Morgenausgabe flr 69 A 35 4y.I,, bis 17 Uhr. Der Perlag behält fich dasRechl der Ab» lehnung nicht genehmer Anzetgen vor I Jentsawegan der SoziatdemoteaMchen hSartei DeuttMandS Revaklion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr 3 rAcmipi. Jönhoft rA 7) 292— 297 Telegramm.Adi Eoualdemokrut Berlin Vorwärts-Verlaa G. m. b. H. PostfÄecklomv: Berlin Z7 536.— Bankkonto: Bankder Srdeitcr. Ängeilellien und Beamten. Lindenslt.S Dt B.u Dlbr.-Gci.. Deposiienk.. Zeruiaiemer gtr 65-66 Erst putsch— dann Sabotage. Deutschland bekämpft die Verschleppung. Gens. 10. Februar. Die Anttvort der litauischen Negierung in der Memel- frage wird den deutschen Vertreter in» Völkerbuudsrat beraulassen. darauf zu bestehen, daß noch in dieser Woche der Völkerbuudsrat zusaurmentritt. um zu der Angelegen- heit Stellung zu nehmen. Solche Schritte sind bereits eingeleitet. Es kommt nach deutscher Auffassung selb st- der st Südlich nicht in Frage, dasi der Völkerbunds» rat mit der Behandlung bis zu dem von dem litauischen Außenminister genannten Termin, dem 23. Februar, wartet. Staatssekretär v. Bsilow hat bei dem Vorsitzenden des Völkerbundsrates unter Hinweis ans die gespannte Lage in Memel entschiedene Vorstellungen für sofortige Behandlung des Bruches der Memel-Konvention durch den Slat erhoben. Der Ratsvorsitzende erklärte, daß alle Schritte unternommen würden, damit die Beratung noch in dieser Woche vor sich gehe. Staatssekretär von B ü l o w besprach am Mtttwochnach- mittag mst Generalsekretär Drummond die weitere Behotifliing, ebenso der japanische Untergeneralsekretär Sugimura als Leiter der Politischen Abteilung mit dem deutschen Ministerialdirekior Meyer. Das Bölkerbundssskrelariat hat sich am Mittwoch von neuem tele- phonisch und telegraphisch mit der litauischen Regierung in Der- bindung gesetzt, um festzustellen, ob und wann der Außen- minister Zaunins in Geiy eintrifft. Deurschlaud hat noch der herausfordernden litauifchen Note von neuem sofortigen Zu- sammentritt des Rotes gefordert. Die Festsetzung dieser Sitzung hängt davon ab, ob Zaunius bis Freitag früh in Genf ein- trifft. Sollte die litauffche Regierung an ihrer Sabotage festhallen, so wird Deutschland bereits f ü r Donnerstag oder Freitag eine Sitzung des Völkerbundsrates ohne litauischen Per- treter fordern. Das letzte Sirekiorkumsmitglied gewaltsam abgesetzt Landesdirektor S z i g a u d, das einzige MUglied des Memeler Direktoriums, das noch im Amte war, ist am Dienstag nun eben- falls von dem„Landesdirektor" T o l i f ch u s gewallfam seines Amtes enthoben worden. Tolifchus erschien im Zimmer Szigauds und forderte ihn in barschem Ton auf, ihm die s S m t- lichen Amtsschlüssel zu übergeben, worauf Szigaud ihm erwiderte, das könne er nicht, da er sich noch im Amt befinde. Tolifchus verließ darauf das Amtszimmer, hotte sich d r e i b e- waffnete Polizeibeamte, die im Vorzimmer postiert wurden, und gab nunmehr Szigaud den Befehl, das Zimmer zu räumen. Szigaud mußte nunmehr der Gewalt weichen. Er gab eine schriftliche Erklärung ab, in der er betonte, daß er wider- holt seine Bereitwilligkeit erklärt habe, die Amtsgeschäfte als Landesdirektor weiter zu führen. Hierzu brauche er. aber keinen Auftrag von Tolifchus. Er werde jedoch an der Ausübung seines Amtes gehindert. Für die Zeit seiner Behinderung begibt sich Szigaud nach Trakeningken. Hindenburg und der Stahlhelm Vor der Entscheidung über die Präsidentschaststandidatur. Nach der Rückkehr des Reichskanzlers, die. gestern erfolgt ist, soll die Frage der Präsidentschastskandidatur Hindenburgs rasch geklärt werden. Gestern waren die beiden Bundesführer des Stahlhelm und der Vorsitzende des Ktzffhäuserb'indes, General von Horn, bei Hindenburg. Die Pressestelle des Stahlhelm teilte nach dieser Unterredung mit: „Don einem Teil der Presse sind in den letzten Tagen zahlreiche Meldungen über Entschließungen der Stahlhelmführer zur Reichs- Präsidentenwahl verbreitet worden. Alle diese Meidungen sind aus der Luft gegriffen. Die Bundesführer des Stahlhelm haben zur Frage der Reichspräsidentenwahl noch keine Entschlüsse gefaßt und werden sich auch durch ZweckmcSungen weder die Zeit noch den Jnhall ihrer Entschließungen vorschreiben lassen.* Der Kyffhäuserbund dagegen wird sich voraus- sichtlich noch in dieser Woche für die Kandidatur Hindenburg erklären. Brüning wieder in Berlin. Vor dem Zusammentritt des Auswärtigen Ausschusses Der Reichskanzler ist am Rlittwochnachmittog aus Genf in Verlin angekommen. Er hat sosarl nach seiner Rückkehr die politischen Verhandluvgen wieder ausgenommen. » Zn den nächsten Tagen wird der Auswärtige Ausschuß des Reichstags gegen den willen seines Vorsitzenden Frick zusammen. treten, um zu dem Konflikt im Fernen Osten Stellung zu nehmen Ausgleich Preußen— Reich. Erfolgre che Verhandlungen. Die Berhandlungen zwischen dem Reichssinanzminister und dem preußischen Finanzminister über den Ausgleich des preußischen Etatsdesizits sind nunmehr obgcschiossen worden. Preußen erhält vom Reich einen Betrag von t00 Millionen Mark, für die das Reich u. a. die preußische Siedlungebank erwirbt. Die gegenseitigen Berpslichtungen aus diesen Berlfandlungen zwischen Reich und Preußen sind am Dienstag formuliert worden. Der Reichskanzler dürfte diesen Formulierungen, die bereits die Zustimmung des Bizekanzlers und des R-ichssinanzministers gefunden haben, sein« Zustimmung geben. Die Nazi-Tscheka gegen Schäfer. Systematische Angriffe.- poliz i verhastet- Reichsbanner' Darmstadl. 10. Februar.(Eigenbericht.) In den letzten Tagen hat Dr. S ch ä f e r bereits mit An- schlagen aus sein Leben gerechnet. Das geht aus einem Brief hervor, den«r am 8. Februar aus Zwickau an Bekannte in Darmstadt richtet«. Es heißt darin: „Der Haß gegen mich nimmt ganz üble Formen an. Hoffentlich muß mein« Familie nicht schwer Not leiden, wenn mir eines Tages etwas zustößt. In Oelsnitz im Dogtland hatte man einen Angriff aus mich vor, den das Reichsbanner abwehrte, deshalb ist der Reichsbannerführer verhaftet worden." Deutsches Lnteresse in China. Die Bedeutung der Wu ung- Hochschule. Der deutsche Generalkonsul in Schanghai hat sowohl den japanischen wie den chinesischen Oberbefehlshaber gebeten, auf möglichste Schonung und auf den Schutz der deutschen Lehrer und des deutschen Privateigentums in der Hochschule zu W u s u n g Dedacht zu nehmen. Die Professoren Wagner und Ströbel von dieser Hochschule sollen mit dem japanischen Befehls- Haber verhandeln, damit das Bombardementunterbrochen werde, um die Bergung der wertvollen Instrumente, Bücher usw. zu ermöglichen. An dieser Hochschule, die chinesisches Staatseigentum ist, aber von Deutschen geleitet wird, haben jährlich 700 chinesisch« Studenten ihr« Ausbildung in der Heilkunde bzw. in technischen Wissenschaften erfahren. Besonders die Ingenieure, die aus dieser Hochschule hervorgegangen sind, waren eine Stütze des deutschen Exports nach China. Die Vernichtung dieser Lehr- und Forschungsstätte würde die deutschen Wirtschaftsinteresien im Fernen Osten schwer schädigen. E'ne bezeichnende Instruktion. Die Kommandanten der japanischen Streitkräfte in Schangljai sind angewiesen worden, zu den Truppen fremder Mächte freund- schastlichste Beziehungen aufrecht zu erhallen. Weiter wurde den japanischen Oberbefehlshabern empfohlen, gegenüber allen Zivil Personen, sowohl Chinesen als auch Ausländern, insbesondere gegenüber Frauen und Kindern, äußerste Rücksicht walten zu lassen. Minister-Golidariiäi. Ertläruug Snowdeus im Oberhaus. London, 10. Februar.(Eigenbericht.) Im Oberhaus brachte Lord E n o w d e n die Argumente der mit der Zollpolitik der Regierung nicht einverstandenen Minister zum Ausdruck. Er verteidigte das neuartige staatsrechtliche Der- fahren, das die Einheit des Kabinetts nicht mehr für nötig hält und trat für volle Redefreiheit aller Minister ein. Nur unter dieser Bedingung seien er und die liberalen Minister aus den Wunsch ihrer Kollegen im Kabinett geblieben. Ueber alle anderen Fragen, wie Indien, die Geldpolltik, das Reparatwnsproblem, sei sich die Regierung völlig einig. Lohnabbau— Preisabbau. Gegen die Einschrumpfung. Voo Anton Erkelenz. Der Reichskommissar für die Preisübe r*- N» a ch u n g ist ein rühriger Mann, und er versteht es gut. das Instrument der Reklame in Presse und Rundfunk zu handhaben. 2llle seine Rührigkeit und Geschicklichkeit werden aber nicht genügen, dem Volk klar zu machen, daß Ein- kommensabbau und Preisabbau mindestens gleichmäßig vor sich gegangen seien. Dem sicheren und unverfälschten Abbau der Einkommen, besonders der Löhne und Gehälter, von etwa 2S Proz. seit Mitte 1930, von etwa IS Proz. seit der Vierten Notverordnung, steht ein Preisabbau von 6— 7 Proz. seit Anfang Dezember, ein solcher von rund 20 Proz. seit 1929 gegenüber. Durch diese Ziffern darf man sich aber nicht täuschen lassen. Es handelt sich um die berühmten Durch- schnittsziffern, die praktisch nicht vorkommen, in denen Wichtiges und Unwichtiges miteinander vermischt ist. Seit 1929 hat ein Preisabbau von 20 Proz. stattgefunden. Gut. Nehmen wir diese Ziffer so, wie sie dasteht. Frage: Um wieviel sind seit 1929 die Steuern und Sozialbei- träge erhöht worden, die ja nach der Statistik nicht als Lebenshallungskosten rechnen? Um wieviel höher ist die Be- lastung durch indirekte Steuern und Zölle, durch Krisen- steuer, Bürgersteuer? Allein die Beiträge zur Arbeitslosen- Versicherung sind in dieser Zeit verdoppelt worden. Wenn wir einen Steuerindex hätten, würde sich zeigen, daß Steuern und Abgaben heute sehr viel mehr zugenommen, als die Lebenshaltungskosten seit 1929 abgenommen haben. Selbst der vollbeschäftigte Arbeiter oder Beamte hat einen beträcht- lichen AbsturzinseinerLebenshaltungzu buchen. nicht zu reden vom Kurzarbeiter, vom Arbeitslosen. Das wäre nicht so tragisch, wenn es möglich wäre, eine Notzeit auf diesem Wege gemeinsam zu überstehen und jedem seinen Anteil an dieser Not zu geben. Aber Einschrumpfung des Verbrauchs aller bedeutet Einschrumpfung der Absatznwg- lichkeit und damit auch der Produktion für alle, bedeutet gesteigerte Arbeitslosigkeit, Erhöhung der öffentlichen Ausgaben, Einschrumpfung der öffentlichen Einnahmen', nicht nur Stillegung, sondern auch Entwertung zahlreicher Betriebe auf den Schrottwert, Kapitalvernichtung... War das der Sinn der Abbau-Notverordnungen? Gewiß nicht. Was geschehen sollte, hat der Reichskanzler in seinem Brief an Otto Wels richtig gesagt: es sollte eine allgemeine Herabsetzung der Preise und Löhne stattfinden, bei der aber die Kaufkraft unverändert bleiben werde. Manche werden der Meinung sein, daß eine solche Aufgabe von vorn- herein falsch gestellt war. Viele glauben, daß die Regierung und ihre Berater sich nicht genügend klar gemacht haben einer- seits, daß die Aufgabe unlösbar war, andererseits daß der Versuch ihrer Lösung Tiefenkräste in Bewegung setzen mußte. deren Auswirkung vielleicht schlimmer sein wird, als die vor- her vorhandenen Uebel. Das alles steht aber jetzt nicht mehr zur Entscheidung. Die Abbau-Notverordnungen und besonders die„Vierte Symphonie" haben mit einem nicht wegzulöschen- den Schnitt eine Herabsetzung, eine Abwertung aller Löhne und Preise angebahnt. Wenn die sozialdemokratische Presse, die Partei, alle Gewerkschaften nun darauf verweisen, daß Lohn- und Gehaltsabbau per Kasse, ausreichende Preis- senkung aber großenteils auf ferne Termine angebahnt sind. dann tun wir das zwar zunächst, um die Sicherung der Kauf- kraft des Arbeitnehmers zu verlangen. Im Hintergrunde aber steht eine viel größere und schwierigere Aufgabe: wenn die Preissenkung der E i n k o m m e n s se n k u n g nicht mindestens gleichkommt, dann hat die Vierte Rotverordnung nur denselben Miß- erfolg wie ihre drei Vorgänger: sie ver- schlimmert die Wirtschaftskrise, lockert die Fundamente des Staates und der Gesellschaft weiter. So- lange die Preissenkung die Einkommenssenkung nicht über- steigt, gibt es keinen neuen Ausschwung der Wirtschaft. Jede neue Konjunktur, jede kleine Besserung der Wirtschaftslage hat zur Voraussetzung, daß mehr Kaufkraft verausgabt wird als bisber. Da an eine neue Investitionskonjunktur noch nicht zu denken ist, da Ausländsanleihen nicht in Aussicht stehen. da künstliche Kaufkraftschöpfung abz"lehnsn ist. kann neue Kaufkraft nur so entstehen, daß die Preise mehr sinken als die Einkommen. Die Möglichkeit zu erheblichen Preissenkungen ist längst gegeben, soweit die Produktion in vollbeschäftigten, modernen Betrieben vor sich geht. Die eine Voraussetzung wurde durch die Rationalisierung geschaffen. Auf den Ertrag dieser Ratio- nalisierung warten wir bisher vergebens. Es hat in Deutsch- la»d seit 1924 nie und nirgend eine Lohnüberhöhung gegeben im Verhältnis zu 1913, ausgenommen bei den höchstbezahlten Angestellten der Wirtschaft, den Direktoren und General? btreWoren. Nach der Rationalisierung ist der Lohnanteil am Produkt geringer als vorher. Formell leben wir noch in einer kapitalistischen Wirtschaft. Wenn, nach den Gesetzen d i e s e r W i r t s ch a f t. gut geleitete, modern eingerichtete Betriebe eine Preisstellung machen auf Grund ihrer eigenen Produktionskosten, wenn sie im Wettbewerb sich so Aufträge einholen, können sie erheblich billiger verkaufen und dabei noMefchäftigte Betriebe haben, mit angemesienem Gewinn. Das verhindert immer noch eine mißverstandene Kartellwirt- schaft, die den fchlechtest arbeitenden Betrieb rentabel halten will. Immer noch haben wir einen weitllbersetzten Handel. Räch den Angaben Dessauers gingen von 199 M. Kaufkraft im Jahre 1313 in die Produktion 79 M., in die Verteilung 39 M. Im Jahre 1939 gingen in die Produktion nur noch 57 M., in die Verteilung 43 M. Selbst zwischen 1929 und 1931 ist die'Handelsspanne um 2S Punkte weiter gewachsen gegenüber 1913.— Auch die gewaltige Senkung der Preise ausländischer Rohstoffe hat sich im Fertigerzeugnis noch nicht voll ausgewirkt. So gab es feit Iahren mancherlei Möglichkeiten zur Preissenkung ohne Senkung des Realeinkommens für Ar- beiter. Angestellte und Beamte. Wenn es der Reichsregierung gelungen wäre, diese Preissenkungen in Gang zu bringen, hätte nachträglich der Lohn, das Gehalt gesenkt, das heißt der gesteigerten Realkaufkraft angepaßt werden können. Das ist der gesunde Weg, um von einem zu hohen Teuerungs- index aus herabzusteigen. Wobei die Frage, ob und inwieweit das deutsche Teuerungsniveau an den Löhnen gemessen, wirk- lich zu hoch war, gar nicht berührt werden soll. Wir gingen den umgekehrten Weg: kürzten Löhne und Gehälter zuerst, paßten die Preise dem gesunkenen Spiegel nur tellweise an. Arbeiter. Angestellte und Beamte mußten vorleisten, warten aber bis heute auf die Gegenleistung. So wurde der Einschrumpsungsprozeß der Wirtschaft erheblich verstärkt, die Arbeitslosigkeit vergrößert, die Betriebs, und Kapitaloernich- tung unnötig ausgedehnt. Indem wir uns dagegen wehren, kämpfen wir letztlich für den endlichen Aufstieg der deutschen Wirtschaft. Wir vertreten das Volksinteresse gegen das schein- bare Klasseninteresie der Besitzenden. Billige Preise sind an sich kein Ideal, sonst wären China und Indien die reichsten und höchststehenden Länder der Erde. Das Wort:„Ein armes Land muß billig sein" ist eine der hohlsten Phrasen unserer nicht phrasenarmen Zeit. Billig ist ein Land, wenn die Einkommen der Bürger und die Preise in einem gesunden Verhältnis stehen, wenn in gut- eingerichteten Betrieben in rationeller Werse ohne Berschleude- rung. aber mit Gewinn für den Betrieb, produziert, wenn die Waren nicht durch mißverstandene Kartellpoiitik verteuert. nicht mit Zollsubventionen belastet sind: kurzum, wenn der Verbraucher im Preise nicht zehntausend« Existenzen mit- ernähren muß, die aus eigener Kraft nicht lebensfähig sind. In dieser Hinsicht ist in Deutschland noch viel zu oerbilligen. Diese Arbeit hat erst schwach begonnen. In der Landwirt» schaft, in der Schwerindustrie, in der Zulterfadritation und manchen andaren gibt es darin nach fast unbegrenzte Mög- lichkeiten. Wenn nicht einig« Sindrücke täuschen, begibt sich auch die chemische Industrie immer mehr in das Lager der» fenigen, die Subventionen von oben auf Kosten der Armen stets gern annehmen. Wie sollen aber angemessene Preise entstehen, wenn jedes Gewerbe sich von Staats wegen feine Gewinne auf- .zwingen und sichern läßt? SEIN Herrscherblick. Oa bleibt keen Oje trocken. So schreibt„Der Angriff'': Plötzlich erstarren die Glieder zu Erz. Der Führer kommt! Ernst betritt er die Tribüne. Doch in stolzer Freude flammen. feine stahlblauen Augen auf, als er den Blick über die starrenden Mauern seiner Kämpfer gleiten läßt. Der Präsentiermarsch schmetterte durch die Riesenhall« und der Führer beginnt, die Front abzuschreiten. Direkt neben dem Führer sitzen auf ihrer Ehrentribüne die Verwundeten der SA. Jedem reicht Adolf 5?ttler d!« Hand, und uuter der erschütternd en Gewalt selnes mclchiigea Auge» schießt den tapferen Zungens dos Wassers in die Augen. Sie werden diesen Tag nie vergessen. So schreibt im„Angriff" die Journaille von Neu-Byzanz. Rur nicht sozial! Oeuischnationale persönliche Hetze im Wohuungsausschuß. Im WohnungsauSschuß des Reichstags kam es am Mittwoch bei Fortsetzung der zwetten Lesung des Reichsstädtebaugesetzes zu scharfen Auseinandersetzungen. Von den Deutsch nationalen wurde ein« formuliert« Erklärung abgegeben, dt« sich gegen den christlich-sozialen Abgeordneten Mumm wandte, der systematisch alle„m a r x i st i s ch» n A n t r ä g e" unterstütze. Abg. L i p i n s t i(Soz.) protestierte gegen die Proto- kollierung einer solchen formulierten Erklärung, die einen Vorwurf gegen ein einzelnes Mitglied des Ausschusses enthalte. Es sei klar zu durchschauen, daß diese ganze Attacke nur aus parteipoli- tischen Mot»r:n geritten werde, wenn man nicht da sagen wolle, aus erpresserischen Motiven. Man könne es eben nicht ertragen, daß die Linke in diesem Ausschuß infolge der sozialen Anschauungen des Abg. Mumm die Mehrhett habe. Mit sozialistischem Gedankengut habe der Gesetzentwurf nichts zu tun. Sozial fei er allerdings, da er das Interesse der Allgemeinheit über das Einzelinteresse stelle. Als sozialistisch könne der Entwurf schon deshalb nicht bezeichnet werden. weil die Beschlagnahme von Gütern, die er vorsehe, nicht zu dem Zwecke beabfichttgt sei, auf diesen Gütern sozialistische Produktions- weisen einzuführen. Der Redner verwahrte sich dagegen, daß eine so gehässige Erklärung, wie sie die Deittschnattonalen gegen ein einzelnes Ausschußmitglied abgegeben hätten, zu Protokoll entgegengenommen werde Im Gegensatz hierzu schloß sich Abg. Lücke(Wirtschp.) den Erklärungen der Deutschnationalen vollinhaltlich an. Abg D. Mumm(Christlichsozial) erklärte, er sei allerdings, wie er es seit 34 Iahren getan habe, alle Zell für den Schutz der wirtschaftlich Schwachen eingetreten. Er sei jedoch Gegner des Marxismus und bleibe es GegendasWohnungs- elend müsse er aber angehen, soweit er»s vermöge. Verantwortung schulde er nicht anderen Parteien, sondern nur seinem Gewisien. Trotz des Widerspruchs der Deutschnationalen beschloß dann der Ausschuß auf Vorschlag des Vorsitzenden, die Erklärung der Deutsch- nationalen nicht zu Protokoll zu nehmen, sondern durch Uebergang zur Tagesordnung zu erledigen. Dieser Beschluß kam mit 13 gegen die 4 Stimmen der Deutschnationalen und der Wirtschafts- Partei bei Enthaltung der Stimme der Abgeordneten D Mumm (Christlichsozial) und Winnefeld(DVp.) zustande. Ergänzung zur Grandi-Rede. Zu Ehren der Abrüstungskonferenz. Eine bemerkenswerte Variante. Sie Bluthehe der Raz presse. Die Presse der Nationalsozialisten hat bisher systematisch Blut» Hetze getrieben gegen„die r o t e M o r d f r o n t", wobei sie Kam- munisten, Sozialdemokraten und Reichsbanner unterschiedslos und geflisienllich zusammenwirst. In der letzten Nummer des„Völkischen Beobachter" lesen wir groß an der Spitz« des Blattes:.