BERLIN Mittag 18. Januar 1932 1 I i 10 Pf. Nr. 28 B 14 9. Jahrgang Lrscheinttaglich außerSonatags. Zugleich Abeudausgabe des„Vorwärts�. Bezugspreis für beide Ausgaben 7b Pf. pro Woche, 3,25 M. pro Monat (davon 87 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 3,97 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitungs- und 72 Pf. Postbestellgebühren. „Ibwasdb Slnjeizenvreis: Tie einspaltige MiUimclcrjcile Zu'Is.. Rcklamezeiic 2.— M. Ermäßigungen nach Tarif. Pestschecklento: Borwärls-Berlag G.m.b.H., Berlin«r. 37 536.- Ter Verla, behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Slnjeizen»er! Redaktion und Eppcdition: Berlin MD 6», Lindcnsir. 3 Fernsprecher: Dönhoff(A 7) 292—297. Zugkatastrophe bei Amiens Bisher 10 Tote geborgen, 25 Verletzte Paris, 18. Januar, lvigenbericht.) Ci-tit sihwrres Eisenbahnunglück hat sich am«onn- tagabend in Nordfrankreich ereignet. Ter Personenzug Paris— A in i e n s, der um 5 Uhr nachmittags Paris verlassen hatte, c n t g l e i st e, wahrschein- lich infolge Achscnbruches, kurz vor der(Einfahrt in den Bahnhof T t. I u st- E n-Ch a u f f e e, ctiva 4.� Kilometer südlich von Amiens. Tie beiden ersten Personenwagen des Zuges stürzten um, der dritte Wagen fuhr über den Bahndanini hinaus, über ein Wcichcnstcllcrhaus hinweg uNk» zerschellte an der Bahnböschung. Tic drei entgleisten Wagen bildeten ein uncnttvirrbarcs h» h a o s von keifen- und Holzteilen, aus dem heraus furcht- bare Schmerzensschrcie ertönten. Von dem nahen Bahn- Hof, von den» aus man die Katastrophe bemerkt und gehört hatte, wurde sofort Hilfspersonal entsandt. Auch die Feuerwehr und die Gendarmerie von TL Just sowie einige Militärurlauber beteiligten sich an dem Ncttu»tg»wcrk. Bis zur Ankunft eines Kranes war es fast unmöglich, die Verunglückten unter den Trümmern hervorzuholen, so das, mehrere»chwervcrlchtc in der Zwischenzeit starben. Tie Zahl der geborgenen Toten betrug in de» Morgenstunden zehn. Man befürchtet, daß unter den Trümmern weitere Tote begraben liegen. Tie Zahl der Verletzten beläuft sich auf etwa fünfundzwanzig, von denen sich sechs in hoffnungslosem Zustand befinden. Der Verkehr auf der Strecke ist in beiden Nichtungen unterbrochen. Tie Züge nach Amiens werden über Montidier umgeleitet. Tic Zahl der Verunglückten ist deshalb so gros«, weil der Zug bis auf dei» letzten Platz mit Neisenden gefüllt war, die zum grösiteu Teil den Sonntag zu einem AuSflug nach Paris benutzt hatten und sich auf der Heimreise befanden. Nur von zwei Todes- opfern konnten bisher die Personalien festgestellt ivcrdcn. Alle anderen find so verstümmelt, dasi die Fest- jtellung ihrer Personalien auf grosic Schwierigkeiten stösit. Tie Ursache des Unglücks steht noch nicht fest. Man glaubt aber, das» sie auf einen Wcichrnbruch zurück- zuführen ist.(?s ist damit zu rechnen, dasi eine ganze Anzahl von Verletzten nicht mit dein Leben davonkommt. Achsenbruch die Llrsache Paris. 18. Jaimar. Das Eisenbahnunglück ist in.seinen Ursachen noch nicht völlig geklärt, doch glaubt man. dasi es auf einen Achsenbruch am vierten Wagen zurückzuführen ist. Das Unglück ereignete sich kurz vor dem Bahnhof der kleinen Station Saint-Just. Trotz des Achfenbruches fuhr der Zug. wenn auch mit verminderler Schnelligkeit, big zur ersten Weiche, wo die liatastrophe erfolgte. Die vier Wagen, die hinter dein beschädigte» liefen, sprangen aus den Schienen. Zwei Wagen zweiter Klasse gingen in Trümmer. Dicht an der Ungtücksstelle stand ein Weichenstcllcrhaus, dessen Mauer eingedrückt wnrde. Drei W c t ch e n st c l l e r, die sich in» Augen- blick der Katastrophe im Innern des Häuschens bcsanden, sind schwer verletzt worden. Verschwiegenes Eisenbahnunglück. Eowjet-Eisenbahner vor Gericht. Riga, 18. Januar. lt dem 28. Februar als wahrscheinlichem Wahltermtn gerechnet wird. Hermann Kube Von der Gcwerkschaftsgarde ist wieder einer der Allen dahingegangen. Am Sonntag, dem 17. Januar, mittags, starb der Kassierer des Bundesvorstandes des A D G V., Gc- nosse Hermann Kube, im 67. Lebensjahr. Der Verstorbene hatte in» November einen Schlogansall erlitten, der ihn schon damals an den Rand des Grabes führte. Gegen Weihnachten erholte er sich zwar wieder, doch Ansang Januar trat eine Verschlimmerung seines Zustandcs ein, die keine Hoffnung mehr aufkommen lich. Hcrman Kube ist am 18. September 186Z in T o r g a u geboren. Er wurde Zimmerer und kam jung zur Gemcrkschofts- bewegung. Die Zimmerer gehörten zu den ersten, die unter den» Sozialistengesetz ihren Verband wieder aufrichteten. In Verl i-i» wurde Kube bald Führer der.Zimmererbcwegung und später Aucschußvorsitzender des Verbandes. In» Jahre 1902»vählte ihn der Stuttgarter Gewerlschafts- kongresi in die G o ne r a l k o m m i s i o n der Geiverkschaften Deulschlai»ds, die ihm nach ihrer Uebcrsiedlung von Hamburg nach Berlin den K a s s i e r c r p o st e n übertrug. Fast 39 Jahre hat Kube diesen Posten treulich ausgefüllt und sich das Bertroueu der deutschen Gewerkschaften in solchem Maße errungen, daß seine Wiederwahl von Kongreß zu Kongreß völlig selbstverständlich war. Un» so schwieriger gestaltete sich eine Ersatzwahl, als Kube vor dem Frankfurter Kongreß l931 seine Rücktrittsabsicht wegen hohei� Alters bekundete. Der Kongreß vermochte für fein Amt einen geeignete» Bewerber nicht zu finden, zumal eine ganze Reihe von Nebenämtern hinzugekommen waren. So lvar Kube in der Geschäftsleitung der B e r la g s g e s e l l s cha s t des ADGB., in» Zentralausschuß der Reichsbank, im Aussichtsrat der Volks- fürsorg«, im Aussichtsrat der Bank für Arbeiter, An» gestellte und Beamte und in» Aufsichtsrat des V e r° bandes sozialer Baubetriebe tätig. Auch dem Vor- läufigen Reichswirtschaftsrat gehörte er als Mitglied an. In allen Finanzsragei» und Lausrogen des Bundesvorstandes war er dessen rechte Hand und genoß unbedingtes Vertrauen. Kube konnte seinen KZ. Geburtstag vor anderthalb Jahren in verhältnismäßiger Frische feiern. Auch sein Entschluß, in den Ruhestand zu trete»», ließ nichts vom körperlichen Verfall erkennen. So rapid trat der Zusaminenbruch an ihn heran, daß niemand, auch in seiner Familie nicht, daraus gefaßt»var. Nun müssen wir den alten Mitkämpfer zum Grabe geleiten. Taufende Genossen aus Berlin und aus dem ganzen Reiche werden ihn auf seiner letzten Fahrt das Geleit geben und Hunderttausends werden sein Andenken bewahren als das eines der großen Führer der großen Gemerkschastsbeweguiig. In Spanien haben die Streiks und Unruhen zugenommen. In Bilbao ist zur Zeit wieder ein Generalstreik im Gange, in Gualata wird in einem Teil der Werke gestreikt, in Huelva war an» Freitag ein vierstündiger blutiger Kampf zu verzeichnen, in Salamanca suchten Arbeiter den Bürgermeister und die Stadträte zu l»inchc». Die Streiks werden zum Teil mit Lohnforderungen, zum Teil mit Maßirahmen der Behörden gegen die kommunistischen Machen- schaftcn begründet. Aufgaben für Schiele. Agrarier wollen Landarbeiter löhne nicht mehr auszahlen. Der Vorstand des Deutscheu Landarbeiterverbandes schreibt uns: Es ist schon berichtet worden, daß gegenwärtig im Reichs- ernährungsminifterium die Frage einer Düngemittel- g a r a n t i e erwogen wird. Eine Ausfallbürgschaft für mindestens einen Teil der zu liefernden Düngemittel ist geplant. Tatsächlich gehen diese Sicherungsbestrebungen von den Düngemittelhändlern aus. Anscheinend hält sich die Düngemittelindustrie, die am allge- meinen finanziell leistungsfähig ist, bewußt im Hintergrund. Die Düngemittelforderungen sollen bevorrechtigt be- handelt werden, aber nicht nur die Steuerschulden sollen zurücktreten, sondern man erwägt im Reichs- ernährungsminifterium auch den Plan, daß der L o h n a n s p r u ch der Landorbeiterschaft nicht bevorrechtigt gelten soll, wenn in einem Betriebe Schwierigkeiten eintreten. Von einer zuständigen Stelle im Reichsernährungsministerium wurde bei dem Landarbeiteroerband und wohl auch bei deni christlichen Landarbeiterverband angefragt, ob die beiden Verbände eine solche Regierungsmaßnahme„tolerieren" würden. Vom Vorstand des Deutschen Landarbeiterverbandes ist der be- treffenden Stelle im Reichsernährungsministerium ganz entschieden gesagt worden, daß dos Reichsernährungsministeriuyi sich auf einem falschen Wege befindet, wenn es sich einbilde, daß die Vertreter der Landarbeiter in dieser Beziehung irgendein Ent- gegenkommen zeigen würden. Sie würden im Gegenteil sofort die Mitglieder ihrer Verbände auf diese Ge- fahren hinweisen und die Mitglieder direkt davor warnen, in irgendeiner Form Entgegenkommen zu zeigen, sondern auf ihrem Recht zu bestehen, daß Lohnforderungen in erster Linie bevorrechtigt sind. Soweit wir unterrichtet sind, dürfte der christliche Land- orbciterverband die gleiche Stellung einnehmen. Bei dieser Gelegenheit wurde dem Vertreter des Reichs- ernährungsministeriums auch gesagt, es sej Pflicht des Reichs- crnährungsministers, endlich einmal dem groben Unfug entgegen- zutreten, den die Verbände der landwirtschaftlichen Arbeitgeber im Lande ausüben. Damit sind die bekannten Beschlüsse gemeint, nach denen die landwirtschaftlichen Verbände ihre Mitglieder a u f- fordern, die Forderungen derHändler nicht mehr zu bezahlen, Steuerzahlungen«inzustellen und selbst den Arbeitgeberbeitrag zur Sozialversicherung nicht mehr zu bezahlen. Dazu kommen Boykottandrohungen gegenüber den Personen, die bei Versteigerungen als Käufer austreten. Es wurde serner gesagt, daß die Landarbeiterverbände fest- stellen mußten, daß die Löhne in einem geringen Teil der Be- triebe erst von dem Zeitpunkt ab nicht mehr be- zahlt wurden, als im November vorigen Jahres diese Droh- b« s ch l ü s s e der landwirtschaftlichen Organisationen bekannt wurden. Obwohl man hätte erwarten dürfen, daß das Ministerium diesen überspannten Forderungen der Landwirte einmal entschieden entgegentreten würde, seien unsere Hoffnungen in dieser Beziehung auf dem Nullpunkt angelangt. Ebenso wurde dem Vertreter des Ministeriums gesagt, daß wir auf den Bluff der Landbündler, in diesem Jahre würden die Felder nicht bestellt werden, gar nichts geben. Durch Erfahrungen gewißrgt, wissen wir. daß dies« und andere Drohungen am laufenden Band von den Londbündlern seit Jahren in die Welt gesetzt werden. Nach Monaten und Jahren konnte man dann aus Ernteergebniisen usw, feststellen, daß dies alle» Bluff war und auch wieder Bluff sein wird. Die Antwort aus München. Adolf schützt die Verfassung und macht Spruch. Der Reichskanzler und d«r Reichsinnenmini st er haben zweifellos stark überwinden müssen, als sie den großen Adolf aus München telegraphisch nach Berlin bestellten, um ihn vor den Karren der parlamentarischen Wiederwahl Hindenburgs zu spannen. Sicher waren sie aber merkwürdig überrascht durch die weiche Höflichkeit, die Hitler ihnen gegenüber an den Tag legte. Wenn er auch nicht sofort eine Antwort gab, sondern sich vor emer„Führerentscheidung" durch die Ausslucht drückte, er wolle sein« Entschließung zuvor den Führern der Nationalen Opposition mit- tellen, so war doch die schriftliche Antwort, die er dem Reichs- kanzler zunächst gab, von einer fast unterwürfigen Höflich- keit. Jetzt hat er aber mit dem zeitlichen Abstand auch wieder den rechten Ton gesunden. Er hat eine Denkschrift in der Reichs- kanzlei abgeben lassen, deren Wortlaut durch seine Pressestelle ver- öfsentlicht wird. In dieser Denkschrift wird der bösliche Mann plötzlich wieder sehr„oppositionell". Daß er. der bereits wegen Hochoerrots gegen die bestehende Reichsoersassung gerichtlich abge- urteilt worden ist, sich plötzlich zum Hüter der Verfassung au'wirft, ist bereits erwähnt worden. Man kann das mit Lächeln zur Kenntnis nehmen. Jedenfalls behauptet er— oder wenigstens die Verfasser seiner Denkschrift—, daß der gegenwärtige Reichs- tag auf keinen Fall in der Lage sei, durch Zweidrittelmehrheit die Verfassungsbestimmung für die Bolkewahl des Reichspräsidenten abzuändern. Das könnt« höchstens«in»enge wähltet Reichstag besorgen, von dem er sich mehr Erfolge verspricht. Im übrigen ober sagt er dem Reichskanzler zum Dank für di« erwiesene Freundlichkeit allerhand Grobheiten. So behauptet er,„das innerpolitische Regiment in Deutschland" könne aus innerpolitischen Selb st er Haltungsgründen kein« Wahlen brauchen, während alle außenpolitischen Cr- wägungen sie forderten. Der Verfall des Rei ch.e s habe seinen Ausgangspunkt nicht so sehr in außenpolitischen Aktionen als vielmehr in der innerpolitischen Z e r st ö r u n