BERLIN Zrettag 5. Aebruar 1932 10 Pf. Nr. 60 B 30 49. Jahrgang Erscheinttäglich außer Sonntag«. Zugleich Abendausgabe deS„Vorwärts*'. Bezugspreis für beide Ausgaben 75 Pf. pro Woche, 3,25 M. pro Monat « r B e l e g f ch a f t die Arbeit niedergelegt, d. h. sie erschienen am Montag nicht zur Arbeit. Di» Firma, die einen Streik vermutete, kündigte diesen iO Arbeitern fristlos wegen Arbeitsverweigerung, mußte aber zu ihrem Erstaunen hören, daß alle vierzig arbeitsunfähig trank geschrieben waren, die Kündigung also nicht zulässig war. Die tapferen RGO.-Streiter hatten sich nämlich vorsichtshalber vorher alle Krankenscheine geben lassen und sich am Montag vom Arzt krank schreiben lassen. In Ruhe konnten sie somit der weiteren Entwicklung der„revo- lutionären Aktion" entgegensehen und nach dem im voraus ver- muteten Zusammenbruch derselben sich wieder als„arbeitsfähig" geschrieben zur Arbeit melden. Sie kamen auch tatsächlich nach drei Tagen wieder und konnten zu den durch die Notverord- nung gekürzten Löhnen weiterarbeiten. Nur e i n Arbeiter, der t a t s ä ch l i ch krank war und sich deswegen nicht zur Arbeit melden konnte, kam in den Verdacht des Streiks und erhielt seine Arbeitsbescheinigung mit dem Vermerk „Arbeitsverweigerung". Er klagte deswegen und klärte die näheren Umstände dabei. Die„revolutionäre" Taktik, die Krankenkasse als Sicher- heitseinrichtung und als Streitkasse für wilde RGO.-Streiks zu benutzen, ist bemerkenswert doch nicht empfehlenswert. Auf die Dauer kann die„siegreiche Führung" der NGO. nicht damit operieren, ohne die„Kranken" in Verlegenheit zu bringen. Sie war allerdings selber in großer Verlegenheit mit ihrem Auftrag, für die KPD. Streiks zu liefern und für die„Rote Fahne" Streit- berichte. Heil Hugenberg! Oer deulfchnationale„Arbeiterbund" marschiert auf. Wie ein Drahtbericht der TU. aus Duisburg meldet, waren dort gestern abend die Vertrauensleute des Deutschnationalen Arbeiterbundes, Landesverband Niederrhein, beisammen. Vorsitzender des Landesverbandes dieses„Arbeiterbundes" ist ein cherr Dr. Saenger, der auf dieser Tagung eine Verbindung zwischen der Deutschnationalen„Volks"partei und der Arbeiterschaft zu konstruieren suchte. In der Entschließung erklärt dieser Arbeiter- bund, er stehe geschlossen mit der Gesamtpartei h i n.t e r ch u g e n- b e r g. Unter den Forderungen steht— in richtiger Einschätzung der Reihenfolge— an letzter Stelle: Uebergang der Macht an die nationale Opposition. Man müßte einen solchen Arbeiterbund einmal sehen. eBuch „Volk und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauflage bei. Zrnfl Johaunfen: SUUion 3 Ernst Johann sens im„Volksverband der Bücherfreunde" erschienenes Buch„Station 3" behandelt ein von der Literatur und gerade der Linksliteratur bisher wohl vernachlässigtes Thema: Leben der Arbeiter untereinander, das Leben der Arbeiter gegen- einander. Der Autor läßt die eigentlichen großen sozialen und politischen Probleme einmal ganz beiseite und stellt die Frag«: Wie sieht's drinnen im Betrieb aus? In dem besonderen Betrieb, in den er uns führt, sieht es nicht zum Besten aus. Auf Station 3 des Elektrizitätswerks arbeiten sechs Mann und ein Meister. Die sechs Mann sind Proletarier und unterstehen den gleichen Lebensbedin- gungen: aber von Solidarität ist keine Spur zu finden. In ihrer dauernden Furcht vor Entlastung und in ihrem Wunsche nach Avancement und Bevorzugung intrigieren sie gegeneinander und verstänkern sich gegenseitig beim Meister. Der Meister selbst ist ja eigentlich auch nur ein Arbeitsmann, möglich sogar, daß er in der Atmosphäre großer Volksversammlungen durchaus proletarisch emp- findet: im Betrieb selbst aber sühll er sich als Vorgesetzter, ist ein kleiner König in einem kleinen Reich, schikaniert, drangsaliert, ist zwischendurch ein bißchen leutselig, spielt einen seiner Untergebenen gegen den anderen aus. Er ist kein böser Mensch und bestimmt kein Reaktionär: indessen er hat, was sie auf Station 3 alle haben, Iohannsen nennt es: die Betriebsnarrheit. Im Vordergrunde steht der Arbeiter Dietrich, im Tiefsten seines Wesens ein anständiger, sauberer Mensch: aber selbst er ist nicht gefeit gegen gelegentliches Schlingern in den Sumpf der Streberei. Sein Gegenpol heißt Cäsar und betätigt sich von früh bis abends als Kriecher, Schleimer, Verpctzer. Umgekehrt ist jedoch an ihm keineswegs Hopfen und Malz verloren: letzten Endes kommt er sich selber sehr verächtlich vor und als er schließlich trotz allen Duckens entlasten wird, packt er ordentlich aus. Iohannsen zieht dieses Fazit:„Wenn der Mensch selbst sich nicht im Kern ändert, so bleiben alle Aenderungen etwas Aeußerliches." In einer gründlicheren Arbeit als diese, nn übrigen sehr verdienst- liche und zu Nachdenken anregende Studie es ist, würde einmal der Versuch gemacht werden müssen, die Perspektive zu erweitern und die Wechselbeziehungen zwischen klassenmäßig Bedingtem und individuell Menschlichem aufzuzeigen. Hans Lauer. lvetleraussichlen für Berlin: Trocken und noch ziemlich heiter, mit weiter sinkenden Temperaturen und östlichen Winden.— Für Deutschland: Im Osten vorwiegend heiteres Frostwetter, auch im Westen Aufheiterung mit weiterem Temperaturrückgang. Vcrantwortl. silr die Redaktion! Rich. Bernstein, Berlin: Anzeigen: Zh.»lecke Berlin Berlra: Vorwärts Verlag G.m.b.H., Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& To., Berlin SW Kij. Lindenstr. 