�lllerjunge C. P. und SA-Mann H. K. sind verbrecherischen Anschlägen der schwarz-roten M o r d s r o n t zum Opfer gefallen." Schwar�-rote Mordfront— das ist«ine neue, sehr bemerkeno» werts Variante der nationalsozialistischen Bluthetze l Der Gchmuh von rechts. Der nattonalsoztalistisch« Ländtags ab geordnete Löhs« nn-Oie in Harburg wegen Beeidigung des preußischen Minister- Präsidenten Braun und des Ministers Severmg zu 800 Mark Geldstrafe verurteilt. Der Senat der Unwersität Halle hat den verantwortlichen Schriftleiter der.Pallaschen Univetsilätezeitung", etuei. rer. nat Günther Stove, von der Universität verwiesen. Die Verweisung wird damit begründet, daß Stove die Sitte und Orhnung des akademischen Lebens gestört hat, indem er fortgesetzt Veröfseittlichungen brachte, die geergnet und destimmt gewesen sind, den Thslologieprofesior Dehn verächtlich zu mache» und in der öffentlichen Meinung herabzusetzen. j Die tschechische Zeitung„Narodny Lisch" ist zwar«in chauoi» nistisches, aber doch ein ernstes Blatt, das sich der Richtigkeit einer Meldung vergewissern wird, ehe sie veröfsentiicht wird. Diese Prager Zeitung hat nun an der Spitze einen Bericht seines Budapester Korrespondenten veröffentlicht, wonach am Montag voriger Woche «ms Zlalicn nach Itagarn 26 Tanks befördert wurden. Der Zug wurde während der Fahrt durch Oesterreich von H e i m we hra n g« h ö r i g e n beschützt. Nach Budapest wurden 16 Tanks gebracht, die übrigen wurden in die verschiedenen ungarischen Städte verteilt. Weitere Sen- düngen von Tanks stehen angeblich bevor. In Ungarn wird behauptet, daß all dies zum Schutze gegen— Kommunisten bestimmt ist. Aus diesem Grunde veranstaltet die Bckdapester Polizei immer wieder Ueberfälle und Verhaftungen von Kommunisten und deckt angeblich kommunistische Verschwörungen auf, die stch aber immer wieder als Bluff herausstellen. Man will eben Vorwände schaffen, um die geheimen Rüstungen zu rechtfertigen. * Ungarn darf unter stillschweigender Duldung oder aktiver För- derung der Siegermächt« des Weltkriegs nach Lelieben gegen die Nachbarstaaten rüsten, die Teile Alt-Ungarns— allerdings auch Merwiegsnd madjarifch bevölkerte— erhalten haben. Ganz de- sonder« rüstet der italienische Faschismus aber Ungarn gegen die festest« Demokratie in Mitteleuropa, die ffchechostowakisch« Republik. polen asfist-ert Krankreich. Genf. 10. Februar.(Eigenbericht.) In der wetteren Debatte am Mittwoch betätigte sich der polnische Außenminister Zaleski wiederum als Vertreter jenes kleinlichen Natlonalegoismus, der mtt soviel Lärm wie Ungerechtigkeit in der Nachkriegszett Geschichte gemacht hat. Mtt wahrhafter Vefriedigung habe Polen, das am Kreuzweg so- zialer Invasionen liege, den französischen Vorschlag begrüßt, der den Völkerbund mit einer wirklichen Exekutivgewalt ausstatte. Die Abrüstung hänge von der Sicherhett ab. Der Konoentions- entwurf darf bezüglich der angenommenen Methoden nicht geändert, er könne dagegen in technischen Fragen ergänzt werden. Dazu gehöre die Einbeziehung des„Potenttel de Gusrre"(Wirtschaft- liche Kriegsmacht), sowie von Bestimmungen gegen ver- steckt» Aufrüstung der mrKtärilschen Organisationen. Die bndgetäre Begrenzung stalle die einzig wirksame Methode für die Abrüstuog dar. Verstärkt werden müßten die Kriegsvorbeugungsmaßnahmen und die moralische Wrüstung. Zaleski erinnerte an die polnischen Vorschläge für diese moralische Abrüstung, wozu bemerkt werden muß, daß gerade Polen am wenigsten zu dieser moralischen Abrüstung beigetragen hat, da es sich jedem Schwächeren gegenüber in den grausamsten Gewalttnahnahmen und der Durchbrechung aller seiner Recht« völlig gehen ließ. Di« Vertrauenskrise, fuhr Zaleski fort, sei eine der 5>auptursachen der Wirtschaftskrise. Man dürfe die Agitation gewisser Elemente nicht stillschweigend hingehen lasien, die ihre egoistischen Ziele in der Verwirrung und Unordnung voll- führen wollten, sagte er deutlich gegen die R a z i h e tz e in Deutschland. Wenn die Deutschen nicht dagegen auftreten, so drohe die Welle des Hasses und Mißtrauens alles einzureißen, was mtt soviel Mühe seit Gründung des Völkerbundes errichtet worden sei. Für die politischen Lösungen, als Voraussetzung der Wrüstung. konnte auch die regionale Form günstig sein. Rußland braucht Krieden. Moskau. 10. Februar. Das Regierungsblatt„Iswestija" bezichtigt Frankreich, England und die Deretnilgtcn Staaten des Imperialismus und führt dann u. a. aus:„Der von der französischen Delegation eingebrachte Drinzlichkeltsantrag ist ein sorgfältig ausgearbeitetes Programm der Vorbereitung einer sowjetfeindlichen Intervention. In der Vorberettungskammission hat die Sowjetdelsgatton semerzett den radikalen Antrag aus allgemeine vollständige Ab- rüstung gestellt. Nach seiner Ablehnung legte sie der Konferenz das ausführliche Projekt einer allgemeinen teilweisen Wrüfwng vor. Als auch dieses Projekt abgelehnt wurde, hat die Sowjet- delegation alles nur möglich« getan, um wenigstens die Annahm« einzelner konkreter Wrüstungsoorschläge zu erreichen und die Vor- berettung eines Krieges zu oerhindern. Ein« solche Polttik ergibt sich für die Sowjetunion aus der Tatsache, daß sie nicht allein die Interessen des sowjetrussischcn Proletariats, sondern auch die der Werktätigen der ganzen Welt yertritt und sich daher konstant mit allen Mitteln gegen die Entstehung eines Krieg es stemmt. Die Sowjetunion leidet nicht unter den Er- schütterungen der Weltwirtschaftskrise, sie braucht keinen Krieg als verzweifelles Mittel zur Bekämpfung der Wlrifchaftskataftrophen. Sie braucht den Frieden, um ihr großes Werk des Aufbaues einer sozialistischen Eessllschaft fortsetzen zu köimen. Diese Friedens- polttik der Sowjetunion ist kein Zeichen der Schwäche, sondern ein Zeichen der Kraft." Am Pranger! Abrechnung mit Wirtschastöverbrechera. Im Favag-Prozeß führt« der Staatsanwalt in seinem Plaidoyer aus: „Wir wollen, daß diejenigen, welchen die Verantwortung für die Betreuung fremden Gutes in die Hand gelegt ist, jederzett, wenn es gefordert wird, offen« und ehrliche Rechnung ablegen. Wir wollen aber nicht, daß sie als unehrenhafte Verwalter tn ihre eigene Tasche wirtschaften und dazu noch ihr ungetreues Verhalten durch Täuschung oder Ver- schiele rung der Nachforschung derjenigen entziehen, die ihnen ihr Vertrauen geschenkt haben. Wir wollen nicht, daß General- direktoren oder Direktoren einer Aktiengesellschaft, die wohl dazu berett wären, einen Ange st eilten wegen eines Griffs in die Portokass« über die Klinge springen zu lassen. sich selbst mtt offenen Händen in Provisionsempfänger oerwandeln und hinterher nur die stammelnde Entschuldigung finden, daß sie das nötige Fingerspitzengefühl verloren hätten. Wir wollen nicht, daß an der Spitze der deutschen großen Wirifchasts- Unternehmungen Leute stehen, die auf Grund ihm regelmäßigen Bezüge sich jeden Tag ein« neue weiße Weste kaufen können, aber trotzdem lange Jahre hindurch aus dem Rücken ihrer Gesellschaft schmutzige und eigennützige Geschäft« betreiben." Gonderrecht für Nationalsozialisten. Llntergrabung der richterlichen Autorität. Die Staatspartei hatte im Sächsischen Landtag folgende An- frag« eingebracht: „In einer vor dem Landgericht Chemnitz anhängigen Be- rüfungsftrafsach« wegen Körperverletzung vom 23. Januar 1932 sind der Vorsitzende Landgerichtsdirettar B r o d a u f und«in Beisitzer LanSgerichtsrat Dr. Cohn als befangen bezeichnet und ihre Ab- l e h n u n g mtt der Begründung als gerechtfertigt erklärt worden, daß die Angeklagten Nationalsozialisten, die Richter ober Mitglieder der Staatspartei, der eine überdies Jude, seien. Trotzdem in dem Beschluß die feste Heber- zeugung ausdrücklich festgestellt werde, daß die Richter bisheriger gewissenhafter Pflichterfüllung gemäß ttn gegebenen Fall« durchaus unparteiisch urteilen würden, könne den Angeklagten doch nicht zugemutet werden, von solchen Richtern Recht zu nehmen. Wir fragen: Ist der Regierung dieser Vorgang bekannt? Billigt sie die hier aufgestellten„Grundsätze"? Wenn nein, was gesenkt sie zu tun. um dafür zu sorgen, daß sich ein derartiger, jede geordnete Rechtspflege völlig untergrabender Vorgang keinesfalls wiederholt?" Wie die �Nationalen" Hetzen. Eine deutliche Antwort. In einer jlletnen Anfrage des nationalsozialistischen Landtags- abgeordneten Kube war behauptet worden, daß Polizeimajor Witt- stein in Kollbus verlange, es dürften zu den von den Schupobeamten bezshllen Kindcrspeisungen nur Söhne und Töchter von Sozial- demokraten zugelassen worden. Wie der Amtliche Preußische Presse- dienst mttteilt, hat der preußische Minister des Innern in Beant- wortung der Kleinen Anfrage folgendes ausgeführt: „Wie in allen Standorten der preußischen Schutzpolizei ist es dankenswerterweise durch freiwillige Spenden der Polizeibeamten sett langem möglich gemacht worden, be- dürttigen Kindern täglich eine Mahlzeit ohne Entgell zu verab- reichen. D>« Kinder sind vom städtischen Wahlfahrtsamt namhaft gemacht worden. Von dem Polizeimajor Wittstein sind jelbswer- ständlich keine Wünsche dahin geäußert worden, die Auswahl der Kinder parteipolllisch zu beschränken. Ich bedauere außer- ordentlich, daß auch diese soziale Betätigung der Pvlizeibeamten aller Sparten und Dien st grade zur politischen Hetze benutzt wird." Knecht der sozialen Reaktion. Oer Scharfmacher von Gilsa entlarvt Hitler. Die Reaktion macht mobil gegen die Zlrb eiterrechte und Hitler ist ihr Lorkämpfer! Die Scharfmacher glauben nicht mehr an die Ewigkeit des Kapitalismus, sie haben vielmehr Weltuntergangs- gefühle. Je weiter die Krise vorwärtsschreitet, um so stärker wankt der Boden, auf dem sie stehen, um so tiefer dringt ins Volt die iieberzsugung, daß das kapitalistische Wirtschafts» system grundlegend umgebaut werden muß! Vor der Perspektive des Jusammenbruchs des kapitalistischen Systems sehen die Scharfmacher nur eine Rettung: die Köpf« des Volkes sollen durch kapitalfreundliche Propaganda aufs neue ver- nebelt werden und soweit dies nicht zum Ziele führt, soll die brutale Diktatur im Auftrag des Scharfmachertums zur Er- Haltung des Kapitalismus nachhelfen Das ist der wahre Sinn des Faschismus! Er ist das letzte Dollwert zur Verteidigung des brüchigen kapitalistischen Systems und zur Machtstellung des Groß- Unternehmertums. Die scheinsozialistischen Parolen der Hitler- Propagandisten sollen den Zug zum Sozialismus im Volke zu- gunsten des Unternehmertums abbiegen, die faschistische Diktatur soll die Arbeiterschaft niederschlagen. Die Organisationen der Arbeiterschaft sollen durch die Banden des Faschismus zerbrochen werden, damit die bankerotten Kapitalisten chre soziale Machtstellung nicht einbüßen. Die Scharfmacher sehen ihren Hauptfeind in den Gewerk- schaften. Einer der Oberscharfmacher, der O b e r st a. D. v. Gilsa, der vor kurzem aus der Deutschen Volkspartei ausgetreten ist, hat an seinen Freundeskreis eine Denkschrift versandt, in der es heißt: „In rein nationalen, besonders in außenpolitischen Fragen. stimmen wir innerhalb der nationalen Front überein. In wir t» > ch a s t l i ch« n und finanziellen Dingen sind noch zum Teil starke Gegensätze bezüglich des einzuschlagenden Weges vor- haitden. Wenn wir in wirtschaftlicher Hinsicht auf die National- sozialisten einwirken wollen, müssen wir innerhalb der nationalen Front eine möglichst starke privatwirtschaftlich orientierte Gruppe bilden. Nur so werden wir einen Ein- fluh auf die Nationalsozialisten ausüben können, denn innerhalb der Nationalsozialistischen Partei selbst würde der einzelne privat- wirtschaftlich Denkende sich zur Zeit nicht durchsetzen können. -Senn Hitler und sein wirlschaslsstab wirklich die feste Absicht haben, den Sera des privatwirlschaftlichen Systems unangetastet -.u lassen, so werden sie e» auch leichter haben, ihre Leute umzu- stellen, wenn sie bei dieser geistigen Erziehung ihrer Aahäaaer aus eine starke prioaiwirtschaflliche Gruppe in der nationalen Front hinweisen können." Der Scharfmacher von Gilsa setzt sein Vertrauen auf Hitler und dessen Stab im Braunen Haufe in München. Cr sieht in ihnen die Anhänger, Freunde und Verteidiger des kapitalistischen Systems. Gilsa enthüllt die Pläne der schwärzesten Sozialreaktion, zugleich aber auch die wahre Rolle Hitlers. Hitler ist für die Scharsmacher der faschistische Vandensührer, den sie besolden, und der ihre Ge- schäfte besorgen soll. Durch dies Vertrauen der sozialen Reaktion wird Hitler gebrandmarkt und die Roll«, die er spielt dazu. Er ist der besoldete Degen der sozialen Reaktion. Mit Hilf« des Hitlerfchen Stabes wollen die Scharfmacher den Kampf gegen die Gewerkschaften führen. In der Denkschrift Gilsas heißt es weiter: „Wir werden unser« wirtschaftspokitische Aufgabe nur er- reichen können im Kampf« gegen die Gewerkschaften. Hier fällt auch vor allem die Entscheidung zwischen einem ver- ständigen Individualismus und dem sich immer mehr ausdehnen- den— siehe letzte Notverordnung— Kollektivismus. Der politische Etnfwß und die Monopolstellung bat Gewertschosten müssen ge- brachen werden." Es ist die stärkste ge-lbe Offensive, die mit Alls« Hitlers vorgenommen werden soll, aber es ist eine Offensive eines sterbenden Systems! Mit Entsetzen steht man im Scharfmacherlager, daß nicht nur die freigewerkschastlrchen Bergarbelter, sondern auch die chrtst- sichen Gewerkschaften grundsätzlich Kurs nehmen auf die Derstaat- lichung des Bergbaues, daß sie die Lehren aus den wirtschaftlichen Ereignissen der letzten Zeit und aus der Krise ziehen. Die Forderung der Verstaatlichung des Bergbaues ist in der Tat ein Angriff, der auf die stärkste wirtschaftliche Machtopposition der Kapitalisten und zugleich auf die stärkste politisch soziale Machtposthon der Scharfmacher zielt! Daß dieser Angriff gemeinsam von den freien und den christlichen Gewerkschaften geführt wird, hat die Weltunter- gangegefühle der Scharfmacher nur noch verstärkt. Die„Kolnische Zeitung" polemisiert aufgeregt gegen die christlichen Gewerkschaften und gegen den Vorstoß Imbuschs gegen die soziale Rakiion. Sie spricht von„Spritzern de» Radikalismus"— ober in dieser Forde- rung handelt e» sich nicht um einen Wortradikalismus, sondern um einen aus der Not der Zeit und der Einsicht in ihre Ursachen geborenen Radikalismus des Notwendigen. Er hat eine Forderung ausgesprochen, deren Verwirklichung die Kapitalisten nicht werden oerhindern können— weder sie noch ihre faschistischen Landsknecht«. Der Degen der sozialen Reaktion wird an der not- wendigen Entwicklung zum Sozialismus hin zerbrechen! Graf Helldorf ohne Sorge. Oer Bruder als Geisel. Faschistische llnterdrückungsmethopen. Bon der italienischen Grenze wird uns geschrieben: Di« faschistische Polizei hat neuerdings in Turin eine größere Anzahl von Intellektuellen— Anwälten, Aerzten, Gelehrten und Studenten— verhastet, die nach berühmtem Muster eines „Komplotts" gegen die Sicherheit des französischen Staates be- schuldigt werden. Unter denen, die verhaftet werden sollten, befand sich der Jurist Aldo Garvsci. Dieser hatte aber inzwischen auf Grund eines Auclandspasses Italien verlassen, so daß die beiden Haussuchungen in seiner Wohnung negativ verliefen. Die Polizei rächte sich dafür, indem sie den Bruder des Gesuchten, den Ingenieur Rems Garosci, verhaftet«. nach Rom transportierte und seit Wochen in Gefangenschaft hält, obwohl chr durchaus bekannt ist, daß er a b f o l u t unpolitisch ist und mit den antifaschistischen Bestrebungen seines Bruders und dessen Freundeskreises niemals etwa» zu tun hatte. Aber man hofft. durch die Festnahme seines Bruders Nemo den Juristen Aldo moralisch zu zwingen, nach Italien zurückzukehren und sich dem Sondergericht zu stellen. Wenn er es nicht tut, will man den un- schuldigen Ingenieur durch unbegrenzte Hast oder Deportation dafür bestrasen, daß er der Bruder eines Antifaschisten ist. Das ist nicht der erste Fall dieser Art. Als es dem be- kannten Antifaschisten Roselli gelungen war. aus der Depor- tationsinfel Lipari zu flüchten, rächte sich die italienische Behörde, indem sie dessen Frau und dessen Bruder verhaftete und wachen- lang gefangen hielt. Aehnlich wurde die Braut eines der Ange- klagten im Mailänder Jntellektuellenrpozeß. Fräulein Bevi- lacqua. drei Monate lang gefangen gehalten, obwohl gegen sie politisch überhaupt nicht» vorlag. In Turin wurde der Eohn des oppositionellen Unioersitätsprvfessors und Kunstkritikers Lio- nello Venturi kürzlich verhastet, obwohl er fast noch im Knabenalter steht, nur um den Bater zu peinigen. Da» ist FafchUmu»! »Kameraden, fürchtet euch nicht vor dem Weibsbild! Oie hat zwar'n Schwert- dafür ist sie aber blind!