy und dem Tallahalchlesluß ist infolge des Hochwasser» geborsten. Eine über drei Meter hohe wassermasie ergoß sich über das Becken von Tippo. Dos Masser drang in etwa tausend k) ä u s e r ein. deren Bewohner schliefen und nichts von der Gefahr ahnten, in der sie sich befanden. Man befürchtet, daß viele Personen ertrunken sind. Das Rote kreuz schätzt, daß 30 000 Personen obdachlos sind. Die meisten Familien mußten die Rächt auf den Dächern verbringe«. Dr. Galabon, t Hochstapler oder Jurist?— Das Dunkel um die Persönlichkeit des seltsamen Dr. S a l a b a n, der gester« mit seiner Fran wegen Falsch- münz er ei verhaftet wurde, hat sich noch nicht gelüftet. Man weist noch nicht genau, wer Salaban eigentlich ist. nur seine Autorschaft an zwei juristischen Werke«. dem..Handbuch für internationales Recht" und dem ..Europabuch für Rechtsanwälte und Notare"(1926) steht unzweifelhaft fest. Es wird aber bestritten, daß man es bei ihm mit einem„Ge- lehrten von internationalem Ruf" zu tun hat, und es wird auch betont, öaß sein Handbuch für Anwälte neben einzelnen guten Ab- schnitten auch viel unzuverlässiges Material enthalt« und sich m der Praxis deshab als unbrauchbar herausgestellt Hube. Wissenschaft- licher Wert komme diesem Werk überhaupt nicht zu, es handele sich vielmehr einfach um eine geschickte Zusammenstellung von Statistiken und stiristischen Arbeiten aus den verschiedeirsten Ländern, die Salaban durch Vermittlung der diplomatischen Vertretungen zahlreicher Staaten bekommen habe. S.in„E u r o p a b u ch" sei ein geschickt zusammengestelltes Nachschlagewerk, für das ihm allerdings B-eiträge von berufener Seite geliefert worden seien. Schon 1926 hatte sich Salaban bemüht, Mitglied der deutschen Gruppe der„International Law Association" zu werden, deren Vorsitzender Reichsgerichtspräsident a. D. Dr. Simons ist. Man hatte aber schon damals gewiss« Bedenken, den angeblichen österreichischen Anwalt in Deutschland aufzunehmen, weil man seinen Angaben über seine Llnwaltstätigkeit in Oesterreich aus ver- schiedenen Gründen keinen rechten Glauben schenkte. Man legte ihm daher nahe weil er doch Oesterreich«! sei, das Aufnahmegesuch bei Der österreichischen Gruppe der internationalen Körperschaft zu stellen, was Salaban allerdings wohlweislich unterließ. Er wandte sich vielmehr direkt nach London an die Zentrale und erreichte dort tatsächlich, daß man ihn aufnahm, so daß seine Angabe, er sei M i t- glied der International Law Association, zu- treffend ist. Allerdings wird man jetzt erst einmal nachforschen, ob er überhaupt ein« abgeschlossene juristische Ausbildung genossen hat und ob er tatsächlich in Oesterreich Anwalt war. Der Betrieb in der Münzvilla. Trotzdem das Verhallen der Eheleute Salaban deutlich zeigte, daß sie stündlich mit einer Aufdeckung ihres Verbrechens rechnen mußten, waren sie bei der Verhaftung völlig überrascht. Frau Salaban glaubte, daß ihr Mann entkommen sei, während er das gleiche von seiner Frau annahm. Erst als die Durchsuchung in ihrer Villa in der Potsdamer Str. 61 In Lichterfclde erfolgte, sahen sie stch für einen kurzen Augenblick. Obgleich sie bei dieser Begegnung erkannten, daß sie ihr Spiel verloren hatten, versuchten sie dennoch, zu retten, was zu retten war. Auch bei den erneuten Ber- hören hat sich Salaban nicht widersprochen. Er behauptete, daß er die Villa gemietet habe, um ungestört Falschgeld her- zustellen. Sein Plan, hier arbeiten zu können, ist tatsächlich bis zu einem gewissen Grade in Erfüllung gegangen. Keiner der Nachbarn hat von der Tätigkell etwas geahnt oder gemerkt. Trotzdem sind die Angaben Salabans falsch. Denn er muß schon, bevor er die Villa bezog, an anderer Stelle entsprechende Ar- beiten vorgenömmen haben. Wie erinnerlich betrieb er in der Ritterstraße im Süden Berlins ein« chemische Export- firrna. Bon hier aus ist Dr. Salaban wahrscheinlich auf den Ge- danken gekommen, Falschgeld herzustellen, noch zumal es ihm ein leichtes war, die notwendigen Metalle usw. unter der Maske eines Frühling im Januar? Es soll noch wärmer werden. Lag für die Jahreszeit abnorm milde winkerweller dürste nach den vorliegenden Wettermeldungen weiter an- dauern; es scheint sogar, daß durch einen warmen Lustslrom, der au» dem Westen langsam heranzieht, das Thermometer noch um einige Grad steigen wird. Berlin Halts heute früh um 8 Uhr 4 Grad und um 12 Uhr mittags 7 Grad Wärm«. Im Westen des Reiches lagen die Temperaturen noch erheblich höher, berells in den Morgenstunden wurden durchschnittlich 8 Grad Wärm« gemessen. Geradezu früh- lingshastes Wetter wird aus England gemeldet, wo heute früh schon allgemein 8 Grad Wärme herrschten. Die hellere und sehr milde Wetterzone erstreckt sich fast über ganz Europa. Für den morgigen Sonntag ist bei Bewölkungszunahme voraussichtlich mit auffrischenden Winden bei gleichzeitigem Tem- peraturanstieg zu rechnen. Niederschläge sind kaum oder nur in ganz geringem Maße zu erwarten. Tragödie am Weidenweg. Geliebte mit dem Beil niedergeschlagen.- Gelbstmord des Täters. Im hause weidenrveg 29 spielte sich heute mittag eine blutige Tragödie ab, deren Motive bis zur Stunde noch nicht einwandfrei geklärt werden konnten. Kurz nach 1l Uhr stürzte die 59 Jahre alle Witwe Ida Dreher unter lauten Hitisrufen blutüberströmt auf die Treppe, wo sie zitsrnnrnenbrach. Hausbewohner eilten zur Hilfe und erfuhren von der Schwerverletzten, daß sie von ihrem Freund nach einem Streit mit dem Beil niedergeschlagen worden sei. Die Leute alarmierten sofort die Polizei. Als die Beamten in die Woh- nung eindrangen, fanden sie den Täter erhängt auf. Obgleich zwischen der Tat und dem Eindringen der Polizei in die Wohnung mir wenige Minuten oergangen waren, blieben die Bemühungen der alarmierten Feuerwehr, den Selbstmörder ins Leben zurückzu- rufen, ohne Erfolg. Die schwerverlegte Frau wurde ins Kranken- haus gebracht, wo sie bedenklich daniederliegt. Die Personalien des Toten konnten bisher noch nicht ermittelt werden. Gelbstmordversuch des Bankiers Marcus. Verhandlung gegen ihn auf drei Wochen vertagt. Wie erst jetzt bekannt wird, hat der Inhaber des zusammen- gebrochenen Bankhauses Marcus u. Co., der Bankier Max Marcus, der sich zusammen mit seinem Sozius Schreiber am Montag vor Gericht verantworten sollte, in der Nacht vom w Falschmünzer (fin seltsames Doppelleben seriösen Geschäftsmannes zu beschaffen. Zweifellos hat er sein „Handwerkzeug", das ziemlich umsangreich ist, den P r ä g e st o ck. die Presse usw., beim Einzug in die Villa mit den Möbeln in Kisten verpackt unauffällig hineingebracht. Die juristischen Bücher haben ihm— entgegen der ersten- An- nähme— keine laufenden Einnahmen gebracht. Er erhielt eine Abfindungssumme vom Verleger in Höhe von mehreren tausend Mark, die er bald verbrauchte. Sein luxuriöses Leben kostete aber derartige Gelder, daß er sich nach weiteren Einnahme- quellen umsehen mußte. Da ihm— nach den polizeilichen Ermitt- lungen— keine anderen zur Verfügung standen, so muß er alle Ausgaben von seinem Falschgeld gedeckt haben. Wie er es fertig- brachte, derartige Mengen ohne Helfershelfer in Umlauf zu bringen, ist zunächst rätselhaft. Niedrig geschätzt mühte er danach täglich etwa 50 bis 55 Stück falscher Zweimarkslücke ausgegeben haben. Der angebliche„Unbekannte", von dem er gesprochen hatte, soll nur bei der Herstellung des Geldes geholfen haben, nicht aber beim Vertrieb. Die Polizei steht auf dem Standpunkt, daß Dr. Salaban die Herstellung und den Vertrieb des Falschgeldes allein nur mll Unter- ftützung seiner Frau durchgeführt hat. Spuren in dem Keller, in dem die sechs Zentner schwere Prägepresse gefunden wurde, deuten darauf hin, daß Salaban die Maschine allein bedient hat. In seiner umfangreichen Bibliothek sind zwei Bücher gefunden worden, aus denen er hauptsächlich seine Kenntnisse geschöpft hat. Der geheimnisvolle Helfer, der abends, wenn die Angestellten das Haus verlassen hallen, gekommen ist, soll nach Ansicht der Polizei auch nicht existieren. Es wird vielmehr vermutet, daß dieser Mann eine Erfindung Salabans ist, um die Schuld von sich zu wälzen. Oer große Llnbekannie. Nach langem Zögern gab er seinen Chauffeur als Zeugen für die Existenz diese» Mannes an. Der Chauffeur bekundete aber, daß er am Sonntag mll einem Unbekannten, der in der Villa Salabans zum Mittagessen eingeladen war,«inen Aus- flug nach Lübben machte. Dieser Unbekannte, der mit Salabans bis spät in die Nacht in einem Weinlokal am Kurfürstendamm saß, ist an der Kreuzung der Grunewald- und Jenaer Straße aus- gestiegen. Es scheint, als ob dieser Mann hier wohnte. Er soll etwa 48 Jahre alt, mittelgroß und gut gekleidet gewesen sein. Der Chausfeur hat diesen Mann an jenem Tage zum ersten Male ge- sehen. Bei der Polizei find von Bekannten des Dr. Salaban bereits Angaben gemacht worden, denen eifrigst nachgegangen wird. Mqn hofft auf diese Weise, das mysteriöse Leben des Verhafteten zu klären. Salaban kein unbeschriebenes Blatt. Dr. Eornell Salaban ist bereits im Jahre 1928, wie die weiteren Ermittlungen der Kriminalpolizei und des Falschgelb- dezernates überraschend ergeben haben, mit den Hamburger Behörden wegen Betruges in Konflikt geraten. Damals nannte er sich Hans Salaban und behauptete, polnischer Staatsangehöriger zu sein, bei seiner Vernehmung im Präsidium dagegen erklärte er, O e st e r r e i ch e r zu sein. Da oermutet wird, daß Dr. Eornell Salaban vielleicht noch mehr zu verbergen hat, werden alle Personen, die über seine Person An- gaben machen zu können glauben, gebeten, diese dem Falschgeld- dezernot Dr. Liebermann mitzuteilen. Mittwoch zum Donnerstag im Lazarett des Untersuchurigs- gefängnisies Moabit einen Selbstmordversuch begongen. Er brachte sich mit einem Draht, den er aus einem Päckchen Tailettepapier entnommen hatte, eine ziemlich tiefe B r u st- wunde unterhalb der linken Brustwarze bei. Als Grund für diese Verzweiflungstat gab er an, daß er sich in seiner seelischen Depression angesichts der bevorstehenden Hauptoerhandlung gegen ihn eingebildet habe, er würde in diesem Prozeß zum Tode verurteilt werden, und daß er deshalb lieber freiwillig aus dem Leben habe scheiden wollen. Die Verletzung hat sich aber als nicht lebensgefährlich herausgestellt und man hofft, die Verhandlung gegen ihn und Schreiber, wenn nicht noch nachträglich Komplikationen«intreten, in etwa drei Wochen, also in der ersten Februarhälfte, durchführen zu können. Großfeuer in einer Tierhandlung. Klapperschlangen gefährden die Wehrleute. Hamburg. 