Morgenausgabe Nr. 53 A 27 49.Iahrgang Wöchentlich 75 7 f. monatlich 3, SB 9JI (baoon 87 Pf. monatlich für Zufiel» luna ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 3,97 M. einschließlich 60 Pf. Po'izeitungs- und 72 Pf. Poftbestellge» b ühren. Auslanbsabonnement 5.65 M, pro Monat: für Länder mit ermäßig» tem Drucksachenporto 4.68 M. Der.Vorwärts� erscheint wochentäg- lich zweimal, Sonntag, und Montag, einmal, die Abendausgabe fiir Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Atend", Illustriert« Sonntagsbeilage .Boll und Zeit". V M berliner Voltsblatt Oiensiag 2. Februar 1932 Groß-Äerlin IN pf. Auswärts i5 pf. Di« einspalt. Millimeterzeile M Pf. ReNamezeile 2.— M.„Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wart 20 Pf. (zulässig zwei fettaedruckteWorte.jedes weitere Wart l» Pf. Rabatt lt. Tarif. Worte über>b Buchstaben zählen für zwei Motte. Arbeiismattt Millimeter- zcile 25 Pf. Familienanzeigen Millimeterzeile IS Pf. Anzeigenannahm« Im HauptgeschSst Lindenstraße 3, wochentäglich von 8V» bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich dasRcchi der Ab- lehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Jentvalorgan der Soziawemokvattfchen Vavtei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 «Fernspr.. Dönbofs(A T) 292—297. Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Poltscheckkonto: Berlin Z7 SIL.— Bankkonto: Bankdcr Arbeiter. Angestellten und Beamten, Lindenstr. S Dt B.n.DtSe.-Gel.. Depositenk..I«ru>alcmerEtr.SöPö. Nanking wird beschoffen! Nach dem Großhafen die Hauptstadt! Washington. 2. Februar. Ter antcrikanrsche Zerstörer„Simpson" benachrich- tigtc das Marineamt, daß ein japanischer ftrcuzer Ranking beschieße. Zn der Stadt Nanking brach eine Panik aus. Alle Läden wurden geschloffen. Der englische und amerika- nische Generalkonsul riete» ihren Staatsangehörigen. Nanking schleunig st zu verlassen. Der Bürger- tneister von Nanking bat den japanischen Generalkonsul. für Einstellung der Beschießung zu sorgen. Ter General- konsul wieS demgegenüber darauf hin. daß daS japa- nffche Gcschtvadcr nicht ihm unterstehe und er daher der Bitte dcS Bürgermeisters nicht entsprechen könne. lieber die Zahl der Lpfer der Beschießung ist noch nichts bekannt. Japanische Marinetruppen gelandet. London. 1. Februar. (Reuter.) lieber die japanische LandungSattion bei Nanking wird in einem Telegramm mitgeteilt, daß die japanischen Ltriegsschiffe um 23. kS Uhr LrtSzeit be- gönnen haben. Nanking mit Gcschühsener zu belegen. Die japanischen Marinesoldaten wurden im Schutte heftigste» Sperrfeuers an Land gebracht. Erbitterte Kämpfe sind im Gang«. Bor Nanking liege» vier japanische Kreuzer und drei Zerstörer, während die Chinesen dort drei Kanonenboote, die Bereinigte» Staaten und Großbritannien je ein Kanonenboot liegen haben. •■j--. Wenn in Schanghai antijopanische Demonstrationen und angebliche Ausschreitungen gegen Japaner zur„Begründung" herhalten mußten, um alle Schrecken moderner Völkeroer- nichtung gegen die Bewohner der größten Hafenstadt Chinas zu entfesseln, so fehlt für die Beschießung seiner Hauptstadt selbst der leiseste Schatten auch nur einer solchen Lügen- begründung. Aus seiner Pariser Tagung im September hat der Bölkerbundsrat die Entsendung einer Untersuchungskom- Mission nach der Mandschurei beschlossen. Jetzt im Februar ist es damit glücklich so weit, daß diese internationale Reise- gesellschaft in den nach st en Tagen abfährt— aber nicht etwa auf dem kürzeren Weg über Rußland, wobei die Unter- brechung des mandschurischen Eisenbahnverkehrs als Zlusrede dient, sondern über Amerika. Japaner auch in Kanton gelandet? Nach einer Meldung der Telegraphencigentur der Sowjetunion wurden am Montag in Kanton(509 japanische Matrosen an Land gesetzt. Di« Matrosen übernahmen sofort die Bewachung des japanischen Konsulats und der anderen Stoatsgebäudc. Ultimatum an Swatou Tokio, 1. Februar. Der japanische Generalkonsul übermittelte den Behörden in Swatau, wie jetzt erst bekannt wird, ein aus 48 Stunden be- fristetes Ultimatum, in dem verlangt wird, daß all« japanseindlichci» Vereinigungen sofort aufgelöst und umfangreiche Maßnahmen zum Schutze des japanischen Handels getroffen werden. Falls die Forde- rung bis Montag abend nicht erfüllt sein sollte, werde Swatou von japanischen Marinetruppen beseht werden. Die Antwort der Chinesen ist noch nicht bekannt. Vier japanische Zerstörer sind nach Swatau unterwegs. Die Schanghai-Llntersuchung. Gens, 1. Februar.(Eigenbericht.) Aus Anfrage des Generalsekretärs hat dix Regierung der Ver- einigten Staaten ihre Teilnahine an der Untersuchungskommission der Ratsmächte in Schanghai zugesagt. Chinesen und Japaner geben weiter völlig widersprechend« Darstellungen über die kriege- rischen Ereignisse. Unsere Parole: 1000 Versammlunien den nächsten Wochen! Bahnhot 24, Lichtenberg; Bahnmeisterei 9: 19 Uhr, Lokal Tempel, Friedrichsfelde, Prinzenallee 45. R e d n c r: Dr. Fritz SehloB. Bahnhol 10, Schöneborg; Bahnhof 11, Hindenburgdamm: Bahnhof 1J, Halensee: 19 Uhr, Schelthase, Steglitz, Ahornstr. 15a. Redner- Jahn(Einheitsverband der Eisenbahner). Bahnhof 12. WiebostraOe; ABOAG, Helmholtzstrafie: 19 Uhr, Arminiussäle, Bremer Straße 72/73. Redner: Dr. Franz Neumann. Bahnhof 5, Nordend: 19 Uhr, Sanssouci, Kaiser-Wilhelmstr. 43 in Pankow. Redner: Karl Dressel. Bahnhof 1, Reinickendorf: ABOAG, Usedomstrafie: Löwenbrauerei, Hochstr. 1. Redner: Mario Kunort, MdR. Bahnhof 22. Woißenseo; ABOAG, WoiBensee; Bahnhof 25. Kniprodestrafie: 15 Uhr, Seifert, Weißensee, Lichtenberger Straße 15b. Redner: Gustav Schaum(Gesamtverband). Bahnhof 28, Spandau: 19 Uhr,„Roter Adler", Spandau, Potsdamer Straße. Redner: Dr. J. Moses, MdR. Verkehrspersonal U-Bahn; 19 Uhr, Lokal Krüger, Tempelhofer Ufer 30. Redner: Lorenz Breunig. Technisches Personal U-Bahn Bam. SM. und Ufo: 15 Uhr, Kammersäle, TeUower Str. 1/3. Redner: Karl Ollorsdorf. Angestellten-Fraktion der BVG. und Nord-SUd-Bahn A.G.: 19 Uhr, Kammersäle, Teltower Straße 1/3. Redner: Professor Chajos, MdL. Bahnhof 5, Teittpelhof; Bahnhol 14, Kreuzberg; Bahnhof 17, Britz; Oborloitung, Markusstraßo: 19 Uhr, kleiner Saal Bock- brauere), Fidlclnstraße. Redner: Dr. S. Drucker. Hauptlager Grängel: 16 Uhr, Heese, Reinickendorf-West, Berliner Straße 73. Redner: Bruno Lösehe. Stadlgut Albortshof: 1756 Uhr. Redner; Genosse Heymuth. (Walter« VsrsamiRlunf«n siehe 1. Bellas«) Dienstag, den 2. Februar: 29. Kreis, Reinickendorf: 20 Uhr, im Strandschloß in Tegel. Redner: Dr. Richard Mischler. Bezirksamt Wedding und Virchow-Krankenhaus: 16K Uhr, Hochschulbrauerei, See- Ecke Amrumer Straße. Redner: Carl Litke, MdR. Zentraler Magistrat: 19>ä Uhr, Musikersäle, Kalser-Wilhelm- straße 31. Redner: Stadtrat Dr. Heuer. Betriebswerkstötte Nordtüd, Müllerstraße: 16 Uhr, Lokal Steinacker, See- Ecke-Müllerstraße. Redner; Kurt Löwenstein. MdR. Bahnhof 2, Müllerstraße: Bahnhof i, Togo); Bahnmeisterei Seilerstraße: 19 Uhr. Gelber Saal, Hochschulbrauerei, See- Ecke Amrumer Straße. Redner: Eduard Zachert, MdL Hauptwerkstatt Grunewald: 16 Uhr, Spandauer Bock. Redner: Stadtrat Otto Ortmann. Bahnhol 1«, Königin-Elisabelh-Straße: 19 Uhr, Schellbach, Charlottenburg, Königin• Elisabeth- Straße 6. Redner: Karl Hanebuth(Einheitsverband der Eisenbahner). Hauptwerkstatt Treptow: 16 Uhr, Rennbahn, Treptow, Elsenstraße 115/116. Redner: Paul Eckert. Bahnhof 20, ABOAG-Hof Treptow, Bahnmoistorei 11: 19 Uhr, Rennbahn, Treptow, Elsenstr. 115/116. Redner: Gustav Eckhardt Hauptworkstatt Uferstraße: 16 Uhr, Löwenbrauerei, Hochstraße 1. Redner: Franz Künstler, MdR. Bahnhof IS, Oberschönoweldo; Bahnhof 24, Köpenick; Bahnmeisterei 10; ABOAG, Köpenick; 19 Uhr, Keglerheim Schulze, Köpenick, Müggelheimer Ecke Wendenschloßstraße. Redner; Hatt® Flieget Weimar in Madrid. Die spanische Verfassung in Krast. Seit dem 9. Dezember 1931 besitzt Spanien eine republi- konische Verfassung, seit dem 19. Dezember einen Präsidenten der Republik. Diese beiden Tage waren Feiertage, die die spanische Nation als ein Jubelfest beging. Vom Präsidenten der(lortes Gon8titu.vento8(Berfassunggebenden National- Versammlung) Genossen Julian Lesteiro, dem Partei- Vorsitzenden und Professor der Philosophie an der Madrider Universität, begleitet, fuhr der neugewählte Präsident A l c a l ü.- Z a m o r a y C a st i l l o im Triumph durch die Hauptstadt. Heer, Marine und Polizei huldigten ihm und damit der Republik. Die Bedürftigsten wurden an diesem Tage bewirtet und gekleidet und zu Festvorstellungen ge- laden. Gleichzeitig wurde eine ollgemeine Amnestie erlassen. So wurde der Freude über die Wahl des Mannes Ausdruck verliehen, der sein großes Vermögen im Kampfe gegen die Diktatur, gegen die Felonie des Königs geopfert und trotz seiner Vergangenheit als Minister des Königs sein Leben in gemeinsamer Sache mit den sozialdemokratischen und frei- gewerkschaftlichen Führern in die Schanze geschlagen, um der revolutionären Volksbewegung zum Siege zu verhelfen: zugleich kam die Freude über die Verfassung zuni Ausdruck, die zum ersten Male in der Geschichte Spaniens allen arbeitenden Menschen der Nation das Bürgerrecht ge- sichert hat. In dem ersten Absatz des ersten Artikels über ,chie nationale Struktur" erklärt die Verfassung, daß„Spanien eine demokratische Republik von Arbeitern" sei. Der geistreiche Philosoph Joso Ortega y Gasset, der in der deutschen Wissenschaft gründlich zu Hause ist und der sich jetzt der aktiven Politik widmet, wehrte sich oerged- lich gegen den Zusatz„von Arbeitern".. Ortega meinte, daß die Verfassung nichts versprechen solle, was: sie nicht halten könne, und daß die Nation nicht nur aus Arbeitern bestehe. Aber der bekannte Schriftsteller Luis A r a q u i st a i n führte in einer historisch-soziologischen Rede vor den Cortes aus, der Zusatz„von Arbeitern" nicht im sawjetrussischen oder im faschistischen Sinne zu deuten sei, sondern nur so, daß Spanien eine Republik von Arbeitenden aller Klassen und von der eigenen Arbeit lebenden Volksgenossen sei, eine Republik, welche die Arbeitenden würdigt und schützt. Deshalb sind auch nur bei den städtischen und staat- lichen Arbeitern gewerkschaftliche Rechte gegen den Willen der sozialistischen Partei soweit eingeschränkt worden, daß ihnen dos Streikrecht nicht zusteht. Das Verhältnis zwischen Slrbeitgebern und den Arbeit- nehmern ist durch ein besonderes aus 94 Artikeln bestehendes Gesetz über den Arbeitsvertrag(I-ev de contrato de trabajo) geregelt worden. Es trägt die Unterschriften des Ministerpräsidenten A z a n a und des Ministers für Arbeit und soziale Fürsorge Genossen Largo Caballero, des Ge- neralsekretärs der freien Gewerkschaften Spaniens. Caballero hotte den Mut, dieses Gesetz als„das Werk eines Sozialisten, aber als nicht sozialistisch" zu be- zeichnen. Jedoch sichert dieses Gesetz dem spanischen Arbeiter soziale Errungenschaften, die der Weimarer Verfassung cnt- nommcn sind. Es stellt Arbeitgeber und Arbeitnehmer juristisch gleich, und ebenso in der Land- wie in der In- dustriewirtschaft. Gesetze über die Sozialoersicherung werden folgen. Der Staat schützt die Arbeit, um jedem, auch dem im Ausland lebenden Bürger ein Existenzminimum zu sichern. Die Arbeit spielt in der Verfassung der vornehmste Rolle. Gemäß Artikel 48 soll die Arbeit der Mittelpunkt sein, um den sich auch der Schulunterricht dreht. Die Verfassung erkennt die Gewerkschaften als Organe des öffentlichen Rechtes an und sichert ihnen die Mitwirkung an der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung des Staates. Das Eigentum ist verfasiungsmäßig in seinen indivi- Quellen und kollektiven Formen zulässig, sofern es eine soziale Funktion erfüllt. Jede gewaltsame Enteignung ist zu vergüten. Sozialisierungen sind mit einer einfachen Parlamentsmehrheit durchzuführen. Was das Schulwesen betrifft, hat der Staat auch für den höheren Unterricht der unbemittelten Bevölkerungsschichten Sorge zu tragen. Der Religionsunterricht ist auf Wunsch zulässig und kann vom Lehrer, wenn dies im Einklang mit feinem Gewissen steht, erteilt werden. Eine„Staats- religion existiert nicht". Die katholische Kirche wird, gleich allen anderen Konfessionen, einem besonderen Gesetz unter- warfen werden. Dieses wird den Verfafsungsartikel 24 zur Grundlage haben, der folgendes besagt:„Alle Äonsessionen sind als Vereine anzusehen. Eine finanzielle Unter- stützung religiöser Institutionen aller Art ist den Behörden untersagt. Nach Verlauf von zwei Jahren soll das staatliche Budget für den Klerus ausfallen und jene religiösen Orden, die außer den drei kanonischen Stimmen auch der Kontrolle des Papstes unterstehen, sollen aufgelöst und ihre Güter zu wohltätigen Zwecken nationalisiert werden. Der Ordens- besitz soll eingeschränkt, die Ausübung von Gewerbe, Handel und Schulunterricht durch die Orden verboten werden." Diese Regelung des kirchlichen Lebens führte dazu, daß Zamora als Ministerpräsident zurücktrat, als er auf die Un- Nachgiebigkeit seiner Kollegen der Kirche gegenüber stieß. Die diplomatischen Beziehungen mit dem Vatikan sind jedoch nicht abgebrochen worden: beim jüngsten Empfang des diploma- tischen Korps wechselten Staatspräsident Zamora und der Nuntius als Doyen freundliche Reden. Es besteht kein Zweifel mehr darüber, daß es bald zu einer gegenseitigen Verständigung kommen wird. Mit besonderer Sorge sieht der Vatikan die Rolle, die der niedere Klerus in dem Konflikt zwischen Staat und Kirche spielt; mit Ausnahme der basko-navarrischen Provinzen fraternisiert der Klerus vielfach mit der republikanischen Bevölkerung. So hat der Mgeordnete Kanonikus Lopez Doriga erklärt, er stimme für die Verfasiung, weil sie„durch Gottes Willen die legale Grundlage für den neuen Staat fei". Derselbe Kanonikus trat für die Zivilehe und die Ehescheidung ein. Als ihm bischöfliche Maßregelungen angedroht worden waren, sprangen im Sitzungssaal der Cortes die Abgeordneten von ihren Sitzen auf und improvisierten eine Ovation, wie sie nur in Augenblicken revolutionärer Leidenschaft zum Ausbruch kommen kann. Ein erbitterter Kampf entwickelte sich um das Frauen- «ahlrecht. Die Abgeordneten hatten zu entscheiden, ob Grimme spricht für Eiserne Front. Die Eiserne Kroni- eine der wichtigsten machtpolitischen Tatsachen der Gegenwart Mit einer gewaltigen Kundgebung in den Germaniasölen reihte sich gestern abend dos Personal der Berliner Städtischen Gas- wrd Wasserwerke in die Eiserne Front ein. Stürmischer Beifall brauste durch den dicht besetzten Saal, als eine Hammer- schaft der Gasarbeiter, flankiert von den Fahnen des Reichsbanners, dem Banner der Belegschaft der Städtischen Gas- werke, und den roten Fahnen der TAI. unter den Klängen des Tambourkorps des Weddinger Reichsbanners mit festem Tritt ein- marschierte. Nach dem Vortrag einiger Arbettertampflieder durch den Neuköllner Sängerchor und den anfeuernden Eröffnungswotten der Spitzenfunttionäre der Gas- und Wafferwerksarbetter, nahm der preußische kulkusminiftcr Geuosie Grimme das Watt, mit brausendem Beifall begrüßt. Er gab zunächst feiner Freude darüber Ausdruck, vor den Berliner Gas- und Wasserwerks- arbeitcrn als Mitglied der preußischen Staatsregierung sprechen zu dürfen, die im Brennpunkt der Kämpfe mn die polttifche Macht in Deutschland steht. Es ist eine atte geschichtliche Erfahrung, daß gerade in Notzeiten leichtgläubige, unzufriedene Massen auf politische Wunderprophetcn und Quacksalber hereinfallen. Um so mehr ist es für die denkende Arbeiterschaft eine Kol- wendigkeit, in diesen Mrrnifsen einen kühlen Kopf zu behalten. Hitler und Hugenberg lassen ihre Presse täglich verkünden, daß nur der Vertrag von Versailles und die Neparationsleistungen die Schuld an unserem Unglück trügen. Die Ursachen des Wirtschaft- lichen Chaos, unter denen wir heute leiden, sind neben den Kriegs- folgen vor allem in den nicht planmäßig vollzogenen Wandlungen Denhl an dze'O.iisiwocbcl Zcicbnel Such ein! ihre vom Volke in die Cortes gewählten Kolleginnen ihre Abgeordnetenmandate ausüben sollten. Die bürgerlichen Frauen K e« t und Campoamor, die Genossinnen Nelken und Rodriguez sprachen teils für, teils gegen die Beibehaltung des Fraucnwahlrechts. Es setzte sich aber der Standpunkt der Gleichheit im weitesten Sinne durch. und so zogen Mch die Frauen ins Parlament ein. Vom Wahlrecht ausgeschlossen sind Mttglieder und Verwandte königlicher Familien. Angehörigen des Heeres und der Ma- rine steht das Wahlrecht erst nach zehnjährigem Ruhestand zu. Der Präsident der Republik wird von der Kammer auf die Dauer von sechs Jahren gewählt; angesichts der Er» fahrungen, die in Südamerika gemacht wurden, ist eine Wiederwahl ausgeschlossen. Die parlamentarische Verantwortlichkeit der Regierung ist verfassungsmäßig festgelegt- Jedoch muß, um über- raschende Regierungstrisen zu vermeiden,«in Wißbilligungs- antrag von einem Viertel der Mitglieder des Abgeordneten- Hauses unterzeichnet fein. Erst fünf Tage nach Einreichung des schriftlichen Antrages kann das Mißtrauensvotuni zur Zlbstimmung kommen. Die Regierung hat nur dann zu demissionieren, wenn die absolute Mehrheit der Abgeordneten es verlangt. Die Verfassung kann auf Vorschlag der Re- gierung oder eines Viertels der wahlberechtigten Bevölkerung geändert werden, wenn vier Fünftel der Abgeordneten grund- sätzlich dafür sind. Dann müssen aber Wahlen stattfinden, und erst die neugewählle Kammer entscheidet, ebenfalls mit Bier-Fünftel-Mehrheit, endgültig. Im Grunde genommen ist die spanische Verfassung eine Antwort auf die Militärdiktatur Primo de Riveras. Es ist die erste Verfassung der Welt, die im Sinne des Kollegg- Paktes erklärt, daß„der Staat auf den Krieg als Instrument der internationalen Politik verzichtet". Gleichzeitig mit der Verfassung wurde ein Gesetz zum Schutze der Republik angenommen, um jeden faschistischen Versuch im Keim zu ersticken. Spanien hat viel aus den Erfahrungen der deutschen Schwesterrepublik gelernt. Viel- fach ist Madrid noch einen Schritt wetter gegangen als Weimar. Die spanischen Sozialisten haben unter günstigeren Ver- Hältnissen als wir ihr großes Werk begonnen: sie hatten keine Friedensverträge nach einem verlorenen Kriege abzu- schließen, keinem kommunistischen Zersetzungskampf entgegen- zutreten und keine hochkapttalistische Bourgeoisie zu bekämpfen. Das Bürgertum hat sich in Spanien in höherem Ausmaße als in Deutschland und Oesterreich an der Konsoll- dierung der Republik beteiligt. Gleichzeitig mit der Erobe- rung der politischen Freiheit hat die Verfassung des neuen Spanien auch einen weitgehenden sozialen Inhalt erhalten. So konnte Unterrichtsminister Genosse Fernando de los R i o s proklamieren, daß„die Wirtschaft in unserem Lande nur ein Mittel ist, um die kulturellen Werte zu ermöglichen und reicher zu gestalten". Oer Aaziminister in der Memme. Klagges-polizei muß Nazimörder verhasten. Brauoschweig. 1. Februar.(Eigenbericht.) Unter dem Verdacht, an dem Mord des Reichsbannermanns Kurt Meier beieiligt zu sein, nahm die braunschwrigischc Krimi- nalpolizei vier Ralionalsoziolisten fest. Razi-Slagges hat bisher immer wieder behauptet, daß der Reichsbonnermann Sur» Meier von..Gesinnungsfreunden" ermorde» worden fei und den sozialdemokratischen„Volksfreund" dieser Tage in feiner amtlichen Eigenschaft gezwungen, eine entsprechende Er- klürung auszunehmen. Die Verhaftung der vier Nazis zeig», was von dieser erzwungenen Erklärung zu hallen ist und wie Nazi- Minister»regiere»". und Umwälzungen zu suchen, die auf allen Gebieten der Technik und Wirtschaft stattgefunden haben. Diese Erkenntnis darf uns natürlich nicht hindern, mtt allen tauglichen Mitteln auf die völlige Beseitigung der Reparationen und der übrigen untragbaren Bestimmungen des Bersailler Vertrages hin- zuarbeiten. Das unsinnigste und verbrecherischste Mittel zur Er- reichung dieses Zieles ist es aber, den Franzosen mit dem Schwerte zu drohen, wie es die Nationalsozialisten tun. Der egoistischen Internationale des Nationalsozialismus stellt die Eiserne Front die Internationale der Vernunft gegen- über. Nicht„siegreich wollen wir Frankreich schlagen", sondern „friedlich wollen Är mit Frankreich leben". Meuu Hitler und Slahlhelmistca ihr Ziel erreichten, würde Deutschland zu einer einzigen Kaserne werden, in der das Denken verbslen ist. hiiler würde, einmal zur Macht gekommen. die Gewerkschafleu verbieten, die Arbeitergelder beschlagnahmen und streik» mit dem Tode bedrohen. Er würde die Arbeil e- l osenun terstützung und die sozialen Reuten aufheben, die Zwangsarbett unter Militärkommando einführen, jedenfalls alle Schichten des arbeitenden Volkes der Mlllkür feiner Staatsmacht preisgeben, die nichts anderes als das ausführende Organ der besitzenden Schichten wäre. Genosse Grimme schilderte an einigen Beispielen die erfolg- reiche Politik der preußischen Regierung, die es ver- standen hat, das wichtigste Bollwerk gegen die Reaktion, das nun einmal Preußen ist, zu halten. Die Massen des werktittigen Volkes haben erkannt, daß sie den Katastrophenpolitikern von rechts nicht nur aufs Maul, sondern auch auf die Fäuste sehen müssen. Die Geschlossenhett, mtt der alle republikanischen Organisationen, vor allem auch die freien Gewerkschaften dem Ruf zur Bildung der Eisernen Front gefolgt sind, hat auf die deutschen Faschisten bereits niederschmetternd gewirkt. Die deutsche Arbetterschast liebt nicht das phrasenhafte Spiel mit dem Bürgerkrieg. Der Bürgerkrieg ist für sie das grauenvollste, das sie sich vorstellen kann. Die denkende Arbeiterschaft lehnt die Gewaltanwendung in, politischen Kampf grundsätzlich ab. Wenn aber die Gegner mtt Wafsengewatt die demOkratischen Freiheiten vernichten. der Arbetterschast die sozialen Errungenschaften rauben und aus Deutschland ein Zucht- und Totenhaus machen wollen, werden sie mtt der Eisernen Front zu rechnen haben, an der sie sich den Kops einrennen sollen. Genosse Grimme schloß mtt den Worten: Ich begrüße die Eiserne Front als eine der wichtigsten machtpoiittscheu Totsachen der Gegenwart: sie biete» die beste Gewähr für die Anfrcchlerhallung des inneren und äußeren Friedeos. Die Versammlung brachte den Ausführungen des Genossen Grimme stürmischen Beifall dar. Mit dem gemeinsamen Gesang „Brüder zur Sonne" fand die machtvolle Kundgebung ihr Ende. Oie Eiserne Kroni im Lande. Gewaltige Kundgebungen gegen den Faschismus. Frankfurt a. vk.. 1. Februar.