� Cm politischer Meineidsprozeß. polnischer Lehrer in Giolp angeklagt. In der hinterpommerschen Stadt Bütow lebt der 27jährige Jan Bauer als polnischer Voltsschullehrer. Die Errichtung von Minderheitsschulen für die Polen in Preußen beruht aus der preußischen Verfassung, einer Ausführungsverordnung und einem deutfch-potnischen Abkommen, dessen Zweck es ist, diesen Schulen auch die nötigen Lehrer zu verschasfen, deren es unter der polnischen Minderheit in Preußen nicht genug gibt. Jan Bauer soll nun in einem Prozeß gegen den Gemeindevorsteher Zimmermann in Oslawa-Dammerow wahrheitswidrig beschworen haben, er sei weder polnischer Agent noch habe er sich in polnisch-nationalisti- schem Sinne betätigt. Wegen dieser Zeugenaussage hat nun die Staatsanwaltschaft in Stolp die schwere Anklage des Meineides gegen Jan Bauer erhoben, gegen die er sich jetzt vor dem„Schwur- gericht" in Stalp zu verantworten hat. Die Verteidigung hat alle Richter, die dem Stahlhelmlager oder anderen rechtsstehenden Ver- bänden angehören, aber auch HM Vorsitzenden Dr. Schröder ab- gelehnt: im letzteren Falle ist die Ablehnung damit begründet worden, daß Dr. Schröder sich m diesem Verfahren schon als Unte-rsuchuugsrichter betätigt Hab«, da er üb« den Haft- entlassungsantrag entschied« hat und daß er selbst in dem Prozeß gegen Zimmermann Vorsitzender gewesen ist.«««wogen er In dem jetzigen Meineidsprozeß einer der wichtigsten Tat- zeugen sei, also nicht zugleich den Vorsitz führen könne. Der Vorsitzende und die anderen abgelehnten Richter erklärten sich als nicht befangen und so wurden dte AblehnnngsontrSge abgewiesen. Die Verhandlung dreht sich zum großen Teil darum, ob Bauer Eltern überredet hatte, chre Kinder in polnisch« Schulen zu schicken, ob er sich weiter durch Gründung mehrerer polnischen Schulen als Agitator betätigt habe ob nicht auch sein« Tätigkeit als Sekretär des Polenbundes in Bütow, als Vorstandamitglied der polnischen Aanka Ludowy(Volksbank) und als polnifch-kachollscher Kandidat für den Kreis- und Provinziallandtag diese Agitation beweist: auch das Versprechen an Eltern, daß das Schulgeld und die Lehrmittel vom Schulverein bezahlt würden sowie die Beschaffung von Bant- darlehen und Unterstützungen an polnische Besitzer und Eltern soll da» Agitatorentum beweisen. Bauer bestreitet die meisten dieser Behauptungen: er habe nur Aufklärungsarbeit gegen anttpolnische Agitation getrieben. In der Zeugenvernehmung beschuldigten der Gemeindevorsteher imd Staatsförster Zimmermann sowie der Landjäger Musol den Jan Bau«, daß erst sein Eintreffen in Oflawo-Dam- merow Erregung in die bis dahin ganz deutfchgestnnt« Bevölkerung gebracht habe. Der Gendarm sprach u. a. auch von geheimen Zusammenkünsten und daß polnische Kinder deutsche Kinder mit Steinen beworfen hätten. Sowohl der Gendarm wie auch«in Gastwirt Siloester Adamczyk bekundeten, Jan Bauer hätte auf einem Vortragsabend gesagt, auf diesem Boden sei ehemals polnisches Blut geflossen und die Grenze müßte eigentlich bis zur Oder un" nach Stettin reichen. Zufolge dieser Rede seien Gerüchte afffmbm, Pole« würde bald von Pommern Besitz ergnelfen. Auf Wunsch der Vereidigung wiederholt» Adamczyk s«b>» La»« sagen auch auf polnsich, i»doch im gleiche« Ginne, wie er sie vorher deutsch gemacht hatte. Jan Bau« bestritt die Richtigkeit dieser Behauptungen uns«widert«, erst da« Etngreiseu des Herrn Zimmermann hätte Aufregung in den Ort gebracht. Es kann unmöglich dem Frieden im Osten dienen, daß wegen solcher lokalen Streitigkeiten die furchtbare Zuchthausdrohung des Meineidsparagraphen gegen einen Führer der Minderheit gerichtet wird— jenes Meineidsparagraphen, d« schon so viel« Menschen aus geringfügigen Ursachen in das schwerste Elend gestürzt hat! Was ist übrigens ein..polnisch« Agent"? Und was ist„Be- tätigung in polnisch-naiionalistischtm Sinne"? Der Angeklagt« mag diese Begriffe anders auffassen als sein« Ankläger und seinen Eid im besten Glauben geleistet haben. Und darum Meine ibsklago. Zuchthausdrvhung!? Baum gegen Krick. Kein legaler Staatsakt'- Es bleibt beim Dorvmrf der Illegalität. Weimar. 10. Februar. Staatsminister Baum veröffentlicht eine Erklärung, in der er sich auf den Straf an trag bezieht den der frühere thüringische Jnnenminist« Dr. Frick gegen die„München er Neuesten Nachrichten" wegen Beleidigung gestellt hat, weil das Blatt die Bemühungen des Dr. Frick um Einbürgerung Hillers auf dem Wege der Ernennung zum Polizeikommissar von Hildburghausen unter der Ueberschrift„F r i ck s unwürdiger Schiebungsversuch" veröffentlichte. Dr. Frick hat zu diesem Strafantrag bemerkt, die nationale Regierung in Thüringen habe seinerzeit durchaus kein Verständnis dafür gezeigt, die Frage von sich au» im deutschen Sinne zu erledigen, so daß ihm(Frick) nicht» andere» übrig geblieben sei, ols selbst die Lösung in eigener Zuständigkeit zu versuchen. Staatsminister Bcnun sieht sich veranlaßt, dazu das Folgends zu«klären: In der Zeit, als Dr. Frick die Frage d« Einbürgerung Hitlers auf dem Wege der Beamtenanstellung in Thüringen zur Erörterung stellte, habe das gesamte thüringische Kabinett Seite an Seite mit Dr. Frick und den Nationalsozkalisten für die national- sozialistische Gleichberechtigung bei der Beamtenanstellung und gegen die Maßnahmen des Reichsinnenministers Dr. Wirth auch in der Angelegenheit der von Frick empfohlenen Schulgebete gekämpft: Baum habe damals dem Dr. Frick gegenüber, als dieser in einem persönlich geführten Gespräch den Wunsch auf Einbürge- rung Hitlers in Thüringen berührte, die Berechtigung des Wunsche« unumwunden anerkannt. E» heißt dann weit«: Allerdings habe ich Herrn Dr Frick. al» dieser mit dem Ge- danken der Berufung de« Herrn Hiller in ein bei der Staallichen Bauhochschule sreigewordenes Amt hervortat, auf die im Kabine tl zu erwartenden Schwierigkeiten hingewiesen. Dl» darauf- hin vom Staatsminist« Dr. Frick an mich gestellte Zumutung, g e- meinsam mit ihm unter Aueschaltung de» Kabi- nett» Herrn Hitler ein Staatsamt zu übertragen. Hab« ich zurückgewiesen. Es geschah die» vor der Kabi- nettsfitzung vom IL. April 1930. in d« mit Stimmenmehrheit die Antwort auf eine Kleine Landtagsanfrage dahin festgestellt wurde, daß es das Staatsministerium ablehne, Herrn Hill« die thüringische Staatsangehörigkeit durch eine pro-korme-Berufung in ein Amt zu verschaffen. Dies ist der wahre Sachv«halt und aus ihm ist zu ersehen, daß dl« Behauptung des Herrn Dr. Frick, ich halle kein Verständnis für die Elnbürg«ung Hitlers gezeigt, den Tatsachen widerspricht. Für mich könnte bei ein« etwaigen Einbürgerung des Herrn Hill« nur der gerade, offene, legale, d« wahrhaft deutsche Weg, niemals aber ein« Scheinmaßnahm« in Frage kommen. Die neuerliche Behauptung des Herrn Dr. Frick, daß er sich um einen legalen Staatsakt, also um eine abgeschlossen« Handlung gehandelt habe, widerspricht sein« voraus» gegangenen Erklärung, daß die Anstellung nicht zustandegekommen sei. Ich erblicke ein« nichtloyal« Handlung de» Mini st er» Frick besonders auch darin, daß dte Anstellung durch ihn versucht wurde, ohne dem Vorsitzenden Minist« bei der damals durchaus einhelllichen Kampfgemeinschaft von der Durchführung sein« Absicht irgendeine Mitteilung zu machen. Ver Reichvlagsausschuh für Kriegsbeschädigten fragen ist für Donnerstag, den 18. Februar und die fvigenden Tage einberufen worden, um in Gegenwart von Kommissaren der Reichsregierung Petitionen zu beraten 24 iMllioaeu neue Fünswark. Stücke. Der R«ich»rat wird sich in seiner nächsten Plenarsitzung am Donnerstag, dem 11. Februar, mit einer Reih« von Vorlagen d« Reichsregierung zu beschäftigen haben. Hervorzuheben ist die Anweisung über di« weit«» Wwprägung von Reichs-Silbermünzen im Nennwert von fünf Reichsmark. Wie das Nachrichtenbüro des D.DL. hierzu hört, handell es sich dabei um die Ausprägung von Fünf-Mark- Stücken im Gesamtbetrage von 120 Millionen Reichsmark, die jedoch kein neues Kontingent darstellt, sondern lediglich eine weitere Rate auf die bereits vor länger« Zell bewilligte Neuausprägung von Sllbennünzen. Da» wahlprüfunqsgecllbl beim Relchskag ist für den 20. Fe- bruar einberufen worden. Zur Prüfung stehen die Wablc-acdmffe für di« Wahlkreise Ostpreußen, Sachsen und Dürttemberg-Badeu. Hitler befiehlt Sturm. Die Beiriebe und die Gewerkschaften sollen erobert werden. Wer den Arbeiter hat, hat Deutschland. Ohne den Arbeiter geht es nuht. Die Feinde des Arbeiters wissen das sehr gut. und deshalb soll die Razibewegung den Kampf um den deutschen Arbeiter, koste es, was es wolle, durchfechten. Dieser Kamps wird jetzt von den Phantasten im Braunen Haus in die Betriebe getragen werden. Strategisch wollen sie die Eroberung der Betriebe durch den Aufbau einer B e- triebszellenorganisation führen. Eine ganz olle kommu- nistische Kamelle. Für diese Organisation ist mit Wirkung vom I. Januar ab eine Reichsbetriebszellenabteilung ein- gerichtet worden. Wie sie arbeiten soll, geht aus einer Anord» nung des Reichsorganisationsleiters der Nazis an alle Ortsgruppen- und Stützpunktleiter der Nazibewegung hervor, von der sich eine Wschrift in unseren Händen befindet. Der Betriebszellenvorswß der Nazis wird damit begründet, daß jetzt erst das Vorfeld im Kampf gegen den Marxismus freigemacht worden fei. Bisher haben wir immer gehört, der Sieg Hitlers stehe „unmittelbar bevor". Schon vor mehr als einem Jahr wurden die Nazigetreuen damit vertröstet, daß spätestens im Februar die Sache zum Klappen komme. Nun heißt es, jetzt sei erst das„Vorfeld" frei. Jetzt gehe es zum Hauptangriff gegen den eigentlichen Gegner. Das schwerste Stück Arbeit, der Angriff gegen die Stellung der Gewerkschaften in den Betrieben, muß also noch bewältigt werden. Der Kampf in den Betrieben soll durch„ideelle Ueberwindung" des marxistischen Geistes durchgeführt werden. Das ist ja ganz etwas Neues Geist war bisher bei der Hitlerbewegung nicht die Spur zu entdecken. Ja, wenn das so leicht wäre! Schon vor fast hundert Jahren hat Heinrich Heine darauf aufmerksam gemacht, daß in Deutschland die freie sozialistische Bewegung die Zukunft habe, weil sie den Menschen von innen her packe, well für den deutschen Arbeiter die soziale Frage keine bloße Hungerfrage sei, well der deutsche Arbeiter nicht mit einem Blutegel verglichen werden könne, der. wenn er satt sei, abfalle. Für den gewerkschaftlich organisierten deutschen Arbeiter ist die soziale Frage auch eine Frage der wirtschaftlichen und geistigen Freiheit. Leute, die, wie aus der Anordnung des Reichsorgonisations- leiters der Nazis hervorgeht, sich jetzt schleunigst mit dem Betriebs- rätegesetz, dem Arbeitsgerichtsgesetz,- dem Gesetz über Arbeits- Vermittlung und Arbeitslosenversicherung, der Reichsgewerbeordnung, der Reichsoersicherungsordnung usw.„vertraut� machen sollen, können einem jahrzehntelang gewerkschaftlich organisierten Arbester nichts erzählen. Den Gewerkschaften kann es nur recht sein, wenn die Nazis jetzt die Betriebe auf dem Wege der„ideellen Ueberwindung" des Marxismus«robern wollen. Sie müsien dabei aber sehr gut aus- passen, sonst geht es ihnen wie so manchem Marxistentöter der, je mehr er sich in die Gedankenwelt der modernen Gewerkschasts- bewegung vertiefte, aus einem Saulus ein Paulus wurde. Der Bazisturnibefehl auf die Bckriebc besagt im wesentlichen folgendes: Das Vorfeld für den beginnenden Hauptkampf mit dem Marxismus ist von den bürgerlichen Parteien aller Schattieru igen g« r ä u m t worden. Die ganze Stoßkraft der Parteien kann sich nunmehr auf den Marxismus mst oem Ziele feiner ideellen Ueberwindung und organisatorischen Zerscklagung richten. Eine vollkommene Zerschlagung der Organisation des Marxismus ist nur möglich durch eine voraufgegangene ideell« Ueberwindung der marxistischen Theorien. Die NSBO.(Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation) soll keine Ueberleiwng zur Bildung eigener Gewerkschaften sein, da diese sich tatsächstch„gegenüber den bestehenden festgefügten und traditionellen Gewerkschaften aller Lager kümmerlich ausnehmen" würden. Die historische Aufgabe der NSBO. wird darin besiehe«, die Betriebebelegschaften vom Marxismus zu lösen und sie für den Nationalsozialismus zu organisieren. Das wird gelingen, denn die Industriearbeiter- und Angestelltenschaft-st nicht lüstprozentig marxistisch organisiert. Schließlich muß die NSBO. eine einzige große Schul« und Vorbereitungsanstalt für die Spezialfragen der Gewerkschaften und des Wirt- lchaftrprozesses übe. Haupt sein. Der in dieser Schule geschaffene Stab muß dann den Sturmtrupp bilden, der l ei der Crobe- rung der politischen Macht, unterstützt durch die Mafien gesinnungs- mäßig vorgebildeter Sympathisierender. d'e Gewerkschaften besetzen muß. Inzwischen formieren sich in den Betrieben die gewerkschaft- lichen Hammerschaftcn und rechen sich ein in die Eisern« Front. Die Freien Gewerkschaften und die in ihnen organisierte Arbeiterschaft haben nie den Kampf gefürchtet. Die Unternehm«? haben gegen sie die Gelben vorgeschickt, die KPD. hat sie durch die RGO. zu sprengen versucht. Wenn nun auch noch der Gendarm durch Fricks verunglückte Schiebung zum Sturm gegen die Gewerk- schaften bläst, dann fallen auch bei denen, die noch welche haben konnten, die letzten Zweifel. Her zur Emheitsfront in der 6 fernen Front? nicht stattfinden konnte«. Die erst« Fühlungnahme des Mnisterwm- mst den Ländern hat gezeigt, daß auch von dorther den Reform- planen starke Widerstände erwachsen. Die Unternehmer haben, wie man jetzt berests ganz deut- sich beobachten kann, an einer wirklichen Reform, d. h. an einem zweck- und sinnvollen organisatorischen Umbau der Sozialversicherung kein Interesse. Sie wollen Renten- a b b a u. Das ist für sie die Hauptsache. Ganz kroß tritt das vor allem in der Unfallversicherung zutage. In ihr gibt es starke und schwache Berufsgenossenschasten, da die Krise sich in den verschiedenen Berufen verschieden stark aus- gewirkt hat. Von einer G e m e i n l a st zur Stützung der schwachen Berufsgenossenschaften will man aber auf Unternehmerseite nicht viel wissen. Sobald die Frage der Gemeiillast angetippt wird, erklären die Herren, es gehe den Berufsgenossenschaften im großen und ganzen gar nicht schlecht. Auch von einer Sanierung durch Abbau der übergroßen Verwaltungsspesen will man noch immer bei den Unternehmern nichts wissen. Aber Rentenabbau, wo- möglich bis zu 20 Proz., den jordert man! Diese Forderung ist geradezu eine Herausforderung, nachdem die Notverordnung die Unfallrenten schon sürchtersich stark mitgenommen hat. In der Invalidenversicherung möchten die Behörden in Ländern und Provinzen noch mehr Einfluß, statt sich mit einer Zusammenfassung und Vereinfachung des komplizierten organisatorischen Apparates abzufinden. Das Reich will Einfluß, weil es. wenn Not am Mann ist, helfend einspringen soll. Alle wollen Einfluß— nur von dem Einfluß der Versicherten ist kaum die Rede. Gerade die Stärkung dieses Einflusses aber wäre eine Hauptaufgabe für eine Sozialrcform, die diesen Namen verdien:: denn die Stärkung des Einflusses der Versicherten ist ein bis heute noch nicht eingelöstes Versprechen der Verfassung. Eine„Sozialresorm", die in nichts anderem als in einem neuenRentenabbau und vielleicht noch einer Verschlechterung des Streitoerfahrens bestünde, kann uns gestohlen bleiben. Wenn schon reformiert werden soll und muß. dann kein« Pfusch- arbeit! Eiegeszug der Eisernen Front. Die Buchdrucker halten Schritt. In einer von der SPD.-Fraktion der Reichsdruckerei nach den Arminhallen einberufenen, ausgezeichnet besuchten und von Kältender Stimmung getragenen Versammlung sprach Genosse Stelling über die Ktfgaden der' Eksernen Front. Die prächtige Kundgebung wurde von klangschönen Freiheitschören des von Angehörigen der Reichsdruckerei gebildeten Gesangvereins„1307" stimmungsvoll umrahmt. Genosse Stelling oerstand es, durch sein« mst begeistertem Schwung vorgetragenen Ausführungen die all- gemeine Zustimmung der Versammellen zu erringen. Er kennzeichnete die wirtschaftspolstische Laie, die das Auf- kommen der Nazis begünstigte, die sich nun als llnternehmerknechte betätigen. Fünf Millionen Mark oerbrauchte der Gendarm von Rappelsdorf monatlich für seine uferlose Agitation und um dein Dalles der Nazibläller abzuhelfen. Diese Gelder bezieht er zum weitaus größten Teil aus den Kassen der Unternehmer, denen er dafür die Zerschlagung der Gewerkschaften verspricht. Nach dem Willen der Nazis soll der Unternehmer wieder Herr im Hause sein wie einst. Begeistert stimmte die Versammlung zu, als der Redner erklärte, daß es den Nazis nicht gelingen werde, den Gewerkschaften den Garaus zu machen. Vereint stehen bereit zur Abwehr und zum Angriff Gewerkschaften. Partei, Arbestersportler und Reichsbanner. Große Hesterkeit rief die Darstellung der Rassenzuchtabfichten der Nazi? hervor und ein Sturm der Begeisterung durckstobte den Saal, als der Redner zum Schluß darauf hinwies, daß die freiheitlich gesinnte Arbeiterschaft Gewast gegen Gewall setzen werde. D e Meiallbetriebe im Osten und Norden. Eine glänzende Versammlung im überfüllten„Bürgerpark" tu Oberichöneweide fand am Dienstagabend für die Arbeiterschaft des Kabelwerks Oberspree, der NAG., der Akkumülatorenfabrik und von Telefunken statt. Genosse R e! ß n e r, M. d. R.. referierte unter allgemeinem Beifall. Das Eiserne Buch wurde fleißig benutzt. Keine Gegner Einen ebenso harmonischen Verlaus nahm die Versammlung am Mittwoch in den Pharussälen für die Arbeiterschaft von Bergmann-Seestraße, Dr. Max Lewy und die Metall- betriebe zwischen See- und Müllerstraße. Auch hier sprach Genosse R e i ß n e r und erntete ungeteisten Beifall. In das aufliegende Eiserne Buch trugen sich alle ein, die bisher noch nicht ihren Anschluß an die Eiserne Front vollzogen hallen. AES-Hennigsdorf für Eiserne Front. Im Rahmen der Eisernen Front referierte der Genosse Albert Folkenberg in einer Belegschaftsrersamnilung der AEG.