g des Bolls- körpers durch di« das heutig« System verrörpernden Parteien. Daß Deutschland heute nicht bezahlen könne, sei kein politisches Berdienst irgendeiner Regierung, sondern«ine durch fehlerhaste polstisch« Leitung herbeigeführte Katastrophe. Di« Tatsache, daß es gelungen sei, in 13 Jahren ein gesundes Unternehmen vollständig zahlungsunfähig zu machen, fei keineswegs ein« Garantie dafür, daß dann im 14. Jahr ein Wiederaufstieg beginne. Der sogenannte Führer der sogenannten nationalen Bewegung ist demnach plötzlich zu der Ueberzeugung gekommen, daß das voll- kommen ausgesogen» und wirtschaftlich ruinierte Deutschland von 1V18„ein gesundes Unternehmen" war. das erst in den tllachkriegs- i'ahren ruiniert wurde. Diese wirtschaftliche Weisheit ist so itark, laß sie in Gottfried Feder» Geld» und Wirtschaftstheorien aufgenommen worden muß. Selbstschutz der Demokratie Ltnparteiische Entwaffnung in Oeuischösterreich Wie«, 18. Januar. In einer Unterredung mit einem Vertreter des Wiener„Morgen" kündigte Innenminister Winkler an, daß er sich in der Erkenntnis, die bestehenden gesetzlichen Bestimmungen reichten nicht ans. um den inneren Frieden herbeizufuhren und wirksam an die Lösung der Frage der Entwaffnung heranzugehen, mit der Ausarbeitung eines Gesetzes beschäftige, das dem Parlament zugehen und den Staat als alleinigen Träger der Machtmittel von jedem anderen Einfluß befreien solle. Der Staat dürfe keine Ausnahme machen und müsse alle Versuche vereiteln, die vom Wege der Demokratie abwichen. Die Bundesregierung werde in sachlicher und objektiver Weise die Aktion zur inneren Abrüstung streng«n- parteiisch durchführen. Die Beschlagnahme der Arbeiterwaffen zur Verteidigung der Republik, deren sichere Einlagerung im Arbeiterheim Wien 16(Ottakring),«in Verräter angegeben hat, wird von den Faschisten zu einer wüsten Hetze gegen die Sozialdemo- kratie benutzt. Ein christlichsoziales Wiener Montagblatt macht„Enthüllungen" über Äeheimbefehle, die man zugleich gefunden habe und die den Lesern den oft bewährten Bolsche- wistenschreck wieder einjagen sollen. All das sieht sehr nach veipel-Mache aus und ist geeignet, die öffentlich ge- äußerte Vermutung des Schutzbundführers Karl Heinz zu bekräftigen, daß di« ganze Aktion bestimmt fei, das Land wiederum mit der„festen Hand" des Kanzlers ohne Milde und seiner geliebten Heimwehr zu beglücken. An der Aufrichtigkeit des Willens, den der Innen- minister Winkler in dem oben gemeldeten Interview äußert, eine unparteiische und allgemeine Entwaffnung durchzu» führen, braucht man nicht zu zweifeln. Winkler ist Land- bündler und Demokrat— deshalb wollten ihn ja auch die jüngst in Graz verhafteten Heimwehrburschen„Niederhelzen". Die gesetzliche Grundlage des Waffenvatents von— 1852 reicht ihm nicht aus. darum soll das Parlament ein Ent- waffnungsgesetz beschließen. Aber auf seine Handhabung kommt es an und dafür wird man zu verschiedenen Landes- regierungen, so denen von Steiermark und Tirol, das denkbar geringst« Vertrauen haben können... Oftmals hat die deutschöftereichifche Sozialdemo- kratie die freiwillige Entwaffnung unter gegenseitiger Kontrolle angeboten— Hohngelächter der Faschisten war die Antwort. Trotz ihrem blutigen September- putsch hat man sie nicht entwaffnet. Die Arbeiterschaft fühlt sich am Leben bedroht, sie will und wird sich nicht wehrlos versklaven lassen. Das beweist täglich aufs neue der Maffenzustrom zum Schutzbund— i n einer ein- zigen Versammlung in Hernals(Wien 17) haben sich 684 Teilnehmer zum Schutzbund ge- meldet— wie die unaufhörlichen Geldspenden für den Wchrfond. Will aber die Regierung ehrlich die allgemeine Entwaffnung, so wird sie in der Sozialdemokratie den besten Bundesgenossen haben! Erst wenn Deutschland, so fährt die Denkschrift fort, wieder etwas zu bieten Hab», werde man ihm etwas geben. Die effektive Unmöglichkit der Erfüllung bestimmter Verträge werde erst dann in einen vernünftigen Rechtszustand oerwandelt, wenn>ie Freund- schaft mit Deutschland mehr Gewinn bringe als das Beharren auf Verträgen. Er müsse deshalb den Versuch ablehnen, der in der ganzen Art seiner Durchführung nur ein System retten wolle, dessen Vernichtung die Lebensvoraussetzung der Nation sei. Dann aber gibt er es Herrn Brüning sehr deutlich: Im übrigen sei es auch noch eine Frage der Moral, ob es erträglich erscheine, jahrelang als Staatsfeindc verfemt zu werden, um dann als Menschen zweiter Klasse plötzlich mit dem B o r a n t r i t t bei einer Rettungsattion beehrt zu werden, deren Wortführer anscheinend kein Gefühl für das berechtigte Erstaunen der also Bevorzugten besäßen! Diese Antwort hätten sowohl der Reichskanzler wie Herr Groener voraussehen und deshalb oermeiden können... Lndustrie-partei gegen Brüning. Auch Ä.ngeldey wird gerüffelt. Düsseldorf, 18. Januar. Im Zusammenhang mit einer Gedenkstunde an die Reichs- gründung würde heute von der sogenannten Äoltspartei eine ösfenlliche Kundgebung gegen die„Kriegsschuldlüge und den Ab- rüstungsbetrug" veranstallet. Dr. Schlenker, der Geschäftsführer des Langnamoereins, griffdenReichskanzlerheftigan. Er erklärte, Dr. Brüning genieße nicht mehr das Ver- trauen der Partei, unbeschadet der Hochachtung, die er als Mensch oerdiene. Die Zentraloorstandssttzung in Hannover habe klar erkennen lassen, daß die Volkspartei in den Kreis der„Ratio- nalen Opposition" eingetreten ist, die allein dazu berufen sei, einen tragbaren Modus mit Frankreich herbeizuführen. Deutschland müsse heute von Männern regiert werden, die den Mut aufbrächten, bei den kommenden Verhandlungen ein deutliches Nein auszusprechen. Hervorzuheben wäre noch, daß Dr. Schlenker sein Bedauern darüber aussprach, daß der Parteiführer der Deutschen Volke- partes an den Reichskanzler in der Frage der Amtsdauerverlänge- rung des Reichspräsidenten nicht den gleichen Brief gerichtet habe wie Hugenberg. Oingekdey bedauert. Frankfurt a. d. Oder. 18. Januar. Der Führer der Deutschen Bolkspartei, Dr. Dingeldey, befaßte sich auf einer Bertretertagung des Wahlkreises V mit außenpoli- tischen Fragen, wobei er erklärte, der Standpunkt de» Reichskanzlers. der dem Ausland« die Unmöglichkeit weiterer Reparationszahlungen dargelegt habe, verdiene voll« Zustimmung. In diesem Zusammen- hange kam Dr. Dingeldey auch auf die bevorstehende Reichs- Präsidentenwahl zu sprechen und sogt«, es hätte eine Selbst- Verständlichkeit fein müssen, den Willen zum Widerstand auch dadurch erkennbar werden zu lassen, daß man sich ohne Zögern über die Wiederwahl de» Reichspräsidenten verständigt. Vom Brief Hugenbergs an den Reichskanzler meint« der' Redner b e- dauernd, er habe lewer einen einseitigen parteipoli- tischen Charakter getragen. Zwei Grubenioie geborgen. ?iettvngsarbeiten auf Karsien-sZentrum gehen weiter. B eulhe«. 18. Januar. Don den sieben verschüiieten auf der Sarsten-Zentrum-Grubc sind nunmehr nach hSrkesler Arbeit zwei Bergleute tot geborgen worden. Es handelt sich um die Hauer weih und Misch. Einer wurde in den späten Abendstunden de» Sonnabend. der andere am Soantagnachmiltag gegen 18 Uhr freigelegt. Bach dem Befund der Leichen ist anzunehmen, daß beide baw nach dem Slreckeneinflurz einen schnelle« lad gefunden hoben und nicht erst nach tagelanger Qual. Die versuche zur Bergung der restlichen fünf Mann werden unermüdlich forlgesetzt, doch ist die Hoffnung, noch jemand lebend vorzufinden, verschwindend gering. Nazis überfallen Lungbanner. Ivo gegen 30— das ist wahres Naziheldentvm. Die Nazibanden treten neuerdings in einigen Stadtteilen ganz besonder» provozierend auf. Am Sonntag früh riegelten etwa 100 Nazis im Nordosten Berlin» einen ganzen Stadlteil ab und unter dem Schutze der SA.-Kommando» verteilten einige Haken- treuzler Flugblätter. Al» gegen 8 Uhr früh eine 30 Mann starke Gruppe des Jungbanners nach dem Sportplatz in Friedrichsfelde gehen wollte, wurden sie an der Braunsberger Straße von den Nazis überfallen. Fünf Iungbannerleute, die sich der Uebermacht natürlich nicht erwehren konnten, wurden durch Hiebe mit Schlagwerkzeugen am Kopf erheblich oerletzt. Als das Uebsr- falllommando anrückte, flüchteten die Razibandsten. Leider konnten nur drei von ihnen festgenommen und der Politischen Polizei übergeben werden. Wie wir aus republikanischen Kreisen hören, ist dies in kurzer Zeit der dritte Ueberfall, den Hakenkreuzler auf politisch Aendersdenkende vollführten. Auch in der C h o r i n e r Straße kam es zu einer Schlägerei zwischen Nationalsozia- l i st e n und Kommunisten, bei der auch einige Schüsse ge- wechselt wurden. Taschendiebe im Ballsaal. Handgemenge mit Verbrechern beim Rühnenbatt.* Der Vallsaal als Schauplatz für einen Kampf mit Taschen dicbcn ist auf jeden Fall eine ungewöhnliche Stätte. Der Bühnen- ball am Sonnabend bei Kroll brachte diese im Progr-.!> nicht vergcsehene Attraktion. Mitten im Gedränge bemerkte ein Kaufmann M. plötzlich, ihm seine Briestasch« fehlt, tt dreht« sich um und sah gerade u «in Ballgast seine Briestasch« in seinen Rock stecken wollte. 7. Kaufmann griff sofort zu. Cs entstand«ftr Handgemenge in das sich plötzlich zwei andere Männer mischten, d- versuchten, den erwischten Toschendieb au» de» Händen des Seemanns zu befreien. Wie sich später herausstellte, waren es ZQ-' Komplicen des Diebes. Der Kaufmann setzt« sich aber heftig zt- Wehr und rief in den Ballsaal:„Halt! Taschendiebe e Zahlreiche Paare drängten sich jetzt heran. In dem entstehen!. n Tumult gelang es den beiden hinzugekommenen Männern, zu ent- kommen. Der Kaufmann hiell jedoch den erwischten Dieb noch fe' Als dieser auf die Polizeiwache gebracht wurde, gab er an, der Pole Maurice V i s m a k und 42 Jahre alt zu sew. Er erklärte am IS. Januar aus Paris noch Berlin gekommen zu sein, um sich hier mit seinem Bruder, den er aus Warschau erwartete, zu treffen Er hatte noch nicht einmal eine Wohnung, war aber nach der An- kunft sofort zum Ball gegangen. Als man die Taschen des Polen später durchsuchte, wurde die gestohlene Brieftasche, di« 200 Mark enthielt, nicht mehr gefunden, Biel später erst entdeckt« man sie geleert im Waschraum. Kaum hatte sich die Erregung der Ballbesucher gelegt, als sich ein anderer Ballbesucher meldete, dem gleichfalls eine Brieftasche gestohlen worden war, Der Griff in die Taschen dieses Mannes ist zweifellos von den beiden Komplicen des Vismak ausgeführt worden, die leider ent- kommen konnten. Aus Klaggestan. Der Agitator und der Minister. Vraunschweig. 18. Januar.(Eigenbericht.) Der braunschweigische Naziminister hat dem Verband der braunschweigischen Polizeibeamten mitgeteilt, daß er ihn künftig als Vertretung der Polizeibeamten nicht mehr anerkenne, ihn nicht mehr empfangen und Eingaben nicht mehr entgegennehmen werde. Der sozialdemokratische Gemeindevorsteher von Langelsheim im Kreise Gandersheim hatte dem Nazi- agitotor Klagges untersagt, in seiner Gemeinde in einer öffentlichen Versammlung zu sprechen, da die Versammlung un° friedlich zu werden drohe. Der Minister Klagges hat daraufhin durch die Kreisdirektion Gandersheim das Verbot sofort aufheben lassen und dem Gemeindevorsteher die Führung der Amtsgeschäste entzogen. Selbstmord der Witwe Maximilian Hardens. Die Witwe Maximilian Hördens wurde in ihrer Wohnung in der S ch l ü t e r st r a ß e in Eharlottenburg bewußtlos aufge- f u n d e n. Sic st a r b im Laufe der Nacht im Wcst-Sanatoriuni. Frau Harden scheint infolg« einer seelischen Depression S« l b st- m o r d durch Einnehmen eines Schlafmittels verübt zu haben. Wirtschaftliche Sorgen bestanden nicht. Am 100. Geburtstage gestorben. Wie seltsam oft das Schicksal spielt, zeigt ein Familienereignis auf dem Plessenfchen Gut Jvenack(Schwerin). Dort feierte am vergangenen Freitag Fräulein Lina Ahlgrimm den 100. Geburtstag. Stach am gleichen Abend diese» festen«» Jubellages starb die hochbetagte Greisin. Bewerbungsschreiben. Aus die Ausschreibung der Stelle des Barkumer Badedireltors im„VSlsischen Be, sbachter� trafen groteske und von reinstem Parteibuchgeist erfüllt« Bewerbungsschreiben ei». Was den Voter anbetrifft, War er von Gestalt ein Hüne. Rote haßte er wie Gift. Mütterchen hieß Iosephine. An den Gang durchs Schulhaustor, Denk zurück ich mit Entsetzen. Juden drängten sich dort vor Und ich saß auf untern Vlätzen. In der Kriegszeit bin ich nicht An der Front verwendet worden. Aber meine cheldpflicht Tot ich hinten.