Morgeuausgabe Jir. 42, � t "X 24* ��-�brgang Wöchentlich TB monatlich 3,55 M. (davon 87 Ps. monatlich sitr Fuste?» lung ins Hans) im voraus kahlbar, iToItbcjua 3,#7 M. einschlietzlicki so Pf. Pollzeitungs-unb TSPf.PostdesteLae- biIhren.A>!slandoabonne!nentS�B M. vro Monat; fitr Länder mit ermäßig» te» Drucksachenports 4, SS M. Der„Vorwärts' erscheint«ochenläq- Uch zweimal, Eonnlags und Moutaqs einmal, die Mendausaabe für Berlin und im Sandel mit dem Titel„Der Sloend'h Illustrierte Eonntagsbeilaae „Ssl! und L-it". p Verttner Solksblatt Kreiiag 29. Januar 19)2 Groß-Äerlin Z)f. Auswäris 1,5 ps. Die«insp alt. Millimeterzeile 80 Pf. Sietlamezeil- 2.— M.„»leine B». zeigen" das fettgedruckte Wort 20 Pf. izuläfflg zwei fettaedruckteWartebjedes weitere Wart w Pf. Rabatt lt. Tarif. Worte Uber 15 Buchstaben zählen fitr zwei Worte. Arbeitsmarkt Millimeter» zeil« 25 Pf. Familienanzeigen Milli- meterzeile 16 Pf. Anzeigenannahm« im Hauptgeschäft Lindenstraste S, wockicntäglich von 8-/- bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich dasRccht der Ab- lehnung nicht genehmer Anzeigen»arl Jenteawrgan der GozialdemoSratifchen Vartti Deuttwlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 kzernspr.: Dönhoff(A T) S92— 297. Telegramm-Zldr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 37 533.— Bankkonto: Bankder Arbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. S. Dt.B.n.DiSc.-Gef., Dcpositenk., Ierui alemer Str. SSiW. 5cKskkt Munition kllr die Eiserne Front! Das Eiserne Such liegt auf! Freiheitlich gesinnte Männer und Frauen zeichnet euch ein! Die unbeugsame Entschlossenheit der deutschen Republikaner, in diesem 3ahre schwerster politischer Entscheidungen den Ungeist der volks- und staatsverderbenden Hakenkreuzbewegung niederzuzwingen, hat sichtbaren Ausdruck in der„Eisernen Front" gefunden. Wenige Wochen haben genügt, diese Kampfgemeinschaft aller freiheitlich gesinnten Männer und Frauen erstehen zu lassen. Eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Sieg ist die Sicherung der finanziellen Rüstung. Den Republikanern stehen nicht die Millionen zur Verfügung, mit denen Interessenten staatsfeindliche Privatarmeen finanzieren. Die deutschen Republikaner sind auch finanziell auf die eigene Kraft angewiesen. Mit ihrem Kampfwillen muß ein Opfersinn verbunden sein, wie er der Größe der kommenden Entscheidungen entspricht, im Vertrauen auf diesen Opfersinn rufen wir alle freiheitlich gesinnten Berliner zur Rlistwoche der Eisernen Front 31. Januar bis 7. Februar In dieser Woche gilt es, die Munition für die Eiserne Front zu schaffen. Nicht in heimlichen Samrrv lungen> sondern durch öffentliche Einzeichnung in das Eiserne Buch, das in den Sammelstellen aufliegt. Die Sammelstellen werden demnächst bekannt gegeben. Der Opfersinn wird geadelt durch den Mut, sich- öffentlich zu der republikanischen Kampfgemeinschaft zu bekennen. Es kommt nicht auf die Höhe des Beitrages an; der Groschen des Arbeitslosen wiegt tausendfach gegenüber den Markstücken dessen, der noch eine gesicherte Existenz hat. Es kommt darauf an, den Kampfwillen der Republikaner aller Schichten öffentlich zu manifestieren. So ist die Rüstwoche zugleich eine erste große Musterung der Eisernen Front! Nichts für uns, alles für Deutschland! Der Weg zur Einzeichnung ist der Beginn des Marsches für den Sieg der politischen Vernunft über die Propheten des Chaos! Die KampfSeiSung der Eisernen Front für<3roß-Berlin. Arbeitsbeschaffung! Lobe bei Brüning.- Pläne der Iteichsregierung. Rcichskagspräfident Genosse Lobe statte gestern abend mit dem Reichskanzler Brüning eine längere Unterredung, die sich in der tlauptsache um da» Problem der Arbcllsbeschassung drehte. Die Unterhaltung ging von einer Bede aus, die Genosse Löste kürzlich in Breslau gehalten hatte. Dort hatte er einen großzügigen Plan entwickelt, wie durch die j Znaagriffnahme groger öffentlicher Arbeiten für eine ZNillion Menschen Erwerbsmöglichkeiten erösfnct werden könnten. Zn erster Linie wurde dabei Ausbau und Verbesserung von Eisenbahnlinien. Anlage von Staubecken. Brücken usw. ins Auge gcsafz«. Soweit die Mittel nicht durch Verminderung der Ausgaben für Arbeitslosenunlerstühung und erhöhte Steuereingänge herein- kommen, sollten sie auf dem Wege der Krcditcr Weiterung beschafft werden. Löbc versprach sich von der schlagartigen Zn- angrissnahme eines solchen Plans auch eine starke Ankurbelung der Privatwirtschaft. Der Reichskanzler Dr. Brüning führte im Lause der Unterhaltung aus, daß auch nach seiner Meinung in den nächsten Monaten für Arbcitsbeschassung in großem Umfang gesorgt werden müsse. Allerdings könne er sich den Um- fang nicht so groß vorstellen wie Lobe da» vorschlage, auch be- hylte er sich vor, im einzelnen andere Wege zu gehen, wobei vor allem daraus zu achten fel. daß die Währung in keiner Weise gefährdet werde. Zu der Ueberzeugung. daß unbedingt etwas ge- fchehen müsse, erklärte sich der Reichskanzler mit Genossen Löhe einig. (Zckener für Hindenburg. Ja einer Besprechung mit einem Mitarbeiter des„8-Uhr-Abend- blattcä" erklärte Dr. E ck e n e r, daß eme Wahlfront für finden- Kdikg ch» tu der vordersten Reihe finden werde, wenn der Ruf an ihn ergehen sollte. Der Reichspräsident sei der höchste moralische Aktivposten Deutschlands im Ausland. AfA in Eiferner Front. VezirkSleiter nach Berlin berufen. Ter AfA-Bnndesvor stand hat sich in mehrere» Sitzung«,» mit der Politischen und wirtschaftliche« Lage befaßt und zwei große Aufgaben in den Mittelpunkt seiner nächsten Tätigkeit gestellt. Er hat beschlossen, zur Organisierung de» Wider- standet gegen faschistische Gewalt in Gemein- schaft mit den im ATGB. vereinigten freien Arbeiter- gewertschasten, der Sozialdemokratischen Partei, dem Aeichsbanner und den Arbeitersportorganisationen i n der Eisernen Front eine Äampsgemein- schaft herzustellen. Zur Vorbereitung der crfor- derlicheu organisatorischen Maßaahme« hat der AfA- Bundesvorstand feine sämtliche« Bezirksleiter zu Sonnabend, dea SO. Januar d. I.. nach Berlin be- rufen. Sie werden am Aufmarsch der AfA-Staffel in der großen Kundgebung der Eisernen Front am Sonntag, dem 31. Januar, im Berliner Sportpalast teilnehme«. I« der gleichen Sitzung beschloß der AfA-Bnndes- vorstand die Aufstellung eines wirtschaftliche« Aktionsprogramms, das konkrete Vorschläge eut- halten soll für einen unmittelbaren Umbau der Wirt- schastsverjajs uns. Kür allgemeine Abrüstung. Breitscheidt Iftede auf der Londoner Kundgebung. London, 28. Januar. �Eigenbericht.) Die Arbeiterschaft veranstaltete am Tonuerstag- abend in London eine große Abrüstungs- k u n d g e b u n g. in der u. a. der sozialdemokratische Sleichötagsabgeordnete Tr. Rudolf Breitscheid das Wort nahm. Er führte u. a. auS: „Der vernünftige Gedanke der Rüstungseinschrän- k u n g wurde für Deutschland und ebenso für die anderen besiegten Staaten auf dem Wege des Zwanges durch den Versailler Vertrag durchgeführt. Aber leider trug die Maßregel sehr einseitigen Charakter, denn sie erstreckte sich nicht auf die Siegerländer und nicht auf die durch die Friedensverträge neu geschaffenen Staaten. Hier gab es nur eine Versprechung für dieZukunft, und diese Versprechung ist bis zum heutigen Tage nicht eingelöst worden. Deutschland und mit ihm die deutsche Sozialdemokratie hat, wie Ihnen bekannt ist, gegen sehr viele Bestimmungen des Versailler Vertrags die lebhostesten Einwendungen zu er- heben. Wir wünschen eine Revision, freilich keine Revision auf dem Wege der Gewalt oder des Ärieges, sondern eine Revision mit den friedlichen Mitteln der Verständigung, für die im übrigen ein aller- dings sehr unvollkommener Artikel des Völkerbundspaktes die Hand- habe bietet. Aber was die Abrüstung angeht, so ist das ein Punkt, an dem wir nicht die Aendernng, sondern die Er» füllung des Vertrages forder», um der Sache des Friedens und der Gerechtigkeit willen. Deutschlands Abrüstung soll nach dem Versailler Vertrag die Voraussetzung für die Abrüstung der anderen sein, und daß es sich nur um eine Vorleistung Deutschlands handele, der die Leistungen der Siegerstaaten zu folgen hätten, wurde der deutschen Friedensdelegation in einer Note vom 29. Niai 1919 noch einmal ausdrücklich bestätigt. Man kann sich nun aus den Stand- punkt stellen, daß die Einschränkung der deutschen Rüstungen im Interesse Deutschlands selbst gelegen sei. Daß sie seine sinanziellc Last erleichtern, daß sie die Gefahr dessen, was man den Mili- tarismus nennt, einschränke. Aber der einseitige Zwang zur Ab- rüstung ist alles andere eher, denn eine Garantie des Friedens und eine Gewähr für die wirkliche Beruhigung der Welt. Man kann sagen, es sei ein Zwang zur Vernunft, aber aus die Dauer sehen die Menschen mehr den Zwang als die Ver- nun st. und es wäre menschlich verständlich, wen» sie daraus aus wären, sich diesem Zwang zu entziehen, weil er eben nicht für alle gleichmäßig wirkt. Die Unglcichmäßigkeit mag ein besiegtes Land für ein paar Jahre nach der Niederlage zur Not ertragen. Auf die Dauer aber wird sie unerträglich, und die, die wie wir Sozialdemokraten die Abrüstung wollen, weil sie in jeder Rüstung eine Kriegsgefahr sehrn, haben einen immer schwereren Stand gegenüber denen, die eine Verpflichtung abschütteln wollen, well diese Verpflichtung nicht allen Staaten auferlegt ist. Zwar ist gelegentlich insonderheit von französischen Politikern der deutsche Rechtsanspruch bestritten worden, aber im großen und ganzen habt» ihn die Franzosen auch anerkannt, und insbesondere der Minister Briand, dessen Ausscheiden aus dem Amte alle Freunde des Friedens so schmerzlich bedauern, hat sich dieser Anerkennung niemals ent- zogen. Andere berufen sich immer wieder auf die Sicherheit, um ihre Abneigung gegen die Einschränkung der Rüstungen zu rechtfertigen, ober inzwischen hat man eine ganze Reihe von Schicdsgerichtsver- trägen abgeschlossen, man hat den Kellogg-Pakt unterzeichnet, und wir fragen uns, wozu die Rüstungen? Gar nicht zu reden davon, daß Deutschland erkläre» könnte, seine eigene Sicherheit sei am meisten bedroht, wenn es selbst nur schlecht gerüstet mitten zwischen Staaten steht, die bis an die Zähne bewaffnet sind. Wer die Sicherheit so in den Vordergrund stellt. wird immer wieder darauf zurückkommen, daß die letzte Sicherheit immer in der militärischen Bewaff- nung bestehe. Wer sich nicht sür genügend gesichert hält, der wird immer neue Argumente sür seinen Standpunkt finden, der wird immer noch entdecken können, daß es Lücken in seiner Sicherheit gibt, die mili- tärisch ausgefüllt werden ntüßtcn. Die Geschichte aller Völker hat bewiesen, daß mllitärischc Ahstungen ein« ungeheuerliche Last für die Nationen und gleichzeitig eine Bedrohung des Friedens darstellen. Gerade in der gegenwärtigen Zeit der ungeheuerlichen wirtschaftlichen Krise, die die ganze Welt befallen hat, sollte jeder den Wahnsinn erkennen, daß man Milliarden sür Heer und für Flotte ausgibt, während zahlreiche Fragen wirtschaftlicher und sozialer Art vergebens ihrer Lösung harren, während die Produktion lahmgelegt ist; während Millionen von Arbeitslosen hungern. Ist denn nicht eines der stärksten Hindernisie für den Aufbau der internationale» Wirtschaft »eben der Verpflichtung zur Zahlung internationaler politischer Schulden der Mangel an Berteaae»«ller de» Stuucrä Sit Wetterführung der Rüstungen aber kann dieses gegenseitige Ver- träum nicht stärken. Denn Rüstungen an und für sich sind eine Gefahr für den Frieden und ein Hebel des Krieges. Die Männer, die in der Rüstungsindustrie sitzen, die Offiziere, die ein Heer kommandieren, besonders wenn dieses Heer Verhältnis» mäßig groß ist, sie alle haben den Wunsch, zu zeigen, was sie im sogenannten Ernstfall können. Und nun geht es nach Genf. Wir wissen nicht, welches der Ausgang der Verhandlungen sein wird Aber wir sind bezüglich des guten Willens und der Absichten vieler in Genf vertretenen Regierungen recht skeptisch. Wir sind überzeugt, daß unser Freund 5) e n d e r s o n als Vorsitzender der Konferenz alles tun wird, um sie zu einem guten Ende zu bringen, aber neben Henderson sitzen Staatsmänner und Offiziere, die nicht aus der- selben Linie marschieren. Unter diesen Umständen ist es Aufgabe der Nationen selbst und namentlich der internationalen Arbeiterklasse, ihre Regierungen vorwärts zu treiben. Ihnen in die Ohren zu rufen, daß sie die Abrüstung wollen. In Deutschland gibt es eine Anzahl von Politikern, die nur auf das Scheitern der Konferenz warten, um dann die Aufrüstung Deutschlands zu pro- klamieren. Wir Sozialdemokraten treten ihnen mit aller Energie entgegen. Wir wollen nicht die Wehrfreiheit für Teutschland, sondern die Wehrgebundenheit für alle Welt. Aber wir werden uns nur durchsetzen können, wenn die Genfer Konferenz zum mindesten einen sehr großen Schritt nach vorwärts tut. Mein« Bitte an euch ihr englischen Arbeiter geht dahin, uns zu helfen, indem ihr mit den Arbeitern der ganzen Welt gemeinsam den Kampf um die Abrüstung führt."(Stürmischer Beifall und minutenlange Ovationen der Versammlung für Breitscheid.) » lieber die Rede Breitscheids verbreitet das Conti-Büro, das mit dem offiziösen Wolff-Büro eng liiert ist, ausschließlich folgen- den„Bericht": Der Vorsitzende der Reichstagsfraktion der SPD., Breitscheid, hielt hier bei einer internationalen Abrüstungskundgebung der Arbeiterschaft eine Rede, in der er erklärte, der„Vertreter der deutschen Faschistenpartei" sei nach England gekommen, um die Sympathie des britischen Volkes für die deutsche Faschistenbewegung zu gewlimen. Er, Breitscheid, wisse, daß, wenn diese Partei in Deutschland ans Ruder gelange, der Friede Europa» sehr ernstlich bedroht wäre. Sogar die Telegraphen-Union hat eine viel ausführkichere Mel- düng über diese Kundgebung verbreitet. Entpolitisierung der Schule. Konferenz ver Kultusminister der Länder. Mit der Frage der E n t p o l i t i s i e r u n g der Schule be- schäftigte sich im Reichsministerium des Innern eine Konferenz der Kultusminister der Länder unter dem Vorsitz des Reichs- Ministers Dr. Groener. Auf Grund der eingehenden Aussprache stellt» Reichsminister Groener als einmütige Auffassung fest, daß dt» Parteipolltik nicht in die Schul» gehöre. Gr werde es stets begrüßen, wenn die Länder entsprechend den irtrfchisdenen Verhältnissen scharfe Maßnahmen ergreifen. Ob und inwieweit den von mehreren Seiten ausgesprochenen Wünschen Kemäß von Reichs wegen einheitliche Grundsätze für die Entfernung der Parteipolitik aus der Schule aufzustellen feien und für die Ausführung ein einheitliches Verfahren vorgesehen werden solle, müsse geprüft werden. Die Länder hätten schon jetzt die Möglichkeit, die Teilnahme von Schülern an politischen Ver- sammlungen zu verbieten. Er empfehle, allgemein Gebrauch von dieser Möglichkeit zu machen. Aufs schärfste zu verurteilen sei die Verbreitung von Flugblättern und Zeitungen verhetzenden Inhalts unter den Schülern. Hier komme es vor allem darauf an, gegen die Verteiler und Urheber mit allem Nachdruck vorzugehen. Im übrigen wies der Minister darauf hin, daß die Entpoliti- sierung der Schule durch positive Maßnahmen gefördert werden> nmsse, z. B. durch staatsbürgerlichen Unterricht sowie durch gute Schülerzeitungen und Einwirkung auf die Elternkreise. Die Be- deutung einer unterstützenden Mitarbeit des Elternhauses hob der Minister besonders hervor. Er erklärte sich auch bereit, den An- regungen verschiedener Minister entsprechend einen Appell an die Parteien zu richten, von der parteipolitischen Beeinflussung der Jugend Abstand zu nehmen. Mörder herzlich willkommen! Sowjetstern bei Hakenkreuz zu Desuch. ' Die nationalsozialistische Presse tobt täglich gegen die„Mord- tommune" und fordert die Todesstrafe für sie.„Unser Iugendgenosse Rorkus ist von vertierten Kommunisten bestialisch ermordet worden", liest man noch einmal im gestrigen „Angriff". In der gleichen Nummer des Blattes und auf der gleichen Seite wird aber auch berichtet, daß die Nationalsozialisten zu ihrer letzten Versammlung in der Bockbrauerei die KPD. eingeladen und ihr eine Stunde Redezeit zugesagt hatten. Und siehe da— die„roten Untermenschen" nahmen die freundliche Einladung an, und man scheint sich ganz friedlich miteinander unterhalten zu haben, denn glücklicherweise werden keinerlei Zwischenfälle gemeldet. Nur zum Schluß, so be- richtet der„Angriff", versuchte die Kommune zu türmen", doch hätte sie das bei der„entschiedenen Haltung vom Sturm 24 und 26" nicht gewagt und hätte das Schlußwort mit anhören müssen. So großes Gewicht legten also die Hakenkreuzler aus die Anwesenheit der „Untermenschen". Wir anderen lesen von der Ermordung der Kommunisten K l e m k e durch die Nationolsoziolisten, von der viehischen Ab- schlachtung des Hitlerjungen N o r k u s durch kommunistische Alters- genossen mit ehrlicher Erschütterung. Für die beiden Mordparteien aber handelt es sich nur um zwei neue Leichen, mit denen man krebsen gehen kann. Daß ihr Klage- und Wutgeheul nur Heuchelei ist, beweist die kameradschaftliche Aussprache, die sie— während das eine Opfer kaum erst bestattet ist, das andere noch auf der Bahre Ntgt— miteinander pflegen konnten. Ja, wenn sie in der Bock- brauerei beschlossen hätten, da» Morden sein zu lassen, niemand würde da» freudiger begrüßen als wir! Aber morgen werden sie aufs neue mit Schlagring und Messer übereinander herfallen und übermorgen werden sie sich wieder kameradschaftlich miteinander unterhalten, ob das Dritte Reich oder Sowjetdeusschland besser ist. Daß die Sozialdemokratie„Hauptfeind ist und bleibt", darin sind sie ja vollkommen einig! Von Nazis ermordet... Eine gewaltige Beerdigungsvemonstration— trotz Klagges. Braun schweig, 28. Januar. sEigenbericht.) Am Donnerstagnachmittag wurde in Braunschweig unter Beteiligung von über 20 000 Arbeitern der von den Nationalsozialisten erschossene Reichsbanner- mann Kurt Meier bestattet. Am Grabe sprachen der Reichsjugendleiter des Reichsbanners, Papc-Magde- bürg. Vertreter des Braunschweiger Reichsbanners und der Sozialdemokratie. Allen Rednern war von der Polizei untersagt worden, die Tchuldsrage zu behandeln. Es war ihnen ferner untersagt, Angriffe gegen andere politische Parteien zu richten. Ueberhaupt war jede Politische Aeußerung verboten. Infolgedessen gab der Redner des Deutschen Freidenkerverbandes für alle Red- ner die Erklärung ab, daß das, was man eigentlich habe sagen wollen, nicht gestattet sei. Die Polizei hatte die Wege zum Friedhof außer- ordentlich stark beseht. Wiederholt kam eS zu Zwischenfällen, in deren Verlauf die Polizei ohne Warnung blank zog. Ein Arbeiter wurde durch einen Säbelhieb verletzt. Die Polizeibeamten hatten die Anweisung, im ! gegebenen Falle sofort zum Säbel und nicht zum Gummi- knüppel zu greifen. Braunschweiger Polizei sehr nervös. Vraunschweig, 28. Januar.(Eigenbericht.) Im Verlauf des Abmarsches der Teilnehmer an dem Leichenbegängnis für den Iungbannermann Meier vom Fried- Hof zeigte sich die Polizei, die schon seit Tagen im Alarmzustand liegt und immer unter Druck gehalten wurde, sehr nervös. Der erste Zusammenstoß erfolgte in der Helmstedter Straße. Er ist aus Be- fehl de» Polizeioberleutnants Ahlbrecht zurückzuführen, dem der Abmarsch der Massen vom Friedhos nicht rasch genug erfolgte Bis Donnerstag abend 6 Uhr waren über 36 Personen festge- nommen, die vorläufig sämtlich in Polizeihaft bleiben. Auf Grund der letzten Polizeinotverordnung(über Braunschweig ist der kleine Belagerungszustand oerhängt) dürften sie alle zu Gefängnis verurteilt werden. Die Menge warf abends in der Expedition der Braunschweiger „Neuesten Nachrichten" die Fensterscheiben ein. Di«„Neuesten Nachrichten" gehören wie die„Nationalsozialistische Braunschweigische Landeszeitung" zum Leonhardt-Konzern. 