BERLIN Mittag 25. Zanuar 1932 10 Pf. Ar. 40 B 20 49. Jahrgang Lrscheillttäglich außerSonatag«. Zugleich Abaidausgabe des»Dorwärts�. Bezugspreis für deidc Ausgaben 7s Pf. pro Woche, 3,2s M. pro Mouat (darcn 87 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 3,97 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitungs- und 72 Pf. Postbestellgebühreu. S-jtcUcuütfajße dei>: luzeigenpreis: Die einspaltige Millimclcrzekle 30 Pf.. Reklamezeile 2.-- M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Borwärts-Verlag G. m. b. H., Berlin Rr. 37 536.- Ter Lerlag behält stch das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! kedatttou und Expedition: Berlin SW 68, Lindcnstr. 3 Fernsprecher: Dönhoff(A 7) 292-207. Skandinavien rust Amerika Nordeuropas Appell gegen die Llntätigkeit der LlSA. Todesopfer in Braunschweig Die Kolgen nationalsozialistischer Lleberfälle lieber die amerUanischen Columbia-Tender haben die Regiernngen der drei skandinavischen Staaten Mahn» Worte an Amerika gerichtet, sich der Rettung aus der Wirtschaftskrise nicht zu entziehen. Es sprachen die Ministerpräsidenten Dänemarks und Schwedens sowie ei» hoher norwegischer Beamter. Die Reden, die den Mil» lionen Skandinaviern drüben ein Gruß aus der Heimat waren, sind sogleich auf Englisch wiederholt worden. Ministerpräsident Stauning- Dänemark führte aus: Don der großen Not der ganzen Welt ist kein Volk verschont geblieben. Auch Amerika fühlt jetzt die Arbeitslosigkeit. Aus dieser internationalen Krise gibt es aber nur einen Ausweg durch internationale Zusammenarbeit oller Völker. Die beste Friedensarbcit ist die allgemeine Entwaffnung. Ich werde nie ruhen, wenn es gilt, dafür zu arbeiten. Wenn die Ver- einigten Staaten den 14 Punkten Woodrow Wilsons ge- recht werden wollen, die den Weltkrieg beendet haben, so dürfen sie sich zu den brennenden Aufgaben aus der Weltwirtschaststrise nicht passiv verhalten! * Der pazifistische deutsche Tonfilm„Niemandsland* wurde kürzlich in Dänemark vorgeführt. Nachdem Stauning ihn gesehen hatte, erklärte er, eine �rieden�ansprache zu diesem Film halten zu wollen. Diese Rede Staunings wurde als Prolog ton« filmisch aufgenommen und läuft setzt in ganz Skandinavien als Ein- lcitung zu„Nieniandsland". In dieser Tonfilmrede appelliert Stauning an das menschliche Gefühl, er erinnert daran, wie man noch heute unter den schrecklichen Folgen des Krieges leidet. Zum Schluß rust Stauning die, die guten Willens in allen Völkern sind, auf. für den Frieden zu kämpfen, und so wie die Soldaten der „Feindesvölker* sich in diesem Film einigen, um für den Frieden zu kämpfen, so sollen alle Menschen unter der Parole„W i t wollen Frieden!* in dem Kampf gegen Unvernunft und Bös- Willigkeit ziehen. Arbeiterzug verunglückt. 12 französische Arbeiter lebensgefährlich verletzt. Paris. 25. Januar. In der Nähe von Gannat stießen im Nebel zwei Güterzüge zusammen, in denen 30 Arbeiter saßen. 15 Arbeiter wurden verletzt, davon zwölf kebens- gefährlich. Der Materialschaden ist bedeutend. Was der Krieg gekostet hat. Friedenspropaganda der französischen Sozialisten. Die Nationalisten hüben und drüben wittern Morgenluft. Sie denken, ihre Zeit ist gekommen. weil der Kampf um die Reparationen das Verhält- ms zwischen Frankreich und Teutschland un- günstig beeinflußt. Aber gerade in dieser Zeit müssen alle, die dem Frieden dienen wollen, ihrem Willen Ausdruck geben. Fort mit der Haßpropaganda hüben und drüben! Die französischen Sozialisten wenden sich in Flugblättern gegen die nationalistischen Hetzer im eigenen Lande. In einem dieser Flugblätter bringt die Partei eine sehr lehrreiche und aufschlußreiche Statistik über die .K r i e g s a u s g a b e n, die für alle kriegführenden Mächte nicht weniger als lOÜlU) Milliarden Franken ausmachten. Hätte man diese Mittel, anstatt sie in� der Kriegführung zu verschwenden, für friedliche Zwecke benutzt, dann hätte man, so heißt es in dem Flugblatt weiter, für jede Familie in Frank- reich, England. Belgien, Deutschland, Ruß- land. den Bereinigten Staaten und Kanada eine Villa im Werte von 100 000 Franken erbauen können. Mau hätte in jeder Stadt von über 200 000 Ein- wohneru ein Hospital im Werte von 125 Millionen, eine Bibliothek im gleichen Werte, eine Univer» s i t 8 t für 250 Millionen erbauen können. Man hätte dazu noch 125 000 Professoren und dieselbe Ischl von Aerzten einstellen können. Aber auch dann wäre immer noch ein Betrag übriggeblieben, der dem Gesamtvermögen von Frankreich und Belgien �spreche. Braunschwei g, 25. Januar.(Eigenbericht.) Der Straßenkampf in Braunschweig hat wieder ein Todesopfer gefordert. Der Jungbanner- mann Kurt Meier, der bei den Kämpfen vor de« Fabriktoren des Miag-Konzerns von Nationalsozialisten einen Rückenschuß erhalten hatte, ist seinen Verletzungen erlegen. Das Reichsbanner Schwarz-Not-Gold hat der Polizei eine Liste von Angehörigen des tcchni- Gegen Faschismus! Für Soziaiismus! Große Kundgebung am Mittwoch, dem 27. Januar, 20 Uhr im Sportpalast, Potsdamer Str. 72 Redner: Q_-_| eMiaB.A Generolsekretärderfranzösisch. • QU« raure/ sozialistischen hartei Marie Juchacz, m.«j. r. PietroNenni,:iÄrÄdeür des Paul Lobe, Reichstagspräsident Fahneneinmarsch Musik:: Gesang der Sozialistischen Arbeiterjugend Unkostenbeitrag 20 Pf. Erwerbslose gegen Vorzeigung des Parteimitgliedsbuches und der Stempelkarte frei! scheu Büros des Miag-Konzerns und von Stu- denten und höheren Schülern überreicht, die sich an den Kämpfen beteiligt haben. Unter den benannten Personen muß sich der Täter bestimmt befinden. Die„Braunschwcigische Landeszritung" ist noch immer nicht verboten, lügt infolgedessen weiter und behauptet, der Reichsbannermann sei von seinen eigenen Kameraden ermordet worden! Die Unruhen in Braunschweig nehmen tuieder an Bedeutung zu. Das Ueberfallkommando ist fast dauernd unterwegs. Am Sonntag wurden mehrere große Schaufensterscheiben von Geschäften und Scheiben von Gastwirtschaften eingeworfen. Diesmal hatten sich die Täter Geschäftsleute ausgesucht, die ein- ivandfrei als Nationalsozialisten bekannt sind. Die Polizei veranstaltete eine Razzia in einem Verkehrslokal der Kommunisten und stellte 00 Personen fest. Bei der Durchsuchung des Lokals fand man eine Waffe und etwas Munition. Die Kommunisten suchen die erbitterte Stim- mung, die bei der brannsclstvcigischen Arbeiterschaft gegen Klagges herrscht, für sich auszunutzen und zu einem Streik aufzuputschen. Es dürfte den Gewerkschaften je- doch gelingen, dieses unsinnige Tun abzubiegen. Bluiopfer in Moabit! Kommunisten gegen Tlazis.- Sin Sechzehnjähriger getötet. In den Morgenstunden des gestrigen Sonntags kam es in der Sohkowsky st ratze in Moabit zu einer folgenschweren SchlS- gerei zwischen Ratio nalsozioti st en und st o m n» u n l st e n. in dereu Verlauf der IS Zohre alte Gymuasiaft Herberk Rorkus, dessen Eltern in der Ehemisch-Technischen Reichsanstatt in Ptöhensec eine Dienstwohnung haben, erstochen wurde. Gegen 8 Uhr ging eine Gruppe von 6 bis 8 National- sozi allsten durch die Gotzkowskl)straße, wo sie Flugblätter ver- teilten. Kurz vor der Zwinglistraße tauchte plötzlich ein Trupp von 2V bis 25 Äommit nisten auf, die mit den Hakenkreuzlern sofort in ein Handgemenge gerieten. Die Nationalsozialisten flüch- teten, einer von ihnen, der 16jährige Herbert Norku-, wurde von seinen Gegnern eingeholt und durch mehrere Messer st«che in den Rücken niedergestreckt. Der Verletzte starb wenige Minuten darauf. Als das alarmierte Ueberfallkommando auf dem Kampfplatz erschien, waren sämtliche an der Schlägerei Beteiligte von der Bild- fläche verschwunden. Di« Ermittlungen der Politischen Polizei stehen bereits kurz vor dem Abschluß, �und man glaubt die Täter bereits zu kennen. Nach den Zeugenaussagen scheint es sich um zwei junge Burschen zu handeln. Einer der beiden wohnt schon längere Zeit nicht mehr bei seinen Eltern, und der zweite Verdächtige ist fest der Tat nicht mehr in die Wohnung seiner Ellern zurück- gekehrt. Die Politische Polizei glaubt nicht an eine Flucht der mut- maßlichen Täter, sondern nimmt vielmehr an. daß sie sich in Berlin bei Gesinnungsgenossen verborgen halten. Zur Zeit sind Beamte der Politischen Polizei unterwegs, um die Gesuchten ausfindig zu machen. Sporttag der Eisernen Front. Ein Massenaufmarsch in Magdeburg. Magdeburg, 25. Januar.(Eigenbericht.) Die Eiseruc Front veranstaltete am Sonntag im Rahmen einer großen Sportkundgebung einen Aufmarsch, an dem etwa 0000 bis 7000 Menschen teil- nrchmen. Die Feier begann mit dem Alis marsch mehrerer Sturmabteilungen des Reichsbanners. Anschließend nahm der Führer des Magdeburger Eewcrkschaftskartells K a u l f e r s das Wort zu einer Ansprache, in der er betonte, daß sich nunmehr all- gemein der Wille zur Sicherung der Republik und zur Abwehr des nationalsozialistischen Terrors durchgesetzt habe. Die Eiserne Front suche den Zusammenschluß aller an den demokratischen und republi- konischen Grundsätzen interessierten Kräfte durchzuführen. Sie müsse eine so starke Ausdehnung erfahren, daß sie sich bis in das letzte Dorf und in den Städten bis in die kleinste Gasse erstrecke. Die Gegner, die heute noch die Eiserne Front verhöhnten, würden diesen Hohn bald verlernen. Heute bereits ständen hinter der Eisernen Front insgesamt 8 bis 16 Millionen Menschen aus den Gewertschaften, den politischen Parteien, den Arbeitevsporllern und dem Reichsbanner. Abends gegen 6 Uhr erreichten die sportlichen Kämpfe, über die wir im Sportteil berichten, ihren Höhepunkt mit dem Einmarsch von Sturmabteilungen des Reichsbanners, die von einem Gepäckmarsch zurückkehrten. Sie wurden begeistert begrüßt. Motorstaffel der Eisernen Front. Ende vergangener Woche fand in Berlin eine Jusamineiikunst führender Mitglieder der Eisernen Front statt, die zu der Bildung einer M o t o r st a s f e l Stellung nahm. An der Sitzung nahmen selbstoerständlich nur solche Besitzer von Motorfahrzeugen aller Art teil, die festen Willens sind, ihre Fahrzeuge und sich selbst voll- kommen in den Dienst der Eisernen Front zu stellen. Bereits in den wenigen Tagen seit der Besprechung haben sich 112 Auto- besitzer, 130 Motorradfahrer und 7 Besitzer von Flug- zeugen bei der Motorstofsel gemeldet. E ferne Front in Potsdam. Das Arbeiter-Sport- und Kulturkartell sowie die Sozialdemo- kratische Partei Potsdams ließen am Sonnabend die erste Kund- gcbung der„Eisernen Front" starten. Das Referat des Genossen Adolf Buck von der Zentralkommtssion ftir Arbeitersport und Körper- pflege über„Zeitsragen des Arbeitersport und die Eiserne Front* Gedenkfeier für Luise Zieh Am 22. Januar jährt sich der Todestag zum zehnten Male Zu einer Stunde der Erhebung wurde die Gedenkfeier für Luise Z i e tz, die der Bezirksausschuß für sozialistisch« Bil- dungsarbeit gestern in dem großen Volkskino Neuköllns, im Mer- cedss-Palast, veranstaltet hatte. Am 27. Januar 1922 starb Luise Zietz, so daß ihr Todestag in diesem Jahre zum zehnten Male wieder- kehrt. Das Chanson Triste von Tschaikowsky leitete die Feierstunde ein. Dann sang die.A-capells-Vcreinigung des Berliner Volkschors unter Leitung von Dr. Zander Scherchens„Unsterbliche Opfer". Le- bendig wurde der Geist der proletarischen Kämpferin Luise Zietz, als Martha John aus ihren Schriften den Artikel„Die sozialdemokrati- schen Frauen und der Krieg" las. Nicht alle sind tot, die begraben sind, hatte der Volkschor gesungen, und, an diese Worte anknüpfend, begann Wilhelm Ditt- mann: Auch unsere Luise Zietz ist nicht tot, wenn auch vor zehn Jahren die Flamme verzehrte, was sterblich an ihr war. Luis« Zietz lebt in unserem Bewußtsein. Sie steht vor uns als die unerschrocken« proletarische Kämpferin gegen Unterdrückung, gegen Ausbeutung, gegen Unrecht und Unfreiheit jeder Art. Luise Zietz kam von unten her, kam aus den Tiefen des Volkes. In ihren Reden wuchs sie zur Anklägerin großen Formats. Tausende und aber Taufende haben m den Versammlungen dieser einzigartigen Agitatorin vor Ergriffenheit geweim. Dabei appellierte sie nicht nur an das Gefühl und die Leidenschaft, sondern vor allein an den Verstand. Die Hauptsache war ihr stete der Appell an den Willen. Solidarität, Zusammenschluß, Organisation, gemeinsamer Kampf aller Geknechteten und Unterdrück- ten waren die großen Gedanken, die Luise Zietz den Hörern in die Seele pflanzte. Diese kluge und leidenschaftliche Frau, die so viele unserer Genossinnen zu hervorragenden Genossinnen gemacht hat. fühlte sich stets als die Lernende. El« ist ein leuchtendes Vorbild für unsere heranwachsende Jugend, die nicht glauben darf, daß sie mit allen Problemen schon fertig geworden sei. Im Kriege verhängte die Militärdiktatur«in Redeverbot über Luise Zietz. Aber die Revo- lution führt« sie ins deutsche Parlament. Luise Zietz war nicht nur in der deutschen Sozialdemokratie, sondern auch in der proletarischen Internationale geachtet