(Siehe Orden!) Was das Dasein mir versüßt: Ich bin Mitgliedsbuchbesitzer. . Hitler hat auch mal geniest Und es traf mich da ein Spritzer. Wird der Posten mir zuteil, Stopf ich zu die rote Quelle. Mit ergeb'nem Hitler Heil! Vitt' ich nunmehr um die Stelle! _ Hans Bauer. Arbeiterwelt im Lehrspiel. Protokoll einer Abhörstunde. Ein L e h r s p i e l von Bruno S ch ö n l a n k„Arbeiterwelt" wurde von der Deutschen Well« in der„Stunde des Arbeiters" aufgeführt. Die Sendung wurde in einer Abhörstund«, an der auch zahlreich« Gewerkschaftsvertreter teilnahmen, im Partechaus in der Lindenstraße empfangen. Das Spiel stellt fünf Menschen: Schmied, Dichter, Sänger, Bürovorsteher und dessen Frau im Gespräch zu» einander. In der Diskussion über den Inhalt und seine Gestaltung gab e» lebhaste Einwendungen gegen die Sendung. Einleitend wurde von den Ausspracheleitern darauf hingewiesen, daß das Spiel nicht vom Standpunkt des sozialistischen Arbeiters beurteilt werden dürfe, sondern daß nur untersucht werden könne, ob die Arbeiterwelt, die es schildert, echt ist. Diskussionsredner A.: Die Sendung ist nicht gegen- wartsnah. Der Arbeiter von heute und das, was er für unsere Zeit bedeutet, kam nicht richtig zum Ausdruck. B.: Ich glaube, daß die Form doch sehr geeignet war. Es wurden an die Aufmerksamkeit der Hörer keine zu großen Anfor- derungen gestellt. Die Abwechslung zwischen Sprache, Rezitation und Gesang ermüdete nicht, und doch zeigte sich in allem die Welt des Arbeiters. C. fand das Spiel zu sentimental, zu wenig gegenwartbetont. D.: Als eine Revue über Arbeiterlultur betrachtet, war die Sendung wirkungsvoll. Wesentliche Punkte aus dem ürbeiterleben wurden aber nicht ausgewertet. Die Worte„Streik" und„Genosse" fielen, ohne daß dem Hörer ihr Inhalt wirklich he gebracht wurde. E.: Der Arbeiter redete nicht in der Sprache eines wirklichen Arbeiters. Gerhart Hauptmann ist es in seinen Frühwerken ge- lungen, Proletarier anschaulich zu gestalten. F.: Di« Auswertung der Arbeiterdichtung in diesem Hörspiel ist wirkungsvoll. Die Dichtungen wachsen aus dem Dialog hervor; dadurch wird ihr Inhalt anschaulich A.: Diese Dichtungen entstammen aber einer vergangenen Zeit und sie weisen in sie zurück. Das Spiel hätte aber Gegen- ort erfassen und etwas von ihrem Zukunftsgehalt zeigen müssen. Diese Ansicht wird von mehreren folgenden Rednern geteilt. Der Autor Bruno Schönlank, der in diesem Augenblick aus dem Funkhaus in die Abhörstunde kommt, erklärt zu der Eni- ftehungsgeschichte des Werkes, daß er den Austrag hatte, einige Punkte, die die Iahresreihe„Aus der Welt des Arbeiters" berührt hatten, poch einmal in Erinnerung zu bringen. Gestrichen sei ihm aus dem Spiel das„Lied der Bergarbeiter" von Anna Gmeiner. Genosie Flatau vom Arbeiter-Radio-Bund betont, daß das Spiel einen wesentlichen Mangel darin habe, daß es weder ganz Lehrspiel noch wirtlich künstlerisch geschlossenes Hörspiel sei. Im Lehrspiel muß irgendein Problem in Angriff genommen sein. Die Hörer dieser Sendung werden aber vielfach am Schluß nicht recht gewußt haben: was wollte der Autor eigentlich? Die technische Form war in der Anlage und im wesentlichen auch in der Durch» führung hörwirksam: aber die Gestalten und ihr Milieu zu sehr aus dem Blickfeld der Wirklichkeit in eine kleinbürgerliche Phantasieweit übertragen. Das war offensichtlich eine Konzession, die der Verfasser glaubte machen zu müssen. S ch ö n l a n k gibt zu, daß ein Arbeitermilieu als Hintergrund der Handlung auf die Typen schärfer geprägt hätte. Flatau stellt im Schlußwort die Wichtigkeit solcher Aus- sprachen fest. Diese Mitarbeit der Hörer sei unentbehrlich, wenn der Rundfunk sich fortentwickeln soll. Gegenwartsbetont« Sendungen, die der Arbeiterschaft etwas zu sagen haben, fehlen leider noch immer, well die proletarische Hörerschaft sich bisher zu wenig für dies« Forderung einsetzt. Dagegen erleben wir e» häufig, daß reaktionärste Veranstaltungen über die Sender gehen können. Rur durch das Rundfunkpublikum selber könne wirksamer Anstoß zu einer Aenderung gegeben werden. Die nächsten Wunder der Wissenschast. Das Jahr 1932. dessen Verlauf wir mit so vielen Befürchtungen entgegensehen, verspricht doch auch manches Gute und Große, bs- sonders in dem Bereich der wissenschaftlichen Forschung. Die Fort- schritt« der Forschung und der Technik sind ja heute die Lichtpunkte in dem vielfach umdülterten Bilde unseres Lebens, und wir dürfen von ihnen Erleichterungen erhoffen, die uns vielleicht aus manchen Schwierigkeiten heraushelfen. Man spricht so oft von der Herrschaft über die Elektrizität, die der Mensch erobert hat. aber tatsächlich bleibt doch viel zu tun übrig, um uns diese Naturkraft völlig dienstbar zu machen. Man vergeudet einen großen Teil des Stromes jedesmal, wenn man das lektrische Licht andreht, und das wird solange der Fall sein, bis es endlich gelungen ist, kaltes elektrische, Licht zu erzeugen. Der Lösung dieses Problems ist man bereits in letzter Zeit ganz nahe gekommen, und es sind dapon außerordentliche Ersparungen zu erwarten. Ebenso ver- schtnenderisch»erfahren wir bei der elektrischen Heizung, da ja der Stpom, der un» eigentlich nur Wärme zu liefern braucht, immer auch Licht hervorbringt. Man weiß seit lang««, daß Metall«, die unter starte Abkühlung Der römische„Haupimann von Köpenick" Zuwelierladen mit Hastbefehl ausgeraubt Am 16. Januar beginnt vor den römischen Assisen(die den alten Namen beibehalten haben, obwohl die Geschworenen abgeschafft sind) der Prozeß wegen der Plünderung eines Iuwelierladens. die in der Form einer gerichtlichen Beschlagnahme und mit regelrechter Verhaftung des Besitzers vorgenommen wurde. Am Morgen des S. März 1936 stellten sich in dem Laden des Juweliers M e n e ch i n i, einer alten und hochangesehenen Firma, ein Hauptmann und ein Wachtmeister der Karabinieri ein und verlangten den Besitzer zu sprechen. Der Geschäfts» f ü h r e r stellte sich den beiden als Offizier der Miliz vor und erbot sich, alle geforderte Auskunft zu geben, aber der Hauptmann, obwohl er den„Kameraden" höflich begrüßte, bestand auf die Anwesenheit des Besitzers. Als dieser erschien, eröffnete er ihm rücksichtsvoll, aber energisch, daß er einen Haftbefehl ausführen müsse und legte ein amtliches Dokument darüber vor. Als Grund wurde Hehlerei angegeben. Außer der Verhaftung Menechinis wurde eine Haussuchung und die Beschlagnahme verdächliger waren verfügt. In Gegenwart des Besitzers und des Geschäftsführers nahmen dann die zwei Herren in Uniform in aller Ruhe eine Haus- s u ch u n g vor, die drei Stunden dauerte und zur Beschlagnahme von Juwelen für den Wert von über zwei Millionen Lire und einer beträchtlichen Summe in Bargeld und Wertpapieren führte. Herr Menechini erbot sich, sein Auto für die Fahrt zum Justizpalast und zum Gefängnis zur Verfügung zu stellen, aber der Hauptmann lehnte das als unpassend ab und ließ ein Mietauto holen. In dieses wurde der Verhaftete und die wertvolle Beute gebracht. Beim I u st i z p a l a st stieg der Wachtmeister mit dem beschlagnahmten Material aus, nach dessen Ablieferung die Fahrt bis zum Ge- fängnis fortgesetzt wurde. Hier stellte sich der Hauptmann als Herr De Roma vor, von der Sektion San Lorenzo in Lucina, und lieferte den Haftbefehl ab. der nicht beanstandet wurde. Während die Beamten die Eintragungen machten, baten sie den Offizier, das Ueberweisungsprototoll auszufüllen. Der Mann machte sich an die Arbeit, sagte dann, er wäre zu müde; der Schreiber möge es ausfüllen, er würde die Unterschrift daruntersetzen. So war olles in schönster Ordnung. Ehe sich die Gefängnistür hinter dem Juwelier schloß, drückte ihm Hauptmann De Roma wohlwollend die Hand und sagte ihm herzlich, er solle nicht verzagen, sondern aus die Gerechtigkeit seiner Richter vertrauen. Als nun Menechini in seiner Zelle die Erlebnisse dieses Morgens vor seinem Augen vorüberziehen ließ, überkam ihn eine große Sorge über das Schicksal der beschlagnahmten Juwel e n. Vertrauen auf die Gerechtigkeit war eine ganz schöne Sache— aber, wie ging es zu, daß der Offizier das Ueberweisungsprotokoll nicht hatte schreiben wollen? Je länger der Eingesperrte nachdachte, um so brenzlicher kam ihm die Sache vor. Er klopfte heftig an die Tür der Zelle. Kannten die Aufseher den Offizier, der Sachen von so großem Wert beschlagnahmt hatte? Nein, sie hatten ihn nie vorher gesehen. Nun telephonierte man vom Gefängnis an das Kommando der Karabinieri. Hauptmann de Rama? Einen Offizier dieses Namens gab es bei der karabinieri nichl. Ein Haftbefehl gegen Menechini war nicht erlassen worden. Tags darauf brachte man zwei Vorbestrafte zur Stelle: Ottorini C a m i l l I, das war der Offizier, Umberto del Cavallo, das war der Wachtmeister. Bei diesem wurden auch einige der bc> schlagnahmten Brillanten gefunden. Beide wurden von ihrem Opfer wiedererkannt, beide leugnen. In bescheidener Weise hatte sich Camilli schon vorher als Behörde betätigt. Er hatte sich schon einmal als Wachtmeister der Karabinieri in Zivil einer alten Gast- wirtin auf dem Lande, bei Grosseto, vorgestellt und bei ihr haUs- suchen lassen, weil sie im Verdacht stünde, falsche« Geld auszugeben. Vier Gäste hatte er gleich in seine„Amtshandlung" e i n g e- schlössen und so einige tausend Lire erbeutet. Das hatte ihm vier Jahre Zuchthaus eingebracht, ohne ihm jedoch den Glauben an die Ergiebigkeit von Uniform und Amtswürde zu nehmen, wenn man sie mit dem nötigen Aplomb zu trogen versteht. Bert Brechts Episches Theater Komödienhaus:„Die Mutter" Eine Seele, die auferstanden ist, kann man nicht töten. G o r k i§„M u t t e r". Ein Roman wird in ein Drama verwandelt- Das ist ein schwieriges Kunststück, weil alles, was der- Leser als Vergangenheit erfuhr und langsam gedanklich zerlegen kann, nun unmittelbar vor seine Phantasie gestellt werden muß. Aber es geht an, wenn der Umbaumeister den Zuschauer gewinnt, ihn entzündet oder erquickt. Alles, was auf dem Theater vorgeht, war ja einmal Chronikstofs, und auch die frei erfundene Bühnenhandlung wirkt nur so, daß sie die erträumte oder konstruierte Vergangenheit, also das schon Ge- wordene und Gewesene, in ein wesentlich Werdendes verwandelt. Aber das Theater hat seine Gesetze, nicht Schulmeistergesetze, sondern ganz eindeutige und unerschütterliche Vebensgesetze. Sie gebieten: da« unmittelbare Geschehen. Geschieht nicht alles auf der Bühne schleunigst, in Explosionen de« Zwiegesprächs und derart, daß sich die Menschen aus der Bühne sichtbar, hörbar, tastbar aneinander reiben, dann ist das Theaterwert ein zweifelhaftes Kunstwerk, ein langweiliges vielleicht auch. Stimmt, sagt Bert Brecht, doch jenseits dieser philiströsen Neugierbefriedigung, jenseits dieses groben Sinnenkitzels soll in diesen kulturwidrigen und kulturbedürftigen Tagen etwas Feineres, Verwegeneres, auch Nützlicheres geschaffen werden: eine Verstandes- erweckung des Theaterpublikums. Das war bisher gar kein Publi- kum, das war nur Pöbel, Amüsierrotte, Sensationsklüngel. Brecht denunziert und demoliert dies alte Theater. Das Theater das er wünscht, soll alle Bücher. Radioapparat«, Voltsversammlungen und Predigtstunden ersetzen. Brechts Theaterpublikum soll von der Bühne nicht nur seine Dämmerzustände, sondern vor allem seine Klugheit beziehen. Er nennt dieses Theater das epische. Das ist ein Wort wie ein anderes, nicht viel mehr. Das ist ein Einfall, und kein schlechter. Alles kommt nur darauf an, wie der pfiffige Programmacher die Wirklichkeit zwingt. Mangelhaft. Er zerbricht sich den Kopf über sein episches Theater. Die Widerstände der stumpfen und schläfrigen 1266 Men- scheu, die im Theater aufgemischt und seelisch massiert sein möchten, bricht er nur selten. Dann nur, wenn er gegen seine Theorie sündigt. Das beweist seine Dramatisierung des Gortischen Romans haarklein und haarscharf. Es ist ein herrlicher Roman— zuerst im „Vorwärts" abgedruckt—. die Erzählung von der Proletariermutter Pelagia Wlassowa, die in ihrer Kindheit weder Schreiben noch Lesen lernte und die später als alte Frau das noch schwungvoll nachholt. Befeuert vom Sozialismus und Klassenkampf. Pelagia darf sterben als anbetungswürdige Proletarierseele, obwohl die Zarengcndarmen die schimmernde Revolutionärin tödlich tränken. Der Roman ist eines von den ewigen Büchern. Als er 1967 erschien, wurde er von den jungen Revolutionären bemängelt. Sie warfen der alten Pelagia vor, daß sie nicht schnell genug nach dem Parteirezept er- wache. Werden die Männer und Frauen des Proletariats so saum- selig revolutioniert, dann muß die Bewegung ja erschlafsen und er- lahmen. Damals lautete