3 Millionen Arbeitergelder vertan! Die Schuld von Borsig.— Oer Skandal um die Tegeler Werksparkaffe. Zm Geiste der gelben Werksgemeinschast. Der Fall der Werksparkasse Vorsigwerke In Tegel wächst sich zu einem Riesenskandal au». Unmittelbar nach dem Zusammen- bruch von V orfig wurde von uns die Frage aufgeworfen, wie es mit der Sicherheit der werkspartassengelder bestellt sel. Es handelt sich bei den«pargcldern um die enorme Summe von rund 3 Millionen Mark, die von den Arbeitern und Angestellten der Borsig- Werke Tegel mühsam Groschen für Groschen ge» spart worden waren. Ans der gestrigen Glöubigerversammlung bei Borsig gab der mit der Abwicklong beauftragte Treuhanddircktor Schwoon Aus- kunft über das Schicksal dieser Rlilllonen Spargelder, die eine geradezu katastrophale Lage der Borsig-Sparer enthüllte. Zur „Sicherheit" der Spargelder ist eine Gruadfchuld auf die Grund- Grundstücke der Borfig-lvcrke eingetragen, die an so schlechter Stelle steht, daß von einer Deckung überhaupt nicht die Rede sein kann. Als ungeficherie Gläubiger find die Borsig-Sparer bei dem jehlgen Vergleichsverfahren die Geprellten. Diese on- geheuerliche Tatsache veranlaßte den Direktor Schwoon selbst zu der Aeußerung. daß man nach diesen Vorgängen Werksparkassen für die Zukunft glatt verbieten müßte« Diese seit Zahr und Tag von der Sozialdemokratie und den Gewerkschaften erhobene Forderung muß nach den Vorgängen bei der Rordwolle und bei Borsig mit verschärftem Rachdn-.ck gestellt werden. Diese aus der patriarchalischen Vergangenheit des Kapitalismus stammenden Einrichtungen find schon seit langem abbruchreif! Sie dienen im Grunde keinem anderen Zwecke, als das llnternehmerideal der Werksgemeinschaft zu züchten, die Arbeiter an die Betriebe zu ketten, und zugleich den, Unternehmen aus billigste Art und Weise Betriebskapital zu verschaffen. Rennen wir doch das Kind beim richtigen Ramen. Werksparkassen sind Zwangssparkassen, denn wer bei Borsig weiterarbeiten wollte, mußte seine Spargelder zur Werksparkasse tragen! Die ganze llnwahrhastlgkeit und Heuchelei der'Werksgemeinschaftsidee tritt in dem Fall Borsig mit aller Schärfe zutage. Die großen Gläubiger, der Slahltrust, der Klöckner-Konzern und die Deutsche Bank und Diskonlogefellschast haben rechtzeitig ihre Sicherheiten erhalten. Die Arbeiter aber, denen bei Borsig von jeher mit großem Pathos das gemelnschaflliche Interesse von Unternehmer und Arbeiter gepredigt wurde, sind die doppelt Geschädigten. Sie haben nicht nur ihren Arbeitsplah, sondern zugleich noch ihre Spargelder, die letzte Reserve für die Zeit der Erwerbslosigkeit, verloren! Was sich bei Borsig und der Rordwolle abgespielt hak. ist ein blutiger Hohn auf die„vollendete Harmonie" der werksgemeinschast. die die Braunhemden bei ihrer h i b- A k t i o n in den Be- trieben zu propagieren versuchen. Gegenüber dem Hiller-Programm sind die Herren von Borsig ja noch Waisenknaben. Das Ideal der RaNonassozlaNsten Ist die Abschaffung der gesamten Sozial- Versicherung und Einführung eines Zwangssparkassen- systems bei den Arbeitern und Angestellten. Zm Dritten Reich soll also der werkkälige gezwungen werden, dem„schaffenden Kapital" auch die Groschen zuzuführen, die er heute für den Fall von Krankheil, Unfall und Invalidität in die Sozialoersicherung einzahlt. Räch den bitteren Erfahrungen der Rordwolle. und Borsig- Arbeiter aber wird die Antwort der Betrlebsarbetter auf die Agitation der Braunhemden ein einziges hohngelä ckztcr fein! Es wird im übrigen schleunigst zu Prüfen sein, mit welchen gesetzgeberischen Mitteln— unter Um- ständen auf dem Notvcrordnungswege— dem drohenden Gesamtverlust der Ersparnisse der Borsig- Arbeiter abgeholfen werden kann! Die Wiener Universität ist geschlossen worden, nachdem die Hakenkreuzler bandenmäßig jüdische und sozialistische Studenten überfallen und zum Teil blutig geschlagen hatten. Dieses Strolchtum � erfreut sich der Förderung durch eine ganze Profefforenclique. t Hiriflefer über Oiio Braun. Ein Staatsmann des deutschen Volkes. Der preußische Wohlfahrtsminister Dr. H i r t s i e f e r äußerte sich am Donnerstagabend im Rundfunk zum 66. Geburtstag des preußischen Ministerpräsidenten Otto Braun. Hirtsiefer, der seit zehn Iahren In amtlicher Eigenschaft mit Otto Braun zusammenarbeitet, feierte den preußischen Ministerpräsidenten als Staatsmann von Format. Der preußische Wohlfahrts- minister führte u. a. aus: „Als Ministerpräsident war Otto Brauns Tätigkeit von weit- tragender politischer Bedeutung. Seine feste ruhige Energie, die sich mit einem sicheren Urteil In politischen Dingen vor allem verband, drückte der Entwicklung Preußens den Stempel seiner be- deutsamen Persönlichkeit auf. Unter dieser straffen Füh- rung war es Preußen möglich, die Inflationszeit, den Ruhrkampf und die sich daraus ergebenden Gefahren für die Einheit Preußens und damit des Deutschen Reiches zu überwinden. Der Sitzungssaal des preußischen Staatsministeriums in der Wilhelmstraße 63, in dem die preußische Negierung sich seit langer Zeit unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten zu versammeln pflegt, ist geschmückt mit 28 Bildern aller bisherigen preußischen Ministcrprästdenten, be- ginnend mit dem Freiherrn vom Stein im Jahre 1868. Nach den Daten dieser sehr aufschlußreichen Büderreihe gehört Otto Braun, der heute sein 66, Lebensjahr vollendet, zu den vier preußischen Ministerpräsidenten, die in den letzten Iahren die längste Amtszeit aufweisen. Wenn es in der unruhigen und schwierigen Nachkriegs- zeit, in der ein Neichskabinett das andere ablöste, gelungen ist, in Preußen und damit in drei Fünfteln des Reiches, ruhige u t\d stetige Verhältnisse zu erhatten, so ist das nicht zum wenigsten das Verdienst von Otto Braun. Die von ihm geführte preußische Regierung ist in all den Iahren den verschiedenen Rcichsregierungen in ihrem außenpolitischen Bemühen um Freiheit und Gleichberechti- d u n g des deutschen Volkes und um eine auf gerechter Ordnung ruhende dauerhafte Befriedung Europas eine unentbehrliche Stütze gewesen, wie er im Indern durch die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung die stete und gleichmäßige Weiterentwicklung der staatlichen Verhältnisse hervorragend mit gewährleistet hat. Mit Klugheit, zäher Energie und mit warmem sozialen Empfinden hat er in seiner Politik das Ziel verfolgt, zur Schaffung einer gerechten sozialen Ordnung beizutragen, der Arbeiterschaft ein menschen- würdiges Los, aber auch den wirtschaftlichen Notwendigkeiten nach kkräften gerecht zu werden. Heute an seinem 66. Geburtstage gehen die Wünsche weitester Kreise dahin: Möge es ihm noch lange vergönnt sein, seine reichen Kräfte und Erfahrungen erfo'lgreichdemDienst des deutschen Volkes zu widmen." G'Mkktm'infche des parkeivorstandes. Der Vor st and der Sozialdemokratischen Partei hat dem preußischen Ministerpräsidenten Otto Braun, der zur Zeit nicht in Berlin weilt, zu seinem 66. Geburtstag ein herzliches Glückwunschtelegramm Übermittelt, in dem die Verdienste � Brauns als Mitglied der Sozialdemokratischen Partei, zugleich aber , auch seine Leistungen als Staatsmann gewürdigt werden. Lfm dje Lohnsieusrerstattungsn. Abschließende Besprechungen Dienstag. Die Vorschläge der Gewerkschaften aller Richtungen, der Sozialdemokratie und des Zentrums auf Bl i l d e r u n g der Bürgersteuer und Aufrechtcrhaltvng der L o h n st e n e r- rückerstaltungen aus Billigkeit sind inzwis.hen Im Reichs- finanzlnloisterium geprüft worden. Das Ergebnis dieser Prüfung liegt nunmehr dem Reichsfiiumzmlnister Dietrich vor. Es ist in j Aussicht genommen, daß unter seinem Vorsitz am kommenden Dienstag eine neue und wahrscheinlich abschließende Besprechung . mit den Gewerkschaften stattfinden wird. Sophus Michaelis gestorben. Am Donnerstag früh ist der bekannte dänische Dichter S o p h u» Michaelis nach längerer Krankheit in Kopenhagen gestorben. Michaelis, der ein Alter von 65 Jahren erreichte, hat sich auch in Deutschland«inen Namen gemacht, besonders durch sein Drama „D i e N e v o l u t i o n s h o ch z e i t" und durch seine Ueversetzungen aus der deutschen Literatur, wie der Werke Goethes und Walters von der Vogelweide. Die Front der Randalierenden. Don Thälmann bis Hitler. Halle, 28. Januar.(Eigenbericht.) Unter dem Motto„Jugend in der Eisernen Front" veranstalteten die sozialistischen und republikanischen Jugendverbände ein« Kund- gebung. Redner war Dr. Helmut Klotz. Die Nationalsozialisten hatten schon Tage vor der Versammlung angekündigt, daß die Ver- sammlung zehn Minuten nach Beginn gesprengt sein würde. Sie hatten dabei die Unter st ützung der Kommu- n i st e n gefunden, die pomphaft ankündigten, mit SM Mann in der Versammlung zu erscheinen. Die Versammlung wurde Punkt 8 Uhr mit ein«m Fansarenchor der SAJ. eröffnet. Darauf ergriff der Redner des Abends, Dr. Klotz, das Wort. Sosort setzten Störungsoersuche ein, um, der Absicht entsprechend, in den ersten zehn Minuten die Versammlung zu sprengen. Trotzdem konnte die Versammlung% Stunde durchgeführt werden, während ein nationalsozialistischer Störer nach dem anderen von der Ver- sammlungslettung an die Luft gesetzt wurde. Als wieder einer dieser Störer den Saal verlassen sollte, griffen die Ratio- nalsozialisten mit ihren treuen Kampfgenossen, den Kommunisten, die Iungbannerkameraden an. Biergläser, Stüh!« und Tasten flogen durch den Saal. Dabei wurde ein Nationalsozialist von den Biergläserwürfen seiner eigenen SA.- Leute schwer oerletzt. Er mußte von Arbeitersamaritern verbunden und abtransportiert werden. Nach diesem Tumult griff die Polizei ein und erklärte die Versammlung für geschlossen. Das ifi„Drittes Reich". Arutalste Gewaltherrschast auch gegen den Mittelstand. Eutin, 28. Januar.(Eigenbericht.) Die Republikaner Eutins haben seit Monaten ständig unter dem Naziterror leiden müssen. Die Behörden in dies«m Landesteil Oldenburgs versagten vollkommen und die Nazis bekamen dadurch auch von dieser Seite freie Hand, ihren Terror auszuüben. Sie schrecken schon nicht mehr davor zurück, auch andere Kreise der Be- völkerung zu terrorisieren. Dies g«ht hervor aus einem Schreiben des Kreisleiters der NSDAP., Dr. med. Saalfeldt, an den Kreishandwerkerbund in Eutin. Es lautet: Nattonalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei, Ortsgruppe Cuttn. Eutin, den IS. Januar 1932. An den Krekshandwerkerbund, Landesteil Lübeck, Eutin. Das Lokal der SPD. wurde als Mordzentrale des Reichs- banners bis End« Dezember v. I. geschlossen. Der Gastwirt des„Deutschen Hauses", Durmeister, hat nun die Ge- schmacklosigkeit begangen, in seinem„Deutschen Haus", wo die Innungen, die militärischen Kameradschaften und einzelne Tra- ditionsvereine verkehren, die Vernichter des Mittelstandes, die Hetzer gegen alles, was Tradition und Ordnung heißt(SPD.) aufzunehmen. Wenn Geschäft auch Geschäft ist. so darf man in der heutigen Zeit doch ein derartiges übles Geschäftsgebaren unter Verleugnung sämtlicher Pflichten nicht an den Tag legen. Es gibt soviel« ordentliche nationale Gastwirte, die es freudig begrüßen würden, Innungen bei sich aufzunehmen. Ich bitte Sie. Ihre verschiedenen Innungen davon in Kenntnis zu setzen und die Obermeister doch dringend zu ersuchen, daraus-die Konsequenzen zu ziehen. Mit deutschem Gruß und Hitlsr-Heil! gez.: Dr. Saalfeldt, Kreisleiter Provinz Lübeck. Den Innungen und Ortsgruppen zur Kenntnis. gez.: Putensen. Der Geschäftsführer des Handwerkerbundes hat dieses freche Schreiben tatsächlich an die Innungen weiter- gegeben. Als es jedoch der Oeffentlichkeit bekannt wurde, hat er es sofort wieder einziehen lassen. Das Schreiben spricht d i e Sprache nationalsozialistischer„legaler" Methoden! Das Reichsbannerlokal wurde bekanntlich ohne stichhaltige Gründe von dem stellvertretenden Bürgermeister, einem Hitler- Mann, aus 3 Monate geschlossen. Das oldenburgische Staats- Ministerium hob das Verbot>«doch wieder auf. Inzwischen hatten die Republikaner eine Republikanische Feier bei dem Wirt des „Deutschen Hauses" veranstaltet. Die Quittung der Nazis ist eine Boykottdrohung und eine ungeheuerliche Beschimpfung des Wirtes. Ohnesorge. Landtagsanfrage über Goebbels Auftreten im Helldorf« pro-eß. Im Preußischen Landtag hat der Abg. Kuttner(Soz.) eine Kleine Anfrage über das Auftreten des Abg. Goebbels im Helldorf-Prozeß eingebracht. Kuttner spricht von einer Skandal- szene, die Goebbels am 23. Januar 1932 im Helldorf-Prozeß habe ausführen können und sagt, Goebbels habe das Berliner Polizei- Präsidium gröblich beschimpfen können, ohne d-ß der Gerichtsvor- sitzende, Landgericht-direktor Ohnesorge, trotz mehrfacher An- träge der Staatsanwaltschaft, dagegen in ausreichender Weise einge- schritten sei. Dieses nachsichtige Verhalten erkläre sich vielleicht daraus, daß der Richter gegenüber Beisitzern und anderen Kollegen sich bereits im ersten Stadium der Prozesses in folgendem Sinne geäußert habe:„Alles, was Schmitz(der Vorsitzende des Schöffen- gerichts, das einen Teil der Angeklagten verurteilt hatte) getan hat. ist oberflächlich und muß korrigiert werden. Was dagegen Brenn- hausen(der Vorsibende des Schöffengerichts, der den Grafen Helldorf und die anderen Führer zu geringeren Strafen verurteilte) getan hat. ist richtig bis aus die Strafhöhe, die zum Teil auch noch gemildert werden muh" Der Abgeordnete fragt die Regierung, ob sie das Verhalten und die von ihm erwcchnten Aeußcrungen des Landgerichtsdirektors Ohnesorge billige, sowie was sie zu tun ge- denke, um eine obsektive und der Würde des Staates entsprechende Durchführung des Prozesses zu gewährleisten. Draus und durch! Die Parole der Eisernen Front. Als Auftakt für die kommende Rüstwoche der Eisernen Front erscheint die„Illustrierte Republikanische Zeitung" unter der Parole „Draus und durch!" Sie ist in Wort und Bild dem Kampf der Eisernen Front gegen den Faschismus gewidmet. Aus dem Inhalt heben wir besonders' die Erzählung des historischen Vorgangs aus der Arbeiterbewegung hervor, der dem Namen„Hammcrschaften" zugrunde liegt. Belagerungszustand in Maggestan. „Das Stehenbleiben ohne ersichtlichen Grund ist verboten." <«-- der Polizewerordumig de» Razlmwisters Klagge».) Oer Despot von Klaggestan läßt eine Standuhr arretieren, die ohne ersichtlichen Grund— stehengeblieben ist! Höchste Gefahr in China. Kämpfe in Schanghai.— Große Erregung in Amerika. Schanghai, 28. Januar.(Reuter.) Zwischen Chinesen und Japanern haben heute an der Grenze der internationalen Konzession der Stadt die Kämpfe begonnen. Trotz der Annahme der japanischen Forderungen durch die Chinesen hat der Oberbefehlshaber der japani» scheu Marinekräfte beschlossen, die an die internationale Konzession grenzende Chinesenstadt Schapri zu besetzen. Cr verlangt welter die Beseitigung aller Vsrteidigungs- anlagen, die die Chinesen vor einiger Zeit an dieser Stelle errichtet haben. Japanische Truppen sollen auf dem Marsch« nach Charbin sein,„um die Interessen der dortigen Japaner zu schützen". Japanische Marineinfanterie und Panzerkraftwagen sind abends in die chinesische Stadt Schapei eingedrungen. Im Hongkaubezirk, der von japanischen Marinetruppen und Panzerkraftwagen vollständig besetzt ist, hört man Gewehr- und Maschinengewehrfener. * Die Japaner hatten von dem Bürgermeister der Groß- stadt Schanghai ultimativ Bestrafung der„Schuldigen" an der antijapanischen Demonstration, Verbot der antijapani- schen Vereinigungen und Abbruch des antijapanischen Boy- kotts gefordert. Unter dem Druck der täglich noch verstärkten japanischen Heeresmacht auf dem Lande, zu Wasser und in der Luft ist dieses Ultimatum angenommen worden. Freilich dürfte man die Chinesen kaum zwingen können, japanische Waren zu kaufen. Trotz der Annahme des Ultimatums befürchtete man auch in der Europäerstadt, daß japanisches Militär ein- dringen«erde, um die Häuser der antijapanischen Organisa- tionen zu besetzen, und daß die Chinesen— die auch im Kon- zessionsgebiet weitaus in der Mehrheit find— Widerstand leisten werden. Das scheint nach obenstehender Meldung ein- getroffen zu sein. Militärabteilungen europäischer Staaten oder ihre Kolonialtruppen in der Fremdenstadt, auch Militär- tüchtige Zivilisten, stehen zur Abwehr direkten Angriffs bereit. Japan hat, ungehindert durch den Völkerbund, durch Rußland oder Amerika, die ganze chinesische Man- d s ch u r e i sich unterjocht. Es geht jetzt daran, der groß- ten und wichtigsten Hafenstadt Chinas das gleiche Schicksal zu bereiten. Vielleicht erleben wir in nicht zu ferner Zeit noch, daß große Teile Chinas das Los Koreas und der Mandschurei teilen. Kein Wunder, daß der Radikalismus der Verzweiflung in China wächst und soeben wieder eine neue Sowjetrepublik, an der Grenze der Provinzen Wupei und Hunan, errichtet worden ist, die auch sofort das russische System annimmt, das Privateigentum am Boden aufhebt und selbstverständlich eine Rote Armee auf- stellt. Fliec?erl'omben auf Sckapei. Ter japanische Oberbefehlshaber hat Befehl erteilt, Schapei mit Fliegerbomben zu belegen. Um 1.39 Uhr früh hatten die Japaner den größten Teil von Schapei befetzt. Sie drangen keilfünr.ig in das Nordvtertel dieser Stadt vor und werfen die Chinesen zurück, die hartnäckigen Wider jt and leisten und nach der internationalen Konzession zurückweichen. Dreizehn japanische Verwundete sind in die Lazarette gebracht worden. Die chinesischen Verlnste sollen schwer sein. Etwa 55 Chinesen sind gefangen genommen worden. Ein japanischer Panzerwagen versuchte durch die Konzession vorzudringen, mußte aber umkehren, da britische Freiwillige ihm die Durchfahrt nicht gestatteten. Oer Völkerbund bedauert... Genf, 23. Januar. Der Völkerbundsrat hat heute nachmittag wiederum eine q e- Heime Sitzung abgehalten, die dein chincsisch-japanischcn Konflikt gewidmet war. Die Vertreter Japans und Chinas nahmen an der Sitzung nicht teil. Es wurde, wie verlautet, der Wortlaut einer Erklärung besprochen, die der Präsident des Rats in einer der nächsten öffentlichen Sitzungen mitteilen wird. Diese Erklärung, mit der. die jetzigen Verhandlungen des Rats über den mandfchuri- schen Konflikt abgeschlossen werden dürften, wird den Charakter einer an die beiden im Konflikt befindlichen Mächte gerichteten Kundgebung haben, in der erneut(!) auf die Verpflichtungen aus den bestehenden internationalen Abmachungen hingewiesen werden dürfte. Wie verlautet, soll diese Erklärung inhaltlich sich der Note nähern, die kürzlich der amerikanische Staatssekretär Stimson an die beiden Regierungen gerichtet hat. Auf diese Note soll übrigens in der Erklärung ausdrücklich Bezug genommen werden. Man behauptet, daß die Erklärung in diplomatisch abgewogener Form ihr Bedauern(!) über die Vorgänge, die sich seit der letzten Ratstagung, insbesondere in Schanghai, ereignet haben, ausspricht. Auch soll ausdrücklich auf Artikel 19 des Völterbundspaktes, der die Mitglieder des Völkerbundes verpflichtet, die Unversehrtheit ihres Gebiets gegenseitig zu achten und zu wahren, Bezug genom- men werden. Orummonds Rücktritt endgültig. vom völkerbundssekrctariat wird heule offiziell bestätigt, daß der Generalsekretär Sir Eric Drummond ein Rücktriltsgesuch eingereicht und daß der völkerbundsrat einmütig Sir Eric Drummond gebeten habe, aus seinem Posten zu bleiben. Der