und geehrt. Dittmann schloß mit den Worten: Luise Zietz ist für uns nicht wt; ihr Kampfesgeist. ihr Kampfeswille leben in uns allen fort. Und dieser Kampfesgeist soll uns anspornen zu dem festen Vorsatz, die Kämpfe, die jetzt vor uns stehen, siegreich zu beenden. Dieses Gelöbnis wollen wir in dieser Gedenk- und Feier- stunde ablegen. Wir wollen kämpfen mit jener Leidenschaft, die Luise Zietz beseelte, bis zum Siege des Sozialismus. Der Weckruf von Tießen erklang aufrüttelnd und ermahnend, und dann sprach nach einer kurzen musikalischen Einleitung der Sprechchor für die Proletarischen Feierstunden unter Leitung Albert Fioraths. Ein Werk Franz Rothenfelders. des so früh Dahingegan- genen,„Flamme, oerzehrt« Flamme". Hier lag der Höhepunkt der Feier, die Dichtung wurde durch die Sprechkunst des Chores zu stärk- stem Erlebnis. Der gemeinsame Gesang der Internationale schloß die Feier würdig ab. Zuchthausrevolte in England Keuergefecht mit Polizei— Drei Gefangene getöiei, 95 verletzt wurde von den im DoSshaus zahlreich Versammelten mit stürmi- I schem Beifall aufgenommen. Der Forderung des Genossen Buck, daß alle, die willens sind, den Kampf gegen den Faschismus aufzunehmen, sich zur„Eisernen Front" zusammenschließen müssen, wird auch in Potsdam entsprochen werden. Umrahmt wurde die wuchtige Kundgebung durch Vorführung des Films von der Olympiade in Wien. Groener-Lnierviews. Nie angeblichen Geheimrüsiungen. Rsichswehrmimster Groener hat in Interviews für den römi- schen„Popolo d'Jtalia" und die Pariser„Solute" gegen die Behauptung deutscher Geheimrüstungen Stellung genommen und die Heeresstärke Frankreichs derjenigen Deutschlands gegenübergestellt. In dem Pariser Interview Groeners heißt es u. a.: Di« deutsche Jugend werde im deutschen Geiste und in dem der Bölkerver- s ö h n u n g erzogen. Geeignet, dies« Erziehung zu verhindern, seien die Methoden, mit denen man in den letzten Jahren Deutschland daran gehindert habe, sich die freie und unabhängige Existenz zu sichern. In Deutschland gebe es keinerlei militärische Jugend oerbände, während man in anderen Ländern in großen Organisationen im Einvernehmen mit dem Kriegsministerium die Jugend auf den Militärdienst vorbereite. Der Stahlhelm und die Leute Hitlers seien kein« militärischen Berbände und verfügten über keinerlei Waffen. In seiner Eigenschaft als Innenminister habe er die Pslicht, die Elemente zu bekämpfen, die die Atmosphäre zwischen Deutschland und dem'Ausland vergiften, indem sie„Enthüllungen" über angeb- liche Vertragsverletzungen machten.„Bisher", so unterstrich Groener. „hat sich noch nie ein französischer Pazifist bei mir ringe- funden, um mir Enthüllungen über die sranzöstschen Rüstungen zu unterbreiten. Dagegen sind es die angeblichen deutschen Pazifisten, die die engsten Beziehungen zum fran- zösischen General st ab und den nationalistischen Verbänden auf der anderen Rheinfeite unterhalten." Heute fei noch nicht zu übersehen, ob die nationalsozialistischen Führer jemals in der Lage sein würden, allein die Führung der Regierung zu über» nehmen. Die Staaten, bie Deutschland als zweitklassige Nation behandelten, trieben mehr denn je zum Nationalsozialismus in Deutschland. Volksentscheid in Oanzig. Dollstagsauflösung trotz Naziterror beschlossen.-Zentrums« arbeiter stimmen mit den Arbeiterparteien. Danzig, 25. Januar.(Eigenbericht.) Der Volksentscheid über die Auflösung des Landesparlaments hat 77 386 Ia-Stimmen und 960 N«(n-Stimmen erhalten. Da nach der Verfassung in einem derartigen Volksentscheid die Mehrheit der abgegebenen Stimmen entscheidet, so ist damit die Auflösung und Neuwahl des Voltstages beschlossen. Die Regierung hat zwar bisher die Beteiligung der Mehrheit der Wahl- berechtigten, das wären III 666, für erforderlich gehalten, doch findet diese Auffassung in der vom Völkerbund aufgestellten Verfassung keine Stütze. Das Ergebnis de« Volksentscheids entspricht bei weitem nicht der Stimmung in der Bevölkerung. Das ist darauf zurückzuführen, daß die herrschenden Parteien, besonders die Nazis, die Beteiligung am Volkeentscheiid mit allen Mitteln hintertrieben, wobei die V«- Hörden durch zahlreich« Wahlschikanen Hilf« leisteten. So wurde selbst unter Auslieferung de» Rundfunk» an die hakenkrenzler eine zügellose Lügenkampagne gegen die Opposi&rn geführt, um den Volksentscheid als Manöver zugunsten Polens hinzustellen! Dazu kam«in unerhörter Terror, be» fonlbers auf dem Lande, so daß die Arbeiterschaft ganzer Ortschaften nicht in der Lag« war, ihr Stimmrecht auszuüben. Auch untere Beamte, Gewerbetreibende und Angestellte, die überwiegend zur Sozialdemokratie stehen, wagten angesichts der von den Faschisten offen angekündigten Repressalien nicht abzustimmen. So fielen große Teile der sozialdemokratischen Anhänger bei der Abstimmung aus. Allerdings stand diesem Ausfall ein« starke Be- teiligung der Ze n t r u m s arbesterfchaft gegenüber, die dadurch ihrer Parteileitung für die Duldung der Nazi-Terrorpolitik ein deut- liches Mißtrauensvotum aussprach. So wurde trotz aller ungünstigen Umstände die Stimmenzahl der am Volksentscheid teilnehmenden Parteien gegenüber der jüngsten Nolksratswahl über- schritten. Los von Hilgenberg! Oer Abgeordnete Graef-AnNam verläßt die ONVp. Der deutschnationole Landtagsabgeordnete Graes- Anklam ist aus der Deutschnationalen Partei ausgetreten. Er be- gründet diesen Austritt mit der Haltung der Partei gegen die Ber- löngerung der Amtszeit des Reichspräsidenten und teilt zugleich mit, daß er den Austritt rückgängig machen wolle, sobald die gegen- wärtige Führung der Partei(der sture Hugenberg) einer anderen Platz gemacht habe. Außer den angegebenen Gründen wird man wohl auch die völlig verfahrenen Verhältnisse, die sich in der Deutsch. nationalen Partei Pommerns herausgebildet haben, als Mitursachen dieses Austritts annehmen müssen. Der Verkauf des Gebäudes der „P o m m« r s ch e n Tagespost" an die Gewerkschaften, der Pro- zeß gegen die von Deutschnationalen geleitete Pommersche Hauptgenossenschaft sind nur einzelne Hauptpunkte aus der Kette der dauernden Skandale, mit denen die DNVP. in Pommern fest einiger Zeit zu kämpfen hat. Für die Desorganisation der Partei ist typisch, daß ein Mann wie Graes, der dem preußischen Abgeordnetenhaus seit lSl3, dem Landtag seit der verfassunggebenden Landesversammlung von 1919 ununterbrochen angehört und zeitweilig in der deutschnationalen Fraktion als Etatsredner eine führende Rolle gespielt hat, ihr jetzt den Rücken kehrt. Rundfunkhörstuode: Sozialismus und Eigenwm. Zu der an- läßlich der Gemeinschaftssendungen der Deutschen Welle a m Dienstag, 2 6. Januar, 26 UKr, stattfindenden Rundfunkhör- ftunde werden Gastkarten zu 25 Pf.(Saaleingaim) ausgegeben. Sie findet statt im Vortragssaal des Parteihauses, Lindenstr. 3, 2. Hof, 2 Treppen links, unter Leitung von Dr. Ernst Fraenkel in späterer Anwesenheit der Rundfunkreferenten Dr. Hilferoing und Heimann. Za Varcelona haben die Syndikalisten seit Sonnabend den gesamten Straßenbahn-, Omnibus- und Untergrundbahnverkehr still- gelegt.— In Sevilla wurden 46 Extremisten verhaftet. In Malaga ist der Generalstreik bisher ruhig verlausen. London, 25. Januar.(Eigenbericht.) Ja einem in einem ausgedehnte« Moorgeblet gelegenen Zncht- haus bei Princetown(Davonshire) kam es am Sonntagmorgen zu einer schweren Revolte. Die Gefangenen steckten einen Teil de» Gebäude» in Brand. Erst nach einem blutige n jeuer. gesecht zwischen den Zuchthausinsassen und p o l i z e i, das drei Meuterern das Leben kostete und in dessen verlaus 95 Menschen mehr oder weniger schwer verletzt wurden, konnte die Ruhe wiederhergestellt werden. Zahlreiche Se- sangcne sind während des Feuerkampses entflohen. Ein Teil des Zuchthauses ist abgebrannt. Die Revolte begann während desMorgeofpaziergang». Die Gefangenen stürzten sich aus die ahnungslosen Wächter und schlugen sie nieder, dann stürmten sie die Kapelle und die Büro- räume und zertrümmerten die ganze Einrichtung. Der G e- säuguisdirektor wurde in eine Zelle geschleppt und dort eingesperrt, wenige Minuten später stand ein Flügel des Zuchthauses in hellen Flammen. Die Llrsachen des Aufstanöes. Ein« Berlautbaning des Innenministers über dl» Vor- gänge im Dartmoor-Gesängnis bestreitet die Erschießung mehrerer Gefangener sowie das Erschießen ewiger Stväf» ling«. Von den verletzten Gefangenen befänden sich zwei in Lebens- geftchr. Die Vorfälle haben m Eng-land großes Aufsehen erregt, und die Blätter, die teilweise am Sonntagabend In Sonderausgaben herauskamen, sind sich einig darin, daß dieser Vorfall einzig w der in der Ltniverfltäi. llnier LS OVO Studenten nur 3100 Naziwähler. Die Universität, die wegen der nationalsozialistischen Unruhen vorübergehend geschlossen war. ist seil heute morgen wieder geöffnet. Die Vorlesuugeu und Seminare konnten planmäßig und in Ruhe ihre Arbeit sorlsetzea. Irgendwelche Ansammwngeu haben sich nicht bemerkbar gemacht. Die Kontrolle an den Eingängen zur Universität wird mit aller Schärfe durchgeführt, lluiversilötsfremde werden nicht hereingelassen. Unter den Linden sind zwei polizeibeamle stationiert, die jedoch keine Veranlassung zum Einschreiten hatten. Es waren lediglich einige Nationalsozialisten, offenbar Nichlstudenleu. zu beobachten, die ihre herauskommenden studentischen Pgs. durch Handausheben begrüßten. Daß man die Zahl der Nationalsozialisten an der Universität überschätzt, hat sich jetzt erst wieder bei den privaten Asta» wählen herausgestellt. Von 15 000 Studenten an der Berliner Universität haben 3700 nationalsozialistisch gewählt. Am Sonn- abend fanden Beratungen zwischen dem Direktor der Universität und dem Polizeipräsidium statt, wie in Zukunft derartige Ära» walle verhindert werden können. Von der Polizei sind Maßnahmen ergriffen worden, die zukünftige Ruhestörungen im Keime ersticken können und auch eine schnelle Herbeirufung uniformierter Polizei möglich machen. Bei den A st a- W a h l e n wurden msgefamt 5834 Stimmen ab- gegeben gegen etwa 7666 bei den letzten Wahlen im Jahre 1923: das entspricht einer Beteiligung von 46,4 Prozent bei einer Zahl von 12 587 Wahlberechtigten. Auf die Nationalsozialisten entfielen 8795 Stimmen, auf die Deutschnationalen und Stoihlhelmer 1155, auf die Korporationsliste 856 Stimmen. 37 Stimmzettel waren ungültig. Da die gewählte Studentenvertrewng aus 166 Sitzen besteht, ent- fallen demnach auf die Nationalsozialisten 65, auf Stahlhelmer und Deutschnationale 26 und aus die Korporationsstudenten 15 Sitze. Der Wahl sind die Sozialisten und Kommunisten serngeblieben. �eichswehrsoldaten gegen Arbeiter. Die„blanke Waffe" im Straßenkampf. Fürstenwalde, 25. Januar.(Eigenbericht.) Recht eigenorllge Vorgänge spielen sich beim Reiter-Regime u t 3 in Fürstenwalde ab. Es ist ein offenes Geheimnis, daß eine Anzahl Reichrwehrangehörlge mit den Nazis sympathisieren. Bekundeten sie bisher ihre Nazigesinnung nur durch deu Besuch de» Nazisturmlokals„Wethen Anker" und gelegentlichen heil-hikler- Rufen, so nahmen sie am Freilagabeud, als es aulähl'ch einer össeatlichen Naziversammlung in deu Straßen zu Zosammea- Gelängnisgeschicht« Englands daftcht. Die Tatsache, daß«ach der Meuterei Messer w den Gesangenenzellen gefunden wurden, wird von„Daily Telegraph" als Beweis der unhaltbaren Zustände in Dartmoor angeführt.