Morgenausgabe Nr 67 A 34 49.Iahrgang wöchentlich 78 T�t- monatlich 3�8 M. tvavon 37 Ps. monatlich für Austel- ■ lung ins Hans) im voraus zahlbar. Postbezug 3.97 M. einschließlich 60 Pf. Po zeitungs- und 79 Pf.Postbestellae- bühren.Auzlandsabannement?,S8 M. pro Monat-, siir Länder mit«rmäßiz- tem Drucksachenporto«.SS M. Der»Borwärts� erscheint mochentäg- lich zweimal. Sonntags und Montag» einmal, die Abendausgabe siir Berlin und im Sande! mit dem Titel.De, Adend". Illustrierte EonnlagsbeUag» »Poll und Zeit* Berliner Vottsblatt Mittwoch �0. Februar 1932 Groß-Serlin pf. Auswärts 45 Z)f. DI, elnspalt. MiMmelerzetle SO Ps. Re.llamezeile S.- M.„Kieme Anzeigen" da» fettgedruckte Wort 20 Pf. lzuläsüg zwei fettaedrnckteWorte.jede» weitere Wort lv Ps. Rabatt lt. Tarif. Worte über lb Buchstaben zählen siir zwei Worte. Arbeitsmarlt Millimeter» zeile 2ö Ps. FamUienanzeigen Milli- «eterzeile lk Pf. Anzeigenannahm» im Hauptgeschäft Lindenstraße S, wechentäglich von SV, bis 17 Uhr. Der Perlas behält sich dasRecht der Ab- lebnung nicht genchmerAnzeigen o»rl Jenttswvsan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 •vcrnipi.. Tönbvii(AT) 292— 297 Tetegramm-Adr.: Sozwldcmokrat Berlin Vorwarts-Verlag G. m. b. H. Poltlchrckkonto: Berlin 37 536.— Bankkonto: BankderÄrdeuer. Ängesiellien und Beamten. Lindenstr. 8 Dt B.u Dtic.-Tei.. Depositenk..JernloIemerE«r. 65-66. Sechs Mittionen Arbeitslose! Noch immer Zunahme des Arbeitslosenheeres. Tie Reichs-auftalt für Arbeitslosenverficherung und Arbeitsvermittlung hat ihre» Bericht über die Arbeltsmarktentwicklung im Reich in der zweiten Iauuarhälftc vorgelegt. Ter Bericht besagt im wesentlichen: Die Arbeitslosigkeit hat in der Zeit vom IS. bis 3l. Januar erheblich langsamer zu- genommen als im vorigen Berichtsabschnitt; sie über» schritt jedoch zum erstenmal die Sechsmillionengrenze. Die Zahl der bei den Arbeitsämtern gemel» bete» Arbeitslosen, die den einzigen statistisch zu- verlässigen Maßstab für den Umfang der Arbeitslosigkeit darstellt, belief sich am 31, Januar auf rund 6041 000. Sic ist gegenüber dem 15. Januar um rund 75 000 g e st i e g e n. während die Zunahme in der erste« Januar- Hälfte rund 208 000 betragen hatte. Im Vorjahr stieg die Arbeitslosenzahl in der zweiten Jauuarhälfte um rund 122 000, blieb damit aber noch nahe unter 5 Mil- lionen t4»887 Millionen). Die Belastung der Unter st ützungseinrichtungep � stieg stärker als die des Arbeitsmarkts, da in der Berichtszeit auch für solche Arbeitslose die Wartezeit ablief, die vor dem letzten Stichtag arbeitslos geworden waren. Nach den Meldun- gen der Arbeitsämter wurden Ende Januar in der Arbeits- lo je n oer sich eruug rund 1885000, m der Kris e nfüv- sörge rund 1 508 000 Hauptunterstützungscmpfänger gezählt: die Zahl der W o h l f a h r t s e r w e r b sl o fe n betrug rund l,7 Mil- lionen. Von einer Zunahme um insgesamt 155 000 entfielen rund 106 000 auf die Arbeitslosenversicherung, rund 49 000 aus' die Krisenfürsorge. Ende Januar standen somit rund 3,5 Millionen HauptuntAlstützungsempfängern, rund 1,7 Millionen Wohlfahrts- erwerbslose gegenüber. Die Arbeitslofigkeit hat in den landwirtschaftlichen Berufen besonders der östlichen Bezirke und im Baugewerbe noch etwas zugenommen. Die Wiederaufnahme in einzelnen Stein- bruchbetrieben konnten keinen Ausgleich schaffen. In südlichen und westlichen Gebieten ermöglichte die günstige Witterung einen vor- zeitigen Beginn der landwirtschafllichen Bestellungsarbeiten mit dem Stammpersonal. In den Produktionsgüterindustrien hat die Abwärtsentwicklung im allgemeinen angehalten. Besonders schwer scheint der Kohlen» bergbau betroffen: die Entlastungen von Bergarbeitern im Ruhrkohlenbergbau beliefen sich am 3l. Januar auf rund 5000 Mann, zum 15 Februar sind etwa 4000 weitere Kündigungen aus- gesprochen, und die Zahl der arbeitstäglichen Feierschichten ist von etwa 32 000 im Dezember aus mehr als 35 000 im Januar go- stiegen. Auch in den anderen Steinkohlenbezirkcn und im Braun» lohlcnbergbau fanden größere Entlastungen statt. In den Hütten- und Walzwerken des westlichen Bezirks wurden Arbeitskräfte frei- gefetzt, in den oberfchlesifchen Betrieben hielt die Kurzarbeit an. Der Arbeitsmarkt der metallverarbeitenden Industrie erfuhr in Westfalen eine leichte Entspannung: in allen übrigen Bezirken ging der Beschäftigungsgrad— besonders infolge der Aussuhrer- schwerungen— weiter zurück. Der Arbeitsmarkt im Holz- und Schnitzstossgewerbe erlitt eine weitere, jedoch mäßige Verschlechte- rung. In einzelnen Branchen und Bezirken des Spinnstoffgemerbes, in der Konfektion und zum Teil auch in der Schuhindustrie ist«ine leichte, überwiegend saisonbedingt«, Belebung eingetreten. In der Tabakverarbeitung und im Süßwarengewerbe hat sich die seit der Jahreswende bestehende Besserung behauptet und zu beträchtlichen Neueinstcllungen geführt. Auch die Zellstoff» und Papierindustrie hat in verschiedenen Bezirken ihren Beschäftigung� grad verbessert. Das Verkehrsgewerbe und die Lohnarbeit wechseln- der Art konnten im ganzen noch keine Besserung des Beschäftigungs- grades erreichen. Die- Entlastungen aus häuslichen Diensten setzten sich infolge der ollgemeinen Einschränkung der Lebenshaltung fort. Auf dem Arbeitsmarkt der Angestellten überwogen die Zugänge. Die Lage in Berlin-Vrandenburg. Auch im Bezirke des Landesorbeitsamtes Bran- d« n b u r g hat sich das Tempo der Verschlechterung während der Berichtszeit(16. bis 31. Januar 1932) v c r la n g s a m t. Die Ge- s a m t z a h l der Arbeitsuchenken erhöhte sich um 3 0 2 8(Dorbericht 47 069) auf 8öS 444(852 416) Personen. Davon entfielen aus B e r- lin 600 316(600 963), Brandenburg 235 94 1(232 402) und Grenzmark Pesen-Mestpreußen 19187(19 051). An Unterstützung-. bezichern waren in der Arbeitslosenversicherung 239 782 (227130) Personen zu verzeichnen, davon in Berlin 142442 (138023), Brandenburg 90 078(82 562) und Grenzmark Posen-West- preußen 7272(6847). In der Krisenfürsorge betrugen die cnt- sprechenden Zahlen für Berlin 151 564(148 452), Brandenburg 1)7 246(54 583), Grenzmark Posen-Westpreußen 5910(5873) zu» fammea 214720(208 913) Personen. Wohlfahrtserwerbslose wurden un Gebiete des Laichesarbeitsamtes 264 759(254981) gezählt, davon in Berlin 215 997(209 030). Auf 1000 Einwohner des Gesamtbezirkes kamen in der Arbeits- losenversicherupg 34,57 Hauplunterstützungsempfänger: diese Zahl stellte sich für Berlin auf 3-5.49, für die Provinz Brandenburg auf 34,79, für die Grenzmark Posen-Westpreußen auf 21,84. In der Krisenfürsorge betrug die Vomtausendzahl für den Gcsamtbezirk 30,96, sie stellte sich für Berlin allein auf 37,76, für die Provinz Brandenburg aus 2�,11, für die Grenzmark Posen-Westpreußcn auf 17,78. Nie Arbeitslosigkeii in England. Starke Zunahme im Januar. Zu England bat die Erwerbslosigke't in der Zeil vom ZI. De- zember bis zur drillen Januarwoche um 218 000 Personen zugc- nomwen. Diese Mitteilung des Arbeilsmloifleriums hak große» Aufsehen erregt, da man allgemein ein weiteres Sinke« auf Grund günstiger Meldungen an» ein'gen Industriezentren erwartete. Die Gesamtzahl der Erwerbslosen hat in England jetzt 2,73 Mi!» lionen ereicht, während der Höchststand im vergangenen Winter 2,69 Millionen betrug. Berücksichtigt man, daß dies? Zahlen infolge der Ausschaltung der verheirateten weiblichen Arbeitslosen und an- derer verschärfter Bestinimungcn nicht den tatsächlichen Stand ecr augenblicklichen Arbeitslosigkeit wiedergeben, so zeigt sich, daß die Erwartungen, die in England an die Entwertung des Pfundes und die Einfuhrdrostelung geknüpft wurden, keineswegs cinge- troffen sind. Im Vergleich mit dem September vergangenen Jahres— also vor Inkraftsetzung der verschärften Arbeitslosenbe- stimmungen— läßt sich bestenfalls«ine langsamere Zunahme feststellen, al« sie unter anocren Umständen eingetreten wäre. Ostasienstreit in Genf. Oer Völkerbund als Beobachter. Genf. 9. Februar.(Eigenbericht.) Wieder hat der Völkerbund über China-Japan be» raten, ohne irgendeine Maßnahme zur Beendigung des japanischen Verbrechens zu wagen. Er gab am Dienstag einzig der Vermittlung satt ton der Mächte, die bessere Möglichkeiten für ihr Borgehe« hätten, seine« Lege» und ließ sich ohne Widerrede von Japan die Demütigung gefalle«, daß die Dinge nicht in Genf, sonder» in«chang- Hai geregelt würden. Pen- China erinnerte an die englische Zlnkündigung von Maß- nahmen zur sofortigen Einstellung der Feindseligkeiten. Dabei gehen oie Kämpfe imemr weiter. In der Mandschurei sind über 60 000 japanische Soldaten, um Schanghai mehr als 25 000, dazu 27 große Kriegsschiffe vor Ehiiws Küste. Pen verlas erschütternde Telegramme über die Zerstörung von Wohnungen, Bibliotheken und Universitäten, mit denen uaersehliche Kultur- werte verlorengegangen sind. Japan hat im Rat erklärt, die Ausschiffung von Truppen in Schang. Hai sei mit den anvercn Mächten vereinbart gewesen. Es ist jejst bewielen. daß diese Behauptung jeder Grundlage entbehre, da der japanische Admiral selbst gesagt hat, er handle auf Befehl aus Tokio, oas all« Verantwortung übernehme. China ist entschlossen, auch das letzte Opser für seine Unabhängigkeit zu bringen. Maßnahmen mühten di« Greuel der Japaner beenden. S a t o- Japan bestritt die Behauptung über die Zahl d:r Truppen in der Mandschurei; die japanischen Berichte stellten die Ereignisse anders dar. Der erste Bericht der Untersuchung-- kommission bestätigte bis zum 31. Januar größtenteils seine Mit- teilungen im Rat. Weil dieser Bericht vorliege und sicher ergänzt werde, halte er es für überflüssig, die japanische Darstellung zu dem Bericht des chinesischen Vertreters zu geben. Lei der Behauptung, die japanische Regierung habe keinerlei Absichten, die Zelndsellgketten in Schanghai sorlzusetzen, erhob sich bei den Hunderten von Preiseverlrelern und im Publikum ein solches hohngeiächter. daß Paul voncour als Vorsitzender energisch eingreisen mußte, um Ruhe zu schassen. Sato fuhr fort, die japanischen Truppen seien instruiert, nur bei Provokationen zu antworten. Mit der Zurückziehung der chinesischen Truppen hinter die verlangte Linie würden die Feind- scligkeiten sofort aufhören. Alles müßte aber an Ort und Stelle geregelt werden. PaulDoncourbatSirIohnSimon, über die Schritte der englischen Regierung in Schanghai einige Angaben zu machen. Simon begnügte sich mit der Mitteilung, daß zwar ein sofortiger Erfolg nicht erreicht wurde, aber die Entsendung des Admirals Ramura mit neuen Instruktionen nach Schanghai berechtige zu der Hoffnung, daß die Verhandlungen die Ziele erreichen könnten, die auch der Rat habe. Boncour faßte zusammen: Die erste Vorschrift der Prozedur, Nachrichtenbesorgungen einzuleiten, sowie die zweite, diese Nach- richten zu veröffentlichen, seien ersüllt. Die Verhandlungen in Schanghai, denen sich der Rat moralisch angeschlossen habe, gingen weiter. Man könne die Errichtung einer neutralen Zone und die Ein- slellung der Feindseligkeiten bis zur nächsten Sitzung erwarten. Pen-China weigerte sich, die Derhandlungen über Schanghai «an denen über die Mandschurei trennen zu lassen, da auch dort die japanischen Feindseligkeiten weitergingen, wie die Besetzung C h a r b i n s beweise. Gegen japanische Waren habe keine Abnei- gung bestanden bis zum Einfall der Japaner. China Halle die Vor- schlage der Mächte im ganzen angenommen, während Japan die wichtigsten zurückgewiesen habe. Japan gegen— Militächerrschast! Begründung des Entmilitarisierungsplans. Tokio. 9. Februar. Ein Vertreter des Auhenministeriums sagte, die Gefahr eines Zerfalls Chinas wäre sehr gemindert, wenn der Plan der Entmilitaristerung verwirklicht würde; die Grundidee des Planes sei die Brechung der Macht der chinesischen Ge- n e r a l e. Dann werde man in den Stand gesetzt sein, eine stabile Regierung einzurichten. Die Welt sollte nunmehr erkennen, daß die chinesischen Armeen nur Banden von skrupellosen, selb st süchtigen Mördern im Spiel der beimischen Politik seien. China lehnt ab. Schanghai, 9. Februar. Die chinesische Agentur Gomyn erklärt, daß der japanische Vor- schlag, die chinesischen Häfen zu internationalisieren, die chinesischen Interessen verletze. Die chinesisch« Regierung lehne jede Verhandlung hie rü der ab und bestehe darauf, daß die von den Japanern besetzten Gebiete geräumt werden. .Die japanische Inflation. Tokio, 9. Februar.