Morgenausgabe Nr. 29 A 15 49.Iahrgang Wöchentlich 75 Pf, monatlich 3,45 M. (davon 87 Pf. monatlich füt Kuftel- lung in» Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 3,87 M. einschließlich SV Pf. Poilzeitungs- und 72 Pf.Postbestellge. bi>hren.Auslandsabonncment5,e5 M. pro Monat! für Lander mit ermäßig. tem Drucksachenporto 4,85 M. Der„Pacmärts* erscheint wochentäg» lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend", Illustrierte Sonntagsbeilage .Voll und Zeit". Berliner VoltSblatt Dienstag �9. Januar 1.932 Groß-Äerlin 10 pf. Auswärts 15 pt. Die«inspalt. Millimeterzeile 38 Pf. Reklamezelle 2.— M.„«leine An- zeigen" das fettgedruckte Wort 20 Pf. (zulässig zwei settgedruckteWorte>,iedes weitere Wort 10 Pf. Rabatt lt. Tarif. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Millimeter- wochentäglich von 8>/, Der Verlag behält sich dasRecht der Al lehnung nicht genehmer Anzeig bis 17 Uhr. llb» gen vor! Jentvalorgmi der SozialdemoSratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 ssernspr.. Dönhoff(k T) 292— 297. Telegraimn-Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts-Verlag O. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 37 23(5.— Bankkonto: Bant der Ardeiier"Ä ngesleUien und Beamten, Lindenstr. 3. Dt.B.n.Disc.-Ees., Depositcnk., Ieruialemer Sir llS'Kö Brüning antwortet. Er will Hitlers Denkschrift einer Antwort würdigen. Wolffbiiro teilt mit: Die von Herrn Adolf Hitler veröffentlichte„Denkschrift" ist dem Herrn Reichskanzler übermittelt worden. Die Reichsregierung wird nicht verfehlen, die darauf zu erteilende Antwort ebenfalls der Leffentlichkeit bekanntzugeben. Die Krise der Führerschaft. Das Blatt der Stennes, Otto Straßer und Ehrhardt nennt den Ausgang der Aktion fiir Verlängerung der Amt'.periode Hinden- burgs.die schwerste Niederlage ier.nationalen Opposition" mit den Dawes-Eejetzen'. Hugenberg wird folgendermaßen charatterisiert: ,�n dem Brief Hugenbergs an den Kanzler spiegelt sich die naive Auffassung eines Mannes, der unter Opposirinn ganz einfach die mechanische Tätigkeit versteht, seinem Gegen- spieler vas Konzept zu verderben. Wäre Brünings Plan' ge- Iiingen, so wäre das für den Kanzler ein Erfolg gewesen, ein -Erfolg, der dem ganzen Volk zugute gekommen wäre. Da aber Hugenberg Brünings parteipolitischer Gegner ist, geht sein Bestreben in primitivster Art dahin, jeden Erfolg dieses Gegners nach Kräften zu oerbindern. Erwägungen über die Nation schei- i>en hierbei aus. So wird aus der Opposition des Geheimrats. ehe man sich dessen oersieht, eine Opposit-on gegen das Volk. Uebcr die Rolle, die Hitler bei den Verhandlungen ge- spielt hat, äußert sich das Blatt: .Hitlers Versagen ist mehr tragischer Art. Er selbst hat gewollt. Aber er besaß nicht die Kraft, sich gegen seine Haupt- ratgeber uns Unterführer.durchzusetzen. Er hätte, schnell ent-' schlosien, eine segensreiche Entscheidung treffen mid Hugenberg vor �oollzogene Tatsachen stellen können. Aber im„Kaiser- hos" tobt« ein heftiger Kampf, und in diesem Kampf ging die Hitlerfche Führerschaft zugrunde. Was sich bei den hessischen Vorgängen schon zeigte, der Mangel an Autorität, sührt« hier zu verhängnisvollstem Versagen ift geschichtlicher Stunde. Hitler beugt« sich Sem Willen der politisch kurzsichtigen, aber robusten Straßer, Friik und S t ö h r. Gegen seine eigene Ueberzeugung ließ er sich dieses Hugen- bergschc„Nein" abzwingen. Nach dieser Niederlage aber scheint jede Leitung in der Partei oerlorenqegangen zu sein. Auch die Möglichkeit, durch eine einheitliche Neuwahl Hinoenburgs unter Verzicht auf Gegenkandidaten die vom Kanzler angestrebte Volks- front herzustellen, suchen die Rebellen irm Hitler von sich aus zu hintertreiben. Die Reden F r i ck s in dieser Frage sind sicher nicht im Sinn« Hillers, aber sie schaffen eindeutige Festlegungen, Senen Hitler scheinbar nicht mehr zu widersprechen wagt. So ist in der NSDAP, die politisch« Entscheidung einer Anzahl von Männern anvertraut, von denen jeder auf eigene Faust und Verantwortung drauflos handelt. Dieser Zustand muß zur inneren Zluslösung führen, und diese Auslösung ist verdient, denn wo die Verantwortung fehlt, erlischt der Führeranspruch. Die Harzburger Verneiner glauben noch, einen Sieg errungen zu haben, weil sie Brüning einen Plan verdarben. Sie waren noch nie so klein und nie dem Kanzler so unterlegen, wie jetzt, wo sie das Wohl der Nation über ihren Porteiinteressen ver- gaßen." Demnach wäre die langatmige Denkschrift Hitlers an die Reichsregierung nichts anderes als seine Kapitulationsurkunde vor Hugenberg und seinen eigenen Unterführern! Der Ginn des Dritten Meiches. Nationalsozialist Wagener über die SA. Erst jetzt wird der Wortlaut einer Rede des national- sozialistischen Reichstagsabgeordneten Wagener (Leiter der wirtschaftspolitischen Abteilung der Reichsleitung) be- kannt, die er am 7. November auf dem Gautag der NSDAP, in Düsseldorf hielt. Aus den reichlich verwirrten Aeußerungen sind zwei Stellen besonders bemerkenswert. In einer Darstellung der Aufgaben der Nationalsozialisten erklärte Wagener wörtlich: „Die Entscheidung zwischen rechts und links, zwischen national und international muh herbeigeführt werden, bevor der Auf- rühr von links ent steht. Wir Nationalsozialisten haben uns eine Truppe geschaffen, SA. und SS., deren alleinige Aufgaben dieser notwendige Kampf gegen links ist, deren wir sicher sind, weil sie gegen die feindlichen Bakterien immun ist, was man vakl der Polizei noch weniger als von der Reichswehr behaupten kann." Dieses Bekenntnis einer schönen Seele zerstört nochmals nach- träglich den Legalitätsschwindel der Leute um Best, die ihre terra- ristischen Angriffsabsichten mit Bürgerkriegsmaßnahmen der„Kam- mune" zu tarnen suchen. So deutlich wie hier hat sich noch keiner der Führer der NSDAP, über die Aufgaben der Terrortruppen ausgesprochen, so deutlich noch niemand das wahre Gesicht der SA. enthüllt. Nicht minder deutlich spricht Wagener in dem wirtschaftspoli- tischen Teil seiner Ausführungen über die Frage des Tarif- s y st e m s. Er erklärte: „Wir wünschen in Zukunft die unterste Festsetzung eines Lohnes als unabdingbar, der dem Existenzminimum entsprechen müßte, darüber hinaus soll aber keine Bindung bestehen, so daß für den Leistungslohn Raum geschaffen wird.. � Alles andere soll aber im Betrieb oereilibart werden, künftig werden die Betriebsräte mit dem Unternehmer beraten. Ent- scheiden muß natürlich stets der Unternehmer." Auch hier wird mit erfreulicher Deutlichkeit die Feststellung ge- troffen, daß in dem Fünfständestaat der Nazis, in dem der„Klassen- kampfgcdanke ausgerottet werden muß", natürlich stets der Unter- nehmer zu entscheiden hat. Deutlicher konnte er in wenigen Worten das wahre Gesicht der NSDAP, nicht enthüllen. Heute Laval-Erklärung. Die Außenpolitik im Vordergrund. Paris. 18. Januar.(Eigenberichl.) Die Regierungserklärung Lavals, die am Dienstag in der Sammer abgegeben wird, dürfte sich fast ausschließlich mit der außenpolitischen Lage Frankreichs beschäftigen. Vorläufig sind in der Kammer zu der Erklärung 12 Jnter- xellationen angemeldet. Sie gehen von einem Kommunisten, zwei Sozialisten(Leon Blum und Frossard). vier Radikalen, einem sozio- listischen Republikaner, je einem Mitglied der Unabhängigen Linken und der Radikalen Linken und zwei Vertretern der Rechtsparteien aus. Die Debatte dürfte daher am Dienstag noch nicht beendet werden. » Die französische Kammer tritt heute in einer Atmosphäre der N e r v o s i t ä t zusammen, wie man sie schon seit-vielen Jahren in Frankreich nicht beobachten konnte. Anlaß zu dieser Erregung bildete die bekannte Erklärung Dr. Brünings be- sonders in der ursprünglichen, nicht authentischen und bru- taten Fassung des bekannten Reuter-Telegramms, die durch das nachträgliche WTB.-Interview des Neichskanzlers wesentlich abgeschwächt wurde. Aber trotz diefer Richttg- stellung hält die Erregung an, weil i n n e r p o l l t i s ch e Ge- sichtspunktc— übrigens genau wie bei uns— w o>e außenpolitischen Debatten hineinspielen: Frankreich steht vor baldi- gen Neuwahlen und die Regierung, fürchtet sich vor dem Vorwurf der Nationalisten, daß sie die Interessen ihres Landes nicht energisch genug wahre.. Wir sind nach wie vor der Ueberzeugung, daß Brünings neueste Erklärungen nichts enthielten, was er nicht schon un- mittelbar nach Veröffentlichung des Baseler Berichts, und gestützt auf diesen, in mindestens ebenso prägnanter Form zum Ausdruck gebracht hatte, ohne daß sich damals in Frankreich ein Sturm der Entrüstung bemerkbar machte. Wenn die amt- liehen französischen Stellen dies sofort in aller Ruhe fest- gestellt und wahrheitsgemäß hinzugefügt hätten, daß Dr. Brü- ning über den deutschen Standpunkt für Lausanne den französischen Botschafter schon vor seiner Unterredung mit dem englischen Vertreter loyal unterrichtet hatte, dann wäre wohl der große Eklat vermieden worden. Aber viel- leicht lag diesen amtlichen Stellen eben aus innerpolitischen Gründen gar nicht so viel daran, diese Sturzwelle der natio- nalen Erregung einzudämmen. Von dem Verlauf der heutigen Pariser Debatte hängt manches für die weitere Entwicklung der außenpolitischen internationalen Gegensätze in einer Weise zu oertiefen die sich auf die politischen Beziehungen zwischen den Völkern und auf ihre wirtschaftliche Lage verhängnisvoll aus- wirken müßten. Bon den berufsmäßigen nationalistischen Scharfmachern, die es in der französische Kammer ebenso gibt wie im Deutschen Reichstag, darf man Selbstbeherrschung und Verantwortungsgefühl natürlich nicht erwarten. Wohl aber ist es angebracht, in dieser kritischen Stunde der Er- Wartung Ausdruck zu geben, daß die Staatsmänner und alle diejenigen, denen es mit der friedlichen Lösung der gegenwärtigen Probleme Ernst ist, vermeidbare Schärfen unterlassen und die notwendigen Lösungen, die auf den be- vorstehenden internationalen Zusammenkünsten zumindest vorbereitet werden müssen, nicht erschweren. Nationalsympathische Justiz. Auf dem Wege zum Oriiten Ikich. Ein Berliner Gerichtsvorsitzender hat es sich unlängst gefallen lassen müssen, daß ihm einer der Hauptschreier unter den Nazionwälten, Herr Frank II, den Dank für„national- sympathische" Ausführungen aussprach. Wir wollen hoffen, daß er dieses zweifelhafte Lob ebensowenig verdient hat, wie die arme deutsche Sprache es verdient, von nationalen und „nationalsympathischen" Mannen täglich in durchaus „deutschabträglicher" Weise vergewaltigt zu werden. Aber mag das Wort des Nazi-Rechtsanwalts auf jenen Richter speziell nicht zutreffen,— auf einen Teil unserer Justiz paßt es in der bedenklichsten Weise: dieser Teil schwenkt „nationalsympathisch" ein, zu deutsch: er richtet sich bereits in auffälligster Weise nach den Wünschen und Ansprüchen der Nationalsozialisten. Eine Zeitlang hat es so ausgesehen, als wollten die Gerichte dafür sorgen, daß dem Staat und der geltenden Ver- fassung der nötige Schutz gegen freche und gemeine Anpöbe- leien zuteil werde. Damals, vor zwei, drei Jahren, ver- sicherten Optimisten, daß die„Vertrauenskrise" der Justiz. von der ein preußischer Iustizminister gesprochen hatte, nunmehr überwunden sein. Es war zu schön, um wahr zu sein. Es läßt sich fast mit statistischer Genauigkeit erweisen, wie genau parallel mit dem Ansteigen der Wahlzisfern für die Nazis der Eifer der Gerichte für den Schutz der Republik erlahmt ist. Da nun vom Reichsgericht die Rede ist, so müßten wir eigentlich streng logisch gemäß seiner Judikatur nicht „Fahne", sondern„Lappen" sagen. Denn in seiner all- umfassenden Weisheit hat das Reichsgericht festgestellt, daß das Wort„Lappen" im Munde eines Rechtsradikalen keine Beschimpfung der Reichsflagge ist, da hiermit ja nur„Stock und Tuch rein materiell gemeint gewesen seien".(Ein siebenjähriger Junge, der Erwachsene über dieses Urteil sprechen hörte, fragte allerdings ganz verstört. wieso man denn mit„Lappen" auch den Stock meinen könne... Aber was versteht solch ein Kind von Juris- prudenz!) Solche Reichsgerichtsurteile sind die selbstverständlichen Folgen einer jahrelangen Vernachlässigung jede'r personalpolitischen Aufsicht durch das Reichs- ju st izm in iste r iu m. Vor ein paar Wochen hat der „Vorwärts" darauf hingewiesen, daß man unter den Berliner Richtern als jüngsten Nachwuchs für Leipzig niemand anders Hot finden können als den Berliner Landgerichtsdirektor Erich Schulze, der so ungefähr ein Pendant zu dem Magdeburger„Fürst" seligen Angedenkens, dem Land- gerichtsdirektor Hoffmann, darstellt. Wir nehmen noch immer nicht an. daß Herr Reichsjustizminister I o e l sich bereits über die„Erfolge" seiner als Minister und Staatssekretär betrie- denen Personalpolitik zu wundern beginnt. Eine vi-rte Reichsnotverordnung hat uns eine angebliche Schnelljustiz gegen politische Gewaltverbrecher und Verleumder gebracht. In Berlin äußert sie ihre Wirkungen zunächst in der Langsam-Iustiz des Herrn Landgerichts- direktors Ohnesorge. Leider kann man nicht umhin, in diesem Zusammenhang auch vom Reichsgericht und seinem Verhältnis zur schwarzrotgoldenen Fahne zu sprechen. Als der Kurfllrstendamm-Prozeß in der Berufungs- instanz einsetzte, wurde an dieser Stelle die Persönlichkeit des Vorsitzenden gewürdigt. Niemand kann behaupten, daß diese Würdigung hetzerisch oder verletzend war. Wir schrieben: „Herr Ohnesorge gilt als vorzüglicher Jurist, aber auch als„Feöerchensucher", der aus den Bedenklichteiten nicht herauskommt... Die unbestrittene Sorgfältigkeit des Herrn Ohnsorge in allen Ehren... zum Vorsitzenden in einem poli- tischen Prozeß dieser Art hätte sich besser ein Mann geeignet, der das Wesentlich« und Hauptsächliche eines Falls von An» sand an Mar ins Aug« saßt." Die Entwicklung des Prozesses hat unsere Befürchtungen bei weitem übertroffen. Genau einen Monat währt er. und mindestens ein Vierteljahr soll er dauern. Im Zeichen der Schnelljustiz! Aber das wäre erträglich, wenn wenigstens unsere lobende Erwähnung, daß Herr Ohne- sorge ein„vorzüglicher Jurist" sei, aufrechterhalten werden könnte. Nach seinen letzten Leistungen müssen wir dies zu- rücknehmen. Die Nichtvereidigung zweier Hauptbelastungs- zeugsn, der Brüder Deterding, weicht dermaßen stark vom Pfade gesunden juristischen Denkens ab, daß noch nicht ein- mal ein„durchschnittlicher" Jurist darauf hätte verfallen dürfen. Man bedenke folgende Konstruktion: Inmitten eines Lairdfriedensbruches entdecken unbeteiligte Passanten den Haupträdelsführer im Sinne des Strafgesetzbuches. Sie sehen, daß kein Polizeibeamter sich um ihn kümmert, sie gehen ihm nach, bis Polizei zu erreichen ist und veranlassen dann seine Feststellung. Genau so hat sich der Fall Deterding- Helldorf, nur nicht zu Fuß, sondern per Auto, zugetragen. Nach Ohnesorgescher Logik macht man sich durch solches Per- halten der„Mittäterschaft" am Landfriedensbruch oerdäch- tig, obwohl doch klar ist, daß diese Zeugen den Landfriedens- bruch nicht unterstützen, sondern bekämpfen wollten. Wir bereiten uns innerlich auf folgendes vor: Auch die Schupobeamten, die den Krawall auseinandergetrieben haben, werden von Herrn Ohnesorge als vermutliche Mittäter nicht vereidigt werden— sie haben sich ja auch in dem Krawall hineinbegeben müssen, und folglich am Landfriedensbruch teilgenommen. Bekommt Herr Ohne- sorge nicht am Ende Sorge, daß er selber auch noch da- durch, daß er sich täglich mit vierzig Landfriedensbrechern zu- fammen in einem Räume trifft, in den Verdacht der Mit- räterschaft gelangen wird?! Wir wunl�rn uns nicht, wenn solche Justiz auf die Nazi- anwälte„nationalsympathisch" wirkt. Auf die republikanische Bevölkerung wirkt diese Justiz mehr als unsympathisch. Wir möchten uns dabei von jeder unzulässigen Verallgemeinerung fernhalten. Wir wissen, daß es Richter und Staatsanwälte gibt, die in voller Pflichterfüllung dem Naziterror entgegen- arbeiten: die vielen Kleinen Schimpf-Anfragen des Landtags- abgeordneten K u b e gegen Richter und Staatsanwälte zeugen dafür. Aber wenn das Justizministerium Entgleisungen, wie wir sie in letzter Zeit vielfach melden mußten, tatenlos zu- sieht, dann wird sich die Vertrauenskrise bis zur Katastrophe weiter entwickeln. In Halle wurde jüngst ein Nazistudent freigesprochen, der die Reichsverfassung dem Dersailler Ver- 'rag gleichstellt und erklärt hatte,„beide liefern das deutsche Volk dem Volksfeind aus". Von solcher Justiz läßt sich leider nur sagen, daß sie die deutsche Republik ihren Feinden ausliefert. Das muß mit allen Mitteln bekämpft werden. . �'' I Galavorstellung mit Adolf. „Volks"-Verfammlung mit 2 Mark Eintrittspreis. Großer Tag für den Berliner Westen. Die Nazis, die sich für das einmalige Auftreten ihrer Primadonna einen Eintrittspreis von 2 M. zahlen lassen, haben das erlesenste reaktionär« Publikum Berlins. Es wimmelt nur so von Herren mit Dickbauch und Stier- nacken, das Gesicht mit Monokel und Schmissen verziert. Aber auch die Damenwelt ist außerordentlich stark vertreten. Abendkleid und Lorgnon scheinen vorgeschrieben zu sein. Demgegenüber niinmt die akademische Jugend einen verschwindend kleinen Teil ein. Einen Arbeiter oder eine Arbeiterfrau hätte man selbst mit der Lupe nicht gefunden. Wer welcher Arbeiter hätte auch zwei blanke Markstücke für die Phrasendrescherei des Herrn Hitler übrig. Schon lange vor Beginn herrscht in der Halle größte Aufregung. Als an dem einen Ende der Halle Bewegung entsteht, springt alles auf, die Anne fliegen in die Luft, die Lorgnons flitzen in die Höh«, Hellrufe ertönen,«in junger Mami im schwarzen Hemd springt an das Mikrophon und brüllt„Achtung!". Doch langsam gehen die 2lrme hier und dort wieder runter, und es stellt sich heraus, daß man sich zu früh begeistert hat. Aber schließlich ist auch der große Augenblick da, der große Adolf erscheint, mit seinem Gefolge schreitet er gravitätisch mit ernstem Gesicht durch die Massen. Jetzt besteigt er das Podium, er wartet, länger als notwendig ist, ehe er mit seiner Rede beginnt, währenddem glänzt die überreich angewandte Pomade seiner Haarfrisur im Lichte der Scheinwerfer. Jede Geste, jede wohleinstudierte Pose— und er spart nicht mit ihnen— verrät Eitelkeit. Cr liebt es nicht nur, sehr„mit den Härtben".zu reden. fondern�auch neckisch mit den Fingern zu knipsen, wie es die Jungen in der Schule zu tun pflegen. « Die Rede, die Herr Hitler vom Stapel läßt, hätte er ebensogut schon vor drei Jahren halten können. Er spricht über zwei Stunden, findet aber nicht Zeit, auch nur einen Satz über die Haltung seiner Partei zu den brennendsten politischen Tagesproblemen zu sagen. Er kann es sich erlauben, seinen Zuhörern Deutschlands schwere polstische Lage damit zu erklären, daß die eine Hälfte des Volkes das Vaterland retten wolle, während die andere Hälfte wünsche, daß Deutschland sterbe. Und diese sowie andere Dummheiten werden von einem kritiklosen, servllen Publikum mit tosenden Beisallsstürme» quittiert. Seine Rede gipfelt in der Selbstverherrlichung des natio- nalsozialistischen Führertums, nachdem er erklärt hat:„Die Weimarer Verfassung, deren legalste Vertreter wir heute sind, schreibt das Gesetz der Demokratie vor. Das heißt, die Masse, die Mehrheit ist entscheidend. Als Nationalsozialist halte ich diese Formel als eine der verderblichsten der Menschheit. Jedes Volk und jeder Staat muß zugrunde gehen, der sich dieser Theorie verschreibt." Man sieht, es ist dieselbe These, die Schiller im„Demetrius" einen Sprecher der polnischen Schlachta vertreten läßt. Auch uns scheint sie mehr polnisch als deutsch. Richts ohne Adolfs Willen! Das wandernde Waffenarsenal. Hanau. 18. Januar.(Eigenbericht.) Im benachbarten Arbeiterwohnort Rückingen hielte» die Nationalfoziakssten eine öffentliche Versammlung ab, zu der sin größerer Trupp Hanauer SA.-Leute als Saalschutz bestellt war. Auf der Straße zwischen Hanau und Rückingen faßte die Polizei die Anmarschierenden ab und nahm eine Durchsuchung nach Waffen vor. Diese hatte das Ergebnis, daß folgende„geisti- gen" Woffen gefunden wurden: 5 Scheintodpistolen, drei Schlag- ringe, ein Ochsenziemer, ein Gummischlauch mit E i f e n b e h a n g, ein G u m m i s ch l a u ch, an dessen Ende ein Messer und am anderen Ende ein schweres E i f e n st ü ck be- festigt war, ein Schullerriemen, an dem sich ein großer Hausschlüssel befand, eine Anzahl großer Schraubenschlüssel sowie eine Meng« Koppel mit schweren Karabinerhaken. Die„rauhen Kämpfer" wurden zur Polizeiwache gebracht und dort ihre Personalien fest- gestellt. Sie kuschen! Die Bürger unter der Knute der Nazi. Vraunschwelg, 18. Januar.