Morgenausgabe Ar. 37 A 19 49.Iahrgang Wöchentlich 75 Pi, tninainch 3,15 3t töcwZN 87 Pf. monatlich füx Suftel. rang ins Haus) tut corcuts jdfiliiot. Postbezug 3.97 M. einschließlich 60 Pf. Pouzeining»- und 72 Pf. Postbefrellge- biihren. Auslandsabonnement 5.85 M. pro Monat: für Länder mit ermäßig. tem Druckfachenporto 4,65 M. 35«„Vorwärts� erfcheint wochentSg- Itch zweimal, öanurags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berllu und im Handel mit dem Titel»Der Llbeitd". Illustrierte Sonntaasbeiltae .Boll und Zeit'. Berliner Soltsvlatt Sonnabend 25. Zanttar 1932 Groß-Äerlin 1© pf. Auswärts 15 pf. ®!e einfpalt. MiMmeterzell« 80 Pf. Rellamezbile 2.— Pl...Stiein« Anzeigen" das fettgedruckte Bort 20 Pf. (zulässig zwei fettgedruckteWorte.fcdes weitere Wort>0 Pf. Rabatt lt. Tarif. Dort« über lö Buchstaben zählen für zwei Borte. Arbeitsmarkt MilUmettt» zeile 25 Pf. Familienanzeigen Wiili- meterzeile IS Pf. Anzeigenonnalmte im Hauptgeschäft Lindenftraße», wochentäglich von 8>/. bis l7 llbr. Ter Verlag behält sich dasRecht der Ad- lehnung mcht genehmer Anzeigen»or! Jentvawega« der SsziawemsSvaMchen Kartei DeufthUmdS N e v a tj i on und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 sseriispr.. Dönhoff l A 7) 202— S97 Tclegramm-Adr. Solialdcmokrat Berlin Vorwärts-Berlaa G.m.b.H. Poillchecklsmo: Berlin 37 5ZK.—Bankkonlo: Banlder Arbeiter. Änzeflcllten vnd Beamten, Lindenstr. S Dt B.u.Disl.>Gef.. Depofilcnk.. Zernlalemer Sir. KS Sö. Lavals scharfe Antwort. Gegen eine Neuregelung der Mparationsftage.— 51 Stimmen Mehrheit für die Regierung. Barls. 22. Aanuar. tEigenSericht.) Am Schluß der Debatte über die Vrkläruug des neiren Kabinetts Sabal tmd uachdem der Ministerprä. sibent gegen den Standpunkt des deutschen Reichs« kanzlers über die Utrdurchführbarkeit des Houng-Planes eine überaus scharfe Rede gehalten hatte, nahm am Freitagabeud die Deputiertenkammer mit 312 gegeu 2K1 Stimmen eine Bertrauensresolution für die Regierung an.* -!- Daß die Antwortredc des franzosischen Ministerprä- sidcnten L a v a l auf die verschiedenen Interpellationen zur Außenpolitik der Regierung nicht gerode versöhnlich sein würde, war allgemein vorausgesagt worden, besonders nach der Ablehnung des britischen Moratoriumsoorschlages durch den deutschen Reichskanzler. Wenn man nun seine Rede liest, die er gegen Schluß der Debatte und vor Erlangung des erwarteten Vertrauensvotums gehalten hat, kann man nur sagen: es ist jedenfalls k e i.n S ch a d e n ,: soirdern- eher ein Gluck, haß die Lau sanner Konferenz nicht im gegenwärtigen Zettpunkt abgehalten wirh. denn bei der Einstellung ihrer leitenden Staatsmänner sind die beiden Völker Frankreichs und Deutschland zur Zeit weiter denn je vone in ander entfernt, zumindest hinsichtlich der weiteren Behandlung der Reparationsfrage. In einer solchen Atmosphäre wäre die Konferenz nicht nur zwecklos, sondern wahrscheinlich sogar verhängnisvoll gewesen. Laval hat sich mit vielen Worten als getreuer Schüler B r i a n d s bekannt. Vielleicht wird aber das französische Volk sehr bald erkennen, daß das eine Selbsttäuschung ist. Denn selbst wenn Briand in der Sache die gleiche These hätte verfechten wollen wie sein jetziger Nachfolger am Quai d'Orsap, so würde er es gewiß nicht in so auf- reizender Form getan haben. In einer halben Stunde hat es Laval fertig gebracht, dem Gedanken der deutsch- französischen Verständigung empfindlichen Schaden zuzu» fügen. Einstmals riefen bei der Nachricht der Ruhrbesetzung offenherzige Alldeutsche ihr berühmtes„Gott erhalle uns Poincarti!" ans. Gelüstet es dem angeblichen Schüler Briands nach dem zweifelhaften Ruhm, ein wirksamer P r o p a- gandift für Hitler und Hugcnberg zu sein? Sicherlich ist das nicht seine Absicht, aber wir können ihm versichern, daß das die Wirkung feines gestrigen Auf- treten? sein wird. Es ist gewiß kinderleicht, immer wieder das Argument hervorzukehren, daß nach der Präanftbl zu dem Haager Abkommen vom Januar 1S30, der„Neue Plan" eine„e n d- gültige", feierlich beglaubtigtc Lösung sei. Aber schon nach weniger als zwei I a h r e n hat sich die absolut« Undurchführbarkeit dieses S8jährigen Zahlengebäudes erwiesen. Der französische Ministerpräsident entrüstet sich darüber, daß der Reichskanzler Dr. Brüning dem französischen und dem englischen Botschafter gegenüber auf die Notwendigkeit einer völligen Neuregelung hin- gewiesen habe und er antwortet darauf mit dem Hinweis auf den„endgültigen" Charakter des Poung-Plans. Aber der Baseler Sachverständigenbericht, der auch die Unterschrift des französischen Professor Rist trägt, hat in seinen Schluhbetrachtungen ausdrücklich fest- gestellt, daß eine bloße Anwendung des Mechanismus dieses Planes, also eine bloße Feststellung, daß Deutschland die un- geschützten Annuitäten nicht zahlen könne,„der Sachlage nicht gerecht würde". Er hat weiter festgestellt, daß die Voraussetzungen, unter denen der Poung-Plan ausgearbeitet und unterschrieben wurde, durch eine noch nie dagewesene Wirtschaftskrise, durch die S ch r u m p- fung des Welthandels, durch die Einengung der deutschen Exportmöglichkeiten und durch eine Ivprozentige Steigerung des Goldpreises, pölllg aufgehoben find. Wer also noch immer die Walze des„endgültigen Charakters" des Voung-Plans herunter» leiert, der mag sich bei denkfaulen, nationalistischen Zuhörern einen starken Beifall und eine günstige patriotische Wahl- plattform sichern, aber er stellt sich bewußt in den Gegensatz zu dem eindeutigen Sinn jenes Baseler Berichtes, der nach allgemeiner Vereinbarung als Grundlage für die weiteren Beschlüsse dienen sollte. Wir mögen uns in taktischen Einzelheiten von dem diplomatischen Vorgehen des Reichskanzlers unterscheiden, insbesondere von der Art der Beeinflusiung der öffentlichen Meinung in den letzten Wochen, die vielfach Illusionen über das Maß des vorläufig Erreichbaren erzeugen mußten. Wir hallen heute mehr denn je eine scharfe Abgrenzung der anttlichen Außenpolitik gegenüber der gesteigerten, v e r- brecherischen Franzosenhetze der sogenannten „nationalen Opposition" für unerläßlich. Wir erheben diese Forderung gerade am heutigen Tage, weil wir wissen, welches Echo die Rede Lavals in den deutschen Rechtskreisen haben wird und weil wir jede Konzession an die Stimmungsmache des- Haffes für ein Verhängnis Hollen, das sich sehr bald bitter am deutschen Volke rächen würde. Mer es kamt kein. Zweifel daran fein, daß die g e s a m t e d e üt f ch s s 0 z i a l i st i s ch e Arbeiterbewegung a uf der Seite Dr. B r ii- n in g s steht, wenn er, gestützt auf den Baseler Bericht, eine Neuregelung mit dem Ziel der völligen Streichung aller Reparationen und Kriegs- schulden für dringend geboten erklärt. Die Stimme, die darauf anwortet:„Nein, der Aoung- Plan ist endgüllig!" stellt sich nicht nur der deutsch-sranzösi- schen Berständigung, nicht nur der solidarischen Ueberwindung der Weltwirtschaftskrise, sondern auch den elementarsten Ge» boten der politischen und wirtschaftlichen Vernunft entgegen. Laval hat durch seine gestrige Rede den Vorwurf des Abgeordneten Forgeot glänzend bestätigt, daß die gegen- wärtige französische Regierung eine rein negative Politik betreibe. Es ist übrigens bezeichnend, daß auch nach den ausführlichsten Berichten, die über seine Rede vor- liegen, er mit keinem Wort weder auf den Plan Forgeots, noch auf den Schiedsgerichtsvor- schlag Leon Blums eingegangen ist. Wir sind uns bewußt, daß unter den 261 Stimmen, die gestern gegen die Regierung gestimmt haben, es fast keine gibt, die für einen absoluten, bedingungslosen Verzicht Frank- reichs auf jegliche Reparationen eintreten würde, insbesondere falls Frankreich weiter feine eigenen Schulden an Amerika bezahlen müßte. Aber die Geistesverfassung, die in den Reden sowohl Lavals wie der Sprecher seiner Mehrheit zum Ausdruck kommt, zeigt, daß eine Verständigung zwischen Deutschland Rüstet für die Eiserne Front! Die nächsten Aktionspläne der Eisernen Krönt. DE Eiserne Front, die in außerordentlich stark besuchten Der- sommlungen im ganzen Reiche den Widerstandswillen der Republl- kaner ausrütlelt, wird in den nächsten Wochen ihre Tätigkeit noch verstärken. Sie marschiert in drei Kolonnen auf: den Reichsbanner« formationen, den Arbeilersportlern nnd den gcwerk. s ch a f l l i ch e n hammerschaften, dos sind Organisationen der Gewerkschafter in den Betrieben im Rahmen der Eisernen Front. Diese drei Kolonnen sind untrennbar verbnndea in dem willen, die demokratische versassung, das Recht und die Freiheit der Arbeiter- schaff und die des ganzen Volkes zu schuhen gegen olle faschistischen Anschläge. Am Z l. Januar, nachmlllags S Uhr. wird ein Aufmarsch der Eisernen Front in» Sportpalast erfolgen. Das Parkett des Sportpalastes wird bei dieser Kundgebung für die Vertreter der drei Kolonnen frei bleiben, die dort mit ihren Fahnen nebeneinander aufmarschleren werden. vom Zt. Januar bis zum 7. Februar werden unter dem Ramen ,�üstwoche der Gtfernen Front" olle freiheitlich Denkenden aufgerufen werden, sich für die Republik und für die Eiserne Front zu bekennen. ?a dieser wache werden überall Sammelstellen errichtet werden. Diese Sammelstellen werden den Rameu„Rüstkammern der Eisernen Front" führen. Sie werden in stärkstem Maße össenlllch kenntlich gemacht werden. In diesen..Rüstkammern der Eiserneu Front" werden sogenannte Eiserne vücher ausllegen. Jeder, der sich zur Eisernen Front bekennt, seder, der von dem entschlossenen willen beseelt ist, alle faschistischen Aoschläge zu verhindern. muh sich in diese Bücher eintragen. Die Eiserne Front wirbt um das öfsenkiiche vekennlni» aller Republikaner. Sie erwartet, daß seder, der sich zu ihr bekennt, der on ihren Zielen mitarbeiten will, auch bereit ist. für ihre Arbeit ein wenn auch noch so geringe» Opfer zu bringen. Die Eiserne Front erwartet, daß in dieser Woche alle, die ein erneutes Bekenntnis zur Republik ablegen wollen, sich persönlich zu ihr bekennen. Sie erwartet» daß ein jeder, auch der höchste Funktionär, persönlich in den Sammelstellen seinen Namen einzeichnet! Ihr Ruf wendet sich nicht nur an die bereits organisatorisch Erfaßten, er ergeht vielmehr an alle! Alle Republikaner werden aufgerufen, sich an diesem Volksbegehren der Eiferaen Front gegen den Faschismus zu beteiligen. In dieser Woche gilt es. den Frelheits- willen und das Ssseutliche Bekenntnis aller republikanisch Gesinnten zur demokratischen Republik zu bezeugen! Die Aktton der Eisenbahner. H a l l e a. d. T., 22. Januar. wordenen Menge unter, und im gleichen Augenblick sausten Stuhle und Biergläser durch den Saal. Bei dem Tumult ging das ge> jamte Mobiliar des Saales zu Bruch. Den Rest des Mobiliars zer- jchlugen die Magdeburger Nazis, als die Versammlung bereits ge- schlössen war. Es ist festgestellt worden, daß die zum Schluß der Versammlung in den Saal eingedrungenen, mit Schlagringen bewassaelen Nazi» sich während der Versammlung an einer Stelle versteckt gehalten haben, von der aus sie den Verlauf der Versammlung genau beobachten konnten. Als der Referent die letzten Sätze sprach und alles in größter Ruhe abzugehen schien, drangen die Nazis in den Saal, um die Saal- schlacht in Gang zu bringen. Zahlreiche Arbester, die durch die Hinterlist der Nazis völlig überrascht waren, erlitten Verletzungen. 601 000 Berliner erwerbslos. Ein Drittel der erwerbstätigen Bevölkerung. Der ArbÄls markt der Reichshauptstadt. der seit Beginn der ttrlse ultter ganz besonders schwerem Druck steht, weist am Slichtag. dem 15. Januar, die phanlastlsche Zahl von S00 963 Arbeitsuchenden auf. Von der erwerbskästgea Bevölkerung Berlin» ist also jeder Dritte arbeitslos. * Nach dem Bericht des Landesarbeitsamtes Brandenburg(Berlin, Brandenburg. Grenzmark) stieg die Zahl der Arbeitsuchenden vom 1. bis 15. Januar um 47 969 auf ins- gesamt 852 416 Personen. Hiervon entfallen auf die Provinz Brandenburg 232402 und auf die Grenzmark 19051 Arbeitslose. Bon den Berliner Erwerbslosen befanden sich nur noch 137 645 in der Arbeitslosenversicherung als Hauptunterstützungsempfänger. 148 131 waren Krisenunlerstützte, während 209 030 Personen auf di» städtische Wohlfahrt angewiesen waren. In diesen erschütternden Zahlen zeigt sich die überwiegend langfristige Erwerbslosigkeit in der Berliner Arbesterschaft. Die allzu höflichen Herren. ABRKTUNQ Leder möchte den andern vorangehen lassen, und deshalb kommen Abrüstung und(Schuldenregelung nicht weiter! Ein Arbeiterhaushalt. Nor und nach dem Lohn- und Preisabbau. Vmi einem SjanSelsarBetfer. der in einem bekannten Berliner Warenhaus beschäftigt ist, erhalten wir folgende Zuschrift: „Am letzten Sonnabend hatte ich mit meiner Familie eine Woche „Nowerordnmigsleben" hiirter mir. Am Sonntag rechnete mir meine Frau vor, wie sie meinen Wochenverdienst von netto 33, SV Mark, von dem ich mir nur SV Pf. für ein Paket Tabak abgezogen hatte, „angelegt" hat. Wir zogen dabei auch einen Vergleich mit der ersten Dezembcrwoche vorigen Jahres, zu welcher Zeit ich meiner Frau noch 39 Mark � auf den Tisch legen konnte. Seit dem 12. Dezember habe ich durch tariflichen Lohnabbau und auf Grund der letzten Notverordnung netto S.SV Mark pro Woche eingebüßt. Meine Frau notiert sich vor dem Ginholen stets, was sie einkaufen will, ebenso auch was sie für die Waren ausgegeben hat, so daß wir sehr genau feststellen tonnten, inwieweit der Lohnabbau durch die Preissenkungsoktion der Regierung ausgeglichen worden ist. Wir kamen dabei zu der Feststellung, die wir übrigens schon vorher ohne diese genaue Gegenüberstellung der Ausgaben gemacht hatten, daß mein ISprozeutiger Lohnabbau seit dem 12. Dezember durch den Preisabbau noch längst nicht wettgemacht worden ist. Meine Frau gab in der Woche vom 28.� November bis einschließ- lich �. Dezember für Lebensmittel 16,85 Mark aus. Sie werden viel- leicht erstaunt fein über diese verhältnismäßig niedrige Summe, die damals in den Lebensmitteletat unserer dreiköpfigen Familie(wir haben einen elfjährigen Jungen) eingesegt war. Aber wir mußten damit auskommen, weil auch mein damaliger Verdienst keine größeren Ausgaben für das nackte Leben zuließ. Das Einholebuch meiner Frau weist für die erste Dezemberwoche folgende Lebens- mittelposten auf: 2 Pfund Margarine,% Pfund Butter,'A Pfund Bratenschmolz. 