BERLIN Sonnabend 13. Zebruar 1932 X 10 Pf. Ar. 24 B 32 49. Jahrgang ErscheinttSalich außer Sonntag«. Snjlcitti älbent Jn«9«bt drs.Scrairti* Lcmgivret« fit beide Siusjoben 75 Vf. rro Wecke, 3,2.') M. vre TOonol (taron Ii? Vf. minallick für Zustellung ins Haus) im eoraui iOtUac. V o k d e I u g 3,97 M. eiufckiießiick 60 Pf. Vostzcitungs- und 72 Vf. Vostbefiellgebuhren. SfuUaubgaße xlei ü* ittge*b te Ii: Tie-infralUgc Millinieterjeile 30 Vf. Refiamegeile 2.— W. Ermäßigungen Nack Tarif VostfckelffontB: »ormärls- Verlag S. m.d. H..'Sellin Rr 37 53«.- Ter Verla« dedäU ück das Reckl der Adiebnung nickl genedmer Anieigen»or! Redaftion und Ervedilion� Berlin TW 08, Llndenstr. 3 Seensdrecker: Dindest<> 7) 292—297. Schiebung in Braunschweig Was Fn'ck nicht schaffte, wird Klagges fertigbringen v«a»«schweis. 13. Februar. tEigeubericht.) Die Erueuuung Adolf Hitlers zum„auherordeut» liche» Professor" au der Technischen Hochschule in Braua» schweig steht unmittelbar bevor. Der deutschnatio» n a l e Minister kücheuthal hatte sich bisher gegen die Ernennung gesträubt, ist jetzt aber vo« der Not» weadigteit der Ernennung anscheinend überzeugt. Auf Befragen durch die„Volrsfreund"»Redaktiou lehnte Küchenthal ein« Auskunfterteilung ab. Auch der Rektor der Technischen Hochschule, Professor Schmitz, konnte von Minister Küchenthal heute keine Autwort erhalten. Die Ernennung des Ober» gendarmeu zum außerordentlichen Professor wird ohne Mitwirkung der Hochschulin st auze« vor sich gehe«. Küchenthal ist anscheinend durch die national« Opposition mürbe gemacht worden. Hiudeuburg—„nationales Unglück!" »Ja Gottes Aamen- gegen Hindenbtirg" In Dresden sprach gestern der Deutschnationale Bang: vi« Deutschnatwnalen glaubten nicht, daß der R«lch»präsident bereit fein könnte, als Kandidat derer aufzutreten, die mit seiner Ausstellung in Wahrheit nicht ihn, sondern eine Regierung erhalten wollten, von der der„Vorwärts"' gesagt habe, sie sei da» stärkste Bollwerk gegen den Nationalismus. Sollte trotzdem dieses nationale Unglück geschehen, sollte der Reichspräsident also wider alles Erwarten sich bereitfinden lassen, als Kandidat der Linken aufzutreten und sich mit dem System von heute zu identifizieren, so würden die Deutschnationalen selbst- verständlich seine Wahl nicht fördern, sondern auf das aller» schärfste bekämpfen. Und der Nazi-G 0 e b b e l s in Hannover: Es gehe bei der Reichspräsidentenwahl nicht um die Person, sondern um die Sache. Wenn der nationalen Opposition«ine Chance in die Hand gegeben sei, so denke sie nicht daran, sie nicht zu benutzen. Ob die nationale Opposition ernst machen werde, das jetzige System zu Fall zu brin» gen, darüber dürfe es keine Diskussion mehr geben. Entweder ge- ichehe es mit Hindenburg, oder aber es entspreche nicht dem Willen der nationalen Opposition, dann müsse es in Gottes Namen gegen Hindenburg gehen. Vor sieben Jahren war er„der Retter". Jetzt ist er für sie ein Unglück, und sie wissen nicht, wie sich retten— vor ihm! Laß sie betteln gehen... Harzourger Hilfe für die Opfer der Krise. Die Hitlerbanden organisieren Massenversammlungen von Erwerbslosen, in denen sie mit den schamlosesten Lügen gegen die ungenügende Hilfe für die Opfer der kapitalistischen Krise hetzen, etwa im«tile eines Flugblattes, das sie in Berlin an die Erwerbslosen verteilen lassen: An Stelle der Unterstützung, jener Almosen, die ihr selbst von eurem Verdienst eingezahlt habt, will man euch das Schiffsbillett in die Hand drücken zur Fahrt in gelobte Länder! Lebendig wirst du begraben sein. Volksgenosse, du und deine Familie, Ihr nehmt den Weg in die neuen jüdischenFremden» l e g t 0 n e n! Man spricht von lv bis 20 Millionen Deutschen. die man verfrachten will, weil sie hier angeblich überflüssig sind, und glaube nicht, daß man sich schwächliche Bürger holen wird, nein, kernige deutsche Arbeiter wird man sich holen, und wenn sie nicht freiwillig gehen wollen werden polnische Ulanen und französische Tanks, das sind die Klebemaxe der jüdischen Weltfinanz, ihnen das Gehen schon beibringen. Nachdem so auf der einen Seite der„Harzburger Front" die nötige Erbitterung auf die„j ü d i s ch e Welt- finanz" erzeugt ist. sorgt die andere Seite dafür, daß der deutsche Kapitalismus nicht zu kurz kommt. In Hugen- bergs„Lokal-Änzeiger" versöhnt heute leitartikelmähig em Herr Lilienthal:. Ein«.sofortige Erleichterung des Reichshaushalts könnte heute in erheblichem Umfange nur durch eine Umbildung der Ar- beitslosenfürsorge herbeigeführt werden. Di« Verleihung eines Rechts auf Arbeitslosenunterstützung hat sich nicht bewährt... Arbeitslosenuulerslühnng darf künftig nur«och erhalten, wer ihrer Sonntag letzter Tag für die Eintrapng in das„Eiserne Buch"! wirkllch bedürftig ist, insbesondere auch deshalb, weil er keinen Rück- halt an unterhaltsverpflichteten Personen hat. So— da ist die Katz aus dem Sack! Der Nazi schimpft über die„Almosen", der Hugenberger aber erklärt, daß auch diese verschwinden müsse! Beide aber ziehen in trauter Herzlichkeit gemeinsam am Harzburger Strang, mit dem die demokratischen und sozialen Errungenschaften der Arbeiterklasse erwürgt werden sollen, noch bevor die Weltkrise abebbt! „Freimaurer Geldie." pst- bitte ganz geheim! Nicht öffentlich sagen? Unser Mannheimer Parteiblatt, die„Volksstimme", ist in der glücklichen Lage, ein Geheimrundschreiben der badischen Hitler-Partei zu veröffentlichen, das außer einigen organisatorischen Anweisungen auch eine niedliche Denunziation enthält. Wir geben es hier als D 0 k u- ment der Harzburger Einigkeit wieder: NSDAP.. Gau Baden Karlsruhe, 2«. Hortung. Orgamsatüms-Abt. 2 Abteilung Landwirtschast 1932 Rundschreiben Nr. 6 3. Von der Neühsleitung wird nochmals darauf hin» gewiesen, daß gleichzeitige Mitgliedschaft beim Stahlhelm und bei der NSDAP, unsererseits nicht gestattet wird. Außerdem soll unter Aus» schluß der Oeffentlichkeit bekannt gegebe» wer» den, daß der Stahlhelmführer Seldte Freimaurer ist und daß die deutschen Logen ihren Mitgliedern ganz offen empfehlen, dem Stahlhelm beizutreten. Von einer öffentlichen Diskussion dieser Ding« ist wegen der„Harzburger Front" abzusehen. 4. Betr B 0 x h e i m e r A f f ä r e: Es soll festgehalten werden, daß Pg. LGF. Hessen Dr. Wagner vollständig unschuldig an dem ..Boxheimer Dokument" ist. Er hat es nicht einmal dem Inhalt nach gekannt. Desgleichen gilt dies auch von dem LRF Pg. Darr«. Pg Darre wurde nur in diese Angelegenheit verwickelt, weil durch be- schlagnahmte Rundschreiben der Reichsleitung an Pg. Dr Wagner unmittelbare Beziehungen festgestellt wurden und nun von Re- gierungsseite ausgeschlachtet wurde, um der NSDAP, etwas an» Bein hängen zu können und die Reichsleitung in diese Sache hinein» zuziehen. Da» Boxheimer Dokument hat uns ohne Zweifel in der Oeffenk» lichkeii geschadet. Aber wenn heute noch von deutschnatio- naler oder anderer Seite mit den„Auswirkungen" dieses Dokn» ment» Hansieren gegangen wird, dann erteile man diesen Herren doch eine Antwort, wie sie unser Führer einem sehr prominenten Führer der Landwirtschaft gab:„Die Auswirkungen des Boxheimer Dokuments sind für unser Volk nicht so schlimm wie die Unter- schriften unter den Dawes-Plan und Zoung-plan." Diese Antwort hören diese„Umfaller" nicht gerne. usw. Heil Hitler gez. Plesch.(Stempel.) Ein netter Zustand bei den Harzburgern! Nach außen macht man in„heißester Liebe zur Nation"— im eigenen Lager aber verdächtigt man sich„ganz geheim", nur nicht in„öffentliche? Diskussion"! Die Boxheimer und die deutschnationalen„Umfaller" geben gemeinsam eine wundervolle Auslese aus der germanischen Rasse�ucht, auf die sie so stolz sind, daß sogar der brave Januar in einen alt- germanischen„Härtung" verwandelt wird. Groener und die„Legalttät". Eine neue ausfällige Erklärung der Reichswehr. Zu dem Artikel des Reichstagsabgeordneten Schöpft in in der gestrigen Abeud-Ausgabe des„Vorwärts" erklärt das Reichs- wehrmiuisterium. auf deo persönlichen Ton dieses Artikels gegen den General von Schleicher nicht eingehen Zu wollen. Gewisse Angaben seien darin enthalten, deren Unrichtigkeit dem Verfasser bekannt sein müsse, so daß Schleicher bei Kriegsende erst Oberleutnant gewesen sei. Der Erlaß des Reichswehrmlnisters über die Wehrverbände und die Zulassung von hitlerianern in die Reichswehr stehe weder mit früheren Erklärungen des Reichswehrministers noch des Reichs- kanzlers noch Reichsgerichtsentscheidungen im Widerspruch. Der Rcichswehrmiuister habe in seiner Erklärung vor dem Reichstag am S. Marz v. 3. ausdrücklich gesagt, die Stellungnahme poli- lisch er Parteien sei nicht ewig und endgültig, son- dern unterliege der Veränderung und darum auch der dauernden Nachprüfung. weder der Reichskanzler noch das Reichsgericht hätten fest- gestellt, daß die NSDAP, die versassnng mit Gewalt abändern wolle. Das Reichsgericht habe vielmehr festgestellt, daß der Parteiführer der NSDAP, nach seinen Erklärungen entschlossen sei, alle illegalen Elemente aus der Partei auszuschließen: wen» auch Parteimitglieder trotzdem illegale Hand- laugen gegen den willen und ohne Vorwissen des Führers be- gingen, so sei damit nicht ein illegaler Wille der Partei erwiesen. 3m übrigen schreibe der neue Erlaß vor. daß die politische Haltung jedes Bewerbers vor seiner Aufnahme in die Reichswehr geprüft werden müsse. Der Erlaß selbst set vom Reichewehrminister Groener selbst unterzeichnet, dieser habe die Z u st i m m u n g de» Reichskanzlers vorher eingeholt. Die Verantwortung für den Erlaß fei damit klargestellt. Der Minister lehne jede Darstellung auf das schärfste ab, als ob General Schleicher jemals ohne Billigung oder Austrag des Ministers auf politischem Gebiet tälig gewesen sei. Diese Erklärung des Reichswehrmlnisters macht die Sache nicht besser, sondern schlechter. Sie bestätigt der NSDAP, ihre„Legalität", worüber im Braunen Hause sogar die Hühner lachen werden. Daß sich Groener schützend vor Schleicher stellen würde, war vorauszusehen. Es ändert aber nichts an. der Tatsache, daß sich General von Schleicher ein sehr beträchtliches Maß von Mangel an Vertrauen in allen republikanischen Kreisen zugezogen hat. Der Artikel unseres Genossen Georg S ch ö p f l i n, der doch wirklich nicht als Stürmer gegen die Reichswehr bekannt ist, liefert den besten Beweis dafür. Das Reichswehrministerium sollte einmal vom hohen Pferde steigen und überlegen, ob es wirklich seine Aufgabe ist. ein vertrag- liches Verhältnis zwischen dem verfassungstreuen Teil des deutschen Volkes und der Wehrmacht zu verhindern. Sollte es zu dem Ergebnis kommen, daß dies seine Aufgabe nicht ist. so wird es sich schon entschließen müssen, seine Erlasse in Zukunft anders-■ stilisieren., Lausanne im Zuni Empfehlung der Gläubigermächte— Berlin einverstanden Memelkundgebung in Berlin. Gegen die litau.sche Gewaltpolitik. Im überfüllten Plenarsaal des ehemaligen Herrenhauses fand gestern eine Kundgebung des Memellandbundes gegen die litauische Gewaltpolitik statt. Der Vorsitzende des Memellandbundes, Professor B o e r s ch» mann, dehnte die Bedeutung der um Memel zu treffenden Ent- scheidung für ganz Deutschland, für die Weltpolitik und vor allem für den Völkerbund. Er gab ein Bild von der großen Erregung, die in Ostpreußen und in der deutschen Ostmark Übex das litauische Vorgehen herrscht, und erörterte weiter die Frage, ob Völker- geschehen auch in Zukunft unter den Zeichen von Rechtsbruch und Waffengewalt stehen oder ob es auf der Grundlage von Menschen- recht und Gesetz erfolgen solle. Die Politik Litauens nannte der Redner die Handlung eines verschlagenen kleinen GelegenHeitsräu- bers. Boerfchmann sprach weiter der Reichsregierung den Dank aus für die Schnelligkeit und den Nachdruck, mit dem sie sich für die Behandlung der Mcmellandfrage in Genf einsetzte. Die Memel- länder wären nicht immer mit der deutschen Regierung einverstan- den gewesen, wenn sie siel) zu nachsichtig gegen Litauen zeigte. Auch der Memellandbund hätte eine Freundschaft mit Litauen niemals ganz abgelehnt, doch müsse das Memelland deutsch bleiben. Nach den letzten Ereignissen sei es aber undenkbar, daß weiterhin das Memslgcbiet in der Obhut der Litauer bleiben könnte. Noch zwei weiteren Referaten wurde eine Entschließung an- genommen, die folgende Forderungen enthält: Einsetzung einer ört- lichen Kommission des Völkerbundes zur laufenden Berichterstattung über die Lage im Memelgebiet: Wiedereinsetzung des Direktoriums Böttcher und Rückgängigmachung aller litauischen Maßregeln aus Anlaß des Putfches vom 6. Februar; Abberufung des Gouverneurs Merkys; Rückziehung des Militärs und der großlitauischen Schützen- verbände aus dem Memelgebiet: Auflösung der neu geblldeten litauischen Schützenoerbände innerhalb des Memelgebietes: Aus- Hebung des Kriegszustandes; Suspendierung der litauischen Souve- ränität; Wisderherstellung des staatlichen Standes im Memelgebiet vor Einbruch der Litauer im Januar 1923; Volksbefragung aller vollberechtigten Memelländer innerhalb und außerhalb ihrer Heimat über ihre staatlich« Zukunft, und völlige Neuregelung der Memel- frage unter der grundsätzlichen Ausschaltung Litauens. In der Versammlung wurden immer wieder stürmisch« Zurufe laut, die«in energisches Vorgehen gegen den litauischen Rechts- brach verlangten. Eine Verleumdung-- 50 Mark! Unsterbliche Nazilüge. Erlangen, 13. Februar.