Morgenausgabe Nr. 59 A 30 49.Iahrgang Wöchentlich TB Pf, monatlich 8.SB M (davon 87 Pf. monatlich für gustel- lnng ins Sau») im maus zahlbar. Postbezug 3,97 M.«inschlieglich 60 Pf. Pv lzeitunge- und 72 Pf. PoftbesteLae- büliren-Auslandsabonnemont B.SB M. Bio Monat: für Länder mit ermäßig, tun Drnckfachennorto 4,65 M. Set �Sotmorts* erscheint wochentSg- lich zweimal, Sonntags und Montag« einmal, die Abendausgabe für Berun und im Sandel mit dem Titel„Der Abend". Illustrierte Sonntagsbeilage »Voll und Seit" W f. Verttner Vvwsbßatt Freilag 5 Februar 1932 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Ä Die e t n( p a 1 1. Millimeierzerle SO Pf. Mcflamczeile 2.- M.„»leine An- gen" das fettgedruckte Wort 20 Pf. zwei fetlaedruckteWorte.jedes weitere Wart 10 Pf. Rabatt lt. Tarif. Worte über lö Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarft Millimeter» zeile 2ö Pf. Familienanzeigen Milli» meterzeile lk"""—-------"— im Sau ptaef wochentaglich r Der Verlag behält sich dasRechl der Ab» lehnung nicht genehmer Anzeigen vor! JenSvalssgan der SozialdemoSratischen Partei Deutschtands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr 3 k�ernspr. Dönhoff tA T) 292— 297 Telegramm-Adr Sozialbemokrin Verlin Vorwärts-Verlaa G. m. b. H. Postscheckkonto: BerltnZ?S3K.— Bankkonto: Bankder Ärdettet. Ängejtellten und Beamten. Lindenstr. 3 Dt B.u Dtdi.-Gej.. Devasttenk.. Ierulalemet En 65:66. Großkampstag in Schanghai. Japanischer Generalangriff- bisher noch erfolglos. Moskau. 4. Februar. Wie die Telegraphen-Agetrtur der Sowjetunion aus Schanghai meldet, haben Tonuerstagmorgen 15 j schwere japanische Bombenflugzeuge, alle japani-! schcn Kriegsschiffe und die Landbatterien ein starkes Feuer auf die chinesischen Stellungen eröffnet. Schapei wurde furchtbar zerstört. Ter Nordbahn- Hof ist vol komme» zusammengeschossen. Beide Parteien hatte« grosse Verluste. Nach dem Artillerie- sener gingen die Japaner vor. Der Kampf ist jedoch noch unentschieden. Die Beschießung von Wusung wurde für zwei Stunden unterbrochen. Schapei in Flammen nach vier Stunden Lust- bombordement. Schanghai. 4. Februar.(Reuter.) Auf zwei Kilometer Lange ist nach dem furcht» baren japanischen Luftbombardement auf Schapei, das volle vier Stunden andauerte, der Abendhimmel vom Schein der Brände erleuchtet. Die Chinesen sind«och im Besitz der Ruinen des Bahn- Hofes von Schapei. Sie halten auch noch die W n s u« g- forts» obwohl die Befestigungen nochmals von de« Japanern bombardiert sind. Chinesischer Gegenangriff. London. 4. Februar. Nach den hier vorliegenden Meldungen aus Schanghai sind die sthiueseu beim Nordbahnhos bei Regeu uud leichleu Schneefällen noch Arkillerievorberettung zum Gegen- angriff vorgegangen. Zeikwetfe konnten die Chinesen zwei vaiailloae japanischer Seesoldaten umzingeln, hunderte von Häusern in Schapei wurden durch Feuer zerstört. Die inler- nationale Niederlassung ist durch die Brände stark bedroht. Auch in da« japanische hauplguartier sielen chinesische Granaten. Die Japaner bezisscra vorläufig ihre Verluste aus 4 Tote und IS verwundete. Aus der Straße nach lvusung hallen sich ch l n e fische Frauen in behelfsmäßiger Uniform in einem Schützengraben verschanzt, um einen möglichen japanischen Angriff von dieser Seite her abzuwehren. * In den gleichen Stunden, wie dieses neue japanffche Massaker vor sich ging, erklärte man im Washingtoner Staatsdepartement, die Lage in Schanghai sei als„w e s e n t- l i ch e nt s p a n n t" anzusehen, weil nämlich durch Verein- barungen zwischen den amerikanischen und den japanischen Behörden die Gefahr einer Beschießung der internatio- n a l e n Niederlassung erheblich vermindert worden sei! Diese Erklärung enthüllt blitzartig die ganze Erbärmlich- keit des bisherigen Verhaltens der Mächte. Man interessiert sich eben n u r für das Leben und Eigentum der eigenen Staatsangehörigen, läßt es aber kaltblütig geschehen, daß ein paar Kilometer weiter chinesische Frauen und Kinder vier Stunden lang einem Luftbombardement größten Stils ausgesetzt werden. Wo bleibt der Kellogg-Pakt, wo der Washingtoner Neun-Mächte-Vertrag, wo das Völkerbunds- statut, wo überhaupt die elementarsten Begriffe von Recht und Menschlichkeit? Das alles ist Nebensache— Hauptsache war und bleibt für die inter- nationale Diplomatie, daß keinem Weißen etwas passiere. Als Antwort auf den Vermittlungsvorschlag der Mächte hat Japan nicht nur ausweichende, zweideutige und in Wirklichkeit klar ablehnende„Gegenvorschläge" überreicht, sondern ein paar tausend Granaten abgefeuert und ein paar hundert Flugzeugbomben abgeworfen. Die sogenannten „Mächte" werden diese neue Herausforderung ebenso ruhig hinnehmen wie die bisherigen, wenn man in den internatio- nalen Konzessionen Schanghais weiter ungefährdet Rumba tanzen und Pferderennen veranstalten kann. Kapitalisten der Erde, wahrt eure helligsten Güter— in Schanghai: daß daneben in Schapei Mütter und Kinder lebendig im Flammenmeer verbrennen, das ist nicht so wichtig. Charbin vor dem �Fall�. E h a r b l n. 4. Februar.(Revier.) mit dem Fall(!) von(Chat bin ist In den allernächsten Stunden zu rechneu. Die sapanlsche Vorhut besiudet sich bereit» in unmittelbarer Nähe der Stadt, nachdem sie die chinesischen Ver- tcidigungskräste zurückgeworfen hat. Die Mächte beraten... London. 4. Februar.(Eigenbericht.) Die englisch« Regierung beabsichtigt heut« mit den Regierun- gen von Frankreich, Amerika, Italien und Deutsch- l a n d Fühlung zu nehmen, um über die sich aus der japanischen Antwort auf die Note der Mächte ergebenden Schritte zu beraten. Die Einschränkungen, die Japan macht, werden im englischen Aus- wältigen Amt als sehr wichtig angesehen. Die qualifizierte An- nähme(?) der Japaner kommt einer Ablehnung noch näher im Lichte der Nachricht, daß die japanische Regierung beschlossen hat, eine Division von 10 000 Mann nach Schanghai zu entsenden. Japan beruhigt Moskau. Tokio. 4. Februar. Nach dem Einmarsch der japanischen Truppen in Charbin hat die japanische Regierung ihren Botschafter in Moskau beauftragt, der Sowjetregierung mitzuteilen, daß die japanische Regierung gezwungen(!) gewesen sei. Charbin zu besetzen. Das japanisch« Oberlommando habe strenge Anweisung erhalten, keine Schritt« zu unternehmen, die gegen die russischen Inter- essen verstießen. Nach Wiederherstellung normaler Verhältnisse(!) würden die japanischen Truppen Charbin wieder räumen.(!) Di« japanischen Truppen hätten Anweisungen erhallen, irgendwelche Konflikte mit russischen Beamten zu vermeiden. Denkt an die Rüstwoche! Zeichnet Euch ein! Die Nüstwoche der Eiserne» Front ist ei« großer Er- folg! Wer bisher säumig war. der zeichne sich ei«!«ein Republikaner darf zurückbleiben! * In einer Presscbesprechung teilte der Preffewari der Eisernen Front W i e g n er und das Borsiandsmitglied des Reichsbanners Nowak die bisherigen Ergebnisse dieses groß angelegten republi- kanischen Werbefeldzuges mit: Der Erfolg ist über olles Erwarten groß. J« Berlin haben sich Aehillauseride in die Eisernen Bücher «ingetragen, täglich gehen neue Anträge von Gastwirten ein. in ihren Räumen Eiserne Bücher auszulegen. Auch aus der Provinz und dem ganzen Reiche werden täglich telegraphssch und brieflich Hunderte von Eisernen Büchern migcfordort. Man hat in Preußen diese neue eigenartige Werbung mit Vegclstening aufgegriffen. Gestern wurden in Berlin eine Million Handzettel verbreitet, heute werden 1% Millionen Flugblätter verbreitet. Am Donnerstag hat sich Ministerpräsident Otto Braun ein- gezeichnet._ Strafanzeige gegen Klagges. Das Reichsbanner wirst ihm Begünstigung vor. Vrauafchweig. 4. Februar. Der Rechtsvertreter des Reichsbanners hat heute gegen de» brauuschweigische« Minister Klagges bei der Staats- anwaltschaft Anzeige wegen Begünstigung und wegen Bersuchcs einer Strofvereitelung erstattet. Die Anzeige wendet sich gegen eine amttiche Erklärung des Ministers, in der behauptet worden war, der kürzlich verstorbene Reichsbannermann Meter sei von einem Gesinnungsgenossen erschossen worden. Das Reichsbanner erblickt in dieser Darstellung, die mit den polizeilichen Ermitttungen nicht im Einklang stände, einen Angriff in ein schwebendes Ver- fahren, wodurch von dem wirtlich Schuldigen abgelenkt worden fei. Holländischer Messeboykott. Die Folgen der Butterzollerhöhungen. Die Folgen der deutschen Zollwirtschost, besonders der Erhöhung des Butterzolls, bekommt die Kölner Messe fühlbar zu spüren. Die Spitzenorganisationen der holländischen Landwirtschaft haben be- schlössen, sich an der Kölner Messe nicht zu beteiligen, weil die von Deutschland gegen die Einfuhr holländischer landwirtschaft- licher Erzeugnisse getroffenen Maßnahmen nicht als Ansporn be- trachtet werden könnten, sich an einer solchen deutschen Beranstaltung zu beteiligen. Die Holländer haben von den Ausländern immer noch am besten auf der Kölner Messe gekauft. Wenn sie jetzt nicht mehr kaufen können und wollen, bedeutet das geringere Beschästi- gung des Kölner Handels und der rheinischen Industrie mit allen ihren furchtbaren Folgen. Dieser Vorgang ist ein Musterbeispiel dafür, wohin das deutsche Volk käme, wenn Deutschnattonale und Nazis Gelegenheit hätten, ihre Autarkie in Deutschland durchzuführen. Japans Militarismus. Die Hintergründe des Angriffskrieges in China. Japans Ueberfall auf die Mandschurei ist das Muster- beispiel eines imperialistischen Krieges. Es geht nicht um Geist, Blut, Rasse oder was sonst eine idealistische Ge- schichtsschreibung als Kriegsursache kennt: es geht um Eisen- bahnen, Bergwerke, um Sojabohnen und Banken, also um höchst massive Dinge. Solange sich die japanische Aktion aus die Mandschurei beschränkte, konnte ein Zweifel an den öko- nomischen Triebkräften nicht möglich sein. Was hat aber das Bombardement von Schanghai, was haben die Bomben- abwürfe auf wehrlose Frauen und Kinder in Schapei, was hat die Beschießung Nankings mit der Mandschurei zu tun? Geht es noch immer um die Mandschurei oder haben sich nicht vielleicht die japanischen Zielsetzungen geändert? Will Japan heute nicht schon m e h r als es vor drei Monaten gewollt hat? Die offizielle Begründung für das brutale Vorgehen der Japaner in Schanghai ist die Notwendigkeit, dem Boykott japanischer Waren durch die Chinesen Einhalt zu gebieten. In dem Ultimatum, das dem chinesischen Bürgermeister der Stadt überreicht wurde, lautete die erste Forderung: Verbot aller antijapanischen Boykottorganisationen. Zweifellos trifft der Boykott den japanischen Handel außerordentlich schwer. Nach einer vorläufigen Schätzung belaufen sich die Verluste, die er allein in Hongkong und Schanghai erlitten hat, bis Ende 1931 auf etwa 11 Millionen Pfund Sterling. Wahr- scheinlich sind die Schäden noch bedeutend größer. Es haben nicht nur alle Chinesen aufgehört, japanische Waren zu taufen. Schon bestellte Waren werden nicht abgenommen, Aufträge storniert, Chinesen ziehen ihre Guthaben bei japanischen Banken zurück. Und zwar nicht etwa bloß in China. In allen Ländern um den Stillen Oezan herum nehmen chinesische Kaufleute einen hervorragenden Platz ein. In Niederländisch- Indien ist nahezu der ganze Kleinhandel in chinesischen Händen und auch ein ansehnlicher Teil des Großhandels. Der Boykott wird auch dort rigoros durchgeführt. Japan muß Reis einführen. Seit Wochen haben die Reisverschiffungen aus Siam nach Japan so gut wie aufgehört. Die Besitzer der Reismühlen und die Reisgroßhändler in Siam sind Chinesen! Was für Siam gilt, gilt auch für Singapore, für Französisch- Hinterindien, für die Malayen-Staaten. Die Wirkungen des Boykotts reichen bis nach Amerika. Der japanische Handel mit Mexiko ist empfindlich geschädigt. In Kalifornien sind japanische Banken zusammengebrochen, weil ihre chinesischen Kunden einen organisierten Run auf sie veranstaltet haben. Die Auslandschinesen marschieren an der Spitze der Boykott- bewegung. Es ist klar, daß unter diesen Umständen die Beschießung chinesischer Hafenstädte dem Boykott nichts anhaben kann. Im Gegenteil. Er wird sich mir noch verstärken. Selbst wenn die lokalen Behörden die Boykottorganisationcn ver- bieten wollten, wäre ein solches Verbot ganz unwirksam. Alle Kanonen der Welt sind nicht imstande, den chinesischen Käufer zu zwingen, japanische Waren zu kaufen. Und Fliegerbomben sind die allerungeeignetfte Reklame für japanische Zündhölzer und Hosenträger. Wenn also die offizielle Begründung falsch ist, was sind dann die wirklichen Triebkräfte Japans? Man versteht die Ereignisse in Ostasien nur ganz unvollkommen, wenn man wie gebannt nur auf die unmittelbaren wirtschaftlichen Inter- essen Japans starrt. Gewiß, die Eroberung der Mandschurei geschieht im Interesse der japanischen Industrie, des japani- schen Kapitalismus. Aber die Art, w i e diese Ziele oerfolgt werden, das jetzige Vorgehen Japans ist nur zu verstehen, wenn man weiß, wie stark der japanische Militaris- m u s ist. Japan ist eine konstitutionelle Monarchie. So steht es in der Verfassung. Alles ist ganz wie in Europa. Es gibt ein Parlament, es gibt Parteien, es wird gewählt. In Wirklich- keit ist das alles nur eine Fassade, hinter der sich etwas ganz anderes verbirgt. In Japan herrschen einige Adels- geschlechter, das Regieren ist die Angelegenheit einiger großer Familien. Nichts kann besser zeigen, wie sehr trotz allen„europäischen" Formen noch immer das alte Adelsjapan lebt, als wenn man sich etwa die gegenwärtige Regierung be- trachtet. Es ist eine Regierung von Sippengenossen. Der Ministerpräsident I u n k a i hat Söhne, die sind Staats- sekretäre; er hat eine Tochter, die ist die Frau des Außen- Ministers Poschisawa. Ein Verwandter ist der Iustizminister Suzuki. Sein Schwager Hatoyama ist Unterrichtsminister. Die ganze Regierung ist untereinander versippt und verschwägert. Die politischen Parteien Japans sind, mit Ausnahme natürlich der jungen Arbeiterparteien, nichts anderes als die großen Klans der Feudalzekt mit ihrem Anhang. Seit 1922 regieren bürgerliche Parteien. Auch sie sind „bürgerlich" nur mit Einschränkung zu nennen. Ein Teil der alten Geschlechter hat den Uebergang zur Industrle zu finden gewußt. Die Samurai haben sich sehr schnell und sehr gewandt in moderne Kapitalisten zu verwandeln ver- standen. Geblieben ist aber die Tradition, der Zusammenhang innerhalb der asiatischen Großfamilie. Der Klan besteht weiter, nur tragen die Klanhäupter nicht mehr das Schwert, sondern telephonieren mit den Bankiers in New Aork, London und Paris. Der Militäradel wurde schrittweise von dem bürgerlich gewordenen Adel zurückgedrängt. Am stärksten durch die Regierung der M i n s e i t o p a r t e i, an deren Spitze Hamagutschi stand. Bis zur Londoner Flotten- konferenz. Die„Niederlage" Japans in London war noch viel ärger als 1922 in Washington. Hamagutschi hatte„das Vaterland oerraten". Er hatte in eine Einschränkung des Flotten- bauprogramms eingewilligt. Der Verräter an der Größe Japans mußte beseitigt werden. Die Generäle entfesselten einen chauvinistischen Sturm sondergleichen. Sie peitschten die patriotischen Instinkte bis zur Raserei auf. Die Militär- Partei drückte dem Fanatiker die Waffe in die Hand, mit der er Hamagutschi niederstreckte. Der Generalstab bereitete eine große Offensive vor. Seine Verbindungen mit dem Hos waren gut. Es gelang, den schwächlichen Kriegsminister U g a k i zu stürzen und an seine Stelle den General Minami zu setzen, einen typischen„starken Mann". Seit dem Früh- ling 1930 arbeitete der japanische General st ab ganz systematisch an der Entfesselung eines kriegerischen Zusammen- stoßes mit China. Die Besatzung in Korea wurde verstärkt, statt der bisher dort stationierten zwei Divisionen wurden drei gehalten. Die Garnison in der Mandschurei wurde gleich- ialls vergrößert. Wo sich nur Gelegenheit bot, provozierte das japanische Militär Zusammenstöße. Die Regierung ver- suchte zu bremsen. Sie verfolgte die gleiche Außenpolitik der „Größe Japans", die der Generalstab verfolgte. Nur wählte sie andere Mittel. Sie vermied, solange es möglich war. den offenen militärischen Konflikt, sie arbeitet lieber mit den nicht weniger wirksamen, aber unauffälligeren Mitteln, die ihr in China schon so viele Erfolge gebracht hatten. Doch gerade das wollten die Generäle nicht. Sie wollten Krieg, das hieß: Militärherrschaft, Krieg, das hieß: Alle Macht dem Generalstab. Krieg, das hieß: Nicht die Feder regiert, sondern das Schwert! Bekanntlich brach der Konflikt in det Mandschurei„wegen der Ermordung Nakamuras" aus. Er brach natürlich aus ganz anderen Ursachen aus, doch die Begründung, die Japan brauchte, um einmarschieren zu können, lieferte dieser Zwischenfall. Nakamura war ein Spion, der als schlichter Lehrer in Zioilkleidung in der Mandschurei herumschnüffelte. Als sein Tod in Tokio bekannt wurde, nahm ihn das Außen- amt zur Kenntnis. Erledigt. Anders der Generalstab. Was für eine herrliche Gelegenheit! Das mußte man veröffent- lichen! Das Außenamt weigerte sich, dann wich es einen Schritt zurück. Es war einverstanden, daß die Ermordung des L ech r e r s Nakamura bekanntgemacht wurde. Wer was liegt schon an einem Lehrer! Ein Offizier, ein Haupt» mann ist von den Chinesen erschlagen worden! Der Generalstab setzte seinen Willen durch. Und damit nicht genug. Militärflieger warfen über den japanischen Städten Flug- blätter ab. die die Bevölkerung aufforderten, diese Schmach blutig zu rächen. Es begann eine Hetze, wild, auf alle niedrigen Pöbelinstinkte spekulierend, den Schatten der rühm- reichen Ahnen heraufbeschwörend, daß schließlich das Militär siegte. Jetzt hatte es seinen Krieg. Man weiß, wie dieser Krieg in der Mandschurei geführt wurde. Die losgelassene Militärbestie wütete gegen friedliche Bauern, Frauen und Kinder, erfand Gegner, wenn es keine gab, lechzte nach Blut. Je größer der Kriegs- f ch a u p la tz, d e st o besser für die Generäle. Die Mandschurei ist ihrem Tatendrang zu klein. Los auf Schang- Hai! Los auf Nanking! Die japanischen Generäle haben genug von Konferenzen wie jenen in Washington und London. Abrüstungskonferenz? Die Antwort find BombenaufSchanghai! Die Regierung Schigematsu ist gefallen. Die Regierung Jnukai ist eine Pupp« in der Hand des Militärs. Je größer der Kriegsschauplatz in China ist. desto größer wird die Macht der Generäle in Japan. Es ist, ins Japanische übersetzt, ein Sieg Luden- dorsfs über Bethmann! politischer Sieg Krankreichs in Genf. Oer Entwurf der vorbereitenden Kommission wird als OiSkusstonsgrundlage dienen. Genf. 4. Februar.