Morgenausgabe Nr. 45 A 23 4y.Iahrgang WSchentlich 75 Pf., monatlich 3,25 M. l davon 87 Pf. monatlich für Anitel- Inng ins Kaue) im voraus zahlbar. Voübejiug 3.97 M. einfchlirßljch S0Pf. Pouzrilungs» und 72 Pf.Postdcslellar» tühren-AusIandsabonnement 5.S5 ZI!. pro Monat! für Lander mit ermäßig» tem Drucksachenporto 4, es M. Der„Ponnärts* erscheint mochentZg» sich zweimal. Sonntags und Montag« einmal, die Abendausgade für Berüu und im Kandel mit dem Titel.Der Abend", Illustriert« Sonntaasbrilaae .Volk und Zeit" r/V- berliner VottSbla« Oonnersiag 28. Januar 1982 Groß-Äcrlin 10 pf. Auswärts 15 pf. Die«inspalt. Millimetcrzeile 30 Pf. Siellamezeüe 2.— M.„lileine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 2zrige>iminohu>e im Kauvtgeschüft Lindenstraße 3� wochentäglich von S'f, bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich basRechl drr Ab» lehnung nicht gcnehnier Anzeigen vor! Jentvawvgan der Sozialdemokratischen Partei DeutttblanSs Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 s>ernspr.. Tönbots(A T) 292— 297 Telegramm-Adi.l Soziuldemakrot Berlin Vorwärts-Verlaa G. m. b. H. Posti'cheSkolilo: Berlin Z7 üZö.— Bantkomv: Bank der Ärbeller.Ä ngcjicllren und Beamten. Lindenstr. S Dl B.u Tlkc.-Gcf.. Tepl!sll«nr.,Ierll>aIemer Etr.K5Pi. Die Eiserne Krönt wird siegen! Gewaltige Kundgebung der Berliner Sozialdemokratie im Sportpalast. Die Kundgebung der Sozialdemokratie, die gestern gegen Faschismus und Sricgsgesahr im Berliner Sportpalast stattfand, war eine der gewaltigsten Kundgebungen, die Verlin seit langem gesehen bat! Es Ist nicht allein die Talsache, bafj schon eine Stunde vor Versammlungsbeginn der Andrang so stark war, doh potizeitiche Vorsichtsmahnohmen ergriffen werden muhten! Um'/:* Ahr muhte die Polizei zur Sperrung schreiten. Vis in den obersten 2iaog hinein stauten sich die Massen, viele Taufende muhten wieder umkehren, weil es einfach nach sicherhcits- polizeilichen Vorschriften nicht möglich war. sie hineinzulassen. Wie viele unter den Tausenden, die der Kundgebung beiwohnten, aber auch unter denen, die infolge der Absperrung kehrtmachen muhten, haben halb oder ganz Verlin zu Z u h durchquert, weil ihnen als Erwerbslose das Fahrgeld fehlt! Aber wichtiger als die Anstrengung eines stundeolavgen Marsches an einem kalten Winter- abend war ihnen der innere Drang, dabei zu sein, wo es gilt, dem Ruf der Eiserneu Front zu folgen und ihren Willen zur Rieder- ringung des Faschismus kundzulun. Ihnen allen gebührt der Dank der Partei, besonders aber denen, die der frühzeitigen, aber tatsäch- lich unvermeidlichen Absperrung zum Opfer sieben: bei aller begreis- lichen Enttäuschung werden sie dennoch Genugtuung darüber emp- sunden haben, dah selbst die gröhte Halle der Hauptstadt zu klein ist, um auch nur die aktivsten Kämpfer für Demokratie und Sozia- lismus zu umfassen. Dartiber hinaus aber war es die kampscotschlossene Stimmung, die dieser Kundgebung vom ersten Augenblick an ihren ganz ausgesprochenen Charakter gab. Zeder einzelne der Versammlungsteilnehmer, alle und junge, Männer und Frauen, war von dem elaen einzigen willen beseelt, Hilters Rallonalsozlalisten ein donnerndes„Vis hierher und nicht weiter" zuzurufen! * lieber der Rednertribüne leuchten die Bilder unseres August Bebel, des von den Faschisten ermordeten G i a c o m o M a t t e o t t i und des bei Ztriegsbeginn von einem wahnwitzigen Nationalisten niedergestreckten Jean Iauräs. Stürmischer, nicht endenwolleilder Beifall empfängt unsere S p o r t l e r, die mit roten Fahnen,«in lebendes Bild gleichsam der Eisernen Front, ei». marschieren, hinter ihnen schreiten, von Alter und Jugend geleitet, die Bannerträger der Berliner Parteiorgani. s a t i o n e n. Und es ist bezeichnend, dah man bei so vielen dieser ehrwürdigen Fahnen ünmer wieder ein Band findet, auf den, geschrieben steht: gestiftet von ein« Reichsbannergruppc! Die Freie Sport- und Musikvereinigung musiziert mit Begeisteruitg und Eifer. Dann singt die Berliner Arbeiter-Jugend in weithin schallendem Chor das Lied von der jungen Garde des Proletariats. Leo Maret spricht zündende Berse, die da mahnen, immerdar der Partei die Treue zu hallen. Dann nimmt der Berliner Borsitzende, Genosse Franz Künstler stürmisch begrüßt, das Wort. Er gibt seiner Freude Ausdruck, die Bertreter ausländischer Bruderparteien und Gewerkschaften aus das herzlichste begrüßen zu können. In unserer Mitte weilen die Per- treter des Internationalen Sekretariats, der öffentlichen Betriebe und Verwaltungen. Ich begrüße die Genossen S e o e n a u> London, M u i ch a u d- Frankreich und Nordgren- Schweden.(Stürmischer Beifall.) Unsere heutige Kundgebung soll keine Schau- und Parade- Veranstaltung sein. Sie ist der Ausdruck de? Sampfwilleus der sozialistischen Ar- beiterschaft Berlins gegen die Hakenkreuzlerische Konterrevolution. (Stürmische Zustimmung.) Die braune Pest ein-�sür allemal in Deutschland auszuröllen, das ist das Ziel der Sozialdemokratie. (Erneuter anhaltender Beisall.) Ohne Ueberwindung des Faschismus in Deutschland gibt es keinen wirtschaftliche» Aufstieg, keine Bc- friedung Europas.(Neue Zustimmung.) 1932 ist bei Freund und Feind der Deutschen Republik und Arbellerschast als das Jahr weit- tragender politischer Entscheidungen angesprochen worden. So soll es werden! Die Eiserne Front(stürmischer Beifall) ist formiert. Sie wird von Tag zu Tag stärker und wird nicht ruhen, bis das Ziel erreicht ist. dah der Nationalsozialisinus eines Adoll Hilter bis zum Jahresende der Vergangenheit angehört.(Neuer stürmischer Beisall.) Zn unserem Kamps für eine soziale Republik fühlen wir uns eng verbunden mit den sozialistischen Parteien des Auslandes, denn nur die Aufwärtsbewegung der sozialistischen Ztrbeiter- schafl in den einzelnen Ländern mach» den Weg frei für Völker- Verständigung und Abrüstung. Franz Künstler begrüßte sodann unter herzlichsten Beifallekund- gedungen der Versammlung den Generalsekretär!j«r französischen Brudcrpartei, Paul Faure, und den Vertreter des geknebelten jtalienischen Proletariats, Pietro Nennt. Dann nahm Genossin Zuchacz, Vertreterin der Frauen im Parteivorstand, das Wort. Es geht gegen den Faschismus und gegen die Kriegshetzer, so führte sie aus, für die Republik und für den Frieden. Der Faschismus ist die Bewegung irregeleiteter Menschen, die Bewegung der Ideenlosigkeit. Trotzdem ist es unsere Pflicht, uns o» diese Menschen zu wenden, weil wir ihnen in dem Kamps um die Erhaltung des Staates, der den Kamps um die Existenz der Staatsbürger ist, sagen müssen, daß sie einem Irrwahn verfallen sind, der zum Kriege führen muß. Einen deutschen Sozialismus, das müssen w>r den Anhängern Hitlers auch begreiflich mache»— gibt es nicht; Sozialismus muß international sei». Wie oft haben wir gegen den Faschismus demon- striert. Und doch müssen wir immer wieder sogen, daß wir aus der gegenwärtigen Rot, die eine kapitalistische Wirtschaftsanarchie ist, nur durch den Sozialismus gerettet werden können. Wahre Sozia- listen haben das allerdings längst begritfcn, weil es schon unsere großen Theoretiker im Kommunistischen Manifest sür alle Zeiten festgelegt haben: den Geist, dieses Kommunistischen Manifests aber zu begreifen, reicht der kleine Geist der Hitler und Konsorten nicht aus Wenn es überhaupt eins Erziehung d.-r Masten zum Sozia- lismus gibt, dann sehen wir di' Erfolge einer solche» Erziehung mindestens schon darin, daß es uns bis heute gelungen ist. die Faschisten von der Regieriing, das Heißt von dsr„lsgalen" Gewalt fernzuhalten Auf eine kurze Formel gebracht, können wir heilte mll Stolz seitstellen: ohne die Eiserne Front wäre die Republik längst zusammen- gebrochen. Hitler und seine Trabanten wären am Ruder. Innen- und außen- polllische Auswirlungen ihrer Machtergreifung wären nicht abzu- sehen— der Krieg wäre unvermeidlich!(Lebhaste Zustimmung.) Die heute im Nationalsozialismus die rettende Bewegung zu sehen glauben, waren während des Weltkrieges Kinder, Not und Elend blieben ihnen zwar nicht erspart, aber sie erkannten sie nicht. Wollen wir wieder Katakomben oo» Toten haben, wolle» wir wieder auf Jahre-und Jahrzehnte hinaus Schwsrkriegs- beschädigte, Kriegerwitwen und Kriegerwaisen in Deutschland haben, nur weil ein Hitler an die Macht gekoinmen ist? Die Faschisten sprechen von der marxistischen Mordpest. Da erhebt sich denn doch die Frage: hat die deutsche Arbellerschast, hat die Sozialdemokralische Partei, die Gewerkschaslen, die Gcnossenschoslen und alle anderen Organisationen, haben sie es nötig, Gewalt und Gewalklaten anzuwenden, nur um sich zu erhallen? Ueberfälle auf Versammlungen und auf Einrichtungen der organi- sierten Arbeiterschaft, Mord und Totschlag gehären in das Arsenal der Faschisten. Die Begriffe sind verwirrt, nicht ohne Absicht der faschistischen Führer,'deren Ziel die faschistische Diktatur ist. Hitler, der Große, Frick, der Theoretiker, Goebbels, der treudeutsche Recke: sollen so die Führer der deutschen Nation aussehen? Was in ihrer Partei geschieht, geschieht nur mit Wissen und Willen der Führer, das Ergebnis sind dann Boxheimer Dokumente. Unter Hinweis auf die bevorstehende Abrüstungskonferenz erinnerte Genossin Iuchacz daran, wie in der Vorkriegszeit die Mochthaber der Völker in einer bis ins Unendliche fortgesetzten Ausrüstung die Sicherung des Friedens erblickten. Das Ergebnis dieser Wahnfinnspolitik mar der Weltkrieg und seine Folgen. Dann wandte sich die Rednerin an die Frauen, denen sie auf- zeigte. daßuntereinenzfaschistisch-nReginredieFrau nur Magd und Dienerin sein würde, daß aber die Abschaffung der Rechte der Frauen die erste Tat dieser Befreier sein würde. Aus die Frage, ob sich in unsere Eisern« Front auch die Frauen einzureihen hätten, antwortete Genossin Iuchacz unter dem stürmischen Beifall der Versammlung mit einem klaren und ein- deutigen Ja. Alle, Männer und Frauen, Republikaner und Republikanerinnen, alle Partei- und Gewerkschafts- Mitglieder, alle Sportler und Sportlerinnen gehören in die Eisern- Front, damit im Jahre 1932, dem Jahr der großen politischen Entscheidungen, die faschistische Gefahr wie Spreu im Winde auscinandergeweht wird! Eine groß? Zustimmungskundgebung folgte diesen Ausführungen der Genossin Iuchacz. De» nun folgenden Redner, den Genossen Paul Faure, der als Generalsekretär der sranzösischen Sozia- listischen Partei sprach, begrüßte die Versammlung mit eine», vom Genossen K ü n st l e r ausgebrachten Hoch auf die deutsch-sranzösische Verständigung. F a u r e s Rede, in französstcher Sprache gehalten, wurde von der Genossin Toni Sender übersetzt. Dem Dank für den begeisterten Empfang ließ Faure das Versprechen folgen, daß er in seiner Heimat über die Versammlungen, die er in Bremerhaven, in Dresden und in Berlin abhalten durste, ausführlich berichten werde. (Fortsetzung des Berichts 2. Seite.) Otto Braun. Zu seinem sechzigsten Geburtstag. Der Mann, der heute seinen 60. Geburtstag in aller Stille und Zurückgezogenheit begeht, gilt der Welt als Staatsmann Preußens und als festeste Stütze der republikanischen Staatsform. Wir Sozialdemokraten aber fügen mit Stolz hinzu: Er i st unser! Otto Braun, ein Sohn des Volks, ein Proletarier durch Abkunft und Berufs- gang, wurzelt fest in der Schicht, aus der er hervorgegangen ist: gleich unserem unvergeßlichen Friedrich Ebert hat auch er die Synthese zwischen sozialdemokratischer Zielsetzung und staatsmännischer Tat gefunden. Ostpreußen, dxr Uxbpden einer zähen und kernigen Rasse, aber auch die Heimat einer tyrannischen Iunkerherr- schaft und eines durch sie verelendeten Landproletariats, hat uns den Mann geschenkt. In einer engen Gasse der Königs- bcrger Altstadt als ältestes von acht Kiitdern eines Eisen- bahners geboren, notdürftig in einer sünsklassigen Volksschule erzogen, erwählte Otto Braun den Buchdruckerberuf. 2lls Lehr- ling in der kleinen Druckerei Schlomer tam»cr bereits in Berührung mit der modernen Arbeiterbewegung. Noch regierte in Deutschland das Sozialistengesetz, eine öffentliche Betäti- gung als Sozialdemokrat war, zumal für einen Lehrling, nicht möglich. Unter der— heute würde man sagen— Tarnung eines„Leseklub Kant" versammelte sich lerneifrige sozialistische Jugend zur Abendstunde in einem Keller. Hier wurden Hugo H a a s e und Ludwig Q u e s s e l Otto Brauns theoretische Lehrmeister. Nach dem Fall des Sozialistengesetzes begann für den Neunzehnjährigen eine harte und aufreibende Parteiarbeit. Trotz seiner Jugend in den Vorstand des Königsbergcr Wahl- Vereins aufgenommen, hatte er nach wenigen Iahren schon die Herausgabe eines Wochenblattes zu leiten, das sich noch und nach in eine Tageszeitung verwandelte. Otto Braun war Geschäftsführer, Redakteur, Setzer, Berichterstatter und Kolporteur des Blattes in einer Person für das fürstliche „Bonzengehalt" von 166 Mark monatlich. Dabei blieb er, bis er um 1966 nach der Eroberung der Königsberger Orts- krankenkasse durch die Sozialdemokratie zu deren Rendanten bestellt wurde. Nach kurzer Tätigkeit Brauns galt die bis dahin verwahrloste Kasse als Musterinstitut. Die langjährige Verbundenheit mit seiner ostpreußischen Heimat ist für Otto Brauns Werdegang in mancher Be- Ziehung bestimmend gewesen. Er, der nach Beendigung seiner Lehrzeit sich einmal mit dem Plan getragen hatte, nach Amerika auszuwandern, sollte wie kein zweiter die speziellen Nöte und sozialen Sorgen seiner engeren Heimat erfassen lernen. Die Agitation in den ländlichen Wahltreisen führte Otto Braun auf das Problem der Land arbeiterschaft. die unter der Fuchtel der preußischen Landarbeiterordnung von 1851 und unter der entnervenden Wirkung des Junker- schnapses in kümmerlichstem Elend dahinvegetierten. Otto Braun ist der Begründer der ersten sozialistischen Land- arbeiterzeitung. des ersten Landarbeiterkalenders und auf diesem Wege Mitbegründer des Deutschen Land- arbeiterverbandes geworden. Ueber zwei Jahrzehnte hat Otto Braun der Partei in treuester Organisations- und Kleinarbeit gedient, ehe fein Name in der großen Politik Klang erhielt. Doch einmal wurde der Name des Königsberger Kassenrendanten Braun in ganz Europa genannt, das mar im Jahre 1961, als sich Otto Braun mit einer Anzahl von Parteigenossen vor der Königsberger Strafkammer zu verantworten hatte, angeklagt wegen Hochoerrat, begangen— gegen den russischen « Die Reden von Kaure, Nenn«, Lobe Gegen den Faschismus, für miernationale VerAändigung! Zaren! Es lohnt heute noch, das Buch zu lesen, das der ermordete Kurt Eisner damals über diesen Prozeß verfaßt bat. Dieser Prozeß ist ein Schandmal der Liebedienerei und Kriecherei des toilhelmtnischen Regiments vor dem russischen Zarismus. Fast hätte dieser Prozeß Qtto Brauns Leben vernichtet: er erkrankte in der Untersuchungshaft an Blind- darmentzündung. Staatsanwalt und Gericht verweiger- ten ihm Urlaub zur Pornahme der Operation, das Ge- richt mit der frivolen Begründung: e-.« läge Fluchtverdacht vor wegen Nähe der— russischen Grenze...(bei Hoch- verrat gegen den Zaren!) Der Prozeß endete mit einer grossen Blamage der über- eifrigen Anklage und dem Freispruch der Angeklagten. Otto Braun wurde 1911 als Kassierer indenParteivorstand berufen und oerlegte damit seinen Wcthnsitz nach Berlin. Bei der Preußenmahl von 1913 entsandte ihn der Wahlkreis Ober- und Niederbarnim, der die nördlichen Vor- orte Berlins umfaßte, zusamm.en mit Konrad H a e n i s ch und Adolf H o f e r in das pröyßische Dreiklafsenparlament. Als Mitglied der sozialistischen Ziehn-Mann-Fraktion kämpfte Braun wacker gegen den Uebernmt der Junkermehrheit, zu- mal auf seinem Spezialgebiet, der Agrarfrage, die ihm immer wieder Gelegenheit bot, für die Interessen des verelendeten Landproletariats einzutreten. Man darf von ihm sagn, daß er als Minister seine Reden, die er als Abgeordneter hielt, nicht vergessen hat. Als die Revolution Otto Braun auf den Posten eines preußischen Landwirtschaftsministers stellte, hat er den Landarbeitern das volle Koalitionsrecht, die volle soziale Versicherung und die Tarifverträge gegeben, hat er die Landarbeitersiedlung und den Bau von Landarbeitcrwohnungen in Angriff genommen. Kein preußischer Minister ist dem Junkertum und der Reaktion so verhaßt gewesen wie der Landwirtschaftsministcr Braun. Zur Siedehitze stieg ihre Wut, als er im Jahre 1919 die streikenden Landarbeiter verteidigte und die Schuld des Junkertums feststellte, das durch seine halsstarrige Ablehnung der Tarifverträge und aller Schlichtungsversuche diese Streiks heraufbeschworen hatte. Ebenso stürinte im Landtag der Haß des Ostelbiertums gegen Otto Braun an, als er im Winter 1919/20 durch Notoerordnung der systema- tischen Aussperrung der organisierten Landarbeiter durch die Junker ein Ende bereitete. Kein Wunder, daß Otto Braun an die Spitze des Staats- Ministeriums berufen wurde, als nach dem K a p p- P u t s ch ein Mann mit fester Hand und starken Nerven erforderlich wurde, um die sich ausbäumende Reaktion niederzukämpfen. Otto Brauns Berufung zum preußischen M i n i st e r p r ä s i- denken zusammen mit der Ernennung Carl Severings zum preußischen Innenminister bedeutet die eigentliche Ge- burtsstunde des„republikanischen Preußens". Abgesehen von der sechsmonatigen Unterbrechung durch die Stegerwald- Episode hat Otto Braun das Steuer des preußischen Staats- schiffs bis heute in der Hand behalten. Cr hat alle Versuche der vereinigten Reaktion von Hugenberg bis Thäl- mann, ihm dieses Steuer zu entwinden, mit kaltem Blut und überlegener Staatskunst niedergekämpft. Weder die fünfmalige Ministerstürzer« des ersten Ouartalsjahres 192.?. noch die alljährlichen Mißtrauensanträge der vereinigten- Opposition von rechts und links, noch der schwarzweitzrote Äowjetvalksentscheid von 1931 haben Braun aus dem Sattel zu heben vermocht. Aber die zwölf Jahre Ministerpräsidentschaft Braun be> deuten keineswegs ein Sichanklgmmern an Ministersesiel, sondern sie bedeuten eine wirkliche Führung, eine staatsmännifche Leitung. Otto Braun ist es gelungen, im Gegensatz zu den ständigen Regierungswirren des Reiches, das republikanische Preußen als festes«md stabiles Element in die deutsche Politik einzufügen, an dem so und so oft auch die Reichspolitik ihren Halt gesucht«md gefunden hat. Ohne Braun und das republikanische Preußen hätte S t r e s e- mann keine Verständigungspolitik machen können, ohne Braun und das republikanische Preußen wäre im Jahre 1923 bereits der Hitler-Putsch geglückt, ohne Braun und