(Eigenbericht.) Montag gab der volksparteiliche Abgeordnete Marquordt im Hauptausschuß des Braunschweigischen Landtags eine Erklärung ab, w der er auf Grund der wiederholten ehren- Butterzoll wird erhöht! Trotz sozialdemokratischer Warnung.— Erregung in Holland und Dänemark. Amtlich wird mitgeteilt: Das Reichs kabiuctt be- schaftigte sich am Nto utagaach mittag mit dem Schutze der bäuerlichen Veredeluugswirtschaft. Die Boratuuge» find zum Abschluß gelaugt. Die entsprechen- den Eutscheiduugeu werden alsbald veröffeutlicht werdet». Wie wir dazu erfahren, hat das Reichskabiuett die Erhöhung des Butterzolls beschlösse«. Das Ausmaß der Erhöhung wird durch Notverordnung, deren Veröffentlichung am Mittwoch erfolgen dürfte, verfügt. Oie Warnung der Sozialdemokratie. Die sozialdemokratische Reichlstagsfraklion hat beim Reichskanzler Dr. Brüning-IZorsiellungea gegen die beabsichtigte Erhöhuug'des Butlerzolls erhoben. Die sozialdemokratische Rcichslagsfraktion hat den Reichskanzler insbesondere daraus aufmerksam gemacht, daß die Butter- zollerhöhung keine wirksame Hilfe für die bäuerliche Beredelungs- wirlschasl bringen könne. Der Rückgang des Bnlierpreises fei im wesentlichen durch die rasch sinkende Kaufkraft der städti- scheu Bevölkerung hervorgerufen worden. Eine Preiserhöhung würde also nur eine vermehrte Abwanderung zum Mar- garinekonsum bedenleu. Außerdem aber wurde die Verteuerung eines so wichtigen Nahrungsmittels im stärksten Widerspruch zu der Preissenkuagsaktlon der Reichsregierung, insbesondere zu dem durch einen persöo- lichen Brief des Reichskanzlers vom 12. Dezember erhobenen Ver- sprechen flehen, daß die Reichsregierung es als ihre vornehmste Pflicht ansehe, darauf zu achten, daß der jetzige Stand der Löhne und Gehälter nur bei einem entsprechend tief gehaltenen Staad der Preise aufrechi erhallen werden kann. Auch bedrohe die Er- höhung des vutterzolls den deutschen Export. Eine große Reihe wichtigster Abnehmer der deutscheu Zndustrieprodukte werde in der jetzigen Situation auf Gegenmaßnahmen nicht verzichten, die neue Arbeitslosigkeit infolge Einschränkung des deutschen Exports bewirken würden. Aetie Boykottbewegung in Holland. Große Aufregung in Dänemark 0 Die Nachrichten über die geplant« Erhöhung der Butterzölle in Deutschland haben in Holland sosort zur Wiedereinberufung des Komitees zum Schutze der holländischen landwirtschaftlichen Interessen geführt. Man will sich mit den holländischen Importeuren deutscher Waren in Verbindung setzen, um Abwehrmaß» nahmen zu beraten. Die mit Mühe vor Jahresfrist gedärnpiic Vaykottbervegung ist also wieder im Gang. In Dänemark sind alle Blätter mit Erörterungen über den deutschen Butterzoll angefüllt. Unverblümt wird von allen Sellen auf die Notwendigkeit des Boykotts deutscher Waren hingewiesen. Die Gefahr für den Brotpreis. Neue Verhandlungen mit dem Preiskommissar. Im Hinblick auf die weiter steigende Tendenz der Brotpreise sind die Vertreter dxes Bäckergewerbes sowohl am Sonnabend wie am gestrigen Montag abermals beim Preiskommissar Dr. Goerdeler vorstellig geworden, der ihnen die Zusage gab, sich wegen des Mehl- Preises nunmehr mit den Mühlenbesitzer» und den sonstigen Jnter- essenten in Verbindung zu setzen. Die Bäcker lassen im übrigen keinen Zweifel daran, daß vielleicht schon für die nächste Woche der jetzige Brotpreis nicht mehr zu halten wäre, wenn nicht unverzüglich dem Steigen der Mehlpreise Ein- halt geboten würde. Eisenbahner in Eiserner Front. Glänzende Kundgebungen in Sachsen. Dresden, 18. Januar. sEigenberichk.) In einer von über 1300 Eisenbahnern besuchten Ver» sammlung im Kristallpalast in Dresden sprach der Ver- baudsbevollmächtigte Klus- Hamburg zu dem Thema: „Die Eisenbahner i« der Eiserneu Front für Freiheit und Recht." Die Störungsversuche der RG£.»An» Hänger wurden von der überfüllten Versammlung ent» schieden zurückgewiesen. Nach den bei der Bezirks- leitung Dresden des Einheitsverbandes eingegangenen Berichten sind die im ganzen Lande abgehaltenen 3 3 Kundgebungen der sächsischen Eisenbahner für die Eiserne Front überall glänzend verlaufen und sehr stark besucht gewesen. Die Reichsbahn-Hanptverwal- tung hat durch ihr Verbot der Bersammlungsplakatierung mit der Tagesordnung„Eiserne Front" anch den letzten Eisenbahner mobil gemacht. Die Partei im Kampf. Kommunisten versuchen vergeblich unsere Versammlungen zu stören. Lad Ems, 18. Zanuar.(Eigenbericht.) 3ti drei überfüllten sozialdemokratischen ver- sammlungen im Lahngeb iel sprach am Sonntag Reichslagsabge- geordneter Soll mann. Zu Bad Ems versuchten Kommunisten. die Versammlung und dag Schlußwort Sollmanns durch Zwischen- rufe zu stören. Der kommunistische Diskussionsredner Voigt aus Koblenz machte sogar den versuch eine? tätlichen Angriffs auf Sollmann. Durch die Besonnenheit der sozialdemokratischen Arbeiter wurde jedoch ein Zusammenstoß vermieden. Verbot roter Plakate aufgehoben. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst der Antwort des preußischen Ministers des"Innern auf eine Kleine Anfrage, die sich mit einem Einzelfall des Verbotes roter Plakate befaßte, entnimmt, war das Verbot rpter Plakate infolge einer die öffentliche Sicherhell und Ordnung gefährdenden Verwendung der roten Farbe für Plakate, insbesondere politischen Inhalts, erforderlich geworden. Die seinerzeit hierfür erlassenen Polizeioerordnungen sind inzwischen nach Sammlung entsprechender Erfahrungen über die Auswirkungen der Notoerordnungen vom 28. März und 6. Ottober 1S31 als nicht mehr unbedingt notwendig ausgehoben worden. Republikanische Aktion. Freiheitliches Bürgertum und Arbeiterschast Seite au Seite. Die außerordentlich stark besuchte Kundgebung, die von der republikanischen Aktion gestern im Sportpalast veranstaltet wurde. sollte Zeugnis dajür ablegen, daß auch im Bürgertum die freiheit- lichen Kräfte erwachen und sich in die E'serne Front der Republik einreihen. Ein Konzert der Reichsbannerkapellen leitete die Kund- gebung ein. Der Einmarsch der stürmisch begrüßten schwarzrotgoldenen Fahnen schloß sich an. Als erster Redner eröffnete Dr. Rowack die Derfanunlung. Von dichterischem Schwünge beseelt, sprach dann Fritz von Unruh einlellende Worte:„Wir wollen reden in helliger Nüchternheit, frellich nicht zu jenen, die geistig auf den Hund geraten sind und sich in ohnmächtigem Berzweifeln nach rechts oder links in die Äüfche drücken, auch nicht zu denen, aus deren Gedärm uns die Fäulnis der Skepsis anstinkt, Zwiesprache werden wir hallen mit denen, die entschlossen sind, den Hammer des Geist es zu erheben über die freche Stirn des Urt-» geistes." Nach einer Rede des mit Begeisterung empfangenat Pater Jnerkofler, der noch einmal, wie schon am vergangenen Frei- tag, die Leiden der vom Faschismus unterdrückten füdtllolifchen Heimat schilderte, nahm Regierungspräsident Dr. Friedens» burg-Kaffel das Wort:„Ich rufe das freigesimlle Bürgertun, auf zpm Kampf für Bildung und Gesittung, Duldfamkell und An- ständigkell, R-chtlichkell und Frechell. Es soll nicht mchr furchtsam und unentschlossen sein, sondern mit der Arbellerschast gegen Dllet- tantismus und Fanatismus für Recht und Frechell eintreten." Als letzter Redner sagte Landtagsabgeordneter Major a.D. Hauff:„Unser ist das Reich, das Dritte Reich ist ein Spuk. Es gcht ein Sehnen durch die Massen von der unvollkommenm Repu- blik zur vollkommenen Republik. Die Eiserne Front soll die Front aller Republikaner sein." Immer wieder unterbrach stürmischer Beifall die Redner. rührigen Angriffe der Nationalsozialisten gegen seine Tätigkeit im Ausschuß die Niederlegung der Vertretung der bür- gerlichen Einheitsliste bei der Untersuchung über die Staatsbantangelegenheiten mittellte. Obwohl der Abgeordnete Marquordt in streng objettwer Weise seinen Aufgaben noch- gekommen sei, ließ ihn die bürgerliche Fraktion dennoch aus Angst vor den Nazis und deren Drohung mll Neuwahlen fallen. Razikomöbie in Oarmstadi. Sie mißbrauchen wieder einmal parlamentsrechle. Darmsladk. 18. Januar.(Eigenbericht.) Am Eonntagnachmillag kam es vor dem hessischen Landtags- gebäude verschiedentlich zu Ansammlungen, well die Nationatsozia- listen an den Fenstern chres Fraktionszimmers zwei Hitler- Fahnen angebracht hatten, was unter der nichtnationassozialisti- schen Bevölkerung ungehellre Erregung hervorrief. Die Polizei konnte die Fahnen nicht entfernen, da über die Räume der national- sozialistischen Landtagsfraktion deren Vorsitzender Dr. Werner das Hausrecht befitzt. Der Bizspräsident des Landtags, der Zentrums- mann Delp, hat an Dr. Werner ein Protestschreiben gerichtet, in dem er gegen den Unfug Einspruch erhebt und um sofortige Entfernung der Fahnen bittet. Gilde der Oarmffädter Nazikomödie. D a r m st a d k. 18. Zamiac.(Eigenbericht.) Auf Grund der Proteste der Sozialdemokratie und des Reiths- banuer? ließ der nationalsozialistische Laudlags Präsident Professor Werner am Wontag die von den Nazis an den Fenstern ihrer FraktiaaÄ>üros angebrachte Nazlfahne and da» Hltlerbild entfernen. Werner soll von den Dekorationskünsten seiner Nazifrevnde wenig erbaut gewesen sein. Zweifellos wäre im andern Falle, bei aller Wahrung der hausrechte des Präsidenten, die Staats- regiernng von sich aus ciogeschrilteu. Boxheimer Felddienstübung. Darmstadt. 13. Januar.(Eigenbericht.) Im Anschluß an die nächtlichen Verhaftungen von fettbtenst» mäßig ausgerüsteten Nazis wurden noch wettere 120 SA.» und SS.-Leute in der näheren und weiteren Umgebung und verschiedenen Gegenden des Odemoaldes festgenommen. Sie sind zwar wieder auf freien Fuß gesetzt worden, das Nerfcchren gegen sie wird aber auf Grund der hefssschen Verordnung vom 7. November 1931 weitergeführt. Nach dieser Verordnung sind politische Verfamm- lungen. Kundgebungen sowie Aufmärsche aller Art unter freiem Himmel verboten. Riß in der Harzburger Front. Stahlhelm und NSDAP. Der Landesführer Tüllmann vom Landesverband Nord» mark des Stahlhelm wendet sich in einer öffentlichen Erklärung gegen polllische Angriffe, die der Gauleller Lohse der NSDAP. gegen den Stahlhelm und ihn persönlich gerichtet habe. Lohse läßt flugs eine Gegenerklärung los und schreibt am Schluß dieser Er- klärung:„Wir lehnen in Zukunft jede Zusammen- arbeit abl" Das Ganze ist ein« schöne Illustration für di« oft berufene Einigkell der Harzburger Front. Ohnesorge macht Schule. Die Zeugen Deierding, Die dem Auio des Grefe« Velldorf nachgefahren waren und feine Kesiflellung veranlaßt Haien, bheben imKurfürflendamm-prozeß wegen„Berdachis der Minäterscha� unvereidigt. »Wie, Zeuge, Sie sind dem Raubmörder nachgegangen, Sie haben ihn nicht aus den Augen gelassen, Sie haben dann einen Schutzmann auf ihn aufmerksam gemacht, der ihn festnahm?!- Ha, Sie Mittäter, Sie bleiben unvereidigt?� Koreanische Attentate. Verzweiflungsakte gegen brutale Fremdherrsthast. Anläßlich des jüngsten Attentats eines Koreaners auf den Kaiser von Zapan schreibt uns der koreanische Volkswirt- schafller und Ethnograph hon Aengkong: Es ist bedauerlich, daß einem Monarchen so oft von Sühnen einer fremden Nation das Leben unsicher gemacht wird. Nicht allein der Mikado, auch seine hohen Beamten sind ständig bedroht. Solange das japanische Inselvolk zurückgezogen lebte, hat man seinen Großen nicht nachgestellt; erst als Japan die Halbinsel Korea sich aneitznet«, begannen Attentate. Der erst« Anschlag in Charbin 1909 richtete sich gegen den japanischen Premierminister I t o: seitdem hörte man oft von Bomben- und Revolveranschlägen an hellichten Tagen mitten in Tokio oder in Söul. Die Täter waren stets Koreaner. Wiederum erlobt« vor einigen Tagen der japanische Kaiser inmitten Tokios zum viertenmäl einen solchen Schreckensmoment. Fremde Rationen verstehen die Ursachen meist nicht, oder wenn sie den Grund wissen, schweigen sie entweder oder geben dem Schwachen Unrecht. Die Beziehungen Mischen Japan und Korea sind fast AM Jahr« alt. Ohne Korea wäre Japan heute nicht in der Lage, mit seiner alten Kultur zu prahlen, seine Baukunst, Religion, Literatur. Keramik usw. ist größtenteils von Korea übernommen. Japan versuchte schon 1S92 sein Meisterland zu besetzen, was aber nicht gelang, ermordete rund 3 Millionen Menschen und vernichtete fast sämtliche Kulturstätten des Landes. Seit 1895 verhinderte Japan direkt und indirekt das Erwachen des koreanischen Volkes. Die japanfeindliche Königin von Korea haben sie grausam ermordet. 1901 währeud des russisch-japanischen Krieges wurde Korea ge< zwungen, unentgelllich von Süden nach Norden eine Eisenbahnlinie zu bauen, Mannschaft und Proviant zu liefern. Das japanische Mllitär bezahlte mit„Notgeld" aus Papier, das niemals ein- g e l ö st wurde. Di« japanische Regierung verfälschte in großen Mengen koreanische Münzen und verursachte dadurch den Staats- bankrott. Die Auflösung des koreanischen Heeres, die Aufhebung der diplomatischen Beziehungen mit fremden Mächten, die Ab- dantung des Kaisers sowie die Wiederherstellung der öffentlichen Ruhe erzwang man nur mit Waffengewalt. Von 1895 bis zur ge- lungenen Annexion 1919 hat das Intrigenspiel der Japaner in Korea fast 19 000 Menschen das Lehen gekostet. Die neuen Straßen sind fast alle durch Zwangsarbeit und Frondienst geschaffen worden. Jede koreanische Familie wurde gezwungen, zährlich 15 Tage Bau- arbeit zu leisten. Man sieht neue Dämme und Kanäle zur Boden- kultur— im Interesse der Koreaner? 70 Proz. bester Ackerboden ist im Besitz der Japaner! Das Schulwesen wird beleuchtet durch die Tatsache, daß kaum 1ls aller schulpflichtigen Kinder Schulen besuchen können. Die Hälfte der Schulen sind Privatschulen, zum großen Teil amerikanischer Initiative zu verdanken. Krankenhäuser und Spitäler sind unzureichend, in jeder Provinz sind kaum zwei vorhanden und gewöhnlich liegen in der III. Klasse in'einem Zimmer von 3 mal 4 Quadratmetern 5 bis 8 Patienten, selten ohne geziefer. Noch vor 20 Jahren sah man in.Korea selten einen Bettler,' ober jetzt in den Städte« immerzu Leitet banden— dank der gehobenen" wirtschaftlichen Lage. Industrie. Bergbau, Fischfang und die besten Handelsplätze sind zn 90 proz. in japanischem Besitz. Ein Industriearbelker verdient bei llstündiger Arbeitsleistung 50 bis S0 Pfennig täglich. Arbeiterinnen erreichen kaum die Hälfte. Den Koreanern ist seit 1910 jeglicher Ex- und Import ver- boten. Jährlich wandern rund 50 000 Menschen nach der Man- dschurei und nach Sibirien vollkommen mittellos aus, außerdem herrscht Rassenvorrecht und schärffte Klassenjustiz. Früher kannten die Koreaner keine Zuchthäuser— aber 1932 schmachten allein fast 9 000 politische Gefangene in eisernen Ketten. Ordnung muß sein— aber wegen 16 Pfennig Steuerrückstand wird sogar der einzige Kochkesiel weggenommen. Unerträglich hohe Steuern, scharfe Pressezensur, skandalöse Haussuchungen und Masfenverhaftungen, alle Macht der Polizei und nicht zuletzt das Bestreben der Japaner, die Koreaner im Auslande zu verdächtigen, sind die Hauptgründe des Hasses gegen die brutale Fremdherrschaft. Das Erwachen des Nationa- lismus in Korea ist feft 10 Jahren wie lodernde Flammen. Japan hat die Macht, 70 000 Soldaten, 50 Bombenflugzeug«, 10 000 Poli- ziften, Gendarmerie und tüchtige Spione in Korea. Die Koreaner selbst haben nicht einmal«in verrostetes Luntengewehr. Auf solche Weise will man ein 4000 Jahr« alles Kulturland, ein« Nation von 23 Millionen aus der Wellgeschichte streichen. ' Faschistenschwindel! Gefälschte Dokumente gegen die Arbeiterschost. Wien. 18. Januar(Eigenbericht.) Die Meldung eines chrifwch-sozialen Wiener Montagblaites, noch der bei den Haussuchungen im Ottakringer Ar» b e iterh eim außer Waffen und Munition in einer eisernen Kasselle auch zahlreiche Schriftstücke mit einem bis in die kleinsten Einzelheiten ausgearbeiteten Plan für ein bewaffnetes Vorgehen der sozialdemokratischen Parteigruppen im innerpvlitffchen Ernstfalle gefunden sein sollen, wird von der„Arbeiter» Zeitung" dahin kommentiert, daß dieses Schwindeldokument ursprünglich als angebliche Richtlinien der K o m- munistifchen Arbeiterwehr ausgegeben und später dem „Schutzbund" in bi« Schuhe geschoben worden sei. In beiden Fällen sei es als Fälschung enthüllt worden. e Es versteht sich von selbst, daß die Hugenbergpress« es sich nicht hat nehmen lassen, diese Fälschung in großer Aufmachung gegen die Sozialdemokratie auszuspielen. Starhemberg provoziert. Wien, 18. Januar. Auf einem Führerappell des Oberösterreichischen Heimatschutzes in Wels erklärt« Starhemberg: Wenn die wirtschaftlichen For- derungen des Heimatschutzes nicht durchgehen, wollen wir öffentlich zeigen, daß die Mehrheit des Volkes hinter uns steht (8 Abgeordnete von 100! D. Red.), und zwar in Gestalt von Protest- kundgebungen und eines großen Bolksaufmarfches Wir lassen uns nicht auf verfassungswidrige Art daran hindern, und wenn man uns hindern will dann soll eben die Revolution beginnen. Wir werden jedenfalls Wege gehen, auf denen uns die Staatsexekutioe nicht entgegentreten kann. Rücksichtslos und be- waffnet werden wir jedenfalls auftreten, wenn der Republikanische Schutzbund in irgendeiner Form in Erscheinung tritt. * Das kennt man! Jede Arbeiter gruppe ist dann„Schutzbund" und die Heimwehr schietztl Krach bei den Aazis. Rebellion in der Stuttgarter Hitler-Fikale. Stuttgart. 18. Januar.(Eigeubericht.) Im Gau Württemberg der Nationalsozialisti- scheu Partei sind schwere Differenzen ans- gebrochen. Eine aus etwa 1000 Anhängern— darunter sehr viele ES.— bestehende Oppositionsgruppe hat dem Stuttgarter Spitzen- kandidaten bei der letzten Gemeinderatswahl Hauptmann a. D. Stroelin ein Memorandum mit 20 Punkten überreicht, deren Er- füllung verlangt wird. Stroelin ist zugleich aufgefordert worden, eine Stellungnahme der Ortsgruppe Stuttgart und de? Gaues Würllemberg zu den Forderungen herbeizuführen. Antwort war bis zum letzten Sonnabend verlangt worden. Nachdem diese Frist ohne Erteilung der Antwort verstrichen ist, hat die Opposftion beschlossen, in einer öffentlichen Versammlung inch durch Flugschriften auf die Mißstände bei den Führerstellen und bei der Vergebung der Posten und Mandate für Nazis in Würllemberg hinzuweisen I» den 20 Punkten ist als Hauptforderung die so- fortig« Entfernung des Gauleiters Reichstagsabge- ordneten M n r r enthalten, dem Korruptionswirt- schaft vorgeworfen wird. Ferner ist die Oppofition mit dem SA.-Gruppen fuhrer Süd-West v. Jagow unzufrieden, der ein ausgesprochener Korruptionspollliker fein soll und dessen sofortige Entfernung verlangt wird. Gewissen Prominenten der Partei wird vorgeworfen, daß sie größeres In- teresse für die weiblichen Hilfskräfte des Parteibüros als für die Parteiangelegenheiten hallen. Auch mit dem Parteiblall, dem NS.» Kurier, ist mau unzufrieden. Es wird gefordert, die Zeitung sofort dem Besitz des Abgeordneten Murr zu entziehen, damit sie direkt von der Partei übernommen wird. Die Reichsparteileitung der Nazis hat bereits einen Kommissar nach Stullgart entsandt, der die Verhältnisse eingehend prüfen soll. Oer preußen-Eiat. Interfraktionelle Besprechungen über die Ausgleichs- Möglichkeit. Der interfraktionelle Ausschuß der preußischen Rsgierungs« Parteien beschäftigte sich am Montag in Anwesenheit der Minister Severing und Klepper mit der Frage des Ausgleichs des preußischen Etats. Beschlüsse wurden nicht gefaßt. well die Besprechungen des preußischen Finanzministers m i t der Reichsregierung über etwaige Slbzahlungen des Reiches auf preußische Entschädigungsansprüche bzw. die Besprechungen über die Einräumung eines Bankkredits an Preußen noch nicht abgeschlossen sind. Uebereinstimnumg herrschte jedoch darüber, daß der Plan einer Schlachtsteuer nicht durchgeführt werden dorf, der preußische Etat dem Landtag aber unbedingt ausgeglichen vorgelegt werden soll. Die preußische Staatsregierung wird sich am Freitag mit der Frag« befassen, wie der Etat dem Landtag ausgeglichen vorgelegt werden kann.