(Eigenbericht.) In der am Donnerstag abgehaltenen BollfitzungderAb- rüstungstonferenz gingen die Bericht« der Mandats» prüfungs-, Petitions- und GeschSftsordnungs- kommifslonen distussionslos über die Bühne. Die Konferenz wird nach dem Bericht der Geschäftsordnungskonunrfsion die fünf großen Kommissionen nicht sofort einsetzen, sondern nur die politische Kommission aus allen Delegationsführern unter dem Namen„All- gemeine Kommission". Nach Abschluß der Generaldebatte wird diese Kommission selbst bestimmen, welche anderen Kam- Missionen aus Grund von Vorschlägen aus der Debatte gebildet werden sollen. Gleich zu Beginn der Sitzung wurde von der Mehrhell der GeschSstsordnungskommlssion Deutschland« Vorschlag ab- gelehnt, während die französische These siegte. Deutschland wollt« »ümlich mit seinem Vorschlag auf sofortige Errichtung der drei technischen Kommissionen den Entwurf der vorbereitenden Ab- rüstungskonferenz vollkommen ignoriert wissen. Frank- reich setzte dagegen durch, daß dieser Entwurf auch als Grund- lag» für die Bildung der technischen Kommissionen genommen wurde, die sich nur mit dem oder jenen Kapiteln de» Entwurfs zu befassen haben werden. Der angenommene Bericht der PetllionskommUion stellt fest, daß in der Sitzung am Sonnabend vormittag Vertreter der öffentlichen Organisationen, von Frauen-, Studenten-, Arbeiter-, Völkerbunds, und Friedensvereinen sprechen sollen. Ob unter diesen Rubriken auch die Organisationen der Kriegsteilnehmer zugelassen sind, geht nicht aus dem mündtich vorgetrogenen Bericht hervor. Gendarm Hitler macht schwach. Er wagt keinen offenen Einbürgerungsversuch.» Oer Grund zur(Schiebung. Das Polizeigenie Fr ick hat mit seiner Ernennung Hitlers zum G e n d a r m e r i e k o m mi ss a r von Hildburghausen einen Schuß ins Schwarze getan. Er hat nicht nur sich selbst und die Hitler-Partei in ihrem wahren Wesen enthüllt, sondern auch einen großen Teil des reaktionären politischen Spießbürgertums! Man muß sich ansehen, wie sich die Rechtspresse zu den Enthüllungen über Fricks Schiebungen verhält! Diese Leute, die über sozialdemokratisches Parteibuchbeamtentum zetern, die mst geschwollenen Worten von Sauberkeit in der Verwaltung reden, suchen alle mehr oder weniger die unsaubere und auch persönlich im höchsten Maße unverstän- dige Schiebung des Herrn Frick zu bagatellisieren oder zu decken. Der„Angriff" des Herrn Goebbels überschreibt seine wehmütigen Betrachtungen:„Um ein Stück Papier". Ja gewiß: nur ist dies Stück Papier eben eine wichtige Ur- künde! Die Nazis zeigen, daß ihnen jedes Gefühl für amt- liche Korrektheit abgeht, da, zu noch jedes Gefühl dafür, was es für eine im Vordergrund des politischen Lebens stehende Persönlichkeit bedeutet, wenn eine so dummdreiste und lächer- liche Schiebung mit ihr gemacht wird. Wir erhallen eine neue Bestätigung dafür, daß der Begriff der Würde bei den reaktionären Spießbürgern vom Schlage der Frick, Hitler und Kompanie unbekannt ist. Im übrigen ziehen sich die faschistischen Parteigänger hinter die Ausrede Hitlers zurück, daß er die F r i ck s ch e Schiebung nicht ge wollt habe, und daß Frick seine Bemühungen daraufhin eingestellt habe. Diese Ausrede aber stößt mit Recht aus Unglauben! Frick hat gewußt, was er tat, und er hätte diese Amtshandlung, die nicht nur ihn, sondern auch Hitler schwer kompromittieren konnte, nicht ohne Zustimmung Hitlers. vorgenommen! Wir erfahren außerdem folgendes aus München: „Die Erklärung des Braunen Hauses, daß Hitler Fricks Schiebung abgelehnt habe, wird hier von niemandem geglaubt. Man hört von verschiedenen, unbedingt zuverlässigen Seiten, daß vom Braunen Haus mehrfach Anspielungen darauf ge- macht worden sind, daß Hitler bereits deutscher Staats- b ü r g e r fei und es urkundlich nachweisen könne. Die Ueber- zeugung ist allgemein, daß Hitler jetzt schwach macht und das Doku- ment verleugnet, das er bisher als wertvollen Besitz sorglich gehütet hat, weil er fürchtet, sich unsterblich lächer- lich zu machen." Hitler wird im übrigen niemals einen Kampf um feine Einbürgerung hart und entschlossen durchfechten, er wird immer mit irgendwelchen Ausflüchten schwach machen, wie er jetzt nicht wagt, die Plattform zu benutzen, die Frick ihm gebaut hat! Deshalb wird fetzt eine neue Schiebung geplant, die die„DAZ." andeutet: Hindenburg soll sich für Hitlers Einbürgerung einsetzen, dann würden die Nationalsozialisten für Hindenburg stimmen. Warum schon wieder Schiebung und nicht der gerade Weg? Das hat seinen guten Grund: denn bei einem Kampfe darum würde restlos geklärt werden, daß Hitler österreichischer Deserteur ist! Er hat sich als kerngesunder 23jähriger junger Mann der Militärpflicht in seinem Vaterlande entzogen! Er hat dies selbst in seinem Buche zugestanden. Man mache nicht viel Aufhebens davon, daß er sich bei Kriegsausbruch in Boyern freiwillig gemeldet hat! Seine Propagandisten stellen es so hin, als habe er den Mlltelmächten eine Gnade damit er- wiesen, daß er in einem ihrer Heere gekämpft habe, und daß er dafür besonders belohnt werden müsse! Wenn er als 25 jähriger kräftiger junger Mensch sich in Bayern freiwillig gemeldet hat, so hat er damit nur ver- hindert, daß er in Oesterreich seiner Heeres pflicht nach- kommen mußte, und daß er wegen seiner Desertion zur Ber« antwortung gezogen worden wäre! Es besteht also keinerlei Anlaß, daß Hitler sich mit seiner Meldung zum Kriegsdienst in Bayern brüstet' Er weiß das auch, und das ist der Grund, warum er jetzt schwach macht und Frick allein in der Tinte sitzen läßt! Es hat nicht sollen sein. Das Reichsministerium des Innern hat gestern abend dos von, Reichskanzler Dr. Brüning eingeforderte Gutachten über den Fall„Hildburghaiisen" eingereicht. Ob das Gutachten der Oefsent- lichkeit zugänglich gemacht werden soll, hängt von der Entscheidung des Kanzlers ab. Man kann annehmen, daß das Gutachten die Frage, ob eine rechtsgültige Ernennung Hitlers zum thüringischen Beamten vorliege, verneint hat. Eine Erklärung des Staatsministers Daum. Weimar, 4. Februar. Zu der Angelegenheit der Ernennung Adolf Hitter» zum lhürin- gischen Slaalsbcamlen erklär« Slaat, minister Baum auf Anfrage, daß la der am Freilag stattfindenden Sabine kl». f i h u n g in Weimar eine Erklärung formuliert werden soll. durch die die Oefsenlllchkeit über alles genauesten» informiert werde. Man werde in-besont«re Stellung nehmen zu dem vorgehen de» Minister» a. D. Dr. Frick: außerdem aber werde auch die Frage erörtert werden, ob das verhallen der beiden Miaisteriol- bcamleu mit den beamienrechtticheu vefilmmungeu zu vereinbaren fei. Der Mlaifter erklärte, er habe, nachdem die Angelegenheit in der Oeffenttichkeil erörtert worden fei, e» für fein« Pflicht gehalke«. der Relchsregierung von den Vorgäogeu in Thüringen im Zahre 1930 Kenntnis zu geben. Her zur Eisernen Front! Aufhäuser ruft die Hammerschasteu. Vor den Angestellten de» AES.-Konzerns sprach , gestern abend Genosse Aufhäuser in einer glänzend besuchten Versammlung im„Nordisch« Hof". Er kennzeichnete die gegenwärtige wirsschastliche Lage, die die Unternehmer und ihre Leibgarde, die Nazi«, dazu ausnutzen, um mit der Arbellerschaft ein Doppelspiel zu treiben. Noch nie Hai mau gehört, daß die Nazi» ein« Sapilallsten überfallen hätten, aber täglich geben sie durch ihre Ueberfälle auf Arbeiter einen Auschauungsualerricht von ihrer„Arbeiter. freundlichkeit". Während Goebbels im Sportpalast von„sozialem Empfinden" über- fließt, speist der Gendarm von Hildburghausen gemeinsam mit den Großindustriellen hinter herabgelassenen Rolläden. In ihrem Pro- gramm erzählen die Nazis etwas von der Enteignung des Grund und Bodens. Gleichzeitig soll aber das Privateigentum an Pro- duktionsmitteln unter den Schutz des Staates gestellt wer- den. Leider sehen große Teile der Arbellerschaft nicht diesen Wider- spruch. Wie für die Lrbeller unter der Herrschaft des Faschismus gesorgt ist. zeigen einige Zahlen aus Italien. Dort verdien« qualifizierte Ar- beller etwa 41 Pfennig in der Stunde, bei der herrschenden Kurzarbell etwa 73 Mark im Monat. Land- Arbeiter erhallen 24 61» 32 Pfennig, Landarbellerinnen 13 bis 20 Pfennig. MU 27 bis 82 Pfennig pro Tag wird der Arbeitslose unterstützt. Gegen den Schelnsoziallsmus der Nazis gibt es nur ein Abwehrmillel: den echten Sozialismus. Mll der Schrumpfung der Lebenshaltung und der sogenannten Spar- samkell noch dem Programm der 4. Notverordnung Ist die Krise nicht zu bekämpfen. Es geht heute um mehr als um die Aenderung der letzten Notverordnung. Wir haben heute die Aufgabe, von uns au» die Weg« aufzuzeigen, die zu einem Umbau des heutigen Wirtschaftssystem» führen. Der AfA-Bund hat ein besonderes Aktionsprogramm geschaffen. Im Kern dieses Programmes steht die Organisation des Bankwesens. Heute sind berell» 00 Prozent der in Deutschland gegebenen Kredite unter öffentlicher Kontrolle. Dazu muß der planmäßige Ausbau de« Besitzes der öfsenllichen Hand kommen. Von der Währungsseite her kann eine Aenderung der heutigen Lage nicht erreicht werden. Niemand aber möge glauben, daß Deutschland allein die Wirtschaftskrise beheben könnte; die sogenannte Autarkie würde auch die für den Export Ar- bettend«, der« Zahl über Z Millionen beträgt, erwerbslos mach«. Wer alle Pläne zur Umgestaltung der Wirtschaft können nur oer- wirklicht werden, wenn dt« Arbeller und Angestelltenschast im Schicksalsjahr 1932 fest zur Republik steht und»rüschloss« ist, wenn sie angegriffen wird, Gewalt gegen Gewall zu setz«. Geistig müssen wir aber überall die Angreifenden sein und den anderen ihre Sünden vorhalten. Dann werden wir nicht nur die Krise überwinden und den Faschismus zurückwerfen, sondern auch unserem großen Ziel dienen: der Befreiung der Arbeiterklasse. Die Versammlung dankt« dem Redner mll großem Beifall. Trotz mehrfacher Aufforderung meldete sich kein Gegner zum Wort. Die ganze Veranstaltung macht« den Eindruck innerster Geschlossen- hell und Kampffreudigtsit. Oer-Dsiwärts'* an die Front. In einer überfüllten Versammlung der Belegschaft des„Bor- wärts" sprach der Aorsitzende des Bezirksverbandes Berlin per Sozialdemokratischen Partei Denosie Franz Künstler. Auch hier wie überall ein ausgezeichneter Geist und größte Entschlossenhell. in vorderster Front gegen die Gendarmen de» Drillen Reich» und für die demokratische Republik zu kämpfen. Ein Verleumder bittet um Gnade. Mehr als ZOO Personen füllten das Lokal Rennbahn,, wo die Belegschaft desBezirksamtsTreptowd« Ausführungen des Genossen Stadtrat Mermuth gegen den Faschismus begeistert zustimmten. Nachher gab es ein« Ueberraschung: ein Nazi- r e d n e r meldete sich und erzielte einen durchschlagend« Hellerkells- erfolg. Als der Nazimann jedoch die wiaderholl gerichtlich geahndete Verleumdung produzierte, der„Vorwärts" sei von dem Direktor Soldschmidt der Danatbank mll 800 000 Mark saniert wor- den, forderte der Vorsitzende Genosse Gill meister den Ver- leumder auf, sein« Namen zu nennen. Da rutschte dem Tapferen da» Herz in die Hos« und er bat. ihn doch laufen zu lassen, er habe«in« Frau und zwei Kinder. Der Verleumder wurde jedoch auf die Polizelwach« geführt und sein Name festgestellt. Mll einem begeisterten Hoch auf die Soztaldemokratssch« Partei und die Eiserne Front schloß die Versammlung. Oer Kursürstendamm-prozeß. Strasanträge: Gegen Graf Helldorf 2 Lahre Gefängnis. Nach sechsstündigem Plädoyer stellt« dt« Staotsaawöl!« Dr. Steenig und Hers tm Kurfürstmdamm.Prozeß solg«de Au- träge: Es find zu verurteilen wegen einfach« Landfriedeusbruchs: Graf Helldorf zu zwei Zahlen Gesällguis. Ernst und Brandt zu 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis(das Urteil der erst« Znstanz gegen die drei AngeNogl« lautete auf je sechs Monate Ge- fängnls): Gewehr zu 1 Zahr Z Monaten Sesgvgnl», kühn zu 9 Monaten Gefängnis(das Urteil des Schuellschöff«gerlchks gegen diese beiden Angeklagten lautete auf 1 Zahr 3 Monate Gefängnis refp. 1 Zahr Gefängnis), Scholz zu 1 Zahr 3 Monat« Gcsöug- nls(erste Znstauz 4 Monate Gefängnis), vaberow zu einem Zahr Gefängnis(erstes Urteil Z Monate Gefängnis), Schubert entsprechend dem Urteil der erst« Zustanz zu 1 Zahr S Monat« Gefängnis. Die tu der erst« Zaskanz freigesprochen« Angeklagt« Zahl. Weyer-Mühlhan? und Heckeudorf zu je g Moualeu Ge- fSngnl,. zwelnndzwanzlg Angeklagte«lsprechend de« Urleil der erst« Znslanz zu GefSngnisflrafw von g Monat« bis 1 Zahr 9 Monate. Für die Angeklagten Behfeld, Cor Oelsen, Firfcher. Hagemeister, Hell und S a m e r s k i sowie Barh beantragten die Staaisauwälle F r e i s p r u ch: die ersten sechs Angeklagt« war« auch von der ersten Znslanz fretgesprach« worden. Lach hatte vom Schnellschössmgerlcht 1 Zahr 3 Monate Gefängnis erhall«. „Rappelsdorf." Das Geheimnis von Hildburghausen. Aus Thüringen wird uns mitgeteilt: Was man draußen in Deutschland nicht begreift ist uns Thüringern sofort klar geworden, als wir die Nachricht von der Ernennung Hitlers zum Gen» darmeriekommissar lasen: Warum just Hildburghausen zum Ort der Tätigkeit des großen Adolf ausersehen war. ?n hildburzhausen befindet sich nämlich Mc thüringische eandesirrcnanstoll. Der Ort heißt bei den eingesessenen Thüringern nicht anders als„Rappelsdors". Indem Frick seinen Osaf, Herrn und Meister ausgerechnet nach»Rappelsdors" versetzte, ohne daß dieser von der geheimen Bedeutung des Ortes etwas ahnte, bewies er sein Talent zu einem ironischen Zynismus, der den Thüringern nicht ganz fremd ist. Frick hat es glänzend oerstanden, seinen Meister bis auf die Knochen zu blamieren! Hiilers Gendarmerie-Giandort. Rur Rassenreine dmsten iu Hildburghausen an der Reichs« gründongsfeier teilnehmen. Der Ttudienrat Fritz Hille in Hildburghausen hat die ganze Harzburger Front durcheinander gebrocht. Zum 18. Januar hatte die Harzburger Front durch tagelonges Tamtam in der Press« zur Reichsgriindungsfeier eingeladen. Di« Festrede sollt« der Schrift- leiter Braach van der deutschnational-hakenkreuzlerischen„Dorf- zeitung" halten. Jedoch an dem Tage wo der Schriftleiter Braach seine Rede halten sollt«, übersandte ihm der akademisch gebildete Herr Studienrat Hille ein Ultimatum, in dem es hieß: Die Teilnahme der Nationalsozialisten an der Re i ch s g r ün du n g s f e i e r kann nur zugesagt werden, wenn Sie, Herr Braach, allein an der Feier teilnehmen und ihre Frau zu Haus« lassen. Das Ultimatum bewirkte, daß die ganze Harzburger Front in Bewegung gesetzt wurde. Vergeblich! Hill« besteht„aus Gründen des Programms" auf seiner Forderung. Bis kurz vor Beginn der Feier ziehen sich die Verhandlungen mit Hille hin. Der Erfolg: Offiziell beteiligen sich die Nazis nicht! Ein vollständiges Verbot durchzuführen tonnte Hille nicht erreichen, dazu war er zu schwach. Weshalb der Festredner Braach seine Frau nicht nritbriagen durste, entzieht sich unserer Kenntnis. Ob sie im Verdacht steht jüdischer Abstammung zu sein, wissen wir nicht. So geht es in dem Städtchen zu, dessen Gendarmeriekommissar Adolf Hitler heißt._ „Journaille.. Der„Stahlhelm" über den„Völkischen Beobachter". Der Stahlhelm ist auf die Hitler-Leute maßlos erbost. Seine Bundeszeitung beschäftigt sich noch einmal mit dem Vorfall von Güstrow, wo Stahlhelmer von National- sozialisten zusammengeschlagen wurden. Nach dieser Beschäftigung nimmt sich der„Stahlhelm" den Chefredakteur des„Völkischen Beobachter", Herrn Rosenberg vor. Der wird folgendermaßen gstenn- zeichnet: „Leider mehren sich indes die Anzeichen, daß auch aus der nationalen Seite die leidige Methode der amerika- nischen Ellbogen Taktik immer mehr um sich greift. Was soll man z. A. dazu sagen, wenn ein j u g e r B a l t«, der während des Krieges erst feine Studien ausgerechnet in Moskau vollendete. Herr Alfred Rosenberg, im„Völkischen Beobachter" vom hohen Dachstein herunten den Präsidenten de» SyffhSuser- bundes, den in Frieden und Krieg bewährten General v.HSrn. als.�»itch national" abkanzelt, nur well er eine Aufforderung er- halten hat, dem Sahm-Avsschuß beizutreten—- genau so wie übrigens auch„Pg." General v. Epp. Daß dahinter dann unser« Bundessührer in eine Klammer(oder gar neben Seldt« und Düster- berg) gesetzt werden, ist nun doch schon Methode der jüdi- sch-n Journaille, und wir sind wirklich gespannt, wie lang« sich die alten Frontsoldaten in der NSDAP, noch derartig« Methoden ihrer Parteischreiber gefallen lassen werden." Da sind die Bundesgenossen von Harzburg ernstlich an- einander: denn wenn sii; sich schon Wahrheiten sagen, wird ernst!.__ Kommunistische Lümmeleien. Ideenlose Äeschimpfung Otto Brauns. Da» Berliner kommunistische Abendblatt, dem privatkapitalistischen Konzern Münzenberg gehörig, bereitet den kommenden Wahl- kämpf mit einer illustrierten kommunistischen Glosse über Otto Braun vor, die trotz ihrer Albernheit einer ernsten Zurückweisung bedarf Otto Braun hol die Zeit vor seinem Geburtstag und während feines SO. Geburtstages aus Gründen, die jeder taktvoll« Mensch zu würdigen weiß, fern von Berlin bei seiner noch immer schwer- kranken Frau verbracht, die, wie jeder Eingeweihte weiß, nur durch den Aufenthalt in dem milden Klima Anronas eine Lebensverlängerung erfahren kann. Er hat dort bei seiner Frau im K u r- Hotel Monte Belita gewohnt, dem e, nunmehr widerfährt, von dem Münzenherg-Organ zum„Luxushotel der reichsten Leute der Welt" gestempelt zu werden. Damit dürft« sich das Blatt auch gegen sein« eigenen Gesinnungsgenossen gewandt haben, denn Zimmer an Zimmer rn« dem Miuislerpräsidenlen Braun wohnte ein ofslz'.eller Bcrlreler der Sowstl. Regierung, der eifrig Verhandlungen mit einem dort ansässigen adligen Geld- manu pflog und der seine Abende nicht wie Ollo Braun in stiller ZurückgczogenheU bei seiner kranken Zran. sondern viel- mehr iu eifrigem Tanz ia der Bar mil den lächlern eines hochodUgea Magnaten verbrachte. Auch pflegen sehr zahlreich bolschewistische Grö- ß e n dort abzusteigen, die nunmehr wohl alle von der kommunisti- schen Presse gerüffelt werden dürften. Das kommunistische Abendblatt stellt gegen die Photographie des Mont« Velita die eines sehr kleinen, bescheiden aussehenden Häuschens, von dem sie erklärt, daß dort einmal Lenin als Emigrant gewohnt habe. Nun. dieses zwar kleins, aber immer- hm mst Warmwasserheizung und elektrischem Licht ausgestattet« Haus ist recht komfortabel und t o u r« r als ein Zimmer im Mont« Pelsta, so daß Lenin seinerzeit zusammen mit dem Fürsten Krapot- kin dort recht angenehm gelebt hat. während Otto Braun, als e r seinerzest als politischer Emigrant in der Schweiz sich aufhielt, weit primitiver gelebt hat als Herr Lenin und sehr froh war, wenn«c für ZS Centimes in Zürich sein Mittagessen einnehmen tonnte. Aber davon dürfen die kommunistischen Leser de« Lerleumder« blatte« nicht» erfahre«. Oer Gendarm von Hildburghaufen. Behüi dich Gott, es war so schön gewesen Behüt dich Gott, es hat nicht sollen sein! Die britische Zoll-Lawine. Netrille ChamberlainsLtnterhausrede /Innenminister als Sprecher der Opposttton London, 4. Februar.(Eigenbericht.) An dem historischen Tag der Einbringung der Zoll- gesetz« im englischen Parlament herrschte großer Zu- drang zu den Sitzen der Mitglieder wie zu den Tribünen. Das Historische des Moments, das der ganzen engtischen Oesfentlichkeit bewußt ist, wurde noch besonder» deutlich dadurch betont, daß ein Chamberlain als Schatzkanzlex den Traum Joe Ehamberlains verwirklicht«, der schon vor der Iahrhundertweich« für den lieber- gang zur Zollgesetzgebung geworben hatte. Unter den Zuhörern befand sich die Frau des allen Chamberlain. Der Verlauf des Tages sreilich enttäuschte nur deswegen, weil die Zollgesetze in allen wesentlichen Punkten den Erwartungen entsprechen, sondern auch well der Redner der Regierung. Minister Reoille Chamberlain, die Parlamentsmitglieder mit seiner trockenen Rede nicht mitzureißen vermocht«. Die Bänke wurden schon leer, noch ehe der Minister geendet hatte. Der z-hnprozeuNge Werkzoll auf die gesamte Einfuhr soll am 1. März in Kraft treten. Ausgeschlossen von dem Zoll bleiben soll Getreide. Mehl, Brot, Fleisch, einschließlich des Specks, der für den englischen Frühstückstisch so wichtig ist, Rohbaumwolle und Rohwolle. Die wichtigen Rohstoffe Eisen und Stahl nulerliegen dem Zoll. Di« Einfuhr aus dem Empire bleibt zunächst, d. h. bis zur Entscheidung durch die Empire. Konferenz in Ottawa unbelastet. Die schon be- stehenden Zölle auf Automobil«, Uhren und Musikinstrumente bleiben in Kraft: die neuen ZSll« werden auf diese Waren nicht angewandt. Darüber hinaus können auf die Empfehlung eine, noch«inzu- setzenden Komitees durch das Schatz- oder Handelsantt weiters Zollerhöhungen durchgeführt werden, die bis zu einer lOtiprozenIigeu Belastung des Eiofuhrwertes gehen können. Solche Zölle si>ch vor ollem als Vergeltungo- maßnahm« gegen ander« Länder gedacht. Derartig«, aus dem Vcrordnungsweg« eingeführte Zölle, können jedoch nur 28 Tage ohne die Genehmigung des Parlaments in Kraft bleiben, doch sollen dabei Tage, an denen das Parlament in Ferien ist oder aus einem anderen Grunde nicht arbeitet, mcht mitgezähll werden. Hatte Chamberlain im Parlament mit seiner trockenen und etwas sentimentalen Red« nicht zu spannen vermocht, so würde das eigenartige Schauspiel einer Opposikionsrede von den Regierungsbänken durch eine hervorragend« rednerische Leistung von Sir Herbert Samuel besonders spannend gestaltet. Die Bänke füllten sich rasch, nachdem der Innenminister begonnen hatte, die gegen die Regierung sprechenden Punkte aufzuzählen, und zwar mit einer Präzision, die einem außerhalb der Regierung stehenden Opponenten all« Ehr« gemacht hätte. Er verwies darauf, daß für die eng- lischen Hausfrauen und für die Arbeitslosen dl« meisten Gegenstände de» täglichen Bedarfes erheblich verteuert würden. Auch den Anhängern der nationalen Regierung auf den Re- gierungsbänken wurde durch diesen Angriff das Unlogische der neuen Parlamentspraxis klar und empört« Rufe aus den Kanser- vatwenbänken. die den Rücktritt Sir Herbert Samuels forderten. wurden hörbar. Der Verlauf der Diskussion, für welche fünf Tage vorgesehen sind, wurde«her durch die Prob- interessant, aus welche das Experiment de» Regieren» mit einer uneinigen Regie- rung gestellt ist als durch die Wirkung, die sie durch die Gestaltung de» Zollgeseges haben könnte. Großbritannien als Freihandelsland existiert nicht mehr. Von der Abwertung des Pfundes, die einer indirekten Zoll- erhöhung gleichlommt, über die Ivvprozentigen Zölle auf Fertigwaren und Lebensmittel bis zu der Einführung des jetzt zur Debatte stehenden allgemeinen Wertzolls führt eine einheitliche Linie. Es wäre eine grobe Selbsttäuschung, wenn man an- nehmen wollte, daß diese Einführung des lOprozontigen Finanzzollcs den Schlußpunkt unter das Kapitel der neuen englischen Zollpolitik setzt. Es ist vielmehr mit Sicherheit zu erwarten, daß dieser Finanzzoll nur den Rahmen für den englischen Schutzzolltaris abgibt, der sämtliche Einfuhr- waren, von einigen wenigen Rohstoffen abgesehen, umfassen wird. Dieser Punkt ist es auch, der zu dem kürzlichen Kabinettskonflikt in England und zu dem Aufsehen erregen- den Beschluß Macdonalds geführt hat, das neue Zollgesetz dem Parlament ohne die Zustimmung des gesamten Kabinetts zu präsentieren. Daher ergab sich auch die höchst seltsame parlamentarische Situation, daß der liberale Innen- minister, Sir Samuel, die Oppositionsrede gegen die Re- gierungsvorlage hielt. Nach den Ausführungen des Schatzkanzlers werden samt- liche Erzeugnisse der Kolonien und der Dominien von dem neuen Finanzzoll ebenso befreit bleiben, wie sie im Ro- vember und Dezember von den lüvprozentigen„Dumping- zollen" auf Fertigfabrikote und von den Lebensnüttelzöllen oerschont wurden. Hier zeigt sich die klare Linie der fteuen englisch sn Handelspolitik, die auf eins enge wirtschaftliche Zusammenfassung des britischen Empire mit Hilfe einer außerordentlichen Vorzugsbehandlung der Ko- lonien und Dominien abzielt. Ueber dies« wirtschastspoli- tischen Ziele wird auf der britischen Reichekonferenz, die für den Monat Juni in Ottawa angesetzt ist, die endgültige Entscheidung fallen. Das Ausland kann die neuen englischen Zollmaßnahmen auch unter dem Gesichtswinkel einer Gesundung Englands nur mit größterEkepsis verfolgen. Wenn Chaniber- lain nachdrücklich hervorhebt, daß ein Ausgleich der eng- lischen Handelsbilanz und eine Besserung der gesamtwirt- schastlichen Lage nur durch Einfuhrdrosselung bei gleichzeitiger Exportsteigerung möglich ist, so können die neuen Zollmauern, die England seit Monaten emsig aufstockt, den Import wohl scharf einengen, dagegen ist die Möglichkeit einer Exportsteigerung mit dieser Politik in keinem Falle gegeben. Ganz ün Gegenteil wird Englands Exportstellung auf dem Welt- markt durch seine jetzige Zollpolitik entschieden erschwert, denn es liegt auf der Hand, daß die Länder, die jetzt mehr und mehr vom englischen Markt abgesperrt werden, sich mil verstärkter Wucht auf die übrigen ausländischen Märkte werfen und der englischen Ware schärfere Konkur- r e n z denn j« machen werden. Das eigentliche Wirtschafts- Problem Englands, die Erneuerung uich Umstellung seiner Industrie wird mit diesen Zollmaßnahmen nicht gelöst. Die hohen Zölle werden vielmehr zwangsläufig das Be- harrungsvermögen der englischen Unternehmer verstärken. eine Bereinigung der eigentlichen Krisenherde verhlndern und damit die englische Krise nicht mildern, sondern im Gegenteil noch verschärfen. 