-Hennigs- dort. Seine Ausführungen endeten in der begeistert aufgenommenen Aufsorderung, die Einheit-ircnt zu hämmern durch den restlosen Anschluß an die Eiserne Front. In der Diskussion meldete sich der kommunistische Reichstags- abgeordnete Walter zum Wort, um gegen die Eiserne Front anzurennen. Dem Genossen Falkenberg war es ein leichtes, in oftmals recht humorvollen Worten diese Ausführungen zu wider- legen. In treffendster Weise zeigte er auf, in welch starkem Maße sich die Kommunisten durch ihre widersinnige Politik als die Steig- bügelhaller und Helfershelfer der Nazis betätigt haben. Mst einem brausenden.chjocht" auf die Eiserne Front nahm diese«indnicksoolle Kundgebung ihr End«. Eiierne Front km Friednchsham. Beamte, Angestellte und Arbeiter des Bezirksamts Friedrichshain reihten sich am Dienstagabend mst einer über-! aus imposanten Kundgebung in die Eiserne Front«in. Der> große Saal der Andreasfeslsäle war bis zum letzten Plag besetzt.! Der Bürgermeister des Bezirks, Genosse M i-e l i tz, sprach, oft van stürmischem Beifall unterbrochen, zu seinen Mitarbellern. Die Kennzeichnung der nicht immer moralisch ganz einwandfreien Nazi- führcr, die von ihrer Partei geförderte Rauf- und Mordsucht gegen- ü'. er atrcersdenkenden Volksgenossen und der von den Führern systematisch betriebene Dernu der Errungenschaften der deutschen Arbester-, Angestellten- und Beamtenschaft haben«inen ungeheuren Eindruck bei allen Bersammlungst-ilnehmern hinterlassen. Kampf- lieber, vorgetragen von dem Tambourkorps des Reichsbonners, haben dem Ernst der Stunde eine besondere Weihe gegeben. Knecht oder böses Gewissen? „Rote Einheitsfront oder Eiserne Front", lautete das Thema einer öffentlichen Versammlung, zu der die KPD. gestern abeud nach dem„Mohren", Jerusalemer Straße, eingeladen Halle. Eine Gruppe Reichsbannerleute, erkenntlich an ihren Nadeln, wollte sich den Rummel anhören. Der Zutrill wurde ihnen jedoch ver- weigert. Nur wer sich nls Mitglied der KPD. oder der RGO. auswies, erhielt die Erlaubnis, der„öffentlichen" Versammlung beizuwohnen. Da verfiel einer der Reichsbannerleut« auf«in« Kriegslist. „Mensch", sagte er zu einem der Türhüter,„wir sind doch nur gekommen, weil wir wissen, daß der Siurm 24 der SA. drin ist." Darob Erbleichen der kommunistischen Wachmannschaft:„Ra, denn schnell rin!" Hohnlachend zogen die Reichsbannerleute ab. Bei der Auswahl ist es nicht verwunderlich, daß zu Beginn der„öffentlichen" Ver- sammlung nur etwa 40 Personen im Saale waren. „Sparsame" Hausfrau. Zhre Hausangestellten mag der Staat bezahlen. Rot macht erfinderisch und so ist jene Sorte von„Gnädigen", die infolge der Wirtschaftskrise sich etwas einichränken muß. auf folgenden ingeniösen Einfall gekommen: Man offeriert den Haus- angestellten Schläfgelegenheit gegen morgendliche Hausarbeit, läßt sich aber wich gern« zur Spende eines Mittagessens herbei, wenn sich die Hausangestellte auch des Kochens und der Küchen- reinigung annimmt: unter Umständen lajien sich cbcifto bezüglich Vesper und Abendrot gegenseitige Vereinbarungen treifen und schließlich hat der„Trampcl" dann glücklich die ganze Arbeit nur iür Kost und Logis, ohne jeden Barlohn und ohne Leistung sozialer Abgaben geschasst. Oder aber, Madame vermietet sämtliche„Appartements" einschließlich des Mädchenzimmers, so daß sich keine Schlafzelegeichcit bietet, dann kriegt das Mädchen„volle Pension" und, ein kleines„Trinkgeld"— sagen wir 10 M. monatlich—, womit die Gnädige dann wiederum ihre sämtlichen Verpflichtungen erfüllt hat! Das alles wäre ja an und für sich Angelegenhest der Beteiligten, wenn die Sache nicht folgende Bewandtnis hätte: Viele der Mädchen. die Estern oder sonstige Angehörige und somst einen festen Wohnsitz am Orte haben, beziehen naturgemäß bei eingetretener Arbeitslosig- keit chre Unterstützung und wenn sich chnen sonst„einträgliche Stellung" Hietet, denken Sie nicht im Traum daran, chre Untc! stützung fahren z» lassen. Sie„helfen" nebenbei, verrichten oCG Schwarzarbeit! Dazu aber gehören eben zwei, der ander« Teil sind die„klugen" Hausfrauen, die aus der Not der Mädchen für sich„eine Tugend" zu machen wissen. Soläze Vorkommnisse sind natürlich nur bei solchen Stell enve rm illlunz e n mög- lich, die unter Umgehung des Arbeitsnachweises erfolgen. Beim Arbeitsnachweis wird bei irgendweicher Vermittlung die Stempel- karte einbehasten. An zuständiger Stelle ist man über dies« Schiebungen gehörig informiert und der Beirat für Hauspersonul, dem Vertreter der Arbeitgeber, und Arbeitnehmerorganisationen angehören, wird solchen Fällen nachgehen und seine Maßnahmen treffen. Jtder Mißbrauch der Arbeitslosenunterstützung muß unterbunden werden. tZ�Freie Gewerkfchafts-�uaend Rsrlin Drnnerstaa, 11. Zebriun, um 19>4 u Iuacndhcim SR«i(* �-----| — Trmlnlhol »eichender« er Str. dt, tagen di» Idruppen: ...W.. W.. om Lächeln au» Jugendhelm Lnzeum(Sccmoittr.fi t, 4—6. Der Reform der Sozialversicherung? Oder gefährliche Pfuscharbeit. Das Reichsarbestsministerium Hai bei seinen Sozial- r« f o r m p l ä n e n mit grcßen Schwierigkeiten zu kämpfen. Das ist mst ein Grund, warum die in Aussicht genommenen Besprechun- gen des Ministeriums mit den interessierten Organisationen noch Leine «üdoste»! Jugcn! eugong eefetgt durch den Hingang DShstraß« out der fittrtere» Sorte der Schul-. „Wir fchouen hinlec Unfiom trauern."— äReodit: Sugendheim Leheter Straße 18—19.«tompflicterobend.— Staakent Viigeutcheün 17. Bolleschul«, Gorieustodt, Kircholotz, chndholteftevc Aulcdu» 31. 318.— Schont- ansei Tort ?uzeudheim Xicdftc. 18.„Situ Stunde Humor mit cSutßcü."— Lichtcnbcrg: "' f"—!■" Terkehrsmefeu.-'— Gesundbrunnen: lt. 3.„Die Wirtschaft des H�chl-ni- ..... Laufetur Str. ü(Rotes Zimmer). gehe» Baden.— gäoenilt: Sugendheim Grüttauet Str. 3(3Jöfie Bhf Spincler.» fett). Wir feiern unfern Geburtstag.— Osttrei-t Jugendheim Frontfurlcr Ale« Ml. SrcismSdchengbettdt„Fraueu und Mutterschutz."— Geuteelschafis- banst Jugendheim Gewctkfchaftshaus, Sugelufer 24—25, Saal 9.„Humor und Frohsinn.— Zngcndgruppc des Dentfchon Belleidunqsaebeiternrrbande?: litZj Uhr Jugendheini Sedaflionftr. 37—38: BcettfnicTobcud.— Jnqcndgrr.pi:- des Deutschen Tertilarbeiterncrbandcst 19 Uhr. Sitzungefoal der Ortsoerrnol- tung, Sugelufer 24—23, 3 Trepnen: Allgemeiner Spielodend.— Ztt-Krdoruop- de« Bortaudc,»er sTotitnugsmiüet. und»eträulrorbettert Neue Schönhoufer Allee 4—5.„Unsere Sturm, und Dronzzeit." f�uaendoruppe des?entralverbaudes der fUnoelfeUfen Heute, Donuerslag, finden folgende Beranstoltungen statt t Pcalcnt» Ntedertchimhausent Jugendheim Gorfchftr. 14 sgroße, Zimmer). Bor. trag:„Reue Zeit— neu« Menschen�. Referent: Rochow.— Siorden: Irgend. h-im Lortziugftr. 19.„Das Werbegefpräch."— Osten- Jugendheim der Schul» Litauer Str. 18. Bcrtrag:„Bas versteht man unter Renoltttirn der moternen Jugend?' Referent: Deigelt.— Treptow: Jugendheim(klfenstr. 3(Gartenhaus). Brettspielabend.— Die„Freie Angestelltenbant e. G. M. U. H.' togi heute von 23— 22 Uhr im Verbandshous.— Heute findet um 29 Uhr im gehen Sitzungssaal unseres Berhaudshaufes die Iugeudfunltiouüroorfatitmlurz statt. Perlag: Vorwärts. Berlog G. m. b. H., Berlin. Druck: Borwärto.Bttchdrrckerei und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW. 68, Liudenstroße 3. Hierzu 2 Beilage». MACGI J>reiss£M�uU�: 5 Würfe! jetzt nur noo Nr. 69» 49. Jahrgang -1. Beilage des Vorwärts Donnerstag, ii. Februar 1932 Nördersuche Del Oranienburg. Die Mütze des ermordeten Bierkutschers gefunden. Die Berliner ZNordkommission und die Landjägerei des Kreijes Iliederbarnim jehlen am Millwoch die Streifen durch die Gegend van Summt fort, um Spuren zu finden, die zur Ermilllvng der Mörder des 27jährigen Bierkutschers Reinhold Müller der Schullheih-Pahenhofer-Brouerei zu finden. Zwei Silomeler vom vermutlichen Tatort, der Schlagbrücke über die Briese, entfernt fand man im Walde die Mütze Müllers. Die Töter haben wahrscheinlich davon gemuht, dah die Bierkutscher vielfach die Gewohnheit haben, gröheres Papiergeld hinter dos Schweihleder ihrer Mühe zu stecken, sie haben Müller erfchoffen, ihm die Mühe vom Kops gerissen und sind dann wahrscheinlich geflüchtet, ohne die Geldtasche Müllers zu durchsuchen, in der noch ein Teil der von Müller einkassierten Gelder gesunden wurde. Alts Tatort kommt die Schlagbrücke, die über die Briese führt, in Frage, hier ist der Schuh aus Müller abgegeben worden, der diesem ins herz drang und sofort tötete. Mit Unterstützung der Ortspolizei und begleitet von einigen Suchhunden sind die Beamten der Mordkommission die Wege zurück- gegangen, die Müller vor seiner Ermordung passiert hatte. In der Nahe der Schlagbriickc sand man einige Geschäftspapiere, die Müller mit sich geführt hatte. Es scheint einwandfrei sestzu- stehen, daß Btüllcr den tödlichen Schuß unmittelbar in dem Moment erhallen haben muß, als er mit seinem Wagen die Brücke passierte. Hier hat er aus einem Versteck heraus den Schuß erholten. Das@4 schoß wurde noch in seinen Kleidern gefunden. Die Sachverständigen haben es untersucht und festgestellt, daß es ein ll-Millimeter-Geschoß aus einer Parabellumpistole ist, die noch aus der Kriegszcit stammt. Nach weiterem Suchen fand man auch im Schnee die Patronenhülse. Reinhold Müller hotte am fraglichen Abend bereits eine Tour nach Zühlsdorf hinter sich. Er fuhr nicht nur Bierfässer, sondern auch Bier in Flaschen und in losen Mengen aus. Er hatte dos Bier überall abgeliefert und führte das einkassierte Geld in einer Tasche mit sich. Der oder die Mörder sind aber nicht zur Beraubung oc kommen. Die Brücke über die Briese ist nicht sehr breit, so daß Müller langsam fahren mußt« und auch keine Gelegenheit hatte, eventuell auszuweichen. Außerdem gibt es in der Nähe zahlreiche Verstecke, hinter denen der oder die Täter gut verborgen auf ihr Opfer lauern konnten. Der Mord erscheint nach alledem vorbereitet zu sein. In den gestrigen Nachmittagsstunden fand in Oranienburg die Obduktion der Leiche statt, die ergab, daß der Schuß durchs Herz den augenblicklichen Tod zur Folge hatte. Wieder Uebersall auf Taxichauffeur. Der sechste in wenigen Tagen. In den gestrigen Abendstunden wurde wieder ein dreister Raubübersall— der sechste in den letzten Tagen— aus einen Droschkenchaufseur in der Oberlandstraße in Verlin-Iempel- hof verübt. Zwei Fahrgäste hatten den Ehausseur zu einer Fahrt noch Tempelhof genommen. 3n der Obertandstrahe, die in einem entlegenen Teil Tempelhos» liegt, ließen sie den Chauffeur halten und zwangen ihn mit vorgehaltener Pistole zum verlassen des Wagens. Die Täter rasten dann mit der Taxe in Richtung Berliner Straße davon und konnten nicht mehr eingeholt werden. Der Droschken chousfenr. der Ihom heißt, meldete den vor» fall sofort der Polizei. Geheimnis des Fragebogens. Bankier Fehr als Entlastungszeuge. 3m Schultheiß-Prozeß bsschäftigte man sich gestern noch zunächst mit der Frage, wer für das Verschweigen ver- schied euer Angaben auf dem Ost werkefrage- bogen des Prospektes anläßlich der Äapitalserhöhung ver- antwortlich zu machen sei. Der Zeuge F i t g e r von der Deutschen Bank gab an, daß ihm bei den Ostwerken weder von den 'Nutria- Forderungen noch von dem Kreditauftrog an die Nordhilfe Mitteilung gemacht worden sei. Die Entwürfe zum Prospekt, in denen schon diese Angaben fehlten, seien u. a. auch von Herrn Penzlin abgezeichnet worden. Der nächste Zeuge war der Bankier Fehr, früher Nor- siandsmitglied der Deutschen Bank, sowie der Deutschen- und Disconto-Bank, der zu einer Zeit, wo er schon als Privatbankier tätig war/ im Februar v. I. mit Katzenellenbogen darüber ge- fprochcn hatte, daß der Schult hciß-Kurs sich beh vernünftiger Pflege erholen müßte. Als Optimist habe er geglaubt, in diesen Aktien«in erfolgreiches Geschäft machen zu können. Einige Zeit später sei das Geschäft so abgeschlossen worden, daß ihm 4 5V 000 Aktien fest und eine Option auf den gleichen Betrag und auf weitere 500000 Mark überlassen wurden. So harte er für 1 200 000 Mark Aktien zur Verfügung, mit denen er arbeiten konnte. In den nächsten Tagen hatte er den Kursfestsetzungen der Schultheiß-Aktien an der Börse beigewohnt. Das habe Aufsehen erregt, und er habe seiner Kundschaft die Aktien mit so großem Erfolg empfohlen, daß er bald olle unterbringen konnte. Erst die Herouffetzung der Ge- meindebiersteuer um 100 Proz. lzabe der gesamten Brauereiinduskri? einen solchen Dolchstoß versetzt, daß er keine Schultheiß-Aknen mehr verkaufen kannte. Die Option auf die legten 300000 Mark sei denn aus diesen Gründen storniert worden. Im Zusammenhang mit diesem Geschäft wird Katzenellenbogen auch vorgeworfen, daß er gegen das Interesse seiner Gesellschaft, also zum Schaden des Schultheiß-Konzerns, gehandelt hatte. Zeug« Nach meinem Gefühl konnte und mußt« man Katzenellenbogen mit seiner Gesellschaft identifizieren. Nach meiner Ansicht wollte Katzenellen- bogen weder seine Gestllschast, noch meine Firma schädigen, er wollte ivfder sich entlasten, noch mich belasten. Oberstaatsanwalt Sturm: Wußten Sic, daß iür den Kanzem damals große Stützungskäufe vorgenommen worden waren? Zeuge: Als Vor- ftandsmilglied der DD-Bonk wußte ich, daß große Beträge Schultheiß-Aktien von der Danat- und Commerzbank angekauft worden waren, ohne die Einzelheiten dieser Engagements zu kennen. Ich habe auch öfter zu meinem Kollegen von Stauß gesogt:„Hier werden Käufe getätigt, was bedeutet denn das, wir sind doch Führer des Konsortiums. Es wurden uns nur Auskünfte gegeben, daß die Köpfe ins Ausland gingen... Dos war für mich ein Grund mehr, dieses Geschäft mit Katzenellenbogen zu betreiben. Denn ich war der Ansicht, daß durch diese Käufe der Banken schon«ine Marli- Vereinigung stattgesunden hatte, die einen Handel sehr erleichtert». Mit dieser Vernehmung und Aussage wurde die gestrige Der- Handlung geschlossen. Am Freirag werden die Mitglieder der Revisionskommission rnrnrnchr vernommen werden. heule„Rheingold" in der Slädtischeu Oper. Da Hans Rein- mar erkältet ist und die heutige Vorstellung von„Macbeth' in der Städtischen Oper absagen mußte, wird statt dessen„Dos Rhein- golb" in der üblichen Besetzung gegeben. Dirigent: Fritz Stiedm. Beginn 20 Uhr. Lügen über Kleingäriner. Wie die Nazis von dem Felseneck-lleberfall ablenken möchten. Mitglieder des Kleingartenvereins Freiheit III e. V., Char lottenburg, Tegeler Weg, schreiben uns: Am Sonnabend brannte die Wohnlaubc des Kleingärtners Bischof, Siemensstadt, Kolonie Freiheit in, ab. Nach Angaben des 14jährigen Sohnes ist das Feuer wahrscheinlich durch ein schadhaftes Ofenrohr entstanden. Dos Ofenrohr wies feit 14 Togen«in handgroßes Loch ani.. Disfeibcn Angaben inachte Bischof der Feuerwehr und der Polizei. Der„Angriff' vom 8. Februar 1932 bringt diesen Vorfall jetzt vollkoimnen rvahrhcits- widrig und hetzcriich zur Darstellung. Die Ueberfchrift lautet„Kam munistifche Brandstifter! Wohnlaube eines SA.-Mannes abgebrannt. Rotmordbandit provoziert die Helfer.' In dein Artikel wird der Verdacht ausgesprochen, Kommunisten hätten die Fenster aufgestoßen und die Gardinen angezündet. In der varhergehendeii Nacht seien schon die Fensterladen abgerissen worden. Bei Aus- bruch des Feuers hätte sich Bischof mit seinen vier Kindern im Wohnraum der Laube befunden, als ihm die Flammen ans der Küche entgegenschlugen. Demgegemrbcr sagte der llfährige Sohn ans, die Kinder hätten sich allein in der Laube befunden und hörten immer knistern, sie dachten aber, ihr Vater hantiere draußen. Das ist ein unlösbarer Widerspruch. Weiter seien Kolonisten, die zur Hilfe kamen, von einem Kommunistenführer angehalten worden. Wahr ist vielmehr, daß sämtliche anwesenden Rachbarn sich, unabhängig von ihrer Parteieinstellung, an den Rettnngs- arbeilen beteiligt haben. Die Familie ist nicht von Parteiongehärigen des Bischof, wie das Naziblatt schreibt, sondern von Parteilofen bzw. Angehörigen anderer Parteien aufgenommen und verpflegt worden. � Wir haben diese Zuschrift der Laubenkolonisten gern oerösscm- licht. Die Proletarier in den Laubenkolonien haben hier ein neues Beispiel dafür, daß den Nationalsogiaiisten jedes Mittel der Ver leumdung und der Lüge recht ist, wenn sie glauben, dadurch von dem blutigen Uebersall ihrer Horden auf die Kolonie„Felffeueck" ablenken zu können. Kleingärtner fordern Preissenkung. Obgleich ein radikaler Lohn- und Gähaltsabbau in der Gesamt- Wirtschaft einen Preisabbau zur Folge gehabt hat, der auch die Gestehungskosten erheblich gesenkt hat, müssen wir Kleingäriner doch auf©mich von langfristig abgeschlossenen Pachwerträgen den hohen Pachtpreis weiter zahlen. Lohn mch Gslplt sind aber bis zu 40 Proz. gesenkt worden, womit sich auch die Ver- waltungskosten der Eigentümer verringert haben. Man hätte mm mit Bestimmtheit erwartet, daß die Pachtverträge die gleiche Be- Handlung wie die Miewerträge eriahren Iiatten. Wegen der un erschwinglichen Mieten und der großen Arbeitslosigkeit wohnen die Aetinsten der Armen in ihren Lauben. Die Eigentümer haben sich auch diese Notlage zunutze gemacht, obwohl ihnen durch das Wohnen in der Laube keinerlei Schäden oder Unkosten entstehen und fordern von den betreffenden LpM>«gi>ewohuelm eine besondere'Miete neben der Pacht, die dann leider von den unter dem Druck der eventuellen Räumung stehenden Kleingärtnern anerkannt ist. Alle diese Verträge und deren Abschluß liegen zeitlich vor dem Jnfrast- treten der letzten Notverordnung. Wäre es nicht möglich, diese van den Kleingärtnem aufgestellte berechtigte Forderung im Rahmen einer etwa kommenden neuen Notverordnung.zu regeln? Ein Kleingäriner des Bezirks Lichtenberg.' Zprechch-r sür Pwletarisch« Feierstunden. Die Uebunasitundc vlutz auch in dieier Woche ausfallen. BckanuNnachuna der nächsten Uebunas stunde erfolgt am nächsten Mittwoch im„Vorwärts'. Man Hot allgemein den Ausländersimmel. Ja, stammten sie aus Deutschland, dann hätten Billy und Anita es um vieles schwerer, sich durchzusetzen. Dann müßten sie, wie olle die vielen und vorzüglichen Artisten aus Berlin und Neukölln, einen verschrobenen englischen Namen tragen und mit großer Mühe auf der Bühne radebrechen, damit man sie ja und ja für Ausländer hielte. Billy findet das höchst tomisch. Er denkt an die Cowboysestc daheim und er weiß, ein Publikum, das sich selbst für so minderwertig hält, das würde es unter den Cowboys nicht geben. Da war jeder ein selbstbewußter Kritiker, da war man stolz auf dos Können seiner Lands- lcute und seiner Kollegen. Billy und Anita haben ein paar Freitage, ivie streifen durch Homburg. Sie wollen diese eigenartige Stadt kennen- lernen. Diese Stadt der Arbeit. Ganz gleich, ob es morgens, mittags oder abends, ganz gleich, ob es Sonn- oder Alltag ist. hier stehen immer Ärbeitsbrüder im Werktag. Die große Reportage der Arbeit, der sehen könnende Meiisch nimmt sie hier als unvergleichlichen Eindruck in sich auf. Wie bunt, wie lebbaft ist das Hafenbild. Wie unendlich geschickt winden sich die kleinen Dampfer überall durch. Ein Nervöser sieht in seinen eigenen unruhigen Gedanken und seiner bedrückenden Phantasie, sie stets irgendwo gegenstoßen. oder sie schweben für ihn immer in der Gefahr, überrannt zu werden. Doch diese kleinen Dampfer, die den Berkehr be- sorgen, die immer Menschenfrachten ein- und ausladen, kam- men wie durch ein Wunder ohne Schramme davon,«sie geben dem ganzen Hamburger Hafen das Bild, sie sind einzigartiger als die Ozeanriesen.,.... Doch Hamburg ist Grau in Grau, es steht in dtefer üblen Dunstwolke von schmierigein Naß. Es tropft von diesem durchdringenden Gemisch Nebel und Regen. Glatt sind die Straßen, naß die Häuser und feucht sogar die Treppen- geländer. Man erzählt Billy den bekannten Witz von dem Kapitan. Der war iahrelong aus Hamburg Stadt gefahren und haM natürlich seit zehn Jahren Hamburg nur im Nebel gesehen. Als er ober einmal bei Sonnenschein mit seinem Dampfer auf der Elbe ist und Hamburg sein strahlendes Gesicht macht, da kehrt er schleunigst wieder um: denn er dachte allen Ernstes, er habe sich verfahren. Billy lacht.