16. Januar. In der vergangenen Rächt wurde dle Feuerwehr zur Bekämp. fuag eines Brandes nach dem Lager eiaer hiesigen Tierhaudiung alarmiert. Bein Eintreffe« der wehr stand eine große Anzahl von Tierkäsigen in Flammen, viele Tiere waren bereits tot. Die Löscharbeiten mußten eine Zeitlang unterbrochen werden, da von allen Seiten plötzlich Schlangen auslanchten, die Aagrisssstellung gegen die Feuerwehrleute einnahmen. Es handelte sich zum großen Teil um die äußerst gefährlichen Klapperschlangen. Erst nachdem diese Tier«, die sich aus den von dem Feuer ergriffenen Terrarien befreit hatten, getötet worden waren. konnten die Löscharbeilen beendet werden. Der Schaden ist bedeutend. Die Ticrhandlung unterhielt einen größeren Tierversand an Zoo- logische Gärien, Liebhaber und Schauspieler. Der Brand ist wahr- scheinlich durch eine Petroleumlampe entstanden, die zur Erwärmung unter einem Schlaogenbehältcr angebracht war. 9000 Mark unterschlagen. Lei einer Kassenreoision wurde bei einer Möbel- f i r m a im Süden Berlins entdeckt, daß falsche Buchungen vor- genommen worden waren. Infolgedessen hat das Geschäft einen Verlust von 9666 M. erlitten. Der Verdacht lenkte sich aus den 29 Jahre alten Erich P„ der in dem Geschäst eine Vertrauens- stellung besaß. P. hatte ausstehende Forderungen zu kassieren, tätigte Verkäufe und war auch im Lager beschäftigt. Diese Gelegenheiten benutzte der Mann, um Geschäfte auf eigene Rechnung zu machen. Er nahm falsche Buchungen vor und unterschlug im Laufe der Zeit zirka 9066 M. Bei seiner Verhaftung erklärte er, aus Not gehandell zu haben. P. war längere Zeit arbeitslos und wurde dann von einem Verwandten, der Mllinhaber der Firma ist, aufgenommen. Der Spott vergeht! Hugenberg-Presse erschrickt vor Ver Eisernen Front. Für die dieswöchige Montagausgabe der Hugenberg-Presse hatte Fnedrich Hussong die Aufgabe zugewiesen erhalten, die Eiserne Front mit der Säure seines ätzenden Spottes zu zermürben. Wahrscheinlich oersprachen sich die Hugenberger von der chemischen Kombination— Säure gegen Eisen— eine außerordentliche Wirkung. Herr Hussong machte denn auch seine Sache so gut, wie er sie immer macht, wenn er sein aus eitel Gift und Galle zusammen- gesetztes Temperament der Welt demonstrieren darf. Er oerschoß fürchterliche Pointen, als wie: In Eisen geschient, tritt der kleine Schmock in die Pro- paganda ein. Manche Bösen freilich sagen, es sei nur Blech. Vom Schmock ist dann nicht weit zu S ch n o ck, dem Schreiner aus dem Sommernachtstraum, der den Löwen spielt, und aus dem Blech wird am Schluß des Artikels sogar noch„brüchiges Blech,— so sehr glaubt Herr Hussong die Eiserne Front ramponiert zu haben. Aber, ach, am Sonnabend der gleichen Woche liest mon's auf den gleichen Spalten anders. Sehr betreten erstattet im„Tag" der Hamburger Korrespondent Hugenbergs von der Massenkund- gebung der Eisernen Front an der Wasserkante Meldung. Sein Ton klingt besorgt, er schreibt: Die SPD. rüstet, und man sollte diese planmäßige Mobil- machung gegen Rechts nicht leicht nehmen. Besondere Besorgnis empfindet der Hamburger Korrespondent über die Ankündigung, daß der Versuch einer Rechtsdiktatur mit dem General st reik beantwortet werden dürfte: Soweit die Gewerkschaften in Betracht kamen, ließen sie keinen Zweifel darüber, daß die menschliche Arbeits- kraft dem Staat und der Wirtschaft im„Dritten Reich" nicht zur Verfügung stehen würde. Die Redaktion des„Tag" selber unterstreicht diese Aus- führungen ihres Korrespondenten noch durch den fettgedruckten Titel:„Roter Generalstreik gegen eine Rechtsregierung." Danach ist es scheinbar Herrn Hussong doch nicht gelungen, die Eiserne Front in Blech zu verwandeln. Wohl aber hat das Auftreten der Eisernen Front Herrn Hussongs Geschreibe in Blech verwandelt. Seuermehr sammelt für Itlnlerhilfe An zahlreichen Stellen Berlins sind gegenwärtig Sammel- büchsen für die Winterhilfe aufgestellt. Sie werden von An- gehörigen der Berliner Feuerwehr betreut. preußenlandtag beginnt. Aufnahme ver Arbeiten am Dienstag. DerPreuhischeLandlag tritt am Dienstag wieder zusammen. Er wird sich am Freitag wieder vertagen. Am Dienstag sollen Ausschußanträge diskutiert und verabschiedet werden. In der Mittwoch-Sitzung werden voraussichtlich die Polizei- Verordnungen über das Verbot nächtlicher Geländeübungen und Märsche, über das Verbot der Abgabe von Hieb- und Stoßwaffen. über den äußeren Schutz der Sonn- und Feiertage, über die Errich- tung von vorstädtischen Kleinsiedlerstellen, über die Verwendung und Ausbewahrung von Röntgenfilmen und über den Bau und die Ein- richtung von Waren- und Geschäftshäusern besprochen oder den Ausschüssen zur Beratung überwiesen werden. Weiter soll am Mitt- woch zur Aussprache gestellt werden der Bericht des Berfassungs- ausschusses über das Flaggen der öfsentlichen Gebäude am Volks- trauertag. über das Durchgreifen der Polizei gegen unsittliche Dar- stellungen, über Anträge zum Vertrag mit der evangelischen Kirche, zu dem Film„Im Westen nichts Neues", zum Lohnabbau, zur Reichsneugliederung usw. Diese Debatte soll evtl. am Donnerstag fortgesetzt'werden, an dem außerdem beraten werden sollen die An- träge und Anfragen, die zur zweiten preußischen Sparoerordnung vorgelegt worden sind. Da gleichsolls für Donnerstag noch Anträge der Fraktionen zur vierten Reichsnotoerordnung insbesondere über den Schutz des inneren Friedens usw. vorliegen, ist aus Grund der Reichs- und der preußischen Notverordnungen mit einer abermaligen großen politischen Aussprache zu rechnen. Versammlung der sozialistischen Giudenten. Im Gewerkschaftshaus hielt die Ortsgruppe Berlin der Sozialistischen Studentenschast unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung eine Mitgliederversammlung ab. Der glänzende Verlauf zeigte, daß der Spaltungsoersuch der SAP.- Leute an der einmütigen Geschlossenheit der sozialistischen Studenten wirkungslos abgeprallt ist.— Das Referat zur politischen Lage erstattete der Vorsitzende der sozialdemokratischen Reichstagiraktion, Dr. B r e i t s ch e i d, dessen Ausführungen und Schlußwort be- gcisterter Beifall lohnte. Im Anschluß an die Versammlung wurde ein Solidaritäts- t-legramm an den Genossen D u b o i s. den Führer der polnischen LEbeiterjugend, abgesandt, der jetzt zusammen mit dem Abgeordneten Genossen Liebermann von Pitsudskirichtern verurteilt wurde. Neuer Zeichen- und Werkunterricht Ausstellung im alten Kunstgewerbemuseum Mit einer Ansprache von Professor Philipp Frank wurde im Lichthof des alten Kunstgewerbemuseums die Ausstellung„E r- gebnisse des neuen Zeichen- und Werkunterrichts an höheren Schulen" eröffnet. Sie ist veranlaßt und zu- sammengestellt vom Verein der Lehrer und Lehrerinnen künstlerischer Fächer an den höheren Schulen. Es find Aquarelle, Zeichnungen. Graphiken und Werkarbeiten von Schülern und Schülerinnen aller Klassen ausgestellt, also bis zur Prima herauf, ausgewählte Leistungsproben des neuen Zeichen- Unterrichts bei den höheren Schulen, als Rechenschaftsbericht über die Erfolge der neuen Lehrmethode. Der Zweck bei dieser Lehre ist natürlich auch nicht der Künstler heranzuzüchten, sondern Hand und Auge anzuleiten zu künstlerischer Empfindung. Die Zeichen- stunden öffnen diesen glücklichen jungen Menschen die Augen und Herzen für alles Schöne in Natur, Kunst und Leben. Solche Menschen treten chren Augenerlebnissen mit ungemeiner Auf- geschlossenheit aller Sinne entgegen, ohne Ueberhebung und ohne Verlangen, ihrerseits zu dilettieren oder Künstler zu werden. Dies vorausgeschickt, wird man die Ausstellung restlos angefüllt finden mit hohen künstlerischen und darstellerischen Werten. Die Resultate der neuen Zeichenmethode sprechen für sich mit einer Stärke des Eindrucks, der nur mit dem vor den schönsten Dingen von Volkskunst und moderner Malerei verglichen werden kann. Das Ueberraschende ist, daß die Arbeiten der höheren Klassen vielleicht noch stärker wirken als die der Kinder unter 12 Jahren. Es steht also fest, daß der mitreißende Einfluß des Zeichenlehrers, wenn er selber ein Künstler i st, zu schöpferischen Leistungen be- flügelt weit über die Pubertätszeit hinaus, die bisher unwider- sprachen als Grenze der schöpferischen Kinderbegabung gegolten hat. Die beispielgebende Macht der Lehrerpersönlichkeiten tritt deutlich hervor. Schon die Art des Motivs gibt Aufschluß über die Er- ziehung des Auges. Seltener sind die Fälle, wo„nach der Natur" gearbeitet wird: in der überwiegenden Mehrzahl handelt es sich um Eindrücke,- die nachträglich aus dem Gedächtnis fixiert werden, oder um freie Erfindungen. Doch überwiegt hier, wo es sich um b e- wußte Gestaltung und um S e l b st k r i t i k der künstlerischen Wirkungsmittel handelt, nicht das Illustrative, sondern die Ge- stallung von Seherlebnissen. Diese Dinge sind alle so schön, so aus- drucksvoll, so eindringlich im Sinne modernster Künstler, daß man jedes einzelne gern an die Wand hängen würde. Beim Werkunterricht wird gewebt, gestickt, gebastelt, mit un- scheinbaren und ernsthaften Materialien: Spielzeugfiguren aus Papier, Bast, Holz und Farbe, voll von unerreichbarer Phantasie- fülle, ganz erstaunliche Marionetten, Scgeljachlmodelle und Masken, vollendete Webereien, und, fast am schönsten, Bastflechtarbeiten von Untersätzen und Flachkörben, alles von außerordentlicher Höhe der Erfindung der Farbe und Materialschönheit. Eine ernste Seite hat die Angelegenheit. Die hohe Kultur, das künstlerische Gefühl bei diesen Kinderarbeiten ist, wie schon hervor- gehoben, Sache der Lehrer, die meist selber junge Künstler von Rang sind. Ihre Namen wollen sie bei dieser Gelegenheit ver- schweigen. Sic gehören zum größten Teil zu den Junglehrern, die jetzt abgebaut werden. Noch einmal sei nachdrücklich aus den un- begreiflichen Kontrast hingewiesen zwischen der sehr geringen Er- sparnis, die ihr Abbau bringt, und dem unermeßlichen Schaden für die Bildung unserer Jugend, der durch den Fortfall gerade der jungen und schöpferischen Kräfte für die Zukunft der Schulen entsteht. k'au! F. Schmidt. Gchulreformer G Kerschensieiner. Professor Georg Kerschensieiner, dessen Tod bereits im Morgen- blatt gemeldet wurde, hat sich um die Reform des Münchener Schulwesens sehr verdienb gemacht und mit seinem Arbeitsunterricht auf die gesamte deutsche Pädagogik fruchtbar eingewirkt. Kerschensieiner wurde am 29. Juli 18Z4 in München als Sohn eines Kaufmanns geboren. Er besuchte das Lehrerseminar in Fre'- sing und war 1871 bis 1873 als Volksschullehrer tätig. 