BERLIN SonnerStag 28. Januar 1932 10 Pf. Nr. 46 B 23 49. Jahrgang ErscheknttSalich außer Sonntag«. Abaidaujgate tei»Borwärl«'. Bkiagivrelj für beide Auszaben 7s Pf. pro Woche, ü.2s M. pro Mona! idaro» d? Di. mor.aUich für Zostelloog Inj Haue) im roroo« iadiiar. Postbejog Z,g7 M. einschließlich K0 Pf. Prftjeilungi- »od 72 Pf. Postbcacllgebüyrc». SfuUautyaße x/ei„Vrtttoidb «»,ol»e«pret»: Dir ciospoltize MMmcleri-il- Z0 Pf» Rcflomejrile 2.— M Ermäßigungco nach Tarif. Pofischecklonto! Borwärls-Verlag g. m. d. H., Berlin Rr. Z7 5.78.- Der Bcrlaz behäU üch das Recht der Tiblehnung nicht genehmer Anjetge» vor! Redaktton»nd Kppedttiou! Berlin SW 68, Lindcnstr. 7 Serosprccher! Döichost(AT) 292—297. astbefehl gegen Helldorf Er fährt nach München- das Gericht kann warten! Wenn die Partei ruft... 3He Kundgebung, au der die Sozial demokraiie SBerlin* am ITliUnxteft aufgerufen haue, tßfte einen gewalligen Ulaffenaufmarfdi aus. Vnfer Sßitd gibt einen VeberbUck über die ungeheure Sülle im SporipalafL JCinhs unten: 3)ie ütedner des Abends: lllarie Juchaca, Paul Saure, 3>aul Xöbe und(Pielro Ttenni. Zu 9 Uhr ist heute, wie immer, die Verhandlung in Sachen Helldorf und Genossen angesetzt. Um 9.lS Uhr ist'der Saal noch leer Dann füllt er sich langsam. Das Gericht erscheint noch immer nickst. Um 9.30 Uhr erschallt aus dem Richterzimmer noch heiteres Lachen. Kurz darauf erscheint Landgerichtsdirektor Ohnesorge aus dem Wege von seinem Dienstzimmer zum Gerichtssaal aus dem Korridor. 9.40 Uhr betreten die Richter endlich den Saal. Der Ausruf der Angeklagten ergibt, daß der Angeklagte Schulz, wegen dessen Unwohlseins die Sitzung am Dienstag unter» brachen werden mußte, zur Stelle ist. Es fehlen H e l l d o r f und der Angeklagte Mcyer-Mühlens. Uebcr den letzteren liegt ein ärztliches Attest vor, nach dem der SA.-Mann Meyer-Mühlens sich seit gestern wegen einer Kiesererkrankung tn DeHandlung be> findet. Landgerichtsdirektor Ohnesorge teilt mit, daß er sich heute morgen mit dem behandelnden Arzt in Verbindung gesetzt habe, Meiscr-Mühlens leide an einer Kiefcroereiterung, habe Fieber, und es sei möglich, daß er morgen verhandlungssähig sein werde. Sollte sich jedoch sein Zustand verschliinmcr». so würde eine Uebersührung in die Charite notwendig werden. Vors.: Sind bezüglich des Grasen Izelldorf irgendwelche Er» klärungen abzugeben? RA. Dr. Triebe!: Rur die, daß Helldorf durch die Verteidigung vertreten ist. Vors.: Es ist mir die Mitteilung gemacht worden, daß Graf 5)clldorf in einer dringenden Angelegenheit nach München g«> i a b r e n fei. RA. Sack hat mich gestern angerufen und hat mir gesagt, daß Graf Helldorf wegen einer dringenden und wichtigen politischen Besprechung von den SA.»Führern nach München berufen werde. Ich habe daraus, erwidert, daß im Falle des Fernbleibens des Grafen Helldorf von der Gerichtsverhandlung das Gericht sich seine Schritte vorbehalten würde. Einige Minuten darauf habe ich Dr. Sack angerufen un� habe ihm meine persönliche Meinung zum Ausdruck gebracht, daß Graf Helldorf Gefahr laufe, vorgeführt oder ver» h a f t e t zu werden. RA. Sack hat versprochen, Gras szelldorf davon in Kenntnis zu setzen. Der Angeklagte Ernst: Graf Helldorf hat um 8.13 Uhr das Büro in der Hedemannstrahc verlassen, um sich zum Bahnhof zu begeben. Staatsanwaltschaftsrat Dr. S t e h n i g: Der Angeklagte Helldorf ist unentschuldigt einer unterbrochenen Hauptoerhandlung ferngeblieben. Er hat das getan in voller Erkenntnis der Talsache, daß das Gericht ohne ihn nicht weiter verhandeln kann. Er hat damit eine offene Vichtachlung des Gerichts gezeigt. Der Vorsitzende hat dem Verteidiger des Angeklagten Grafen Hell» darf in unzweideutiger Weise zu verstehen gegeben, daß sein Fern» bleiben eine Vorführung oder einen Haftbefehl zur Folge haben würde. Trotzdem ist Helldorf heute nicht erschienen. Er »nußte, daß das Gericht die Verhandlung seinetwegen auszu» setzen gezwungen sein würde. Ich beantrage seine Ver» Haftung, da seine Vorführung keine Gewähr für die Durch» iührung der Verhandlung bietet. Die Verhaftung könnte goch im Lause des heutigen Tages durchgeführt werden. RA. Dr. S ch i r m e r in Vertretung des RA. Sack: Es ist dem RA. Sack gestern nicht mehr gelungen, den Angeklagten Graf Hell» dnrf von dem Ergebnis der Unterredung mit dem Vorsitzenden in Kenntnis zu setzen. Ich bitte die Verhandlung gemäß§ 238 der StrPO. fortzusetzen.(§ 238 StrPO. besagt, daß. falls die Ver» »ehmung der Angeklagten zur Sache abgeschlossen und seine An» Wesenheit im Gerichtssaal nicht erforderlich erscheint, das Gericht bei freiwilliger Entfernung auch ohne ihn weiter verhandeln kann.) — RA. Dr. Triebet: Auch ich schließe mich diesem Antrage an. Dem Staatsanwalt möchte ich entgegenhalten: Im Verhalten des Angeklagten Helldorf ist unter keinen Umständen eine Störung des Gerichts zu erblicken. Helldorf steht als Leiter der Berliner SA. an politisch prominenter Stelle. In der jetzigen politisch so be» wegten Zeit können Momente eintreten, wo er nicht zu ersetzen ist. Momente, in denen die dienstlichen(!) Belange von solcher Wichtigkeit sind, daß die Nachteile, die aus der Nichterfüllung dieser Pflicht entstehen könnten, größer erscheinen als die Nachteile, die durch das Fernbleiben vom Gericht ihm drohen. Rechtsanwall Dr. T r i e b e l: Es liegt weder Fluchtverdacht noch Verdunkelungsgefahr vor. Staatsanwaltschaftsrat Dr. Steh» n i g: Ich freu« mich, die Kenntnis der Strafprozeßordnung des Herrn Verteidigers vervollständigen zu können-, ez gibt auch eine Ungehorsamshaft. Angekl. Ernst: Ich befand mich im Zimmer, als Helldorf das Ferngespräch mit München führte. Er wies auf die Prozeßlage hin und erklärte, daß das Gericht nicht länger als zwei Tag« die Verhandlung aussetzen könne. Er erhielt zur Antwort, daß er unverzüglich kommen und unverzüglich ab- reisen solle. Helldorf sagte darauf, unter dem Hinweis auf die möglichen Folgen, daß er kommen würde. Er wolle seinen Anwalt damit beauftragen, mll dem Gericht Rücksprache zu nehmen. Das Gericht zieht sich zur Beratung zurück. Nach etwa einer Stunde verkündet Landgerichtsdirektor Ohnesorge folgenden Gerichtsbeschluß: Der Angeklagte Helldorf ist gemäß 8 S3t) der StrPO. jn verhaften, sein Ausbleiben ist unentschuldigt, die Vor» aussetzungen des 8 238 liegen nicht vor. Das Gericht hat weiter beschlossen, die Verhandlung morgen fortzusetzen. Lanbgerichtsdirektor Ohnesorge ermahnt unter An» drohung einer möglichen Verhaftung sämtliche Angeklagten an Ge- richtsstelle zu sein._ Geheimfunk zum Nazireich. (Sender und Empfänger beschlagnahmt. Magdeburg, 28. Januar. Der nationalsoziali st ische Sturmführer Mechaniker I o n a ck- Magdeburg wurde in seiner Wohnung mit dem ebenfalls der NSDAP, angehörenden Elektriker Meinzhausen aus Neu» Haldensleben beim Ausprobieren verbotener Fernmeldeapparats angetroffen, von deren geheimen Ausbau die Polizei Kenntnis er» halten Halle. Ionack Halle die Apparate in der vorhergehenden Nacht von dem Elektriker Meinzhausen mit einem Kraftwagen abge- holt. Die Geräte, die eine vollständige Empfangs- und Sendeanlage darstellten, wurden polizeilich sichergestellt. Gegen die Beteiligten ist ein Verfahren wegen Verstoßes gegen das Gesetz über Fernmelde» anlagen eingelellet worden. Der Minister... Llnd seine Polizei am Grabe des Ermordeten. Braunschwelg, 28. Januar.(Eigenbericht.) Der Minister von Hakenkreuz Gnaden, Klagges, erklärte tn einer öffentlichen Versammlung in Braunschweig nach dem Bericht der rechtsradikalen„Londeszeitung", der Endsieg könne in Deutsch» land nur demjenigen werden, der„dem Marxismus eine bessere Weltanschauung mit noch größerer Brutalität als bisher" entgegenzusetzen in der Lag« sei. Vorher hatte Klagges von„Reichs- bannerhorden" gesprochen, gegen die die SA.-Leute zu schärferem Vorgehen aufgestachelt wurden. Angesichts der gespannten Situation In Braunschwxig bedeuten derartige Worte eines für die Ruhe und Ordnung verantwortlichen Ministers Oel ins Feuer! Den Rednern bei der Beerdigung des von Nazis ermordeten jungen Reichsbannermannes Meier ist von der Polizei verboten worden, die nationallozia- listischen Mörder zu nennen oder die Mörderpartei ver- antwortlich zu machen, noch überhaupt die Nationalsozialisten irgendwie anzugreifen! Klagges hat um die Gräber Polizei postiert. Klagges denkt, wenn er das Wort verbiete, habe er auch schon den Geist getötet, der das Wort sprechen wollte. Cr täuscht sich, wie hier, so in vielen anderen seiner Voraussetzungen! Oie Blutschuld von Braunschweig. Gegenüber der Klagges-Erklärung, der erschossene Iungbanner- mann Meier sei nicht von Nationalsozialisten, sondern von seinen eigenen Gesinnungsgenossen getötet worden, teilt uns die Bundes- Pressestelle des Reichsbanners mll: Am Sonntag, dem 24. Januar, mittags, ist ein Augen» Z e u g e, der mll Meier am Bergsteig zusammen war und der von den Nazis ebenfalls mit dem Revolver bedroht wurde, polizeilich vernommen worden. Die Angaben dieses Zeugen sind zu Protokoll gegeben. Ausdrücklich sagt dieser Zeuge, daß«s sich um einen Nationalsozialisten handelt, der ihn und Meier bedrohte. Dem Augenzeugen gelang es, zur Seite z» springen, während Meier sich umdrehte und beim Fortlaufen von dem Nationalsozialisten niedergeschosien wurde. Diese Erklärung liegt bei den Akten. Minister Klagges hat dies« wichtige Zeugen- aussage einfach ignoriert. Der Augenzeuge gibt außerdem in seinem Protokoll eine lückenlose Personalbeschreibung. Er gibt weiter an, daß er mit Meier auf der Cellestroße, also auf dem Weg zum Bergsteig, von neun Nationalsozialisten angerempelt wurde unh unter diesen Personen befand sich auch derjenige, der geschossen hat. Der Augenzeuge kennt einen dieser neun Nationalsozialisten genau und konnte der Polizei Namen und Wohnung mitteilen. Der ver- nehmende Beamte hat den Augenzeugen bei der Vernehmung ge- sagt, daß es keinen Zweck hätte, den erkannten Nationalsozialisten zu oernehmen, da er seine Aussage verweigern würde. Wir überlassen es der Oeffentlichkeit, sich über den Grad der Leichtfertigkeit, mit der die amtliche Braunschweiger Erklärung zu- sammengestellt worden ist, ein Urteil zu bilden. Ein Gruß an Otto Braun. Beschluß der Sportpalast-Versammlung. Am Schluß der gestrigen Kundgebung im Sportpalast schlug Genosse Künstler vor, ein Glückwunschtelegramm an den preußi- schen Ministerpräsidenten, Genossen Otto Braun, zu senden. Der Borschlag wund« von der Versammlung unter stürmischem Beifall angenommen. Das Telegramm hat folgenden Wortlaut:" 18 000 Berliner kampfbegeisterte Proletarier senden aus dem Sportpalast dem Führer der Sozialdemokratie und dem anerkann- ten Staatsmann Preußens herzlichst« Glückwünsche zum 00. Ge- bitrtstage. Künstler, Litte, Salxith, Mendt. Glückwünsche für Otto Braun. Der Reichspräsident hat dem preußischen Ministerpräft- Kenten