277 000 für hindenburg. Der Hiudenburg-Ausschuß teilt mit: Nach den bisherigen Feststellungen haben sich am ersten und zweiten Cinzeichnungstoge für die Volkskandidatur Hindenburg ins- gesamt 27 7 000 Personen eingetragen, davon in Berlin in?- gesamt KZ 000. Am zweiten Tag wurden gemeldet insgesamt 1S2 000. davon in Berlin rund 34 000. Bisher liegt weder das Ergebnis de» ersten noch des zweiten Einzeichnungstagcs vollständig vor. Dr. Heinrich Lausenberq gestorben. In Hamburg ist der Schriftsteller Dr. Heinrich Laufenberg gestorben, der in den ersten Monaten noch der Revolution 1918 als Vorsitzender des Arbeiter- und Soldatenrats!n Hamburg eine führende Rolle spielte. Seit Jahren war Laufenberg, der wetteren Kreisen durch sein«„G-- schichte der Hamburcier Art eiterbewegung" bekannt geworden ist, von der polttischen Bühne verschwunden. Er litt an einer Magen» krankhett, d-i sich plötzlich verschlimmerte und schnell zum Tode führte. vanzig siegt im Haag. In d«m Strett zwischen Damig und Polen hat der Haag« ständig« international« Gerichtshof am Donnerstagnachmittag fein Gutachten wegen der Behandlung pol- nischer Untertanen und anderer Personen polnischer Sprache auf dem Gebiet von Danzig mit 9 gegen 4 Stimmen dahingehend erstattet. daß der Standpunkt der Stadt Danzig gc- rechtsertigt ist und die im Gebiet der Fretstadt Donzm wohnenden polnischen Untertanen kein Recht auf gleiche Dehandln'' als Danziger Bürger haben. Alle Genossinnen und Genossen, Reichsbannerkameraden und bundestreuen Arbeitersportler beteibgen sich am Freitag, dem 5. Februar, ab 18 Uhr, von den bekannten Stellen aus, an der allgemeinen Flugblattverbreitung für die Eiserne Front! ktmrudunze» für Vtrfr Rubrtt swd >«» l t» TW VS. LivdenstroH« 3 parieinachrichten��Mfür Groß-Berlin stet» iu> va» Bezirtssetretllriat i. Hof. 2 Siemen recht», zu richten Achtung» FrciÄcuker! Sonntag. 7. Fedrnar, 2« Uhr SchanspieloufsShrnng..Scheidung� im Somöliienhan-, Schissbauerdanun ZS.»eschlnjsene Borstel ung de» Freidenier. verbände». Sintritrslorten l M beim Hau-lasfierer oder im Büro de» Frei- denleroerbande», Sneiseoanftr. tt. Bezirksausschuh für sozialistische Bildungsarbeit. _ Die Karte« der Vorstellung„Vcheidung� müssen heute abgerechnet werden. * Beginn aller Veranstaltungen Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe! heule. Areitag. 5. Februar: Zirei». Äimigebung um 20 llbr in Weißensee, Schloßpavillon, Berliner Allee. Referent: Landtogsabgeordneter Max Fechner. Abt. Mugblattverbreitnng vom Lokal Lohan, Brllderstr. lk, ab 15 Uhr. Abt. Bei Dobrohlaw, Swinemünder Str. 11, Fllnltionürsißung. Abt. Eintragungen in die Liste der Eisernen Front von 18 bis 20 llhr im Lokal Arndt, Schriiderstr. 2. Abt. 20 Uhr Zusammenkunft der jüngeren Parteimitglieder Im Heim Genthiner Str. 17. Unsere Arbeit in Preußen. Referent: Willi Wolfs. Abt. Alle Genossen holen sich ihre Flugblätter von den bekannten Lokalen selbst ab. Abt. An bekannter Stelle Flugblattverbreitung. Abt. Von 18 Ubr ab Flugdlattverbreitnng Cadiner Str. 10. Anschließend um WH Uhr wichtige Funktionärkonserenz. Erscheinen aller Funktionäre ersorderlich. Abt. Ab 18 Uhr Flugblattverbreitung von den bekannten Lokalen aus. Abt. Ab 17 Uhr Flugblätter abholen von Krepp, Planuser KS. Abt. Die Flugblattverbreitung findet wie Üblich von den Zahlabendlokolen ab 18 Uhr statt. Die Bexirksführer haben dafür Sorge zu tragen, daß die Flugblätter rechtzeitig zur Verfügung stehen. Abt. Ausgabe der Flugblätter Freitag und Sonnabend von 17—10 Uhr bei Arndt. Äantstr. 51. bei Thunack, Wielandstr. 4, und bei Michaelis, Mommsenstr. öl Abt. Funktionärflßung. Abt. Ä Uhr Funitwnärssßung bei Reimann, Sedanstr. 17. Abt. 18 llhr allgemeine Flugblattverbreitung von«labe, Sandiernstr. 60/61, aus. 20 Uhr Funklionärsstzung bei Rosenau, Parziner Ecke Laubacher Straße. Abt. Ab 18 Uhr Ausgabe der Flugblätter in der Rüstkammer«aiser- Wilhelm-Str. 20—31. Abt. Die Bezirksführer und alle Arbeitslosen holen ab 18 Uhr das Ma- terial vom Genossen Semmler ab. Abt. Funktionärssßuna in der Schule Kopfstraße. Abt. Bei Schmidt, Bergstr. 83, Funktionärsißung. Abt. Alle Mitglieder beteiligen sich an der Flugblattverbreitung. Deshalb findet die Funktionärsißung erst am Dienstag, dem 0. Februar, statt. Die 18. & 13. 26. 34. 57. *5. 98. 99. 198. 115. Bezirksführer treffen Vorbereitungen für die" FaHlabende. Abt. Fkugblattausgabe zwischen 18 straße 27. Abt. Flugblattverbreitung 1. und Radtke, 4. Gruppe bei Seipke. .8 und 19U Uhr im Parteihcim Schloß- Gruppe bei Etöber, 2. Gruppe bei Morgeu. Souuabeud, k. Februar: 1. Kreis. Ab 151» Uhr treffen sich die erwerbslosen Parteimitglieder im Heim Wäisenstr. 18. Politische Schlagwörter. Referent:?. P. Maner. Sanntag, 7. Februar, Besichtigung der Meierei Bolle. Treffpunkt 0>. llhr Kleiner Tiergarten, am Pförtnerhaus. 2. Kreis. 18 Uhr pünktlich Sitzung des BUdungsausschuffes bei Schmidt, Wielefstr. 17. 5. Abt. Ab 17 llhr Flugblattverbreitung. Helfer finden sich bei Mathia, Linienstr. 29, ein. 43. Abt. Die Genossen beteiligen sich an der Gedenksteinweihe des alten ver- storbenen Genossen Heinrich Königs, auf der Urnenstelle des Friedhofs der Freireligiösen Gemeinde. Pappelallee(18 Uhr). 45. Abt. Ab 17 Uhr Flugblottverbreitung von den Gruppenlokalen aus. Die ExuppenleUer holen die Flugblätter von der bekannten Stelle ob. Arbeitsgemeinschaft der stindersrennde Groß-Verlin. Geschäftsstelle: Berlin EW 88, Lindenstr. 8, 2. Hof, II. Borstandssitznng heute, Freitag, 5. Februar, 18 Uhr, Lindenstraße 2. Kreisleiterfitzung heute. Freitag, ö. Februar, 19V. llhr, Lindenstraße 4. Der neue Helfer ist da. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation Eiserne Front! Unsere nächsten Versammlungen. Freitag, den 5. Februar: AEG, AckerstraOe, Bahnwerkstatt Prinzenallee, AEG. Brunnen- straBe, Schwartzkopff, Lehrwerkstätte und Hydra» Werk, Dr. Paul Meyer: 16 Uhr, im Swinemünder Gesellschaftshaus, Swinemünder Straße. Redner; Pol.-Prä». A. GrzesinskL AEG. Turbine und sämtliche Metallbetriebe Moabits: Gleich nach Arbeitsschluß im Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclef- straße 24. Redner: Kurt Heinig, MdR. AEG. Transformatoren: 16 Uhr, Brückenklause, ßrückenstr. 15. Redner. Karl DresseL Otis und Flohr; 16 Uhr, Lokal Ladewig, Reinickendorf, Eich- bornstr. 48. Redner; Bernhard Gärlng. Aron, Charlottenburg: Gleich nach Arbeitsschluß, Lokal Reimer, Wilmersdorfer Str. 2. Redner; Wolfgang Schwarz. Metall- Kleinbetriebe Charlottenburgs: I6V3 Uhr, Lokal Sickert, Charlottenburg, Bismarckstr. 85. Redner: Dr. Otto Friedländer. Werner, LUtxowstrafie, und umliegende Metallbetriebe: 16 Uhr, Lokal Bärensprung, Lützowstraße 7. Redner: Hermann Harnisch, MdL AEG. Treptow und Ehrich u. Graetz: 15Ji Uhr, Rennbahn, Treptow. Redner: loh. Stelling, MdR. Bezirksamt Mitte und Charilö; I6V2 Uhr, Hackescher Hof, Rosenthaler Str. 40/41. Redner: Bürgermeister Paul Mielitz. Sonnabend, den 6. Februar; Stadtgut Wansdorf: 15 Uhr, Redner: Genosse Heymut h. Sonntag, den 7. Februar: Stadtgut Lanke und städtische Forsten in lanke: Vormittags 10 Uhr. Redner: Genosse Heymuth. Standard-Werke, Mix& Genest A.-G., Lorenz A.-G., Berliner Telefon A.-G., Schuchardt A.-G.: Vormittags 10 Uhr großer Saal Gewerkschaftshaus, Engelufer 24/25. Redner: Genosse VoB(vom Deutschen Metallarbeiter-Verband) und Emil Barth. 23. Abt. Am 2. Februar verstarb unser Genosse Karl Webling. Müller. stratze 4SK. Cbre seinem Andenken. Die Einäscherung findet Freitag, S. Fe- bruar, 21% Uhr, im Krematorium Gcrichtstraße statt. Bezirksaussciiuß der Ar&eüerwoltlfahrt! Die Gencralvcrsammlong der Atbeiterwohlfahrl ßndet am Sonnabend, 19. März, Dodimittags 4 Uhr, statt. Ort und Tat'esordnung werden nodi bekanntgegeben. Anträge an die Generalversammlung sind der Geschäftsstelle bis spätestens 20. Februar 1932 einzusenden. Einlaß gegen Mandat und Parteibuch. Stimmberechtigte Mitglieder der Generalversammlung sind: a) der engere Bezirksausschuß: b) die Revisoren; c) die Kreisleitcr(innen) und deren Stellvertreter; d) aus jeder Abteilung 2 gewählte Delegierte; e) je ein Vertreter der angeschlossenen Organisationen und die Mitglieder der zentralen Wohl- falirtsdeputation und des Verwaltungsaussdiusses des Landcsjugeud- il H Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlin Einsendungen für diese Rubrik nur an das Jugendsrkretariat Berlin SS 88. Lindenstraße 2. vorn 1 Treppe rechts. Proletarisches Orchester der SAZ., Gruppe Wedding. Ucbungsabcnd See- Ecke Turincr Straße. Die für den 14. Februar angesetzte ougendoorstellung fällt au» und wird auf uichestimmlc Zeit vertagt. heute. Freilag. 5. Februar, 19% Uhr: Arloaaplatz: Elisabethkirchstr. 19. Liederabend.— Ztölluischcr Park: Waisen- straße 19. Programm der ZcSDAP.— Zentrum: Wäisenstr. 18. Heimabend. — Roscuthalcr Barftadi: Tieckstr. 8. Berliner Humor.— Hansa: Bochumer Straße 8b. Mitgliederversammlung.— Moabit I: Waldenserstr. 29—21. Mit- gltcdervcrsanunlung.— Moabit II: Lehrter Str. 18—19. Mitgliederveriamm.- long.— Sportpalast: Kenthiner Str. 17. Faltcnabend.— Gesuudbrunneu 11: stoloniestr. 8. Arbeitsgemeinschaft.— Arnimplatz: Sonncnburger Str. 29. Liederabend.— Arnswaldcr" �------ M»" M-""-----■—!- rcuz.— Balken: Mandclstr. buraer Str 29. Heimabend. Versammlung.— Hoheuschönhausen: Freienwälder Str. 8. Mitglicderversamm- lung.— Nordosten I: Danziger Str. 82. Betrieb und Stempeln.— Weißeusce: Parkstr. 88. Was bringt uns das Jahr 1982.— Andreasplatz I: Brommn» straße 1. Mitgliederversammlung.— Fraaksurtcr Viertel: Frankfurter Allee 397. Ucbungsabcnd.— Petersburger Viertel: Ebertnstr. 12. Ausspracheabend.— Stralauer Viertel: Goßleritr. 81. Mitgliederversammlung.— Warschauer Viertel lR..F.): Litauer Str. 18. Mitgliederversammlung.— Lniscnstadt: Wassertorstr. 4. BUtgliedcrvcrsammlung.— Reichcnberge Viertel: Reichen. bcrgcr Str 88. Zweck und Ziel unserer Organisation.— Friedenau: Offen. bacher Str. na. Liederabend.— Schöaeberg I; Hauptsir. 15. Mrtgliedervcr. slunmlung.— Schöneberg II: Hanptstr. 15. Mitgliederversammlung.— Ehar- tottenburg: Rosinenstr. u Mitgtiedervcrsammtung.— Eharlotteüinrg-Rord: Sienrensstadt, aungsernheideweg. Schule. Anti-liriegsabend.— Eharlotteaburg» Süd: Goethrür. 12. Ärbeitsgemeinfchakt.— Spandau: Lindcnufer 1. Mit. nliedcrversammlung.— Lankwitz: Schulstraße. Mitgliederversammlung._— Lichterfelde: Albrcchtstr. 14a. Mitgliederversammlung.— Steglitz II: Flemming- siraßr 14b. Mitgliederversammlung.— Britz: Parchimer Allee. Arbertsgemein. ichaft.— Neukölln I: Sander. Elke Hobrechtsiraße. Das Kommunistische Mani- fest.— Rcnlöllu II: Steinmetzstr. 94. Sächsischer Abend.— Reukölln III: Ziethenftr. 58. Tagespolitik.— Neukölln vi: Treptower str. 95—96. Jüngeren. zusammenkunkt.— Rentülln vri: Karl. Marx-Schule. Politischer Rückblick.— Neukölln 5'Ill: Rütli-Schule. Arbeitsgemeinschaft.— Neukölln IX: Schierke! Straße 44. Ein Zieger erzählt über Deutschland.— Neukölln X: Bergstr. 29. Arbeitsgemeinschaft.— Neukölln XI: Fluahafcnstr. 68. Brettspielabend.— . 3. Mitgli Bohnedors: Wachtelstr. 1. Gcrda-Wenl-Abeird.— Falkenderg: Gemeinschaftshaus. Mitgliederversammlung.— Köpenick I: Grünauer Str. 5. Abrüstung?! — Friedrichssclde: Guntcrstr. 44. Ausgaben der Gewerkschaften.— Karlsborst: Treskowallee 44. Arbeftsabcnd.— Kaulsdorf: Schul« Adolfstraße. Russische Revolution.— Lichtenbera-Mitt«: Flugblattverbreitung. Treffpunkt 17 Uhr bei Schwarzer. Gabriel. Max-Straße.— Neu-Lichtcaberg: Gnnterstr. 44. Mitgliederversammlung.— Lichtenbera-Rord: Guntcrstr. 44. Können wir in den Sozio- lismus hineinwachsen?— Lichtenberg-Nordwest: Dossestr. 22. Brettspielabend. — Mahlsdorf: Melanchthonftr. 63. Uebungsabend.— Wittenau: Hanptstr. 13. Kommunistisches Manifest.— Karow: Frundsbcrgstr. 9. Sozialismus und R«. ligion.— Riederfchönhausen: Lindenstr. 47. Kurzreferate. Werbebczirk Wedding: Uebungsabend Turiner Ecke Seestraß«. Werbebczirk Tempelhof: Mitgliederversammlung Mariendorf, Dorfstr. 7. „Konflikt zwischen Japan und Chinas sGcwerkschafUichcs siehe 2. Beilage.) Verantwortlich für Politik: Victor Schifft Wirtschaft: 6. Klingelböfer: Gewerkschaftsbewegung: I. Steiner: Feuilleton: Dr. stöhn Sckikowski: Lokales und Sonstiges: Fritz Karstadt: Anzeigen: Th. Glocke: sämtlich in Berlin. Verlan: Dorwärls-Verlaa S m b. H. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerel und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co. Berlin SB 88. Lindenstraße tz. Hierzu 2 Beilage». Vei nervösen Schmerzen, Kopfschmerzen, siichtischen und rheu- malischen Schmerzen hoben sich Togal-Tabletten hervorragend be- währt. Die Wirkung tritt unmittelbar ein, keine schädlichen Neben- Wirkungen! 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Aprikosen Pfand 0.48 0.60 Wein 1928 Caseler Paulinsberg 1.80 1925 Chat. La Tour Bardis 1.40 1928 Saulernes....... 2.10 1930 Wöllsteiner.... uiw 0.80 Muskateller....... uwr 1.20 Gänse gefroren, Pfund von an 52 pi Kalbskamm Pfund 35 pi. Käse 24 pf. Camembert"Ä'a! 6 Portionen Schachtel 0.5« Ramadou.. halbfett, 2 Stück 0.26 Harzerkase..... e». t Pfd. Q28 Limburger voiifattej* halbfett 0.44 Blockkäse(Tils.Art)halbf.,Pfand 0L6 Sieinbuscher.. voiifeit. Pfund 0.65 Brie- J ilsilerkase voiifeH,Plund 0.66 Schweizerkäset>ayr«voiif. Pfd. 0.93 Margarine.KokosIelf»Pfand OLZ Molkereibuller...Pfand 1.1a 1.12 Markenbulier...... Pfand ÖS W«rst 42 Hausmadier-Sülze"*V Äi �- Fleischwurst....... Pfand 0.64 Speck- u. Dampfwursl Pfand 0.68 Landleberwurst•-Pfund«.«» 0.75 Jagdwurst...... ptund 1.1« 0.84 Mettwurst ßraunschw. Art, Pfund 0.86 Feine Leberwurst Pfand i.m 0.38 Zervelal u.Salami Holst., Ptd. 1.05 Teewurst fein und grobe, Pfund 1,18 Mag. Speck Pfand 0.76««» 0.68 Schinkenspeck..... Pfand 1.10 Gek. 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Ohne darüber in Erwägungen einzutreten, ob man die Reichsindexziffer überhaupt ;um Maßstab für die Lebenshaltung der Volksgenossen schlechthin, der Unterstützungsempfänger aber im besonderen nehmen soll, for- derte die sozialdemokratisch« Partei in der Stadtoerordnetenver- sammlung schon mehrmals die Anwendung einer anderen Formel. Erst bei der letzten Etatsberatung brachten die Sozialdemokraten einen Antrag ein, der feststehende Richtsähe verlangte, der aber abgelehnt wurde. Für die Entwicklung, die die Berechnung der Unterstützungen seither genommen hat. müsse die sozialdemo- kratisch« Fraktion die Verantwortung ablehnen und sie den Parteien überlassen, die mit zu dieser Ablehnung beitrugen. Darunter be- finden sich auch die Kommunisten, die stets den gegenteiligen Standpunkt einnahmen.(Lärm bei den Komm.) Genosse Rohde wandte sich dann gegen die lügnerisch« Behauptung der Kommu- nisten, die Sozialdemokraten hätten die Richtsätze herabgesetzt. Uns ist es mit der Rot der llnierstühungsewpsänger bitterernst im Gegevsah zu den Sommuuisten, dle ihr Agttalionsbedürfuis damit befriedigen. Uferlos« Forderungen zu stellen, deren Verwirklichung man dann den anderen Parteien zuschiebt damit ist den Wohlflchrtsbetr«uten nicht geHolsen.(Erneuter Lärm bei den Komm.) Die sortgesetzten Zurufe von ganz links her konnte Genosse Rohde entkräften, in- dem er darauf hinwies, daß unter der talkrästtgften Mitwirkung der Sozialdemokratie bei. spielsweise die Invalidenrenten im Reichsmohstabe von tl,50 M. vor dem Kriege aus 37,50 M. heufe herousgesetzl werden konnten. In den Spektakel, den die Kommunisten fort- gesetzt verursachen, mischten sich dann auch die Nationalsozialisten ein, die Genosse Rohde gehörig abführte. Er erinnerte sie daran. daß der nationalsozialistisch« Reichstagsabgeordnet« Wagner genau wie die Unternehmer die Befreiung der Wirtschaft von allen sozialpolitischen Belastungm gefordert hat. Oer Nationalsozialist Wagner forderte auch die Aufhebung des Tarif, und Schlichtungswesens, der Kranken., Invaliden, und Unfallversicherung und des gefamten anderen Aürsorgemesevs. (Großer Lärm bei den Nazi.) Wohin es führen würde, fuhr Ge- nasse Rohde fort, wenn nach dem Rezept d« Nationalsozialisten die Arbeitnehmer gezwungen würden, ihre Rücklagen in Zwangssparkassen anzulegen, hat man bei den Riesenpleiten der L a h u s« n und Borsig gesehen, wo die Wertsparkassen im Strudel der all- gemeinen Pleite versunken find.(Sehr richtig! bei den Soz.) Diesen Reaktionären und ihrem nationalsozialistischen Anhang leisten die Kommunisten durch ihr Gebaren Vorschub, was allerdings nicht verwunderlich ist, da bei ihnen der.yauptfeind immer noch die Sozialdemokratie ist. Genosse Rohde ging dann auf den sozialdemokratischen Antrag ein, in dem insbesondere eine exakt durchgeführte. ivMviduelle Fürsorge verlangt wird. Die Beamten in den Fürsorgestellen mühten mehr als bisher die Bearbeitung der einzelnen Fälle vom sozialen Gesichts- Punkt au» vornehmen. Ganz besonders sei dies beispielsweise notwendig bei den Blinden, die große Ausgaben für da» Halten von Führern und Führerhunden zu machen hätten, was aber in den Unterstützungssätzen sehr selten berücksichtigt wird. An den Magistrat richten die Sozialdemokraten die Forderung, schnellstens«ine Aen- derung der Richtlinien vorzunehmen. Die Sozialdemo- traten würden, so betonte Rohde am Schluß seiner Ausführungen. die vom Magistrat angeforderten Mittel gern bewilligen.