Generalsekreiär hat jedoch mitgeteilt, daß sein Beschluß endgültig sei, worauf der Rat beschlossen hat, allen viitglledstaalen de» Völker- bundes das Rücktriltsgesuch mitzuteilen. Der völkerbundsrat wird sich in einer späteren Sitzung mit der Angelegenheit noch einmal beschästigen. Erregung im amerikanischen Senat Washington, 28. Januar. Die Berichte über das japanische vorgehen in Schanghai riefen im amerikanischen Senat tiefste Empörung hervor. Senator King forderte die sofortige Voykottvcrhängung gegen Japan. Besonders erregt sind die Vertreter der Pacisic- Staaten. An den Führer der Pacisic-Flotte, Admiral Taylor, in Manila (Philippinen) sind Geheiminstrnklionen abgegangen. Wie verlautet, hat die amerikanische Regierung die japanische Regierung um weitere Auskunft über die in Schanghai von Japan beabsichtigten Maßnahmen ersucht. Eine erwünschte VomSe. Schanghai, 23. Iamiar. Gegen das japanische Konsulat wurde eine Bombe geworfen, die ohne Schaden anzurichten explodierte. Kurz darauf erschien das japanische Kanonenboot„Ataka" und vertäute querab von dem japanischen Konsulat. Linksruck der EhZna-Reaierung. Nanking, 28. Januar. Das Kabinett ist neu gebildet. Ministerpräsident ist Wang- t s ch i n w a i, der Führer der linken Kuomintang, Außenminister L o w e n k a u. In Verona wurde ein ZKj.ihnger Angestellter festgenommen, der seit nahezu 19 Jahren an soschistische Persönlichkeiten in verschiedenen Städten Jtallens Nicht weniger als 4 8 Höllen- Maschinen versandt haben soll. 38 Personen wurden durch diese Bombensendungen verletzt. Am 13. März tandlaaswahl in Mecklenbucg-Strelitz. Mit dem Donnerstag erlischt die Sitzungsperiode des Mecklenburg-Strelitzer Landtages. Wie die..Landeszeitung für beide Mecklenburg" meldet, ist nunmehr vom Mecklenbnrg-Strelitzer Staatsministerium der 13. März als Tag für die Neuwahl festgesetzt worden. Der Vankenausfchuß des Reichstag», der aus Mitgliedern des Haushaltausschusses gebildet ist, trat am Donnerstag zu seiner ersten Sitzung zusammen. Die Verhandlungen wurden für streng v e r- traulich erklärt. Ein geheimnisvolles Attentat. Auch Holufko soll ein Opfer der Pilsudski-Maffia sein. ?m Frühhcrl'st 1!?3Y wurde aus Polen gemeldet, der Leiter d.'r MinisterialabteUung für die slawischen Minderheitsvölker Polens, der ehemalige Sozialist und spätere Pilsudsklst H o l u s k o, sei in einer ostgalizischen Sommerfrische ermordet worden. Die Tat wurde gleich den Ukrainern zugeschoben, die vorher schon Post- tronsporte ausgeraubt haben sollten. Nach den fürchterlichen Straf- cxpeditioncn polnischen Militärs gegen die ukrainische Landbeoölke- rung schien ein solcher Racheakt auch möglich und besonders tragisch wirkte die weitere Mitteilung, daß Holusko sich um eine mildere Behandlung der. Ukrainer zum Zweck ihrer Versöhnung mit dem polnischen Staat bemühe. Es wurden damals eine Anzahl Ukrainer als Mörder Holufkos verhastet— aber seither sind sie längst aus Mangel an Beweisen wieder freigelassen und die ganze Untersuchung i st über- Haupt eingeschlasen. Desto lauter und bestimmter tritt in Polen die Vermutung auf, daß Holusko ebenso wie. seinerzeit General Sagurski von Pilsndskileuten ermordet worden rst. Holusko soll in seiner letzten Lebenszeit deutlich vom Kurs der herrschenden Oberstenclique abgerückt sein... l Gewerkschaftliches stehe 2. Beilage.) V-rentwortlick) für Politik: Victor Echifs; Wirtschaft:28 Obermoseler Liier 65 Pf. Jehannisbeerwein... Utar 0.70 Wöüsieiner....... Liier 0.80 Wermuih......... Liter 1.09 Lachs In StOdcan, Pfd.«an an 1.20 Spanbdtef Roiwein.LHarl.10 Bruchreis 12 pf. Pfund Tafelreis...Pfund s.3«o.a 0.15 Karloffelmehl....Pfund 0.18 Auszugmehl Pfund sjs, sjs 0.26 Haferflocken..... Pfund 0.22 Rhabarber J«» Bund ca. 2 Pfund 0�8■'ö PI« Bot-, Weih- u. Winingkohl 0.06 Möhren....... 3 Pfund 0.10 Rote Rüben....5 Pfund 0.20 Rosenkohl..... 3 Pfund 0.25 .diwarzwurzeln..Pfund 0.15 Camembert J M vollfet), Schaehf. 0.50 Jb*w Pf. HarzerkSse ea. tJ-fd-Wakaf 0.28 Limburg.K8sevoiif.0.70hibf.0.44 Blockkäse(Tilsltar Art) halbt 0.56 Emmentaler Art«Poriionan 0.58 Steinbusdier voiifa«, Pfund 0,65 TilsHerkäse voiifa»..Pfund 0.66 Brlekäse vollfeif... Pfund 0.66 Margarine, Kokosfett pm. 0.95 Molkereibutter...Pfund 1.06 Tafelbutter..... Pfund 1.22 Markenbutter..•.Pfund 1.30 Makkaronl Bruch. Pfand ms 0.44 Gelbe Erbsen poüart..»JJ 0.27 Grüne Erbsen poliarf..Ass 0.26 Kellt.pfiaurnen Pfd.»M»js 0.26 Pflaumen ohn.Sfaln,Pfd.SAt 0.52 Aprikosen katif,P«d.MB«jbOJO Heute beginnt die Wtl5S CHI Größter Sender-Verkauf des Jahres von Wäsche u. Wäschestoffen Dauer der Veranslaltuns 2 Wochen Vom 29. Januar bis 11. Februar terderbllehe Waren voai Varaand aosraarhlD.rrp Obst u. Gemüse Apfelsinen...3pm.o.44 Jafln Orangen..3«<3.0.62 BlutaptelsinenovaLSPtd.0.68 HocMpfei..... Ho. 0.10 Anieriii.Aptei3PhLo.96 0.58 HohirUbfn....spidO.io RosenHohi.... P!6.o.io Rot- 0. uiirsingKohi mO.oc ßpöniioiii... 3 piä. 0.10 niötiren... 3 pid 0.1 0 Blunienholil..KopiabO.20 i 0.38 f. 0.38 - 0.38 Konserven Gemüseerhsen Er&SeBm. Kar. Haustiait-fiein. Brecii-.ScImiitöoün.,, 0�2 ScAntitbolinen%kvd.o.72 Kotnrani...>-.�.0�8 Girnen suazePnekt„ 0.70 Aptelmus Vi n-o. 0.80 0�2 Pflaumen g,n-°k-r.'/.H..v0.58 Heideineeren... 0.70 erPveeren.... 1.00 epuiis nipin»«. scno'li».... Zander geir.■.&. Lachs salr. L er.. maHremuckiin.oe Soronen... Fischrogen... Figndern PtlauiDenniDS mp sti m. inml.OS Gsm.niarmeiadUotieo�id.o�e Fische. Räucherw. Narmeladen .3 Pid. 0.35 ..Pfd. 0.15 ..Pfd. 0.35 .. Pid. 0.28 ..Pid. 0.24 .. Pid. 0.22 .. Pt°/° o.ßo Steinöusclier voul Hd. o.es Tiisiler vomett, Pfd. 0.66 Bayr. Schweizer p» 0.S8 Butter u. Feite BUtSDUllBP.... Pfund 1.06 Alien, mar henbuner piund 1.30 {062 Taleihatier margarine.. Rinderten... Breienschmaii. wursuchniaik ßriBöenscnmaik Halh-Eiar... Pfand ab 1.22 2 Pfund 0.6» . Pfund 0.34 . Phmd 0.44 , Phmd 0.42 . Pfand 0.54 to stfick 0.55 AUSSERDEM: MORGEN. SONNABEND Varfcoof Vorrat- HengMiabgab« vorlwhnUen. Kolonialwaren Bruchreis grob, 3 pm 0.35 fflouinisinreis. p�o.24 Pa'nereiScKronna.pfd. 0.35 HaXaO.frrk eaMU..Pld. 0.58 UleiBe Bohnen. 2 m 0.25 PreOhandnudein.mO.39 Halll. Pfirsiche j Pfund M Aprlhosen . Birnen .. Ringapfel Kaffee lrioob zobr�Pfd.»b 1»86 WilS u. Geflügel WiidschweiDbleit Phmd ab 0.70 wiidschuieinrocKen.. o.as wfidscnuieinKeuie.. o.ss Kailincheil...... 0.75 Hasen..... Phmd ab 0,68 Hirschhiatier... Pfund 0.54 RilSS Sünse gefroren Pld. ab 0.32 woioehühner getr. Pd»b 6.70 Fr. SuDpenhOhner pm. ob 0.68 Wurstwaren Rotwurst...... Pfd. 0.52 Spechwurst..... o.so Leberwurst»-2�-.. 0.68 Fleischwurst... 0.68 Dampfwurst.... � 0.70 Hausm. Leberwurst 0.78 ItlettWUrSt n. Br. Art. 0.78 Jagdwurst.....' 0.84 wiener....... o.es tf. Leberwurst... 0.S8 Mettwurst grob...„ 0.S5 Knoblauchwurst 0.S8 Cerueiated.saianii. o.ss Teewurst fem.... 1.10 Teewurst grob..." i.is Holst. Bauernwurst.. i 20 Schinhcnechen..., 0 68 Spech,.Sit.... 0.68 Bcbinhehspech.'... nuBschinhan... 1 22 Fleisch SchweineschinhenajnunO.efi Schwemebiatt.. pfd.o.64 Schweinebauch..PM.0.56 schifleinei(Bmniu.-8ehBnrti0.74 Schu, einekoteiett pfch-d0.78 Rüchenlell.pm-O.so Liesen....-"" x-f? ElSUeln mit SpiUe.. Pfd. 0.54 Kalhshaxe.....™ 0-33 KaiDSKanini...pfd.-b0.46 Kalbsbrust....pfd.«b0.56 KaicsHeuie.. PM.-bO.68 Keflier...... pfd.�0.70 Hamirielvordertl. PM.abO.68 suppehlieisch. Pfd.ab0.48 Schmortlsisch PhL.bO.74 scnweineieber. p.d 0.68 scbwelnenieren. Pfd.0.62 Rinderlunge.. 0.28 Euter..... pm.0.20 VORVERKAUF Weißen Wocyen Unsere WeiHenW0�AeN,6a8„WeAKe GMS",briQgeQ nur einmal im Jahr elf G für weiße Waren aller Art, in V�rtrauensqualitäten, denen unser Haus Ruf und Ansehen verdankt! unserer Tlr. 47* 49. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Freitag, 29. Januar 4932 Deutschnationale im Spiegel Erregte Stadtverordnetensitzung— Die reaktionären Wirtschaftsverbrecher Die gestern abgehaltene Stadtverordnetenversammlung überwies zunächst die in den letzten Tagen im Vordergrund kommunaler Fragen stehende Ortsjatzung über die Zuständigkeit der zentralen und der Bezirksverwaltungen ohne Debatte an den tzaushaltausschutz. In der fortgesetzten Debatte über den Abbau und die Zusammeuleguag der städtischen Gesellschaften und Gesellschaftsbeteiligungen sprach Stadtverordneter Riese(Soz.). Er gab feiner Verwunderung darüber Ausdruck, daß gewisse bürger- liche Parteien im Stadtparlament in der Zeit der fortgesetzten Bank- Zusammenbrüche und Wirtschaftsverbrechen noch den Mut finden, für die freie Wirtschaft einzutreten. Riese erinnerte an den D e o a h e i m- Skandal, er hielt der Rechten des Hauses den Zu- sammenbruch der Beamtenbank und der B a n k für Handel und Grundbesitz vor. Er erinnerte ferner an den Fron k- surter Berficherungsskandal und an das Verbrechen der Gebrüder L a h u s e n in Bremen. Die Kennzeichnung all dieser kriminellen Vorgänge in der privaten Wirtschast löste ins- besondere bei den Deutsch nationalen großen Tumult aus. Als die Derttschnationalen glaubten, der Sozialdenwkratie die Ver- fehlungen der S k l a r e k s anhängen zu können, nahm sich der Redner diese Hüter privatwirrschaftlicher Moral ganz besonders vor. Er konnte unter dem Beifall der sozialdemokratischen Fraktion feststellen, daß es die Veulfchnationaleu waren, die von den Sklareks 6000 ZNark für die Parleikasfc in Empfang genommen hatten, daß es der deutschnationale Pfarrer W o l s f war, der einen silbernen Trinkbecher der Sklareks ein- weihte, daß ferner der dcutschnationale Stadtrat Wege und sein Parteigenosse, der Stadtverordnete K i m b e l sich der Freundschaft der Sklareks bei fedein gerühmt hatten, der es hören wollte. Als die Deutschnationalen immer wieder glaubten, den Redner mit Zwischenrufen unterbrechen zu können, hielt Riese weiter Abrech- nung mit ihnen. Er fragte sie, ob es noch nicht bis zu den Ohren der deutschnationalen Stadtverordneten gekommen sei, daß die Pommersche Milchverwertungsgenosse nschast in Gollnow daran zugrundegcgangen ist, daß sie ihre Gelder ia die Parleikasien der Deulschnalionalen und der Rolionalsozialisten fließen ließ. Riese fragt« weiter, ob den Deutschnationalen nicht 'bekannt sei, daß die Leiter der Pommersche» Hauptgenossen- s ch a f t wegen Steuerbetruges im Kittchen säßen. Und er fragt« sie schließlich, ob sie nicht wüßten, daß der Vorstand der deutschnationalen Landesorganisation in Pommern die Parteibciträge durch die Spiritusverwertungsgenossenschaft hat verrechnen lassen. Als insbesondere Stadtverordneter v. I e ck l i n (Dnat.) mst hochrotem Kopf immer wieder seine Zwischenrufe machte, erklärt« chm schließlich Genosse Rief«, daß er ihn lroh seines Adels und seiner früheren Ofsizierseigenschofl nicht erst nehme. All« städtischen Beiriebe, so fuhr Genosse Riese fort, arbeiten rationell. Eine der umstrittensten Gesellschaften sei die Berliner Reklamegesellschast. die neben dem öffentlichen Anschlagwesen eine große Plakatdruckerei betreibt. Die Forderung der Rechtsparteien, die Druckausträge der Berel der Privatindustrie zu- kommen zu lasten, zeuge nicht von Sachkenntnis; gerade der Plakat- druck sei für Firmen, die nicht ganz besonders darauf eingerichtet find, ein Anschußgeschäft. Weder Druckereibesitzer noch Druckerei- arbeiter hätten einen Borteil von der Auflösung der Berel, und so forderten die Sozialdemokraten, daß die Berel und mit ihr das öffentliche Anschlagwesen weiter bei der öffentlichen Hand bleibt.(Lebhafter Beifall bei den Soz.) Stadtv. Küuzer(D. Dp.) forderte, städtische Betriebe und Ge- sellschaften nur in Ausnahmefällen bestehen zu lasten, soweit es das Allgemeininterestc erfordere. Auf keinen Fall dürfe durch das Ar- besten der städtischen Betriebe die Privatindustrie beschränkt werden. Stadtv. Köhler(W.) trat für die Auflösung der städtischen Bau- gesellschaften«in. während der Demokrat Eyk der Vorlage namens seiner Fraktion zustimmte-, er oerlangte aber, daß die Stadt sich darauf beschränke. Monopolbetriebe zu unterhalten: den Antrag der Kommunisten aus Auflösung der städtischen Wohnungsfürsorge- gesellschaft lehnte der Redner ob. Vor langer Zest hatte die sozialdemokratische Fraktion in einem Antrag verlangt, daß endlich die Inkraftsetzung und verkündung des Ortsgesehes über ReichsheimstSlteu., Garteugebiete und Dauerklein- gärten erfolge. Gestern wurde nach wiederholter Beratung dem Antrag endlich zugestimmt.— Ein Antrag auf Ermäßigung des Schulgeldes an den höheren Lehranstalten und Mittelschulen wurde angenommen, ebenso eine Anzahl kleinerer Vorlogen. Aazi- Engel und seine Verleumdungen. E ne ungenügende Erklärung Dr. Sahms. Der Artikel im„Vorwärts" vom gestrigen Donnerstag „Nazi-Engel verleumdet" hat dem Verleumder in der Berliner Stadtverordnetenversammlung endlich die Zunge gelöst. Auch der Oberbürgermeister gab eine Erklärung ab. Engel haste in einer Stadtocrordnetensitzung im November behauptet, städstsche Dezerneisten und Beamte vergäben Bauaufträge erst noch Klarstellung der für sie abfallenden Provisionen Der Oberbürger- meister haste zwar auf diese ungeheuerlichen Behauptungen Engels geantwortet, trotzdem mußt« er vom Vorsitzenden der sozialdemokra- tischen Fraktion Genossen F l a t a u daran erinnert werden, daß die Behauptungen Engels unter allen Umständen«in« ö f s e n t- liche Klarstellung notwendig machen. In der gestrigen Sitzung der Stadtoerorneten fügte Nazi-Engel einer von ihm zur Tagesordnung gehaltenen Rede lediglich den Satz «in, seine Behauptung von der Bestechlichkest der städtischen Beam- ten beziehe sich auf die Vergangenheit. Dos war alles! Und nun geschah das Merkwürdige: Oberbürgermeister Dr. Sahm gab sich mit der lendenlahmen Erklärung Nazi-Engels zufrieden! Er Höste, so erklärte der Oberbürgermeister, nur gewünscht, daß Engel in konkreterer Form geantwortet hätte. Das veranlaßt« Genossen Flatau, folgende Feststellung zu treffen: Flatau antwortet: Der Herr Oberbürgermeister hat es zugelassen, daß die unge- heuerlichen Behauptungen des Engel zehn Wochen lang in der Oefsentlichkeit sich erhalten konnten. Der Oberbürgermeister hat sich sogar mit Personen in Verhandlungen eingelösten, die solche Behauptungen aufstellten. Stärkstes Befrem- Sonntag: rumToci� Eiserne Front! Sportpalast marschiert auf im Es sprechen: Höitermann, Crispien Eggert, Geliert. Max Barthei rezitiert Beginn tier Kundgebung um 17 Uhr» Öffnung des Sportpalastes um 16 Uhr» Das Parkett bleibt für die aufmarschierenden Formationen frei. Erscheint in Massen! den müsse es erregen, daß der Oberbürgermeister lxi Feststellungen über die«Reinheit der Verwaltung" einen Unterschied mache zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Hiernach können also gegenwärtig tätige Beamte ungestraft beleidigt werden, wenn ein Verleumder nachträglich erklärt, er wolle seine Beleidigungen nur für die Vergangenheit gelten losten. Aus jeden Fall hätten die Behauptungen des Engel in einer anderen Weise zurückgewiesen werden müstcn, als es durch den Oberlürger- meister geschehen ist. Unter diesen Umständen müßten die Sozial- dcinokraten es dem Stadtobcrhaupt überlasten, die Verantwortung in der Angelegenheit zu tragen. Der Oberbürgermeister gab daraufhin eine chronologische Dar- stellung der Vorgänge, die aber nicht davon überzeugen konnte. daß er gegen die nationalsozialistischen Verleumdungen mit der un- bedingt gebotenen Energie vorgehen wollt«. Wiener Ltniversität geschloffen. sozialistischer Studenten-Obmann niedergeschlagen. Wien, 28. Januar. Gestern abend kam esaaderwienerllniversitäl wegen des Vortrages des Rabbioers Dr. Samianker zu Zusammeustöhen zwischen gegnerischen Sludenleogruppen. heule vormittag setzte sich diese Demonstration der Studenten sowohl im Untversitälsgebäude als auch im Anatomischen Institut fort. Dabei wurden drei S l u- deuten verletzt, darunter der Obmann der sozialisti- scheu Studentengruppen, Speiser, der Sohn des Stadtrats Speiser. ZNiltags erließ das Rektorat eine Kundgebung, in der der akademische Senat die Vorgänge auf das strengste rügt und gleichzeitig mitteilt, daß die UnioersitSt bis auf weiteres gefchlosten bleibt. „M II" durch Explosion untergegangen. London. 28. Januar. Die Suche noch dem Unterseebot ,.M 2* wird noch fortgesetzt. Bei der Suche mit dem Schleppnetz ist man an zwei Stellen auf Widerstände gestoßen, die jetzt näher untersucht werden. Wie die Admiralität bekannt gibt, ist von dem Kapitän des Mot-'rschoners..Krone von Dänemark" ein Bericht eingegangen. der es möglich erscheinen läßt, daß das U-Boot 2" infolge einer Explosion untergegangen ist. Der Kapitän will am Dienstagnachmittag 16 Mellen südöstlich von Lyme Negis plötzlich drei Sekunden lang einen hellen Schein gesehen haben. Zehn Minuten später habe er dann zwei laute Explosionen gehört. Das Wetter fei zu dieser Zeit außerordentlich neblig gewesen. Ein Bericht von anderer Seite über die Explosionen liegt bisher nicht vor: die Admiralität läßt jetzt Nachforschungen anstellen. Der Frauenhilssverein bei der staatlichen polizeiverwaltung Verlin. der es sich in der schweren Notzeit zur besonderen Aufgabe gemacht hat, durch Krantheft in Not geratene Familien von Polizei- beamten zu nnteisttützen und erholungsbedürftige Mütter und deren Kinder in den Sommermonaten zu verschicken, veranstaltet am Mittwoch, 3. Februar, in den gesamten Festsälen des Zoologischen Gartens xinen Wohltätigkeitsgcsellschoftsabend. Die Tanzmusik in ollen Sälen des Zoos führt die Kapelle Marek Weber und das große Orchester der Schutzpolizei aus. Karten ä 3 M. sind erhälllich im Ballbüro des Zoos, den Tbeaterkasten Wercheim, Tictz und KDW. sowie in den Filialen des„Vorwärts". Logenreservierung ä L M. nur im Ballbüro Zoo. Die Anmeldung zur Einschulung muß in den nächsten Tagen erfolgen. Alle klassenbewußten und sreidenkenden Ellern werden nicht lang« überlegen, welcher Schule sie ihre Kinder anvertrauen wollen: sie schicken sie zur weltlichen Schule, wo die Kinder zu freien und ausrichtig sozialdenkenten Menschen erzogen werden. izür de» Stadtteil Wedding, nördlich der Ringbahn, links von der Müllerstraße bis Seestraße, nimmt Anmeldungen entgegen: Genosse Rektor Paillhe, Lütticher Str. 4, 262. Schule. Wilde Sprilfabrik in Woabit ausgehoben. In der Werftstraße in Moabit wurde eine wilde Spritsabrik ausgehoben, die ein srüheier Gastwirt B. in seiner Wohnung unterhielt. Sämtliche Geräte wuxden beschlaanohmt, desgleichen vorgefundene Sprit- mengen. Der„Fabrikant" wurde festgenommen. Noch einem Tagebuchroman von Karl Hans Schober erzählt von Erich Knauf (Schluß.) Eine turmhohe Sturzwell« erfaßt uns und drückt uns nach unten. Das Wasser heult in meinen Ohren. Dann wirft mich ein Stoß wieder an die Oberfläche, aber der„Longe Docht" ist verschwunden.„ Das Schiff ist nicht mehr zu sehen. Die SturMelle war eine Folge der Kesselexplosion, während das Schiff kenterte. Wer noch bei den Kesseln und Maschinen war. ist mit ab- gesoffen. Es gelingt mir, eine Planke zu umkrallen, um die berefts erbittert gekämpft wird. Einer schlagt mit der Faust wütend aus meinen Kopf.„Bestie!" Ich schlage zurück: mitten in das Gesicht des Angreifers. Er stöhnt, seine chande lassen los, und er sackt weg.. Ich spüre, wie meine Kräfte mich verlosten. Immer mehr Wasser muh ich saufen. Und dann sehe ich Boote. Zwei Arme fasten nach mir.