Braun in einem persönlichen Schreiben seine Glückwünsche zur Vollendung des 00. Lebensjahres ausgesprochen. Zugleich hat Reichskanzler Dr. Brüning im Namen der Reichsregierung tele- graphisch die herzlichsten Glückwünsche übermittelt. Weiter hat der Reichsmhtister des Innern Dr. h. c, Gruener ein Glückwunschtelegramm gesandt, ebenso Oberbürgermeister Dr. S a h m und Stadtoerordnetenvarsteher floß namens der Stadt Berlin. Infame Hehe. Lügen des„MMschen Beobachters" gegen die Eiserne Front Die Bluttat der Kommunisten gegen den 16jährigen flitler- gymnosiasten N o r k u s gibt dem„Völkischen Beobachter� Anlaß zu einer schamlosen Lügenhetze gegen das Reichsbanner, die an Ge- wissenlosigkeit und Infamie alles Dagewesene übersteigt. Wiewohl auf der gleichen Seite des„V. B." zweimal lang und breit zu lesen ist. daß Nortus von Kommuni st en erstochen wurde, oersteigt flitlers Organ sich zu folgender Anpöbelung der „Eisernen Front": Wir wissen, daß die geistigen Urheber dieser Mordtaten nicht in den Verbrecherlokalen und den Elendshösen der Großstädte zu finden sind. Die sitzen in den Redaktionssmben der roten Journaille, in den Führerstellen des Reichsbanners und der soeben unter den Augen marxistischer Würdenträger gegründeten„Eisernen Front" Es ist auch kein Wunder, daß mit dem Reklamegeschrei für die„Eiserne Front" der rote B l ü t r a u s ch s i ch o e r. vied facht hat. Das rote Untermenschenium glaubt nun legalisiert zu sein zum Morden an den„Faschisten". Zur Entlarvung, dieser elenden Verleumder, die nach Ver- hängung des Standrecht« und nach Maßnahmen ä la Klaggestan kreischen, genügt es. wenn wir auf die Worte verweisen, die gestern unter stürmischem Beifall vor Zehntausend Paul LS de im Sportpalast sprach: Die fechzigjährige Geschichte der Sozialdemokratie und die gesamte sozialistische Literatur von Auer und Bebel und Lieb- knecht an beweisen, daß unser Streben niemals das Einschlagen, sondern immer das Erleuchten der Köpfe war. Aber ein andere«: Auf der Titelseite des„Völkischen Beob- achters", der die Lügenhetze gegen da» Reichsbanner verbreitet, finden wir nicht weniger als ein dutzendmal folgende Bezeichnungen für den politischen Gegner: „Rotes Unkermenschentum"—„Rote» ilsphaltgesindel"— „Aanailleu"—„Rote Bestien"—„Verbrecher"—„Gesindel"— „Roter Blutrausch" usw. usw. Wer durch solche Schimpfmethoden die Leidenschaften zur Siede- Hitze ausstachelt, der hat wahrlich jedes Recht verwirkt, sich zu be- schweren. Für ihn gilt das Wort Schillers aus dem Wallenstein: „Ihr säet Blut, und tut bestürzt, well Blut ist ausgegangen." Hitter an Brüning. Auch das Zentrum hat den Dolch gestoßen! Der„Völkische Beobachter" veröffentlicht einen neuen offenen Brief flitlers an Brüning. Darin sagt flitler, zu dem Versailler Vertrag wäre es nie gekommen, wenn nicht das Zentrum, die Sozialdemokratie und die Demokratie das alte Reich ausgehöhlt, zerstört und verraten hätten, wenn sie nicht die Revolution vor- bereitet, durchgeführt oder zumindest gedeckt hätten. Die unerbitt- kiche flandhabung des Versailler Vertrages wäre ganz unmöglich gewesen, wenn nicht gewisse Parteien zu jeder Erpressung, Schmach und Schande ihre Zustimmung gegeben hätten. Die Geschichte zeige, daß es doch ein Unterschied sei, ob in einer ver- zeifelten Lage ein flerzog von Braunschweig die Armee führe oder ein Gneisenau. Zum Schluß sagt flitler: Wenn der Reichskanzler als sein gutes Recht den Glauben in Anspruch nehme, daß es kein anderer hätte besser machen können als er, dann dürfe er auch den Nationalsozialisten das Recht nicht versagen, überzeugt zu sein, daß es keine Regierung hätte schlechter machen können als die seine. Ob der Reichskanzler auf diese fläufung von Liebenswürdigkeiten wieder mit einem höslichen Brief antworten wird, steht dahin. �Angnff"-Gien aus der Hast vorgeführt. tlnd wegen Beleidigung zu 400 Mark verurteilt. Während die Polizei noch eifrig nach dem„Angriff"-Krause sucht, der sich wegen eines Beleidigungsprozesses versteckt hält— ob nicht auch er zu 5ierrn von Maltitz nach Innsbruck gefahren ist?— ist sein Kollege, der„A n g r i f f"- G i e n am Montagabend vom Schicksal ereilt worden Die Polizei hat ihn o e r h a f t e t und\ gestern zur Verhandlung vorgeführt. Wie erinnerlich, ist flerr Gisn angeklagt, als verantwortlicher Redakteur einen Artikel gezeichnet zu haben, in dem der Vorstand der Produktenbörse mit antisemitische» Anwürfen bedacht wurde, !lSA.-Boykott gegen Japan? Washingtoner Erwägungen über ein angelsächsisches Vorgehen Washington» 28. Januar. Wie verlautet» erwäge« die hiesige» mastgebendeu Stelle« einen gemeinsamen amerikanisch-engl t» scheu Wirtschaftsboykott gegen Japan als erste« Schritt, um Japan bei seinem Vorgehen in tzchina halt zu gebieten. Wie es heißt, will Stimson weiter Japan warnen und erklären, daß das Borgehen Japans in Schhanghai eine ernstliche Bedrohung des Weltsriedens darstelle. * Es scheint in der Tat, daß ein solcher Boykott Japans durch die angelsächsischen Länder heute das letzte wirksame Druckmittel auf die Regierung in Tokiqwäre. Bor dem Völkerbund haben die Japaner jede Angst verlorentnd die bisherige Pasfioitäi der Amerikaner hat sie in dem Glauben bestärkt, daß ihr stärkster Konkurrent im Stillen Ozean ebenfalls unfähig ist, sich ihnen auf ihrem imperialistischen Raubzug entgegenzustellen. Ein solches Vorgehen der USA. birgt natürlich schwere Gefahren in sich— aber letzten Endes würde ein« ungehemmte japanische Ge- waltspolitit gegen China erst recht zu einem allgemeinen Krieg im Fernen Osten führen. Schanghaier Behörden erfüllen das Ltliimaium. Tokio. 28. Januar.(Eigenbericht.) Die Behörden der Schanghaier Chinesenstadt haben dem Sicher- heitsamt befohlen, die antijapanischen Gesellschaften der Stadt aufzuheben. Der Befehl erfolgte auf Grund des Ulli- matums des japanischen Konsuls in Schanghai, das im Austrage der sapanischen Regierung übermittelt wurde und eine Beantwortung der japanischen Forderungen bis spätestens heute verlangte. Die japanischen Staatsangehörigen sollen China verlassen. Tokio 28. Januar. Der japanische Generalkonsul in Schanghai. Zsiurai, Hai die japanischen Sousulate in Rauking, Julschau, lv u h u und Kanton angewiesen, allen Japanern zu empfehlen, da» Laad zu verlassen, da die politische Lage in China sehr unsicher fei. Die japanische Regierung könne bei ernstlichen Schwierigkeiten viel- leicht nicht in der Lage sein, für den Schutz ihrer Staatsangehörigen Sorge zu tragen. Die Japaner landen neue Truppen in Schanghai. Schanghai. 28. Januar. Gegen das japanische Konsulat wurde heute früh eine Bombe geworfen. Glücklicherweise wurde niemand verletzt und nur ganz geringer Materialschaden angerichtet. Aber die bei den Einwohnern herrschende Nervosität ist durch den Borfall noch ge- steigert worden Wie verlautet, hat der G e m e i n d e r a t der internationalen Niederlassung beschlossen, den G e- fahrzustand zu erklären. Der japanische Kreuzer„Dubari" und zwölf japanische Zerstörer trafen bei Tagesanbruch hier ein und landeten S00 See» f o l d a t e n. Man erwartet für heute nachmittag die Landung von weiteren S00 Seesoldaten, wodurch die japanischen Marinestreit- kräft« in Schanghai eine Stärke von ungefähr 3000 Mann erreichen würden. Die internationale Niederlassung verfügt weiter über 2070 britische und 1200 amerikanische Seesoldaten sowie über 1000 französische Kolonialsoldaten. Jetzt Planwirtschast bei der Stadt Berlins neues Ortsgeseh— Ann aber Vereinfachung der Verwaltung! Seit Bestehen der Cinheitsgemeinde Groß-Verlin gehl der Streit um die Abgrenzung der Zuständigkeiten zwischen der Zentrale und den Verwaltungen der Bezirksämter. Die„Los-von- Verlin".Bewcgung. die eine Zeitlang von einigen Außenbezirken betrieben wurde, war schnell erledig«, nachdem man eingesehen hatte. daß die vorteile, die die Zusammenfassung der früher selbständigen Gemeinden mit sich brachte, doch nicht von der Hand zu weisen waren. von der ander«« Seite wurde zeitweilig höchste und straffste Zea- tratislerong a>» da« heilmiltel gepriesen. Der Kamps soll jetzt sein Ende finden durch das Inkrafttreten der neuen Berliner Ortssahung. dir der Mogistrat gestern angenommen hat. Das neue Ortsstawl.st ein Rahmengesetz, es soll die Grundloge bilden für die Vereinfachung der Verwaltung, für die Ausmeczung hemmender V o p p e l a r b e i l und die Einführung einer sinnvollen Planwirtschaft bei allen slädlischen An- stalten und Einrichtungen. Da» aber wird nur möglich sein, wenn derMaglstralunddievezteksbürgermeister auf» engste miteinander zusammenarbeiten. Das neue Lerlln-tßefetz hat mit der Schaffung der periodisch stallsindendea Besprechungen zwischen Ma- gistrak»mitgliedern und Bezirksbürgermeistera unter Vorsitz de» Ober- bürgermeister» eine Einrichtung gegeben, die zum Wohle der Ge- samtverwattuug die Zentralstelle der Berlluer Verwaltung werden kann. Man darf feststellen, daß die neue Ortssatzung durchaus nicht stark zentrasistifch gestallet worden ist. Die Ortssatzung stellt in ihren einleitenden wichtigsten Paragraphen ausdrücklich fest, daß hie An st alten und Betriebe von dem Verwaltungsbezirk zu verwalten sind, in dem sie liegen. Der Zentralverwallung sind vorb«- halten die Auftragsangelegenheiten, die der Stadtgemeinds als Kommunalverband oder einen chrer Organe als Provinzialbehörde übertragen sind. Die Anstalten und Betriebe, die in Form eines selbständigen Unternehmen? des öffentlichen oder privaten Rechts geführt werden— das sind die großen städtischen Gesellschaften, wie zum Beispiel die Verkehrsgesellschaft—, werden gleichfalls von der Zentrale verwallet. Fast keine Veränderungen sind eingetreten beim Personaiwesen, bei der Vermögens- und Schuldenoerwallung und dei der Einziehung der Steuern und Abgaben. Ebenso ist da» Gebiet der Kunst, des Bildungswesens und das Siedwngs» und Wohnung»- wefen fast unberührt geblieben. Im Gesundheitswesen soll eine ein- hellliche Gestaltung der städtischen Gesundhellspslege Plag greifen. Nur einige Einrichtungen verbleiben in der Verwaltung der Zen- trale, so das Rettungs- und Krankentransportwesen, das Virchow- Krankenhaus sowie alle Anstalten für Geisteskranke. Schwachsinnige und Psychopathen. Die Obdachlosenasyle werden zukünftig von den zuständigen Bezirksämtern betreut. Im Schulwesen soll eine Neuregelung getroffen werden, die wahrscheinlich noch zu ausgiebigen Debatten in der Oeffentlichkell führen wird. In den Bezirken 1- 6, die Bezirke, die die frühere Stadt Berlin darstellen, lag die Ver» waltung der Volks- und auch der höheren Schulen bei der Stadt- gemeindet) erwallung Man will auch hier das Schulwesen in die Verwaltung der Bezirke geben. Da« Abendgymnastum und die Arbeiterabiturientenkurse werden zentral verwaltet. Zu den Ver- Wallungsaufgaben der Zentrale gehören weller die Regelung des