„Bloß gut. daß man den Witz schon erfunden hat, sonst hätte ich ihn selbst noch erfinden müssen." Dennockz gefällt es sowohl Billy wie Anita in Hamburg. Hier haben sie zum erstenmal deutschen Boden betreten. Wie angespannt waren damals ihre Nerven gewesen! Bei Billy hatte ungebändigte Kraft nach einer Form gesucht. Anita und Billy, beide mußten sich erst einfügen ins Leben. Sie durften mehr als zufrieden sein, sie hatten inzwischen viel er- reicht. Erfolg und Glück bleiben ihnen in�Hamburg treu. Man sieht sie gerne auf der Varietebühne. Sie haben reichen Bei- fall, sie haben gute Kritiken. Als Billy eines Tages mit einem Artisten spazierengeht, werden sie unerwartet von einem Chauffeur angerufen. Es folgt eine ziemlich stürmische Begrüßung und nachher berichtet der Artist: „Der jetzige Chauffeur war einmal ein berühmter mon- däner Tänzer. Mit seiner Partnerin, einer bildschönen Frau, reiste er schon zehn Jahre durch die Lande. Beide waren Russen, hatten als Kinder gute Tage gesehen. Sie hielten treu und brav zusammen, bis sie nach dem Balkan kamen. Da setzte der Wirt eines Nachtlokals der Frau einen Floh ins Ohr. Der Bertraute des Wirts, der Zahlkellner, mußte ihr immer erzählen, daß sie bildschön sei und als ivolonumnier ungeheuren Beifall ernten würde. Allein würde sie die doppelte Gage beziehen. Bis sie»nes Monats die doppelte Gage bezog und er auf der Straße lag. Bald waren seine Ersparnisse verbraucht, er fand nicht die rechte Partnerin und nun ist er Chauffeur." ..Und sie?' fragt Billy. „Nun, ihr sagte man bald, sie sei übergesehen. Ein neues Engagement fand sie nicht. Sie wurde Rundtänzerin, sie wurde Animierdame und dann verlor man ihre Spur. Jetzt weiß er nicht, wo sie ist. Durch das Programm hat er es schon ein paarmal versucht, ihre Sldresse herauszubekommen. Bislang war alles vergeblich. Er meint, sie würden noch heute gemeinsam arbeiten können. Das glaube ich ja nun freilich nicht. Aber die zehn Jahre des Zusammenseins, die können doch eigentlich nicht so mir nichts dir nichts ausge- löscht sein. Ob die zwei wohl wieder zusammenfinden? Billy. ich sage dir. es ist ein Verbrechen, Partner auseinander- zurcißen", schloß der Artist seine Betrachtungen. Ueber die letzten Worte dachte Billy sehr angelegentlich nach. Wie lange würde Anita noch bei ihm bleiben? Na, ging sie, war das nicht besonders schlimm für Billy. Amerika war von Hamburg bloß die zweite Station. Billy konnte immer noch seinen Dienst als Cowboy tun. Jedoch wäre es nicht recht gewesen, jetzt seine Artistenlaufbahn zu unterbrechen. Er mußte für Anita beizeiten einen Ersatz finden. John kam des öfteren nach Hamburg. Anita war glück- lich und nervös zugleich. Sie stand abends ruhig vorm Mefserbrelt und doch warf Billy in weiterem Abstand, als sonst bei ihm üblich. Sie setzte einen Helm auf. wenn Billy den Tellschuß wagte. Früher waren sie beide aufgebracht, wenn die Forderung nach dem Schutzhelm erhoben wurde und jetzt war Billy innerlich nicht einmal böse, als der Polizeipräsident„Das Spiel mit dem Menschenleben" verbot. Den Kollegen und Presseleuten gegenüber tobte Billy natürlich sehr, das wurde für ihn zur guten Reklame. Bei dem Schelten über den verbotenen Tellschuß kam dem Billy blitzlichtartig der erleuchtende Gedanke, wenn das Publikum schon um Menschen zittert, wieviel mcht wird es sich dann um Tiere sorgen. Im Verfolg dieses Gedankens kaufte er Rehpinscher. Uu- crmüdlich probte er mit ihnen, schoß ihnen alles mögliche von den kleinen Köpfen und während Anita in Träumereien versank, lebte Billy in der sehr nüchternen Wirklichkeit und schuf sich für seine Partnerin einen Ersatz, von dem sie nicht einmal etwas ahnte. Billy schloß die Verträge nur noch od. Billy und Partner. Er hütete sich, den Namett Anita zu er- wähnen. John. Jahn arbeitete in Bremen, in seines Vaters Kontor. John war unzufrieden. Er wußte, die Bremer uwgten buteu un binnen(draußen und innen), aber großzügig waren sie dieserhalb kaum geworden. Sie betrachteten das Leben vom Jch-Standpunkt, brachten alle Menschen in ein Berechmmgs- schema. Aber John wollte die Menschen direkt auf sich wirken lassen, er wollte sie nicht als Zahlen und Zahlungsmöglich- ketten addieren. Er wollte ein anderes Leben führen als Vater. Großvater. Urgroßvater usw. geführt hatten. Der Ueberdruß fraß an ihm oder war es der Uebermut? Er war sich fewst nicht recht ttn klaren darüber. (Fortsetzung folgt.) Drei jugendliche Mörder. Oer Tod des Neunzehnjährigen in der KösUner Straße. Es gibt Verbr«ch«n, die di» sozialen Krebsschäden der Zeit blig» artig beleuchten. Die Bluttat in oer K ö s l i n e r Str. 4 vom November v. I. ist solch ein Verbrechen. Zwanzigjährig Burschen, seit langem arbeitslos, verabreden einen Raub, besprechen alle Sinzelheiten, wie ein Gleichaltriger, in dessen Vertrauen sie sich ein. schleichen wollen, unschädlich gemacht werden soll, und führen den Plan aus mit einer Kaltblütigkeit und Brutalität, als ginge es nicht um einen jungen Menschen gleich ihnen, sondern um ein Objekt bei einer Filmaufnahme. Gestern standen sie vor dem Landgericht III unter der Anklage des Mordes: der Arbeiter Rudolf Bau mann, der Arbeiter Friedrich H e r f o r t h. der Fleischer Edmund o l l- mann und Fritz V o h: die beiden ersten AI Jahre, die beiden letzten 21 Jahre alt. Voß wurde nur Raub vorgeworfen. Die Vernehmung enthüllte die besonders schlimme« sozialen Verhältnisse der Weddinger arbeitslosen Familien. Die Angeklagten Baumann, chersorlh und chollmann stammen aus ganz armen Familien: alle drei waren arbeitslos und hatten bloß ein paar Mark klägliche Unterstützung. Nur der Angeklagte Boß lebte als Kind in leidlichen Verhältnissen: sein Vater, ein tauf- männischer Angestellter, hatte ein Gehalt von 300 Iis 100 Mark. Er war aber mit dem Vater entzweit, war arbeitslos, erhielt von dem Vater keine Unterstützung uwd mußte mit der Wohlfohresunter- stützung auskommen. Der Angeklagte Baumann erzählte stockend und unbeholfen, wie Verabredung und Tat zustandegekommcn sind. Er ging am 1. No- vember spazieren und lauschte vor dem Kino Lichtburg dem Gespräch einiger junger Burschen, die über Boxen sprachen. Dann unterhielt man sich über die schlimmen Lebensverhältnisse, cherforth meinte, man könnte etwas verdienen. Am nächsten Tag gingen Bmmann und sein Freund Wilhelm zu cherforth, der nun deutlicher wurde. Um 7 Uhr traf man sich wieder vor der Lichtburg. Herforch erzählte, daß man in der Wohnung der Porticrfrau, Kösliner Str. 4. M i e t- g e l d e r rauben könnte. Man traf sich noch einmal. Der Plan Ivurde in allen Einzelheiten besprochen. Man erwog, ob man einen Raub auf der Straße oder in der Wohnung begehen sollte. Man entschloß sich für den Raub in der Wohnung. Am 4. August begaben sich chollmann und Baumann in die Wohnung der Portierfrau Kichert, führten sich in der von ihnen ver- abredeten Weise bei dem 19jährigen Willi ein, sahen aber von der Ausführung des Planes ab, da auch die Mutter zu Hause war. Am nächsten Morgen gegen 9 Uhr begaben sie sich zum zweiten Mal zur Kösliner Str. 4. Herforth blieb draußen, Willi lieh sie ein, Hollmann hielt ihm eine Schrecks ch'u ßpi st ole vor, We er von Herforth erhalten hatte, versetzte ihm mehrere Schläge gegen den Hinterkopf, schleifte den sich Wehrenden mit Hilfe von Baumann aus dem Korridor in da» Wohnzimmer, warf ihn aufs Bett, mit dem Kopf in das Kiffen. Baumann band ihm«in Hand- tuch um den Hals, ein zweites Tuch um den Mund, und während Hollmann ihn festhielt, suchte er nach dem Geld«, fand aber nichts. Jetzt machte sich Hollmann auf die Suche, während Baumann den Il'jährigen Willi festhielt. Als dieser vom Bett herunterrutschte, ver- setzte Ihm Hollmann noch einen Schlag mit der Pistole auf den Hinterkopf, so daß er zu Boden fiel. Beide durchwühlten die Woh- nung nach dem Geld und fanden wieder nichts. Daumann gab dem leblos am Boden Liegenden noch einen Fußtritt. Dann flüchteten sie au» der Wohnung. Draußen sagt« Baumann zu Herforth�„I ch glaube� er ist tot".»Wird. nM. so sschsimmi' sein> ttÄd«rke Herforth.................-• � Das Gericht verurteilte die beiden ersten Angeklagten zu je zwölf Jahren Zuchthaus, Herforth zu zehn Jahren Zuchthaus und den Angeklagten Daß wegen Beihilfe zu a ch t Jahren Zuchthaus. Sämtlichen vier Angeklagten wurden die bürgerlichen Ehrenrechte für die Dauer von zehn Jahren aberkannt. Oos.Eiserne Buch'' als Schreckgespenst. Wie sehr den Nationalsozialisten der unaufhaltsame Aufbau der Eisernen Front aus die Nerven geht, beweist ein Vorfall, der sich gestern abend in Lichterfelde abgespielt hat Am H I n d« n- burgdamm. Ecke Moltkestraße. befindet sich ein Lokal, tn dem da» Buch für die Eintragungen zur Eisernen Front aufgelegt ist. Etwa um 21 Uhr holten Reichsbannertameraden das Buch ab, um es an der vorgeschriebenen Stelle abzugeben. Plötzlich wurden sie vcn etwa 40 Nationalsozialisten überfallen, deren einziges Bestreben war, ihnen das Eiserne Buch zu entreißen. Es gelang den Kameraden, rechtzeitig von einem nahegelegenen Lokal ans das Ueberfallkommando der Schutzpolizei zu benachrichtigen. Beim Eintreffen der Beamten waren steilich die Herren National- fozialisten schon nach allen Winden hin auseinandergestoben. Der Aerfuch, das Eiserne Buch zu rauben, ist ihnen mißglückt. Bielleicht ßß FrählahrshcirlkMcdt" Konfektions«Vorfrühling— Hungerlohn und Elend der Heimarbelfcr Das Fvühsahrsrennen d«r Konfektion uhd der Putz. i n d u st r I e hat eingesetzt, und aus den Schaufenstern der Ber- kaufsläden grüßen kräftige Farbfinfonien. Zu der jeweiligen Kleiderfarbe gibt es abgestimmte Hütchen aus genähtem Stroh in kecken, spanischen Tellerformen, kleinen Kappen oder aufgeschlagen« Südwester. In der augenblicklichen Temperatur, die einem Nord- landwinter alle Ehr« macht, wirkt das alles ein wmig reichlich verfrüht, jedoch dem ehernen Spruch zusolge:„Es muß doch Frühling werden!" gehen auch all die modischen Dinge chren traditionellen Gang. Ain Arbeitsmarkt all derer, die diese schönen, heiß- begehrten Dinge mit flinken und geschickten'Fingern herstellen, ist es allerdings auch noch herber Vorfrühling: nur sehr spärlich werden ein paar Arbeitekräfte engagiert. Tausende und aber Tausende von Frauen und Mädchen warten und rennen und hoffen... Nach einer abnorm kurzen Herbstsaison setzt nun, wenn auch arg hinkenden Schrittes, die Frühjahrsbeschäftigung ein. In der Mäntel- und Kostümbranche begann es verhältnismäßig gut, es tonnten seit An- fang Januar etwa 20 Proz. der Arbeitsuchenden, deren Zahl allerdings Taufende beträgt, vermittelt werden, und man hofft, bei einer normalen, bis Pfingsten andauernden Saison auch noch den größten Teil der Verbleibenden beschästigen zu können. E» macht sich in dieser Branche erfreulicherweise ein engeres Zusammen- arbeiten mit dem Nachweis bemerkbar und die Vermittlung-ziffer umfaßt fast alle Beschäftiaten. Die Damenmatzbranch«, die die höchst qualifizierten Kräfte in ihren Reihen hat. liegt sehr im argen: die Herbstsaison war geradezu katastrophal, Mitle Januar gab es eins kurze und geringe Belebung für die Ballsaison und die Frühjahrs- faison, die in normalen Zeiten Ansang Februar begann, erwartet man mit geringen Hofsnungen für den Märzmonat. Es liegen recht traurig« Ergebnisse vor, die Zahl der Arbeit- suchenden im Dezember 1931 überstieg die Zahl des vorangegangenen Jahres um mehr als das Anderthalbfach«, die Arbeitsuchenden haben drei Jahre gelernt, doch all Ihr gut fundiertes Wissen, ihr guter Geschmack, ihre geschickten Hände können sie nicht vor der Trost- losigkeit einer jast völlig brachliegenden Branche bewahren. In der Kleiderbranche macht sich das Fehlen der Auslands- a u s t r ä g e empfindlich bemerkbar, auch hier stieg die Zahl der Beschäftigungslosen gegenüber dem Vorjahr um ein Beträchtliches. Es wird wenig im Stundenlohn, fast olles in Akkord gearbeitet, die Preisdrückeret treibt viele Heimarbeiterinnen, speziell die älteren, in die Arme der Wohlfahrt: sie können nicht einmal die Miete aufbringen, obwohl sie„Arbeit" haben! Wo bleibt da, ganz abgesehen von der rein menschlichen Beurteilung der Dinge, die Logik solch eines Hungerlohnsystems? Die Lage speziell der alleinstehenden älteren Frauen und Mädchen ist mehr als be- dauernswert und der Nachweis ist gar oft am Tage die Bühne kleiner Alltagstragödien. Da kommt«in junges Mädchen, ganz verzweifelt und erschöpft und fragt nach Arbeit: nein, es ist wieder nichts dal Da kann sie sich nicht länger hallen, sie fängt bitterlich zu weinen an. erzähll, daß sie von Oberschöneweide zu Fuß nach der VermMlungestelle gekommen sei, ihre Angehörigen, bei denen sie wohnt, machten ihr unausgesetzt Vorwürfe, weil sie nichts verdient, sie weiß sich keinen Rat mehr: und die Vermittlerin, die weiß, was das bedeutet und mitfühlt mit dem bedauernswerten Menschenkind, sie steht rat- und machtlos vor dieser Tragik, die sich ihr nun schon jahrelang immer und immer wieder offenbart. In der Hcrrenkonsettion hat eine kleine Belebung des Arbeits- Marktes eingesetzt, die Höchstzahl der Arbettslosiglett um die Januarmttte ist gottlob überschritten, der Aufstieg ist zwar gering, aber immerhin tonnten ein paar hundert Menschen Beschäftigung erhalten: auch in der Gummimäntelbranche ist in geringem Maße Nachfrage nach Arbeitskräften: etwa 10 Proz. wurden angefordert. Die Wäschebranch«, auch ein ganz großes Sorgenkind, hatte in der Weißen Woche kurzfristige Aushilfsarbeit, nun ist es wieder still geworden. In der Putzindustrie setzt zögernd die Saison ein, Strohhutnäherinnen sind relativ gut beschäftigt, später hofft man noch ein gutes Teil Garnlererinnen unterzubringen, während die Putzmacherinnen wiederum schlecht dran sind: bei den Blumen geht nur die Massenware, die leider von der stark unterbietenden sächsischen Konkurrenz hergestellt wird. In der Weißstickerei ist für Maschinen- stickerei in Wäsche auf Spezialmoschinen noch etwas Bes�äftigunge- Möglichkeit, die anderen haben nichts. So bunt und freudig uns all die hübschen Kleidchen und Hütchen der neuen Saison anlagen, so grau, bitter und trostlos sieht es hinter den Kulissen der Früh- jahrsherrlichkeit aus. «ettenl'täie siudenllnnenversarnmlDni Freitag, 13 Februar. 30 Uhr, Hochschule für Pollilk, SchinKe'piau: Die Frau im Dritten Reich'1 Ret. Genossin Käthe Kern Alle politischen S udentinnergruppen sird zur Diskussion eingeladen JoziaUstlscheStudente'-sei tftBe lln. I* könnte e» ihnen, wenn sie in großer Uebermacht sind, einmal glücken. ein Eiserne» Buch zu rauben: die Eiserne Front einzurennen, da« ist und bleibt«ine Unmöglichkell._ GalonplauSerei über zu hohe Preise. Programm der Deutschen W.11« untsrhielt sich der Vertreter de» SiieiWjMnMax»'M Preisübekwachüng. Oberbllrger- meister Dr. Schröder mit einer H a u« s r a u über Preissenkun- gen. Unendlich viele Einkommen, sagte Dr. Schröder, seien so anormal gesenkt, daß keine Anpassung der Preis« an sie möglich ist. Außerdem würden sich»ine ganze Reihe von Preissendungen frühestens End« Februar auswirken. Leider verriet er nicht, für welche Waren, und die Hausfrau fragte auch nicht danach. So kam bei dem Gespräch recht wenig heraus. Einzig die Versicherung, daß auch, wenn der Reichskommlssar, wie vorgesehen, am End« dieses Monats zurückträte, dafür Vorsorge getroffen werde, daß die Preisfestsetzungen durchgehalten werden, kann als wichtige Feststellung dieser Aussprache verbucht werden. Es wäre aber viel Wesentliches zu sagen und zu fragen gewesen. Daß Herrenmaßanzüge von 1k0 bis 100 M. auf 100 bi, 110 M. herunter- gegangen sind, und � daß Kalbsleber in einem guten Geschäft im Berliner Westen 2 M. das Pfund, gegenüber aber 3 M.(?) kostet, ist schließlich für das Problem der Preissenkung, hinter dem der Hunger von Millionen Menschen steht, ebensowenig besonders be- deuwngsvoll wie der Preis von 3 bis 4 M. für guten Bohnenkaffee, über den sich die Hausfrau beklagte. Gerstenkaffee, meinte sie, sei doch schließlich Geschmackssache. Don Margarine war in ihrem gut bürgerlichen Interview überhaupt nicht die Rede. Für diese ist aber gerade bei den bMrgsten Sorten der Preis vielfach mll dem Butterpreis um 3 bis Z Pf gestiegen. Schrippen tosten heute in zahlreichen Geschäften bereits wieder 3 Pf. und trotz aller trostreichen Versicherungen von Herrn Dr. Schröder ist der Brotpreis bisher weder allgemein im Reiche auf das versprochene Niveau gesenkt noch gar auf diesem Niveau stabilisiert worden. Andere Waren, die dem Massenkonsum dienen, sind noch nahezu unerfindlich teuer: Briketts, überhaupt Brennstofs«, Zucker, Milch. Die Hausfrau fragte pflichtgemäß zwar nach den Gründen dafür, gab sich dann aber. selber offensichtlich gar nicht daran interessiert, mit einer Antwort zufrieden, die Erörterungen darüber als„besonders schwierig" bei- seit« schob. Es war sehr zu bedauern, daß au, diesem Gespräch, das für viele in wirklichem Sinn« lebenswichtige Fragen behlinMn sollte, eine Salonplauderei wurde. Eiserne Front! Unsere nächsten Veranstaltungen. Brei Nazis vor dem Schnetlrichter. f Und ein vierter kam unverhofft dazu. Einen unerwarleleo Ausgang nahm eine Verhandlung des Schnellgerichts gegen drei Nallonalsozlalisteo. die am vergangenen Sonntag in der Michaelkirchstraß« einen Uebersall aus Flugblatlver- ie'lec der„Eisernen Front" verübt hallen. Das Ueberfallkommando hatte nach dem Znsammenstoß, bei dem ein« Person verletzt wurde, in einem nationalsozialistischen Verkehre- lokal drei Nationalsozialisten festgenommen, die von den Ueberfallcnen als Täter bezeichnet wurden. Diese drei, die Er- werbslosen Alfred Meyenburg. Alfred S t r y p a l a und Willi Höhn», hatten sich nun vor dem Schnellgericht zu verantworten. Als Entlastungszeugen hatten sie einen ihrer Parteigenossen, den Studenten S e e g e, gclaoen, der als Zeug« behauptete, zu der frag- lichen Zeit stänUg mit dem Angeklagten Höhne zufammengewesen zu zu sein und von einer Schlägerei ü. erhaupt nicht« bemerkt zu haben. Der Prozeß nahm ober plötzlich eine überraschend« und für den Zeugen S««ge sehr unangenehme Wendung. Di« Ueberfallenen mach- ten den VorsitzenLen bei chrer Aussage nämlich darauf aufmerksam, daß sich der Student selbst als Schläger an dem Ueberfall beteiligt habe. Seeg« mußte sofort vom Zeugen. tisch abtreten und auf der Anklagebank Platz nehmen. Er wurde, wie die übrigen Angeklagten, zu fünf Monaten Gesängnis verurteilt. Donnerstag, den 1!. Fedruar? Betriebe der Metallindustrie des Ostens: 14H Uhr, Andreas- Festsäle, Andreasstraße 21. Redner: Carl lltke, MdR. Gumrniwarentabrik Müller: 16'A Uhr, Lokal Walter, Weißensee, Wörthstraße 15, Ecke Metzstraße. Redner; Emil Barth. Stadtgut Werben: 15 Uhr. Redner; Genosse Heyrnuth. Berliner Feuerwehr, Arbcitsgerneinschakt Groß Berlin: 19 Uhr, Lokal„Schlesische Heimat", Neue Friedrichstraße 1. Redner; Max Gillmelstcr. Fritx Werner A.