(Beifall bei den Soz.) Nach den Reden der Stadtverordneten Frau klockow(D. Vp.), Engel Nfoz.) und anderer wandte sich Genosse Rohde dagegen, daß behauptet wurde, die heutige Fürsorge schaffe Begehrlichkeit und Unzufrieoenheit bei den Unterstützten. Engels Rede decke sich mit denen der Sozialreaktionäre, die gegen die Sozialversicherung aller Art anrennen. Die A b st i m m u n g ergab die Ablehnung eines kommunistischen Abänderungsantroges. Angenommen wurden die Beschlüsse des Haushallsausschusses, der den Oberbürgermeister er- sucht, dahin zu wirken, daß der Eigenart der einzelnen Unter- stützungsfälle Rechnung getragen wird und beim Vorliegen be- sonderer Bedürftigkeit auch die Richtlinien überschritten werden können. Bei Blinden. Krüppeln und anderen besonder» Ztokleidendcu soll deren Lage individuell geprüft werden, soweit beispielsweise die Haltimg eines Führerhundes oder sonstiger Mehraufwand nötig ist. Die Stadtverordnetenversammlung ersuchte ferner den Oi-erbürgermeister, alle Anordnungen, die er auf Grund der Notverordnung bei der Wohlfahrtspflege zu treffen be- | absichtigt, vorher der Wohlfahrtsdeputation zur Beratung zu überweisen. Die Vorlage betreffend die Herabsetzung der Kosten für den Bau der Volksschule in Schmargendorf wurde angenom- wen, ebenso ein Antrag der Deuffchnationalen, der ein« Ermäßi» g u n g der Gebühren für die Stadtentwässerung, die Straßen- reinigung und die Müllabfuhr verlangt. In der Aussprache über einen kommunistischen Antrag, der eine Herabsetzung der Standgebühren auf den städtischen Wochen markten verlangt, hob Stadtrat Ge- nofse Orimann hervor, daß der Ausschuß eine Herabsetzung der Standgebühren um SO Prozent abgelehnt habe. Eine Herab- setzung der Mieten auf den anderen Marktstellen auf unter Frieden;- miete, wie verlangt, sei unmöglich, wolle man nicht die Wirtschaft- lichkcit einfach in Frage stellen. Angenommen wurde zunächst ein Zusatzantrag der Kommunisten, die Standmieten für die Rieselfeld- Pächter auf dem Neuen Markt um die Hälfte herabzusetzen, dann auch der Beschluß des Ausschusses, die Standmieten um IS Prozent zu senken. Schamlose Beschimpfung Eberts Ein Nazi-Redakteur nennt ihn„Massenmörder" Vor dem Schöffengericht Schöneberg hatte sich heute morgen wegen Beschimpfung des verstorbenen Reichspräsidenten Ebert (Verstoß gegen das Republikschutzgesetz) und wegen Beleidigung von Polizeibeamten der verantwortliche Redakteur de» jetzt im„Angriff" aufgegangenen„Roten Adler", Sage, zu verantworten. In einem Artikel„Eberl als Massenmörder" vom 30. Mai 1931 befaßte sich das Naziblatt mit einer Verhandlung der Strafkammer in Ncu- ruppin und behauptete, da» Gericht habe als wahr unterstellt, daß Ebert durch seine Beteiligung am Munitionsstreik im Jahre 1918 Tausende von Soldaten auf dem Gewissen habe, also als Massen- mörder anzusprechen sei. Außerdem wurden in dem Artikel die als Zeugen aufgetretenen Polizeibeamten als stupide bezeichnet. Jene Verhandlung in Neuruppin fand gegen einen Naziredner Wetzger stall, der auf einer Versammlung unter Bezugnahme auf den Munitionsarbellerslleik gesagt hatte.„Ebert, der Tausende von Soldaten aus dem Gewissen habe", sei selbst nicht einen Kanonen- schütz wert." Sein Verteidiger hatte die Ladung Ludendorffs b«-- anllagt, um nachzuweisen, daß der Munitionsarbeiterstrelk den Tod Tausender von Soldaten zur Folge gehabt habe. Der Antrag mar als unsachdienlich vom Gericht abgelehnt worden. Der Betteidiger richtete nach der Ablehnung an den Vorsitzenden die Frage nach den Gründen dieser Ablehnung. Der Vorsitzende erwidert«, die Ablehnung sei erfolgt, well es keines Beweises bedürfe, daß«in Munitionsarbeiter st reit schäd- lich sei. Der Verteidiger stagte darauf, ob da» Gericht das als wahr unterstelle, und der Vorsitzende bejahte das. In der heutigen Verhandlung erklärten der damalige Vor- sitzende und die Beisitzer, daß der Bericht über die Verhandlung im „Roten Adler" den wahren Sachverhalt vollkommen entstellt habe. Das Gericht habe nur als wahr unterstellt, daß ein Munitionsarbeiterstreik überhaupt schädlich sei. Der Reichs- Präsident Ebert sei mit keinem Worte erwähnt worden. Der Angeklagte Redakteur Sage jührte zu seiner Entschuldi- gung an, er habe den inkriminierten Artikel gar nicht gelesen. Erster Staatsanwalt Lautz beantragte wegen Beschimpfung des verstorbenen Reichspräsidenten Ebert vier Monate Gefängnis. wegen Beleidigung der Beamten einen Monat Gefängnis und die Zusammenziehung beider Strafen zu einer Gesamtstrafe von vier Monaten drei Wochen Gefängnis. Der Ausdruck„Massenmörder" stelle eine grobe Beschimpfung des Reichspräsidenten dar. Uebrigen» habe das Reichsgericht in der Begründung seines Revisionsurteils in der Neuruppiner Sache festgestellt, daß die Dar- stcllung über die angebliche Beteiligung des Reichspräsidenten Ebert am Munitionsarbeiterstreik den historischen Tatsachen nicht entspreche. Der Angeklagte Sage habe hier nach dem bewährten Muster behauptet, er habe den Artikel nicht gelesen. Zwar liege der Verdacht nahe, daß er den beschimpfenden Artikel vorsätzlich in dle Zeitung genommen habe: da da» ihm aber nicht nachzuweisen sei, so könne er mir wegen frivoler Fahr- l ä s s i g k e i t verurteill werden. Er, der Staatsanwall, bedauere, daß General Ludendorff nicht geladen worden sei:«r hälle al» Zeuge bestätigt. daU der Munitionsarbeiter streik in keiner Weise Ursache für den Tod deutscher Soldaten geworden sei. Au» Ludendorffs Kriegserinnerungen gehe hervor, daß die deutsche Armee zu der ip Frage kommenden Zeit in Uebersluß mit Munition versehen war. Das Gericht verurteilt« den Angeklagten Sage zu nur 1000 M. Geldstrafe, ersatzweise SO Tage Gefängni». In der Urteils- begründung hieß es u. a., ein Verstoß gegen da, Republikschutzgesetz hätte nur vorgelegen, wenn der Angeklagte der Versasser gewesen wäre oder den Verfasser gekannt hätte: beides sei ihm nicht nach- zuweisen gewesen. Objektiv liege ein Verstoß gegen do» Republikschutzgesetz vor, die B e s ch i m p f u n g de« Reichspräsidenten Ebert sei sogar als besonders roh zu bezeichnen. Endlich kommt Bilk) an die Reihe. Bevor der Vorhang auseinandergezogen wird, sieht er Anita an. gibt ihr einen derben, doch sehr freundschaftlich gemeinten Rippenstoß und sagt:..Auch angestrichen?" „Ja", wimmert sie. Anita weint beinahe vor Aufregung. Mit einem Jauchzer stürmt Billy auf seinem Tiaerscheck in die Manege und arbeitet, echte Cowboyarbeit. Er reißt das Publikum mit sich fort. Helle.Kinderstimmen krähen begeistert durch den Zirkus. Billy tobt sich aus. Die furchtlose Anita, die sich kleine blaue Bälle vom Kopf schießen läßt, gefällt ob ihrer Un- erschrockenheit und ob ihrer knabenhaften Schlankheit. Zum Schluß schießt Billy vom galoppierenden Pferde aus nach kleinen Bällen, die Anita hochwirft. Aus Versehen schießt er auch zwei Lampen aus, die dos Stallpersonal nicht hoch- gezogen hat. Da» Publikum rast Beifall. Billy verbeugt sich... �.. Dann steht er im Stalleingang, warm, die Schminke fließt ihm als bunter Schweiß vom Gesicht. Billy nimmt den Hemdsärmel und wischt sich das Gesicht ab. Billy wird sehr müde und ist sehr glücklich..._.. In der Garderobe sinkt er erschöpft auf einen Stuhl- Da stürmt der junge Thormeilen herein, umarmt Billy und sagt:„Mensch, das war großartig. Du bist richtig. Schnauze voll Sand und Augen voll Pulverdampf, dann haben die Berliner was gesehen." Das verlängerte Engagement. Am andern Morgen sieht Billy seinen Namen in den Zeitungen fett gedruckt. Er hat gute Kritiken bekommen. Wer das bedeutet nicht vieL Berlin macht keinen Ar- tiften. das wußte der junge Thormeilen. Ja. wenn es Wien wäre! Wien oerhilft einem Artisten zu internationalem Ruf. Aber Berl'm? Na, der junge Thormeilen tut trotzdem fein Möglichstes. Er veranstaltet Presietees. Er zeigt die Cowboyschau hinter den Kulissen und schiebt bei allen diesen Veranstal- tungen Billy geschickt in den Vordergrund. Billy gibt un- überlegt« Antworten. Wenn mau ihn zu dumm fragt— und das kommt öfter vor antwortet er sogar keß. Doch die Reporter sind darüber entzückt und sie schreiben viel von der Urwüchsigkeit des Cowboys. Der rührige Pressechef veranstaltet eine Prämiierung von Kinderzeichnungen. Das Ergebnis ist überraschend- Nur ein einziges Kind zeichnet ein Pferd. Die andern Großstadt- kinder sehen Pferde offenbar überhaupt nicht. Als der Knabe gefragt wird, warum gerade er ein Pferd gezeichnet Hobe, erzählt er von seinem Onkel, der Schmied auf dem Lande ist und bei dem er immer seine Ferien verbringe. Ein Knabe hat Löwen gezeichnet. Sein Vater ist Tischler. Den Knaben reizte unbewußt der Raubtierwagen, den er frellich zeichnerisch als soliden Wandschrank wiedergab. Alle Kinder aber sahen den Cowboy, ja, 98 Prozent zeichneten ihn. Die Kinder sahen keine Elefanten und keine Seelöwen, die kannten sie vom Zoo. jedoch der Cowboy, der beschäftigte unausgesetzt ihre Phantasie. Der Cowboy war Leben und Erleben. Billys Engagement wurde verlängert. Die Kinder hatten sich zu einmütig für ihn entschieden. Eines Tages war der Elefantendompteur traurig und dem Weinen nahe klagte er Billy sein Leid- Im Rundfunk hatte ein Schriftsteller mit seinem zwölf- jährigen Söhnchen über Tiere und Menschen geredet, und der Sohn hatte sich über Elefantendressuren aufgeregt und gesagt:„Es sei eine Schande, solche große Tiere, die die Freiheit gewöhnt seien, abzurichten." Der Dompteur hatte böswillige Zuschriften bekommen und er fühlte sein Engagement bedroht. Er erzählte von seinem Dater. einem alten Elefanten- dompteur. Der Halle dreißig Jahre lang mit Elefanten ge- arbeitet. Sein» Tiere waren ihm Lebensinhalt gewesen. Der Dompteur zog seine Uhr aus der Tasche und sagte: „Sehen Sie, diese Uhr hat mein Vater einmal versetzt, als es sehr knapp war und die Direktion ihm für Bosco nicht genügend Futter gab. Jahrzehntelang ist mein Vater neben Bosco gegangen. Beim Abbruch, beim Aufbau des Zirkus, immer ging Vater neben Bosco Wenn Bosco krank war, schlief Bater bei ihm im Stall. Bis einmal der Zirkus auf dem Marktplatz einer Kleinstadt aufbaute. Ringsum alte Gebäude, in der Mitte ein großer Platz mit Köpffteinpflaster und an der Zufahrtstraße ein paar armselige, eiligst aufgebaute Stände, es war Wochenmarkt. Davon wußten die Zirkusleute nichts, die Stadtverwaltung hatte es unverant- wortlicherweise nicht mitgeteilt, daß während des Aufbaues Wochenmarkt abgehalten würde. Nun, Vater kam mit dem Elefanten. Bosco arbeitete brav, wie immer. Da sollte der Seelöwenwagen anders gestellt werden, weil er so, wie er stand, gerode das Rathaus flankierte. Den Bürgermeister aber muß man sich immer bei guter Laune halten, und die Zirkusleute fürchteten, er würde sie verlieren, wenn der Tag für Tag dieses„Auu, auun" der Seelöwen höre. Die Biester schreien doch gar zu gerne, und nicht mir. wenn sie Appetit auf Fische haben. Vater Holl Bosco. Der sieht die Äeinüseständ« und räumt auf. Nimmt alles Erreichbare und schiebt es sich ins Maul. Frauen und Kinder schreien, es entsteht eine Panik. Vater straft Bosco und treibt ihp zur Arbeit an. Bosco hat das Stoßkisien vor dem Kopf, er schiebt den Wagen mit den Seelöweu fort, Vater geht mit ihm nach dem Stallzell. das ist zur Hälfte aufgerichtet, ein Teil vom Zelt liegt noch auf der Erde. Ich gucke gerade in die Höhe, betrachte eine alle Kirche und wundere mich im stillen darüber, daß das Ziffer- blast der Uhr keine Zeiger hat. Da ergreift Bosco mit seinem 'Rüssel Bater, schleudert ihn hoch, wiest ihn sich unter die Füße und zertrampelt ihn- Es ging blitzschnell, keiner konnte zuspringen, keiner konnte Vater Hilfe bringen. Ich packte Bosco. Er ließ sich ruhig von mir abführen. Er hatte auf seine Art Rache an Vater genommen. Vater hatte ihn gestraft, als er sich Futter holte.„Sieh. Billy, das kann ja auch ein Tier nicht fassen." „Ich verlor meinen Vater durch einen Elefanten und ich selber arbeite wieder mit Elefanten. Man kann nicht anders, das liegt einem wohl im Blut. Man geht jahrelang neben seinem Elefanten und schließlich packt er einen doch mal. Aber das schadet nichts. Einen Tod stirbt man nur." Anita kommt hinzu und sagt:„Ich habe in einer Rund- funkzeitung da« Bild von dem Jungen gesehen. Die Leute reden über Tierdresfur und verstehen nicht einmal etwas von Menschenerziehung. Mi« verderblich muß das auf den Jungen wirken, abgebildet zu fein, bloß weil er feinem Vater ein paar Fragen vor dem Mikrophon beantwortete. Auf solche Weise wird ja der Größenwahn in Reinkultur gezüchtet." (Fortsetzung folgt.) Gastwirte protestieren. Gegen die Bierpreisverfügung des preiskommifsars. Gegen die Schonung der Brauereien. In einer stark besuchten Versammlung im„Clou" nahmen die Berliner Gastwirte zur Frage der Bierpreissenkung Stellung. Der Hauptrcserent, Litfin, legte dar, daß die vom Preiskom- missar verfügte Senkung des Ausschankpreises van Bier für das Gastwirtsgcwerbe nicht tragbar sei. Eine Kürzung des Schank- Nutzens bei Bier könne deswegen nicht eintreten, weil die Preise für Speisen u. a. schon stark gesenkt seien. Der Redner betonte, daß die Erhöhung des Einkaufspreises für Bier seit 1927 nicht stets aus die Kundschaft abgewälzt worden sei. Er wies auf die Tatsache hin, daß die Brauereien im Jahre 1927, als die Reichsbiersteuer um 2 M. je Hektoliter erhöht wurde, den Bierpreis um das Doppelte, um 4 M. je Hektoliter erhöhten.(Durch die vom Preiskommissar verfügte Herabsetzung des Verkausspreises der Brauereien um nur 2 M. je Hektoliter wird nur gerade diese durch nichts gerechtfertigte Preisllberhöhung allzu spät korrigiert. D. Red.) Da in Nord- deutschland die Pfeniiigrechnung s i ch i nun er noch nicht eingebürgert habe, würde die verfügte Bierpreis- senkung unwirksam bleiben; die Herabsetzung des Preises für ein Glas Bier von 39 auf 29 oder 28 Pf. biete keinen Anreiz zum Mchrkonsum. Eine Bierpreissenkung verspreche nur dann einen Erfolg, wenn der Einkaufspreis für 1 Hektoliter um mindestens 10 M. gesenkt werde. Dazu sei— neben einer stärkeren Senkung hes Brauereipreises— auch die Herabsetzung der Bicrsteuer er- forderlich. In einer Entschließung, die dem Reichskanzler überbracht werden soll, wurden die Wünsche der Gastwirte und die Kritik an den Maßnahmen des Preiskommissars zusammengefaßt. Gegen die Schonung der Brauindustrie bei der Preissenkungsaktion wird scharf Stellung genommen.„Die Versammelten können es nicht verstehen, daß man der unter wesentlich günstigeren Be- dingungcn arbeitenden Brouindustrie eine geringere Preissenkung auferlegt als dem Gastwirtsgcwerbe, das mit rund einer halben Mil- liardc Mark dieser Industrie verschuldet ist." Steglitzer Mörder stellt sich. Gr bekommt Tobsuchtsanfälle. Aus dem 3. Polizeirevier in der hannoverschen Straße stellte sich gestern der 36 Zahre alte Pole Zachia Hirschkopf, der seit lagen von der Sriminalpolizei gesucht wird, da in ihm der Mörder an der Händlerin Eilly Liesker aus der Schlohftrahe in Steglitz vermutet wird. 5lirschkopf war, als er auf dem Revier anlangte, völlig er- schöpft. In seinen Taschen wurden nur noch wenige Pfennige ge- funden. Er gab an, daß er von einem Freund erfahren habe, daß er von der Kriminalpolizei gesucht werde. Da er es doch für aus- sichtslos gehalten habe, die Grenze ungehindert passieren zu können, stellte er sich der Polizei. Als die Beamten auf den Mord an seiner früheren Frau, der Händlerin Liesker, zu sprechen kam. fing der Pole an zu toben. Dieses Schauspiel wiederholte sich mehrmals. Offenbar will er den Geisteskranken markieren. Es war daher noch nicht möglich, H. zum Sprechen zu bewegen. Die Polizei hofft, daß er im Laufe des heutigen Vormittags ein Geständnis oblegen wird. Von einem Zeugen, dem auf dem Polizeipräsidium mehrere Photä?' darunter auch dasjenige Hirfchfelds vorgelegt" wurden, Et er einwandfrei als der Mann erkannt worden, der nach den Tat fluchtartig das 5?aus in der Schloßstraße verlassen hatte. Mit Maske und Revolver! Lleberfatt im Butterladen. Auf die Filiale der Sutterfirma Schill u. Co. in der Grimmstraße 21 wurde gestern am hellen Tage ein überaus verwegener Raubübcrfall verübt. Gegen 14.39 Uhr, einer sehr ruhigen Geschäftszeit, erschien im Geschäft, in dem nur eine Verkäuferin anwesend war, ein Mann und verlangte ein Viertelpfund Wurst. Als die Verkäuferin den vermeintlichen Kunden bedienen wallt«, band sich dieser plötzlich eine Maske vors Gesicht, zog eine Pistole hervor und richtete die Waffe drohend auf die Frau. Der Bandit ging dann auf die Ladenkasse zu und raubte etwa 39 Mark. Mir seiner Beute verlieh er flucht- artig den Laden, schwang sich auf sein an der Bordschwelle stehendes Fahrrad und fuhr davon. Die Verfolgung verlief ergebnislos. Nazis gegen Kommunisten. In eine wüste Schlägerei artete gestern nachmittag eine nationalsozialistische Erwerbslosenvcrsammlung aus, die in einem Lokal in der Berliner Allee in Weißensee stattfand. Während die Polizei noch mit der Säuberungsaktion beschäftigt war, wurde aus der Straße vor dem Lokal ein 29jährigcr Kommunist Walter Runge niedergeschlagen und so schwer verletzt, daß er ins Weißenseer Krankenhaus gebracht werden mußte. Der Täter, ein M i t g l i e d d e r NSDAP., wurde sestgcnommcn und der Politischen Polizei übergeben., Letzter Akt einer T ragigroteske Vernehmung der Sklareks zum Konkursvergehen Im Skü-rok-Prozeß wurde am Doimerstagvormittag mit der Vernehmung der Angeklagten zum dritten und letzten Teil der Sklarcr-Anklage begonnen, der sich mit dem Vorwurf des Kontursvergehens beschäftigt und in dem auch die Frage erörtert werden wird, welchen Aufwand die Sklareks getrieben haben und wo die Millionensummen geblieben sind. Zuerst erörterte man die Bilanzen, die von der Anklage bereits vom Jahre 1924 ab beanstandet werden, weil sie die tatsäch- liehen Vermögensverhältnissc der Sklareks verschleiern. Die Mit- angeklagten Buchhalter Tuch und Lehmann bekundeten, daß sie die Zahlen meist auf Veranlassung von Max Sklarek erhalten hätten, während Leo und Willy Sklarek wiederum behaupteten, von Buch- führung selbst nichts zu verstehen und die Bilanzuntcrschriften nur geleistet haben wollten, weil der Seniorchef Rtax sie unterschrieben habe. Die Bilanz vom Jahre 192S, wo tatsächlich Schulden in Höhe von über einer Million bestanden, ließ Verpflichtungen in Höhe von 399 999 Mark einfach unter den Tisch sollen. Willy Sklarek erklärte auch hier wiederum, von Bilanzen und Buchstihrung keine Ahnung zu haben. Als Leo Sklarek dann erklärte, daß nichts auf den Namen seiner Frau geschrieben sei, beschäftigte sich der Vorsitzende etwas eingehender mit dieser Behauptung und wollte wissen, wer denn die kostbaren Einrichtungen angeschafft habe. Leo Sklarek erklärte, daß seine Frau immer sehr sparsam gewesen sei und daß er ihr auch öfter Geld aus den Wettgewinnen geschenkt habe, so daß die Frau die Einrichtung hätte kausen können.— Vors.: Ich denke, bei den Wetten haben Sie meist verloren."— Leo Sklarek: Wir haben doch auch Gewinne gemacht.— Vors.: Wieso tonnten sich Ihre Hausangestellten Ihre Salons kaufen?(Bewegung.)— Leo Sk l a r e k(verdutzt): Das höre ich heute zun, erstemnal.— Vors.: So, so, Ihre Hausangestellte Fräulein Kelch hat auf der Zwangsversteigerung einen Salon erworben.— Leo Sklarek: Ihre Verwandten sind, glaube ich, vermögend. Der ist, glaube ich, Landwirt. Der hat mir auch 13 999 Mark gegeben, als ich wer- haftet wurde.— Vor f.: Und diese �reiche» Verwandten lassen das Mädchen in Dienst gehen?— Leo Sklarek(treuherzig): Ja. das ist eigenartig, Herr Vorsitzender.(Heiterkeit.)— Vors.: Ja, das finde ich auch.