BERLIN Slenstag 19. Zmum 1932 10 Pf. Jlr. 30 BIS 49. Jahrgang ErscheinttSglich außerEonntags. Zugleich Abendausgabe des.Vorwärts. Bezugspreisfür beide Ausgaben lö Pf. pro Woche, 3.2-) M. pro Monat (davon 67 Pf. monaMch für Zustellung ins Haus) im voraus zahldar. Postbezug 3,S7 M. einschließlich KS Pf. Postzeituugs- und 72 Pf. Poftbestellgebühre». ?ln,rlgr»»reli! Tie elasdalllge TOiHimrftrjcQ« 30 Vs. RcNamtjeilc 2.— M. Ermäßigungen nach Tarif, voiifchcckkenlo: T�ormärtt-Berlag G. m. d. H., Berlin Rr. 27 530.- Der Berlag behält sich da« Recht der Zlblehnnng nicht genehmer Rnjeigen»«r! Redaktion nnd Erpedition: Berlin SW68, Lindcnsir. 3 Fernsprecher: Dönhoff(A 7) 292—297. Das I�eich als Bankier M'esenbeieiligung des Meiches an schwankenden Banken Bci Wiederbeginn der Beratungen des Haushaltsaus- s ch u s s c s des R e i ch s tags find die Deutschnationalen auf ihren Plätzen, die Nationalsozialisten„vernichten" die Republik aus ihre „bewährte Art", sie b e t e i l i g e n. s i ch nicht an der sachlichen Arbeit. Dlc Sitzung des Hmrshaltsausschnsses führt sehr rasch nach Erledigung verschiedener Kleinigkeiten zu einem entscheidenden löiskussionspuirkt. Es handelt sich um die sozialdcntvlrittische Anfrage, was die Regierung mit der ihr wider Willen zugefallenen Vankenmacht zn tun gedenkt. Der Bankenkommissar des Reichs eröffnet die Debatte, er macht nur allgemeine Rondb einerknngen. sie genügen nicht, der Reichsfinanzminister will selbst Erklärungen abgeben. Der Aus- schütz pertagt sich auf kurze Zeit. Minister Dietrich kommt dann und erklärt etwa:. Beschlüsse können nicht nur über Danotbonk und Dresdner Bank gefaßt werden. Das Bankcnprobl cm muß aber in der G e- samtheit gesehen werden. Oeffentlich kann man über den tat- sächlichen llmsang der Krankheit und die notwendig gewesene Reichs- Hilfe überhaupt nicht reden, dazu find die notwendigen Unterstützungen zu weitreichend. Wir leiden in Deutschland unter einer k ü n st- lichen Uebergrößerung der Banken. Es sind schon die»er- schiedcnstcn Pläne für Reform und Gesundung beraten worden. Ein« Entscheidung wird in den nächsten Tagen und Wochen durch die Entwicklung erzwungen. Mit der Zusammenlegung vor- fchiedener Banken Hot das nichts mehr zu tun. Die Reichsregie- rung ist der Meinung, daß es richtig sei, den Einfluß des Reichs auf die Banken so bald als nzöglich wieder abzubauen. Das ist die Tendenz der Regierung. Der Redner der Sozialemokrotie. Abg. H i l f e r d i n g, greift die grundsätzlichen Bemerkungen des Rtichsfinanzministers auf und führt sie in positivem Sinne weiter: Das Reich oerfügt heute von sich aus über einen erheblichen Teil des deutschen Kreditsystems, rund 60 Proz. de» kredilapparakes sind heule öffentlich kontrolliert. Das ist ohne Zutun und ohne den Willen des Reiches geworden. Diese Entwicklung hat niemand vorausgesehen, ober beim ersten Schritte sei die Regierung frei gewesen, dos weitere entwickle sich zwingend. Die Regierung konnte gar nicht anders als mit den Mitteln des Reiches helfen. Sie kann deswegen auch nichts anderes tun als eine gewisse Kontrolle über die unterstützten Jnstitu- tionen ausüben. Das ist ein Entwicklungsprozeß, der nicht rück- gängig gemacht werden kann. Der jetzige Schwebezustand ist uner- träglich. Er führt dazu, daß das Reich zuletzt auf den Verlusten der von ihm gestützten Privatbanken sitzen bleibt, das Richtigste wäre, das ganze Berhältnis zwischen Banken nnd Industrie neu zu gestalten, etwa durch eine Trennung zwischen reinen Finonzierungs- danken und Kreditinstituten. Dabei könnte so verfahren werden, daß das Reich zuerst die Depositenbanken in der Hand behält, und das industrielle Finanzicrungsgeschäft davon trennt. Es müßten grundsätzliche Lösungen im Sinne der Weiterentwicklung gesucht werden. Der staatsparteiliche Abgeordnete S t o l p e r meint, daß die Schwierigkeiten wie in Deutschland auch in anderen Ländern vor- banden seien und dort sich schon erwiesen habe, daß bestimmte Methoden der Staatshilse unbrauchbar seien. Der Faschismus z.B. habe geglaubt, niedrige Börsenkurse nicht ertragen zu können, des- wegen fei durch eins besondere Bantgründung mit Regie- rungsmitteln die jzochhaltung der Kurse durchgeführt worden. Heute sitze die italienische Regierung auf den Aktien- Paketen, die sie nicht los werden könne und müsse außerdem noch für die von ihr beherrschte Industrie die Finanzierungssorgen tragen. Etolper ist für klare Einzellösungen bei den Banken, an denen beute das Reich wider Willen engagiert ist, lehnt also allgemeine Dauerlösungen durch den Staatswillen ab. Heute feien viele zu pessimistisch, wenn erst die Börsenkurse wieder einmal sechs Wochen im Steigen feien, dann würbe vieles von heute völlig vergessen sein. Der Reiehsstnanzminister erklärte schließlich sei« Siaverständnis mit dem Hilferdi naschen Borschlag, i« einem vertrawliche« Unterausschuß deS HanshaltSans- schnsseS eingehende Auskünfte über die Hilfsmaßnahme» des Reiches gegenüber Industrie und Banken und über die allgemeinen Pläne des Reiches geben zu wollen. Der Ausschuß wurde eingeseßt. Zwei Opfer der Mordpest. Mchiliche Schlacht in Reinickendorf zwischen Nazis und Kommunisten. In der Laubenkolonie Felseneck in R c i ni cke n- d o r f- L st. Am Schönholzcr Weg, kam es heute früh kurz vor 1 Uhr zn einer schweren Schießerei zwischen Rationalsozialisten und Kommn- nisten. Bisher sind zwei Tote, ein Schwer- und sechs Leichtverletzte zu verzeichnen. Bei den Toten handelt es sich um den VOjährigen Professor und Kunstmaler Ernst Schwarz aus der Burgfranenstr. 15 zn Frohnau, der der Nationalsozialistischen Partei an- gehört, und um den ZV Fahre alten Arbeiter Fritz Klemkr auS der Kolonie Felseneck, Laube 20, der der KPD. angehört. Ter llunstmaler wurde durch einen Messerstich in die Herzgegend, der Arbeiter Klcmkc durch Brust- und Kopfschuß getötet. Die politische Polizei und die Mordkommission weilen zur Klärung des Tatbestandes an Ort und Stelle. Bisher wurden etwa 5 0 Verhaftungen vorgenommen. Die Berletzten wurden nach ihrer Vernehmung?em Kranken- hause Reinickendorf zugeführt. Die ersten Ermttiewngen. Die blutige Schießerei in der Reinickendorfer Laubenkolonie „F e l s e n e ck" ist zur Zeit Gegenstand der polizeilichen Unter- suchung. Bereits in der Nacht hatten zahlreiche Beamte an Ort und Stelle hie ersten Ermittlungen aufgenommen, im Polizei- Präsidium wurde heute vormittag die Vernehmung der festgenommenen 49 Hakenkreuzler und der 12 Laubenkolonisten fortgesetzt. Bei den Kolonisten handelt es sich zum Teil um Kommunisten. Die an der Schießerei und Schlägerei Beteiligten beschuldigen sich gegenseitig, den Anfang gemacht zu haben. Die Vorgänge haben sich nach den bisherigen Feststellungen etwa so abgespielt: Die Nationalsozialisten veranstalteten gestern abend in Waidmannslust eine Kundgebung. zu der SA.-Trupps aus der ganzen Umgebung herangezogen worden waren. Noch Schluß der Veranstaltung zogen etwa 200 hakenkreuzler in losen Trupps nach Reinickendorf-Ost. Sechs Polizei beamte begleiteten die Nationalsozialisten, da man offenbar mit Zwischenfällen gerechnet hatte. Trotz des polizei- lichen Begleitkonnnandos kam es dann in der Laubenkolonie zu der verhängnisvollen Schießerei. Es scheint sonderbar, daß die nationalsozialistischen Trupps ihren Rückweg ausgerechnet durch Laubcngelände nehmen mußten, von dem in der ganzen Gegend bekannt ist, daß die dort wohnenden Siedler zum großen Teil Kommunisten sind. Die Hakenkreuzler wollten zweifellos provozieren, denn sonst hätten sie sehr wohl einen anderen Weg wählen tönen. In den dunklen Lauben- gängen mußten die Polizeibeamten den Ueberblick über den nationalsozialistischen Trupp verlieren, so daß selbst die Beamten nicht mit Sicherheit behaupten können, wer die ersten Schüsse abgefeuert hat. Oer Kampf im Dunkeln. Plötzlich krachten mehrereSchüsse— die Nazis behaupten, sie seien aus dem Hinterhalt abgegeben worden— und im Augen- Politische Funkiionärinnen- Versammlung Freitag, den 22. Januar, IS»/? Uhr, in den Mntiker-FeshAIen, grofjer Saal, Kaiser« Wilhelm-Slratje. Tagesordnung: 1. Was können die Haasfrauen für den Preisabbau fnn? 2. Diskussion. 5. Aufsieliung des Wahlvorschlages der Frauen für den Bezirksvorsland.- Der Referent wird morgen bekannfgegeben. Die Zollkampf-Verordnung. Ausgleichszuschläge gegen Valuta-Oumping. Amtlich wird folgende Verordnung des Reichspräsidenten über außerordentliche Zollmaßnahmen mitgeteilt: Auf Grund des Art. 48 Abs. 2 der Reichsocrfassung wird folgendes verordnet: A r t i k e l 1. Die Reichsregierung wird ermächtigt, im Falle eines dringenden wirtschaftlichen Bedürfnisses 1. bei der Ein- fuhr von Waren, die aus Ländern stammen, deren Währung unter die Goldparität gesunken ist, für einzelne Waren oder Warengruppen Ausgleichszuschläge zu erheben, 2. für Waren, die aus einem Lande stammen, mit welchem dos Deutsche Reich nicht in einem handelsvertraglichen Berhältnis steht oder welches die deutschen Waren ungünstiger behandelt als die Waren eines drillen Landes, erhöhte Zoll- s ä tz e festzusetzen. Von der Erhebung der erhöhten Zollsätze kann bis zur Dauer von höchstens 6 Monaten Abstand genommen werden, wenn mll diesem Lande Handelsvertragsverhandlungen schweben oder bevorstehen. Die Rcichsregierung kann bei einzelnen Waren von der Anwendung der erhöhten Zollsätze ganz oder teilweise ab- sehen. A rti k e l 2. Die Verordnung tritt mit dem Tage der Verkün- dung in Kraft. Berlin, den 18. Januar 1932. Der Reichspräsident. gez. von Hindenburg. Der Reichskanzler. gez. Dr. Brüning. Der Ucbergang Englands zur Schutzzollpolitik und die Vor» wirrung in den Währungsverhöltnissen zeitigt Gegenmaßnahmen. Die Lösung der Weltwirtschaftskrise wird auf diese Weise immer schwieriger. blick war eine regelrechte Schlacht INann gegen Mann im Gange. Mit Dolchen, Totschlägern und Zaunlatten schlugen die Gegner aus- einander ein, dazwischen ertönten unausgesetzt Pistolenschüsse. Zwei Polizeibeamte, die in der Dunkelheit ihre Dienstwasfen nicht ziehen konnten, gerieten in das Handgemenge. Polizeiwachtmcistcr Hellwig wurde mit einem Baumstamm niedergeschlagen und so schwer verletzt, daß er später ins Staatskrankenhaus gebracht werden mußte. Der zweite Beamte erlitt leichtere K o p f v« r- l c tz u n g e n. Zwei Tote blieben auf dem nächtlichen Kampfplatz. Der 29 Jahre alte kommunistische Arbeiter Fritz K l c m k e aus der Kolonie„Felseneck" wurde von zwei Kugeln in den Kopf und in die Brust getroffen. Cr brach sofort tot zusammen. Bon den Hakenkrcuzlcrn wurde der 49jährige Kunstmaler E r n st Schwarz aus Frohnau, Burgfraucnstr. IS, durch einen Messer- stich niedergestreckt. Sch. starb a ll f dem Transport ins Krankenhaus. Zwei weitere Nationalisozialisten, der 21 Jahre alte Bernhard Wittkowski aus Neu-Hciligensee und der 31 Jahre alte Angestellte M a n d a l e r aus Hermsdorf erlitten leichte Verletzungen durch Schläge. Die Polizeibeamten hatten inzwischen durch Beamte des zu- ständigen Reviers Verstärkung erhalten und das ganze Lauben- gelände wurde umstellt. Auch das Polizeipräsidium war von der blutigen Schlacht im Laubengelände sofort in Kenntnis gesetzt worden und ein ganzer Stab von Beamten der Politischen Polizei begab sich unverzüglich nach Reinickendorf. Leider war es in der abgelegenen und völlig dunklen Kolonie nicht möglich, alle an der Schießerei Beteiligte zu fassen. Die Mehrzahl der Nazis, unter denen sich verschiedene Burschen mit Schußwaffen befunden hoben müssen, setzte über die Zäune hinweg und flüchtete. Ins- gesamt konnten von dem 200 Mann starken Trupp der Nazis nur noch 49 Mann festgestellt werden. Von den Beamten der Poli- tischen Polizei wurden zum Teil aus ihren Lauben heraus 12 Kola- nisten festgenommen, die im Verdacht stehen, an dem Kampf teil- genommen zu hoben. Auf Lastwagen wurden die Festgenommenen ins Polizeipräsidium transportiert. pause bei Helldorffs. Gewehr hat Durchfall. vjm Helldorf-Prozeß fehlt heute morgen wieder einmal ein An- �t.'ogier. Es sollten die Kurfürstendommautosahrer des Jung- stohlhelmsührers Brand zur Erörterung kommen. Daraus wurde zunächst nichts. Der angeklagte„Adjutant" Helldorfs, Ernst, teilte dem Gericht mit, daß der.Leiter der Wache", der Angeklagte Gewehr an einem ruhrähnlichen Anfall schwer erkrankt i m SA.