-O., Daimler und Kämper, Undcan 16H Uhr, Lokal„Wildgrube", Marlenfelde, Kieperplatz 1. Redner: Hermann Harnisch, MdL Heil- und Pflegeonstali Wittenau: 16 Uhr, Lokal Marx, Reinickendorf-West, Berliner Straße 70. Redner: Max Heydemann. Freitag, den Februar; ISO. Abt-Rudow: 20 Uhr, Lokal lulluspark. Großer Saal. Redner; Cr. Ctto Friedländer. Bank dar Arbeiter, Angesteliten und Beamten: 18 Uhr, Aule des Köllnischen Gymnasiums, Inselstraßa 5. Redner: Emil Barth... Heil- und Pflegaanstait Herzberget 20 Uhr, Lokal Otto, Herz- bargstraßa 78. Redner: Max Heydemann. Beer& Stein, Metallwaren: 16H Uhr, Lokal Stock. Warschauer Platz 10. Redner: Max Heydamann. Stadtgut Falkenberg: 15 Uhr, auf dem Gut. Redner: Genosse Heyrnuth. Berliner Feuerwehr, Arbeilsgemeinsehatt Orofi-Seritn: 19 Uhr, Im Lokal„Schlesischa Heimat", Neue Fried richstraße 1. Redner: Max GIHmeister. Bezirksamt WelOensea: 16H Uhr, Lokal„Zum Pferdemarkt", Weißensee, Schönstraße. Redner; Otto Meier, MdL. Allgemeine Ortskrankenkaste dar Stadt Berlin: 16 Uhr, Gawark- schaftshaus, Engelufer 24/25. Redner: 8. Aufhäuser. MdR. Bezirksamt lichtenbergt 20 Uhr, Ceclllen-Lyzeum, Lichtenberg, Rathausstraße ö. Redner: Bürgermeister Paul Mlelitz. Bezirksamt Relnlekenderft 20 Uhr, Schützenhaus, Reinickendorf- Ost, Resldenzstraße. Redner: Dr. Richard Lehmann, MdL. Stadtfuhrpark, Fuhrhäfa 1—4 und Hauptwarkstatt der Straßen- relnlgung: 19 Uhr, Lokal Stock, Warschauer Platz, Bogen 12. Redner; Gustav Schaum, Bevollmächtigter des Gesamt- Verbandes. Wir stoßen vor!- Wir greifen ans Nochmals pfandleihzmssn. Vom Reichsverband dsr Pfandleiher Deutschlands E- B. geht uns als Erwiderung auf unseren Artikel vom 15- Ja- nuar folgendes Schreiben zu: Das Wort.Zinsen" ist unser Unglück. Unter Zinsen ver- steht man Kapttalmtete oder mühctostn Kapitalertrag. Unser« .Zinsen" sind aber nichts weniger als dies. Gibt ein Geldbesitzer eine Hypothek in Höhe von 10 000 M, so ist neben dieser Hingabe als Arbell nur die vierteljährliche Ouittungeuntcrfchrift für die Zinsen zu leisten. Das Durchschnittsdarlehen im Pfand- lelhgewerbe beträgt zur Zett weniger als 10 M.(genau 9,33 M). Will also ein Pfattdleiher ebenso wie der eben aufgeführte G:ld- besttzer 10 000 M. ausleihen, so muß er dafür 1000(in Worten ein- tausend) Pfandgegenständ« taxieren, annehmen, verbuchen, Pfand- schein« ausschrei, en. einlaae.n, pfleglich behandeln, wieder heraus- geben, den polizeilichen' Vorschriften entsprechend auebuchen usw. Für je 1 solches Darlehnsgefchäft erhall der Pfandlelher 40 Pf. pro Monat. Daß dieser Betrag mehr als bescheiden ist, wr d durch salgenoe Delspieie klar, dl« wir verhundertfachen könncn. Die Aus- bewahrung eines Paletots in siner Theatergarderobe tostet im Durchschnitt 50 Pf. Der Pfan'.leiher bewahrt dcnsclbsn Paletot für 40 Pf.«inen ganzen Monat auf und leiht noch darauf 10 M. Di« Gepäckaufbewohrungestellsn bei der Reichsbahn bsreckmeu für ein größeres Gepäckstück(Reilekorh mit Jnhall) pro Tag 40 Pf. Der Pfandle'.her bewahrt da? gleich« Gepäckstück für 40 Ps. einen ganzen Monat aus und gibt noch obendrein 10 M. alz Darlehen. Noch schlimmer werden die Unterschiev« bei größeren O jekten, die von Banken oder Lagerhaltern in D-rwahrung genommen werden. Jeder objektio« Beurteiler muß zugeben daß die von den Pfand- leihern berechneten„Zinsen", alz Verwahrutigrgebühr bezeichnet, noch zu hoch sind. Daß aber bei der Höhe der augenblicklichen Verwahrungsgebühren ois Pfandleiher nicht reich werden können, beweisen die vielen Konkurse und außergerichtlichen Vergleiche im Dsandleihgewerb«� Der Pfandlciher nimmt also keine„Zinsen�, sondern G«. bühren, Ue als Entgelt— als Lohn— für eine zu leistende physische Zlrbeit bezahlt werden und„jeder Arbeiter ist ooch seines Lohnes wert"! Casino-Theater: Ehen von heute. Im Casino-Theater lacht man in diesem Monat herzlich über die krampfigen Anstrengungen einer kuppe'wütigen Mama, die ihren Töchtern weiter nichts lernen ließ, als die„Männerangelei". Nachdem beide„Anglerlnnen" erstmal tüchtig Lehrgeld bezahlt haben, zeigt ihnen ihnen ihre lebens- und wirtschaftstüchtigs Freundin den aussichtsreicheren Weg praktischer Jetätigung. Angela S ch a r r e r gab mit guter Laune die ältere der beiden Töchter, eine überreife, wegen Fettgefahr von Mama zum Hunaern verdammte Msnschenknospe,(Berti Kuthan den ewigen „Backfisch, ständig lächelnd, ständig tnixend, heimlich grollend. Frida Walter als zärtlich-besorgte mütterliche Glucke und Direktor Hans Berg als der unsichtbar bleibende, stets alles berappende Herr Papa, waren lustige Typen: Edith Litzek. die einzig vernünftige in dieser msschuggenen Heiratsvermittlung, hatte Herz und Mund am rechten Fleck, Viktor Litzek und Willn K a r y gaben den beiden 5)eiracskandidaten die nötige humorige Gestalt Im a r t i st i s ch e n Teil des Proarcmms sah man d'.e 3 Felinos in guten akroba- tischen Tanzvorführungen. Mar Marzelli entlockte seiner testen Schnauze ulkiges Gesabbere und spaßige musikalische Imitationen. Vortrag dos Kämmerers im Scmmunalwlssenschasliichen Institut. Auf Einladung des Kommunalwifsenschaitlichen Instituts an der Universität Berlin spricht am Freitag, dem 12. Februar, 20 Uhr, im Hörsaal 3 des Au.'azebäudes der Universität, Opernplatz. Stadt- tämmerer Asch über:„Finanzielle Probleme der Stadt Berlin." Kreuz und Ouer durch Oesterreich heißt der neue Werbefilm imseres Bruderlandes: er wird am heutigen Donnerstag, 20 Uhr, im Lehrcrosreinshaus vorgeführt. Gäste willkommen. Auf dein L wlsscaschaftlichen Klubabend der Deutsche« Liga für Meutzheurechte- am Drunciitag, 11. Februar, 8'S Uhr, im ehemaligen. Herrenhaus, Leipziger Strohe L(Fcstsaal). behandeln Stefan Großmann, jOberstudiendirek or Dr. Siegfried Aawerau und Gcrichtsberickterstatter j A. H. Heitz das Problem der Kriminalität der Jugend und Arbeitslosigkeit, wobei ruZbesondere auch der Fall Reinz zur Sprache kommen wird. Gaste gegen Zahlung des Unkostenbeitrages willkommen. Ailgemeine Wetterlage. ktn�endunge» wr»>e>- Jtudttt find C 1 1 1 1 n SS« UwdeiKtraße? stet« an da» Beztrlasetretartat 2. Hos. i Treppen rechts, zu richten 7. Srri». Z» Uhr Sitzung de« Ditbungs-u-schusses im Jugendheim Uosinen. straße 4.— 14— l» Uhr im Jugendheim Pestalozzistr. 40, vorn 8 Tr., Ardeitslreis der erwerbslosen Jugend der EAJ., FSJ.. Sportler und de» Jungbanners. Rede- und Schriftrursus. 8. Abt. 20 Uhr im Heim Ecnthiner Str. 17 Zusanunenlunft der Ilingeren Parteimitglieder...Unsere Arbeit in Preußen, Reserent Willi Wolff. »3. Abt. 20 Uhr Sitzung der Ordner, Obleute und tzeitung-tommlssion-mit. glieder bei Stolz, BSHmische Str. 40—4!. Jeder Bezir! muß vertreten sein. Sonnabend, lZ. Februar. 75. Abt. 20 Uhr im„Lindenh�f", Wannsce, Wilhclmplatz, Mitgliedcrversamm. lung...Kamvfjahr lOZS", Referent Sans Bauer. 9l. Abt. Porwärts-Besichtigung. Treffpunkt 1«?j Uhr vor dem Borwiirt»- Gebäude.» Frauenveransialtungeu. 20. itrei«. Der Kursus der Genossin Käthe Kern muß umständehalber heute, Donnerstag, 11. Februar, ausfallen und findet erst wieder am 18. Fe. binar statt. 136. Abt. Heute. Donnerstag, IL Februar, 20 Uhr, in der Baracke Lindauer Straße, Hclfcrinnensttzung. i�rsißss, Äen 12. sssdrusi'. 29 Uhr, im Saal 5 des Cewerkschaftshauses, En clufer 24 25, Vereammlung aller in der Soiialdemokratlschen Partei organisierten Kleingewerbetreibenden, selbständigen Kaufleute usw— Parteimitpliedftuch lepltimlert. Erscheinen ist ParlelptlichL Der Dczlrkivor-Uad. Sozialistische Studentenschaft Berlin. vessentliche Studcntinaenversammlung Freitag. der Hachschul« iiir Politik, Schinkelplatz. Resereuti 12. Februar, Z0 Uhr, ia eiercutin Genossin Kern. Thema: Am Mittwochabend herrschte allgemein im Reiche strenger Frost. Weniger als S Grad Kalte wurden nirgends beobachtet. Vielfach abend da» Thermometer sogar unter minus 10 Grad Celsius. Die Winde haben meist nachgelassen. Nur im Westen und Südwesten sind st« noch recht frisch. Heber den Ostseeländern fällt das Boro- meter. während es über Frankreich und Italien steigt. Wir müssen infolgedessen damit rechnen, daß der Hochdruckausläufer, der sich von dem nördlichen Hoch nach Polen erstreck!, langsam westwärts wandert. Wir werden im Laufe des DonnerstaA» auf sein« Ostseite gelangen und haben dann mit etwas Bewölkungszunahme zu rechnen. * Welkeraussichten für Verlin. Zunächst heiteres, ruhiges und sehr kaltes Wetter, später etwas Bewölkung bei oufsrischenden nord- östlichen Winden.— Für Deukschlaud. Im Nordosten wolkig und Minderung des Frostes, im Westen Windabnahme, im Süden Auf- heiterung und Nachlassen der Schneefälle, sonst keine Aenderung. parteinachrichten Groß-Berlin „Die Frau im Dritten Reich".— Sonnäbcnb, 13. Febrirar, SRcbntclurfu« piinlt» lich 16 Uhr im Bund. Arbeitsgemeinschaft der kindersreunde Groß-Berlin. Schöneicrg: Krelshelfersitzung heute 20 Uhr bei Gen. Pcterson, i&in Jt; Feurigitr. 66. Bitte pünktlich! dm 17. Februar findet unsere Generalversammlung statt. Zeit und Ort werden Sonntag bekannt- WMUMIs graebeir. l? I.W, Mi Prenzlauer Dcrg. Abt. Viktor Adler: Heute 20 Uhr Glternver- ty. W samwlung in der Danziger Straße. Baracke III, Lickitenb'rg. Abt. Mitte: Beginn der Elrernversammlung 18 Uhr im Jugendheim Dasiestraße. Hoh-n'chänhansen: 17—10 Uhr Gruppennachmittag Jugendheim Freienwalder Strasc. Druppcnhelscrsthung 20 Uhr bei Siegfried Kaiser, Am Faulen See 3. 20. Kreis. Sicinickendorf. Dienstag. 16. Februar, 20 Uhr, findet In der Reuen Schule Wittenau eine Sitzung mit der SiiF und den Rotfalkensührern statt. Aussprache über die Ueberführung der Roten Fallen in die SAZ. Die Adressen der zu Ostern zur Entlassung kommeichen Roten Falken sind mitzu. bringcu. Jeder Rctfalkcnhelfer muß«rscheinen. Mitte: Heute 20 Uhr beginnt unser Sclferkursus im Jugendheim Elisabeth- kirchstr. 10. Kursuslcitcr ist Genosse Wcinberger. Außer unseren Helfern sind alle interessierten Eltern. Partei, und Jugendgenossen herzlich eingeladen. Da wir gleichzeitig neue Lieder lernen wolle», bitten wir, alle Instrumente mitzu, bringen. DI» Helferauswcise müssen zwecks Erneuerung ebenfalls heute ab- gegeben werden. edruar, 11>4 Uhr, im Lichtspieltheater„Piceadivq, :atlnee zum Leuen unserer erwerbslosen Jugend, Beginn aller Veranstaltungen lglb Uhr. sosern keine besondere ZeZtangabei 4. Kreis. Dildungsausschußsitzupg nicht am 11., sondern erst am 22. Februar. ' Släberes wird noch bekanntgegeben. 7. Kreis. Srnntag, 14.~' Lismarckstr. OS— 01,—,.__, I betitelt„Eiicrnc Front". Festoniprach« Genosse Dr. Kurt Ldwenstecn, M. b. R. Eintritt ö« Pf. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Heute. Donnerslag. 1l. Februar. 7.»r-is. Di, Abteilungen müssen die Eintrittskarte» von 18— II Uhr im Fugeichhehn Rasiuenstc. 4 abrechnen..,... 13. S«.s. Heute O'-i Uhr im Juxenoheun Gdtzstraße Zusammenlnnft der er. werbslrsen ParteimUgltcber.„Evwerbslosenstedlun�', Referent Karl 18. 20. im matnam Kr-w.� IS Uhr Znsammen.Innft der ern-rb-l°sen Partewiitglicher W-iß-nseer Srzeum. Eingang Parkstraßs.„Wir diskutier, Ich mit m« Gegner?" Referent 3. P. Mager..,., Ärei, Rcwhlcudori.LiL. 16 Uhr in Reintckendsrf.Ost. Schule am H-usatt-r. rürtz, Hopvestraße. Kusammenlunft der«moerbslofen Parteunrtglieder. Bor. fUrnng der Lichtbildscr!»..L-zialistischer Aufstieg". Referat des Genossen E>ct!lieb Reesee..Die Entwicklung per Parteien.— Witicaan. 13H llhx in der Nauen Schule. H-uptstraß-, Jvg-ndh-im, Znsainmenkun't der er, werbslose» Parteimitglieder.„Wandern und Arveiterschaft, R-fsrent Gs- nasse August Ollbr-cht. 85. Söi. L und 12. Bezirk: Sahlabend bei Pinger. Dprfstr. 50.~- nonaa Heiligen". Die Gruppenführer treffen sich IS Uhr. .08. Abt. 10 iß Uhr in der Sedanstr. S Zusammenkunft der erwerbsl Mitglieder. Politikch.Satirische Borträge de» Genossen Sons Abt. Jahresmitaliederoeriammlung in der Aula de» Eäcil Dorfstr. 50. Film: "züsammenkünit der orw-rbslosen Partei» iorträge de» Genossen Sans Fuhrmann. 118. Abt. JahresmitaNederveriammIung in der Aula de» Eäcilien-Liiieum», Rathsusstr. S. Reserent Poltzetprästdent Drzesinski. Neuwahlen. Morgen. Freitag. 12. Februar. i. Kreil.. Deutscher Freidenker-Bsedand, gahlgruvpen 7 und 8: In der Löwen. brauerei, Hochstr. l, Filmprriührung:„Zrauennot— Frauenglück", ..Mafuren, Stadt und Dorf". Rcfcrentin Genossin Räder.Sroßmon». Ein- laßkarten 8» Pf. bei den Funktionären und am Saaleingang. Sterbetafel der Groß-Rerliner Partei-Organisation 8.«dt. Unser Genosse Wilhelm Stopp ist verstorben. Ehr« seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Donnerstag, 11. Februar, 16 Uhr, auf dcm Luthcr.Kirchhof in Lankwitz statt.» Sozialistische ArbeitermendGroß-Verlin Einicndungen iür diese Rubrik nur an da» Jugends-tretariat Berlin SW 68. Lindenstraße 2. vorn 1 Trepp» recht«. Am Donnerstag. 18. Februar, findet eine Jugendkundgebung im Rahmen der..Etfarnen Front" statt. Alle Gruppcnoeranstaltunaen fallen au». Proletarische« Orchester der EAJ.-Bcrlin: Gelamtorchesterprob« in der Karl- Marx-Schule. Heute, Donnerstag. 19 X Uhr. Nordoste» N: Danzigcr Str. 62:„Arbeiterdichtung.�—. Narben: Lortzing. S�nnenburaer Str. 20:..Kinderfreundc".— Hallcsches Tor: Porckstr. 11: „Seruelle Fragen".— Sakenhelb«: Wassertorstr. 4:„Strelfzüge durch die Musik".— KSpeniScr Bieriel: Monteuffelstr. 7:„Au» den Anfängen der Arbeiterbewegung".— Kattbusser Tor: Urbanstr. 167: Mitgliederversammlung: — Sabweste-,: Lindenstr. 4: Wir lese,: Bücher.— Schönebeig lll: Hauptstr. 13: „Meterialistische Grichichtsanifassung".— Zehlendors: Svielabend.— Schön. weide I: Brettspielabcnd.— R-inIckenbors-Dest: Außensvielplatz Tegel:„Familie und Staat".— Tegel: Schöneberger Str. 8: kamxkliederabend. Werbebezirk Ziergarten' Singekrel». Bochumer Str. 8d. Werbebezirk Neukölln: Sitzung de« Bildungsausschusse» mit den Werbe, und Bildungseblemen der Gruppen um lOsh Ilh: im Parteibüro, Fnldastraß«.— MSdellurins im Heim Stcinmetzstr. 114. Abend mit Schallplatten und Büchern. — Erw-rbalosenzusammiiikunsl im Sugendh-im Beraitr. 20. Gurland spricht über„Rnbland»nd feine Probleme". Beginn 11 Uhr. Weeb-bk?!-k Besten: Werbebezirksmitgliederveriammlung um 20 Uhr im Jugendheim Resin-nstr. 4(nicht in Eoandau). Genosse Eitclsberg spricht über „Die Französische Revolution". Werbeiezirt Wedding: Willdenowstraße: Besprechung mit den Kinder- freunden. Weebcbczirl Reinickendorf: Zildungoausschußsitzung im Heim Reinicken. dorf.Ost.__ Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Geschäftsstelle: Berlin S. 14. Sedastionitr. 87-38. Hai 2 Tr Neukölln-Vritz, 8. und 4. Kameradschaft: Freitag, 12. Februar, Saal- schütz im Julinspark, Rudow(Endhaltestelle Straßenbahn 471. Treff- Punkt 19>1 Udr.— Reiai�ndori(Ortsvcreinl: Freitag. 12. Februar, 19' a Uhr, Treffpunkt Reinickendorf-Ost. Restdenzstr. l. Schützenhaus. Deutscher Arbeiler-Sängerbund, Gau Berlin. Geschäftsstelle- p. Schneider. Berlin NO 55. Huselandstr. 31. __ J, Be-lrk: Sonntag, 14. Februar. 10 Uhr, Bezirkegeneralversammlung |t>US»U bei«leiet, Türkisches gelt, in Pankow. Breite Straß«.— 8. Bezirl: Montag, 1Z. Ftbrnar, 20 Uhr. Im Saal Z de« Gewerkschaftshauies. Seneralr' iammlung des Deziris. Delegierten. !0 Uhr, Im Saal Z de» Gewerkschaftshauies. Generalver. Die Bereine entsenden auf fe 1» Mitglieder einen Deutscher Esperanta-Bnab, Ortsgruppe Berlin. Freitag, 20 Uhr, Kondi- torei D�brin. Hnckefcher Markt. Arbciter-Abstin--nt«n-B»»b, Gruppe Schillerpark. Freitag, 12. Februar, 20 Uhr. in der„Alkoholfreien Gaststätte", Malplaguststraße, Bortrag Dr. Kurt Lubinfli:„Altohol und Kriminalität". Auch bei bescheidenstem Wietschastsgelb kann die Hausfrau stets kräftige Suvpen. Seßcn. Gemüse usw. aus den Tisch bringen, wenn sie Maggi» Fleisch. brübwürfel verwendet. All« damit bergestellten Gerickite schmecken gerade so. als ob sie mit Fleisch gekocht wären. Dabei sind Maggi» FleischbrühwUrkel billig. »nd außerdem gibt es auf Maggis Flelschbrühwürfel, wie auch auf olle anderen M-gai. Produkte, Gutscheine, deren fleißige« Sammeln durch wertvolle Prämien belohnt wirst. Reue Preise— bei alttewäbrter Qualität. Schon immer hat die Sunlicht. ffle'ellfdjaft den Grundsatz befalgt, der Hai'sfrau die besten OvalitSte» zu madigen Preisen»»r Perfllguna zu stellen. Pom E Januar 1032 ab sind nun wiederum die Breis« der Sunlicht. Produkte ertz-bls,e.S-ifenfl--cken Dovaelpaket 46 Pk., Normalpaket 27 Pf„ R-isepak«t 18 Pf.! 0>iin Dovaeldose 8ä Pf.. Normaldos« 20 Pf.: Suma 86 Pf.: Atlantie-Tollett«. ieiie 26 Ps.— Nicht zu vergessen ist, baß alle Packungen den wertvollen Sun. licht-Gut�chetn tragen. MiMMbM-Wil! Adtlmt«! aöj'nnfi! Ver walimiif inlf öiletfer! Freitag, den 19. Febrnae.»b'Nbn 7 Mr. Sitznog der Wittiereu Orteverwaltnv.- vi« Orisrci«ea'fvvp Allen Freunden. Bekannion und Parteiamiossen. welche an der Be. stattana meine« Ibrden Manne» tc»genommen haben, tage Ich meinen herzlichsten Dank. Frau Gertrud Feder. Mm Metaiiarbeilrtliaiii' Vernealtunaeat«»« Berlin Todesa»z«Ie« Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unler Kollege, der Meckancker Paul Lunkwltz orb 17.«sofnil-et 1883. am 7. Februar gestorben ist Skr» seinem Andenken! Die Einiichernna sind» am Frei» :aa. dem fl Februar 1S>, Uhr. im Krematorium Boumtchulenweg statt Reg« Beteiligung wird ei wartet. Ol« Or+eTereratdo«». und wertvolle Gutscheine dazu! DOPPELSTOCK 27 PPG WÜRFEL 23 PFG DIE NEUE PACKUNG 10 PFG SEIFENFLOCKEN DOPPELPAKET NORAAALPAKET REISEPAKET 45 PFG 27 PFG 18 PFG DOPPELDOSE NORMALDOSE ' K'v'' ( 35 PFG 20 PFG ORIGINAL-PAKET 36 PFG SUNLICHT 6ESE LLS GH AFI AG. MANNHEIM-BERLIN Stadl. Oper Charlotienburn ßismarcfcstraBe 34 üonnerst, 11. Febr. Turnus I Anfang 20 Uhr ffacbelh Ende gegen 23 Uhr yrr-'�- | Tlteai Tlteai er Ltcltispiele usw ffaals 1% fheafer Febraar Dotmersiag, den II, Staatsoper unter den Linden 19 Uhr Die Heistersinger von Nürnberg JtiatlJduospieltiaus undinnunarti I9>4 Uhr Beate im L Male Cyrano von Bergerac Schiller-Theater iharloltenban. 20 Uhr Ein besserer Herr hierauf; Die Zauberin, der Riese und derAtfe VoittsDiUine Theater am Bülowglalz 8 Uhr Liliom Staat). Söiiller-Theater 8 Uhr EiD besserer Herr hierauf; Die Zanberin, der Riese und der Äffe ■ Oarfen• 6.15 Uhr Flora 3434 Raotheii erlmbt Hciter-FaraiHe Hns» n. sein Weibstcufel. M'illi. Bendow. 