BERLIN Soimerstag 4. Aebniar 1932 10 Pf. Ar. 56 B 29 49. Jahrgang Lrschcinttäglich außerSvnntag«. Zugleich Abendausgabe des„Vonoarts' Bezugsvreis für beide Ausgaben 75 Pf. pro Woche. 3,25 M. pro Monat (davon 87 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Dostbezug 3,97 M. einschließlich 60 Pf. Postzcitungs- und 72 Pf. Postbestellgcbühren. Anzeigenpreis: 5ie einspaltige MilUmelerzeile 30 Pf. Retlamezeilc 2.» M. Ermäßigungen nach Tarif. Postschecktonlo: Vorwärts-Berlag G. m. b. H., Berlin Rr. 37 5-�6.- Der Verlag behält stch das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Redaktion und Expedition: Berlin SW68, Lindcnstr. 3 Fernsprecher: Dönhoff(A 7) 292—297. Die Preissenkung ungenügend Preiskommissar Goerdeler zieht Bilanz In einer Pressebesprechung äußerte sich der Reichs- kommissar für Preisüberwachung über das bisherige Gesamtergebnis der Preissenkungsaktion. Dr. Goerdeler ertlärle, doh der bisherige Erfolg des preis. obbaues nicht befriedigend fei. Die cebenshaltungstosten feien bis Ende Januar nur um 6 bis 7 pro;, gefallen. Er wies allerdings daraus hin, daß die Kosten der Lebenshaltung gegenüber dem Ja- nuar 1927 um 14 proz. und gegenüber dem Höchststand vom März 1929 um rund 20 proz. gesunken seien. Diese Zahlen kann man aber nicht zu einem vergleich heranziehen. In dem bekannten Brief des Reichskanzlers an den Abgeordneten Wels ist klar gesagt, daß eine neue Kaufkraftschrumpsung als Zolge der Rotverordnung vom 8. Dezember eine völlig neue Situation schaffen müsse. Man kann also nur die Senkung der Lebenshaltungskosten im Januar und den folgenden Monaten mit denen des Dezember vergleichen. Und hier zeigt sich bei dem vielfach löprozentigen Lohnabbau eine neue scharfe Drosselung der Laufkrast. Eg müssen bei der Preissenkung also noch ganz g e w a l l i g e Anstrengungen gemacht werden, um die verheerenden Folgen einer weiteren Schrumpfung der Masseokauskrasl zu verhindern. Für seine weitere Tätigkeit stellte der Reichskommissor die Richtlinien aus, dah bei Produzenten und Händlern alle Ersparnisse, die direkt oder indirekt aus der lehten Rotverordnung entstanden sind, für den Preisabbau bis zum letzten Verbraucher nutzbar gemacht werden müssen. Sehr charakteristisch für die in Deutschland herrschende„freie Wirtschaft" war die Mitteilung Dr. Goerdelers. daß es auf dem Inlandsmarkt SS Odo gebundene preise(Kartellpreise) gibt. Ans diesem Gebiet wird in den nächsten Tagen noch die Ver- ordnung erlassen werden, daß aus dem Verpackungsmaterial der alte und der neue preis ausgedruckt werden muß bzw. das höhere Gewicht, falls die preise nicht geändert wurden. Der Rcichskommissar erklärte zum Schluß, daß sich di- Preissenkung in dem gleichen Tempo wie in den letzten sechs Wochen nicht fortsehen werde, erwartet aber, daß im Februar noch genügende Stoßkraft für weiteren Preisabbau vorhanden ist. Der stärkste Druck aus die preise werde von der zusammengeschrumpften Masscnkauskraft ausgeübt, die auch in Zukunft der schärfste Preisregulator bleibe. Der dunkle Punkt. Warum blieb Hitler staatenlos? Adolf Hitler, der Heiland der Nationalsozialisten, ist zur lücher- lichen Figur geworden. Als salscher„Gendarm von hildburghausen" wird er jetzt dem hauptniann von Köpenick an die Seite gestellt. Er mag sich dafür bei seinem Oberschieber Dr. Frick bedanken. Aber warum überhaupt dieser Krampf um Hitlers Staatsangehörigkeit? Warum ist er staatenlos? Das ist der dunkle Punkt in Hitlers Vergangenheit, über den er und die Seinen damit hin- wegzugleiten suchen, daß sie sagen, er habe sich bei Kriegsausbruch freiwillig in einem bayerischen Regiment gemeldet und habe den Krieg im deutschen Heer bis zum Ende mitgemacht. hiller ist 1889 in Braunau in Oberösterreich, unweit der baye- rischen Grenze, geboren. Wie in Deutschland, so war auch in Oester- reich vainals unter der allgemeinen Wehrpflicht jeder männliche Staatsbürger vom 20. Lebensjahr? an militärpflichtig und mußte sich alljährlich zur militärischen Musterung der Rekruten stellen. Ebenso war er verpslichtet, dem militärischen Bezirkskommando jede Veränderung seiner Wohnung und seines Aufenthaltsortes zu ineh den. Wer ohne solche Meldung ins Ausland ging, galt als„im- sicherer Heerespflichtiger" oder gar als„Deserteur", der bei der Rückkehr in sein Vaterland damit rechnen mußte, sofort verhaftet und ans drei Jahre in den bunten Rock gesteckt zu werden. Hitler ist 1912 als Dreiundzwanzigjähriger nach Bayern gegangen und hat sich Der Militärdienstpslicht in seinem österreichischen Vater- land entzogen. Als 1914 der Krieg ausbrach, lief Hitler Gefahr, von Bayern aus zwangsweise nach Oesterreich ausgeliefert zu werden. Dann hätte man ihn dort totsicher als Deserteur behandelt, in die zweite Klasse des Soldatenstanoes gesteckt und schnellstens mit irgendeinem „Himmelfahrtskommando" an die serbische Front geschickt. Vor diesem Schicksal bewahrte ihn seine Meldung als„Kriegsfreiwilliger". In seinem Buch„Mein Kampf" sagt er, er habe am 3. August 1014 ein enlsprechendes Gesuch an de» bayerischen König Ludwig gerichtet und schon tags darauf eine zusagende'Antwort erhalten. Er bekennt: „Als ich mit zitternden Händen das Schreiben geöffnet hall« und bie Genehmigung meiner Bitte mit der Aufforderung las, Jtier iolUc Adolf mache fchieben i)at ätalhau» von Xlldburghaufen mich bei einem bayerischen Regiment zu melden, kannten Jubel und Dankbarkeit keine Grenze." Man darf ihm schon glauben, daß ihin ein Stein vom herzen gefallen war. Cr sagt aber kein Wort darüber, daß er sich in seiner Eingabe als österreichischer Deserteur vorgestellt hat. Ist er über diesen dunklen IJKrnkt schamhaft hinweggegangen? Im Trubel der ersten Mobilmachungstage wurde jeder, der sich„freiwillig" meldete, angenommen, ohne daß viel nach dem Woher gefragt wurde. Waruni war Hitler aus Oe st erreich desertiert? Er sagt in„Mein Kampf", daß er„aus politischen Gründen in erster Linie Oesterreich verlassen" habe und fügt hinzu: „Ich wollte nicht für den Habsburgischen Staat fechten." In einem jüngst erschienenen Buch«„Hitler im Felde" wird gejagt, er habe deshalb nicht in der österreichischen Armee dienen wollen, weil im österreichischen Offizierskorps zu viele Juden waren. Was würden unsere deutschen Patentpatrioten sagen, wenn«in deutscher Deserteur sich damit entschuldigt hätte, daß ihm im beut- schen Offizierskorps zu vielJunker waren und daß er nicht für den Staat der hohenzollern habe fechten wollen? Seine österreichische Staatsangehörigkeit hat Hitler verloren, weil er für den österreichischen Staat ein Deserteur ist. Daß sich Hitler 1914 in Bayern als Kriegsfreiwilliger meldet«, war für ihn der einzige Ausweg, um der zwangsweisen Ausliefe- rung nach Oesterreich zu entgehen. Die„Freiwilligkeit" scheint da- durch in einem eigentümlichen Licht. Während in den ersten Nach- kriegsjahren von angeblichen besonderen Auszeichnungen Hitlers im Kriege nicht gemeldet wurde, beginnt man jetzt ihm allerlei Heldentaten anzudichten. Aber ganz gleich, wie es damit stelzen mag. Jedenfalls steht fest, daß hiller sich der Militärdienstpslicht in seinem Vaterlande„aus politischen Gründen" entzogen hat. Er hat damit schließlich dasselbe getan, was ungezählt« Tschechen, Kroa- tcn usw. auch getan haben und zvoran das Deutschland verbündete Ocsterreich-Ungarn zugrunde gegangen ist. Das ist der dunkle Punkt in Hitlers Vergangenheit, der ihn st a a t e n l o s gemacht hat. » Von zuständiger Seite wird festgestellt, daß Hitler seit Kriegs- ende noch nie einen Einbürgerungsantrag gestellt, also nie den Versuch gemacht hat, auf reguläre Art reichsdcutschcr Staats- bürgcr zu werden. D-Boot«14 2" gefunden. 3n der Nähe des Leuchtturmes von Portland Bill. London, 4. Februar. Räch achttägigem Suchen ist das Wrack des Unterseebootes„M 2" in der Rächt zum Donnerstag 5.8 Seemeilen vom Leuchtturm Porland Bill entfernt ausgesunden worden. Es liegt in der Rähe von vier Wracks, die schon in den ersten Tagen des Suchens festgestellt worden waren, und etwa an der Stelle, an der der Kapitän des Dampfers„Tynesider" das Unterseeboot hatte tauchen sehen und an der späterhin zwei Signalslaggen gesunden wurden. Die Entdeckung erfolgte durch die Unterwasser- schallapporate des Unterseebootabwehrfahrzeuges„Torrid". Als die Suchleinen eines Paares der Fahrzeuge aus ein Hindernis auf dem Meeresgründe stießen, wurden Taucher abgesetzt. die bald darauf melden konnten, d a ß m a n„51 2" g e f u n d c n habe. Während der Rächt hoben die Taucher weitere Feststellungen über die Lage des Wracks vorgenommen. Alle Hebesahrzeuge in portsmoulh sind alarmiert und sollen die hebearbeit sofort beginnen, sobald der Befehl der Admiralität hierzu einläuft. Fachkreise nehmen an. daß der Verlust de» U-Bootes höchstwahrscheinlich durch eine Wasser st ossexplosion der Akkumulatoren erfolgt ist. Zentrumssührer Heß gestorben. Der Vorsitzende der Zentrumssraktion des preußischen Landtags, Dr. Joses Heß, ist heute vormittag an einer Lungenentzündung gestorben, vor einigen Monaten hatte Heß sich einer Beinamputation unterziehen müssen, seitdem siechte er dahin. Er hat nur ein Alter von 53 Jahren erreicht. Wieder ist ein führender Staatsmann der Republik aus der Blüte seiner Schaffenskraft durch ein heimtückisches Leiden ab- berufen worden. Wie Ebert, Erzberger und Strefemann ist auch ihm kein langes Leben bcschieden gewesen. Wohl aber verdient sein Name Unter den Männern der ersten Reihe aufbewahrt zu werden. Wenn auch Josef Heß nach außen hin nicht so in die Erscheinung trat wie die Führer im Reiche, so war doch sein Einfluß auf die poliitsche Entwicklung kaum zu überschätzen. Heß war der Führer der preußischen Zentrumsfraktion, und er war ein F ü h r e r im vollsten Sinne des Wortes. Seine Persönlichkeit ist wäh- rcnd dis letzten Jahrzehnts mit ausschlaggebend gewesen für die Erhaltung der Demokratie und des republikanischen Systems in Preußen, das sich im Kabinett Otto Braun ver- körpert. Nicht etwa, daß Heß von Haus aus ein Freund der Sozial- demokratie gewesen wäre. Er hat dem alten Dreiklassenparlament bereits von Juni 1908 an als Vertreter des Kreises Euskirchen bei Köln angehört und hat damals manche scharfe Rede gegen die Sozialdemokratie gehalten. Dann aber war er während des Krieges und nach dem Kriege bei jenen Zentrumsleuten, die gleich Erzberger die Zeichen der Zeit erkannten und zwischen sich und der altpreußischei» Reaktion den scharfen Trennungsstrich zogen. Rheinländer von Geburt und Temperament, mit dem angc- borenen Freiheitssinn des Westens ausgestattet, hat Heß gegen die Allüren des ostpreußischen Junkertums stets eine ausgesprochene Antipathie gehabt. Er haßte aus tiefster Seele jenes arrogante Feldwebeltum der ostelbischen