1873 ent- schloß er sich zum akademischen Studium, besuchte das humanistische Gymnasium in Augsburg und machte bereits 1877 sein Abiturienten- examen. Er studierte dann in München Mathematik und Physik, bestand die Staatsprüfung als akademischer Lehrer und promovierte 1883 an der Universität München zum Dr. phil. Im Jahre 1895 wurde Kerschensteiner als Stadtrat an die Spitze des Münchener Schulwesens berufen. Von nun an setzte er fein Hauptbestreben daran, eine gründliche Reform des Volks- und Fort- bildungsfchulwesens durchzuführen. Sein Grundsatz war, die Volks- schule zur Vorschule der praktischen Arbeit zu machen, und aus der Fortbildungsschule gestaltete er eine Berufsschule, die den Bedürf- nissen des gewerblichen Lebens angepaßt war. In zahlreichen Vor- trägen, die ihn auch ins Ausland führten, trat Kerschensteiner für seine Ideen ein, außerdem verfaßte er eine Fülle von Schriften und Aussätzen. Auch im alten Deutschen Reichstag, dem er von 1912 bis zu dessen Ende als Mitglied der Freisinnigen Volkspartei angehörte, hatte er Gelegenheit, seine Ideen zu vertreten. Seit Juni 1919 war Kerschensteiner nicht mehr Leiter des Mllnchener Volksschulwesens, wirkte aber als Honorarprofessor für Pädagogik an der Münchener Universität. Eine Berufung als Ordmarius nach Leipzig schlug er im Jahre 1920 aus. Im Jahre 1925 schuf das Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht in Berlin eine Kerschensteiner-Gcdenkmünzc. „Ein entzückender Mensch." Komische Oper. Der entzückende Mensch, der scharmante Kerl, dem alle Frauen an den Hals fliegen, ist natürlich Oskar K a r l w e i s, dem die Rolle auf den Leib geschrieben ist. Es ist gute Maßarbell, die Jean de L e t r a z da geleistet hat, und da das Stück mit ihr steht und fällt, steht es selbstverständlich und hat Erfolg. Nach dem hübschen Finale des ersten Äktc». das den Schwerenöter in prekärer Situation zwischen Frau, Braut und Freundin zeigt, zerflattert es allerdings ein wenig kläglich. Aber es ist doch amüsant, es hat eine flotte, durchaus nicht geistlose Konversation, es hat nette Einfälle und bringt alles ganz reizend durcheinander. Und: es ist(o Glück!) ganz und gar nicht sentimental. Es ist nicht nur ein Lustspiel, es ist auch ein Luftspiel mit Musik, wenn es wohl auch ohne sie bestünde und sich zu ihr unzefähr wie ein besserer Tonfilm verhält: Musik ist da, von Vor- und Zwischen- spielen abgesehen, lediglich Tanzbegleitung und eingelegte Schlager. Vier bis fünf Einfälle werden es wohl im ganzen gewesen sein, mit denen der junge Erwin Strauß auszukommen trachtet: die sind gutes aHndwerk, durchgängige Tanzmusik, voll Rhythuuis, melodisch- primitwer Prägnanz und(in ihrem Stil) reizvoller Instrumentation. Christel M a r d a y n, die Partnerin von Karlweiß, ist eine schöne Frau— wenn auch keine erschütternde Schauspielerin. Willi Trenk-Trebitsch und Ursula Grabley, Komiker und Sou- breite, waren angemessene Verkörperungen der ewigen Typen des unglücklich Verliebten und der lieben, boshaften Freundin. In den kleineren Rollen Ruth Hellberg, Hedwig Mangel, Traute Carlfen, und Anneliese Impekoven. A. W. Buster Keaion als Easanova. Gloria-Palast. Buster Keaton ist der unsterbliche Typ des Komikers, der so alt ist, als es eine europäische Bühne gibt. Er geht durch alle Jahrhunderte der arme Teufel, der Schlemchl. der überall ins Ge- dränge kommt, alles verkehrt macht, mit seinem melancholischen Ausdruck in den komischsten Situationen ernst bleibt und gerade dadurch das Gelächter entfesselt. Wenn irgendeiner, ist er für den stummen Film geschaffen. Aber jetzt hat man ihn in einen redenden Film gesetzt und ihn sogar deutsch sprechen lassen. Das Wenige, was er sagt— mit einer tiefen Orgelstimme—, paßt gut zu seiner ganzen Rolle, um so mehr aber reden die anderen. Dieser ameri- konische Film, der mit überwiegend deutscher Besetzung in Holly- wood gedreht wurde—„Casanova wider Willen"— kann seine Herkunft aus einem Bühnenstück nicht verleugnen. Es gibt eins etwas mühsame und umständliche Vorbereitung der Possenhandlung. Der mundfertigc Paul Morgan, der auch den Conferencier bei der Uraufführung machte, Egon von Jordan, Marion L e s s i n g spiele» alle Theater. Filmisch ist, abgesehen von einer Französin. die eine mordslange Verführerin mimt, allein Keaton. Er hat bessere Rollen gehabt, aber was er aus dieser herausholt, ist er- staunlich. Die Lacher kommen auf ihre Kosten. Der hllflose Zettel- onkleber, der durch die Intrige eines Liebespaares zum Casanova ocstemplet wird und nun mit allen möglichen Frauen Abenteuer erlebt, in der bekannten Form des Izotels für alle, entwickelt sich schließlich zu einem grotesken Liebhaber. Dabei gibt es die übliche Hetzjagd, den wilden Taumel, der das ganze Hotel auf die Beine bringt Keaton ist unvergleichlich als verregneter Entführer, der mit der Nässe und dem glatten Fußboden die ulkigsten Auseinander- setzungen hat. Er ist zum Heulen als ungeschickter Liebhaber und zum Wälzen, wenn er endlich das Handwerk gelernt hat und eine Frau nach der anderen herumwirbelt. In dem Beiprogramm erregte Interesse ein Kultursilm „Perlen und Seeteufe l". der die Bekanntschaft mit einem unheimlichen Seetier vermittelte und die Bekanntschaft mit dem unaufhörlich kalauernden Begleittextsprecher erneuerte.— r. „Chauffeur Anioinette." Atrium. Um für Börsenhyänen und Automobile Reklame zu machen, drehte man offenbar den Film„Chauffeur Antoinette". Cr ist nach einem Bühnenstück gearbeitet. In einem solchen Falle weiß man heute von vornherein, daß auf keine landschaftliche uno .optisch«. Auswirkung.zu rechnen ist, sondern möglichst billig in der Kulisse gespielt wird. Dennoch braucht« di- Geschichte von der verwöhnten Frau, die bei dem Mann, oer sie um ihr Geld brachte, als Chauffeur«in- tritt, nicht so langweilig abzurollen. Und der Abschluß mit dem glücklich liebenden Paar braucht nicht gar so läppisch zu wirken. �Wenn der Regisseur Herbert S e l p i n aus Versehen mal etwas in Stimmung gerät, dann läßt«r unerwartet«inen Schlager singen. und alles versinkt wieder im Kissch. Charlotte A»der braucht bei einem solchen Schlager mir aufs Verdeck des Automobils zu klettern. das Publikum jedoch möchte gern auf die Bäume klettern. Char- lotte Ander gibt sich als Trägerin der Hauptrolle Mühe, doch bleibt ihr Spiel eindruckslos. Ebenso matt wirkt Hans Adalbert von Schletta w. Im Borprogramm sah man interessante, aber leider sehr wähl- los zusammengestellte Aufnahmen von Damaskus, die allgemein er- freuten. e z,. Die stärkste elektrische Lokomotive. Die beiden elektrischen Loko- Motiven von 6899 und 5499 LS, die jetzt von der Schweizer Gott- hard-Bahn in Betrieb genommen wurden, übertreffen noch die ame- rikanischen Maschinen dieser Art und sind die stärksten elektrischen Lokomotiven der Welt. Die stärkste deutsche Lokomotive leistet etwa 3599 FS, während französische Lokomotiven es bis auf 5999 F8 bringen. Die beiden Maschinen, die 34 Meter Gesamtlänge haben, erreichen eine Fahrgeschwindigkeit von durchschnittlich 66 und eine Höchstgeschwindigkeit von 199 Kilometer in der Stunde. Die ein- stündige Zugtraft beläuft sich bei der einen Maschine auf 26 999, bei der anderen auf 32399 Kilogramm. Die Volkszählung in Polen. Es liegen nun die amtlichen An- gaben über die Ergebnisse der in Polen durchgeführten Volkszählung vor. Polen hat insgesamt 31 927 773 Einwohner. Gegenüber 1921 ist die Bevölkerung um 5 969 581, also um 19,9 Prozent gestiegen. Fünfjstädte, und zwar Kattowitz, Czenstochau, Bromberg. Lublln und Sosnowitz haben mehr als 199 999 Einwohner, so daß Polen jetzt insgesanit(mit Warschau, Lodz,. Lemberg, Posen, Krakau und Wilna) elf Städte mit über 199 999 Einwohnern zählt. Das Pferd kommt wieder zu Ehren. In Amerika hat man die Erfahrung gemacht, daß die Motorpflüge nicht unbedingt reiüabler arbeiten als das gute alte Pferd. Dabei sprechen natürlich die amerikanischen Bodenverhältnisse mit. Aber das so oft angekündigie „Aussterben des Ein-FL-Motors" ist auch bei uns in Europa durch- aus nicht zu verzeichnen. Im Gegenteil gibt es heute in Deutsch- lanü 190 999 Pferde mehr als im Jahre 1914. Allein ,m letzten Jahre hat der deutsche Pferdebestand eine Zunahme von rund eine Viertelmillion Tieren erfahren. DoS diesjährige Kostiimfest der Volksbühne findet nickt/ wie irrtümlick mitgeteilt wurde, am 20., sondern am 30. Januar, im Sportpalast statt.. Einlaßkarten 2 M., für Nichtmitgliedcr der Volksbühne E. B. 50 Ps. Nachzahlung. Joseph Plaut bringt an seinen beiden einzigen Abenden am 17. yud 10. Januar im S ck il I e r s a a l ein auserwählt heiteres Programm und musikalische Parodien zum Vortrag. Ausstellungschronik. Der Deutsche Buchgewerbcverein zu Leipzig per- aisstaltete einen Umschlagwettbewerb. 