(Eigenbericht.) 3n Fraaksnrt a. M. marschierte die Eiserne Front am Sonnlog zum erstenmal zu einer großen össentlichen Kundgebung auf. Auch hier zeigte sich wie überall, wo die Eiserne Front in Aktion tritt. eine gewaltige Anziehungskraft auf das Publikum. Das große Rund des Schumann-Theaters war schon lange vor Beginn der Veranstalkung dicht xesiilll. Der sozialdemokratische Reichslagsabgcordnele Hans Vogel nahm den Eid der Eisernen Formalionen ab und verpslichlet sie mit Handschlag für ihren Dienst. Dann führte er. wiederholt stürmisch uaterbochen. unter anderem aus: Die Parole unserer Gegner, daß 1932 das Jahr der Entscheidung sei. nehmen wir auf und schließen die Eiserne Front, um die Entscheidung in unserem Sinne herbeizuführen. Nach dem willen unserer Gegner soll die gesamte deutsche Sozial- polilik zerstört und der Lebenssiand der Arbeilerklasie hinler das Jahr!SS1 zurückversetzt werden. Die Neuproletarier der ad- sinkenden vlitielschichten lernen jetzt in der wlrischasiskttsc das Schicksal kennen, das das Zndustneprolelarial schon seil Jahrzehnten ertragen muß. Unter dem Aushängeschild des Sozialismus verbirgt die Nazi-,, Arbeiterpartei", diese Partei der Kapilalsknechte. ihre kapitalistische Gesinnung. Nicht umsonst gaben kürzlich die schwer- industriellen Herren der Nordeutschen Gruppe zu Ehren hillers in Düsieldors ein Esten, da» mit Kaviar und Ansiern begann und aus dem der Sekt nur so strömte. Unsere Aufgabe ist es. die ZUachtergreifunq des Faschis- mus zu verhindern, weil die Demokratie für den sozia- listischeu Aufbau unerläßlich ist. Bei aller berechllgleu Erbllkernng über Brünings Notverordnung»- polilik dulden wir fein Sadtnetl, weil fein Sturz zur Bildung einer Rechtsregierung führen würde, die die Programme von Harzburg und voxhestn zu verwirkliche« hätte. Kandgebung in Breslau. Breslau. 1. Februar. Die Eiserne Front veranstaltete am Sonntag große Kund- gedungen im Zirkus Busch und im K o n z e r t h a u s, die sich gegen den Faschismus richteten. Es sprachen der Borsttzende der sozialdemokratischen preußischen Landtagssraktion, Genosse Heil- mann, der Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Gewerkschafts- bundes, Reichstagsob geordneter Genosse Graßmann, und das Bundesvorswndsmttgiied des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold Major a. D. M a y r- Magdeburg. Die Massenversammlungen nahmen die Ausführungen der Redner mit stürmischem Beifall ent- gegen. Hindenburg-Ausschuß konstiiuieri. Erklärung Dr. Sahms. Der Ausschuß für die Wiederwahl Hindenhurgs zum Reichspräsidenten, kurzweg Hindenburg-Ausschuß genannt, hat sich am gestrigen Montag in Berlin konstituiert. Oberbürgermeister Dr. S a h m erläuterte nachher das Wesen und die Absichten dieses Ausschusses vor der Presse. Er führte u. a. aus: Unser Ausschuß ist in keiner Weis« parteipolitisch gebunden, was ja in bezug auf mich selbst auch eine Bedingung bei meiner Wahl zum Oberbürgermeister von Berlin gewesen ist. In Bayern besteht schon ein solcher überparteilicher Hindenburg- Ausschuß, der mir noch gestern geschrieben hat, daß er mtt uns zusammen arbeiten will. Bei der Einladung zum Hindenburg- Ausschuß habe ich mich nicht an die politischen Parteien gewendet, sondern an solche Persönlichkeiten, die durch ihre öffent- lichc Stellung großes Ansehen genießen oder die große Organi- sationen hinter sich haben. Sie zeichnen aber unsern Wahlaufruf nicht für diese Organisationen, und zwar aus zwei Gründen: Erstens weil zuviel Zeit vergehen würde, bevor die Beschlußfassung dieser Organisationen erfolgen könnte, und zweitens weil vielen Organi- sationen durch ihre Satzungen die Beschäftigung mtt politischen Angelegenheiten verwehrt ist. Wir haben bereits sehr zahlreich« Beitrittserklärungen bekommen. Zunächst handelt es sich darum, die 2 0 000 Stimmen für den Wahlvorschlag Hindenburgs aufzubringen, was uns mit Hilfe der Presse gewiß in dem Maße gelingen wird, daß die gesetzlich notwendige Zahl bei weitem überschritten wird. Dadurch wird schon diese Unterschriftensammlung den Charakter einer spontanen Massenkund- gebung erhalten, die Hindenburg als Volkskandidaten im besten Sinne des Wortes aufstellt, und zugleich die Bitte an den Reichs- Präsidenten enthält, sich noch einmal der schweren Bürde dieses höchsten Amtes zu unterziehen. Dr. Sahm machte noch darauf aufmerksam, daß die Vor- schlagslisten auch mit dem Namen eines Vertrauensmannes und dessen Stellvertreters versehen sein müssen, wofür die Namen des Oberbürgermeisters Dr. Sahm(Berlin) und des Reichsgerichtspräsidenten a D. Dr. Simons vorgeschlagen sind. Der Ausschuß, der auch Länder- und Ortsausschüsse bilden will, setzt sich aus folgenden Persönlichkeiten zu- sammen: Oberbürgermeister Dr. Sahm. Reichsgerichtspräsident a. D. Dr. Simons, Oberprästdcnt von Batocki, Ministerialrat Dr. Ger- trud Säumer, Verbandevorsitzender B e ch l y, Oberbürgermeister Dr. B e l i a n, Staatsminister a. D. Dr D o m i n i c u s, Geheim- rat Professor Dr. Dulsberg. Oberpostbaurat Echternach, Dr. Tzermann Fischer, Wilhelm Flügel, Landesbaurat Fritz, Reichswehrmin ister a. D. G e ß l e r, Frau Anna von G i e r k e, Präsident Dr. Dr. Grund, Heinrich Grünfeld, Dr. Gerhart Hauptmann, Geheimrat Dr. Georg Heim. Frau Geheimrot Heßberg er, Oberbürgermeister I a r r e s. Professor Dr. I u n- k e r s, Präsident Dr. K a p l e r, Generalsupermtendent D. Karow. Staatssekretär a. D. Kempncr, Dr. Klee mann, Prälat Kreuz. Kommerzienrat Dr. Krumbhaar, Freiherr von Landsberg-Steinfurt. Reichstagsabgeordneter Ernst Lemmer. Exzellenz Wirkl. Geh Slot Dr. Lewald. Professor Dr. Max Licbermann. Artur M a h r a uzi. Geheimrat Oscar von Miller, Präsident Dr. Mulert, Oberpräsident Gusto» Stoske, Geheimrat Professor Dr. Oncken. Verbandsvorsitzender Otte, Geheimrat Professor Dr. Planck. Staatsminister a. D. Dr. S ch m i d t- O t t. Bischof Dr. Schreiber, Dr. S o l m s s e n, Professor Dr. Philipp Stein, Professor Dr. T i e l e m a» n- Bonn, Dorothea von Velsen, Geheimer Kommerzienrat Wanner, Frau Ministerialrat Weber. Generalmajor von Winterfeldt und Frau Dr von Zahn-Harnack. Der Ausschuß hat einen Ausruf erlassen, der unter starker Betonung des Militärischen zur„Ucberwindung des Parteigeistes" auffordert._ Tttmmersaiie Agrarier. Selbst Schiele genügt ihnen noch nicht. Die Agrarier hoben unter Führung des Laiivbundpräsidenten Kalckreuth eine Kundgebung veranstaltet, auf der sie national- sozialistisch« Töne gegen die Regierung Brüning angeschlagen und noch höheren Zollschutz gefordert haben, wobei selbst Herr Schiele von ihnen ein« schlechte Zensur erhielt. Llm die Winterhilfe. Oie Forderung der Sozialdemokratie nach Erweiterung. 2er von der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion roezen der Erweiterung der Winterhilfe an den Reichsorbeits- minister gerichtete Brief hat im wesentlichen folgenden Inhalt: 2ie Ausführung der Winterhilfe für Erwerbslose erfolgt innerhalb von Grenzen, die gewisse bedürftige Kreise von den Möglichkeiten eines verbilligten Bezuges von Kohl« und Fleisch vollkommen ausschließen. Es handelt sich hier 1. um Kurzarbeiter mit Anspruch auf Kurzarbeiter- Unterstützung: 2. um alle llnterstützungsempsänger der Arbeitslosenversicherung und der Ärisenfürsorge, für die keine Familien zu- schlage gezahlt werden: 3. um Empfänger von Unterstützungen aus der öffentlichen Fürsorge und Zusatzrentenempfänger, die keinen eigenen chaushalt führen: 3. um diejenigen Erwerbslosen, die keine Unterstützung beziehen. Die Empfänger von Kurzarbeücruntersrützung sind nach den gellenden Bestimmungen von den Winterhllfsmoßnahmen voll- kommen ausgeschlossen. Diese Kurzarbeiter müssen aber auch in den Genuß der Derbilligungsmahnahmen der Reichsregierung kommen. Der Ausschluß von Kurzarbeitern bedeutet fast immer ein« unbillige ssärte. Gibt es doch z. B. im rheinisch- westfälischen Industriegebiet Empfänger von Kurzarbeiterunterstützung, die schon seit über einem Jahr kaum mehr als drei Arbeitsfchichten wöchentlich aufweisen können. Das Einkommen dieser Leute liegt häufig unter den Sätzen der Erwerbslosen- Versicherung. Durch die Ausschließung von den Winterhilfs maßnahmen werden diese Kurzarbeiter nicht sellen schlechter be- Handell, als die Hauptunterstützungsempfänger der Arbeitslosen Versicherung. Aber auch die Ausschließung der Ledigen bzw. der Personen, die keinen eigenen Haushalt führen, von der Winterhilfe stellt eine Härte dar, die in vielen Fällen unbillig erscheint. Denn die Be- dürstigkeit solcher Erwerbsloser wird sich in den meisten Fällen kaum bestreiten lassen. Schließlich erscheint es auch ungerecht, schematisch alle die Er werbslosen von der WiMerhilfe auszuschließen, die keinen formalen Anspruch aus Unterstützung haben. Der Unterstützungsanspruch dieser Personen besteht nieistrns nur deshalb nicht, weil st« Angehörige oben, deren Einkommen die Unterstützungsgrenze übersteigt. Ihre Ausschließung von Unterstützungsansprüchen ist wohl hauptsächlich auf finanzielle Gründe zurückzuführen. Hieraus zu schließen, das; diese Erwerbslosen nicht bedürftig sind, scheint verfehlt. Wie der Völkerbund handelt. Um Minderheitenrechte. C i n st i m m i g hat der Völkerbundsrat die Beschwerden der ukrainischen Minderhell gegen die polnische Regierung abgewiesen, wie das der Japaner Sato als Berichterstatter beantragt hatte. Die pollnsche Regierungspresse feiert diesen Beschluß als eine wahrhafb bedeutende Tat, während sie eben rwch die Untätigkellches Rates gegen den Raubkrieg Japans in China krllisiert hatte. Außen- minister Zaleski rät in einem Interview den Beschwerdeführern, sich doch lieber an die polnische Regierung als nach Genf zu wenden. Das ist«in um so wertvollerer und besonders wohlmeinender Rat, da dies« Regierung alles tut. um die Ukrainer zu Polen zu machen, ihr Widersireben mll Wonstreprozessen und geradezu asiatischen ötrafexpedllwrien beantwortet und das Wahlrecht ihrer Bürger(ohne linterschied der Nation) durch Terror ä la Brest-Litowsk wert- und wirkungslos gemacht hat! Aus dem Chor der so befriedigten Warschauer Regierungspresse hebt sich die Stimme des ehemals demokratischen„Kurjer Polst'i" hervor. Danach ist der Bericht Satos über die Ukraine auch durch die Haltung des Völkerbundes zum chinesisch- japanischen Konflikt beeinflußt worden; es hätte in Genf ein aus- gesprochenes Junktim zwischen dem mandschurischen Kon- flikt und der ukrainischen Angelegenheit bestanden. Das heißt ganz klar: es war ausgehandelt, daß der Rat nichts gegen Japan und dieses nichts gegen den Rat tue. Nun wäre es ja sicher nicht dem Völkerbund abträglich, wenn hilfeflehenden Minder- heitsvölkern geholfen würde— aber das wäre Regierungen un- angenehm, die Minderhellsvölker knechten und denen ihre Vcrbün- Veten auch dann beistehen, wenn sie selbst von solchen Fragen frei sind. In diesem Sinne war ja auch die Betrauung I a p a n s mit der Berichterstattung bezeichnend, da Japan sich durch die DeHandlung des ihm ausgelieferten Korea besonders zum Schützer von Minder- heitsvölkern qualifiziert. Wenn der Völkerbund nach feinem Versagen in China nun auch noch zeigt, daß er seine zweite Aufgabe nach der Ariegsverhütung. den Minderheitenschutz ebensowenig erfüllt— was bleibt da noch von Ansehen und Vertrauen übrig? Geballter Cäsarenwahn. Mussolini spiegelt sich in Napoleon. Weimar ist die Stätte der klassischen deutschen Dichtkunst. In Weimar wurden einst die Dramen Schillers und Goethes uraufgeführt. In Weimar erwies Napoleon auf der Durchreise dem Genius Goethes feine Reverenz- Aber er kam nicht auf die lächerliche Idee, einem Goethe Konkurrenz zu machen. Die Zeiten ändern sich. Heutzutage gilt der Thcaterfpieler mehr in der Politik als der Staatsmann. Darum hat Mussolini ein Napoleondrama geschrieben, und in Weimar ist es am Sonnabend uraufgeführt worden. Teils beliebte Mussolini sich in der Figur Napoleons zu bespiegeln, teils beabsichtigte er der Welt zu zeigen, wie sehr er diesem Napoleon an staatsmännischer Weis- hellen überlegen ist. Napoleon'hat nämlich Fehler gemocht und ist daran zugrunde gegangen. Nach Mussolinis Geschichtsauffasiung hat Napoleon der blöden Masse immer noch viel zu viel Einfluß auf die Staatsmaschine eingeräumt. Mussolini-dagegen macht keine Fehler(nach seiner Ansicht). Ein alles griechisches Sprichwort sagte: Niemand ist vor seinem Tode glücklich zu preisen. Mussolini wird sich indes einige Fehler gestallen dürfen. In der Loge saß nämlich schon einer als Zuschauer, bereit, das alsdann fällige Mussolini-Drama zu schreiben und in diesem nach- zuweisen, um wieviel er Mussolini an staatsmäwnschem Können übertrifft. Der Name dieses Znfchaner« war Ldalf-Hitler. JoaatbBL Hitlers Eßart. „Die Sirukiur MSLRER Chart ist eine andere als die des„Stahlhelms." Hitler an Seldte. 5.A.., SEINE ESSAßT I Die(AserneKront derLandarbeiter. 5000 Versammlungen im Monatsdurchschnitt. Die im Deutschen Laudarbeiter-Verband organisierten Land- arbcller sind gewissermaßen die Vorposten der Eisernen Front. Sie sind die Truppe, die auf vorgeschobenem Posten dem ersten Ansturm der Gegner der Arbellcrbewegung trotzen muß. Gutsbesitzer. Gutsinspektoren und deren Freunde finden heute, daß die Nazis ihre richtige Vertretung sind. Die Sprache der Nazis ist ihre Sprache. Die Herren Ritterguts- und Fideikonnnißbesther mit den Tau- senden von Morgen Land wissen ganz genau, warum sie sich für die Nazis und das sagenumwobene Dritte Reich einsetzen. Beides soll den Besitzern auf dem Lande das bringen.. was bisher weder der Landbund, noch der Stahlhelm, noch die Deutschnationole Polkspartei bringen konnten, nämlich die schärfste Unter- d r 2 ck u n g jeder frrihelllichen Regung des lohnarbellenden Volkes, die Unterdrückung jeder selbständigen Vertretung der eigenen Recht« in Organisationen. Darum arbellen die gewerkschaftlich organisierten Land- und Forstarbeller, die Weinbergarbeller und die Melker, alle Berufs- gruppen in der Landwirtschast, nicht nur sell Monaten, sondern seit Iahren in aller Stille, aber mit verbissenem Trotz gegen diese brutalste aller reaktionären Fron- t e n. Zäh wird gerungen um jeden Fußbrell Badem Zäh ist der Gegner, aber noch zäher, eisern in ihrem Willen, sind die jähr- zehnte-, jahrhundertlang unterdrückten Landarbeller. ZlXXI Versammlungen im Monat siud nur das äußer« Zeichen ihrer Arbeit. In rund läü Kreisgruppcn des Deutschen Landarbellcr-Derbandes werden von den angestellten Kreisleitern, den ehrenamtlichen Kreis- Vorstandsmitgliedern und Bezirksführcrn an jedem Sonnabend und Sonntag mindestens drei Versammlungen abgehalten. Kaum ein Wochentag vergeht, an dem nicht weitere Versammlungen stattfinden. Nicht genug damll, Sonntag für Sonntag eilen Stoßtrupps von besonders geschulten Verbandsmllgliedern von Dorf zu Dorf, von Haus zu Haus und wirken in mühseliger Klein- arbeit durch mündlich« Aufklärung oder Uebergabe von Flugblättern für den Vormarsch der freiheitlichen Arbeiterbewegung, für die Ab- wehr der Naziseuche. St« orbeitcu in dem oftelbischen reaktiouörea Winkel, fei es- Ostpreußen. Pommern, Brandenburg oder Schlesien. Sie orbeilen aber auch hoch im Gebirge, im Bayerischen Wald, im Erzgebirge, im Riesengebirge. E, gibt kein Waldgebirge, wo nicht diese Stoßtrupps zu finden sind, um bei den Forstarbeitern zu werben. Am Rhein, an der Mosel, in der Pfalz gilt e». die Weinbergarbciter in die Front einzureihen. Stundenweite Wege— was sind acht Stunden Fußweg in den bahnentlegenen Gebieten des Großgrundbesitzes oder manchen deut- schen Mittelgebirges— werden bei jedem Wetter zurückgelegt. Schlecht ernährt, Weiht gekleidet sind diese Kämpfer, die auch in der Mehrzahl keine Arbeit haben. Das sind die Kämpser der Eisernen Front aus dem Land«! Diese Kämpfer haben den Ansturm des Kapp-Putsches überstanden, sie werden auch die nationalsozialistische Flut zum Stillstand bringen. Für sie gilt das Lied:„Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte.. Der französische Parteitag. Wahlprogramm und«tattik. Paris, 1. Februar.(Eigenbericht.) Der außerordentliche Kongreß der sozialistischen Partei hat nach zwellägiger Beratung einstimmig die von Leon Blum dargelegte Wahlplattform und fast einstimmig eine Entschließung über die Wahltaktik angenommen, in der es heißt: Die sozialistische Partei muß in allen Wahlkreisen in den Kampf gehen. Die Parteiverbände, die aus rein materiellen Gründen außerstande sein sollten, dies zu tun, müssen darüber den ständigen Verwallungs- ausschuß unterrichten, um mll ihm MUtel zu suchen, die die Durch- führung des von der Partei bestätigten Prinzips sicherzustellen. Die Benachrichtigung muß rechizellig, spätestens drei Tage nach der offiziellen Bekanntgabe des Wahldatums erfolgen. Der Kongreß vertraut den Parteioerbändsn, daß sie in der Stichwahl gegebenenfalls de» sozialistischen Saadidoten zugunsten jenes Kandidaten zurückziehen, der die größte Aus- jichl hat. die Reaktion zu schlagen. Die Wahliaktik gilt nur für den Fall, daß das Wchrhellswohl- syst«»-in Kraft bleibt. Sollte das Parlament die Mandclsche Wahl- resorm billigen, so wird der dazu ermächtigte Landesausschuß der Partei einberufen, um im Interesse des Sozialismus und der Arbeiterklasse eine neue Wahliaktik festzulegen. Schließlich wurde eine vom Abg. M o n t e t eingebrachte Protesterkläruog gegen den chinesisch-japanischen Krieg an- genommen. die die Arbeiterklasse in allen Ländern auffordert, von ihren Regie- rungen zu verlangen, daß sie energisch für die Regelung des Konflikts durch ein Schiedsgericht eintreten und im Notfall die im Völkerbundspalt vorgesehenen Sanktionen an- gewendet werden, damit China uyd Japan nicht den Völkerbunds- Pakt, das Washingtoner Abkommen von 1923, den Kellogg-Patt und das allgemeine Schiedsgerichtsabkommen als Papierfetzen beHandel». Der Aaziverrai an Südttrol. Hiiler-Oementi widerlegt. Die christlich ieziale Tiroler Presse hatte vor einigen Wochen mitgeteilt, daß Hakenkreuzler am faschistischen Siegcsdentmal in Bozen einen Kranz niedergelegt haben. Die Hakenkreuzler be- stritten wütend diese Meldung. Die Tiroler Christlichsozialen haben nun auf Grund„verläßlicher Erhebungen" unter anderem fest- gestellt, daß es Personen gibt, welch« die nationalsozialistische Huldigung vor dem Siegesdenkmal wie das Hakenkreuz unter dem Huldigungszsichen wahrgenommen haben wollen. In der Krypta des Siegesdenkmals ist das früher dort auf- liegende Buch der Eintragungen verschwunden. Seit 14. Dezember liegen nur noch lose Blätter auf, die offen- sichtlich aus dem früheren Buche herausgerissen worden sind. Am 9. Dezember wurden zwei nationalsozialistische Persönlich- � leiten aus dem Reiche beim Passieren der österreichisch- Italienischen Grenze am Brenner von Faschisten feierlich empfangen, in ein Wtcil erster Kasse gebracht und noch Bozen gelellet.> Wie bei der Iulfeier der Meraner Nazi-Ortsgruppe, so auch bei einem Sprechobend der Meraner NSDAP.