-Lazarett danieder liege und transportunfähig fei. Staotsanwaltschaftsrat Dr. S t e h n i g beantragte daraufhin. osn Angeklagten Gewehr durch Sanitätsrat Dr. Leppmann unter- suchen zu lassen und die Verhandlung bis auf weiteres auszusetzen. Das Gericht beschloß demgemäß. Etwa gegen 12 Uhr erstattete Sanitätsrat Dr. Leppmann Be- richt über das Ergebnis seiner Untersuchung des Angeklagten Ge- wehr. Er sei heute morgen mit Erscheinungen eines akuten Darmkatarrhs und erhöhter Temperatur in das SA.-Lazarett «ingeliefert und fei im Augenblick weder termin- noch vcrhandlungs- fähig. Es ließe sich bei derartigen infektiösen Darmerkrankungen nicht mit Bestimmcheit sagen, ob der Patient vielleicht am nächsten Tag« verhandlungsfähig sein wird, es sei das jedoch anzunehmen. Auf Antrag des Staatsanwalts vertagte das Gericht die Ver- Handlung auf morgen: sämtliche erschienenen etwa 20 bis 25 Zeugen wurden gleichfalls auf morgen umgeladen. Krick wieder Diener des„Systems". Von Bayern in Gnaden aufgenommen. München, 19. Januar.(Ergenbericht.) Die bayerische Regierung.Held hat dem nationalsozialistischen Abgeordneten Dr. Frick ein großes Entgegenkommen bewiesen. Sie hat ihn auf seine Bitte mir Wirkung vom 1. Februar 1932 wieder in den Staatsdienst ausgenommen und unter Er- nennung zum Regierungsrat erster Klasse bei der Regierung von Obevbayern als Mitglied des Oberversicherungsamtes bestellt. Damit ist Frick wieder aktiver Beamter desselben Staates, den er durch Hochoerrat beseitigen wollte, weshalb er rechtskräftig verurteilt und später amnestiert worden ist Diese Veornteneigen- schuft hatte er bis zum 23. Januar 1930, wo er beim Eintritt als Innenminister in die thüringische Regierung seine Entlassung aus dem bayerischen Staatsdienst genommen hat, sich aber in einer besonderen Vereinbarung seine Rückkehr offen hielt. Seine Wiederaufnahme stand allerdings ganz im Belieben der bayerischen Regierung. Wenn sie seiner Bitte nun entsprochen hat, so kann man dies auf Grund der politischen Tätigkeit Fricks gerade in der letzten Zeit nicht anders als einen öffentlichen Skandal bezeichnen. Frick zählt zu den gehässigsten und gesähr- lichsten Saboteuren der deutschen Republik, die ihm nun durch neuerliche Anstellung die Fortsetzung seiner zerstörenden Tätigkeit erleichtert. Dabei ist daraus Hinzuwersen, daß Frick bei Antritt seiner Staatsstellung in Thüringen vollkommen irreführende Angaben macht« über die Bedingungen seines Ausscheidens aus dem bayerischen Staatsdienst zu dem alleinigen Zweck, um einen materiell möglichst günstigen Anstellungsvertrag mit dem Lande Thüringen zu erhalten. Diese Angaben haben sich im Laufe des Jahres 1931 bei Verhandlungen im Thüringischen Landtag als falsch heraus- gestellt. Nach seiner Entlassung aus dem Ministeramt in Thüringen bezog Frick vereinbarungsgemäß ein monatliches Ruhe- geholt von 1180,47 Mark. Die„Ration" von Rückeburg. Meisterstück der„Nationalen Front". Vückeburg. 18. Januar. Im Schaumburg. Lippeschen Landtag, der am Montagnachmittag seine erste Sitzung in diesem Jahre abhielt, führte ein Rcgierungsantrag über die Vereinigung der beiden Landkreise Bückeburg und Stadthagen unter der Bezeichnung Landkreis Stadthagen-Bückeburg eine lange erregt« Aussprache herbei. Die Regierung denkt durch die Zusammenlegung eine C r- sparnis von 30 000 Mark zu erzielen, was bei dem kleinen Ländchen ein hübscher Batzen Geld darstellt. Gegen den Regierung?- antrag wandten sich jedoch die R a t i o n a l s o z i a l i st e n und die Kommunisten. Beide Partei drohten mit O b st r u t t i o n, falls die Regierung den Antrag nicht zurückziehe. Auch die Vertreter der Aolkspartei und der Deutschnationalen stellten sich auf die Seite der Opposition. Da die Regierung auf ihrem Standpunkt verharrte, führten die gegnerischen Parteien ihre Drohung durch, so daß die Sitzung vertagt werden mußte. Wie Kommunisten verleumden. Oer Vorsitzende des Freidenkerverbandes freigesprochen. vor der 7. Strafkammer des Landgericht l Verlin wurde der Vorsitzende de» Deutschen Freidenker- Verbandes. Genosse S i e v e r». in einer seit längerer Zeit schwebenden Beleidi- gungsklage des kommunistischen Rechtsonwalts Dr. Samter frei- gesprochen. Vor ellichen Jahren hatte der Deutsche Freidenker-Verband d i e kommuni stischen Spalter ausgesondert, was natür- lich ein Wutgeheul der Geschlagenen hervorrief. Nach bewährter kommunistischer Methode bemühten sie sich, durch Lug und Trug die Führer des Verbandes und vor allem Genossen Sievers unmöglich zu machen. Hierbei tat sich Samter besonders hervor. Wiederholl ist Sievers vor Gericht Recht geworden: Prozesie endeten mit demütigen und wehmütigen Ehrenerklärungen der Beleidiger. Die Hetz« ging weiter. Man warf der„Verwaltung" Bestechlichtest vor. wobei man mst Fleiß Namen vennied. Man munkelte von Unterschlagenen, man konstruierte einen Skandal aus der Tatsache, daß ein unge- treuer Angestellter sofort entlasten und auf eine Anzeige des Ver- bandes hin gerichtlich belangt worden war. Samter liebte vor allem immer wieder zu erklären: Es hat mir jemand gesagt... Ich habe gehört... und was dergleichen vage Geschichten mehr sind. Bei einer Gerichtsverhandlung riß dem Genossen Sieoers die Geduld. Er rief:„Mst solchen Verleumdungen muß man sich herumschlagen." Samter antwortet«:„Und Sie werden doch hereinfallen." Das gab Slevers Veranlassung zu dem erregten Ausruf:„Da sieht man Ihre berufsmäßige Unehrlichkeit." Wegen dieses Ausdrucks fühll« sich Samter beleidigt und klagte. In erster Instanz wurde Sievers unter Zubilligung weitgehender Mkld«rung-gründe zu 100 Mark Geldstrafe verurteilt. Beide Parteien legten Berufung«in. Auch in der neuen Verhandlung legt« Sievers dar, baß ihm ein« Herabsetzung des Anwaltsstantes vookommrn ferngelegen habe. Er habe sogen wollen, daß Samter di n Respekt vor der Anwoltsrob« mißbrauche und seine Stellung vor Gericht zu politischen Zwecken ausnutze. In der gestrigen Verband- lang brach-m die Beschuldigungen, die Samter und seine kommuni. stischen Freunde gegen Sievers und die Verwaltung des Deutschen Neue Stüde Hakenkreuzfahne auf der Ltniversität In der Universität Unter den Linden ereignete sich heute vormittag, gegen II Uhr, ein Zwischenfall, der unter den Studenten ziemliche Erregung hervorrief. In diesen Tagen werden an der Berliner Universität von der reaktionären deutschen Studentenschaft sogenannte„A st a- wählen" veranstaltet. Da sich bisher um die Wahl niemand als die Nazistudenten und ihr Anhang aus den Korporationen kümmert, versuchten diese jetzt mit anderen Mätzchen Wahlpropaganda zu treiben. Ein Zlazistudent hißle heute morgen ans der Universität die Hakenkreuzfahne und hielt vom Balkon au» eine Hetzrede. Merkwürdig erschien dabei das Verhallen der Pedelle, die, obwohl sie daneben standen, den Hitlerjüngling seine Rede beenden ließen. Währenddessen führten die Nazistudenten im Hof unter Führung ihres Kreislellers Schäfer eine planmäßige Demon- st r a t i o n durch. Naturgemäß hatte dieser Zwischenfall eine große Erregung unter den Studenten hervorgerufen und die schon ständig bestehende Torwoche oerschärfte die Kontrolle. Der ganze Zwischenfall vollzog sich mit ziemlich großer Schnelligkeit, so daß nur die wenigsten überhaupt gemerkt hatten, um was es sich handelte. Die Angelegenheit wird morgen bereits den U n i v e r I i t ä t s- rat beschästigen. Der betresfende Student ist nach den bisherigen Feststellungen beurlaubt, und nach Auskunst des Rektors soll es sich um einen Außenseiter handeln, der nicht direkt mit der national- sozialistischen Studentengruppe in Verbindung steht. Er ist morgen berests vor den Senat geladen worden, um sich zu ver- antworten, und zwar steht die Anklage des akademischen Gerichts auf dem Standpunkt, daß wegen dieser Tat, die sehr leicht den studentischen Frieden auf das schwerste halle gefährden können, als Sühne die Entfernung von der Universität erfolgen müsse. Wir erinnern daran, daß im letzten Semester alle kommu- nistischen Studentengruppen oerboten wurden, well am 1. Mai die Sowjetfahne auf der Universität gehißt wurde. Wir erwarten, daß Rektor und Senat jetzt gegen die Naziprovokationen an der Universität mindestens ebenso energisch vorgehen wie damals gegen die Kommunisten. Hochschulhetze. Das deutsche Volt- ein Herden« und Massenvolt! Wie die nationalsozialistische Verhetzung der Studenten an den Hochschulen betrieben wird, das zeigt die Gedenkrede des Professors Dr. R. Franke bei der Reichsgründüngsfeier der Technischen Hochschule. Der uns offiziell übersendet« Textauszug der Rede beginnt mit dem Satze: „Zur Zeit der Reichsgründung war das deutsche Boll ein Persönlichkeitsvolt: heute ist es zu einem Herden- und Mostenvolk herabgesunken." Auittläning in Hie Nassen! Verbreitet unsere Kampfsdiriffen! Eiserne Front.— Vier Aufrufe: Wels, Gra$mann, Hölfermann, Wildung 15 Pf. Das Selbsfporfräf Adolf Hifiers... 15 Pf. Adolf ürimmc: Das neue Volk, der neue Staat............... 20 Pf. Otto Mändicn'Hclfen: Rußland und der Sozialismus........... 20 Pf. Alle bei l. B. w- Dlelz NadiL Benin Freidenker-Verbandes erhoben hatten, kläglich zusammen. Es würbe der Beweis dafür erbracht, daß von der Verwalluirg niemals Schmiergelder entgegengenommen worden sind. Alle Vorwürfe waren aus den Fingern gesogen und beruhten auf willig und freudig begrüßten Schwätzereien. Obwohl Somter Kilopaket« von Akten auf dem Gerichtstisch niederlegte und unermüdlich redete, obwohl der Staatsanwalt die Aufrechterhaltung des vorinstanzlichen Urteils be- antragt«, gelang es dem Vertreter des Genosten Sievsrs, Rechts- anwall Landsberg, in einem glänzenden Plädoyer dos Gericht von der Unschuld seines Mandanten zu überzeugen. Das Gericht erkannte auf F r e i s p r u ch, und der Vorsitzende führte in der Urteilsbegründung aus, daß der Kläger über den An- geklagten Behauptungen ausgestellt Hab«, die jeder Begründung ent- behren. Deshalb müsse Sievers der Schutz des k 193(Wahrung berechtigter Interessen) zugebilligt werden. Gefängnissturm in Spanien. Wieder Kirchen in Brand gesteckt. Madrid, 19. Januar.(Eigenbericht) In Bilbao erzwangen Taufende von Kommunisten unter Androhung eines Sturmes auf das Gefängnis die Freilassung von 20 verhaiteten Syndikalisten. In der Umgebung von Bilbao wur- den im Laufe der Nacht mehrere Kirchen in Brand gesteckt. Kaschisten-Miliz in Illinois. Sozialistischer Protest beim Kongreß. Washington, 19. Januar(Eigenbericht.) Die Sozialistische Partei protestiert in einem offenen Brief an den Vundeskongreß schärfstcns gegen die Bürgerkriegsvorbereitun- gen der Nationalmiliz im Bundesstaat Illinois. In geheimen In- struktionsn werde die Miliz angewiesen, gegen Hunqerkvowall« und Demonstrationen rücksichtslos vorzugehen, auf die Meng« scharf zu schießen und Scharfschützen auf den Dächern zu postieren. Desgleichen werde die Verwendung von Gas empfohlen. Das Schreiben - Gewollte Provokation durch Razis Diese übliche Beschimpfung der Arbeiterklasse aus dem Dünkel und Größenwahn eines Ko t h e d e r i nt e lle ktu ell en heraus ist uns nichts Neues. Sie beleuchtet den Grad der Achtung, den diese Kreise— trotz ihrer fortgesetzten Freundschaftsheuchelei— für die Arbeiterklasse in Wirtlichkeit empfinden. Professor Franke sucht zwar den Anschein zu erwecken, daß er anllkapllalisttsch ge- stimmt sei, indem er erklärt: „Der Hauptgrund für diesen Niedergang des deutschen Volkes ist in der W i r t s ch a f t s s o r m zu erkennen, die nicht dem Wohle der Gesamtheit gedient hat, sondern nur der rücksichtslosen Ichsucht weniger." Wer aber nun als Konsequenz dieser Erkenntnis bei Franke die Ueberwindung des Kapitalismus durch den Sozialismus erwartet, der sieht sich getäuscht: Professor Franke predigt die Wiederaufrichtung des Mittel st andes und des„persönlich geleiteten Kleinbetriebes". Wie man den Kapitalisnuis hierhin rückleiten soll, wie man aus der Wirtschaftsform von 65 MU- lionen Menschen zu einer Wirtschaftsform zurückgelangt, die höchstens 30 Millionen ernährt, wie'man das HuhnwiederindasEi zurückverwandelt, darüber erfährt man nichts. Sondern nachdem Professor Franke als allgemeines deutsches Persönlichkeitsideal den„Führer und Helden" gepriesen hat(wem, alle Führer werden— wen führen sie dann?), begibt er sich mit kühnem Sprung auf das außenpolitische Gebiet und führt plötzlich die fortschreitende„V ermass ung des Volkes"(welche Bereicherung der deutschen Sprache!) nicht auf den Kapitalismus, sondern auf die— Tributzahlungen zurück. Seine Rede gipfelte in der Forderung nach„Beseitigung des Ver» sailler Schandvertrages" und der„Wiedererlangung der Wehr- hohell", ohne aber auch hier zu verraten, auf welche Weise das eigentlich erreicht werden soll. Diese politische Rede steht ungefähr auf dem gleichen geisllge» Niveau, als wollte ein Mensch, der nie eine Hochschule oder ein Technikum besucht hat, plötzlich über Maschinenbaukunde oder Statik reden. Die weltfremden Gelehrten glauben, well sie beim Frühstück irgendein nationalistisches Hetzblättchen lesen, so nebenbei auch noch die politische Führung übernehmen zu können. Von ihrer eigenen geistigen Unreife und Hohlheit auf politischem Gebiet haben die Herrschaften auch nicht einmal eine Borstellung. Und das ist ihre einzige Entschuldigung. Sirafaniräge im Calmette-prozeß. Gefängnisstrafen gegen Prof. Oeycke, Or. Alistaedt vnl» Or. Klotz. Lübeck. 