„Halt dich fest!" und sie ziehen mich hoch. Ein kräftige Hand faßt mich am Hintern, und ich fliege kopfüber ins Boot. Fortsetzung folgt. Sechshundert Mann sind ertrunken._ Ich habe Fieber und zittere am ganzen Körper. Aber ich habe festen Boden unt-r den Füßen. Totkronk wie ich bin. soll ich den Weg ins Spital allein und zu Fuß machen. Manchmal krieche ich auf allen Bieren. Nur fort! Nur weiter! Wahrscheinlich sehe ich aus wie ein Gespenst. Die Leute in der Hasenstadl blicken mich so seltsam an. Sie sympathi- sieren jetzt offen mit dem„Feind". Borhin hat einer sogar mit einer Peitsche nach mir ge- schlagen, weil ich von dem Rücken seines Esels, der vor einen kleinen Wagen gespannt war, die Decke ziehen wollte. Ich friere, daß alles an mir zittert. Das Herz schlägt mir rasend oben am Halse. Aber ich darf nicht zusammenbrechen! Nur fort von hier! Auf dem Meer ist es jetzt still. Vom Flaggschiff ist nicht einmal mehr der Kiel zu sehen, der rioch gestern aus dem Wasser ragte. Nur ein großer Oelfleck zeigt die Stelle an, wo das Schiff unterging. Mit sechshundert Kameraden. Ich lebe. Ja, ich lebe, wenn es auch nicht so aussieht, das gebe ich zu. Friede! Heunat! Leben! Was für schöne Worte. Was für starke Worte. Ich muß mich erst wieder an sie gewöhnen. Leute bleiben stehen und lachen über mich wie über einen Betrunkenen. Ich habe aber nur zu viel Seewaster getrunken, meine Herrschaften, zu viel Leichenwaster, bitte! lind dann trage ich ja eine Last. Die Last meiner Er- innerungen. Meine Ernmerungen, die ich nicht von mir werfen kann. Und die ich nicht von mir werfen darf! Ich muß sie auf- schreiben, ich muß leben, um kommende Geschlechter zu warnen. Wer Leichenwaster getrunken hat, ist hellsichtig. Und ich sehe es kommen, daß die Kinder, die jetzt geboren werden, vielleicht auch diejenigen schon, die jetzt über mich lachen in der köstlichen Dummheit ihrer zehn Jahre, ich sehe es kommen, daß sie mit Zeitungsgeschrei, Fahnen und An- sprachen verrückt gemacht werden, und es wird wieder Kriegs- freiwillige geben, die Glocken werden läuten, und dann heißt es:„Zeichnet Kriegsanleihe!" O nein, uns werden sie nicht dazu brauchen können. Wir sind für das Geschäft verdorben. Wir haben uns den Magen verdorben an dem Zeug. Aber die kommenden Ge- schlechter werden wieder soweit sein. So wird dos weitergehen, immer so weiter? Oder etwa nicht? Was meint ihr? He, antwortet! Entschuldigung. Ich bin laut und heftig geworden. Vitt schön, ein kranker Mensch, ein kaputter Soldat, Eiftschuldi- gung. Herrschaften... Ihr sagt: Revolution, Republik, Freiheit!... Ganz recht? Gratuliere! Sehr schöne Sachen. Famos! Ich mache mit. Wir werden ja sehen. Wie gesagt, ich mache mit. Ich werde damit beginnen, daß ich meine Erinnerungen niederschreibe, um sie zu ver- öffentlichen. Ich kann nicht schweigen. Ich— kann— nicht— schweigen! Ich darf nicht schweigen. Meine toten Kameraden ver- langen das von mir. Die Kinder meiner toten Kameraden verlangen das von mir. Ich muß die Wahrheft aussprechen, die Wahrheft über den Krieg. Der Krieg ist ein Triumph der jetzigen Gejelljchafts- Ordnung. Diese Weisheft ist nicht von mir, sondern von Leuten, die es ja wissen müssen, von Professoren und Dom- Predigern. Vielleicht haben sie reckt. Gut, dann schreibe ich also die Wahrheft über die heutige Gesellschaftsordnung, indem ich über den Krieg schreibe. Ob die Ordnung das verträgt? Ich bin trank, hungrig, elend. Ich habe alles her- gegeben, was ich hatte. Aber ich bin euch, wie es scheint, im Wege? Ein Denkmal aus Stein, mit sechshundert Namen, ist euch lieber, wie? Lieber als eine lebende Erinnerung an die Matrosen vom Flaggschiff. Ich eigne mich nicht zu Kranzniederlegungen und Ansprachen mit Musik. Ich rede dazwischen. Die Sechshundert reden aus mir. Sechshundert? Sechshuuderttausend! Sechs Millionen? Die Nullen warten darauf, sich anzuhängen. Nullen. Nummern, von Müttern geboren. Und deshalb rede ich und erzähle. Zu dir, Kanonen- futter von morgen! Hör' zu: Das erste Kapitel heißt.„Hurra!" Täglich drei Spalten unterm Strich. Mit Fortsetzung folgt. Schupos für Winterhilfe. Große Sammelaktion am 2. und 3. Februar. 2£m 2. unö 3. Februar wird die Berliner Schutzpolizei eilte Sammlung für die Winterhilfe— ähnlich wie die Berliner Feuerwehr es getan hat— durchführen. Die Sammlung findet von 10 bis 7 Uhr statt, und zwar auf folgenden Plätzen: Potsdamer Platz. U.-Bahn; Potsdamer Platz, Bellevuestraße; Leipziger Platz, U.-Bahn: Pariser Platz: Potsdamer Stratze Ecke Margaretenstratze: Potsdamer Stratze Ecke Bülow- ftratze: Innsbrucker Platz. Kaisereiche: Steglitz, Rathaus-, Berliner Straße Ecke Kaiserallee: Bayerischer Platz: Nollendorfplatz: Witten- beroplatz: Zoo- Ufa-Palast: Kurfürstendamm Ecke Uhlandstraße: Kur- fürstendamm Ecke Joachimsthaler Straße: Wilmersdorfer Straße Ecke Kantstraße: Eharlottenburg, Knie: Wilmersdorf«? Straße Ecke Bismarckftraße: Charlottenburg, Wilhelmplatz: Budapester Straße, Hotel Eden; Spittclmarkt: Dönhoffplatz: Unter den Linden Ecke Friedrichstraße: Alexanderplatz, Bahnhof: Königstraße. Rathaus; Bahnhof Friedrichstraße:. Stettiner Bahnhof; Askanifcher Platz; Belle-Alliancc-Platz(Hallefchcs Tor). Die Kapelle der Schutzpolizei wird an beiden Tagen kon- zcrticrcn, lind zwar am 2. Februar von 12 bis 13 Uhr vor dem Rathaus Königftraßc, von IZio bis 14� Uhr auf dem Belle» Alliance-Platz, von 15 bis 16 Uhr auf dem Bayerischen Platz; am 3. Februar von 12 bis 13 Uhr gleichzeitig auf dem Döichoffplatz, auf dem Wittenbergplatz, auf dem Wilhelmplatz, Eharlottenburg. Lslalrnns Lügennetz zerrissen Volles Geständnis des Falschmünzers „Neiiei euer Geld!" Verhinderung einer neuen Oevifenschiebung. Bon der Kriminalpolizei war seit geraumer Zeit ein Kaufmann Karl H. aus der W i tz l e b c n st r a ß e In Charlottenburg unter Beobachtung gestellt worden, da gegen ihn der Verdacht bestand, daß er sich mit Devisenschiebungen befaßte. Der Kaufmann stand in Verbindung mit einer Bank in Amsterdam, die sich „A n e k o b a" nennt. Für diese Firma war er in Berlin als Agent beschäftigt. Seine Tätigkeit bestand darin, entsprechende Werbe- fchristen in Umlauf zu bringen, die die Aufforderung enthielten: „Rettet euer Geld in Gold." Die Leute sollten dem Kaufmann H. ihre Gelder anvertrauen, der von sich aus das Geld in Devisen an- legen würde. Die Kriminalpolizei erfuhr von der Sache, verfolgte den Mann heimlich und beobachteten ihn, wie er in einem Lokal seine Werbeschriften verteilte. Sie griffen jetzt zu und nahmen ihn fest. Der Kaufmann wird sich wegen Vergehens gegen den Paragraphen 18 der Devisenordnung zu verantworten haben. am Von einem Betrunkenen überfahren. Durch die Betrunkenheit eines Prioaifahrers wurde Rudolf-Wilde-Platz in Schöneberg ein folgenschwerer Straßenunfall verursacht. Der Schuldige, ein 30 Jahre alter Ver- treter Paul Brandt aus der Zimmerstraße in Steglitz fuhr in hohem Tempo über den Platz. Eine 24 Jahre alte Sekretärin A n n i S k o p n i k aus der Hähnelstraße 10, die gerade den Fahr- dämm überfchritt, wurde vom Auto erfaßt und zur Seite ge- schleudert. Mit schweren Schädelverletzungen wurde das Mädchen ins Krankenhaus gebracht. Der Autofahrer, der angeblich von dem Unfall nichts gemerkt hatte, tonnte erst am Nollendorfplatz Der vor einiger Zeit verhaftete Falschmünzer Salaban hat jetzt das Geständnis abgelegt, daß er bereits feit dem Zahre 1023 falsche Zweimarkstücke hergestellt und daß er ohne fede Hilfe gearbeitet hat. Zu diesem Geständnis bequemte sich Salaban erst, als die Polizei nach langem vergeblichen Suchen aus dem Boden der Villa unter den Dielen vier Prägestücke gefunden Halle, die in ganz rasfinierter Weise verborgen worden waren, wie Salaban weiter angab. Halle er sich eine zweite prägepresfe von einer Berliner Firma gekaust, die aber schlechter arbeitete als die alte presse. Er ha« dann die neue prägemaschine in einzelne Teile zerlegt, in Kisten verpackt und diese an verschiedene fingierte Firmen gesandt. Es ist wahrscheiaNch, daß diese einzelnen Maschinenteile in verschiedenen Städten als Fundgnt betrachtet und inzwischen versteigert worden sind.__ Die Voruntersuchung„Kelseneck". Neue Verhastangen. In der Boruntersuchung gegen Adam und Genossen wegen des Zusammenstoßes an der Kolonie„Felseneck" hat der Untersuchungs» richter auf Antrag der Staatsanwaltschaft die Voruntersuchung auf weitere IS personm ausgedehnt. Die Erweiterung der Vorunter- suchung erfolgt gegen 14 Teilnehmer des Zuges der Nationalsozia- listen wegen des Verdachts des gemeinschaftlichen Totschlags an den Arbeiter Fritz Slemke, gegen 3 Kolonisten wegen versuchten Totschlags und gegen ein Mitglied des Kampfbundes gegen den Faschismus wegen gemeinschaftlichen Totschlags an den Kunstmaler Schwartz und versuchten Totschlags an den Werkzeugschleifer W i t k o w s k i. gegen sämtliche Beteiligte auch wegen des Verdachts des Raufhandels. Gegen 25 der in dieser Sache festgenommenen Personen ist Haftbefehl erlassen. Die Angeschuldigte Frau Anni König ist mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft aus der Haft entlasten, da bei ihr ein Fluchtverdacht nicht mehr besteht. Die Voruntersuchung in dieser Sache wird also jetzt insgesamt gegen 48 Personen geführt._ Die Bluttat an Polizeiwachtmeister Fievig. Im Zusammenhang mit den trotz polizeilichen Verbots durch- geführten Anti-Kriegsdemonstrationen der KPD. vom 1. August vorigen Jahres, in deren Verlauf der Polizei- Hauptwachtmeister F i e b i g durch einen Lungenschuß schwer verletzt worden ist. hat jetzt die Staatsanwaltschaft I Berlin nach Abschluß der Voruntersuchung Anklage gegen insgesamt lll Per- sonen erhoben. Den Angeklagten Rudachowski, Matzke und Pieper wird versuchter Totschlag, schwerer Ausruhr und Der- gehen gegen das Schußwaffengcsetz zur Last gelegt. Gegen sieben weitere Angeschuldigte wird der Vorwurf der Begünstigung, des ein- fachen und schweren Ausruhrs und des Vergehens gegen das Schuß- waffengefetz erhoben. Di« Angeschuldigten besinden sich mit einer Ausnahme sämtlich in Untersuchungshaft. von einem Polizeischnellwagen, der die Verfolgung aufgenommen hatte, gestellt und festgenommen werden. Dabei stellte sich heraus, daß der Mann schwer betrunken war. Er wurde in Haft behalten, konnte sich aber, als er seinen Rausch ausgeschlafen hatte, an nicht- erinnern. B. wird dem Dernehmungsrichter vorgeführt.— Vor dem Hause Marien st raße 1 wurde gestern die 62 Jahre alte Frau Martha Freund aus der K a r l st r a ß e 7 von einem Fuhrwerk überfahren. Die Räder des Fahrzeugs, das mit 60 Zentner Gipsplatten beladen war, gingen so unglücklich über die Frau hinweg, daß der Tod auf der Stelle eintrat. Ein Sreditschwindlcr und Wechselfälscher, der bereits steckbrieflich oerfolgte 39 Jahre alte ehemalige Ingenieur Eberhard Bodeck, wurde in Berlin ermittelt und in einem Lokal in der Lützowstraßs im Westen Berlins festgenommen. Auch von auswärtigen Behörden in Magdeburg, Augsburg und München wurde der Verhaftete wegen zahlreicher Kreditbetrügereien und wegen Patentschwindels gesucht. „Sie erziehe ich mei» ftittM* Bier Vorträge für Eltern und Erzieher im Februar 1932 an jedem Dienstagnachmittag von I3's— 16i', Uhr im preußischen Ministerium für Volkswohlsahrt, Leipziger Str. 3. Beginn am 2. Februar. Themen der Borträge:„Die geistige und seelische Entwicklung des gefunden lunbe» und-----'" Kindes' schwere, heitssiirsor schwerer». >>eitsflirsorgeschule, 3132 bis 3136). Eharlottenburg 3. Franlstr. 3(Fernsprecher: C 4, Wilhelm Nazi kommt gut weg! Staatsanwalt beantragt Zuchthaus, Gericht spricht frei Nirgends wird so viel zusammengelogen, nirgends werden so viele Falscheide geschworen, wie in Prozessen wegen politischer Schlägereien mit und ohne tödlichem Ausgang. Nur selten erfährt man, in welcher Weise das Lügengebäude zustande gekommen ist. In dein Prozeh gegen die Nationalsozialisten Meier, Prüfke und D ö m p k e wurde das Rätsel der Entstehung solcher Aussagen ein wenig gelüftet: ein Kassiber, aus dem Gefängnis geschmuggelt, sollte die Wahrheit verschleiern. Wegen dieses Kassibers, stand einer der Angeklagten aus jenem Prozeß, Prüfke, vor dem Schöffen- gericht Berlin-Mitte unter der Anklage der Verleitung zum Meineid. In einer Mainacht 1930 kam es zu einem Zusammenstoß zwischen Mitgliedern des„Fußballklubs 1900" und Nationalsozialisten. Die Nationalsozialisten glaubten sich durch Blicke„provoziert", und sie fragten die Fußballer, was di« wollten. Diese wieder fragten, was jene wollten. Schon aber hatte einer von den Fußballern vom Nationalsozialisten Meter einen Schlag bekommen. Unmittelbar danach drückte Meier auch seine Pistole ab. Er folgte ein zweiter Schuß. Zwei tote Fuß- baller blieben auf dem Platz. Das Gericht erster In- stanz verurteilte die Angeklagten Meier, Prüfte und Dömpke zu je 2 Jahren Geiöngnis. Das Reichsgericht hob das Urteil auf. Das zweite Gericht erkannte auf sogenannte Putativnotwehr und ver- urteilte bloß Meier wegen unbefugten Waffenbesitzes zu 1 Jahr Gefängnis. Der Angeklagte Prüfke hatte aber aus dem Untersuchungs- gefängnis nach Empfang der Anklageschrift durch einen zur Ent- lassung kommenden Strafgefangenen an seinen Bruder einen Kassiber geschickt, in dem er seinen Mitangeklagten und Zeugen u. a. vor- schrieb, auszusagen, daß er und seine Kameraden vom Gegner mit voller Wucht angegriffen worden wären, daß es nicht weniger als 12 bis 13 Angreifer gewesen, die tätlich und mit Waffen vorgegangen seien, daß ein gewisser Bergmann aussagen solle, er habe die Waffe bei einem Unbekannten auf dem Nachweis getauft. Ein gewisser Siewert sollte aussagen, die Angreifer seien Kom- m u n i st e n gewesen. Der Brief, hieß es, fei zu vernichten. Dem- gegenüber stellte das erste Urteil fest, daß der Angeklagte durch den Kassiber die Aussagen habe beeinflussen wollen: die Beweisauf- nähme habe ergeben, daß der Fußballklub unpolitisch sei und daß dessen Mitglieder beim Zusammenstoß kein« Waffen geführt hätten und, daß die Angeklagten am Tage der Tat nicht der Anficht gewesen seien, einen politischen Gegner vor sich zu haben, sondern sich das erst viel später zurechtgelegt hätten. Nach Auffassung des Gerichts hatte Prüfke also seine Mitangeklagten vnd einen der Zeugen zu einer falschen Aussage verleiten wollen. Prüfke erklärte vor dem Schösseugericht Berlin-Mitte, an die Rtchtigkeit dessen, was er geschrieben, mit Ausnahme eines Punktes. geglaubt zu haben. Der Staatsanwalt beantragte wegen B e r- leitung zum Meineid 1 Jahr 3 Monate Zucht- hau«, 3 Jahre Ehrverlust und Haftbefehl: es sei notwendig, die Tendenz zu salsckien Aussagen in politischen Prozessen auf dos fchärsste zu bekämpfen. Das Gerickst sprach den Angeklagten frei mit der Begründung, daß subjektiv eine Verleitung zum Meineid nicht vorliege... Abenteuer eines Giaatsanwalts. Nachspiel einer Bierreise in Moabit. Auch ein Staatsanwalt ist schließlich nur«in Mensch. Und wenn gareinStaatsanwaltausdemAusland nach Berlin kommt, um fern von seiner Heimat und seinem Dicnstort ohne über- flüssige Konvention das Leben zu genießen, so hört er, gewisser- maßen, überhaupt auf, Staatsanwalt zu sein. Der Staatsanwalt, von dem hier die Rede ist, ist ein ausländischer Staatsan- walt. Wenigstens behaupteten das vor dem Cinzelrichter in Moabit die beiden Angeklagten: die 40jährige Anna und der 40jährige Louis. Beide ernähren sich heute noch von der Fried» richstraße. Mit dem„Staatsanwalt" hat es aber folgende Bewandtnis: Eines Nachts gab es auf der F r i e d r i ch st r a ß e einen Auf- lauf. Drei Straßenmädchen kreischten sich gegenseitig an, es fehlte nicht viel und sie hätten einander in den Haaren gelegen. Das Publikum rings herum amüsierte sich köstlich. Da kam der 40jährige Louis hinzu, um für Ruhe und Anstand zu sorgen. Seine Ein- Mischung brachte die Frauen noch mehr in Rage: jetzt wandten sie sich gegen ihn, und wer weiß, wie die Dinge noch ausgegangen wären, wenn nicht plötzlich ein eleganter Herr hinzugekommen wäre und kurzerhand gesagt hätte: Kinder, jetzt aber Schluß, kommt alle Bier mit. Im Nu waren Zank und Streit vergessen, man ging mit- man wanderte von einem Lokal ins andere, trank Bier, Schnaps, Sekt, man feierte„Arien", wie die Angeklagte sagte. Als die Stimmung den Höhepunkt erreicht hatte, stellte sich der freigiebig« Herr vor... als ein Staatsanwalt. Auch Louis stellte sich vor... als Kaufmann. Seine 13 Borstrafen verschwieg er. War es doch ein„Staatsanwalt", wenn auch nur ein fremder. Auch der Morgen machte der Gesellschaft kein Ende. Man begab sich nach dem Westen. Es wurde weiter gezecht, aus verschiedenen Lokalen wurde man hinausgeworfen und schließlich hatte der„Staatsanwalt" genug: er bestieg mit Ach und Krach ein Auto und fuhr in sein Hotel. Wie es ihm zumute gewesen sein mag, als er seinen Rausch ausgeschlafen hatte, davon erfuhr pian in Moabit nichts. Wohl aber, daß sein« vier Zechkum- vaninnen zuhause sein ausländisches Geld, das unterdessen von Louis in Mark umgewechselt worden war, unter s i ch geteilt hatten: auf jeden kamen 300 Mark. Wso hatten Sie Ihren Spendierer bestohlen?" ,L bewahre, der war ja saoo frei- gieblg: er hatte sein« Brieftasche auf den Tisch gelegt und einfach gesagt:„Nehmt, Kinder, nehmt, alle- gehört euch." Wir haben aber nicht genommen, behüte Gott; er hat uns selbst gegeben. Das Gericht hatte für diese Freigiebigkeit des fremden Staats- anwalts wenig Berständnis. Die Angeklagten erhielten se zwei Monate Gefängnis. Vater und Jugendamt. Wegen Bedrohung und Nötigung verurteilt. Es gibt Eltern, insbesondere Väter, mit denen die Jugendämter ihre Qual haben. Sie bereiten die größten Schwierigkeiten, er- gehen sich in wüsten Beschimpfungen und wollen sich über Jugend- amt und Vormundschastsgericht hinwegsetzen. Es muß aber schon besonders arg zugehen, wenn sich das Jugendamt dazu entschließt, gegen solch einen Bater Strafanzeige wegen Bedrohung und Nötigung zu erstatten. Das Eltsrnpaar N. bewohnt mit fünf Kindern Stube und Küche. Zwei von den Kindern verdienen, auch der Vater Hot zwischendurch Arbeit: im großen und ganzen lebt aber die Familie von Wohlfahrtsunterstützungen! der Vater trinkt sehr gern über den Durst. Die beiden jüngsten Kinder verwahrlosen zusehends. Das Jugendamt macht Vorstellungen, gibt sich die größte Mühe, die Kinder vor endgültiger Verwahrlosung zu retten, der Vater stellt sich immer wieder hindernd in den Weg. Er pocht aus sein Vater- recht und will niemand in seine Erziehungsmethoden hineinreden lassen. Es bleibt nicht anderes übrig, als das Vormundschastsgericht. darum zu ersuchen, ihm das Sorgerecht zu entziehen. Das geschieht. Um unerquicklichen Auftritten aus dem Wege zu gehen, bringt die Fürsorgerin die beiden Kinder direkt von der Straße in ein Jugend- Heim. Sie sind dort gut aufgehoben. Was tut aber der Vater? Er erscheint auf den, Jugendamt, beschimpft die Fürsorgerin in der gemeinsten Weise, droht ihr den Garaus zu machen, stellt Geld- forderungcn— zuerst sind es 2000, dann 20 M., schließlich 50 Ps.