2 Pfund Wurst, eine Rolle charzer Käse, Ii Pfund Tilsiter Kose, A Pfund Pflaumenmus, 4 Liter Milch, 31- Konsum- brote, 15 Pfund Kartoffeln, 2 Pfund Zucker, Vi Pfund Kaffeemischung, 1 Pfund Salz, 2 Pfund Eßäpfel und für siebennial Mittagbrot(Fleisch. Gemüse, Suppengrün usw.) 5,65 Mark. Nach demselben Speisezettel wirtschaftete meine Frau in der vorigen Woche. Für die gleichen Lebensmittel gab sie in der vorigen Woche stall 16.85 Mark immer noch 15,55 Mark aus. Unsere Ausgaben für Ernährung sind also noch nicht ganz um 8 Ptoz. zurückgegangen, mein Lahn aber u m 15 Proz. An Kohlen verbrauchen wir einen Zentner pro Woche, da wir nur in der Küche Feuer unterhalten und nur des Sonntags die Stube heizen. Am Zentner Kohlen, der jetzt 1,61 Mark kostet, sparen wir 18 Pf. in der Woche. Meine Wohnungsmiete ist um 2,59 Mark monatlich billiger geworden: statt 7 Mark legen wir für Miete jetzt 6.49 Mark in der Woche zurück. Für meine Strahenbahnmonatskarte, die ich brauche, weil ich über Mittag nach chaufe fahren kann, reserviert meine Frau jetzt 2 Mark statt wie bisher 2,25 Mrrk. Für Waschmittel, Schuh kreme. Zahn- pasta usw. legt sie 89 Pf. statt 99 Pf. auf die„hohe Kante". Für 'Versicherungsbeiträge, die unverändert geblieben sind, 49 Pf.. für elektrisch Licht, das kroh Lohnabbau bei der Bewag, Senkung des kohlenpreiscs und kroh Preiskommissar immer noch 26 Pf. pro kilowatkstunde kostet, 75 Pf., für den Gasmann anstatt 89 Pf. 79 Pf. Ob hinsichtlich der Rücklagen unsere Bilanz am Ende des Monats nicht noch ein Loch haben wird, müssen wir erst abwarten. Jedenfalls sind unsere Ausgaben für die gleichen Zwecke gegenüber der ersten Dezember- wache von 39, 7 5 Mark auf 2 8,29 Mark, also um 2,55 Mark zurückgegangen, das sind nach meiner Rech- nung rund acht Prozent. Wie soll ich nun den Verlust der anderen sieben Prozent wettmachen? Unsere Lebenshaltung war im Dezember gewiß schon sehr bescheiden. Wir. hatten aber immerhin noch etwa acht Mark im Monat„übrig" für Anschaffungen, Schul- bücher, Zeitung, Verband usw. Heute sind es aber nicht einmal mehr fünf Mark im Monat. Ich habe mein letztes Paar Schuhe an den Füßen, mein Junge den letzten Anzug auf dem Leibe. Wir können uns keinen Kinobesuch, eben rein gor nichts mehr leisten. Wo soll man bei einem solchen Leben noch die Freude zum Arbeilen hernehmen, wenn man von allem, was sich Kultur- forlfchrM nennt, ausgefchlosien wird? Ich weiß, daß an diesen erbärmlichen Zuständen die Arbeiterschaft selbst viel Schuld hat, die sich in ihrer politischen Dummheit zer- splittert und nebelhaften Phantomen nachjagt, anstatt sich durch ge» schlosiencs Zusammenstehen und Handein die Machtstellung im Staate zu erobern, die ihr entsprechend ihrer zahlenmäßigen Stärke zukommt. Partei und Gewerkschaften sind durch die Entwicklung der Verhältnisse leider in die Abwehrstellung gedrängt. Das darf sie aber nicht hindern, noch weit mehr, als es bisher geschehen ist, darauf zu drücken, daß wenigstens die Preise so weit her- untergesetzt werden, wie man uns die Löhne gekürzt hat. Was bis jetzt an Preisnachlässen zu verzeichnen ist, ist jeden- falls völlig unzureichend. Es muß mehr geschehen!" Trostloser Arbeitsmarkt. Die Feststellungen der freien Gewerkfchasten. Die Vereinigung der dculschen Arbellgeberverb ä n d e hol ein Programm veröffenllichl, wonach der bis- herige Lohnabbau, der die Löhne und Gehälter ducchschniltllch um 25 bis 30 Proz. gesenkt hat, erst der Ansang des Lohnabbaus ist. Sechs Millionen Arbeilslofe. Banken- und Industriezusommen- bräche in steigender Progression genügen also der BdA. noch nicht. Plastisch kann mau die mit dem Lohnabbau einher- gehende Verschlechterung des Leschästigungs- grade» aus der Statistik der Gewerkschaften des ADGB. ablesen. Während Ende Dezember 1930 insgesamt 31.8 Proz. der Mitglieder arbeitslos und 16,3 Proz. Kurzarbeiter waren, find Ende Dezember 1931 insgesamt 42.8 Proz. arbeitslos und ZlL Proz. Kurzarbeiter. Diese Verschlechterung läßt sich besonders während der letzten sechs Monate besonders deutlich verfolgen, während der Lohnabbau sich immer stärker auszuwirken begann. Ende Znli 1931 waren 31,6 Proz. der Mitglieder arbeilslos, Ende August 34,1 Proz„ Ende September 35,5 Proz., Ende Oktober 37,2 Proz., Ende November 39,5 Proz., Ende Dezember 42V Proz. Von den Kurzarbeitern waren 58,7 Proz. weniger als 40 Stunden die Woche beschäftigt. davon 34,1 Proz. weniger als 31 Stunden die Woche. Was diesen Kurzarbeitern von ihrem gekürzten Lohn übrig bleibt zur Ankurbelung der Wirtschaft, bedarf keiner besonderen Unter- suchung. Es erübrigt sich, im einzelnen die Statistik zu untersuchen. In den Soasumgüterilldllslrieu. wo im Spätsommer und herbst ein SKllsland der Abwärlsbewegnng eiatral, teilweise sogar eine leichte Besserung des Beschäftigungsgrades, bat sich infolge der radikalen Sauskraftdrosselnug aus dem Wege der Notverordnung und der Zwangsschiedssprüche die Arbellsmarkiloge sprunghaft verschlechtert. Nun wird sich für die nächsten Monate noch die Auswirkung de» brutalen Eingriffs durch die 4. Notverordnung geltend machen. Das Programm der Vereinigung der deutschen Arbeilgeberverbände für 1932 wird nicht verwirklicht werden, weil die mirtschafkllchen und finanziellen Auswirkungen des bisherigen Lohnabbau» so katastrophal sein werden, daß zwar nicht die VdA. oder der Reichsfiaanzminisler zur Vernunft kommen werden— hier ist Hopfen und Malz verloren—. aber die össeuMche Meinung und die organisierte Arbeiterschaft eine Umkehr erzwingen werden. Bis dahin ist die Lage trostlos. 10 Jahre Znternatiouales At beiisami. Die Geschichte des Kampfes um den Schuh der Arbeit. Die Mitarbeiter des internationalen Arbeitsamtes haben«ein fast 599 Sellen starkes Werk herausgebracht, das einen ausge» zeichneten Ueberblick über die Vielgestaltigkeit der internationalen Arbellsorganisation, über ihr Wesen und die Ergebnisse ihrer Ar- bell gibt. Nach den zahlreichen Veröffentlichungen auf diesem Gebiet konnte man sich mit Recht fragen, ob ein solches Wert gerade heute notwendig sei. Auch Albert Thomas, der Direktor des Internationalen Arbeitsamtes, hat sich diese Frage gestellt und sie bejaht. Der InHall des Buches zeigt, daß diese Antwort richtig ist. Das Werk gibt jedem, der sich mit diesem Fragentreis beschäftigt — und das sollte eigentlich jeder Arbeitende tun— über das ganze Gebiet erschöpfende Auskunst. Es vermittelt die geschichtlichen Grundlagen, es zeigt den Weg vom ersten Auftauchen des Ge> dankcns eines internationalen Arbeitsschutzes bis zur Gründung des Internationalen Arbeitsamtes, der viele Müizen und die lieber- Windung mancher Schwierigkeiten erforderte. Es ist bemerkenswert, daß außer den Bereinigten Staaten, der Türke! und Aegypten auch die Sowjetunion dieser internationalen Organisation ferngeblieben ist. Das sst erklärlich, wenn man be- denkt, unter welchen Berhältnissen die russischen Arbeiter leben müssen, damit die Sowjets durch die Bcrknappung der notwen- digjten Dinge die Ausfuhr steigern können und die Devisen zur Bezahlung der aus dem Boden zu stampfenden industriellen An- lagen und zur Wiedergutmachung des durch ungeübte und unter» ernährte Arbeiter notwendigerweise verursachten Derschleißens wert- vollen Materials erzielen können. Im zweiten Teil des Buches wird das Wirken des Arbeits- amtes geschildert: Sein Eingreifen in der Frage des Achtstunden- tages, in der Urlaubsregelung, der Nachtarbeit, der Gewerbe- Hygiene, der Verhütung von Arbeiisunfällen, der Behandlung der Frauen- und Kinderarbeft usw. Das ganze weite Gebiet des Ar- beitsrechtes wird lebendig beim Lesen dieses aus der Praxis für die Praxis geschriebenen Buches. In dem geradezu dramatisch wirkenden drillen Tech der die Erfolge des Internationalen Arbeitsamtes behandell, wird dem Leser eindringlich klar gemocht, welche Schwierigkeiten bei einer internationalen Zusammenarbeit überwunden werden müssen, wenn wirklich befriedigende Ergebnisse erziell werden sollen. Das Amt hat nicht weniger als 415 Ratifizierungen internationaler Ueber- einkommen erziell. Was das bedeutet, wird an einem sehr lehr- reichen Beispiel erläutert: Die Vereinigten Staaten haben seit einer Reihe von Iahren ein nationales Arbeitsamt. Trotz intensivster Arbeit konnte es z. B. auf dem Gebiete des Kinderschutzes nur vier der nordamerikanischen Staaten veranlassen, seinen Entwurf anzu- nehmen. Im Gegensatz dazu steht der Erfolg des Internationalen Arbeitsamtes, das in 19 Iahren 21 Ratifizierungen auf dem Ge- biete des Kinderschutzes erreichen konnte. Trotz aller Erfolge bleibt dem Internationalen Arbeitsamt noch ein weites Gebiet der Betätigung. Gerade die gegenwärtige Wirtschaftskrise stellt es vor eine gigantische Aufgabe, deren Lösung die Zusammenfassung aller Kräfte erfordert. Es wäre zu begrüßen, wenn dieses tiefschürfende Buch die ihm gebührend« Aufmerksamkeit fände. „100 siegreiche Streiks." Aber nur auf dem kommunistischen Zeiiungspapier. Uns wird geschrieben: In der Notiz in der zweiten Beilage des „Vorwärts" vom 15. Januar 1932 unter der Ueberschnft„Potemkin lebt noch" möchte ich auch einen Veitrag liefern. Unter den„199 siegreichen Streits" der RGO. befindet sich auch die Firma Zöllner» Werte(Chemie). Neukölln. Köllnische Allee 43/48. wo angeblich durch Streikdrohung der alte Lohn weiter gezahlt wird. In Wirklichkeit ist eine Slleltdrohung überhaupt nicht ausge- sprachen worden. Die gesamte Belegschaft hat am Tage des Er- scheinens der„109 siegreichen Streiks" in der„Roten Fahne" bereits zu den neuen herabgesetzten Lohnsätzen gearbeitet. Die schärfsten RGO.-Männer haben selbst erklärt, daß ein Teilstreik bei der jetzigen Wirtschaftslage überhaupt nicht in Frage komme. Der„Streikaus- schuß", der von der RGO. ernannt wurde, war selbst gegen einen Streik. So sehen die 199 siegreichen Streiks aus! Reichsbahn und Reparationen. Stellungnahme der Gewerkschafiea. Die Eisenbahnergewerkschaften aller Richtungen haben dieser Tage zur Repa rations frage, die sie ganz be- sonders berührt, da ans der Reichsbahn eine besondere Reparations- abgab« lastet, gemeinsam Stellung genommen. Einmütig wenden sie sich gegen eine weitere R« p a r a t i o n s b ela st un g der Reichsbahn. Sie fordern, daß die Reichsbahn aus der internationalen Gesetzgebung freigegeben und an das Reich zurückgegeben wird. Diese gemeinsame Stellung- nähme und ihre an die Regierung gerichteten Forderungen finden in den Organen der Verbände scharfen Ausdruck. Hoher Lohndruck und Luxuspreise. Tarife und Gesehe unbekannt. Vom Verband der Nahrungsmillel. und Getränkearbeüer wird uns geschrieben: Die bekannte Koudllorei H i l b r i ch. Leipziger Straße 24. hat bisher immer auf Reputation geholten und Herrn H üblich selbst konnte man auch das soziale Verständnis gegenüber feinem Per- sonal nicht absprechen. Seitdem aber dort ein Dr. Pape das Regiment führt, weiß das Personal nicht, ob es auf einem oft- elbischen Gutshof tätig ist oder ob die Maßnohmen des Herrn Dr. Pope schon das Dritte Reich einleiten sollen. Anfang Februar vorigen Jahres kürzte Pape ganz willkürlich den Lohn um 19 Prozent, obwohl«in Tarif bis zum 39. Ium bestand. Nachdem Pape durch Gerichtsurteile erkennen muhte, daß es so nicht geht, wurde schnell mit einer gelblich schillernden Der- einigung ein sogenannter„Toris" abgeschlossen, der die Löhne zum Teil weit unter den Stand vom Januar 1927?trztc. Dieser„Taris" wurde dem Personal zur Unterschrift vorgelegt. Wer sich weigerte zu unterschreiben, wurde mit einem weiteren 29prozentigen Lohnabzug bestrast. Die Firma beschäftigt jetzt überhaupt mit Doriiebe Personal. das nur Taschengeld oder ganz geringfügigen Lohn erhält, daneben auch noch mehr Lehrlinge, als nach den gesetzlichen Bestimmttnaen zulässig ist. Es bedurfte erst des Eingreifens der Handwerks- kammer, um Abhilfe zu schaffen. Trotz dieses fast unentgeltlich beschäftigten Personals versteht die Firma Preise zu nehmen. Für eine Tasse Kaffee muß man 69 Pf. zahlen, die Backware ist nebenan bei Kempinski oder bei König um 39 bis 49 Prozent billiger, bei gleicher Qualität. Auf Vorstellung der dort beschäftigten Kellner, die Preise herabzusetzen. erklärte Pape:„Wer zu uns kommt, zahlt die Firma mit: wem'- zu teuer ist. soll draußen bleiben." Vielleicht findet Herr Dr. Goerdeler auch Zeit, sich einmal mit diesen Preisen zu beschästigen. Auch heute zahlt diese Firma nicht die Löhne, die im Kaffeehausgewerbe gezahlt werden müssen. Ein Küchemnädchen erhall bei Hilbrich pro Woche bis 5 Mark weniger. Dazu kommt noch, daß dort mir zu gewissen Stunden recht viel Personal gebraucht wird, so daß eine große Anzahl ver- kürzt arbeitet und dann mll Wochenlöhnen von etwa 16 Mark nach.Haus« geht. Es wird Zeit, daß sich die Firma Hilbrich wieder auf ihre einstige Reputation besinnt. Arbeiierraiswahl bei der Mitropa. Ein warnendes DftGO.-Beifpiel. Das Organizationsverhällnis bei der Mitropa sst nicht günstig. Huüderi« von Lieblingen und Protektionskindern wurden eingestellt. Die beitrazsfcheuen Gewertschaftsgegmr laufen den Nazi und den Koz! nach. Der lachende Drille ist die Direktion. Der Häuptling der RGO. war der Wagenputzer Klängler. der als Gewerk- schallsmitglied Verbandsgelder für sich behiell und bei den organi- fierteu Belegsthaftsmitzliedern im Verdacht stand. Nazi- und Direktiansspitzel zu sein. Als Mitglied des Betriebsrates wurd« er ein einziges Mal in die Verhandlungskonnniffion gewählt. Bei dieser Gelegenhell ließ er sich sofort vom Direktor Dr. Ksschke einen größeren Geldbixag zustecken.* Ais ober Klängler und sein Anhang während der Arbeit allerhand RGO.-Mätzchen sich erlaubten und die Arbellsleistimg aus der ganzen Linie ungenügend wurde, wurde er fristlos ent- lassen. Jetzt lies der Revolutionär sofort zu dem gehaßten und so gemein beschimpften Betriebsrat R u p p e�r t: „Paul. Paul, du wirst von mir kein«terbenswörichen mehr hären, wenn ich wieder hineinkomme!" Und dann lies er zur Direk- tion und bettelte:./Herr Direktor, ich verspreche Ihnen, ich werde niemals wieder zu Klagen Anlaß geben, ich höre nicht mehr auf die Kommunisten!" Wir stehen wieder vor der Arbciterratswcchl und einige der Aermsten. nämlich der geistig armen Einfallspinsel, haben aus Beseht Moskaus eine neue RGO.-Liste aufgestellt. Diese Arbeiter- Verräter dürfen keine Stimme erhallen. . Run nicht erst lange herumgeschmippert: wählt Liste l. wählt Liste Rupperl! Kommunistischer Sireikkrampf. »... überall neue Streikaktionen."' Nach der vernichtenden Niederlage, die die KPD. und ihre RGO. mit ihrer Ionuar-Masienslleikparole in ganz Deutschland erlitten, sind sie geradezu krampfhaft bemüht, kleine Differenzen in kleinen Betrieben zum Streik auszuwalzen und fei es auch nur ein halb- st ü n d i g e r P r o t e st st r e i k. den die Offsetdrucker im graphischen Instllut von Spamer am 18. Januar geführt haben wollen. Moskau verlangt„Aktion" und feine Angestellten, die im Großen nichts ocr- richten können, fangen es im Kleinen an. Sie berichten heute wieder über„S treikbewegungen in Berlin»nd imRei ch," über„Neue Teilstreiks in Berliner Betrieben". Da lle selber spüren, daß sie weder der Berliner Arbeiterschaft, noch der RGI. in Moskau imponieren, wenn sie von einem Streik in der Schleiferciabteilung des Metollbetriebes Iaroslaw mll 16 Mann berichten, von einem Streik bei einer Berliner Metallfirma mit einer Belegschaft von fünf Mann, einem Streit der N o t st a n d s a r b e i t e r in Oberhausen und der W o h l f a h r t s p fl i ch t a r b e i t e r in Schiff- weller(im Snargebiet), deshalb muß schon der Schwindel von dem „reformistischen Streikbruch" herhatten, um den Streik- schmus in der„Roten Fahne" zu entschuldigen. S��rete Gewerkschafts-�naend Rerlin Sonnabend. 23. Januar, finden folgend« Veranstaltungen Natt: iMhafen; Flughafenstr. 68 cll.Bahu Boddinstrastel. llebungsabend. «elteienkurln,: l» Ubr im ochulraum der«.„„»rA.it.-.. t Ft-gb-fe»:„cuggaie,.,.-. 00--ooolnurape!. llebungsabend. -.. Aelteeenkuelit»: IS Uhr wl Schulraum der Berliner Eewerkich-Nts. schul«, Engeluser 24—25._ Seranlmortlich'ür Politik: Lietor Schiff; Sirfichokt:®. SUingelböfet: teiirerf((fiof:»faen>cflnna: 3. rrejitleten: De. Zoh» S+ifoniolt: Lokalem und Saustige»: geig ftatftaftt; äitjcifKg; rh. stocke: fänttlich in B-rlin. «erlag: Porwä�s-Berlag lZ m b. S. Verlin. Druck: Torwärtz-Buchdei-ckerek uod«erlagsanstall Pauk Singer n. Co., Berliu SB.