BERLIN Somabenl» 25. Januar 1932 1© Pf. Nr. 58 B 19 49. Erschtinttäglich außer. Sonntags. Zugleich Abendausgabe des»Vorwärts'. Bezugspreis für beide Ausgaben 7) Pf. pro Woche, 3,25 M« pro Monat (davon d7 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 3,97 M. einschließlich 60 Pf. Postzcttungs- und 72 Pf. Postbestcllgebührco. SfuUaakqaSe. Aeh «m eigenere II: de einspaltige Willlmeteejeile 30 Pf., Rellamezeile 2.— M. Ermäßigungen nach Tarif. Poßscheekkonlo: Berwärtl-Verlag G. m. b. H., Berlin Rr. 37 S3«.- Der Verlag behält n g vcr- suchen, den Zeugen zu verwirren. Es gelingt ihnen nicht. Dr. Goebbels ist unterdes erschienen. Landgertchtsdirektor Ohne sorge: Ich will, bevor ich Goebbels hereinlasse... In diesem Augenblick erhebt sich einer der Angeklagten und bittet um eine Pause. Die Verteidigung und noch einige Angeklagte schließen sich dieser Bitte an. Landgerichtsdircktor Ohnesorgc läßt eine Pause von fünf Minuten eintreten. Die Angeklagten stürmen«ik großem Lärm ans den Korridor und begrüßen dort stürmisch durch Armerheben und fjoden- zusammenschlagen Herrn Goebbels. Die Pause ist zu Ende, die Angeklagten sitzen bereits auf ihren Plätzen. Richter.und Staatsanwalt sind noch nicht anwesend. Goebbels wird mit seinen Begleitern in den Gorichtssaal geführt, die Angeklagten springen wie ein Mann auf, R.-A. Dr. F r e i ß l e r sagt einige Wortc.LUM Justizwachtmeister, Goebbels wird wieder hinausgeführt. Das Gerichts betritt den Saal, Landgerichtsdircktor Ohne- sorge: Ich bitte den Zeugen Goebbels, vorzutreten. Der Justizwachtmeister: Dr. Goebbels ist noch draußen. Vors.: Ich hotte doch angeordnet, daß er in den Saal geführt wird. R.-A. Dr. F r c i h l e r: Da Sie. Herr Dorsitzcnder, noch vorher etwas sogen wollten, habe ich veranlaßt, daß er wieder hinausgeführt wird. Landgerichtsdircktor Ohnesorge: Sie haben sich nicht in weine Anordnungen einzumischen. R.-A. Dr. F r e i ß l e r: Ich wußte nicht, daß Sic nichtöfsentlich irgendeine andere Anordnung getroffen haben. Ich dachte, Sie wollten vorher etwas sagen. Bors.: Ich tue es jetzt. Ich ersuche die Angeklagten wie dos Publikum sich von jedem demonstrative» Gruß und vom Erheben von den Plätzen zu enthalten. Landgertchtsdirektor Ohnesorgc wußte nicht,, daß die De- monstration bereits geschehen war. Goebbels tritt in den Gerichtssaal. R.-A. Dr. Sack: Ich bitte, das Beweisthema zu benennen. Bors.: Dos wird sich aus den Fragen ergeben, haben Sie von der beabsichliglen Demonstration auf dem Kurfürflendamm vorher Kenntnis gehabt? hotten Sie deswegen eine Besprechung in Ihren Führerkreisen? R.-A. Dr. Sack: Das Beweisthcma ist ein ganz anderes, Herr Vorsitzender, nämlich es bezieht sich aus die Bekuirdung eines Gewährsmannes der Polizei, ich nenne ihn Spitzel, über eine Be- sprechung zwischen Goebbels und helldors hinsichtlich einer Demonstration auf dem Kurfürstendamm. Staatsanwaltschaftsrat Dr. S t e n i g: Die Fragen bestimmt das Gericht. Der Zeuge ist vom Gericht geladen. Nach einigen heftigen Auseinandersetzungen stellt Landgerichtsdircktor Ohnesorge noch einmal seine Frage. Goebbels: Ich habe aus den Zeitungen entnommen, daß ein sogenannter Gewährsmann— ich nenne ihn einen Spitzel und einen bezahlten Denunzianten— der Polizei die Mitteilung gemacht hat, daß zwischen mir und Helldorf wegen einer Demon- stration am Kursürstendamm eine Besprechung stattgefunden haben soll. Das Polizeipräsidium verweigert die Namensnennung dieses Gewährsmannes. Ich halte einen derartigen Zustand für unerträg- lich. Ich erachte es unier meiner Würde, mich in eine Intrige einspinnen zu lassen. Wenn die Dinge hier geklärt werden sollen, so möge dieser Gewährsmann hier im Gerichtssaal auftreten und mir gegenübergestellt werden. Vors.: Sie haben ein Zeugnisverweigerungsrecht nur. wenn Sie sich durch Ihre Aussage selb st strafbar machen würden. Goebbels: Mich geht der Strasprozeß nichts an. Ich oer- trete hier die össentliche Sauberkeit. Das Verhallen des Polizei- Präsidiums ist das der öffentlichen Unsauberkell. Bors.: Di« Strafprozeßordnung ist für alle maßgebend. (Fortsetzung aus der 2. Seite.) Die Bilanz der Laval-Rede Lausanne verhindert— Abrüstungskonferenz sabotiert Paris, 23. Januar.(Eigenbericht.) Die Begeisterung der nationalistischen Morgenpresse über die Erklärungen Lavals und den Ausgong der Kammcrdcbatte ist nicht sonderlich groß. Die Freude über den Sieg der Regierung ist gc- trübt durch die Tatsache, daß die Radikalen doch nicht zu bewegen waren, wenigstens für den Teil der Tagesordnung zu stimmen, der die Außenpolitik der Regierung betrifft, und daß die Regie- rungsmehrheit in der vorhergegangenen Abstimmung über die Tagesordnung der Radikalen geringer war, als man erwartet hatte. Der sozialistische..Populairc" aber schreibt, jetzt sei kein Zweifel mchr möglich, daß die Ereignisse der letzten Wochen Laval nichts gelehrt haben: Lava! ist sich de» Ernstes der tage in Europa nicht bewußt geworden und habe nicht verstehen wollen, daß die ganze Welt von Frankreich eine Netlungsmitiativc erwartet hat. Laval hat die Tür zu allen Verhandlungen zugeschlage«. Mit kleinlicher Hartnäckigkeit lehnt der neue Außenminister jede Prüfung der wirtschaftlichen und finanziellen Lage Deutschlands ab. Er klammert sich an das Hoover-Moratorurm und will von nichts anderem als von seiner einfachen Verlan- gerung wissen. Und was noch schlimmer ist, er legt eine Art Beto gegen jede Diskussion ein. Lavals Erklärung ist noch brutaler und unangenehmer als die Brünings, und Laval hat dadurch in Wirilichkeit die Konferenz von Lausanne überflüssig gemacht und so der deutschen Ratinnalistenpresse ermöglicht, zu sagen, daß sie mit dieser Beschuldigung Recht behalten habe. Oder, so schreibt das Organ der Sozialisten weiter, der Ministerpräsident hat sogar erklärt, daß die französsschc Delegation auf der Ab- r ü st u n g konfcrenz sich strikt an das Moratorium vom 15. Juli halten werde. Dieses Dokument ist eine kaum verhüllte W« i g«- rung, auch nur die geringste Anstrengung zugunsten einer Be- schränkung oder Herabsetzung der Rüstungen zu machen. Dafür werde Laval den Dank der hillerei ernleu, die auch keine allgemeine Abrüstung wolle, sondern das Recht Deutschlands zur Aufrüstung verlange. Bon den 261 Wgcordneten, die gestern gegen die Regierung gestimmt haben, sind 11 Kommunisten, 109 Sozialisten, 99 Radikale, 23 Sozialrepubtikancr, 5 radikale Linke, 9 unabhängige Linke. 5 Parteilose: 29 Abgeordnete haben sich der Stimme cut- halten und 13 waren beurlaubt. Alles Gold nach Krankreich. Paris, 23. Januar.(Eigenbericht.) Mit dem amerikanischen Dampfer„Paris" sind am Freitag 273 Kisten mit Gold in Le havre eingetroffen. Die Ladung hat einen Wert von fast 12 Millionen Dollars. Wochenendbesprechung Macdonald'Lavai. Paris, 22. Januar.(Eigenbericht.) wie amtlich mitgeteilt wird, hat der englische Botschafter Lord Tyrrell dem Alinisterpräsidenten Laval in einer Unterredung am Mittwoch den Wunsch Alacdonalds übermittelt, sich mit ihm zu treffen. Laval hat noch keine endgülligc Antwort erteilt, da er erst den Ausgang der kammerdebaltc abwarten will. Die Antwort wird wahrscheinlich heute abend erfolgen. Die Zusammen- kunft dürste aller Wahrscheinlichkeit nach am Sonnabend oder Sonntag stattfinden, und zwar entweder in London, in Bon- logne oder Folkestone. Brüning diskutiert brieflich Aus schnodderige Beleidigungen aniworiei die Regierung sechs Seiten lang Auf den frechen Brief Hitlers über die Verweigerung der Zustimmung zur parlamentarischen Amtsverlängerung des Reichs- Präsidenten fühlt sich die Reichsregierung genötigt, in einem 8A Schreibmafchinenfeilen umfassenden Schreiben zu antworten. Der Brief befaßt ssch mit den verfassungsrechtlichen und den politischen vedcakea, die hiller gegen die Verlängerung der Amtszeit des Reichspräsidenten geäußert hatte. Der Kanzler weist in dem Briefe darauf hin, daß eine A e n d c- rung der Verfassung im Wege der Gesetzgebung zulässig und die politischen Argumente Hitlers unsachlich seien. Er betont, seine Anregung in der Präsidentschaftsfragc sei ausschließlich von nationalen, überparteilichen Gesichtspunkten diktiert gewesen. Er müsse es ablehnen, mit Hitler in eine Erörterung über Echlagwortbegrisse einzutreten. Er müsse es ferner auffällig finden, daß er die Hauptursachen der deutschen Not auf parteipolitische Verhältnisse zurückführe Nach fast allgemeiner Auf- fassung sei ein außenpolitischer Tatbestand, nämlich der Versailler Vertrag, mit seiner politischen und wirtschaftlichen Ungerechtigkeit und Unvernunft der entscheidende Grund der deutschen Not. An diesem Gesichtspunkt gehe Hitler vorbei. Wenn er im übrigen seine, Brünings, Anregung in der Präsi- dentschaftsfrage als ein Produkt der Angst des System» vor der politischen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus bezeichne, so könne er damit seine, Brünings, Mitarbeiter und ihn selbst nicht treffen. Durch das Vertrauen des Reichspräsidenten auf den Posten gestellt, keimten sie alle nur ein Ziel, Rettung des Vater- landes aus seiner großen Not. Der Kanzler schließt dann mit folgenden Worten: „Wir scheuen daher auch das Urteil des deutschen Volkes über unsere Maßnahmen nicht. Wenn Sie die von Ihnen gewünschte Beseitigung de» �herrschenden Systems" alz«inen außenpolitischen Gewinn Deutschlands bewerten zu sollen glauben, so muß ich Ihnen die Verantwortung für diesen Angriff auf eine Regierung, die alle Kraft an die Besserung der Lage des deutschen Volkes in den kommenden Verhandlungen zu setzen entschlossen ist, überlassen. Es muß Ihnen bekannt sein, wie die ganze Arbeit dieser Regierung von dem Primat der Außenpolitik beherrscht wird. Ebenso ober werden Sie nicht leugnen wollen, daß der außenpolitische Erfolg zum Teil durch die Geschlossenheit bedingt ist, mit der die Nation hinter ihren Unterhändlern steht. Ich kann nur b c- dauern, daß Sie selbst in dieser kritischen Lage nicht die Folgerung aus dieser Wahrheit ziehen, die sich von selbst ergibt. Wenn Sie zum Schluß meine Fühlungnahme mit Ihnen, als dein Führer einer, wie Sie sagen, jahrelang verfemten Partei, von dem Gesichtspunkt der Moral aus beanstandeu, so kann ich Ihnen nur erwidern, daß es nicht das erstemal war. daß ich mit Ihnen politische Probleme besprach, und daß es andererseits sich für mich von selb st ver- stand, daß ich mich in einer die ganze Nation tief bewegenden Frage auch mit dem Führer der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei unmittelbar in Verbindung setzte. Mit vorzüglicher Hochachtung gez. Brüning." BerBombenprozsß. Kaphengst zv drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Altona, 23. Januar. Im Kapheng st- Prozeß wurde am Sonuabendraittag dos Urteil gefällt, wonach der Angeklagte zu einer Zuchthausstrafe von Z Zähren verurteilt wird. Auf die Strafe werden 1 Zahr, 5 Monate und 3 Wochen Auslieferung», und Untersuchungshaft angerechnet. Der Goebbels-Spuk. (Fortsetzung von der I.Seite.) Goebbels: Für mich ist nur das Gebot der öffentlichen Sauberkeit maßgebend. Vors.: Sie haben nichi das Recht. Ihre Aussage zu verweigern. Goebbels, der seine letzten Sätze bereits laut hinaus- gestoßen hat. kreischt hysterisch: Ich nehme mir das Recht! R.