Gutshöse, das vom Kern der rheini- schen Bevölkerung stets als eine Art Fremdherrschaft emp- sunden worden ist. Deswegen hielt er auch fest zur Republik, die mit der Iunkerherrschast ausgeräumt und dem deuffchen Westen die wirkliche Selbstverwaltung gegeben hat. Vor allem er- kannte Heß an, daß der Katholizismus, dessen Belange er in erster Linie oertrat, erst durch die Republik die Gleichberech- t i a u n g in Preußen erhalten hat, während unter dem alten System eine systematische Zurücksetzung der Katholiken bei der Be- setzung aller Aemter als selbstverständlich galt. Immer wieder hat er das der Rechten vorgehalten, wenn diese ihm sein Bündnis mit der„gotllosen" Sozialdemokratie zum Vorwurf machte. Heß war ein bekannter und gefürchteter Debatteredner. Seine Reden zeichneten sich gleicherinaßen durch Kürze wie durch Schärfe aus. Niemand im Landtag vermochte Pointen in so zugespitzter Form, dabei mit so sarkastischer Ueberlegenheit vorzu- tragen wie Heß. Wenn Heß redete, war der Platz vor dem Podiuoi dicht umdrängt von Abgeordneten, die sich keines der heßschen Bon- motz entgehen lassen wollten. Aber Heß war nicht nur Redner, Wieder Llmversitäiskrawatte Polizei muß räumen/ Rektor verfügt Schließung tv. war Führer. Sein Einfluß auf die Zentrumsfraktion war ungeheuer. Ms im Frühjahr 1925, in der kritischsten Periode des Kabinetts Braun, drei Zentrumsabgeordnete des rechten Flügels bei den Abstimmungen über das Kabmett ausbrachen, genügte eine jcharfe Weisung von Heß, um sie augenblicklich zur Disziplin zu bringen. Heß war durchaus kein Sozialist. Man kann sogar sagen, daß die Idee des Sozialismus ihm stets fremd geblieben ist. Weltanschaulich entfernte ihn seine Auffassung religiöser Dinge weit von der Sozialdemokratie. Aber er war ein aufrechter Republi- kaner und Demokrat, und als solcher hat er der Demokratie Preußen bis zum letzten Atemzug in äußerster Hingabe und ohne die geringste Kursschwankung gedient. Die Republik hat durch seinen Tod einen schweren Verlust erlitten. -i° Der sozialdemokratische Parteivorstand hat an den jetzigen Fraktionsführer des Zentrums, den Abgeordneten Steeg er, das folgende Beileidstelegramm gesandt: Für den sozialdemokratischen Parteioorstand spreche ich der Fraktion des Zentrums zu dem schweren Verlust, den sie durch den Tod ihres hochverehrten Führers Dr. Joseph Heß erlitten hat, die herzlichste Teilnahme aus. Otto Wels. Kommunalkonflikt in Brandenburg. Wegen der Oberbürgermeister-Wahl. Brandenburg, 4. Februar.(Eigenbericht.) Am heutigen Donnerstag sollten in Brandenburg die am 2. Dezember beschlossenen Wahlen des Oberbürgermeisters erfolgen. Di« sozialdemokratische Fraktion hat als Kandidaten für den Ober- bürgermeisterposten den Stadtrat Genossen Sichler nominiert. Eichler wurde im Jahre 1922 mit allen bürgerlichen Stimmen zum Stadtrat gewählt. Seine großen Fähig- leiten, die er besonders auf dem Gebiete der Wohlfahrtspflege bewies, waren den bürgerlichen Stadtverordneten im Jahre 1926 nach dem Tode des Oberbürgermeisters Ausländer Veran- lasiung genug, in aller Oeffentlichkeit den Vorschlag zu machen, den Bürgermeister Prawitz zum Oberbürgermeister und den Stadtrat Eichler wegen seines hohen Persönlichkeits- wertes zum zweiten Bürgermeister zu wählen. Jetzt haben sie aber, nach seiner Aufstellung zum Oberbürgermeister- kandidaten, mit einer beispiellosen Kühnheit chm alle Fähigkeiten und Qualitäten abgesprochen und erklärt, daß sie unter ihm als Oberbürgermeister niemals arbeiten würden. Ehe noch Eichler über- Haupt gewählt ist— seine Wahl hängt bei den Mehrheitsverhält- Nissen in Brandenburg von den Stimmen der Kommunisten ab—, haben sie bereits bekanntgegeben, daß sie ihre Stadtoerord- netenmandate niederlegen. Da die Bürgerliche Ar- beitsgemeinschaft von den 45 Stadtverordnetenmandaten 15 innchot, so müßten mindestens noch 8 andere Stadtverordnete ihre Mandate niederlegen, wenn die Wahl des Oberbürgermeisters heute vereitelt und eine Neuwahl des Stadtparlaments erzwungen werden soll. Ole kommunistlschen Hellseher. Än der Beilage„Roter Stern'" der„Roten Fahne" wurde am Sonnabend ein Bild Fritz Eberts jr. veröffentlicht mit der Unterschrift: „... standesgemäß oersorgt! Ein Sohn Eberts wurde Oberbürgermeister in Brandenburg. Eine öffentliche Ver- sammlung der KPD beantwortete diese Wahl mit 49 Neuaufnahmen für die KPD." Nun findet erstens die Wahl des Oberbürgermeisters für Brandenburg erst jetzt statt, Zwestens kandidiert Fritz Ebert überhaupt nicht, und drittens müssen fomst sowohl öffentliche Bevsammlung als 40 Neuaufnahmen der KPD. wieder einmal Schwindel fein. Es rächt sich, wenn man Schwindelnochrichten auf Vorrat anfertigt! Notar Lange suspendiert. Ein notwendiger Schritt. Wie wir von zuständiger Stelle erfahren, ist der in den Raiff- eisen-Uralzeff-Skandal verwickelte Notar Lange nunmehr vom Notariat suspendiert worden. Die amllichen Stempel wurden ihm entzogen. Eine frühere Amtsenthebung Langes war, wie uns weiter mitgeteilt wird, nach dem bisher geltenden Disziplinarrecht leider nicht möglich, da die Verfehlungen Langes— mit Ausnahme des erst jetzt aufgetauchten Meineidsverdachtes— vor seiner Ernennung zum Notar lagen und bei diesem Akt den zuständigen Be- Hörden nicht bekannt waren. Das demnächst in Kraft tretende neue Disziplinargesetz wird diese bedauerliche Gesetzeslücke schließen. Das Strafverfahren gegen Lange wegen der Kreditgewährung an Uralzeff wird demnächst zur Eröffnung des Hauptoerfahrens führen. Das Vorverfahren hat sich so lange hingezogen, weil Lange nach bekannter Methode sich fortgesetzt auf Zeugen im Auslande berief, die nicht zu erreichen waren.— Hier hätten u. E. allerdings die letzten Notverordnungen die Möglichkeiten gegeben, Herrn Lange derartige Winkelzüge abzuschneiden. Der Obstruktionskampf in Paris. Stürmische Wahlreformdebatte in der Kammer. Paris, 4. Februar.(Eigenbericht.) Die Kammerdebatte über den Mandelschen Entwurf zur Ver- schlechteritng des Wahlrechts verläuft sehr erregt. Di« Nachtsitzung leitete der Sozialist R e n a u o e l mit einer Red« ein, in der er die wahren Absichten der Regierungsmehrheit mit der Wahlreform auf- deckte: Die Rechte versucht das allgemeine Wahlrecht zu fälschen, da sie es nicht ganz abschaffen kann. Di« Furcht vor einem Erfolg der Linken ist der eigentliche Grund für oie Einbringung dieser Wahlreformvorlage. Während die Linke dazu lelhaft Bestall klatschte, tobt« die Rechte. In diesem Augenblick setzten sich einige sozialistische Abgeordnete, die nicht zu ihren Plätzen gelangen konnten, auf die oberen Bänke der äußersten Rechten und klatsch- ten Renaudel von dort Beifall. Zahlreich« Abgeordnete der Mehr- heit protestierten dagegen. Ein Royalisl setzte sich aus einen platz der äußersten Linken, von großem Beifall der Sozialisten begrüßt. Die Kommunisten stimmten die Internationale an, worauf die Recht« mit der Atarseillaise antworteten. Da die Versuche des Präsidenten, die Ruhe wiederherzustellen, fehlschlugen, mußt« die Sitzung unterbrochen werden. In der neuen Sitzung bekämpfte der radikal« Abg. Fran�ms Albert die Vorlage. Er griff dabei oie Regierung an, die sich mst der Rechten solidarisch erklärt habe.' Zur Rechten gewandt, schloß der Redner mit den Worten:„Sie haben nicht das Recht, oie republikanischen Einrichtungen für Ihre Rettung zu opfern. Da Sie nun einmal verurteilt sind, wein« Herren, st erben Sie wenig st ens in Schönheit und bewahren Sie eine gewisse Haltung!"(Ungeheurer Beifall links.) In der Wandelhalle der llniversitäl kam es heule wieder zu Krawallen. In der 11-Uhr-pause versammelten sich die Nazis und ihr Anhang aus den Korporalioaen in großer Zahl. Auf Kom- inando stimmten sie wohlvorbereitete Sprechchöre an. in denen sie die Freisprechung ihrer relegierten Anhänger verlangten. Dann brüllten die Erneuerer Deutschlands„Deutschland erwache".„Inda verrecke", sangen das Horst-Wessel-Lied und randalierten auf jede mögliche Art und weise. Als die Nationalsozialisten gegen die kommunistischen Studenten tätlich wurden, räumte die Polizei die Universität und nahm mehrere Krawallmacher fest. Da die Nazisludenteu sich in die Gänge der lluiversitäl geflüchtet hatten und dort weilerlärmlen, verfügte der Rektor die Schließung der Universität für den Rest des Tages. Ein Augenzeuge berichtet, daß der Krawall begann, als mehrere jüdische Studenten den Raum passierten. Sie wurden mst dem Ruf empfangen: Juden raus! Es kam zu einem Wort- wechfcl, der in eine Schlägerei ausartete. Im nächsten Augen- blick schlugen die Studenten an mehreren Stellen zu gleicher Zeit aufeinander ein. Die Polizei griff sofort energisch ein und nahm sechs Hakenkreuzler st udenten und vier Studenten, die partellos sind, fest. politisches Urteil des Ltniversitätsfenats. Der Senat der Berliner Universität nahm gestern abend Stellung zu den letzten Krawallen an der Hochschule. Das Ergebnis dieser Verhandlungen war die parstätische Ver- In namentlicher Alstimmung durch Stimmabgabe auf der Tribüne wurde mit 18 Stimmen Mehrheit beschlossen, heute vor- mittag wieder zusammenzutreten, und mst 39 Stimmen Mehrheit wurde der Beginn der Sitzung auf 10 Uhr festgesetzt. Was ist mit Triebet? Aetrugsverfahren gegen Nazi-Anwalt. Bei der Staatsanwallschaft I läuft s«it längerer Zest ein Er- mittlungsverfahren gegen den Kaufmann Adolf Wüst und den vom Kurfür st endamm-Prozeß, vom Hufeland- straße-Prozeß bekannten nationalsozialistischen Verteidiger R.-A. Dr. Waller Triebe!. Die beiden werden beschuldigt, das Vermögen des spanischen Oelsardinenhändlers Car- los Waller um 150 000 M. geschädigt zu haben. Sie bestellten bei ihm Oelsardinen im Wert« von 200 000 M., zahlten 50000 M. an und sollen ihn um die resllichen 150000 M. geschädigt haben. Das Ermittlungsverfahren steht unmittelbar vor dem Abschluß, die Anklageerhebung gegen Wüst und Triebe! wegen gemein- schaftlichen Betrugs und gegen Wüst außerdem wegen Be- trugs in zwei westeren Fällen steht unmittelbar bevor. Im Helldorf-Prozeß begannen heute die Plädoyers. Staatsanwaltschoftsrat Stehnig beschäftigte sich zunächst mst der Rechtslage und behandelte dann im einzeln«» die Vorgänge auf dem Kurfürstendamm. urtetlung je zweier rechter und zweier links eingestellter Studenten. Von fünf angeklagten Nazistudenten wurden zwei mit dem verweis verurteilt. Um einen polstifchen Ausgleich zu suchen, wurden zwei weitere Studenten verwiesen, die der Sozialistischen Studentenschaft angehören. Und die Begründung für dos Urteil gegen die zwei dem Reichsbanner angehörenden Studenten'? Der eine hat an dem betreffenden Freitag, an dem die Unruhen stattfanden, außerhalb des Universstätsgebäudes und zu einer ganz anderen Zest einem Nazistudenten auf den Zuruf: „R e i ch s b a n a n e n" eine Ohrfeige versetzt. Diese Zurück- Weisung eines solchen Schimpfwortes ahndet der Senat mit dem Verweis. Der zweite Student wehrte sich wie alle anderen Re- publikaner bei dem damaligen Ueberfall der Nazis dadurch, daß er einem Nazistudenten ein Koppel entriß, mst dem dieser vorher auf die republikanischen Studenten eingeschlagen hatte. Die alleinige Tatsache also, daß ein republikanischer Student sich gegenüber einem Angriff zur Wehr seht, genügt, um ihn von der Universität zu verweisen. Dagegen wurde ein Nazistudent, der nachgewiesener- maßen eine Studentin geschlagen und brutal an den Haaren gezerrt hatte, vom Senat freigesprochen. Die republikanische und sozialistische Studentenschaft ist nicht gewillt, dieses Urtest still- schweigend hinzunehmen. Der Deutsche Studenoerband, Kreis Berlin, die Spitzenorganisation aller Berliner republikanischen Studentengruppen, erklärt sich solidarisch mst den von der Berliner Universität verwiesenen Reichsbanner-Studenten. Kampf unter Arbeitslofen. Dar dem Moabiter Arbeitsamt.