19. Januar. Zn der heuiigen Sitzung des Tuberkulose-Prozesses beantragte Oberstaalsauwall Lienau nach Schluß des Plädoyers aus Grund des § 222 Abs. 2 des Strafgesetzbuchs gegen Professor D e y ck e und Obermedlzlnalrat Dr. A l l st a e d t eine Gesänguisstrafe von drei Jahren, gegen Professor Dr. klotz ein Zahr Gefängnis und Freisprechung der Schwester Anna Schütze. der Sozialistischen Partei fordert zum Schluß umgehende Hllfe für die Arbeitelosen. Der Kongreß bewilligte nach Zanger Debatte den Etat für die Delegation der Dereinigten Staaten zur Abrüstungskonferenz. Die Delegierten reisen am Mittwoch nach Gens ab. Razifeier in Südtiroi. Unter tgl. italienischem Protektorat. Im Programm der Hitler-Partei steht auf Seite 42 der Ausgabe 1931; Wir verzichten auf keinen Deutschen in Sudetendeutschland, in Elsaß-Lothringen, in Polen, in der Völkerbundskolonie Oesterreich und in den Nachfolgestaaten des alten Oesterreichs. In der älteren Fassung dieses Programms stand da, wo deute Elsoß-Lothringen genannt wird,„S ü d t i r o l". Es ist in der neuen Ausgahe gestrichen und durch jenes Elsaß-Lothrmgen ersetzt worden, das gar nicht zu Deutschland will. Warum«in deutsches Gebiet, das unter italienischer Fremdherrschaft steht, nicht mehr zurückgefordert wird, das wird man die Hitler-Leute vergeblich fragen. Tatsachen sprechen um so deutlicher. So berichtet die Bozener faschistisch«„A l p e n z e i t u n g" am 2. d. M. lang und breit über eine Weihnachtsfeier der Ortsgruppe„M e r a n o" der NSDAP., die am 27. Dezember v. I. abends im Hotel„Bayerischer Hof" abgehalten wurde. Als Ehrengäste begrüßte der Vorsitzende den Podesta von Vlcran, Com. Markardl, den Pollzeikommlssar Dr. Pantini, den Sarabinieriekommandanien Dr. Posta, den evangelischen Pfarrer I e s r i ch. die„Herzogin" Sachsen- Zlltenburg, den Hauptmann von M a l t i tz und den Journalisten D e c a m i.(Maltitz leitete die Innsbrucker Stelle zur Weiterbe- sörderung reichsdeutscher Hakenkreuzler. die Mordtaten begangen hatten, nach Italien, und ist nach seiner letzten derartigen Hand- lung aus Innsbruck geflüchtet.— D e ca mi ist nach dem Inns- brucker„Südtiroler" einer derjenigen Journalisten, die Falsch- Meldungen über Erleichterungen in Südtirol gegenüber den Deutschen im Oktober 1930 in die Welt gesetzt hatten.) Vor diesen Vertretern der deutschfeindlichen Fremdherrschaft und vor zehn auf der Bühne aufgestellten Braunhemdträgern hielt der Orts- gruppenleiter eine Rede auf die Hitlerei. Er beklagte, daß Gregor Straßer durch feinen Skiunfall verhindert fei. an der Feier teil- zunehmen und eröffnet« den begeisterten Zuhörern die Aussicht, mit Hitlers braunen Bataillonen eine Front nach Westen zu bilden, wo dann der Freund von heute der Bundes- genösse von morgen sein werde. Der Freund von heut«, dos ist das faschistisch» Italien, das?eine einzige deutsche Orgoni- satian in Südtirol außer der Hitler-Partei zuläßt, diese aber dafür durch um so stärkere Protektion fördert. Die Rew-Porker Sladt Verwaltung kann seit Jahresanfang die ihr vorgelegten Rechnungen nicht mehr bezahlen. Di« Gehälter oer Angestellten werden nur mit Hilfe staatlicher Vorschüsse ausgezahlt. Ithrig geflohen. Der im Aprll mit drei Elsässern verhaftete Ilhrig, der zu vier Iahren Gefängnis venirtellt wurde, sollt« am Montag d�m Untersuchungsrichter vorgeführt wirden. In einem unbewachten Augenblick sprang er aus dem Fenster des Gerichts- gebäudes. Er ist bis jetzt nicht wieöer gefaßt worden. Die Konferenz wird verschoben. Hoover-Moratorium soll verlängert werden. London, 19. Januar. �Eigenbericht.) Tie französische Regierung hat am Montag in London eine Verschiebung der Reparationskonfereuz in Lausanne bis zum Zusammentritt der Wcltabrüjtungskonferenz am 2. Februar in Gens vorgeschlagen. Der leitende Gedanke bei diesem Vorschlage ist, dag die Außenminister der Gläubigerstaaten und Deutschlands auf der Ab- rüstnngskonfereuz anwesend sind und unter Hinzuziehung einiger Finanzexperten die Tagesordnung der Repara» tionskonfereuz in Genf im kleinen Rahme» erledigt werden kann. Vor allem ist die frauzöfische Regierung bei ihrem Borschlag auch von dem Gesichtspunkt aus- gegangen, daß auf der betreffenden Konferenz nur eine Verlängerung des Hoover-Moratoriums beschlossen werde« kau« und deshalb Beratungen im größere« Kreis bzw. unter großem Aufwand zunächst nicht angebracht erscheinen. Nur Konferenz der Finanzminister. Paris, 19. Januar.(Eigenbericht) Looal wird sich nach dem„Matin" in seiner heutigen Regie- rungserklürung. die er vor der Kammer und dem Senat verlesen wird, in bezug auf die Reparationen für eine kurze Verlange- rung des Hoover-Moratoriums aussprechen, er dürste aber keine Anspielung auf die wünschenswert« und mehr als wahrscheinliche Vertagung der Konferenz machen. Das Blatt meint, daß eine der- artige Anregung von London ausgehen möchte. Die französisch-eng- lischen Vorverhandlungen seien noch nicht beendet und es sei zweifel- hast, daß sie bis zum offiziell festgesetzten Beginn der Konferenz zu einer Einigung führen. Die Großmächte seien sich vollkommen dar- über klar, daß die bevorstehende Reparationsdebatt« nur dann Zweck haben würde, wenn die Gläubiger und der Schuldner vorher ein« Einheitsfront geschaffen haben. Die Lausanner Konferenz würde sich so aus«in« einfache Versammlung der Finanz- minister oder finanziellen Sachverständigen beschränken können. die die Verlängerung des Hoover-Moratoriums empfehlen. Ueber diese Möglichkeit habe Ministerpräsident Lovol am Montag mit Boffchafter von Hoesch gesprochen. Vor Ablauf des neuen Mora- tortums werde man dann sehen, was weiter zu geschehen habe. Pertinax im„Echo de Paris" erklärt, daß eine gewisse An- Näherung zwischen der französischen und der englischen These festzustellen sei. Die englische Regierung scheine jetzt auch für eine einfache Verlängerung des Hoover-Moratoriums um ein halbes oder ein Jahr zu fein, während sie bisher für die völlige Einstellung der deutschen Zahlungen während eines Jahres«ingetreten sei, ohne also das Prinzip der Zahlung der ungeschützten Annuitäten aufrecht- zuerhallen. Die Sympathie für Vriand. Paris, 19. Januar.(Eigenbericht.) Briand wird nicht an der heutigen Kammersitzung teilnehmen, um zu vermeiden, daß seine Anwesenheit in tendenziöser Weise aus- genützt wird. Der bisherige Außenminister erhält täglich aus allen Teilen Frankreichs und aus dem Ausland Sympathie-Tele- g r a m m e, die von Gemeindeverwaltungen, politischen Verbänden, Kriegsteilnehmervereinigungen mtd dergleichen ausgehen. Weltabrüstung oder Krieg. Im gut besuchten Spichernsaal veranstalteten die Deutsche Liga für Menschenrechte und die Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit eine Kundgebung zur bevorstehenden Abrüstungs- konferenz. Otto Lehmann-Rußbüldt sprach kurz über die Bestrebungen und Forderungen der Liga zur Herbeiführung des Friedens. Oberstudiendirektor Dr. Siegfried Kawerau: „Wir brauchen auch die seelische, die geistige Abrüstung. Bei der Erziehung der Jugend liegt die Entscheidung, in der Willensbildung der jungen Leute zum Frieden." Dr. R e i n e m a n n für die Welt- jugendliga:„Weil der nationalistische Teil der Jugend heute am lautesten schreit, wird er am meisten gehört. Aber eine große Zahl junger enffchiedener Menschen arbeitet, weniger laut als tatkräftig, für den Frieden und den Sozialismus. Wir müssen der inter- nationalen Front der Rüstungsindustriellen die internationale Front der pazifistischen Jugend gegenüberstellen." Frau Dr. Schlüter von der Katholischen Frauenliga und Superintendent U n g n a d vertraten die Friedenzforderungen ihrer Konfessionen. Dann sprach die französische Friedensfreundin Marcelle Capy:„Ich spreche im Namen von Hunderttausenden Franzosen, die für eine wahre Abrüstung kämpfen wollen. Wirkliche Sicherheit kann nur erreicht werden, wenn alle abrüsten. Zusammen mit Romain Rolland haben wir in Frankreich eine Liga gegründet, die im ganzen Lande für Frieden und Abrüstung durch Aufklärung arbeitet. Es ist vorgekommen, daß die Bauern auf ihren Rädern stundenlang gefahren sind und begeistert den For- derungen auf völlige Abrüstung zugestimmt haben. Auch in Frank- reich gibt es Rot und Elend, nur eine Kaste hat profitiert vom Kriege, das ist die internationale Rüstungsindustrie. Wir müssen einen Druck auf die Regierungen aller Staaten ausüben, damit der Friedenswille des Volkes sich endlich durchsetzt. Und die Voraus- fetzung für den Frieden ist die Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich. Zum Schluß sprach Reichstagsabgeordnete Ge- nosstn Toni Sender:„Die Lösung aus dem Chaos ist seit langem gezeigt worden von der Sozialistischen Internationale. Es muß ein Ende gemacht werden mit den Entschädigungen. Die französischen Friedensfreunde kämpfen mit uns auf der selben Basis. Wenn es uns gelingt, diese Forderung durchzusetzen, ist auch die Voraussetzung einer Annäherung Deutschlands und Frankreichs gegeben. Warum ist es so schwer, das Vernünftige durch- zuführen? Weil es so viel« Nutznießer der heutigen Not gibt und well das Denken außer Mode gekommen ist. Was haben die „Befreier" Deuffchlands denn für die Frecheit getan? In jedem Augenblick, in dem wir durch Verhandlungen erfolgreich für die Freiheit arbeiten, treten sie auf, um den Erfolg zu sabotieren. Die Nazis sind nicht Deutschland. Die Front der Arbeiter und Republikaner wird den Nationalsozialismus vernichten, damit der Weg geebnet ist zur Befreiung der Menschheit und zum Aufbau einer neuen Gemeinschaft endliib freier Menschen. Giillegung von Briteitfabriken. Im Konzen» der[Kiebeckschen Montanwerke. hall«. 19. Januar. Die Grubenverwattung der Riebeckschen Montanwerke hat. nachdem Anfang Januar bereits die Brikettfabrik Kupfer- Hammer bei Oberröblingen stillgelegt worden war. die Stillegung des Wertes„W alters Hoffnung" bei Stedten beantragt. Die Brikettfabrik und der größte Teil der Grude wird am 5. Februar außer Betrieb gefetzt werden. 