(Eigenbericht.) In der öffentlichen Sitzung des Stadtrats Erlangen am 19. Mai 1931 hat der nationalsozialistisch« Stadtrat und Ortsgruppenführer Hauptlehrer Groß die schon so oft widerlegte Verleumdung gegen den„Vorwärts" aufgewärmt, indem er behauptete: ,chie Fremdrassigen bezahlen die Arbeiterzeitungen. Der„Vorwärts" er- hielt 890 909 Mark von den Fremdvassigen". In diesem Zusammen- hang nannte Groß den Namen Goldschmidt und de» des „Vorwörts"-Chefredakt«urs Stampfer. Groß stellte ferner sinngemäß die Behauptung auf, daß die Juden die Arbesterpvesse und insbe- sondere den„Vorwärts" finanzieren und Stampfer habe so zu schreiben, wie es die jüdischen Geldgeber verlangen. Am Freitag hatte sich Groß wegen dieser VerleppHungen.vor dem Einzelrichter des Erlanger Amtsgerichts, Oberamtsrichter Eck, zu verantworten. Der Beklagte machte nicht einmal den leisesten Versuch, einen Be- weis für seine Behauptungen anzutreten, trotzdem die lokal« Nazi- presse schon vor Monaten triumphierte, ,chaß Herr Stampfer einen bäsen Neinfall in Erlangen erleben" werde. Es kam aber anders. Das Gericht verurteilte den De- klagten zu 59 Mark Geldstrafe und erkannte den Klägern, dem Geschäftsführer und dem Chefredakteur des„Vorwärts", das Recht der Publikation im„Vorwärts", dem„Erlanger Volksblatt" und dem nationalsozialistischen Wochenblatt„Kampf" zu. Das Ge- richt sprach in der Begründung ausdrücklich aus, daß die Behaup- hingen des Herrn Groß in keiner Weise begründet und daß nicht einmal der Versuch eines Wahrheitsbeweises ge- macht wurde. Der Beklagte sei Hauptlehrer und mußte sich bewußt fein, daß er die Vorwärtsredakteure in ihrer Ehre herabsetzen wollte. Ihm sei es nur darauf angekommen, der sozialdemokratischen Presse etwas anzuhängen. Trotz alledem erkannte der Richter nur auf die lächerliche Strafe von 59 Mark. Eine höhere Strafe hätte eintreten müssen, fügte er hinzu, wenn der Beklagte zur Zeit der Verleumdung Kenntnis gehabt hätte, daß das, was er behauptete, unwahr ist. Das Gericht war der Meinung, daß Groß das, zvas er tn seinen Zeitungen gelesen hat, geglaubt und weiter verbreitet habe, ohne sich zu vergewissern, ob die Behaup- hingen wahr sind. Giurm im pariser Senai. Heber die„Wahlreform" und die Haltung der Negierung. Paris, 13. Februar.(Eigenbericht.) Die Annahme der WaHlrejorm durch die Kammer hat am Frei- tag im Senat einen E n t r ü st u n g s st u r m hervorgerufen. Dem Kabinett wird die Anwesenheit des Innenministers auf der Regierungsbank der Kammer während der Debatte zum Vorwurf gemacht. Kritisiert wird ferner, daß die Regierung nicht nur die Wahlreformdebatte zugelassen, sondern sie sogar noch er» ni u t i g t und dadurch für die Mehrheit der Kammer gegen den Senat Partei ergriffen habe. Der radikale Senator Peyronnet hat infolgedessen eine Interpellation über die allgemeine Polttik der Regierung an- gekündigt. Cr will sie am Dienstag einbringen und sofortige Dis- kussion beantragen. In der Jnterpellationsdebatte dürft« nicht nur die Haltung der Regierung zur Wahlreform unter die Lupe ge- nommen werden— auch die Wirtschafts-undZollpolitik der Regierung, der Zwischenfall in der Kammer, der zur Demission des Vorsitzenden und Generalberichterstatters der Finanzkommisston führte, ferner die Freigebigkeit der Regierung gegenüber gewissen in Finanzschwierigkeiten befindlichen Privatunternehmungen sowie noch verschiedene andere Fragen werden Gegenstände einer scharfen Kritik sein. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Regierung in eine gesähr- liche Lage gerät. Man nimmt an, daß sich Laval mit der sofortigen Beratung der Interpellation einverstanden erklärt. Paris, 13. Februar.(Eigenbericht.) In Rom sollen nach einer Mitteilung des Außenministeriums am 15. Februar Verhandlungen zum Abschluß eines neuen fran- zösisch-italienischen Handelsvertrages beginnen. Die Handelsverträge von 1922 und 1928 wurden Im vorigen Jahr von der französischen Regierung gekündigt. Zum Führer der sranzösischen Delegation wurde der französische Botschafter in Rom ernannt. Bei deutsch.polnischen Staatsangehörigkeitsfragen soll die Er- ledigung erleichtert und beschleunigt werden durch die soeben verein-- harte Einsetzung einer gemeinsamen Sonderkommission. Die Regierungen Belgiens. Frankreichs. Deutschlands. Italiens. Japans und des ver- einigten Königreichs von Großbritannien haben von dem Baseler Sachverständigcnbericht Kenntnis ge- nommen und sind dahin übereingekommen, den übrigen beteiligten Regierungen die Vertagung der Konferenz auf den Monat Juni zu empfehlen. Aufgabe der Konferenz wird es sein, sich über eine dauerhafte Regelung der in dem Bericht der Baseler Sachver- ständigen aufgeworfenen Fragen und über die Methode zu verständigen, um die anderen wirtschaftlichen und finanziellen Schwierigkeiten zu lösen, welche die gegen- wärtige Weltkrisis verursacht haben und sie verlängern könnten. Zu dieser Entscheidung sind die oben erwähnten Regierungen in der Hoffnung gekommen, daß hierdurch die internationale Lage erleichtert wird. Von unterrichteter Seite hört das WTB. zu obiger Erklärung: Die Reichsregierung l>at mit dieser Vereinbarung ihr Ziel der Einberufung der Lausanner Konferenz erreicht. Die Rcichsregierung hätte allerdings. entsprechend dem Baseler Sachverständigenbericht, den Zusammentritt der Konferenz früher und nicht erst im Laufe des Juni gewünscht. Sie hatte daher ihrerseits einen früheren Zusammentritt angeregt und die dahin- gehenden Bemühungen der englischen Regierung von An- fang an auf das wärmste begrüßt und unterstützt. Vorläufige Einigung zwischen England und Frankreich. Parts. 13. Februar.(Eigenbericht.) Wie die Pariser Blätter aus Genf melden, haben sich Tar» dieu und der englische Außenminkster Sir John Simon am Fveitag über den endgültigen Text des Kommuniquäs zum Re- parationsproblem geeinigt, das vor einigen Tagen zwischen Laval und dem englischen Botschafter ausgearbeitet und nach Gens übermittell worden war. Das Kommunique, das am Sonnabend- nachmittag veröffentlicht wird, soll die G r ü n de angeben, aus l denen die im Januar geplante Lausanner Konferenz bis zum 29. Juni verschoben worden ist. Ferner soll darin das Pro» gramm der Iuni-Konferenz festgesetzt sein. Da«ine Einigung! Schanghai, 13. Februar. Der Feuerkamps wurde nach dem Ablauf des Waffenstillstands während der ganzen Rächt fortgesetzl und am Sonnabend in verstärktem Maße wieder aufgenommen. Ueber Tschapei sind um S.30 Uhr vormittags sechs japanische Flugzeuge in Geschwaderformation aufgestiegen und bombardierten die Stadl. Boa japanischer Seite verlautet, daß am Sonnabend etwa 2 0 90 9 Maua in der Rühe von Schanghai gelandet werden sollen. Der Befehlshaber der japanischen Truppen in Schanghai, Shimoto, beabsichtigt, einen kurzen Waffenstillstand eintreten zu lassen, damit der englische Besitzer des Wnsung- Hotels, der sich geweigert hatte, das Hotel zu verlassen, in Sicher- heit gebracht werden kann. Der von Ranking kommende englische Gesandte Sir Miles Lampsem befand sich am Freitag in einer gefährlichen Lage. Als sein Dampfer den Wangpu in der Rühe der Wusung-Forls vor- beisuhr, schlugen plötzlich zwei Bomben in der Röhe seines Dampfers auf das Wasser auf. Die Vermittlungsverhandlungen der verschiedenen Gesandten sind bisher völlig fehlgeschlagen. Der japanische Gesandte Mörder verhastet? Die Slufktärung des Oranienburger Mordes. Der Oranienburger Mord scheint seiner Aufklärung entgegen- zugehen. Unter dem dringenden verdacht, den Mord an dem 27 Jahre alten Bierkutscher Reinhold Müller begangen zu haben, wurde der 41 Jahre alte Ziegeleiarbeiter Franz Zoko- lowski aus Oranienburg in der Herberge in Templia wieder- erkannt und festgenommen. Der Verhaftete wird im Laufe des Tages nach Oranienburg gebracht werden. Vor etwa einem Jahre kam Z. nach Oranienburg. Einem Bekannten gegenüber äußerte er, daß er sich zum 9. oder 19. d. M. unbedingt Geld verschaffen müsse, wie— sei ihm ganz egal. Er müsse bei seiner zukünftigen Freundin Schulden bezahlen. Seit dieser Aeußerung, die er am Montag vergangener Woche getan Hot, ist Z. verschwunden. Er war— wie verschiedene Leute wissen— im Besitz einer großkalibrigen Pistole. bei seinen Bekannten war Z. nicht sehr beliebt. Er ist schon mehr- fach wegen Körperverletzung erheblich besttaft worden.- All« fürch- tcten sein brutales Wesen und hüteten sich, mit ihm- in Streit zu geraten. Im Gegensatz zu den Ermittlungen über diesen Mann stehen jedoch die Aussagen jener Zeugen, die den Mann mit der Brille, im r-sschen Tempo lausend, auf dem Waldpfad gesehen haben. Di« Angaben dieser Zeugen sind aber ebenfalls nicht als einwandfrei zu werten Bürgermeister als Betrüger? Vor der Potsdamer Strafkammer ist der frühere Bürgermeister W e n d l a n d aus Dahme wegen falscher Anmeldung von Altbesitz angeklagt. W. war seit 1929 in Dahme und soll zuungunsten des Deutschen Reiches und des anhaltischen Freistaates die Falsch- anmeldung getätigt haben. Zu dem Prozeß, der mehrere Tage dauern wird, sind 16 Zeugen und mehrere Sachverständige geladen. Die Potsdamer Strafkammer sprach den Angeklagten seinerzeit in dieser Sache frei; der Staatsanwalt meldete Revision an und das Reichsgericht verwies die Sache erneut an die Potsdamer Straf- kammer. über die Deutschland- nach Ablauf des Hoover-Moratoriums vorzo- schlagende Regelung der Reparotionsfrage zwischen England unb Frankreich nicht zustandegekommen ist, hat man sich, wie das„Echo de Paris" meldet, darüber verständigt, in dem Kommunique auch zu erklären, daß im Juni über eine„dauerhaste Regelung" ver- handelt werden soll. Man hat also das Wort„endgültig" ver- mieden, dos im voraus die französische These von der prinzipiellen Aufrechterhaltung des Poung-Plans verurteill hätte. Was bedeutet diese Einigung? London, 13. Februar. In einem Leitartikel warnt die„Time s", dem englisch-franzö- fischen Abkommen eine allzugroße Bedeutung beizumessen. Das Abkommen habe lediglich eine Einigung über die E i n b e- rufung der Konferenz, nicht aber eine Bereinbarnug über die weitere«nglisch-französische Reparationspolitik gebracht. Diesesmal müsse eine endgüllige Dauerlösung gesunden werben Die Grenze für diese sei gegeben, jedermann wisse, daß für einige Zeit Deutschland überhaupt keine Reparationen zahlen könne. Es sei also die einzige Frage, wann Deutschland, wenn über- Haupt, die Zahlungen wieder aufnehmen könne und in welcher Höhe. Hier sei zu bedenken, daß Deutschlands Wohlfahrt bis zu einer gewissen Grenze wiederhergestellt werden müsse, um es über- Haupt zahlungsfähig zu machen. Eine Wiederherstellung des deut- schen Wirtschaftslebens fei nur dann möglich, wenn die Zahlungen so herabgesetzt würden, daß Deutschland sie auch leisten könne. Es sei fraglich, ob Amerika eine derartig« Lösung günstig beurteilen würde. Eine Zwischenlösung in der Form eines Kompro- Misses verlängere nur dis gefährlich« Wirtschaftskrise, die von Monat zu Monat ein Land nach dem anderen östlich vom Rhein immer fester umschlinge. Durch eine endgültige und geschäftsmäßige Regelung könnten die europäischen Mächte im Juni sich selbst helfen. Wie der Genfer Sonderberichterstatter des„Daily Herald" meldet, fei geplant, die deutschen Zahlungen wesentlich herabzu- setzen. Wahrscheinlich werde man eine Höchst- und Mindest- Ziffer nennen, zwischen denen sich auf Grund einer jährlich fest- s zusetzenden Wohlstandsrichtzahl die deutschen Zahlungen zu bewegen hätten. Die Zahlungen würben mit etwa 29 9 bis 499 Millionen Mark jährlich beginnen. Die Reichs- > b a h n solle die Sicherheit für die Zahlungen abgeben. hatte außer mit dem englischen auch eine lange Unterredung mit dem französischen Gesandten, er b e h arr.t e auf seiner Forderung, haß sich die chinesischen Truppen aus Schanghai zurückziehen müßten. Der englische Gesandte hätte außerdem Besprechungen mtt prom:- nenten chinesischen Persönlichkeiten, darunter dem Bürgermeister von Groß-Schanghai und Dr. Wellington Ku. Außerordentliche Erregung der Bevölkerung. London, 13. Februar.