— Leo Sklarek: Das Mädchen ist ja aber bei uns so gut wie in der Familie. Das mit dem Salon glaube ich aber gar nicht. Nach der Mittagspaus« eröffnete der Vorsitzende, Amtsgerichts- rat Keßner, die Sitzung mit der überraschenden Mitteilung, daß die weitere Verhandlung wegen der plötzlichen Erkrankung eines der richterlichen Beisitzer, des Amtsgerichtsrats H ü ck i n g h a u s, bis Montag ausgesetzt werden müsse. Gebrüder Nunck nnier Anklage. Aus Anlaß des Zusammenbruchsd er Evangelischen Z e n t r a l b a n t G. m. b. H. hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den früheren Leiter dieser Bank, den Kaufmann Paul Runck, und gegen dessen Bruder, den Diplomkaufmann Adolf Runck, erhoben. Dem angeschuldigten Paul Runck wird fortgesetzte Depotunterschlagung, ferner B i l a n z v e r- sch leierung und Betrug zum Nachteil der Kunden der Zentralbant zur Last gelegt. Adolf Rimck ist wegen Beihilfe zu den Straftaten seines Bruders. und ferner wegen Betruges zum Nachteil des Zentralmisschusses für innere Mission und der Bau- und Bodenbank angeklagt. Die beiden Angeschuldigten befinden sich in Untersuchungshaft. Neue Bluttat im Westen. Gemüsehändlerin niedergeschossen aufgefunden. In ihrem Gemüsekellcr in der Eisenacher Straße 198 wurde gestern abend die 28iährige Händlerin Gertrud Trö m er mit drei Kopfschüssen bewußtlos aufgefunden. Die Schwerverletzte fand in der Albertus-Klinik in der Nollendorsstraße Aufnahme, wo sie hoffnungslos daniederliegt. Die Tat, deren Motive noch in Dunkel gehüllt sind, wurde der Polizei dadurch bekannt, daß sich der Täter, ein 34 Jahre alter Schlosser R o b e r t P.. auf einem Polizeirevier freiwillig st e l l t e. Er gibt zu,. die Händlerin durch drei Schüsse niedergestreckt zu haben, über die Gründe zur Tat hüllt er sich in Schweigen. Die Kriminalpolizei ist mit der Klärung des blutigen Vorsalles, bei dem es sich offenbar um eine Eifersuchts- t r a g ö d i e handelt, beschäftigt. Berlin senkt städtische Gebühren. Verhallen der Großschlächter wird gemißbilligt. In Girier gestern abgehaltenen Sitzung der Vieh- und Schlacht- Hofdeputation delT Berliner� Mä g istra ts� stellte" sich� d1e"'DepUkäkion einmütig auf den Standpunkt, daß das eigenmächtige Vorgehen der Großschlächter, die sich schlankweg 19 Prozent der Standmiete einbehielten, nicht zu billigen sei. Die Markthallendirektion wurde zu einem Anschlag ermächtigt, in dem den betreffenden Großschläch- tern erklärt werden soll, daß sie auf Grund der 4. Notoer- ordnung kein Anrecht auf eine zehnprozentige Standmieten- Herabsetzung hätten. Falls die zurückbehaltenen Gebühren nicht bis Ende der nächsten Woche gezahlt werden, soll eine a n d e r w e i- tigc Vermietung der Markstände der Betreffenden Platz greifen. Die Schlachthofdeputation stimmte serner der Vorlage des Ma- gistrats zu. wonach die Fleischbeschaugebühren und die Mieten für die Kühl- und Gefrierräume des Ber- liner Schlachthofes durchschnittlich um 7 Prozent herabgesetzt werden. Keine Erwerbslosen-Freikarten mehr? Am vergangenen Freitag veröffentlichten wir eine Mitteilung. wonach an fachlich interessierte Arbeitslose und Wohl- f a h r t s u n te r st Ü tz te bei ihren zuständigen Arbeits- und Wohl- fahrtsämtern Ausweise abgegeben werden, die den Inhaber und auf Wunsch auch seine Ehefrau zum einmaligen kostenfreien Besuch der 7.„Grünen Woche Berlin 193 2" be- rechtigen. Van mehreren Seiten aus erlzalten wir iiGessen Meldungen, nach denen interessierte Erwerbslose am Stempeltag auf ihre Bitte nach einer Freikarte die Auskunft erhielten, daß die Karten bereits am Montag ausgegeben und nunmehr keine Karten mehr vorhanden seien. So haben die meisten Erwerbslosen, die von einem Besuch der Ausstellung Belehrung und eine Unterbrechung des ewigen Einerlei erhofften, eine E n t- t ä u s ch u n g erlebt, und sie sagen mit Recht, daß diese Art, Im Krematorium kür Altsof as Da ist im S ü d o s�e n Berlins, in der Stallschreiberstraße, eine Feuerofenanlage für todgeweihte Sofas und Matratzen: der Feuertod vollzieht sich hier nicht nur sachlich, sondern vor allem auf dem denkbar praktischsten Wege. Aufmerksam auf dies sonderbare llnternchnien, das nur ganz wenige Konkurrenten besitzt, wird man durch Reklamewägelchen, die eine ulkige, überlebensgroße alle Tante mit sich sühren; außerdem findet inan aber auch über vielen Berliner Müllkästen eine Gcschäftskarte. Im 3. Hof eines alten Geschäftshauses vollzieht sich nun hinter verschlossenem Holztor die Einäscherung des ausrangierten Liege. Materials. Der Fcuerasen, selbst ist ein einfacher Bau aus Schamottesteinen mit einem Fassungsraum von 3X114 Meter. Das Ofenloch kann fünf bis sechs Matratzen auf ein m a l verbrennen, ebenso können etwa 4 9 Sofas in lausender Rechen- folge eingeschoben werden. Sind diese verbrannt, dann muß dos Ofeninnerc erst von dem darin befindlichen Sprungfedernberg befreit werden. Die Szenerie rings um den Ofen sieht reichlich bunt und wüst aus. An der Mauerwand lehnen, mit dem Gesicht nach rück- wärt? gewandt, die Ausrangierten— im Winter sind es pro Tag an die 39, im Sommer 89 bis 199 Stück— und offenbaren ihre. kaputten Eingeweche. Daneben liegen die Matratzen, Bergs voll Werg, das wiederum zum Abbrennen verwendet wird und ein Stück weiter erhebt sich ein Hügel aller nutzloser Sprungfedern. Früher brachte die Tonne Alteisen 29 Mark, heute höchstens 9 bis 8 Mark. das macht gerade den Fuhrlohn aus, denn der Kutscher ladet an einer Fuhre(etwa 299 Federn) einen guten halben Tag auf. Die Verbrennung vollzieht sich fast rauch- und geruchlos, aus dem hohen Schornstein qualmt eine dünne Rauchsäule. Der Verdienst des Mannes besteht aus der A b h o lu n g s g e b ü h r, die sür Sofas 1.39 Mark, für Matratzen 1 Mark beträgt: dafür aber muß der Wagen oft weniger Stücke wegen die ganze Stadt durchqueren. Das wäre nicht schlimm, schlimmer ist, daß die wenigsten Menschen sich die Abholungsgebühr heute noch leisten können. Beweis dafür find Sofaleichen, die häufig freie Plätze, Laubengeländ« usw. zieren. Was da eingeliefert wird, ist in der Hauptsache gänzlich ab- genutztes Liegemateriol, das außerdem noch sehr reich von„Haus- tierchen" bevölkert ist: es kommt aber auch vor, daß verhältnismäßig gut« Stücke abgegeben werden.. Für diele Objekt« finden sich rasch Abnehmer, ebenso für oll dos ander« Zeug, was noch irgendwie verwendbar ist. Geschickie Hände basteln sich oft aus zerrissenem, ocrbogcuetu Matcnal nach. eine Liegestatt zurecht. wohlzutun, den Namen nicht verdient. Hoffentlich wird trotz der geringen noch zur Verfügung stehenden Zeit dem Mißstand durch die Ausstellungsleitung abgeholscn werden. Ganü'ago de Euba wird geräumt. Eine ganze Stadt von der Vernichtung bedroht. washingkon. 4. Februar. Der Bürgermeister von Santiago de Kuba hat die gesamte Bevölkerung aufgefordert, die Stadt zu räumen, da weitere hauseinstürze zu erwarten seien. Sämtliche Aussall- skrahen von Santiago sind daher mit Menschen zu Fuß. aus Kraftwagen und in Ochsenkarrcn angefüllt, lln der Stadt ist das Stand- recht erNärt worden, um Plünderungen zu verhüten. Technisch-physikalische„Sensationen". Unter dem lockenden Titel„Zwei Stunden Physika» lisch-techni-sche Sensationen" hatte das V o l k s b i l- dungsamt Pankow«inen Experimentalvortrag des Physikers W. P a>i ck angekündigt. Sicherlich waren die gelungenen Versuche, die ay diesem ÄbLNd vorgeführt wurden, für viele Besucher wirklich so emas�wie eine«mftmon*-Uetaöe'in" ilnfersr' Zeit sind die Wille l der"Schulerr beschränkt, fo-daß dem weitaus größlen Telle der deut- fchcn Volksschulen die Vorführung anschaulicher Versuche im Physik- Unterricht in vieler Hinsicht unmöglich gemacht ist. Die von der Physik gewonnenen Erkenntnisse sind aber von der Technik zur Schaffung so einfach und sicher zu bedienender Geräte verwendet worden, daß die meisten Benutzer sich über die physikalischen Grund- lagen nicht die Köpfe zu zerbrechen brauchen. Telephon, Rundfunk und Tonfilm sind Alltäglichkeiten geworden, die Forschungen, die Versuche, auf denen sie beruhen, sind„technisch-physikalische Sen- sationen", bei denen der Vortragende mit Recht so gut wie nichts bei seinen dankbaren Hörern voraussetzen darf. So begann denn die Vorführung mit der Erklärung des Begriffes der Wellenlänge, mit dem der Rundfunk arbeitet. Nun wird den Hörern klar ge- worden sein, daß die elektromagnetische Trägerwelle des Rundfunks, die in der Sekunde 399 999 Kilometer zurücklegt, sechshunderttaufend- mal in der Sekunde schwingt, wenn ihre Länge 599 Meter beträgt. Mit Hilfe von Stimmgabeln und schwingenden Pendeln wurden die Resonanzerscheinungen erklärt, der Oszillograph zeichnete die Ton- schwingungen auf. wobei die Figuren der sich drehenden Gcihlcrschen Röhre wahre Freudenstllrme hervorriefen. Gerade dieser Versuch, der Töne in sichtbare Schwingungen verwandelte, zeigte, im Zu- sammenhang mit der sehr geschickten Art des Vortrages, wie leicht es ist, das Interesse an den so„schwierigen" physikalischen Er- scheinungen zu wecken. Dann stört nicht einmal ein wenig Arich- metik, die nun einmal unerläßlich ist, wenn man sich mit diesen Dingen beschäftigt. Der Zusammenhang zwischen Mathematik und Musik wurde anschaulich durch die Lochsirene klargemacht. Mit ihrer Hilfe und der Dazwischenschaltung einer Photozelle begriffen die Hörer die Grundgesetze des Fernsehens, des Tonfilms und der Schallplatte. Mit Hilfe eines winzigen auf einer Mikrophonmembran befestigten Spiegels wurden Träger- schwingungen und Ueberlagerungsschwingungen veranschaulicht, so daß der Rundsunkhörer einen Begriff von der Arbeit der Sender- wellen erhielt. Schließlich wurden die auf der Schallplatte verzeich- neten Schwingungen durch den Lichtstrahl auf die Leincwand ge- worsen. So gab der fast 21- Stunden dauernde Vortrag dankens- werte Anregungen/ die dem physikalischen Experiment sicherlich neue Freunde geworben haben dürften. Im ersten Fcbruarprogramm des Zirkus Busch ragt der Kraft- akt ypn Poung Atlas über alle anderen Nummern hervor. Der Athlet trägt auf seinem Rücken vier Zentner und in jeder Hand ein 29-Kilo-Stück nebst einem rohen Ei. Das fall ihn mal erst einer nachmachen. Ein reizendes Tanzpaar ist Hilda I r in e r und Erik Garden, nur ist„er" ein bißchen zappelig:„er" sollte sich das abgewöhnen. Dos Daniel Clowntrio ist, trotz Jugend- lichkeit zweier Partner, vorzüglich. Der Zirkus dröhnt vom Lachen. Großartig und höchste Klosse ist der Zahnakt dcs Torence und Dolores: ihr Schleuöerwirbel von atemraubender Wagholsigkeit. Den eigentlichen Zirkus, das heißt Tierdressuren, vertritt Direktor Straßburger mit acht herrlichen Isabcllen, acht hübschen Shctt- land-Ponys und mit Elefanten und einem prächtigen Tierpotpourri. Die Zeichmmgsbedinaungen der steuerfreien Reichsbahn- anleihe 1931 sind einem Inserat in der heutigen Nummer zu ent- nehmen. wirkt wie tagt gurgeln Erkältungen vor! Gegen naiionalstaailiche Anarchie. Alfons paquet vor den Berliner Kaufleuten. Es ist sicher«in Gedunk« der der Klärung des Krisenproblems dienlich sein kann, wenn der„Verein Berliner Kauflcute und In- dustrieller" auch Redner zu Worte kommen läßt, die die Problein- stellung nach der soziologischen, politischen, ethischen Seite hin er- weitern. So sprach kürzlich Dr. Alfons Paquct, der Welt- bcobachtcr und Dichter, über das Thema:„llnscre Verantwortung in der Krise." Verantwortung im Denken und Handeln—, das geht zunächst jeden einzelnen an. dann aber auch die Parteien, die Regierungen, die Völker. Für Paquet steht die Alternative so: entweder wird der Weltmarkt wieder funktionsfähig gemacht oder aber der Uebcrgang zu einer neuen(irgendwie sozioli'stischcni Ordnung wird notwendig. Eine Lösung erhofft er von einer europäischen Planwirtschaft, die den tausendjährigen Gegensalz zwischen Frankreich und Deutschland bcleitigt und in fruchtbare Zusammenarbeit verwandelt. Die Entwicklung der wirtschaftlichen Beziehungen der Völker zur Weltwirtschaft er- fordere dringend, daß die na t i o n a l st a a t l i ch e Anarchie endlich beseitigt werde. Lugend diskutiert. Ort: Verräuchertes Hinterzimmer eines Lokals im Berliner Westen. Der enge Raum ist gedrängt voll Menschen, die darauf lauern, ihr Glaubensbekenntnis loszuwerden. Die„Diskussions- gemeinfchaft politisch Andersdenkender" hat zu einem Abend mit dem Thema:„Was wählen wir in Preußen?" die Ver- lreter der Jugendorganisationen von ganz links bis rechts eingeladen. Den Reigen eröffnet ein nicht gerade sehr jugendlicher, mft Ordens- bändchen geschmückter Herr, der mit knarriger Stimme die stock- reaktionäre Politik der Deutschnationalcn vertritt, ohne da- bei auch nur auf Gegenliebe bei der anwesenden nationalen Jugend zu stoßen. Die hat heute ganz andere Ziele, wie aus den Worten der Vertreter der verschiedensten nationalen, sozialen und revolu- tionär scheinenden Gnippen zu hören war. Sie sind heute so ent- täuscht, daß sie am entgegengesetzten Ufer Anhalt suchen, nämlich bei den.Kommunisten. Wozu sie dabei mißbraucht werden, könnte ihnen der Fall Scheringer wohl am besten beweisen. Ein SAP.- Mann entwickelte seine dialektisch-nrarxistisch untermauerten Thesen, gab seiner Sympathie zu Ruhland und den Kommunisten Ausdruck und mußte nachher unter dem Gelächter der anderen von dem parteitreuen Moskowiter die Quittung einstecken, daß die KPD. l>eute nichts besseres zu tun hat, als den Kampf gegen die Sozial- demokratie mit allen Mitteln aufzunehmen. In wirksamer Weise vertrat der Vorsitzende der s o z i a l i st i- schen Studentenschast, Emil Groß, die Position der Sozialdemokratie:„Die Kommunisten haben heute nicht das Ver- trauen der großen, verelendeten Masse. Die RGO. hat im Ruhr- gebiet ein großes Fiasko erlitten. Der Hauptkamps der sozialdemo- lratischen Jugend geht gegen rechts, gegen den Faschismus. Bein, Kampf gegen die Bonzen ist die Sozialpolitik gemeint und der Neid läßt die anderen nicht ruhen, gegen die sogenannten„Parteibuch- beamten" zu wettern. In der Sozialdemokratie aber steht eine geschulte Jugend, die bereit ist, das Erbe der Alten zu übernehmen." Ilm Mitternacht nahm die manchmal recht stürmische Diskussion ein plötzliches Ende. Vielleicht muß man es heute schon als Erfolg buchen, daß überhaupt Gegner aus den verschiedensten Richtungen zu einem solch brennenden politischen Problem Stellung nehmen. Daß dabei aber nicht mehr als Schlagwortc und demagogische, per- sönliche Strcitsätze losgeschossen werden, ist klar. Wenn eine solche überparteiliche Diskussionsplattform entstehen soll, wäre es vielleicht besser, zunächst mal an grundsätzlichere Fragen heranzugehen. Immerhin, die Biergläser sind nicht geslogen... Försterchristel am Küstrincr Platz. Die Plaza am Küstriner Platz, ursprünglich als Variete gc- dacht, spielt seit einiger Zeit mit größtem Erfolg Operetten. Als neueste die„F ö r st c r ch r i st c>" von Buchbinder, mit der Musik von Georg Jarno, in der Originalinszcnierung der Rotterbühnen. Eine kleine zarte Liebelei des im alten Oesterreich populärsten Man- archen Josef II. mit der naturfrischen hübschen Tochter Christel seines Försters Lange steht im Mittelpunkt der bescheidenen Hand- lung. Lotte Carola singt die Christel wie ein rechtes munteres Vöglcin aus dem Wiener Wald und hat auch sonst Mund und Herz auf dem rechten Fleck, eine wahre Freude für Auge und Ohr. Ihr großmächtiger Gönner Josef II., dem sie. als sie ihn noch nicht kennt, ihre, das heißt die Meinung des Volkes recht gründlich sagt, wird von Emil M a m l o ck zurückhaltend und sehr sympathisch gegeben. Einen Bombenerfolg holt sich der Liebling des Ostens, I o o G u t m a n n, in der Rolle des Ungarn Földessy, mit dem volkstümlichen Lied:„Ich grüße dich, mein Heimatland". Er muß es dreimal singen. Max T o b i e n als Oberhofmeister zeichnet sich durch Diskretion, A r n i m M ü n ch als aufschneidendes Schnciderlein durch grotesken Humor aus. Wunderschön ein Menuett, das man gerne noch etwas länger ausgedehnt gesehen hätte. Kurz und gut, es lohnt sich durchaus, zum Küstrincr Platz hinauszufahren. Für die Vau- und Siedlungsgenossenschast„Die kinderreiche Familie" findet Sonntag, den 7. Februar 1932, vormittags 9 Uhr, eine vom Registcrgericht festgesetzte Generaloerfaminlung statt. Die Genossenschaft befindet sich im Konkurs, und der Aufsichtsrat ist neu zu wählen. Alle Mitglieder müssen daher unbedingt erscheinen. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbonner„Schwarz-Rot-Gold". Gcsihäftsstelli!: Berlin 6. 14, Eedostionstr. 37—38, Hof 2 Tr. Zlei-ickendoef.Wcst(Äonieradschaftl. Freitag. S. Februar, 20 Uhr, Nameradschaftsversammlung im Baltshaus. Borstond 19 Uhr.-- ?>WA., Zug Tegel. Sonntag, 7. Februar, 17 Uhr, Mitgliedcraersammlung mit Angehörigen.— Wintcrsportadteilung. Die Meisterschaften in Bcneckenstcin sHorz) sind auf den 13. und 14. Februar verlegt.— Lichtenberg. Freitag, 5. Februar, Il>� Uhr, Urnenbeisetzung des verstorbenen Kameraden Grinda in Baumschulenwrg. Alle dienstfreien und erwerbslosen Kameraden des Innen» bczirts nehmen teil. Fahnen mitbringen. * Sanvorstaad. Alle Kameraden, soweit irgend abtömmlich, beteiligen sich an der Flugblattoerbrcitnng der Eisernen Front am Freitag, dem 3. Februar, von den betanntcn Stellen an«. Arbeiker-Samariier-Bund e. V.. Kolonne Berlin. Geschäftsstelle: R. 24, Gr. Hamburger Str. 20. Tel.: D 1 Rordeu 3340. Iugendgruppe Groß Berlin. Versammlung am Montag, dem 8. Fe- ____ bruar, 20 Uhr, in der Geschäftsstelle. Thema: Arbeitersportbewegung, ihre Entstehung und ihre Organisationen. Referent: Genosse Robert Oehl- schläger._ Zcntralverband der Arbcitsinvaliden und Witwen Deutschlands, Gau Groß-Berlin. Geschäftsstelle: Berlin W. 37, Bülowstr. 49, r. iotfl. Freitag, 5. Februar. Alt-Glicnicke: Lokal Habrecht, Friedrichstr. 2, 19 Uhr.— Kreuz. berg III: Lokal Rcicbcnberger Hof, Reichenberger 6tr. 147, 17 Uhr.— Kreuz. bcrg II: Lokal Wolltchlöger, Adalbertstr. 21, 16 Uhr.— Prenzlauer Berg l: Lokal Bogenfestsäle, Schwedter Str. 23— 24, 16 Uhr.— Tegel: Lokal Lehnhardt, Berliner Str. 84, 18 Uhr.— Mitte la: Lokal Arndt, Schröderstr. 2, 18K' Ubr.— Reinickendorf-West: Lokal Volkshaus, Scharnweberstr. 113, 19 Uhr. Gesellschaft für soziale Reform, Ortsgruppe Berlin. Montag. 8. Februar, 20*4 Uhr, Reichswirtschaftsrat, Hellevuestr. 15, Distussionsabcnd über So- zialversicherung. Vortrog von Reichswirtschaftsminister o. D. Robert Schmidt. Anmeldungen an die Geschäftsstelle: Berlin W. 30, Nollendorfstr. 20—30. Fernsprecher: Pallas R 7 0809. Vereinigung der Freunde von Religion und Bölkerfrieden. Montag, 8. Februar, 20 Uhr, spricht Pfarrer Bleier in der Aula der Kaiser-Friedrich- Schule. Knesebeckstraßc, am Savignyplatz, über das Thema: Die Waffen nieder. Reichsvcrnmguug ehem. Kriegsgefangener, Ortsgruppe Charlottenburg. »yreitag, 5. Februar, Monatsversammlung in der Suarez-Klause, Suarez- straßc 11. Redner: Barsanti. 8oriaIi.'-iti?icher Esperanto-Bund. Gruppe Centrum: Treitag. 5. Februar. im Mctallarbeiter-Yerbandsliaus, Linieusf ralle 83—8-5(Eingang Elsasscr Sfralle), 19.30 Ühr: ,,Kantoj— deklamoj— muziko".— Kindergruppe ..Libereco*4: Freitag, 5. Februar, 17 bis 19 Uhr, in der Schule Danziger Straße:„Grupaj aferoj." Allgemeine Wetterlage. 4- Fedn 4932/abds Ee, SSE K E=i? O a"ss\ �50 ©wülkenlos.O heiler.(Jhalbbtd eckt 3 wolkig,* bedeckt-Regen�Graupeln ;Schnee,=Nebel,HGewi(teo@Wmdssille Das Mittwoch über Noröftandinavisn gelegne Tiefdruckgebiet ist nach Südost«ztlgen und befindet sich jetzt über dem westlichen Rußland. Dem Tief folgt ein Ausbruch kalter arktischer Luftmassen. In Rordfinnland ist die Temperatur auf 27 Grad Kälte gesunken. Eine erste Staffel kühlerer Luft hatte am Donnerstagabend die deutsche Ostseeküste erreicht. Sie bringt Aufheiterung, aber nur einen unwesentlichen Te»iperaturrückgaiig. Das westliche Hoch baut jetzt schneller ab; infolgedessen hat auch der um es herunifließende Wärmcstrom nachgelassen. Es ist daher nicht wahrscheinlich, daß unser Bezirk zunächst �wieder in den Bereich seucht-milder maritimer Luftmassen kommt, später dürfte sich auch die kalte arktische Luft bei uns bemerkbar machen, deren Vordcrrand von Nordostpolcn nach den Lofoten verläuft. Wetieraussichlen für Berlin: Wechselnd bewölkt, nur gering« Niederschläge. Temperaturen etwas niedriger als bisher, nördliche Winde.— Für Deutschland: Im Südwesten und Süden meist be- wölkt und ziemlich mild mit Niederschlägen: in Ostpreußen nach Schneefällen Bcwölkuiigsabnahme mit zunehmendem Frost, im übrigen Reiche wechselnd bewölkt, vereinzelt Schauer, kühler. Ullas muss jeder von„Maus Bergmann Klasse Haus Bergmann Klasse ist ein Meisterstück der deutschen Zigaretten-Industrie. In eingehender Arbeit haben dielabak-Sachverständigen unseres Hauses eine fürdlesen Preis noch niedagewesene Zigarette hochwertiger Qualität geschaffen, die alle Raucherkreise zufrieden stellen wird. 5 Stück nur 20 4 bedeutet für uns: Preisabbau und Qualitätsaufwertung! Fordern Sie noch heute in Ihrem Zigarrengeschäft Haus Bergmann Klasse�� DIE Zigarette für Dich und für mich � uuissen In jeder Packung Haus Bergmann»Klasse« liegen: Bergmanns Bunte Bilder von Walter Trier u. Seidenstickereien nach Entwürfen von Prof. Poetter glich Qottgetreu: SilTICfC IßM IIOCll/ „Drageedchen —? Uff Draaeedchea sin mir gerate cmgefuggäb." Smanuel Etriess in:„Saub Oer Sabinerinnen". ötriefe, die klassische Gestalt des Schmierentheaterdirektors. :ebt noch. Wenn er auch nicht so heißt. Sondern Spindler. Und wenn er auch nicht alles auf Sächsisch spielt. Sondern auf— ja. der Dialekt, den der spricht, den gibt es eigentlich gar nicht;„nor- nehm" soll er wohl klingen.