-A. Dr. Sack ruft dazwischen: Der Zeuge kann ja als Reichstagsabgeordneter seine Aussag« verweigern. Dr. Goebbels: Daraus berufe ich mich nicht. Mir ver- bietet die öffentliche Sauberkeit, hier meine Aussage zu machen. Der beisitzende Richter versucht dem ausgeregten Dr. Goebbels gut zuzureden, es sei ja im Interesse des Angeklagten Helldorf selbst, daß die Sache hier geklärt würde, das Gericht könnte unter Umständen aus der Aussageverweigerung für die Angeklagten ungünstige Schlüsse ziehen. Landgerichtsdirektor Ohnesorge will etwas sagen. R.-A. Dr. F r e i ß l e r schreit dazwischen: Ich bitte ums Wort! Der B o r s i tz e n d e erteitt ihm nicht das Wort. R.-A. F r e I ß l e r schreit weiter: Ich bitte ums Wort. Er läßt sich schließlich beruhigen. Landgerichtsdirektor Ohnesorge: Ich bitte Sie, Herr Zeuge, sich eines ruhigeren Tones zu befleißigen. Eine derarttge Erregung ist im Gerichtssaal nicht üblich. Auch ich möchte Ihnen vorhalten, daß es im Interesse der Angeklagten liegen könnte, daß Sie hier aussagen. Goebbels: Für mich handelt es sich hier um das Prinzip. Wenn das Prinzip des Nationalsozialismus mir gebietet, meine Aussage in diesem Falle zu verweigern, so kann die Strafprozeßordnung mich nicht zwingen, hier eine Aussage zu machen. Die Angeklagten haben mich selbst gebeten, eine Aussage unter diesen Umständen nicht zu machen. � Fragen Sie doch die Angeklagten. R.-A. Areißler: Gerade zu diesem Punkte habe ich ums Wort gebeten. Die Ange- klagten bitten den Zeugen, seine Aussage selbst dann zu verweigern, wenn das für sie zum Schaden sein könnte. Dr. Goebbels(wieder laut schreiend): Die Frage könnte binnen 5 Minuten geklärt werden, wenn das Polizeipräsidium den Namen des feigen Denunzianten nennen wollte. Es sind skandalöse Zustände, daß hier der Name eines Denunzianten verschwiegen wird. Ich handle im Interesse meiner Partei und der Parteiführung, wenn ich die Aussage verweigere. Staatsanwaltschaftsrat Dr. S t e h n i g: Ich bitte, den Zeugen zur Ruhe zu ermahnen. Ich bitte ferner, das Polizeipräsidium gegen Beschimpfung zu schützen. Landgerichtsdirektor Ohnesorge versucht etwas zu sagen. Goebbels unterbricht ihn laut schreiend, Landgerichtsdirektor Ohne- sorge ruft gleichfalls mit größter Kraftanstrengung:„Ich bttte, mich nicht zu unterbrechen! Auch Rechtsanwalt Dr. Freißler schreit etwas dazwischen. Landgerichtsdirektor Ohnesorge: Ich bitte, mich nicht zu unterbrechen! Nachdem einige Ruhe eingetreten ist, wendet er sich gegen Goebbels mit der Aufforderung, seine Angriffe gegen das Polizei- Präsidium zu unterlassen und Ruhe zu bewahren. Dann fragt er ihn: Sie beharren also auf Ihrem Standpunkt, Ihre Aussage so- lange zu verweigern, bis das Polizeipräsidium seinen Gewährsmann genannt hat. Goebbels schimpft laut schreiend weiter. Gs folgt wieder sin' wildes D u r ch s i n a n d er. Staats- anwaltschaftsrat Dr. Stehnig verwahrt sich gegen die Be- schimpfungen der Polizei, R.-A. Freißler schrett dazwischen und bittet ums Wort. Der Vorsitzende macht Dr. Goebbels darauf aufmerksam, daß seine Aussageverweigerung zu Pro- tokoll genommen werden würde und richtet an Dr. Goebbels noch einmal die Frage, ob er also seine Aussage verweigere. Dr. Goebbels: Nach den Erfahrungen, die ich mit der Presse gemacht habe, muß ich meine Aussage im Interesse meiner Person und meiner Partei verweigern. Landgerichtsrat Ohnesorge richtet an den Staatsanwalt- lchaftsrat Dr. Stehnig die Frage, ob er irgendwelche Anträge stelle. Staatsanwaltschaftsrat Dr. Stehnig: Ich bttte den Zeugen vorläufig zu beurlauben, Anträge behalte ich mir vor. Die Aussageverweigerung des Dr. Goebbels wird zu Protokoll genommen. Es tritt eine Pause«in. Zusammengebrochene Lüge. Aerleumdung gegen den„Vorwärts" zurückgenommen. Kassel. 23. Januar.(Eigenbericht.) Heute fand vor der Strafkammer des Landgerichts die Be» rusungsverhandlung gegen den Nationalsozialisten Claus statt, der den„Vorwärts" öffentlich der Bestechlichkeit be- schuldigt hatte und dafür von dem Amtsgerichtsrat Tuntel in Rothenburg(Fulda) freigesprochen war. Heute schlug der Vorsitzende folgenden V e r g l e ich vor: Der Angeklagte erklärt, daß er die hier fragliche Aeußerung über geldliche Unterstützung des„Vorwärts" durch den Bankdttettor Jakeb Goldschmidt bzw. durch die von diesem vertretene Danatbank nicht in der Absicht, die Prtoatkläger zu beleidigen, gemacht habe, sondern- daß er lediglich in Vertretung seines politischen Stand- Punktes dem gegnerischen Versammlungsredner Braunholz das vor« gehatten habe, was er über die fraglichen Beziehungen des„Vor- wärts" gelesen oder gehört habe. Der Angeklagte will und kann nicht behaupten, daß der„Vorwärts" oder dessen Redakteure vom Bankdireklor Jakob Goldschmidt oder von der Danatbank geldliche Zuwendungen unter der Bedingung erhalten haben, daß der„vor- wärt?" oder dessen Redakteure sich diesem gegenüber verpflichtet hätten, nichts gegen die Zuden zu schreiben. Der Angeklagte übernimmt die Kosten des Ver- fahrens. Die Piivctttläger nehmen hiervon Kenntnis und sind damtt einverstanden. Sie ziehen die Prioalklage zurück, Di« Privatkläger sind berechtigt, diesen Vergleich innerhalb eines Monats nach Zustellung einer Ausfertigung desselben einmal auf Kosten des Angeklagten in folgenden Zettungen zu veröffent- lichen:„Vorwärts",„Hessische Volkswacht".„Rothenburger Kreis. blatt". Beide Parteien behalten sich W i d e r r u f s r e ch t zu den Gerichtsakten vor und zwar die Privatkläger bis zum 3t). Januar 1932, mittags 12 Uhr, der Angeklagte bis zum 26. Januar 1932, mittags 12 Uhr._ Entwischt und wieder geschnappt. Paris, 23. Januar.(Eigenbericht.) Der elsäfsisch« Spion Uhrig, der am Montag in Straßburg auf dem Wege vom Gefängnis zum Büro des Unter! uchungsrichters den ihn begleitenden Beamten entflohen war. ist am Freitag in Straßburg wieder verhaftet und ins Gefängnis eingeliefert worden. Er hatte sich in der Rumpelkammer eines Hauses versteckt gehatten. Hausfrauen, achtet auf die preise! Berliner Zrauenorganisaiion unterstützt die Arbeit des Preiskommissars vor de» Berliner Funkilonärinnen sprach Genosse Stadtrat Dr. Heuer über das aktuelle und wichtige Thema:„was können die Hausfrauen für den Preisabbau tun?" Genosse heuer legte in seinem Referat dar, in welche Lage die Arbellerschast durch Lohn- und Gehaltsabbau und Arbeitslosigkeit gekommen sei, daß demgegenüber das Streben nach einem gewissen Ausgleich durch Preisabbau um so mehr unlerslühl werden müsse. Dabei umriß er den Ausgabenkreis des Kommissars für den Preisabbau, der in seioer Arbeil wesentlich auf die Unterstützung und An- regnng der housfraueu, die ja alle Ausgaben für den läglicheu Bedarf zu machen Höllen, angewiesen sei. Ueber die Aussichten der Arbeit auf den Preisabbau hin dürfe man sich keine Illusionen machen. Gewiß seien dem Prelskommissar durch die Notoerordnung juristisch weitreichende Vollmachten gegeben worden. Aber die tatsächlichen Einwirkungsmöglich- ketten auf die Wirtschaft seien doch begrenzt einfach Infolge der Tatsache, daß unsere Wirtschast nach wie vor privatkapitalistisch ge- führt werde. Deswegen sei aber die Arbett des Preiskommissars keineswegs gering zu schätzen. Daß man den Lohnabbau durch eine entsprechende Senkung der Preise, also durch Hebung des Realem- kommens ausgleichen könnte, das hält auch Genosse Heuer für unmöglich. Aber gerade deswegen, weil das Realeinkommen der Arbetterschaft so stark gesunken ist, erhält der Preisabbau eine um so stärkere Bedeutung. Den Hausfrauen käme bei dieser Arbett eine besondere Aufgabe zu. Sie seien am ehesten in der Lage, bei ihren Einkäufen durch- den Vergleich der Verhältnisse in den verschiedenen Läden nachzuprüfen, ob überall der Notwendigkett des Preis- abbaues Rechnung getragen würde. So sei insbesondere darauf zu achten, daß überall die vom Prelskommissar verordneten Preis- s ch i l d e r aushängen. Wichtig sei auch festzustellen, daß überall tatsächlich Waren zu den angebrachten Preisen vorhanden seien. Schließlich sei darauf zu achten, daß nicht durch Oualttätsverschlechte- rung der Preisabbau illusorisch gemacht werde. An das Referat schloß sich eine eingehende Aussprache an. Genossin Wurm legte insbesondere dar, wie sehr die von der Regierung befolgte Wirtschaftspolttik im Widerspruch zur Ab- ficht der Preissenkung stände. Gewiß gehe es der Landwirtschaft nicht glänzend, aber warum? Doch nur deswegen, weil die breiten Massen nicht kaufen könnten! Auf den Binnenmarkt, aus den Absatz an die Arbeiterschaft sei die Landwirtschaft aber angewiesen. Mit Recht sei das bekannte Sprichwort in folgender Form abzu- ändern: Hat der Arbeiter Geld, dann hat es auch der Bauer, dann hat es auch die Welt!" Die jüngste Zolloerordnung, die nichts wetter als eine Preiserhöhung sür Butter bezweckt, wird dazu führen, daß noch mchr Arbetter und Angestellte zum Margarinekonsum übergehen werden. Dann wird die Landwirtichaft in noch größere Schwierigketten als vor der Butterzollerhöhung kommen. Die Wirtschaftspolttik der Regierung habe es auch dahin gebracht, daß eine Brotpreiserhöhuag wieder droht. Die Arbetterschaft müsse aber verlangen, daß die Bäckerspanne, dia zwischen 14 und 24 Ps. pro Kilogramm Brot in Deutschland schwankt, auf einen angemessenen Satz gesenkt werde. Die Haus- frauen müßten sich daran gewöhnen, Brot und Brötchen beim Bäcker genau wie alle anderen Waren sich vorwiegen zu lassen. Wie wichtig das ist. geht aus folgendem Beispiel hervor: Im Bereich eines Berliner Polizeireviers wurden folgende Gewichte und Preise für je zehn Schrippen festgestellt: 1. 349 Gramm— 25 Pf., 2. 350 Gramm--- 30 Pf., 3. 