„Times" meint, man sollte glauben, daß sich die Vorfälle in einem anderen Zeitalter oder mindestens in einem anderen Lande als England ereignet hätten, und verlangt, daß das Ergebnis der Untersuchungen in allen Teilen voll veröffentlicht werde. Die ersten Anzeichen der Unruhen zeigten sich schon in den früheren Morgenstunden des Sonntag als die Gefangenen ein furchtbares Geheul anstimmten, das sich von Zelle zu Zelle fort- pslanzte. Beim Frühstück trommelten sie mit Löffeln und Gabeln auf die Tische und beklagten sich darüber, daß die Hafergrütze nicht gezuckert sei. Ewige warfen den Wärtern ihre Portionen ins Gesicht. Auf dem Wege zur Kirche kam die Meuterei zum offenen Ausbruch. Die Gefangenen stürzten sich plötzlich auf die Wärter, die sie mit Nägeln, Eisenstücken. Stuhlbeinen und Stöcken aogrissen. Ein Teil verhielt sich jedoch neutral, andere stellten sich sogar auf die Seite der Wärter. Nachdem die Meuterer die Zellen der Schwer» Verbrecher aufgebrochen hatten, stürmten sie das Verwaltungsgebäude, warfen die Scheiden ein und schlugen sämtlich« Einrichwngsgegen- stände kurz und klein. Daraus setzten sie da» Geföngal» in Brand. Da» verwaltungs- gebäude brannte vollkommen nieder. Vsi Bekanntwerden der Meuteret wurden in der Kaserne von Crownhill 266 Soldaten sowie zwei Masch.nengewehrabteilungen mobilisten und marschfertig aufgestellt. Ihre Absendung wurde je- doch unterlassen, da die Meuterei noch vorher von der Polizei unterdrückt werden konnte. Das Gefängnis steht nun unter schärfster Bewachung von über 166 Polizisten. Der angerichtete Schaden wird auf etwa 266 666 Mark geschätzt. st ö ß e u zwischen Arbeitern und Nazi» kam. offen parle! für die Nazis. Gegen 23.30 Uhr. als dn Trupp Nazi, unter polizeilichem Schutz deu platz der Republik passierte, sielen aus den in Gruppen herumstehenden Arbeitern einige Worte gegen die Nazi». plötzlich zog ei« llnlerossizier vom Reiter-Regiment seinen Säbel und schlug aus deu Arbeiter A. ein. Zu seinem Glück stolperte A, so daß der Schlag seht ging. Ein Nazi au» hangcls- icrg. der bei der staatlichen Oberfärsterei beschäs- t i g l e Freiherr von Eckardstdn, rief:«Richtig, Kamerade«, wir rächen unsere geschlagene SA. mit blanker Waffe." Aus diesen Ruf stürzten sich plötzlich 12 bis 15 Reichs- wehrsoldalen mit gezogenem Säbel aus die Arbeiter und schlugen blindlings auf sie ein. Der Arbdler G r a s k e erhielt durch einen Schlag über den Kops eine klaffende Stirn- wunde. Es fielen auch Worte wie:„Euch roteu Hunde schlagen wir tot." Jrgenddne Belästigung der Soldaten durch Arbeiter ist vorher nicht erfolgt, wie es in den letzten 6 bis 7 Jahren überhaupt keine Zusammenstöße zwischen Militär und Zivil gab. Einbrecher stürzt aus dem 3. Stock. Nachtliche Jagd in Ver Nitterstraße. Zu dner aufregenden Einbrecherjagd kam es in der Nacht zum Souutag im Masiary-Haus in der R i t l e r st r a ß e 3. als dort eine vierköpfige Kolonne vec suchte, in die im zweiten Stockwerk ge. legene» Lagerräume der Zigaretteufirma eiuzu- dringen. Die Kolonne rückte über das Dach des Hauses an und versucht« eine eiserne Tür aufzubrechen, um in die im zweiten Stockwerk ge- legenen Lagerräume zu kommen. Das dabei entstehende Geräusch wurde ober von dem Wächter des Grundstückes vernommen, der das Ueberfallkommando alarmierte. Als die Beamten mit ihrem Schnellwagen herannahten, ergriffen die Einbrecher die Flucht. Die Kolonne ist anscheinend völlig kopflos geworden. Während zwei der Täter auf das Dach des Hauses zurückeilten und von dort aus weiter entkommen tonnten, lief der dritte Einbrecher, der 45 Jahre alte Max Weber, in den Keller und versteckte sich dort. Der vierte Mann, Karl W o e i z, glaubte der Verfolgung der Be- amten dadurch zu entkommen, daß er gar nicht erst— wie seine beiden anderen Genossen— auf das Dach eilte, sondern gleich vom Flursenster des dritten Stockwerkes aus den hos hinabsprang. Nach- dem man den anderen Täter aus seinem Bersteck herausgeholt hatte, wurde Woelz ins StaMstrankenhaus gebracht. Der Einbrecher hat sich bei seinem Fenstersturz«inen Schädelbruch zugezogen, des- gleichen sind ihm beide Unterarm« und beide Schien- deine gebrochen. Alle Nazimörder in Freiheit! Das fordert die preußische kommunistische Landtagsfraktion. Zum— wir wissen nicht wievielten— Male hat die Landtags- sraktion der Kommunisten einen Amnestieantrag eingebracht. Er oerlangt in sieben Ziffern die Begnadigung so ungesähr aller strafbaren Handlungen, die in den letzten zehn Jahren vorgekommen sind, vielleicht mit einziger Ausnahme des Eisenbahnattentäters Matuschka, wobei aber nicht ganz sicher ist, ob dieser sich nicht auch unter eine der sieben Ziffern einrechen ließe. Bezeichnend genug ist schon die Ziffer 1, unter der völlige Straffreiheit oerlangt wird für„alle Handlungen aus politischen Beweggründen". Mit anderen Worten: Alle Nazimörder, alle Landfriedensbrecher vom Hakenkreuz, alle Raufbolde und Totschläger sollen sofort in Freiheit geseht werden. Ebenso soll das ganze Verleumderpack von der Hakenkreuz- presse für seine volksvergiftend« Tätigkeit mit Straffreiheit belohnt werden. Außer der Amnestie verlangen die Kommunisten auch noch die Annahme einer Entschließung, wonach die preußische Staats- regierung dahin wirken soll, daß der kommunistische Amnestie- Würde des Gerichts ,Aber bitte. Herr Goebbels, das... das schickt sich wirklich nicht l" entwurf auch auf das Reich und die übrigen Länder An- Wendung findet. Dabei fällt uns ein, daß in Hamburg jüngst zwei Nazimörder wegen der feigen und niederträchtigen Er- schießnng des kommunistischen Bürgerschaftsmitglieds Henning zu je sieben Jahren Zuchthaus verurteill wurden. Damals heulte die Kommunistenpresse, daß dieses Urteil viel zu milde wäre. Jetzt wollen die Kommunisten, denen dieses Urteil schon zu milde war. den Mordbuben die sieben Jahre Zuchthaus auch noch völlig erlassen. Zur Charakteristik der Heuchelei diese« Amnestieantrage« nach eins: Der Rechtsausschuß des Preußischen Landtags hat in den vergangenen Monaten eine ganze Reihe von Gnadengesuchen politischer Roheitstäter von rechts wie links abgelehnt, ohne daß die kommunistischen Mitglieder des Rechts- ausschusses sich dagegen gewandt hätten. Sie waren also im Einzelfalle mit der Bestrafung durchaus einver- standen. Jetzt plötzlich heulen sie auf irgendein Moskauer Kommando: Amnestie, Amnestie! Während jede Woche die Banden der SA. zwei, drei Repu- blikaner meucheln, stellen die Kommunisten Sicherung für die Mörder und versprechen Ihnen Amnestie. Wir begreifen schon, warum: der Hauptfeind ist ja die Sozialdemokratie! Graeners„Fnedemann Bach" E.staussuhruNg in der Städtischen Oper. Oer Zudenkaiser. Monarchistenzorn gegen„Ftosienforfchnng". Zu den beliebtesten Kunststücken einer übergeschnappten„Rassenforschung" gehört es, die tellweis« jüdische Herkunft der Familie Hohenzollern„wissenschaftlich" nachzuweisen. Mit einem Buch dieser Art beschäftigt sich in der„Kreuzzeitung" der Major a. D. Curt von Hake in sehr aufgeregter Weis«. Dieses— übrigens schon alle— Buch mit dem Titel„Semi-Jmperator Wilhelm II." bemüht sich um den Nachweis, daß die unheilvolle Rolle, die die Hohen- zollern im Leben des deutschen Volkes spielten, auf den jüdischen Einschlag in ihrem Blui zurückzuführen sei. Insbesondere will es die Reisewut des Exkaisers aus seinem„jüdischen Wondertrieb" erklären. Das antisemitische Wert gegen die Hohenzollern wird von nationalsozialistischen Buchhandlungen vertrieben. Das gibt dem königlichen Major Anlaß zu bemerken: Wenn die jetzt so e-nslußreiche nationalsozialistische Partei weiterhin die Rückkehr der legitimen Monarchie ablehnt oder ihr mindestens gleichgültig gegenübersteht, so ver- schüttet sie den Weg zu ihr immer mehr. Herr von Hake preist das„echte Königtum der Hohenzollern". um dann schmerzbewegt auszurufen: Wie schlecht pflegen und schützen die R e ch t s k r e is e die Erinnerung an es, die wichtigste Keimzelle zur derelnstigen Wiederkehr!■ Wenn selbst die Recht-kreis« in ihrer Begeisterung für die] Monarchie so außerordentlich gemäßigt sind, so muß das seine Gründe haben. Und es hat sie' auch. Denn schon hört der könig- liche Major im Geiste den Einwand: Gut, wird man erwidern, meinetwegen die Hohenzollern, aber Wilhelm II... Worauf der königliche Major sich selber schlagfertig erwidert: Selbst wenn der Kaiser unzulänglich gewesen wäre, so ist f ü r Monarch! st en seine Ablehnung doch unstatthaft. Es ist von dem königlichen Major von Hake überaus freundlich, daß er den Nicht Monarchisten— das sind schätzungsweise 99 von 199 der lebenden Deutschen— gestattet, Wilhelm II. wegen Un- zulänglichkeit abzulehnen. Dies scheint uns viel wichtiger als die Frage nach der rassemäßigen Herkunst. Für die Entfernung des..Semi-Jmperator" aus den nationalsozialistischen Buchhand- langen wird gewiß Pg. Auwi sorgen-- wenn er nicht zuvor als„Judenstämmlmg" aus der Partei ausgeschlossen wird! Hören wir zunächst den Inhalt: der junge Meister Wilhelm Friedemann, des großen Thomaskantors erstgeborener Sohn, kommt— wahrhaftig, dies füllt den ersten Akt— nach Dresden. um jenen Wettkampf mit dem welschen Musikus Marchetti zu be- stehen, den in Wirklichkeit sein Vater auszufechten hatte. Der zweite Akt: ein trunkenes Maskenfest im prunkvollen Palais des Grasen Brühl: der junge Bach, ein ahnungsloser Engel, verliebt sich in des Grafen schöne Tochter, ohne jedoch die gleichfalls schöne Muller zu verschmähen, die lüsterne Frau Gräfin, die ilzm den Schlüssel gibt zu ihrem Schlafgemach... Den so entstandenen Konflikt löst Seine Exzellenz, der Graf— er schickt den Frauenliebling kurz entschlossen aus den Königstein. Zwei Jahre später erst wird er enllassen, ein gebrochener Mann. Im drllten Akt sitzt Friedemann an der Orgel im Dom, mn einem Brautpaar aufzuspielen, das er nicht kennt (es kam ihm just so der Einfall): die Braut aber— es ist entsetzlich!— ist die Geliebte, die Komtesse Brühl: sie erkennt sein Spiel, schreit seinen Namen, sie läuft von Altar und Bräutigam fort— zu ihm— der auf der Orgelbonk zusammenbricht und stirbt. Nun, Brachvogel treibt es arg genug, was Sentimentalität anlangt und Pseudoromantik, Graeners Textlieferant Rudolph Lothar aber treibt es ärger: der Liebestod auf der Orgelgalerie wird wohl nur schwer zu überbieten sein. Es ist grotesk: alles Jntcresse, das man dem Schauermärchen entgegenbringt, ist auf den Namen Bach begründet: dabei ist es(ebenso wie Brachvogels be- rühmter Roman) eine vollkommen freierfundene Geschichte, die mit des Titelhelden Leben nicht das mindeste zu tun hat. Da sind die musitalischen Bach-Zitate, da ist die Bach-Symbolik doch offenbar fehl am Ort! Ist schon die Fabel fragwürdig und das Finale schlimmste Kolportage, so ist die Anordnung des Stoffes, die ganze dramatische Anlage mehr als anfechtbar. In losem Nacheinander ziehen die Szenen vorbei, von dramatischen Motivierungen, Span- mmgen, Steigerungen, Höhepunkten ist nirgends etwas zu merken. die Charaktere sind nicht durchgebildet, die Sprache ist von be- merkenswerter Geschmacklosigkeit,— hier sind alle Nachteile eines schlechten Operntextes beisammen, ohne daß der Vorteil wahr- genommen wäre, den schlechte Operntexte meist zu haben pflegen, der Vortell typischer Opernsituationen, in denen der Komponist sich ausleben kann. Wenn Graener sich für diesen Text entschied, dürft« chn vor allem der Kontrast zwischen der strengen Welt des großen Bach, des Doms, der Orgel, sowie der sinnlich-üppigen, der lockeren Hosgesellschaft gereizt haben,— zwei Wellen, die in fugiertem und choralartigen, Stil einerseits, in den verschiedenen Tanzfonnen andererseits ihre zugehörigen musikalischen Symbole finden konnton. Diese Kontrastierung ist ihm auch leidlich gelungen: im ganzen und großen aber ist seine Musik ein Gemisch aus meisterlichen Sägen im alten Stil und modernen Partien, die meist dünn und wenig gehaltvoll sind. Es ist eine Art Professorenmusik: Aus Grund großen historischen Wissens, auf Grund der Beherrschung der Millel des achtzehnten Jahrhunderts wird ein liebevolles Zeitgemälde ent- warfen... es ist musikalische Genremalerei; Oper aber, lebendige Musik ist es in keiner Hinsicht— so sehr auch die uupretlliöse Ein- fachheit, die unbestechliche Ehrlichkeit des Komponisten anzu- erkennen sind. Otto Kraus hatte die Inszenierung besorgt, sein Bühnen- bildner war auch diesmal wieder G u st a v V a r g o. Di« szenischen Probleme wurden so gut wie nirgends gelöst, die Regie des zweiten Akts war ein Ensemble von Ungeschicklichkeiten, das Ballett(für das Lizzie Maudrik verantwortlich war) eine Orgie der Hilflosigkeit. Das zweite Bild war ebensowenig ein bezwingender Hintergrund für ein rauschendes Fest im barocken Kostüm, wie das vierte den perspektivischen und notwendigen Eindruck des Doms zu vermilleln vermochte. Musikalisch war die Aufführung bei dem Gastdirigenten Werner Ladwig in guten 5)änden. Die Titelrolle sang Hans F i d e s s e r. der herrlich bei Stimme war und auch schauspielerisch das Kunststück fertig brachte, diesen Friedemann Bach glaubhaft zu gestalten. Gerhard Hüsch war ein ausgezeichneter Graf Brühl; Rosalind von Schi räch als Kam- teste und insbesondere Mafalda S a l o a t i n i als Gräfin waren ihren Partnern in keiner Weise gewachsen. In den kleineren Rollen: Elisabeth Friedrich, Baumann, Gombert und Gvnszar. Die Ablehnung des Werks, die Einwendungen gegen die Auf- führung sind durchaus nicht als Mißtrauensvotum gegen den neuen Intendanten aufzufassen, der ja vorläufig gezwungen ist. Werke herauszubringen, die er nicht angenommen, sowie Mitarbeiter zu verwenden, die er vorgefunden hat. die er aber hoffentlich in abseh- borer Zeit gegen bestere wird eintauschen können. Arnold Walter. Kleinhäuser zu festen preisen. Busstellung der Bauwelt- Musterschau. In der Bauwelt-Musterschau(gegenüber dem Berliner Theater in der Charlottenstraße) kann man eine Anzahl Kleinhäuser ,zu festen Preisen" in Modellen und Grundrissen ausgestellt sehen; d.h. Architekt und Bausirma verpflichten sich, das dargeboten« Modell in der Wirklichkell schlüsselfertig für den angebotenen Preis zu liefern. Besondere Aufmerksamkeit wird natürlich von den billigsten Klein- Häusern erweckt, die für die zellgemäßen Klein- und Arbeitslosen- siedlungen in Betracht kommen. Die meisten Angebote übersteigen allerdings dieses Niveau; sie bewegen sich um 10999 M. herum, klettern auch bis 29 999 M. In der rechten Mitte findet sich ein zweigeschossiges Haus mll Flachdach, 6 Zimmer enthallend, von aus- gezeichneter 2lrt, für 19999 M., von Paul Rud. Henning: eine ebenso ansprechende Leistung sind die beiden originellen Häuser von Hugo Höring, eins für 7499 M.