(Reuter.) Das Kabinett beschloß, die Billigung des Geheimen Staatsrats für den kaiserlichen Erlaß einzuholen, der die Flüssigmachung von 34 Millionen Pen Bonds verfügt, um di«„durch die Wirren in Schanghai entstandenen" Ausgaben zu decken. Exminister Inuyi ermordet. Tokio, 9. Februar. Aui den ehemaligen japanischen Finanzminister Inuyi schoß ein unbekannter Japaner beim Verlassen seines Hauses und verießte ihn schwer. Der Täter ist verhaftet. Inuyi ist kurz darauf im Krankenhaus gestorben. Inuyi soll gegen den Raubkrieg gewesen sein?... Japanischer Truppendampfer gestrandet. Schanghai, 9. Februar. Ein Truppentronsportdampser, der japanisch« DerstärkungeU hierher brachte, ist an der Mündung des Jangtse gestrandet. Das Llrteil Ohnesorge. Die Anführer des Kurfürstendammkrawalls freigesprochen. Sonst weitgehende Milderung und Bewährungsfrist! I« SurfLrfikndammprozetz wurde gestern dnrch LandgerichtSdirektor Ohnesorge das Urteil verkündet. Bon de» 31 Angeklagten, die sich seinerzeit vor dem Gchuellschösfengericht zu verantworten hatten, wurden 12 Angeklagte freigesprochen, 16 Angeklagte wegen einfachen Landfriedensbruchs zu se sechs Monaten Gefängnis verurteilt, der Angeklagte S ch üb e r t wegen des gleichen Delikts in Tateinheit mit Verstoß gegen das Waffengesetz gleichfalls zu sechs Monaten Gefängnis, der Angeklagte U t t P o t t wegen einfachen Landfriedensbruchs und Peleidigung zu sechs Monaten Gefängnis und oO Mark Geldstrafe, der Au» geklagte Meede wegen schweren Landfriedens» bruchs in Tateinheit mit Körperverletzung zu zehn Monate« Gefängnis. Der SA.-Fiihrer Graf Helldorf und sein „Adjutant" Ernst wurden von der Anklage des Land» friedensbruchs freigesprochen, im übrigen aber wogen öffentlicher Beleidigung zu je 160 Mark Geldstrafe verurteilt. Der Angeklagte«tahlhelmführer Brandt wurde wegen einfachen Landfriedensbruchs zu vier Monaten Gefängnis verurteilt, Gewehr, Kühns, Schulz, Hell, Samierski und Hagemeistcr sowie Damerow wurden freigesprochen. Die beschlagnahmten Wagen wur» den freigegeben» die Haftbefehle gegen Schuster und Meede wurden aufgehoben. Die Untersuchungshaft wurde sämtlichen Angeklagten angerechnet. Die Ent» scheidung in der Frage einer Bewährungsfrist behält sich das Gericht vor. -i- In der Urteilsbegründung führte Landgerichtsdiretwr Ohnesorge ungefähr folgendes aus: Das Gericht nimmt an, daß die Menschenmenge auf dem Kurfürstendamm am 12. September bis 9.20 Uhr als Zusammenrottung einzuschätzen ist. Was danach passiert ist, mögen einzelne Landfriedensbrüche g-wesen sein. Sie gehören aber nicht zum großen Landfriedens- bruch. Der Umstand, daß die Teilnehmer an der Zusammen» rottung sich zwischen dem Publikum bewegten, ändert an der Tat- fache gar nichts. Im Gegenteil, das Gericht ist der Ansicht, daß eine derartige gelarnle Zusommeurottoog viel gefährlicher ist als eine offene. Die Menge war nach dem Kurfürstendamm in eigener Absicht gekommen. Ein erheblicher Teil wollte Gelegenheit nehmen. Ge- walttäligkeiten zu begehen. Das ist auch geschehen. Nach dem Ein- greifen der Polizei war nach Ansicht de, Gerichts eine Menge nicht mehr vorhanden! Jedenfalls läßt sie sich nicht mehr nachweisen. Den Angeklagten konnte n i ch t n ach gewiesen werden, Gewalttätigkeiten begangen zu haben. Das Gericht ist der Ansicht, daß selbst der.Neugierige, der sich in. der Menge befindet. sich des Landfriedensbruch? schuldig mächt, indem er die Herstellung der Ruhe und Ordnung erschwert.-T: Es ullier liegt keinem Zweifel, daß alle oerurlellken Angeklagke» au» ganz anderen Gründen auf dem Lurfürslendamm erschienen sind, als sie vor Gericht angegeben haben. Ihre Gründe waren sehr durchsichtig, sie wollten zeigen, daß sie existieren, daß sie eine Macht find. Sie haben sich sagen müsien, daß Gewalttätigkesten kommen können. Sowest den Angeklagten nicht nachgewiesen werden konnte, an der Menschenmenge tellgenommen zu haben, mußten sie freigesprochen werden. Di« Angeklagten John und Heckendorf sind dabei- gewesen und mußten deshalb, entgegenderer st enJn stanz, verurteilt werden. Eine besondere Behandlung erforderte die Gruppe Helldorf. Es war die Frage zu entscheiden, ob Helldorf nach dem Kurfürsten- dämm tatsächlich in der Absicht gekommen war, die Menge von der Straße wegzuholen. Das Gericht oerkennt nicht die rielen Verdachtsmomente. die für die Rädelsführerschafk de» Grafen Helldorf sprechen. E» befanden sich auf dem Kurfürstendamm neben zahl» reichen„Stürmen" an verschiedenen Stellen hoheFunktionäre d e r S A. Es ist auch erwiesen, daß sich der sogenannte SA.- Wagen guf dem Kurfürstendamm bewegte. Es besteht sehr wohl die Möglichkeit, daß alle diese Dinge dem Angeklagten Helldorf als dem Führer der SA. bekannt fein muhten. Andererfssts spricht aber gegen dies« Kenntnis erstens sein spätes Erscheinen auf dem Kurfürstendamm, zwestens. daß er nach außen hin fein Erscheinen kenntlich gemacht hatte, so daß auch die Polizei ihn sofort bemerkt«, drittens, daß er auch bei einer anderen Gelegenheit sich dem Haupt- mann Wegis zur Verfügung gestellt hatte, viertens auch der per- fönliche Eindruck, den das' Gericht von ihm erhalten hat. Es ist nicht anzunehmen, daß er sich oer persönlichen Verantwortung entzogen und seine Kameraden im Stich gelassen hätte. Aus allen diesen Gründen nimmt das Gericht an, daß er selbst von den Ereignissen überrascht worden war und nach dem Kurfürsten- dämm gefahren ist, um die SA. herunterzuholen. Das Gericht ist allerdings mst dem ersten Urteil der Ansicht, daß auch in bezug auf den Angeklagten Helldorf der objektive Talbeskand des Laudfrledensbruchs gegeben ist Cr erschien auf dem Kurfürstendamm gerade zur kritischen Zest, als die Zusammenrottung noch bestand. Er war dadurch ein Teil der Menge geworden. Das Gericht steht auf dem Standpunkt, daß auch ein Auto ein Teil der Zusammenrottung sein kann, das Gericht Ist aber trotzdem zu einer anderen Beurteilung gelangt als die erste Instanz. Es konnte dem Angeklagten Helldorf nicht nachgewiesen werden, daß er das Bewußtsein hatte, mit seiner Anwesenhest auf dem Kurfürstendamm die Gefahren zu erhöhen. Im Gegenteil, in seiner Absicht stand, den Landfriedensbruch zu besettigen: daraus ist zu folgern, daß er nicht die Vorstellung gehabt hat, die Gefahr zu erhöhen, sondern sie zu verringern. Ware es ihm gelungen, die SA.-Leute vom Kurfürstendamm wegzuholen, so wäre die Gefahr auch tatsächlich verringert worden. Es ist auckz nicht widerlegt worden, daß er tatsächlich Versuche gemacht hat, ein- zugreifen, die Leute von der Straße herunterzubringen. Durch die Aussage der Zeugen Riffa wie die Gebrüder Deterding ist nicht erwiesen, daß er Anordnungen gegeben hat, die eine Störung der öffentlichen Ruhe zum Zwecke hatten. Wenn aber das innere Tatbestandsmerkmal des Landfriedensbruchs fehlt, so tonnten Graf 5)elldors. Gewehr, Ernst und Kühns nicht verurteilt werden. Ja, selbst wenn bei Helldorf anfangs die Vorstellung vorhanden ge- mesen sein sollte, daß er durch seine Anwesenheit die Gefahr erhöhe, so ist nach einer bekannten Reichsgcrichtscntscheidung das Gesamt- verhallen entscheidend und der versolgte Endzweck. Dieser Endzweck war aber bei Helldorf, den Landsriedensbruch zu beselllgen. Was den Angeklagten Brandt anbetrifft, so hatte er den inneren Vorsatz, in der Nähe der Demonstranten zu bleiben, ja, sich gerade dort aufzuhalten, wo die Gefahr am höchsten war. Er mußte damit rechnen, daß Gewalttätigkeiten vorkommen würden. Zum Strafmaß ist zu sagen: es unterliegt keinem Zweifel, daß die politischen Leidenschaften immer heißer und stärker zur Verletzung der öffentlichen Ruhe und Ordnung führen. Bei aller Anerkennung des Strafzweckes der Besserung mußte sich das Gericht deshalb sagen, daß Strafen zur Wahrung der Ordnung und Achtung vor dem Gesetz beizutragen haben. Alle Angeklagten, mögen sie auch die Gewalttätigkellen selbst nicht gebilligt haben, sind zum Kurfürstendamm hingegangen mit dem Bewußtsein, daß es zu Gewalttätigkeiten kommen könnte, zu GewaMäNgkeiten gegen friedliche Bürger, die ihr rellglöfes Fest feierten. Die Anrempeleien und die Gewalttätigkellen, die vorgekommen sind, bewiesen in erheblichem Maße den Mangel an Taktgefühl imd cm rechtlicher Gesinnung..Andererseits konnte das Gericht nicht verkennen, daß sämtliche Angeklagte n sehr jung und nicht vorbestraft, sind und daß die Äugend von heut« in einer Zell großer Lrbellslysiqlell und politischer Zerrissenhell lebt. Nach Abwägung all dieser Umstände ist das Gericht zur illeberzeugung gekommen, daß sechs Monate Gefängnis am Platze find. Gegen dieses Urteil der zwellen Instanz wird bis Staatsanwalt- schaft in vollem Umfange Revision einlegen. ch Das Urteil ist so ausgefallen, wie man es nach den monatelangen Verhandlungen erwarten konnte: Das Gericht des Herrn Ohnesorge hat solange verbandest, bis die Herren Angeklagten vollkommen Herren der Sstuation waren. Wenn noch einige der jungen Leiste verurtellt werden mußten, so geschah das mit der Aussicht auf spätere Bewilligung einer Bewährungsfrist. Es hat nur noch gefehll. daß man sie feierlichst um Entschuldigung bat wegen der Belästigung, die man ihnen zuteil werden ließ. Die Führer des Aufruhrs«erden ftei- gesprochen. Sie haben sich so lange bei dem Tumust aus- gehalten, bis ihnen das Ohnesorgs-Gericht nichts mehr beweisen konnte.» Es genügt daran zu erinnern, daß in der ersten Instanz vor dem Schnelljchöffenaericht(Borsitzender Landgerichts- direktor Schmitz) von 34 Angeklagten nur sechs freigesprochen wurden. Bon den übrigen erhielten zwei je 1 Jahr 9 Mo- nate Gefängnis, einer Lahre, einer 1 Jahr 3 Monate. sieben 1 Jahr 3 Monate, zehn 1 Jahr und vier 9 Monate Gefängnis. Helldorf und Ernst waren in erster Instanz wegen einfachen Landfriedensbruchs zu je 6 Monate Ge- fängnis und wegen Beleidigung zu je 109 Mark Geldstrafe verurtellt worden, der Angeklagte Brandt hatte 6 Monate, Schulz 4 Monate und Damerow 3 Monate Gefängnis erhasten. Der Feind im Mcken. Weiilauf im amerikanischen Schwindel. Die Partei des Herrn Hitler will uns bei der Präsi- dentenwahl amerikanisch kommen. Amerikanische Methoden. Geldmistel von amerikanischem Ausmaß und vor allem amerikanischer Schwindel. So glauben sie, die Gehirne genügend einnebeln zu können, um bei der Präsidenten- mahl, und wenn nicht bei dieser Gelegenheit, so doch bei der kommenden Preußenwahl aus der Giftgaswolke des Schwindels den Faschismus als Sieger emporsteigen zu lassen. Die Kommunisten wollen bei der Präsidentenwahl und Preußenwahl den W e t t l a u f mst den N a z i s aufnehmen. Sie wollen nicht da, wo die Nazis Gehirne einnebeln wollen, für Wahrheit und Klarheit und politische Erkenntnis sorgen, sie wollen vielmehr selbst einnebeln. Sie wollen nicht die Pro- letarier von Gistgaswolken und dem amerikanischen Schwindel befreien, sie wollen sie vielmehr selbst unter Giftgas setzen: nur die Fabrikmarke soll eine andere sein. Bor uns liegt ein Rundschreiben der Zentrale der KPD. an alle ihre Organisationen, das in Abschrift allen organisa- torischen Körperschaften bis zu den Zellen zugehen soll bzw. zugegangen ist. Das Rundschreiben gibt Anweisung zur Bor- bereitung der Präsidentenwahl und der Preußenwahl, vor allem gibt es die Parolen. In diesem Punkte stellt die kam- munistische Taktik eine sklavische Nachahmung der nationalsozialistischen dar: es erhäst jeder ver- sprachen, was er gerne hört und was er gerne haben möchte, ohne Rücksicht auf Realisierbarkest, vor allem aber ohne Rück- ficht darauf, ob sich die einzelnen Forderungen und Parolen miteinander vertragen oder widersprechen. Der W e t t l a u f im amerikanischen Schwindel kann dann be- ginneu. Die beiden Parteien aber, die mit den Gistgaswolken der Schwindelpropaganda gegen die Köpfe der Wähler losziehen wollen, werden ihre Propaganda nicht gegeneinander richten! Sie werden vielmehr einander verschonen, so als ob sie vor- her eine Art von Neutralitätsabkommen abgeschlossen hätten. Sie suchen ihre Gegner vielmehr wo anders, und beide sehen den Hauptgegner in der Sozialdemokratie. Das ist das Bemerkenswerteste an der kommunistischen Wahl- Propaganda, daß sie wie eine Unterstützung des faschistischen Ansturms gegen die Sozialdemokratie wirkt. Die Parole „Hauptfeind ist und bleibt die Sozialdemokratie" wird auch in diesem Rundschreiben beibehalten und gilt als Richtschnur für den ganzen Wahlkampf..Las Schwergewicht", so heißt es da.