-Ortsgruppe erschienen zwei Beamte der Quästur(Polizeidirektion), von denen sich einer für den Sieg der Hitlcr-Partei aussprach. Am 2l- o. M. wurde in Bozen eine nationalsozialistische Orts- g r u p p c gegründet. Der Raum war mit Fahnen Hlllers und der Trikolore geschmückt. An den Wänden hingen Bilder von Hlller, Mussolini und Straßer. Als Ehrengäste erschienen Offiziere der Faschisten miliz und Beamte der Quästur. Man huldigte sich gegensellig mit den Rufen: E v o i v a Mussolini! EovivaHitler!" Der von Schuschnigg— dem neuen Justizminister Deutsch- Österreichs— und Kalb gezeichnete Bericht schließt mit der Erklärung: Wir können es getrost dem Urteil der Bevölkerung überlassen, ob das Verhallen der Nationalsozialisten in und gegenüber Südtirol verräterisch ist oder nicht. Frisches Fleisch Mast-Odisenorust. Pfd. 0.60 Mast-Ochsengu!asdiPfd.0.68 Mast-Odueiudimorfl. ohne Knochen, Pfund Oa/6 Kalbsbrust u. RQckcn, Pfd. 0.56 Kalbskoleletf.. Pfund 0.75 Kalbsroulade...Pfund 0.88 Kalbsschnitzel..Pfund 1.18 Sdiweinesdiulter Pfund 0.66 Bratfertiges RUcfcenfett_.. u.(.lasen,. fund 0,50 Kaftlerkamm u. Schuft 0.76 la Barl. Bratwurst Pfund 0.88 Gehacktes.... Pfund 0.50 la Ochsentalg eusgeiass. 0.78 Rinderherzen..Pfund 0.38 Rinderbacken..Pfund 0.32 Lunge 0.24 Euter Pfd. 0.7|P Masf-Odisenfieisch Pfund von an 40 Pf. Apfelsinen 3 Pfund Bückfinge 24p. Pfund von an Gänse gefroren, Pfd. v. an 52pf. I Arll««froren, LaCTIS ganze FIsdie Pfund von an.2 Pf. Grüne Heringe 3 Pfd. von an 2 S Pf» Blatt BOdcan Keule Hirschfleisch Pfd. v. an 0.54 0.66 0.96 Wildschwein Pfd. von an 0.78 0.68 0.98 Wursfwaren Hausmacher-Sülze Pfd. 0.42 Speck- u. Dampfw. Pfd. 0.70 Landleberwurst Pfd. f.is 0.84 Mettwurst Braunsd-.w, Art 0.66 Feine Leberw. Pfd. uc 0.98 Zervelat u. Salami Heist. 1.05 Speck f.tt0.68 mag.r.Pfd. 0.84 Fielschwurst... Pfund 0.64 Schinken 9£ph� 0�28 0.38 Käse und FeH Camembert Schacht, e.st 0.18 HarzerkBse i-Pfd.-Pak.t 0.38 Limburg.Käse 0.44 voilf.0.70 tmmentaler Art Schacht. 0.58 Steinbusch er»oiifatt, Pfd. 0.65 Holiander,Edamer vofff. 0.72 Margarine, Kokosfett.__ J Pfund 0.95 Molkereibutter Pfd.«.is 1.12 Al t. Markenbutter Pfd. 1.34 DSnische Butter Pfund 1.40 Geflügel u.Wild Hühner frisch, Pfd. von an 0.68 Wolgahühner Pfd. v. an 0.70 Hasen gasfr. u. ausg., Pfd. v, 0.80 Kaninchen gastraift und—__ ausgeworfen, Pfd. von an 5 Fische Dorsch...Pfund von an 0.14 Schellfisch Pfund von an 0.1 8 Rotbars ohne Kopf, V, an 0.28 Seelachs-Filet Pfd. v. an 0.38 garSud�ert Sprotten v, an 0.24 Kiste 0,30 Fleckheringe f,,d'•" 0.40 Lachs in StOdc., Pfd. V, an 1.20 Obst u.Gemüse Kochb.rnen.. 2 Pfund 0.25 BrunnerJipfel.. Pfund 0.1 5 Orangen Halbblut Z Pfd. 0.62 Amerik.Xpfel Z Pfd. 0.95 0.65 Rot-,Weil*-,Wirsingkohl0.06 Möhren..... 3 Pfund 0.10 Rote Rüben..5 Pfund Rosenkohl... Pfund 0.10 WOTHHFI ( t Theater, ; Lichtspiele usw. <) Staats Theater Diciufc�, den 1. Februar Staatsoper unter cen Linden 20 Uhr Die Geisha StaallidmupiiniiiK Schillu-Theater WbhStätigkeits-GescIlschaftsabend POLIZEI FRAUEN-HILFSVEREINS Mittwoch, den 3. Februar 1932 in den gesamten Festsälen des ZOO Mitwirkende; KAPELLE MAREK-WEBER Große Tomboia MARCEL I T T R I S C H Einlaß 73o Uhr Großes Orchester d.Schu�polizei_ Beg,nn 8 uhr TANZ IN SÄMTLICHEN SÄLEN Beginn 8 uhr EINTRITTSKARTEN ä 3.- M. bei den Theaterkassen Wertheim, Tielj, Kaufhaus des Westens, Rudolf Mosse, Vorwärts-Filialen und im Ballbüro ZOO» Logen-Reservierungskarten ä 5.- M. hör im Ballbüro ZOO Große Tombola Einlaß 730 Uhr ÄSf 1.15 IIb Flora 3434 tau diu et labt Rcllcr-Famill«!..Canf�. Hugo n.«etu WelbsteiiXel. Wilh. Itendosv. 9 Allfnons nad weitere Afftakfioara ••.ubrCASINO-THEATERr/.uh. LotluiMger Strebe 37» ••HtMlIllonillHllllllilOIHIilllMIIIIWUlMHIMaillHUMilfllllSllllllUn Ftr«enig Geld ein csnoAreldier Uwol Xen! XenJ Ehen uon heute Detra ein neuer bunter Teil und eine Operette Gutschein 1- 4 Personen: Parkett 50 Pf., t-auteuii 1.— Mark. Sessel 1.50 Mark. Restaijnmt Berlins Volks DOluie Theater an Bblcvilttz S Uhr oerfieiangene mit jUtertEassemiiiu Statl. Sdriller-Tbatir 8 Uhr Die ütittUdie lefie Deatsdiesltieater 8 Uhr Tl HON von Ferd Bruckner Regie Heinz Hilpen Theafer im Admlralsoalasi Täglich ßV* Uhr Nur noch bis 7. Febr. der sensationelle Operet renerfolg Die Diibarry Preise v. 0,50 M. an Täglich 8V* ühi Morgen gehts uns gut! Grete Nonhelin JIux Hansen Orchester Dajos Bela fTPlüRSlIif?« ' AniDld Siliolz/ G-Bsiib Hcnranapl., Baawliclilc 1BB-14| Grones BocHbieriest | Grolle Schweinebraterei und Prämiierung der{ schönsten Beincben von Berlin(Damen). i Geldpreise: SO, 40, JO, 20, 10 RM s Havel en. Kavrlsdie Dedlennna• Berian 7 i hr| Theater desWestens Täglich SV. Uhr Karl Jökcn in I»rr Vogelhändler Preise von 50 Pf. an TU. WWW, Truppe 1951. TägL 8'. 4 LTir Die mauselaiis Preis« 75 Pf.— 3 M. Sonnt, nachm. 4 ü. halbe. Preis«. Rose-Theater Snli fnsktirhr Sinti 13! Tit. Kitosit E 7 342? S.1S Uhr Oer OeltelstaiiEDt Theater am Nollendortptab flcjlt: Mii Siltisbug Pallas 7051 Täglich SV. Uhr Stgs. auch 4V« Uhr Gasparone Ortskrankenkasse Iflr das Buchdruckgewerbe zu Berlin D» vom Ausschuß der Kusse de- schlosseuen 30. Abänderung der Russen. setzung bat das Obervelflcherungsamt seine gusfimmung erteilt. Hiecnuch werden die ttassenbeiträge aus Z Hundertstel des im I ife| sestgeietzten Siundluhns festgesetzt und fiir jeden Ralendertug berechnet. Di« Rassenbeiträge sär Versicherte, die im Falle der ArbeitsunsichigEeit einen Rechtsanspruch auf Gehalt für min. bestens 4 Wochen vom Tage des Ein. tritt» der Arbeitsunfähigseit an haben, werden auf 4,5 o o m Hundert des Grundlohns bemessen. Der Arbeit, g-ber muß bei der AranEmrlbung die Daner des Anspruchs auf Arbeitsent' gelt bescheinigen. Bon den durch die Rotverordnung vom S. Dezember 1931 aufgebobenen U.. Ha g-ld und Taschengeld bei Gewährung von stranEenhaus. und Surheimpfl st 26 Abs. i sGierbegeld im 40f; Betrage des Grnndlobns). jj 30 fCterl gelb fiir Ehegatten in Höhe von zwei Dritteln, sür Kinder von 4— 16 Jahren iu Höhe der Hälfte und fiir Sinder bis zu 4 Bahren in Höhe eines Viertels des dem Mitglied« zustehenden Sterbe geldbetrages). Die Satzungsänderung tritt am 1. Fe bruar 1932 in Sraft. Berlin, den 1. Februar 1932. Der Vorstand. Richard Lenz, Varsttzender. Alfred Efftröm, Echristfilhrrr. Will fr Du ßhöne Böden haben nur ��90 mit dem Raben Mit Wertmarken.1 Küchen! nur Küchen Himmel SchönhauserTor Heute nachmittag entschlief sanft nach turzem, schwerem Leiden im fast vollendeten 61. Lebensjahre meine geliebte Frau, unsere herzensgute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Frau Gertrud Fister gel». FIsschko Berlin, den 31. Januar 198 t Robert Fiatcr txcrtrnd Avilas geb. Fister l>r, M. Aviles Charlotte Fister A. Siegelmann Angel Avilas Die Tntuerfeier findet statt am 4. Februar, um 41 Uhr nachmittags, im KreraatotiumBaumEchuleaweg. Beileidsbesuche dankend verbeten. 3 b. C. 212/31. Urteil I» Romrn de» BaUe»! Strafsache gegen den Schriftleiter Dr. Franz M e tz n e r, in Weimar, wegen übler Rachrede. Das Thüringisch« Amtsgericht in Weimar hat in'der Sitzung vom 9. OE. tobet 1931, an welcher teilgenommen haben: 1. Amtsgerichtsrat Dr. Müller als Richter, 2. Staatsanwaltschaffsrot Dr. Döll» städt als Beamter der Staatsan. waltschaft. 3. Referendar Cyprian al» UrEunds. beamter der Geschäftsstelle, für Recht erf annt: Der AngeElagte wird wegen öffent. sicher übler Nachrede zu einer Geld. strafe von 200 M., im Unvermögens. falle für je 19 M. zu einem Tag Ge- tängnis und zu den Soften des Ver. fahrens nerurteilt. Dem Beleidigten wird die Befugnis zugesprochen, die Verurteilung auf Soften des Angeklagten binnen vier Wochen nach RechtsEraft des Urteils im „Borwärts", im„Volk" in Jena, in der„Landeszeiinng Deutschland" und im„Nationalsozialist" in Weimar öffentlich beEanntzumachen. gez. Dr. Müller. PP- Ausgefertigt für den ZiebenEläger Reichsminisier o. D. Dr. Rudolf Hiller. ding, Berlin W. 15, zu 5zände» seines Verteidigers, Rechtzonwalt Otto Lands. bsrg. Berlin NW. 7. zuin 3 trecke der Beröffenllichnna mit der Bescheinigung. daß das Urteil am 10. Januar 1932 rechtsEräftig geworden ist. Weimar, den 19. Januar 1932. Der Urfnnbsbeami» der Geschäfts- stelle Vi des Tbüriugifchen Amtsgerichts. !. S. gez. Fischer, Juftizrberfckrctärailwärtim. MM MelallartieltsrTerliaoil VcrwulhmgMfcIlc Berlin Todesanzeigen Den Miigliedern zur Nachricht, daß unier Sollege, der Anschläger Fritz Lamprecht geb 22 November 1881, am 30. Januar gestorben ist. Die Einäscherung findet am Don. ncrslag, dem 4. Februar. 19 Uhr, im Sremalorium Gerichtstraße statt. Am.70. Januar starb unser Sollege de« Schlosser Theodor Nickel geb. 5. November 1866. Die Einäscherung findet am Freitag. dem ö. Februar, I5>/. Uhr, im Srema- fortum Baumfchuienweg, Siefholz» Nraße. statt. Ehr« ihre» Andenlen! Rege Beteiligung erwartet via OrfiTerwallnng. Dsnksagnnx. Für die überaus herzlichen und liedcoollen Beweife inniger Anietl- nahm« und schönen Blume»spe»den zur Trauerieier meines lieben Mannes und unsere« Vaters ESrnst Unger sagen wir den Parteigenossen, dem Reichsbanner, den Kollegen. Freunden und Deiannlen unseren herzlichsten D--nE xrau Lina Unger geh. Uckermark. Edwin u. Filde Unger, KLEINE ANZEIGEN iiMiiniiiMiiinmiMiiiiiiimiaiuiimiiuMiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Oberschrif Iswort 20 Pf., Textwort 1 ü Pf. Wioderholung*rabatt: 5 mal 5 8 mal 7V»%r 12 mal 10%, oder 1000 Worte AbschluO 10 2000 Worte 15%. 4000 Worte 20%. 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Beilage des Vorwärts Dienstag, 2. Februar 1932 Hunger tut well! Augenblidcsbilder aus einer Berliner Volksküche. In dem holbdunklsn Borraum, in dem sich auch die Essenausgabe befindet, fragt mich eine Frau im Flüsterton:.Wollen Sie eine Marie haben?"' Es herrscht Andrang und man steht Schlange. Alz ich dran bin, verlangt die Dam« an der Kasse meine Wohlfahrts- marlc.„Wieso?— ich will doch bezahlen!" Die ältliche Kassiererin — oder ist es die Leiterin— werft hastig auf ein Pappschild, indem sie die ungeduldig Nachdrängenden weiter abfertigt. Ich lese:„Eß- marken werden nur gegen Wohlfahrtsmarken ausgegeben. Abt. I unentgeltlich, Abt. II gegen ermäßigten Preis von 20 Pf. Das Wohlfahrts an rt." Unschlüssig sich« ich im Eingang zum Speiseraum. Links und rechts lange Tische mit Bänken. Geruch von Essen und Menschen. 3ch setze mich nahe der Tür auf«inen leeren Pkvtz. Ein junger Mann, der ohne zu essen vor seinem halbgeleerten Napf sitzt, schiebt mir mit dem Handrücken den Rest zu:„Willst« esien? Nein? Host wohl keinen Hunger?" Jedenfalls steht der Eßnapf jetzt vor mir. Ich bin dadurch sozusagen legitimiert. Aber nicht lange. Ein Bor- übergchender fragt:„Ißt du noch?"„Nein." Er setzt sich, zieht einen Löffel aus der Rocktasche und verzehrt mit Hast den Rest. Niemand kümmert sich darum, kein Aufseher zeigt sich, man sitzt völlig ungeniert. Der Lange, der die leergegessenen Näpfe sammelt und zur Küche bringt, ist kein Aufseher. Er trägt den typischen Jntelletwellentopf, wellige», schwarzes Haar, zerrissene Hosen und völlig abgetretene, Schuhwert. So sieht kein Aufseher aus.— Drei Esser um einen Napf Linsen. An den Wänden hängen Schilder: Rauchen verboten.— Der Aufenthalt jedes einzelnen darf 20 Minuten nicht übersteigen.— Das Sammeln von Speiseresten, das Verzehren oder Mitnehmen derselben ist verboten.— Nun, es wird geraucht, wenn auch ver- steckt. Um die 20-Minuten-Vorschrist kümmert sich überhaupt nie� mond. Das Verzehren von Speiseresten ist eine Selbstverständlich- keit Ich habe einen Napf mit Linsen beobachtet, der drei» mal seinen Besitzer wechselte— der zweite Inhaber war beim Essen eingeschlafen— bevor der Napf gänzlich geleert war. Sonst geschieht solcher Wechsel durchaus kameradschaftlich, bei Herren» losein Gut ist er selbstverständlich. Der Löffel wird übrigens zum Essen nicht mitgeliefert. Man kann ihn an der Kasse gegen Pfand erhallen. Davon wird aber nur fellen Gebrauch gemacht. Die meisten tragen ihren Löffel gebrauchsfertig in der inneren Rocktasche. Das Glück im Kellerloch. Ein älterer Mann mit einem lädierten Gummtkragen und hängender Krawatte, die ihm einen letzten Anschein von Bürgerlich- kell geben, setzt sich mit seinem Eßnapf zu mir. Umständlich kramt er.in seinen Taschen und fördert ein fettiges Paketchen zutage, dessen Jnhall sich als Schmalz erweist. Mit dem Lösfei fügt er kleine Teilchen des weißgraUen Fettes feinem Essen zu. Wahrend er genießerisch oerrührt, sagt er— halb zu sich, halb zu mir:.... Stube gemietet— gemütlich— warm— Keller auf'n Hof— zwei Mark die Woche--- hat keinen Zweck, immer im Asyl zu schlafen— man wird ja ganz dumm von dem ärmlichen Leben..— Ja, inan muß es„ein bißchen gut haben" im Leben, ein klein wenig„Luxus", deshalb mietet man sich ein— Kellerloch für zwei Mark die Woche.—" Eine junge Frau mit einer Drillanffpange im Haar, kommt mit ihrem Essen an unseren Tisch..Legt doch mal meinen Schirm hinter euch aufs Fensterbrett, heute morgen erst gekauft für zehn Pfennig— der Schirm ist noch ganz gut, hat bloß keine Krücke." Ihr Tijchnachbar, ein älterer, zähll Geldstücke, ein halbes Dutzend Fünfer. Indem er sie wieder verschwinden läßt, sagt er selbstzu- stieben:„Ich habe noch Brot, Schmalz und Käs« zu Hause." „Dann kann ich ja bei dir Abendbrot essen", scherzt die junge Frau mit dem Schirm. Er stellt ihr laut und unzweideutig sein« selbst- verständlich« Bedingung-„Du, davon habe ich vorläufig genug", antwortet sie fast böse,„ich habe noch die Nase voll von meinem Letzten, das kann ich dir man sagen!" Der Alte mit der Keller- stub« philosophiert:„Der Mensch braucht eine Gefährtin, aber es ist ein« Gefahr dabei, denn es kann gefährlich werden." Ein jüngerer Mann hat stehend zugehört. Er läßt den Blick keinen Augenblick von der Frau. Hinter dem Rücken hält er ein Paar neue Damenhandschuh«.— In einer Ecke wird lebhaft diskutiert.—„Als mein Vater geboren wurde, hatte Deutschland 34 Millionen Einwohner, und heute..."—.. ich habe noch ein halbes Dutzend Oberhemden zu Hause, aber lieber lasse ich sie verfaulen.... sagt mir der alte Bürohengst auf dem Wohlfahrtsamt, ich hätte keine Marken zu beanspruchen..."—„... mein« Erfindung darf das Reichs- wchrministerium nach dem Friedensvertrag überhaupt nicht aus- führen, ich bin ja selbst damit beim Reparationskommissar ge- wesen.. Der dies sagt, trägt zwei Mäntel und darunter zwei Jacken, trotzdem draußen mildes Wetter ist. Es sind alte kümmer- liche Lumpen, die die Bezeichnung Kleider seit langem nicht mehr verdienen. Biel« gehen hier so. Sie tragen ihr ganzes Hab und Gut auf ihrem elenden auegemergellen Körper herum. Dazwischen wieder vereinzelt« bürgerlich und sauber, pedantisch sauber mit ge- pflegten Händen. Wie kommen sie hierher? Wer fragt hier da- nach? Niemand. Keiner nimmt davon Notiz, wie der andere aus- sieht und was er tut. Man ist hier nicht neugierig. Es ist halb zwei mittags. Schluß Langsam leeren sich die beiden Räume. Vor der Tür verabschieden sich zwei.„Du— nickst vergessen— morgen früh acht Uhr Schrippcnkirche."— VV. D. Gchläst der Rundfunk? Ganz Verlin stand gestern unter dem Eindruck des ersten großen gemelnsamea Aufmarsches der Eisernen Front im Sportpalast. Die große Berliner Presse ist voll von Berichten und Ditdcrn über die einzigartige Kundgebung, nur der Berliner Rundfunk hat gar nichts bemerkt. Nicht ein Satz wurde gestern abend über den Auf- morsch bei der Uebermittlung der Tagesnachrichter. angejagt. Ist der Berliner Rundfunk nur zur Verbreitung von Nachrichten über Stahlhelmausmärfchc und Nazitagungen da? Herr Flesch sehen Sie einmal nach dem Rechten! Die Gausammelstelle in der Potsdamer Straße. Die Rüstkammern der Eisernen Front, die überall in Berlin fest Sonntag für alle Republikaner geöffnet sind, wurden auch gestern sehr stark besucht. Besonderen Zuspruchs «rstsute sich die Gausammelstelle in der Potsdamer Straße. Di« bisher angefertigten Eisernen Bücher werden bei weitem nicht ausreichen. Ueberall werden schon jetzt neue Bände angefordert. Die Gausammelstelle bietet ein besonders würdiges Bild. Wer den in der besten Geschästsgegend gelegenen Laden früher gesehen hatte, erkennt ihn nicht wieder. Mit größter Hin- gäbe sind geschickte Hände am Werk gewesen, dem Raum ein fteund- liches und doch würdiges Gesicht zu geben. Tagelang hat ein Iung- bannermann des Reichsbanners, Kurt Lotfch, hier unermüdlich gearbeitet, bis er„seinen Laden" so weit hatte. Iserne Front! Unsere nächsten Versammlungen. Mittwoch, den 3. Februar; Bexirlcamt Schönabarg: 20 Uhr, Lokal Will, Schöneberg, Martin- Luther-Straße 69. Redner: Emil Barth. Stadtgüter Schöneiehe und Vegeltdort: 175- Uhr, Redner: Genosse Heymuth. 18. Abteilung: 20 Uhr, Arminiushailen, Bremer Str. 72. Redner: Karl Hildenbrandt Mdfc, Dr. Richard Mlschlar, Adolf Buck. Geld- und Silberscheideanstali und KObler u. Co.: 16 Uhr, Lokal Otto, Reinickendorf,. Berliner. Str. 115, Redner; Max Urieh. Donnerstag, den 4. Februar: Abteilung 108a, Köpenick: 20 Uhr, Lokal Uhlenhorst(Inhaber: H. Seidler), Mahisdcrfer Straße. Redner: Dr. R. Mischler. Bezirksamt Iraptow: 19M Uhr, Lokal Rennbahn, Treptow, Elsen- straßo 115/116. Redner: Stadtrat Carl Wermuth. Arbeltsamt Nord-Ost: 1654 Uhr, Blessln, Stargarder Straße 3. Redner: Stadtrat Richard Rosin. AEC.-Kenzorn, AfA-Verbandskollegen und Sympathisierende: 1754 Uhr, Nordischer Hof, Invalidenstr. 125/26. Redner: Siegfried Aufhöuser, MdR. Stadigüter Selchow und Waßmannsdorf: 1754 Uhr. Redner: Genosse Heymuth. Nahrungsmittel- und Uetranke- arbeiter und Gastwirtsangestelite Donndrstag, den 4. Pebruart 1. Bezirk, Köpenick: 19 Uhr, Stadttheater Köpenick, Friedrichstraße 6. Redner: Marie Kunert, MdR.— I.Bezirk, Neukölln• Südosten: 19 Uhr, Hohenstaufensöle, Kottbusser Damm 76. Redner; Hermann Harnisch, MdL.— S. Bezirk, Gesundbrunnen-Tegel: 19 Uhr, Hochschulbrauerei, See- Ecke Amrumer. Str. Redner: Albert Falkenberg.— 4. Boxirk, Wedding- Reinickendorf: 1? Uhr/ Brauerei Löweh-Böhm3£cB," Berlin, Hochstr. 2. Redner; Dr. D r u c k e r.— S. Bezirk, Osten- Lichtenberg: 19 Uhr, Böhmisches Brauhaus, Landsberger Allee 12. Redner: 3ockel Meier.— 6. Bezirk, Charlottenburg: 19 Uhr, Türkisches Zelt, Charlottenburg, Berliner Str. 53. Redner: LorenzBreunlg.— 7. Bezirk, Schöneberg: 19 Uhr, Gesellschaftsbaus des Westens, Schöneberg, Hauptstr. 30/31. Redner: Willy Schneider.— 8. Bezirk, Moabit; 19 Uhr, ArminiussäTe, Bremer Str. 72/73. Redner: Otto Meier, MdL — 9. Bezirk, Weißensee: 19 Uhr, Wirtshaus zum Pferdemarkt, Weißensee, Schönstraße. Redner: Dr. 7 u 1 1 u s Moses, MdR. — 10. Bezirk, Spandau: 19 Uhr, Germanlasä'le, Spandau, Stresowplatz 19. Redner; Robert Breuer.