(es war auf der Bau. ausstellung des vorigen Sommers aufgebaut) und«in außerordent- liches, auf Stützen schwebendes Landhaus für 29 999 M. Brüder Luckhardt zeigen einen Typ. der sich durch Aufstockung in drei Stadien vergrößern läßt, von 19 999 bis 23 999 M. Neben anderen, ganz gelungenen Lösungen von I. N e u m a n n. Baumgarten, Bacher, Kuhnert& P s e i s f e r u. a. fallen an vorteilhaftesten die wirklich kleinsten und billigsten Typen auf, dt« für Arbeitslosensiedlungen in Betracht kommen: das schön« und praktische Häuschen mll Satteldach von Alfred Flschsr für 31S9 M.(Wohnküche, drei Schlafräume und zwei kleine Kammern enthallend, ein höchst beachtenswertes Projekt), der Kleintyp von G o t t h e i n e r für 3539 M. und das Ziegechaus der Brüder L u ck- Hardt für 2699 bis 3309 M., das man allerdings nicht in der Modellausstellung, sondern im Hof und zwar in voller Ausführung findet. Man kann hineintretcn und sich von der Brauchbarkeit dieses kleinsthauses überzeugen. Es ist in vollkommener Trockenbauweise errichtet, d. h. ohne Vorputz, rein aus Holz und Dachziegeln kon- struiert, und die Besonderheit dieser eigentümlichen Lösung besteht darin, daß der Siedler(der Arbellslose vor allem) es bis auf ein Minimum an Facharbeit(Grundmauern und Holztragegerüst) nach den Zeichnungen sich selber zusammennageln kann, wodurch sich der Preis noch um 300 bis 490 M. ermäßigt. Die Einfachhell der Konstruktion ist kaum zu überbieten, und dabei gewährt es den Wärmeschutz eines gut gebauten Steinhauses, ist also für Dauer- bewohnen gedacht. Die verschiedenen Varianten mit Zimmerzahl von drei an und mit Stall usw. bewegen sich im Preis von 2699 bis 3399 M._ P- k. sdu Filmnotizen. Sonntagsmcllineen verschiedener Filmtheater bieten jetzt regelmäßig Kulturfilme. Im Gloria-Palast sah man die„Wunder der Tierwelt im Wasser", aus den Nfabeständen an Kurzfilmen zusammengestellt von Professor Felix Lampe, der auch den«inführenden Vortrag hielt. Das Material ist überreich, und wenn es auch nach bestimmten Gesichtspunkten ge- ordnet ist, doch nicht organisch ausgenutzt Trotzdem bietet der Film vielerlei Schauenswcrtes und regt zum Wundern an. Besonders die Klelnlebewelt ist ausgenutzt und entfaltet ihre glashellen Herr- lichkeiten. Fresien und Fortpflanzung— das scheint alles. Aber auch die Muscheln, Stachelhäuter, die Seefische und großen Säuge- tiere des Meeres stellen sich vor. Wie künstlich Perlen erzeugt und Austern gezüchtet werden, wie Schwämme herausgeholt und Wal- fische harpuniert werden und vieles andere sieht man. Prachtvoll sind die wimmelnden Schoren der Robben und riesigen See-Ele- fanten. Die K a m e r a gibt Renö Clair zu Ehren seinen älteren stum» men Film, den..Florentinerhut". Er ist ebenso lustig wie sein neuester Erfolg:„Es lebe die Freiheit" und in keiner Weise veraltet. Es ist ein Glück, daß die Kamera die Tradition der vor- züglichsten stummen Filme weiterpflegt und die hervorragendsten Werke der Filmkunst davor bewahrt, vorzeitig in die Nacht des ewigen Schweigens zu versinken. Entdeckung von zwei neuen Spiralnebeln. Wie aus New Port gemeldet wird, sind jetzt bei der Mount-W'lson-Sternwarte im Sternbild der Zwillinge zwei neue Spiralnebel entdeckt worden, die als die fernsten der bisher bekannten Himmelskörper gelten können. Dem Anscheine nach entfernen sich diese beiden, dem System der Milchstraße nicht angehörenden Welteninjeln mll einer Gejchwindig- keit von 15 999 Meilen in der Sekunde von der Erde. Dies« Beob- achtung, die bei derartig entfernten Himmelsobjekten in letzter Zeit verschiedentlich angestellt werden konnte, gibt zu der Annahme Ver- anlassung, daß die Fluchtbewegung aus dem Bereich unseres Welt- systems nur eine scheinbare ist und gleichzeitig als eine Bestätigung der von der neuesten Theorie Einsteins geforderten unablässigen Ausdehnung des Weltalls darstellt. Oer Gtaatsrai will Eugenik. Kosten für„Minverwertiae" sollen herabgesetzt we ben. Der Preußische Staatsrat stimmte neuerdings dem Ge- richtsgemeinschaftsoertrag zwischen Preußen und Thüringen zu, wonach in Zukunft die Justizverwaltungege- schäfte hmsichllich der an die Gcmemschast-gerichte angeschlossenen preußischen Amtsgerichts preußischen Behörden, hinsichtlich der an- geschlossenen tbüringischen Amtsgerichte thüringischen Behörden über- tragen werden, während sie bisher auch von gemeinschaftlichen Justiz- deHörden verwaltet wurden. Sodann nahm der Staatsrat folgenden Antrag seines Aus- schuffes an: „In der Erkenntnis, daß der Geburtenrückgang in der crbgefunden, familiär und verantwortungsbewußten Bevölkerung sich besonders stark auswirkt, und daß die Aufwendungen für Menschen mit erbbedingten körperlichen oder geistigen Schäden schon jetzt eine für unsere Wirtschaftslage untragbare Höhe erreicht haben, wird das Staatsministerium ersucht, in Fühlungnahme mll den dazu berufenen Stellen (Aerzten, Pädagogen, Theologen) Maßnahmen zu treffen, um den anerkannten Lehren der Eugenik eine größere Verbreitung und Beachtung zu verschaffen, sowie ferner zu veranlassen, daß mll möglichster Beschleunigung die von den Gemeinden, Kreisen, Pro» vinzen und dem Staate für die Pfleg« und Förderung der geistig und körperlich Minderwertigen aufzuwcn- deickien Kosten auf dasjenige Maß herabgesetzt werden, das von einem völlig verarmten Bolle noch getrogen werden kann." Weniger Geburten in England denn je. Nach den neuesten Zahlen, die soeben von dem Statistischen Amt in England veröffent- licht werden, war die Geburtsziffer für England und Wales im letzten Jahre die niedrigste, die bisher jemals festgestellt wurde. Di« Sterblichkeitsziffer hat zugenommen. Der genaue Vergleich zwischen der Statistik von 1939 und 1931 zeigt eine Abnahme der Geburten um 9.5 auf das Tausend. Die Sterblichkeitsziffer liegt um 9,9 pro Tausend über der von 1939. Die Säuglingssterblichkeit ist um 6 auf das Tausend höher als die von 1939. Die Geburts- ziffer für 1939 beträgt 15,8, die Sterblichkeitsziffer 12,3 auf das Tausend. Diese Zahlen liegen noch beträchtlich unter den niedrigsten Ziffern während des Krieges 1917 und 1918, die damals 17,8 und 17,7 betrugen Die englische Geburtsziffer ist jetzt unter die fran- zöstsche herabgesunken. Antike Münzen. Die Münzenhandlung Robert Ball Nchf., Berlin, bringt am 9. Februar 1932«ine große Sammlung antiker ! Münzen zur Auktion, in einem Umfange, wie sie in Berlin noch nicht zur Versteigerung gelangte. Der 2599 Nummern enthallende Katalog, der auf 69 Lichtdrucktaseln 2999 antike Münzen abbildet, ist ein wertvolles Nachschlagehandbuch für die griechischen und römischen Münzen. Friedensdrama in einer Londoner Kirche. Der Vorsteher der St. Annen-Kirch« in Soho(London) hat das Gotteshaus einer Schausvielergruppe für die Aufführung eines Friedensdramas mit dem Titel„Rüstet ab!" zur Verfügung gestellt. I» der Gesellschaft für Erdkunde spreche» heute, 7 Uhr, im Herren- hauS, Dr. Hugo E ck e n e r über:„Forschungsfahrten des„Grat Zeppelin und Dr. C. Asche nbrenner über:„Die a e r o t o P o- graphischen Ergebnisse des ArktiSflugcS". Im Museum für Meereskunde sprechen Dienstag, 8 Uhr, Prof. Kurt Wcgeiicr' und Dr. Fritz Löwe über die Alsred-Wegener-Er- pebition in Grönlands Eiswüste. Ter bereits ausderkaufte Vortrag wird Sonnabend, 8 Uhr, wiederholt. Di« Degeto setzt ihre Sonderreranstaltungen in der K a m e r a Montag um 3, ö. 7 und 3 Uhr fort und zeigt Filme von Heinrich Hauser u. a. l„Die letzten Segelschiffe",„Chllago" und Teil« aus dem„Hamburger Matrosen- leben"). Dr. Max OSborn spricht über„Die Juden in der Malerei" Montag in der Hochschule für Wissenschaft des Judentums, Berlin N.. Ariiller srraß« 144. Scharfmacher in Ostoberschlesien. Kündigungen nicht zurückgenommen. kalkowlh, 25. Iauuar. Die Aufforderung des Demobilmachungskommiffars zur Zurück- ziehung der gesetzwidrigen Kündigungen im Bergbau und in der E i s e n i n d u st r i e ist von den Unternehmern bisher nicht beachtet worden. Der Arbeitgebervcrband Hot lediglich das Schreiben des Demobilmachung-lommisfars zur Kenntnis genommen, in dem es hieß, daß die durch die Bekanntmachungen ausgesprochenen Kündigungen keine rechtlichen Folgen nach sich ziehen könnten. Der Arbeiterschaft war dagegen die Zusicherung gegeben worden, daß die Aushänge mit den Kündigungen e n t- f e r n t würden. In inehreren Betrieben wurde die Belegschaft auf- gefordert, sich bis zum 25. Januar bei ihren Abtoilungsführern z u melden und zu erklären, ob sie die Bekanntmachungen zur Kennt- nis genommen hätten oder nicht. Durch diese Einstellung des Arbeitgeberverbandes ist eine neue Verschärfung der Lage eingetreten, die olle Verhandlungsmöglichkeiten ernstlich zu gefährden droht. Die Arbeitsgemeinschaft der Gewerkschaften wird vor den Ver- Handlungen des Schlichtungsousschusses nochmals zusammentreten, um zu der neuen Lage Stellung zu nehmen. Ln den Bergwerken von Restava. Unternehmer gehen zum Trucksystem über. Belgrad. 25. Januar. Der Sekretär der Arbciterkammer, Topalowitsch, hat an alle Abgeordnete und Senatoren ein Schreiben gerichtet, in dem er ihre Aufnierksamkeit auf Unruhen lenkt, die sich vor einigen Tagen in den Bergwerken von Restaoa ereignet hotten. Bei den Un- ruhen wurden zwei Bergleute erschossen und drei schwer oerletzt, während viele aüdere von der Gendarmerie verhaftet wurden. Die Bergwerksdirektion teilt dazu nnt, daß der Betrieb, der etwa 2W0 Arbeiter beschäftigt, irrfolge der Wirtschaftskrise die Be- Zahlung der Bergleute nicht mit Geld, sondern mit Gutscheinen habe erfolgen lassen müssen. Di« Gutscheine hätten die Arbeiter für Lebensmittel in den der Bergwerksdirektion gehörenden Geschäften verwenden müssen. Die Bergleute hätten jedoch die Gutscheine zurückgewiesen und die Direktion ge- stürmt. Topalowitsch erklärt dagegen, daß die.Gutscheine au?» gegeben worden seien, um die Bergleute zu zwingen, ihre Lebensmittel in den Kaufläden der Direktion zu beziehen, wo sie drei- bis vierfache Ueberpreis« hätten bezahlen müssen. In dem Schreiben werden heftige Vorwürfe gegen die Haltung der Gendarmerie erhoben, sowie die Entsendung einer Unter- suchungskommission verlangt. Arbeiterbildungsschule. Der Zentralkursiis des Genossen Olk: „Wie schreibe ich für meine Zeitung?" beginnt bestimmt am Dienstag, dem 26. Januar, in der Lindcnstr. 3, 2. Hof II, um y=8 Uhr. Weiler für Berlin: Fortdauer des ruhigen und trockenen Wetters, ohne wesentliche Tempcraturänderung.— Für Deutschland: Nirgends Acnderung des bestehenden Witterungscharakters. �sontox, 25. Jannar. Berlin. 16.03 H. E. Jacob, Wie«: Der Oesterreicher. 16.30 I. Bach: Fantasie C-MoII. 2. Skrjabin; raoft* Sonate, op. 33(Martin Poriky, Flüscl)., 17.00 Zeifeenisslsche Lieder. 17.30 Im Museum für Lelbesübunsen.(Kurt SchBntarlhJ 17.50 Bücherstumle.(Am Mikrophon: Sophia Rogre-BBrner.) 13.15 Paula Ludwig liest eigene Gedichte. 16.25 Studenten diskutieren: Ist der Liberalismus überlebt?(Ltg.: Prof. Dr. Emil Dovlfat.) 18,53 Die funtstunde teilt mit.... 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Orchesterkonzeri. Berliner Funkorchesler. I. Leopold Mozart: Sinfonie ..Die Banemliochzeit".(Mit Dudcisack und Leier.)(Gustav Barra und Helmut Spittel.) 2. Jobann Pezel: Alte Tarmmusik für Bläser. 3. Dvoräk; Slawische Rhapsodie As-Dur, op. 45. Nr. 3. 4, Kodalj-: Marossieker Tänie für kleines Orchester.(Erstaufführung.) 5. Tschai- kowsky: Nußknacker-Suite. 20.50 Tages- und Sportnachrichten. 21.00 Christian Dietrich Grabbe. Zusammonstellung: Rudolf Amhefm. Ltg.; Edle/ Koppen 22.00 Frankfurt: Zeltbericht. 22.-:o Wetter, Nachricbteu und Sport. Tanzmusik. Könlgswusterbausen. 16.00 Anna Oehlmann: Das Pressephoto ta Zeichenunterricht, 17.30 Dr. Ellas Hnrwicz: Die slawische Idee. 15.00 Prof. Wappenschmid: Tonart und Handlung bei Mozart. 18.30 Prof. Dr. Eduard Spranger: Deutsche Not— deutsche Hoffnung. 16.55 Welter für die Landwirtschaft. 19.00 Dr. Rosenbrock: Wie wirbt die Landwirtschaft für ihre Erzeugnisse? 19.30 Ing. W. Frankenberger: Von der Idee zur fertigen Maschine. 20.00 Dr. Frhr. v. Rheinbabcn, M. d. R.: Welt und Abrüstung. 