„liegt im Kampf gegen die SPD." Nach der Sozialdemokratischen Partei gilt der Kamps der Kommunistischen Partei vor allem den christlichen Arbeitern. Die Sozialdemokratie, die steien Gewerkschaften und die christlichen Arbeiter, das sind die Kräfte, die sich nach dem Zusammenschluß der Harzburger Front dem Ansturm des Faschismus entgegengeworfen haben, als er einen Ueber- raschungs- und Ueberrnmpelungssteg davontragen wollte. Das sind die Kräfte, denen das Boll und die Arbeiterschaft es verdankt, daß ihre Rechte und ihre Freiheit noch nicht unter döt Knuts des Faschismus ihr Leben ausgehaucht haben! Ihnen gilt der Kampf der Kommu- nisten. Sie werden als der Hauptfeind angesehen. Was wollen also die Kommunisten? Bilden sie sich ein, daß die Macht ihnen zufallen könnte» daß der Weg über die Sozialdemokratie hinweg zu Sowjetdeutschland geht? Daran denken sie im Traume nicht, und sie wären Narren, wenn sie es selbst glauben wollten. Sie rennen vielmehr gegen die Sozialdemokratie als gegen das Bollwerk gegen den Fafchis- mus an. well sie den Faschismus an der Macht sehen wollen Es ist d i e P o l i t i k d e r K a t a st r o p h e. die sie betreiben Well die deutschen Arbeiter in ihrer Mehrhell die wahn- witzigen Moskauer Rezepte ablehnen, soll ihnen der Faschis» mus beschert werden. �Aus dem Narrenglauben heraus, daß sie sich dann der KPD. in die Arme werfen würden. Die deutsche Arbeiterschaft in ihrer großen Mehrheit bedankt sich für dieseSorte vonPolitik.die die Freiheit und die Demokratie zerschlagen lassen will, um hinterher unter tausendfach erschwerten Umständen den Kampf.um die Freiheit von vorn anzufangen. Diese wahnwitzige Politik kommt einer direkten Unterstützung des Faschismus gleich. Indessen ist damit der wahre Charakter der kommunisti- scheu Pläne noch nicht voll aufgezeigt. Sie wollen dem bürgerkriegslüsternen Faschismus direkt in die Hände arbellsa und sie geben deshalb die Parole aus, daß ihre Wahl- agttation gleichzeitig zum a u ß e r p a r l a m e n- tarischen Kampfe führen müsse. Was darunter zu verstehen ist, wird sofort deutlich gemacht: sie wollen während des Wahlkampfes Teilstreiks organisieren als Hebel zu politischen Massenstreiks, Lohnstreiks mitten während des Wahlkampfes, angeblich zur Zerstörung der demokra- tischen Illusionen in der Arbeiterschaft. Die RGO. und die Bürgerkriegsstrategen in der Kommunistischen Partei wollen also in den nächsten Wochen Wahnsinnstänze aufführen. Sie wollen den Mechanismus in Bewegung setzen, der nach dem Glauben der KPD zum bewaffneten Aufstand und zur Revolution führt. Alles das ist bedrucktes Papier— denn glücklicherweise zeigen die Ereignisse, daß die deutschen Ar- beiter zu klug und zu klassenbewußt sind, um in Massen auf so verbrecherische Pläne hereinzufallen. Diese Pläne aber— da« ist das, was die Faschisten zur Rechtfertigung und Be- gründung ihrer eigenen Bürgerkriegspläne brauchen. Die klassenbewußte Arbeiterschaft geht schweren Kämpfen entgegen. Sie wiederholt die Erfahrung, die sie im Laufe der letzten Jahr« genugsam gemacht hat: Wenn die Lage ernst ist, wenn es gilt, entschlossene Front zu bilden gegen Reaktion und Faschismus, dann steht die Kommu- nistische Partei im Rücken der kämpfenden Arbeller- front, dann verrät die Kommunistische Partei die Sache der Freihell und Demokratie! Die wahre, klassenbewußte Ar- bellerschaft läßt sich dadurch in ihrem Kampf nicht beeinträch- tigen. Sie fürchtet weder die Gistgaswolken der Nazis noch die Wahnsinn stanze der Kommunisten, sie wird ihre Sache gegen beide zum Siege führen! Erklärung des Reichsbanners. Segen die beleidigende Gleichstellung mit den Roxheimern. Die Bundesleitung des Reichsbanners veröffentlicht folgende Erklärung: Der Herr Reichswehrmilrister hat in einem Befehl an die Wehrmacht die Grundsätze dargelegt, nach welchen in Zukunft die verschiedenen Wehroerbände von der Reichs- wehr behandelt werden sollen. In diesem Befehl wird das Reichsbanner in einer nicht zu verstehenden Gegenüberstellung mit den Verfassern der berüchtigten Boxheimer Dokumente' genannt. Ohne zu dem übrigen Inhalt des Befehls vorerst Stellung zu nehmen, verwahrt sich der Bundesvorstand des Reichsbanners mll aller Entschiedenhell gegen einen solchen Vergleich, der von seinen Mitgliedern nichtanders als beleidigend empfunden werden muß. Das Reichsbanner hat nie Pläne verfolgt und wird nie irgend- welche Pläne verfolgen, die mit den klaren Bestimmungen von Verfassung und Gesetz nicht in Uebereinstimmung stehen. Hiiler-parade in Berlin. Regeisteruug wird prophezeit. Im Sportpalast nahm Hitler gestern ein« Parade seiner SA. ab. die nach Polizeivorschrift ohne Uniform«rscheinen muhte. Die ausländische Presse und einige ausländische Gesandtschaften(!) waren eingeladen. Hiller versicherte, es gebe in seiner Partei keine inneren Kämpf«. Bei Erwähnung der Eisernen Front kam ihm der Geistesblitz:„Wir stellen ihr«ine lebendige entgegen." Dann sprach er zur Reichs- Präsidentenwahl diese Rätselworte: „Der Entschluß, der getroffen wird, wird zur richtigen Zell getroffen und zur richtigen Zeit bekanntgegeben werden. Ich weiß, daß in ganz Deutschland eine Millionenpartei ausschreion wird über unseren Entschluß, und zwar aufschreien in Bs- geisterung. Wenn irgendeine Bewegung mll eiserner Ruhe der Entscheidung entgegensehen kann, dann ist es die unfrige allein." „Unser Entschluß" ist Plural der Majestät, da ja bei den Nazi- .Her Führer" die Entschlüsse allein faßt. Und welchen Entschluß könnte„der Führer" fassen, über den seine Partei„in Begeisterung aufschreien" wird? Das kann doch nur der Entschluß sein, trotz mangelnder gesetzlicher Voraussetzungen Allerhöchstsichselbst in Lorschlag zu bringen. Oder muß eine disziplinierte SA. auch dann„in Begeisterung ausschreien" wenn ihr der Abg. Frick-Pirmasens präsentiert wird? Girafanirage im Favag-Prozeß. Gefängnis«, Geld« vnd Ehreastrafen. Zrautfuri a.M�S. Februar.(Elgeubertcht.) Am Schluste seiner zweitägigen Zink lagerede im Favag- Vrozeß Mlte der erste Staalsaawalt Meißner folgende Straf. antrage: Gegen die frühereu Direktoren der Frankfurter Zlllgemeweu Verstchernugs-SttliLllgesellschast Ltudner und Schumacher wegen fortgesetzter handelsrechtlicher Untreue in vielen Fällen eine Gesamtstrafe von 1Z4 bzw. 2 Zähren Gesäugnls und Geldstrafen ln höhe von IS 000 bzw. 16 000 HL; gegen den Berliner Vertreter der Favag. Direktor Mädse wegen fortgesetzter Beihilfe zur Handels- rechtlichen Unlreve eine Gefängnisstrafe von Z Zahren und eine Geldstrafe vou 32 000 M. sowie dreijährigen Ehrverlust; gegen den Zlngeklaglen Sauerbrey wegen Lelrvgs. Urkundenfälschung und fortgesetzter handelsrechtlicher Untreue 4 Zahre Gefängnis und 5000 Mark Geldstrafe und gegen den angeklagten Rechtsanwalt und Notar Dr. Kirschbaum 3 Zahre Gefängnis. 3 Zahre Ehrverlust und 12 000 M. Geldstrafe wegen Betrugs und handelsrechtlicher Untreue. Dem Zlugellagten Saucrbrcy und Kirschbaum soll die Untersuchungshaft angerechnet werden. Der angeklagte Buchhalter Fuchs soll mit 3 Monaten Gefängnis und 500 M. Geldstrafe davonkommen. Zhm wird nur in einem Falle handelsrechtliche Untreue zur Last gelegt. Die Geldstrafe soll im Falle der Richleinbringlich- keit mit 100 M. gleich einem Tag Gefängnis umgerechnet werden. In der Begründung der Strafanträge führte der erste Staats- anwalt aus. daß die ZlngeNaglen im vollen Umfang für ihre Taten und den von ihnen angerichteten Schaden verantwortlich sind. Kommunisten auf der Auktion. Llnt vaS„Ttaie Proviantamt" in Halle. halle erlebt gegenwärtig die Versteigerung des.Roten Proviantamts", des ehemaligen Konsumvereins, der unter die Herrschaft der Kommunisten geriet und von diesen in kurzer Zeit zugrunde gerichtet wurde. Auf der Versteigerung im Juni vorigen Jahres ließen Sie Kotn- mu nisten eine gewisse Frau Meniona Moser aufmarschieren. Sie brachte wohl SO 000 M. Anzahlung auf, aber nicht die Gesamtsumme von SOOOOO M. Die Kommunisten erreichten aber damit ihren Zweck, bis zum nächsten Versteigerungstermin im.Roten Proviantamt" schallen und walten zu können. Bei dem jetzigen Versteige- rungstennin ist Frau Mentono nicht mehr als rettender Engel er» schienen. Dagegen bot die Hallesche Brotgesellschajt m. b. h. und «rhiell auch den Zuschlag nnt 409 000 M. Es besteht nicht der g«. ringst« Zweifel darüber, daß hinter dieser Brotgesellschaft, die am Tage vorher gegründet wurde, ebenfalls die Kommunistische Partei steht. Geschäftsführer Ist ein Schlosser aus Halle, der als linien- treuer KPD.-Funktionär bekannt ist. Man dars gespannt sein, ob die Brotgesellschaft in zwei Wochen die erforderlichen Zahlungen leistet Das Heim der Verbrecher. Llnterfchlvpf und Alibi für Mörder. Dortmund, 9. Februar.(Eigenbericht.) Der Polizeipräsident hat am Dienstag da« Dortmunder SA.- heim schließen lassen. Der erwerbslose Montage- arbester Albrecht, der in Dortmund-höchster einen Trupp Kam« munisten beschoß und zwei Personen tötete, hat br der Nacht nach der Tat bis zum Sonntagmorgen tu dem Nazi-Heim geschlafen. Bon dort ist er morgens um 10 Uhr in feine elterlich« Wohnung zurückgekehrt. Ferner wurd« festgestellt, daß die tu der Nacht in dem SA.-Helm anwesenden SA.- Leute sich oerabredet hatte», Albrecht ein falsche« Alibi zu verschaffen und ihn der Der- folgung durch die Polizei zu entziehen. Der Verrai an Güdtirol. Was würde Hitler sagen... Zunsbruck, 9. Februar. Der Andrsas-hofer-Bund veröffentlicht eine längere Erklärung. die zu dem Verhalten der Nationalsozialisten zur Südtirvler Frage Stellung nimmt. Ez wird zunächst, entgegen einer Mitteilung des „Völkischen Beobachter", daß die Führer der Südtiroler Verbände eine Erklärung abgegeben haben, die sich gegen das Auftreten des Paters Innerkofler in Berlin wandt«, festgestellt, daß kein Südtiroler Führer zu einer solchen Erklärung ermächtigt worden sei, und auch kein SLdtiroler Führer eine solche abgegeben habe. < Der Andreas-Hofer-Bund erklärt dann, daß er als Überpartei- licher Berband keineswegs auf dem Staichpunkt stch«, daß einzelne politisch« Cickgleistmzen von Einzelmitgliedern der Partei zum dauernden Vorwurf gemacht werden sollen. Für die Gründung der nationaksoziakistischen Ortsgruppen in Südtirol fei aber die Par- teileitung in München und Hitler selbst vcrant- w o r tl i ch. Di« Kundgelumg schließt mit de» Worten:„Wir fragen mm: Was würde Hitler sagen, wenn etwa im Saargebiet Deutsche sich mit Franzosen verbündeten, oder im polnischen K o r r i- dor Deutsche mit Polen gemeinsam« Fest« feierten. Mit Recht würden solche Deutschen von aufrecht gesinnten Nationalsozialiften mit der gebührenden Verachtung bestraft werden." Vierstreik in Hamburg. Die Gastwirte gegen die Preissenkung. Hamburg. 9. Februar. Nach zahlreichen internen vnd öffentlichen Beratungen haben am Dienstag nachmittag über 2100 Gastwirte sich entschlossen, als Protest gegen die Preissentungsvorschrift des Reichskommffsars Dr. Goerdeler in den Bierstreik zu treten. Von den 4000 Hamburger Gastwirten waren in der Versammlung 2400 anwesend, von denen sich 2170 durch Unterschrift zum Bier- streik berellerklärten. Die Ausschantsperr« beginnt am Donnerstag. Sie soll so vor sich gehen, baß die Gastwirte Plakate in ihren Schanklokalen aufhängen, aus denen zu lesen steht:„Während des Bierstreiks wird hier kein Bier ausgeschenkt".„Streikbrecher" sollen durch öffentlich« Bekanntmachung m Zeitungen gedrandmorkt werden. SlahlhelmblaN verboten. Der hessische Innenminister Hot die in Mainz erschemend« Monatsschrift des Stahlhelms „Der Stoßtrupp" wegen Verleumdung des verstorbenen Relchspräfi- denten Cbert und von Mltaliedern der Reichs- und der preußischen Regierurmbis zum M a t verboten. Herausgeber des Blattes ist der frühere Londtagsabgeordnete Staatsanwalt Dr. Wolf in Mainz. t 160 000 Emzeichnuugeu für hiudenburg verzeichnet der Atndenburg-Ausschuß bis Dienstag abend._________ Der legale Staatsakt. Frick:„Letzt knipse ich das Licht aus, und wer dann noch von Schiebung redet, den verklage ich wegen Beleidigung!" Memelpuisch und Völkerbund. Litauen will sabotieren— Deutschland laßt das nicht zu! 21« heutige« Mittwoch soll der Völkerbuudsrat über de« litauische« Putsch gegen die international garantierte Selbstverwaltang des MenrellasdeS verhandeln. Man hat diese ans Antrag Deutschlands— nicht der Garantie- mächte der Memelkonventio»!— einberufene Sitzung nicht schon ans Dienstag angesetzt, damit ein Vertreter der litauischen Regierung rechtzeitig eintreffen könne; der Vertreter dieses Staates ist nämlich am Tage vor dem Putsch von Gens heimgefahren. Rn« scheint Litauen durch Fernbleiben von der Ratssitzung eine Bertagang der Gntscheidnag hevbsifiihren za wollen, die selbst- verständlich nur eine Verurteilung des GevmltstreichS und die Verpflichtung zur Wlederherstellan« des Rechtes sein kann. Ein Leitartikel des litauischen Regierungsorgans .Lietuvos Aidas" führt u. a. aus: Die Geschäftsordnung des Völker- bundes verlangt, daß in der Behandlung von Streitfragen die Ber- treter der interessierten Parteien anwesend feien, d. h., ohne Anweseuheii des liiaulscheo Vertreters kann die Klage vor dem Völlerbund nicht verhandelt werden. Wir sind der Meinung, daß in diesem Falle und unter den jetzigen Bedingungen im BAkerbund nur unser Außenminister Litauen verteidigen könnte. Dieser fft jedoch von seiner Krankheit noch nicht so weit hergestellt, daß er nach Genf fahren könnte. Da wir der lleberzeugang sind, daß in Memel nach wie vor nichts vorkommen kann, was eine schleunige Aufklärung oder ein« Intervention des Völkerbundes erfordern könnt«, und da in Memel Ruhe und Ordnung herrschen, so ist die dsurfch« Forderung auf beschleunigte Behandlung vor dem Völkerbund unbegründet. .'<- Der Tatbestand in Memel ist so klar, daß man die „Erläuterungen" der Täter zur Urteilsfällung wirklich eist- behren kann. Ein Vertagen in diesem Fall wü?de das Mißtrauen in Deutschland gegen die Genfer Arbeit, wovon Reichskanzler Dr. Brüning der Abrüstungskonferenz derichtet hat. erheblich steigern; es wäre darüber hinaus ein Beweis der Solidarität mit dem litauischen Rechtsbruch. Man wird sehen, ob die Regierungen des britischen Bürgerblocks und der französischen Rechtsbürgerlichen zwar streng parlamentarisch im eigenen Lande, aber nicht auch für einen von ihnen garantierten Parlamentaris- mus eines von Deutschland abgetrennten deutschen Landes sind. Die beiden anderen Garanten freilich sind— Italien und Japan! Deutschland wird Sabotage nicht ,u»assen. Genf, 9. Februar. Etaalssekretär von B ü l 0 w hat bei Eröffmmg der Völker- bundsratssitzung an Stelle mündlicher Erklärung dem General- sekretär des Völkerbundes ein Schreiben überm iüelt, das alsbald sämtlichen Ratsmitgliedern zur Kemstnis gebracht wurde, und tele- graphisch der litauischen Regierung. Das Schreiben bedauert, daß die dringende Mcmel-Sache infolge Fehlens eines litauischen Vertreters nicht schon heute beraten werden kann. Die deutsche Regierung häll jeden weiteren Auf- schüb für unzulässig. Sollte die. Frage der Tellnahme eines solchen.Vertreters nicht, unverzüglich gelost werden, so muß sie sich vorbehalten/ wegen der weiteren DeHandlung der Angelegenheit die notwendigen Anträge zu stellen. putschregierung beisammen. Memel über Komm». 