200 der besten Arbeiten werden bis 20. Januar im Buchgewerbes aal, Dreitundstr. S. geieigt. Die Ausstellung ist wochentags von 9 bis zum Eintritt der Dunkelheit und Sonntags von II bis 12 Uhr geöffnet. Di« Degeto bringt Montag in der Kamera Werks des holländischen Apantgardisteu Joris Jpens zur Boxfübrung(Tie Brücke, Der Regen und Zuidersesi. Im Staallichen Schauipielhaus geht Dienstag, Pen 19. Januar. „Othello" neueinstudiert m Szene. Es sind u. a. oeschäftigl: Heinrich George(Othellos, Werner Krauß(Jago), Elisabeth Lennar?(Tcsdemona). Inszenierung: Leopold Jeßuer. Reform der Sozialversicherung. Möglichkeiten und Roiwendigkeiten. Noch immer weiß oußcr den Eingeweihte» des Rcick)?arbeits- muristeriums niemand, wohin bei der Reform der Sozialversicherung Sie Reise gehen soll. Unter diesen Umstünden verdient etn soeben von der„Sozialen Praxis" veröffentlichter Aufsatz aus der Feder des Reichsministcrs a D. Robert Schmidt- Berlin, betitelt „Schwankende Grundlage der Sozialversicherung" bcsoirdcre Beacht- tung Einleitend skizziert Schmidt knapp und klar die Fort- schritte, die in den letzten Jahren dank der Arbeit der Gewerk- schafden auf dem Getietc der Sozialversicherung gemacht worden sind— Fortschritte, die leider allziwst dort unbeachtet geblieben seien, wo sie vor allein hätten gewertet werden müssen. Wahrend 1313 die Gesamtausgaben der Sozialversicherung 1100,ii Millionen Mark betragen hätten, sei im Jahre 1333 die Summe auf 3 131,9 Millionen gestiegen, und in dieser Ausgabe feien 1366,9 Millionen Rcichszuschüsse enthalten. Dieses Aufkommen in einer Zeit schweren Ringens werde von niemand gering eingeschätzt werden können. Daran ander« auch die an sich geringe Höhe der Rentenbcträg« nichts. Die Erschütterung der finanziellen Grundlage der Sozialver- sicherung durch den Rückgang der Beiträge insolge Arbeits- losigkeit und Lohnmindcrung wird von Schmidt kurz beleuchtet. In der Invalidenversicherung liegt auch nach seiner Auf- fassung die Schwierigkeit der Sanierung vor allem darin, daß die Vermögensbestände der Invalidenversicherung nicht flüssig gemacht werden können. Trotzdem gebe es keinen anderen Ausweg, als in irgendeiner Form die Bermögensbeständc aiizugrcifcn. Für die organisatorische Reform inacht Schmidt im wesentlichen folgende Borschläge.- Notwendig ist, da keiner der Ber- sicherungszwcige auf feste Grundlagen gestellt ist, ein Aufräumen des zur Zeit bestehenden Durcheinanders. Eine zusammen- fassende Organisation der drei großen Bersicherungszwcige— Kranken-, Invaliden- und Angcstelltenversichcrung— wäre das Ideal, selbst wenn dabei Leistung und Gegenleistung nach der heutigen Aufteilung auseinandergehalten würde. Aber man wird sich vor- läufig mit einer Vereinfachung der einzelnen Versicherunzs- zweige begnügen müssen. Ganz unverständlich wäre eine Aufrecht- erhaktung der Zersplitterung in der Krankenver- sicherung durch Orts-, Land-, Betriebs-, Innung?- und Ersatz- lassen. Ein einheitlicher Ausbau erspart sehr viel Acrgcc in An- und Abmeldung der Versicherten bei Stellungswechsel, de- seitigt den Schaden, den der Versicherte bei Berufswechsel erleidet, und bietet einen Ausgleich in dem Ausbringen der Beiträge für die Berufszweige, die schwere Gcsiindheitsfchädigungcn für den Berufstätigen zur Folge haben. Unzwcifellzast würde durch einen einheitlichen Aufbau der einzelnen Versicherungszwcige auch an Ve r w a l t u n g s k o st e n gespart werden. Bei der Invalidenversicherung könnte die A n g e st e l l t e n v e r- sicherung als Muster dienen, wie von einer Zentralstelle aus dic Verwaltung geleitet werden kann. Die 33 Bersichernngsanstal- ten könnten mit Leichtigkeit auf 13 zusammengezogen werden, viel- leicht auch aufgestellt nach den Bezirken der Landesarbeit�ämter. Aehnlich liegen die Dinge in der Unfallversicherung. Die An g e st c l l t c n im Bergbau sollten in ihrer Bersiche- rung der A n g e st e l l t« n v e r s i ch e ru n g unterstellt werden, nicht wie gegenwärtig der Reichsknappschaft. Die Differenzierung in den grundsätzlichen Ansprüchen bei den Leistungen für die einzelnen Versicherungszweige ist in den letzten Iahren immer mehr erweitert worden und hat damit für die Ber- sicherten. Die im Nachteil blieben, ein Gefühl der Zurücksetzung her- vorgerufen. Es läßt sich nichts dagegen sagen, daß die Renten in der Angcstelltenoersicherung lller die der Invalidenversicherung hinaus- gehen: denn diese höhere Leistung beruht aus entsprechend höhe- ren Beiträgen. Bedenklich ist nur der grundsätzliche Unter- schied in der R e n l c n g e w ä h r u n g. So nrnß der Arbeiter einen nicht unerheblich größeren Verfall seiner Arbeitsfähigkeit nachweisen als der Angestellte, um in den Genuß der Invaliden- rcnte zu kommen. Ferner erhält der Angestellte, wenn er das 63. Lebensjahr erreicht hat und ein Jahr arbeitslos'.st, die In- validenrentc: dem Arbeiter wird sie erst mit dem 63. Lebensjahr zuerkannt. Einheitliche Grundtendenzen in den Leistungen seien heute nur schwer zu erreichen: denn es müßte nicht von oben weggenommen, sondern unten zugelegt werden. Das wäre aber nur bei einer Beitragserhöhung möglich,, die allerdings wohl für ein späteres Stadium in Zlussicht zu nehmen wäre. Die Beitragsleistung muß das finanziell« Rückgrat der Sozialversicherung blechen. Nie berufstätige Frau. Nie gesundheitlichen Gefahren der Berufsarbeit. Die berufstätige Frau wird bei der von ihr ausgeübten Arbeit häufig gesundheitlich schwer gefährdet. Die gc- setztichen Bestimmungen zu ihrem Schutz sind keineswegs ausreichend. Bei Tätigkeiten zum Beispiel, die beständiges Stehen er- fordern, ist es unerläßlich, daß wenigstens für kürze Ruhepausen eine Sitzgelegenheit vorhanden ist. Leider fehlen gesetz- liche Borschrüten dafür, sogar für schwangere Frauen, Auch der Stau b schütz läßt in vielen Betrieben noch sehr zu wünschen übrig. Durch Textil-, Metall-, Mehlstoub usw. wird die enrpfmdlichc Lunge der Frau nach leichter als die des Mannes angegriffen und damit auch die Entstehung von Lsti n g e n t n b e k k u l o sch begünstigt. Die Frauen zeigen vielfach für ihre Bcdrohanq.g'c rbn g«-Sr Verständnis und benutzen nicht cinchal die zur Verfügüng stehenden Schutzvorrichtungen und S ch u tz m a s t e n. In seineni Ruudsunkvortrag„Körperliche und geistige Hygiene der F r a u" im Programm der Funkstunde wies Dr. Rudolf Katz die arbeitenden Frauen auf die Notwendigkeit hin, selber nach Möglichkeit für die Sicherung ihrer Gesundheit Sorge zu tragen. Leider fand der Vortrag um 13 Ith r 33 statt, also zu einer Zeit, die wohl nicht eine einzige berufstätige Frau vor dem Laiüiprechrr finden dürfte. Welchen Zweck haben Vorträge, die von denen, für die sie bestimmt sind, nicht gehört werden können? Der Vortragende betonte, daß auch bei der B e r u s s w a h l die gesimdhcitliche Eignung besonders berücksichtigt werden müsse. Bc- rufe, die im Stehen ausgeübt werden, darf niemand ergreifen, der Anlage zu Plattfüßen Hot: wer zu Hautausschlägen neigt, darf keine Beschäftigung wählen, die ihn mit ätzenden Mitteln in Berührung bringt: besonders Nervöse sollen nicht Telepho- nistinnen werden. Gefährlich für die Frau können aber auch Berufe sein, die ständiges Sitzen erfordern. Vor allem das berufsmäßige Masch ine nähen wird Ursache für viele Unterleibsleiden, die aber auch von anderen sitzenden Bernsen be» günstigt werden. Schlechte Haltung, die bei mancher Arbeit taum zu vermeiden ist, kann, besonders im Entwicklungsalter, zu Körperverkrümmungen und zu Kurzsichtigkeit führen. Es wäre wichtig gewesen, wen» der Bortragende noch ärztliche Beobachtungen über den Einfluß der Fließarbeit auf die Gesundheit der Frau mitgeteilt hätte, da ja gercrde aus diesem Gebiet die Frauen- arbeit beständig zunimmt. Als Ausgleich gegen Berufsschäden empfahl der Bortragende richtige Ausnutzung dcr eingeschalteten Ruhepausen, Körperübungen und Aufenthalt im Freien nach Feierabend. Er dürste allerdings in einem Irrtum befangen sein, wenn cr meint, daß„sast jede be- rufstätige Frau, auch wen» sie gleichzeitig im Haushalt tätig ist", Zeit zu Körperübungen habe. Dic berufstätige Proletarierfrau, die neben dcr Erwerbsarbcit die Last des Haushalts trägt, hat sehr häusig sogar nicht eimnal Zeit zum Ausschlafen. Die Z�GO. bei den Eisenbahnern. Ginheitsfront- aber mit wem? „Die Lohn- und Sozialverschlechterungen durch die vierte Not- Verordnung im Eisenbahnbetrieb" war die Tagesordnung einer überfüllten Versammlung in der Kindl-Brauerei, Neukölln, Hermannstraße, in der der Betriebsratsvorsitzende Genosse S ch r a m m a r und Genosse B e i e r l i n g vor den Arbeitern des Reichsbahnansbefscrungswerks Tempelhof rescrierten. Die Ausführungen, die die drückenden Auswirkungen des Teil 3 der Notverordnung in dcr Betriebskrankenkosse der Reichsbahn- direktion Berlin schilderten, lösten ost Empörung und Erbitterung aus. Dementsprechend waren auch dic Anträge und Entschließungen, die eingebracht wurden. Ein Antrag protestierte aus dos schärsste gegen die Notverordnung, insbesondere über den Teil 3„Sozial- Versicherung und Fürsorge". In dem Antrag wurde unter anderem von den Parteien uich Gewertschaitei? gefordert, bei der Regierung vorstellig zu werde», mit dem Ziel, den Teil S der Notverordnung außer Kraft zu setzen. Falls dem Ersuchen nicht stattgegeben werde, seien alle gewerkschaftliche» M i t t e l anzuwenden. Ein Vertreter dcr NGO. sprach gegen diesen Antrag. Die gut dressierten RGO.-Anhängcr stimmten darauf geschlossen mit ihrem 5)äuptling auch gegen diesen Antrag, somit auch gegen eine Wiederherstellung des alten Zustandcs in der Sozial- Versicherung. Dcr Antrag war nämlich von einem„Reformisten" eingebracht. Was den unbedingten Stalinisten schon nicht hinderte, in dem„eigenen" Antrag zu sagen:„Dic Betriebsversammlung ist bewußt der Auffassung, daß nur die ge s ch l o s s c n e E i n h e i t s- front dcr gesamten Arbeiterschaft die Macht der Kapitalisten niederringen lanr'." Dic Versammlung lachte darüber. Den Kampf gegen den Faschismus führt die RGO. so, indem sie sich bei einem Antrag, der aufforderte, den Nazis keine Flugblätter abzunehmen, dcr Stimme enlßiclt, Hatte es am Anfang der Betriebsversammlung dem Anschein, als hätte die RGO, s-ic Mehrheit der Anwesenden für W), so haben die sachlich strengen Ausführungen der Referenten sowie anderer Dictussionsredner es vermocht, innerhalb der Bersairrmlumz einen Meinungsumschwung herbeizuführen. Dic übergroße Mehrheit stimmte für die von gewerkschaftlicher Seite eingereichten Anträge. Die Entschließung dcr RGO. wurde gegen etwa 30 bis 40 Stimmen abgelehnt. Sonnabend, 16. Januar. Berlin. 