20.30 Langenberg;„Egmonf. Rundfunk der Woche Hörspiel und Lehrspiel. Zwei Arten von sogenaimten Hörspielen beherrschen heute das Feld: das oberflächliche, sentimental, volkstümlich oder mondain betonte Unterhaltungsstück und die belehrende Unterhaltung. Wo aber ist von dieser die Grenze zu ziehen gegen das„Lehrstück", das unterhaltend belehren will? Gewiß, manche Autoren von Hör- spielen dieser letzten Sorte machen es sich sehr leicht. Sie wählen «in mehr oder weniger aktuelles Problem und schreiben ohne tiefere Kenntnis der Materie ein Stück herum. Aber wir haben auch Hör- spiele dieser belehrenden Art erlebt, die sich in bestimmte Fragen- komplexe wirklich einarbeiteten, so daß eine begabte, anschaulich« Reportage zustand« kam. Aber— sind solche Reportagen noch Hörspiele oder sind sie nicht schon vielmehr als Lehrspiele anzu- sprechen? Man kann das verneinen, indem man sich auf den Standpunkt stellt, daß der Hörer vom Lehrspiel die Erörterung solcher Fragen erwartet, die ihm zu seinem persönlichen Leben-s- kreis unmittelbar zweckhaft oder mindestens sinnvoll zu liegen scheinen. Es ist nicht mützig, solche Betrachtungen über die Ausdeutung der Wort« Hörspiel und Lehrspiel anzustellen. Es wird sehr oft so sein, daß man dem Hörspiel ziemlich voraussctzungslos gegenüber tritt, während man vom L e h r s p i e l aus jeden Fall um- fassende Stoffkenntnis und-erfahrung erwartet. Wenn im Hörspiel der Autor ein Problem aus seiner Perspektive erörtert, so nimnü man ihm das häufig selbst dann nicht übel, wenn diese Perspektive offensichtlich schief ist; aber die meisten Hörer sind geneigt, ein Lehrspiel deswegen zu verurteilen, weil sein Stoff nicht oder mindestens nicht auch ihrer persönlichen Einstellung entsprechend beleuchtet wird. Solch« Beurteilung ist gewiß ein wenig primitiv, doch sie ist sicher nicht ganz falsch. Der Hörer, der für«in Lehr- spiel Sachkenntnis mitbringt, setzt mindestens die gleiche Sachkennt- nis oder richtiger das Aufzeigenkönnen dieser gleichen Sachkenntnis vom Autor voraus. Er vergißt allerdings oft dabei, daß in einem Lehrspiel Wesentliches und Unwesentliches getrennt werden müssen, und daß manches als„unwesentlich" von vorn- herein wegfallen muh. weil die schon im Interesse der Aufmerksam- keit der Hörer auf höchstens eine Stunde begrenzt« Spieldauer nur die Erörterung leicht übersichtlich zu machender Fragen zuläßt. Er vergißt dabei auch, daß meist zum Stoff des Lehrspiels auch auf sachkundiger Basis sehr viele Perspektiven möglich sind. Wenn auch der Autor versuchen muß, die typischen Einstellungen so weit wie irgendmöglich zu verwerten, um anschaulich zu gestalten, so wird er doch selbst bei gründlicher Kenntnis und lebendiger Einfühlungs- fähigkeit nur einen Umriß in groben Näherungswerten erreichen. Dr. Würzburger, der Leiter der„Arbeiterstunde" der Deutschen Welle, erklärte in einer Diskussion nach einer Whörstunde anläßlich der Sendung der„Hörsolge" von Otto Berg:„OhneArbeit", das Lehrspiel sei in erster Linie für alle, die sich sonst mit der be- treffenden Frage überhaupt nicht beschäftigten. Ihnen solle es An- reiz geben, sich weiter mit den angedeuteten Problemen zu beschäf- tigen. Das Lehrspiel selber könne im besten Falle es nur auf das eine oder andere ein erhellendes Licht werfen, aber es vermöge keine Ganzheit zu geben: dazu wäre vielleicht ein« große Summe von Lehrspielen imstande. Für diese Sendung war zweifellos die Feststellung berechtigt, -daß sie sich besonders an jene aufrüttelnd wenden sollte, die noch in einer verhältnismäßigen Sicherheit leben und aus dieser Situation heraus dem Problem„Ohne Arbeit" gedankenlos fernblieben. Daß ein L e h r s p i e l aber andere Erwartungen weckt, ließ die oll- gemeine Diskussion über die Sendung erkennen. Jene Hörer, die in Erinnerung an frühere Lehrspiele ter Deutschen Welle belehrende Aufklärung über Grundprobleme der Arbeitslosigkeit und der not- wendigen Gegenmaßnahmen erwartet hotten, zeigten sich enttäuscht. Sie mußten enttäuscht werden: denn, wie Dr. Würzburger sehr richtig feststellte, ez wäre unsinnig, dies« Fragen in einein Spiel van knapp dreioiertelstündiger Dauer erledigen oder auch nur durchdringend erleuchten zu wollen. Umgekehrt wurde von einigen Hörern die Vermutung ouzge- sprachen, eine nackte Tatsachenreportage aus dem Leben der arbeitslosen Masse hätte von stärkerer Wirkung sein können als solche Hörfolge. In dieser Feststellung allerdings scheint mir eine Vcrkennuug der Wirkungsmöglichkeiten des Rundfunks zu liegen, ein Uebersehen der Talsache nämlich, daß der Empfangs- apparat beliebig ausgeschaltet werden kann. Der Wirklichkeit?- bericht muß deni Publikum, das ihn vor allem hören soll, schmock- Haft oder wenigstens leicht verdaulich gemocht werden. Das reine Lehrspiel, dos nur eine bereits vorhandene Intcressentengemeinschaft erwartet, kann unter Umständen als einfacher Tatsachenbericht am erfolgreichsten sein, nicht aber ein solches Hörspiel. Denn als Hörspiel war diese Sendung auf jeden Fall zu werten, und zwar als gutes, brauchbares Hörspiel, dessen Mängel allerdings sich an den Stellen zeigten, wo es die Wendung zum Lehrspiel versuchte— wahrscheinlich, weil der Autor zuerst wirklich ein Lehrspiel schreiben wollte, dann aber die Unmöglichkeit dazu diesem Thema gegenüber spürte. Die Kompromißlösung, zu der er gekommen ist, hat seinem Werk geschadet, wie sie kürzlich in einem ähnlichen Fall dem in der gleichen Sendefolge gebotenen Werk von Bruno Schön- lank„Arbeiterwelt" abträglich war. Beide Autoren wollten keinen Umriß geben, weil sie einsahen, daß ihre Stoffe in diesem Rahmen unmöglich umrissen werden konnten. Sie ver- suchten eine künsllerische Gestaltung eines bestimmten Ausschnittes, und obwohl das in beiden Fällen durchaus nicht unbesriedigent» gelang, spürte man doch jedesmal sehr deutlich, daß den Autoren die Erinnerung, daß sie eigentlich ein Lehrspiel beabsichtigt hatten, zum Hemmschuh wurde. Besonders empland mau das bei dem Werk von Otto Berg. das künstlerisch geschlossen und sehr anschaulich einen Tag aus dem Leben eines Klein stadt-Arbeitslosen gestaltet. Sach- tenntnis, starke Einfühlungsfähigkeit, vielleicht eigene Erfahrung schufen die Visionen für den Hörer. Mit großer Liebe war eine in sich noch gefestigte Arbeiterfamilie gezeigt, die trotz jahrelanger Arbeitslosigkeit einzelner Familienmitglieder den inneren Zusammenhang gewahrt hat. Die letzte Konsequenz, den Hinweis auf die Notwendigkeit allgemeinen Zusainmenhaltens, auf die Not- wendigkeit des gemeinsamen Willens zur Besserung, zur Aenderung der Zustände blieb der Verfasser allerdings schuldig. Sie hätte dem einzelnen Fall allgemeinen Sinn geben können. Aber wenn man van dieser Bescheidung auf den einzelnen Fall absieht, der wohl seinen letzten Grund in der gegenwärtigen geistigen Struktur des Rundfunks überhaupt hat, so darf man dem Werk wohl nachjagen, daß es gute Gebrouchskunst ist— bis auf die Szenen, w" der Kompromiß mit der Lehrspieltendenz geschlossen wurde.— Genosse Flatau vom Arbeiterradiobund, der, wie die meisten Diskussions- redner, trotz mancher Einwände dem Stück im wesentlichen zu- stimmte, hatte sicher sehr recht, als er beonle, daß eine klare Eni» schsidung für Lehrspiel oder Hörspiel dem Werk zum Vorteil ge- reicht hätte, und daß überhaupt erst diese klare Entscheidung es einem Autor ermögliche, dem Hörer etwas Ganzes darzubieten. Tes- Buch VergiU: ZKäfebier erobert den WurfürHendamm*) Gabriele Tergit kommt vom Feuilleton: aber sie ist in diesem ihren ersten Roman nicht stecken geblieben: wenn auch ge- legentliche Abschweifungen, Aufzählungen, Stilverliebtheiten und— Stiloerwaschenhciten noch daran erinnern. Doch ändert diese kleine Einschränkung(es bleibt fast die einzige) nichts am einheitlichen Gesamtcindruck. Das bedeutet doppelt viel bei einem so weiten und großen und zerfließenden Thema: das Thema heißt: Berlin. Der Einzelfall aber, durch den das Thema gestaltet wird, ist mit so sicherem Griff herausgeholt aus der Fülle, führt in einer so geraden Linie durch fast alle Schichten des klein- und großbürgerlichen Berlin, durch Liebe und Geschäft, durch Scheinblüte und Krise, durch Kampf und Krampf, daß noch die kleinste Episode notwendig er- scheint und der Haupthandlung Farbe und Weite gibt, ohne sie zu durchbrechen. Herr Käscbier, der Volkssänger im Osten der Stadt, wird lange unterschätzt, wird im Westen gar nicht bemerkt(typisch Berlin). Wird eines Tages entdeckt von einem kleinen Journalisten, wird danach nochnials und entscheidender entdeckt durch einen be- rühmten Dichter, der natürlich nicht in Berlin wohnt, sonst hätte sich nämlich kein Mensch um die Entdeckung gekümmert, � sondern von auswärt» zugereist ist(ttzpisck) Berlin). Wenn Herr Käsebier, lange unterschätzt, nun endlich geschätzt würde, wäre alles gut: aber jemanden schätzen, das ist hierorts eine unbekannte Vokabel, Käse- bicr wird sofort überschätzt(typisch Berlin!). Er wird gefeiert, es wird Rummel um ihn gemacht, schlechte Journalisten werden durch ihn. aber ohne sein Zutun, zu reichen Verlegern, gute Jour- nalisten verlieren durch ihn ihre Stellung, ein Theater wird am Kurfürstendamm für ihn gebaut, faule Geschäftsleute kommen da- durch nach oben, solide greifen zum Revolver-- und am Ende ist die Krise da, die Geschäftsleute machen pleite, und Käsebier tritt in Kottbus auf(typisch Berlin, wie typisch für Berlin!). Manche wollen hier die Gestattung des Aufstiegs sehen, den kürzlich ein Volkskomiter tatsächlich erlebte— das ist sicher falsch, ist nur insoweit richtig, als dies Schicksal gewiß den Einfall brachte: im übrigen aber ist dies Buch kein Schlüsselroman, er gibt mehr als einen Schlüssel, er gibt dies Narrenhaus Berlin selbst, das in seinen Däpendanccn auch ein Krankenhaus und ein nie ausreichendes Asyl für sinnlos gescheiterte Existenzen aufzuweisen hat. Man kömits dem Buch vielleicht vorwerfen, daß dos proletarische Berlin zu kurz kommt— das wäre falsch, denn es ist besser, ein Schriftsteller schll» dert das eigene Milieu streng und richtig, als das fremde liebevoll und falsch, was doch meist bei solchem Versuch herauskommt: und dann könnte man der Autorin etwa noch eine oder die andere etwas schnoddrige politische Amnerkung verübeln— das scheint zumindest nicht notwendig, denn es kommt nicht auf die Anmerkungen an, sondern auf die Grundhaltung im Seelischen und Geistigen. Wenn die Klugheit ein Buch schreibt, ist es mehr— Gabriele Tergit hat aus beidem heraus geschrieben: aus überlegener Klugheit und aus beteiligter Liebe. Gerliart Herrmann Mostar. *) Verlag Rowohlt. Voraiitn-ortl. für die Redaltisn;«ich. Sce.ftein. Berlin:-Anzeigen: Th.»lade. Sbetlin. Verlag: Vorwärts Verlag G.m.b.H., Berlin. Drnd: Vorwärts Budi» druckcrci und Lerlagsonstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW 08. Lindenfir. S. Hierzu 1 Beilage. Sfaais Thealer Montag, den 2$, Jannar Staatsoper Unter Cen Linden 20 Uhr Ein Maskenball Sl2a!I.Sdiau£ple!!)3us (lendsnsesirarkl. 20 Uhr Othelio bin Kartavitiauf Schiller-Theater Chirlettnibiirj. 20 Uhr l>Ic göttliche Jette plAza t jOieToüi ausWitn liglicl 6 u. bis Wir stet. 2. 5. 815 Hilf — Komfidienhausbn 0 2, WndfDdamm 6304 Tägl. S',4 uhr Gruppe Jooger Schauspieler Die Mutter von Bert Brecht Pietee von 50-Pf. an Ab 27. Ju."switührong Kampf am Kolbenan SfadlbOper Charloltenburg Sismarckstraße 34 Montag, 25. Januar Volksvorstellung Kein Kartenverkauf Anfang 20 Uhr Samson und Dama dnde gegen 23 Uhi WM III.«■"U. Heute gesch'osscn I Morgen Erstaufführung 7i/a Uhr TIMOK von Ferd Bruckner Regie Heinz Hilpen — Kieinei i».— Truppe 1931. TägL 8'/« Uhr Die mausstaite Preise 75 Pf.— 5 M. Sonnt nachm. 4 Ü. bajöft Preise. ToutsbUtue Theater an IDIonlali 8 Uhr Derseiangene mit mbert Bassennaon Stull. Sdüller-llKiiter 8 Uhr Diegotttldie Jette Rose- Theater Onil Fnskfirlif Shale 131 Id. Weite!! E 1 3422 8.15 Uhr Eine Frau von Format Thealer Im AdmiralsDaias! Täglich 8'« Uhr Gitta Aipar in Die IDeebu-ry Frei«« V. OJO FL an nun 3434 RasdieD erlaubt 20 Zlgeunurlnncn spielen, „Zemganno's*1 fliegend* leuchtende Menschen am Luffttrspez im dunkleh Reurn und weitere Varietd-Neuheiten I atina-fliMter Täglich S'/i Uhr Morgen gehts uns gut! Grete Kuttheim Max Hansen Orchester Dajos Bela metropol-Thsater Täglich 8V< Uhr Ein Lied der liebe Rieh. Tnnber Anui Ablers (unerkaufuiKiiiterbrodiin Stethner Sänger im Reichshallen- Theater Dönhoff platz B Bbr. Scnitaji Bbr in r- mäSisten Praisin. Das neue Proijriniiii mild, Burlas!« „So'n Reinfall!" Preise abjebanll »a® rp Ptaguntf Resfaumnt Berlins BETRIEB/ KEMPIHSKIx sv, uhr CASINO-THEAlERsv. vi» Lothringer Strafte 17. iintituiiiiiiitiiiiiiiiibiiiiiiiiiiiumiiitiiKHHiiiiiiMiiiuiiiiiiiiiiiyi Nur noch bis 29. Januar Was man aus Liebe tut und die Operette„Das Scheidnogs-Sonper4* Sonnabend. den 30. Januar zum I. Male Ehen von nemo Gutschein I-4 Personen: Paikett 50 PL. Fauteuil i— Mark. Sessel l. so Mark Die Komödie! S'f, Uhr Der iMiaiK mit dem[ehalten m Wilbtln von Sdmlz Theater desWestens Täglich 8V« Uhr Karl Jökcn in Der Vogeihändier Preise von 50 Pf. an Rorlflrsiendanim- Theater ( I 448- SV« Uhr äufrickt-Praduktion Gasparone Theater am Nallendorfplab bjir Ktiit Siünbur] Pallas 7051 Täglich 8i, Uhr Stils auch 4V» U.hr KLEINE ANZEIGEN Jedes Wort 10 Pf. Fctt<7edfUcktesWort 20 Pfg.(zullssi» 2 fcttgedrudite Worte (Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen für 2 Worte) Annahme durch den Ver ag. Lmdenslr.5 (VtP— 5 Uhr) sämtl ,Vorwäit$*-fMialen u.