das republikanische Preußen wäre es mindestens zweifelhaft, ob nicht heute schon der Faschismus in der Reichs- rcgierung säße. Otto Brauns Wirken ist aus der deutschen Geschichte nicht mehr fortzudenken. In ihm verkörpert sich heute das Zentrum der republikanischen Front, die heute noch eine Abwehrfront ist, aber morgen wieder eine Angriffsfront sein wird. Was er uns lehren kann, das hat er uns in zahlreichen Reden gesagt, die im Gegensatz zum Phrasenschwall eines Hitler so ganz und gar des rauschenden Pathos entbehren und ganz auf kalte Sachlichkeit eingestellt sind. In fast jeder seiner Reden betont Braun den Grundgedanken, daß es in der Politik nicht darauf ankommt, sich Wunfchträume auszumalen, sondern daß es gilt, klar die Tatsachen zu erkennen und nach ihnen sein Handeln einzurichten. Daß Otto Braun seiner eigenen Lehre in der Praxis stets gefolgt ist, bildet das Geheimnis seines Erfolges.' Seine klare Energie hat sich durchgesetzt, wenn andere die Nerven verloren. Er hat niemals sich oder andere an Phrasen be- rauscht, er hat sich auch nie gescheut, das Bittere und Un- populäre zu wn, wenn es nötig war. Aber gerade das hat ihn populär gemacht. Denn es besteht— trotz allem— im Volk eine feine Witterung dafür, ob einer eine Wetterfahne ist, die sich mit dem Winde der Bolksgunst dreht, oder der Mann, auf den man sich verlassen kann. Hart wie seine Energie ist auch der äußere Lebensgang Otto Brauns gewesen. Mit schwerer Hand hat das Schicksal in sein Familienglück eingegriffen: es hat ihm den einzigen Sohn genommen, es hat über seine treue Lebensgefährtin jahrelange Krankheit gebracht. Heute aber, an seinem 60. Ge- burtstag, umgibt Otto Braun die dankbare Liebe von Mil- lionen von Republikanern, die mit Vertrauen und Ehr- erbietung zu ihm aufblicken als dem Mann, der durch ein Jahrzehnt die Republik von allen Anschlägen der Reaktion geschützt hat und der sie auch weiter schützen wird. Daß mir ihm hierbei mit Aufbietung aller Kräfte zur Seite stehen, als Eiserne Front um unseren Führer geschart, das sei unser Gelöbnis, das fei unsere Gabe zu Otto Brauns 60. Gebttrts- tag. Nach der Rede der Genossin Juchacz im Sportpalost(siehe 1. Seite) sprach Paul Faure: Das französische Proletariat habe alle Sorgen der deutschen Arbeiterschaft miterlebt; es habe auch gefragt, ob die deutsche Sozial» demokratie nicht etroa doch noch vom Faschismus hinmeggesthwemmt werden könne. Nach den gewaltigen Kundgebungen, die er, der Redner, in den letzten Tagen erlebt habe, könne er seiiien fran- zösischen Parteigenossen aus tiefster Ueberzeugung sagen, daß in Deutschland die Eisern« Front siegen werde. (Tosender Beifall, immer wieder erneuerte Zustimmung.) Jedesmal, so erklärte Faure weiter, wenn ich nach Deutschland komme, sind politische und wirtschaslliche Notzeiten. Ich habe damals im b e- setzten Ruhrgebiet gesprochen, ich spreche heute wieder zu den deutschen Parteigenossen, wo die Regierungen um das ernste Problem der Reparationen oerhandeln. Aber immer tonnten wir französischen Sozialisten der deutschen Arbeiterschaft mit reinem Herzen Und aus reinem Wollen die Hand reichen, weil wir keine Schuld am Kriege und seine Folgeerscheinungen haben. Nie haben wir den Haß gekannt, die Ströme von Blut, die während des Krieges flössen, haben uns nicht trennen können.(Langanhaltender Beifall.) So wie dos französische Proletariat gegen die Besehung der Ruhr prolesiierle, so fordert es heute, daß endlich die Frage der Reparationen zu einem Abschluß gebracht werde, der es beiden Völkern ermöglicht, die Arbeitslosen hüben und drüben wieder in die Fabriken zu bringen. Genossen! Ich vertrete im französischen Parlament«inen Wahlkreis, in dem die Rüstungsindustrie beheimatet ist: das hindert mich nicht, die vollkommene Abrüstung zu verlangen. Den Mut dazu finde ich in der Gewißheit, daß es möglich ist, statt Kanonen und Kriegsbedarf Instrumente für die Erhaltung� des Friedens herzustellen. Der weg des Friedens gehl von Verlin nach Paris und von Paris nach Berlin. (Stürmische Zustimmung.) So müssen sich die Völker verständigen. wenn sie zu leiblicher und geistiger Wohlfahrt, wenn sie zum Frieden kommen wollen. Das liegt allerdings nicht im Sinne der ftan- zösischen Nationalisten, die alles daran, setzen, die französischen Parlamentswahlen bis nach den Preußenwahlen zu verschieben, weil sie von einem etwaigen. reaktionären Ausfall der Preußen- wählen eine entsprechende-Einwirkung aus das Ergebnis der fran- zösischen Wahlen'erhoffen. Aber des bin ist gewiß, schloß Genosse Faure: die Eiserne Front wird das zu verhindern wissen! Ein Tieg der Eisernen Front in Deutschland und in Frankreich ist nicht nur ein Sieg des Friedens, sondern der Menschheit überhaupt!(Stürmischer, immer wieder- Holter Beifall.) Gleichfalls mit besonderer Herzlichkeit empfangen, sprach sodann Genosse pieteo Nenni-Zkal en. „Vor einem Jahre durfte ich Ihnen an dieser Stelle hie- Grüße der italienischen Sozialist«� üb ermiWm-Seildem haben wir ße- sehen, wie die Krise, die kkffiji zum wenigsten An«' der schrecklichen Folgen des Krieges ist. weitergrtff'und vor allem auf Deutschland und England verhängnisvoll einwirkte. Die wahren Kriegs- folgen sind«inzig von den Sozialisten voraus- gesehen worden. Am g. Juli 1902 wollten Jaures und Bebel zu den Berliner Arbeitern über die Sorgen der Sozialisten ange- sichts der europäischen Entwicklung sprechen. Der kaiserliche Reichs- kanzker, Graf Bülow. verbot die Kundgebung, und es war der „Vorwärts", der die Gedanken von Jaurös den deutschen Arbeitern mitteilte. Jaures wies- darauf hin. daß au« einem europäischen Kriege nicht nur Revolutionen, sondern auch tonter» revolutionäre Bewegungen entstehen würden, die verbunden seien mit reaktionärster Diktatur, schrossstem Militarismus und niedrigsten Haßausbrüchen zwischen den Dölkern. Was wir in Italien erleben, hat Jaures vorauegesehen. Hat aber die wirkschaflskcise, die jetzt die Welt bedrückt, da» saschisi-sche Paradies Italien etwa nicht betroffen? Im Gegenteil! Die ArbeilerNasse in Italien leidet schwer, sie hat nicht nur die Freiheit, sondern auch den Unterhall verloren. Prozentual gleicht die italienische Arbeltslosenziffer der Deutschlands und Englands, und an Arbeitslosenunterstützung bekommen die italienischen Arbeitslosen für sechs Wochen je St) Pf. täglich. Die Mittelschicht, die in hysterischem Patriotismus den Slngriff gegen die Arbeiterschaft mitgemacht hat, sieht sich bitter getäuscht und reilst sich der antifaschistischen Front ein. Wir Sozialisten aber nehmen uns ein Beispiel an der deutschen Sozialdemokratie zur Zeit des Bismärckschen Sozialistengesetzes! Unsere italienischen Gelehrten sind heute vor eine Lag« gestellt, in der sich vor rund hundert Jahren die deutschen Professoren von Göltingen befanden, die mutig die Freiheit des Geistes und der Wissenschaft gegenüber der Reaktion verteidigten. Genau so haben in diesen Tagen sreiheitsmutige ' italienische Professoren gehandelt.(Stürmischer Beifall.) Heute blickt die Menschheit auf Deutschland, und wir italienischen Sozialisten sagen, euer Schicksal ist unser Schicksal! Triumphiert der Faschismus in Deutschland(an- haltende Zurufe: niemals, niemals), dann ist es mit der Freiheit Europas zu Ende. Beherzigt auch den Geist unseres erniordeten Kämpfers Matteotti, damit euer Kampf für die Freiheit zum Lege« von Volk und Ar- beiterfchaft siegreich zu Ende gehe.(Anhaltende stürmische Zustimmung.) Auch Rennis.in französischer Sprach« gehalten« Rede wurde von der Genossin Sender vortrefflich wiecergegeben� Dann nahm, von einem minutenlangen Orkan der Begeisterung und des Beifalls begrüßt, Reichstagspräsident Genosse Paul Lobe das Wort.„Im Namen der Taufende, die diesen Raum bis zum Dach füllen, im Namen der vielen, die keinen Eintritt mehr fanden, sage ich unserm Genossen Nennt Dank, der uns den Faschismus In seiner ganzen Härte zeigte. Bor wenigen Tagen sprach von dieser Stell« ein Südtiroler Pater,'der uns vom anderen Lager aus ele Unterdrückungsmethoden eines faschistischen Regiments schilderte. Es ist das Regiment, das unsere Nationalsozialisten wie einen Götzen, wie«inen Fetisch anbeten. Aber das einige Proletariat wird ihnen sagen:-, Hände weg von der deutschen Republik. (Stürmischer Beifall.) Im Namen aller drücke ich Faure die Hand, der immer ein Dorkämpfer der deutsch-ftanzösischen Verständigung war.- Durch fahrhundertelange Verhetzung wird sie behiichort, immer wieder erlebt der große Gedanke Rückschläge, aber das Berliner Proletariat hält das Banner der Verständigung hoch und wird jeden zurückweisen, der das Einvernehmen zwischen den beiden Völkern verhindern will.(Erneute stürmische Zustimmung.) So stehen wir vor innen» und außenpolitischen Erwägungen. In diesen Tagen ist Herr Adolf Hitler von der Gruppe Rord- west zum Appell befohlen worden. Die Bezeichnung Nordwest deutet daraus hin, daß dieser Gruppe auch Herr Lahusen angehörte, der einst mit freigiebigen Händen die Nationalsozialisten unterstützte. Der Appell hat bei geschlossenen Jalousien in Abwesenheit der Presse stattgefunden denn Herr Hitler empfing Instruktionen, wie er den Sozialismus aufzufassen und wie er die Arbeiter zu behandeln habe.(Sehr richtig.) Wenn Herr Goebbels im Sportpalast seine Phrasen ertönen läßt, dann darf„das Volk" zuhören. Wenn aber Herr Hitler an der Ruhr oder in Hamburg seine Befehle erhält, dann werden die Jalousien heruntergelassen.(Er- neutes lebhaftes: Sehr richtig.) Bei den schmerzlichen Zusammenstößen, die in den letzten Wochen und Monaten die deutsche Oesfenllichkeit beschäftigten, hat man in der nationalsozialistischen Presse behauptet, daß die Re- publikaner und Sozialisten, daß unsere Kameraden vom Reichs- banner die Mordbubcn seien sstürmische Pfuiruse in der ganzen Versammlung), die ftiedliche Ztationaksozialisten überfallen.(Er- ncute Rufe: Lüge, Lüge.) Die sechzigjährige Geschichte der Sozialdemokratie und die ge- samle sozialistische Literatur von Auer und Bebel und Liebknecht an beweisen, daß unser Streben niemals das Einschlagen, son- dcrn immer das Erleuchten der köpfe war.(Stürmischer, an- haltender Beifall.) Erst seit die Radikalen von rechts und links sich auf den Straßen betätigen, ist die Entartung zu verzeichnen, lzat die Aera der Schlachten und Ueberfälle begonnen.(Anhaltendes Sehr richtig!) Seitdem werden Messer und Revolver benutzt, die in dieser Weise wahrlich auch 1918 nicht die Rolle spielten, wofür sich damals viele bedankten, die heute wieder Helden sein wollen.(Starker Beifall.) Wenn Hitler sogar vor dem Reichsgericht vom Köpfe- rollen spricht, wenn Straßer, Rosenberg, Frick und Stoehr immer wieder den gewaltsamen Too ihrer Gegner ver- künden, dann dürfen sie sich nicht wundern, wenn Anhänger von ihnen ihre Worte in die Tat umsetzen, wenn aber in der Nolweyr auch gegen diese Anwender der Gewalt gleiche Mittel benutzt weroen. (Stürmische Zustimmung.) Hak gegenüber dieser Verhetzung die Republik, haben Schule Justiz und presse immer ihre Pflicht getan? (Zurufe: Nein, nein.) Lehrer verschweigen die Wahrheit, republita- nssch gesinnte Professoren werden ohne Sühne angepöbelt. Ein Mann wie der frühere Reichskanzler Marx muht« sagen, daß er sich Nicht mehr an deutsche Gerichte wende, weil er bei ihnen keinen Schutz zu finden glaube, ein Goebbels aber benimmt sich vor Gericht wie«in rasender Roland, ohne daß der Richter augenblicklich die Courage findet, gigen ihn einzuschreiten.(Zuruf: Er heißt ja auch Ohnesbrge.) Ich möchte sehen, wie man in einem solchen Falle einen kommunistischen oder einen lozlaldemotratischen Zeugen behandelte) wem» aber auch staalllche Organe versagen, wem« gewMcn bürgerllchen Kreisen das Klappern ins Gebein kommt, dann wird das Prolekarlat dafür sorgen, daß trotz alledem das vrlttc Reich nicht kommt.(Stürmische, minutenlange Zustimmung.) Lobe schilderte sodann das Lerhalten der 197 national- sozialistischen Abgeordneten im R«ich»tag,.die immer dann zu ihren lauten Worten nicht standen, wenn sie zu Taten schreiten sollten. Die proklamierte Enteignung der Bank- uno Börsenfürsten wurd. damit eingeleitet, daß man den Aussichtsrat der Internationalen Handelsbank, Dr. Scholz, als Reichstags- Präsidenten präsentierte. Als es darum ging, die von den National- svzialisten in Plakaten verlangte Aufhebung der Poung- Gesetz« im Ausschuß zu beraten, da drückten sich ihre Vertreter. Ihr Ruf: weg mit den Bonzen, wurde dajsin beantwortet, daß 33 nationalsozialistisch« Bonzen neu in den Reichstag zogen, der Ruf: fort mit Doppelverdienern, fand Erfüllung darin, daß 31 national- sozialistische Doppelverdiener im Reichstag sitzen.(Anhaltende Eni- rüstungsruse.) Man hat geprahlt: wir werden ausmisten. Man hat ausgemistet: Otto Straßer. Major Buch- rucker, Stennes mit seinen SA.-Leuten, F r a n z e n in Braun- schweig und S ch.ä f e r in Hessen. Man hatte wohl mit dem Aus- misten im eigenen Lager soviel zu tun. daß man bis zu uns Republi- konern nicht gekommen ist.(Heiterkeit und Beifall.) Als am 13. Ok- tcber 1939 die Nationalsozialisten in den Reichstag einzogen, machten sie einen Mordsspektakel, schrien Hell Hitler und Juda verrecke, trugen lange Stiefel und braune Hemden, und man fragte sich, was machen die eigentlich für Politik? Ich glaube, sie haben im alten Testament nachgelesen, daß einmal die Mauern von Jerichow durch lauter Blasen umgefallen sind. Wir lassen uns aber nicht umblasen. (Stürmische Heiterkeit.) Und wir haben erlebt, daß sie etwas später einige Seiten zurückblätterten und die Geschichte vom Auszug der Kinder Israel studiert hatten.(Erneute stürmische Heiterkeit,) Unsere Pflicht ist es., bei solchem Versagen unseren verführten Volksgenossen die Augen zu öffnen. Wir können nicht warten, bis ihnen von allein die Erkenntnis kommt. Daneben sind gewiß positive Maßnahmen zur Behebung der Wirtschaftsnot unbedingt lwtwendig. Zehk aber ist die Eiserne Front zu bilde«. Dem Reichsbanner, das mit einer Opferwilligkeit ohnegleichen Dörfer und Städte besucht, oft viele unter ihnen mit zerschlissenen Sohlen, haben sich die Arbeitersportler zugssellt, die wissen, daß unter der Herrschaft des Faschismus jede freie Körperkultur beendet ist und Drillkommando und Kommiß wieder das Wort haben.(Stürmische Zustimmung.) In allen Betrieben haben sich- die Hammerschasten der Gewerkschaften gebildet, um dem Gegner ein„Hände weg oom Arbeitsrecht" zuzurufen. Di« Arbeiterschaft hat keine Angst vor Spießbürger» und abgetakelten Offizieren. Die Nationalsazialisten sollen nur kommen. I? eher, brfto besser, wir sind bereit, sie zu empfange«!(Stürmischer Beifall.) Hunderte von Arbeiterjungen und Arbeitermädel sangen: Jung- volk,.Kameraden. Zum Ausmarsch der Fahnen erklang, von Taufen- den angestimmt, die Internationale. während des Schlußliedes standen Reuni. Faure und Künstler Hand in Hand auf der Rednertribüne. Angesichts dieser Symbolisierung der internationalen Berständi- gung brach die Versammlung in«in« jubelnde, minutenlang« Ooa» tum aus. Oer Gechzigjährige. Die Gegner:„O weh, er nimmt an Lahren zu, aber nicht an Kräften ab!" Ein„Hindenburg-Ausschuß". Initiative sür Hindenburgs Wiederwahl zum Reichspräsidenten. Belagerungszustand! Bravnfchverg unter Klagges-Oiktatvr.- Spazierengeheu verboten. Brauns chweig, 27. Januar.(Eigenbericht.) In der Ttadt Braunschweig ist angesichts der am TonnerStag vorgesehenen Beerdigung des von Nazis erschossenen Ncichsbanuerinanncs Meier der kleine Belagerungszustand verhängt worden. Das Polizeipräsidium hat folgende Polizeiverordnung erlassen: DaS Stehenbleiben ohne ersichtlichen Grund, das muhige Auf. und Abgehen und jedes Ansammeln von Personen auf Straßen. Wegen und Plätze» oder an anderen öffentliche» Orten ist verboten. Zuwiberhand» lungen gegen dieses Verbot werdeu mit Geldstrafen bis zu löst M. oder mit Haft bis zu K Wochen bestraft, wenn nicht andere Gesetze ein höheres Strafmaß zulassen. Ter Leiter dcS Polizeipräsidiums erklärte zu dieser Verordnung, daß die Polizei bisher zwei Augen zu- gedrückt habe, daß aber in Zukunft mit den schärfsten Mitteln durchgegriffen werden solle und die Schutzpolizei entsprechende Anweisung habe. Obstruktion in der Kammer. Kampf der Linken gegen reaktionäre Wahlreform. Paris, 27. Januar.(Eigenbericht.) In der Kammer stand der Bericht der Wahlrechtskommission zur Beratung. Dazu kam es nicht. Der Sozialist Bracks bc- gründete einen Vertagungsantrag damit, daß die Sozia- listen nicht für einen Vorscksiag stimmen können, der daraus hinaus- läuft, daß im Parlament die Minderheit der Wähler die Mehrheit erlange. Die Sozialisten sind stets für die Verhält» n i s w a h l eingetreten und auch heute noch bereit, für jede der- artige Reform zu stimmen. Der Ausschußberichterstatter sprach sich gegen die Vertagung aus, ebenso ein Kommunist, der die sofortige Beratung seines Vorschlags über die Einführung der Verhältnis- wähl verlangte. Der sozialistische Abg. Frossard beantragte dann, die Fort- setzung der Debatte auf Donnerstag zu vertagen. Dagegen wandte sich der Ausschußoorsitzende Mandel, der Weiterberatung am Nachmittag verlangte. Der Antrag Frosiard wurde schließlich mit 313 gegen 250 Stimmen abgelehnt. Als nun Mandel Welter- beratung um 3 Uhr nachmittags vorschlug, gab es heftige Tumult- szsnen. Der sozialistische Abg. Grumbach wandte sich gegen die Beratung um 3 Uhr, da am Nachmittag verschiedene Kommissionen tagten, in denen nützliche Arbeit geleistet werde, während die Debatte um die Wahlreform reine Zeitverschwendung sei. (Großer Lärm und PuM>eckel»Uppern rechts) Auf einen Vorschlag des Sozialisten L a f o n t, die Sitzung um S Uhr wieder aufzuneh- mcn, machte die Rechte derartigen Lärm, daß der Präsident die Sitzung eine Viertelstunde unterbrechen mußte. Die Kammer lehnte den Antrag Lafont mit 314 gegen 250 Stimmen ab und beschloß, um 3li Uhr weiterzuberaien. Am Nachmittag setzte die Linke ihre Obstruktion fort. Zunächst beantragte Abg. Grumbach Unterbrechung bis 6� Uhr, um den Kommisswnen Zeit zu geben. Die Geschäftsordnung schreibt lior-daß am Mtttwachnachmittag. abgesehen von Ausnahmefällen. Vollsitzungen ausfallen. Der Antrag Grumbach wurde mit 315 gegen 247 Stimmen abgelehnt. ''?kun beantragte der Sozialist Mannet, die Wahlreform- debatte überhaupt zu vertagen, da die Kammer über zahlreiche Gesetzentwürfe hinsichtlich der Krise inder Landwirtschaft zu beraten habe. Selbst wenn die Kammerwahl bis zum Mai ver- tagt werden sollte, habe die Kammer noch genügend andere Arbesten zu erledigen. Der wahre Grund für die Verlegung der Wahlen sei aber, daß die Rechlsmehrheit erst das Ergebnis der Preußenwahl ab- warten wolle, weil sie für ihr« Propaganda die Politik des Schlimmsten in Deutschland wünsche. „Ich erkläre*, s» fuhr Mannet zur Rechten fort,„offen, was Sie heimlich denken.4' Diese Worte lösten unbeschreiblichen Tumult der Rechten aus. Mannet wurde am Westerreden ge- hindert und der Präsident mußte die Sitzung wieder unterbrechen. Danach wurde der Antrag Mannet mit 313 gegen 250 Stimmen abgelehnt. Darauf begründete ch e r r i o t im Namen der Radikalen einen Antrag auf Verweisung der Wahlreformvorschläge an eine Kommission und forderte namentliche Abstimmung auf der Tribüne. Eiserne Front. (3 onntag im Sportpalast.