___ Die Lehrerfrage in Preußen. Grimme und Severing zum Lehrerabbao. Im Unterrichtsausschuß des Preußischen Landtags äußerte sich Kultu-minister Grimm«. Innenminister Severing und für das Finanzministerium Staatssekretär Schleusener über den Lehrerabbau. Zur Beratung stand«in bereits vor längerer Zell vorgelegter Antrag König(Soz.) auf Einschränkung des geplanten Abbaus von 7000 Lehrerstellen. Kultusminister Grimme wies darauf hin, daß der Hauptanloß zu den Ersparnismaßnahmen die Finanzschwierig- kell der Gemeinden gewesen sei. Am 31. März diese- Jahres würden etwa 2300 Lohrer in de» Ruhestand treten. Dadurch könnte ein« gleich« Anzahl von Junglehrern ein- rücken: außerdem könnten die sonst notwendigen Versetzungen aus einem Bezirk in den anderen größtenteils unterbleiben. Innenminister Severing schildert« die große Härte für alle Betroffenen, die aber besonders durch die Rücksichtnahme auf die Wohlfahrts-Rentenempfänger herbeigeführt worden fei. Ein Eni- gegenkommen gegenüber den Wünschen des Antrags König könne er mit Rücksicht auf di« Lage der Gemeinde« nicht i» Ausficht stellen. In ähnlicher Weise äußerte sich Staatssekretär S ch l e u- sener, der auf den großen Fehlbetrag im preußischen Haushalt und feine Beseitigung durch tiefe Kingriffe hinwies. Auf Antrag König(Soz.) wurde hierauf die Wellerberatung dieser Angelegenheit vertagt, bis eine Ileberficht über die Aus- Wirkung der neuesten Maßnahmen des Kultusministeriums mög- lich sei. Bltiiige Schießerei in Bilbao. Wer Tote bei einem Zusammenstoß Mischen Repoblikanem und Monarchisten. Madrid. l8. Januar.(Eigenbericht.) Im Anschluß an eine Versammlung der rechtsstehenden Xra-t ditions-Partei kam es in Bilbao zwischen Mitglieoern der Versammlung und Sozialisten bzw. Republikanern zu einer schweren Schießerei. Vier Personen wurden getötet, neun verwundet. Die aufgeregte Voltsmenge versuchte, mehrere Mitglieder der Tradllions-Partei zu lynchen. Nur unter dem Schutze der PoLzei konnten sie ihr nacktes Leben rellen. JnMffchcn sind im Zusammenhang mll dem Vorfall 35 Personen verhastet worden. Nach dem Zusammenstoß wurden auf mehrere Nonnen- kl öfter in der Umgebung von Bilbao zahlreiche Schüsse abgegeben. Strenge Maßnahmen der Regierung. Madrid. IL. Januar- Di« Regierung hat wegen der blutigen Zusammenstöße Mischen Tradllionalisten und Sozialisten in Bilbao strenge Schutzmaßnahmen angeordnet. Bisher find 51 Per» fönen verhaftet worden. Die Stadt wird militärisch bewacht. In Sagunto und anderen Städten der'Provinz Valencia ijt es zu ernst«» SlleikMischenscillen gekommen. Aus Valencia sind Truppen nach Sagunto abgegangen. In Barcelona traten 20000 Metall- und Textilarbeiter in den Streik. Sprengstoffunde in Westfalen. Ein Zentner Dynamit— � Kommunisten verhastet. Hagen i. W.. 18. Januar.(Eigenbericht.) In Hagen wurden von der Polizei in einer Pvivatwohnung ei« Zentner Dynamit, 400 Sprengkapseln. 200 Hand- granaten, 2 Militärgewehre(Modell 98) und ein Militär- karabiner, ebenfalls Modell 98, mll der dazu gehörigen Mumtüm beschlagnahmt. Im Zufarnmenhang damit wurden bisher vier Mitglieder der Kommunistischen Partei verhaftet. Der beschlagnahmte Sprengstoff stammt aller Wahrscheinlichkeit nach aus Vorhalle und Gestcke, wo in letzter Zell wiederholt größere Mengen Sprengstoff gestohlen worden sind. Tschirikow gestorben. In Prag ist der dort als Emigrant lebende russische Dichter Tschirikow im Aller von 63 Jahren verstorben. Tschirikow gehörte jener Gruppe der russischen Schriftsteller an, die in den neunziger Jahren und zu Beginn des Jahrhunderts eine starke anklägerische Note in ihre belletristischen und dramatischen Werke hineintrugen. Unter Anlehnung an Tschechow versuchte Tschirikow in Novellen und Dramen den Naturalismus Gorkischer Prägung mll einer lyrischen Schilderung des russischen Volkslebens zu verbinden. Großen Erfolg hatte er hauptsächlich mit seinem Drama„Die -Juden", in dem er scharfe Anklage erhob gegen die von der Zarenregierung geförderte Pogrompolllik gegen die Juden. Dieses Stück ist seinerzeit auch in der Berliner Volksbühne mit großem Erfolg aufgeführt worden. Gewerkschastsziel der Nazis. Gchuhtruppe der Ltniernehmer. hiller will, um den Gewerkfchaslen beikommen zu können. ■ic Betriebe erobern. Als Werkzeug dazu dient ihm die �lazi-Vetri-ebszellenorganisation. Heber ihren Ausbau und ihre Ausgaben unterrichten am besten die— llnternehmcrblätter. So konnte dieser Tage die „W e s e r z e i t u n g", das rechtsstehende Bremer Unternehmer- organ. recht interessante Mitteilungen über die Tiazi-Betriebs- zellenorgonisation machen. Die Bremer Nazis hatten einem Redakteur des Blattes genauere Einsicht in das Wesen ihrer Slreikbrecherorganisation gegeben. Zur Streikfrage erklärte nach den Mitteilungen der ..Weserzeitung" der Ortsgruppenbetriebswart der Bremer Nazis wörtlich:„Die NSBO. ist jederzeit in der Lage, ohne die Technische Nothilfe bei einem von marxistischer Seite entsachten politischen Streik allein mit.hilse ihrer, allen Berufsgrüppen angehörenden Mitglieder alle lebenswichtigen Betriebe Bremens aufrechtzuerhalten." Das Unternehmerblakt knüpft daran folgenden süß- sauren Kommentar:„Gegen den Willen der Leitung der NSBO. dürft« also ein ernsthafter Wirtschaftskampf über- Haupt unmöglich sein, allerdings wird der wirtschaftliche Streik im Interesse der Arbeitnehmer bejaht." Wir hoben es also bei der Nazi-Betriebsorganisation mit einer ausgesprochenen Streikbrechcrgarde zu tun. Hitlers Anhänger wollen vor ollem der Arbeiterschaft bei einem Putsch von rechts her die scharfe Waffe des Generalstreiks aus der Hand schlagen. Um die Arbeiterschaft einzulullen, versichern die Nazis, sie seien für den wirtschaftlichen Streik im Interesse der Arbeitnehmer. Wie es jedoch damit in Wirtlichkeit aussieht, erfährt man ebenfalls aus dem Bremer Unternehmerorgan. Es heißt da nämlich, daß bei Lohnkonflikten zwischen dem Unternehmer und einer Nazibelegschaft „der in der NSDAP, gepflegte Volksgemeinschaftsgedanke" dafür bürgt,„daß schikanöse Ungerechtigkeiten, wie sie das im Klassen- kämpf sich selbst verzehrende System des Marxismus kannte, fort- fallen werden. In den Betrieben, in denen Brotherr und Arbeit- nehmer auf dem Boden der Volksgemeinschaft stehen, wird der ge- werkschastliche Schutz als etwas Selbstverständliches angesehen wer- den können und zu Reibungen keinen Anlaß geben. Der Erfolg der Nationalsozialisten, ein« Bresche in die marxistisch« Front ge- schlagen zu haben, kann bei ruhiger Uebcrlegung nur begrüßt werden, sind doch unzählige Arbeit«? dem nationalen Gedanken zurück- gewonnen—." „Schikanöse Ungerechtigkeiten" des Klassenkampfes— der reaktionäre Unternehmer wird alle Forderungen auf Lohnerhöhung als„schikanöse Ungerechtigkeiten" betrachten und an den in der NSDAP, gepflegten„Volksgemelnschaftsgedanken" appellieren. Der Endeffekt der Nazi-Betriebsorganisation sst klar zu erkennen: auch bei wirtschaftlichen Streiks wird sie den Arbeitern in den Rücken fallen und sich als Streikbrecher- gard« des Unternehmertums betätigen. Die Gewerk- schafts- und Betriebspolitik der Nationalsozialisten läuft— das ist mit Händen zu greifen— auf eine Schwächung der Schlagkraft der Arbeiterschaft hinaus. An der Arbeiterschaft in den Betrieben und in den Gewerkschaften wird es liegen, mit der neuen Streikbrecher- pest des Hakenkreuzes gründlich aufzuräumen. Die Wettseuche. Eine Giaiistik des Iniernaiionalen Arbeitsamts. Genf, 18. Januar.(Eigenbericht.) •tic Zahl der Arbeitslosen in der ganzen Welt beträgt nach den letzten statistischen Angaben des Knternatio- nalen Arbeitsamtes über 23 Millionen. Da von den Vereinigten Staaten von Amerika und von Japan keinerlei Ziffern über deren Erwerbslosigkeit zu erhalten waren, können die angegebenen Zahlen nur als M i n d e st- Ziffern betrachtet werden, die weit hinter der Wirklich- feit zurückbleiben dürften. Gens, 18. Januar. Das Internationale Arbeitsamt veröffentlicht eine o e r g l e i- chende Tabelle über den Stand der Arbeitslosigkeit am Aus- gang der Jahr« 1930 und 1931. Auf Grund dieser Vergleiche kommt es zu der Feststellung, daß die Arbeitslosigkeit in der ganzen Welt im vergangenen Jahre sich weiterhin außer- ordentlich verschärft hat. Am härtesten betroffen von der Arbeitslosigkeit ist Deutschland, wo die Arbeitslosigkeit Ende 1939 von 3 977 999 auf über fünf Mit- lionen Ende 1931 gestiegen ist? die Zunahme beträgt nach den Be- rechnungen des Internationalen Arbeitsamts 3S Prozent. Die Auf- Zeichnung des Internationalen Arbeitsamts erwähnt insbesondere noch die sehr beträchtliche Zunahme der Arbeitslosigkeit in Frank- reich. Genaue Ziffer hierüber'sind allerdings nicht angegeben, da die Arbeitslosen in Frankreich nur zu einem kleinen Teil sta- tistisch erfaßt sind. Daß die Zunahme der Arbeitslosigkeit in Frank- reich aber ziemlich bedeutend sein muß, geht aus den in der Ta- belle wiedergegebenen Angaben der Arbeitsvcrmittlungsämter her- vor: diese verzeichneten Ende 1939 ungefähr 25 699 Stellengesuche, Ende 1931 dagegen 123 999, das heißt, die Zunahme betrug etwa 599 Prozent. In manchen Ländern hat sich die Zahl der Arbeitslosen ver- doppelt Die weitere Verschärfung der Krise blieb nicht auf Europa beschränkt, sondern hat sich auf die ganz Welt ausgedehnt. So be- trug zum Beispiel die Zunahme in den Vereinigten Staaten ungefähr 39 Prozent, in Australien 35 Prozent, in Kanada 89 Prozent und in Neu-Seeland sogar mehr als 199 Prozent. Keine Besserung durch Geldentwertung. In England hat die Zahl der r e g i st r i e r t e n Arbeit». losen seit der Aufhebung des Goldstandards wohl abgenommen, allein es sind noch immer 2 599 921 Personen arbeitslos. Das Tempo der Beschäftigungszunahme hat sich in den letzten Wochen deutlich verlangsamt. Zu berücksichtigen ist ferner, daß Krisen- fürsorge jetzt nur noch bei„Bedürftigkeit" gewährt wird. Die Statistik über die Arbeitslosigkeit wird jetzt nur noch in vierwöchigen Abständen statt wie bisher wöchentlich veröffentlicht,. weil die häufige Veröffentlichung der Arbeitslosigkeit der Wirtschasts- not eine— überflüssige Publizität verleihe! Ueber die Entwicklung der Beschäftigung in den verschiedenen Industriezweigen erfährt man jetzt genauere Angaben. Die stärkste Zunahme oerzeichnet die K o h l c n i n d u st r i e, wo zwischen dem 23. November und 21. Dezember 26 899 Leute eingestellt werden konnten. Im Handel wurden 12 899 eingestellt. In beiden Fällen ist die Zunahme(Kohle für den Hausbrand und Weihnachtsgeschäft) saisonbedingt gewesen. In der B a u m w o l l i n d u st r l e betrug die Zunahme 19 599. Dazu bemerkt die offizielle Ver- öffentlichung, daß die Aufrechterhaltung der verbesserten Beschäfti- gung fraglich sei. Auch in der Wollindustrie kündigt sich ein Rückschlag an. Die Finanzlage der �eichsanstalt. Die R e i ch- a n st a l t verfügt, wie aus ihren letzten Abrech- nungen hervorgeht, zur Zeit über einen Ueberschuß von rund 190 Millionen Mark. Sie braucht diesen Ueberschuß zur Deckung der im Januar, Februar und März sich ergebenden Mehraus- gaben. Im Frühjahr wird vielleicht, wenn der Ueberschuß nicht reicht, wieder die Beschaffung eines Ueberbrückungskredits notwendig. Ein solcher Kredit würde jedoch genau so wie im ver- gangenen Jahr ohne große Mühe zurückgezahlt werden. Die Reichsanstalt unterstützt ja nur noch 25 Prozent der Arbeitslosen. Nicht unmöglich ist, daß Lausanne für das Frühjahr eine E n t l a st u n g b' ingt. Schiele gegen die Landarbeiter. Ein grotesker plan des Zieichsernährungsministeriums. Die Agrarier wollen nicht nur ihre Steuern und Schulden, sondern auch die Löhne für ihre Arbeiter nicht mehr be- zahlen. Im Reichsernährungsmini st erium wird deshalb bereits der Plan erwogen, den Lohnanspruch der Landarbeiter bei Eintritt von Betriebsschwierigkeiten als nicht bevorrechtigt gelten zu lassen. Der Vorstand des Deutschen Landarbeiterverbandes hat das Reichs- ernährungsministerium mit ollem Nachdruck darauf aufmerksam gemacht, daß es sich auf einem falschen Weg befindet. Ein derartiger Plan klingt selbst für den den Agrariern immer ergebenen Reichsernährungsminister Schiele geradezu phan- tastisch. Da eine derartige Entrechtung der Landarbeiter schließlich nicht von Herrn Schiele allein gemacht werden kann, nehmen wir den Plan nicht allzu tragisch. Als ein sehr e r n st e s Symptom ist es jedoch zu bewerten. Beiriebsraiswahl bei der Mitropa. Nazis und Gelbe Ann in Arm. Vom 25. bis 29. Januar 1932 finden in Berlin bei der Mitropa die Wahlen zum Arbeiter- und An» gestelltenrat statt. Seit Jahren ist zum erstenmal wieder eine freigewerkschaftliche Liste für die Ange st eilten dadurch aufgestellt worden, daß die Schlafwagenschaffner vom Reichsarbeitsgericht als A n g e st e l l t e anerkannt worden sind. Bisher bestand der Angestelltenrat nur aus Nazi» und Gelben. Die Christen stimmten für die Nazi-Liste. Wir er- warten, daß alle denkenden Angestellten ihre Stimme geben der Liste 2: Roloff, Peisker, Göve usw.' Bei den gewerblichen Arbeitern gelang es der Nazi- zelle im vergangenen Jahre zwei Sitze zu erhalten. Die christ- liche GdE. stimmte auch hier für die Nazis. Hören wir, wie der Obmann der Nazizelle Gentsch, der seine Pg. am besten kennen muß, urteilt. In der Betriebsversammlung vom 12. November 1931 er- klärte er zur Ueberraschung aller Anwesenden u.a.: Er habe seinen Pg. und Nazi-Betriebsratskandidaten Gr. zu Gast geladen. Noch ehe dieser aber seine Gastfreundschaft in An- spruch nahm, sei er zum Polizeipräsidium gegangen und habe dort mitgeteilt, daß er, Gentsch, sich selbst angeschossen habe. Des weiteren erzählte Gentsch, daß sein Pg Nemetz, der schon früher die Gastfreundschaft von Kollegen damit belohnte, daß er mit deren Frauen Ehebruch trieb, auch seine Ehe zerstört habe. Im übrigen scheint Gentsch nicht mehr allzu großes Vertrauen zum „großen Adolf" zu haben, denn er stieß eine schwere Drohung gegen Hitler aus, für den Fall, daß dieser die Arbeiter betrügen sollte. Diesen Burschen einen Fußtritt, aber keine Stimme! Jeder Koch, Kellner, Putzer, Lagerarbeiter usw. stimmt für die Liste 1: Ruppert. Kannengietzer. Friedrich usw. Wieder ein„Sieg". In der bekannten Berliner Gummiwarenfabrtk F r o m m s A c t will die RGO.„eine erfolgreiche Aktion" durchgeführt haben. Durch eine dreistündige passive Resistenz soll angeblich die Zurück- nähme der lOprozentigen Lohnkürzung auf Grund der letzten Notverordnung, die Weiterbezahlung der bisherigen Akkorde und die Wiedereinstellpng von fünf an der passiven Resistenz beteiligten Belegschaftsmitgliedern erzwungen worden sein. An dieser Siegesmeldung ist nur das eine wahr, daß in dem Betrieb passive Resistenz geübt wurde und auch fünf„revolutionäre" Belegschaftsmitglieder, die deswegen entlassen werden sollten, wieder eingestellt worden sind. Ihre Wiedereinftellung erfolgte aber nur unter der Bedingung, die von ihnen angenommen wurde, daß sie ihxe Arbeitskraft wieder voll zur Verfügung stellen und sich bei den zuständigen Meistern wegen ihres Verhaltens entschuldigen. Die Zurücknahme des lOprozentigen Abbaus der Löhne und Akkorde ist nicht erreicht worden. Verliiier Gewerkfchastsschule. Der nächste wirtschaftspolitische Ausspracheabend findet beute. 13 vbr, im Gcwcrk'chaftkhauS. Engcluser 24— 25, Saal 5, statt. Das Tbema des Abends lautet:„Planwirtschast". Leiter des Abends ist der Genosse Dr. Otto Suhr. Zutritt hat jeder srcigewcrkfchastlich Organisierte. SPD.-Fraktiou v«m Kabelwerk ber ASS. Oberschöaewelbe. Ritt» woch, lö�t Uhr, Versammlung in der Sportklaufe, Wilhelminenhof. straße 64. Referent: Max Heqdemann.»er Arattia-aaarstand. f Zuqendqruppe de« Zentralverbandes der Angestellten i Heut«, Dienstag, finden folgende Veranstaltungen statt: Lichtenberg: Jugendheim Sunterftr. 44. Arbeitsgemeinschaft:„Di- ersten Versuch« einer Planwirtschaft in Turopa". Leiter: Racusin.— Nordwest: Jugendheim Lehrter Str. lb— lg. T-gespolitisch« Rundschau.— Der Sprech, und Bewegung«. chor übt ab 20 Uhr in der Turnhalle Baruther Str. 20.— Der Turnabend der Sportabteilung findet oon 20 bis 22 Uhr in der Turnhalle Tempelhofer Ufer 2« statt. fi„.. ,WWWWW> Heute, Dienstag, 10. Januar, IShi Uhr, tagen die«nippen:»cwerk. Ichaftsha-s: Jugendheim Sewerkschaftshaus, Su-«lnker 24—25. Lehr. lingsrechte und»pflichten.— Steglig: Jugendheim Flemmingstr. l4b. Friede! Hall auf Delle„Sachsen".— Roabit: Jugendheim Bremer Str. 69—70. Di- Schaden des Alkoholmißbrauchs.— Spandau. Wilhclmstadt: Jugendheim Sportplag, Seeburger Straße. S-schichte der deutschen Semerkschasten.— Voukow: Jugendheim.stifstnaenstr. 48, Zimmer 6. Die Frau als Kameradin.— Treptow: Jugendheim Elsenstr. 8(am Bahnhof Treptow). Bunter Abend.— tranlsurter Allee: Jugendheim Litauer Str. 18. Literarischer Abend: Der aldamus und seine Sireiche.— Laadabergcr Plag: Jugendheim Landsberger Straß« 50. Wir diskutieren über Arfikel in der S-w-rkschast-pr-sfe.— Lichte»- derg: Jugendheim Dossestr. 22. Eine Arb-it-gericht-fidung.— Reu. Lichtenberg: Jugendheim Sunterstr. 44. Das Polizeiwesen.— Oftenbe: Jugendheim Karls. Horst, Treskowallee 44 fKant.Schule). 2. Reihenoortrag: Die Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung.— Weddiag: Jugendheim Willdenowstr, 5, 2 Trp„ Zimmer 11. Vom Lächeln zum Lachen.— Schäueweid«: Jugendheim Hassel. werderstraße CMädchenschul«, im Keller). Kabarett aus Schallplatten.— Ablers» hos: Jugendheim Adl-rshos, Bismarckstr. 1. Vrettspiel.,tnrnier".— Arbeitskreis der F«J.. SAZ.. be, Jxagbaauer, und»er Arbeiterspartlei Eharlottcaburga: Heute, 14 bis IS Uhr, im Jugendheim Eharlottenbnrg, Pestalozzkstr. 40, UI, allgemeine Spiel«. Bon 16 bis 18 Uhr Radioknrsu». Verantwortlich für Politik: Vietor Schill: Wirtschaft: S. Klingelhöfer: Freie GewertschaftS'Iugenö Verlin «ewerkfchaftsbemeguna: Z. Stein«; Feuilleton: Dr. Jahn Schikowski: Lokale» und Sonstiges: Frig Karstadt: Anzeigen: Th.«locke: sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Berlaa s. m b. H.. Berlin. Druck: Bormärts-Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Sing« u. Co.. Berlin SW 68, Lindenstraße i. Hierzu 2 Beilagen. <ßi11i£e Jlehensniittel MM HIH�■■■■ iMM!li!IMäIi!!NMWMMiiiMW!Mii»iili>ii!!lMIßi!>«!!IMMIIMMMIMIi«MII>iIMhUMiIlIIII«iIlM!slI!lIWl>!!iNiMiii!i!!ilI!I!!!sI!!M W M MW Im l-l I MW II| Sc**** Vorrat, Zusendung von 5 M an. Obst, Gemüse u. leicht verderbliche Artikel werden nicht zugesandt frisches ffleSmett Mast-Ochsenfl.. Pfund 0.48 Masl-Ochsenbrust ptd. 0.60 .. Schmorfi. 0.76 Kalbskamm... p«und 0.48 Kalbsbrust"�„d 0.55 Kalbskotelett..Pfund 0.84 Schweinebauch Pfund 0.56 Schweineschulfer pw. 0.64 Kaller-Kamm">�"0.76 Bratfertiges Fett Pfund 0.50 la Berl. Bratwurst pm. 0.88 Sdiwelneköpfe Pfund 0.28 Backe pfck.0.34 Lunge 0.28 Euter Rd. 0.22 Herzen 0.36 9eflüi*1u.(HX1d Hühner...Pfund von an 0-60 Wolgahühner an 0.70 Hasen ga-tral«. PW.». an 0.80 Kanindien vön an 0.75 Blatt RQcken Keula Hirschfleisch 0.5* 0.75 0.98 Rehfleisdi 0.85 1.08 1.25 Wildschwein 0.70 0.65 0.98 Bratschollen P(d.v.an 0.10 Schellfisch.. Pfund*.» 0.1 6 Kabeljau g&V&IvS; 0.28 Rotbars 0.28 Fischfilet. Pfund von an 0.36 JCama u. Camembert vo,säad,t.i 0.20 HarzerkSseca.i.p(d..Pak. 0.28 Tlislter voll fast... Pfund 0.66 Stelnbusdier yoiifatt.pfd.0.66 HoliSnder vöiuastTr�und 0.68 Margarine 0.98 Markenbutter Pfend 1.24 Ohmt«a. Semüse Brunneräpfel.. Pfund 0.1 5 laffa*Orangen 3 Pfund 0.62 Bananen.... 3 piund 0J6 Kalif. Xpfel. 3 Pfund 0.95 Rot- u. Weiftkohl"d. 0.06 Rosenkohl—. Pfund 0.09 Blumenkohl Kopf v. an 0.20 Sctooit Vorrat, (tVurmtwoara** Hausmadier-Sü Ize pm. 0.42 Flelsdi-.Dampfwurst 0.74 Landleberwurst 0.84 Mettwurst tBr'un"Ä0.88 Feine Leberwurst i.m 0.98 Zervelat u. Salami 1.05 Speck'ad 0.70 magar 0.88 Schinkenspeck1 1.20 Gek.Schlnken|��;0.33 Roh. Sdilnken 0.42 3täucherwaron Norweg. Bücklinge 0.25 Sprotten...... Ki,idi. 0.30 Fledcheringe Pfd. v. an 0.42 Flundernr�. 