9 Atlisons und wrifrrr Affr aktionen Theater desWestens Tägl. 8Vi Prinz Hediusalcm Operette von Job. Straofl Waldmüllcr, Morgan, Jankuhn, j Lilien. Ewald. »v4ui.r CASIN0-THEA1ER»1;, m«. Lothringer Strafe 37. iHnmitMmmumi Für wenig Seid ein ongBrnfflnr ABend Xen! X'cn! Elten von heute Dazu ein neuer bunter Teil Theater Qn<* c'oc �p<:rcl*c .am MniiontiApfnias- uutschein 1- 4 Personen: Parkett 50 PK. am Nollendortplati Kautcu,,«ark. Sssseiuso Mark. Rrgk; Hi/« Uhi Morgen gehts uns gut! (Breee Husbeim Max Hansen Orchester Dajos Bela Theater im Admiralsgaiasi Täglich 8-/« Uhr Wegen i. ero». Erfolges bis 15. Febr.»erlüngert Die Dnnarry Preise v. o.50 M an — Kleines tu.— Trappe 1931. Tiigl. SV» Uhr Die mauselalle Preise 75 PI.— 5 M. Sonnt nactim. 4 ü. haLbe Preise. Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich Hob« Gewi»« gejallen, und zwar je einer aus die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen l und II eiumeRsptinoen jeder Art Uefort preiswert Paul Golletz nenals Robert Meyer Marlannenstr. 3 FA Oberbuim 1303 Aloxanderplatz Neu» K6nigslr.43 2. Ziehungstag 10. Februar 1032 3n der heutigen Bormittagsziehung wurden Gewinne über ck00 M. gezogen 2 Gewinne ,u soooo M. 3731 79 2 Gewinne au 1 0000 W. 1 7974 G Gewinne ja 5000 W. 2700 96350 141490 36 Gewinne|a 3000 91t. 10401 33890 37884 37826 50259 53018 94627 103132 133302 166912 194157 200297 238020 264612 298607 306904 307023 317156 54 Gewinn« 2000 W. 14144 22547 27373 60325 89816 104776 105547 121398 140649 14364! 152546 158056 200293 217557224292 233397 269267 270953 295383 308083 319835 324051 327738 348075 381749 367249 396349 100 Gewinn, im 1000 TR. 1919 4390 8413 12812 23261 41716 56042 57021 73828 78331 79007 81795 84144 84931 124595 125587 125890 128182 136993 164736 166378 178987 179059 188631 207703211325 212009 218147 218434 221180 228279 229747 237136 256201 268138 261147 268661 273552 307888 322537 336965 333001 344898 352035 352442 356396 371064 372260 377970 397360 190 Gewinne ju 500 M. 3505 6737 12221 12371 12525 17780 20522 27097 31119 31300 32589 38515 45041 53351 55575 60949 73979 85176 87498 89205 92072 96772 981 66 1 0261 0 107338 1 1 1 257 1 1 21 25 112387 112926 115206 118059 125383 126310 127172 130692 131512 134312 134776 135499 136674 127898 149592 150069 150209 152712 153975 126034 158427 172506 175156 178264 132391 183403184930 186457 167512 193152 195618 203315 207025 219689 225232 234209 239937 240279 249943 251039 267105 267331 269248 272269 272913 280129 269104 291931 292835 300104 209310 226811 226853 229961 222694 235777 340769 346296 350751 256611 259174 360212 261947 269269 382220 384511 294763 299296 Ln der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 6 Gewinne»u 10000 W. 39190 47603 146184 8 Gewinne ja 5000 M. 27574 182148 210133 310794 16 Gewinne»u 3000-m. 24867 58849 64604 110474 120758 142447 301537 310174 54 Gewinn«»a 2000 92. 13769 46957 49698 62249 64359 65194 116769 122500 133841 149875 167155 174669 180227 186709197005 208217 255154 263352 278473 317383 323708 359105 364877 368722 369423 385659 388155 118 Gewinne«tt 1000 OT. 15935 29626 31264 47515 61412 67037 78311 85465 103086 104820 105975 107076 110243 110596 113894 111040 1 i 4576 125206 138962 144041 152263 164019 166297 167299 177018 177757 189147 196443 200858 204066 212855 218880 220340 222746 241766 249450 257103 259593 277050 285948 290426 293400 313452 319403 320080 333825 334733 345210 346535 349280 350759 359650 378640 382299 385108 385362 385447 396816 399759 164 Gewinne ,n 500 M. 4204 S67& 6478 11998 15453 20766 24373 45906 51151 52243 55339 00744 68980 74121 81684 83741 84605 87613 90189 93820 102186 102784 106601 112566 118799 120100 126191 129435 144710 148559 149620 150276 150339 158906 169474 172609 179344 179412 181282 182089 183661 191387 193338 200355 208331 204717 210392 211415 223585 230566 238620 239314 249329 254689 265423 268912 271363 271458 272971 282686 283370 283560 304892 311580 315843 316798 319635 330230 332251 338080 348159 350945 363471 363519 355661 378597 381542 384734 390541 391989 397152 396276 Im(Scnnnntabc verblieben; 2 Prämien je zu SOOOiJO, 2 Gewinne zu je 600000, 2 zu je 300000, 2 zu je 200000, 4 zu je 100000, 6 zu je 75000, 10 zu je 50000, 28 zu je 25000, 184 zu je 10000, 472 zu je 50 0, 020 zu je 3000, 27t!» zu io 2000, 5356 zu je 1(00, 0248 zu je 500, 27702 zu je 400 Mark. 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Die in- ländischen Butternotierungen der Großhändler sollen heute und morgen wieder in die Höhe gehen. Es wäre verfehlt, den Groß- und Kleinhändlern aus dieser Entwicklung Vorwürfe zu machen. Die Butterteuerung ist fast allein aus die am 23. Januar wirksam gewordenen Zollerhöhungen zurückzuführen, die der Nclchs..ernährungs"- minister Schiele zu verantworten hat. Die leichte Preissteigerung im Januar, die noch vor der Zollerhöhung eingetreten ist, war jahreszeitlicher Natur. Im Winter wird weniger Butter produziert. Seit 23. Zanuar, dem Tag der Zollerhöhungen, sind ober bei sämtlichen Oualitälen die Preise im Durchschnitt um 16 Ps. je Pfund gestiegen, und morgen sowie übermorgen werden wir Preisstelgeruugeu um durrbschoi'klich 20 Pf. je Pfund zu ver- zeichnen haben. Es ist wahrlich nicht so, daß etwa der Großteil der arbeitenden deutschen Bevölkerung sich jetzt überhaupt noch viel Butter leisten könnte. Margarine und billigere andere Fette haben längst die Butter verdrängt. Besonders gilt das für die Haushaltungen, die teilweise oder ganz auf Unterstützungen angewiesen sind. Aber daß bei so allgemeiner Not, wie wir sie jetzt in Deutschland haben, und angesichts des Ver- sprechens der Reichsregierung, daß die Lebens- Haltung der Lohn- und Gehaltsempfänger und der Arbeitslosen entsprechend der E i n k o m m e n s v e r- kürzung verbilligt werden soll, eine Butter- teuerung um 13 bis 20 Proz. innerhalb von vierzehn Tagen eintreten kann, das ist ein Skandal sondergleichen. Dieser Skandal wird dadurch nicht geringer, daß Herr Schiele lehauptet, man müsse der Landwirtschast uno insbesondere den Bauern durch besiere Butterpreise helfen. Wir haben uns nicht gegen die Butterzolkrhöhung gewehrt, weil wir den Land- wirten bessere Einnahmen aus der Viehwirtschast mißgönnen wür- d:n. Wir haben die Erhöhung der Butterzölle, besonders in dem unsinnigen Ausmaß, in dem sie vorgenommen worden ist. deshalb bekämpft, weil die Gesamteinnahmen der Landwirtschast aus den Butterverkäufen auch nicht entfernt in dem Maße steigen können wie die Preise steigen. Möglicherweise wird überhaupt auf die Dauer keine Erlössteigerung bei den Bauern ein- treten. Denn es ist ja selbstverständlich, daß bei einer solchen Er- höhung der Butterpreise der Butteroerbrauch selbst gedrosielt wird, soweit man ihn nur noch drosseln kann und oaß man immer stärker zum Verbrauch billiger Fette übergehen wird. Aus die Dauer muß sich die Verteuerung der Vutter, da das Einkommen lestenfalls dasselbe bleibt, an den Lauern selbst rächen. Das gilt erst recht, wenn die 2lrbeilslosigke°t weiter steigt wie bisher und das gesamte Einkommen des Volkes weiter zurückgeht.— Wir haben einen Preiskommissar, der nicht nur eine Verteue- rung der Lebenshaltung zu verhindern, sondern ihre verbilllgung durchzuführen hat. W'r haben das wort eines Reichskanzlers, das im vamen der Reichsregierung die Realkauskrast des Lohnes garantiert hat. Was gedenkt der Preiskommissar zu tun, um eine Verteuerung der Lebenshaltung zu verhindern? Was gedenkt die Reichsregierung zu tun, um der gerechtfertigten Verbitterung der Verbraucher zu begegnen? „Ilse" zahlt S proz. Dividende. Das oste'b sche Braunkohlenkap tai spürt die Krise nicht. Der„Zlse*-Konzern in Seustenberg, der in dem Krisenjahr ' 1930 noch seine Konjunkturdioidende von 10 Proz. ousrechterhalteu konnte, wird auch für 1931 diehoheDividende von L Proz. ausschütten. Die„Ilse* A.-G steht mit ihren hohen Gewiimen nicht allein. Fast alle größeren Braunkohlenunternchmen im oft- elbischen Revier, wie der Bubiag-Konzern, der vor einigen Monaten ein« Dividende von 10 Proz. auszahlte, und die Betriebe der Petschek-Gruppe, arbeiten trotz der starken Absatzdrosselung und der Betriebscinschränkung noch mit Konjunkturgewinnen. Würde die hohe Rentabilität im Braunkohlenbergbau auch die Arbeiter- schaft„krisenfest� machen, so wäre eine solche Oase in der Krisen- wüste nur zu begrüßen. Das Gegenteil aber ist der Fall. Im Braunkohlenbergbau haben nicht weniger Entlassungen statt- gefunden als in anderen Industrien, und die Löhne für die Bergarbeiter, die im mitteldeutschen und ostelbischen Äeoier sich 1930 noch auf durchschnittlich 7,43 Mark je Schicht stellten, werden nach der letzten Notoerordnung und nach den bereits vorausgegangenen Lohnkürzungen einen Tiefstand von etwa 3,80 Mark erreichen. So wurden die seit 1927 ständig gewachsenen Leistungen der Belegschaft belohnt! Halbierter Abrechnungsverkehr W e die Kreditkrise den AbrechnmtaSverkehr der Reichsbank gedrosselt hat. Die Statistische Abteilung der Reichsbank veröffentlicht jetzt Ziffern über die Entwicklung des Abrechnungs- Verkehrs im Jahre 1931. Der Abrechnungsverkehr der Reichsbank dient in erster Linie dem gegenseitigen Forderungsaus- gleich von etwa 700 Banken an allen Orten, an denen die Reichs- dank Hauptstellen hat. Es ist ein bargeldloser Zahlungsverkehr, der neben dem Giroverkehr der Reichsbank einhergeht, der seinerseits wieder den etwa 40 000 Reichsbankkunden zum Zahlungsausgleich dient. Die seit dem 13. Juli in Erscheinung getretene deutsch« Äreditkrise hat sich im Abrechnungsverkehr der Reichsbank außer- ordentlich stark ausgewirkt. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Geschäfte von 43,9 Millionen auf 39,S Millionen zurückgegangen. Die Summe der abgerechneten Beträge hat sich aber von 119,3 Mil- liarden auf 83,8 Milliarden Mark verringert. Vergleicht man nur das zweite Halbzahr, in dem sich die Kreditkrise voll auswirkt, so ist die Verwüstung noch viel größer. Die Summe der abgerechneten Beträge betrug" im zweiten Halb- jähr 1931 nur 31,5 Milliarden gegen 59,9 Milliarden in der gleichen Zeit des Vorjahres, also nur etwas mehr als die Hülste. Trotz der fest der Vorkriegszeit«ingetretenen riesenhaften Steigerung des Ab- rechnungsverkehrs lag die Summe der abgerechneten Beträge im zweiten Halbjahr 1931 noch erheblich unter derjenigen des zweiten Halbjahres 1913(36.8 Milliarden). Stückzahl Beträge Millionen Milliarden Marl 1927............. 40,39 104,61 1928............. 44,65 121,00 1929............. 46,25 126,23 1930............. 43,91 119,34 1931............ 39,62 85,84 Der Vergleich mit den Vorjahren zeigt gegenüber 1929 für das ganze Jahr 1931 einen Rückgang um rund ein Drittel. Weniger stark hat der Reichsbank-Giroverkehr ge- litten. Aber auch hier ergibt sich(Einnahme und Ausgabe zu- sammengerechnet) ein Rückgang gegenüber 1930 von 704,6 auf 622,1 Milliarden Mark, nachdem im Jahre 1929 mit 730,7 Mil- liarden Mark die absolute Höchstziffer in der Entwicklung der Reichsbank erreicht war. Die hohen Neubaumieten. Oer Reichsardeitsmiuister schreibt au die Hypothekenbanken. Der Reichsarbeitsminister hat im Einvernehmen mit dem Wirt- schaftsministerium die Spitzenverbände der Realkreditinstitute er- sucht, bei der Bemessung der Tilgungssätze von so- genannten Tilgungshypotheken den Schuldnern möglichst weit ent- gegenzukommen, da derartige Zugeständnisse im Hinblick aus die � schwierige Lage des Neuhausbesitzes und im Interesse einer weiteren Senkung der Neubaumieten notwendig seien. Der Reichsarbeitsminister bezeichnet es als erstrebenswertes Ziel, daß ein Tilgungssatz von'A Proz. allgemein zur Regel wird und daß nur in den Fällen Tilgungssätze von mehr als'A Proz. bis zu 1 Proz. aufrechterhalten werden, wo dies nach Lage des Einzelfalls unbedingt geboten ist. In seinem Rundschreiben betont der Reichsarbeitsministcr nochmals seine grundsätzliche Auffassung, daß für die Finanzierung des Wohnungsbaues das System der Tilgungshypotheken gegenüber den i gewöhnlichen Kündigungshypotheken unbedingt den Vorzug verdient. Er wendet sich aber nachdrücklich dagegen, daß etwa Hypocheken, für die keine Tilgung vorgesehen war, jetzt nachträglich in Tilgungshypotheken umgewandelt werden, da hierdurch die Ge- fahr künftiger Mieterhöhungen gegeben sei. Oie Noi in Oberschlesien. Nur für Generaldirektoren existiert sie nicht. Die Krise in der oberschlesischen Montanindustrie scheint sür Generaldirektoren und Direktoren noch nicht zu bestehen. Wie uns aus Oberschlesien berichtet wird, wird gegenwärtig in Gletwitz eine Villa erneuert und umgebaut. Der Spaß soll schötzungs- weise 30 000 Mark kosten. Künftiger Besitzer dieser mit Auswendung einer immerhin großen Summ« umgebauten Villa ist ein Direktor vom Oberhüttenkonzern. Obwohl die Oberhütten geradezu in geld- lichen Schwierigkeiten versinken, sind also immer noch Mittel zur Befriedigung der Wohnungsansprüche der Herren Direktoren da. Dogegen wird bei den Arbeiterwohnungen natürlich gespart. Amerika-Gründung der I.G.-Karben. Mai tstärkung auf dem Gebiet der Leichtmetalle. Der IG.-Farbenkonzern und die Aluminium Co. os America gründeten dieser Tage gemeinsam eine amerikanische Gesellschaft namens IG.-Farben Magnesium Development Co., denen Zweck es ist, in den Vereinigten Staaten die deutschen Erfahrungen auf dem Gebiete der Magnesiummetallerzeugung für Produktionserhöhung auszunutzen. Magnesium ist noch leichter als Aluminium, besitzt große Zähig- keit und kann leicht bearbeitet werden. Hauptsächlich wird aus Magnesium das sogenannte Elektronmetall hergestellt. Dieses Metall ist verschiedentlich zur Herstellung von Flugzeugteilen und ähnlichen Verwendungszwecken benutzt worden. Die deutsche Pro- duktion an Magnesium, das von der IG.-Farben in Bitterfels durch Schmelzelektrolyse gewonnen wird, kann für 1929 auf etwa 2000 Tonnen geschätzt werden, während die amerikanische Produk- tion im gleichen Jahre unter 700 Tonnen lag. Wie zur Aluminium- Herstellung weroen auch zur Magnesiumgewinnung verhältnismäßig sehr große Elektrizitätsmengen gebraucht, in Deutschland im Jahre 1929 etwa 400 Millionen Kilowattstunden. Da bisher Elektronmetall nur für einig« spezielle Zwecke Ver- wendung gesunden hat, kommt der neuen Gesellschaftsgründung metallwutschaftlich für die Gegenwart keine übergroße Bedeutung zu. Immerhin ist es bemerkenswert, daß oie IG.-Farben, die etwa ein Fünftel der deutschen Aluminiumerzeugung kontrolliert, durch den Vertrag mit dem M e l l o n- K o n z e r n. der den gesamrcn amerikanischen Aluminiunrmarkt monopolartig beherrscht, ihre Stel- lung in der Leichtmetallwirtschaft erheblich verstärkt. Massenumzüge bringen Tapetenkonjunttur. So ungünstig zur Zeit die Aussichten für eine Belebung in der Papierindustrie sind, erwarten doch gewisse Kreise dieser Industrie eine Sonder- konjunktur für das Tapetengewerbe. Die Verwaltung der Ammendorfer Papierfabrik in 5>alle teilt hierzu mit. daß die für den 1. April zu erwartenden Mafsenumzüge in den deutschen Großstädten ganz zweifellos den Tapetenumsatz fühlbar heben werden. Da bei den Händlern schon seit längerer Zeit größere Lager überhaupt nicht mehr gehalten werden, muß sich dieser erwartete Mehrabsatz unmittelbar auf den Beschäftigungsgrad der Fabriten auswirken. Aoisiandsarbeilen und Arbeiisbefchaffung. Die Deutsche Gesellschaft sür öffentliche Arbeiten A.-G. Die Finanznot der Länder, Provinzen und Gemeinden hat auch die Durchführung von Notstandsarbeiten immer mehr erschwert. Die Durchführung von Notstanosarbeiten wird seit einigen Jahren systematisch von der Deutschen Gesellschaft für öffentliche Arbeiten A.-G. gefördert, einer im Reichsbesitz befind- lichen Gesellschaft, auf die die Darlehnesorderungen des Reiches an öffentliche Stellen übertrogen worden sind und die die einlaufenden Zinsen und Tilgungsbeträge dazu oerwendet, öffentliche Notstands- arbeiten zu finanzieren. Im Finanzierungsprogramm der Gesellschaft findet man oie größten und wichtigsten Brücken-, Damm-, Straßen-, Talsperren- und Kanalbauren, die in den letzten Iahren in Deutschland durch- geführt worden sino; unter anderem auch neuerdings den Bau des Rügendammes und die E l« k t r i s i zie ru n g s a r b e i- ten der Reichsbahn in Württemberg Die Gesellschaft erhält Zinsen und Tilgung sbeträg« aus einer ihr vom Reich zur Vcrwaliung übertragenen Gefamtdarlehnssumme von rund 417 Mil- lionen Mark, von denen auf öffentliche Stellen 269 Millionen, auf Schiffsbaudarlehen 33. auf Darlehen zur Förderung von Land- arbeiterwohnungen 73 und anders Darlehen 22 Millionen entfallen. Die Gesellschaft hat seit ihrer Gründung den Ländern zur Finan- zierung von Notstandsarbeiten 69,3 Millionen Mark zugewiesen. Di« Arbeit der Gesellschaft hat sich oeshalb besonders be. währt, well die Zins- und TUgungseingänge, seit die Verwal- tung der Reichsdarlehen vom Reichehauehalt losgelöst ist, trog der allgemeinen finanziellen Notlage der öffentlichen Stellen besser eingehen als früher. Wir find üer Meinung, daß die Deutsche Gesellschaft für össent- lich« Arbeiten auch unter dem Gesichtspunkt der Arbeits« beschaffung nicht nur eine sehr wichtig« Funktion schon ersüllt, sondern auch zu noch stärkerer Wirksamkeit gebracht wer- den könnte. Di« Gesellschaft«rzielt jährliche Zins- und Tilgungs- einnahmen von 40 bis 43 Millionen Mark. Man hatte früher schon einmal beabsichtigt, auf dieser Grundlage große langfristige Zlus- landsanleihen zur Arbeitsbeschaffung abzuschließen, was aber durch Sen Eintritt der Kreditkrise unmöglich geworden ist Es wäre heute zu erwägen, ob nicht Inlandsanleihen auf dieser Grundlage zur Förderung der Arbeitsbeschaffung ausgegeben werden können Jedenfalls haben wir in oiesem Reichsunternehmen noch ein Aktioum, das sorgsam zu pflegen ist und das auch in den Plänen zur Arbeitsbeschaffung«ine wichtige Rolle spielen kann. fflans Srman: SitlbfCdlSIT ... irgend etwas hat geknackt im Haus«! Ganz deutlich habe ich es gehört.— Horch!— da schlürfen Schrttte unten durch das Eßzimmer!— Schon wieder knackt es! Soll ich aufstehen? Wenn nur mein Kops nicht so dumps wäre. Diese verfluchte Aowle am Abend Nie wieder Waldmeister! Ein Kerl muß das ausspioniert haben, und denkt... Nein, nicht wieder einschlafen! Ich muß hinunter. Ich kann doch nicht ruhig bei mir einbrechen lassen. Was wurde Ilse sagen?— Schon sehe ich ihr Gesicht! sehe, wie ihre Gestalt sich noch«in wenig höher aufreckt als sonst und mich mitleidig von oben herab ansieht. „Natürlich! Pistolenduelle auf drei Schritt Distanz— am Schreibtisch. Alles kannst du— am Schreibtisch! sogar mit einer Frau umgehen— am Schreibtisch! Ach Kurt! aber wenn du wirk» lich einmal zupacken sollst.. unser ganzes Silber, die Teppiche, die Bronzen!