— 11. Bezirk, Tempeihof-Mariendorf: 19 Uhr, Lokal Gohlke, Tempelhof, Berliner Straße 96. Redner: Dr. Otto Friedländer. John überkommt der eigenartige Rausch, Schicksal spielen zu wollen. Er spricht zu Billy von der großen Einsamkeit der grünen Weiden und dem bunten mit künstlichem Licht er- mllten Leben der Städte. Er zeigt ihm Ansichtskarten und Billy staunt. Er wirbt um Billy, soll er ihm doch eine ange- nehme Zugabe seiner eigenen Lebenslust und die Erfüllung seines eigenen Abenteuers fein. Das Leben ist primitiv in dem Bereiche der großen Weiden. John sowohl wie Billy machen ihre Einkäuse per- sönlich, und sie treffen sich durch Zufall in dem kleinen Laden. der Anitas Vater gehört, und sie sprechen zufällig zu Anita von ihren Plänen. Anitas Augen weiten sich, sie werden dunkel von ver- haltenen Tränen. Was wissen die beiden von Anita? Anita ist doch krank vor Fernweh, sie wird geschüttelt von der Sehnsucht nach der Ferne, diesem Feuerbrand, der die Seele verzehrt und das Herz verdorren macht. Sie streckt die Hand aus, ihr Blick wir» fern und sie sagt:„Man kann, man kann dort leben, wenn man die innere Kraft dazu hat." Sie denkt an ihre Heimat und in ihr ist der ' Schauer vor der großen, lastenden Einsamkeit. Billy sagt: Janita, komm mit. Du kannst soviel wie�ein Cowgirl. Wir werfen zwei Lassos in einem Zuge. Du hältst dich auf einem Steigerpferd, ich schieße vir blaue Glaskugeln vom Kopf, wie einst Buffalo Bill seinen Indianern." Anita weiß, bleibe ich hier» zerfrißt mich das Einerlet. Bei Billy liegt ihre Rettung und so formt sie Plan auf Plan, zielsicher, es entsteht ein ganzes BarietKprogramm. Das erfaßt freilich bloß John, kennen doch Billy und Anita weiter nichts als reelle Cowboyarbeit. Anitas Vater kommt hinzu, quäkig. mißlauniz wie immer. Erschreckt horcht er aus und er sagt aus Angst viele böse Worte auf Anita. Er schilt und verbirgt hinter dem Schelten doch nur die innige Bitte:.Llnita bleibe. Anita, laß psich alten Manu nicht allein." Anita ist abgestumpft gegen die Rufe„Anita, Anita. Anita", was kümmert es sie, daß es jetzt Schmerzens- schreie sind. Anita fiebert nach dem Leben, sie denkt an die große Welt, plötzlich, ist sie ganz ich geworden. Es ist das gute Recht der Jugend, zu wagen, und John, Anita und Billy treten gemeinsam ihre Fahrt ins Leben an. Der Ingenieur. Anita packt, nimmt herzlichen Abschied von der erstaun- ten, ratlosen Magd, nimmt mit den Fingerspitzen Abschied vom Vater und eilt fort. Sie sieht sich nicht um, denn bei jedem Schritt vorwärts fürchtet sie. zurückgeholt zu werden. Sie will aber nicht nur ein Mensch für den Werktag fem, sie möchte einmal Sonntag haben, innerlich Sonntag. Erst als das Schiff laut rasselnd den Anker aufgeholt hat und die letzten Taue an Bord gezogen sind, wagt es Anita. freier zu atmen. Das Schiff ist fürs erste für die drei nur der„Ins-Ziel- Schlepper" für Träume, Wünsche und Hoffnungen. Doch da für Anita im allgemeinen das Leben weit mehr ist als nur eine Befriedigung der-Neugierde, lebt sie alsbald mit ihrer Umgebung. Sie weiß, die Schiffsplanken sind sowohl Be- förderungsmittel wie Welt. Sie mitempfindet die wider- strebenden Gefühle der Reisenden, die Gleichförmigkeit der Tage für die Gelangweilten, die Unrast derjenigen, auf die tausend geschäftliche Erledigungen warten und die stete Ge- reiztheit der Menschen ohne Exsstenz Für die Seeleute von Beruf aber sind die Schiffsplanken erfüllt von persönlichstem Leben. Das Schiff trägt sie an alle Ereignisse, dem Schiff gilt ihre Arbeit, auf dem Schiff durch- kosten sie in ruhiger oder kampsturchtobter Erinnerung alle Erschütterungen und Erregungen, die ihr eigenes Ich mit den Menschen und der Umwelt hatte. Oft stehen Anita. Billy und John wortlos an der Reling und sehen auf das Meer, auf diese blauen Riesen- wellen, so gewaltig und eindrucksstark, daß sie zu stehenden Augenblicken in der Ermnerung der Menschen werden. Das Dreiblatt lernt einen Ingenieur kennen oder, rich- tiger gesagt, den Ingenieur: denn für die Fahrgäste ist er eben weiter nichts als der Ingenieur. Er fühlt sich von einem absonderlichen Schicksal verfolgt und er ist bis zur Explosion voll von der Erzählung seiner Erlebnisse. Jeder Mensch au Bord, der nicht nur sein eigenes Ich kennt oder kennen will, wird in den Bannkreis dieses Ingenieurschicksols gezogen. Die Heimatstadt des Ingenieurs wurde von einem Fluß durchzogen und seitdem die Menschen zur selben Interessen- gemeinschaft zusammengeschweißt waren, aber hüben und drüben wohnten, wurde der Bau einer Brücke geplant. Der Ingenieur war außer Landes gewesen, er hatte gelernt und sein Fleiß und sein emsiges Lernen waren zum Können ge- worden. Dann hatte er gekämpft um den Bau der Brücke. Die Lokalpatrioten waren ohne weiteres für die Bauaus- führung durch einen Ortseingeborenen, die Leute mit dem angeblichen Blick in die weite Welt waren für die Heber- tragung des Baues an eine Kapazität von außerhalb. Man stritt miteinander, man bekämpfte sich und man wurde, selbst nach den heftigsten Fehden, immer wieder zusammengeführt durch die Notwendigkeit des Baues der Brücke. Schließlich siegte der Ingenieur. Er baute die Brücke mit stärkster innerer Anteilnahme, sie mar sein Werk, sein in Arbeit umgesetztes Ich. Und als die Brücke fertig war,— da suchte sich der Fluß einen anderen Lauf. Die Brücke stand über einem langsam austrocknendem Morast. Erst waren die Stadtbewohner erstaunt, nachher waren sie empört. Sie mußten ihren Zorn an jemanden auslassen und als Opfer erkoren sie den Ingenieur. Doch war nicht nur der Zorn gegen ihn erwacht, auch die Lust am Klatsch hatte Nahrung gefunden. Es schien jede Verächtlichmachung, es schien die ärgste Verdächtigung erlaubt. Es wurde von einer absichtlichen Ableitung des Flusses erzählt, es wurde sogar von einer Verhexung des Wassers gesprochen Die Brücke stand als Alpdruck über der Stadt, die Brücke stand als Gespenst in der Landschaft und— der Ingenieur floh vor seinem Werk. Nun stand ein großer Schreck in seiner Seele, zudem durchjagten Wünsche, Hoffnungen, Unzufriedetcheft und dos quälende Gefühl der Unsicherheit sein Leben. Doch Billy fft praktisch. Er weiß, der Ingenieur kann reiten, er weiß, der Ingenieur kann mit Bieh umgehen und darum spricht er mit ihm von Cowboyarbeit. John freut sich über dieses Ableukungsmanöver. Er weiß, die, Menschen der Großstadt sind so Vieh entwöhnt, daß jÄier, der irgendwie in sensationeller Aufmachung nur einigermaßen mit Vieh umzugehen versteht, dort schon eine Nummer ist. (Fortsetzung folgt.) Der selbstherrliche Katzenellenbogen Zweiter Tag im Gchultheiß-Pahenhoser-Prozeß Der Zichörerraum im Schulcheiß-Patzenhofer-Progeß ist ebenso überfüllt wie am ersten Verhandlungstcwze. Auch die Dilta D u r i« u x lauscht aufmerksam den Vorgängen im Gerichtssaal. Stenographen nehmen Die Verhandlung Wort für Wort auf. Auf Anregung des Staatsanwalts wird noch ganz kurz die Frage er» örtert, ob der Angeklagte Generaldirektor Dr. Sobernheim durch den Angeklagten Katzenellenbogen über die Konfortiol- vertrüge im einzelnen informiert gewesen sei. In der Vorunter- suchuug hat Katzenellenbogen das nämlich behauptet. Dr. Sobern- heim erklärt noch einmal, daß er nur ganz allgemein über das Bestehen solcher Verträge Bescheid gewußt Hab«. Im übrigen habe Katzenellenbogen, wie es auch sonst seine Art gewesen, selbst- herrlich verfügt. Katzenellenbogens Verteidiger R.-A. Dr. Di x wirft eine andere äußerst wichtig« Frage auf. Der Sachverständig« Professor Prion hat in seinem Gutachten Katzenellenbogen den schwerwiegenden Vor- wurf gemacht, daß die Unterlassung der Mittellung an die Direk- tion von den Konsortialverträgen die Vermutung aufkommen lasse, Katzenellenbogen wollte für den Fall, daß die Geschäft« glücklich verlaufen sollten, die Gewinne auf sein persönliches Konto über- tragen lassen. Katzencllenbogen widerspricht einer derartigen Auf- fassung des Sachverständigen. Er begreife gar nicht den Vorwurf, er habe die Aktienkaufe stets nur durch sein« Gesellschaften oorge- nommen. Der Angeklagte Dr. Sobernheim erklärt seinerseits, daß er es für vollkommen ausgeschlossen halte, Katzenellenbogen hätte auch nur den Gedanken haben können, sich auf Kosten des Konzerns Vorteile zu oerfchaffen. Äatzenellenbogen fei auch mit ihm persön- lich befreundet gewesen, er habe ihn sogar zu seinem Test a- men tsvoll st recker gemacht, ohne ihm dabei irgendwelche Beschränkungen aufzuerlegen. Die stillen Reserven der».Ttolrid*. Sodann wurde zu dem Fall Nutria-Geschäft über- gegangen, wozu sich Katzenellenbogen ausführlich äußerte. Die „Nutria� fei von den Ostwerken in der Zeit erworben worden, als die Gesellschaft den Wunsch hatte, gewisse Werte vor„feindlichen" Zugriffen zu schützen. Zu diesem Zwecke wurden die Aktien der „Nutria" treuhänderisch der Eidgenössischen Bank übertragen. Das Aktienkapital der„Nutria" betrug tOO 000 Gulden, wovon die Hälfte eingezahlt war. Später stellte sich heraus, daß die Unkosten, die Stempel- und sonstigen Gebühren, bei der„Nutria" erheblich ge- ringer waren als bei den Ostwerken. Das sei die Veranlassung gewesen, daß die„Nutria" die Geschäfte für die Ostwerke getätigt habe. Dann ging der Angeklagte darauf ein, wie weit er bei der Ausstellung der Bilanzen, der Gewinn- und Verlustrechnungen, und der Geschäftsberichte mitgewirkt habe. Diese Ausstellungen seien von dem Rechtsanwalt v. Faltenhein gemacht worden. Ge- rade mit der„Nutria" habe er— Katzenellenbogen— sich besonders wenig befaßt, da sie kein eigenes Geschäft betrieb, sondern nur Aktien an- und verkaufte. Daher habe er auch die Dinge nicht so genau übersehen, obwohl er natürlich in großen Zügen über den ganzen Konzern Bescheid wußte. Dem jetzt beanstandeten Vorfall, daß die Forderungen der. Ostwerke an die„Nutria" als Bank- guthaben ausgewiesen wurden, habe er damals gar keine große Bedeutung- beigelegt, Die still? Reserve von ÜS Millionen Mark hätte wohl auf den Kurs der Aktien eine mel größere Einwirkung gehabt, wenn diese Dinge überhaupt"irgendeine Wirfung-aus die Börse hätten. Nach der Mittagspause kamen zwei w«ter« Kapitel zur Er» örterung. Und da zeigte es sich wieder, daß im Prozeß gewisser- inatzen zwei Partei-Gruppeii von Angeklagten existieren, deren Interessen in so manchen Punkten auseinander- streben: die Gruppe von S ch u l t h e i ß- P a tze n h o s e r und die Gruppe von den O st w e r k e n. Die Norddeutsche Hefeindustrie A.-G., eine Tochtergesellschaft der Ostwerke, stellte die Vereinigung der verschiedenen Hesewerke dar. Die Ostwcrke hatten als reine Verwaltungsgesellschaft keine eigenen Betriebe. Das war für sie von Vorteil insofern, als sie von Steuern und Industrielasten befreit waren. Störend war nur der Umstand, daß sie gewisse Geschäfte für ihre Aktionäre machen muht«, z. B. Gelder leihen, Aktien kaufen und verkaufen. Man suchte einen Ausweg und fand ihn auf folgende Weise: der Nordhese wurde zur Abwicklung solcher Geschäfte eine Finanzabteilung angegliedert, die in Wirklichkeit mit den eigentlichen Operationen der Nordhefe, die von der Hauptabteilung erledigt wurden, nichts zu tun hatte. Die Geschäfte dieser Finanz- abteilung erschienen aber weder in der Bilanz der Nordhefe noch in der der Ost werk«. Am Stichtag der Bilanz wurden diese einfach an eine kleine Gesellschaft, Gismanus- dorfer Werke, übertragen. Die Anklage erblickt darin Bitonzver- schleierung. Oer Kredit der Deutschen ÄnnfJ Noch typischer für die Geschästsgebarung Katzenellenbogens ist das Kapitel Kredit der Deutschen Bank. Katzenellenbogen nahm ein ihm vom Generaldirektor der Deusschen Bank von Stauß gemachtes Angebot an, und so erteilten die Ostwerke an die Deussche Bank den Austtag, der Nordhefe einen Kredit in Höhe von 10 Mil- lionen Mark aus ein Jahr zu erteilen. Als der Kredit verlängert werden sollte, verlangte Herr von Stauß eine Ausfallbürgschaft von den Ostwerken. Damals war bereits die P r o s p e k tf ra g e ins Rollen gekommen: Es sollten neue Aktien ausgeschrieben werden und die Lage des Konzerns mußte im möglichst günstigen Licht erscheinen. Man wollte ihn nicht mit Aussallbürgschaften belasten. „Solch ein« Ausfallbürgschaft", sagt Katzenellenbogen, war«in Schönheitsfehler, das heißt, die Interesserüeu hatten darin ein gewisses Rssiko erblickt, während es in Wirklichkeit keins war. Außerdem dachte ich nicht, daß die Ostwerke durch die Erteilung des Kreditauftrages die Bürgschaft übernommen hätten. Stauß bestand aber auf der Aussallbürgschast. Katzenellenbogen teilte der Direktton mit, daß sie im Prospekt nicht aufgenommen zu werden brauchte. Der Staatsanwatt stellt einen Widerspruch fest. Einerseits bittet Katzenellenbogen Herrn von Stauß, von der Ausfallbürgschaft abzusehen, damit sie als Schönhettsfehler den Prospekt nicht entstelle. andererseits sagt er, daß Bürgschaften überhaupt nie in Bilanzen angeführt worden seien. Ja, sagt Katzenellenbogen, ich habe Herrn von Stauß die Sache nur so dargestellt, damit er von seiner Forde- rung der Aussallbürgschast absehe. Wenig einleuchtend! Im übrigen. so erklärte er, hätten die Ostwerte die Bürgschaft ruhig leisten können, da ja die Nordhefe nur klare Gsschäfte macht«. Die Di- rektion der Nordhese schrieb aber an die Ostwerke«inen Brief, in dem sie darauf aufmerksam machte, daß die Verantwortung für die Geschäfte, die die Finanzabterlung mache, die Ostwerke zu tragen habe./ llln dieser Stelle fagTPenzlin:„Es ging bei uns alles durch- eincnÄ>er."„Ja*," meM'"der''ldorsttzeNd«,'„«s ist es eben, fönst würden wir leichter in der Sache wetterkommen." Nachhall des Aufmarsches. Wie der Sportpalast vom obersten Ring aussah. Ein Leser des„Vorwärts" sandte uns die folgenden Zeilen, die den tiefen Eindruck wiedergeben, den der gewallige Aufmarsch der Eisernen Front im Sportpalast auf ihn gemacht hat. Gegen 144 Uhr war ich schon im Vorhof des Sportpalastes, und schon uni diese Zeit hatte ich große Mühe, nach in das Innere zu gelangen. Unten war gar nichts mehr zu machen. Im Sturmschritt ging es um die Ecke bis zu der Treppe, die auf den obersten Rang hinausführt. Ich hotte Glück und erwischte noch einen Platz an der Stirnseite des Ranges, direkt hoch oben über dem Redner- und Musikpodium. Ich glaube heute, daß ich den allerbesten Platz im ganzen Sportpalast hatte. Es war ein ganz ungewohntes Bild, als gegen 4 Uhr die Ränge wegen Ueberfüllung polizeilich gesperrt wurden und das Parkett, das sonst bei den großen Kundgebungen immer zuerst gestürmt wird, vollkommen leer dalag. Welches Gefühl mich übermannte, als dann die ersten Formationen einmarschierten, und, ehe man es sich versah, de>- riesige Ramn bis an die hintere Brüstung mit stehenden Männern gefüllt war. kann ich nicht wiedergeben. Von oben sah ich klar die drei großen Formationen des Reichsbanners, der Hanimerschaften der der Arbeitersportler. Wie ein breites, schwarzes Band erschienen mir oben die Tausende der Ge- wcrkschaster, links von ihnen die blauen Mützen der Reichsbanner- leute und rechts die hellen Sportanzüge der mit besonderer Be- geisterung empfangenen Arbeitersportler. Aus dem Bild hoben sich besonders heraus die bunt gekleideten Fußballer, dahinter erschienen wie ein großer weißer Fleck die Mützen der Genossen vom A r b e i t e r- S am a r i t e rb u n d, denen sich eine Gruppe in ein- heitlicher Tracht erschienener junger Menschen anschloß. Wie ich später erfuhr, war das die Gruppe der neugebildeten Akademi- scheu Legion. Das riesige Oval wurde abgeschlossen durch die st rammen Reihen der Jungbannermannschasten. Stolz und Hochachtung empfand ich vor meinen Arbeitsbrüdern da iinteu. Mehrere Stunden hatten sie schon in Reih und Glied im Borhof des Sportpalastes gestanden und jetzt harrten sie bis zum Schluß der Kundgebung, bis das Kommando des Wegtretens er- folgte, in strammer, mustergültiger Haltung aus. Wieviele von ihnen, besonders der vielen Jugendlichen, hatten den Weg durch die Stadt schon zu Fuß zurückgelegt, weil ihnen das Fahrgeld fehlte. Schließlich sollen aber auch nicht vergessen werden die vielen Hun- derte von Fahnen, die durch das Spiel der großen für die Tonfilin- ausnähme herbeigeschafften Scheinwerfer immer wieder in besonders schönen Farben ausleuchteten." Sein zweijähriges Kind erdrosseli. Oer tragische Ausgang einer unglücklichen Ehe. Unglückliche Eheverhältnisse, deren tragischer Ausgang der gewaltsame Tod der zweijährigen Ruth Ehmanu war, bilden den Gegenstand der Totschlagsanklage, unter der sich heute der 2Zjährige Pianist Wolter Eßmann aus Spandau vor dem Schwurgericht III zu verantworten hat. Am 29. August vorigen Jahres wurde das zweijährige Töchter- chen des Angeklagten unter der Heerstraßenbrucke in einem Mauer- einschnitt mit einer Schnur um den Hals und einem Knebel im Mund erdrosselt aufgesunden. Die Tot hatte der eigene Vater verübt. Der Angeklagte hatte sich im Januar 1928 verheiratet. Die Ehe gestaltete sich von Ansang an unglücklich. Kurz ngch der Hochzeit verließ Eßmann bereits seine Frau, wie sie behauptete, unter Mitnahme einer Erbschaft von 2000 M., die ihm sein kurz vorher verstorbener Vater hinterlassen hatte. Er ließ ein halbes Jahr nichts von sich hören. Inzwischen hatte die Ehefrau die Scheidungsklage eingereicht. Im August tauchte der Angeklagte in der Wohnung wieder auf. Auf Zureden von Bekannten ließ sich Frau Eßmann bestimmen, ihre Klage zurückzunehmen. Die Eheoerhältnisse wurden auch nicht besser, als die kleine Ruth geboren wurde. Im Juli 1931 verließ der Angeklagte wieder Frau und Kind. Er befand sich im Ausland und Frau Eßmann reicht« nunmehr von neuem die Scheidungsklage ein. Mitte August erschien der Angeklagie wieder in der Wohnung, sie weigerte sich aber, die Ehegemeinschaft wieder aufzunehmen. Es kam zu scharfen Auseinandersetzungen, und er zog mit seinen Sachen weg. Nach einigen Tagen verlangte er gewalssam Einlaß zu der Wohnung, schlug die Türfüllung ein und nahm der Frau die Schlüssel weg. Sie flüchtete nun mit dem Kind zu ihren Eltern. Der Angeklagte nahm darauf das Kind, als es vor dem Hause spielte, an sich und brachte es in Pflege. Am 29. August erschien die Ehefrau wieder mit einem Gerichts- Vollzieher und Schutzpolizisten, um auf Grund einer einstweiligen Verfügung die Herausgabe des Kindes durchzuführen. Als der An- geklagte davon erfuhr, eilte er zu der Pflegestelle, wo sich das Kind befand, und holte es weg. Er irrte nun mit dem kleinen Kind planlos in den Straßen herum. In Charlottenburg kaufte er eine Schnur, wie er jetzt behauptete, um seine Sachen und Koffer zu- sammenzubinden. Dann zog er weiter mit dem Kind umher und kam schließlich bis zur Heerstraßenbrücke. Das Kind war inzwischen unruhig geworden und weinte. Jetzt stopfte er der Kleinen sein Taschentuch als Knebel in den Mund und, als das Kind mit Armen und Teinen um sich schlug, eilte er mit ihm unter die Brücke. Auf die weiteren Geschehnisse will sich der Ange- klaget nicht mehr besinnen können. Er hat sich in der folgenden Nacht freiwillig aus dem Polizeipräsidium gemeldet unter der An- gäbe, daß er sein Kind getötet habe. Die Leiche wurde auch an der angegebenen Stelle gefunden. Der Angeklagte behauptet, daß die Mutter das Kind, das er sehr geliebt habe, schlecht behandelt I)abe. Wie er zu der Tat gekommen sei, will er aber nicht wissen. Nach dem Gutachten von Medizinalrat Dr. Dyhrensurth besteht kein Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten, jedoch glaubt der Sachverständige, daß der Angeklagte die Tat im Affekt be° gangen hall«. Infolgedessen ist nicht Anklage wegen Mordes, sondern wegen Totschlages erhoben. Das Schwurgericht verurteilte Eßmann wegen Tosschlags unter Zubilligung milderdnder Umstände gemäß dem Antrag des Staats- anwalts zu drei Iahren Gefängnis. Die Untersuchungs- Haft wurde voll angerechnet, jedoch wurde dem Angeklagten eine Bewährungsfrist versagt. Oelausbruch im deutschen Erdölgebiet. Abdämmungsarbeiten vergeblich. Celle, 1. Februar. Auf der Bohrung E 40 war es am Freitag zu einem Oel- und Gasausbruch gekommen. Die gesamte Belegschaft muhte zum Auswerfen von Dämmen herangezogen werden, um den zu er- wartenden Oelsegen zu bergen. Der Ausbruch trat ein, als man mit dem Schlemmen beginnen wollte. Durch den starten Gasdruck wur- den Sandteilchen hochgeschleudert, die die Absperrsiber in kurzer Zeit wieder durchschlleiften, so daß Gas und Oel Widerstands» los entweichen können. Bis zum Montag abend konnte der Oelausbruch noch� nicht eingedämmt werden. Die Umgebung sst im weiteren Umkreise mit einer zähen Oelschicht bedeckt. Am Sonntag gelang es endlich, die Sonde mit einem Holzpropfen, der mit 60 Zentner Gestänge beschwert sst, zu schließen. Wenn der Gasdruck nicht wieder zunehmen sollte, hofft man, endlich Herr des Ausbruches zu werden. Steckbrief gegen Gymuasiasten-Mörder. Gegen drei Personen, die des TosschCags an dem Schüler Norkus verdächtig find, ist von der Staatsanwaltschaft Steckbrief erlassen. Dem Vernehmungsrichter im Polizeipräsidium wurden in dieser Angelegenheit bisher fünf Personen unter der Beschuldigung des Landfriedensbruches und der Teilnahme am Tosschlag an dem Schüler Norkus vorgeführt. Gegen die Vorgeführten ist Haftbefehl wegen Landfriedensbruches und Teilnahme am Totschlag ergangen. Ausländischer Taschendieb. Stiehlt einem Arbeitsinvaliden die ganzen Erfporniffe. Ein Mitglied der gerne ingesohrkichen Zunft der ausländischen Taschendiebe wurde in der Person des aus Warschan stammenden 28jährigen Buchbinders Wolf Kurzwayz dem Schnellschöffen- gericht zur Aburteilung vorgeführt. Das bedauernswerte Opfer war«in OOjShriger Invalider Schriftsetzer, der am 18. Januar in der Städtsschen Sparkasse in Neukölln seine Ersparnisse in Höhe von 1000 Mark aus ein Spar- tortto einzahlen wollte. Am Schalter legte er das Sparbuch und den Tausendmarkfchein hin. Der Kassierer sagte ihm, er solle das Geld wieder einstecken, da es an einem anderen Schalter eingezahlt werden müsse, und möge warten, bis fein« Nummer auf- gerufen werde. Der alle Mann steckte das Geld in die Manteltasche und setzt« sich so auf die Bank, daß er nnt dem Geld an der Wand faß. Ein junger Mann trat an ihn heran und fordert« ihn auf wettergurücken, obwohl auf der anderen Seife alles frei war. Der Alte weigerte sich, und der Fremd« ging mehrmals auf und ab. Als dann die Vornummer aufgerufen wurde, ging der Invalide zum Schalter und kam dann auch noch einiger Zeit heran. Zu seinem Schreck war das Geld weg. Der Kriminalpolizei gelang es, den gemeingefährlichen Gauner zu fassen, der wieder einmal unan- gemeldet in Berlin wohnte. Der Bestohlene zitterte, als er dem Dieb vor Gericht gegenübergestellt wurde, vor Aufregung am ganzen Körper und tonnte nur mit Müh« zurückgehalten werden, sich auf ihn zu stürzen. Der Staatsanwall vertrat den Standpunkt, daß die gswerbs- mäßigen Taschendiebe, die zu einer Gefahr für unser« Volksgenossen geworden seien, nur durch drakonische Strafen vor dem Wieder- kommen nach Deutschland abgeschreckt werden können und beantragte vier Jahre und drei Monate Gefängnis. Das Schöffengericht oer- urteille den Angeklagten wegen Diebstahls und Paßvergehens zu zwei Jahren und einem Monat Gefängnis. zeit 1930 ist Kaffee Hag 31«/« billiger! 