die Forderung: mehr Tempo in den Dortrag der Tendenz. Brecht sorgt für das Tempo. Die alte Pelagia gelangt blitz- schnell zur Erleuchtung. Hierauf bewährt sie sich als die schlaueste, sogar als die lustigste Propagandistln. Heller und gesaßt geht sie auch unter. Es ist bei Gorki ein tieftragisches Spiel. Revolutimär zu sein. Es ist, formt Brecht die Gorkische Trübsal um. ein Kinder- spiel. Neben dem Pessimisten Gorki pflanzt sich auf der Optimist Brecht, indem er die Pelagia die rote Sowjetsahne im rasenden Tempo ergreifen läßt. Das schadet cheatralisch auch nicht, solange er sich instlnktmäßig an das alte Theater hält. Da gibt es� in seinem Stück befeuerte und befeuernde Auftritte. Die Alte wickelt die Lauen und die Schwachköpfe ein. sie kremvelt die Zaghasten so geschickt um, daß sie mutige Kerle werden. Brecht krempelt aber auch den wunder- baren Gorkismus von dazumal in den Stalinismus von 1932 um. Er läßt den Bolschewistenkatschismus auf der Bühne zerkauen, und niemand hat Recht außer ihm, und er tut so, als wenn alle übrigen Leute im Theater Idioten mit unendlich langer Leitung wären. Kurz, der großartige Roman, umgeformt zum Drama, wird wieder ein Roman, aber hat den psychologischen Schmelz verloren Die Menschen werden zu Lautsprechermaschinen der Partei. Dieses Halbtheater spielt sich sehr schwer. Daher sind nicht genug zu loben die A u f r i ch t Produktion und die Gruppe der Jungen Schauspieler, daß sie es wagen. Sie dienen dem Weltanschanungstheater, das die eklige Zeit und die lächerlich zwitschernden Operettenmanagers umbringen. Helene W e> g e l spielt die alte Pelagia wie eine Oratoriensängerin, die eine Heilige darstellen soll. Das ist, wenigstens im Komödiantischen, der richtige Stil. Sie lauscht auf innere Stimmen. Das Brechtsche Drama ist eben mehr Oratorium als Theater, und die Musik Hanns E i s l e r s, die bewußt in den Choralton hinübersingt, trägt die Stimme und die Stimmung der Primadonna. Sie trägt zwar proletarisches Gc- wand, aber sie rezitiert schön und ergreisend wie eine Prophetin. Spielte sie, spielten und rezitierten ihre Apostel realistischer, so würden sie falsch intonieren und mimen. Vssx Hocjiclork. gehalten werden, hervorragend gute elektrische Leiter sind. Der englische Physiker Prof. Andradc hat kürzlich festgestellt, daß Blei- brecht bei einer Temperatur von 268 Grad Celsius unter Rull 366 Millionen mal so gut leitet wie gewöhnlicher Kuperfdraht. Bei dieser Temperatur würde eine Strecke von 1366 Kilometer Bleidraht dem elektrischen Strom nicht mehr Widerstand leisten als ein einziger Zoll Kupferdraht. Die Zeit dürste nicht mehr fern sein, in der man eine Metallegierung gefunden hat, die auch bei gewöhnlicher Tempe- rotur ein solcher idealer Leiter ist. Dann wird man die Elektri- zität in ungeahnter Weis« verwenden können Eine andere Eni- deckung, auf die die Menschheit wartet, ist die Ausnutzung der w i r k- lichen Wasserkraft. Man kann mit Wasser eine Turbine oder ein Wasserrad treiben, und man kann durch Erhitzung des Wassers den daraus entstehenden Dampf für den Antrieb großer Maschinen verwenden. Aber es gibt noch kein Verfahren, da, uns in den Stand setzte, auch nur einen Bruchteil der Kraft auszunutzen, die sich tatsächlich im Wasser findet. Das Wasser enthält nämlich die Bestandteile eines Brennstoffes, der das Petroleum ersetzen könnte. Es besteht bekanntlich aus zwei Gasen, Sauerstoff und Wasserstoff, und diese könnten bei einer richtigen Mischung«inen Explosiostosf ergeben. Bisher ober hat man noch keinen Wirtschaft- lich lohnenden Weg gesunden, um diese Gase aus dam Wasser zu gewinnen: gelingt dies, dann steht eine Umwälzung der Technik vor. Auch der Fernseher, dessen Problem ja bereits gelöst ist und dessen Einbürgerung bevorsteht, wird uns so manche Ueberraschung bringen. So dürfen wir aus vielen Gebieten der Wissenschast und Technik auf neue Wunder hoffen. New Vorks Untergrundwunder. Die neuen Waggons der in der 8. Avenue New Norks verkehrenden Hochbahn find ein Wunderwerk niaderner Technik. Jeder Wagen kostet 38 666 Dollars; die Fabrik war verpflichtet, monatlich 46 Stück davon zu liefern. Für jeden Waggon waren 666 Zeichnungen erforderlich, weitere 366 für das Zubehör. Ein einziger Plan, der alle unter dem Fußboden des Waggons liegenden Teile zeigt, ist 3,66 Meter lang und kostete soviel wie ein gutes Automobil. Der Waggon mit einer Gesamtlänge von 18 Metern wiegt 166 Tonnen, hat 66 Sitze, doch will die Verwaltung nötigenfalls bis 286 Menschen hineinpressen. Jeder Wagen besteh! aus 6666 Einzelteilen, daneben aus 12 366 Schrauben, 22 3Z3 Nieten, 4SI Stücken Luftleitung und 69 Kilometern Draht. Ueber 166 666 Löcher mußten gebohrt werden. Im Innern der Wagen geben Licht- stgnale die Namen der Haltestellen an. Das Tribunal als Tonfilm. Der heut« beginnende Prozeß gegen elf Beamte der Moskau— Kafan-Eisenbahn wegen des Eisen- bahnunglücks bei Moskau, bei dem 68 Personen ums Leben'amen und zahlreiche Fahrgäste verletzt wurden, wird öffentlich stattfinden. Die Regierung und die Gewerkschaften wollen einen Schauprozeh durchführen: die Verhandlung wird getonfilmt werden. Die An- klage hat gegen acht Beamte die Todesstrafe beantragt. Im Museum siir Katurluube spricht Mttwoch. 6 Uhr: Pros. Below- sky über„Tai Eisen in der Natur"; S Übt: Dr. St-ppenb-ck über «ForschungSresse» in CM". Lohnkampf in Ostoberschlesien. Zm Bergbau und der Metallindustrie. Breslau, 18. Januar.(Eigenbericht.) Dem Vorgehen der Unternehmer im Bergbau folgend, haben -uch die Unternehmer in der Metallindustrie sämtlichen Belegschaften angekündigt, daß alle Arbeiter, die sich nicht mit einem 25prozentigen Lohnabbau einverstanden erklären, sich ab 2. Februar als entlassen zu betrachten haben. Am Sonntag nahmen die Gewerkschaften Ostobcrschlesiens in zahlreichen Betriebsversammlungen zu dem Vorgehen der Unter- nehmcr Stellung. In allen Versammlungen wurde äußerster Wider- stand gefordert. Außerdem wurden in einer Sitzung der Arbeits- gemeinfchaft sämtlicher Gewerkschaften Ostober- schlesiens die erforderlichen Abwchrmaßnahmcn besprochen. Es wurde u. a. beschlossen, noch im Laufe dieser Woche eine B e- triebsrätctagung einzuberufen, um die entscheidenden Bs- schlüsie zu fassen. Auf Hilfsaktionen der polnischen Regierung setzt die Arbeiter- schaft keine Hoffnung. Es ist bekannt, daß man in den amtlichen Warschauer Stellen den Generalangriff der Unternehmer auf die Löhne der ostoberschlesischen Arbeiter im Interesse der von den Aus- Wirkungen des englischen Pfundsturzes ernstlich gefährdeten pol- nischcn Liohlenausfuhr begrüßt. Demgegenüber weisen die GeWerk- schaften darauf hin, daß das Vorgehen der Unternehmer ungesetzlich sei. Die Kündigungen stellten nach gewerkschaftlicher Auffassung eine offensichtliche Umgehung der Demobilmachungsvor- schriftcn der Schlichtungsinstanzcn dar. Die Erregung der Belegschaften steigert sich von Stunde zu Stunde. Die Arbeiter sind bis auf den letzten Mann fest entschlossen, den Anschlag der Unternehmer mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln zu bekämpfen. Es ist deshalb mit e i n em R i e s e n st r e i l zu rechnen, wie ihn Polen bisher kaum erlebt haben dürfte. Vor- aussichtliä, wird auch im Dombrowacr und Krakauer Revier allge- mein Arbeitsniederlegung erfolgen, da die dortigen Industriellen in Uebercinstimmung mit den ostoberschlesischen Unternehmern von ihren Belegschaften den gleichen Lohnvcrzicht fordern. Insgesamt werden von den bisher eingetretenen Kündigungen in den Industriegebieten Südwestpolens annähernd 3l)l> 000 Arbeiter betroffen. 200000 Arbeitslose in Gudslawien. Nur großer Luxus bringe Erleichterung. Belgrad, 18. Januar. Bei einer Besprechung im Ministerium für soziale Fürsorge wurden zum erstenmal genauere Zahlen über die Arbeitslosigkeit in Südstawien bekannt. Entgegen der bisherigen Schätzung, die sich aus 6000 bis 7000 Arbeitslose bclicf, erklärte Sektionschef Jeramitsch, daß es 131 718 Arbeitslose gebe, während der Sekretär der Arbeiter- kammer, T o p a l o w i t s ch, die Zahl auf mindestens 2 0 0 0 0 0 schätzte. Der Minister für soziale Fürsorge, P u c e l j, führte aus, daß der Staat nicht über größere Mittel verfüge, um die Arbeitslosen zu unterstützen. Die Vertreter der Industrie und der Arbeiter- kammer erklärten, daß die Krise durch Sparsamkeit verstärkt würde, und daß nur großer Luxus Erleichterungen bringen könne. Das ist natürlich nicht in frivolem Sinne zu verstehen, sondern nur ein falscher Ausdruck der richtigen Auffassung, daß dos Wirt- schaftslcben nicht ins Stocken geraten, nicht einfrieren dürfe. Zusammenschluß der Kommunslbeamten. Berliner Vorstand konstituieri. Unter dem Vorsitz des Bevollmächtigten des' Ge s a m5v er- bandes, Bezirks- und Ortsverwaltung Berlin, Genossen Schaum, traten am Freitag die Vertreter der Reichsgewerkschaft Deutscher Komnrunalbeamten, des Reichsbundcs der Beamten und Angestellten, des Verbandes Deutscher Berufsfeuerwehrmänner und der Sektion Gesundheitswesen im Gesamtocrband zur konstituieren- den Sitzung des Vorstandes der neuen Reichsgewerkschaft Deutscher Kominunalbcamtcn und-ange st eilten im Gesamtverband zusammen. Zum 1. Vorsitzenden wurde Genosse Mehlig(RDK.), zu stellvertretenden Vorsitzenden H e>) n (Feuerwehr) und Willi) Schulz(Gesundheitswesen) gewählt. Die organisatorische Zusammenfassung der Mitgliedschaft der an dem Zusammenschluß beteiligten Verbände in den Verwaltungs- bezirken, den Berliner Werken und Gesellschaften, wird in den nächsten Wochen durchgeführt werden. Jteinrich SZimmer: Ciciges Indien Die Unabhängigkcitskämpfe der Inder werden In der ganzen Welt mit großcni Interesse verfolgt. Wie überall sind auch hier die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse die treibende» Faktoren des Geschehens. Um aber die besondere Form zu verstehen, in der die indische Bewegung verläuft, muß man die religiösen Anschau- ungcn der Inder und ihren Einfluß auf die Einstellung der Menschen kennen. Nur auf diesem Hintergrunde wird etwa die große Wirkung Gandhis verständlich, der für Indien politischer Führer und reli- giöser Heiliger in einer Person ist. Der Buddhismus, das wichtigste roligionsphilosvphische Siistem Indiens, beruht auf gänzlich anderen Voraussetzungen, Grundanschauungen und Denkmethoden als die abendländischen Religionen: daher ist für den Europäer das Ver- ständnis der indischen Weltauffassung sehr erschwert. Heinrich Zimmer, der bekannte Kenner der indischen Kultur, gibt in seinem Buche„Ewiges Indien" in gedrängter Kürze eine Darstellung des indischen Weltbildes.(Müller und Kiepen- heuer Verlag, Potsdam, 172 Seiten, gebunden 4,80 M.) Zimmer vermeidet die Häufung von gelehrtem Fachwissen, er ermüdet den Leser nicht durch geschichtliche Einzelheiten. Das Buch bemüht sich, aus dem klassischen Schrifttum der Inder die großen Leitgedanken herauszuarbeiten und dem Europäer verständlich zu machen. Durch die scharfe Gegenüberstellung indischer Naturausfassung und euro- päischer naturwissenschaftlicher Forschung wird die Besonderheit'der buddhistischen Weltanschauung beleuchtet. Die Philosophie Indiens, die ganz mit seiner Religion verknüpft bleibt, ist wesentlich durch die geographische Lage und das äquatoriale Klima Indiens bedingt. Es gelingt Zimmer, dies an schonen Beispielen zu zeigen. Dagegen neigt Zimmer zu einer Idealisierung der indischen Anschauungen. So wird nicht nur gezeigt, welche Bedeutung der Kastentrennung im indischen Religionssystem zukommt, sondern es wird geradezu der Versuch gemacht, die strenge Kastenscheidung objektiv zu recht- fertige» Hier vermißt man ein Eingehen auf das Entstehen der Kasten und ein Hinweis auf das Unrecht und die gewaltigen Schäden dieser Einrichtung. Zimmer scheint die Kasten zu den unveränderlichen Bestandteilen Indiens zu rechnen: die indischen Führer selbst bekämpfen aber zum Test mit großer Energie das schädliche Vorurteil grgen die unteren Klassen. Dr. S. Wi Rundfunk der Woche Kultur in Not. Von der Kultur, die in Not ist, sprach in dieser Woche über die Deutsche Welle der Staatsminister Grimme. Der Vortrag erzählte etwas vom Schicksal des deutschen Volkes, und nicht nur von seinem geistigen Schicksal. Kultur in Not heißt mehr als nur Gefährdung geistiger Güter. Es heißt Menschen in Not, Volk in Not. Die Kultur ist bedroht, weil diese Not besteht und weil sie weiter wächst als Folge der Kulturnot. Erst wer diesen Kreislauf erkennt, kann- die ganze Schwere des Wortes„Kulturnot" erfassen. Es