— Hundertmal habe ich Ilse gesagt, daß besonders die Oberfenster sorgfältig geschlosien werden müssen.„Es gibt doch nun einmal keine Läden am Haufe! Wir wohnen doch fast allein hier draußen! Frau! wie leicht kann da jemand einsteigen!"... Eben ging die Küchentür! ich muß hinunter.— Ich bin doch nicht etwa ängstlich?— ich weiß gar nicht, was los ist mit mir. Die Beine sind so zitterig!— Ach diese Bowle.— Nein, ängstlich bin ich nicht Nicht im geringsten. Nicht ein» mal Ilse werde ich wecken. Selbst ist der Mann! Außerdem habe ich gelesen, daß Einbrecher nie Menschen an- greisen— Stet? fliehen sie„unter Zurücklassung chrer Beute". Leise stieg ich aus dem Bett.— Zu dumm, daß der Brief- offner unten auf dem Schreibtisch im Arbeitszimmer liegt. Eine Waffe mitzunehmen wäre schon bester.. Aber außer Ilses Schäfer- stob vom letzten Maskenball, mit dem sie immer unter das Bett gerutschte Zeitungen, Briefe und Geldstücke hervorholt, ist nichts zu finden— Einen drohenden Eindruck macht er nicht mit seiner rosa- farbsnen Schleife— aber immerhin, ich habe etwas, woran ich mich anklammern kann: ich bin nicht wehrlos. Vorsichtig stieg ich die Treppe hinunter Natürlich kracht die unterste Stufe heute besonders laut. Gleich aber ist das Haus totenstill. Nichts regt sich. Meine Beine schieben mich vorwärts in das Dunkel des Gangs hinein. Licht wollte ich nicht andrehen. Bester nicht: auch das hatte ich irgendwo mal gelesen.— Dabei setzt man sich der Gefahr aus, crschosten zu werden. Nein, kein Licht. Besser nicht! Vielleicht ist er auch schon weg. hoffe ich einen Augenblick, bevor ich um die Ecke nach dem Küchenflur biege.— — Einen Augenblick setzt mein Herz aus.— Durch die Ver- glajung der Küchentür fiel Licht. Also doch Einbrecher!— Schnell gebe ich mir«in paar Ver- hallungsmaßregeln: ruhig bleiben! fest und sicher austreten! immer '.Rückendeckung behallen! Und nun los! Ich weiß nicht, warum ich mir Einbrecher immer groß und stämmig vorgestellt habe.— Da vor mir, neben dem geöffneten Eisschrank sitzt ein altes, verschrunzeltes Männlein. Um die mürben Knochen hängt ein vielleicht noch guter, aber viel, viel zu weite? Anzug. Auf dem Kopf stehen ein paar graue, müde Büschel struppiger Haare. Die Füße des Mannes stecken ln gelben Socken. Seine Stiefel stehen auf dem Bord unter dem Küchenfenster. Natürlich hat Ilse das Oberfenster nicht gefchlosten, sehe ich in der ersten Sekunde, während ich noch den Eindringling mustere. Em müdes und blasses Gesicht schaut zu mir auf. In den Händen hat der Mann die Platte mit den gefüllten Tomaten. Nun setzt er sie behutsam auf den Boden. Langsam erhebt der Mann sich. Bor mir steht ein Dieb! ein Verbrecher!— und während ich ihn verwundert und bereits ein wenig nachdenklich anschaue, zieht sich sein zottiger Schnurrbart nach beiden Seiten auseinander zu einem verlegenen Grinsen. „Herr!" sage ich, denn angesichts einer so kümmerlichen Figur fühlt« ich mich trotz lila Schlafanzug und rosa verzierten Schäfer- stöckchen sehr im Uebergewicht,„Herr!" sage ich also,„was fällt Ihnen sin. hier ohne meine oder meiner Frau Erlaubnis zu Nacht zu speisen?"— Und gleich frage ich ihn, ob er außer den beiden großen Paketen, die wohl alle Wertgegenständ« unseres Hauses enthielten. auch noch seine Taschen gefüllt habe? Mein Einbrecher schüttelte nur den Kops und schlug beteuernd auf seine Taschen. „Dann also raus! aber durch die Tür!" befehle ich energisch und voller Würde. Der Mann sucht nach seinen Schuhen. Mit zitternden Händen band er sie zu. Wie ungeschickt er sich anstellte. Nicht einmal ordentliche Schnürsenkel besaß er. Ich überlegte, ob ich ihm nicht von meinen. Cr bückte sich nochmals, faßt die Platte mit den gefüllten To- maten, stellt sie ordentlich in den Cisschrank und schließt ab.— Heute noch glaub« ich, daß alles gut gegangen wäre, hätte ich nicht dabei den elenden, stumpfen Blick gesehen, mit dem der Mann die Platte in den Eisschrank stellte. Gewiß bin ich ein Mann, der hart auftreten kann, der sich unnach sichtlich durchsetzt, auch im härtesten Kampf. Auch im Kamps gegen Ilse! Ich kann unerbittlich sein und herzlos— Aber ich kann kein Leid sehen. Dann werde ich weich— selbst meiner Frau gegenüber. Ich kann kein Leid sehen. Wirk- lich nicht Was war schon dran an den Tomaten? Hätte sie jemand von uns noch angerührt, nachdem dieser Einbrecher sie in Händen ge- habt?— War es nicht eine Selbstverständlichkeit, daß ich dem Mann sagt«!„Esten Sie sie ruhig aus. wenn Sie hungrig sind. Daraus kommt es jetzt nicht mehr an! Mann!"— Und war es nicht selbstverständlich, daß ich die Platte vor ihn auf den Tisch setzte, einen Stuhl hinschob und ihn nochmals zum Esten nötigte, als er mich aus seinen verfallenen Augen schier ratlos anstierte? Schließlich kann Ich doch«inen Menschen nicht verhungern lassen! auch dann nicht, wenn er ursprünglich als mein Feind ge- kommen ist— Das wäre doch«ine noch größere Sünde. Und ich stellte ihm den kalten Braten hin vom Abend. Das Brot. Sogar ein großes Glas von der Ananasbowle.— Wae ist schon dabei, wenn ich den Mann einmal ordentlich füttere? Ich kann ja morgen früh Ilse sagen, daß ich m der Nacht noch einmal Hunger bekommen hätte. Wa» heißt übrigens„Feilst»"?— sitzt da nicht ein armer Kerl vqr mir. den die Menschen geprügelt und verfolgt haben? Ist der Mann nicht höchstens vierzig Jahre alt oder gar noch jünger? Ist er nicht einfach zu stark verbraucht, zu stark gehetzt? Haben ihn die Menschen nicht vielleicht erst zu dem gemacht, was er hier ist? Schreien in seiner eiskalten Wohnung hungernde Kinder? Jammert dort eine Mutter?— Die Bowle scheint ihm gut zu tun. Des Mannes ganze Hallung wird straffer. Sein« Kaubewegungen werden härter und schneller. — Ilse wird sich über meinen Appetit wundern. Aber immerhin, ich habe ein gutes Werk getan. Ordentlich hübsch wird das alle Sttomergesicht. Auch die Stirn erscheint mir jetzt höher als vorhin.— Nur das starr« Grinsen der auseinander- gezogenen Mundwinkel stört mich. Natürlich, beginnt mein Gast zu erzählen, war er schon frühe Waise geworden. Fürsorgeerziehung Und natürlich haben sie chn da ganz falsch angefaßt.— Sänger wollte er werden, berühmt und reich sein!— Man hat es ihm nicht erlaubt Prachwoll war feine Stimme gewesen. Auch heute noch schmettere er den Postillon von Lonjumeau oder Waldeslust, Waldeslust... Aber ich lehnte ab. Ilses wegen. Es hätte sie jetzt bestimmt erschreckt— Dann aber muß so verschiedenes in sein Leben gekommen sein: nirgendwo hätte sie einen Vorbestraften gewollt.— Und er hatte doch einmal während der Fürsorge aus Hunger etwas Geld an sich genommen... Gott, das wechselte dann so ab später. Zwischen Hunger und Sättigung, Arbeit und Bettelei, Freiheit und Gefängnis.— Natür- lich hatte er auch, ganz wie ichs dachte, Frau und Kinder. Vier klein« Kind«. Und alle zwischen zwei und drei Ihren. Und dl« Frau liegt jetzt m der Klinik und erwartet das nächste. Jetzt muß das älteste dl« drei kleineren besorgen!— Der Mann schluchzt. Auch ich bm«griffen. Natürlich, so etwas gibt es! Und so mußte das alle» kommen.— Ader ich konnte dem armen Schlucker helfen. Ich konnte chn und die armen Würmer retten. Ein wahres Glück, daß der Mann bei nur und nicht nebenan bei dem mickrigen Geheimrot eingebrochen ist! Ich konnte helfen! Morgen oder übermorgen sollte er sich bei mir melden. Für zwei oder auch drei Wochen wird sich im Hause und im Garten schon genug Arbeit finden. Dann wurde ich weit« sehen. Nie werde ich den demütigen und dankbaren Blick des Mannes vergessen, als ich chm den Rest des Bratens und für den aller«sten Anfang noch ein Dreimarkstück in die Hand drückt«. Nochmals klopfte ich chm aufmunternd auf die Schulter und entließ chn. Während ich die Haustur sorgfältig abschloß, hört« ich langsam und zögernd, als ob er sich noch nicht losreißen könnt«, den Mann durch unseren Vorgarten schlurren. Müde ging ich wieder zu Bett. Fest und glücklich schlief ich in dem Bewußtsein meiner guten Tat. Wieder einmal konnte man helfen und ein bißchen Lieb« und Vertrauen säen. Waren wir nicht alle Brüder? Am nächsten Morgen wurde ich von Ilse geweckt. Sie stand vor meinem Bett und schrie: Einbrecher hätten das ganze Silber, alle Bronzen ausgeräunst. Durch das Oberfenster in der Küche wären sie hereingekommen! Ja, das Oberfenft« nachher zu schließen, das halle ich wohl vergessen. hflarx und feine Sefchwifier Der nachstehende Brief von Marx' Schweff« an ihren Bruder Sarl wird, foweil ich fesisiellen konnte, hier zum erstenmal veröffenkstchl. Alarx' Schwester Sophie war ml! dem holländischen Recktsanwatt Rod«» Schmalhansen in Maastricht verheiratet. D« Brief ist lm September 1546 an Sarl Marx, d« damals in Brüssel lebte, geschrieben worden. Das Dokument bestätigt, was wir schon aus anderen Quellen, wenn auch kaum in dies« Unmittelbarkeit, wissen, daß Marx ein Mensch war, der trotz großer innerer menschlich« Wärme sich nach außen hin kühl abschloß. V« Brief berichtet von einem Besuch von Marx' Mutter in Maastricht ln Begleitung seiner jüngeren, offenbar schwer kranken Schwester Taroline. Alle anderen biographischen Beziehungen bedürfen wohl keiner weitere« Erklärung. J. P. Mayer. Lieber Kars! Du wirst«staunt sein, noch keinen Brief von Carolinchen und stall dessen«inen von mir zu empfangen: schon früher hättest du diesen empfangen, wenn nicht Wäsche und andere häuslich« Be- schäftigungen nach Müllerchens Abreise mich abgehalten hätten. Dein Brief kam einige Stunden nach Müllerchens Abreise an, glück- licherweise. denn Carolinchen wäre so gern mit ihr nach Bommel und wartete täglich aus Briefe. Doch da» arme Kind fühlte sich so schwach, daß der Doklor es stark abriet, und wirtlich wären Deine Pläne, lieb« Karl, unausführbar gewesen: das liebe Linchen fühlte sich ungeachtet der größten Ruhe und Schonung so unendlich müde, daß das Wünschenswerteste war, sie rubig zu Hause zu wissen. Ach, so gern halle ich sie hier gehalten und den lieben Engel verpflegt, doch Mütterchen wollte ungeachtet ihrer Bitten nicht: auch ist's besser so. doch wäre sie bettlägerig geworden und hätte Mütterchen gemißt, hätte das arme Kind sich doch wohl un- glücklich gefühlt. Bon Deinem äußerst liebevollen Benehmen gegen sie oermochte sie mir nicht genug zu sagen, und mit dem größten Vergnügen sprach sie von Deinen Lustschlösiern: Dein Brief hätte chr gewiß vielen Kummer gemacht, da Mütterchen durchaus nicht riskieren durste, sie von sich zu lassen: mein Brief bezweckt daher einerseits, Dich zu bitten. Carolinchen zu schreiben, daß Du ver- hindert worden seiest. Deine Pläne auszuführen, und sie auf spätere Zellen zu verschieben: daß ich Deinen Brief«brach, wirst Du leicht vergeben, lieber Karl, da ich nur L.' Ruhe dabei vor Augen hatte und Neugierde mich durchaus nicht dazu antrieb. Wie geht's Deiner lieben Frau: die arme Jenny wird bei der Krankheit ihrer Kinder viel ausgestanden haben, denn es ist nichts trauriger, als so zarte, hilflose Geschöpschen traurig und leidend zu sehen: sehr, sehr neugierig bin ich. Deine lieben Kinder einmal zu sehen, das geistig«, tieffühlende Iennychen und das schöne strahlende Laurachen, mir scheint, Ihr seid recht ungenügsam und müßt alles ganz extra haben: küsse mir die lieben kleinen Wesen von chrer ihnen ganz sreirden Tante: denn so lieb und gut Du eine Schwester behandell hast, scheint Dir alles übrige ent- fremdet, und ir-r scheint, lieb« Karl, daß Du die Innigkeit der Verwandtschastsbande(und noch gar so naher) wegzuraisonni�xen suchst: jedenfalls bin ich überzeugt, daß Du Dir in diesem Punkte nicht konsequent bleiben und Deinen Kindern andere Prinzipien einprägen wirst.— Verzeihe mir, mein Bruder, daß Deine ältere Schwester Dir noch, ganz unberufen zwar, eine Bemerkung macht. Jenny gratuliert Mütterchen in ihrem Briese an L. zu ihrem Ge- burtstage und schrieb einige herzliche Worte: Du. der eigene Sohn, für den M. gewiß mehr tat, als sie mußt«, die arme Schmerzens- Mutter, kann man wohl sagen, die chr liebstes Kind, den besten Engel trotz aller Sorgen und Mühe hinsterben sieht, die hattest(Du) in Deinem Briese nicht nur nicht beglückwünscht, sondern ganz ignoriert, schon deshalb war ich froh, daß der Brief zu spät ankam: C. konnte Deine Herzensgut«. Dein zartes Gefühl nicht genug loben. und meint, daß Du einen sond Zärtlichkeit besitzt, wie weuige Männer: daß die» bei Deinen übrigen Eigenschaften fetten und vorzüglich ist, ist gewiß: nur wünschte ich. daß Du Dem Herz nicht dermaßen verleugnetest und die gute Mutter und Dein« drei übrigen Geschwister ganz ignorierst: wie ist's auch möglich nach all den traurigen Unglücksfällen, die wir hatten und die uns noch de- vorstehen. Uederwind« Dein störriges Herz, lieb« Karl, und glaub«. all« Philosophie kann die Erfahrimg nicht wegraisonnieren, daß das Verhältnis schlechter oder guter Kinder zu ihren Eltern oft hier schon vergolten wird. Deweis« mir, lieb« Karl, daß meine wohl- gemeinte Aufrichligkett Dich nicht beleidigt hat, und komme uns recht schnell besuchen: sollte Deine liebenswürdige Jenny abkommen können, würde sie mir auch viel Vergnügen machen. Sehr erfreuen würdest Du mich, wenn durch einige Zellen Du mir die Ankunft dieses Briefes mittellen würdest, damit ich weiß, daß Ihr Carolinchen schon noch Empfang dieser Zellen geschrieben habt. da das liebe Linchen sonst Euer Stillschweigen beleidigend finden würde. Zugleich, lieber Karl, melde mir, ob und wann Du gedenkst. uns hier zu befuchen. Mag die Erziehung, die Ansichten, kurz die ganze Richtung von Dir und Robert verschieden sein, mir dünkt,«in paar edler, guter Menschen, die noch durch Derivandtschaftebande liiert sind, könnten sich darum doch recht gut sein. Grüß« mir Jenny recht herzlich, küsse die süßen kleinen Cngelchen und halte (doch das ist kein richtiger Ausdruck mehr), sondern suche lieb zu gewinnen Dein« Sophie. SdgarWallace geftorben Edgar Wollace, der bekannte englische Romanschriftsteller, ist gestern in Hollywood an einer Lungenentzündung g e st o r b c n. Conan Doyle, der die Gestalten des Gentlcmandetektios Sher- lock Holmes und seines getreuen Begleiters Watson erfand, war der Kriminalschriflsteller der Vorkriegsgeneration. Sein Held mußte hart an der Grenze des Todes immer wieder aufleben, well ein begeistertes Lesepublikum immer neue Taten von ihm erwartet«. Obgleich man literarisch« Erfindungen noch nicht patentamtttch schützen lasten kann, erwarb Doyle durch seine Erfindung ein de- trächtliches Vermögien. Er überlebt« sich selbst und ergab sich dem Spiritismus. Als er starb, dachten die meisten von denen, die einst seine Leser waren, er sei schon längst tot. - Nun kommt die Nachricht, daß Edgar Wallace, sein geistiger Erbe, im Aller von 56 Iahren gestorben ist. Sie wird mehr Interesie finden al» die Todesanzeige von Conan Doyle: denn Wallace war viele« noch sehr ledendig. Cr war der Kriminal- jchriststeller von heute, ein Landsmann von Conan Doy'e und wie dieser Produzent einer endlosen Romanseri«, die in rasendem Tempo anwuchs. Mit Conan Doyle hat er auch da» gemein, daß er viel mehr geleset als die Lektüre semer Bächer eingestanden wird. Auch seine Romane hatten unter mancher Sammlung kluger und gelehrter Bücher einen versteckten Platz: mindestens einige von ihnen, übrigens mit viel mehr Berechtigung al» irgendein Tand von Conan Doyle. Wer in den Abenteuern von Wattaces Genllemanverbrechern, die die fteiere Nachkriegsanschauung im englischen Krimmalronton an Stelle de» immer etwas moralinsauren Detektivs zuließ, Entspannung von anstrengender geistiger Arbeil sucht, wird dabei manchmal in«in Reich geführt, au» dem mindestens in kleinen ironischen Reflexen die Wett brav« Bürger und sittlich einwandfreier Normal- menschen amüsant heroorleuchtet. In diesen Büchern näherte Wallace sich den besten Romanen von Cloestadt und Frank Heller. Alle drei haben«ine Anzahl geistreich kompomener und amüsanter und sehr viel« durchschntttlich« Krimina.'romane hervorgebracht. Seltsamerweise lassen viele M«nsck,«n Heller und Elvestadt gellen, brechen aber über Wallace den Stab. Da» ist vielleicht durch die Ueberschwemrnung mit Wallace-Uebersetzungen zu erklären, die der deutsche Büchermarkt in den letzten Jahren erfahren hat. Wie auf den gelben englischen Ü-Penny Büchern steht auch gewöhnlich auf den deutschen Ausgaben:„Es ist unmöglich, von Wallace nicht gefesselt zu sein." Das kommt sicher auf die Einstellung de« Lesers an, aber, wie gesagt, mindestens ebenso sehr darauf, welchen Roman er gerade in die Hand kriegt.„Literatur" im höheren Sinne ist keiner. Aber geschickte amüsant zu lesende Kompositionen sind der „Rinder",„Double Dan",„The Law of the Four Just men"(Das Gesetz der vier Gerechten) und der„Mixer". Mit diesem letzten Buch ist Wallace vielleicht sein beste» typisches Buch gelungen. Er hat viel« der darin geschilderten Abenteuer anscheinend auf krimina- listischen Notizen aus Zeitungen aufgebaut, in knapperer Formu- lierung, als er e» bei dem Stofiverbrauch eines Senenschriftstellers sonst meist für geboten hielt. Diese kleinen, zuerst In einem Lon- doner Magazin erschienenen Abenteuer um«inen Mittelpunlt. den „Mixer", bringen manchmal recht witzig gesehene Gestatten: so den Schwindler, der unerhört billige Waren inseriert und auch an Be- steller versendet, um sie sicher zu machen und zur Einsendung noch größerer Beträge zu veranlassen, mit denen er dann oerschwindet. Am hübschesten skizziert ist aber die Gestalt de» bigotten Sitten- apostel» Kandeman, der von seinen Dividenden lebt, Moral predigt und einer höchst unmoralischen Berdienstchance aus den Leim geht. Vielleicht hätte Wallace, wenn er da» Testreben gehabt hätte, recht gut den englischen„Babitt" protrotieren können. Doch er hat recht- zeitig entdeckt, daß mit Kriminalromanen sicherer Geld zu verdienen ist als mit der Literatur. Atmung ta plccard» Kugel. Professor Piccard erreicht« auf seinem Flug in die Stratosphäre die Höh» von 15718 Meter. Er besand sich in einer von der Autzenluft völlig abgeschlossenen Leicht- metallkugel. Unter diesen Umständen darf di« Atemluft, wie tn der „Zeitschrift für ärztliche Fortbildung" ausgesührt wird, nicht mehr als 2 Prozent Kohlensäure entHallen Sonst tritt nämlich nach 8 bis 4 Stunden«in« lebensgefährlich« Anhäufung von Kohlen- säure ein. Piccard war ab« l7 Stunden m der Lust Diese Leistung konnte jz nur dadurch bewerkstelligen, daß sich in der Kugel geeignete Sauerstoffgerät« befanden d't nicht nur den Sau«- stoffbedars der Gondelinsassen deckten, sondern auch durch gee'gnete Zusammensetzung der Ltmungsluft die gefährliche Kohlensäure und den Wasserdampf entzogen.