Straßenreinigungs. und Fuhrwesens, die Berwaltung der Markt- hallen, der Märkte für den Großhandel sowie der Bieh» und Schlacht- Höfe. Man trägt sich mit dem Gedanken, den bislier selbständigen Schlacht» und Viehhof in Spandau später zu dem Auslanüsschlochthof Berlins umzugestalten. In einer Vressebefprechung. die heute vormittag im Stadtver- ordnetensitzungssaal stattfand, übergab Oberbürgermeister Dr. S a h m den Entwurf der Oeffentlichkeit. Bürgermeister Lange ergänzt« die Ausführungen des Oberbürgermeister?. Die Stadtverordneten- Versammlung wird sich in der nächsten Woche mll dem Statut be- schäftigen. und der als Abschluß den hübschen Vers hatte: Was der Landwirt baut, wird vom Juden geklaut. flerr Gien war in der vorigen Verhandlung nicht erschienen, obgleich der Staatsanwalt ihn auf seine diesbezügliche Anfrage auf die Möglichkeit von Zwangsmaßnahmen aufmerksam gemacht hatte. Der Antrag des Staatsanwalts, gegen den Angeklagten einen flast- befehl zu erlassen, da das Nichterscheinen von„Angrtff"-Redakteuren an Gerichtsstclle System zu werden scheint, wurde vom Gericht abgelehnt. Das Kammergericht gab jedoch einer Beschwerde der Staatsanwaltschaft gegen diese Ablehnung statt: der flaftbefehl wurde erlassen und flerr Gien auch prompt festgesetzt. In der gestrigen Verhandlung konnte der„Angriff"-Verant- wortliche zu seiner Verteidigung nichts Gescheites vorbringen. Der Staatsanwalt beantragte wegen formaler Beleidigung 500 Mark: das Gericht erkannte auf 4 0 0 M a r k und auf Publikationsbefugnis im„Angriff", in der Berliner Börsenzeitung", im„Berliner Börsen- Courier" und in der„Deutschen Getreidezeitung". flerr Krause aber muh nach wie vor jede Nacht auswärts schlafen— seine Angst ist unbeschreiblich groß! Das Grab im D-Noot. Keine Aussicht auf Bettung per Männer von„M 2". London. 28. Januar. Die Hoffnung, die Mannschaft des untergegangenen llntersee- booles„M 2" noch retten zu können, ist nunmehr so gut wie aufgegeben worden, wie die Admiralllät am Mittwoch noch spät abends millellte. haben die Minensuchboote zwei weitere Gegenstände auf dem Meeresgrund festgestellt. Es wurden ver- schieden? Taucher herunlergelasseu: infolge der hohen Flut gelang es jedoch keinem der Taucher, den Meeresgrund zu erreiche». Am Mittwochabend ging das Minensuchboot„Tcdworkh", das mit den modernsten Tiefsee-Taucheiarichlnngen versehen ist. mit weh- rerea Tauchern an Bord von Portsmoulh in See, um die Tauch- versuche während der Rächt fortzusetzen. Auch diese ver- suche biteben erfolglo». Räch den letzten Rachforschungen scheint festzustehen, daß sich an Bord des untergegangenen Unterseeboote» sieben Offiziere, einschließlich zweier Fliegerossiziere, und SZ Mann befinden. Bandiienüberfall bei Bernau. Sie hotten es auf einen Lohntransport abgesehen. Aus der E h a n s s e e. einige Kilometer hinter Bernau, wurde heute vormittag auf einen Lohugeldtransport des Städtischen Gute» Albershof ein verwegener Raubübersall versucht. Durch die Geislesgegeuwärtlgkeit de» Aulosührers wurde der Bandenüberfall jedoch vereitelt. Gegen 10 Uhr hatte der Rechnungsführer Kopp von der Städti- schen Gutsoerwaltung Albershof von der Bernauer Stadtkasse S000 Mark Lohngelder abgehoben, die mittags an hie N o t st a n d s- a r b e i t e r, die auf dem Gut beschäftigt sind, zur Auszahlung kommen sollten. An einer Stelle, wo der Wald dicht an die Chaussee heranreicht, tauchten plötzlich vier maskierte Männer auf und ver- stelllen mit schuhbereiten Pistolen dem Auwführer den Weg. Der verlor jedoch nicht die Geistesgegenwart, gab Bollgas und sauste in rasender Fahrt aus die Banditen zu Die Verbrecher konnten sich nur noch im letzten Augenblick durch Zurückspringen in Sicherheit bringen. Kube hatte die Bande kaum einige Meter hinter sich. als ein Schnellfeuer aus vier Pistolen aus das Auto einsetzte. Die Karosserie wurde von zahlreichen Kugeln durchbohrt. Der Rech- nuvgsführer Kopp hatte sich auf den Boden des Auws geworfen, so daß er glücklicherweise unverletzt blieb. Als das Auto auf dem Gutehof anlangte, wurde sofort die Ber- nauer Polizei von dem Ueberfall telephonisch in Kenntnis gesetzt. Mehrere Polizeiautos eilten sofort an die bezeichnete Stelle, von den Bandllen war aber keine Spur mehr zu entdecken. Auf Lebenszeit deportiert werden zwei indische Stuben- tinnen, die den britischen Kommissar für den Distrikt Camilla (Bengalen), Stevens, ermordet haben. Alsberg und die Gklareks. Leo und Willy Sllarek bestehen auf seiner Vernehmung. Zm Sklarek'Prozeh. in dem die SNarek-verteidigcr henke wieder vollzählig zur Stelle waren, gab der Vorsitzende zu Anfang eine Erklärung des Rechtsauwalts profesior Dr. Alsberg zu der Sassiberangelegenheit bekannt. „Das Schriftstück, dos seinerzeit bei Max Sklarek anlählich der Durchsuchung seiner Zelle gefunden worden ist, ist ihm nicht von meinem Büro zugeleitet worden. Das Schrift- stück enthält die Abschrift einer Zusammenstellung der von Willy und Leo Sklarek aufgestellten Beweisbehauptungcn und vor allem de» von ihnen beantragten Zeugenbe weises in der Frage des Stadt- bankkomplexes. Einem der Mstverteidiger ist, wie aktenmäßig fest- steht,«ine Abschrift auf dessen besonderes Erfordern zugeschickt war- den. Die Entstehung dieser Zusammenstellung geht aus den in meinem Büro geführten Akten hervor, insbesondere aus der Korrespondenz mit dem Zioilanwall der Gebrüder Sklarek, der ins- besondere auch schrifllich darum ersucht worden ist. darauf hinzu- wirken, daß die Angeschuldigten„sofort das sachlich vorbringen, was für die strafrechlliche Würdigung der Angelegenheit entscheidend ist". Der Inhalt der Korrespondenz und der bei mir geführten Sitten kann keinen Zweifel darüber lassen, daß ausschließlich in der legalsten Weise dazu mitgewirkt werden sollte, die von der Staats- onwastschaft zunächst ohne Boruntersuchung gedachte Aufklärung der Angelegenheit im Wege eines Ermittlungsverfahrens durch fach- liche Anführungen und Beweisantritte zu fördern." Der Oberstaatsanwalt vertrat die Auffassung, daß das sin- geschlagene Brfahren nicht zulässig sei, und Willy und Leo Sklarek blieben bei der Forderung, Dr. Alsberg und Dr. G ollnick als Zeugen zum Beweise dafür zu hören, daß sie. die Angeklag- ten, ihren Verteidigern gegenüber schon von Anfang an betont Hattert, daß es sich bei den Unterlagen usw. nur um Formalitäten handele. Auch Rechtsanwall Puppe trat für die Dernehmung ein, um aufzuklären, daß Lehmann keinen Kassiber erhallen habe.— Zur eigentlichen Prozeßmaterie zurückkehrend, erörterte man dann die, Fälschung eines Lasienbuches. wobei Leo Sklarek wieder behauptete, daß es auf Beranlaffung von Stadtbanwirektor Hoffmann angefertigt fei, was düser jedoch energisch bestrittt. Leo Sklarek(erregt): Sie haben mir doch gesagt: Bor den Großen habe ich keine Angst, ich fürchte mich nur vor den„Wanzen", den Unterorzanen. H o f f m a n n(erergt aufspringend): Ich bestreite ganz entschieden, daß ich so etwas ge- sagt habe.(MU Oer Faust auf den Tisch schlagend:) Jetzt wird«s mir aber zu bunt. Als der Vorsitzende in diesem Zusammenhang die Angeklagten und die Verteidiger zum Gerichtstisch bat und ihnen das gefälscht« Buch vorlegt«, das von den Revisoren nicht beanstandet worden war. kam«s zu einem Zwischenfall. Der Oberstaatsamvall bat, an den Mitangeklagten Buchhaller L e h» mann die Frage zu richten, was Leo Sklarek ihm soeben hinter dem Rücken zugeflüstert habe. Lehmann zögert« einige Sekunden mit der Antwort, und stall seiner sagte Leo Sklarek: Ich habe ge- sagt: Die S tadt b a n td i r e k t o r e n tun so, als ob sie getäuscht worden sind, und Lehmann bestätigte diese A-ußerung. Lehmann: Di« Buchprüfung dauerte nur zwei bis drei Minuten. Der zweite Revisor Schröder hat mit den SNareks Kafstee getrunken. Was Müller mit Leo Sklarek über den Pflegesohn gesprochen hat. weiß ich nicht. Räuber im Postwagen. 95 OOO Kranken erbeutet. Saarbrücken, 28. Zanuar. Bei der Ausfahrt des Personenzuges 680 sprangen gestern abend aus dem Bahnhof Samphausen zwei vermummte Ge- stallen in den Bahnpostwagen, hielten den Beamten mit einem Revolver ia Schach uvd raubten einen postsack mit 95 000 Franken Inhalt, kurz vor der Einfahrt des Zuges in den Bahnhof Reuhav« sprangen die Räuber ab. Die Cr- mittlungen der Polizei haben bis zur Stunde noch kein Ergebnis gehabt. Taschendieb in der Gparkaffe. Ein seltenes Exemplar seiner Gattung. Die Gastrolle, die ein inieruationaler T-schend'eb. der Schneider TVols kurzweg aus Warschau, in Berlin gegeben hat, wurde einigen Deuten, die Ersparnisse von der Sparkasse abgehoben hallen, zum Verhängnis. Der äußerst gerissene Gauner ist in Berlin verschiede nllich auf- getreten. Er wurde im Juli vergangenen Jahres mit zwei Kam- plicen auf frischer Tat abgefaßt und nach Berbüßung seiner Straf« über die Grenze gebracht. Jetzt hat er sich wieder in Berlin eingefunden. Aus der Sparkasse In der Richard- straße in Neukölln erschien vor einigen Tagen eine älter« Frau und hob von ihrem Konto 1400 M lares Geld ab. Un> klugerweise besuchte sie ein Warenhaus und fuhr mit dem Fahrstuhl zum dritten Stock empor. Oben angekommen, entdeckte sie, daß die Brieftasche mit vem Geld« verschwunden war. Alles Suchen nach dem Diebe war zunächst vergeblich. Das gleiche Mißgeschick hatte am selben Tag« ein älterer Mann, der 1000 M. abhob. Auch er wurde auf der Straß« angerem- pelt und ehe er richtig zur Besinnung kam. war die Briestasche mit den 1000 M. verschwuren. Die beiden Bestohlenen meldeten ihr Mißgeschick sofort den Beamte» in der Sparkasse in der Richard. straße. Diese konnten sich entsinnen, daß im Vorraum der Kasse ein jüngerer Mann sich aufgehalten Halle. Auf dem Poüzelpräsi- oium erkannten sie nach den vorgelegten Bildern Wolf Kurzweg. Die Beamten fahndeten nach ihm und einer sah ihn r.-stern auf der Straße. Heimlich wurde-r verfolgt und schließlich verhaftet. Die Frechheit Kurzwegs ging soweit, daß er nach dem Dieb- stahl im Warenhaus schnurstracks zur Bank zurückkehrte und im Vorraum auf sein zweites Opfer— den alten Mann— wartete. Für beide Diebstähle hat er etwa zwei Stunden gebraucht. Wo Razis herrschen. kiel. 28. Januar.