400 Gramm= 30 Ps. Diese Unterschiede im Preis und Gewicht seien skandalös und keinesfalls zu dulden. Bei der Wstellung solcher Zustände könnten die Haus- frauen die wichtigste Arbett leisten. Im Fortgang der Diskussion kam immer wieder zum Ausdruck, wie sehr man mit dem Gefühl des Betrogenseins dem Preisabbau gegenübersteht. Die Löhne seien rigoros und sofort um die vorgeschriebenen Prozentsätze gekürzt worden: die Preise aber kämen sehr langsam und sehr ungenügend nach. Allgemein wurde aber die Einsicht betont, daß gerade unter den heutigen schlimmen Berhciltnissen die Preisabbauaktion in jeder Hinsicht zu unterstützen sei. Die Funktionärinnen gaben ihrer Bereitwilligkeit Ausdruck, dabei nach Kräften mitzuwirken. Man wurde sich dabei einig, daß alle Parteigenossinnen daraus achten sollten, daß überall in der vorgeschriebenen und notwendigen Werse die Preise abgebaut würden. Wenn Mißstände festgestellt werden, dann sollen Beschwerden In begründeter Form an die Kreisleiterinnen wettergegeben werden. Die Kreisletterinnen leiten die Beschwerden dann ans Bezirkssekretariat, das sie an den Preiskommissar zur wetteren Verfolgung weitergibt. Auf diese Weise werden die Berliner Frauenorganisationen der Partei die wichtige Arbett des Preiskommissars wesentlich fördern können.— Also Hausfrauen, achtet auf die Preise! Mit der Wiederwahl der alten Vertreterinnen für den erweiterten Bezirksvorstand und mit der einstimmigen A n- nähme der Friedensresolution— angesichts der scharfen Debatten zwischen Deutschland und Frankreich sei die Be- tonung des Friedensgedankcns besonders wichtig— schloß die Versammlung. Berlin im Nebel. Krühverkehr im Schneckentempo. Ganz Berlin war heule früh in einen undurchdring- lichen Rebelschleier gehüllt. Zelkweije war der Rebel so stark, daß die Sicht auf kaum IS bis 20 Schritt möglich war. Ratur- gemäß wirkte sich der Rebel als verkehrshiudernts aus und die Fahrzeuge kannten sich nur im Schaeckenlempo vorwärts bewegen. Straßenbahnen, Autobusse und Autos mußten beleuchtet fahren und gespenstisch leuchten die Lichtkegel der Fahrzeuge in dem Dunst- schleier aus. Sowett bisher bekannt geworden ist, Hoden sich Unfälle nirgends ereignet. Die beretts fett Tagen herrschende Nebelneigung ist aus feuchte und milde Luftmassen zurückzuführen, die fett Beginn der Woche das Reich überfluten und langsam abkühlen. Diese ab- gekühlte Luft erreichte«inen bestimmten Sättigungsgrad und der Wasserdampf kondensierte sich zu Nebel. Die Lage läßt erkennen, daß der neblige Witterungscharatter auch für den morgigen Sonntag noch andauern wird. Zeitweise ist über Mittag vielleicht mit Aufheiterung zu rechnen. Die Temperaturen werden bei null Grad liegen. Im allgemeinen ist für die nächste Zeit mit schönem Wetter zu rechnen, da sich über ga� Europa bis nach Skandinavien und Sibirien ein riesiges Hochdruckgebiet erstreckt. Vulkanausbruch in Guaiemala. Drei Städte zerstört.— 60 Erdstöße. New Bort, 23. Januar. Durch einen Ansbruch des Vulkans Agat- n a u g u tu Guatemala wurde« die Städte Antigua. Santa Lucia und Geteuualhuapa vollständig zerstört. Mehrere ander« Städte haben erheblich nuter dem Aschenregen gelitten. Einzelheiten über etwaige Verluste an Menschenleben siub bis jetzt noch nicht bekannt. Mau befürchtet, daß sie erheblich sind. Am Freitag wurde« 60 Erdstöße verspürt, während die Vulkane Fnego und Acatcnango in der Nähe der Stadt Guatemala in voller Tätigkeit waren. In der Stadt Guatemala sowie au der Grenze zwischen Gnatemale und San Salvador ist der Himmel durch Aschenregen völlig verdunkelt. Das Lbservatorium von San Salvador hat weiter« starke Erdstöße ver- zeichnet. Bergungsarbeiten ergebnislos. Vorläufige Einstellung der Rettungsaktion auf Karsten« Zentrum. Veukhea. 23. Januar. Nachdem die Bergungsmannschaften aus der Karsten-Zentrum» Grube die mit eisernen Ringen vermauerte Rettungsstrecke bis zu der Stelle vorgetrieben haben, wo die Bruchstellen zusammenstoßen, haben sich infolge der dauernden Bewegung des Ge- b i r g e s unüberwindliche Schwierigkeiten ergeben. Bereits gestern mußte die Rettungsmannschaft mehrmals zurück, und im Laufe des gestrigen Tages wurden die Bergungsarbetten vorerst eingestellt. Die Entscheidung der Bergbehörde darüber, ob die Arbeiten zur Bergung der drei noch vermißten Berg- leute fortgesetzt werden sollen, wird heute fallen. Schwerer Unglücksfall auf einer Zeche. Duisburg-Hambarn. 23. Januar. Am Freitag ereignete sich aus der Zeche„W e st e n d e" der Bereinigten Stahlwerke Hamborn ein schwerer Un- glücksfall. Beim Befahren der Strecke auf der vierten Sohle schlug aus der Verbauung ein Unterzug um, wodurch erhebliche Gesteins- Massen aus dem Hangenden niederprassellen und den Reviersteiger G a w l i k aus Meiderich und den Maschinenfahrsteiger T i l l y unter sich begruben. Während man Gawlik nur als Leiche bergen konnte, kam sein Begleiter mit schweren Knochcnbrüchen davon. Krach bei den Harzburgern. Man streitet om den Kaiser, am Hugenberg und Schwarzweißrot. Dar Krach im Lager der Harzburger Front wird immer großer. Die Anweisung an alle Nattonalsozlalisten, aus dem Stahl- Helm auszutreten, hat die gegenseitige jAebe stark getrübt. Inzwischen sind neue Affären im Gange. Auf einer tiatwnalsozialistischen Kundgebung in Hannooer hat der Gauführer Ruft u. a. gesagt: Das Dritte Reich werde sich von seinen Vorgängern nicht nur dadurch unterscheiden, daß d> e schwarzweißrote Fahne dem Hakenkreuz-Symbol werde weichen müssen und die Kaiserkrone der Vergangen- heit angehören werde, sondern auch dadurch, daß. im neuen deut- schen Volksttcm Klassenkampf und auf der anderen Seite Standes- bewußtfein ihre Bedeutung verlieren müßten. Der Vorsitzende des Landesverbandes Hannover-Süd der Deutschnationalen Bolkspartei, Oberstleutnant a. D. von Feldmann, richtet« aus diesem Anlaß folgende„Offene Anfrage" an die NSDAP.:„1. Ist aus den Worten des Gauführers zu entnehmen, daß die NSDAP, für die Zukunft endgültig den Kaisergedanken aufge- geben hat? 2. Erblickt die NSDAP, in einer nationalsozialistischen Republik die gegebene Staatssorm für Deutschland?" In einer Versammlung der NSDAP, im Burghaussaale in Hannooer sprach ferner der Nationalsozialist Karwahne, und bemerkte in seinen Ausführungen in bezug auf die Führung im „Dritten Reich" nach dem Bericht der„Niedcrsächsischen Tage-- zettung" u. a.,„wenn in kurzer Zett endlich die segensreiche Wen- dung«intrete, so sei das einzig und allein das Verdien st Adolf Hitlers und der tapferen SA.-Männer. Gegenüber den anmaßenden Ansprüchen aller möglichen„nationalen" Parteien und Gruppen erklären wir mit Nachdruck: Das kommende Reich wird nicht zentrümlich oder deutschnational sein, sondern: Das Dritte Reich wird nationalsozialistisch sein. Allein Adolf Hit- ler hat ein Recht auf Führung, denn er ist der einzige Führer,„über den das deutsche Volk verfügt". Er rühmte weiter die Verdienste Hitlers und fuhr fort:„Die übrigen Partei- führ er, die die ganzen Jahre hindurch untätig waren, heute aber unter dem Schutze der braunen Armee laut chre Stimme er- heben, mögen das erst einmal nachmachen. Bis dcch�n aber haben sie sich zu bescheiden." Darüber sind die Deutschnattonalen in Hannover in begreifliche Erregung geraten. Die Bundesgenossen von Harzburg liegen sich gründlich in den Haaren.__ 3n Ryboik(polnisch-Obersch'eflen) sind zwei der Arbettslssen gestorben, die durch Polizeikugeln verwundet worden waren, Zahl- reiche Arbeitslose sind verhastet. Der 2Ziährige Arbeitslose Mar- call zog bei seiner Verhaftung eine Pistole und schoß einen Be- amten meder, der schwer verwundet ist. Marcoll flüchtete dann auf den Boden eines Hauses, von wo er die Beamten beschoß. Erst am Freitagmorqen gelang es der Polizei, mit Hilfe von Rauchgas- bomben den Boden zu stürmen. Marcoll hatte sich kurz vorher erschossen.— In Könitz(Korridor) wurde die Polizei mit Demon- sttanten nicht fertig: Militär vertrieb mtt dem aufgepflanzten Bajonett die Menge von der Straße. Vankcuausschuß nächste Woche. Der Haushaltsausschuß des Reichstages hat sich am Freitag bis zum Dienstag, dem 2. Februar, vertagt, so daß m der nächsten Woche Vollsitzungen des Ausschusses nicht stattfinden. Dagegen tagen die Unterausschusse des Haushalts- ausschusses. wobei besondere Bedeutung dem neuen Bankenunter- ausschuß zukommt, der seine Beratungen am Donnerstag nächster Woche beginnt. Studentenlied. In Berlin, Halle und anderswo zu singen. Deutscher Edelgeist Wächst zu allermeist An den deutschen Universitäten. Bei den roten Sauproleten Findst du keine Spur Arischer Kultur: Der Gesittung Elemente Sie verkörpert ganz allein — Ein Marxist? Verhaut das Schwein!— Der Studente! Wer nicht mit uns heult. Der wird glatt verbeult. Kusche dich vor uns, Dozente! Bist du nicht stramm national, Gibt es im Kolleg Skandal: Der Gesittung Elemente, Sie verkörpert ganz allein — Bügelt ihm das Nasenbein!— Der Studente! Ja, potz Tränengas, Hier herrscht Völkerhaß! Wer quatscht da von Nächstenlieb«? Wer nicht patriotisch lügt, Wer nicht glatt sich fügt. Dem blüht Knallfrosch, Stinkgas, Hieb«! Das ist wahre Lehrfreiheit Nach dem Hitlerschen Patent«, Und nach dieser lechzt und schreit Der Studente! Weh, wer anders denkt. Arm ihm ausgerenkt! Was denn— Kampf mit geist'gen Waffen? Zwanzig gegen drei Werden wirs schon schaffen!. Wenn der Rummel längst vorbei Holt der Rektor die Polente: Und mit frommer Unschuldsmiene Schleicht— ein Engel— zur Latrine Der Studente! �ouststao- Studenten-Lümmeleien. Nicht nur in Berlin, sondern auch in Braunschweig. Braunschweig, 23. Januar.