— Vorbereitung der Mstwoche In einer Pressebesprechung berichtete der Leiter der Pressestelle des Reichsbanners, Wiegner, über die nächsten Aktionen der Eisernen Front. Im Msttelpunkt der allgemeinen Aufmerksamkeit steht bereits die erste große Demonstration der Eisernen Front am kommenden Sonntagnachmittag um 5 Uhr im Sportpalast, wo für das Reichsbanner der Bundesleiter Höltermann, für die Sozialdemokratie der Parteworsitzende Tri-pien. sür die Gewerkschaften Eggert und für die Arbeitersportler Geliert sprechen werden. Das riesige Parterre de» Sportpalastes wird für diese' Veranstaltung zum erstenmal von allen Sitzplätzen frei bleiben, so daß ein Aufmarsch des Reichsbanners, der gewerkschaftlichen Hämmerschaften und der Arbeitersportler unter Vorantritt von 300 Fahnen in einer riesigen Front erfolgen wird. Gleichzeitig beginnt am Sonntag die sogenannte Rüstwoche der Eisernen Front. Diese eindrucksvolle Parole soll, da» sei besonders betank, der seelischen und materiellen Bereitschaft der repnblikanifchen Bevölkerung, soll der Befestigung und Wahrung des inneren und damit des äußeren Friedens dienen. Es werdeu sogenannte Eiserne Bücher in össenllich zugängllchea Lokalen in allen Siadlkeilen aufgelegt, die für die Eintragung aller derer bereikliegen sollen, die die Eiserne Front materiell und ideell unlerstühcu wollen. Bon Republikanern, die sich nichi aktiv in der Abwehrsroni einreihen können, muß. soweit sie nicht arbeitslos sind, ein Opfer erwartet werden. Sosort hat hier bereits nationalistischer Terror eingesetzt. Gast- wirto im Berliner Westen, die sich bereit erklärt hatten, in ihren Lokalen die Eisernen Bücher aufzulegen, ist das von ihren national- sozialistischen Hausbesitzern mst dem Hinweis verboten worden, daß, wenn sie die Listen doch auslegten, ihnen gekündigt werden würde. Dr. Nowak vom Gauvorstand des Reichsbanners ergänzte diese Aussührungen. an die sich eine Aussprache anschloß, in der die Befriedigung der repudlitanifchen Press« über die stark« Aktivität der Eisernen Front und der Wunsch»ach Steigerung dieser Aktivität zum Auadruck kam«». wolssbüro teilt mit: Der Oberbürgermeister der Reichshauplstadk Dr. Sahm ist— wie wir erfahren— seil mehreren Tagen um die Bildung eine« überparteilichen Ausschusses führender Persönlichkeile« au» allen Kreisen des beul- schon Volkes bemüht, der die Wiederwahl de» gegen- wärkigen Reichspräsidenten von hiadenburg in die Wege leiten soll. Es ist dabei an Wänner und Frauen gedacht, die in maßgebender Stellung mit großen Bcvölkcrullgsschichten In enger Fühlung stehen. Dr. Sahm wird die Einladungen au die in Aussicht genommcoea Persöniichkeikeu In kürzester Frist hinausgehen lasten, so daß der �lndeuburg-Auaschuß- schon Ansaug nächster Woche mst eluem Aufruf au die veffenllichkeik treten dürfte. Wien. 27. Januar.(Eigenbericht.) Ganz überraschend ist heute die Bundesregierung zurückgetreten. Bundeskanzler Dr. Buresch und die andere» Minister führen die Amtsgcschäste biS zur Neu- bildnng der Regierung weiter. Aeußerlich hat die Forderung der Christlichsozialen, daß Vize- kanzler Schober das Außenministerium abgebe, den Ausbruch der Krise herbeigeführt. Aber' schon lange hat ein Teil der Ehristlich-Sozialen. besonders auch die Tiroler und steierischen Heimwehrsreunde nnlcr ihnen, gegen die Regierung Lurcsch gehetzt, weil diese zu wenig heimwehrsreundlich und die demokratische Bcrfassung zu verteidigen cnlschlossen ist. Ganz besonders waren diese Angriffe auch gegen den landbünd- lerischen Innenminister W i n k l e r gerichtet. Der heimliche Drccht- zieher dieser Treibereien ist wieder einmal Dr. S e i p e l, der zwar gelegentlich erklärt, ein Heimwehrputsch sei unzulässig, der aber vor allem wieder Unordnung im Staate haben will, um dann als besten Retter auftreten zu können. Der Bundeskanzler, der dieser Tage erst in Genf ziemlich ergebnislos über eine ausgiebige F i n a n z h i l s e für Deutschöstcrreich oerhandelt hat, deutete den Großdeutschen an, es fei aus wirtschaftlichen Rücksichten erwünscht, daß Schober zurücktrete. Man wollte dann Schober ein Mtni- sterium ohne Portefeuille, zur Vorbereitung einer Derwaltungs- reform geben und den chrisllich-sozialen steirischen Heimwehr- Harzburger Krach. Michsgründungsfeier mit Nazi-Krakeel. Der„Angrifs* des Herrn Goebbels wütet gegen den Stahlhelm- sührer von Stephani. Erbost berichtet er: „Am 17. Januar veranstaltete der Dessaucr Stahlhelm eine R e i ch s g r ü n d u n g s f e i e r. Neben Darbietungen einer Kapelle sprach noch der Berliner Stahlhelmführer Herr von Stephani. Zu dieser Reichsgründungsfeier hatten sich zahlreiche Nationalsozialisten eingefunden. Herr von Stephani erwähnte im Lause seiner Ausführungen auch die NSDAP. Cr sagte unter anderem, daß in Deutschland für Sozialismus gleich welcher Art kein Platz fei, erklärte dann pathetisch, daß Partei- Programme nie und nimmer verwirklicht würden und verbat sich dann energisch, daß die NSDAP, die Füh- rungbeanspruche Die Harzburger Front lag chm sehr am Herzen, sie bot ihm willkommene Gelegenheit zu massiven Angriffe» gegen unser« Führ«?.* Aufruf für Hindenburg aus München. Eine große Anzahl von Persönlichkeiten aus Politik und Wirt- schaft, Wissenschaft, Kunst und Presie veröffentlichen unter Führung des früheren Präsidenten des Reichssinanzhofs Jahn«inen Aufruf für die Wiederwahl von Hindenburg Aus außenpolitischen Gründen wie um des inneren Friedens willen müsse Hindenburg auf den Schild gehoben werden. Arüning bei Hindenbur. Der Reichspräsident hat Besprechungen mit dem Reichs- kanzler und dem Reichsaußenwinifter gehabt. Es wird amtlich mitgeteilt, daß die Besprechungen außenpolitischen Fragen gegolten haben. Landeshauptmann Rintelen in da» Kabinett ausnehmen. Di« Großdeutschen lehnten diese Zumutung ganz entschieden ob und zwar mit der Begründung, es wäre dann keine Gewähr mehr gegeben für die unveränderte Weiler- führung des btsherigen außenpolitischen Kurse». Nun will Buresch«in Minderheitskabinett aus den Christlich. Sozialen und den Landbllndlern bilden und um die zur Mehrheit fehlenden Stimmen Hinzuzugewinnen, wird auch die Even- tualität einer Regierungsbildung angekündigt, die außer diesen beiden Parteien auch die Fraktion des H e i m a t b l o ck e s(Heimwehr) einbeziehen würde. Eine solche Koalition würde jedoch auch mir über 83 von den insgesamt 165 Stimmen im Nationalrat versügen. Dabei ist kaum anzunehmen, daß der L a n d b u n d mit dem Heimatblock zusammengehen wird. Für diesen Fall soll Prälat Seipel schon ein vlinderheilskabinett aus Christlich-Sozialen und Hcimalblock in Aussicht haben. Die„Arbeiter-Zeitung" hält es nicht für unmöglich, daß Buresch den Popanz Seipel herausstecke, um leichter seine Minderheitsregierung durchzusetzen. E» ist ober so gut wie sicher. daß Seipel sein« Hand im Spiele hat und schließlich al» Staats- retter auftritt. Dr. Karl Renner, der Präsident des Notionalrate», ist für. den heutigen Donnerstag, 8 Uhr strich, zum Bundespräsidenten Mitlas gebeten worden. Am gleichen Vormittag tritt die Parteileitung mit der Fraktion der Christllch-Sozialen zusammen. Die anwesenden Nazis verließen mite: Protest die Aersamm- lung, der„Angriss" entrüstet sich über„die unverschämte Rede dieses Berliner Herrn", und der Naziabgeordnete L o e p e r kündigt Abrechnung„mit dem Stahlhelm und der sonstigen Reaktion" an. Heil Hugenberg! Komödienhaus. Pohl:„Kampf um Kolbenav." Lauter arbeitslose Bühnenangehörige spielen«in Drama«ms der Spartakuszest nach Weltkrieg und Revolution. Kampf der Spar- takisten gegen die Militärmacht, die den Bürgerkrieg verhindern will. Der geachtete junge Schriftsteller Ger hart Pohl, der sein Werk erst nach jahrelangen Bemühungen ausgeführt sieht, kann«inen starken Erfolg verzeichnen. M. H. Regierungskrise in Wien. Seipel auf der Lauer. Deutsche Not— deutsche Hoffnung. Leiparis Appell zur politischen und wirischastlichen Einsicht. Der Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundee Genosse Theodor L e i p a r t sprach Mittwochabend aus der Deut- sehen Welle über„Deutsche Not— deutsche Hossming". Seipart führte aus: Obwohl fast ein halbes Menschcnalter verflossen ist, seitdem der iköeltkrieg sein End« fand, hat wohl noch keiner von uns, ob jung oder alt, sich recht daran gewöhnen können, aus die Nachkriegszeit das Wort„Friede" anzuweirde». In dieser Beziehung gibt es keinen Unterschied der politischen Meinung. Jedermann im Volke hat die Ueberzeugung, daß der in Versailles begründete Friede kein wahrer Friede ist. Weder für Deutschland noch für Europa noch sür die Welt; denn das Friodensdiktat der Staats- männer in Versailles ist ein Triumph menschlicher Unzulänglichkeit geworden. Der Krieg und der Vertrag, in dem sein Geist fortwirkt, hat eine schleichende weltpolitische und weltwirtschaftliche Krise zur Folge gehabt, deren offenen Ausbruch wir in den letzten Jahren schaudernd erebten. Die deutsche Not hat ihre letzte Ursache in diesen Tatsachen. nicht in dem„heutigen System"— wie das in alle Gassen ausge- schriebene Schlagwort lautet. Der Krieg und der V e r s a i l l e r Bert rag, diese beiden gewaltigen Tatsachen, mit denen jede deutsche Regierung, gleichgültig auf welche Parteien sie sich stützt, zu rechnen hat, haben der deutschen Wirtschaft starke Kräfte ent- zogen. Und sie haben gleichzeitig die außenpolitische Bewegung»- freiheit gelähmt. Niemals in unserer Geschichte haben deutsche Staatsmänner vor einer schwereren und undankbareren Aufgabe gestanden. Sie ist bei weitem schwieriger als die der Staatsmänner oller anderen europäischen Tlationen. Die politische Bewegung, die diesen Machtkampf gegen das„inner- politische Regiment in Deutschland" am heftigsten führt, ist selbst nur zu verstehen als eine Folgeerscheinung der weltpolitischen und weltwirtschaftlichen Krise. Ihre Verbreitung erklärt sich aus der V c r z w e i f l u» g s st i m m u n g, die sich weiter Kreise unseres Volkes bemächtigt Hot. Die Gleichung Versailles— Weimar ist eine historische Legende. Und sie wird nicht wahrer dadurch, daß sie heute zum Evangelium großer Volksschichten, insbesondere des Mittelstandes und der akademischen Jugend, geworden ist. Die deutschen Mittelschichten, in der Jnslation verarmt, in den kurzen Jahren eines vermeintlichen wirtschaitlicheii Aufschwunges neues Vertrauen fassend, sehen jetzt,, zermürbt von den physischen Entbehrungen und seelischen Qualen, in einer scheinbar unabseh- baren Krise alle 5)offnungen schwinden. Das Schirfsal fortschreitender Proletarisierung steht wie ein unentrinnbares Ver- höngnis vor ihnen und lähmt ihren Glauben, ihre Tatkraft. Der deutschen akademischen Jugend ergeht es nicht besser. Diese jungen Menschen gehen einer Ungewissen Zukunft entgegen, ohne Hoffnung auf ein ausreichendes Fortkommen, geschweige denn auf einen geregelten Aufstieg in leitend« Positionen. Was wissen diese entwurzelten junen Leute von der jüngste» Vergangenheit? Sie sind keiye bewußten Zeugen jener schweren Jahre, in denen rings um die deutschen Grenzen der Krieg tobte. Sie wissen aus eigener anschaulicher Erfahrung nichts von jenem nicht minder schweren Kampf, den die verantwortlichen deutschen Staatsmänner in der Nachkriegszeit um die Einheit des Reiches führten. Die Reichsregicrung verweist mit Recht darauf, daß ihre ganze Arbeit„von dem Primat der Außenpolitik beherrscht wird". Weder die Sozialdemokratie noch die Gewerkschaften haben zwar der Reichsregierung auf dem Wege ihrer Deflationspolitik bis zu den rigorosen Maßnahmen der Vierten Notverordnung solgrn können, aber es ist zuzugeben, daß dieser Marsch durch die Wüste bis zu einer bcstinnnten Grenze mit gewichtigen außenpolitischen Argumenten begründet werden kann. Es muhte wohl der Nachweis erst in eindeutiger Form erbracht werden, daß wir die dem beut- schen Volke auferlegten Reparationslasten aus eigener Kraft nie- mals aufbringen können. Und dieser Beweis ist erbracht worden: Selbst in den Jahren vor dem offenen Ausbruch der Krise hat Deutschland nur mit geliehenem Geld zahlen können. Keine Schicht des Volkes trifft die Wirtschaftskrise in ihrer zer- malmenden Härte mit solcher Wucht wie die Arbeiterschaft. Ich will nur eins hervorheben, weil mir scheint, daß andere Volkskreise sich ein Beispiel daran nehmen könnten: Ist es nicht ein Zeichen hoher politischer Reise der deutschen Arbeiterschaft, daß sie trotz der surchlbaren Entbehrungen, denen sie preisgegeben ist. die Flucht aus der bitteren Wirklichkeit in Irgendeine geschichtliche Legende nicht mitgemacht hat, daß sie sich von den Fanfarcnklängen der radikalen Parteien rechts und links nicht hat verlocken lassen? Gewiß gab es keine Zeit in der Geschichte der deutschen Arbeiter- bewegung, in der eine so ungeheure Massenarbeitslosigkeit die Stoßkraft ihrer kampferprobten Reihen schwächte. Aber das ist für mich, der ich fest fast fünf Jahrzehnten meine ganze Kraft für diese große und schöpferische Bewegung eingesetzt habe, das erhebende, das mitreißende Erlebnis dieser letzten Jahre: Die Entbehrungen und die Rot dieser schweren Zeit haben den Selbstbehauptungswillcn der Arbeiterschaft nicht gebrochen, haben sie in der Treue zn ihren ans eigener Kraft geschaffenen Organisationen nicht wankend gemacht, haben ihren Glauben an sich selbst und ihre geschichtliche Mission nicht erschüttert. Ihre Gegner auf allen Seiten mögen nicht glauben, daß die Widerstandskrast der deutschen Arbeiter so geschwächt sei, daß ihnen kein ernsthaftes Hindernis mehr im Wege stehe. Diese Hoffnung ist eitel. Es wird sich zeigen, daß die deutsche Arbeiterbewegung sich ihrer Verantwortung vor der Geschichte be- wüßt ist, sowohl in dem Kampf um den sozialen Inhalt unseres Staates wie um feine politische und wirtschastliche Zukunst, um seine gleichberechtigte Geltung unter den Völkern. Aber gerade weil sie sich im Bewußtsein ihrer geschichtlichen Mission und ihrer politischen Verantwortung in dieser Zeit politischer und wirtschaftlicher Bedrängnis eine große Mäßigung auferlegt hat, ist sie auch berechtigt, in der heutigen Situation mit um so größerem Nachdruck die Forderung zu erheben, daß unter die seitherige Politik der Deflation jetzt ein Schlußstrich gezogen werde. keine deutsche Regierung kann unter den heutigen verhältnisten auf die Dauer Verständnis für ihre außenpolitischen Ziele und Methoden verlangen, wenu sie nicht zugleich aus ihrer Passivität gegenüber der drängendsten wirtschastspolitischen Aufgabe heraustritt, deren Lösung zugleich entscheidend ist für die Ueberwindung der innerpolitischen deutschen Krise. Diese Aufgabe ist die A r b e l t s b e s ch a f f ü n g. Ich weiß, sie ist nicht leicht zu lösen. Aber sie m u h gelöst werden, und es darf damit nicht länger gezögert Vierden, selbst wenn sie ungewöhnliche Maßnahmen erfordert. Der Glaube daran, daß es bei gutem Willen und entschlossenem Handeln der verantwortlichen Kräfte möglich ist. diese dringlichste aller Forderungen zu e r f ü l l e n, ist die Hoft- nung, die trotz aller Not das deutsche Volk auch weiterhin aufrecht- erhalten kann. Kulturarbeit an der Jugend. In der Schriftenreihe„Material für die Iugendleiter der Ge- u.erkschaften" ist ein neues Bündchen erschienen:„Unsere Jugendfeier". Es ist von Walter Eschbach geschrieben und stellt eine Ergänzung dar zu seinem vor Jahresfrist in derselben Reihe herausgekonnneuen lieft:„Unser Iugendabend". In diesem wurden praktische Ratschläge erteilt, wie sich die bildende Voiiragsorbeit in den Iugendgruppen sinnvoll und anregend ge- stalten läßt: die neue Broschüre will Weg« auszeigen, die zu ernsten und heiteren Stunden proletarischer Festkultur führen. In der Einleitung umreißt Eschbach den Sinn des Heftchcns mit folgenden Sätzen: „Die Kulturarbeit der Zlrbeiier- und Angestelltenjugend darf sich nicht aus äußere Ding« beschränken: sie muß in die Tiefe gehen. Sie hat altes Kulturgut zu pflegen: sie soll neues hinzuschaffen. Von dieser großen Arbeit muß die Jugend erfüllt sein. Nur durch ve rinnerlichte Kulturarbeit erziehen wir und erzieht sich die Jugend zu wissenden und tapferen Menschen, aber auch zu Men- scheu, die die tiefen Wert« der Voltstultur in sich aufzunehmen be- reit sind. Insofern besitzt die kulturelle Seite unserer Arbeit eine ungemein veredelnde Wirkung. Dieser Standpunkt muh bestimmend sür unsere gesamte Jugendarbeit sein." Das Bändchen bringt nicht viel theoretische Darlegungen: es ist für den unmittelbaren praktischen Gebrauch bestimmt. Wer Rat will, wie er Iugendabend« oder größere Fe st voran st ol- t u n g e n abwechslungsreich aufbauen kann, der wird nicht enttäuscht werden, wenn er sich an das kleine Buch wendet. Es enthält auf seinen 64 Seiten eine Fülle von Anregungen und Vorschlägen. Da- bei wird dem natürlichen Wunsch der Jugend nach Uebermut und Heiterkeit weitgehend Rechnung getragen. Eschbach weiß, daß junge Menschen manchmal ihren Spaß treiben wollen, ohne irgendwelchen tiefen Sinn hincinzugeheimnissen, und weil er das versteht, gibt er auch Vorschläge, die diesem Verlangen entgegenkommen, die aber einem anspruchsvolleren, gereisteren Jugendkreis auch das Gerüst zu witziger, ironischer Kritik an den Zeiterscheinungen unserer Ge- scllschaft bieten. Dieses grundsätzliche Bejahen des jungen Menschen in seinen verschiedenen Entwicklungsstufen ist charakteristisch für Eschbachs Arbeit, die?ias in jedem einzelnen Abschnitt durch die Mannigfaltigkeit ihrer Auswahl betont. Für Feste und Feiern bietet Eschbach nicht nur Anleitungen für die Programmgestaltung, sondern auch für die technische Or- ganisation. Für Theater- und Unterhaltungsabende wird nicht nur das Problem der Finanzierung erörtert, sondern auch ausführlich die Frage behandelt, welche Jugendoeranstaltungen von der Lust- barkeitssteuer befreit sind. Maifeiern, Sonnenwendfeiern, Jugend- tage und Jugendtreffen sind mit dem gleichen Verständnis in dem Werk berücksichtigt. Besonders dankbar werden viele Leiter von Iugendgruppen es begrüßen, daß nicht nur ein ausführliches Literaturverzeichnis dem Heft beigegeben ist, sondern in Ergänzung dazu auch alle notwendige Belehrung über das Aufführungsrecht. Die Arbeitszeit in den Pflegeanstalten. SPO.