(Eigenbericht.) Eine Revision der Gemeindekasse in der Gemeinde Albersdorf. die politisch von den Nazis beherrscht wird, hat einen Fehlbetrag von reichlich 4000 Mark ergeben. Außerdem stellt« die Revision fest, daß Steuerrückstände von etwa 25000 Mark vorhanden sind, für die keine Swndungsgesuche der Schuldner oder Niederschlagungs- beschlösse der Gemeindevertretung vorhanden sind. Zum Teil sind die Steuern bereits verjährt. Der Gemeindevorsteher wurde seines Amtes enthoben. Auf Antrag der Sozialdemokraten wurde eine Kommission eingesetzt, dl« eine genaue Nachprüfung der Verluste vornehmen soll. Pohl:»Kampf Das Schicksal schlesischer Bergarbeiter unmittelbar nach dem Krieg und der Novemberrevolution wird gespielt. Der Heimkehrer, der noch den verschmutzten Uniformrock trägt, findet zu Haus« das graue Elend. Mit Hauptmannschen Farben wird es ausgemalt. Für dieses Land und für dieses Elend ist der Weberstil eben klassisch, auch für Gerhart Pohl, der nicht plötzlich aus der Versenkung aus- taucht, sondern ein begabter Schriftsteller ist. Spartakus geht im Bergwerksgebiet um. die große Führerin von Spartakus, die zwar bei Pohl nicht Rosa Luxemburg heißt, die aber deullich genug wird. Des Dichters Wille ist, daß sie nicht in Person auftritt. Rur geschwärmt wird von ihr. Sie wird nur verflucht und schließlich von den Soldaten umgebracht, die in ihrer Bösartigkell als genaue Abbilder der geschichtlichen Mörder sichtbar werden. Die unsichtbare Macht der Führerin«rweist sich, rein dramaturgisch, als ein vorzüglicher Motor der Theaterereigniss«. Der Generaldirektor des Werks ist ein erfahrener und land- fässiger Mann. Mll seinen Kumpeln geht er streng um, doch er lielt sie auf seine harte Art. Erlauben will er nicht, daß die Sol- datesta seinen Bezirk zum Bürgertriegsgebiet auswählt. Aber stärker als er sind die jungen Reaktionäre, die Grünschnäbel ohne Bergangenheit, sind die Militärs, für die kein Arbeiterrecht und auch keine Vernunft existieren. Ueber den Köpf des Mten weg reizen sie die Arbeiter bis aufs Blut, werben sie die Mörder gegen Sie Führerin, eröffnen sie das Blutvergießen gegen eine Masse, die sich verzweifelt wehrt, die jedoch unterliegt, weil sie schwächer ist als die schwer Bewaffneten. In drei Akten rollt die Tragödie ab. Die Abrechnung zwischen dem Arbeitgeber und seinen Leuten ist«in sehr kräftiges Stück Dramatik. Die Gegenspieler aus dem Lager der unbelehrbaren Reaktion sind vorzüglich charakterisiert, sie sind nur fowell kritisiert, wie es die Wahrscheinlichkeit verlangt. Dann spielt sich eine Szene ab, in der die beiden Mörder ihren Frauemnord aushecken. Die tierisch« Verwüstung der Menschennawr enthüllt stch. Diese Szene bezeugt«m festes Talent zum Führen eine« wirksamen, innerllch geladenen Dialogs. Hernach, als das Durcheinander um die Ent- wirrung kommen, hernach, wenn die einzeln eingefädelten Schick» sale aufgelöst werden sollen, erlischt die Gestaltungskraft. Die ge. sinnung-tüchtige Dielrederei muß ersetzen, was an dichterischen Stimmen fehlt. Di« arbeitslosen Künstler, die das Stück spielen, verfügen über gute Kräfte. Unter Leitung von Fritz Staudt« ziehen sie die Sieben Münchner— sieben Zrankfurter. Ausstellung in der porza. Die Münchener Künstter attackieren Berlin in gestaffelter Ord- nung: im Künstlerhaus erwartet man nach der gegenwärtigen ersten demnächst die zweite Serie ihrer Malerei, und schon marschieren auch bei der„Porza"„Sieben Münchner" auf, die uns noch will- kommener sind als jene. Die Ausstellung findet man im Deutsch- landhaus am Reichskanzlerplatz. Dies« jungen Münchener kultivieren eine noble Malerei von jenem angenehmen Niveau, das man heute überall als Resultat so vieler Experimente der letzten Jahrzehnte sehen kann, gedämpfter und durchgeistigter Realismus sozusagen als der Weisheit letzter Schluß, der einer etwa« müde gewordenen Kultur in«wer Atempause einfallen mag. Der begabteste scheint mir OttoNückelzu fem, ein Landschafter mll überlegener Raumführung und schöner klarer Farbe; Karl Zerbe ihm oerwandt. unruhiger, vielseltiger und auch naiver. W. Schulz-Matan gehört zu den klassischen Bildnern eines äußerst genau genommene» „magischen Realismus" mll dem Einschlag dämonischer UnHeim- lichkeit. Die„Sieben Frankfurter" bringen als willkommene Ergänzung zwei Bildhauer: Laurent F. Keller, bei uns längst bekannt als Darsteller weiblich fülliger Erscheinung, bezaubert auch hier durch köstliche Kleinbronzen, große Torsi und eine herrlich bewegte, höchst lebendige„Fliehende". H. Winter fügt das Moment einer scharfen Naturtreu« in bemalter Holzskulptur hinzu. Bei den Malern spürt man den Geist Max Beckmanns in lebendiger Um- lchaltung: bei Delavillas Akten, Stilleben und Maskenmädchen verstärkt dieses Element, unterbewußt, das Positive angeborenen Geschmacks zu einer darstellerischen Kraft, die ihm früher nicht eignete: bei Hans Feibusch wird es von einer wilden malerischen Kraft aufgefangen. R. W. Heinisch steht an malerischer Kraft ihm nahe. Sein schwarzer Panther ist ein Gebilde von überzeugen- der Dämonie: unruhig suchen, spürt er merkwürdige Probleme auf wie die vielfältige Spiegelung eines Paares in der Bar(ein reiz- volles BUd) und endigt bei sozialen Themen, einer Fabritphantasie. dem Triptychon einer Revolution mit dem Symbol der riesenhaften rote» Fahne. Der jugendliche Sturm und Drang dieses Maler« ver- spricht, bei seiner Begabung, eine ersteuliche Entwicklung. p.{. sch. Das Lustfchiff als Forschungsinstrument In der Gesellschaft für Erdkunde sprach Dr. Eckener über „Arktische und andere Forschungsfahrten des Graf Zeppelin". Einleitend hob er hervor, daß im Unterschied zu anderen geographischen Forschungsreisen, in welchen auch Fest- stellungen über den geologischen Aufbau, über Land und Leute, über die Tier» und Pflanzenwelt gemacht werden, eine Forschungsfohrt mit dem Luftschiff all das nicht ergeben kann, dafür aber den Bor- teil bietet, sonst unzugänglich« Gegenden, wie Wüsten, morastiges Sumpfland, die eisbedeckten Polargegenden wenigstens geographisch zu erfassen. Von seinen verschiedenen Fahrten, in die Lybische Wüste, der Weltfahrt und anderen und schließlich auch ron seiner Fahrt in die Arktis im Juli vorigen Jahres zeigte Eckener ein reichhaltiges, über- aus interessantes Bildmaterial. Besonders ging er auf die Arktis- fahrt ein, vor deren Antritt vielfach wegen der drohenden Vereisung des Luftschiffes gewarnt wurde. Gefährlicher sei die Fahrt in dichtem Nebel in Gegenden mll hohen Gebirgszügen: hier sei man stets in Gefahr, die Sicht und Orientierung zu verlieren. Deshalb könne ein Luftschiff auch niemals vorher seht« Route genau fest- legen, sondern müsse sich nach der Wellerlage richten. Die Arktis- fahrt fei nur als erste Bersuchsfahrt angetreten worden, um lest- zustellen, was überhaupt ein Luftschiff hierbei leisten könne. Es ist ein Irrtum anzunehmen, ein Luftschiff könne bei ruhigem Wetter stets nach Belieben auf das Eis niedergehen und sich wieder erheben. Ein- zweite arktische Forschungsfahrt mit dem„Graf Zeppelin" wird in diesem Sommer kaum möglich sein, da die zur Finanzieruug erforderlichen 200 000 Mark kaum aufgebracht werden dürften. Sollte es mll Hilf« der Amerikaner doch gelingen, so würden seden- falls auch wieder deutsche Gelehrt« an dir Fahrt btitiligt werben. um Kolbenau." brotlosen und mutlosen Kameraden au» der Not und dem Nichts hervor. Doch an erster Stelle der Notgemeinschaft stehen Robert Müller und Frieorich Gnaß. Müller, ein Schauspieler von voll ausgefüllter, sogar ruhmvoller Vergangenheit, stellt den Werk- direktor dar. Weil sein Text alles hergibt, darf er eine bewunde- rungswürdig« Gestalt schaffen, einen Mann, der in jedem Wort« und in jeder Bewegung lebt. Und Gnaß, Künstler aus der jungen, noch nicht abgestempelten, sondern nur stempelnden Generation, legt die Nerven des Zuschauers sofort mit Beschlag. Die übrigen, es sind etwa 30 Künstler und Künstlerinnen, erweisen sich meist als berechtigt« Anwärter auf besseres Brot. Ihre Spielgemeinschaft muß alle« aus dem Nichts schaffen, und auch Fräulein L i e b t h a l, die Bühnenbildnerin, löst mll Erfolg die schwere Aufgabe, talent- voll dieser Armut zu trotzen. m. b. »Der Bettelstudent." Rose-Theater. Eine im Gesanglichen und Darstellerischen reizvolle Aufführung. Dazu hübsche Bühnenbilder und eine Inszenierung, die im Aus- bau der Auftritte, in der Bewegung und Geste Operettentradition mll originellen Einfällen verknüpft. Der Regisseur Paul Rose findet den Ausgleich zwischen Komik und den dramatisch-lyrischen Partien. Er schafft aus den beiden Elementen eine künsllerische Einhell. Nach den Staraufführungen der letzten Jahre kommt hier der Erfolg hauptsächlich aus der Geschlossenheit des Ganzen. Millöckers„Bettelstudent" erfordert große tragende Stimmen. In manchen Duellen wächst das Werk mit seinen Anforderungen in das Gebiet der Oper hinein. Das Theater besitzt diese Stimmen in den Gästen Else K o ch h a n n und Peter Hoenselaers, bei denen Größe und Kultivierthell des Organs mll temperamentvollem Ausdruck eine glückliche Bereinigung eingehen. Neben ihnen Bea- tri« Haagar, deren Stimme sich erfreulich entfallet und abrundet. Di« komischen Parken machen sich nicht selbständig und halten sich von jeder Karikatur frei. Weder Hilde H o f e r noch der Ollen- darf Hans Roses spielen stch in den Vordergrund, und es ent- stehen Menschen, und keine schablonisierten Opereitentypen. Max Schmidt ist der musikalische Leiter. Die unoerwelkte, melodiengesättigt« Musik glänzt bei ihm so frisch wie am ersten Tag. Sehr exakt und rhythmisch beschwingt die großen Finale, k'. 8ch. Als persönliche Wünsche äußerte Eckener die Erforschung der ganz unzulänglichen und daher noch ganz unbekannten südarabischen Wüste und der Nordosllüjte Grönlands, der vielleicht die» ochste Forschungsreise des„Graf Zeppelin" gelten werde. Dr. Lt. «Alahagonny" in neuer Besetzung. Die Strellfragen um diese hypermoderne Oper sind noch lange nicht erledigt. Es gibt immer noch genug Leute, die sich fragen, ob ein solcher wüster Stoff über- Haupt opernreif ist. Andere nehmen Anstoß an der Tendenz, die ja zum Schluß in der Tat etwas stark aufgepfropft scheint. Noch andere wollen nichts von den angeblichen Heilslehren und Be- glückungsideen des Holzfällers Johann Ackermann wissen. Auch die Musik von Weil! wird umstritten. All dies beweist freilich, daß da« Publikum sich für die Oper interessiert und chr im Kur- fürstendamm-Theater di» Existenz sichert. Ts sind einige neue Besetzungen erfolgt, die an dem Gesamt- eindruck wenig ändern, aber auch die frühere Besetzimg keineswegs vermissen lassen. Mose Forbach ist jetzt die Begbick: sie gibt der Rolle di« große Figur, die sie verdient als prägnante Verkörperung schmorotzerijcher Geldgier. Sie ist aus einem Guß und auch gesang- lich ganz hervorragend. Die Tenorpartie hat jetzt Maris W e t r a. der mll seiner Stimme die Rolle voll ausschöpft. d. Auch Reinhardt schränkt sich«in. Max Reinhardt wird vom 1. Februar ab seine Tätigkeit auf seine eigenen Häuser beschränken und regelmäßig nur das Deutsche Theater und das Große Schau- spielhous besplslen. Die Kammerspiele bleiben vor der Hand geschlossen. Die Pachttheater— das Kurfürstendamm-Theater und die Komödie— gehen wieder in die Hände ihrer Eigentümer zurück. Gelegentlich sollen daneben— wie es auch früher geschah— andere Theater vorübergehend in Anspruch genommen werden. Ein Schüler als Romanaulor. Der Autor des von uns be- fprotbenen Romans„Die Mietskaserne", der zunächst das Pseudonym Ernst Erich Roth wählle, ist, wie sich jetzt herausstellt, der aus dem Steglitzer Schülerprozeh bekannte Paul Krantz. Die Buchausgabe von Bruckner»„Timon" erschien im Verlag von S. Fischer. Berlin.