109 Arbeiter werden entlassen. Ab 1.3. Februar wird voraus» sichtlich Schwelerei und Tagebau Stedten ebenfalls stillgelegt. VonGlovanniSabrieli bis Wladimir Vogel Blaferkonzeri in der Städtischen Oper Daß die Berliner Posauni st en-Verbindung 19 20 zugunsten ihrer Wohlfahrtskasse ein Bläserkon.zert zu veranstalten wünschte, hat uns eines der interessantesten Programme, eine der anregendreichsten Aufführungen der ganzen Saison beschert. Trompeten, Tuben, Posaunen— das ist freilich eine andere Welt, als die unseres normalen Konzertorchesters. Die klangliche Diffe- renzierung im gewohnten Ausmaß— eigentlich Uebermaß— fällt hier völlig weg. hier ist nicht der Reichtum an Kontrasten das Wich- tige, sondern, im Gegenteil, das Zusammenspiel gleichberechtigter Partner, was so ein Ensemble von vornherein auf Polyphonie, alte wie neue, einstellt. Aus Stücken alter und neuer Polyphonie war auch das Programm zusammengesetzt, das charokieristischerweise lediglich für diese Aufführung bearbeitete oder neu komponierte Musik enthielt, da bisher(von Märschen und trivialen Perball- hornungen abgesehen) so gut wie keine ernst zu nehmende Literatur für Blasorchester existierte. Hans David gebührt das Verdienst der Auswahl und Ein- richtung einiger ganz herrlicher Stücke der Barockmustk: einer zwei- chörigen Sonata, einer zwei- und einer dreichörigen Canzone von Giovanni Gabrieli: einer symphonia sacra für Singstimme, Trombonen und Orgel von Heinrich Schütz(von Karl Solomon gesungen), sowie dreier vierstimmiger Stücke in chorischer Ausführung von Frescobaldi, die mehr als satz- technisch interessant, die einfach unglaublich gute, packende Musik sind. Die Frescobaldi- Stücke, deren Interpretation viel besser gelang als die der Gabrielischen, hatten einen ausgesprochenen Publikumserfolg zu oerzeichnen: Beweis ihrer Lebendigkeit und Gegenwartsnähe. Von zeitgenössischen Werken war ein ,L)fscrtorium für zwei Posaunenchöre" von Erwin Lendvai zu hören, ein reichlich schwaches Stück von H i n d e m i t h(Fürst Kraft, ein bearbeiteter Männerchor), eine in den Ecksätzen insbesondere interessante Blas- musik von Werner Egk, ein„kultisches Stück" von Ernst Toch,, iotrcxiucious, cborale e marcia" von A l f r e d o C c s e l l a, eine nicht völlig selbständige, aber schwung- und wirtungs- volle Sache: ferner: zwei Aischylos-Ehöre mit. Schlagzeug von Darius Milhaud(Ausführende Carola Neher und der Ber- liner Funkchor als Sprechchor). Eine Arbeit, die die allergrößte Beachtung verdient, mag sie in diesem Einzelsall nun mehr oder weniger gelungen sein. Zum Schluß sangen der Berliner Schubert- Chor und Berliner Sängerchor das„Solidaritätslied" von E i s l e r und Brecht, ein Lied, das zugunsten seiner eindeutigen Haltung, zugunsten hinreißender Wirkung fast auf Musik verzichtet. Aber: es wirkt, es reißt mit. es erfüllt seine Sendung hundertprozentig und ist aus diesem Grunde hundertprozentig zu bejahen. Bleibt nur übrig, von dem„Swrm-Marsch" Wladimir Vogels zu sprechen. Das ist ein klassenbewußtes Stück voll un- glaublichen Elans, voll rabiater Wildheit, ein prachtvolles Stück, in dessen obstinater Thematik, in dessen faszinierender Rhythmik die Signale dröhnen und hämmern, von denen die Proletarier aller Länder singen— eins der wenigen Stücke wirklich proletarischer Musik. Hier zeigt sich endlich der für uns so sehr wichtige Charakter � der Blasmusik: das Proletariat braucht eine ihm eigentümliche, aus seinem Geist erwachsene, in seinem Leben verwurzelnde, eine das proletarische Bewußtsein zum Ausdruck bringende und stärkende Musik, die nur durch Preisgabe vieler(durchaus nicht aller) Reiz- Momente der bisher alleinherrschenden guten, der bürgerlichen Musik, zu erreichen sein wird. Da können, werden und müssen Blasorchester die größte Rolle spielen es ist durchaus nicht nötig, daß wir sie den Militärmärschen des Faschismus überlassen. Die Leitung dieser in jeder Beziehung interessanten wertvollen und viel zu wenig besuchten Aufführung lag in den Händen Her» mann Scherchens, dem für Mühe und Leistung größte An- erkennung und Dankbarkeit gezollt werden muß. Arnold Walter. „Es lebe die Freiheit!" Ein neuer Rene-Elair-Film im Mozart-Gaal Der Tonfilm— welch eine Bereicherung der Filmmöglichkeiten schien er zunächst zu bedeuten und welch eine Enttäuschung ist er geworden! Der stumme Film, der wenigstens in einem TeU seiner Leistungen künstlerischen Zielen zustrebte, ist völlig verschwunden, und der Tonfilm hat sein künstlerisches Erbe nicht angetreten. Dafür überschwemmt er uns mit nachgemachten Operetten und Possen. Nur einer scheint bislang die Tonfilmweise zu meistern, und so etwas wie einen neuen StU in ihr zu ahnen. Es ist der junge Franzose Renc Clair, dem wir die beiden Filme verdanken,„Unter den Dächern von Paris" und„Die Million". Auch mit seinem neuen Film setzt er diese Linie fort. Er war, wie vorauszusehen, wieder ein großer Erfolg unter den Filmliebhabern und wird sicher auch das große Publikum lebhaft interessieren. Rens Clair versteht es, die überragende Bedeutung des Bildlichen auch im Tonfilm hervor- zukehren und das Sprachliche nur ergänzend und steigernd zu benützen. Auch von der Musik macht er keinerlei aufdrmglichen Gebrauch, belästigt uns nicht an jeder unmöglichen Stelle mit Schlagern, untermalt aber das Ganze musikalisch und läßt das Couplet nur an einigen Stellen zur Geltung kommen, wo es dann aber auch die ganze Situation am vollkommensten zum Ausdruck bringt. Der in Paris mit Tobis-Aufnahme-Apparaten gedrehte Film läuft wieder mit französischem Dialog, aber e« bedarf auch gar nicht einer deutschen Uebersetzung. „Es lebe die Frecheit" ist aus einem Guß, denn der Autor des Manuskripts ist sein eigener Regisseur und umgekehrt, und die Musik von Georges A u r i c ist aus dem gleichen Geiste geboren. Typische gallische Leichtigkeit und Beschwingt!) eit beseelt das Ganze, ein Witz, der in die Dinge dringt, pulvert alles auf: er spielt mit den Menschen und Dingen, wenn er auch gelegentlich die ernstere Satire anklingen läßt, urtd den Finger in die Wundenmal« der Zeit legt. „Ich Hab' mein Sach' auf nichts gestellt", dieser alte fröhliche Vagantenspruch ist der Weisheit letzter Schluß auch in diesem Fwin. Illustriert wird er aus dem Leben zweier Vagabunden, von denen der eine aus dem Zuchthaus ausbricht, und eine große Karriere macht als Begründer einer riesigen Grammophonsabrik. Der anoere landet noch Jahren wieder bei seinem Kumpan, und zum Schluß kehren beide wieder zur Mutter Landstraße zurück. Der Film ist eine einzige Persiflage auf das Zuchthaus, das das moderne Leben für den freiheitsdurstigen einzelnen bedeutet. Ob es sich um Straf- linge, ob es sich um Arbeiter handelt, die am fließenden Bande ihr eintöniges Werk verrichten, und ihr ganzes Leben geregelt haben— es ist das gleiche Bild und das gleiche Schicksal. Und der Herr der großen Unternehmungen ist genau so gesesselt und von den Aufgaben seines Berufes und den gesellschaftlichen Verpflichtungen, wie er es in anderer Weise im Zuchthaus auch war. Er ist daher auch keineswegs unglücklich, als das ganze stolze Gebäude zusammenkracht, auf die Denunziation feiner ehemaligen Zuchthauskollegen hin, und in einem grandiosen Finale voll infernalischer Satire die Festfeier der Fabrik mit ihren offiziösen Reden sich in Sturm und Regen auflöst, der den ganzen errafften Reichtum in alle Winde bläst. Tausend Einzelheiten bilden das Entzücken jedes Filmfreundes. Wie pracht- voll ist nicht die Szene, wenn der eine Vagabund die ganz« Arbeit am fließenden Band und damit die ganze Fabrik in Unordnung bringt, weil er sich mit seinem Schatz unterhallen muß. Köstlich ist Llberhaupt die ganze Liebesgeschichte ironisiert(die zunächst gefährlich nach happy end aussah). Freilich ist nicht zu leugnen, daß dos Detail sich teilweise zu brell macht, die Tendenz sich ins Spielerische verliert. Aber trotzdem: hätten wir nur mehr solcher Tonfilme. Voran ging eine urlustige Micky-Mouse-Geschichte: Sonntags- jäger und fein getreuer Hund, zum Heulen rührend. O. „Seine Kinder." Taoenhien. Seine fünf Kinder sind die fünf Ursachen, die den Schriftsteller am Schassen hindern. Er schreibt kein« Bücher mehr, er arbellet in einem Büro, um Geld zu Verdiener». Do kommt seine Jugend- geliebte, die geschäftlich Karriere gemocht hat, reißt ihn aus dem Schlamassel und von seiner Familie. Seine Frau will nicht, daß die Kinder ihm im Wege stehen. Sie geht von ihm und zieht die Kinder allein auf. Nach zehn Jahren findet er sie wieder. Er ist inzwischen ein berühmter Mann geworden, hat die andere geheiratet und nimmt der Mutter dle Kinder weg, bannt sie studieren können und gut« Berussaussichten haben. Vereinsamt bleibt die Mutter zurück. Die zweite Frau aber tröstet sie mit den Worten:„Du hast gesiegt: denn seine Kinder hat er nie vergessen." In diesem Film steht vor der Regie und dem Spiel der Inhalt. Die Amerikaner gestatten die Handlung so, daß sie selbst für deutsche Begriff« erträglich wird. G. T o b i n, die geschäftstüchtige Frau, zieht sich vor jedem Gefühlsausbruch erst ein neues Kleid an. L o i s Wilson, die Mutter, behält trotz ihrer fünf Kinder und ihrer schweren Arbeit ihre eckst amerikanische Girlfigur und ein puppenhaftes Aussehen. Hervorragend jedoch versteht der Regisseur John M. Stahl sich darauf. Kinder vor die Kamera zu locken. In den Kinderszenen offenbart sich stets echtes Leben. Sonst legt der Regisseur sein Wert auf den großen Reißer an, und das schluchzende Publikum synchro- nisiert auf sein« Wesse höchst individuell den Film Mit der deutschen Sprache klappt es diesmal gar nicht. Nickst einen Augenblick hat man das Gefühl, es reden Menschen, dafür aber immer den Ein- druck, es sprechen Schatten.__ c. b. Kritik nach zehn Vorstellungen! Von dem Gesichtspunkt aus, daß abgespielt« oder mit zweiten Garnituren besetzte Stück« anders wirken als eben erst auf dem Spielplan erschienene, hat man gelegentlich eine zweite, erst später erfolgend« Kritik gefordert,»in Wunsch, dessen Erfüllborkest freilich schon di« Ueberlastung der Kritik« entgegensteht In gewissem Sinn soll der Gedanke aber jetzt, allerdings von anderen Gesichtspunkten aus, in Poris verwirklicht werde»». Di« dortigen Theaterdirektoren wollen die Kritik von tum an überhaupt erst zur zehnten Borstellung einladen, wobei sie als Grund angeben, man wolle den zünftigen Beurteilern nur gut eingespielte, völlig abgeschliffene Aufführungen vorsetzen. Ob dies das wahr« Motiv ist oder ob man es vielleicht darin zu suchen hat. daß die Direktoren zunächst den Eindruck auf ein unbeeinflußtes Publikum abroarten und danach gewisse Aenderungcn vornehmen oder, wie sich Böswillige ausdrücken, sich wenigstens zehn Tage lang das Geschäft nicht verderben lassen wollen, jeden- falls erhebt die Kritik entschiedenen Einspruch gegen eine solche Neuerung. Zwei Drittel der Erdbevölkeruug Analphabeten. Wie aus einer neuen amerikanischen Statistik hervorgeht, können 62 Proz. der auf dem Erdball lebenden, über 10 Jahre alten Menschen nicht lesen und schreiben. In 18 Ländern beträgt d>e Zahl der Analphabeten mehr als die Hälfte: ihre Einwohnerzahl belauft sich auf etwa 618 M'l- Honen. In den 43 Ländern, in denen weniger als 50 Proz. ohne die Kenntnis des Lesens und Schreibens sind- wohnen 468 Millionen. Von den 1364 Millionen Menschen auf der Erde, die über 10 Jahre all sind, besitzen mehr als 850 Millionen keiire Kenntnis der Buch- stoben. Der Krieg Im Rundfunk. Zum ersten Male seit Bestehen des Rundfunks ist jetzt durch den japanischen Sender die Reportage einer Schlacht übertragen worden. Nach Meldungen der„Times waren am Ufer des Telang Mikrophone und Sender aufgestellt, um den japanischen Hörern das Kriegsgetümmel der Schlacht bei Mukden zu übertragen. Der Sender tn Tokio vermittelte den Rundfunkteil- nehmern durch den Kanonendonner und das Rattern der Maschinen- gewehre, das Geschrei und den Lärm des Kampfgetümmels, natur- getreu den ganzen Schrecken eines Krieges. In der Urania hält Dr. Carl Hamburger Freitag 314 Uhr im Robert- Schumann-Saal. Lützowstr. 76, einen Bortrag:„Bom Sinn der Farbe". Pank Graetz wiederholt seinen Vortragsabend„Berliner Bilder- bogen" in der Volksbühne Sonntag vormittag UM Uhr. Sie erst« Sabarettoper. Tai Kabarett her Komiker wird Anfang Fe- bruar die erste Kabarettoper zur Uraufführung bringen:„Rufen Sie Herrn Wim!". Musik von Mifcha Spolianfly.. Marek Weber mit feinem Orchester und die Comedian Harmonift� musizieren am?t. Januar in der Philharmonie für die Berliner Winter- hilf« und die Künstler-AlterKhilse. Theodor Kapvitem spricht Mittwoch 7 Uhr Dorotbeenstr. 18 über die ftgenannten„Ernsten Bibelforscher" und di-„Apostolischen al« Berliner Sa« Sentsch« KLnftler-The-t« hat seine Eintritt«» mse um durchschnitt- lich 80 Prozent herabgesetzt Die neuen Preise gelten ab DieuStag. Kein Streik bei der Müllabfuhr. Oreiviertelmehrheit nicht erreicht. Kurz vor Inkrafttreten der Notverordnung umr sin Lohnabkom- men getroffen worden nut Lohnkürzungen von 2 bis 6 Proz Die Notverordnung brachte dazu eine weitere Lohnkürzung von 10 Proz. Die erste Lohnkürzung von 2 Proz. sollte am 7. Januar in Kraft treten. Die Direktion schlug vor. das; der über die 10 Proz. hinaus- gehende Lohnabbau von weiteren 2 Proz. erst ab 3. Marz wirk- fam wird, während weitere 2 Proz. ob 2. Mai abgezogen werden, so daß zu diesem Zeitpunkt der Lohnabbau 14 Proz. betrügt. Als Ausgleich dafür wird den Arbeitern die Zurückzahlung einep Vor- schusses erlassen, den sie in Höhe von 39 M. zu Weihnachten erhalten haben. In der über Annahme oder Ablehnung dieses Vorschlags jetzt durchgeführten II r a b st i in m u n g wurden bei 1139 Beschäftigten 989 Stimmen abgegeben. Für Annahme erklärten sich 444, wäh- rend 5 4 2 für Ablehnung waren. Zu der zum Streit not- wendigen Dreiviertelmehrheit hätten über 741 Stimmen abgegeben werden müssen. Daran fehlten jedoch 199 Stimmen, so daß das Abkommen nunmehr als angenommen gilt und der Streik ver- mieden ist. Oer Aazi-Kellner. „Eroberung" eines Gafiwirtsbetriebs. Der SA.