-Stadtordnete schuhen das Pflegepersonal. Wie bereits in unserer Sonntagsausgabe mitgeteilt wurde, ist in den Kranken- und Pflegeanstalien der Stadt Berlin unter dem Pflegepersonal große Erregung entstanden über eine Berfügung des Oberbürgermeisters, die eine Verlängerung der Arbeitszeit bei dem„beamteten" und eine Kürzung bei dem auf Privatdienstvertrag angestellten Pflegepersonal vorsieht. Da die Durchführung dieser Maßnahme außer einer Gefährdung der bisher' vorbildlichen Betreuung der Patienten auch die Ent- laffung einer großen Zahl von Pflegern und Pflegerinnen zur Folge haben müßte, stellte die sozialdemokratische Stadt- verordnetenfraktion beim Stadtgemeindeausschuß, der nach der Novelle vom 36. März 1931 zuständigen Stelle, folgenden Antrag: Durch Verfügung des Oberbürgermeisters vom 18. Januar 1932 soll die Dienstzeit des Pflegepersonals in den städtischen Anstalts- betrieben in der Weise geregelt werden, daß die Arbeitszeit des beamteten Personals von 48 auf 34 Stunden herausgeletzt und die des Tarisperfonals von 48 auf 44 Stunden pro Woche oermindert wird. Diese Veränderung der Dienstzeit bedeutet für das beamtete Personal, das über 66 Pnjz. des gesamten Pflegepersonals aus- macht, eine besonders starke Benachteiligung dieser Gruppe gegen- über den übrigen Beamten. Außerdem werden durch diese Maß- nähme soviel Arbeitskräfte frei, daß über den durch die Verkürzung der Arbeitszeit beim Tarifpersonal geschaffenen Aus- gleich hinaus noch«ine große Zahl bewährter Pflege- Personen stellenlos würden, ohne daß die Möglichkeit einer anderweitigen Unterbringung besteht. Wir beantragen daher: Der Sladtzemeindcausfchuß wolle beschließen: Der Oberbürger- meister wird ersucht, die Verfügung belr. Diensizeilregelung sür das Pflegepersonal vom IS. Januar 1932 zurückzunehmen und es bei der bisherigen Regelung, die eine gleichmäßige Arbeitszeit für das gesamte Pflegeperfoual vorsieht, zu belassen. Druckerei des„Angriff" verurteilt. Die Folgen eines Verbots und seiner Llmgehung. Als der nationalsoziali st ische„A»griff" im Sep- tember v. I. durch den Polizeipräsidenten verboten war, wurde in der Druckerei des„Angriff"(Rotadruck G. m. b. H.) eine andere Zeitung, die„Nationalpost" hergestellt. Diese mußte nach Inhalt und Aufmachung als Ersatz für den verbotenen„Angriff" angesehen werv-n. Um diesem Verstoß gegen gesetzliche Bestimmungen und behördliche Verfügungen ein Ende zu machen, ordnete der Polizei- Präsident am 16. Ottober v. I. die Schließung der Rotadruck G- m. b. H. bis zum 26. Oktober, dem Tage des Wlaufs des „Angrift"-Verbots, on. Die Druckerei blieb vom 12. bis 26. Otto- b«r geschlossen, das Personal erhielt für diese Zeit keinen Lohn. 28 Setzer, Drucker vnd Angestekve Keßen durch de» Buchdrucker- verband beim Arbeitsgericht Klage auf Lohnzahlung er- heben, die zunächst in einem Einzelsalle den Erfolg hatte, daß dem Kläger der Lohn sür die Verbotszeit zugesprochen wurde, während die übrigen Klagen bis zur Entscheidung der Berufungs- iiistanz ruhten. Die von der Firma eingelegte Berufung wurde vom Landesarbeitsgericht unter Vorsitz des Landgerichisrais Dr. F r a n ck e verhandelt. Die Firma berief sich daraus, daß sie auf den Inhalt der von ihr gedruckten Zeitung keinen Einfluß habe, also auch nicht die Folgen für«in Verbot zu tragen brauche. Das Gericht erkannte aus Abweisung der Berufung aus denselben Gründen, die für das Urteil der ersten Instanz maß- gebend waren. Die Gründe sind im wesentlichen die: Höhere Ge- walt, ein unvorherzusehendcs und unabwendbares Ereignis liege nicht vor, denn wer eine politische Zeitung herstelle von der Art des„Angriff", der müsse mit der Möglichkeit eines Verbots rechnen. Wenn auch der Drucker keinen Einfluß auf die Haltung der Zeitung habe, so könnte er doch beim Abschluß des Druckvertrags Vorsorge dafür treffen, daß er für den Fall eines Verbots vom Verleger schadlos gehalten werde. Habe der Drucker das aus irgendwelchen Gründen unterlassen, so sei das sein Risiko. Die Arbeitnehmer hätten das Risiko nicht zu tragen. Es handle sich hier um eine vorübergehende Störung des Betriebes, die sich nicht fo stark ausgewirkt habe, daß sie den Bestand des Betriebes selbst gefährdet hätte. In solchem Falle hat nach der Rechtsprechung des Reichsarbeitsgerichts der Arbeitgeber die Folgen der Betriebs- störung zu tragen. Die von der Firma beantragte Zulassung der Revision wurde abgelehnt. Oer �eichs ausdrücklich hervorhob, daß er als verantwort- licher Chef der Verwaltung sich vor seine Beamten stellen müsse, hat doch schließlich die Verpflichtung, dies in einer Weise zu tun, die den Interessen der Stadt und der angegriffenen Beamten völlig gerecht wird. Wer als Leiter einer großen Verwaltung zehn Wochen oerstreichen läßt, ehe er es zu einer einwandfreien öffentlichen Klarstellung einer solchen Angelegenheit kommen läßt, setzt sich eigentlich äußerlich in Gegensatz zu seinen eigenen„pro- grammatischen" Erklärungen, daß er die Verwaltung ,t n völliger Reinheit" führen wolle. Die Reinheit der städtischen Verwaltung ist seit zehn Wochen bezweifelt!! Die Ilnanlostborkeil des angegriffenen Teils der städtischen Verwaltung wäre in diesem Falle gewiß sehr schnell festzustellen gewesen. Der Berliner Oberbürgermeister„verhandelt" und läßt es zu, daß eine Rückzugserklärung vielleicht in einer Debatte untergeht, die auch nicht im entferntesten mit dem Gegenstand zusammenhängt, bei dessen Behandlung die Beschimpfungen erfolgten. Da in solchen Angelegenheiten noch den jetzt geltenden Be- stimmungen öffentliche Anfragen in der Stadtverordnetenversamm- lung nicht mehr erfolgen können, seien hierdurch an den in dieser Sache so konzilianten Berliner Oberbürgermeister folgende Fragen gestellt: 1. Sieht der Berliner Oberbürgermeister das bisher festzustellende Verfahren als einen völligen und wirksamen Schutz für beleidigte städtische Beamte an? 2. Ist der Oberbürgermeister nicht vielleicht der Auffassung. daß im vorliegenden Fall die Energie feiner Worte nicht mit der Energie feiner Talen übereinstimmt? 3. Zfi der Berliner Oberbürgermeister geneigt, das gleiche verfahren in ähnlichen Fällen nochmals durchzuführen und glaubt er. daß eiu solches Verfahren feinem Bestreben, die„Reinheit der Verwaltung zu erhalten", wirklich gerecht wird? Schweigen um das V-Booi. „M 2* noch immer nicht gefunden. London, LT. Januar. Am Spätnarstmittag gab die englische Admiralität folgende Mitteilung heraus:„Von dem Unterseeboot „>t II" ist bisljer noch keinerlei Nachricht ein- gegangen.<�s wird daher die größte V e f ii r ch° t u n g für die Sicherheit der an Bord befindlichen Mannschaft gehegt." Sämtliche Frauen der im ilnierscebooi befindlichen Ossizicre und Mannschaften erhielten ei» Telegramm von dem Kapitän des Kreuzers„Delphin", der die Nachforschungen nach dem vcrschwun denen Unterseeboot leitet. Das Telegramm hat folgeiideu Wortlaut: „Bedaure, Ihnen mitteilen zu müssen, daß Ihr Gatte vermißt wird. Wir beillrchten, daß er mit dem aus der Höhe von Portsland unter- gegangenen Unterseeboot M 2 untergegangen und ertrunken ist." Es konnte einwandfrei festgestellt werden, daß der am Mitt- woä) früh auf dem Meeresgründe gefundene metallische Körper >: i ch t das vermißte Unterseeboot ist. Man vermutet, daß es stch um ein altes, aus der 5iriegszeit stammendes Wrack handelt. Bis zum späten Abend war in London eine Meldung ver- breitet, wonach der Kornmandant des Mutterschiffes„Adamant" das Unterseeboot M 2 ans dem Meeresgrund festgestellt l?abe. Diese Meldung wurde jedoch von der Admiralität dementiert. Brandunglück in Charlottenburg. Das Opfer eine 88 jährige Frau. Tin Hause Herbert st raße 28 in CHarlottenburg ereignete sich gestern ein folgenschweres vrandunglück, bei dem die 88 Jahre alte Frau Anna Eberts ums Leben kam. Die Greisin wohnt bei ihrer verheirateten Tochter. Seit einigen Wochen ist die alte Frau infolge Altersschwäche bettlägerig. Als Frau E. ein neben dem Bett stehendes Licht anzünden woWe, fiel die Kerze um und setzte das Oberbett in Brand. Durch Klopfzeichen alarmierte die bedauernswerte Greisin ihre im Nebenzimmer weiicnde Tochter. Der Frau gelang es, die Moimnen zu ersticken, doch hotte ihre greise Mutter bereits so schwere Brand- Verletzungen erlitten, daß sie kurz nach ihrer Ausnahme im Wilmers- dorfer Hildegardkrcmkenhaus ihren Verletzungen erlag. Das neue Kunstgebäude Berlins. Dicht neben der Hochtchnle für bildende Kamt in der Hardenbergstraße soll. sich das neue Kunsiaasslellungsgebäade erheben, das dringend notwendig ist, leider aber bisher nicht gebaut werden konnte. Jetzt wird die Berliner Künstler- schaf t es sich selbst errichten. In Zusammenarbeit mit Hermann Sandkuhl hat der Architekt W.' B ü n i n g ein sehr schlichtes, nur auf den Zweck gerichtetes, fensterreiches einstöckiges Gebäude entworfen, das Raum für 1200 Ausslellungswerke, für Büros, Lagerräume und eine Cafewirtschaft enthält, allen Anforderungen an ein Kunsigebäude nach jeder Richtung entspricht und höchstens 170 000 Mark kosten wird. Die klare Sachlichkeit in seiner Erscheinung wird neben der wilden Das Projekt für die Havdenbergstraße Architekturanruhe der Hochschule für bildende Kunst einen wohltuenden Kontrast bilden und dem Stadtbild am Steinplatz zur Zierde gereichen. Nach einem Tagebuchroman von Karl Hans Schober erzählt von Erich Knauf Die Mannfchaften bcherrfchen vi« Schiffe. Es wird ye- tanzt und Musik gespielt, und die Offiziere fügen sich in das Unvermeidliche. Das im Hauptkriegshasen stationierte U-Boot-Kommando fährt aus dem Hasen und versenkt die Unterseeboote. Die Besatzungen werden von Dampsdaaten ausgenommen. Bei der Berteiiung der Monturen und Borräte sorgt der Kommissär dafür, daß nicht alle Matrosen bedacht werden können. Das gibt natürlich Klamauk, und bald ist eine Schlägerei im Gange. Die Offiziere stehen grinsend, dabei: „Wie eine wilde Horde!" Tolstoi rettet wieder einmal die Situation:„Sie wollen Bcrwirrung in eure Reihen tragen. Die Verteilung wird noch einmal vorgenommen!" Das geschieht, und dann wendet er sich an die Offiziere:„Diesmal habt ihr euch in die Finger geschnitten!" Einmal müssen wir auch in die Stadt. Es soll irgendwo Unruhe geben, bei der Offiziere ihre Hand im Spiele haben. Achtundzwanzig Mann von uns gehen scharf bewaffnet durch die Stadt, ohne etwas zu finden. Einer kommt aus die Idee: Aha, vielleicht in den„Drei Grazien"! Und richtig, dort sin- den wir die Kerle. Frühere höhere Stabsoffiziere, die noch nicht degradiert find. Sie liegen fast nackt und besoffen unter den Tischen. Wie wir ,zum Hafen zurückkommen, heißt es Laufschritt, denn die hungrige Bevölkerung will dort gerade einige Waggons mit Proviant plündern. Es find in der Haupt- fache Frauen und Kinder. Und die drei Kommißpoliziften, die sich mit dem Gewehrkolben heldenhaft gebärden, haben leichtes Spiel. Die Leute bemerken uns, Frauen schreien uns wie Er- lösern zu, und dann werden die Kommißpoliziften entwaffnet und verprügelt. An Bord geht alles den gewohnten Gang. Offiziere in Legionärsuniform kommen und stellen sich als die Vertreter der neuen Regierung vor, und morgen sollen wir heimfahren. Wir haben an dem ganzen Kram kein Interesse mehr. Die Uebergabe erfolgt. Zum letztenmal wird angetreten und eine Ansprache gehalten. Wie Gilbert, der Redner, seinen Platz verläßt, heißt es plötzlich, der Italiener habe für die kommende Nacht seinen Besuch angesagt, um einen Teil der Flotte zu schnappen. Was! Sollen wir nockz in Kriegsgefairgenfchaft geraten? Das ganze Schiff ist voll Tumult. Den ganzen Dreck soll der Teufel holen! Die Nacht kommt, und der Mond schaut bleich aus sein Bild im Waffer. Ich versehe meinen Dienst im Turbinenraum. Plötzlich fliegt die Tür aus, und ein wahnsinnig aufgc- rissener Mund schreit mich an:„Schiff verlassen! Minen sind gelegt!" Ich stürze hinaus, und überoll schreit es:„Minen! Minen!" Alles rennt auf Deck, viele sind nur bolb bekleidet. Tolstoi ruft:„Bootskrane klar! Schiff absuchen!" Aber es sind keine Minen zu finden. Einige rennen schon mit dem Rettungsboot heran. Ich kriege dabei einen Stoß und stürze ms Wüster. Pfui Teufel, schmeckt die Brühe schlecht! Ein Boot fischt mich aus und ich lande wieder an Bord. Was geht eigentlich vor? Ein Motorboot voll Tumult hast am Achtersallreep unseres Schiffes, zwei Männer werden von unseren Leuten hochgebracht, und wie sie das Deck be- treten, sind sie umzingelt, Messer raus, und ihre Taucher- anzüge sind zerschnitten. Einer von ihnen hebt die Hand und spricht heiser:„Weg vom Schiff! Es fliegt in die Lust!" Ich packe ihn an d�r Bnlst:„Was seid ihr für Kerle!" j Italienische Ossiziere sind es, so stellt es sich heraus. Sie sind schon lange unterwegs, wissen nichts vom Wassenstill- stand und haben Zeitminen in den untersten Schifssschotten aus Achter eingeschmuggelt. Und der eine grinst frech:„In einigen Minuten geht die Kiste hoch." Im selben Augenblick balancieren über hundert Matrosen auf der Backspiere. Sie biegt sich und gibt nach, dann bricht sie, fliegt ins Meer und erschlägt die Matrosen, die unter sie geraten sind. Alles rennt durcheinander. In dem Tumult verschwinden die zwei Italiener. Ich stürme auf die Notleiter abwärts und alarmiere die Kameraden, die nach unter Deck sind. Loser muß wahnsinnig geworden sein. Trotzdem ich ihn mit beiden Fäusten packe und ihm zuschrcic, daß das Schiff hochsliegt, reißt er sich los und rennt zurück:„Der Dienst! Der Dienst!" Plötzlich wirft eine gewaltige Erschütterung das Schiff in die Höhe, und eine Hobe Wassermand stürzt aus das Deck. Mich wirst es in eine Ecke, und dann spüre ich, wie das Schiff unter der Wucht des eindringenden Wassers sich zur Seite neigt. Aus Mittschiss raufen sich die Matrosen um die Rettungs- gürtel, um Bretter und Rettungsflöße. Am Geschützturin kniet einer, hält ein hölzernes Kreuz in der Hand und betet. Ich springe hin, packe ihn am Kragen und ziehe ihn über Bord. Da wird er lebendig und verläßt sich aus seine eigene Kraft. Die Vennirrung wird immer gräßlicher. Jeder denkt nur an sich selbst, und der Stärkere schlägt den Schwächeren nieder. Offiziere und Mannschaften prügeln sich um einen Platz in den Rettungsbooten. Mit Mübc überwinde ich das Zittern, das mich befallen hat, und stürze mich ins Wasser. Nur fort, damit der Strudel uns nicht in die Tiefe reißt. Ununterbrochen sause ich Wasser. Einer hängt sich an meine Füße. Verslucht! Es ist der„Lange Docht"! Ich schüttle ihn ab, er packt mit der Verzweiflung des Ertrinkenden wieder zu. „Nicht anhängen!" � Er stöhnt:„Ich schlwöra— vor Gott— dem Allnmch-- tig-n.„(Schluß folgt.) Ein Mädchen zu vergeben! Hl n«'thofffn s»ZZ? Hl Sa DsBllblSk Neue Verhaftungen zu einem Adoptionöschwindel.>> �07 MK KV W» fm? üi« Bm □ Vorsänge in der Potsdamer Straße vor Gericht. Staatsanwalt widersprach einer Einstellung des Der» Ein großer Adoptionvschwindel mit Kindern, der nach Hol» land hinüberspielt, hat vor kurzem beträchtliches Aussehen erregt. Die Kriminalpolizei, die eine große Untersuchung einleitete, konnte bereits einen der Schwindler verhaften. Jetzt sind in Köln zwei Männer festgenommen worden, von denen man annimmt, daß sie den Schwindel nach Holland inszenierten. Fast zu gleicher Zeit wurde in Berlin ein Mann ermittelt, der ebenfalls mit der Affäre in Zusammenhang zu bringen ist. Es handelt sich um eine« der Polizei als alten Betrüger bekannten Kaufmann D., gegen den das Berfahren wegen versuchten Betruges eingeleitet worden ist. Während anscheinend die beiden in Köln Verhafteten dieselben sind, die wohlhabende holländische Familien um Riesenbcträge schä- digten, indem sie vorgaben, die Adoption eines deutschen K i nd e s vermitteln zu können, haben die anderen Betrüger sich Deutschland ausgesucht, um hier ihren Schwindel anzubringen. Der setzt verhaftete D. hatte sich feudale Briesbogen machen lassen und gab nun bekannt, daß er ein Mädchen an Pflegeeltern zu oergeben habe. Die Pflegeeltern sollten zunächst einen„Er- ziehungsbeitrag" in Höhe von 8000 M. erhalten und später, wenn das Kind etwa 1k> oder 11 Jahre alt sei, noch weitere Summen bekommen. Der Bater des Mädchens, übrigens ein Freund des Briefschreibers, sei ein bekannter Ingenieur und könne das Kind leider nicht bei sich behalten. Der Gauner erhielt jetzt zahlreiche Schreiben. 200 Personen bewarben sich um die Pflegschaft des Kindes. Der Rest antwortete damit, daß er dem Gauner die seinerzeit veröffentlichten Artikel rot und blau angestrichen übersandte, in denen der ganze Schwindel aufgedeckt und vor den Gaunern gewarnt wurde. Der Betrüger ließ sich aber dadurch nicht abschrecken, sondern richtete an einen Teil seiner Interessenten einen Brief, in dem er„zwecks Einholung van Auskünften um freundliche Uebersendung von 15 M." bat. Die Kriminalpolizei arbeitete aber schneller als der Betrüger,� ermittelte ihn In Berlin und oerhaftete ihn aus seiner Wohnung heraus. Seine gesamte Korrespondenz mit seinen„Interessenten" wurde natürlich beschlagnahmt. Das Mädchen sowohl als auch der Vater, der angebliche Freund des Briefschreiberv, existieren selbstverständlich nur In der Phantasie. Die Polizei hat bereits die Leute benachrich- tigt. Gegen den Betrüger wird ein Gerichtsversahren eingeleitet. 