-Ausgabestellen, sowie alle Annoncen-Expeditionen yerüauie Tapeten Sjitlat. JUIonit' iltnfte 9. KieidunfissiockG. UlftSChB usw. Frackanzua, hochmodern, schlanke Figur 1,70, oerlaust preiswert Schcdcreit, Neu.i HB", Weichsel. fttafue 31. 11 bis 3 Übt.® , Schlofjiniinct, 180 breit, kouiplett 385,—. Möbelhaus Prinzenstraßc 64. musiH- instrumome üintpiano«. 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Schon in der Urzeit haben die vorchristliche» Umwohner der beiden Seen ihren Götter» Opser dargebracht, damit die verhinderten, daß der Walch, das ungeheure Untier auf dem Grund des schwarzen Sees vom Kesselberg, mit seinem Schwanz die Bergwand durchschlüge. Wehe dann den Be- wohnern des Loisach- und Isartales, über die die riesigen Wasser- masscn hercinbräckzcn! Damals hat noch niemand geahnt, daß Menschen jemals so kühn werden könnten, dag Menschcntechnik es jemals ivaocn würde, das Gefäll« der dunklen Walchense«wajser in ihren Dienst zu pressen. Drei Jahre lang wühlte der Menschen- wurm mit Stahl und Dynamit im Innern des Kestclberges, dann war 16 Meter unter de vi Scefpiegel jener Stollen durch den Fels gebohrt, durch den sich das gefürchtet« Element auf die andere Seite des Berges zwängen mußte, um hier, in große Eiscnrohre gepreßt, seine gefesselte Kraft in jene geheimnisvolle Energie zu verwandeln, die mit dünnen Drähten überall dorthin geleitet werden kann, wo der Mensch ihrer bedarf. Jene Menschen aber, die das Märchen in die Wirklichkeit zwangen, sind nichts weniger als mit Reichtmn begabte Zauberer. Die Männer, die in den bitteren ersten Nachkriegsjahren bei schmaler Kost und Lohn in Papierwährung den Wunderbau errichteten, das find die Baraber vom Walchen see, zu deren Andenken, Ehre und gerechter Würdigung Josef Rombeck— selbst einer von ihnen— sein Buch schrieb:„Die Baraber vom Walchensee." (Vorlag des Deutsche» Baugewcrksbundes, Berlin SW 68, 309 Seiten, für Gewerkschaftsmitglieder 3,— Mk. in Leinen gebunden.) Baraber nennt man in Süddcutfchlond und Oesterreich nicht nur den Tiefbauarbeiter, sondern alle jene, die ihren seßhaften Handwerker- oder Bauernberuf aufgegeben haben, und nun von Ort zu Ort ziehend, je nach Gelegenheit und Jahreszeit als Erd- orbeitcr, beim Hopfenzupfen, bei der Kartoffel-, Wein- oder Obst- ernte ihren schmalen Lebensunterhalt verdienen. Zu dem Wort Baraber stellt sich ganz wie von selbst als Gedankenverbindung die Vorstellung von einem Menschen ein, der in Hcustädeln nächtigt, das Sparen für eine Untugend hält, viel Alkohol und Schnupftabak konsumiert, schimpft und flucht, was er nur aus der Kehle bekommt, und an irdischen Gütern nichts fönst besitzt, als was er am Leibe trägt. Aus alledem geht schon hervor, daß„Baraber" ursprünglich nicht gerade als Kosewort gemeint war und empfunden wurde. Woher das Wort stammt, weiß allerdings niemand. Ein echter M?Sbcr, nach dem Sinn seiner Standesbezeichnung gefragt, wird. in gg von 100 Fällen nur die Antwort missen:„A B a r a b e r i s h'oit a Baraber!" Leute mit gründlicherem Förschertrieb wollen wissen, daß das Wort Baraber von Barabbas, dem Räuber aus dem Evangelium, abgeleitet sei oder aus Barfüßler entstanden wäre. Die meiste Wahrscheinlichkeit hat allerdings jene Vermutung für sich, die annimmt, das Wort Baraber sei auf den Tiefbauten selbst entstanden, wo früher Italiener. Slowaken, Polen und noch mehr landfremde Leute mit Deutschen zusammen arbeiteten und wo aus dem Sprachgewirr sich schließlich eine sozusagen internationale Benennung herauskristallisiert habe. Immerhin, die Tiefbauarbeiter selbst haben heute das zuerst mir als Scherz- und Schimpfwort gebräuchliche Wort für sich akzeptiert. Wieviel Galgen- Humor über das zwangsläufige Herabsinken auf den allgemein als niedrig angesehenen Beruf des Erdarbeiters dabeigewesen sein mag, kann man dahingestellt sein lassen. Nur aus der Perspektive eben dieser Barober schildert Rambcck den Bau des Walchenfeekraftwerkes, und das ist d a s N e u e und Erschütternde an seinem Buch. Endlich einmal bekommen die durch die Jahrtausende stummen Namenlosen mit Schaufel und Spitzhacke Stimme und Ausdruck, das Milliardenheer der un- Mannte» Heloten, die mit ihrer Lebenskraft jene Bauten mörteln, die reinlich gekleidete Reifende als Wunder der Technik zu bezeichnen pflegen. Sachlich und ohne Auflehnung erzählt Rambcck von Hitze und Kälte, Rauchvergiftungen und Hunger. Nässe und Staub, Miidig- teil und Stumpfsinn, Roheit und Kummer, Tod und Verwundung, die erduldet werden mußten, um die gewaltige Stauanlage zu errichten. Der schlichte Bericht, durch den klar wird, daß diese Heroen der Technik in ihrem Heldentum nur von Lohnkürzungen und völliger Unsicherheit ihrer Existenz angefeuert wurden, macht die Klassenlage besser klar, als flammende Anklagen«s vermöchten. Und wenn im Schlußkapitel drei von d e n M ä n n e r n. die gute Lebensjahre in dos Werk hineinvcrbaut haben, die Steine, die sie geschleppt und gesetzt, nur durch ein«isern es Gitter wiedererkennen dürfen, während elegante Fremde das Bau- wunder in aller Ruhe besichtigen, dann hat Rambcck es wieder nur der harten Wirklichkeit überlassen, di« soziale Anklage zu formulieren. Aber auch noch in anderer Hinsicht ist Rambccks Arbeit be- merkenswert Sie unterrichtet über die P o l i t i s i e r u n g einer Arbeiterschicht, die eher zu der Nachhut als zu der Spitzen- gruppe der kämpfenden Proletarier gerechnet ivenen muß. Diese Leute sind gewerkschaftlich und politisch unzuverlastig, weil sie immer wieder aufs neue bunt zusammengewürselt werden und in ihren Reihen auch viele deklassierte Bauern und Kleinbürger Zmlucht finden. Das alles, mit deni Alkoholzwang zusammen, den die elenden Wohnungsoerhältnisse und gewissenlose Kantinenwirte ausüben, erschwert die Entwicklung einer Berufstradition und proletarischen Klassenbewußtseins. Der Verfasser zeigt auch die Aufgaben, die ein Betriebs- obmann und Gewerk schaftsoertrauensmann am Walchensee-Kraftwerkbau in den wildbewegten Jahren»ach dem Kriege zu leisten hatte. Sein Held aber entwickelt gerade daran seinen politische» Sinn und wirif zum eijrigcn Agitator für die oft umkämpften und umstrittenen Gewerkschaften. Es fällt ihm nicht leicht, während der Münchener Rätezeit und in den Jahren der Inflation die einmal als richtig erkannte Politik der Gewerk- schaften und der Sozialdemokratie vor Menschen zu vertreten, die verantwortungsloser Phraseologie geneigter sein mußten als regel- mäßiger Beitragszahlung. In unserer Zeit, wo es in gewissen Kreisen fast zum guten Sü>n gehört, sich über die mühselige und schwunglose Kleinarbeit e s Gewerkschaftsfunktionärs hoch erhaben zu dünken, �zwiAciieft�afä! in ItxaHtyotdamm Ein paxCamentfiCericfit An einer politisch besonders windigen Ecke, an der unsicheren englischen Landbrücke nach Indien, tagt in Transjordanien ein Pseudo- Parlament unter englischer Oberhoheit, In diesen» Parlament sitzen die Beduinenscheichs bis an die Zähne bewaffnet: damit sie sich selbst wichtig vorkommen und die Freiheit ihres Volk«? repräsentieren. In Anbetracht der Erinnc- rung an früheren türkischen Glanz verleiht der Emir von Trans- jordanien mit Leidenschaft Pascha- und Bey-Titel an die Parlaments- Mitglieder. Diese Titel verlecht er erstens, um sein« völlige Unab- hängigkeit(mit Ausnahme von England) zu beweisen, und zweitens, um eine nie versiegende Quelle für«inen ansehnlichen Nebenverdienst zu haben. Die Titel kosten nämlich Geld, Pferde oder Getreide. Die. regierungstreuen Häuptlinge, also sitzen im Parlament und dürfen sich um vielerlei Dinge kümmern, nur nicht um die Politik... ein Zustand übrigens, der auch in Europa nicht mehr ganz unbekannt s«in soll, wie auch den Beduincnscheichs Europa nicht mehr ganz unbekannt ist. Der Beweis? Eine kleine Parlomeicksszene, die wir, so gut es geht, wortgetreu einem arabischen Parlaments- bcricht entnehmen, mag ihn erbringen. Saleh Pascha erhebt sich und befürwortet die Einführung des palästinischen Pfundes in Transjordanien. Madsched Pascha(sehr erregt!:„Der Antrag steht aus- schließlich im Interesse des Antragstellers. Ich bin ganz energisch dagegen!" Saleh Pascha(mit der Faust auf den Tisch schlagend):„Du lügst!" Madsched Pascha(aufjpringcich):„Was, du sagst, ich lüge? W i r sind hier doch nicht in einem europäischen Parlament!"(Zieht seinen Krummjäbcl aus der schweren, silberbeschlagcnen Scheide und geht mit erhobener Waffe auf Saleh Pascha.zu.) Ein Parlamentsmitglied springt geistesgegenwärtig hinzu, er- greift Madsched Pascha beim Handgelenk und wendet den Hieb ob, so daß bloß der Mantel und nicht der Kopf des Gegners halbiert wird. Daraus verlagt sich das Parlament. Der Emir von Trans- jordanien muß den Streit schlichten und wird hier einmal wirklich seine politischen Fähigkeiten spielen lasten müssen, im» einen Krieg zwischen den Stämmen der beiden Paschas zu verhindern... 'Je Die Moral von der Geschicht'? Frciligrath war es wohl. der Anno dazumal einem Indianer die Worts in den Mund legte: „Wir Wilden sind dach bessere Leule." Ob die Wilden von damals wirklich den Eindruck hatten, ist nicht festzustellen, daß es heute so ist, dasür liefert der ehrenwerte Scheich Madsched Pascha einen nicht gerade von der Hand zu weisenden Beweis. Immerhin, ein Krieg würde bei uns wohl kaum ausbrechen, wenn ein Scheich von Europa einen anderen Scheich von Europa einen Lügner scheiten würde. Darin find wir zivilisierter. Aber ob nicht ein größeres für uns alle nicht unwichtiges Stück Weltgeschichte anders verlausen wäre, wenn große europäische Scheichs es ver- mieden hätten, sich selbst und andere zu belügen? (fytffCin vet&ehC..« ErgeßntAic einet Hafenicandetung Die rapide Entwicklung, die Berlin in kurzer Zeit zur größten Stadt Deutschlands gemacht hat, hat naturgemäß auch einen bc- sonderen Aufschwung des Wirtschaftslebens zur Folg« gehabt. Dieser Ausschwung ist in erster Linie möglich gewesen durch die Gunst der Lage, die Berlin an das System der Elbe schließt und es außer- dem zur nahen Oder weist. Dadurch ist seit langem Binnenschissahrt ein wesentlicher Faktor siir die Stadt gewesen, und durch den Bau von Kanälen, durch Ausbau der natürlichen Wasserstraßen und Schassung von Hafenanlagen sind die gegebenen Bedingungen so gut genutzt, daß Berlin heute der größte Binnenhafen neben Duisburg-Ruhrort ist, So pulst auch vielleicht das Wirtschaftsleben Berlins nirgends so lebhast wie In den Zentren des Schiffsverkehrs, vor allem bekoinmcn wir nirgends einen, so guten Ein- und lieber- blick, wie hier. Sehen wir uns die jüngste, erst 1923 vollendete Hafenanlag«, den West Hafen am Ringbahichof Beusselstraße, an, und besteigen wir etwa den Turm des großen Getreidespeichers im Hafen II. Da breiten sich unter uns die drei großen Hafenbecken, die bei einer Breite von je 55 Metern ein« Läng« von 523, 633 und 323 Meter haben und 100 Schiffe mit je 600 Tonnen aufnehmen können. Groß« Kran anlagen bewältigen den Umschlag von den Kähnen in die Eisenbcchnwaggons oder Fichrwerke und umgekehrt. oder bringen erst die Güter zum längeren oder kürzeren Lagern in die großen Hallen und Speicher, die die Kais flankieren Eingang und Umschlag der Waren sind seit Eröffnung des Westhafens äußerst stark gewachsen. Sehr wichtig ist bei dem Ueb erwiegen des Eingangs über den sofortigen Umschlag die Schaffung großzügiger Speicheranlagen und Lagerräume. Woher nun alle die Güter kommen, wohin sie verschifft werden, zeigt uns ein Blick in die weitere Umgebung des Hafens, die von so Holzem Standpunkt weithin zu übersehen ist. Da laufen nach Nord- westen zwei sich bald vereinigende Kanalarme, die als Groß- schiffahrtsweg über die obere Havel und durch die Senke, die auch der alte, unzureichende F i n o w k a n a l benutzt, den Verkehr zur Oder und damit nach Stettin leiten. Nach Südwesten und dann scharf nach Süden umbiegend läuft eine Kanalstrecke zur Eiimüindung des Landwehrkanals(Hallesches Tor, Potsdamer Brücke) in die Spree bei Charlottenburg. Damit wird einmal eine südliche Verbindung zum zweiten großen Umschlagplatz Berlins, zum Osthafen (Warschauer Brücke) hergestellt, der den Verkehr der oberen Spree, des Oder-Sprcekanals und damit der oberen Oder einsängt. Außer- dem ergibt sich dann aber nach Westen über Spree, Havel und die mannigfachen Verkürzung sfl recken eine Ausfallstraße nach M a g d e- bürg und zur Elbe. Aus dieser Verknüpfung der Wasserwege und ons der modernen, zweckmäßigen Einrichtung der Gleis- und Krananlagen, der Fahr- strahen und Speicherräume ergibt sich die bedeutende Stellung des reicht Rambcck so dem schlichten Helden der Arbeiterbewegung den Ehrenkranz dichterisch gestalteter Menschlichkeit. Hier wird einmal gesagt, wieviel Treue und Anständigkeit, wieviel Glaube und Selbst- kontrolle zur zähen unermüdlichen Arbeit im Betrieb, zum innner- währenden