3 Hierzu 1 Beilage. Staats yu Theater Freiing, den 5. Februar staatsoper unter den Linden 20 Uhr Die Geisha StaatLStepieta OraJaraenKarlrt. 20 Uhr PLAZA I TagiicH 5». 816 iisr I Stts. 2. 5, 813 Uhr lOieförsterdirislel VolKsblltine Theater am BOiovplatz 8 Uhr DerGeianoene mit Albert Eassermana Zw». Säiilit-ltieatcr 8 Uhr Die aöttiidie fette Schiller-Theater CtariBhegbarj. 20 Uhr Die göttliche jjett� Rose- Theater irole Frankfurltr Sinti 132 lei. Veidiul E 7 3422 8.15 Uhr Der BettelstudeDt Stadl. Oper Charlottenburg SIsmarckstraBe 34 Freitag, 5. Februar Turnus IV Anfang 20 Uhr ftledemann Bach Ende nach 22.30 Uhr Inlerieren bringt ERPOLG! r GR. SCHAUSPIELHAUS Täglich 8 Uhr 1 Doffmanns Erzählungen REINHARDT INSZEhlERUHG Sonntag nachmittag 3 Uhr billige Preise der Plätze I »v.uhr CASINO-THEAIERs'/i uhr Lothringer Strafe 37. iiiiiiiiiiiiiiifiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiKiniiiiiimaniniiiiin FOr venia eeid ein oennBreidiei Abend Xen! Ken! Ehen von heute Dazu ein neuer banter Teil and eine Opereite Gutschein 1-4 Personen: Parkett 50 Pf., Fauteuil 1.— Mark. Sessel 1.50 Mark. Jmgung* Restaurant Berlins Und ifi Dein Uriaub nodi Co klein, im Caie Sdiöncbcrd rnnftl Du gewefen fein! Inhaber: Wolfgang Grunge, Hanplftrafje 23/24 Bauklempnerei rTedrich Hädicke Be- und Entwässerung x Sanitäre Anlagen [SW 48, Friedrichstr. 24 PROGRAMM I■ M» n JB HP BE! IN I PROGRAMM I sbb MB 3 5. bis 8. Februar 1 D MW W M«M MM SBB I 5. bis 8. Februar OQ Potsdamer Straße 38 Yorck mit Wcmer KranO, Th. Loo«, G. Gründeens Kür Jugendliebe freigegeben! W. 5. 7, 9 Uhr S. 3, 5. 7. 9 Uhr Rheinstraße 14 Frftuletn. lalneh verbanden mit Slaffda Sehneider, Johannes Rtemsnn,.los6 SVedorn W. 5, 7. 9 Uhr__ S. 3. 5, 7, 9 Uhr Odeon, Potsdamer Str. 75 9fcin Leopold m. 5Iax Adalbert, Harald Panlnen, Cam. Spira, Ou&tav Frtililich Für Jucendliche freigegeben! W. 5. 7, 9 Uhr S. 3, 5. 7, 9 Uhr Turmstraße 12 Die Nacht ohne Pautte mit Siegfried Arno, Camilla Horn. Hax Adalbert Für Jul?endliche freigegeben! W. 5, 7. 9 Uhr S. 3, 5, 7. 9 Uhr Alexanderstraße 39-40 (russagc) Itonny mit Küthe von Xasr. Willy Fritsch Den ganzen Tag geöffnet! S. 3, 5. 7, 9 Uhr ■ w«. ton» Primas-Palast Potsdamer Str 19 Ecke Margaretenstr. Uraufführung! Holzapfel weiß allen mit Felix Bressart, Gretl Theimcr, Theodbr Loos, Julia* Falkenstein W. 5.15. 7.15, 9.15 Uhr S. 3.15, 5.15, 7.15, 9.15 Uhr I Priedrichaf dt W Die Kamera Ä,du Täglich 3.30. 6.10, 8.50 Uhr Väter und Mohne mit Kudalf Rittner.— Der Widerspenstl. ¥en Zähmung mit Fnirbanks.— on woche Franziskaner 93uhrklnv0orm, Georgenstraße(Ecke Friedrichstraße) Zwei Tonfilme: 9. 12. 3. G. 9 Uhr: Die Nacht der Entscheidung: mit Conr. Vcidt, Olga Tschechowa und 10.15, 1.15. 4.15, 7.15, 10.15 Uhr: Reserve hat Ruh* mit Fritz Kampern. Hugro Fischer Köppe, Paul Hßrbiurcr, Lucie Enc-ltach u, a. Neueste Tonbildreportasre ■ MO.blt■ Artnehnf Wochent. ab 6.45 Uhr Sonntags ab 5 Uhr Perleberger Str 29 GroDtonfilm: Opernredoute mit Glane Haid, Geonc Alexander. — Tonbclproeramm ��JtltGTlotJonOHPB�J Kant-Lichtspiele Kantslr 54(an der Wilmersdorfer Str.) Ronny mit Käthe von\agy, Willy Fritseh W. 5, 7. 9 Uhr S. Z. 5, 7.» Uhr Germania-Palast « t G B n t« Charlottenburg, Wilmersdorter Str 53/64 Der StolE der 8. Kompagnie mit Heinz Kühmonn. Fr. Kam. per«, Trade Berliner W. 5, 7. 9 Uhr S. 3, 5. 7. 9 Uhr Schlüter-Theater f.'g7.n9 u. Schlüters tr. 17. S. 3 U Jgd.-Vorst. Der Hauptmann v. Köpenick mit Max Adalbert.— Tonbei- programm.— Jugendliche Zutritt WllmorsUerf Atrium Beba-Palast Kaiser allee. Ecke Berliner Straße Wochent. 7. 9�4 U. Sonnt. 5. 7. 9% U. Uraufführung! Tonlustspiel: Holzapfel weiß alle« mit Felix Bressart, Gretl Theimer, Jul. Falkenstein, Paul Henkeln.— Regie Viktor Janson.— Tonfllm- beiprogramm Titania Schöneberg Hauplslr. 49. W. 5. 7. 9 Uhr S. 3. 5. 7. 9 Uhr Yorck mit Werner Kran«.— Tonfilmbeiprofframm Jugendliche haben Zutritt! A /Asv», Woch. 5. 7. 9 Uhr Alnamova Sonnt. 3. 5. 7, 9 Uhr Hauptstr 30 Verlängert! Der Hauptmann v. Köpenick mit Max Adalbert.— Tön- Beiprogramm.— Tön. Woche.— Freitag und Sonnabend 11.30 Uhr: Nachtvorstellung Frauennot und Frauenglöck mit Vortrag, Frauenarzt Dr. Max Schulz; vorher Garry-Garry, Liebe u. Erotik im schwarzen Erdteil Für Jugendliche verboten! Frtodmau Kronen-Lichtspiele �Tufr Rheins tr. 65. Sbd. Stg. ab 5 Uhr Das Konzert mit Ol�a Tschechowa, W. Janssen, Grabley, Karlweis.— Beiprogramm S_»Ghinnuory. Mitte W 7»/; Beginn tägl. 5. 7. 9 Uhr ArClf Stg. 3 Uhr Jugendvorsteil Potsdamer Str. 50 Der weifte Rausch mit lecni Riefenstahl. H. Schneider.— Beiprogramm.— Jugendl. Zutritt Titania-Palast Steglitz, Schloßstr. 5. EckcGulsmulhsstr. Die Fledermaus(nach der Operette von Joh. Strauß) mit Anny Ondra, Georx Alexander.— Bühne: Marek Weber mit seinem Orchester /•"arlondorfcr W.6.30. 9U. Ifta-Ll Tonllchtapiclc So. ab 5 U. Chaussetstr 305 Zwei Tonfilme: Kfigen auf Rflgcn. mit Ralph A. Roberts Der Held von Kalifornien C�mpjihör�3 Vnrfiivet w- 7' 9 lIhr Aurrursr stg. s, 7, 9Uhr Sonntag 3 Uhr: Jugendvorstellung Dorfslraße 22. Ecke Berliner Straüe Yorck mit Werner Kraus.— Tonbeiprogramm.— Jgdl. Zutritt Tttlft/i Täglich 5, 7. 9 Uhr J IVO II stgs, 3 Uhr: Jugendvortteil Berliner Str. 97 GroDtonfilm: Yorck mit Werner Kraus.— Tonbeiprogramm.— Jgdl. Zutritt W WGuköiin> Mercedes-Palast»IS: Hermannstr. 