lohnt sich, näher auf den Inhalt des Vortrages einzugehen: denn die Rede des Mannes, der zu diesem Thema fraglos sehr aufschlußreich« Ausführungen machen konnte, wurde von der Funkstunde nicht übernommen. Der Minister trat den Gerüchten entgegen, daß im armen Deutschland Kulturluxus getrieben worden fei. Das Anwachsen des Kulturetats in Preußen von nicht ganz 288 Millionen Mark inr Jahre 1013 auf rund 626 Millionen Mark im Jahre 1031 beweise das jedenfalls nicht. Zwischen den beiden Zahlen ist kein unmittelbarer Vergleich mög- lich, da sie wesentlich verschiedene Inhalte umfassen. Der Begriff „Kultur" lzot im Etat des neuen Staates eine größere Ausweitung erhalten, so daß er jetzt mit Posten belastet ist, die früher gar nicht darin erscheinen konnten. Der weitaus überwiegende Teil der Mehrausgaben ist aus der veränderten Um Weltlage hervorgegangen. Es wuchsen die Aufwendungen sür die höheren Schulen durch die Ucbernahme der in höher« Internatsschulen umgenxindelte Kadettenhäujer. Kriegswaisen, Kinder von Ausländsdeutschen und anderer von Not betroffener Familien werden hier erzogen. Kommunale, stistische und private Lehranstalten auf dem Lande müssen, namenUich in den neucntstandenen Grenzgebieten, heute Zuschüsse crl>altcn, wenn diese Gebiete nicht ganz von höheren Schulen entblößt werden wllen. Bilduncsanstalten für die weibliche Iugcich über die Volks- schule hinaus wurden vor dem.Kriege vom Staat überhaupt nickst unterhalten. Die veränderte Stellung der Frau im Staat und vor allem auch die Notwendigkeit, sie in der heute ohnehin besonders schwierigen und besonders notwendigen Berufs- ausbildung nicht zu behindern, mußten den Staat veranlassen, die crsordcrlichen Schulen zu schaffen oder zu ihrer Erhaltung bcizu- steuern. Die nach dem Kriege dringend notwendig gewordene Er- richtnng van neuen Schulgebäuden mußte in Angriff genommen werden. Daß der Wunsch der heranwachsenden, durch die Kriegs- und Nachkriegsverhältnisse seelisch und gesundheitlich oft schwer bedrohten Jugend erfreuliche, hygienisch einwandfreie Schulräunie zu schassen, gelegentlich einmal die von der Not erzwungene Be- grcnzung dieser Ausgaben sprengte, ist verständlich, wenn es auch auf Grund unserer wirtschaftlichen Lage nicht zu entschuldigen ist. Aber solche Luxusbauten blieben Einzelfälle. Während der Jahre 1024 bis 1031 wurden von der deutschen öffentlichen Hand ins- pssamt 18� Milliarden Mark ausgenommen. In denselben Jahren sind 263 Millionen Mark, also nur rund der siebzigste Teil davocn, sür Zwecke ausgegeben worden, dt« man bei weitester Auslegung des Wortes„Luxus" dafür ansprechen könnte, nämlich sür K»nst und Wissenschaft, für Badeanstalten, für Leibesübungen und Sport, für Jugendwohlfahrt, jllr Garten- und Parkanlagen und für die Pflege von Kurorten. Das Anwachsen der V o l k? s ch u l l a st e n hat zum Teil seine Ursache darin, daß infolge der durch die Auswirkungen des Ver- sailler Vertrages hervorgorufcnen wertfchastlichen Bcbnmgms der G e m c i n den ein verstärktes Eivgreffen des. Staates zugunsten der Volksschulen unvermeidlich geworden ist. Außerdem brachte der Zustrom der Lehrer aus den abgetretene» Gebieten eine starke Verminderung der Arbeitsmöglichkeiten für die jungen Schulamtsbewerbcr. Die Verpflichtungen, die der Staat gegenüber diesen Lehrern und Junglehrern übernimmt, stellen nicht nur eine moralische Verpflichtuna dar, sondern sie sind unerläßlich, wenn der Staat einen drohenden geistigen Zusammenbruch vor- beugen will. lieber Kunst und Wissenschaft lastet die Not. Der Zuschuß des Staates für M u s c c n beträgt heute weniger alz die Hälfte der vor dem Kriege dafür ausgeworfenen Summe. Diese Verwinde- ruiig wirkt sich heut« besonders schwer aus, wo die bildenden Künst- lor init Privatauftrögcn kaum noch rechnen können. Auch die wissenschaftliche Forschung ist bedroht, und Deutschland gerät in Gefahr, infolge seiner Armut aus dein intcriiationolen Wettbewerb der Forschung ausgeschaltet zu werden. Von den preußischen Staatstheatcrn werden in der nächsten Spielzeit zwei Drittel geschlossen. Die Prioatthcatcr weisen einen entsprechenden Rückgang aus. Statsminister G r i in m e stellt« in seinen Ausführungen aus- drücklich fest, daß in dem Rückgang an Befchäftigungs- Möglichkeiten, zu dem auch die Einsparungen im Kulturetat wesentlich beitragen müssen, die größte Kulturgefährdung des Staates liege. Die kulturelle Betreuung der Arbeitslosen wird immer schwerer, weil das Heer der Arbeitslosen beständig wächst und keine Volksschicht mehr von der Arbeitslosigkeit verschont ist. Aber nun, wo die Benutzerzahl der Volksbüchereien um rund 40 Prozent über die Normalzahl gestiegen ist, hat eine Minderung der Ausgaben um gleichfalls 40 Prozent statt. finden müssen. Es liegt die tiefste Tragik für das ganze deutsche deutsche Volk darin, daß nun, wo durch die Verfassung dem geistig Auswärtsstrebcnden der Weg in die Freihest geöffnet wure, die wirtschaftliche Notlage Millionen diesen Weg versperrt. Der Massenabbau an kulwrcllen Aufgaben ist trotzdem unter den gegenwärtigen Verhältnisjen nicht zu umgehen. Die Kultur ist heute in Not, nicht, weil das deutsche Volk sich leichthin und un- verantwortlich im Ausbau kultureller Werte übernommen hätte, son- der» weil auch die Wirtschast in Not ist. Auch die kulturelle Not ist erst behebbar, wenn die Lasten der Kriegsschulden verschwunden sind. Das ungefähr ist das wesentlichste vom Inhalt des Vortrags, den Staatsminifter Grimme hielt. Es ist gerade an dieser Stelle so ausführlich auf die Ausführungen eingegangen worden, weil das Problem„Kultur in Not" tief in den Aufgabenkreis des Run d- f links einschneidet. Die Zahl der Hörer wächst ständig, daß sie nicht wie bei den Volksbüchereien ungeheuer ansteigt, dürfte in der Hauptsache seinen Grund in den für die Heutigen Verhältnisse viel zu hohen Gebühren haben. Deutschland, heute der ärmste Kulturstaat, kann sich der höchsten Rundfunkgebühren rühmen. Außerdem ist die Unzufriedenheit mit den Programmen nach immer recht groß. Allerdings sind die Anforderungen der Hörer eben in- folg« er Kullurnot sehr gewachsen. Wem nur noch der Rundfunk als Äulturmittler blieb, der verlangt, mindestens unbewußt, daß durch ihn seine wichtigsten Kulturbedürsnisse befriedigt werden— und man braucht sich nicht zu verhehlen, daß solche Fordeung bei der gerade in Deutschland besonders ausgeprägten Verschiedenheit dieser Bedürfnisse ost einfach unerfüllbar ist. Zweifellos aber ist. daß sich hier bessre Näherungswerte als bisher erreichen lassen. Je besser der Rundfunk es versteht, Kulturbedürsnisse zu erwecken, wachzuhalten, neu zu erwecken— und das gelingt mindestens unter den heutigen BerHältniisen nur wirklich, wenn er diese Bedürfnisse auch zu befriedigen weiß—, desto wirkungsvoller wird er gegen die furchtbare 5iult»rnot und ihre Folgen vorgehe». Tes. »>.05 16.50 17..50 15.00 18 75 j£?5 11.00 l».10 10.55 20.00 21.25 22.15 16.00 17.50 18.00 18..50 15.55 10.00 16.25 20.00 20.30 Rundfunk am Abend. Montnc. 18. Jannar. Berlin. Dr. Waldemar Guria: Katliolischc Dichtunrr. Lieder.(Lisa Krank. Sopran; am Klüjrcl:.Inliu/t Biirs:eri) 1. Bach-Marccllo. Konzert D-Moll. 2. Mozart: Variationen über ein Tücma von Gluck(K.-V. 455). 3. Back: Chromatische Fantasie und Kuxe(Franz Osborn, Klugcl). Der Einzelne in der Gemeinschaft(Martin Levy). Dr. med. J. Löbcl: Macht Opjtmismus xcstind? Paul König. W.. Abraham: Fragen des Einzelhandels. Die- Kü�k-itundc.teilt.init..•...:.' rjüjpäÄ Stimme zum Tag. Unlcthaltungskonzert."■ Mitteilungen des Arbeitsamtes.-' Rcichsscndung:.».Zum 18. Januar". 1. Beethoven: Ouv...Lconorc" Nr. I. 2. Ansprache des Rcichsministers Grocaer. 3. Deutschland-Lied- 1. Aus Bismarcks Gedanken und Erinnerunfirmen(Sprecher: Gerd Fr icke). 2. Beethoven: Sonate As-Dur» op. 26(II. C. Kiebensahm. Flügel). 3. Aus Bismarcks Briefen und Reden(Sprecher; Gerd Fricke). Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Königs w asterhausen. Rektor Skowronski: Aufgaben der Orenzlandschulen. Paul Ligeti; Moderne Kunst. Dr. Herbert Just: Musizieren mit unsichtbaren Partnern. Spanisch für Anfänger. Metter für die Landwirtschaft. Prof. Dr. Nolte: Düngen trotz Geldknappheit. Deutschland und die Abrüstung(Redakteur Wilhelm Hack und Redakteur Dr. Walther Hagemami). Von Berlin: Reichs sendung:..Zum 18. Januar". Leipzig: Rcichsgründungsfcicr. Hierzu 1 Beilage. XlteaUc. Lidtlspicle usw. Staats Theater Montag den IS. jannar staatsoper unter cen Linden 20 L'liT Die Macht des Schicksais Staall.Sdiauseielliaus Gendannenmarkt 20 Uhr Rauhnadit Kein Kartenverkauf Schiller-Theater Charloltnbirj. 20 Uhr DI« göttliche Jette s'. uhr CASINU-THEAlERov. uh. Lothringer Strafe 37. Nur noch wenige Autführungen Was man aus Liebe tut Datu die Gesangs- und Tanz- Operettt l>as McheiiliingM- Kwu|ti>i' and der bunle Varleie-Tell. Gutschein 1-4 Personen: PaiKett 50 PI. hauieuil I.— Mark. Sessel 1.50 Mark. Stettner Sänger im Reichshallen- Theater Dönliofl platz 6 Uhr. Sanntags 3. lito zu cr- mäSIgtai) Preisen. Das neue Piogramm mit 1 Burleske „So'nUeinfali:*4 PreUc abgebaot! VolKsbOlme Theater am BGInwplit: 5 Uhr Die eroßhsrzoain von Gerolstein mit Käthe Dorsch Staall. Sdiiiler-Iheaiei 8 Uhr Sie döltiidie leite siadLOper Charlottenburg Bismarckstraße 34. Montag, 18. lanuar Volksvorstellung Kein Kartenverkauf Anfang 19.30 Uhr Hansel and Grete) Copeila Ende gegen 23 Uhr TUM S», 8iä Uhr StDJ. 2. S, 81- Uta- Die Toni aus Wien ünctropol-Ttieaier Täglich Uhr Ein Lied der Liehe Rieh. Tauber Anni Ahl er« VurmkauiununlerMen Sonntag Dacbraittag 3 Uhr billige Preise der Plätze Berliner(lik-Trio N«■ k S 1 1■ 74/7&J Theater am UDlIendortplata fc|ic: Kim Sa'tenbgrj Pallas 7051 Täglich 8V« Uhr Stgs auch 41/« Uhr Gasparone liginii-Tteater täglich 8V» Uhr Verden gehl! uns gut! Sith rüsheiRi, Nu Kanr« Ordiefl.Daf ot Bein WM lim EU Der Raub der Sabinerinnen Regie: Hans Deppe. Albert Bassermann, L Höflich. Richard Stössel. Die Komödie U'« Uhr Die nemo-BanK von Louis Vcrneuil mit iMaxPallenberg Rariarsiendamm- Theater | I 448- 8V« Uhr Mahagonsiy von Brecht u Weil! Hestertierg, Weira Lenja, Hoerrmann Theater im IdmiralsDaiast Täglich S'.i Uhr Gitta Alpar in IHc Itabarry Preise v. 0,50 JVL an | vernauie rtiöoei Rose- Theater iroS« FrasVlurlir SlnBt 131 Id. Wddnil E 1 3422 8.15 Uhr Eine Frau von Formal Theater desWestens Täglich SV» Uhr Karl JO.tca in Der Vogeliiändler Marg. Slezak Lotie Carola Preise von SO Pf. an rKomSdisnhaus— 0 2. Wiidciuhmm S3Ü4 Täglich 8';» Uhr GäslsphlQpjppE junger Sdmspieler uJutridit- Produklion Die Mutter anii dtm Ggrlinfiin Raran von Bert Bracht Preise von 50 Ff an JRöbel-llbolsmann nat dlcranbcrflt. 14/14» Das Saus her guten Qualitäten! Verkauf ju Senfa. tlanspreifeniEchfaf. nimmer aüafiaaoui. Blrle. Nukbaum, Birnbaum. Eicks, nur 343.— Eueifc- »immer, eckt Eick-. mit yrlftallvifrine nur 293.— Serren» Limmer. avarfcs Mobcll 28Z. ckllckcn 83.—. Sämfffcke Einzefmübel ja Spotttiteircnl Sic- Fcnoustvobll Lonn» läficiae©aranlif! Sltfanbers aünfüae Geleoenbeit Mr Staffafäufcrl Cicke. ten Runbrn auch Rabfnnfi».(EtI(idite. tuna.