1 Pfund Kaffee Hag keslate t Ungjahriger Preis nach Ooldurnstellung..... BM 5.00 Februar 1930......... BN 4.50 Februar»31......... Bfi 4A5 Mi« 1931 ZollertiOhnng, trotzden keine Pretoerhfihung........ 31. Desernber 1931...... BM 3.63 Lnnißijunj BM 0.50 BM 0.45 BM 0.20 BM 0.40 Oesamt• ErrnBUgung 31 o/o--- BM 1.�3 Die bewahrte Qualität ist unverändert. Für erste Sorten coifeinhaltigen Kaffees sind Preise von über RM 4.00 keine Seltenheit Kaffee Hag kostet nur RM 3.65 das Pfund. Wir bemühen uns, den Kaffee Hag so billig wie möglich zu liefern. Noch billiger könnte Kaffee Hag nur dann werden, wenn der Zoll ermäßigt, oder die Bezugspreise von Übersee gesenkt würden. Der Zoll beträgt aber noch immer auf jedes Pfund gerösteten Kaffee KM i.OO. Der Kaffeepreis ist schon so niedrig, daß die Plantagen, welche unsere hochwertigen Kaffees liefern, bereits mit Verlust arbeiten, Eine 100/oige Lohnsenkung laut Notverordnung macht infolge des hohen Zolles auf den Verkaufspreis von einem Pfund Kaffee etwa 2 Pfg. aus, die Senkung der Postgebühren und Frachten Vz Pfg. Dagegen beträgt die Mehrbelastung durch dieErhöhung der Umsatzsteuer auf 20/o bei 1 Pfund Kaffee 3 Pfg. Do* groB« Pekct lebt nur RM 1.66, das klein» 73 Pff. Jeder Kaffeetrinker kann skh heute den guten Kaffee Hag leisten I Großschlächter trumpfen auf! Enthalten der Stadt die Standgebühren vor. Ein tolles Stück haben sich gestern«ine Anzahl von Groß- schlächtern geleistet, denen es bekannllich schon seit Jahren so „schlecht" geht, daß sich ihre Anzahl ständig— vergrößert. Wegen der Frage der Senkung der Standgebühren auf dem Fleischgroßmarkt bestehen zwischen den Großschlächtern und der Verwaltung des Berliner Schlachtviehhoses Unstimmigkeiten. Ohne nun die Entscheidung der vom Rcichsernährungsministerwm eingesetzten Konimission zur Untersuchung der Biehhofgebühren hin- sichtlich einer Gebllhrensenkung abzuwarten, hat gestern vormittag eine Reihe von Großschlächtern zu einer außerordentlich bedenk- lichen und nicht ungefährlichen„Selbsthilfe" gegriffen und nur S0 Proz. der Standgebühren bezahlt. Die Markthallen- dircktion hat diese Beträge nur unter Vorbehalt angenommen und beabsichtigt, dieses Vorgehen der Großschlächter nicht hinzunehmen, sondern den Betreffenden, falls sie auf ihrer Weigerung, die vollen Gebühren zu bezahlen, weiter bestehen, die Markt st ände zu kündigen. Von zuständiger Stelle wird betont, daß e r st im Jahre 1331 eine zehnprozentige Senkung der Standgebühren erfolgt sei, wodurch der Stadt eine Minder- einnähme von 140 000 Mark entstanden wäre. Der Preiskommissar Dr. Goerdeler hat übrigens anerkannt, daß die Schlachthosgebühren in Berlin im Gegensatz zu anderen Städten angemessen seien. Zuflucht im Keller. „Die Decke fällt uns auf den Kopf!" Im Keller einer uralten Neuköllner Mietskaserne haust der seit Jahren arbeitslose Arbeiter ch. mit Frau und einem acht Monate alten Kindez der Mann verschaffte sich diese Wohnung— die aus gesund heits- und baupolizeilichen Gründen überhaupt nicht mehr vermietet werden darf— unter der chand, weil er nicht mehr aus noch ein wußte. Das möblierte Wohnen wurde den Leuten mit der Zeit zur unerträglichen Oual, ständig gab es Zank und Streit: der viele Wasserverbrauch, das ständige Wäschewaschen, vielleicht auch noch ein wenig Kindergeschrei, das sind alles Dinge, die der Vermieter nur hinnimmt, wenn sie entsprechend bezahlt werden. Also raus mußte und raus wollte er um jeden Preis, und als er sich zuerst noch um eine andere Unter- mietsgclegcnheit umsah, da begegnete er überall unfreundlich ab- weisenden Gesichtern. So nahm er, was ihm in die Hände fiel, in diesem Fall- ein feuchter, dumpfer Kellerraum. Der Pilz blüht an den Wänden und an der Decke, und dem Tageslicht ist der Eintritt verwehrt. Trotz all dieser Mängel kostet das Kellerloch 20 Mark im Monat. Zu allem Uebel barst in der vorigen Woche auch noch die Zimmerdecke, und der Verputz brach in dicken Brocken hernieder. Der Raum gleich einem Schutt- platz, Staub und Mörtel bedecken den Fußboden, alles ist stellen- weise bis auf die Rohrstäbe abgefallen.„Ziehen Sie doch aus, wenn's Ihnen nicht paßt", meint die Hauswirtin.„Wir können nichts für Sie tun. da die Wohnung als unvermietbar gilt", sagt die Wohnbehörd. und auch das Gesundheitsamt. Alles rät ihm, auszuziehen: ja, aber wohin bloß? Verzweifelt steht die junge Frau auf dem Steinboden der Küche und wäscht armselige Kinderwäsche. Der Mann rennt von einer Stelle zur anderen, wütend, weil er nirgends was ausrichten kann. Im Hof vor der Türe steht das Kinderwägelchcn mit dem Kleinen drin, er krampst die� Händchen zusammen, es ist ein bißchen sehr frisch aus die Dauer, aber immer noch besser als in der Schimmelbude. Ein Alltags- schicksal armer Leute, nicht neu, aber hart für den, den es trifft... TZazi-Studentenschast macht Politik. Di«„Deutsche S t u d e n t e n s ch a f t", die Organisation der politisch rechtsgerichteten Studenten, veranstaltete am Sonntag im Zirkus Busch eine Kundgebung zur Abrüstungskonferenz. Aber nicht Abrüstung, sondern Aufrüstung wurde hier gefor- d e r t. Denn nur so glauben sie die Gleichberechtigung Deutschlands wiederherstellen zu können. Die Kundgebung, bei der eine Reichs- wehrkapelle musizierte, wurde eröffnet durch den Einzug der Chargierten der Korporationen, wahrscheinlich sollte durch diesen Mummenschanz die betonte„Verbundenheit der aka- demischen Jugend mit der Nation" demonstriert werden. Als letzte im Zuge wurden auch vier Fahnen der Nationalsozialisten herumgetragen. Die Nazistudenten liehen es sich natürlich auch nicht nehmen, nach dem gemeinsamen Absingen einer Strophe des Deutsch- 13 Anzüge für Herrn Hoffmann. Und einen Nutriapelz für Frau Hoffmann. Im Sklarek-Prozeß konnte am Montag nach mehrwöchiger Verhandlung die Vernehmung der Angeklagten zum Stadtbank- komplex zum Abschluß gebracht werden. Am Donnerstag beginnt die Vernehmung der Angeklagten Sklarek zu dem dritten Teil der Anklageschrift, der die K o n k u r s v e r g e h e n behandelt. Im An- schluß daran erfolgt dann die Beweisaufnahme über Stadtbank und Konkurskomplcx. Die gestrige Verhandlung erstreckte sich auf die Zuwendungen, die Stadtbankdirektor Hoffmann weiterhin erhalten haben soll, und zwar hielt ihm der Vorsitzende vor, daß er(Hoffmann) insgesamt von Keller u. Furch 13 Anzüge erhalten habe, die einen Wert von 6300 M. darstellten. Hoffmann will nicht gewußt haben, daß die Anfertigung bei dieser Schneiderfirma erfolgte und hat sür den Anzug 130 bis 140 M. bezahlt, während die Sklareks bei ihrem Maßschneider 300 bis 400 M. zahlen mußten. Weiter erörterte man einige Kleiderkäufe, die für Frau Hoffmann durch Vermittlung der SNareks gemacht worden find. Hier erklärte Hoffmann, er habe geglaubt, daß es sich um Gelegenheitskäufe gehandelt hätte. Ein solcher Gelegenheitskauf soll auch ein Nutriapelz für Frau Hoffman gewesen sein, der ebenfalls unter seinem wirklichen Werte bezahlt wurde. Hoff- mann konnte allerdings für alle Zahlungen nicht mehr Quittungen vorlegen. Es kam dann zu einem heftigen Zusammenstoß, als Rechtsanwalt Dr. Pindar erklärte: Wenn«in Stadtbankdirektor sich keine Quittung geben läßt, so kann man daraus erkennen, welch himmelschreiendes Tohuwabohu in der Stadtbank geherrscht hat. Aus der Anklage hielt der Borsitzende dann Hossmann weiter vor, daß er von den Sklareks verschiedentlich Geschenke, hauptsäch- lich Gegenstände von Rosenhain, angenommen habe oder sich zu billigeren Preisen durch die Sklareks besorgen ließ. Leo Sklarek erklärte hierzu, daß selbst das Jubilöumsgeschenk für Stadtbank- direktor Schmitt, das 430 bis 300 M. gekostet habe, von ihm besorgt sei und daß Hoffmann nur 130 M. bezahlt habe. Hinterher stellte sich aber heraus, daß die Bronze nur 230 M. gekostet hatte. Tüe Gegenstände, die Hosfmann sich teils besorgen ließ, teils geschenkt bekam und die für„Rechnung Hammel" durch die Bücher gingen, sind Perserbrückcn, silbern« Leuchter, ein Zigarrenabschneider, eine Uhr, eine Porzellan- f i g u r usw. Leo Sk l a r e k: Wenn es lange gedauert hätte, hätte Hoffmann auch noch unseren Lupus(das Sklarckfche Renn- pferd) im Zimmer gehabt, Hoffmann erklärte denigegenüb«r, die Sklareks hätten ihm angeboten, infolge ihrer guten Beziehungen Sachen billiger besorgen zu können. Er hätte nur davon Gebrauch gebracht, während Leo Sklarek meinte, Hoffmann habe sich alle Sachen vorher angesehen und er, Leo Sklarek, hätte sie nur noch abholen und bezahlen müssen. Schließlich wurde noch aus der An- klage festgestellt, daß Hosfmann Bar Zuwendungen auf das Pseudonym„Hammel" oder„Hamlet" in Höhe von 7000 Mark erhalten hat, und Renngewinne in Höhe von über 1000 M. bekam, was er jedoch bestritt. landliedes kräftig„Deutschland erwache" zu rufen. Und das alles ließen, ohne Protest zu erheben, die Rektoren der Universität und der Technischen Hochschule, Vertreter der Chess der Heeres- und Marineleitung und eine Anzahl Professoren über sich ergehen. Be- merkenswert war übrigens, daß nur eine geringe Zahl Studenten die Nazifahnen mit dem Römergruß begrüßten und Deutschland erwachen liehen. Aber die Herrschaften brüllten dafür um so lauter. Offene Gingstunde. Gelungener Verfuch für neue Feffkulwr. Die 2 2. und 2 3. Abteilung traten am Sonntagabend in der Hochschulbrauerei mit einer Veranstaltung hervor, die man als wegweisend für alle zukünftigen Feiern bezeichnen muß. Neben den vorzüglichen kabarettartigen Darbietungen der Roten R e- bellen und den Vorträgen des Chors und Orchesters der Arbeiterjugend trat eine neue Art gemeinsamer Festesfreude in den Vordergrund: die offene Singstunde. Früher be- stellte man sich wohl einen guten Gesangverein, um unsere Kampses- weisen hören zu können. Heute sollen alle mitmachen, auch die Zuschauer. Unter der geschickten Leitung von Fritz Hoffmann wurde der Versuch zu einem vollen Erfolg. Mit lustigen Worten führte er in den Zweck einer solchen proletarischen Singe- stunde«in: Kein gemütlicher Chor, sondern der Geist der Rebellen soll in dem gemeinsamen Liede zu einem festen Erlebnis werden. Als die Stimmen noch etwas dünn aus dem vollbesetzten Saal kamen, betönt« er: nicht wie Tauber so schmalzig, sondern gemäß dem Text:„Wir wollen nicht mehr Ämbos, wir wollen der Hammer sein!" Mit der leichten Melodie in der Art der modernen Songs drangen die aktuellen Lieder rasch in die Herzen der Teilnehmer ein und wi« ein mächtiger Schwur klang es aus den Kehlen auch der„Alten", die hier wieder jung wurden:„Auf biegen oder brechen, wir ziehn mit Eisenrechen die Saat für unseren Staat!" Auch in unseren Feiern steht die Eiserne Front! Das Volkshochschulheim Tempelhos hat mit dem Gau Berlin des Arbeiterradiobundes eine Arbeitsgemeinschaft „Rundfunk und Staat" eingerichtet. Der Kursus beginnt am Dienstag, dem 2. Februar, und wird am 9. und 16. Februar sort- gesetzt. Es sprechen über„Oraamsation des Rundfunks" Genosse F. Segall, über„Gestaltung des Rundsunkprogramms" Genosse G. Krolzig(mit Berichten und Kritik der Teilnehmer) und Dr. K. Würzburger über„Das Wort vor dem Mikrophon". Beginn sämt- licher Veranstaltungen um 20 Uhr im Volkshochschulheim Tempelhof, Wolframstr. 87. Von 18— 20 Uhr ist im Heim den Teilnehmern der Arbeitgemeinschast Gelegenheit gegeben, die Fragen des Rund- sunks an Hand des vorhandenen Materials, das zum großen Teil von der Reichsrundfunkgesellschaft zur Verfügung gestellt wurde, zu studieren. Zur Beratung und Anleitung steht der Leiter des Heims Günter Krolzig zur Verfügung. Vorgesehen sind unter anderem gemeinsame Abhörstunden und Besuche im Funkhaus. Karten für sämtliche Veranstaltungen 1 M., für Einzelveranstaltungen 30 Pf., Erwerbslose kostenlose Teilnahme. Vorbestellungen schrift- lich oder telephonisch an das Volkshochschulheim Tempelhof, Wolframstr. 37, Tel. G 5, Südring 0873, oder an den Gau Berlin des Arbeiterradiobundes, Berlin-Tcmpelhof, Renate-Privatstr. 6, Tele- phon G 5, Südring 1456._ Feuerüberfall in Anh. In den späten Abendstunden des Montag wurde auf einen Hausbesitzer unweit der Großsiedlung Britz ein verwegener Raubllberfall verübt. Zwei Radfahrer fielen über den Mann her und entrissen ihm, nachdem sie mehrere Schüsse abgefeuert hatten, eine Akten- tasche, in der sie Mietsgeldcr vermuteten. Mit ihrem Raube flüch- teten die Täter auf ihren Rädern und gaben auf Passanten, die mit dem Ueberfallcnen die Verfolgung aufnehmen wollten, drei weitere Schüsse ab. Den Banditen gelang es, zu entkommen. Die Aktentasche enthielt aber nur Papiere, die sür die Räuber völlig wertlos sind. Die Kriminalpolizei hat die weiteren Ermitt- lungen aufgenommen, '7.**3!' 7•— 9£i' r» f"' Schnellzug pans-Mailand entgleist. Heizer getötet.— Vier Reifende verleht. Pari», 1. Februar. Der iakernattoaale Schnellzug Pari s— L y o n— M a i- laud ist am Monkag bei Monterau südlich von Paris entgleist. Der Heizer wurde g e t S t e i und vier Reisende verlehl. Die Lokomotive stürzte um und die drei folgenden Wagen wurden durch den plötzlichen Anprall stark beschädigt und schoben sich zum Teil ineinander. Die Verletzungen sind zum größten Teil aus Glas- fplitter zurückzuführen. Der Zustand der Verletzten ist nicht besorg- niserregend. Hochzeitsreise— Todesflug, lieber dem spanischen Dorf Gan- deso stürzte ein kleines Sportflugzeug ab. Die Insassen, ein D e u t- scher namens Albert Klug und seine Frau, verunglückten tödlich. Das Paar befand sich auf der Hochzeitsreise. wisarfh�.di&wiraijfQmrid ä/Bk dtrsaymbtixUmai ZlXrisdwßstage. an cfie dexibduL T�muhenxjdtsbdkn. musstoi H Haus Bargmann Klasse.Bneiaa«* für sich ___—\ cf% xt t' \ Jrtjedzr-packu Haus Bergmann, Zigarettenfabrik A-Q, Dresden Stefan SPoltalfehek: SdlUiSB ckSM Der Einbrecher Kleyton und sein Freund Wells, Spezialist im Oeffnen kompliziertester Geldschränke, standen vor dem Landhause b« Oelmagnaten Ellison. Sie betrachteten das Gebäude und stehe da, es gefiel ihnen.„Schön wohnen solch' reiche Leute', sagte Kleyton und Wells entgegnete:„3ch bin schon auf die Innenarchitektur begierig". Der Einbrecher Äleyton und der Einbrecher Wells hatten alle Ursache, dem Unternehmen, vor dem sie nun standen, mit größter Ruhe entgegenzusehen. Es waren keine Neulinge mehr und ins- besondere Kleyton war, wie die Journale nach seinem Tode meldeten (bei Lebzeilen werden solche Verdienste eben selten anerkannt), für seine durchdachte und musterhafte Arbeit bekannt. Selbst die Polizei bezeugte, daß das Paar seine gemeinsamen Veranstaltungen stets gewissenhaft und pedantisch exakt vorbereitete. Auch diesmal lächelte Kleyton und schwang wohlgemut seine Aktentasche, wie etwa ein süngerer Staatsbeamter, der Samstag mittags sein Büro verläßt. In dieser Tasche befanden sich die erlesensten Werkzeuge, direkt aus England importiert� kleine, blanke Bohrer, Zangen aus Nickel, ein Stickstoffgebläse in der Größe einer Tafchenuhr, ein aufklappbares Beil, scharfe Dnchtscheren, Gummihandschuhe, zwei künstlich uild künstlerisch ausgeführte Gipsdaumen, dazu bestimmt, falsche Daumen- abdrücke am Tatort zu hinterlassen.„Das Vollendetste und Modernste, das in der Art existiert", sagte nachher der Polizeibeamte— nachher, als das Malheur schon geschehen war und Kleyton und Wells nur noch zwei verkohlte, verbrannte Leichname waren.). Es, ist selbstverständlich, daß zwei solch gewissenhafte Arbeiter, wie unsere beiden Freunde, auch-die äußere Gelegenheit bestens erforschten. Der schöne Besitz gehörte dem schwerreichen Oelmagnaten Ellison, der mit seiner gesamten Familie und Dienerschaft in Florida wellte, offenbar in einem noch schöneren cheim. Kleyton öffnete di« Akten- tasche, zog ein zierliche», in der Sonne funkelndes Besteck heraus, und schon war das schöne, gußeiserne Tor offen. Sorgsam zog er es hinter ssch wieder zu und die beiden standen nun vor dem eigent- lichen Eingang zur ritterlichen Behausung des Herrn Ellison. Hier begab es sich, daß das Bestock versagte.„Wir müssen Hand anlegen". meinte Wells und dies waren seine letzten Worte auf Erden. Denn während die beiden Männer ihre Hände an das Güter legten, durch- fuhr sie ein elektrischer Starkstrom, sie drehten sich einmal im Kreise lustig umher und dann lagen sie tot da. So schnell ruft Gott nur seine Lieblinge zu sich. Dies begab sich 1930, Dienstag, den 2t. Januar. Mütwoch, den 26. März stand Ellison vor dem Richter Butler. Der Staatsanwalt hatte Anklage wegen fahrlässiger Tötung erhoben und damit be- wiesen, wie sehr Amerika verleumdet wird.' Hier hatte einmal die Gerechtigkeit nicht vor dem Geldsack kapituliert. Keineswegs tat man dies. Denn warum sollte man einen Oelmagnaten nicht anklagen. dessen Freispruch unbedingt sicher war?- Solche Dinge machen sich für statistische Zwecke immer recht gut. Mächtig stolz war der An« walt des Staates, als er sein« Anklage vortrug. Ellison halle nicht das Recht, so meinte er, das Eingangstor zu seiner Behausung mll elektrischem Strom zu laden. Er mußte damit rechnen, daß auch Unberufene emtreten könnten. Für den Fall, daß dem Besitzer etwa auf der Reise oder in Florida ein Unfall widerfahren wäre, hätte eine gerichtliche Kommission unter gewissen Vorbedingungen das Haus betreten müssen und wäre dann dem Strom zum Opfer ge- fallen. Auch sei, seiner Kenntnis nach, so schloß witzig der Anwalt des Staates, für Diebstahl noch keineswegs die Todesstras« vor. gesehen, noch dazu eine Todesstrafe, die der Geschädigte selbst ver- hängen und vollziehen dürfe. Fürwahr, ein wackerer Staatsanwalt! Er spielle seine Rolle so tadellos, als stünde er nicht vor Ellison, dem Mächtigen, sondern vor einem armen Teufel wie Klcyton... Di« Verantwortung des Oelmagnaten war kurz und bündig etwa diese: Ich kann mein Eigentum schützen wie ich will. In meinen vier Wänden kann mir niemand vorschreiben, auf welche Weise ich meinen Besitz schütze... Mehr Zeit erforderte der Verteidiger. Der wunderte sich nicht wenig, daß«ine derartige Anklage überhaupt erhoben werden tonnte. Hier applaudierte das Publikum— es konnte eben nicht anders und der Vorsitzende handelte, wie feine europäischen Kollegen, er drohte, den Saal räumen zu lassen, falls sich das Publikum nochmals in den Gang der Verhandlung einmischen sollt«. Das muß ich. wenn ich nicht sehr irre, irgend einmal schon gehört haben.) Der Verteidiger fuhr dann fort, daß man sich nicht im bolschevisierten Europa befände, sondern in einem Lande, in dem der Schutz des Eigentums noch hochgchallen werde. Der Richter Butler hielt ihn denn auch hoch und Mister Ellison wurde freigesprochen. Nach der Verhandlung wollten die Freund« des Oelmagnaten dem Helden ein Festmahl geben. Doch der lehnte bescheiden und schlickt ab. Sein Freispruch sei doch Selbstverständlichkeit und Selbst- Verständlichkeiten vertrügen keine Feier. Bescheiden und schlicht, wie er also schon einmal war, lud er bloß einige Freunde zu einem Essen in seine Villa. Beim verhängnisvollen Tor angelangt, meinte der Hausherr jovial:„Nicht mit Hochspannung geladen, meine Herren", und griff ans Gitter. Und die Herren taten desgleichen. Dann wurde getafelt. Die Mahlzell war reichlich und die Gedärme des Mister Ellison hatten mit der Verdauung gar viel zu tun. Er sollt« nicht viel Speise zu sich nehmen und tat es dennoch. Kleine Schweißperlen standen an seiner Stirne. Einen Augenblick dachte er an die beiden Männer, die er wegen Vergehens gegen die Heilig- keit des Eigentums getötet hatte und wie leicht sie sterben durften, während er, Mister Ellison, in ständiger Furcht vor dem Magen- krebs, an dem schon sein Vater qualvoll gestorben war, dahinleben mußte. Aber dann verscheucht« er diesen Gedanken. Er zündete eine der großen, dicken Zigarren an, die er direkt aus Havanna bezog und die der Arzt ihm untersagte. Die Gedärme, mit Verdauung beschäftigt und unausgesetzt arbeüend, vermehrten die kleinen- Schweißperlen auf seiner Stirne. Staringer: Weber die£iebe stu tBUchern Die Einzigen, die dir die Liebe lohnten, die- immer da find: dich zu trösten: die immer warten, dir Liebes. Gute» zu tun: die lieben Bücher! Wo wären die Liebste, di« Menschen, die. so wie sie. jähre- lang auf dich warteten, bis du endlich kommst, bis sie endlich dich bezaubern, dich reich, groß und frei machen dürfen? Freilich, Bücher sind fast nichts ohne das Leben. Aber was führte uns mehr zum Leben, zum Erleben als die Bücher? Dieses feine, zarte, hellere Glück des Lesens, durch das wir weiser, glücklicher und besser werden. Du sitzt unter Menschen, einsam lächelnd über ihr Tun und Treiben, du denkst: wär ich fort, wär ich allein, bei schönen, lieben Büchern, bei ihren Sehnsüchten, Träumereien, Wahrheiten. O heim, zu den Büchern heimgehen! Auf dem Kanapee liegen und ein schönes Buch lesen, ist ein Vorgeschmack der Seligkell. Was für Wunderwelten, unerschöpfliche Schätze warten nur auf uns Und wir brauchen sie nur zu nehmen. Mag einer noch so arm sein, solange er liest, ist er reich. Was hat das Leben sonst noch für uns? Weder Wein, noch Freundschaft, noch'Essen, noch Liebe, noch das Bewußtsein der Tugend— alles enttäuscht, bringt Aerger, Kummer, Sorgen, Ver- druß, Verzweifeln und zeigt uns Schwächen. Nicht die geringste Beachtung ist dies alles wert. In den Büchern allein liegt das Bleibende! Die Menschen und ihre Werke vergehen, die steinernen Denk- mäler verfallen in Staub, nur der Gedanke ist unvergänglich, ewig. Nicht Macht, noch Reichtum; nichts!