212 Tonkomödie: Buster Kcaton spricht deutsch in Casanova wider Willen. P. Morgan. Morgan täglich 9 Uhr anwesend.— Bühne: Zehn Afrikaner Primus-Palast sLnuHtau. Arn Hermannplatz. Urtanslr 72/76 Tonkomödie: Fhe mit beschrankter Haftung: mit Charl. Susa.— Böhne: Paul Morgan konferiert u. zwei Attraktionen tTnhith Wochent. 6.45, 9 Uhr IlüRUR Sonntgs. 3, 5. 7. 9 U. Kollbusser Damm 92 Yorck mit Werner Kraus.— Tonbciprogramm.— Jgdl. Zutritt Frrelernr Wocht. 6.45, 9 Uhr LXCeiSlOr Sonntags 3. 5, 7. 9 U. Kaiser-Friedrich-Straße 191 Der gewaltige Groß-Tonfilm: Trader Horn.— Tonbclproeramm Stern, Hermannstraße 49 Wocnl. 6.45. 9 Uhr, Stg. 3, 5, 7. 9 Uhr Yorck mit Werner Kraus, Rud. Förster, Grete Hosheim.— Tonbeiprogramm >- E Film-Palast Kammersäle TellowerSlr.l. W. ab 5%, So. ab 3% U. 100% Tonfilm: Hinter den roten Mauern von Llchtcrfeldc(Kadetten). Darsteller anwesend,— Ge- Mangfvercin Sorgenfrei mit Roberts S Qcl en Theater am Moritzplatz Wo. 5, 7, 9 Uhr, Sonntags ab iVt Uhr Der Herr Bürovorsteher mit Felix Bressart, Hargr. Walter. — Gr. Tonbclproeramm Südosten Am Garlltier Bahnhof FUmeCR w. ab 6H, Stgs. ab 3 Tonfilm: Yorck mit Werner Kraus, Rud. Forster, Grete Hosheim B ühnenschan Luisen- Theater w flb 6: Reichenberger Str. 34. Stgs, ab> Oskar Homolka in dem Tonfilm-Sittcnd rama Diinentraffödie (Zwischen Nacht und Morgen) Gurt Bois in dem Lustspiel Der Schlemihl Stella-Palast Ä Vt S: Kopenicker Straße 12—14 Ann� Ondra, Georg: Alexander in der Tonfilm-Operette Die Fledermaus Bühnengastspiel Marek Weber und sein Orchester Deatsch-Amerik. Theater Köpenicker Str. 68. Beg. 5 Uhr Ronny mit Käthe von Xagy, W. Fritseh.— 4. Tonkabarett. — Beiprogramm Sonntag 2-30 Uhr: Jugcndvorstellung Neue Philharmonie Köpenicker Str. 96 Der Kongreß tantzt mit Lilian Harvey, Willy Fritseh, LH Da Ifovor.— Belprocrr.— Bühnen- schau.— Jugendliche haben Zutritt > Baumsctiulenwq � Lichtspielhaus wi.sib\ u. Baumschulenweg 78. St. 2 U-: Jug.-V. 2 Tonschlager: Der Hochtourist mit Otto Wallburg-. H Solveg. — Schuberts Frühiingstranm mit Arno, Jöken Nordosten 17/.,.•_** Prenzlauer „LlySlUm Allee 56 W. 5.15, 7. 9.15, Stgs. 3.15, 5, 7.15, 9.15 Der Stolz; der 3. Kompagnie mit H. RQhmann.— Bühne: Elim Schachmeister.— Emelkatonw. Flora-Lichtspiele Täglich 5.30, 8.30 Uhr. Sonnt, ab 3 Uhr Fräulein, falsch verbunden.— Heine Kinder— Hein Glück Osten Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wocht. ab 6.30, Sonnabd. 5, Stg. 3 Uhr Yorck mit Werner Kraus. Rud. Förster, Grete Mosheim Tonbeiprogramm Bühne: Jazz auf vier Flögeln Sonnabend 11.30 U. Nachtvorstellung: Frauennot— Fraucnßlück Mit ärztlichem Vortrag Jugendliche haben Zutritt! Luna-Palast w aUuhr Gr. Frankfurter Str. 121 Tonwoche Yorck mit Werner Kraus. Rud. Forster.— Bühne: Lotte Werkmeister. Fischer-Koppe Schwarzer Adler au«1» W. 5. 7, ca. 9 Uhr S. 3. 5, 7. 9 Uhr Mein Leopold mit Max Adalbert, Lucie Englisch.— Bühne: Humoristische Illusions-Revue Jugendliche haben Zutritt! Viktoria-Theater sÄlu5 Frankfurter Alice 48. Der Hochtourist mit Otto Wall burcr, Maria Solvex.— Neues Tonkabarett Treptow-Sternwarte Sonnab- 3, 8 Uhr, Sonnt. I, 6, 8 Uhr Silberkondor über Fenerland. Gunther Flüschorv Film Frankenbarg Bühne Gr. Frankfurter Str. 74 W. 5, 7. 9 U. S..3 U: Kinder-Vorst. Der Dranfgftngcr mit Hans Albers.— Beiprogramm.— Ton woche.— Bühnonschau > Zentrum D Babylon, am Bülowplatz W. 5 U. St. 2.30 U. St. 2.30 Jug.-V. Bühne: Robbie Hind mit seiner Jazz-Revue „1 Stunde Jazz für alle" 15 Syncopalors Film; Die Feldermaus mit Anny Ondra, Georg: Alexander Sonnabend 11 Uhr, Nachtvorstellung: Liebe, ein Naturgesetz Kosmos-Lichtspiele Lückstr. 70. Täglich 5, 7. 9 Uhr Sonntags 3, 5. 7, 9 Uhr Tabu(Verbotene Liebet.— W et« lauf um den Hann mit B. Daniel«.— Tonwoche__ Jgdl Zulr. WRlßensee TT,....-_ Wochent. 7 n 9 0. narmonie«nnt. 5. 7. 9 u. Langhansstr. 23. Der gr. Erfolg: Llcbe.kommando mit Dolly Haas, Gustav Fröhlich.— Tonbeiprogramm Kino Busch Lmt sb&S86 uhr All-Friedrichsfelde 3 Hein Geopold mit Hax Adalbert. Gast. Fröhlich, U.TIiimigr Jugendliche haben Zutritt! Tonwoche A MüllerstraDe 136, Alnamora Ecke Seestraoe Der Herr Bürovorsteher mit Felix Bressart.— Tonbeipro «ramm.— Jugendliche haben Zutritt Pharus-Lichtspiele Müllers tr. 142 Täglich 5, 7. 9 ü. Erstaufführung: Oskar Homolka in dem Kriminaltonfilm: Nachtkolonne(Kindesraub). O Tschechowa. Trudc Berliner. Ferner: Tonfilmkabarett mit 8. 8öne- land. Paul Morgan. Das Publikum singt mit.— Tonwoche d Belnickendorf-O»! M Beba-Lichtspiele Residenzstr. 124 W. 6.45 u. 8.45 Uhr Stg. 5, 7, 9 Uhr 3 Uhr* Jugend ✓orsl. Bobby greht los mit Harry Piel. — Gr Tonbeiprogramm.— Tonwoche Palast-Theater sTg. V � Breite Str. 21a. liiebcskommando mit Dolly Haas. Gust. Fröhlich.— Ton- beiprogrramm Tivoli Wochent. 7, 9 U. Sonnt. 5, 7. 9 U, Berliner Straße 27. 2 Großtonfilme: Reserve hat Ruh* mit Liucle Englisch.— Opernredoute mit Liane Haid.— Beiprogramm * Teg.l B Filmpalast Tegel Sei Wochent. 6. Sonnt. 4.16 U. Sonntags 2 Uhr: Jugend Vorstellung Viktoria und ihr Husar mit Michael Bohnen. F. Schuster. — Gr. Tonbeiprogrramm Filmpalast Beg w 6-83n i:hr Berliner Str. 59 Stgs. 4�.«H. U. 100% Tonfilm: Der Hauptmann v. Köpenick mit Max Adalbert.— Beiprogramm.