-Mann Franz H e i d e ck e, Hufsitenstraße 44, im Zivilberuf Kellner, bot einem Gastwirt seine Dienste an durch ein Schreiben, dessen folgende Stelle die Gelbsucht der Nazis grell beleuchtet: „...Sollten Sic noch keinen Ersaß und gewillt sein, mich in Ihrem Geschäft zu beschäftigen, wäre ich gern bereit, die «tcllung anzunehmen, es fall mein eifrigstes Bestreben fein, durch Fleiß' und Eifer, Ordnungsliebe-und Pünktlichkeit allen Anforderungen gerecht zu werden... Bin nicht rot organisiert, sondern gehöre der NSDAP, an und glaube, das; dieses in Ihrem Geschäft nur nützlich sein kann, „also kann ich weder ein Tarif, noch ein Neunstundenmensch sein." Das zog! Der Gastwirt stellte den Mann sofort ein. Ein Lohndrücker, der Uebcrstunden umsonst macht, ist als„nützliches Element" immer zu gebrauchen. Doch kaum war der Nazikellner im Geschäft warm geworden, als er sich von seiner richtigen Seite zeigte. Eines Abends trank der wackere SA.-Kämpe sich während des Dienstes gehörigen Mut an und wurde frech. Zlls ihn der Chef an seine Pflichten crmahnte, fvurdc er ausfällig, bedrohte und be- schimpfte er denselben, so daß er sofort entlassen werden mußte, Nach kurzer Zeit erschien der gelbe Nazikellner in Begleitung von 12 SA.- Männern wieder, stieß wilde Drohungen aus und wollte er mit seinen Kumpanen das ganze Lokal in Klump schlagen. Das Ileberfallkommando, das der Gastwirt schnell gerufen hatte, spedierte die ganze Bande aber hinaus und stellte die Ruhe wieder her. Der„rauhe Kämpfer" war aber damit nicht beruhigt. Cr verklagte den Gastwirt beim Arbeitsgericht und verlangte Be- Zahlung der Ueberstunden und Tariflohn. Der Gast- wirt legte jedoch Ausgletchsquittungen vor und verlas zum Gaudium des Publikums das Bewerbungsschreiben des Hitlermonncs. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob er denn im Verband sei, antwortete er mit treudeutschem:„Gott sei Dank— nichtl" Als ihm daraufhin der Richter bedeutete, daß er dann auch keinen Tariflohn beanspruchen könne, war er äußerst erstaunt. Da er aber auch durch sein Bewerbungsschreiben und seine Ausgleichsquittungen auf die Bezahlung der Ueberstunden verzichtet hatte, mußte er die Klage zurücknehmen. Der Gastwirt aber dürfte von feinem billigen Nazikellner gründ- lich kuriert sein. Wer sich auf derart schmierige Angebote einläßt, hat sich die Folgen selber zuzuschreiben. Arbeitervereine, die das Konzerthaus Pankow, Breite Straße 34, benutzen, sollten sich jedoch vorher darüber vergewissern, daß sie nicht von SA.-Leuten, sondern von gewerkschaftlich organisierten Kellnern bedient werden. Abgesehen von der Notwendigkeit der Solidarität liegt das heute im Interesse der persönlichen Sicherheit. Oer Lohnkampf in Ostoberschlesien. Zurückziehung der Kündigungen gefordert. Kallowih, 19. Januar. Die Arbestsgemeinschaft der Berg- und Metallarbeiterverbände hat zu dem Vorgehen der Unternehmer Stellung genommen und beschlossen, die Verhandlungen mit denselben nicht eher aufzunehmen, bis die Kündigungen wieder zurückgezogen werden. Um die Belegschaften mit den weiteren Plänen der Gcwcrk- schaften bekanntzuinachen, ist für Donnerstag eine große Kundgebung der Betriebsräte der einzelnen Gruben und Hütten in Kattowitz einberufen worden. An den Demobil- machungskommissär wurde ein Schreiben gerichtet, worin auf das unrechtmäßige Vorgehen des Arbeitgeberverbandes hingewiesen wird. Die einzelnen Verbände erklärten, den Kampf mit aller Entschiedenheit durchzuführen. Einzelne Belegschaften auf den Gruben haben sich bereits geweigert, einzufahren, solange nicht die Kündigungen zurückgenommen werden. Der Wirtschaftsminister ist in einem Telegramm von der bedrohlichen Lage in Kenntnis gesetzt worden. Ivcller für Berlin: Nachts wieder kälter und vielfach Nebel- biidung, am Tag« recht mild und zeitweife Aufheiterung.— Für Deutschland: Im Nordwesten weiterhin mild und trübe mit Sprüh- regen, im mittleren Deutschland Abkühlung, nachts nebelig, am Tage mild und zeitweise heiter, im Süden und Osten nur geringe Aenderung. Senkung der hafenabgaben. In den preußischen Staatkhäfen sind mit Wirkung vom 21. Januar alle Abgaben um 19 Proz. ge- senkt worden. eBuch Edouard ffieiffon: Eine verladene&rau Goethe Hot einmal, die Denkungsart seiner Zeitgenossen klug durchschauend, dem Sinne nach gesagt: Mole behaglich das Laster, aber vergiß nicht, den Galgen danebenzustellen. Auch die kam- munistische Boulcvardpresie pflegt das Laster zu malen: breit und behaglich— und sie pflegt nicht zu vergessen, zwar nicht den Galgen, aber" die Anklage gegen die Gesellschaft danebenzustellen. Edouard Peissons in der Universum-Bücherei für Alle er- schienencr Roman„Eine verlassene Frau" gehört zur Art dieser kommunistischen Lasterreportage mit der angeklebten Ausrede der Krankheitsaufzeigung zu Hellungszwecken. Was soll uns diese, von ihrem Manne, einem Flugzeugführer und Abenteurer, in Marseille mit ihren zwei Kindern sitzengelassene Frau, die, was von den ersten Seiten an vorauszusehen ist, von Stufe zu Stufe sinkt, in den Abgrund der Prostitution hinein, und deren gewiß bedauerliches Geschick dem Autor Veranlassung gibt, ein paar oberflächliche und landläufige Kraftsätze gegen die bürger- liche Ordnung vorzubringen. Eine Klassenkäwpserin stellen wir uns wahrhaftig anders vor als diese Delphine Tamisier, die, aus Resignation über ein höchstpersönliches Malheur, sich Gedanken über die Veränderungsbedürftigkeit der Gesellschaft macht. Hans Lauer. Rundfunk am Abend. Dienstag, 19. Januar. Berlin. Boxer im Training Peter Brie). Bücber über die Abrüstung.(Am Mikrophon: Dr. Walter Hagemann.) Unterbalmngsmusik. Die Funk-Stunde teilt mit... Erich Ebcrmeyer liest eigene Dichtungen. Philharmonie: furtwängier dirigiert. Berliner Philharmon. Orchester. 1. Haydn: Sinfonie D-Dur. Nr. 104. 2. Beethoven: Große Fuge B-Dur, Nr. 133. 3. Schubert: Sinfonie C-Dur. Das Ende des britischen Freihandels. Bearbeitet von Actualis Werter-, Tages- und Sportnachrichten. 17.30 17.50 18.20 19.25 19.30 20.00 22.00 22.40 16.30 17.30 18.00 18.30 18.55 19.00 19.30 20.15 22.00 Königswusterhausen. Leipzig: Konzert. O. v. Wertheimer: Historische Größe. Prof. Dr. W. F. Bruck: Die soziale Krise in England. Mersmann: Die Musik in der Einheit der Künste. Wetter für die Landwirtschaft. Englisch für Fortgeschrittene. Kann sich Deutschland wirtschaftlich unabhängig machen?(Prof. Dr. M J. Bonn. Dr. Quaatz, M. d. R.) Unterhaltungsmusik. Räuscher: Zcitungsschau. Vcrantwortl. für ble Redaktion: Aich. Bernstein. Berlin; Anzeigen: Th. GUxkc. Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts Pu». druckerei und Vcrlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SD 06, Lindenstr. 6. Hierzu 1 Beilage. PROGRAMM für die Zeit vom 19. bis 21. Januar I N O-T A F I L PROGRAMM für die Zeil vom 19. bis 21. Januar KSSQ Potsdamer Straße 38 Kadetten mit A. Das.ermonn Trudc v. Molo Für Juaendlicbe trclgcgcbcn: \V. 5, 7, 9 Uhr Rheinstraße 14 Verlängert! Oer weiöe Rauseh mit I-eni Itierenntahl. H. Schneider Für Jugendliche freigegeben: W. 5, 7, 9 Uhr I w„ft ir,*_A w. 6.15 u. 9.03 U nelt-AtnO b. 3, 5, 7j 9 Uhr.s, ] Alt-Moabil 99. Jugendliche Zutritt'. Das große Tonfilmprogramui ' Titania-Palast*6ji0 f, ü Odeon, Potsdamer Str. 75 Der Uochtonrise mit O. STall- hnrg. Maria Solvegr, E. filiß- »er. Max Rhrlicb.— Auderdem: Ufm-Ton-Kabarett Mr. 5 W. 5, 7. 9 Uhr Turmstraße 12 Harra, ein Jungro mit K- A. fiebert», �fax AGalbcrt, Lucio Enirllsch W. 5. 7, 9 Uhr Alexanderstraße 39-40 (Fawajgc) l>er weiße Rauncli mit Idoni lliefenntahla H. Schneider Für Jugendliche freigegeben! Den ganzen Tag geöffnet! Sonntags ab 3 Uhr ■ w«»*«" a Primus-Palast Potsdamer Str. 19 Lckc Margaxclcnstr. fsägen auf Rü�en mit Maria Solvcgr, O. Wallburi?« It. A. Robert«, Paul llörbisrer. W. 5.15, 7.15, 9.15 Uhr S. 345, 5.15, 7.15. 9.15 Uhr c Friedrichstadt Die Kamera Unter den Linden 14 Täglich 3. 5, 7. 9 Uhr I>er Mörder Diniitri Karanio- «off mit Fritz Kortncr, Anna Sten— Tonwochc— Ilclprogr. Slg., 11 Va Uhr vorm., Matinee: Erde U Charlotf H»urq»D Kant-Lichtspiele Kantstr 51(aj der Wihuersdorfer Str.) Mädrbrn in Cniform mit Dorothea zvicek, Hartha Thiele. W. j, 7. 9 Uhr ■iJLjjjLLil». Germania-Palast CharlottcaburÄ, Wümersdorler Str. 53/54 Verlängert! Der spannendste Afrika-Tonfilm: Trsder Horn W. 5, 7. 9 Uhr Stg. 3, 5, 7. 9 Uhr Franziskaner ÄTorm. Gcorgcnslraße(Ecke Frledrichstraßc) Zwei Tonlilme! 9. 12, 3, 6. 9 Uhi- lch fireh aus und Du bietst da mit C'amilla Horn. Tb. Loos, Hans Krause n e tter u. a- 10.30, 1.30, 4.30, /-SO. 10.30 Uhr: Oloria (Liebe und Weltrekord). mit Brigitte Helm, Gast. Fröhlich Neueste Woeb.- a. Kulturscbau S Moabit S Artushof soÄ�o5� Ferlaberger Ztr. 29 Dia Abenteurerin Ton Toni« mit Ellens pichter.— Tonbeipr — Totraoeno Schlüter-Theater tTiv. Schlflterstr. 17. Sonnt. 3 Uhr Jugend Vorstellung Oer Ball bei Raffkes mit Dolly Haas, Reinbold Schänzel.— Tonbeiprogrramm Atrium Beba-Palast IvaLjerallce, Ecke Berliner Straße Wochent. 7, 9*4 U. Sonnt. 5, 7, SVi U. Urauffuhrungl Chauffeur Antoinettc m. Charlotte Ander. II. t. Scblettow, Georgia Cind, Falkcnstcln, Bvidw. Stössol. Elga Tamary. — Tonfilm-Beiprogramm S»chdnebgrg"fc Titania Schöneberg Hauptstr. 49. W 5. 7. 9 Uhr S. 3. 5. 7. 9 Uhr Liebcskoniraando mit Dolly Haas. Gustav Fröhlich.— Ton beiprogrramm.— Tonwochc Jugendliche haben Zutritt Ä IhntnkfAt Woch- 5' 7- 9 vhr /i inamora sonnt. 3. 5, 7. 9 uhr Ilauplslr 30 Geliebte für einen Tag(Das Konzert) mit Olipa Tschcchowa, Oskar Karlweis. W. Hansen.— Beiproßr.— Fox. tön. Woche. — BAhnenschau• Friedenau Kronen-Lichtspiele Rbeinstr. 65. Sonnäb-, Sonnt, ab 5 Der anhekannte Ga«t m. Sr-okc Mzakall, L. Emrllseb, Bran.e- wetter— Im Beiprogramm: Mti- aikaliacfaca Kabarett c z ehlcndorf-MlU« Za/.* Beginn fägl. 5. 7. 9 Ihr üeit stg. 3 Dhr JugendrorsteJJ. Potsdamer Str. SO WeUko Se hattet». SfidseetUm.— E» tut eich svaa in HoHyrrood Slg.l,6.3D,9a Steglitz, Schloßstr. 5, FckeGulsmutbsstr. Uraufführung! Madame bat Aue- gang mit Liane Haid, II an. Urauaewcttcr, Hilde Hilde- hrandt— Bühne; Albert Prtjean. Beia Bizony mit seinen Sinfonikern und seiner Musik aus der Luft U- f J Maricndorfer Vf. SIA, 9 U. ITIU-Lil Tonlicbtapiclo So. ab 5 U. Chausseeslr 305 Tonoperclte: Die Flcderman« mit Anuy Ondra, f.g. Alexander. — Tonbelprograrom f"��«moeiho> st Kiirfnrv* w- 7- 9 Ubr Aurrarsc stg. s, 7,#uhr Somilag 3 Uhr: Jugend Vorstellung Oorfstraße 22. Ecke Berliner Straße Mein Leopold mit M. Adalbert. Lurie Kngli.rli, H. Thimlg. B. Fröblieh.— Tonbrlprogr. Jugendliche haben Zutritt Tinnli Täglich 5, 7. 9 Uhr g IVO II Stgs. 3 Uhr: JugendvorsleU Berliner Str. 97 Tonlnstspiel: Der Peehvoael mit K. A. Robert». Emmy Sturm. Ida H'tist.— Tonbeiprogrraram H Wnuköiin U Mercedes-Palast v ab ju. Ifcrmannslr. 212 Tonlustspicl: Die spanische PHcgsc.— Bühne; Francardy Comp. Primus-Palast sonnt.30.�' u! Am Hermannplalz, Urtanslr. 72/76 Tradcr Horn, Afrika-Sensalions Abcnteurrfilm— Bciprofframra — Bfihncnschau Kukuk Wochenl. 6.45, 9 Uhr Sonnlgs. 3, 5, 7, 9 U. Kottbusscr Damm 92 Männer um Igucie mit I>ianc Haid, Walter Rilln.— Tonbel- progromm Frrelcinr wochcnt. 6.45, 9 Uhr CZCeiSlOr Sonntags 3, 5, 7, 9 ü. Kaiser-Frlcdrich-Slraßc 191 Arm wie eine Kirchenmaus mit Grete Hoshelm.— Der gehorchende Film: Hai was anderes Stern, Hermannstraße 49 Wocht. 6.45. 9 Uhr, Stg. 3, 5. 7, 9 Uhr Der gewaltige Tonfilm: Helden der Luft.— Tonbeiprofframm Lichtspiele Südwest™ Blüchers tr. 12.* Zwei Großtontilme: Ein ausgekochter Junge mit». Arno.— Der Sohn" der woiBen Tlerge mit Luis Trehkcr, F. Breaeart. F-enate Stiller Film-Palast Kammersüle i>llowcrStr.l. W. ab4i1i€So.ab3,/6U. fOOproz. Tonfilm: Die Mutter der Kompaenie mit D'clB Ferdi.— Llebeafiliale mit Annj Ablers Theater am Moritzplatz Wo. 5, 7, 9 Uhr, Sonntags ab 4H Uhr Raub der Hona Izlsa mit Willy Forst, T. ▼. Holo.— Beitel tonlUm Endkampf mit Uoot Gipson SUdostGn Lfclv jmL Arn G6rlilzcr Bahnhof rtimeCK w. ,h 6'?. 5tg5. ah 2 Musikalischer Tonfilmschwank Die spanische. Fliege mit Fr. Schul*. O. Sabo, B.. Robert» Auf der Bühne: Gastspiel Weint raub Syncopators Luisen-Theater W. ab 6.30 Stgs. ab 3 ncichcnbcrgcr Str. 34. Zwei Großlonfilmc: Tonfilmschwank: So'n Windhund mit R. A. Roberts, Max Adalbert. Der spannende Hochgebirgstonfilra: Der hebende Berg: Stella-Palast Köpenicker Straße 12—14 Hichncl Bohnen in der Tonfilm-Operette Viktoria ond Ihr Husar Auf der Bühne: Gastspiel des beliebt. Filmstars Paul Heidemann Jugendliche haben Zutritt NorcSosten ,Elysiam' " Prenzlauer Allee 56 W. 5.13. 