«8. Linden stroäe S. Ar. 31 ♦ 49. Jahrgang *1. Beilage des Vorwärts Sönnabend, 23. Januar 4932 Universität geschlossen Eine Folge der wiederholten Nazi-Ausschreitungen Die in itcn lebten Tagen ständig wiederholten An- pöbeliingen nnd Rempeleien nationalsozialistischer Studierender gegen politisch Andersdenkende unter den llniversitätsbesnchern haben jetzt zur bor- läufigen Schließung der Berliner llnibcrsität ge- führt. Wegen der Gefahr weiterer Zusammenstöße bcr- fügte der Rektor die Schließung bis Montag früh. * Der Deutsche Studenten verband veröffentlicht zu de» Naziunruben an der Berliner Universität folgende Erklärung: „Die rechtsradikalen Gruppen der Studentenschaft der Berliner Universität hoben sich die infolge der..Asta-Wahlen" herrschende Erregung zunutze gemocht und haben in einer Form, die sich von den Vorfällen in Halle und anderen Universitäten in nichts unterscheidet, gegen die republikanischen Studenten Ausschreitungen verübt, die geeignet sind, den Ruf der Berliner Univerfität als Hauptbildungs- srätte des Landes auf das schwerste zu gefährden. Die im Deutschen Studentenverband zusammengeschlossenen republikanischen Studenten- verbände erblicken in der notwendig gewordenen Schlic- ßung der Universität eine Maßnahme, die für die Befric- dung der Universität und Gewährleistung der Lehr- und Lcrnsreiheit nur von vorübergehender Wirkung sein kann. Die Vorfälle der. letzten Tage beweisen, daß die im Nationalsozialistische» deutschen Studentcnbund zusammengeschlossenen rechtsradikalen Gruppen der Studentenschaft nicht gewillt sind, den Anordnungen des Rektors, der mehrmals persönlich eingreifen mußte, Folge zu leisten, ja viel- mehr die Absicht haben, ihre Terrorakte gegen die republikanischen Studenten fortzusetzen. Der Deutsche Studentenverband sieht sich gezwungen, das preu- ßische Staalsministerium und die Universitälsbehörde zu ersuchen. eventuell mit den schärfsten ZNittclu gegen die in den Vorfällen zutage tretende Verwahrlosung der Sitten an den Hochschulen vorzugehen uud durch entsprechende Maßnahmen für die Sicherheit des ordnungsliebenden Teils der Studenlenschast— mehrere Studenten. darunter eine Studentin, wurden schwer verletzt— Sorge zn trogen. Würdige Verireter des Oritien Meiches. Zusammenfassend sei noch einmal wiederholt, was sich die Nazi- studenten an Lümmeleien gestern geleistet haben: In der deutlichen Absicht zu provozieren sammelten sich um lll Uhr vormittags auf einer Seite der Unioersitätsvorholle zahl- reiche nationalsozialistische Studenten. Als sie sich mächtig genug fühlten, wurden plötzlich Sprechchöre angestimmt-, der Donner der ..Deutschland erwache— Judo verrecke"-Ruse, die hin und wieder auch vom Absingen nationalsozialistischer Lieder abgelöst wurden, drang bis in die entfernteste» Hörsäle und machte ein ungestörtes Arbeiten unmöglich. Nachdem sich die Nazis auf diese Weise in 5lampfesinut gesungen hatten, gingen sie zu Tätlichkeiten über. Sie bildeten ein« Kette und ließen niemand mehr durch den Vorraum passieren. Schließlich begannen sie mit Feindseligkeiten. Ginigc jüdische Studierende, die sich von dem Ketten- trupp umdrängt sahen, wurden blutig geschlagen. Mehrere Studenten erlitten schwere Verletzungen. Lautes Johlen und das Zertrümmern der Scheiben von Aushängekästtt? lieferte die Schlachtmusik. Als der Tumult seine» Höhepunkt erreicht hatte, erschien der Rektor. In der Hoffnung, daß seine Autorität und Würde Ruhe schassen würde, versuchte er zu den Studenten zu sprechen. Aber er kam überhaupt nicht zu Worte. Die Prügelei nahm ihren Fortgang. Zur grenzenlosen Wut der Hitlcr-Rowdps leisteten die republikanischen Studenten tatkräftigen und stellenweise auch recht schmerzlich verspürten Widerstand. Einige Schupobeamte, die von mehreren Studenten herbeigerufen waren, wurde» von den Nazis angepöbelt und angegrölt. Schließlich traf Polizeiberstärkung ein. die von den Razi-Studenten ebenfalls mit wüstem Gebrüll emp- fangen wurde. Tafeln mit Anschlägen der Univcrsitätsleitung wurden den Beamten vor die Füße geworfen. Einem Schupo wurde das Seitengewehr entrissen; der Täter entkam. Es gelang den Beamten bald, die Nazistudenten aus dem Borraum abzudrängen. Sieben wurden fistiert; ihre Aburteilung erfolgt durch die akademischen Disziplinarbehörden. Die Razis antworteten mit wildem Toben. Als die Polizei abgerückt war, begannen die Tumulte von neuem. Da sich die republikanischen Studenten im Vorgarten der Universität versammelt hatten, verlegten die Nazis ihren„Kriegs- sche.uplatz" gleichfalls nach dort. Erst um 12 Uhr mittags trat Ruhe ein. Oer Wahlsieg an der Hochschule für polittk. An der Deutschen Hochschule für Politik fanden die Wahlen der studentischen'Vertretung statt. Die Sozialistisch« Studentenschast hotte«inen scharfen Kampf nach rechts und links zu führen. Vor allem die Nazis, die Gaubefehl hatten, die Hochschule für Hitlers Front sturmreif zu machen, versuchten mit allen Kräften, einen Erfolg sür sich herauszuholen. Unterstützung fanden die„Abkommandierten" bei den übrigen Rechtsgruppen, die sämtlich an Gesinnungsschwindsucht litten. Die Liste des„Nationa- len Blocks" wurde in letzter Minute zurückgezogen zugunsten der Naziliste. Gehorsam wählten Volkskonservative. Deutschnationale und Vollspartciler die Hitlerleute. Erfolg: zusammen bekamen die iiatioiiaicn Heldensöhne knapp einen Sitz. Erbärmlich ist das Verhalten der in der„Roten Einheitsfront" verbundenen KPD.-, KPO.- und SAP.-Leuten. In der„Roten Fahne" schwindelten sie ihrer gläutngcn Leserschaft vor, wir hätten die Parole ausgegeben, für die Nazis zu stimmen. Wie gestern bereits im„Vorwärts" mit- geteilt, erhielt die Soz. Studentenschaft über hundert Stimmen und zwei Sitze im Hörcrausschuß, während olle anderen Wahlgruppen nur je einen Sitz erroichen konnten. Die geschlossene Kampfkraft der Soz. Studentenschaft wird auch weiterhin das Vertrauen der Hörerschaft an der Hochschule für Politik zu behaupten wissen.» Nerlins Orissahung noch m'chi fertig. Die Arbeiisabgrenzung zwischen Bezirken und Zentrale. Llnterausschuß soll Gegensähe überbrücken. Gestern halten sich die Mitglieder des Magistrats und die Berliner Bezirksbürgcrmetster im Rathaus zuiammengesunden. um die neue Berliner Ortssahung zu beraten. Die neue Orts- saßung, die von der Stadtverwaltung nach dem verlin-Geseh fertiggestellt werden muß. soll eine neue Arbeilsabgrenzung zwischen den Bezirksämtern und der Zentralverwaltung schassen. Eine Einigung zwischen den vielen widerstrebenden Meinungen wurde tu der gestrigen Sitzung noch nicht ereicht. Es wurde vielmehr ein aus Mitgliedern des Magistrats und der Bezirksämter bestehender Re- da ttion sausschuß eingesetzt, der die endgültige Fassung fest- trgcn soll. Diese wird dann nochmals dem Magistrat vorgelegt und von diesem der Stadtoerorduetenversainmlung zugeleitet werden. Ts ist anzunehmen, daß die Arbeilen des Redaktionsausschusses Mitte nächster Woche beendet sein werden, so daß der Stadtverordnetenversammlung die Borlagc noch in den letzten Tagen des Januar zugehen könnte. Der Devisenskandal. Neue Hastbefehle und weitere Vernehmungen. Die Devisenschiebcraffäre zieht, wie vorausgesagt, immer weitere kreise. Am gestrigen Freitagnachmittag hat der Bernehmungsrichter. wie mitgekeilt, gegen den Helsershelfer des Dr. Gutherz, den Sausmann Adolf Parlagi aus der Kononierstraße 2. haflbesehl erlassen. ferner aber auch gegen einen neuerdings in dieser Sache festgenommenen Bankier Suri Oppen heimcr, Inhaber des Bankhauses gleichen Ramens in der Jägerstrahe 20. Eine weitere Festnahme wurde nicht aufrechterhalten, weil hier der Verdacht einer strafbaren Handlung nicht hinreichend war. Die Vernehmungen weiterer Personen, und zwar so- wohl Verdächtigter wie Zeugen, dauerten aber auch gestern noch i» der Zollsahndunasstelle Berlin an, so daß damit gerechnet werden muß, daß dem Vernehmungsrichter noch mehr Personen in dieser Angelegenheit zugeführt werden. Das dürfte besonders der Fall fein, wenn die Ermittlungen der Z o l l f a h n d u n g s st e l l c in Süddeutschland von Erfolg begleitet sind, wo die Tätigkeit des jetzt verhafteten Vertreters der Londoner Banksirma Singer u. Friedländer äußerst lebhaft war. Es ist anzunehmen, daß die dort aufgedeckten Fälle auch nach Berlin zur Aburteilung abgegeben werden, weil hier schon die Hauptbeteiligten in Hast sind. Auch bei den gestern erlassenen Haftbefehlen handelt es sich um den Ler- dacht des Verstoßes gegen die 7. Durchsührungsverordnung zur Deoisenverorimung, sowie um das Vorliegen von Verdunkelungs- gefahr. Ein Echieberkonsortium? Die Demseilschiebungen sind— wie uns van gntnntcrrichteter Seite nütgoteilt wird— schon seit längerer Zeit offenbar g a n z planmäßig aufgezogen worden. Es handelt sich danach anscheinend um«in ganzes Konsortium von„Interessenten", die in gewissen Abständen Reisen in das Ausland unternahmen und dort an besonders günstigen Plätzen, wie etwa Warschau, Prag, Amsterdam und London, sie interessierende Wertpapiere auskauften. Infolge der allgemeinen Unsicherheit auf dem Wirtschaftsmarkt sind die Kurse solcher Papiere an sich schon sehr niedrig. Das Kon- sortium erwirbt sie und lanciert sie nun auf ganz geheim- nisvollc Weise und unter völliger Umgehung von Formalitäten nach Deulschlanl». Es wird sogar behauptet, daß diese Leute den postali- scheu Weg benutzen oder die Wertpapiere aus der Rückreise bei sich tragen. Die Kontrolle an den Grenzstationen ist, wie uns mitge- teilt wird, nicht so scharf gewesen, daß man nicht derartige Doku- mentc am Körper versteckt durchschmuggeln tonnte. Wurde die Pos! benutzt, so wurden die Briese an unversängliche Adressen gerichtet, so daß sie unbeanstandet durchgingen. Der Verkauf dieser Papiere am Berliner Markt war für das Konsortium leicht. Liebesiragödie in Lichienberg. Schüsse im Stadtpark. Im Lichtenberger Stadlpart spielte sich gestern nachmittag eine blutige Tragödie ab. Gegen 1b Uhr sahen Sindcr, wie ein M o u n auf seine Begleiterin schoß und sich dann s c l d st durch eine Kugel niederstreckte. Die jugendlichen Zeugen des ZjJorsolles alarmierten sofort Volizeibeanilc. die für den Abtransport der Schwerverletzten ins Lichtenberger hubertuskrankcnhaüs sorgten. Dle Frau wurde als eine 27 Jahre alle Stenotypistin Gertrud v. aus der Doffestraße festgestellt, der Täter ist ein 4-tjährigcr Sausmann Georg Heilmann aus Glotz in Schlesien. Räch den bisherigen Ermittlungen scheint es sich um eine Liebeslragödie zu handeln. Das Mädchen ist inzwischen seinen Verletzungen erlegen; auch das Befinden Heitmanns gibt zu ernsten Befürchtungen Anlaß. Eine Alfred-Wcgener-Gedächlnisseier im Planetarium wird sür Sonntag, den 21. Februar vorbereitet. Es werden sprechen der Direktor des Astronoinifchsn Rechemnstituts Universitäts-Professor Dr. Kopfs und der Erpeditionsteilnehmor Dr Ernst Sorge. /* Nach einem Tagebuchroman von Kart Hans Schober erzählt von Erich Knauf Daheim fühlt man sich nicht wohl, aber im Wirtshaus ist es erst recht zum Kotzen. Ileberall dasselbe Thema. Die zu Heus Gebliebenen üben sich in der Strategie. Ich nehme dann immer meine Kappe und„Auf Wiedersehn!" � Eines Nachmittags gebt auz der Straße ein Tumult los. „Nicht einmal genug Erdäpfel hat marT zu fressen!" Die üeute drängen sich hin und her.„D>e Mannelade werden wir auf die Brotkarten schmieren! Und die Menge zieht vor das Logis der Brotkartenkontrolle. PollZisten kommen und greifen zu. Frauen werden wiitend, ein Geichrei gehl los, und eine hebt ihre Röcke aus und ladt die Polizisten zum Festessen ein. Und da marschiert um die Straßenecke schon eine Kompagnie Soldaten. Ihnen voran cm Ofttzier. Mit gefälltem Basonett geht das Militär vor. Em Kommando;.„Zurück! Oder wir machen von der Waste Gebrauch!"' „Gebt uns wehr zu fressen!" Hundert Arme fuchteln in der Llift. „Zurück! Oder wir schießen!" s t,-„ Und die Soldaten gehen auf die Menge zu und fchll�u mit den Gewehrkolben in die zurückweichende Masse. Kinder und Frauen schreien durcheinander.. m... Eine Parkanlage nimmt die zerstreute Menge au� Mit Fäusten in den Hosentaschen stampse ich durch den Kies nao? Haufe. Morgen muß ich wieder abreisen.. .Vch habe so eine trübe Ahnung", jammert die Mutter, ftnb de? Abschied ist schwer. Das stoßweise Lied der Räder schläfert mich ein. Im Abteil neben mir entzündet sich eine Dame die Zigarette. Sie bietet mir mit offenem Etui an. Aber ich winke ab und lehne mich in die Sitzecke zurück. Der Kamerad nebenan, wir drei sind die einzigen Passagiere, nimmt den Kontakt mit ihr auf. Er neigt sich' mir zu, ich verstehe und winke ab und räume den beiden dos Feld:„Nur zu!" „Seine Majestät der Kaise r." Aus Steuerbord legt ein Boot an, und über das Fallreep hinkt Mahr, ein Schmiergast. Schwer steigt er auf Deck. Da tritt auch schon Wallach aus ihn zu und nimmt ihm das Dienstbuch ab:„Aha. Zuwachs!" Mahr ist aus meiner Heimat. Er wurde auf ein Torpedo- boot eingeschifft, das vor drei Tagen um Mitternacht von einem Äampfer unserer Handelsflotte gerammt wurde. Innerhalb weniger Minuten war das mittschiffs zertrümmerte Torpedoboot gesunken. Mohr schließt seine Erzählung: „Nacht, Nebel und kein Scheinwerfer, der die Unglücksstclle hätte ableuchten können. Es war schrecklich." Der Profoß läßt uns in Reih und Glied vorn am zkrei- deck antreten. Und dann wird der neue Befehl des Flotten- kommandanten verlesen, daß ab heute Gebühren- und Krankcnurlaub eingestellt werden, weil sich im Hinterland eine„grüne Garde" gebildet habe, zu der fortgesetzt Ange- hörige der Kriegsmarine desertierten. Außerdem wirk» ab heute die Spangenstrafe eingeführt.—„Abtreten!" Einige von uns grinsen über die Strafandrohung. Es kommt doch alles, wie es kommen soll. Mahr wird ins Marmcspilal gebracht. Beim Untergang des Torpedobootes hat er sich eine schwere Lungenentzündung geholt. Ich und drei Kameraden besuchen ihn. Er liegt im ersten Stock, Zimmer 31. Der scharfe Geruch von Jodoform und Karbol hängt in Korridoren. Aus dem Berbandszimmer schreit es wild und entsetzlich. Alle Betten sind belegt. Mahr atmet schwer. Die Stirn liegt in tiefen Falten- Draußen vor dem Fenster spazieren Nonnen. Die Masken ihrer gottergebenen Gesichter regen die Soldaten eher auf als sie zu beruhigen. Ihr Geschwätz vom lieben Gort, der den sterbenden Soldaten ein schönes Platzerl im Himmel aufhebt, macht die Kranken verrückt. Wie der Arzt kommt, geht eine Bewegung durch den Krankenfoal. Alle Decken werden gerichtet, und die Patienten legen sich zurecht. Er tritt zu Mahr und untersucht ihn. Dann mit einem Blick halb zu uns:„Nur noch drei Wochen, dann sind Sie gesund, aber für den Militärdienst untauglich." Froh verabschieden wir uns, Mahr hat es geschafft. Unter den Kameraden an Bord ist Bewegung. Voltes soll heute in Spangen gelegt werden, weil er seinen Gc- bührenurlaub einen Tag überschritten hat. Ausgcrechnel Voltes, unser Backgast. Ich erinnere mich, wie er dem Detail- offizier ins Gesicht gelacht Hot, als er wegen Bootsversäumnis einen Tag Dunkelarrest bekam, und wie der Offizier in Wut geriet und Voltes npch vier Wochen Bordarrest draufbrannte. Der aber war nicht klein zu kriegen. Nur Dunkelarrest ver trägt er nicht. Dann heult er wie ein Hund, und man muß sich die Ohren zuhalten, um nicht verrückt zu werden. Einmal hat er die ganze Nacht hindurch gebrüllt:„Und wenn die Welt voll Teufel war, es muß uns doch gelingen!" Heute ist überhaupt allerhand los. Ueber der Stadt und den, Hafen hängen Fesselballons zur� Fliegerabwehr. Aber die Aasgeier lassen sich nicht blicken. Sie kommen erst, wen» »die Fesselballons eingezogen sind. Das wiederholt sich immer, sobald Vollmond ist. An den Geschützen in den Forts liegen die Soldaten in Bereitschaft, aber heruntergeschossen haben sie noch nie einen. Wir lachen nur noch über das Theoter. Unsere stolze Flotte ist herrlich anzuschauen, aber ins Wasser getraut sie sich nicht. Ein Kamerad ist beim Diebstahl erwischt worden. Wir alle müssen am Batteriedeck antreten. Es soll ein abschrecken- des Beispiel statuiert werden. Der Kamerad hatte Küchen- lnspektion, er benutzte die Gelegenheit und räumte sich einen Topf Menage beiseite. Die Sache ist nicht der Rede ivert, und jeder hat das schon gemacht. Aber die Vorgesetzten haben ein schönes Wort dafür: Kameradschaftsdiebstahl. Es jft natürlich kein Kameradschaftsdiebstahl, wenn ein höherer Proviantostizier ein Boot voll Kaffee, Bohnen, Mehl und Polenta packt und damit in die Stadt abschiebt. Kein Teufel schert sich darum, was die Herren von Bord tragen. Nur wir sind die Hammel. Uns würde der Profoß mn liebsten die Unterhosen herunterziehen, um uns in den Hintern zu gucken, ob wir da nicht etwas vom Gut der Nation versteckt halten. Wir werden von oben bis unten abgetastet. Alles bejühll er, sogar die winzige Legitimationskapsel, die wir in der Tasche tragen. Nur die Wanzen übersieht er, die aus unserer Wäsche herumspazicren. sFo-tsetzong folgt.) Die Visionen einer Greisin Und wie Betrüger sie auszunutzen verstanden 50 Tage Eklarek-Prozeß. Fälschungen von 216 Llnterschristen. 