— Jugendl. Zutritt föellage Frcüag, 5. Februar 1932 SprMmd SftnJaiiigaße Jet Ibwar/t Japan China--- USA, Geopolitisches zum Krieg in China Von Wilhelm Tietgens S)ie Politik der offenen Tür Das feudalistisch regierte Kaiserreich China hatte vor etwa hundert Iahren noch den naiven Glauben, mit einem generellen Einfuhrverbot die Schäden der ständigen Opiumeinfuhr vom„Reich der Mitte" und seinen bezopften Bewohnern abhalten zu können. Das traf die chandelsintereffen des b r i t i s ch- i n d i- f ch e n Kapitals, das im Opiumkrieg die„Rechte des freien Handels" zu schützen wußte. Im Frieden von Nanking 1843 erhielt England fünf chinesische Häfen, darunter Hongkong. China war dem englischen Kapital ausgeliefert, die Politik der„offenen Tür" begann. Englische Waren fluteten über die englischen Häfen und Niederlassungen nach China hinein, überschwemmten den chine- fischen Markt und brachten Millionengewinne nach England. Eine Zollmauer konnte nicht errichtet werden, denn China hatte auf Zoll- Hoheit verzichten müssen. Auch die Gerichtshoheit über die fremden Ansässigen wurde abgetreten, andere Konzessionen folgten. Miti- tärischer Widerstand konnte schon im Keim erstickt werden und kostete weitere Verluste: Birma ging an England, Annam und Tonking an Frankreich, Formosa und die Riukiu-Jnseln an Japan verloren. Deutschland„pachtete" Kiautschou� Korea wurde durch japanischen Druck„unabhängig", für die Mandschurei tauchten russisch-japanische Interessen auf. Ueberall beeilten sich die nationalen Wirtschaften, an der Aufteilung des großen chinesischen Marktes mit seinen 450 Millionen Käufern und an den Produkten des reichen Landes teilzuhaben. Im Zeitalter der imperialistischen Politik wurde China eine Pfründe für das auswärtige Kapital, durch internationale Verträge zur Duldung der Ausbeutung verpflichtet. Die kaiserliche Dynastie der Mandschu, ewig in Geldschwierigkeiten, hatte inzwischen die Eigentümlichkeit ihrer Si- tuation begriffen. Sie stellte den Widerstand gegen die Expansion der ausländischen Unternehmer ein und trat sogar fördernd aus die Seite der Fremden. Gegen Kauf, Pacht oder Darlehn erhielten die fremden Mächte immer weitere Rechte und Konzessionen: Berg- werke, Baumwollfelder, Seide- und Tee-Ernten, Eisenbahn- und Straßenbauerlaubnis, Marktrechte, Konzcssionen zu Fabrikgründun- gen und dergleichen Machtbefugnisse gingen gegen Bezahlung in den Besitz der Fremden über. Die Mandschus machten mit ihren Hoheitsrechten ein Handelsgeschäft, bei dem sie und das auswärtige Kapital profitierten, während das chinesische Boll mit Verteuerung aller Gebrauchsgüter, Zerstörung des chinesischen Handels und Aus- beutung der chinesischen Arbeitstraft die Kosten zu zahlen hatte. Vor allem wurde die ungeheure Verschuldung Chinas nach dem mißglückten Boxeraufstand eine empfindliche Steuer- bclastung für jeden Bewohner, wurden doch fast alle Zolleinnahmen den ausländischen Mächten als Sicherung für die Schulden zuge» schrieben. Ilalional bürgerliche Xerolution Eine der interessantesten soziologischen Erscheinungen ist auch in China u beobachten, nämlich wie die kapitalistische Wirtschasts- und Gesellschaftsordnung zwangsläufig aus sich heraus Entwicklungs- erscheinungen hervorbringt, die letztlich zu ihrer eigenen Ueber- Windung führen. Der Einbruch des Kapitalismus in China war geschehen, um das große chinesische Volk und die Reichtümer des Landes ausbeuten zu können. Die unmittelbare Folge dieser Aus- beutung war aber, daß kapitalistische Wirtschasts- und Gesellschaftsformen in dem feudalistischen Bauernvolk entstanden. Die Chinesen erkannten bei der engen Berührung mit den Fremden, daß ihre wirtschaftliche und politische Schwäche hervorgerufen war durch ihre andersartige Wissenschaft und Technik. Sie begannnen in großer Zahl ihre Studenten nach Europa und USA. zu schicken und schmie- beten sich so„europäische Waffen". Vorbild war Japan, das in zwei Generationen die große Umwälzung vom Feudalstaat zum modernen kapitalistischen Industriestaat durchgemacht hatte. Die heranwachsende moderne Intelligenz Chinas nahm mit dem europäischen Wissen und der europäischen Technik auch die e u r o- päische Staatsauffassung an. Es entwickelte sich ein chinesisches Bürgertum, das ausgesprochen nationalistisch war und die alten chinesischen Weltideen scharf ablehnte. Das wirtschaftliche Interesse führte dieses Bürgertum gegen den Wirtschaftsimperialis- mus des Auslandes, erzeugte eine nationalistische Ideologie, eine Fremdenfei ndschast. Weil das eigene Herrscherhaus— das übrigens nicht aus China stammte, also eine„Fremd"dynastie war— den ausländischen Mächten weitest entgegenkam, wurde das nationa- listische Ideal des Bürgertums nicht die Monarchie, sondern die Republik. Sturz der Dynastie war gleichbedeutend mit Kampf gegen die Fremdherrschaft und Aufbau einer chinesischen Volkswirt- fchaft unter Führung des jungen Bürgertums. Die siegreiche Revolution 1312 war also die erste Niederlage, die den eingedrungenen fremden Kapitalisten zugefügt wurde. Seitdem setzte eine stürmische Entwicklung zum bürgerlichen N a t i o n a l st a a t, d. h. zur eigenen Industrialisierung unter Füh- rung des chinesischen Bürgertums und der national-bürgerlichen Regierung(Kuomintaig) ein. Für diese Entwicklung war von großem Vorteil, daß die bisherigen weltbeherrschenden Industrie- stauten Europos durch den W e l t k r i e g zu stark behindert wurden, um dem Erwachen des Nationalbewußtseins und dem Aufbau einer eigenen Industrie in China den wohl sonst erfolgten Widerstand entgegensetzen zu können. Das chinesische Bürgertum war durch den Weltkrieg vor dem europäischen Uebergewicht geschützt und konnte trotz verheerender Kriege und Unruhen im Innern einen großen Schritt vorwärts tun. Der Weg ist durch die Entwicklung der Textilindustrie angedeutet: 1893: 1 Spinnerei mit(55 000 Spindeln, chinesisch 1913: 32 Spinnereien mit 835 000 Spindeln, davon chinesisch................ 