2Iahre3uchthausfürHeiratsschwmdler Einer, dem die Gefangniskost gut bekommt. Mit einer recht eigenartigen Begründung bat der vor dem SchöffengerichtBerlin-Mitte heute angeklagte Schlächter Paul Böhm um mildernde Umstände. Er erklärte nämlich, kein« Haft vertragen zu können, weil er über drei Zentner Körpergewicht und während der dreimonatigen Unsersuchungshaft schon 2S Pfund zugenommen habe. Böhm, der etwa 30 Jahre alt ist, hat bereits sieben Vor- st r a f« n und hat schon mehrfach Heiratsschwindeleien begangen. Erst Ende April vorigen Jahres war er nach Ver- büßung einer Strafe von 19 Monaten aus Tegel entlassen worden. Während der Strafhaft war gegen ihn ein neues Strafverfahren wegen Heiratsschwindels eingeleitet worden, das aber zur Ein- stellung gelangte, nachdem der Angeklagte versprochen hatte, daß er sofort nach seiner Freilassung den angerichteten Schaden gutmachen wolle. Diese Zusage hielt er aber nicht. Im Gegenteil, kaum war er in Freiheit, so setzte er sein alles Gewerb« wieder fort und verübte in Berlin, Leipzig, Goslar und in anderen Orten neue Heiratsschwindeleien. In rascher Folge verlobte er sich fünfmal hintereinander, stellte sich immer als einen ver- mögenden Mann hin und sprach von dem großen Besitztum seines Daters und von seinem Bankguthaben. Dabei wußte er geschickt die Banksperre des letzten Sommers auszunutzen. Da er infolgedessen an sein Bantguthaben nicht herankonnte, ließ er sich von seinen jeweiligen Bräuten reichlich mit Geld aushelfen und von den Eltern der„Bräute" wochen- und monatelang unter- halten. Sobald er das Feld abgegrast hatte, verschwand er auf Nimmerwiedersehen, um sich an einer anderen Stätte sofort wieder zu verloben. Sein« Opfer waren eine Arbeiterin, eine Näherin, eine Stütz« und zweiWitwen. In einem Falle verstand er es, nicht bloß die Braut selbst, sondern die ganze Die Vorgänge In der Potsdamer Straße anläßlich der Reichsbannerkundgebung im Sportpalast am 2. Dezember vorigen Jahres hatten vor dem Schöffengericht Schöneberg ein Nachspiel. Wie erinnerlich, war der Major L e w i t an jenem Abend beauftragt, für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Er halt« seine Auf- gäbe so verstanden, daß Hochrufe aus die Republik, auf die Minister Braun und Seoering„ruh« störenden Lärm" darstellen. Also verhaftete er kurzerhand den Ministerial- rat Dr. K n ö n e r vom Postministerium, der«s gewagt hatte, seiner republikanischen Gesinnung durch einen Hochruf auf die Republik Ausdruck zu verleihen. Aus dem gleichen Anlaß wurden auch weitere Zwangefeststellungen vorgenommen. Die Erregung der Reichsbann«rleute wegen dieses unbegreiflichen Vorgehens des Polizei- majors war m«hr als verständlich. Und wie es eben bei solchen Anlässen zu geschehen pflegt, richtete sich die Erregung auch gegen di« schuldlosen Schupobeamten, die nur in pflichtgemäßer Erfüllung der Befehl« ihrer Vorgesetzten die Zwangsgestellten ins Polizeirevier zu bringen hatten. In Verbinidung mit diesen Vor- fällen hatte sich der Chauffeur K., Mitglied der Sozialdemokratischen Partei, wegen Aufforderung zur Begehung strafbarer Handlungen zu verantworten. Rechtsanwalt Dr. Siegfried Weinberg stellte zu Beginn der Verhandlung den Antrag, das Verfahr«» auf Grund d«s§ 153 wegen Geringfügigkeit einzustellen. Der Polizeimajor Lewit habe der Verfügung des Ministers Seoering zuwider di« Hochrufe auf die Republik in einem gewissen Umkreis um den Versammlungsort als ruhestörenden Lärm«rächtet und sei wegen seines pflichtwidrigen Verhaltens strafoerfetzt worden. Die dem Angeklagten K. zur Last gelegte Handlung, sofern er sich deren schuldig gemacht haben sollte — er bestreite das—, wäre nur ein« Folge des pflichtwidrigen Verhaltens des Polizeimajors L«wit gewesen: K.s Verschulden wäre in diesem Falle derart gering, daß eine Einstellung des Verfahrens geboten sei. Er bitte, das Polizeipräsidium anzufragen, ob es auf ein« Strafverfolgung überhaupt noch Wert l«ge. Der fahrens. Der Angeklagte K.«rkannte sich nicht für schuldig. Er habe auf dem Heimwege von der Sportpalastkundgebung in der Nähe der Steglitzer Straße um ein Auto herum eine erregte Menschen- menge stehen sehen: es wunde ihm gesagt, daß«inige Leute wegen Hochrufen auf die Republik zwangxgeftellt worden seien. Di« Menge sprach erregt auf Major Lewit ein. Er. der Angeklagte, versucht« di« Menge zu beruhigen, dann ging ein Haufe hinüber zum Schupoauto, auf dem sich Zwangsgestellte befanden. Hier benahm sich die Menge noch erregter: als«in Polizeiwachtmeister mit dem Gummiknüppel herumfuchtelte, rief er diesem zu. er möge das unterlassen. Als er bereits fortgegangen war, wurde er verhaftet. Es sei nicht wahr, daß er gesagt habe:„Holt doch die Leute vom Auto herunter." Die beiden Polizeiwachtmeister wollten aber in dem Angeklagten denjenigen wiadererkennen, der di« Menge aufgefordert habe, di« Zwangsgestellten herunterzuholen. Ein Reichsbannermann habe noch di« Leute davon abgehalten mit den Worten: Macht keinen Blödsinn, die tun ja nur ihre Pflicht. Man hatte den Eindruck, daß die beiden Polizeiwachtmcister ihre Aussagen nach bestem Wissen und Gewissen machten: es erschien aber nicht auege- schlössen, daß sie sich in der Person dessen, der di« inkriminierten Worte gesagt hatte, geirrt haben konnten. Der eine von den beiden wegen der Hochrufe Zwangsgestellten, der Reichsbannermann F.. hatte nicht gehört, daß K. die Worte gerufen hatte. Der Staatsanwalt beantragte eine Geldstrafe in Höhe von 150 M. R.-A. Dr. Weinberg stellte noch einmal den Antrag auf Einstellung des Verfahrens. Im übrigen war auch«r der Ansicht, daß die Zeugen sich in der Person des Angeklagten gutgläubig irren müßten. Das Gericht verurteilte K. zu 7 0 M. G e l d st r a f c. Es hielt ihm die Erregung zugute, die sich der Reichsbannerleute wegen der Verhafwng ihrer Kameraden bemächtigt hatte. Familie anzupumpen. Die kleinen Leute haben über 1000 Mark verloren. Auch sonst hat der Angeklagte noch zahlreiche weitere Kreditbetrügereien verübt. Das Schöffengericht versagte ihm mildernde Umstände und ver- urteilte ihn zu zwei Jahren Zuchthaus, 2000 Mark Geld- strafe oder weiteren 20 Tagen Zuchthau» und zu fünf Jahren Ehr- verlust, ohne darauf Rücksicht zu nehmen, daß Böhm nach Per- büßung der Strafe vielleicht als schwerster Mann der Welt entlassen werden muß._ Der lehie Ausweg. Junges paar erschossen ausgekunden. Im Hause Johannis st raß« 22 wurden gestern abend der 24 Jahre alte Randolf Fiedler und die 20 Jahre alte Hannt Fischer erschossen aufgefunden. Das junge Paar hatte am 20. Januar ein gemeinsames Zimmer gemietet. Als sich von den jungen Leuten im Laufe des gestrigen Tages niemand sehen ließ, schöpften die Wirtsleute Verdacht und ließen die Zimmertür öffnen. Fiedler und das Mädchen logen angekleidet mit Kopfschüssen tot in den Betten. Das Motiv zur Tat ist noch unbekannt. Di« Kriminal» Polizei ist bemüht, festzustellen, ob die Personalien stimmen, da man bisher lediglich auf die vorgefundenen Papiere angewiesen ist. Musik für Arbeitslose in der Krolloper. Am Sonntag fand in der Kroll-Oper für die Berliner Arbeltslosen«in Konzert des Berliner Funk» orchesters statt. Die Leitung lag In oen Händen von Bruno Seidler-Winkler, dem von den Zuhörern für seine Dar» bietungen immer wieder stürmisch gedankt wurde: verschastten sie doch den von der Not am schlimmsten Betroffenen ein paar Stunden reiner Freude. Allgemein wurde nur bedauert, daß zu dem Konzert kein Programm gegeben wujfc«. Wenn die Druckkosten zu teuer sind, hätte man«s doch wenigstens ermöglichen können, daß die iiichi gesenKte Aiiraummieien. Und Mieter, deren KUndigungsrecht ausfiel. In einem Häuserblock aus dem Tempelhofer Feld, der vor dem Kriege fertiggestellt wurde und einer G. m. b. H. gehört, deren Anteile In Auslandsbesitz sind, herrscht unter den Mietern berechtigte Aufregung: Wie alle Mieter von Alt räum» Wohnungen erhielten sie im Dezember von der Hausverwaltung schriftlich die Benachrichtigung, daß ihre Mieten gemäß der vierten Notverordnung um zehn Prozent der Friedensmiete gesenkt seien. Jetzt— Ende Januar— teilt die Hausverwaltung den über- rafchten Mietern mit, daß sie laut preußischer Aussüh» rungsverordnung die Mietsenkung wieder rückgängig mache, da aus den Häusern Auslandshypotheken(Schweizer Goldhypotheken) ruhen sollen. Die Hausverwaltung verlangt für den 1. Februar nicht nur die volle alte Miete von 120 Proz.. sondern dazu noch die Rückerstattung der im Zanuar nicht gezahlten 10 Proz. Für die zahlreichen Mieter, die als Beamte, Angestellte und Arbeiter am 1. Januar den vollen Lohnabzug über sich haben ergehen lassen müssen, tritt hierdurch eine katastrophale Lag» ein. Eine große Anzahl dieser Mieter hätte zweifellos von dem Kündigungs- recht der vierten Notverordnung Gebrauch gemacht, wenn sie gewußt hätten, daß es in diesen Häufern bei der vollen alten Miete bleibt. An sich ist schon in diesen kurz vor dem Krieg« erstellten Häusern die Friedensmiete mit die höchste in Berlin. Jetzt sind in der Tat viele im Preise gesenkte Neubauwohnungen bereits billiger als diese ungesenkten Altraumwohnungen! Aber die Mieter haben nicht gekündigt, woraus chnen kein Vor- wurf zu machen ist. Der Mieter kann überhaupt nicht wissen, was für Hypocheken auf dem von ihm bewohnten Hause liegen. In diesem Falle aber lebten obendrein infolge der schriftlichen Anzeige der Hausverwaltung olle Mieter bis zum 5. Januar und darüber hinaus in dem durchaus berechtigten guten Glauben, daß ihre Miete genau so gesenkt würde wie olle anderen. Jetzt ist e» zu spät zum Kündigen. Selbst ein nachträgliches Kündigungs- recht wäre ziemlich zwecklos, da hie Mieter, di« vor dem 5. Januar gekündigt haben, alle verfügbaren Klein- und Mittelwohmmgen bereits mit Beschlag belegt haben dürften. Ist man sich in preußischen Regierungskreisen über die katastrophal«'Lage dieser Mieter klar? Und wie gedenkt man hier Abhils« zu schassen? Der geschilderte Fall ist zweifellos durchaus nicht der einzige feiner Art. einzelnen Stücke vorher angesagt wurden. Den ersten Teil bildete ernstere Musik, wobei besonders„Zarahayda" von Svendsen vor- züglich herauskam. Später wurden die Darbietungen mit einem Czardas von Joh. Strauß, Tanzmusik von Weber und dem ungari- schen Marsch von Lehar als Schluß leichter und beschwingter Der laut« Beifall und die lebhafte Teilnahme der Zuhörer war sicher den Veranstaltern der schönste Dank für eine Tat, die zwar die schwerste Not nicht mildern, aber doch für einige Zeit vergessen lassen kann._ Morddrohungen der Aazis. Soll der„Nachefeldzuq" weiter geduldet werden. Don dem Berliner Goebbels-Vlatt wird in nicht mißzuversteheri- der Welse gegen den Pförtner und Wagenkontrolleur P. der M«iereizentrale in der Zwinglistraße in Moabit gehetzt, da er an- geblich dem von Kommunisten verfolgten und im Verlauf« der Schlägerei erstochenen Hakenkreuzgymnasiasten Rorkus keine Zuflucht und keinen Schutz vor leinen Verfolgern gewährt hat. Es ist schon soweit gekommen, daß gegen d«n an dem Vorfall unLek«iligt«n Mann von oen Nazis offene Morddrohungen ausgestoßen worden sind. Wir haben eine Schilderung der Vorgänge in der Götz- k o w s k y- und Zwinglistraße erhalten und sie eingehend nachgeprüft. Nichts rechtfertigt danach die Hetze gegen den Pförtner der Meiereizentrale. Als sich die Schlägerei ereignete, stürmten etwa 30 bis 35 Mann, darunter die Hakenkreuzler, auf das Tor der Meiereizentrale zu, und«s war für den Pförtner P. selbstverständlich, niemand Einlaß zu gewähren. Bezeichnend ist nun ein Dorfall, der sich am Dienstagabend in der Nähe der Woh- nung des Pförtners abspielte. Als di« Frau des Pförtners«in- kaufen ging, trat ihr e i n Mann entgegen, der«inen schwarzen Schäferhund mit gelben Flecken bei sich führte. Mit den Worten: „Guten Morgen, grüßen Sie Ihren Mann von mir," verstellt« der Bursche der Frau den Weg. Auf die Frage der Frau: Ach. Sie t«nn«n meinen Mann?, erwiderte oer Bursche: Ja, von gestern, von der Geschichte hier. Wundern Sie sich nicht, wenn Sie Ihren Mann eines Abends als Krüppel auf der Straße finden. Er kann sich dann bei den Nazis dafür be- danken!" Diese offen« Mordandrohung gab P. Veranlassung, zum Polizei- Präsidium zu gehen und gegen den bisher unbekannten Burschen Strasantrag zu stellen. 500 Mark für Ergreifung der Täter ausgefetzt. Die bisherigen Ermittlungen der Politischen Polizei zu dem kommunistischen Ueberfall In Moabit haben ergeben, daß als Mörder des 16jährigen Gymnasiasten Herbert Norkus drei junge Burschen in Frage kommen und zwar der 19jährige Willy Simon, der ISjährige Harry Pack aus der Wittftocker Straße und der 18jährige Bernhard K l i n g b e i l, der zur Zeit wohnungslos ist. Der Polizeipräsident hat für die Er- greifung der drei Gesuchten«ine Belohnung von 500 Mark ausgesetzt.._ Verlust im Sporipawst. Der Genosse Georg Herzog, Wörther Str. 20, hat seine Brieftasche mit Inhalt, Stempelkarte, Jnvalidenkart« und Partei- buch im Sportpalast verloren. Der Finder wird gebeten, sie Lin- denstraße 3, im Sekretariat des Bezirksverbandes Berlin abzugeben. Schwere» Aulobusunglück bei Madrid. Ein Autobus fuhr bei einem Ausflug in d«r Nahe von Madrid gegen einen Baum. Von den 22 Insassen wurden fünf getötet und zehn schwer » e r l e tz t. %xd�pÄMm von, Sä von Jkzmi- UoMdSec amh. ts gibt für e/ne Hasche J/n 0 4k Gutschein M 1 2x Vi JfrZ 3* Vi M 3 6* Vi Auch auf andere MAGG!-Erzeugnisse, wie MAGG!5 Suppen und MAGG!S FleischbröhwOrfel. gibt es Gutscheine Ltrieil im Moskauer GisenHahnerprozeß. Die Hauptschuld trägt die Vahnverwaltung. Der Oberste Gerichtshof der Sowjetunion hat wegen des Zusammenflohes bei der Station Kossino bei Moskau, bei dem 6 8 Menschen ums Leben kamen und 131 verletzt wurden. das Urteil gesprochen. Der Lokomotivführer Gurak sowie der Stationsvorsteher von Kossino, Samoilow, erhielten Arciheitsstrasen ia höhe von je zehn Iahren, drei andere Beamte zwischen S und 5 Iahren Gefängnis. Drei weitere Beamte wurden freigesprochen. Als Ursache des Unglücks bezeichnete das Gericht Verletzung der Arbeitsdisziplin durch die Angeklagten. Trotz der Warnung seines Heizers soll der Lokomotivführer Gurak das ge- schlossene Hauptsignal überfahren und dann nicht rechtzeitig und scharf genug gebremst haben. Der Vorsteher der Station Kossino, Samoilow, hat mit zur Katastrophe beigetragen, weil er sich nicht davon überzeugt hat, daß der erste Zug den Block, in dem sich nach- her das Unglück ereignete, auch ordnungsmäßig verlassen hatte. Aber die größte Schuld trage die h ö ch st e Verwaltung der Moskau-Kasan»Eisenbahnlinie, die sich nicht von dem Vorhandensein der erforderlichen technischen Fähigkeiten und Kennt- nisse ihrer Beamten überzeugt habe. Gegen mehrere Beamte der. Verwaltung der Moskau-Kasan-Cisenbahn ist daher ein Verfahren wegen Pflichtverletzung eingeleitet. Ehe- oder Altersrente. Eine Arbeitsgemeinschaft für die Ehe- und Altersrente der Frau E. V. im Verein mit dem Berliner Hausfrauenoerein verfolgt den Zweck, Frauen und Mädchen auf der Grundlage einer rcgel- rechten Lebensversicherung die Möglichkeit zu geben, diese Versiche- rung in eine Ehe- oder Altersrente umzuwandeln; praktisch ist die Sache so gedacht, daß beispielsweise der Vater für die Tochter, die alleinstehende Frau für sich selbst, der Arbeitgeber für den Arbeitnehmer(Hausangestellte) eine Versicherung eingeht, die dann je nach Zahlungsdauer und-höhe in eine Ehe- bzw. Alters- rente umgewandelt wird. So erhält eine 2l)jährige Frau nach Llljähriger Versicherungsdauer mit einer Gefamtprämienleiftung von 1692 M. entweder ein Kapital von 2666 M. oder eine monatliche Rente von 16,36 M. ausbezahlt, die Vierzigjährige bei Monats- einzahlungen von 7,4S M., die sie 26 Jahre lang leistet, eine lebens- längliche Rente von mindestens IS, 93 M. usw. Die Arbeitsgemein- schost selbst stellt kein Versicherungsunternehmen dar, sie will ledig- lich ihren Mitgliedern bei Abschluß einer Versicherung in der ge- schilderten Weise behilflich sein; nach Maßgabe der verfügbaren Mittel will die Arbeitsgemeinschaft ihre bedürftigen Mitglieder bei Erfüllung ihrer Prämienzahlungspflicht unterstützen. Die hierzu erforderlichen Gelder sollen durch Spenden und gesellige Veranstal- tungen aufgebracht werden. Im Rahmen einer Kaffeestunde im Opernrestauraut Charlottenburg gab Heinrich von Bogulawski im Namen der Arbeitsgemeinschaft eine Einführung in Zwecke und Ziele der Vereinigung, dann folgten musikalische, rezitatorische und gesangliche Darbietungen:«ine reich beschickte Tombola wurde den Gästen warm ans Herz gelegt, ihr Erlös, sowie der Ertrag de» Nachmittages überhaupt, sollen so den ersten Baustein zum neuen Werk darstellen._ Professor Tr. Eduard Sprauger wird am Sonntag, dem 31. Januar, dormiltags U!ü Uhr, in der Hula der Westendschule in Cbarlottcnbura einen Vortrag über das Thema„Psychologie der Lebensalter ballen. Ter Ertrag flieht der Charlottenburger Hauipflcae zu. Emtritts- karten zu 1. 3 und o M. im Borverkauf bei Frau Clara Mommfen, March- straße 3. Telephon: Steinplatz 3396, und an der Tageskasse. Lustige Musik— Heiterer Tanz. Der nächste Kunstabend des Bolls- bildunaZamte» Kreuzberg findet nicht, wie vorgesehen, am Frei- tag, dem 5. Februar, im Friedrich-Realgymuasium. sondern D l e n s t o a, den 2. Februar, im„O r P b e u m", Sasenb-ide, Eingang Graesestrahe, statt. Für die Beranstailmtg sind verpslichtei worden: Bera.Skoronrl .."r____ /%______..»W' V CTD„ K.W � U«lt.?lrli». Die nächste Führung durch di, vergessenen Winkel des ältesten Derlitt veranstaltet da» Bezirksamt Echönederg unter der Leitung Georg Bamberaer» am Sonntag, 81. Januar. Treffpunkt 10>,h Uhr�auf dem Spittel. markt, Äu»gang Untergrundbahn. T-tlnahm- 50 Pfennig. Wegen de» groben Ä»dränge» ist t» ratsam, di« Teilnchmcrlarten im Vorverkauf zu entnehmen «Buchhandlung Dobderiin, Hauptstr. 110: Nicolaische Buchhandlung, Rhein. sirab« 65; Postkartenoerlag Walter, ff. 2, Poststr. 12). N elretariat SozialiftischeArbelterjugendGroß'Verlin 1 Einsendungen für diese Rubrik nur an da» Jugends-k I Berlin SW 68, Ltndenstrab' 2. vorn 1 Trevp» recht». Proletarische Orchester der SAZ.-Sruppe Renlöll»- Uebungsabend in der Karl-Mari-Schul«. Heule. Donnerstag. 2S. Zanuar. 19% Uhr: Norden! Lortzlngstraße:„Kaisers Geburtstag«.— Arn, walder Platz: Rasten- lmrger Str. 16:„Tagespolitik«.— Fallplatz I: S-nnenbura-r Str. 2«:„Arbeiter. bichlung«.- Humannplatz! Gleimstr. 88-85:„Kaiser» Geburistaa«.— Rard- Osten II: Danziger Str. 62: Heileres oon Henri, Reif.— Schanhauier Barstadt: Sonnenburger Str. 20: Bunter Abend.— Hallesch-- Tor: Porckstr. 11:„Sexuelle Fragen«.—»ottbusser Tor: Urbanstr. 167: Heunabend.— Südwest: Linden. strafte 4:„Politische Satire«.— Schönederq IN: Hauptstr. 15:„Film und Film. zenwr«.— ffharlottenburg.Westend: Arbeitsgemeinschast.— Zedleadors: Gesell- schaftsspiele.— Reinickendors-West! Leidelstr. 1:„Staatspolitil«. SS». Alle Genossen beteiligen pch beute abend an der Veranstaltung:m Bund, Albrechistr. 