7. 9.13, Stgs. 3.13. 5, 7.13, 9.15 Der Hauptmann v. Köpenick mit M. Adalbert.— Bühne: Orctl t. IVolden.— l'oxtonwoche Flora-Lichtspiele Ä/T Ich bleib bei dir... mit Herrn. Thimig. Jenny Jugo.— F. W. Murnau's; Tabu Osten Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wocht. ab 6.30, Sonnabd. 5, Slg. 3 Uhr Tradcr Horn Das große Filmwundcr. Der grandiose Afrika-Sensalions- Abenteucr-Tonfilrn Auf der Bühne; Rergfs Wunderbaren(Scala) Lana-Palast �ni.�sLhr Gr. Frankfurter Str. 121. Die Flcdermans mit A- Ondra. G. Alexander, FclroTich.— Bühne; Kapelle O. Kermbaeh (neues Programm) 23 Personen.— Tonwochc Schwarzer Adler Franltf. Allee 99 W. 5. 7, 9 Uhr S. 3. 5, 7. 9 Uhr Zwei Tonfilme: Emil und die Detektive.— Tabu(Eine Geschichte aus der Südsee.— Jugcndl. Zutritt Deatsch-Amerik. Theater Köpcnickcr Str. 68. W. 5, 7, 9 Uhr Hein Beopold mit 31. Adalbert Giinf. Fröhlich. Thimig:, Eng:- lisch. H. Panlsen.— Tonbeipr. Jugendliche haben Zutritt Nene Philharmonie Köpenicker Str. 96 Tänzerinnen für Südamerika grenncht mit Dlta Parlo.— Bei propra mm.— Bühnenschau � BaumsctmlGnwGB Lichtspielhaas Bamnschulenstr. 78. Monachen hinter Gittern mit Heinrich fieorge,— Ein Traum von Liebe.— Beiprogramm Sonntags 2 Uhr: Jnsendvorslelluns Treptow-Sternwarte Donnerstag 8 Üht;'. Ranffo. Ein Tierepos aus Sumatra (Film) Viktoria-Theater Frankfurter Allee 48. Jgdl. Zutritt Wegen Riesenerfolg verlängert: Hein Deopold mit fll. Adalbert, Ltucle Fns:lincli, G. Fröhlich Frankenburg Bühne Gr. Frankfurter Str. 74 W. 5, 7, 9 Uhr, Sonnt, ab 3 Uhr Da« große, bekannt ffutc Ton filra-Programm U XGntrum D Babylon, am Bülowplatz Wocht. 5, 7, 9 Uhr, Sonntags ab 3 Uhr Der Hauptmann von Köpenick mit Max Adalbert Gate Bühnenschau Jugendliche haben Zutritt � H«««- Kosmos-Lichtspiele Lflckstr. 79. Tiglich 5. 7. 9 Uhr Sonntaes 3, 5, 7. 9 Uhr Große, Doppclgrograram: Bang«— Volldampf Charlie mit Georg Bankrott Jugendliche haben Zutritt Harmonie ÄN7. 9:u9 a Langbanssfr 23. Gr. Tonlustspiel: So'n Windhund mit L. Englinch. Max Adalbert, II. A. Kobcrts, Hicmann �""TrleSrUhsfldn U Kino Bäsch uÄ Alt-Friedrichsfelde 3 lOOpror. Tonfilm: GioiiR mit Rrix Helm, Fröhlich*— Tonbeipr. Jugendliche haben Zutritt ■ Noragn» Alhambra gKÄT Woch. 5, 7. 9 Uhr Sonnt- ab 3 Uhr Der weiße Ranaeh mit Leni Kielen. fahl. H. Schneider Josendliche haben Zutritt Pharus-Lichtspiele Müllers lr. 112 Tiglich 5. 7. 9 ü. Großtonfilm: Llebeskom mundo mit Dolly Haa«,<1. Frlihlieh. Mareell Wittriaeh-— Tonbeiprogramm.— Tonsroche Jugendliche haben Zutritt d B«IiHciwwdorf-0«t"b Be ha-Lich t spiele Bcsidenzstr. 124 W, 6.45 u. 8.45 Uhr Stg. 3 Uhr: Jugeudvorat., 5, 7, 9 Uhr Die Abenteurerin von Tuni« mit ISIlen Richter, Theo Shall. — Gutes Tonbciprofframm P a n k o «» Palast- Theater 1 9 u. Breite Straße 21a. Tonlustspicl: Bmil und die Detektive.— Mittwoch 4 Uhr: Große Jugend Vorstellung: Tivoli Wochent. 7, 9 U. Sonnt, ö, 7. 9 U. Berliner Straße 27. 24 Stunden aus dem lieben einer Fran mit Henny Porten. — Tonbeiprogr.— Tonwoche ■ T«a«»■ Filmpalast Tegel Ä1" Wochcnt. 6. Sonnt. 4.16 U. Sonnlag 2 Uhr: Jugend Torstellung Jeder(ragt nach Erika mit Lya Mara, Verehr., Janasen. Sand- rock.— Tonbeiprogramm Pilmnnlfftf v««- W,«, 8�0 Uhr rumpaiast stgs.«h. u. Berliner Str. 59 lOOproz. Tonjilm: Solang" noch ein Walser ven StranU erklingt m. G.FrdhUch- — Tonbelprogramm (Beilage Dienstag, 19. Januar 1932 SrrAlvnil S/uMnnlffnA Jex lortvärü Frauen schreiben uns: Als ich arbeitslos wurde Bon einer alleinstebcndcn irrou, Mutter eines schulpflichtigen �mdeS, erhalten wir diese Zuschrist. Tie Frau flt Mitglied der Sozialdemokratischen Partei, aber nicht gewerkschaftlich organisiert. Als Angehörige einer Gewerkschaft waren ihr sicher manche lln- annchmlichkcitcn erspart geblieben. Trotzdem sind ibre Krfohrunaen die Erfahrungen vieler. Tie Arbeitsämter sind überlastet. Nicht alle Mißstände werden abgestellt werden können. Aber vielleicht • läßt sich doch durch eine straffe Organisation manches bessern, viel- leicht ließe sich manche Härte vermeiden, wenn es den Männern hinter den Schaltern stets bewußt wäre, daß den Menschen vor den Schaltern das genommen ist, was sie selbst noch haben: Arbeit und Brot. Vergebliche Gänge. Am 1. Januar wurde ich arbeitslos und mutzt« den Weg gehen, den Millionen vor mir gegangen find. Ich kannte aber den Weg noch nicht und mutzte nicht, was ich zu unternehmen hatte, um meine Unterstützung zu bekommen. Am 2. Januar ging ich aufs Geratewohl los, sprach den ersten besten Schupo an, der mir be- gegnete, und sagte ihm, ich sei Büroangestelltc, arbeitslos, wolle mich melden, wisse aber nicht wo. Er wurde verlegen:„Gehen Sie aufs Revier, da wird man es Ihnen sagen, aber sagen Sic nicht, daß Sie mich gefragt Haben." Ich ging auss Revier, doch das war geschlossen. Auf dem Heimweg« traf ich einen Nachbarn, von dem ich wußte, daß«r fast immer arbeitslos ist: ich hoffte, von ihm genaue Auskunft zu erholten.„Ja, das kann ich Ihnen schon sagen: Sie müssen erst zum Revier und sich eine Bescheinigung geben lassen, daß Sie noch hier wohnen: damit gehen Sie auss Arbeits- a m t, D... strotz«, zweiten Stock, und melden fiä) arbeitslos." Das war am 2. Januar... Der 3. Januar war Sonntag. Am 4. früh zog ich los. Zuerst zum Polizeirevier. Hier mutzte ich eine halbe Stunde warten, denn es waren verschiedene Leute vor mir da. Als ich endlich meine Bitte vorbringen konnte, erfuhr ich, daß ich erst dann eine polizeiliche Besch«inigung haben könne, wenn ich im Besitze der Stempelkarte sei: zu diesem Zweck nuitzte ich erst zum Arbeitsamt. Also zur D...straße. Hier strömten viele Leute in das be- wußte Haus. Ich fragte ein junges Mädchen, an welche Stelle ich mich wenden müsse.„Kommen Sie mal mit, da unten in der Barocke sitzt ein« Frau, die Ihnen Bescheid sagen wird." Ich trete in die von heißer Stickluft erfüllte Barocke und schaue mich nach der Frau um. Der Raum ist überfüllt. Ich wevd« ans Ende der langen Schlang« geschubst und warte. Langsam schiebt sich die Polonaise vorwärts. Endlich steh« ich am Schalter und bringe-mein Sprüchlein vor.„Ja, da-find Sie hier ganz falsch: Sie gehören in die G.'..straße. Aber lassen Sie sich oben, Zimmer ZS. gleich Formulare geben, damit Sie nicht erst unnütz hinfahren." Ich geh« die zwei Treppen hinauf. Ziinmer IZ ist gut gesagt! Wenn ich hineinwollte, müßte ich schon von der Treppe aus über Köpfe steigen: Zimmer 15 liegt in weller Ferne. Ich stelle mich an. Die Menschenmasse steht wie eine Mauer. Es vergehen Minuten... Stunden... Endlich stehe ich an der Barriere, um zu erfahren, daß ich die Formulare nicht Hier, sondern nur in der G... straße bekommen könne.„Machen Sie fix, bis 12 Uhr ist da nur auf!* ruft man mir nach. Die Uhr ist ein Viertel nach 11: was bleibt mir übrig, als in meine magere Börse zu greifen und mir«inen Fahrschein zu lösen. Auch die Auskunft in Zimmer 15 war falsch: in der G... straße kam man bis Vii Uhr dran. Atemlos kam ich an und wandte mich an die Auskunft. Hier herrschte Ordnung: hier bekam jeder seine Nummer, wurde aus- gerufen und an die entsprechenden Schalter oder Zimmer gewiesen. Nach einer Stunde Wartezeit kam auch ich an die Reihe. Ick) wurde reichlich für meinen Eifer und meine Geduld belohnt, bekam c i n Paket Fragebogen in die 5)and gedrückt und konnte gehen. Die Fragebogen sollten bis morgen ausgefüllt und in der G... straße eingereicht werden. Heut« durfte das nicht geschehen: aus welchem Grunde, ist mir nicht bekannt. Wir Arbeitslosen haben ja Zeit, können laufen: von Tempelhof zum Spittelmarkt— ein Katzensprung! Mit der Stempelkarte in der Hand... Am nächsten Tage reichte ich nach einstllndiger Wartezeit niein« ausgefüllten Fragebogen ein und bekam im Austausch ein An- tragsformular. das ich auszufüllen und in meinem Bezirk in der D... straße einzureichen halle: gleichzeitig wurde mir mein nunmehr wichtigstes Dokument, die Stempelkarte, in die Hand gedrückt, mit der Aufforderung, mich zweimal wöchentlich zwecks Abstempelung in der G... straße zu melden. Tags darauf fand ich mich, nachdem ich mir im Polizeirevier an 5)and der Stempelkarte einen Ausweis hatte geben lassen, im Arbeitsamt D... straße ein. Die Menschen standen Kops an Kops in einem Raum von etwa 5 Meter im Quadrat, von dem zwei Drittel für zwei Herren hinter der Barriere abgeteilt waren: ein Drittel stand dem etwa hundertköpsigen Publikum zur Verfügung. Ich stellte mich in die Reihe und bereitete mich auf«ine bis anderthalb Stunden Wartezeit vor. Die Luft war zum Zerschneiden. Die Menschen hatten ermüdete, zerquält- Gesichter. Gemächlich wurden einzelne abgefertigt: es wurden viel Worte dabei gemacht— nicht etwa freundlicher Natur! Ein qualvoller Seufzer entrang sich einem Wartenden. Der Beamte hob spöttisch den Kopf:„Noch beut- licher bitte, der wa r noch nicht deutlich genug!" Kurze Zell darauf entstand ein Handgemenge zwischen einem der Beamten und einem, der sich eine laute Bemerkung erlaubt hatte... Als zwei Stunden um waren und keine Aussicht bestand, noch heute abgefertigt zu werden, fragte ich den Beamten, ob:ch den» nicht meine Papiere dalassen und mich selbst entfernen könne, ich hätte ein Kind zu Haus,' das allein wäre und auf mich warte. Antwort:„Wir haben hier keine Pa p i e ra u f b c�w a h- rungsste'l«. Kommen Sie morgen um 8 Uhr wieder." Was blieb mir übrig, als seiner Aufforderung Folge zu leisten. Unirütz hatte ich zwei Stunden in dieser Stickluft gestanden, unnütz mein Kind zu Hause ollcingelajsen. Enttäuscht und traurig trat ich den Heimweg am Am nächsten Morgen. In der Hofsming, daß ich. wenn ich mich pünktlich um 8 Uhr Einfinden würbe, als eine der ersten abgefertigt wurde, mochte ich mich am nächsten Morgen früh auf den Weg. Vergebliche Hoff- nung— Zimmer 15 war überfüllt, in Rech und Glied standen die Menschen. Ich nahm meinen Platz ein mit dem festen Vorsatz, heute auszuharren. Vereinzelt drangen von der Barriere etwas lauter geführte Wortwechsel an mein Ohr. Eine Frau fragte, ob sie nicht früher vorgenommen werden könne, sie müss« zum Arzt. „Warum sind Sie denn nicht schon früher hiergewcsen?" „Ich bin krank und konnte nicht so früh aufstehen." „Tut mir leid, wenn Sie schnell abgefertigt sein wollen, dann müssen Sie früh heraus, auch wenn Sie krank sind und wenn Sie sich anpacken so dick wie eine Litfaßsäule." Ein Mann kam wegen irgendwelcher Differenzen, derentwegen der Beamte mit einer anderen Stelle telephonieren inußte. Als er verbunden war, fing er so an:„Hier ist ein gewisser Gustav Schulz (alter d e u t s ch e r A d e l), der usw." Als ob es notwendig wäre, über diese armen geplagten Wesen, die Arbeitslosen, die doch un- angenehmere Arbeit zu verrichten haben als mancher Arbeitende, auch noch seine Glossen zu machen! Es vergehen Stunden, die Mauer schiebt sich im Schneckentempo weiter. Einer bemerkt:„Im Rußland ist einem Postamt, dessen Beamte zu langsam arbeiteten, eine Schildkröte als Orden verliehen worden: hier haben sie zehn solcher Orden verdient." Um �1 Uhr kam ich an die Reihe. Meine Papiere wurden durchgesehen: es schien alles in Ordnung, doch nein, plötzlich schaute der Beamte auf:„D e r S t e m p el von d e r K r a n k c n k a s s e fehlt ja noch."(Niemand hatte es mir vorher gesagt, daß ein solcher nötig sei.) Ein Grauen überkam mich, einen Augenblick long war ich so weit, daß ich auf jegliche Unterstützung verzichten wollte. „Verschaffen Sie sich den Stempel und kommen Sie morgen wieder." Aerzweiselt bat ich den Beamten, doch wenigstens ein Zeichen auf meine Papiere zu machen, daß ich schon hiergewesen sei, damit ich morgen gleich vorgenommen würde. Mitleidlos verweigert« mir der Beamte diese kleine Erleichterung: sein Kollege schien noch nicht ganz so verkrustet zu sein: er machte mir das Zeichen hin. Für heute war ich erledigt. Für die Krankenkasse war«s zu spät. Also morgen. Die Woche ging zu Ende und ich hotte noch nichts erreicht. Eine freudige Ueberroschung erlebte ich in der Krankenkasse. Drei Menschen vor mir und ich wurden in fünf Minuten abgefertigt. Mit dem kostbaren Dokument versehen fuhr ich zur D.. straße. Die Mcnschemnouer ließ mich nicht durch, trotz meiner Versicherung, ich habe ein Zeichen auf meinen Papieren, daß ich sie gleich ab- geben könne.