504 000 japanisch................ 75 000 englisch................ 176 000 deutsch................. 80 000 1929: 3 753000 Spindeln, davon chinesisch................ 2 200000 japanisch................ 1 400 000 englisch................. 153 000 guropäifcher Terluff der Jlbfalsgebiele Die Zahlen zeigen deutlich, wie China durch die Industriali- sierang wirtschaftlich selbständig zu werden beginnt und der Einfluß der fremden Kapitalmächte zurückgeht. Jede neue chinesische Fabrik bedeutet weitere Schwächung des Auslandes, das auch allmählich in der Verwaltung und im Staat an Einfluß verliert. Aber dieser Rückgang trifft nicht alle Staaten gleichmäßig. Während Europa, vor allem England, seine wirtschaftlichen Positionen sehr stark hat einschränken müssen, hat das küstennahe Japan eine neue Periode der kolonialen Ausbeutung eingeleitet. Der Gang der Eni- Wicklung ist an der Ausfuhrstatistik abzulesen: Chinesische Ausfuhr in Proz nach England und Kolonien. sonstiges Europa.... Amerika, vor allem USA. Asien, vor allem Japan. Der englische Antell ging bis 1905 stark zurück und wurde erst nach dem Weltkrieg wieder höher, während der japanische in stetem Ansteigen begriffen ist. Der starke wirtschaftliche Einbruch Japans ging über Korea nach der Mandschurei und über den Großhafen Schanghai nach Zentralchina. In der Mandschurei suchte das erz- und kohle- arme Japan die nötigen Rohstoffe für seine Industrie, und über Schanghai warf es seine Fertigfabrikate auf den chinesischen Markt. Die Ausbeutungsmethoden des japanischen Kapitalisten trafen den gelben Bruder auf dem Festland noch stärker als die des weißen. Kapitalisten, stand doch Japan im Wirbel einer ungeheuer schnellen weltwirtschaftlichen Entwicklung, für die es Rohstoffe und Absatz- gebiete brauchte, die es mit aller Brutalität einer frühkapitalistischen Nation an sich riß. Dieses Interesse brachte Japan in schärfften Gegensatz zum chinesischen Bürgertum. Der Haß der Chinesen gegen die Japaner wurde zum Symbol des Fremdenhasses, um so mehr, als die Japaner die Abhaltung der Europäer im Weltkriege benutzten, China völlig zu unterjochen. Der Versuch mißlang, weil die europäischen Mächte nach dem Weltkrieg ihre prositreiche Expansionspolitik nach China sofort wieder aufnahmen. England griff jetzt sogar wieder schärfer zu, um der gefährlichen Konkurrenz der USA. auf dem Weltmarkt gewachsen zu sein. In der Washingtoner Konferenz 1923, in der neben anderen Angelegenheiten auch das Chinaproblem bereinigt wurde, mußte Japan in dem Neuumächteabkommen, das gegenwärtig oft erwähnt wird, den europäischen Mächten einen Marktspielraum überlassen und sein Vorgehen gegen China mäßigen. 3)er iKampf um die Jnduflrialifierung Nach dieser Konferenz setzte ein eigenartiger wirtschaftlicher Kampf in und um China ein. Das chinesische Bürgertum fand bei dem Aufbau seiner eigenen Industrie die Unterstützung der V e r- einigten Staaten, die ihren Goldrcichtum gewinnbringend anlegen wollten. Eine Warenein- und-ausfuhr zwischen China und USA. konnte nicht so beträchtlich werden, well die Entfernungen zu groß sind. Es war daher für das usamerikanische Kapital ge- winnbringender, in China eine Industrie aufzubauen, die die reichen Rohstofse des Landes mit den billigen Arbeitskräften im Lande selbst verarbeitet und aus den großen Markt bringt. Die Kapital- und Gcwinnübertragung ist leichter vorzunehmen als ein doppelter Warentransport So sind seit dem Kriegsende etwa 3 Mil- liarden vom amerikanischen Kapital in China angelegt Aus diesem Interesse folgt der scharfe Gegenstoß der Vereinigten Staaten zu der Politik Japans. Die Ja- paner müssen in ihrem Interesse den Ausbau einer chinesischen In- dustrie verhindern. Sie haben es versucht, durch mehr oder minder versteckte Unterstützung der Generalskriege, die der chinesischen Regie- rung bei ihrem Aufbauwerk ständig neue Schwierigkeiten bereiteten. Dennoch schritt die Industrialisierung fort, vor allem in den Süd- und Südoststaaten mit den großen Industrie- und Handelszentren Schanghai und Nanking. In dieser Situation boten die europäischen Wirtschasts- und Finanzwirren, die 1931 mit der Weltkrise ausbrachen, eine günstige Gelegenheit zum erneuten japanischen Vorstoß. Die militärischen Operationen in der Mandschurei hatten in chinesischen Räuberbanden billige Vorwände, aber es scheint so, als wenn das Vorgehen nach M u k d e n und C h a r b i n nur eine Art Versuchsballon gewesen ist, um festzustellen, wie sehr die anderen Großmächte mit sich selbst beschäftigt sind und Japan gewähren lassen. Die Mandschurei war nämlich schon völlig im Besitz des japanischen Kapitals und brauchte nicht erst militärisch erobert zu werden. Dagegen drohte der chine- fische Markt verlorenzugehen, hier war, vom kapitalistischen Interesse Japans aus gesehen, ein gewaltsames militärisches Vorgehen der letzte Ausweg. Duftmeister plaudern Aus den Geheimnissen des Kaukasus Von Essad Bey Die letzten