— Nur des Geistes Szepter dauern. Ein Palast ohne Bücher: wie arm! Eine Hülle mit Büchern ---- wie unsäglich reich!! * Ja, ich fand im ganzen Leben keine besseren und treueren Freunde als die Bücher. Heute noch grüßen mich Robinson und Rübezahl und all die tausend anderen schönen, süßen und gruseligen Märchenbücher, der Kindhell Maiental steigt wieder auf. Und heute noch trösten Andersen, Thomas a Kempis, Arnim, Brentano oder Eichendorff. Wie schön, wie unsäglich schön war es, als ich noch Knabe, auf sommerliche Wiesen hingestreckt, über Hoffmann, Jean Paul, Nestroy, Raimund und Shakespeare träumte. Vom ersten Taschengeld wurden immer nur Bücher gekauft. Meie verstand ich zwar nicht, aber Sonntags schleppte ich sie im Rucksack herum und fteute mich am bunten Einband, an neuen Worten: blätterte verträumt und wünschte mir nichts als täglich lauter Bücher taufen zu können. O Seligkeit, als ich alle nur auf- treibbaren Bücher auf unseren Boden schleppte, sie aufstapelte: alte Säcke ersetzten meine Perser—- und drin rumwühlte, während ein Mallegen aufs Dach prasselte. Was andere— jeder tut eben, was ihn freut— in Krawatten. Zigaretten, Münzen, Briefmarken anlegten— ich kaufte Bücher, nur Bücher und wieder Bücher. Und noch heute— in vielen Län- der» war ich— vergaß ich oft alles Schöne um mich herum und stand stundenlang bei den Bücherwagen Berlins, den Antiquaren in der Schweiz, in Paris, in Wien, in Italien, in Kopenhagen. Jedes schöne Buch war Entdeckung und Freude an der Entdeckung, und wenn ich's ein zweites Mal las. Ich saß dann glücklich in den An- lagen oder im Nachtschnellzug. Und ich würde eher ohne Hill und Mantel als ohne Bücher reisen. Die Sammlung meiner Jugendzell ging, wie alles, alles ver- lorsn. Auch später noch erwcrb ich öfter wieder große Sanun- lungen, und in Zeiten der Not und des Elends mußten sie wieder .um ein Nichts..verkauft werden.-Aber noch heute fteue. ich mich über all« Maßen, find« ich wieder irgendwo billig ein Buch, das ich schon als Kind, als dummer Junge einst besessen, das ich mll vom Mund abgespart. Ich habe lieber gehungert, als mir«w Buch, das ich mll wünscht», nicht zu kaufen, und in stillen Stunden de« Frte- dens träume ich dann, all meine geliebten Bücher, die in Kisten verpackt in allen Städten der Welt rumlagern, wieder einmal, end- lich einmal gesammelt und geordnet um mich zu wissen. Welcher unendliche Trost auch strömt aus den Büchern fill jedes Leid, jeden Schmerz. Sie lassen einen Dummheit, Gemein- hell der Mitwell vergessen, llösten wie Mütter und weisen in morgenrölliche, schönere, bessere Zukunft. Frellich, von manchen Büchern muß man nur kosten, andere muß man oerschlingen und einig« wenig« muß man kauen und ver- bauen. Obwohl es töricht wäre, in der Regel vom Buch auf den Dichter zu schließen, so sind doch die wahren Dichter schon deshalb so tröstend, well sie alle große Leidende. Dante, Cervantes, Äalderon, Sokrates, Giordano Bruno, Vol- taire, Andrt de Chenier. Reuter, Dostojewski— wie litten sie olle! Ihr Leben war Flucht, Guillotine. Feuer, Tod. Gefängnis, Irren- Haus, Verspottung und Schlimmstes. Und waren sie doch alle nicht anerkannte Gesetzgeber der Menschheit! * Was kümmern sich richtige Mensche» um deinen Anzug, aber an deinen Büchern sehen sie, wer du bist. Und wenn du von Tausenden Mark, die du einst besessen, nichts mehr hast— di« Bücher, die du einmal um ein paar lumpige Mark erstanden— sie blieben, und dir zu Gewinn, Veredelung, zur Freud«. Es hat immer unter den Büchersammlern komische Käuze ge- geben, die vor keinem noch so verwegenen Diebstahl zurückschreckten, nur um in den Besitz eines schmerzlich ersehnten Werkes zu kommen. Für ein Buch gaben sie ihr Leben, ihre Seligkeit. Andere wieder wurden grotesk und verwunderlich. So habe ich«inen Bekannten, der seine liebsten Bücher in Panzerkassen verwahrt:„daß kein Staub hineinkommt"— sagt er... Und als ich einen armen Freund in seiner Mansarde aussuchte, lag er fiebernd und frierend, um sich hunderte Bücher getürmt, und weinte:„Sieh die zwei toten Mäuslein", sprach er,„sogar die ver- hungerten bei mir, weil sie bloß Bücher fanden!" Dabei blätterte er in einem alten handgeschriebenen Kochbuch und faselte davon, daß er nicht in den Himmel will, wenn nicht Bücher da waren und er die Sterne. Gottes Blindenschrift für uns Blinde, nicht lesen könnte." Freilich sind Unzählige, denen die Bücher die Jugend genommen und die das Leben nur aus Büchern getamll. Ach, es blieb ihnen wohl viel erspart! Und doch ist es besser vom Leben nichts zu wissen, immer Kind bleiben und es nur aus dunklen Büchern ahnen, darin das kost- barste Ledensblut eines großen Geistes einbalsamiert und verwahrt für uns Lebende____ Von fernen Ländern kam ich zurück, wieder heim, heim zu meinen Büchern. Draußen schnell'». Ich lese... Ich habe kein« Wünsch«.... es bleibt einem ja doch nichts von allem Besitz, ollem Leben. Man kann nichts mllnchmen... gar nichts. Nicht Macht, noch Reichtum: nichts!— nur des Geistes Szepter dauert, nur der Gedanke ist unvergänglich, ewig... ä)r.9tej!: WOS Ifl g�tppS? Es ist ganz unglaublich, was für ein Wißbrauch mll dem Wort „Grippe" getrieben wlld. Hat jemand Kopfschmerzen, infolge einer leichten Erkättungskrankhell. einen verstimmten Magen oder Darm. dann berichtet er ausführlich von einer„Grippe". Zu feinem Glück hat er aber gar kein« Grippe, wie sie medizinisch Wissenschaft- lich verstanden wlld! Diese Grippe ist nämlich ein« begrifflich scharfumrissene Erkrankung, die hauptsächlich gekennzeichnet ist durch starte Glieder, und Muskelschmerzen, ausgesprochenen Bindehaut- katarrh und mehr oder weniger starke Entzündung des Rachens. Die Kranthell setzt plötzlich mll starkem Schüttelfrost und Fieber ein und verursacht ein Krankhellsgefühl, das den Patienten und seine Umgebung schwer beängstigt. Ihr Auftreten ist immer epidemie- artig. Kaum haben wir gehört, daß eine Grippeepidemie in einem fernen Lande ausgebrochen ist, da, nach einiger Zett, haben wir im eigenen Lande die hemmungslose Ausbreitung dieser Seuche. Wir sind ihr gegenüber heute so machtlos wie vor 196 Jahren, denn es ist uns bisher noch nicht gelungen, ihr Wesen mit Hllfe bakterio- logischer und sonstiger modernster Untersuchungsmethoden zu erfassen. Jürgens sagt von ihr. daß sie nicht von Person zu Person sich überträgt: es ist keine Kontaktinfettwn nötig: die Keime werden von den Kranken durch die Luft übertragen, selbst auf solche Menschen, die weder durch Berührung noch im Bereich der Tröpfchen- infektion dem Krankhcllsherde nahe gestanden haben. Dadurch er- klärt sich die rasche Ausbreitung, die Neigung zu Massenerkrankungen und die Erscheinung des unverhofften, plötzlichen Ausbruches. Das eigenartige Gepräge gibt aber nicht so sehr die hemmungslose Aus- breitung als vielmehr der rasche Ablauf der Epidemie und das spurlose Verschwinden der Krankheit, nachdem sie als Volksseuche wenige Wochen hindurch die Bevölkerung beunruhigt hat. Nach Jürgens liegt die Ursache dieser Erscheinung nicht in den Eigen- schosten der Krankhellserreger(man sprach immer von einer Er- schöpsung des Giftes), sondern in der steigenden Widerstandskraft des Menschen:„die Infektion stllbt in einem immunen Organis- mus". Die Giftigkell des Parasiten findet Maß und Wertbestimmung in der Reaktion des menschlichen Organismus. So erklärt sich naturgemäß auch nur der verschiedene Grad der Erkrankungen bei den verschiedenen Menschen. Die Disponierten ertranken jeder in seiner Art. Manche Menschen sind infiziert, erkranken aber kaum, und bei vielen anderen führt die Infektion noch wenigen Tagen zu tödlichen Lungenerkrankungen. Der Darm ist dagegen, um dies noch einmal besonder» zu be- tonen, kaum jemals an der Grippe stark beteiligt. Er erschwert nie ernstlich, wenn er wirklich beteiligt ist, da» Krankheitsbild. Es ist also gänzlich unberechtigt von einer Darmgrippe zu sprechen. Das muß um so eindringlicher hervorgehoben werden, als die Auf- fassung vom Vorhandensein einer angeblichen Darmgrippe sell jeher weit verbreitet ist. Wohl kommt gelegenllich bei der Grippe neben krampfartigen Zusammenziehungen des Darms ein blutiger Stuhl vor, aber doch auch nur, ohne eine schwerwiegend« Komplikation darzustellen. In den Fällen, in denen uns von Grippe er- zählt wird. Handell es sich meist nur um Erkällungskrankheiten, die mit Störungen des Allgemeinbefindens einhergehen. Natürlich bieten die gereizten Schleimhäute einen günstigen Boden für di« Ansiedlung von Infektionserregern- Aber in diesen Fällen der Erkrankung geht nach wenigen Tagen der Bettruhe die Krankheit meist spurlos vorüber, selbst wenn Fieberfteigerungen von 38 und 59 Grad die Patienten matt machen und Darmbeschwerd«» und Magenschmerzen sie quälen. Di« Zunge ist stark belegt, der Appetll verringert, und häufig laufen neben den Durchfällen Erbrechen einher. Selbst bei wirtlichem ,Darmkatarrh" muß man noch fellffte Unterscheidungen machen. Es fragt sich, ob nicht die Durchfälle, die bei leichten In- fektionskrankhellen austreten, nur erklärt werden können aus einer gesteigerten Tätigkell des Darmes. Zerfetzuagsvorgänge im Darme reizen und erregen di« Darmwandungen und befördern unter Kollern im Leib« den flüssigen Darminhalt nach außen, ehe die normale Eindickung des Darminhalts erfolgte, jedoch ohne die Schleimhaut des Darmes anzugreifen. Herrschen die Durchfälle länger vor, so greifen sie natürlich die Darmschleimhäut« an. und in ernsteren Fällen gibt der Darm dann so viel Schleim ab, daß dadurch der Kot dünnflüssig wird. In solchen Fällen sind die Schleimhäute des Darmes entzündet und gereizt, und di« Durchfälle können innerhalb 24 Stunden zw«i-, dreimal, aber auch zehnmal erfolgen. Nur der Arzt kann auf Grund von Untersuchungen des Darminhalls fest- stellen, welch« Art der Erkrankung vorliegt. Es kann der Dünn- dorm oder der Dickdarm besonders betelligt sein: bei katarrhalischen Darmerkrankungen ist aber meist auch der Magen in Mitleidenschaft gezogen: meistens handell es sich also um einen Katarrh von Magen und Darm zugleich. Di« leichteren Fälle bedürfen keiner medikamentösen BeHand- lung. Rein diätische Vorschriften(die streng innegehalten werden müssen) genügen, um die Heilung herbeizuführen. Die bekömmlichste Diät in solchen Fällen ist die Schleimsuppe, ganz gleich, ob man Gersten-, Hafer- oder Reisschleim mll Wasser kocht. Leichte Fleisch- brühe. Tee mll Zwieback werden vertragen. Getrunken werden kann auch ohne Nachteil Wasser mll Rotwein. Grobe Speisen soll man auch»och nach Besserung wegen des Magens vermeiden und des- halb Kartoffelbrei und ähnliches genießen. Fett ist besonders zu vermeiden, da es rein mechanisch dl« Einwirkung des Magensaftes auf den Mageninhalt verhindert und saure» Ausstoßen und Sodbrennen verursacht. E» dürfen keine Speisen zu heiß oder zu kall gegeben werden. Milch, weich« Eier, weiße», klewgeschnlltenes Fleisch führen dann über geschabtes rohe» Fleisch oder Schinken allmählich zu normalen Speisen über. Häufig lösen Lerswpfungen di« Durchfälle ab. Das Hort jedoch von selbst auf, ohne daß man Abführmittel nehmen soll. Schlechter Geschmack im Munde wird am besten bekämpft durch Ausspülen mll Wasser, dem man auf ein Glas etwa ö Tropfen Myrrhentinktur zugesetzt hat. Das gleich« Mißverständnis liegt tn dem volkstümlichen Aus- druck„Kopfgrippe", mll dem die Laien jeden leicht fieberhaften Zustand bezeichnen, der mit Kopsschmerzen zusammenhängt. In Wirklichkeit nennt der Mediziner Kopfgrippe ein« schwere ent- z ü n d l i ch e Erkrankung der Gehirn«, die mit wochenlangem schlasähnUchem Zustand verbunden ist. und deren Folgen gar nickst abzusehen sind. Es wäre an der Zeit, mit der Bezeichnung „Grippe" in jeder Form vorsichtiger zu sein! Wir sollen froh sein, daß wir mit dieser Bolksseuche nur selten zu tun hoben, und nicht jede(glücklicherweise harmlosere) Infektion so schrecklich benennen._ vi« Spatzen, die auf Wunsch ehemaliger Auswanderer mit vieler Mühe in Amerika eingeführt wurden, drohen jetzt eine ernst« Gefahr für gewisse Bezirke zu werden, da sie ungeheure Mengen Obst, und zwar besonders Pfirsich« und Weintrauben, vernichten. von bSS MMoveu Eileabahnpassanieren kommt nur ein ein- ziger bei einem Eisenbahnunglück ums Leben. Berantwortlich'Q: Äolitil: Vtkt,« 6£>!l: Mrttckiatt: 9 ftlinaeUiltt; D»»>erksitaft«v«w-!,»i,a:? 0t»tnet: St. z»l!» S-iniows!,: Lokales und Eonlliae� SnÄ Karstadt; Anleinen: Td Slude; tümtOrfi In Berlin. Lerlaa! Borwi>ri».zzerlaa D m l> K. Berlin. Druck: Borwärls-Buckdruckerel und Berlassanstall Vaul Sinae? u. So. Berlin SW. 68, Llndeultrak« 3. Hierzu 2 Beilagen. Ar. 53* 49. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Oiensiag, 2. Februar 1932 Llm die Sparmillionen bei Borsig. Die Spargläubiger fordern stürmisch ihr l�echt. An dem großen Saal des Kasinos der Borsigwerkc in Tegel fand gestern eine nber füllte Versammlung der WcrksParkasicng laubiger statt. Mehr als 800 Sparer hatten sich eingefunden» um gegen das schreiende Unrecht der Sparcrbehandlung zu protestieren. Jeder einzelne von den TiSrussionsrednern prangerte in schärfster Form die beispiellose Tatsache an» daß die drei Millionen der Wcrksparkasse ohne jede reale Sicherheit in den Strudel des Zusammenbruches des Tegeler BorsiglverkeS hinein- gerissen wurden. , Zunächst erläuterte der mit der Ausstellung des Status beauf- tragic Treuhanddirestor S ch w o o n den gegenwärtigen Stand der Zlttiven und Passiven. Diese Ausstellung ist in der Oefsentlichkeit bereits bekannt. Ms Schwoon aus den Kern der Sache zu sprechen ksm und mitteilte, daß vor der Grundschuld von 3,5 Millionen, die zur Sicherung der 3 Millionen Spargelder auf die Fabritgrund- stück« der Gesellschaft eingetragen ist, drei andere Hypotheken ran- gieren, so daß von einer Sicherung der Spargetber nicht die Rede sein kann, unterbrach ein Sturm der Empörung sein« Aus- führungen. In der Diskussion erklärten verschiedene Redner, daß diese un- glaubliche Tatsache in schroffster Weise gegen Treu und Glauben vcrstcße. Derjenige, der sein Geld der Wirtschaft zur Verfügung gestellt habe, werde dafür geradezu bestraft. während von den 10,8 Millionen Bantfordcrungen 3,9 Millionen bei dem gegenwärtigen Stande gesichett wären, hätte man die Spargelder, deren unbedingt sichere Anlage im Stahlt festgesetzt ist, mit einer vierten Hypothek„gesichert". Aon sämtlichen Rednern wurde gefordert, daß eine Vorzugs- behandlung der Sparer bei dem Vergleich eine Selbst- Verständlichkeit sein müsse, da es sich hier um die wirtschaftlich S ch w ä ch st e n handele, die zum großen Teil durch den Zusammen- bruch erwerbslos geworden sind. Ein Redner wies mit Recht darauf bin, daß die Vankengläubiger im eigen st en Interesse bei der Bevorrechtung der Spargläubiger ein großzügiges Entgegen- kommen zeigen müßten, da andernfalls in weitesten Kreisen der werktätigen Bevölkerung die Sparfreudigkeit getötet würde, was letzten Endes die Banken selbst wieder schwer zu spüren bekommen würden. Besonders scharfe Kritik fand die bisher noch uichk bekannte Tatsache, daß die werksparkasse bei Borsig seit dem Zuli vorigen Tahres die Auszahlungen bis auf geringfügige Betrüge gesperrt l>alle, und zwar nicht nur für die wenigen Wochen der ollgemeinen Auszahlungssperre, sondern für die ganze Zeit vom Juli bis zum Zusammenbruch in, Dezember. Zu einem Versammllingstumull unerfreulichster Art kam es, als der Angestellten-Vetriebsrat B e t h g e, der persönlich nicht zu den Wertsparcrn gehört, sich zum Wort meldete. Es waren zum größten Teil Mitglieder der RGO-, die Vethges Rede verhindern wollten, weil er nicht zu den Sparern gehörte. Dieser Fall ist typisch, well er besonders scharf die„revolutionäre" Eiustellung der kommunistifcheu Gewerkschastsopposition beleuchtet, die ungeachtet ihrer radikalen Phrasen ihre Spargroschen statt zum Konsum zur Werksparkasse von Borsig tragen, dann aber. wenn es gilt, zu retten, was zu retten ist, einen Gewcrkschaftsvcr- treter niederzubrüllen versuchen, Nachdem die Ruhe wiederhergestellt war, setzte Bethge in einer kritischen Rede die Hintergründe auseinander, die zu dem Zu- sammenbruch bei Borsig geführt haben. Letzten Endes ist es das System gewesen, dos bei den Borsigwerken mit seiner inneren Desorganisation und dem Durcheinander der Kompetenzen zwischen Direktion und Verwaltungsrat zu der jetzigen Situation geführt hat. Unverantwortlich sei es, daß die Berwallung die Sparmillionen mit einer„Schornstein-Hypvchek"— de im etwas anderes sei die ein- getragen« Grundschuld nicht gewesen— gesichert habe, und daß die Auszahllmg der Spargeldcr seit dem Juli gesperrt wurde, wahrend in der gleichen Zeit andere Gläubiger noch Zahlungen er- hielten. Auf das schärsste anzugreifen sei auch die Tatsache, daß zu einer Zeit, als eine Sicherheit der Spareinlagen schon nicht mehr unbedingt gewährleistet gewesen sei, die anreisierischea Prospekte mtt der Aufsorderung, Gelder zur Werksparkasse zu tragen, noch in Umlauf waren. Für den Sporerausschuß, der die Interessen der Werkspar- kassengläubigcr im gesamten Gläubigerausschuß zu vertreten habe, forderte Bethge äußerste Aktivität, da es in diesem Ausschuß ganz zweifeklos zu harten Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Interessentengruppen kommen werde. Licht in die Osthilfe. Die Denkschnst des Z�echnungshofs. Die Denkschrift des Rechnungshoses zur Reichshaushalts- recknung 1329(soeben erschienene Reichstagsdrucksache) ist, soweit sie die Oschilfe betrifft, deswegen besonders interessant, well zum erstenMaletieferindieVerausgabungdervielen O st h i l f« m i t t e l eingedrungen worden ist. Im übrigen zeigt sich, daß die Prüfungsarbeit des Rechnungshofes, wenn sie sich im Sinne der Rechnungsprüfungswünsche des Reichstages bewegt, vollen Ertrag bringt. Die Denkschrift berichtet zusammensaffend nicht nur über das Rechnungsjahr 1929. sondern über Prüfungs- ergebnisse bis zur Gegenwart. Die Behörden haben jener Nachprüfung ihrer Arbeit, wie es scheint, nicht immer mit De- aeisterung gegenübergestanden. Der Disogiozuschuß(Zahlung der Kursdisferenz) für die Ausgabe ei»es landwirtschaftlichen Pfandbriefkredits, der für Pfandbriefe im Nennbetrage von St, Millionen Mark wirksam wurde, ist in einer Reihe von Fällen für Lavdwirle ein besonders gutes Geschäft geworden.' Sie haben mit Hilf« des Disagiozuschusses«in« erst- stellig« PfanÄbriesbeleihung erhalten. Dann benutzten sie den niedrigen Kursstand der Piandbriefe dazu, um ihre Beleihung durch Rückkaus von Pfandbriefen abzulösen. Das Reich hat hier die Rückerstattung der gewährten Disagio Zuschüsse verlangt. Bei den Krediten für zweitstellige Hypotheken und Beihilfen aus dem Betriebserhaltungsfonds handelt es sich um 18 Millionen Mark. Ter �Rechnungshof stellt fest, daß die Kreis- kredllausschüsse(Borsteher des Finanzamtes und drei von der Landwirtschaftskammer bestellte Landwirte) in vielen Fällen die llmjchuldungsdarlehea genehmigt haben, ohne daß auch nur ausreichende Festellungen über die Verschuldung und den wert des Grundbesitze» erfolgt waren! Die Landwirte haben des öfteren sogar unterlassen, bei der Stellung des Darlehensantrages ihre Schulden vollständig anzugeben. Oft gaben sie genau soviel Schulden an als sie Umschuldungsdarlehen beanspruchten. Dennoch haben die Kreiskreditausschüsse bewilligt. Der Rechnungshof erklärt, er habe den Eindruck ge- wonnen, daß die Prüfungen und Feststellungen der Kreiskredit- gusschüsse* nicht immer" mit der genügenden Sachlichkeit und Gründlichkeit durchgeführt worden sind. Bei den wenigen Stichproben, die der Rechnungshof machte, stellte er fest, daß unter anderem Landwirte erst mit Hilfe des Reiches ihren Betrieb überschuldeten und dann vernachlässigten, danach kam die Zwangsversteigerung, bei der ein Familienangehöriger das Gut erwarb. Das Reich