5m Sklarek-Proz>eß wurde gestern der Ü0. Verhandlung s° tag erreicht. Zunächst unterhielt man sich eingehend über den Alkohol, der Leo Sklorck während der Haft in die Zelle geschmuggelt wurde. Rechtsanwalt Dr. Pindar stellte zu Beginn den bereits an- gekündigten Beweicantrag, den Vernehmungsrichter, Amtsgerichts- rat Dr. Lubliner, darüber als Zeugen zu hören, da st sich Leo S k l a r e k nach seiner Verhaftung wegen der ungewohnten Alloholentziehung in einem krankhasten Erregungszustand de- funden habe. Rechtsanwalt Dr. Pindari Leo Sklarek war früher jede Nacht in einem Rauschzu st and. Di« Verhaftung. die ihn wie ein Blitz aus heiterem Himmel traf, hat ihn so tief er- jchüttert, dah er in den ersten zehn bis, zwölf Tagen in seiner Zelle direkt getobt hat und sich eine Haftpsychose bemerkbar machte. Jetzt trinkt Leo Sklarek ja auch nicht mehr. Rechtsanwalt Bahn: Wenn sich Leo Sklarek vor seiner Verhaftung in einem fortdauernden Rauschzustand befunden hat, so wird man sich ein Bild darüber machen können, was auf seine Behauptungen über den Inhalt von Unterhaltungen zu geben ist, die damals stattgefunden haben. Auch Rechtsanwalt Puppe, der Verteidiger Lehmanns, unterstützte den Antrag auf Ladung des Vernehmungsrichters. Nach diesen Erörterungen beschäftigte inan sich wieder mit den Fälschungen der 218 Unterschriften, und der An° geklagte Buchhalter Lehmann blieb dabei, die Sklareks hätten ihm gesagt, dast alle die Unterlagen nur Formalitäten seien. Vors.: Hat man nur deshalb zu Ihnen von Formalitiäten gesprochen, um Sie zu den Fälschungen zu veranlassen? Lehmann: Das ist möglich, wenn man mir nicht gesagt hätte, dast es sich nur um Formalitäten handelt, so hätte ich die Fälschungen nicht verübt.— Ferner erörterte man. dost der Sklarrk-Kredik im November 1928 6 Millionen Mark erreicht halte, wovon der Kreditausschuh Kenntnis nahm. Er befastte sich dann mit der Frag«, ihn auf 7 Millionen Mark zu erhöhen, und im Kreditausjchuh, in dem auch der Stadtverordnete Rosenthal sah, war nur Stadlrat Iursch gegen die Erhöhung. Schmitt erstattete dem Kämmerer Bericht über den Kredit, der gleichfalls einverstanden war und die Erhöhung begrüßte. In der N a ch m i t t a g s f i ft u n g kam es zu einer sehr tem- peramentoollen Diskussion über die Frage, woh«r die Sklareks die Mittel für ihren jetzigen Lebensunterhalt nehmen, wobei auch die Tatfache erörtert wurde, dast sie des öfteren von und nach Moabit Autos und Kraftdroschken benutzen. Ausgelöst wurde diese Auseinandersetzung durch energische Vorhalte des Bar- sitzenden an Willy Sklarek über die Umstand«, die zu der Gewäh- rung des letzten Kredites von 2 Millionen geführt haben. Willy Sklarek verteidigte sich wiederum sehr hartnäckig und schleuderte schließlich dem Vorsitzenden die Worte entgegen:„Wir sind keine Betrüger. Herr Vorsitzender, und haben kein Geld beifeitegebracht." Vors.: Und woher nehmen Sie die Mittel, die Sie jetzt zu Ihrem Leben haben? Willy Sklarek: Darüber kann ich Ihnen genau Rechnung legen. Gleich nach meiner Verhaftung habe ich von einem »mserer Jockeys 2000 Dollar bekommen. Ich bin fetzt schon wieder fünf Monate die Miete schuldig und komme mit 6 bis 8 Mark am Tage aus. Im Anschluß daran kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Rechtsanwalt Dr. Pindar und dem Vorsitzenden über die Lebensführung der Sklareks. Schließlich wurde die V«r- Handlung auf Montag, 9 Uhr, vertagt. Geisteskranker erschießt seinen Vaier. Eine schwere Bluttat ereignete sich am Donnerstagabend gegen 8 Uhr in Schöneberg. Im Haufe Hauptstraße 86 betreibt dort der 67 Jahre alte Schneidermeister Georg Schutts neben seiner Schneiderei eine Gastwirtschaft. Er befand sich mit seinem 81 Jahre alten Sohn Heinrich, der eben erst aus der Nervenheil- an st alt Herzberge entlassen worden ist, in einem kleinen, hinter dem Laden gelegenen Raum. Der Vater war mit dem Bügeln von Anzügen beschäftigt. Der Sohn hat wohl seine Rückkehr in» Elternhaus mit reichlichem Altoholgenuß gefeiert. Er zog uaver- mukek eine Pistole und gab auf seinen Vater von hinken mehrere Schflsie ab. 3n die Lungen getroffen brach er zusammen und wurde vo» seineu Angehörigen schwerverletzt ins Auguste-Vikkoria-Sranteu- haus gebrachk. Die Kriminalpolizei hat den Tatbestand sofort unter- sucht und den unglückseligen Schützen, der immer noch stark be- trunken war, in Haft genommen. „Bitte überflüssiges Hupe« zu vermeiden!" Die Berkehrswacht Berlin-Brandenburg E. V. oerteilt an Krastwagenführrr, die durch übermäßiges Hupen den Straßen- verkehr stören, kleine Zettel folgenden Inhalts: Die Berkehrswacht Berlin-Brandenburg bittet höflichst, mit Rücksicht auf den übrigen Straßenverkehr cknd die Anwohner der Straße, übermäßiges Hupen zu oermeiden. Kraft- jahrcr, die das Hupenzeichen mißbrauchen, um sich beim Warten vor einem Haufe bemerkbar zu machen, übertreten die Polizei- Die Notverordnvng beginnt sich auszuwirken. Die Ge- richte gewöhnen sich allmählich an den Gedanken, daß gegen unbefugte» Führen von Waffen scharf durchgegriffen werden muß. Vor dem Schnellschösfengericht stand neulich der Arbeiter H.: ab er Mitglied der KPD. ist oder nur mit ihr sympathisiert, blieb ungeklärt. Jedenfalls siel er am IS. d. M. gemeinsam mit einer größeren Anzahl Kommunisten in der Nähe des Arbeitsamts Ecke Boxhagener und Reue Vahnhosf trotze über den Nationalfozia- ftsten N. her. dem Gesinnungsgenossen zu Hilfe eilten. H. zog einen Revolver und schoß: die Kugel sauste hart an N. vorbei. Alles stob «»einander. Ein Polizeibeamter, der zufällig des Weges kam, verhaftete H. Man fand bei ihm den Revolver. Eine Kugel war «dgefchoffen, fünf waren noch im Lauf. In der Verhandlung bestritt H.. wegen Fuhrung eines Tot- fchlägers bereit» einmal vorbestraft, geschaffen zu haben: die Pistole habe er einem anderen Arbeiter abgenommen. Der Staatsanwalt beantragte zwei Jahre Gefängnis. H. war wie aus allen Wolken gefallen. Das Urteil lautete: Zwei Jahr« Gefängnis. In der Urteilsbegründung führte der Lorfitzendc aus, daß eigentlich In der Wohnung der 60jährigcn Witwe des norwegischen Kunst- malers und Professors Grönwald in der Hohenzollern- st r a ß e verkehrten wunderliche Leute und gingen wunderliche Dinge vor sich. Die Greisin,«inst eine steinreiche Frau, auch noch der Inflation noch Besitzerin eines großen Vermögens, lebte nach dem Tode ihres Mannes in noch innigerer geistiger Gemeinschaft mit ihm als früher. Er erschien ihr in ihren Visionen, erteilt« ihr Befehle und ermunterte sie zu guten Taten. Sie versammelte um sich Nutznießer ihrer Bisionen und verschenkte wahllos ihr Vermögen. Der Geist des seligen Professors, des Berndt, wie man ihn in dem Hause der Greisin nannte, erschien nun, erteilte Befehle, die auch für das materielle Wohlergehen der Freunde von großem Nutzen waren. Die Greisin glaubte aber blind an Berndts Kundgebungen, einerlei, wcm diese zuteil wurden. Eines Tages brach aber der ganze Zauber zusammen, die alte Frau mit sich selbst entzweit und an Berndts Kundgebungen zweifelnd, legte sich aufs Fasten, starb und vereinigte sich im Jenseits mit ihrem Mann. Die Kriminalpolizei hatte eingegrifscn und das Dctrügergewebe um die Professorssrau zerrissen. Der Schauspieler W i st u b«, der in Hollywood einen Film mit Bernds Geist drehen sollte, in Wirt- lichkeit aber das zu diesem Zweck empfangene Geld in Berlin ver- lebt«, ist bereits zu einemIahr neun Monaten Gefäng- nis verurieilt worden. Nunmehr standen vor Gericht der Schrift- stcller Meyrowitz- Ehringhausen, die Schriftstellerin Fahrenkamp und die Kausmannsfrau Hartogk. Meyrowitz-Ehringhausen, der„jüngste Soldat des Weltkrieges', wie ihn im Jahre 1013 ein Berliner illustriertes Blatt nannte, hat dos übliche Heldenschicksal dieser Kinder-Krieger erlitten. Sein Heldentum war ihm zum Kopf gestiegen, er fand sich im Leb�n nicht zurecht. Seiner ersten Straftat im Jahre 1920 folgten in den nächsten Iahren weitere, er versuchte sich mit Erfolg als Schriftsteller. Wieder- holt nahmen sich seiner Wohlfahrtseinrichtungen und bekannte Per» fönlichkeitcn an— ohne Erfolg. In der Rathenau-Gesellfchaft lernte er Frau Grönwald kennen, wurde ständiger Besucher in ihrem Hause und ging auf ihre Visionen und okkultistischen Liebhabereien«in. Frau Grönwald wollte das„Neue Reich' verwirklicht sehen und die Idee des Neuen Reiches sollte überall propagiert werden. Meyrowitz schrieb phantastische Briefe an Frau Grönwald, in denen er sie.Minneschwester im Neuen Reich' anredete. Dann wurden für die.Minneaktion', die von oben vorgeschrieben sein sollte, Verordnung. Die Berkehrswacht Berlin-Brandenburg ist sich jedoch sicher, daß dieser kleine Hinweis genügend Beachtung erfährt, und sieht von polizeilichen Meldungen ab. Die Llniersuchung über„Kelseneck". GtaatSanwalischast sichtet das Material. Die Staalsanwaltfchaflhal gestern die Akken über die polizeilichen Ermilllungen wegen der blutigen 7t a; i a u»- schreitungen in der Kolonie Felseneck in Rcinickendors-Ost erhalten. Danach bcläuft sich die Zahl der in dieser Angelegenheit von der Polizei festgenommene« Personen jetzt auf ö 8. Es ist dam» za rechnen, daß die Entscheidung, gegen wen von diesen Sislierte» Hastbefehl erlassen werden wird, in Anbetracht de» sehr umfangreichen Ptalerials erst Ansang der kommenden Woche fallen wird. Wieder Nazi-kleberfatt in Spandau Zwei Mitglieder des Deutschen Metallarbeiteroerbandes kamen gestern abend von den Freien Schwimmern in Spandau über den Marktplatz: sie wurden dort von Nationalsozialisten angepöbelt und in der Nähe des Bahnhofs Spandau-West plötzlich mit Eisenstangen und Fußtritten zu Boden geschlagen. Der Polizei gelang es, von den etwa 35 Rowdys 14 festzunehmen. Oer 90000v-Mark-Oefraudani. Oer ehemalige Schahmeister des Sängerbundes verhastet. Gütersloh, 22. Januar. Cm guter Fang gelang der Polizei in Verl(Kreis Wieden- brück). Dort wurde in der Arbeiterkolonie Wilhelmsdorf, die zu den Bodelschwinghschen Anstalten gehört, der ehemalige Schahmeister des Deutschen Sängerbundes, Gerichtsassessor Johann Reblin au, Perlin-Eharlotkenburg, verhaftet. Redlin hatte als Schatzmeister des Deutschen Sängerbundes 900 000 Mark unterschlagen und war in Berlin zu einem Jahr neun Monaten Gefängnis ver- urteilt worden. Seitdem war er flüchtig und wurde steckbrieflich gesucht. In der Arbeiterkolonie Wilhelmsdorf hielt er sich seit den, 4. Januar 1932 auf. Redlin wurde in das Polizeigefängnis in Derl eingeliefert und wird von dort aus über das Amtsgericht Gütersloh nach Berlin gebracht werden. versuchter Totschlag vorliege: S). könne von Glück sagen, daß die Kugel vorbeigegangen war. Der Angeklagte konnte immer noch nicht begreifen, was mit chm geschehen. Im Zuhörerraum schluchzte laut«ine Frau. Glimpflicher kam das Mitglied des Turnoereins Ficht« davon Im Laubengelände gerieten am 4. November v. I. Nationalsoziali st en und Kommunisten anein- ander. Wen diesmal die Schuld traf, tonnte nicht festgestellt wer- den: der Angeklagte soll aber seinen Revolver gezogen und gedroht haben Ein Nationalsozialist erhielt»wen Steckschuß in den Mantel. Der Angeklagte lief davon und wurde im 4. Stockwerk eines Hauses gefaßt. Einen Revolver hatte er nicht bei sich. Der Gegenstand, den er in der Hand gehabt haben wollt« und in dem seine Verfolger ein« Pistole vermuteten, soll seiner Behauptung nach das Futteral von einem Schlüssel gewesen sein. Der Staatsanwalt beantragt« sechs Monats Gekängnis. Do« Gericht sprach den Angeklagten frei, da ihm nicht mit Bestimmtheit nachgewiesen wer- den konnte, ob er der Schütze gewesen ist. Uebrigens hatte der junge Mensch bereits«ins Strafe wegen Widerstand hinter sich. ein Verfahren wegen Landfriedenbruch schwebt gegen ihn. 600 Mark für die Plakate gefordert. Meyrowitz«rhiell nur 150 Mark, im ganzen flössen in seine Tasche etwa 2000 Mark. Amüsanter als dieses„zitterige Menschchen'— so nannte ihn Sanitätsra: Dr. Leppmann— ist aber die Schriftstellerin Fahren- k o m p. Ihre Bekanntschaft mit Frau Grönwald vermittelt« die berüchtigte religiöse Schriftstellerin Gertrud Prcllwitz. ischon seit Jahren mystisch oeranlogt, ergab sich Fräulein Fahrenkamp umer dem Einfluß der Frau Grönwald dem Okkultismus. Zuerst hatte sie„Schau ungen', dann erhielt sie von jenseits„Kund- gedungen'--- immer wieder war es Bernds Geist, der ihr er- schien, und schließlich dichtete sie unter dem Diktat Christi ganze Werke, in dem die Minne zu„Minke'— so nannte sie Frau Grön- wald— die Hauptrolle spielte. Bernds Befehle waren wie immer auch für sie sehr vorteilhaft. So befahl er ihr einmal eine Ferien- reise zu unternehmen, als sie durch die geistig« Arbeit mit ihm ganz erschöpft war, und... sie erhielt auch von Frau Grönwald das Geld dazu. In ihren Briefen an ihre Gönnerin, die ihr ein« Rente von 100 Mark monatlich ausgesetzt hatte, spiel!« die Gemeinschaft mit Bernd eine hervorragende Rolle. Auch im Gerichtssaal wirkte sie fast visionär, eine verzückte Prophetin, eine von religiösem Wahn Besessene. Die dritte Angeklagte, Fran Hartogk. hott« den Auftrag erhalten. Frau Grönwald von ihren Visionen zu befreien und die Nutznießer dieser Visionen zu entlarven: sie verfiel aber selbst in dieselben Visionen und auch für sie waren sie vorteilhoff, Frau Fahrenkamps bezeichnete ihren Mitangeklagten als Betrüger: sie hätten Frau Grönwald erpreßt und keine Visionen gehabt: sie selbst hätte die Visionen tatsächlich gehabt, aber nicht erpreßt. Die Schriftstellerin Gertrud Prellwitz, die an die Christus-Diktate des Fräulein Fahrenkamp unbedingt glaubt, schilderte in bewegte» Worten und mit bewegter Stimme, wie Frau Grönwald sich in den Tod gefastet habe, als ihr Gtaube an Bernds Kund- gedungen erschüttert worden sei. Der Staatsanwalt beantragte Freispruch für die An- geklagten Fahrenkamp und Frau Hartogk und beantragte ein Ialn Gefängnis wegen fortgesetzten Betruges gegen Meyrowitz. Das Gericht sprach die Angeklagte Fahrenkamp frei und verurteilte de» Angeklagten Meyrowitz wegen fortgesetzten Betruges im Rückfall. zum Teil in Tateinheit mit Urkundenfälschung zulJahrliMo naten Gefängnis und 3 Iahren Ehrverlust, Frau Hartogk wegen Betruges zu 7 Monaten Gefängnis. Salabans falscher Anwalt. In der Affäre des Falschmünzers Dr. Calaban. i» der nach dem angeblichen Helfershelfer Ehristiansen gefahndet wird. ist fttzt ein zweiter Unbekannter aufgetaucht. Dieser Tage erschien ein Herr im Untersuchungsgefängnis und beantragt« eine Sprecherlaubnis mit Dr. Salaban. wobei er sich als Rechtsanwalt Dr. R. vorstelle. Da Salaban bereits durch Rechtsanwalt Dr. Julius Meyer I verteidigt ist. wurde man stutzig und ersuchte den angeblichen Anwalt, eine Weile zu warten. Darauf verschwand der Unbekannte. Hinterher stellte sich heraus, daß«in LnwaU des Namens, den der Unbekannte genannt hatte, in Berlin völlig unbekannt ist. Bisher haben die Ermittelungen nicht ergeben. wer der mysteriöse„'Anwalt' gewesen ist. Di« Möglichkeit, daß es ein Komplice des Salaban war, wird von der Polizei auzgeschaftei. Beim Gericht vermutet man. daß ver unbekannte Besucher, deffcn Name nicht richtig verstanden wurde, vielleicht ein alter Bck an»- ter des Verhafteten ist, der ihm irgendwie etwa« zugute knrrnr.--» lassen wollte. Die andere Vermutung geht aber dahin, daß es sich um einen Photoreporter handelt, der irgendwie mit Salabrn zusammenkommen wollte, um eine Ausnahme von ihm zu mach:» Der Prozeß wird übrigens vor dem Großen Schöffen- geeicht Schöneberg zur Verhandlung kommen. Oer Herr Rrasiläi. Eine dunkle Persönlichkeit und ein falscher paß. Am 21. Dezember v. I. veranstaltete die Politische Polizei i» den Räumen der„Liga gegen den Jmperilismus". Friedrichstr. 