Meister einer aussterbenden Kunstübung schreiben keine Bücher, dichten nicht und fürchten sich auch vor keiner Kritik. Sie leben zurückgezogen in ihren geheimnisvollen Arbeitsstuben und beschäftigen sich in Daghestan, Konstantinopel und Persien (heute nicht mehr, der letzte Meister starb vor zwei Jahren) mit der edlen Aufgabe, den Menschen wohlriechend zu machen. Diese Auf- gäbe ist nicht leicht, so versicherte mir wenigstens einer der größten Duftmeister Daghestnns, der mit Wehmut an die Zeiten dachte, da es noch Leute gab, die ein feines Verständnis für seine Kunst aufbrachten. Dieser Meister war jetzt arbeitslos, er lebte als Gast bei einem lesgischen Mäzen und erzählte mir, weil ich be- scheiden, wißbegierig und höflich war, von den Grundgesetzen seiner Kunst, so wie sie zuletzt nur noch am Hofe des blutigen Abdul- Hamid zu Stambul am Bosporus beobachtet wurden. Jedem Menschen sein Parfüm! Der Meister des Wohlgeruchs hat die Aufgabe, für jeden Menschen, und vor allem für jede Frau, das passende Parfüm zu erfinden und herzustellen. In Europa besorgt das der Friseur und der Herr Coty in Paris. Doch diese Leute waren nur kleine S' sicr, die Fabrikerzeugnisse verkaufen und Tausende von Frauen u-st und schlecht auf dieselbe Art duften lassen. Dem Meister des Wohlgeruchs erschien das als eine ungeheuerliche Barbarei. Keine Frau ähnelte der anderen, folglich mußte ihre Spezialität durch einen Duft, der nur ihr eignete, gekennzeichnet werden. So oft ein neues Mädchen in den Harem Abdul-Hamids, in den Blumenpalast des Schahs oder in die Adlerburg des Schamchal von Daghestan gebracht wurde, mußte sie, bevor der Herrscher sie zu Gesicht bekam, vor dem Meister des Wohlgeruchs erscheinen, der als einziger Mann unter vier Augen mit ihr kon- ferieren durfte. Der Meister fragte das Mädchen nach seiner Ab- stammung, nach Gewohnheiten und Erziehung, ließ sie tanzen, essen und singen, betrachtete sie von allen Seiten, stellte tausend weitere Fragen und zog sich darauf mit schwer gefalteter Stirn in sein Laboratorium zurück. Dort arbeitete er dann oft wochenlang, um einige wenige Tropfen wohlriechender Essenz herzustellen, die von nun ab das Mädchen von allen anderen Frauen der Welt unterscheiden sollten. Dieses Parfüm mußte die verborgenen Charaktereigenschaften der Frau hervorheben und ihre körperlichen Besonderheiten ergänzen oder verdecken, ganz so, wie es die Inspiration des Meisters und die Regeln der Duftkunst verlangten. Ein wildes Lesgier- Mädchen bekam ein derbes, scharfriechendes Parfüm, eine über- kultivierte Prinzessin einen weichlich süßen Duft oder aber auch als Kontrast zu ihrer Milde einen stark prononzierten Wohlgeruch. Ausschlaggebend war der Gesamteindruck des Mädchens, ihre Figur, ihr Gang und ihre Bewegungen, die den Meister zum Schaffen inspirierten. Manchmal, wenn die Dame einen differenzierten Charakter hatte, wurden erfahrene Eunuchen zu Rate gezogen, und in ganz besonders schweren Fällen, etwa. wenn es sich um eine Europäerin handelte, wurde der Herrscher selbst aus seiner erhabenen Ruhe aufgescheucht. So wurde das Mädchen stets zuerst durch ein Parfüm abgestempelt, um dann zum Haar- und Schminkkünstler zu wandern und zuletzt vom Kleider- und Iuweleneunuchen den letzten Schliff zu erhalten. Wenn der Duftmeister seine Sache richtig gemacht hatte, so stopfte ihm der zufriedene Herr die Taschen mit schwerem Golde. Der Gebrauch des Wohlgeruchs, der aus dem Orient stammt, ist eine gediegene Kulturgewohnheit der Menschheit. Nirgends wurde sie besser gepflegt als in den Laboratorien der alten Duftmeister. Knoblauchparfüm für Krieger! Ein anderer Zweig derselben Kunst ist die P a r f ü m i e r u n g der Männer. Hier werden andere Regeln befolgt. Der Krieger muß einen Geruch ausströmen,„der ihn selbst mutig macht und den Feind verwirrt". Hierzu wurden in den Generalstäben der Berg- trieger Parfüms aus Knoblauch und anderen starkriechen- den Substanzen hergestellt und jedem einzelnen Krieger aus- gehändigt. Vor der Schlacht beschmierten die Leute sich Körper und Gesicht mit diesem Stoff. Dieses Rauschgift wirkte, wie der Meister behauptete, angstbetäubend auf die Parfümierten und sinnesver- wirrend auf ihre Gegner. Doch war die Herstellung des Kriegs- duftes eine weniger beachtete Aufgabe des Meisters. Viel wichtiger waren ihm die Frauen, ihnen galt sein eigentliches Kunstschaffen in erster Linie. Auch ein Buch muß duften... Frauen und Krieger sind vergänglich. Man vergißt sie leicht. Nichts verkündet nach ihrem raschen Tode das hohe Können des Meisters. Ein richtiger Künstler schafft aber für die Ewigkeit, und so widmete sich der Duftmeister in seinen erhabensten Stunden den Büchern, die gleich den Frauen behandelt werden müssen. Auch ein Buch muß duften, sein Inhalt allein genügt nicht immer, um den Leser zu berauschen. Der Autor, der Illustrator, der Kalli- graph und der Duftmeister haben gleichen Anteil an seiner Eni- stehung. Den richtigen Duft für ein Buch herauszufmden, ist durchaus keine leichte Aufgabe! Andächtig blättert der Meister in einem frisch hergestellten Bande. Er sinnt nach, schlägt in den Büchern alter Meister nach, konferiert mit Autor und Illustrator und ver- langt mitunter, daß in dem Buch Korrekturen gemacht werden. Dann erst schreitet er vorsichtig und zögernd an die Arbeit, die der des Dichters gleicht. Ein Buch ist weit wichtiger als eine Frau. In der Ewigkeit wird das Buch mit der Kunst seines Verfassers auch die des Duft- meisters verkünden. Der Geruch haftet an dem Buche, er muß mit Inhalt, Einband und Schrift harmonieren. Er darf nicht störend wirken, sondern soll vielmehr den Inhalt auf seine Art inter- pretieren. „Ein Buch muß duften", sagte mir ein Meister des Wohl- geruchs,„alte, feingeschriebene Traktate müssen einen belebenden Duft ausströmen, damit der ermüdete Leser bei der Arbeit nicht einschläft, sondern sich dankend des Meisters erinnert!"