* _ INoissi-Standal. Im Stadttheater in Reichenberg (Böhmen), in dem am Mittwochabend Alexander Moissi mit seinem Berliner Ensemble in dem Schauspiel von Bernhard Shaw„Der Arzt am Scheidewege" gastierte, kam es während der Vorstellung zu wüsten Szenen. Hakenkreuzler inszenierten einen Skandal, warfen Sttnkbomben und schrien:„Abzug Moissi, Reichenberg ist eine Kulturstätte" usw. Erst nachdem ernige Verhaftungen vor» aenommen waren, konnte die Ruhe wiederhergestellt und die Bor- stellung zu Ende geführt werden. Eine Figaro-Avsstellung. Die Pariser Comödie Franyaise ver- airstaliet in ihrem Bestibül zur Feier des 200. Geburtstages von Beaumarchais, der ja zu diesem Theater in so naher Beziehung ge- standen hat, eirre Au«istellung, die sich hauptsächlich mit seiner be- rühmtesten Gestall. dem Figaro, beschäftigt. Da sind neben Hand- schriften und Erstausaaben seiner Werke, neben Briefen und Doku- menten, Bildern und Reliouien in 9 Glaskästen die Werke ausgestellt, die stch an die„Hochzell des Figaro" anschlössen. Goekheseiern in Paris und Straßburg. Wie der„Intransigeant" zu berichten weiß, soll das Goethejahr zu Pfingsten auch aus der Pariser und Strahdurger Unioersllät feierlich begangen werden. Im Oktober wird die Pariser Nationalbibliothek«Ine Ausstellung von Dokumenten, Bildern und Goelheerinnerungen veranstalten. Das Material dazu soll der Natwnalbibliothek aus Deutschland geliehen werden. Da» Deutsch« Hygiene-Museum wird vom 29. Januar Iii LS. Februar seine Wanderausstellung.stampf dem Krebs" im EurapobauS tTtresemannstraß«) zeigen. Die Eröffnung findet Freitag, vormittags 11 Uhr, statt. Da« Kostümfest der Vollsbühn«„Jaure Wochen— Frohe Feste", dos Sonnabend im Sportpalast stau findet, kann auch von NichtMitgliedern besucht werden. Diese haben lediglich aus den Eintrittspreis von 2 M. noch 50 Pf. nachzuzahlen. Das Fest bringt«ine Reche liinstlerifcher Per- anstaltungen, u. a. auch einen Tonzwettbewerb hervorragender Kabarett- paare. Di««avosswschast Deatfch«»ichit»v.«uq»hölig«r hat für chre Wohl- tätigkeittveran staltung am 29. Lanuar in der„Neuen Welt die sämtlichen 281« mit ersten Tan�avellen deseht, die wahrend des Tanze», wie auch als Begleitung der großen KabarstMummern spielen. Die Beranstaltung beginnt im» S Uhr. Ein tritt 1 M. Die Sache mit dem Hauptfemd. Eine kommunistische Korrektur. Bisher hat die KPD. stets die Sozialdemokratie als ihren H a u p t f e i n d erklärt. Das ist für eine angeblich auf so- zialistisch-marxistischem Boden stehende„Arbeiter">Partei immer ein» Leistung. Wir zweifeln auch nicht daran, daß sich kommunistische Parteiwissenschaftler finden, die das Kunststück fertig bringen, diesen Standpunkt der Angestellten der KPD. theoretisch zu begründen. Nichtsdestoweniger machte diese„H a u p t f e i n d"- P a r o l e unter der organisierten Arbeiterschaft nicht den beabsichtigten Eindruck. Das muß sich selbst in der KPD.-Leitung mit der Zeit herum- gesprochen haben. Jedenfalls hat die KPD.-Zentrale setzt auch in diesem Punkte die ihr geläufige taktische Wendung vorgenommen. Endlich hat sie den richtigen chauptfeind entdeckt: »Der hauptfciud im Klassenkampfe— das ist der Kapitalismus!" E i n chauptseind genügt jedoch der„revolutionären" KPD. nicht. Auf den bisherigen chauptfeind kann sie nicht ohne weiteres verzichten, und so ist sie auf den Ausweg verfallen, sich zwei Haupt- feinde zuzulegen:„Der Hauptfeind in den Reihen der Arbeiterschaft — das find die sozialdemokratischen Handlanger des Kapitalismus, die das Proletariat spalten, betrügen und unterdrücken." Da es der KPD. nicht recht in ihre Taktik paffen würde, ihre Hauptfeindparole noch lächerlicher wirken müßte, wenn sie die So- zialdemokratische Partei Deutschlands mit allen chren Mitgliedern und Wählern als den H a u p t f e i n d der KPD. erklären würde, sucht sie zu differenzieren: sie betrachtet nur die Führerschaft der Sozialdemokratie als den H a u p t f e i n d, nicht aber die Masten ihrer Mitglieder. Die Konstruktion der KPD. ist jedoch verfehlt. Der Unterschied, den sie sich aus durchsichtigen Gründen zurechtmacht, besteht in Wirklichkeit nicht. Ist der 5? a u p t f e i n d die Sozialdemokratie, dann gehören dazu wohl oder übel auch die Mitglieder, aus denen die Partei besteht. Immerhin, es darf ihnen ein Trost sein, daß die KPD. jetzt noch einen Hauptfeind gefunden hat. wir niäzt mehr der Hauptfeind sind, sondern einer ihrer Hauptfeinde. Die Zkalional- sozialistcn zählt die SPD. nicht zu ihren hauplseiaden. Deshalb sucht sie— wenn auch vergeblich— an der„Eisernen Front" zu rütteln. Ein Keil ireibi den andern... in die Arbeiterlöhne. Im Rachaus von Douai fand am Dienstag eine Besprechung zwischen Delegierten der nordfranzösischen Gruben- arbeitergewerkschoften und den Vertretern der Gruben- gesellschaftcn über die Neuregelung der Löhne noch dem 1. Februar statt. Die Unternehmcrvertreter erklärten, daß sie infolge der Lohn- scnkung in den meisten Ländern und per Entwertung des englischen Pfundes gezwungen seien, gleichfalls die Produktionskosten durch 5zerabsetzung der Löhne zu verringern, die 10 P r o z. be- tragen soll. Nach einer längeren Debatte mit dem Vorsitzenden des Grubenarbeiterocrbandcs, dem sozialistischen Abgeordneten M a e s, sagten die Unternehmer schließlich zu, daß die Kürzung in zwei Etappen erfolgen soll, und zwar 5 Proz. ab 1. Februar und weitere ö Proz. ob 16. März. Die Sekretariate der verschiedenen Gewerkschaften treten am Sonntag in L e n s zu einem Kongreß zu- sammen, um zu den Forderungen der Arbeitgeber Stellung zu nehmen. Die Zahl der Arbeitslosen ln den Vereinigten Staate« wird von Green, dem Vorsitzenden der omerikanstchen Gewerkfchasten, auf 8 300 000 geschätzt. Green— Gegner der Arbeitslosenversicherung— empfiehlt die Unterstützung der Arbeitslosen— durch die Bundesregierung. Typographia. Alle Sänger zur Einäscherung des Kollegen Walter(Invalide) am Sonnabend, dem 30. Januar, um IS'A Uhr in der Gerichtstraße. Welker für Berlin: Trockenes, vorübergehend aufheiterndes Wetter bei etwas höheren Temperaturen, zeltweise auffrischende westliche Winde.— Für Deukschland: In der südwestlichen Reichs- Hälfte Fortdauer des ruhigen noch mäßig kalten Wetters, im übrigen Reiche etwas milder bei zeitweise auffrischenden westlichen Winden. Buch Jean Qiono: 3)er fflügel Im Verlag Rütten u. Loening, Frankfurt a. M., ist jetzt ein neuer Roman des französischen Dichters Jean Giono erschienen, der in Deutschland schon durch seinen Roman„Ernte" bekannt- geworden ist. Giono gehört zu den Dichtern, die den Menschen dort packen und schildern, wo er, als Einzelwesen oder als kleine Gruppe, mit den Naturgewalten in Konflikt gerät und den panischen Natur- kräften entweder unterliegt oder sie bezwingt. Das Schicksal seüier Menschen wird durch die Landschaft bestimmt, in die sie hinein- geboren sind und in der sie leben und arbeiten. Ihre Beziehungen zueinander, ihre Lebensverhältnisse, ihre Leidenschaften und Ge- danken, alles hat seinen Ursprung in der sie umgebenden Natur. Die dreizehn Menschen dieses Buches leben und wachsen wie die Früchte und die Bäume der südfranzösischen Landschaft, sie bestellen ihren Acker, trinken ihren Wein, der Hügel ist freundlich zu ihnen, und ihr bescheidenes Dasein macht ihnen Freude. Und dann wird ganz plötzlich der achtzigjährige Janet krank, und die sonnig klare Welt der Bastiden erfährt eine Veränderung. Der Hügel wird zum Feind der Menschen, der Brunnen versiegt, die Feldsrüchte ver- dorren, über die Heide geht ein Feuer, es frißt die Wälder und den Hügel und kommt mit seinem roten Maul bis an ihre Hütten. Und sie sind ratlos und verstehen nichts und fürchten sich. Und der alle Janet liegt ausgedorrt und schwach und will trotzdem nicht sterben. Er soll ihnen helfen, denn er ist alt, und er weiß,„was hinter dem Wind und den Dingen ist". Aber er hilft nicht und nennt sie Schlappschwänze. Die Männer fassen den Entschluß, ihn umzu- bringen, weil er böse und niederträchtig ist und nicht allein sterben, sondern sie alle mit verderben will. Da greift die Natur wieder ein. Der Alte stirbt eines natürlichen Todes.. Der Spuk ist vorbei, die Natur ist nicht mehr hinterhältig und die Männer kommen wieder zur Tätigkeit und zur Arbeit, sie grübeln nicht mehr darüber nach, was hinter einem Stein sein könnte, sondern räumen ihn einfach aus dem Wege. Gionos Menschen sind frei von den Nöten einer komplizierten Gesellschaftsordnung: es sind Außenseiter, aber sie sind deshalb nicht minder echt und anschaulich geschildert, mit einer Kraft und einer Dynamik des Wortes, die sie und ihre Landschaft in der Erinnerung festnageln und die noch sicherer und direkter als, bei Knut Hamsun ist. L. Lepper. UerantworU. für die Redaktion: Aich. Breast«!», Berlin: Anzeigen: Th. Glocke Brrlin. Verlag: Vorwärts Verlag(8. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts Bucki» druckcrci und Vcrlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin CW 08, Lindenstr. 3 Hierzu 1 Beilage. Staats *3 Thcaler Donnerstag, den 28, Januar staatsoper unter cen Linden 20 LIhr R i g o I e 1 1 o StaatLStespietes ünilirxuonrkl 20 Uhr Schiller-Theater Cbariottrabarj. 20 Uhr Die gottliche Jette PLAZA r | Die Toni aos Wien lagiieb 5 u. Ol- Uhr Sizs. 2, S, Oli Uhr SiftU.oper Charlouenbure SismarcksttaBe 34 Donnerst.,28. lanuar Turnus Iii Anfang 20 Lhi Der Troubadour Ende gegen 23 Uhi — Kleines TD.— Truppe 1931. Toxi. 8'U LT« Die mausefade Preise 75 Pf.— 5 M. SoddL nachm. 4 ü. halbe Preise. Schwerhörige hören soion wieder mit dem ärztlich empfohlenen OBIfiUU- ilKUSTl«. APPARAT mit neuestem Efieinbdrer — Noch Besseres gibt es nicht!— Den'.sdie Akustik Oesellsdiaft in. b. R. Aelteste u. lQhrende Spezialfabrik Verkauf u. Vorführung: Berlin-Wilmersdorf, motzstr.«3 Benin. Kiosterstr. 44 ReinicKeiidort-ost, Brienzer Str. 4 Verl. 