124, eine Durchsuchung. Ob sonst etwas Wichtiges gefunden wurde, ist nicht bekanntgeworden: jedenfalls fand man ober da einen Herrn mit einem deutschen Reisepaß auf den Namen Friedrich Stahl, gebürtig aus Königsberg. Die Aussprache dieses Königsbergers klang eigentümlich fremdartig, unter allen Umstände» nicht ostpreußlsch. Als man ihn auf dem Polizeirevier aufforderte. unter Hinweis, daß das Revierbuch eine Urkunde darstelle, seine Per- fonalicn zu beurkunden, zog er es vor. feine Unterschrift zu ver- weigern. Er erklärte darauf, nicht Friedrich Schwarz zu heißen, auch nicht aus Königsberg zu stammen, sondern ein gewisser Isidor B r a s i l ä> zu sein, in Krakau geboren und vor zwölf Jahren nach Palästina ausgewandert. Er habe sich da als Mitglied der revolu- tionären kommunistischen Opposition gegen die englische Regierung betätigt, man habe ihn, deshalb die englische Staatsangehörigkeit verweigert und ihm schließlich seine Papiere entzogen. Er sei des- halb nach Deutschland gekommen, als einziges Land, in dem er Ünterkunft zu finden hofft«. Seine Freunde hätten ihm eine poli- zeiliche Abmeldung von Leipzig nach Berlin auf den Namen Stahl besorgt, auf die er beim Polizeirevier 92 anstandslos einen deutschen Reisepaß erhallen habe. Er stand vor dem Schnellschöffe n- geeicht und hatte sich wegen Urkundenfälschung verschic- denster Art zu verantworten. Ob er auch wirklich B r a s i l ä i heiße, fragte ihn der Vorsitzende. Weshalb nicht Argentinäi? Brasilät sei sein richtiger Name, erklärt der Herr aus Krakau. Was er in Berlin eigentlich getrieben habe? Ob er etwa mit irgendeiner Aufgabe beauftragt worden fei. Nein, er hätte nur Studien getrieben. Wo er gewohnt habe? Das wolle er nicht jagen. Das Gericht verurteille Isidor Brasiläi zu Zwei Monaten Ge- f ä n g n i 2 und einer Woche Hast. Die Politische Polizei wird ihn aus Deutschland ausweisen. Ein Z-Ührrrhund für Schwerhörige wird vorgefiihri. Der Schutz- verband der Schwerhörigen Ortsgruppe Berlin, will am Sonntag. dem 31 Januar, vormittags*11 Uhr. auf dem Hofe der Städti- sehen Taubstummenschnle. NW. 6. Albrechtstraße 27. einen für Sibwerhörige und Taube geeigneten Führerhund vorführen. Die Anregung zu dieser Vorführung geht von dem Deutschen Schäfer- hundverband aus. der. wie für die Blindenfürsorge, auch für die Schwerhörigen und Tauben einen Führerhund schaffen wvl. Wakken sind verboten! Scharfes Durchgreifen der Gerichte Verschwundene Briefe Zuchthaus für ungetreue Postbeamte � ZNchks erregt im Publikum soviel MIHfklmmung und Empörung. alz wen» Vriefe verschwinden, ohne daß jemand weih, wo sie geblieben sind. Seitdem die Post eigene Srimiualbriesstelleu hak. wird jeder Anzeige grüudlich und energisch nachgegangen. Der Zufall wollte es. dah vier derartige Zölle kurz hintereinander zur Aburteilung vor Berliner Gerichten stauben. Zn drei Zöllen wurde auf Zuchthausstrafen erkannt. Der Zljährige Postschaffner Julius P. der feit 1SZS bei der Post beschäftigt ist und beim Postamt Wilmersdorf I im �ustelldienst tätig war, hat eine Reihe von Briefen und Einschrsibefendungen, in dencn er Geld vermutete, geöffnet und des Inhalts bs° raubt. Vorstchtigerweif« eignete er sich aber nur Sendungen an, die nicht zu seinem Bestellbezirk gehörten, indem er die Brief« bei der Verteiluna in seiner Tasche verschwinden lieh. Zu Hause öffnete er sie, klebte sie nach Beraubung ihres Inhalts wieder zu und gab sie dann unbemerkt in den Verkehr. Um das Verschminbcn der Einschreibebriefe zu verdelken, beging er Fälschungen auf die raffinierteste Weise, so daß die Postsachoerstäudigen sogar er- klären mußten, dah das angewandte Verfahren ihnen noch nicht vorgekommen fei. Vor dem Schöffengericht El)arlottcnburg gestand der Angeklagte zu, daß er etwa ZOOM, in den zahlreichen von ihm geöffneten Driesen gcfuröen habe. Als Motiv für feine Tot gab er an, daß er mit feinem Gehakt nicht ausgekommen fei, da feine Frau nicht oerstanden habe, hauszuhalten. Staatsanwalt Dombrowfki beantragt« gegen den Angeklagten 2ii Jahre Zuchthaus und die Nebenstrafen. Das Schoffengencht venüeilte ihn zu 1 Vt Iahren Zuchthaus. 100 M. Geldstrafe und ö Iahren Ehrverlust. Milder kam der Postschaffner B. davon, gegen den vor dem Schofsengericht S ch ö n e b e r g der Staatsanwalt ebenfalls Zucht- l?aussrraf« beantragt hatte. B. war tn einen, Postamt im Westen beschäftigt. Auch dort verschwanden dauernd Briefe und es lenkte sich v«r Verdacht aus den Angeklagte». Es wurde ihm eine Falle gestellt, indem man ihm eines Tages zwei Briefe mit auf den Be- flellgang gab, die nicht zu seinem Bezirk gehörten. Als er zinn Postamt zurückkam, und die Briefe nicht ablieferte, wurde er zur NeNs gestellt. Er weigerte sich aber, ein« körperliche Durchsuchung vornehmen zu lassen imd lief auf die Strohe zurück. Ein Aus- sichtobeamter, der ihm folgte, beobachtete, daß er«inen Brief der draußen wartenden Ehefrau zusteckte. Dieser wurde der Brief ab- genommen. Später gab der Angeklagt« zu, daß er den zweiten Brief unbemerkt auf der Straße foctgeworfcn hob«. Er bestritt aber, daß er irgendwelche Brief« beraubt Habe. Der Anklagevertreter glaubte ihm dos nicht und beantragt« wegen Urtunbenvemich- tung und Amtsunterschlagung l Jahr Zuchthaus. Zur Verteidigung des Angeklagten machte der Verteidiger geltend, daß der Angellagte die beiden Brief« aus Angst vor einer Disziplinarstrafe beiseiteg!- steckt habe. Nach den Dienstvorschriften war er verpflichtet, vor Antritt seines Bestellgange« die ihm übergrbenen Bricffenduinzcn zu sortieren. Das hatte er aber unterlassen und erst unterwegs bemerkt, daß er die beiden Brief«, die nicht zu seiner Bestellung gehörten, mitgenommen habe. Es liege demnach nur Urkunden- Unterdrückung vor. Das Schöffengericht folgte dieser Auffassung des Verteidigers und verurteille den Angeklagten wegen Urkunden- Unterdrückung zu der Mmdcststrafe von drei Monaten Ce- f ä n g n i s. Unter der Anklage der fortgesetzten llnterschlognng und Ur- kundenvernichtung im Amte hatte sich der 49fäHrigc frühere Post- oushelfer M. vor dem Großen Schöffengericht Lichten- berg zu verantworten. Der Angeklagte geriet im vergangenen Jahr, als gerode in seinem Bestellbezirk viel Sendungen verloren gingen, in den Verdacht der Unterschlagung. Die Kriminalpost- dienststelle gab einen sogenannten„Fangbries' auf, einen durch- I sichtigen Briefumschlag mit 10 Mark Inhalt, auf den M. herein-| fiel. Eine sofort bei ihm abgehaltene Haussuchung forderte eine! ganze Kollektion von Wert- und Gebrauchsgegenständen zutage: Notizbücher, Silberbleistifte, FüllfcderhaUer, Handschuhe, Haarnetze. silberne Messer und Lössel, Brillen, Kneifer und die verschiedensten Arzneimittel. M. gestand, die meisten der Gegenstände in Post- päckchen gefunden und sich angeeignet zu haben. Einen triftigen Entschuldigungsgrund hatte er nicht, denn besonder« Notlag« kam nicht in Frage. Das Gericht verurteille ihn entsprechend dem An- trag des Staatsanwalts auf die Mindeststrafe von einem Jahr Zuchthaus. Der feit 25 Jahren im Postdienst beschäftigte Briefträger Richard I.. der beim Postamt Berlin NW 0 mit dem Aus- trogen von Briefen beschäftigt war, wurde vom Schöffen- gericht Berlin-Mitte wegen fortgesetzter Amtsunterschlagung zu einem Jahr sechs Monaten Zuchthaus vcrurtetll. I. war geständig, von 1019 an dauernd Briefe und Päckchen, in denen er Geld vermutete, unterschlagen zu haben. Auf diese Weise hat er etwa 13» bis 20 000 Mark erbeutet. Der Nazi-Schuhmachsr. Ein Leser schildert uns von seiner Suche nach Arbeit das folgende bezeichnend« Erlebnis: Bon Beruf bin ich Schuhmacher und schon seit längerer Zeit erwerbslos. Oft bin ich unterwegs, um bei anderen Schuhmachermeistern um Arbeit nachzufragen. Unter anderen kam ich auch zu einem Schuhmacher in der Markgrafenstraße, um nach Arbeit vorzusprechen. Nachdem der Meisler seine Kunden abgefertigt hatte, trug ich ihm mein Anliegen vor. und wir kamen da- bei in folgendes Gespräch: Also Sie wollen Arbeit haben. Was oder wiemel Lohn wollen Sic denn am Tage haben? In Er- midernng der� Frage sagte ich ihm. daß im allgemeinen die Schuh- mochcr aus Stücklohn und seltener in Tagelohn arbeiteten. Ich erhielt die Antwort, daß vor allem Pfuscherei bei ihm nicht iir Frage käme. Er wünsche und verlange saubere und gute Arbeit und möchte die Arbeit„mit Zell"' gemacht haben, statt hinterher zu würgen und doch nichts Vernünftiges zustand« zu bringen. So- mären wir uns schon einig gewesen. Wir kamen darauf wieder aus die L o h n f r a g« zu sprechen. Da wir uns nicht einigen konnten, frug er. was ich denn für ein Paar genagelte Herren- sohlen mll Absätzen haben wolle. Ich entgegnete ihm, daß ich selbst vor einiger Zell«ine Schuhmacherei hotte und meinen Aus- bllfskräften für Sohlen und Absätze, genagelt in Akkord 2 Stunden und 43 Minuten und für genähte 3 Stunden und 45 Minuten, die Stunde mll dem tarifmäßigen Satz von 78 Pf. bezahlte. In Zln- brlracht der jetzigen Nolzell und des allgemeinen Preisabbaues erklärte ich ihm. daß ich dann für«in Paar genagelte Herrensohlen mit Wsätzen l,7ö M. beanspruchen würde. So clwas wäre schon ganz und gar ausgeschlossen, soviel könne er:.lcht ausgeben, denn oc wolle auch nervicncn. Beim Abfertigen der Kunden bemerkte ich. daß er für ein Paar Herrenftiefel 5 M. verlangte(genagelt). Weiter teilt« er mir mll, daß bei ihm viele Kunden rechtsgerichteter Kreise arbeiten ließen. Er selbst sei Nationalsozial ist. Sollt« ich Interesse für die Arbeit bei ihm haben, so müsse ich unbedingt den„nationalen Kreisen" angehören, eventuell selbst Nazi sein, denn was er mit seinen Genossen zu sprechen hätte, brauche von einem andersgesinnten nicht mll an- gehört Z» werden. Im Geyenteil, ein Andersgesinnter würde hei ihm nicht«inen Sechser erhalten. Ist er sogar SPD.- oder KPD.- Wann, so würde er ihn eigenhändig durch seine Schau- s e n st e r s ch e i b e schmeißen. Ich ließ mir meine politisch« Emitelluna nicht anmerke» und empfahl mich mit dem Hinweis, daß diese Arbeit für mich nicht in Frage käme. Giraffenbaby im Zoo. Endlich Hot Annemarie, die sünfährige abossinische Giraffe im Zoologischen Garten ihr schon seit langem erwartetes Baby bekommen Sie trug es über iiinizehn Monate. Dafür war es bei seiner Gelburt aber auch 60 Pfund schwer und 1,73 Meter hoch Es ist erstaunlich selbständig und konme bereits nach einer Stund« laufen Es war jedoch noch keine Ü4 Stunden all. als es ickon"-tmal photographiert mar; denn die Photographen umlagerten « ViS die L�toechällmsse ein« Aufnahme überhaupt ermög- lichten, �as Jungtier ist schr neugierig. Ungeschickt legt-- sich hin. steht wieber ans und probiert irden Knochen und.edcg Glted am seme Verwendbarkell. Die Alle läßt ii>r Bob.) me aus den Augen. In e-nem anderen Gehege aber reckt Hans, der Vater, seinen i>alg noch länger, als er schon ist. weiß« doch gor Nicht, was alle ine vielen Menschen von der Annemarie und seiner~ochtcr wollen. Bergrutsch tu Hannover. Oberhalb de« Ortes Brunkens-» bei Alfeld in Hmuwver hak sich am Abhang oes sogenannten„Kiekcdal«m großer Bergrutsch ereignet. Der Kiekedal wird gekrönt vom A o h e n st e l n, einem westhin stchtdaren Felsen, der seit Iahren unter Natur. schütz steht. Infolg« der starken Regengüsse der letzten Zell sind in einer Länge von etwa 400 Metern große Bodenmassen in Bewegung geraten und zu Tat gvgongen? der gesamte Waldbestand ist vernichtet. Bezirkstag der Arbeiter-�aienfpieler. Der Bezirkstag des Arbeiter-Laienspieler-Verbandes Berlin- Brandenburg konme auf ein Jahr bedeutsamer Aufbauarbeit zurückblicken. und mau kann trotz der schlechten wirtschaftlichen Lag« mit dem Ergebnis zufrieden sein. Der Bezirksvorstand sowie die ein- zelnen Truppen haben mll bestem Ersolg das Laienspiel der künstle- rischen Popaganda der Arbellerbeweguitg dienstbar gemacht. Bei Partei und Reichsbanner, den Turnvereinen, bei w e l tststch nr' Schrn+e n/ Schachspielern, Arbeiter- Schützen und der Sozialistischen Arbeiterjugend usw. wurden die Laienspieler immer gern zur Ausgestaltung des Programms herangezogen. Die Verbindung zu den befreundeten Organisationen ist gefestigt worden, besonders die Mitarbeit im Be- zirksbildungsausfchuß der Partei. Der kommunistische Arbeiter- Theater-Bund ist in seiner Hochburg Verlin von dem ALL. in dem «inen Jahr seiner hiesigen Tätigkeit well überflügelt worden. Auch die Versuch« der St a z i s, durch Spicltruppen agitatorisch zu wirken, reicht längst nicht an die Arbell der organisierten Partei- genössischen Spiellruppen heran. Trotzdem die Aufführungen gute künstlerische Forme» anftveiseii. wollen und dürfen die Arbeiter-Laienspieler den Berufsschauspielern nie Konkurrenz machen; vielmehr wollen sie durch da» lebendige Spiel auf der Bühne als Genossen ssür die Genossen a�ita- torisch wirken. Auch mit wichtigen organisatorischen Fragen mußte sich der Bezirkstag beschäftigen, um die Bewegung erneut vorwärts zu bringen. Um bei Sprechchäreu und Demonstrationen einheitlich aufzutreten, wurde beschlossen, eine Einheitskleidung einzu- führen. Die Frag« der Werbung, die technische Ausbildung unserer Mitglieder, die Mitarbeit an dem Problem einer neuen Festgestal- tung, die politische Schulungsarbeit gab den Delegierten reichliche Gelegenheit zur Aussprache für die Arbeit des neuen Jahres. Die Bezirksftmktionäre wurden mit einigen Ausnahmen wiedergewählt. Als Vorsitzender fungiert wieder der Genosse Heinz Wagner (Freie Spiellruppe Berlin), ebenso als Geschäftsführer Genosse Heinz Kirfchk«(Truppe drunter und drüber), Berlin-Ruminels- bürg, Türrschmidtftr. S3, als Spielleiter Genosse Wilhelm Micke (Truppe Junge Pioniere) als Schriftführerin Genossin Sophie Lang» kutsch(Truppe Berlin-Mitte), als Obmann der Revisoren Genosse Freyer(Truppe Schöneberg)._ Keine Verpachlung de» Klosters Ehorin. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der preußische Ministerpräsident auf eine offiziell« Anfrage des Evangelischen Oberkirchenrats über eine angebliche Verpachtung des Klosters Chorin yeontwortet, daß seitens des preußischen Staatsministerllrms«ine Voräußerung oder ein« Verpachtung des Kloster» Ehorin weder be- absichtigt worden ist noch beabsichtigt wird und überhaupt nicht In Frage kommt. Konferenz gegen den politischen Terror. Das Kartell der Ne- publikailischen Verbände Deutschlands verschiebt seine bereits ange- kündigte„Konferenz gegen den politischen Terror" bis auf Mitte Februar; es soll damit eine Reichstonferenz verbunden werden. Der neue Termin und alle näheren Einzelheiten werden rechtzellig angekündigt. Gelchö stsstelle: Berlin EWU, Bernburger Straße 18, Kursürst 5400. «jähriges Arbeltsjudilöum. Die Näherin Marie Israel. lang- jähriges treues G-merkschgftsmllgsrsd. begeht heute ihr 45 j ö h r i- ges Arbeitsjubilaum w der Berliner Sorssttfabrik W. G Neumann. Aus der parte!. Drofessoc Erich Bernstein, Tsmpelhof, einer der Söhne des demokratischen Dorlämpsers Aron Bernstein, der 1848 die„Ber- liner Urwähler, später Volkszeitung" gegründet hat, ein Better Unseres Eduard Bernstein, ist im 68. Lebensjahre verschieden. Einen größeren Teil seines Lebens Hai er in K a u k a s i e n. vor allem in der georgischen Hauptstandt T i l l i s, als Professor des Gymnasiums verbracht. Er betätigt« sich auch eifrig aus allgemeinem kulturellen Gebiet, war einer der aktivsten Verfechter der kulturellen Annäherung zwischen Deutschland und Kautasicn und erfreute sich großen Amehenz sowohl unier den deutschen Kolonisten(einige Zehntaussnoe). wie auch bei der einheimischen Intelligenz. In der Fmheitsperiode Georgiens, nach dem Weltkrieg, war er Mit- glied des georgischen Parlaments, als Vertreter der deutschen Kolonisten, auf der georgisch-sozialdemokratischen Liste oe- wähit. 1017—1018 kam er mll der georgischen Delegation öfter »ach Deutschland. Noch der sowjetrussischcu Okkupation(1021) muh'« er gleich vielen georgiichen Führern das Land verlassc». Er kehrt: in feine alte Heimat zurück und blieb in Berlin, wo cr bis zu feinem Tode redlichst bemüht war, die Leiden der Deutsche» aus Kaukasteii, deren Vertreter er hier war, sowie auch des georgischen und anderer kaukasischen Völker der breiten Oessentlichkeit bekannt- zumachen. An der Leichenfeier im Krematorium Gerichtstraß« nahmen außer den Angehörigen und deutschen Freunden auch zahl- reiche Kailkasier und Russen teil. Trauerreden hiellen Vertreter der georgischen Kolonie, der georgischen Sozialdemokratie, der Russischen Hochschule in Berlin, an deren Gründung der Der- storbene führend mitgearbeitet hat, sowie auch der 85. Abteilung der sozialdenwkratischen Partei Berlin. Groß-Berliner parieinachrichien. Vagi«« aller Veranstaltvageu 191? Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe! z. ZUci». Die ParUimUgllkder acrien acSttcn, sich zadtriiich an fem 38. Sii-, iica Arbeit«-Rad- und Nrastsahrer-Bundes„Solidautitt-'.«r. jirt FriedriSishoin, ara Sonnten, dem 24. Januar, in dea Andr«ast«l. fSIftl, Andrcasstr. 51, tu d'teiliae». ss-ttreduer! Bäracrmxistrr Mielltz. «n!anq 17 Uhr. Eintritt Td Pf. AnschUrhrnd Tanz. 7,«ad 8. triteis. Die?ur!Iiif