— Die letzten Duftmeister... Jetzt ist diese Kunst erloschen. Mädchen und Bücher duften nicht mehr nach ihrem Inhalt. Ihre konservativen Besitzer träumen nur noch zuweilen von den herrlichen Zeiten der weisen Kalligraphen. der Eunuchen und der Duftmeister. Und diese? Die letzten Dustmeister leben zerstreut in der Türkei, in Persien oder in den Bergen Daghestans. Sie erzählen Märchen, die ihnen keiner mehr recht glauben will, und sie ver- achten den Fabrikanten Coty, der eine erhabene, eine erlesene Kunst vernichtet hat (.�us Lssad Bey„Zwölf Geheimnisse des Kaukasus", Deutsdi-Sdiweizerisdie Verlagsanstalt, Berlin-Zürich.) Her zu uns! Reiht euch ein in die Eiserne Front Berliner Arbeitersportler haben am letzten Sonntag sich �ooll in die Eiserne Front für Volksrechte gegen .e D'ktatur eingereiht. Es war ein« stolze Heeressäule, die m Sportpalast aufmarschiert war und den Jubel der Massen her- oarrief. Nun gilt es, diesem stolzen Zluftatt eine kraftvolle Werbe- arbeit folgen zu lassen. Die Arbeitersportler müssen ihren Front- abschnitt so stark wie möglich machen. Schrie Herr Hugenberg mit dem Dichter:„Macht mir den rechten Flügel stark!" Dann soll es für uns heißen: „Den linken Flügel stark gemacht, so stark, daß dem Gendarmerie- Wachtmeister von hildburghausen grün und blau vor den Augen wird." Liümmert euch nicht um die Schlappmacher und Miesmacher, di« euch das Märchen von der„Roten Einheitsfront" oorschwötzen. Von dieser Einheitsfront schwätzen sie schon länger als ein Jahr- zehnt, inzwischen aber haben sie sich immer mehr zersplittert. Aus der KPD. entstand die KPO. und daraus ist nun noch die KPOO. entstanden. Jetzt machen alle diese Spaller in Bauernfang, selbst di« Nelson-Bündler gründeten in Berlin eine Tageszeitung. Laßt sie unter sich, die ewigen Besserwisser und Spallpilze, hört aus den Marschtritt der Eiserneu Front. die eurem Sehnen nach Kampf und Tat einen Jnhall gibt. Ihr habt immer nach Organisierung der Abwehr der faschistischen Gefahr gerufen und ihr habt bewiesen, daß dieser Ruf nicht leerer Schall war. Nun Holl den letzten Mann heran und rüstet ihn geistig aus, damit er die gemeinsame Front stärke. Der Berliner Arbeitersport hat jetzt ein großes, offenes Feld zur Werbung. Es gill, die Zell zu nützen, um für die Zukunft zu arbellen. Der Wille des Faschismus und seiner Helfershelfer, die Arbeiterbewegung zu zerstören, sie mll„Stumpf und Stiel aus- zurotten", muß ins Gegenteil umschlagen. Aus dem Kampfs mit dem Faschismus muß die Arbeiterbewegung hundertfach gestärkt und geläutert hervorgehen. Es gill jetzt, alle wankenden Arbeits- genossen wieder aufzurichten und ihnen den allen Kampfesmut und den Glauben an den Sieg des Sozialismus wiederzugeben. Es gill. sie loszulösen aus dem Kreise der Zweifelnden und Verzweifelten, die ihnen den Lebensmut vernichten und sie für den proletarischen Kampf unfähig machen. Es gill. alle heranzuholen zu unseren fliegenden Sturmfahnen und sie dem großen Heerbann des erlösen- den Sozialismus einzureihen. vorwärts in eiserner Front gegen Faschismus und Raub der volksrechle! Reiht euch ein! Arbeiter-Easenspiele am Sonntag Fußball/ Handball/ Hockey In Reinickendorf, auf den Sportplätzen in der Berner Straße, gibt es am kommenden Sonntag einen interessanten Fußball- klubkampf: Hansa 31 und Lichtenberg I stehen sich hier mll drei Männermannschaften gegenüber. Hansa 31, noch nicht lange bestehend, konnte in der letzten Serie die Meisterschaft des zwellen Bezirks erringen. In den Spielen, die die erste Mannschaft bisher gegen Kreisklassenoereine austrug, zeigten die Hansaleute stets großes Können. Die Lichtenberg«?, die ebenfalls der Kreis- klaffe angehören, werden einen sehr schweren Stand haben, wenn sie gewinnen wollen. Der Beginn des Kampfes ist auf 15 Uhr festgesetzt. Vorher spielen um 11 Uhr die dritten Mannschaften: um 12,30 treffen sich die zweiten Mannschaften. Um 14 Uhr stehen sich die Schlllermannschaften von Hansa und Spandau 25 gegenüber. Ein weiterer Klubkampf findet in Pankow, Kissingenstraße, statt. Hier stehen sich Adler 08 und Vorwärts- Wedding ebenfalls mll drei Mannschaften gegenüber. Für die Pankower wäre es vielleicht dach Keffer, sie würden sich für das am nächsten Sonntag stattfindende Meisterschaftsspiel gegen Eintracht-Reinickendors schonen. Weite» Spiel«! Odersprce gegen Frohe Stunde in der Wuhlheide. Nor. mannia gegen Panlow in Lichtenberg, Hauiistraße. Saxonia gegen Zlowawes auf den, Sxerziervlab in der Schönhauser Allee. Saget gegen Eiche-Bohnedorf. Osten gegen Dentsch.Wusterhausen. Hoppegarten gegen Werlsee. Storlow gegen Aarler-ig. Baumschulenweg gegen Britz»8. Südost gegen Eühe-Bezir!. Minerva-Bezirl gegen Herzselde. Friedersdors gegen AGB. Neuliilln. Alt- Stahnsdorf gegen ÄSB. Neukölln Z. Potsdam gegen Butab. Luckenwalde II gegen Treuenbrietzen. Luckenwald« III gegen Ruhlsdorf. Volkssport Neukölln gegen Teltow. Friedenau gegen Fichte. Trebbin gegen Luckenwalde V.