(Eigenbericht.) Die Studentenschast der Technischen Hochschule hat sich gespalten. Die Korporationen nehmen scharf Stellung gegen den national- sozialistischen allgemeinen Studentenausschuß. Die National- sozialisten haben dem Rektor der Hochschule«inen Brief geschrieben, in dem sie sich über sein« Ansichten beschweren und sagen, daß in dem heutigen Kampf um Sein oder Nichtsein des deutschen Voltes auch innerhalb der Hochschule für ein neues einiges Vaterland ge- kämpft werden müsse. Die Zeiten seien zu ernst, als daß man heute noch„verkalkten Anfich t e n" folgen und die Politik von der Hochschule fernhalten wolle. An einer Stelle des Briefes heißt es, die Studentenschaft sei sich darüber llar, daß der von ihr geführte Kampf für die deutsche Ehre viel wertvoller sei als das. was der Senat sich unter akademischer Freiheit und Würde vorstelle! Eine akademische Freiheit, wie der Rektor sie haben wolle, lehne der Allgemeine Studentenausschuß ab. Die Korporationen haben diesen frechen Brief nicht unterschrieben, sondern haben ihre Vertreter aus dem ATTA, zurückgezogen. Der Vorstand der Braunfchweiger Studentenschast besteht jetzt nur noch aus Nationalsozialisten. Das Preisausschreiben. Auf Grund unseres Artikels über den Unfug der Preis- ausschreiben hat die Firma, die das von uns kritisierte Preis- ausschreiben veranstaltete die Abwicklung des Preisausschreibens und die Bearbeitungswdse der eingegangenen Lösungen geschildert und belegt. Im ganzen sind demnach etwa 2,64 Millionen Lösungen«in- gegangen. Davon waren etwa 632666 direkt per Po st eingesandte Briefe. Die übrigen Lösungen waren von den Teilnehmern bei chren Kaufleuten abgegeben, um von dort— ohne Kosten für die Einsender— durch die Reisenden der Firma weiter- befördert zu werden. Die Bearbeitung nahm mehr als 6 Wochen in Anspruch. Zeit- wellig wurden dabei bis zu 7S Angestellte beschäftigt, um die ein- gegangenen Lösungen auf ihre Richtigkell hin zu prüfen und die Ziehung vorzubereiten. Die Ziehung selbst wurde durch Waisen- kinder unter notarieller Aufsicht vorgenommen. Nach erfolgter Ab» wicklung wurde das gesamt« eingegangene Material eingestampft. Von der Firma war also alles geschehen, um eine korrekte Durch- führung des Preisausschreibens zu erreichen. Wenn tatsächlich doch noch Brief« nicht ordnungsmäßig erledigt worden sind, so könne das nach Meinung der Firma nur auf«ine trotz schärffter Kontrolle leider immer noch möglich« Fahrlässigkeit von einzelnen Angestellten zurückgeführt werden. Indessen könne es sich nach der von der Firma vorgenommenen Untersuchung— «in bekanntes Prioat-Detektiv-Jnstitut wurde eigens damit beauf- tragt— nur um«in verhältnismäßig ganz geringes Quantum von Briefen handeln, das noch nicht einmal l pro Tausend des Gesamt- eingangs ausmacht. * An unserer grundsätzlichen Auffassung von dem Wert oder Un- wert der Preisausschreiben im allgemeinen wird durch diese Er- klärung natürlich nichts geändert. Obduktion der Lleberfallopfer. Kommunist Klemte und Nationalsozialist Schwarz. Schauhaus sind gestern die Leichen des Kommunisten Klemk» und de« Nationalsozialisten Schwarz, die bei dem Kamps in der Kolonie �elfeneck" getötet wurden, obduziert worden. Di» Obduktion hat ergeben, daß Klemte durch einen Brustschuß getötet worden ist. E, handelt sich um-inen sogenannten.Durchgänger", der den ganzen Körper durchschlagen hat. Außerdem lassen äußer« Verletzungen erkennen, daß Slemke mll feinen Gegnern vor dem tödlichen Schuh noch offenbar in em Hand- gemeng« geraten ist.— Der Nationalsozialist Schwarz ist durch einen Stich mit einem auffallend langen Dolch in den Rücken getötet worden. Das Herz wurde getroffen und der Tod trat jpäter wjolge innerer Verblutung ein. Neuster:„Oer große Krumme" Theater am Schiffbauerdamm Der Ingenieur erfindet die elektrische Dauerlampe. Wird sie fabriziert, so nimmt das Genie den Arbellern natürlich Brot weg. Denn es stirbt ein riesiges Bedürfnis aus, und die Arbeller, die gefragte» Befriediger des Bedürfnisses, müssen den Schmachtriemen schnüren. Daher ihre Empörung.>vie schlägt ins Tragische, well der Erfinder ein durchaus braver Mann ist und keiner von der General- direktorenrasse. Um seine Bravhell zu dokumentieren, überläßt der Erfinder sein Aktienpaket, eine voll« Million, den Arbellern. Was tun die Direktoren? Sie manövrieren eine Börsenbaisse gegen diese Papiere. S i e können es ja aushallen. Doch die Arbeiter-- sie sind wieder die Betrogenen, und ihr Freund, der Erfinder, scheint ganz und gar der Hauptbetrüger. Daher die lauteste Reoolle gegen ihn, Revolte der Menschen gegen die teuflische Maschine, gegen chren Konstrukteur, der der Teufel von 1632 in Person ist. obwohl er gut redet, obwohl er prophezeit, daß die Maschine trotz allem die Er- löserin der Massen sein wird. Die Nationalökonomie soll nur ein wenig umgelernt werden. Ein Teil der Fabrikarbeiter wieder aufs Land zurück an den Pflug. Dann werden die Felder, wie«s nollut, wieder zweckmäßig bevölkert, dann werden die Fabriken nicht mehr proletarisch übervölkert sein. Das sind Gedankensplitter, die Hannes Reutter ins Theater schleudert. Ganz geht das Rechenexempel allerdings nicht auf. Immerhin liegt die Idee eines jungen, bisher unbekannten Schrift- stellers vor. Er ist sogar imstande, die Arbeller und Direktoren beinahe so reden zu lassen, wie chnen der Schnabel gewachsen sein sollte. Szenen im einzelnen, eine Aktionärsversammlung, eine Arbeiteransammlung vor dem Arbellsamt, das hat Schliff, das hat zweifellos Schmiß, Die Oede entsteht häufig nur. weil Hannes Reuller mll der rechten Hand Verstand spendet, um chn mll der linken Hand zurückzunehmen. Er ist in der Tendenz nicht ganz sattelfest Ihn plagt jenes Gesinnungswechselfieber, das man ObjsktioWt nennt Beides, das Bauen eines Stückes, und die Klarhest des sozialen Gewissens, lassen sich nicht ohn« wclleres lernen. Eine Veranlagung, geschenkt von irgendwelchem lieben Gott, muß schon da sein. Hannes Reuller muß sich erst entpuppen. Vor- käufig ringelt er sich erst im Raupenzustand. Man weiß noch nicht Bescheid in ihm, und man darf kleine Ansätze noch nicht für gesundes Taleill nehmen. Bernd H o f m a n n hat für zehn Tage das Theater am Schiff- bauerdamm gemietet, um mit dem Ansatztalent zu experimentieren. Die Nazis sind fluchtartig und bankerott aus dem Theater am Schiffbauerdamm geflohen. Der Regisseur des Nazitheaters war Bernd Hofmann selber. Aber die Nazis möchten wiederkommen. Inzwischen bereiten sie die schwarze Theaterliste für das Dritte Reich vor. Daraus stehen alle, die künftig aus den Musenställen zu verjagen, und die anderen, die Wotansenkel, die an Stelle der Abgehalfterten hinetnzubugsieren sind. Diese schwarze Liste ist jetzt fertig. Sie wird im Eisenschrank der Theaternazis sorgfällig gc- hütet. Bernd Hofmann gill offenbar als Nazideserteur. Ob er ein sicherer Kantonist für das anständige Theater ist, kann noch nicht gesagt werden. Immerhin gibt er sich Mühe, um abzubüßen, was er bei den Nazis sündigte. Stahl- Nachbaur, Paul B i l d t, Roma Bahn helfen ihm. Ob seine Seele, ob sein Budget ganz gerettet werden können, nur die Zukunft oermag es zu lehren. Aber wer kennt heut« die Zukunft? �l. H. Dreimal Philharmoniker. lieber Funktion und Notwendigkeit des Dirigenten vermag nichts besser aufzuklären, als wenn an aufeinanderfolgenden Tagen verschiedene Dirigenten vor demselben Orchester stehen. Es ist nicht so, daß die Orchester allenfalls allein spielen könnten, daß der Dirigent irgend etwas über das Werk hinaus zu tun vermöchte, fon- dern so, daß auch der größte Meister des Taktstocks bei intensivstem Einsatz allen Könnens und aller Kräfte nur eins erreicht: das Werk vollkommen wirtlich werden zu lassen. Was gar nicht so häufig ist. Wenn Furtwängler nach dem letzten der städtischen Volkssymphoniekonzerte(der Einttitt kostet nur 86 Pf.) von geradezu legendärem Beifall umtost war, wenn sich die leiden- schaflliche Dankbarkeit Tausender in begeisterten Zurufen Luft machte, so geschah dies, weil er einer der wenigen ist, die die Träume Haydns, Beethovens und Schuberts in klingende Wirklichkeit zu verwandeln vermögen. Der schlechte Dirigent dagegen gibt nicht die Werke schlechthin. im Gegenteil, er gibt weniger. Ihr geistiges Wesen ist an Boll- kommenhett der Interpretation gebunden: sie verbergen sich hinter den Tönen, sie kommen sozusagen gar nicht zum Entstehen. Splchen Aufführungen wäre besser, sie wären nie geboren worden. Das etwa ist zu sagen, wenn F. M. Gatz im Rahmen der Konzerte der Bruckner-Vereinigung Mahlers.Lied von der Erde" dirigiert. Er vermocht« der komplizierten Partttur in keiner Weise beizukommen und oersagte beim letzten Satz derart, daß es ihm(wenn er Ohren hat zu hören) verleidet sein müßte, den Taktstock jemals wieder in die Hand zu nehmen. Marcell Wittrisch, der den Tenor sang. büßte die Sünden des Dirigenten: Ida Harth zur Rieden war— als Säule im brandenden Chaos— geradezu bewunderungswürdig. Schließlich ist noch von einem Abend mit den Philharmonikern unter Leo Blech zu berichten, der den Zweck hatte, mit der Pianistin Rita Romani bekanntzumachen. Sie hat ein großes technisches Können und ist sicherlich begabt, vermochte aber weder Mozart, noch Tschaikowskys L-Moll-Konzert überzeugend zu gestalten. A. W. „Stürme der Leidenschast." Llfa-palast am Zoo. Der kriminalistische Film ist wieder in Mode. Nach Heinrich George, der im Döblin-Film„Berlin— Alexanderplatz" uns unter- welllich präsentiert wurde, ist setzt Emil Iannings an der Reche, einen König der llnterwell vorzustellen. Di« bewährte Firma Robert Liebmann und Hans Müller haben unter Benutzung eines ihrer stummen Filme ein Manuskript geliefert, das alle bewährten Situationen und alle darstellerischen Möglichleiten für Iannings ausnützt. Wir kennen ja seine Qualitäten auf diesem Gebiete zur Genüge, seine muntere, humorvolle Art, auch den Ver- breche? uns menschlich näherzubringen, seine Schwäche gegenüber dem verführerischen Luderchen, seine Gutmüttgkeit, aber auch seine Forsche und Krastnatur und sein Berserkertum, wenn die Leidenschaft in ihm ausbricht Gustav Bumke heißt sein neuester Berliner Typ. Seine Spezialität sind raffinierte Einbrüche, insbesondere in Bank- tresors. Sonst ist er ein prächtiger Kerl, der sich auch im Zuchthaus vorzüglich aufführt. Er steht mll allen Leuten auf gutem Fuß, auch mll den Kriminalkommissaren, und man versteht eigentlich nicht, wieso er Verbrecher geworden ist. Seine Flamme, die Russenanja, eins dieser weichen sinnlichen Geschöpfe, auf die solche Krastnaturen(im Film) zu fliegen pflegen, hintergeht ihn mll einem hübschen Photo- graphen. Gustav, der eben sein großes Ding„gedreht" Hot, indem er einen Bankeinbruch mll Sprengungen vollführte und die herbei- eilende Polizei an der Nase rumführte, kommt ihm auf die Sprünge. Auf einem großen Ballfest der Ringvereine in Treptow mit Feuer- werk verfolgt er den Nebenbuhler bis auf die Höhe des Aussichts- turmes und wirst chn mitten unter den Wundern des großen Feuer- rades hinunter in den See. In der dramatischen Auseinandersetzung mit Anja unterliegt er aufs neue ihren Reizen, verbirgt sich dann aber vor der Polizei und wird von der Anja oerpfiffen. Er läßt sich ohne Widerstand abermal» nach Moabit abführen, nachdem er zuvor dem neuen Opfer Anjas, einem von ihm früher protegierten Für- sorgezögling, einen gehörigen Denkzettel versetzt hat. An der Anja vergreift er sich nicht in dem richtigen Gefühl, daß sie seiner nicht wert ist Robert Siodmak. der schon erprobte Iuniorvegisseur, weiß Milieu und Darsteller gut auszunutzen und interessante Schlaglichter aufzusetzen. Im ganzen folgt er in der Steigerung der Spannungen und der ganzen Anklage des Reißers bewährten Mustern. Emil Iannings ist so frisch und elastisch wie je. ohne daß