trat!c in der Gcgonivart. Referent: Ccnossc Denicke. Arbeilsgcmcinschofi der Kinderfreunde Grofz- Berlin. Tiergarten. ReflfoUot. Sonntag ffafjrt nach.«öpenick. Äviarich SV Uhr ftltittet Tiergarten. End« 17 Uhr.:« Pf. mubtütgen.— OiHtfifalfcr.. Sonntag Schnitzelsagd. Treffpunkt der Salon S Uhr . Wald. Ecke Sur raftrag» Ireffpmiti der 3ägci 8?« Uhr Rahuhof a Senffelftrafte. lö Pf. mitbringen. RculaOn. Abi. SichHampfer. Morgen, Sonnlog, Fahrt. Treff, r i puukt S Uhr Bahnhof Neukölln. 80 Pf. mitbringen.— Abt. Ruit Jnngkalken. Morgen. Sonntag, Fahrt. Treffen 8',» Uhr Bahnhof Aaifer.Friebrich.Strahe. Zt>. strei« Reinickeadorf. Sonniaa,?4. Januar, itreiahrlferfabr!. Treff- pnnkt S'-i Uhr Bahnhof Waidmannalust. Wvniag, 25. Zanvar, 15'� Uhr, Bastel. tursuz, Reue Schule, Wittenau. Eisner. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 15. Abt. In Sab Sbrrnbrck. Ivo er gut Heilung feiner ftrankhMt in eilte. verfchicd nach langem fchwerrm Lridon unser Genosse Wilhelm Zitat üb. Wir verlieren in ihm einen Genossen, der stets, wenn ihn die Partei rief, int Stelle war. Wir werde» Irin Andenken in Ehren halten. Ueber die Bei. sehung in Berlin erfolgt Noch besondere Mitteilung. Allgemeine Wetterlage. Wetter Dabei westen. Süden und Südosten heiterte" sich dcr Himmel auf. Die Temperaturen lagen überall in der Nähe des Nullpunktes. Mit kräftigem Druckanstieg über dem Nordmecr und Skandinavien und Drucksall über Südeuropo schwächen sich jetzt die Luftdruckgcgensätze im Bereich dcr Wetterkarte langsam ab. Eine nennenswerte Acndc- rung unjeres Wetters wird damit jedoch nicht verknüpft fein. » Metteravssichle» für Berlin. Im ganzen etwas milder, noch nächtlicher Nebe.lbiQu'ig tagsüber zeitweije aufheiternd, keine Nieder- schlage, schwache Winde aus weftlichrr Richtung.— Mr Deutschland. In Norddeutschlapd«in wenig müder, im übrigen Reiche keine lunmensroerie Aeuderuv.g des herrschenden Witterung»- charakters, nur stellenweise aufheiternd. «ZSSSN Uöte Ser nänlle ur»a«tes Gesichts sowie unschöne Hautfarbe verwendet man am besten die schneeig-weiße Creme Leodor, die gleich- zeitig eine vorzügliche Unterlage für Puder Ist— Die kühlende und heilende Wirkung tritt besonders im Winter in Erscheinuno, wenn HInde und Gesicht durch Einwirkung der Kälte stark gerötet smd. Audi bei spröder und aufgesprungener Haut, Insbesondere bei dem so lästigen Juckreiz der Baut, lebtet die c»mtt vorzügliche Dienste, in sl'en diesen Fällen tragt man sie in dunner Schiebt au! und wiederholt dies mehrmals täglich, abends in stärkerer Schidit. Der nadihalbge Dult dieser Creme gleicht einem taulrisch gepflückten Friihlingsstrauß von Maiglöckchen, Veilchen und Flieder, ohne jenen berüchtigten Moschusgeruch, den die vornehme Welt verabscheut. Leodor-Kuhl- Creme rote Packima: Leodor- Fett-Creme, blaue Packung.— Wirksam unterstützt durch Leodor- Edel-Seife.— Unter- Vorkriegspreise.— In allen Chlorodcmt-VeikaufssteUen erhältlkb. Paultf. Schmidt: CCfl Qeboren am Z Wenn Manet genannt wird, ergänzt die verdoppelnde Phantasie gern den ähnlich klingenden ildamen Mouet! und nicht ohne Berechtigung, beide gelten ja als Hauptwortführer des französischen Impressionismus und haben sich auch gegenseitig als Freunde in ihren bahnbrechenden Leistungen gefördert. Dennoch wäre es sehr irrig, aus dieser Parallelität weitergehende Schlüsse zu ziehen, etwa in der Richtung unseres„Dioskurenpaares" Goethe und Schiller. Monet war im besten Falle ein Trabant des leuchtenden Gestirns Manet: ihre künstliche Qualität und historische Bedeutung steht auf allzu verschiedenen Niveau. Es ist nicht einmal richtig, Manet als Führer der Impressionisten anzusprechen. Er gehört nur mit einem Teil seines Werkes dem Impressionismus an, und es ist noch die Frage, ob dies fein wesentlichster Teil ist und nicht vielmehr eine Art Konzession an die Entdeckungen und Theorien seiner Freunde, an denen er sich schöpferisch und sie alle überragend be- tetligt hat. Manet war zu groß, um in das historische Schema des Impressionismus hineinzupassen. Sein Werk umfahr die ganze riesige Spannung zwischen dem Spanier Ribera aus dem 17. Jahr- hundert und den äußersten Polen des Impressionismus: Goya ist so gut in seinem Werk enthalten wie Ingres und Renoir, und mit einem Bild vermag er den fpätgeborcnen Signac zu erschöpfen. All diese Namen, zu denen noch andere, spätere hinzutreten, deuten nur den Umkreis der Anregungen an, die er empfing und vor allem ausstrahlte, ja, man möchte fast sagen, daß auf seine Borgänger von ihm aus ein ganz neues Licht fällt. Das macht, Manet war ein absolutes Genie der Malerei und darum ein Maßstab des Kunstwollens, der auf die Jahrhunderte vor ihm ebenso angewendet werden kann wie auf die Folgezeit. Je weiter der Abstand von ihm wird, desto überragender erscheint er: er ist eine Achse, um die sich die Entwicklung dreht, ein wahrer Mittelpunkt für die Malerei des 19. Jahrhunderts, dessen Aus- Wirkungen wir nicht nur heute noch täglich erleben, sondern auch noch unsere Enkel werden feststellen können. Dabei hat er stofflich oder psttchologisch durchaus nichts Neues gebracht, und seine Form, diese Auslösung der Sichtbarkeit in malerische Flächen, hat in der Kunstgeschichte Vorgänger, ist in der Folgezeit weit konsequenter fortentwickelt worden. Aber es kommt hier mef die Stellung in- £rnU Keike: Xandesväter als Unter jenen Landesvätern, die aktiv in die Führung ihrer Hof- bühne eingriffen, verdient der Braunschwciger Herzog Karl, dem seine gequälten Untertanen 1830 den Stuhl vor die Tür setzten, eine besondere Note. Die Schauspielerin Karolin« Bauer schreibt in einem Brief von ihm, daß er es liebte, seinen großen Hund mit in die Theaterloge zu nehmen und ihn in den Schwanz zu kneifen, so daß er während der Vorstellung laut durchs Haus heulte. In ihren .Komödiantenfahrten" fügt sie auf Grund der ihr gewordenen Mit- teilungen von Kollegen hinzu:„Ihm mißliebige Schauspieler wußte er in der rosfiniertesten Weise zu quälen. War«in künsaktiges Stück abends endlich zu Ende gespielt und die Künstler wollten todmüde ihre Kostüme ablegen, so erschien der Herzog nicht selten aüf der Bühne, machte die Darsteller wegen ihres miserablen Spiels wie die Schulbuben herunter, ließ sich ein bequemes Fauteuil herbeischaffen und dann das Stück von A bis Z unter feiner Regie noch einmal spielen. Seine Favoritinnen waren natürlich davon dispensiert." Ein tückischer Geselle war auch der Kurfürst von Hessen-Kassel, an dessen Theater 1849 Ludwig Gabillon engagiert war. Davon zeugt folgende Anekdote: Serenissimus hatte die Gewohnheit, sich unbekümmert um die Vorgänge auf der Bühne mit seinem laut schnarrenden Organ in der Hofloge zu seinem Adjutanten über alles auszusprechen, was ihm just durch den Sinn fuhr. Das verdroß Gabillon nicht wenig, und als er einmal in der Rolle d'Artagnons zu einer schönen langen Rede einsetzen wollte, hörte er Serenissimus geräuschvoller denn je konversieren. Da übermannt« Gabillon die Ungeduld, und ein im ganzen Haus vernehmliches„Pschtl" entfuhr halb unbewußt seinen Lippen.„Was war das, Häringen?" wandte sich der Kurfürst sofort an den neben ihm sitzenden Intendanten. „Eine neue Nuance Gabillons", lautete die schlagfertig« Antwort. „Nuance?!" meinte sein« Hoheit kopsschüttelnd,„das wollen wir erst mal sehen." Nun, der Intendant versäumte nicht, noch während der Vorstellung Gabillon Bericht zu erstatten, und dieser zog seine Konsequenzen. Noch für dieselbe Woche wurde eine Wiederholung der„Musketiere" angesetzt. Zu Beginn der Vorstellung blieb die Hofloge leer. Aber unmittelbar vor d'Artagnans Stichwort erschien der Kurfürst. Gabillon setzte zu seiner großen Rede ein, und genau an derselben Stelle wie bei der ersten Vorstellung unterbrach er sie zum nicht geringen Staunen des ganzen Oratoriums durch ein deutliches„Pscht!". Serenissimus aber verließ sofort das Schau- jpiclhaus: er glaubte nun wirklich an Gabillons Nuance. Ein ehrlicher Theaterfreund war König Anton von Sachsen. Aber als er in die achtziger Jahre gekommen war, brachte sein regelmäßiger Theaterbesuch den Mitwirkenden und dem übrigen Publikum auch keine reine Freude. Er unterhielt sich zwar nicht mit seinein Adjutanten, ober er hatte die Angewohnheit des„lauten Denkens". 1834 spielte Karoline Bauer in Dresden die„Ophelia" In der Wahnsinnsszene sprach sie die Verse:„Wie erkenn' ich deine treu' Lieb' vor den anderen nun?" usw. in singendem Ton. Dies war dem guten König neu, und so sagte er ganz laut vor sich hin:„Ich glaube gar. die singt..."„Pst! Pst! Pst!" rief es aus dein Parterre. Und da hörte Karoline Bauer den alten Herrn in seinem sächsischen Dialekt wiederum ganz laut zu der Prinzessin Auguste sagen:„Na! Na! Man werd' doch noch redden dcrfcn!" Von der Art und Weise, in der Ludwig III. von Hessen sich um sein Hoflhcater kümmerte, geben die Lebenserinnerungen Julius von Werthers, der 187Z bis 1874 das Darmstädter Hof- theater leitete, ein amüsantes Bild. Ludwig besuchte das Theater an jedem Spielabend, lind zwar erschien er bereits um I Uhr, auch meun die Vorstellung erst um>-7 Uhr begann. Der Jntendant persönlich hatte ihn zu empfangen, und zwar je nach der Feierlich- keit des Tages in einer anderen Uniform. Der Großherzog selbst hatte vier Üniformabstufungen erfunden. Die festlichste bestand in emer goldbesetzten Gala mit weißen Pluderhosen von französischer W>l?. die einfachste in einer Ausstaffierung, in der sich Julius von Wertster wie ein Weichenwärter vorkam. Aber auch hier ge- hörte der Degen an der Hüfte dazu. Nach dem Empfang begab sich der Groß herzog mit dem Jntendanien und dem von ihm un- zertrcmtlichen Schloßinspektor in d e Loge. We-n wurde aufge- tragen, und der Grohherzog stärkte sich für die späteren Genüsse. Unterdessen hielt ihm der Jntendant Vortrag. Don den geschäft- lichcn Dingen wollte der Großherzog aber nichts wissen, ihn inter- 3, Januar 1832 ' mitten der Entwicklung an. Manet steht im Schnittpunkt der wichtigsten Linien, die den Verlaus der Kunst vom 17. bis zum 20. Jahrhundert bezeichnen, er greift mit allen Organen ebenso weit in die Vergangenheit, über die Le Rain und die Spanier bis zu Elouet zurück, wie in die Zukunft hinein. Das alles ist erstaunlich und ebenso bsgreislich gegenüber der einfachen Tatsache seiner Kunst, die schlechthin als die Meisterleistung des Malerischen für alle Zeiten gelten mag. Es ist gleichgültig, was er gemalt hat:«in Spargelbund, ein spanischer Bettler gilt dabei so viel wie die groß- mächtige„Erschießung Marimllians" oder das gewagt-unschnldige Menschenstilleben, das„Frühstück im Grünen" heißt. Alles faßt er mit der gleichen Urninttelbarkest und durchdringenden Intensität an, die sinne Werke als unerhört Neues, als immer wieder lieber- raschendes und Niegoschautcs erleben läßt. Seine Unschuld gegen- über dem Swfs entmaterialisiert alles, sein Werk wirkt in Wahrheit wie eine Variation von Stilleben. In diesem Stillcbcnhaiten, dem beinahe Unpersönlichen seiner Auffassung sichtbarer Dinge, beruht die dynamische Kraft seiner Kunst, in ihr ist die Schwer« der Materie resttos in der Größe der malecrichen Form aufgegangen. Das Aufregende dabei ist die unaushörliche Wandlung innerhalb der Aus- fassung: jedes Bild ist von einem anderen farbig-räumlichen Standpunkt ausgenonunen, jedes ist ein Unikum, unähnlich allen übrigen, eine Uebcrraichunz für den Betrachter, noch beim wieder- holten Arifchouen. Mar«! ist darum so unerschöpflich und einmalig und so modern, well er die Endgültigkell des malerischen Ausdrucks mit dem Anichcin unvermittelter Improvisation verbindet: seine Bilder sind tief verwurzelt in ällester Tradition, und zugleich frappieren sk durch ihr« Frische, als ob sse heute entstanden wären: und dies„heute" wird auch noch Gegenwart nach hundert Jahren sein. Es ist beinahe selbstverständlich, daß das Leben eines solchen in seinem Werk ausgehenden Genies keine Sensation einhielt. Er wurde am 23. Jaimar 1832 in Paris geboren und starb am 30. April 1883 in Paris: er machte als Sechzehnjähriger auf einem Schulschiff eine Reife nach Brasilien und lebte seitdem in Paris als wohlhabender Künstler, desftn Erlebnisse sich, außerhalb seiner künst- lerischen Etappen und Reisen, im Schicksal seiner Bilder auf Aus- stellungen vollzogen. Theaterfreunde" essierte nur der Spielplan. Und hier verlangte er immer wieder Unterhaltungsstücke, womöglich gar Possen und Ballette. Der Intendant kam oft in große Schwierigkcllcn, weil die Finanz- kommffsion im Gegensatz zum Großherzog aus Schauspiele und ernste Opern drängte. Waren Unterschriften nötig, so mußte der Intendant warten, bis sein hoher Herr unter dem Einfluß des Weins in eine fidele Stimmung geraten war. Nur dann waren sie zu haben. Natürlich hatte der Großherzog auch eine Freundin, die vordem beim Hyftheater engagiert gewesen war, und zwar als Ballettänzerin. Diese Dame erschien jedesmal im Lorzimmer zur Loge, uin den Intendanten bei dem allergnädigsten Herrn adzu- lösen. In den Zwischenakten soupierte sie daselbst mit ihrem sürstlichen Freunde. Die Vorstellungen durften nicht eher weiter- gehen, als bis das Souper beendet war. Es gab im Publikum viel Unwillen über die langen Pausen, der Jinendant hatte das aus- zubaden. Aber«r war machtlos. Ja, es geschah sogar, daß eine gastierende berühmte Sängerin den Nachtzug versäumte, weil es an dem betreffenden Abend in der landeshcrrlickzen Loge Huhn gab und die Arbeit mit den Knöchclchen länger dauert«, als vorgesehen war. Das Huhn war wichtiger als die Sängerin. Ein wirklicher Verehrer und Freund der Theaterkunst, jb, mehr noch: ein bedeutender Förderer und Reformator der Bühne war Herzog Georg II. von Meiningen. Er nahm selbst am Ausbau seiner Hosbühne tatkräftigen Antell. Er wirkte bei Spielplangeswltung und Proben mit. Er entwarf beachtliche Skizzen für die Bühnen- bilder. Er brachte an seinem Theater neue Regieprinzipien zur Anwendung. Er erreichte an seiner Bühne künstlerijche Hoch- lekstungen, die sich nMt nur in Meiningen bewährten, sondern auch auf zahlreichen Gastspielreisen durch olle deutschen Großstädte und viele Kunstzentren des Auslandes. Die Reform Georgs von Meiningen bezog sich sowohl auf das Bühnenbild wie auf das Spiel. Er räumte mll dem Schlendrian am, mit dem bis dahin die Szene meist gestaltet worden war: er sorgte für Bühnenbilder, die „stilecht" waren und dabei eine lebendige Gliederung der Bühne brachten. Jnr Hinblick auf die Darstellung verstand er es besonders, die Statisterie zum lebendigen Faktor des Spiels zu machen. Wo früher bei den Ausführungen meist uninteressierte bewegungslose Haufen gestanden hatten, agierten bei ihm Gruppen, die wirklich am Spiel Anteil nahmen. Der Eindruck dieser Neuerungen war so stark, daß die Gastspiele der Meininger geradezu eine neue Epoche der Bühnenkunst einleiteten. Als Menjch, der wirklich etwas von den Dingen verstand, besaß Georg II. eine liberale Gesinnung und viel menschliches Verständnis. Er konnte sogar Widerspruch ver- tragen. Das geht aus einem Bericht Ludwigs Barnays hervor, der als junger Anfänger dem Ensemble des Meininger Hoftheaters an- gehörte. Vornan stand einmal auf der Bühne, als der Herzog bei einer..Homlet"-Prob« eine recht sonderbare Spielanweisung gab. Der Regisseur, Grabwosky, beeilte sich natürlich, mit einem benoten „Zu Befehl", die Anweisung des Herzogs auszuführen. Nur der junge Barnay konnte sich nicht enthalten, laut dazwischen zu rusc»: „Aber das ist ja alles falsch, das ist ja sinnlos!" Er jährt in seinem Bericht dann fort:„Kaum hotte ich diese Worte gesprochen, als mich alle mit weit ausgerissenen Augen erschreckt anstarrten: an ihren Mienen merkte ich crst, welch groben Fehler ich begangen hatte. Ich war nun selbst sehr erschrocken, konnte aber nichts mehr ungeschehen machen, und so horchte alles gespannt, was der Herzog wohl