• IN lim insirumsnte Cinfuianos, Wtltoion#» überaus vreiswerl. T-ionofobtiE Ciut, Stuirnruftcofte 35• |Hauio8syciie| aobnqcbifW, Pfafinabkälf» Qucdfilbct Zinn- mclalle. Silber. fchmefse(Sofbfckmcl. Mtei. Cbriftionat, floMHideTflrofif SU. Salleftelf« ttbalbtit. ttidBE. (Beilage Montag, 18. Januar 1932 SprÄbniil SfuUauifaße Jn\bfteadi Run in die Wüste Der Goldbergbau in West-A ustralien#— Von Walter Geister In dicseni Frühjahr soll in Teutschland wieder ein Goldberg- Werk eröffnet werden. Man hofft, da* schon im Mittelalter verlassene Bergwerk mit neuesten Methoden rentabel ausbeuten iU können. Wir veröffentlichen eine Sebilderung des a u st r a l i- s ch e n Goldbergbaus aus dem„Handbuch der geographischen Wissenschaft" sAkadcmischc Bcrlags-Anstalt Alhcnaion-Potsdaml, dessen erster Bond bereits in der Sonnabcndausgabc des„Abend" besprochen wurde. Die Gegenwart ist für West-Australien eine Zeit des U e b e r- ganges. Der Bergbau macht verzweifelte Anstrengungen, sich zu halten. An Bedeutung überragt der Goldbergbau noch immer alle anderen Gebiete, erst in weiterem Abstände folgt Silber, während die Produktion von Kupfer und Zinn noch geringer ist, so daß wir in erster Linie unser Augenmerk auf die Gewinnung des Goldes richten können. Zwei ganz verschiedene Bilder stehen da vor unseren Augen: wir sehen den Prospektor(Goldsucher), der hinauszieht in die Wildnis, um nach Gold zu suchen, und wir sehen die gewaltigen modernen Bergbauanlagen von Kalgoorlie und anderen Berg- baustädten. Im ersteren Falle wird das alluviale Gold gefunden. im letzteren wird das Gold bergmännisch aus primärer Lagerstätte gewonnen. Gold! Gold! Gold! Als die Kunde von den Goldfunden in weitere Kreise drang, fanden sich Abenteurer, Geldgierige, gestrandete Existenzen, aber auch ernschaft Strebende, um in der sonnendurchglühten Steinwüste nach den, ersehnten Golde zu suchen. Die Ausrüstung dieser Leute, die sich zu„partiez" zusammenschlössen, war dürftig genug. Außer dem Mundvorrat, zu dem als wichtigster Teil das Wasser gehörte, wurden ch a ck e n und Schaufeln und der ..Dryblower" mitgenommen, d. h. eine Vorrichtung, um durch Schütteln und Sieben das leichte Muttergestein von den gold- haltigen, schweren Stücken zu trennen. Denn bei dem furchtbaren Wassermangel kam es sehr darauf an, mit diesem Element so sparsam wie möglich umzugehen, und so war eine Goldwäsche mit chilse des Wassers nur in Ausnahmefällen anwendbar. Etwas Dynamit zum Sprengen von Quarzstücken vervollständigte die bescheidene Ausrüstung. Als unentbehrliche Kameraden aber wurden die treuen Kamele, Dromedare mitgenommen, die oft die chalbverfchmachteten im letzten Augenblick durch ihre Ausdauer und Bedürfnislosigkeit retteten. chatte«in« solche Party, die meist aus nur zwei Leuten bestand, einen guten Fund gemacht, so suchte sie den so lange wie möglich geheimzuhalten, damit man sich erst die„csaims" von der Regierung sicherte. Diese waren aber nur in P e r t h zu erhalten: dort wurde den Antragstellern für ein geringes Entgelt pro Jahr das Gebiet, dos der Prospektor so genau wie irgend möglich an- geben mußte, zum Zwecke der Goldgewinnung überlassen, chandclte es sich um sehr wertvolle Funde, die sich über ein großes Gebiet verteilten, so war die Geheimhaltung nicht möglich. In Scharen kamen dann die Prospektoren und belegten das in der Nähe liegende Gebiet mit Beschlag. Sofort änderte sich das Bild. Wo bisher ein einsames Zelt neben einem Quarzgange, an dem sich alluviales Gold angereichert hotte, die Einsamkeit unterbrach, da erstand mit erstaunlicher Schnelligkeit eine Zeltstadt, und das ganze Gebiet wurde von fleißigen, sieberhaft arbeitenden Menschen nach Gold durchwühlt. Städte entstehen, vergehen--- War Aussicht vorhanden, daß die Ausbeute die Menschen eine längere Zeit am Orte fesseln würde, so erschienen nicht weniger geldgierige Leute, die eine Bretterbude errichteten, einen Laden und eine Bar eröffneten und dafür sorgten, daß den Diggern, die nach dem Golde suchten, das oft leicht Erworbene auf schnellstem Wege wieder abgenommen wurde. Denn die Preise für alle Gebrauchs- und Nahrungsmittel einschließlich Wasser waren ungemein hoch. Es dauerte nicht lange, so war eine Well- blech- und chalzvarackenstadt entstanden, in der die Regierung durch Einsetzen von Polizei und Berwaltungsbeamten so schnell wie möglich Ordnung zu schassen suchte. Je nach der Art und Menge des Vorkommens wurde die Stadt nach einigen Monaten oder Jahren wieder verlassen, oder sie erhielt durch massive Bautet, ein solideres Aussehen. So ist eine Reihe von Städten entstanden, die teilweise noch heute an der Eisenbahnlinie von Perth nach Kalgoorlie bestehen, andere sind wieder verschwunden. Allenthalben kann man auf solche Wüstungen stoßen. Verlassene chäuser, halbverfallen und ausgeplündert, oft nur die massiven niedrigen Pfosten, sind olles, was von dem einst wild pulsierenden Leben übriggeblieben ist. Hier und da steht auch nur noch ein eiserner Kamin einsam im Scrub, und an anderen Stellen verraten nur noch die Haufen van leeren Flaschen und verrosteten Konservenbüchsen. daß einst eine voll Hoffnung ausgebaute Stadt die Einsamkeit der Wildnis unterbrochen hat. Coolgardic und Kalgoorlie. Anders verlief die Entwicklung der bergmännischen G e- w i n n u n g des Goldes. Das Schicksal der beiden bekanntesten Städte, nämlich' Coolgardie und Kalgoorlie, stellt uns die Verschiedenheit der Abbaumcthoden und aller übrigen Begleit- erschcinungen recht deutlich vor Augen. Die Vorkommen von Coolgardie schienen besonders viel- versprechend zu sein. Sie wurden 1 89 2 entdeckt. Man glaubte auch, daß durch bergmännischen Betrieb eine dauernde Quelle des Wohlstandes erschlossen werden könnte. So wurde von der Regierung die Stadt besonders bevorzugt, man machte sie zum Sitz der Verwaltung und der Bergbehörden. So kommt es, daß der nach heute wichtigste große Goldbergbaudistrikt den Namen Coolgardie trägt. Die Entwicklung des Bergbaus ging ober andere Wege, als der Mensch gehosst hatte. Nur 49 Kilometer weiter nordöstlich wurde 189? die„Goldene Meile" ent> deckt, die einen ganz ungeahnten Reichtum an Gold birgt. Schnell verbreitete sich die Kunde, daß man hier mühelos das Gold nur so auszulesen brauchte. Da gab es kein Holten mehr. In sieberhaftcr Hast wurde Coolgardie aufgege ben, alles wollte so viel wie möglich von dem reichen Segen von Kalgoorlie abhaben. Die Regierung versuchte alles mögliche, um Coolgardie zu halten, man wollte in die Unruhe der nach dem Glücke jagenden Be- völkcrung ein stabiles Element hineinbringen. Man bevorzugte Coolgardie weiterhin, baute die Stadt aus, ließ die Regierung dort. Nichts hat geholfen. Wenn man heute nach Coolgardie kommt, kann man sich eines bedrückenden Gefühles nicht erwehren: es ist eine T r ü m m e r st a d t. Verlassene massive Häuser, von denen nur noch die Wände stehen, findet man unweit des Bahnhofs in bester Verkehrslage. Mißmutig sieht man ab und zu einen Menschen durch die öden Straßen des sehr weitläufig gebauten Ortes gehen, einem der wenigen noch bewohnten Häuser zustrebend. Die Einwohnerschaft hat die Stadt verlassen, und die Beamten sind fast allein übriggeblieben. Dagegen blühte Kalgoorlie mächtig empor. Ja, der Andrang war so stark, daß eine zweite Stadt, Boulder, in unmittelbarer Nähe entstand. Gegenwärtig hat die Doppelstadt rund 11 009 Einwohner. Alles, was für Gold zu haben war, hatte man im Ileberfluß. Prunkvolle Feste mit Umzügen durch die Stadt wurden gefeiert, die Leute tranken den Sekt in Strömen, die Bars konnten zu keiner Stunde des Tages ge- schlössen werden, das lcichtverdiente Geld wurde mit vollen Händen Erster Eindruck. Das Dorf gleitet mit einem Zufluß des oberen Main talwärts, und ich kann es nicht ohne weiteres als das erkennen, was es ist. Es besteht beinahe nur aus zwei H a u s r e i h e n, die die Tal- straße eine Strecke Wegs begleiten, und weiter kann es sich auch gar nicht ausdehnen in der Breite, weil gleich hinter den Häusern die Hänge steil ansteigen. Dennoch verweile ich in ihm nicht wie in einer einzigen Straße. Sie, die zuvor eine sehr gerade und breit« Obstbaumallee ist, verliert ihre Richtung, wenn sie die ersten 5?äuser erreicht hat. Die Hausecken, die zuweilen weit in ihre Bahn hineinragen, werden von ihr umspült. Sie stößt unruhig zwischen diesen Klippen hindurch, wendet sich oft und umgeht die Hinder- nisse, die ihren Lauf hemmen. Sa gibt es Ausweitungen und Buchten, in denen sich hochgicbclige Hausfronten dicht verschränke». Zusaminengepsercht sind windschiefe, bemooste Hütten, Holzstapel, Zäune, Leiterwagen und Dungstätten. Verlorene Strohhalme, Hühner und Ackergeräte tauchen an ihren Stellen auf, Zeichen eines ländlichen Lebens. Unoersehens aber führt die Straße nach einer Biegung in einen völlig anderen Bereich. Das Panorama, das sich fornicnrcich und bäuerisch ausweitete, erstarrt zu einer planen, geometrisch abgezirkelten und klar aufgeteilten Front. Die Straße wird zum Hohlweg durch einen Fabrikkomplex. Es ist kein Zweifel, dieses Dorf ist auf dem Wege von der kleinbäuer- lichen zur industriellen Siedlung. Die Veränderung, die mit ihm vorgegangen ist, hat indes ihren optischen Ausdruck nur unvoll- kommen erst durchgesetzt. Wenn die Straße jenseits der industriellen Zone wieder zwischen Wohnstätten weitergeht, mutet auch dieser Bezirk bäuerisch an. Blick durch ein Fe n st er. Im Hohlweg durch den Fabrikkomplex finde ich ein � Fenster offenstehen. Ein Surren kommt mir entgegen. Es weht, als ich nähertrete, ein feuchter, schwerer Brodem heran. Er führt den süßlichen Geruch von Baumwolle mit sich, den fremden Gestank auch von heißem Oel. Er trägt in diese bäuerliche Straße einen Hauch der Welt, er erinnert an Mexiko, Indien und Afrika, und ein paar Schritte weiter ist es dennoch, als habe sich in diesem Dorf seit Jahrhunderten nichts craignct. Im Fabrikfcnster ist ein dämmeriges Dunkel erst, dann ein heller Schimmer: Viele weiße Fäden sind ausgespannt. Sic laufen über blanke Rollen und durch Ocscn. Nahe dem Fußboden sitzen aus vertikal sich drehenden Spindeln die Spulen, von denen sie kommen. Wenn sie das Getriebe durchlaufen haben und von neuem auf eine Spule gewickelt sind, haben sie eine Zwirbelung erfahren. Sie sind ge- streckt nun, fester, dünner auch und gleichmäßiger geworden. In den schmalen Gängen zwischen den lang sich hinziehenden Spindel- bänkcn stehen Mädchen. Sie greifen in das Gitter der laufenden Fäden und verknüpfen zerrissene mit sehr schnellen Fingerbewe- gungen, denen meine Augen, auch wenn das Geschäft sich ganz nahe am Fenster abspielt, nicht mehr folgen können. So mögen die Mütter dieser Mädchen Garben gebunden haben, 5)eu gewendet, nun schweifen die Augen über die weihen Fädenreihen. Es laufen Spulen ab: sie müssen ersetzt werden durch neue, die schon aus einem Regal über den Maschinen bereit liegen. Die izände schießen bei diesen Griffen wie hellgesiederte Vögel hin und zurück, tief ins Innere der Maschinen, die sich unablässig weiterdrehen. Mir ist bang um diese Hände, wenn ich sie den Rädern nahekommen sehe. Ihre Bewegungen aber sind abgemessen und sicher, blind beinahe können sie ausgeführt werden, begreife ich, hundertmal in jeder Stunde werden sie verrichtet und jahrelang ist die Uebung. Niedrige Gestelle auf Rädern sehe ich an anderer Stelle mit kurzen Stößen vor und wieder zurückgehen. Sie sind mit einer Reihe von Zähnen bewasfnet, die, als sähen sie im Maul eines Raubtieres, beim Vorstoß scharf zupacken und je einen Faden mit sich führen. Er wird, wenn das Gestell zurückgekehrt ist, straff gespannt und gedreht. Das macht ihn wie auf den Spindelbänken seiner und gleichmäßiger. Wenn die Zähne von neuem vorstoßen, wird er gleichsam verschluckt und aufgerollt auf eine Spule, während schon eine neu« Fadenstreckc ergriffen ist. Die Männer, die diese kunstvollen Zähne überwachen, folgen ihnen. Sie gehen ausgegeben. Aber war die Umgebung von Coolgardie schon trostlos zu nennen, so glaubt man in Kalgoorlie geradezu in einer Wüste zu sein. Durch die breiten, von nur niedrigen Wellblech- und Holzhäusern eingefaßten Straßen bringt der Wind den Sand in unerträglichen Staubwolken und kleinen Wirbeln, so daß sich die Bewohner durch die Anlage von Wellblech- und dichten Holzzäunen zu schützen suchen. Mit vieler Mühe wurde ein, wenn auch sehr kleiner, grüner Platz angelegt, der wie eine Oase anmutet. Für die dauernd wachsende Stadt wurde schließlich die Wasserversorgung un- möglich. Man mußte aus Abhilfe sinnen, und so kam es denn zum Ausbau der berühmten SZ9 Kilometer langen Wasserleitung, die von der Darlingkette bei Perth das Wasser nach Kalgoorlie führt, wo sich eine Verteilungsstation für das Gebiet des ganzen Goldfeldes befindet. Freilich ist auch heute noch das Wasser etwas sehr Wertvolles, ober man erhält es doch wenigstens! 1993 war dieses Werk vollbracht. Heute ist die Wassernot behoben,— aber der Goldreichtum hat nachgelassen! Die Ergiebigkeit ist mit zunehmender Tiefe schwächer geworden. Die Kosten werden immer größer, und die Ausbeute wird geringer, wenn sie auch noch nicht der Erschöpfung nahe ist. zwei, drei Schritte vorwärts und wieder zurück. Und dabei mag es ihnen scheinen, als folgten sie dem Pflug wie in ihren Jugend- jähren. Sie stolpern freilich nicht über braune Schollen und statt von scharfer, herbstlicher Luft sind sie von jenem exotischen, warmen Broden umweht. Im Gehen verrichten sie ihre Handgriffe. Sic knüpfen ganz wie die Mädchen vor den Spindelbänken die ab- gerissenen Fäden und ersetzen die leeren und die vollen Spulen. Am Abend. Am Abend sehe ich die Mädchen, die Männer, die zwischen die rotierenden Spindeln greifen und den zupackenden Zähnen folgen, aus dem Torweg der Fabrik kommen. Die Arbeiter haben ihre monteurblauen Anzüge nicht abgelegt, find sie doch Nachbarn der Spinnerei. Einige huschen nur über die Straße und schon verweilen sie in ihren Höfen,'in den bäuerisch anmutenden Buchten und Ausweitungen. Sie wohnen in der Tat zwischen den übriggebliebenen Bauern und wie auch verwandtschaflliche Be- Ziehungen unter ihnen bestehen, so gehen sie durch die gleichen Haus- türen aus und ein. Es ist schwierig, von der Straße aus zu entscheiden, ob man über die steilen Treppen in eine Bauern- oder Arbeiter stube gelangt. Die Hühner der Arbeiter und die der Bauern vermischen sich oft. Die Fcldfrüchte werden in der gleichen Scheune aufbewahrt, die Bohnen und Kartoffeln des Ar- beitcrs und auch das Heu und das Korn des Bauern. Noch hat sich der Arbeiter nicht ganz gelöst von der Nabelschnur seiner bäuerlichen Vergangenheit. Gespräche. „Arbeiten Sie nicht gerne in der Fabrik?". frage ich einen älteren Mann, der vor nicht allzulangcr Zeit seine kleine Baucrnwirtschast ausgegeben hat.