- Mehrere Verletzte. por dem Arbeitsamt in der Birkenslrahe in Moabit kam es heute mittag zu schweren Zusammenstößen zwischen nationalsoziali- si schen und kommunistischen Erwerbelosen. Die Polizei muf-»e wiederHoll die Straße mit dem Gummiknüppel räumen. Ein junger Mann mußte mit einem M e s s e r st i ch in das Moabiter kranken- Haus eingeliefert werden. Ein hauplrädelsführer wurde festgenommen und der politischen Polizei übergeben. Mehrere an dem Handgemenge beteiligte Arbeitslose erlitten leichte Verletzungen. Verhängnisvotter Gelbstschuß. Beim Einbruch ein Auge eingebüßt. Bei einem Lanbeneinbruch in Baumschulenweg wurde der 20 Iahre alte Erwin E. durch eine S e l b st s ch u ß- Vorrichtung so schwer verletzt, daß ihm in der Uuioersitälcklinlk eiu Auge entfernt werden mußte. Als der Besitzer der Laube kürzlich auf seinem Grundstück er- schien, um nach dem rechten zu sehen, bemerkt« er überall starke Blutspuren. Einige Schränke waren erbrochen und ihres InhaUes beraubt. Der Mann erstattete bei der Kriminalpolizei Anzeige. Schon am nächsten Tag fand der Einbruch seine Aufklärung. Japans Antwort auf die Mahnung Anmaßender Ton- weitgehende Ablehnung Genf. 4. Februar.(Eigenbericht.) Der japanische Ratsvertreter S a t o und Japans erster Dcle- gierter zur Abrüstungskonferenz, der Londoner Botschafter M a t s u- d a i r a, haben gestern nachmittag dem Generalsekretär des Völker- bundes mündlich die Stellungnahme ihrer Regierung zu den im Rat verlesenen englischen Forderungen mitgeteill. Die heute vor- mitag hier eingetroffene japanische Note, die auch in Washington, London und Paris überreicht wird, präzisiert die japanische Hallung, die in der Ablehnung der wesentlichsten punkte der Intervention bestcht. Im einzelnen heißt es da: Unter keinen Umständen ist es der japanischen Regierung mög- lich, eine Verbindung der Ereignisse von Schanghai mit der Mandschurei-Frage zuzulassen. Der Artikel 15 des Völker- bundpaktes kann daher auf Schanghai, aber nicht auf die Mandschurei angewendet werden, für die der Rat nur nach Arttkel 11 verhandeln darf.' Zede Art von Verhandlung mit Ehlna muß ohne Teilnahme irgendeiner Zwischenmachl vor sich gehen, vor allem die ge- samle Regelung des Mandschureikouflikts. hierfür könnten nur direkte Abmachungen mit Ehlna in Frage kommen, unterstützt durch die Besetzung de facto und die Errichtung einer anto- nomea Regierung. Endlich lehnt Tokio auch die Einstellung von Vorbereitungen auf neue Feindseligkesten ab.„solange Japan nicht vom Ernst der chinesischen Regierung in diesem Punkte überzeugt ist". Ange- nommen werden lediglich die Forderungen auf E i n st e l l u n g der Kampfhandlungen um Schanghai, Zurückziehung der Truppen aus dem Chinesenvisrtel der Stadt Schanghai, Bildung einer garantierten neutralen Zone. Alles das mit der Be- dingung der Gegenseitigkeit und des Vorangehens der Chinesen. Die chinesische Regierung hat die Annahme aller Vorschläge der Großmächte ohne Vorbehalte mitgeteilt. * Wenn sich die Mächte mit einer solchen Antwort zu- frieden geben, dann kann man nicht nur von blamierten Euro- päern, sondern auch von rückgratlosen Amerikanern sprechen, Es gibt eigentlich keinen einzigen Punkt, den die Japaner vorbehaltlos anzunehmen bereit sind, während die ch i n e- fische Regierung durch ihre unverzügliche und bedingungs- lose Zustimmung zu allen fünf Punkten abermals klar be- wiesen hat, daß das Recht auf ihrer Seite steht. Die Hoch- näsigkeit, mit der die Japaner Mißtrauen hinsichtlich der Friedfertigkeit der Chinesen markieren, ist wohl ein Gipfel der Heuchelei. Es wäre überdies eine Schande, wenn die Mächte auf den japanischen Gegenvorschlag eingehen würden, daß neue neutrale Zonen, die für chinesische Truppen verboten wären, geschaffen werden. Denn schließlich darf man nicht vergessen, daß es sich um chinesisches Gebiet handelt und daß die einzigen, die dort überhaupt nichts zu suchen haben, die angreifenden Japaner sind. Die noch be- stehenden internationalen Konzessionen, die für chinesische Truppen gesperrt sind, sind ein Üeberbleibsel aus der Zeit der Zwangsverträge, um deren Beseitigung das neue China mit Recht kämpft. Weitere derartige Zonen neu zu schaffen, würde bedeuten, den bisherigen Zustand zu ver- schlimmern und mit dem japanischen Imperialismus praktisch gemeinsame Sache zu machen. Die Regierung von Tokio will die Mächte offenkundig nur an der Rase herumführen und Zeit gewinnen, denkt aber nicht daran, auf die Früchte ihres impenalistischen Raubzuges, zumindest in der Mandschurei, zu verzichten. Das ergibt sich klar aus ihrer ausdrücklichen Weigerung, Ver- Handlungen mst China aufzunehmen, die sich auf die Man- d s ch u r e i erstrecken würden. Japan betrachtet die dort ge- schaffene Lage, nämlich die faktische Besitzergreifung diests riesigen Gebietes, als v ol l e n d e te Tatsache. Das ist die offenkundige Fortsetzung der bisherigen japanischen Taktik vor dem Völkerbundsrat, wo die Delegierten Japans immer wieder als Voraussetzung für irgendwelche Verhandlungen die Anerkennung der angeblichen Rechte Japans in der Mandschurei forderten. Das Bist» dieser japanischen Sabotage wird durch eine Mitteilung abgerundet, die die Vertreter Japans beim Rat gestern dem Generalsekretär des Völkerbundes übermittelt haben: die japanische Regierung erhebt nach wie vor dagegen Einspruch, daß ihr Konflikt nicht mit China zum Gegen- stand eines Verfahrens vor dem Rat auf Grund des Artikels 15 des Völkerbundsstatuts gemacht werde, wie es China beantragt hatte. Dabei wäre ein solches Verfahren nicht nur zulässig, sondern sogar s e l b st v e r st ä n d l i ch. Der Artikel 15 besagt: „Entsteht zwischen Bundesmitglisdern«ine Streitfrage, die zu einem Bruch führen könnte... so kommen die Bunoesmitglieder überein, sie vor den Rat zu bringen." Wenn der Art. 15 nicht in diesem Fall zur Anwendung gelangt, dann muß man sich fragen, wozu das Völkerbund- ftatut überhaupt geschaffen worden ist. Es wäre die schlimmste Kapitulation, wenn der Völkerbund vor der Aus- trittsdrohung Japans zurückweichen und auf das im Artikel 15 vorgesehene Verfahren verzichten würde. Der rollende Schilling. Die Liste der Bestochenen: Voran das Hakenkreuz. Men. 4. Februar.(Eigenbericht.) Die Organisation der Wiener Presse hat heute das E r g e b- nis ihrer Untersuchung über die Behauptung der Kredit- anstalt verösfenllicht, daß eine Reihe Journalisten größere Geldbeträge von dieser Bank erhalten haben. Unter diesen Journalisten ist auch ein Redakteur der haken- kreuzlerischen„Deutschösterreichischen Tageszeitung"(Deuz), der 700 Schilling bekommen hat. Ein Redakteur der christlich- sozialen„Neuen Zeitung" erscheint mit 1700 ScMling, einer des ch r i st l i ch s o z i a l e n„Wiener Montagblattes" mit 1000 Schilling, der Redakteur Waclawiczek vom christlichsozialen „Neuigkeits-Weltblatt" mit 800 Schilling. Er hat übrigens in einem unslätigen Brief an den Untersuchungsausschuß das Er- scheinen vor ihm abgelehnt. Auch ein Redakteur der S e i p c l- schen„Reichspost" hat 1Z00 Schilling bekommen! Die angeblichen Vorkämpfer gegen die Korruption sind also in dieser Bestechungsliste stark vertreten. Den Löwenanteil hat der Ehefredakteur des antimarxistischen„Neuen Wiener Journals", Dr. Naglstock, mit 5000 Schilling erhalten. Außerdem stehen in der Liste noch einige liberale Journalisten, sowie der Musik- referent des chakenkreuzler-Blattes mit 800 Schi!- ling für ein Mozart-Album, was vielleicht sein« Richtigkeü hat. Schließlich ist auch ein« Anzahl ausländischer Presse- Vertreter unter den Geldempfängern, jedoch kein einziger Bertreter reichsdeutscher Blätter, wie die„Vereini- gung der reichsdeutschen Berichterstatter in Wien" auch ausdrücklich feststellt. Di« zwei Vermittler dieser Bestechungsgelder haben je 12 000 Schilling bekommen, außerdem sind 10 000 Schilling nicht aufzuklären, darunter auch Summen, die an Journalisten geschickt, von ihnen aber sofort zurückgesandt worden sind. Die Untersuchung ergab, daß lediglich fünf Journalisten, die der Organisation der Wiener Presse angehören, Geld für ihre Person angenommen haben, und zwar insgesamt 5100 - Schilling. Der Ehrenrat der Organisation hat 23 Fälle in Unter- suchung gezogen. Davon wurde nur in einem Falle die Strafe der Streichung aus der Mitgliederliste verhängt und in mehreren anderen Fällen wurden Rügen ausgesprochen. Die übrigen wurden freigesprochen. Ehrenfest freigelassen. Lissabon, 4. Februar. Der wegen betrügerischen Bankrotts von den öfter- reichischen Behörden gesuchte Bankier E h r e n f e st, der hier ver- haftet worden war, wurde auf Beschluß de- Innenministers nach 45tägiger Inhaftierung freigelassen. Die portugiesischen Gesetze lassen eine längere AnHaltung in Auslieserungssachen nicht zu. Oer Pensionsfonds der Aordwolle. Die Pensionäre nm ZV- Millionen Mark betrogen. Bremen, 4. Februar. In der Berufungsinstanz unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Dr. Schmincke kam vor dem Arbeitsgericht Bremen die Klage des früheren O b e r m e i st e r s bei der Nordwolle, Schramm- Delmenhorst.erneut zur Verhandlung. Dieser hotte bekanntlich gegenüber dem Konkursoerwalter der Nvrdwolle die Forderung aus Zahlung aus dem Pensionsfonds nach dem 30 Juni 1031 erhoben. In erster Instanz war die Klag« abgewiesen worden, beide Parteien hatten gegen das Urteil Berufung eingelegt. In der jetzigen Verhandlung erklärte der Konkursoerwalter, daß der Fonds der penstouekasse am Tage der SonkurserSsfauug nicht vorhanden gewesen sei. Der Kläger stand aus dem Standpunkt, daß der bei Konkurseröffnung 3�4 Millionen Mark betragende Fonds der Pensionskasse aus der Konkursmasse heraus- genommen