9. Februar. Der widerrechtlich ernannte Landesprästdent Tolischus hat ein„GefamtdirektlUtium gebildet". Als Landesdireltoren hat«r den Landessteuerrat Taleikis und den Landesrat Vongehr er- «annt. Ei» anderer Großlitauer Toleiki» ist Laudespolizei- direktor. die Großlitauer Dugnus, Dr. Oselies, Poczka vnd Walluks gehören wester diesem Direktorium an. Tolischus haste am Montag versucht, mst dem Landtogspräsiden- ten von D r e ß l e r zu verhandeln. Als dieser ablehnte, warf der Großlstauer dem Präsidenten Feigheit vor. worauf dieser ihm die Tür wies. Später kam er wieder, wurde aber abgewiesen. Henderson auch Ausschußvvt sitzender. n l e f u r M u fit, Fasanenltra�e 1. unter Leltnng l-cn Generaln-nsikdirektor Cnch Böhlke rcn der StaatSerer in WieZ- baden, siaii. Mitwirkende: Helge VoSwaenge tTcnorb Ilonka H-sintenner kSoprani, SicatSoder Berlin, und Käthe Hönemann lKlarierl. D:r Rein- ertrag ist für die WohlfahrtSeinrichtungen der Schnhpolizei bestimmt. Das Kartell der Repnhlikinsschen Beriände Dentschlandz veranstaltet anläßlich seiner Reich-Ztonferenz am Sonntag, dem 14. Februar, vormittags II Uhr, im Plenarsacl des ehemaligen HerrenbauleS, Berlin W. 9, Leipziger Strcje Z, eine öfientliche Kundgebung:, 0« g e n T«'r or, für Demokratie! Tie Kundgebung unter Leitung de« Nürnberger Oberbürgermeisters Dr. Lnppe wird mit. einer Rede.des Reichzmlnifters a. D. Tr. Wirtb eingeleitet. Darauf werden zu ganz kurzen Ansprachen Rcpu- blikancr verschiedener Richtungen und Verbände das Wort ergreisen. Transpareni auf der Milliouenbrücke. Es war eine Aufforderung zum Ungehorsam. vor dem Schössenger'chk Berlin-Mille halten sich neulich drei Sommunislen. Jt, R. und 21, 20 und 19 Zahre alt. wegen Zluf- fordernng zum Ungehorsam und wegen llnlerslüyung der verbotenen Zlnllsa zu verantworten. In du Nacht vom 12. zum 13. Dezember war ein Trupp Kommunisten damit beschäftigt, über die ganze Breite der Millionenbrücke ein rotes Transparent anzu- bringen. Es stand darauf:„Schupo, beantworte Lohnabbau mit Dienstverweigerung, Antifa lebt.- Das Polizeirevier erhielt von dieser kommunistischen Nachtarbeit Kenntnis, vier Beamten, von jeder Seite der Brücke zwei, gingen daran, di« Kommunisten in chrer nützlichen Beschäftigung zu stören. Drei Mann wurden ver- haftet. Zwei, als sie von der Mitte der Brücke herbeigelaufen kamen— der eine hatte sich eben von oben herabgelassen—. ein Dritter, der am Ende der Brücke anscheinend den Aufpasser spielte. Als die Schupobeamten noch eine weitere Anzahl Kommunisten feststellen wollte, wurden st« von einem Radfahrer mit den Worten „Polizei kommt, macht euch dünne" gewarnt und liefen davon. In der Windjacke eines der Verhafteten, des Angeklagten N.. fand man einen fest zusammengerollten Zettel mit derselben Inschrift wie auf dem Transparent. Die Sache der drei Angeklagten war zunächst dem Reichsanwalt zugeleitet worden. Es lag der Verdacht der Vorbereitung zum Hochverrat, Zersetzung der Schupo vor. Der Reichsanwalt hielt aber diesen Verdacht für unbegründet und lertete die Sache an die Staatsanwaltschaft zurück. In der Verhandlung vor dem Schnell- schöffengericht bestritten die Angeklagten, sich schuldig gemacht zu haben, sie hätten mit dem Transparent angeblich nichts zu tun. Der kommunistische Verteidiger gefiel sich in derart maß- losen Anpöbelungen gegen Staatsanwaltschaft und Polizei, daß einige seiner Ausführungen auf Antrag des Staatsanwalts zu Protokoll genommen wurden. Das Gericht verurteilte N. und R. wegen Aufforderung zum Ungehorsam zu je vier Monaten Gefängnis, L. wurde freigesprochen. Eiserne Front in Schwante. Der Ausgang des blutigen politischen Streits am ersten Weih- Nachtsfeiertag in Schwante bei Kremmen, dem der Reichsbanner- mann Geschunke zum Opfer fiel, ist der republikanischen Bevölkerung dieser Gegend noch in lebendiger trauriger Erinnerung. Seitdem hatten sich die geistigen Urheber der Mordatmosphäre in chre Mauselöcher verkrochen. Weder der Nationalsozialist" von Bülow noch der Stahchelmhäuptling Dr. L i p p e r t wagten es in der Zwischenzeit. der erbitterten Bevölkerung Schwankes, die in ihrer ganz über- wiegenden MehrheU aus Arbeitern und Siedlern besteht, in öffent- licher Rede vor Augen zu treten. Um so eindrucksvoller gestaltete sich die Kundgebung der Eisernen Front am Sonnabend in Schwante. Genosse Flucht vom Gesamtverband protestierte im Namen der Arbeiter und Siedler gegen die Mordhetz« der Nazis. „Nieder mit dem Faschismus", das war nicht nur Anklage einer stiedliebenden arbeitsamen Industrie- und Landarbeiterbevölkerung, es war gleichzeitig Treugelöbnis der Versammlung zur Republik und zum sozialen Volksstaat! Am Ende wußte Genosse vandwein, der die Kundgebung leitete, mit dem Hoch auf die Republik der Ge- samtstimmung Ausdruck zu geben. Mnlenduag«» sür Mete Rudrtt sind > er l t» SD w. Liadeustraße J. stet,»» da» Deztetstekectariai l. H«t. 2 Trenne» recht»,»» richte» Beginn ilkler Veranstaltungen 19�- Uhr. sofern keine besondere'seitangabc! 7. Treis. Karten einschließlich Preoramm ju der Jugendweihe, die am Sonn. tag, 13. Mär,, 1l Uhr, im Festsaal der Filrstin.Bisniarck.Schule, Sgbel, srraße 3— i, stattsindet. gelangen in den nächsten Tagen zur Ausgabe. Zu haben in den Vormärts. Speditionen, in der weltlichen Schule und bei Franz Bunge, Nasinenstr. 4. lSastkarten 70 Pf., Kinderkarten 30 Pf. Eltern. karten durch die Weihekinder. Heule. ZNiklwoch. 10. Februar. 8. Abt. Zahlabende an bekannter Stelle...., 8. Abt. 15 Uhr bei Ril-kert, Steinmetzftr. 33-, zusammenkunit der erwerbs. losen Partei, nilglieder.., 12. Abt. 20 Uhr MItgliederoersammlung bei Hofmelster, Huttenstr. 3.., Krieger. hinterbliebenenfürsorge und Noiverordnung", Reserent Stadtrat schult. 14. Abt. gablabende in de» bekannten Lokale». 18. Abt..�abladende in den bekannten Lokalen. IS. Abt. gahlabend de, 811. Bezirks in der Griwibaler Str. 8...Sozialpolitik uud Notverordnung". Referentin Dorothea Burkhardt. Zahlabend de» 813. Bezirks bei K-tlschalk, Srünthaler Str. 14.„Das Kampsiahr 1932", Referent Dr. Siegfried Ratenfeld.„, 41. Abt. 20 Uhr: 5. und 6. Gruppe im Lokal«txgmannstr. 93.„Unser Kampf aegeu den 3 218", Referent Dr. Edgar Strisiver. 42. Abt. Zahlabende in den bekannten Lokale». 47. Abt. Bezirke 82 und«3 Zahladend bei Rarariu», Adalbertstr. 19. Referent Genosse Lowack:„PoNtiiche Tagessragen". 07. Bezirk bei Lier, Raumin. straße 9. Genosse Willi Siedentopf:„Unsere Landagitatton". 98. Bezirk bei Eiedeniopf, Muskauer Str. 33. Genosse Dünner:„Politische Tage». fragen". 99. und 100. Bezirk bei Taube, Manteusfelstr. 8. 101.— 103. Bezirk Muskauer Str. 1, Ecke Zeughofstraße. Genosse Kurt Woftrackt„Unsere Landagitatton". 37. Abt. Zahlabende: 1. Gruppe bei Arndt, Kantstr. 31.„Die spanische Re- polntion": 2. Grupve bei Tbimack, Wi-landstr. 4.„Die politische Lage." 74b. Abt. 20 Ubr bei StUbmer, Teltower Chaussee Ecke Dahleiner Weg sAuto- bus n, Mitaliederpersammlung.„Die Arbeilsvermitllung in Berlin", Referent Direktor des Arbeitsamtes Berli». Genosse Dr. Kunze. 91. Abt. Zahlabend bei Köster, Karlsgartenstr. 4.„Unsere Borkämpfer— unsere Vorsäinpserinnen". Referent August Riemann. 93. Abt. Bezirke 108 und 109: Zahlabend findet eine Woche später statt. 97. Abt. Achtung! Die Funktionäre trefsen sich eine Stunde vor der Ab- teilungsversammlung im Lokal Meisel zu einer Besprechung. 102, Abt. Zahlabend bei Borgmann. Baumschulenstr. 08. Referentin Rar» Henke. Zablabend in„Reu-Tiooli".„Was will die Eiserne Frsni", Referent Dr. 3. S-hlesmaer. 118. Abt. ZaVsbrnde in den bekannten Lokalen. 123. Abt. 20 Uhr Zahlabende: Unterabteilung I bei Stärke, Tassowstr. 18: Unter- «bteilung II bei Gallas. Lebberstr. 122: Unterabtrilunq NI bei Czerniewesii, R'elckestr. 172: Unterabteilung Ii' bei Fißner, Pistsriusstr.>03: Unter- abteilun» V bei Krause. Schönstr. 39: für Unterabteilung Vi Zahlabend am Donnerstag, II. Februar, bei Peters, Lichtenderger Str. 12. 141. Abt. 3m Lokal H-fsmann. Edelweis-ftr. 3. Rasenthal. MltqNederver. sammlung.„Was will dir Eiserne Front?", Referent Genosse Hiege. Unsere nächsten Veranstaltunaen. Mittwoch, den 1V. Februar; Otram D.: 165� Uhr, Lokal Stock, Am Warschauer Platz 10. Redner: Marie Kunert, MdR. AEG Hennigsdorf: 16 Uhr bei Fehlkamm, Hennigsdorf, Hauptstraße 28. Redner: Albert Falkcnberg, Vorsitzender des ADD. Borgmann, SeestraBe, Dr. Max Lewy u. a. im Gebiet der See- und MUllerstraße liegende Metallbetricbe: 16H Uhr, Pharus- säle, MUllerstraße 142. Redner: Anton RelCnor, MdR. Zimmerer: 19 Uhr, Gewerkschaftshaus, Engelufor 24/25. Red- n e r: E. Kuttner, MdL SPD-Fraktion Reichsdruckerei: 16 Uhr, Armin-Säle, Kommandantenstraße 58/59. Redner: Hans Stelling, MdR. Firma leiser, Schuhfabrik; 16 Uhr, Lokal„Zur Möwe", Große Frankfurter Straße 85. Redner; Max Heydemann. Donnerstag, den 11. Februar: Betriebe der Metallindustrie des Ostens: 16H Uhr, Andreas- Festsäle, Andreasstraße 21. Redner; Carl Litke, MdR. Gummiwarenfabrik Miiller: 163� Uhr, Lokal Wolter, Weißensee, Wörthstraße 15, Ecke Metzstraße. Redner: Emil Barth. Stadtgut Werben: 15 Uhr. Redner; Genosse Heymuth. Berliner Feuerwehr, Arbeitsgemeinschaft Grofi-Berlin; 19 Uhr, Lokal„Schlesische Heimat", Neue Friedrichstraße 1. Redner: Max Glümeister. Frlti Werner A.-G., Daimler und Kümper, llndcar: �6,A Uhr, Lokal„Wildgrube", Marlenfelde, Kleperplatz 1. Redner: Hermann Harnisch, MdL Hell- und Pflegeanstalt Wittenau: 16 Uhr, Lokal Marx, Reinickendorf-West, Berliner Straße 70. Redner: Max Heydemann. Freitag, den 12. Februar: 100. Abt-Rudow: 20 Uhr, Lokal luliuspark. Großer Saal. Redner; Dr. Otto Frledlünder. Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten: 18 Uhr, Aula des Köllnischen Gymnasiums, Inselstraße 5. Redner; Emil Barth. Heil- und Pflegeanstalt Herzberge: 20 Uhr, Lokal Otto, Herzbergstraße 78. Redner: Max Heydemann. Beer& Stein, Metallwaren: 16K Uhr, Lokal Stock, Warschauer Platz 10. Redner; Max Heydemann. Stadtgut Falkenberg: 15 Uhr, auf dem Gut. Redner: Genosse Heymuth. Berliner Feuerwehr, Arbeitsgemeinschaft GroB-Berlin: 19 Uhr, Im Lokal„Schlesische Heimat", Neue Friedrichstraße 1. Redner; Max Gillmeister. Bexirksamt WeiBensee: 16H Uhr, Lokal„Zum Pferdemarkt", Weißensee, Schönstrsße. Redner; Otto Meier, MdL Aligemoino Ortskrankenkasse der Stadt Berlin: 16 Uhr, Gewerkschaftshaus, Engelufer 24/25. Redner: S. Aufhäuser, MdR. Bezirksamt Lichtenberg: 20 Uhr, Cecllien-Lyzeum, Lichtenberg, Rathausstraße 8. Redner: Bürgermeister Paul Mieiitz. Bezirksamt Reinickendorf: 20 Uhr, Schützenhaus, Reinickendorf- Ost, Residenzstraße. Redner: Dr. Richard lohmann, MdL Stadtfuhrpark, Fuhrhöfe 1— 4 und Hauptwerkstatt der Straßen- reinigung: 19 Uhr, Lokal Stock, Warschauer Platz, Bogen 12. Redner: Gustav Schaum, Bevollmächtigter des Gesamt- Verbandes. Wir stoßen vor!- Wir greifen an! ZNorgeu, Donnersfag, 11. Februar. 4. Kreis. Biibungsausschußsitzuna nicht Donnerstag, 11. Februar, sondern erst Montag, 2. Februar. Lokal wird noch bekanntgegeben. 5. Kreil. 17, 19, 21 Uhr läuft der Film„Niemandsland" im..Filmstern", Große Frankfurter Str. 28. Eintritt 40 Pf. Karten nur bei den Bezirks- fllhrern und auf den Zahlabenden. 13. Keeis. 9>� Uhr Zusammenkunft der erwerbslosen Parteimflgliedee im 3ugendheim Temprlhos, Gätzstraße.„Sozialpolitik", Referent Stadtrat Karl Schneider. 83. Abt. 20 Uhr Zahlabrnd bei Pommerening. Berliner Sir. loa.„Die Au«. Wirkung der Rolverordnungen aus die Krankenkassen", Referent Rudolf Pießner. Zahlabend bei Wollenberg, Berliner Str. I.„Währungsprobleme und Arbeitsbeschaffung", Reserenttn Genossin Leroi. 99s. Abt. Alle Genossinnen und Genossen zeichnen sich in das„Eiserne Buch" ein. Eintragungsstelle Rudower Allee 87. Genossinnen und Genossen der Gehag-Siedlung besuchen die öffentliche Mieterversammlung am 11. Februar im„Buschkrug". 139. Abt. Echulze.bsrs-Heillgr.see. Die für den IL Februar vorgesehene Mit. gliederversaininlung fällt aus. Dafür Beteiligung der Parteimitglieder an der Kundgebung der„Eisernen Front" in Hennigsdorf bei Fehtlam. Freikag. 12. Februar. 3. Kreis. Deutscher Freidenker. VerbanC Zahlgruppen 7 und 8: 3n der LÄwenbrauerei, Hochstr. 1, Filmvorführung:„Frauennot— Frouenglllck". Außerdem!„Masuren, Stadt und Dorf". Referentin Senosssn Räder-Groß- mann. Eintritt 30 Pf. Karten bei den Funktionärinnen und am Saal- eingang. Arauenveransiallungen. 13. Kreis. Donnerstag, 11. Februar, 20 Uhr, Beginn des Reduerinnenkurfu» bei Görlitz, Chausseeftr. 