(Eigenbericht.) In Schanghai wird die Sttuation für die Fremden immer gefährlicher. Vor allem droht ihnen Gefahr, wenn die Japaner die bis jetzt verschonte südliche Einesenstadt angreifen, was durchaus möglich ist, weil in der Südstadt die Arsenale sich befinden. Die Zerstörung der nördlichen Stadtteile hat Hunderttausende von Menschen gezwungen, sich mit den Massen in den übrigen Stadtteilen zusammenpferchen zu lassen. Die Not hat einen gefährlichen Grad erreicht, und die Massen be- finden sich in einem Zustand außerordentlicher Er- regung. Die Fabriken stehen still. Ltngarn und die Abrüstung. Die Diktate von 1919 sollen für alle gelten. Genf, 13. Februar.(Eigenbericht.) In der Fortsetzung der Generalaussprache sprach Apponyi-Un- garn. Er oerlangte von der Konferenz die Einführung des mora- tischen Rechtes, da keine Nation die Steigerung ihres Glückes und Fortschrtttes durch die Unterdrückung anderer suchen dürfe, sondern nur durch Zusannnenarbeit in Gerechtigkeit und Gletchhett. Davon ausgehend, verlangte er, daß der erste Schritt zur völligen Ab- rüftung in Etappen die Anwendung der gleichen Methoden und die Erfüllung der völligen Abrüstung enthalten müsse auf Grund des gleichen Rechtes aller auf Sicherheit. Die ge- waltige Einschränkung der ungarischen Armee durch den Vertrag von Trianon sei dem natürlichen Recht der Verteidigung gegen Angriff entgegengesetzt. Wenn Ungarn bei allen Beratungen einzig von Artikel 8 des Völkerbundspaktes ausgehe, so sei das keine teil- weife oder maskierte Revision des Friedensvertrags, sondern nur das Verlangen auf loyale Anwendung des Völkerbunds- Paktes. Zu einem gesicherten Frieden könne man niemals kommen, solange man juristische Ungleichheiten zwischen den Nationen auf- recht erhalte. Sobald die anderen Staaten Ungarns augenblick- lichen Abrüstungszustand für sich in Anspruch nehmen würden, seien Ungarns Sicherheiten nach Artikel 8 des Paktes gesichert und Ungarn sei zufriedengestellt. Apponyi sprach sich dann noch für weitest- gehende Verständigung für jeden fühlbaren Schritt zur Abrüstung aus. Hierzu rechnet er in seiner Zusammenfassung auch die direkte Begrenzung von Truppenstärken und Kriegsmaterial. Nach einer Kneiptour niedergeschlagen. Ein schwerer Raubüberfall wurde in der Nacht zu heute am Breitenbachplatz auf den 22 Jahre alten Studenten Werner Schmidt aus Leipzig verübt. Der junge Mann wurde von zwei unbekannten Männern, mit denen er zuvor gezecht hatte, in der Helgoländer Straße am Breitenbachplatz niedergeschlagen und seiner Barschaft von 459 Mark beraubt. Ein dritter Mann, der sich bei dem Ueberfall im Hintergrund gehalten hatte und zu den beiden Räubern gehörte, konnte von dem heranellenden Ueberfallkommaudo festgenommen werden. Di« beiden anderen sind entkomwen. <5s geht wieder los! Neue Schlacht bei Schanghai- Schapei abermals lustbombardiert Großfeuer im Meffingwert. Ebcrswalde, 1Z. Februar. Gegen 3.3V Uhr veorgens brach aus bisher uube- rannten Gründen auf dem Neubau der Hirsch-Kupfer- und Messingwecfe A.-G. in Finow Feuer aus. das mit rasender Geschwindigkeit um sich griff. Das ganze Ge» bäude bildete bald ein einziges Flammenmeer. Da zur Bekämpfung des Groftfeuers die Betriebswehren der größeren Werke der Umgegend nicht ausreichten. wurden sämtlich: Feuerwehren der Nachbargemeiuden alarmiert. Die Löscharbciten sind durch den starken Frost sehr beeinträchtigt. Siudeniinnen gegen Kaschismus. Zu eiuer gut besuchten Studentinuenversammlung der Sozia- listischen Studenteoschaft sprach die Leiterin des Berliner Arauensckretarlat-, Genossin Söthe Kern, über„Die Frauen und das dritte Reich". Die Nationalsozialisten wollen die Frau als das dienende Wesen, als die Sklavin des Mannes, und es ist selbstverständlich, daß sie sich gegen die Errungenschaften der modernen Frau wenden. Die einzig wahre Frauenbewegung habe es nach ihrer Meinung 1813 gegeben, als die Frauen ihre blonden Zöpfe auf dem Zlltare VC3 Vaterlandes opferten. Die Kriegerfrau ist das Ideal �er Nationalsozialisten. Die kri egsbegeisterte Frau und Mutter, das ist der Jdealtyp der Nationalsozialisten, -u diesem Frauentyp sollen die Mädchen im dritten Reich auch er> zogen werden. Keinesfalls aber soll die Frau im Berufsleben tätig Oer Gegensatz Hitler iagt: Entweder Bolschewismus oder Rational ozialiemus. Aber in dem hohen Ziel der Bekämpfung der Republik ist man einig. sein, damit meint man aber weniger die Arbeiterin, als die Frau in den intellekwellen Berufen. Aus diesem Grunde ist man ja auch gegen das Frauenstudium, und ganz konsequent hat man die Frauen auch aus dem nationalsozialistischen Studentenbund ausgewiesen. Man merkt hier ganz eindeutig die Angst vor der weiblichen Kon- kurrenz. Man weigert sich beharrlich, zu erkennen, daß Wirtschaft- lich« Notwendigkeit die Frau von heute zwingt, einen Beruf zu er- greifen. Die Ehe ist heute vielen Frauen verschlossen, und selbst wenn sie sich verheiraten, sind die meisten Frauen aus das Mit- verdienen angewiesen. Es ist unverständlich, wie auch in der Diskussion fest- gestellt wurde, daß eine Studentin Nationalsozialistin sein könnte, denn das ist ja«in Widerspruch in sich selbst, man könnte doch schließlich nur eins von beiden sein. Einige anwesende national- sozialistische Studentinnen, die zur Diskussion aufgefordert wurden, oersuchten gar nicht erst, diesen Widerspruch zu erklären. Sie seien nur„privat'" hier, sagten sie, und die Diskusston müßten sie den „Herren" überlassen. Der andere Dell der Studentinnen stimmte der Genossin Kern mit starkem Beifall zu, gemeinsam mit der Arbeiterschaft den Kampf gegen den Faschismus zu führen. Zm Rechlsansschuß des Reichstags wiesen in der Debatte über die Fürstenrenten Vertreter der sozialdemokratischen und der kam- munistischen Fraktion nochmals auf die erschütternde Notlage weitester Volkskreise hin, die eine Revision der Fürstenabfindung not- wendig mache. Im übrigen erörterten di« Abgeordneten Dr. Schetter(Ztr.) und Warum(Soz.) iuristische Einzelheiten etwaiger Geseßesänderungen. Die Abstimmungen sollen am Mittwochnachmittag vorgenommen werden. Reueg von Marx und Engels. Zu unserer Notiz wird uns noch mitgetellt: Das bisher unbekannt« Manuskript:„P h i l o s o- v hi e und Nationalökonomie" ist bereits vor dem Er- icheinen des dritten Bandes der Moskauer Marx-Engels-Ausgabe. in der von den Genossen S. L a n d s h u t und I. P. Mayer her- ausgegebenen zweibändigen Ausgabe der Frühschriften von Karl Marx(Verlag Alfred Kröner. Leipzia) veröffentlicht worden. Die gleich« Ausgabe enthält auch sämtliche bisher unveröffentlichten Teile der.Deutschen Ideologie", di« bisher vom Marx. Engels-Inftitut noch nicht verösfentlicht worden sind. MuscumSsiihrungcn. Sonntag, 9.30 vbr: Dr. Wedel über den Turm .u B a b e l im Borderal. Museum: 10 Uhr: Dr. AniheS über die D- n k- mäler bei Neuen Reicks im Neuen Museum: i0 Ubr: Dr. �auten über Venezianische Malerei im Kaiser.Fricdrlch.Museiim: 10.30 llbr: Dr. Jennv über die Sklaven in Nord- und Ost- dcutschland im Museum für Vor. und Frübgeschichte. Niddb Impekoven im Beethoveu-Saal. Der Beethoven-Saal, der bis- der in erster Linie für Konzerte bestimmt war, wirb mit einer Tonzbnbne verschen. Der Einbau derselben erfolgt noch den Angaben von Nlddy Impekoven, die mit ihrem neuen Programm die Tanzbühne einweihen wird. Kndividualpshcholoolsch« Gruppe. Dr. Hans Rebkisch spricht über.D a S Ende der Französischen Revolution" Montaa, 8 Uhr, im AlubhanS am Knie. Gäste willkommen. Der Operudall der TtaatSoper findet Sonnabend. 20. Fehruar, in den Krvllfestsälcn und im Krolltheater statt. ES gelangen u. a. die Tanubauser» Parodie vüb ein München« Vilderboge» zur«ufsührnn«. „Fuhrmann Henschel" Haupimann in der Volksbühne Gestern abend wirkte die Hauptmannsche Dichtung wie das voll- komtnenste Volksstück. Der Kampf um die Theorie des Naturalismus ist längst beendet. Die schlichten Männer und Frauen, die allein ihrem Gefühl und nicht irgendwelcher Schulmeinung folgen, leiden ohne Einwände und ohne Grübelei mit dem Leid des Fuhrmanns Henschel, der vor ihren Augen zugrunde geht. Sie fragen nicht nach den Schöpfergesetzen, an die sich der Dichter verschwor. Sie werden nur weich und traurig und gestehen sich, daß nichts anderes als die Möglichkeit ihres eigenen Schicksals auf der Bühne gespielt wird. Der Dichter mutet ihnen nicht zu, daß sie sich mit einer ausgedachten Welt befreunden oder verfeinden. Wenn das Wort vom Theater- erlebnis Sinn hat, dann hat es heut noch Sinn vor solchem Werke. Eme Gemeinde vertraut sich dem Dichter an, weil er die tiefste Quelle ihrer Erbauung aufschließt. Ob im einzlnen die Kunstmittel zu lobe,, oder zu verwerfen sind, solche Erwägung behelligt niemanden. Jeder wird unmittelbar erschüttert. Endlich ist der allge- meine Glauben vorhanden, daß ungesälschte, aber auch unvergänglich« Wahrheit gefunden wurde. Die Dankbarkeit der Zuschauer ist grenzenlos, da sie den Dichter sehen dürfen, der ihre Ursprung- lichsten Empfindungen so unmittelbar begriff. Emil Jannings, der den Fuhrmann Henschel spielt, kommt diesem gradlinigen Gefühl entgegen. Solange er den gesunden Ar- beitsmann darstellt, der nichts als die nächstliegende Lebensbehaglich- keit wünscht, ist er eins, ist er unzertrennlich mit seiner Rolle ocr- Kunden. Schon äußerlich ist er anzusehen wie das bestgelungene Mannsbild, das auf den Namen Hcnschelwilhelm zu taufen wäre. Groß und massiv geht er einher. Rein, er schiebt den mächtigen Körper durch den Raum wie seine Brabanter Gäule, die er so gern striegelt. Er redet mit der schweren Zunge, die das Inner« nur mühselig bis zu den Lippen hinaufschaufelt. Mit seinen oerzweifelten Kinderaugen klammert er sich an die Umgebung, und es entgeht ihm nichts von dem, was feine Welt ist. Kurz, er ist Natur, die auf alle Nerven wirkt. Dann aber, wenn er etwa noch etwas UnHeim- licheres leisten soll, nämlich die über die Natur des Alltags hinaus- gehende Enträtselung der Schicksalsmächte, dann strauchelt seine Charakterisierungskunst. Er wird romantischer als sein Text, er ver- liert sich im Kriminalkolportagenstil. Seine Darstellung kommt nicht mehr aus der Seele, sondern aus der Sehnsucht nach dem Efsekt. Ein Schauspieler, der dem Jenseitigen gewachsen wäre, ist Jannings also nicht. Die Erwartung, die auf Margarete M e l z« r, die Hanne Schäl, gesetzt wurde, bestätigte sich. Fräulein Melzer war mädchenhaster als ihre Vorgängerinnen. Sie war auch weniger Dämon und Ent- fchiedenheit. Man zweifelte manchmal au dem künstlerischen Format. well sie trotz all ihrer Bemühungen noch nicht die Herkunft von der „Salondame" abgestreift hatte. Aber sie zwang es dann doch. Eben- bürtig wurde sie dem erfahrenen Schauspieler Emil Jannings. Martin, der Regisseur, läßt Schritt für Schritt mit cheatra- lifchen Hemmungen und sogar mit Dehnungen irnd Deutungen spielen. Aber für dieses Volksstück ist die tragische Behaglichkeit durchaus gestattet. Martin läßt Naturalismus spielen, doch es ist eine Nadtralismus ohne Spitzfindigkeiten Der Regisseur hat offen- bar mit seinen Schauspielern sehr ausdauernd gearbeitet. Man sehe, man höre, wie Karl Meixner seinen Hausierer Fabig meckert und doch menschlich macht! Das ist Schnurre und Schnörkel, und trotzdem wird die Uebertreibung vermieden. Oder Nunbergs Fuhrknecht, der alte Hausse, der sich gegen den Arbeitgeber wehrt. Ganz Natur, nichts mehr vom Komödiantentum, das spielt Nunberg. Oder L. Schwannecke als Wermelkirchs Tochter mit der Back- fischverliebtheit und dem Hang nach der Tanzverluderung. Martin nimmt ein großes Talent in die Schule, und dos Talent bleibt ihm nichts schuldig. Er treibt seinen Schauspielern die Mucken aus, wenn es ihn auch nicht bei allen sofort gelingt. Der große Eindruck und das tiefe Erlebnis bleiben. Die Volksbühne hat. da es jetzt Zeit ist, den siebzigjährigen Jubilar Hauptmann zu feiern, den ersten Platz gewonnen. Xlox Hocticlorf Klavierspiel in unserer Zeit Von Arnold Malier Es ist noch nicht lange her, da standen Klavier und ftlaoiirspiel unangefochten im Mittelpunkt fast aller musikalischen