er neu« Züge zeigen kann. Aber er hat es ja mich nicht nötig. Das verführerisch« Laster in slawischer Tönung gibt Anna S t« n. Man hat sie fabel- hast her- und abgerichtet, sie singt sogar ein Lied im Stile der Marlene Dietrich. Wo sie Naturhaftes zeigt, ist sie echt wie früher in ihren Rassenjilmen. Trude H e st e r b e r g als Tingeltangeleuse. Franz Nlcklisch als sturer Fürsorgezögling. Otto W e r n i ck e als Kriminalkommissar nnd die Ganoven Deffa, Rennann-Falkenstsia ergeben ein gutes Ensemble. D. „Fräulein- falsch verbunden." Atrium. Keinem Menschen wird es einfallen, nach diesem Film Rück- schlüsse auf die Zustände in einem Telegraphenamt zu ziehen. Liegt doch das Manuskript gewollt jenseits der Grenze ernsthafter Betrachtungen. Es soll nur zum Schluß den Herrn Direktor und das Fräulein vom Amt als liebend Paar vereinen. E. W. Emo hat diese Tonlilmoperette nicht auf große Aus- stattung angelegt, im Gegenteil, ihm stehen nur recht bescheidene Mittel zu Verfügung. Aber bei«wer harmlosen, puhllkumswirtswnen Operettenregie gestallet er seine Arbeit sehr ansprechend unter Be- Nutzung de» allbekannten Rahmens. Di« stete Wiederholung von Otto Stransky leicht sangbarem Schlager ergibt zugleich eine nette Parodie auf die Kammersängerherrllchkett und die heutige Schlagermanie. In den Darstellern erstanden dem Regisseur und dem Kompo- nisten vorzügliche Helfer. Johannes R i e m a n n ist als Direktor «in direkt überraschend eleganter Liebhaber, und die kleine Magda Schneider führt sich bemerkenswert gut ein. Jos« Wedorn ist reizend verdattert als der immer in peinliche Situationen ge- ratende Herr Kammersänger und Jakob Tiedtke ist ein ganz famoser Kantinenwirt Sehr zu Recht holt« sich einen Extraapplaus Trude Berliner als frech-unschullnges Mädchen. Im Vorprogramm erfreute man sich an wunderschönen Auf- nahmen aus dem„Winter pars dies des Jägers". Man steht dos Wild auf selbst getretenen Pfaden in Massen auf Futter- suche zu Tal ziehen und Gemsen in schroffen Höhen sich tummeln. Rur ein Glück, daß trotz des Titels, der Mensch keine Todesqual in diese hehre Einsamkell trägt. Im amüsanten Kurzfilm„Fasse Dich kurz" war K.yrt Lilien jp recht in seinem Fahrwasser: denn er durfte sich mal nach Herzenslust ausquasseln. e. b. Ein mathematischer Denker. Der berühntte Göttinger Mathematiker David Hilbert be- geht heute seinen siebzigsten Geburtstag. Hilberts Hauptverdienst liegt in seinen Untersuchungen über die Grundlagen der Mache- matik. Das mathematische Wissen, das seit dem Altertum ununter- brachen gewachsen ist, zeichnet sich durch seine große Sicherhett aus: es wurde ein ständig seiner ausgebildetes, unenchehrliches Jnftru- ment für den Naturforscher. Das stolze Gebäude der Mathematik beruht auf der Geltung der„Axiome", einleuchtender Sätze, die selbst keines Beweises mehr bedürfen, aus denen man aber die gesamte Machematik ableiten kann. Schon der alle Euklid hat die für die Geometrie notwendigen Axiome zusammengestellt. Aber nicht alle Axiome Euklids erschienen den Forschern hinreichend selbst- verständlich. Man versuchte besonders das sogenannte„Parallelen- axiom" zu beweisen, also aus anderen Sätzen abzuleiten. Diese Bemühungen führten im 19. Jahrhundert zu einem überraschenden Ergebnis: das erwähnte Axwm ist nicht beweisbar, es ist em will- kürlicher, kein notwendiger Satz, man kann es aber durch andere Annahmen ersetzen. Gauß, Bolyai, Lobaschewski und Riemann ent- wickelten aus Grund dieser Einsicht die sogenannten„n i ch t e u k l i- dischen Geometrien". Damit war die Frage der Axiome zu einem Hauptproblem der Mathematik geworden. Sind vielleicht alle Axiome willkürlich? Ist ein anderes Ariomensystem möglich? Es gelang Hilbert in seinem scharfsinnigen Buch«„Grundlagen der Geometrie" das Geheimnis der geometrischen Axiome zu enthüllen. Die hierbei an- gewandt«„axiomatische Methode" erwies sich fruchtbar für den Ausbau der Zahlenlehre und damll der gesamten Methematik. Der Zusammenhang zwischen Mathematik und Logik wird durch diese Forschungen Hilberts aufgedeckt Die axiomatische Methode ist mit Erfolg auch auf die Physik angewandt worden: gerade bei der Be- Handlung der neuesten Theorien auf diesem Gebiete hat sich die Hilbertsche Betrachtungsweise sehr bewährt Durch die Einsicht«» des großen Mathematikers werden also die tiefsten Fragen der Philosophie ebenso gefördert wie die Interessen der exakten Natur- Wissenschaften. Göttingen hat den Ruf als„mathematischer Nabel der Welt", den es seit Gauß. Riemann und Felix Klein besessen hat. durch David Hilbert, der seit 1898 dort wirkt neu befestigt und erweitert vr. 5. IV. Karl Hei«, Marti« hat mit den Probenle göttliche Jette Städt. Oper Charlottenburg Sismarcksttaße 34 Sonnabend, 23. Jan. Turnus II Anfang 19.30 Uhi Hrglaufführunt: Premiere Friedemann Bacli Ende nach 22 Uhr I Tagiicl S u. BW iilir I Sljt 2. S. 815 mir | Die Toni aus Wien Rose- Theater irolle rrmifertet SlrjS, 13 . Ui.'lileiifcui i i 3477 6 und 9 Uhr eine Frau von Formal Volksbühne Ilieater an BOInwalatz 8 Uhr oemnsene mit Albert Sassennann StaatL Sdiillat-nisalir 8 Uhr Die ddtttldte Jette — Kleines rn.— Truppe 1931. Tägl. 8l/< Uhr DIo fflausefalle Preise 75 Pf.— 5 M. Sonnt, nachm. 4 U. halbe Preise. Theater am Nollendorfplata Regie: Reim Saitenkarg Pallas 705) Täglich SV« Uhr Stgs. auch<>/« Uhr Gasparone Ruriarsteiidamm- Thealer l 1 448- 8". Uhi loIrleit-ProdakUW) NaDa�onn? von Brecht u Weill Hesterberg, Weira lenja Sonntag, den 24. Januar mittags 1 2't Uhr ««WWW tögnugungf Restaumut Berlins Berliner IVlkTriO N•■ k 6 1 1■. w LAhneo. 74/7&J »v.uhr CASINO-TBEAlEKsw Lothringer Strafte 97. Miniiimtmiiinmiiiiiiiiiiiiiuiiiiiimiimutniiiiiiuiiraiiniuuai Nur noch bis 29 Januar Was man ans Liehe tot und die Operette„Dar ScheUuogs-Saaper" Sonnabend, den 30. Januar zum l.Malc Etien won heute üutscheln 1-4 Personen: Parkett so Pt, fauteuil l.— Mark. Sessel U50 Mark. (Beilage Sonnabende 23. Januar 1932 $mJauiga£e Ja Ibrvarü J)ie Seöcfticfite dar Wecfta ��S�SßßSCt�Ct/'Von%Qxhaxi Henmann IWlo&tar In den letzten ffireben sickerte die Nackrilbt von einer di-- lier gedcimgehaltcnen kriegerischen Uiiternehmung in der Lst- see durch... Im Hafen von Memel liegt ein Kricgsschisf vor Anker! Das Kriegsschiff liegt da seit Iatzr und Tag. Wem gebärt es zu? Zllfo, da es in, Hafen von Memel liegt, dürfte es wohl den Mcmelern gehören? Mit nichtcn. Zwar find die guten Memelcr momentan laut Friedensvertrag autonom, aber ein Kriegsschiff haben sie sich trotz- dem nicht geleistet. Sondern das Kriegsschiff gehört einem Ostseestaat, der nicht nur momentan autonom ist, sondern der es, dito laut Friedens- vertrag, auf ewig bleiben soll. Bezeichnen wir den Staat lediglich mit seinem Anfangsbuchstaben: L. Das Kricgsfchisf ist benannt nach dem Präsidenten von L.:„Präsident S." Wieso liegt das dem Staate L. gehörige Schiff„Präsident S." im Hafen eines anderen Staates?... Und zwar nicht nur vorüber- gehend, sondern, wie gesagt, seit Jahr und Tag? Sehr einfach: weil der Staat L. nämlich— keinen eigenen Hafen besitzt... Er besitzt auch keine weiteren Kriegsschiffe, aber damit man merkt, daß der„Präsident S." die Flotte von L. zu vertreten hat, führt der Kapitän den Titel„Admiral". Der Admiral würde natürlich gern auch inal aus dem Hafen herausfahren, in den Finnischen Meerbusen etwa oder gar in die Ostsee oder ganz und gar in den Atlantischen Ozean— aber das geht nicht so mir nichts dir nichts, denn mit der Seetüchtigkeit des „Präsident S." ist es so eine Sache. Nämlich das Schiff ist schon ein betagter Herr; es mar während des Krieges ein deutsches Minen- luchboot und schon damals nicht mehr ganz neu; und weil ein immerhin nicht ganz ausgeschlossenes Absacken des Kahns für den Staat L. mit dem Verlust der gesamten Flotte identisch wäre— darun also bleibt man lieber im Hafen. Admiral und Offiziere müssen sich zähneknirschend aufs Spinnen von Seemannsgarn und allenfalls noch auf den Konsum wohlschmeckender Schnäpse beschränken. Wie man sieht: eine kleine Idylle. Und wenn die Welt keine großen Sorgen hätte... Aber die Welt hat große Sorgen, und der Staat L. hat seinen ihm zukommenden Teil davon. Da sind zum Beispiel die Alkohol- schiuuggler, die zwischen Finnland, Schweden und L. ihr einträgliches Geschäft betreiben. Und eines Tages greift die brutale Wirk- lichkeit ein in Gestalt eines Funkspruchs an den„Präsident S."; es sei im Finnischen Meerbusen ein Schmugglerschisf gesichtet worden, lind der„Präfideni S." habe sofort auszufahren und das Schmugglerschisf zur Strecke zu bringen, wenn es nötig sei, mit Waffengewalt. Die Waffengewalt, in Gestalt zweier ältlicher Kruppkanoncn, wird schleunigst instand gesetzt, wenn auch einige Probeschüsse im Hafen von Memel leider nicht reckst am Platze sind. Kommandos schallen von der Brücke durchs Sprachrohr, di« Maschinen funk- tionieren zur Verblüffung der den Strand bevölkernden Memelcr tatsächlich, und schlingernd und stampfend und qualmend und stin« kend»ich mit der Kriegsflagge am Mast verläßt der„Präsident S." den Hasen. Wie es so geht: ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn und ein altes deutsches Minensuchboot stößt im Finnischen Meer- busen auf ein modernes Schmugglerschisf. Das Schmugglerschiff verläßt sich auf seine besseren Maschinen und sucht davonzudampfen. Ein Wettlauf ist für den guten alten„Präsident 3." von vornherein aussichtslos. Also ertönt das Kommando:„Klar zum Gefecht!" Man versucht auch zu schießen— und, o neues Wunder, die braven alten Kruppkanonen gehen talsächlich los, und die Schmuggler drehen total verdattert bei... Das feindliche Schiff wird geentert, die Schmuggler werden gefesselt und in weiser Umsicht in einem der unteren Räume des Schiffes oerstaut. Alsdann geht ein Funkspruch in die Houptstad! von L.:„Prise genommen. Prise wird mit eigener Maschinenkraft unter Führung des Admirals in den Hafen gebracht werden." Die Zeitungen von L. bringen die Nachricht mit riesiger Uebcrschrift. Der„Präsident S." also dampft unter Führung des ersten Offiziers stolz von dannen, und die Prise soll ihm folgen. Aller- dinas dauert es eine Weile, bis man sich in den modernen Maschinen auskeimt, und der„Präsident S." kommt außer Sicht. Wacht ober nichts! Es gilt jetzt für die Admiralität zunächst, einen Ueberblick über die gemachte Beute zu gewinnen. Das ganze Schiff wird durchsucht— und richtig finden sich einige tausend Liter Flüssigkeit, dem Ausseihen wie dem Geruch nach ziemlich kon- gentrierter Alkohol. Indes es erheben sich Stimmen, die der Ansicht sind, daß