„Schon, schon," ant- wartet er,„aber wer sich pfeifen lassen muß, der i st übel d r a n". Obgleich die Glocken der Kirche den Tag dieses Dorfe's noch immer teilen, ist es doch die Werksirene, nach der sich alle Bewohner richten. Keineswegs weiß dieser frühere Bauer die Tatsache, noch Arbeit zu haben, nicht zu schätzen. Darum vcr- ringert sich indes seine Abneigung nicht. Er schickt sich in die Ver- änderung, weil es nun nicht anders sein kann. Aber in seinem Gedächtnis ist die Zeit wohlbewahrt, da er sich nicht pfeifen lassen mußte. Sie erhielt, nun da sie unwiederbringlich verloren ist, einen fast rührenden Scksimmer, den sie keineswegs befaß, als sie noch Gcgcnw«6. war.„W e n n wir die Ernte in der Scheune hatten, dann setzten wir uns an den warmen Ofen, waren zufrieden und nichts drängte uns," so erzählt er und gedenkt dein ruhigen Ablauf des bäuerlichen Jahres. Vor der kontrastierenden Kulisse seiner Vergangenheit hebt sich ihm das Wesentliche der proletarischen Existenz besonders scharf ab. Und so ist bei ihm die zwiespältige Haltung des Arbeiters zu seiner Arbeit in reiner Form ausgeprägt. Er haßt sie, so sehr er des Haffes fähig ist, und zugleich liebt er sie, da sie so kostbar geworden ist. Der ältere Arbeiter trauert also seiner Vergangenheit nach und fühlt sich vermindert in seinem menschlichen Wert und deklassiert durch die Veränderung. Ihm ist es, als führte sein Schicksal ab- wärts. Andere aber, vorzüglich die jüngeren, fühlen sich hochgehoben. Schon glauben diese Söhne von Arbeitern nicht mehr an den hohen Wert der bäuerlichen Existenzform. Um- gekehrt, sie sehen auf sie herab, obgleich ihre einstige Freizügigkeit, die sie am allermeisten von den Bauern unterschied, eine Beute der schweren Zeitläufte geworden ist. Nicht anders als ihre bäucr- lichen Nachbarn sitzen sie fest und müssen sich an ihren Arbeitsplatz halten, wie jene an ihr Stück Land. Aber sie wittern ihre Zukunft, die ihnen mehr verspricht als die bäuerliche Gegenwart oder ihre Vergangenheit. Es ist ihnen bewußt, daß sie einer aussteigen- den Klasse angehören. Sie wissen, daß die Veränderung, die die Spinnerei in diesem Dorf bewirkte, weitergehen wird. Mit dem Weltgeruch der Baumwolle atmeten sie auch ein n c u e s W c l t- g e f ü h l ein. Sie ahnen schon die kommende Gesellschaftsordnung. Nichts vermag sie rückwärts zu wenden. Spinnerei auf dem Lande Bild eines Dorfes zwischen gestern und morgen Von Karl Bahnmüller Die Arbeiter Fufj- und Handball/ Adlers 6: 4 Sieg über Lichtenberg 1 Gewöhnlich treten die Mannschaften bei Fußball- Gesell- schaftsspielen mit zahlreichem Ersatz an und täuschen so die Zu- schauer über die wirkliche Spielstärke. So können dann die Mann- schaften in diesen Spielen nie ihr wirkliches können zeigen. Wer ober gestern in der Normannenstraße in Lichtenberg den Kampf Adler gegen Lichtenberg l sah, der mußte zugeben, daß beide Mannschaften wirklichen Sport zeigen wollten. Kampf vom ersten bis zum letzten Pfiff des Schiedsrichters, Kampf vom ersten bis zum legten Tor. Daß dabei einige Angriffe hart die Grenze des Erlaubten streiften, ist entschuldbar. Den ersten Treffer vermochten die Pantower zu buchen, aller- dings wurden sie hierbei von Lichtenbergs rechtem Läufer eifrigst unterstützt. Ja er war es sogar, der den Ball vollends ins Tor drückte. Ein billiger Erfolg. Auf der anderen Seite sah es aber auch nicht besser aus. Eine Flanke des Linksaußen wollte Adlers linker Läufer, der zur Mitte gerannt war, abwehren, er lenkte den Ball aber an dem verdutzten Torwart vorbei ins eigene Tor. Damit war ausgeglichen. Dann kamen die Lichtenbergcr wieder etwas in Vorteil. Die bessere Technik Adlers machten sie durch größeren Eifer weit. So konnte auch der schnelle Halblinke Lichten- bergs einen gut vorgelegten Ball unter den sich werseirden Torwart zum Führungstreffer einsenden. Nur wenige Minuten später war es Lichtenbergs Halbrechter, der über mehrere gestürzte Spieler hinweg zum drittenmal einsenden konnte. Damit schien der Sieg Lichtenbergs gesichert, denn bei einem solchen Gegner glaubte man an ein weiteres Aufkommen Adlers nicht mehr. Kurz vor der Pause jedoch gelang es Adlers Halblinkem nach einem Alleingang das Resultat auf 2: 3 zu stellen. Ohne Pause wurde weitergespielt. Man merkte, daß Adler jetzt auf Sieg spielte. Immer mehr wurde Lichtenbergs Heiligtum bedrängt: kaum war es dem kleinen Torwart möglich, sich aller Angriffe zu erwehren. Einen von der Verteidigung schlecht ab- gewehrten Ball konnte der Mittelstürmer unhaltbar zum Ausgleich einsenden. Jetzt gings wieder um den Führungstreffer. Fast sah es so aus, als sollte er den Lichtenbergern beschieden sein, doch der Pankower Torwart stand seinen Mann. Ein Gegenangriff des Adlersturmes konnte die Hintermannschaft nicht mehr abstoppen und so errang Adler die Führung. Noch gaben sich die Lichten- berger nicht geschlagen. Nach einem guten Zusammenspiel zwischen Mitte, Halblinks und Halbrechts gelang es dem Halblinken, den Kampf wieder unentschieden zu stellen. Anstoß für Adler, und bevor die Zuschauer und die Lichtenberger Spieler sich von dem Ausgleich zurechtgestellt hatten, lautete das Resultat bereits wieder 5:4 für Adler. Als es dann gar fünf Minuten vor dem Abpfiff 6: 4 hieß, war der Sieg für die Pankower heiß erkämpft. Weitere Resultate: Hansa 31, der neue BeKrtsmelster des zweiten Bezirks, kannte gegen Butab mit 1: 0 siegreich bleiben. Minerva 28 verlor gegen Roma- wes sehr hoch mit S: 3. Normannia scheint an den S-sellschastsspielen wenig Interesse zu haben, gegen Frohe Stunde mußten die Normannen eine 2: 1- Niederlage einstecken. Staaken und Potsdam trennten sich 3:2. Mit 7: 3 schlug Blankenburg die Saxonen. Eiche-Bohnsdorf gewann gegen Lichtenberg II mit l: 1. ASB. Schöncberg gegen Bolkssport.Neukölln 3: l. Kagel gegen Serzselde S: 0.— Zweite Mauaschasteu: Lichtenberg I gegen Freie Turner Friedrichsfelde ö: 2. Freie Scholle gegen Adler 08 3: S. Eintracht-Spandau gegen Potsdam 3: 2. Weilsee gegen Adler 3 2:2. Minerva gegen Nowawes i: 2. Normannia gegen Frohe Stunde 1: 1. Saronia gegen Blankendiira 8: 1. Butab gegen Hansa 3: 2. Hansa 3 gegen Butab 3 3:0.— Jugend und Schiilermannschastea: Normannia gegen ASB. Neukölln 0:0. Staaken gegen Nowawes 8: 2. Lichtenberg I gegen Borwsirts.Weddinz 1: 0. Adler 08 Schüler gegen Pankow 1: 0. MXAidJooJUU FTGB.-Nordost gegen Osten 5: Z(2:1) Die FTGB.-Nordost war diesmal entschieden besser als bei der ersten Begegnung mit der F T G B.- O st e n. Hinsichtlich der Spielleistungen ist das Resultat angemessen. Die Mannschaften legten gleich mit einem scharfen Tempo los. Schon im letzten Drittel vor der Pause kam zum Ausdruck, daß Nordost die ein- gespiellsre Mannschaft ist. Der ganze Spielaufbau hatte System und schloß mit wunderbaren Kombinationen der Stürmer ab. Nach dem Wechsel behielt Nordost das Tempo und den Spielaufbau bei und setzte sich dadurch entsprechend durch. Gewiß, es gab allerhand Mühe, die Tore zu erringen, denn im Ostentor stand Berlins bester Torwart, der die unglaublichsten Bälle hielt. Die dauernde Ueberlastung brachte es aber doch mit sich, daß hin und wieder ein Ball die Torlinie passieren mußte. Nordosts Spieler sind all« sehr beweglich, äußerst fangsicher und sehr genau im Zu- spiel. Das Verstehen zwischen Verteidigung, Läufer und Stürmer ist ausgezeichnet. Osten wurde nach der Pause langsamer. Die vorgenommene Umstellung wirkte sich nachteilig aus. In der Abteilung B verlief das Haupttreffen zwischen FTGB.-Sllden und FTGB.-Nordring sehr flott und scharf. Die ersten zehn Minuten brachten bereits sechs Tore, die das Resultat auf 3: 3 stellten. Süden schoß stets den Führungstreffer, aber Nordring holte sich sofort den Ausgleich. Allmählich setzte ein Mittelfeldspiel ein, wobei die Mannschaften unter Beweis stellen mußten, wer es versteht, die besten Angriffe aufzubauen. Süden war erfolgreicher und sorgte für 5:3 bis zur Pause. Nachdem Süden etwas Oberhand hatte und noch drei Tore erzielt hatte, kam Nordring gut durch und verbesserte auf 8:5. Das Zusammenspiel beider kann als gut bezeichnet werden, doch störte manchmal das Einzelspiel der Südleute. Bezirksllvsse Osten: Die FT. Erkner mußte sich vom TSV. ttaulvdorf eine 2: g. Niederlage(l: 4) gefallen lassen. Schade, daß sich ttauladorf erst am Ende der Serie zu besinnen beginnt. Er wird allerdings nicht weit vom dritten Platz fortkommen, lachender dritter ist die FTGB.. Baumschulenweg, die nun punktgleich mit Erkner steht. In der Gruppe E verdrängte der Athletik-Gport- Elub die FTGB.-Lichtenberg aus der Spitzengruppe durch einen 3: 0-Sieg<2: 0). Dem ASC. ergeht es hierbei wie Zlaulsdorf, auch er kommt nicht mehr für dle Spitz, in Frage. FTGB.-Stralau— Eiche-Bohnsdorf 8:1(3:0). BfL. Ostring gegen SC. Rehfelde 7:1(3:1). FTGB.-Stralau 2— TSV. Kaulsdorf 21:1 (1:0) Frauen: Eintracht-Mahlsdorf— FTGB.-Osten 0:4. FTGB.-Baum. schulenweg— FTGB.-Stralau 0: 4. Athlelik.Sport.Club— FTGB.-Lichtenderg 0:1.— Ruderer und Kanufahrer: FSB. Schweifsterne— FTGB.-Rudcrbezirt 4: 2(4: l). Bezirtsklosic Norden: Sportverein Moabit— FTGB.-Westen 7:3(3:0). Bezirksklasie Westen: FTGB.-Spandau 2— Fr. Schw. Falkensee 5:3(3:1). FSGB.-Siemcnsstadt— FT. Potsdam 4: 3(1: 2). Bczirksllasic Süden, Frauen: FTGB.-Sllden— Bolkssport.Neukölln 1: 2 <0: 1). ASP. eochönebcrg— FT. Wilmersdorf 4:0(3:0). Hockey Die sonntäglichen Hockey-Serienspiele brachten teilweise über- rnschende Ergebnisse. So mußte sich der Arbeitersportoerein Rot- Weiß vom Freien Hockeyklub Spandau mit 2:3 Toren verdient schlagen lassen. Die junge Mannschaft der Spandauer deckte den einzigen chnen gesährlich erscheinenden Haibrechten Stürmer der RobWcihen gut ab, verschärfte das Tempo, gab ein gutes, ver- ständnisvolles Zusammenspiel und stellte so den Sieg sicher. Die Unterlegenen gaben trog einer längeren Ruhepause kein über- zeugendes Spiel und hatten im Mittelstürmer chren schwächsten Mann, der sich gegenüber der glänzend spielenden Spandauor Ber- -Seriensplclc Hockey/ Wasserball toidigung nicht behaupten konnte. Der Sportverein Moabit rehabilitierte sich wieder und siegte überlegen gegen die Freie Sport- Vereinigung Pankow, trotz des schweren Bodens, hoch mit 7: 1 Toren. Auch der Berein für Leibesübungen Ostring l wartete wieder mit besserer Spielleistung auf und siegte gegen den Athletik-Sportklub mit 5:1(1:9) Toren. Die beiden in den oberen Klaffen spielenden II. Abteilungen der Bereine Verein für Leibesübungen Ostring und Arbeitersportoerein Rot-Weiß lieferten sich ein schnelles und gutes Spiel: Ostring siegte mit 3: 9 Toren. Weitere Nesaltatc: Freie Turaerfchaft Eroß-Berlin Osten gegen Tompelhof 8: 1. Arbcitersporivcrein Wedding gegen Freie vportvereinigung Pankow 4: 4. Die Wasserball~Serie Union siegt über Freiheit nur 3: 2 Bedeutend schwerer als erwartet, kam Union in diesem Spiel zu Sieg und Punkten. Der �-Klassenneuling zeigte sich erneut ver- bessert und war seinem Gegner durch großen Spieleffer und an- nehmbare balltechnische Leistungen stets gefährlich. Freiheit wußte von Beginn an mit schnellem Absprel und gutem Nachfetzen bei gegnerischen Angriffen zu gefallen. Leider wurde schlecht placiert aus das Tor geschossen und der Umonstorhüter hatte zwar viele, doch verhältnismäßig leichte Arbeit. Union glich sein schwimmerisches Minus mit geschicktem Stellungsspiel aus und erzielte durch seinen Mittelstürmer das erste Tor. Eine weitere gute Kombination im Sturm ergab das zweite Tor, doch dann kam Freiheit stark auf. Knapp vor dem Seitenwechsel gelang dem linken Stürmer aus dem Gedränge vor dem Uinontor der Ehrenersolg. In