0.45 BundO.1 7 Nr. 29» 49. Jahrgang *1. Beilage des Vorwärts Dienstag, 49. Januar 49.32 Und wieder die Stadtbankdirektoren Der eine aß gerne gut, der andere trank gerne einen 3tt der gestrigen Verhandlung des Sklorek- Prozesses erSrtcrke man weiter die Fälschungen, durch d'e die Sklareks ihre Lieferungen an die Stadt in der für die Kredite und stillen Zeffionen benötigten fjöfjc oortäofchlen. Leo Stlarek blieb dabei, dah die Stadlbank- dirclloren von den Rcchnnngskop'en gewußt hätten und behauptete nach wie vor, daß die Emreichung der Rechnungen an die Stadt- dank lediglich eine Formalität gewefea fei, während der Kredit in Wirklichkeit auf Grund der Verträge, der Vonitäl und des Privat- Vermögens der Sklareks gegeben worden fei. In diesem Zusammenhang kam mon auf den 20. September 1929 zu sprechen, an dem durch die Revision des Obermagi- ftratsrats�B ra n d e s die Sklarek-Fälschimgen aufgedeckt wurden und der Skandal ins Rollen kam. Leo Sklarek behauptete ebenso wie Willi, daß Stadtbankdirektor Schmitt einig« Tage vor der Re< Vision bei ihnen aewesen sei und erklärt habe, die Sklareks müßten dafür sorgen, daß Brandes von der Revision fort komm«. Bors. (zu Leo Sklarek): Haben Sie irgendwelche Schritte unternoimnen, um di« Revision zu oerhindern? Leo Sklarek: Ich habe bei einem dcutschnat'onalen Stadtrat angerufen. Bors.: Bei wem? Leo Sklarek: Soll denn noch einer hinein- gezogen werden? Oberstaatsanwalt: Wir wissen es>a schon. Leo Sklarek(achselzuckend): Ra, dann kann ich es ja sagen, es war Stadtrat Wege. L«o Sklavek kam dann wieder mit seiner ölten Erklärung, dah Obcrmagistratsrat Brandes lediglich aus poti- tischen Gründen vor der Stadtverordnetenwahl revidiert habe, und zwar auf Veranlassung von Bürgermeister Scholtz, den Leo Sklarek wieder als Intriganten bezeichnete. In großer Erregung rief er aus: Denn Vöß nicht uach Ztmerka gefahren wäre, dann wäre überhaupt nichts passiert. Stadtdankdirekwr Schmitt be- zeichnete es als eine Wahnid?« von Leo und Willi Sklarek, daß er von den Betrügereien gewußt haben solle. Er bestritt auch, Leo Sklarek von der bevorstehenden Revision durch Brandes in Kennt- nis gesetzt zu haben, gab aber zu. am 20. September bei ihnen ge- wesen zu sein, aber nur zu dem Zweck, um die Kosten für den Aus- enthalt in Waren zu bezahlen. Leo Sklarek ldazwischenrufendl: 'Auslagen bezahlt Direktor Schmitt ja überhaupt nicht. Der Bor- sitzende gab hierauf bekannt, daß nichl nur die Rechnungen, sondern auch Geschäftsbücher gefälscht wurden, so wurde im Sommer«in Kontokorrentbuch angesertigt, an dem drei bi» vier Buch- haiterinnen 1� Tage lang arbeiten mußten, ein Buch, das die„Liese- rungen" an die städtischen Krankenanstalten, Fürsorgestellen und Kinderheime irachweisen sollte, wurde innerhalb drei Tagen herge- stellt, und schließlich wurde auch ein Buch angelegt, aus dem Aus- lagen der Sklareks in Höhe von über l Million, die sie von der Stadt ersetzt haben wallten, hervorgingen. Leo Sklarek, der die Schuld wieder aus Max Sklarek abwälzte, erktärtc, daß die R e v i- sionen, die dann in diesen gefälschten Büchern vorgenommen wurden, nur sehr oberflächlich gehandhabt wurden und sich meistens auf Aaffeetrinken beschränkten. Bors.: Dann ist mir unerklärlich, warum man sich die Arbeit gemacht hat, mit großem Aufwand 14 Tag« lang Bücher zu fälschen, wenn man die Kon- trollen nicht zn furchten brauchte. Leo Sklarek: Warum das ge- macht wurde, weiß ich feilst heute noch nicht. Darüber habe ich mir lchon immer im Untersuchungsgefängnis den Kopf zerbrochen. Wenn ich etwas zu Max darüber sagen wollte, meinte er stets zu mir: Das geht dich nichts an. Geh lieber mit Hossmann einen Teller Suppe eisen.(Heiterheit.) In der Nachmittagsoerhandlung wurde erörtert, daß ein« Abstimmung der Bücher, die auf Anregung des Direktors Dr. Lehmann stattfinden sollte— Schmitt und Hoffmann erklärten allerdings, daß sie die Väter Dieses Gedankens gewesen seien—, immer wieder verschoben wurde. Zunächst sollte diese Abstimmung am 1. April 1929 statt- finden, dann wurde sie wieder bis nach den Kommunalwahlen verschoben. die im November 1929 stattfinden sollten. Zlls Begründung für diese Mahnahme erklärte Etadtbankdirektor Schmitt, die Sklareks hätten chm gegenüber daraus hingewiesen, daß verschiedene Bezirksämter über die Mittel ihrer Etats Bestellungen getätigt hätten. Man hoff« aber, daß die Wahlen wieder eine sozialdemo- tratische Mehrheit bringen würden, so daß dann Nachbewilligungen erfolgen würden. Der Vorsitzende hielt Stadtbankdirektnr Schmitt sehr energisch vor, daß diese Begründung doch nicht stichhaltig sei und daß die Stadt- verorduetenwohlev doch keinerld Einfluß auf die inlernen Vorgänge in der Bank vnd die notwendige« Prüfungen gehabt Höllen, und schloß mit den erregten Worten:„W os Sie sagen, Herr Schmitt, ist Wort für Wort konstruiert und nicht haltbar." Hossmann verteidigte sich wieder damit, daß die Sklareks mit der Auflösung ihres Kontos bei der Stadtbank gedroht hätten, weil zuviel revidiert würde und die Stadtbank zu miß- trauisch sei. Als sich Stadtbankdirektor Schmitt wieder damit ver- teidigte, von ollem nichts gewußt zu haben, sprang Leo Sklarek erregt auf und schrie ihn an: Ich wundere mich bloß, daß Ihr Swhl noch nicht wackelt, Herr Schmitt, so lügen Sie nämlich. Als ich Max nach dem Kredit fragte, sagte er einmal: Schmitt hat eine große Kiste lebender Fasanen bekommen. Die werden in Waren aufgestellt und die kann er dann abschießen.(Heiterkeit.) „Zch betone immer wieder, Schmitt wußte über alle» Bescheid. Max war doch durch Direktor Schmitt über alles informiert, und er wußte doch immer vorher, was die Stadtbank für Briefe schreiben würde, dafür kann ich Direktor Lehmann als Zeugen bringen, wenn er nicht krank wäre." Borsitzender:„Ist er denn auch krank, wie H o g e? Da scheint ja geradezu eine an- steckende Krankheit zu herrschen."(Heiterkeit.) Stadtbankdirektor Hoffmann:„Daran' daß die Sache passiert ist, ist dos Zu- jammentreffen verschiedener Umstände schuld. Mein Vertrauen zu den Sklareks, die Notlage des Kämmerers..." Vorsitzender (unterbrechend):„Bielleicht kommen auch die Zuwendungen hinzu, Herr Hoffmann?" Hoffmann:„2>as muß ick) entschieden bestreiten, es geht hier um meine Ehre, ich habe mich den Sklareks gegenüber immer tadellos benommen, und der Verkehr mit ihnen hat mich selbst viel Geld gekoster." Leo Sklarek:„Ich will Hossmann ja nicht belasten. Wenn Frau, Kinder, Schwestern und Tanten Textilwaren bekommen, so will ich nicht fragen, ob man das Zuwendungen oder Wohlleben nennen soll. Hossmano hat immer gern gut gegessen. ebenso wie Schmitt gern eine« getrunken hat. Dann kam noch zur Sprach«, daß nach der Anklag« ein Re- Visionsprotokoll abgeändert wurde, wofür Schmitt ver- antwortlich gemacht wird, der aber auch hier alles abstritt. Als R.-A. Pindor ihm vorhielt, daß die ganze Korrespondenz, die mit den Sklareks wegen dieser Angelegenheit geführt wurde, fingiert und von den Stadtbankdirektoren selbst diktiert worden sei und Stadtbantdirektor Schmitt in diesem Zusammenhange erklärte, er hätte doch nicht gewußt, dah die Sklareks Betrüger seien, kommt es wieder zu einem Zusammenstoß. Leo Sklarek schrie mit höchstem Stimmouswond: Wenn Sie noch einmal Betrüger sagen, sind Sie der Hehler! Noch weiteren Erörterungen wurde die Berhandlustg schließlich auf Donnerstag früh 9 Uhr vertagt. Zigeunerinnen zaubern! Lind die Summen werden nicht alle. Ein merkwürdiges Abenteuer Nlit Zigeunerinnen erlebte ein Kaufmann X. aus der Eisenocker Straße in Schöneberg. An seiner Wohnungstür waren zwei Zgeunerinnen erschienen. «ine alle und eine jünger«, und bettelten.'Als die Ehefrau oes Kaufmanns die Frauen abwies, bemerkte die ein« der Jigeune- rinnen, daß sie wüßte, daß„der Herr Gemahl" krank sei uns daß sie ihm Helsen könne. Die Frau des Klwsnmnns war erstaunt, denn ihr Mann war totsächlich krank und hatte schön-. wiederholt die Acrzte aufgesucht. Man ließ jetzt die beiden Zigeune rinnen eintreten. Unter vielem Lamento erreichten es die beiden Frauen, daß der Kaufmann sich bereit erklärte, zur„Bestärkung der Illusion" in einen Briefumschlag 5000 Mark in Scheinen zu je 1000 Mark zu stecken. Der Umschlag mußte ge- öffnet bleiben! Dem Kmifmann wurde nun geheißen, sich vor einen Kleiderschrank zu stellen, während die ältere der Zigc>merinn-'n den Briefumschlag in die Hönde nahm. Jetzt begann die„Heilunge Prozedur". Die alte Zigeunerin hob beide Hände empor, suchtelle mit dem Briefumschlag herum und murmelte dabei Beschwörmigs- sormeln. Schließlich warf sie mit einem kurze» Ruck den Brief- Umschlag hinter den Schrank. Dem Ehepaar wurde jetzt bedeutet, daß ez auf keinen Fall vor Ablauf von drei Tagen de» Umschlag hinter dein Schrank hervorholen dürfe. Als die beiden Zigeunerinnen verschwunden waren, stiegen dem Kaufmann doch Bedenken auf und er holte den Umschlag hervor. Und siel)« iw: Der Inhalt von 5000 Mark Izatte sich mittlerweile auf 2000 Mark verringert. Es muß der alten Zigeunerin gelungen sein, mit unglaublicher Schnelligkeit drei Tausendmarkscheine herauszunehmen, ohne dah man etwas merkte. Lteberfall aus Giadtrai Jeimann. Kommunisten gegen einen Helfer der Erwerbslosen. De? Dezernent des Wohlsahrlsamies Weißenfec, Stodlrol Genosse R e i m a n n, wurde am Rloatag mittag in der P a r k- st r a ß e in Deißensee von vier kommunistischen Burschen umringt und mißhandelt. Einer der Täler schlug Reimann ins Gesicht, so daß er stark blutende Verletzungen eriiti. Genosse Reimann war auf dem Wohlfahrtsamt vor einiger Zeit von einem kommunistischen Wohlsahrtsempfänger tat- lich beleidigt worden. Der Vorfall hatte gestern aus dem Weißen- seer Amtsgericht sein Nachspiel.. Im Zuhörerraum hatten sich zahlreiche Anhänger des eingeklagten eingefunden. Genosse Reimann verließ noch vor der Urteilsverkündung den Gerichtsjaai, da er im Amt noch wichtige Dinge zu erledigen hotte. Als der Stadtrat durch die stille Pistoriusstraße ging und in die Park- straß« einbiegen wollle, kamen zwei Burschen hinter ihm hergelaufen. Von der anderen Straßenseite tauchten sast im selben Augenblick ebenfalls zwei Burschen auf. Die Bande siel plötzlich über Rcimann her, der sich vergeblich der Uebcrmach�v zu erwehren oersuchte. Durch Schläge ins Gesicht wurde R, so- blutig geschlagen, daß er nicht mehr sehen tonnte. Glücklicherweise stellten sich später die Verletzungen an den Augen als nicht gesähr- lich heraus. Die Rowdys flüchteten und entkamen. Der sozialdemokratische Stadtrat, der wegen seiner außer- ordentlichen Arbeitskraft und seiner großen Verdienste um das Berliner Wohlfahrtswesen allgemeine Älchtung und Anerkennung genießt, ist also zum zweiten Male von ver- hetzten kommunistischen Wohlfahrtsempfängern mißhondelt worden. Nachdem der erste Ueberfall vor einigen Wochen seine Sühne ge- funden hatte, fallen unmittelbar daraus bestellte Wegelagerer zum zweiten Male über«ine» Mann her, dessen ganzes Arbeiten und, Wirken den Wohlfahrtserwcrbslosen gilt. Der Energie der Polizei wird es hoffentlich bald gelingen, die Täter festzunehmen. Gewisse Spuren sind unoerkennbar. Nach einem Tagebuchroman von Karl Hans Schober erzählt von Erich Knauf Bei Anbruch der Nacht trete ich meinen Dienst wieder an. Im Hauptmaschinenraum strömt der Dampf leise durch die Turbinen. Alles in Ordnung. Kurze Befehle, und es geht vorwärts. Die Turbinen summen. Der Schweiß rinnt uns über das Gesicht und über den nackten Oberkörper. Wir fahren zwölf, dreizehn, vier- zehn Seemeilen. Die Turbinen dröhnen unter der Gewalt des Dampfes. Und die Schraubenwelle wirbelt, als wäre sie irrsinnig geworden. Die Heizer haben es nicht leicht, zwölf Kessel zu oersorgen. Unser Körper trieft von Oel. Man kann vor Dreck kaum aus den Augen schauen. Um zwölf Uhr nachts werden wir abgelöst. Wir waschen uns und schlagen uns den Bauch voll. Eine kalte Brise weht über Bord. Wie eine hohe schwarze Wand steht die Nacht über der Adria. Ringsum nichts als Rauch und Oualm von den Kreuzern und Torpedo- booten, die unsere Flanke sichern. Nur von einigen Brücken und Berkehrsluken und Türmen schimmern abgeblendete Lichter. Der Lärm der Schiffe wird vom Brausen der See überdröhnt. Ich halte mich mit beiden Händen am Bootskran fest und wende den Magen um. Dabei muß ich aufpassen, daß ich nicht über die Recling fliege. Mein Magen verträgt das Stampfen des Schiffes nicht, und der Schädel brummt mir. Gegen sechs Uhr morgens werfen wir in einer Bocca der Insel Grofla, südöstlich von Zaro. Anker. Rechts und links erhebt sich kahles Gebirge, und die Adria liegt ruhig und geschützt dazwischen. Die Torpedoboote versehen ihren Sicherungsdienst. Sie haben keine Ruhe. Einige hundert Meter entfernt von uns liegt das Deckungsschisf verankert. Die Matrosen baden und vergnügen sich. Die Offiziere sind gemütlich, und sie wissen, warum ste auf hoher See nicht schnauzen dürfen. Es wäre nicht das erstemal, daß Offiziere über Bord geflogen sind. Bei einbrechender Dunkelheit verlassen wir die Bucht. Mit ganzer Kraft fährt die Flotte durch das Meer. Das Schiff schwankt leicht. In den Lancierräumen stehen die Wachen im triefenden Oelzeug an den Abschlußrohren. Wir fahren bei schwerem Seegang. Das Wosier in den Kesseln peitscht auf und nieder, und die Heizerschüler lohnen sich an die Speisenpumpe und brechen alles aus sich heraus. Nach vier Stunden verlasse ich den Heizplatz. Der nackte Körper strotzt vor Ruß, Oel und Dreck. Am Mittelschiff begegnet mir ein Offizier. Es stinkt noch eine ganze Welle nach Parfüm. Aber die technischen Offiziere riechen nach Schweiß und Oel wie wir. Der Morgen steigt prachtvoll aus der Glut empor. Eine Wolke zieht über uns dahin und schimmert wie ein Amethyst. Wir laufen in das ruhige Wasier des Kanals von Ealamata ein und werfen Anker unweit von Slano, nördlich von Ra- gusa. Das ist unser letzter Schlupfwinkel. Torpedoboot« jagen an uns vorbei, um sich vereinzelt zu vertäuen, da sie vom Flaggschiff Kohle fassen müssen. Auf Steuerbord stehen zwei Torpedobootzerstörer, um Rosta zu fassen. Auf hundert Meter Distanz liegen die übrigen Torpedoboote auf dem Wasser. Gasmasken werden in Empfang genommen, und kleine Gefechtsübungen bereiten den kommenden Angriff vor. Am Land stehen Leute und schauen zu uns herüber. Rauchwolken liegen über dein Kanal. Auf dem Mitteldeck und Unterdeck werden Tragbahren und Operatumslische zurechtgestellt. Die Truppen der An- griffsbatterie erhasten Äotoerbandmaterial. Aus den Munstiottskanunern werden die schweren Z<).5-Zentimetcr- Geschosse in die Geschütztürme befördert. Rettungsflöße und alle Rettungsboote werden geklärt, und das Lecktirch liegt vorn am Freideck zusammengerollt. � Am Abend läutet die kleine Kirch« von Slano freundlich zu uns herüber. Heute nacht fo� es losgehen! Die Offiziere machen auf einmal verdrießliche Gesichter. Flaggen werden gehißt und wieder gestrichen. In diesem Augenblick kommt der Admiral auf Deck. Sein Gesicht zeigt Spuren eines mühsam verhaltenen Zornes. Er tritt unter einige Offiziere. Aufregung!„Die Aktion ist leider Gottes verraten!" Das Blatt hat sich gewendet. Jetzt werdeii wir an- oegriffen. U-Boote sind gegen uns unterwegs, die feindlichen Schiffe stehen seeklar in Santa Maria di Leuca, und die französischen und italienischen Gleitboote eilen uns aus Tarent entgegen. Die italienischen Schlachtschiffe sind aus Korfu ausgelaufen. Das Karstgebirge rings um die Bucht kommt mir jetzt vor wie eine Mausefalle. Neben mir tuscheln die Matrosen: „Wenn Kraus und Koucky noch am Leben wären, dann würde man sie auch noch dieses Verrats beschuldigen." find man flüstert, daß der Verräter viel eher unter den An» gehörigen des Flaggenstabes zu suchen sei. Es kann»ur einer gewesen sein, der den Angrifssplan kannte und Zutritt zu den Radioapparaten hat. um mit Hilfe der feindlichen Ehiffrezeicheu alles zu signalisieren, was unsere Flotte zu unternehmen gedenkt. Und ich glaube, die Matrosen Haben den Nagel auf den Kopf getroffen. Wir müssen schnell zurück, sonst schießt uns die ferndliche Uebermacht zusammen. Der Admiral gibt den Befehl zum Rückzug, denn es wäre Wahnsinn, einer Uebermacht aus Großkampfschiffen die Stirn zu bieten. Wir lichten die Anker, und mit Volldampf eilt die Flotte dem Hauptkriegshafen zu. Das Schwesterschiff und sein Begleitschiff, die uns im zweiten Stapel gefolgt sind, fahren jetzt dem Flaggschiff voran. Das Schwesterschiff hat die Urlauber an Bord, die nachträglich dem Flaggschiff zugeführt werden sollten. Horst ist unter ihnen. Langsam breitet sich die Nacht über die Adria. Die Heizer sind nicht mehr imstande, soviel Dainpf zu erzeugen, wie die Angriffsturbinen zur Entfaltung der höchsten Kraft brauchen. Vom Hauptmaschinenrauin kommt der Befehl, mit Navhtha nachzuhelfen. Wie dunkle Gespenster huschen die Torpedoboote und die Zerstörer dahin. Sie schließen ihren Kreis um das Flagg- schiff immer enger, um es zu sichern. Es ist Mitternacht, gerade zur Zeit der Ablösung. Da durchschrillt das Läuten des Maschlnentelegraphen den Hauptmaschinenraum. Bon „Marimal vorwärts" schnellt der Zeiger des Telegraphen zurück auf„Hast!" Rasch schließt der Maat das Manövrier- vsntil. Die Turbinen stehen still, auch das Schiff. D'e Heizung stoppt. Der Maschinenvorstaud eilt ans Sprachrohr: „Was ist denn los? Wozu dieses Manöver?" „Das Flaggschiff wäre beinahe auf einen Felsenvorspmn.q ausgefahren!"(Fortsetzung folgt.) Rätselraten um Galaban. Ooktortitel aus Czernowih?— Kriminalpolizei untersucht weiter. Das Geheimnis um den enttarnten Falschmünzer C o r n c l l S a l a b a n tonnte troh aller Bemühungen der Kriminalpolizei noch nicht weiter gelüftet werden, da Salabon in äuherst geschickter weise »ersucht, die Nachforschungen in jeder Richtung zu erschweren. Die polizeilichen Ermittlungen lausen natürlich weiter, und zwar ins- besondere nach der Richtung, dajz man über den angeblichen Helfershelfer Salabans Zlusklärung schaffen will. Rene Momente haben sich dabei bisher nicht ergeben. Bn seinem Verhör durch den Vernehimmgsrichter in Moabit erklärte«alabon aus einmal im Gegensat; zu seiner ersten Erklärimg, daß er den Doktortitel oor dem Kriege auf der Universität Ezernowitz erworben habe. Er behauptet werter, daß er 1 7 Semester in Czernowig, Wien, Leipzig, Breslau und Güttingen Jura studiert habe. Diese Angaben werden sich sämtlich sehr schwer oder überhaupt nicht nachprüfen lassen und es bleibt mir die Möglichkeit, daß Salaban vielleicht dach noch ein Geständnis ablegt und die Führung des mutmaßlich falschen Dakwr- litels zugibt. Bisher sieht es aber nicht so aus, daß S. sich zu solchem Geständnis bcqueinen wird. Die Akten sind von Moabit dein zuständigen Lernehmungsrichter in Eharwttenburg überwiesen worden. Das Material wird wahrscheinlich schon morgen der Skaatsanwoltschaft ziigeleitet werden und die Kriminal- polizei wird von der Staatsanwaltschaft weitere Weismigen zur Fartsührung der Ermittebmgen erhalten. Bisher ist es noch nicht gelungen, den mysteriösen Freund des Dr. Salaban ausfindig zu machen. Es scheint, daß der Gesuchte doch mehr mit der Faljchmünzerangelegenheit zu tun hat, als es zuerst den Anschein hatte. Sehr interessant ist die Mitteilung, daß Salaban vor Iahren wegen eines anderen Vergehenz der Schutz des Paragraphen Sl von einem deutschen Gericht zugebilligt wurde. Wie wir erfahren, geht dos Ziel der Verteidigung offenbar wieder daraus hinaus, daß Salaban wogen geistiger Unzurechnungsfähigkeit nicht verantwortlich gemacht werden könne. Sollte die Verteidigung mit dem Antrage durchkoinmen und dis Sachverständigen die Zurechnungsfähigkeit gleichfalls verneinen, müßte die Strafverfolgung eingestellt werden und Salaban als lästiger Ausländer über die Grenze abgeschoben werden. Salaban als„Rechtsanwalt". Sine kurze Rolle in Wien, Verhaftung und Freispruch. Die abenteuerliche Geschichte des Falschmünzers S a- l o b a n erfährt durch die folgenden Darlegungen, die uns von gut unterrichteter Seite übermittelt werden, eine teilweise Klärung. Mitte November vorigen Jahres erregte es in Wien großes Aussehen, daß die beiden angesehenen Schriftsteller Karl Hütter und Dr. Noah L. Pohorilles wegen Betrugsverdocht verhostet wur- den. Die beiden annoncierten in zahlreichen, hauptsächlich rcichs- deutschen Zeitungen, daß sie Interessenten gegen Entgelt Doktor- diplome zweier ausländischer Hochschulen, der Universitc philo- technique in Brüssel und der Utri-varsit« oouvelle in Paris, verschaffen können. Das Geschäft schien ssehr einträglich' zu sein, es Meldeten sich Hunderte von Interessenten, und die beiden„Schrift- Wller" lebten in Saus und Braus. Einer dieser neugebackenen -„Doktoren" war auch Dr..K.o r n e l i u s Salaban. Der jetzt wegen Falschmünzerei Verhaftete war längere Zeit in Wie n. Bereits im Jahre 1916 war Hans Salaban in Wien als Student der Philosophie polizeilich gemeldet, übersiedelte jedoch noch im selben Jahre nach Lemberg. Dann hörte man längere Zeit nichts von ihm. Erst im Jahre 1927 tauchte er wieder in Wien auf. Diesmal unter dem Namen„Dr. W e t t e r st e i n". Es liegt die