werden müsse. Das Urteil ging dahin, daß die Berufung des Klägers als unbegründet zurückgewiesen wird. Es wurde erkannt, daß dem Kläger Massenansprüch« gegen den Be> klagten nicht zustehen. Dem Kläger wurden obendrein die Kosten des Verfahrens auferlegt. Ebenso wie die Gewerbeordnung das Trucksystem verboten hat, muß sie Wertssparkassen und Pensionskassen der Unternehmer ver- bieten gleich allen sonstigen Einrichtungen, zu denen die Arbeiter und Angestellten Beiträge leisten, da die Gegenleistungen völlig ungesichert sind. Memeler Gensaiion. Litauische Zensurkunststücke. Im„Memeler Dampfboot" liest man in einem Leitaufsatz mit der Ueberschrift„Verfehlte Sensationshascherei" das folgende: Wenn man das alles liest, so kann man sich eines Kopf- schüttelns nicht erwehren. Jedenfalls leugnen die national- litauischen Blätter selbst jede„absurde Sensation", die man anderen zum Vorwurf macht, ab. Nirgends anderswo würden die Fest- stellungen. daß die„Sensationen" der letzten Zell keine sein sollen, mit größerer Befriedigung aufgenommen werden, als im Memel- gebiö. wenn mau Steiusuhböden. wie sie in Küchen, Badezimmern und Hausfluren üblich sind, stets nur mit Wasser behandelt, werden sie bald unansehnlich. Darum solche mit Steinfliesen belegte Fußböden einmal im Monat mit Seifenlauge scheuern, dann mit heißem Wasser, dem man wenig Salmiak zufügte, nachspülen und nach dem Trocknen ganz dünn mit Leinöl einreiben. Der Zensor in Memel streicht, was er kann. Zensurlücken dürfen nicht bleiben, also füllt die Redaktion mit Ratschlägen für die Hausfrau. Wir möchten einen Ratschlag für litauische Zensoren hinzufügen: sie sollen aufhören mit ihren idiotischen Streichen, mit denen sie ihrem Vaterlande den größten Schaden zufügen. Oeliankdampfer explodieri. Acht Personen getötet, viele Verletzte. New Bork. 4. Februar. 3n den Docks der Sinclair Oll Compagny in Marens-hook(Pennsylvania) flog der Oeltankdampser„D i d- m e ll" in die Lust. Acht Personen wurden getötet, 15 verletzt. Die Zahl der vermißten beträgt 14. Das Tankschiff ist durch die Gewalt der Explosion völlig zerstört worden. Die Ursache des Unglücks Ist unbekannt. Kitsch oder Kunst? Bemerkungen zu zwei Büchern über den Film Zwei Bücher liegen vor, die sich mit der Kunstform und der geistigen Basis des Films auseinandersetzen. Allerdings wählen sie als Objekt chrer Untersuchung den stummen Film, weil hier das filmische Element stärker zum Ausdruck kommt und weil der Tonfilm eine ausgeprägte Gestalt bisher nicht gefunden hat. Wie ist der Film entstanden? Und welche Zwecke verfolgte man, als die Erfindung der bewegten Photographie allmählich von emer ausblühenden Industrie verwertet wurde? Aus der Entstehung des Films leitet Rene Fülöp-Miller in seiner„Phantasie- Maschine"(Verlag Paul Zsolnay) die Elemente der neuen Kunst ab. Es geht bei ihm nicht um die Spitzenerscheinungen, sondern um die Durchschnittsware, um den gewöhnlichen Film, der nur der Unterhaltung dienen soll und darüber hinaus keinen Ehrgeiz kennt. Fülöp-Miller beschränkt sich aus die amerikanische Industrie, da diese am reinsten die entscheidenden Dinge klarlegt. Pelzhändler und Konfektionäre, deren Fingerspitzen vor Kon- junkturgefühl juckten, griffen ganz impulsiv nach der Erfindung. Das Publikum, ermüdet im Theater, Zirkus und Variete, sehnte sich nach etwas Neuem, das die Nerven ankitzelte und keine besondere Anforderungen an den Verstand stellte. Und dieses Publikum erhielt den Fllm serviert. Man kannte kein anderes Ziel, als die Wünsche der Masse zu erforschen. Dollarkonten sollten das Resultat sein und nichts weiter. Daß nebenbei noch eine neue Kunst entstand, inter- essierte die Unternehmer nur sehr wenig oder überhaupt nicht, und das künstlerische Element hat sich gegen ihren Willen dank der Energie und Begabung einiger Regisseure und Darsteller durch- gesetzt. Was will das Publikum? Diese Frage zermarterte täglich die Gehirne der frisch gebackenen Jndustriebarone. Vor allem will man nicht die Wirklichkeit sehen. Die Stoffe brauchen trotzdem nicht in fremden oder versunkenen Welten angesiedelt zu sein, aber die Gegenwart, das moderne Leben muß eine Maske tragen, geschminkt sein. Probleme besonders sozialer, wirtschaftlicher und politischer Art sind von vornherein ausgeschaltet. Nichts darf an den Schlaf der Welt rühren, oder zu Meinungsverschiedenheiten im Publikum führen. Es handelt sich darum, einen Wunschtraum des Publikums zu erfüllen, einen Traum von Glück und rauschendem Reichtum. Die Welt wird gezeigt, wie sie nach der Phantasie der Menge sein sollte, und aus dieser Einstellung resultiert auch das glückliche Ende und die Typisierung der dargestellten Personen im amerikanischen Film: Der brave, junge Mann, das keusche, blonde Mädchen, die es dank ihrer Tüchtigkeit zu etwas im Leben bringen und schnell die soziale Stufenleiter emportlettern, der rachebrütende Finsterling und der Vamp, deren Heldenlaufbahn meistens hinter Kerkermauern endete. Es gibt eine moralische Weltordnung, und diese Ordnung ist die des arrivierten amerikanischen Bürgertums. Der Film sammelt in sich alle Dinge, die die Phantasie des Durchschnittsmenschen beschäftigen. Er ist eine Phantasiemaschine, die dem Publikum keinen Raum zu eigenen Vorstellungsprozessen läßt und deshalb zu einer absoluten Banalisierung führt. Eine Aus- nähme bilden allein die Grotesken eines Chaplin, Lloyd oder Keaton. Fülöp-Miller will nur diesen Tatsachenkomplex aufdecken. Er sucht einen Generalnenner, auf den der Film aufgeht. Das genügt ihm Hierbei gelingt es ihm nicht, das Ganze zu erfassen, ein Fehler, der jeder Schematisierung unterläuft. Abgesehen von den Grotesken, sind auch gerade in der letzten Zeit des stummen Films und gerade in Amerika Werke entstanden, die das Schema sprengen. Erinnert sei an die Inszenierungen von Ernst Lubitsch oder an einige Lust- spiele mit Menjou, Monte Blue und Norma Shearer, an Dramen mit Lilian Gish und Lars Hansen. Es geht nicht an, die Form völlig zu übersehen und sich nur an den Stoff zu klammern, denn die Art der Inszenierung und des Spiels haben oft ein banales Sujet geadelt und es zu einem Kunstwerk erhoben. Von einem ganz anderen Standpunkt tritt Kurt A r n h e i m an den Film heran. Sein Buch„Film als Kunst"(Ernst Rowohlt Verlag) untersucht in erster Linie die tünsllerischen und technischen Ergebnisse des Films. Arnheim liebt den Film. Der analysierende Kritiker möchte nicht nur den Leser in die diffizllen Techniken einführen, sondern auch den Film fördern. Entscheidet bei Fülöp Miller das Was. so bei Arnheim das Wie. Es kommt ihm darauf an, zu zeigen, wie der Film den Menschen wieder zum Sehen erzogen hat, wie die Welt ein neues Gesicht erhält, aus wieviel verschiedenen Perspektiven ein Mensch oder ein Gegenstand zu erfassen ist und wie er in jeder seine Erscheinung wechselt. Ein paar ausgezeichnete Kritiken geben dem Leser das Wissen um die Beschaffenheit eines Manuskripts, um den Aufbau einer Szene, um die Art einer Inszenierung, um die Unterscheidung von Wesentlichem und Unwesentlichen. Eine interessante, überraschende Aufnahme etwa ist sinnlos, wenn sie nur Selbstzweck hat und nicht die Hand- lung weitertreibt oder zur Klärung einer Situation beiträgt. Jeden- falls ist Arnheims Buch sehr instruktiv.?. Sek. Wachtmeister Adolf. Von Erich Gottgetreu. Ort der Handlung: Hildburghausen>. Thür. Zeit: Eines Nachts. Vom Rathausturm schlägt es 13. Adolf Hitler schreitet im Schmuck seiner Gendarmen- uniform über die Szene. Er singt mit halblauter Stimm«: Steh' ich in finstrer Mitternacht-- Bürger(herbeieilend): Herr Wachtmeister! Herr Gendarm! Da hinten liegt jemand auf der Straße. Er ist besoffen! Hitler: Besoffen? Hat er den„Angriff" gelesen? Bürger: Angegriffen ist er schon. Aber bloß, weil er zuviel getrunken hat. Hitler: Warum hat er mir nicht eine Maß abgegeben? Bürger: Mit Respekt— Sie sind doch im Dienst. Hitler: Aber auch wenn ich im Dienst bin, bin ich es doch mit Maßen. Sechst wenn ein Grüner aus Braunau stammt, ist er manchmal gern blau. Bürger: Aber was wird nun mit dem, der da liegt? Hitler: Ist er Nazi? Bürger: Nein. Hitler: Da liegt er mir sowieso nicht am Herzen, sondern im Magen. Nach der Gesetzgebung des Dritten Reichs wird er erschossen. Aber im übrigen liegt er doch überhaupt um die Ecke herum, und für das, was um die Ecke herum passiert, bin ich nicht zuständig. Bürger: Soll ich ihn um die Ecke bringen? Hitler: Ausgezeichnet« Idee! Bringen Sie ihn um die Ecke! Lassen Sie das Köpfchen rollen! Was brauchen wir im Drüten Reich Köpfe? Bürger: Uebernehmen Sie die Verantwortung? Hitler: Ja, ich kann natürlich nicht über alles im Bilde sein, was in einer so großen Stadt wie Hildburghausen passiert. Bürger: Aber wie wird dann der Richter entscheiden? Hitler: Ich verschaff' Ihnen einen nationalsympathischen. Bei meinen Beziehungen--. Bürger: Beziehungen? Wäre dos nicht eine Schiebung? Hitler: Na, wenn schon. Kommen Sie mit, lieber Freund, und ich werde Ihnen eine Geschichte erzählen, wie man unter einem Minister Frick in Hikdburghausen Gendarmeriewachtmeister wird—. Beide Arm in Arm ab. Verklingend hört man Wachtmeister Hitler singen: Steh' ich in finstrer Mitternacht—. „Meisterschaft und Mittelmaß." Ein unglückliches Kunsterziehungs-Experiment. Seit Jahrzehnten ist in der Kunsterziehung unseres Volkes die Gegenüberstellung von Gut und Schlecht üblich. Pazaurek hat eine berühmte Schreckenskammer von kunstgewerblichen Greueln in Stuttgart eingerichtet, Wichert dehnte in Mannheim das Prinzip auf Kontrastierung von Beispiel und Gegenbeispiel aus, um durch Anschauung, mit hinweisenden Unterschriften, das Publikum zum Nachdenken über Schund und zu seiner Ablehnung zu erziehen. Eben jetzt sehen wir in der vielbesuchten ,.Bauwelt"-Musterschau eine derartige Erziehungsmethode angewendet:„Wohnen falsch und richtig." Im K u p f e r st i ch k a b i n e t t hat man augenscheinlich soeben etwas von diesen Dingen gehört. Und die Kenner alter Zeichnungen suchen Blätter von Dürer und Schongauer und TIntoretto und Rembrandt nebst einigen geringeren Göttern der Zeichentunst heraus und fertigten zu je zwei als Gegensätze gedachten Zeichnungen. genaue Erklärungen an, warum das eine Blatt vortrefflich und das andere schwächlich, zerfahren, unoriginell sei. Man muh schon sagen, daß eine ungeschicktere Art. oergleichende Kunstbetrachtung zu treiben und dem Laien Werturteile beizu- bringen, kaum zu erfinden ist. Wollte man die Unterschiede genialer und talentvoller Kunst demonstrieren, so war von den verschiedenen Schaffensbedingungen auszugehen, in allen Fällen aber das Stil- gesetz aus jedem Künstler einzeln zu ziehen. Auch ein kleiner Mann mutz in der Kunst als ein Mann gelten: niemand hat ein Recht zu sagen: er ist minderwertig, nur weil er an den Großen nicht heranreicht. Die Tageskritik bemüht sich, jeden Künsller aus seinen eigenen Werken zu verstehen und aus ihnen allen das Beste zu ziehen: die Herren vom Kupferstichkabinett aber belehren die Laien, daß sie einen Künstler mit irreführenden Ausdrücken belegen dürfen. Man höre mit diesen Ausstellungen lieber aus oder gebe sein Wissen in einer anderen Form zum besten, wouz allerdings nicht nur Kenntnisse gehören, sondern auch Kunstverständnis aus dem Gefft der lebenden Kunst, p, f. seh. Ltm den Münchener Glaspalast. Der Haushaltsausschuß des Bayerischen Landtags befaßte sich mit der Frage des Neubaues des Münchener Glas- p o l a st« s, der in der Nacht zum 6. Juni v. I. durch einen Brand zerstört wurde. Die Deutschnationalen und die Nationalsozialisten hatten Anträge gestellt, wonach ein freier Wettbewerb in Bayern für das neue Kunst- und Ausftellungsgebäude ausgeschrieben werden soll. Die Nationalsozialisten hatten außerdem oerlangt, daß be- amtete Architekten von diesem Wettbewerb ausgeschlossen sein müßten. In der Debatte erklärte der Kultusminister, daß im Etat- Voranschlag für 1032 Mittel für den Bau im Hinblick aus die Finanzlage des Landes nicht enthalten seien. Er sei aber ernstlich bemüht, jede Gelegenheit auszunützen, um so bald wie möglich an die Ausführung heranzutreten. Der Minister legte im einzelnen die Gründe dar, aus denen es ihm nicht notwendig erscheine, jetzt einen Wettbewerb auszuschreiben. Der Vorentwurf, mit dessen Ausführung der Architekt und Pros. Abel an der Münchener Technischen Hochschule beauftragt sei, dürfte eine brauchbare Grund- lag« für die weitere Behandlung der Angelegenheit bilden. Der Minister bat daher, die Anträge abzulehnen. Die Abstimmung erfolgt heute. 20 Proz. aller Selbstmorde aus Rahrungesorgen. Nach den soeben beendeten amtlichen Ermittlungen des Preußischen Statistischen Amtes sind im Jahre 1030 10 355 Personen freiwillig in den Tod gegangen, 6,1 Proz. mehr als im Vorjahre. Durch Nahrungs- sorgen, bestehende oder drohende Arbeitslosigkeit, geschäftliche oder Vermögensoerluste wurden insgesamt. 2025 Personen zum Selbst- mord oeranlaßt. Dazu kommt ntxh eine ganze Reihe von Selbst- morden, bei denen Beweggründe anderer Art, wie z. P. Schwermut, zerrüttete Familienverhältnisse usw. genannt sind, die tiefer liegende Ursacbe aber in ungünstigen wirffchaftlichen Umständen zu erblicken ist. Unter den Provinzen steht das überwiegend großstädtische Berlin mit 12,1 Fällen auf 100 000 Lebende weitaus voran. Für das ganze Jahr 1031 liegen Zählungen noch nicht vor. jedoch läßt die Entwicklung der Selbstmordsterblichkeit im ersten Halbjahr 1031 gegenüber dem gleichen Zeitraum des Jahres 1030 eine Zunahme nicht erkennen. Berlin lelephonjerl weniger. Das in diesen Tagen erscheinende Berliner Telephonbuch, für 1032 weist zum ersten Male in seiner Geschichte ein Sinken der Teilnehmerzahl auf: gegen 305 0O0 im letzten Jahr haben sich die Teilnehmer aus 303 800 vermindert. Millicnen-Theakerdesizit auch in Kopenhagen. Das Königlich« Theater in Kopenhagen hat einen Fehlbetrag von 1 813 000 Kronen. Tie Staatliche Kuastdibliothek, Prmz-Albrechtstr. 7a, veranstaltet wahrend des Fehruar in ihrem Lesesaal eine Ausstellung: Süddeutsche Illustration der Rokokozeit. Sie ist wochentäglich von 10 bis 22 Uhr hei freiem Eintritt geöffnet. Die Äenosseuschast Deutscher Bühueu-Angehöriger veranstaltet Montag, den 8. Februar, 9 Uhr, im Edenhotel die Rosenmvntagsredoute. Karten bei Wertheim, im KdW. und Edenhotel. Otto Heller, der Autor des Buches„Der Untergang des Judentums" spricht am Freitag. 20 Uhr, über sein Buch für den Deutschen Monistenbund und die Freireligiöse Gemeinde im Staatlichen Friedrich-Wilhclm-Gvmna- sinm, SW. 68, Kochstr. 13.• Kapellmeister Bruno Seidler-Wintler wird insplge Erkrankung von Dr. Hermann Schercken das V Konzert der BolkSbuhne,„Erster Tag im Karneval", am Sonntagmittag, 12 Uhr, im Theater am Bülowplatz leiten. Lotte L c n j a trägt Songs vor. Zum Lohnkampf im Vuchdruckgewerbe. Vom Graphischen Kartell rvird uns geschrieben: Der Parole der Buchdruckunternchmcr, den Abbau der über- tariflichen Löhn« durchzusühren, haben sich einig« weitere Firmen angeschlossen. Sämtliche davon betrosfenen Belegschaften haben einmütig den Abbau von 50 proz. der über- tariflichen Bezahlung, wie jeden sonstigen Abbau abgelehnt. Um zu dieser durch die Buchdruckprinzipale heraufbeschworenen Situation Stellung zu nehmen, bcrust das Graphische Kartell zu Zouuabend, den 6. Februar, mittags 2 Uhr, im Saal 3 des Gcwerk- schaftshauses eine Zusammenkunft sämtlicher frcigcwerkschastlichen Betriebsräte der von der 50prozcntigen Abbauforderung betroffenen Firmen ein. Die Betricbsratsoorsitzendcn werden ersucht, am Freitagabend bis K7 Uhr dem Gauvorstand der Buchdrucker per- sönlich Mitteilung über die Lage in den betreffenden Betrieben zu übermitteln. Wie uns nachträglich mitgeteilt wird, wurde von einer unver- antworllichcn Stelle, und zwar von dem Betriebsrat der Firma Boll, gez. W. Krusemark, eine Einladung an 19 Berliner Groß- firmen versandt, in der zu einer Besprechung aufgefordert wurde. Die Organisationsleitungen haben dem Betreffenden jede weitere Einmischung untersagt und erwarten von allen Betriebs- funktionären, daß sie in dieser bitterernsten Zeit nur den Weisungen der graphischen Organisationsleitungen folgen und alle Parolen entschieden zurückweisen. Hinter der Eisernen Front. Die Thälmann-Walze. Nach der riesigen Januarstreikpleite der KPD. und der nachfolgenden Erörterung der Fehler und Schwächen der„siegreichen" NGO. bei der Borbereitung der Massenstreikaktion haben die KPD.- Instanzen die Streikwalze einstweilen in die Ecke gestellt. Dafür wurde die Neichspräsident-Thälmann-Walze angc- kurbelt, die jetzt im kommunistischen Filmbetrieb abrollt. „Die Betriebe machen mobil" für die Präsidentschaftskandidatur, „die sozialdemokratischen Proletarier" stimmen— nach den Berichten in der„Roten Fahne"— alle für Thälmann, und„alle Erwerbs- losen machen roten Wahlhelferdienst". Ganz so wie die Moskau- filiale es gern haben mächte. Sogar eine„A D G B.- K o n f e r e n z" in Opladen, zu der„alle Vertreter der im Kreise bestehenden poli- I tischen und gewerkschaftlichen Organisationen" geladen waren, habe sich mit 31 gegen 4 Stimmen für die Kandidatur Thälmann erklärt. Diesen„ADGB.-Ausfchuß" hätten mir samt seiner„ADGB.-Konfe- renz" sehen mögen. Der Stahlhelm-Volksentscheid-Thälmann muß schon das Rennen mit seiner Partei zu machen suchen, die ihn als Kandidaten auf- gestellt hat. Auf die Unterstützung der von seiner Partei tagtäglich als„Strcikbruchorganisation" beschimpften Gewerkschaften im ADGB. wird er verzichten müssen, und die nicht minder von der KPD. mit ähnlichen Liebenswürdigkeiten bedachte und als Haupt- fcind der KPD. erklärte Sozialdemokratische Partei läßt sich von den Berliner Filialangestclltcn der Moskauer Kommunistenzentrale keine Vorschriften machen. Dennoch möchten wir über die Thälniann-Kondidatur nicht der- ort kindische Witze machen, wie das KPD.-Blatt über die Eiserne Front. In der Kaiser-Wilhelm-Straße ist ein Laden zu vermieten. Das ist wie üblich am Schaufenster durch Plakat angezeigt. Für die Werbewoche der Eisernen Front wird das leerstehende Lokal benutzt, und nun leistet sich die„Rote Fahne" eine Ueberschrift: „Ein Eiserne-Front-Laden pleite." Doch wer so viele Pleiten erlebt hat wie die KPD., wie Thal- nmnn mit seinem„Hamburger Aufstand", die RGO. mit ihren„sieg- reichen" wilden Streiks usw., der darf hinter der Eisernen Front seine Pleiteschmerzcn so mit abreagieren wie er es kann. Protestkundgebung der Gast, und Schankwirte. Am Donnerstag, dem 4. Februar, veranstaltet die Lokalkommission der Gastwirt?- Vereinigung Berlins im Berliner Konzerthaus Clou, Maucrstr. 82, eine Kundgebung gegen die zwangsweise Senkung der Bierpreisc. e Buch 3)c Ulan: lllaffen und Siihrer Kaum ein Problem ist in der soziologischen Diskussion der Gegenwart so oft verhandelt worden wie das Problem von Massen und Führer. Dennoch könnte man nicht behaupten, daß hier be- reits alles gesagt sei: vielmehr zeigt gerade dieses Problem, wie schwierig es ist, sachliche Ausweisungen von gesellschaftlichen Zu- sammenhängen von beliebigen standpunktlichen Meinungen freizuhalten. Man mutz schon die letzten Schichten der gesellschaft- lich-geschichtlichen Gegenwart aufdecken, wenn man das Verhältnis der Führer zu den Massen richtig sehen will. Hendrik de Man geht diesen Weg i» seiner neuen Schrift„M a s s e n und Führer"(Verlag Alfred Protte, Potsdam, Preis 1,80 Mark), indem er aus einer Charakteristik der gesellschaftlichen Gesamt- situation die Problematik von Massen und Führer herauswachsen läßt. Hier soll jedoch nur die politische Seite von de Möns Dar- legungen Beachtung finden. In der bolschewistischen und faschistischen Gesellschastslehre wer- den die Massen dem Willen der führenden„Elite" unterworfen: das Perfönlichkeitselement in der Masse wird schlechchin verneint, „im Gegensatz zu der Anerkennung dieses Elements bei der Führung". Ausführlicher analysiert de Man das Massen-Föhrcr- Verhältnis%i der deutschen sozialdemokratischen und freigewerk- schaftlichcn Arbeiterbewegung. Gegenüber der häusig und so gern geübten„salonsozialistischen" Kritik an der geringen„Radikalität" der Sozialdemokratie, erklärt de Man:„Auch unter den Massen weiß man aus Erfahrung, daß Krisenzeiten zwar für die gewerk- schaftliche und politische Aggressivität einerseits mehr Gründe schaffen, ihr aber andererseits weniger Erfolg versprechen. So sind die Ur- fachen, die bei den Massen für die defensive, gemäßigte Hol- tung vorliegen, und ohne die auch die Führer ein« andere Politik treiben müßten, im Grunde mehr ein Zeichen der Macht als der Schwäche. Diese Macht beruht daraus, daß jene Massen aus Grund langer Ersahrungen und Schulung in relativ hohem Grade die Merkmale aufweisen, die aktive Massen von passiven abheben: Bewußtsein, Gedächtnis für Ersahrungen, Fähigkeit zu urtellen im Lichte von voraussehbaren Konsequenzen, Verantwortungsgefühl gegenüber einem Kollektivinterefse." Das ist sicherlich treffend und konkret gesehen. Die Differenzierung des Fllhreriyps scheint mir jedoch keineswegs ausreichend. Hier bleibt de Man zu sehr im Allgemeinen und im Programmatischen stehen. Zugegeben, daß es Aufgabe der Jdeenbildung ist, künftige Wirklichkeit vorweg- zunehmen, so darf doch gerade die Jdeenbildung die Darstellung der Wirklichkeit nicht verlieren. J. P. Mayer. Wckteraussichten für Berlin: Zeitweise aufheiternd und etwas kichler, nur vereinzelt leichte Schauer, nördliche Winde.