Kultur. Wenn sich dies in unserer Zeit nun zu ändern beginnt oder bereits geändert hat, ist wohl zum Teil der Rückgang der Hausmusik daran schuld, zum Teil die Entwickkung der neuen Musik, die einem klaoierfeind- lichen Klangideal verhaftet ist. Ihr Klangideal ist dem Farben- rausch, dem Nuancenreichtum, den dynamischen Ekstasen und der Klanghypertrophie eines großen Teils der Klaoierlitcratur gerade entgegengesetzt, das strenge Linearität vorzieht, slächeichaften Ausbau und harte, rücksichtslose Ueberschneidungen, auch wohl Verbeut> lichung durch Charakter und Farbe verschiedener Instruinente. Das Klang ideal zeitgenössischer Produktion beeinflußt selbstverständlich die Reproduktion: es kommt zum Gegensatz modernen und traditio- nellen, sachlichen und romantischen, tlangseligen und klangasketischen Klavierspiels: es kommt— darüber-hinaus— zu einer Diskussion über Sinn und Notwendigkeit des Klavierkonzerts überhaupt, ja sogar des Klaoierspiels an sich. Da ist nun festzustellen, daß die dyncmnschen Qualitäten des Klaviers, sein Farben- und Nuancenreichtum(so sehr sie die Musik des 19. Jahrhunderts beeinflußt haben, wie sie andererseits von ihr beeinflußt wurden) letzten Endes doch nicht das Wesentliche des Instrumentes sind. Dies ist vielmehr die großartige Fähigkeit— die das Klavier nur mit der Orgel teilt—, mehr- und vielstimmige Musik reproduzieren, den ganzen Kosmos harmonischer wie polyphoner musikalischer Erscheinungen an einem Instrument darstellen zu können. Die Art der Reproduktion mag sich je nach der Einstellung zu historischem Gut, nach dem Klang- und Musizierideal überhaupt noch so sehr verändern, es mag noch so sehr verschieden sein, was auf dem Klavier dargestellt wird und wie dies geschieht: so lange vertikal wie horizontal vielstimmige Musik überhaupt interessieren wird und keine anderen Instrument« erfunden sind, die deren Wiedergabe ebenso ermöglichen wie das Klovier, wird es wohl unentbehrlich bleiben. Der durchschnittliche und landesübliche Klavierabend allerdings und seine Programmgestaltung werden sich, um lebensfähig zu bleiben, entscheidend verändern müssen. Die Manier, die alleroer- schiedensten Werke einander folgen zu lassen, ohne die dadurch er- zeugten Stilkontraste zu beachten, ist eigentlich ein Ueberbleibsel aus der Glanzzeit des Virtuosentums: die Persönlichkeit, die effektvolle Instrumentbeherrschung war da das Medium, das all dies Un- vereinbare vereinte. Virtuoscntmn an sich aber hat heute, da es um die Kunst überhaupt geht, da sie nicht ernst und tief genug sein kann, um ihre Daseinsnotwendigkeit zu erweisen, weniger Berechtigung als je: ganz abgesehen davon, daß nur die allerwenigsten es wirk- lich zu großem sasziniereudem Virtuosentum zu bringen vermögen. Fast alle bleiben aus halbem Wege stecken, nur wenige Auserwählle entscheiden sich(bewußt oder unbewußt) für eine der beiden Möglich- leiten: Musik zu machen, um als Klavierspieler zu glänzen, oder Klavier zu spielen, um Musik zu machen; vom Instrument oder (eventuell auch gegen das Instrument) von der Musik auszugehen. Die zweite Kategorie, diejenigen, die dem Werk dienen und nicht dem eitlen und unzeitgemäßen Luxus instrumentaler Virtuosität, werden Interesse erwecken, so lange die Musik von Bach bis Reger ein Publikum haben wird. Wenn Herbert Schulze sämtliche Klavierwcrke l) i n d e- m i t h s zum Vortrag bringt(er hätte mir die„Kleine Klaviermusik Opus 45" auslassen müssen; diese Stücke haben im Konzertsaal nichts zu suchen), erfüllt er die hier gestellten Forderungen. Es ist Dienst am Werk, an Werken, die in ihrer bewußten Klangarinut, in Ihrer strengen Linienführung und heterophonen Struktur zu dem charakte- ristischstem(und schwersten) Klaviergut der neuen Musik zählen. Um Htndemiths Opus 37 Teil l(Uebung in drei Stücken) so darzustellen, bedarf es mehr als manueller Meisterschaft, bedarf es eines Klavier- splelers von geistiger Ucberlegenheit und wahrhaft großem Format. Der Abend Franz Osborns war leider recht verunglückt: das Orchester(Mitglieder der Staatskapelle unter Richard Lert) war � durchaus nicht auf der Höh-, das Zusainmenspiel besorgniserregend, i die Leistungen des sehr schätzenswerten„sachlichen" Pianisten recht beeinträchtigt. Wilhelm Kempfs— als krasser Gegensatz— , ist der Typus des subjektiven,„romantischen", rhapsodisch freien I Pianisten. In Edwin Fischer dagegen scheinen sich die Gegen- j säße auszugleichen: hier spielt ein großer Musiker Klavier, der sich kemübt(und es gelängt ihm auch), das eine zu tun und dos ander« nicht zu lassen: Klang und Struktur in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen. Wenn aber LeonhardShure Schumanns C-Dur-Phantasie exerziert oder Annekäths Reil st ab die Balladen von Brahms — so sind das eben(bei allem Können, das ihnen nicht abgesprochen werden soll) doch nur wieder jene durchschnittlichen Klaoierleistungen, nach denen man allenfalls die Spieler, nicht aber das Instrument beurteilen und eventuell verurteilen darf. „Der Fall Groothmann." Renaisfance-Theater. Fiesko, Posa, Alfons. Drei große Leistungen eines Schau- spielers, der seine ersten Erfolge bei den Expressionisten fand. Ernst Deutsch, ein Sprecher von stärkster Intensität, vergißt seine Ver- gangenheit und kapriziert sich auf Verbrecheraffären. Es spielt nur noch die Routine. Ein Abstieg, der gleichzeitig für das Niveau des Repertoires Berliner Privatbühyen charakteristisch ist. Ent- weder wird gestammelt oder man setzt dem Publikum technisch ab- gerundete Banalitäten gesellschafllichen und kriminalistischen Cha- rakters vor. Die Bühne sinkt zu einem Amüsierbetrieb herab und hält in diejer Beziehung die Konkurrenz mit dem Film nicht aus. Man sucht nach Sensationen und übersieht, daß der verstorbene Edgar Wallace in seinen Detektivromanen die Sache viel besser ver- stand. Das Drama verengt den Darstellungsbereich und muß des- halb die Efsekte noch gröber geben als der Roman.„Der F»ll Groothmann" von Walter Maria Espe, mit dem das Renaissance- Theater, lange ein verlassener Bau, eröffnet wird, häust diese Effekte. Zwei Dankboten sind ermordet worden, ein Mann bittet einen Tag vorher, in Schutzhaft genommen zu werden, da er sich mit dem Gedanken dieses Mordes trägt. Er selbst ist nicht der Mörder, sondern der Kriminalkommissar, der sich als Mitglied einer Berbrecherbande enthüllt. Ein guter Einsatz, auf den eine kindliche Primitivität folgt, eine zu starke Effekthascheret. Weil, der„Hexer" ein gutes Theaterstück war, brauchen es andere kriminalistische Spielereien nicht zu sein. Die meisten Berliner Bühnen haben es ausgegeben, sich um Literatur zu kümmern. Die Krise des Theaters deutet auf die Krise der Gesellschaft hin. Neben Deutsch gut« Spieler wie Bienert, Brand, Beyerle. Erst wenn man den Darsteller vor große Aufgaben stellt, wird er zu einem Gestalter. Bis dahin ist er Routinier. B. Sei». „Linier falscher Flagge." Llfa-palast am Zo Der modern« Materialkrieg hat die einst gefeiert« Heldentat des Nahkampfes fast unmöglich gemacht. Doch wollen gewisse Kreise die Kriegsbegeistenrng hochhalten und darum flechten fie setzt dem Spion den Kranz. So auch in diesem Film. Ein wagemutiger deutscher Nachrichtenoffizier verliebt sich in die Kraickenschwester, die ihn gesund gepflegt hat. Er heiratet sie. Sie betrecht Spionage für Rußland. Als sie entdeckt wird, flieht sie. Beide treffen sich in Warschau wieder, und dort rettet sie unter Einsetzung ihres Lebens sein Leben. Diese Geschichte läßt der Regisseur Johannes Meyer als«in in jeder Situation beherrschtes Leben nervenstarker Menschen abrollen. Gustav Fröhlich ist ein glaubhafter Offizier und Char- lotte S u s a ist so starr und so schön wie Greta Garbo, Marlene Dietrich und Brigitte Helm es in gleichen Rollen waren. Was sollen wir in heutiger Zeit mit solchen F'lmen? Den unter dem Zwange des Krieges für sein Vaterland handelnden Mann in allen Ehren. Doch warum läßt man die Frau zur Heldin werden? Sie ist schön und darum zur Spionage geeignet. Das ist grund- verkehrt; denn die Kundschafter sind ganz gerissene Iungens, die hupfen nicht so leicht aus den Leim Unsere Zeit sollte andere Helden feiern als pathologische Abenteuerinnen. e. b. Am Te»eio-Mrmtag wird«n IS. Februar in der Kamera aiw ba Serie klaliiicker Filmwerke„Da? Kabinett des Dr. Caligarr gezeigt. Berlins Kämmerer warnt Erwerbslofennot und Finanznoi- Entlastung der Städte— staatspolitische Notwendigkeit 3m kommunalwissenschaftlichen Znslilul der lluiverflläi Zerlia sprach gestern abend der Kämmerer der Stadt Verlin, Genosse Asch, über„Zinanzielle Probleme der Stadl ver- lin". Der Kämmerer gab zunächst eine Uebersicht über die Gestal- lung des Haushalls für das Jahr 1331 und erwähnte dabei, daß bei der Nichmusschöpfung einmaliger Einnahmen im Betrags von. 50 Millionen Mark das Defizit der Stadt Berlin nicht 67 Millionen. sondern rund 123 Millionen Mark betragen hätte. Es sei nicht zufällig, konstatierte der Redner, daß Berlin mit ungeheuren Defiziten in seiner Haushaltswirtschast belastet sei. Zu den großen W o h l s o h r ts l a st e n. die Berlin ebenso wie alle anderen Städte zu tragen hat. kämen noch besondere Ursachen hinzu. Für Berlin spielt die ungeheure Erwerbslosigkeit und die Art der Der- tcilung der daraus entstehenden Lasten eine so große Rolle, daß jede Flnanzgebarung dadurch fast über den Haufen geworfen wird. In der prozentual zur Bevölkerung errechneten Erwerbslosenziffer steht Berlin hinter B r e s la u an zweller Stelle im Reich. Der Umfang und die Dauer der Erwerbslosigkeit sind es, die Berlin in finanzielle Schwierigkeiten bringen, da es nicht möglich ist, vom Reich genügende Unterstützung zu erhalten. Fast öl) Prozent aller unterstützten Erwerbslosen fallen der Wohlfahrtspflege zur Last, während der Reichsdurchschnitt nur 33 Prozent kennt. Während im April 1931 13ö 333 Wohlfahrtserwerb slose in Berlin vorhanden waren imd während der Kämmerer vorsichtigerweife in den Etat diese Zahl auf 183 333 erhöht und 136 Millionen Mark dafür ein- gesetzt halle, stieg die Zahl der zu unterstützenden Wohlfahrts- erwerbslosen im Verlauf des Haushaltsjahres bis auf fast 233 333. Die vom Reich der Stadt zugeleitete Rcichseinkommenfteuer deckt nur 35— 43 Prozent der an Unterstützungen gezahllen Gelder, während in früheren Jahren die Wohlfahrtsausgaben der Stadt durch den Anfall an Rsichseinkommensteuer fünf bis sechsmal ge- deckt werden konnten. Dazu kommt der Rückgang der Steuer» einnahmen, den der Rückgang des wirtschafllichen Lebens mit sich bringt Der Kämmerer erklärte, daß er in den Etat für 1332 vorsichttgerweise die Zahl der zu unterstützenden Wohlfahrtserwerbs- losen wll 333 333 einsetzen werde, wobei allerdings jetzt noch nicht zu erkennen ist, wie der Haushaltsplan balanziert werden kann. Ein weiterer, die städtischen Finanzen stark belastender Faktor und die in der Berliner V e r k e h rs- A ktie ngest llschaft zusammengasaßten Verkehrsbetriebe. Hier ist es insbesondere der Zinsendienst für die beim Ausbau des Verkehrswesens aufgenommenen Kapitalien und der ungeheure Verkehrsrückgang infolge der Arbeitslosigkeit Die Platzausnutzung verschlechtert sich fortgesetzt, eine Senkung der Be- triebskosten im gleichen Umfange ist nicht möglich, der Zinsendienst geht arcch weiter, so daß also das Berliner Verkehrswesen die städtt- lchen Finanzen stark in Anspruch nimmt. Bertinfeindlich... Auf die Gestaltung der städtischen Haushaltwirtschast übt aber auch einen entscheidenden Einfluß aus der Lasten- und Finanz- ausgleich. Obwohl der Staat die Aufgabe hat, die Erfüllung der kommunalen Aufgaben sicherzustellen, ohne daß eine besondere Steuerbelastung der Bürger durch die Städte erfolgt, sieht sich Berlin bei den in Frage kommenden staallichen Stellen einer große» B e r» ständnlslosigteit gegenüber Den Lastenausgleich kennzeich» nete Kämmerer Asch alz großstadtunfreundlich, ja, sogar berlinfeindlich. Die Städte hätten bei der Verteilung nichts drein- zureden, es wäre lediglich in das„pflichtgemäße Erkennen" der Behörden gelegt, wie die Städte bedacht werden. Berlin hat von dem örtlichen Aufkommen an Reichseinkommensteuern in den Jahren 1326 bis 1923 226 Millionen Mark an den Ausgleichsfonds ab- gegeben: von der Hauszinssteuer verblieben Berlin noch nicht 13 Proz., obwohl beispielsweise im Jahre 1333 313 Millionen an den Staat abgeführt werden mußten. Hier liegen also die Schwierigkeiten der Finanzen Berlins, und es ergibt sich die Aufgabe, damit fertig zu