Vermutung nahe, daß er sich auf diesen Namen lautende Dokumente beschafft hatte. Er gab sich stets als Rechtsanwalt aus, bc- tätigte sich hauptsächlich als Winkeladvokat, trat aber auch mehrere Mole im Gcrichtssaal als Strafverteidiger auf und war überdies bei dem Vorsitzenden des Fünfhäuser-Bczirksgerichts sehr beliebt. Merkwürdigerweise wurde die Wiener Anwaltskammcr erst spät auf das Tretben dieses falschen Rechtsanwalts aufmerksam. Als„Dr. Wetterstein" ciucs Tages nach einem glänzend gehaltenen Plädoyer, das den Freispruch seines Klienten zur Folg« hatte, stolz erhobenen Hauptes den Gerichtssaal verlassen wollte, wurde er von zwei Gcrichtsbeamten ersucht, seine Anwaltslegitimation vor- zuweisen. Nach einigen Ausflüchten gestand schließlich der falsche Rechtsanmalt den Schwindel ein. Er wurde verhaftet und unter Anklage gestellt, jedoch als unzurechnungsfähig erklärt und freigesprochen. Salaban wandte sich von Wien nach Hamburg, wo er. wie mitgeteilt, ebenfalls mit der Kri- minalpolizei Bekanntschaft machte. Doch wieder kam ihm der hier zu Hilfe. Endlich übersiedelte er 1929 nach Berlin, wo er sich den Doktortitel zulegte und dann mit Feuereifer die Herausgabe eines Juristenw-ltadreßbiiches, ursprünglich„Europarecht" genannt, be- trieb. ,Als dieses Geschäft schließlich verebbte, warf er sich auf die viel einträglichere Falschmünzerei. Der Kingerring als Waffe. .Heimtückisch geführte Schläge verletzten Mutter und Sohn. Im Schaufenster eines Juwelierladcns in der City kann man einen Ring sehen mit einem Preisschild, auf dem zu lesen steht: Woffenring, 18 M. Ein schneller Zug an einem Scharnier und zwei haarscharfe spitze Messerchen erheben sich unheilverkündend. Also eine heimtückische, niederträchtige Waffe. Solch einen Ring hatte sich der bereits einmal wegen Körper- Verletzung vorbestrafte M. angeschafft. Es machte ihm Spaß, seinen Freunden und Bekannten damit Schrecken einzujagen. Die Wirtin des Lokals, in dem M. oerkehrte, bekam stets eine heillose Angst, wenn er scherzend mit dem spitzen Ringmesser auf sie zukam. Aus dcm Spiel wurde eines Tages fürchterlicher Ernst. M. war an» gecrunke», bekam Streit mit einem Gast. Der Sohn der Wirtin ging dazwischen, M. wurde robiot, wollte sich nicht aus dcm Lokal binousweisen lassen, geriet ins Handgemenge mit dcm jungen Menschen und versetzte ihm einen Schlag ins Gesicht! der Gc- Iroffene schrie vor Schmerz auf. Die Wirtin eilte ihrem Sohn zu Hilfe, aber schon hatte auch sie einen Schlag weg, und auch sie schrie vor Schmerz auf. Mutter und Sohn hatten in fast un- mittelbarer Nähe des Auges neben der Nase zwei tiefe Ein- schnitte mit den Ringmessern erhalten Der Bursche schlug noch von draußen die Glasscheibe ein und zerschmetterte durch Floschenwürfe einen Teil der Einrichtung. Vor Gericht erklärt« er, er habe den Ring von einem lln- bekannten gekauft. Wegen gefährlicher Körperverletzung und Sach- beschädigung erhielt er ein Jahr Gefängnis. Der Richter führte mit Recht aus, daß solch em hemNucktscher Ring gemeingesatzr-[ Die Staatsanwälte im Calmette-Prozeß Professor Altstaedt am schwersten belastet Lübeck. IS. Januar. Am heutigen Nerhandluugstagc im Lübecker Tuberkulofeprozcß begannen die Plädoyers der S t a a ls o n w ä l l e. Ober- ftaalsanwolt Dr. Linau wies darauf hin, daß er in einem Prozeß spreche, der weit über die Grenzen Lübecks hinaus das Interesse der Oeffcntlichkeit errege. „Ich möchte meine Ausführungen", so betonte Dr. Linau,„nicht beginnen, ohne dos tiefste Mitgefühl zu bekunden für die Eltern der Kinder, die durch dieses llnglück betroffen worden find. Von unverwischbarem Eindruck wird mir für mein ganzes Leben der Augenblick der Eröffnung sein, als der Berichterstatter die Namen der Kinder norlas, die gestorben find oder an ihrer Ge- sundheit Schaden genommen hoben. Der Prozeß hat bis heut« 79 060 Mark gekostet. Das führe ich an, um die Bedeutung des Schrittes zu kennzeichnen, den Dr. Altstaedt unternahm, als er ohne jede praktisch« Erfahrung, lediglich auf die Litero- tur gestützt, seinem Vorgesetzten vorschlug, das Colmette-Verfahren in Lübeck einzuführen. Der Oberstaatsanwalt kam dann auf die strafrechtliche. Seite des Prozesses zu sprechen und erinnerte daran, daß die Anklage gegen Prof. Deycke und Dr. Altstaedk auch auf fahrlässige Tötung bzw. fahrlässige Körperverletzung ans- gedehnt worden sei. Es handele sich hier nicht um das ollgemeine Berholten des An- geklagten, sondern lediglich darum, zu prüfen, ob sie sich auch straf- rechtlich schuldig gemocht hätten. Es mag sein, daß der Vorsitzende des Gesundhcitsamlcs, Senator Mehrlein, richtiger gehandelt hätte, wenn er seinerzeit beim Rcichsgcsundheitsamt nähere Erkundigungen eingezogen hätte. Man darf jedoch nicht vergessen, daß er den Tod und die Körperverletzung so vieler Kinder nie und nimmer voraus- sehen konnte, nachdem eine Autorität wie Prof. De y che ihm gesagt Hobe, daß eine Gefahr mit der. Impfung nicht verbunden sei. Dieser Prozeß ist nicht berufen,«ine Entscheidung darüber zu bringen, ob dos Colmette-Verfahren fchäd- lich oder unschädlich sein kann, sondern hier ist nur über Schuld oder Nichtschuld der' Angeklagten zu befinden. Noch einer kurzen Pause begann dann Staatsanwalt Freiherr n. Beust mit feinem Plädoyer gegen Dr.?lltsta«dt. Der Staatsanwalt wies zunächst auf die Reformbedürftig- keit der Bestimmungen der Strafprozeßordnung hin und sagte, es müsse in Zukunft möglich iein, einen Prozeß von solchem Ausmaß auf ein vernünftiges Maß zu beschränken. Die adifnn�SPD.-Beirlelisverfraucnslcnfe! Mittwoch, 20. Januar, 191- Uhr, Sophlent&le, Sophfenttr. 17-18 Foriteizung der Funttdonär-Konlcrenz aller SPD.-Betricb*' u. Gewerk«cbafitfankHon&re Tagesordnung: I.Wahl der 3 Vertreter für den erweiterten Bezirksvorstand. 2.„Die eiserne Front marschiert" Referent: Emil Barth. Ohne FnnktionSrausweis der Partei- kein Zutritt Dienstanweisung, noch der sich Dr. Altstaedt zu richten hatte, charak- terisierte der Staatsanwalt als etwas nebelhaft. Hab« er ober »06) einem unzitreichenden Gesetz gehandelt, so sei er auch o l s Täter in vollem Umfange anzusehen. Sein Vorgesetzter, Senator Mehrlein, lfabe sich auf seinen Rat verlassen müssen. Altstaedt sei aber ein Theoretiker gewesen und sei es immer noch. Bei der Ueberzetigung von der Unschädlichkeit kv-s BCG. habe sich Dr.' Altstaedt aus die Literatur und auf die Stimmen des Auslandes verlassen, sowie auf den Rat der Lübecker Merzte, die selbst keinerlei praktische Erfahrungen besaßen. Der Satatsanwalt zitierte im Verlauf seines Plädouers eine große Reihe von war- ncndcn Stimmen gegen die Anwendung des Calmette-Ver- fahrens, die schon 1929 vorlagen. Es sei eine ganz eigenartig-: Argumentation, wenn Dr. Altstaedt im Prozeß gesagt Hab«, das seien nur wenige Stimmen gewesen, die kein namhaftes Gewicht hätten. Mit Recht habe Prof. Klotz betont, ein Gegner, ob er Gewicht Habs oder nicht, sei ausschlaggebender als Hundert«, die dafür seien. Eine verhängnisvolle Rolle habe Geheimrat Dr. B i e l e f e l d t, der frühere Vorsitzends der Londesversiche- rungsanstalt der Hansestädte, gespielt. Er habe dem Angeklagten Dr. Altstaedt nicht nur den ersten Anstoß zur Einführung des Verfahrens gegeben, sonhenr sogar an Prof. Ealmette geschrieben. man beabsichtige BCG- in Lübeck obligatorisch zu verwenden. Dr. Bielefeldt sei der böse Geist Dr. Altstacdts ge- wesen. Welches seien die Motive gewesen, das Ealmette-Verfohren einzuführen?' Dr. Altstaedt. so fahrt der Staatsanwalt fort, habe daraus keine Antwort gegeben. Sollte nicht doch der Ehrgeiz entscheidend mitgesprochen haben? Man möchte das fast annehmen. Die Warnung des Reichsgesund- heitsamtcs sei dem Angeklagten bekannt gewesen. Er Hai« aber nicht die abwartende Haltung eingenommen, die man von dort her empfohlen habe. Zusammenfassend betonte der Staatsanwalt, daß folgende vier Punkte außerordentlich belastend für den Angeklagten Dr. Altstaedt seien: 1. hätten andere Sachverständige gefragt werden müssen, z. B. Professor Prauswitz, der bereits Calmelte-Jmpfungen beobachtet hatte; 2. von ausschlaggebender Bedeutung sei die Nichteinrichtung eines Speziallaboratoriums ge- wesen, dos Ealmette in seinem Buch ausdrücklich gefordert hotte; 3. die Unterlassung van Tierversuchen sei ebenfalls nicht zu verant- warten. Sie hätten schon vor Beginn der Impfung gemacht wer- den müssen. Der Angeklagte war hierfür zuständig. 4. Die Unter- iassung der klinischen Beobachtung. Es hätte in allen Fällen eine Benachrichtigung an olle Aerzte erfolgen müssen. Das Verschulden des Angeklagten ist, wenn man ihm olle unglücksetigen Opfer zur Last legt, ungeheuer schwer. Es ist ein Versagen van nie dagewesener Art. Eine hohe Strafe ist am Platze. Dr. Alt- stoedt hat menschlich furchtbar und ungeheuer unter dcm Unglück gelitten. Als Mensch steht der Angeklagte unangefochten da. Er hat in gutem Glauben gehandelt und das Beste gewollt. Die größte Tragik wird für den Angeklagten aber darin liegen, daß auch eine Strafe und deren eventuelle Lerbüßung ein Vergessen für ihn nicht bringen mird.�Sest« Rame wirö-in der Geschichte der Medizin mit dem Blut der Tm tm vzhV L.übe ck-P«lastet sein. licher sei als ein Dolch oder ein Messer. Gegen letzteren könne sich der Uebcrsallene noch wehren, der Schlag mit den Ring- messern treffe ihn ober vollkommen unerwartet Wäre die Vcr- letzung in diesem Falle nur eine Kleinigkeit höher gewesen, so hätten Mutter und Sohn ein Auge eingebüßt. Der Angeklagte nahm das Urteil an. Der merkwürdige Juwelier, der einen solchen„Schmuck" verkauft, sei ober der Aufmerksamkeit der Polizei empfohlen. Ein derartiger Ring gehört nicht in ein Juweliergeschäft, sondern in einen Wasfenloden. Zteichsgründungsfeier der Ltniverfiiai. Problem der Verflechtung von Preußen und dem Reich. In der neuen Aula der Universität fand gestern wie alljährlich eine Feier zur Erinnerung an die Reichsgründung statt. Professor Dr. Fritz Härtung hielt die Festrede über das Problem der Verflechtung des preußischen Staates und des Deutschen Reiches als eine der Fragen, die bei der Reichs- gründung nicht gelöst worden wäre». Der preußische Staat hatte damit, daß er das Deutsche Reich schuf, seine Selbständigkeit nicht ausgegeben. Bismarck hatte bewußt das feste Gefüge Preußens als eine starke Stütze des neuen Reiches benutzt. Es erhielt eine bevorzugte Stellung, nahm jedoch auch bc- sondere Verpflichtungen aus sich, mit denen eine Aufgabe von Macht und Unabhängigkeit verbunden war- Der Widerstand Altpreußens und des im Osten Preußens beheimateten Konservativismus gegen alle Bestrebungen-zur Stärkung der Einheit Deutschlands war des» halb von vornherein festgelegt. Mit vollem Bewußtsein stützte sich deshalb Bismarck in seinen Vercinheitlichungsbcstrebungcn auf die nach Einheit drängenden- Kräfte und stellte sich damit in Gegensatz zu den preußischen Reaktionären. Die Verwaltungsresvrm von 1872 war geradezu eine Wiederaufnahm e achtun d- vierziger Gedanken. Auch alle außenpolitischen Unter- nehmungen dienten immer der Stärkung des Reiches Nach Bis- marcks Entlassung, als Wilhelm II. den Anspruch erhob, die Linie der Politik zu bestimmen, setzte eine politische Ziellosigkeit ein. Nach Anlage, Erziehung und Bildung war Wilhelm unfähig dazu. In romantischen Träumen drückten sich seme politischen Gedanken aus. In diesen Jahren kamen die preußisch-parlikularistischen Gedanken auch wieder stärker zum Ausdruck. Während der Caprivi-Krise wurde offenbar, daß die Divergenz zwischen Reich und Preußen ein Schaden für dos Reich war. Auch während des Krieges hielt der ständige Kämpf zwischen den preußischen Konservativen und dem Reiche an. Her zur Eisernen Fronf! Die nächste Reichsbannerknndgebung findet heute Dienstag, 20 Uhr, in Klierns Festsälen statt Es sprechen der Berliner Gau versitzende des Reichsbanners, Reicbstngsabgeordneter Stelling, der sozialdemokratische Rcichstagsabgeordnete Künstler, de? staatsparteüidie Abgeordnete Major a. D. Hia uff und Redakteur Zimmermann(Zentrum) über das Thema„Her zur Eisernen Front!"4 Unkostenbeitrag 20 Pf, Erwerbslosen steht der Eintritt gegen Aniweis einer republikanischen Organisation frei. ober schließlich war das alte Preußen dach nur nach Herr des Landtages und kannte die Einführung von Reformen nur noch eine kurze Zeit verhindern. Die Niederlage des Reiches nach außen war gleichzeitig eine Niederlage des alten Preußen nach innen. Doch innner noch steht als eine drin- gcndc �Aufgabe die Regelung des Verhältnisses zwischen Reich und P.reußen vor uns. Aber die Reichs- reform kann nur dann gelingen, wenn sie sich nicht nur auf das Technische erstreckt, sondern wenn sie einen Ausgleich findet zwischen den historisch oewordenen Kräften und den Erfordernissen unserer Zeit.'~_ Selbstmord einer Bierzehnjährigen. Oer verhängnisvolle„blaue Brief". Als gestern in den späten Abendstunden die Frau des k«uH raonns Backhaus in ihre Wohnung Wilhelm saue 125 in Wilmersdorf heimkehrte, fand sie zu ihrem Schrecken ihre 14 Jahre alte Tochter Liselotte in der völlig mit Gas er- füllten Küche leblos auf. Die Wiederbelebungsversuche der alarmierten Feuerwehr blieben leider ohne Erfolg, wie die poli- zeilichen Ermittlungen ergeben haben, ist die vierzehnjährige aus gekränktem Ehrgefühl in den Tod gegangen. Die Eltern des Mädchens hatten gestern vormittag von der Schule einen Brief über mongelhafke Leistungen erhalten. Die vorwürfe der Mutter hat sich Liselotte B. osscnbar so zu herzeck genommen, daß sie freiwillig aus dem Leben schied. -Iii Todesopfer der Eifenbahnkaiastrophe Paris, 18. Januar.(Eigenbericht-) Die Zahl der Todesopfer der Eisenbahnkatastrophe von St. Just hat sich auf elf erhöht. Eine in bewußtlosem Zustande mit schweren Verletzungen in das Krankenhaus eingc- liefert« Frau ist am Montagmittag gestorben. Unter den Trümmern der entgleisten Wagen sind weitere Leichen nicht gefunden worden. Die Zahl der Verletzten betrögt neun. Die Ursache der Entgleisung konnte bisher noch nicht mit Sicherheit festgestellt wsrden- kurzwellen- und moderne Röhrentechnik. Der Technische Reichsausschuß des Zl r b c i t c r- R a d i o- B u n i> e s hat in Vcr- folg seiner allgemeinen Ausklärrmgsarbeit den Ingenieur K« r g e r- Hamburg zu einem Lichtbild- und Filmoorrrag über„Kurz- wellen- und moderne Röhrentechnik" für Dienstag, den 19. Januar, 19.39 Uhr, gewonnen. Der Vortrag findet im Vortragssaol- tes Parteioorftandcs, Linde nftr. 3. I!, links,- stall Außerdem läuft ein technischer Tricksilm:„Rundsunkstörungen und ibre Beseitigung." Alle lech irisch interessierten Parteigenossen sind hierzu eingeladen. Eintritt frei. Schutz vcr Ansteckung* beaonefers be/ Erkältungsgefahr. Grippe u.s.vu Jetzt zu erm&ssigtem Preise. JOSETT! HD MM I M M»D > IHRER GÜTE WEGEN BERLINS MEISTGERAUCHTE CIGARETTE 0/m.< rguC; Arbeitftgemeinschask der kindersreunde Grv�Berlin. Gemivoc im Rathcms Neukölln am Donnerstag, dem 21. Oa»' nuar, 20 Uhr. Mitte. Abt. Wilhelm Liebknecht und Hugo Hasse. Achtung!. Dir tagen von heute ab gemeinsam im Heim Waisenstr. 18 von 18 bis 20 Uhr an folgenden Tagen: Montag, gemischte Gnyvpv, Dienstags Oungfalten und Rots Falken(getrennt). Donnerstag gemischte Gruppe. Freitags Nestsalken und Rate FaÄen �getrennt). Friedrichshain. Donnerstag. I0*i Uhr, Kreiskursus für alle Helfer im Heim Tilsiter Str. 4— ä. Abt. Freiheitsdrang. Wir tagen von 18 bis 20 Uhr: Montag Iunafalten und Rote Falken(getrennt), Donnerstag Nestsalken, Freitag olle Falken. Ärcuzbera. Beginn, unserer Neiguvgsgruppen! Lnstrumentalkreis heute im Heim Urbanstr. 107. Singe» und Tanzkreis morgen ebenda. Donnerstag Nest- falkenbeweyungsspiel im Heim Belle-Alliance-Platz 1. Der Baftelkreis tagt noch nicht, da das Heim Wassertorftr. 0 nicht mehr besteht. Der neue Tagungsort und die Zeit werden noch bekanntgegeben. Neukölln. Abt. Kurt Cisner. Iungfalken und Rote Falten bringen heute, Dienstag, die blauen Faltenausweise, mit. Reinickendorf. Alle Helfer treffen sich Sonntag, 2-4. Januar, 8� Uhr, am Bahnhof Waidmannslust zur Kreishelferfahrt. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation Z. Abt. Am 17. Januar verstarb im 67. Lebensjahr unser treuer Partei- genösse Hermann Kube. Wallstr, 65. Ehre seinem Dndenlen. Die Beerdigung erfolgt am 21. Iairuar, 12 Uhr, auf dem stahtifchen Friedhos in Treptow, Neue Krugallee. Zahlreiche Beteiligung erwartet der Vorstand. 128. Abt. Am 14. Januar verstarb unier Parteigenosse und Zahlabendwirt Hermann Noack, Koiser.Friedrich.Str. 53. Ehre seinem Andenken. Einäscherung Mittwoch, 20. Januar, 18� Uhr, Krematorium'Gerichtstraße. Um rege Deteili- gung wird gebeten. M�DSoziazisiischeArbeitermgendGroß-Serlln H® 1 dB Einsendungen für diese Rubrik nur an das Iugendsekretariat Berlin SW 68, Lindenstra�e 3, vorn 1 Treppe rechts. Abteilungsleiter, reicht umgehend die 2?u?natsprogramme für Februar ein! heute, Dienstag, lS. Januar lSVi: Uhr: ArienaplaK: Elikabethiirchstr. 18. Mustkabeud. Volkslieder und Schlager.—- Ssmerkichattshausi Ädpcnicter Str. 87. Das Reueft«.— Kölluischr: Part: Waiien. straße IS. Tageepolitii.— Rosenthaler Vorftadti Tielkstr. 18. Ausspracheabend. — gentium: Waisenstr. 18. Licht ditdervortra g.— ISesundbrunneu Ii Hote». burger Str. 7 sSchule). Tagespolitik.— Vrunurnptatz: Wiesen- Ecke Pank- straße.''lo' a Lurembuig und Äarl Liebknecht.— Humboldthoin: Putbufjer Straße 3. Bunter Abend.— Norden: Lorßingstraße. Aufbau einer Leitung.—. Echillervark: Schoningstr�ll. Politischer Riiikblni 1831.— Wcddlng: Willdenom- straße z. Wir und die Mod«.— Wedding-Rorb: Turiner Ecke Seestrafte. Bub und MLdel.— Wedding sR.,F.): Willdenowstr. S. Die Geschichte der Arbeiter. bewegung.— Aruimplatz: Sonnenburger Str. A>. Was treibt der Jugendlich« in seiner Freizeit.— Balkan: Mandelitr. 2. Lustiges Allerlei.— Helmholßplaß: Kastanienallee 81. Schachabend.— Nordosten I: Danziger Str. 62. Bunter Abend.— Weißeosee: Barkstr. 36. Organisationsfragen. Kaseoheidc: Walser- tarstr. 4. Aus dem Leben unserer Sugend.— Tütnoest: Lindenstr. 4. Kenn. abend.— Reichenberger Viertel■ Reichenberger Str. 66. Kampf dem Kriege.— Schivcberg(Zi.,F.): Kauptstr. 1l>. Erlebnisse als Stift.— bchöncberg. Stamm: Hauptitr. 15. Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg.— Eharlottenburg: Ro» finenstr. 4. Wir hdren Musik.— Kharlottenbura-Rord: Kaiserin-Augufta. Allee. 87a.. Bub und Mädel.— Schar lotteuburg-Süd: Wallstr. 76. Lustiger Abend.— Sbart otten burg.Westeud: Sportplatz Bestend. Liäitbildervortrag über Italien.— Wilsersdars: Wilhelmsaue ,123. Religion und Kirche.— Steg» litz I: Albrechtstr. 47«. Lese» und Liederabend.— Rcu-Tempelchos: Wirtschafts» fragen.— Britz: Rathaus. Chausseestraße. Tagesvalitik.— Rcuköllo t: Ko» brecht. Ecke Sanderstraße. Parteiprogramm der SPD., 2. Teil.— Neukölln M: giethenstr. 58. Arbeitsgemeinschaft.— Neukölln IV: Kanner Straße. Arbeits. gemeinschaft.— Neukölln VI: Treptower Str. 95—96. Wie begegnet man- poli. tischen Gegnern.— Reutölln VII: Kars-Marr-Schule. Liederabend.— Ren- tölln VIII: Rütli-Schule, Zimmer W. Bunter Abend.— Ncukölln IX: Schierke» straße 44. Erste Pilse.— Neukölln X: Bcrastr. 29. Kitsch.— Neukölln Xl: Flug- hafenstr. 68. Geschichte der Partei.— Treptow: Elsenstr. 3. Wir lesen die ..Arbeiterjugend".— Köpenick I: Grünauer Straße. Wir lesen.— Köpenick II: Dahlwitzer Str. 15. Tagespolitik.— Korlshorst: Leseabcnd.— Lichtenberg» Nordwest: Tagcspolitk.— Hcrmsdors: Was lesen wir?— Reinickendorf Ost: Lindauer Str. 1. Karl Liebknecht und Rasa Luxemburg.— Tegel: Schöucbcrger Straße 3. Tagespolitik.— Wittenau: vauptstr. 13. Ehristliche und weltliche Erziehung.— Karow: Frundsbcrgstr. 9. Berliner Humor.— Pankow I und U: Tagespolitik.— Ricderlchöuhauscu: Lindenstr. 4i. Liederabend.— Kottbnsser Tor: Wir gehen zur Reichsdannerkundgedung bei Klirms. Mitgliedsbücher mitbringen. SSG. Schoneberg: Hauptftr. 15. 17 Uhr. Der Weg der Arbeiterklasse zur Macht. SSG. Wilmersdorf: Dilhelmsnu« 126. Di« deutsche Arbeiterklasse und die Sowjetunion. BSG. Reinickendorf: Schoneherger Str. 3. Die Emanzipation der Frou, Werbcbezirl Pankow: Wir teterligen un» an der Beranftaltung der Ar» beiterwvhlfahrt bei Lindner, Marktplatz. Vorträge, Vereine und Versammlungen # Reichsbanner..Schwarz-Rok-Gold". Geschäftsstelle: Berlin E. 14, Sebasüanstr. 