„Piittöh, nähmen Sie Platz oder läben Sie wohl—* So. Das Stück, in dem ich Striese begegnete. spielt nämlich bei Grafens. Und die ganze Sache selbst, die nach an Ort und Stelle aufgenommenem Stenogramm hier wortwörUich so aufgezeichnet ist, wie ich sie unlängst erlebte, in Geisingen. Wissen Sie, wo Geistngen liegt? Wenn man sich in Wurttem- berg sehr verfahren oder verlausen hat, kommt man bin. Die Schweizer Grenze ist nah« und übrigens auch die Landstraße, die von Donaueschingen nach Konstanz fuhrt. Ich macht« da Station, und'des Wirtes Töchterlein, rosig uno rundlich, lieb und blöd, M"d- lich und wirtlich unschuldsvoll, erzählte sprudelschnell und stolz, daß Geisingen zwar klein sei, aber doch mal Stadtrecht hatte und daher noch eine Apotheke und eine richtige Post und ein schönes Krankenhaus besäße, aber daß es eben doch trotz alledem klem fei, weshalb es durchaus nicht einfach wäre, gleich io den richtigen Mann zu finden, wo sie doch in zwei Jahren ans chestater. denken müsse: dann hat sie ihre zwanzig auf dem Buckel, den sie nicht hat. Ob ich nicht heute abend ins Theater ginge, fragte sie. Rem, eigentlich wollte ich weiter. Ja, aber ins Theater müßte ich dach, sie spielen so gut, man müßte immerzu weinen, heut« abend gäbe «s.Genoveva". Da hängt auch schon das Plakat, das sieht so aus:..Voltstheater. Eigen« Lichtanlage. Genoveva, die unschuldig zum Tode verurteilte Gräfin aus Brabant. 6 Akt«, nach der Ver- fasiung von Pfarrer Christian Schmidt." Unschuldig zum Tode verurteilt! Wer da noch nicht vor Schreck aus der Verfassung gekippt ist, der tut's sicher, wenn er dos Pro- gramm des nächsten Tages liest. Da gibt es:.Die feindlichen Brüder oder das steinerne cherz Ursula von Tannenbergs. Wt- deutsches Ritterschauspiel in vier Akten. Sinnreiche Lorführung einer wahren Begebenheit, in der Zwangsritter ihre Untertanen zum Tode verurteilen." Manchmal machen sie's auch ohne Todesurteil. Manchmal sind sie sogar sehr fromm. An Feiertagen gibt es.Das Leben und Leiden unseres Herrn und Heilands Jesu Christi in vierzehn Sta- tionen vom Oellerg bis zur Auferstehung. Ich bemerke, daß dies« hochwürdige Handlung in echten Kostümen unter Begleitung von . Trauermusik dargestellt wirv. Zum Beschluß Abrahams Brandopfer, Tragödie aus dem Alten Testament." Ueberhaupt ist die Kostümsrage von eminenter Wichtigkeit. Schaurig schön muß„Das Grab auf der Heide oder der Wahn» sinnige" sein, denn„die Darbietung erfolgt in oberbayerischen Na- tionalkostümen". Weiter heißt es in der Ankündigung:.Dieses Schauspiel ist einzig in seiner Art und zeigt uns das große sinn. reich« Bild echter Bekehrung am Grab auf der Heid«. Nicht allein Kirche und Schule, Staat uno Presse sind erforderlich, auch die Theaterbühne muß ihre Beihllf« leisten." Und Striese leistet sich denn nun so sein Stückchen. Auch heute... Da» Haus ist schon gerammelt voll, wie ich um acht hinkomme —«in wenig verärgert, well das Abendessen, da« man aus der Erholungsreise doch gern gut liebt, so schlecht zubereitet war, aber dt« Babett. eben das Wirtetöchterle, hat ab halb sielen schon das gute TMkleid anziehen müssen, weil sie doch xepräfentieren muß. wenn sie auf dem ersten Platz sitzt, aus dem ganz teuren, auf dem für«in« Mark. Wohlstand verpflichtet. Auch in Geisingen. Das gerammelt volle Haus ist ein großes Zelt. An der der Straße zugekehrten Seite oes Zeltes ist die Reihe der drei Wogen mit Fundus und Wohnung und Küche der Schauspielerschar auf- gestellt: das hält, bildet man sich ein, den Straßenlärm ab. Das yiär« der ein« Feind. Gegen den anoeren, den Regen-r das Zclt cht nach obtn offen, die Stern« sehen zu— möge Gott helfen, in- dem er es eben nicht regnen läßt. Und nicht nur die Sterne, auch Gatt hat«in Einsehen. Der Regisseur des Spiels ist der Direktor, und 0er Direktor ist überhaupt all«»: Plakatankleber, Zetteloerteiler, Regisseur. Requifl- teur. Kapellmeister. Mann an der Kasse— dort löst ihn seine Frau. die wo die erste Heldin ist, manchmal ab: das richtet sich nun eben nach den Auftritten, nach denen auf der Bühne und nach den mehr privaten des Ehelebens, die man auch» gleich miterlebt—, und tm Stück spiest der Herr Direktor nicht mehr und nicht weniger als zwes Hauptrollen, und wenn er sich mit sich selber unterhasten muß, das ist ihm alles ganz egal. Kainz hat Karl und Franz Moor zu- gleich gespielt? Kainz kann sich verstiiken Die Frau de» Direktors ist die unschuldig zum Tode Verurtlilte. Tagsüber hatte sie die Requisiten, Tisch und Stuhl, vors Thealer geschleppt und Wäsche geplättet noch und noch, wahrscheinlich auch das Totenhemd: in Geisingen weiß man noch in Schönheit zu sterben. Ihr etwa zwölfjähriger Sohn saß ihr zu Füßen, hestig mit einem Zusammensetzspiel beschäftigt, das den Neid der gesamten Jugend erregte. Ich erschrak nicht wenig, als ich im sechsten Akt den jungen Mann in bitterer Not, in Linnen, wie sie im Stück sagten, und in«in Bärenfell gehüllt, d. h. also im Nachthemd und mit der Boa seiner Mutter um oen Hals, vorfand. Dabei fängt die Sache so sesttich, freudig an. Wie der Vor- hang nach etlichen Aufforderungen quietschend und quarrend hoch. geht, da steht, als Ritter vermummt, der Herr Theatersirektor auf der Bühne, um mitzuteilen, daß er gegen den bösen Feind in den Kamps zöge. Wer d«n Ritter zur Hauptrolle l)at, braucht für den bösen Feind nicht zu sorgen. E, gilt also Abschied nehmen, in der Hand hält Siegfried, denn natürlich heißt der R.iler©fegfried. das Schwert, das am Tage vor aller Augen geputzt worden war, und in seinem Busen seinem Weib die Treue. In seinem Herzen aber führt er die.Wäffe der Geröchtigkeut". So spricht er. Er ist eben ein Graf. Zu Haus« bleibt Hofmeister Gollo. ein Schuft. Ein ganz großer Schuft. Ein ausgekochter Schuft. Siegfried ahnt nicht, von seiner Schuftigkeit, er vertraut ihm, mahnt:„Gedenke dein«, Aemtes!" Dann zu allen:„Lädst wohl! Labet wohl' Macht doch Licht!" Das letzte gilt wieder nur fürs technische Personal, da, die Anleitung leider befolgt. Denn man sieht nun all« Löcher in den Strümpfen, alle Flicken in den Trikots: sonst'onnte man da» alles ganz gut verbergen., aber die Abfchiodsgest« besteh: nun einmal darin, daß alle im Elonz der Abendsonne und der Lampen die Anne weit von sich strecken. Im zweiten Akt will Gollo wo»— was: da, ist nicht schwer zu raten Die Zensur streicht ihm den Wunsch nicht, aber dl« Gräsin. Boller Entschlossenhett erwidert sie wörtlich:„Ich fühle mich var» änläßt, Ihnen in das ruchlose Antlitz zu spucken." Das läßt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig, selbst der Schuft Gollo licht. daß auf direktem Weg« nicht» zu machen ist. Er geht ab, gibt der Gräfin Gelegenheit zu einem Monolog:„Siegfried, warum Host du mich in die Hände dieses Bösewichts überliefert?", kerkert endlich den unschuldigen Küchenmeister mir nicht, dir nichts ein, den der Thsaterdirektor auch iwch spiest— mit verstellter Stimme, nein, es merkt natürlich keiner. Der küchenmeisterliche Greis von achtund- siebzig Jahren, behauptet Gollo, soll was mst der Gräfin gehabt haben, wohl wäre ihm gewesen, wenn er gekonnt hätte— aber daran könnt ihr doch gleich erkennen, was für ein Schurke dieser Gollo ist. Der Küchenmeister sitzt, nun kommt als nächste die Gräfin dran und ins Loch. Aber gleich zwei auf einmal, das ist em bißchen kompliziert für das Publikum und auch ein bißchen schwierig für die Gefängnisoerwallung, wo doch gleich so viel zu schreiben ist mst der Statistik und so: also wird der eine gestorben. Der Küchenmeister mutz dran glauben. Aber klagen soll er nicht, nein klagen, das nicht: er hat einen schönen Abgang, einer macht so richtig wehmutoolle Zithermusik hinter der Bühne, und ganz lange darf er sich in Giftqualen winden, kein Souffleur, gar nichts stört ihn. Pause. Große Trauer im Zuschauerraum. Das Publikum heult, selbst der Herr Gendarm und der Herr Postrat veraießen amllichc Tränen. Die Kinder stellen fest, daß die Bänke als Wippe benutzt werden können, fallen hin, heulen nun auch. Die Mienen hellen sich erst auf, als eine Schauspielerin in der zarten Jugend Adele Sandrocks etwa, die einen, wie sie meinte, spaßigen Edelknaben gegeben haste, damit ler Witz in der orausen Tragödie nicht fehl«, zur Lockung mst dem Teller und der Kälte mit den Zähnen klappernd, Geld«insammell und Lob einheimst:„Sie machen'? gut" — sagen die Leute wohlwollend zu ihr, sie sind ja so nett. Wer zehn Pfennig gibt, bekommt eine Ansichtskarte, viele kaufen sich eine Ansichtskarte, infolgedessen läuft das Stück nicht gleich weiter. Die ganze Pause über muh nun die arm« Gräfin im Gefängnis Ichmachten. Wie sich der Vorhang wieder hebt, schmachtet sie immer noch. „Ihr Stein«, seid ihr auch so hart al» wie die Menschen?" Auf den Armen hält die Frau Gräfin so etwas wie ein Sieckkisscn, wir sollen glauben, daß da«in Kind drin ist. und wir sollen weiter glauben, daß das nicht Gollo sein? ist, sondern, natürlich, Siegfried seins. Das Kind wird getauft.„Schmerzensreich" soll sein Name sein. Den Gollo, den Lump, den rührt das ja nun alle« nicht. Er besucht die Gräfin im Kerker, sagt:„Geben Sie sich mir hin, gnädige Frau!", aber sie gibt sich ihm nicht mal her. Da? Maß seiner Wut und der Kelch chres Leidens sind nun voll, der letzte Akt rückt näher schon. Ein Brief Siegfrieds tritt ebenso unvermtttelt auf wie der de» Kaisers Tstus Tatius, den beim seligen Cmanuel Striese der römische Landbriefträger verloren hat, da kein Bote mehr zum Ueberbringen frei war, zumal der klein« Gotlli«b gerade mit der Veranstaltung des„Schwchdgedeeses" hinter der Bühne beschästiot war. Aber Siegfrieds Brief kommt überhaupt nicht auf die Bühne: er wird ganz einfach hinter der Szene vorgelesen, Striese kann noch lernen. Der Brief oerkündet das gegen dl«(beim Grafen schnöde verleum- deie) Gräfin gefällte Todesurteil. Gräfin klagt, Gollo geht, jeder Zoll«in Schuft, durch die Mitte ab, Berta, die getreu« Tochter des Turmwarts, tritt auf, um von der gnädigen Frau Abschied zu nehmen. Berta hat kein« große Rolle, aber«in gutes Kleid, das muß lange und von allen Seiten gezeigt werden, das Publikum soll doch was haben für fein Geld. Fünfundzwauzigmal sagt sie mit tränenerftickter Stimme und seidenbesticktem Kleid„Cäbet wohl!—"— ganz Geistngen weidet sich an dieser Modenichou mit Seele. Wenn nicht endlich mit G-sang und Bibber der Edelknabe der früheren Akte in lila und rosa beleuchtetem Nachthemd als Schutzengel auftreten würde— Berta, die getreue Tochter des Turmwarts(nie wird sie anders genannt im Stück) riefe noch immer ihr erschütterndes„Labet wohl!" Im fünften Akt schmückt ein Parkprospekt die Bühne. Emanuel Striese hängt, wie er Gollwitzens„Raub der Sabinerinnen" auf- führt, feinen alten Waldprospcst umgekehrt auf und behauptet dann. es sei die» ein sehr exotisch aussehender„reemscher Binchenham (römischer Pinienhain), bei Spindler in Geistngen entsteht ungefähr auf dieselbe Weise ein Urwald. Die Henker, tag-üler sah man sie alz Aettelo-rteiler und Leierkastendreher im Dorf, sollen hier die Gräfin enthaupten, haben außer dem scharfen Schwert ein schlechtes Gewissen.„Mein Freund, wir begehen ein« falsche Tatsache�, meint der ein«: darauf der andere:„Tröstet euch, Herr Graf—"— in diesem Stück sind nämlich fast alle mindestens Graf, das zieht in Geisingen immer—,„es ist bestimmt in Gottes Rat, daß man vom Liebsten, was man hat. leider mutz scheioen." Aber dieses schöne Zitat beendet dann erfreulicherweise doch nicht die Diskussion, son- dern vielmehr der mutige Entschluß, Gollo nicht das verlangte Herz der Gräfin, sondern das eines toten Hundes zu überbringen. Jahre und Akte gehen ins Land. Siegfried ist aus dem Krieg siegreich, wie-s der Name und das Theaterprestige verlangen, aber doch traurig zurückgekehrt. Eines Tages gelüstet«S ihn, in eben dem Wald eine Hirschkuh zu jagen, in dem eine Höhl« die in schlauer Absicht nicht ermordete Gräfin birgt. Natürlich führt die Jagd nur scheinbar in gefährliche Urwaldtiefe, in Wirklichkeit leitet sie das Stück, die gräflich« Familie und das gerührte Publikum dem glück- lichen Ende zu. Das Hifthorn hallt, die Büchse knallt, und die ausgestopfte bühnenhoh« Hirschkuh fällt prompt vor ihrer in der Seitenkulisse untergebrachten Höhle zu Boden. Man will dos schwerverletzte Tier holen und findet bei ihr—: „Meine unvergeßliche Gattin!" Entzückt ruft's der Graf. Und das Entzücken steigert sich noch. als er ficht, daß die Gräfin außer der Kuh auch noch ihr Kind bei sich hat— und auch das Entzücken der Jugend im Publikum steigert sich, denn die freut sich so. wie sie im Grafenkind Spmdlers Jüngsten mit dem feinen Zusammensetzspiel wiedererkennt. Der Zustand der Aufgefundenen ist nicht gerade gräflich, aber das hindert mcht die Freude. Jetzt, im Dickicht des Urwaldes, kommt das Dickicht der bösen Pläne und Taten Gallas ans Tageellcht. er selbst gleich in den Kerker. Natürlich setzt sich die Gräfin noch für ihn«in, denn wenn sie nicht großmütig wäre, wäre sie keine richtige Gräsin nicht, doch Siegsried kann sich da mir wundern:„Auch Ihr fleht um Gnade für diesen Mensch?" Nein. Gollo muß sterben. Bier wilde Ochsen sollen ihn zer- reißen. Strafe muh sein, das Volk von Geisingen will Blut sehen. Ich habe den Eindruck, es ist sogar etwas enttäuscht, daß die Direk- tion von Gollos Ende überhaupt nichts zeigt. Nicht einmal einen der Ochsen. Der letzte Akt ist vielmehr festlich und glänzend, ein Freuden- tag am Hof de, Grafen Siegfried. Bei der Schlußapotheose ruft Direktor Siegfried in die Seitenkuliss«:„Mehr Licht!" Und mi: diesen Worten nähert er sich doch wieder einem großen Kollegen Alired ZPrugel: 3)(51* Da» möblierte Zimmer bei der Postschaffnerswstw« hatte ein großer, kränklich aussehender Mann gemietet. Die Frau machte am ersten Abend sleich das Bett zurecht, füllte frisches Wasser in den Waschkrug unh stellte zuletzt noch ein paar billige Schnittblumen auf den Tisch, damtt dos Zimmer freundlicher aussah. Als sie je» doch am nächsten Morgen dem neuen Mieter den Kaffee bringen wollte, waren Bett und Waschzeug unbenutzt, und auch am folgen- den Tage war es nicht anders. Sie wunderte sich darüber, denn es war ihr gewesen, als hätte sie ihren neuen Untermieter am Abend vorher die Türe aufschließen hören. Am Vormittag erzählte sie es der Nachbarin auf der Treppe. Die beiden Frauen standen noch beisammen, al» ein schneller, unsicherer Schrttt die Treppe herauf- kam und der Fremde plötzlich vor ihnen auftauchte. Sie sahen ihn an. Der blonde Schnurrbart hing ihm verdrossen um den Mund, und wie in Gedanken hatte der Fremde die Stirn in Fallen ge- leg». In der linken Hand hielt er elnen Koffer und seine lange Ge> stylt war leicht vornüber geneigt. Als er an den Frauen vorüber- ging, grüßte er flüchtig die Wirtin, schloß die Wohnungstür aus und verschwand In der Wohnung. Die Frauen blickten ihn nach. „Ein unheimlicher Mensch", sagte die Postschasfnerswttwe Die Nachbarin, eine jüngere Frau, zuckte die Achseln:„Man kann richtig das Fürchten kriegen". Darauf die andere:„Wenn ich das Geld nicht so zur Miete brauchte, würde ich das Zimmer lieber leerstehen lassen. Es ist doch nicht schön, wenn man immer einen fremden Menschen in der Wohnung hat." Es dauerte nicht lange, da wurden auch die anderen Leute im Hause aufmerksam und verfolgten ihn mit ihren Blickei», als wäre hinter ihm ein Geheimnis versteckt, dem man auf die vpur kommen müßte. Sonst währte es immer nicht lange, da wurde.ein Neuer von ihnen als gleichberechtigt aufgenommen, und nach ein paar Tagen sah man ihn schon an, als hätte er immer in dem Hause ge- wohnt. Nur dl«ser machte eine Ausnahme. Wenn er die Treppen hinaufging, verstummten die Gespräche. Die Gesichter der Frauen verschlossen sich von selber, und die Männer betrachteten Ihn prü- send von oben bis unten, als wären sie darüber einig, daß sie mit ihm niemals reden würden. Doch der Fremde schien sich nichts daraus zu machen. Er blickte weder nach rechts noch nach links. Er ließ sich nie zu einem Gespräch herbei. Immer war er allein.„Was mag er bloß in seinem Koffer haben?" fragten die Leute. Niemand konnte es ihnen sagen. Nicht einmal die Postschaffnerswitwe.„Er macht au» ollem ein Geheimnis", erzählte sie der Nachbarin. „Manchmal bleibt er eine ganze Woche weg. Wenn er wieder- kommt, hat er dicke Schmutzkrusten an den Schuhen, als wäre er über sieben Dörfer gelaufen. Der Mantel ist zerdrückt: wer weiß. wo er schläft! Und er sieht aus. als wären sie hinter ihm her Noch im Zimmer läuft er in einem fort auf und ab. Dahinter kann doch nichts Gutes stecken." Die Nachbarin hörte sich olles genau an und trug dann das Gehörte im Hause herum.— Er blieb„der Fremde" Selbst sein Name war so merkwürdig, daß ihn niemand richtig aussprechen konnte. Manchmal streifte ihn eins der jungen Mädchen verstohlen mit einem neugierigen Blick Aber es sah nur das müde, unordentlich« und abgehetzte Gesicht eines alten Mannes. Vielleicht stieg da auch in so einem jungen Ding ein bißchen Mitleid auf; aber das zerging wohl auch schnell wieder. Darüber verstrichen mehrere Monat«. Der Winter war ge- kommen. Die Leute verkrochen sich in ihre warmen Stuben. Nie mand stand mehr auf der Treppe. Nur wenn mal die Sonn« schien, versammetten sich die Arbeitslosen des Hauses unten an der Haustür und blickten die Straße entlang, als könnte plötzlich von Irgendeiner Gests her die Arbeii herangeschritten kommen Unter den arbeitslosen Burschen war auch der Sohn der Postschaffners- witwe, ein ruhiger Mensch, der d'e andern reden ließ- Eine, Tages sagten einige zu ihm:„Was macht der denn eigentlich, oder wißt ihr immer noch nichts von ihm?" Dabei sahen sie ihn heraus- fordernd an. Der Sohn zuckte die Achseln und erwiderte:„Fragt lbn doch selbst, da kommt er ja." Sie sahen all« nach links die Straße hinunter, wo der Fremd« mit langen Schritten herankam. Der Mantel wehte förmlich hinter ihm her, und im Gehen schüttelte er den Kopf.„Der hat es aber eilig", sagte einer der jungen Leute. Ei» machten ihm Platz, und der Fremde ging an ihnen vorbei, als hätte er sie alle nicht gesehen. Sein Gesicht war bleich, und die dünnen, schmalen Lippen bewegten sich, alz spräche er fortwährend mit sich selber. Am nächsten Morgen standen sie wieder wie sonst vor der Haus- tür und strttten sich. Da wurde plötzlich hinter ihnen die Tür aus- gerissen, und die dicke Pastschaffnerswitwe schoß ausgeregt an ihnen vorbei. Sie sah ihren Sohn nicht stehen und lief schnell die Straße hinunter. Bald darauf kam sie mst einem Schupo wieder. Der Sohn löste sich von der Gruppe und ging hinter den Beiden her. In einigem Abstand folgten dann auch die übrigen. Als sie oben in die Wohnung eintraten, blieben sie ganz erschrocken stehen. Der Fremde hatte sich in seinem Zimmer nm Fensterkreuz aufgehängt. Sein Gesicht war so müde und oerzweifett anzuschauen, daß jeder sofort das Gefühl hatte: Den mutz da» Leben aber hart am Genick gepackt haben. Es lagen auch noch zwei Briese auf dem Tisch und das Geld für die Miete, das er noch schuldig war. Auf Heller und Pfennig... Am übernächsten Tage kam eine Verwandt« und holte seine Sachen ab. Von ihr erfuhren auch dt« Leute im Hause, daß dem Fremden früher ein Geschäft gehört hatte. In der Inflation hatte er sein Geld verloren, und die ganzen letzten Jahre hatte er sich als Reifen- der mühsam durchgeschlagen. Zuletzt brachte er immer weniger Bestellungen nach Haus«. Nun hatte da» Geschäft, für dos er reiste, Konkurs angemeldet. Es zag sich olles um ihn zusammen: er stand ganz allein. Seine Schwester, die in guten Verhältnissen lebte, bezahlte das Begräbnis, vie und die Wirtin waren die einzigen Menschen, die hinter dem Sorge hergingen. Eine Zeitlang war es den Leuten im Hause, als fehlte ihnen etwas. Die Frauen im Haufe wartete» beinahe darauf, daß er noch einmal die Treppe hinaufkommen würde. Und wenn sie jetzt was nur leiten geschah— von ihm zu reden begannen, dann sagten sie:„Er muß doch sehr unglück.ich gewesen sein. Das hat auch schon in seinem Gesicht gelegen." Tierparks für amflerbende Tierarien In Südafrika hat man an verschiedenen klimatisch geeigneten Plätzen Tierpark» errichtet, die dazu dienen sollen, im Aussterben begriffene Tierarten zu erhalten. Unter diesen sind verschiedene Arten von Antilopen, wie der ganz seltene„Bontbock", für den in der südwestlichen Kapkolonie ein großer Zoo geschaffen wurde. > Andere Anttlopen wurden am Rande der Wüste Kalahari angesiedelt Eine besondere Elefantenart, der„Addo", wurde In der östlichen Kapprovinz untergebracht. Der Addo soll kleiner sein al, seine indischen Verwandten, aber viel temperamentvoller. Das Krüger-Notionalmuseum m Transoaal beherbergt das letzte weiß« Rhinozeros. Die vorgesehenen Zoos sind alle von ungewöhn- sicher Größe. Das Krüger-Mus-um umfaßt 7000 vuadratmeilen. Nr. SS» 49. Jahrgang Kreiiag, S. Februar 1932 Warum Weltschiffahrt in Not? Weil der Naggenehrgeiz die Vernunft am meisten mißachtet. Das Zahr 1931 hat die riesigen Zchlinveslitlonen der La- pilallsten in aller Herren Länder anfgedeikt: es hat auch end- lich den wirtschaftlichen Unfug des Wettrüstens in der well- schisfahrt offenbar gemacht. Bon Jahr zu Jahr' sind die Tonnageziffern gestiegen, ohne Rück- sicht auf die wirtschaftlichen Notwendigkeiten und sehr oft im strikten Gegensatz zu ihnen. Maßgebend für das Wettrüsten in der Schiff- fahrt war zweierlei: einmal der rein nationalistische Prestigestandpunkt, durch Vermehrung der Flotte auf allen Meeren die eigene Flagge zu zeigen und so für das eigene Land zu werben, zum anderen das Bestreben, durch die D e v l s e n- einnahmen aus der Güter- und Personenbeförderung(st'ir fremde Länder!) die eigene Zahlungsbilanz zu bessern. Der Krieg hat zunächst das Anteilsoerhältnis der Völker an der Gesamtschisfahrt grundlegend verändert. Die Rolle der V e r- einigten Staaten als größter Kriegslieferant brachte es mit sich, daß in den Kriegssahren eine gewaltige amerikanische Handels- flotte ausgebaut wurde. Die amerikanische Flotte von 1931 ist fast viermal so groß wie die von 1914, obwohl sie in den letzten Iahren wcsenllich verkleinert wurde. Japans Handelsflotte heute ist zweieinhalbmal so groß wie die von 1914. In der Nachkriegszeit haben besonders die Niederlande und Norwegen sich bemüht, ihre frühere Stellung wieder zu erreichen. Das faschistische Italien hat mit ollen Mitteln staatlicher Subventtonspolttik seine Flotte gegenüber der Vorkriegszeit verdoppell. Das einzige Land, das im Jahre 1931«in« kleinere Flotte als 1914 aufzuweisen hatte, ist Deutschland(Flottenablieferung auf Grund des Friedensver- trags!). Die Veränderungen der Flottcnzifsern von 1914 bis 1931 zeigt folgende Tabelle: Schiffsbestaud(nach Lloyd's Register): Die welttounage von 1931 ist also um 4 3 Pro;, größer als die von 1914. Aber uoch mehr— die weltslotle ist heule, da sie im Durchschnitt viel jünger als die von 1914 ist, vor allem be- deutend schneller nud leistet mindestens das Doppelte der Flotte von 1914. Dazu aber steht die Entwicklung des Wellhandels in striktem Gegensatz. Von 1926 bis 1929 ist der Umsaug des Welthandels zwar Kräftig gestiegen, weit über' den Vorkriegsumfang hinaus: aber die Steige- rung hat auch nicht entfernt die des Flottenbestandes und ihrer Leistungsfähigkeit erreicht. 