—, geht aus sie mit erhobenem Stuhl los, nur das Dazwischentreten des Leiters des Jugendamtes verhütet ein Unglück. Er erfährt ans Umwegen die Adresse des Jugendheims, in dem seine Kinder unter- gebracht sind, begibt sich dorthin, droht alles kurz und klein zu schlagen und erzwingt, daß ihm die Kinder über die Weihnacht-- feiertags mitgegeben werden. Immer häufiger werden seine Besuche im Jugendamt, immer heftiger seine Auftritte daselbst: das Jugendamt erstattet Anzeige. Das Gericht sieht einen vollständig einsichtslosen Mann vor sich, der sich nicht davon abbringen läßt, daß er kein Anrecht mehr darauf hat, für seine Kinder zu„sorgen". Das Urteil lautet aus acht Monaic Gefängnis. Er legt Berufung ein. In der zweiten Instanz läßt er sich nach langem Ucbcrredcn durch den Borsitzenden dazu herbei, die Berufung bloß auf das Strafmaß zu beschränken. An Einsicht hat er noch immer nichts hinzugelernt. Er erklärt immer noch, sein Recht weiter verfolgen zu wollen. Seine Kinder hätten es zu Hause außerordentlich gut gehabt, niemand wäre imstande, ihnen die„Elternliebe" zu ersetzen. Das Gericht will aber diesen zweifelsohne schwer belasteten Mensche» doch nicht auf acht Monate ins Gefängnis schicken. Es mindert die Strafe auf vier Monate herab und billigt ihm auch eine Be- währungsfrist zu unter der Bedingung, daß er in Zukunft jegliche Exzesse unterläßt und die Kinder im Jugendheim nicht belästigt... Schlaaereien in Naziversammlungen. Zwei nationalsozialistische Versammlungen, die gestern abend in den Concordiasälen in der Andreasstraße und in einem zweiten Versammlungslokal in der Frankfurter Allee 2 stattfanden, nmßten von der Polizei aufgelöst werden, da es zwischen Haken- kreuzlern und Kommunisten zu schweren Schlägereien gekommen war. In den Concordiasälen setzte sich das Handgemenge auf der Straß« fort, und die Polizei mußte mehrfach einschreiten. In der anderen nationalsozialistischen Versammlung wurden bei der Schlä- gerei sechs Beteiligte verletzt. 44 Kommunisten und 37 Hakcn- krcuzler wurden festgenommen und der Politischen Polizei über- geben. Was kostete 1330 eine Neubauwohnung? In einer aufschluß- reichen Abhandlung in der neuesten Nummer der vom Berband sozialer Baubetriebe herausgegebenen Zeitschrift„Soziale Bauwirtschast" werden die Kosten einer Neubauwohnung im Jahre 1930 berechnet; es ergibt sich, daß die Gesamtherstellüngs- kosten einer 2'4-Zimmer-Wohnung in den Großstädten rund 10000 Mark und auf dem Lande 7600 M. kostete. Den Gründen dieser Feststellung des Statistischen Reichsamts wird in der AbHand- lung nachgegangen.— Bausparer finden gleichfalls eine außer- ordentlich lehrreiche Abhandlung über das Bausparkassenprobiem. Die Strecke Potsdamer Ringbahnhof— Porckstraße muß in der Nacht vom Sonnabend, 30.. zum Sonntag, 31. Januar, von 21 Uhr bis Betriebsschluß wegen Auswechselung einer Brücke gesperrt werden. Die VororiKÜge nach und von Lichterfelde-Ost be- ginnen und enden fcafier für die Zeit der Sperrung in Pape- st r a ß c, die Züge nach und von Zossen in Porckstraße. Reisende müssen die Südringzüge benutzen und m Papestraße umsteigen. Dieses Jahr kein Katarrh 90 ti. 45 nimmst! wenn Sorglose Stadibantdirektoren. Zhr Verhalten nach der Verhaftung Sklareks. Im SKar«k-Proz«ß erörterte man gestern nachmittag sehr aus- sührlich die Vorgänge, die sich in der Zeit vom 20. September, dem Tennin der Aufdeckung der ersten Fälschungen, bis zum Tag« ihrer Verhashmg am 26. September 1929 ereignet haben, und dabei wurde besonders das Verhalten der Stadtbankdirektoren beleuchtet, die nach ihren Aussagen bis zum letzten Augenblick nicht an eine Srbuld der Sklareks glauben wollten. Zur Sprache kam dabei, daß die Stadtbankdirektoren Schmitt und 5) o f s m a n n zusammen mit dem Direktor Dr. Lehmann beim Kämmerer waren und noch einen Tag nach der Verhaftung dort erklärten, daß sie die Sklareks nicht sur schuldig Hullen. Wie Hofsmann und Schmitt gestern betonten, habe der Kämmerer sie dann zum Polizetvizepräsidenten Dr. Weiß geschickt, dem sie auch ihre gute Meinung über die Sklareks sagten, der sich aber auf nichts einließ, sondern vielmehr dem Juristen der Stadtbank, Dr. Lehmann, auf die Frage, ob nmn denn einen Arrest gegen das Vermögen der Sklareks erwirken könne, die Antwort gab:„Das hätten Sie schon längst tun sollen." Der Vorsitzende stellte aus der Anklag« fest, daß die SNareks noch am 25. September, also einen Tag vor der Verhaftung, von der Sladtbank fast% Millionen Mark abgeholl haben, die, wie der Buchhalter Lehmann bekundete, bis aus etwa 10000 M., die beschlagnahmt wurden, zur Abdeckung der Schecks vom vorher- gehenden Tage benutzt wurden. Sogar nach der Verhaftung der Sklareks bekam die Stadtbank noch Schecks zur Einlösung; sie wurden jedoch nicht eingezogen, sondern gingm aus Anweisung von Hosfmam, zurück, inn nochmals vorgelegt zu werden. Rechtsanwalt Dr. Pindar hielt den beiden angeklagten Stadtbankdirektoren vor, daß man aus ihrem Verholten schließen müsse, daß sie alles gewußt und gedeckt hätten, was sie jedoch energisch bestritten. Rechtsanwalt Bahn: Als Verteidiger Hoffmanns maß ich sagen: Es ist nicht zu teugnen, daß die Stadtbankdirektoren mit kolossaler Sorglosigkeit vorgegangen sind. Der Vertreter des Oberpräsidenten, Oberregierungsrat v. Stein, hat aber im Untersuchungsausschuß darauf hingewiesen, daß auch der Kreditausschuß mitverantwortlich ist Man wandte sich dann dem vorletzten Abschnitt des Stadtbankkomplexes zu, der die Versuche, auf die stattfindenden Revisionen Einfluß zu nehmen, behandelt. Der Vorsitzende kam in diesem Zusammenhange wieder aus Direktor Brvlat zu sprechen. Er befragte Leo Sklarek über alle Behauptun- gen. die gegen Direktor Brolat vorgebracht worden sind. Als Rechts- anwall Rübell fragte, was dies alles mit dem Prozeh zu tun habe, entgegnete der Vorsitzend«, daß diese Dinge im Interesse der Glaub Würdigkeit des Zeugen Brolat erörtert werden mühten, auch wenn der Zeuge Brolat durch diese Erörterungen in eine un» angenehme Lag« kommen würde. Wie wir hören, gedenkt Herr Keßner Brolat nichtvvrEnde Februar zu oernehmen. Angesichts dieser Frist erhält seine Stellungnahme einen besonderen Anstrich. Der angeklagte frühere Stadtrat G ä b e l, der zur Klärung eines Punktes ebenfalls wieder anwesend war, verteidigte sich dann gegen den Porwurf, daß er in der fraglichen Zeit einmal bei Brandes angerufen habe, um die Revisionen zu bceinflusien. Er habe bei Brandes wegen einer SozialfetiMiie Stadentensdialf Berlin Am Freitag, dem 29. Januar, 20 Uhr, im Plenarsaal des Staatsrates (ehemaliges Herrenhaus), Leipziger 5 trabe OcHenilfdie Slndenien-Kunddcbunö Kampf um den Staat Redner: Peter Grabmann, Berlin— Wilhelm Sollmann, Köln Alle Parteigenossen sind herzlich einladen. Eintritt 20 Pfennig. Saalöifnung lSJj Uhr anderen Sache angerufen und sei übrigens damals oerreist gewesen. Der Vorsitzende gab dann noch aus der Anklage bekannt, daß auch Rosenthal bei der Stadtbant gewesen sei und verhindern wollte, daß man bei den Bezirksämtern revidierte. Die Verhandlung wurde dann auf Freitag, 9 Uhr, vertagt. Giebzigjähriger Bergarbeiterführer. Hermann Sachs«, der langjährige Bergarbeiterführer und ehemalige sozialdenwkratijche Reichstagsabgeordnete feiert heute in vollkommener geistiger und körperlicher Frische seinen 70. Geburtstag. Im sächsischen Erzgebirge, wo er am 29. Januar 1862 geboren wurde, sind auch die Anfänge seiner gewerkschaftlichen Tätigkeit. Nach Beendigung seiner Lehrzeit als Stellmacher, arbeitet« er, da er in seinem Berus keine Stellung fand, als Bergarbeiter. Schon mit 22 Jahren wird er Vorsitzender der Kasscnkommission des sächsischen Bergarbeiterverbandes. Seiner organisatorischen und rednerischen Begabung, vor allem aber auch seinem unermüdlichen Eintreten für die damals schwer bedrückten Bergarbeiter ist es zu- zuschreiben, daß er im Jahre 1392, als Dreißigjähriger, zum 1. Vorsitzenden des sächsischen Bergarbeiterverbandes gewählt wurde. Der Verband wurde auf behördliche Anordnung im Jahre 189S aufgelöst. Trotzdem wirkte Sachse für seine Klassengenossen un- ennüdlich weiter. Ein Flugblatt, von ihm verfaßt, brachte ihm im Jahre 1894 eine Gefängnisstrafe von einem Jahre«in. Er mußte die volle Strafe im Gefängnis zu Zwickau, in welchem auch August Bebel seine Strafen verbüßen mußte, absitzen. Im Jahre 1902 er- folgte seine Wahl zum 1. Vorsitzenden des Verbandes der Berg- arbeiter Deutschlands. Sachse wirkte nicht nur innerhalb seiner gewerkschaftlichen Tätigkeit für die Bergarbeiter, sondern auch im Reichstag, dessen Mitglied er von 1898 bis 1920 war. Im Jahre 1927 schied Sachse aus freiem Entschluß aus den Aemtern, um sich endlich, nach einem an Arbeit und Erfolgen reichem Leben nach seiner sächsischen Bergheimat Alboroda zurückzuziehen. Noch heute ist Hermann Sachse eifrig für Partei und Reichsbanner tätig. Er wirkt kommunalpolitisch als Stadtrat und übt die Funktion eines Ortsoereins-Kassiercrs beim Reichsbanner aus. Herzlichen Glück- wünsch unserem alten Kämpen zu seinem 70. Geburtstag. Erwcrbslosen-Freikarten zur Grünen Woche. Ab Freitag, dem 29. Januar 19Z2, werden an fachlich inter- «stierte Arbeitslose und Wohlfahrtsunterstützte bei ihren zuständigen Arbetts- und Wohkfahrtsämtern Ausweise abgegeben, die den In- Haber und auf Wunsch auch seine Ehefrau zum einmaligen kosten- freien Besuch der 7.„Grünen Woche Verlin 1932" berechtigen. Der Besuch der Ausstellung auf diese Wohlfahrtskarten ist ohne Ein- schränkung während der ganzen Dauer, d. h. vom 30. Januar bis 7. Februar, auch Sonntags, möglich. Da die Ausgabe dieser Aus- weise ausschließlich an eingetragene Erwerbslose bzw. Wohlfahrt?- unterstützte durch ihre zuständigen Arbeits- und Wohlfahrtsämter erfolgt, können direkte Anforderungen an den Kassen der„Grünen Woche" nicht berücksichtigt werden. Die„Illustrierte Reichebanuer-Zeiluug" ersd>eint für die Sonntagsdemonstration der Eisernen Front als besonders reich aus- gestattete Sondernummer, die zum Preise von 20 Pf. bei allen Zeitungshändlcrn und in den Kiosken zu haben ist. Aktentasche im Sporipalast verloren! Bei der vorgestrigen Kund- gcbung im Sportpalast ist in der Garderobe der vportler im Zwischenstock eine Aktentasche(braun) liegen geblieben. Der Finder wird gebeten, die Tasche in der Geschäftsstelle der FTGB. oder beim Verlierer Carl Zach r au, Lilienthalstr. 8, abzugeben. lvetterausiichten für Berlin. Trockenes, vorübergehend aus- heiterndes Wetter mit etwas höheren Temperaturen. Zeitweise auffrischende westliche Winde.— Zür Deutschland. In der südwest- lichen Reichshälfte Fortdauer des ruhigen, nachts kalten Wetters; im übrigen Deutschland etwas milder bei zeitweise auffrischenden Westwinden; nirgends Niederschläge. ��ÄSozialistischeArbetterjugendGroß-Verlin Einsendunzen für diese Rubrik nur QN da» Jugendsekretarint Berlin SW 08, Lindenstra�e 2. vorn l Treppe rechts. Proletarisches Orchester de« SAZ.-Sruppe Bedding: Uedungsabend See. Ecke Turiner Etrage. Fit« das iiostimsest der Balksbühne im Gportpalast sind noch einige Korten im vetretariat zu haben. heute. Freitag. 29. Januar, 19's Uhr. «ekouaplatz: Elisabethkirchstr. 1b:„Arkona-Rundfuntsender".— Sewert- Ichastshaus: Köpenicker e-tr. S2: Liederabend.— Roseuthaler Vorstadt: Tieck. strafce 18:„Unsere politischen und kulturellen Aufgaben".— Zentrvm: Waisen. straßc 18: Heimabend.— Saasa: Bochumer Str. 8b; Bunter Abend.— Moabit I: Waldenserstr. 20—21:„Wae muh ein CAZ.ler lesen?"— Moabit I!; Lehrter Elrajje 18—19;„Das heutige Ruhland".— Moabit IN: Bremer Str. 09—70: „Rassefragen".— Sportpalast: Eenthiner Str. 17:„Gexuelle Kragen".— 9t- suadbrunnen N: Kolonieslr. 8:„Tagespolitik".— Zloeden: Lorhingstrahc: Kunl» tionörversammlung.— Arnimplatz: Sonnenburger Strohe, Kimmer 4: Eltern. abend.— Balkan: Mandelstr. 2: Fahrtenerlednissc— Faitplatz II: Sonnen. burgcr Str. 20:„ikinfllhrung in den Sozialismus", ll. Teil.— chelmholtzplatz: Kastanienallee 81, Schule:„Tagespolitik",— Koheaschönbansen: Freienwolder Strohe 0:„Einheitsfront".— Kumbolbtbain: Putbusser Srr. 3: 19 Uhr ffunl. tionörversammlung,— Rordostea l: Danziacr vir. 02;„Was ist Gemeinschaft?" — Beihcasee: Parkstr. 30: Ärbeitsoemeinschast,— Andreasplah lr Bromwn- strahc 1:„Die Dolchslohlegende".— Petersburger Viertel: Stellung zur General. Versammlung.— Warschauer Viertel: Litauer Str. 18:„Die Bedeutung der Konsumgenossenschaft".— Halleschcs Tor: Norckstr. ll: ssunitionarsihuug.— Lnijcnstadt: Wassertorstr. 4:„Der Kommunismus".— Zrirdeuau: Offenbacher Strohe ü»; Mödciabend.— Schöneberg V; Sauptstr. lö; Humoristische Bücher. — Schöneberg-Stamm: Hauptstr. lj:„Kaisers Geburtstag".— Eharlottenbueg; Rosinenstr. 4; Politisch. satirischer Abend.— Eharlottenburg-Rsrd: Siemens- stadt, Zungfernheidewea:„Alkohol und Ziikotin".— Spandau: Lindenufer l: Liederabend.— Lankwid: Schulstrahc: Lieder, und Mustkabend.— Lichtcrfelde: Bunter Abend.— Steglitz ll:„Was ist Sozialismus?"— Mariendors: Kampf. liederabend.— Reukölin I: Sander. Eck« Hobrechtstrahe; Funktionörversaann. lung.— Renkolln II: Steinmetzstr. 04: Aktuelles.— Mntöll» III: Zicthenstr. 08: Brettsvillabend.— Reukölln IV: Kanner Etrahe:„Der Kumpel".— Reu. iölla VI! Treptower Str. gü— 90: Iünarrenzusommentunft.— Neukölln VU: Karl-Marx-Schule:„Tagespolitik".— Neukölln Vlll; Riitlischule. Zimmer 28: Arbeitsgemeinschaft.— Neukölln X; Bcrgstr. 29: Ardeitsgemetuschaft.— Neu- löllu XI: Flughafenstr. 68:„Arbeitersport",— Treptow: Gruppenfahrt fällt aus, wir beteiligen uns an der Parteiversammlung.— Baumschiilenweg: Ernst- strahe 10:„Flcgelsahre".— Johannisthal: Rathaus: Arbeitsgcmeinjchaft.— Schöneweide II: Berliner Str. 3l:„Wirtschoftsprogramm der NSDAP."— Adlershos: Bismarckstr. l: Funktionärsitzung.— Bohusdors: Wachtelstr. 1: lO-Minuten-Referate.— Köpenick I: Werbevcranstaltung.— Köpenick II: Dahl- witzer Str. lki: lO-Minuten.Reterate.— Falkcnberg; Bunter Abend.— Karls- Horst: Musikabend.— Friedrichsfeld«: Guntersir. 44:„Wirtschattlis>cr Luer- schnitt".— Lichteuberg.Mitte: Dosiestrah«:„Kaisers Geburtstag".— Lichten. berg.Neu: Dunterstr. 44: Heimspiele.— Mahlebortt Lustiger Abend.— Lichte». beeg.Nord: Dunterstr. 44:„Was bietet uns das Radio?"— Lichtenberg. Nord. wcsti Satirischer Abend.— Hennsdoes!„Pub und Möbel in der SAH."— Reinickendors Ost: Lindauer Str. 1: lO.Minuten, Referate.— Wittenau: Haupt. strahe 13: Lustiges Monatsende.— Karow: Frundsbergftr. 0: Lustiges Monats. ende.— Nieberschöohausen: Arbeitsgemeinschaft. Me i t$ teil t fta öen Wie 4m t Qfibt Än köort {h6 f��ie�eLT�thtncchheidef erschxijmglich�; kann hstubt GHCneckü Jhtvtn 3Sif sind nicht vteL, aberdn� Ste/tf�aretbtkann n�itcüle QualilÄbansprwhc, ~ zit losen., das Alifr an�ehir, o{icntmd.a2td2 � UJtS&nb �g�-pehben fdbflk«'Dresden i ni' i l /- ii. 1 tinsseas Sdioa h&ubt feonnea w�}m�vrdSjdl�fdass wirhenuts etrut losxtng gejliaclea haber�d£& All0 12AQdl€ßkR6{SG parieinachrichien /M�für Groß-Berlin ktniendungcn für»tele Nudrit stnd Berit» SW«8 LtndenstraK« z stet» da, Dezirr»Ietretarta> Z. Hos. 2 Treppen rrchts. zu richte» Erweiterter Bezirksvorstand. Freitag, den LS. Januar, ISVj M>r. Sitzung des Erweiterten Bezirksvorstandes im Sitzungssaal, Linden- straße 3, 2. Hof. 2 Treppen. 5* Beginn aller Veranstaltungen lS'>Ä Uhr. sofern keine besondere Zeltangabe! t. ftrci«. Heute, Freitag, 29. Januar, von 9 bis 17 Uhr Zllsa-nmeniuntt der erwerbslosen Partstmitalieder in der Dunckerttr. Kb— 66. Von 13 bis 1414 Uhr Stcnographiekursus. von UM bis 1614 Uhr Ksperantatursus an gleicher Ttellc. ZS. Ädt. Heute, Freitag, 29. Januar, bei Lemle, Echreinerstr. 38, Funktionär, siKung. An bekannter Stelle Zusammenkunft der jüngeren Parteimit. glieder. <8. Abt. Abrechnung der Abteilung Sonnabend, so. Januar, 1814 Uhr, bei Keller, Fürstenstr. 1. 131. Abt. Eonnabend, so. Januar, 20 Uhr, Funktionär("chunz in der„Wolfs. schlucht", Treskow. Ecke Blücherstraße. Bezirksciisschufi für Ärbetkenvohlfahrt. Heute um 19>4 Uhr Fortsetzung Kursus Paula Surgaß:„Me Frau in der gesellschaftlichen Krise der Gegenwart". Arbeitsgemeiaschaft der Sinderfreuade Grov-Berlia. jtreuzberg, Abt. Vorwärt-: Achtung I Wir treffen uns Sonntag ' zur Kreisveraustaltung nicht um 13 Uhr, sondern IS Uhr Rot« J Ecke.— Abt. Ncichenbcrgcr Viertel: Alle Nest, und Jungfallra llf treffen sich Sonntag lö Ukst an der Falkenecke zum Besuch der Kreis. �' i Veranstaltung. 1\'0 Tempelhof V. Nea-Te«pelh»f: Rotfalkenfahrt nach Birkenwerder— ""Lehnitzfce. Treffen 9 Uhr Bahnhof Tcmpelhof. 79 Pf. mitbringen. 17. Kreis Lichtenberg. Heute Falken-Parlamentssitzung NM 1714 Uhr im Jugendheim Gunterstr. 44. Alle Gruppen müssen vertreten sein.— Lichtenberg. Rorb uab Rcu-Lichteoberg: wonntag. 31. Januar, Treikahrt in die Umgebung der Zllüggelberge. Treffpunkt 8 Uhr Wilh-lmplatz(Autobus.Endhaltestelle Bahn. Hof Lichtenberg.Friedrichsfelde). Kosten 30 Pf. 2«. Kreis Reiaickendors. Montag, 1. Februar, 20 Uhr, Kreishelferfitzung, Reu« Schul« Wittenau. Sämtlich« Helferausweife stnd mitzubringen. Abt. Steglitz, Rot« Falken: Freitag Einführung in da, Schachspiel. 90 Uhr, im Stechtbad Schwimv""*'"" selbe: Freitag muß ausfallen. >_________________________ W..... Rontag, wimmeu mit den Freien Schwimmerin— Abt. Lichter- Treptow: Alle Gruppen treffen sich Sonntag, 31. Januar, pünktlich 1314 Uhr, par der Stcrnwart« Treptow. Erscheint in Falkenklcidung.— Laura de Bofls: Sonntag, 31. Januar, gemeinsamer Besuch der Sternwarte. Treffpunkt 13 Uhr Bahnhof Treptow.— Achtuugl Elternversammlung Montag, 1. Februar, 1914 Uhr, Graetzstr. 50(Borwärts-Spedition). Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 23. Abt. Am 2«. Januar oerstarb nach längerem Leiden unser alter Eenoss« Karl Walter, Diedenhofener Str. 7, im Alter von 76 Jahren. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren! Einäscherung Sonnabend, 30. Januar. Krematorium Gerichtstraße, um 1814 Uhr. Die diesjährige»llleihe Woche" gibt den tonsumgenossenschaft- lichen Warenhäusern(Berlin Oranienstraße 164/60; Berlin 31, Reinickendorfer Straße 21; Berlin N., Brimnenstraße 188/196; Berlin O., Frankfurter Alle« 66) die Gelegenheit, den in der Konsum-Genossenschaft Berlin und Umgegend ver- «Inigten 26 6 6 66 Haushaltungen die günstigen Angebote zu unterbreiten. Besonders heroorzuhel-n find die bewährten Quali- tätcn der aus den Webereien der Großeinkaufsgesellschaft Deutscher Äonsumvereine hervorgegangenen Erzeugnisse. Die genossenschaftlich organisierten Hausfrauen werden bei dem Besuch ihrer eigenen Warenhäuser von den außerordentlich vorteilhasten Angeboten über- rascht sein. De« Osterhase a» der Arbeit. Gestern ist— an einem einzigen Tag«— bor Osterhase in den lZva Filialen von Kaisers Kaffee-Gefchäft gewesen und Hot überall in den Schaufenstern eine entzückende Ucberrasckung für Kaisers Knuden aufgebaut. Was für eine, wird nicht verraten— Ostereier müssen ar. sucht werden— wer einen aufmerksamen Blick in die Schaufenster wirst, wrrd sofort finden, um was es sich Handill. Ein mit roten Marken gefülltes Kaisers Sparbuch sichert jedem Kunden außer dem ständigen S-Proz-Rabatt diese schön« Osterfreude. E Frisch Rinder-Suppenfl.• ov Pfd. 0.48 Kalbsvorderfleisch an Pfd. 0.98 Rinder-Rouladen. an Pfd. 0.98 Frische Fische Kabeljau o. k....... an Pfd. 0.26 Seelaaiso. K........an Pfd. 0.20 Rotbars o.k........ an Pfd. 0.28 Schollen............. 3 Pfd. 0.28 Grüne Heringe•■ an 3 Pfd. 0.35 Lebende Plötzen.an Pfd. 0.28 Lebendo Karpfen n cn an..................... Pfd u.bu f I e i c h Kaßler............ an Pid. 0.7 J Schw.-Schinkenm.B.on Pfd. 0.66 Hammelvorderfl.. an Pfd. 0.88 Delik.» Raucherwar. ObstundGemuse Fettbücklinge........ 2 Pfd. 0,45 Sprotten Kitldian, ca. 1 Pfd. 0.22 Makr.-Büddinga K«t, ca. 2 Pfd. 0.48 Flundern fainepemm.en Pfd. 0.34 Imp. Sardellen....... Pfd. 0.85 Olsardinen....... 5 Doian 0.95 Div Fischinarlnadenn cn I Ltr. Dom................. U.OÜ 0.18 0.18 0.28 0.44 0.58 0.60 0,88 0.88 0.65 0.70 0.75 0.80 0.95 1.2 i Wurstwaren Gek. Schinken..... st« Pfd. 0.29 Kons. Sülze........... Pfd. 0,38 Spedcwurst............ Pfd. 0.58 Dampfwurst............... 0,70 Bierwurst Pfd. 0.70 Jagdwurst............ Pfd. 0,76 Echte Braunschw..... Pfd. 0.82 Feine Leberwurst.... Ptd 0.98 Cetvelat u. Salami... Pfd 0.98 Teewurst, grobe..... Pfd. 1.05 Cervelafwurst LFartd. Pfd. 1.20 Speck moger Pfd. 034, fett Pfd 0,68 Schinkenspeck....... Pfd. 1.20 Nußschinken.......... P'd. 1.32 Rot,Weiß,Wir«ingkohl..Pfd. 0.06 Möhren od. Kohlrüben 3 Pfd. 0.10 Sellerie od. Rübchan..3P d. 0.20 Eß- u. Kochöpfel..... Ptd. 0.10 Apfelsinen Blutoval 3 Pfd. 0.65 Mandarinen Biaukr. Pfd. 0.20 Apfelsinen 3 Pfd. 0.44 Obst kon se rven Pflaumen mit Stein....'st Ds. 0.w8 Pflaumen ohne Stein.. st, D». 0.72 Pfirsiche gr. Prodi». D>. 0.75 Mirabellen........... VjDj. 1.16 Kirschen-dw.->. St...st, D». 0.98 Kirschen-diw. m. Sf...st, Ds. 0.9J Ananas Malaya....... st, Ds. 1.35 Apfelmus ta el fertig..st, D». 0.85 Stachelbeeren....... st, D, 0,75 Erdbeer-Gelee ca. I Ptd. Gl. 0.95 Himb.-Gelee..-ca. i Pfd. Gl. 0.95 Kirsch-Gelee... ca. 1 Pfd Gl. 0.80 Apfel-Marmel..:a. 2 Pfd. E. 0.75 Gem. Marmel,.ca. 2Pfd.E. 0.75 VaUm�SchakoL lOOgTfl. 0.20 Malzbonbon.... Pfd. 0.50 ifcymsa Geflügel und Wild Suppenhühner..... an rtd. 0.68 Gänsesfückenfl____ an Pfd. 0 60 Enten............... an Pfd. 0.68 Hl rschbl oft......... an Pfd, 0*54 Gänsekeulen...... an Pfd. 0.9- Hasen gestr........ an Pfd. 0.75 Butter• Fette• Eier Weine* Spirituosen Molkereibutter....... Pfd. 1.06 Tarrog.Wermutlu.o.ts 5Lt. 4.75 Tafelbutter........... Pfd. 1,22 Malaga.SamoslU.i.i- 51». 5.25 Markenbutter......... Pfd. 1.30 Bowlenwein i u. r�s 5 U.. 3.15 Marg. Kokosfett...3 Pfd. 0.95 SOer Edesheim. Str. m. Fi. 0.85 Schweineschmalz.... Pfd. 0.44 Liebtraumilch, Niersf.m. Fi. 0.95 Bratenschmalz...... Pfd. 0.44 29erCochem. Kramp m.Fl. 0.95 c»__ n CC Johunnisbeorwoln 0 on Eier an 10 Stüde...... U.OO i U. 0.6S 5 Lt............... O.OU Gemüse- Konserven Koionioiwaren jg Kohlrabi......... n o» 0.33 Kartoffelmehl........ rid. 0,18 Jg. Brech-u.Schnittb.'iiDs. 0.42 WienerAusz.-Mehl 3 Pfd. 1.30 Gemüse-Erbsen..... st, 0» 0.52 Linsen................ 2 Ptd. 0.25 Jg. Erbsen mitialfein..'/, D». 0.74 Weiße Bohnen..an 2 Pfd. 0,25 Kaiserschoten....... st, Dv 1.30 Viktoria-Erbsen..an 2 Pfd. 0.35 Gemischtes Gemüse''iDs. 0.66 Vollreis............. an Pfd. 0.14 Garn. Gemüse mirralf.>/, Du 0,90 Eierschnittnudeln., an Pfd 0.44 Gam. Gemüsesahr lein1 iD«. 1,45 Mankoroni......... an Pld. 0,46 Brechspargel dünn...',, D». 1.10 Fleischbrühwürfel.10 Srdc. 0.25 Brechspargel stark...1;, D>. 1.9J Mischobst...........an Kfd. 0.33 Stangenspargel'/, D*. 1.60 Birnen............... an Pfd. 0.68 Stg.-Sparg sahr stark st, Dt. 2.05 Aprikosen kaliforn. an Pfd. 0.60 Spargelkopfe grün..st, D«. 1,75 Pfirsiche............. anP.d. 0.60 Pfifferlinge III......... st, Ds. 1.10 Kaffee.—............ an Ptd. 1.60 Vollm. Nuß. Bruch Ptd. 1.00 Mozart-Stäbehen Pfd. 1,10 " AdrTrria.-!-rbT" i-TiV TUeAlet. Ltdilsptele usw Sfaafs Äk Theafer Frcltatz, den 39. Januar staatsoper Omer den Linden 191* uh, Die Hugenotten StäitLMuuspieilians Gwdarmenmarilt. 20 Uhr Othello Schiller-Thuter ihartsttigbir). 20 Uhr Die göttliche Jette ISchon 28 Tagel zerbricht sich Berlin den Kopf Uber Ckultal und das Geheimnis ist immernochnlcht gelüftet Wintey > Garten• 20 Zigeuoerionen Scarletts Schimpansen, 1 Wolf& Hopp6. ZemgennosB Bredwins. Lepomme usw! B Uhr 15. Flora 3434. Faudmi erlaubt.| Sonnabeod u. Sonntag je 2 VontEliuirenl U Uhr u. 8 Uhr 15. t Ohr kleine Preise.| Slam. Oper CharlGitenburu SismarckstiaBe 34 Freliag, 29. sanua, Turnus Iii Antanu 20 oht Frleaemann Baca ■inde geg. 22�0 Uh, fmiuiiiiuiiiiininiiiiiinniniiii — meinea in.—, Trappe 1931. TägL 9-;« Tbr Die mausefalfe Preise 75 Pf.— 5 M, Sonnt, nachra- 4 U. haJbe Preis«. Sonnlag nachmittag 3 Uhr billige Preise der Plfitze VoiKsbUhne Theater am Bülowolati 8 Wir oereetangene mit SlutL Sdiillar- Theater 8 Uhr DleööttUdie lette Theater desWestens Täglich«» Lothringer Strafte 37, iifiiiiiiiinwiiitiiiiiiiieiiiiiiiiiiiniiiinmnmnutruiiiRiiutaaDn Nur noch bis 29 Januar Was man ans Hebe tut und die Operette„Das Sdrcliiorrgs-Sooper- Sonaabend, den 30. Janaar zum 1. Male tuen uon neute Jutschejn 1-4 Personen; PaikettSOPt t-auteuil I.— Mark. Sessel 1.50 Mark. yHEÜEÖWllT? Amo-'d.>cbo z ü- annBer annpl. Has« HbWbIDB-H Großes Bockbierfest u. tiroß. SchlaRer-Habarett- TnnZ'AbcucI Alfred Bianti honferiert SO prominente Künstler 6 KapeilcA* Deyr. Brtllcnunf Beginn 7 Uhr nigungt Restaumiit Berlins! BETRIEB A«h KEMPIMSKll,* BeuMelliieater 8 Uhr TIMON von Ferd Bruckner Regie Heinz Hilpen Die Komödie V i Uhr Letzte 2 Auffiihrnng. Oer luettiaul mit dem[cüatten V9D WUhilm no Stfialz Regie Hans Deppe KurlOrstenoaimri- Theater I 1 448- 8'( Uhr Leute Aufführung. Aalrkbr�hodnktloit NaliaOonny von Brecht u. Wcill Täglich 8i/« Uhr Morgen gahts uns gut I Grete 9Toshelm IVIax Hanaeu Orchester Da-os Bela Stettiner Sänger im Reichshallen-Theater Dönhoff platr 8 Uhr. Sonotsgs 3"i Ohr n tr- mäSigten Prelsto. DasiueProgninm mit d. Burleske ..So'ii Keinfalll" Preise absfebaatl KOSTUMBALL DER VOLKSBUHNE Sonnabend, den 30. Januar, Sportpalast SAURE WOCHEN /FROHE FESTE Drei Kapellen- Tanzvorführungen Große Tombola(Los 50 Pfennig) Kein Weinzwang! Kein Kostümzwang! EINLASSKARTEN 2 MARK In der Geschäftsstelle der Volksbühne, Linienstraße 227, an den Tietz'schen Theaterkassen und an der Abendkasse des Sportpalast««— Für Nichtmitglieder der Volksbühne 0,50 Mark Nachzahlung Jtr. 47* 49. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Freitag, 29. Januar-1932 Das Europakartell für Kohle. Die Stationen der Kohlenverständigung sind Leidensstationen der Bergabeiter. Das Wirtschattstomitee des Völkerbunds hol dem Völkerbundsrat die Empfehlungen zugeleitet, die es als Er- oebnis der ZNitle Januar abgehaltenen Genfer kohlen- t o n f e r e n z formuliert hat. Diefe Konferenz, der ursprünglich allenthalben mit einer geradezu hoffnungslosen Skepsis betreonet worden ist, hol in ihrem Verlauf doch zu Ergebnissen geführt, die zu einer Aorlsehuug der kohlenwirtschaft- licheu Arbeiten des Völkerbundes unter Anteilnahme von Unternehmer-, Arbeiter- und Verbrauchervertretern ermutigen. Was die Bcrgarbeitervertreter den übrigen Teil- nehmern o» der Genfer fttchlenkomereiiz als soziale Folgen des kohlenwirlschaftlichen Wirrwarrs in Europa darstellen mußten. war ein Leidensbild von höchster dramatischer Spannung. Wenn die Menschheit die technischen Energien, die die Kohle liefert, nur gewimien kann durch Vernichtung sozialer Energien, durch Zerstörung des Lebensgkücks und aller Lebens- Hoffnungen von Hunderttaufenden von Bergleuten, die schon, wenn sie Arbeit haben, niemand eigentlich um ihr Los beneidet, daim wird der Zortschrikt zu einer Grimasse. Der Kohlenbergbau war ein ö k o n o m i s ch c r und so- zialer Krankheitsherd unseres Erdteils lange bevor die Weltwirtschaftskrise zu einer grotesken Ueberfpitzung der verhäng-- risvollen Unausgeglichenheiten von Produktionsmöglichkeiten und Absatzgelegenheiten führte. Eine Zceihe großer Berga rbeiter- s. r e i k s— den langwierigsten kämpften die englischen Bergarbeiter im Jahre 1926— geben davon ebenso Kunde wie die protellio- nistischen Maßnahmen, die dem Bergbau der verichiedenen Länder Mittel der Allgemeinheit und sonstige Sonderoorteile zuschanzten, ohne daß damit eine Gesundung sich auch nur anbahnen konnte. In einer mit zunehmender Dauer immer sinnloseren Jagd nach eine-r höheren internationalen Absatz- guote erschöpften sich nicht nur die finanziellen Kräfte der Berg- bäumdustrie, nein, auch die übrigen Industrien und sonstigen Kohlenoerbraucher wurden dimch einen verhältnismäßig über- teuerten Inlandskohlenpreis ebenfalls in ihrer wirk- fchaftlichen Marschfähigkeit gelähmt. Wohl kaum ein Land ist so nachdrücklich davon betroffen worden wie Deutschland, das jährlich Hunderte von M i l- lionen dem Kohlenexport zum Opfer gebracht und— das ist die ftckale Kehrseite— dessen Inlondsalesatz am st ä r k st« n von allen Kohlenländern gelitten hat. Das Niederganstempo der deutschen Kohlenwirtschait hält den Rekord, wenn auch in den absoluten Maßen England einige Punkte ungünstiger dasteht. Man begreift nur schwer, daß es unter diesen traurigen Umständen so lange dauern mußte, bis der bloß thcore-- tischen Berkündung des Berständigungsgedankens die erste« praktische« Ansätze einer Verständigungspolitik gefolgt sind. Daß überhaupt solche Ansätze sichtbar geworden sind, ist dem Völkerbund zu danken, der nach anfänglichem Widerstreben doch der Initiative der Bargarbeiter- internationale nachgegeben har und eine umsassende Lösung des arg verwickelten Kohlcnproblems in Angriff nahm. Das war vor etwa drei Jahren. Inzwischen ist auch eine gewisse sozial- politische Annäherung in die Wege geleitet worden, indem nach mancherlei Zwischenstationen und Zwiichensällen die letzte Internationale Arbeitskonferenz eine Vereinheitlichung und Verkürzung der bergbaulichen Schicht zeit auf 7% Stunden beschloß. Der Borrang der sozialpolitischen Regelung war eigentlich mehr aus der Berlegcnheit des Dölkcrbundes gegenüber wirtschafts- politischen Lösungen entstanden. Erst die Verabschiedung dieser Konvention eröffnete dann wieder den w i r t sch a s ts p o lit i- f ch e n Weg, der zunächst durch ein ökonomisches Trichter- s e l d führt. Das Schaudern konnte einem kommen, als es jetzt in Genf unter den Scheimverser sozialer, wirtschaftlicher und politischer Kritik gestellt wurde. Bon der Arroganz mancher Unternehmer»: rtreter, die noch vor einigen Jahren eine Mitbeteiligung der Regierungen und der Arbeitnehmer an dem wirtschaftlichen Verständigungswerk glaubten weit abweisen zu dürfen, war diesmal nicht mehr viel übrig ge- blieben, ja, nach dem eingestandenen Fehlschlag der pri- oaten Verstand ig ungsbemühungen schienen ein« Reihe von Unternehmern froh zu sein, daß im Schöße des Völkerbundes ein offizieller Brückenbau begonnen wurde, an dem die Regie- rungen und die Arbeiter mitarbeiten werden. Die Bildung des internationalen kohlenkarlells, das die geschättlichc Seite der Kohlenmarktregelung umschließen wird, soll noch der Genfer Diskirssion nichr ohne Billigung der beteiligten Regierungen, die dabei sowohl aus die Wahrung der Interessen der Arbeiter wie die der Verbraucher zu halten haben, vor sich gehen. Das ist schon deswegen geboten, weil es die Regierungen ja in der Hand haben, die jetzigen Kohlen- handelserschwernijse auszuheben oder fortbestehen zu lassen. Im letzteren Falle würde der internationale Kartelloertrag nur wertloses Papier sein. Bielleicht ist es in der handelspolitischen Wüste der Gegenwart schon ein Gewinn, daß die Regierungen allesamt in Aussicht gestellt haben, daß mir einer geeigneten wirtschaftlichen Regelung die Heu- tigen Schranken für den Kohlenaußenhandel fallen sollen. Weiter- hin wurde Uebereinstiminuug darüber erzielt, daß im Rahmen der Genfer Kohlenkommission den Vertretern der Unter- nehmer, Arbeiter und Regierungen bald, schon im Lause des Tom- nters, wieder Gelegenheit gegeben werden soll, die Fortschritte der internal ionalen Kohlenorganisation zu beraten und weitere B o r s ch l ä g e dafür zu entwickeln, insbesondere hinsichrlich eines wirksamen Verbraucherschutzes. aur den vor allem der Regierunxsvertreter der Berbraucherländcr großes Gewicht legte, aber auch hinsichtlich einer ständigen Gelegen- Heft zur Wahrung der Arbeiterinteressen. Wiewohl alle diese Borschläge, zu denen die Genfer Kohlen- lonferenz gelangt ist, lediglich als e r st e U m r i s f e einer m ö g- liche» Lösung gelten können, gibt doch die willensbetonte Atino- sphäre, in der sie entstanden sind, einigen Mut zu der Erwartung, daß dieser Impuls nicht wiederum an dem Widerstand nationaler Vorurteile erlohint und zerbricht, wie das leider so oft schon mit Genfer Arbeiten geschehen ist. Insbesondere ist es die allerdings noch recht bescheidene Mitbeteiligung von Arbeitneh- mern, die den Topf am Kochen halten wird. Dafür ist es erforderlich, daß mit großer Entschiedenheit Bestrebungen«nl- gegengetreten wird, die aus eine Verschärfung der Kohlenhandels- Hemmungen hinanslauien. Die Genfer Kohlentonferenz Hot der europäischen.Kohlcnwirt- fchest eine W e g l e i t u n e, gegeben, die aus der Sackgasse hinaus- weist. Dieser Ruf erfordert einige Konsequenz in der Hallung der Beteiligten, denn jede Zwiespältigkeit oer- zögert die Heilung des zerichundenen Europas,!u Helsen Mifte zu sitzeft unftt zwar nicht angenehmes, aber unentrinnbares Schicksal ist. Dr. G e o r g B c r g c r, B o ch u m. Oer deutsch-französische Vertrag. - Einzelheiten zu dem Abkommen der Elektroindustrie. Zu dem Kontingcntsabkommen der deutschen und französischen Elektroindustrie, dessen Abschluß wir bereits gemeldet haben, er- fahren wir noch folgende Einzelheiten: Bei den von deni Vertrage erfaßten Fabrikaten, elektrischen Maschinen, Transformatoren, Apparaten, Staubsaugern sowie Koch- und Heizgeräten hat sich di e Einfuhr nach Frankreich von 1927 bis 1929 von 7,7 bis auf 13 Millionen Mark erhöht, ist sodann im folgenden Jahr auf 34 Millionen gestiegen und erreichte 1931 einen Hoch st st and von 36 Millionen Mark. Diese an- haltende starke Steigerung der Einsuhr hat zu Protesten der französischen Elektroindustrie bei der Regierung geführt, so daß diese sich veranlaßt sah, auf Grund der sogenannten Kata- strophenklouscl des deutsch-franzöfischen Handelsvertrages von | 1927 Einfuhrbeschränkungen von Deutschland zu fordern. Das Ziel der Verhandlungen war, eine zollpolitische Einfnhrerschweruiig zu verhindern, man hat sich daher auf die Festsetzung bestimmter Kontingente(Einfuhrmengcn) geeinigt. Diese Kontingente sind in ein festes Verhältnis zu dem jeweiligen Beschäftigungsgrad der französischen Elektroindustrie gebracht, so daß sie also"eine gleitende Skala bilden. Bon Bierteljahr zu Vierteljahr werden die Kontingente dem Beschäftigungsgrad entsprechend neu festgesetzt. Als Basis des Abkommens gilt das Jahr 1931. Für das erste Quartal 1932 liegen die deutschen CinfuhrkontingeiUe um durchschnittlich 19 bis 39 Proz. unter den freien Einfuhr- mengen des Vorjahres. Wenn es auch erfreulich ist, daß zwischen Deutschland und Frankreich ernster« handelspolitische Konflikte infolge gegcnscftigcr Zugeständnisse vermieden werde« konnten, bleibt hoch die unerfreu- liche Talsach,: der s y st c in a t i s ch e n E i n f u h r d r o s s o l u n g durch Frankreich. Die allgemein vorherrschende Tendenz der Ein- fichrbeschränkung zum Schaden aller wird auch durch dieses Ab- kommen bestätigt, das nur eine Notbrücke ist, um Schlimmeres zu verhüten. Der Bierpreisskandal. Nicht einmal um die 10 Prozent der Notverordnung werden die Bierpreise gesenkt l Es wird offiziell bestätigt, daß die Bierpreis« ab 1. Februar nur um 2Mark je Hektoliter gesenkt werden. Die anftliche Verlautbarung stellt selbst fest, daß diese Preissenkung, berechnet auf den biersteuerfreicn Teil des Brauercipreises, die von der Vierten Notverordnung vorgeschriebenen 19 Proz. noch nicht erreicht. Dem Geiste des Rcichsernährungs- Ministeriums, das die legten Verhandlungen führte, die Preise wo auch immer hochzuhalte», entspricht die Begründung dieses skandalösen Lerhoitdlungscrgcbnisses. Der außerordentlich starke Rückgang des Bierverbrauchs habe die wirtschaftliche Lage besonders der mittleren und kleineren Betriebe sehr geschwächt Eine über 2 Mark hinausgehende Preissenkung wäre nur bei einer damit ver- bundenen Steigerung des Konsums vertretbar. Da diese aber bei der jetzigen Preissenkung nicht zu erwarten sei, sc! eine stärkere Herabsetzung des Brauereipreises nicht möglich. Es ist bekannt, daß die Brauereien selbst eine Preis- senknng von 2,59 Mark angeboten hatten. Es ist ebenso bekannt, daß eine Preisherabsetzung um 3 Mark nach den Produktionskosten möglich wäre. Dennoch bringen die Reichsbehärden'es fertig, sich nicht nur mit einer Preissenkung von 2 Mark zu bescheiden, son- dern sich auch noch die Argumente der Großbraucrcien zu eigen zu machen. Die großen und größeren Brauereien liefern 69 Proz. der deutschen Bierproduktion. Es steht sest, daß es diesen Brauereien wirtschaftlich immer noch glänzend geht, und daß ihnen aus der Vergangenheit mächtige Gewinnreservcn zur Berfügunz stehen. Wenn allgemein in der deutschen Wirtschaft nach diu auch von den Rcichsbe Hörden jetzt akzeptierten'Auffassungen der Großbrauerejen die Preissciüungs.naßnahme der Vierten Notverordnung durchzuführen gewesen wäxon, da�n wäre in Deutschland eine Preissenkung'überhaupt ausgeschlossen gewesen: Di« Zu- st i m m u n g von Reichsbehärden zu den Wünschen der Brauereien ist eine offenbare Sabotage der Preissenkungsmaßnahlncn der Reichsregierung überhaupt. Angesichts der katastrophalen Finanzlage von Reich und Gc- meinden wirkt es wie ein Hohn, wenn die amtliche Bsrlcmt- barnng von der gnädigen Bereitwilligkeit der Brau- industrie Mitteilung macht, für den Fall einer Senkung der Bierstcuer die Prcisscnkungsvorjchrist der letzte» Notocrord- nung auch durchführen zu wollen. Die ganze Behandlung der Bicrprcisfrage ist ein einziger und unerhörter Skandal. Sie wirkt als«in« Anklage gegen die Reichsrcgicrung, von der der Eindruck entsteht, daß sie das Versprechen des Reichskanzlers. eine Senkung der Realkaufkraft durch entsprechende Preissenkung nicht eintreten lassen zu wollen, einfach nicht erfüllen will. Die Kowumentcn und auch die meist von den Brauereien ab- hängigcn Gastwirte werden einfach um ihr Recht geprellt. Freitag u. Sonnabend Vorverkauf toKnniTaDi U-BAHNHOF H E R M A N N P L ATZ. DER K A R ST A D T- B A H N H O F mmmmmm» WM?.' m Ab Montag im 2. Stock■ Vorführung durch 3 SchSnheitskSnlginnen und 5 preisgekrönten Mannequins unseres Hauses Vw OSCllCSCrlQil vormittags von 11.30 bis 12.30 Uhr, nachmittags von 3.30 bis 4.30 Uhr u. von 5 bis 6 Uhr Eintritt nur für Damen gegen Lösung eines Gutscheins im Werte von O.SO Mark, gegen den ein Gedeck verabfolgt wird Lohnvergleiche sind den Aniernehmern unerwünscht. Die Finanzlage bei Borsig. Fast 29 Millionen Schulden. Gestern fand die erste Gläubigeroersammlung bei den Borsizwerten in Tegel statt. Ein endgültiger Status wurde von der Verwaltung noch nicht vorgelegt. Insgesamt sind an dem Ver- fahren. 2670 Gläubiger beteiligt, deren Forderungen sich auf 14,3 Millionen Mark belaufen. Von den gesamten Aktiven sind nur 5,6 Millionen Mark als frei verfügbar anzusehen, da die übrigen Aktiva bereits durch Abtretung oder besondere Sicherheiten vorbelastet sind. Demgegen- über sind die Passiven weit höher als man bisher annahm. Sie erreichen fast 29 Millionen Mark, von denen die knappe Hälfte ungesichert ist. Von dem Vertreter der Deutschen Treuhand A.-G., der die Auf- stellung des Status leitet, wurde noch mitgeteilt, daß die Um- s ä tz e der Borsigwerke in Tegel in den Jahren 1927/28 im Durch- schnitt 42,5 Millionen Mark betrugen, 1929 sehr stark aus 65 Mil- lionen Mark stiegen, um 1939 auf 31 Millionen Mark zu sinken. Die verlustbringenden Abteilungen der Dampfpflug-, Staubsauger-, Dieselmotoren- und Lokomotivbetrieb wurden liquidiert bzw. ab- gestoßen.— Der Vertreter der Treuhand A.