37—38, Hof 2 Tr. Kreis Süden. Zur-Kundgebung am Dienstag, dem 19. llanuar, 29 Uhr, in Kliems Acftfälen, Hajenheidc 13— 15, treten all.».Orts» vereine mit Spielleuten und Fahnen um 19 Uhr an. Die technischen Leiter der Ortzvereine sind um 19 Uhr im Versammlungslokal zur Stelle. Alle sonstige!: Vcränstaltunaen der- Ortsvereine fallen aus.—' Renköllo-Brrtz. Mittwoch, 20. Januar. Vortrupp. 19% Uhr Heimabend im Jugendheim Bergstr. 29.— Pankow.(Ortsvereinj. Dienstag. 19. Januar, 186z Uhr, Antreten aller Käme. raden Barortbahndof Paniow-Schönchausen.— Tcmpclhof sOrtsverein). Dienstag, 19. Januar, 18>ft Uhr. Antreten sämtlicher Kameraden Bohnhas Tempel. Hof zur Veranstaltung bei Kliems.— Ponkow sOrtsvereinl. Mittwoch, 29. Ja» nuar, Illtj Uhr, Antreten sämtlicher Kameraden im Türkischen Zelt, Pankow, ( Breite Straße. Sturmnagel, Fingverbaud der Werktätigen, c. V.. Bezirksgruppe Olk. Sitzung Dienstag, 19. Januar. 29 Uhr, im Renaler Beroiushaus. Renaler Ecke Simon» Dach- Straße. Bortrag des Kameraden Tileezel über Verbrennungsmotoren. Freie Ardeiter.Stenograpchenoereinigong Gr.-Berli«. Antöngerknrsc in Reich?» einheltskurzschrist. Osten.Lichtenberg: Dienstag, 29 Uhr, Gemcindefchule Scharn. weberstr. 19.— Norden: Scmeindeschule, Schulstraßc 9g,. Freitag, Ig:� Uhr.— Nordosten: Gemeindeschule Sencselderstr. 6, Freitag, 29 Uhr.— Südosten: che» meindeschule Reichenberger mir. 67—79, Donnerstag, 1 9 V Uhr.— Neukölln: Karl-Marx-Schule. Kaiser. Fricdrich-Str. 299—219. Donnerstag, 18:.-' Uhr.— Südwesten: Gemeindefchule Gncifenaustr. 7, Freitag, 1911 Uhr.— Dauer der Kurse 15 Doppelstunden. Die Anmeldung ersolgt am ersten Uebunasabend in den genannten Bezirken. Weitere Auskunft, auch über Fortschrittsknrse in Verkehrs, und Debatlenschrist, erteilt Artur Theisen, Vorsitzender, Berlin, Tegel, Brunowstr. 47, I. Polizeisvortoereill Berlin e. V., Abteilung Eivheitskurzschrist. Regelmäßige Uebunasabend« jeden Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag ab IStz Uhr im Polizeischulgeböude. Hannonersche Str. 28—39. Zimmer 19. Auch für Zivile. Anfänger», Fortbildungs- und Redeschristkurse. Der nächste Ansängerlehrgang beginnt am 8. Februar. Gebühr nur 3 M. parteinachrichten Groß-Berlin Einsendungen stlr diese Rubrik sind N. fär AJi stet, an das Bezirkssekretaria» v« r l i n SD 68. Ltndenstraße 3, ��26? 3- Hof, 2 Treppen rechts, zu richten Begin« aller Veraafttiltungen 1.3�4 Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe? 2. Kr»is. Der Kursus Schröder„Der Weg zum sozialistischen Meoscheu" be.» ginnt heut«, Dienstag, 19. Januar, und findet im Lokal Hagedorn. Alt» Mvabit Ecke Jagowstroße statt. Beginn 1916 Ilhr. Aumeldnagen im Kursus» lokal. 4. Kreis. Filmmatiuee Sonntag. 14. Februar, im Elyfinw.„Der Hauptmann uon Köpenick." Karten für. 6» Pf. de» den Bezirks sllbrern. 2. Kreis. Heute, Dienstag, 19. Januar, 2V Uhr, im Biktoriogarten, Wilhelms» aue. 114, btauer Saali Sitzung des Kreisnorftandes mit den Äbteilungs» leitern und Obleuten der Kommissionen. Beginn des Kursus Dr. Mäüchen: „Sowjetraßsand und die eurovöilche Arbeiterschaft" ebenfalls heut«. Dien?» tag. 19. Januar, in der Biktoria-Luite.Schule, Einga!:g Gasteiner Straße. 19. Kreis. Dienstag, 19. Januar, sindet keine Torstandssitzung statt. 95. Abt. Karten zur Zietz.Fkier sind noch beim Genoffen Zenz, Jagerstr. 61, zu haben. 193. Abt. Dienstag, 19. Januar, von 15 bis 17 Uhr, Zusawmenknnft der er- merbsloscn Genossen und Gendssinnen bei Trompter, Lnisenstr. 1. Um 1516 Uhr Bortrag des Genossen Willi Birnbaum:„Der Alltag und seine «atirc"(mit Lichtbildern). Morgen, Mittwoch. 20. Januar: 3. Abt. Arbeitskreis junger Sozialdemokraten bei Dorlik, Sebastiansir. 58. 8. Abt. 15 llbr Fusammenkuntt der erwerbslosen Parteimitglieder bei Rückert, Steinmetzttr. 36-.„Entwicklung des Eoziatismus von der Utopie zur Wissen- lchast." Referent: Alfred Markwitz. 9. Abt. Zusammenkunft der jüngeren Parteigenossen im Kezlereck, Luitzow- straße 146. 11. Abt. Arbeitskreis junger Parteigenossen in der Bremer Str. 69—79.„Kam» wuniftrschcs Manifest." 17. Abt. 29 Uhr Zusammenkunft junger Parteimitglieder bei Klinge, Eeller. straße 14. 19. Abt. 29 Uhr Zusammenkunst junger Partennitalieber in der Schule Goten. burger Straße.„Die Banken und die Krise." Bortrag des Genossen Hauth. 23. Abt. Arbe.itsgemewschast junger Parteimitglieder bei Grunewald, Käme. runer Str. 19. 27. Abt. In der Volksspeisesselle Gleimstr. 35 Zusammenkunft junger Partei. Mitglieder.„Die außenpolitische Lage Frankreichs und Deutschlands." Re. ferent: Valtin Hartig. 28. Abt. Zablabend und Neuwahl. Gruppe 1 bei Bogen, Schwedter Straße. Gruppe II bei Meyer. Oderberger Str. 39. Referent: Genosse Otto Bach. Gruppe III in den Schwedter Fsstsälen. Echwedter Str. 23. Bortrag des Stadtrates Sürne:„Rationalsozialismus uns Gewerkschaften". Gruppe. IV bei Iäneke, Sagenauer Str. 5. Gruppe V bei Bartelt, Wörther Str. 19. Gruppe Vi bei Maaß, Prenzlauer Alle« 232. Vortrag des Genossen Dr. Franz Renmann. 42. Abt. Iahresmitaliederversammlung bei Klein, Blücherstr. 61. 43. Abt. 20 llhr bei Krüger. Grimmstr. 1, Diskusfionsabend jüngerer Partei. genossen.„Jugend und Krise." Reserentin: Dr. Maria Hirsch. 47. Abt. 29 llbr Abteilungsversammlüng im großen Saal des Eewerkschafts» Hauses. Geschäftsbericht und Neumahlen. 48. Abt. Mitgliederverlammlung im Dresdener Garten. Dresdener Str. 45. Neuwahl der Abtei lunasleitnng. Mitgliedsbuch legitimiert. 92. Abt. 29 llbr Zusammenkunft der jüngeren ParteiwAglteder im Jugend» heim Treptower Str. 95. Aussprache über:„Diktatur— Demokratie". 94. Abt. Die Bezirke 79, 93, 96 baden Zahlabend bei Kwella, Okerstr. 15. 99,:. Abt. 29 llbr Jahresmitgliederversammlung im Buschkrng. Um 19 Uhr au gleicher Stelle Funktianärsitzung. 114. Abt. 4. Gruppe Zahlabend 29 llbr bei Schuler, Wühlischstr. 36.„Dir pols. tisch« Lage." Referent: Robert Breuer. 119. Abt. Zusammenkunft der jüngeren Parteimitglieder NM 29 llhr bei EGade, Rormannenstr. 32..Leitpolitische Tagesschau." Reserent: Jockel Meier. 128./12S. Abt. Arbeitskreis junger Parteimitglieder, der Gruppenabend am 29. Januar fällt aus. Wir besuchen dafür dcn Filmabend der Arbeiter. wahlsahrt im Konzerthaus Lindiicr, Breite Straße. 132., 133. und 135. Abt. Die jüngeren Parteigenossen treffen sich um lützj llhr am Bahnhof Karow zur wichtigen Besprechung im Jugendheim Karow. 134. Abt. 29 Uhr Zusammenkunft der jüngeren Parteimitglieder. Referat und Aussprache über:„Unsere Ausgaben im politischen Kampf". Reserent: Theodor Kotzur. 137. Abt. 29 llhr bei Heese, Berliner Str. 73, Grneralvcrsammlnng. Bericht und Neuwahl sämtlicher Funktionäre. 139. Abt. Besichtigung der weltlichen Schule Pankstraße. Tresspunkt 816 llhr Straßen dahnho l! eftelle. Donnerslag, 21. Januar: 12. Kre>s. 16 llhr Zusammenkunft der erwe-bzlosen Parteimitglieder. 13. Kreis. 914..llhr Zoiammeukunft der exwerbslofen. Parteimitglieder im LyzeitM Tempelbm: Germaniastraße,—Emgang-Sötzsrraß«.„Das Repa» -- raft......----------------"■' 'onsproblem.". Referent: Mar Brinrtzer.. 24. und 24:. Abt. Im Altersheim gemeinsame Mitgiiederuersammluna. An» -schließend- nun- für-- die- 24„ Abt«Iung Rnnwahl. des Barstandes. Die zu diesem Zweck ersarderliche Versammlung der Abteilung 24: wird nach be. kanntgegeien. 93. Abt. Arbeitskreis iungcr Parteigenassen im Lokal Schumann,. Treptower Straße 99.„Probleme der Außenpolitik." Referent: Dr. Milian Schümann. III. Abt. 29 llhr bei Heimann, Waitcrsdarfcr Str. 100, wichtige Borstands» sstzüng. Freikag. 22. Januar: 73. Abt. 29 Uhr Zusammenkunft der jüngeren Parteimitglieder bei Winster, Breite Str. 25.„Erundzüge des Staats» und Berwaltungsrcchtes." Refc» rent: Karl Salzbrunn. Fraucnveranfialtungen. 14. Kreis. Donnerstag, 21. Januar, 191Z llhr, an bekannter Stelle Funktio. närinnensttzung. 19. Kreis. Donnerstag. 21. Januar. 19I.J llhr. bei Fulda, Pankow, Berliner Straße Ecke Lindenpromenade, Funltionärinnensitzung. 29. Abt. Mittwoch, 29. Januar, I9z£ llhr, bei Wende, Kolonieftr. 147, Bor. trag„Kampfjahr 1932 und die"Aufgaben der Frauen". Referent: Max Brinitzer. 52. Abt. Mittwoch. 29. Januar,. 19lft Uhr, bei Wolter,- Kaiscrin.Augusta. Allee 52, Vortrag:„Der Sozialismus in der Familie". Reserentin: Helene Michaelis. Neuwahl. 99». Abt. Heute. Dienstag, 19. Januar, treffen sich die Genossinnen pünktlich 17 llhr am Buschkrng zur Führung durch das Museum für Fraueniunde. 105. Abt. Mittwach, 29. Januar, 20 llhr, bei Schmidtbauer, Bismarckstr. 74, Vortrag:„Warum sind Millionen arbeitslos?" Reserentin: Helene Schmiy. III. Abt. Mittwoch, 29. Januar, 19:6 llhr. bci'Heimann. Waltersdorter Str. 199, Bortrag:„Religion und Sozialismus". Referent: Dr. Eberlrin. Arbeilcrbildungsschule. il. Kreis Renlölln. Heute, Dienstag, 19. Januar. 29 llhr, Jugendheim Bergjtr. 29, Beginn des Kursus Waller Auerbach:„Der Faschismus in Italien". Donnerstag. 21. Januar, 29 Uhr, Jugendheim Bergstr. 29, Beginn des Kursus Dr. Otto Manchen:.Darum sind wir arbeitslos?" Anmeldungen im Kursus» lokal. , j©cato. In der Scala ist wieder eiamol das Motray-Pallctt eingezogen. Eine unwahrscheinlich bunte Miniat'irsokomotivc mst melen kleinen Personenwagen hinter sich, bringt die tanzfreudige Truppe zu Peginn auf die Bühne. Ueherhaupt ist alles, Dekorationen, Kostüme und Tänze, wie immer bei Matray, aus Farbenwirkunq gestimmt. Katta Sterna, Moria Saloeg und Moria Koren stich die bekannten Stars. Matray selbst ertanzt sich einen Sonderersolg in einem Solotanz.— Dann bringt da? Programm zwei fobelhast« Atro° baten:(starr Bros, die nerblüssende Krastleistungen vollbringen. Wenn der Untermann aus der Erde wie eine Schlange stch windet. herumdreht, aufsteht, seinen Portner mit gestreckten Armen über sich, so ist das eine Leistung, die ihm wenige Artisten in dieser Farm nachmachen dürsten. Ebenso gut sind die 3 Bonns, okro- botisch« Musikcilclown?.' Zeder von ihnen Hot eine eigene Not«, einer sogar«inen Weltrekord im freistehenden stzaltosprmgen. Aber warum müssen ste die Frotellinis kopieren? Drei Artisten non solcher Eigenort und mit so großem Können haben das doch nicht nötig. Andre R e n a u d entwickelt eine erstaunliche Technik auf zwei Flügeln. Rolf Hansen zaubert, daß einem Hören lind Sehen vergeht, besonders das Sehen, denn wo bleiben die unwahrschein- lich großen Blumensträuße, die aus dem Nichts entstehen und ebenso schnell verschwinden. Sogar eine Vase, mit Wasser gefüllt, wird zerdrückt und verschwindet. Miß Birdie Dean klappt ihren Körper wie ein Toschenmesser- zusammen, und es bleibt ein Rätsel, nve sie ihre Gummiglieder wieder an Ort und Stelle kriegt. A i b r a l macht Musik auf Besen und anderen ungeheuerlichen Musikinstrumenten. Der Jockeyakt der Gebrüder ReinsH ist gut, verliert auf der Varietebühne ober viel an Wirkung. Slaatsbürgerlich-Politisches Seminar an der Deutschen Akademie für soziale und pädagogische Frauenarbeit in Verbindung mit dem Deutschen Staatsbürgerinnenverband und der Deutschen Hochschule für Politik. Beginn: Dienstag, den ist. Fanuar 1932, 29 Uhr (7 Doppelstunden). Es werden Probleme der deutschen Außenpolitik behandelt. Es sprechen: Privatdozent Dir. Dr. Arnold Walsers, Dr. Friß Berber, Privatdozent Dr. Hajo Halborn, Prof. Dr. Otto Hoctzsch, Dr. Theod. Grentrup. Minister o. D. Dr. Rudolf Hilserding, Ministerialrat Dr. Gertrud Bäumer.— A n- Meldungen umgehend erbeten an die Geschäftsstelle der Deutschen Frauen-Akademie, Bettin 28.30, Barbarossastr. 65. Allgemeine Wetterlage. Auch am gestrigen Montag bestand in ganz Deutschland das milde und meist trockene Wetter fort. Nur im Nordwesten des Reiches kam es zu Regenfällen, die ober nirgends erheblich waren. Die Temperaturen stiegen in Mittel- und Westdeutschland wieder vielfach über 9- Grad. Die Lustdruckgegensätze üver Mitteleuropa schwächen sich jetzt longsam ab. Sonst zeigt die bestehende Wetter- läge wenig Zlenderungstendenz. Mit Avschwisthung der Druck- gegensätze. und damit der Luftoewegung dürfte sich stellenweise im Bezirk eine niedrige Wolkendecke oder Nebel bilden. *_ Wetkeraussichken für Berlin. Statt wollig bis bedeckt, stellen- weise neblig, tagsüber mild, keine wesentlichen Niederschläge, schwache Lusrbewegung.— Für Deutschland. In Nord- und Mitteldeutsch- land meist bedeckter Himmel, im Nordwesten auch leichte Nieder- schlage: im übrigen Reiche zeitweise aufheiternd und stellenweise neblig, abgesehen von der Küste schwache Luftbewegung, überall tagsüber ziemlich mild. Qerharl Merrmann lUollar: �jOiCI/lW&Cl'iß Mit einem hystigsn, dankbaren Streicheln schiebt er das RÄd in den Verschlag: Wenn ich dich nicht gehabt hätte, gutes Pferdchsn aus Gummi und Stahl, sie hätten jegt mich— dann rast er, mit der letzten Krast des gehetzten Atems, die engen, schmuddligen Treppen hinauf. Bor der Wohnungstür bleibt er eine ganz« Weile stehen, so lange, bis er die verräterisch pfeifende Lunge zu ruhigem Cinströmenlossen und Ausflutenlossen der Luft gezwungen hat, so lang«, dost er das Loch im Stoff des oberen Aermels notdürftig glätten kann— dann klingelt er. Mutter macht auf, das zerknitterte Gesicht lächelt..,Gott sei Donk, dag du da bist, wir heben schießen gehört, dachten schon/ du wärst dabei.. „Unsinn!" beruhigt er, und schiebt sich, weil er den dunklen Fleg! aus Witt rings um das Loch im linken Aormel noch nicht beseitigen konnte, init der rechten Schulter zuerst durch die Tür. In der Stube sitzt die Schwester und blickt vom zerlesen«» Roman aus:„Na...?" Er weist sein« verschmierten Hände vor:„Erst mal waschen!" und geht in die Küche. Gott sei Dank, Mutter bleibt drin und plättet, er hat reichlich Zeit, die Werktagsfocke auszuziehen, unter Zähnezusammenbeißen das Hemd abzulösen, dos an der Wunde klebt, die Wunde zu waschen, sie fleht nicht so böse aus, merkwürdigerweise kann«r auch den Arm ganz gut bewegen, obwohl doch das Geschoß drinstecken muß— welcher verfluchte Kerl hat ihm denn das bloß angerichtet, wop ja nicht festzustellen bei dem Rummel-- na, er hat das scinige getan, einer von der Gesellschast ist weniger geworden, kann nichts schaden, müssen noch mehr dran, viel mehr...! Pfeifend zieht er den blauen Anzug an, letzten Rest aus Tagen, in denen es Arbeit gab, Arbeit im hellen, sauberen Büro, Arbeit ohne Not und Wut und ohne Leidenschaft. Ob sie ihn schnappen werden? Kaum denkbar. Er ist ja bloß vorbeigefahren auf dem Rade, hastig aerwg, die Augen all derer, die nicht miltIlen, waren auf die Gruppe gerichtet, die gegen den Zettelverteiler anstürmte, in ihr waren auch Leute mit Revolvern: wer konnte gesehen haben, daß gerade er auf den Zettelvertciler geschossen hatte, blitzschnell, schon im Wetterradeln...? Nun log der Revolver in einem Kellerloch der Nebenstraße, der Anzug mit dem durchlöchert«,, Aermcl hing im Schrank— hätte ihn freilich fast vom Rade geworsen, der Ein- schlag der Kugel, die bestimmt nicht ihm gegolten hatte, die sich bestimmt verirrt hotte: nun war es auch dunkel schon, und Mutter sparte am Licht, ihr und der Schwester würde gleichfalls nichts auf- fallen, nur eine Ausred« noch wegen des blauen Anzugs— erledigt der Fall, erledigt, und dann aus die Straße, ein harmloser Passant! „Nanu", sagt Mutter und tritt in der dunklen Stube ihrer kurzsichtigen Augen wegen dicht an ihm heran,„der gute Anzug?" „Freibillett bekommen fürs Kino!" lügt er und muß lächeln über den neidischen Blick der Schwester. Nun freilich kann er ihr gleich eine Freude machen:„Nee, essen will ich nichts, keinen Hunger!" Es fällt also aus sie, die Knochige, Magere, von der schmalen Pellkartoffelration die doppelte Portion. Mutter ißt ja sowieso fast nichts... Na, wird besser werden, Mutterken, einer ist schon weg, werden bald alle erledigt sein, dann herrschen wir, dann gfbts zu essen— er hat es gedacht, hätte es beinahe laut gesagt, ver» absckiedct sich schnell, in jäher Angst vor der eigenen Unvorsicht. Di« Straß«, die abendliche Straße mit fahlen Laternen in trüb- blauem Licht, mit hastig hintrippelnden Frauen, die noch kurz vor Lodensthlnß einkaufen wollen, mit hier und da schon herunter- rollenden Schousensterjalousicn: alles wie sonst, merkwürdig eigentlich, dabei wurde doch zwei Straßen weiter vor einer Stunde geschossen, wurde zwei Straßen weiter vor einer Stunde einer «rschoslen, der kommt nun nicht mehr nach Hairfs— merkwürdig. Uwcrcll ist es merkwürdig, niur in ihm nicht, in ihm ist es sehr leicht und selbstverständlich, auch stolz ist es in ihm: er Hot eine Tat getan, nach zwei Jahren Nichtstun, für die nicht er konnte, sondern die anderen, die Hund«: er hat der Idee gedient, furchtlos und klug gedient, hat begonnen, aus dem Wege zu räumen, was ihr ent- gegenständ, der Idee!» Schräg voraus, auf der anderen Straßenseite, steht er ein« bekannte Gestatt: den Führer der Gegenpartei im Bezirk. Wieder hebt sich seine Stimmung: nun wird es den Acrdacht nock, mehr von ihm ablenken, daß er sich überwand und feit einem Monat bei denen drüben den Spitzel gespielt hat, offiziell ihr Mitglied ist— ist ihm nicht leicht gefallen zuerst, ist ihm eigentlich widerwärtig geblieben bis zuletzt, aber da war die Idee, die groß«, heilige, der gedient werden mußte im kleinen und schäbigen... Der Führer hat ihn gesehen, kommt auf ihn zu.„Ich wollte gerade zu dir rauftominen. Host du morgen früh was vor?" Er reibt sich die Hände, dabei sühtt er nun doch eine» stechenden Druck im verwundete» Arm, soll er zu einem Arzt gehen? Unsinn, damit ihn der ans Messer liefert!„Eigentlich nicht", antwortet er zögernd. „So, das ist gut. Dann wollre ich dich bttten— sie haben uns den Paul Knittel erschossen, die infame Bande, vorhin, er hat Zettel oerteitt— na, weihen- ihnen schon heimzahlen. Du hast ihn ja nicht gekannt, war'n patenter Kerl, treu wie Gold. Morgen früh nach der Sezicrung soll er aufgebahrt werden, wir brauchen noch«inen Mann sür die erste Totenwache— willst du...?" Verflucht...! Er muß nein sagen. Das ist doch schließlich zu viel oerlangt, daß er dabei stehen soll, stundenlang, dabeistehen und aushalten und heucheln. Aber er darf nicht nein sagen, darf keinen Verdacht erregen... nun, er weiß, was er getan hat, warum er es getan hat. er wird wohl noch einstehen können sür seine Tat...„Gern", hört er sich sagen. Der ander« verabschiedet sich rasch:„Also um sieben Uhr in der Halle, mach', gut so lange, muß noch ein paar andere benach- richtigen!" Er ist weg. Paul Knittel heißt er also, hat er geheißen— nein, er hat ihn nicht gekannt. Gott sei Dank, dos ist noch das beste dabei— wieso eigentkich? Was macht da den Unterschied? Wenn er ihn gekannt hätte— wäre seine Tat darum anders, schwerer, unverantwortlicher gewesen? Nein. Aber doch, ein komisches Gefühl... Er blickt hilflos in die Richtung, in der der Führer oerschwand, sucht l>srg«b«ns die bekannte Gestalt aus dem fremden Gebimmel herauszufinden. Jetzt erst hört ex, daß Zettungsoertäufer die Nachricht von der Schießerei ausfchrsien, die Uoberfchriften sind je nach der Richtung der Zeitung gefärbt, alle find wirksam, aber welche ist wahr? Hastig geht er in eine stillere Seitenstraße: heftig mahnend schmerzt der verwundete Arm. * Sie gehen geschlossen in die Halle, acht Mann, er ist der letzte. Sie salutieren kurz vor dem noch kranzlosen Sarg, dann stellen sie sich zu beiden Seiten auf. Als auch er salutiert, ist mit einem eine Erinnerung da,«ine plötzlich«, lächerliche Erinnerung aus Schul- tagen: Siegfried ist tot, � und an ihm defilieren vorbei die Feinde und Freund«, und als Hagen herantritt, blutet die Leiche... Seins Hand zittert einen Llugcnblick lpng an der Mt�tze, dann reißt er sich zusammen: hdt Hagen gezittert? Nein, denn er stand für seine Tab die er nicht um seines Lorteils willen beging, sondern um seiws Landes willen. Und er soll zittern? Als er seinen Platz neben dem Sarge einnimmt, ist er äußerlich ganz tuhig, nur tief drin ist noch ein Nachzittcrn und ein leises Beben der Freude darüber, daß dieser Sarg geschlossen ist. Er weiß genau, daß dies ganze Empfinden kindisch ist, weibisch, ober er kann sich nicht reckst wehren.. Ein brandig süßer Geruch schwelt von den Kerzen her in den Raum: von den Kerzen, deren Flamme sinnlos dünn ist gegenüber dem.Lag, der schmal und grau durch die hohen Fenster an den Sarg trttt. Ihm wird etwas übel von dem Geruch, er sehnt sich nach dem Dust des ersten Kranzes oder noch mehr noch dem einer Zigarette: vielleicht rührt aber die Uebelkeit auch vorn fiebernden Arm her gut ist nur, daß er den lzerunterbängcn lassen kann, wie er so steht. Die ganze Nacht hindurch hat dieser Arm ihm nicht schlafen lassen, als er hierher ging, hat vor jedem Schild eines Arztes sein Fuß gestockt, aber er ist wetter gegangen, und er hat den Arm unter unsäglichen Schmerzen bewegt, als sei er gesund. Noch erscheint niemand am Sarge. Gespräche flackern unter den Wachenden auf, dürftig und verhallen wie die Kerzen. Sein Dormonn fragt ihn leise:„Haben sie schon was heraus gekriegt?" Er zuckt die Achseln. Nein, er wenigstens weiß nichts. „Drei sind verhaftet", berichtet ein anderer.