Geruch und Aussehen einer Flüssigkeit zur zweifelsfreien Feststellung ihrer alkoholischen Natur keineswegs ausreichend seien. Es müsse, als dritte Prüsungsmöglichkeit, unbedingt auch der Geschmack mit zu Rate gezogen werden. Da es nicht angebracht erscheint, llntergebene mit einer so schwierigen und verantwortungsvollen Arbeit zu betrauen, unter- zieht sich der Admiral persönlich der gebieterisch gebotenen Pflicht. Er kostet. Nun, Gift scheint es nicht zu sein, schädliche Folgen für die Gesundheit sind, wenigstens unmittelbar, nicht zu bemerken— immerhin möchte man gern gedeckt und vor Irrtümern gefeit sein, und so wird auch dos anwesende Offizierkorps um Prüfung und Zustimmung gebeten. Das Offizierkorps, in treuer Pflichterfüllung geschult und aufgewachsen, versagt sich nicht. So weit wäre alles gut. Indes bildet es einen erschwerenden Ilmstand, daß die vorlhandeneck Flüssigkeiten nicht alle von einer Art sind. Es erscheint doch wohl unerläßlich, alle Arten wenigstens flüchtig zu überprüfen. Das geschieht. Di« Maschinen sind noch immer nicht in Gang. Doch fällt das nunmohr nicht mehr so auf. Der Maschinist macht eine Arbeits- pause und wird, als kenntnisreicher Mann aus dem Volke, ersucht, auch seinerseits ein Urteil über die Beschaffenheit der diversen Flüssigkeiten abzugeben. Hilfreich, wie Maschinisten sind, folgt er dem Kommando, prüft gewissenhaft und gründlich, begibt sich>» eine Koje und schläft, kein Wunder nach der ungewohnten An- strengung als chemischer Sachverständiger, langsam, ober tief ein. Die Nacht kommt. Es ist eine windstille eine mondhelle, eine sanfte Nacht. Man muß wirklich sagen, daß das Rattern der Motoren diesen schönen Naturfrieden eher zerstört als gefördert lstitte. Und wie selten und wie erfreulich ist es doch, in rauhen Kriegerseelen und unter zottigen Seebärenfellen zarte Gemüter zu finden, die für Mondnachtstimmungen im Finnischen Meerbusen empfänglich sind! Und um so erfreulicher noch, daß bei so viel lyrischer Beanlagung die Pflichten der gründlichen Flüssigkeits- Prüfung weiterhin nicht im mindesten vernachlässigt wurden... Doch die West ist tückisch, oder wie sagt doch Wilhelm Busch? „Kaum hat mal einer ein bißchen was, schon gibt es welche, die ärgert das." Da sind in diesem besonderen Falle zum Beispiel die im unteren Schiffsraum eingeschlossenen Schmuggler. Schmuggler bllden einen Berufsstand, der allerhand gelernt haben muß, aber bedenklich dazu neigt, das erworbene Wissen nicht immer im Sinne bürgerlicher Konvention auszuüben. Wenn etwa unter einer ein- reschlossenen Schmugglergesellschaft sich zufällig ein gelernter Schlosser befindet, so wird er bei seiner nun einmal vorhandenen Beanlagung dazu neigen, dos Schloß, das ihn von der Freiheit trennt, ohne weitere Hemmungen aufzubrechen. Es muß leider gesagt werden, daß dies auch hier geschah... und daß die Herren vom„Präsident S." aus tiefem Schlaf in einem ganz oirdern Räume erwachten als in dem. der ihr Einschlafen geschen hatte. Dieser Raum lag im unteren Schiff, halle leider keine Fenster und konnte somit auch keinen Ausblick gewähren auf den geheimen finnischen Hafen, in welchem in aller Gemütsruhe die feuchte Ladung oder das, was von ihr übrig geblieben war, gelöscht wurde, lind überdies war der Schlaf auch so anhaltend, daß es den Herren, als sie endlich ausgeschifft wurden, auch nicht möglich war, den Hafen zu erkennen, in welchem sie sich befanden: nur einige wolllen erkennen, daß es jedenfalls nicht Memel fei. Das Schmugglerschisf dampfte ab, der Admiral und feine Offi- ziere standen oder lagen auf der Mole des mninösen Frechafens-- bis endlich ein distinguierter Herr auf die schwankenden Gestalten zueilte: „Gestatten Sie, mein Name ist T., Konsul des Freistaates L. für den Freistaat D a n z i g Mir wird soeben mllgeteill, daß ich den Herrn Sldmiral P. nebst mehreren Herren vom„Präsident S." hier in Empfang nehmen und für ihren Abtransport sorgen solle— ja, ich will doch nicht etwa hoffen, daß Sie das sind, meine Herren?..." Was den„Präsident S." anbetrifft, so liegt er seit einiger Zeit wieder friedlich im Hafen von Memel. Allerdings unter einem anderen Admiral... Wir hinter den Sdkaitexn (Xniniext an eine*3hauf die etfCetfaCoi wuxde Die Ausführungen der Artikelfchreiberin in Nr. 30 des„Abend" vom 19. Januar 1932 können nicht unwidersprochen bleiben. Es sei zunächst einmal auf die allen Arbeitsamtsangcstellten bekannte Tat- sache hingewiesen, daß es sich hier um den Notschrei eines Menschen handelt, der noch nicht arbeitslos gewesen ist und der sich dagegen aufbäumt, daß er in das große Heer der Reservearmee hineingestoßen wurde. Gerade bei kaufmännischen Angcstelsten— hier handelt es sich um eine solche— erleben wir immer wieder, daß sie sich im Anfang außerordenllich schwer mit der Tatsache, arbeitslos sein zu müssen, abfinden und daß sie deshalb besonders reizbar sind, wenn sie Angelegenheiten erledigen müssen, die mit ihrer Arbells- losigkell in direktem Zusammenhange stehen, während Hcucharbeiter infolge der besonderen Struktur ihres Arbellsmarktes des öfteren die Stellung verlieren, kürzere oder längere Zellen der Arbeitslosigkeit durchmachen und dadurch mit solchen Zuständen vertrauter sind. Nur so ist das Verhallen der Einsenderin des Artikels zu verstehen. Wir st du arbeitslos, dann... Ein großer Teil dieser erstmalig Arbellslosen muß Lehrgeld zahlen, well er den Gang der Dinge bei der Arbcitslosmeldung nicht kemll. Grundsätzlich ist in jedem Falle zuerst die Arbeitslos- Meldung zu vollziehen. Sie erfolgt in Groß-Bcrlln für Fach- kräfte, wie die Einsenderin eine ist, bei den F a ch a r b e i t s n a ch- weisen, für ungelernte Kräfte bei den Bezirksnachweisen des jeweiligen Wohnorts. Hier wird dem Arbeitslosen neben der Kon- trollkarte— der sogenannten Stempelkarte— und dem Merkblatt, das die erforderliche Belehrung für fein Verhalten bei ein- getretener Arbeitslosigkeit enthäll, auch der Vordruck für die Stellung des Antrags auf Unterstützung zur Ausfüllung und Borlage bei der Versicherungsabtellung des Arbellsamts ausgehändigt. Die Auskunft des Nachbarn, der fast immer arbeitslos ist, be- weist, daß auch er das Merkblatt trotz seiner langen Arbeitslosigkeit bis heute noch nicht gelesen hat, wie wir das leider so oft feststellen, so daß die Arbellslosen unabgefcrtigt fortgeschickt werden müssen, weil sie die im Merkblatt gegebene Belehrung nicht beachtet haben und die notwendigen Papiere nicht vor- legen können. Daß die Schutzpolizisten das zuständige Arbeitsamt nicht kennen, ist fast unmöglich zu glauben: denn auf den Polizeirevieren werden ja an Zjand der vorgelegten Kontrollkart« des Arbeitsnach- weises zur Vorlage beim Arbeitsamt die polizeilichen Meldebeschei- nigungcn ausgeschrieben. Tatsächlich ist die Antragstellerin ja auch an das Arbeitsamt verwiesen worden. Dort wurde ihr sofort der zu- ständige Arbeitsnachweis genannt. Daß sie dabei infolge des starken Andranges längere Zeit warten muß, ist nur natürlich. Dazu kommt, daß ein Teil der Arbeitslosen sich das Merkblatt nicht an- gesehen hat und mit unvollständigen Papieren erscheint, was wiederum bei Abweisung des Arbeitslosen zu Auseinandersetzungen mit dem Arbeitsamtspcrsonal führt, weil die Betreffenden zum Teil nicht einsehen wollen, daßeineAbfertigungnurbeiVor- läge aller notwendigen Unterlagen erfolgen kann. Im übrigen ist der starke Andrang Anfang Januar dadurch zu erklären, daß gerade die mit Monats- bzw. Vierteljahrskllndigung entlassenen kaufmännischen Angestellten die Arbeitsämter besonders belastet haben, eine Tatsache, die immer wieder festgestellt wird. Zweifellos war die Auskunft der Angestellten in der Abferti- gungsstelle D... stroße nicht richtig, wnach die Formulare für die Antragstellung dort ausgegeben werden. Ein wichtiges Paket. Wenn die Einsenderin etwas ironisch erklärt, für ihren Eifer und für ihre Geduld dadurch reichlich belohnt worden zu sein, daß man ihr ein Paket Fragebogen in die Hand gedrückt hat, so sei ihr gesagt, daß diese Bogen von außerordentlicher Wichtigkeit für die ErlangungeinerneuenPosition sind. Der Arbeitsnachweis nuiß genau wissen, wie es um die Kennt- niss« und Fähigkellen des Arbeitslosen bestellt ist: denn nur so ist er imstande, bei Anfordenmgen der Arbeitgeber die erforderlichen Kräfte sorgfältig auszusuchen und zu vermilleln, ohne daß er Gefahr läuft, den Arbellgeber als Kunden zu verlieren. Gerade in der jetzigen schweren Krisenzeit verlangen die Arbeitgeber oft Unnwg- liches, so daß die Vermittlung außerordentlich schwierig ist. Daß die Fragebogen nicht sofort an Ort und Stelle ausgefüllt werden können, ist durchaus verständlich: denn bei dem starken An- drang ist gar nicht der Raum vorhanden, diese Arbeit im Arbeits- Nachweis vorzunehmen. Die Arbellslosen müssen vielmehr bei dem im Nachweis herrschenden Betrieb nach Abfertigung sofort den nach- kommenden Arbeitslosen Platz machen. Im übrigen werden viele Arbeitslose die Fragebogen schon deswegen nicht ausfüllen können, weil sie die zur Beantwortung der Fragen erforderlichen linterlagen (Dauer eines bestiminten Schulbesuchs usw.) gar nicht bei sich haben. Man möge bedenken.. Was nun die Vorgänge während der Aillrogstellung aus Unterstützung in der Abfertigungsstelle D...straße anbetrifft, so ist zu- nächst zu bemerken, daß die von der Einscnderm im Artikel ange- führten Aeußerungen des Angestellten nicht zu billigen sind, wie auch die Acußerung eines Arbeitslosen gegenüber dem Personal be- züglich des russischen Postamts, dessen Beamte zu langsam arbeiten. auf einen Arbellsanitsbetrieb überhaupt nicht zutreffen. Man muß sich vielmehr darüber klar sein, daß die Ange st eilten der Arbeitsämter unter den denkbar schwierig st en Umständen ihre Pflicht tun und daß sie körperlich und seelisch unter diesen Verhältnissen außer- ordentlich leiden. Völlig unzulängliche Räume, Verringerung des Personals in einer geradezu untragbaren Weise, so daß von einer ordnungs- mäßigen Vcrwaltungsarbeit gar nicht gesprochen werden kann, weil die Arbeiten nur in einem 5) e tz t e in p o oerrichtet werden, wodurch naturgemäß Fehler entstehen müssen und die Gesundheit untergraben wird— die Sterbe- und Krankheitsziffern sprechen für sich—, die nerocnausreibcnden Auseinandersetzungen mit Ar- bellslosen über alle möglichen Fragen bei der durch viele Gesetzes- änderungen immer unübersickillicher gewordenen Materie, das sind nur einige der Punkte, die zum besseren Verständnis der Lage der Arbeitsamtsangestellten erwähnt werden. Wenn die Einsenderin zu Beginn