-G. erklärte zu der Betriebslage, daß es als ein Verhängnis angesehen werden müsse, daß die A. Borsig G. m. b. H. zur Zahlungseinstellung gezwungen war, als sie nach Liquidation der Verlustbetriebe einen Stand erreicht hatte, der ihr ein wirtschaftliches Arbeiten selbst bei ver- ringerten Umsätzen ermöglicht hätte. Zur Zeit liegen noch Auf- tragsbestände im Werte von 12 Millionen vor, deren Abwicklung eine Belegschaft vonen wurde. Wieder noch Verlin zurückgekehrt, schloß Sch in der Handelsvertrewng einen aus zwei Jahre lautenden An- stellungsoertrag, der ihm ein Monatsgehalt von 1300 Rubel zusicherte. Unterzeichnet ist der Vertrag von Wolkoff und dem Bevollmächtigten des Obersten Volkswirtschaftsrats. Wolkoff bestimmte, daß Sch. die Stellung am 13. Oktober antreten sollte. Im Vertrauen darauf, daß der Vertrag in Ordnung sei, reiste Sch. mit seiner Frau nach Moskau. Aber auf den Antritt der Stellung wartete er vergebens. Man vertröstete ihn von Tag zu Tag. Der Direktor des Trusts wollte, daß Sch. die Stellung antrete, aber der Oberste Volkswirtschaftsrat erhob Ein- fpruch dagegen, weil im Etat für 1932 eine Stellung mit einem Monatsgehalt von 1300 Rubel nicht tragbar sei. Es zeigte sich also, daß der Oberste Volkswirtschaftsrat in Moskau die Unterschrift seines Berliner Bevollmächtigten nicht anerkannte. Inzwischen war ein Monat oergangen. Sch. erhiell ein Monatsgehalt und mußte ab- ziehen. Beim Arbeitsgericht klagte Sch. gegen die Unterzeichne? des Vertrages, Wolkoff und den Bevollmächtigten des Obersten Volks- wirtschaftsrats auf Vertragserfüllung Die Klage wurde ab- gewiesen mit der Begründung, die Beklagten seien nicht passiv legitimiert, denn sie hätten nicht für sich, sondern als Beauftragte entweder einer russischen Regierungsstelle oder des Trusts in Moskau mit dem Kläger verhandelt. Seine Rechte könne er mir gegenüber dem Vertragspartner geltend machen. Das seien aber nicht die Beklagten._ Ltnsoziale Arbeiisämier. Was sagt die Iieichsanstalt dazu? Vom Zentralverband der Angestellten wird UNS geschrieben: Beim Arbeitsamt Ro stock wurde ein Arbeltsvermittler, der seit 1918 dort beschäftigt ist, infolge der Ueberanstren- gung im Dienst krank. Offenbar war die Bestimmung des Tarif- Vertrages, daß auf Angestellte, denen im besonderen Maße ein starker Verkehr mit den Arbeitslosen obliegt, bei der Verteilung der Dienststunden Rücksicht zu nehmen ist, nicht beachtet worden. Der Angestellte war etwa sieben Wochen krank und der behandelnde Arzt bescheinigte, daß seine Wiederherstellung in wenigen Wochen zu erwarten sei. Das Arbeitsamt aber sieht sich..zu seinem Bedauern gezwungen"', das Dienstverhältnis zu kündigen. Nach dem Tarifvertrag sind nur die Selbstverwaltungsorgane zur Entscheidung darüber befugt, ob ein Angestellter mit mehr als zehnjähriger Dienstzeit entlasten werden kann. Sie werden aber nicht gefragt. Vor kurzem ist in einem Prozeß gegen das Arbeitsamt Rostock festgestellt worden, daß erhebliche Ueberstunden bis in die Nacht hinein gemacht worden sind. Ein Angestellter wird krank infolge dieser Ausnutzung seiner Arbeitskraft. Die Folge: der An- gestellte wird gekündigt. Dieser Fall ist leider kein Einzelfall in der Reichsanstolt. Der ZdA. hat in seiner Denkschrift zur Personalbemessung im Haushalt 1932 darauf hingewiesen, daß derartige Vorgänge wiederholt zu verzeichnen waren. Wie lange will die Reichsanstalt dulden, daß diese Methoden in ihren Betrieben fortgesetzt werden? Gireikandrohung im Ansangsstadium. Wie in NGO.-Köpfen ein siegreicher Streik aussieht. In unserer Nummer vom 23. Januar berichteten wir, daß unter den„100 siegreichen Streiks"— auf dem kommunistischen Zeitungs- papier— sich auch ein angeblicher Streik der Zoellner-Werke Neukölln befand, wo es angeblich durch Streikandrohung gelungen wäre, die Auszahlung der alten Löhne zu erzwingen. In Wirklichkeit, führten wir aus, ist eine Streitandrohung nie erfolgt, der„Kampfausschuß" selbst war gegen einen Streik und die Be- legschaft arbeitete bereits zu den neuen herabgesetzten Löhnen, als der Artikel in der„Roten ahne" erschien. Der kommunistische Arbeiterrat der Zoellner-Werke bestätigt ausdrücklich diesen Sachverhalt in einer Zuschrift, meint aber, ,cha doch diese Arbeiterpreste(die kommunistische) wie alle revolutionären Körperschaften die Ansicht vertreten, daß schon die Wahl eine- Kämpfausschusses eine Streikandrohung im Anfangs- st a d I u m bedeutet", sei alles in Ordnung. In revolutionärer Orb- nung natürlich. Und dann werden wir folgendermaßen belehrt: .Alles in allem fei gesagt, daß die jetzt angewandten Kampf- Methoden keine Neuerscheinungen, sondern doch nur alte U e b e r- l i« f e r u n g e n aus v e r g a n g en en Zeiten von vor 20 bis 25 Iahren sind, wo die SPD. und die freien Gewerkschaften das bedeuteten, was heute die KPD. und die REO. durch zielbewußte Arbeit, angepaßt an die heutigen Zeitverhältniste, verwirklichen wollen." Wenn die Verfasser von„alten Ueberlieserungen aus vergange- nen Zeiten" reden, die die KPD. und ihre RGO. aus der historischen Rumpelkammer hervorholen, dann steckt ein kleiner Kern Wahrheit darin. Nur muß man statt 20 bis 25 Jahre 50 bis 75 Jahre zurück- datieren. Und man muß weiter hinzufügen, daß auch damals nicht von oben„revolutionäre Streikwellen" befohlen, sondern unten wirklich spontane Streiks— nicht„Streikandrohung im An- fangsstadium"— ausbrachen, manchmal gelangen, meist aber zu- sammenbrachen. Deshalb schuf die Arbeiterschaft starke Gewerk- s ch a f t e n und eine starke politische Partei. Während der 50 bis 75 Jahre, von denen die altklugen Wickelkinder der RGO. nichts misten, ist auch das Kapital immer mehr erstarkt. Die Thyssen, Siemens, Krupp und Klöckner lachen noch nicht einmal über die„Streikandrohungen im Anfangsstadium" der KPD Sie führen aber einen erbitterten Krieg gegen die freien Gewerkschaften und die Sozialdemokratie. Wenn es Arbeiter gibt, die angesichts dieses Krieges beiseite stehen und für die KPD. den Hanswurst machen, dann können wir diese Arbeiter nur bedauern. Ernst können aber auch wir sie nicht nehmen. RGO. machi wilden Gireik. Bei der Firma Steinrück in Berlin hatte die RGO. vor fünf Wochen einen Streik angekurbelt. Die Inszenierung dieses Kampfes fiel ihr nicht sehr schwer, ihn beizulegen verstand sie jedoch nicht. Als einigen Mitgliedern des Metallarbeiter-Verbandes, die sich von dem Streik nicht ausgefchlosten hatten, die Hilflosigkeit der RGO. auf die Nerven fiel, wandten sie sich an ihre Organi- sation mit dem Ersuchen, den Streit durch Verhandlungen mit der Firma beizulegen. Das von den Vertretern des Metall- arbeiter-Verbandes erzielte Verhandlungsergebnis wurde von der Belegschaft auch angenommen und die Arbeit aufgenommen. Obwohl auch die Mitglieder des sogenannten„rote n" Metall- arbeiterverbandes dem Verhandlungsergebnis z u g e st i m m t haben, weil sie froh waren, daß sie ihren Arbeitsplatz wiederbekamen, ver- kündet die„Rote Fahne", der Streik fei vom Metallarbeiter-Ver- band gegen den Willen der RGO.-Anhänger in der Belegschaft a b- gewürgt worden. Die Arbeit seit von diesen Helden nur unter Protest aufgenommen worden. Von diesem„Protest" hat jedenfalls niemand im Betrieb etwas gemerkt. Die Belegschaft wird aber in Zukunft bestimmt Pro» test erheben, wenn die RGO. noch einmal versuchen sollte,«ine solche Aktion anzukurbeln. Der Belegschaft von Steinrück hat die RGO. ihre Unfähigkeit in gewerkschaftlichen Dingen mit aller Deut- lichkeit bewiesen. Grüne Woche. Mitglieder der Arbeiter-Organisationen erhalten Karten für die Ausstellung„Grüne Woche"(vom 30. Januar bis 7. Februar 1932) zum Preise von 1 M. anstatt 1,50 M. in allen Gewerkschaftsbüros und im Zigarrengeschäft von H o r s ch, Berlin SO. 16, Engelufer 24/25, und in der Buchhandlung des ADGB., Jnselstraße 6._ �reie Gewerkfchafts-Iugend Verlin Heute um ISZ� Uhr tagen die Gruppen: Süden: Jugendheim Wasser. torstr. S.„Das macht uns keiner nach."— Sharlsttenburg: Jugend. � heim Svreejir. 30. Bunter Abend.— Rardring: Jugendheim Schule Sonnendurger Str. 20.„Der Lehrling einst und ietzt."— Treptaw: Jugendheim Slsenstr. 3 lam Bahnhof Treptow). Brcttspielahend.— Renlölln: Jugendheim Treptower Str. SO. Literarischer Abend:„Martin Andersen Rexö".— Hermann- platz: Jugendheim Sanderstr. 1l, Ecke Hobrechtstraße.„Die Bundesschule In Wort und Bild."— Osten: Jugendheim Frankfurter Allee 307, Löno. Zimmer .Das Schicksal der Flirsorgezoglinqe."— gcppelinplatz: Jugendheim Turiner Eike Seestraße.„Mit Buch und Schallplatte um die Erde."— Reinickendorf- Ost: Jugendheim Lindauer Straße(Baracken).„Was ist los in Reinickendorf?" (Die Gruppen des Rordkreife» sind eingeladen.)— Adlershaf: Jugendheim Adlershof, Bismarckstr. 1.„Bunter Monatsabschluß." @Iuflendan»ppe des Zentralverbandes der Angestellten Heute, Freitag, folgende Veranstaltungen: Südwest: Jugendheim Borck. straße 11<2. Hof, Quergebciude I Treppe, Zimmer S). Arbeitsgemein. schaft:„Jugend und Kultur". Leiter: Rachow.— Heute tagt die„Berliner Druckerei- und Verlagsgesellschaft m. b. H. von 20—22 Uhr im Jugendheim Ebertystr. 12. Unsere werte» teser werden gebeten, uns die Adressen von Freunden, Verwandten und Bekannten mitzuteilen, welche noch nicht Abonnenten des»Vorwärts* sind, bei denen aber ein Interesse für die Lektüre unseres Blattes angenommen werden kann. Wir beabsichtigen, durch kostenfreie Probelieferung bei den uns Genannten zu werbe»! Die Adressen bitten wir dem Zeitungsboten mitzugeben oder der aus der Abonnements- quittung ersichtlichen Ausgabestelle zuzustellen. Für die kleine Mühe dankt der Verlag des Vorwärts, Bln.SWGS, I-indenstr. 3 Name: Adresse(bitte genau angeben) Einsender: Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Geschäfts st eile: Berlin S. 14. Sebasttonftr. 87—38, Hof 2 Sc. Ztrenzberg(Ortsverein): Kamerad Ernst llnger vom Zuge z ist ver. starben. Trauerfeier Sonnabend, 80. Januar, 12 Uhr, Krematorium Baumschulenwcg. Beteiligung aller dienstfreien Kameraden erwünscht.— Tempelhos(Ortsverein): Senntag, 31. Januar, Antreten 10 Uhr am Bahnhof Tcmpelhof. Nachzügler 10 Uhr Sportpalast.— Lichtenberg(Ortsvereiu): Sonn. abend, 30. Januar, 19 Uhr, Generalversammlung bei Hugo Wcgener, Frank, frirter Allee 230. Einlaß nur gegen Delegiertenauswei» und Mitgliedsbuch. Kontrolle durch die Revisoren.— Kameradschaft Mahlsdorf: Freitag. 29. Januar, 20 Uhr, außerordentliche Mitgliederversammlung bei Anders. Vortrag über „Eiserne Front"._ Sfperanto- Gesellschaft Eharlottenburg. Montag, 1. Februar, 20 Uhr, Kondi» torei Wolter, Eharlottenburg. Bismarckstr. 114(»nie),»lubzimmer, Sonversa. tionsabend. Gäste willkommen. Scscllschast iür Scznalresorm. Am Dienstag, 2. Februar, 20 Uhr, spricht Stadtarit Dr. Mar Hodann in der Schulaula Friedrichstr. 128 über das Thema „Serualwissenschaftliche geitfragcn". Unkostcnbeitrag: Erwerbslose 20 Pf.< Gäste 30 Pf. Zndividnalistilche Gruppe. Am Montag, I. Februar, 20 Uhr, im Klubhaus am Knie, Berliner Str. 27, spricht Prof. Dr. vrgler über„Beobachtungen bei der Zwillingsforschung". Gäste willkommen. Loelikb Come-zaUonal C'nb toundcd>878. Mee'ings«very Friday 8 p. m, Ca« n önip. I eipziger Sir 117/118 Lectorer: Mr. Mobrsledt on;„The Task»k the German Na-ion" Möbel, porzel'an und Tischzeug bei Gleiser. Das Möbelhaus Gleiser, Alexanderplatz, zeigt in einer geschmackvollen, reichbeschickten Ausstellung neuzeitliche Wohn- einrichtung mit allem was dazu gehört. Hervorzuheben ist vor allem Maserung und Furnierorbeit der verschiedensten Hölzer, wie Birke, Eiche, Ulme und Nußbaum. Die Einrichtung der Wohnräume trägt vor allem der Zeit Rechnung, das heißt praktisch bis ins kleinste Detail, ohne dabei an Wirkung einzubüßen. Sehr häufig sieht Das von der Staatlichen Porzellanmanufakwr zur Vorfügung ge- stellte Tafelgeschirr zeichnet sich durch einfache, klare Form der Linie aus,' es ist schneeweiß ohne jede Musterung, die Teller. Schüssel und Tasse sind breitrandig, handlich und wirkungsvoll in der Form. Die Tischwäsche bietet vielerlei Auswahl, man sieht Leinen. Kunstseide und Voile, alles praktisch in Indanthrenfarben gehalten, mit Zierstichen oder Blenden. Oeotsdier Metallarbeiter-TeM VerwaUonüMtelle Berlin Todesanzeige Dm Milgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Schlosser Adolf Pölitz geb 27 April 1868, am 28. Januar gestorben ist Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet am Man- lag. dem I. Feoruar, 18 Uhr, im Kremalorlum«aumschulenweg, Kies. holzstraße. statt. Rege Beteiligung erwartet Die OHit er wnllung. Znnungskrankenkasse der Juwellere«, Gold« und Silber« schmiede-lZwangs-jZunung zu Berlin. »ekanutmachnng. Laut Notverordnung vom 8. 12. 1931 sind die Satzungsdestimmungen unlerer Kosse. die die Gewährung von Mehr- letliungen vorsehen, ad 1. 1 1932 außer Kran g, setzt Für alle noch diesem Tage einiretenden Virsicherunassälle dürsen daher nur noch die Regel etltungen gewährt werden. var vorstand. Ist ax Rom, Hu o Hertz, Vorsitzender. Schriftführer. KLEINE ANZEIOEN iMnuimuiiiniiiiiiuiuuiuiniiimiuiiutiiiiuiiiiiiuiiiiiiiiiiiimiuiiiiHiiiiiiiiiuimmi Proline Uboredirlftswort 20 Pf., Toxtwort 10 Pf, Wioderholungsrabarti 5 mal 5%, 8 mal 7'/,%, 12 mal 10%, oder lObO Worte Abidtluft 10%. 2000 Worte 15%,<000 Worte 20%. Annahme durch den Verlag, Lindenitr. 3(V, 9 bil 5 Uhr), lämtlirhe Vorwärti-Filialen u..Ausgabestellen, sowie alle Annoncen-Expeditionen Ootnensi jehworx brou«•• w Vack.•• ob Herrensi jehwor*> 0 Schicker Lackschuh' mit Reptil«Garnitur Große Ueberraschungen in denPrelsgrüPP®"' ... A«' 1" 5" WMM V G -V-, 7> vi beginnen«f>s®r® Ar. 4?» 4S Jahrgang Freitag, Z» Iomiar ISZ! ■Werner Stichler: Sctlüß 9111 Mirellillfcll Ulan weiß: Firmen, die sich auf Rationalisierung verstehen, beaustragen gern einen hierzu eigens ausgesuchten Angestellten damit, die Gehälter und Spesen aller andern ständig zu benörgeln, ihre Anliegen abzuschlagen, überhaupt sie vor liebermut zu bewahren. Dies undankbare Amt versah im Verlag„Helios" zu Berlin das ä tili che, graublonde Fräulein Beate Rest. Eines ruinierten oft- -lbüchen Gutsbesitzers einzig überlebende Tochter, hatte sie vom knappem Erbteil lautlos existiert, bis die Inflation kani und der Inhaber des Verlages.Helios", Schmidtke, zugleich Besitzer des Friedenauer Mietsanwesens, darin sie wohnte, sie bei sich anstellte, — teils mitleidsvoll, teils um seine Miete besorgt. Enteignet, un- srei und ihrer Familie beraubt— ihr letzter Vetter war vor Ver- dun gefallen—, hatte sich so ihr angeborenes Rechtsgefühl zur Gehässigkeit oerschärst: einer unmenschlichen Welt gegenüber wähnte auch sie sich nun zur Unmenschlichkeit berechtigt,— wodurch sie für ihre Stellung im Verlag„Helios" freilich nur um so geeigneter wurde. Aus diesem Verlag gingen Postkarten hervor, wie sie da? Volk damals verlangte, bromsllberne, zart beluschte Licbesszeuen modisch angetaner Paare. Herr Schmidrke, ein buckliger Photograph mit faseriger Mähne, hatte hiervon gut gelebt, bis aus einmal seine Abnehmer au» unbekannten Gründen der noblen Paare überdrüssig wurden, der Geschäftsgang daher stockte und eines Tages ein rot- backiger unternehmender Herr Fritsche einige tausend Mark in den Verlag einschoß, der nun, auf Glanzkarton und Landschastsphoto- graphien umgestellt,„Die schon« Heimat" heißen sollte; daraus wurde Schmidtke zum Mitinhaber degradiert, das käsig grüne Büro ge- weißt und Fräulein Rest zum 1. Juli gekündigt. Niemand bemitleidete sie. Jeder in diesem Betrieb, darin sie gewütet hatte, als sei er schuld am Verlust des Krieges und ihrer Kriegsanleihen, befeixte nur stumm das weinerliche Zittern ihrer dürren Hände. Erst durch die gutmütige Pförtnersfrau, die ihr abends im speckig schwarzen Torweg zur Beuthstrahe geschwätzig plärrenden Trost zu spenden suchte, erfuhr sie, daß der neu« Herr Fritsth« der Meinung sei, auf ihren schwierigen Kassenposten gehöre ein energischer Mann, kein altes Fräulein; sein Schwiegersohn sei dafür bestimmt,—«in, nach Weinung der Pförtner in, die ihn schon gesehen hatte, netter, Auto fahrender, junger Mensch... Beate schlich krmnmrückig zur Straßenbahn hinüber. So also stand es: um«in Schwiegersöhnchen bester zu mästen, wollte man ihr« kümmerlich« Existenz vollends zerschlagen. Denn wo sollte sie. ohne Beziehungen wie sie war, mit trister Entenschnabelnase und motten, grünen Augen, eine neu« Stellung finden? Hoßgliihend betrachtete sie die Zungen Mädchen, die hier in der abendlichen Straßenbahn sich tanzlüstern an ihre Kavaliere schmiegten: diese Nichtsnutzigen in Sommerkleidern, die nur noch geblümte Hemdchen waren, sie natürlich fanden, hundertmal hinausgeworfen, immer wieder Unterschlupf, well sie jung, frech, unsolid waren. Von Grund aus verabscheuenswert war diese Welt, die alles Rechtschaffene ver- schmähte und darum auch das Fräulein Rest von sich stieß. Denn nun kam ja der übelriechende Gasfchlauch oder eine Schnur um die Gurgel, oder nein, um wohlerzogen auch zu enden: der Reserve- ofslzier-Revolver ihres Vaters! Gleich grub sie auch zn Haufe aus allerskrummer Kommod« vnlsr Stößen unzerstörbarer ländlicher Wüsche das gefährliche Ding hervor und fand düfter befriedigt daneben sogar noch ein Kästchen Patronen. Aber im gleichen Augenblick kam ihr ein gänzlich neuer, um- stürzender Gedanke,— mit dem sie daher nur langsam fertig wurde. Versonnen holte sie also ihr Näpfchen saure Milch aus der Küche, streute Semmelbrösel und Staubzucker darüber, leerte es nur halb und ging schlafen, ohne erst Licht zu machen... Daß sie am nächsten Abend als letzt« im Büro blieb, fiel nicht auf; oft schon hatte sie nachts Belege sortiert, damit nicht morgens Rückstände ihren Ordnungssinn kränkten. Nun allerdings hantierte sie, die Brille aufgesetzt, mit einem Metermaß in der Schublade ihres Schreibtisches: emsig notierte sie Ziffern auf einem Block. Erst am 2g. Juni brachte Schmidtke es fertig, Beate, feige schielend, zuzuraunen, an allem sei nur Fritsche schuld; Fritsche glaube nun einmal, nur ein Mann könne ihren Posten ausfüllen mü> ohne Fristches Geld müste er die Bude zumachen; Fritsches Schwieger- söhn, namens Märzlust, fei ihr Nachfolger; aber auch sie könne ja, mit drei Monatsgehältern und einem blendenden Zeugnis, unbesorgt sein... Beate hörte diesen unaufrichtigen Trost nicht mehr, seitdem der Slame Märzlüft wie ein bitterlich betäubender Nadelstich ihr ins Hirn gestoßen war: auch dos also noch,— auch dieser Name also nmßte— letzter Hohn des Schicksals— hier noch entweiht werdenl Märzlukt nämlich, Gustav Märzluft, war der bürgerliche Name des Schauspielers Maximilian Marsi gewesen, der am Theater der Mittelstadt, in der ihr Bater die Märkte besuchte, Jünglinge Schillers und Grillparzers gespielt hatte; zog er auf der Bühne den Degen, v, wie zersprang sie dann soft vor Wonne! Welch köstlicher Winter war dos gewesen, weiß und golden von Schnee und Licht! Immer noch sah sie sich im Schlitten, den pelzmützigen Kutscher zur Elle treibend, unter schrillem Geläut der Pferde und Krähengekrächz über väterlichen Feldern,— sah sie wieder die halbdunkle Kon- ditorei, darin Märzluft zwischen kirschrotem Plüsch und gold- gerahmten Spiegeln prachtvoll nervös wie ein Tiger umherlief, wartend auf sie, die er— jawohl!