— Für Deutschland: Im Südwesten wenig Aenderung des bestehenden Wetters, im übrigen Reiche veränderlich mit etwas Abkühlung und einzelnen Niederschlägen in Schauern. Beranlwortl. fitr dir Redaktion: Rich. Berustei», Berlin; Anzeigen: Th. Stocke, Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag(6. m. b. H.. Berlin. Druck: Borwärts Buch» druckerci und Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW K6. Lindenstr. 3. Hierzu 1 Beilage. � ßsfehäfte'Jtnyeiger* (Bezirk Horden' Cften aenosseiii lintersiaizt Bore eigenen Betriebet Deckt Euren Bedarf a.Urnen U.Grabdenkmälern nur in d. Ctninmntlhfittn Qemalnnatriga 0. m. b. H, Baumtchulanweg, McllllllKItllJllc, Kiefnolzstr., gegenüber dem Krematorium. Tel.: F3, Oberspree 1685. Lieferung nach allen Friedhöfen in GroB-Berlin. Bltta auf dia Firma aditen. Sonntags geöffnet. Infit onrh- flerichtstr. 46, gegenüber Kremat. Jclll Quill. Seeslr. 59, gegenüb, Umenfriedhof Builer-Helnze micnlen In allen Sladllellen A.£äckemäcker Optisches Onslltut H 58, Schönhauser Allee 138 Xteferatil für sfiitifl. Krankenkassen HUZI GROSSOESTILL ATI O N Prlnzessinnenstrasse 17 Ritter- Ecke Brandenburgstr. Fenster- und Gebäude Relnlgungs Gesellschaft m.b.H. 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So« Student««» Fleißprüfungen Und Profefforen Anschlicßmd an die Ausfichrungcn des Genossen Dr. Ltto Bcneckc:„Sollen I2l)lXA) Akademiker hungern?" schreibt uns der Sobn eines Handwerkers, der im 3. Semester steht und sich bisher in jeden: Semester zwei Flcißzcugnisie erworben hat: Im Jntcrcsie aller Arbeiter- und Werkstudenten ist es aller- höchste Zeit, daß die unsinnige Bestimmung der Gcbührcnousschllsse an den chochschulen, wonach die Gewährung von Gebührenerlaß und anderen„Wohltaten" von dem Aussall von Fleiß- Prüfungen abhängig gemacht wird, endlich fallen gelassen wird und statt dessen eine Staffelung nach der Ver- niögenslage eintritt. Durch Fleißprüfungen will man die Ge- währ hoben, daß Vergünstigungen aller Art nur den wirklich Bc- sähigten zukommen. Mit welchem Recht benutzt man sie ober dafür als Grundlage, wenn häufig nicht nur die verschiedenen Pro- fcssorcn sich in ihren Urteilen vollkommen widersprechen, sondern sogar derselbe szerr in zwei aufeinander folgenden Semestern zu weit voneinander abweichenden Schlüssen in bezug auf Begabung und Fleiß kommt? Berschiedcno Faktoren wirken zusammen, eine objektive Bc- urteilung des Studenten in der Fleißprüfung unmöglich zu machen. Da ist vorerst die Bestiminung, daß mindestens zwei Zeugnisse über mindestens vierstündige Kollegs einzureichen find. Man ist also schon bei der Aufstellung seines Planes gezwungen, mit Rücksicht daraus zwei große Vorlesungen zu belegen. Nun ist ober selbst an einer so großen Hochschule wie die Universität Berlin das Vorlesungsverzeichnis nicht so reichhaltig, daß sich für alle Studicngebiete ein Scmesterplan ausstellen läßt, der einem idealen Studicnplan entspricht. Man begnügt sich im allgemeinen mit dem, was gerade„dran" ist, und versucht, so gut wie möglich zu folgen. Daraus erwächst aber eine Kalamität, unter der besonders junge Semester leiden, wenn darüber eine Fleißprüfung abgelegt werden soll. Wie oft fehlen dabei ohne Schuld des Prüflings zu einem erfolgreichen Bestehen alle Boraussetzungcn! Er muß sich auf ein vollkommen isoliertes Gebiet stürzen, das er vielleicht noch nicht einmal in den Gesamtplan seines Studiums einzuordnen weih ohne Verständnis, ohne Kenntnis der richtigen Arbeitsmethoden muß er sich mit Daten und Tatsachen belasten, die für ihn vorderhand vollkommen ohne Belang sind: und selbst nach glücklich bestandener Prüfung hat er das entmutigende Gefühl, später doch noch einmal olles richtig durcharbeiten zu müssen. Unterdessen aber hat die für ihn wirklich nutzbringende Arbeit ruhen müssen. Die Fleißprüfungen werden mündlich oder fchristlich ob- genommen. Die mündliche Prüfung dauert, wenn es hoch kommt, eine halbe Stunde, die schriftliche zwei bis drei Stunden. Bei der Kürze der Zeit in den mündlichen Prüfungen, bei der manchmal in die Hunderte gehenden Anzahl von schriftlichen Arbeiten ist es selbst einem(pemlssen- hasten Prüfer unmöglich, zu. einem st» ins einzelne gehenden Urteil zu kommen, wie es auf den Formularen gefordert wird. Es ist eine lächerliche Anmaßung, bei einem derartigen Massenbctricb Fleiß und Begabung feststellen zu wollen. Im all- gemeinen wird überhaupt nur eine rein gedächtnis- mäßige Begabung des vorgetragenen Stoffes verlangt, und kein Student ist so dumm, durch eine eigene Ansicht, die Unglück- licherweise der eines eisbärtigen Professors widersprechen könnte, den Erlaß seinenr Gebühren aufs Spiel zu setzen. Macht aber das gute Gedächtnis allein schon den wissenschaftlichen Menschen aus? Wo finden bei dieser Prüfungsmethode Ausdauer, Gründlichkeit, zähes Hineinfressen in ein schwieriges Problem, Wille zur Klarheit und Objektivität ihre Beachtung? Ferner werden die Leistungen von den Professoren nur absolut beurteilt, d. h. nie wird berück- sichtigt, wie lange sich der Prüfling schon seiner Wissenschaft widmet. Schließlich sind auch Profesioren nur Menschen, und es ist von größter Bedeutung, ob man in einer langen Reihe von Prüflingen als erster oder letzter, nach einem gut oder schlecht bestandenen hineinkommt. Noch vielerlei anderer Zusällig- leiten ist man ausgesetzt, so wenn in einem Seminar zwei rivalisierende Professoren aus Schikane ihre Prüfungen zur selben Zeit abhalten usw. Zuletzt kommt noch eine Bestimmung, die gerade für den wirk- lich auf Erlaß angewiesenen„Bedürftigen" von der allergrößten Bedeutung ist. die Kollcggclder müssen aus jeden Fall bereit gehalten werden: gestundet werden nur die allgemeinen Ge- bühren im Betrage von 100 Mark, während die Honorare sofort nach Eintreffen eines ablehnenden Bescheids bezahlt werden müssen. So ergibt sich für den Werkstudenten folgendes ciixulus vitiosus; er arbeitet, um die Gelder auf jeden Fall bereit- zuhalten, kommt infolgedessen nicht so intensiv zum Studium, wie ein zwar nicht wohlhabender, aber doch von zu Hause aus auf jeden Fall finanziell sichergestellter Student, besteht darum seine Prüfungen weniger günstig als dieser, muß vielleicht bezahlen und fängt im nächsten Semester dasselbe noch einmal an. So kommt es, daß Leute im vornehmen Maßanzug, die sich alles zum Studium Notwendige leisten können, mit Gebühren- erlaß, Freitisch, Stipendien überschüttet werden, während auf der anderen Seite ein armer Teufel, der heute auch die schlechtesten Stellen in: ErwerbSvermittlungSamt an- nehmen muß, leer ausgeht. Aus allem bisher Ausgeführten ergibt sich klar die Forderung, daß Unterstützungen aller Art auf den Hochschulen unabhängig von den unzuverlässigen Fleißzeugnissen zu gewähren sind, und statt dessen nur wohlbegründcte Zeugnisse aus Uebungen und Seminaren zu berücksichtigen sind, zu deren Gunsten dann auch der Vorlesungsbctricb eingeschränkt werden muß. Was, mache« wir mit �Schwererziehbaren� Einige Hinweife/ Von Aell� Wolstheim Es gibt noch inuner genug Eltern, die die Absonderlichkeiten ihrer Kinder für„Unart" erklären und mit strenger Bestrafung und Liebescntzug dagegen anzukämpfen suchen. Hier fehlt die Er- kenntnis, daß das störende Verhalten eines Kindes sehr oft auf einer psychischen Erkrankung beruht, die durch falsche Crziehungs- niaßnahmen:>der andere das seelische Gleichmaß störende Kind- heitseindrückc hervorgerusen wurde. Sicherlich sollte man, statt an den 5tindern nutzlos und sie sogar schädigend herumzuerziehen, sich von dazu berufener Seite Rat holen: Erziehungsberatungs- stellen find hierfür geschaffen worden. Bei den Jugendämtern kann man ihre Adressen erfahren. Der Erziehungsberater wird jeden Fall besonders behandeln. Einmal wird er— nachdem er sich Lur näheren Kenntnis der vorliegenden Schwierigkeiten und zur Ersorschung ihrer Ursachen mit dem Kinde selbst beschäftigt hat— den Eltern Rotschläge für ihr pädagogisches Verhalten geben: in einem anderen Fall wird er ihnen die Wege weisen, die zu einer Heilbehandlung führen. Der Aufcnthall in einem entsprechenden Heim wird oft angezeigt sein, da manchmal die Entfernung von schädlichen Umgebungs- einflüssen an sich zum Heilmittel werden kann. Vor allem wird eine speziell angepaßte Führung, oft auch eine ausgesprochene stelische Behandlung, dazu beitragen, die Schwierigkeiten eines Kindes zu beheben, und dadurch seine Vcrhallungsweise normaler zu gestalten. Ein paar Krankengeschichten, die uns von der ärztlichen Leiterin eines Heilerziehungsheims zur Verfügung gestellt wurden, seien hier erzählt. Sie sollen dartun, wie verschiedenartig die Anzeichen seelischer Abweichungen sind, die bei Kindern und Jugendlichen vorliegen können. Arbeitslosigkeit««» Schnllciftuny Von Fritz Helmke, Wolgast Die Frage nach einer Wechselbeziehung zwischen kindlicher Arbeitsfreudigkeit und Arbcitsnot liegt zu nahe, ist zu interessant und wichtig, als daß sie nicht längst gestellt und untersucht wäc�. Adolf Busemann und Gerda Bahr> haben in Breslau ßZlZ Mädchen, deren Väter nicht arbeitslos sind, mit 77 Kindern von Arbeitslosen verglichen. Die Untersuchung ergab folgendes: „Die Arbeitslosigkeit des Baters«rweist sich überall als ein die Schulleistung verschlechternder Faktor." Da die mit der Zlrbeits- losigkeit verbundene Milieuverschlechterung die Schulleistungen her- abdrückt, ist die Dauer der Arbeitslosigkeit aus folgenden Grüiünn (nach Busewann-Bahr) unerheblich: 1. Die Verschlechterung der Lebensführung tritt sofort mit Verlust der Arbeitsmöglichkcit ein. (Wartezeit, ehe Unterstützung einsetzt.) Dann aber bleibt sie kon- stant und hält sich auf der einmal erreichten Tiefe. 2. Das Kind paßt sich der verschlechterten Lage recht und schlecht an, reibungsloser jedenfalls als der kritische Erwachsene. Z. Der Lehrer und Er- zieher stellt sich auf die Not ein und setzt sein« Ansprück>e herab So erfolgt ein subjektiver Angleich an die objektive Leistung. Dieser Angleich wird zum Ausgleich, der zu einer niedrigeren Norm bei der Zensierung führt. Dabei ist nicht uninteressant, daß die V« r s ch l e ch t e r u n g am größten ist bei den guten Schülerinnen.„Anders gesagt: wenn die mit„Gut" und„Fast gut" zensierten Schülerin- nen von Arbeitslosigkeit des Vaters betroffen werden, sinken sie auf„Genügend" bis„Mangelhaft". Es ist nur zu natürlich, daß Kinder mit regem, geistigem und seelischem Erleben die Wirtschasts- not der Familie ganz anders mittragen, als gleichgültigere, und daß dieser seelische Druck nach anderer Seite Unlust, Desinteressiert- heit und Fehlleistungen auslöst. Um so erfreulicher ist es darum. daß die Untersuchung feststellen kann, daß von 77 Kindern fünf nach«injähriger und drei nach zweijähriger Arbeitslosigkeit ihre Leistungen verbesserten.