fiel als Gläubiger aus. Der Rechnungshof betonk, daß erst nach dem Eingreifen der preußischen Landesregierung in da» Umschuldungsversahren und dann später durch die tandstellen eine Besserung der Geldvcrleilung erfolgt ist. In manchen Fällen sind ostpreußische Mittel- und Großbetriebe auch deswegen überschuldet, weil sie mit M i t g i s t» und Erb» teilversprechen überlastet sind. Auch in solchen Fällen hat man aus Reichsmitteln großzügig geholfen, und wie der Rechnungshof feststellt, damit in besseren Zeiten gegebene Mitgift- und Erbteiloersprechen voll finanziert. In den Umschuldungsplänen, die den Kreiskredttausschüssen vorgelegt wurden, führte man die Erben sogar als persönliche Gläubiger mit entsprechenden Forde- rungen an. In einem anderen Falle hat man eine Beihilfe aus dem Betriebserhaltungsfonds in Höhe von 47999 M. bewilligt, die in der Hauptsache dazu gedient hat, ein erst in fünf Jahren fälliges Restkaufgeld und eine Personalschuld des Ehemannes der Besitzerin zu beseitigen. Bei de« Krediten für Kleinbauern und Erwerbsgärlner flössen teilweise die Darlehnsmittel, die diesen kleinen Leuten ge- geben wurden, in erster Linie den Kreditinstituten, insbesondere G e- n o s s e n s ch a f t e n zu, bei denen kurzfristige Verbindlichkeiten bestanden. Im übrigen überließ mandie Bauern und Er- werbsgärtner ihren eigenen Sorgen. Die einzige Erleichterung lag für sie darin,, daß sie nicht mehr an die Genossenschaften 13 bis 15 Prozent Zinsen zahlten, was allerdings auch einiges wert war. Es wurde bei Kleinbauernkrediten auch festgestellt, daß einzelne Kreditinstitute die Darlehen nicht nach dem ihnen vorge- schriebenen Derwendungsplan zur Auszahlung ge- bracht, sondern zunächst ihre eigenen Forderungen befriedigt haben. Die Kreditaussckiüsse haben nach der Ausfassung des Rechnungshofes in vielen Fällen die erforderlichen Einzelfeststellungen über die Verschuldung der Landwirte nicht gemacht, aber doch bewilligt. Aus den Mitteln für die Kleinbauernhilfe hat man auch zum Beispiel einem städtischen Gärtnereibesitzer, dessen Haus und Grundstück auf über 199 999 Mark geschätzt wurde, das beim Hinzukauf von Land verbliebene Restkaufgeld von 9999 Mark umgeschuldet. Auch in anderen Fällen sind städtische Großgärtnereien aus jenen Mitteln unterstützt worden. Bei den Pächterkrediten haben erhebliche Teile der zur Verfügung gestellten 3 Millionen Mark jahrelang mehr oder weniger unverwendet auf dem Konto der Landesbant gestanden. Der Rech- nungshof hat immer wieder drängeln müssen, bis das Reichs- ernährungsministerium sich endlich bemüßigt sah, diese unverwendet bei der Landesbant ruhenden Mittel zugunsten des Reiches zu- rückzuholen. Der Rechnungshof hat auch die Kredite für die ostpreußischen Binnen-, Hoff- und Küsten fisch er und die sonstigen Maßnahmen zur Abstellung der wirtschaftlichen Notstände im Osten Deutschlands etwas gründlicher, wenn auch überall nur ftichproben- weise geprüft. Das Gesamtbild der Denkschrift des Rechnungshofes er- gibt die zwingende Notwendigkeit, daß die Reichsregierung in ihrem eigenen Interesse für schärfere Geschäftsführung in der Verteilung ostpreußischer hilssgelder sorgt. Die Oststelle ist mittlerweile ein riesenhafter Beamtenapparal geworden. Mit ihren Landesstellen zusammen ist sie jetzt schon bei ö00 köpfen angelangt und wenn man die sonst noch mit dem Umschuldungsversahren be- ichäftlglen Stellen bei der Rentenbank usw. hinzurechnet, handelt es sich nm ein Regiment van 1090 köpfen. Selbstverständlich soll auch im Osten geholfen werden. Es darf aber kein Geld verschleudert werden. Deswegen ist zu wünschen, daß der Rechnungshof sich mehr als bisher um die fortlaufende Prüfung der Geschäftsgebarung in der gesamten Ost- Hilfe kümmert. Hier geht es nicht nur um Pfennige, sondern um Hunderttausende und um Millionen von Mark. Die Reichsregie- rung sollte ihrerseits auch dafür sorgen, daß in der Oefsentlichkeit noch dsuilrchsr als bisher der Gesamtumfang ihrer L e i st u n g e n für den Osten s i ch t b a r � wird. Es geschieht viel mehr, als' von der' demagoglichen Landouugagitation anerkannt wird, es wird zu wenig darauf hingewiesen, daß es nicht selten die zu dieser Agitationssphäre ge- hörenden Kreise sind, die für die Verschleuderung von Ostmitteln mtt verantwortlich gemacht werden müssen. ___ Kurt Heiuig. Aktive Gchuhbilanz. ütbtt 26 Millionen Mark Ausfuhrüberschuß. Die Außenhandelsbilanz der deutschen Schuhindustrie ha» im vergangenen Jahr ihre starke Aktivität aufrechterhallen können. Merlmößig hat sich die Aktivität zwar infolge der scharfen Preis- scnkungen für Lederschuhwerk von 30.2 a»s rund 2S Millionen Mark verringert, jedoch ist der Ausfuhrüberschuß der Menge nach noch erheblich ge st legen. Im Jahre 1931 ging die Einfuhr van 9,89 auf 9,57 Mil- lianeu Paar zurück, während der Schuhexport noch von 3,87 auf 4,24 Millionen Paar steigen konnte. Der Wert der Schuh- einfuhr beziffert sich auf 6,58 gegen 9,45 Millionen Mark im Vor- jähr, während der Exportwert 25 gegen 30,2 Millionen im Vorjahr beträgt. Die starken Verschiebungen, die der Außenhandel der deutschen Schuhindustrie im Laufe der letzte» fünf Jyhre erfahren hat, zeigt folgende Tabelle: Einfuhr Aussuhr in Millionen Paar 1927 2.94 2.28 1928.......... 4,21 2,06 1929.......... 2,15 2,74 1930.......... 0,80 3.87 1931.......... 0,67 4,24 Danach ist also die mengenmäßige Einfuhr von Lederschuhwerk seit der Rekordeinfuhr von 1928 um mehr als 84 Proz. gesunken, während sich in der gleichen Zeit der Export trotz der mannigfachen Zollschwierigkciten noch mehr als verdoppeln konnte. Ob diese günstige Entwicklung anhält, ist die Frage. Besonders in den letzten Monaten haben sich bei großen europäischen Abnehmer- ländern die Tendenzen zur Einfuhrdrosselung verschärst, so z. B. in Frankreich, das eine scharfe Kontingentierung(Begrenzung der Ein- fuhrmengen) fordert. Heber diese Frage wird zur Zeit zwischen der deutschen und französischen Schuhindustrie in Baden-Baden vcr- handelt. Llm den Wagemann-plan. Eine große Versammlung im Herrenhaus. Der von der Siudiengesellschaft für Geld- und Ikrcditwirtschast veranstaltete Vortragsabend, in dem Professor W a g c m a n n über das Thema„Geld- und Kreditreform als Weg aus der Krise" sprach, hatte ein außerordentlich starkes Interesse gefunden. Es wurden weit über 3999 Karten verlangt, nur 1299 konnten aus- gegeben werden/ und sehr zahlreiche Interessenten mußten um- kehren. Wer politische Sensationen erwartete, kam freilich, und zwar mit Recht, nicht auf seine Kosten. ' Wagemann entwickelte in jekr eiudringüchcr, aber auch überlegener und gelegentlich sehr witziger- Weise seinen Plan. Er cnt- wickelt«, was die Reform will und was sie nicht will. Die Reform wolle keinerlei neue.Währung, keinerlei Binnenwährung, keinerlei Noten- oder sonstige Inflation, nicht ein- mal eine Notenvermehnmg, sie wolle aber auch keine Deflation. Die Reform will die Wiederherstellung des inländischen V e r- trauen?, die Wiederherstellung der Bereitschaft des Auslandes zur Gewährung von Krediten, die Auftauung der eingefrorenen Kredite, die Schaffung neuer Produktionsmöglichkeiten und eine bessere kreditpolitiiehe Steuerung. Der Plan sei eine private Arbeit, zu der Reichsregierung und Reichsbank noch keinerlei Stellung genommen haben. Dann entwickelte Wagemann den Plan selbst, der unseren Lesern in den Grundzügen bekannt ist. Eine Diskussion fand mit der Begründung, daß innerhalb eines so großen Plenums so weittragende und schwierige Dinge wie eine Geld- und Kreditreform kaum mit dem wünschenswerten Erfolge stattfinden könne, nicht statt. Die Studicngesellschast für Geld- und Kreditwirtschaft habe aber die Interessenten an einer solchen Dis- kussion aufgefordert, sich in ihrem Büro, Berlin W. 35, Potsdamer Straße 193a, zu melden, damit die Diskussion nachgeholt werden könne. Der Dortrag fand sehr starken Widerhall. Kusion von Gewerbebanken. Linter Führung der Preußentasse. Die Preußische Zentralgenossenschaftskasse führt in ihren(Sin- flußgebiet gegenüber den mittesständlerischen Gewerbebanken jetzt dieselbe Bereinigung durch, die von ihr auf dem Gebiete der land- wirtschaftlichen Kreditgenossenschaften herbeigeführt wurde. In Hannover werden nach einem: Beschluß der betreffenden Aufsichtsräte die Creditbank und die Gewerbebank mit der Borschuß-Vereinsbonk zusammengeschlossen werden. Die neue Bank heißt„Bereinsbank Ho nnoner E. G. m. b. H." und hat 4599 Mit- glieder mit 6 Millionen Hastsumme, 3 Millionen Eigenkapital und 18 Millionen Bilanzsumme. Die Wertansätze in der Bilanz ent- hallen die der jetzigen Zeit angemessenen Abschreibungen. Das neue Institut erhält einen Reichszuschuß aus dem Notverord- nungsfonds von 29 Millionen Mark, der zur Rationalisierung des gewerblichen Genossenschaftswesens bereitgestellt wurde. An Essen werden die Essener Bank und die Allendorfer Kreditbank zusanunengeschlossen. Zur Beruhigung der Einleger hat die Reichsregierung die Bürgschaft für die von den beiden Essener Banken benötigten Mittel übernommen, so daß die Zahlungs- bereitschoft gesichert ist. Auch hier wird ein Rationalisierungszu- schuh gewährt. 53 Zuckerfabriken werden im Laufe des Jahres 1932 auf der Insel Java stillgelegt. vsinon Mund pflegst Du täglich... warum nicht Deinen Halst Gurgle tradeen mit j«Ut 90 Ii.<5 P(._ Arbeit? Arbeit! Arbeit! Wie die Konsumgüterindustrien wieder in Gang gebracht werden müßten. Der Zusammenbruch des Baumarktes ist das , ch l t m m st e Kapitel der durch Passivität und Resignation charakterisierten Arbeitsmarktpolitik der Reichsre- g i c r u n g. Die Folgen dieses Zusammenbruchs sind geradezu v e r- k> e e r e n d. Ein furchtbares. Körper und Seele zerstörendes Elend steckt hinter den grauenvollen Zahlenkolonncn der Arbcitsmarkt- statistik der Bauarbeitergewerkschaften. Gewiß sind die Bauarbeiter nur eine Gruppe unter den vielen Bedauernswerten, die heute unter der Arbeitslosigkeit zu leiden haben. Unter den 6 Millionen ge- zählten Arbeitslosen machen sie— ohne die baugewerblichen Neben- berufe—„nur" ein gutes Zehntel aus. Allein es handelt sich hier um Angehörige eines als Schlüsselgewerbe anerkannten Berufes, der durch seine Beschäftigung über seinen Kreis hinaus noch min- bestens einer Million Arbeitern und Angestellten die Möglichkeit zur Arbeit schaffen könnte. Mit der geradezu hoffnungslosen Lage der Arbeitslosen des Baugewerbes hat sich dieser Tage der Beirat des Deutschen Baugewerksbundes eingehend beschäftigt. Das Ergebnis seiner Beratungen hat" der Vorstand des Bundes in einem Schreiben an den Reichskanzler Dr. Brüning zu- sammengeiaßt. Die karge Arbeitslosenunterstützung— so lautet im wesentlichen der Gedankengang des Alarmrufs der Bauarbeiter an die Reichs- regierung— hält den Arbeitslosen und die Seinen nir an der Grenze des hnngers. iueidung und Hausrat können nicht mehr ersetzt werden und irgend- welche Kulturbedürfnisse zu befriedigen, ist völlig unmöglich. Nach der im Baugewerksbund allwöchentlich durchgeführten Arbeitslosen- Zählung waren im I u l i 1931 von je hundert der Bundesmitglicder 55 ohne Arbeit. Das war im Verlauf dieses Jahres der n i e d r i g st e Stand. Im Januar/ Februar 1931 hat das Verhältnis 7 5 P r o z. betragen und in der zweite n Januarwoche 1932 bereits 8 7 P r o z. Diese wenigen Zahlen bezeugen die furchtbare Tatsache, daß es im Durchschnitt des Jahres 1931 für 63 pro), der Mitglieder nicht einen einzigen Tag Arbeit gegeben hak. Dabei gibt es Gelegenheit zu notwendigen und volkswirtschaftlich lohnenden Bauarbeiten in überreichem Maße. Der Zustand der Wege und Straßen erschwert vielfach den Personen- und Warenverkehr. Neue Straßen, Brücken und Kanäle könnten in vielen Fällen den Verkehr sicherer und zweckmäßiger gestalten. Ueberjchwemmungskatastrophen beweisen immer wieder, daß Fluß- regulierungen, Deichbauten und Talsperren oolks- wirtschaftlichen Nutzen bringen könnten. Bei der Struktur der deut- schen Wirtschaft müßte gerade die Neuinoestierung bedeutender Summen in Straßenbau- und wasserwirtschafllichen Anlagen be- sonders geeignet fein, den Anstoß zur Wiederbelebung der Wirtschaft zu geben. Diese Arbeiten würden Kaufkraft schaffer. ohne daß durch die dafür geleistete Arbeit gleichzeitig neu geschaffene Konsumgüter aus den Warenmarkt dringen. Die auf diese Weise ent- stehende Kaufkraft würde vielmehr aus dem Warenmarkt den nötigen Raum für eine Neuingangfetzung der Konsumgüter» industri« in weitestem Sinne schaffen. Das ist besonders zu be» achten; denn die Dauerkrise hat auf dem Arbeitsmarkt im Jahr« 1929 ihren Ausgang deutlich erkennbar von den Konsumgüter- i n d u st r i e n aus genommen. Der Baugewerksbund verlangt von der Reichsregisrung, daß unverzüglich eine großzügige Notstandsaktion in Angriff genommen wird. Klcinhaussiedlungen, Stadtrandsiedlungen und ähnliche Pläne böten nur oerschwindend wenigen Arbeitern— und auch nur für eine kurze Zeit— Arbeit. Erst ein zum Arbeiten wieder erwecktes Baugewerbe lasse auch das übrige Wirtschaftsleben wieder aufatmen. Die Folgen. Unsere Zoll», Lohn- und Wirischastspolitik schafft Elend. Die Katastrophe auf dem Weltmarkt hat die deutsche Porzellan- und Steingutindustrie fürchterlich heimgesucht. Betriebsstillegungen, Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit haben in dieser Industrie einen beängstigenden Umfang ange- nommen. Bon 59 000 Porzellanarbeitern sind 20 000 arb eits- l o s und 14 000 arbeiten stark verkürzt; rund 5 0 B e- triebe liegen bereits still, 6 kommen in Kürze zum Er- liegen, nur 25 Werke arbeiten und auch sie nur mit außerordent- lich stark verminderter Belegschaft. In der S t e i n g u t i n d u- stri e allein fiel die Belegschaftsziffer von 13 000 auf 8000, wovon 3000 arbeitslos und 2500 Kurzarbeiter sind. Die Stapelporzellanfabriken werden von den billiger pro- duzierenden Konkurrenzländern, vor allem von Japan und der Tschechoslowakei, arg bedrängt. Noch größere Schwierig- leiten brachten die Z o l l e r h ö h u n g e n des Auslandes. Was Deutschland kann, können auch die anderen Länder. Die Oualitäts- porzellanfabrikcn wurden darüber hinaus noch erheblich von dem großen Kaufkraftschwund in allen Ländern betroffen. Der Absatz an Porzellan hat infolge dieser Umstände riesig nachgelassen. Im Jahre 1929 konnten noch 494 417 Doppelzentner ohne Bruch exportiert werden, 1930 nur noch 328 888 Doppelzentner und 1931 nur noch 280 989 Doppelzentner. Auch im Inland wird immer weniger abgesetzt. In den nächsten Monaten kommen neue Schwierigkeiten durch weitere Zollerhöhungen, durch Einfuhrkontingen- tierungen und durch Einfuhrverbot« hinzu. Schlägst du meine Butter, zerschlag ich dir das Porzellan. Außerdem droht im Inland das Zugabeverbot, dessen Durchführung noch ein- mal Tausenden von Porzellanarbeitern Arbeitslosigkeit bringen würde. Die Porzellanarbeiterschaft hatte im vergangenen Jahr 32,1 Prozent Arbeitslosigkeit und 31,4 Prozent Kurzarbeit. Kein H o f f n u n g s st r a h l ist für sie sichtbar. Die einzige Stütze dieser schwergeprüften Arbeitergruppe ist ihre vorbildliche Solidarität und die Stärke ihrer gewerkschaftlichen Organisation. Für die Eiserne Front! Im Türkischen Zelt in Charlottenburg warm gestern die Beleg- schaften des Arbeitsamtes Berlin-West und des Bezirks- amtes Charlottenburg oersammelt. Der bis auf den letzten Plötz, besetzte Saal in le»em.SHK>hii«t«l, in dem sich die Reaktion schön' als Sieger sieht, nahm eins» ausgazeichneten Verlauf.~ Genosse Falkenberg. Vorsitzender des Allgemeinen Deut- schen Beamtenbundes, knüpfte an sein« b«amt«npolitisch«n Er- fahrungen an und konnte fo vor dem gestern in CharkoLenburg oersammelten Kreise bestimmte Teilfragsn der Eisernen Front mit besonderer Deutlichkeit herausstellen. Er schilderte in seinem ändert- halbstündigen Referat anschaulich, wie viele Beamte sich am 8. No- vember 1918 noch als obrigkeitlich« Beamte ins Bett gelegt haben. und am 9. November früh als„Republikaner" erwachten. Sie haben den Eid auf die Republik geleistet. Aber je mehr sich die Wetterfahnen über den Amtsstuben nach rechts drehten, je mehr haben sie diesen Eid vergessen. Di« Eiserne Front oerlangt den ganzen Menschen. Der- jenige kann kein Kämpfer für die Republik sein, der einem ver- schwiegen ins Ohr flüstert:„Ich bin ja auch Ihrer Meinung, aber sagen Sie es nicht meinem Kollsgen!" Wir müssen in den nächsten Monaten jede Opfer bringen. Es genügt nicht, daß wir in diese oder jene Versammlung gehen, wie auch am 8. Mai der Kamps noch nicht vorüber sein wird. Allerdings kämpfen wir mit der festen Zuversicht des Sieges. Und als am Schluß der Kundgebung die republikanischen Arbeiter, Angestellten und Be- amten dieser Aemter aufstanden und in das Hoch auf die Eiserne Front einstimmten, nahm jeder das Bewußtsein des Sieges mit sich. ■* Der Beamtenb eirat des G e sa m i v c r b a nd e s der Arbeitnehmer der öffentlichen Betriebe und des Personen- und Warenoerlehrs befaßte sich in seiner Sitzung am 29. Januar 1932 mit der Eingliederung der Beamten- und Angestelltenorganisationen in die Eiserne Front. Er fordert alle Beamten und öffentlichen Angeslellkcu des Reichs, der Länder und der Kommunen seines Organifations- gebietes auf, sich überall aktiv an dem organisatorischen Aufbau der Eisernen Front zu betelligen und für die finanzielle Unterstützung einzutreten. Die Errichtung der Terrorabwehr- stelle beim Vorstand des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes wird mit besonderer Genugtuung begrüßt, da dem unver- antwortlichen Treiben der nationalsozialistischen Beamten und öffentlichen Angestellten nur durch stärksten Abwehrwillen der Republikaner begegnet werden kann. Der Beamtenbeirot fordert die Beamten und öffentlichen Ange- stellten auf, sich durch keinerlei Drohungen einschüchtern zu lassen. Vielmehr ist rücksichtslos denjenigen entgegenzutreten, die als Anhänger oder Mitläufer der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, entgegen ihrem geleisteten Eid auf die Verfassung und ihrer Dienstoerpslichtung, abseits jeder Kollegialität, sich inner- halb der öffentlichen Verwaltung und Betriebe betätigen. Beamte und öffentliche Angestellte, stärkt die Reichsbanner- formationen, soweit ihr Arbeitersportler seid, marschiert mit in den Reihen dieser Organisationen, vergrößert durch euren Beitritt die gewerkschaftlichen Hammerschaften in den Verwaltungen und Betrieben!