Organisieren, zur ständigen Agitation von Mund zu Ohr, zum Markenverkaufen, zum Zeitungsverteilen gehört. Und wo bliebe der gesetzliche Arbeiterschutz und das Tarifrccht ohne diese Auf- opferung? Hier hat einer aus der Masse ein durchaus nützliches Buch geschrieben, eine Menge wertvoller Erkenntnisse niedergelegt und dazu ein unbekanntes Milieu gegenständlich gemacht. Das Buch bleibt nicht Im Oberflächlichen, Reportagehaften �stecken: die verschiedenen Organisationssormen und politischen Systeme der 2lr- bcitertlasse werden vom Dialog her angeleuchtet und aus der ökono- mischen Situation ihrer Vertreter klargemacht. Wenn Rambeck auch noch den letzten Rest ornamentalen lite- rarischen Balastes von sich abstreift, wenn er die manchen Rätsel, die ihm die deutsche Sprache noch ausgibt, gelöst haben wird, dann wird dieses Erstlingswerk eines Arbeiters die Laufbahn eines guten proletarischen Schriftstellers eröffnet haben. Heute schon können wir Rambcck begrüßen als einen Sprecher für den Neubau der gesellschaftlichen Ordnung durch die Slrbciterklasse, der es verdient, gehört zu werden. Geors ScKsvsrr. Westhafens, die bei der Fertigstellung des Mittelland- k a n a l s sich»och weiter lzeben wird. Neben die beiden großen Hasenanlagen im Westen und Osten treten eine Reihe von kleineren Häsen im Innern, von größeren an der Peripherie(Spandau, Neukölln) und Ladestroßen, die zu der schnelleren Versorgung der Großstadt beitragen. Nicht einbeschlossen in den Ring von Wasserstraßen ist nur der Teltowkonal, der im Bogen von Britz bis Nowawes südlich um Berlin herumgeht. Er ist zwar auch mit den anderen Kanälen verbunden, dient aber nickst der Versorgung Berlins, sondern ist Umgehungsstraße. Er erspart«inen Weg von 16 Kilometern, vermeidet den lebhasten Berkehr und die Schlaufen innerhalb der Stadt und ist so eine schnellere, direktere Verbindung von Oder und Elbe. Haben wir so das wirtschaftlich« Leben Berlins an einem seiner Brennpunkte kennengelernt, so wollen wir nun noch einen Blick aus die gesamte wirtschaftliche Verflechtung Berlins mit dem übrigen Deutschland werfen. Die Riesenstadt ver- schluckt eine Unmenge von Gütern aller Art, die Aussuhr ist dagegen verhältnismäßig gering und eigentlich nur für die nächste Umgebung, die Mark Brandenburg, von einiger Bedeutung. Für die Aus- fuhr kommen nur in Frage Alteisen, das in einer Großstadt reich- lich abfällt, tierischer Dünger, Kunstdünger und Chemikalien, für die kein« oder nur eine beschränkte Verwendung in Berlin selbst testeht. und schließlich die Jndustrieprodukte, die größtenteils über die Unter- elbe nach Uebersee gehen. Aus diesem ungleichen Berhällms von Einfuhr und Aussuhr er- gibt sich notwendig ein Verkehrsproblem, nämlich die Schwierigkeit, Rückfrachten zu bekommen, und oft der Zwang, geladen an- kommende Berkehrsmittel leer zurücklaufen zu lasten. Die Einfuhr Berlins erstreckt sich naturgemäß aus alle nur möglichen Produkte. Dabei liefert jede Landschaft Deutschlands die ihr eigentümlichen Erzeugniste. Da tritt hervor das durch die Kohle einseitig bestimmte Oberschlesien, das ähnliche Ruhrgebiet, da stehen andererseits- die rein landwirtschaftlichen Landschaften Mecklenburgs, Schleswig-Holsteins(mit Betonung Fleisch) und Ostpreußens(mit Betonung Holz). Vielseitiger find die Gebiete Hannover-Oldenburg und Magdeburg- Anhalt(mit den Hauptprodukten Zucker und Kali), am buntesten schließlich die Warenmengen, die von der Unterclbe und Pommern-Grenzmark(Stettin!) herkommen, und die in der Fülle der Produkte in dem Porkonimen landfrenider Waren den Einfluß der deutschen Großhäfen verraten. Es ist klar, daß diese wirtschaftliche Verbundenheit am größten ist mit den industriellen Gebieten, besonders mit, denen, die die Roh- stoffe liefern. Gegen die räumlich kleinen Landschaften wie Ober- schlesien oder das Ruhrgebiet treten die ausgedehnten, aber rein landwirtschaftlichen, Ostpreußen, Mecklenburg, mehr zurück. Wichtig ist aber auch die Verkehrslage, die Möglichkeit zu billigen Frachten, d. h. zum Transport zu Master. Darum wird aus Süddeutschland außerordentlich wenig eingeführt, darum ist Oberschlesiey ein weit wichtigerer Lieferant als das ferne Ruhrgebiet, und so erklärt sich besonders der krasse Einfuhrunterschied zwischen Unterclbe und Unterweser. Ist doch, solange der Mittellandkanal noch nicht fertig ist, keine unuisterbrochene Binnenschiffahrt zur Unterweser möglich. Bei allen Erwägungen haben wir bisher Brandenburg beiseite gelassen. Man ist überrascht, aus der Statistik zu sehen, daß die Provinz Brandenburg mengenmäßig die größte Einfuhr nach Berlin hat! Es zeigt sich hieraus, eine wie große Bedeutung die„arme" Mark für ihr Zentrum besitzt. Wenn es auch keine hochwertigen Erzeugnisse sind, die Brandenburg liefert, so sind es doch mit die wichtigsten für eine Großstadt, wie z. B. die Erden, Kalk, Zement und Steine. Es sind auch di«, die einen großen Laderaum verlange» und deshalb möglichst zu Schiff transponiert werden müssen. Und so erweist sich auch hier wieder die Wichtigkeit von Wasserstraßen, einmal für die Großstadt, die die Güter möglichst billig bekommen muß. und dann für die Mark Brandenburz selbst, für die eine Erschließung durch Flüsse und Kanäle lebensnotwendig ist. Trotz der guten Eisenbahnverbindungen, trotz des immer wachsenden Kraftwagenverkehrs sind die natürlichen und künstlichen Wasserstraßen mit eine Hauptgrundlage für das wirtschaftliche Sein und Wachsen Berlins. vrt. (Aus joh. Mate„Geographische Wandeningeu durch die Mark Brandenburg". Verlag Dietrich Heuner, Berlin.) Arbeiier~Sonntags~Fu£ball Eintracht gewinnt 5: 3 I)er Sportplatz in der Kynaststraß« hatte gestern wieder einmal seinen großen Tag. Mehr als 121)0 Zuschauer umsäumten den Platz, als Eintracht- Reinickendorf und Luckenwalde I zum Ent- scheidungsspiel um die Meisterschaft der Abteilung A antraten. Es ist festzustellen: Der größte Teil der Zuschauer war für die Luckenwalder eingenommen! Den Anstoß Luckenwaldes fing die Läuferreihe Eintracht? ab, um sofort das Spiel in die Hälfte der Gäste zu oerlegen. Eine Ecke nach der anderen erzielte der fchuhfreudige Sturm, weiter ge- lang aber auch nichts. Die Luckenwalder verließen sich ganz auf ihren Torwart, sollten jedoch bald von ihm verlassen sein. Das, was Wendlandt gestern zeigte, war bestimmt keine große Klasse. Einige Durchbräche des Luckenwalder Sturms wurden wohl sehr gefährlich, wurden aber fast immer durch Abseits unterbunden. Eintrachts Sturm verfiel dann in den alten Fehler, bis vor das Tor zu kam- dinieren, aber den Schuß dann zu verfehlen. In der 24. Minute lief der schnelle Linksaußen Luckenwaldes auf und davon. Gut legte er dem Halbrechten den Ball vor und unter brausendem Jubel der Anhänger war das erste Tor erzielt. Das war für Eintrachts Mannschaft das Signal zum Angriff. Zug um Zug ging es jetzt nach vorn. Bei der siebenten Ecke faustete Luckenwaldes Torwart den Ball ins Feld, ein Verteidiger bekam ihn auf den Kopf und bevor jemand eingreifen konnte, war der Ausgleich hergestellt. Bereits eine Mi- nute später lautete das Resultat 2: 1 für Eintracht. Die 40. Minute brachte dann einen Elfmeter für die Gelbhemden, der auch glatt zum 3. Tor oerwandelt wurde. Die wenigen Minuten bis zur Pause konnten trotz größter Anstrengung von beiden Seiten an dem Er- gebnis nichts mehr ändern. Halbzeit 3:1 für Eintracht. Ecken 8: 3 für Eintracht. Gleich nach der Pause waren es wieder die Reinickendorfer, die den Ton angaben. Bereits in der zweiten Minute muhte der Tor- wart der Schwarzen den Ball zum viertenmal zur Mitte geben. Eine Flanke des Rechtsaußen sing er wohl, doch warf er den Ball dann hinter sich ins eigene Tor. Damit war das Schicksal der Lucken- walder besiegelt. Wohl gab sich der Sturm noch einige Mühe, das Resultat zu verbessern, an der sicheren Verteidigung Eintrachts scheiterte jedoch jeder Angriff. In der 20. Minute gelang Eintracht dann noch der fümte Treffer. Dann riß sich Luckenwaldes Mann- schaft noch einmal zusammen mit dem Ergebnis, daß in der 23. Mi- nute zum zweiten Tresfer eingesandt werden konnte. Doch nur zwei Minuten später und das Resultat lautete 5: 3. Jetzt schien es, als tauten die Luckenwalder erst richtig acks. Immer gefährlicher wurden die Angriffe. Eintracht hätte es ja sehr leicht haben können, den Vorsprung zu halten, indem die ganze Mannschaft zurückgezogen würde: damit ließen sie sich aber zum Glück nicht ein. So blieb Eintracht mit 5:3 Sieger und Abteilungsmeister. — Da Adler in Teltow mit 7: 3 gewinnen konnte, stehen die beiden Abteilungsmeister fest. Das Entscheidungsspiel um die Berliner Meisterschaft findet Anfang Februar statt. Weite« Resultate: Minerva gegen Bolkssport-Neulölln 8:2.— Lichtenberg 2 gegen Osten t:3.— Schöneberg gegen Borwiirts-Wedding 1:5.— Lichtenberg 1 gegen Britz 88 2:4.— Friedenau gegen Trebbin 8:4.— Werder gegen Drewitz 6:1.— Potsdam 2 gegen Ketzin 2 7:1.— Minerva Bezirk gegen Normannia 2 8:8.— Fricbenad 2 gegen Trebbin 2 4:o.— Jugendmann- ZdA. 3:0.— Minerva 2 gegen Union-Tempelhof 1:0.— Eiche, Bohnsdorf gegen ichaften: Minerva gegen ASB. Neukölln 8:0.— Minerva 2 gegen Eintracht- Reinickendorf 2:2.— Minerva Schüler gegen Zossen 8:1. ■k Der Bundesmeister geschlagen und ausgeschieden. Lorbeer 06, der Bundesmeister des Arbeiter-Turn- und Sportbundes, hat das Entscheidungsspiel um die Homburger Bezirksmeisterschaften gegen den Exbundesmeister Bahrenselder SV. 1919 mit 0: 1 verloren. 8000 Zuschauer sahen einen großen Kampf. Das siegbringende Tor fiel in der ersten Halbzeit. Auch der Schlesische Meister geschlagen. Sportfreund« Waldenburg sind im Wiederholungsspiel gegen den Oberschlesischen Meister Eiche-Hindenburg von 5000 Zuschauern mit 1:2(1:1) unterlegen. Das erste Spiel endete nach mehrmaliger Verlängerung 2: 2. Die Entscheidung um die Schlesische Meisterschaft fällt nun zwischen Hindenburg und dem Görlitzer Bezirksmeister Jahn-Penzig. Der österreichische Arbeiterfußballverband beabsichtigt in diesem Jahre internationale Fußballwettkämpfe auszutragen mit Deutsch- land, Ungarn, Rumänien, Polen, Schweiz, Frankreich, Belgien, Dänemark, Norwegen. Weitere Werbefahrten mit der Länder- Mannschaft sind geplant nach Griechenland, Spanien und Schweden. ttocke� Das Hauptspiel des Tages zwischen Tennis-Rot I und dem Sportverein Moabit I fiel dem aufgeweichten spielunfähigen Boden zum Opfer. Der Arbeitersportverein Rot-Weiß I konnte der Freien Sportvereinigung Pankow mit 9: 3 Toren das Nachsehen geben. Bis zur Halbzeit führte Rot-Weiß das Spiel ganz überlegen(5:0), um dann nach der Pause sehr nachzulassen, so daß die Pankower jetzt gut aufkamen und den weiteren vier Erfolgen drei eigene ent- gegensetzen konnten. Die Freie Turnerschast Groß-Berlin Tempel- hos I und der Athletik-Sportklub trennten sich in einem Freund- schaftstreffen unentschieden 1:1.— Mit 4: 1 Toren siegten Arbeitersportverein Rot-Weiß 2 über Wedding I in einem schnellen und interessanten Spiel. Der Arbeiiersportverein Schöneberg 07 setzte seinen Siegeszug durch einen 4: 1-Sieg über FSpV. Pankow 2 fort. Welte« Resultate: Sportverein Moabit 2 gegen FTGB. Temvelbof 2 6:1. — VfL. Ostrlng 8 gegen Tennis-Rot 4 mit 7:1.— ASV. Rot-Weiss 8 gegen Tennis-Rot 8 mir 1:1.— Tennis-Rot 2 gegen Freien Locken-Klub Spandan 2 mit 4:2.— Athletiksportklub 2 gegen ASV. Rot-Weitz Jugend mit 2:1.— Bei den Frauen siegte Tennis-Rot 1 über 2 mit 6:0 und die Frauen vom ASB. Rot-Wcitz gegen VfL. Ostring mit 4:0. Jubiläum bei„Freiheit" 15 Jahre Arbeitcr-Schwimmvcrein Man muß es den Mitgliedern des Arbeiter-Schwimmoereins Freiheit lassen, sie haben es verstanden, aus ihrer Jubiläums- Veranstaltung mehr zu machen als eine Gelegenheit zum spart- lichen Wettkampf. Auch das letzte Plätzchen der festlich geschmückten Schwimmhalle in der Oderberger Straße war gefüllt, als der Vor- sitzende de? Vereins das Fest eröffnete. Einem Prolog, von einer Schwimmerin in der Schwimmloge gut zum Vortrag gebracht, schlössen sich die sportlichen Wettbewerbe an, von den Schwimmern ehrgeizig umstritten. Ein schöner Kampf über die ganze Strecke war die einleitende Kraulstafsel über 10x48 Meter, die Hellas nur knapp gegen Lichten- berg und Freiheit gewann. Mit verständlichem Eifer waren die Kinder in der folgenden Staffel 6X48 Meter, die schließlich eine Beute Lichtenbergs wurd». Ueberraschend blieben dann Freiheit? Frauen in der 6x48 Meter Bruststaffel gegen Hellas erfolgreich. Große Felder gab es in den Einzelwettbewerben, und viele Läufe waren erforderlich, um die Besten im 96-Meter-Kraulen der Männer in den Leistungsklassen A und B zu ermitteln. Im Springen mußte Nachtigall-Hellas wegen Erkrankung dem Sport fernbleiben. Be- gabter Nachwuchs zeigte teilweise schöne Sprünge. Aehnlich stark wie bei den Männern war die Beteiligung der männlichen Jugend im Kraulen über 96 Meter in beiden Altersklassen. Ein vollendet vorgetragener Retgen der Frauen des Veranstalters fand den größten Beifall aller Vorführungen. Dann folgten interne Wettbewerbe, und schließlich schwammen die vier Gründer des Vereins eine „Ehrenrunde", stark mit Beifall bedacht. Flott und interessant auch die Wasserballspiele der Jugend und der Männer. Den Schluß bil- dete ein stimmungsvoller Lampionreigen, der dann in geschickter Form zu einer imposanten plastischen Kundgebung überleitete. Erawlstaffel für Männer, 10 mal 48 Meter: 1. Hella» in 4:34,8: 2. Lichten- berg in 4:öö,6.