werden. Bei der Aufstellimg auch des neuen Haushaltsplanes ist zu be- denken, ob die Einschränkung des Etats noch sinnvoll ist oder ob sie nicht Schäden für die Allgemeinheit bringt, die die Spar- maßnahmen illusorisch machen. Man darf allerdings dabei nicht verkennen: Will die Regierung die Währung anstecht erhalten— und das muß sie—, dann müssen sich auch die Kommunen aufs äußerste einschränken. Ein« ander« Polstik ist nicht möglich, wenn man vor die Aufgabe gestellt ist, entweder die Steuereinnahmen zu erhöhen oder die Ausgaben zu vermindern. Da das erster« große wirtschaftliche Störungen mit sich bringt, muß man zum letzteren seine Zuflucht nehmen. Den Steuerausfall und die Steigerung der Wohlfahrtslasten in Einklang zu bringen, wird in Zukunft nicht mehr möglich sein, so erklärte der Redner mit Anspielung auf den in Vorbereitung befindlichen Haushaltsplan der Stadt Berlin für 1332. Eine Entlastung der Städte bei den Wohlfahrtsausgaben fei nicht nur ein« kommunalpolitische, sondern eine staatspoli- tische Notwendigkeit, solle anders nicht jede kommunale Tätigkeit unterbunden werden. Llnaufhaltsamer Vormarsch Ohnmächtige Wut der Spalter Riesenkundgebungen, deren überwältigenden Eindruck sich nie- wand eulzieheu konnte, haben für die Eiserne Front staltgefunden. Ja taufenden und aber lausenden Versammlungen landauf, landab bekannten täglich die Arbeiter, Angestellten und Veamleo, daß sie nunmehr zur Abwehr gegen die faschistische Gefahr entschlossen sind, alle Meinungsverschiedenheiten zurückzustellen und in der Eisernen Front die Einheiksstont der Arbeiterschaft zu bilden. Darüber sollten sich schließlich auch die Slrippenzleher der SPD. freuen, denn nur der Erfolg der Eisernen Front verbürgt die Anfrechterhaltnng der demokratischen Volks recht« und damit auch die Freiheit der kommu- niftifchen Propaganda. Der blinde Spaltungseifer ist jedoch stärker als die einfache Ver« nunst der sogenannten Führer der KPD. Immer offener versuchen sie. gegen die Eiserne Front zu Hetzen,„verstärkt den Kampf gegen die Eiserne Front!" schreibt die„Rote Fahne" in großen Lettern auf der ersten Seile. Mit diesem Schlachtruf demaskiere« sich end- güllig die Macher der KPD. Nicht den revolutiouäreo Kampf wollen sie, sondern die Spaltung und damit die Ohnmacht der Arbeiterklasse. Die Eiserne Front wird über diese Schöd- linge siegreich hinweggehen. Gelöbnis für die Eiserne Krönt. Eine außerordentlich stark besuchte Versammlung der Beamten, Arbester und Angestellten des Bezirksamts Reinickendorf nahm mit ungeteiltem Beifall ein Referat des Genosien Dr. Loh- mann entgegen. In der Diskussion, die nur für die Gegner reser- viert war, meldete sich ein Kommunist, der jedoch, als er zunächst mst seinen üblichen Phrasen glatt abfiel, sich schließlich dazu be- quemte, für ein gemeinsames Vorgehen gegen den Faschis- mus einzutreten. Stehend sprach dann die gesamte Versammlung ein Gelöbnis, für die Eiserne Front zu kämpfen. Mit dem Reichsbannermarsch, gespielt von einem Trommler- und Pfeiferkorps des Reichsbanners, schloß die eindrucksvolle Kund- gebung Die AOK. ist geschlossen dabei. Im vollbesetzten großen Saal des Gewertschaftshauses fand gestern eine Versammlung der Angestellten der Allgemeinen Ortskrankenkasse der Stadt Berlin statt. An Stelle des ver- hinderten Genossen Aufhäuser sprach Genosse G ö r i n g vom AsA- Bund, der besonders auf den engen Zusammenhang der Angestellten der Krankenkassen mst der Arbeiterbewegung hinwies. Gegner meldeten sich nicht zum Wort. Das aufliegende Eiserne Buch wurde stark benutzt. Stadtfuhrpark im Zuge der Eisernen Front. Einen durchschlageichen Erfolg haste die Versammlung der Beleg- schast des S t a d t f u h r p a r k s, in der gestern der Bevollmächtigte des Gesamtocrbandes, Genosse Schaum, sprach. Die Versammlung war überfüllt, die Stimmung glänzend und durchaus einhestlich. Trotz wiederholter Aufforderung meldete sich niemand vom gegnerischen Lager zum Wort. Wer es noch nicht getan hatte, trug sich in dos Eiserne Buch ein. Zusammenbruch der NGO. Die„Rote Fahne" führt Klage über den„reformistischen" Be- triebsratsoorsitzenden Haupt vom Bezirksamt Prenzlauer Berg, weil den„revolutionären Unorganisierten" keine Gelegenheit gegeben werde, tn Betriebsversammlungen über die von den freien Gewerkschaften abgeschlossenen Lohn- und Arbeitsverträge zu dis- kuticren. Das gleiche wird in einem Artikel der„Roten Fahne" vom 3. Februar 1332 behauptet. Die Belegschaft des Bezirks Prenzlauer Berg ist z u 3 8 Proz. freigewerkschaftlich organisiert. Wenn die 2 Proz. Unorganisierten und RGO.-Anhänger keine Gelegenheit haben, sich über den InHall der Verträge zu infornneren, so ist es auf die von der KPD. systematisch betriebene Gewerkschaftsspaltung und die üblen KämpsesMethoden zurückzuführen, die jeden anftän- dlgen Menschen abschrecken. Läßt übrigens die KPD. in ihren Ver- fammlungen Außenstehende und Oppositionelle zst? Trotz regster Propaganda und Verbreitung von Handzesteln ist es der RGO. am Mittwoch nicht gelungen,«in« Versammlung zu- standezub ringen. Die mst so großem Aufwand einberufene Ver- sammlung mußte, da nur neun Personen eingetroffen waren, nach kläglichem Eingeständnis der Schwäch« imverrichteter Sache nach Haufe geschickt werden. Sellen ist ein großschreierisches Unternehmen zur Erschütterung der Eisernen Betriebsfront im Bezirk Prenzlauer Berg so erbärmlich zusammengefallen. Im Gegensatz hierzu kann in den vom Betriebsrat elnberufenen Versammlungen festgestellt werden, daß diese stark besucht sind. Die von der Bestiebsfraktion einberufene Berfammlung für die Eiserne Front, die außerordentlich stark besucht war, und das Fiasko der REO. in ihrer Versammlung hat die„Klasienkämpfer" in eine Wut gebracht. Den Artikelschreibern zur Mitteilung, daß Maulaufreißer und Phrasendrescher bei gewerkschaftlich geschulten Kollegen keinen Resonanzboden finden. Das Neichsitmenmmistenum ladt ein. Es lädt auch nicht ein. Der ZdA. weist darauf hin, daß Ostern 43 333 Abiturienten die höheren Schulen verlosten. Das Reichsinnenministerium hat, um die Berufsberatung für diese Abiturienten erfolgreicher zu gestalten, den Deutschen Philologenverband, den Reichsverband der Deut- fchen Industrie, die Vereinigung der deutschen Ar- beitgeberverbände und ander« interessierte Organisationen zu einer Besprechung eingeladen. Die Gewerkschaften sind zu dieser Besprechung nicht eingeladen worden. Allem Anschein nach hat das Reichsinnenministerium die Auf- fastung. daß der Arbeitsinarst nur die Unternehmer etwas an- geht. Und daß es mst der Verfassung nicht so genau genommen zu werden braucht. Der Reichswehrminister Groener öffnet den Nazis die Türen, der Neichsinnenminifter schließt sie vor den Gewerk- schaften. Eine innere Logik besteht jedenfalls bei dieser Polstik. Und was sagt der Reichskanzler(und nebenbei auch der Reichs- arbeitsminister) zu dieser Polittk? Auf dem Nücken der Arbeiter. �Tlationale' Politik in Oberschlesien. Auf den deutsch-oberschlesischen Bergwerken erfolgten zum 13. Februar Massenkündigungen der polnischen Arbeiter. Die Johannesgrube will z. B. 1333 und die Hohenzollerngrube 393 polnische Arbeiter abbauen. Die Zahl der polnischen Staatsangehörigen, die auf den deutsth-oberschlestschen Bergwerken arbeiten und die in Ostoberschlesien wohnen, bestögt ungefähr 6333. Deutsche Optanten, die in Ostoberschlesien wohnen, aber in Deutsch-Oberschlesien Beschäftigung haben, werden, wie verlautet. von der Kündigung nicht betroffen. Der Abbau der Polen soll eine Gegenmaßregel gegen den Abbau Reichsdeutscher in den Betrieben von Pcünisch-Oberfchlesien sein. Haust du meinen Juden, hau ich deinen Juden. Die Nationalisten führen ihre Kämpfe auf dem Rücken der Arbeiter. pensionskürzuna in Oberschlesien. Die Knappschafts Pensionen wurden in diesen Tagen umlüProz. gekürzt ausgezahlt. Da die Bezüge der Arbeits- unfähigen bereits vor dieser Kürzung sehr gering waren, hat sich der Invaliden eine Verzweislungsstimmung bemächtigt. Sie wollen versuchen, durch Intervention bei den Behörden die Aus- Zahlung der Pensionen in ihrer bisherigen Höhe zu erreichen Thssisr der Woche. Vom 14. bis 22. Februar 1932. Volksbühne: na««ODpIefc: Fuhrmann Hcnschel. 21. IIH Uhr. TS-zrrgruppe Marz. Walmann. Staalskhealer. Oper Unter den Linden: lt. und 18. Gaisha. lö. und 22. Stouladout. 18. Sie mann Bach. Zt. Der Troubadour.„_ Staatlich«« Slhanspic�ans: 14. und US. Othello. 16., 19. und 22. Cprano von Bergcrac. 17. und 28. Tlavigo. 18. und 21. Tharley» Tante. -----~»eater: 14., 15„ 17., 18., 20. undjl. Die y-ittliche Jette. 18., 1?. und Schiller-The 22. Ein be cssercr Herr. Die Zauberin, der Niese und der Asse. Theaier mit festem Spielplan: Deutsches Theater: lö. Geschlossen. Ab 18. Bor Sonnenuntergang.— Theater am Rauendorsplah: Gasparonc.— Thrater In drr Etrcsemannstras.c: Ib. und 16. Geschlossen. Ab 17. Sn jeder Ehe.—«omödieuhaus: Jugeud ,n> Kampf.— Großes Schauspielhaus: Lvsimanns Erriihlungen.— Theater der Westeus: Prinz Methusalem.— Komische Oper: Ein entzückender Mensch.-' Deutsches Kllnstlertheater: Bis 18. Der Biberpelz Ab J-9. Roulette.— Luj spielhaus: Meine Schwester und ich.— Lcssing»Thcatcr: Morgen ochts uns gut! — Tbcater in der Behrenstraße: Der Mann mit den grauen Schlafen.— Metro- Berliner Theater: Kampf um Kitsch.— i in der Behrens! raße pol-Theater: Ein Lied der Liebe. heute. 2 Mädels aus d Blum« von Hamar. Hallen-Theater: St_ Matrosen. Ab 19. Fidcle Bauern. NachmUlagsvorfkelluagea: voltebThue. Theater am BglomplaK: 21. Fuhrmann Heuschel.— Thea!": am RolleudorsplaA- 14., 21. Sasparone.— Großes Lchauspielhau»: 14 21. Hoffmann» ErzShlungcn.— Komische Oper: 14., 21.<£tn entzückender Mensch. — Deutsches Sliustlerth-ater: 14., 21. Der Biberpelz.— Kleiucs Theater: 14., 21. Die Mausefalle.— R-sc-Zheatcr:'.7., 20. 18 Uhr. 21. 1Z und 18 llhr. Der Bettelstudcnt.— Theater in der Alrsterpnaß«: 14-, 21. ITli Uhr. Büchse der Bandora. 14. 1Z Uhr. Hiinlcl und Gretel. 13. 15 V. Ilhr Götz von Berlichingeu. 20. 16 Uhr. 21. 1Z Ilhr. Aschenputtel.— Plaza: Bis 15. Die FZrsterchristl. Vf. 16. Die Blume vou Hawai.— Wintergarten: 14., 20., 21. Znternalion all: B aristo.— Skala: Internationales BarietO.— Ztcichsholleu-Theatsr: 14., 21. Stettiner Sänger. Erstaufführungen der Wockze: Sonntag. Rose- Theater: Götter unter sich.— Dienstag. Deut- fches Theater: Bor Sonnenuntergang.— Mittwoch. A d m i r a I s- v a I a st: Lieselott.— Theater in der Strcsemannstraße: Ln leder Ehe.— Donnerstag. Thrater in drr Kloster st rasie: Zwei Mädels aus dem 4. Etoch�- Freitag. Deutsches Kllnstlcrtheater: Roulette.— Zentral-Theater: Der fidelc Bauer. Vetter für Verlin: Temperatur nahe dem Gefrierpunkt, bewöltt, einzelne leichte Schneefälle, mäßige Wind« aus nördlicher Richtung. — Für Deutschlaud: Im Nordosten Frostwetter mst Schneeschauer!?, im msttleren Deutschland im ganzen etwas milder und leicht ver- änderlich. Im Südwesten und Süden Bewölkungszunahme und ebenfalls etwas milder. ..Polk und Zelk", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauflage bei Berantwortl. für dl» Redaktion: Stich. Bernstein, Berlin; Berlin Berlaa: Borwärt» Berlaa G zu. b. H.. Berlin. Druck druckeret und Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin EW 68, Lindenstr, 8 Hierzu 1 Beilage. Anzeigen: Th. Sleck- cuck: Vorwärts Bucki Iksatsi', A Uciitspisls usw. Staats fe Theafer Sonnabend, den IS. Februar staatsoper unter cen Linden IS'b Ilhr Carmen StaatlidiuBiiitlhnB ündimnuitt 20 Ubr WaüeDsieins Tod Sthlller-Thuter Chjrlcttnhrrp 20 Uhr Die göttliche Jette Rose-Theater int« FrasUsNir linfc 13! 18. Weli3u8 1 7 342? 6 U. 9 Uhr DerMMeit VolRsbüline Ttatir id BCImlat? 8 Uhr Fnbrmann üenscbel mit Emil Junbigi u. Hvgiretc Heizer Regie; K. H. Martin Stull Sdriller-Tiiatir 8 Uhr OlegOttildie kelle Theater am Holleniloiiplati SijH: Keiu Stitnbtrj Pallas 7051 Täglich 8Vi Uhr Stgs. auch VU Uhi Gasparone Nt.— Trapp« 1991. Tagt SV* Uhr Dia Mausefalle Preise 75 Pt— 5 11 Sonnt, oeotim. 4 D. halbe Preise. Slam, oper Charloncnbur» BismarckstraBe 34 Sonnabend, l3.Febr Turnus I Anfang 20 Uhr Friedemann Bach Ende nach 22JOUhr Charlottenstr. 90-02 Täglich 8 Uhr BasEiiMlihlTolksWBrae Kamps am Kilsdi Theater desWestens Tägl. SV. Prinz nelhcsalem Operette toi loh. StranS WaldnOIler, Morgan, Jankuhn, UMm, Ewald. BETRIEB KEMPIMSKlII� WintQf »Garten- 8.15 Otv Flora 3434 Rjutien erlaolt Beiter-Famille..Csnl'-. Hago n. sein Welbstenfel. Willi. Bendow. 9 Ailisons and weitere AUt aktlanen SooBabml a. Sonniaj)« 2 Vorstel!?. 