des letzten Abschnitts ihres Artikels erklärt, niemanden anschwärzen zu wollen, so ist ihre Kritik doch über das Ziel hinausgegangen. Sie gibt mehrfach zu, wie furchtbar ungesund der Aufenthalt, in der ver- brauchten Luft ist, wobei sie berücksichtigen soll, daß die Angestellten sich in solchen Räumen nicht nur we- nige Stunden aufhalten, sondern den ganzen Tag a n g e st r e n g t arbeiten müssen. Darum ist die Bemerkung „gemächlich wurden einzelne abgefertigt" aus keinen Fall richtig. Die Angestellten sind bis auf ganz geringe Ausnahmen selbst lange Zell— zum Teil jahrelang— arbeitslos gewesen und kennen daher die seelische Not des Menschen vor dem Schalter, die sie auch durch ständiges Zusammenarbeiten mit solchen Menschen nicht vergessen können. Im übrigen scheint die Einsenderin doch wohl zu übertreiben. wenn sie behauptet, daß sich in einem Raum von etwa 3 Meter im Quadrat, von dem zwei Drittel als Dienstraum Verwendung finden, noch etwa 100 Arbeitslose aushalten können. Die Zahl muß doch zu hoch gegriffen sein. Ein guter Rat zum Schluß. Zum Schluß möchte ich der Einsenderin folgendes sagen: Die von ihr erwähnten Schwierigkeiten hätte sie nach meinem Dafür- halten erheblich verringern können, wenn sie gewertschaft- lich organisiert gewesen wäre. Die Organisation ist die Beraterin ihres Mitglieds. Sie hilft ihm die Schwierigkeiten zu überwinden. Es wäre der Einsenderin dabei auch gesagt worden, daß sie die Eintragung beim Arbeitsnachweis und die Ausfüllung der Fragebogen sogar schon während der Kündigungszeit hätte vornehmen können, so daß sich bei der Entlassung lediglich noch die Aillrogstellung bei der linterstützungsstelle notwendig ge> macht hätte. Vor allem hätte ihr aber die Organisation gesagt, wo sie sich arbellslos zu melden hat. Die Angestellten der Arbellsäinter verlangen weder Dank noch Anerkennung für ihre Arbeit. Sie tun ihre Pflicht. Ich habe mit meinen Ausführungen lediglich um Verständnis für die schwie- rige Lage, unter der wir unsere Arbeiten verrichten müssen, werben »pirfn- Otto Noelte, Angestelltenrat im Arbeitsamt B atlm-Südost. Sport an .0 Zahre Arbeilerschwimmverein Freiheit. Das Jubiläums- �cvimmfest des im Norden Berlins gut bekannten Vereins, das morgen um lS Uhr im Stadtbad Oderbergerstraße stattfindet, ver- spricht in jeder Hinsicht Ausgezeichnetes. Fast alle Berliner Schwimm- vereine haben ihre Meldungen abgegeben, die interessantesten Weit- kämpfe sind bei den Staffeln zu erwarten. Bei den Männern sind es die 10x48 Meter Kraul- und die 4x96 Meter Lagenstaffel, bei den Frauen die gemischte Bruststasfel über 6X48 Meter, die spart- lich spannende Momente bringen werden. In den Männerstaffeln wird voraussichtlich Hellas dominieren, dagegen erwarten wir in der Frauenstafeite die knappe Entscheidung zwischen Berlin 12 und Hellas. Starke Felder werden die Emzelkonkurrenzen aufweisen, bei denen den Kindern und Jugendlichen in verständiger Weil« ein großer Platz eingeräumt ist. Im Springen sei Altmeister Nachtigall- Hellas genannt, der sich gegen einen guten Nachwuchs behaupten soll Pushball der Frauen. Wasserball der Männer und der Jugend, Frauenreigen, Rettungsoorführungen und ein großer Lampionreigen lasten das Programm zu einem der abwechslungsreichsten werden, das in der letzten Zeit gezeigt worden ist. Die Eintrittspreise be- tragen 50 bzw. 30 Pf. für Erwerbslose. Arbeller-Wasserball-vorschau. Auch in dieser Woche kommt nur ein Serienspiel der.�-Klasse zum Austrag. Berlin 12 und Spandau find heute, Sonnabend, 21 Uhr, im Lunabad die Gegner und werden sich voraussichtlich einen ziemlich offenen Kampf liefern. Saalradsport im Bezirk Friedrichshoin. Am Sonntag, 17 Uhr, veranstaltet der Bezirk Friedrichhain des Arbeiterrad- und Kraftfahr- bundes Solidarität in den Androasfeftsälen, Andreasstr. 2l, aus Anlaß seines 28jährigen Bestehens ein Saalfest, verbunden mit der Einweihung der neuangeschasften Saalräder. Die Weihereoe hält Bürgermeister Melitz. Im Festprogramm ist Reigen- und Kunst- fahren der jungen Saalmannschaft vorgesehen; der Olympiameister von 1931 im Kunstradfahren wird sich ebenfalls produzieren. Nach den sportlichen Darb ietungen folgt Tanz. Eintritt 75 Pf., Erwerbslose und Jugendliche 30 Pf. Wer fährt mit den Naturfreunden. Die nächste Wanderung, die die Führersektion des Touristenvereins„Die Naturfreunde" ver- anstallet, findet morgen, Sonntag, statt. Die Wanderung führt von Friedrichshagen durch das Krunmrendamm-Bruch und über Dohlewitz nach Mahlsdarf. Treffpunkt 9 Uhr Bahnhof Friedrichs- Hagen. Fahrgeld 45 bis 60 Pf. Gäste herzlich willkommen. Die Freie Sportvereinigung Tegel veranstaltet Sonnabend im Lokal von Müller in Reinicfendorf-West, Berliner Ecke Scharnweber- straße, eine Werbeveranstaltung für die Schwer- athletiksparte des Vereins. In einem Mannschaftstampf stehen sich die besten Ringer des Sportvereins Rosenthal und die zwelle Kampfstaffel des Tegeler. Vereins gegenüber. Di« Jiu-Jitsu- Sportler der Vereine Tegel, Einigtest und Lichtenberg-Friedrichs- selde tragen danach Freundschaftskämpfe in der Kunst der Selbst- Die Polizeiboxer Der Sieg der Deutschen über die englischen und französischen Kollegen Sellen hat der Sportpalast«in so überfülltes Haus wie gestern abqnd gesehen, als die Polizeiboxer der französischen, eng- 1 i s ch e n und der deutschen Hauptstadt die Handschuhe mstein- ander kreuzten. Unter der Regie des Polizoisportoereins Berlin gastallste sich der Abend zu einem sellenen Erfolg. Ein« vernünftige Preispolitik zeigt wieder einmal, wie es ge- macht worden muß, um die große Sportarena in der Potsdamer Straße bis auf den letzten Platz zu füllen. Der Andrang der spurt- lustigen und sporthungrigen Masten stt aber auch gleichzeitig ein Beweis dafür, welche Beliebtheit und welche Sympathien die Polizei- boxer bei der Berliner Bevölkerung in steigendem Maße genieß'.u Die Vertreter der deutschen Farben schniston überraschend gut ab, sie gewannen sänitliche Kämpf«. Von den Rängen grüßten die Trikolore, die englischen sowie die preußischen und deutschen Reichssarben. Nach der Vorstellung der Mannschaften im Ring wurden die Nationalhymnen intoniert; dann war die Kampfarena für die erste Begegnung frei. Schwarz- Astoria(Guben) siegte im Leichtgewicht nach einer guten letzten Runde über M e s e b e r g- Magdeburg. Der zweste Turnierkampf in derselben Gewichtsklasse wurde von Donner- Berlin gegen Lavassiere-Paris überzeugend gewonnen. Jip Mittelgewicht?» turnier siegte Gorneman n-Berlin über B r o s s i e r- Paris und Bernlöhr- Stuttgart über den Londoner Marlow einwand- frei nach Punkten. Altmeister G a i k o w s k i- Berlin boxte mit großer Verbissen» hell und gab dem Engländer Barnes nie eine Chance. Barnes machte zweimal mst dem Boden Bekanntschaft, wider Erwarten «nhete das Treffen aber„nur" mst einem hohen Punktsiege Gai» kowskis. Auch im Zwesten Halbschwergewichtskampf gab der deutsch« Polizeimeister S e n f t- Berlin die Führung nicht aus der Hand. Oguinarenn e-Paris mußte sich nach Punkten geschlagen be- kennen. Der nachfolgende Weltergewichtskamps sah Camp«-Berlin über T u r q u e t-Paris in Front. Zum Schluß taute der Franzose etwas auf, er konnte Cainpes Sieg aber nicht mehr verhindern. Das einzige, stark verstimmende Urteil wurde im Schwergewichts- kämpf zwischen G e r m a i n-Paris und Michaeli s-Berlin gefällt. Das Punktgewicht mußte nach den Bestimmungen einen Sieger ahnnen; trog unoerkennbarer Vorteile des Pariser Gastes stimmte es iur Michaelis. Da alle ausländischen Vertreter durch ihre Niederlagen in den Vorkämpfen ausgeschieden waren, lzatten sich für die Endkämpfe nur nationale Boxer qualifiziert. Donner siegte trotz Publikums- Proteste einwandfrei über Schwarz, Bernlöhr schlug Gorne.nann und last not least kam G a i k o w s k i zum Punktsieg über Senst. Den Abschluß des Abends bildete der mit Spannung erwartete Kampf zwischen dem englischen Koloß T i t m u s und dem„deutschen Canera" Raine f. Viel Technik zeigten beide nicht, ober die Schläge fielen hageldicht. Keiner der beiden Riesen wankte, wenn sie auch kaum noch die Arme hoch bekamen. Titmus, der ewig Lächelnd«, mußte unheimlich viel einstecken, sein Berliner Gegner war aber bald selbst zu erschöpft, um noch eine Entscheidung herbei- führen zu können. Unentschieden lautete das salonwnische Urteil. i Sonntag Verteidigung aus. Die Arbesterartisten zeigen ebenfalls ihre Kunst. Und bei Tanz und Konzert wird dann das dreijährige Bestehen der Tegeler Athletikabteilung gefeiert. Beginn 20 Uhr. Eintrill 50 Pf. Erwerbslose 25 Pf. Der Deutsche Arbeiter-Seglcr-Bund(Enu Berlin-Brandenburg) hat für Sonntag, den 24. Januar, seine Vereine zum vorletzten(drillen) Tressen im Ausscheidungskegeln um die Bezirks- riege zusammengerufen. Der über 100 Kugeln in die Bollen gchende Kampf findet diesmal im Keglerheim„Schultheiß"(Jnh. Pieper), Berlin N., Chausteesllaße 64, Ecke Liesenstraße, stall und bildet den Abschluß für die Gruppierung der Vereine, während die nach dem Gesamtergebnis der drei Treffen 30 besten Kegler nochmals zu einem 200-Kugel-Kampf anzutreten haben, der zur Feststellung der Bezirksriege führt. Dieses vierte Treffen findet am 21 Februar stall, zu dem die Sportstätte noch bekanntgegeben wird. Für den kommenden Sonntag sind die Startzeiten wie folgt festgesetzt: 9 Uhr:„Frei weg" 1925: 10 Uhr:„Zu spitz": 10.30 Uhr:„Knorke": 11 Uhr:„Vorwärts": 12 Uhr:„Frei Holz"-Spandau; 13 Uhr: „Rührige Mannschaft": 14.30 Uhr:„Freie Schwimmer"-Spandau; 15 Uhr:„Frei weg"-Brandenburg: 16 Uhr:„Hohe Kante"-Eich- walde. Zur Erledigung des Schreiberdienstes haben die Vereine eine halbe Stunde vor der Startzeit anzutreten. Freunde des Kegelns und Frauen sind herzlich willkommen und steht ab 14 Uhr für beide Gruppen je eine Bahn zur Verfügung. Anschließend ge» mülliches Beisammensein.