„Die behaupten natürlich, sie wüßten von nichts.'Ein Radfahrer habe geschossen, der vorüberfuhr. Nasa, kennt man ja. Feige Bande!" Er fühlt sich unklar verpflichtet, die Verhafteten in Schutz zu nehmen.„Dos kann man den Leuten doch nickt verübeln. Oder würdet ihr gleich gestehen, wenn euch so was passiert?" „Nu ja..." Und dann ein dritter, ablehner.d, stolz:„Du kannst uns doch aber nicht mit denen vergleichen!" Er kann es nicht lassen, er muß fragen:„Wieso nicht?" „Na, wir wissen doch, warum wir sowas tun!" „Und die anderen etwa nicht?" „Pah..." Er erschrickt vor diesem„Pah". Er— er weiß doch, warum diese Tat getan wurde. Er, er weiß doch, daß sie nicht verachtet werden darf. Warum wissen es diese nickt? Warum erledigen sie mit einem„Pah" all die Glut, all den Mut, all den Glauben, der bei denen drüben, der bei den Seinen ist, der in ihm war? Denken die hier etwa, sie hätten das. sie hätten Glut, Mut, Glauben? Die Affen: zu ihrem Tun jagt man eben drüben:„Pah..." „Wenn ich den zu fassen kriegte", flüstert jetzt einer, und im Flüstern selbst zittert seine Stimme,„den, der den hier erschossen hat— dem würde ich's heimzahlen! Wo» hat er denn getan, der arme Kerl hier? Zettel verteilt für uns, sonst nichts..." Und was, denkt es wütend, quälend in ihm, was haben denn die von imferer Seite euch getan, alle die, auf die ihr schon ein- geschlagen habt und eingeschossen? Sie haben ihrer Idee gedieitt. sonst nichts. Wie ist das aber überhaupt, das mit Mensch und Idee? Ist es nicht recht und billig so, daß der Mensch, welcher der Idee dient, das Opfer auf sich nimmt, auch das Opfer des Lebens? Jawohl, so ist es. denn die Idee ist groß, ober der Mensch ist klein. Oh. er hat sich mit oll dem beschäftigt, er hat ja Zeit dazu gehabt. Zeit in Hülle und Füll« in den zwei Iahren, die er nun arbeitslos ist. Er hat sie gut angewandt, er hat gelesen, studiert, diskutiert—> sie sind salbst schuld, die ihn arbeitslos gemacht haben, daß er das nun so gut gegen sie verwenden kann. Sollen erst selbst mal arbeit?- los sein... „Gerade", berichtet da jemand,„gerade hatte der arm« Knittel wieder Arbeit bekommen, nun muß er weg, auf diese Art... Gemeinheit.. Verflucht! Mußte das genau jetzt gesagt werden, als Antwort auf feine Gedanken?! Der war also auch arbeitslos, von denen hier find es sicher auch welche. Wie sonderbar, daß er darüber noch nie nachgedacht hat. Was hat er sich eigentlich vorgestellt, was diese andern für welche wären, was dieser andere für einer gewesen ist? Gar nichts hat er sich vorgestellt, er muh es sich«ingestehn. Feinde sind sie gewesen, Zerstörer, Vernichter, im gütigsten Moment hat er Verirrte in ihnen gesehen: dasselbe seicht«, leere„Pah" hat er für sie gehabt, das sie für seinesgleichen haben. Das ist nun mal so, dos darf Pin mal nicht anders sein, die Idee darf keine Sentimentalität trüben, der Kampf der Ideen muß ausgetragen werden, mögen sie umsinken rechts und links und tot sein, es geht um mehr...? „Laß man", meint einer, und der Grimm schwingt in seiner Stimme in einem sonderbaren Einklang mit dem Glauben,„umsonst ist er nicht gefallen, der arme Kerl. Wir werden Zuwachs kriegen, paßt oui, viele werden helfen... denn so kann das doch nicht wetter zehn..." Sie schütteln olle langsam und gleichmäßig und wortlos die Köpfe: nein, so kann es nicht wetter zehn. Auch er hat de» Kopf geschüttelt, obwohl in ihm wieder ein Erschrecken war: sollt« der da recht haben, sollte es das sein, was er bewirkt hat: daß ihrer noch wehr werden, daß sie noch stärker werden? Egal: man wird sie eben unschädlich machen müssen, gleichgültig, wie viel, wenn man nur erst die Macht hat— denn so, so geht es eben nicht wetter, so nicht... Nun öffnet sich geräuschlos die schwere Tür nach draußen. Nun werden die ersten Kränze gebracht. Sie kommen mtt Angc- stellten einer Gärtnerei, die auch Bäumchen in Töpfen um den Sarg ausstellen. Er hat sich bisher nach dem Geruch des Laubs und der Blumen gesehnt, aber nun ist auch der fahl, schwül, süßlich, stickig. Zugleich verbreitert sich der Schmerz im Arm in die Schulter hinein, und das Fieber erhebt sich wie ein prickelnder Strom und springt heiß aus in sein- Stirn. Wie lange wird er noch so stehen können, wann ist die erst« Wacht zu Ende, was soll werden, wenn er nicht aushält...?(Schluß folgt.) Meiibui; 3)as Ulflkropkou als SrSEieher Was tut der Alpenkönig in Raimund? Märchenspiel vom Menschenfeind, wn Rappelkopf zur Erkenntnis seiner selbst zu bringen? Er zeigt ihm seine Unousstehlichieit, und zwar so über- zeugend deutlich, daß dem armen Rappelkopf anfänglich als lieber- treibung erscheint, was in Wirklichkett sein in aller Schärfe erfaßtes Wesen ist. Ein sehr menschliches Sträuben macht Rappelkopf blind gegen die Aehnlichkett, die ihm fein Doppelgänger vor Augen führt — aber konsequertt und beharrlich hämmert die Wahrheit aitf ihn ein, das Gewissen kann die Identität des Ichs mtt den demonstrierten Abscheulichketten schon bald Nicht mehr leugnen.— Und die Folge? „Dasmal ein Menschenfeind und in meinem Leben nimmer- mehr." Und:„Kinder, ich bin ein pensionierter Menschenfeind." Ebendieselbe charakterverdcutlichende ichd erzieherische Eigen- schaft wie der Geisterkönig— besitzt und übt praktisch aus: unser Mikrophon. Bon dieser richtigen Anschauung aus gehen einige richtige Befchreiber des Mikrophons so weit, daß sie behaupten, das Mikrophon mache laut und deutlich, was das bloße Ohr nicht ein- mal erkennen könne. Das ist eine Uebertreibung. Auch das unbe- waffnet« Ohr vermag— wenn es nur eben begabt dazu ist— die Eigenschaften de» Sprechers zu erkennen, die in der Vergrößerung und in der Verstärkung des clektrischen Stroms für alle Wett hörbar werden. Das Mikrophon ist ein mechanischer Psychologe, geradezu ein Roboter— das stimmt: für den Psychologen von Natur aus... besitzt es den Wert der Kontrolle. Ueberdies schärft es noch feine Aufmerksamkeit im allgemeinen. Wer einige Male Borträgen übers Mikrophon scharf zugehört Hot, wird die gesteigerte Wirkung durch den Verstärker nicht mehr empfinden: und er wird gewonnen haben, daß ihm die Stimmen des Alltags— in seiner Umgebung und überall— durchsichtig, psychologisch klar wie unter der Lupe erscheinen... soll heißen: wie aus dem Mikrophon erklingen. Seitdem das Radio zu unserem Tage gehört, ist eine bis hierher kaum gepflegte Uebung des Hörens Notwendigkeit für uns geworden. Wenn die gute Artikulation der Gebirgsvölker und die schlechtere der Seeanwohner aus ihrer Landschaft erklärt worden ist, so dürfte konsequent gefolgert werden daß die Zett des erwachenden Radios der Menschheit«in verbessertes Ohr erschaffen muh. Wir sind vor die Notwendigkett gestellt, gute Hörer zu werden, wofern wir von den Darbietungen des Rundfunks in Wirklichkeit etwas haben wollen. Bor unserem Lautsprecher finden wir uns nicht mehr als fünfsinnig, sondern als einsinnig begabte Menschen. Das Gebot, das sich hieraus ergibt, betrifft freilich zuerst die Gesetze der RuiS- funkdarbiewng selbst: aber unleugbar entwickelt sich' das Ohr zu einem Eindringling in die übrigen Sinnesgediete, vornehmlich ins optisch«. Das Ohr leritt sehen! Waren wir bisher Augenmenschen, so besteht fortab die Moglichkett, daß wir uns zumindest in gleichem Maße zu Ohrenmenschen' entwickeln. Das Mikrophon, zugleich der Mund und das Ohr der Mensch- hett. erzieht den Sprecher zu geistiger Reinlichkeit, zu' geistiger Selektion. Aus welche Stuf« der Sprecher in seiner Entwicklung gelangt ist, zeigt sich in der Sorgfalt und Umsicht, womtt er die SUuationen gestaltet, Stimmungen verdichtet. Begriffliches deutet und klärt, kurz: in seiner Diktion, seinem Stil. Sauberkett im Denken und in jeder Aeußerung, diese wichtige Forderung des Mikrophons— in Wahrheit stellt sie das Leben selbst. Aber wä!)» rend die Vernachlässigung dieser Notwendigkeit im Alltag zu einer verfluchten, unglllckbringenden Konvention geworden ist, wird sie vom Rundfunkhörer als eine Katastrophe empfunden, denn vom Mikrophon verlangt er unbedingte Eindeutigkeit, Klarheit. Wollten alle Menschen doch in jedem Augenblick unter der Verantwortung sprechen und handeln, als stünden sie vor jenem kleinen wcißgrauen Marmorblock, dem„vertrauten und immer noch unheimlichen Fremdkörper in dieser Well". Was erfordert das Mikrophon vor ollem? Die Praktiker stimmen hierin überein: die Persönlichkeit. Die Unentschiedenen. Lauen, speit es aus. Unpersonlichkett erzeugt Langeweile— ein Irrtum zu glauben, daß es nur vorm Mikrophon so wäre! Ueberall verhält sich'» so— aber wir haben uns an die heilige Langewelle aus gesellschaftlichen und anderen Rücksichten nun einmal gewöhnt. Nicht nur der Mangel an Persönlichkeit— auch jeder Sprung,'jeder Riß im Charakter des Sprechers verrät, sich unerbittlich auch deni Ohr des Laien, das am Lautsprecher horcht. Was sich aber für den Hörer als Verärgerung auswirkt(„Grämt dich«in Sprecher, schalt ihn aus!"), stellt an den Sprecher die Forderung zur strengen Selbst- kontrolle— die ihm durch die Reproduktion seiner Stimme über die Schallplatte ermöglicht ist—. Selbsterkenntnis! Ein Gewissen vor- ausgesetzt, muß die Bekanntschaft mtt dem Mikrophon ohne Pardon in die tiefste innere Verwirrung stürzen, die zur Geburt der Per- sönlichkett aus den Trümmern der Pseudopersöillichteit führen kann. Das Mikrophon, das die Forderungen im inenschlichen Umgang auf die.Höhe des Prinzips erhebt, verlangt ferner vom Spreche-, daß er klanglich angenehm sei. Da die bewußte Umstellung vom klanglich Unangenehmen zum klanglich Angenehmen— dem Mikrophon zu Liebe— auf die Dauer ihre Schwierigkeiten haben dürfte. so wird es sich empfehlen, stets klanglich angenehm— noch einfacher: Überhaupt angenehm zu sein. Das Milrophon haßt die Extreme, den sprunghaften Wechsel — es will mtttlere ruhige Linie—, den goldenen Weg zwischen laut und leise, langsam und schnell: es oerlangt Harmonie. Das Mikro- phon kann nichts schlechter vertragen als die Pose, die Gewolttheit, die innere Unwahrhaftigkeit(worunter jedoch wever das echte Pathos noch das echte Sentiment zu zählen sind): das Mikrophon verdeullicht, beleuchtet, entlarvt die Heuchler. Wenn sie es verstehen sollten, sich sür eine Zettlang als Sprecher am Ohr der Welt zu halten, so trägt die Schuld daran— nicht das Mikrophon, sondern das unsicher gewordene Urteil, die unechte Empfindung, die Mangel- haste Psychologie des betreffenden Publikums. Das Mikrophon erfordert den Menschen, den Menschen in seiner Totalttät— der den Konsonanten wie den gewichtigsten Begriff mtt gleich peinlicher Liebe spricht und gestaltet. Aber all die genannten Forderungen an unsere Persönlichkeit stellt— wie gesagt— das Leben selber in jeder Sekunde und i» jeder Phase, nur nicht mit jener gesteigerten Eindringlichkeit. Das Mikrophon mit seinem märchenhaft scharfen Ohr und seiner alles verdeutlichenden Zunge kann uns für unsere gerade Haltung im Leben ein Lehrer und Erzieher sein.. Wie England zum..perfiden Albton" wurde. Am 11 Januar waren 74 Jahre seit dem Tage vergangen, an dem Orsini in Pari» sein Bombenattentat auf den Kaiser Napoleon III. aussflhrte, der in Leglettung seiner Gemahlin nach der Oper fuhr. Das Kaiser- paar blieb unverletzt, dagegen wurden aus der umstehenden Menge durch die Bombensplitter zehn Personen getötet und Hunden. fünfzig verwundet. Orsini. der Haupturheber des Attentats, an dem eine Anzahl italienischer Flüchtlinge beteiligt waren, wurde sestoenonimcii und hingerichtet. Der Anjcklag war in England angezettelt und vorbereitet, und die zu dem Attentat benutzten Bomben waren in Birmingham hergestellt worden. Die össentiiche Meinung in Frankreich war in heller Empörung und man bc- schuldigte England, es mißbrauche sein Asylrecht, um Morbbuben einen Unterschlupf zu gewähren. In Paris war deshalb dos Wort vom„perfiden Zllbian" in aller Munde. In den Glückwunsch» adreyen, welche dii- französischen Regimenter an den Kaiser wegen seiner Errettung aus der Gefahr richteten, wurde sogar die stürmiicke Bitte laut, daß es der französischen Armee erlaubt werden möge. London, dieses„Räubernest". zu zerstören. Da, englische Parlament wcigerta sio, trotz diesen chauvinistischen Äulütgebungen. der Forde- rung nach strafferer Fassung des Asylrechts nachzukommen. Die Regierung siel, Einer der Verschwörer, der zweifellos mttschuldig war, wurde aber von-einem englischen Schwurgericht freigesprochen. Nur um Haaresbreite wurde damals ein Krieg zwischen England und Frankreich vermieden. Wohl bekomm»! Ein beliebtes Getränk der Tibeter ist«in Aissguß von Ziegeltee— in Ziegelsarm gepreßter Teestaub—, der. statt mit Run, und Zucker, mit Hammelfett gewürzt wird. Analphabckeu. Iu Südttalien beträgt die Zahl der Analphabeten etwa SS Prozent, ebensoviel in Spanien, in Portugal 80 Prozent. Nr. 29» 49. Jahrgang s!» OienStag, �9. Januar 1�32 „Eine Mahnung für andere." Wie die faschistische Oikiaiur und der Kamps gegen dieGewerkschasten in Italien zur Entthronung desprivatkapitols führten. Die Nakioualsoziallstische V-rtci Deukschlaods wird von deulfcheu Ulliemehwera sinon,iert in der Hoffnung, die Ausrichtung de« Faschismus wie in Italien werde olle Verslaat- lichungs- und Sozlaiisienmgslenden,ell in Deutschland, die man als marxistisches Menschenwerk, nicht als notwendige Entwicklung an- fieht. beseitigen. Die Nationalsozialistische Partei Deutschlands laßt sich von den Geueralfläbcn Mussolinis beraten; die deutscheu Unternehmer sehen darin eine Garantie für den Sieg des saschislischeu Systems in Deutschland. Die deutschen Unternehmer, die ihre ganze hosfnung aus die Verbindung Mussolini- Hitler sehen und ihr Millionen und Millionen opfern, stehe» vor einer grausamen Enttäuschung: die wirtschaftlichen Gesetze rc a reu stärker als die brutale Gewalipolitik der faschistischen Dckiolorku. Die gewaltigen Losten für die polizeiliche, wUlschasl- lichr und politische Aufrüstung Italiens haben die italienische privat- mirtschasi und dlo italienischen Staatssinanzon zugleich ruiniert, obwohl Italien Reparationen von Deutschland empfing, und Mussolim war gezwungen, entgegen der von ihm selbst im Slaalsgrundgcseh sTarla del Lovoro) proklamierken grundsätzlichen Freiheit der Wirl- schasl, aus weiten Gebieten die Verstaatlichung von Banken und Wirtschaft durchzuführen. Dte Ereignisse haben sich in der letzten Zeit überstürzt. Tloch am l"). Zlovembcr 1930 ließ sich das deutsche Bankkopitol im„Sank- archiv" von Biaachini. dem präsidenden der allgemeine« saschistischen Dankenvereiniguog in Zwlien versichern, daß„weder die faschistische Regierung noch autorisierte öffentliche Organe- jemals eine Tendenz der Ver- ftoailichuug gewollt haben, und daß die Anwendung der Enrndsähe der„Carla del Cavoro" eine solche Möglichkeit ausschließe. Seitdem ist, infolge der faschistischen Gewalt., Renommage- und Verschwendungspolitik und um den endgültigen Bankrott der Privatwirtschaft und damit auch de? faschistischen Systems zu verhüten. der größte Teil der italienischen Industriekonzerne, die gesamte Ueoerseeschissahrk, unter Staatskonlrolle genommen und der Einfluß des Vauktapitals aus die Industrie praktisch beseitigt worden. Sehr belrossen und bedrückt hat die„Deutsche Bergwerks- Zeitung- vor kurzer Zeit über diese Entwicklung geschrieben: „Große Teil« der italienischen privalwirtschast werden diesen weg sicher nicht als ideal ansehen. Sie werden wohl auch kaum geahnt haben, daß ihre bisherige Politik dieses Ergebnis haben mußte. Eine Mahnung für andere.- Dcr.Kampf gegen den Marxismus- hat in Italien mit dem Ruia der privaten Wirtschaft vnd dem Zwang zur Verstaatlichung geendet, wir gebe» im folgenden unserem Spezialbearbeilcr das Wort zur Charakterisierung dieser Entwicklungstendenzen. » 5n dem bald zehnjährigen Kampf Mussotmis gegen den Marxis- nms blieb zunächst der italienische Arbeiter auf dar Strecke. Sein Reallohn erreicht heute noch nicht die Hälfte des jugoslaimschen und polnischen Arbeiters. Wie die ständig gestiegenen Kontur szifjeru der gangen Jahre beweisen, ging es den Ilnternchmern trotz der niedrig gehaltene» Lohne und trotz der Streikverbote nicht besser und Keffer, sondern schlechter und schlechter. Die Last der Stenern, dte zu einem großen Teile für Rüstungsswecke. für die Unterhaltung der faschistischen Miliz und zur Subventiomerung der „nationalen Industrie" gebraucht werden, ist drückender als j emals znv or. Trotz der vielgerühmten„straffen" fafchistifchen Finanzpolitik gelang es nicht, die Staatsfinanzen in Ordnung zu hatten. Im Gegenteil: dte(erkennbare) innere Staatsschuld wuchs seit dem Jahre 1327(Jahr der Währungsstabilisierung, das wieder Ver- gleiche zuläßt) von 83 Milliarden Lire auf rund 32 Milliarden Lire am 30. November 1931. Sie ist seitdem rasch weiter gestiegen. Die Zunahme hat zum allergrößten Teile die gefährliche Form der kurzfristigen Verschuldung. Diese sogenannte schwc- bende Schuld, die vorher hauptsächlich durch die zwangsweise Umwandlung der lurzfristigcn Schatzscheine in dte Liktorenanleihe auf 1,6 Milliarden Lire(1328) herabgcdrückt worden war, ist seit- dem wieder auf die Summe von 8,6 Milliarden Lire a n g e- wachsen. Llllein im letzten Etatjahre(30. Juni 1330 bis / 30. Juni 1931) betrug die Zunahme 3,2 Milliarden Lire. Nicht Keffer sieht es um die Verfassung des Staats- schatzes aus. Hier machte das Defizit im Etatjahr l»27/28 rund l.Z Milliarden Lire aus; es ist bis zum Juni 1330 auf 5.3 Milliarden Lire gestiegen. Alle pisse Ziffern sind amtlich, sie stellen also bestimmt die niedrigsten Ziffern der italienischen Finanzkalamilätcn dar. Nicht enthalten in dieser Staifftir sind die außerordentlich hohen Verpflichtungen, dte der italienische Staat durch Be- t-iligungen und Garantien bei halbamllichen und pri- vaicn Instituten übernommen hat. Ebenso erscheine,, auch die MMardenoerluste. die gerade im letzten Ärisenjahr aus diesen Gc schäftcn entspringen mußten, nicht in der Staatsbüanz. Der katastrophale Zustand der italienischen Finanzen läßt ts begreiflich erscheinen, daß man den vssensichllichcn Mißerfolg der faschistischen Finanzpolitik s o gut es geht verschleiert. Trox, dem lüft-t sich von Zell zu Zell das Dunkel, dos über diesem Zweig diktatorischer Regierungskunst ausgebreitet liegt, und was da bloßgelegt wird, ist ein mehr als morscher finanzieller Unterbau des Gemaltregimes, dos entgegen seinem stolz verkündeten Grund- sotz: Gesund« Wirtschaft in einem gesunden Staate, die Wirtschaft mehr und mehr zerrüttet hat. Heute muß zur Erklärung dieser Mißerfolge hie ollgemme Weltwirtschaftskrise herhallen, der sich auch Italien nicht habe ent- ziehen können. Aber die italienische Wirtschaft lebt schon feit 1 922— im Gegensatz zu den meisten Ländern der Welt und abgesehen von einer schwachen Inflation? konjunktur— ununterbrochen in dauernder Depression. 