16.05 UnterliaUungskonzcrt. 18.00 Erlcli König: Sportglosscn. IS.10 Grete von Urbanitzky!„Eine Frau erlebt die Welt." 18.35 Dr. Kurt liillcr: Der politische Publizist. 10,00 Stimme zum Tag. 19.10 Die Funk-Stunde teilt mit 19.15 Paul Oraener: 1. Variationen über ein russisches Volkslied op. 55. 2. Ceilokonzcrt op. 78(Paul örömraer). 3. Comedietta op. 82. 20.00 Schlager, die Schlager werden sollen. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 31.10..Haltestelle Endstation." Kabarettrevue von Eugen Tann. Musik: Allan Oray. 22.15 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Aus dem Kroll-Etahlisscmcnt: Ball der Bühncngeuosscnschaft. Tanzmusik. Königs wusterbausei!. 10.00 Rektor Friedrich Wolter: Lebensnahe Gestaltung der Schularbeit. 16.30 Hamburg: Konaert..... 17.30 39 Grad Fieber. Dr. Kayscr und Partnerin; Gespräch eines Arztes mit einer besorgten Mutter am Krankenbett ihres Kindes. 17.50 Oh.-Ing. Nalrr: Viertelstunde Funktechnik. 18.05 Günther: Deutsch 18.30 Oberstaatsanwalt D. Köhler: Der Ucberzeugungstatcr. 18.55 Wetter für die Landtairtschaft. 19.00 Arbeiterwclt. Lehrspiel von Bruno Schönlank. 19.30 Pater Hoffmann: Kirche und Bildung. 20.00 Breslau; Konzert. Sonutag, 17. Januar. Berlin. 6.45 Fnnkgymnastik. 8.00 Für den Landwirt. 8.55 Morgenfeier. 10.05 Wettervorhersage 14.30 I. Beethoven: a) Thema ntft Variationen. G-Dur: b) Rondo C-Dur, op. 51. 2 Mozart: a) Fantasie D-Moll(K.-V. 397); b) Rondo D-Dur (K.-V. 485).(Albert Lüer. Flügel.) 15.00 VUma Mönckebcrg erzählt Manchen. 15.30 E. Nebermann: Schachstundc. 16.00 Uuterhaitungsmusik. 18.00 Dorothea Hofer-Dernburg liest eigene Arbeiten. 18.25 Dic Fuuk-Stunde teilt mit... 18.30 Lcncr-Ouartctt. 1. Tschaikowsky: Quartett D-Dur, op. 11. 2. Haydn: Quartett D-Dur, op, 3, Nr. 5. 19.20 Tagesglossen. Alfred Kerr. 19.50 Sportnachrichten. 20.00 Orchester-Konzert. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Könlgswustcrhauscn. 7.00 Hamburg: Hafenkonzert. 11.00 Dr. Hans Hartmann* Sozialer Tatsachenbericht. 11.30 Leipzig: Dach-Kantate. 12.00 Leipzig: Konzert. 14.00 Dr. med. Ida Hirschmaun-Wcrthcimer: Zusammenarbeit von Eltern und Aerzten. 15.00 Emanucl bin Gorion: Klassische Kurzgeschichten. 15.30 Dr. Ernst Keienburg; Scgclflug. 16.00 Königsberg: Konzert, 18.00 Richard Sommer: Der Bootsmaun. 18.20 Hermann Maaß: Dic Lcbcnswclt der jungen Generation. 18.45 Unterhaltungsmusik. 19.50 Pastor W. Engclmann: Winterhilfswerk der Deutschen Liga der freien Wohlfahrtspflege. 20.00 Leipzig: Franz-Lebär-Abend. 22.00(Nach Amerika): Konzert Mitw.: Elena Gerhardt. Sopran, Steiner- Quartett. 1. Haydn: Lerchen-Quartett, op. 64, Nr. 5. 2. Schubert Brahras; Lieder._ Theaier der Woche. Vom 12. bis 25. Januar 1932. Volksbühne: Tl>«»t» am Bülowplatz: Bis IS. Die Erohherzogin von Gerolstein. R. ge, schlössen. Ab 21. Der Eesangene. 2«. 11'- Uhr. Heiterer Pormittag: Paul Groetz. Slaatsthealer. Städtische Over, kharlottenbur«: 17. Lohengrin. IS. Hansel und Greiel. cioppelia. U>. Don Paaquale. 20. Aida. 21. Die lustigen Weiber von Windsor. 22. Dic verlaufte Braut. 2Z. Fricdcmann Bach. 21. Rtgoletto. 25. Samson und Dalila. Theaier mit festem Spielplan: Kursurstcobamm. Theater: Mahagonnn.— Devtsche» Theater: Der Raub der Sab in r rinnen.— ftotmntcrfpiclc: Geschlosson.— Die Komödie: Die Nemo- Bank.— Deutsches Ztünstleethcater: Bis 17. Nwa. 18. geschloffen. Ah 1». Der Biberocl,.— Theater in dcr Stresemannstrahe: Iuwelenroub am Kursurstev- Hamm.— gowädieahous: Die Mutter.— Metropol- Theater: Ein Lied der Liebe.— Theater des Bestens: Der Boqelhändlcr.— Lnstlpielhau,: Das rote Tuch.— Theater im«bmiralspalast! Die Dubarrn.—»omischc Oper: Ein entzllekender Mensch.— Grahee Schauspielhaus: Hossmanns Erzählungen.— k iiinq. Theater: Morgen geht's uns gut.— Theater am«oll endo rspla«: G-sporone.— 2 tratet l» der«ehteusteahe: Der Mann mit den grauen Schläfe».— Berti*« Theater: Di« spanische Fliege.— Die ZribLnc: B>» 17. Stichwort Felbena. 18. bis 21. geschloffen. Ab 22. Spiel im Schloß. gleioes Theater läuternationales Theater): Bis 20. Die Mausefalle. Ab 21. Der Graue.— Rosc-Theater: Ein« Frau von Formal. 21. 21 Uhr. Jugend, freunde.— Easino-Theater: Was man aus Liebe tut.— Theater in der glosterstrahe: Bis 20. Dcr friihliche Weinberg. Ab 21. Jung« Liebe.— Plo,a: Die Toni aus Wien.— Stal». Bintergarten: Internationales Bariet«.— Rcichshallen-Theatcr: Stettiner Sänger. Nachmittagsvorstellungen: 15 llbr. Eine Frau oon Format.— Theater in der»lofterstrah«: 17. 17 Uhr. 28. 16 Uhr. Mit dem Zcopelin ins Märchenland. 10. 11'4 Ubr. Götz von Berlichingen. 20., 21. 15 Uhr. Botlovvchen. 24. 17 Uhr. Der sröhliche Weinberg. — Plaza: Die Toni aus Wien.— Skala: Internationales Bortet«.— Biatce. garten: 17.. 23.. 24. Internationales Bariet«.— Rcichshale»-Theoter: 17., 24. Stettin« Sänger. Erslaufführungeu der Woche: Dienstag. Schausvielhaus: Othello.— Deutsche« Ast n stier» t h e a t e r: Der Biberpelz.— Donnerstag. Bolksbilhne: Der Gefangene. — Kleines Theater: Der Graue.— Freitag. Theater in der K l o st e r st r a ß c: Junge Liebe.— Tribüne: Spccl im Schloß.— Sonnabend: Städtische Oper: Friedemann Back). welker für Berlin: Sehr mild, überwiegend bewölkt, sehr geringfügige Niederschläge, etwas auffrischende südwestliche Winde.— Für Deutschland: Im Süden und Südosten noch beständig, zeit- weise neblig mit Nachsrösten, im übrigen Reiche ansteigende Tem- perature», meist bewölkt, strichweise Regen. Beraulwortl. für die Rcbaltion: Stich. Bernsteip, Berlin: Anzeigen: Th. Glocke, Berlin Verlag: Vorwärts Berlag G.m.b.H., Berlin. Druck: Borwärts Buch. druck«« und Berlogsanstall Paul Singer& Co.. Berlin SB 68. Lindcnstr. it. Hierzu 1 Beilage. *........... � G Staat» Theater Sonnabend� den 16. Januar Staatsoper Unter den Linden 20 Uhr Oer Troubadour StutLStepiellui» üendarmenrnarkt. 20 Uhr Charleys Tante Schiller-Theater Charlotf enburg. 20 Uhr nie göttliche Jette Wintej. - Garten- Theater am Nollendortplab regle: Kern Sa.tailgij Pallas 7051 Täglich 8' i Uhr Sigs auch 4'.« Uhr Gasparone r m 20 Zlgeunerlnnon spielen, MZemganno's*1 fliegende ■ leuchtende Menschen am ■ Lufttrapez im dunklen Raum und weitere Varietd-Neuheiten: Ii 8.15 Uhr Flon ZM Rauchen erlaubt Sangabend und Sonntaj 4 Uhr u. 8.15 Uhr. 41 ev hr kleine Pr. siam. Oper Cbarloitcnhurg• öismarcksuaüe 31 Sonnabend, 15. Jan. Turnus I Anfang 19.30 Uhr Carmen ende ge en 23 Uhr. meater im Aflmiralsualasi Täglich SV. Uhr Gina aipar m Die Dubarpy Preise v. 0,50 M,an VolKsbtthne Theater an BQIcwulatz 8 Uhr Die GroDhenogin von Gerolstein Rose. 1 healer ina, Fraikiirtir StriSs 13 TtL Wriduil E 7 3 4 27- 6 und 9 Uhr Eine Frau von Format Im Verkehrslokal der freien Gewerkschaften, Partei und Reichsbanner Elsässer Straße 86-88(Metallarbeiterhaus) Jeden Sonnabend und Sonntag: Großes Bockbierfest Der Zeit entsprechende Preise.— Küche wie bekannt. Es ladet freundlichst ein Max Hundert. fcpnugung* Restaurant Berlins »v.uhr CAS1N0-THEA lER«*/. m»» Lothringer Strohe 37. mimiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiimiifiimuiiHiiuiiniiHiiiti Nur noch wenige AutfUhrungen Was man aus Liebe tat Dazu die Gesangs- und Tanz- Operette Das SScheidnngs- Souper nad der boote Vorteti-TeU. Gutschein 1-4 Personen: Parkett SO Pf., Paureuii l— Mark Sessel i-S" Mark. Berliner VVlkTriO N«■ k• 1 1■, W lAtuutz. 7d/7{ü Sonntag, den 17. Januar mittags I ts Uhr fäeiüagc Sonnabend, 16. Januar 1932 SprÄbniö SjtäJnuiqaße Ja Ibufädt Hoximann WtoAiar: Jyie fiebcfiiekte der WocÄc J)er en Nebcr tiefe Goschichlk dcr Woche wurde in keiner Zeitung bc- I'erichtet. Sie ist dezhalb nicht weniger wahr. Ein junger Mensch, der gerade aus einer kleinen Stadt" in Ostpreußen kam, erjühhe sie mir. Zft sie, weil keine Zeitung darüber berichtete, deshalb weniger wichtig oder zeigt sie nicht vielmehr, daß das Nnschein- bare, das Alltägliche, das� was nicht in die Leffentlichkeit dringt, unser aller Leben bestimmt? Dcr Bolzen, von dem hier die Rede ist, Hot mit dem richtigen Bolzen, den man zum Armbrustschießen benötigt, nur das hagere, das hölzerne und das altertümliche gemein; sonst aber ist er weib- lichen Geschlechts und fungiert als Bolzen auch nur im Schüler- jargon; kurz: es handelt sich um die fünfundvierzigjährige wissen- schaftliche Lehrerin Fräulein Bolzau. Als Fräulein Bolzau ihren Beruf ergriff, konnte sie nicht ahnen, daß er sie dereinst vor eine sünfzigköpfige chorde vierzehnjähriger Bengels stellen würde, vor der die hohe Stimme des Bolzens, die sich im Mädchenschulhos einigen Respekt verschafft hatte, zur Lächerlichkeit verdammt war; wenn diese Stimme im sran- zösischen Unterricht ihr„Silence!!!" gelte, dann schrillte sie so, daß die vielen Schläfer unter den Schülern immer auffuhren: sie glaubten, es habe zur Pause geläutet. Im übrigen waren diese Schläfer noch die für den Bolzen angenehmsten Schüler; wer schläft, der sündigt nicht; er kann zum Beispiel die Lehrerin nicht in das bejammernswert häßliche Gesicht hinein fragen, was denn „Doppelkinn" und.Hasenscharte" auf sranzösisch heiße, und zwar mit unschuldigster Miene; auch kann er nicht den vierkantigen Bleistift aus dem ölgetränkten Fußboden mit der Stiefelsohle hin- und verrollen und dadurch ein Trommelfeuer aus die fast zer- reißenden Nerven seines Opfers loslassen.. Indes der kindlichen Grausamkeit, die vor nichts weniger halt macht als vor der Schwäche, genügten diese Scherze noch nicht. Die rasfinierten Erfindungen häusten sich; mit Triumphzeheul wurde festgestellt, daß die grelle