1930 kam dann der Rückschlag im Well- Handel, so daß der Umfang des Wellhandels im Jahr« 1931 nur etwa dem von 1913 entspricht. Dem vermehrten Angebot von Schiffsraum stand also zu- nächst eine viel langsamer»vachsende Nachfrage, seit 1930 eine absolut sinkende Nachfrage- gegenüber. Das hat dazu geführt, daß die Seefrachten dauernd unter- boren wurden; also hatten auch gut beschäftigte Schisse und Reede- rcien mit dauernd sinkenden Einnahmen zu rechnen. Die Entwicklung dieser drei Faktoren, die für die Lage der Schiffahrt entscheidend sind, haben wir in unserem Bild in Vergleich zur Vorkriegszeit gestellt. Der Umfang der Wettflotte vom 1 Infi 1914(49,1 Millionen Tonnen) wurde gleich 100 gesetzt; der Umfang ist fett 1926(64,8 Millionen Tonnen) bis 1931(70,1 Millionen Tonnen) beständig gestiegen. Der Welthandel betrug im Jahre 1913 160,2 Milliarden Mark; er erreichte mit 284 Milliarden Mark im Jahre 1929 den höchsten Stand. Nun sind die Werte des Welthandels wogen der Preisver- schiebungen nicht ohne wettercs verglcichbar; schallet man den Wglttonna�e(l�=100) .—.—Welthandel aqi3=ioo) SeefrathtenCim-m-100) Einfluß der Preise durch Umrechmrng auf die Vorkriegswerte aus, so ergibt sich, daß der Welthandel im Jahre 1929 mn 34 Proz. über dem Wert von 1913(gleich 100) lag; das Jahr 1930 zeigt einen Wert von 121, und das Jahr 1931 ist weiter auf den Stand von 1913(100) zurückgesunken. Der S e e f r a ch t e n i ndex der eng- tischen Zeitschrift„Economist" setzt den Durchschnitt der Frachtraten der Jahre 1898 bis 1913 gleich 100; in der Nachkriegszeit zeigt der Inder ein dauerndes Absinken bis auf 92. Die unsinnige dauernde Vermehrung des Flolleubestandes. die katastrophale Entwicklung des Welthandels und der Preise für Schissahrlsleistungea(Seefrachten) hat im llahre 1931 in ollen Ländern und gerade bei den größten Reedereien zu Schwierigkeilen gesührl. Bis zu 3 0 Prozent des Schiffsraumes der nationalen Flotten sind zur Zeit aufgelegt; und der sahrende Schiffsraum ist teilweise nur zu 40 Prozent ausgenutzt. Allein im Ham- burger Hafen findet sich ein„Schifssfriedhof" aufgelegter Schiffe von 700 000 Tonnen. Die offene Krise in der Wellschiffahrl begann mit dem Zusammenbruch des englischen Royal-Mail-Konzerns. Die C u n a r d- Linie hat vor kurzem den Bau des 73 000- Tonnen- Dampfers eingestellt, obwohl der Bau schon weit vorgeschritten ist, obwohl die englische Regierung die volle Versicherungsgaraittie für den Bau übernommen hat. Seit Jahren fft die staalliche Handels- flotte der USA. von mehreren Millionen Tonnen zum größten Teil aufgelegt; es findet sich kein„Liebhaber" dafür. Die United States Lines, die größte Privatteederei der Vereinigten Staaten, konnte im vorigen Jahr nur dadurch saniert werden, daß der Staat die Subvention in Gestoll der Bezahlung für Postbesörderuirg ver- doppelle. Für den Bau der neuen beiden 50 000-Tounirn-DanTpfer hat der Staat 75 Proz. des Baupreifes zu billigsten Zinssätzen auf 20 Jahre geliehen. Die Sanierung der französischen Co. General« Transatlontique hätte fast zum Sturz der Regierung ge- führt; durchgeführt ist sie wegen des Widerstandes des Senats immer noch nicht. Die Berluft« übertrafen dos Aktienkapital(etwa 300 Millionen Franken). Der Staat muhte auf feine Forderungen in Höhe von 200 Millionen Franken ein fünfjähriges Moratorium gewähren; außerdem sollte er als Subvention für den Amerikadienst sofort wettere 100 Millionen Franken und die Garantie für«ine Anleihe in Höhe von 300 Millionen Franken übcrnehinen. Die Ver- zögerung der Sanierung durch den Senat hat jetzt zur Einstellung des Baues der beiden Ozeandampfer geführt und damit mehrere taufend Werftarbetter arbeitslos gemacht. In Italien feierte das Subventionssystem Triumphe. Hier machte man den llntcrfchied zwischen„unbedingten",„be- dingten" und„erwünschten" Linien. Für die erste Gruppe gibt es die höchsten Staatszahlungen: dafür muh der Betrieb„unbedingt" aufrechterhallen werben. Das staffelt sich dann über die„be- dingten" zu den„erwünschten" Linien; für die letzten zahlt der Staat die geringsten Beträge. Der Bau neuer Schiffe wurde erst recht subventioniert. Zu diesem Zweck hat man sogar ein besonderes Kredttinftttut errichtet, das besonders billige Kredtte zu vermitteln hat. Jetzt erträgt es der F a fch i st en st o lz nicht länger, daß die Wirtschafts- und Faschistenführer auf fremden Schiffen ihre Wellreisen machen— also werden gleich zwei 46 OOO-Tonnen-Dampfer gebaut; für jeden hat der Staat einen Kredtt von 150 Millionen Lire gegeben. 1931 sind alle vier G r oß rc e d e r e i e n Italiens in Schwierigkeiten geraten; man hat sie kürz- lich alle zusammen in einen großen Konzern„Jtalia" gebracht. Aber ohne Erhöhung der Subventionen von 180 auf 230 Millionen Lire jährlich ging auch das nicht. In anderen Ländern geht es nicht viel besser. Die Lage der deutschen Flokle isi alles andere als günstig. Die Hapag-Lloyd- Union hat im Jahre 1931 nur 224 000 Passagiere befördert, während es im Jahre 1930 noch 301 000 waren. Die Union dürfte im abgelaufenen Jahre die Abschreibungen nicht verdient haben; sie hat allerdings noch einen finanziellen RückHall an den amerikanischen Freigabegeldern. Neue Subventionen sind bisher an die deutsche Schiffahrt nicht gezahlt worden; aber die deutsche Transportschiffahrt hat in letzter Zett schon noch der Hilfe des Staates gerufen. Die Entwicklung in der Wellschiffahrt bestätigt die überall sonst gemachte Erfahrung: Ueberproduktion und Kapital- sehlleitung, weil das Augenmaß für die wirtschaftlichen Möglichkeiten fehlte. Der nationalistische Flaggenehrgeiz konnte dieses wirtschaftliche Augenmaß nur verschlechtern. Die Wellschiffahrtsplette ist offen eingestanden in dem vorgestern von. der Hapag-Lloyd gemachten Borschlägjduß in der ganzen Well alle über 23 Jahre allen Schiff«— das sind noch 17 Prozent des Bestandes— abgewrackt, dos heißt ver- jchrott et werden sollen! Zinsverbilligung für Saatgut. Um den Absatz von anerkanntem Originalsaatgitt van Getreide für die bevorstehende B e st e l l u n g zu heben, hat, wie amtlich mit- geteilt wird, der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft Mittel zur Verfügung gestellt, die dazu bestimmt sind, den Zinssatz für Kredite zu senken, die für den Bezug von anerkanntem Original- friihjahrssaatgnt von Getreide, einschließlich Mais und Hülsenfrüchte, gewährt»verden. Die Zinsverbilligung soll ausschließlich den Land- Mengonadgcche. vorbehalten- FrJ�|efV|jiFi2ie�s�Jh Kalbs-Steak........ an Pfd. 1.38 Ochsen-Suppenffeisdi en Pfd. 0.S8 Rinder-Goulasch.-.on Pfd. 0.64 Rinder-Spickbraten a.Ptd. 0.78 Rinderzunge o. Schlünde. P. 1.23 Schweinebauch....... Pfd. 0.54 Schweinekamm u.SdiuftPfd.0.70 Schweineschinken m.B. Pfd. 0.66 Hammelkeule...... an Pfd. 0.98 SCaßEer an.l.pfd. 0.68 ms&m Harzer.-ca.> Pfund-Podtung 0.28 Camembert«"h- Sd,ed>. 0.1 8 AAagd. Korbkäse' StüA 0.1 8 Frühstück skäse5Stdt.,Roila 0.35 � Allg. Limburger...... Frd. 0.44 Emmenthaler o. Rd......'U O.oB Allg. Romadour....... Hd. 0.58 Edamer hoibletf....... Ffd. 0..6 Briekäse vollf.........» Pfd. 0.65 Steinbuschervollf.. an Pfd. 0.65 Tilsiter, feine QuoU... Pfd. 0.66 Oän. Schweizer Pfd. 0.60 Emmenthal, vollf. o.Rd. Pfd. 0.75 Allg. Stang.-Käsevollf.Pfd. 0.75 Schweizer fein. boyr. an Pfd. 0,95 Butter-Käse.......... Pfd. 1.20 Tilsiter Art n c« ohne Rinde.......... Pfund U-3D Verkauf solange Vorrat. Besuchen Sie unsere Weiße Woche In u n s e r e n D a c h h crll eh$ p i e le n die Kapellen Efim Schachmeister und Ben Berlin � Obst und Gemüse Rot, Weiß, Wirsingkohl..Pfd. 0.06 Grünkohl od.Kohlrüb.3Pfd. 0.10 Sellerie Od. Rübchan.. 3 Pld. 0.20 Blumenkohl...... en Kopf 0.20 Schwarzwurzeln... 2 Pfd. 0.35 Kochäpfel...........» Pfd. 0,08 Graue Reinetten.... Pfd. 0.20 Zitronen............ an Du. 0.30 Rote Eiseräpfel 2 Pfd. 0,32 Mandarinen........ 2 Pfd. 0.36 fS!".1'1.".""............ 0.46 Wurstwaren Gek. Schinken..... 7, Pfd. 0,28 Kons. Rot- u. Leberw. 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Pfd. 1.12 Tafelbutter....... en Pfd. 1.28 ,....Dt. 0.50 Konserven Karotten geufm....... yl Ds. 0.38 Ig. Kohlrabi.........'fa Ds. 0.38 Spinat.«V, Dt. 0.42 Rotkohl.».,»»........h/i Dt. 0,42 Jg. Brech- u. Sehnittb.V» Ds. 0.56 Junge Erbsen........ V, Ds. 0.68 Gem. Gemüse V..... Da. 0.58 Erdbeeren roheingol.>/, Ds. 1,10 Aptikosen............ ViOs. 0.95 Birnen, ganze Frudif...1/, Ds. 0.88 Preißelbeeren.......'1, Ds. 0.85 Ananas-Konfit. ca. 2 Pfd.-E. 1.50 Orang.-Konfit. ca. 2 Pfd.-E. 1.20 Pflaumenmus, ee. 2 Pfd.-E. 1.00 Seelachso. K. i. Gz...an Pfd. 0.22 Rotbars o. K.>. Gz... en Pfd. 0,24 Fischfilet............. an Pfd. 0,38 Grüne Heringe--an 3 Pfd. 0.35 Lebende Karpfen n cn an.................... Pfd. U.Do Eier an 10 Stück....... 0.62 Kolonialwaren Weine• Spirituosen Bruchreis Pf. 0.13 Tafelreis.».».»»..» en Pfd. 0, 14 Weiße Bohnen..en 2 Pfd. 0,25 Viktoria-Erbsen..en 2 Pfd. 0.35 Eierbandnudeln..en Pfd. 0.42 Mckkaroni......... an Pfd. 0.48 Auszugmehl....... an Pfd. 0.24 Pfirsiche, gelrodcnnf, an Pfd. 0.62 Birnen calif....... an Pfd. 0.48 Sultaninen........ an Pfd. 0.38 Kirschen, gniroduwt,.. Pfd. 0.50 Haselnußkerne....... Pfd. ILO Mischobst........... an Pfd. 0.38 Kaffee..».....»..»,.an Pfd. 1.88 Apfelwein....Ur. 0.42 5 Ltr. 2.00 Moselwein....Ur. das 3 Ur. 3,10 Rheinwein....Ur. ms 5 Ur. 3.1 0 Niersteiner...Ur. im 5 Ur. 4.75 Tarrog.WermutU.i.oo5UT. 4.75 Sornas Muskat Ur. l.toSUr. 5.25 Utiel Span. Rolw. Ur. 0.9S 5 Ur. 4.50 Johannisbeerw. U.o.josu. 3.40 Heldlb.Sladinlb.W. U. 1.03 5 Ur. 4.75 28er Hackenheimer m. Fl. 0.65 30er Edesheimer....m. Fl. 0.75 30er Liebfraumilch. m. Fl. 0.95 30erCueserWnifiensi. m. Fl. 1,10 28er Sauternes...... m. 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Die Durchführung erfolgt über die Preußische Zentralgenossenschaftskasse bzw. die Reichskreditgesellschaft, wobei die von ihnen hercingenom- menen Wechsel zu einem Zinssatz abgerechnet werden, der bei einem Reichsbonkdiskontsatz von sieben Prozent um drei Prozent verbilligt wird. Soweit der Reichsbaukdiskontsatz unter sieben Prozent sinkt, ermäßigt sich die Zinsverbilligung um die gleiche Prozentzahl. Verschleudertes Kapital. Remberg verliert in zwei Iahren 21 Mill. Mark. kaum ein Industriezweig hat ln der Tiachkrlegszcil elue so stürmische tlonsunklur erlebt und in diesen Glanzsahren eine derart wilde Ilnsdehnungspolitik getrieben wie die S n n st f e i d e n» indvstrie. Wer den Zustrom des Kapitals verfolgte, da» bis 19Z9 in der Kunstseidenindnstrie außerordentliche und unerschöpfliche Profitraten witterte, glaubt sich in sagenhafte Zeiten zurückver- fehl. Einer der führenden deutschen Kunstseidenkonzerne, die 3. P. Lemberg A.-G. in Lärmen, hat vom August 1927 bis zum Januar 1929 fein Kapital von IS auf 40 ZMllionen erhöht und ist mit dieser riesigen Sapilastast. die schon im letzten Konsunktursahr 192S 29 eine scharfe Dividendenkürzung erzwang, in die Krise ge- kommen, welche phantastischen Preise in der Zelt der Hochkonjunktur für Lemberg-Aktien gezahlt wurden, beweisen die Lörsenkurse, die noch 192S mit 650 Pro;, seine 1 000-Warf-Jtklie= 6500 Mark) notiert wurden. Im Januar 19Z1, also noch vor der Zeit de» stärksten Kursverfalls an der Lörse, waren die Lemberg- Aktien bis auf 43 Proz. seine lOOO-Mark-Zlklie= 430 Mark) abgesackt. U«I«tz Reinqewisn Verlust Dividende »es«iitd.t»16 Grünkohl............... 3 ptd 6,10 Holl. Rosenkohl........ m. O.lfc Rot- oder Weisskohl pw. 0,06 Wirsingkohl............ p,a 0,06 Sellerie»»uobep..... 3 pm. 0,30 Blumenkohl........ Kopf»ob 0,30 Zwiebeln................ Pfd. 0,14 Hausmachersülze..... m 0,43 Sülzwurst................. pfd. 0,0t fleisch wurst......... Pfd.»od 0,74 Londieberwurst....... pfd 0,75 Jagdwurst.............. Pld 0,84 Mettwurst n. Brs,»n. Pfd. 0,86 Wiener Würstchen...pid. 0,68 ff. Leberwurst.......... pid. 0,9t Zerveiat od. Salami.. piu 0,23 Teewurst ,«w............ m. 1,1b Nußschinken............ ptd. 1,32 Speck feu Pfd. von bpeck magpr.......... Pfd.»on 0,76 Gekocht. Schinken>/, Pfd. 0,28 Feine ig. Schnilt- und Brechbohnen Dos u Uoaf Brechspargel otme Kopfe... 1,15 Kaisererbsen............... 1,30 Junge ürbsen«du tein..... 1,18 Junge Erbsen m}tt«ifein.....0,76 Gem. Gemüse ein........ 1,38 Leipziger Allerlei........ 0,7t Erbsen mlttellein, mit Kwotten 0,72 Konlrabi te Scheiben, mltGrlln 0,38 Spinat......................... 0.43 Hochfeine Toilettesclfen »part pirfOtnlert, Kiosse« Badeatflah 0,30 3 Stich 0,85 ISiIak Im OeUopbannoutal........ 0,80 Uarbo.Reell",»entert In Chypre, Livendel, JCöloiecb Wnier, Flieder. ♦ Stich In Cellophanpickung...... 0,35 „Regia" Zahnpasta Tube 0,33 Doppeltabe 0,45 Prelia nur tretta« u. Sonnabend.— Mongenabaabe vorbehalten.— Ve kau« eowalt Vorrat.— Helech a. lelchtverdorbüehe Waren»lud vom Vertand aiwsuchlotMn.- Dia Zuiendung von lebenemlneln erfolgt bei Beetellung von 3,00 Mark an. Fisehe/Räucherwaron 'Grüne Heringa...... t eu. 0,35 'Kabeltau er- o. k, ig, p«. v.»,20 'Schellfisch m. Kopf, t g.. Pfd. 0,22 'Seelachs gr.,aK..Lge. Pfd.». 0,22 'Rotbars............ Pfiron 0,24 'Ksbeisaufllet.......... Pfd. 0,44 'Lebende Karpfen pm» 0,88 'Zander getr.. i, gen»., pm»ob 0,35 'Salzheringe....... 10 stick 0,4& 'Lachs gefroren, im ganzen, Pld. 0,28 Bücklinge(Mckrelen) PM von 0,24 Schellfisch gerhccbert....Pfd 0,38 Seelachs gerlnobeit...... Pfd. 0,45 Rotbars gerlnebett...... Pld, 0,48 Sprotten................. pfd 0,24 Flundern«rmchert.....-Pfd. 0,34 Fleckheringa........... Pfd. 0,40 »ratherinae •Liter-Ifose b.BO.. VLiter-Do,« 0,32 Heringe in Gelee« Bismarckheringe« Rollmüpse •Uter-Uoütt 0t65..'/rldter-Ooce Oi�S Halbsriicken a jk Pfd. von In aHon Häuiern ausser Andreasstrasse Sehr billige Weine und Spirituosen pm«« oime rueebe Frisches Fleisch Kalbskeule..iPUzt cd gd. Pfd.«. 0,86 Kalbsroulade geraUt. pm». 0,88 Kaibsschnitzol..... pm»on 1,08 Kassler mUd.......... pm»od 0,08 Schweinebauch o Big. Ptd. 0 54 Schwoinoschulterblatt«110,62 ichweineschink.■. tein, Ptd. 0,66 schweineschuft«. Big. pro, 0,70 Sehwelnakammo Big.. Ptd. 0,70 Schwelnekotelett pm»on 0,70 RUekenfett bratferüg.... pm 0,54 flsbeln m.Sgl(ibele,gepIkelt.Pfd. 0,54 ichwelneköpfc mit eich, pu 0,34 chwcinenleren....... pm 0,64 Hammeivorderfl. pm»ou 0,68 Suppenfleisch...... pm tot 0,4« Gehacktes............... pm 0,80 Schmorfleisch«. Kn., pm». 0,74 Roastbeef obse Knoch, Pfd.». 0,98 Rinderleber............ pm 0,68 Rinderlunge............ pm 0,24 Hammelvorderfl.gefr.PMT.0,44 Roter Johannisbeerweint Vi n Stachelbeerwein»i»,...... fl CO Borsd. Rackl.-Apvelwe!n>�;"ü AlUSlhtaKrim-OeaBertwein.'/iFL 1,28 Deutscher Wermut.,.. Ltr. 1,00 Rot.Tarragonagnt'quai.Ur. 1,10 Jörn.« Rum-Verschn. 40°/» u. Oeutsch.Weinbrandr.tr 4.00 Montagna-Rotwaln 29 er Wh' Dürkh. Feuerberg Botw.in Szudak ToreIgl.Krlm-Botw.'lin. 1,00 _p_.....| 1, PL •r wiitlnger Mosel.....|JJ QIj 1930 vorzlellcber Rheinpf. Weisswein A dt O< CA N.»»ufaeeemnun; Krlm-Rotweln 4 AA A7R ler Tlemnweln........>1, FL WiVQ 10 FL V(WW| in-ent guuu.»ollei Unallt»'..... Ltr. I|WV JLti nfft W ParfSmerien« Toiletten-Artikel« Hausseifen Eau de Cologne«tark parflmlert 5ü' fnch.-'l. i), Fi. Dnppal-Fl.'/,Ut-Fl. lUI-FI. 0,25 0,45 0,85 1,80 5,50 Haarwasser eortlert Birke, Portugal Bay-Bam. Cbypre, Franabranmwein, Flaacbe 0,90 Ooppel-Flaacbe 0,93 „Regia" Edeltannen-Badesalz hoebkonz., VrPfd.-Os.C,50 Pfd. v». 0,95 .«Regia" Edeltannen• Bade- tobletten, epradelnd Packung mit I Mick 0,90 Packnng mit128tCck 0,93 Garantie-Zahnbürsten stick 0,25, 0,35, 0,50 Frlsierkdmme. •taike Uualltst... stick 0,50, 0,75 Taschenkämme � mit und ohne GtnL Stick 0,25, 0,80 Feinste Wachskernselfe so««, Ricg.k5OOgO,SORieg,5Üg.,I00üg 1,00 Seifenfloeken loee auigewogen............... PM. 0,45 „Hertlo"-Schnitsel'Selfenpulv. IS'I. I Pid.-« ek. 0,20 mu I Pü-wk. 0,32 Scheuertücher atarka Qialitst, 55/70 cm..... Stick 0,25 t Stick 0,48 HERMANN T Kaffee Tisch geir.. Pfd. von Polierte Erbsen........ pm 6,27 Viktoria-Erbsen..... a pm. 0,55 Kleine wcisseBohnentPid 0,15 Linsen.................... PM0,12 Aprikosen pets�getcockiL.PM 0,38 Pflaumen geancknet, Pf>» Markenbutter......... Pfd 1,30 Margarine............ 8 Pfd 6,99 Kqkosfett............. spm. 6,93 Span. fipriliQsen' Kompott •i, Dom 0.68 Birnen Halbe Fracht.......... i Apfelmus.....................> Heidelbeeren..............> Kirschen not, mit Stein.......' Stachelbeeren............ I Pflaumen ohne etein........> AnanOS in Scheiben..........' Kürbis in Rente und Zucker... i Gemischte Früchte....... Kalif. Pfirsiche»„Fracht... „Hertio"-Mop Imprlmlert, In Doee, mit Stle!........... Stick 3,00, 3,00 Mop-Politur 250 g-FIasche 0,50 UO-g. Flaecbe 0,95 Bohnsrwadu weile oder gelb f-i'M-Doee 0,50 2-Pid..Do«e 0,95 Echt Sämlsch-Fensterleder Stick 0,95, 1,45, 1,90 Abbauwahn| . Zum Kampf um Di« Unternehmer haben, wie wir vor einigen Tagen bereits kurz berichlcten, für die Unfallversicherung neu« Abbauforderungon angemeldet. Was die letzte Not- Verordnung bereits abgeballt hat, genügt ihnen noch nicht. Die Gewerkschaften machen verzweifelte Anstrengungen, um wenigstens «inen Teil oer durch den Abbau geschaffenen schlimmsten Körten zu mildern. Die Unternehmer wollen diefe Karten noch härter machen. Nach der Beseitigung der Unfallrente» bis zu 20 Proz., will man die Entfchädigungspflicht für Wegeunfälle aufgehoben wissen und außerdem alle laufenden N«nt«n bis zu 30 Proz. beseitigen und neue dieser Art künstig nicht mehr gewähren. Besonder» energisch setzen sich die Tiefbauunternehmer für den Rcntenabbau«in. Dabei sind di« Ausgaben für Unfall» entschädigung bei der Tiefbau-Berufsgenossenschast nach deren eige. nen Angaben im Jahre 1931 um 1 Million Mark gesunken und der Abbau durch die letzte Notoerordnung bringt— durch Wegfall der kleinen Nenten. Kürzung der Hinterbliebenenversorgung und Kinderzulagen(für die Ticfbau-Berufsgenossenschaft wiederum nach ihren eigenen Ber«chilungen)— für das Jahr 1932 eine weitere Ersparnis von 1 Million Mark. Diese legte Ausgabensenkung geht restlos auf kosten der Unfavoerleßlen. Früher konnte man noch vielleicht mit einem Schein von Be- rechtigung sagen: besser Arbeit als Kampf um die Rente. Heute liegen die Dings ganz anders. Das gilt auch für die Wege» Unfälle. Die letzte Notverordnung kam hier den Unternehmern bedenklich weit entgegen. Sie bestimmt, daß der Schadenersatz ganz od«r teilweise versagt werden kann, wenn bei der Ent- stehung«ines Uns«!) aus dem Weg nach und von der Arbeits» statte ein Verschulden de» Versicherten mitgewirkt hat. Man weiß ja zur Genüge, wie es auf dem Wege zur Arbeit oft zugeht. Gemeingefährliche Wirischastsführung. Gie muß entmündigt werden. Tie Firma Krupp tjirt infolge weiterer Verschlechterung des Auftragseingangs„vorsorglich" bei dem Sie- gierungspräsidenten von Tüsseldorf Entlassung von rund 2000 Arbeitern und Angestellten be» antragt.