— Voranzeige; Montag, 15. Februar, mülliches Beisammensein. Am Montag, 13. Februar, 19)4 Uhr, findet der Bezirks- und Gautag in Bogels Festsälen, Brückenstraße, statt. * winlerlrabrevaea zu Mariendars. Mst der drei Tage um- fassenden Veranstaltung vom 2. Januar werden die Wintertrab- rennen in Ruhleben morgen, Sonntag, fortgesetzt. Im Mittelpunkt des Interesses steht das Per aspera-Rennen. eine internationale Prüfung über 2400 Meter, die ein starkes Feld am Start sehen wird. Die Rennen beginnen wieder 12-30 Uhr. Wintersport. In den letzten Tagen ist zwar das Thermometer reilweis« wieder unter den Nullpunkt gesunken, aber der ersehnte Schnee hat sich noch nicht überall eingestellt. So mußten z. B. die in den deutschen Mittelgebirgen, wie im.Harz, in Thüringen und im Erzgebirge, vorgesehenen skrsportlichen Beranstallungen durchiveg verschoben werden. Gut« Schneeverhältmsse herrschen dagegen im Riesengebirge und in den Alpenländern, so daß die programmäßige Durchführung der Skimeisterschaften von Schlesien in Bad Reinerz, von Bayern in Garmisch-Partenkirchen und von Schwaben in Baiersbronn gesichert ist. Di« schiesischen Rodelmeisterschaften können am Wochenende nicht durchgeführt werden, weil die er- warteten Schneefälle ausgeblieben stn-d. Wahrscheinlich wird man die Meisterschaften nunmehr am 6. und 7. Februar in Bad Flins» berg zur Durchführung bringen. Oie Ringerserie «AU-Wedding* schlagt„Sparta" In der Halle des Kraftfportvereins Sparta stand gestern der ersten Ringermannschaft des veranstaltenden Vereins die zweste Staffel des Sportvereins Alt-Wedding m dsr Fortsetzung der Seriellkämpfe um die Kreismeisterschaft der Arbeiterathleten gegen- über. Nach einem interesianten und wechselvollen Verlaus siegten die Weddinger mst 19: 9 Punkten die erste Runde stand 8: 6 für All- Wedding und die Rückrunde endet« 11: 3 für die Siegermannschaft. Leider halle Sparta im Fliegengewicht chren ersten Mann nicht zur Stelle und so verlor Sparta vier wertvolle Punkte. Gleich im ersten Kamps gingen beidemal« die Punkte an Schlickeisen-Wedding; Langer-Sparta unterlag in beiden Runden, erstmalig in 4,40 und dann in 3,40 Minuten. Schale-Sparta besiegte den Vantamgewichller Falke-Wedding in der 4. Minute, in der Wiederholung stellte Falke den Gleichstand in der gleichen Zeit her. Im Federgewicht kam der ausgezeichnete Hüsfner-Sparta über Müller-Wedding zu zwei schönen, schnellen Siegen. Das lilleressante Ringen der Leichten Fijchmann-Sparta gegen A. Münnke-Wedding endete in beiden Gängen mst einem klaren Unentschieden. Dierberg-Sparta besiegte B. Münnke-Wedding in der ersten Runde in der 7. Minute, in der Wiederholung mußte er sich aber mit einem Unentschieden be- gnügen. Im Halbschwergewichtsgang zwang der Weddinger Lau nach einem harten Ringen Stellger-Sparta in der 6. Minute auf die Schullern und konnte in der Rückrunde seinen Erfolg in einer kürzeren Ringzest wiederholen. Der schwere Weddinger Nagel holte sich im Kamps gegen Trübbel in beiden Gängen die Punkte. 5chmeiing— 5k»ricex perfekt Der Vertrag bereits unferzeichnet Sogleich nach der Ankunft von Sharkeys Manager Bucklev in New Jork wurden die Verhandlungen über den Abschluß des Weltme,st«rschaftstampfes zwischen S h a r k e y und Schmeling in beschleunigtem Tempo fortgeführt und schließlich auch beendet. Schmeling bekommt als Wellmeister von den Ein- nahmen 37,5 Proz., Sharkcy als Herausforderer muß sich dagegen mit 12,5 Proz. begnügen. Der Kumps geht, wie von Schmeling und seinem Interessen- oertreter Jacobs gefordert, über 15 Runden, er findet im Laufe des Monats Juni in einer New-Borter Freiluftarena statt. Der genaue Termin wird jedoch erst später' festgelegt. Nach Erledigung aller Formalitäten haben beide Boxer den Kampfvertrag unterzeichnet. Der Wellmeistex kehrt noch einmal in die Heimat zurück, der Ausent- hall in der Heimat wird jedoch nicht von langer Dauer sein, denn schon im März begibt sich Schmeling wieder nach dem Dollarlande, um das Training aufzunehmen. Der italienische Boxriese Carnera hat Schmeling verklagt mst der Begründung, daß Schmeling den Kampfoerllag vom Januar vorigen Jahres nicht eingehallsn habe. Carnera verlangt von Schmeling die Zahlung von 100 000 Dollar.— Wenn er sie nur erst hätte! �rdeitertiirner in der Eisernen Front Gelegentlich der Jahresversammlung der 99e-Abt«ilung des Bezirksverbandes Berlin der Sozialdemokratischen Partei sprach als Vertreter der Britzer Arbestersporller Kinderleiter Otto S ch i f t a n. Er geißelle in scharfen Worten das Verhalten der bürgerlichen Sport- vereine, um dann auf die neueste Taktik der Nationalsozialisten besonders einzugehen. Dem Spitzelwesen dieser„rauhen Kämpfer", die auch in Britz die Bolkssporller bereits belästigten und tätlich bedrohten, gilt es, eine geschlossene Abwehrfront gegenüberzustellen. Die bundestreuen Arbeiterturner erwarten von den Partei- und Gewerkschaftsfreunden endlich die letzte Konsequenz, indem sie aus den sogenannten„unpolitischen" bürgerlichen Vereinen austreten. Unter dem Beifall der Versammelten erklärte Schiftan: Wir Ar- beiterturner und Sportler stehen einmütig und geschlossen mit unseren befreundeten Arbeiterorganisationen in der„Eisernen Front". Bei den kommenden politischen Kämpfen werden auch wir bundestreuen Arbeiterturner und Sportler rege und aktive Mit- arbest leisten! Eislsnter und Schrittmacher Di« Geschäftspraktiken des Parsser Sportmanagers Jeff Dick- f o n nehmen mitunter die unglaublichsten Formen an. Ein drasti- sches Beispiel dafür ist folgender Vorfall, der sich im Pariser Sportpalast zugetragen hat. Um mehr Publikum zu den Kunstlauf- Wettbewerben heranzuziehen, veranstaltete Dickson auf der die Eis- fläche umgebenden Radrennbahn Trainingsrennen für die Dauer- fahrer. Während die Schrillmachermaschinen mit donnerndem Ge- töse um die Bahn jagten, sollten sich im Innenraum auf der Eis- fläche die bedauernswerten Läufer und Läufennnsn auf ihre Pflicht- Übungen zur Europameisterschaft konzentrieren, was natürlich«in Ding der Unmöglichkeit war. Aber Dickson, der die Eintrillsgelder der Zuschauer in der Tasche hatte, kümmerte das wenig, all« Proteste der Eisläufer waren erfolglos und erst als der Präsident des In- ternationalen Eislaufverbandes die Meisterschaften unterbrach, ließ sich Dickson herbei, die Dauerfahrer zurückzuziehen. Der bekannte Mercedes-Beuz.Fahrer Haas v. Stack wird an den Autorennen in Argentinien zunächst nicht teilnehmen, da die Straßen sich in einem, für europäische Wagen gefährlichem Zustand befinden. Freie Ruderer-Bereilliguirg 1013. Sonntag. 24. Januar, 18 Uhr, Jahres. Hauptversammlung im Torlrug, Hochbahnhof Schlesischez Tor. Jeben Dienstag um Eli Uhr Äastenrudern im Realgymnastum Treptow, Neue Krugallee 14—16. Mitglieder werden aufgenommen. Reick, obanncr'Walsersportabeitnng, Zug Köpenick. Sonntag, 24. Januar, !> Uhr, Bootshaus Köpenick, zum Ergänzungssport und Ueberholen der Wann» schaftsboote. Pflichtvcranstaltung. Ärbeiter-Photo-Sild» Tegel. Montag. 25. Januar, 2V Uhr, Jugendheim Schänebergcr Ufer. Vortrag,„Die photographische Platt« und ihre Besonder- Hillen.— Arbeiter. Photo-Sildc Liadenhos. Montag, 25. Januar, 20 Uhr, Dunkeltaauner. Epthstr. IS: Entwicklungsarbeiten.— Freie Photopereiuignag. Sonntag, 24. Januar, 8Vi Uhr. Bahnhof Putlitzstraßc. Fahrt nach Clabow— Sakrow— Pfaueninsel.— Arbeiter-Lichtbilb-Pnnd, Arbeitsgemeinschaft Berlin. Sonnabend, 2Z. Januar, 20 Uhr, Filmabend. Referent: Richard Weimann. E« laufen die Filme:„Im Anfang war das Wort".„Weg einer Proletarierin". „Bruder",„Mister Pims Notizbuch". Unlostenbeitrag 25 Pf., erwerbslose Genoffen gegen Äusweta 10 Pf. BSE. Hanf- Zl. Die Seneraloerfammlung am 20. Januar ergab folgende Misber. bzw. Neuwahlen: L Vorfchenber: Otto Kühn, Reinickendorf»!?». Pro» oinzstrah« 117; I. Kassierer: Otto Steink«, Reinickenborf.Ost, Hultwiler Weg 15; Schriftführer: Heinrich Fabig. Reinickenborf.Ost. Genfer Str. 43. FTGV.-Oberspree. Heute, Sonnabend, 19'ff, Uhr, Generalversammlung in Riederschänewerdc. Brückenstr. 15.— Be- irl Nordost. Alle Mitglieder treffen sich morgen, Sonntag, 12>4 Uhr, auf dem„Eher" in der Schönhauser Allel. Unser«„Erste" spielt gegen den Kreismeister Dolksfport Wedding. Freunde und Bekannt« willkommen. Radfahrer,„Tolldarität". Touren morgen, Sonntag. 2. Abt.: Arbeiter. fchudmufeum. Eharlottenburg. Fraunhoferftr. 11—12, Starr 12zj Uhr.— 8. Abt.: Teaelort, Start 18 Uhr Mariannenolatz.— 6. Abt.: Ziel am Start 12>4 Uhr. Zelt. Kopenhagener Str. 17.— Abt. Weddina: Ziel am Start Schreiber, Trift- 'iref,« 63, 10 Uhr.— Friedrichshain(gemischte): 28. Stiftungsfest, Andreas. Festsäle. Start 16 Uhr.— ZSeinense«! Ziel am Start 18 Uhr Antonplar.— Neukölln: Ziel am Start 18 Uhr Hohenzollernplatz.— R-nnfahrer.Mitte: Trainingstour Riidersdorf-AaMmze, Start 8 Uhr Königstor.— Viertel sahres- generalverfammlung 19 Uhr Gewsrtichaftshau«. Ruberer und K-nnfabrer. die am Waldlauf teilnehmen, treffen sich morgen, Sonntag. 10 Uhr. zum Streckentraining im Bootshaus Wuhlhetd«(FKU.). Heue Jlosmos Utäder In der Franckh'fchen Verlagshandlung Stullgart find drei neue geographische„Kosmos-Räder" erschienen, das„S ch w e i z- R a d", „A s i e n- R a d" und„A f r i k a- R a d", jedes 1 M. Die berells eingeführten Kosmos-Räder(Deutsches Reichspatent) haben sich als originelle Auskunftmsttel bewährt. Aus die neuesten statistischen Erhebungen ausgebaut, bringen die vorliegenden Räder„im Hand- umdrehen" die wichtigsten Angaben über die Hauptstädte, Staats- formen, Geldeinheiten, Hauptausfuhrartikel und die sonstigen geo- graphischen Daten aller Staaten der behandelten Kontinente. Das Schweiz-Rad zeigt die entsprechenden Angaben für die 25 Schweizer Kantone. Es ist gemäß der dreisprachigen Bevölkerung der Schweiz dreisprachig. Eine Landkarte auf jedem Rad zeigt die einzelnen Staaten numeriert. Die Nummern erscheinen beim Einstellen des Rades wieder, so daß auch die Lage jedes gewünschten Staates auf der Landkarte sofort aufzufinden ist. Die Räder sind ein unterhaltendes und belehrendes Spielzeug für die Jugend und ein praktisches Auskunftsmillel für den ver» schiedensten Gebrauch. W. T. ä)as SEeUaller des Jlbfolulismus Von der Propyläen-Weltgeschichte des Ullstein- Verlags liegt jetzt der VI. Band vor. Er beschäftigt sich mit dem „Zeitalter des Absolutismus" von 1660 bis 1739. Auch dieser Band häll sich auf der Höhe der übrigen. Die einzelnen Mllarbeller zeigen auch diesmal wissenschaftliche Gründlichkell und gefälligen Aus» druck, und die Illustration ist wiederum erstklassig. Unter den einzelnen Bellrägen ist vor allem die Arbeit von Pros. Schnabel- Karlsruhe über das 18. Jahrhundert in Europa zu nennen, mit vor- sichtiger Abwägung von Preußen und Oesterreich, und mll einer völlig sachlichen,«von jedem Heroentull sich fernhallenden Darstellung Friedrichs des Großen. Wichtig ist ferner die Schilderung der«uro- päischen Kolonialpolllik vom sechzehnten bis achtzehnten Jahr- hundert, in die sich die Professoren Wätjen, Plischke und Felix Salo- mon geteill haben. Unter den Beilagen sei hier nur das prachtvolle Faksimile zur Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von 1776, aus der Feder von Thomas Jefferson, hervorgehoben. Arthur Rosenberg. 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