„Es war also einigen Kindern möglich. die Schulleistungen zu verbessern, obwohl der Vater ein bis zwei Jahre arbeitslos war, und andere hatten wenigstens ihre Zensur behaupten können, obwohl der Vater schon zwei bis drei Jahre ohne Arbeit war." Wenn Busemann dazu als„individuelle günstige Umstände" Verdien st der Mutter anführt, so halte ich viel- mehr den Umstand für förderlicher, daß die Arbeitslosigkeit nach anderer Seite dem Vater Zeit und Freiheit gibt, sich seinen Kindern zu widmen. Ja. die Schularbeiten sind ihm wohl gar willkommene Unterhaltung und Zerstreuung. Es kann nicht genug betont werden, wie sehr der proletarische Vater gehemmt iind verhindert war, seinem Leben zu leben(„Arbeitstier"). Das hat die Arbeitslosigkeit, wenn auch anders als erwünscht und will- kommen, geändert. Wichtig für vorliegende Taisachenbetrachtung ist es, daß von rund 130 Schüleraufsätzen, die mir vorlagen und die sich mit dem Problem Arbeit und Arbeitslosigkeit befaßten, nicht eine einzig« die Probleme„Schulleben und Schulleistungen" und„Kindererwerbs- arbeit" sieht und erörtert. Dies« Probleme gibt es eben für das ostelbische Landkind nicht, ohne Rücksicht auf Verdienst oder Ar- beitslosigkeit. Unsere Kinder sind es von Väterzeit her gewöhnt, während und nach den Unterrichtsstunden auf dem Felde zu ar- beiten, tun mitzuoerdiensn. In den Städten haben sie ihre „Stellen" in Privat- und Geschäftshäusern. Sie besorgen Boten- gänge, tragen Wasser, holen Milch u. v. a. Und die Einspannung der Landkindcr in die Landarbeit ist ein Problem für sich und ein Kreuz für alle Erziehungsarbeit. Man lese nach bei Helene Simon:„Landwirtschaftliche Kinderarbeit", Ergebnisse einer Um- srage des Deutschen Kinderschutzverbandes über Kinderlandarbeit im Jahre 1922. Di« ländliche Erziehungsarbeit muß dem seit Jahrhunderten Rechnung tragen. Die verminderten Leistungen sind hier immer noch der Fluch des General-Landschul- Reglements, das der„Philosoph von Sanssouci" seinem Volke schenkte. Die Ausnutzung der Landkinder zu landwirtschaft- lichen Arbeiten wurde durch die überlieferte, bildung-feindliche Hol- tung der Agrarier, durch ihren rücksichtslosen Eigennutz so zur Ge- wohnheit, daß Erich Stern. Gießen, in dem„Enzyklopädischen Handbuch der Heispädagogit" über„Hütekinder" noch heute schreiben muß:„Bisher war der Kampf gegen das Hütekinderwesen nicht überall sehr erfolgreich, da stark« wirtschaflliche Interessen dem entgegenstehen." Und wenn er irgendwo etwas erfolgreich war, dann nur durch die gewerkschaftliche Zusammen- fassung der Handarbeiter und der damit gegebenen besseren Verfolgung ihrer Interessen. Zu beklagen ist. daß es eine aus- reichende gesetzliche Handhabe für Kinderschutz bis heute nicht gibt. Das Schicksal des Landkindcz verallgemeinert die Arbeitslosigkeit nun auch in vergröbertem Maße für das Stadtkind. Schon steht die Schule in'Abwehrstellung durch Anwendung lebenswahrer Methoden. Sowohl das Prinzip der freigeistigen Arbeit, als auch das in die Praxis umgesetzte Prinzip der Schülerselbstverwaltung geben gerade dem gedrückten tznd unlustigen Kinde Gelegenheit zu freierem 5lräftcaustausch jeglicher Art. Sie bieten Anregungen. steigern die Kräfte und Leistungen und schaffen ein wertbewuhte-, verantwortungsfreudiges Geschlecht. Ein clsjähriges Viädchen, Gertrud, zeigt übergroße Unruhe, kann sich nicht auf ihre Arbeiten konzentrieren, ist unoer- träglich, grob und drängt sich an die Jungen heran. Sie ist innerlich verquält und weint bei kleinen Gelegenheiten hemmungslos. Im Heim stört sie anfangs die anderen Kinder und drückt sich von jeder Arbeit. Es wechseln bei ihr Zeiten größten Trotzes mit solchen ausgesprochenen Anlehnungsbedürsnisses. Der zweimonatige Aufenthalt in: Heim und die dort eingeleitete Behandlung besserten den Zustand des Kindes wesentlich, wenn natürlich auch in so kurzer Zeit kein« absolute Umstellung erfolgen kann. Es gelang aber, die seelischen Hintergründe des Zustandes so weit zu erkennen. daß man der Mutter entsprechende Winke sür die weitere Fühning des Kindes geben konnte, auch wurde eine Fortsetzung der Be- Handlung in der Vaterstadt angebahnt. Der 20jährige Fritz versagte aus dem Gymnasium und trat vom Abitur zurück, weil er meinte, es nicht bestehen zu können. Verschiedene nervöse Beschwerden plagen chn. Auch Selbstmord- ideen kommen immer wieder. Minderwertigkeitsgefühle und die Neigung, den Anforderungen des Lebens auszuweichen, werden be- merkbar. Bei der Behandlung des jungen Mannes wird u. a. besonders seine Gr m u t i g u n g ins Auge gefaßt. Er verläßt nach sechs Wochen. das Heim mit nur noch geringen nervösen Beschwerden. Di« später einlaufenden Berichte ergeben, daß der Patient sein Examen bestand und studiert, und daß sein Befinden ein gutes ist. Walter(11 Jahre) zeigt eine ausfallende Unruhe und tickartige Bewegungen. Er ist unfroh, unkindlich, zeigte große Gefühls- kälte, Frechheit und einen starken Zerstörungstrieb, dabei aber eine seelische Ueberempfindlichkeit. Gegen Ende des zweimonatigen Aufenthalts im Heim ist sein Verhalten ein normaleres: er ist ruhiger geworden und öfters fröhlich. Im ganzen zeigt er sich aber als schwer beeinflußbar, und die Besserung ist verhältnismäßig gering. Die Beobachtung hat jedoch erwiesen, daß hier eine längere und tiefer gehende Behandlung wünschens- wert ist, die zu Hause bei einem Arzt vorgenommen werden kann. Elisabeth(14 Jahre) krankt an einer übermäßigen Empfind- samkeit und Empfindlichkeit, so daß sie dem Leben widerstandslos gegenübersteht. Allen Schwierigkeiten sucht sie auszuweichen Als sie wegen eines Zuspätkommens Angst vor der Mutter hatte, kehrte sie nicht nach Hause zurück und blieb drei Wochen fort, des Nachts auf Böden schlafend, die Tag« bei Freundinnen verbringend. Ver- schiedene körperliche Beschwerden liegen vor: Schwindel, Flimmern vor den Augen, Angstgefühl in der Herzgegend, Neroenreißen, schlechter Schlaf, auch Nachtwandeln. Schlimm« Kindheitseindrücke werden als Ursache erkannt. Im Heim zeigt sich die Patientin im ganzen geordnet und angepaßt, und bei fortschreitender körperlicher Besserung setzt vermehrtes seelisches Gleichmaß ein. Da die Rückkehr in die häusliche Umgebung als gefährdend angesehen werden muß, wird eine ländliche Pflege st elle ausgesucht, in der die im Heim angebahnte Veränderung sich bei verständiger erzieherischer Einwirkung weiterentwickeln kann und gleichzeitig ein« Berufs- ausbitdung geboten wird. Diese kurzen Berichte lassen erkennen, wie nützlich der Auf- enthalt in einem geeigneten Heim solchen Kindern und Jugendlichen sein kann, wenn es verstanden wird, eine richtige, fach- m ä n n i s ch beeinflußte Wahl zu treffen. Nicht jedes Heick paßt für jedes Kind, Arzt und Erzieher können hier allein den Ausschlag geben. Wir erkennen auch aus den obigen Aufzeichnungen, wie der' Einfluß eines den heilpädagogischen Zwecken angepaßten Gemein- s ch a f t s l e b e n s sich auf die Kinder auswirkt und wie eine seelische Behandlung— entsprechende Leitung und das Eingehen auf die Konflikte des Patienten— Nutzen bringen kann. Selbst dort, wo der Aufenthalt viel zu kurz ist, um eingreifende Aenderungen im Verhalten der Kinder hervorzurufen und seine seelische Leiden zu beheben, kann der Wert eines Heimausenthaltes als Beobachtung?- station von Bedeutung sein. Ohne uns eines zu großen Optimismus schuldig zu machen, hoffen wir In diesen Hinweisen gezeigt zu haben, daß es heute Wege gibt, seelisch abwegigen Kindern und Jugendlichen zu helfen und sie einem geordneten Leben zuzuführen. Auf die verschieden- artigen Methoden der Heilbehandlung kann hier nicht ein- gegangen werden, auch nicht darauf, wann es besser ist, das Kind im Hause zu behalten, wann seine Verschickung zu empfehlen. Jeder Einzelfall hat seine eigenen Bedingungen. Wir wollten aber auch in Hinblick auf die heutigen Sparmaßnahmen dartun. wie un- sparsam der rigorose Abbau der Kinderfürsorgeeinrichhingen ist. Wo vielleicht mit einer verhältnismäßig kurzen Heilbehandlung oder einer Verschickung Erfolg erzielt werden könnte, wird durch ein Umgehen solcher Maßnahmen oft ein Leben oerpfuscht und der sozialen Gemeinschaft nachhaltiger Schaden zugefügt. Rußlands Faschistenfreundschaft Man hat die italienischen Faschistensportler eingeladen! Vorerst ewe Feststellung über die italienischen Spnrtoerhältnisse. die nicht widerlegt wenden kann: Der Sport in Italien ist oer staatlicht. Auf Anordnung der faschistischen Regierung unterstehen die Sportoerbände und Vereine unmittelbar einem besonderen Sekretär der Faschistischen Partei. Die Auflösung der Selbständigkeit selbst der bürgerlichen italienischen Sportoerbände geschah, damit oon den Verbänden und Vereinen in allen Fällen nur das getan werden darf, was im Interesse des faschistischen Staates liegt und oon ihm oorher ausdrücklich gebilligt worden ist. Die zweite Feststellung: Der verstaatlichte italienische saschistischc Sport hat durch die faschistische Parteileitung bei der bürgerlichen Fußball' inleruationale sFZFA) um die Erlaubnis zum Austragen eines LänderfußbaNspieles— mit der bolschewistischen russischen Ländermaunschaft nachgesucht. Dieses Ersuchen war nötig, weil Italien der FIFA, angehört und deren Satzungen das oerlangen. Die FIFA, hat in ihrer letzten Sitzung die Erlaubnis zum faschistisch-bolschewiftischen Verbrüde� rungsspiel abgelehnt. Seit Monaten haben bürgerliche Tages- und Sportzeitungen über die guten Beziehungenzwischen den bolschewistischen und den faschi stischen Sport- lern geschrieben: Die sozialistische Presse hat diese, ganz im Gegen- satz zu der Kampfesweise der Moskauer Sportinternationale gegen die Verbände der Sozialistischen Arbeitersportinternationale stehende Verbrüderung angeprangert. Das Sekretariat der Roten Sport- internationale, das sonst mit der Ableugnung der Verbrüderung mit dem bürgerlichen Sport schnell zur Hand war, schweigt zu diesem Fall seit Monaten. Es will über die unangenehme Geschichte Gras wachsen lassen, aber seine Vertrauten haben nicht dichtgehalten. Und nun die wichtigste Feststellung: Das kommunistisch« Tage. blatt„Der Kämpfer" in Chemnitz hat. von der laufenden Beweisführung der sozialistischen Tages- und Sportpresse Sachsens über die doppelzüngige Politik der Moskauer Sportinternationale in die Enge getrieben, am 1. Februar zu den Dingen Stellung neh- men müssen. Da flie Beweis« für die gemeinsame Sache der russi- schen Sporlleitung mit den Faschisten lückenlos erbracht waren, war ein Ableugnen von vornherein zwecklos und„Der Kämpfer" sah sich deshalb gezwungen, zu bestätigen, daß' gemeinsame Sache gemacht worden ist! Was ab«r die Faschistenfreund- lichkeit der Russen besonders heroorhebt, ist das 00m„Kämpfer" gemachte Eingeständnis, daß sich die Russen den Faschisten angeboten und sie sogar zu sich nach Rußland e'»geladen haben. Die Gemeinschaft Rußlands mit Italien auf sportlichem Gebiet« ist die Fortsetzung der guten Zusammenarbeit zwischen dem russischen und faschistischen italienischen Staat. Italien setzte sich für eine russische Anleihe ein,«in italienisches Flugzeuggeschwa- der war Gast in Rußland, und. wie jetzt di« Presse meldet, wird Nobile, der vom faschistischen Ehrgeiz zum Nordpol getriebene italienische Luftschifführer— der dort seine Kameraden im Stich ließ— einem Stufe nach Rußland folgen und dort den Luft- s ch i f f b a u leiten. So spiegelt sich'Rußlands Kampf gegen den Faschismus wider. Diese Zusammenarbeit zwischen Stußlans und Italien hat mit der Befreiung des italienischen Proletariats vom Faschismus allerdings nichts zu tun. Dafür ist der einzige Feind der Kommunisten die Sozialdemokratie. Ein Hallensportfest im Kleinformat bei»Volkssport" und»ASV.