1927 28 war ein Höhepunkt der Weltwirtschaststonjunktur. Auch da blieb die italienische Wirtschast leistungsunfähig, es ging ihr schlecht, der Staat war allenthalben zu Stützungen gezwungen. Die Entwicklung verlief cinsach zwangsläufig: die Einflußnahme auf die Rüstungs- ynd Schiffahrt�' >. n d u st r i c erfolgte noch aus freiem Entschluß im Interesse der saschistischen Machtpolitik. Die Mittel aber, dte man mit Htkfe der Steuerschraube den übrigen Gliedern des Wirtschaftskörpers entzog, um die„nationale" Verteidigungsindustrie" hochzupäppeln, I bewirkten nur eine Ueberentwicklung dieser Industriezweige, be- j sonders der unrentablen Schrffahrtsindustne auf Kosten einer fortschreite»den Unterernährung der übrigen In- d u st r i e n. Bald sah sich der Staat auch hier zu offenen und vor- hüllten Subventionen gezwungen, bis endlich mit dem Zusammenbruch des ilalieuifchen Bankensystems. das in weitestem Maße den Staalszielen dienstbar gemocht war, der Staat die von den Banken beherrschte Wirtschaft zur Verhinde- rung des offenen Einsturzes des ganzen Wirtschaftssystems in seine Hand nehmen und entgegen allen Verfassung sgrundlagen zum Staatskapitalismus übergehen mußte. Die italienischen Banken, die unter Ermunterung durch die Regierung Wussolims eine überschnelle Expansion bevor- zugter Industriezweige kurzfristig mit dem Geld« ihrer Einleger finanziert hatten, erlitten in, ver- gangenen Jahre durch eine Kette von Riesenzusammenbrüchen in der Industrie schwere Verluste. Schon in, Februar vorigen Jahres geriet die zweitgrößte Bank Italiens, der„Credit» I t a l i a n o" in ernste Schwierigkeiten, die ober durch staatlichen Eingriff und durch die Gründung eines besonderen Finanzinstituts zur Aufnahme der faulen Schulden, nämlich der„Societa Finqnciaria Jtaliano", uoch geschickt vertuscht wurden. Immerhin hallen damals die Kontoinhaber soweit Lunte gerochen, daß sie in weniger als einem Monat über 303 Millionen Lire ihrer Guthaben zurückzogen. Es ist nie möglich gewesen zu erfahren, wie viele Hunderte von Millionen der Staat zur Stützung dieser Bank in bar und in Garantien aufgebracht hat. Im November vorixen Jahres brachten einige Riesenbankrolle der italienischen Industrie(u. a. Jtalgas-Gruppe Turin mit fast einer halben Milliarde Lire, Gualino-Gruppe mit fast einer Mil- liarde Lire) die größte italienische Aktienbank, die„B a n c a Com- merciale", in vernichtende Schwierigkeiten. Die Folgen wären von der italienischen Industrie, die fast vollständig von den Krediten dieses Instituts abhängig ist, schwer überstanden worden. Um den allgemeinen Wirtschoftszusammenvruch aufzuhalten, mußte der Staat unter Einsatz ungewöhnlich hoher Mittel einspringen. Durch die Bermilllung eines halbstaatlichen Institutes, des„Jnstituto di Liquidazione", wurden zunächst 1200 Millionen Lire zur Verfügung gestellt. Der Betrag reichte jedoch nicht aus, uin die Bank einiger- maßen wieder floll zu machen. Schätzte man doch allein die Summe des unverkäuflichen industriellen Aktienbesitzes der„Banca Com- merciale" auf über 4 Milliarden Lire. Notgedrungen mußte sich der Staat dann dazu entschließen, den Englands Knienbilanz. Stärkste Llmsahschrvmpfvng im britischen Außenhandel. Im Jahre der Pfmideniwertung ergibt, wie wir bereits kurz berichteten, die englische Handelsbilanz für 1931 eine Passivität(Einfuhrüberschuß) von�rund 409 gegen 389 Millionen Pfund im Vorjahr und 382 Millionen Pfund im Jahre 1329. Wie un- günstig sich Englands Außenhandel im Jahre 1331 ent- wickell hat, geht daraus hervor, daß die Ausfuhr gegen 1330 um rund 32 Proz. und gegen 1929 sogar um 48 Proz. gesunken» ist, während die Einfuhr gegenüber dem Vorfahr nur um 17,3 Proz. und gegen 1323 nur um 29 Proz. zurückging. Der konjunktur- empfindlichste Export Englands, die Ausfuhr von Fertigfabrikaten, ist trotz ihrer starken Verringerung bis 1929 in den letzten beiden Jahren noch weiter um die Hälfte gesunken. Speziell be, dem englischen Export spielen aber auch beben den rein Wirtschaft- lichen Ursachen politische Momente, wie der Warenboykoll in Bri- tisch-Jndien, mit hinein. Wie stark sich dieser Boykott auswirkt, geht aus der weiteren Halbierung der britischen Baumwollwarenausfuhr nach Brillsch-Jndien im letzten Jahr hervor, während der gesamte Export an diesen Fabrikaten nur um 35 Proz. zurückging. Bei einem Exporiktefskand von 56 Millionen Pfund Sterling ist die Ausfuhr von Baumwollfobrikatea, von der mehrere hunderttausend im englischen Banmwollzenteum Loncashire leben, gegen 1929 um reichlich 60 Proz. zusammengeschrumpft. Schlimm steht es auch um die Aussuhr der Eisen- vnd Stahlindustrie, die aus 30 Millionen Pfund, d. i. um etwa 42 Proz., gefollev ist. Die Erwartungen, die man in England an die Entwertung des Pfundes geknüpft hat, haben sich bis zum Jahresende weder auf der Erport- noch Jmportseite erfüllt. Daß die englisch« Ein» fuhr sich in der Folgezell im englischen Sinne günstig entwickeln, d. h. zurückgehen wird, liegt auf der Hand. Die Gründe hierzu sind aber nicht so sehr in der Entwertung des Pfundes, als vielmehr in der rigorosen Schutzzollpolitik sell dem November zu suchen Eine Entlastung der Handelsbilanz von der Einfuhrselle ist jedoch nur eine künstliche, während die natürliche Ent- lastung durch eine Steigerung des Exports auch im lausenden Jahr für England kaum zu prophezeien ist. Wie sich das Pfund entwickeln wird, weiß kein Mensch; aber so viel ist sicher, daß dte Exportprämie bei der Pfundentwertung, wenn überhaupt, am stärksten in den ersten Monaten in Ers6)Slnung treten mußte. Dos Nachrücken der Kosten und Preise in England N!uß ganz zwangsläufig bei Anhalten des gegenwärtigen Wähnmgs- zustande? die Exportprämie aufzehren Im Laufe dieses Jahres noch wird es sich zeigen, ob die Abkehr von der Goldwährung in der Tat wirtschaftliche Borteile für England schaffen konnte oder ob die Situation in England dadurch nicht noch zu einer schweren Sonderkdse gedrängt wird. Oie Reichsbank am Januar. Starke Kredttenttafivng- Vorläofiq noch Devisenverluste. Der Wochenausweis der Reichsbank zum 15. Januar zeigt für die zweite Januarwoche weitere starke Kredllrückzahlungen an die Reichsbank. Die Wechselbe stände sind um 266,5 auf 3587,6 Mill. zurückgegangen. Wie gewöhnlich zur Monatsmille haben die Lombarddarlehen— wenn auch wenig— zugenommen: sie sind um 9,5 auf 108,5 Mill. Mark gestiegen. Aus dem Konto der I gesamten Besitz der„Banca Commerciale" an Industrieaktien durch j ein eigens zu diesem Zweck gegründetes halbstaatliches Kreditinstitut, das„E o n s o n z i o Financiario I n d u st r i a l e", zu über- nehmen. Dieies Institut wurde mit einem Anfangskapital von einer halben Milliarde Lire ausgestattet. Geldgeber ist in erster Linie miederuin der Staat, und zwar durch halbamtliche Institute. 253 Millionen Lire mußten zunächst einmal von der„Depositen- und Darlehnskasse" gezeichnet werden. Diese Kasse aber lebt von den Postsparkassen, lctzken Endes also von den Spargcldern der kleinen Leute. So ergibt sich der Zustand, daß die Spargroschen der kleinen Ein- leaer dazu verwendet werden, um Jndustneunteruehmungen zu sanieren und zu finanzieren— entgegen der gesetzlichen Vorschrift. dte als Hauptzweck der„Deposiien- und Darlehnskasse" festgelegt halle, daß ihre Einlagen für Gemeinden und politische Anleihen, fernab von jeder Spekulation, zu verwenden seien. Das neue Kredllinstitut ist der direkten Kontrolle des Finanzministeriums unterstellt; das Industriekapital untersteht der direkten Abhängigkeit vom Staat, zumal keine andere Bank von Bedeutung künftig mehr Industrien finanzieren kann. » Das Schicksal des Privabkapilals in Italien hat sich erfüllt, obwohl die Gewertschafteu zer- st Sri. die Arbellerschafl verelendet und ver- knechtet wurde. Italien war durch keine„Schmach von Versailles an seiner Entwicklung gehindert und hatte keine Tribute zu zahlen.- Italien» Wirlschast wurde nicht durch dte Kündigung und Rückzahlung von Milliarden kurzsrisllger Kredite aus- -xeblntet wie Deutschland wahrend der Wirtschastckrlse. Und Italiens Stoalskapitalismus ist nicht Ausdruck einer natürlichen und organischen Entwicklung derart, daß im kapilalistischen System notwendig einmal der Tag kommt, wo dte Gesellschaft die Geschicke der Wirtschaft in die Hand nehmen muß, weil die wirlschaftiichen Größenauvmahe und die wirtschaftliche Verantwortung von einzelnen Vermögensbesiyern nicht mehr gelragen werden können— sondern dte einfache Folge des diklalorischen Prinzips, das immer teurer sein muß. als dos der Freiheil und Selbslregterung der Völker. Und schließlich: Zu dieser Entwicklung ist es gegen den Willen der Regiereuden und gegen alle Garantien der faschistischen Verfassung gekommen, aus die das ilalien'.sche Privat- kapital sich in seinem Kampf gegen dte Arbellerschafl verlassen halte. Wahrlich, die„Deutsche Bergwerks- Zeitung- hat recht:„Eine Mahnung für ander e." zmsfreien Girogelder erfolgte eine Rückzahlung von 32,9 Will. Mark. Der Notenumlauf hat sich weller verringert, und zwar um 194,3 auf 4381,6 Mill. Mark. Zins- und Tllgungsfälligkeiten für ausländische Schulden haben wieder zusätzliche Devisen gekostet. Zu ihrer Abdeckung hat dte Reichsbank für 12,8 Mill. Mark Gold verkauft, so daß sich die Goldbestände auf 966,2 Mill. Mark verringerten. Die Bestände an Deckungsdxoisen sind um 7,4 auf 154,8 Mill. zurückgegangen. Die Deckung der Noten durch Gold und Devisen hat sich trotzdem noch auf 25,6 gegen 24,9 Proz. in der Vorwoche verbessert. Vetriebsabbau bei Bergmann. Oöram und pintsch übernehmen Glühlampenfabrik. Die B e r g m a n n-E l e k t r i z i t ä t s w e r k e A.- G.. bei der man für das Geschäftsjahr 1331 größere Verluste erwartet, haben jetzt ihre Gliihlainpenfabrik gemeinsam an Osram und Pintsch verkauft.' Wie die Verwaltung hierzu mllteitt, soll das Bergmann-Werk in den Glühlainpenbeteieben van Osram und Pintsch aufgehen, wobei im Jntereffe der Bergmann-Belegschaft festgesetzt ist, daß bei etwaigen Entlassungen infolge der Berschmclzung der Abbau nut zu gleichen Teilen bei den drei Werken erfolgen darf. Als Entgell für dos Glühlampenwerk erhält Bergmann eine Be- teiligung bei Osram und außerdem einen größeren Barbetrag, der die angespannten Finanzverhältniffe bei Bergmann wesentlich verbessern wird. Die Höhe dieses Betrages ist noch nicht betanm, jedoch dürste er einige Millionen Mark erreichen. Die Ver- triebsorganisation von Glühlampen wird Berginoim auf- rechterhalten und hat hierfür ein Sonderabkommen mit Osram und Pintsch getroffen. Das Dunkel um die Gchultheiß-Bilanz. Die Schulden bei der Kinanzabteilung Nordhefe. Bei der Bereinigung der Schultheiß-Bilanz, deren Veröffentlichung sich übermäßig lange hinauszieht, machen die Schulden der Finanz ab tailung der Norddeutschen 5iefe- i n d u st r i e besondere Schwierigkeiten. Diese Finanzabtellung. dte zu den Ostwerken gehört, bildete die Finanzzentrale dieses Konzerns. In dem Bericht der Prüfungskommission hieß es nun, daß die Ostwerke für dte Verpflichtungen der Finauzabteilnng Nardhese d i- Haftung übernommen hätten. Die Oeffentlichkell erfuhr auf diesem Wege überhaupt erst etwas von der Existenz dieser bisher im Dunkeln gehaltenen Finanzabte, lung. Die Bürgschaftsvsrpslichtungen der Qstwerke für dte Finanzabtellung Nordhese werde» auf etwa 30 Millwnen Mark beziffert, für dte so- wohl jeder Hinweis in» dem bekannten Börsenprospekt wie auch tn der Lstwcrke- B i l a n z fehlte. Hierdurck) wurde, wie schon in dem Falle„Nutria", das Bild von der Finanzlage des Ostwerke-Konzerns gefälscht. Da bei der Verschmelzung der Ostwerle mit Schultheiß diese Finanzabtellung Nordhese gleichfalls w den Besitz von Schultheiß gekommen ist, so müssen die Verpslich- tungen dieser Finanzabteilung natürlich die Bilanz entsprechend betasten. Rauhe Winterlteft schadet der Haut nicht, wenn Sie zur Pflege die herrücke Creme Leodor nehmen, ein vorzügliches Mittel gegen Rote der Haut. Rote Packung settftn- blaue Packung fetthalrig. Unter-Vorlliegzpr.iiz. Obst uund.. Uemuee Bostop-Reineften..2 m 0,35 Apfelsinen............. 3 Pfd. 0,46 Jaffa- Apfelsinen....3 pm'0,62 Mandarinen........... 2 Pfd. 0,32 Rosenkohl............... pfd 0,09 Märkische Rübchen.. pta 0,05 Grünkohl............... Pfd 0,03 Blumenkohl........Kopf vou 0,20 waren Sülzwurst.............. J'fd 0,65 Dampfwurst............ Pfd 0,70 Hausm.-Leberwurst..Ffd 0,74 Mettwurst n. Brecbw.Art,Pfd 0,66 ff. Leberwurst.......... P d 0,96 Schinkenspeck....... m 1,20 Wiener Würstchen.. ptd 0,88 Wild und Geflügel Pufen................. Pfd Ton 0,78 rKMivrti................. riCLVOai. Wolgahühner...... pfd-ron 0,70 Suppenhühner..... pm, tod 0,66 Hasen gestr. n. ausgÄT., Pfd.Ton 0,80 Kaninchen gestr. PidT.0,75 Rohblätter.......... Pfd tob 0,66 mmm ' MH4444HJ CfatASr'| Preis» mir Dienstag u. Mittwoch.- Meng�nabgabe vorbehalten.— Verkauf soweit Vorrat.— Fleisch u. leichtverderbliche Waren sind vom Versand ausgeschlossen.— Die Zusendung von Lebensmitteln erfolgt bei Desteflung von 3,00 Mark an. Frisches Fleisch Schweinebauch 0. Big., Pfd 0,38 Schweineschink. m. d°i°. Pfd. 0,68 Schweinekamm«. Big., Pfd 0,78 Schweinekotelett ptdron 0,80 Eisbein mit Spitzbein, gep., Pfd. 0,58 Kassler miw.......... Pfd von 0,78 Rückenfett bratfertig... Pfd. 0,50 Hammelvorderfl. pm. von 0,64 Suppenfleisch..... Pfd von 0,48 Schmarfteischo.Knoeta ,Pfdv 0,76 Kalbskamm o. Big., Pfd von 0,48 Bratwurst Herl. Art....... Pfd. 0,78 Schweineleber........ pm. 0,78 Rinderleber........... Pfd 0,78 Hammelvorderfleisch_.. gefrorea................ Ptd. von See- und Flussflsche •Frische Plötzen..pm.O, 09 •Grüne Heringe 3PidO,38 •Schellfisch mit Kopf, ptd 0,24 •Kabel jaugr.,ox,i.g�FidO, 28 •Rotbars.............. fm.0,28 •Kabeljaufilet..... pm. 0,44 •Austernfiseh..... Pfd0,46 •Schollen............ pfd0,10 'Zander gedore», I. g� Pfd 0,3S •�OChS gefroren. I. ganz., Pfd 0,35 •Leb. Karpfen....Pfd 0,75 •Salzheringe.iosaebO,4S *ln aHein Hdvtere awter Aedrcotörosse Raucherwaren Bücklinge............ pm. von 0,25 Sprotten geraiichert..Fld von 0,26 Schellfisch geräacbert....Pfd 0,46 Seelachs geräuchert..... Pfd 0,46 Heringe norweg,LTomat.,Dos. 0,58 Flundern gerincbert..2 Ennd 0,35 Bratheringe.... i-Liter-Doae 0,56 Bratheringe...»n,{ im IHntbcufe■3ctUti-3icufiäDn gegen sofortige Bnrznhlnng statt. Der etwa vetbteidenbe Derfaufeiiberfchnß kann vorn t«. Februar IilS2 ad gegen Rückgabe des Psanblcheines w dmnwng � fAf IHfl. TNE A'TED z,,™ genommen werden. Die binnen Jahres. 1 llL.fl I LN» /<<"» trist nickst abgehobenen Beträge werben beni Wohltahnsarnt überwiesen. Berlin-Neitiolln. den 12. Januar 1932. siMtuui« leuaim in Ffriin-Heiik«nö. Lothringer Strohe 37. iiiuniniiiiiiiiiuiniiiiittiniiiiiiiuiiiiiiiiiiiiifinfiMtMii aiee, Liclilspiele usw. j Irh"» � Hjjj% Staats m Theater DIensMg, den 19. Janoor staatsosier unter den Linden A> Uhr Boheme SlutliduusDislhius Ocndinsnodl. Uhr Neu einsfudiert Otheüo Schiller-Theater OarlottiilMr� 20 Uhr »le göttliche Jette Nur noch wenigeAuffUhrungen Was man ans Hebe tut Dazu die Gesangs- und Tanz- Operette Das Srheidnng«- Souper und dar duale Varlelck-TelL Gutschein 1-4 Personen: Parkett 50 Pf.. Fauieuil 1.— Mark. Sessel 1-50 Mark. DAS NEUE M ATR AY- BALLETT i. weitere ItlrürtlMie« TUgl. ai'j Uhr: 80 Pf. bis 4.- M Tfigl. S Uhr: 40 Pf, bis 3- M Tlglich S u, 8. IS Uhr 1 Sonntag» 2, 5 8.1 5 U. DioToni aus Wien Theater des Westens Täglich SV» Uhr Karl Jökcxi in Der Vogelbändler herg. Slezak Lotie Carola Preise von 50 Pf. an Rletropoi-ineaicr Täglich 8V» Uhr Ein Lied der Liebe Rieh. Tauber Ann! Ablers fsmrkiiifiuunterbrodun TÜeatfir im AdmiraiSDaiasi Täglich SV* Uhr Gitta ßipar in Die Dubarry Preise v. 0.50 M an SiZlUoner Cbarlotienburg Bismarckstrabe 34 Diensug, 19. Januar Turnus II Anfang 20 Uhr Don Pasquale Ende 22 Uhr Rose-Theater Gnt« Frulfiritr StreJ» Iii Tg. Weidug k 7 3427 8.15 Uhr Eine Frau von Format VolKsbUhne Tlsiier im Bülowplatz 8 Uhr Die GroBlierzogin von Serolslein mit Käthe Dorsch Staat!. SdilUsr-ÜHter 8 Uhr Bfe ROiiiidie {eile LgDBlte Täglich SV» Uhr ftorgen Oehbi uns Out! urete Hu Kaatra Or cfaesteDaf os Beb t r-Komüdienhaus« D 2. WeitodsM«M Täglich 81« Uhr GastipialCnm�juMif Säauspiaief u. Itifriäl- ProMtioo Die Mutter a*fi ärt t/wtisdw Roman von Bert Brecht Preise ven 50 Pf. an Stettiner Sänger im Reichshallen-Theater -Dljnboff platz 8 Wir, Soontag« 3-: Iftj mif- mäBister PrsiMn. i Bas 00)8 ProBfann mitd.Msk; .So'n Reinfall!*' PrcIic abgebaut! Restairaat Berlirvs Der gute MaplMn KaulatoaK��sÄ. C. Röcker. Rerlin , MfflKiiberasr S trade 23. Kfinlnst. 3881 ''1 in- 1 uti. 1 " E satB Am Sonntag, dem 17. Januar 1932, verschied nach mehrwöchigem Krankenlager unser lieber Kollege, der langjährige Kassierer des Bundesvorstandes Hermann Kube im 67. Lebensjahr. Mit ihm hat der Tod uns einen guten Kameraden genommen, der sein ganzes Leben im Kampf für den wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Aufstieg der Arbeiterklasse in vorderster Reihe gestanden hat....... Unser Bund wird ihm ein dauerndes ehrendes Andenken bewahren! Berlin, 18. Januar 1932. Der Bundesvorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschafftsbundes L e i p a r t. Die Beerdigung erfolgt am Donnerstag, dem 21. Januar 1932, mittags 12 Uhr, von der Leichenhalle des Städtischen Friedhofes in Treptow, Neue Krugallee 144. DeM Miel Fl Der Raub der Sabinerlnuen Regie: Hans Deppe, Albert Bassermann, t. Höflich. Richard Brüssel. Die Komödie 8Vb Uhr LetzlG�artüliniDgea Die»BsnH von Louis Verneuil mit 51 an; Pa 11 e n b c r«: Suriörssendaiiim- Tbcalsr I I 44«— SV» Uhr Mabagonny von Brecht u. Weilt Hesterberg, Weira Lenja, Hoerrmann Tlieater am Ncüendorfpfati bjit: Heilst igkntar) Pallas 705) Täglich SV» Uhr Stgs. auch 4V» Uhr Gaspsrane aglütOWELKt ] inwlil Sttplx � B-Bafto Hgtmaitnpl.> Hasgnteiae 108-14| Grases BOGhüierfest Große Schweicebraterei und Präraiiemng| des schönsten schwarzen Bubikopfes. 5 Geldpreis«: SO, 40, 30, 20. 10 RAT, 6 Kapellea* BavrisAs BefUonuig» Begritm 7 rbr I Xach langer Krankheit wurde uns durch den Tod entrissen unser lieber Genosse Hermann Kube Der Verstorbene brar uns als Oeschäitsführer der Verlagsgesellschaft des ADGB. nicht nur Vorbild treuer Pflichterfüllung, er war uns auch im wahrsten Sinne väterlicher Freund und Berater, den wir schmerzlichst vermissen werden Sein Andenken und sein Wirken wird in unseren Kreisen unvergessen sein Das Personal der Verlagsgesellschafi des ADGB. Am Mittag des 17. Januar entschlief nach langem Ichmerem Leiden mein lieber Man», unser herzensguter Aaler und Lchwiegeroater Bennsni, Kubs in feinem 67. Lebensjahre. In tiefer Trauer muna Knte nebst Sonn and Sdiwlefterloditer Setiin S 14. 1«. Januar 1S32. Matlsteaße St. ?t« Beordtgung findet am Dsnners- lag. dem 2t. Januar, msttags 12 Uhr. van der Hall« des �tädstschen Ar:od» ho'e» in Treptow. Neue Srug» allee 114, aus statt. HÄMiliüMU-WW AdilQiiai fldilungl Elsen- sed aevotverfireber 1 Dt« Bertrauensmännerfonferenz unserer Branche finde» nick! am IS. Januar, sondern an» Cennerstaf). öpru 21. Jaooct 1032 in dem befgnnten Sotci statt. Die Oitivtr 4 elfucg. Dealsdier MalMter-ftM Verwalhingaslelle Berlin Todesanzeigen Den Mitgliedern sur Nachricht, d-K unser College, der Arbeiter Mldelm Uzrscdäl! geboren fxu 13. August-18S1, am 16. Januar gestorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwach. dem 20 Januar, 15 Uhr. oon der Leichenhalle des Zenlrat-Jrieo- Haie, in Fried: ichzfetdc au» statt. Ferner»erstarb an, 15. Zauuar unser Kollege, der Ardetier August Tendiert geboren 18. Oktober 1863. Die Einäscherung findet am Mittwoch. dem!0. Januar, 18 llhr, im Ärematotium Gerichtftraße statt Ziege Beteiliguag wird erwarte». Ehr« ihrem fUbeateal Die OrtsvenraUaBg. irwfnmnf n i ras uername Tapeten .1 Szillat. Ror Isstrasie 3. XiBidunüsstocM. uiüsciw usw. I 3a Leihhau, Lipfowiti. Jäaerstrahe«3, 1. Etage. laufen Sie jetzt noch viel billiger Hrr- ren- und Dame»- garderoben. B-fz. wäntel.Herrennelze, iBrillanien, Uhren, Gofb. und Silber. waren.?m Haus« Maxim. Rur Jager. siratze 83,. 1. Eiage. Wen,, actragonc Kavaliergarderobe VON Millionären, Aerzien. Anwälten. Fabelhaft billige Preise. Empfehle Taillenmäntel, Pa> letois, Fracks, Emo- klngs, Gchrockan- ziige, Bosen. Sport. Gehpelze. Gelegen. lie!t»fäuse!» neuer Garderobe. Wette. ster Weg lohnend LctbrinaersteoSe 56, 1 Treppe, Rosem thaler Platz. Wllll Wintergarten. 75r Seiht, Dreiriihren. gerät, Wechselftrom, iahrifneu, mit erst. Eauches. flasfigrm Laut- Chaiselongue«, Pa. sprcchor. Reu. tentmalragen, Aus-i temnelhos, Wüst. legewotratzen. Me.l hosfitratze 11. poit. tallbetten Walter, links(Josesironien. Stargarderstratze achtzehn. Kein La- beu. Schlot, immer poliert, 375/—. chen 85,—. Zah. lungserleichterung. Sd,rcocr,Sastanicn. ovee 15. Schr' ibtislch elektrische Koch. platt», nerkauft billig Schmidt, Dilznackerstr. IQ. Haus). » i�flKamoesücnel {'Jlonnüaosia�j Tausche sonniges zw eisen- striges Borherzin,. mer mit Kochgilotz. ?>az und Eleftrü'ch. ttetztmttte 21.—! gegen 1—2 Zimmer, Alleinmohnung. Alteudurg, Cv'or.',. stcatzc<1. Zadaaebifi». Platinabfälle Queckfilder Zinn. meialle. Silber, schmelze Gsldlchme!» «ereü Chtistionat «ovenickerstratze SS Saltestclle Adalbert- strotze. j misigesueh«"] Saubere» Ehepaar»immer mit Kdchgelegenhctt, Näh« Frf-drich». haip. gesucht. An- gebote unter TV U« Pmnpärts, Lin- denstrofie Z. 6