4 o. S.lä INu. 4 D&r UElne Preise, RcidisliaUen-TSieater � Uilnhoff platz H 8 UBr. Sonntags 3v> Uhr zu M klein sn Preisen KM Stettiner Säuger Nur noch kuize Zeit ' H �„So'n Reinfall!" Sonntag, den 14. Februar mittags 1 ts Uhr Vellage Sonnabend, 13. Februar 1932 SprAlimi) SjuUauiqaße xia IbtirasA d>te$ei>cßic&tc der IVeefie i J)ie(fyutten und der Siotinex/ i?«« m�at Wa�re und ergötzliche, freilich andererseits auch betrübliche Gc- schichte von einem Geschäft zwischen tschechoslowakischen und sranzö- fischen Kanfleuten, welches auf unerwartete Schwierigkeiten stieß, und welches aus unerwartete Weise endlich doch noch gemacht wurde. Stefan Titschewitsch, Viehhandel en gros, Sitz der Firma Prag, ist kein Poet. Darum schreit er seinem Kompagnon, dem er ein Schreiben unter die beträchtliche Nase hält, nur knapp, wenn auch freudigst erregt zu:„Mensch, 200!!!" Der Kompagnon ist auch kein Poet.„Du faselst!" vermutet er. Stefan Titschewitsch verliest, ohne Anzeichen von Gekränktheit, das Schreiben: und der Kompagnon grunzt— was er, trotz seiner Eigenschaft als Viehhändler, dennoch nicht in hungrigen, sondern lediglich in sehr vergnügten Momenten zu tun pflegt. Wenn aber Stefan Titschewitsch ein Poet gewesen wäre— dann hätte er ganz anders und vor allem viel mehr gesprochen. Dann hätte er etwa so gesagt: „Siehe, mein Freund, uns ist eine Mission geworden, eine groß«, eine weltgeschichtliche Misston. Eine Brücke sollen wir schlagen zwischen den Völkern, und auf ihr sollen wir eitel Segen hinübertragen gen Frankreich. Denn zur Zeit, da ich dies spreche, grasen aus den Wiesen des südlichen Frankreich die Scharen braun schimmernder Kühe. Schau« dir im Geiste ihre wohlgerundeten Leiber an: weröen sie nicht Kälber auszutragen vermögen, gesund und reich an Fleisch und Milch wie sie selbst? Aber trüb blicken die guten Augen der Kühe, mein Freund, und deine Hoffnung trügt. Schwach und kränklich werden die Kälber sein, die sie werfen werden: denn ach, überzüchtet sind die Stier« Frankreichs, lahm sind längst ihre Lenden! Verhungern würden die Säuglinge des südlichen Frankreich, wenn nicht ein« Hoffnung wäre. Und es heißt diese Hoffnung mit Namen Stefan Titschewitsch iL Co., Viehhandel on gros, Sitz Prag. Sind es nicht diese beiden kenntnisreichen Männer, die da wissen die Wiesen, aus denen die böhmischen Zucht- stiere hinter haushoher Hürde brüllen nach den sehnsüchtigen Kühen von Frankreich? Und also werden sie, gern erhörend die dringenden und durch bare Kass« unterstützten Bitten des Frankenlandes, 200 flankenblanke und lendenschwellende Bullen erwähnten und hinsenden gen Süden, und eitel Freude wird herrschen unter Kühen, Bullen und Menschen!" So hätte also Stefan gesprochen, wenn er Poet wäre. Das geht aber nicht, denn mit so viel Poesie hätte er als Viehhändler längst Pleite gemacht.(Darum wahrscheinlich fehlt bisher unter den Rundfunkvortragsthemen des Goethe-Iahres, so ziemlich als einziges, das Thema:„Goethe und der deutsche Viehhandel.") Der prosaische Stefan Titschewitsch geleitet seine nach Ab- lieferung bar zu bezahlenden Zuchtstiere auf ihrer Reise ins Land der Liebe. Sie füllen 40 SpezialWaggons, die 200 brüllenden Riesen: ihre Wartung erfordert ein Personal von 15 Mann. Sie dürfen sich vorerst halb Europa ansehen, was sicher anregend auf ihre spätere Tätigkeit wirkt: die Fahrt geht über Oesterreich und iiber die Schweiz, und gleich manchem berühmten Vorgänger über- schreiten sie mit sehnsuchtsvollem Seufzen die italienische Grenze. Genua bietet«dien Aufenthall, Stefan Titschewitsch läßt sich in einer kulturellen Anwandlung sogar hindurchführen, allerdings ohne die Bullen, Bullenführungen sind offiziell noch nicht eingeführt— dann geht es weiter nach Ventimiglia: hier artet das Lachen von Stefans Herz in Gelächter aus: Borzahlung bei Ablieferung, und hier soll französischer Boden überschritten werden! Nur noch die übliche klein« Formalität des Verzollens: dann ist alles Schwierigere erledigt, und die Annehmlichkeiten beginnen. Der französische Zollbeamte ist reizend zu Stefan, was sich noch viel mehr zeigen würde, wenn er tschechisch oder Stefan fran- zösisch könnte: so muß er sich leider mit einem höflichen Kopfschütteln begnügen. Kopsschütteln kann unter Umständen Staunen bedeuten, kann in diesem Fall nichts anderes als Staunen über die Pracht der 200 bedeuten— Stefan freut sich und zückt die Börse. Jetzt aber schüttelt der Zollbeamte auch die Achseln und lehnt Stefans gutes Geld ab... Es zeigt sich, daß Stefan sich einen Dolmetscher besorgen muß, was in Ventimiglia nicht ganz leicht ist. Aber er schafft es, er schleppt einen ran, und der Dolmetscher darf in eine Liste blicken, die ihm der Zollbeamte zeigt. Und der Dolmetscher wendet sich an Stefan und spricht:„Ihre Stiere dürfen leider in Frankreich nicht eingeführt werden, Herr Titschewitsch. Die französische Regierung hat im Zusammenhang mit ihrer Schutzzollgesetzgebung ein bestimmtes Einfuhrkontingent an Juchtstieren festgesetzt, und dies Kontigent ist beretts überschritten." Stefan erblaßt zwar, aber er erklärt wortreich alles, was man da so erklären kann: daß da ein Irrtum vorliegen müsse; daß sich das doch die Auftraggeber hätten überlegen müssen und nicht er: daß er doch unmöglich mit den 200 Stieren über Genua und die Schweiz und Oesterreich nach der Tschechoslowakei zurück könne; daß... Der Beamte bleibt höflich und ablehnend. Stefan zieht die andere Walze aus. Er werde sich beschweren. jawohl, beschweren werde er sich. Schadenersatzklage werde er stellen über Millionen, seine Stellung werde der Beamte verlieren. er, Stefan, verfüge über internattonale diplomatische Beziehungen. Der Beamte bleibt kühl, droht indes eine Strafe wegen Ve- amtenbeleidigung an. Stefan zieht vorerst wutschäumend ab und begibt sich zu seinen Bullen. Er sieht seine Bullen an, die Bullen sehen Stefan an. Stefan weint und tobt, die Bullen brüllen rabiat— sie schnuppern in die Bahnhofsluft, als röchen sie schon die Kühe Südfrankreichs, die nun schon so nah« sind, und doch so unerreichbar... Die 13 Mann Personal erkundigen sich, ob sie inzwischen mit den Mädchen von Ventimiglia spazieren gehen könnten. Die Bullen brüllen noch rabiater... Stefan rast aufs Postamt, telephoniert, telegraphiert hierhin, dorthin, südwärts, heimwärts, es kostet ein kleines Vermögen, und es nützt nichts. Stefan faßt sich gewaltsam und beschließt, die Sache zu beschlafen. Er kann aber nicht schlafen. Und durch die Nacht von Ventimiglia hallt das kraftvoll sehnsüchtige Brüllen von Stesan Titschewitsch» 200 staatenlosen Zuchtbulle».., Am nächsten Tag erscheint Stefan wieder auf dem Zollamt, blaß, schlotternd und ganz klein geworden. Nein, sagt der Beamte. es habe sich natürlich noch nichts geändert, es könne sich auch nichts ändern. Neulich sei ein Artist gekommen mit vier dressierten Tieren, davon habe er. der Zöllner, einen Esel und ein Pferd nicht über die Grenze lassen dürfen— das Kontingent war überschritten: eine Gans hingegen und einen Hund durfte er durchlassen. Freilich seien sie nachher dank besonderem Erlaß des Landwirtschaftsministers nach- geholt worden, und wenn Herr Titschewitsch voranfahren wolle und sich in Paris bemühen... vielleicht... wenn auch wenig Aussicht... Stefan hat wenig Interesse an dem Arttsten und noch weniger an Paris. Er verlegt sich, per Domeffcher. aufs Bitten, aufs Betteln sogar. Er sei ein ruinierter Mann, wenn diese Sache nicht klappe. Cr habe einfach kein Geld, um den Rücktransport durchzuführen, so daß auch eine langwierige Schadcnsersatzklage gegen die Käufer im Moment sinnlos sei. Er könne doch seine 200 Bullen nicht in den Straßen von Venttmiglia aussetzen. Und ob der Herr Zolldirektor denn gar keinen Rat, denn gar keinen Ausweg wüßte. Stefan beginnt zu weinen. Die Bullen liefern ein« markig« und dennoch traurige Begleümusik. Nun,«in Beamter ist schließlich auch ein Mensch. Ein Beamter will in erster Linie„gedeckt" sein, aber in zweiter Linie will er auch hilfreich sein. Der Zöllner vertieft sich in seine Vorschriften und Akten. Lang«, lang«. Und endlich— endlich leuchtet sein Gesicht auf. Und er sprich: mit dem Dolmetsch, da leuchtet auch dessen Gesicht, und der Dolmetsch spricht mit Stefan. Da tut Stefan einen Lustsprung und nimmt sich gar keine Zeit zum Leuchten und rast in die Stadt... und kehrt zurück mit einem ivtann, der hat ein martialisches Antlitz und ein furchtbares— Messer... Und der martialische Messermann geht durch die 40 Waggons, gehe von Zuchtbulle zu Zuchtbulle, alle 200 kommen dran— im Halbdunkel der Waggons verrichtet er sein schauerliches Werk... Und am Abend dieses ereignisreichen Tages des Jahres 1932 rollen über die französische Grenze, mit einem ebenso vielstimmigen, aber weniger sehnsüchtigen und rabiaten, hingegen weicheren und gewissermaßen anklagenden Muhen— mit einem weniger blitzenden und gewissermaßen an dem Sinn dieses Lebens verzweiselnde» Blick-- rollen also über die Grenze 200-- M a st o ch s e n Der martialische Mann reinigt sein Kastriermesser. Stefan lacht wieder, der französische Staat ist gerettet und der französische Zöllner gedeckt— denn das Kontingent für Ochsen ist noch nicht überschritten... Und die weiland Bullen? Und die vergeblich hoffenden süd- französischen Kühe?? Nun: Stefan Titschewitsch, wie gesagt,— ist kein Poet! ScfinHnpunßt det Weit J)er papfiß? das Wlcet der Enisekeidungen Die Kämpfe zwischen China und Japan lassen die aanze Welt aufhorchen. Plötzlich zeigt es sich, daß die Weltpolitik nicht mehr in Europa und am Atlantik gemacht, sondern von Ostasien, vom entnommen sind, erneut höchstes Interesse. W. T. D i e anglo-amerikanische Gruppe. Der machtpolitische Mittelpunkt der Erde wandert. Wie er sich im Laufe der letzten vier Jahrhunderte vom Mittelmeer zum Atlant verschob, so verschiebt er sich heute in Richtung auf den Pazifik. Dieser ist in der Vorstellung der meisten Europäer heute noch die ferne, große Wasserwüste, die unendliche, ein wenig märchenhaste See, dort wo die Welt zu End« ist... Schon unsere Weltkarten zeigen diese Einstellung: denn sie ziehen die Trennungs- lim« mitten durch den Sttllen Ozean, so daß es gar nicht möglich ist, sich ein einprägsames Bild von der geopolitischen Lage der ihn umgrenzenden Staaten und ihrer Wechselwirkungen zu machen. Aber vielleicht ist die Zeit gar nicht mehr so fern, wo auch der rückständigste Kartograph seine Karten wird umzeichnen müssen. Starke dynamische Kräfte sind auf der ganzen Erde am Werk, die den Schwerpunkt nach dem Stillen Ozean hin ver- schieben. In Amerika ist der Zug nach Westen mit Erreichen der Küste des Pazifik keineswegs zum Stillstand gekommen. Noch blendet der Osten mit Verkörperung gewaltiger Kapitalanhäufung und ungeheurer Dynamik, aber schon in der nächsten Generation wird das polttische und wirtschaftliche Schwergewicht der Vereinigten Staaten auch fichtbar nach dem Westen verlegt sein. Mit diesem Erreichen der ostastatischen Küste setzt eine Kette von Umwandlungen des Fernen Ostens ein, die in chren letzten Aus- Wirkungen auch Europas Schicksale einmal entscheidend mit beeinflussen werden. Bis dahin war Japan Randstaat gewesen. Nur mit seiner Westküste stand es mit der übrigen Welt in Ver- bindung. Im Norden war die unwirtliche, unbewohnte Wildnis, im Osten der Pazifik, der damals noch vollkommene Völkerscheide war, verkehrsfeindlich und fast unüberbrückbar. Nun kündete das Kommen der Amerikaner die große Wende des Stillen Ozeans zum verbindenden Mittel des Weltverkehrs an. Es wäre jedoch grundfalsch, die pazifische Frage nur im ameri- kanischen-japanischen Lichte zu sehen. Der Pazifik ist«ine Ange- legenheit aller angelsächsischen Völker. England lehnt sich mit Singapore und seinen hinterindischcn Besitzungen an ihn, von seinen Besitzungen in und seinen Handelsiitteressen auf diesem Meer ganz abgesehen. A u st r a l i e n ist eine rein pazifische Macht, und Kanada nimmt eine ähnliche Entwicklung zum Großen Ozean hin, wie die Vereinigten Staaten. Es kann also nicht der geringste Zweifel herrschen, daß sich das Schwergewicht der Well nach dem Pazifik verschiebt, schon well sich hier die ent- wicklungsfühigen Absatzmärkte und die großen, noch verfügbaren Rohstofslager der Erde befinden: Kohle und Eisen in China, Oel längs dsr ganzen amerikanischen Pazifikküste und Erze jeder Art in Australien. Der Still« Ozean selber ist zwar heute noch ein freies, offenes Meer, ein Ozean der Romantik, auf dem noch der verträumte Zauber der Südsee liegt. Allein die Südseeromantik ist in raschem Absterben. Wer denkt in H a w a i, wenn er b'c„glückseligen Inseln" betritt, an Kanonen und Forts. Hawai ist ein mondänes Seebad geworden, in das die Amerikaner fahren, denen Miami in Florida oder Coronado in Kalifornien nicht mehr ge- nügen. Die Amerikaner haben nach Hawai alles verpflanzt, was sie brauchen, um das Leben zu genießen, und ohne daß ihnen auch die paradiesischste Tropenlandschast nichts nützt. Aber weiter brachten die Amerikaner Kanonen hinüber und pflanzten sie aus den Bergen auf. Zuerst aus dem Diamond- H e a d, der wie ein Wachhund steil aufgerichtet neben der Bucht von Honolulu hockt, und dann auf und vor den anderen Felsen rings um Pearl Habour, die ideale Bucht, die zu einem der größten Flottenstützpunkte der Welt ausgebaut wird. Auch ohne Kenntnis der Einzelheiten sieht»in militärisch geschultes Auge, daß die Hawaiischen Inseln bei einer einigermaßen modernen Befestigung eine vollkommen unbezwingliche Seefestung darstellen. Dieses vul- tonische Bergland mit Hunderten von Tälern, Eanans, Kesseln und Schluchten bietet tausend Möglichketten jftr die Ausstellung indirekt feuernder Batterien, die eine angreifende Flotte nicht so leicht er- künden kann, selbst wenn sie die Ueberlegenheit in der Luft erringen sollte. Hawai ist eine Festung, mitten im Pazifik, ein Gibraltar, das diesen Ozean sperrt, der einmal der wichtigste auf der Erde sein wird. Mit diesem unbezwingbaren Flottenstütz- punkt im Rücken kann es keine den Vereinigten Staaten feindliche Flotte wagen, der amerikanischen Küste zuzudampfen. Uncle Sam hält dort an Truppen 20000 Mann in Garnison. 