Stimme sich innner lächerlicher überschrie, daß die Drohungen, zum Direktor zu gehen, immer häusiger und also immer wirkungsloser wurden, daß das dürftige, scharfnasige Gesicht von Mal zu Mal, da es in der Klassentür auf- tauchte, zersalteter, zerquetschter aussah. Und einmal wurde dann ein vorläufiger Gipfelpunkt der edlen Schindkunst erreicht; das war, als man auf den herrlichen Gedanken kam. den Gashahn eme Zeitlang aufzudrehen und dann zu behaupten, es rieche abscheulich, es fei nicht zum Aushalten, und vereint an die Fenster zu stürzen— da hatte man den Bolzen so weit bekonrmen, daß er unter sanatischem Gejohle der ganzen Klasse, die Hände zitternd an die grohlappigen Ohren gepreßt, aus dem Räume floh und bis zum Ende der Stunde nicht wiederkam. Und als sie dann die Schwäche und die Gutmütigkeit besaß, niemanden zu bestrafen und mit keinem Wort aus den Porfall zurückzukommen, vielmehr für das tastende und deshalb lautlose Mwarten der Schar, als für ein armes Stündchen Ruhe im zerfetzenden Lärm ihrer Tage, sich sogar. dantbar zeigte— dg war ihr Schicksal besiegelt, ihre Niederlage entschieden� da begann das Suchen noch einer Steige- rung des letzten Erfolges. i.. Janssen endlich, der frechste Lümmel in der Klasse, fand etwas; etwas, das einen beinahe vornehmen Zug hatte und dennoch von vernichtender Wirkung sein mußte. Er tot weiter nichts, als fort- gesetzt laut, aber mit geschlossenen Lippen vor sich Hinzusummen, irgendeine Melodie, die ihm gerade durch den Kops ging. Es würde nie festzustellen sein, von wem das ausging, denn mit ge- fchlosfenem Mund sahen ja alle da... Deshalb hatte das Gesicht des Bolzens schon einen fast gerührten Ausdruck angenommen... Plötzlich hat sie's gehört. Fahrt auf. Trommelt mit dem Blei- ftift aufs Katheder:„Silence!!" 5zält den Kopf schief, es sieht grotesk komisch aus, weil der Kneifer in der Waage bleibt; springt 'auf und schreit, die Stimme geht ihr über:„Wer summt da: Du bist verrückt, mein Kind?" . Den Wortlaut des Liedes, das sie zu erkennen glaubte, hätte sie sich ersparen sollen: ein brüllendes Gelächter, das auf sie herein- prasselt wie lauter schwere Steine, ist die Antwort. Aber mit einem- nial höre» die vordersten, dem Katheder nächsten, auf; dann die in der Mitte; dann auch die in den ersten Reihen; ein betretenes, be- ängstigendes Schweigen ist in der Klasse; die Augen gehen olle zum Katheder und werden erst groß und senken sich dann: Es ist etwas Unerwartetes geschehen. Der Bolzen hat nicht „Silence!" geschrien. Der Bolzen hat auch nicht mit wehenden Röcken die Klasse verlassen. Sondern der Bolzen, das fünfund- vierzigjährige Fräulein Christine Bolzau, wissenschaftliche Lehrerin, ist aus ihren Stuhl zurückgesunken, hat den einen Arm auf den Tisch und ihren schon ergrauenden Kopf daraus gelegt und weint nun: weint, wie einst im Lyzeum ihre kleinen Schülerinnen geweint haben, wenn sie von der Lehrerin angeschnauzt wurden; man hört nichts von ihrem Weinen, man kann es überhaupt nur daran sehen, daß eine Strähne, die sich aus der strengen Frisur gelöst hat. leise zittert. Die.Klasse ist still geworden. Die Backen sind alle sehr rot, die Blicke alle sehr hilflos, und jeder sieht unter die Bank und keiner den anderen an, und jeder wartet mit fast körperlicher Qual, daß die Lehrerin— daß das arme kleine Mädchen da vorn aufhört zu weinen. Sie nehmen sich olle, bewußt oder unbewußt, vor, sie nie mehr zu quälen, wenn sie aufgehört hat— aber sie hört nicht auf, sie kann nicht aufhören, es geht ein Jahr Hingeopfertwerden mit ihr durch und vielleicht mehr, vielleicht ein ganzes graues Leben. Jetzt hört man auch etwas, ein leises, seines Schluchzen, und darin, beim Einziehen der staubschweren Schulluft durch die tränenenge Kehle, immer einen piepsenden Ton, immerzu, wie von einem ganz jungen Bogel. Es klingelt. Die Jungens warten, ob Fräulein Bolzau aufsteht. Nein, Fräulein Bolzau steht nicht auf. Da erhebt sich leise einer noch dem andern, einer nach dem andern geht auf Zehenspitzen am Katheder vorbei und verneigt sich, obgleich Fräulein Bolzau ihn gar nicht sehen kann, weil noch immer ihr Kopf aus dem Arm liegt; so gehen alle hinaus und hinunter und lassen nur einen zurück: nur Janssen, den Uebeltäter... ein paarmal wollte auch er aufstehen, aber da haben sie ihn auf seinen Platz gedrückt; da sitzt er nun, Beine nebeneinander, Hände gefaltet, wie Fräulein Bolzau es sich in ihren kühnsten Träumen nicht erhofst hatte, und sieht scheu zum Katheder hinauf. Endlich erhebt er sich, stellt sich vors Katheder, Hände an der Hosennaht, und sagt: „Fräulein Bolzau, es hat geläutet." Keine Antwort. Janssen stößt mit dem Zeigefinger die Schluchzende an den Arm, ganz vorsichtig, so zart, als der derbe Jungensfinger eben will: „Fräulein Bolzau, ich bin's gewesen." Der Arm macht eine verschwommen abwehrende Bewegung. Dos heißt wohl: schon gut; und bedeutet Verzeihung. Aber Janssen geht noch nicht Er hat noch etwas hinzuzufügen. „Aber es war man gar nicht: Du bist verrückt, mein Kind." Langsam hebt sich das Gesicht der Lehrerin. Es sieht verquollen und blau und rot und erbarmenswert häßlich aus, und es tut einem leid: Und in dies Gesicht hinein sagt Janssen bittend: „Es war man bloß: Heil dir im Siegerkranz!" Und da fängt das verweinte Gesicht, gegen seinen ganzen Aus- druck, gegen seinen Willen gewissermaßen, an zu lächeln; und der Mund an zu lachen, noch mit nach unten gezerrten Mundwinkeln, aber ein Lachen ist es doch: und es geschieht etwas, was eine Lehrerin ja nun eigentlich nicht darf: sie gibt dem Bengel einen Kuh auf die widerspenstigen Haare und sagt zwischen zwei letzten Schluckern: „So es war bloß: Heil dir im Siegerkranz. Na, da geh man, mein Junge." Janssen verneigt sich und geht. Es läutet zur nächsten Stunde. Aerger wird sie für den Bolzen nicht mehr bringen. Nun nicht mehr... Siait Bin äZeiißUd Bntsei�en au§ der Itenas&e Es war Spätnachmittag im September. Am Himmel klebten schwarze, düstere Streifen init silbernen und feuerroten Rändern und die Luft war durchsichtig wie Glas. Und später, als die Menschen zu sich kamen, meinten sie, es habe etwas ungeheuer Be- drückendes in der Luft gelegen, das ihnen das Herz in einen Schraubstock spannte. Die Terrasse des Kaffeehauses war überfüllt von kirst dass- Publikum Da saßen an einem einzigen kleinen Tischchen 6 Mil- lionen Schilling beisainmen, schwere Bankkontos nickten einander zu, manikürte und init Brillanten geschmückte Würstchen lagen lässig aus Stuhllehnen: hielten Lorgnons oder spielten mit Perlenketten. Ein halber Waggon Seide, Schlangenhaut, Krokodilleder, Platin, Gold und Kölnisch Wasser war hier ausgeschüttet und dazwischen waren Menschen plaziert, die sich an all das klammerten. Puppen mit knallroten Lippen lächelten über halbe Jahrhunderte ihres Allers hinweg, faßten mit Platinzähnen noch Strohhalmen und saugten farbige und teure Flüssigkeilen. Dazwischen ragten Köpfe aus weißen Kragen— es war kurz gesagt ein« Fuhre Wohlstand, die da vom Pferderennen herüber gekommen war. Auf dem leeren, weiten Platz vor der Terrasse glänzte der Asphalt, und es lag kein Tröpfchen Spucke darauf. Da waren Menschen unter sich in hypertrophierter Sauberkeit. Man hätte wetten können, eine Gans als Einsatz gegen einen Panzerkreuzer, daß sich dieser Hausen gepflegten Fleisches nicht so leicht aus der Fassung bringen lasse. Das Saxophon quackte eben den Schluhpunkt Scfthnteien HaCCof da& J)titie i. Organisation ist die Seele vom Ganzen. Im Dritten Reich darf man nicht aus der Reihe tanzen. Alle Gatten werden von der Lex„Rachwuchs" erfaßt: Dorschrist: Pro Ehe i Kinder; im Richtersiillngssalle Knast!— Sobald sie laufen gelernt, müssen alle Gören der Salitta— randc in ltal>— angehören. Die daraus folgende Dienstpflicht umsaßt in exaktester weise die ganze Bevölkeruno. vom Züngling zum Greise— und alles macht freudig begeistert mit... Der nächste Schritt betrifft die geistige Erziehung der Massen; sie wird dem„Angriff" unter der bewährten Leitung des Pg. Goebbels überlasten, bekannt für feinen gediegenen Stil-- Als großes Ziel ist außerdem nicht aus dem Auge zu verlieren: j die Volksernährung in einheitliche Bahnen zu führen. j Durch namhafte wijsenschasller wird festgestellt, daß Dörrgemüse am besten die Bolkskrast erhält: (dos wurde schon einmal, im Kriege, bewiesen!)— Wenn man mit diesen großen Aufgaben fertig ist. dann geht man an andere Dinge can. Dann sammelt man erst mal gewallig Kraft zur Brechung der schnöden fPH Zinsknechtschaft. Nebenbei gesagt, eins von den schwierigsten Dingen. und nur in gemeinsamer Arbeit mit Thyssen, vögler und den übrigen Herrn Chefs der Sanken und Schwerindustrie zu bezwingen. Zum Schluß, nachdem man viel Tinte vergasten und mit dem„Erbfeind" einen ewigen Frieden geschlossen. setzt man als Symbel an Stelle des Hakenkreuz Strick und Seil, die Zeichen der Macht im Dritten Reich— heil! II. Das Dritte Reich kennt zweierlei Klaffen von Menschen, die sich wie folgt definieren lasten: Zur Klasse I gehören alle, die zu Führern berufen (es gibt da zwar auch noch Zwischenstufen). Aus jeden Fall fängt's mit dem O S A F an. Der ist von Gottes Gnaden— es folgen die Stabschefs und Häuptlinge: dann kommt die niedrige Charge, aber auch noch zum„Führen". die Romen wie Becker und Kollatz zieren.