— Zweit, Mannschaften: Oberlpree gegen Frohe Stunde. Normannia gegen Pankow. Saxonia gegen Nowawe». Storkow gegen Gacker 30. Baumschulen. weg gegen Britz SS. Lüdest gegen Eiche Z. Minerva 3 gegen Hereield« 2. Fliedersdorf gegen ASB. Nsulölln Z. Lichtenberg-Bezirk gegen Werlsee. Zugeodmannschaften: Normannia gegen Ndwawe». Minerva 1 gegen Lichtenberg l. Staaken gegen Minerva t. Teltow gegen Borwiirts.Gcdding. Wilmersdorf gegen ASB. Neukölln. Brandenburg gegen Sintracht-Reinickendorf. Adler os gegen Eintracht Z.— Schülermannschaften: Potsdam gegen Elstal. Adler 0S gegen Drewitz, gössen gegen Nowawes. Hansa Sl gegen Spandau 25. Freie Scholle gegen Minerva. Beginn der Spiele: Erst« Mannschaften UVi Uhr. zweit« Mannschaften 17% Uhr, Iugendinannschaftcn 10 Uhr, Schlllermannschaften 11 Uhr. MwäJocUV In der Abteilung A der 1. Klasse treffen in Velten die Freie Turnerschaft Velten und Bolkssport-Wedding3 um 14.30 Uhr zusammen. Auf Grund der Leistungen des Vorsonntages, an dem Vellen es fertig brachte, die erste Garnitur von Wedding zu schlagen, gill Velten schon jetzt als Sieger. Die Abteilung B wartet mll zwei Spielen auf und zwar im Lichtenrade? Stadion. wo die Spitzenmannschaft FTGB.-Süden um 15.20 Uhr Volkssport- Wedding 2 erwartet. Bewertet an dem gezeigten Können bei der letzten Begegnung, rechnen wir auch diesmal wieder mit einem überlegenen Südensieg.— Auf dem Schöneberger Vsreinsplatz, Rubensstraße, erwartet ASB.-Schöneberg um 15 Uhr Eintracht- Mahlsdorf zum Rückspiel. Beide haben gleiche Chancen. B-zirksklasse vfte»: FTGB.. Lichtenberg— Tickis-Bohnsdors um 9% Uhr im Sichtenberger Stadion. Eintlacht-Mahlsdorf Z— FSB. Strausberg um 11 Uhr in Mahlsdorf. FTGB.>Licht«nberg 2— FSV. Strausberg 2 um 12 Uhr im Lichtenberger Stadion. Frauen: Eintrachi-Mahlsdors— TSV. Naulsdorf um 10 Uhr in Mahlsdorf, Platz Hönower Chaussee. Eiche-Bohnsdorf— FTuSB. Nowawes um 10 Uhr Platz an der(Brünauer Gasanstalt. FTGB.-Lichtenberg gegen FT. Wildau um 11 Uhr in Wildau. Bezirksllassc Rordcu: FSV. Tegel— FTGV.-Roscnthal um 15 Uhr Platz Graf, Rödern-. Schulz(Weitzensee) Jakob(Berlin XII) Pfeiffer(Möwe) Wenzel(Weitzensee) Ginapp(Nowawes) Schwimmer, Sleibung: rote Hose, schwarzes Hemd Nach der Veranstallung Beisammensein im Spreerestaurant. Sturmvogel baut Haken in Trebbin Vor einiger Zell hat die Stadt Trebbin dem Sturm- o o g e l, Flugverband der Werktätigen, für die Ausübung des Segel- flugsports«in schön gelegenes und gut geeignetes Gelände ange- boten, das jedoch bis zu seiner vollen Inbetriebnahme noch erheb- licher Arbeitsleistung bedarf. Größere Erdbewegungen und Planierungen müssen durchgeführt und Hallen und Unterkunftsräume gebaut werden, um vor den Toren Berlins ein Segelfluglager der Werktätigen erstehen zu lassen, das— wie die bereits erfolgreich durchgeführten Probeflüge zeigen— die Ablegung von Segelflug- Prüfungen ermöglichen wird. Der Sturmvogel hat sich mll aller Kraft dieser Ausgabe an- genommen. Auf Grund seiner Initiative sind ihm aus den Fonds für freiwilligen Arbeitsdienst Mittel bewilligt worden, die es möglich machen, etwa hundert jugendlich« Erwerbslos«, die auf Grund der Notverordnung keine Unterstützung mehr erhalten, auf die Dauer von 20 Wochen auf dem Segelfluggelönde zu beschäftigen. Außer voller reichlicher Verpflegung und Unterkunft erhall jeder.„Frei- willige" 30 Pfennig Taschengeld pro Tag sowie freie Hin- und Rückfahrt nach Trebbin. Auch für Arbeitskleidung soll Sorge ge- tragen werden. Neben der auf etwa vier Stunden pro Tag vor- gesehenen Arbell an Boden und Hallen wird Unterricht, Turnen und Sport getrieben werden: auch Segelflugzeugbau und die Ausbildung im Segelflug stehen im Programm. Zweifellos wird das hier ent- stehende komerodschasllich« Leben in werkoerbundener Arbells- gemeinschaft auf viele junge Leute, die heute untätig in ungesunden Grohstadlwohnungen hocken müssen, eine große Anziehungskraft ausüben. Der Kursus joll noch im Februar beginnen. Wie wir hören, werden noch eine beschränkte Anzahl Bewerber angenommen. Melden kann sich jeder Jugendlich« bis zu 21 Iahren, der auf Grund der Notverordnung keine Unterstützung mehr erhält. Andere unter- stützte Erwerbslose können gleichfalls teilnehmen, sofern sie ein-! oerstanden sind, den für Unterkunft und Verpflegung entfallenden j Detrag von ihrer Unterstützung abziehen zu faffeir D« Rest, mindestens jedoch 30 Pfennig pro Tag. würde ihnen als Taschengeld ausgezahlt. Meldungen mll Berufs- und Slltersangabe sind zu richten an den Sturmvogel, Flugoerband der'Werktätigen e.V., Berlin SW29, Zentralflughafen. Reit- und Fahrturnier, Das große Berliner Turnier findet diesmal ohne Totalisator statt. Das bedeutet an und für sich eine Prüfung ganz eigener Art: wurde doch bisher sehr oft behauptet, daß der Massenzustrom zu diesen Turnieren nur auf die Wettlustigen zurückzuführen sei. Es stände die Wellleidenschaft im Vordergrund- und nicht das Interesse om Pferd. Das ist nicht der Fall, denn dieses Turnier, das zweimal täglich ausverkauft ist, beweist deutlich das Gegenteil. Bei allen großen internationalen Entscheidungen sind bis jetzt die Deutschen einwandfrei vorne. So holte sich Rittmeister von Hülsen auf Harald das Hochspringen(2 Meter) und den Grotian-