19. Leiterin Genossin Anna Geyer. Oesfentliche Stubentinue»Versammlung am Freitag, 12. Frbruar, 2« Uhr, in der Hochschule für Politik. ES>i»kelpl»tz.„Die Frau im Dritte» Reich",«efcrentin Eenossi» Käthe Kern. Alle polltischea Stube.» tinuengruppen sind zur Diskussion ring-tade». Sozialistische Studenteuschast Berlin. Bezirksausschuß für Slrbeiterwohifahrf. 14. Kreis Neukölln. Freitag, 12. Februar, 20 Uhr, Rathaus Neukölln, Bezirk». verordnetrnsitzungssaal, 2. Kursusabend. Genossi» Stadtverordnete Minna Todenhagen spricht iider.Jugendfürsorge". Arbettsgemeinschaft der Kinderfreunde Groß-Verlin. Feicbrichshai.! Heute, Mittwoch, 18—1984 Uhr, Abrechnung der Elternkarten Turnhalle Litauer Str. 18. Karten für die Kinderver. austaltung am 18. Februar, 13 Uhr, Preis 20 PL, sind in allen Ab. teilungen zu haben. Sonnabend,>3. Februar, Kreio.Rote.Falken- Fabrl nach der schwimmenden Zugendherberge. Tressen 1034 Uhr ; Schlesischer Bahnhas. Kosten 0» Ps.— Abt. Lanbiberger Platz: ____ i_____ k if>-r.•._____-r»r..4 cu�4.� id-ii, jWSozialistisKeArbetterjugendGroß-Verlm Einsendungen für diese Rubrik nur an das Iugrnds-kretariat Berlin SW SS. Lindenftraße 2. vorn I Treppe rechts. heule. Milkwoch. 19� Uhr. Gesulldbrunnen II: Seeftr. 84:„Tagespolitik".— Gesundbrunnen, R. F.: Gotenburger Str. 2: Ausspracheabend.— Helmholtzp'atz: Lnchener Str. 90s: Wanderkursus.— Andreasplatz I uud II: Brommystr. 1:„Bub und Mädel".— Frankfurter Viertel: Frankfurter Allee 307: Bunter Abend.— Petersburger Viertel: Gbrrtystr. 12:„Familie und Sozialismus".— Warschauer Viertel, R. F.! Litauer Str. 18:„Liebknecht und Bebel".— Spandau: Llndenufer 1: „Die Bedeutung der Gewerkschaften".— Tempelbos: Dötzstraße:„3unge und Mädel ln der Arbeiterbewegung".— Lichtenrade: Roonstraße:„Wie werbe ich?" — Falkeaberg:„Arbeiterpolitik von 1000 dl» jetzt".— Friedrichshageni Friedrich. straße 87:„Einheitsfront".— Reu-Lichtenberg: Sunterstr. 44: Kampflieder.— Mablsbors: MelanGthonstr. 03: Uebungsabend.— Pankaw NI, R. F.: Kissingen- straße 48: Bunter Abend. LSG. Zeltowkanal: Flemmingstr. 14d, Zimmer 23:„Freihandel". Beginn ÄS®. ReukZll. sAelteren- und 3singerengruppe): Karl-Marx-Schule, um 19 Uhr:„Religiöser Sozialismus".„..„ Werbe beiirk Prenzlauer Berg: l4 Uhr alle Erwerbslosen in der Lesehalle � Werbebezirk Krenzberg: Urbanstr. 107: Schriftfllhrerknrfus mit Käthe Fröhbrodt. Rerbebeziek Neakölla: 18 Uhr Borstandssitzung, Ganghoferstraße. Sonnabend, 13. Februar, Abteilungsfahrt. Rote Falken Grllnbelde, 00 Pf.: Kungfallen Dubrow. Kosten 90 Pf.; Restfalken Erkner, Kosten 70 Ps. Treffe» für alle 10 Uhr Falkenecke. Kreutberg: Fallenratssttznno heute 18 Uhr im Helm Lindenstr. t. Mitglieds- karten und Fallenausweise sind vorzuzeigen. Alle anderen Roten Falken sind al« Gäste eingeladen. Der Sinaelrei« tagt nächsten Mittwoch erst ab 18 Uhr. Die Gruppen werde» gebeten, die Falken darauf hinzuweise». Schöneb-rg: Kreishelsersitzung Donnerstna, 20 Uhr. de! Genossen Peterson, Feurigste.«6. Es wird dringend um pünktliche. Erscheinen gebeten. Abt. Lichterfelde: Slternversammluna Donnerstag, 20Vjj Uhr, Quandt, Aindenburadamm Ecke Mollkestraße. Referent Genosse Schuster:„Pom Rest» Häkchen und vom einzigen Kinde". Gäste willkommen. Sterbetafel der Groß-Äerliner Partei-Organisation 24. Abt. Am Sonnabend, 0. Februar, verstarb plätzltch unser verehrter Genosse Friedrich Block, Zablanskistr. 81. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, II. Februar, 13 Uhr, aus dem 3mmanuel- Friedhof,«eißensee, Falienberger Straß«, statt. 139.0. Abt. Freie Scholle. Am 7. Februar verstarb unser Genosse Paul T a p p e r t, Egldnstr. 42. im 80. Lebenslahre. Gr war 34 Jahre tätiger Partei- geuosie und 40 Jahre Mitglied seiner Gewerkschaft. Die Einäscherung findet am Mittwoch, 10. Februar, lllvß Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Eher seinem Andenken! Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rot-Go'.d". G e s ch ä f ü st e l l e: Berlin S. 14. Sebastianstr. 37—38, Hot 2 Tr. Frisdrichshaiu: Voranzeige! Sonnabend, 13. Februar, in den Gesamt- räumen der Prachtsäle am Märchenbrunnen, Am Friedrichs- Hain 29—32, großer Maskenball. 2 Kapellen. Prämiierung.— Schöneberg- Friedenau, Kameradschaft Rathaus: Mittwoch, 10. Februar, 20 Uhr, Kamerad- schaftsocrsammluug bei Thiele, Ebersstr. 18. Referat:„Student, und Republik". Kamerad Franz Langkutsch ist verstorben. Einäscherung Mittwrch, 10. Februar, 18 Uhr, Krematorium Wilmersdorf. Vollzählige Beteiligung wird erwartet.— Treptow iOrtsverein), Sungba: Donnerstag, 11. Februar, 20 Uhr, Sitzung in Baumschulenweg.____ Deutscher Arbeiter-Sängerbund. Gau Berlini Geschüfkssfelle: P. Schneider, Berlin NO. 55, hufelandstr. ZI. Mänv.orchor Frledelchsharn. Am Donnerstag. 11. Februar, 17 Uhr, .....-. wirkt der Thor bei einer Werbekundgebung filr die Eiserne Front in den Andreas. Festsälen, Andreasstraße, mit. Das Erscheinen aller Sangesdrilder ist Pflicht.. Freireligiöse Gemeinde. TU. Bezirk. 20 Uhr, Schönwalder Str. 3, bei Beiersdorfs Bezirksversämmlung" Bericht von der Delegiertenversammlung. Bortrag A. Harudi:„Terrorismus der Kirche gegen die Freidenker". Arb-itsgemcinschast vereinigter Elternbeiräte de» Schutbezirk» Berlin-Mitte 1. Montag, lin Februar, 20 Uhr, bei Müsch, Brunnenstr. 140. öffentliche Sitzung. Tagesordnung:„Svarmaßnahmen, Schule und wir". Besonders behandelt werder d:e Sparvorschläge des Deutschen Städtetages betreffs Schulwesen. Deutsche Laudsmannschast dcr Provinz Posen, Groß-Derlin, e. B. Hauptver» sammlung am Donnerstag, 11. Februar, 20 Uhr, in der Kindl-Braueret, Reu- tölln, Hermannstr. 214—219. Arbetter.Avftinenten.Vund, Gruppe Zrtrdrichsbain. Donnerstag, 11. Fe- bruar, 20 Uhr. im-Zugendheim Dtestelmeyerstraße, Bortrag Dr. Meyer:„Grund- sätzllcheo zur Frage der Ardeiter-Adstinenzbewegung". Freie Ardeiter-Gtenographen-Vereiniguna Groß-Verlin. Anfängerkurfus in Redeschrift sReichskurzschrift) beginnt am Dienstag, 18. Februar, 19 lä Uhr, i» der Gemetndcschule Scncfelderstr. 0. Beitrag: l.30 M. filr Erwachsene, 1 M. für Ougendliche, 30 Pf. für Erwerbslose monatlich. Voraussetzung ist die B»- Karl.Mirx-Schule, Kaifer-Friedrich-Str. 209—210. Beitrag nie oben. Weitere Auskunft, auch Uber Farifchrittskurse in Verkehrsschrift, erteilt Artur Theisen, Vorsitzender, Berli». Tegel, Brunowstr. 47 I. lonplcl ov kntzl'ib vedotiax Llad, Slllovslr. 104 iieuie Sdenä Ubr: dirs. Zsmes öuImen-SmItd. M„Why not laisses fsire?" Oiste Willkomm«». 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Unser herrliches Schloß hat einen bösen Un- fall erlitten, unbekannte Verbrecher haben sich ins rosige Schlaf- gemach der gnädigen Komtesse eingeschlichei,. da haben sie alles durchwühlt, Bett und Bank, Schrank und Stand— die Juwelen- schatulle unserer lieblichen Komtesse ward erbrochen— und all der holde Schmuck ward geraubt— Brillanten und Perlen, bunte Ju- mclen, lauteres Gold. Die Polizei ist mit ihren Spürhunden hinter zwei verdächtige Gestalten einher. Merlmale: Kühne Gesichter, goldene Ringe in den großroten Ohren, Hüte breit wie Schirme, und jeder der Verdächtigen trug in der mächtigen Hand eine harte geringelte Schlange.— Alle ehrbaren Einwohner unseres Laus- bacher Kreises werden gebeten: Augen und Ohren offen zu halten, daß die Vergewaltigung der Schätze unserer gütigsten Komtesse gerichtlich gerächt werde. Gut Fang! K.W.(Lokalberichterstatter). Ein anderes Schloß, hoch am Berg«, auch'ne Burg, gleichfalls aus dem Mittelalter, von Raben umfolgen: das Kittchen von Lausbach! Untersuchung. Die enge Zelle. Armstarke Gitter davor. Kall. Fünf Schritte vor— vier Schritte zurück— wie zwei gefangen« Löwen stürmen unsere beiden Kollegen in der Zelle auf und ab— gefangen, gehangen! Verdächtig des Einbruchs. Mensch, is denn sowas menschen- möglich— ehrbare Zimmergesellen des Diebstahls verdächtig! Die blauen Augen flaimuen Blitze— Stahlkeile! Na, wartet. Wir beschweren uns. Untersuchungskittchen zu Lausbach. Büro. Herr Assessor diktiert, Schreiber: notieren Sie!„Nicht olleine, daß die wilden Physiognomien der beiden Verdächtigen nichts Gutes prophezeien— nein: auch in ihren tiefen Hosentaschen haben sich Steine gefunden, der Hofjuwelier von Lausbach wird zu untersuchen haben— inwieweit diese Steine edel sind und ob sie mit den geraubten Juwelen der gnädigen Komtesse identisch sind. Aufgenommen am Tage Sankt Lambert, in der Amtskanzlei des Gerichts zu Lausbach." Punktum. Fertig. Gehen wir zu Wein! Gesegneten Appetit, die Herrn... Hamburg. Au der grauen Elbe. Dicke Lust. Nebel von Teufels- brücke bis Uhlenhorst. Hamburg. Das Haus der Arbeit. Ein anderes Büro, Verband der freien Zimmerleutc. Mook mol den Breef op— mal seehn, wat dordrin stecht. „Liebe Genossen. Wir sitzen hier im Kittchen von Lausbach in Untersuchung. Wir sollen Juwelen gestohlen haben. Unser Ge- wissen aber ist rein— unschuldig! Besser, böses tun— als unschuldig leiden, wenn wir nur unseren Denunzianten an den Kragen könnten— das gäbe'nen feinen Zimmcrmannsspaß. Gut« Wichse! Später: vielleicht? Liebe Genossen von der Zentrale in. Hamburg, helft uns doch bitte: zu Recht und Freiheit! Handelt. Schnell. Gleich. Sofort. Frei Art! Peter und Jakob, wandernde Timmerlüd aus Bramstedt. Danke." Schnell den Rotstift her. Gewerkschaftsbüro Hainburg, Zimmerleute. Telegramm:„Rechtsanwalt Strom, Lausbach Stadt. Ver- treten Sie bitte sofort die Rechtsiitteresien unserer unschuldigen Verbandskollegen. Alle Spesen auf unsere Kappe." Wenn auch die alten Raben noch fliegen um die Burg— der Jakob und der Peter, die haben keine Furcht. Es regnet. Es stürmt. Fels Lausbach zittert, mitsamt dem hohen Kittchen, der Burg— das vergewaltigte Recht fordert feine Rache. Unschuldig! Schlüssel klirren, das blaue Vollmondgesicht des Herrn Ok>«r- justizwachtmeisters:„Ich bitte die Herren Zinnnerleute, mir zum Untersuchungszimmer zu folgen." Ein Schnurrbart riesenlang. Eine Melone als Glatze. Zwei Schmarren über Lippe und Wange, von der Korpszeit her. Der Richter am Untersuchungstisch. Der Schreiber. Der blasie Assessor. Und das rassig« Antlitz des Rechtsanwalts Strom, scharf wie ein Messer. Und stolz und würdevoll die Verdächtigen: die Freunde, die Zimmerleute Jakob und Peter. Der Verteidiger Strom:„Ich beantrage sofortige Entlassung— und Entschädigung wegen zu Unrecht erlittener Haft. Und Rückgabe der Steine— den Funden aus den Taschen meiner Klienten. Der Richter:„Hnchm! Hoho. Jojo. Es war wohl ein Irrtum, auch die Justiz greift oft daneben, besonders die unteren Chargen. Nur eine kleine Klärung: die Herren Zimmerleute, was bedeutet diese Handvoll Stein«? Woher, wozu, warum tragen Sie so etwas in den Taschen, das beschwert doch unnütz Ihre Wanderschaft?" Antwort: „Herr Richterrat. Wir Zimmerleute lieben das Schöne. Dies« schönen Steine hier sind Andenken. Daa— das leichte— Bernsteinstücke von der Ostsee, vor Danzig gefischt, 2 Millionen Jahre alt. Und diese schweren Steine sind aus dem Goldbach von Waldeck: Feuersteine, Schmuck für unsere Bräute in Bramstedt. Andenken von der Wanderschaft." Der Richter:„Plausibel! Herr Assessor, es liegen sonst keine Momente vor— bitte Ausstellung der Entlassungsurkunde— und Anweisung von je 20 Mark für unschuldige Haft— und zwei Bons für den Ratskeller: zwei Flaschen Lausbacher Feuerwein— und gute Reis«, die Herren Zimmerleute, und Verzeihung um den Fehlgriif." Nächster Fall, Gerichtsdiener: vorführen! Jakob und Peter, wir gratulieren. Prost Freiheit. Dankt dem Verband, der ist euch Vater und Mutter, in jeder Lebenslage, jawohl! Eiserne Front. Frei Heil! „Lausbacher Kreis-Anzeiger". Berichttgung. Einbruch im Schloß. Di« Juwelen der Komteffe. Die beiden verhafteten Zimmer- leute waren unschuldig, sie sind wieder frei. Die Forschung der Polizei führte zu einer Ueberraschung. Der Einbruch im Schloß war fingiert: die gnädig« Komtesse ist mit ihrem Lakaien durch- gebrannt, die Juwelen hat sie mitgenommen. Insofern bedauerlich, als Herr Lakai von Roseberg eine der treuesten Stützen der nationalen Bewegung unseres Kreises war— er war Vertrauensmann der Nazis. Gott helfe ihm!(L. W., Lokalberichterstatter.) Farewell: Burg Lausbach, wir schwingen den Stenz: auf nach Schwaben! Unsere Wanderzeit ist unsere Studentenzeit, das Leben ist immer noch schön, komm, wir wollen eins singen. Schäume, Maritza, frei Geist!"'.