— Die Zeche Viktoria 1/2 der KlSckuer» werke wird am 15. Februar stillgelegt. Zur Ent- lassung kommen 5 00 Arbeiter n« d 40 Angestellte. * Zeche um Zeche wird im Ruhrgebiet stillgelegt. Zech« um Zech« wird niedergerissen. Da muß es sonderbar anmuten, wenn man hört, daß eine neue riesige Zechenanlage i n Betrieb genommen wird, deren Errichtung nicht weniger als vier Schächte — Schächte, die Millionen gekostet haben und selbst den Anforderungen einer Hochkonjunktur gewochsen wären— zum Erliegen bringt und damit die Entlassung von 1200 Bergarbeitern herbeiführt. Diesen„Geniestreichs hat die Vergbauoer waltung der Bersinigt«» Stahlwerl« mit der Inbetriebnahme der neuen Zentralschachtanlag« 12 der Zeche Zoll- oerein in Effen-Katernberg vollbracht. Das Projekt war im Augenblick der Krise sinnlos geworden, aber es wurde doch durchgefichrt: denn ein„technisches Wunderwerk der Rationalisierung" sollte es werden. Auf der neuen Schachtanlage kommt zum ersten Male die Schlitz- säge in Anwendung. Das ist eine Art Schränun-Maschin«, mit der man die Hauerleistung vcrn 20 Förderwagen pro Mann und Schicht auf 33 steigern kann. Zwar lassen die Flözverhältnisse auf Zoll- verein eine solch« Ausbeute noch nicht zu und man muh sich«inst- weilen noch mit 24 Förderwagen begnügen, aber das ist ja weiter nicht schlimm— mit Hilf« einiger Millionen wird man das schon noch schassen. Ein paar Millionen mehr— was macht das schon aus, wo die neue Schochtanlag« nicht weniger als SO Millionen Mark kostet. Die Hauptsach« ist, daß man einen neuen Rekord ausstellt: Förderung von 3 Millionen Tonnen durch einen einzigen Schacht oder 10 000 Tonnen pro Arbeitstag und da» bei gewaltig verringerter Belegschaft. An Löhnen und G«> h ä l t« r n wiäd man jährlich etwa 2,ö Millionen Mark sparen können, an Zinsen(zu 0 Proz. gerechnet) jedoch 3, S Millionen zu zahlen Hab en I Rechnet man noch 15 Pro;. für Abschreibungen und dann auch noch die Abschreibung für die st i l l g« I e g t e n Anlagen, die ja nur noch Schrottwert haben, dann bleibt der Gewinn— da» große Geheimnis der Der- einigten Stahlwerke. Statt 60 Millionen zur inneren Sanierung kein Ende. die Ltnfaltrenien Die allgemein« Hetzjagd— die Angst, zu spät zu kommen—, sie ist in vielen Fällen die Ursache für Unfälle. Die Forderung nach einem noch schärferen allgo- meinen Rentenabbau, der im Rahmen der allgemeinen Lohn- und Preissenkung vor sich gehen soll, scheint ein grau- samer Witz. Weil die ArbeUerschasl bereits bis an die hungergren;« getrieben ist, sollen auch die Reuten noch weiter gekürzt werden! So will es die Gerechtigkeit, wie unsere Unternehmer sie auffassen. Praktisch bedeutet das nichts anderes als Abwälzung der Unfallast von den Schultern der Unternehmer— in der Ünfall- Versicherung werden die Kosten nur durch Unternehmerbciträge gedeckt— auf die Wohlfahrt der Gemeinden. Im Tiefbau zum Beispiel ist in den letzten Jahren von den Unternehmern recht gut verdient worden. Warum wird nicht aus Gewinnen die jetzt infolge der Krise entstehende prozentual höhere Beitragslast für die Berufsgenosienschost bestritten? Spare in der Zeit, so hast du in der Not— dieses schöne Sprichwort konnten doch die Unternehmer in den Berufsgenossenschaften, solange es der Wirtschaft noch gut ging, sehr leicht anwenden; denn die Berufsgenossensihoft wird ja von ihnen allein verwaltet, und dies« ihre Selbstverwaltung wurde von ihnen doch stets gerühmt und gepriesen. Warum hat sich diese Selbstverwaltung nicht auch beim Sparen an B e r- w a l t u n g s k o st e n. die in der Unfallversicherung viel höher sind als in anderen Versicherungszweigen, bewährt? Jetzt, wo die Dinge schwierig werden, fällt der Selbstverwaltung der Unternehmer nichts anderes ein als andere, in erster Linie di« Gemeinden, die Last tragen zu lasten. Regierung und Unternehmer mögen sür ihre Haltung noch so schöne Gründe ins Treffen führen, eines bleibt eine psycho- logische Unmöglichkeit: man kann nicht aus der einen Seile die Pensionen der General« und Ofisziere schonen und auf der anderen Seite die Hungerrenten der Krüppel und Invaliden zusammenstreichen, bis nichts mehr übrig bleibt. des notleidenden Konzerns zu verwenden, baut man«ine Riesen- zeche mit ungeheurem Berlust, wirst man Tausend« von Menschen auf die Straßel Kann man sich da noch wundern, wenn selbst I m b u s ch, der Führer der christlichen Bergarbeiter, nach Verstaatlichung des Berg- baues ruft? Diese Art Birtschaftssührung ist zu einer öffentlichen Gefahr geworden. Sie muß entmündigt werden. Arbeitslosigkeit und Versicherung. Wie es in Frankreich aosfieht. Kommt die Arbeitslosigkeit von der Arbeit»- losenversicherung? Diese Frage ist, obwohl man es nicht für möglich halten sollte, bereits wiederhoU ernsthaft erörtert wor- den. Der französtsche Ministerpräsident L a v a l hat sie bejaht. Er antwortete in der Kammer aus die Frage des sozialistischen Ab- geordneten Blum, was in Deutschland und England wohl ge» schehen wäre, wenn es dort keine Arbeitslosenversiche- ruvg gegeben hätte, mit der Gegenfrage, ob nicht diese Länder gerade deshalb unter der Krise zu leiden hätten, weil bei ihnen ein« Arbeitslosenversicherung bestehe. Wie steht e» nun mit der Arbeitslosigtert in Frankreich, da» kein» Ar- beitslosenversich«rung hat? Die Mitteilungen über die Arbeitslosenziffer in Frankreich lassen immer mehr erkennen, daß auch drüben di« Pest, die da» soziale Leben bedroht, immer stärker zunimmt. Bei den amtlichen Zahlen handelt es sich nur um die Zahl der aus Bezirkskasten unterstützten Arbeitslosen, lieber die wirklich« Zahl der Arbeitslosen gibt am besten Aufschluß die Erhebung, die die Re- gierung durch die Arboitsinspekwren in den Betrieben machen läßt, die in der Regel mehr al, 100 Personen beschäftigen. In diesen Großbetrieben waren im November 1931: 2S26 94V gegen 2 898 509 im November 1930 beschäftigt. Der Rückgang der Be- schäftigtenzahl beträgt also in diesen Großbetrieben rund 363 000. Will inan die Gesamtzahl der Arbeitslosen ermitteln, dann muß man diese Zahl etwa verdreifachen. Di« Zahl der in Industrie, Handel und Transport Beschäftigten beträgt in Frank- reich rund 8 Millionen. Es ist weiter zu berücksichtigen, daß zum Beispiel da« Baugewerbe nur mit rund 81 000 Personen an der Erhebung beteiligt ist, weil dort die Großbetrieb« di« Ausnahme bilden. Da, gleiche trisft auf das Transportgewerb» zu. das fast gar nicht vertreten ist. Die Eisenbahnen. Straßenbahnen, die Land- und Forstwirtschaft find In der Erhebung überhaupt nicht berück- lichtigt Beobachtet man alle diese Umstände, dann komnit man zu dem Ergebnis, daß die tatsächliche Zahl der Arbeitslosen di« M il- lion weit überschritten haben dürft«. Nock) stärker jedoch ist die Zunahme der Zahl der Kurz- arbeiter. Nach der vorliegenden Erhebung ging di« Zahl der Bollbeschäftigten von November 1930 bis November 1931 zurück von 93, 61 Prozent aus 54,51 Prozent. Rund ein Viertel der Kurzarbeiter arbeitet 49 Stunden und darunter die Woche. Es dürfte also gegenwärtig in Frankreich etwa I V« M i l- lionen Arbeitslos« und ZsH Millionen Kurz- arbeiter geben. Da nur ein geringer Teil dieser Arbeitslosen und Kurzarbeiter eine völlig unzureichende Unterstützung erhält (59 Pfennig pro Tag für Arbeitslose), so kann man sich leicht vor- stellen, daß auch in Frankreich die Wirtschaftskrise sich Verhängnis- voll auswirkt. Bemerkenswert ist, daß die Zahl der Kurzarbeiter dreimal größer ist als die Zahl der Arbeitslosen und daß bisher noch niemand in Frankreich— am allerwenigsten die Regierung— den Lohndruck als Ueberwindimz der Krise empfohlen hat, wenn er sich natürlich infolge der Krise auch in Frankreich geltend macht. Bei dem Gesamtbild: schwächere Arbeitslosigkeit und starke Kurzarbeit, darf man auch nicht vergesten, daß Frankreich heute in seiner ganzen wirtschaftlichen Struktur vielfach noch Bevhältnisse aufweist, wie sie Deutschland vor 39 und noch mchr Jahren hatte. In den kleineren Betrieben hält man die Arbeitskraft durch, weil sonst Gefahr besteht, daß sie ab- wandert. Man hat Grund, das zu vermeiden, weil in Frankreich in normaler Zeit längst nicht ein so starkes Angebot an Arbeits- kraft besteht wie in Deutschland. Dem Arbeitslosen bietet auch Frankreich noch viel mehr Möglichkeiten in die Landwirtschast aus- zuweichen. Aehnlich liegen die Dinge ja auch in Italien. Im stärker industrialisierten Belgien sieht das Bild schon anders aus. Dort drängt di« Entwicklung heut« bereit» sehr stark zur Einführung der Arbeitslosenversicherung nach deutschem Muster. Oer unsterbliche potemkm. Die kommunistischen Zeitungen sind dauernd gefüllt mit Nach- richten über Erfolge der NGO. Typisch für dies« Schwindeleien ist eine Meloung der kommunistischen Presse aus Dresden. Darin wird über„starken Vormarsch der Opposition im Stein- arbeitsr-Verband" geredet. Die Opposition in der Generaloersamm. lung der Dresdener Steinarbeiter habe mit Ausnahme des ersten Vorsitzenden sämtliche Sitze im Ortsverwaltungsvorstand er- obert, und der neue Borstand setze sich aus sechs Kommu« nisten, zwei Parteilosen und einem SPD.-Monn zusammen. Wie steht's in Wirklichkeit? In der Zahlstelle 1 der Dvesdc- ner Ortsverwaltuna sitzt überhaupt kein KPD.- oder R G O.- M a n n, in der Zahlstelle 2 sind in der letzten Generalversammlung der erste Vorsitzende uns der erste Kassierer, beide Sozialdemokraten, mit starker Dreiviertelmehrheit ge- wählt worden. Der Gesamtoorstand setzt sich aus fünf SPD.-, zwei KPD.-Männern und einem Parteilosen zusammen, der der SPD. nahesteht. Di« RGO. macht sich'? bequem. Da sie über keine Erfolge berichten kann, erfindet sie einfach welche. Vor der Aussperrung in Oäuemark. Gewerkschaften lehnen Llnternehmer-lllttmatvm ab. Kopenhagen, 4. Februar. Der Vorstand der dänischen Grwerkschaflen hak am Donnerstag die Forderungen des Arbeitgeber-Verbandes abgelehnt, die. wie gemeldet, eine Lohnsenkung von 20 proz. bei dreijährigen Tarifverträgen vorsehen, andernfalls am 12. Februar rund 85 003 Arbeiter ausgesperrt werden sollen. Der staatliche Schlichter hat jetzt da, Wort.* Rückblick auf das Knseujahr. Aei den Gattlern, Tapezierern und poriefeuillern. Di« Berliner Ortsverwaltung des Verbandes der Satt- ler, Tapezierer und Portefeuiller legte in einer oll- gemeinen Funktionär Versammlung am Donnerstag im Gewert- schastshaus durch den Bevollmächtigten Genossen Osten über ihre Tätigkeit im vorigen Jahre Rechenschast ab. Auch diese verhältnismäßig kleine, ober sestgefügt« Organisation ist in ihrem Ausstieg und in ihrer Aktivität noch nie so stark ge- hemmt worden wie durch die Wirtschaftskrise im vorigen Jahr. Die Tatsache, daß während des ganzen Berichtsjahres nie weniger als 50 Proz. der Mitglieder arbeitslos waren, be- stimmt« zwangsläufig die Tätigkeit der Organisationsleitung: sie war vorwiegend auf die Abwehr der oftmals maßlosen Abbouforde- rungen der Unternehmer gerichtet. Wenn auch in keiner Branche der Lohnabbau verhindert werden konnte, war es der Organisation aber überall möglich, den Unternehmerfvrderungen wenigstens die Spitze abzubrechen. Die RGO. setzte sowohl im vorigen wie in diesem Jahr alles daran, den Einfluß wieder zu gewinnen, den sie noch vor Jahren in der Organisation Halle. Sie gab sich der trügerischen Hoffnung hin, daß es auf Grund der Preisgab« einzelner tariflicher Errungen- schasten unter dem Druck der Krise nur eines geringen Anstoßes bedürfe, um die„Reformisten" in den ausschlaggebenden aus dem Steuerkpeis keicksdaim-ZUiIsike 1951 Die Frisi(Qr die Zeichnung der An'elhe I»t bis zum 29. Februar 1932(elnsdilleblkh) rerlfingerl worden. ClelchreiHg wird die nach dem Zeldinungeprospekt am 15 Feb'uar 1932 fAlllge Einrahlungsrafe von 30% dahin abgefindert. dab am 15. Februar 1932 nur 15%, die weiteren 15% am 2 April 1932(&IIig werden Hiernach ergeben sich folgende Elnrahlungslermine: Bei Zeichnungen vor dem 15. Februar 1932 sogleich bei der ZeicfanaDg am 15. Februar 1932 am 2. April 1932 am 18. Mal 1932 • am 15 August 1932 Bei Zeichnungen vom 15. Februar 1932 ab sogleich bei der Zeichnung---- 2$ am 2 April 1932= 15% am 18 Mai 1932--- 30% am 15. August 1932» 30% Dos Recht der Anlelhezeidmer aut frohere Voll- oder Teilzahlung bleibt unberührt. Berlin, den 28. Januar 1932 Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft Hauptverwaltung Der Generaldirektor: Dorpmüller, »0% 15%(bisher 30 0'p) 15% 30% 30% BONALIN Brennatoff für das Feuerzeug gerucb£rci, Verdunstet sehr langsam. t Keine Eisploslonsgefiüu-. Bequem(Qr die Reise und daheim. "ragen Sic bei Ihrem Zigarrenhändler, in Drogerien, Bijouterie- und Feoerzeugläden oder in sonstigen änsdilägigen Geschäften nach BONALIN. Die Tube kostet nur 8J Pfg. nnd reicht auf lange Zeit. (Eiznelhindler wenden tidb sa den ADeiß Vertreter für Crofl- Berlin trod Mark Brandenburg: £> w Hßlßfitfc Crittltr« Btrlia S43. Latoßtxfer II. OO Pfennig_• Sattsl heben zu können. Die RSV. hatte sich aber, wie schon so oft, s e h r st a r k g e i r r t. Es gelang ihr we!>er bei den Wahlen des Ortsvorstandes noch bei den Wahlen der Vronchenleitungen, auch nur ein einziges Mandat zu erringen. Auf die Mitgliederbewegung und auf die Finanzen der Organisation ist die Krise begreiflicherweise nicht ohne Einfluß geblieben. Die Zahl der Mitglieder ist im Lause des Berichtsjahres von auf 3832 zurückgegangen, der Lokal- lassenbestand um 27 085 Mark auf 87 728 Mark. Trotz der starken finanziellen Anforderungen infolge der Zunahme der Ar- bcitslosigtcit konnten alle statutarischen Unterstützungsansprüche er- füllt werden. In der Diskussion versuchten nur zwei kommunistische Verbands- Mitglieder, an der Tätigkeit der Ortsverwaltung Kritik zu üben. Sie bewiesen dabei, aber eine so beschämende Unkenntnis der elemen- tarften gewerkschaftlichen Grundsätze, daß der letzte Redner unter den« Gelächter der Versammlung abtrat. Gerüchte um„Losetti". Das Kartell der freien Gewerkschaften der Zigarettenindustrie ersucht uns um die Veröffentlichung einer Erklärung der bekannten Zigarettenfabrik„I o s c t t i" und deren Betriebsrat. Aus dieser Erklärung geht hervor, daß die Behauptungen, die genannte Firma habe dem Stahlhelm geldliche Zuwen- düngen gemacht, von der Firma energisch bestritten werden. Räch den eidesstattlichen Aussagen des Geschäitssührers seien wäh- rcird der letzten zehn Jahre irgendwelche geldliche Zuwendungen an irgendeine Partei nicht gemacht worden. Es geht weiter aus den Erklärungen hervor, daß die Firma gegen das Blatt, das die Be- haupttmg der Gcldzmvendungen aufgestellt hatte, Klage erhoben und eine einstweilige Verfügung erwirkt hat, die dem Blatt unter- sagt, bis zur rechtskräftigen Entscheidung der Klage die Behauptung der geldlichen Zuwendungen an den Stahlhelm zu wiederholen. Mangel an Landarbeitern? Was der Deutsche Landarbeiterverbond dazu sagt. Die landwirtschaftlichen Unternehmer, geführt vom Zlcichsoerband der deutschen länd- und forstwirtschaftlichen Arbeit- gebervereinigungcn e. V., machen starke Anstrengungen, auch für das Jahr 1S32 eine Neuzulassung ausländischer Wanderarbeiter zu erreichen. Ebenso drängen sie aus ver- stärkte Vermittlung inländischer Wanderarbeiter. Beide Maß- nahmen sind geeignet, die Arbeitslosigkeit der in der Nähe des Arbeitsplatzes ortsänfäffigen Landarbeiter zu steigern. Der Deuts 6, e Landarbeiterverband Hot sich gegen diese Absichten mit einer Eingabe an den Reichsarbeits- minister gewandt. In der Eingabe wird aus die Entwicklung der Arbeitslosigkeit in der Landwirtschaft verwiesen. Die Stich- tage aus den Iahren 1928 bis 19 2 9 ergeben e r- schreckende Ziffern. Es waren auf den Arbeitsämtern Arbeitslose aus der Landwirtschaft gemeldet: l. Januar . 70 235 . 122 911 . 150981 . 195 573 . 273 450 1. August 20 062 25 326 55 128 100 656 Die Zahl der wirklich erwerbslosen Landarbeiter ist noch höher, da sich diese nicht in voller Zahl auf den Arbeitsämtern melden. Wenn selbst m der arbeitsreichen Zeit der Landwirtschaft, am 1. August, über 100 000 Arbeitslose gemeldet waren, dann er- öbrigt sich jeder Zuzug ausländischer Saisonarbeiter. Das gleiche gilt für die Vermittlung inländischer Saisonarbeiter. Ob ausländische oder inländische Saisonarbeiter— beide sind eine ständige B e- drohung de» ortsansässigen Landarbeiters. Kolonnen deutscher Saisonarbeiter dürften von Rechts wegen nur für solche Betriebe zugelassen werden, für die die Arbeitsamter einen tatsächlichen Mangel an ortsansässigen Landarbei- t e r n festgestellt Hoden. Die Eingabe des Deutschen Landorbeitcrverbandes wendet sich gegen die Absichten, die landwirlschastliche Arbeitsvcrmitt- l u n g aus dem Rahmen der Reichsanstalt zu lösen. Arbeiislosigkeii der Lithographen. Zwei Drittel sind Arbeitslose oder Kurzarbeiter. Roch einer Erhebung des Borstandes der Lithographen, Stein- drucke? und verwandte Berufe über die Arbeitslosigkeit und Kurz» arbett in den einzelnen Sparten am Schlüsse des Jahres 1931 sind 64 Proz. der Verbandsmitglieder arbeitslos oder Kurzarbeiter. Am stärksten betroffen sind die F o r m st e ch e r, von denen nur noch 10 Proz. voll beschäftigt sind, während 84 Proz. arbeitslos sind und 1,6 Proz. kurzarbeiten. Außerhalb ihres Berufs befchäfttgt find 4 Proz. Bei den K u p f e r d r u ck e r n weist die Arbeitslosigkeit die Ziffer von 81,5 Proz. auf. 13 Proz. arbeiten verkürzt und nur 5. 5 P r o z. find Bollarbeiter. Di- N o t e n st e ch e r haben 37 Pro;.'Arbeitslose zu verzeichnen. 48,5 Proz. arbeiten verkürzt, und zwar schon' seit Jahren. In der Porträtpholo- graphie sind 46,7 Proz. arbeitslos und 36,3 Pro;, sind Kurzarbeiter. Lithographen, Steindrucker und Chemi- g r a p h e n weisen einen gleichartig ungünstigen Beschäftigungsgrad auf. Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit schwanken zwischen 62 und 66 Proz. Für die Gesamtsituatwn sind diele Zahlen ausschlag- gebend, die besagen, daß 64 Proz. der Mitglieder arbeitslos sind oder verkürzt arbeiten. Arbeitslos sind 42,8 Proz. der Mitglieder, Kurzarbeiter 21,2 Proz. Wie bei den Buchdruckern ist auch bei den Lithographen die Solidarität besonders gut ausgeprägt. Die noch Arbeitenden und die Arbeitslosen halten fest zusammen. SPD..«uchdr»cker! ssraltionssiliungen in folgenden■äjcjirltn: 4. B» i-z K Sief: Sonntag. 7. Februar, gr» Uhr, bei S-lple. Kronprinzen. Ilde k: lÜ Sttiarn-weberstraß� 5. Bezirk: Sonnabend, 6. Februar, 19�2 Ubr, im p? -S Rrichrnberaer Hof. Im 7.»ezirk fällt die Sitzung aus. S. Bezirk: y S Sonnabend, 8. Februar, 20 Uhr, bei Sutzli, Hermmmkr. 75. Erfchernen W h] ist Pflicht. Der Froktioll-uorstood. S tftreie Gewerkfchafts-Iugend Verlin Heute, Freitag. 5. Februar, ISti Uhr. tagen die©nippen: Süden: Jugendheim Wallertorstr. 9. Heimdcfprechung, Lirbcrobend.— Chor. lottenbnrg: Jugendheim Sprceftr. 30. Heimbesprechung.— Rorbnng! Jugendheim. Schule Sonncnburger Str. 20. Arbeitsgemeinschaft„Junge Ee- werklchaftcr".— Treptow: Suqenddeim Elsenstr. 3(am Bahnhof Treptowl. Aus. bau des striminalwefens.— Renkölln! Jugendheim Treptower Str. 96. R eiste nnortrag: Einführung in den Sozialismus.— Scrmannplatz: Jugend- beim Sanderftr. ll. Ecke Hobrechtstraße. Heimbriprechung,©efellfchaftsipeele.— Osten: Jugendheim Frankfurter Allee 307«Hans. Zimmer). Seimbcfprcchung. .«tampiliederabenb.— Zeppelinplatz: Jugendheim Turincr Ecke Sceftraße. Hc:n:. Mprechung.— Rcinckeudorf.OP: Jugendheim Lindauer Straße lBaracken). Heimbefpreckiung und©ednrtstagsfeier.— Adlers hos: Jugendheim Adlershof, Bismarckftr. i. Wir gehen baden. ©ZuaenQarupve des Zentralverbandes der Angestellten Heute, Freitaa, finden folgende Bcranftaltungen statt: Südwest: In- gendheim Borckstr. 11(9. Hof. Quergebäude, 1 Treppe, Zimmer 5). Tagespolitisehe Rundschau.— Potsdam-Rowawee: Berufsschule Rhwawez, Wichgrakstraße. Arbeitsabend unserer Uebungsfirma.— Heute findet um 19>v llhr der Arbeitsabend unserer Phologruppe statt.— Heute tagt die Berliner Druckerei- und B-rlagsg-sellschast m. d. H. von 20 bi» 22 llhr im Jugendheim Ebertystr. 12. ...-»„j, e, A. o Sdiwon Chevr.- Lockleasr, oder Vetocr mit Lackleder kombiniert, gute Passform, Trotteur- oder Louis XV.-Absatz, wie Abbildung und ähnliche Modelle DAS WARENHAUS BERLINS IN ALLEN STADTTEILEN