-- Kinder-Bruststatfel, 6 mal 48 Meter: 1. Lichtenberg in 4:25,2; 2. Freiheit in 4:27.— Bruststaffel. 6 mal 48 Meter(8 Frauen, 3 weibl. guaend): l. Freiheit in 4:31; 2. Hellas in 4:81,5.— Männercrawl, 06 Meter, Klasse A: 1. Polte-Hellas in 1:01,2; 2. Richter-Freiheit in 1:02.— Klasse B; 1. Pritschow-Hellas in 1:05,2; 2.(Barste. Hellas in 1:06,8.— Springen: i. Lahr. Freiheit; 2. Menzel-Hellas.— Männliches Iugendcrawlschwimmen, 06 Meter, 14—16 Jahr«: 1. Könlgsbcrg-Möwe 1:12; 2. Hinlelmann. Hellas 1:13.— 16— 18 Jahre: 1. Kuttig. Möwe 1:07; 2. Kickebufch-Neuköll» 1:08,8.— Männer- schwimmen, beliebig, 48 Meter, 80— 40 Bahre: 1. Echröder-Möwe 0:30,8; 2. Schüler-Freiheit 0:31,8.— 40-50 Iah«: 1. Jansen. Freiheit(1:36,6; 2. Bethke- Freiheit 0:39.— Männerlagcnstosfel, 4 mal 96 Meter: 1. Lichtenberg 4:41,4; 2. Hella» 4:43.— Pushball. Frauen: Freiheit gegen ibroß-Berlin-Mitte 8:0.— Wasserball, Jugend: Freiheit gegen ochöncberg 7:2.— Wasserball, Männer: Freiheit gegen Möwe 8:6. Jahre„Soli"-Friedrichshain Aus 31 Mitglieder werden 340 000 Ais vor 28 Jahren in den Andreas-Festsälen eine kleine Schar unentwegter Arbeiter-Radfahrer zusammentrat, um einen Verein zu gründen, da hotte wohl niemand der 32 Anwesenden gedacht, daß dieser kleine Berein einmal der Grundstein zu der jetzigen Masienorganisation, zum Arbeiter-Rad> und-Kraftsahrerbund S o- l i d a r i t ä t sein würde. Bald nach der Gründung, so führte der Gauleiter Seeger bei dem 28jährigen Stiftungsfest der Gruppe Friedrichshain gestern aus, erschien im„Vorwärts" ein Aufruf zur Bildung eines Radfahrerbundes. In Offenbach, dem heutigen Sitz des Bundes, traten die Dele» gierten zum erstenmal zusammen. Im Jahre 1896 zählte der Bund 500 Mitglieder, während es 1900 bereits 10 000 waren, die sich be- sonders der Agitation für den Sozialismus zur Verfügung stellten. Im Jahre 1904 trat man dann in Erfurt zusammen und grllndkte den jetzigen Arbeiter-Radfahrerbund Solidarität. Mehr als 62 000 Mitglieder standen dort zur Verfügung. Die Reaktion machte Polizei und Staatsanwalt mobil, Ausweisungen erfolgten, durch die Politisch- erklärung von dem Bund die Jugend genommen. Trotzdem ging es vorwärts. Da drohte während und nach dem Krieg wieder der Zusammenbruch. Von 150 000 Mitgliedern blieben nur 22 000 übrig. Die Alten hielten aus, die Inflation konnte nur mit Hilfe der aus- ländischen Bruderorganisatwnen überstanden werden. Doch dann kam der Aufschwung. Von 1919 bis 1928 oermehrte sich die Mit» gliederzahl von 190 000 auf 340 000. Die kommunistischen Wühler oersuchten auch bei den Radfahrern ihr Heil, durch Stehlen der Geräte glaubte man den Betrieb stillegen zu können. Mit Hilfe der Sozialdemokratischen Partei gelang es jedoch, auch diese Scharte bald wieder auszuwetzen. Diese Hille führte dann zum weiteren Zu- sammenarbeiten zwischen den Radfahrern und der Partei, bis zur Einreihung der Sportler in die Eiserne Front. Partei, Ge- werkschasten, Reichsbanner und Arbeitersport, das sind die vier Säulen der Arbeiterbewegung, die fest zusammenstehen, so schloß Seeger unter stürmischem Beifall. Bürgermeister Mielitz vollzog dann die Taufe der sechs neuen Saalsporträder. Bei dem anschließenden gemütlichen Beisammensein zeigten die Olympiasieger, die in Kaputh beheimatet sind, ihre große Kunst im Kunstfahren. vie Ringermeistersdiaft Friesenheim Bundesmeister 3n den S lektlner Zentralhallen wurde gestern die Schlußrunde um die Bundesmeisterschaft im ZNnnuschafks. ringen des Arbeiker-Alhlelen-vnndes Deutschlands ausgetragen. Endrundengegner waren die Grnppenmeister.Stolzen- Hagen 25" und(jrlesenheim- Ludwigshasen. Vor fast Z000 Zuschauern gewann der mehrfache Bundes- und Süddeutsche vkelsier Friesenheim nach einer längeren Pause den Titel wieder zurück. Haüentest in Magdeburg Berliner Arbcitersportler behaupten sich gut Bor 6000 Zuschauern und bei 1500 aktiven Arbeitersportlern sah Magdeburg gestern ein sehr interessantes Hallensport- s e st. lieber die dabei formierte„Eiserne Front" berichten wir an anderer Stelle des Blattes. Leipzig, Dresden, Berlin(ASC. und ASB. Neukölln), Braunschweig, Stendal und viele andere Städte waren vertreten. Ueberraschend war die Niederlage von Heidt im 60°Meter-Laus. ASC. war in der Schnellstafette Zweiter und in der 8xö0-Meter- Pendelstafette der Jugend erfolgreich und konnte sich in einigen weiteren Staffeln placieren. Der Jugendliche Bolze-ASB. Neuköln gewann die 60-Meter-Hürden und den 800-Meter-Lauf überlegen, und Geiseler-ASC. den 60-Meter-Jugend-Laus. In den 1500 Metern war Altmeister Wagner-Leipzig in Front. Sportlich zu werten ist auch der 15-Kilometer-Gepäckmarsch des Reichsbanners. Magde- burg-Altstadt zeigte die beste Mannschaft. Sportlich war dos Magdeburger Fest jedenfalls ein voller Erfolg. Das Fest hob sich sehr vorteilhaft von der am Sonnabend in der gleichen Halle statt- gefundenen Veranstaltung der Bürgerlichen ab, auf der man sogar sogenannte„Kanonen" wegen unflätigen Laufens herausstellen mußte. 1000 Meter, B; Vreutz-ASE. 2:35,5.— Hachsprung: Koch lMagdeburgl 1,69 Meter.— 60 Meter, A: Harig(Magdeburg) 6,9; 2. Schleier(Magde- bürg).—(O Meter, Jugend:(Beifeler(AST.) 7,4.— 1500 Meter: L Wagner Meter, Sportlerinnen: 1. Lagew qdctmra tck(ZdA. Magdeburg) 8,5. Arbeiter-Wasserball-Serie Mit einem überlegenen Sieg sicherte sich Spandau gegen die spielerisch stark zurückgefallene Mannschaft von Berlin XII wertvolle Punkte. Der Sieg der Spandauer ist um so bemerkens- werter, da ihr bester Spieler am letzten Donnerstag bei einem ge- meinen Naziüberfall am Bahnhof Spandau-West, über den wir an anderer Stelle ausführlicher berichteten, erheblich verletzt wurde und infolgedessen am Spielen verhindert war. Schon die erste Halbzeit sah die sehr eifrigen Spandauer durch besseres Ausbauspiel leicht im Vorteil, doch oerhinderte die Hintermannsckaft von Berlin XII vorerst Erfolge. Im zweiten Spielabschnitt oerdarb sich Berlin XII durch planloses Wspiel alle Chancen. Spandau verstand iaffstche Fehler des Gegners gut auszunutzen und kam so zu klaren Erfolgen. Berlin XII trat in diesem Spiel mit einer durch Nachwuchsspieler veränderten Mannschaft an, die sich sowohl technisch wie taktisch mit einigen Ausnahmen noch als zu unerfahren erwies, um sich bei der- artigen Spielen durchsetzen zu können. Fleißiges Training ist hier dringend vonnöten. Fisbocke� Prag-Berlin! Guter Durchschnittssport— aber schwacher Besuch Während sich die sogenannten Prominenten des Berliner Schutt- schuh-Clubs auf der Reise zur Olympiade nach Lake Placid befinden, nahm die zweite Garnitur des Clubs die Eishockeyintereisen des Clubs in Berlin wahr. Prag er Eishockeyspieler weilten om Sonnabend und Sonntag im Sportpalast, wo vor ziemlich leeren Tribünen und Rängen ganz annehmbarer Sport gezeigt wurde. Es kam trotzdem keine recht« Stimmung auf: beide Abende wirkten eintönig und die wenigen Zuschauer verließen unbefriedigt die Sporthall«. Es verdient festgehalten zu werden, daß die BSCer trotz der Abwesenheit ihrer Stars ein flottes und faires Spiel lieferten. Am Sonnalend endete der Kampf 3: 3 unentschieden. Die Pausen waren mit Kunstlaufen ausgefüllt. Biel Erfolg hatte wieder die erst 9 Jahre alle Gerda Böttcher, die nette Leistungen auf dem Eise zeigte. Das Rückspiel am gestrigen Sonntag brachte den tschechischen Gästen einen 2: 0-Erfolg. Die Mannschaft des Schlütschuh-Ciubs spielte reichlich zersahren und zusammenhanglos: die wenigen guten Kombinationen brachten zwar das Prager Tor mehrmals in Gv- fahr, aber zu einem Erjolg kam es trotzdem nicht. Malecek schoß für Prag im zweüen und letzten Spieldrittel die Tor«. Bei den Kunstlausvorführungen konnte das Meisterpaar Hempel-Weiß, Fräu- lein Schwarz und die jugendliche Gerda Böttcher wieder über viel Beifall quittieren. Ungeheure Schiebungen bei Sechstagefahrern/ Frankenstein will auspacken Der deutsche Sechstagefahrer Franken st ein hatte bekannt- lich am letzten Tag« des Sechstagerennens m Köln in einem Wut- anfall über die Machinationen seiner Kollegen sein Rod auf die Bahn geschleudert und dadurch mehrere Fahrer zu Fall und zu Schaden gebracht. Der Sportausschuß des Bundes deutscher Rad- fahrer hatte ihn deshalb für drei Monat« disqualifiziert, so daß dem Fahrer zwei Sechstageengagements in Amerika ver- lorengingen. Dieser Tage ist nun die Berufung Frankensteins ver- warfen worden. Wie«in Berliner Montag-Morgenblatt dazu schreibt, soll Frankenstein durchaus nicht die Absicht haben, sich mit dem Ent- scheid des Sportausschusses zufrieden zu geben. Der Sportausschuß wird in dem Blatt gefragt, ob er auch bei den anderen Rennfahrern so energisch durchgreifen würde, wenn er erfährt, daß Frankenstein, dem Zwang gehorchend, bei etwa zwei Dnhend Sechslagerennen Schiebungen der Fahrer mitmachen mußte. Das Blatt behauptet weiter, daß Frankenstein Auskunft darüber geben könnte, daß beim Sechstagerennen in Köln sein Partner Buschenhagen von snnf paaren Geld genommen hätte,. unter der Zusicherung, rechtzeitig abzubremsen und das Rennen früher aufzugeben. Frankenslein hätte sich damals noch stark genug gefühlt, auch ohne Schiebung weiterzufahren. Buschenhagen da- gegen täuschte ein« Kopfgrippe und andere Krankheiten vor, was chn allerdings nicht hindert«, zwei Tage später«in schweres Mann- schaftsrsnnin in Basel zu gewinnen. Wir haben bisher noch nie behauptet, daß Sechstagerennen etwas mit Sport, wie wir ihn verstehen, zu tun haben. Daß aber die Leute, die im Radfahren ihren Beruf sehen, so unsauber« Gc- schäfte machen, erscheint direkt unfaßbar. Man wird abwarten müssen, wie sich dazu die diversen Sport-„Behörden", die in Massen in Deutschland herumfunttiomeren, stellen werden. Wintersport am Sonntag Di« Skimeisterschaft von Schlesien hotte der Schlesische Sliverband recht mangelhaft organisiert. Nachdem am Sonnabend der Langlauf wegen schlechter Wegmarkierung verun- glückt war, hatten sich bei der am Sonntag aus 15 Kilometer ver- lürztenn Strecke von 156 gemeldeten nur 32 Teilnehmer eingefunden. Der vorjährige Meister Leupold siegte in 1:06,57 Stunden gegen den Deutschböhmen Behrauer. Auch der Sprunglauf auf der Freudeirbergschanze in Bad Reinerz war keine reine Freude. Man hatte zwar den Schnee von weit Hergehott, aber der Auslauf war fast völlig schneefrei. Sieger wurde der einheimische Strischek mit Sprüngen von 46 und 43 Meter. Bayerischer Skimeister wurde bei den Läufen in Partenkirchen Lantschner-Innsbruck. Ottawas Abschiedsspiel. Im Pariser Eispalast trug die kann- dijche Eishockeymannschaft von Ottawa ihr letztes Europaspiel aus, das ebenfalls mit einem Siege endete. Der Gegner, eine aus aus- ländischen Spielern zusammengesetzte Mannschaft wurde mit 5:1 abgefertigt. Nun auch FTGB. Lichtenrade Um der bundestreuen Arbettersportbewegung einen weiteren Stützpunkt zu verschaffen, hat die Freie Turnerschaft Groß-Berlin nun auch einen Turnbezirt in Lichtenrade gegründet. Hier werden Männer, Frauen und Jugendliche Montags und Donners- tags von 20 bis 22 Uhr in der Turnhalle Roonsttaße ihr« Uebungen abhatten, um dann in der wärmeren Jahreszeit ihren Betrieb mehr ans die Spielplätze zu verlegen., Gymnastik und Handball werden ebenfalls in den Uebungsplan aufgenommen. Anmeldungen in der Turnhalle._ Die Freien Segler Saatwmkel beabsichtigen, noch einig« Mit- glieder mtt und ohne Boot aufzunehmen. Auch können Jugendliche von 12 bis 16 Iahren, die das Segeln erlernen wollen, sich melden. Auskunft erteilt die Geschäftsstelle Berlin N. 133, Schonenjche Str. 38, C. Saß«. Die Mitgliederversammlung der Orlkgruppe Groß-Berlin des republikanischen Deutschen Re'chs-Aulo-Clubs zeigte, daß der Auf» stieg de« DRAC. unentwegt fortschreitet. Ein großes sportliches Programm ist beschlossen worden, u. a.: 14.— 21. Mai eine Drei- Länder-Fahrt; 4—6. Juni eine Sternfahrt.zur Goethestadt Weimar; 11. Juni eine Rachtwertungssahrt: 12. Juni di« traditionelle Auto- Schönheits-Konkurrenz des DRAC. Bei der Wahl des Vorstandes wurde der bisherige Borstand wiedergewählt und durch die Hinzu- wähl der Herren Hubertus Prinz zu Löwenstein, August Reitz und Dr. Loewenthal ergänzt. Ferner ergab ein« Abstimmung, daß folgende Herren für die freiwerdenden Posten im Gescuntpräsidium von der Ortegruppe Berlin vorgeschlagen werden: 1. Präsident: Chefredakteur Fritz Goetz: Schatzmeister: Arnold Stein; ferner August Reitz und Frau Nora Melle.