— schön fand. Ach und wie erst war ihr kleiner Busen unter den vergeblichen Stößen des süß be- gchrlichen und doch so ängstlichen Herzens immer wieder erzütert! Dennoch,— nichts irgendwie Unziemliches war geschehen; damals schon bewährte sich schließlich ihr Siim fürs Reguläre. Eines Sonn- mgs dann, vom Kirchgang heldisch gestärkt, gestand sie dem Vater, sie wolle Märzlust heiraten,— worauf jener nur sie fröhlich aus- lachte und ihr verbot, fernerhin allein zur Stadt zu fahren. Un- gehorsam aber lag jenseits ihrer Denkfähigkeit und ein einziger Ver- such, dem Schauspieler zu schreiben, blieb ohne Antwort. Nach Jahren hatte sie sein Bild in einer Zeitschrift gefunden— aus- geschnitten ruhte es bei den letzten Löffeln des Familiensilbers— und damit erfahren, daß er Gothaischer Hvflchaufpieler geworden war... Spät abends kehrte Beate mit formlos aufgeschwollener Akten- tasche noch eiirrnal ins Büro zurück. Die Türen verriegelt, Bohrer, Zange, Eisendraht ausgekramt, machte sie sich an ihre arglistige Arbeit; von ihrer Schreibiischichublade entfernte sie die Rückwand und befestigte zwischen schmalen, ans Brennholz geschnitzten Leisten den alten Revolver dergestalt am Boden der Schublade, daß, sobald man sie öffnete, der Schuß heraus üchren und treffen mußte, wer immer davor saß. An dieser Vorstellung, daß dem Nachfolger, den verhaßten Entwccher dazu heiligster Erinnerungen, sobald er sich auf ihrem Platze niederließ, unter triumphalem Krachen eine Kugel durchfahren würde, begeisterte sich das alte Mädchen so, daß ihr für das, was danach geschehen mußte, kein Gedanke übrig blieb... Ter 30. Juni strahlte hell; Spatzengezirp durch offene Büro- fenster mischte sich mit Schreibmaschinengetriller. Schon auch riß Schmidtke die Tür vor einem jungen Herrn auf, dessen hübsche Hüsten von Cutaways chößen festlich umschlossen wurden; seine Wangen waren so glatt rasiert, daß sie rosa Porzellan glichen, wäh- rend lange Wimpern sich über blauen Augen etwas schläfrig regten. •J)er„ausgehuple"'Cheuterdireklor Die Droschkentorife in Paris gehören gewiß zu den billigsten der Welt, aber sie werden nach ll Uhr nachts verdoppelt. Run haben die Theaterdirektoren der französischen Hauptstadt kürzlich eine Eingabe gemacht, daß der Tagesmris bis 12 Uhr nachts bei- behalten werden solle, weil sich viele Leute wegen der hohen Kosten der Heimfahrt vom Theaterbesuch abhalten lassen. Der Unterzeichner dieser Eingabe der Theaterdirektor Max Maurey, halle verabsäumt, sich vorher mit den Ehauffeuren in Verbindung zu setzen, und dadurch ihre Empörung hervorgerufen. Da Rache süß ist, so be- schlössen die Kraftwagenführer, sich bei ihm nachdrücklich in Erinnerung zu bringen, und eines schönen Morgens um 5 Uhr früh ver- «migte» sich mehrere hundert von ihnen unter den Fenstern der Wohnung Maureys und veranstalteten ein ohrenzerreißendes Konzert mit Ihren AutoHupen, durch das die unschuldigen Bewohner der ganzen Strotze jäh aus dem tiefsten Morgenschlummer ausgeweckt wurden. Im Nu zeigten sich an jedem Fenster wütende Gesichter, Flüche Hagelten auf die Ruhestörer herab, aber diese verdoppellen nur den mißtönenden Lärm, bis die Ankunft der Polizei dieser furchtbaren Katzenmusik ein Ende bereitete. Ein Jubiläum amcrikanifclier Prüderie Ein französisches Dlall erinnert daran, daß in diesen Tagen ein Vierteljahrhundert vergongen ist, sell Richard Strauß' Oper„S a l o m e" ihre Erstaufführung an der Metro- politan-Opera in New Park erlebte. Der Direktor der Oper Eonried hatte hervorragende Sänger und Sängerinnen dastir gewonnen, so u. a. den großen Tenor Burrian, der die Rolle des Herodes gab. Mehrere Monate lang wurde geprobt, und das ganze Theater war in Ausregung über das große Ereignis.„Es gibt hier eine neue Krankheit, die unheilbar zu sein scheint", meinte da- mals Burrian.„Das ist die Salomitis." Die Generalprobe, zu der die Presse geladen war. wurde mit größter Begeisterung auf- genommen, und dann fand die Erstaufführung an einem Gala- abend stall, für den die Preise verdoppell waren. Auch hier war der Erfolg ungeheuer. Alle Plätze für die nächsten Vorstellungen waren ausverkauft, und der Direktor erhoffte sich ein glänzendes Schmidtke schwenkte verlegen den Kneifer an schwarzer Schnur „Hier, Fräulein Rest, ist Herr Märzluft. Ihr Nachfolger."—„Schi angenehm" meinte sonnig der Jüngling.—„Gleichfalls" erwiderte um so verdrießlicher Beat«.—„Fräulein Rest" sagte Schmidtke.„ich zeige Herrn Märzluft jetzt den Betrieb; wenn wir zurückkommen, werden Sie ihm gütigst Ihren Schreibtijchschlüssel übergeben". Da- mit gingen sie. Gut, dachte sie, gut, wäre es nur bald so weit! Nur kein Mit- leid! Oder halle irgend jemand Mitleid mit ihr gehabt? Im Gegen- teil: ihr, einem armen Wrack raubte dieser junge Muskelprotz die Anstellung,— alles also, was sie hienieden noch besaß. Keine Gnade: wenn es nur bald knallte! Aber da kamen Schmidtke und Märzluft schon zurück. War es so weit? Mußte jetzt der Schlüssel heraus?— Nein, Schmidtke entnahm den Regalen, die hier wandhoch Musterkollektionen ent- hielten, einige Postkartcnserien.„Auch wir", sagte er dabei schmeichle- risch zu Märztuft,„bringen ja gewissermaßen Kunst unters Volk; die künstlerische Linie ganz zu verlassen, könnte ich mich nie entschließen", „Ganz meine Ansicht" erwiderte der Jüngling,„ich stamme ja auch aus einer Künstlcrfamilie; mein Vater war Gothaischer Hos- schauspieler unter dem Bühnennamen Maximilian Marsi.. So leicht hingeworfen diese Worte auch waren,— schwer wie göttliche Hammerschläge sielen sie über Beat« her: dieser Bursche wollte sein Kind sein?— Und war es natürlich auch!— Ja. war sie denn blind gewesen: des einstigen Geliebten rosige Porzellonhaut war das ja, seine hübsche Hüfte, sein strahlenwersendes Auge, seine Wimpern, ganz lang und unbeschädigt noch vom bösen Leben! Und sein Kind also betrachtete hier im Cutaway bromsllberne Liebes- szenen, sein Kind,— und hätte es nicht sogar ihr Kind, hatte nicht sie, Beate, wenn sie nur ein wenig mehr Glück gehabt hatte, seine Mutter sein können? Und indem sich ihr plötzlich Möglichkeit und Tatsache untrennbar ineinander schoben, war ihr, als habe sie wirk- llch gegen chr eigenes Kind ein mörderisches Attentat vorberellet: unabänderlich war ja der Revolver gespannt und jeden Augenblick konnte der Schlüssel von ihr verlangt werden! Rein, das durfte nicht fein,— lieber dann schon alles andere! Und mit zartem Wimmern, so daß olle im Büro verwundert auf- sahen, stieß sie den Schlüssel ins Schloß, riß ungestüm an der Schub- lade,— und der Knall des eingepreßten Schusses schien das Haus auseinander zu sprengen. Blauer Rauch entwich stinkend durchs Fenster und Fräulein Rest lag still vor ihrem Stuhl. Als man ihr die Kleidung öffnete, zeigte sich, daß das Geschoß ungefährlich den Busen geritzt hatte, der freilich, seiner Bestimmung nie zugeführt. allmählich eingeschrumpft und ganz vertrocknet war. Geschäft. Doch das Unglück schrellet schnell. Eine der Zu- schauerinnen, die der ersten Vorstellung beigewohnt halle, war durch den Tanz der Salome und besonders durch die äußerst geringe Bekleidung der Tänzerin in ihrem Schamgefühl verletzt, und diese junge Dame hatte zum Papa einen Millionär, der in dem Ver- walmngsrat der Metropolllan-Oper die entscheidend« Rolle spielte. Die Tochter wußte den mächtigen Mann davon zu überzeugen, daß dieses unsittliche Werk nicht mebr ausgeführt werden dürfe. Conried wollte sich diesem Ersuchen nicht so ohne welleres fügen; er wandte ein, das plötzliche Absetzen der Oper sei unmöglich, da die nächsten Vorstellungen bereits ausverkauft seien, und würde eine Ein- täuschung für die Musikfreunde des ganzen Landes bedeuten Als der Millionär auf seiner Forderung bestand, erklärte er sich bereit, den Tanz der Salome durch reichere Gewandung weniger beleidigend für das Schamgefühl der jungen Dome zu gestalten oder die Szene abzukürzen Aber alles war vergeblich. Salome mußte zunächst von der amerikanischen Bühne verschwinden, und der gehorsame Bater griff tief in seinen Beutel, bezahlte die Kosten der ganzen Ausstattung, die Sonderhonorare der Künstler und entschädigte sogar den Verleger von Richard Strauß. Die Stenographie der Römer. Die in Rom dnrösgeführten archäo- logischen Untersuchungen hoben den Nachwels erbracht, daß die Nomer schon 200 Jahre vor Chrlsti Geburt ein ausgebildetes stenographisches System in Gebrauch hallen. Die Untersuchungen wurden von Dina Massano ausgeführt, dem es gelang, das vollständige Siegclalphabet der altrömifchen Kurzschrift wiederherzustellen. Es ist dabei besonders bemerkenswert, daß die Punkte und Striche dieser römischen Kurzschrift in gewisser 5)insicht mit den heute gebrauästen stenographischen Schristzeichen übereinstimmen. Als Rom seine Herrschaft über die ganze bekannte Welt verbreitete, hatte sich, schon Jahrhunderte vor Christ, Geburt, das Bedürfnis ergeben, zu be- schleunigter Uebermitttung von Mitteilungen verschiedene Formen einer abgekürzten Schrist zu verwenden, die sich rasch im Handels- verkehr durchsetzt«. Alle Dokumente zeigen, daß Briese und Be- richte meist in stenograph scheu Schristzeichen abgefaßt wurden, die unübertragei, im Original übersandt wurden, da ja der Empfänger den«chlüssel zur Uebertragung besaß. Die Kröte legt im Jahr« etwa 11500 Eier; erst jedes elfte Ei ist keimfähig. Ossror. Hafer- Mast- per Pfund von Pf. an Ferner frisches Geflügel zu den billigsten Preisen _ IN FOLGENDEN S P E Z 1 A l- G E S C H Ä F T E N: Solange Vorrat reicht IX, Zsiilralinarttiialls Reihe 12 Stand 823, Reibe 12 Stand 582 83. Reihe 13 Stand 630, Reibe 13 Stand 643, Reihe 13 Stand 653; I., Badstrasse 44, I. Rosenthaler Strasse 36, Rosenthaler Strasse 67. Invalidenstrasse 1a, NO. Reinickendorfer Strasse 1, Reinickendorfer Strasse 12, Reinickendorfer Strasse 19, Schönhauser Rilee 72 a, Vichertslrasse 2, MOIIerstrasse 138; , Grosse Frankfurter Stresse 70, Grosse Franktiirter Strasse 142 Ecke fruchtstrssse, KOnenicker Strasse 82; SG., Dresdener Strasse 19; S., KottbusserDararnlG; 0., Pettenkofer Strasse 2. �> Biücharstrasse 14; Grfinbereer Strasse 12, Neukölln: Waichseisirasse 3, Bergstrasse 16t, Mainzer Strasse 16; Hermannstrasse 51, Herroannstrasse 63, Hermannpiatz 4; Charlotten bürg: Wilmersdorfer Strasse 128; Friedenau: Rheinstrasse 24. SWfa IHüller-Marienkirchen:(jt Ii Der Riesenbetrieb war auf Besuche eingerichtet. Sie gehörten zur Reklome. Ein gewandter Ingenieur führte jeden zweiten Tag von zehn bis zwölf. Wenn ein Trupp geführt wird, sieht man nichts. Ein Sklaven- trupp, von einer Peitsche durch die hundert Räume durchgetrieben, sieht dasselbe. Ich hatte Glück an diesem Tage. Außer mir wartete nur noch einer im Vorzimmer. Er war aus Amerika gekommen. Es erschien der Ingenieur. Es war ein junger Mann. Er sah ein wenig aus, als fei er gestern erst von der Technischen Hochschule gekommen. Dennoch war er von der Weltbedeutung seiner Firma schon durchdrungen. Er erwähnte nie den Firmennamen. Er sagte immer„wir". Er zeigte uns die Fernsprechanlage. Es war ein Amt für sich. Ein Amt mit dreitausend Betriebsanschlüssen. Ein einzelner Mann gähnte in dem Riesensaal herum. Er hatte nichts zu tun. Die dreitausend Apparate verbanden sich selbsttätig. Hunderttausend Gespräche täglich schwirrten durch diesen Saal. Es. surrte und es knackte. Hebel drehten sich von Geisterhänden. Spindel schnurrten. Fünkcben stoben. Ein Gehirn. „Wonderful", jagte der Amerikaner. Der Ingenieur machte aus seinem Führungskärtchen«inen kleinen Strich. Dann zeigte er die Gießerei. Auf der Gradeinteilung eines Wärmemessers ging ein Zeiger über einen roten Strich. Damit zwangsverbunden ging vor einem Feuerloch die Tür in die Höhe. Weißglühend schoß ein Eisenstrom in einen Kessel. Der Kessel füllte sich. Als er über eine Inncnmarke wallte, setzte sich der Kessel, von einem unhörbaren Kommando aufgeschreckt, in Bewegung. Langsam schwebte er an einem Geistertrane durchs Gebäu. „VVomlerluI", sagte der Amerikaner. Auf seinem Führung?- körtchen machte der Ingenieur den zweiten Einkasstcrungsstrich. Dann durchschritten wir den Feuerungsraum. Dutzende von glühenden Rosten wurden selbsttätig mit rieselnden Kohlenfluten beschickt. Die Beschickungsanlage wußte selber, wann es Zeit war. Dann juckte sic's. Ein Hebel kratzte sich und aus dem Kohlenlager kam es schwarz herabgepoltert. „Wonderful", sagte der Amerikaner, und der Ingenieur kassierte den dritten Strich. Der Amerikaner fügte hinzu, in dieser vollendeten Automati- sicrung sei das noch nicht einmal in Amerika eingeführt. Automatisch drehte sich das Kärtchen um und bekam auf der Rückseite einen Strich versetzt. Dann ginge» wir durch die Buchhaltung. Ein Maschinenbuch- Halter irrte darin herum, verloren zwischen Buchungsmaschinen. Aus dem Zentralbüro erscholl telephonisch ein Befehl:„Welche Barbeträge sind am nächsten Ersten bei unseren Kunden fällig?— die Summe ist in drei Minuten an die Hauptkasse zu melden." Der Buchhalter drückte auf einen Knopf. Dreißigtausend ge- schichtete Lochkarten schoben sich durch metallene Fllhrungskanäle, wurden gestoßen, sortiert, durcheinandergcwirbelt, umgeordnet, durchgeblättert, gerollt, gerüttelt, nach Versalltagen geschichtet, von den Hebeln einer anderen Maschine ergriffen, nach den Mark- betrügen abgetastet, diese wurden aus eine Druckmaschine iiber- tragen, Rollen weißen Papiers bedeckten sich mit endlosen Zisfern, eine Glocke schrillte und ein Lautsprecher brüllt« in den Kasienraum, daß am nächsten Ersten anderthalb Millionen Mark von Kunden zu erwarten seien. „Wonderful", sagte der Amerikaner, so was habe man jenseits des Atlantischen Ozeans noch erst einzuführen. Auf die Vorderseite und die Rückseite des Führungskärtchens hagelte ein kleiner Strich. Dann durck�querten wir das große Walzwerk. Schwebende Riesenzangen hoben aus dem Boden glühende Eisenblöcke, geisterten mit ihnen hinüber nach den Walzmoschinen, betteten sie aus rollende Böden, ließen los und schwangen träumend weiter, während der lebendig gewordene Boden die Glühblöcke knirschend in die donnern- den Walzen preßte, nach vorn, zurück, wieder nach vorn, durch innner engere Profile wurden sie gejagt, kilometerlange Wege, bis sie Schienen wurden, den rauchenden Werkstempel aufgebrannt er- hielten und von riesigen Kran-Magneten in die jeweils um Wagen- länge vorzuckendcn Eisenbahnwagen befördert wurden, die ins Land hinausrollten, lind zwischen all den immer enger werdenden Maschen des Walzwerknetzes hingen ein paar Menschen wie ein paar elende Silberfischchen, über denen ein enttäuschter Fischerschädel sid, besinnt: Sollte er sie zappeln lassen oder wieder in das Mutter- mecr zurückschleudern. „Wonderful, really wonderful", sagte der Amerikaner. „Teufelskerle, diese Deutschen!" setzte er auf Englisd) hinzu. Darüber wurde der Ingenieur fast verlegen. Für Teufelskerle, die die Deutsä'en wären, hatte er auf seinem Kärtchen noch keine Spalte. Endlich überblickten wir von oben einen ungeheuren Arbeits- jaal. Tausend Spulerinnen werkelten da unten. Alle hatten gleid?e Arbeitstracht. Alle sahen auf den kleinen zugewiesenen Arbeitsplatz an langen Tischen. Alle hatten eine und dieselbe Arbeit. Alle setzten gleiche Fingcrgliedcr in Bewegung. Allen war es seit Jahren eingeronnen, wie sie sinnverwirrend schnell die Finger werfen mußten, um mit dem kleinsten Arbeitsaufwand eine größte Arbeits- leistung zu erzielen. Der Ingenieur erklärte eintör.iz, alle Mädchen hätten eine Eig- nungeprüsung durchzumachen. Mindestalter und Höchstalter seien wissenschaftlich festgelegt. Bei der besonderen Art der Arbeit habe «in Akkordlohn sich nicht gut berechnen lassen. Bei der Lohnberech- nung wäre man auf eine Duchschnittsleistung angewiesen. Ob diese mit ihrem Alter schwanke, wollte der Amerikaner wissen. Allerdings. Doch diesen Schwankungsfaktor habe man be- rechnet. Er sei in das Enderzeugnis mit hineinkalkuliert. Mithin könnten dessen Preise unverändert bleiben. Der Amerikaner wiegte den Kopf: Ob die Jahreszeiten die Leistung der tausend Mädchen beeinflußten? Ganz richtig. Doch auch diese Unbekannte sei berechnet. Sie sei gleid/salls mit hineinkalkuliert. , Ob die Wochentage nicht verschiedene Leistungen ergäben? Sehr richtig. Jeder Wochentag habe seine«onderleistung. Ferner habe jeder Wärmegrad mehr oder weniger auf dem Ther» mometcr eine bis ins kleinste kalkulierte Wirkung aus die tausend Mädchen. Das gleiche gelte auch voin Barometerstand. Desgleidien spiele auch der Feuchtigkeitsgrad der Luft eine vorausberechnete Rolle. Auch sei es gleichgültig, ob Ostwind wehe oder Westwind und in welcher Stärke. All« diese hundert Dinge seien in die Preis- berechnungsgleichung einbezogen. „Menschenberechnungsgleichung?" wagte ich einzuschalten. Der Ingenieur sah mich mitleidig an. Der Amerikaner sagte, das sei doch dasselbe. Eine Sirene heulte. Frühstückspause. Die tausend Mädäien hoben den Kopf. Irgend etwas zwang mich wegzuschoucn. Id, hatte Angst, statt der tausend Angesichte tausend glatte Ziffern- scheiden zu erblicken. Aber als ich dann verstohlen doch hinob sah, blickte ich in tausend noch nicht völlig glattgewalzte Mädchenanllitzc. Ich wußte, daß ich etwas Dummes sagte. Doch ich hatte keine Wahl, es entfuhr mir:„Lieben diese Mädchen?" „Selbstverständliä!". sagte der Ingenieur,„wir haben es be- rechnet. Es gibt eine große Kurve. Die Zeit der sogenannten ersten Liebe. Sie entfällt auf ganz bestimmte Altersgrenzen. Dann sind kleine Kurven da. In unserem Koordinatensystem können wir sie mit Wellenlinien festhalten, die allmählich flacher werden und o», Schluß versanden. Alle diese Dinge sind unverrückbar in den Preis einkalkuliert." „Also wäre in der Ziffer Sommer oder Winter, Wärme oder Kälte, Trockenheit und Regen, Montag oder Samstag, Ostwind oder Westwind eingefroren?" mühte ich mich sachlich einzusdzalten. Der Ingenieur lächelte nachsichtig: Meine Ausdrucksweisc sei ein wenig blumig, doch die Sache stimme. „Und das Vibrieren dieser tausend Mädchenherzen, wenn sie ihres Lebens hoho Zeit erklommen haben—" „— die sich in unserer Gleichung mit Unaufmerksamkeit, ein wenig Schludrigkeit, ein wenig unentschuldigtes und unbegründetes Fortbleiben und sonstigen Fehlerquellen niederschlägt", schob der Ingenieur ein. „Also auck) das letzte, was diese tausend Mädchen vor dem Zugriff der Fabrik gerettet glaubten, das Zarteste und Feinste, was ein Mensch besitzt, die Liebe, ist—" „in unseren Selbstkostenpreis hineinkalkuliert", sagte der Ingenieur trocken. „Wonderful, really wonderful, extraordinnry wonderful!" sagte der Amerikaner. „Grauenhaft!" sagte ich. Der Amerikaner sah mich scharf an. Dann flüsterte er etwas in das Ohr des Ingenieurs. „Rein, nein", lachte der,„nicht irrsinnig— nur ein Dichter* „Wonderful", sagt« der Amerikaner und schritt mit dem Ingenieur weiter._ Wenn der Ozean vollkommen verdampfte, würde der oer- bleibende Rückstand von Salzen genügen, um die ganze Erdober- fläche mit einer 60 Meter hohen Schicht zu bedecken. Ipselzlnen 3 Pfd. Bananen............... 2 Pfd. 0,98 Ananas Msdi, i g....m tos 0,58 Jaffa-Orangen...... s m 0,83 Mandarinen............ pm. 0,20 Tafcläpfel.......... m von 0,32 Möhren cewawheB..... SPfdO.IO Grünkohl............... 3PidO,10 Holl. Rosenkohl........ ptd. 0,10 Rot- und Weisskohl..pid 0,06 Wirsingkohl............ Pfd. 0,06 Kohlrüben............. 3 Pfd 0,10 Sellerie eevuobea..... 3 Pfd 0,20 Blumenkohl........ Kopf von 0,30 Schwarzwurzeln ptd von 0,19 Wiener WOrstchen PM Hausmachersüize..... Pfd 0,42 Sülzwurst................. Pfd 0,09 Damptwurst........... Pfd 0,70 Fleischwurst......... Pfd van 0,74 Landleberwurst....... Pfd. 0,75 Jagdwurst.............. Pfd. 0,84 Mettwurst n. P.rvcHtr.ArtPfd 0,86 ff. Leberwurst.......... pfd 0,98 Zervelat od. Salami..Pfd 0,98 Teewurst min............ Pfd 1,18 Nußschinken............ Pfd 1,32 Speck iett............. Pfd. von 6,88 Soeck map«.......... Pfd von 6,84 Gekocht. Schinken y.pfd 0,29 Feine jg. Schnitt- und Brechbohnen '(i Dosi Kalif.Stangenspargel.. Brachspargel otm« Köpf». Kaiser er bsen............. Junge Erbsen sehr fein... Junge Erbsen lein........ Gem. Gemüse(«in...... Gem. Gemüse mittelfein. Leipziger Allerlei...... Junge Karotten......... Spinat...................... Haushaltmischung las getrockneten.Erbsen....... Jli Dose .1,98 ..1," .. 1,30 .. 1,20 .. 1,00 ..1,33 .0,90 .0.78 .. 0,98 .6,42 ..6,38 Dis», Preise geltes o«r Freitag gnd Soasabend.- Die Zusendung von Lsbene- mittels erfolgt kel Bestellung von 5,00 Merk an. eie*|«A''n c,"*n Häusern ausser riawslC Andreasstrosse 'Grüne Heringe...... a ptd 0,35 'Kabeljau o. 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