11, Sörth, n«Bahnhof Friedrtchstrabe). S» sprechen die Genossen Dr. Pähl über..Der Sozialismus al««egenwartsausgade« und ff. Braun über..Aufgaben der Hochschulpolitil«..... Werbebezirl Tiergarten: Stngekrei» Uhr im Jugendheim Bdchumer Strake Wcrbcbezirk Osten: Auerbach-Nursu» Litauer Stratze. Werbebezirl ReukallN! ffimerbslosenzusammenkunst im Jugendheim Berg. strahe 29, 11 Uhr. ffinscndungen für diese Rubrik sind Berit» SW 68, Lindrustraße 8. Parteinachrichten für Groß-Berlin stet» an da« Beztrk-sekretartat I. Hos. 2 Treppe« recht», ,» richten Erweiterter Bezirksvorstand Freiing, den 39. Januar, 19% Uhr, Sitzung des Erweiterten Vezirksvorstandes im Sitzungssaal, Linden- strafte 3, 3. Hof, 3 Treppen. \* Beginn aller Veranstaltungen 19% Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! 8. Kleis. Der Bildungskurfu» in Siemensstadt beginnt heute, Donnerstag, 28. Januar, pünttlich 19>4 Uhr, bei Sommer, Nonnendammallee. Kursus. tbema:„Unser Kamps gegen die kapitalistische Gesellschaftsordnung«. Lehrer Alex Schling. Die Teilnahme am Kursus ist unentgeltlich. 18. Kreis. Freitag, 29. Januar, 20 Uhr, in Tempclhof, Dorfstr. 42, Fraktion-. sitzung. Di« Wohlfahrtspsleger und.Pflegerinnen werden ebenfalls ein. geladen. 14.»reis. Heute, Donnerstag, 28. Januar, treffen stch die erwerbslosen Partei. Mitglieder um 9)4 Uhr zur Besichtigung eines Werkes. 18.»reis. Heute, Donnerstag,~ wcrbslosen Parteimitglieder „Krisenjohr 1982", Referent Nag, 28, Januar, 15 Uhr, gusammenkunst der er- ieder im Weißenseer Lyzeum, Eingang Parkstratze. W_____ W.W_____!rent Max Gillmcister, Abt. Freitag, 29. Januar, bei Michcel, Köpenicker Str. 55», Zusammenkunft der erwerbslosen Parteimitglieder zwecks wichtiger Information, 8. Abt. Freitag, 29. Januar, 29 Uhr, Heim Genthiner Str. 17, Zusammen. kunft der süngeren Parteimitqlteder.„Unsere Agitation im kommenden Wahlkampf«, Referent Willi Wolsf, U. Abt. Sonnabend, 39. Januar, für die füngeren Parteimitglieder Besicht!. gung der Vorwärts-Druckerei. Treffpunkt 17 Uhr Wilhelmshavener Ecke Turmstratze. Aeltere Genossen können teilnehmen. 64. Abt. Sonnabend, 80, Januar, 19 Uhr, wichtige FunItwnSrbefprcchung bei Lehmann, Kaiser-Wilhelm. Str. 29—31. 82. Abt. Heute, Donnerstag, 28. Januar, Iahresgeneralverfammlung in der Karl. Marx. Schule, Kaifer-Friebrich-Str. 208. Einlaß nur gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches. 87. Abt. Freitag, 29. Januar, an bekannter Stell», wichtige Funktionärsstzung. 195. Abt. Heute, Donnerstag, 28. Januar, 15>4 Uhr, bei Katerbaum, Sedan. straße 8, gufammenkunft der erwerbslosen Parteimitglieder,„ffrnste und heitere Rezitationen«, Vortragender: Henry Reiff. 106. Abt. Heute, Donnerstag, 29. Januar, 20 Uhr, an bekannter Stelle, gu. fammenkunft der jüngeren Parteimitglieder.„Das Razi-Programm.« 108. Abt. Freitag, 29. Januar, 20 Uhr, im Stadttheater, Friedrichstr. 6, Iahres- mitgliederverfammlung. Ehrung der Iubilare, Bericht, Neuwahlen. 12«. Abt. Freitag, 29. Januar, 20 Uhr, Mitgliederversammlung im„Türkischen Zelt«, Breite Straße, im Marktplatz.„Krisenjohr 1982«, Referent Dr. Ernst Bock. Neuwahlen. 138. Abt. Freitag, 29. Januar, bei Kaehne, Berliner Str. 89. große öffentliche Kundgebung des Reichsbanners. Wir beteiligen uns geschlossen an dieser Deranstaltung. 148. Abt. Die Bezirksführer holen Freitaa, 29. Januar, 18 Uhr, Flugblätter ab. Die Versammlung der„Eisernen Front« findet bereit» am L Februar, 20 Uhr, im„Lindengarten«, Hermsdorf, Berliner Straße, statt. Alles hat teilzunehmen. Bezirksausschuß für Arbeikerwohlfahrt. 2. Kr«:« Tiergarte». Freitag, 29. Januar, 18 Uhr, Sitzung aller ffunktia. näre und Helfer der Arbeiterwohlfahrt bei Stein, Holsteiner Ufer. Jahresbericht« mitbringen. 186. Abt. Reinickeadorf.vst. Di« Sitzung am Dannerstag fällt au». Sie findet erst nach der Kreisgeneralversammlung am 8. Februar statt. Fürsorger. Fürsoraerinnen. Funktionär« der«rieiterwablsabrt. Donners- tag, 28. Januar. 2» Uhr, Sammersäle. Teltower Str. 1— 4, ffäciliep-Saal. Vortrag de» Senossen Stadtkämmerer Asch über„Finanzsragen«ad Wohliahrts» pslege«. Alle interessierten Genossinnen p«d Genossen sind willkommen. Parlci. buch dient als Auswe:,. Sozlaliflifche Studenkenschast Verlin. O«fse»tlich« St»de»teakuabgeb«»g Freitag, 29. Januar, im Plenarsaal des Staatsrate»(ehemaliges Herrenhaus), Leipziger Strafte.„Kampf um den Staat.« Es sprechen die Senossen Peter Sraßmann-Berlln und Wilhelm Soll- inann.Käln. Saalöffnung 19'4 Uhr. Reduerkursn» Sonnabend, 80. Januar, 16—18 Uhr, Im Bunb. Leiter Genosse Dr. Drach. Sonntag, 15 Uhr, Treffen am Sportpalast zur Teilnahm« an de: Kundgebung der Eisernen Front. Arbeiksgemcinschafk der Hinderfreunde Groß-Berlin. Kreuzberg! Die noch fehlenden Gruppen werden gebeten, Jahresberichte u"''~'" R-akäll«: Der IWWIWWWWWWWWWWWIWWWWWI ihre umgehend an den Kreisleiter einzuschicken. ötenlursus für Nestsalken, Donnerstag von 18 dl» MM»»| statt. Eine braune Verlegung de» Seminars findet unser Kursusabend erst am 4. Fe brnar statt. Helfernersammlung Sonnabend, 20 Uhr, in der Karl-Marx-Schule. Zum Besuch der Sternwarte treffen wir UNS Sonntag 18 Uhr am Hertzbergplatz. Eltern können teilnehmen. Schineberg: Kreishelfersttzung heute 20 Uhr bei Sen. Peterson, Feurlgstr. 66. Pünktliche» Erscheinen aller Helfer ist dringend erwünscht. Lichtenberg: Wegen Verlegung Donnerstag, 4. Februar, stattfinden. ung de» Seminar» kann der Kreiskurfu» erst Sterbetafel der Groß»Berliner Partei-Organisation 85. Abt. Am 24. Januar verschied Grünst. Ehre seinem Andenken! plötzlich Die B«'' unser Genosse Albert WWWWWWWWWWWWWWWWWW«stattung findet am Donnerstag, 28. Januar, 16 Uhr, auf dem Friedhos in Friedrichsseide statt. Rege Beteiligung wird erwartet. 8«. Abt. Unser lieber Genosse Ernst Unger, Hollmannstr. 28, verstarb am 26. Januar im 53. Lrbensjahre. Ehre seinem Andenkenl Seit 1996 gehörte er unserer Partei an. Einäscherung Sonnabend, 39. Januar, 12 Uhr, in Baum. schulenwcg. 86. Abt. Unser Genosse Gustav g e I l m e r ist am 28. Januar verstorben. :e seinem Andenkenl Die Einäscherung erst''~««"""» 15>4 Uhr, im Krematorium Bavmschulenweg. Vorstand. Einäscherung erfolgt am Sonnabend, 89. Januar, '' Rege Beteiligung erwartet der Vorträge, Vereine und Versammlungen G Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Geschäftsstelle: Berlin®. 14, S-bastianstr. 37-38, Hof I Tr. Gauvorst an b. Zur Kundgebung im Sportpalast am Sonntag, "'«....-- � lg jj»,„j, gpici, nte» dem Musikpodium. W»»delga«g link« 31. Januar, tritt da» Reichsbanner wie folgt UN! 16 Uhr alle Spie maunszüge ohne Schlagzeug Wandelgang parte»«« Hinte« dem Mufitpodiu: Sämtliche Fahnen der Ortsverei», und Kameradschaften i Seite. Alle Kameraden der Schufo, welche zum Aufmarsch bestimmt sind, im Vorhos zum Sportpalast recht« Seite, das Jungbaauer linle Seite. Alle Kamera» den der Stafo und Echujo, soweit sie nicht zum Aufmarsch bestimmt sind, vrdnerdicnst. Antreten 15 Uhr: Kreis Süden: parterre; Kreis Norden: 1. Rang: Kreis Osten: 2. Rang.— Kreutberg: Donnerstag. 28. Januar, Zug VU: 20 Uhr Mitglied eroerfammlung im Rcichenberger Hof, Neichenberger Str. 147. Freitag. 29. Januar, Zug III: 20 Uhr Mitgliederversammlung bei Grahl, Wallenburgs straße 11.— Lichtenberg: Freitag, 29. Januar, 20 Uhr, Ii: den bekannten Lokalen. Kameradfchaftsversammlungen. Gustav Tempel, Rummelsburg, Traue- �WWWWuhr��WWI. den.— Wassersportabteilung Zug Tegel und Kamerodschgft Tegel: Sonnabend, 30. Januar, 19 Uhr, außerordentliche Versammlung im Bootshaus Tegel. Vor- trag und Stellungnahme zur Rüstwoche.— Lichtenberg(Ortsocrein): Die für Donnerstag, 28. Januar, angesetzte Jungba-Uebung auf dem Schießplatz findet nicht statt. Deutscher Arbeiler-Sängerbund. Gau Berlin. Geschäslssielle: P. Schneider. Berlin NO. SS, huselandstr. 31. 6. Bezirk. Sonntag, 31. Januar, 10 Uhr, im„Roten Adler«, Spandau. Potsdamer Straße, BezirlsgeneralversamnUung.— Männerchor Fichte- Seorgiua 1879. Sonnabend, 39. Januar, 19>4 Uhr, Generalversammlung im Saal l des Gewerkschaftshauses.— 9. Bezirk.' Die Bezirlsaeneralversammlung findet am Sonnabend, 80. Januar, 19>4 Uhr, im„Ideal. Kasino«, Neukölln, Weichselstr. 8, statt. Deutsche- Esperanto. Bund, Ortsgruppe Berlin. Freitag, 20 Uhr, Konditorei Dobrin, Hackescher Markt. Freiroligiö!« Gemeinde. Sonntag, 11 Uhr, Pappelallee 15, Vortrag des Herrn W. Richter:„Das Zeitalter der Biologie. Harmonium: Lieder ohne Wort««Tfchaikowskn). Deutscher Friedensbund. Donnerstag, im Vegetarischen Restaurant, Köthrner Straße 46, Ausspracheabend. Frau Finneisen spricht über„Die Stellung der Frau im Dritten Reich«. Gaste, insbesondere Frauen, willkommen. Sozialistischer Esperanto-Bund. Gruppe Zentrum: Freitag, 29. Januar, Allgemeine Wetterlage. 27. tzlan. 4932, abds. wolftonlas,® heitv.Q halbbcdackr av4)ikig.*bedecfct*RegeiwGraiipeia Das Hochdruckgebiet, das schon seit etwa einer Woche da« Wetter in Deutschland beeinflußte und dauernd an Höbe zugenommen batte, scheint jetzt in seiner Entwicklung seinen Höhepunkt über- schritten zu haben. Zwar stand am Mittwoch das Wetter in Deutsch- land noch größtenteils unter seinem Einfluß, blieb überall nieder- schlagsfrei und im Südwesten auch vielfach heiter, aber es nimmt jetzt an Höhe langsam ab; auch in seinem engeren Bereiche hat Druckfall eingesetzt. Zudem wird es von dem mitben Luftstrom, der zwischen ihm und einer Depression bei Grönland über Nordeuropa nach Osten setzt, in seinem nördli,hen Teil allmählich abgebaut und so nach Süden verschoben. Der außerordentlich unregelmäßige Druck- fall, der nachmittags in Berlin begann, zeigte an. daß in der Höhe über Berlin bereits wärmere Luftmassen anlangten. Auch am Boden dürfte unser Bezirk bald von ihnen überflutet werden. e- wekkeraussichken für verlin: Wechselnd bewölkt ohne wescnt- liche Niederschläge und etwas milder bei auffrischenden westlichen Winden.— Zur Deutschland: Im Süden und Westen Fortdauer der beständigen Witterung: im Norden und Osten Uebergang zu ver- änderlichem und etwas milderem Wetter. Nirgends Niederschläge von Bedeutung. Es ist der Direltio» de»„Haus Baterland« gelungen, den Ballettmeister Biktor«bsovskn für die Einstudserung der Ballett. Tiinze der„Baterlond-Girls" zu verpflichten. Ballettmeister Gfovslq bringt tm Februor-Programm des „Palmensaal« im„Haus Vaterland««ine Reihe neuarliaer Tanzdarbietungen, und zwar u. a. ein klassische» Spitzenballett im Alt.Wiener Stil und eine choreographisch« Skizze„Der Jahrmarkt«. Veginn Montag, den 1. Februar! Vorverkaufttage Freitag;, den 29. und Sonnabend, d. 30. Januar 1932 Bas Maua für Qrosae Weiten GADIELS WEISSE WOCHE WUND ER WEISSEN WAREN faren, dk raurormen au/ wumuscncn anoieten, auf einen t WEISSER RAUSCH werden! Wie immer, haben wir es auch diesmal vermieden, III Ä ff�CIkl zu verteuern.- Allts, was durch Ausstellungen, Ausstattung l||f IM AÄ daran erspart wird, kommt oder sonstige Aeußerllchkeiten die WW mw rmtWm** allein den Kunden zugute. Deswegen sind die Preise für vorzügliche Waren, die wir in Jahrzehntelang erprobten Qualitäten und Paßformen auf Wähltischen anbieten, auf einen so Überaus niedrigen Stand gebracht worden, daß ein ivahrer —------- Kurfschaft erfassen wirjf— Alle Hausfrauen, Brauteltern, Pen- sionate, Hotels, Bade'Anstalten und Wirtschaften sollten diese mar einmal im Jahre stattfindende Veranstaltung ausnutzen. �S3CiiGBS Weasse Vl/OCh© so» das 8t«||<|lcH«ln»>I«r Damen werden, die_ über alle Begriffe billigen Verkaufs■** ohne Qualitätsminderung Darum; AsLlf SU CSSICSSftH E« wird niemand Bereuen, iu uw« aeKommen iu seinl den Wert eines zu wOrdigen wissen. I Unsere diesjährige WEISSE»WOCHE übertrifft alle bisher dagewesenen Veranstaltungen! Bewährte Stammqualitäten aus eigener Weberei, in Preisen unerreicht Beginn: Montag, 1. Februar. Vorverkauf ab Freitag, 29. Januar KONSUM-WARENHÄUSER Oranienstrasse 164/65• Reinickendorfer Strasse 21• Frankfurter Allee 60 Sia&b Donnerstag, den 2S. Januar Staatsoper unter den Linden 20 Uhr Rigoletto StaalliAauspiclbans ünilaraensartt. 20 Uhr Schiller-Theater Cbarlthnlurj. 20 Uhr Die gottliche Jette DAS NEUE MATRAY- BALLETT u. weiters Attraktionen Tägl.«1/2 Uhr: 80Pf.bis4.-IVl Tägl. 5 Uhr; 40 Pf. bis 2.- M PtAZA Täglich 5 U.S.Ii) Uhr Stnntag3 2f5 8.1 üU. DieToni aus Wien Theater desWestens Täglich SVi Uhr Karl Joken in»er Vogeihändler Preise von 50 Pf. an Täglich S'.'i Uhr Ein Lied der Liebe llich. Tauber Annl Ablers Yorreikaufinraiifertiradieii Sonntag nachmittag 5 Uhr billige Preise der Plätze Stettiner Sanger im Reichshallen-Theater Dötilioff plaYn 8 lilir. Smrrags 3'- Ohr zu er- mäBigtea Prsism. Das reue Prasrsnuii mtiBuileske S o"u Reinfall!" Preise abgebaut! sv. ui>r CASlNO-TnEAlER»/. Uh, Lothringer Strafe 37. liiiuDiniiiiiiiiiiiiiiiKiiMiiniiiiiiuiniiMiniiiiiiititrHiMiiitiii Nur noch bis 29. Januar Wai man aus Liebe tut und die Operette„Das ScheidnngvSoaper* Sonnabend, den 30. Jaouar znm I. Male Eben uon heute Gutschein 1-4 Personen: Parkett SO Pf. pauteuil I.— Mark. Sessel 1.50 Stark. MM» Resfaiiant Berlins StädLOper Charlottenburg Bismarckstraße 34. Donnerstag. Januar Turnus III Anfang 20 Uhr Der Troubadour Ende gegen 23 Uhr folKsbllliiie Theate an Mlaepiatz 8 Uhr mit llliert Bassemana StaaH. SdiiUar-Ititatir 8 Uhr Die OMUdie Jette Will Täglich 8Vi Uhr Morgen gehts uns gut! Cirete Monheim Max Hansen Orckcster Dajos Bei» — ßieineaTh.— Truppe 1931. Tagl. SVi Uhr Die mauseralle Preise 75 Ff.— 3 M. Sonnt, nachtu. 4 U. halbe Pieise. Deetsdiei Theater 8 Uhr TIMON von Ferd. Bruckner Regie HeinzHilpen Die Komödie 8V* Uhr Oer uettlaul mit dem Schatten an WS« toi na ÄaK Regie: HansDeppe Knrlisrsteniiaiura- Theater ) 1 448- 8V. Uhr Aofricht-Prodaktioa Nahmtonny von Brecht u. Weiil Theater am Nollendorfplati Rtoit: Refn bllmbuj Pallas 7051 Täglich SV. Uhr Stgs. auch Wt Uhr Gasparone Arnold Scholz n-yahaHer• annpl. Hisenfeelde 108-14 Erofles Bockbierfest und Gr.ScIiweinesciilaclitan 6 Kapellen» Barr. Bedien nag .Beginn 7 Uhr Rose- Theater Gült Fmkfirfv Stritt 132 Tel. Wiidutl 2 7 3422 8.15 Uhr Der Bettelstudent Theater im Admiralspalasi Täglich 8V. Uhr Gitta Mpar in Die Dubarrj Preise v. 0,50 M. an Vom 18. bis 30. Januar 1932 Gratis erhalten Sie bei Einkauf von Wein und Spirituosen im Betrage von Rm. 2.26 an nach Ihrer Wahl eine'/t FL prima deutschen Weißwein oder eine Y» Fl. prima süßen Dessert-Obstwein Gratis „Nur noch 3 Tage" Süße erstklassige Dessert-Obstweine. Garantiert orig. Import, süße Südweine Echt ital. Vino Vermouth für Kranke, Feinster Pepsinwein für Kranke.... Erstklassige Edel-Branntweinc«... Hochfeine Edel-Liköre 30%..... Ausschank vom Faß! Kostproben gratis! . Liter von 0.72 an . Liter von 1.20 an . 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Vi Flasche von 1.60 an Feinste weiße, süße Bordeauxweine Vi Flasche von 1.25 an Sämtliche Preise verstehen sich ohne Glas BERLIN: *N, Brunnenstraße 42 *N, Müllerstraße 144 *N, Chausseestraße 76 O, Koppenstraße 87 *N, Prenzlauer Allee 50 *N, Schivelbeiner Str. 6 •O, Petersburger Str. 42 •SO, Grünauer Straße 15 SO, Köpenicker Str. 121 •W.Martin-Luther-Str. ß6 •Steglitz: Schloßstraße121 Lankwitz:CharIottenst.34 -Charlottenburg: Wilmersdorfer Str. 157 •Neukölln: BerlinerStr.12oJ-lermannstr.27 •Schöneberg: Kolonnenstraße 9 •OberschöneweideiWilhelminenhofstr.W •Moab.:Gotzkowsk)rstr.31,Witsnack.St.25 •Spandau: Potsdamer Straße 23 •Weißensee: Berliner Allee 247 •Tempelhof: Berliner Straße 152 •Pankow: Wollankstraße 98 •Lichtenberg: Wismarplatz 1 Reinickendorf: Markstraße 45 Schmargendorf: Berkaer Straße 5 Potsdam: Charlottenstraße 69 Eduard Süßkind DMMkUMM-MMs JtjtaftnBBdif Jt4i«fnBB4if• AdituiuJ! Aditnns! TerwaltanUsmitilleder! Freitag. Sitzung 6i et Mittleren Ortznerwaltnng Die Orfsrrrw.ltang. DGDtsdier MetailaMr-VertiaDil Verwalhm�tstclle Berlin Todesanzeige Den Mitgltedcru Sur Nachrich!, daß unser Kollege, der Schmied Ernst Unxer geb. 15. Desember 2873, am 28. Januar gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet am Sonn- abend, dem 30. Januar, 12 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg, Kies» holsstraße, statt. Rege Beteiligung erwartet Die OrtsverwaUuBg. Am 28. Januar verschied nach langem schweren Leiden mein lieber guter Mann, unser herzensguter Vater, Schwiegervater und Groß- vaier, der c:chr:ttseßertnvalide Carl Walter tat Alter von 76 Jahren. Dies zeigt im Nanten der Trauernden tief- betrübt an ElUo Waller geb. Mathes. Berlin, den 27. Januar 2932. Diedeuhosener Str. 7. Bon Beileidsbesuchen bitte abzusehen.— Die Einäscherung findet am Sonnabend, dem 30. Januar, 18Vj Uhr. im Krematorium Gericht. strnße statt. Danksagung Für die Überaus vielen Beweise Herzitcher Anteilnahme beim Hin- sd>eiden meines lieben Mannes, unseres guten Daters kräv? Protdmsllv sprechen wir allen Verwandten. Freunden. Kollegen. Genossen und Kameraden unseren tiefempfundenen Dank aus. Bertha Proibmann und Kinder Danksagung. Für die vielen Beweiie herzlicher TeUnahme beim Hinscheiden meines lieben Mannes spreche ich hierdurch meinen herzlichen Dank ans. Else Krnmmel, geb. Blankensee. Nr. 45- 49. Jahrgang 0 Donnerstag, 2S Januar �932 Die unschuldigen Lahusens. Sie haben ihre Z�echtferiigungsschrist veröffenilichi.- Oer Staai ist schuld. Die Verantwortlichen für den Zusammenbruch des Nordwolle- Konzerns, die Gebrüder Lahusen, an der Spitze der Hauptverant- wortliche Gustav Lahusen, veröffentlichen eine 128 Seiten starke Verteidigungsschrift unter dem Titel„Die Nordwolle unter unserer Leitung". Die Verteidiger der Lahusen, Prof. Alsberg-Verlin, Dr. Kulenkampff-Pauli, Bremen, Dr. Lifschütz-Brcmen haben dieser Verteidigtingsschrist ein Vorwort beigegeben. Es scheint, daß selbst bei so trockener, wenn auch schicksals- schwerer Materie einem der cherren Verteidiger mit literarischen Neigungen der Witz nicht ganz ausgegangen ist, und so erscheint das Plädoyer für Lahusen mit dein folgenden Vorspruch: „Aber das Leben ist kurz, und die wahrhell wirkt ferne und lebt lange: Sagen wir die wahrhell."