„Wir müssen olle nur unsere Papiere abgeben, warten Si«, wir müssen auch warten." Ein glücklicher Zufall kam mir zu Hilfe, ich rückte vor, und mit Aufbietung oll meiner Energie streckte ich dem Beamten meine Papiere entgegen. Binnen zehn Minuten war meine Sache erledigt. Seit diesem Tage gehe ich zweimal in d«r Woche zum Spitiel- markt stempeln. Weswegen ich schrieb.' Weswegen ich Ihnen diese Aufzeichnungen schicke? Sicherlich nicht, um andere Menschen anzuschwärzen. Aber ich glaube, daß es notwendig ist, in der Oefsentlichkell immer wieder daraus hin- zuweisen, wie der Erwerbslose empfindet. Ich stehe ja noch an, Anfang meiner Erwerbslosigkeit. Und doch: ich sah es zu deutlich, die Niedergeschlagenhell, die mich bei meinen Gängen und während der furchtbaren Warterci erfaßte, jene anderen werden nickst minder von ihr ergriffen. Es ist ja wohl auch denen, die noch ihre Arbeit haben, verständlich, daß der Zustand der Arbeitslosigkeit einen nervös macht, in einem bald Gefühle der Minderwertigkeit und bald Gefühle der Auflehnung gegen diese Ordnung hervorruft. Für uns sind die Gänge zum Arbeitsamt keine Kleinigkeit. Sie bestürm, en unser Leben. Und von der Behandlung an den Arbeitsämtern hängt, ob wir wollen oder nicht, unsere Stimmung ab. Man spricht jetzt so viel von der seelischen N o t h i l f e für Erwerbslose. Möchte doch die Oefsentlichkeit, nwchtcn doch die Behörden, möchte doch jeder einzelne Beamte einsehen, wie entscheidend wichtig es ist, daß diese seelische Nothilfe bei den Arbeitsämtern beginnt! Das glaubte ich gerade als Frau und Mutter einmal schreiben zu müssen. Ein Märtyrer für die Mütter Die Tragödie des Arztes Semmelweis Die Lebenzschicksale von 21.großen Aerzten, Pfadfindern der Medizin, die sich in heißen, oerzweifelten Kämpfen um das Wesen der Krankheit mühten, schlldert uns Rudolf Thiel in seinem Buche„Männer gegen Tod und Teufel"(Paul N e s f Verlag. Berlin), das eine so starke Antellnahme gefunden hat, daß bereits wenig« Wachen nach seinem Erscheinen eine zweite Aufloge nötig wurde. Nicht in trockenen Biographien mackien wir hier die Bekanntschaft der Märtyrer und Vorkämpfer der ärzllichen Wissenschaft.— in dramatisch bewegter Forn, vielmehr, spannend wie ein Roman, entsteht vor uns„die Geschichte der großen Mediziner, die zugleich die Geschichte der Medizin i st",— anekdotenhaft und doch den ureigensten Kern jeder einzelnen Persönlichkeit treffend. Hier erfährt auch der Laie, wie dornenvoll die Wege waren, die die Wohltäter der Mensch- heit gingen, unter welch unsäglichen Qualen jeder Zoll neuer Er- kcnntnis errungen werden mußte. Gegen Tod und Pestllenz, gegen Finsternis und Aberglauben, gegen unsichtbare Gifte und menschliche Dummheit fochten die Jünger Aeskulaps— von Paracelsus bis zu Bergmann—, immer mit dem vollen Einsatz ihrer ganzen Persön- lichkeit, ihrer warmen Menschlichkeit. Den Frauen am nächsten steht Jgna; S e m m e l w c i s, ihr Befreier von der furchtbarsten Geißel, die jemals über Frauen- schicksal schwang. In Wien wütete um die Mitte des vorigen Jahrhunderts am Allgemeinen Krankenhaus, an dessen erster Klinik der junge Buda- pester Arzt Semmclweis ordenllicher Assistent war, das Kind- bettfieber.„Laß dich nur nicht zu den Aerzten stecken!" raunten damals die Nachbarinnen der jungen Wöchnerin zu, die den schweren Gang ins Gcbärhaus antreten mußte.„G e h lieber zu den Hebammen! Wenn du zu den Aerzten kommst, so ist es dein Tod." Sie läßt sich nicht mehr verheimlichen, die paradoxe Tatsache: die ganze Stadt kennt si« bereits: an der ersten Klinik sterben 10, 20, 30 von hundert Wöchnerinnen, an der zweiten Klinik, bei den Hebammen, dagegen nur 3 oder 4. So geht es Jahr um Jahr, seitdem man die beiden Kliniken vonein- ander getrennt hat. Niemand geht mehr freiwillig in die Aerzte- abteilung. Man weiß sich nicht mehr anders als durch Täuschung der jungen Müller zu helfen, bei denen sich erschütternde Szenen abspielen, wenn sie die Täuschung gewahr werden und nun trotz ihrer Schmerzen kniefällig bitten, wieder entlassen zu werden. Was war»un sür ein Unterschied zwischen den beiden Kliniken, die die gleiche Wäscherei, die gleiche Küche, die gleiche Art von Patientinnen hatten? Worin waren die Hebammen besser als die Aerzte? Warum wuchs in der Aerztcklinik die Zahl der Todes- fälle von Monat zu Monat.— wuchs erst recht, seitdem der eifrige, sleißigc Assistenzarzt seines Amtes waltete? Ein düsteres Geheimnis mußte sich hinter dieser Tatsache verbergen, das der Assistent— koste es, was es wolle,— zu lösen schwor. Morgens, wenn der Wecker rasselt und Semmeteeis aus kaum begonnenem Schlafe schreckt, weih er schon, was ihm bevorsteht: rasch läuft«r durch die Klinik und üb«rzeugt sich, daß seine gräßlich« Ahnung sich wieder einmal bestätigt. Er geht ins Leichenhaus, zieht die Lederschürz« über und deckt den letzten der erloschenen Frouenleiber auf. Und immer wieder bietet sich ihm dos gleiche Bild, dos fürchterlich« Bild verellerter Gefäße, entzündeten Bauchfells, das Bild schwerster Lcichenverg'ftung. Ein Gift aber, so sogt sich Semmel. weis, muß doch irgendwie zu fassen sein. In bangen, schlaflosen Nächten brütet er über dem Geheimnis und kann doch keine Lösung find«n,— bis ihm der Zufall zu Hilfe kommt. Ein trauriger Zufall allerdings, der ihm seinen lösten Freund, den allezell fröhlichen Gerichtsmediziner Kolletschka entreißt. Ein ungeschickter Praktikant hatte dem Professor beim Sezieren in den Finger geschnitten, und dieser starb an den gleichen Erscheinungen wie die Wöchnerinnen,— an schweren Eiterungen der Lymphgefäße, des Herzbeutels und der Hirnhäute,— Kindbettfieber also, wenn man so wollte, auf euren gesunden Mann übertragen durch einen winzigen Messcrschnitt! Das Messer war vergiftet durch das Blut des Leichnams! Hier war der gesuchte Zusammenhang: Das Kindbettfieber wird durch ein Gift hervorgerufen, das sich an faulenden Leichen bildet: sobald es ins Blut kommt, muß der Körper sterbe». Ins Blut d«r Wöchnerinnen aber gelangt es besonders leicht durch die blutenden Gebärorganc,— durch die Hand des untersuchenden und helfenden Arztes! Hier lag die Lösung der furchtboren Paradoxie. Der fleißige Forscher Semmclweis, der zwischen Sezier- und Gcburtssaal hin und her pendelte, brachte an seinen Fingern das Leichengift mit und infizierte die unglücklichen Frauen, denen er so gern helfen wollte. Die Hebammen aber, die ja nicht sezierten und den Leichcnsaal nicht betraten, waren weniger gefahrbringend! Der Gedanke:„Wie zerstöre ich das Leichengift?" läßt nun den jungen Forscher nicht mehr los. Gegen den entsetzlichen Geruch des Leichengiftes ist sein Kampf in erster Linie gerichtet—„denn wo Geruch ist", so meint er,„da ist auch ein Gift!" Er taucht seine Hände in faulende Stoffe, in abscheulich riechende Eiterbeulen, bis er fast ohnmächtig wird,— dann wäscht und bürstet er sie mit Sand, Lauge, Spiritus und Chlorwasser. Da endlich gelingt es ihm, den häßlichen Fäulnisgeruch zu bannen. Man schreibt das Jahr 1817,— das Geburtsjahr der Antisepsis. Der A s s i si e n z a r z t eröffnet nun einen unerbittlichen Chlor- fcldzug im Krankenhaus. Aerzte und Hebammen werden angehalten, vor jeder geburtshilflichen Untersuchung oder 5)ils«leistung die Hände gründlichst in Chlorwasser zu desinfizieren. Trotzdem kommt noch manch schwerer Rückschlag, bis der Forscher erkennt, daß nicht nur Leichengift, sondern überhaupt das Gift jeder zerfallenden Geschwulst, jeder eitrigen Wunde Fieber hervorrufen kann, daß das Kindbettfieber nichts anderes ist als eine Wundvergiftung, jedem gewöhnlichen Wundfieber gleichzustellen! Nun erst ist das Rätsel um das so gesürchtete Kindbettfieber endgültig gelöst. Der junge Buda- pester Arzt, der so heiß mit dem Dämon rang, hat diesen zuletzt doch noch bezwungen. Daß indessen der Prophet nichts gilt in seinem Vaterlande, hat Semmelweis mit aller Härte am e i g c n e n Leibe erfahren. Jahr- zehntelang werden seine Lehren kaum beachtet, totgeschwiegen, ver- gessen. Er schreibt ein Buch, ossene Briefe: er rüttelt am Gewissen der Welt. Als er endlich Gehör findet, ist es für ihn selber zu spät: da sinkt sein empfindsamer Geist, den ewigen Enttäuschungen nicht mehr gewachsen, in Umnachtung. In die Irrenanstall in Wien hat er «ine klein« Fingerwund« mitgebracht, die von einem Eingriff an einem Neugeborenen herrührt. Zu spät erkannte man, daß die Wunde brandig wurde..... So ging der Schöpfer der Antisepsis, der Entdecker der Fäulnis. Vergiftung, der große Wohltäter der Frauen, selber an Blutvergiftung elend zugrunde! Dr. Lily Herzberg. Meisterschaften im Arbeitersport Kreismeisterschaft im Fußball— Rinder streiten um die Ehre �lm kommenden Sonntag wird auf dem Sportplatz in der �ynaststratze ani Bahnhof Stralau-Rummelsburg die Vorent- scheidung um die Fußballmeisterschaft des 1. Kraifes erledigt Luckenwalde I und E> n t r a ch t-!steinicke>chorf wer- den sich um die Berechtigung mit Adler 08. dem Meister der Ab- tcilung B, kämpfen zu dürfen, streiten. Wer sind die Mannschaften? Wie spielen sie? Beginnen wir mit Luckenivalde I, dem vorjährigen Kreis- und ostdeutschem Meister. Schon immer, seit dem Bestehen der Arbeiter- fußballbewegung, zählten die Luckenwalder oder auch„ßutfenftener", wie sie bei den Berliner Fußballern genannt werden, mit zu den spielstärksten Mannschaften des Kreises. Die Luckenwalder Turner- fchnst mit ihrem großen Mannschaftsmaterial, aber auch Hertha 11 und in früheren Jahren Frischauf, waren stets geachtete und ge- fürchtete Gegner. Bei den Turnern war es einfach eine Selbstoer- ständlichkeit, daß die Fußballer auch turnten und Leichtathletik be- trieben. Dadurch ist auch die gute Körperbeherrschung beim Spiel und die außerordentliche Schnelligkeit und Ausdauer der Spieler begreiflich. Diese Vorteile zusammen mit schnellem Auffassung«» und Kombinationsvermögen sind auch jetzt noch die hervorstechend- sten Merkmale der Luckenwalder. Schon im vergangenen Jahre konnte Luckenwalde I die Berliner Meisterschaft erringen. Ob es in diesem Jahre wieder gelingen wird? Vom Beginn der Serie an galten sie als Heißeste Favoriten. Nur in der letzten Zeit ließen lie etwas nach. Dieses Nachlasten kostete ihnen zwei wichtige Punkte. so daß si« am Sonntag gegen die Eintrachlleute, mit denen sie punktgleich stehen, zur Entscheidung antreten müssen. Eintracht-Rcinickendorf machte bereits vor der Serie von sich reden. Bei den Gesellschaftsspielen wurden alle Gegner, ob sie zur Kreistlasse oder zur Bezirksmonnschast gehörten, zum Teil sehr hoch geschlagen. Dann begannen die Serienspiele. Wieder machten die Reinickendorfer von sich reden, aber diesmal nicht durch die hohen Siege, sondern durch die hohe Niederlage, die sie von Lücken» walde I mit 11: 1 bezogen. Als dann auch die Lichtenbecger, die damals nur mit 8 Mann antraten, nur knapp mit 2: 1 geschlagen wurden, hatte man nur noch wenig Hoffnung für Eintracht. Doch dann kurbelten sie den dritten Gang an? die Mannschaft eilte von Sieg zu Sieg. Aehnlich wie Luckenwalde schlugen sie jeden Gegner, nur noch höher als die Luckenwalder. Trotz verschiedsntlicher gegen- teiliger Behauptungen ließen die Reinickendorfer nicht nach. So kamen sie bis auf Punktgleichheit an Luckenwalde l heran. Das zweite Serienspiel in Reinickendorf hatte sehr unter der Ungunst der Witterung zu leiden. Nur unentschieden 1: 1 trennten sich die Mannschaften, so daß sich nun ein Entscheidunosspiel notwendig macht Wie sind die Aussichten? Die Mannschaften haben verschiedene Spielsystem«. Während die Luckenwalder im Sturm das weite und raumgreifende Flügel- spiel bevorzugen, ist bei den Reinickendorfern das enge Kombina- tionsspiel das Charakteristische. Welch« Form die siegbringende sein wird, wird sich am Sonntag zeigen. In der Läuferreihe sind die Luckenwalder den Reinickendorfern etwas überlegen, dafür ver- fügen die Reinickendorfer wieder über eine schlagsicher« Verteidi. gung, die al er bei dem Stürm«rspiel Luckenwaldes schwer zu arbei. ten Haben wird. Der Turm in allen Schlachten Luckenwaldes ist der internationale Torwart Wendland t. An ihm werden sich die Reinickendorfer di« Zähne ausbeißen, ein« Kostprobe haben si« ja erst vor kurzem erhalten. Die Gewinnchancen liegen also mehr bei Luckenwalde. Ihnen mm aber den Sieg vorauszubeftimmen, ist