erwidern würde. Nach einer kleinen Pause erscholl aus dem finsteren Parkest die Stimme des Herzogs:„Na, na. die deutsche Sprache ist ja nicht so arm! Wann» meinen Sie denn, Herr Barnay, daß das so unsinnig sei?" Ich konnte nun nicht mehr zurück und polterte meine Begründuna hervor... Eine unheimliche Stille folg» meinen Worten. Endlich rief der Herzog:„Herr Grabowsky, macken Sie es so. wie Herr Barnan sagt, er hat recht. ich habe unrecht! Weiter!" Von dem vernünftigen Denken und dem Humor des Herzogs zeugen auch Aufzeichnungen Mar Grubes, der seine ruhmreiche Laufbahn als Jntendant des Meininger Hof- theaters beendete:„Mußte ich dem Herzog Briese zusenden, die m?br oder weniger deutliche Arffpieliingen auf Orden und Titel- wünsche enthielten, so bekam ich sie mit Randbemerkunzen zurück, die für die Schreiber nicht immer sehr schmeichelhaft waren. Die mildeste war noch:„Herr T hat Knopflochschmerzen. Sehr unbe- rcchtigt!" Ein Direktor des Hoftheaters, der seinen Tllcl gerne mit dem wohlklingenderen Intendanten vertauscht hätte, machte elifft eine seine, dahinzielende Eingabe: Er erhalte Briefe mll gar ver- jchiedcnen Anschriften:„Herr Oberregisscur", dann:„Herr Direktor", zuweilen jedoch auch:„Herr Jntendant". Er böte um gnädige Anweisung, wie er sich dazu verhalten sollt«. Die Rand- bcmerkung lautete:„Machen Sie sich nichts daraus!" Von ehrlicher Begcistcrnng für das Theater erfüllt war zweifellos auch Ludwig II. von Bayern. Aber seine Theater- begeisterung ging merkwürdige Wege. Man weiß, daß er in seinen späteren Jahren das Theater nur bei Vorstellungen besuchte, die ausschließlich für ihn gespielt wurden: einsam saß er im öden Haus in seiner Loge. Immerhin wird man es vielleicht verstehen tönnen, daß er, ein übersensibler Mensch, an einer Borstellung keinen Genuß hatte, bei der ein untertäniges Parterre seiner Hofloge mehr Beachtung schenkte als der Bühne Absonderlicher war noch die Art und Weise, in der er die Aufführung zu beeinflussen trachtete. Er spielte nicht selbst wie Georg von Meiningen den Regisseur. ?lber er griff doch hin und wieder umändernd in die Jnzenierungcn ein. Mehr noch als dem Meininger kam es ihm bei ollen Aul- führungen auf„Echtheit" an. Sein stärkstes Interesse galt historischen Dramen. Aber sie gefielen ihm nur, wenn ihre Bor- gänge nicht mit den geschichtlichen Ereignissen in Widerspruch standen. Mehr ols einmal regte ihn auch die Lektüre eines gc- schichtlichen Werkes derart an, daß er diesen oder jenen Schriftsteller beauftragte, aus dem historischen Stoff ein Drama zu formen. Da die Zlutoren sich streng an die Vorlage halten mußten, kam natürlich nicht viel dabei heraus. Wie sehr Ludwig auf eine historisch getreue Darstellung bedacht war, davon geben die Lebenserinnerungen Possarts ein anschauliches Bild. Es handelte sich um die Ei»- studierung eines auf Veranlassung des Königs von Heigel verfaßten Stückes:„Raeincs Esther in St. Cyr." Die Regie hatte die Haupt- szene, eben die Aufführung des Racineschen Dramas durch die jungen Damen des Stiftes St. Cyr vor Ludwig XIV. auf eine Garten- terrasse gelegt, lind der Eindruck des Aktes mit seinem geschickten Ausbau von Hos und Darstellerinnen, mit jeincn Lampions und Fackeln war höchst wirkungsvoll. Aber der König war nicht be- friedigt. Möge Possart, der Regisseur der Aufführung, dos Weitere selbst erzählen:„Zlm Schluß der Vorstellung ließ der König mich benachrichtigen, ich möchte mich nicht zur Ruhe begeben, er würde mir nach der Rückkehr in seine Gemächer unfehlbare Zeugnisse schicken, daß ich diesen Vorgang falsch inszeniert habe. Um Mitter- nacht erschien dann auch der Bote mit einem umfangreichen sran- zösischcn Werke, aus dem hervorging, daß die Ausführung der Racineschen„Esther" in der großen Eingangshalle des Erziehungs- instituts van St. Eyr gespielt habe, daß ferner dem König Ludwig XIV. zur Rechten der kleine Prinz von Wales, zur Linken die Königin von England gesessen habe, der sich wiederum links die Dauphin« und der Herzog von Orleans angeschlossen hätten usw. „Können Sie mir bis übermorgen die Szene so herstellen, daß sie dem historischen Borganq entspricht?" Der Diener martere, ich los und schieb Seiner Majestät, daß es mir mit Hilfe unserer trefflichen Maler und der schon vorhandenen Dekorationen wohl gelingen würde, seinen Wunsch zu befriedigen. Allerdings stünden der ge- wünschten Inszenierung technische Bedenken entgegen, weil dabei Ludwig XIV. und die Königin von England durch die hinter ihnen ausgestellte Hasgesellschajt vollständig verdeckt würden und Seine Majestät demnach von diesen beiden Hauptfiguren hier bloß de» Rücken und die Allongesigur zu sehen bekäme. Der Bot« kehrte mit meinem Bericht in das Schloß zurück, und frühmorgens um 3 Uhr erhielt ich die Antwort: Es sei Seiner Majestät vollkommen gleich- gültig, ob die Gesichter Ludwigs XIV. und der Königin von England in dieser Szene von ihm gesehen würden oder nicht: er walle nur den historischen Vorgang dargestellt wissen." So ging Possart denn an die Arbeit, und der König war befriedigt. Auch Wilhelm II., der letzte Preußenkönig und Deutsche Kaiseöj' war ein großer Freund des Theaters. Kein Wunder: feine theatralische Natur muhte sich zur Bühne hingezogen fühlen. Er brachte allen Fragen der Spielplangestaltung usw. lebhaftes Inter- esse entgegen, er war auch häufig bei Proben anwesend und mischte sich in die Regie. Nach Max Grube, der lange Zeit unter seiner Aegide am Hosthcater tätig war, hatte er dabei manchmal sogar ganz gesunde. Einfälle: in der Hauptsache bezogen sse sich freilich auf Äeußerlichkciten, wie die Durchführung eines Aufzuges, eines Ge- fechtes und dergleichen. Von einem tieferen Kunstverständnis konnte bei Wilhelm II. nicht die Rede sein: davon zeugt wohl am besten das Repertoire, das unter seiner Einwirkung gepflegt wurde: Der modernen Literatur blieb das Berliner Hoftheater verschlösse». dafür wurde ein Dramatiker wie Lauffs mit seinen potriotischeii Schinken in den Vordergrund gerückt und Leoncavallo beauftragt. seinen„Roland von Berlin" zu komponieren. Als Max Grube zum ersten Male mit Seiner Majestät zusammen war, vertrat Wilhelm Ii. allen Ernstes die Auffassung, man lör.ne und solle Kleists„Prinzen von Homburg" spielen, aber unter Wegstreichung jener Szene, in der dieser Prinz vor dem Tode zurückbebt. Ein Hohenzollernprinz darf eben keinen Feigheitsanfall haben. Max Grube wagte es, den Kaiser daraus hinzuweisen, daß mit dem Herausstreichen jener Szene dem Sttick geradezu das Herz ausgebrochen' werden würde. Der Kotier ließ Grube daraufhin flehen und hatte später nur die Bemerkung:„Das ist ja ein verflucht gescheuter Herr!" Eharak- teristisch für die künstlerischen Ideen Wilhelms II. ist auch seine höchst persönliche Anordnung, wonach bei einer Festvorstellung ini Anschluß an eine Oper noch der letzte Akt eines Lauffichen Mach- »erkes gespielt werden mußte,— aber ohne Worte, als Pantomime! Gerade die wilhelminische Periode der preußischen Hoftheater kann als eklatanter Beweis dafür gelten, wie unzeitgemäß im Lauf der Jahrzehnte die Hofbühnen geworden waren. Gerade im Hin- blick auf die wilhelminischen Hoftheater begreift man, welchen Fort- schritt die Revolution mit der Umwandlung dieser JBühnen in staatliche Institute brachte. Gewiß haben sich auch die Staatstheater nicht immer und überall als Wegbahner großer, lebendiger, von freiheitlichen, Geist getragener Kunst erwiesen. Einflüsse reaktionärer Regierungen und Parteien haben mitunter unheilvoll gewirkt. Aber betrachtet man die Stellung und die Leistungen der alten Hof- theater, so muß man doch fagcn, daß mit ihrer Umwandlung in staatliche Bühnen ein neuer fortschrittlicher Geist zuisi Siege kam. Und nur mit tiefem Bedauern kann man hören, daß nun wieder einige dieser staatlichen Kunstinstitute— gewiss nicht die schlechtesten— der Wirtschaftskrise und der durch sie bedingten Sparpolitik zum Opfer sollen sollen. Das„Ohr" der Infekten. Jdurd, verscknedene Versuche a» Heu- schrecken und Gnilen ist mit Sicherheit iestgeftellt worden, daß die Infekten einen Gehörsinn besitzen. Er befindet sich allerdings nicht. wie häutig anaenammen wird, in den Fühlern, sondern in dem soaenannten tympanalen«innesoraan, das feinen Sitz in den Sckienen der Vorderbeine hat. Durch verfck'iedene Experimente wurde z. B. einwandfrei nachgewieten. daß Grillenweibchen mit Hilfe dieses Organs das Zirpen der Männchen vernehmen. Radio und Körnertemperakur. Die amerikanisch« Forscherin Dr. Ho sin er hat scsfftellen können, daß sich bei Personen, dte sich in der Näbe eines Radiosendcrs iür Kur, wellen von 5 Meter Länge befanden, die Körpertemperatur innerhalb von 5 Minuten meßbar erhöhte. Es wird die Möglichkeit erwogen, diese Tatsache in der Medizin zu verwenden, um unter Umständen künstliches Fieber zur Hellung verschiedener Krankheiten erzeugen zu können. Nr 37• 49 Iahrqang 2. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 23 Jaguar.r Neuer Zusammenbruch. Hannoversches Großunternehmen stellt Zahlungen ein Die hannoversche Metallindustrie steht seil einigen Monaten unter einem ganz besonders bösen Stern. So hat die hannoversch« Waggonfabrik(hawa) nicht uur ihren Bet.ieb stillgelegt, sondern ist zugleich zur Auslösung des Unternehmens gesch.ilten, serner hat das gröfzle metallverarbe'.tende Unternehmen am Platze, die hannoversche Maschinen- s a b r i k A.- G.(hanomags ihre Zahlungen einstellen müssen, und seht sieht sich das grojze Zentralheizung-- und Maschinenunternehmen � Gebrüder Körting A.- G. gleichfalls gezwungen, seine Zah-> lunxen einzustellen. Diese drei zusammengebrochenen Großbetriebe; in Hannooer beschäftigten noch lgZg, dem ersten Zahre absteigender Konjunttur, zusammen fast l0 000 Arbeiter und Angestellte. Dementsprechend ist die Arbeilsmarktlage für die hannoverschen Metallarbeiter zur Zeit einfach katastrophal. Dieser neue Großzusammenbruch zeigt, in welchem verheerenden Umfang sich die falsche Reichsfinanzpolitit gegenüber dem B a u m a r k t fetzt auch auf die soliden Unternehmen der Liefer- industrien auswirkt. Die Gesellschaft, die ein Kapital von 7,9 Mit- lionen Mark hat, mußte zwar schon für das Geschäftsjahr 1930 einen Verlust von 400 000 Mark ausweisen, jedoch arbeitete das Unter- nehmen in den vorhergehenden Jahren durchaus rentabel. Die Verwaltung hat ihre Gläubiger ersucht, ihre Zustimmung zur Einleitung eines Vergleichsverfahrens zu erteilen. Als die Ur- lachen der Zahlungseinstellung werden neben dem völligen Danieder- liegen des Baugefchäftes noch starke Ausfälle und Verluste im süd- amerikanischen Geschäft angegeben, wohin die Gebr. Körting A.-G. von jeher einen großen Export unterhielt. Infolg« der Währungszerrüttung und Zahlungssperre war es unmöglich, Forderungen in diesen Staaten einzutreiben. Was wird mit dem Bierpreis? Stehen die Brauereien unter Naturschutz? Die offizielle Vertretung des Gastwirtsgewerbes Hot gestern dem Reichskommissar für Preisüberwachung mitgeteilt, daß das Gastwirtsgewerbe von sich aus nicht in der Lage sei, zur Senkung der Ausschankpreise Vorschläge zu machen, die technisch durchführbar sind und vom Gewerbe getragen werden können. Das Gastwirtsgewerbe erkennt zwar die Notwendigkeit einer fühlbaren Senkung des'Bierpreises durchaus an, ist ober der Auffassung. daß ein Abbau der Vrauereipreise um nur 2 Mark für das Hektoliter— von 49,85 aus 47,85 Mark— nicht ausreicht. Die Verhandlungen des Preiskommissars wegen der Bierpreis- senkung sind also, wie die Antwort der Gastwirte zeigt, aufs neue ins Stocken geraten. Schuldlos ist Dr. Goerdeler an dieser Ent- wicklung nicht, denn er mußte sich von vornherein sagen, daß ein Abbau des hcktoliterpreises um 2 Mark jede fühlbare Ver- b i l l i g u n g des Volksgetränkes ausschließt. Wenn Herr Goerdeler jetzt auch für die Gastwirte eine Senkung der Ausschank- preise um weitere 2 Mark oerordnet, so bleibt als völlig unzuläng- liches Gesamtergebnis eine Verbilligung um 4 Pfennig für das Liter Bier. Bei der Berliner Molle von Liter würde also die Preissenkung nur V/s Pfennig ausmachen. Allerdings niüßte jetzt auch in Rordeutschlcmd bei den Gastwirten unbedingt auf E i n f ü h- rung der Pfennigrechnung gedrückt werden, denn es ist ein unmöglicher Zustand, daß der Konsument für die'/-«,-Liter-Molle 25 Pfennig bezahlt, für den Becher von'/»„ Liter aber 15 Pfennig. Aber auch der Uebergang zur Pfennigrechnung würde das Bier nur in winzigem Umfang verbilligen und es muß daher nachdrücklich gefordert werden, daß der Reichskommissar die Brauereien im Rahmen seiner Preissenkungsattion nicht unter Naturschutz stellt, sondern sich endlich zu einer fühlbaren Verbilligung entschließt. Wie aus München gemeldet wird, wird in Bayern vom 1. Februar an das Bier um 4 Mark je Hektoliter im Preise ge- senkt, und zwar entfallen je zwei Mark der Preissenkung auf die Brauereien und den Schanknutzen. Eine Aufrundung bei der Einzel- bcrechnung ist verboten. Material für den preiskommifsar. Die Rohstoffkpsten in der Seifenindustrie. Die Seifenindustrie hat bei der Preissenkung verschic- deutlich Winkelzügc gemacht. In den Verhandlungen, die der Reichskommissar für Preisüberwachung mit dieser Industrie ge- führt hat, hat sie zwar eine lOprozenlige Senkung für die wich- tigsten Sorten gegenüber dem Stand vom 30. Ipni 1931 zugestehen müssen. Die Scisenfabrikanten haben sich aber erst nach schärferem Druck hierzu bereit erklärt, und verschiedentlich ist auch der Preis- abbou noch nicht durchgeführt, so daß hier ganz deutlich wird, daß die Seifenindustrie die Verbilligung möglichst bis zum letzten Ter- min, nämlich End« Januar, hinausziehen möchte. Zugleich haben die Fabrikanten für die künftige Preisentwicklung den Vor- 6MillionenArbeitslosenichtgeitif Die Irrwege der Handelspolitik— Abschaffung der Arbeit Die neue Notverordnung, die der Rcichsregierung eine Generalermächtigung zur Erhebung von Valuta-! ausgleichszöllen und zur Einführung von Ka m p f z ö l l e n gibt, und die im Anschluß daran vorgenommene � starke Erhöhung der Butterzölle eröffnet schlimmste Möglichkeiten.! Schon wollen Schiele und der Landbund den Handelskrieg auf allen Gebieten. Schon will auch die Eisenindustrie Antidumpingzölle als neues Instrument zur Ausbeutung des Inlandes. Man nmß sich darüber klar werden, was für Deutschland auf dem Spiel steht. wenn durch rücksichtslose zollpolitische Maßnahmen die Ausfuhr- Möglichkeiten noch weiter verschlechtert werden. Der einzige Lichtblick in dem Dunkel der wirtschaftlichen Katastrophe war bisher die relativ gute Behauptung der deutschen Ausfuhr. Während die industrielle Produktion seit 1928 auf etwa die Hälfte zusammengeschrumpft ist, lag die deutsche Aussuhr im Jahre 1931 mengenmäßig noch annähernd auf dem Niveau des Jahres 1928. Es ist zwar die etwa zehnprozentige Exportsteigerung des Jahres 1929 verlorengegangen, aber insgesamt hat sich die Ausfuhr doch im Vergleich zu anderen Industrieländern viel stärker behaupten können. Die Beschäftigung für den Export Hot somit im Rahmen einer gewaltig gedrosselten Gesamtproduktion noch ein viel größeres Gewicht erhalten, als ihr bereits vor Krisenausbruch zukam. Die Ausfuhrquote der industriellen Produktion, die damals wohl bei 25 bis 30 Proz. gelegen haben dürste, hat sich inzwischen bis zum Jahre 1931 wohl auf annähernd 40 Proz. erhöht, d. h. daß im abgelaufenen Jahre 40 Proz. der noch in der Industrie be- fchäftigten Arbeitskräfte, also etwa 3 bis 3 Vj Millionen Arbeiter und Angestellte, durch Exportaufträge Beschäf- tigung finden konnten. Durch die Währungswirren und die zahl- reichen neuen Einfuhrerschwerungen ist nun ohnehin die deutsche Ausfuhr stark bedroht. Bei den drakonischen Lohnsenk üngs- maßnahmen ist betont worden, daß diese cherabdrllckung not- wendig sei, um im ausländischen Wettbewerb einen Ausgleich für die Entwertung des Pfundes und anderer Währun- gen zu schaffen. Wir haben diese Auffassung bekämpft, indem wir darauf hinwiesen, daß ein Wettlauf mit dem Währungsfall vergeh- lich sei. Wenn man aber die letzte und