-- ItaUer Analole Verlieh: Hamburger � In ein paar abseitigen Straßen des heutigen Hamburg mit seinen Turmhäusern, Kaufpalästen und modernsten Vergnügungs- unternehmen, die„alle Viertelstunde eine Sensation" und alles Mögliche bieten, findet man noch mal einen der alten„Salons". Sie sind selten geworden, und die seltenen sind anders geworden. Es fehlt der herbe Hauch des Ursprünglichen, die Atmosphäre aus Bier-, Menschendunst und dickem Zigarrenqualm, und wo immer es sein mag: die Leute ohne Kragen sind nicht mehr da. Mit der modernen Zeit ist auch das breite Publikum zivilisierter geworden und darum anspruchsvoller. Ohne Kragen— an gewissen Tagen, besonders am Sonnabend und Sonntag, hatten die Portiers der„Salons" an der„Großen Freiheit" in Altona oft erbitterte Kämpfe zu bestehen. Die„Diet- leins" wollten partout„einen abpetten", und darum gab es recht herrliche Hauereien schon an den Eingängen der Lokale. Eine gewisse Berühmtheit auf diesem Gebiete hatte seinerzeit der Salon von Metscher in der Rosenstraße. Jedes Kind kannte ihn:„ein Mädchen, das auf sich hielt," hatte ihn zu meiden. Die— auch damals schon modern denkende— Jugend ließ sich allerdings von solchen Redensarten nicht abhalten. Schauerleute, Kontorboten, Hausknechte, Rollkutscher trafen sich auf dem gewichsten Parkett, und „links geiht dat um Pieler rum," sangen die Brüder Wolfs und ihre Erben jahrzehntelang. Mine, Stine, Fine, waschechte„Hamborger Deerns", besonders die kleinen, flotten und mehr braunhaarigen Altonaerinnen, die Plättmamsellen, Serviermädchen, die Kökschen und ihre jeweiligen„Bräutigamme" waren heftig dabei. Der„Englische Garten", nahebei auf der„Frecheit", war schon „für nehmer", wenigstens im vorderen Saal, wohin schon ein ver- gnügungsmäßiger aufgemachtes Publikum kam, während im zweiten Saal alles nicht so genau genommen wurde: da schwooften die Schifserknechte, die derben jungen Kerle Altonas und St. Paulis, daß es eine Lust war. Streit durste man mit keinem von ihnen beginnen— und wehe, wer ihrem Mädchen zu nahe kam? Der traditionelle Kökschenball bei Wachtmann hat noch in die letzten Jahre hineingereicht. Dort war die Siebung umgekehrt wie im „Englischen Garten": vorn war es„gewöhnlich", wie die Hamburger sagen, und im zweiten Saale kam ein kleiner Stich ins„Mondäne" hinein. Die kleinen Mädchen der Großen Frecheit fanden sich hier mit Hein Seemann zusammen und waren vierundzwanzig Stunden lang nach solchem Feste verlobt. Wenn Altonaer Markt war, wurde noch hinten der große Garten dazu geöffnet. Regen Zuspruchs erfreute sich auch die Tanzstätte„Zum Storchnest" in der Eims- bütteler Straße.„Belle-Alliance" am Schulterblatt war nicht weniger bekannt. Aber bic Sensationen dieser Art boten doch die „Flora", die sich schon stolz„Ballhaus" titulierte, neben dem alten Variete, nicht uninteressant mit„Halbseide" durchsetzt, und vor allem das berüchtigte„Waterloo"(später, als jede Bierkneipe zur Diele mit roten Ampeln und hohen Preisen wurde, ein sehr moderner und hübscher Tanzladen durchaus hormloser Art unter dem Namen „Scala"). Wenn man alte Hamburger fragt, wissen alle, was dort geboten wurde: jeden Abend„Hauerei". Da kamen die Schlachtergesellen und Viehtreiber vom nahen Schlachthof, Gäste, die noch Geld springen liehen, aber rauflustig waren, scheint es, denn es wurde bei der geringsten Gelegenheit mit Spazierstöcken geschlagen und mit Biergläsern geworfen. Die„Plätthusaren", wie die Plätterinnen und Wäschermädcl damals genannt wurden, gingen schließlich bei Eifersuchtsdramen auch noch mit spitzen-Nägeln und beweglichem Mundwerk dazwischen. Es ist schon fidel zugegangen. Einer der bekanntesten Betriebe auf St. Pauli— an der Stelle des heutigen Tropen-Krankenhauses— war die„Elb halle", wo das ganze Hafenvolk nachmittags von 3 bis abends um 9 Uhr zum Tanze zusammenkam. In den neunziger Iahren war abends 9 Uhr eben spät: dann hatte man genug genossen. Nicht minder berühmt waren der„Salon zum Roland", kurz genannt„Schimmel", am Zeughausmarkt, und„Zum König von Preußen" in der Mohlen- Hofstraße, wo der alte Kaiser Wilhelm als Statue im Saale vom Piedestal herunter in das vergnügte Treiben seines jungen Volkes blickte. Klett's Gesellschaftshaus in der Wexstraße, dort, wo jetzt das„Reform-Kino" steht, erlebte auch manchen Roman, und dann geht es— nach damaligen Begriffen—„weiter nach draußen raus": zu Geweck« an der Hohenluftchaussee, zu Pfingsten besonders bevorzugt, wenn die Hamburger Jungs alle in möglichst weit um die Beine schlenkernden weißen Hosen dort hinauszogen, oder nach der „Fruchtallee" zu„Sottorf", einem späteren beliebten Vereinslokal, wo sich auch„allerlei tat". In Harvestehude, an der Stelle der heutigen„Harvestehuder Lichtspiele", trafen sich die Bediensteten dieser vornehmen Gegend in,„Eppendorfer Baum" zu Tanz und harmloser Liebelei, und etwas weiter die Eppendorfer Landstrahe hinaus gab es gleich noch eine Konkurrenz„Zur Harmonie". In Wandsbek war es lustig, denn das war die Stadt der Husaren. Trotzdem es ihnen verboten war, dort zu erscheinen, sah man sie doch im Tanzlokal„Zum schwarzen Bären" mit ihren Köchinnen auf dem blitzenden Parkett die klirrenden Sporen im Walzer schwenken. Heute steht an der gleichen Stelle„Holsatia"— die Garnisonherrlichkeit ist längst verblaßt und vergangen: keine himmelblauen Uniformen hocken mehr, leicht angeschwipst, auf den Stühlen. Di« Hamburger Soldaten tanzten gern am Klosterstern in einem Laden mit recht mutigem Titel.„Zum Sandwirt Hofer" hieß das biedere Ding, und zuletzt gab es weiter außerhalb, im Zeitalter ohne Hoch-, Straßenbahn und Autobusse fast iagereisen- weit, eine Reihe populärer Unternehmen ähnlichen Genres: den Salon„Billerhude" zum Beispiel auf der Billerhuder Insel, Endziel von Ruderpartien, dann„Mutter Schamm" in einem alten Bauern- Haus auf der Peute, wo aller möglicher Rummel veranstaltet wurde, Kindervergnügungen usw. Auf Steinwärder dominierte der„Alte Grevenhos, beliebt bei Alt und Jung. Stellingen, Langenfelde, Eidelstedt, Lockstedt, Wellingsbüttel, Poppenbüttel, Groß-Borstel und wie die vorgelagerten Orte alle heißen, besaßen nicht minder zahl- reiche solcher Salons, die an schönen Sommerabenden, nach den Spaziergängen in Gehölzen und auf Landwegen übervölkert waren. ItaUhcrJlppell: I Daher auch das schöne, üt Hamburg noch nmner nnvergeffene Nedt „Des Nachts um elfe, von Hohenfelde, da fährt die allerletzt« Pferdebahn..." Denn wer die nicht bekam, der mußte schon gut zu Fuß sein, um noch bis Mitternacht die heimatlichen Kemenaten zu erreichen. und kam leicht in üblen Ruf— denn damals war man nicht ganz so weitherzig wie heute. Wenn ein Mädchen in die»Salons" ging und nicht bald unter die Haube kam, dann nahm sich das Gerede der Nachbarn der Sache an... Natürlich läßt sich die Liste unendlich erweitern. Wir wollen ja hier keine ganze Topographie des vergangenen Vergnügens schaffen, sondern eine kleine Erinnerung wachrufen an jene Zeiten, da alles weniger kompliziert schien, da die Menschen weniger an- spruchsooll und leichter— wenn auch etwas handgreiflicher und derber— vergnügt waren als heute. Damals tobte sich überschüssige und ungehemmte Kraft nach reichlichem Biergenuß aus, gewiß— heute... nun, reden wir nicht davon! Das Kapitel ist zu un- erquicklich! tDieWinterfliege „Iß das meeglich? Enne Fliege! Nu sowas!" „Machen ses nr halwegs! Ich bin doch fermlich erschrocken." „Denken se filleicht, ich nich? Das iß mr doch nich geweent, daß jetzt was in Zimmer ruinschwirrt. Midden in Minder." „Seid wenn soll dn das ungeweenlich sinn? Drum heeßt die doch Winderfliege. Die andern sinn alle in 5)erbst geschdorm, oder Hamm sich an enner Fensderscheiwe dn Nischel eingeschdoßen. Awr die— die iß iewrig gebliem als letzde ihres Schdammes, damidle in Friejahr neie Fliegengeschlechder grinden kann als Mudder, Großmudder und Urgraßmudder. Das hat de Naduhr schon so eingerichdet, daß de Kwälgeisder nich ausschderm. Da kommer noch sofiel Fliegendieden kooscn, das roddct die Fliegen nicht aus. Unn genau so isses mit den andern Middeln. Wemmcrsche zum Beischbiel nndr Fliegenkladsche dohdbocht, da kricht mr bloß Flecke an de Dabehde, weider nischt." „Nu horchen se mal: sie zähln da alles Meeglichc off, was mir den Fliegen zusammenhängt, in Sommer, unn was sie ärgert..." „S iß doch wahr! Oder wolln sie filleicht bchaubdcn, sie frei» sich, wenn se meindwegen Kaffecdrinken wolln, unn se wissen dein Kuchen nich genau, sinn das nu Rosihn'... odr sinn das Fliegen? Ilnn iewerhaubt, wie unabbediedlich das iß. Wennse bedenken, wo so S Aas fern enner Fliege«wende forher gesessen hat, eh se mir nischt, dir nischt ä Bad in ihrer Kmnboddbriehe nimmt. Da iewerdreiwe ich doch nich, wenn ich das sage. Das sinn doch Dahd- fachen, die ich festschdelle. Oder wolln sie das beschdreiden, weil sie so dreckig feixen?" „Gans unn gar nich. Awr mal angenomm, ich feix« wertlich dreckig, was ich bezweifeln mechde, da hat das enn gans andern Grund. Ich sehe nämlich nich ein, warum sie sich nich rechdzeidj gegen die Fliegenblahge schitzen." „Wie soll» mr denn das machen? Geht denn das?" „Sehr einfach. Da brauchen se doch bloß die Winderfliegc dohdzubochen." „Um Goddeswilln. Der duhn mier nischt zuleide. Ofs die Halden mier alle zehn Finger. Der ders nischt bafsiern." „Das soll nu ä Mensch ferschdehn. Mir iß das ä Rähdsel." „Uns nich. Fr uns hat das seine drifdigen Grinde. NÄnlich. owachdungen bei der Stuhwenfliege." Nu schdelln s« sich mal far, unser Oddo mußde torigen Sommer enn Aufsatz schreim: ,.Bc mier hädden keene Fliegen. Da wißde doch der Junge gar nich, wasr schreim salldc." „Das iß doch nu forbei." „Woher denn? Das Dehma gibbt der Lehre? doch jedes Jahr" off, in dr fimfden Klasse." „Na also. Nächstden Sommer iß awr doch ihr Oddo in dr sechsden. „Wissen se das genau?" „Ich denke." „Gedacht Hamm mier das ooch. Awr kurz nach Weihnachten hat uns unfern Oddo fei Lehrer enn Brief geschriem, da schdeht drinne, unser Oddo hädde de ginstigsden Aussichdcn, nächsdes Jahr ooch noch in dr fimfden Klaffe zu sinn anschdadd in dr sechsden..." Analole&ranee über das Itellkriey sende Der französische Schriftsteller Michel Corday hat eine Reihe meist aphoristischer Bemerkungen von Anatole France verössentlicht. die sich in dem schriftstellerischen Nachlaß des großen Franzosen vorgefunden haben. Der Genuß, den die Lektüre dieser zusammen- gestellten Zettel bereitet, ist unbeschreiblich groß. Abgeschwächt wird er nur durch die niederdrückende Empfindung, welch schmerzlichen Verlust die Welt durch das Ableben des genialen Mannes erlitten hat. Die ganze köstliche Ironie, die Anatole France eigen war, spiegelt sich in dem folgenden Stück wider, das Anatole France am Ende des Westkrieges niedergeschrieben hat und das ein Teil eines von ihm geplanten Dialoges über den Krieg werden sollte. Unseres Wissens ist das Buch von Corday(Dernieros pages iuedit«- d'Anafole France) bisher nicht übersetzt und die Betrachtung, die wir nachstehend veröffentlichen, in Deutschland noch nicht bekannt geworden. „Man beruhigt sich in Tours. Man fürchtet nicht mehr, daß der Krieg alsbald endigen könnte. Aber die Schwäche der Zentral- mächte beunruhigt. Die Türkei schlägt sich nicht mehr, ihre Armee kapituliert, ihre Paschas nehmen Bestechungsgelder. Oesterreich ergibt sich bedingungslos, liefert sich aus und drängt darauf, daß man es in Besitz nehme. Es fleht noch, aber es besteht schon nicht mehr. Es ist in Stücken und man weiß nicht mehr, von welchem Stück die Bitte kommt, die es an die Sieger richtet. Deutschland ist weniger schwach: man beruhigt sich, indem man seinen Wider stand fühlt: aber es kann von einem Tag zum anderen stürzen und dies sogar selbst zu verstehen geben. Und dann würde der Friede wüten können. Um diese Gefahr zu beschwören, schlage ich ein Mittel vor, da? vielleicht verwegen ist, das aber die Patrioten billigen werden. Ich will damit unsere Regierung befassen. Ich fordere nämlich, daß die Verbündeten den Deutschen, Oesterrcichern und Türken in geschickter Weise olles, was sie an Material, an Geld und sogar an Mann- schaften zur Fortführung des Krieges brauchen, liefern. Die Ver- bündeten haben große Scharen von Negern: sie könnten einen Teil von ihnen ihren unglücklichen Gegnern zur Verfügung stellen. Aus diese Weife würde die Gefahr des Friedens noch für lange Zeit zurückgeschlagen werden können. Man wird natürlich darauf achten müssen, daß man den Zeniralmächten Unterstützung nur zu dem Zwecke der Fortsetzung des Krieges, nicht aber zur Erringung des Sieges gibt. Das wird eine technische Frage sein. Daß sie den Vorschlag annehnien werden, kamt nicht zweifelhaft sein, denn es gibt dort auch eine Rüstungs- industrie." Daß Spinnen Industriearbeiter sind, dürfte nicht allgemein be- tannt sein. In einem Laboratorium in Kanada muffen sie Fäden spinnen, die für photographische Zwecke benutzt werden. Rr. 67* 49. Jahrgang 2. Beisage des Vorwärts Mittwoch, 40. Februar 1932 Gowjetrussische Industriebilanz. Das dritte Jahr des Fünfjahrplans hat nicht befriedigt. 1S31 sollte das entscheidende Jahr werden. 1931 sollte das Fundament der Sowjetwirtschast in einem Ausmaß verbreitert werden, daß der Gesamtplan zeitgerecht erfüllt, mehr: daß er in vier Iahren erfüllt werden kann. Ist dieses Ziel erreicht worden? Wenn auch die Ergebnisse des abgelaufenen Jahres noch nicht in allen Einzelheiten feststehen und da und dort sogar ganz wesentliche Korrekturen zu erwarten sind, so läßt sich immerhin eine vorläufige Bilanz ziehen. Die Korrekturen dürften das Bild kaum verbessern. So ergab beispielsweise der Bericht des Staats- plans, das nicht S7,k Millionen Tonnen kohle gefördert worden sind, wie im Dezember auf der Tagung des Zentralexekutivkomitees angegeben worden war, sondern nur S2,7 Millionen Tonnen. Im Dezember ging die Metallproduktion gegenüber dem November zurück: die vorläufigen Schätzungen hatten aber mit einer Dezember- Produktion in der Höhe der Novemberproduktion gerechnet. Die im folgenden mitgeielllen Zahlen werden sich also vermutlich noch als zu günstig herausstellen. Es sind aber die einzigen, über die man verfügt. Auf dem Gebiete des Industrieaufbous ging die Industrialisierung auch 1931 weiter. Die Gesamtproduktion der Industrie wuchs in diesem Jahr um IX Proz.