doch gewagt. Auf jeden Fall wird es einen Kampf geben, wie ihn die Berliner Arbeiterfportlcr selten zu sehen bekomm««. Da? Spiel beginnt um 14l4 Uhr. Um die Ringermeisterschaft im Arbefter-Athleienbund In den Stettiner Zentralhallen stehen sich am Sonntag, 24. Januar, die beiden diesjährigen Endruudengegner um die deutsche Bundesmeisterschaft des Arbeiter- Athletenbundes im Ringen„Stolzenhagen 25' und„F r i« f e n h e i m" gegenüber. Aus d«n Vor- und Zwischen- runden haben sich diese beiden oft erprobten Mannschaften qualifi» zieren können. Weit über Deutschlands Grenzen hinaus werden die letzten Vorbereitungen für dieses Endfinale mst größter Spannung verfolgt. Wem d«r Sieg zufallen wird, ist heute noch ungewiß: wenn wir trotzdem dem Osten ein« Chance geben, dann nur in der Hoffnung, daß die Stolzenhagener das auf sie gesetzte Vertrauen nicht enttäuschen werden. Für die ganze ostdeutsche Athletikbewegung steht so ein Sport» ereignis von besonders hohem Wert bevor: zum erstenmal seit dem Bestehen des AABD. fällt die Austragung einer Bundesmeisterschast der ostdeutschen Gruppe zu. Denn die hervorragende Kampfstärke der west-, mittel- und süddeutschen Gruppen hat bisher stets den Titel in ihren Reihen verbleiben lassen. Aber stets waren die Ringer aus dem Osten mtt im Kamps und unterlagen vorerst nur dem Elan ihrer Gegner: in den beiden letzten Jahren ist dieser Vormachtstellung ein Halt geboten worden. In einer zielbewußten und beharrlichen Aufwärtsentwicklung ist die Gruppe„Ost" gut nach vorn gekommen. Der auch in Berlin bekannten Mannschaft des Sportklubs„Stolzen- Hägen 25' ist«a nun zum zweitenmal hintereinander gelungen. in die Endrunde zu kommen. Da der Titelverteidiger„Fürth" schon in der Vorrunde unterlag, gab d«r Bund die Aus- tragung der Schlußrunde für 1931/22 nach Stettin, in die Metro» pole der ostdeutschen Athletikbewegung: hier herrscht jetzt ein emsiger Fleiß vor. denn eine Bundesmeisterschaft zu erringen, bedarf einer sorgfältigen Vorbereitung. Die größte Kampsstärke der Stolzenhagener Mann- s ch a f t liegt in den leichten Klassen, hier dürsten in Stettin die ersten und sichersten Erfolge für den Osten zu holen sein: denn in zahlreichen Kämpfen im Bundesgebiet sowie im Ausland haben die leichten Stolzenhagener erste Plätze belegt: auch di« anderen Klassen werden kämpfen und Leistungen zeigen, wie es für di« Erreichung eines Zieles wie den höchsten Ringertitel notwendig ist. Di« 2 2er treten in ihrer bewährten Aufstellung an, im F l i e a e n g e w i ch t: Hans Döbler, Bantamgewicht: August Döbler, Feder- gewicht: Fechtner, Leichtgewicht: Zienow, Mittel- gewicht: Bartel, Halbschwergewicht: Albert Fengler, Schwergewicht: Schliebitz. Aber auch„Friesenhcim" ist kein Neuling in großen Kämpfen. Als mehrfacher Bundesmcister im Ringen und Heben brachte F. erstmalig im Jahre 1927 den Titel an sich. 1929 errang„Fürth" den Titel gegen Friesenheim, nachdem der Kampf unentschieden eichet«, durch kürzere Siegerzeitcn 1930 siegte zwar Friesenheim. aber ein Prolest verHals Fürth wieder zum Tttel. 1931 konnte Fürth noch einmal Meister werden: Stolzenhagen unterlag hier mit 11: 17 Punkten. Die Kämpfer der beiden Staffeln wissen, worum es geht, ein jeder wird kämpfen, um seiner Mannschaft zu Punkten und Sieg zu verhelfen. * Auch die bunoestreuen Arbeiter-Athleteu Berlins rüsten zu großen Kämpfeit. Außer den fälligen Serienkämpfen iin Ringen sind bereits eine Reih« von Veranftottungen festgelegt. Anfang Februar(Z.— 7.) startet ein« Berkner Auswahlmannschaft im ersten Krei« Schlesien in den Orten Langenbllau, Schlegel und gegen den Kreismeister in Breslau. Ein« Werbeveranstattung führt am 23. Januar di« Frei« Sportvereinigung„Tegel" in Reinickendorf- West durch: hier steht dem V«rein in Jiu-Jitfu-Kömpfen der Sport- oerein„Einigkeit" gegenüber. Einen Jugend und Schülerwettstrett am Ii. Februar führt der Sportklub„Zllt-Wcdding" durch: hier werden die Gegner für das Städteringen Berlin— Desiau ausgewählt. Das Schlußtreffen um die K r« i s m e i st e r s ch a f t steigt am 26. Februar in Tegel. Endgegner sind„Alt-Wedding 1" und „Tegel". Die Frühjahrsveranstaltungen leitet der Waldlauf der bundestreuen Achteten in Schulzendorf bei Tegel am 6. März ein. /nbilanmssdi wimmfest beim Ar beiler- Schwimmverein„Freiheit". Der Berliner Arbeiter-Schwimm-Berein Freiheit 07, der in diesem Jahre auf ein 2 5 j ö h r i g e s Bestehen zurückblicken kann, veranstaltet Sonntag, 24. Januar, 15 Uhr, im Stadtbad „Prenzlauer Berg", Oderberger Straße 57,.sein Jubiläums- s ch w i m m f e st. Aus dem Schwimmoerein„Welle" hervorgegangen, hat der Verein es verstanden, sich in kurzer Zeft weit über die Grenzen Berlins hinaus populär zu machen, er ist ein gern gesehener Gegner und Gast bei allen arbettersporttichen Schwimmoer- anstaltungen im Reich« geworden. Neben Männer- und Frauen- abtellungen gründet« der Verein auch noch solche für Jugendliche und Kinder beiderlei Geschlechts, die auf volkstümlicher Basis aus- gebildet wurden. Ganz besonderen Wert legte der Verein auf die Ausbildung von Richtschwimmern und Rettungsmannschaften, doch wurden auch di« anderen schwimmerischen Uebungen wie Springen, Reigen- und Staffettenschwimmen, sowie das Wasserballspiel eifrig gepflegt. In neuer Zeit wird auch das Pushballspiel von der Frauen- und Mädchenabteilung betrieben. Leider tonnte das Hauptziel des Vereins, sich für die Sommermonate ein eigenes Sommerbad zu bauen, infolge des Krieges, der Inflation und jetzigen Arbeitslosigkeit noch nicht verwirklicht werden, doch hoffentlich ist es dem Verein in den nächsten Jahren möglich. Zu dem Jubiläumsschwimmfest ist die Arbeiterschaft freundlichst eingeladen._ Die Eiserne Front Die Arbeitersportler reihen sich ein Das Kartell für Arbesterfport und Körperpflege Prenzlauer Berg. Hielt gestern im Allersheim, Danziger Straße, ein« große Sportversammlung ab. in der der Landtagsabgeordnete Maherholz unter großem Beifall über„Faschismus und Arbeht erspart" referierte. Von der Zentralkommission für Arbeiterspart und Körperpflege sprach Adolf Buck, der die Ver- bundenheit de? Arbettersports mtt der Eisernen Front besonders hervorhob. Nachfolgende Entschließung wurde einstimmig angenommen: Das Anwachsen des Faschismus wird immer gefahrdrohender für die Arbetterklaffe. Gefahr droht auch der Arbeiterfportbewegung. deren Wttglieder nicht gewillt find, der Gewaltdiktatur des Faschismus Platz zu machen. Die Versammlung richtet an alle Sportter und Sportlerinnen die dringende Mahnung, sich zum Kampfe gegen den Faschismus zusammenzuschließen. Die Eiserne Front ist die Organisation, die den Faschismus vernichtend schlagen wird. Mtt dem Gesang der Internationale schloß die vom Kampfgeist gegen den Faschismus beseelte Versammlung. Arbeiterschadi Unter starker Beteiligung fand in Ewalds Vereinshaus di« Werbeveranstaltung der Freien Arbeiter-Schach-Ver- einigung Groß-Berlin statt. Das Ergebnis der Kämpfe war: Eggersdorf I verlor gegen Kreuzberg 13:5, Eggersdorf II gegen Neukölln I'A:5'A. Potsdam mußte sich der starken Treptower Mannschaft mit 1: 10 beugen. Berlins Iugendmannfchaft mußte schwer kämpfen, um gegen Nowawes 9:5 zu gewinnen. Bogt spielte Simultan an 26 Brettern, nach vierstündigem Spiel lautete das Resullat: 12 gewonnen. 6 remis, 8 verloren. Das ist ein Resultat, das um so höher zu stellen ist. als sich unter seinen Gegnern sehr starke Spieler befanden. Die Endrunde des Berliner Meisterturnters wird jetzt wieder jeden Montag bei Ewald, Skalitzer Straß« 126, ausgetragen. 5e6eIflug�euHtaufe bei Trebbin Seit langer Zeit gehen die Bemühungen der Flugsportverbände dahin, einen geeigneten Segelflughasen in der Nähe Berlins zu schaffen Auf dem Löwendorfer Berg bei Trebbin ist nun ein neuer Segelflughafen im Entstehen. Sett Wochen werden dort Flugübungen veranstollet. Am Sonntag wurde unter Teil- nähme der in der Segelflugvereinigung ,Lüwa" vereinigten Be- amten der Luftüberwachungspolizei die Taufe von vier Segelflugzeugen vollzogen. Erschienen waren ferner Ver- treter des„Sturmvogel", des preußischen Innenministeriums, der Luftfahrtgesellschaft, der Schutzpolizei und anderer Behörden. Ein Flugzeug ist in Trebbin erbaut worden, während die übrigen von den Schutzpolizisten hergestellt wurden. Die Flugzeuge wurden aus die Namen„Präsident Paetsch".„Ferdinand",„Trebbin" und „Bürgermeister Äöttker" getauft. Demnächst finden mtt dem Innenministerium Verhandlungen über di« wettere Ausgestallung des Flughafens statt. Die Flug- Vereinigung der Werktätigen, der„Sturmvogel", soll für die künftigen Veranstaltungen stärker herangezogen werden, was um so wünschenswerter wäre, als die Uebungen der Stubenten der Technischen Hochschule, die im vergangenen Jahre auf dem Gelände stattfanden, bei der Bevölkerung den Eindruck machten, daß die Fliegerei erst in letzter Linie der Zweck war. Wieder Eishodcey im Sportpalast Die Eishockey wettkämpfe im Sportpalast erleiben keine Unter- brechung. Berlin ist in der Lage, auch ohne jene BSC.er, die in Lake Placid beschäftigt sind, eine sehr gute Mannschaft aufzustellen. Stehen doch allein in Lincke, G. Ball, Fehling für den Posten des Torwartes drei ausgezeichnete Spieler zur Verfügung. Mtt Bigelow, Brück, H. Ball, Dawydow usw., zu denen sich wettere gute Berliner Spieler gesellen werden, ist ein Team zusammen- zustellen, das bestimmt allgemeinen Interesses wert ist. Die P r a g e r, die am Sonnabend und Sonntag im Sportpalast gegen diese neue Berliner Auswahlmannschaft antreten werden, dürften, trotzdem sie in bester Aufstellung evscheinen, einen schweren Sfand hoben._ 27. Januar: Sportpalast! Der Bezirksverband Berlin der Sozialdemokratischen Partei ver- anfiallel am 2 7. Zanuar im Sportpalast eine große Sund- g e b u n g für Frieden und Freiheit, v'e Arbeitersporster beteiligen sich vollzählig daran. Zu Beginn findet ein Fahneneinmarsch von 200 Sportlerinnen und Sportlern in Sportkleidung statt: die Muiik (Bläser und Spielleute) stellen ebenfalls d e Arbeitersport ler. Die Betelligteu treffen sich um 18V4 Uhr in der Borhalle de» Sport- palasts. Umkleiden w der bekannten Garderobe. 1 Treppe links: dort Empfang der Sturmfahveu. Alle» tritt an! Kartell für Arbeitersport und Körperpflege. gez. Barthelmanu. Oehlschläger. Freier Nörpcrtlilt»rkrri« Srruzberg. Mittwoch, 20. Sauvor, 20 Uhr, Zbukt. baden im Stadtbad jtrnuborg, B-erwoldstrohe. DonnerMag, 21. Januar, 20 Uhr. Wtgliedrrnersanuntung. Schul« Diesfrnbachslr. St. Te»ui»-Rot Srah-SWrlm. Donner»taz, 21. Januar, 20 Uhr, im Reiiaurant Kundert, Elsässer Str. 84, Frauennersanunlung. Thema:„Rund um di« Ehe". Ref.: Fr. Dr. Alerander. Frei« Ruder«, und Aonufahrer,«lterrriege. Dienstag, 19. Januar, 19 Uhr, Treffen not dem Stadtdad Mitte ,ur Besichtigung der technischen Anlagen. Volkssport ReutiUlu-Britz., FTSB-'SSde«. Mittwoch,'20. Januar, A Uhr, grmeinfamo Sitzung der Techniker bei Schadeiko, Weichsel- Elte Donauftraße. Reinickendorf. Ost. Ah heut« erscheint laufend da» Programm der Beda. Lichtspiel«, Reinickendorf.Ost, Refidenzltr. 12«, in unserer Ainotafel, worauf wir unser« Leser besonder» hinweise». Staats Thealfr Dienet««, den 10. lannoe Staatsoper unter nen Linden 20 Uhi Boheme Stutlitawenuiu Catinwoiuitt IWi Uhr Ken einsnjdiert Othello Sdilller-Theatei Ckntottnbir). 20 Uhr Die Qßttiicbe Jette •".oh, CASINO-THEAlERwi. uh. Uolhrlnöcr Strahe»7. iiiiininmuiiuiiiiiiiiuniiiiuiuniuHniiniiMiiiiuiHiiimmtuiiii Nur noch wenigeAutführungen Was man ans Hebe tot Oaiu die Gesangs- und Tani- Operetu Das Scheidnng*- üiunper and der bante Verleitz-TetL Gutschein 1-4 Personen: Parkett SO Pt. Kauteuil Mark. Sessel i-Su Mark. PLAZA 1t>t Uhi fiasparone Wintnj. • Carlen• 8.15 ütir Flora 3(34 Randien«llM r | 8.15 Diu I 20 Zigeunerinnen spielen, Mj„Zemgsnno's" fliegende 9 leuchtende Menachen am I Lufttrapsa Im dunklen Raum und weitere Variatd-Nauhsiten VolKsbflhne Thsatir in BDiowiilsli 8 Uhr Die GroBDerzegin' voa Beroistein mit Käthe Dorsch Stutl. Wlit-Iiusw 8 Uhr Die Mlllidie leite aiumenMen Jeder Art liefert prelawen Paul Golletz vormals Robert Meyer Mariannen str. 3 F8. Oborbaum 1303 Beste und Billigste! GEG-Leberwurst Pf-.-.»«. SV GEGThüringerBlutwurstc- Pfund-Doso OO Pl. Dazu; GEG-Sauerkohl..........«... 1 2». BMItlich in unseren 289 Lebensmittel-Abgabestellen KOHSUM -Genossenschafl Berlin und ümgaganii lutnahmen werden in sämtlichen Abgabestellen vollzogen