— Die Führer sind in keiner weise an die Gesetze gebunden; sie dürfen alles tun. was sie für richtig befunden. Sie sind die Edelsten der Ration und bekommen dafür den verdienten Lohn; sie werden nach Gebühr mit Orden geschmückt: ihnen wird— wenn's hoch kommt— von IHM persönlich die Hand gedrückt. Die Klasse II zählt an KD Millionen, die„befreit und zufrieden" im Rozistaal wohnen. Dem Dritten Reich ist es endlich gelungen; es hat alle Röte aufs beste bezwungen: es hat einmal reinen Tisch gemacht und den Begriff des Sozialismus auf eine praktische Formel gebracht. Es gibt die..Sozialisierung" der Arbeitskrasl: damit man möglichst viel werte schafft, hat man die veralteten Bestimmungen über Arbeiterschutz und dergleichen gestrichen und die ve.hältnisse dem Zustand von früher(Inständige Arbeitszeit. Prinzipalsmacht usw.) angeglichen. Es entsteht so ein idealer Zustand, den man als„Klassensozialismus" bezeichnen kann. Die Sozialversicherung ist liquidiert. weil sie erwiesenermaßen zur Untergrabung der Arbeitslust führ». Und dos Volk ist in einem Rausch von Glück befangen, weil olles so herrlich in Erfüllung gegangen... wenn ober trotzdem ab und zu ein wort des Widerspruchs fällt—: Elp Knall— und die Ruhe ist wiederhergestellt! zum Tango, Tanzpaare gingen zu ihren Tischen zurück und rückten Sessel. Und dann wurde es still. Still, wie in der Ewigkeit; still wie im Stollen unten, als die Bergleute ersoffen waren, still wie in der Gießerei, als ein Mensch in die Gießpfanne mit flüssigem Eisen siel! Still war es geworden, als hätte ein Allmächtiger und Schweigsamer seinen Finger aus die große Wund« dieser Zeit gelegt, damit sie zu bluten aushöre. Gehirne waren eingefroren, Muskeln logen gelähmt, Farbe ging spurlos irgendwohin, Stimm-' bänder verdorrten, ein Haufe Mensch lag im Starrkrampf und wußte nicht, woher das kam. Ein Mädchen vorne an der Ballustrad« hatte das Grauen zuerst wahrgenommen. Sein- zeigender Finger blieb starr in der Luft hängen und die Augen des Mädchens quollen aus den Höhlen wd wiesen die Richtung. Und dann sahen sie ihn all«, diesen Menschen, der da langsam, unsagbar langsam über den freien und menschen- leeren Platz schlurfte. Es war ein riesengroßer Kerl mit zertretenen und verstaubten Schuhen, und vor ihm ging sein zehnfach ver- größerter Schallen. Seine breiten und massigen Schultern ließen ohne weiteres den Gedanken zu, er könne ein krankes Pferd aus dem Stall tragen; feine Hände waren wie Kohtenfchaufeln und er ging in etwa 50 Meter Entsernung vorbei. Fast schien es, als be- rührten seine Füße den Boden nicht, und die Menschen auf der Terrasse hörten nicht dos Geräusch der Schritte. Nur ein einzigesmol sah er herüber init brennenden Augen, aber dieser Blick traf sie olle. So mutzte der Rozarener hinübergesehen haben zum Spalier neugieriger Lümmel, als ex mit dem Kreuz strauchelte. So mußte dieser Blick den trotzigen Schuster getroffen haben, als er die Fäuste in die Taschen schob, nicht helfen wollte dein Gestürzten und dafür wandern mußte, unstät und zeitlos durch Welt und Ewigkeit. So war dieser Blick, der sie alle brannte wie ein Feuermal und der ihre Seelen plötzlich gefangennahm. So war dieser Kerl, dessen Kopf durch die Feuerränder der Wolken überftrahll wurde und von dem man nicht wußte, woher er kam und wohin er ging. Vielleicht hatte er sich selbst als Heldenleiche ausgebuddelt vor Verdun, vielleicht war er durch 20 Meter Schutt und nach so vielen Jahren Totsein wieder in das Leben zurückgekehrt, vielleicht war er einer, den sie einstmals auf den elektrischen Stuhl gepreßt, vielleicht war er einer, der im Walzwerk ersaßt und dessen Körper zur Eisenbahnschiene gestreckt wurde-- vielleicht aber auch war er der Führer einer Armee und hinter ihm kamen Tausend und Tausend, und die da aus der Terrasse mußten warten, bis sie all« vorbei, mußten spüren, wie ihnen das Blut in den Adern'gerann, und konnten nicht flüchten! Die Ohnmacht einer Unendlichkeit war über diese Menschen ge- breitet und in den winzigen Teilen von Sekunden sahen sie auf einmal den Ursprung ihres Sattseins und das Wellübel, das damit verbunden war. Allen stand der Schweiß in großen Perlen auf der Stirne und eine kalte Hand würgte sie. Und der Kerl ging so langsam, und sie hätten ihm doch olles gegeben, was sie besaßen, und sie wären nackt nach Hause gelaufen, wenn er doch schon vorbei wäre und außer Sicht! Aber der Kerl ging so langsam und mit jedem Schritt riß er ihnen ein Stück zuckendes Leben heraus. Und am Abend weinten die Frauen in ihren Betten, Telephone rasselten, Aerzte liefen kopsschüttelnd zwischen Schleislackmöbeln, kläffenden Schoßhündchen und unzurechnungsfähigen Patientinnen herum. Männer tranken Portwein, Kognak und rauchten schwere Importen. Sie versuchten es mit allem Möglichen und wußten und wußten nicht, was es eigentlich war. Ein Uebernatürlicher? Eine Fata Morgana des Gewissens? Sich, es war bloß der Hafenarbeller Karl Steinhammer; dem Halle ein baufälliger Kran feine sechs Kameraden von der Arbellspartie zu Brei geschlagen, und nun brachte er den Anblick nicht mehr aus dem Kopf. Das trug er in sich herum und dazu noch das Murren und Stöhnen von hunderttausend anderen. Und hie und da kam er am richtigen Ort vorbei, und die Menschen lasen in seinem Blick, was vor ihm und hinter ihm log, und dann packte sie dos namenlose Entsetzen. Sportpalast-Boxabend ante Rahmenkämpte— schlechter Hauptkampi Die fünf Kämpfe, die Hans Breitenfträter gestern abend im Sportpalast startete, waren mit Ausnahme des sogenannten Haupt- kamptes inhaltooller, als man vorher annehmen tonnte. Die aus- ländifchen Gäste repräsentierte» keine besondere Klaffe, aber sie ver- teidigten ihre Chance bis zum äußersten. So stand der kleine Franzose B o i r e a u sieben Runden lang »n schwersten Feuer von D ü b b e r s, ehe er aufgab. Dübbers Link5 machte hier die Hauptarbeit, anfangs hielt der Franzose das Tempo mit, zuletzt konnte er einfach nicht mehr. Der neue deutsche Mittelgewichtsmeister S e e l i g erhielt im Kampf über den belgischen Meister Stevens die Punkte. Die Entscheidung war nicht ganz verdient. Der bedeutend stämmigere Belgier schlug nicht so oft wie Seelig, aber härter und genauer, verstand auch etwas von Deckung. Seelig erreichte anfangs so gut wie nichts, wurde stets gestoppt, als er schärfer loszog, überhastote er sich mit seinen Schlägen und schaffte nun schon gar nichts bei dem immer kühl bleibenden Belgier. Seeligs Stil hat wenig Meisterhaftes, feine Art, sich vom Gegner loszulösen, wirkte komisch, er gab sich damit und mit anderen Mätzchen der Lächerlichkeit preis, das Schlimmste, was einem Champion passieren kann. Der frühere„ko.-König" B e s s e l m a n n oerriet in dem Kampf mit dem Belgier Hendricker, daß er in der langen Pause doch verloren hat, besonders an Schlagkraft und Genauigkeit. Immerhin reichte das noch Vorhandene zu einem sicheren Punktsieg über den Belgier, der auch bis zum bitteren Ende durchstand. Auch T o b e ck ließ wieder seine alten Mängel erkennen. Er war schwer und mindestens noch einmal so stark wie der schlanke Franzose G a u d o n. Tobeck schlug mit weithergeholten„Dingern" lBoxstöße waren das nicht) 10 Runden auf den Gegner ein und konnte ihn nicht einmal zum Wanken bringen, well er alles mit der Jnnenhand schlug. Da er auch immer dasselbe machte, konnte der Franzose das meiste oermeiden und kam ziemlich glatt über die Distanz. Tobeck wurde zum Sieger erklärt, wahrscheinlich weil seine Schläge mehr knallten. Als der langaufgeschossene dürre G r i z z o im Ring stand, sah Man, daß er gar kein Ueberschwergewichtler war, vielmehr ganz normal 8g, Z Kilogramm wog, und das ist, was man hierzulande einen„Grätenkafpar" nennt. Gühring trat mit 9S Kilogramm an, doch waren davon noch 2 bis 3 zuviel. Man sah auch sehr bald, daß der Italiener ein blutiger Anfänger und Gühring in keiner Weise gewachsen war. Grizzo versuchte Gühring zu boxen, doch kam ihm dieser zuvor, setzte ihm eine Linke nach der anderen ins Gesicht, bei passender Gelegenheit noch ein paar Haken oben und unten, mit dem Erfolg, daß der Ringrichter schon in der dritten Runde den ganz einseitigen Kampf stoppte. Was Gühring in den paar Minuten in boxerischer Hinsicht zeigte, war gut, ob es für �->rnera reichen würde, ist allerdings eine andere Frage. Der Zug des Dollars Zweimal hin und zweimal her Der Geldbeutel hat doch gesiegt. Der amerikanische nämlich. Wollten doch die deutschen- Eis Hockey kr als nicht zu der bürgerlichen Wintersportolympiade nach Lake P l a c i d fahren. weil in Deutschlands Sportlerkasien kein Geld ist. Da winkte Amerika mik den Dollarnoten und man schwenkte ein. Mann- schasten wurden zusammengestellt, ihre Chancen in aller Oeffent- lichtest erwogen und sogar der Abfahrllermin festgesetzt. Dann kam die erste Ueberraschuyg. Der Vorstand des Deutschen Eislaufoerbandes betrachtete die Sache aus einer Tagung in Garmischs Eis und Schnee bedeutend kühler und faßte den Beschluß: die Eiphockeyloute fahren nicht nach Amerika. Verdutzte Manager in USA., Telegramme nach Demschland, Erfolg: die Eishockey- spieler fahren nun doch. Am 21 Januar geht's los! Und Herr Lewald wird den mit amerikanischem Gelde aus- gestatteten„Amateuren" den Segen des Deutschen Reichsausschusses ''ir Leibesübungen geben. Was zu erwarten war. Der Dollarfilm geht noch wester. Norwegens Eislaufkünstlerin, die oielgefeierte und noch mehr verwöhnte Sonja Henie, ließ von Paris aus mittellen, daß sie nur dann nach Lake Placid fahre, wenn ein norwegischer Schiedsrichter entsandt werden würde. Da man auf Sonjas Start nicht verzichten wollte, blieb nichts weiter übrig, als nochmals in den schon reichlich in Anspruch genommenen Beutel zu greifen und die Reisekosten für einen einheimischen Un- parteiischen zu bewilligen. Auch Vioi-Anne Hulthön stellt Bedingungen. Das schwedische Olympische Komitee hat mit seiner Eislaufmeisterin Vivi-Zlnnc Hulthön ebenfalls Sorgen Die Differenzen haben jetzt dazu geführt, daß die in England ge- borene Vioi-Anne erklärte, sie würde in Lake Placid nicht sür England starten, wenn man ihr nicht die Reisekosten für ihre Mutter bewilligt. Wie war es doch bei der A r b e i t e r- O l y m p i a d e in Wien vorigen Sommer? Die offiziellen Wettkämpfer bekamen für den Tag 10 Schilling gleich 6 Mark, mußten davon leben und schlafen und durften die Fahrt noch selbst bezahlen! M* Ruhe" im Schwimmverband Oer Vorstand vertagt einfach den Verbandstag Einen bequemen Weg, unliebsamer Kritik aus dem Wege zu gehen, hat der Vorstand des bürgerlichen„Deutschen Schwimmverbande»" gewählt: er vertagte den fälligen Verbandstag einfach um ein