(gemessen noch den Preisen des Jahres 1926/27). So oeöeutend dieses Wachstum an und für sich ist, es bleibt hinter dem Soll erheblich zurück. Geplant waren 45 Proz. Erreicht wurde also noch nicht d i e ch ä l f t e des geplanten Zuwachses. Ob der Fünfjahrplan in vier oder in sieben Iahren erfüllt wird, ist an sich nicht entscheidend. Jedenfalls hat die Industrialisierung Fort- ichritte gemacht. Bon einer Planerfüllung wird man aber nicht sprechen dürfen. In die Schwerindustrie wurden ungeheure Kapitalien investiert. Die Mechanisierung des Kohlenbergbaues wurde mit größter Energie betrieben. Die Zahl der Bergarbeiter nahm zu. Es wurden neue Hüttenwerke in Betrieb genommen. Gerade in den entscheidenden Zweigen der Schwerindustrie wurde der Plan außerordentlich schlecht ersüllt. 1931 hätten 83,6 Millionen Tonnen Kohle gefördert werden sollen, Z6,9 Millionen mehr als 1939. Eine Steigerung fast um die Hälfte. Kuibyschew bezifferte die Förderung 1931 mit 57,6 Mil- lionen, der Staatsplan gar nur mit 52,7 Millionen. Der Plan ist mithin nur zu 67,9 bzw. mit 63 Proz. erfüllt worden. Im dritten,„entscheidenden" Jahr wurde weniger .Kohle gefördert als im zweiten Jahr. Wieviel Torf gestochen worden ist, wurde nicht bekannt- gegeben. Wenn man nach den Ergebnissen in einzelnen Gebieten urteilen darf, dürfte auch hier der Plan sehr schlecht erfüllt worden sein. Die N a p h t h a Produktion hat zugenommen, von 18,9 Mil- lionen Tonnen auf 22,3 Millionen. Aber auch sie blieb hinter den geplanten 25,6 Millionen stark zurück. Mit der Metallversorgung der Industrie stand es noch schlechter als mit der Breunstoffversorgung. Die Aufgab«, die den Hüttenwerken gestellt worden mar, ist nicht annähernd erfüllt worden. Die Roheisenproduktion hätte von 5,3 Millionen auf 8 Millionen Tonnen wachsen sollen, die Rohstahlproduktion von 6 Millionen auf 8.8 Millionen. E s wurde 1931 in der Sowjetunion aber weniger Eisen und Stahl produziert als im Vorjahr. Das gleiche gilt für Walzerzeugnisse, wie die Tabelle zeigt. 1939 193t geplant waren Robeisenproduktion...... 5,3 nur 4,9 8,9 Mill. To. Rohltahlproduktion...... 6,9„ 5,3 8,8„ Walzerzeugnisse........ 4,9 ,4,9 6,7„ Nicht viel günstiger steht es mit Baumaterialien. Die Z e m c n t- erzeugung lieferte reichliche zwei Drütel des Geplanten(68 Proz.), ähnlich steht es mit feuerfesten Ziegeln. Wie erklärt sich dagegen die Erweiterung der Gesamtproduktion um 20 Proz.! Ganz bedeutend gewachsen ist der Maschinenbau, im besonderen der Bau von landwirtschast- lichcn Maschinen. Die Schlepperfabriken in Stalingrad, Charkow und Leningrad haben zwar ihre Kapazität nicht voll aus- genutzt, produzierten aber, was von ihnen erwartet werden tonnte. Auch die Erzeugung von E I e k t r o m a t e r i a l hat große Fort- schritte gemacht. Die Industrien, die Metall verarbeiten, haben den Plan überschritten, zum Teil bis zu 59 Proz. und noch mehr. Das Gesamtbild muh den russischen Wirtschaftlern Sorge bereiten. 1931 haben die Disproportionalitäten(Mißoerhäit- nifse) zwischen den einzelnen Industriezweigen sich in einer Weise vergrößert, daß es der allergrößten Anstrengungen bedarf, jenem j Gleichgewicht nahezukommen, das dem Plan entspricht. Hinzu kommen die Schwierigkeiten im Transportwesen.� Ruchimowllsch, der Verkehrskommissar, wurde abgesetzt, und mit ihm so ziemlich all« leitenden Männer des Lerkchrskommissariats. � Die Sowjetunion mußte Getreide in Australien kaufen, um die Armceteile im Fernen Osten zu verpflegen, weil die transsibirische Bahn in einem heillosen Zustande ist. Doch selbst wenn die Eisen- bahnen funktionieren würden, wie sie es sollten, müßten die metallverarbeitenden Industrien ihre Produttion einschränken, weil die Rohstoffe nicht ausreichen. Einige Bei- spiele aus allerjüngstcr Zeit dafür: Selmaschstroj in Roftow am Don ist die größte Fabrik land- wirtschaftlicher Maschinen. Ueber sie kann man lesen:„Die Ver- sorgung mit Metall, Halbfabrikaten und Holz ist schlecht... Von den 43 Dreschmaschinen, die in den ersten zehn Taxen des Januar hätten fertiggestellt werden sollen, wurde nicht eine einzige fertiggestellt. Von den neun Dreschmaschinen, die montiert winden. ist nicht eine einzige in allen Details vollständig." Die Maschinen- sabrik in Tscheljabinsk erhält zu wenig Gußeisen. Sie muß statt Gußeisen Eisenabfälle verwenden, was die Qualität verschlechtert. Seit 1. Januar steht die Schmied«, weil keine Kohle da ist. 1599 Pflüge liegen unfertig auf Lager, es ist infolge Metallmangels nicht möglich, die noch fehlenden Details herzustellen. Das Haupllaufboich in der Saratower Dreschmaschinensabrik steht mehr als es läuft, weil die Metallversorgung unzureichend und unregelmäßig ist. Das gleiche gilt für die Fabrik lapdwirt- schaftlicher Maschinen in Saporosche, für die Betriebe in Odessa; es gilt für die ganze metallverarbeitende Industrie der Sowjetunion. Die Mißverhältnisse in der Planerfüllung zeigen sich hier deutlich. Die Produktion von Brenn st off und Kohle muß 1932 unter allen Umständen ganz außerordentlich erhöht werden. Der Plan für 1932 sieht eine Kohlenförderung von 99 Millionen Tonnen vor, eine Steigerung um 71 Proz! Um 84 Proz. soll die Erzeugung von Roheisen zunehmen, um 79 Proz. die von Rohstahl. Wenn man die Pläne für 1931 mit den Ergeb- nissen vergleicht, wird man an der Möglichkeit, die neuen Pläne durchführen zu können, einigermaßen zweifeln dürfen. Sie erfor- dern, von allem anderen, nicht weniger wichtigem abgesehen, un- geheure Kapitalien. Molotow nannte in seiner Rede die Zahl von zwei Milliarden Rubel allein für die Metallurgie. Wie diese ungeheuren Mittel aufgebracht werden sollen, ist nicht ab- zusehen. Auch die Erfüllung des Iinauzplous für 1331 hat die ruffifchen Wirlfchaftsführer nicht befriedigt. Das Versprechen, keine wellere Notenemission zu erlauben, Hot die Regierung nicht halten können. Die Akkumulation innerhalb der Staatsindustrie versagte. Statt einer Selbstkostensenkung von 19 Proz. haben sich in der Schwerindustrie die Selbstkostcu noch um 2 Proz erhöht. Im Transport wurden 29 Proz. Kostensenkung angestrebt, erreicht wurden 2 Proz. Das hat zur Folge, daß die Regierung die Steuerschraube noch schärfer wird anziehen müssen, daß„ine Mobilisierung der Mittel der Bevölkerung" durch Zwangsanleihen noch größeren Umfang an- nehmen wird. Der zunehmende Druck auf das Einkommen ist aber nur die eine Seite. Auf der anderen Seite macht es das Zurückbleiben der Grundindustrien unmöglich, das Versprechen, nunmehr an den Ausbau der Leichtindustrien zu schreiten, und damit die Lebens- Haltung der Massen zu verbessern, zu halten. Im dritten, entscheidenden Jahr des Fünfjahrplans haben die Kapital- fehlleitungen ein Ausmaß angenommen� daß die Wiedergut« machung Jahre dauern wird. Mit anderen Worten: Das letzte Jahr dieses Fünfjahrplans und die fünf des neuen Funsjahrplans werden Jahre der Not, der Entbehrung, schlechter Wohnungen, schlechter Kleidung, mangelhafter Ernährung bleiben. O. dl. Die sabotierte Kartoffelhilfe. Oer Bericht des Rechnungshofes über die Branntweinmonopolverwaltung. In seinem Bericht über den Geschäftsbericht der Reichsmonopol- Verwaltung für Branntwein im Geschäftsjahr 1929/39 nimmt der Präsident des Rechnungshofes des Deutschen Reiches, Saemisch, auch zu der jetzigen finanziellen Lage der Branntwein- Monopolverwaltung Stellung. Diese Stellungnahme ist wichtig, weil sie einen Teil der schon seit Jahr und Tag geübten Kritik der Sozialdemokratie an der Branntwein mono- polpolitik voll und ganz bestätigt. Die Sozialdemo- kratie hat ständig auf den Mißbrauch des Branntweinmonopols hingewiesen, durch den der oslelbischen Kartoffeln bauenden Land- Wirtschaft Subventionen über Subventionen in Form von Überhöhken llebernahmepreifen für Kartofsclbranntwein gegeben werden. Bezahlt werden diese Subventionen durch Verringerung der Einnahmen der Monopol- Verwaltung und damit des Reiches und durch eine Verteuerung des Brennstoffs für die Kraftvcrkchrswirtschaft. Die Reichs rcgierung muß sich jetzt vom Rechnungshof sagen lassen, daß die Festsetzung des Brennrechts für das vorige Jahr im Verhältnis zu den zu erwartenden Absatzmög- lichkciten viel z u hoch war, so daß die Bestände des Geschäfts- jahres 1939/31 um 499 999 Hektoliter gewachsen sind. Demnach betrugen Ende Oktober 1931 die Vorräte rund 2 Millionen Hektoliter, das heißt mehr, als überhaupt im ganzen vergangenen Geschäftsjahr verkauft werden konnte. Unsere Warnungen, daß ein derartig hoher Bestand auf die Dauer untragbar ist, wird vom Rechnungshof voll bestätigt. Selbst durch den erhöhten B e i m i s ch u n g s Z w a n g, der den zwangsmäßigen Absatz an Treibstofsspiritus von 519 999 Hektoliter im Betriebsjahr 1939/31 auf 1 Million Hektoliter im lausenden Be> triebsjahr steigern wird, kann die notwendige Entlastung der Vorräte nicht erreicht werden, weil wiederum für dieses Jahr den land- wirtschaftlichen Kartofselbrennereien eine 79prozentige Ausnutzung des Brennrechtes zugebilligt worden ist. Die Branntweinbestände am 39. September 1932 werden also auch nicht annähernd auf das vertretbare Maß von 1 Million Hektoliter gesenkt sein. Angesichts der ungeheuren Rot der Erwerbslosen hall es die Sozialdemokralie für untragbar, daß auf der einen Seile Millionen über Millionen für die Subvenlion'erung der landwirl- fchafllichen Kartofselbrennereien hinausgeworfen werden, auf der anderen Seite die Arbeitslosen nicht wissen, wie sie ihre winterkartosseln bezahlen sollen. Die ReichsreZierung hat zwar eine Kartoffelver- billigungsaktion durchgeführt: diese ist aber völlig unzu- reichend, weil vielfach die Kartoffeln auf dem Markt zu niedrigeren Preisen zu kaufen sind, als die„verbilligten" Kartoffeln in den Läden der Kartoffelhändler abgegeben werden. Um«ine wirk- l i ch e Hilfe für die Arbeitslosen durchzuführen, hatte die So- zialdemokratie im September vorigen Jahres gefordert(siehe„Vvrw." vom 24 September 1931), daß dieses Jahr überhaupt kein Kartoffelspiritus hergestellt wird. Hierdurch wäre nicht nur der Branntweinmonopolverwaltung geholfen worden, denn sie wäre ihre riesigen Bestände losgeworden, sondern auch dem Reich, weil es auf keine Einnahmen aus der Branntweinsteuer zu verzichten brauchte. Die gesamte Kartoffelmenge, die die Land- Wirtschaft sonst zu Sprit verbrannt hätte, wäre ihr abgekauft worden. Auch die Krastverkehrswirtschaft hätte durch«in solches Vorgehen gewonnen, da sie bedeutend weniger von dem teuren Spiritus abzunehmen gehabt hätte, und schließlich als Wichtigstes: 27 Millionen Zentner Kartoffeln hätten kostenlos an Arbeikslofe abgegeben werden können. Unoerantwortlicherweise ist dieser Vorschlag von der Reichsregierung — dank dem Einfluß der Großagrarier— abgelehnt worden. Der Bericht des Rechnungshofes über die Geschäftslage der Branntweinmonopolverwaltung gibt nunmehr eine amtliche Bestätigung der un haltbaren Zustände in der Brannt- weinwirtschaft. Wir fordern daher die Reichsrcgie- rung nochmals nachdrücklichst auf, diesem Unfug, zu den nicht absetzbaren Spiritusbeständcn der Monopol- Verwaltung durch Hochhaltung des landwirtschaftlichen Brenn- rechts immer wieder neue Spiritusmengcn hinzuzufügen, ein Ende zu machen. Schlechte Devisenbilanz. Die Iieichsbank in der ersten Kebruarwoche. Die Geldmarktverhältnisse in Deutschland bleiben flüssig. Die Reichsbant wurde in der ersten Februarwoche wieder erheblich entlastet. Die Bestände an Handelswechseln verringerten sich um 179,1 auf 3461,7, die an Reichsschatzwechseln um 19,6 aus 22,1, die an Lombarddarlehen um 29,3 auf 129,9 Mill. Mk. Da zur Abdeckung die.fremden Gelder auf Girokonto um 69,7 auf 332,9 Mill. verringert wurden, ist der Rückgang des Notenumlaufs kleiner als die Kreditentlastung. Der Umlauf an Rcichsbantnote» ging um 131,9 auf 4276.1, der Umlauf von Rontenbankscheincn um 7,8 auf 412,9 Mill. zurück. Sehr unbefriedigend ist die Entwicklung der Gold- und Devisenbilanz. Auch in der ersten Februarwoche haben sich die Bestünde weiter verringert. Einem Devifenzugang um 1,7(Ver- mehrung auf 146,8 Mill.) stand eine Verringerung der Goldbestände um 19,5 auf 928.3 Mill. M. gegenüber. Gegen die Vorwoche hat sich die Deckung der umlaufenden Roten nur geringfügig, nämlich von 24,8 auf 25,1 Proz. verbessert. Die Entwicklung der Deckungsbestände der Reichsbank fängt an, besorgniserregend zu werden. Sämtliche Ausweise des neuen Jahres haben bisher neue Verluste gebracht. Wenn das so weiter geht, verliert die Reichsbank immer mehr die Fähigkeit, die Spitzen der deutschen Zahlungsbilanz auszugleichen. Es ist höchste Zeit, daß sich die Reichsregierung um diese Eni- wicklung kümmert. Man gewinnt immer mehr den Eindruck, daß die Arbeit der für dieses Gebiet zuständigen Reichsbank- dezernenten unzulänglich ist und daß sich der Reichsbankpräsident um die hier vorliegenden Gefahren nicht mit dem erforderlichen Erfolg bekümmert. Der Stillhaltungsvertrag hat einige wichtige Lücken geschloffen, durch die bisher erhebliche Beträge abgeflossen sind. Gerade in den Monaten Januar und Februar mußte man die stärkste Erleichterung der Devifenbilanz erwarten, denn es sind die Monate mit den höchsten Exportüberschüssen, aus denen jetzt die Gegenwerte fällig werden. Frühere Devisenverluste hat man damit entschuldigt, daß Entstehung und Fälligkeit der Exportüber- schüsse sich nicht decken. Wenn schon jetzt die Devifenbilanz sich immer weiter verschlechtert, wie soll es dann werden, wenn die Export- Überschüsse in der erwarteten Weis« abgesunken sein werden. Auch die Kontrolle der Ausfuhr von Reichsmark, für die Im Ausland Devisen verlangt werden, scheint nicht zu funktionieren. Ebenso gewinnt man den Eindruck, daß die Exporteur« Gut- haben im Ausland stehen lassen und nicht ausreichend bei der Reichsbant abliefern. Wenn die Rcichsbant schon, wie es scheint, in falscher Würdigung der Ersahrungen der Vergangenheit, der Hereinnahme von Aus- landsgeldern Schwierigkeiten bereitet, wenn sie also. auf diesem Wege eine Verbesserung der Devisenbilanz verhindert, dann nruh sie hundertprozentige Gewähr dafür schassen, daß die Verschlechterung ihrer Deckungsbilanz endlich aufhört. Das winde st e, was sofort zu geschehen hat, ist"eine Aufklärung der Oeffentlichkeit über die Ursachen der Gold- und Devisenverluste durch die Reichsbankleitung. Ecuador verläßt den Goldstaadard. Nach einer Meldung aus Guayaquil hat auch Ecuador den Goldstandard aufgegeben. ?fclN6S£, Brunnenvorschritten ourch das Fachinger Zentralbüro, Berlin 87, W8, Wilhelmstr. 