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De« NfA-Vund;«« Hochschulreform/ Vo« Dr. Otto Vmecke Die Zahl der Akademiker in der Angestelltenschast wächst von Jahr zu Jahr; daher ist es nicht verwunderlich, c>atz die Spitzen- organifatian der freigewerkschaftlich vereinigten Zlngestellten das Wort zu einer Frage nimmt, die in erster Linie die Akademiker und die Hochschulen, dann aber auch die Gesamtheit angeht: die 5? och- schulreform wird in der Zeit der Wirtschaftskrise immer dringlicher. Die Denkschrift des AfA-Bundes wind in der Oeffentlichkeit mit Recht beachtet werden; ihre Grundsätze find etwa folgende: Gegenwärtig sind mindestens 40 000 Akademiker erwerbslos, in wenigen Iahren werben es 120 000 sein, die Zahl der Abiturienten hat sich gegenüber der Vorkriegszeit relativ verdoppelt. Di« Wirtschaftskrise verschärst das Bsrechtigungswesen. Wer mit der mittleren Reife kein« Aussichten zu haben glaubt, macht das Abiturium; wer früher sich mit dem Abiturium begnügte, meint fetzt, unbedingt studieren zu müssen, auch wenn Begabung oder wirtschaftliche Verhältnisse dem an sich entgegenstehen. Unter diesen Umständen ist es kein Wunder, wenn die Akademiker nach Abschluß des Studiums Stellungen annehmen müsien, die ihrer Vorbildung nicht entsprechen und ungenügend bezahlt werden. Dadurch wird das G«haltsniveau der Ang« st eilten herabg«- drückt und di« Sozialpolitik geschädigt. Dennoch wächst die Hoch- schulüberfüllung weiter. Gs ist kein Zweifel, daß auf diese Weis« viele Ungeeignete zum Studium kommen und darüber hin- aus die Begabten in ihrer Entwicklung stören. Die Verlängerung der Studiendauer ist keine Grundlage für Begabtenauslese. Diese Grundgedanken der Denkschrift des AfA-Bundes sind zweifellos richtig. Der AfA°Bund schlägt als ein N o t p r o g r a m m gegen die U e b« r f ü l l u n g der Hochschulen in erster Linie folgendes vor: eine bessere Gebührcnregelung und eine schärfere Begabtenauslcse vor dem Studium und während des Studiums. vosentengthälter/ Staffelung öer Gebühren: Di« Denkschrift steht auf dem Standpunkt, daß die Beteiligung der Hochschullehrer an den Vorlesungsgebbern und die vielfach sehr hohen Honorargarantien das Vorlesungswesen begünstigen und die sicherlich rationellere Seminararbeit zurückdrängen; darum wird«in« Aufhebung der Kolleggelder und eine feste Fixierung der Dozentengehälter gefordert. Diese Forderung ist nicht neu; sie war einer der Hauptpunkt« des Hochschulreformprogramms, das 1019 von dem damaligen Staatssekrerär Professor Becker vor- * gelegt worden war. Auch 1922 und 1923«rwog man im preußi- . schon Kultusministerium aufs neue ernstlich die Frage. Die Gründe, weswegen man sich zu einer Aufhebung damals nicht entschließen konnte, dürften einerseits in rechtlichen Bedenken wegen der wohl- < erworbenen Rechte der Hochichullehrer, andererseits auch in den wirtschaftlichen Verhältnissen der Hochichullehrer liegen. In weitesten Kreisen wird di« Aushebung der Honorar« nach wie vor gefordert und auch mit moralischen Gesichtspunkten b.o- gründet: es kann in der Tat kein Zweifel sein, daß die gegenwärtige Kolleggeldregelung die Ursache vieler Mißstände im Hochschubwesen ist. Die Denkschrift erwartet überdies mit Recht vom Fortfall der Kolleggelder eine Vereinfachung des Verwaltungs- apporats der Hochschulen mrd«ine Erhöhung der Staatseinnah- men; die Pauschalgebühr könne niedriger sein als die bisherigen Kolleggelder, durch den Fortfall der Spigenbezüge vieler Professoren würde es möglich sem. Privatdozenten höhere Stipendien und Assi- stentcn höher« Bezüge zu bewilligen.» Die Denkschrift verlangt ein« Staffelung der Gebüh- reu nach den Wirtschaftlichen Verhältnissen der Studenten und eine Beseitigung des Gebührenerlasses. Dieser Bor- schlag hat seine zwei Seiten; grundsätzlich ist eine Staffelung der Gebühren sicherlich richtig,«her ein« schematifche Staffelung bei Beseitigung des bisherigen Gebührenerlasses ist bedenklich. Gegenwärrig wird ein bestimmter Teil des Gebührenaufkommens. wenn ich nicht irre 20 Proz., dazu verwairdt, um chobürftigon und begabten Studenten die Gebühren ganz oder teilweis« zu erlassen. Die B e d ü rfti g k e i ts p rü fu n g ist bestimmt nicht schön, aber es ist ein gesunder Gedanke, nur begabten Studenten Gebührenerlaß zu geben. An unbegabten Studenten haben weder Staat noch Gesellschaft ein Interesse. Eine schematische Staffelung bevorzugt die wirtschaftlich schwachen Studenten auch damr, wenn ihre Ve- gabung und ihr Fleiß angemessenen Anforderungen nicht ent- sprechen. Diesen Borschlag halt- ich nicht für gut. Die Denkschrift hat recht, w«nn sie«ine Erhöhung der Gebühren nicht für ein geeignetes Mittel der Begabtenauslese hält. Der Vorschlag, bei«iner übermäßigen Verlängerung des Studiums«ine besondere „B e r w e i l g e b Üh r' zu erheben, ist neu und interessant: man wird den Vorschlag mit Rücksicht auf die besonderen Verhältnisse des einzelnen Studienfaches sorgfältig prüfen müssen. Scharte Vegabtetmuslefe: Die Denkschrift befaßt sich sodann eingehend mit der Frage der Begabtenauslese. Zunächst verlangt sie eine Verkürzung der Hochschulferien, entweder durch Verlängerung der Semester oder Einschaltung eines d r i t t e n S e m e st e r s, um das Studium zu vertiefen und die Begabtenauslese zu erleichtern, sodann aber auch, um das Studium früher beendigen zu können. Es wird mit Recht darauf hingewiesen, daß die Lage des Arbeitsmarktes die Ferienarbeit immer mehr verbietet, und daß also sehr viele Studenten kein Interesie mehr an langen Ferien haben. Die wichtigste Frage ist natürlich: wie kann man durch eine schärfere und gerechtere Auslese die Zahl der Studenten für die Zukunft verringern? Es fft außerordentlich interessant, daß der Godanke, neben das Abiturium, also die Schul- obgangsprüsung, eine besondere Hochschulpriisung zu steilen, ständig neue Anhänger findet. Ursprünglich gab es keine Schulabgangsprüfung, oie Hochschulen selbst entschieden in beson- deren Prüfungsausschüssen über die Aufnahme. Als es sich im Anfang des vorigen Jahrhunderts herausstellte, daß dieses Per- fahren auf die Dauer unhaltbar war, verlegte man die Prüfung un die höheren Schulen. Nach hirndert Iahren stellt«s sich heraus, daß eine gewisse Korrektur des Systems unerläßlich ist. Die höheren Schulen haben ein« doppelte Aufgabe: sie bilden mehr als die Hälft« ihrer Schüler für die sogenannten mittleren Berufe (Kaufleute, Handwerker, Beamte usw.) aus und bilden die übrigen Schüler für die wissenschaftlichen und künstlerischen Hochschulen vor. Das Abiturium hat also auch ein« doppelte Funk- t i o n: Bescheinigung des erfolgreichen Schulbesuchs und Zuerkenn- nung der Hochschulreife. Beides hat nur wenig miteinander zu tun. Die Schulabgangsprüfung kann bleiben wie sie ist. Aber neben sie muß ein« besondere Zluslese treten auf Grund der beson- deren akademischen Gesichtspunkte. Bon verschiedenen Seiten, z. B von dem Dresdener Stadtschulrat Dr. H a r t n a ck e und von dem Schreiber dieser Zeilen, ist gefordert worden, daß denjenigen Abi- turienten, die die Hochschule besuchen wollen, durch besonderen Be- schluß des Lehrerkollegiums die Hochschulreife ausdrücklich zuerkannt werden muß.«he sie zugelassen werden dürfen. Ich habe darüber hinaus vorgeschlagen, durch Vereinbarung der Länder- regierungen von Jahr zu Jahr einen Prozentsatz der Abi- turienten fe st zulegen, dem in den einzelnen Schulen höchstens die Hochschulreife zuerkannt werden darf. Bon anderer Seite wird empfohlen, als Eingangs- und Grundfakultät der Hochschule eine „Humanistisch« Fakultät" zu schaffen, di« alle Studenten durchlausen müssen; hier soll dann eine scharfe Auslese stattfinden. Aehnlichcs fordert der AfA-Bund; er schlägt vor, die Neuimmatriku- lierten zu kleinen Gruppen und Pslichtstunden zusammenzufassen unter Leitung junger Dozenten uird Assistenten und hier die Aus- lese vorzunehmen. Einen dieser Schritte oder einen ähnlichen Schritt wird man in der Tat gehen müssen; es wäre gut, wenn die amtlichen Stellen sich schnell und sorgfältig mit dieser Frage be» schäftigen würden. Hrandsätzliche Foröcruugc« Für die endgültige Hochschulreform verlangt der AfA-Bund Neubelebungen der universellen Bildungsidee der Hochschule, Ersetzung der Vorlesungen durch Uebungen, planvoll« Ausgestaltung der Ferien, Zlbschaffung des Repetitor- Unwesens und Brechung des Bildungsprivilegs. Die Denkschrift erwartet, daß die Hochschule die Auslese selbst vornehmen kann, und daß daher die Zugangswege zur Hoch- schule vermehrt und erweitert werden können. Die Zahl der Zu- iassungswege ist durch die Dielfälligkeit der höheren Schulen, durch Ersatzreifeprüfungen, Ergänzung-prüfungen und di« sogenannte Begabtenprüfung seit 1319 sehr vermehrt worden; ich be» zweifle, ob es nötig fft, auf diesem Weg« noch erheblich weiterzu- gehen. Jedoch hängt die Entscheidung darüber wesentlich von der Gestaltung der Hochschulauslese ab. Der AfA-Bund weist nachdrücklich auf die große Bedeutung des ganzen Fragenkomplexes hin. Regierung und Oesfenllichkeit werden der freien Angestelltenschaft dankbor dafür sein, daß sie vom all- gemeinen, wirtschaftlichen und kulturellen Gesichtspunkt aus mit Entschlossenhell und Gründlichkeit zur Frage der Hochschulreform Stellung genommen hat, die in der Tat«ins der wichtigsten Pro. bleme der Nation ist. Krbciterbilöung bc> Taubstummen Refttttste eines KurftS/ Von Vatti« Haettg Zuweilen sieht man in der Untergrundbahn zwei Passagiere sich angeregt und lebhaft unterhalten. Sie gestikulieren mit einer Leidenschaft und Schnelligkeit, die überrascht— aber ihre Unter- hallung bleibt stumm: Die zwei lautlos Sprechenden sind Taub- stumm e. „Wie mag sich im Kopfe dieser von der Natur vernachlässigten Mllmenschen die Welt spiegeln?", fragt man sich wohl und beobachtet verstohlen schärfer, lim wieviel härter muh diese Taubstummen das Los der Arbeitslosigkeit treffen! Gewiß wird es jür sie eine besondere staatliche oder kommunale Fürsorge geben, sagt man sich selbst zur Beruhigung, um auf wellere Erkundigung zu er- fahren, daß die Taubstummen genau so ungeschützt dem Leben gegen- liberstehen wie wir anderen, mit unseren fünf Sinnen Begnadeten. Die Forderung der Taubstummen, bei Arbeitseinstellung und Entlassung einen ähnlichen Schutz wie etwa Schwerkriegsbeschädigte zu erhalten, ist noch well von der Erfüllung entfernt. Ein erschütterndes Erlebnis ist es, zu sehen, wie sich zwei taub- stumme Blinde unterhallen. Sie fassen sich an den Händen. betasten sich darauf und sagen sich damit langsam was sie auf dem Herzen haben. Es gibt einige Hunderte von ihnen in Deutschland. Von den Glücklichen aber, die nur taubstumm sind, leben mehrere Taufende allein in Berlin. Davon sind etwa 800 frei- gewerkschaftlich organisiert. Sie finden sich in allen Berufen, vorzugsweise aber im Tischler-, Schuhmacher- und Sattler. Handwerk. Ihrer nimmt sich der Ortsausschuß Berlin des A l l g e- meinen Deutschen Gewcrkschaftsbundes im be- sonderen an— wie vielseitig ist doch dessen Aufgabe und Betätigung! Er hat einen A u s s ch u ß für die taubstummen Gcwerk- schaftsmllglieder nach der Revolution errichtet, der auch ein Mllteilungsblall herausgab, das aber in der Inflation einging. Er veranstallct regelmäßig große Versammlungen, die von 300 bis 400 Teilnehmern besucht sind und in denen über die großen Tagesfragen referiert wird. Wer zum ersten Male davon hört, ist gewiß erstaunt, zu erfahren, daß bei einer solchen Versammlung auf das Referat eine bewegte, ja manchmal stürmische Diskussion folgt. Gerade ist ein Abendkursus, den der Ortsausschuß durch die