der zweiten Spielhälfte spielten beide Mannschaften in Anbetracht der stets verteilten Chancen ziemlich hart. Der Schiedsrichter griff hier mit zeitweiligen Herausstellungen gut durch. Noch der Heraus- stellung eines Unionspielers schoß Freiheit sein verdientes �Aus- gleichstor. Gegen Spielschluß ließen beide Mannschaften im Spiel- tempo stark nach und man rechnete schon mit einem Unentschieden, als der rechte Verteidiger Unions in den letzten Spielsekunden mit einem Alleingang den siegbringenden Treffer erzielte. Freiheit hätte bei taktisch klügerem Spiel seiner Angriffsreihe mindestens zum Unentschieden kommen müssen. Union zeigte mit veränderter Mann- schaff Mängel im Spieksystem. Kleiner Sport von überall Der Berliner und deutsche Fußballmeister Hertha BSC. wurde gestern im Poststadion von Minerva glatt 4: 2 geschlagen. Die Abteilungsmeisterschaft für Minerva ist nun gesichert. Todessall beim Fechten. Die im Berliner Landwohrkosino aus- getragenen Kämpfe um die Säbelmeisterschaft von Berlin hatten einen höchst bedauerlichen Zwischensall im Gefolge. Nach den «inen höchst bedauerlichen Zwischenfall im Gefolge. Nachdem von Keltermann mit 5:3 gewomrenen-Gefechten gegen Hernnann ge- siegt hatte, tauschten beide Kämpfer den Fechtergruß aus. Un mittel. bar darauf brach Herrnmnn zusammen und der hinzugerufene Arzt konnte nur noch den infolge Herzschlag eingetretenen Tod feststellen. Hein Müller gegen P. Charles um die Curopameislerschafl Im Schwergewicht. Der deutsche Schwergewichtsmeister Hein Müller kann sich über Mangel an Beschäftigung nicht beklagen. Nachdem er erst dieser Tag« von Jeff Dickson für drei Kämpfe mit Larry Gains, Carnera und Paolino verpflichtet worden ist, hat jetzt der Dring- lichkeitsausschuß der Internationalen Boxunion den Kölner sowie seinen Vorgänger Pierre Charles als Gegner für den Titelkampf um die neu ausgeschriebene Europameisterschaft im Schwergewichts- boxen bestimmt. Hein Müller erhält somit Gelegenheit, den Europa- Meistertitel, der ihm wegen Nichtantretens gegen von Porat abge- sprachen werden mußte, zurückzuerobern.— Der frühere deutsche Schwergewichtsboxmeister Hans S ch ö n r a t h ging, kaum daß seine beim Amerikadebut erlittene schwere Lippenverletzung geheill war, neuerlich im New-Iorker Madison Square Garden in den Ring, aber auch diesmal war ihm kein Erfolg beschieden. Der Krefeloer hinterließ wiederum einen guten Gesamteindruck, aber die Richter bewerteten die Leistungen des zur guten Mittelklasse gehörenden Harold Mays höher uns erklärten den Amerikaner nach Ablauf der 19 Runden zum Punktsieger. An die Fugend vom Dedding! Dienstag. 18. Januar, eröffnet der größte Verein des Arbeiter-Turn- und Sportbundes am Med- ding. Volkssport Wedding C. V., in der Turnhalle Müller- Ecke Triftstraße eine neue Jugendabteilung für männliche Mitglieder von 14 bis 18 Jahren. Neben den Haupizweigen Geräteturnen und Leichtathletik werden Gymnastik, Handball, Wandern und' Schwim- men die Jugend beschäftigen. Eintritt und die ersten beiden Monats. beitrage brauchen nicht entrichtet zu werden, erwerbslose Jugend- liche genießen dauernde Beitragsfreiheit. Geübt wird jeden Diens- tag von 29—22 Uhr. Winter sp ortl i cb es Den Kämpfen um die Meisterschaft im Eisschnell. lauf auf dem Staffelsee bei Murnau wohnten etwa 29999 Zu- schauer bei. Ueber 1599 Meter verbesserten alle drei Erstplacierten die bisherige Höchstleistung von 2: 39 Minuten. Die Sieger Barwa und Sandtner benötigten je 2: 33,6, der Münchener Donaubauer als Dritter 2: 38,8 Minuten. Im dritten Laus wurde dann Barwa- Berlin endgültiger Sieger. Die 19999 Meter erledigte Barwa in der Rekordzeit von 18: 47.6 Minuten, so daß er auch im Gesamt- klassement mit 211,39 Punkten Sieger wurde. Die im Pariser Wintervelodrom am Sonntag abgewickelte Europaeis meist er- schaft im Eiskunstlauf sah bei den Herren Schäfer-Wien und bei den Damen Sonja Hennie als Sieger. Leider verursachte der deutsche Meister Maier-Labergo-München durch überaus un- sportliches Verhalten einen Skandal. Der Münchener machte in letzter Minute seinen Start davon abhängig, daß sein Betreuer Niedermayr als Richter aufgestellt werde. Als diesem Wunsche nicht entsprochen werden konnte, weil seit längerer Zeit bereits ein anderer deutscher Unparteiischer feststand, packte Maier-Labergo seine Koffer und fuhr nach Hause. Die deutsche Beteiligung blieb nun auf den Berliner B a i e r beschränkt, der sich seiner schweren Auf- gäbe gegen den Weltmeister Karl Schäfer- Wien in denkbar bester Weis« entledigte. Di« Eishockeyeuropamei st er schaft wird, da aus finanziellen Gründen die Austragung in Prag unmöglich geworden ist, in der ersten Märzhälfte im Berliner Sportpalast zum Austrag kommen. .Achtung, Arbeil ersporilcr! Ausschreibungen zu groben Veranstaltungen Für das große Hallensportfest der Arbeitersportler in den Ausstellungshallen am Kaiserdamm am 28. Februar wird fol- gnde Ausschreibung erlassen: Männer. Offen für alle: 69-Meter-Hürdenlauf. 2999-Meter- Mannschaftslaus(3 Mann müssen geschlossen einlaufen). Klasse A: 75-Meter-Laus«n, 4 x 499 Meter, 29X1 Runde nur für erste Mannschaften und 19x1 Runde Stafette für nicht an der großen Stafette Beteiligte. Klasse B: 75-Meter-Lausen, 19X1 Runde und Olympische Stafette. Klasse C: 75-Meter-Lausen, 19X1 Runde und Schwedcnstafette. Aellere Sportler: 75-Meter-Laufen. 31— 35 und über 36 Jahre. 4X14 Runde Stafette. Sportlerinnen: 75-Meter- Laufen. 14—16, 17— 18 und über 18 Jahr«. 10x14 Runde und kleine Olympische Stafette. Jugendliche: 75-Meter-Laufen. 14— 16 und 17— 18 Jahre. 69-Mcter-HürdenIausen, 899-Meter-Laufen, 5X1 Runde Stafette. Für nicht zur Turnsparte gehörige Sportler (Schwimmer, Ruderer, Tennisspieler, Fußballer, Achteten usw.): 19x1 Runde Stafette. Rundbahnläng«: 299 Meter. In den ver- schiedenen Altersklassen gelten wie stets die Jahrgänge. Zu den 75-Meter-Läufen werden auf Grund der Gemeldeten die je 18 Besten zugelassen: 199-Meter-Zeiten angeben. Meldungen bis 14. Februar an Fritz Leutloff, Berlin SO. 36, Manteuffelstr. 46. Der Verein für Leibesübungen Ost ring setzt am Sonntag. 14. Februar, seine Waldläufe fort. Die Ausschreibung ist geblieben. Auch den beim letzten Waldlaus Ferngebliebenen ist Ge- legenheit gegeben, das Versäumte nachzuholen. Umkieidelokal ist das Alte Eierhaus am Plänterwald. Die erste Gruppe, die Sprinter, startet um 15 Uhr: es folgen dann um 15.19 Uhr mit gemeinsamem Start die Sportlerinnen und Alterssportler. Der Start der Jugend ist 15.29 Uhr und zum Schluß kommen mit ge- meinsamcm Start die 699-Meter- und Stafettenläufer dran. Die Ausschreibung sieht vor: Sportler: 1999-Meter-Sprinter. (Für Läufer, die auf der Bahn keine Strecke über 499 Meter ge- laufen sind.) 6999 Meter, 3.x2999-Meter-Waldstasette. Aeltere Sportler: 1999 Meter.(31—35, 36 und älter.) S p o r t l e- rinnen: 1999 Meter. Jugend: 2999 Meter.(14—16, 17, 18 Jahre. Die Meldungen sind bis 7. Februar an Walter Kicke, SO. 36, Naunynftr. 14. einzusenden. Startgeld beträgt pro gemcl- beten Teilnehmer 9,19 M. Jugendtagung im ATSB. Der Bundesjugendausschuß des Arbeiter-Turn. und Sportbundes tagte am Sonnabend und Sonntag in Leipzig und de- faßte sich sehr eingehend mit der Erwerbslosenfürsorge für die Jugendlichen. Aus den praktischen Erfahrungen der Vereine hat sich ergeben, daß die auf diesem Gebiete bisher eingeschlagenen Wege richtig waren und auch weiter verfolgt werden. Den Vundesver- einen wird erneut dringend empsohien, sich der erwerbslosen Jugend anzunehmen.' Ebenso ist der freiwillige Arbeitsdienst, unter Ab- lehnung jeder Zwangsverpflichtung, für den Ausbau der Spiel- Plätze in Anspruch zu nehmen. Einmütig stand der Bundespagend- ausfchuß auf dem Standpunkt, daß nichts versäumt werden darf, die Machtergreifung des Faschismus zu verhindern. Das Bekennt- ms zum Sozialismus und die Verbindung mit der in der Sozia l- demokratischen Partei organisierten Arbeiterschaft fand in einem Treuebekenntnis für die Bundesbewegung erneut Ausdruck. Für alle Sparten soll ein I u g e n d t a g als Sommersonnenwend- feier am 25. Juni stattfinden. Der Bundesjugendleiter Drees: Bremen berichtet«, daß die Jugendbewegung innerhalb des Äün�es recht lebendige Formsn aufweist. Der schriftliche Berkehr der Aus- fchußmitglisder untereinander sowie die Verbindung der verschieden. slen Organisationsteile mit dem Jugendsekretariat in Leipzig waren sehr lebhaft und gut. Straff ausgebaut werden die Organisation»- Verbindungen zwischen den Kreis- und Bezirksjugendausschüssen. Die Arbeiten dieser Ausschüsse sollen durch die Abhaltung von Lehr. gängen und Tagungen gefördert werden. Besondere Beachtung wird der komemnden Oslerwerbung geschenkt werden, für die neue Werbeschristen herausgegeben werden. Ifcin Sechstagerennen im März? Der Durchführung des 2 7. Berliner Sechstage- rennen? stellen sich Schwierigkeiten verschiedenster Art entgegen. und es ist völlig ungewiß, ob die zweite dieswintcrliche 145-Stunden- Fahrt im Sportpalast zum angesetzten und genehmigten Termin vom 4. bis 19. März durchgeführt werden kann. Eine Verschiebung des Rennens auf einen späteren Termin kommt wegen der diesmal schon in den März fallenden Osterfeiertoge und dem damit ver- bundenen Beginn der Freilustsaison nicht in Betracht, eher ist eine Boroerlegung möglich, über die natürlich mit den Breslauer Ver- anstaltern, deren Sechstagerennen vom 29. bis 26. Februar ge- nehmigt ist, verhandelt werden muß. In der Hauptsache hängt das Schicksal des 27. Berliner Sechstagerennens davon ab, welche Eni- scheidung über die Wahl des Reichspräsidenten getroffen wird. Man vermietet den Sportpalast lieber für politische Versammlungen, al? daß man das Risiko einer Sechstageveranstaltung eingeht, die er- fahrungsgemäß im März nie ein besonders einträgliches Geschäft war. Verein sSr Leibesübungen Ostriag e. V. Heute 20 Uhr Zahrcs-Eeneralucr- sammluuz bei Wegner, Franlkurter Allee 2S8. Uebungsabendc Dienstag» und Freitag» ISz» Uhr Turnhalle Realgymnasium an der Parlaue, gegenüber Rat- hau» Lichtenberg. FTGB., Bezirk«»rl»h»rft. Heute, Montag. 20 Uhr, bei Wenzel. Suudcl- tinger Str. 25, Handballersitzung. Interessenten können aufgenommen werden. Kartellbcziri 13. Alle alleren Frauen und Männer beteiligen sich Dienstag, 19. Januar, 19 Uhr, am Schwimm- und Symnasiikabend im Stadtbad Mitte, Gartenstraße. Treffpunkt Untergrundhahn Tempelhof, 18 Uhr. Volkssport Reukällu. Britz. Heute, Montag, Sonnenplatz: 19 Uhr Kindcrturn» ausfchuß: 1914. Uhr Berwaltungsausschuß. Mittwoch, Ä>. Januar, 18 Uhr. Lehr» stunde für»inderleitcr und Helfer, Neukölln, Lefsingstraßc. Ie»ais-Rot Groß. Verlin«. B., Haltenabteilung! Dienstag. 19. Januar, 20 Uhr, Hockevgeneralverfammlung, Kreisgefchäftsstell«, Elfässer Str. 88—88., BSE. Hansa 31. Mittwoch, 20. Januar, 20 Uhr, Sencrulversammlung bei Bomke, Schul, Ecke Ehrtsilaniastraßc. Jeden Donnerstag 19 Uhr Turnen, Turnhalle Reinickendorf. Ost. Perner Straß«. Der Verein sucht fvielstarkc Gegner sllr drei MLnncrmaunschaftcn zum 24. Januar auf Segners Platz. Tsuiifteuucrei»„Die N-tursre-ndc". Mittwoch. 29. Januar, l9'4 Uhr, Schulaula Weinmclstcrslr. 17, Vortrog Erich Knauf mlt Echallplulten:„Enmuieu der Völker-'. Uukofienbeilrag 20 Pf. Säst, willkommen.— D>,u«t-g. 1». Jauuar. 20 Uhr. Friedrichshain: Frankfurter Allee 307:„Rund um die Grube--(Epi). Friedenau: Oftenbacher Str. 5»: Fahrten, und Weihnachtsbericht«.— Humboldt. liain: Willdenowflr. S:„W,lch«r Weg fährt zum Sozialismus?-- Norden: Sonnenburgcr Str. 20:„Soziales Wandern"(Lichtbildervortrag). Arbeits- gemeiafchafl Neukölln: Flughafenstr. 08: Abtrilnngstunktionärverfammlung. Wedding: Willdsnowftr. 5:„Amerilafahrt--.— Obtrschoneweide: Lautencr Str. 2. Osten: Eberiiistr. 12: Wcihnachtsfahrtenbericht.— Dsuuerstao, 21. Januar, 20 Uhr. Lichtenberg: Gunterstr. 44. Neukölln: B-rgsir 29:..Auf der Walze durch Mitteleuropa"(Lichtbildsr). Prenzlauer B«rg: Danzigcr Str. 02,«aracke II: „Das Wesen der Religion--(Pfarrer Franke). Strcichorch-sisr: Bei Weißen- berger. Frersigrathsir. 9. Südwest: Porasir. 11:„Kulturprobleme". Tiergarten: Lehrter Str. 18—19: Diskussionsabend. Naturkundliche Abteilung: Johannis- ftraße 15:„Geologie". Rofemhaler Borstabt: W-inmeisterstr. 10—17:„Natur- Wissenschaft". »ltersriegen 1. Stets. Schwimm- und Babeabend mit Angehörigen im Gtadtbad Mttt«, Sartenstr. 5. Disnstag, 19. Januar, Schwimmuitterrtcht. Gnm. nasiik im und über Wasser. Ab 19 Uhr Borbesichliaurz ber technischen Anlagen. Eintritt 30 Pfennig.