(Schopenhauer: Die well als Wille und Vorstellung.) Dieser Vorspruch ist der einzige Witz bei der Sache. Alles andere ist sckzol, schwach und— empöret. Es ist ein Versuch der Schuldigen, alle Verantwortung und Schuld von sich zu weisen und sie nur Dritten aufzubürden. An keiner Stelle wird auch nur ein Bruchteil eigener Schuld oder eigenen Irrtums zugegeben. Mag die Banken, besonders die Danat und Herrn Goldschmidt persönlich, noch so viel Verantwortung treffen— daß sich die Lahusens von aller Schuld freisprechen, entwertet den sachlichen Wert der Schrift von vornherein. Der Zweck der Schrift ist offensichtlich, beizesten die S t i m- mung vorzubereiten für den Prozeß. Die Lahusens sind versippt mit der sogenannten guten Gesellschaft in Bremen, die öffentliche Meinung in diesen Kreisen kann auf eine klcinstaatliche Justiz van großein Einfluß werden, um so mehr, wenn der Prozeß immer wester hinausgezogen wird! Der sachliche Inhalt der Schrift ist im wesentlichen nickst neu. Es ist alles schon bekannt aus der ersten Zeit, als die Verteidiger der Lahusen den Versuch unternahmen, den Spieß umzudrehen und alle Schuld den Banken zuzuschieben. So ist diese Schrift, soweit sie nicht der Verherrlichung der Familie Lahusen dient, nichts als eine Wiederholung deL These:„Nicht die Danatbank ist an der Nordwolle pleite gegangen, sondern umgekehrt ist die Nordwolle an der Danatbank zugrunde gegangen." Wer des Glaubens ist, daß diese These mit neuem und schlag- krästigem Tatsachenmaterial belegt werden würde, der hat sich geirrt. Die Beweisführung ist etwas merkwürdig, und es wird nur zuviel dabei bewiesen! Es soll bewiesen werden, daß erstens die Nordwolle überhaupt nicht pleite war, daß zweitens das Jahr ISZl eines der besten Jahre geworden wäre, das die Nordwolle jemals erlebt hat. wenn man sie es hätte erleben lassen. Der Beweis mit Wenn und Aber dafür hat natürlich trotz der sehr harten Sprache der Tatsachen seinen guten Sinn für den Stras- prozeh. Es soll herausgestellt werden, daß die Brüder Lahusen in allein im be st en Glauben gehandelt hätten. Stiles Nüchtern-Sachliche über das Wenn und Aber hinaus wird dabei überaus großzügig behandelt. Zur Frage der Bilanz wird mit schöner Großzügigkeit dargelegt, daß für ein solches Unternehmen eine Bilanz erstens überhaupt nichts besage, daß sie zweitens unmöglich auf einen bestimmten Stichtag abgestellt werden könne und daß sie drittens und vor ollem überhaupt nicht richtig sein könne und nicht richtig zu sein brauche. Nicht minder großzügig wird die Verschiebung von Gewinnen und stillen Reserven ins Ausland behandelt— daran ist natürlich der böse Staat schuld. Der größte Teil der Schrift ist Betrachtungen darüber gewidmet, was für tüchtige, ehrliche, selbstlose und vor allen Dingen unersetz- lich« Wirtschaftsführer die Gebrüder Lahusen gewesen sind. Mit heuchlerischem Augenaufschlog klagen sie: „Wir fürchten daher, daß nicht nur durch das Ende der Nord- wolle selbst, sondern mehr noch durch ihr Fehlen auf dem Welt- markt der nationalen Wirtschaft schwerer Schaden erwachsen wird. Es ist beklagenswert, daß dieser nationale Gut, das in Jahr- zehnten geschossen wurde, von den späteren Machthabern im Unternehmen nicht erkannt und gepflegt, sondern achtlos zer- schlagen wurde." Daran sind nämlich, so liest man es in der Schrift, die mit dem Motto beginnt: Sagen wir die Wahrheit...— nicht die Gebrüder Lahusen schuld, sondern der Herr Konkursverwalter und die Herren des Gläubigerausschusses, die Rechtsanwälte, Leiter von Bank- filialcn, Bücherrevisoren, Leiter von größeren und kleinen Woll- aeschäften, die zwar alles brave Leute sind, gegenüber Wirtschafts» führern von der Genialität der Lahusens aber einfach Trottel. Der Staat ist schließlich am meisten schuld! Zum Schluß aber kommt das beste: letzten Endes ift�auch nicht die Danatbank am Zusammenbruch schuld, sondern der Staat und die Regierung, die von den sachverständigen Herren Lahusen schon im Jahre 1924 gewarnt wurde, daß Löhne und Gehälter für die Wirtschaft unerträglich seien. Wenn die Herren Lahusen sich wahrhaft unschuldig und verkannt fühlten, so mühte es ihr brennendster Wunsch fein, so rasch als möglich prozessiert zu werden, damit sie im Prozeß alle Verhältnisse osfenlcgen können. Statt desicn haben sie diese Broschüre veröffentlicht und im gleichen Zeitpunkt durch ihren Hauptverteidiger der Meinung Ausdruck geben lassen, daß der Prozeß selbst erst in vielen Monaten möglich sein wckde. Sollten die Herren Lahusen auf das Dritte Reich spekulieren, sollten sie der Ansicht sein, daß sie dann als arme Opfer der Bant- und Börsenfürftcn und Märtyrer der Regierung Brüning den Dank des Vaterlandes zu beanspruchen haben? Deutsch- französischer Vertrag. Kontingentsabkommen für die Elektroindustrie. Die seit dem Herbst 1SZ1 in Floß befindlichen wirlfchastsver. Handlungen zwischen Deutschland und Frankreich, die neben dem Abschluß bestimmter iudustrieller Jnleressengemeinschaslen vorwiegeud handelspolitischer Natur sind, haben seht zu einem neuen Ab- kommen zwischen den Elektroindustrien beider Länder geführt. Die handelspolitischen Verhandlungen von Industrie zu Industrie verfolgen in erster Linie den Zweck, unter grundsätzlicher Aufrechterhaltung des deu t sch- f ranz ö s isch e n Handelsvertrages von 1927 auf den Gebieten, wo die deutsche Einfuhr den einheimischen französischen Industrien besonders unbequem geworden ist. einen Ausgleich zu finden. T e ch n i s ch wird bei diesen Einzelabkmnmen derart verfahren, daß für die deutsche Erportindustrie bestimmte Einfuhrkontingente fest- gesetzt werden. Dies ist auch in dem jetzt abgeschlosienen Vertrage der deutschen und französischen Elektroindustrie der Fall. Es handelt sich bei diesem Abkommen um die Einfuhr elektrischer Maschinen, Apparate, Koch- und Heizgeräte sowie Staubsauger, also nicht um die gesamten elektrotechnischen Importe. Für die genannten Fabrikate sind in dem Vertrag feste Einfuhrkontingente bestimmt, deren Höh« jedoch noch nicht bekannt ist. In den von dem Vertrag erfaßten Fabrikaten war Frankreich ein starker Abnehmer Deutschlands. Während bei den Dynamo- und anderen Elektro- Maschinen bis zu 3 Tonnen Gewicht Frankreich 6 vis 12 Proz. der deutschen Ausfuhr in diesen Fabrikaten im Laufe des letzten Jahres (Januar bis November 1931) aufnahm, gingen von den schweren Maschinen über 3 Tonnen Gewicht bei einer Gesamtausfuhr von 123 301 Doppelzentner rund 28 398 Doppelzentner, also mehr als 22 Proz. nach Frankreich. Auch bei den elektrischen Heiz- und Koch- geräten betrug der Export nach Frankreich mehr als 7 Proz. der Gesamtausfuhr. Wenn auch feststeht, daß die vereinbarten Kontingente erheblich niedriger liegen als die im vorigen Jahre ausgeführten Mengen, so ist der Abschluß dieses Vertrages für die deutsche elekrotechnische Industrie insofern ein Erfolg, als bei einer nicht erfolgten Verständigung eine westaus schärfere Einfuhrdrosselung von den Franzosen einseitig festgesetzt worden wäre. „Auf nach England!" Englische Städte machen für ausländische Fabritgründungen in England Neklame. Die Ansiedlung kontinentaleuropäischer und besonders deutscher Jndustriegesellschaften in England ist für die englische Kommunal- Verwaltung so verlockend geworden, daß die Vertretung der eng- tischen Industrie st adt Swansea es für zweckmäßig hält. sich in deutschen Zeitungen als besonders günstigen Standort anzu- preisen. Das„Berliner Tageblatt" enthält in seiner Ausgabe vom 24. Januar ein großes auffälliges Inserat, daß sich mit folgenden Worten an die deutschen Unternehmer wendet:„Bauen Sie Ihre englisch« Fabrik in Swansea! Swansea ist nur vier Stunden von London entfernt und liegt anstoßend an die weltbekannten Anthrazit- und Bunkerkohlenfelder." Es folgt dann weitere Aufzählung der Vorteile, die diese Stadt bietet und endet mit den Worten:„Entscheiden Sie sich für Swansea!" Swansea, eine etwa 169999 Einwohner zählende Fabrikstadt in Wales, will aus der Errichtung der englischen Schutzzollmauern seinerseits steuerliche Vorteile ziehen. Nur ein Naiionalifierungsamt. Was w.rd aus dem Reichskuratorium für Wirtschaftlichkeit? Das Reichskuratorium für Wirtschafllichkeit(RÄW) hat sein Handbuch der Rationalisierung in dritter, völlig neuer und verbesserter Auslage herausgebracht. Es ist ein Wegweiser, an dem sich der Ingenieur, der Techniker, der sich mit Fragen der technischen Rätionolifierung beschäftigt, halten kann. Der Betrieb-- prattiker in der Fertigung und in der Verwaltung wird besonders die Neuaufnahme der'Abschnitte Reparaturwesen, Holzbearbeitung, wirtschaftliche Beleuchtung und industrielles Rechnungswesen be- grüßen. Aktuell ist die Einbeziehung der Rationalisierungsmittel für die L a n d w i r t sch a f t, für den Gartenbau und für die For st Wirtschaft. Hier ergibt sich eine gründliche Bearbeitung der Rationalisierungsbestrebungen, die gleichzeitig bei der B e- trlebstechnik, Maschinenverwendung und Reparaturwesen, bei der Absatzgestaltung, Vereinheillichung der Produkte und Marktforschung, und bei der landwirtschaftlichen Be- triebssührung, vergleichende Betriebsuntersuchungen, ein- setzen. Im übrigen steht das Reichskuratorium für Wirtschaftlichkeit den Dingen der volkswirtschaftlichen Rationalisierung nicht mehr so wellenfremd und weltenfern gegenüber wie in den früheren Jahren. Die Versuche bleiben aber im Technischen stecken. Wie die Arbeiten des RKW. über Beseitigung von Verlustquellen, Vermeidung von Leerlaus und Doppelarbe»t, Senkung der Selbst- kosten, Steigerung der Leistung und Qualität usw. zu Volkswirt- schaftlicher Wirkung gebracht werden können, ist vor allem wohl eine Frage der Zusammenfassung aller Institute, die sich mit ähnlichen Dingen beschäftigen. Die deutsche Wirtschaft kann auf eine einheitliche Rationali- sierungsstelle, gewissermaßen aus ein technisches Clearing- Haus nicht verzichten. Uebrigens steht das Reichskuratorium heute auf unsicherer finanzieller Basis. Das RKW. hat in den letzten Jahren schätzungsweise insgesaint 8 Millionen Mark, pro Jahr eine Summe zwischen 1.2 und 1.S Millionen Mark, verbraucht. Solche Summen kann das Reich unmöglich weiter bewilligen und bezahlen. Nach Darstellung des RKW. hat das Reich für das laufende Etatjahr einen Betrag von 129 999 Mark bewilligt, aber bisher noch nicht ausbezahlt. Vorstand und Finanzausschuß des In- stituts hätten den jährlichen Mindestbedarf nach sorglältiger Er- mittlung auf 699 999 Mark beziffert und hätten um eine E r- klärung der Reichsregierung gebeten,„ob sie die deutsche zentrale Wirtschaftlichkeitsstelle weiter bestehen lassen wolle oder nicht". Es müsse, wenn die Regierung diese Erklärung im Hinblick auf das Etatsjahr 1932 nicht abgebe,„die Liquidation für die nächsten Monate in Aussicht genommen werden". Sicherlich werden die nächsten Monate eine andere Regelung bringen: diese andere Regelung sollte nur darin bestehen, daß man olle diejenigen Institute, die auf dem Gebiet der Wirtschaftlichkeit arbeiten und die vom Reich unterhalten werden, zusammensaht. Es werden sicherlich dann auch genügend Mittel zur Verfügung stehen, um die Aufgaben einer zentralen Wirtschastlichkeitsstelle und eines technischen Clearinghauses durchzuführen. Zwang zur pfennigrechnung. Aufrundung nur auf i Pfennig- Geschäfisschließung bei Preiserhöhung an Lohntagen. Der Reichskommissar für Preisüberwachung hat an seine Be- auftragten in den Ländern sowie an die Bürgermeister und Ge- meindevorstände ein Rundschreiben gerichtet, in dem er u. a. auf verschiedene Mißstände hinweist. So würde z. B. seine Anordnung über P re i s sch i l d e r und-Verzeichnisse noch nicht genügend angewandt, vor allem vom Friseurgewerbe. Er fordert die maßgebenden Stellen auf, den betreffenden Gewerbetreibenden eine Frist von 24 Stunden, zu stellen und, wenn dann nicht Abhilfe geschaffen worden sei, an ihn, den Preiskommissar, zu berichten. Ferner bestände noch Unsicherheit bezüglich der Bezahlung von kleinen Mengen. Es sei durchaus unzulässig, auf 5 oder 10 Pf. nach oben abzurunden. Bruchteile von Pfennigen dürsten nur aus 1 Pf. erhöht werden. Für die U n t e r m i e t s v e r h S l t n i s s e sei er an sich nicht zuständig. Er bitte aber besonders in den Universitätsstädten die Magistrate, sich mit den Unioersitätsbehörden in Verbindung zu setzen, damit auf die Mietpreise ein Druck ausgeübt werde. Auch mit dem Gastwirtsgewerbe in den Universitätsstädten möge verhandelt werden, damit dieses die Preise senke. Aus westlichen Gegenden lägen Beschwerden darüber vor, daß an Lohntagen und am nächsten Tage die Preise unzulässig erhöht würden. Der Preiskommissar fordert deshalb die zuständigen Stellen auf, eventuell mit Geschäfts- s ch l i e ß u n g vorzugehen. Lleberraschung bei Kunstseide. kräftige Steigerung der Wcltproduktion. Die Absahkrise in der inlernalionalen Kunslseidcninduslrie, die lSZO in Europa und Amerika sehr scharfe Formen angenommen halte, scheint im lehlen Jahr bereits überwunden zu sein. So zeigt die jetzt vorliegende Produktionsslatistik für 1931 das im Hin- blick auf die allgemeine Produktionsschrumpfung in der Welt über- raschende Bild einer kräftigen Belebung der kunstseidenfabrikatiou. So ist die gesamte Fabrikationsleistung der Welt von 187,85 auf 292,65 Millionen Kilo, also um rund 8 Proz. g e» st i c g e n. Damit wäre der bisherige Höchststand der Kunstseiden- Produktion vom Jahre 1929 noch um fast 2 Millionen Kilo über- troffen. Die kräftigste Steigerung setzte sich in Japan durch, dessen Kunstseidenproduktion von 15,8 auf 21 Millionen Kilo um rund 33 Proz. st i e g. An zweiter Stelle folgt Deutsch- l a n d mit einer Erhöhung der Produktion um 22 Proz. von 29,5 auf 25 Millionen Kilo und an dritter Stelle Italien mit knapp 19 Proz. Steigerung auf 34,2 Millionen Kilo. In den Vereinig- ten Staaten sind die Produktionsstcigerungen mit 56,6 gegen 53,2 Millionen Kilo erheblich geringer, während in'England der Produktionsstand sich mit 22,7 Millionen Kilo so gut wie gar nicht veränderte. Im Gegensatz zu dieser Entwicklung wurden aus Frankreich und Belgien infolge der verschärften Krisen- kämpfe und Sanierungen der dortigen Kunstseidcnindustrie Pro- duktionsrückschläge von 8 bis 19 Proz. gemeldet. Der Verbrauch von Kunstseide hat sich gleichfalls ge- hoben. Nach dem Rückschlag im Jahre 1939, wo der Weltverbrauch von rund 199 auf 172,4 Millionen Kilo siel, hat sich der Konsum im letzten Jahr wieder auf 181,7 Millionen Kilo erhöht. Im ein- zelnen entfallen auf die Vereinigten Staaten 59,8 gegen 58 Mil- livnen Kilo, auf Deutschland 28 gegen 26,5 Millionen Kilo und auf England ein kaum verminderter Verbrauch von 19,5 Millionen Kilo. Für die schnelle Ausdehnung des Kunstseidenverbrauchs auf neuen Märkten ist die japanische Konsumsteigerung von 14 auf 19,4, also um fast 49 Proz., sehr bezeichnend. Kapitalfehlleitung bringt Millionenverlust. Die Sünden der in der Hochkonjunktur begangenen Kapital- schlleitungen sind bei der I. P. Lemberg A.-G. mit den im vergangenen Jahr vorgenommenen Sonderabschreibungen in höhe von 14.3 Millionen noch nicht wieder gut gemacht. So muß die Bemberg-verwoltung mitteilen, daß das am 30. September beendete Geschäftsjahr 1930 31 einen neuen Berlust in höhe von rund 7 Millionen Mark gebracht hat. Obwohl der Abschluß des vorigen Jahres msolge der enormen Sonderabschreibungen einen Verlust von über 14 Millionen brachte, macht der jetzt bekanntgegebene neue Verlustabschluß von 7 Mil- lionen Mark npch einen weitaus schlechteren Eindruck. Im vorigen Jahre hatte Bemberg wenigstens die sogenannten normalen Abschreibungen in Höhe von 7,5 Millionen verdient, und der Verlust ging nur zu Lasten der Sonderabschreibungen auf still- gelegte Werke und Beteiligungen. Diesmal aber sind überhaupt keine Abschreibungen verdient worden, sondern es ergibt sich nach Vornahme von 6,5 Millionen eine Unterbilanz von 7,97 Mil- lionen Mark, so daß effektive Betriebsverlust« einge- treten sind. Die Reserven sind im vergangenen Jahr durch die Deckung des 14-Millionen-Verlustes derart zusammengeschmolzen, daß von dem Verlust nur 4 Millionen gedeckt werden können und über 3 Millionen auf Verlustrechnung des neuen Gefchästsjahre» vorgetragen werden müssen. Die„Soziale Bauwirtschaft", das Organ des Verbandes sozialer Baubetriebe, meldet in Nr. 2 für den Monot November im Rahmen des Verbandes sozialer Baubetriebe einen weiteren Rückgang der Bautätigkeit. Es waren im November 7392 Personen beschäftigt, je Betrieb 68 Arbeiter und Angestellte, gegen- über 16 728 Personen und 127 Personen je Betrieb im November des Vorjahres. Der Geschäftsführer der Oberlaufitzcr Bauhütte fordert für die sozialen Baubetriebe in dieser Krifen.zeit die peinlichste Ueberwachung des gesamten Geschäftsganges, um zur rechten Zeit auch die fixen Kosten der jeweiligen Betriebslage anpasien zu können. August Ellinger behandelt die Stellung der Arbeiterschaft zur Rationalisierung.'Außerdem sind Beiträge zur Sparkalsenfrage und.zu den gegenwärtige» Schwierigkeiten der Baugenossenschaften angesichts des sinkenden Einkommens der Mitglieder in dem Heil enthalten. Wetterfest und doch zart zugleich und ohne die unschöne Röte kann die Haut sein, wenn die bekannte gute Creme Leodor verwendet wird. Rote Packung fettstei— blauc Packung fetthaltig. Uitier-Vorkriegspreise. ) Selma Sacoby: gallches SEtveimarkUück Es ist jetzt alles so teuer und das Geld ist schwer oerdient. Im Hkadtoiertel hinter der Brücke, wo die kleinen Leute wohnen, kaust man viel billiger. Ich werde mal hinübergehen und dort meine Einkäufe besorgen. Auch wenn ich nur etwas billiger kaufe— was man spart, braucht man nicht erst zu verdienen— hat unter Bater immer gesagt. Ich stecke mir also zehn Mark ein, gehe über die Brücke und kaufe ein: Eier, das Stück einen Pfennig billiger, Butter, fünf Pfennig billiger, Fleisch— zwar nicht ganz so schön wie bei uns— aber um zehn Pfennig billiger das Psund. Ebenso sind Gemüse und Obst billiger. Ich nehme gleich süns Psund Aepfel auf einmal. Die Kuchenstücke sind viel größer als hei unserem Bäcker. Ich kaufe, kaufe, meine Last wird immer größer und mein Portemonnaie immer leichter. Schließlich habe ich nur noch zwei Mark: ich möchte auch sie noch ausgeben, aber ich habe den Grundsatz, wenigstens immer soviel bei mir zu haben, wie eine Autofahrt tostet. Soll ich mir«in Auto nehmen? Die beiden Taschen werden um so schwerer, je länger ich trage. Doch die Fahrt würde alles, was ich durch den billigen Einkauf gespart habe, wieder verschlingen und der Mühe Zweck wäre verfehlt. Also alle paar Minuten die Taschen auf eine Bant am Wege gestellt, etwas ausgeruht und dann weiter. Während meine Arme ermüden, rechnet mein Kopf aus, wieviel ich durch den Einkauf in dem billigeren Viertel erspart habe, ich bekomme es nicht heraus. Ich rechne und rechne, jedesmal finde ich eine andere Endzahl, einmal ist's eine Mark, efnmol sogar I.Sst, dann wieder stnd's nur 75 Pfennige. Ich werde zu Hause die Rechnung noch einmal schriftlich machen, um ganz genau zu wissen, was der weite Weg einbrachte. Etwas ist es jedenfalls. Ich beschließe, den Kaut- gang wenigstens zweimal in der Woche zu wiederholen. Es ist eine einfache Rechnung: Wenn ich auch nur zweimal wöchentlich je eine Mark spare, so sind das neun Mark im Monat. Dafür kann ich mir schon schon allerlei kaufen: Feine seidene Strümpfe, wie meine Freundin sie trägt und ich sie mir sonst nicht leisten kann, einen neuen Schirm, den ickz nötig brauche, oder sonst etwas. Na, ich werde ja sehen. Jedenfalls bin ich in gehobener Stimmung, obgleich ich für den Hin- und Rückweg zwei Stunden Zeit gebraucht habe— ich weiß noch nicht, wie ich sie einholen soll. Plötzlich— kurz vor meinem Hause— fällt mir ein: Ich habe sa� keinen Kaffee für den Nackmittag. Also schnell noch ein Viertel Kaffee geholt Zwei Mark habe ich ja noch bei mir. Ich sage zum Kaufmann:„Bitte, ein Viertel Kaffee wie immer. Hier..." Ich hole mein Geldstück aus der Tasche und gebe es dem Verkäufer. Er wirft es auf den Tisch, fährt mit dem Finger darüber hin, hält es gegen das Licht und schiebt es mir wieder zurück.