_ Notverordnung auf eigene Kaust. Die Bewag provoziert einen Konflikt. Trotz einer bindenden Entscheidung des Schlich- t« r s scheint der Konflikt bei 0er Bewag wegen der Neufestsetzung der A n g e st e l l t« n g e h ä l t e r auf Grund der 4. Notverordnung noch nicht endgültig beigelegt zu sein. Die Direktion der Bewag hatte, wie wir bereits mitteilten, ohne vorherig« Verstän- digung mit den Gewerkschaften die Gehälter ihrer Angestellten ab 1. Januar um 10 Proz. gekürzt. Entgegen den Bestim- mungen der 4. Notoerordnung kamen üadurch die Gehälter unter d e n St a nd o o m 10. I a nu a r 1927. Di« Gewerkjchasteu protestierten gegen dieses Gehaltsabbau- diktat und riefen den Schlichter an. In den Verhandlungen vor dem Schlichter vertrat die Direktion der Bewag die Auffassung, daß Unsei's diesjährige WEISSE 4 WOCHE übertrifft alle bisher dagewesenen Veranstaltungen! Bewährte Stammqualitäten aus eigener Weberei, in Preisen unerreicht KONSUM-WARENHÄUSER Oranienstrasse 164/65• Reinickendorfer Strasse 21• Frankfurter Allee 60 sie entsprechend>dem Kapitel des 7. Teils der 4. Now-rordnmrg zu einer Ivprozentigen Gehaltskürzung berechtigt sei. Dieser Teil der Notverordnung setzt bekanntlich die Gehälter der Beainten und Angestellten der Betriebe, deren Eesellschaftstapital zu mehr als 5 0 Pro in der öffentlichen Hand ist, um 10 Proz. herunter, ohne Rücksicht darauf, ob die Gehälter dadurch unter den Stand vom 10. Januar 1327 kommen. Der Schlichter trat aber der Airs- fassung der Gewerkschast-vertreter bei, daß für die Angestellten der Bewag, die fest Mai o. I. im Sinne der' Notoerordnung nicht mehr ein öfsentlio'zez Unternehmen sei, der sechste Teil der 4. Notverordnung maßgebend sei, wonach die Löhne und Gehälter der Arbeiter und Angestellten der Prioatindustrie um 10 bzw. 15 Proz. gesenkt wer- den sollen, aber nicht unter den Stand vom 10. Januar 1927. Er fällte einen entsprechenden bindenden Schiedsspruch. Trog dieser Entscheidung des Schlichters treibt die Bewag jedoch weiter Notocrordnungspolitik auf eigene Faust. Sie hat dem Schlichter mitgeteilt, daß sie gegen seinen Schiedsspruch Einspruch erhebe, weil sie der Meinung sei, daß der Schlichter zur Beilegung des Gehaltskonflikts unzuständig gewesen sei. Den Gewerkschaften ist von der Direktion der Bewag mitgeteilt worden, daß sie ungeachtet der Entscheidung des eochlichters weiter um 10 Proz. gekürzte Gehälter zahlen werde. In dem Schreiben an den Schlichter beruft sich oie Bewag u. a. auch auf die Durchführung«iner wirksamen Preissenkung, der der Schiedsspruch des Schlichters entgegen- stehe. Dabei leistet gerade die Bewag den Bemühungen des Preis- konimissars, eine Senkung der Strompreise in Berlin herbeizuführen, den stärksten Wider st and. Mit dem sozialen Berständnis, das die Direktion der Bewag ihrem Personal gegenüber früher an den Tag legte, scheint es nach der Umwandlung dieses öffentlichen Unternehmens in eine Privat- gesellschoft vorbei zu sein. Di« Direktion übernimmt nicht nur oie«schorfmachermethoden der Privatunternehmer, sondern sucht sie sogar>wch zu übertrumpfen. Die Gewerkschaften werden sich mit dem Bescheid der Bewag-Direktion selbstverständlich nicht abfinden, sondern im Klageweg« ihr Recht auf Erfüllung des binden- den Schiedsspruchs des Schlichters durchsetzen. Die freige- lverkschastlichen Funktionäre der Bewag werden am 3. Februar zu dem provokatorischen Borgehen der Direktion Stellung nehmen. Starke Organisation ein fester Halt. Für Quertreiber der RGO. kein Feld. Die Sektion I(Brauereiarbeiter, Böttcher, Mühlenarbeiter usw.) der Ortsgruppe Berlin des Verbandes der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter hielt am Sonntag im Gewerkschaftshaus ihre Jahresmitgliederversaminlunz ab. Auch in dieser Branche war die Tätigkeit der Sektionsleitung, wie aus dem gedruckt vorliegenden Geschäftsbericht hervorging hauptsächlich auf die Abwehr der maßlosen Abbauforderungen der Unternehmer beschränkt. Wenn es auch in keiner Berufsgruppe gelang, die Lohnabbauwünsche der Unternehmer völlig zunichte zu machen, so war es doch immerhin möglich, zu verhindern, daß die Unternehmer schalteten und walteten, wie sie wollten. Ohne ein« starke gewerkschaftliche Rücken- deckung wäre es z. B. den Brauereiarbeitern niemals gelungen, die 40-Stunden-Woche durchzusetzen und dabei auch einen teil- weisen Lohnausgleich. Erschwert wurde die gewerkschaftliche Arbeit durch die Quertreibereien der RGO., die zwar nicht einen einzigen Erfolg aufzuweisen hat, dafür aber um so ge- hässizer über die angebliche Untätigkeit der Organisation herzieht. Die Bedeutungslosigkeit der-koMviunistischen- Kraftmeier, die früher einmal«ins äußerst.'frarke'-Stellitirg bei den Brauern hatten, offen- birtte sich am besten bei den vorjährigen Betriebsräte- wählen. In 75 Batrieben, für die die Ssktionsleitung organi- fatorisch zuständig ist, wurden insgesamt 276 Betriebsräte und Ob« laute gewählt. Davon gehören 203 dem Verband der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter und 86 anderen freien Gewerkschaften an. Von den restlichen 31 Betriebsräten bzw. Obleuten entfällt nur einer auf die Christen, 26(also noch nicht ganz 10 Prozent) auf die RGO.. während 4 Unorganisierte find. Die Betriebseinschränkungen, Stillegungen usw. hatten zwar ein« Verminderung der Mitgliederzahl der Sektion zur Folge, ober längst nicht in dem Umfange, wie die Beschäfti- gungszahl in den Betrieben zurückgegangen ist. So ist z. B. allein bei K a h l b a u m die Stärke der Belegschaft, die r« ft l o s frei« gewerkschaftlich organisiert war, von über 300 Bs- triebsangehörigen auf 57 zurückgegangen, die Zahl der Mitglieder in der gesamten Sektion jedoch nur um 450, so daß die Sektionsleitung zu Ansang dieses Jahres immer noch 0055 Mitglieder mustert«. Die Versammlung bracht« ihr Einverständnis mit der Tätigkeit der Sektionsleitung dadurch zum Ausdruck, daß sie aus jede Dis» kussion über den Jahresbericht, den Genosse Schmitz noch kurz er- läuterte, verzichtete. Die alte„reformistische" Sektionsleitung wurde einstimmig wiedergewählt. Zu Beginn der Versammlung hielt Genosse Eggert vom ADGB.«inen interessanten Vortrag über den„Abwehrkamps der Gewertfchaften in der Wirtschaftskrise", in dem er den Ber> sammelten in anschaulicher Weise die Bedeutung der wichtigsten politischen und wirtschaftlichen Ereignisse der letzten Monate klar legte. Der Vortrag wurde begeistert ausgenommen. Gewerkschastsjugend macht Zeitiheater. Ein Laienspiel-Wettfireit. Fünf Laienspieltruppen der Gewertschafts- j u g e n d hatten zu einem Laienspielwettbewerbsabend in das Ge- werkfchaftshaus geladen. Was sie zeigen will, ist nicht„Theater". sondern sind ze i t t r i t i s ch« S z e n e n. die i» gemeinsamer Arbeit zusammengestellt werden. Besser als theoretische Auseinander- fetzungen es tun können, ließen die Aufführungen selber Zweck und Sinn dieser Laienspiele erkennen. Eine Gruppe hatte eine„S zene auf einem Arbeits» Nachweis" gestaltet. Da ein großer Teil der Gewerkschastsjugend seit langem dieses Milieu aus eigenster Erfahrung kennt, wurde es mit naturalistischer Treue gespielt. Erschütternd, wie die jungen Menschen van heut« die Dumpfheit und Stumpfheit und Verzweif» lung begriffen haben, die von diesem„Nicht-Arbciten-Dürfen" aus- strömt. Doch die jugendlichen Laienspieler wollen sich nicht in nega- tioer Kritik erschöpfen: sie wollen W e g e w c i s e n. Die da auf den Arbeitsnachweis schimpfen und jammern und von kommunistischen Luftschlössern faseln, warten alle auf eine Besserung, zu der nicht nur sie selber nichts beitragen, sondern die sie durch ihre Jnteresselostg- lest. Eigenbrötelei und Zersplitterungspropaganda immer wieder hintertreiben. Und die Arbeitsamtsszene löst sich zum Schluß auf, um, zur Masse geballt, das Maffenbekenntni» der Soll» darität wegweisend, zukunftsgläubig, zu sprechen. Aus der Verneinung der Schäden unserer Gegenwart Schluß- folgerungen zu ziehen, die zu einer Bejahung werden— das war be Lehre» die die Mehrzahl der Aufführungen erteile» wollte. „Auch einer von fünf Millionen", auch einer von denen, die die Gesellschaft zur Arbeitslosigkeit verdammte, wurde von einer anderen Spiclgruppe zum Mittelpunkt der Handlung gewählt. Dieser eine kann nur„n e i n" sagen, kann nur auf offener Straße sein Elend als einzelner zur Schau stellen.„Findet ihr, daß er richtig gehandelt hat?" fragt der Sprecher die Spieler und Publikum, und aus dem„Nein" der Antwort formt sich die Verheißung:„Die Internationale erkämpft das Menschenrecht." Der Preis des'Abends wurde dem Spiel des S ü d o st k r e i s e s zuerkannt:„Nicht verzweifeln— sondern kämpfen", das, besonders wirkungsvoll durchgearbeitet, das gleiche Thema be- handelt. Die gute Sprechschulung dieser Gruppe verhalf dem schönen Spiel zu eindringsicher Wirkung. Witzig, aber mit diesem Witz ein bißchen zu sehr an der Oberfläche.haftend, war eine Parodie auf Hitlers Getreue:„Das vierte Reich". Eine Szene„Ueber- menichendämmerung im Cafe Größenwahn" von Karl E t t l i n g e r konnte, wie das Preisrichterkollegium mit einer Aus- nähme feststellte, als Beispiel dienen, wie die Laienspieler es nicht machen sollten. Die Szene dürste auf die meisten Zuschauer clls mäßig interessantes, dllettantifches Theaterfptel gewirkt haben. Ein Orchester der Gewerkschastsjugend. das nicht nur mit Lust und Liebe, sondern auch mit auffallendem Können musizierte, trug zum Gelingen des Abends bei. Neue Löhne im Fuhrgewerbe. Der Schlichter hat dem Antrag der Branchenleitung der im Gesamtoerband organisierten Arbeiter des Berliner Schwer- und Leichtfuhrgewerbcs entsprochen und den Lohnschiedsspruch des Schiichiungsausschusses vom 15. Januar für verbindlich erklärt. Damit ist den Dittaturgelüsten der Fuhrunternehmer zu- nächst bis zum 30. April eine Schranke gesetzt. Die Löhne be- tragen für Chauffeure, Zugmaschinenführer und Kutscher(einschlieh- sich der Pferdepflege) 53,36 Mark und für Arbeiter und Mitfahrer 50 Mark. Der Gesamtverband erwartet von seinen Mitgliedern, daß sie in allen Betrieben ihre Ansprüche auf diese Löhne geltend machen und der Branchcnleitung sofort Kennt- nis davon geben, falls einzelne der Fuhrherrninnung an- geschlossene Unternehmer sich weigern sollten, die vor- stehend angeführten Löhne zu zahlen. Iuaendsiruppe des Zentralverbandes der Angestellten «Kf Heute, Dieueta-, finde» folgend« Beronstaltungen statt: Lichtenberg: Wir besuchen dte Versammlung des Werbebezirts.— Nordwest: gu. gendhsim Ledrter Str. IS— 19. Bortrag: Die Trade Union» in England. Rric rent: Lamm.— vfteu: Wir befuchen die Versammlung de» Wervcbezirls.— Der Sprech» und Bewegungschor Übt ab 2V Uhr in der Turnhalle Baruther Straße 29.— Die Turnabende finden von 29 bis 22 Ubr in der Turnhalle Tempclhoser Ufer 29 statt._ Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". SefchLftsstelle: Berlin s. 14. Sebaftwustr. 37—38, Hos 2 Tr Gauvorstanh. Mittwoch. S. Februar, 30 Uhr, Schulungslursu» der ?ungfiihrer im Gaubüro.— Llcddiug(Ortsverein). Dicnstog, 2. Fe» bruar, 19 Uhr. Badcabend für Jungba und Schufo im Stadtbad Wedding, kleine Hall«, Gerichtstr. 65—69.— Reulöllu-Brih. Vortrupp. Mittwoch. 3. Fe. bruar, UM Ilhr, Heimabend im Jugendheim Berqstr. 29.— Pankow(Orts. verein). Sämtliche Aameradlchaftoversammlungen für heute abend fallen aus. Termin wird noch bekanntgegeben.__ Polizeifportvercia Berlin c. B., Abteilung Einheitskurlschrist. Regelmäßige llebungsabende jeden Montag. Dienstag, Donnerstag und Freitag von 19H bis 21U Uhr, auch für gioile, im Pclizelschulgebäud«, Honnooersche Str. 28/39, 2. Stock, Zimmer 19. Anfänger», Fortbildung», und Siedeschriftkurse. Der nächste Ansängerturlus beginnt am 8. Februar. Gebühr für den ganzen Lehr. gang 3 M. für Mitglieder. Esperantovorband Berlin. Rltkivoch,/"»/ FeZruiji:, 39.Uhr. Leffing-Musaum, Brüderstr. IS,-Gesangskonzert: Tieutsch:— Cspsiatito-— Ztalirnisch. Sturmvogel. Flugverband der Werktätigen«. L., Ortsgruppe Äeukilln- Britz. Mitgliederversammlung 29 Uhr bei Schräder, Eteinmetzstr. 32.— Ortsgruppe streu, brrg. Sitzung am Mittwoch, dem 8. Februar, 29 Uhr, im Restaurant zum „Pilfator", am stottbusser Tor, stottbusser Str. 28. Allgemeine Wetterlage. q.Rkdn �932/abda. 0M)lkei>los.O heider.O halb bedeckt ® vwflog,• bedeckt,* Regen�Gravpeln 'S»leal>tt»gra ffir dt-se Rubrtt sind «erliv SS 68, Lwdeastraß« 3, Groß-Berlin stets»n da» Bezletssetretariat I. Hos, 3 Treppen rechts, ju richten Freie Schwimmer Gro�-Berlin E. V. Dienstag. 2. Februar. Hauptnarstandssitzung um 19'i Uhr. Mittwoch. 3. Februar, 19U Uhr, Ztafseutommisfionssigiing. Douncrstag, 4. Februar, 20 Uhr, HauptausschuKsijung in der Scschästsstelle Slsassrr Strafte. 4- Veginn aller Veranstaltungen ISVr Nhr, sofern keine besondere Zeitangabe! Dienslag. 2. Februar: 4. Kreis. Di« Abrechnung der Kartrn zur ffilmmatine« des Arbeiter-Turn, und Eportbundes kann bis spätestens Mittwoch erfotgen. Nachher können leine Karten zurückgenommen werden. 12. Kreis. Die Kreisoorstandsfttzung findet heute nicht Patt. 13. Abt. Mitgliederversammlung in der Löwenbrauerei, Sochstr. 2. Da« will die Eiserne Front? Referat des Genossen Maz Heydemann. Bericht, Neuwahl. 31. Abt. Die Bezirksführer rechnen heute und morgen ab 10 Uhr per Januar im Parteilokal ab. Eleichzeitig Ausgabe von„Unser Weg". 37. Abt. 2. Gruppe. Funktionärsitzung bei Thunack, Wiclandstr. 4. 104. Abt. Zusammenkunft jüngerer Parteimitglieder bei Pamp, Hasselwerder. Ecke Fennslraftc. 133., 130., 139-.. 149., 140-1.»nb 143. Abt. 20 Uhr Jahresversammlung der Freien Schulgemeinbc in der 20. Schule Wittenau, Hauptstr. 9. Wilhelm Miethke spricht über: Gedanken eines Laien über moderne Erziehung. Zlliitwoch, 3. Februar: Kreis. 20 Uhr bei Lohan, Brilderstr. 16, Sitzung de» Krcisbildungsaus- schusscs. Kreis. 12. Aablgruppe des Deutschen Freidcnkerverbandes. Funktionär- iitzung bei Kassube, Rcvoler Str.>0. Erwcrbslosenfeierstunde in der Schul. nula Petersburger Str. 4 um 20 Uhr„Freude im Kampf-', ausgestaltet von den Natunreunden mit Gesang, Musik, Sprechchor und Mandolinen. oräiester und Lichtbildern. Kreis. 20 Uhr bei Ihlenfeldt. Uhland- Ecke Sllntzclstraße, Kreisvorsiands» voonersiag. 4. Febrmrm i. 3. >. 17. 18. 20. 23. 33. �ung_mtt_ den Abteilungsleitern. 56. 5 Mitglied ervcrf ammlu nq in der Schulaula Müllersir. 153. Bericht, Neuwabl. Mieteriragen. Referent: A. Pattloch. Abt. Zusammenkunft der jüngeren Parteimitglieder um 20 Uhr an bekannter Stelle. Das Programm der NSDAP, und unsere Stellungnahme. Referent: Hans Bauer. Abt. 20 Uhr bei Dabbcrt, Schulstr. 06, Jahresmitgliederversammlung. Be. richt, Neuwahl. Abt. Bei Bartclt, Wdrther Str. 19. allgemeiner Diskussionsabend über: Wie stehen wir zu Marx? Leiter: S. P. Mager. Abt. Bei Wertalla, Hohenlohcstr. 3, Bortrag des Genossen Rektor Gensch: „Beethoven und die 0. Sinfonie" mit Klavierillustrationen. Anschließend Abhören der 9. Sinfonie von sehr guten Echallplatten. 5t. Abt. 20 Uhr bei?amin, Sophie. Eharlotte-Str. 83. Funktionärsitzung. 35. Abt. 20 Uhr ordentliche BUtgliederversammlung im Türkischen gelt, Ber- liner Str. 53. Bericht, Neuwahl. 6. Abt. 20 Uhr bei Iaskowiack, Holzendorsstr. 20, Funktionärs, bung. >7. Abt. 20 Uhr in der Sportklause. Wielantstr. 40. Zahlabend der 3. Gruppe. Bortrag des Genossen Holtze: Was will die Eiserne Front? 83. Abt. 20 Uhr in den Lichterfelder Festsälen, Zeblcndorser Str. ö— 3, Generalversammlung. Politisch« Lage. Referent: Kurt Heinig, M. d. R. Reu. wählen. 3t. Abt. 20 Uhr bei Lehmann, Kaiscr-Wilhelm-Str. 29—31, wichtige Funk. tionärsrtzung. 90. Abt. 20 Uhr Zusammenkunst der jüngeren Parteimitglieder bei Jahn, Fulda. Ecke Weserftraßc, Deutschlands außenpolitische Lage. Referent: Dr. Hans Cohn. 99-1. Abt. Tagespolitischer Ausspracheabend. Leitung: Genosse Eurland. Wir treffen uns in ber Halle am Hufeisen. 101. Abt. 20 Uhr Kursus der Arbeiterbildungsschule jetzt In der Spedition Graetzstraße 50. 117. Abt. 16 Uhr Zusammenkunft der erwerbslosen Parteimitglieder an be. kannter Stelle. 124. Abt. Bei Anders Funktionärützung. 139. Abt. Mitgliederversammlung im Alten Krug, Hauptstraße. Berichte, Neu. wählen. 12. 17. 33. 36. 37. 58. 93. 117. Kreis. 16 Uhr in de? Schule Steglitz, Friesenüroße, Zusammenkunft der erwerbslosen Parteimitglieder. Bortrog des Genossen Paul Bernstern. Abt. Bei Klinge, Scllerstr. l4, Zusammenkunft der jüngeren Parteigenossen. Bartraa des Genossen Dr. Dautert. Abt. Bei Lojai. Bevmestr. 8. Funktionärsitzung. Aussprache über die Arbeit der Bezirksfübrer. Vorher 19 Ubr Borstandssitzung im gleichen Lokal. Abt. Funktionärsitzung bei Busch, Tilsster Str. 27. Abt. Alle Fiiiiktiouärc�bei Raschle. Matternslr. 14. ich über die atluellcn Tagcssragen mit meinem Gegner? Abt. 19 Uhr Funktionärsitzung bei Sicvcrt, Kaut. Ecke Schillerftraxe. Bezirksausschuß für Arbeikerwohlfahrk. 9. Krei,«ilmersborf. Freitag. 5. Februar, 20 Ubr, Bericht und Borstands- wähl, Aussprache. Lokal Blktariagartcn, Saal 1. Arbeilsgemeinschcht der kinderfreuude Groß-Derlin. p, Mitte. Vbt. P«ppelplatz. Seilte Turnen. Rj Friedrichshain. Heute, 17 Ahr, ÄiifpcrtcnorflcXfmig tit der Schul- i-*'J ama Koppenstr. Jfi. Treffen der Abt. 16 Ilhv an den Treffplähen.. | Karten für die Filmveranstaltungen am 11. Februar in. allen Ab- \ teilungen zu haben. Für Eltern 17, 19, 21 Uhr 40 Vf., Kinder lö Ubr HM 20 Vf. Achtung, Abteilungsleiter! Die erste Abrechnung der Karten —... MM muß Sonnabend, 6. Februar, erfolgen. Tempelhos. Morgen, Mittwoch, 20 Ubr. Slternversammlung bei Henning, Kaiser-Wilhelm-Str. 1. Bortrog: Weltliche Schule— Elternhaus— Rinder- freunde. Wahl. Die Lelfer kommen eine halbe Stunde vorher zusammen. Steglitz. Abt. Steglitz. Jugendheim Albrechtstr. 47. Dienstag, 17 Uhr, IungfaUen, Kunterbunt. Freitag, 18 Uhr. Rote Falken: Was lese ich in der Leitung. Abt. Lichtcrfelde. Oberrealschule, 17 Uhr. Mittwoch Rote Falken. Wir unterhalten uns über unsere Funktionen. Freitag, Oungfalken, bunter Nachmittag. Renkötln. Freitag. 5. Februar. 17� Ithr. Vollversammlung der Iungsalken und Raten Falken im Heiin Ziethcnstr. 58. Die Gruppen müssen um 17�2 Uhr im Heim sein. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 24. Abt. Am 2«. Januar nerstarb nach lang«?.:, schwerem Leiden unser verehrter Genosse Karl May, Greifswalder Str. 40. Ehre seinem Andenken. Die Einäscherung findet am 2. Februar, I3'y Uhr, im Krematorium Daum. schulcnwcg, Kiefhokzstraße, statt. �WSoziallflischeArbetterjugendGroß-Verlin Einsendungen für diese Rubrik nur an das Iugends�kretariat Berlin SD 68. LmdenstraHe 2, vorn 1 Treppe rechts. Mitgliederversammlungen heute Dienslag. 19'3 llhr: Arkonaplatz: Ellsobethkirchstr. 19.— Zentrum: Baiscnstr. 13.— Rosen. thaler Borstadt: Tieckstr. 18.— Brunuenplatz: Pankstr. 20— 21.— Gesund. Iruuuca I: Gotenburaer Str. 2.— Norden: Lcrtzingsrraß«.— Humbeldtbain: Putbusfcc Str. 8.— Schillcrpark: Schöningstraßc.— Weddingierkeltr. 44. Der Konflikt zwischen Japan und Ehina.— Neukölln AI: Flughalenstr. 68. Di: Arbeiterbewegung in Oesterreich.— Schöne weide I: Kartenlelcn.— Treviow: Elsenstr. 3. Schällvlattenabend.— Bohusdors: Wachtelstr. 1. Funktionäroer. sanunlung.— Lichtenberg. Nord: Kuntcritr. 44. Funktionärversammlung.— Pankow i»ub Iii Görschstraße. Heimabend. Wcrbebezirk Schöneberg: Hauptstr. 13. MitgNcderversainmIung. Werbebezirk Reiuickenborf: Wir beteiligen uns geschlossen an de: Kund. gebung der Partei m Tegel. Alle Eruppenvrranstältungcn fallen aus. Blut- kapfelsinen 2 Vii. Holl. Rosenkohl........ Ptd. 0,1 0 Schwarzwurzeln..... Pill. 0,18 Grünkohl............... 3Ftd.O,10 Rotkohl.................. Pii 0,06 Weisskohl............... Pfd. 0,06 Wirsingkohl............ Pfd.0,e6 Kochäpfel............... Pfd. 0,1 R Kalif. Tafeläpf ol...... ptd. 0,32 Apfolsinen blond..... 3 Ptd. 0,46 Mandarinen............ Ptd. 0,20 Jaffa-Apfelsinen...2 ptd. 0,49 Gekochter Schinken i>,. Pia. 0,28 Dampfwurst............ Pfd. 0,70 Speck fett............. Pfd. ron 0,68 Speck mager.......... Ptd. ton 0,84 ff. Leberwurst.......... Pfd. 0,98 Zervelot od. Salami..Pfd. 0,98 Konserven>/, v«« Junge Erbsen mitt«u«ia.... 0,78 Leipziger Allerlei........ 0,78 Junge Brechbohnen...... 0,42 Junge Schnittbohnen.... 0,42 Kohlrabi lll Scheiben, mit Grtn 0,38 Aussardam tmmtn, PralM awr Dtanotog•. Mittwoch.— Mongooobgcbo vorbohalten,— Vorkaot eo�oit Vorrat.— Pioluh u. lolditvardcrhlicho Woron sind rom Vonood a«(f ooehlo'oon.— Dlo Zuionctung von Lobonomtttoia orfo'.gl bot Sootollung von 3,00 Mark an. Fische *Lachs gefroren, im cum, mv. 0,28 'Zander gefr„ I. gann, Pfd. von 0,35 'Lebende Karpfen Pkd. ,. 0,89 'Kabelfau gr„ o. ll.,l.g, Ptd. ▼. 0,28 'Seelachs gT„o.K�L(*.. Ptd. t. 0,22 'Rotbars............ ru. tob 0,28 'Kabeljaufllet.......... ptd. 0,49 'Grüne Heringe...... i ptd. 0,39 *]n allen Häusern ausser Andreasstrasse Wild und Geflügel Hühner gefroren...... Ptd. von 0,70 Suppenhühner..... Pfd. von 0,68 Puten................... m t. 0,79 Wildragout........... Pfd. v. 0,29 Frisches Fleisch Schweineschinken.__ mit Bein..................... Fkd. OjÄ® Schweinekamm o. bi*, Pkd. 0,72 Schweineschuft->. Big, Pkd. 0,72 Schweinekotelett pid. von 0,79 Kassler mild......... Pfd. von 0,70 RückentettbratUrtig, Pld.von 0,94 Eisbein a.Spifxtiali.gepSkalt.PId. 0,94 Kalbskamm o. Big, Pkd. von 0,46 HammelvorderfU ptd. von 0,68 Suppenfleisch...... Ptd. von 0,48 Gehacktes............... ptd. 0,50 Schweinenieren....... ptd. 0,64 Schweineköpfe mit Beda. Pfd. 0,34 Rinderleber........... p/d. 0,68 Rinderbacken......... pm. 0,32 Rinderherzen......... m 0,38 ................... Pid. 0,20 ij Räucherwaren Bücklinge............ Pfd. von 0,24 Schellfisch gtrlacbut... Pid. 0,38 Sprotten................. ph. 0,24 Fischrogen.............. p». 0,32 Fleckheringe genaab., Pfd. 0,40 Bratheringe I-Liter-Dos© 0,50..'IrLiter'Doee 0|32 Bismorckhennae_ t-Liter-Dose Ot65 Vf-Litfi>DoBe Qs45 Heringe in Gelee l-Llter-Dns« 0,65..'Jj-Liter-Doee 0,49 Rollmöpse_ I-Iiiter-Dosa 0,65..'VLlUr-Doee 0,45 Heringssalat ohne Mayonnaise............. PIA Sprotten In Ool..... 2 Dogen 0,99 Backobst Pfd. von 0,38 Burma-Reis............. pid. 0,1 9 Pflaumen getrocknet, Pfd. von 0,24 Gebr. Gerste........... pid. 0,20 Viktoria-Erbsen..... 2 ptd. 0,39 Hah- oder Bratensdimalz Pfd. 0.44 Margarine sd.iUkMfott.2Pfd. 0,69 Moiioereibutter........ pid. 1,12 Allorfolnota dautaeba Molkereibutter....... m 1,28 Allarfslnata dautaeba Markenbutter......... pjd.1,34 Romadour 2o°l„...... Stack 0,18 Harzer Käse............ pid. 0,30 filslter vollfett......... Pfd. von 0,38 Briekäse voUfeu......... pid.0,6S Bayr. Schweizer. j-id. von 0,93 Konseiven>/, v-w, Ananas m Pcho'ben.......... 1,10 Aprikosenkompott opan. 0,68 Birnen Frucht.............. 0,90 Kirschen rot, mit euin...... 0,90 Pflaumen>1, Frucht......... 0,73 Apfelmus.................... 0,43 WEISSEWOCHEN Hemdentuch ca. 80 cm breit, gute Gebraucha- qaalit&t,......... Meter 0,44, 0,32, Wäschebatist rein Mako, für feine Leib wische, Meter 0,54, 0,44, Handarbeitshemden sehr reich uuagestattet.......... 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