die vorangegangenen Lohn- senkungen, überhaupt die gesamte Deflatwnspolitik, als Anpassungs- maßnahmen zur Stärkung der deutschen Wettbewerbsfähigkeit und als Ausgleich für die Valutaentwertung gerechtfertzgt hat, wie es von der Regierungsseite geschehen ist, so kann man einfach mit dieser Argumentation die neue, nunmehr eingeleitete Zollerhöhungswelle nicht in Einklang bringen. Man wird vielleicht auch handelspolitische Ausgleichsmoß- nahmen erörtern müssen. Der weg aber, den die Reichsregierung eingeschlagen hak. sühri in eine Sackgasse hinein und muß zur schwersten Beeinkrächli- gung der deutschen Ausfuhrintercssen führen. Wir müssen ohnehin bereits damit rechnen, daß wir trotz aller Lohn- und Kostensenkungen infolge der neu eingetretenen Handels- erschwerungen die Ausfuhr nicht werden voll ausrecht erhallen können: nun aber droht die Gefahr, daß Gegenmaßnahmen der deutschen Kundenländer oder auch schon allein die Welle der Ver- stimmung gegenüber Deutschland den Export noch viel stärker lähmt. wir haben heule schon ö Millionen Arbeitslose. Seit Anfang Dezember haben wir rund eine Million Arbeitslose mehr. Der größte Teil dieser neuen ArbeUslosigteit kommt diesmal nicht vom Bau- markt und aus der Landwirtschast. sondern aus den Konjunktur- industrien. In der Hoffnung aus neue Preissenkungen hat seit 1. Dezember niemand mehr etwas bestellt: alte Bestellungen wurden abgesagt. Die Notverordnung mit ihren Lohn- und Gehaltskürzungen kam hinzu, haben wir noch immer nicht genug Arbeitslosigkeit in Deutschland? Die..neue Handelspolitik" wirkt geradezu als eine Politik der Arbeitsabschaffung, als Politik des wirtschaftlichen Selbst- mordes. Wir sehen zudem die Gefahr, daß der jetzt eingeschlagen« Kurs der Zollerhöhungen und Valutaausgleichsmaßnahmen nicht allein uns die Beschäftigung mit einem Schlag weiter stark verringert, sondern außerdem durch die psychologischen Rückwirkungen Deutsch- land nockz weiter isoliert und die deutsche Stellung im inter- nationalen Wettbewerb zugunsten anderer Länder für dauernd schwer schädigen kann. Die Regierung trägt wahrlich eine schwere Verantwortung. Wir Wimen nochmals aufs dringendste vor einer Weiterversolgung dieser verhängnisvollen Methoden. behalt gemacht, daß sie ihre Preise an die der wichtigsten Rohstoffe anpassen müßten. Nun haben aber die Rohstoffpreise der Seifenindustrie von 1929 bis 1931 einen rapiden Sturz erlebt. Etwa 50 bis 60 Proz. des Produktionsquantums entfallen auf die Rohstoffe Palmöl, Olivenöl und Tran, und der Rest auf Polmkerne und Erdnüsse. Rund 60 bis 70 Proz. des Wertes vom Endprodukt Seife machen diese genannten Oele und Fette aus. Seit 1929 aber sind die Preise für Palmöl und Palmkerne um 37 Proz., für Erdnüsse sogar um 46 Proz. und für Tran annähernd um 50 Proz. gesunken. Wenn zum Jahresende die Rohstoffpreise gegenüber dem Tief- stand vom Januar 1931 um 5 bis 10 Proz. gestiegen sind, so ist dies keine tatsächliche Preissteigerung, denn die Preise werden in englischen Pfunden notiert. Die Januarprcise 1931 sind ober noch in Goldpfunden sestgesegt, die Preise zum Jahresende jedoch in Papierpfunden. Trotz der nominellen Preiserhöhung um 5 bis 10 Proz. sind die tatsächlichen Preise für die deutschen Fabrikanten noch gefallen, da inzwischen eine Eni- Wertung des englischen Pfundes um 25 bis 30 Proz. eingetreten ist. Wir weisen aus diese Zujammcnhängc mit besonderem Nachdruck hin, weil im Dezember von der Margarineindustrie der Dreh versucht wurde, die infolge der PfundeMwcrtung gestiegenen Pfundnotizen als effektiv« Preissteigerungen der Rohstoffe hinzustellen. Enttäuschungen in England. pfundentweriunq bringt keine Belebung des Kohlenexportes. Die englischen Zechenbesitzer hoben bis zur Aushebung des Goldstandards zu den eifrigsten Propagandisten der Pfund- entwertung in England gehört. Die Spekulation dieser schwer- industriellen Kreise ging dahin, daß bei sinkendem Pfund der eng- tische Bergbau eine Exportprämie erhalten würde, die ihm einen gewaltigen Vorsprung vor der ausländischen Konkurrenz sichern mußte. Wie aber die Entwicklung des englischen Kohlenerports im Jahre 1931 beweist, sind die Hoffnungen auf eine starke Export- steigcrung seit der Pfundentwertung völlig fehlgeschlagen. So ist die Kohlenausfuhr von 54,8 auf 42,7 Millionen Tonnen gesunken und ihr Wert in annähernd dem gleichen Verhältnis von 45,6 auf 34,6 Millionen Pfund. Seit 1926, dem Jahre des großen Bergarbeiterstreiks, hat der Kohlenexport Englands nicht einen derartigen Tiefstand erreicht wie 1931. Am bemerkenswertesten hierbei ist, daß in den letzten dreieinhalb Monaten des vergangenen Jahres, in der Zeit des Pfundfalles, sich eine Exportbelebung nicht durchsetzen konnte. Die Kohlenlieferungen nach Deutschland bleiben gegen 1930 um 11 Proz. und gegen 1929 sogar um 23,5 Proz. zurück. Nur im Oktober war eine ganz vorübcrgeh e n d e Belebung festzustellen, die aber sehr schnell wieder einem rimen Rückschlag im November und Dezember Platz machte. Allianz wollte Favag kaufen. Generaldirektor Schmitt als Zeuge im Favag-prozeß. Frankfurt a. RL. 22. Januar.((ElgenberiehL) Im Frankfurter Versicherungsprozeß war gestern ein großer Tag. Zur Diskussion stand die Frage, wie sich der Allianz-Konzern vor und nach dem Zusammenbruch der Favag zu diesem Unter- nehmen gestellt habe. Der Leiter des Allianz-Konzerns. General- direklor Schmitt, äußerte sich als Zeuge zu dieser sehr interessanten Frage in einer mehr als ciiistündigcn Rede. Die Allianz Hot, so führte Generaldirektor Schmitt aus, Ende 1928 den Vermittler, Herrn Frankel, zu privaten Verhandlungen mit der Favag ermächtigt. Lange Zeit hörte die Allianz von der Sache nichts. Erst im April 1929 erschienen die Herren L o e b und Frankel bei uns mit der Mitteilung, daß Fuswnsverhandlungen mit der Favag einige Aus- ficht böten. Wir standen stets auf dem Standpunkt, daß entscheidende Verhandlungen nur von Vorstand zu Vorstand geführt werden können und daß eine Revision der Favag-Geschäfte Vorbedingung einer Fusion seien. Herr Frankel hat lediglich gesagt, daß die Ent- schädigung der Direktoren natürlich einige Millionen kosten würde und dabei von 5 Millionen gesprochen. Direktor Heß(Allianz) lachte hierüber und nannte Frankel einen Phantasten. Bald darauf erschienen Frankel und Loeb erneut bei uns, dies- mal in Begleitung des Bankdirektors Ladenburg. Auch bei dieser Gelegenheit verhandelte die Allianz nicht zur Sache, sondern stellte es den Herren frei, ihrerseits mit der Favag zu verhandeln. Um auf alle Fälle auch über die Provisionen Klarheit zu schaffen, machte ich das A n g eb o t v o n 3 0 0 0 00 Mark für den Fall, daß Merlin die Cigarelte 6 SiücK 20"8 bic Allianz die Aktienmehrheit der Favag erwürbe. Die drei Herren oerlangten einen wesentlich höheren Betrag. Anfang Mai kam Direktor Becker in die Generaldirektion der Allianz. Im Verlauf dieser Besprechung kam man auf die Pläne von Loeb und Frankel zu sprechen. Becker erklärte die Brücke von Vermittlerin für überflüssig und die Möglichkeit direkter Fusionsoerhandlungen für gegeben, wünschte aber eine Vertagung der Aussprache auf den Herbst. Auch zu Becker sprach ich von der Notwendigkeit einer Revision. In diesem Zusammenhang erklärte Herr Becker:„Ich habe eine absolut weiße Weste Von dem Zusammenbruch der Favag erfuhr ich während eines Urlaubs aus der Presse. Ich kehrte sogleich nach Berlin zurück. In wenigen Tagen kam dann die Uebernahme des Versicherungsgeschäftes der Favag durch die Allianz zustande. Zu den Vorwürfen muß ich klipp und klar sagen:„Niemals haben wir irgend etwas Schädliches gegen die Favag unternommen, vor allem auch /licht in der Presse. Die Herren Loeb und Frankel machten nach Abschluß der Fusion anfänglich einen Anspruch auf die gesamte Provision, weil die Verhandlungen durch ihre Vermittlung in Gang gekommen seien und schließlich zu einem erfolgreichen Ab- schluß kamen. Aus die„Kausalität" käme es dabei nicht an. Die Allianz lehnte diesen weitergehenden Provisionsanspruch ab und zahlte lediglich 25 000 Mark Spesenersatz, den sich die Herren Frankel und Loeb teilten. Keine Goldknappheit. Steigende Goldausbeute in Transvaal. Heber die Hälfte(53 Proz.) der gesamten Weltproduktion an Gold wird in Transvaal gewonnen. In den letzten Jahren sind immer wieder Befürchtungen laut geworden, daß die Weltproduk- tion an Gold abnehmen und die Zahlungsmittelversorgung der Welt gefährden könnte. Der Völkerbund, der diese Frag« eingehend untersucht hat, hatte ursprünglich in seinem ersten Bericht ebenfalls ein Zurückbleiben der Goldproduktion hinter dem Goldbedarf etwa vom Jahre 1940 ab vorausgesagt; mußt« sich jedoch aber bald korrigieren. Cr hat die Tatsache zu wenig berücksichtigt, daß sinkende Preise in der Welt die Produktion der einzigen War«, deren Preis stabil bleibt, näm- lich des Goldes, steigern müssen. Wenn die Produktionskosten der War« Gold— Arbeitslöhne, Maschinen-, Apparate-, Hilfsstoffpreise und Frachten— sinken, wird die Goldausbeute auch iß solchen Minen reMabel, di« in einem früheren Zeitpunkt für die Goldproduktion nicht mehr in Frage kamen. Das bedeutet, daß die Goldproduktion um so stärker steigen muß, je tiefer die Preise der übrigen Waren auf den Weltmärkten sinken. So ist denn auch im Jahre 1931 die Goldgewinnung in Transvaal wesentlich stärker gestiegen als in den vorhergehenden Jahren. In Prozsntzah'en ergibt sich eine Zunahme der Gold- ausbeut« in Transvaal von: 4L8 Proz. im Jahre 1931 gegen nur 3,59„„„ 1930 und nur 0,05,.„ 1929 Man hat festgestellt, daß in.normalen" Zeiten eine jährliche Zunahme der Weltproduktion an Go!d von höchstens 3 bis 3)4 Proz. ausreichend ist, um ein« Zahlungsnnttelversorgung der Wel� zu gewährleisten, die den Erfordernissen des wirtschaftlichen Fortschritts entspricht. Bei den, gegenwärtigen Schrumpfungs» prozeß der Wirtschaft ist der Goldbedarf der Welt zu Zahlungs- zwecken aber noch wesentlich kleiner. Angesichts der stark steigenden Goldausbeute besteht demnach für di« Gegenwart keinerlei An- laß, von einer ungenügenden Goldproduktion zu reden und sie etwa zur Unterlage von Währüngs- re fo rm v o rs chlä ge n zu machen. Preußens steigende Oelgewinnung. Im Iabre 193i wurden 12 200 Tonnen gefördert. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, betrug die Erdölgewinnung Preußens im Dezember l93l nach den vor- läufigen Ergebnisien 17064 Tonnen gegen 17 456 Tonnen im Bor- monat und 14 125 Tonnen im Monatsdurchschnitt 1930. Auf das Gebiet von Hänigfen-Obershagen-Nienhagen entfallen 7890 Tonnen, auf Wiebe-Steinförde 4700 Tonnen und auf den Bezirk Eddeffe- Oelheim-Oberg 4474 Tonnen. Die Zahl der Arbeiter betrug Ende des Monats 1510 gegen 1522 am Ende des Bormonats. Im ganzen Jahr« 1931 stellt« sich die Erdölgewinnung Preußens nach den vorläufigen Craebnisien auf 177 117 Tonnen gegen 169 567 Tonnen im Jahre 1930. Davon entfallen auf das Gebiet von Häniglen-Obershagen-Nienhagen 72364 Tinnen, auf Wieße-Steinförde 57 662 Tonnen und auf Eddesie-Oelheim-Oberg 47091 Tonnen. il 9 Sozialistische Arbelterlugend Groß-Verlin Einsendunaen für diese Rubril nur an da» Suzends->kr»tarjat Berlin SW KS, Lindenstraße 2, vorn 1 Treppe recht». Sir beteilige» uns geschlossen au der Suubgebuug der Partei a» Mittwoch, der» 27. Januar, im Sportpalast. Alle anderen Veranstaltungen falle» aus. Fahne» zum Fahaeaelumarfch mitbringen. Sir fiuge» als SAI., darum muß jeder erscheine». Tresfpuult hinter dem Ztehuerpult. Mitglietobnch der SAJ. als«uomei, unter alle» Umständen mitbringen. Heule. Souuabeud. 23. Januar: Petersburg«, Viertel: ckbertgstr. 12. Prbertagemeiufchoft.— Sottdusscr Tor: Der Heimabend fällt an». Morgen. Sonntag, 24. Januar: Zleuloll» TV und IX: Fahrt. Treffpnult Tu Uhr Bahnhof ZleuWlln. Fahrgeld 60 Pf. Werbedezirk Gchonebcrg: Hauptstr. 15. Politischer Inform ationaabend. Re. ferent: Hans Waldmann. Serbcbezirk Prenzlauer Berg: Um IS Uhr im Altersheim Echallplattc»- abend mit dem Genossen Decker. Unlostenbeitrag 5 Pf. lkrwerdslose frei. Vorträge, Dereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Geschäftsstelle: Berlin E. lt. Sebastionstr. Z7— Z8. Hof 2 Tr. Wcdding lOrtsmrein). Sonntag. 24. Januar, Werbekundgebung in der Hcchlchulbrauerei, Amrumer Str. Zl. Vorträge de, RB.- Orchesters, Mustlmeister Habedank. Eprcchchor des Zungbanners. Sportvor- fsthrungen usw. Redner: Kamerad Otto Frank(SPD.i und Kamerad Friß _ utlg. Sämtliche aktiven und passiven" Kameraden müssen erscheinen.— Wassersport» abteilung, Zug Köpeuick. Sonntag, 24. Januar, 9 Uhr. Bootshaus Köpenick zum Ergänzulla»sport und Ueberholen der Mannschaftsdoote. PMchtvera». staltung.— Ziergarte». Außerordenlliche Generaloersammlung. Alle aktiven Kameraden müssen erscheinen, l. Kameradschaft: Montag, 2Z. Januar, 20 Uhr, bei Berger, Levetzomstraße. 2. Kameradschast: Mcntag, 25. Januar, 20 Uhr, bei Röstet, Putlißstraße. 8. Kameradschaft: Sonntag, 24. Januar, 10 Uhr. bei Rickert, Steinmetzstraße. Arbelter-Abstiuentea-Bunb. Ortsgruppe Berlin. Jahresversammlung heute, lgzj Uhr, im Saal der Buchbinder. Gewerlschastshau«, Gngeluf« 24—25, Auf. gang C. Eintritt nur gegen Borzeigen de» Mitgliedsbuches. Der„Borgcs-Thor»7', Dirigent G. Benstern, und der B-odouion-Mnstk- Bereiu„Ottaoia", Dirigent H. Schmidt, veranstalten gemeinsam am Sonn. tag. dem 24. Januar, IS Uhr, in der Städtischen Heil, und Pflegeaustalt Herzberge ein Wohltätigkeitskonzert. Soncabcnd, den 23. Inn nur staatsoper unter cen Linden 20 um Das Herz ftutliduiuiiittas jniamnaarln. Scbiller-Ihuter üurlontntarz. 20 Um Vis göttliche Jette DAS NEUE M ATRAY- BALLKTT «.weitere AttraJct'onea T&gl. 81/2 Uhr: 80 PI. bis 4.- M T*«I. 8 Uhr: 40 Pf, bis 2.- M I Cbglich 5 u. 8.13 Uhr Sonntags 2r5 8.15 U. D'eToni aus Wien Slüdt.Oper Chanouenburj! lismarcksuaße M Sonnabend, 23. Jan. Turnus il Anfang 19.30 Uhi Ersiaot f 0 h ru ne Prsmlere Fried eraann Bach Snde nach 22 Uhi DsntiäiüsTli»"-v Letzte 2 Auffrihmng. Oer Raub der Sabinerinnen Regie Hans Oeope L Höflieb. Richard. Stijssel. Wa sinarn Die Komödie Uhr Der Ufatrauf mit dem icüaiten too Vllheln voo Sdioiz Kurlürsienflamm- Theater j i 448- S'u um Aofri cht- Produktion Mahadonny von Brecht u Weil! Hesterberg, Weira _ Lenja Theater gm Müllendortplati fiegie: Keim Sa tinior, Pallas 7051 Täglich S'/a Uhr Sibs auch 4V« Uhr Gasparone Rose. I heater Cnili fmklurt» Strali iJ. in. Wiiduti i f 142? 6 und 9 Uhr Eine Frau von Format Thoater im Adrairaisaalas Täglien S'.'I Uhr Gitta Aipar in Die Dubarry Preise v. ü�O M. an ItoiKsDOhne Tieater am BDlowolat: 8 Uhi DerEeiansene mit Albert Bassennann Staitl. Schiller-Diealei Ä Uhr oienomtdie leite ftietropo.'-Ttieater Täglich 8'« Uhr Ein Lied der Liehe Rieh. Tnnber Ann! Ahlrro korverkaiil unuoterbrodien »•/.uhr CASINO-IHEAIER»'/. vi-, tothrlader Strafte 37. ■iuiiniiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiuiiitiiuiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiuniniiiuini Nur noch bis 23 Januar V�as man aus Liehe tut und d e Opeiene„uu Schelwurjs-Soopcr** Sonnabend, den 30. Januar znra I.Male Ilten von heute Jutschein l-4 Personen: Paike« 50 PI.' rauieuu I— Mark. Sessel i�u Mark. Sonntep ooehoitteg» Uhi billip« Preise der PUtt* — K'einea Th.— i Trappe 1931. TigLS'/. Uhr Die iffause?ai:e i'roioe:»PL-»M Sonnt nachm. 4 U halbe Preise. Stett ner Sänger im Reichshallen-Theater »tfnhoff plata 6 Uhr, Sonntais 3v> Uhr n«d mäBisten Pnisen. Das nne Programm nitlfcirleske „So'n Beinfall!" Preist ab|>cbaatl Krankon- nnd Sterbokaffe der im ollgem Berkehremelen deschältlgie» Personen»nd oe-ioandien Ber'l«g«noss>n „einlradhl" omaenrbdofe. in Reuiöll». Sermanniiraße au» statt. Rege Belciiigung»rwartet Die OrtsverwaltaB«. Theater desWestens Täglich*'i4 Uhi D«ir Vogeihändler Marg. S'ezak Lotte Carola Preise von SO PI. an I tm• Theater läglien*'n Uhi Horben gedl- URS LUN liel» Keihsin. Mai Unter Oi cfaceUOa Jos Bei«, msmi ge Restaurant Berlins BETRIEB KWPIMSKliiJ Bandagen-Müller PrinzenstraBe 43, am Moritzplatz iMZM— MM Künstliche Glieder, Gummistrümpfe. 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