„Bedaurel Das Geld ist falsch, gnädige Frau, wahrscheinlich von dem berühmten Mann..* „Falsches Geld?" Ich bin wie vor den Kopf geschlagen. Un- erhört! Am liebsten ginge ich gleich wieder zurück ins andere Viertel, doch— wer bat w'r d"? Ge'dstück auigehalst? War's der Bä�er? der Schlächter? der Obsthändler? Ich kann doch nicht alle zur Ver- antwortung ziehen da ich nicht weiß, wer der Frevler war. Dazu der weite Weg, die schwere Last, die— ich will mir nichts vor- machen— zum Teil minderwertig« Ware! Ich könnte heulen und die ganze Welt zerschlagen. > Ich gehe nach Haufe, packe meine Sachen aus und grüble, wie ich zu meinen zwei Mark komme. Ich will mich nicht betrügen lassen, noch umsonst den weiten Weg gemacht haben. In die Geschäfte zurückzugehen hat keinen Zweck. Alle werden natürlich leugnen, das Geldstück sei durch ihre Hand gegangen. Da fällt mir etwas ein: Hat man es mir angehängt, so habe ich woh! das Recht auf dasselbe Vergehen. Je mehr ich nachsinne, um so mehr bestärke ich mich darin, bis ich fest daran glaube und ent- schlössen bin, bei meinem nächsten Einkauf, den ich aber hier im Viertel machen werde, die zwei Mark an den Mann zu bringen. Noch nie hat eine Münze mir soviel zu schaffen gemacht. Den ganzen Nachmittag denke ich daran, wie ich es anstellen soll, sie loszuwerden. In der Nacht träume ich davon... Am nächsten Morgen mache ich mich auf den Weg. Zuerst zur Schneiderin, der ich eine Rechnung bezahle. Der kann ich die zwei Mark nicht geben, sie muß schwer genug arbetten, um ihr Geld zu verdienen. Also— zum Schlächter! Das ist ein reicher Mann. Ich kaufe mein Fleisch und als es zum Zahlen kommt— schon habe ich das Geldstück in der Hand—, da bekomme ich Herzklopfen, werde dunkelrot und lege es wieder zurück, um ein vollgültiges hervorzuholen. Nein— es geht nicht. Betrügen, auch nur wenig, ist nicht leicht. Wer geschädigt ist, gewinnt damit noch nicht die Kraft, Vergeltung zu üben. Eine Lehre— sie gibt mir ober nicht die zwei Mark zurück und ich will sie haben. Ich finde nicht eher Ruhe. Da kommt mir ein Gedanke. Ich stürze nach Hause und bringe mein Erlebnis zu Papier. Daß dabei meine Wut über die falsche Doppelmark abklingt, ist der erste Gewinn. Der zwette wird sein, daß andere das Geschriebene lesen. So geht das Ungemach für mich doch noch zum Guten aus. Talerian �ornius: fjaiamie liälc Das Rokoko ist die Zeit des verfeinerten Lebensgenusses. Die Aristokratie, noch voller Ueberzeugung bewußt ihrer politischen Macht und gesellschaftlichen Position, fühlt sich in die Rolle des bevorrechteten Stande» und stellt ihr Dasein ganz aus das Auskosten aller irdischen Annehmlichkeiten ein. Ob man Menschen. Kunst, Literatur. Philosophie� Liebe, Gesellschast, Lebensart betrachtet, allem scheint in der Ausdrucksform etwas gemeinsam, das— möchte man sagen— als das Fluidum jener Zeit bezeichnet werden kann. Es drückt sich in dem Wort„galant" aus. Rokoko ohne Galanterie ist nicht vorstellbar. Galant bedeutet. aber nicht nur angenehmes Wesen, geschliffene Form, liebenswürdiges Betragen, erotisches Spiel, galant schließt damals den Begriff überhaupt von allem ein, was irgendwie zur Erhöhung und zum Genuß des Daseins beiträgt. In diesem Sinne spricht man damals auch von galanter Küche, ga> lonten Getränken, galanten Näschereien. Man liebte in dem philosophischen 18. Jahrhundert Sußig- ketten. Der feminine Charakter der Zeit machte sich auch darin bemerkbar. Die Zuckerbäcker und vor ollem die Apotheker hatten mit der Herstellung von mannigfalligem Konfekt alle Hände voll zu tun. Zum ältesten deutschen Naschwerk gehören die Lebkuchen. Die Zunft der Lebküchler oder Lebzelter gab es schon gegen Aus- gang des Mittelalters in allen größeren Städten. Ulm, Thorn, Basel lieferten gute War«. Aber sie wurden bald von Nürnberg überflügelt.„Die rechten guten Nürnberger Lebkuchen oder Pfeffer- kuchen, welche angenehm von Geschmack und eine rechte Magen- stärkung, auch angenehm bei Trunk sein", schreibt der Altdorfer Professor Wagenseil,„haben noch niemals, wie sehr mau sich auch darum bemühet, anderwärts können nachgemacht werden, ob man gleich Nürnberger Lebküchner und alle ihre Zutat und Würzung dazu gebrauchen und verschrieben hat." Auch die Ulmer Lebkuchen scheinen sehr beliebt gewesen zu sein, wird doch berichtet, daß der Graf von Werdenberg sein« Grafschaft Albeck„mehrenteils in ulmischen Lebkuchen verschlucket und immer gerufen hat:„Wie schmecken sie so gut! Mehr her! Mehr her!" Sowohl Lebkuchen Siarl Woetler: ZDas lfMädel auf der Qrufia Das Murren der Menge übertönt die schrille Lautfprechernmsik, die vom Schiff herüber zum Ufer schallt. Hundertundfünfzig Menschen wurden nach vielen Tagen Wartens soeben vom Schalter wieder zurückgeschickt, weil kein Platz mehr für die Fahrt übers Schwarze Meer frei ist. Die Glücklichen, die noch eine Karte er- vbert haben, legen sich zu ihrem Gepäck auf die Straße und warten wetter, bis man sie durch die vom Milttär besetzte Absperrlinie läßt. Schmutzig«, wahrscheinlich obdachlose Jungen» schreien um die Wette chr Trinkwasser aus, das sie aus einem umhängenden Ton- krug immer wieder in demselben Glas für eine Kupfermünze feil- bieten. Einige haben auch gebratene Birnen und nebenbei werden sie alle stehlen. Trotzdem wir auch nur Drttter Klasse Passage von Batum nach Odessa bezahlt haben, wird unsere Gruppe deutscher Touristen, die aus dem türkischen Tranctaukafus kommt, von einem jungen Kam- munisten durch die Sperre geführt und in eine besondere Kabine gebracht. Eine Vorzugebehandlung, um die wir nicht gebeten hatten und die uns fast peinlich wird, als wir sehen, daß die Russen uns mtt böser Miene betrachten. Aber vielleicht sollen wir auch zwangs- weife von den übrigen Passagieren getrennt werden. Wer weiß das? Nun verstummt die Mustt. Die Schornsteine qualmen. Auf der Kommandobrücke erscheinen die Offiziere in schmucker, weißer Uniform. Schubweise läßt man jetzt auch die anderen durch. Sie drängen stch in beängstigender Weise auf der schmalen Passagier- treppe zusammen. Plötzlich fliegt das kleine Bündel eines Bauern ins Wasser. Schmerzlich sieht er ihm nach, wie es kurze Zeit f-' wimmt und dann untergeht. Und die nachfolgende Menge stößt ihn wetter. Vor unser« Kabine, in der für uns fünfzehn Leute über zwanzig Holzprstschen stehen, bat sich irgendein Mann auf höheren Befehl mit einer amtlichen Mütze postiert und läßt niemanden mehr herein. Das Schiff itt vor der Abfahrt so voll gepfropft, daß man nicht mehr durch die Gänge kommen kann. Der lesse einsetzende Regen hat sie oll« von Deck verttieben und nun sitzen sie unter den Treppen und selbst aus der Toilette und sind froh, überhaupt mitzukommen. Unlere zwangsweise Absperrung wurde zuerst von einem unserer Teilnehmer durchbrochen, der gegen den Protest des Postens ein junges Mädel mit hereinzieht.„Es itt eine Deutsche", erklärt er, „ich tonnte sie nicbt draußen in dem Gestank lassen." Bald darauf bekommen wir weiteren Zuwachs. Ein junger Arbeiter, der 1823 aus dem Ruhrgebiet nach Rußland geflüchtet ist, ouartiert sich mit einer russsschen Lebrerin ein. die ebenfalls gut deutsch spricht. War da» wieder nur Zufall oder wohlgemeinte Absicht des Schiffs- kommandanten? Jedenfalls kam danach eine gewallige Invasion von draußen, bis sämtliche Bettstellen und der Boden dicht besetzt waren. In der niedrigen Kabine bildet sich eine entsetzliche Lust. Die Ausdünstungen der lumpigen Bauernkleider, der ewige Knoblauch- geruch und der Gestank der Tiere, die von den Leuten mitgebracht wurden, mischen sich zu einem derart unbeschreiblichen Dunst, zu- sammen mit dem Knasterrauch aus den langen Pfeifen, daß wir jedenkalls lieber draußen im Regen geblieben wären. Um das Stilleben richtig zu machen, weibt mich mein Na-kbar in sein Ge> heimnts«in. Er liegt an der Hohzwand und zeigt mir mit viel- sagendem Blick ein paar frische, kleine Blufpunkte auf der weißen Tünche„Wanzenjaad", flüstert er worauf ich mich stilllihweigend umkehre. An Schlafen ist unter diesen Umständen vorläufig nicht zu denken. EMige von uns kmben sich bereits mit dem kommu- nistischcn Paar in eine Diskussion eingelassen, deren Ende noch lange nicht abzusehen ist. trotzdem die Zwecklostgkett von vornherein feststeht, weil sede Gruppe auf ihrer Meinung bcharrt und die asten Schlagwprtargumente auf den Gegner losläßt. So wende ich mich an das Mädchen, da» sich auf eines der unteren Holzbettstellen zurückgezogen hat. Ms ich ihr zum ersten Mal« bei Licht ins Gesicht seh«, erschrecke ich vor diesem zerfurchten Greisinnengesicht, da« mit dicker Schminke eine jugendliche Farbe vortäuscht. Dabei versucht sie zu lächeln und streicht ihr dünnes Kleid glatt, das an den Enden ausgefranst und nicht gerade sauber ist. „Wohin fährst du?" frage ich sie. „Nach Odessa, dahin kommen jetzt mehr ausländische Matrosen", antwortet sie gleichgültig. „Warum interessiert dick das?" erwidere ich dummerweise. „Warum? Weil sie Geld haben, ausländisches Geld, gute Valuta, wofür ich mir Essen, Kleider und Wohnung kaufen kann und vielleicht bleibt auch noch etwas für meine aste Mutter übrig." Und langsam, nack vielem Stocken»-■»äMt mir die Kleine, die kaum zwanzig Jahre alt sein kann, ihre Geschichte: „Mein Vater ist während der Revolutionstage irgendwo draußen auf der Seite der Bolschewisten gefallen. Man weiß nicht wo, aber jedenfalls ist er nach einem Vorstoß auf's Land nicht mehr zurückgekommen. Danach wollten sie meiner Mutter nicht glauben, daß wir gar nichts gegen das politische Regime hoben und zer- störten unseren Loden. Wochenlang mußten wir im Freien scklasen, bis uns ehemalige Freunde aufnahmen. Aber weiter unterstützen konnten sie un» auch mcht. Ich war gerade aus der Sckule und tonnte außer ein paar fremdsprachigen Brocken nichts, was meine Mutter mit ernährt hätte. So ging ich den letzten Wea. Die Matrosen auf den amerikanischen und englischen Oeldaingfern in Batum wollten gerne russisch« Mädels und da ick mich mit ihnen unterhollen konnte, war ich immer sehr begehrt. Neueri'inas war ich Kellnerin in einem Genosienschaftskaffee. aber dort habe ick nickt genug verdient, um meine Mutter miternähren zu können, die ja keinerlei Vorzugskarten bekommt. Nun ja, jetzt gehe ich nach Odessa. Dort kennt man mich noch nickt und di» jungen Komso- molzinnen werden mick nicht gleick wieder belästigen. So und jetzt laß' wi-ck bitte schlafen", en�et sie kurz. Am nächsten Moraen aus Deck, wo die Sonne wieder heiß brennt und wir vom Reeling aus den glänzenden Neuschnee auf den fernen Knukasurberoen bewundern, taut das Mädel etwas auf. das in dem schäbigen, ehemals seidenen, modischen Kleid gegenüber den sonnengebrannten Lan�mä�cken in weißen Leinenfleidern un- vorte-shaft absticht. Sie läßt sich viel von Deutschland erzählen, das sie nur von ihren deutsche« Eltern der kennt. Kurz vor dem Mittagessen verschwindet sie plötzlich und ich habe sie während der aanz«" Fadrt nicht wiedergesehen. Ein Steward hoste ihren popiernen Kiiigi- ab. Die„Grusia". das Sowsstschiff, das von Krupp gebaut wurde, fährt die Küste entlang an der Krim vorbei und erscheint den staunenden Bauern al» Ofkenbaruno des Fortfckritts mit leinen elektrischen Drehkränen und kurzen, dicken Oelfeuerr-nasick'ornsteinen. Im Haken von Odessa steh« ich noch mit dem Gcväck auf dem Oberdeck, als die Klein« unten in einer ratternden Kutsche schon nach der Stadt fährt. Einig« Burscken von der Besatzung winken ihr nach, sie schaut zurück, doch alz sie uns sieht, blickt sie wieder gerade ans. ?n Odessa wehen rote Fahnen und leuchten die Plakate der Arbeiterklubs. wie Zuckerwerk überhaupt pflegte man mtt allerhand Figuren und Sprüchen zu verzieren. Manchmal klebten an den Zucker- puppen Zettclchen, die Zweizeiler etwa folgenden Wortlauts ent- hielten: „Meinen ganzen Wochenlohn .Hob' mit dir vertanzt ich schon" oder: „Hier, du kleine Los«, Nimm die Aprikose." Nächst dem Lebkuchen spielte der Marzipan als Naschwerk eine wichtige Rolle. In Venedig soll er zuerst hergestellt worden sein. Doch haben die Venezianer ihn wohl aus dem Orient übernommen. Beim Marzipan konnte der künstlerische Gestaltungstrieb in einem noch größeren Formenreichtum als in der Lebtuchenbäckerei schwelgen. Darauf deuten die erhallenen hölzernen Marzipan- modelle des 16 und 17. Jahrhunderts, die kunstvoll ausgearbeitete biblische Szenen mit schönster ornamentaler Umrahmung darstellen. Ebenso verstand man es auch damals vorzüglich, Früchte, Gemüse und allerhand Sachen der Küche in Marzipan täuschend ähnlich nachzubilden. Marzipan war ein beliebtes Naschwerk zur Zett der Klassiker. Goethe selbst hatte die Vorliebe für Süßigkeiten von seiner Mutter geerbt. Die Schotoladennachmittage mtt den dazugehörigen„Bonbons" und„Bißqutttgern" haben im Hause am Hirschgraben immer eine besondere Eigenar� gehabt, und allen, die Gelegenheit hatten, an diesem lustigen Samstagkränzchen der Frau Rat mit teilzunehmen, sind sie eine liebe Erinnerung geblieben. Frau Rat versorgte auch ständig ihren Hätschelhans zu Weihnachten mtt. Marzipan- und Zuckerwerksendungen. Als Goethe später mtt seiner kleinen Familie in das Haus am Frauenplan übersiedelte, erhielten Christine und der kleine �lugust oft von der Schwieger» und Großmama Pakete, die für die„liebe Tochter" Pommeranzon- schalen und Quittenpasten, für den„lieben Äugst" jedoch Lebkuchen und allerhand Backwerk enchielten. Manchmal träfen die Weihnachtspakete auch nicht ein. Dann war der Inhast unterwegs von zweibeinigen Mardern verzehrt worden. Goethe bewahrte bis in sein hohes Alter eine große Borliebe für Süßigketten. Cr empfing gern und verschenkte gern dergleichen und quittierte dankend oder beglettete seine Gaben mit sinnigen Versen. In Goethes Dichtungen gibt es eine Fülle solchen„poeti- schen Zuckerbrots". Den bevorzugten Platz unter den Näschereien behauptete jedoch bei ihm die Schokolade. Ihr hat er von Kindes- deinen an bis ins hohe Grcisenalter seine Neigung bewahrt. Die Schokolade ist unter dem Zepter des Rokoko erst das ge- morden, was sie heute noch in gewissem Sinne ist: eine galante Näscherei. Die Spanier hatten sie zu Beginn des 16. Jahrhunderts in Mexiko entdeckt, und bald waren die Kakaobohnen, die in ihrer Heimat nicht nur als Genußmittel. sondern auch als Zahlungs- mittel verwendet wurden, ein beliebter Ausfuhrartikel nach Europa. Von Spanien aus verbrettete sich dann die Schokolade allmählich über ganz Europa, kam aber im 18. Jahrhundert eigentlich erst in Mode. Sie wurde zumeist auf ziemlich primitive Art in Apotheken hergestellt. Erst 1726 begann der Fürst Wilhelm von Schaumburg- Lippe in Steinhude die Schokolade fabrikationsmäßig herzustellen. In Spanien, Frankreich und Italien war man schon stüher zu einem gewerbsmäßigen Betriebe übergegangen. Das Rokoko bemühte sich, aus der Schokolade alle Feinhelten herauszuholen, die sie nur herzugeben vermochte. Sie war eben das beliebte Gaumenlabsal des schönen Geschlechts, die lockere Zer- streuung in leeren Stunden, die angenehme Beigabe galanter Unter- hallung. Gern ließen sich daher die Damen bei einer Tasse Schoko- lade porträtieren. Sie wußten, daß ihnen diese süße Marotte ein gutes Air verlieh. Ueberhaupt haben die Maler und Kupferstecher jener Zeit mtt Vorliebe die Schokolade trinkende Dame dargestellt. Ob es sich um ein Leoer Handell und der galante Abbe Madame bei der Toilette assistiert und sie unterhält, ob bei der Promenade oder der Partie I/Komdre, ob im Salon oder beim Ball, immer und immer begleitet der amerikanische Nektar, den tttnne auf den Namen Theobroma(Göttersveise) taufte, den Tageslauf der Da.ne. Und warum sollte man auf diese bescheidene Freude verzichten, war doch„der Chocolat", wie«in galanter, mit Versen unterschristetor Augsburger Stich verrät, das Verjüngungselixier comme il kaut; „Hier hast du ein Getränk aus dem so fernen Westen, Wiewohl der nahen Lieb' gewiß zum allerbesten: Es reißet deinen Muth, erneuert deine Jahr'. Du tollest es. mein Schatz, drauff wer' ich auch genießen. Ich reiche dir's zugleich mit meinem Herzen dar. Weil wir der späten Welt noch Enkel geben müssen." Wie kick sinken die Temperafl'ren>n den Tropen? Ueber die Temve'-aturen der Troven mackt man sich vielfach noch recht irnae Vorstellungen. Das Cbarcikterillische an dem Tropenktima sind weniger die nnpewöbnlich botzen Temperaturen, die zeitweise erreicht werden, als die gerinnen �cmpera'urunterickii-tze. Möhrend bei uns die Temperatur von 36 Grad Kö'»e bis 35 Grad Wärme schwankt, werden in den Tropen nickt annähernd solche Unterschiede eTe-ckt. In den Regenklimaten berrick«» se'bst während der källesten Monate immer nnch 18 Grad Wärme, so daß also die Schwankuna-n im äußersten Falle kaum halb so gmß sind wie be«»ns. den T rvckent'imat-en allerdings, also zum Beisviel in der Wüste Sahara, sind di« Unterschiede größer, und zwar hauptsächlich deshalb, weil hier infolge des gerinnen Baumbestandes ein großer Temperatur- untersckied zwiichen Tag und Nacht besteht. Die Nacht ist nach emem heißen Tage oft empfindlich fall, und zwar sinkt das Thermometer in der Rocht auf+ 10 Grad, ja, wohl auck auf + 8 Grad Celsius. Es läßt sich denken, daß die. Einaeborenen da vor Kälte ztttern. M-m kann also am Aeouator ebenso frieren wie bei uns. Auf die Gewöhnung kommt schließlich alles an. Der größte Binnensee der Erde Ist das kasvische Meer. Es ist so groß wie Deutschland ohne Pommern und über achthundertmol so groß alz der Bodensee.