* Eine kleine Probe für dos bevorstehende 8. Berliner Hallen- sportfest der Arbeitsrsportler in den Kaiserdammhallen am 28. Februar gaben gestern m der kleinen Turnhalle in der Weise- straße die Dereine Volkssport und ASV.-Neukölln. Die Zuschauer drängten sich um die 40 Meter lange Rundbahn, um ein Hallen- fest in„Westentaschenformat" kennenzulernen. Erst gabs Gesang, dann Laufübungen mit anschließender Gymnastik und Start- Übungen. Diese Einleitung galt vornehmlich als Einblick in den Uebungsbetrieb Im Anschluß folgte der Vereinskampf. An Hand eines übersichtlichen Programms mit eingefügter Werwngstabelle konnten sich die Zuschauer sofort über den jeweiligen Stand der Kämpfe unterrichten, wodurch das Interesse recht wach gehalten wurde. Im Mannschaftsoerfolgungslaufen über zwölf Runden— drei Mann bildeten eine Mannschaft— konnte zunächst ASV- in den drei Läufen die Punkte holen. Volkssport ist in diesen Strecken sonst schneller als ASV. Dieser Verem genoß den Dorteil der eigenen Halle und verstand es, die kurzen Kurven besser zu nehmen. Den Mannschastshochsprung(fünf Mann) gewann Volks- sport mit einer Gesamtleistung von 7,40 Meter zu 7,25 Meter: die Durchschnittsleistung betrug 1,48 und 1,46 Meter. Schönfelder-Volks- sport und Siewert-ASV. erzielten je 1,55 Meter. Bei den folgenden 10 X 2i als Gäste teilnehmenden Wiener Naturfreunde. Adamus und Schwarendörfer die besten. In den meisten deutschen Mittelgebirgen hat sich endlich der sest langem erwanete Schnee eingestellt, wenn auch teilweise erst in recht Sechs krauen suchen einen Ball bescheidenem Maße. Am günstigsten lauten die Schneeberichte aus den schlestschen Bergen. Neuschnee wird auch aus verschiedenen Teilen des Erzgebirges gemeldet. Weniger günstig sieht es noch um die Wintersportveranstallungen im Harz und im Schwarzwald aus, wo zwar meist Frostwetter herrscht, aber noch keine für skisportliche Veranstaltungen notwendige Schneedecke vorhanden ist. Lettlands Arbeitersport ist straff organisiert Aus Lettland, das seine Arbestersportler schon oft nach Deutschland entsandt hat, erhalten wir folgende Uebersicht über die Organisation und die Zwecke und Ziele der Arbeitersportter: Seit 1921 gehört der Letti.sche Arbeiter-Sport- und Schutzbund zur Sozialistischen Arbestersport-Internationale, und fest dem Leipziger Fest 1922 hat der lettische Bund allmählich in fast allen Sparten einen regen internationalen Verkehr entwickett. Besonders mit Deutschland haben sich die Verbindungen gut ent- wickelt. Diese ausländischen Beziehungen aufrechtzuerhalten und wester auszubauen ist für den jungen Bund nicht immer eine leichte Arbest gewesen. Letlland ist ein kleines Land, der Fläche nach ein wenig größer als Dänemark oder Ostpreußen, mst nur zwei Mil- lionen Einwohnern, dazu ein Agrarland mst wenig entwicketter Industrie. Daher kann der lettische Bund einen, im Vergleich mit den deutschen Verhältnissen, nur kleinen Mitgliederstand ausweisen. Zur Zeit sind es 6000, die in 93 Vereinen und acht Kreisen oereinigt sind. Der Bund ist also klein und seine geldliche Leistungsfähigkeit gering. Wenn es trotzdem gelungen ist, aus dieser kleinen Organisation eine innerlich tatkräftige Bewegung zu entwickeln, die auch auf internationalem Boden manchen guten technischen Erfolg erzielen konnte, so beruht das hauptsächlich auf einer guten und st raffen Organisation. In Letlland besteht nur eine Arbeitersportorganisation. Jede Verzettelung der Kräfte aus mehrere Verbände ist vermieden. Der lettische Bund umfaßt zur Zeit acht Sportsparten: Fußball, Turnspiele. Wintersport, Schwerathlettk, Leichtachletik, Wassersport, Schießen, Motor- und Ztadfahren. Der Bund unterscheidet sich oon den deutschen Verbänden wesent- lich noch dadurch, daß zu den Sportsparten noch die Sparten der Samariter, des Arbesterschachs, Roie Pioniere(Kinderabteilungen, den roten Falken ähnlich) und die Wehrsparte hinzukommen. Alle Vereine des Bundes besitzen neben verschiedenen Sportabteilungen auch überall S ch u tz t r u p p e n. Es ist in Letlland vollkommen gelungen, den Arbestersport in denDienst des proletari- schen Abwehrkampfes zu stellen und organisatorisch zu ofttef Einheit zu entwickeln. Auch Wehrsport und Schießen wird viel gepflegt. Wie schon der Name zeigt, ist der Bund ein Sport- und Schutz bund. � Politisch ist die Lage insofern günstig, als der lettische Faschis- mus heute völlig bedeutungslos geworden ist. Eine faschistische Ge- fahr besteht nicht mehr. Im neuen Parlament, das erst vor kurzem gewählt wurde, hat die faschistische„Nationale Vereinigung" ihre letzten zwei Mandate verloren. Die Regierung ist oon mehreren bürgerlichen Parteien, die aber Anhänger des Parlamentarismus sind, zusammengesetzt. Die Arbesterschaft und auch der lettische Bund haben in den legten Monaten schwer unter der allgemeinen Wirtschaftskrise zu leiden. Wie überall, so hat die Krise auch im Nordosten Europas große Arbeitslosigkeit hervorgerufen. Von den 100 000 Industrie- und Transportarbeitern Lettlands sind schon 30 000 arbeitslos. Das 4. republikanische llZintersportfest- und die Meisterschaften des Deutschen Wintersportverbandes, di« am 6. und 7. Februar in Beneckenstein im Harz stattfinden sollten, sind wegen ungünstiger Schneeverhältniss« auf den 13. und 14. Februar verlegt. N-rtellbezitt Vereine trefsen «rrausverger o.—„• v Uhr, «orlottcnbuta: z. Februar. 20 Uhr, WUmerbdorfer Ott. 21.— Abi. Temrelha«. äKatienüotf: 4. Februar, 20 Uhr, Aurfürsten. Ecke Schiitzenüras«.— Montag, U Februar, 19 Uhr. im Gewerrschaftshans. Enaelufer, Vortrag:„Was muß der Araftfahrer vom Straf, und öchadensprozeß missen?"_____ Rcichsba-llcr.Waslerspzrt-bteilu»-, Zllg Sopenid. Zur Watibemna oonn. tag. 7. Februar, Steffen 9 Uhr Endhaltestelle der 88 In Echmückwiß. Da» End. ziel ist unser Bootshaus, dort Kafseitafel, anschließend BelsammenselN und " FttVe"'*a n u- U n t o n Sraß.BerNu e. B. Generalversammlung«. Februar, IL Uhr, Areisgeschäftsstelle, Elsasser Str. 98.•___ Freie Soortoercinigiing Panlow. Heute, Donnerstag, oihung der Jugend- adteilung zusammen mu der Vereinsturnerschaft b-> Lehmann. 20 Uhr. »rbett-r.Sportkegelll-»„Vorwärts". Trauungsabend zeden Freitag, 29 Uhr, Soorilegelhalle Alerandrinenstr. 107. Gälte wMommen.. � t„ Bs». Bults- Sonnlag, 7. Februar, 18 Uhr, Blaß Laskerstraße, Fausthall. s-ieltag der Alten. Die Mitglieder der Tl>-r,ri-zen au» den Bunde-verernen nehmen teil. Männer, und Frauenmannschasien erwünscht. Meldungen er. wartet Pul«, am Sonnabend, 8. Februar, auf dem U-bungzabend der Alters. --—•— Jugend, Vedding tnrft sich am Sonntag ~----- 7. Februar, 14 Uhr, General. ---"fammerisein. ■ Freitag Donnerstag, 4. Febrnar. Sern n. 16.05 Prof. Dr. G v Pecdmonn- BOrtget. der Erfinder des PoruIUns, 16.30 I. Reger: Sonate Fis-Moll, dp. 84. 2. Momt: Sonate F-Dnr.(K.-V. 377). (Georg Beerwild, Violine und Willy Hahn, Plügel.) 17.10 Lieder zur Gitarre. 17.30 Die Eiserbahnkatastropbe von Firth ol Tay.(Dr. Walter Beniamir.) 17.50 H. E. Karainsky; Eigene Qeschicbten. 18.15 Valerie Marcu:„Marat, Robespierre, Danton, Saint-Just". 18.45 Die Funk-Stunde teilt mit.... 18.50 Stimme zum Tag. 19.00 Unterhaltungsmusik.,... 19.55 Hittellungen des Arbeitsamtes. rt.06 Philharmonie: N'otgememsehafl Berlin zur Errichtung von Heimen und Karben iar Enveibtlose. Konzer'. 21.00 Tages- und Sportnachnchten. 21.15 Dichterscbicksale: Friedrieh Hebbel. Manuskript: Alfted Mflhr.(Ltg.: Edles Köppen.) 22.15 Wetter-. Tages- und Sportnachrtchtea. Tanzmusik. Kdnigsvosterhausen- 16.00 Otto Nikiti: Schulmusik und Privatmusiklehrer. 17.30 Carl Lang: Danzig. 18.00 Kurd Killhauer: Himmelskunde. 18.30 Spanisch für Fortgeschrittene. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 Min.-Rat Joachim: Arbeitsrecht. 19.30 Dr. Karl Wjjd: Interessengegensätze zwischen Getreidebau und Ver« edelungswirtschaJt? 20.00 Berufsberatung. Lehrspie! von Dr. Wilh. Hermanns. 20.25 Langenberg; Tinz« aus aller Welt. Staats 1% Theater Dannerstag. den 4. Februar staatsoper unter den Linden 20 Uhr 2. Sinfonie-Konzert leitoni; Eridi Kleiber. Solist: Sdiey j. 0. Die Rapei e der Staatsoper. SlaatLSduuspleltiiDs indinMUBartt. 20 Uhr Othello Schiller-Theater Chiriettinbon. 20 Uhr Die göttliche Jette PlrAeA r {IIb FifstPfdiristel ligllcll 6 U. Oti uw Stgs. 2. 5. 815 Uhr — Kleine* ib.—! Truppe 1931. TigL S1,. LTu Die mauselalle Preise 75 PI.-5 M Sonnt, nachm. 4 U. halbe Preise. Voiusottüne Itieater ein BOlovglitz 8 Uhr oerßeloncene mit Albert Bassennann Steatt. Sdilller-rteater 8 Uhr Die eottttdie fette & 8.15 Obr Flora 3434 Raudies erlaubt Relier-Famlll«..v»» t-. Hugo n. sein Welbstenfpl. Wilh. Btndow. 9 Atllgon* und wePer« Attr akttonen v/4 uhr CASINO-THEATER»1'. uhr Lothringer Strafte 57. iiiiiminiiiiieiiiiiiiiiiiiiiiiiminiiinKnimfnmiitiiMiininiHiHiMi Für wenig Beid sie gennBrelir.er Abend Xru: Xen! tuen von Heute Dazu ei" neuer bun er Teil and eine Operette uutschein I-4 Personen: Parkett 50 Pf., Pauieuti 1.— Mark Sessel 1.5U MarK. Stadl. Oper Charloitenburu dismarckstialle 14 Donn«istag,4 Febr Turnus IV Anfang 19.30 Uhi Aida ende gegen 23 Uhr Rose- Theater irali fnitftrter Sirjli 13? Tel. Wiiduel 1 1 3421 8.15 Uhr Oer Bettelstudeiit Theater am Nollendortplatz Ssjie: Keiu Saiteiborj Pallas 7051 Täglich St/. Uhr Stgs. auch 46. Uhr 6asparone siumenspencen Jeder Art liefert prelswerl Paul Golletz vormalt Robort Veyei Mariannenstr. 3 FÖ, Oberbaum 1303 Sonntag nachmittag? Uhr billige Preise der Plitie Am 2. Fevruar verstarb nach schwerem fceiöcn meine liebe Ftau. gute Mutier und treue Schwester iftartim Ewert Dieses zeigt tle betrübt im Namen Himeiditedenen an Hermann Ewert Die Beerdigung sind« am Freitag. dem 5 Februar, narbmltloae 2 Uhr, auf dem Wa.dfriedhof Sderlchäne. weide statt.