Gewerkschaftsschule für die Taubstummen veranstallcn ließ, zu Ende gegangen. Wie ein solcher Kursus verläuft, dürfte nicht nur für die Besucher und den Arbeiterbildner von Interesse sein. Zunächst war ich nicht wenig überrascht, als die Gewerkschafts- schule anfragte, ob ich nicht für Taubstumme einen Kursus mit dem Thema„Geschichte und Ausbau der Gewerk- s ch a s t c n" übernehmen wolle. Aber wie soll ich mich Taubstummen verständlich machen, da ich ihre Zeichensprache nicht beherrsche? Das ist nicht schlimm, antwortete der Vertreter der Schule, das ist sogar sehr einfach: du findest einen Kollegen vor, der alles übersetzt, was du zu sagen hast. Vcrsuch's nur, du wirst erstaunt sein zu sehen, welch aufmerksame und interessierte Schüler du hast. Die Eigenart der Aufgabe wird jeden Pädagogen reizen. So übernahm ich sie, ohne mir irgendeine bestimmte Vorstellung machen zu können, wie ich sie erfüllen sollte. Das nur war mir gewiß, daß möglichst mit Anfehauungsmaterial zu antworten sei. Also eine T a f ei ist nöiig und Schaubilder, wie sie der ADGB. über die Struktur der Verbände und ihre Ausgaben herausgebracht hat. Voller Spannung und nicht ohne Bedenken sah ich dem ersten Abend entgegen. In einem der kleineren Säle des Gewerkschastshauses finde ich etwa SO Kollegen aus den verschiedenen Verbänden bei- sammen. Eine Anzahl hat ihre Frauen dabei. In dem Raum herrscht ein reges Leben; alles befindet sich in lebhafter Unterhaltung, und es geht durchaus nicht still zu. Die Töne, die mir entgegen- schallen, scheinen rauher und unartikulierter. Ich grüße laut beim Betreten des Saales, aber niemand hört mich— ich bin wie ganz verloren unter diesen allen und jungen Kollegen, in dieser Ber- sammlung, die stch sonst von einer anderen Versammlung kaum zu unterscheiden scheint. Rur die Brücke des Berstehens zwischen ihnen und mir sehll vollständig. Glücklicherweise erkenne ich den Obmann des Ortsausschusses,»nd wie einen Retter begrüße ich den Dolmetscher. Der Kursus beginnt. Scharf beobachte ich den Dolmetscher, wie er den Abend einleitet. Aller Augen sind mit voller Konzentration auf ihn gerichtet. Er redet, und ich höre keinen Laut. Aber er spricht, formt die Worte mit seinen Lippen so deutlich wie nur möglich und begleitet sie mit geheimnisvollen Gesten. Zustimmung leuchtet auf den Gesichtern auf. Besonders impulsive Teilnehmer be- wegen, wie scharf artikulierend, den Mund, und laut wird Beifall geklatscht. Die Stimmung ist gut, und die Reihe ist an mir. Ich spreche langsam und so einfach und klar wie möglich: zu gleicher "Zell' wiederholt' d e r D olm et sch er-�mit Mund und Gesten meine Worte. Es ist nicht wie die Uebersetzung in eine fremde Sprache, wobei erst ein Abschnitt gesprochen und dann über- setzt wird, was doppelte Zeit erfordert. Während ich vortrage, beobachte ich weiter. Fremdwörter, das sehe ich, darf man hier nicht gebrauchen. Komplizierte Sätze sind ebenfalls nicht am Platze. Die Gedankengänge müssen einfach sein. Namen, Zahlen schreibe ich an die Tafel. Ich stelle Fragen. Man antwortet. Erstaunlicher. weise bemühen sich die Antwortenden, laut zu sprechen. Ich verstehe aber die Worte kaum, die sozusagen unbehauen, unelastisch, rauh und nicht artikuliert aus dem Munde kommen und die, weil sie schwer gelingen, immer wieder von neuem angesetzt werden, so daß die Antwort lapge dauert. Es scheint mir besser, den Fragen aus- schließlich einen besonderen Teil des Abends zu widmen, ohne natürlich auf gelegenlliche Fragen während des Vortrages zu ver- zichten. Ich nmß diese Methode auch schon wegen des Zeitmangels anwenden. Die Sache klappt; lch freue mich: Die Zuhörer— besser Zuschauer— gehen mit, sind gefangen. Zu meinen Worten gesellen sich ganz von selbst malende G e st e n; manche Teilnehmer haben auch ohne Dolmetscher verstanden. Das schien psychologisch ein wichtiger Faktor für das Gelingen des Kurses zu sein: denn so mochte vielleicht mancher glauben, er verstehe den normal Redenden wie ein Normaler; sein Gebrechen beeinträchtige ihn nicht, und das mußte sein Selbstgefühl steigern. Doch man soll nicht voreilig sein; denn auch folgendes habe ich wahrgenommen. Ich stehe nahe bei dem Dolmetscher, und während ist spreche und er übersetzt, winkt ein besonders Aufmerksamer, ich solle von dem Dolmetscher weiter weggehen; sonst störe ich den Zuhörer-Zuschauer beim Aufnehmen des Vortrages des Dotmetschers. Schließlich ist es also doch besser, so lange ein Dolmetscher nötig ist, daß der Vortragende nur für den Dolmetscher spricht, wobei er auf Modulation und eigene Gesten verzichten kann und dem Dolmetscher alle visuelle Rhetorik überläßt. Hervorzuheben ist vor allem der Eifer, mit dem die Teil- nehmer dem Kursus gefolgt sind. Bei anderen Kursen fällt ein Teil der Schüler im Verlauf des Kurses ab. Bei den Taubstummen war das nicht der Fall. Vielleicht ist das darauf zurückzuführen, daß die Veranstallungen für sie nicht so zahlreich wie für die anderen sind. Unerschöpflich war das Bedürfnis, Fragen zu stellen, sich Aufklärung über die Zeitgeschehnisse zu verschaffen. Dabei wurden allerdings auch erstaunlich primitive Fragen an den Lehrer gerichtet. Es scheint, daß die Welt derer, denen der normale Ge- brauch zweier so wichtiger Organe fehlt, doch enger ist. Er fehlt ihnen damit ja auch die Möglichkeit, sich mit anderen Arbeitskollegen zu unterhalten, mit ihnen Probleme zu diskutieren. So ist der Taub- stumme auf den Verkehr mit anderen Taubstummen angewiesen. Daraus mag eine besondere Psychologie der Taubstummen herzu- leiten sein. Sie fühlen sich so recht wohl nur im Beisammensein mit anderen Taubstummen. Deshalb pflegen sie einbesonderes Bereinsleben, sondern-sich von den Normalen gern ab. Ein Beweis dafür schien mir zu sein, daß eine Gruppe nach der Kursus- stunde nicht im Gewerkschaftshaus, sondern in einer kleinen Wirt- schaff noch beisammen saß. Solche Blätter werden von den religiösen Gemeinschaften heraus- gegeben. Es ist zu bedauern, daß die Gewerkschaften kein Mitteilungsblatt mehr für die Taubstummen besitzen, die in ihren Reihen doch einige Tausend zählen. Hoch aber ist anzuerkennen, wie sehr sich der Berliner Ortsausschuß der Taubstummen annimmt. Vielleicht gelingt es bald, auch eine Parteigruppe der Taubstummen in Berlin zu schaffen. Bemühungen dazu sind im l&inge. Die Schule der Lehrer Technische Arbeitersporileiter im Kursus Dieser Tag« kamen alle Spartentechniker des 1. Kreises im Arbeiter-Turn- und Sportbund zu gemeinsamer Schulungsarbeit zu- samm«� Diese Art der Schulung erscheint darum sehr wichtig. weil es diesmal daraus ankam, Einblick in die verschiedenen Ar- beitsgebiete zu gewinnen, was für die Zusammenarbeit und den Ausbau der Sparten von besonderer Bedeutung ist. Der Leiter der Arbeiter-Turm und Sportschule, B e n e d i x- Leipzig, leitete den Lehrgang am Sonnabend mit einem Vortrag ein:„Was ist jetzt zu tun?* Er führte etwa folgendes aus: Der wichtigste Teil der Arbeitersportbewegung ist ein Stab guter technischer Leiter, In der gegenwartigen Geldknappheit und der großen Not ist es sehr schwierig, Wege zur Heranbildung dieser wichtigen Funktionäre zu finden, denn die Zusammenziehung der geeigneten Leute zum Zwecke der Schulung erfordert neben or- ganisatorischen Ausgaben auch persönliche und finanzielle Opfer, Unter allen Umständen ist aber für die Heranbildung geeigneter Techniker zu sorgen, wenn die Gesamtbewegung nicht Schaden er- leiden soll. Der Referent hob die Aufgaben der Techniker als wich- tigsten Vereiusfunktionär treffend hervor. Aktivster Werber wird der Techniker, indem er de« Uebungsbetrieb Freude erweckend und damit anziehend gestaltet. Immer soll etwas Neues geboten werden. Der Unterricht soll stets lebendig fein. Zwischen Vor- turnern, Helfern, Mitgliedern und Neulingen mutz ein steter Kon- takt bestehen, kurzum es muß eben etwas los sein, wenn der Uebungsabend besucht sein soll. Daneben liegt in den Händen des Technikers die Körper- schul un g. Jedem das richtige bieten, wie ein Arzt jedem das geben wird, was seinem Körper fehlt, um den Endzweck rm Ar- beitersport, gesundheitliche Wirkung zu erzielen, zu fördern. Und dies alles soll in freiwilliger Einordnung in die Gemeinschaft bei der Mitgliedschaft erreicht werden. Auch in der E r z i e h u n g s s r a g e ist der Techniker mit an vorderster Stelle zu nennen. Wenn er oersteht leine Gruppe richtig zu leiten, wird er weitestes Vertrauen aenießen. Das fetzt natürlich einen großen Einfluß auf die Mitgfledfchast, besonders auf die jüngere, voraus. Damit trägt der Techniker allerdings auch eine große Verantwortung. All diese Vorzüge in einer Person zu ver- einigen, ist natürlich außerordentlich schwierig. Daher ist es be- grsiflich, daß die Entwicklung der Bewegung von wirklich guien Technikern abhängt und auf die Schulung geeigneter Kräfte be- sonderer Wert gelegt werden muß. Am Sonntag behandelten die einzelnen Spartentechniker ihre Gebiete, so daß jeder die Arbeit des anderen kennen und schätzen lernte und vor allen Dingen Anregungen zur richtigen Ausübung und Verwertung verwandter Sportarten bekam. Für die Leicht- athleten brachte Leutloff eine Lausschule: Richter inszenierte ein Spiel mit dem großen Pushball und gab praktische Unterweisungen im Handballspiel. Im Fußball führte Brückmann-Luckenwalde in die Feinheiten der Ballbehandlung und das Fußballspiels überhaupt ein. Unter LeUung von Benedix bekam man einen Begriff für die Kreisfestübungcn der Männer und Frauen: es folgte heitere Gym- nastik und zum Abschluß ein lustiger Volkstanz, Alles in allem also ein reichhaltiges Programm, das den engeren Spartenrahmen weit überstieg. Diese Art der Lehrstunden sind sicherlich geeignet, die Sparten mehr aufeinander abzustimmen und die gegenseitige Zusammenarbeit zu fördern. Das kam auch in der Schlußansprache zum Ausdruck. Ruder ver ein„Vorwärts" bleibt trotz Wirtsdiaftsnot der größte Arbeiter» verein Kür�ich hielt der Ruderverein„Vorwärts* unter äußerst starker Beteiligung seine Generalversammlung ab. Der Bericht des Vorstandes für das Jahr 1931 legte Zeugni-p davon ab, daß die Leistungen des Vereins trotz der schweren Zeit sehr gut waren. Das konnte aber nur erreicht werden, weil der Zu- sammenhalt und das Gemeinschaftsleben der Mitglieder so aus- gezeichnet waren. Die große Arbeitslosigkeit brachte allerdings finanzielle Ver- luste, die jedoch durch die solidarische Mitarbeit aller arbeitslosen Mitglieder zum guten Teil wettgemacht werden konnten. Der Boots- park wies am Jahresschluß 138 Boote auf. Neben seinem Stammhause hat der Verein ein eigenes Gelände am Köriser See, das den Mitgliedern zum Wochenendaufenthalt und auch als Ferien- heim dient. Der Mitgliederbe st and erfuhr keine wesentlichen Aenderungen. Mit über SW Köpfen konnte dos neu« Jahr, daß nebenbei das vierzigste des Bestehens