65. Erhaitliäh in Mineralwasserhahdlungdn, Apotheken. Drogerien usw., sowie bei der Versandsto.le dor Staatsqueüen Faohingen und Niedersolters, Berlin SW11, Schöneberger Straße 16a, Te ephon;(B 2) LUtzow 8260— 61. BaugewerksbundfürGieuergerechtigteii Gmd AuslandsverSienste in Deutschland steuerpflichtig? Häufig nehmen deutsche Arbeiter im Ausland vorübergehend Vsschäftigung an. Nach dem Einkommensteuergesetz brauchten Ledige das im Ausland oerdlente Einkommen nicht zu versteuern. Denn die Pflicht zur Steuerzahlung hängt vom Wohnsitz ab, den ein Lediger ja aufgibt Dagegen war zweifelhaft, ob Verheiratete mit dem im Ausland verdienten Einkommen in Deutschland steuer- pssichtig find. Zwar liegt ein Urteil des Reichssinanzhofs vor, das besagt,„nur äußerlich erkennbare Beziehungen des Ehe- manns zu der Wohnung können zu dem Ergebnis führen, auch einen Wohnsitz des Ehemanns anzurehmen", und„daraus allein. daß die Ehefrau eine Wohnung in Deutschland hat. die mit Mitteln des Ehemanns gehalten wird, kann nicht ohne weiteres gefolgert werdeki. daß auch der un Ausland ansässige Ehemann einen steuer- lichen Wohnsitz in Deutschland hat." Aber in der Praxis haben die Finanzämter immer wieder versucht, im Ausland erzieltes Ein- Kimmen in Deutschland steuerpflichtig zu machen, und zwar nicht nur bei Verheirateten, sondern auch bei Ledigen. Seit einigen Monaten hat diese Gepflogenheit der Finanzämter ziemlich bedeutenden Umfang angenommen. Was soll man nun dazu sagen, wenn Arbeiter, die früher einmal im Ausland gearbeitet haben, in dieser Zeit sinkender Löhne, steigender Arbeitslosigkeit und steigender Besteuerung mit Nachforderungen für 1930 oder gar für 1939 und 1929 bedacht werden?? Der Deutsche Baugewerksbund hat sich gegen diese Ungerechtigkeit beim Reichsfinanzministerium gewehrt. Erfreulicher- weise war das Reichsfinanzministerium einsichtg genug, den Erlaß der Steuerschulden auszusprechen. Hoher Verlust bei Gchlesische Zellulose. DieSchlesischeCellulose-Papier-Fabriken A.-G.. Hirschberg-Cunnersdorf, schließt das am 39. Juni 1939 zu Ende gegangene Geschäftsjahr 1939/31 mit einem Verlust von 1,S Millionen Mark bei einem Aktienkapital von S,4 Millionen Mark. Durch diesen Verlust werden sämtliche offenen Reserven bis auf 69 999 M. aufgebraucht Die Verluste erklären sich zum Teil aus einer niedrigeren B e- Wertung der Holz- und Papiervorräte. Durch die Zahlung»- einstellung der Papierfabrik Sacrau G. m b. H. und auch bei anderen Debitoren sind Ausfälle auf Forderungen eingetreten. Ferner wird darauf hingewiesen, daß die Konkurrenz mit der eng- lifchen und der skandinavischen Industrie seit dem Eintritt des Währungsverfalls sich verschärft habe. Bei Lieferungen ins Ausland feien Verluste eingetreten, da sie langfristig auf englische Pfund abgeschlossen waren. Wenn aber gesagt wird, daß die Einfuhrzölle für Papier und Zellulose völlig ungenügend seien, und wenn daran die Forde- rung ihrer Erhöhung geknüpft wird, so zeigt das wieder, wie geradezu unsinnig manchmal die deutschen Wirtschaftsführer Wirt- schaftspolitik machen. Im Jahr« 1331 nämlich machte die Papiereinfuhr nach Deutschland mit 22 Millionen Mark gerade 7 Proz. der deutschen Ausfuhr <393 Millionen Mark) aus: und die Zellstoffaus- fuhr<37,6 Millionen Mark) war fast doppelt so hoch wie die Einfuhr<29,4 Millionen Mark). Allgemeine Wetterlage. aFeta 4932, abds 0wol)(6nlos.C9 heiler. O halb bedeck! ® wolkig,® bedeckr,*l?egen,ÄGraupeln inee,5Nebel,'RGewittei;@WindsIine Am einer wurden den anderen Gebieten stand das Thermometer meist mehr als S Grad unter dem Gefrierpunkt. In Schlesien wurden 14 Grad Kälte ge- messen. Infolge der Schneefälle, die in den letzten 24 Stunden allenthalben niedergingen, bat sich bis über die Weser hinaus nach Westen zu eine dünne, vielfach geschlossene Schneedecke gebildet. Da das Barometer über Mitteleuropa und Skandinavien kräftig steigt, können wir damit rechnen, daß sich das nördliche Hoch unserem Gebiet immer mehr nähert. » wetteraussichkeu für Verliu. Heiter bis wolkig und sehr kalt, frische östliche Winde.— Für Deutschland. Im Nordosten strenger, im Südwesten mäßiger Frost: im Süden und Südwesten Deutsch- lands bewölkt mit leichten Schneefällen, im übrigen Deutschland meist heiter imd vorwiegend trocken. Briefkasten ver NeSakiwn. Alter ZQuxnreat. Sit müsse« als alter eßennent schon so Diel Vertraue« zu uns hibsn, uns Ihren Ziamon zu nennen. Aus anonym« Zuschriften tonnen mir nicht eingehen. Gewstmauszog 5.jllasse 38. Preußssch-Süddeolsche Gkaats-Lotteria. Ohne Gewähr Nachdruck verboten Auf jede gezogene Nummer find zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Rümmer in de» beide» Ableilnogeu I und II 1. Zlehungstag 9. Februar 1932 Ln d« heutigen Bormsitagsziehimg wurden Gewinne über 499 M. gezogen z s-vinne zu 25000 M. 3322S3 4 Seninn,«s 10000 SN. 203556 330707 8 StlDinne tu 5000 M. 324014 339533 374046 391436 14 S-wi-n« m 3000 M. 17837 99133 103009 113029 274286 322519 397220 70®«iolnne w 2000 91». 1503 36162 42716 62748 68088 75291 99244 99777 104702 111531 110271>23158 123910 132964 ,33377 161612 165255 209847 212265 233192 232951 284952 313290 324531 326806 340654 341 333 349269 SSI 371 362532 363982 370660 380338 332937 395317 118 Oeffliiiee rn 1000 9». 5632 18460 23517 36944 49477 61223 56769 60873 61019 66032 87573 90212 92446 100377 109234 109736 110130 1,8241 122428 143229 147132 130700 153508 155563 162848 169552 171894 173668 174504 176680 178319 193184 201809 205937 209032 210392 220379 220328 233210 238712 239183 269361 272720 273889 279276 307183 313499 313632 316638 317081 318029 321558 337998 333368 364014 354027 374081 374897 391033 206 S-sw!-« m 500 W. 3703 14128 19013 21533 22300 23072 31196 33785 35439 33503 42283 46723 30161 54656 65041 65302 70914 72206 79124 8I7S1 86345 92674 96810 97685 977.97 102073 103174 115220 127813 130727 137109 137199 141849 147766 143268 152393 157491 158684 161840 164038 173940 178537 179236 179700186847 190392 190943 191504 196279 200829 206009 207062 207347 211094 217338 220231 220641 224647 23.9640 237143 242558 245948 247314 256283 257490 259959 253129 263471 265009 267577 268518 270421 270445 288026 288303 291953 297117 29E6S7 299270 306931 306954 309158 309669 320762 322708 324685 328098 333317 341991 3445-6 344895 352017 358637 362129 353207 367404 373468 374720 386550 386636 387020 387909 398803 3n der Heuligen Nachmiltagsziehung wurden Gewinne über 499 M. gezogen 4 Celviiul» zu 1 0000 W. 49334 1 25380 S ,u 5000 M. 143996 296117 389340 14©.rntane ju 3000 W. 33220 44463 1 13804 139651 839683 3S8212 370159 56 BeaAnte ra 2000 911. 88250 3'27? 41869 S6251 94666 99303 118319 110023 146876 193607 201216 209253 812494 289897 300179 300731 303857 312785 321364 329381 335749 336186 359094 359488 S6057S 375043 390367 399340_ 108 Sewmn«.m 1000 M. 5234 18198 26109 29342 34011 41323 41963 441 16 44328 S10Z7 32772 89394 90732 91021 91745 9335? 100 99 107053 116538 124373 138859 ,55107 163687 160836 165619172432 183470 193727 196710 215111 217823 220369 221739 230312 251021 285841 256965 263163 273847 281442 232861 310316 31361331573« 323061 333806 340099 340196 341712 355445 3666 16 358334 336723 380713 192 SetDhrae in 600 M. 6556 5593 7359 13477 18341 26217 27341 31789 32344 37070 43850 53334 57633 61254 63338 70052 79336 80142 60221 82964 83293 84529 92785 100830 101492 101703 10,523 119304 12,247 125035 125450 128650 131533 132323 141094 142933 147476 151467 165767 156479 157505 157802 158382 161827163303 164282 166749 177464 193304 197643 199032 199118 218207 219801 220314 221637 223014 226714 229933 239999 242310 242574 236742 264341 27201 1 277203 279309 283783 286249 287270 292831 293407 309272 311104 313990 315822 319702 319984 326073 333456 338521 343900 345074 366601 337637 338500 373332 876448 386121 386322 386358 386818 388209 395245 396427 337535 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien fe zu 809009, 2©<•• rcrnne zu je CXBO), 2 zu je 300000, 2 zu je 200000, 4 zu je 100000, 6 zu je 7:000, 11 zu je 50000, 28 zu je 23000, 191 zu je 10000, 4-6 zu je!0 0, 97 l zu je»000, 2874 zu[t 2000, 5774 zu je 1000, 0CO2 zu je 500, 289<8 zu je 400 Mark. yrinft diätetisch-physiliallsch» stützr. Trtnkturen n stuhl. Trinkkuren'mit dem altbewährten rein natürlichen chesunkhi ..SrnnfT Fachingen" sind daher auch in dieser Hinsicht besonders etnysehlenswert� Wie dl» Erfahrung lehrt, wird bei Entiettu ~"; durch Heilquelle nturen bäi" iwühtten rein natürlichen sturen die usia wirksam unter- n Sesunüheitswaffer i* i'-*—"r* r r'in[i* ti"i 1 «SÄ» Tbcfifcr MUXwocb, den 10. febroo« stastsouer unier cen Linden 2» Uhr Die Hugenotten StjatLStetuelto! «cdaraesaim 20 Uhr Othello Sdilller-Theatei dsartutnlnr}. 20 Uhr Die göttliche Jette rOgllchSu.e.lSUhr Sonntaqt2,5 8.15 U. Opcretteo-Gastsp.; O'« Förstoröh lall Cbar.ottenstr. 'l'i Uhr «Dlespanlsdie Fllefie** Ab Sonnebend- MoseniblelYolkbillme Kampf um Kilsdi Theater desWestens Tägl S». Prinz Heltinsaieni Operette von lob. Strauß Waidmaiier, Morran. Jsnkuhn, Lilien, Ewald. ffleiropoMheater Täelich 8'« Uhr Bitfe mm SD. Mals Ein Lied der Liene Eich. Tnaber Annl Ahlem I GR. 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Preise abrebaat� MMI» ArnD'd t>cho z � Q- atinBer urnipl-Buse Uelde 100-14 Großes Bockbiertest und Großer Komponisten- Abend Otts Strrchy, l» Le'JX, Mn Rilaid, Ksrl M. Hiy, FM'itb tf. Bast, Hai; Maj. Tbu Frenz 6 Kapellen» Bayr. Bcdicsnc-' Bcalnn 7 ühr Theater am Njllendoriplab fej!»; Eeirr St tabiL-) Pallas 7051 Mglich 8i/. Uhr" Stss auch 41/« Uhr aasparone r- Kleines TU.»», Truppe t93i. TägL Si/. Uhr Die mausetalie Preiee 75 PI— s M Sonnt, naetun. 4 II- halbe Ptvise. Rose- Theater inle frjBkfortt! Stnle iL Id.«eidistl E 1 312? 6 u. 9 ühr Theater im AdmiroisDQlssi Tlglich SU« Uhr Wegen 4 eroO. Erfolg« bis 15. Febr. rerläsgert Die DuDarry Preise*. 0.50 M an Täglich S','. Uhi Morgen gehts uns gutl Grete Mn»heim Max Henseu Orchester Dejoe Bell JÜERGEMS Aloxanderplalr Neue Könlgfttr.43 Landser Str. S. t-aZe«b, nflUluUUTI« direkt an Bahnhof. i.i/t Zlnmer. Ofenheirung IFitnnililb Mahlsdorfer S r. CT, fJJ JolUlKj Hauswart Baesler 3— 4 Zim� Ofenheng Schöne Lage am Wa'drand. 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Februar, ver- stard UN er langjähriger Kassierer Eduard Lletsch im Alter von 62 Kahren Ehre stirem Andeuten' Einäsdiermtg Donnerstag. ll.Fe- bruar, tb-/, Uhr, in Baumichulenweg. Die OrtsTeruraituog s««««««» Unserem»eibtenien Genossen kterl Nlwmrlck zum iO|ät)risen Parle lubtläum du herz ichüen Giüdwüniche 42. u. LI. Bezirk JleutöBa Au-schnetb ISmfend PucEm'ubr.Dcnei'en wir 1005 Stück Sold- ülliedcrha.ter San- vion! m.ZR« erveied.. gar. lt ar Gold> L 6r(t«'.t.B.i HRM. iachn Auf Wunlch in 3H>. Monogramm in ff Sandgrao. grat Iilllhalterhaus Erich Slegmono, Tiflen&etg A/14».' Aach id.wetem Lei, in verichiea unier lieber, guier Bater AVilke.m Stopp im 74. Lebens. ahre Im Ramen der Kinterdiieden n LruUle Stopp Die Beerdiauag sindei am Donners- lag. dem 1 1 Februar. 16 Uhr. Lutlier- gemctndefrtedb f tu Lankwi«, siatl Danksagung Fstt die herzliche Teilnahme bei der Einäscherung nn.eter lieben Tochter €harlo—, 45,—, 55,—, Ballonrfider, Marke Brennabor, 70,—. 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