20 000 Mann! Das ist etwa ein Fünftel des ganzen amerikanischen Heeres. Für jemanden, der noch im Zweifel ist, wohin der Im- peralismus der amerikanischen Union siegt, ist diese Ziffer sehr lehrreich. ... � Das Inselreich Japan. Japan fiel bei der Verschiebung des Schwergewichts der Welt die gleiche Rolle zu. die die polttische Gewichtsverlegung vom Mittel- meer zum Atlant England gebrocht hatte. Ob es wollte oder nicht, es wurde aus seiner Autarkie herausgerissen und mußt« Stellung nehmen in der weltpolttffchen Auseinandersetzung, die jetzt um die Herrschaft auf dem Pazifik begann. Der amerttanisch-japanische Warenaustausch hat sich fett 1913 etwa verdreifacht. Ein Drittel der gesamten japanischen Einfuhr kommt aus den Vereinigten Staaten, das ist doppelt so viel als aus dem nächststärksten Exportland. Die Grundlagen der japanischen Großmachtstellung? Mit nur geringer Uebertreibung könnte man behaupten, daß sie einzig in dem brennenden Wunsch und Willen des gesamten Volkes nach nationaler Größe bestehen. Kohle und Eisen und in wachsendem Maße Oel, sind neben ausreichendem Grund und Boden und genügender Bevölke- rung für die Grohmachfftellung eines Volkes unumgänglich nötig. Japan hat keines von allen dreien, wenigstens nicht in genügendem Ausmaße und in genügender Güte. Kohle gibt es aus den beiden Inseln im Norden und im Süden des Haupteilandes. Die geförderten Mengen wären wohl ausreichend iür Japans Eigen- bedarf, allein sie ist recht minderwertig. Schlimm ist, daß die japa- nische Kohle nicht verkokungsfähig ist, so daß die Hüttenindustrie des Landes für Kokskohle völlig auf ausländische Zufuhr ange- wiesen ist. Seinen Roheisenbedarf kann Japan aus eigenen Hoch- öfen decken. Seine Stahlwerke reichen für 70 von 100 des Bedarfs. Die Regierung hat mit großer Energie für den Ausbau von eigenen Eisen- und Stahlindustrien gesorgt, vor allem durch die Errichtung des großen Werkes auf Kiufhiu. Ferner ist ein großes Hochofen- werk auf Hokkaido. Allerdings sind beide Werke zu einem großen Teil nicht nur auf fremden Koks, sondern auch auf fremde Erzzufuhr angewiesen. So ist Japans ganze auswärtige Polttik der letzten Jahrzehnte nur von dem Gesichtspunkt der Sicherung dieser Lebensnotwendig- keiten für sein Imperium aus zu verstehen. Japan mußte sich auf dem Festland festsetzen, oder es mußte auf feine heißerstrebte und blutig erkämpfte Stellung als Großmacht wieder verzichten. Der Erwerb Koreas fügte den japanischen Erzvorräten zwar schätzungsweise 30 Millionen Tonnen hinzu. Allein Koks- kohle fehlt auch hier, und Japan strebt daher nach der Man- d s ch u r e i. Es kämpft jetzt nervös um feinen Besitz in der Man- dschurei. Hier verfügt es über Kohle und Erz in ausreichendem Maße. Doch die Mandschurei ist noch aus einem anderen Grunde für Japan lebenswichtig. Das Jnfelreich hat. von ein paar ganz geringwertigen Quellen abgesehen, kein Oel. Japans Flotte basiert heute auf amerikanischem Oel. Nun ist allerdings in der Man- dschurei bisher kein Oel festgestellt, allein in Fushun sind zwischen der Kohle große Lager von O e l s ch i e f e r, und es soll eine ganz große Anlage zur Gewinnung von Oel aus diesem Schiefer gebaut werden. Japan hat getan, was ein brennender Wille zu nationaler Größe tun konnte, um feine von Natur aus ungünstige Lage auszugleichen. So ist Japans ganze auswärtige Politik der letzten Jahrzehnte nur von dem Gesichtspunkt der Sicherung dieser Lebensnotwendig- ketten für fein Imperium aus zu verstehen. Japan mußte sich auf dem Feslland festsetzen, oder es mußt« auf seine heißersttebt« und blutig erkämpft« Stellung als Großmacht wieder verzichten. Beginn des Sechstagerennens Gr o�e Jagden in den ersten Stunden/ Ehmcr-Nickel 12 Runden zurück Zum zweiten Male in diesem Notwinter hat Berlin sein Sechstagerennen. Gestern alerch um lg Uhr begann es, sechs Tage und sechs Nächte geht nun das Radrennkarussell wieder, da« 27. in Berlin. Was sonst selten der Fall war— schon zum Start war das Haus bis auf den letzten Platz gefüllt! Di« Rennleitung will durch die Einlegung von.Tempo- r u n de n" für eine Belebung des Rennens sorgen. Zweimal tag- lich legt die Leitung je 10 Runden ein, bei denen den Siegern Punkte gutgeschrieben werden, die zu den Spurtpunkten hinzu- kommen. So will man eine Belebung des Rennens herbeiführen, d. h. man hat eingesehen, dah die Spurts allein nicht ausreichen, die öde Rundenfahrerei für die Zuschauer erträglicher zu machen. Aber schließlich machen die Fahrer und nicht die Rennleitung da« Sechstagefahren, und wenn die nicht wollen, nun, dann fahren sie eben ihren Strang geruhsam weiter. Denn schließlich läßt sich auch ein Rennfahrer nicht auf beliebig hohe Touren bringen. Gleich nach den 11-Uhr-Wertungen, die Schön. Dülberg, De- baets, Miethe, Piet van Kempen und sein Bruder Jan gewannen, ging, von Debacts-van Hevel angestiftet, ein« bis 2 Uhr während« Jagd los, die zahlreichen Paaren Rundengewinn« brachten. Allzu- schwer erkämpft werden diese Runden allerdings nicht, denn das Feld macht« nicht groß« Anstrengungen, den Ausreißern nachzu- gehen, so daß bald fast alle Paare nacheinander Rundengewinne buchen konnten. Nur als die Kempens ein zweites Mal im Per- lauf der Jagd ausrissen, gingen die Fahrer mehr aus sich heraus, fa daß dieser Vorstoß ergebnislos blieb. In jeder Minute änderte sich der Stand, jede U Übersicht mußte in dem beispiellosen Durcheinander verlorengehen. Erst mit dem letzten Spurt der 2-Uhr-Werwng kehrte wieder Ruhe im Hause ein, di« dann allerdings mit wenigen Unterbrechungen bis zu den Margenstunden anhalten sowe, nur abgelöst durch die neugeschasfe- nen Temporunden und die Wertung um 4 Uhr. Bis 2 Uhr wurden annähernd 150 Runden gewonnen, was genügend besagt. Am frischesten fuhren die beiden Breslauer Paar«, die das schwere Rennen in Frankfurt nicht bestritten hatten, also Siegel- Thierbach und Preuß-Rieger, die schließlich zwei Runden vor dein weit auseinandergerissenen Feld lagen. Schön- Göbel hielten sich aus dem dritten Platz. Erwähnt sei noch, daß Rausch, Dinale, Jan van Kempen, Kroll, Siegel und Deneef die Spurts um 2 Uhr gewonnen hatten, Rieger, Siegel(zweimal) und Piet van Kempen(gor dreimal) um 4 Uhr als Sieger der Wer- tungsspurts über das Band fuhren. Das Rennen wies um 6 Uhr morgens zu Beginn der Neutralisation folgenden Stand aus: 1. Siegel-Thierbach 38 P.: 2. Rieger-Preuß 23 P.; zwei Runden zurück: 3. Schön-Göbel 15 P.: 4. Kroll-Maioorn 11 P.: 5. Charlier-Denees 9 P.: drei Runden zurück: 6. Broccardo-Tietz 25 P.: vier Runden zurück: 7. Piet und Jan van Kempen 55 P.: 8. Dinale-Miethe 18 P.: 9. Braspenninx- Dülberg IS P.: fünf Runden zurück: 10. Debaets-van-Hevel 9 P.: sieben Rund«n zurück: 11. Rausch-Hürtgen 39 P.: acht Runden zurück: 12. Fuirda-Maczynski 10 P.: zwölf Runden zurück: Ehmer-Nickel 8 P. Zurückgelegt wurden bis um S Uhr 291,670 Kilometer. Mit welcher Kraft die Vorstöße unternommen wurden, beweist die Tatsache, daß beispielsweise in der Stund« von 12 bis 1 Uhr 46 Kilometer zurückgelegt wurden, in der ersten Stunde des Rennens dagegen nur 38,5 Kilometer. Sport am Sonntag werbefefl der Frauen der Freien Turnerfchafl Groß- Berlin. An der Spitze der arbeitersportlichen Veranstaltungen steht morgen neben dem Fußballspiel um die Kreismeisterschast das Werbefest der FTGB.-Frauen. Das jährlich stattsindend« Frauenwerbeturnen der Freien Turnerschaft Groß-Berlin, das im vergangenen Jahre mit Rücksicht auf die Zahl der Veranstaltungen und die Vorberoi- tungen für Wien fallengelassen wurde, wird in diesem Jahre tra- ditionsgemäß am zweiten Sonntag im Februar durchgesührt. Es findet in der Zentralturnhalle in der Prinzenstraße 70 statt. Ein ausgewähltes Programm ist wieder zusammengestellt, das auch für den Fachmann Interessantes bringen wird. Gerade an die Kresse, die der sportlichen Betätigung fernstehen, wendet sich di« Aufforde- rung zum Besuch der Veranstaltung, die ganz besonders eingestellt ist auf die Pflege des Massensports. Noch den Klängen des Musik- korp, der Freien Turnerschaft Groß-Berlin werden di« Uebungen gezeigt werden, die für die schaffende Frau besonders geeignet sind. Der geringe Eintrittspreis von 30 Pf. gestattet jedem die Teilnahme. Erwerbslose zahlen 15 Pf. Beginn 15 Uhr. Eine zweite wichtige Entscheidung bei den Arbeiter-Fußballspielern wird morgen in Teltow fallen. Die Nordgruppe des vierten Bezirks wird auf dem Sportplatz tn der Jahnstroße ihren dies» jährigen Meister feststellen. Schöneberg und Wilmersdorf, die in der Tabelle punktgleich stehen, treffen im Entscheidungsspiel aufein- ander. Der Sieger spielt dann mit dem Meister der Südgruppe Woltersdorf um die Bezirksmeisterfchaft. Für die beiden Vereine werden folgende Spieler in den Kampf gehen: Für Schöneberg spielt im Tor Kramm, Verteidigung: Schulz und Schröder, Läufer: Steint«, Muster und Will, Sturm: Nissche, Schiemann, Vogel, LemmschuH und Gründe l. Für WUmersdorf spielt im Tor Behrens, Verteidigung: Schott und Zkupfermann, Läuferreih«: Appell, Güntber und Naggatz, Sturm: Hillmann, Batan, Kiel l Kiel II und Zoske. Das Spiel beginnt wegen des Berliner Meisterschaftsspiels bereits um 10.30 Uhr. Der Arbeiter-FußballNub BSE. Hansa 31 trifft am Sonntag in Britz, Treseburger Ufer, auf Britz 88. Beginn des Spiels vor- mittags 10.30 Uhr. Es dürfte ein höchst interessantes Spiel werden; Hansa sollte, vorausgesetzt, daß die Form des letzten Sonntags wieder gezeigt wird, den Sieger stellen. DsL.-Ostring-ltzaldlaus. Pünktlich um 15 Uhr erfolgt am Sonn» tag im Plänterwald der Start der Sprinter zur 1000-Meter-Strecke. Dieser Gruppe folgen unmittelbar die Sportlerinnen und Alters- fportler über di« gleiche Strecke. Die 2000-Meter-Strecke wird dann von der Jugend als nächste Konkurrenz gestartet. Den Abschluß machen die Teilnehmer der 3X200-Meter-Waldswfelle und die 6000-Meter-Läuser. Start. Ziel und Wechsel befinden sich am Um- tleidelokal„Alters Eierhaus". Dort auch nach dem Lauf Bei- fammensein. Freunde und Anhänger des Arbeitersports sind herz- list eingeladen. Einen Kreiswettstreit der Schüler und Zugeodlichen im Reigen veranstaltet morgen Donntag, 9.30 Uhr, der Sportklub„AU- Wedding" m feiner Halle Utrechter Straße 31. Die tampfstärksten Nachwuchsreiger gehen hier an den Start, und bei der Beweglich- keit dieser Gegner sind flotte und interessante Kämpfe zu erwarten, so daß sich der Besuch dieser Veranstaltung der bundestreuen Arbeitersportler bestimmt verlohnt. Eishockeyfpiele der Arbetlerfporller. Auf dem Sportplatz im Friedrichshain spielen heute Sonnabend um 20 Uhr Osten 1 gegen eine kombinierte Mannschaft, ferner Osten 1 gegen Osten 2. Am Montag spielen um 20 Uhr Osten 1 gegen eine aus Tennis-Rot und dem Athletiksportklub gebildete kombinierte Mannschaft und Ost- ring 1 gegen Osten 2. Arbeiter-Masserball-vorschau. Heute Sonnabend, 21 Uhr, spielen im Wellenbad Lunapark die Mannschaften von„Neptun"» Weißensee und.,Möwe"-Neukölln ihr fälliges Serienspiel. Die Frage nach dem Sieger ist offen, da sich Neptun wieder verbessert hat und seinem Gegner Möwe viel zu schaffen machen dürfte. Wintertrabrennen zu Ruhleben. Der Renntag zu Ruhleben morgen Sonntag ist dem Andenken des vor einem Jahr ver- storbenen B. I. Alkemade gewidmet, einem passionierten Traber- züchtcr und Rennmann, dem der deutsche Trabrennsport viele gute Pferde verdankt. Die Renne» beginnen unc 12.30 Uhr. Wintersport. Mit der Entscheidung des großen Sprunglaufs auf der Himmeisgrundschanze in Schreiberhau erreichen die deutschen Skimeisterjchasten 1932 am Sonntag ihren Höhepunkt. Da die Elite der deuts.