des Vereins ist, seinen Anfang nehmen. Dabei muß erwähnt werden, daß vierzig Jahre Ruderverein„Vorwärts* vierzig Jahre Arbeiter- Rudersport bedeuten: denn im Jahre 1892 war es der arbeitenden Bevölkerung zum ersten Male vergönnt, und zwar durch die Grün- dung des Rudervereins„Vorwärts*, sich dem Rudersport zu widmen. Erfreulich war die Statistik der freigewerkschaftllchen und der poli- tischen Zugehörigkeit dsr Mitglieder. Annähernd 90Proz. der Mitglieder sind freigewerkschaftlich und ein großer Teil auch politisch organisiert. In der Debatte wurde selbstverständlich auch der Etat des neuen Jahres behandelt. Ohne„Notverordnung*, sondern nach demokra- tischem Prinzip ist man sich darüber einig geworden, daß das ge» schmälerte Einkommen der Mitglieder auch eine Beitrags- ermäßigung notwendig macht. Völlige Einigkeit herrschte dar- über, daß diejenigen, die noch das Glück haben, ihrem Broterwerb nachgehen zu können. Opfer für die vom Schicksal der Zeit Betroffenen bringen müssen, um auch trotz steigender Not das Ge- schaffen« zu erhalten. Die Neuwahlen ergaben keine wesent- lichen Aenderungen. Dem Vorstand sprach die Versammlung vollstes Vertrauen aus, und das Resultat war die Wieder- wähl Albert Schrecks, Gustav Rückers und Hermann Eramers. Für die kommende Rudersaison können noch Mitglieder auf- genommen werden. Gewerkschafter und Parteigenossen, die Jnteresie für den sehr gesunden und schönen Sport haben, melden sich zweck- mäßig schriftlich bei dem Genossen Gustav Rücker. Berlin-Weißense«, Rennbahnstraße 25. Die neueste Einheitsfront Kommunistische, bürgerliche, tasdiistiscfae Sportler h ilten fest und treu zusammen I Die Sportschrift„Deutscher Polizeisport* meldet, daß im Pariser Sportpalast ein internationales Eishockevturnier stattsindet, an dem auch eine russische Mannschaft teil- nimmt, die Europas größter Sportveranstalter, Jeff Dikson, der Großverdiener unter den Managern, durch Vermittlung der russischen Botschaft verpflichtet hat. Man mutz es den Russen lassen: sie sind konsequent bis zur Selbstverleugnung in ihrer Verbrüderung mit bürgerlichen und faschistischen Sportlern. Die Russen haben die glänzendsten Verbindungen mit dem faschistischen Spvrtoerband in Italien und mit den bürgerlichen Sportvereinen in der Türkei: der deutsche kommunistische Sportoerband führt mit den Faschisten Volksbegehren in Preußen, Sachsen und Braunschweig durch und seine Fußballmannschaften tragen, mit bürgerlichen Hipp-Hipp- Hurra-Fußballspielern gemeinsam Spiele für die Winterhilfe aus. Am 6. März hält der deutsch« kommunistische Sportverband in Berlin einen„Reichseinheitskongreß" ab, zu dem das Verbandsblatt vom 25. Januar frohlockend meldet, daß bereüs Delegierte aus dem nationalistischen Frontkämpferverband„Der Stahlhelm* ge- meldet sind. Es ist also praktisch alles in bester revolutionärer Ein- heüsfrontordnung. Und zu diesem Einheitsklamauk waren sogar bundestreue Sportler eingeladen! Rudrennhshnhesihger tagten und beerdigten die»Kampf bdrse Der Verband Deutscher Radrennbahnen hat dies- mal unter Ausschluß der Oeffentlichkeit getagt: die Anwesenheit der Presse war nicht erwünscht. Auf der Tagesordnung stand u. a. auch das Thema„Kampf- börfe". Wie erinnerlich, beschlossen im Vorjahre die Unternehmer die Einführung des Kampfbörsensystems, das jedoch nur von wenigen Unternehmern eingehalten wurde. Dieses„System* erwies sich nämlich als völlig unbrauchbar. Kein Wunder, daß jetzt die Verbandstagung den offiziellen Beschluß herbeiführt, den Bahnbe- sitzern mit Rücksicht auf die wirtschaftlichen Verhältnisse freizustellen, die Fahrer je nachdem auf Fixum. Reisespesen oder Kampfbörse fahren zu lassen. Womit die Zkampfbörsenkomödie endlich chr ver- diente? Ende gefunden hat. Eine Belebung des schwer daniederliegenden Fliegerradsportes will man dadurch anstreben, daß man geringe Aufnahmegebühren für die Besitzer und Pächter von Aschenbahnen sestsetzt. Ob dieses Hilfsmittel anschlagen wird, wagen wir zu bezweifeln. Es ist nicht zuletzt Schuld der Großoeranftalter, wenn heute der deutsche Fliegersport ein so kümmerliches Leben fristen muß und vieles hätte vermieden werden können, wenn die Herren, dre nach utißen hin so schön wehklagen, bei der jeweiligen Programmgestaltung ein wenig an die Not der Berufsflieger gedacht hätten Sie sollten sich stets vor Augen halten, daß im Rahmenprogramm nicht nur Amateure, sondern auch Berufsflieger gern gesehen werden! Ganz abgesehen davon, daß es sich dann und wann ermöglichen lassen müßte, reine Fliegertage, allerdings mit großzügigem Programm, durchzuführen. Aus dem Terminkalender geht hervor, daß die Deut- schen Meisterschaften 1932 für Berufsflieger und Steher am 17. Juli in Nürnberg gefahren werden. Die Berliner Freiluft-Saison kann die Olympiabahn unter Leitung eines neuen Pächters, des früheren Rennfahrers Heyne, am Ostersonntag einleiten. Irgendwelche Kon- kurrenz wird die Plötzenseer Bahn in dieser Saison wohl kaum zu fürchten haben: sind doch weder für die Aschenbahn im Polizei- Stadion noch für das Velodrom in der Hasenheide— unter dieser Bezeichnung soll die abgebrannte Rütt-Arena ihre Wiederauf- erstehung feiern— Termine beantragt. Erwähnt sei noch, daß der Sportpalast, der übrigens vom 12. bis 18. Februar das 27. Berliner Sechstagerennen abrollen lassen will, im Sommer Hallenrennen abwickeln möchte. Einzel- Helten hierüber kennt man noch nicht. Mehr Schutz den Autos Unfälle an ungesdifitz!en Bahnubergangen Immer wieder kommt es an Bahnübergängen vor, daß Autos vom Zuge erfaßt und zermalmt werden: viele Tote sind alljährlich durch derartige Unfälle zu beklagen. Die Organisationen der Auto- besitzer sind sich einig in der Forderung:„Mehr Schutz und bessere Ueberwachung bei Bahnübergängen!* Umgekehrt sagt die Reichsbahn:„Fahrt vorsichtig an allen Bahn- Übergängen!" Leider wird dadurch die Kurve der Unfallziffern nicht geringer, denn die Reichsbahn hat in der heutigen Zeit kein Geld, um Bauten auszuführen, die nach einer Berechnung Hunderte von Millionen verschlingen würden. Die Autoverbände andererseits wer- den niemals die Autoraserei verhindern können, und so werden noch viele Oopfer an Bahnübergängen fallen. Allein auf den Haupt- und Nebenbahnstrecken befinden sich in Deutschland rund 77 090 Bahnübergänge, davon sind etwa 41 000, also rund 53 Proz., ohne Schranken. Der sicherste Schutz gegen Unfälle wäre natürlich die Beseitigung der schienengleichen Bahn- Übergänge und die schienenfreie Ausgestaltung durch Ueber- und Unterführungen Es ist ausgerechnet worden, daß diese Umbau- arbeiten einen Kostenaufwand von 7 Millionen Mark verursachen würden ein Betrag also, den weder die Wegebaupflichtigen noch die Reichsbahn oder das Reich aufbringen können Aber auch schon die Errichtung von Schranken an sämtlichen schienengleichen Ueber- gängen scheitert an der Kostenftage. Das würde nämlich bei der Aufstellung von Schranken und Wärterhäuschen, für Bedienungs- und Unterhaltungskosten die runde Summe von 120 Millionen Mark jährlich erfordern. Interessant ist die Feststellung, daß im Jahre 1930 insgesamt 102Zmal Schranken durch Autos beschädigt worden sind. In 31 Fällen wurden die Wagen vom Zuge erfaßt, bei 263 Unglücksfällen konnte Unheil nur durch die Aufmerksamkeit des Bahnpersonals oerhütet werden Zur Minderung der Unfallgefahr bleibt daher nur übrig, die Bahnübergänge noch besser kenntlich zu machen und andererseits von den Kraftwagenführern zu fordern, im eigensten Interesse Bahnübergänge in jedem Falle vorsichtig zu kreuzen. Nach der amtlichen Unfallstatistik sind von den Kraft- wagenunfällen an Bahnübergängen 80 Proz auf die Schuld der Automobilisten und 20 Proz. aus die Schuld von Bahnbeamten zurückzuführen. Zur Zeit unternimmt die Reichsbahn wieder Ver- suche mit Warnungssignalen, die vom Zuge aus bedient werden. Die Eiserne Fron« im Bezirk Friedrichshaia. Montag. 1. Februar, veranstaltet das Kartell für Arbeitersport und Körper- pflege im Bezirk Friedrichshain in den Andreas-Feftsälen. Andreas- straße 21, eine Versammlung aller dem Kartell angeschlossenen Ver- eine, auf der Genosse Brendemühl, Redakteur am„Vorwärts. über die Notwendigkeit der Einreihung der Arbeitersportler in die Eiserne Front sprechen wird. Beginn 20 Uhr. Organisationsausweis mit- bringen. Carnera-Gühring am 5. Februar. Der nächste Boxgroßkampftag im Berliner Sportpalast geht am 5. Februar vor sich. Die Haupt- nummer des Abends ist das Treffen zwischen dem Stuttgarter Ernst Gühring und dem Riesen Primo Carnera. Auch das Rahmen- Programm ist bereits zusammengestellt, es enthält folgende Be- gegnungen: Störtebecker-Hamburg gegen Hover-Köln, Hartkopp- Berlin gegen Hampacher-Tschechoslowakei, Anklam-Derlln gegen Meroni-Italien und Dübbers-Köln gegen Sandor- Ungarn. Europaboxmei ster im Federgewicht. Der Kampf um die Europameisterschaft im Federgewichtsboxen Zwischen Jose Girone?- Spanien(114) und dem deutschen Meister Paul Noack(113.2), der am Mittwoch abend in Barcelona vor sich ging, hatte größtes Interesse gefunden. Die Olympiahall« war von 5000 Zuschauern bis aus den letzten Platz besetzt. Wie vorauszusehen war, endete das Treffen mit einem überlegenen Siege von Girones, der in der vierten Runde zum Sieger durch technischen k. o. erklärt wurde. Der tapfer kämpfende Noack wurde durch Abbruch des Kampfes vom Ringrichter vor weiteren Schaden bewahrt. ».ÄS- SS 4lfcUiMI.IU.UDC«— Scinpgttofl bei Pommerening, Berliner Str. �r, 19 Uhr. FnnktlonSrvers ammlung rm 3u. fcfctglied�.— Bezirt«oedofl: He—.- rnften Carmen-Sylva- Eck« Hofeinannft ü'j. Januar, Jahresversammlung bei Kanubezirk: Sonnabend, 89. Januar, 11 genOftelm Snnmec�!� Übt. Obers»«»- frultag 29. Januar. -""'~------- � a>"'ltolln, Äa Oer sueicgeicgairäueuc, vsiiaiiBc«tc. Bereinsaeneralverf�mmlung ebenna. . ffnltag, 29. Samtttt 9Hnrti»Iafe?t�Bnf)aufo: B Gstadt- Presse.— Südost: Wranzelstr. 12«. Frankfurter Assee 307.— Photo, Sicuiumi.---——~ tot«, 20 Uhr. Photagemeinschaft: Johannteftr. Id. B°m sozialen (Dr. Schiff)-— Malgemeiuschäft: Manteufselstr. 7.--Führten. Wt. worden: Sonntag,$1. Januar. Stlnct, SLnigonnisterhansen. Trefspunkt 8 Uhr Bahn. Hof Schönhauser Allee._,„» „eoIidaiUät*, Rad. nnb«rastsah«r. Für Sonntag.«. Samt«, für alle anaesitzten Touren Startverbot. Die Mitglied« hoben um iz Uhr IM Sport. palast in Sportkleidung, die Motorfahr« nach Möglichkeit in Sederklerdung zu erscheinen. Für Rad. und Motorradaufbewahrung ist gesorgt. «artcllbezlrk Reulöll». Zahres»«l-»mtlnag Montag, 1. Februar, 20 Uhr, k" T�ni-'.Röt�SÄh.Berlin e.»., Abt. Ftittochahttte. 1. Februar. 20 Uhr, «artellmitgli-deroersamuilung in den Andr-a-festsülen, Andreaostraße. Frei« Sport,»nd«chS,ea-ereinigung.Seneralveisammlung Drenstog. 2. Februar, IWi Uhr, V-r-inehau» Südost, Muhaellrrchstr. 29o. Sportklerdung. Treffpunkt zur.,Eisernen.Front--.B«anst