Jahr. Nun ist natürlich im Verband der Teufel los, in der Tagespresie und in der Verbandszeitung „Der Schwimmer" protestieren die Mitglieder. Der Vorstand, der die Verlegung des Verbandstages mit Sparnotwendigkeiten motiviert, muß sich einige nette Wahrheiten sagen lassen, von denen einige hier registriert seien: „Die Unruhe, die vor einem Jahr den Verband erfüllte, mußte auf Eis gelegt werden, da eine freie Meinungsäußerung im „Schwimmer" durch den Verbandsvorstand unmöglich gemacht wurde." „Die Ruhe im Verband ist nur eine erzwungene und daher scheinbare. Von einer festgefügten Gemetnschast kann nur dann die Rede sein, wenn über so schwerwiegend« Fragen, wie über die letzten Ziel« des Verbandes eine eingehende Auseinandersetzung inst allen Teilen des Verbandes stattgefunden hat." Dem Vorstand wird von dem Vorsitzenden des Gaus Schleswig- Holstein Rechtsbeugung vorgeworfen: an anderer Stelle wird sogar ausgesordert, den Verbandsvorstand durch Gerichts- b e s ch l u ß zur Abhaltung des Verbandstages zu zwingen. Diese Einiglest innerhalb des Deutschen Schwimmverbandes paßt wie die Faust auf Auge auf gewisse Einigungsbestrebungen mst der Deutscken Turnerschast, erst in der Nummer vom 6. Januar fordert der„Schwimmer" zur Einigung aller bürgerlichen Sporloerbände auf. Diese Einigung wird wohl noch eine Weile auf sich warten lassen, denn erst muß ja die Einigkeit im DSV. hergestellt sein. .Arl>eitei>?hc>to-,«. Bststna NAG 2.75 1 1 640 MAR öl» Büsinq RAG 5l..... 3869 1630 3210 2 445 4 815 3260 6420 4 075 8 025 Die festen Kosten setzen sich-aus dem Anschaffungspreis, der Amortisation, der Steuer und der Haftpstichtversicherung zusammen, wahrend der Brennstoffverbrauch, Oeloerbrauch, der Reiten- verschleiß und die Reparaturen unter die laufenden Kosten fallen. Nicht enthalten ist in diesen Ziffern die Garagenmiete, die aber selbstredend auch einkalkuliert werden muß. Der Brennstoff- verbrauch pro 166 Kilometer Fahrstrecke wurde mit 7,1 Liter in Gruppe A, 8,5 Liter in Gruppe D, 9,7 Liter in Gruppe C, 11,3 Liter in Gruppe D sowie mit 25,8 bzw. 52 Litern in den beiden Lastwagengruppen«rmillelt. Hinsichtlich des Befchleuni- gungsweges und des Bremsweges geben die ernnttellen Durch- l'chnittswerl« der Oeffenllichkeit leinen Aufschluß, welchen Typen in dieser Hinsicht besonderer Vorzug zu geben ist. -i- Der Grundgsdaicke der ZO-Tage-Fahrt war bestimmt nicht schlecht. Er ist auch ausbaufähig. Grundbedingung müßte aber fein. Laß genaue Einzclergebnisse bekanntgegeben werden. Durchschnittswert« allein rechtfertigen nie und nimmer die außer- ordentlich hohen Unkosten, die diese Fahrt ihrem Beranstgller b«° reitet Halle: man spricht davon, daß hier nicht viel an einer halben i Million gefehlt haben soll! Fritz Wittekind. Sport am Sonntag Arbeiter Zußball. Zu den gestern bekanntgegebenen Berliner Fußballspielen ist noch das Spiel Freie Sportvereinigung Lich- t e n b e r g I gegen Adler 68 nachzutragen. Die Vereine stehen sich aus dem städtischen Sportplatz in der Normannensllahe um 15 Uhr gegenüber. Da Lichtenberg I durch Umstellungen in der Mannschaft am letzten Sonntag ein sehr gutes Spiel zeigte, wird interessanter Sport zu erwarten fein. Wintersport. Bei dem milden Weller sieht es um den Winter- sport besonders in den deutschen Millelgebirgen, wie in Thüringen, im Harz, im Riesengebirge, recht trübe aus. Ueberall herrscht Mangel an Schnee, und so werden die meisten der zahlreich vpr- gesehenen Beranstaltungen abgeblasen werden müssen. Etwas günstiger liegen die Verhältnisse in den Hochalpen und im Alpen- oorland. Auf dem Staffelsee in Murnau soll die Deutsche Meisterschaft im. Eisschnelläufen erledigt werden, iüter- nationale Cisschnellaufwellbewerbe finden auch in dem Schweizer Kurort Cngelberg statt. Der Bayerische Verband will seine Rodelmeisterschaft in Garmisch und seine Meisterschaften im Kunstlaufen in Berchtesgaden durchführen, die Allgäuer Ski- meist er Ich oft ist nach Hindelang angesetzt Reger �Betrieb herrscht in den verschiedenen Willlerkurorten in der Schweiz, mehrere Skirennen sowie Eishockeyspiele stehen auf dem Programm. Im Pariser Eispalast gelangen am Sonnabendabend die Europameisterschaften im Eiskunstlaufen zum Ab- schluß, auch gastieren die kanadischen Eishockeyspieler aus Ollawa in der Seinestadt. Wintertrabreone« zu Ruhleben. Auch der drille Renntag des Jahres wird wieder im Zeichen der gewohnten starten Felder stehen und ausgezeichneten Sport bringen. Die Rennen beginnen um 12.36 Uhr. Bezirksmeisterfchasten im Freien Keglerbund. Am 10. Januar hat der Bezirk Westen die Spielsaison für das Jahr 1932 eröffnet. Die ersten Teilresullate der Kiubmeisterschaften(SKK. Pallas 3636 Holz. Corso 3667 Holz. Frohsinn-Moabtt 3666 Holz, bei Fünfer- wertung je 166.Kugeln aus Bohle) lassen erkennen, daß die Bereine die Trainingszeil ausgenutzt haben und die Endkämpfe einen harten Spori erwarten lassen. Am Sonntag, dem 17. Januar, beginnt der Bezirk Süden in der Sporthalle Südende mit den Bezirtstämpfen. Die Bezirke Osten und Norden folgen im Monat Februar. Das startgeldsreie Bohlesportprogramm ist in diesem Jahr auch auf die Figurenspiele erweitert worden. FTSB. Südost-Treptow. Vorslandosltzuno unter Teilnahme aller Funk- tionäre Montag, 18. Januar, 20 Uhr, bei Florkowsli, Grünauer Straße. Solidarität, Radsahrcr. Geschäftsstelle: Planufer 60. Sprechstunden jeden Dienstag von 18 bis 20 Uhr. Touren Sonntag, 17. Januar. 2. Abt: Dampfer- sahrt nach Friedrtchshaaen. Start: lllVi Uhr Waisenbrücke.— 3. Abt.: Mahle- dorj.Süd, Äart: 13 Uhr M-riannenplatz.— 6. Abt.! Ziel am Start Start: 12% Uhr Zelt,«openhagener Str. 17.— Abt. Sedding: Museumsbesuch. Start: 10 Uhr bei Schreiber, Triftstr. 17.— Abt Friedrichshain jaeiNischte): Polkerlundemuseum. Start: 10 Uhr bei Witlschuß, Petersburger Str. 5.— Neukölln: Ziel am Start. Start: 13 Uhr Hobenzollernplafe.— Weißenfec: Ziel am Start. Start: 13 Uhr Antonplaß.— Rennfahrer Mitte: Trainings- tour nach dem Grunewald. Start: 8 Uhr Brandenburger Tor.— Zu allen Veranstaltungen sind Gäste gern gesehen.— Fahrwarte: Morgen, Sonntag, finden an den bekannten Orten die Unterbezirksversammlungen statt. Die .Berliner Abteilungen sind verpflichtet zu diesen Bersammlungen zu erscheinen. Arbeiter-Schüdcnbund. Ortsgruppengeneralversammlnng erst Donnerstag, 21. Januar. 20 Uhr, in der Turichalle Müller» Ecke Triftftraße. Der L'chtcubcrger Fußballklub Noemannia sucht zum 17. Januar Gegner für 3. Männermannschaft ans eigenem Platz. Angebote unter 3 3205. ASB. Rot. Weih beteiligt sich Rlontag an der Kartellmitgliederversammlung im Altersheim Dan, ige,: Straße. Treffpunkt 19 Uhr an der 9tPrmaIuhr, Den. ziger Straße Ecke Schönhausor Allee. Donnerstag. 21. Januar, im Jugend. v__ eil.. v..» k;iY>aw OS** äs aY«irr»/* btdd» heim großer Ausspracheabend über: _____» W.Die Ausaestalsuna der Traininasabende unb die köinmenbe Arbeit". All» Funktionäre und Mannschattsiührer erscheinen. TB.„Die«atursreuude", Abteilung Reuköll». Heute, Sonnabend. Gene. raloersammlung im Jugendheim Stoinmeßstt 114. Beginn 19 Uhr(nicht Berg. straße � Buch Jtuflralien Das„Handbuch der Geographischen Wissen- sch a st", das von Pros. Klüt« in der Akademischen Verlagsanstalt Athenaion-Potsdam als Subskriptionswerk herausgegeben wird, ist in seinen Lieferungen soweit gediehen, daß unter den zahlreich vorliegenden Heften der Südkontinente der Band Australien abgeschlossen ist. Der stattlich- Band von rund 466 Seiten im Groß- formst umsaßt drei Abschnitte. Prof. Walter G e i ß l e r behandelt im Hauptteil in 8 Heften Australien und Neuseeland. Nach einem allgemeinen Ueberblick über Entdeckungsgeschichte, Bau, Klima, Vegetation und Tierwelt der Kontinente werden in eingehender Arbeit die einzelnen Staaten und Landschaften des Australischen Bundes und Neuseelands in chrem geographischen Aufbau und in ihrer Beschaffenheit als Wohn- und Wirtschaftsraum der Menschen geschildert. Ein zusammenfassender wirtschaftlicher Ueberblick zeigt noch einmal die Stärken und Schwächen dieses wirtfchafllichen Großraumes und damit seine gegenwärtige Stellung und zukünftige Bedeutung in der Weltwirtschast und vor allem im Machtkampf der Staaten um den Großen Ozean. Der zweite Teil der zu einem Band gehörenden Lieferungen umsaßt in drei Heften Ozeanien, also die gesamt« Inselwelt des größten aller Weltmeere, von Prof. Walter B ehrmann dar- gestellt. Bon dem allgemeinen Ueberblick interessieren besonders die jüngsten Untersuchungen über die linienhafte, parallele Anord- nung der Inseln und der größten Tiefen im Pazifik, über gegen- wärtige Hebungen und Senkungen der Inseln und des Meeres- grundes sowie über die Korallenbauten. Die Einzeldarstellunz faßt die Unzahl der Inseln zu den bekannten Gruppen zusammen und zeigt ihre wirtschaftliche und politische Bedeutung vor allem für die kommende Entwicklung des umstrittenen„Stillen" Ozeans. Prof. Erich von D r y g a l s k i behandell in den zwei letzten Teilhesten dieses Bandes die Antarktis. Naturgemäß nimmt in der zwangsläufig kurzen Abhandlung das Problem der Eisbedeckung und der Kontinentausdehnung den größten Raum ein, ist doch von diesem Teil der Erde kaum Leben und Lebensmöglichkell zu melden. Für olle behandelten Gebiete sind gute Karten und zahlreiche Skizzen dem Text beigegeben. Vor allem sind die geschriebenen Darstellungen durch ausgezeichnete Photographien, oft eigene Auf- nahmen der Verfasser, veranschaulicht. Die sast aus jeder Seite vorkommenden Abbildungen und die großen Bildtafeln machen das Handbuch sehr wertvoll, denn Geographie ist«ine Wissenschaft der Anschauung, auf gute« Karten- und Bildmaterial angewiesen. Sorg- fällige Auswahl der neuesten Literatur für jeden Teilabschnitt sowie ein abschließendes Inhaltsverzeichnis vervollständigen das Werk. Der Lsrlag hat eine Einbanddecke hergestellt, die die Einzelheft« zu einem Bande zusammenfaßt. In der 36. und 31. Lieferung des Handbuches beginnt die j Darstellung Europas. Willlelw Tietgens,