-hen Skiläufer im Rieseng-ebirge versammelt ist, kommt Wen sonst noch für Sonntag angesetzten deutschen skisport- liehen Beranstallungen kaum mehr als lokale B.edeutung zu.— Im Rahmen der ADAC-Eisrennen auf dem Titisee im Dchwarz- wald findet, wie schon kürzlich in Sarmisch, wieder ein Vergleich«- rennen zwischen Flugzeug, Auto und Motorrad statt. Die Ringeikreismeisterschatt Tegel I gegen Ali-Wcdding II 14; 14 Di« Serienkämpfe der bundestreuen Arbeiter-Achleten um die Kreismeisterschast im Ringen nähern sich jetzt chrem Ende und noch muner ist der Zlusgang der diesjährigen Runde völlig offen. In der Turnhalle Uthrrchter Straße stand gestern die 1. Ringstaffel der Sportvereinigung Tegel der 2. Mannschaft des Sportklubs Alt-Wedding gegenüber. Die erst« der recht hart geführten Runden endet« mit 7:7 und auch die Riickrunde ergab di« Gleichwertigkeit der beiden Gegner; mll 14: 14 Punkten endete dieser interessante Mannschafts kämpf. Der ausgezeichnete Federgewichtler Schlickessen(W.) Halle in Kloß(T.) einen recht guten Gegner, der in beiden Gängen erst in der zweiten Kampshälfte unterlag. Kraske(T.) siegte über Falle (W.) leide Male in der ersten Minute. Müller(W.) wurde von Milbredt(T.) durch eine Krawatte in 1,55 Minuten bezwungen, erreichte aber im zweiten Gang ein Unensschieden. Reichel(T.) und A. Münnke(W.) schieden nach zweimaligem harten Ringen ohne ein Resullat. Sehr gut kämpften die Mittelgewichte Höhne (T.) gegen L. Münnke(W.). Erst in dem nach fünf Minuten gegebenen Bodenkampf konnte der Tegler seinen Gegner m der achten Minute eine Schulterniederlage beibringen; in der Wieder- holung mußte M wegen einer Verletzung vorzeitig aufgeben. Die zwei wechseloollen Runden der Halbschweren Rosenlleter(T.) gegen Gast(W.) endeten unentschieden. Die Schwersten Babbel(T.) und Grando.s(W.) trennten sich erstmalig mit dem gleichen Ergebnis, im Schlußkompf siegte dann G. in der dritten Minute und stellte so den Punktgleichstand her. Das große Geschäft Camera-Charles in Paris, Hein Müller in London Welch großen Einfluß der in Paris lebende Amerikaner Jeff Dickson auf den europaischen Berufsboxsport hat, lernt man einmal mehr bei den Verhandlungen kennen, die über den Ab- schluß der bis zum 17. März auszutragenden Schwergewichts- Europameisterschaft zwischen Hein Müller und Pierre Charles angebahnt worden waren. Um diesen Kampf bewarben sich der Berliner Sportpalast für den 1. März und Brüssel für den 5. März, und um eine cndgüllige Einigung zu erzielen, war Hans Brellensträter als Vertreter des Sportpalastes sowie die Manager der beiden Boxer zu einer gemein- samcn Besprechung nach Brüssel eingeladen worden. Bevor es aber noch zu dieser Besprechung kam, hat Jeff Dickson den Berliner und Brüsseler Beranstallern die Boxer wegengagiert. Der deutsche Schwergewichtsmeister Hein Müller ist bekanntlich von Dick- son für drei Kämpfe verpflichtet worden und der Amerikaner ver- ständigte jetzt den Kölner, daß er am 3. März in London gegen Don McCorkindale oder Larry Gains anzutreten habe. Auf der arideren Seite wurde Pierre Charles von Dickson für einen Kampf mll Carnera am 29. Februar in Paris gewonnen. Damit ist es Dickson gelungen, das Zustandekommen der von der I. B. U. an- gesetzten Europameisterschaft Hein Müller— Piere Charles bis zum Ablauf der Frist am 17. März zu verhindern. Anscheinend plant er selbst die Veranstaltung der Europameisterschaft im Schwer- gewicht, aber nicht zwischen Müller und Charles, sondern zwischen Carnera und Müller. Bei semen weitgehenden Beziehungen dürste es Dickson, wenn e« darauf ankommt, nicht schwer fallen, die dazu notwendige Genehmigung des Box-Wellverbandes zu erhallen. Kurswechsel im uordamerikemischen Arbcllersporl. Auf dem Bundestag des nordamerikanischen Arbeiter-Turn- und Sportbundes wurde der bisherig« Schriflleiter des Verbandsblalles F Bron- berger nicht wiedergewählt, weil er gegen den Willen der Ver- bandsmehrhell im Verbandsorgan offen die Politik der Kommu- nistischen Sportinternationale(Sitz Moskau) gegen die Sozialistische Arbeitersporttnternationale unterstützte. Zum Nachfolger Bron- bergers wurde F. Schade-Brooklyn gewählt, der als Funktionär im nordamertkanischen Arbeiter-Turn- und Sportverband von jeher ent- schieden für die Sozialistische Arbeitersportinternationale, der der Verband angehört, eingetreten ist. D«»tscher Arbeitcr.Zteglcr.Bund(Sau Berlin Sraadeabural. Montag, 15. Fr. bruar, 19Vi Uhr,(Lau. und Bczirialag in Vogcla Festsiuen, Briickensir. 2 (Sähe Iannonntzbriilke). Radfahrer„Solidarität-. Am Sonntag findet die Besichtigung des Berga- mon-Mufeums statt. Die Abteilungen starten wie folgt: 1. Abt.:»y. Übe Mufeunioinfel.— 3. Abt.: 0 Uhr Britderstr. 18.— 6 Abt.: 914 Uhr Museum- straße.— Abt. Wrdding: 9W Uhr.— Andere Touren: 2. Abt.: Faltenbarst. Start: IL Uhr bei S:hde, Diefienbachstr. 36.— 6. Abt.: Besichtigung des Gläsernen Motor». Treffpunkt l0>z Uhr sturfilrstendamm 19.— Friedrichshain (gemischte): Besichtigung des Reichstages. Start: 95; Uhr bei WitUchuh. Nach. zilgler am Bortal 5 des Reichstages. Wasserseite.— Weißensee: Ziel am Start. Start: 13 Uhr Antennlaß.— SeufäHjt: Ziel am Start. Start: 13 Uhr Hoben- »ollernviatz.— Rein Ikendorf: girl am Start Stabtt 13 Uhr bei Sachse. Hol» landerstr. 33.— Zu allen Berasstaltuagen Gäste gern gefoherl. Alle Abtei. lungsleltee sende» ihre Adressen. Fabrmartadressen. Sitzungstage und Eokale sofort an Ä. Blendinaer. SO. 13, BoNsairnstr.'S. Am Sonntag letztrr rag zur Sinzeichnung 1» dt» List»» drr Eisern«» Front', keiner fehle! eBuch Tienol: llngenrlffes S)eul!chtaiid Im vorigen Jahr erschien in Frankreich ein Buch:„lucerti- tudes Allemandes", das jetzt unter dem Titel„Ungewisses Deutschland"(Verlag der Sozietätsdruckerei, Frankfurt) in einer guten Uebersetzung vorliegt. Der Verfasser, Pierre Vi-not. hat sechs Jahre(zwischen 1923 bis 1931) in Deutschland gelebt: sein Luch ist also keines der heute so beliebten Reiseschilderungen, denen man meistens schon auf der ersten Seite ihre ungenügende Fundierung anmerkt. Viänot ist wirtlich bemüht, nicht die Maß- stöbe der französischen Kultur in die innere Bewegtheit der deusschen Kultur hineinzudeuten. Mit dem Untertitel„Zur Krise seiner bürgerlichen Kullur" will er der Idee Ausdruck verleihen, daß in Deutschland der Individualismus der bürgerlichen Kultur auf allen Gebieten zusammengebrochen ist; aber trotz starker Ansätze zu einer kollektiven Kultur könne einstweilen von einer einheitlichen und neuen Kulturgestaltung Deutschlands nicht die Rede sein. Der Verfasser stellt diese These nicht unbewiesen aus. Er gibt eine Fülle gut beobachteter und verarbeiteter soziologischer Tatsachen, welche sowohl die Versachlichung der Liebesbeziehungen wie den Ausbau und das Ausmaß des deutschen Sozialetats betreffen. Wenn Viänot über den deusschen Sozialetat in verhältnismäßiger Aus- führlichkeit berichtet, so geht hieraus zwingend hervor, daß die deutsche Republik im Vergleich zu Frankreich„sozialer" gesinnt ist. Die bürgerliche Ordnung ist total in Frage gestellt. Das Wahl- ergebnis von 1930 wird richtig als Ausdruck einer antikapitalisti- schen Massenstimmung verstanden. Dabei ist sich Viönot jedoch ganz im klaren, daß der deutsche Nationalsozialismus keine positive Ziel- setzung aufweisen kann, die Deusschland aus der gegenwärtigen Un- sscherheit herauszuführen vermöchte. Was Vienot über die Kullur- krsse auf philosophischem und soziologischem Gebiet ausführt, ist ziemlich einseitig. Karl Mannheim, der Frankfurter Soziologe und Verfasser des bekannten Buches„Ideologie und Utopie" sst keines- wegs für die Krise der deutschen Weltanschauung typisch. Gewiß ist Karl Mannheim Relativist. d. h. Mannheim stellt jeden absoluten Wert in Frage: diese Haltung mag typisch sein für eine Jntellek- tuellen-Schicht. der eine positive Entscheidung vor lauter Proble- matik schwer oder unmöglich wird. Die Bedeutung, die Vienot den gewerkschaftlichen und polllischen Organisationen der deusschen Ar- bellerschaft einräumt, hätte ihn dazu führen können, daß hier der Brennpunkt einer grundlegenden Neugestaltung der deutschen Ge- sellschaftsordnung zu suchen ist. Pierre Vienot sst ein mutiger Schriststeller. Er beruhigt sich nicht bei der gerade in diesen Tagen bis zum Ueberdruß immer wieder abgeleierten passiven Verständnis- Bereitschaft; er fordert aktives Verstehen. Veränderung der Welt Ick möchte ihm selbst noch einmal das Wort geben:„Aber mutz Frank- reich denn konservativ sein? Kann Frankreich nicht Deusschlands Liebe zur Zukunft teilen? Offenbar hat unser Land in allen Jahr- Hunderten eine besondere Gabe besesien, Ordnungen zu schaffen. neue Formen und kollektive Lebensgestallungen zu erfinden. Wir dürfen des Glaubens sein, hier sei eine Gelegenheit, hier sei eine Verpflichtung, die Solidarität der Völker in der modernen Welt gestatte uns nicht, uns hier zu entziehen unter dem Vorwand, es handele sich nicht oder noch nicht um uns. Wir können auf internationaler Basis die im Entstehen begriffene Welt zu gestatten versuchen." 1- P- Mayer- Sonnabend, 13. Febrnar. Berlin. 16.05 Unterhai ttin«smnsik. 17.40 Viktor Wittner: Erzililting der Woche. 18.05 SportgJossen. 18.15 Interview der Woche. 18.35 Herbert Ihering: Redensarten. 18-55 Die Funkstunde teilt mit... 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Orchesterkonzert. 20.30 Großes Kabarett 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Ans dem Zoo: Tanrnrislk. Könlgswastcrhausen. 16.00 Dr Carl Hagemann: Fernöstliches Theater, 16.30 Hamburg: Konzert 17-30 Prof. Dr. Frankel: Blotgrnppen und Vaterschaft 17.50 Ob.-Ing. Nalrr: Viertelstunde Funktechnik. 18.05 Günther: Deutsch. 18.30 Prof. Dr. Max Wandte Geistige Grundlagen des neuen Nationalismus. W.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 Englisch für Anfänger. 20.00 Langenberg: Lustiger Abend. Sonntag, 14. Februar. Berlin. 6.45 Funkgyranastnc. 8.00 Für den Landwirt. 6.55 Morgenfeier. 10.05 Wettervorhersage. 11.00 Opcrnarlen 11.30 Grete Nebelnng liest Mirchan 12.00 Theater im Admlralspalaste Um die- Blaue Geige". 14.30 Von Räubern und Galgenvögeln. Mit der untermalenden Musik von Peter Martin(Stefan Meise!). 15.00 Dt Leo Matthias Im Flugzeug über drei Kontinenten. 15.30 1. Haydn: Sonate Es-Dur. 2. Haydn. Menuett und Allegrctto. 3. Dussek; Rondo B-Dur(Erwin Boroffka Flügel). 15.50 E. von Castonier liest eigene Prosa. 18.20 S. von Radecld liest eigene Uebcrsetrungcn. 18.50 Musik um Goetbe. Vortrag und Leitung: Felix Stößinger. Mitw.: Emmy von Stetten. Sopran; Heinrich Steiner. Flügel; Walter Drwenski. Cembalo und Weigle-Orgel. 19.50 Sportnachrichten. 20 00 Philharmonie. Wagner-Abend. 22.15 Wetter- und Sportnachrichten. Tanzmusik. 7.00 11.30 14.00 14.30 15.00 15.45 16.00 16.20 16.20 18.45 19.00 19.25 Königs Wusterhausen. Hamburg. Hafenkonzert Piof. Dr. Max Friedländer: Goethe und die Musik. Dr. Richard Lieberberg. Die Berufswahl unserer Kinder. Das Orchester und seine Instrumente(Robert Hcruricd u. Mitw.). Königsberg:..Das Märchen vom kleinen Opichi", Hörspiel. Dr. C. J. Luther: Winter in den bayerischen Bergen. Die Blldhauerin(Ren6e Sintennls und Jochen Klepper). Königsberg- Konzert. Paul Zech liest aus eigenen Werken. Reg.-Rat Dr Vöhringer: Das Winterhilfswerk. Prof. Dr Popitz; Die Frage des Finanzausgleichs. Sollen wir heute noch einen Beruf erlernen?(Dreigespräcb.) Heule sprichst Lederer über„wirsschastskrise ohne Ende?" In der Freien Sozialistischen Hochschule spr.cht heute um 19� Uhr tm Plenarsaal des ehemaligen Herrenhauses, Leipziger Straß« 3, Genosse Professor Dr. Emil Lederer über:„Wirt- schaftskrise ohne Ende? Eintrillskarten zum Presse von Ü Pf. sind noch erhältlich.